Nr. 196 Erstes Matt 179. Jahrgang Donnerstag, 22. August 1929 Eriche int täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte _ Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschluffe untetSammclnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: granffurt am Main 11686. GietzenerAnzeigcr General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitcttr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20",, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Kein Ergebnis der Sechs-Mächte-Besprechung imHaag Siresemanns Forderung nach Rückkehr zum Konferenzprogramm. — Der kritische 1. September. - Snowden und Briand lehnen ein Provisorium ab. — Fortsetzung der Verhandlungen. Haag, 21. Aug. (Funkspruch.) Die Zusammeu- kuufl der sechs Machte am Mittwochnachmiltag dauerte zweieinviertel Stunden. Rach Ausgang der Sitzung wurde mitgeteilt, dah die Verhandlungen am Donnerstagoormittag 10 Uhr fortgesetzt werden. Die Sitzung hat mit einer längeren Rede Dr. Stresernanns begonnen, die 11 Stunden dauerte. Anschließend haben Brianb und der Schahkanzler Snowden das Wort ergriffen, worauf Dr. Strefemann noch einmal in längeren Ausführungen erwiderte. Auf Vorschlag von vriand ist beschlossen worden, den Inhalt der heutigen Reden der Presse nicht bekanntzugeben. Der Präsident der Sitzung, der belgische Ministerpräsident 3af par, wies darauf hin, daß im Hinblick auf die außerordentliche Bedeutung der zur Verhandlung stehenden Fragen ein Abschluß der Aussprache heute nicht möglich sei und daß aus diesem Grunde die Verhandlungen am Donnerstag weiter f o r t g e s ü h r t werden müßten. Lin sachliches Ergebnis ist somit in der Sechsmächte-Vespre- chung nicht erzielt worden. Die internationale Presse, die sich in großer Iaht im Dinnenhofe versammelt hatte, wartete mit allergrößter Spannung auf das Ergebnis der Sitzung, da man vielfach bereits mit wichtigen Beschlüssen gerechnet hatte. Siresemanns Forderung. Briand undLnowden indcrAblehnung einig Berlin, 22. Ang. (Telnn.) Heber den Verlauf der Sechs-Mächte-Besprechung am Mittwochnachmittag, wissen Berliner Blätter nähere Einzelheiten zu berichten. Rach der „D. A. Z." hatte dir erste Rede Dr. Stresernanns, in der er das deutsche Ansuchen begründete, folgenden Gedankengang: „In Paris sei von den ersten Sachverständigen der Welt anerkannt worden, dah Deutschland die Lasten des Dawespla- nes nicht tragen könne. Als Höchstmaß seiner Leistungsfähigkeit habe man die Zahlen des Poungplanes aufgestellt. Wenn ein Gläubiger seinem Schuldner bestätige, dah er zu höheren Leistungen nicht in der Lage sei und ihn trotzdem zu diesen höheren Leistungen zwinge, so schädige er seinen Kredit. Das treffe besonders deswegen zu, weil die Pariser Sachverständigen mit größter Deutlichkeit darauf gedrungen hätten, den Poungplan am 1. September in Kraft zu sehen. Für die Verzögerung des Inkrafttretens und ihre Folgen für Schuldner und Gläubiger müsse jede Verantwortung abgelehnt werden. Die Haager Konferenz habe sich so ent- wickelt, dah eine solche Verzögerung tatsächlich kaum mehr zu vermeiden sei. Ebensowenig sei eine Regelung der mit der Iributfrage auf das engste zusammenhängenden politischen Probleme vor dem 1. September zu erwarten, wenn nun der von den Sachverständigen vorgesehene Zeitpunkt durch die Schuld der Gläubiger und nicht des Schuldners nicht eingehalten werden könnte, dann müßten die Gläubiger auch die Konsequenzen tragen. Von Deutschland könne nicht verlangt werden, daß cs mehr zahle, als die Pariser Sachverständigen von ihm gefordert hätten. Es mühte also mindestens eine Regelung für d i e Zeit bis zum wirklichen Inkrafttreten des Poung- planes gefunden werden, damit Deutschland ab 1. September im höchstsa11e d i e Poung- Annuität zu zahlen habe." Heber die Stellungnahme Briands und Snowdens melden die Blätter übereinstimmend, dah die beiden Redner den Vorschlag kühl und ablehnend ausgenommen hätten. 3m Bericht der „Deutschen Tageszeitung" heiht es: 3n sehr wesentlichen Punkten wurde der deutsche Standpunkt und die deutschen Vorschläge sowohl von Frank- reichwievonLnglandabgelehnt. Briand habe erklärt, die Voraussetzung für das Aufhören des Dawesplans seidievorherigedefinitioe Annahme desZoungplanes. Linern Provisorium ohne gleichzeitige Bindung Deutschlands könne ec nicht z u ft i m m e n. Richt viel besser sei Snowdens Standpunkt gewesen. — Der „Vorwärts" berichtet: Ohne den moralischen Anspruch Deutschlands auf ermäßigte Lasten des Poungplanes an sich zu bestreiten, scheine Snowden das Hauptgewicht seiner Ausführungen auf die unveränderte finanzielle Forderung Englands gelegt und sich deshalb auf den formal-juristischen Standpunkt gestellt zu haben. Falls die Konferenz scheitere, würde England Anspruch auf seinen durch den Dawesplan vorgesehenen Anteil erheben. Briand habe mit aller Entschiedenheit die Auffassung vertreten, daß der Dawesplan selbstver- ständlich roeitertauf en müsse. — Die „Germania" berichtet weiter, dah bei der Aussprache die Differenz zwischen der britischen und französischen Reparationsauffassung erneut scharf zum Ausdruck gekommen sei, und daß Snowden sich gegen den Vorwurf zur Wehr gesetzt habe, daß seine Haltung an der Verzögerung der Konferenz Schuld trage. — Aus der Schlußrede Stresernanns vermag die „DAZ." zu berichten, daß der Führer der deutschen Delegation bei seiner Kritik an den Methoden der Konserenzverhandlungen darauf hingewiesen habe, daß sich der Kongreß zu einem wirklichen Kongreß wie der Rhein bei Köln zu dem in soundso viele Mündungsarme zerfallenden Rhein bei Katwijk verhalte. Kein Entgegenkommen in der Ranmnngsfrage. Briand vertritt die Forderungen des französischen Generalstavs. Paris, 22. Aug. (WTB. Funkspruch.) lieber die Slellungnahm Briands in der Räumungsfrage macht der Sonderberichterstatter des „Malin" im Haag folgende Angaben: Briand habe -sich sehr f e st gezeigt. Das politische Zugeständnis liege in der Tatsache, daß die vorzeitige Räumung gewünscht fei, und daß die Räumung der dritten Zone beginnen werde, sobald die Reparationen geregelt seien. Dieser erste große Erfolg der Politik Siresemanns könne nicht durch einige Wochen Frist entwertet werden. Die zweite Zone sei Briand geneigt, vier Monate früher, also im September, räumen zu lassen. Wenn die Engländer erklärten, daß sie ihre 5000 Mann ta hrei .M-. -«rückziehen werden, so könne man französischerseits darauf erwidern, dah man in dem gleichen Zeitraum 12 000 Mann französischer Truppen zurücknehme. Um aber die restlichen 38 000 Mann zurückzuführen, müsse mau er st Unterbringungsmöglichkeiten vorbereiten. Das französische Oberkommando sei auch nicht geneigt, die Truppen und die ungeheuren Materialbestände im Winter zurückzuschaffen; um die Soldaten -unfetjubringen und sie unter guten hygienischen Bedingungen zurückzubringen, dürfe die Räumungsoperation nicht vor dem l.März beginnen. Sie könne also nicht vor 5 e p tember 1 9 3 0 b e - endet sein. Diese Deckungsarmee müsse längs der Grenze bleiben. Man dürfe sie nicht in ferne Garnisonen zerstreuen. Briand sei nicht geneigt, über die Gutachten seiner militärischen Mitarbeiter hinwegzugehen. Pessimismus im Haag. Man spricht von Vertagung der Konferenz. Haag, 22. Aug. (TU.) Eine Vertagung der Konferenz zu einem späteren Zeitpunkt scheint nach dem Ergebnis der Mittwochverhandlung unmittelbar bevorzustehen. Der Ausgang der Sechs-Mächte-Besprechung hat in Haager Kon- serenzkreisen einen sehr niederdrückenden Eindruck hervorgerufen. Die Aussichten für eine Weiterführung der Verhandlungen werden im Haag sehr gering beurteilt. Die am Donners- tagvormittag erneut stattfindende Zusammenkunft der sechs Mächte dürfte kaum einen anderen Zweck haben, als die Begründung der Vertagung festzulegen. Die Vertagung dürfte vermutlich in der Form erfolgen, daß ein neuer Zusammentritt der Konferenz für Ende September oder Anfang Oktober an einem noch zu bestimmenden Orte in Aussicht genommen wird. Ein praktischer Ausweg aus der völlig hoffnungslosen Lage der Konferenz besteht kaum mehr. Nirgends sieht man einen neuen Gedanken, einen neuen Vorschlag oder eine neue Anregung, wie die Konferenz in ein anderes Stadium gebracht werden könnte. Es bleibt nur noch die Vertagung übrig. Auf französischer Seite wird offenbar schon heute mit großer Sicherheit mit einer Verschiebung der Konferenz gerechnet. Die Verantwortung will man naturgemäß ausschließlich auf die gegenwärtige englische Regierung abwälzen, der man rein innerpolitische Beweggründe unterschiebt. Das Ergebnis einer Vertagung wird zunächst für Deutschland eine ernste und schwere Lage schaffen. In letzter Stunde kann vielleicht noch versucht werden, ein Provisorium für den älebergang vom Dawes- Plan zum Poung-Plan zu schaffen. Eine Vertagung würde für Deutschland heißen, dah d i e Räumung der Rheinlande auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben wird, daß die französische Forderung auf eine Kontroll-Kommission im Rheinland bestehen bleibt, dah die Saarfrage ungeregelt ist und dah die finanzielle Lage Deutschlands gegenüber seinen Gläubigern völlig ungeklärt bleibt. Die englische Abordnung ist der uneingeschränkten Unterstützung der gesamten öffentlichen Meinung Englands sicher und wird bei einem Zusammenbruch der Konferenz in London als Sieger empfangen werden. Die deutsche Regierung dürste dagegen damit in eine der schwer st en Krisen derRachkriegs- z e i t eintreten. pariser Echo. Paris, 22. Aug. (WTB. Funkspruch.) Lieber den Verlauf der gestrigen Vollsitzung im Haag schreibt „Echo de Paris": Bezüglich der Forderung einer vorläufigen Regelung der Reparationen habe Snowden ebenso wie Briand, Mosconi und Iaspar nur eine ab« lehnende Haltung einnehmen können. Es sei klar, dah der Dawesplan weder abgeschafft, noch in seiner Wirkung ausgesetzt werden könne, bevor der Voung-Plan internationales Gesetz geworden sei. Der Reichsauhenminister habe sich darauf versteift, die Gläubiger vor eine brutale Entscheidung zu stellen, nämlich die: Deutschland bezahle nicht. _ Die logische Folge eines solchen Gewaltaktes hätte den unverzüglichen Abbruch der Konferenz und die Zurückverweisung der? Deutschen auf den Dawesplan zur Folge; aber selbstverständlich seien die Gläubiger, die ihren gemeinsamen Gegner und Schuldner vergessen hätten, einer so starken Entschlossenheit nicht fähig und hätten sich bereiterklärt, am Donnerstagvormittag eine neue Sitzung abzuhalten. Das sei für Strefemann ein er st er Erfolg. London hegt keine Hoffnung mehr. Das ungenügende Angebot Italiens. London, 22. Aug. (WTB. Funkfpruch.) Die Morgenblätter halten die erfolglose Beendigung der Haager Konferenz Ende dieser Woche für nahezu sicher. Sie melden übereinstimmend, dah das wertlose italienische Angebot eine Einigung unmöglich mache. Das italienische Angebot hinsichtlich Erhöhung der britischen Kohlenlieferung an Italien sei infolge der damit verknüpften Bedingungen wertlos. Was den angebotenen Anteil an den ganz unsicheren Zahlungen der Tschechoslowakei an Italien betreffe, so würde er weniger als ein Fünftel des Gewinnes ausmachen, den Italien auf Kosten Grohbritanniens aus dem Voungplan ziehe. Die Aussichten darauf, daß die Konferenz mit einer Vereinbarung über die Reparationsfrage enden werde, sei nur noch sehr gering. Es werde allgemein erwartet, daß die Konferenz am Samstag mit einem harmlos klingenden Kommunique ihr Ende finden werde. In dem Kommu- niqutz werde eS wahrscheinlich heißen, die Zeil sei zu kurz befunden worden, um die vom Krieg hinterlassenen finanziellen und politischen Probleme zu regeln, und die Verhandlungen müßten daher zu einem späteren Zeit« punkt wieder ausgenommen werden. 9er AmerWarl des „Gras Zeppe1iil"verschobM. Defekt an derMotorengondel. - Donnerstag mittag Wiederaufstieg wahrscheinlich kasumlgaura, 21.Aug. (Associated Preß.) 3nfolge eines geringfügigen Anfalls ist der Start des Luftschiffes „Graf Zeppelin" aufgeschoben worden. Sämtliche Passagiere des Luftschiffes hatten sich um 3.47 Ahr an Bord begeben, und um 4.04 Ahr begann die Bodenmannschast den „Gras Zeppelin" aus der Luftschlfshalle herauszuziehen. Drei Minuten später, als das Luftschiff gerade das Freie erreicht hatte, stieß infolge eines fehlerhaften Schienenwagens die Hintere Motorgondel auf den Erdboden auf. Durch den Stoß wurden zwei Streben gebrochen. Am 4.15 Ahr wurde das Luftschiff in die Halle zurückgebracht. Dr. Eckener stieg sofort aus und begann den Schaden zu untersuchen. Er erklärte, die Ausbesserung der Streben dürfte etwa acht Stunden dauern. Die Weiterfahrt des Luftschiffes werde voraussichtlich Donnerstag abend 9 Ahr, T o - kioer Zeit (1 Ahr mittags mitteleuropäische Zeit) stattfinden. Alle Fahrgäste sind vorläufig nach Tokio zurückgekehrt. Die Menschen, die in ungeheuren Scharen die ganze Rächt hindurch auf dem Flugplatz zugebracht hatten, um bei dem Beginn des dritten Fahrtabschnittes des „Graf Zeppelin" zugegen zu sein, waren über das Mißgeschick, das dem Luftschiff zugeftoßen war und ihre Hoffnungen vereitelt hatte, bitter enttäuscht. Viele von ihnen harren aber auch n o chsw eiter aus und hoffen, daß ihre Geduld innerhalb der nächsten 24 Stunden belohnt werden wird. 3n der Gepäckkabine des Luftschiffes wurde gestern abend wieder ein blinder Passagier entdeckt, der sich trotz der größten Vorsichtsmaßnahmen der Wachtmannschast hatte einschleichen können. Er war, als man ihn aus feinem Versteck herausholte, halb erstickt, und wurde nach ärztlicher Hilfeleistung den Behörden übergeben. Oer letzte Tag auf japanischem Boden. Ltartvorvereitnngcn nnd Verproviantierung. Tokio, 21. Aug. (Associated Preß.) Die Spannung, mit der die Bevölkerung Iapans der Fortsetzung von Dr. Eckeners Welt- f l u g entgegensieht, nimmt immer mehr zu. Im Laufe des Rachmittags sind tausende und aber tausende in Sonderzügen von Tokio nach Kasumigaura geeilt mit dem festen Entschluß, die ganze Rächt auf dem Flugfeld auszuharren und dem großen Ereignis des Abflugs beizuwohnen. Ebenso sind lange Automobilkarawanen nach dem Flugfeld unterwegs. Der Minister des Auswärtigen, Takarabe, Admiral Kato und andere Vertreter der amtlichen Kreise Iapans beabsichtigen ebenfalls, persönlich beim Start des Luftschiffes anwesend zu sein. Das Schiff ist auch heute nachmittag von zahlreichen Schaulustigen besichtigt worden, unter denen sich u. a. der Bruder der Kaiserin, Prinz Kuni, und Prinzesin Ve von Korea befanden. Die Passagiere und die Mannschaft des Zeppe- lins benutzten heute, soweit das Fesstrrogramm ihnen Muße lieh, die Zeit, um Einkäufe zu machen. Auch Dr. Eckener hatte angesichts der großen Hitze den Versuch unternommen, einen weißen Sommeranzug zu erstehen, mußte aber darauf verzichten, da sich in ganz Tokio nichts fertig vorfand, was mit seiner Statur auch nur einigermaßen in Einklang zu bringen war. An Stelle der in Iapan ausfcheidenden drei Passagiere werden Leutnantkommander K u s a t a vom Admiralstab der Marine und der Korrespondent einer japanischen Nachrichtenagentur S h i r a i sowie wahrscheinlich Major S h i b a t a vom japanischen Generalstab mitfahren. Für den ersten Teil des Fluges über den Pazifik rechne! man auf Rückenwind. Tiefdruckgebiete nahe den Donin-Inseln und Sibirien, von denen die Wettermeldungen sprechen, dürften ohne Einfluß ans die Fahrt des Luftschiffes bleiben. Im übrigen hat, wie Mitglieder der Schiffsleitung erklärten, das Luftschiff auf dem Fluge von Deutschland nach Iapan weniger als drei Viertel seines Betriebsstofstorrats aufgebraucht, so dah cs theoretisch möglich gewesen wäre, den Flug von Sibirien nach Amerika ohne Zwischenlandung in Iapan zu unternehmen Wie der Vertreter der Hapag erklärte, muhten während des Aufenthalts des Luftschiffs in Iapan 40 Bewerbungen um Passa « gierplätze für die weitere Fahrt wegen Platzmangels zurückgewiesen werden. Dr. Eckener und die Offiziere des „Graf Zeppelin" sind heute um 22.30 Llhr japanischer Zeit (14.30 Llhr MEZ.) mit der Bahn nach dem Flugplatz Kasumigaura ab- gefahren. Die Passagiere folgten um Mitternacht in einem Sonderzug. Zur Aufstellung in der Vorratskammer des Luftschiffes wurden 50 Flaschen Sekt, 50 Flaschen Wein sowie Whisky und Liköre aufgenommen. Der Diervorrat wurde hier nicht ergänzt. Obwohl man damit rechnet, dah der Flug über den Pazifik nur drei bis vier Tage dauern wird, nahm der „Graf Zeppelin" genügend Proviant an Bord, um di« 20 Passagiere und 41 Mann der Besatzung sechs Tage lang voll verpflegen zu können Auch eiserne Rationen für den Notfall sind ausgenommen worden. Der Proviant, ist in Metallbehälter verpackt und wird durch Trocken« eis frisch erhalten Für das Mittagessen des er st en Flugtages ist folgendes Me« nu vorgesehen: Gänseleberpastete, Kraftbrühe, ge- dämpftes Huhn, Spargel und sonstiges Gemüse, Salat, Speiseeis und Obst. Zahlreiche Privatpersonen und Geschäftsfirmen fertigten noch in den späten Nachmittagsstunden in aller Eil« d ie letzte Post für das Luftschiff ab, das im ganzen 5700 Postsachen für Amerika und Europa mitnimmt. Auf der Oatumsgreuze. Berlin, 21. Aug. (Priv.-Tel.) Die Heber- querung de s Stillen Ozeans durch den „Graf Zeppelin" ist die erste Fahrt dieser Ar! in der Weltgeschichte und die ssrößte Ueberwasser- reise, die jemals gemacht worden ist. Es steht noch nicht fest, welchen Kurs Dr. Eckener einschlagen will und wie sich seine Dispositionen während der Fahrt stellen werden. Die Entfernung, die das Luftschiff auf der dritten Etappe seines Weltfluges zurückzulegen hat, beträgt, wenn es den kürzesten Weg einschlagen kann, von Tokio nach San Diego rund 1 0 400 Kilometer. Dabei ist allerdings eine Abbiegung Wiffells Aeformeniwurf zur Arbeitslosenversicherung. Berlin, 21. Aug. (WTD.) Amtlich. Die Reichsregierung hat dem Reichsrat den Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Gesetzes über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung vorgelegt. Aus den Bestimmungen des Entwurfes sei folgendes hervorgehoben: Der Begriff der Arbeitslosigkeit wird im Gesetz definiert. Es kann also künftig nicht mehr vorkommen, daß Personen, die in Wirklichkeit keine Arbeitnehmer sind, die Arbeitslosenunterstützung beziehen. G e - ringfügige Beschäftigungen sollen künftig nur dann versicherungspflichtig sein, wenn sie von Personen, die berufsmäßig überwiegend als Arbeitnehmer tätig zu sein pflegen, berufsmäßig ausgeübt werden. Die Sperrfristen, die bei unberechtigter Arbeitsverweigerung oder bei freiwilliger Aufgabe oder schuldhaftem Verlust einer Arbeit verhängt werden, sollen künftig nicht starr auf vier Wochen festgesetzt sein, sondern der Entwurf gibt den durchführenden Stellen einen elastischen Rahmen von zwei bis acht Wochen. Durch eine Reihe weiterer Vorschriften wird die Kontrolle verstärkt. Der Arbeitslose, der einen Antrag auf Unterstützung stellt, muß künftig angeben, in welchen versicherungspflichtigen Beschäftigungen und wie lange er in diesen seit dem Beginn der Anwartschaft gestanden hat. Die W a r t e-z e i t soll künftig nicht mehr allgemein sieben Tage betragen, sondern nach dem Familienstande gestaffelt sein, so daß Arbeitslose ohne zuschlagsberechtigte Angehörige eine Wartezeit von 14 Tagen, solche mit einem, zwei oder drei Angehörigen eine Wartezeit von sieben Tagen und solche mit vier oder mehr Angehörigen eine Wartezeit von drei Tagen zurückzulegen haben. Gegen eine Umgehung der Wartezeitvorschriften trifft der Entwurf Sicherung. Wartegehälter und Ruhegehälter sollen in Zukunft auf die Arbeitslosenunker- st-ühung angerechnet werden, ebenso in gewissem Umfange auch die Renten derSozialver- s i ch e r u n g. Dagegen bleiben die V e r s v r - gungsrenten von der Anrechnung frei. Die Beiträge zur Krankenversicherung der Arbeitslosen, die aus Mitteln der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung bestritten werden müssen, werden herabgesetzt. Der Entwurf rechnet mit einer Durchfchnittsziffer von 1,1 Millionen Hauptunterstühungsempfänger. Dies bedeutet bei dem gegenwärtigen Rechtszustand einen Gesamtaufwand von 1119 Millionen Maick im Jahre. Diesem Aufwand stehen Beitragseinnahmen von etwa 840 Millionen Mark im Jahr gegenüber. Das ergibt ein jährliches Defizit von 279 .Millionen Mark. Dieser Fehlbetrag wird durch den Entwurf vermindert. Soweit eine Schätzung möglich ist, kommt der Entwurf mit allen Vorbehalten zu folgendem Ergebnis: Es werden voraussichtlich erspart werden: RM. durch die Verlängerung der Wartezeit 25 000 000 durch die Anrechnung von Wartegeld, Ruhegehalt und Sozialrenten 16 000 000 durch die Herabsetzung der Krankenkassenbeiträge 30 000 000 durch die Aenderung der Sätze bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit 21000 000 zusammen 92 000 000 alles auf ein Jahr berechnet. Dadurch vermindert sich also der Fehlbetrag von 279 000 000 RM. auf 187000000 RM. Zum Ausgleich sieht der Entwurf eine E r - Höhung der Versicherungsbeiträge um 0,5 v. H. vor, die zunächst bis zum 31. März 1931 eingeführt werden soll. Diese Erhöhung bedeutet eine Steigerung der Einnahmen um 140 000 000 RM. im Jahre, so daß noch ein D e f i z i t o o n 47 000 000 bleibt. Oie Aussprache imGozialpolitischen Ausschuß. Berlin, 21. Aug (DDZ.)Im Sozialpcli.i.chen Ausschuß des Reichstages wurde Die allgemeine Aussprache über die Reform der Arbeitslosenversicherung durch Ausführungen des Reichs- arbeitsminiflers Wissel! eingeleitet, der bei der Begründung der neuen Regierungsvorlage vor allem auf die Punkte einging, in denen der Gesetzentwurf von dem Gutachten des Sachverständigenausschusses abweicht. Bei einer Beitragserhöhung um 0,5 v. H., wie sie die Vorlage vorsieht, bleibe ein Fehlbetrag von 47 Millionen ungedeckt. Diese Lücke sei in der Regierungsvorlage nicht ausgefüllt. Die Regierung überlasse es dem Reichstag, über die Deckung geeignete Vorschläge zu machen. Abg. Grahmann (Soz.) wandte sich gegen eine generelle Herabsetzung der Leistungen. Eine Relation zwischen Beiträgen und Leistungen müsse abgelehnt werden, dagegen sei die Sozialdemokratie gern bereit, an der Abstellung bestehender Mißbräuche mitzuwirken. Reichszuschüsse würden sich auch in Zukunft Nicht immer vermeiden lassen. e Abg. Pfeffer (Dtfch. Vp.) erklärte, daß es für die Deutsche Volkspartei überflüssig sei, zu erwähnen, daß sie mit der Vorlage nicht einverstand en sei. Cs fehle das Hauptstück, und es sei ein ziemliches Rovum in der parlamentarischen Geschichte, daß das Kabinett eine unfertige Vorlage dem Reichstag vvrlege. Aach Auffassung seiner Fraktion müsse klar und deutlich unterschieden werden zwischen den Versicherungsleistungen, die man den langfristig Beschäftigten gebe, und den kurzfristig Beschäftigten, die auf Grund ihrer Beiträge nicht auf versicherungsmähige Leistung, sondern nur auf Leistungen, die der Fürsorge ähnlich wären, Anspruch haben könnten. Wenn man diesen Grundsatz durchführe, würde mit einigen anderen Ersparnissen so viel gespart werden können, daß eine Beitragserhöhung überflüssig sei. Abg. Dr. Haß lach er (Dn.) erklärte die Zustimmung seiner Fraktion zum größten Teil der Vorschläge, wie sie in der Regierungsvorlage enthalten sind. Er bemängelte aber, daß in dem Kernpunkt der Frage das Hauptstück, das auch in den Verhandlungen der Sachverständigenkommission die Hauptrolle gespielt habe, h e r ausgelassen sei. Die deutschnationalen Anträge hätten zum Grundgedanken gehabt, die Verstärkung des Versicherungsgedankens im Arbeitslosenversicherungsgesetz, indem sie zur Durchführung bringen wollten eine Bemessung der Unterstüt- zunasleistung nach der Höhe der gezahlten Beiträge, d. 6. der Anwart- fchaitszeit. Die Deutschnationalen seien der Ile» berzeugung, das den harten Aotwendigkeiten der Lage im verarmten Deutschland nicht anders Rechnung getragen werden könne als durch einen Abbau der Verficherungsleistungen da eine Erhöhung der Beiträge für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber völlig außer Frage stünde. Lege man zugrunde, daß die Durchführung der Anträge Rresener-Esser eine Ersparnis um 130 Millionen bringen könne, so sei die für das Aormaljahr von der Reichsregieruna errechnete Fehlsumme von 187 Millionen durch die erwähnten Ersparnismöglichkeiten sicher voll gedeckt, und darüber hinaus jetzt durch Beitragserhöhung weitere Summen zu beschaffen, sei nicht nötig. — Hierauf vertagte sich der Ausschuß aus Donnerstag. nach Norden wegen der herrschenden Windverhältnisse miteinbezogen. Das Luftschiff hat nämlich, je nördlicher es sich hält, mit um so längeren Tagen und kürzerer Dunkelheit zu rechnen. Wenn alles gut geht, wird in etwa 85 Stu n- den, d. h. in rund 3i Tagen, das amerikanische Festland erreicht sein. Interessant ist es, daß bereits am zweiten Tage der Reise über den Stillen Ozean die Datumsgrenze überschritten wird. Damit ändert sich die Berechnung der Längengrade und es ist bei Verfolg der einlaufenden Standortnachrichten dann genau zu unterscheiden, ob eine Länge östlich oder westlich von Greenwich angegeben ist. Der jetzige Ausgangspunkt des Luftschiffes liegt auf dem 140. Breitengrad östlich Greenwich, vom 180. Grad gehen jedoch die Ziffern wieder nach rückwärts. Die amerikanische Küste wird ungefähr auf dem 120. Grad westlicher Länge angesteuert werden. Die Berechnung der Zeitangaben und die Umrechnung für die mitteleuropäische Zeit erfolgt dann nach einer feststehenden Tabelle. Amerika und die Sowjetunion. Moskau „noch nicht reif" für eine Anerkennung durch Washington. Berlin, 22. Aug. (Priv.-Tel.) Mitglieder der amerikanischen Delegation, die soeben ihren Besuch in Sowjetrußland beendet haben, erklärten einem Mitarbeiter der „Voss. Ztg.", daß auf Grund ihres in der Sowjetunion gewonnenen Eindruckes die Anerkennung derSowjet- regierung durch die Vereinigten Staaten nicht in Frage kommen dürfte. Von 42 führenden Mitgliedern der amerikanischen Delegation sind nur 13 von der Ratsamkeit oder Aot- Wendigkeit einer solchen Anerkennung überzeugt: die sämtlichen übrigen Delegierten sprachen sich gegen einen derartigen Schritt und einer von Üjnen, der Präsident einer großen technischen Gesellschaft in Chikago, erklärte mit Zustimmung seiner Kollegen, es dürfte mindestens ein Jahrzehnt vergehen, ehe die Sowjetregierung außenpolitisch reif genug sei für die Aufnahme ehrlicher offizieller Beziehungen zu den ^Bereinigten Staaten. Wenn auch die Sowjetbehörden in jeder Beziehung entgegenkommend waren und alles taten, um unsere Rußlandreise bequem, interessant und wirtschaftlich nützlich zu gestalten, so find die meisten Mitglieder unserer Delegation doch davon überzeugt, daß die Russen besonders auf politischem Gebiet nicht aufrichtig zu uns waren. Sie wollten uns etwas vormachen und politisch einwickeln, betonte dieser amerikanische Wirtschaftler mit Aachdruck. Anders als über die Anerkennung der Sowjetregierung durch Washington denken die Führer der Delegation über die Frage von engeren Wirtschaftsbeziehungen zu Sowjetrußland. Mehrere Mitglieder der amerikanischen Delegation benutzten ihren Aufenthalt in Moskau dazu, wirtschaftliche Beziehungen zu den maßgebenden Stellen der Sowjetregierung anzuknüp- . fen, mit dem Erfolg, daß bisher Verträge und Vorverträge für die Lieferung von Maschinen und Werkzeugen, die Errichtung von industriellen Neubauten unter der Leitung von amerikanischen technischen Sachverständigen i n einer Gesamthöhe von etwa 25 Mil- lidnen Dollar zustandekommen konnten. Dagegen hat kein einziges Mitglied der amerikanischen Delegation über eine langjährige Investierung größerer amerikanischer Kapitalien in der Sowjetunion verhandelt. Kämpfe in her Mandschurei. Tokio, 21. Aug. (WB.) Aus Mandschuli wird den hiesigen Zeitungen gemeldet, daß russische Panzerzüge sich gestern bis auf 500 Meter den chinesischen Stellungen in Mandschuli näherten. Aus den Zügen stiegen Jnfanterie- soldaten, die unter dem Schutz von Geschützfeuer au f d i e Chinesen schossen. Die Chinesen erwiderten das Feuer mit Haubitzen. Nach einem zweistündigen Kampfe zogen sich die Russen zurück. Die Chinesen verloren 30 Mann, erbeuteten jedoch zahlreiche Geschütze und viel Munition. ßinoneue Eisenbahnlinie im Tanganjika Territorium. London, 21. Aug. (WB.) Nach einer Meldung des Gouverneurs des Tanganjika-Territoriums, der ehemaligen Kolonie D e u t s ch - O st a f r i k a s , ist die Verlängerung der im nordwestlichen Teil des Territoriums gelegenen BahnlinieTangan — Moschi bis Arascha vollendet worden. Es handelt sich um eine Strecke von etwa 80 Kilometer, die das Hochland des Berugebirges, in dem 'sich viele Europäer angesiedelt haben, erschließen wird. Mit dem Bau der Bahn, dessen Kosten aus der vom englischen Parlament im Jahre 1926 bewilligten Ostafrika-Anleihe von 10 000 000 Pfund Sterling gedeckt werden, war 1928 nach der Vollendung der Bahnlinie Tabora—Muansa begonnen worden. Oie Krisis in Oesterreich. Die Schüsse von St. Lorenzen. Berlin, 22. Aug. (Priv.-Tel.) In der Steiermark ist ein schwerer Zusammenstoß zwischen dem sozialdemokratischen Schutzbund und den bürgerlichen Heimwehren erfolgt, bei dem es Tote und Hunderte von Verwundeten gegeben hat. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Darüber werden noch 'die Gerichte zu sprechen haben. Sehr viel ernsthafter sind doch die politischen Auswirkungen. Wäre dieser Stampf eine Einzelerscheinung, dann würde man mit einem leichten Bedauern darüber hinwegkommen. Leider aber ist er viel mehr, ist er der Ausbruch eines Vulkans, der unterirdisch unter dem österreichischen Staat arbeitet. Dieser Staat ist, so haben verständige Leute von Ansang an behauptet, lebensunfähig, schon deshalb, weil der Wasserkopf Wien als Hauptstadt für das übrige Land zu groß ist, und deshalb gar nicht die Möglichkeit besteht, eine aktive Finanzpolitik zu treiben. Die Siegerstaaten haben das bestritten, sie haben deshalb Geld zur Verfügung gestellt und gleichzeitig einen Finanzkommissar eingesetzt, der später wieder abberufen wurde, nachdem Herr Seipel den Beweis der Lebensfähigkeit erbracht zu haben glaubte. Ob er auch heute noch so denkt? Die sozialen Gegensätze hat er jedenfalls nicht ausgleichen können. Die radikale Bevölkerung Wiens steht in heftigem Gegensatz zu den Bauern der Länder, und dieser Kampf findet in den Organisationen des Schutzbundes wie der Heimwehr seinen sichtbaren Ausdruck. Vorpostcngefechte hat es schon wiederholt gegeben. Die Schüsse von St. Lorenzen bedeuten den ersten Ausbruch der Leidenschaften. Wer die Entwicklung aufmerksam verfolgt hat, muß sehr zweifelhaft sein, ob es auch dem besten Willen noch gelingen kann, hier einen Ausgleich zu schaffen. Jedenfalls» sprechen alle Anzeichen dafür, daß die Entladung mit der Gefahr eines Bürgerkrieges früher oder später kommt. Es wäre gefährlich, vor diesen Möglichkeiten die Augen verschließen zu wollen. Die Verantwortung freilich bleibt an den Siegerstaaten hängen, die, nur weil sie die Vereinigung von Deutschland und Oesterreich verhindern wollten, künstlich einen Staat schufen, der so mit Hypotheken belastet ist, daß er darüber zusam- menbrechen muß, und dessen einzige Rettung nur darin besteht, daß er möglichst rasch in Deutschland aufgeht. Oie produktive Erwerbslosenfürsorge. Berlin, 22. Aug. (Priv.-Tel.) Gestern nachmittag fand im Reichstag eine Besprechung zwischen Mitgliedern des Sozialpolitischen Ausschusses und Vertretern des Reichsarbeitsministeriums statt, wobei es sich darum handelte, ob Mittel für die produktive Erwerbslosenfürsorge im Wege einer Nachtragsforderung vom Reichstage verlangt werden sollen. Die Erörterung führte dazu, daß von dem Gedanken Abstand genommen wurde. In politischen Kreisen spricht man von einem neuen Plan, gesetzlich festzulegen, daß gewisse öffentliche Bauten im Winter aufzusühren seien, ferner davon, die Unterwerfung der Länder und der Gemeinden unter die Vorschriften über das öffentliche Derdingungswesen von Reichs wegen neu zuordnen. Aus aller Welt. 33. Deutscher firankenkafsentag in Nürnberg. Der Hauptverband deutscher Krankenkassen eröffnete seinen 33. Krankenkassentag mit einem Vortrag des Vorsitzenden des Hauptverbandes. Lehmann, Berlin, über „Die Reform der Reichsversicherungsordnung". Von den Leitsätzen, Die mit großer Mehrheit angenommen wurden, find folgende von Bedeutung: Die Vorschriften der Reichsversicherungsordnung über die Krankenversicherung würden weder den sozialen Bedürfnissen des werktägigen Volkes, noch den Erfordernissen der Gesundheitspflege gerecht. Deshalb müsse die Bahn freigemacht werden, um die Krankcnsürsorge wirksamer zu gestalten, ohne die Wirtschaft stärker zu belasten. Zu diesem Zwecke sei die Sozialversicherung grundsätzlich zu rationalisieren. Rationalisierung der Organisation bedeute Zusammenfassung der finanziellen Kräfte, Lastenausgleich und Vereinfachung der Verwaltung. Bezüglich des Umfanges der Versicherung wird u. a. gefordert, daß d ieVer - sicherungspflichtgrenze bei 6000Mk. Iahresarbeitsverdienst liege und daß d i e Kleingewerbetreibenden und Kleinbauern in die Krankenversicherung miteinbezogen werden. Für die Rationalisierung der Leistungen werden u. a. folgende grundsätzliche Forderungen erhoben: Neuordnung des kassenärztlichen Dienstes, Anstellung von Vertrauensärzten, die bei der Gestaltung des Heilplanes mitzuwirken sowie die Arbeitsunfähigkeit festzustellen haben. Weiter wird gefordert Schadenersatzpflicht der Kassenärzte bei Schädigungen der Krankenkassen durch unwirtschaftliche Behandlungsweise. Das kassenärztliche Gesamteinkommen ist durch eine angemessene Pauschalsumme zu begrenzen, Gewährung von Krankenpflege an Versicherte auf die Dauer von 52 Wochen, Beteiligung der Invaliden- und Angestelltenversicherung an den Kosten des Heilverfahrens der Krankenversicherung für chronische Kranke, Gewährung von Hausgeld in Höhe des Krankengeldes bei Krankenhaus-, Kurheim-, Genesungsheim- und Erholungsheimpflege. Volle Grsatzpflicht der Unfallversicherung für Leistungen der Krankenkasse an arbeitsunfähige Unfallverletzte. Die Rekordzeit der „Bremen" nicht geschlagen. Die „Mauretania", die Mittwoch vormittag in Plymouth ankam, hat den Rekord der „Bremen" nicht schlagen können. Ihre Durchschnittsaeschwin- digkeit betrug 27,22 Knoten, die der „Bremen" 27,9 Knoten. Lin Einbrecher als blinder Passagier auf der „Bremen". An Bord der „Bremen" befand sich wieder ein blinder Passagier, der 32jährige Hans Derklage. Er hatte in Bremen die Uniform eines Stewards gestohlen und war so an Bord gelangt. Die Reise benutzte er zu Raubzügen in Den Luxuskabinen des Schiffes, wobei ihm Wertsachen im Betrage von etwa 1 0 0 0 0 0 M k. in die Hände fielen. Kurz vor der Ankunft in Reuyort wurde er entdeckt. Er wird schnellstens nach Bremen zurückgeschafft und dort abgeurteilt werden. Eine Geisteskranke als zwötffoche Brandstifterin. In Neufahn (Niederbayern- und Umgebung brachen in ganz kurzer Zeit zwölf Brände aus, deren Entstehungsursachen nicht ermittelt werden konnten, und die die größte Beunruhigung im ganzen Lande heroorriesen. Durch Zufall konnte die 55 Jahre alte Lcmdwirtswitws Maria Högl aus Neufahn, deren großes Anwesen seinerzeit als erstes in Flammen aufging, als Brandstifterin entlarvt werden. Zuletzt lief sie einem fahrenden He u w a- g e n nach und zündete diesen auf offener! Straße an. Eine auf dem Wagen sitzende Frau zog sich beim Abspringen von dem brennenden Wagen empfindliche Verletzungen zu. Als die Brandstifterin bemerkte, daß man sie verfolgte, warf sie sich in Den Straßengraben und schlug sich selbst mit Ziegelsteinen so heftig auf den Kopf, daß sie ziemlich schwere Wunden erlitt Die Frau, die g e i st e s g e st ö r t ist, hat eingestanden, die zwölf Brände angelegt zu haben. Europäische Flugpost nach Persien. Nach Verhandlungen zwischen den Postverwaltungen in Persien und dem Irak, sowie d«r Junkers-Gesellschaft ist ein Abkommen erzielt worden, wonach Junkers-Flugzeuge Post aus dem Irak, sowie europäische Post, die von Flugzeugen der Imperial Airways Co. in Bagdad abgeliefert wird, nach Persien befördert werden. Auf diese Weise wird ein Luftpostdienst Europa— Persien her gestellt. Generalstreikgefahr im polnischen Kohlenbergbau. Die Bergarbeiter des Dombrvwaer Industriegebiets haben an die Arbeitgeber die Forderung auf Einführung der achtstündigen Arbeitszeit einschließlich Ein- und Ausfahrt gestellt. Verhandlungen in dieser Richtung blieben bisher erfolglos. Die Arbeitnehmer stellten darauf die strikte Forderung, den Achtstundentag in der gewünschten Form einzuführen, andernfalls am 24. August der Generalstreik der Bergarbeiter einsetzen werde. Die Streikstimmung ist ziemlich stark, da bereits jetzt Teilstreiks zu verzeichnen sind. Opfer der Berge. Drei Alpinisten, zwei Franzosen und ein Schweizer sind beim Besteigen des Mont- Blanc in einen Gewittersturm geraten. Die Franzosen erlitten beim Sturz Gehirnerschütterungen, der Schweizer wurde vom Blitz getötet. Täglich 200 000 Franken für wahrsagen. Ein früherer Beamter der Pariser Präfektur, der über den Wahrsagebetrieb in der französischen Hauptstadt gut unterrichtet ist, stellt in einer Pariser Zeitung eine kuriose Statistik über die in der Seine-Metropole tätigen Kartenschlägerinnen, Handlinienleser, Astrologen und anderen Vertretern ähnlichen Gewerbes auf, aus der hervorhebt, daß es zur Zeit in der G»ite ßumiere rund 3 4 600 WahrsagesalvnS gibt, die täglich etwa zweihunderttausend Franks einnehmen, was die nette Summe von 73 Millionen Franks im Jahre ausmacht. Gefängnis für einen Posträuber. Das Stader Schöffengericht verurteilte den Postschaffner Peters aus Bremervörde wegen schweren Diebstahls und Unterschlagung zu eineinhalb Jahren Gefängnis. Es handelt sich um einen Postraub aus dem Zug Bremervörde—Wesermünde am 21. Januar 1927, der großes Aufsehen erregt hatte. Es war eine KistemitPostgeldern non über 23000 Mark verschwunden. Peters hatte die Summe in seinem Hause versteckt. Alle Nachforschungen blieben vergeblich bis im Juli d.I. der Diebstahl durch einen Zufall — Kinder spielten auf dem Boden mit gefundenen Geldscheinen — auf» gedeckt wurde. 4000 Mark in Scheinen waren achtlos verbrannt worden, da man sie für Inflationsgeld hielt, 6380 Mark tourben gerettet. Den Rest Der Summe hatte Peters vervraucht. Oie Wetterlage. «ft Ä /6 22 La otdecxi ® woiwig e oeaeCKi elfeattL V Sehnet a Graupeln. 5 Nebel K Gewitter,(g)WindstiHe.«O< seh* cicnier Ost massiger Südsüdwest» c cn 3 ’S* J c Seltersweg 63 / Inh.: Fr. Holzheimer ?■? Fw» MM . LTEUEÜq HAM Helmtzenlwnig - Diele haben gut getroffen. — Aber Oer „Echühen- Oberst" hatte doch Oie ruhigste HanO unO das.sicherste Auge. - So gibt es heute auch eine ganze Anzahl wirklich guter Zigaretten, aber Oie OBERST mit Oem beliebten, leicht-würzigen Aroma trifft am sichersten Oen Geschmack Oes süOOeutschen Rauchers. OBERST SÜDDEUTSCHLANDS GUTE FÜNFER Oberleitung H. Druce wurde. Der Film 05308 zu vermieten Lollar, im August 1929 6931D Gießen, den 21. August 1929. 06806 Vertrauen. 6953D Ludwig Simon,Techn.Oele u.Fette,Odenhausen/Lahn Bahnhofs-Restaurant MMWW Gtetz. Anz. 05303 Auszugs-Mehl feinstes Pfund 0.26 unter Preis zu verkaufen. 6948D Sultaninen kalifornische Pfund 0.50 Äorinthen feinste Gartenfrucht, Pfund 0.80 gesucht 6944 D neue W.M-WngeZI.0.40 Bonbons, gemischt. .V« Pfd. nur 14 Pf. */4 Pfund nur 24 Pf Eiswaffeln zu Filialen: 1 Kaffee-Gebäck Pfund 24 Pf. V Walltor str a fee 12 Mäusburg 3 KL Woolfe; Regie: Kapt. Summers — ist unter Verwendung englischer Streitkräfte mit großer V* Pfd. nur 19 Pf. V* Pfd. nur 19 Pf. Mai 1930, preiswert abzugeben. Schrifil. Angeb. unt. 05313 an den Gies,. Anzeiger. gebraucht.bestenSer- halten, 250 mm Spitzenüöhe, mindestens 1250 mm Dreh- lange, zu taufen aes. Schrifil. Angeb. unt. 6947O an d. Gst. Anz. Weintrauben fü&e Pfirsische saftige.... Tomaten reise....... 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Es gebe nur einen Weg. den der eigenen evangelischen Wahlvorschläge. Die Abgeordneten bildeten im Würltembergischen Landtage trotz ihrer Minderheit das Zünglein an der Waage, so daß ohne sie keine Regierung bestehen könne, ja noch nicht einmal Anträge durchgebracht werden könnten. Dem Vortrage folgte eine anregende Aussprache. •• 3m Lichtspi elhaus, Bahnhofstr a he läuft seit gestern ein englischer Kriegsfilm : er ist hergestellt mit Unterstützung der brittschen Admiralität und unter Mitwirkung von deutschen und englischen Sachverständigen und behandelt die Seeschlachten bei Coronel und den Falklandsinseln, das Schicksal des deutschen Kreuzergeschwaders des Grafen Spee, welches am 1. Rovember 1914, wie man sich erinnert, das englische Geschwader unter Cradock bei Coronel vernichtete und fünf Wochen später von den überlegenen Kräften des Admirals Sturdee bei den Falklandsinseln nach erbittertem Kampfe zum Untergang gebracht DKW Motorrad 200 u. SCO ccm, fast neu, verkauft Schilling. 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Die schauspielerischen Leistungen treten zurück: die geschichtlichen Vorgänge sollen im großen Zusammenhang gezeigt werden. Der Film hätte einen besseren Besuch verdient, als er am ersten Tage zu verzeichnen war. " Gin Landsturmtag in Gießen ist am 6. Oktober für die Angehörigen des ehemaligen Landsturm-Znfanterie-Dataillons XVIII/9 geplant. Das Bataillon wurde im Sommer 1914 in Gießen zusammengestellt und rückte am 10. Oktober 1914 nach Dalenciennes in Frankreich aus. * Zur Schweinezwischenzählung am 2. September. Die Hessische amtliche Pressestelle teilt mit: Am 2. September findet, wie bereits mitgeteilt, wieder im ganzen Deutschen Reich eine Schweinezwischenzählung statt. Die Zählung ist, durch dringende Vorstellungen der landwirtschaftlichen Berufsvertretungen veranlaßt, vom Reichsminister für Ernährung und Bürgervereinigung „Sachsenhausen- Gießen" Samstag, o. 24. 8.29. abends 9 Ubr aaßerordentl. Hit- gliederveriammlung im „Fischerbos". T.-Ord.: Barackenbau an der Kroß borfer Straste. Vollzäht. Erscheinen erwünscht 6938D der Vorstand» Landwirtschaft angeordnet worden, obwohl erst am 1. 3uni d. 3. eine Schweinezwischenzählung stattgefunden hat. Die volkswirtschaftlichen Interessen, die eine vierteljährliche Zählung des Schweinebeflandes und seiner Altersgliederung dringend erforderlich machen, sind allzuschwerwiegend, als daß man aus Rücksichtnahme auf die mit der Zählung verbundene behördliche Ar- beit auf die Zählung hätte verzichten können. Es sei an den Zusammenbruch der Schweinepreise im Jahre 1927 erinnert, der die Landwirtschaft sehr geschädigt hat. Ueberhaupt haben in den letzten 3ahren die Schweinepreise außergewöhnlich heftige Schwarckungen aufzuweisen gehabt. Auch die Verbraucher leiden durch zeitweise ungewöhnlich hohe Schweinefleischpreise unter dieser sprunghaften Entwicklung. Rur wenn es mit Hilfe der Schweinezwischenzählungen möglich ist, sich über die Entwicklung des Schweinebestandes in kurzen zeitlichen Zwischenräumen zu informieren, kann einer Heberproduktion an Schweinen oder einer zu geringen Rachzucht, die zu auhcr- gewöhnli toQt zusrie; gewesen ui 'allen Cnie flcton und anstrengt. ( war ni. Dalle er ni 3u'8taw »wahren, gekommen !O gut c 'ehr gut. ( °benb. Au haar c *6 Her Kr Nkr. .N sah ^.Nch ihre Ankernd r Ahnend iu. Mlabt < Iei^ten $v rötlichen ' ^tisch' '3Dlle Had . -Denn eine schon j:t " nie, Billige und gute Sähe Sachen MW für sofort für halbe Tage gesucht 05309 Frankfurter Stt. 43 l, l. Ml. 3lminet- 11. tzMWWN gegen hohen Lohn gesucht 07)320 flotel vrlaz Carl. (Stellengesuche) Saubere Frau sucht für vormittags 1 bts 2 Stunden Beschäftigung i.Haus halt. Schrttti. Angebote unt. 05314 an den Glest. Anz. erb. Verkäufe | Gutgebendes Lebensmittel- Geschäft in guter Lage von ernstb. Setdslreflekt. su kaufen oder zu pachten gesucht. 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Anz. erbeten. ■ ■s CIGARETTE MOL DAVAN HOCHKULTUR DIE NEUE 5Pfg MS Alleinverkauf in den Zigarrengeschäften von W. Moeser G.m.b.H. 690 JD Donnerstag, 22. August 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. (96 Zweites Blatt ihr Fahrt in der Nacht Von Hedda AZestenberger. hin. Nicht halb und nicht verträumt, sondern mit einem schnellen Ruck. „Es geht", sagt ihre Helle Stimme in den summenden Motor und in Axels sentimentales Herz hinein. Axel stottert beinah: „Was geht?" „Daß wir beide fahren", erklärt Gert. „Ich' hab' doch die ganze Zeit Ihre linke Hand ersetzt! Fabelhaft — aber wie ein Schießhund hab' ich auspassen müssen ...“ Axel greift plötzlich wieder mit beiden Händen zum Steuer. Ueber den Baumspitzen hängt ein unwahrscheinlich rötlicher Mond. den Cafes. Der literarische Geschmack hat sich gewandelt, die neue Zeit hat neue Formen der bildenden Künste geschaffen, aber heute wie einst werden die Probleme im Cafe heftig debattiert. Heute wie damals verschwinden die meisten der Jungen, die sich für Genies halten, unter den Namenlosen. Nur ganz selten gelangt einer von ihnen zum Ruhm und Anerkennung. Heute wie früher kann man, wenn man gegen Morgen ins 6afc tritt, die Dichter ihre Verse sprechen hören. Die Marmorplatten auf den Tischen des Cafe „Dome“ sind bedeckt mit Zeichnungen, von denen diese oder jene doch vielleicht einmal später eine Kostbarkeit sein würde, wenn sie erhalten bliebe. In diesen Cafes vor allem herrscht die zauberhafte, beschwingte, ein wenig demoralisierende Atmosphäre von Paris. Sie lockt all die Ausländer an — Männer und Frauen — die Paris zu künstlerischen oder wissenschaftlichen Studien aufsuchen und oft über dem Cafehaus- leben die Arbeit vergessen. Diese Cafes, die so unverbrüchlich zu Paris gehören wie Notrc Dame, blicken auf eine Geschichte von drei Iahrhunderten zurück. Im August 1629 wurde den Händlern durch einen Erlaß Ludwigs XIII. gestattet, in ihren Verkaufsläden Tische und Stühle aufzustellen und chre Kunden daselbst gleich zu bewirten. Die Ge- schästsleute, die von diesem Erlaß Gebrauch machten, bekamen ein Wappenschild, das auf blauem Feld ein silbernes Schiff, die symbolische Schwertlilie, sechs kleine Schaluppen und eine Weintraube enthielt. Oberheffen. Landkreis Gietzen. £ Wiese ck, 21. Aug. Der Gemein de rat beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit dem Einspruch der Kirchen Vertretung gegen den Voranschlag 1929. Bürgermeister Schomber gibt hierbei bekannt, daß die Kirchenvertretung aus 1927/28 eine Nachforderung von 535,07 Mark eingereicht habe. Diese Nach- fordcrung wird einstimmig abgelehnt, da am 25. März d. 2. in gemeinschaftlicher Sitzung der Gemeindevertretung mit der Kirchenvertretung im Beisein von Degierungsrat Dr. Krüger, als Vertreter des Kreisamtes Gießen, und Prälat D. Dr. Diehl, sowie Oberkirchenrat Büch - l e r , als Vertreter der Landeskirche, eine Einigung erzielt wurde, wonach die Gemeinde Wie- seck an die evangelische Kirche den Betrag von 2250 Mark bezahlt und damit alle Forderungen! der Kirche bis 1. April 1929 erledigt^ sind. Der zweiten Forderung über 400 Mark für verschiedene Bau- und Instandsetzungsarbeiten konnte der Gemeinderat ebenfalls nicht zustimmen, da ncuh seiner Ansicht auch hier die Kirchenvertretung nicht den Vereinbarungen entsprechend verfahren sei, wonach zu solchen Arbeiten erst die Genehmigung der Gemeindevertretung eingeholt werden muß. Außerdem seien doch auch im Voranschlag bereits 400 Mark für laufende In- standsehungsarbeiten für Kirche und Pfarrhaus vorgesehen. Die für Reinigung der Orgel ange- sorderten 418 Mark erschienen der Gemeindevertretung zu hoch, auch war der Gemeindrrat nicht von der Notwendigkeit überzeugt, und lehnte diese Forderung ab. Ein Antrag von Gemeinderat Scherer, eine Beschwerde bei der Landeskirchenvertretung über das Verhalten der örtlichen Kirchenvertretung einzureichen, fand keine Gegenliebe. — In nicht öffentlicher Sitzung wurde dem Mehgermeister Wilhelm Haas, das Gemeindebackhaus für 3500 Mark mit acht Stimmen bei einer Stimmenthaltung zugesprochen. Die atv* dere Hälfte der Gemeindevertretung bestand auf Zahlung von 5000 Mark. Zu den zu zahlenden 3500 Mark kommen noch die Kosten, die der VerHochschulnachrichten. Prof. Dr. Ernst Hohl in Rostock hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der alten Geschichte an der Universität Graz als Nachfolger des nach Bonn berufenen Prof. Friedrich Oertel abgelehnt. Dr. Hohl, der aus Stuttgart gebürtige Historiker, dozierte früher in Straßburg. — Ernannt wurde Dr. jur. Eugen Ulmer, Privatdozent in Tübingen, vom 1. Oktober 1929 an zum ordentlichen Professor in der Rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität R o st o ck. Der aus Stuttgart gebürtige Rechtslehrer übernimmt in Rostock den Lehrstuhl für deutsches Recht. — Ferner sind ernannt worden: Prof. D. Gerhard Heinzelmann von der Universität Basel zum Ordinarius der systematischen Theologie in Halle als Nachfolger von W. Lütgert, und Prof. Dr. Hermann Aubin in Gießen zum Ordinarius der mittleren Geschichte an der Uni« versität Breslau als Nachfolger von Prof. H< Reincke-Bloch. pariser Cafes. Von Werner Stollen. Wer Paris kennt und weiß, wie wichtig dem Franzosen das Cafe ist, der wird sich nicht darüber wundern, daß man der Geschichte der Pariser Cafes eine längere Betrachtung widmet. Der Pariser verfügt in den meisten Fällen nicht über eine in unserem Sinne behagliche Häuslichkeit. Die Wohnungen sind oft eng und recht unkomfortabel. Die Mieten sind sehr teuer, deshalb müssen sich auch gute Bürgerfamilien mit kleinen Wohnungen begnügen. Daraus entsteht die Pariser Sitte, Gäste meist außerhalb des Hauses, im Restaurant, zu bewirten. Aber hier handelt es sich hauptsächlich um das Cafe. Zum Aperitif geht das kleinste Pariser Nähmädchen ins Cafe. Im Cafe trifft man sich. Wenn man sich allein fühlt, findet man im Stamm-Cafe auch ohne Verabredung Bekannte. Alle Welt geht ins Cafe. Dor allem die Künstler, die Iournalisten, die Kritiker. Man sagt, daß große politische Ereignisse im Cafe ihren Ausgangspunkt genommen haben. Die Revolution von 1848 wurde im Cafe vorbereitet. G'a m - b e t t a war der eifrigste Cafebesucher seiner Zeit. Der glühende Republikaner bereitete durch seine Reden im Cafe den Umsturz vor, dem Napoleon HL weichen mußte. Die Cafes, in denen die historischen Größen unter den französischen Künstlern und Politikern zu verkehren pflegten, sind fast alle verschwunden. Das einzige Cafö, das noch übriggeblieben ist, ist das Cafe du Theatre Frantjais. Hier hat Müsset, der ebenfalls ein eifriger Cafö- besucher war, und oft von einem Cafe zum anderen wanderte, sehr viel verkehrt. Nicht weit von seinem Stammcafe hat man auch sein Denk-' mal errichtet. Heute ist das eine Stelle, an der der Verkehr am wildesten brandet. Wie vor Iahrzehnten, so sammelt sich noch heute der gesamte künstlerische Nachwuchs in Er fuhr mit ihr heim. Zufällig, weil Weg die gleiche Richtung nahm wie der seine, und er den Wagen vor der Türe stehen hatte. Als sie auf der Chaussee waren, lehnte er sich behaglich zurück und seufzte tief auf. Denn er war zufrieden. Das Essen war ausgezeichnet gewesen und schnell serviert worden, an der kalten Ente hatte er beinah des Guten zuvwl getan und beim Tanzen hatte er sich nicht überanstrengt. Alles in allem ein erträglicher Abend, es war nicht einmal spät geworden. Außerdem hatte er nicht viel Leute nach Hause zu fahren. Nur Frau Gert mit dem weißen Haar und den 25 Iahren. — Wie mag sie zu dem weihen Haar gekommen sein, dachte er vor sich hin, aber es sieht gut aus, und das tintenblaue Kleid dazu, sehr gut. Eigentlich war sie die Netteste heule abend. Nur schwer erreichbar. Immer waren ein paar alte Herren um sie herum, die sich „Ihres Herrn Vaters erinnerten". Kunststück, bei Während oben noch der Schwarm zwischen den Zellen unter den großen Kronleuchtern kreist, über die schwere Bündel von Telephondrähten hängen, springen die ersten die schmale Treppe chon wieder hinab. Die Konferenz teilt ihr Leben zwischen dem Dinnenhof und Scheveningen. Dort sind jetzt die Minister. Also Auto, Auto, chnell, sehr schnell nach Scheveningen. Den Zeitungsverkäufern'vor dem Tor reiht man ein paar Blätter aus der Hand. Lektüre für unterwegs. Auf dem Reitweg kurz vor Scheveningen traben ein paar Damen, locker in den Sätteln, braun gebrannt. Ein herziges kleines Mädelchen in langer Reithose hinterher aus einem kleinen Ponny. Das Klinkerpflaster der Straße ist schwarz geschliffen von Pneus. Links taucht ein bizarrer Bau mit schiefem Dach und schiefen Fenstern aus. Ein Hotel, denn es sitzen Gäste beim Lunch auf der Terrasse, wahrscheinlich Leute mit starken Nerven und schwach entwickeltemGleichgewichtsgefühl. wenn sie zwischen diesen schiefen Liniep wohnen können. Dahinter öffnet sich der Blick auf grüne Wiesen, ruhige Wasser. Dkan spielt Gols. An der Biegung tauchen die Flaggen auf den Delegations- Hotels auf. Links der Union Iack, das Blaugelbrot der Rumänen, die japanische Sonne auf weißem Feld. Hier weih-rot? Ach so, dort wohnt der Pole Zaleski. Was mag der wohl machen? Nur Berichte aus der Politischen lesen? So beschaulich wird sein Dasein wohl nicht sein. Plötzlich ist man mitten in einem ungeheuren Zirkus von Straßenbahnen, Autos, Motorrädern, des Zentrums Scheveningens, vor dem Kurhaus. Die junge Welt geht schon zum Nachmittagsbad. Damen in bunten Mänteln und Gummischuhen wie seltene Paradiesvögel mitten im Verkehr. Ein wohlgewachsenes junges Mädchen in einem der modernen Matrosenanzüge aus ganz leichter Seide mit flatternden Hosen. Die Zeitung sinkt langsam. Man wendet den Kopf. Man hat einiges auszusehen an dem Begleiter, den die Schönheit so reizend anlächlt. An einer Reihe Autos mit der Trikolore vorbei. Hier ist das Palace, woBriand jeden Mittag mit seinem Gefolge frühstückt. Und nun Oranje. Sih der Deutschen. Ganz am Ende des Strandweges. Aus jedem zweiten Fenster hängt ein Badeanzug zum Trocknen. Man konstatiert im Vorbeigehen: Während die Delegation tagte, ist das Personal am Strand gewesen. Aber jetzt klappert es schon wieder aus den Fenstern. Man hört Schreibmaschinen und diktierende Stimmen. Kurgast kann man nur in kurzen Momenten spielen. Die Delegation selbst kommt kaum dazu. Auch kaum zum Genuß der „anregenden Getränke", für die der „Sparkommissar" Riesensummen ausgeworfen hat, die teilweise die phantastische Höhe von 70 Cents pro Tag und pro Kopf erreichen. — Es reicht gerade für zwei Tassen Kaffee. In der Halle sitzen der „Kronjurist" Dr. Gauß und Staatssekretär von Schubert in eifrigem Gespräch. Dr. Gauh wird bestürmt mit Fragen nach der Kontrollkommission. Er hat sie so oft in diesen Tagen beantwortet und gleich ist wieder ein Privatissimum über Locarno, Dölkerbunds- pakt und Investigation im Gange. Gleichzeitig expliziert in einer anderen Ecke mit leitfahklarer Kürze, sehr schnell und gut sprechend, Minister Curtius einige Geheimnisse des Wallenberg- abkommens. Um Dr. Wirth haben sich ein paar holländische Iournalisten geschart. Er wird interviewt (später wird man im „Telegraaf" lesen: es war über die Vorzüge der holländischen Küche). Ein unaufhörliches Kommen und Gehen in der Halle. Dr. Stresemann begibt sich zu Henderson. Dr. H i l f e r d i n g kommt von einer Besprechung mit Loucheur. Die Hotelgäste, die eben ihren Tee nehmen, genießen Aufmarsch und Abgang der.Diplomaten wie eine interessante Modenschau. „So können Sie nicht fahren", warnte Gert, aber als sie sah, daß er dennoch losraste, setzte sie sich in seinem Arm zurecht und schwieg. Avel raste wirklich. Nicht, weil es ihm Spaß machte, durch die wundervoll stille Nacht, über, eine breite und geschmeidige Chaussee zu. jagen, sondern weil diese Frau neben ihm saß, in seinem Arm allein mit ihm in der 'Nacht war. Jede Kurve schob sic noch näher zueinander, jedes Rütteln traf sie beide zu gleicher Zeit. Alles das empfand Axel sehr romantisch. Er warf dem Mond einen Blick zu und dachte: Der hängt nur für uns da oben zwischen den Bäumen. Er schaute kurz in das Dunkel einer Baumgruppe hinein und wünschte, die Frau möge sich vor solchem Dunkel fürchten. Er verflieg sich sogar zu wilden Phantasien und überlegte: Wenn jetzt was passierte - dann lägen wir beide zerschmettert im Straßengraben. Dann sah er ihr Kleinmädchen-Profil im Lichtschein und dachte: Ich verliebe mich. So fängt heutzutage Liebe an. Mit 80 Pferdekräften... Längst hält seine linke Hand Gert fest an sich gepreßt, längst verfolgt er mit prickelnden Nerven. wie sich ihre Hand — er sieht nur einen blitzenden Ning — am Steuer zu der seinen hinüberschiebt, und er gäbe Gold, dürfte er für einen Augenblick loslassen... Stoppen? Halten? Auf freier Chaussee? Küssen — geschmacklos. Man muß nur diese Stimmung steigern... Noch ein bißchen warten. Wir strömen ja förmlich aufeinander zu", denkt er pathetisch, und weil er 2 irgendwo so gele- ^Dann beobachtet er Gert. Schon hat sie den Kops leicht gegen seine Schulter geneigt, schon seht sie seinem heftig pressenden Arm laurn noch Widerstand entgegen, einmal zuckt sie leicht zusammen, als erschrecke ße vor ihrem eigenen Gefühl «denkt Axel- und: Wie ein Bögelchen hockt sie in meinem Arm... Wenn das Wort „süß" nur nicht so abgeklappert wäre. Dann erinnerte er sich wieder an fernen Wa- qen Tadellos, wie er Den meistert. Mit einer Hand. Bei der Fahrt. In s o l ch e r Stimmung. Nach s o viel kalter Ente... Axel „strömt" wirklich. „Und Gert, denkt er, „diese süße Gert auch." Drum steckt er seine Nase sachte in ihr Haar. Drum berührt er ihre Schlafen mit feinem Gesicht - es ist wm, als mu||e nun gleich Gert leicht die Augen schließen, das Gesicht halb zu ihm wenden. Un 1 wieder berührt er sachte ihre Schläfen. „©Icut) hinter der Kurve." nimmt er sich vor, „gleich hinterher küsse ich sie." , Plötzlich — gerade hinter dieser Kurve, aber dennoch unvermutet, hebt Gert das Gesicht zu ihm Den Haag, 20. August 1929. Auf dem Dinnenhof im Haag steht ein Brunnen. Ein schmiedeeisernes Meisterstück holländischer Handwerkskunst. In der geometrischen Mitte des viereckigen, klinkergepflasterten Hofes baut er sich auf. Er ist räumlich der wahre Mittelpunkt der Haager Konferenz. Oluf seinem runden, breiten Stemrand sitzt Tag für Tag ein „Kreis" von Iournalisten. Hier wartet man, bis drüben unter den Arkaden die Minister erscheinen. Oft dauert das stundenlang. Die Zeit wird dann lang und die Gesichter nervös. Die Köpfe rucken in Sekundenzwifchenräumen immer wieder nach oben zu einem der Türme des „Ridderzaals". Dort rückt ein Uhrzeiger stupjd und rücksichtslos Minute um Minute vorwärts. 1 Uhr 15, 1 Uhr 16, 1 Uhr 17... Um 1 Uhr 25 ist Redaktionsschluß und noch kein Sterbenswort. Die Engländer beginnen zu telegraphieren. Nicht Radio via soundso, sondern primitive Win- kerzeicheii. Rechter Arm wagrecht, linker senkrecht bedeutet: „Snowden gibt nach". An einem Fenster in der „Kammer der Generalstaaten" tauchen einige Köpfe auf. Dort tagt die „Finanzielle". Don ihnen dreht sich einer langsam von links nach rechts, das ist die Antwort: „Unentschieden"! Also weiter warten. Einer dichtet: Und die Hälfte deines Lebens wartest du bestimmt vergebens. Ein Franzose erzählt unterdes, wie er Snowden interviewt hat. Es war am Tage, als man den englisch-französischen Unterschied über die grammatikalische Bedeutung des Wortes ridi- kül entdeckte. Baker, Snowdens Sekretär, meldet den Fraikzosen. Aber Snowden lehnt ab. Nach einigen neuen Vorstößen bequemt er sich, seine Ansicht über die Lage in einem einzigen Sah zum besten zu geben. Er lautet: „Die Franzosen sollen ruhig weiterheulen!" Am Drunnenrand heult alles, was französisch ist, auch wirklich vor Entrüstung. Snowden! Seine Landsleute verteidigen ihn, erzählen aus der Lebensgeschichte dieses merkwürdigen Menschen und nennen Titel der Bücher, die er geschrieben hat. Der Uhrzeiger oben rückt weiter. Die Chauffeure der vierzig Delegationsautos, die im Hofe in vier langen Reihen warten, haben längst einen internationalen Skakklub aufgemacht. Sie sitzen in den Ministerpolstern und spielen Karten, während ringsum andere durch die Fenster kiebitzen. Da, drei Minuten vor Redaktionsschluß eine Bewegung unter Den Arkaden. Die Automotore springen plötzlich dumpf an. Die Minister kommen. Der ganze Hof gerät in Bewegung. Von allen Seiten strömen sie heran. 300 Iournalisten, 160 Delegierte. Im Handumdrehen ist die rechte Hofecke am Ausgang von einer kleinen aufgeregten Volksversammlung erfüllt. Gruppen bilden sich. Nationale Gruppen, jede mit einem Delegierten als Mittelpunkt. Das ist D r i a n d. Er trägt tatsächlich noch den Strohhut, den er sich in Madrid gekauft hat. An der Schwelle zum Hof bleibt er zögernd »stehen. Seine grauen Augen huschen umher. Er sucht jemand. Jetzt fixiert er ihn. Sein alters- frummer Finger winkt müde dem Unbekannten. Und wie aus dem Boden gewachsen, steht irgendwoher Grumbach da. Er taucht auf jeder internationalen Konferenz auf, sobald das Wort Kontrolle" fällt. Driand legt ihm vertraulich den Arm um die Schultern. Während sie ein Paar Schritte zum Wagenschlag machen, flüstert er Grumbach einige leise Worte zu. Am Auto gibt Der „Patron" Den übrigen Iournalisten das übliche Witzwort. Man lacht. Der Wagen ruckt an. Bei den Engländern im „Grand der gleiche Betrieb. Schwarze, schwere Koffer werden aus den Räumen Der englischen Delegation her- untergeschleist. Einer tragt: „Zum wievielten Male fährt Snowden jetzt eigentlich nach London?" FinDige Leute entdecken, daß Snowdens Koffer immer gepackt seien — weil er einen Schrankkoffer hat. In welches Quartier man auch kommt: Iournalisten, Delegationsangehörige mit gewichtigen Mappen und geheimnisvolle Gespräche. Am geheimnisvollsten tun Die Iapaner, als ob es sich für sie nicht um 12 Millionen, sondern um mindestens 12 Milliarden drehe. Drei-, vielmal wechselt man am Tage zwischen Scheveningen und dem Biunenhof: drei-, viermal ballt sich am Tag das Politische Ereignis zur Sensation und mehr als drei- und viermal werden die Linien nach Berlin, Paris, London im Sturm genommen. Das geht bis tief in die Nacht hinein. Hinter den Gittern der Telephonzentrale fallen Den „Meisjes" die Augen zu. Sie sind müD, ebenso müD und abgekämpft tote Die Diplomaten und Journalisten dieser Haager Konferenz und wissen doch, daß am nächsten Tag das Aufundab der politischen Welt wieder beginnt. Wenn man spät nachts den Rittersaal verlaßt, dann liegt der Brunnen, der am Tage so bevölkert ist, ruhig und verlassen unter mildem Mondlicht. Der „Mittelpunkt der Konferenz" ist wieder sich und seinen beschaulichen Träumen zwischen den alten Mauern, Die soviel holländische und soviel Weltgeschichte erlebt haben, toieDergegeben. Driand fährt weg. Ohne etwas gesagt zu haben. Alles stürzt sich aus Henderson. Rund und rosig leuchtet er aus Dem Iournalistcnschwarm. Er schweigt mit weniger Umständen als Briand. Er zwängt sich einfach durch, wirft sich in seinen Wagen und winkt — „ab" I ihn Grandi, jovial und sehr liebenswürdig, sammeln sich die wenigen Italiener. Gravitätischen Schrittes begleiten sie ihn. Man muß an preußische Leutnants denken, die mit einem Major dahinspazieren, respektvoll, kameradschaftlich. Das faszistische Abzeichen, das sie alle tragen, gibt ihnen Die gleiche disziplinierte Haltung. A d a t s ch i trippelt heraus. Mit ganz kleinen, zierlichen Puppenschrittchen. Ihn würde niemand fragen. Man fürchtet sich vor seinem langge- zogenen Französisch. Erklärungen voy ihm würde heißen: Zeit verlieren. ^Iber man braucht Auskunft, in wenigen knappen Worten, Aufschluß über Drei Stunden Sitzung. Ietzt Dr. Stresemann. Kurz, hastig, meist sehr ernst geht er energisch auf Den Iournalisten- knüuel los. Der weicht, nacht widerstrebend, aber ehvsurchtsvoll Platz Man weiß, dieser festgeschlossene Mund wird keine Antwort geben. Korrekt bleibt er durch die Schweigepflicht geschlossen. Die Wagen rollen ab. Der Hof wird leer. Und plötzlich ist die begehrte Information doch da! Woher? Wer weiß das. Ein Wort. Ein paar hastige Sätze. Ein Zuruf aus einem der abfahrenden Wagen. Ein eiserner Griff an den Arm des eiligen „Gewährsmannes'. Ein Stück Papier, auf dem rätselhafte Zeichen stehen. Die Konferenzinformation bedient sich manchmal unerwarteter Formen. 2lber sie-ist da. Und wenn das trockene amtliche Kommunique kommt, an das alle Künste des Schweigens und Verschweigens verschwendet sind, wenn die „Presse- attachees" das nichtssagende Kommunique noch ein wenig Dünner ausgewal,t haben, Dann ist Das Geheimnis Der Sitzung eine schöne Illusion. Sie hat nur kurzes Leben. Solange, wie schnelle Beine vom Binnenhof bis Turmtür im Rittersaal brauchen. Wohl Dem, Der einmal 100-Meter-Sprinker war. Spurt zum Telephon. Start der Neuigkeit in die Welt hinausAJm Laufen schon formt sich Meldung und Inhalt: der erste Satz. Die engen Turmtreppen zum Rollsaal werden im Sturm genommen. Oben platzt Das erste Wort wie ein Schuß ins Stenogramm. Schreie fliegen von Der Tür h->r: Berlin, Hamburg, Paris, London, Düs- Dorf. Das gilt Den „Meisjes", die hinter dem Gitter Der Telephonzentrale sitzen. Schlagmäßig setzt einige Augenblicke später Die polyglotte Kakophonie der Konferenzpresse ein. Im halbdunklen Saal stehen vierzig Telephonkabinen, enge Gänge Dazwischen. Die Zellenwände sind Dünn, teilweise ingeniöse Pappkonstruktionen. Sie Dämpfen gut, aber nicht genug. Die Stentorstimme eines Franzosen überschreit alles. Er brüllt wie Ajax: „Prenez cclte phrase la: i!s mettent le plan-Young en pieces!" Die Linie ist schlecht. Zwanzigmal wieDerholt er diese Sensation. 39 andere brüllen wie er. Englisch, deutsch, französisch, holländisch, polnisch. Niegehörte Sprachen werden laut, zu laut, um angenehm zu klingen. Glocken schrillen. Die „Meisjes" dringen gegen diesen Stimmenorkan nicht mehr durch. Sie stellen den Lautsprecher an. Mit Getöse schüttcrt es durch Den Saal: „Zelle 173, Mister G., London!" Die Berliner Börse zur Schlußnotierung ist eine I stillverträumte Kapel^ gegen Den Haager Roll- I saar zur Stunde Der Sensationen. der Tochter. Axel sah sie schweigend von Der Seite an, und Da sich ihre Blicke trafen, nickte er ihr augenzwinkernd und vergnügt zu. Frau Gert lächelte gähnend zurück und schob sich tiefer ins Polster. So fuhren sie in die Nacht hinein, Die sich hinter Der StaDt groß und dunkel heranschob, mit einem leichten Herbstnebel und einem unwahrscheinlich rötlichen Mond und allen Zutaten, die man romantisch nennt. Es war wirklich eine wundervolle Nacht. „Wenn er jetzt nicht anfängt zu reden, kann es eine schöne Fahrt werden", dachte Frau Gert. „Daß sie um drei Uhr morgens keine Konversation mehr von mir verlangt, ist anständig", überlegte Axel. Eine Viertelstunde verging, und noch eine. Einmal bummelte ein Wagen vor ihnen her. Ein Leiterwagen mit einem einzigen baumelnden Lämpchen und einem schlafenden Kutscher. Beinahe wären sie ihm in Die HinterräDer gefahren. Axel fluchte leise zwischen Den Zähnen, und Gert fluchte laut mit. Das gefiel Axel. Er wandte sich, ehe er wieder Gas gab, leicht zu ihr hinüber und fragte mit einem leisen Unterton von Zärtlicykert: „Kalt, ja?" Ia. Gert war ein bißchen kalt. Er hals ihr, die Decke hoch zuziehen und um Die Knie zu wickeln, unD rutschte Dabei nicht ungern näher. Er legte schließlich Den linken Arm um Gerts Schulter und sagte treuherzig: „Ietzt werde ich Sie warm halten." Haager Brunnengeplauder! Don unserem 8.-Sonderkorrespondenten. sehr Note wenden. f l V r Nachdruck verboten. 10. Fortsetzung. Worte vom Munde.' ferner Seele vor ihm bloß es kerne Hilfe?" fragte er alles versucht worden. Don ;( -V Leden nichts mehr wahr, das wollen hat an- Sie erste der und mit sich und dem zufangen Weitz — nicht sagen?" „Sie nehmen mir die jeden jungen Offizier und jetzt —“ „Ein alter Mann, der sich selbst verloren käufer zu tragen hat. Die erzielte Summ« soll dem Wohnungsbau zugesührt werden. „Lind da gäbe endlich. „Keine. Es ist .gut". — Daubringen, 21. August. Das „Vielleicht weil "toir ihn beide sehr liebgehabt haben. Darum ist es mir auch Wohltat, mich endlich einmal aussprechen zu können. Och habe es nie getan... keinem Menschen gegenüber." „Auch nicht gegen Ohren Herrn Bräutigam?" „Rein, auch nicht gegen meinen Bräutigam." „Aber er sieht es doch wie Sie." „Rein, nicht wie ich — nicht mit dem Auge der Liebe." Es war ganz still um sie. Rur die kleine Etutzuhr aus der Biedermeierzeit auf dem Gesimse ihres Schreibtisches tickte vernehmlich, und in dem alten Getäfel der unteren Wand bohrte der Holzwurm. „On der ersten Rächt, die ich bei Ohnen zubrachte, wurde ich bei Sonnenaufgang durch ein seltsam polterndes Geräusch geweckt. Och war noch halb im Schlaf und legte ihm keine Bedeutung bei. On der zweiten Rächt, genau zu derselben Stunde, wiederholte es sich. Da hörte ich die Tür mir gegenüber scharf ins Schloß fallen. Lind nun wutzte ich es: es war Ohr Vater." Damals war, die jetzt zu reifer Schönheit erblüht ihm gcgenübersah, ein halbes Kind gewesen. Lind damals schon hatte er sie gern gehabt. Aber jetzt drängte sich etwas LInausgesprochenes, vielleicht LInaussprechliches, zwischen sie und ihre Gedanken, nahm ihnen das Wort von den Lippen ... etwas, das, wie beide empfanden, sie bedrückte und das zu offenbaren sie nicht den Mut besahen. Lind dann geschah es doch. Mitten in dem Versuche, einen alten Tintoretto, der eine Heilung .des Apostels Markus darstellte, zu betrachten und mit einigen Anmerkungen zu erläutern, hatte er ihr das Blatt aus der Hand genommen und auf den Tisch gelegt und sie mit großen, antwortheischenden Augen angesehen: „Lim Gottes willen, Fräulein Edith, was geht hier vor?" Da war der Bann gebrochen. „Haben Sie es auch gemerkt? Gleich jetzt gemerkt? Ra, ein Wunder ist es nicht." Kein Erstaunen sprach aus ihren Worten. Als hätte sie seine Frage längst erwartet. „Was ist aus Ihrem Vater geworden?" „Eine Ruine." Wieder sagte sie es mit derselben Ruhe. Aber eine unendliche Traurigkeit war in ihrer Sprache wie auf ihrem Antlitz. „Och hätte ihn kaum wiedererkannt. Einmal ein Held, ein helleuchtendes Vorbild für mich und meiner Mutter, von mir . . . auch von meinem Bräutigam. Lind es war alles vergeblich. Och sagte es Ohnen ja schon: es ist wie ein Dämon, der von ihm Besitz ergriffen, gegen den niemand ankam, nicht einmal er selber." Er wutzte nicht recht, ob er es sie fragen dürfte, er wollte es wohl auch nicht. Dann tat er es doch. „Wenn er des Morgens nach Hause kommt — ist er dann immer betrunken?" (Fortsetzung folgt.) Aber der Oberst erschien zum Essen. Ein wenig später, als man bereits begonnen hatte. Er holte cs jedoch bald ein, denn er atz hastig und mit einer gewissen nervösen Gier. Den Wein, der in einer Karasfe auf dem Tische stand, berührte er nicht, trank aber den Lee in großen Mengen und so heiß, wie es kein anderer hätte vertragen können. Als er einmal das Glas seiner Frau zum Cingießen hinüberrcichte, merkte Klaus, daß seine Hand zitterte, so daß die Flüssigkeit auf die Laseldecke träufelte. Er richtete einige gleichgültige Worte an seinen Gast, fragte, yb er da oben gut geschlafen und ,fidj schon ein wenig eingelebt hätte, sah im übrigen ober schweigsam und in sich versunken aus seinem Stuhle. Kaum hatte er den letzten Dissen verzehrt, da erhob er sich, schellte nach dem Mädchen und ließ sich Hut und Mantel bringen. Frau Reichenbach, die mit ihm aufgestanden war, trat dicht an ihn heran und sagte, die Hand wie beschwichtigend auf seinen Ärm legend: „Kannst du nicht heute mal zu Hause bleiben? Herr Körber wäre gewiß doch gern mit dir zusammen." Sie hatte es so leise gesagt, als wäre es nur für ihn bestimmt und sollte cs kein anderer hören, Klaus aber, obwohl ihn Edith mit sichtbarer Beflissenheit in ein Gespräch zu ziehen suchte, hatte jedes Wort vernommen. „Du weiht, daß ich nicht zu Hause bleibe... nicht bleiben kann, weshalb fragst du mich?" Er hatte es auch leise, aber in barsch ablehnendem Tone geantwortet, wie er ihn früher feiner Frau gegenüber nie gebraucht hatte. Dann aber wandte er sich zu seinem Gaste und sagte, ein wenig unsicher wohl und schwankend in der Stimme, aber doch in seiner alten weltmännischen Art: „Herr Körber wird mich entschuldigen, das Geschäft geht nun einmal vor, und die Herren, die von auswärts kommen, haben für diese Verhandlungen nur die Abende frei." Nachdem ihr Gatte gegangen war, machte sich auch Frau Reichenbach fertig, um auf einen Llnterhaltungs- abend zu fahren. Klaus blieb mit Edith allein. Sie hatten sich in ihr kleines, zwischen Eßzimmer und Empfangssaal gelegenes und mit feinem Behagen eingerichtetes Gemach begeben, zu dem nur die Vertrauten des Hauses Zutritt erhielten, und in dem er früher manche frohe Plauderstunde mit und Tochter verlebt hatte. „Sie verstanden. sich ganz gut, solange mein Vater zu Lebzeiten des Onkels gewissermaßen nur als Hilfsarbeiter im Geschäfte tätig war. Von dem Augenblick an, wo er es übernahm und die scharfen Gegensätze der beiden Männer zutage traten, wurde ihr Verhältnis zuerst gespannt, dann unerträglich." „Wem schreiben Sie die Schuld zu?" Man merkte ihr an, dah sie innerlich kämpfte. Dann siegte ihre unbestechliche Offenherzigkeit. „Hierin ... dem Vater," sagte sie leise. „Alles, was er tat, war ein offenbarer Angriff gegen die Ansichten und Grundsätze meines Bräutigams. Er ist der Kaufmann, wie er im Buche steht. Für ihn gibt es nur eins: Arbeiten und Erwerben. Meinem Vater aber, das wissen Sie ja wohl noch aus Ohrer Leutnantszeit, hat das Geld nie das geringste gegolten. Ec war immer in Schulden, und die meisten entsprangen der Güte seines Herzens. Für jeden Kameraden setzte er sich ein bis zum letzten —" „Weiß Gott, das tat er." „Run war er plötzlich zum reichen Manne geworden. Lind er gab nicht nur für allerlei, vaterländische Zwecke, gab nicht nur für Kameraden, die durch den Llmschwung der Verhältnisse in Rot geraten waren, sondern aud> für manchen, der es nicht verdiente, gab jedem, der es verstand, ihn auszunutzen. Lind Sie können sich denken, wer sich alles an ihn .herandrängte. Lind das Schlimmste . . . ach, es ist so schrecklich, das alles zu erzählen . . . wenn er so die Rächt durch in den Weinstuben sitzt, dann schreibt er den Leuten jeden Wechsel, den sie von ihm erbetteln. Dah das Geschäft und mein Bräutigam das auf die Dauer nicht ertragen können —“ Qm ' * ■Bant Q[r & ''«»bä, SÄ 1°',. wurde, s ® SS anMung । Preisschiehen des Bezirks Gießen Kriegerkameradschaft Hassia wurde am letzten Sonntag für die Orte Allendorf a. d. Lda., Al- terf«» " SU iui W ? Sni« S* Posaunend Rauschs becl J Salomos aus de-" R L-tz-Ä haiii abgeha fujigcn der Mtrcfslcheu Festes. Dre - von Dela" Lauterbache' Aechenschasr gab, erössw stand es, ü Hörer aus Advlsverer für die G cheu. Don kleinen ®i Christcnhei gemeinde - seine Herz! baren Doi meinte bef Reparatur Kirche in j TruderM s anderem an alle, ö: beigetragen Pfarrer B Die öffentlichen Körperschasten als Arbeitgeber. Ausgleich der Konjunktur- und Saisonschwankungen der Wirtschaft durch zweckmäßige Verteilung der öffentlichen Aufträge. Bon Bürgermeister Or. Bölsing, Alsfeld. lertshausen, Daubringen, Lollar, Londorf, Mainzlar, Ruttershausen, Staufenberg und Treis a* d. Lda. auf dem hiesigen, sehr günstig gelegenen Schiehstande des Kriegervereins abgehalten, das aus fast allen genannten Dörfern besucht war. Cs wurde mit Kleinkalibergewehren auf Klein- kaliber-Ginheits-Zwölfer-Ringscheibe geschossen, und zwar auf 50 Meter. Von den 70 Schützen erzielten die besten Leistungen: Hch. Feh, Staufenberg, 45 Ringe: Schilling, Gießen, 44 R.; Ooh. Reif, Daubringen, 4b R.: Ludwig Oung und D a u p e r t, Lollar, je 37 R.; Wilhelm Eule r, Treis a. d. Lda. 36 R.; Karl Keller, Daubringen, 36 R.: Oakobi, Lollar, 30 R. -tz Aus der Rabenau, 21. 2Iug. In verhältnismäßig viel kiirzerer Zeit als in den vorhergehenden Jahren ist die Frucht herangereift und wird nun in den nächsten Tagen fast vollständig unter Dach und Fach sein. Die Arbeiten des Abmachens des Weizens und Hafers verzögerten sich erheblich dadurch, daß zwar die Körner der Aehren reif, aber die Halme noch völlig unreif waren. Die Dreschmaschinen haben den Felddrusch nur im Korn und der Gerste erledigt und schon beginnt das Ausdreschen des Weizens und Hafers. Die Ernteergebnisse befriedigen im allgemeinen: die Stroherträge bleiben jedoch hinter denen des Vorjahres merklich zurück, während die Körnerernte einer guten Mittelernte gleichzustellen ist. Der letzte Nachregen eines starken Gewitters, der dieser Tage niederging, hat sich schon in recht günstiger Weise bemerkbar gemacht. Den Wiesen und Kleeäckern kam er sehr zustatten, so daß die bald einsetzende Grummeternte gute Aussichten bietet. Die Früh kartoffelernte ist überall im Gange. Obwohl die langanhaltende Trockenheit ihre Entwicklung nicht allzusehr gefördert hat, ist die Qualität der Knollen hervorragend. Gegenwärtig kostet der Zentner 3 bis 3,80 Mark je nach Qualität. — Die letzten Niederschläge sind für die Entwicklung des Obstes, das in diesem Iayr^ besonders reich die Ob st bäume ziert, sehr nützlich gewesen, da schon viele Bäume infolge der fehlenden Feuchtigkeit ihre Früchte fallen ließen. In den Gärten zeigen alle Gewächse einen schönen Stand, besonders tragen Bohnen und Gurken gut ein. Nur alle Krautarten wollen nicht recht unter den schädlichen Einwirkungen der Erdflöhe, die immer noch zahlreich vertreten sind, und Raupen vorwärts kommen. Zu einer ausgesprochenen Plage ist das massenhafte Auftreten der Wespen geworden, die nicht nur den Menschen gefährlich werden, sondern auch in erheblichem Maße Schaden an den bereits reifen Früchten des Stein- und Kernobstes anrichten. + Grünberg, 20. Aug. In der jüngsten G e - meinderatssitzung unter Vorsitz von Beig. Keller waren zehn Gemeinderäte anwesend, außerdem war wieoerum Baurat Wagner vom Hochbauamt Gießen als Sachverständiger zugegen. Zur Beratung stand zunächst der Bebauungsplan für das Heegoiertel. Die vorige Sitzung, in der diese Sache schon einmal verhandelt wurde, hatte kein Ergebnis gezeitigt. Der Beigeordnete schlug nun vor, über die Führung der einzelnen Straßen getrennt zu verhandeln und abzustimmen. Bezüglich der Gärten ist die Sache dringend, da hier zwei Neubauten an der noch nicht festgelegten Verlängerung entstanden sind, die Baumuß. Eine längere Aussprache verursachte die Weiterführung der Bismarckstraße. Es drehte sich hier um die Frage: gerade Durchführung oder Einfügung eines Knies. Der Gemeinderat entschied sich gegen zwei Stimmen für die gerade Durchführung. Diese Führung beläßt dem bei ihrem Eintreffen auf die Schulstraße liegenden Christschen Garten noch reichlich Gelände als Bauplatz, lieber die Aufhebung der verlängerten Diebsturmstraße entstand ebenfalls eine rege Aussprache, die Entscheidung wurde vertagt. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem zweiten Punkt der Tagesordnung: Beratung der Ortssatzung für einen Berufsbürger, meifter. — Ein geborener Grünberger, der in Frankfurt wohnt, hatte von seiner im Jahre 1926 verstorbenen Mutter 6000 Mark Kriegsanleihe geerbt und diese seinerzeit der Bürgermeisterei übersandt. Sie sind mittlerweile wertlos geworden, da der Anmeldetermin längst verstrichen ist. Er will die Stadt, die nichts in der Sache getan habe, für den Schaden haftbar machen und verlangt von ihr die Aufwertung. Das Ansinnen wird abgelehnt. # Hungen. 21. Aug. Der hiesige Männergesangverein „Eintracht" hat den Be- Ohr Schmerz machte ihn verlegen und unsicher. Denn er fühlte mit jedem Worte mehr, welch eine Lieberwindung es dieses tapfere Mädchen kostete, das Verborgenste zulegen. düng halten, damit sie jederzeit unterrichtet sind, welche öffentlichen Arbeiten und Aufträge diese Stellen etwa im Laufe des nächsten Oahres zu vergeben beabsichtigen. Es soll dann auf diese Stellen eingewirkt werden, daß sie die Aufträge so verteilen, dah sie der Wirtschaft nach Möglichkeit dann Beschäftigung geben, wenn im übrigen der Auftragsbestand sehr gering ist. Für diese Verhandlungen werden hauptsächlich in Frage kommen die Reichs- bahndirektionen, die Oberpostdirektionen, die Wasserbauämter, die Landesfinanzämter, die Landes- und Provinzialverwaltungen und die Kreise und Städte. Auch die Spitzenorganisationen der Gemeinden und Gemeindeverbände sind gebeten worden, den ihnen unterstellten Behörden und Aemtern entsprechende Anweisungen zu erteilen. Für den Ausgleich der saisonmäßigen Schwankungen ist naturgemäß von besonderer Bedeutung die Frage der B a u t e n. Der Reichsarbeitsminister und der Reichswirtschaftsminister weisen darauf hin, dah die bisherigen Bestrebungen, einen Teil der Dauarbeiten, seien es nun Tiefbauarbeiten oder Hochbauten, insbesondere Wohnungsbauten, in die Wintermonate zu verlegen, nur geringe Erfolge gehabt haben. Wenn auch zugegeben ist, daß bei besonders strenger Witterung viele Dauarbeiten nicht fortgeführt werden können, so gibt es doch auch bei Bauten «ine ganze Reihe von Arbeiten, die auch bei Frost fortgesetzt werden können, zum Beispiel Onnenarbeiten bei Hochbauten und Wiederherstellungsarbeiten an bestehenden Bauten. Man kann die vorstehenden Bestrebungen vom Standpunkt der Kommunen nur durchaus begrüßen, da sie zu einer wesentlichen Verbesserung des Arbeitsmarktes führen können, und zwar unter besonderen Berücksichtigung der Tatsache, daß gerade die Beschäftigung der Saisonarbeiter zur Zeit eine der wichtigsten und brennendsten Aufgaben für die kommende Reform der Arbeitslosenversicherung darstellt. Alle Gemeinden sollten im Onteresse einer Vermeidung einer weiteren Anspannung der sozialen Lasten der hier besprochenen wichtigen Frage des Ausgleichs der KoiHunktur- und Saisonschwankungen Der Wirtschaft durch zweckmäßige Verteilung ihrer Aufträge ihre besondere Aufmerksamkeit zu- c in forte am 6amil seiner F a feen Betei ein Plahk Samstaga korps tei Konzert t Klein a Konzert i vormittag Friedhöfe berbunten gemeinte f die katholi Deihr ter der Insant Chrenvvrsi und Ehrei Ehrengast! vors. Nch v. Funk hohe ns lar) und Der am zug, in t zu sehen eine unli noch pxox dem Dom neuner fi Tlockengeli denken. 3: der Spilbu sitzende bei Dieser, M alle E Öderem d keine polit Deüere Q D?rn, fajot T $es H ovrstmeis "en von nant von ^ersbund ^riegerve Ser Aug, vereine 7^ärisch, 3ur qC? sw? Detzlar uStn rnand c sehten ? 'NtSjal Peißen wurde e wirtschas L- M Metzlar "ging ; • und Mete MAU ^ndler bwiese DZMMen der Zeit Vornan von Arthur Brausewetter. Herren aber, solange diese Festlegung aussteht, keine gerichtliche Ueberschreibung im Grundbuche bewirken können, was wiederum die Hinauszögerung der Hypothekenbestellung bzw. Auszahlung der staatlichen Baudarlehen bewirkt. Da es sich hier nur um die Weiterführung einer schon bestehenden Straße handelt, ist dazu nur kreisamtliche Genehmigung erforderlich, so daß nach deren Einholung die oben geschilderten Schwierigkeiten bei der Ueberschreibung behoben sind. Bei der Besprechung stellt sich nun heraus, daß durch die Errichtung dieser Häuser, ehe die Baufluchtlinie festlag, die von Baurat Wagner empfohlene Biegung der Gartenstraße nach Westen bei ihrer Ausmündung auf die Schulstraße, die auch bei den parallel laufenden Straßen vorgesehen ist, nur nöch in ganz geringem Maße angebracht werden kann. Der Gemeinderat beschließt in diesem Sitzne. Bei der Färbgrabengasse, die im allgemeinen nur wenig geändert wird, ist man mit Der Führung einverstanden, ebenso hat man nichts gegen die Offenhaltung einer Straße zwischen Schmidtscher Weberei und Turnhalle einzuwenden, was nach Aussage des Sachverständigen soviel bedeutet, daß jedes Bauen hier unterbleiben fchluß gefaßt, einen Singsaak zu erbauen, da die räumlichen Verhältnisse in dem seitherigen Llebungsraum sehr beengt waren. Der Bauplatz wurde von Gärtnereibesitzer K a m b e i h überlassen. Auch die Gemeindeverwaltung wird den Plan unterstützen. Der Singsaal kommt in die Rähe der Lindenallee hinter dem Eiskeller der Brauereiniederlage H. W e i n e l zu stehen. Obwohl noch mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden sind, ist noch mit der Ausführung des Rohbaus in diesem Herbst zu rechnen. Architekt Falk von hier hat bereits einen Plan entworfen. s. Ll tph e, 21. Aug. Auf welch hoher Stufe die Zucht der weihen Edelziege in unserem Ort steht, hat wieder der letzte vom Kreis- ziegenzuchtverein Gießen in Hungen veranstaltete Ziegenmarkt gezeigt. Bei der mit dem Marit verbundenen Prämiierung erhielt der Gemeindebock den 1. Preis. On der Klasse älterer Ziegen erhielt ein dreijähriges Tier des Züchters FrieL- rich Stauf gleichfalls einen ersten Preis. Für einjährige Ziegen erhielt der gleiche Züchter einen zweiten Preis. Der Landwirt Heinrich Rühl und der Maurer Wilh. Schwarz erhielten je einen dritten Preis für einjährige Ziegen. Roch auffallender beweisen die getätigten Verkäufe von Böcken den hohen Stand der hiesigen Zucht. Von den insgesamt verkauften vierzehn Zuchtböcken stammen sieben allein von hiesigen Züchtern. Drei wurden von einer Kommission aus Geisweid bei Siegen erworben, je ein einjähriger Dock wurde von den Gemeinden Ridda, Hungen und Langd angekauft, während die Gemeinde Lang-Göns den erwähnten prämiierten Bock der Gemeinde erwarb. Den höchsten Verkaufspreis für Oungböcke erzielte der Äsenbahner Heinr. Hirzinger mit 100 Mk. Die übrigen Preise schwankten zwischen 50 und 80 Mk. das Stück. Der hiesige Ziegenzuchtverein unter Leitung seines rührigen Vorsitzenden Friedr. Stauf darf auf diese Ergebnisse stolz fein. s. Aus der nördlichen Wetterau. 21. Aug. Die Zuckerrübenfelder, die in unserer Gegend einen beträchtlichen Teil der landwirtschaftlich genützten BodÄrfläche ausmachen, sehen vielversprechend aus, allerdings hätten etwas ausgiebigere Riederschläge gut getan. Bereits jetzt hat die Aktienzuckerfabrik „Wetterau" in Friedberg mit den Landwirten Vereinbarungen getroffen über die Preisgestaltung für Kaufrüben der kommenden Ernte. Danach erhält der Pflanzer für den Doppelzentner reine Rüben 3 Mk. an bar als Mindestpreis vierzehn Tage nach beendeter Lieferung. Dieser Mindestpreis ist nur gültig unter der Voraussetzung, dah der Zuckerzoll, der zur Zeit für den Doppelzentner Verbrauchszucker 25 Mk. beträgt, nicht auf 10 Mk. herabgesetzt wird. Als endgültiger Preis für den Doppelzentner Rüben werden vergütet 7,65 Kilogramm Melis bei einem Melispreis von 34 Mk. je Doppelzentner. Diese Zuckermenge erhöht sich um je 50 Gramm für jede Steigerung des Melispreises um 2 Mk.. bis zum Preis von 40 Mk. Für die Steigerung des Melispreifes über 40 Mk. hinaus erhöht sich die Zuckermenge um je 50 Gramm schon für jede Preiserhöhung von 1 Mk. Kreis Büdingen. !I Büdingen, 21. Aug. Der hiesige Geschichtsverein unternahm am letzten Sonntag unter Führung von Dr. Lade einen Ausflug nach Kloster Engelthal bei Altenstadt. Durch das Entgegenkommen des dortigen Pfarrers war es Dr. Lade möglich, den Besuchern eine ganze Reihe hochinteressanter Sehenswürdigkeiten aus. der Geschichte des Klosters zu zeigen, in die er mit einem interessanten Vortrage einführte. Dr. Lade hat es ausgezeichnet verstanden, den Teilnehmern des Ausfluges einen genußreichen Rach- mittag zu bieten. Auf dem Rückmärsche wurde noch Lindheim mit seinen Sehenswürdigkeiten besichtigt, dann fuhr man mit dem Abendzug hochbesriedigt nach Hause. # Echzell, 21. Aug. Einen Sängertag hielten die Arbeitergesangvereine von Echzell. Q] ßo 11 a r, 21. Aug. An der am vergangenen Sonntag in Gießen veranstalteten öffentlichen P o - lizei - und Schutzhundprüfung beteiligten sich auch fünf Mitglieder des hiesigen Polizei- und Schutzhundevereins mit ihren Hunden. Es erhielten der Hund des Wilhelm Schmulbach die Note vorzüglich, Der Wilhelm Erbc, des Karl Wagner, des August Heibertshausen die Note ' ' gut" und der Hund des Otto Merkel die Die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes in den letzten Oahren ist gekennzeichnet, durch die großen saisonmähigen und konjunkturellen Schwankungen in der Beschäftigung der Wirtschaft. Rach den Erfahrungen, die man in dieser Beziehung gemacht hat, reichen die Arbeitsvermittlung und die anderen Maßnahmen zur Ver- bütung und Beendigung der Arbeitslosigkeit, die das Gesetz über Arbeitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung vom 16. Ouli 1927 vorsieht, wie z. B. die Llmschulung im Beruf und die wertschaffende Arbeitslosenfürsorge, nicht aus, um die Auswirkungen dieser Schwankungen aus dem Arbeitsmarkte m genügendem Maße zu mildern. Es soll daher versucht werden, hier Abhilfe zu schaffen durch Förderung der Bestrebungen, die eine zweckmäßigere Verteilung der Arbeit über die verschiedenen Oahreszeiten und über die Zeiten größerer oder geringerer Beschäftigung der Wirtschaft zum Ziele haben. Besondere Bek^utung kommt dabei den öffentlichen Arbeiten und Aufträgen zu, die einen Wert von jährlich etwa sieben bis acht Milliarden Reichsmart darstellen und dgmit einen erheblichen Teil der deutschen Wirtschaft beschäftigen. Es soll darauf hingewiesen werden, dah die maßgebenden Stellen des Reichs, der Länder und der Gemeinden, ihre Aufträge nach Möglichkeit in den Zeiten vergeben, in welchen die Wirtschaft im übrigen wenig beschäftigt ist, um auf diese Weise eine Arbeitsreserve für Zeiten mangelnder Beschäftigung sicherzustellen. On Ausführung dieser Bestrebungen soll nach einer Verfügung des Reichsarbeitsministers und des Reichswirtschastsministers an den Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eine Ministerial- kommission diejenigen Maßnahmen beschließen, die von zentraler Stelle aus notwendig sind, um eine Verteilung der öffentlichen Aufträge im Sinne eines Ausgleichs der Konjunktur- und Saisonschwankungen der Wirtschaft zu fördern. Gleichzeitig ist die Reichsanftalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung durch denReichsaLbeitsminister keauf tragt worden, durch die Präsidenten der Landesarbeitsämter in deren Bezirken auf eine zweckmäßige Verteilung der öffentlichen Aufträge im Sinne des vorerwähnten Ausgleichs hinzuwirken, derart, daß sie sich mit den Beschaffungsstellen laufend in Verbin- Llnd als sie nicht antwortete: „Aber woher kam er zu einer Zeit, da schon die Sonne ins Zimmer schien?" „Aus dem Wirtshaus, wohin er eben wieder gegangen ist, wohin er trotz meiner und der Mutter Flehen Abend für Abend genau um dieselbe Stunde geht, aus dem er Morgen für Morgen genau zu derselben Stunde wiederkehrt." Vernehmbarer tickte die Llhr, lauter bohrte der Holzwurm. „Das ist entsetzlich!" sagte er. Lind dann das Auge von ihr abgewandt: „Er, der, solange ich ihn kenne, die Mäßigung selber war, der nie duldete, daß einer feiner Offiziere sich je zuviel tat, der den kleinen unglücklichen Grassow wegen eines lange nicht so schweren Vergehens mit Schimpf und Schande aus seinem Regiment jagte —" „Vielleicht dürften Sie es vom rein moralischen Standpunkt doch nicht ansehen. Es ist wie ein Dämon, der ihn packt, unter dem er selber am meisten leidet. ... Wenn Sie wüßten, wie er leidet!" „Gewiß, wie auch der kleine Grassow. ... Lind wie kam es denn? Och meine, welchem Anlaß schreiben Sie diese unfaßbare Veränderung in dem sonst so klaren und nüchternen Manne zu? Orgendein Anlaß muh. doch vorliegen." Sie blickte mit einem etwas unsicheren Blicke zu ihm hinüber, als wüßte sie nicht recht, ob sie ihm alles sagen dürfte. Aber die herzliche Teilnahme, die aus feinen ernsten Zügen zu ihr sprach, die treue Zuverlässigkeit seines Wesens, auf die der Vater seit jeher große Stücke gehalten, besiegten ihre Bedenken. „Es begann mit Dem Zusammenbruch Deutschlands, den er nicht zu überwinden vermochte," sagte sie langsam. „Von dem Tage an, da er seinen Offiziersrock auszog, war er ein gebrochener Mann." „Lind schon damals verbrachte er seine Abende außerhalb des Hauses?" „Rein. Damals waren es seltene Ausnahmen. Er war still und in sich gekehrt geworden, vielleicht auch ein wenig menschenscheu. Lind nur, wenn er in den Zeitungen von neuer Schmach und Bosheit der Feinde las, geriet er in Zorn und konnte in förmliche Wutausbrüche verfallen. An solchen Abenden ging er wohl aus. ..." „Lind Dann?“ Sie zauderte. „Dann tarnen allerlei geschäftliche und wohl auch familiäre Dinge hinzu. ... Sie sehen, wie schwer es mir wird, darüber zu sprechen. ... Selbst mit Ohnen." „Ohr Herr Bräutigam und Ohr Herr Vater verstehen sich nicht?" i Sn'Kri°^ fyS l ben i^.etuh efleuiün, -vom Kreis, ^ranstalte-e ;o®emein6e, LL uwch Au hl S echielten ^Sen. Doch Derkäuie '^'gen Zucht. Ahn Zucht, tilgen Zuj, Mission aus "einjähriger Hungen w Gemeinde 'Ann tzeinr. Egen Preise at das Stück, '"ter Leikmg "edr. Stans m Detterau 'lder, die ?en,Teil der «nsläche aus- ns,^ allerdings schlüge gut ge> ersabrii.Det« ndwirten Ter« kreisgesialtung Ernte. Danach elzentner reine "Festpreis ferung. Dieser der Voraus« ’ Zeit für den M beträgt, rd. Als end« rntner Hüben ielis bei einem i-entner. Diese 0 Gramm für s um 2 TU die Steigerung Lus erhöht sich i schon für jede It. er hiesige @e« m letzten Lvim« de einen Aus« Itenstaöt. Durch i Pfarrers Var ern eine ganze irbigieiten aus. igen, in die et ; ÄMhrte. Dr. nben, den Tal« mhreichen Aach« ckmarsche wurde henswüMgkeiten dem Abendzug i Hängertag IC von Echzell. t, solange mein ’ gewisscmaßen ifte tätig trat. - es Übernahm beiden Männer tnis zuerst ge- > AU?“ nerlich tämM Ossenherzrgleu- jie leise. Angriff geg^ mcW. »Ä üe er un W -- Arbeiten und das wissen Sie Er war uniner entsprang^L Kameraden Iw- -ur ^tor Ka- wung oer . n sondern ovw wenn er ,.,jj unsi^' leg«" ^welche-"- * ** * » ^^raebl^' s vE Dämon- • wie gegen f Ä ** 1 holen wollte. Daß zwischen diesen Verstößen und den Unfällen ein unmittelbarer ursächlicher Zusammenhang bestand, hat die Beweisaufnahme einwandfrei ergeben. Berliner Mittagblattes, daß Sauerbrei in eigenem Flugzeug geflohen sei, entspricht jedenfalls nicht den Tatsachen. Die bisherigen Seststellun- | gen haben noch nicht ergeben, daß sich Sauerbrei etwas hat zuschuldenkommen lassen, was eine Verzweiflungstat erklären könnte. Gleichartige Verbrechen können also von Vertretern ganz verschiedener Typen begangen werden. Der Verbrecher kann also nicht als eine Erscheinung von einheitlichem spezifischem Charatter angesehen werden. Zum Teil sind die verbrecherischen Anlagen sicherlich ererbt. Man hat die Stammbäume einzelner degenerierter Familien genau verfolgt und eine auffallende Zahl von Verbrechern und sonstigen gesellschaftsfeindlichen Personen in ihnen festgestellt. Das Verbrechen führt zur Verarmung, zum Alkoholismus und zum Vichtstun auf Kosten fremder Wohltätigkeit, und diese Lebensweise führt dann bei den Vachkommen wieder zum Verbrechen und zu moralischer Minderwertigkeit. Viele Verbrechen sind aus Geisteskrankheiten zurückzuführen, auf Schwachsinn, Schizophrenie, Paranoia, Epilepsie, Dämmerzustände und alkoholischen Schwachsinn. So hat die Durchforschung der Derbrechensursachen und der Verbrecher selbst zur Erkenntnis ihrer seelischen und intellektuellen Störungen geführt, die teils durch Vererbung und teils durch Einflüsse der älmwelt bedingt sind. Daneben erstreckt sich die Wissenschaft der Kriminalpsychologie aber auch auf die Erforschung der seelischen Erkrankungen, die durch die Haft verursacht werden, sowie auf die Wirkung der Strafmahnahmen und der Strafsysteme. Vorläufig ist die junge Wissenschaft noch mit dem Sammeln des Materials und der Erkenntnisse beschäftigt, um später auf diesem Grund ein System zur Verhütung von Verbrechen aufbauen zu können. Bei den H h st e r i s - .. ------ - sehr in den Vordergrund. Aus Eifersucht und Vachsucht begehen diese Kranken allerlei Delikte. werden zu Hochstaplerinnen und Ladendiebinnen. Bei der Warenhausdiebin kommt zu der hysterischen Veranlagung noch die Verführung durch die ausgestellten herrlichen Waren. Durch Falschbeschuldigungen mit sensationellem Gepräge suchen sich Hysteriker zum Mittelpunkt der Ereignisse zu machen. Haltlos, mit einem allgemeinen seelischen Mangel behaftet, oberflächlich und leicht beeinflußbar sind die Willensschwächen. Zu ihnen gehören u. a. Schieber, Svieler, Landstreicher und Bummler, sogar viele Rückfalls- und Gewohnheitsverbrecher. Eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Menschen, die gegen das Strafgesetz verstößt, ist wirklich moral- krank: ihr fehlt jede seelische Gefühlshemmung, fehlen Gemeinschafts-, Sozial- und Moralgefühle. Vur die Mitglieder dieser Gruppe sind Jne unverbesserl ichen, die „geborenen Verbrecher". Panoptikum der Entgleisten 3m Berliner Institut für Kriminalpsychologie. Von Dr. Martin Künzel. Amtsgericht Gießen. Gießen, 17. Aug. Zwei durch Zusammenstöße von Kraftfahrzeugen veranlaßte Unfälle, die sich fast an gleicher Stelle vor einigen Monaten hier ereigneten, standen heute nach vorausgegangenem Augenschein zur Verhandlung. Die Unfallstellen befinden sicy ganz in der Vähe der Einmündungen der Straße „Am Vah- rungsberg" in die Licher Straße bzw. der Moltke- straße in die KaiscraNee, Straßenkreuzungen, die als unübersichtlich bekannt und jeden Führer von Kraftfahrzeugen zu besonderer Vorsicht mahnen müssen. Die beiden Autoführer, die durch vorschriftswidriges Fahren die Zusammenstöße dort verursacht haben, von denen der eine schon mehrfach wegen Ueberttetung von Der- kehrsvorschriften vorbesttaft ist, erhielten G cl b- st r a f e n von 200 bzw. 100 Mark, die- im Falle der Uneinbringlichkeit mit 20 bzw. 10 Tagen Gefängnis zu verbüßen sind, nicht allein wegen Verstoß gegen das Gesetz und die Verordnung über den Kraftfahrzeugverkehr, sondern auch gleichzeitig wegen fahrlässiger Körperverletzung. Denn die Führer der beiden Kraftfahrzeuge, die an den Zusammenstößen kein Verschulden traf, hatten mehr oder minder erhebliche Verletzungen erlitten. Die beiden verurteilten Autoführer waren mit einer das zu- läffige Maß bei weitem überschreitenden Geschwindigkeit gefahren: dazu kam, daß der eine statt auf der rechten auf der linken Straßenseite gefahren ist, und der andere das vor ihm herfahrende Personenauto rechts statt links über» Wölfersheim, Beienheim und Weckesheim am 1 letzten Sonntag hier ab. Eine große Zahl von I Zuhörern hatte sich eingefunden. Die Tagung wurde durch einen Massenchor eingeleitet, der von dem Chormeister des hiesigen Arbetterge- sangvereins „Vorwärts", Philipp Groß 1L, dirigiert wurde. 3n bunter Reihenfolge kamen ausgewählte Chöre zum Vortrag, die sowohl den Sängern, als auch dem Dirigenten alle Ehre machten und bei den aufmerksam lauschenden Zuhörern reichen Beifall fanden. 3n voller Harmonie fand die als Sommerfest gedachte Veranstaltung ihr Ende. Kreis Lauterbach. ♦ Lauterbach, 20. Aug. Das diesjährige Iah resse st des Zweigvereins Lau- tcrbach der Gustav-Adolf-Stiftung wurde am vergangenen Sonntag in Stockhausen gefeiert. Hierzu hatten sich viele Teilnehmer aus der Umgegend eingefunden. 3n dem Zest- gottesdienste, in dem der Kirchengesangverein unter Leitung von Lehrer Wasser und der Posaunenchor unter der Leitung von Lehrer Rausch mitwirkten, predigte Pfarrer Bern - I beck aus Mainz über das Schriftwort Sprüche Salomos 11, 24. Eine Vachversammlung wurde auf dem Platze vor der Kirche und nachher wegen eines herausziehenden Gewitters in dem Gotteshaus abgchalten. Auch hier dienten die Darbietungen der beiden kirchlichen Vereine und ihrer vortrefflichen Leiter zum guten Gelingen des Festes. Die Vachfeier wurde mit Äner Ansprache von Dekan Schlösser, dem Vorsitzenden des Lauterbacher Zweigvereins, der auch einen kurzen Rechenschaftsbericht über das vergangene Jahr gab, eröffnet. Pfarrer D e r n b e ck , Mainz, verstand es, in packender Rede, die andächttgen Zuhörer auf die weiten Arbeitsfelder des Gustav- Adolsvercins hinauszuführen und die Herzen für die Gustav-Adolsvereinssache warm zu ma- chen. Don dem Wert und dem Dorbild der kleinen Diasporagemeinden für die evangelische Christenheit spr-ch der Pfarrer der Diasporagemeinde Herbstein, Pfarrer Trabandt. Auch seine herzlichen Worte sind gewiß auf fruchtbaren Boden gefallen. Gerade seine kleine Gemeinde befindet sich ja durch äußerst notwendige Reparaturarbeiten am Dach und Turm der Kirche in großer Vot und Sorge und bedarf der Bruderhilfe der Gustav-Adol Vereinsleute in besonderem Maße. Tas Schluß- und Dankeswo^t an alle, die zu dem schönen Verlauf des Festes beigettagen haben, sprach der Ortsgeistliche, Pfarrer B e r n b e ck. Preußen. Kreis Wetzlar. Stirnen, Sport und Spiel Herbstregatta des Lahn-Regatia-Verbandes. burger Ruderverein 1911. Herbst-Vierer: 1. Marburger Ruderverein 1911. 2. Mainzer Ruderverein. 3. Cochemer Rudergefellschaft. Lahn-Einer: 1. Verein Rudersport 1913. 2. Wetzlarer Ruderklub 1880. Lahn-3ungmann-Vierer: 1. Marburger Rudcrverein 1911. 2. Limburger Ruderverein 1895. 3. Limburger Ruderklub 1907. 4. Limburger Rudergesellschaft 1920. 5. Gießener Rudergesellschaft 1877. Ermunterungs-Vierer: 1. Limburger Ruderklub 1907. 2. Frankfurter Rudergesellschaft Oberrad. 3. Wetzlarer Ruderklub 1880. 4. Marburger Ruderverein 1911. 5. Weilburger Ruderverein 1895.' 6. Verein Rudersport 1913 (erstes Boot). 7. Verein Rudersport 1913 (zweites Boot). Großer Achter: 1. Mainz-Kasteler Rudergesellschaft 1880. 2. Limburger Ruderklub 1907. 3. Verein Rudersport 1913. Im ganzen haben 14 Vereine mit 261 Ruderern । und 59 Booten gemeldet. Der freundliche Herr, der seinem Besucher mit lebhaften Gebärden und impulsivem Schwung Einzelheiten aus seiner kriminulpsychologischen Forschungsarbeit auseinanderseht, hat es in verhältnismäßig jungen Jahren zum Rang eines Professors gebracht. Es ist Dr. Carl^ Dirnbau m, der Oberarzt der Irrenanstalt Herzberge, für den jetzt an der Berliner Universität ein neuer Lehrstuhl für K r i m i n a l p s h ch o l o g i e geschaffen wurde. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema und hat in vielen Strafanstalten mit scharfem Blick die Seele der Verbrecher zu durchleuchten gesucht, um die Straftaten aus der körperlichen und seelischen Anlage des älebeltäters zu erklären und sie auf die eigentlichen Ursachen zurückzuführen. Die junge kriminalpsychologische Wissenschaft will feststellen, ob die verschiedenen Gruppen der Verbrecher überhaupt gemeinsame charakteristische Züge aufweisen. Wenn dies zutrifft, so wird die Frage aufgeworfen, ob alle Verbrechen aus naturgesehlichen Gründen zu ihrem gesellschaftsschädlichen Treiben verleitet werden. Prof. Birnbaum sieht die seinerzeit viel Aufsehen erregenden Forschungen Lombrosos als veraltet an. Der große italienische Gelehrte wollte das Wesen des Verbrechers schon an Aeußerlichkeiten cr- I kennen, etwa am vorspringenden Unterkiefer, an der fliehenden Stirn und den großen Augenhöhlen, sowie an eigenartigen Formen des Gehirns: Lombroso unternahm es sogar auf Grund von Körpermessungen allerlei Typen „geborener' Verbrecher aufzustellen. Seine Behauptungen wurden später nicht in völligem llmsang bestätigt; doch muhte man zugeben, daß sich bei den Verbrechern öfter als bei unbestraften Bürgern Degenerationserscheinungen an verschiedenen Kör- I Perteilen zeigen. Wenn sich Lombrosos Anschauungen über die körperlichen Eigenheiten der Krtt minellen nicht als richttg erwiesen, so ergab sich doch immerhin, daß besttmmte seelische Mängel fast regelmäßig bei allen Verbrechern auftreten. Vatürlich muß man dabei von solchen seelischen Fehlern absehen, die durch die Mißgunst der Verhältnisse, namentlich durch Vot, hervorge- Wirtschaft. Neue Versicherungsanlagen. Das Versicherungsgeschäft und die Kapitalanlagen der statistisch erfaßten deutschen Lebe ns ve rs i ch e r u n gs - Unternebmun« ge n haben auch in dem Zweimonatszeitraum Mai-Juni 1929 weiter zugenommen. Im ersten Halbjahr 1929 wurden aus dem Kapital- bildungsprozeß, der mit dem Lebensversicherungsgeschäft verbunden ist, dem deutschen Kapitalmarkt langfristige Dettäge in Höhe von 186,2 Mill. Mark neu zugeführt (in Form von Hhpo- thekarkrediten, Kommunaldarlehen und durch Ankauf von Wertpapieren). Der entsprechende Zuwachs des ersten Halbjahres 1928 beziffert sich auf 146,3 Will. Mark, der des zweiten Halbjahres 1928 auf 182,8 Mill. Mark. Diese ausgewiesenen Veuanlagen erreichten am 30. Juni 1929 eine Höhe von rö. 1180 Mill. Mark, Das Geschäft der privaten Lebensversicherungs- unternehmungen hat sich ungefähr in gleichem Umfang weiter ausgedehnt wie im Zeitraum März-April 1929. Der Gesamtbetrag der abgeschlossenen Kapitalversicherungen erhöhte sich auf rund 12,65 Milliarden Mark. Der Durchschnittsbetrag Id'er auf eine Versicherung entfallenden Versicherungssumme ist erstmalig etwas gestiegen (von 1342,6 auf 1346,0 Mark). Die gesamten Kapitalanlagen (Veuanlagen) haben sich wiederum bettächtlich erhöht (um 66,1 Mill. Mark). Die prozentuale Steigerung der Anlagewerte insgesamt überttaf diejenige des vorangegangenen Zweimonatszeittaumes nicht uner- ■ heblich (5,8 Proz., gegenüber 5,5 Proz.). Von» den langfristigen Ausleihungen im besonderen, die eine. Höhe von rd. 1050 Mill. Mark erreichten, hatte die Anlage in Hypotheken und Grundfchulden wiederum die größte absolute Zunahme aufzuweisen: ihr Anteil an den gesamten langfristigen Ausleihungen hielt sich mit 71,5 Proz. auf der Höhe des Standes vom 30. April 1929. Der Anteil der Wertpapiere ging dagegen neuerdings bei einer absoluten Zunahme um nur 6,2 Mill. Mark merklich zurück (von 21,1 Proz. auf 20,6 Prvz. der langfristigen Ausleihungen der privaten Lebensversicherungsunternehmungen); die Zurückhaltung in der Wertpapieranlage dürfte u. a. in der ungünstigen Kursgestaltung des festverzinslichen Werts begründet sein. Demgegenüber hatten die Darlehen an öffentliche Körperschaften die relattv stärkste Zunahme aufzuweisen (7,9 Proz. der langfristigen Ausleihungen gegen 7,4 Prozent am 30. April 1929). Die aufgewerteten Dermögensanlagen erfuhren eine besonders große Steigerung, die vornehmlich die cmfgewer- teten Hypotheken und Kommunaldarlehen betrifft. Das Dersicherungsgeschäft der öffentlichen Lebensversicherungsanstalten hat in dem gleichen Zeitraum eine starke Zunahme erfahren. Die Summe der abgeschlossenen Kapitalversicherungen stteg auf über 1,9 Milliarden Mark; ihr Zuwachs überttaf denjenigen der Vormonate März-April bettächtlich (62,2 Mill. Mark gegenüber 52,4). Der Anteil der öffentlichen Lebensversicherungsanstallen am gesamten Lebensversicherun^geschä^ Wetzlar eine Schaukommission für die Besichtigung der im Verfahren ausgewiesenen Wege . und Gräben gewählt werden. Als Kommissionsmitglieder wurden vom Gemeinderat besttmmt: Landwirt Wilhelm Braun HL, Landwirt und Händler Konrad Lotz und Gastwirt Karl Schiefer st ein. Als Vogelschutzhecke wurde die Einfriedigung des Hochbehälters für die Gemeindewasserleitung auf der „Wetzlarer Hohl" bestimmt. Maingau. * F r a n k f u r t a. M., 20. Aug. Der erste Direktor der zum Konzern der Frankfurter Allgemeinen gehörenden Südwestdeuffchen Dank A.-G., Frankfurt a. M., Franz Sauerbrei, ist seit Sonntagmorgen 9 lUjr verschwunden. Seine Verwandten und Freunde wissen nicht, ob er Selbstmord begangen oder infolge des Zusammenbruchs der Dank die Verven verloren hat und sich an einem unbekannten Ort unter fremdem Vamen aufhält. Die Vachricht eines rufen werden. Die ausgedehnten Forschungen auf diesem Gebiet haben nun dazu geführt, daß man die zahl« reichen Arten der Verbrecher auf gewisse Grundtypen zurückführen kann. Dor den Blicken des Besuchers tut sich bei der Durchsicht der geleisteten Arbeit ein wahres Panoptikum menschlicher Verderbtheit aller Grade auf, anfangend mit den Gewohnheitslügnern und endend mit den raffiniertesten Verbrechern. Ihre Seelen sind blohgelegt, der innere Mechanismus ihrer Triebfedern sichtbar geworden. Man findet da Charaktere, die nur unfähig waren, sich vernünftig in Familie und Beruf einzugliedern, aber man kann auch Aufzeichnungen über das Seelenleben „schwerer Jungen" studieren, die aggressiv die Gesellschaft schädigen wollen und, immer wieder rückfällig, das typische Bild des Gewohnheitsver- brechrrs bieten. Aus den Sammlungen Prof. Birnbaums, in denen sie fein säuberlich geordnet daliegen, steigt nun das ganze Geisterheer der Entgleisten auf. Da sind vor allem die Affekt- naturen, die rasch aufbrausenden Männer, rasch fertig mit dem Wort und mit der Tat, die sich leicht durch ihre Impulsivität zu unüberlegten Handlungen hinreißen lassen. Dann kommen die Fanatiker, einseittg, abnorm, eigenwillig, mit dem Ehrgeiz, auf sozialem, Politischem oder religiösem Gebiet umwälzend zu totrten. Sie sind angriffslustig und schrecken vor nichts zurück, um die Welt im Sinne ihrer Ideen umzuge- stalten; dabei spielen sie oft eine geschichtlich und kulturgeschichtlich wichtige Rolle, sind Revolutto- näre. Königsmörder, Anarchisten oder Begründer von Sekten. Ein anderer Typ, die Querulanten, gehört eigentlich nicht zu den Kriminellen- es sind nur unglückliche, durch mißliche Umstände entgleiste Geschöpfe, die sich von aller Welt um ihr Recht betrogen fühlen, bnbei aber manchmal nicht zögerii, ihren vermeintlichen Widersachern rechtswidrig Schaden zuzufugen. Sie neigen sehr zur Verbreitung von Verleum- I düngen. Die „HyP om ani schen" sind Leute nut gesteigertem Lebensgefühl und großem Tätigkeitsdrang. Ihre Vergehen sind meist Mutwilligkeitsund Ausgelassenheitsdelikte, Unfug, Beleidigung; selbst Körperverletzungen kommen bei ihnen im Gefolge von handgreiflichen Scherzen vor, aber O Wetzlar, 20. Aug. Der G ardeve r- e i n für den Kreis Wetzlar und Umgegend feierte am Samstag, Sonntag und Montag das Fest seiner Fahnenweihe, welches sich einer großen Beteiligung erfreute. Den Auftakt bildete ein Platzkonzert auf dem Domplah, welches am Samstagabend unter Mitwirkung des Musikkorps des Gardevereins Köln stattfand. Das Konzert wurde von dem Obermusikmeister i. R. Klein aus Köln geleitet. Anschließend fand em Konzert im Schützengarten statt. Am Sonntagvormittag fand die Fahnenweihe auf dem alten Friedhöfe statt, mit welcher ein Feldgottesdienst berbunden war. Für die evangelische Kirchengemeinde predigte Pfarrer Schmidt, und für die katholische Pfarrer Dr. Hoeren. Die Weihe der Fahne erfolgte durch den General der Infanterie, Sixt von Armin, welcher Ehrenvorsitzender des Wetzlarer Gardevereins und Ehrenbürger der Stadt Wetzlar ist. Als I Ehrengäste nahmen gn der Weihe teil Dundes- vors Major Busch (Remscheid), Generalleutnant v. Funke (Detmold), der Fürst von Solms- Hohe nsolms-Lich, Landrat M i h (Wetzlar) und Bürgermeister Dr. Kühn (Wetzlar). Der am Sonntagnachmittag veranstaltete Festzug, in welchem verschiedene historische Gruppen zu sehen waren, erlitt durch einen Gewitterregen eine unliebsame Verspätung, _ konnte aber doch noch programmäßig durchgeführt werden. Auf dem Domplahe angekommen, hielten die Teilnehmer kurze Zeit still, um unter feierlichem Glockengeläute der Opfer des Weltkrieges zu gedenken. In dem sich anschließenden Festakt auf der Spilburg sprach als erster Redner der Vorsitzende des Gardevereins, Bureaudirektvr a. D. Wieser, welcher herzliche Degrüßungsworie | an alle Erschienenen richtete, wobei er unter anderem darauf hinwies, daß der Gardeverein keine pvlittschen Ziele verfolgen wolle, sondern die Pflege echt deuffcher Kmneradschaft betreibe. Weitere Ansprachen hielten General Sixt von Armin, Bürgermeister Dr. Kühn (Wetzlar), Majvr Busch (Remscheid), und Pfarrer Braches (Dlasbach). ^ahnennägel überreichten Forstmeister Scheel (Braunfels), für den Fürsten von Solms'-Braunfels, Oberstleutnant von Loßberg für den Deuffchen Offiziersbund, Bureauvorsteher S ch l o t t für den Kriegeroerein Wetzlar, die Vereinigung ehemaliger Augustaner Frankfurt a. M., die Gardevereine Gießen, Altenkirchen, Betzdorf und andere militärische und kameradschaftliche Vereinigungen. Zur Verschönerung des Festes trugen bei der Wetzlarer Männergesangverein der Turnverein Wetzlar, das Städtische Sportamt für Leibesübungen und der Vortragskünstler Willi Armand aus Köln. 0 Dornholzhausen, 18. Aug. In seiner letzten Sitzung wurden dem Gemeinderat die F o r st w i r t s ch a f t s p l ä n e für das Wirtschaftsjahr 1930 vorgelegt und von ihm gut- geheißen. An den Ausgaben für Kulturzwecke wurde ein kleiner Betrag abgeseht. Vachdem die wirffchaftliche Umlegung der Grundstücke beendet ist, mußte auf Ersuchen des Kulturamtes zu Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Zleberrumpelung des Stadtteils Sachsenhausen. Wie wir aus dem „Gießener Anzeiger" vom 21. August erfahren haben, beabsichtigt die Stadt in der Krofdorfer Sttaße 50 Barackenwohnungen zu erstellen. Inr Bau- und Finanzausschuß soll bereits die Angelegenheit genehmigt sein, und die Stadttats-Versammlung soll am Freitag endgültigen Beschluß fassen. Der Stadtteil Sachsenhausen ist seither durch Aufstellung von Wohnwagen, Schaffung eines Platzes für Müllabfuhr mit der üblichen Rattenplage, schlechte Sttaßenverhältnisse u. a. m. immer als ein Stiefkind der Stadt behandelt worden. Wir können nicht verstehen, daß die Stadt durch Erbauung eines Barackenviertels in dieser Gegend ihr eigenes Gelände derart entwertet, daß es keinem Baulustigen einfallen wird, ein Wohnhaus dort zu errichten. Wir weisen ferner auf die Obstund Felddiebstähle hin, denen neben Privatleuten in erster Linie das Universitäts-Versuchsgut ausgesetzt ist, ganz abgesehen von den Streitigkeiten, die sich, ähnlich wie am Güterbahnhof, in der Kolonie entwickeln. Wir haben an die Herren Fraktionsvorsitzenden ein Schreiben gerichtet und um Absetzung des fraglichen Punktes von der Tagesordnung gebeten. Wir hoffen, daß sich einsichttge Führer der Parteien diesem Wunsche nicht verschließen werden. Bürgervereinigung Sachsenhausen-Gießen. Für die vom Verein Rudersport Dießen 1913 und der akademischen Tu« auch — als Ausfluß einer großen Renommier- l derabteilung e. V. aut den 1. ©eptembet sucht — Schwindeleien und Hochstapeleien. Diese angesehte Herbst «Regatta des Lahn- Leute sind stets vergnügte, abenteuerlustige I Regatta-Verbandes auf der Lohn liegt folgendes Bummler und Landstreicher. Den entgegengeseh- Meldeergebnis vor. ten Charakter besitzt der depressive Typ, dessen Lahn-Achter: 1. Limburger Ruderklub Vertreter an Lebensunlust, gedrückter Stimmung 1907. 2. Verein Rudersport Gießen 1913. und Willensschwäche leidem Auch diese sonst Jungmann-Vierer: 1. Weilburger Ru- willensschwachen Menschen können m der Ter- {X»tt>crcin 1395. 2. Cochemer Rudergesellschaft, zweiflung, die sie beiläufig befallt und in der 3 Rudersport Gießen 1913. 4. Wetz- Angst vor einer ungewissen Zukunft Terbredjen [Qrer Ruderklub 1880. 5. Mainz-Kasteler Ruderbegehen, wenn sie sich impulsiv aus ihrer De- acte[n(f)aH 1880. Hemmung «u befreien Mkti “fe? 3 „ n g m a n n . Siner:!. Mainzer Xubcr- niler neigen nicht so sehr zu eigentlichen Der- v Wetzlarer Ruderklub 1880. 3. Donner brechen, als zu gelegentlichen Entgleisungen, gXrixreiiT 1882 Fahrlässigkeiten und Affektvergehen aus Heber- -KuDcröerctn iöö^ ~ , empfindlichkeit. Der Sexualverb r eche r zeigt Ansanger-Vierer. 1. MalNg Kasteler eine starke Veigung zu Rückfällen und ist durch Rudergesellschaft 1880. 2. Wetzlarer Ruderklub keine Strafen zu bessern. Die persönlich vielleicht 1880. 3. Verein 'K1^rfj?Mt 1913. 4. Limburger am wenigsten abstoßenden Außenseiter der men sch ° Ruderklub 1907. 5. QKar&urgcr Ruderverew 19 . l ich en Gesellschaft find die Phantasten. Sie 6. Cochemer Rudergesellschaft. sind die Opfer ihrer allzu regen Phantasie, Staatspräsidenten-Dierer: 1. Der- durch die sie nicht nur andere, sondern sogar sich ein Rudersport 1913. 2. Marburger Rudervercin selbst beeinflussen und täuschen. Eine Veigung 1911. 3. Limburger Ruderverein 1895. 4. Mainz- 5um Schwindeln, zum Renommieren verführt sie Kasteler Rudergefellschaft 1880. zu ihren Hochstapeleien. An sich nicht gesell- Jungmannen-Vierer. 1. Offenbacher schaftsfeindlich ist ihre Veranlagung abgeschwacht Ruderverein 1874. 2. Limburger Ruderverein auch bei vielen Künstlern anzutteffen, ohne dort 1395 3 Limburger Rudergefellschaft 1920. 4. . ins Verbrecherische auszuarten. Dieser Typ stellt Limburger Ruderklub 1907. 5. Gießener Ruder- das Heer der phantastischen Träumer und gtzseffschaft 1877. Erfinder, der Reformer und der Leute mit Zerbst-Achter: 1. Cochemer Rudergesell- hochfliegenden Plänen, die stets von der Aus- , - 2 Mainzer Rudervercin. SÄ | ^l^rcn^uM^rt 'aÄ.'. 2im. „ Schritt zu den Dettügern, der großen Gruppe der Erster Lahn-Vierer: 1. ^mburgec Heirats-, Kautions- und geschäftlichen Schwind- Ruderverein 1895. 2. Limburger Ruderklub 1907. Icr die ihre abnorme Phantasie bewußt zum 3. Verein Rudersport 1913. 4. Marburger Ru- Angriff auf fremde Taschen benutzen und meist derverein 1911. e , unverbesserlich sind. Iungmann-Achter:. 1. Mainz-Kasttler " schen treten die Frauen | Rudergesellschaft 1880. 2. Limburger Ruderklub Junior-Vierer: 1. Offenbacher, Ruderverein 1874. 2. Verein Rudersport 1913. 3. Mar- Nachdruck verboten Ohne Gewähr FI. August 1929 12. Zlehungslag 22856 29713 82568 83768 85284 210 Gewinne ,u 300 M. 488 1243 3431 3996 5721 96747 97071 106106 115764 118217 118406 81988 84284 85009 86529 96409 97329 Im Gewinnrade verblieben: 2 106,25 124,5 154 Banknoten 5 ■$; 0 28886 53110 68201 83632 ÖS: 2? 196 26,5 87 203,5 138459 190934 254616 301236 374625 11093 44754 58663 77219 124600 160249 189720 217293 247240 283020 297392 310033 336502 356251 383561 34120 93111 271487 307331 112478 126829 161611 166164 186573 217452 241875 268517 301290 334989 352711 381935 11945 46733 61343 79001 114163 126338 154556 169733 188459 220268 245741 269938 309386 335005 355313 396427 119754 127762 158176 169993 198925 229965 246054 271899 312355 337173 361162 399868 18979 61222 66057 80344 121106 129551 160571 170834 206883 232887 246789 279164 323415 342619 371929 126554 143584 164444 172726 207800 235256 249748 279435 324452 349718 375708 30639 53766 69774 87257 114005 180169 254350 291614 373082 31627 66764 75022 88795 122700 169317 184611 216261 239200 276116 289201 309920 333681 349575 377695 55,5 55 62,25 106,5 106,13 124 121,5 111,5 222 154 124 121 222 154,75 197 27,25 87 204,75 5,5 56 62,5 143161 201491 267931 316250 389335 14368 60788 63764 79469 149291 218221 268052 335324 394660 161763 232254. 271623 339851 394668 163063 175627 211516 237008 259542 286045 304202 322028 341860 361269 390505 168804 181646 213790 239118 269969 287749 307485 325730 347721 374137 395684 111592 125624 144442 165136 181663 209890 239192 255408 299334 328796 350749 379574 134039 167446 191695 227138 253725 284663 297746 319204 337890 357423 384808 150616 171730 201253 229385 256609 285183 302854 321313 339697 360749 390433 111416 176523 261035 282086 345436 396406 li «ti.. , e Berlin, 21- August Amerikanische Noten . . . Belgische Noten...... Dänische Noten...... Englische Noten...... . io . . o . . 5 . . 6 . . 0 . . 6 . 11 . . 0 * Der deutsche Außenhandel im Juli. 3m reinen Warenverkehr betrug im Juli 1929 die Einfuhr 1230, die Ausfuhr einschließlich Veparationssachlieserungen 1100 Millionen Reichsmark. Die Handelsbilanz ergibt somit einen Einfuhrüberschuß von I33Mill.RM. gegenüber einem Ausfuhrüberschuß von 2 Mill. RM. im Vormonat. Die Steigerung der Einfuhr um 152 Mill. RM. beruht zum erheblichen Teile auf -Zollabrechnungen im Aiederlageverkehr, wobei es sich um Waren handelt, die bereits früher in den freien Verkehr gekommen sind, in der Außenhandelsstatistik aber erst bei der halbjährlichen Zollabrechnung nachgewiesen werden. Tatsächlich zugenommen Hot die Einfuhr nur bei Lebensmitteln, besonders bei Getreide infolge Voreindeckungen vor Inkrafttreten der Zollerhöhungen am 10. Juli. Die Steigerung der Ausfuhr gegenüber Juni um 21 Millionen RM. ist hauptsächlich auf die erhöhte Ausfuhr von Rohstoffen und Fertigwaren zurückzuführen. Die Lebensmittelausfuhr, hauptsächlich Getreide und Zucker, ist zurückgegangen. Gewinnauszug 5. Klosse 33. Preußifch-Süddeulfche (259. Preuß.) Klaffen-Lotterie Ia . 8 . 8 l'i . 8 . 6 10 . 8 . 8 Antst.-Rott. Buen.-Aires Brff.-Antw. Christiania. .st open Hagen Stockholm . Helsingforö. Italien. . . London. ... Ncuhork . . Varis.... Schwei» . . Spanien. . Japan . . . 'Hio de Jan. Wien in D-> Oest. abgest, Prag . . . . Belgrad . . Budapest. . Bulaarien. Lissabon . . Danzig. . . .stonst.inttu. Athen- . . Canada • Uruguay. . Cairo . . . In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinn« »u 10000 M. 221194 2 Gewinn« ju 6000 M. 116085 2 Gewinn« zu 3000 M. 358628 12 Gewinne zu 2000 M. 43425 55415 57284 294275 828265 364709 46 Gewinne,u 1000 M. 9035 25015 51497 51612 64765 86600 135855 155684 156023 159863 166726 217053 238884 245571 245867 264137 272011 281169 322773 342297 344416 361915 388863 68 Gewinne zu 500 M 20679 29348 31858 32679 34687 38721 65858 82548 86599 89936 130836 149782 162950 221610 241928 272742 276380 279224 292501 303101 312403 327488 362539 368057 390977 Luvw. Loews . . . . Nat. Automobil . . . Lrenstein & Koppel . Leonhard Tiey - - • Bamag-Meauin . . . Franks. Maschinen . • Gritzner...... Heyliaenstaedt . . • Iungyans...... Leckwerte. . . • • Maintrastwerke . • • Miaa........ Notarsulmer . . . . PelerS Union . . . . Gebr. Roeder . . . . Voigt 4 Haesfner . . Südd Zucker . . . . In der Vormittagsziehung wurden Gewinn« über 150 M. gezogen 4 Gewinn« zu 10000 M. 62412 233955 2 Gewinne zu 5000 M. 366577 6 Gewinn, zu 3000 M. 141120 164900 252603 10 Gewinn« zu 2000 M. 115024 269360 280055 339112 352163 62 G.wmne zu 1000 M. 16921 26002 38540 47535 61435 68727 70792 76101 81197 165532 191344 194615 194705 216001 227894 230473 241904 267797 284031 292198 298161 339025 362449 360875 374460 394144 80 Gewmn« zu 600 ,2 Jahre. *„Nordsee"DeutscheHochseefischerei, Bremen-Cuxhaven. Der Dividendenvorschlag beträgt wieder 12 v. S). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 22. Aug. Tendenz: unsicher. Die heutige Börse war recht unsicher, da die Situation im Haag als ernst angesehen wird. Ferner verstimmte der unsichere Verlauf der gestrigen Neu- yorker Börse, sowie die neuen Goldabflüsse der Bank von England. Doch konnte die Verstimmung kein größeres Ausmaß annehmen, da in London wieder von einer Diskonterhöhung abgesehen wurde. Die stark abgeschwächten Kurse des Vormittagsverkehrs lagen daraufhin zum Teil wieder etwas erhöht, so daß gegenüber gestern abend die Kursgestaltung nicht einheitlich war. Die Glattstellungen der Spekulation wurden etwas eingedämmt, so daß sich das Geschäft in kleinstem Rahmen bewegte. Die besseren hiesigen Geldmarktverhältnisse fielen kaum ins Gewicht. Stärker unter Druck lagen im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten innerhalb der deutschen Viskosekonvention, Farben, doch konnte sich dieses Papier auch im Anschluß an die wieder etwas günstigere Beurteilung der allgemeinen Lage bessern, so daß der anfängliche Verlust fast wieder ausgeglichen wurde. Am Elektromarkt lagen AEG. und Siemens bis 1,5 v. H. fester, während Lah- meyer, Schuckert und Gesfürel bis 1 v. H. einbüßten. Etwas vermehrtes Interesse bestand für Montanwerte. Hier waren Harpener mit plus 3 v. H. führend, Phönix lagen 1 v. H., G elfe n k i r ch e n 1,5 v. H. und Mannesmann 0,75 o. H. fester. Stark vernachlässigt eröffneten von internationalen Werten Svenska mit minus 3 Mark und Chadeaktien mit minus 1,50 Mark. Banken uneinheitlich Reichsbankanteile traten nach der starken Vernachlässigung der letzten Tage mit plus 1,5 v. H. wieder etwas hervor, und zwar angeblich auf vereinzeltes 2luslandinteresse. Die übrigen Werte dieses Marktes gaben durchschnittlich bis 1,5 v. H. nach. Renten still und leicht gedrückt, nur für S ch u tz g,e b i e t e machte sich einige Nachfrage bemerkbar. Im Verlaufe wurde das Geschäft auf Deckungen etwas lebhafter. Bis jetzt nicht bestätigte günstige Nachrichten aus dem Haag stimmten zuversichtlicher, so daß sich das Kursniveau allgemein um etwa 1 v. H. heben konnte. FrankfurterAllgemeineVersicherung wurden mit 150 RM. genannt. In dieser Angelegenheit ist man jetzt beruhigter. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6 v.H. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1997, gegen Pfund 20,36, London gegen Kabel 4,8480, gegen Paris 123,85, gegen Mailand 92,66, gegen Madrid 33, gegen Holland 12,10. Berliner Börse. Der! in, 22. Aug. Nach der ruhigen gestrigen Frankfurter Abendbörse konnte man im heutigen Vormittagsverkehr durchweg Abgabeneigung feststellen und die Kurse wurden mehrere Prozent schwächer gesprochen. Die Vorbörse brachte dann weitere Verluste. Kurz vor Deginn des offiziellen Marktes zeigte sich aber eine geringe Deckungsneigung der Spekulation, die gestern auf Grund zahlreicher Gerüchte Mankoabgaben vorgenommen hatte. Zudem glaubte man auch Interventionen beobachten zu dürfen, oder hegte vielmehr die Hoffnung, daß die Danken hierzu schreiten werden. Die ersten Kurse zeigten daher nicht das schwache Aussehen der vorbörslichen Taxen, sie lagen aber doch immerhin 1 bis 2 Prozent, vereinzelt bis 3 Prozent unter gestern mittag Schluß. Die Llnsicherheit, die schon Tage die Börse beherrscht, verhinderte aber auch heute eine Belebung. Vor allem beunruhigte die Lage im Haag, die durch die gestrigen Besprechungen eher noch verschärft wurde und die allgemein Besorgnis hervorrief. Die Bereiterklärung der Banken, die am 30. September fälligen 140 Millionen Reichsschatzanweisung au prolongieren, blieb ohne jede Wirkung, da gegen nahm man die An le i h e v e r ha n d» lungen der Stadt Berlin geteilt auf. Die Stützungsaktion für die Frankfurter Allgemeine Versicherungs-A.-G. schreitet vorwärts, und man erwartet das Ergebnis der heutigen Gläubiger Versammlung. Eine leichte Stühe bot der unveränderte Londoner Diskontsatz, da durch die neuen großen Goldverluste am heutigen Tage leichte Befürchtungen entstanden. Der Ultimo macht sich ebenfalls schon bemerkbar. Man glaubt, daß Prolongationsgeld im selben Umfange wie im vorigen Monat zur Verfügung gestellt werden wird. Tagesgeld war mit 5,5 bis 8 Prozent weiter leichter, dagegen lag Monatsgeld mit 9,25 bis 10,5 Prozent wieder steif. Die Nachfrage soll ziemlich erheblich fein. Warenwechsel nannte man mit 7,75 Prozent. Deutsche Anleihen lagen uneinheitlich. Neubes ihanleihe schwächten sich stärker ab. Ausländer gut gehalten. Der Pfand- b r i e f m a r f t litt unter einer völligen Geschäftslosigkeit, bei eher abbröckelnden Kursen. Im Verlaufe wurde es etwas freundlicher, da die erwarteten Exekutionen ausblieben, und da für den Montanmarkt einiges Interesse bestand. Cs ergaben sich 1- bis 2prozentige Gewinne. Polyphon konnten sich sogar um 4 Prozent erholen, auch Neubesitzanleihe lagen etwas fester. Am Montanmarkt regten Meldungen von günstiger Förderung an. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 22. Aug. Tendenz: flau. — Im Einklang mit den schwächeren Ueberseemeldun- gen war die Haltung am heutigen Nebenmarkt allgemein recht schwach. Das 2lngebot in Jnland- getreide hat sich wieder etwas vergrößert. Aufnahmelust für Weizen und Roggen bestand nur bei 0,25 Mark billigerem Preis. Futtermittel still und unverändert. 2lm Mehlmarkt war die Tendenz ebenfalls flau, Weizenmehl gab 0,75 Mark nach, Roggenmehl war knapp gehalten. Es wurden notiert: Weizen 26 bis 26,25 Mark, Roggen 20,75, Hafer (inländischer) 21, Hafer (ausländischer) 20, Mais (gelb, für Futterzwecke) 21,25, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 39 bis 40,25, Roggenmehl 29,75 bis 31, Weizenkleie 10,75, Roggenkleie 11 Mark. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 22. Aug. Auftrieb: 129 Rinder' 954 Kälber, 199 Schafe, 577 Schweine. Es kosteten: beste Mast- und Saugkälber 76 bis 80; mittlere Mast- und Saugkälber 70 bis 75; geringe Kälber 64 bis 69; Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weideinast) 55 bis 59; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 45 bis 54; vollfleischige Schweine von etwa 240—300 Pfd. Lebendgewicht 86 bis 89; von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 87 bis 90; von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 86 bis 89; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 84 bis 87. Marktverlauf: Kälber und Schafe rege, ausverkauft. Schweine ruhig, geräumt. Prämien zu ie 500000, 2 Gewinne zu le 500000, 2 zu je 200000, 2 zu je 100000, 4 zu je 75000, 4 zu je 50000, 4 zu je 25000, 60 zu je 10000, 86 zu je 5000, 248 zu je 3000, 476 zu je 2000, 1184 zu je 1000, 2882 zu je 500, 6760 zu je 300 M. — Ö) Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den Abteilungen I und II beiden Aranlfurt a U'(. Berlin Frankfurt a M. Berlin Schlub-s Kurs | i-UDr Rute Schluß-l Rute | Ansang. Rute Schluß. RurS l-Uhr Rute Schluß- Rurs Anfang. Rur? Datum 2L8. 22-8. 21 8. 22.8. Datum 218. 22.8- 21.8- 22. 8. 5% Dl. Reichsanleihe o. ktizi . ■ 87,25 — 87,5 — 192,75 193,13 193,5 192,4 St. Anl.-Ablös.-Schuld mit AuS> Bergmann ......... 9 224,5 — 226 224,5 lo|.-8icd)ten........- 52,5 52,5 52,5 52,4 Elektr. Lieserungen..... 10 — — 165,5 165,25 Tesgl. ohne AuSIos.-Rechte . . . 7% Franks. Hnp.-Bk. Goldpf. un- 11,8 10,75 11,13 10,6 Licht und Straft ...... 10 204 —— 204,75 203,5 Felten & Guilleaume. .... 6 139 — 139,5 139 kündbar bis 1932....... 85,5 — — — Ges. s. Elektr. Untern.....10 208,25 209 207,5 4 yt% Rhetnilche Hyp.-Bank Liqu.- 77,4 Hamb. Elektr. Werke .... 10 Rhein. Elektr.........9 Schlej> Elektr. . .....10 — — 140,5 150,5 177 140,25 144,5 174,75 A.E.G. abfl. VorkriegS-Obligation., — rückzahlbar 1932 ....... 88 —— — — 223 222 222,5 220,6 4% Schweiz. BundeSb.-Anl.. . . 98,75 — — — Siemens 4 Halske . • • • • 12 370,5 372 373 372 4% Oefterreichische Goldrte.. . - — — 28,75 — 171,5 170,25 172 2,4 — 2,5 4% Oesterreich. einheiU. Rte. - - — — Buderus...... 5 — —- — 73,6 22,13 22,2 22,4 Deutsche Erdöl.......8 111,9 111,5 4% Ungarische ElaatSr. v. 1010 . — — — — Essener Steinkohle......8 — — 136.9 137 4'/i% bcofll. oon 1913..... 21,65 —— 22,1 — Geilenkirchener ... f. J4 3- 4 134,5 135,9 135 136,5 4% Ungarische Kroncnrte..... 1,75 — 1,8 1,75 Harpener...... 8 147 150 148 148,75 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . - 7,25 — 7,4 — Hoesch Eisen.........8 — —— 131,75 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., 7,2 Ilse Bergbau........6 213 — 214 212 Serie I........... — 7,5 7,35 Sllöcknerwerke ........ 7 — — 112,25 112 4% beSgi. Serie 11....... 7,2 —— 7,5 — Röln-Ncuessen...... . 9 — — 128,75 128,5 Rumänen convert. Rte. . . . 8 — — — Mannesmann........8 115,5 116 116,25 116,25 4>z% Rumänen fflolbanl. von 1910 16 —— — — ManSfelder.........7 — 136 136 Oberschles. Eilend. Bedarf . . . fr — — 86,5 — elllfl. Deutsche Eisenbahn . . 4% Oberschles. KokSwerke.....f- — — 104,25 103,5 —- — — Phönir Bergbau......6Yt Rheinische Braunkohlen. . . 10 105 106 105,75 106 Hamburg-Amerika Paket ... 8 Hamb.-Südom. Dampssch. . . 8 — — 119,5 118 280 — 280 279 — —— 183 181 Rheinstahl . . . s. '/. Jahr 4-,', 122,5 — 122,5 123 Hansa Dampfschiff.....10 — — 158 157,13 Riebeck Montan......7,2 — Norddeutscher Lloyd.....8 110,75 111 111,5 110,4 Bereinigte Stahlw......< 115,5 115,6 115,65 115,5 SUlg. Deutsche Creditanst. . . 10 125,75 —- 126,25 126,25 63.5 63,13 Barmer Bankverein .... 10 127,5 126,5 128 127,25 Kali Aschersleben.....10 227 — 228 226 Berliner HandeiSgesellsch. . . 12 —— — 202,25 201,25 Kail Westeregeln......10 Kaliwerk Salzdetfurth . . . 1b 231,5 — 232 229 Commerz- und Privat-Banl. 11 178,5 178 178,5 178 380 — 381,5 380 Darmst. u. Nationalbank . . 12 272,5 — 272 271 I <8. Farben.Jndustrke ... 12 Deutsche Bank......1C 165,25 —_ 165 164,5 217,9 217,5 18,5 217 TISkonto-Gesellschafi Ank.. . 1C 150,5 —— 151 150,5 Dynamit Nobel.......6 — — 104 Dresdner Bank......1C 156 155,5 156 155,5 Scheideanstalt........9 — —— — —— Metallban t — Goldschmidt ........6 74,25 —- 74 73,25 Reichödank ..•«•••• ** 294,5 296 °96,5 296 Rütgerswerke ........ 6 MetallgeseUschaft......li 82 123,5 1 80,5 I 124 81,5 123,5 Frankfurt a .. Berlin Schlug»! Kurs | 1-Ubr Kurs Schlich-! Rurs | Anfang, fiure Datum 21.8. | 22.8. 21.8. 22 8- Phltrpo Holzmann .... . 1 104,5 — 105 103,25 Heidelberger Eement . . . . 10 131.5 131 — — Ecment Karlstadt..... . 8 185 — — — Wayß 4 Freilag...... 10 — — 100 — Schultheis Patzenhofer . . . 15 — — 291 290 Ostwerke......... 12 — —— 228 228,13 Ber. Glanzstoff...... 18 390 390 393,5 390,5 14 _ —— 309 S Zellstoff Waldhof..... 12 — — 233 232,25 Zellstoff Aschaffenburg . . . 12 153 153,75 — 152,5 Charlottenburger Wasser . . . 7 — — 106 105,5 Dessauer GaS ...... . 8 — —— 190 190 Daimler Motoren..... . 0 51 51 51 51,9 Deutsche Maschlnen-Fabrik . . 0 — — 54,25 54,75 Adlerwcrle Kleoer..... . 5 48 — 48 47,5 Berlin, 21. August . Geld Bries französische Noten..... 16,41 16,47 Holländische Noten...... frktalienische Noten...... 167,66 21,96 168,34 22,04 Norwegische Noten...... 111,51 111,95 Deutsch-Oesterr, ä ioo Kronen 59,08 59,32 Rumänische Noten...... 2,47 2,49 Schwedische Noten...... 112,13 112,57 schweift Noten ....... Spanische Noten....... 61,38 61,62 Tschechoslowakische Noten . . 12,37 1 12,43 Ungarische Noten..... 72,97 - 73,27 21. August 22. August Amtliche Notierung Geld | Briet Amtliche Notierung Geld | Brief 168,03 168,34 168,05 168,39 1,758 1,762 1,759 1,763 d8,305 58,425 58,32 58,44 111,69 111,91 111,76 121,98 111,67 111,89 111,67 211,89 112,34 112,56 112,34 112,56 10,544 10,564 10,541 10,561 21,945 21,985 21,93 21,97 20,336 20,376 20,338 20,378 4,195 4,203 4,195 4,203 16,425 16,465 16,415 16,455 80,705 80,865 80,73 80,89 61,60 61,72 61,66 61,78 1,950 1,964 1,960 1,964 0,4975 0,4995 0,497 0,499 59,07 59,19 59,075 59,195 12,413 12,443 12,416 12,436 7,366 7,380 7,368 7,382 73,20 73,34 73,18 73,32 3,032 3,033 2,032 3,058 18,74 18,78 18,78 18,82 81,30 81,46 81,29 81,48 1,999 2,003 1,998 2,002 5,43 5,44 5,43 5.45 4,166 4,174 4,171 4,179 4,106 4,114 4,116 4,124 20,855 20,895 20,85 20,89 Geld Brief 4,174 4,194 58,21 58.45 111,45 111,89 20,30 20,38