Dienstag. 25. April 1929 179. Jahrgang Nr. 94 Erstes Blatt Das deutsche Memorandum wird veröffentlicht t i g e gebiete im Osten Deutschlands durch Abtretung verloren gegangen sind und daß ein größeres, fast ausschließlich der landwirtschaftlichen Erzeugung dienendes Gebiet vom übrigen Teil des Reiches abgefchnürt ist. Infolgedessen geht der wirtschaftliche Wohlstand dieses Gebietsteils fortgesetzt zurück, und die Reichsregierung muß ihm forlgefehl Unterstützungen gewähren. Ls sollten daher geeignete Maßnahmen vereinbart werden, um diese abträglichen Bedingungen, welche Deutschlands Zahlungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen, zu beseitigen. Ferner sollte die Frage geprüft werden, in welchem Umfange durch eine Steigerung der deutschen Warenausfuhr die deutsche Zahlungsbilanz verbessert werden könnte. Die Tendenz zu einer weiteren Entwicklung des Welthandels und zu einer Erleichterung der internationalen Warenbewegung ist aus immer schwerere Hindernisse gestoßen. Die Zahlungsfähigkeit Deutschlands hängt nicht allein von seiner Warenproduktion, sondern auch von der Bereitwilligkeit der anderen Länder ab, solche waren aufzunehmen. Es ist nicht Aufgabe des Ausschusses, die handelspolitischen Beziehungen zwischen den einzelnen Rationen zu kritisieren. Lr sollte aber sest.stellen, daß man nicht Zah- lungen von einem industriellen Exportlande erwarten kann, wenn man ihm nicht die Möglichkeit gibt, seine waren auf ausländischen Märkten zu verkaufen, und daß infolgedessen das hier vorliegende Mißverhältnis bei der Bemessung der höhe der von Deutschland zu erwartenden Zahlungen mitsprechen muh. Der preußische Ministerpräsident sekundiert Dr. Schacht. Abschaffung der noch bestehenden Kontrollmah- nahmen und der Behinderungen, die zur Zeit noch für die deutsche Finanzgebacung bestehen. Muß aber Deutschland zur Erfüllung der im neuen Plan festzulegenden Erfüllungen ein Höchstmaß von Energie anwenden, so ist es nötig, dah ihm dazu in weit stärkerem Mähe als bisher die erforderlichen wirtschaftlichen Grundlagen gegeben werden. Deutschland ist in größerem Umfange als irgendein anderes Land gezwungen, zur Aufrechterhaltung und Entwicklung seiner industriellen Produktion Roh- stoffe aus dem Auslande einzuführen. Infolge des Krieges ist Deutschlands innereRoh- stoffbasis wesentlich eingeschränkt worden, und es ist ihm die Möglichkeit, eigene überseeische Rohstoffe zu erschließen, genommen worden. Diese Verluste wirken sich in einer ungewöhnlich starken Belastung der deutschen Handels- und Zahlungsbilanz aus. wenn aber Deutschland die in diesem Plan festgelegten Zahlungsverpflichtungen ohne eine immer mehr zunehmende neue Verschuldung an das Ausland erfüllen soll, so muß Deutschland Gelegenheit gegeben werden, sich wieder eine eigene überseeische Rohstossbasis zu schaffen, die es mit eigenen Produktionsmitteln, mit eigener Währung und eigenen Unternehmen entwickeln und ausbouen kann. Bezüglich der deutschen Lebensmittelversorgung ist besonders wichtig, daß die Einfuhr von Lebensmitteln verringert und teilweise durch Annahme von ln$etgei für bk Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Rr- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 'Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Berantwortlich für'Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägen lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: ffranffurt am Main 11686. Das Memorandum. Berlin. 22. April. (Privatmeldung.) Die „Bofsische Zeitung" veröffentlicht das deutsche Memorandum. In dem Memorandum heißt es: „Der Dawesvlan stellt einen Versuch dar, im" Wege der Erfahrung ausfindig zu machen, wieviel Deutschland zahlen kann. Gleichzeitig sollte er den Abschluß eines endgültigen Abkommens erleichtern, wenn die Verhältnisse dies erlaubten. 3n dem Plan ist erklärt worden, daß Zahlungen nur aus dem Ucberschuh wirtschaftlicher Arbeitsleistungen durchgeführt werden und durch Exporte finanziert werden können Der Dawesplan sieht also vor, daß Zahlungen nicht aus dem dauernden Verkauf von Substanz und die Transferierungen nicht auf die Dauer aus Anleihen erfolgen sollen. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, daß zur Durchführung sehr große Teile der deutschen Substanz an das Ausland verkauft werden mußten und daß die Transferierung nur durch diese Umstande und durch Zustrom von fremden Krediten ermöglicht worden ist. Die deutsche Zahlungsbilanz ist in den Jahren 1924/28 mit 16,5 Milliarden Mark pass ' v geblieben, wovon zehn Milliarden auf die passive Handelsbilanz entfallen. 3n der glichen sind 15 Milliarden Mark lang- und kurzfristige Kredite nach Deutschland gegangen. Em großer Teil deutscher Schuldverschreibungen und Aktien ist von Ausländern erworben worden. Die deutsche Landwirtschaft arbeitet leit 3ahren mit Verlust, und die Durchschnlttsrenta- bilität der deutschen Industrie ist sehr niedrig. Hinzu kommt die Arbeitslosigkeit (zur Zeit 2,5 Millionen), die zu einer Gefahr gewor- den ist. Es ist unter diesen Umständen nur eine Frage der Zeit, wann die Schutzmaßnahmen des Dawesplanes (Einstellung des Transfers und Ansammlung von Markbeträgen bis zur Höhe von fünf Milliarden) in Kraft gesetzt werden müssen. Wenn wir trotz dieser Erfahrungen versuchen, aus dem Zustand der Unsicherheit in einen Zustand der Sicherheit zu kommen, so sind wir uns klar darüber, daß damit ein Risiko übernommen wird. Wir sind bereit, dieses Tril“0 auf uns zu nehmen, wenn gewisse Schutzmaßnahmen angewandt werden. Die Ueber- nahme des Risikos erfordert eine geordnete Gesetzgebung und Verwaltung in Deutschland, die eigene Erzeugung erseht wird. Dabei kann man nicht vorübergehen an der Tatsache, dah wich- landwirtschaftliche Aeberfchuß- Vraun von der Wahrscheinlichkeit, daß die Konferenz scheitere. Damit werde bewiesen, daß die Zeit für eine vernünftige Regelung der Reparationsfrage noch nicht reif sei. Wo bleibt gegenüber dieser nüchternen Feststellung der Tpt- suchen das Lamentieren des „Vorwärts", daß unter allen Umständen weitcrver- handelt werden müsse, gleichgültig, was dabei herauskommt. Die außenpolitische Polemik des preußischen Ministerpräsidenten richtete sich dies- mal allein gegen steine eigenen Partei» freunde, unbeschadet dessen, daß er nachher noch die fällige innerpolitische Attacke gegen den Stahlhelm ritt. Brauns Korderungen. Berlin, 22. April. (V. D. Z.) 3m preußischen Landtag erklärte der preußische Minister- Präsident Dr. Braun u. a.: 3n Paris wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, ob die Tolker Europas zur politischen Befriedung gelangen. Deutschland und das deutsche Volk sind von den Folgen des Krieges am st är k st e n betroffen, da sie nicht nur ihre eigenen Opfer an Gut und Blut zu tragen haben, sondern — nach allein Kriegsbrauch — als unterlegener Teil auch noch den K r i e g s t r i b u t für die einstigen Kriegsgegner aufbringen müssen. Daß man ihy jetzt als „Reparation" bezeichnet, ändert an seinem uralten brutalen Wesen nichts. 3mmerhin ist in der Geschichte dieser Kriegstribut stets nach der Leistungsfähigkeit des tributpflichtigen Volkes bemessen worden, es sei denn, daß man die geschicht- lrche Existenz eines Dolles vollends vernichten wollte. 3edensalls ist er niemals in einer Höhe, die über die Kräfte des unterlegenen Kriegsgegners hinausging, eintreibbar gewesen. Diese geschichtliche Wahrheit scheint von den in Paris vorhandenen Vertretern der alliierten Staaten sehr wenig beachtet zu werdet. Die Feststellung der Leistungsfähigkeit Deutschlands sollte das Primäre, die Wünsche und Forderungen, die die verschiedenen Reparationsgläubiger glaubten geltend machen zu müssen, das mehr Sekundäre für den Sachverständigenausschuh sein. Die Art, wie man in Paris über Forderungen, Angebote und innere Schuldenregelung verhandelt hat, zeigt, daß die Vertreter aus den alliierten Staaten den umgekehrten Weg beliebt haben: so allem sind wohl nur die exorbitant hohen, geradezu undiskutierbaren Summen zu erklären, die sie dem deutschen Volke als Reparationslasten für fast zwei Menschenalter glaubten zumuten zu können. (Sehr richtig!) Run haben sich auch die deutschen Sachverständigen drängen lassen, ein Gutachten über die Leistungsfähigkeit Deutschlands zur Diskussion zu stellen, wir, vor allem die deutsche Presse, sollten uns hüten, uns von dem, eine geschickte Regie verratenden Entrüstungs- gelue der französischen Presse irritieren zu lassen. Nüchterne, ruhige Be- urfeilung der Situation und größte Zürückhaltung ist in diesen entscheidenden Tagen am Platze. Sie wissen, daß ich stets für eine vernünftige Er- füllung der Reparationsverpflichtungen eingetreten Oie Einheitsfront. Berlin, 22. April. (Priv.-Tel.) Mit der Geheimnistuerei ist es nun endlich zu Ende. Der ängstlich gehütete Wortlaut des deutschen Memorandums ist zwar nicht von den deutschen Vertretern, wohl aber durch eine 3ndiskretion der alliierten Sachverständigen der Oeffentlich- keit zugänglich gemacht worden. Das Pariser „Echo de Paris" war in der Lage, den Wortlaut der berühmten Stellen des Memorandums mitzuteilen, die von der deutschen Linkspresse zum Gegenstand heftiger und wie sich zeigt, überaus törichter Angriffe gegen den Reichsbank^aß- denten Schacht gemacht worden sind. Schacht hat nämlich auf die Passivität der deutschen Handels- und Zahlungsbilanz hmgewiesen, die durch die Einschränkung der deutschen Rohstoffbasis entstanden ist. Er hat weiter die uns allen geläufige Tatsache betont, daß durch die Abschnürung Ostpreußens erhebliche Verluste für die deutsche Wirtschaft entstanden sind und dauernd neu entstehen. Wenn ein deutscher Sachverständiger die Bedingungen angeben foll, unter denen Deutschland äußerstenfalls zu höheren Leistungen in der Lage wäre, dann muh er auf diese primären Grunde der deutschen Zahlungsunfähigkeit Hinweisen. Wer ihm das verwehren will, der beweist damit, oaß es ihm um eine ernste sachliche Klärung des Reparationsproblems nicht zu tun ist. Der deutschen Linkspresse blieb es vorbehalten, auf diese französische Propaganda hmelnzufallen. Besonders R u d o l f B r e i t s ch e i d, der von zeher eine unglückliche Liebe zur auswärtigen Politik hat, wollte bei dieser Gelegenheit beweisen, wie sehr ihm jedes politische Fingerspitzengefühl abgeht. Er und die Seinen mußten sich diesen Mangel an politischer Einsicht von ihrem eigenen Parteigenossen, dem preußischen Ministerpräsidenten Braun bescheinigen lassen. Braun warnte in einer großen Rede im Preußischen Landtag die deutsche Oeffentlichkeit davor, sich von dem Entrustungsrum- mel der französischen Presse beeinflussen zu las en. Mehr denn je bedürfe es jetzt einer geschlossenen deutschen Opposition gegenüber dem gemeinsamen Feind. Aber wer ist denn auf den (Entrüftungsrummel der französischen Presse herein- gefallen? Wer hat die geschlossene deutsche Opposition zerstört? Ganz klar hat der preußische Ministerpräsident zum Ausdruck gebracht, woran diese Konferenz krankt. Man hat nicht nach der deut- scheu Leistungsfähigkeit gefragt, die es doch nun einmal festzustellen gilt, wenn ein bestegtesVott Tribute zahlen soll, sondern man ist lediglich davon ausgegangen, daß man gern o i el naben möchte. Dabei bezeichnete Braun Schachts Ziffern angcbot von 1650 Mill. Mark als fehr bedenklich, und gab seinem bangen Zweifel Ausdruck, ob Deutschland auf die Dauer solche Summe werde leisten können. DraunbLzeichnete es als schlechterdings unmöglich, für em Menschenalter jährlich diese 1650 Mill. Mari aufzubringen, ohne den Lebensstandard und die SÄtgicif M d«ut,ch°n D°l!°s fcrafau- Ictzen. Setenfolte [ei ba8 Sachv-rständig-n b t e a u 6 c r ft = @----- dessen was überhaupt denkbar sei. Zum Schluß seiner bemerkenswerten Ausführungen sprach Wenn die deulschen Sachverständigen trotzdem glaubten, diese hohe Leistung mit der Kraft des deutschen Volkes in Einklang bringen zu können, so kann ich mir diese optimistische Beurteilung der zukünftigen Entwicklung unserer Wirtschaft nur aus dem Bemühen erklären, bis zur äußer st enGrenze deswög- lichen zu geben, um zu einer Verständigung mit den Sachverständigen der Gläubigerstaaten zu gelangen. Sollte nicht noch im letzten Augenblick vernünftige wirtschaftliche Einsicht den Sieg davontragen über jene politische Verblendung, wie sie in einem Teil der Pariser Presse zum Ausdruck gekommen ist, so muß man sich eben damit absinden, daß für eine vernünftige Regelung des Reparationsproblems die Zeit noch nicht reif ist. Es gibt aber auch eine innere Reparation in den Forderungen der Länder gegen das Reich. Es ist kein Zufall, daß trotz der vielen Projekte für die Reichsreform, man immer wieder dort, wo man sich unter dem Druck der Verhältnisse konkret mit diesen Dingen zu beschäftigen hat, von selbst auf den Anschluß an Preußen verfällt. Merkwürdigerweise ist gegen den Anschluß an Preußen eine rein gef üh 1 s - mäßige Abneigung zu Tage getreten. Die „Frankfurter Zeitung" schrieb kürzlich, daß vor 3ahrzehnten in der Paulstirche viele Parlamentarier erklärten, sie wollten nicht Preußen, sondern Deutsche werden, älnd ich habe den Eindruck, als ob in der Düdwestecke des Reiches, im hessischen Parlament, diese 48er Auffassung noch heute lebendig ist. Man hat dort scheinbar noch nicht begriffen, daß nicht mehr das Preußen von 1848 besteht, sondern ein ganz anderes. (Sehr wahr!) Es gibt auf dem Wege der Rationalisierung unseres Staatslebens keine Zerschlagung oder Auflösung Preußens, sondern der Weg führt nur über einen fc ft gefügten Kern, den das preußische Staatswesen darzustellen hat. (Lebhafte Zustimmung.) Daher nehme ich auch all die anderen Projekte, wie das eines Großhessens oder das eines Landes Riedersachsen, nicht ernst. Ohne ein starkes Preußen hätten wir kein Reich, und ohne ein starkes Preußen werden wir auch keinen deutschen Einheitsstaat bekommen. (Lebhafter Beifall.) Das Schicksal der Konferenz. Geteilte Meinungen. London, 23. April. (WTB. Funkspruch.) Aus Paris wird gemeldete Wenn der Sachverstän- digenausschuß heute zu seiner Plenarsitzung zu- sammentritt, werden die Deutschen und die Delegierten, mit denen Dr. Schacht gestern abend Unterteilungen hatte, sich bereits ein Urteil darüber gebildet haben, ob es Zweck hat, d i e Verhandlungen fortzusehen oder ob der Ausschuß beschließen foll, einen Bericht an d i e Regierungen aufzustellen und seine Tätigkeit zu beenden. 3n britischen Kreisen herrschte gestern abend große Zurückhaltung, französische Kreise waren nicht optimistisch, die Deutschen waren undurchdringlich, aber sie beharrten auf der Ansicht, dah die Tür noch nicht geschlossen sei und daß sie dringend wünschten, womöglich einen Abbruch zu vermeiden. 3e« doch besteht der Eindruck, daß sie es ablehnen werden, die alliierten Vorschläge in ihrer jetzigen Form anzunehmen und Poincares Rede zeigt, dah auf französischer Seite keine Neigung beltcht, die französischen Ansprüche herabzusehen. Der „Matin" erklärt: Die Aussichten auf eine Verständigung haben sich w i e be r belebt. Unter den am besten unterrichteten Persönlichkeiten hofft man, daß die Delegierten, die den Endbericht über die Arbeiten der Konferenz auszuarbeiten haben, wenn sie sich schon letzten Endes über die Zahlen nicht verständigen sollten, immerhin den Regierungen einen Bericht der Mehrheit und einen Bericht der Minderheit werden vorlegen können, die nur geringe M ei - nungsverschiedenheiten auf weisen würden. Ein derartiges Ergebnis würde es gestatten, die Konferenz der Regierungen erfolgreich einzuleiten. Aber warum sollte man sich eigentlich nicht unter Sachverständigen einigen? Alles i» bin; wir haben nun mal den Krieg verloren und müssen die Kriegskosten zahlen. Ich habe aber bange Zweifel, ob das, was unsere Experten in Paris angeboten haben, jährlich 1650 Millionen Mark, 37 Jahre lang, nachdem wir bereits viele Milliarden, überwiegend aus der Substanz unseres Volksvermögens, geleistet haben, mit der Leistungsfähigkeit unseres Volkes noch in Einklang zu bringen ist. Angesichts des Darniederliegens unserer Wirtschaft, der furcht- baren Krise in der Landwirtschaft, diesem wichtigen Zweig unserer nationalen Volkswirtschaft, angesichts der zwei Millionen Arbeitslosen und der drückenden inneren Kriegslast will es mir schlechterdings unmöglich erscheinen, für ein Menschenalter 1650 Millionen jährlich zu leisten, ohne den Lebensstandard und damit die Leistungsfähigkeit der arbeitenden Bevölkerung Deutschlands stark herabzudrücken und große Teile unseres Dolksver- mögens, die für die Erhaltung unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit unentbehrlich sind, an das Ausland abzugeben. Verfehlte Regie. Don unserer Berliner Redaktion. 3n den letzten Tagen ist in Deutschland in bezug auf die Pariser Verhandlungen ein lebhaftes Durcheinander entstanden. Man muß fcMellcn, daß die deutsche Presse wieder einmal (zum wievielten Male?) gezwungen war, ihre 3nformationcn zum großen Teil aus ausländischen Organen zu beziehen, einfach deshalb, weil von deutschen amtlichen Stellen nichts zu erfahren war. Es ist in diesen Tagen in Berlin und leider auch in Paris eine Vogel- Strauß-Politik getrieben worden, die an sich schon geeignet wäre, der besten Sache Schaden zuzu- fügen. Rur so ist cs überhaupt erklärlich, daß große Teile der deutschen Oessentlichkeit tagelang unter dem Einfluß 6 er französischen Presse-Propaganda standen. Denn es ist eine alte Geschichte, daß Dementis meistens zu spät kommen, um noch einen nennenswerten Einfluß auf die öffentliche Meinung ausüben zu können. Außerdem ist cs grundsätzlich falsch, wenn man sich in diesem Kampf innerhalb der öffentlichen Meinung stets in der Abwehr befindet. Der Angreifer hat hier wie überall den Vorteil. Durch solche Beanstandungen der amtlichen deutschen Pressepolitik, an deren diesmaligem Versagen sicherlich auch die übergroße Zurückhaltung der Pariser Delegation einen großen Teil der Schuld trägt, sollen allerdings keineswegs die Entgleisungen gerechtfertigt werden, die sich auch bei dieser Gelegenheit die deutsche Linkspresse geleistet hat. Denn sie verfiel wiederum in den Fehler, sich auf die „Informationen" der Pariser Presse zu stürzen und mit deren Hilfe eine scharfe Attacke gegen Dr. S ch a ch t zu reiten. Es erscheint auch verfehlt, wenn jetzt gewisse Po litifer der Linken mit der Meinung hervortreten, als sei die (Einberufung einer Konferenz von unabhängigen Sachverständigen von vornherein ein Fehler gewesen. Schließlich war es doch gerade die Regierung Hermann Müller, die sich ursprünglich auf diesen Charakter der Konferenz sehr viel zugute tat. Wenn im Laufe der monatelangen Beratungen aus der Sachverständigenkonferenz immer mehr eine politische K o n f e - r c n 3 wurde, dann mag man das bedauern. Uns aber erscheint cs richtig, daß zunächst einmal der Versuch gemacht wurde, auf diesem Wege eine Annäherung zu erzielen. Geht es nicht, dann bleibt der 2lbbrud) der Verhandlungen immer noch übrig. Tak- tisch völlig falsch ist es aber, wenn Teile der Re- aierungspresse jetzt ein großes Jammergeschrei an- stimmen und erklären, daß die Beratungen u m jedenPreissortgesetzt werden müssen. Das ist gerade die Stimmung, die die anderen brauchen, um auf die Länge der Zeit die deutsche Oessentlich- keit zu zermürben und wiederum jene Kopflosigkeit zu erzeugen, die bekanntlich noch stets in Deutschland zu den voreiligsten und dümmsten Entscheidungen geführt hat. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Dnid und Verlag: Vrühl'sche Untversitüls-Vuch- und Sleindruckeret R. Lange in Stehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. ollem war man gestern nicht geneigt, zu verzweifeln. Im Gegenteil, amerilanijcherseits Hot Owen D. Aoung und französischerscits hoben Mo. .vi und Quesney nach ihren Besprechungen mit Dr. schacht keinen tristen Zusammenbruch her Konferenz vorausgcsehen. Man hat sich beeilt, das Scheitern anzukündigen, man darf nun nicht gleich wieder den Erfolg voraussagen. Jedoch kann inan auf vierzehn arbeitsreiche Tage gefaßt sein, von denen auf jeden Fall die Regierungen in Zukunft Nutzen ziehen werden. England und die Mandate. Kein Verzicht auf die geraubten deutschen Kolonien. ' London, 22. April. (Telun.) Die angeblichen Forderungen der deutschen Reparationssachver- ftänbigen auf Rückgabe eines Teiles der ehemaligen deutschen Kolonien haben schnell zu einer Erklärung der britischen Regierung geführt. Sir Au st en Chamberlain toic£ am Mon- kagnachmittag im Unterhaus daraus hin, daß sich das englische Mandat über die früheren deutschen Kolonialbesihungen auf den Der- rrag von Versailles und nicht auf den Völkerbund stütze und die gegenwärtigen Inhaber ein endgültiges Mandat erhalten hätten. Soweit ihm bekannt sei, sei niemals der Wunsch geäußert worden, von den Verantwortlichkeiten der Hebertraguna dieser Mandate befreit zu werden. Die Stellung Großbritanniens in dieser Angelegenheit sei den deutschen Vertretern während der Konferenz von Locarno erläutert und seither mehrfach wiederholt worden. Für den unwahrscheinlichen Fall jedoch, daß Mandate frei werden sollten, wäre Großbritannien bereit, eine deutsche Forderung auf LIebernahme des freiwerdenden Mandates genau so zu erwägen wie die Forderungen irgendeiner anderen Großmacht, die Mitgliedsstaat des Völkerbundes sei. Die außerordentliche Empfindlichkeit der englischen öffentlichen Meinung in allen Fragen, die die ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika angehen, wird durch diese Erklärung erneut bestätigt. Tatsächlich kann nicht der geringste Zweifel bestehen, daß Großbritannien entschlossen ist, die einmal übertragenen Rechte zu behalten und auszubauen. Die Vorschläge der Hil- ton-Vuong-Kommission für die Verwaltung Deutsch-Ostafrikas zeigen mit aller Deutlichkeit die Tendenzen, die die englische Politik in Afrika verfolgt. Wenn früher gelegentlich im Zusammenhang mit Kritiken vor dem Völkerbund darauf hingewiesen wurde, daß England sich veranlaßt sehen würde, von der oder jener Verpflichtung zurückzutreten — und als Verpflichtung werden die Mandate gern hingestellt — so stellt das nicht etwa eine eruft» liche Verzichtankündigung, sondern einen etwas drastischen Hinweis für die Rützlichkeit der englischen Mandatsverwaltung für die betreffenden Gebiete selbst dar. Burgfrieden der Bauern-Organisationen. Eine Vereinbarung Hermes-Schiele. — Auf dem Wege zu einer Einheitsorganifation Berlin, 22. April. Auf Grund einer Verein- batung zwilchen dem Führer des Landbundes Minister Schiele und dem Präsidenten der Vereinigung der deutschen Bauernvereine, Minister Hermes, hat dieser an seine Organisationen ein Rundschreiben gerichtet, das im wesentlichen eine Art Burgfrieden zwischen diesen beiden Verbänden proklamiert. Am 11. März d. 3. haben die Beauftragten der landwirtschaftlichen Verbände von Rheinland und Westfalen, d. h. also die Vertreter der Bauernvereine und Landbünde, eine Entschließung gefaßt, nach der sich beide Verbände in beiden Provinzen sofort zu einer provinziellen Einheitsorganisation zusammenschlie.ßen und die Spihenvcrbändc in Berlin aufgefordert werden. sich alsbald ebenfalls zu einer Einheitsorganisation zu verschmelzen. Sollte bis zum 1. Oktober 1929 die geforderte Reichseinhettsorganisation nicht ins Leben getreten sein, so würden die beiden Provinzial-Einheitsorgani- l'ationcn, unabhängig von den Spitzenverbänden an alle agrarpolitischen Bereinigungen Deutschlands die Aufsorderung zur Gründung einer R e i ch s o i n h c i t s o r g a n i s a t i o n richten. Diese Hagener Kundgebung hat in der Oeffentlichkeit seinerzeit das größte Aufsehen erregt und brachte die Führung der Bauernvereine, die einem solchen Zusammenschluß mit dem Landbund abgeneigt ist, in eine schwierige Lage. Um hier Klarheit zu schaffen und wohl auch aus dem Bestreben, die Führung der Provinzialverbände der Bauernvereine nicht aus der Hand zu verlieren, ist es jetzt zu der Vereinbarung zwischen Hermes lind Schiele gekommen. Danach sollen alle Organisationsfrageil, alle selbständigen Verhandlungen von Provinzialorganen zuruckgestellt und unterlassen werden, solange nicht die g e m e i n s a m c n Arbeiten der Führer der großen landwirtschaftlichen Organisationen, Schieb ycrmes, Brandes und Fehr, die kurz vor Ostern ihre Forderungen an die Reichsregierunq präzisierten, abgeschlossen sind. Dann allerdings «ollen Verhandlungen über eine Fonn des organisatorischen Zusammenschlusses von Landbund, Deutscher Bauernschaft und Bauernvereinen eingeleitet werden. In unterrichteten Kreisen deutet man das Rundschreiben des Führers der Bauernvereine als einen gewissen Erfolg der provinziellen Zusammenschlußbestrebungen, die sich am deutlichsten zum erstenmal in den Hagener Beschlüs- icn manifestiert haben, denn zweifellos hat Hermes seine bisher jedem organisatorischen Zusammen- schluß gegenüber ablehnende Haltung nunmehr zu- nundest stark gemildert. Die Einheitsorganisation der großen landwirtschaftlichen Verbände ist mit diesem Schreiben des Führers der Bauernvereine zwar noch lange nicht gesichert, aber doch wesentlich nähcrgerückt. Lohnschiedsspmch im Ruhrbergbau. Dortmund, 22. April. (WTB.) Für den Ruhrbergbau wurde von dem Schlichter Professor Drahn der Lohnschiedsspruch gefällt. Dieser sieht in seinem Hauptteil eine Lohnerhö- 9 un9 Aon f ormell zwei Prozent vor. rlnter Berücksichtigung der unmittelbar bevorstehenden Ermäßigung der knappschaftlichen Beiträge für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemäß der Lex Brüning die im ganzen für die Untertagearbeiter 4.25 Prozent und für die Uebertage- arbertvr 1,25 Prozent beträgt und vom Reich zu poincarS über die Reparaiionskonferenz. Er war mit dem Oawesplan zufrieden und hofft auf erhöhte Zahlungen auf Grund des Wohlstandsindex. Paris. 22.April (TU.) poincare hielt am i b6ry und in Caen abgegeben, sondern ich habe sie Montag in Var le Duc die seit einigen Tagen er- s auch offiziell Deutschland und seinen Gläubi- wartete große Rede, in der er zur Reparations- srage Stellung nahm. Entgegen den ursprünglichen Erwartungen beschästigle poincare sich in der Hauptsache mit innecpolitischen Fragen und ging nur zum Schluß auf die Beratungen der Sachver- st ä n d i g e n in Paris ein. Frankreich habe, so erklärte Poincare, seine Verpflichtungen als Schuldner stets gewissenhaft erfüllt, und beabsichtige. dies auch in Zukunft so zu halten, bis der letzte Franc bezahlt sei. Es sei mehr als selbstverständlich, daß Frankreich sich bemühe, durchEin- Ziehung von Guthaben bei seinen Schuldnern diejenigen Mittel aufzubringen, die es seinen Verbündeten aus dem Kriege schulde. „Als die Außenminister mehrerer großer Staaten," so fuhr der Ministerpräsident alsdann fort, „sich in Genf dahin geeinigt haben, eine Sachverstandigen- b e r a t u n g zur Prüfung der endgültigen Regelung der Reparationen herbeizuführen, haben wir unverzüglich erklärt, daß der D a w e s p l a n , so wie er ausgeführt wurde, uns vollkommen zufrieden st eilt und daß wir, falls er durch ein neues Regime erseht werden sollte, wenn wir diesem unsere Zustimmung geben sollten, die Gewißheit verlangen würden, außer Zahlungen in gleicher höhe wie die Annuität unserer Schulden, die auch ebenso lange andauern wie unsere Schul- denonnuiläk andauert, noch einen bestimm- ten Re st betrag als Entschädigung sür unsere erlittenen Schäden erhalten. 3d) t)abe diese Erklärung nicht nur öffentlich in Eham- gcrn vor Beendigung der Zusammenkunft der Lach- oersländigen mitgeteilt und die Forderungen der anderen Gläubigermächke standen keineswegs im Widerspruch mit unserer Forderung; so haben die 1 Sachverständigen im verlaufe ihrer langwierigen, gewissenhaften Arbeit in voller Unabhängigkeit dieBerechtigung unsererThese j anerkannt, und es war daher die Hoffnung erlaubt, daß. da alle Gläubiger Deutschlands sich über ihre verschiedenen Forderungen geeinigt ■ hatten, die Sachverständigenberatung rasch zu einer ; gerechten Lösung führen würde. Für den Augen- | blick haben die Vertreter Deutschlands leider diese I ho'fnung illusorisch gemacht und niemand weih noch, ob es möglich sein wird, die verhmrdlungen mit ernsten Erfolgaussichken forlzusehen. wenn es | zu Mißerfolgen kommen sollte, dann würde dies nicht ein Mißerfolg für Frankreich sein, wir würden es im Interesse Europas und der Welt als ' ein Glück begrüßen, wenn diese undankbaren Fragen der Schulden und der Reparationen endlich unter all- gememer Zustimmung geregelt werden würden, und ! wir sind uns bewußt, daß wir große Zugeständ- nisie gemacht haben, um dazu zu gelangen, wenn aber unsere Bemühungen vergeblich bleiben, dann werden wir uns naturnolwendig an die Durchführung des Dawesplaues halten, die uns übrigens dank der demnach ft igen Anwendung des wohlftondsindex eine beträchtliche Erhöhung der gegen- , wärtigen Annuitäten vorbehält." Amerika drängt auf Abrüstung. Ein energischer Vorstoß in Genf. — Gibson unterbreitet neue Vorschläge. Genf, 22. April. (TU.) In der Sitzung der Vorbereitenden Abrüstungrkommission am Montag gab vor Eintritt in die Tagesordnung der amerikanische Botschafter Gibson im Namen seiner Regierung eine mit ungewöhnlichem Ernst und Nachdruck vorgetra-- gene Erklärung über den Standpunkt Washingtons zu dem gesamten Abrüstungsproblem ab. Die umfangreiche, teils rein politiM gehaltene Erklärung Gibsons dürfte die umfassendste und klarste Stellungnahme über die Mittel und Wege zu einem Ausgleich und einer Herabsetzung der Rüstungen sein, die bisher von der amerikanischen Regierung abgegeben worden ist. Gibson erklärte, eine Wiederaufnahme der früheren technischen Auseinandersetzungen über das Abrüstungsproblem sei nicht mehr länger am platze. Beim Beginn der zweiten Lesung bestehe die oberste Pflicht jeder Delegation darin, nach den Zugeständnissen zu suchen, die sie machen könne. Rur durch ein M a x i m u m an Zugeständnissen könne eine Verständigung erzielt werden. Gibson betonte, daß die Verteidigung der vereinigten Staaten in erster Linie ein maritimes Problem sei. Vie amerikanische Delegation sei daher in der Lage, den in erster Linie an der Landabrüstuug interessierten Staaten solche Zugeständnisse zu machen, die, wie er glaube, eine Verständigung erleichtern werden. Zur Lösung der Frage der Seeabrüstung der Großmächte sei nach Auffassung der vereinigten Staaten die einfachste, leichteste und am meisten praktische Methode die Beschränkung nach der Tonnage der einzelnen Schiffskategorien, die im Washingtoner Abrüstungsabkommen sich als praktisch und zufrie- dlnstellend erwiesen habe. Da jedoch dieser Grundsatz für einige Delegationen unannehmbar gewesen sei, habe die amerikanische Regierung nach der Möglichkeit eines allgemein annehmbaren Kompromisses gesucht, und sie sei bereit, den französischen Eventualvorschlag aus der dritten Tagung des Vorbereifungsausschusses über die teilweise Auswechselbarkeit der Tonnage zwischen den einzelnen Schiffskategorien, soweit über sie nicht bereits vertragliche Abmachungen bestehen, als Diskussionsgrundlage anzunehmen. Dies geschehe in der Hoffnung, eine allgemeine Verständigung über die Secabrüslung zu erleichtern. Damit gebe feine Regierung jedoch nur ihre Zustimmung zur Methode selbst. Die quantitative Regelung und die Festsetzung des Prozentsatzes für die Auswechselbarkeit der Tonnage zwischen den einzelnen Schiffsklassen müsse der Abrüstungskonferenz vorbehalten bleiben. Gibson erklärte dann wörtlich: „Ich fühle mich verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß wir bei der Erörterung aller dieser Fragen die gegenwärtig bedeutenden Aenderungen in den allgemeinen Bedingungen der Welt berücksichtigen müssen. Die Rationen haben es in der letzten Zeit feierlichst auf sich genommen, auf den Krieg a ls ein Instrument der nationalen Politik zu verzichten. Wir glauben, daß dieses Abkommen die Sache der Abrüstung weiter vorwärts bringt, indem es Befürchtungen und Zwei- sel als die bisherigen Haupthindernisse dadurch beseitigt. Ich habe den großen Vorzug gehabt, das gesamte Abrüstungsprob^em eingehend mit dem Präsidenten Hoover zu erörtern, der immer ein leidenschaftlicher Vertreter des Friedens und der guten Verständigung der Völker gewesen ist. Ich kann, wie wohl sonst kaum jemand beurteilen, wie ernsthaft er es empfindet, daß der Kriegsverzichtspalt eine neue Möglichkeit gibt, endlich die Sache der Abrüstung weiter fortzuführen, eine Möglichkeit, die nicht aufgeschoben werden darf. Solange das Abrüstungsproblem auf der Grundlage der alten Befürchtungen und des alten Argwohnes behandelt wird, besteht geringe Hoffnung auf eine Abrüstung. Die großen Rüstungen sind lediglich ein Tleberbleibsel der früheren Zeiten. Sie werden jedoch bestehen bleiben, wenn nicht ein Ausweg aus der gegenwärtig verfahrenen Lage gefunden wird. Diese kann nur erreicht werden durch einen E n tschluh der großen gerüsteten Mächte, die notwendigen Maßnahmen für die Abrüstung in die Hand zu nehmen. Der Eindruck in Genf. Ein neuer Impuls für die Konferenz Die grundlegenden Erklärungen des amerikanischen Delegierten hatten zur Folge, daß die Vertreter Englands, Japans, Kanadas, Frankreichs, Italiens und Sowjetrußlands sich ebenfalls zum Abrüstungsproblem in feiner Gesamtheit und namentlich in bezug auf die Seeabrüstung äußerten, wobei die neue amerikanische Anregung zur Aufstellung einer Dergleichsmög- lichkeit über den Gefechtswert der einzelnen Schiffe besonders beachtet wurde. Litwinow charakterisierte den Verlauf der Sitzung als die A u f» nähme einer Generaldebatte, wie er sie in der letzten Woche vergeblich angestrebt habe. Diese allgemeine Aussprache sei viel wichtiger und fruchtbarer^ als die Behandlung von Cinzelfragen. Lord Cushendun erklärte, im Prinzip könne er diesen Ausführungen nur zustimmen. Auch England wolle nicht nur Limitierung, sondern tatsächliche Herabsetzung der Rüstungen, und das auch im Sinne der Beschränkung der Flottenstärke nach der Gesamttonnage der einzelnen Schiffskategorien unter Einbeziehung sämtlicher Schiffsthpen. Die bedeutungsvollste Anregung sieht Cushendun in der Frage der Wertvergleichung der einzelnen Schiffskategorien. Massigli erklärte, auch Frankreich sehe in dem Abschluß des Kel- logpaktes einen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Verwirklichung der Abrüstung, und es sei zu allen Untersuchungen und zum Studium aller Anregungen bereit, die den Abschluß eines Abrüstungsabkommens erleichtern könnten. Litwinow schließlich gab der Meinung Ausdruck, daß sich die amerikanischen Vorschläge im Prinzip mit den sowjetrussischen Vorschlägen decken imö wies insbesondere darauf hin, daß auch Amerika mit Rachdruck von der Rotwendigkeit gesprochen habe, nicht die Limitierung, sondern die tatsächliche Herabsetzung der Rüstungen zu behandeln. Die heutige Aussprache gebe allenfalls noch nicht das Recht, vom Pessimismus zum Optimismus übcrzugehen. tragen ist, wovon der Arbeitnehmer zwei Drittel und der Arbeitgeber ein Drittel erhalten, ergeben * latsächliche Lohnerhöhungen für Den Bergarbeiter unter Tage von 5,45 Prozent un& über Tage von 3,02 Prozent. Der Tarifver- rag seht die Löhne vom l.Mai 1929 bis 30. Sep- wmber 1930 fest und ist erstmalig zu diesem Termin kündbar lieber Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches haben sich die Par- teten dem Schlichter gegenüber bis zum 29. April zu erklären. An Helfferichs Todestage. 8ün| Jahre sind es jetzt schon her, daß Deutsch- land von der Kunde des schrecklichen Eisenbahn- Bellinzona durchzittert wurde. Vrerundzwanzig bange Stunden hat es gedauert brS man endlich die traurige Gewißheit hatte' Karl Helfs er rch unter den Toten dieser w, sehr •eicnier Ost massiger Südsüdwest frstürmischer Nordwest, Oie Pfeiie fliegen mit dem Winde. Die beiden Stationen-stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichem, auf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Mitteleuropa liegt in einer Rinne tiefen Druckes, die sich von dem skandinavischen Druckfallgebiet nach der Mittelmeerstörung erstreckt. Die an der Rückseite des skandinavischen Hallgebietes südwärts vororin- genden Kallluftmossen werden bei uns zu veränderlichem und auch tagsüber kühlem Wetter führen, dabei sind einzelne Schauer attch in unserem Bezirk nicht ausgeschlossen. W ettervoraussage für Mittwoch: Kühles wechselnd wolkiges Wetter, vereinzelt auch etwas Niederschlag. Wettervoraussage für Donnerstag. Weiterhin kühl und wolkig, zeitweise auch auf- heiternd. Lufttemperaturen am 22. April: mittags 7,02 Grad Celsius, abends 2,7 Grad; am 23. April: morgens — 0,1 Grad. Maximum 84 Grad, Minimum —5,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22- a6ent)s 12 Grad; am 23. April: morgens 4,3 Grad. — Sonnenscheindauer 1254 Stunden. Ge- Landung eines Segelfliegers einigen startete Wochen Hai Aman ;m. das von rrteidigt wird. t neue Smit Kn Stämmen beschloß die - der öfter« lieg dem Serum Zweck der tsgemein- rbanb. Weiter inifterium die en den öfter otheten onzu- 100 das ^rung der Lenen neuen Everling, 'erausnahme« 'Hofer be- des außer« 'lamme n mit Klachprvtz vde Der« tonnten in« )lbuschS er« ch et, Um« i in leinet bereits einen fast zweistündigen Segelflug am Dörnberg ousgeführt hatte, um 15 Uhr auf dem hohen Dörnberg, trotzdem eine dunkle Wolkenwand schlechtes Wetter ankündigte. Bald prasselte ein Hagelsturm auf das über dem Dörnberg kreisende Segelflugzeug nieder. Plötzlich brach Hurttig eine Kurve ab und segelte in Richtung Kassel, getrieben von dem Hagelsturm. In zehn. Minuten hatte das Segelflugzeug die inmitten der Stadt gelegene Karlsaueer- reicht, und es gelang dem Flieger glatt auf der hinter dem Staatstheater gelegenen Karls- Wiese dicht beim Orangerieschloß zu landen. Dazu gehört nun eine ganze Menge tatsächliches Wissen, um keine Fehler zu begehen. Besonders wichtig ist dies für alle Eltern und Erzieher. Um so mehr ist es zu begrüben, daß in der Ausstellung „D e r Mensch in gesunden und kranken Tagen", die vom 1. bis 16. Juni in Gießen in der Bolkshalle stattfindet, diese Kenntnisse jedem leicht faßlich dargestellt werden, daß es also nur noch nötig ist, sich der dargebrachten Anschauungsmittel zu bedienen. Gictzerrer Wochenmarktpreise. Es kosteten aus dem heutigen Wochenmarkt: Butter 180 bis 190,"Matte 30 bis 35, Wirsing 20 bis 50, Weißkraut 20 bis 30, Rotkraut 20 bis 35, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Rüben 25 bis 30, Spinat 40 bis 50, Unter-Kohlrabi 10 bis 12, Feldsalat 200 bis 250, Tomaten 80 bis 100, Zwiebeln 25 bis 30, Meerrettich 50 bis 120, Schwarzwurzeln 40 bis 90, Kartoffeln 6, ausländische Aepfel 45 bis 80. inländische Aepfel 30 bis 40, Dörrobst 35 bis 40, Rüsse 70 bis 80, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 90 bis 100, Eier 11 bis 12, Blumenkohl 40 bis ICO, Salat 25, Salatgurken in der Stadt Kassel. WER. Kassel. 22. April. Rach Schulflügen am gestrigen Dormittag Benno Hurttig, der vor einigen (3,91 t>. H. männlich, 4,43 v. H. weiblich) zurück. Dß» Allgemeine Ortskrankenkasse Gieße u (Stad t), die im Februar den zweithöchsten Kran« kenstand im Hauptverband hatte, blieb im März um 0,29 v. H. unter dem Reichsdurchschnitt. Bei 10 453 Mitgliedern (5723 männlich, 4730 weiblich) waren 3,86 v. H. (3,20 bzw. 4,65 r>. H.) arbeitsunfähig Erkrankte vorhanden. Die Allgemeine Orts» kranken kassc Gießen (L a n d), die im Bor» monat an siebenter Stelle stand, weist ähnlich günstige Ziffern aus. Der Miigliederstand betrug 8105 (5682 männlich, 2423 weiblich); Zahl der arbeitsunfähig Erkrankten 3,96 o. H. (3,13 bzw. 5,90 o. Hl. ** Der Zirkus Will») Hagendeck trifft am Donnerstag mittels Sonderzuges in unserer Stadt ein. Donnerstag abend, 8.15 Uhr, ist die Eröffnungsvorstellung mit einem Großstadtprogramm von 35 erstklassigen Attraktionsnummern. Samstag, Sonntag sind je zwei große Vorstellungen, wobei bemerkt fei, daß in der Nachmittagsvorstellung das gleiche reichhaltige Programm wie abends gezeigt wird und Kinder zu den Nachmittagsvorstellungen nur halbe Preise bezahlen. Der große Tierpark, genannt „Die Arche Noah auf Radern", ist täglich ab 10 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends ununterbrochen geöffnet. Der Zirkus bleibt nur fünf Tage in Gießen. Siehe heutige Anzeige. ** Berichtigung. In unserem gestrigen Bericht über die Provinzialausschußsihung vom Samstag muß es richtig heißen, daß der Provinzialausschuß der Beschwerde des H e i n r ich Volk in Rieder-Ohmen gegen die Heranziehung zu den Beiträgen der Schneiderzwangsinnung des Kreises Alsfeld statt gegeben und festgestellt hat, daß der Beschwerdeführer nicht der Schneiderzwangsinnung für den Kreis Alsfeld angehört. gunflprud).) über Pa , LtzMal.vn mdrnz bleibt nicht genannt, n gegen Pa: i5 )2,68. London London gegen 4,2880, 80 bis 100, Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis Pfennig das Stück; Radieschen 25 bis 30 Pf. Bund; Kartoffeln 5,50 Mark der Zentner. Bornotizen. %nta9 im eschen Pro« - °cht Tage Entfettungs-Kuren im Frühling sind besonders Erfolg versprechend. Nehmen Sie bei Korpulenz oder Peranlagnng zum Slarkwerdeir morgens und abends 2 bis 3 T o l u b a - K e r n e. tue Sie in Apotheken erhalten. f 1460V tfen Gebiete jn im > Wh Ilion Avr. '"land. ? , gebeten, aben, dem Rücksicht. Schieß, 'aren, ein« — Tageskalender für Dienstag, merbeoerein: Mitgliederversammlung, 8.30 Uhr, im wc-' iS D0r'°rin< neländer- n« J führe»' ffietler unfere»1 ™ «üis’Ä Aus der provinzialbauptstadt Gießen, den 23. Llpril 1929. Lst Gesundheit ererbt oder erworben? „Gesundheit kaufst du nicht im Handel, sie liegt in deinem Lebenswandel." In den letzten Jahrzehnten ist das Pendel der Antworten auf die oben gestellte Frage weit nach beiden Seiten hin ausgeschlagen. Zunächst hieß es. daß alles vom Milieu, von der llmtoelt, von der Erziehung aus zu beeinflussen sei. Ge- sundheit, ja selbst die gesamten körperlichen Eigenschaften sollen durch die häuslichen Verhältnisse und durch die Erziehung geworden sein. Dem setzte sich nach der Jahrhundertwende die junge Der- erbungswisie: schast entgegen. 3m Ueberschwang ihrer neuen Erkenntnisse behauptete sie, alles sei mit der Befruchtung festgelegt. Cs komme nur daraus an, welche Erbanlagen zusammentrefsen. und von da ab sei der Gesamtcharakter eines Lebewesens, also auch eines Menschen, ja sein ganzer Lebensweg festgelegt. 3n der Medizin prägten sich dieselben Anschauungen aus: 3n der bakteriologischen Betrachtung der Krankheilen auf der einen Seite. Man suchte nach äußeren Krankheitsursachen und glaubte sie in den Kleinlebewesen gefunden zu haben, und man bemühte sich nun ohne Rücksicht auf den Körper, die Krankheit und ihre Erreger zu bekämpfen. Als Reaktion darauf kam die konstitutionelle Betrachtung: Krankheiten wurden in ihren Ursachen auf die r rbte Kr nHe: sbere'tshaf und d e onstitution zurückgeführt. Wir sind nun dabei, die Synthese aus beiden Anschauungen zu ziehen. Wir seh:n mehr und mehr ein. daß aus beiden, aus der ererbten Anlage und den Umwelteinslus en der Lebensweg sich gestaltet. Die ererbte Anlage setzt bestimmte Grenzen, aber innerhalb dieser Grenzen läßt sich durch Erziehung und Pflege der körperliche und geistige Zustand beeinflussen. Aufgabe der Erziehung ist es nun, bis an die festgelegten Grenzen hin die Anlagen zu entwickeln, zur Entfal ung zu bringen. Im Speziellen ist es Aufgabe der körperlichen Erziehung und der Gesundheitspflege, den Gesundheitszustand so zu fördern, als es in jedem Falle möglich ist. Rach dem Gesetz der Hebung, das der Vollsmund tr-fsend mit dem Sprichwort ausdrückt: „Raste ich. so roste ich", geschieht es nun dadurch, daß wir allmählich immer stärkere Ansorderungen der verschiedensten Art an den Körper stellen. Wir können also den Menschen gegen Erkältung am besten dadurch schützen, daß wir ihn allmählich im Widerstand gegen Kälteeinwirkungen üben, dagegen gelingt es uns nicht, indem wir ihn in Watte einwickeln. Wir können einem Menschen schöne und gesunde Zähne anerziehen, indem wir ihn von klein auf zum kräftigen Kauen anhalten und ihn daran gewöhnen, durch kräftiges Bürsten sein Zahnfleisch frisch zu erhalten. Wir können eine frische und gesunde Haut heranbilden durch Reinlichkeit und Gewöhnung der Haut an Arbeit. nicht aber allein durch käufliche Schönheitsmittel. Wir können die für die Gesundheit wichtige Herzkraft und Atemkraft entwickeln, verstärken durch Tätigkeit. Zusammenfassend: Wir können Gesundheit starken durch systematische Pflege und Arbeit. Wir können also in den erblich gegebenen Grenzen Gesundheit erwerben, und es ist deshalb wichtig, die Methode dieses Erw. s zu studieren. Gewerbehaus. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Fräulein Else". — Astoria-Lichtspiele: „Hilfe! Polizei!". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der morgen, Mittwoch, 20 Uhr, statlfindenden Erstaufführung von Carl Zuckmayers Seiltänzerstück „Katharina Knie" spielt Alix K r a h m e r die Titelrolle als letzte Rolle in ihrer Gießener Tätigkeit; den „Vater Knie" spielt Peter F a s s o 11 als Gast. Außerdem sind beschäftigt die Damen Brack, Castein, Jüngling, Koch und die Herren Arzdorf, de Castro, Haeser, Linkmann, Ritter, Tannert, Volck, Wesener. Spielleitung: Oberspielleiter Hans Tannert. Von der Landes-Universität. An Stelle des aus dem hessischen Staatsdienst entlassenen ordentlichen Professors für systematische Theologie an der Landes-Universität Gießen D. Dr. Heinrich Frick hat der Kultusminister den Prchatdozenten Professor D. Dr. Friedrich Karl Schumann zu Tübingen zum ordentlichen Professor für systematische Theologie an der Landes-Universität Gießen mit Wirkung vom 1. April ab ernannt. ** Schulpersonalien. Ernannt wurden: der Studienrat an der höheren Bürgerschule in Hungen Dr. Otto Stotz zum Studienrat an der Oberrealschule in Grünberg mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an; der Studienrat an der Ober- realjchule in Grünberg Dr. Hermann Buß zum Studienrat an dem Realgymnasium in Gießen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an. •’ Der 1. M u i in Hessen. Das Hessische Gesamtministerium hat beschlossen, es bei den bisherigen Bestimmungen üb.cr die Feier des l.Mai für die bei den Staatsbehörden und den Staatsbetrieben beschäftigten Beamten, Angestellten und Arbeiter zu belassen, die in dem Ausschreiben des Gesamtministeriums vom 8. Dezember 1926 ent„elSt^ * Apl». „5,1 I»inÄ «« WEIT ÜBER 100000 4 PS Opelwagen wurden in den letzten Jahren verkauft! In allen Ländern und Volksschichten haben sie begeisterte Anhänger gefunden.«, Die Opel 4 PS sind hundertprozentige Automobile, deren Leistungsfähigkeit und Ausdauer noch stets die Erwartungen der Käufer über- troffen hat. Tausende von Zeugnissen bestätigen dies, q Lassen S,e sich eines dieser be- währten Fahrzeuge unverbin dlichvorf^hren.PrufenSielRechnenSie!VergleidienSie.cJe ROSSELSHEIM A.MAIN sorgfältiger Sie dies tun. desto überzeugter werden Sie sagen: „AUCH ICH KAUFE OPEL . AU AM y r CL M v., ™ „SO... « 2450... MM. * 2500., ....... * 2400 , Li— * 2030., C.h,.,.. ...» ■ -200., -» »** halten sind. Der l.Mai ist in Hessen bekanntlich nicht staatlicher Feiertag, so daß die Beamten, Angestellten und Arbeiter rechtzeitig bei ihren Vorgesetzten um Befreiung vom Dienst einzukommen haben. Diesen Anträgen wird aber stets entsprochen werden können. "Schulbesuch an israelitischenFeier- tagen. Durch eine Verfügung des Ministers für Kultus- und Bildungswesen vom 20. d. M. sind diejenigen israelitischen Schüler und Schülerinnen, die ihren Wohnsitz nicht am Orte der Schule haben und die auch sonst auf Grund ihrer Religionssatzung das Fahren am Samstag unterlassen, in diesem Jahre am 27. April (Samstag nach zwei israelitischen Feiertagen) vom Schulbesuch befreit. ** Eine öffentliche Steueranmah- nung, bei der es sich um die Kanal-, Straßcn- reinigungs- und Müllabfuhrgebühren, sowie um die vorläufige Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlage einschl. Sondergebäudesteuer handelt, wird im heutigen Anzeigenteil von der Gießener Stadtkasse bekanntgegeben. Zahlungssäumige seien daraus besonders hingewiesen. " Ein erheblicher Brand, den die Feuerwehr als sog. mittleres Feuer bezeichnet, entstand gestern mittag kurz nach 12.30 Uhr in den Lagerräumen der Eisengroßhandlung Will & Co. in der Reustadt, die in einem Hause des Griebschen Anwesens untergebracht sind. Die Feuerwache fand bei ihrem Eintreffen einen recht erheblichen Brandumfang mit großer Rauchentwicklung vor, der das Vorgehen der Feuerwehrleute anfangs fast unmöglich machte. Es gelang dann, die Bekämpfung der Flammen mit zwei Schlauchleitungen vorzunehmen. Die Freiwillige Feuerwehr, die allerdings nur durch ein Mißverständnis alarmiert worden war, brauchte in erheblichem Maße nicht mehr einzugreifen. Rach gut einstündiger Arbeit der Feuerwehr war die Gefahr beseitigt, und die Wache konnte wieder abrüden. Der Schaden an dem Gebäude ist natürlich ansehnlich. Dagegen ist in den.Lagerbeständen der Firma Will & Co. selbst kein größerer Schaden entstanden. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch unbekannt. " D i e Besenginster auf dem Trieb. Dieser bekannte, gelb blühende und fast blattlose Strauch ist im letzten Winter bis auf die Wurzeln erfroren. Eine große Menge des trockenen Gestrüpps reicht bis in die unmittelbare Rähe des Waldes. Es dürfte sich empfehlen, dieses trockene Zeug alsbald zu entfernen, damit es nicht durch unüberlegte Handlungen leichtfertiger Spaziergänger zu einer Gefahr für den Wald wird. Das Bauvorhaben der „H e g,e m a g" (Hessische gemeinnützige Aktiengesellschaft für kleine Wohnungen), das auf dem Gelände zwischen der Licher- und der Friedensstraße und Am Kugelberg zur Zeit in der Ausführung begriffen ist und insgesamt 45 neuzeitliche Dreizimmerwohnungen mit Küche, Bad und Zubehör sowie zwei Läden umfaßt, ist im Rohbau fertiggestellt. Wie u..s von der „Hege- mag" mitgeteilt wird, sollen die Wohnungen bereits Mitte August d. I. bezugsfertig werden. Die Mieten werden voraussichtlich etwa 80 Mark im Monat betragen. Anmeldungen für diese Mietwohnungen werden schon jetzt entgegengenommen. Näheres darüber im Anzeigenteil unserer gestrigen Ausgabe. ** Der Kranken st and im Monat März. Die Krankenziffern am 1. April zeigen gegenüber dem Stand am 1. März ein recht erfreuliches Bild. Der Reichsdurchschnitt im Hauptoerband Deutscher Krankenkasseil ging von 6,83 v. H. auf 4,15 v. H. Ä Ä huneh^i,. ^dvhe- w L n^eter Ä Mw ln?c feine M&n Dvt. t'rüb.jahrskur (ür 31 Nervenkranke u.Nervös-Erschöpfte. SpezlalknranstaltHoihe.r im Taunus bei Frankf.a.M. — Prospekte durch Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt. **5q 14-A 23 de 8 H 3 'T 1 ! " O Preiswertes Angebot Herr Wilhelm Wilke Turn-Anzüge 2.80, 2.50, 2.35 Gute Qualitäten Grobe Auswahl Frdr.Teipel MARKT 16 Hillebrandstrabe 2 Bahnhofstrabe 45 3G56A NSU VEREINIGTE FAHRZEUGWERKE AG. NECKARSULM ^2^ Headielhcim, den 23. April 1929. 02489 Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. April, nachm. 3 Uhr statt. Zevv. 54796. 3543V 02496 Zwiegespräch 3u7uD RXxiC gesucht. 02491 im Alter von 35 Jahren. Bade-Anzüge. .2.00,1.70,1.45,1.25 Bade-Mützen . 1.90, iso, 0.90,0.60 Bade-Handtücher 1.70,140,0.95 Gießen (Wieseckerweg 28), den 22. April 1929. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. April, nachm. 3 Uhr statt. Heute entschlief sanft nach schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Stadttheater Mittwoch 24.Avril 29.niittraoMö.-Bi1L Zum erneu Mule von 20 bis 22*/< Ubr; Sothnnna finle Ein Seiltänzerstück tu vier Akten von Kort Zuckmayer. II R-rou Birkmever BaHnHofstrabe 13. Junge r>rau kuchtBetchäftigung tm Haushalts. ganze oder halbe Tage. Wer,fagtd.GeschäftS> stelle d. G. 31ha. Junger Herr oder Dame für Berkaut, Buch- tübrunQ und floxre- fponbeitA mihi l.Mai für gröberes ®c» fdjnit acfu»l.[3674Ü ;-*>u erfragen tn d. Geschäftsstelle des ÄiestenerA nzei ge rs. gjg- Ich werde Dir eine andere Rechnung auf- —■ stellen. Deine beiden besseren Anzüge sind noch sehr gut im Stoff und nicht verschossen. Diese lassen wir chemisch reinigen, sie werden dir zwei neue Anzüge vollständig ersetzen. Zwei meiner Kleider müssen ebenfalls gereinigt werden. Ein Kleid lasse ich verändern. Zertrennt habe ich es schon. Die Seide lasse ich umfärben und wieder plissieren. Damit ist auch meine Garderobe wieder tadellos instand. Die Firma Braubach & Fischer führt diese Arbeiten in höchster Vollendung aus. Die Kosten werden ca. 40-45 M. betragen. Die Schneiderin bekommt 25 M., bleiben also mindestens 530 M. für die Sommerreise übrig. Junges 02466 Mädchen fortbildungSschulpst, 2—3 mal wöchentlich gesucht. Citdiilonc 2911. Eulacli möhl. Zimmer zu vermieten. 02497 Tonttenstr. 9 II. im Alter von 78 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen Tod es-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute nachmittag 2"/« Uhr unseren lieben, herzensguten Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Richard Volk, Schreiner nach schwerem, in Geduld ertragenem Leiden im 23. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abzurufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Jakob Volk VIII. nebst allen Angehörigen. Aliendorf a. d. Lahn, den 22. April 1929. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 25. April, nachmittags 2 Uhr vom Sterbehaus Untergasse 3 aus statt. MM-MMW l der Produkte führender Akt.-Ges. für den dortigen Platz zu vergeben. Bevorzugt wird zuverlässige Persönlichkeit lDame ob. Herr), öte sich zum regelniäsztgen Besuch der bereits vorhandenen zahlreich.Kunden eignet. HiirWarenlagernureinigehundext Mark notig. VerkausSdirekfor ist demnächst dort. — Ausführliche Bewerbungen unter Nr. 278 Tauerexittenz an Ann.-Erved. L.Steigerwald.Frankfurt a.M.,ZcU64 Er; Liebe Frau, ich fürchte, daß wir dieses Jahr unsere Sommerreise erheblich abkürzen oder ganz unterlassen müssen. Ich benötige unbedingt einen neuen Anzug, eigentlich zwei Anzüge, und du mußt dir doch immerhin drei neue Kleider anfertigen lassen; macht zusammen ca. 600 M. Wo soll da dasGeld für die Reise herkommen ? ■ Eine gute Existenz - können sich Herren verschaffen durch d. Berkaus eines leicht anzubringenden u. ständig gekauften Artikels. Abnehmer sindBehürden.Schulen,Krankenhäuser, Hotels, Restaurationen, Industrie-Anstalten ufro. ProvisionSzahlung wöchtl. ob. Vereinbarung. 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Die Werke Iakob Burckhardts find im vorigen Jahre frei geworden und helfen vielleicht dos "Sinken der Bildung ein wenig verzögern, der geschichtlichen Seh rast, die mehr als in den Seiten der „Barbarei" heute gefährdet ist durch die fixen Ideen der Wiffenschast selbst und durch die Buh- oder Reizfucht des außerwissenschaft- lichen Lebens. Bildung als allseitige Empfänglichkeit für menschliche Gesichte in der Zett Bildung als aktives Bcrlangen noch Gestalt ves oott- oder naturgegebenen Wandels, nicht als felbstzweclliche Kenntnis möglichst vieler oder möglichst genauer Tatsachenmoisen. oder als qrundsähliche Anreihung oder Schichtung von Zustands^ oder Bo^angserbschasten, Bi Dung als geschichtliches Wcltgesicht. nicht als Methode am beliebigen Stoff geübt und nicht als..Kritik von Lleberlicserungen. hat in oaiob Vurckharell zuletzt einen umfassenden Trager und Hüter gefunden. Die Gesamtausgabe feiner Werke, von Albert Oeri und Emil Dürr veranstaltet bringt ein Menschenalter nach seinem Tode gerade dieses Bermächtnis noch , einmal eindr'.ng.ich vor unsere Augen, in derselben Zeit, da es durch die Erleichterung und Verbreiterung des Zugangs Gefahr läuft, dem allgemeinen Schmawort- geschwäh oder dem dekorativen Getändel noch wahlloser ausgeliesert zu werden. So wünschenswert es bleibt, daß der große Lehrer jedem Bedürftigen vernehmbar und erreichbar werde, möglichst unabhängig von Mit teln des Habens und Scheinens, so schade Ware cd. wenn er aus einem Mcmschenlund.r ein Meinungsvorrat würde. Der 7. ^nd der samtausgabe enthält als vollkommen neues> Wert aus dem Nachlaß „Historische Fragmente (wie es die Herausgeber nennen), eigentlich eine apy ristische Weltgeschichte, susammengestellt aus Aufzeichnungen, Auszügen. Merkmalen, vre sich Durclhardt 'jahrzehntelang zu versa)ie7ene>ii B verfitätsvorträgen aus dem ganzen <2>cbic oct Weltaeschichte von den alten AegYPtern bis zu Napoleon angefertigt. Emil Dürr g'bt, gewarnt durch die fch i'-'men Erfahrungen eines Dorga.- gers bei der Edition der griechischen Kultur- Das neue Rumänien. Bon unserem ll. ^.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! D u k a r e st, April 1929. Seitdem vor nunmehr fünf Monaten die national-zaranistische Regierung in Rumänien ans Ruder kam, ist für dieses Land eine neue Epoche angebrochen. Der Delage- riingszustand wurde aufgehoben, sogar in Dessara- bien. Die neue Regierung entfaltet eine fieberhafte Tätigkeit, vielfache Gesehesvorlagen wurden von Ministerium und Parlament beschlossen, und jetzt nach Ostern beginnt die große Diskussion um die allgemeine Verwaltungsreform, die den gesamten Verwaltungsapparat Rumäniens von Grund auf ändern soll. Presse und Regierung enthüllen die Vergehen der früheren Regierung — kurz, es hat die Entscheidungsschlacht gegen die Korruption in jeder Form begonnen. Bevor man jedoch ein Urteil über die Tätigkeit der Regierung und über ihre Aussichten in dem Kampf gegen den Mißbrauch der Gewalt und für ein zivilisiertes Rumänien beurteilen kann, muß man einen kurzen Rückblick auf den Zustand des Staates werfen, wie chn die Brüder Bratianu hinterließen. Ohne einen solchen Vergleich versteht man den jetzigen „heiligen Krieg" der Regierung Maniu im Innern des Landes nicht. Im Laufe der letzten zwanzig Jahre war Rumänien kein moderner Staat, sondern eigentlich ein Privatgut der Familie Dra- lianu. Die Brüder der Bratianu belohnten alle, die sich um sie verdient gemacht hatten, und bestraften die, die sich Ungehorsam chnen gegenüber zuschulden kommen liehen. Die sogenannte liberale Partei setzte sich aus Schmarotzern und Dienern, bestenfalls aus Beamten der Bratianus zusammen, die samt und sonders nur das eine Interesse hatten: Vertrauen und Anerkennung von der Familie Bratianu zu ernten. Das Staatsinteresse, das Interesse des Volkes stand in zweiter Linie. Besonders d i e neuerworbenen Provinzen hatten nur den Zweck, der Bereicherung eben der Diener Bratianus zu dienen.- Oft genug haben die Präfekten von Bessarabien, der Bukowina oder Siebenbürgen nach fünf bis ^chs. ja schon nach vier Iahten ihre famose „Verwaltung" niedergelegt. um als große Herren auf prächtigen Sitzen Waffen, Silberzeug oder kostbare Spitzen zu sammeln. Eine so allgemeine und wahrhaft virtuose Bestechlichkeit kannte sonst kein Land Europas, wohl keines auf der Welt. Alle Beamten, angefangen vom Minister bis herab zum letzten Mann machten sich bezahlt. In der ganzen Verwaltung von oben bis unten und von unten bis oben bestach jeder und ließ sich bestechen. Fast jeder hatte seinen festen Preis. Ihrer aller Interesse war auf das engste mit dem der Familie Bratianu verknüvst, die die Herrin des Staates war. In wahrhaft grandioser Form verwirklichten die mächtigen Brüder das Prinzip „leben und leben lassen". Unter diesen Umständen war es selbstverständlich, dah das ..liberale" Regiment seine Funktionäre ausschliehlich aus der sogenannten „Reg ata" nahm, dem Territorium, das das rumänische Königreich vor dem Balkankriege umfaßte. Rur Rumänen aus der Regata tonnten es zu Amt und Würde bringen. Ist es verwunderlich, dah sich in sämtlichen anderen Provinzen ein tiefer Hah gegen die rumänische Bureaukratie herausbildete. deren moralisches Ri- veau noch tiefer lag als deren Bildungsgrad? — Die Sikuranza schließlich, die rumänische politische Polizei, kann sich ein Europäer einfach nicht vorstellen. . Wirtschaftlich hielten die Bratianus systematisch und bewußt die Teilnahme ausländischen Kapitals am Wirtschaftsleben fern. Die industrielle und finanzielle Leben des Landes, sowie der gesamte Kredit geriet in die Hände von „liberalen" Banken und damit ebenfalls in die Hände der Bratianus. Diese Banken waren richtige Wucherinstitute, und die Familie Bratianu machte sich unter dem Vorwand, die Werte des Landes jn rumänischer Hand zu behalten, unter kluger Benutzung der gesetzgebenden Gewalt zu Herren eines Systems von Ausbeutung und Betrug, das letzten Endes nur die Minister und die hohen Beamten mit noch mehr Geld versorgte. 51 m eine soziale Revolution zu Der- meiden, haben die Bratianus unter dem Pseudonym Averescu eine radikale Agrarreform durchgeführt, bei der sie alte Landbesitzer, besonders in den neuen Provinzen, einfach enteigneten. Aber man gab den Bauern Land, ohne ihnen gleichzeitig Betriebsmittel. Agrarkredit oder sonstige wirtschaftliche Hilfe zu gewähren. Man legte ihnen Steuern und Abgaben auf, ohne ihnen die Möglichkeit zu kaffen, diese auch abzutragen. Unter diesen Bedingungen konnte Rumänien natürlich aus der ewigen Wirtschaftskrise nicht herauskommen. Im ganzen Lande herrschte tiefste Unzufriedenheit, die jeden Augenblick zu heller Wut und zu hellem Aufruhr aufflammen konnte. War die Lage im Gebiet der alten Regata schon schlimm, so war sie in den „befreiten" Provinzen tausendmal schlimmer, vor allen, in der Bukowina und in Bessarabien. Dort herrschte das Verwaltungsprinzip: nehmen so viel wie möglich und dafür geben so wenig wie möglich. Die rumänische Verwaltung saugte die Provinzen buchstäblich aus. Zehn Iahre ist das so gegangen. Was dort an Werten vorhanden ist, entstand auf dem Wege der Selbstverwaltung oder war von der russischen oder österreichischen Verwaltung noch übernommen: Hospitäler, Agrarkreditinstitute. Genossenschaften und sonstige Einrichtungen. Folge davon: Be s s a r a b ie n ,eine der reichsten Provinzen des alten Rußland, leidet heute Hunger, vier Distrikte. Ackermann. Kagul, Dendery und Kischinew müssen von Staats wegen ernährt werden. Die Landwirtschaft ist in vollem Verfall, Der Handel geht zurück und die Stadt Kischinew wird von Tag zu Tag ärmer. Die Industrie ist ruiniert und ganz Bessarabien stirbt langsam ab. In der Bukowina ist T s ch e r n o w i h , einstmals blühend und reich, früher das östliche Wien genannt, heute arm und tot. Das deutsche Theater wich einer rumänischen Rationalbühne, Die sich niemand an sieht — auch diese Provinz ist nach zehn Iahren ruiniert. So war die Lage Rumäniens beim Scheiden der Brüder Bratianu, der alten Freunde der Entente. Das national-zaranistische Kabinett Maniu ging mit einem sehr umfangreichen R e- formprogramm an die Arbeit. Auf politischem Gebiet verfolgt es das Ziel, die Korruption mit der Wurzel ouszureihen. auf wirtschaftlichem Gebiete will Maniu, abgesehen von der Stabilisierung Der Währung, die Allmacht Der liberalen Bank und Deren Verflechtung mit Dem gesamten Wirtschaftsleben Rumäniens brechen. Es ist vor allem an die Schaffung eines wohlfeilen Agrarkredit; gedacht, wobei natürlich Auslandskapital nach Rumänien gezogen werden müßte, und an landwirtschaftliche Amelio- rcticnen, um Hungersnöte, wie fie gegenwärtig in Bessarabien einander ablösen, in Zukunft unmöglich zu machen. lieber allem guten Willen Darf man jedoch Die großen Schwierigkeiten nicht vergessen, Die sich Der Durchführung Dieses Programms entgegenstellen. Die Königsfrage erscheint grunDsählich geregelt, da Der Prinz Carol durch seine ..Unternehmungen" im vorigen Iahre auch in Der Armee Den letzten Rückhalt verloren hat. und nun nicht einmal mehr als Kandidat für die Mitgliedschaft im Regentschaftsrat in Frage kommt. Von Dieser weite her sind also keine Schwierigkeiten zu erwarten. Etwas anderes ist es mit Den Gegensätzen. Die innerhalb des Kabinetts selbst vorherrschen. Cs handelt sich ja um eine Koalitionsregierung. die aus zwei Parteien besteht, nämlich aus Den rumänischen Rationalisten Transsylvaniens und Den Zaranisten oder Der Bauernpartei. An Der Spitze der Ratio- na I i ft en stehen Maniu. Magearu, der Handelsminister, und der Wojwode Vaida, der Minister des Innern. Der Einfluß der Zara» nisten ist besonders stark in Bessarabien, der Bukowina, der Dobrudscha und im Banat. Die Bauern. Die im Gegensatz zu Den neun Portefeuilles Der Rationalisten Deren nur Drei besitzen, haben an ihrer Spitze die starke und einflußreiche Persönlichkeit des Landwirtschaftsministers M i ch a l e k. Es ist nun klar, daß aus dieser ungleichen Verteilung Der Ministersitze Unzufriedenheit besonders im zaranistischen Lager entstehen muß. was von Der liberalen Presse weidlich ausgenüht wird. Da jedoch jedermann weiß, daß ein Bruch der Koalition nur den Liberalen zugute kommen könnte, hofft man, Maniu werde start genug fein, um Die Parteien zusammenzu- halten. Erschwerend fällt allerdings ins Gewicht. Daß Der zweite Parteichef Der Zaranisten, Der Professor Stere, auf Betreiben Der Franzosen und Der EnglänDer bei Der Verteilung Der Portefeuilles leer ausging. WeDer in Paris noch in London hat man es nämlich dem Professor verzeihen können, daß er während Der Be- sehungszeit in Bukarest geblieben unDv mit Den Deutschen zusammen gearbeitet hat. 2m Grunde genommen handelt es sich aber, wie man sieht, bei Dem Konflikt innerhalb des Kabinetts nur um Fragen personeller Statur, während auf der anderen Seite in politischer Hinsicht weitgehende Hebereinftiinmung besteht, obwohl die Zaranisten links von den Rationalisten stehen und ein radikaleres Programm verfolgen. Ein neuer Gegner ist dem Kabinett Maniu in der Kirche erstanden, und diese Gegnerschaft kann nicht ernst genug genommen werden. Aeußer- lich handelt es sich darum, daß die Kirche die Regierung anklagt, sie begünstige die sogenannten katholischen Tendenzen der rumänischen Synode, die in Hebereinstimmung mit dem Patriarchen angeordnet hat, daß das Osterfest diesmal nach dem neuen Stil auf Den 31. März und nicht auf den 5. Mai fallen solle. Der orthodoxe Flügel der Kirche, Der sich großen Einflusses in der Moldau und in Bessarabien erfreut, hat auch gewaltige Macht innerhalb Der Armee, und er hat es auch wagen können, die Anordnung der Regierung im Hinblick auf das Osterfest in der Moldau und in Bessarabien unbeachtet zu lassen. Das größte Hindernis wird Der Regierung jedoch von Der Beamtenschaft selbst bereitet. die persönlich durchaus mit der liberalen Partei verwachsen ist und von Den Deformen Manius wenig oder nichts zu erwarten hat. Don diesen Beamten wird eine Sabotage getrieben, Die gerade in letzter Zeit überaus ernste Formen angenommen hat. und dies um so mehr, weil Die Regierung natürlich nicht über genügend ausgebildetes Menschenmaterial verfügt, um mit einem Schlage die widerstrebenden Beamten durch regierungstreue Personen zu ersehen. So erinnert Denn die ^Regierung Maniu an einen Generalstab ohne Armee oder vielmehr an ein oberstes Armeekommando, dessen Truppen wider die Führer aufbegehren. Außenpolitisch verfolgt das Kabinett Maniu offenbar Die großen Linien weiter. Die für Die Politik Bratianus maßgebend waren. Dies hängt eng mit Der Tatsache Der finanziellen Abhängigkeit Rumäniens von Frankreich u n D England zusammen. Andererseits jedoch ist ein fühlbarer Unterschied gegenüber der früheren Regierung in der Haltung Manius gegenüber der Kleinen Entente festzustellen. Die Kleine Entente bringt Rumänien wirtschaftlich keine Vorteile, Da es mit Den Agrarstaaten Südslawien unD Der Tschechoslowakei in feinen Güteraustausch treten kann. Maniu wünscht aufrichtig ein Bündnis mit Ungarn unD Bulgarien und mochte außerdem auf die wirtschaftliche und technische Hilfe Deutschlands zählen. In maßgebenden Kreisen von Bukarest herrscht die Meinung vor. Daß sich Rumänien ohne deutsche Hilfe wirtschaftlich nicht entwickeln könne, und so wünscht es erklärlicherweise normale und freundschaftliche Beziehungen zu Berlin. Was Ungarn anlangt, so ist die unangenehme Frage Der magyarischen Optanten vorläufig gelost. Ebenso ist man dabei, die Frage der Entschädigung der bulgarischen Enteignungen zu bereinigen." um Den bulgarischen Minderheiten in der Dobrudscha ein erträglicheres Dasein zu verschaffen. Geschichten aus aller Welt. Schimpanse em Bartisch. — Paris. Das Eröfsnungsfest eines neuen Pariser Kabaretts wurde durch das unerwünschte Auftreten eines Schimpansen in eine Tragikomödie verwandelt. Mitternacht war schon vorüber, die Stimmung der Gäste hatte Den Höhepunkt erreicht, alles jubelte und tanzte nach Den Klängen einer ganz vorzüglichen Jazz-Musik, als sich plötzlich eine Rebentür öffnete und ein ausgewachsener Schimpanse in Den Saal trat. Mit ein paar Sähen war er an Der Bar angelangt, setzte sich auf Den Bartisch und fing an, Die Gäste mit allen in seinem Handbereich liegenden Gegenständen zu bombardieren. Teller, Lllörflaschen und Gläser verschönerten bald Die spiegelglatte Tanzfläche. Alles stürzte panikartig ins Freie, während der Wirt über Tische und Stühle die Iagd auf seinen Schimpansen aufnahm. den er auch nach einiger Zeit einfangen und wieder an seine Kette legen konnte. Von der Fortsetzung Der Feierlichkeiten wurde für diesen Tag abgesehen. (Man fragt sich bloß, wozu muß sich so ein Wirt ausgerechnet einen Affen halten?) Preiswerte Schlangenbisse gefällig? (m) Kopenhagen. Die ärztliche Praxis des Dr. Matti Kar- vbnen ließ viel zu wünschen übrig. Die Bürger der finnischen Westküstenstadt Björneborg waren eben ein gesunder Menschenschlag. Sie krankten höchstens an Der Trockenlegung. ... Auch das Geschäft des Zoologen Elias Me- kinen ging recht schlecht. Wer sollte auch in der heutigen schweren Zeit Luxustiere, wie Angora- Laßen. Papageien und dergleichen mehr kaufen? Roch dazu in einem Rest wie Björneborg! Für geschmuggelte Alkoholika aber hatten die braven Björneborgcr ein reges Interesse. Sie gaben gern ihr Letztes für einen guten Schluck hin. Die Beschaffung von Alkohol war allerdings eine verflixt schwierige Angelegenheit. Der Oberbürgermeister — ein trockener Geselle — verstand diesbezüglich feinen Spaß und seine Vollzugsorgane kargten weder mit empfindlichen Geld- noch mit Freiheitsstrafen. Da war guter Rat wirklich teuer. Die Björneborgcr hatten also Durst. Die Pa- tientur des Dr. Karvonen wollte nicht zunehmen. Und das zoologische Geschäft des Elias Mekinen stand kurz vor Der Pleite. Rach einigen schlaflosen Rächten gelang es jeDoch Dem tüchtigen Mediziner, diese Drei bedauerlichen Tatsachen auf eine gemeinsame Plattform zu bringen. Seine Idee sollte den Durst Der Björneborger stillen und ihm sowohl wie seinem Freunde Mekinen aus die Beine helfen. Zu diesem Zwecke ließ Mekinen zwei niedliche Schlangen kommen. Ottern. Allerdings keine Kreuzottern, vielmehr ganz harmlose Ottern ohne Kreuz und ohne Giftzähne: zwei ausgewachsene Exemplare einer in Finnland beheimateten Rasse. Und doch repräsentierten sie in diesem Falle einen weit größeren Wert als eine von den Siegern bisweilen göttlich verehrte tropische Bon constrictor. Die Ottern bissen nämlich mit einer erstaunlichen Ausdauer! Wohl waren ihre Bisse in höchstem Grade ungefährlich, doch blieb dies ein Geschäftsgeheimnis ihres Besitzers sowie des Kompagnons Dr. Karvonen. Die Gebissenen haben sich natürlich schwer gehütet, dies Geheimnis zu lüften; Die famos abgerichteteii Schlangen bissen ausschließlich vertrauenswürdige Männer. Sie taten cs überdies recht preiswert: ein Biß kostete nur 15 Mk. Für weitere 5 Mk. verschrieb Dr. Karvonen den „Verunglückten" Alkohol. Als Gegengift. In größeren Mengen natürlich: Schlangenbisse sind eine gefährliche Sache. ... gefchicht:, vielleicht zage durch Burckhardts Scheu vor der Publikation ungestalteter Dorarbetten unD Rachlaßrestc. in einem Vorwort genaue Rechenschaft über fein Verfahren, über Den Zu- ftanD Der Vorgefundenen Schätze und über Deren eigene Geschichte. Wem es nicht um Sachen aus dem neuesten Stand der Wissenschaft', um methodische oder kritische Modebestände zu tun ist, sondern um die Gedanken eines hohen Geistes. Der kann Diese Gabe nur mit freudig staunendem Dank hinnehmen. Es ist trotz aller Lücken im Stoff (wozu man auch die durch neuere Forschung überholten Faktenbilder rechnen mag), trotz Der oft vorläufigen Form, trotz oder auch wegen der monologifchmi Heftigkeit oder Bosheit der Urteile ein Buch, nicht nur Der wandelbaren Wissenschall. son- Detn der Weisheit, nicht der Kenntnisse. sondern Der Erkenntnis, nicht nur Der Meinungen, sondern Der willentlichen Einsicht. Auch Die Aphoristik, daä scheinbar Bruchstückhafte ist hier kein solcher Mangel, wie cs bei fanatischen Systematikern oder Methodikern wäre. Der zugleich einheitliche und spannnngsreiche Seelengrund, traft dessen BurckharDt Den unendlichen Stoff auswählt, wahr und wichtig nimmt und Darstellt, ohne Sllüße um einen begrifflichen Zufammen- Hang (wie oft Zufammeazwang!) und ohne Singst vor Der Unvo'llständigkeit. weil er von vornherein weiß, wie zufällig, winzig und wlll'.ürlich auch das ergiebigste OucIIcnmafrriat gegenüber der Wirklichkeit ist. erscheint in jedem Einzelsatz der Fragmente und gibt ihnen eine Rundheit und Fülle, zugleich eine Helle und Welle ringsum, wodurch diese Sammlung Den stofflichen Schulbüchern wie den systematischen Geschichtsphilosophien überlegen ist und abermals Dartut, Daß cs zuerst auf Augen und nicht auf Gesichtspunkte mit Brillen ankommt, auf Die persönliche Geistes- sülle und nicht auf dingliche Erlernbarkeiten und Anwendbarkeiten. , . Daä Werk hört fich an wie Das Selbstgespräch eines Geistersehers oder wie das Zwiegespräch mit Den Geschichlserlcheinungcn... mehr als die Bücher und die Kollegin selbst entlastet von dem SZerantwortungsgefühl des Lehrers des Künstlers und des Bürgers, Der BurckharDt sich suhlte. sobalD er öffentlich erschien. Er war völlig frei von Gefallsucht unD Selbstgenuß oder er beimpfte mit erfolgreicher,Leidenschaft Derartige Regungen in sich von früh an... er hielt Das Absterben Der persönlichen Eitelkeit für eine unumgängliche Vorbedingung der Größe, und so wenig er je den großen Mann gespielt hat bis zur Furcht, ja bis zum Ekel abwendig jeder Art von Getue und Gehaben, nach außen hin, so muß er doch Den Stachel seines eigenen Genius gefährlich gespürt haben. Sein Schönheitssinn Dagegen, feine unter deutschen Gelehrten fast einzige Empfindlichkeit für Mängel des Erscheinens, (nicht des Scheinens) nötigte ihn auch, dem eigenen Bild unD Werk die lehtmögliche Reinheit, Rundhett, Bestimmtheit zu geben, nicht damit Das Publikum ihn lobe, sondern damit das geheimnisvot e All- Auge, das in seinem eigenen Bild sich verbürgte, ihn richtig schaue. Daher die feine Sorgfalt feines Stiles im Schreiben und Reden und die geniale Mühsal, womit er seinen mündlichen Vortrag durchsann, im Erscheinungsraum wi'derschafB.id, was er in Arbeitswochen bereitet Die „Historllchen Fragmente" bieten noch mehr als die weltgeschichtlichen Betrachtungen den Zwi- fchenzustand zwischen Der unwillkürlichen Eingebung und der bewußten Formulierung... sie enthalten deshalb viel von der heimlichen Haltung, Meinung, Stimmung Burckhardts, viel von Der Baseler Medisanz, von Dem Gemurmel und GeschnöDel Der Dortigen kleinsten Kreise, von Der herzlich kalten Bosheit eines entschieDcnen Willens, Der nicht 5um Tun kommt, einer exube- ranten Humanität ohne Wirkfreiheit, Don_ einer bürgerlich verklemmten Vornehmheit. Sobald BurckharDt nach außen trat, verringerten sich diese Roidürfte seiner Seele und der Schwung des vernehmlichen und verewigten Wortes hob ihn über Die Mißhelligkeiten seiner Herkunft hinweg. Seine ..Fragmente" laßen einiges davon noch so deutlich vernehmen, wie Der Basler Anckdotenschatz. Doch sie zeigen zugleich — unD Das^macht einen ihrer Reize, wenn auch nicht ihre TugenD aus --an welchen besonderen Plagen Burckhardts besondere Stärke wuchs, aus welchen Kleinlichkeiten er sich feine Große erzog, aus welchen Engen gerade er ein solches Pathos Der Freiheit, Weite unD des umfänglichen Begreifens bedurfte und errang. In feiner Kontemplation hebt mehr als inRan - fes Objektivität, die aus mystischer Beschaulich- feit eines protestantischen Frommen stammt, als in Momms e ns politifch-advokatorischem Eifer, worin noch das Zelotengezänk Der Reformation nachwirkt, unbeschadet ihres persönlichen Wissenschaftsingeniums. die Leidenschaft eines bildsüch- tigen und bildtrunkenen Künstlers, der sich in einem streng bedingten Bürgertum heimisch weiß und beklommen fühlt, Der heraus möchte ohne es eigentlich zu wollen und sich schadlos hält für die versagen Ueberschwängc durch Kritik, ja Strittet vaid an Den eigenen Wünschen, objektiviert als „Wünschbarkeiten" wie er fie nennt, bald an seinen verehrten Wunschbildern und seinen bewanderte'.'. Furchtbildern, zumal Gewaltigen oder ©etealtfa neu der Weltgeschichte: Dante, Michelangelo, Rapoleon. richtend von seinem Verzicht her. bald seinen Verzicht süh-^ nend und losend im Anschauen solches Meister, welche in einer großen Sache aufgegangen. auf gehoben erscheinen ohne Den Frevel des Sprengens und Stürzens: Raffael, Rubens, Cäsar. Auch sein Verhältnis zu den Religionen erklärt fich daraus: ein gewisser Traditionalismus, Der ihn, weniger aus romantischem Kunstsinn, den universalen Kirchengefügen milder stimmte als Der. eifervollen Durchbruchsbewegungen zumal Profe'.ien mit fanatischen Machtansprüchen wie Puritanismus, Islam und Lutherei. haßte er geradezu. Dies sind bei ihm nicht Zeichen einer romantischen, dionysischen oder gar utilitarischen „Heldenverehrung", sondern seines Vertangens nach Eintracht mit hoher Welt, das er im Zeitalter der objektiven Wissenschaft als Schüler Renkes vielleicht mißdeuten konnte als Sachenfron. Immer wieder überrascht uns bei ihm und zumal in diesen unbewachteren „Fragmenten" Die Spannung zwischen sehnsüchtigen Sinn für Groß- jeder Art und der geheimen Angst Basler Angst. Humanistenangst. Dürger- angst (niemals Psafsenzorn) — vor ihrer Verwirklichung. Sein berühmter Sah: „Die Macht an sich ist böfe" hat weniger einen politisch-pazi- sistischen Sinn als einen religiösen und ist Der Ausdruck einer Furcht vor Wirkungen, für Deren Gründe er Ehrfurcht empfand. Fragen wir nach dem eigenllichen Wahrneh- mungs'bereid) dieser Vorträge, d. h. nach Den Wesenheiten. aus Denen und für Die BurckharDt zur Geschichte tarn, zugleich Die Zentren, welch.' ihm Die ungeheuren Stoffmassen orDncten ohne die Erleich- Sester vormittag fand im Sitzungssaals des s Gießen die diesjährige ordentliche denn der Magistrat e n- V« rj? ein/Ä «; tau» NSSZSSZ Stadth Jahr tum als das Bild bis tief in das Ungesichtige hinein- wenn man will, die Idee im alten platonischen Sinn und macht dafür alle Potenzen haftbar. richtung wie bei Ranke, die sich das Faktum trübende „3a" und „Nein" versagt, als eine Zi/cht der Blickrichtung, worin sein Wille oder seine Willen» scheu nicht unterdrückt, sondern aufgezeigt werden muß. Selbst Treitschke und Mommsen haben kerung von Begriffen, „Ideen", Personen, oder Geschehnissen, so wären sie vielleicht am ehesten zu erkennen in alldurchdringenden Lebenskräften. Jahresversammlung des Verkehrsbundes Oberheffen Daten für Mittwoch, 24. April. Sonnenaufgang 4.47 Uhr, Sonnenuntergang 19.10 Ufyr. — Mondaufgang 20.00 Uhr, Monduntergang 5.07 Uhr. 1819: der Dichter Klaus Roth in Heide geboren; — i: der Rechtslehrer Karl von Gareis geboren. Trauringe aus Käse. (a) Warschau. Lleder Dolksstarnrn hat bekanntlich seine eigenen Sitten und Gebräuche, die teilweise seit Jahrhunderten überliefert worden sind. Ganz eigenartig mutet es ober an, wenn man sich vergegenwärtigt, daß ein Brautpaar an Stelle von Trauringen einen großen Käse um den Hals gehängt bekommt, und doch gibt es einen Volksstamm in den Bergen Ostgaliziens, der diese eigentümliche Sitte bis auf, den heutigen Tag bewahrt hat. Ein kleiner ruthenischer Dolls- stamm kennt überhaupt keine Trauringe in unserem Sinne. Braut und Bräutigam bekommen vielmehr bei der Hochzeit einen Kranz aufs Haupt gedrückt, in dem Geldstücke eingeflochten sind. An SteUe der Trauringe erhalten die beiden Opfer, denn davon kann man wohl sprechen, einen großen runden Käse um den Hals gehängt. Aach der Trauvollziehung vor dem Dorfkadi begibt sich die Braut als erste nach Hause, während der Bräutigam in gewissem Abstand folgt. Dor dem Hause der Braut angelangt, schickt er ihr seinen „Traukäse" und erhält dafür den ihrigen, beide werden als heilige Reliquien ausbewahrt... Der Durst der Djörneborger war auf diese Weise dauernd gestillt worden. Die Sprechstunde des Doktors wies einen Massenandrang auf, und Elias Mekinen verkaufte überhaupt keine Tiere mehr. Aur noch Schlangenbisse. Bis die Behörden stutzig wurden: wo zum Donnerwetter kamen die vielen Schlangenbisse her? Doch dazu zu winterlicher Zeit! (Daran hat die Schlangenbißgesellschaft nicht gedacht.) Der trok- kene Bürgermeister schöpfte Verdacht und schnüffelte so lange, bis er dahinter kam. Dr. Kar- vonen wanderte ins Gefängnis. Elias Mekinen ebenfalls. Die beiden Ottern wurden als gemeingefährliche Alkoholverbreiter beschlagnahmt und — zum Tode verurteilt. Aun gibt es in Björneborg keinen Alkohol mehr. Bis auf den Inhalt der beiden Gefäße, welche die toten Ottern beherbergen. Diese lieh das Stadtoberhaupt im Foyer des Rathauses als Memento öffentlich zur Schau stellen. Auf daß es keinem Djörneborger mehr einfalle, preiswerte Schlangenbisse zu verkaufen! ... Der sparsame Magistrat von Konstantinopel (h) Stambul. Was sollte man nur mit fr em alten Plunder der alten Epoche beginnen? Mit den 15 000 Hausnummer-, 8000 Straßen-, 5000 Automobil- und 3800 Bootsschildern aus Emaille, die nach der Einführung der lateinischen Schrift in der ganzen Türkei gegen neue eingetauscht werden mußten. Dieses gewichtige Problem beschäftigte die ehrwürdigen Stadtväter von Konstantinopel nach der ergebnislos verlaufenen Auktion, auf der die Emailletäfelchen an die meistbietenden Interessenten versteigert werden sollten. Es meldeten sich leider nicht nur keine meistbietenden, sondern überhaupt keine Kunstsammler, und eigenartigerweise blieben der Versteigerung selbst die Altwarenhändler fern. Da war guter Rat teuer. Endlich wartete einer nach langwierigen Debatten mit der epochalen Idee auf, man möge die Schilder in das Meer versenken. Dieser Magi- stratsbeschluh sollte mit Begeisterung angenommen werden, da fiel es aber einem anderen Stadtverordneten ein, daß dieses Versenkungsmanöver leider Geld kosten würde. ilnö diese Ausgabe könne sich die Stadt nicht leisten. Die sparsamen Herren von Konstantinopel sahen dies ein und verwarfen den netten Gedanken. Eigentlich schade: auf diese Weise hätte man für historische Funde kommender Genest auptversammlung des Der kehrs^undes Oberhessen statt. In Der- nung wird in dem Bericht hervorgehoben, daß die Hessische Bade- und Kurverwaltung Bad- Aauheim durch ihre vor kurzem in Berlin eingerichtete Auskunftsstelle für den Fremdenverkehr den Führer durch Oberhessen an das Publikum mit verteilen läßt, daß ferner die Geschäftsstellen des Gießener und des Bad-Aauhei- mer Derkehrsvereins in gleicher Weise den Bund bei der Verbreitung des Führers unterstützen, und daß das Kreisamt Gießen und die Gießener Stadtverwaltung in anerkennenswerter Weise den umfangreichen Vorrat des Bundes an diesen Büchern in Aufbewahrung genommen haben. Der Jahresbericht erinnert sodann an die vorjährige zweite Pressefahrt durch Oberhessen, bei der die Städte Bad°Rauheim, Büdingen, Schotten, Aidda und Butzbach besucht wurden. Mit dankbarer Anerkennung wird hierbei vermerkt, daß die Herren der Presse bei dieser Fahrt in allen Städten gastfreundlichste Aufnahme und umfassendste Führung zu den Sehenswürdigkeiten gefunden haben, die dann in eindrucksvollen und empfehlenden Berichten an die Leser der Zeitungen ihren Aiederschlag fanden, ^m dritten Teile des Tätigkeitsberichtes wird wähnt, daß der Bundesvorstand auch im Ge- sch ftsjahr 1£28 einen sehr umfangreichen Schriftwechsel zur Erledigung der Bundesaufgaben zu bewältigen hatte, daß auf schriftlichem Wege, wie auch in persönlichen Verhandlungen bei der Reichsbahndirektion Frank- M. und auf der Fahrplankonferenz in Alsfeld zahlreiche Fahrplanforderun- g e n aus den verschiedensten Gegenden der Provinz Oberhessen zu vertreten waren, wobei — wenn auch nicht alle Wünsche in Erfüllung gingen — immerhin bemerkenswerte Erfolge erzielt werden konnten. Mit Bedauern wird in diesem Zuja-imenhange in dem Bericht u. a. ver- selten mit solch feinem Geschmack und so selbstkun- diger Ironie. Burckhardts Objektivität zielt also wie die der großen Künstler nur auf die äußerste Reinheit seiner Eindrücke, und sein Abstand vom Parteigetriebe ist wesentlich ein Bildneranspruch wie Tankes Künstlertum noch ein Richter- oder Herrscheranspruch ist. Burckhardts sittlicher Eifer, nirgend verleugnet oder unterdrückt, erscheint eben durw sein Bildnerkum vielfach als ein sinnliches Pathos, wahrend bei Ranke noch die Kunstfertigkeit manchmal als diplomatische Vorsicht wirkt. Ganz frei ist Burckhardt von dem eigentümlichen modernen Wissenschaftsehrgeiz, hinter Dinge zu kommen, die vor ihm stehen, oder Dinge herauskriegen zu wollen, die in ihm sind. Die eigentliche Krankheit des modernen Kritizismus. Auch dieser kritische Werglaube, der ja schließlich auf eine Kri- if hinausläuft, hat den Schüler Rankes, den Meister auch dieser Mittel, vielleicht erlahmt in der Richtigstellung von bloßen Sachbefunden und bestärkt in der Wahrnehmung von Menschenausdruck jeder Art in der Politik bis in die Verhandlungen, in der Religion bis in die Dogmen hinein. Die Kullurgeschichte gab ihm die Winke nach beiden «ecken Hin,, und fast jede Seite seiner „Historischen rzragmente bezaubert uns, auch wo er aktenmäßig überholt sein mag, durch die unermüdliche Gabe und den spontanen Drang, die sachgewordenen Be- jlanoe wieder zuruckzuregen in menschliche Gesin- nungen, Haltungen, Erscheinungen. Er hat darin vielleicht nicht seinesgleichen unter den Historikern »Historischen Fragmente" als ein '.historisches Vermächtnis neben den „Welt- geschichtlichen Betrachtungen", begründet durch eine aUieihge «achenkunde und kritische Sorgfalt, die im einzelnen hundertmal berichtigt werden maa im „Fräulein Else". Lichtspielhaus Bahnhofstraße. Dies ist ein sehr guter Film. Man sollte ihn gesehen haben. Vor allem um seiner außerordentlichen Besetzung willen. Dassermann, Steinrück und die Dergner bilden das glänzende L.eigestirn, das die entscheidenden Elemente der Handlung beherrscht. Man muß lange suchen, bis man soviel schauspielerische Qualität wieder in einem einzigen dramatischen Ablauf gegenubergestellt und vereinigt findet. Dann auch um der literarischen Eigenschaften des Werkes willen. Es ist eine nach Schnitzler gekurbelte Filmnovelle, und es ist wertvoll, zu sehen, wie weit der mit Geschmack und Dezenz und feinen Aerven nachempfundene und szenisch zusammengestellte Bildstreifen dem Buch zu folgen vermag. Sicher ist, daß auch die kultivierteste und im Technischen vollendete Regie immer nur ein H.igefähr erreichen kann. Immer bleibt das Bild, auch das beste Blld, hinter dem Wort zurück. Die unendlich verzweigte Psychologie, die der wienerisch geschliffenen Aovellistik Schnitzlers zugrunde liegt, kann hier nut angedeutet werden Manuskript und Regie von Paul C z i n n e r sind einwandfrei. Er gibt mit seinen Mitteln das Möglichste. Seine Schauspieler arbeiten — ganz auf ihre Ausdrucksmittel und die spärlichen, unentbehrlichen Texthilfen angewiesen, zur Stummheit verdammt — in einem erstaunlichen Grade den seelischen ilmrifc, den menschlichen Hintergrund der Vorgänge heraus. Zudem hat die Bildhaftigkeit dieses Films — der sehr schnell, umspringend, andeutend, kontrastierend, aber nie mit aufdringlichen Behelfen, abläuft — die Dramatik der Vorgänge konzentriert. Etwas von der sensationsfernen Innenspannung der echten Ttac 1 ist hier in den flüchtig flimmernden Strc linübergerettet. Di. .ndlung ist, wenn man nicht vergröbern unö p.amp werden will, kaum mit ein paar Worten zu umreihen. Die Fabel baut sich auf öem Grundmotiv auf, daß die junge und verwöhnte Tochter eines reichen Mannes, um den Vater vor dem drohenden Verlust seines Der- daran, daß nach den zwei erfolgreichen Prelle* fahrlen in den beiden letzten Jahren nunmehr der Weg der Werbung durch Zeitungsanzeigen beschritten werden müsse, da man auf diese Weise sicher und erfolgversprechend an die breitesten Bevölkerungsschichten heran- komme. Der Bundesvorstand habe bereits einen Werbeplan ausgearbeitet, der eine Werbung im Rheinland, im Siegerland, im rheinisch.westfälischen Industriegebiet und in der Kasseler Gegend als den bisher hauptsächlich in Erscheinung getretenen Interessenbezirken vorsehe. Weiter sei daran zu denken, eventuell ein sog. Preisausschreibe n zu veranstalten, bei dem Ferienbesucher aus dem Reiche ihre Eindrücke während des Ferienaufenthaltes in Oberheffen kurz schildern sollen und dann die interessantesten Aiederschriften evtl, durch 8- oder 14tägigen ganz oder teilweise kostenfreien Sommeraufenthalt im nächsten Jahre in einer Stadt oder Sommerfrische. Oberhessens belohnt würden. Eventuell könne auch eine Werbung durch kleine Plakate oder Bilder au s - bu.ug in den v-Zug-Abteilen und schließlich die Derwendung eines Stempels "Ve sucht das schöne Oberhessen!" bei der Korrespondenz ins Auge gefaßt werden. Da elt d^ier Maßnahmen voraussichtlich aber erheblichere Mittel erfordere als die Dundeskasse tragen könne, müsse u. 11. an die Kreis- und Stadtverwaltungen zur Mithilfe appelliert werden Die Einzelheiten dieser hier nur in ganz großen Umrissen vorgetragenen Gedanken und Möglichkeiten müßten natürlich erst noch der näheren Durcharbeitung im Bundesvorstand unterzogen werden. An der Aussprache beteiligten sich der Vorsitzende des Gießener Verkehrsvereins, Stadtv. Schwieder, der Vorsitzende der Dad-Aau- heimer Verkehrskommission, Aotar Stahl (Bad-Rauheim), Bürgermeister Walz (Lauterbach), Provinzialdirektor Graes (Gießen), Ober- regierungsrat Dr. Heß (Gießen), der Vertreter des V. H. C., Lehrer c. R. Linck (Schotten), Beigeordneter Kling lDad-Rauheim), der zweite Bundcsvorsihende, Bürgermeister Dr. Dölsing (Alsfeld), Bürgermeister Dr. Sehd (Friedberg) und der Referent. Uebereinstimmend wurde in der Erörterung die Wichtigkeit und Zweckmäßigkeit einer sorgfältigen Fremdenverkehrsstatistic und deren völlige Freihaltung von den Steuerbehörden betont und die Mithilfe des Hotel» und Gastwirtsgewerbes für diesen Zweck lebhaft gewünscht. Bolle Uebereinftimmung herrschte auch über die Richtigkeit der Verkehrswerbung durch Zeitungsanzeigen. In diesem Zusammenhänge wurde der Gedanke des sog. Preisausschreibens nach den Vorschlägen des Referenten einhellig begrüßt und als ein zweckmäßiger Weg zu erfolgversprechender Werbung bezeichnet. Weiter wurde angeregt, mit Hilfe der in Berlin eingerichteten Auskunsts- und Werbestelle der Rauheimer Badeverwaltung werbend äu wirken. In dieser Hinsicht wurde einstimmig der Wunsch geäußert, daß diese Werbestelle, die von der Aauheimer Dadeverwaltung in dankenswerter Weise auch dem Verkehrsbund Oberhessen zu seiner Führer- verteilung zur Verfügung gestellt wurde, auch allen übrigen oberhessischen Städten zur Abgabe ihres Werbematerials geöffnet weiae. wurde gewünscht, daß die Städte sich an der von Bundesvorstand geplanten Insertion in den Zellingen in dem obenbezeichneten Intereßengeb' t beteiligen möchten. Zum Schluß fand in D. -- binöung mit der Erörterung der Werbefragcn eine eingehende Besprechung von Bad-Rauheit r Fahrplanbeschwerden statt, die sich zwischen bart Bundesvorstand und den Vertretern Bad-Ra Heims abspielte. Das Ergebnis der Au.spra 2 über die künftigen Derkehrswerbemaßnahmen i -x Interesse der Provinz Oberhessen kann dahin zusammengefaßt werden, daß die Pläne des Bundesvorstandes zur Verwirklichung im Rahmen der Haushaltsmittel, unter Ausschaltung ber Plakat- und Bilderwerbung in O-Zügen, gebilligt wurden. Schließlich wurde noch der Verkehrs- Verein Bad Vilbel auf seinen Antrag einstimmig in den Derkehrsbund Oberhessen als Mitglied ausgenommen. Hierauf schloß der Verhandlungsleiter, Bürgermeister Dr. V ö l s i n g (Alsfeld), mit Dankes» toortcn die anregende Tagung. rationen vorgesorgt! Vielleicht kommen aber die Meeresforscher des 21. Jahrhunderts doch noch auf ihre Rechnung, denn der Magis beschloß, die veralteten Schilder dem zu sch... k e n, der die llnkosten der Versenkung mit übernimmt. Ob sich ein derartiger „Lokalpatriot' findet?... mögens und seiner bürgerlichen Existenz zu retten, weibliche Ehre und Leben zum Opfer bringt. Das klingt, in dieser knappen Formel, fast nach veralteter und auf schlechte Instinkte spekulierender Kolportageliteratur; wer aber den Film — Regie und Darstellung — aufmerksam verfolgt, wird zugeben müssen, daß hier ein echter Konflikt glaubhaft entwickelt, in jeder Szene auf literarischem Aiveau gehalten und ganz einwandfrei gelöst wurde. B a s s e r m a n n gibt den Vater. Den Grandseigneur, der ihm so ungemein liegt, den heiteren, gütigen, liebenswürdigen Menschen, der sich infolge leichtiinniger Spekulation von einem Tage öum andern dem Aichts gegenüber, der grenzenlosesten Verzweiflung ohne einen Schimmer von Hoffnung ausgeliesert sieht. Dies gestaltet in ein paar kurzen, Vorspielhasten S-enen der Schauspieler, der gegenwärtig in Deutschland den Iff» land-Ding trägt. Meisterlich gibt er das, mit feinen, kaum merklichen Uebcrgängen, mit den leisesten Mitteln, lind f'lnmäß'g deh r eigentlich am vollkommensten, weil man. bei ihm das laute Wort am mindesten vermißt. Dann geht das Schwergewicht der Handlung an Steinrück als den Segens i ler über. Vor ein Paar Wochen erst ist er gestorben — jetzt lebt er wieder, und wer üjn je in seiner mächtigen Lebensfülle gesehen hat, wird sich des beinah unheimlichen Eindrucks dieser Wiederbegegnung nicht erwehren können; wenn er hier in einer Rolle zwischen Don Juan und Me histo. in einer Aufgabe, die kaum einer so gestalten konnte wie er, wieder da ist. Reben beiden: die Bergner. Sie gibt hier eine ihrer besten Leistungen im Film, obwohl man bei ihr, wie früher und stets, den Klang der Vogelhaften Stimme vermißt. Sie darf die ersten Szenen ganz mit der natürlichen Anmut und dem fast kindlichen Ausdruck ihrer zarten Gestalt erfüllen; und sie zwingt erstaun» lich die schwerere Aufgabe der Wandlung zu schmerzlicher Reife und zu dem menschlichen Opsergang... mit dem Mantel der Monna Vanna über~ den schmalen Schultern. — Von den übrigen Darstellern sch.i.en uns Jack Trevor und Else Heller der Beachtung wert. Bassermann, Bergner und Steinrück aber — jeber für sich und erst recht a lle drei Zusammen — machen diesen Film zu einem ungewöhnlichen Ereignis. —y— Hinderung des durch eine Sitzung in Darmstadt dienstlich in Anspruch genommenen ersten Bun- desvorsihenden, Beigeordneten Dr. Hamm, Gießen, leitete der zweite Dundesvorsihende, Bürgermeister Dr. B ö l s i n g , Alsfeld, die Verhandlungen. Zu ber Versammlung waren die Vertreter ber Mitgliedschaften (b. h. der Provinz Oberhessen, ber Kreisämter, ber Stabtver- toaltungen, ber Babedirektionen, der Industrie- und Handelskammern Gießen und Friedberg, ber Verkehrsvereine usw.) in stattlicher Anzahl erschienen. Der Derhandlungsleiter, Bürgermeister Dr. Dölsiipg, Alsfelb, erstattete zunächst den Tätigkeitsbericht -es Bundesvorstandes für 1928, aus dem hervorging, daß der Derkehrsbund Oberhessen auch in diesem zweiten Jahre seines Bestehens eine große Reihe Arbeiten im Dienste seiner Aufgaben zu bewältigen hatte. Mit Genugtuung wird in dem Bericht festgestellt, daß der Bundesvorstand bei dieser Tätigkeit sowohl von den Mitgliedern des Bundes, wie auch von den maßgebenden Behörden und den wirtschaftlichen Korporationen, hier insbesondere von den Handelskammern und ben Verkehrsvereinen, weitgehende Unterstützung gefunden hat. In dem Jahresbericht wird ferner darauf hingewiesen, baß der im vorigen Jahre vom Bundesvorstand herausgegebene Führer durchOberhessen sowohl bei der fachlichen Kritik, wie auch beim Publikum eine sehr günstige Aufnahme gefunden hat. Von dem Führer, der im April vorigen Jahres in einer Auflage von 10 000 Stück gebrückt würbe, finb im Laufe des vorigen Sommers und Herbstes bereits rund 1500 Stück zum Versand gekommen. Durch den weiteren Ausbau der Absatzbeziehungen sei jetzt damit zu rechnen, daß die Verbreitung des Führers im bevorstehenden Sommer noch einen weit größeren Umfang annehmen werde. Mit dankbarer Anerken- zeichnet, daß es bisher noch nicht möglich war Triebwagenverbindungen im Interesse des Aahverkehrs auf den oberyessischen Strecken zu schaffen, da hierfür der Reichsbahnbirektion Frankfurt a. M. die erforderlichen Fahrzeuae zur Zeit fehlen. Der Bericht wurde von ber Versammlung nut Interesse zur Kenntnis genommen und ohne Aussprache genehmigt. Hierauf erstattete ber Dundesrechner, Bürgermeister Mengel, Schotten, den Kassenbericht für 1928. Danach belaufen sich die Einnahmen auf 4750,12 Mk., die Ausgaben auf 4541,23 Mk. so daß ein Restbetrag von 208,89 Mk. verbleibt' In diesen Zahlen sind die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und die Zuschüsse der Städte zum Druck des Führers durch Oberhessen, wie auch die Ausgaben für die Drucklegung des Führers mitenthalten. Die Kosten für den Füh- rer selbst belaufen sich auf 3464,15 Mk., denen auf ber Einnahmeseite 3475 Mk. gegenüberstehen, so daß also bas Druckwerk sich selbst getragen und bie Dunbeskasse nicht belastet hat. Von ben zugesicherten Zuschüssen ber Stäbte und von ben Beträgen für Insertionen ist ein ansehnlicher Teil bis jetzt noch nicht eingegangen, diese Beträge kommen nunmehr ber Rechnung für 1929 zugute. Die Aachprüfung ber Rechnung ergab keinerlei Deanstanbungen, so daß dem Dundesrechner unter Anerkennung seiner vortrefflichen Kassenführung einstimmig Entlastung erteilt wurde, die sich zugleich auch auf den gesamten Bundesvorstand erstreckte. Anschließend trug der Dundesrechner, Bürgermeister M e n g e l (Schotten), in großen Zügen den Haushaltsvoranschlag für 1929 vor. Danach sind an Einnahmen aus Rechnungs- refteit 1500 Mk., an Mitgliedsbeiträgen 1800 Mk. und an Zinsen 50 Mk. zu erwarten. Auf der Ausgabenfeite sind für Dureaukosten, Porti, Reservefonds und Unvorhergesehenes rund 850 Mk. eingesetzt, so daß für Verkehrswerbezwecke noch ein Betrag von rund 2500 Mk. verfügbar bleibt. Der Haushaltsvoranschlag wurde gleichfalls ein- timmig genehmigt. Hierauf fand in umfassender Weise unter Beteiligung zahlreicher Redner eine Aussprache über DerkehrSwerbe- maßnahmen des Bundes tatt. Das einleitende Referat hielt der Dunöes- chrifFührer, Redakteur Dlumschein (Gießen), der zunächst in Vertretung des als ersten Referenten vorgesehenen Dundesvorsitzenden, Beigeordneten Dr. Hamm (Gießen), über „Die Fremdenverkehrs st ati st ik" und un- mittelb 2 anschließend über sein Thema „Allgemeine W e rbun g" sprach. Er betonte die große Wichtigkeit einer sorgsamen Fremdenver- kehrsstatistik, aus deren Zahlensprache man wertvolle Anhaltspunkte für die praktische Verkehrs- Werbung entnehmen könne. Diese Statistik diene in keiner Weise dazu, etwa den Steuerbehörden Material zu verschaffen, sie werde vielmehr den Steuerbehörden Vvrenthalten; aber eine genaue Aufzeichnung über den Umfang des Fremdenbesuchs und über die Zahl der Uebernachtungen in den einzelnen Hotels und Gasthäusern könne bestimmend fein für die Art und Ansatzpunkte der Verkehrswerbung durch den Bundesvorstand. Der Redner empfahl daher den Vertretern der Verwaltungen, in ihren Kreisen bzw. Städten bei den Hotel- und Gasthausbesitzern darauf hin» zuwirken, daß den Erhebungen für die F r e m d e n st a t i st i k g r ö h t e S o r g s a l t zuteil wird und daß eine vom Bundesvorstand in . Aussicht genommene fortlaufende Statistik dieser Art, deren Ergebnisse in Verbindung mit der amtlichen Statistik zur richtigen Einstellung der Verkehrswerbung ausgewertet werden sollen, volle Unterstützung finde. Unter dem Thema „Allgemeine Werbung" erinnerte derVorkragende fie einmal als Potenzen bezeichnet und ihre gegen- leitigen Bedingtheiten eigens untersucht, freilich auch hier mitjorglid)cr Abwehr systematischen Anspruchs. Kultur, 'Staat und Religion nahm er als solche letzte Wesenheiten, gleichzeitig beacht auf Abgrenzung, ...«D. ^1U|t * * « »4, i r uno an d m m । e n haben TJSÄÄ fÄ’ÄWÄ b°k°nn». wenn 7ch°n nismus von Görres stammend, ber ihm durch Ernst non Lassaulx verlockend nahe kam. Gegen die politische Geschichte wurde er noch in seinen spateren Jahren empfindlich ober verhärtet durch ben deutsch-französischen Krieg, der ihm alle eigent- lichen Bildungswerte des humanistischen Zeitalters zu gefährden und die politischen Kontinuitäten seiner Merkwelt m Frage zu stellen schien. Bon vorn- M herein war er schon durch seinen Kunstsinn, seine aktivste Empfänglichkeit, am ehesten geneigt, bie Kultur als bie Trägerin der bildsamen und bild- haften Erscheinungen am wichtigsten zu nehmen, Staat und Religion wesentlich von ihr aus zu erkennen und zu bewerten. Doch war er gerade vor leinen eigenen Hängen immer auf der Hut und anstatt ihnen nachzuaeben, schränkte er sie durch Gegengewichte selbstkritisch ein. Während Ranke Kultur und Wirtschaft mehr aus Pflichtgefühl und um der sachlichen Abrundung willen in seinen Ge- ftdjtsfrcts zog und die Staatsvorgänge mit fast religiöser, liebevoller Meisterschaft oarfteUie, läßt sich bei Burckhardt der Wille weniger zur Gerechtigkeit auch gegen das Sprödere, als das Verlangen nach möglichster Deutlichkeit des Blicks gerade in die ihm persönlich entrückten Sehbereiche spüren. Hier liegt seine eigentliche Objektivität, von der Rankeschen durchaus verschieden, als die ästhetische eines unbe- fangenen ethischen Sinns von der juridischen eines politischen oder diplomatischen. Rankes Objektivität kommt aus einer Tatsachenandacht, die ihm verbot, das „eigentlich Gewesene" zu trüben durch seine gegenwärtige Willensstimmung, und er meinte diese am besten auszuscheiden, wenn er möglichst wenig * -rtll cr UI?b k'c Tatsachen, d. h. die dokumentarischen Niederschläge, möglichst rein vernehmen hes Dor ben Otjnen gleichsam des unbedingten Nur auf bleien besonderen Wert des Burckhardt-" scheu Nachlasses gerade für unsere Tage sollte hier bingewiesen werden ohne Erörterung seiner send Einzelinhalte. Derbandstag der hessischen Reichssieuerbeamten. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". • Dad-Rauheim, 21. April. Der Dezirksverband Hessen im Bunde Deutscher Reichs st euerbeam- t e n hielt gestern und heute hier seinen diesjährigen Berbandstag ab. der sehr stark besucht war. besonders aus den Ortsgruppen der oberhessischen Finanzämter. Einer Sitzung des Gesamtvvrstandes folgte gestern nachmittag die erste Vollversammlung, die öffentlich war. Der Derbandsvor- sihende, Steuerpraktikant Stromberger «Darmstadt), eröffnete die Tagung mit herzlicher Begrüßung, die den zahlreichen Gästen galt, vor allem den Vertretern der Behörden, der Organisationen und der Presse. Es begrüßten dann den Derbandstag Staatsrat Dr. $) eilte i g (Darmstadt) als Stellvertreter des Chefpräsidenten des Landesfinanzamts Darmstadt. Kreisdirektor Rechthien (Friedberg) als Re- gierungsvertreter : Bürgermeister Dr. Ahl für die Stadt Dad-Rauheim, Stadtverordneter Adler als Vertreter des Bürgermeisters der Stadt Friedberg, Rektor Dr. Clah (Darmstadt) für das Landeskartell Hessen des Deutschen Beamtenbundes. Regierungsrat Blankenhorn (Darmstadt) für den Reichsverband der akademischen Reichssteuerbeamten, Landtagsabgeordneter L u je (Ried.-Florstadt). Steuerinspekt. Schreyer (Nürnberg) im Auftrag der außerhessischen De- zirksverbände. Als Verhandlungsleiter wurde einstimmig Steuerinspektor P l a a g (Dad- Rauheim) gewählt. Lebhaftem Interesse begegnete der Geschäftsbericht für 1 9 2 8. Der Verbandsvorsitzende verbreitete sich in mehr als einstündigen Ausführungen über die Tätigkeit desDezirksverbandesHes- f en, der an den 37 hessischen Finanzämtern zur Zeit insgesamt 1400 Mitglieder zählt. Eingehend behandelte der Redner wichtige Standes- und Organisationsfragen, dabei das Verhältnis der Reichssteuerbeamtenschaft zum Staate klar herausstellend. Den Kampf um das Derufsbeamten- tum könne der Beamte nur dann erfolgreich bestehen, wenn er sich voll und ganz in das Staatsganze einfüge. Bundesschriftführer Müller (BerUn) erstattete dann ein grohangelegtes Referat über „Die Dundespolitik seit 1 9 2 7". Einleitend behandelte er die Frage des Beamtenrechts. An dessen Schaffung sei die Reichssteuerbeamtenschaft in hervorragendem Maße interessiert. Der Redner ging weiter auf wichtige beamtenpolitische Fragen ein, um zum Schluß sich von staatspolitischen Gesichtspunkten aus über die Bedeutung der Steuerbeamten im Dolksganzen zu verbreiten. Die Reichssteuerbeam- tenschaft müsse Schuh und Anerkennung ihrer Arbeit in allen Devölkerungskreisen fordern, sei andererseits aber auch gern bereit, den Weg der Verständigung mit dem steuerzahlenden Publikum zu suchen und zu gehen. Die Ausführungen des Redners ernteten lebhaften Beifall. Ein von der Friedberg-Bad-Rauheimer Ortsgruppe im Sprudelhotel veranstalteter Begrüßungsabend, dem auch Beamte anderer Verbände in größerer Zahl beiwohnten, beschloß den ersten Verhandlungstag. Der heutige Vormittag war ausgefüllt mit den Ausschuhsihungen, denen am Rachmittag die zweite Vollversammlung folgte, die sich vorwiegend mit internen Verbandsangelegenheiten befaßte. Die von den Ausschüssen vorgelegten Berichte und Entschließungen fanden fast ausnahmslos die Zustimmung des Verbands- togs. Unter anderem wurde eingehend über die Schaffung eines neuen Deamtenrechts gesprochen. Die Beratung dieser Materie führte zur Annahme folgender Entschließung: DieReichs- steuerbeamtenschaft empsindet es als eine durch nichts gerechtfertigte Zurücksetzung, wenn ihr nunmehr seit zehn Jahren die verfassungsmäßig gewährleistete Regelung der Beamtenvertretungen vorenthalten wird, und erwartet, daß das Beamten - Vertretungsgesetz baldigst verabschiedet wird." Als Ort des nächstjährigen Verbandstages wurde Darmstadt gewählt. Besichtigungen der Dadestadt beschlossen die Verbandstagung. Oberheffen. Motorradler-Tagung in Schotten. c Schotten, 22. April. Hunderte von Autos und Motorrädern trafen gestern im Laufe des Vormittags bei uns ein. Die Landes- gruppe Hessen -Rassau desDeutschen Motorradclubs hatte ihre Sternfahrt hierher gelegt und zugleich auch ihre Jahres- hauptversaminlung damit verbunden. Eine Kontrolle und Prüfung der Fahrzeiten der einzelnen Landesgruppen fand am Ludwigsplah statt. Es schloß sich daran in der „Schühenhalle" die Versammlung an. Ramens der Ortsgruppe Schotten begrüßte Dr. Dambmann die Gaste, namens des Kreisamts Reg.-Rat Dr. Helm» reich und namens der Stadt Bürgermeister Mengel. Der Vorsitzende der Landesgruppe. C W D e ck e r. Frankfurt, leitetete die Versammlung, dankte für die freundliche Begrüßung. Er gedachte der im letzten Jahr auf so tragische Weise abgeschiedenen Sportskameraden, der Her» ren Fr. Wilh. Engler. Schotten, und Würhle. Die Landesgruppe hat un letzten Jahr eine erfreuliche Entwicklung genommen, es gehören dem Verband 20 Ortsgruppen an. Der Sportleiter, Fr. Zu t ter, Worms, erstattete den ausführlichen Sportbericht, der von lebhaftem sportlichen Betrieb innerhalb der Landesgruppe ein gutes Zeugnis ablegte. Für dieses Iayr ist wieder eine Reihe größerer Veranstaltungen geplant: u. a. das große Motorradrennen „Rund um Schotten" am 15. und 16. Ium. Es folgte die Rechnungsablage und die Wiederwahl des alten Vorstandes. An eine Reihe verdienstvoller Sportkameraden wurden Ehrennadeln verliehen, an die besonders verdienten Herren Becker, Zutter und L i n ck die goldene Ehrennadel des Verbandes. Cs soll versucht werden, mit den zuständigen Polizeiorganen über, die Frage der Verkehrspolizei, mit den Strahen- verwaltungen über die Straßenherstellung, Sperrung der Straßen usw. . Fühlung zu nehmen. Auch soll bei den zuständigen Stellen angeregt werden, Unterricht in den Schulen über Verkehrsfragen und Verhalten auf den Straßen zu veranlassen. Eine gemütliche Rachsitzung schloß sich an die offizielle Tagung an. Noikundgebung des Grundbesitzes Ein Appell der Landwirtschaft und oes städtischen Hausbesiheel. WSR. Frankfurt a. M., 21. April. Die Bezirksbauernschaft für Rassau und den Kreis Wetzlar, der Bezirksverband der H a u s - und Grundbesitzer - Vereine Hessen- Rassau-Süd, der Hausbesitzer-Verein Frankfurt a. M., die Kreis-Bauern- und Gärtnerschaft Frankfurt a. M., der Kurhessische Landbund Kassel, der Hessische Landbund Friedberg und die Vereinigte Freie Bauernschaft Mainz-Rhein veranstalteten am Sonntagvormittag im Schumann-Theater eine gemeinsame, stark besuchte Kundgebung. Stadtrat Weber, der Vorsitzende des Dezirksverbandes der Haus- und Grundbesitzer-Vereine Hessen-Rassau-Süd. begrüßte in seiner Eröffnungsansprache die zahlreich erschienenen Vertreter der Reichs-, Staatsund Kommunalbehörden, der verschiedenen Verbände aus Handel. Handwerk und Gewerbe, der Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Landwirtschaftskammer usw. Die gemeinsame Kundgebung im Schumann-Theater solle ein äußeres Zeichen für die enge Zusammenarbeit zwischen landwirtschaftlichen und haus- und Grundbesiher- organisalionen darstellen. Eine neue Zeit breche für den Mittelstand an, welcher, gestützt auf die zahlreichen und stark organisierten mittelständischen Verbände, sich seine Selbstbehauptung und seine Rechte im heutigen Staat allein erkämpfen wolle und erkämpfen könne. Darauf erteilte Stadtrat Weber dem Landtagsabgeordneten Dr. Mode das Wort, der sich in längeren Ausführungen mit den Fragen des Kommunismus und Staatssozialismus befaßte. Er verglich die heutigen Verhältnisse mit denen von 1919. Die breiten Schichten der Arbeitnehmer liefen heute genau wie damals hinter der Regierung her und verlangten von ihr das Erforderliche zum Leben. Wenn nun einmal dec Zeitpunkt eintrete, und der Zeitpunkt müsse eintreten, wenn nicht vorher eine Abkehr von dem falschen Wege erfolge, daß die Regierung nicht mehr in der Lage sei, die gemachten Versprechungen und Zu- sic^rungen zu erfüllen, dann würden die breiten Massen sich enttäuscht von der Regierung abwenden und es würde eine Bewegung auf kommen, die an die Revolution von 1919 erinnere. Wer diese Bewegung auffängt, der würde bestimmend sein, unserem ganzen Wirtschaftsleben, unserer ganzen Einstellung eine andere Richtung zu geben. Der Redner propagierte die von der Wirtschaftspartei befürwortete Arbeitsdienstpflicht zur Beschäftigung der Erwerbslosen und zum Zwecke einer Gesundung der wirtschaft. Er richtete den Appell an die Versammlung, auf entbehrliche Auslandware zu verzichten und dadurch eine aktive Handelsbilanz zu schaffen. Weiter wandte er sich gegen die Auslandanleihen, die das deutsche Volk mehr und mehr zu Schuldsklaven seiner ehemaligen Kriegsgegner machen würden. Dann sprach D r. Rhode von den aktuellen Fragen des Bodenrechts, insbesondere den Enteignungsgesehen, und erwähnte hier die Verordnung zur Behebung der dringlichsten Wohnungsnot, welche in Widerspruch stehe zu der Reichsversassung. Das Bodenreformgeseh, das W o h n - heimstättengeseh und das Städtebau- g e s e h seien Gesetze, die auf die Ueberfüh- rung des privaten Eigentums in die iHffentliche Hand, insbesondere der Gemeinden, in stärkerem Umfange hinstreben würden. Dr. Rhode sprach noch über die Wohnungszwangswirtschaft, welche endlich fallen müsse, da sie überlebt fei, und berührte dann die Steuerbelastungen des Haus- und Grundbesitzes, der beispielsweise im Iahre 1927 mehr wie 25 Prozent des gesamten deutschen Steueraufkommens überhaupt von sich aus aufgebracht habe. Cs sei auf die Dauer in einem parlamentarischen Staatswesen nicht zu Landkreis Gießen. OO Klein - Linden, 22. April. In einer Mitgliederversammlung des hiesigen Gewerbevereins im Gasthaus „Zur Deutschen Eiche" sprach am Freitagabend Dr. Rottenbacher vom Arbeitsamt Gießen über Lehrlingseignung. Der Vorsitzende. Weißbindermeister Vieh mann, sprach dem Redner für seine interessanten und sehr anregenden Ausführungen den Dank der Versammlung aus. : Ausdem DuseckerTal.22. April. Die Frühjahrsaussaat ist in unserem Tal beendet. Die Felder waren gut zu bearbeiten: der Boden war genügend ausgetrocknet und vor allem gut durchgefroren. Dadurch zerfielen dre Schollen wie Äsche. Wenn auch die Aussaat vier Wochen später als in sonstigen Jahren stattfand, so wird ein warmes Frühjahr leicht ben Ausgleich schaffen. Hier und da wird sogar bei den Landwirten der Wunsch nach einem warmen Regen laut. Die Wintersaat weist einen prächtigen Stand auf. Don Auswinterungen ist in diesem Jahr nichts zu spüren. _ Roggen und Weizen fangen schon an in die Höhe zu Reiben. Bei dem trockenen Wetter gehen manche Landwirte daran, den Weizen mit der Egge zu lockern, um der Bodenluft Zugang zu verschaffemEbenso schön und regelmäßig steht der Klee. Er muß allerdings noch gutes Wachswetter haben, toenn bis zum 10. Mac der erste Schnitt beginnen soll. * Garbenteich, 22. April. Am Samstag- abend fand die diesjährige Generalversammlung der hiesigen Spar- und Dar- lehnskasse statt. Direktor Kissel gedachte eingangs in warmen Worten des am 24. Dezember verstorbenen Rechners Lehrer Weisel, ber der Grünber, Förderer und Erhalter der Kasse war und sie 30 Iahre lang mit Aufopferung und Treue führte. Rach seinem Tode übernahm Zehrer Stumpf die Vertretung, der die Kasse, wie der anwesende Oberrevisor Hartmann betonte, mustergültig verwaltete. Rechner Stumpf erstattete sodann den Geschäftsbericht von 1928, aus dem folgendes erwähnenswert ist: Die Der- mögensbilanz zeigt in der Aktiva 182 412,76 Mk. und in der Passiva 180159,19 Mk., so daß em Gewinn von 2253,57 Mk. verbleibt. Es sollen 10 Prozent Dividende verteilt werden. Die Srche- umgehen, dieser Gruppe von Staatsbürgern einen entsprechenden Cinsluß auf die Gestaltung der Steuergesetze einzuräumen. Rach diesen mit starkem Beifall ausgenommenen Ausführungen des Vertreters des Haus- und Grundbesitzes sprach als Führer der Landwirtschaft ReichStageabgeordneter Sepp-Seelbach über die Rotlage des Deutfchen Bauern, der genau so wie der Haus- und Grundbesitz schwer um seine Existenz ringen müs,e. Cr brachte insbesondere zum Äusdruck, daß die Steuer- und Sozial, o llik der Rachlriegszeit pral- tisch direkt auf eine Enteignungspolitik bezüglich des Besitzes hinauslaufe. Angesichts der jetzigen Lage forderte der Dauernsührer eine geschlossene Front des Mittelstandes, insbesondere oller Kreise, die zu der mit eigenem Kapital und eigener Verantwortung arbeitenden Wirtschaft gehören. Genau so wie der städtische Haus- und Grundbesitz nehme auch die Landwirtschaft Stellung gegen das wohnheimstättengeseh und dos Städtebaugesetz. Hier kritisierte Reichstagsabg. Hepp die Politik der Großstädte und den Ehrgeiz ihrer Oberbürgermeister. Im weiteren Verlaus seiner Rede ging er auch aus die Reparationsverhandlungen ein und warnte davor, Verpflichtungen einzugehen, resp. Angebote zu machen, die doch nicht gehalten werden könnten. Der Redner schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung an die Versammlung, den größten Feind, die Gleichgültigkeit, zu bekämpfen, und eine gemeinsame prioatwirlschafttiche Front bewußt herzustellen. Das Ziel müsse ein Abbau der Steuern sein, besonders der Grundvermögenssteuer, die als mittelalterlich anzusehen sei. „Wenn wir das Gemeinschaftliche, das uns in Stadt und Land verbindet, erkennen, und wenn wir verstehen, jene Gegensätze zu beseitigen, die man künstlich in die Kreise von Stadt und Land hineinträgt, dann sind wir eine Macht, an der die heutige Reichsregierung nicht vorübergehen kann. Diese Macht zu schaffen ist unsere Aufgabe." Rachdem sich der demonstrative Beifall gelegt hatte, der den Ausführungen des Dauernführers gefolgt war, nahm die Versammlung einstimmig- eine Enisckli ß:ng an, die sich mit den Forderungen der Landwirtschaft, des Haus- und Grundbesitzes und des Mittelstandes überhaupt befaßt und an deren Schluß es heißt: „Die Versammlung erwartet zuversichtlich, daß der Schrei dieser Massen durch die Rot geeinigter Staatsbürger nach gleichen Rechten bei Regierung und Parlament noch rechtzeitig ein warnendes Echo findet. Ganz besonders notig ist dies im gegenwärtigen Zeitpunkt, nachdem die in Paris schwebenden Reparationsverhandlungen zu scheitern drohen und nunmehr wohl auch den unverbesserlichsten Optimisten in Deutschland die Augen darüber aufgegangen sind, welche vernichtenden Fol- ge n die Kriegsschuldlüge, der Dawes- p l a n und die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln für unser deutsches Bolk haben. Der deutsche Mittelstand erwartet von der Reichsregierung, daß sie unverzüglich eine aufs äußerste gesteigerte Propaganda gegen die Kriegsschuldlüge einleitet. Cs ist eines Volkes mit Ehrgefühl nicht würdig, jahrzehnte hindurch im Kreise der übrigen zivilisierten Völker nur eine scheinbare Souveränität zu genießen." Zum Schluß erhielt das Wort Bürgermeister G u ck e s , Dreithardt, Mitglied des Kommunallandtages und Führer der nassauischen Dauern, der Dauern und Bürger in Stadt und Land zum gemeinsamen Zusammengehen und zur Derteidigung des Besitzes aufrief. Mit einem Hoch auf den deutschen Mittelstand und das deutsche Vaterland schloß Bürgermeister Guckes die große Kundgebung. rungsstöcke betragen nunmehr rund 5700 Mk. An Aufwertungssorderungen hat die Kasse 40 115 Mark. Sie konnte die alten Spareinlagen bereits mit 10 Prozent aufw'erten. Da noch ein Auf- wertungssonds von 9568,48 Mk. zur Verfügung steht, sollen die alten Geschäftsguthaben auch unter die Aufwertung fallen und die Spareinlagen um weitere 2,5 Prozent aufgewertet werden. Die Kasse hatte am Schlüsse des Geschäftsjahres 219 Mitglieder. Da der Rechner Stumpf danlle, wurde Otto Lang einstimmig zum Rechner gewählt. Oberrevisor Hartmann machte im Laufe des Abends sehr interessante Ausführungen über die heutige Wirtschaftslage, die Währung und die Bedeutung des Geldes in Zukunft. Die Kasse konnte am 14. Dezember 1928 auf ihr 30jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand eine Heine Feier statt, in deren Verlauf der Rechner einen Heberblick über die Entwicklung der Kasse und der Oberrevisor einen solchen über die Geschichte der genossenschaftlichen Bewegung gab. Änschließend wurden drei Mitglieder des Vorstandes und der Erheber von feiten des Vorstandes durch Geschenke und von dem Vorstand der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften durch Diplome für langjährige treue Dienste geehrt. Die Versammlung beschloß, der Schule und Kirche in Garbenteich und Hausen eine Iublläumsgabe in Gestalt von Stiftungen von insgesamt 300 Mk. zu machen. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg. 22.April. Auf dem hiesigen Schweinemarkt waren 645 Tiere aufgetrieben. Es wurden bezahlt für sechs Wochen alte Tiere 30 bis 35 Mark, für sechs bis acht Wochen alte 35 bis 40 Mark, für acht bis zwölf Wochen alte 40 bis 50 Mark. Das Geschäft war sehr gut. Kreis Schotten. Eichelsdorf, 20. April. Die Junker- mühte, zwischen E i ch e l s d o r f und Ober- Schmitten gelegen, eine neuzeitlich pingerichtete Grohmühle. die vor zwei Jahren durch Konkurs den Besitzer wechselte, soll wiederum veräußert werden. In diesem Verkaufe spiegelt sich die gedrückte Lage der Kundenmüllerei wider, die zum großen Tell noch gezwungen ist, mit Dorkriegspreisen zu rechnen. Kreis «lsscld. T Alsfeld, 23 Arril. «S gcner Drahtbericht.) Don dem seit 'Freitagnachmittag vermißten Ober» studiendircktor Gr aeber von hier fehlt bis heute noch jede Spur. Eifrigste Rachforschungen der hiesigen Bevölkerung und von Bewohnern aus den benachbarten Dörfern, die Tag und Rächt die umliegenden Wälder nach dem Dermißten absuchten, hatten bisher nicht den geringsten Ersolg. Man ist hier über das Schicksal des außerordentlich beliebten Herrn allgemein sehr besorgt, und unsere Stadt ist wegen dieses Dorfalles in großer Erregung. Ob ein Unglücksfall vorliegt, oder ob der Vermißte freiwillig aus dem Leben geschieden ist, weiß man bisher noch nicht. Kunst und Wissenschaft. 1000 Archäologen im Pergamon-Museum. Etwa 1000 Archäologen, die als Delegierte und Teilnehmer der Jahrhundertfeier des Archäologischen Institutes des Deutschen Reiches in Berlin wellen, besuchten am Montag das Pergamon-Museum, das, wie der Generaldirektor der staatlichen Museen. Prof. Wilhelm W a e h o l d t, in seiner Begrüßungsansprache hervorhob, als bedeutsamsten Schah das pergamenische Altarwerk bewahrt, bas nach dem genialen Plan Alfred Messels zugleich den künstlerischen Mittelpunkt bildet. Dec Direktor der staatlichen Antikensammlungen, Geheimrat Dr. Wiegand, der darauf das Wort ergriff, dankte der türkischen Regierung, unter) deren Schuh und Förderung die Ausgrabungen zu Pergamon erfolgt seien, und ferner dem preußischen Kultusdminister und dem Finai^minister dafür, daß sie dem pergamenischen Schatz eine würdige Heimstätte bereitet hätten. Diese sei zugleich das schönste Denkmal für den Entdecker des Altars, Karl Humann. Die Bergung der großen Reliefs habe es Deutschland zur Pflicht gemacht, das Gesamtbild der pergamenischen Stadt und Landschaft zu klären. Auch jetzt noch werde in Pergamon dank der Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft gearbeitet. Schon seien auch von den Ausgrabungen in Magnesia, Priene, Milet und Didyma wertvolle Fundstücke, insbesondere Architekturen, nach Berlin gelangt, die mit den pergamenischen vereint seien. In drei Sälen könne nun die Entwicklung der an- tiken Baukunst vom sechsten Jahrhundert vor Christus bis zum Beginn der christlichen Epoche gezeigt werden. Hierauf erfolgte ein Rundgang durch die Räume. Die Größe des Altars, dessen Front 38 Meter und dessen Höhe mehr als 10 Meter beträgt, erforderte einen Saal von ganz gewaltigen Ausmaßen. Zu seinen beiden Seiten schließen sich große Säle an, die es gestatten, daß die Reste antiker Bauwerke nicht wie im früherer, Pergamon-Museum nur in verkleinertem Maßstabe gezeigt werden können. Das neue Per- gamon-Museum wird im August 1930 endgültig seine Pforten öffnen. Rückkehr der Deutschen Indien-Expedition. Die im Herbst 1926 vom Staatlichen Forschungs- Institut für Völkerkunde in Leipzig ausgejanbte „e r ft e DeutscheJndien-Expedition" hat im April 1929 mit der Rückkehr von Dr. Freiherr von Eickftedt — dem Leiter und geistigen Urheber dieses ersten größeren Versuchs zur Erfor- schung der alten südasiatischen Rassen- und Völker- schichten — ihren Abschluß gefunden. Die Expedition hat neben Ausgrabungsresultaten, Familienforschun- gen, Blutuntersuchungen, Studien über das Aussterben, das Sexualleben, über Kulturbesitz, Psychologie und Schichtungen der Urvölker sowie ihre Zusammenhänge mit den höheren Rassengruppen auch Mehr als 2000 Sammlungsgegenstände, an 12000 wissenschaftliche Photographien und über 100 000 menschliche Proportionsmaße heimgebracht. Die an Frauen verschiedener exotischer Völker gewonnenen anthropologischen Untersuchungsergebniffe übertreffen um ein Vielfaches das gesamte bisher vorliegende Material. Die Expedition, die dem verstorbenen Völkerforscher Professor Karl W e u l e ihre Verwirklichung verdankt, ift nicht nur das erste mehr- jährige von deutscher Seit nach Indien entsandte Forschungsunternehmen, sondern auch überhaupt die erste größere Expedition mit vorwiegend der Menschenkunde dienenden Aufgaben. Die indische Regierung zeigte großes Entgegenkommen und tatkräftiges Interesse. Angesichts des reichen Materials, das die Expedition als Beweis und Stütze für zahlreiche neue Feststellungen und Entdeckungen gewann, darf sie als eine der erfolgreichsten wissenschaftlichen Unternehmungen Deutschlands in der Nachkriegszeit angesehen werden. Rundfunkprogromm. Mittwoch, 24. April. 6,30: Morgengymnastik. 12,45 bis 13,15: Schulfunk: Musik, vorgetragen von Studienrätin C. Geis: „Rhythmische Grundbegriffe, b) Der Takt". 13,15: Schallplatten-Konzcrt: Eine halbe Stunde Studienmusik. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend: Aus dem Buch der Sage und Geschichte, vorgetragen von Rektor Wehrhan: „Das Schützenfest und andere Freuden des früheren Stadtlebens", für Kinder vom 10. Jahre ab. 15,55 bis 16,05, Hausfrauendienst. 16,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Dücherstunde. 18,30 bis 18,50: „Reiseerlebnisse", Vortrag von Otto Ernst Sutter. 18,50 bis 19,10: „Beginn der Ausfahrt Fausts in die große Welt in der Staatsrats- und der Lustgarten-Szene in Goethes Faust II, erster Akt", Vortrag von Pfarrer Clemens Taesler. 19,10 bis 19,25: Senckenberg-Viertelstunde: „Aktuelle Ra» turtri se sch f , Dortr g on Prof. D . R Dichtcr. 19,25 vis 19,45: Schulstunde. 19,45 bis 19,55: Französische Literaturproben. 19,55 bis 20,15: Französischer Sprachunterricht. 20,15 bis 21,15: Rach Stuttgart: Opern-Konzert. 21,15: Von Kassel: Musikalisches über und aus Spanien. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellfchafi. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Donnerstag, den 25., und Freitag, den 26. April: Passahfest. Donnerstag: Vorabend 7.30 Uhr: morgens 8.30; Predigt. — Freitag: Vorabend 7.30; morgens 8.30. Israelitische Religionsgemeinde. Mittwoch, den 24. Aprll, morgens 6 Uhr. Donnerstag, den 25. Aprll, und Freitag, den 26. Aprll: Passahfest. 1. Tag: Dorabend 7.25 Uhr, morgens 8; Predigt; nachmittags 4. — 2. Tag: Vorabend 8.25; morgens 8. Sabbatfeier den 27. April. Vorabend 7.15 Uhr; morgens 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 8.30; Wochengottesdienst morgens 6.30; abends 7. ild Kilometer INur 4 Tage! ttoMsM Ihre Vermahlung geben bekannt Sfadtiierarzi Dr. Karl Geitz und Frau Mieze geb. Äörgmann Kiel (von der Golh-Allee 23), den 23. April 1929. MmiM 02452 Kinder zahlen nachmittags halbe Preise! Verkauf durch: * schlossen, zu der auch die Ausmärker beb 2316V ■653A Ich, der Nmerzetch- raaxnxxxxEcccc Ich, der Niuerzetch' ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦« Wer Ich«? kliNe Neeb einem 8limeucUten ....» Tel. 1790. D Sern, sm 3665D kaust Sauerkraut Pfd. »5 ■ 2347V 5ckrs Union Steifen 1O SCHAUFENSTER BILLIG $ Goldkics Perlkies Silberkies Qoarzkies Eröflniing: Donnerstag, 25. April 8.15 abends Samstag und Sonntag je 2 Vorstellungen 3.30 nachm. und 8.15 abends F Grösste Sicherheil’ in allen Größen Größe 60 225 Mk. Königs - Tigern, Eis-, Braun-, Kragen- und Grisly-Bären, In jeder Vorstellung (auch nachm.) Dir. Willy Hagenbeck persönlich mit seinen Raubtier- Dressuren: /JmislolleN f Hygienische Artikel^ sämtliche Gummiwaren lDrogerie Winterhof J \ Krcuzplatz 10 y \kAbt Hygiene V einem Angestcllteu in sester SteUung geg. gute Ctcherbctt SiüBjdnöet SlulWle leb. «Men „ Sitilelen lrWe SfieKfififie in gr. 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Ihr braucht mit dem Chauffeur kein Wort zu fprechen. Wer fahrt mit?“ "Ihr beiöe bleibt im Auto sitzen; der Chauffeur ist "von allem unterrichtet." „Lind wenn es mißglückt?" fragte Dera Ermolieff maß ihn mit einem feindseligen ^In Ihrem Interesse will ich hoffen, daß es nicht mißglückt." * Fedor Sokolosf kehrte, wie von einem langweiligen Spaziergang durch die Räume eines fremden und gleichgültigen Hauses, in den Saal zurück. Eben ging ein Dlus zu Ende; Linda verabschiedete eben einen Tänzer; mit einer -wer» Halbzeit erreichte. Nach der Pause versuchte Garbenteich durch hartes Spiel die Torzahl zu erhöhen und konnte auch noch zwei Tore schießen, während Wieseck das verdiente Ehrentor versagt blieb. Durch das harte Spiel von Garbenteich sah sich der Schieds- richter gezwungen, zwei Leute von dessen Mannschaft vom Platz zu stellen, indessen von Wieseck zwei Leute durch Verletzung freiwillig ausschieden. Tv. Kinzenbach I — Tv. Allendorf a. d. £ba. I 8:1 (2:1). Mit einem überraschend hohen Resultat mußte sich Allendorf in Kinzenbach geschlagen bekennen. Das Spiel, das in der ersten Hälfte noch ziemlich offen war, sah Kinzenbach in Führung gehen, dem Allendorf kurz darauf den Ausgleich folgen ließ. Kurz vor Halbzeit konnte Kinzenbach fein zweites Tor erzielen, und mit 2:1 wurde gewechselt. Rach der Pause spielte Kinzenbach stark überlegen und konnte in regelmäßigen Abständen noch 6 Tore erzielen, so das Endresultat her stellend. Handball der Sp.-Dg. 1900. o. Die am Sonntag von der ersten aktiven Mannschaft (in Höchst a. M.) und der ersten Iugendmannfchaft (in Londorf) ausgetragenen Spiele standen unter keinem günstigen Stern. Wenn auch von vornherein mit Riederlagen gerechnet werden mußte, so hatte man doch nicht einen Unterschied von 6 Toren erwartet. Dei den Aktiven war dem Spielverlauf nach die 8:2-Riederlage auch nicht gerechtfertigt. Sie ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die in letzter Stunde eingestellten Ersatzleute sich schlecht in das Mannschaftsgefüge einpassen konnten, hingegen die Höchster Dewegungsspieler, deren gute Form schon in den letzten Spielen überrascht hatte, wie aus einem Guß spielten. Dazu kam, daß die Plahbesiher einen Hüter im Tor hatten, der verschiedene Male sogenannte totsichere Sachen vereiteln konnte. Sein Gießener Gegenüber zeigte sich nicht gerade von der besten Seite und muh für zwei bis drei Tore verantwortlich gemacht werden. Ein Versager war auch Gießens Halblinker. der später außen spielte. Das Spiel verlies äußerst fair und durch das starke Tempo spannend. Vis zur Pause lagen die Höchster mit 4:0 in Front. Rachdem der Vorsprung auf 6:0 erhöht worden war. kam Gießen durch feinen Halbrechten, den gleichzeitig besten Mann, zu zwei Gegentoren. Dis zum Schluß verstanden es jedoch die Gastgeber, 1900s Schlußmann noch zweimal zu schlagen. Die erste Jugend, auch nicht in stärkster Desetzung, hatte sich gegen die erste aktive Mannschaft des Tv. Londorf, den derzeitigen Tabellenzweiten im Lahn-Dünsberg-Gau der A. D. T., doch etwas zuviel zugemutet. Dis zum Wechsel hielt sie sich, nicht zuletzt durch die gute Arbeit des Torhüters, mit 2:3 recht gut. In der zweiten Halbzeit konnte die Hintermannschaft jedoch den ungestümen Angriffen der Londorfer auf deren Trainingstor nicht mehr recht standhalten und mußte so eine 9:3-Riederlaae hinnehmen. Der Schiedsrichter, ein Herr vom Plahverein, gab sich zwar viel Mühe, stand jedoch nicht immer über den Parteien. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Das Gastspiel der Mudersbacher Germanen auf dem 1900-Sportplatz hinterließ spielerisch und sportlich den besten Eindruck. Außer „Borussia" Fulda gastierte in diesem Jahre noch keine Elf mit solchem Können in Gießen. Die Gaste waren mich sie ihm. „Linda", sagte er leise. In ihren Augen schimmerte es auf. „Ich möchte fort", sagte sie brüsk. Ehrlich erschrocken antwortete er: „Warum?" . „Ditte, beordern Sie mein Auto. Sie müssen mir sagen, was Sie gegen Hape nichts gegen Sie. Meine Selbstachtung verbietet es mir, mich von Ihnen vernachlässigen zu lassen." Er schüttelte den Kopf. t .. Glauben Sie, ich wüßte nicht, daß Die die Zeit über in Gesellschaft einer anderen Frau waren?" „Sie irren. Linda." O nein. Ich habe genau beobachtet, daß Marcelle Krenh, die schöne, pikante Herrin des Hauses, gleich nach ihnen in den Wintergarten trat — und daß sie genau solange fortblieb wie Sie — und daß sie kurz vor Ihnen wieder im Saal erschien." „ r .. „Was kann ich tun, um Ihnen zu beweisen, daß Sie sich irren?“ „Nichts", sagte sie. „ _ _ ., . „Daß ich Frau Krenh nicht kenne? Daß ich nie ein Wort mit ihr gesprochen habe? Lind daß fie ein TYP ist, der mich nicht interessiert?" Ich glaube Ihnen kein Wort. Was für ein Typ könnte Sie intereffieren, wenn nicht der Marcelles?" „Der Ihre, Linda. Das sagen Sie, um mich umzustimmen. Er sah ihr voll ins Gesicht, schweigend und nachdenklich. Plötzlich ernst werdend sagte er: Wir wollen ehrlich und aufrichtig über diese Dinge sprechen. Welchen Grund sollte ich haben. Sie umstimmen zu wollen, wenn ich mich für Frau Krenh interessierte? Es gibt doch "ur zweierlei^ entweder habe ich den Wunsch, von Ihnen ge Beugung nahm Fedor Sokolosf ihren Arm und führte sie in den Wintergarten. „Was ist Ihnen?" fragte er, während sie sich in die Korbsessel niederliehen. Sie sah an ihm vorüber ins Leere; er bemerkte, daß sie ein wenig bleicher geworden war. „Ich sah, daß Sie sich mit dem Staatsrat angelegentlich unterhielten", log er. „Da wollte ich nicht stören." Sie wandte sich herum. Mit einem Ruck. „Wollen Sie mich verhöhnen?" Er sah ihr ins Gesicht. Sie wissen selbst am besten, daß ich das nicht will." . . c „Haben Sie alle Ihre Liebenswürdigkeit auf- geboten. um mir dann Plötzlich zu zeigen, daß das alles billige Phrasen waren? J9ie Ihnen jeder Frau gegenüber geläufig find?" Er legte ihre Hand auf die feine; sie entzog die Besseren, ihp 2:0-Sieg verdient, wenn sie auch schwer darum kämpfen mußten, da 1900 starken Widerstand leistete. Ausgezeichnet spielten die Flü- gelstürmer der Siegerländer, die oft heikle Situationen vor dem Gießener Tor schufen, besonders der Linksaußen mit seinen wuchtigen Torschüssen, durch die er auch indirekt die beiden Treffer ein- leitete. Beide Bälle waren so scharf placiert geschossen, daß der 1900-Torwart im Werfen nur schwach abwehren konnte. Die Nachschüsse führten beidemal zum Erfolg. Der Gießener Ersatztorwart Sack zeigte prächtige Leistungen und nahm damit dem Gegner jede weitere Chance. In der Gießener Verteidigung spielte Hohmann schwächer als sonst. Die Läuferreihe hatte gegen das gute Zusammen, spiel Mudersbachs einen besonders schweren Stand. Sie löste die Aufgabe zur Zufriedenheit, wenn auch H e i l m a n n nicht so hervorstach, wie in den letzten Spielen. Der Sturm zeigte Formverbesserung, wenn auch nicht in dem Maße, daß man mit den Leistungen zufrieden sein könnte. Er hatte auch ziemlich viel sichere Torchancen, die er aber ausließ, bis auf einen Treffer des Mittelstürmers gleich zu Beginn, den der Schiedsrichter aber annullierte, angeblich wegen Abseits eines anderen Spielers. Geschossen wurde mehr, aber zu unplaciert. Einmal rettete bei den Gästen die Latte. Der Gastgeber 1900 hatte anfangs trotz heftigen Gegenwindes mehr vom Spiel. Erst gegen die Pause hin kamen die Ger- manen mehr auf und erzielten dabei auch die beiden Tore, nachdem das 1900s nicht anerkannt worden war. Nach dem Seitenwechsel hatte Mudersbach leicht Oberwasser, scheiterte jedoch an der Gießener Abwehr, ebenso wußte auch die Gießener Angriffsreihe mit guten Vorlagen die Verteidigung und den vorzüglichen Torwart der Gäste nicht zu schlagen. 1900s Reserven besiegten Cappels erste Mannschaft 5:2. Bei Halbzeit führte 1900 3:0. Der letzte Treffer war allerdings anzuzweifeln. Kurz nach Wiederbeginn war Cappel zweimal erfolgreich, ließ aber dann etwas nach; die Gießener erreichten im Endspurt noch zwei weitere Tore. Die Gäste, die Meister der -V-Klasse sind, spielten ein sehr schönes Spiel. Die Mannschaft des Platzvereins war, trotz mehrfachen Ersatzes, in recht guter Form. Die 3. Mannschaft 1900s rang Cappels 2. E l f knapp mit 3:2 Toren nieder. Einen gegebenen Handelfmeter konnte Gießen nicht verwandeln, während ein ebensolcher -en Gälten zum zweiten Treffer verhalf. Die erste Jugend kehrte von Laub ach mit einem knappen 4:3-Sieg heim, der erst nach wechfelvollem Kampfe über die recht gute Elf des Gastgebers errungen werden konnte. Die zweite Jugend blieb ohne triftigen Grund dem vereinbarten Spiel in Heuchelheim fern und wurde demgemäß auf zwei Sonntage von der Iugendleitung gesperrt. Die 3a Jugend trug gegen Eappels 1. Jugend auf eigenem Platz ein Spiel aus und blieb mit 3:2 Treffern über die körperlich weit besser disponierte Elf Cappels Sieger, obwohl der Gegner mehr Torgelegenheiten hatte. Vor dem Ligafpiel hatten die 1. Schüler- mannschaften 1900s und die gleiche vom V. f. D. ihr Lokaltref f en. In schöner und fairer Weise wurde da« Spiel durchgeführt. Es endete 0:0. Beiden Mannschaften und dem Schiedsrichter gebührt für die mustergültige Durchführung ein besonderes Lob. 1900s 2. S ch ii I e r e I f unterlag, wie nicht anders zu erwarten war, ihrem Gegner, einer Mannschaft der „Teutonia" Steinberg 0:2. V. f. B. Die ß i g a m a n n f d) a f t schlug „Tura" Kas - fei mit 4:0 und hat mit diesem Sieg die amDor- jonntag erlittene Schlappe wieder mettgemacht, um so mehr, als gerade „Iura" die Marburger V. f. B er vor kurzem noch mit 5:2 abfertigte. V. s. B. bewies durch den Verlauf und das Resultat des Treffens erneut, daß seine Leistungskurve sich langsam, aber stetig nach oben bewegt. Spielkulturell, also im systematischen Aufbau des Spiels, in der flachen Kombination, im Stellungsspiel und in der Ballbehandlung war die Platzmannschaft um ein bedeutendes besser als die Gäste. Lediglich in der körperlichen Fertigkeit stand sie diesen etwas nach. Wenn es sich auch gegen „Iura" nicht so stark bemerkbar machte wie gegen „Borussia" Fulda, so ist doch offenbar, daß fast allen Spielern in punkto Start- und Laufvermögen, Wendigkeit u. dgl., noch manches fehlt. Nach Behebung dieser und einiger anderer kleinerer Mängel darf die D.s.B.-Elf es ruhig wagen, gegen die besten Mannschaften des Bezirkes anzutreten. — Kassel enttäuschte insofern etwas, als sein Spiel ein bestimmtes System vermissen ließ. Sein großer Eifer reichte nicht hin, die technische Ueberlegenheit des V. f. B. auszugleichen. Der beste Mann der Elf war der Torhüter, dessen Können bewundernswert ist. Nicht unerwähnt soll die lobenswerte Fairnis und Ruhe bleiben, mit der beide Gegner das Spiel durchführten und dem sicher und korrekt leitenden Schiedsrichter Köhler (Spielvereinigung 1900 Gießen), das Amt leicht machten. Der Spielverlauf war kurz folgender: D. f. B. hat gegen Wind und Sonne zu spielen, findet sich aber trotzdeni eher zurecht als „Iura" und kann schon nach knapp zehn Minuten zum Führungstore einsenden. Langsam kommt auch Kassel etwas auf und liefert Gießen bis zur Pause eine größtenteils gleichwertige Partie. Nach dem Wechsel übernimmt die Platz-Elf das Kommando. Ihre Ueberlegenheit wird deutlicher; während die Gäste nur in einigen Durchbrüchen Vorkommen, geht der D.f.B.-Siurm in planmäßigem Angriff immer wieder nach vorne, findet aber in dem vorzüglichen Torwart S ch w e r d t l e ein kaum zu überwindendes Hindernis. Daß der Kafselaner trotz seiner vorzüglichen Abwehr sich noch dreimal geschlagen bekennen muß, spricht für das Können der von "der Verteidigung und Läuferreihe gut unterstützten V. f. B.-Stürmer. Beim Stand von 4 0 läßt Gießen etwas nach. Etwas mehr Eifer und Energie, und es hätte die Torzahl unter Umständen noch erhöhen können. Bei wechselnden Angriffen bleibt bas Spiel bis zum Schluß verteilt. In die vier Tore, die sämtlich prächtige Leistungen darstellten, teilten sich der Mittelstürmer und Halbrechte zu gleichen Teilen. V. f.B. darf auf diesen neuen Erfolg feinet Ligamannschaft mit Recht stolz fein. Lleberzeugend gewann die Ligareserve ihr Rückspiel gegen die Erste Niederschelds mit 4:1. V.f.V. war in jeder Weise besser als die eifrig kämpfenden Gäste und gewann verdient. Die D r i 11 e hatte Mühe und Not, in G r ü n - berg ein mageres 1:1 herauszuholen. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß sie mit nur neun Mann spielte. Die erste Jugend kam von Düdelsheim mit einem beachtenswerten Erfolg zurück. In überlegen durchgeführtem Kampf fertigte fie den spielstarken Gegner glatt mit 6:2 ab. Don den sechs Toren schoß der gut aufgelegte Halbrechte allein vier. Die Mannschaft verdient für ihre Leistung ein ©efamtlob. Eine unerwartete 0:2-Niederlage mußte die zweite Jugend in Leihgestern einliebt zu werden — oder ich habe es darauf abgesehen, die Liebe der Frau Krentz zu erringen. Beides zu vereinen, ist nicht möglich — denn Sie sind Freundinnen, und dieser schmähliche Verrat würde auf alle Fälle herauskommen. Angenommen, ich interessierte mich für Frau Krentz — und Frau Krenh erwiderte, wie Sie anzunehmen scheinen, meine Gefühle — weshalb um alles in der Welt sollte ich mich in diesem Falle zu einer andern Frau bekennen, die ich nicht liebe?" „Vielleicht aus Freude an der Intrige?" Er nahm ihre Hand. „Liebesintrige ist Sache der Frauen — nicht der Männer. Wir sind viel zu unkompliziert, das dürfen Sie mir glauben. Oder doch zum mindesten: ich bin viel zu — ich darf wohl sagen: zu ehrlich. Sie kennen mich noch nicht, sonst würden Sie begreifen, wie schwer das Llnrecht ist, das Sie mir tun." Halb versöhnt wandte sie ihm das Gesicht zu. „Darf ich Ihnen Sekt bringen?" Er ging in den Saal; sie blickte ihm nach; erst jetzt, da die Furcht des Verlierens zwischen ihnen stand, begriff sie, wie sehr fie ihm verfallen war. Heiß stieg es ihr zum Herzen. Diese Nacht würde zu Ende gehen wie alles zu Ende ging — und dieses Erlebnis, dieser glühende, alles erschütternde Rausch würde ersterben im Licht des dämmernden Tages. Das Einerlei des Alltags erwartete sie, das ewig gleiche Spiel der Tage, die sich aneinanderreihten — die zu Jahren wurden; immer kühler würden die Dinge um sie herum werden, immer mehr mündete das heiße Wünschen des Vlutes in die graue Resignation des Alterns. Sie fühlte, wie sich ihre Gedanken aufbäumten gegen diese unentrinnbare Konsequenz — wie der Wille, der heiße Wille in ihr erwachte: das Glück, das an ihre Tür pochte, diesen seligen, süßen und sündigen Rausch mit fiebernden Sinnen zu schlürfen. Dort war die weite, lachende, in tausend Farben flammende Welt — hier war nichts als Rücksicht, 'Bescheidung. Verzicht. Konnte es da ein Zögern geben? Zum ersten Male stand ihr eigenes Wünschen, stand ihr Hoffen, ihr Glück im Gegensatz zu dem Glück des Mannes, dem sie angetrant war. Er — oder sie! Entschied sie sich für ihre Pflicht — dann war alles, was ihr diese Nacht geschenkt hatte, zerronnen, als ob es nie gewesen wäre... Eben füllte Fedor Sokolosf zwei Gläser mit Pommery, als sich ihm eine Hand auf die Schulter legte. Er wandte sich herum und blickte in das lächelnde Gesicht der Frau Marcelle Krenh. „Gehört das aUes zu Ihrer Mission? Dieses kleine Sekt-tete-a-tete mit Linda Andersen?" Ein wenig ungeduldig antwortete er: „Cs gehört zur Höflichkeit." „Ich habe eben,“ fuhr fie fort, stärker lächelnd, „in meinem Disitenkartentäschchen ein Bild gefunden. Die Photographie eines dunkelhaarigen Herrn. Mit der Llnterfchrist: Fedor Sokolosf. Glauben Sie nicht, daß es Frau Andersen interessieren würde, dieses Bild einmal zu sehen? Auf diese Weise würde sie doch endlich erfahren, wer der interessante Herr ist. mit dem sie sich den ganzen Abend so angeregt unterhält." Einige Paare gingen vorüber; er erwiderte mit einer Verneigung: „Das ist zweifellos ein ausgezeichneter Gedanke von Ihnen, gnädige Frau." Damit ließ er sie stehen. Drüben stand der Staatsrat. Das heißt: eigentlich stand er nicht. Er lehnte. Er lehnte an der Wand. Mit dem zufriedenen Lächeln des Epikureers, den Ausdruck eines unendlichen Glücks in seinen kleinen hellblauen Aeuglein. Der Tanz wogte an ihm vorüber; ein paar Frauen lächelten ihm zu; geschmeichelt lächelte er zurück. Dann ging er behutsam durch die Tischreihen hindurch, Grüße tauschend, hier und da ein vertrauliches Wort in das Stimmengewirr werfend — hum Büfett, wo ein original amerikanischer Mixer eine blitzende Silberkugel schüttelte, sie in zwei Hülsten zerlegte und einen zähflüssigen Trank feierlich in ein Gläschen goß. „Einen Black and White!" sagte der Staatsrat und unterdrückte mühsam ein Gähnen. Der Mixer füllte das Doppelglas und griff nach der Sodaflasche. „Lassen (Sie.“ Unter den bewundernden Blicken der Llmstehenden trank der Staatsrat das slüssig- feurige Getränk in einem Zuge aus; dann grüßte er leicht und setzte feinen Weg fort. Dort stand Marcelle Krenh, feine schöne junge Frau. Im Gespräch mit dem dunkelhaarigen Fremden. Der große Ball. Der Staatsrat machte eine kurze entschuldigende Verbeugung und wollte vorübergehen; Marcelle fegte die Hand auf seinen Arm. Diskret trat der Fremde zurück. „Ole," sagte Marcelle — sie sprach das Wort „Ole" aus wie ein Staatsanwalt das Wort „Angeklagter" —. „du wirst eine kleine Rede halten." „Ich?“ fragte der Staatsrat entsetzt zurück. „Du, Ole." Herr Krentz warf einen hilflosen Blick um sich. Zwei Schritte von ihnen, an der Dianenstatue. stand Peter, der Diener, in der Hand die 3m- portentiste, die er wie einen Schatz hütete. Peter, der Diener, sah aufmerksam hinüber auf den fremden. dunkelhaarigen Herrn, den eben der Licht- reflet der Girandole traf. Peter hielt die 3m- portenkiste auf der fachen Hand; eben winkte ihn einer der Gäste heran; aber der Diener schien es zu übersehen. .V (Fortsetzung folgt.) stecken. Auch sie war infolge besonderer 51m» stände zahlenmäßig geschwächt, verlor aber trotzdem erst kurz vor Schluß. Arbeiier-Turn- und Gporibund. Egelsbach I — Wiefeck I 4:2. Zum letzten Aufstiegspiel war Wiefeck in Egelsbach zu Gast. Daß auch dieses letzte Spiel eine Niederlage für die Gäste werden würde, war vorauszusehen, doch sollte diese nicht so überzeugt werden, wie man erwartet hatte. Der Anstoß brachte ein spannendes Feldspiel, in dem die Gäste zuerst in Führung gingen. Egelsbach, das seinen Gegner scheinbar unterschätzt hatte, ließ nun alle Register spielen, um zum Ausgleich zu konnnen. Dieser lieh nicht lange auf sich warten. Egelsbach wurde bann durch seine Spielerfahrung leicht überlegen, doch auch die Gäste zeigten ein schönes, flüssiges Spiel, nur wurde von der rechten Seite des Sturmes manche sichere Sache haushoch verpulvert. So mußte sich Wieseck bei Schluß des Spieles mit obigem Resultat geschlagen bekennen. Gieheu lb — Heuchelheim I 1:3. Heuchelheim war auf dem Trieb zu Gast. Der Anstoß brachte flottes Spiel, in dem die Einheimischen leicht überlegen waren. Doch Heuchelheim tonnte durch einen Fehler der Hintermannschaft Gießens in Führung gehen. Das Spiel wurde dann schärfer, das R^ultat stand bei Halbzeit 2:1 für Heuchelheim. Rach Seitenwechsel spielte Gießen mit der Sonne im Rücken und schuf brenzliche Momente vor dem Tor der Gäste, doch blieb ihnen der Ausgleich versagt. Durch einen abermaligen Fehler der Hintermannschaft der Einheimischen konnte Heuchelheim seine Torzahl auf drei erhöhen und so die Punkte mit nach Hause nehmen. Gießen II — Steinbach I 4:1. Dieses Spiel konnte Gießen, das im Feldspiel überlegen war, mit 4:1 für sich entscheiden Ingendsplele. Gießens Jugend fertigte die Jugend Watzenborns auf dem Trieb mit 2:0 ab. Wiesecks Jugend schickte die Jugend Trais mit einer 8:0-Riederlage nach Hause. Paddler-Gilde Gießen im O. K. V. Am Sonntag fand auf dem Gelände derPulver- mühle bei schönem Wetter der geplante Aufbau- Wettbewerb statt. Zahlreiche Zuschauer verfolgten mit großem Interesse diesen in Gießen zum ersten Male gezeigten Wettbewerb. Hierbei galt es nicht nur, die Faltboote in möglichst kurzer Zeit, sondern auch sportlich einwandfrei und fcchrt- bereit aufzubauen. Als Kampfrichter walteten die Herren Brand, Wellhausen und Richter und übten ihr schwieriges Amt in einwandfreier Weise aus. Die Vorbereitung zu dem Wettbewerb lag dem in einem Sportlehrgang des Deutschen Kanu-Verbandes geschulten Sportwart, Herrn Salzmann, ob. Es war ein schöner Anblick, wie in äußerst kurzer Zeit unter den eifrigen Händen der Paddler aus den in Rucksäcken und Stabtaschen verpackten Einzelteilen zum sofortigen Fahren bereite Boote entstanden. Herr Brand würdigte am Schluß des Wettbewerbes die vollbrachten Leistungen und verkündete die auf Grund gründlicher Rachprüfungen der Boote festge- • ft eilten Ergebnisse: Klasse A: Einer = Ernst Witting; B: Einer i— Erich Stahl,' C: Einer = Hermann Salzmann. Klasse A: Zweier = Georg Schmidt: B: Zweier -= Marianne Trapp. Wirtschaft. Oer deutsche Außenhandel im März. Die Einfuhr im reinen Warenverkehr beträgt im Monat März 1929 1022 (im Februar 1017) Millionen Mark, die Ausfuhr einschließlich der Reparationssachlieferungen 984 (973) Millionen Mark. Der Einfuhrüberschuß beläuft sich somit auf 38 Millionen Mark gegen 44 Millionen Mark im Februar. Auf die Reparationssoch- lieferungen entfallen, wie im Vormonat, 52 Mill. Mk. Die geringe Steigerung der E i n f u h r von Rohstoffen und Halbfertigwaren bildet einen teilweisen Ausgleich für den starken Rückgang der Einfuhr im Vormonat. Bemerkenswert ist, daß die Einfuhr von Baumwolle weiter abgenommen hat. Im ganzen liegt die Einfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren um etwa 78 Millionen Mark unter derjenigen im März 1928 und um rund 24 Millionen Mark unter der Einfuhr im März 1927. In der Ausfuhr ist eine Steigerung im wesent- llchen nur bei Rohstoffen eingetreten, während bei Fertigwaren erneut ein kleiner Rückgang eingetreten 'st- Die Ausfuhr ist 95 Millionen Mark niedriger Die Vollsitzung Der Aeparalioliskonferenz. Ein Llnterausschuß mit der Zusammenfassung von Richtlinien für den Bericht beauftragt. Paris, 23. April. (TU. (Eigener Drahkberichl des „Gießener Anz.") lieber die Vollsitzung des Unterausschusses vom Dleustagoormittag wird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: Dem Lom.kee wurde der Bericht des Unterausschusses der letzten Woche vorgelegt mit der Feststellung. daß über dieZifsern feine(Eini- gung erzielt werden konnte. Der Bericht wird zu den Akten der Konferenz genommen. Darauf beschloß der Sachversiändigenansschuß einstimmig, daß ein Unterausschuß gebildet werden soll, der den Auftrag hat. die Hauptrichtlinien, die in einem Bericht aufgenommen werden sollen, festzulegen. Dieser Unterausschuß soll aus den ersten Delegierten jeder Gruppe gebilbef werden, wahrend der Beschäftigung mit den Fragen, über die bereits eine (Einigung erzielt werden konnte, sollen von anderen Gruppen gleichmäßig Anstrengungen gemacht werden, um auch über die punkte zu einer Einigung zu gelangen, über die bisher feine Verständigung erzielt wurde. Man erwartet, daß mit diesem Vorgehen nicht nur Zeit gespart wird, sondern daß man durch die Festlegung des Umfanges der erreichten Verständigung auch die Grundaufgabe des Komitees, fördern wird. Die nächste Vollsitzung wird innerhalb angemessener Zeit durch den Vorsitzenden einberufen werden. Vögler über die Zukunst der Konferenz Paris. 23. April. (WTB. ^nnksyruch.) Der „Lhikago Tribüne" soll Geheimrat Dr. Vogler nach seiner Rückkehr erklärt haben, die deutschen Zahlen könnten nicht erhöht werden; wenn es geschehe. dann würde Deutschland die Summen nicht zahlen können, denn sie würden seine Zahlungsfähigkeit übersteigen. Dr. Bögler habe besonders hervorgehoben, daß die Reichsregierung Dr. Schacht und ihm keinerlei Beschränkungen auferlegt habe. Die deutschen Delegierten würden weiterhin nach eigenem Ermessen handel«. (Er betone von vornherein, daß, welches auch der Ausgang der Konferenz sein möge, die deutschen Delegierten nach ihrer eigenen Ansicht gehandelt haben würden. Auf die Frage, was ein freien würde, wenn die Konferenz scheitern sollte, habe Dr. Vogler geantwortet: „jn diesem Falle wird der Dawes- PIan weiterhin in Kraft bleibe n. wir wollen soviel bezahlen, als wir können, aber wir können nicht so viel zahlen, wie man von uns gefordert hat. Wit können jederzeit nachweifen, wie groß unsere Produktionsmöglichkeit ist. In unserem Memorandum ist nichts politisches enthalten, es legt lediglich den bedauernswerten Zustand der deutschen Wirtschaft bar.“ Dr. Vögler habe auch den amerikanischen Gesichtspunkt erörtert, er habe den Bemühungen der amerikanischen Delegierten um eine unparteiische Leitung der Konferenz Anerkennung gezollt. Aber Amerika sei so reich und so prosperierend, daß es nur schwer die Schwierigkeiten, mit denen Deutschland zu kämpfen habe, zu ermessen vermöge. Die amerikanischen Wirtschaftler hätten ein hohes veranfwortlichkeitsgesühl. sie könnten aber nicht leicht die Schwierigkeiten des Lebens in Deutschland und die Lage der deutschen Wirtschaft und Industrie, der es durchaus an Rohstoffen fehle, verstehen. Die Vereinigten Staaten könnten ein Land nicht ganz verstehen, daß durch einen schrecklichen Krieg und eine ganze Reihe wirtschaftlicher und sozialer Umwälzungen heimgesucht worden sei. Das seien Wunden, die sehr langsam heilten. als im März des Vorjahres und etwa 41 Millionen Mark niedriger als im Monatsdurchschnitt 1928. Oeuisch-ftanzösifch-schweizerisches Zarbenabkommen. Wie nunmehr auch offiziell mitgeteilt wird, ist es nach längeren Verhandlungen gelungen, die bereits zwischen der deutschen und der französischen Farbstoffindustrie provisorischen Vereinbarungen, die sich auf Produktions- und Absatz- Verhältnisse bezogen, auszubauen und in ein festes Abkommen zu verwandeln, das insbesondere auch ein intimeres Zusammenarbeiten auf technischem Gebiete vorsieht. Gleichzeitig hiermit ist auch zwischen den Farbstoffindustrien der beiden ge- naiuüen Länder und der Schweiz ein Abkommen erzielt worden. Dieses zielt auf eine durch die heutigen Marktverhältnisse notwendige Zusammenarbeit im Verkauf ab und hält die Selbständigkeit der bestehenden Organisationen aller Teile aufrecht. Im übrigen ist die Unabhängigkeit und Entwicklungsmöglichkeit der beteiligten Firmen unangetastet geblieben. Das Geschäft in den Vereinigten Staaten von Rordamerika wird durch sämtliche vorstehenden Abkommen nicht betroffen. Hinbertnarff in Gießen. Zum heutigen Rindermarkt waren 950 Stück Großvieh und 194 Kälber aufgetrieben. Der Handel war, da infolge der Feiertage die Käufer aus Süddeutschland nicht am Markte waren, schleppend, so daß einiger Ueberstand verblieb. Bezahlt wurden für Tiere 1. Qualität 600 bis 700 Mk., 2. Qualität 400 bis 500 Mk., 3. Qualität 200 bis 300 Mk., Schlachtkühe 150 bis 330 Mk.. Rinder, ein- bis zweijährig, 100 bis 220 Mk., Kälber je Pfund Lebendgewicht 50 bis 60 Pf. Bessere Tiere erbrachten Preise über Rotiz. • * Odenwälder Hartstein-Industrie 21.=®., Darmstadt. Aus 133244 (im Vorjahre 219 504) Mark Reingewinn wird eine ermäßigte Dividende von 7 v. H. (im Vorjahre 10 v. H.) vorgeschlagen. Die Abschreibungen betragen 170126 (200 490) Mark. " Karlsruher Lebensversicherung s- b a n f A. - G. Die Ergebnisse des vergangenen wahres find wieder recht befriedigend. Der Der- stcherungsbestand ist bis Ende 1928 auf mehr als 433 Millionen Mk. angewachsen. Das finanzielle Ergebnis ist sehr günstig. Die Prämieneinnahme beträgt 21 Millionen, die gesamte Einnahme des Betriebsjahres fast 28 Millionen Mark. Die Prämienreserve hat mit den Prämienüberträgen einen Betrag von 36,5 Mill. Mark erreicht. Versicherungsfalle erforderten 2,6 Mill. Mark. Der lleberschuß stellt sich auf 4 506 043 Mark. Davon sollen den Versicherten der satzungsgemäße Betrag von 3969 038 Mark und noch weiter 114 904 Mark zugeführt werden, also im ganzen 4 083 942 Mark. Damit haben die Gewinnreserven der Versicherten die Summe von 13,8 Mill. Mar? überschritten. An die Aktionäre soll, wie im Vorjahr, eine Dividende von 12 Prozent des volleingezahl- ten Aktienkapitals verteilt werden. Ende 1928 besaß die Dank Grundbesitz im Werte von beinahe 6 Mill. Mark. Der Hypothekenbestand war auf 16,6 Millionen Mark gestiegen, Wertpapiere und Darlehen an öffentliche Körperschaften auf 19,5 Mill. Mark. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 23. April. Tendenz: unsicher. — Die Ungewißheit über die Weiterführung der Reparationsverhandlungen drückte zu Beginn der heutigen Börse stark auf die Stimmung und lähmte fast vollkommen das Geschäft- Bei der Spekulation war eine große Zurückhaltung zu erkennen, und es wurden von dieser Seite Abgaben in größerem Umfange vorgenommen. Zumeist handelt es sich um Ang st Verkäufe. Die Tendenz war schwach. Gegenüber der gestrigen Abendbörse ergaben sich au, fast allen Marktgebieten Abschläge bis zu 4 Prozent. Günstige Momente, wie die feste gestrige Reuyorker Börse, fanden keine Beachtung. Auslandorders waren kaum vorhanden, so daß die sonst gewohnte Stütze der Börse wegsiel. Die Diskonterhöhungsbefürchtungen drückten auf die Stimmung und veranlaßten die Baissepartei zu weiteren Vorstößen. Elektrowerte hatten besonders unter dem Druck der unsicheren Lage zu leiden. Siemens büßten 5,25 Prozent, Schuckert 3,75 Prozent, Ges- fürel 4 Prozent und Licht L Kraft und A. E. G. je 2 Prozent ein. Deutsche Linoleum 5 Prozent schwächer. Auch Kaliwerke waren fCrfcr angebo en und bis 4 Proz. niedriger. Am Wontanmarkt gingen die Verluste bis zu 2 Proz. Rur Rheinische Braunkohlen, in denen größeres Angebot vorhanden war, eröffneten 5,25 Proz. schwächer. Don Danken Commerzbank. Dresdner Dank wü» Reichsbank bis 2 Prvz. abgeschwächt. Danatbank verloren sogar 3.25 Proz. Ohne nennenswerte älmsätze waren J.-G.-Farben, die vorbörslich ebenfalls stark angeboten und erheblich abgeschwächt waren, wieder eine Kleinheit gebessert, doch blieb immerhin ein Rückgang von 2.75 Proz. bestehen. Sonst waren nennenswerte Veränderungen nicht zu verzeichnen. Renten still und der allgemeinen Lage angepaßt. Im Verlaufe machte sich jedoch eine etwas ruhigere Beurteilung der Lage bemerkbar, da umlaufende Gerüchte, die von einer Vertagung derPa- riser Dollkonserenz bis morgen wissen wollten, ein eventuelles negatives Ergebnis heute nicht mehr befürchten ließen. Das Kursniveau konnte sich daraufhin um Bruchteile eines Präsentes heben. Siemens zogen 1,5 Proz. an. Das Geschäft nahm jedoch kein größeres Ausmaß an. Am Geldmarkt war Tagesgeld mtl- 4,5 Proz. to€itcr leicht. Am Devisenmarkt nannte man QHarT gegen Dollar 4,2065, gegen Pfund 20.47, London gegen Kabel 4,853250, gegen Paris 124,16, gegen Mailand 92.67, gegen Madrid 33,70, weiter sehr- schwach, gegen Holland 12,08. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 23. April. Der Produktenmarkt verkehrte heute auf die flauen Aus- landmeldungen in ebenfalls ausgesprochen flauer Haltung. Umsahtätigkeit war kaum festzustellen. so daß sich an der Preisgestaltung namentlich für Brotgetreide nichts ändern konnte, während in Mehlen etwas geringeres Geschäft festzustellen war. Weizenmehl verlor 0,25 Mk. Auch Futtermittel, namentlich Roggenk eie, gab 0,25 Mk. nach. Es wurden notiert: Weizen 23.75. Roggen 22.75, Sommergerste für Drauzwecke 24, Hafer, inländ. 24 bis 24,25, Mais (gelb) für Futterzwecke 22.50 bis 22.75, Weizenmehl, süddeutsches, Sprz. 0, 32.75 bis 33, Roggenmehl 30.25 bis 31.25, Weizenkleie 13.40, Roggenkleie 14 bis 14.25. Tendenz: Flau. Letzte Nachrichten. Oer Reichswehrminister zum Tode des Prinzen Heinrich. Berlin. 23. April. (WTB. Funkspruch.) Reichs- wehrministec ® coener veröffentlicht im heeres- und Marine-Verordnungsblatt für den am 20. April 1929 verschiedenen Großadmiral und Generalobersten (mit dem Range als Generalfeldmarschall) Heinrich prinz von prenßen einen Nachrvs. in dem es heißt: lieber vier Jahrzehnte hat er der alten Marine angehört und sich nm ihren Aufbau und um ihre Schlagfertigkeit in hervorragenden Stellungen, zuletzt als Lhef der Hochseeflotte unvergängliche Verdi en sie erworben. 3m Krieg hatte er als Oberbefehlshaber der Ostfee- fireitträfte an der Verteidigung des Vaterlandes bedeutenden Anteil. Ein begeisterter Seemann, ein hochverdienter Oftizier und ein treuer Lamerad. der bis zuletzt der deutschen Jtotte sich stets ver bunden fühlw, ist mit ihm dahingegangen. Ehre feinem Andenken! Graf Zeppelin wieder auf Fahrt. Friedrichshafen, 2Z.April. (MTB. Drahtbericht.) Nachdem das unfreundliche uub regnerische Meller im westlichen Mitlelmeer sich zu bestem begonnen Hal, hat der „Graf Zeppelin'" heute mittag 12.32 Ahr unter Führung von Dr. Eckener seine West-Mittel meerfahrt angetreten. Der Aufstieg erfolgte bei bedecktem Himmel und kühlem Wetter. Das Luftschiff erhob sich schnell und verließ Friedrichshafen in west- licher Richtung. Aeber die genaue Fahrtroute ist nichts bekannt. Die Schiffsleitung hat sich Vorbehalten, ihre Entscheidungen erst unterwegs zu treffen. Skplosion bei delGewrrlschaffLumdolbr in Wallen en. Ahlseld, 23. Slpril. (WTB. (Eigener Draht- bericht.) 3m Betriebe der Gewerkschaft „fjumbolbt“ in Wallensen erfolgte gestern beim Ablöschen eines Brandes im Ofenhaus eine furchtbare Explosion, die sich durch fast alle Räume der Briketlfabrik fortpflanzle und schwere Der- Wüstungen anridjtete. von den in dem Ofenhaus beschäftigten Arbeitern wurden 13 verletzt, die meisten schwer, von den nach den firanfen- bäufern in Hameln gebrachten verletzten sind zwei ihren Verletzungen erlegen. Dalmn CbcrtcfiliL LisenL. Bevor? Obetschkes. ÄoKroetic Danknoten. 241,25 238,75 240 1 238,25 113,75 112,25 Die hinter den Papieren 87,5 130 87,75 89,75 131,25 8 in . B . 6 6 yt 165 87 90 130,5 . 7,2 . . € .2 sh . K . 10 . lb . 12 . . 5 . . 5 . . 6 . . 6 . 11 88 35,5 129.75 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a M. Telegraphische Auszahlung. Phönix Bergbau. iN betuliche Brau nie Sthetnsicchl Mebeck Montan . Bereinigte Slahlw. Ctmri Minen Kali Aschersleben . . 8 K S-4 . . 6 . . 8 . . 8 . . 7 . . 9 . . 8 Ä.E.G. Bergmann . . Eleklr. filefenntQcn. Licht und Kraft iveltcn & Guilleaume Gef. f. Eleklr. Untern, Hamb. Qettr. Weile Rhein. EIcttr. . . Lchlef. (Liellr. . . . Schuckert .... Siemens & Haltzle • TranSradio ... Lahmeycr LTo.. . Buderus . . Deutsche ErdLI . . . Essener Steinkohl« . Gelsenkirchener . . , tzcupener. . . . . , Hoesch Eisen. . . . .Ille Bergbau . . . , filödnerroerte ... Köln°Neuessen. . . Mannesmann. . . ManSselder .... Noll Westeregeln . . . OalÜDcd Salzdetfurth 3- ®- Garden.Industrie Dynamit Nobel . . . Scheideauslall . . * Äoldschmidt .... fRIllgetSroerfe . . . e Metallgeiellschafr. . . . . 8 . . v . 10 . 10 . . 6 ■ 10 • 10 . . 9 . 10 . . 8 hlen... 10i f. % Jahr v/t ______________Datum 5% Di. RelchSanleihe o. tv2i Dl. Anl.-Ablös..Schuld mit AuL los.'Rechten TeSgl. ohne AuSios.-Rechle 7% Franks. Hyp.-Bk ffiolbpl. unkündbar bis 1932 Wi% Rheinische Hyp.-Bank Stau. Goldps- A-C.G. abg. BortriegS-Obligation, rückzahlbar 1932 4% Schweiz. BunveSd.-Aut. 4°,'o Oesterrelchilche Goldrte. *,20% Gelten. Silberne. 4% Oesterreich, einheitl. Rte 4% Ungarische Goldrte. t% Ungarische Staat-r. v. 1910 <’/*% vesgl. von 1913 *% Ungarische Kronenrte.. 4% Türk. AoUanleihe v. 1911 4% Türkische Bagdad bahn-Aul.. Serie I 4% beSgL Serie II . . 4% Rumänen conöttL Rte. . . . 4y*% Rumänen (BoibanL von 1913 Geld 16,46 168,96 22,11 112,15 59,04 2,51 112,40 81,14 62,20 12,445 73,27 Berlin 22- Äprtl Französische Noten. . . . . holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... SeutfdhCefterr-.älOO fronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Svanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten ... Qllg. Deutiche Eisenbahn Hamburg-Amerika Paket . Hamb.-Slldam. Tampssch. Hansa Dampsschifs . . Norddeutscher Lloyd . . Allg. Deutsche ttrebttanü. . Barmer Bankverein Berliner Handel-gelelllch. Tommerz- und Brinar-Aanl Darmst. n. Nationalbcmk Deutsche Bonk DMonto-Keselllchaft tot. Dresdner Bank Mitteldeutsche LreditbwU. Metallbau!....... Relchtban! ....... Brief *16^2 169,64 22,19 112,59 59,28 2,53 112,84 8|;46 62.46 12,505 73.57 ■ *Vi . . 8 . . 8 . 10 . . 8 • 10 10 12 U 12 10 10 . 10 . . 9 • . 8 . 12 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. ihnen Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchloffenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 6,5 Prozent, Lombardzinsfuh 7,5 Prozent. .xranflurta M. Ber.tn SckUutz- J-Ubr Schluß. Llnsang Kure «ure flute Sure 22.4. 23.4. 22 4. 23 ”1772 — <17,V — 53,2 — 53,25 53 11,1 10,8 11,3 11 88,5 — - — 79,4 — — - 87,75 — — — 100,5 - _ 31 _ 31 — 2,75 —— z,75 -— 2,15 *— _ 24,55 — 24,6 _ 21,13 — 21.2 — — — 22 — 2,05 •*- 2,05 —— 9,75 — 9,75 — — 9,75 —- — — 9,65 8,25 — -- — — — 17,8 — — _ 119,25 —— 119,75 118,13 — — 191 ■ — —» 150,25 112,5 -— 113,13 112 130 — 129,75 129,5 — — 131 130,25 220 —— 220 217,75 188,5 186,6 188,5 186,6 264,25 261 263,5 260.5 165 160 165,4 164 15b — 156,5 '62 162 —— 162 155 — —» 160,5 — - —— — 303 301 304,5 301 •vrantfun a-M. Berlin Schluß- 1-Uht- Schluß-' ülnsong flute flute flute flut« 22.4. 23.4. 22-4. 23.4. ’ 166,5 164,5 166,5 164 219,25 218,5 219 218 163 162 163 162,5 — 206 208 205 137 — 138,5 135,5 224 220 223 5 218,75 — — 144,5 144.13 — —— 163 159,5 —— — 200 197,5 —— 231,25 234,75 230 374 368,75 374,5 361,75 —- — 147,5 142,75 164 — 165 163,13 74,5 — 74,75 71,5 —- 119 119,5 117,75 — —— 117,9 115,5 129,75 —— 129,5 128,75 135,5 — 135,25 135 — — 119 140,75 211,5 — 211,5 211 102 — 101,25 100,75 — — 117,75 115 114 112,13 114 112,25 130,5 —— 131,5 129,25 — —— 85,4 82,75 —— — 102,25 100,9 93 92,25 93 92,25 — 272.75 278 274 117 115.5 116,75 114,5 77 140.25 91 — 91.4 90,75 — — 66,65 66 231,5 227,5 230,5 226 237 233.75 236 233 362 358 363,5 358,5 Franksun a M. Berlin Schlug- Kurs 1 Ubr- Sure Schluß- flute Ansang flut? Datum 22.4. 23.4. 224. 23 4- Phulvv Pvlzmonn .... Heidelberger Cemenl. . . Wanß & Freitag ...» Schultheis Patzenhofer . . Lskwerke........ Bet. Glanzsloss..... Bemkntg........ fleufioff Waldhos .... Zellswss Slichassenbuta . . 15barlotlen bürget SBaper . Dessauer Gas...... Daimler Motoren .... Deutsche Maschinen-Fabrik Adlerwerke flleoer .... Ludw. tioeroe . . • Nat. Automobil . . . . • Crcnftdn & floppe! . • • Leonhard Tietz . • • • Bamag-Megutn . . . • • Franks. Maschinen . . . • Grinnet . . . ... . Henligcnstaedt . • . . • IunghanS. . ...... Lechwcrke. . ...... Mainlrastwerr« . ... . Miag. . . ...... Rekarsulmer ...... Beters Union ...... Gebt. Roeder . ..... Voigt & Haefsner .... Südd. Zucker ...... 10 . 8 10 16 12 18 14 12 12 * 8 . 0 . 0 . 5 10 . 0 . 5 . 6 . 0 . € 11 . 0 . S . 8 io . S 10 . 8 . 8 120 147,13 177 437 57,5 58 85.25 12,5 67 113 115 125.75 17.5 120,5 115,5 213 153,25 1 1 i 1 1 1 1 S 1 H 1 1 l l 1 1 ä1 1 1 11 1 1 l S1 I I 119,5 128 292 238,5 435 343,5 258,5 182,25 114 206 57 52 50,25 204,5 92,5 278 84 66,5 126.5 17,5 119 213 153 121,75 289 235 429 337 256 180,5 111.75 202,5 56 51 50,25 204 92,5 274 125 22. S.prtl 23. April Amtliche Notierung toelb 1 Brte, Amtliche Notierung t^>eld I Briet 169,22 169,56 169,30 Buen.-ÄireS 1,771 1,775 1,772 Brff.-Antw- 58,51 58,63 58,50 Christiania. 112,36 112.58 112,34 flov-nbagen 112,34 112,56 112.34 112 55 Stockholm . Helsingfor». Italien. . . 112,57 10,594 22,03 112,79 10,614 22,12 112,54 10,59 22,06 112,76 10,61 22,10 20,49 4.2215 16,50 81,285 60,66 1,89 0,50 London. . . Neuhork . . PrriS.... Schweiz .. Svanira. Japan . . . '»io de Fan Dien tu D-- 20,449 4,2135 16,46 81.105 61.66 1.886 -.5005 20,499 4,2215 16,50 81,265 61,78 1,890 0,5025 20.45 4.2135 16,46 81.185 60,54 1,88 0,50 Ceft. abgcst 59,17 59,29 59,18 59,30 Vraa .... Belgrad . . Badaprst. . Bol arten Lissabon . Tanii«. . . Konst ntiu. Athen. . . Tanada Uru uaQ . . Kairo . . . 12,47 7,408 73,39 3.047 18,87 81,73 2,071 5,465 4,181 4,156 20,97 12,49 7,422 73.53 3,053 18,91 81,89 2,075 5,475 4,189 4.164 21,01 12,46 7,41 73,38 3.047 18.85 81,73 2,06 5.45 4,17 4,11 20,98 12,48 7,4? 73,52 3,053 18,89 81,89 ■ 2,07 5,42 4,18 4,12 21,06 Berlin. 22. 1'lvrU ikeld "rief 'Ameriumndic Naren .... ' Belgische Noten. ...... Dänssche Noten ...... . Eogüsch« Note» 4,225 58,40 112.20 20.457 4,245 58,64 112,64 20,537