Ur. 169 Erster Blatt 179. Jahrgang Montag, 22. Juli 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monalr vezugrpreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für T^öger- lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanfchlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen, poftschemonto: Sranffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vnlck und verllag: vrühl'sche llniversilütr-Bllch- und SteindruSerei R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Seschaftrftelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Der Zwischenbericht des Neparationsagenten zugunsten des Schwere Erkrankung des Reichskanzlers Die Annahme zur Vorbehalte niedergelegt hat. Rachdem auch der Abänderungsantrag friedlichen Wiederaufbaus Europas. dieses Planes stellte einen in dem Genesungspro« sichten während der Wintermonate eine bedeut teribe Zunahme erfahren hat. Auch die Lage der Landwirtschaft ist noch immer schwierig. Ob die im Gesamthabitus des Wirtschaftslebens seit Mürz eingetretene Aenderung nur als Ausfüllung des während des Winters entstandenen Vakuums bezeichnet werden kann, ober ob sie das Wieder^ einsetzen einer großzügigen unb gleichmäßigen! Wirtschaftstätigkeit bedeutet, sich darüber abschließend zu äußern, ist im gegenwärtigen Stadium unmöglich. Sn dem den „Schlußbetrachtungen" gewidmeten Kapitel beschäftigt sich der Generalagent mit dem Zweiten Sachverständigen - A u s * schuh, der am 7. Juni d. S. seinen Bericht erstattet hat. Der Generalagent schlicht den Tätigkeitsbericht mit folgenden Ausführungen: „Vor fünf Sahren bezeichnete die Annahme des S a ch - Verständigenplanes von 1 9 2 4 durch eine Vereinbarung zwischen Deutschland und den Gläubigermächten die Entscheidung zugunsten der vernunftgemäßen Regelung des Reparationsproblems und zu gleicher Zeit eine Wahl Berlin, 21. Juli. (ÖIB.) Aus Heidelberg wird uns von authentischer Seife mifgefeilt: Reichskanzler Müller ist in Bab Mergentheim, wo et zur Kur weilt, plötzlich an einer hochfiebrigen, eifrigen Gallenblafenentzündung erkrankt. Gestern wurden durch den behandelnden Arzt Dr. R. Haug die Geheimräte Luderten und v. Krehl aus Heidelberg und Professor Hermann Zondek aus Berlin an das Krankenlager gerufen. Die Aerzle haben dem Reichskanzler die sofortige Operation empfohlen, die am Sonnfagnachmiffag gegen 17 Uhr durch Geheimrat Luderten oorgenommen wurde. Bei der Operation zeigte sich an der Gallenblase eine Durchbruch st eile in bie Bauchhöhle. Die Operation nahm einen normalen Verlauf. Der Zu- flanb muß als ernst bezeichnet werden. Oie jüngste Entwicklung der Krankheit. Berlin, 22. Suli. (TU.' Funkspruch.) Wie die „Montagspost" zu fixer schweren Erkrankung des Reichskanzlers ergänzend meldet, muhte einLlm- schwung zum Tlngünstigen vor einigen Tagen fest- gestellt werden. Der Kanzler fieberte anbauet n d, konnte aber die Dienstgeschäfte trotzdem erledigen. Am Mittwoch verschlimmerte sich der Zustand. Der Kanzler wurde apathisch, ein operativer Eingriff wurde aber Wendepunkt .. _____ _ „ . zeh nach dem Kriege dar, und die Sahre, die darauf gefolgt sind, sind Sahre einer sich ständig mehrenden Stabilität und wesentlicher wirtschaftlicher Erholung nicht nur in Deutschland, sondern in Europa in seiner Gesamtheit gewesen. Der Sachverständigen-Pl an von 1 92 9 bietet Deutschland und den Gläubi- Regieningssieg in der pariser Kammer. Oie Schuldenabkommen nach dem Vorschläge der Regierung mit 8 Stimmen Mehrheit angenommen. Entschließung beraub und diese in ihrer Gesamtheit angenommen worden waren, ging die Kammer zur Cinzelberatung des Gesetzentwurfes über die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über. Don verschiedenen Abgeordneten wurden Gegenanträge vorgelegt, darunter auch von dem Abgeordneten D e l i g n e, dessen Antrag folgenden Wortlaut hat: „Der Präsident der Republik wird ermächtigt, das in Washington am 29. April 1926 zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und der Regierung der französischen Republik geschlossene Abkommen über die Konsolidierung und die Rückzahlung in 62 Annitäten der von Frankreich bei den Vereinigten Staaten auf genommenen Schuld zu ratifiziere n.“ Außenminister Driand stellte im Ramen der Regierung für diesen Gegenantrag die Vertrauensfrage. Sn namentlicher Abstimmung, deren Ergebnis um 1.20 Ahr bekanntgegeben wurde, nahm die Kammer mit 300 gegen 292 Stimmen bei 592 Abstim- menben den Gegenantrag Seligne an. Ebenso wurde in einfacher Abstimmung ein entsprechender Antrag Dettgne über die Ratifizierung des Londoner Abkommens angenommen. Die 299 Abgeordneten, die gegen die Ratifizierung gestimmt haben, verteilen sich auf die einzelnen Parteien wie folgt: 11 Kommunisten, 100 Sozialisten, 15 Sozialrepublikaner, 100 Radikale, 9 Mitglieder der radikalen Linken, 2 Linksrepublikaner, 7 Mitglieder der Fraktion Maginot, 6 Mitglieder der Fraktion Franklin Bouillon, 17 Mitglieder der Sraltion Ma- Oie Regierungskonferenz im Haag? Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers",' 2er Iin, 22. Suli. Sm Rahmen der englisch- französischen Auseinandersetzung über den Tagungsort der politischen Repcrnationskommission erhärten sich immer mehr die Gerüchte, daß sich die beiden Mächte endlich doch über den Ort geeinigt haben. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß der Haag für diesen Zweck ausersehen ifL Allerdings verlautet aus Paris, 21.Suli. (WB.) Die Kammer hat heute nacht die Gesetze über die Ratifizierung des Washingtoner und des Londoner Abkommens angenommen, nachdem sie in einer Entschließ ung ihre rin, 19 Unabhängige und 6 Mitglieder der unabhängigen Linken. 16 Abgeordnete haben an der Abstimmung nicht teilgenommen. Am Schluß der Rachtsihung entstand noch eine Debatte über die Behandlung eines Antrages des Abgeordneten L i l l a z (Radikale Linke), der den Zweck verfolgte, eine budgetäre Verankerung der Schuldenzahlungen vorzunehmen. Sein Vorschlag hat folgenden Wortlaut: „Beim Schatzamt soll ein Sonderkonto eingerichtet werden, auf das die Summen gutgeschrieben werden, die Frankreich von Deutschland erhalten hat vorbehaltlich eines jährlich vorzunehmenden Abstrichs zum Ausgleich der Lasten für die Wiedergutmachung der Kriegsschäden. Die Höhe und die Verteilung des Abstrichs soll alljährlich durch das Einnahmebudget festgelegt werden." Die Kammer vertagte nach langer Debatte die Beratung des Antrages auf Donnerstagvormittag. Die Sitzung wurde gegen 4 Uhr aufgehoben. Mit 282 gegen 274 Stimmen nahm die Kammer die Dorbehaltsentschließungen Heraud - Goh an, die im wesentlichen besagen, daß die Kammer der Ansicht ist, daß Frankreich unter der Gefahr, ernstlich seine nationale Wirtschaft zu erschüttern, die für die Durchführung der Abkommen vom 29. April unb 12. Suli 1926 notwendigen Mittel nur in der regelmäßigen Erfüllung der Verpflichtungen Deutschlands finde. Sie erklärt, daß die dem Lande durch die genannten Abkommen auferlegten Lasten ausschließlich durch die Summen gedeckt werden müßten, die Deutschland ate feine Schulden an Frankreich abzuführen hat. pomcatts Befinden unverändert. Paris, 20. Suli. (WTB.) Das Befinden Poincarss ist, wie Havas berichtet, immer noch unverändert. Die Rahrungs- mittelvergiftung, an der er leidet, machte es ihm heute noch unmöglich, in der Kammer zu erscheinen. Der Arzt verbot ihm jedes Ausgehen. Die deutsche Währung hat, wie bisher, allen praktischen Erfordernissen der Goldwährung genügt. Sm Anschluß an die im Bouna-Plan in Aussicht genommene Rückkehr zur vollen Goldwährung äußert sich der Generalagent über die Wiederaufnahme der Ausprägung von Goldmünzen, die er in ihrer Zweckdienlichkeit sowohl vom Standpunkte der gegenwärtigen Lage der Dinge auf dem internationalen Goldmarkt, als auch vom Gesichtspunkt der internen Bedürfnisse Deutschlands als äußerst zweifelhaft betrachtet. Der deutsche Außenhandel hat sich nach den Ausführungen des Berichtes in den lehtver- flossenen Monaten der Gleichgewichtslage etwas mehr angenähert. Das allmähliche Ansteigen des Gesamtumfanges der Ausfuhr wird vom Generalagenten als Angelegenheit von allergrößter Bedeutung bezeichnet, da die Annäherung an eine günstige Handelsbilanz infolge der Steigerung der Ausfuhr verheißungsvoller ist, als wenn sie durch eine Drosselung der Einfuhr zustande käme. Angesichts des großen deutschen Cinfuhrbedarfs an Rohstoffen und Rahrungsmitteln ist mit einer ausgesprochenen Herabsetzung des Gesamtumfan- ges der deutschen Einfuhr während eines irgendwie längeren Zeitraumes kaum zu rechnen. Zum Teil bildete die gesteigerte Ausfuhr auch den Ausdruck des Bedürfnisses nach Auslandkapital in einem Augenblick, wo ausländischer Kredit schwer und kostspielig zu beschaffen war. In der allgemeinen Entwicklung der deutschen Wirtschaftslage unterscheidet der Bericht des Generalagenten zwei Phasen, eine Zeit des wirtschaftlichen Rückganges im Spätherbst und Winter 1928/29 — hier wird auf die Auswirkucktzen der Aussperrung in der rheinisch-westfälischen Eisen- und Stahlindustrie und diejenigen des außerordentlich strengen Winters hingewiesen — und eine Periode der Wiederbelebung in vielen der wichtigsten Pro- duktions- und Gewerbezweige im Frühjahr 1929. Hier wird aber einschränkend darauf hingedeutet, daß verschiedene Industrien noch immer flauen Geschäftsgang aufzuweisen scheinen und die Anzahl der Konkurse und Geschäftsauf- germächten die Gelegenheit zur endgültigen Regelung des Reparations-Problems und schafft damit die erforderliche Grundlage für den weiteren Fortgang der friedlichen Wiederaufbauarbeit." 3m Spiegel der Berliner presse. Die Berliner Sonntagsblätter beschäftigen sich durchweg in längeren Kommentaren mit dem Z w i sch e nbL-»i ch t Parker Gilberts. Tlebereinstimmend wird von den Zeitungen betont, daß die erwartete Sensation, wie sie in einem Teil der französischen Presse angekündigt war, ausgeblreben ist. .Parker Gilbert", so schreibt das „Berliner Tageblatt", „spricht nicht in dem überheblich kritischen Tone, den ein Teil der französischen Presse erwartete, sondern er legt, ohne im wesentlichen eine eindeutige eigene Meinung zu betonen, die tatsächlichen Entwicklungen der Berichtsperiode dar, und er stützt sich hierbei wie gewöhnlich auf deutsche Quellen." Auch die „Boss. Ztg" hebt die Zurückhaltung des Generalagenten hervor, der nicht mehr, wie seinerzeit, in der Anleihefrage sich als der Lehrmeister und Ratgeber der deutschen Regierung aufspiele, sondern sich auf seine Aufgaben, bie chm seine Stellung zuweise, beschränke. Der „Lokal-Anzeiger" erkennt bie Form bes Berichtes an, bie vom beutschen Standpunkt aus nicht zu beanstanden sei, wobei das Blatt allerdings die Frage offen läßt, ob nicht die vorzeitigen Verlautbarungen der französischen unb bet englischen Presse ben Generalagenten zu einer gewissen Bereinigung, zu einer Denaturierung seines Berichtes veranlaßt haben. Heber bie Einzelheiten bes Zwischenberichtes gehen bie Meinungen ber einzelnen Blätter mehr ober weniger auseinander. Als wichtigste Feststellung bes Berichtes unterstreicht ber „Vorwärts" bie Erklärung Gilberts, bah bie Reichssinanzen heute im ®runbe ihres Wesens als gefunb anzusehen sinb. Die „Berliner Börsenzeitung" wirft hinsichtlich ber Länder- und Gemeindesinanzen dem Generalagenten vor, daß er auch diesmal seine bekannte Kritik auf seiner falschen Einstellung zum deutschen Staatswesen heraus wiederhole. „Besonders", fährt das Blatt fort, „fällt das Regative der Kritik und der Mangel an positiver produktiver Einstellung bei der Darstellung der Arbeitslosenversicherung unb ber Lage ber beutschen Landwirtschaft ins Auge." Demgegenüber betont der „Lokal-Anzei- g e r“, daß Gilberts Schilderung der Reichsfinanzwirtschaft einen wertvollen kritischen Beitrag für die Beurteilung ber gesamten beutschen Finanz- unb Steuerverhältnisse darstelle. Auffällig ist be- sonbers bie Tatsache, bah der Bericht immer wieder auf die Zusagen zurückkornrnt, die die Reichsregierung und der Reichsfinanzminister im letzten Sahre abgegeben hoben, um die außerordentliche Gespanntheit der Finanzlage zu kennzeichnen unb darüber hinaus die unbedingte Rotwendigkeit baldiger und durchgreifender SanierungsmaßnaH- men festzustellen. Berlin, 20.Juli. (WB.) Der Zwischen- ! bericht bes Generalagenten für bi e Reparationszahlungen vom 1. Äuli 1929 uter bie Ausführungen bes Darvesplanes im Zeitraum vom 1. September 1928 bis, 31. Mai 1029, ber biesmal gleichzeitig in beutfcher lieber* fetzung erscheint, umfaßt 188 Druckseiten. Bezüglich ber Durchführung ber Reparationszahlungen in ber Berichtszeit stellt ber Generalagent fest, baß Deutschland loyal unb pünktlich die ihm ob- (icgenben Zahlungen geleistet unb bie Verteilung an bie Gläubigennächte ihren regelmäßigen Verlauf genommen hat. Van ben zur Verfügung stehenben Reparationsfrimmen finb 977,8 Millionen Reichsmark 58,22 Prozent in ausländischer Währung unb 701,7 Mill. Reichsmark 41,78 Prozent in Reichsmark zur Auszahlung gekommen. Die llebertragung in ausliinbischen 23a« luten hat von Jahr zu Jahr zugenommen. Don den Einzelberichten Der Kommissare und Treuhänder gibt der Generalagent am aussühr- lichsten die Grundzüge des Berichtes des Eisenbahnkommissars wieder. Damn erklärt der Kommissar für die Reichsbahn, aus seinen Ziffern gehe hervor, daß in den bisher abgelaufenen Reparationsjahren die von der Reichsbahngesell- schaft geleisteten Reparationszahlungen stets von dem Rettobetriebsüberschuh reichlich gedeckt worden seien. Hinsichtlich der für 1929 veranschlagten Einnahmen seien diese nur gerade ausreichend, um die veranschlagten Ausgaben zu decken. Das Gleichgewicht im Etat dieses Scchres könne nur durch strenge Sparsamkeit erhalten bleiben, da die Ansätze Raum zu irgendwelchen anderen Ausgaben nicht mehr ließen. Sm Anschluß an diese Ausführungen wird auf den Vorschlag der Gesellschaft auf Erhöhung der Eifenbahn- : tarife verwiesen. Wie bisher, nimmt auch im vorliegenden Bericht die Besprechung der öffentlichen Fi- n anzwirtschaft den weitesten Raum ein. Der Generalagent ist der Ansicht, daß- der die Etats der Mehrzahl der öffentlichen Verwaltungen kennzeichnende Zug eine große Ergiebigkeit der Einnahmen unb gleichzeitig bas ständig steigende itioe.au der Ausgaben gewesen ist, eine Entwicklung, 6-ie in großem Umfang Anleiheaufnahmen notwendig gemacht hat. Hinsichtlich des Reichshau.shal ts führt er aus, daß zwar in den letzten Monaten die Kassenlage sich in einem Zustande starker Spannung befunden, daß aber die Reichsregierung eine Reihe von Maßnahmen zur Herbeiführung einer Entspannung der Lage ergriffen und der Reichsfinanzminister amtlich bekanntgegeben hat, eS werde den gesetzgebenden Körperschaften ein umfassendes organisches Programm über die gesamte Finanzpolitik vorgelegt werden. Der Generalagent zweifelt nicht an der.Lösungsmöglichkeit dä Problems der öffentlichen Finanzgeba- rung, zumal der neue Sachverständigen- bericht weitere Gelegenheit und weiteren Antrieb zur Entwicklung eines gesunden Finanz. Programms gibt, und zwar nicht nur wegen der von ihm an den Reparationszahlungen vor- genvmmenen Kürzungen, sondern, auch weil er die Ungewißheit über den Umfang der Repa- rationsverpflichtungen Deutschlands endgültig aus ber Mett schafft. Bei der Besprechung der Entwicklung des Haushalts der Länder und Gemein- d e n verweist der Generalagent darauf, daß die finanziellen Beziehungen zwischen Reich, Ländern und Gemeinden noch keine endgültige Regelung erfahren haben. Die auf Grund der Verordnung über Finanzstatistik bisher dem Publikum zugänglich gemachten Statistiken genügen nach seiner Ansicht noch nicht, um sich ein vollständiges Bild der Finanzlage und laufenden finanziellen Bedürfnisse der Länder und Gemeinden zu verschaffen. Das letzte Finanzjahr ist durch erhebliche Zunahmeder öffentlichen Verschuldung des Reiches, der Länder und Gemeinden gekennzeichnet, die der Wirtschaftsdienst des Transferkomitees zum 1. März 1929 einschließlich der kurzfristigen Verschuldung, jedoch ausschließlich der Reparationsverpflichtungen und der vom Reich, den Ländern und Gemeinden eingegangenen Garantien, auf den Gesamtbetrag von etwa 15,6 Milliarden Reichsmark veranschlagt. 3n den Ausführungen über die Kredit- tage in Deutschland und die deuts cheWäh- rii n g wird darauf hingewiesen, daß während der Derichtsperiode die Kreditlage eine Phase exzeptioneller Anspannung durchzumachen gehabt hat. Ende Suni erhellt aus dem Zifsern- moterial, das verfügbar ist, daß der kritische Punkt überwunden und daß die deutsche Wirt- 'Haft als Ganzes mit der durch die hohen Kosten der Geldbeschaffung, für deren Hervor- msung der sich bekundende Finanzbedars des Reichs und der sonstigen öffentlichen Stellen auch weiterhin ein bedeutsamer Faktor bleibt, bedingten Einschränkung wieder voranschreitet. Noch immer ist, wie in jedem Augenblick feit der Stabilisation der Wiederaufbau der inländischen kapitalver- forgung bis zu dem Grade, wo der Zinsfuß eine Senkung erfahren kann, das Kernproblem der deutschen Wirtschaft. bis Samstag Mitternacht nicht für notwendig gehalten. Sn d«er Rächt zum Sonntag stieg die Temperatur bis 39,5. Sn einem Konzilium am Krankenbett wurde festgestellt, daß ein sofortiger operativer Eingriff nottoenbig sei. Die Gattin des Kanzlers wurde verständigt und reiste sofort nach Mergentheim ab. Am Sonntag hat sich längere Zeit Reichsinnenminister Severing am Krankenbette des Reichskanzlers aufgehalten. Da der Kanzler von Mergentheim aus die Geschäfte bisher weiter erledigte, wird seine Vertretung der zur Zeit allein in Berlin weilende Reichsminister, Reichswehrminister ® roenc r , übernehmen. Das Befinden nach wie vor ernst. Heidelberg, 22. 3uli. (WTB. Funkspruch.) Reichskanzler Müller verbrachte eine angesichts der schweren Operation befriedigende Rächt. Der Zustand des Patienten ist nach wie vor ernst. Geheimrat Enderlen zufrieden Heidelberg, 22.3uÜ. (WTB. Funkspruch.) Geheimrat E n d e r 1 e n , der die Operation des Reichskanzlers vollzogen Hal, erklärte nach der heute vormittag gegen 9 Uhr vorgenomme- I nen Untersuchung, daß er mit dem bisherigen Verlaus der Operation zufrieden sei. thcnhlf lberd< r< ' Oer Ausbau -er Angestelltenversicherung. Berlin. 20. Suli. (WTB.) Das Reichs- arbeitsministerium hat den Entwurf des Gesetzes zum Ausbau der Angestellten- versicherung dem Reichsrat zugeleitet. Sn der Hauptsache ist der Ausbau der Selbstverwaltung und der Versicherungsleistungen beabsichtigt. Snsbesvndere sieht der Entwurf vor, daß die Arbeitgeber und die versicherten Angestellten ihre Vertreter im Verwaltungsrat der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte unmittelbar wählen. Ferner wird die Zahl der ehrenamtlichen Mitglieder des Direktoriums von je drei Vertretern der Arbeitgeber und versicherten Angestellten auf je vier erhöht. Die planmäßigen Beamten des höheren Dienstes soll nunmehr der Verwaltungsrat ernennen. Bei dem Ausbau der Leistungen handelt es sich vor allem um die Erweiterung der Hinterbliebenenversorgung. Diese soll nach dem Tod des Versicherten auch gewährt werden seiner schuldlos geschiedenen Ehefrau, wenn sie sich nicht wieder verheiratet hat und bedürftig ist, ferner feinen bedürftigen Eltern oder Großeltern, wenn sie der Versicherte vorher überwiegend aus seinem Arbeitsverdienst unterhalten hat und kein Anspruch auf Witwen- oder Witwerrente besteht. Die Steigerungsbeträge für die seit dem 1. Sanuar 1924 entrichteten Versicherungsbeiträge sollen nicht, wie bisher, nach dem Hundertsatz (nämlich 15 v. H.) des Beitrages, sondern nach festen Sähen bemessen werden, die in ihrem Ergebnis grundsätzlich dem bisherigen Hundertsatz entsprechen. Kundgebung für Freilaffung der „Femetäter". Berlin, 20. Suli. (WB.) Sm Zirkus Dusch fand heute abend eine von der Nationalen Aothilfe veranstaltete Kundgebung für die sogenannten „Femetäter" statt. Rittmeister a. D. v. Oppen-Tornow schilderte in einer längeren Ansprache die Verhältnisse, die die Femetaten, Femeprozesse und Femeurteile veranlaßt hätten, und erklärte, eine Feme im eigentlichen Sinne habe es nie gegeben. Die Femehehe fei lediglich inszeniert worden, um den Barmat-Skandal zu vertuschen. Zum Schluß forderte er eine Amnestie für die Feme- tätct, die lediglich die Not der Zeit hervorgebracht habe. Es wurden zwei von einer großen Anzahl nationaler Verbände und Organisationen unterstützte Entschließungen angenommen. Sn der einen Entschließung wird an den Herrn Reichspräsidenten die Bitte gerichtet, das ganze Ansehen seiner Person und den ganzen Einfluß seiner Stellung bei den in Betracht kommenden Snstanzen dahin geltend zu machen, daß den sogenannten Femetätern alsbald die Freiheit wieder gegeben werde. Sn der zweiten Entschließung wird an die Reichsregierung, die preußische Staatsregierung und die Parlamente des Reiches und der Länder das dringende Ersuchen gerichtet, daß die noch im Gefängnis sitzenden sogenannten Femetäter alsbald in Freiheit gesetzt Weeden und daß durch eine umfassende Schluhamnestie der Durchführung weiterer Femeprozesse Einhalt geboten und damit unter die Ereignisse der verworrenen Zeit von 1921 bis 1923 ein Strich gezogen wird. Aus aller Welt. Unfall desPersorrenzugesBerlin—München Erfurt, 22. Suli. (WTD. Funkspruch.) Die Reichsbahndirektion Erfurt teilt mit: Gestern abend um 9,55 Ufjr ist auf dem Hauptbahnhof Gera der von Berlin kommende und nach München fahrende Personenzug 848 auf eine im Einfahrtgleis haltende Lokomotive aufgefahren. Ein Personenwagen ist mit einer Achse entgleist. 20 Reisende wurden leicht verletzt, sie haben nach Behandlung durch den Reichsbahnarzt die Reise fortgesetzt. Der Personenzug 848 erlitt durch den Unfall eine Verspätung von 60 Minuten. Der Betrieb ist nicht gestört worden. Die Schuld trifft den Fahrdienstleiter, der das Freisein der Einfahrtstrecke nicht geprüft hatte. Er ist aus dem Dienst zurückgezogen worden. Ein Auto gegen einen Personenzug. M ö rs, 21. Juli. (WTB.) Heute abend gegen 7 Uhr raste, als über Mors ein schweres G e - witter niederging, an dem Bahnübergang Rheinberger Straße ein mit neun Personen besetzter Lieferwagen aus Krefeld gegen einen Kleinbahnzug. Der Lieferwagen wurde vollständig zertrümmert. gut unterrichteten Kreisen, daß die Belgier ihrerseits noch mit allen Mitteln versuchen, eine Einigung auf O st e n d e zu erzielen. Man weist aber mit Recht darauf hin, daß gerade Ostende während der Badesaison schon aus technischen Gründen sehr wenig geeignet ist, und eine Fülle von Schwierigkeiten mit sich bringen würde. Der Haag hat dagegen den Vorteil für sich, nicht in dem Amfange wie das Seebad Ostende zur Zeit überfüllt zu sein, und zudem als altbewährter Tagungsort großer Konferenzen auch die räumlichen und technischen Voraussetzungen, mit sich zu bringen. Die Frage, wie durch die Arbeit der Oraanisativnskomitees die politische Konferenz vorbereitet werden kann, so daß ihre Arbert wirkungsvoll wird, ist dagegen noch ganz ungeklärt. Keine Bedenken Hollands. Haag, 20. Suli. (WTB.) Sm Hinblick auf ausländische Blättermeldungen, wonach die Möglichkeit stark angewachsen sei, daß die diplomatische Reparationskonferenz anstatt in London im Haag abgehalten werden soll, erfährt der Vertreter des WTB. von hiesiger, gut unterrichteter Seite, daß die niederländische Regierung von den in Betracht kommenden anderen Regierungen bisher noch keine Mitteilung oder Anfrage erhalten hat, die sich auf die Abhaltung der Konferenz im Haag oder einer anderen Stadt der Niederlande bezieht. Sollte jedoch der niederländischen Regierung in den nächsten Tagen ein derartiger Vorschlag unterbreitet werden, stehe zu erwarten, dah die niederländische Regierung keine Bedenken gegen die Abhaltung der Reparationskonferenz in Holland geltend machen werde. Ruhe in der Mandschurei Der litt- die chinesische Regierung wird in Washington als chend belrachlet. Die (Frage und die Art und damit zu schaffen sucht, ernst und weitrei- internationale Seite der Weise, in der davon die Washingtoner Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet: Der chinesische Gesandte habe dem Staatssekretär S t i m s o n gegenüber den Standpunkt vertreten, daß die Entlassung der russischen Beamten der O st bahn vollkommen legal gewesen sei. Die Bedeutung dieser Auffassung und der Präzedenzfall, den haben. Das Temperaturmaximum im Schatten betrug 34,6 Grab Eelsius. Wegen des großen Andranges waren in den Freibädern am Wannsee und am Müggelsee besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Während sich in diesen beiden Bädern bis zum Abend keine tödlicher» älnglücksfälle ereigneten, sind an anderen Stellen, zum Teil in sogenannten wilden Freibädern, an Stellen, an denen das Baden verboten ist, zwölf Personen ertrunken. Schritt in Moskau wurde Frankreichs lang in Anspruch genommen. Chinas Auffassung in der Ostbahnfrage. London, 22. Juli. (WTB. Funkspruch.) Oer Gtinnes-prozeß. Das Plädoyer des Verteidigers Stinnes London, 22.Juli. (WTB. Funkspruch.) „Times" meldet aus Mnkden: Tschangshü- Hang ist Sonntag hierher zurückgekehrl. von den Unruhen und den Kriegsgerüchten in Schanghai und der Welt ist hier im allgemeinen nichts zu bemerken. Ls herrscht hier völlige Ruhe. Richt ein einziger Sodat ist mobilisiert wor- den. Ueber die Lage an der Grenze sind sehr übertriebene Nachrichten veröffentlicht worden. Paris, 22. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der Korrespondent des „Petit p a r i J i e n“ meldet aus Schanghai, die Nachrichten von einem Kampfe an der sibirischen Grenze entsprechen nicht den Tatsachen. In der Gegend von Sui Fengho sei es zwar zu Schießereien gekommen, die jedoch unbedeutend gewesen seien, da die Truppen weit voneinander in Stellung lagen. Auch in der wandschullgegend kehrt die Ruhe wieder ein. Die Sowjets hätten zwar Aufklärungsflugzeuge entsandt, zeigten sich jedoch nicht angriffslustlg. Auch unternahmen Sowjel- flugzeuge Erkundungsfluge, die ergebnislos blieben. Die Chinesen nahmen die Flugzeuge unter Feuer. Der Sowjetgeneralkonsul in Eharbin und seine Mitarbeiter, die vor 10 Tagen verhaftet wurden, seien gestern wieder freigelassen worden. Sie haben die Erlaubnis erhalten, nach D a i - ren zu reifen, von wo aus sie sich nach w 1 a b 1 - wostok begeben würden. 80 0 Russen, die bei der Ostbahn und ihren Zweigniederlassungen angestellt waren, hätten ihren Dien st gekündigt und bereiteten sich ebenfalls auf die Abreise nach Dairen vor. Ebenso 4 0 0 L e h r e r, die in den verschiedenen russischen Schulen längs der Oslchlnabahn unterrichtet hatten. Der neue Direktor der Ostchina- bahn habe, um den plötzlich Weggang der russischen Beamten zu verhindern, erklärt, er betrachte diese Kündigung als einen Streik und würde dementsprechend vorgehen. Berlin, 20. Suli. (WB) Sm Si inn es- Prozeß führte Rechtsanwalt Dr. AlSberg in seinem Plädoyer für den Hauptangeklagten Hugo Stinnes unter Bezugnahme auf die Bekundungen, die v. W a l d o w in der Voruntersuchung gemacht hat. u. a. aus, dah Waldow unter ständiger Llnterstützung des Kriminalkommissars R a s s o w nicht nur zermürbt worden sei, sondern daß man in ihm auch geradezu eine Haftpsychose gegen Stinnes erzielt habe. Aus einer eigenen Aussage Rassows gehe hervor, daß er schon auf der Reise von Salzburg nach Berlin in Waldow mit allen Mitteln die Vorstellung erweckt habe, dah es für ihn eine Existenzfrage sei, durch Belastung von Stinnes sich selbst zu retten. Der Llntersuchungsrichter Töplitz habe sich nicht gescheut, Waldow sogar gegen seinen Verteidiger aufzuhetzen, den ihm Stinnes auf Waltz ows Wunsch gestellt habe. Immer wieder hätten diejenigen, die amtlich mit Waldow zu tun hatten, auf seine Stimmung etngewirkt, um ihn zu belastenden Aussagen gegen StinneS zu bewegen. Der Untersuchungsrichter Brühl habe keine Bedenken gehabt, im Beisein Waldvws anderen Gegenüber ohne jeden Grund zu unterstellen, dah er sich von Sttnnes habe dingen lassen, um Waldow mit vergifteten Pralinen aus dem Wege zu räumen. Wenn Waldow einen Tag nach der Verhaftung von Stinnes frei- gelassen worden sei, möge Untersuchungsrichter Der amerikanische Gesandte in China verschiebt seinen Ltrlaub. Washington, 20. Juli. (WTB.) Wie Associated Preß meldet, hat der amerikanische Gesandt» in China Mac Murray das Staatsdepartement benachrichtigt, er habe anaesichts der kritischen Lage im Fernen Osten beschlossen, seine beabsichtigte U r • laubsreise nach Amerika nicht zu unternehmen. England schließt sich an. London, 20. Suli. (WTB.) Die britische Regierung hat die Regierungen der Vereinigten Staaten und Frankreichs davon unterrichtet, dah sie sich deren Bemühungen, durch eine freundschaftliche Vorstellung auf beiden Seiten zur Beseittgung der Spannung zwischen China und der Sowjetunion zu gelangen, voll anschliehe. Sn maßgebenden Streifen Londons gibt man sich keinem übertriebenen Pessimismus hinsichtlich der Lage hin. künftigen Ereignisse im Fernen Osten und die Interessen der ausländischen Regierungen und Staatsangehörigen berührt werden könnten, ist von solcher Wichtigkeit, daß Staatssekretär S t i rn s o n ihr jetzt seine ganze Zeit widmet. „Kriegserklärung an die ganze Welt." Notenkrieg. Schanghai, 21. Suli. (WTB.) Die Regierung von Nanking veröffentlicht ein sehr umfangreiches Kommun iqu 6 , in dem die Verantwortung für die Krise in Ostasien der Sowjetunion zugeschoben wird, deren kriegerische Vorbereitungen den Geist des Kriegsächtungspaktes verletzt und China zu Gegenmaßnahmen gezwungen hätten. Durch die Unterbrechung des Betriebs auf der sibirischen Dahn durch die Sowjetunion sei dem internationalen Verkehr ein großer Schaden zugefügt worden. Sn ähnlichem Sinne ist eine Mitteilung der Presseabteilung des Ministeriums des Aeuhern Brühl, das als einen Zufall bezeichnen. — Erder Verteidiger — müsse sagen, es sei die Belohnung gewesen. Schrtttweise habe man ferner versucht, den Zeitpunkt, zu dem Stinnes von dem betrügerischen Charakter des Geschäft- Kenntnis bekommen habe, vorzudatteren. Auch das angeblich eigene Geständnis des Angeklagten Stinnes enthalte positiv nichts, was sich für dessen Schuld verwerten liehe. Sn längeren rechtlichen Ausführungen legte Alsberg noch dar, daß Stinnes niemals den vom Gesetz erforderten Vorsatz gehabt habe, an dem Betrüge tcilzunehmen. Stinnes, so erkürte der Verteidiger weiter, habe nach Entdeckung der Tat das getan, was man allein verständigerweise von ihm habe erwarten können. Nachdem alle Stricke gerissen seien, mit denen Stinnes mit einem Betrug der Ausländer verknotet werden könnte, werde noch der klägliche Versuch gemacht, ihn an den Nagel der juristischen Konstruktton aufzuhängen, die zu allem Ueberfluh auch noch völlig unhaltbar fei. Wer das Recht liebe, müsse sich in tiefster Seele verwundet fühlen, wenn er sehe, wie heiligste Schutzrechte des Angellagten in dieser Voruntersuchung aufs schwerste verletzt worden seien. Aber, so schloß der Verteidiger, auS diesem Schmerz löse sich die Freude und die glückhafte Erkenntnis, dah nämlich das Recht doch stärker sei qls die Macht und dah das Unrecht prozessual sowohl wie materiell niemals Recht werden könnte. gehallen. Sn dieser Verlautbarung heiht es. die Unterbrechung des Verkehrs auf der sibirischen Bahn bedeute tatsächlich eine Kriegserklärung an die ganze Welt. Ferner wird in der Mitteilung der Presseabteilung angekündigt, daß das im Sowjetkonsulat in Charbin vorgefundene kommunistische Prvpagandamaterial veröffentlicht werden soll. Keine Offensive Chinas. Washington, 20.Juli. (WTB.) Der chinesische Gesandte W u sprach heute bei S t i m | o n vor und gab eine Erklärung ab, in der er versicherte, daß China nicht die Offensive ergreifen werde. Abbruch -er Beziehungen Chinas zur Sowjetunion. Nanking, 20. Suli. (WTD.) Der Staatsrat hat beschlossen, die Deziehungen zur Sowjetunion abzubrechen und alle chinesischen diplomatischen Deamten aus Rußland zu- rückzuberusen. Gleichzeitig werden alle russischen diplomatischen Deamten ersucht werden, China zu verlassen. Kein SHiedsrichteraml Amerikas Lediglich Bemühungen zur Verhütung eines Krieges. Washington, 20. Juli. (WB.) Der französische Botschafter Claudel sprach heute im Staats- bepartement vor und überreichte die Antwortnote B r i a n d s , in der dieser seine völlige Ueber- einstimmung mit der Ansicht Stimsons über die Notwendigkeit, einen Krieg zwischen Rußland und China zu vermeiden, ausdrückt und mitteilt, daß er Moskau alsbald entsprechend oerftänbigt hätte, bisher aber noch keine Antwort erhalten habe. Auch Nanking habe noch nicht geantwortet. S t i m s o n, ber gestern mit Hoover eine Wochenendfahrt antrat, brach seinen Ausflug ab und kehrte mittags nach Washington zurück, um, falls die Antworten doch heute noch eintreffen und weitere Schritte erforderlich werben, sollten, zur Hand zu fein. Die Uebernahrne eines Schiedsrichteramtes durch die Bereinigten Staaten kommt — wie verlautet — nicht in Frage. Da mit Rußland keine diplomatischen Beziehungen bestehen, ist man nach den von Paris vorliegenden und durch Claudel übermittelten Nachrichten zuversichtlich, baß es zu einem Kriege nicht kommen werbe. Stirn- sons Dermittlungsaktion erfolgte, wie heute klar- gestellt würbe, ganz selbständig, und Eng» land und Japan wurden von den Washingtoner Schritten lediglich informiert, ohne daß ihre formelle Mitarbeit erbeten wurde. Nur zu dem Sämtliche neun Fahrgäste wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Der Eisenbahnverkehr auf ber Strecke Mörs—Pluyn, sowie ber Straßenbahnverkehr sind völlig stillgelegt. Zwölf Personen ertrunken. Berlin, 22. Suli. (Priv.-Tel.) Der gestrige Sonntag war für Derlin ein Ausslugstag allererster Ordnung und zugleich der heißeste Tag, den wir bisher in diesem Sahre überhaupt gehabt ©worxenlos-O neue», O naro ocdtcti» worxia G veseen. eReget # Schnee A^raupem ■ Neoei K <>ewaier.(§)windstMic.«CS srt» (eichte» Osi massige» ■Südsüdwest sturmiscee» *ordwesl Die Piene fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stehenden Zat» len geben die Temperatur an. Die Linien vertwodee Orte mit gleicheotz auf Meercsnitfeau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Don Südwesten her hat sich hoher Cuftbrud vorgeschoben und sich mit dem mitteleuropäischen Hoch vereinigt. Snfolgedesfen herrscht in säst ganz Deutschland, mit Ausnahme der Küste, heute morgen wieder heiteres Wetter, das auch vorläufig anhält. Sedoch zeigt sich über Srland eine neue Störung, die dort schon Regen gebracht hat. Sie wird späterhin auch bei unS zu etwas Bewölkung führen und stellenweise Gewitterbildung verursachen. Wettervoraussage für Dienstag. Zunächst meist heiter und heiß, später wieder Gewitterneigung. Lufttemperaturen am 21.Suli: mittags 30.1 Grad Celsius, abends 23 Grad: am 22. Suli, morgens, 22 Grad. Maximum 32,8 Grad, Minimum 16,9 Grad. — Sonnenscheindauer: ll1/, Stunden. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 21. Suli, abends, 29,2 Grad, am 22. Suli, morgens, 22,4 Grad Celsius. dem neue 21u! ° Strohn DbtthMchen 2[u Ble Streife Wege» jaM bis Frjglar i: vrGr-lassel ist £lP«nt Umleitung Aus den ■"«rejihi. 10 °m 1. bis 15 LZ vk, & oü äS K arb. Slame "raste 20. Ig. s *Mtanffurfet ( - Tages/, Ä: 19.36 jtfr, Siegerinnen uni LnchffhichauL 'M — Ttadiihr ät’8: dem ne gen", ber am Du fcu*r Erstaussühr» Spielleitung in Zugleich wird legen heil gegeber rolle vor das j beschäftigt die 1 Lcherer und die wm. Lolch, & tion: Ludwig Lii Oie „Sternen* noch heute in Aeuyork. 11 e u 9 o r f, 22. Juli. (MTV. Funkfpruch.) vt« „Bon einer leisen losen Schlaf falle D W »r«f* Aus der Provinz,alhauptstadt. Dießen, den 22. Juli 1929. Serien der Oaheimgebliebenen. Licht nur die Fortgereisten, nicht nur die irrienfreudigen, sondern auch die Daheimgeblie- ' Seiten nützen die Sommertage. Und kommen Tage, jit denen die Quecksilbersäule beängstigend steigt. nie sie sich im Winter in ein Nichts zusammen- jcg. so werden die Räume, sonst liebgewohnt, zu tr.fl, es drängt hinaus in die Sonne, in den! Tlalb, auf die Wege, die zwischen abgeernteten diesen und der Ernte entgegenharrenden Reckern Anfuhren. Aber wer will und wer kann die t-chende Sonne vertragen, die Schwüle, unter kt man die Zunge heraushängen lassen möchte? ^an ist ober auch um Gegenmittel nicht ver- rgen. Spendet die Erde doch im Grunde alles, irr dem Menschen das Dasein leicht und angele hm zu machen. Wenn es nicht immer leicht uit) angenehm ist, Mutter Erde ist gewiß nicht daran, schon viel eher die Menschen selbst uit) die Mitmenschen. Und die einfachsten De- »en« ?e*W. «< ' heHi.kÜtW- ^?'S°ii°ns 'Uschreibrn, ? MH-9* H Mmittags *'"»<«• SS; ***!??'• Wand. iitrin6i?hÜMlUtm' .bet Folkestone fisch««. Er ertrank, ffleb. ld verwundet worden. ®oot bei Stonten vermißt. Aus den ^^Heberschwem« Verkehr stören. Li« getötet. Eine Flut- .en Fuß höhe er. Oafting. Ein« Frau totes ertrunken. dcheichändlern. DD) 3m Mai d. 3. Kriminalpolizei, einer inhändlerbande äche auchMilitör« nach dem AuSlande, and, verhalf. Samali eder der Dande, dar« nm Warschauer Äauf« isten. Weitere Emittier deutschen Kriminal, u einem großen Schlag erbande. Es konnten t Verden, die so gut ? Haftungen stehen ! bei ben CßetbdWn elang es, in Lte v du Transporte von n. lmBorderindim. W.) Auf dem Chen ab- etwa hundert Per« »rsonen kommen gerettet irden vermißt. erläge. «tTunaßnahmen? Herunter die überflüssigen Klei- bet, die Haut dem Licht, der Sonne, der Luft »nSgesetzt, hinein ins kühle Wasser, sich um« pSlen lassen von den Wellen, die silbrig schim- isrn unter einem bohen, blauen Himmel, der iss hineinschaut in Vie klare Flut. 2lm Eingang zum Bad stehen sie Schlange. Jrtb drin auf dem Sand, auf dem Rasen, im Straßensperrung, mitgeteilt vom ldtihessischcn Automobilklub (A. v. D.) Gießen: lie Strecke Wegegabel 2,4 Kilometer südlich Schön« flibi bis Fritzlar im Zuge der Straße Marburg— gntzlar—Kassel ist ab 22. Juli bis auf weiteres ylinrrt Umleitung über Kirchhain—Treysa—Frieders—Wabern. *• Aus dem G iehener Standes- «rn.t s reg i ste r. Es verstorben in der Zeit tan 1. bis 15. Juli: 4. Juli: Luise Zoll, geb. D>ckel, Wwe., 56 Jahre alt. Ludwigstrahe 28. 6: Paul Moritz Eduard Oswald, Werkstätten- vrlieher i. R., 63 Jahre alt, Henselstrahe 10. 1 Amalie Fürth, geb. Stern, Wwe.. 66 Jahre eit, Frankfurter Straße 11. 8. Katharine Dohen- ht)d, geb. Glame, Wwe., 82 Jahre alt, Schiller- strnhe 20. 10.: Karl Schneider, 3/< Stunde. Sel- drSweg 83. 11.: Rudi Theodor Günther, 1 Jahr al, Frankfurter Straße 150. 12.: Elise Kirchner, Vesser wimmelt es von Menschen, die sich teils üwas steif, teils in völliger Unbekümmertheit ktoegcn. Wie die Kinder werden die Großen, Matronen scherzen mit jungen Mädchen, toür- lige alte Herren, die sonst völlige Unnahbar- Vi sind, haben mit Dem Anzug von einem crften Schneider auch die ganze Würde abgelegt, vetteifern im Turnen mit jungen Leuten, fpie- !?m mit ihnen, wie wenn zwischen ihnen und ihm richt der geringste Unterschied wäre. Dem Adam tn|er, hört auch mancher Unterschied auf, ein Unterschied zu sein. Höchstens, daß das würdige DLuchlein des Aelteren ein wenig scheppert, die ranke Jugend dagegen Hindernisse eleganter und «wandter nimmt, die Matrone in ruhigeren Setoegungen, aber auch nicht immer mit über- dundener Selbstgefälligkeit den Strand belebt, dährend die weibliche Jugend springlebendig und bereit, im Lachen die weißen Zähne blin- |?n zu lassen, kindlichen Uebermut austollt. Und lie Kinder selbst fühlen ftch in ihrem Element, ob sie mit Sand spielt und Burgen baut, eher im Wasser Allotria treibt. Kopfüber ftür- -m die gewandten Schwimmer in die Flut, erhoben ihre Schwimmtechnik und freuen sich, ttnn sie ihre Leistung um einen halben Meter nhvhen konnten. Wie im Fluge vergeht so die Zeit. Zeitlos Itzlendert man durch die Stunden, und die Stadt, lie mit ihren Türmen herüberschaut, ist bereiften. Für Stunden hinaus. Dis eben die sin- Itnte oder gesunkene Sonne doch ermahnt, toie- kr heimzukehren. Aber die Heimkehr fällt leicht, ear ist erfrischt und wird doch schon beschlichen tont einer leisen Müdigkeit, die in einen träum- lt>|en Schlaf fallen läßt, der zum Morgen führt, an dem neue Aufgaben und neue Freuden stehen. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Dtv.: 19.36 Uhr, am Dahnhof, Abholen unserer Siegerinnen und Sieger vom Gauturnfest. — kchtspielhaus Dahnhofstrotze: „Die Ehe". — Stadttheater Gießen. Man schreibt im#' In dem neuen Schwank „Hallo, wir fliegen". der am Dienstag. 23. Juli, im Stadttheater ti*c Erstaufführung gelangen wird, liegt die ttietteitung in den Händen Heinrich Hubs, ^gleich wird diasem zum ersten Male Gelegenheit gegeben, biet in einer komischen Hauptrolle vor das Publikum zu treten. Ferner sind beschäftigt die Damen Jahn, Jüngling, Koch, tocrer und die Herren de Castro, Haeser, Link- ronn, Dolck, Schütz, Wesener, Zingel. Jnspek- ton: Ludwig Linkmann. geb. Graulich, Wwe., 83 Jahre alt. Wesev- stratze 9. 14.: Katoltne Ponz, ohne Deruf. 25 Jahre alt, Walltorstrahe 65. 15.: Katharine Denner, geb. Eucker, Wwe., 70 Jahre alt, Roon- stratz« 38. " Iohonnisfest der Buchdrucker. Die Gießener Buchdrucker feierten am Samstagabend auf der Karlsruhe altem Herkommen gemäß das Namensfest ihres Altmeisters Gutenberg. Der feit 61 Jahren bestehende Drtsoerein Typogrophia hatte den Abend in jeber Hinsicht festlich gestaltet. Den künstlerischen Teil bestritt die Meiersche Kapelle (Einzug der Gäste auf der Wartburg, Ouvertüre zur Oper Tancred, Romanze für Piston, Solist Heinrich Monk Potpourri über Rheinlieder), während Frau Gretel W o e l k e mit Soprange- sängen (Lied der Mignon aus der gleichnamigen Oper, Zigeunerlied aus Zigeunerbaron und Am Brunnen vor dem Tore), wirkungsvoll aufwartete. In der Begrüßungsansprache des Kollegen S ch n e i- der kam die Würdigung der Erfindung Gutenbergs auf das Wirken des Deutschen Buchdruckerverbandes treffend zum Ausdruck. Kollege Moutarde vollzog hierauf die Ehrung der beiden Mitglieder Hoß und P u s cb, die 25 Jahre dem Serbanb an- gehören, durch Ueberreichen von Diplomen. Das Bierer-Schulreigenfahren und das Zweier-Kunst- radfahren von Mitgliedern des Arbeiter-Radfahrervereins „Solidarität" fanden wohlverdienten Beifall. Das zunftmäßige Preis-Quadräteln brachte den Gewinnern hübsche Preise und der das Fest abschlie- ßende Ball den Tanzlustigen noch viel Vergnügen. Unwetter im Vogelsberg. b* AlSfeld, 21. Juli. Am gestrigen SamS- tagvormittag gegen 11,45 Uhr wurde unsere Stadt von einem schweren Unwetter heimgesucht, wie man es seit vielen Jahren hier nicht erlebt hatte. Das plötzlich heraufziehende Gewitter war von einem orkanartigen Sturm und wolkenbruchartigen Regen begleitet. Der Blitz schlug mehrfach in der Stadt ein, jedoch glücklicherweise ohne zu zünden. In einem Hause der Mainzer Gasse ritz ein Dlitzstrahl die Dachfirstziegel herunter und zerstörte die über daS Haus hinweggehende elektrische Stromleitung. An mehreren Gebäuden deckte der Sturm teilweise die Dächer ab und brachte Gefache zum Ein stürz. Im fog. Grubengarten wurde «ine etwa 100 Jahre alte Linde vom Sturm entwurzelt. Glücklicherweise fiel der Daum fo, daß kein Häuserschaden entstand. Diele Keller waren mit Wasser angefüllt. Das einsehende Hagelwetter war von kurzer Dauer, so daß hierdurch nennenswerter Schaden nicht entstanden ist. Die Dekorationen in der Stadt und auf dem Festplatz für das Gauturnfest wurden arg mitgenommen. Lauterbach, 21. Juli. Ein schweres Unwetter zog gestern vormittag in Verbindung mit ungewöhnlichem Sturm über unsere Stadt und Umgegend. Die starken Niederschlagsmengen, die das Gewitter mit sich führte, brachten leider auch stellenweise einen sehr erheblichen Hagelschlag, wodurch ein nicht unbeträchtlicher Schaden in der Landwirtschaft angerichtet wurde. Das Unwetter hat Zweige, zum Teil auch starke Aeste, abgerissen, die Straßen verschlammt und mehrere "Bäume entwurzelt. Zum Glück kam hierbei niemand zu Schaden. Die Felder haben unter Sturm und Hagel heftig gelitten. Ein großer Teil des Getreides ist niedergelegt worden. Aus der Umgebung wurde ebenfalls ein starkes Unwetter in Herbstein gemeldet, während in Gedern und Freiensteinau lediglich Niederschläge zu verzeichnen .waren. Oberheffen. Kreis Büdingen. -t- Dad Salzhausen, 21. Juli. Mit Feri e n 6 e g i n n hat sich hier der Kurbetrieb stark gesteigert, so daß augenblicklich Hochsaison zu verzeichnen ist. Die verschiedenen Heime (Kaufmannserholungs-, Dlinden- und Kinderheim) wiesen schon lange vor dieser Zeit volle Belegschaft auf. Das Derkehrsauto des Zweck- verbands Nidda-Ulfa, das mit beginnender Kursaison seine Fahrten aufgenommen, ermöglicht es, auf bequeme Weise das benachbarte Nidda aufzusuchen. Kreis Schotten. ■+■ Schotten, 21. Juli. Als Nachfolger des am 1. Oktober vom Hoherodskopf scheidenden Klubwirtes Stein, der feinen Lebensabend in feinem Heimatdorf Breungeshain verbringen will, wird Gastwirt Bender vom Haus Hubertus bei Schotten ab 1. Oktober die Bewirtschaftung der Klubhäuser auf dem Hoherodskopf übernehmen. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 21. Juli. In tiefe Trauer ver- setzt wurde die Familie des von hier stammenden Reichsbahninspektors Gg. Schmitter in Friedberg: der im 20. Lebensjahre stehende Sohn, der in Tübingen studierte, ertrank beim Baden im Neckar. Er geriet in einen Strudel, in welchem er unterging. Es gelang, den Verunglückten aus dem Wasser zu holen, die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche blieben aber leider ohne Erfolg. — Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich im benachbarten Walde zwischen Eifa und Ramrod in der Nähe des Steinbruches am „Köllenberg". Dort wurde der erst feit etwa zwei Wochen gemeinsam mit seinem Sohn mit Steinbrechen beschäftigte Andreas Hamel aus Rainrod von einem herab st ürzenden Steinblocf f o unglücklich am Kopfe getroffen, daß ihm die Schädeldecke eingedrückt wurde und der sofortige Tod eintrat. Der bedauernswert« Mann hinterläßt Frau und sechs Kinder. -er Maulbach, 19. Juli. Förster Walter von hier gelang cs auf dem Anstand im Regiejagdbezirk zwischen Ehringshausen und Kirtorf, ein Wildschwein zu erlegen. Das Borstentier rotes schätzungsweise ein Gewicht von etwa 140 Pfund auf. Das Fleisch wurde ausgehauen, und an hiesige Ortseinwohner verkauft. Stirnen, Sport und Spiel. Gauturnfest in Alsfeld. AIS f e l d , 21. Juli. Unser« alte hessische Stabt war heute der Festplatz des 5 6. Gauturnfestes des Gaues Hessen. Aus allen Tellen Oberhessens und der benachbarten Provinzen waren die Turner in großer Zahl erschienen. An den Wettkämpfen beteiligten sich über 1000 Turner und Turnerinnen. In Verbindung mit dem Gaufest feierte der Turnverein Alsfeld sein 80jähriges Jubiläum. Don den Vertretern der Stadt und des Staates wurden dem Jubilar Glückwünsche überreicht. Staatspräsident Dr. Adelung stiftete dem Verein mit einem herzlich gehaltenen Schreiben einen Ehrenpreis. Im Zwölfkampf der Oberstufe wurde Willy D e a u - pain. Turn- und Sportverein Warburg, mit 214 Punkten Ehrensieger, und Alfted Eckhardt, Turnverein Nidda, mit 214 Punkten er ft er Sieger. Nhönsegelsiug-Wettbewerb. Kronfeld fliegt Weltrekord. Am SamStag herrschte im Fliegerlager Wasserkuppe reger Betrieb. Das Ereignis des Tages bildeten die zwei Rekvrdflüge von Hirt und Kronfeld. Hirt und Kronfeld starteten vor einem hereinbrechenden Gewitter und konnten in kurzer Zeit außerordentliche Höhen erreichen. Hirt erreichte über 1000 Meter und landete in 36 Kilometer Entfernung bei Rimbach. Rekordflieger Kronfeld erreichte die kaum glaubliche Rekordhöhe von 2050 Meter und landete in Hermsdorf bei Jena in etwa 150 Kilometer Luftlinie, damit einen neuen Welt-Höhen- und Streckenrekvrd aufstellend. Zu seinem Empfang war das Flieaerlager am Sonntag reichllch mit Girlanden geschmückt, und als der neue Rekordmann eintraf, bereiteten chm die Fliegerkameraden einen überaus herzlichen Empfang. Am Samstag herrschte wieder außerordentlich reger Segelflugbetrieb. Leider ist auch ein Unfall zu verzeichnen. Der Segelflieger K r e- k e l von der Mecklenburger Gruppe geriet bei der Landung gegen den Hang und erlitt dabei einen Beinbruch. Deutsche Leichtathletikmeisterschasten. Bier neue Rekorde am ersten Tag. Durch das prächtige Sommerwetter begünstigt, nahmen am Samstag die Deutschen Leichtathletik - Meisterschaften ihren Beginn. Die Herren kämpften im Breslauer, die Damen im Frankfurter Stadion. An beiden Plätzen war die sportliche Ausbeute äußerst erfreulich. Es zeigte sich, daß sich das Leistungsvermögen der deutschen Leichtathletik weiter entwickelt und daß vor allem auch der Nachwuchs zur Stelle ist. Obwohl der erste Tag nur wenige Entscheidungen brachte, fielen doch bereits vier neue Rekorde, darunter bei den Frauen sogar ein Wei t- rekord. Die neuen Rekordträger sind: Stabhochsprung: Wegener (Halle) 3,99 Meter: 5000 Meter: Kilp (Düsseldorf) 15 Min; 10X100-Meter- Staffel für Frauen: Brandenburg, Berlin 2:05,3 Min. (Weltrekord): 80 Meter Hürden für Frauen: Frl. Haux (Eintracht Frankfurt) 12,6 Sek. — Bei den Dorkämpfen der Herren machte das glänzende Abschneiden der Frankfurter Eintracht-Sprinter einen imponierenden Eindruck. Zu bemerken ist auch noch, daß sich die Turner Wichmann und S ch l i e trotz des Startverbotes der Deutschen Turnerschaft am Start einfanden. Auch am zweiten Tage gab es In Frankfurt Rekordleistungen, allerdings bei nur sehr schwachem Besuche, woran die gleichzeitig zum Austrag gebrachten Motorradrennen die Schuld tragen. In vier von neun Entscheidungen des Sonntags wurden die deutschen Rekorde verbessert. Gegen das Vorjahr wurden fast in allen Entscheidungen bessere Leistungen erzielt. Frl. S ch l a r p (Köln) verbesserte den Weitsprung- rekord auf 5,65 Meter (5,60 Meter). Den am Vortag von Frl. Haux neu ausgestellten Rekord über 80 Meter Hürden brachte Frl. Decker (Berlin) von 12,6 Sek. auf 12,4 Sek. Frl. Gelius (München) siegte über 100 Meter und 200 Meter, ihr Verein, der S. V. 60 München gewann auch die 4xl00-Meter-Staffel gegen die auch in den übrigen Rennen vom Pech Verfolgten Damen der Frankfurter Eintracht. Hier kam mit 49 Sek. ein neuer Weltrekord für Vereins- mannschaften zustande. Auch im Kugelstoßen bedeuten die 12,85 Meter Frl. Heubleins (Elberfeld) einen neuen deutschen Rekord. Frl. Dollinger (Nürnberg) holte sich die 800 Meter. Die Abwicklung der Kämpfe ließ zu wünschen übrig. Bei den Herren ließ der schwache Besuch auf mangelndes Interesse der Breslauer Sportgemeinde schließen. Im Zehnkampf setzte sich Weiß (Berlin) mit klarem Vorsprung an die Spitze. Die 100 Meter waren eine reine Angelegenheit der Frankfurter Eintrachtsprinter, die die drei ersten Plätze belegten. Gerling gewann in 10,8 Sek. Auch die 200 Meter fielen mit Dr. Wichmann in 21,5 Sek. an Eintracht, lieber 400 Meter war Büchner Magdeburg nicht zu schlagen (48,1 ©et), die 800 Meter fielen in 1: 53,8 anMüller (Berlin), die 1500 Meter in 3:57,8 an den Turner Wichmann (Karlshorst), der sich um das Startverbot der D. T. nicht kümmerte. Die 10 000 Meter holte sich Kraft (Bautzen) in 34:16,5 Min. Der Marathonlauf sah Wanderer (Potsdam) in 3:07:15,8 Std. siegreich. Welscher (Frankfurt) lief über 110 Meter Hürden mit 15 Sekunden eine famose Zeit. Hier wurde Troß- b a ch (Berlin) um Brustbreite geschlagen In den 400-Meter-Hürden brachte sich Allwarth (Leipzig) mit 56 Sek. an die Spitze. In Abwesenheit von Schlokach fiel der Speerwurf mit nur 62,85 Meter an Molles (Königsberg). Das Kugelstoßen brachte dem Rekordmann Hirsch- feld (Alienstein) mit 15,26 Meter seine zweite Meisterschaft. Im Hochsprung kam Köppke Stettin auf 1,90 Meter. Deutsche Fußballmeisterschaft. Hertha B S.C. gewinnt 3:2 (2:1) und kommt ins Endspiel gegen Fürth. Das Wiederholungsspiel in der Vorschluß« runde um die Deutsche Fußballmeisterschaft zwischen dem 1. F. C. Nürnberg und Hertha B.S. C. endete im Düffelbor- fe r Rheinstadion mit einem verdienten Sieg der Berliner. Der Club machte einen stark überspielten Eindruck, während der Berliner Meister das Spiel in einer äußerst frischen Form bestritt. Hertha B.S.C. stellte eine schnelle und angriffslustige Mannschaft, die mit Ausnahme einer kurzen Spielphase stets leicht überlegen spielte. Nürnberg, das mit Hornauer, doch ohne den noch immer kranken Wieder antrat, bewies nur zu Beginn des Spiels feine alte Gefährlichkeit. Bereits in bet zehnten Minute konnte der Club durch einen unhaltbaren Schuß von Weiß in Führung gehen Doch kann Berlin 8 Minuten später durch Ruch den Ausgleich erzielen Derselbe Spieler verwan- beite kurz daraus einen Handelfmeter zum Führungstor für Berlin. Nürnberg kam nach der Pause, als Kalb einen Elfmeter verwandelte, noch einmal zum Ausgleich, aber Hertha setzte sich immer mehr durch und konnte durch einen erfolgreichen Schuß von Kirsey das dritte und da- mit das Siegestor erzielen. Bei den Nürnbergern fehlte vor allem dem Sturm der nötige Zusammenhang, den Berlin in einem großen Maße besaß. Manger, Düsseldorf, war dem Spiel ein ausgezeichneter Leiter. OerKampsumdenOavispokal Deutschland unterliegt 5:0. Das Jnterzonen-Endspiel zwischen Deutschland und Amerika, das auf den Rotweiß- Sommerkur für HMHi Nervenkranke u.Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranstalt HoIheUn im Taunus bei Frankf. a.M. — Prospekte durch DW Mal Dr. M. Schulze-Kableyss, Nervenarzt WW \ r Irland gens, Uber 1OOOO Wagen unseres Typ Stuttgart 200 (0/38 PS) sind heute im In- und Auslande Im Verkehr. Uber 1OOOOO Kilometer haben Wagen dieses Typs ohne Überholung zuruckgelegt Dieser MERCEDES-BENZ Sechszylinder ist mit seiner aufs Höchste vervollkommneten Konstruktion und seiner eleganten vielfach preisgekrönten Karosserie ein wirklicher Klasse-Wagen, den auch Sie sich leisten können. 4/5 sitziger offener Tourenwagen RM. 6800.— 4/5 sitziger Innenlenker......RM. 6880.— ab Werk Auf Wunsch bequeme Zahlungsbedingungen. G Ein Wagen steht für Sie zur Probefahrt bereitI 3181V DAIMLER-BENZ A.-GVerkaufstelle GIESSEN, Bahnhofstraße 90/92 Plätzen inDerlin ausgetragen wurde, Wcw bereits mit dem Verlust des Doppelspiels zugunsten der Amerikaner entschieden. Lind trotzdem fanden sich am Sonntag wiederum Tausende von Zuschauern zu den beiden Einzelspielen ein, die auch keineswegs enttäuscht wurden. Wenn die Deutschen auch verloren, so erwiesen sie sich als äußerst spielstark und lieferten den Amerikanern einen ausgezeichneten Kampf. So benötigte Hun- t e r gegen Moldenhauer fünf Sähe, um endlich das Spiel gewinnen zu können. Moldenhauer lieferte dabei eine vorzügliche Partie und vollbrachte eine ganz große Energieleistung. Das Ergebnis war dann mit 6:3, 1:6, 6:4, 4:6, 6:1 zugunsten von Hunter äußerst ehrenvoll für den deutschen Spitzenspieler. Wesentlich leichter hatte es dagegen Tilden, der Prenn mit 6:1, 6:4, 6:1 abfertigte. Mit unglaublicher Leichtigkeit führte CBig Tilden den Zuschauern die hohe Schule des weihen Sports vor. Mit diesem Sieg haben sich die Amerikaner für die Herausforderungsrunde gegen den vorjährigen Pokalsieger Frankreich qualifiziert, die voraussichtlich schon in dieser Woche in Paris ausgetragen wird. Da wahrscheinlich Frankreich auf L a c o st e verzichten muß, haben die Amerikaner in einer derartigen Form alle Chancen, den Davispokal wieder nach Amerika zu bringen. Sronffurfer Theater. Bevor der Tonfilm seinen Einzug in „Groh- Frankfurt" halten wird und kurz ehe noch einmal ein Hamburger Operettengaftspiel mit Lilli Flohr stattsinden wird, hat sich das alte, beliebte Ensemble des Frankfurter Operettentheaters in der letzten Neueinstudierung gezeigt, vom Publikum mit starkem Beifall bedacht. Die „Sechser Operette", ein musikalischer Schwank von S. de D u i l l e t, Gesangstexte von Kurt Schwabach, verdankte seinen Erfolg wohl weniger der dünnen, dafür manchmal reichlich eindeutigen Handlung, als der geschickten melodiösen Musik Walter Drommes. Hauptträger des Erfolges: Norbert Fels und die Damen Charlotte Zinser, Emmy Wöbbeking und Nuschi Wiesner. h. Berliner Börse. Berlin, 22.3uli. (WTB. Funkspruch.) Nach der zweitägigen Unterbrechung war auch im heutigen Frühverkehr noch kaum Geschäft. Die Tendenz ist sehr still. Kurse taxiert man kaum verändert. Während man gefühlsmäßig eher freundlicher gestimmt zu sein scheint, dürften jedoch die Llltimovorbereitungen und die neuesten aus Nußland vorliegenden Nachrichten keine größere Bewegung aufkommen lassen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Nicht die Chatten. Die Landsmannschaft Chattia teilt mir mit, daß nach ihren Feststellungen keines ihrer Mitglieder an der von mir gerügten Ruhestörung vom 16. (nicht 15.) d. M. beteiligt gewesen ist. Sie bittet mich, sie von diesem Verdacht zu befreien. Gießen, den 20. 3uli 1929. Prof. Ebel. Sparsamkeit mit dem wasser. Es wird zu sparsamen Wasserverbrauch aufgefordert. Sehr richtig I Es geht aber viel zu weit, wenn den Gartenbesitzern angesonnen wird, das Sprengen der Gärten aus der Wasserleitung zu unterlassen. Gewiß kann man ba auch sparen, beispielsweise das Sprengen von Zierrasen unterlassen, aber Gemüse, Dohnen, Erbsen, frisch gesetzte Pflanzen, Tomaten usw., Topfgewächse muß man gießen bzw. sprengen. Das Saatgut und die Bestellung hat recht viel Geld, Mühe und Zeit gekostet, auch würde es mit dem Kochen schlecht aussehen, wenn der Garten nichts mehr liefert. Die Preise auf dem Wochenmarkt würden für viele unerschwinglich werden. Viel näher liegt es, das Baden im Hause, soweit es der Arzt nicht für geboten erachtet, zu unterlassen. Welche Masse Kubikmeter geht durch Leeren der großen Badewannen verloren. Zur Kühlung und Reinigung genügt eine Waschschüssel und ein Schwamm völlig. Der gröbste Unfug allerdings ist es, wenn, zur Abkühlung, der Kranen lausen gelassen wird. Erstens nützt es fast nichts, und zweitens, welche Menge Wasser geht dabei verloren! Also Sparsamkeit, aber keine unzweckmäßigen und einseitigen Beschränkungen. 3nwieweit eine Einschränkung beim Volksbad angezeigt und möglich ist, wage ich nicht zu ent, scheiden. Bester Ersatz ist die Lahn. K. Verantwortlich für Politik: i. D. Ernst Blumschein. Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 Heute Premiere Die Ehe Mit einer Heuchelheim, den 20. Juli 1929. 6236D 1K, Stellenangebote! V.K.D.St. Hasso-Rhenania 6237 D Empfehlungen) 6238c Wleseck, Gießen, den 22. Juli 1929. Werkmeister 624 iD Morgen Dienstag 6217D den 26. Juli: ihrem Ensemble 168 Stationen. 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Sie steht, aut itnen herzlichen Ab- khelm stellt sie ihren m Ende ihrer leiden- :ene zur Mörderin. llesem Programm tritt! 6238C iprogramm Wochenschau irzeD J ' feite Zn- 6.1ÜI- I, abdi. Heller. de Rheidt rühmte Tänzerin mit em Ensemble äs, ° ... «tlutn , („ikad Eft** Drfll®^3—— S.V. 1 TonnerStag-d' I >25. Julh. eben I is üdr.bet voue jl ■ der iL LKaMrüluZ Z.BeitraMbSdr &SSS* Terivorstl 4.JU nlen<' ,»n 8 DIS 9 Nr. 169 Zweites Blatt Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 22. Zuli 1929 Die Sonderleistung an Belgien. Don Dr. Otto Leibrock, Lettin. Die zwischen Deutschland und Belgien geführten Berhandlungen zur Lösung deS Mark- Problems sind am 13. Juli abgeschlossen worden. Danach wird Deutschland an Belgien 37 Jahre lang folgende Annuitäten zahlen: 2m 1. Jahre 16,1 Millionen Reichsmark. Im 2., 3. und 4. Jahre je 21,5 Millionen Reichsmark. Im 5.-12. Jahre je 26 Millionen Retchsmark. Bom 13.-20. Jahre je 20,1 Millionen Reichsmark, und — . , vom 21.-37. Jahre je 9,3 Millionen Reichs- mark Die Annuitäten sind in der gleichen Form zu zahlen wie diejenigen des Boungplans und werden von der Bant für den internationalen Zahlungsausgleich verwaltet. Sollte Deutschland von dem im Boungplan vorgsehenen Moratorium Gebrauch machen, dann werden die Annuitäten in Form von Sachlieferungen entrichtet. Meinungsverschiedenheiten werden durch ein Schiedsgerichtsverfahren erledigt. Die Ratifizierung des neuen Abkommens ist bis zur eventuellen Ratifikation der Staatsverträge über den Boungplan hinausgeschoben worden. lieber den Sinn dieser Berhandlungen bestehen nun in der Öffentlichkeit noch so viele Unklarheiten, daß es angebracht erscheint, rückschauend darauf einzugehen. Es ist noch in frischer Erinnerung, daß bei den letzten Pariser Verhandlungen sich Belgien in letzter Stunde weigerte, zu unterzeichnen, bevor nicht die Markfrage geregelt sei. Deutschland bot daraufhin unter dem Druck der Alliierten Sonderverhand- lungen an, die dann auch zu dem vorerwähnten Abkommen führten. Die ganze Streitfrage ist ziemlich kompliziert. Es handelt sich dabei um Diejenigen deutschen Marknoten, welche infolge des Krieges in belgischer Hand verblieben sind. Gleich zu Anfang der Besetzung hatte die belgische Rationalbank die Ausgabe belgischer Roten sistiert. Der deutsche Generalgouverneur ordnete damals die Annahme deutscher Marknoten zum Zwanyskurs von einer Mark — 1,25 Franken an. Einige Monate später gab sodann die 6ociet6 ©enerale de Belgi- que wieder belgische Roten aus. Rach dem Kriege zog nun Belgien die deutschen Roten ein. Hierüber war in Versailles diskutiert worden, ohne baß man zu einem Ergebnis kam. Die Alliierten verwiesen die beiden interessierten Staaten auf den Weg direkter Verhandlung. Belgischer- seits wurden die in Belgien umlaufenden deutschen Marknoten auf 800 Millionen Mark beziffert. Dazu traten 1,6 Milliarden Mark, die im Verfolg des Waffenstillstandsvertrages Deutschland an Belgien in Marknoten zahlte, so daß insgesamt zirka 2,5 Milliarden Mark in belgischer Hand waren. Am 25. Rovember 1919 war nun ein Abkommen ausgearbeitet worden, bei dem Erzberger als Finanzminister Deutschlands mitarbeitete. Der in Betracht kommende Markbetrag war in diesem Abkommen auf 6,1 Milliarden geschäht worden. Es war dies gegenüber der vorherigen Schätzung ein Mehr von 3,6 Milliarden. Die Belgier erklärten diese Differenz damit, bah in der Zwischenzeit ungeheure Mengen deutscher Roten (alte „rot gestempelte") nach Belgien eingeschmuggelt worden seien in der spekulativen Berechnung der Schmuggler, dah diese inzwischen im Kurse gefallenen Roten, wenn sie als belgischer Besitz präsentiert würden, von Deutschland zu dem hohen Kriegszwangskurse eingelöst werden müßten. Es ist noch in aller Erinnerung, wie damals Agenten in Deutschland umherreisten, die nach solchen „Rotgestempelten" suchten und diese mit einem Aufgeld bezahlten. Der belgische Staat hatte zwar gegen diesen Schmuggel Maßnahmen getroffen und die Einlösungsfrist begrenzt; es waren aber bereits bei Ergreifen dieser Maßnahme zirka 2 Milliarden Marknoten eingeschmuggelt worden. Bei den Verhandlungen im Jahre 1919 war von den Unterhänblern vereinbart worden, dah deutsche Schatzscheine in Mark fixiert, auf zwanzig Jahre verteilt und mit einem Zinssatz von fünf Prozent Belgien gegen die Kriegsmark überwiesen werden sollten. Es waren weiterhin Emissionsscheine für die Kursdifferenz vorgesehen worden, aber nur für den Betrag von 5,5 Milliarden. Für den nach dem Waffenstillstand eingeführten Markbetrag hatte man sich auf 600 Millionen geeinigt. Bei den damaligen Verhandlungen war jedoch unsererseits von der Rückgabe von Eupen-Malmedy, von der Freigabe des sequestrierten Vermögens keine Rede. Das Abkommen wurde nicht ratifiziert. Die Verhandlungen gingen vielmehr weiter, wobei sich Belgien stets auf die Reichstagserklärung Bethmann» Hollwegs vom 4. August 1914 berief. Mit Beginn des Aufrollens der Reparationsfrage im vergangenen Jahre machte Belgien erneute Anstrengungen. In einer Rote vom 8. Rovember 1928 wurde den für die Expertenkonferenz einzuladenden Begierungen aufgegeben, das „Markproblem" mit den übrigen Reparation^ fragen zu lösen. Am 21. Marz d. 2. forderte nun Dr. Schacht an Hand der ihm zuteil gewordenen Instruktion die Verknüpfung der Startfrage mit der Rückgabe von Gup en-Malmedh und machte diesen Standpunkt auch vor der Expertenkonferenz am 23.2uni geltend. Die alliierten Experten stellten sich natux gemäß auf Belgiens Seite und setzten in den Memoranden vom 12. April und 21. Mai 37 Qlnnu itäten von je 25 Millionen Mk. fest. Hierdurch war die Verknüpfung des Problems mit territorialen Fragen ausgeschaltet worden und der belgische Stundpunkt erhielt zwar nicht eine juristisch absolut klare, aber unzweifelhaft eine moralische Anerkennung. Damit haben die Alliierten ihr Belgien gegebenes Versprechen, dah dessen politische und wirtschaftliche Wiederherstellung die wesentliche Bedingung eines stabilen Fried ens bilde, auf Kosten Deutschlands ein- gelöste Gesunde und ungesunde Städte der Welt Eine interessante Hygienestatistik des Völkerbunds. - Frankfurt die gesundeste, Makassar die ungesundeste «Stadt der Welt. Don Rudolf Li er. Heber eine dreiviertel Million Menschen verliert das deutsche Volk in jedem 2ah-r durch die fürchterliche Ernte, die der Tod regelmäßig hält. Dem unerbittlichen Würgeengel fällt jährlich mehr a l s ein Prozent — genau gerechnet 12 pro Mille — der Bevölkerung zum Opfer. Aber nicht in allen Teilen Deutschlands ist die Sterbezimmer so hoch, und wenn man einen Blick auf das Ausland wirft, so erfährt man, dah selbst die erschreckende Zahl von jährlich 750 000 Todeskandidaten verhältnismäßig gering ist. Aus den letzten Veröffentlichungen des Völkerbundes, dessen Genfer Bureau eine getoa tige wissenschaftliche Arbeit leistet, geht hervor, dah Frankfurt am Main wohl d ie gesündeste Stadt der Welt ist. 2m Jahre 1925 starben dort von 100 Einwohnern nur 8,3, ein Jahr darauf 7,8 und im Jahre 1927 8,2. Besonders niedrig war die Sterbeziffer in Frankfurt a. M. im August vorigen Jahres, da sie damals auf das Jahr umgerechnet, auf sechs herunter ging. Westdeutschland ist überhaupt eine sehr gesunde Gegend: auch Hannover, Essen, Düsseldorf schneiden in der Sterbestatistik außerordentlich günstig ab. Man weih, dah Holland und Belgien besonders saubere und hygienisch gut ausgestattete Länder sind: dementsprechend ist die Sterbeziffer in diesen Gebieten sehr niedrig. In 14 holländischen Städten mit zusammen 2V2 Millionen Einwohnern starben im Durchschnitt der letzten Jahre von 1000 Menschen etwa 9, während in 49 deutschen Städten mit über 18 Millionen Einwohnern etwa 10,4 pro Mille dem Tod zum Opfer fielen. Günstig schneidet auch die Schweiz ab, deren Städte eine Sterbeziffer von 10 pro Mille aufweisen. Wenn man nur die vom Völkerbund erfaßten Länder miteinander vergleicht, so sind Spaniens Städte wohl die ungesundesten Orte in Europa. Vielleicht am furchtbarsten wütet der Tod in Sevilla, wo im Jahre 1927 von je 1000 Einwohnern 27 starben. Aber auch Valencia, Granada und Barcelona sind Städte, deren Einwohner vom Tod mehr als andere Europäer bedroht werden. 2n 49 spanischen Städten mit weit über vier Millionen Einwohnern wurden im Jahre 1925 von je 1000 Menschen 23,4 dahingerafft: ein Jahr darauf sank die Ziffer auf 21,2, verringerte sich aber im Jahre 1927 nur noch auf 21,1. In Sevilla starben also verhältnismäßig dreimal soviel Menschen wie in Westdeutschland oder in Holland! Vergleicht man nun nicht nur die Ziffern der Städte, sondern zieht man auch die amtliche deutsche Statistik heran, die Länderüberblicke enthält, so ergibt sich, daß d i e Sowjetunion und Rumänien noch mehr Todesfälle als Spanien verzeichnen müssen. Unter den europäischen Hauptstädten sind Todesfälle in Berlin, London, Rom, Kopenhagen, Stockholm und Oslo ungef/lhr gleich häufige Erscheinungen, während Paris-, Prag, Wien, Budapest und Sofia etwas mehr Tote zu beklagen haben. Würde man einem MensiHen einen Rat erteilen wollen, in welcher europäischen Stadt er sich ansiedeln solle, weil dort nur wenig Sterbefälle Vorkommen, so könnte man /.hm die Wahl zwischen der Schweiz, Westdeutschland, Holland und Belgien lassen: man mühte ihn jedoch vor dem gepriesenen Südfrankreich nnd auch vor Sizilien warnen, von Spanien ganz ,zu schweigen. Ungesund sind auch die irischen Städte Belfast und Dublin. Verläßt man nun die Grenzen unseres Erdteils, 'so erschrickt man vor der furchtbaren Höhe der Todesziffern in fernen Ländern, deren Einwohner in unvergleichlich größerer Zahl als die Europäer dem Tod zum Opfer fallen. Zu den schönsten Teilen der Welt rechnet man die Ost- indisch, m Inseln, die zum niederländischen Kolo- nialbes itz gehören: in diesem tropischen Paradies liegt wun Makassar, die Hauptstadt von Celebes, djie ungesundeste Stadt der Welt. Sie ha t 57 000 Einwohner, von denen fast fünf Prozent jährlich sterben. Rur wenig besser geht es den. Einwohnern der Halbmillionenstadt Madras , in der im Jahr 1925 von 100 Einwohnern 4,6 bdfinngerafft wurden. 1926 waren es noch 4,4 und im: Jahr darauf 4,1. Die Angaben des letzten Jashres lassen deutlich erkennen, wie gewaltig die Sterbeziffer von Monat zu Monat schwankt. 3m 31di 1928 wurden 4 Prozent noch nicht erreicht, während vom 11. August bis zum 8. September — auf das Jahr umgerechnet — von 100 Menschen fast sieben aus dem Leben schieden. Es ist unmöglich, alle berühmten asiatischen Städte aufzuzlählen, nach denen sich der Europäer leiben» schaftli ch sehnt, unb die dennoch in hygienischer Bezieh >ung Höllen sind: so sterben in Bassora und qn Batavia jährlich fast vier Prozent der Bevölkerung. Furthtbar ist die Sterblichkeit auch in einigen Teilen Afrikas: in Oberägypten, das von den europäischen Aerzten gern zum Kuraufenthalt empfahlen wird, wurden im Jahr 1925 4y4 und im daeauffolgenden Jahr sogar 4i/3 Prozent der Bevölkerung dahingerafft. Auch Kairo ist eine ungesunde Stadt. Ratürlich soll damit nicht gesagt w«erden, bah es für ben Europäer gefährlich sei, eine Reise nach Aegypten zu machen: ber Mangel an Hygiene wirb nur bem Eingeborenen fühlbar, währenb ber europäische Orientreifenbe über nichts zu klagen hat. Aber nicht ganz Afrika bietet bem Tob so reiche Ernte: ber Sübzipfel bieses Erbteils unterscheibet sich in hygienischer Schwalben in Der Bibliothek. Von Siegfried von Vegesack. Tiere bevorzugen ungewöhnliche Orte für ihr Familienglück. Ich kannte eine Henne, die ihre Sier mit Vorliebe ins HunbeHäuschen legte. Unb dah unsere alte, fiibergraue Katze Kisse Murre ihre Jungen im Kleiderschrank der Kinder zur Welt bringt, versteht sich schon von selbst. Trotzdem: man erlebt immer neue Ueberraschungen. Dieses Mal in der Bibliothek. Der Raum, dessen Wände von hohen Bücherregalen bedeckt sind, hat drei Fenster in metertiefen Mauernischen. Dor bem einen spreizt ein gewaltiger Kaktus leine stachlig-fleischigen Arme. Das andere ist last immer geöffnet. In der Mitte des Zimmers steht ein kreisrunder Tisch von fast zwei Meter Durchmesser. Heber dem Tisch hängt eine große glockenförmige orangegelbe Lampe an einer kleinen runden Messingscheibe, die dicht unter ber Decke angebracht ist. Sonst wäre noch ein Groh- oater-Ohrenlehnstuhl zu erwähnen, richtig bazu geschaffen, sich in ihn zu verkriechen unb in Büchern zu schmökern. Don ber Außenwelt bringt nur bann unb toann bas Gluckern ber Kuhglocken, bas Dengeln einer Sense unb bas Zwitschern ber vielen Schwalben, bie unermüdlich den Turm um» schwirren, in diese tiefe Stille, die nur von den lautlosen Stimmen geliebter Dichter erfüllt ist. Aber da, während ich in Jean Pauls .Lebens-Fibel" die unvergeßliche Stelle lese, wie der alte Vogler stirbt: „Er ließ sich feinen Leibvogel (bloß ein Kana- rienmännchen) auf die Brust setzen — dann sollte die Frau entweder ein weltliches Schlemmer- oder ein geistliches Kirchenlied singen, unb der Sohn zuweilen auf seine Soldatentrommel Ilopsen, damit alle seine Vogel auf einmal an* iingen zu pfeifen. Rach ber Ditte zog er selber mühsam seine Mühe über bie Augen herein bis in ben Munb und sagte: Adjel" Da, in diesem Augenblick bricht die Außen- toelt in das feierliche Schweigen ber Bücher ein: eine Schwalbe kreist mit lautem Jubelgeschrei um bie Lampe, einmal, zweimal, breimal, unb stößt ebenso plötzlich wie sie gekommen ist, zum Fenster hinaus. Aber gleich darauf kehrt sie toteber, und jetzt sind es zwei Schwalben, die zwitschernd unb schwatzenb bicht unter ber Decke immer in bie Runbe fliegen. Dieses wieberholt sich in ben nächsten Tagen. Roch begreife ich nicht, was eigentlich vorgeht, bis ich einige Strohhalme auf bem Lampenschirm entbede: auf ber kleinen runben Messingscheibe über ber Lampe wirb ein Rest gebaut! Alnb mit welchem Eifer wirb es gebaut, mit welcher Begeisterung, welchen Hellen, schrillen Rufen ber Entzückung! Hnermüblid) fliegen bie Schwalben ein unb aus, unermüblich tragen sie Baumaterial herbei: Strohhalme, Lehmbrocken. ilnb schneller unb kunstvoller als ein amerikanischer Wolkenkratzer entsteht bieses schwebende Wundergebilde eines Schwalbennestes über der elektrischen Lampe. Wer hätte das Herz, dieses Werk zu verhindern oder zu zerstören? Aber die auf dem Tisch ausgebreitcten Bücher, der Lampenschirm, — ich kann doch nicht alles den verheerenden Folgen dieser Invasion preisgeben? Aus Pappe und Kartondeckeln baue ich ein zwar nicht schönes, aber sinnreiches Schutzdach, das ich unter bem Rest aufhänge. Anfangs finb bie Schwalben sichtlich beunruhigt, hoch bann sehen sie wohl ben Zweck bieser schwebenden Bequemlichkeit ein unb benutzen sie mit Erfolg. Aber sogar glückliche junge Schwalbenehen sinb Krisen unterworfen. Auch unter Schwalben gibt es offenbar Eheprobleme. Eines Tages — bas Rest war gerade fertig gebaut — stellte sich eine dritte Schwalbe ein. War es ein abenteuerlustiges Männchen oder ein verführerisches Weibchen? Jedenfalls wurde das Idyll zu zweit gestört. Während bie eine Schwalbe im Rest hockte, kreisten bie beiben anberen erregt unb erbittert zwitschernb rastlos um bie Lampe herum. Welche Probleme würben erörtert? Kamerabschaftsehe? Che zu britt? Aber ber ober bie ftörenbe Dritte mußte toieber abziehen, unb bas Jbhll ist nun toieber hergestellt: die Schwäl- bin brütet fleißig auf den Eiern, ber Schtoalbe- rich füttert sie zärtlich mit Fliegen unb Würmern. Unb wenn erst bie Jungen ausfallen, wird ihr Glück vollkommen sein. Ablehnenb unb mürrisch wenden die vielen Dücher dem respektlos in ihr feierliches Schweigen eingebrochenen Schtoalben-Geschwäh ihre steifen Rücken zu. Goethe rümpft ein wenig bie Rase. Unb auch Stefan George ist sichtbar Irritiert Rur über bie matten Gvlbbuchstaben ber braunen, 'verschlissenen Leberrücken Jean Pauls leuchte!': es, wie ein gütiges, verstehenbes Lächeln. Der 2Leise von Wunsiebel nickt heimlich bem zwitschemben Schwalbenpärchen zu. 1510 Millionen Lichtjahre. Don Professor Dr. Küstermann. Wen n bie Reichsbruckerei bie nötigen Vorbereitungen getroffen hat, so kann sie wohl ein ganz tüchtiges Dünbel Tausenbmarkscheine in kurzer Zeit brücken. Die Werte zu schassen, bereu sicheren: Austausch burch bie Scheine bedruckten Papiers ermöglicht werden soll, ist freilich eine minder einfache Sache. Aehnlich steht es mit den Z ahlwerten: 1 Million, 1 Milliarde, 1 Billion 'sind sehr rasch hingeschrieben und noch schneller ausgesprochen. Otter eine anschauliche Vorste llung von den Dingen zu gewinnen, die hinter diesen knappen Zeichen stehen, das steht freilich asuf einem anderen Blatt! Da haben wir z. D. den Begriff des Lichtjahres. Es gibt kaum einen Begriff, der sich so einfach, so sauber und dabei so restlos richtig bestimt.nen ließe, wie dieser: denn ein Lichtjahr ist gayz einfach die Strecke, die das Licht in einem Jahre zurücklegt. Und da wir ja wissen und angeben können, welchen Weg das Licht in einer Sekunde durcheilt, so bleibt nur eine kleine Der- vielfäl-tigungsaufgabe übrig, die zur Rot ber erste hefte Abc-Schütze lösen kann, wenn er sich vor gxvhen Zahlen nicht fürchtet. Rur mit ber Anschauung ist es nicht ganz einfach, benn bas Licht Legt in einer Sekunbe bie Kleinigkeit von 300 000 Kilometer zurück, bas ist bie Strecke von Köln nach Königsberg gerabe breihunbertmal in einer «Sekunbe. Unb wenn wir ganz ehrlich finb. werbevi wir zugeben, daß es schon nicht ganz leicht ist, sich auch nur bie lumpigen taufenb Kilometer von Köln nach Königsberg beutlich zu machen, geschweige benn, sie breihunbertmal aneinanber zu reihen. Unb auch wenn uns bies in Gedanken geglückt ist, sind wir auch noch nicht viel fdjlauer dran, denn wer kann sich wiederum vorsteilen, wieviel Sekunden das Jahr hat! 3600 gehen auf eine einzige Stunde, etwas über 86 OOO auf einen Tag und rund 30 Millionen Beziehung kaum von Mitteleuropa, unb bie Sterbeziffern Kapstadts ober JohanniS- b u r g 8 entsprechen etwa benen von Berlin, Breslau ober Genf. Auch Rorbamerika weist keine großen Unterschiebe zu Europa auf; bis Sterblichkeit schwankt bort in ben Stäbten zwischen 10 unb 14 pro Mi.le. Rur Birmingham in U. S. A. — nicht zu verwechseln mit ber englischen Stabt gleichen Romens — schneibet schlechter ab; bort starben 1925 etwa 17 pro Mille, im folgcnben Jahr sogar 17,4 unb 1927 nicht ganz 16 pro Mille, eine Ziffer, bie berjenigen ber Stabt Lille entspricht In ben s ü b a m e r i k a n i s ch e n Stäbten wütet ber Tob allerdings furchtbarer; Lima ist ebenso ungesund wie Sevilla. Im allgemeinen kann man sagen, daß sich die südamerikanischen Städte in hygienischer Beziehung ebenso unvorteilhaft von den nordamerikanischen unterscheiden, wie bie sübeuropäischen Ortschaften von benen in Mitteleuropa. Vergleicht man nicht bie Stäbte, fonbem zieht man bie Länberstatistik heran, so schneibet Sübamerika noch weit ungünstiger ab. Don ben 4 Millionen Einwohnern Chiles sterben jährlich etwa 27 pro Mille, währenb bie entsprechend spanische Ziffer etwa 19 unb bie hollänbische ungefähr 10 ist. Eine teilweise Erklärung für bie auherorbent- lichen Unterschiebe in ben verschiebenen Län- bem bietet bie Säuglings st erblichkeit. Nirgends in der Welt werden soviel Kinder geboren wie in Oberäghpten; auf 1000 Einwohner entfallen dort jährlich 55 Geburten, gegen 18,3 in Deutschland. Selbst in einer Großstadt wie Kairo beträgt die Geburtenziffer 53 pro Mille. Otter es muß gleichzeitig festgestellt werden, dah nirgends in ber Welt bie Säuglingssterblichkeit s o groß ist wie in Oberägypten; bort starben im Jahre 1927 von 1000 Reugeborenen nicht weniger als 266 und im Jahre 1925 sogar 303. In allen Säubern schwankt bic Sterblichkeit ber Säuglinge nach ber Jahreszeit; aber nur selten kann man solche Unterschiebe beobachten wie in Oberägypten, wo im März 1928 von 1000 Neugeborenen 171 toieber aus bem Leben schieben, währenb im Juni bes- selben Jahres 502 pro Mille starben, also über bie Hälfte ber Neugeborenen zugrunbe ging. Furchtbar ist auch bie Säuglingssterblich- lichkeit in Singapur e, wo bie monatlichen Schwankungen nur recht gering finb, aber boch jährlich fast ein Viertel ber Neugeborenen nicht am Leben erhalten werben kann. Aehnlich ungünstige Ziffern liegen aus Chile vor; boch ist bort in ben letzten Jahren eine gewisse Besserung zu verzeichnen. Hygienisch gut ausgestattete Stäbte können zwar bie Sterblichkeit ber Säuglinge nicht vollstänbig verhinbern, sinb aber doch in der Lage, sie auf 4 bis 5 Prozent ber Neugeborenen herabzubrücken. In Amsterbam sterben 4 Prozent, im Haag 4,8, in Oslo 4,5, in Frankfurt 4,9 Prozent ber Kinber im zartesten Alter. Freilich bleibt auch in Deutschlanb noch viel auf bem Gebiet ber Säuglingshygiene zu tun, denn in 49 deutschen Städten gingen im Jahr 1925 9,6 Prozent und im Jahre 1927 immerhin noch 8,7 von 100 Neugeborenen zugrunde. Wie groß bie Unterschiebe innerhalb Deutschlanbs sinb, wirb baburch bewiesen, baß in Breslau über 11, in Berlin 8,6 unb in Frankfurt unter 5 Prozent ber Säuglinge nicht am Leben erhalten werben konnten. Wenn es gelingt, überall besser für bie Säuglinge zu sorgen, so wirb baburch sehr viel für bie Erhaltung des Volkes getan werben, Hessen Bestand durch den stetig sinkenden Geburtenüberschuß sonst als gefährdet angesehen werden muß. Taten für Dienstag, 23. Juli. WSN. «Sonnenaufgang 4.10 Uhr, Sonnenuntergang 20,02 Uhr. — Mondaufgang 21,24 Uhr, Monduntergang 5,20 Uhr. 1562: Ritter Goh von Berlichingen in Homberg gestorben; 1824: der Philosophiehistoriker Kuno Fischer in Sandewalde geboren; 1914: Ultimatum Oesterreich-Ungarns an Serbien. Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. auf ein Jahr. Diese 30 Millionen mal hätte man sich die eben erwähnte Strecke, die dreihundertmal den Weg von Königsberg bis Köln enthält, aneinander zu denken. Wie man sieht, keine ganz leichte Aufgabe! Vielleicht kommen wir auf anderem Wege ber Sache näher. Wir stellen uns unsere Erbe als eine Kugel von einem Zentimeter Durchmesser, also als eine Art „Murmel" vor — in meiner Heimat sagt man „Klicker". Der Monb ist bann von ihr 30 Zentimeter, die Sonne nicht weniger als 125 Meter, also etwa um die Breite eines schon ganz ansehnlichen Flusses entfernt. Behalten wir diesen Gröhenmahstab bei, dann nimmt eine Lichtminute eine Länge von 15 Meter, eine Lichtstunde eine Länge von 900 Meter und ein Lichttag 21 bis 22 Kilometer ein. Ein Lichtjahr würde, immer in demselben Verkleinerungs- Verhältnis, durch eine Strecke von 8000 Kilometer wiedergegeben werden. Das ist so ungefähr bie Entfernung von uns bis zu unserer früheren Kolonie E übwestafrika. Dies also wäre ein Lichtjahr; aber mit dieser Strecke Horen die Sternkundigen nicht etwa auf, sondern mit ihr fangen sie im Gegenteil erst an. Denn ein solches Lichtjahr ist nur ein winziger Schritt in dem Raum, den die heutige Forschung als ihr Gebiet betrachtet. Schon die allernächsten Sterne sind ein paar Lichtjahre von uns entfernt, und gar das ganze Milchstraßensystem, bie Welteninsel, ber wir angehören, hat ungefähr hunberttausenb Lichtjahre Durchmesser. Die nächste vergleichbare Welteninsel, nämlich ber Anbromedanebel, ist etwa eine Million Lichtjahre von uns entfernt. Das ist aber erst unsere allernächste Nachbarinsel, bis zu ben anberen ist es noch viel, viel weiter. Die letzten Welteninseln, beten Licht wir in unseren Fernrohren noch wahrnehmen können, sollen etwa 130 ober 150 Millionen Lichtjahre entfernt sein. Wenn es uns nun gelungen ist, uns ein Lichtjahr recht beutlich vorzustellen, so haben wir gleich bie Belohnung für unsere Mühe: benn, kehren wir zu ber Vorstellung ber Erbe als einer Kugel von 1 Zentimeter Durchmesser zurück, so ist ein Lichtjahr, aber ein wirkliche- Lichtjahr, nicht etwa bie 8000 Kilometer, bie es barstellen sollten, bie Entfernung, in ber wir uns bie letzte Welteninsel zu beiden haben. Nachdruck verboten. 33 Fortsetzung. Angemessenheit des Mietzinses im Ginne des Mieterschutzgesehes. machung her Pfändung) haben vielfach in den sich dadurch in ihren Interessen getroffen fühlenden Kreisen zu irrigen Auffassungen geführt, indem man befürchtet, daß durch die erstrebte Gesetzesänderung eine Erschwerung des Dollstreckungsverfahrens und damit eine Verschlechterung der Gläubigerstellung herbeigeführt werden könnte. Wir stellen hier nochmals in aller Öffentlichkeit fest, dah die Gerichtsvollzieher von der Lleberzeugung durchdrungen sind, bei der Zwangsvollstreckung in erster Linie die Gläubig erinteressen wahrnehmen zu müssen. Anderseits aber verkennen die Gerichtsvollzieher nicht die Notwendigkeit, die. vom Gesetz anerkannte und von der Rechtsprechung ständig betonte schonungsvolle Behandlung des Schuldners zur Durchführung zu bringen, soweit es mit den Gläubigerinterefsen vereinbar ist. Rur aus diesen Erwägungen heraus sind die erwähnten Beschlüsse gefaßt worden, weil ihre gesetzliche Verwirklichung im beiderseitigen Interesse von Gläubiger und Schuldner liegt. Die Gerichtsvollzieher bedauern es daher sehr, dah in vollständiger Verkennung der sie leitenden Absichten sogar in großen Tageszeitungen die Wirtschaft aufgefordert wird, gegen die angeregte Gesetzesänderung Stellung zu nehmen. „Der Bundestag der Deutschen Gerichtsvollzieher in Gießen 1929 hat sich aus Anlaß der im letzten Jahre stärker hervortretenden Bewegung zur Reform des Gerichtsvollzieherwesens erneut mit der wichtigen Frage des Gerichts- vollziehershstems beschäftigt. Auf Grund eingehender Stellungnahme zu diesem Problem hat der Deutsche Gerichtsvollzieherbund abermals einstimmig beschlossen, bei allen maßgebenden und sonst interessierten Stellen dahin zu y* SS M Tunnel-Einsturz bei Kassel. WSR. Kassel, 21. Juli. Heute vormittag gegen 11 Uhr ist aus bisher noch unaufgeklärter Ursache ein Teil des Frieda-Tunnels bei Schwebda eingestürzt. Die Gefahr war rechtzeitig bemerkt worden, so dah die beiden eingleisigen Strecken Esch weg e —Heiligen- stadt und Eschwege — Leinefelde sofort gesp e r r t werden konnten. Infolgedessen waren EisenbahT^üge und Menschenleben nicht gefährdet. Der Personenverkehr auf diesen beiden Atdio'A In der nUM den Direktorposten gegeben, um das Heim auf diese Weise etwas zu unterstützen." „Daran habe ich auch schon gedacht", nickte Larry. „Wer ist aber Walters?" „Habe niemals von ihm gehört", sagte 6i« John. „Er ist ein anderer Direktor der Gesellschaft — auch so eine Art bezahller Ehrenposten, wie ich annehme. Lind Cremley? Ernest John Cremleh aus Wimbledon." „Der ist ganz sicher dekorative Fiaur", lacht« der Kommissar. „Ich kenne ihn oberflächlich Er ist ein Mann mit sehr wenig Kopf, aber einem unstillbaren Appetit auf Karten. Warum fragst du?" „Weil diese beiden gleichfalls Direktoren deS Macready^Theater-Syndikates sind", antwortete Larry bedächtig. „Iudds Rame ist nicht erwähnt, dafür aber ein fremder Rame, unter dem wahr, scheinlich ein Strohmann Iudds erscheint." „Lind waS schließt du aus all diesem?" fragte der Chcfkommissar. „Was ich daraus schließe?" — Larry verhielt sein Pferd und brachte es herum, so daß er seinem Chef in das Gesicht blickte — ,,dah Iudd das Theater, in dem Dearbvrns Stücke aufgeführt werden, unter seiner Kontrolle hat. Cs besteht also eine Verbindung zwischen Iudd und dem Leiter der Dlinden/Nicssion in Paddington." Sir John dachte lange Zeit über diese Mitteilungen nach, bevor er antwortete. „Ich kann wirklich nicht sehen, daß dabei etwas zu finden sein sollte. Dearborn ist doch schließlich nur das Opfer des blinden Jake, und Iudd nach allem, was du mir in deinem Rapport von gestern mitgeteilt hast, ist überhaupt nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, wenn du nicht unseren Freund Flimmer. Fred mit hineinbringen willst. Ich kann sehr gut begreifen, warum bet Doktor den Rainen seines Bruders rein halten wollte", fuhr er fort. „Iudd vergötterte seinen jüngeren Bruder, hielt ihn für den besten und tüchtigsten Menschen in der ganzen Welt. Mir ist niemals ein Fall vorgekommen, wo ein Bruder so viel Liebe für den anderen bewies. Die ganze Woche hindurch, in der sein Bruder David Iudd gestorben war, hatte der Doktor sich eingeschlossen und wollte niemand sehen. Teuf« noch mal, waS —!" (Fortsetzung folgt) Heidelberger Festspiele. Die Eröffnung. — Preise für Zuckmayer, Schickele und Mell. Heidelberg, 20. Juli. (TU.) In dem dichtgefüllten Saal der Stadthalle fand am SamS- tag ein Festakt statt, der die Heidelberger Fe st spiele einleitete. Zahlreiche Persönl ch- feiten des künstlerischen, wirtschaftlichen und politischen Lebens waren erschienen. Rach der von Bodanzkh dirigierten Iphigenie-Ouvertüre hielt Oberbürgermeister Dr. Reinhaus die Eröffnungsansprache. Er betonte, daß drei Jahre Festspiele in unserer schnellebigen Zeit nicht viel bedeuteten. Aber heute sei die Feststellung nötig, daß die Spiele, von höchster Warte gesehen, Wert unb 6trat in sich trügen. Ramens der Llniversität begrüßte der Rektor Professor Dr. D i b e l i u S dis geistigen und künstlerischen Führer der Festspiele, die es verstanden hätten, diese Feste zu Feiern ganz besonderer Art zu gestalten. Er begrüßte vor allem Gerhart Hauptmann und Thomas M a nn. Sodann ergriff der badische Kultusminister Dr. LeerS das Wort Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die nie erlahmende Tätigkeit für die Festspiele dazu beitragen möge, daß von Baden her aus der alten Stadt Heidelberg dem deutschen Volke eine Gabe gespendet werde für die wahre Kultur und Einigkeit. Im Romen des Festspielausschusses verkündete sodann der Vorsitzende Dr. Goldschmidt die Verteilung des Heidelberger ^stspiel- preises. Der Preisausschuß hat beschlossen, ihn an die folgenden drei Dichter zu verteilens Carl Zuckmaher, Ren6 Schickele und Ma? Mell. Der Ausschuß verzeichnete ferner mit besonderer Anerkennung die Tatsache, dah an den Dichter Wilhelm von Scholz die Einladung erging, Hebbels „Agnes Dernauer" als eine Reubearbeitung für die Heidelberger Fest spiele zu gewinnen. Lebhaft begrüßt betrat sodann Thomas Mann das Rednerpult. Er gedachte des tiefen Schattens, der im letzten Augenbllck auf die Festspiele durch den Tod Hugo von HofmannSthals g:- worfen worden sei. Sodann ging er in tiefgründiger Betrachtung auf die Geschichte des Theaters, seine Wesensart und seine Zukunftsaussichten ein. wirken, daß das Einzel-GerichtSvollziehershstenl etwa nach preußischem Muster beibehalten wird und auch dort zur Einführung gelangt wo eS bisher noch nicht besteht, weil dieses System am besten die Belange des rechtsuchenden Publikums wahrt der Bureaukratismus dabei so gut wie ganz ausgeschaltet ist und deshalb auch am besten geeignet ist, einen Ausgleich zwischen Gläubiger- und Schuldnernot herbeizuführen, ferne- auch eine erhebliche Ersparnis für den Staat bedeutet. Der Bundestag verkennt nicht dah auch bei dem Einzelgerichtsvollziehersystem gewisse scharfe Kanten vorhanden sind, aber er ist jedoch der einmütigen Auffassung für ein Festhalten an diesem System, weil es die wenigsten Reibungsflächen zwischen Parteien, Behörde und Gerichtsvollzieher bietet. Mit aller Entschiedenheit lehnt der Deutsche Gerichtsvollzieherbund die Bestrebungen zur Einführung des sogenannten Amtsbetriebes (behördliche DollstreckungS- leitungj mit der Wirkung völliger oder teilweiser Ausschaltung des Parteibetriebes an der Zwangsvollstreckung ab, weil diese BerfahrenSart dem Bureaukratismus weitesten Spielraum bietet, die notwendige schnellste Erledigung unmö^ lich macht auch die Gläubigernot ganz erhebttq» verschärfen würde." tu der. 6 mnfl, die bittest"^ gehaU-" " Reichs das oonnali elheb'-ch JrW» Mich"-", , Msbaiu banlstotuls Gelbver Urteil tow Einwirlunc sein, kann, genügend Zahlunnsir bank siyein SolbzugaN! dämmen Soldzusluh anforderun Zeit gestell bank nicht Devisenansc das wird parationsza! düng in der bei noch so ju erwarten, auch unter I rüstet sein, rungspolitisch Tie Lage markten | besonders ■ hällmsse not rige Lage l gehalten, v keilen klein' verneurS d hat den Er London na von Engla werden, ih halten, wei banken sich würden. 01 Dctrachtunc bingetoiefen am Paris Rtipildien h und lind aw KredllnM aber für 1 hier angel Prozent fr Wale feit Franken r noch leicht, früher etf markt unc heute nicht bei 'Bcurft unterschätzt Oer hi Die Ein trägt im 2 Ausfuhr Meningen KManz e lchußdoni Dark im A rungen betr Dark im 2 , Degenübei W (um 5 W (um g „Gibt's was Reues?" „Ein kleiner Mordversuch wurde heute nacht probiert, aber das ist so etwas Gewöhnliches, daß es mir widersteht dies als eine Rauigkeit zu repartieren", sagte Larry und berichtete von dem nächtlichen Besucher. „Das ist der merkwürdigste Fall, der mir jemals vorgekommen ist", sagte Sir John Hason nachdenllich. „Richt ein einziger Tag vergeht, ohne daß sich etwas Reues ereignet. Du hältst also die Frage mit der Aufwärterin für wichtig?" Larry nickte. „Du kennst ja London diel besser als ich. John", sagte er. Zwischen ihm und seinem alten Schulkameraden gab es bei solchen Gelegenheiten wie diese keine Formalitäten. „Wer ist eigentlich Iudd?" „Iudd!" lachte der Kommissar. „Ich glaube nicht, daß du dir seinetwegen den Kopf zu zerbrechen brauchst. Er ist in der Geschäftswelt ganz gut angesehen: ich glaube aber gehört zu haben, daß sein Bruder sehr leichtsinnig gewesen sein soll. Beinahe sämtliche Aktien der Greenwich- Dersicherungs-Gesellschaft gehören der Familie Iudd. Es ist keine sehr bedeutende Gesellschaft, hat es aber fertig bekommen, jedem Versuch der Versicherungskonzerne und der großen Gesellschaften, die Greenwich-Kompagnie aufzuschlucken, zu widerstehen. Das beweist Charakter und Standfestigkeit, die ich bewundern muß. Die Iudds haben die Aktien von ihrem Vater geerbt und brachten die Gesellschaft, die damals als wenig sicher angesehen wurde, zu ihrer jetzigen Höhe. „Ich habe heut nacht die Aufsichtsratsliste durchgelesen", sagte Larry. „Sie ist im Jahresbericht der Börse, und ich habe eine ganze Zeit damit verbracht, mir den Kopf zu zerbrechen. Weißt du denn, dah John Dearborn auch Direktor der Gesellschaft ist?" „Dearborn, der Theaterschriftsteller?" fragte Hason schnell. „Rein, das war mir nicht bekannt. Selbstverständlich sind Dir^toren in einer derartigen Gesellschaft, wie diese hier," sagte er lächelnd, „nur von Iudd vorgeschlagen und gewähll. Man hat mir erzählt. Haß Iudd ein ganz guter Kerl ist und eine Menge Geld für wohltätige Stiftungen spendet. Er unterhält beinahe ganz allein das Heim, in dem Dearborn der Vorsteher ist. Vielleicht hat man dem nur Sitton Wem Wo Roman von Edgar Wallace. Als zehn Minuten später Polizeibeamte erschienen, führten sie einen sehr erschütterten Mann ab . „Wie haben Sie ihn denn zum Sprechern gebracht", fragte das junge Mädchen zaghaft. „Ich habe ihm gedroht, daß ich ihn waschen würde", sagte Larry und sprach die reine Wahrheit. „Cs war natürlich nicht diese Drohung, die seinen Mund öffnete, sondern der Lim st and, daß er mit mir allein im Zimmer toa;r, das Bewußtsein, dah ich ihm mit einem Griff seine Sachen herunterreihen konnte und die Angst, daß mein angedrohtes Waschen nur das Vorspiel zu einer schrecklichen Marter sein würde. Seine Verwundung hat übrigens nichts zu bedeuten. Sie wird sich wahrscheinlich schon geschlossen haben, bevor der Polizeiarzt sie überhaupt zu sehen bekommt. Lind jetzt, glaube ich, fönnim wir uns alle wieder in unsere diversen Gemächer zurückziehen. Sunny, bevor Sie zu Bett gehen, möchte ich Sie noch einmal sprechen." WaS Larry mit Sunny besprach, Hatje zur Folge, daß er für den Rest der Woche mit stolzgeschwellter Brust einherwandelte. ,• 31. Ein dünner Weiher Rebel hing über dem Park und verhüllte den verlassenen Reitweg v«n Rotten Row, und die wenigen Reiter, die zu. dieser frühen Morgenstunde ihren gewohnten Spazier, ritt unternahmen, ließen die Verlassenheit des Parkes nur noch mehr hervortreten. Sir John Hason, Chef komm issar der Polizei, dessen Gewohnheit es war, jeden Morgan vor dem Frühstück einen Spazierritt zu machen, war einer dieser Reiter, und e«r erwartete weder noch wünschte irgendwelche Gesellschaft. Um so größer war daher seine Ueberraschung unb auch sein Verdruß, als ein Reiter hinter ihm aus dem Rebel auftauchte, zu ihm heranritt und sein Pferd an Sir Johns Seite in Schritt fallen ließ. „Hallo, Larry", rief John Hason. „Wo tauchst du denn auf einmal auf; ich dachte erst, dü wärest ein Geist." „Das werde ich auch bald fein. Lange wird's nicht mehr dauern, wenn ich nicht sehr außpasse", sagte Larry. „Aber ich wußte, dah ich dich hier finden würde, und so habe ich mir im Tattersall einen Gaul gemietet und bin hierhergekymmen. Ich haße ein bißchen frische Luft nötig und möchte mal außerhalb der verblödeten Atmosphäre deines DureauS mit dir sprechen." „Ich bitte um Entschuldigung, Sir, daß ich mir Ihren Revolver geliehen habe. Was nun mein Bett in der Diele anbetrifft, außerdem noch die Storung, die ich Ihnen verursachen--“ „Mein Junge, kein Wort mehr darüber", sagte Larry mit einem dankbaren Blick zu seinem Diener. „Darüber sprechen wir später. Lind nun, mein Freund," wandte er sich dem abstoßend aussehenden Gefangenen zu, „was haben Sie zu Ihrer Entschuldigung anzuführen?" „Er hat keen Recht, Schießwaffen zu gebrau- chen", antwortete der Mann heiser. Larry dachte erst, daß die Erregung feine Stimme so heiser machte, mutzte aber bald lernen, daß die Ratur den Mann mit dieser Stimme ausgestattet hatte. „Ich bin verwundet. Ich kam die Treppe runter, so ruhig und friedlich wie nur möglich, als der Mensch hier aus der Tür kam und auf mich schoß." „Du Llnschuldsknabe", sagte Larry ironisch. Er fühlte über die Taschen des Strolches hinweg und brachte ein Messer mit langer Klinge an das Tageslicht, dessen Schärfe er zwischen Daumen und Zeigefinger prüfte. Es war scharf wie ein Rasiermesser. Larry betrachtete den Mann genau. Er war ungefähr fünsunddreißig Jahre alt, hatte hohle Backen und tiefliegende Augen. „Zeigen Sie Ihre Hände", befahl Larry. Mit finsterem Gesicht gehorchte der Mann. „Schon vorbestraft?" „Rein, Sir", sagte der Mann mürrisch. „Wer hat Sie hrerhergeschickt?" „Finden Sie'S doch 'rauSl" „Da« werde ich herausfinden," sagte Larry sanft, „und Sie werden dabei etwas beschädigt werden. Also — wer hat Sie hierher geschickt?" „Von mir erfahren Eie nichts", war die Antwort. „Ich glaube doch, mein Liebling", sagte Larry, führte den Mann in die Küche und schloß die Tür hinter ihnen. der Beschluß gefaßt, eine Eingabe an die Iustiz- verbände und Landesvertretungen zu richten, wo für die Gerichtsvollzieher annähernd die; gleiche Besoldung gefordert wird, wie für die (zukünftigen) Beamten des oberen Iustizdienst-es und Einreihung in die jetzige Gruppe 4 c der Desol- dungsordnung. Zum Schluß wurde noch einer vom Verband Preußen vorgeschlagenen Gebührenordnung zugestimmt. Bei den Verhandlungen am Samstag, an denen auch Amtsgerichtsdirektor Keller, M. d^ L., als Vertreter des Amtsgerichts teilnahm, referierte zunächst Lüth (Berlin) über das Thema: „Der Gerichtsvollzieher im Kamps des Wirtschaftslebens". Er zeigte an Hand von Beispielen, welch schwieriges und verantwortungsvolles Amt dem Gerichtsvollzieh'er bei den derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnissen an- vertraut ist, der immer bestrebt sein müsse;, einen sozialen Ausgleich herbeizuführen. Ein Antrag des Landesverbandes Preußen, der sich mit der Kompetenzerweiterung der Gerichtsvollzieher beschäftigt, wurde dem Bundesvorstand zur weiteren Bearbeitung überwiesen, einem Antrag Bayern, eine Einheitsbezeichnung bet Verbände herbeizuführen, zugestimmt. Die Vorstandswahl ergab die Wieder- wahi des seitherigen Vorstandes. Als Ort der nächsten Dundestagung wurde Kassel bestimmt. Als Ergebnis der Verhandlungen wurden die zwei nachstehenden Entschliießun- gen gefaßt: „Die auf dem Bundestag des Deutschem Gerichtsvollzieherbundes 1928 gefaßten Beschlüsse hinsichtlich der Erweiterung bzw. Aenderung der Bestimmungen der Paragraphen 775 (Fristerteilung) und 808 ZPO. (Ersichtlich- Tagung des Deutschen Gerichtsvollzieher-Bundes. Der Deuts che Gerichtsvollzieher- Bund hielt vom 18. bis 20. d. M. im .Hindenburg" in Gießen seine 8. Bundestagung ab. Singeleitet wurde diese durch einige interne Sitzungen am Donnerstagnachmittag. Am Donnerstagabend sand ein Degrühungsabend statt. Junker (Gießen) hieß die zahlreichen Teilnehmer namens des Vereins hessischer Gerichtsvollzieher willkommen, Damm (Berlin) sprach für den Deutschen Gerichtsvollzieher- Bund, während Ranetsberger (Rosenheim, Bayern) den Damen herzliche Degrüßungswvrte widmete. Der musikalische Teil wurde von Mitgliedern der Reichswebrkapelle vortrefflich bestritten, während Mitglieder des Bauerschen Gesangvereins mit guten gesanglichen Darbietungen aufwarteten. Frl. Heimes erfreute durch stimmungsvolle Lieder. Heimatdichter Heß trug mit der Rezitation eigner Dichtungen in gewohnter Weise wesentlich zur Verschönerung des Abends bei, während Lüth (Berlin) in einem selbstverfahten Gedicht die Verdienste des Bundes und seines Vorsitzenden feierte. Am Freitagvormittag begannen die eigentlichen Verhandlungen, an denen u. a. auch Landgerichtspräsident Reuenhagen als Vertreter des hessischen Justizministeriums und des hiesigen Landgerichts, sowie Rechtsanwalt E n g i s ch als Vertreter der hessischen und der Gießener Anwaltschaft teilnahmen. Aus dem Bericht des Vorstandes über die Mitgliederbewegung geht hervor, daß der Bund 2588 Mitglieder zählt, davon entfallen auf Hessen 57. Der vom Dundesvorsihenden Gamm (Berlin) erstattete Geschäftsbericht brachte einen Lieberblick über den augenblicklichen Stand der Reform- und (Beruf«fragen. Das erste Referat hielt Ranetsberger (Rosenheim) über .Gedanken zur Zw angsvoll- streckungsref orm". Er wandte sich gegen die Bestrebungen, die e inerseits auf die Rückkehr zur freien Gerichtsvollzieher-Dahl gerichtet sind, andererseits die Einführung des Amts-(Ofsizial-) betriebe« an Stelle des Parteibetriebes zum Gegenstand fortgesetzter Beratungen machen. Rach seiner Ansicht kommt es im Dollstreckungswesen nicht so sehr auf das System an, sondern auf den Geist der mit der Vollstreckung beauftragten Persönlichkeiten. Die geplante Reform müsse die Interessen beider Parteien (Gläubiger und Schuldner) berücksichtigen. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache an. Zwei in zustimendem Sinne gehaltene Anträge der Landesverbände Bayern und Mecklenburg wurden einstimmig angenommen. Das zweite Referat hielt Meyer (München) über .Gläubige r - und Schuldnerno t". Gr wies auf die Ursachen der Verarmung des deutschen Volkes und ihre Auswirkung im Dollstreckungswesen bin und suchte nachzuweisen, daß das Anwachsen Der erfolglosen Pfändungen, durch den Mangel an pfändbaren Gegenständen, durch weitgehende Kreditgewährungen sowie durch zahlreiche Uebereignungsverträge bedingt sei. Die Grundursachen seien allerdings die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse. 5>te Schuldnernot bestehe schon von jeher, sie komme allerdings nicht in Frage bei böswilligen und gleichgültigen Schuldnern. Die zahlungswilligen Schuldner stammten meist aus den Kreisen des Mittelstandes, denen es infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Derhältnisse oft nicht möglich sei, ihre Derpflichtungen zu erfüllen. Es sei deshalb eine Milderung mancher Bestimmungen notwendig. Zum Schluß erläuterte der Redner noch die Stellung des Gerichtsvollziehers gegenüber Gläubiger und Schuldner und wünschte mehr Bewegungsfreiheit für den Dollstreckungsbeamten sowie bessere Ausbildungsmöglichkeiten. Dem Antrag Preußens bezüglich einer Aufhebung der Verordnung übet das Mindestgebot bei Versteigerungen wurde zugestimmt, desgl. einem Antrag Mecklenburg wegen einer Erweiterung der Befugnisse der Gerichtsvollzieher (selbständige Verlegung der Dersteigerungstermine). In der Rachmittagsverhandlung wurde bezüglich der Amtsbezeichnung beschlossen, den einzelnen Verbänden die Lösung dieser Frage zu überlassen. Wegen der Besoldung und Eingruppierung wurde Wer für die «mietweise oder auf Grund eines sonstigen Rechtsverhältnisses erfolgende Sieber- laffung von Räumen oder im ZusamlEchang damit für sich oder einen anderen einen Mietzins oder eine sonstige Vergütung fordert, annimmt oder sich versprechen läßt, die unter 'Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse als u n - angemessen anzusehen sind, wird wegen Wuchers mit Raumen mit Geldstrafe oder mit Gefängnis bestraft. Ist die Tat fahrlässig begangen, so ist auf Geldstrafe oder Gefängnis bis zu einem Jahre zu erkennen. Ebenso wird bestraft, wer für die Vermittlung eines Rechtsgeschäfte« der vorbezeichnetett Art eine Vergütung fordert, annimmt oder sich versprechen läßt, die unter Berücksichtigung der gesamten Verhältnisse als unangemessen anziusehen ist (§ 49 a des Mieterschutzgesetzes.) Rach § 52 Abs. 3 des Mieterschuhgesetzhs hat die oberste Landesbehörde für Räume, die auf Grund der Vorschrift des § 52 Abs. 1 des Mieterschutzgesetzes mieterschuhfrei geworden sind, ange- gemeine Grundsätze über die Gesichtspunkte aufzustellen, die unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse für die Beurteilung der Angemessen- heit des Mietzinses im Sinne des § 49 a von Bedeutung sind. Diese Bestimmung hat nunmehr Anwendung zu finden, nachdem durch Verordnung des Gesamtministeriums vom 27. Mai 1929 — Reg.-Dl. S. 73 — gewisse Räume von diesen Vorschriften befreit worden sind. Der hessische Minister für Arbeit unk Wirtschaft weist nunmehr gemeinsam mit dem Iustiz- und Innenminister in einer Verfügung vom 19. Juni 1929 an die Kreisämter, Justiz^ und Polizeibehörden daraufhin, daß die erforderlichen Grundsätze bereits in den Urteilen des Reichsgerichts vom 11. März 1927 I 57/26 (Enksch- in Strafsachen. D. 61 S. 130 und vom 13. 3u?ti 1927 II 17/27 (Entsch. in Strafs. Band 61 S. 326) entwickelt sind. Das erstgenannte Urteil nimmt eingehend zu allen in Frage kommenden wesentlichen Gesichtspunkten Stellung und unterzieht die einzelnen Teile, aus denen sich, wirtschaftlich betrachtet, der Mietzins zusammenseht, vor allem die Verzinsung des eigenen und fremden Kapitals, die Betriebs- und Instandsetzungskosten; die Mietzinssteuer, die Vergütung für besondere vertragliche Leistungen einer grundlegenden Prüfung, auch die Zulässigkeit sogenannter Abfindungssummen wird erörtert Das Urteil geht zwar von § 4 der Preistreibereiverordnung aus, behandelt aber auch das Verhältnis zwischen dieser Vorschrift und der des § 49 a des Mieter- schutzgesehes. Seine Ausführungen sind deshalb auch für die Auslegung des Begriffs .unangemessene Vergütung'^ im Sinne des § 49 a des Mieterschuhgesetzes anwendbar. Das zweit- ?enannte Urteil tritt den Darlegungen des ersten irteils bei und ergänzt diese namentlich hinsichtlich der Frage der Zulässigkeit der Abfindungssummen. Durch ein weiteres Urteil vom 10. Juli 1928 I 823/27 (Entsch. in Strafs. Dd. 62 S. 228) hat das Reichsgericht die in den vorgenannten beiden Entscheidungen entwickelten Grundsätze über die Angemessenheit einer Vergütung im Sinne des § 49 a des Mieterschutzgesetzes bekräftigt. Das Urteil bringt zugleich eine Klärung und Ergänzung der einschlägigen Erörterungen, durch welche sich die Stellungnahme des Reichsgerichts vervollständigt. Hierzu ist auch noch auf die reichsgerichtlichen Entscheidungen vom 30. Ro- Dember 1928 I 744/28 (Entsch. in Strafs. Bd. 62 kS. 333) und vom 14. März 1929 2 D 1365/28, welch letztere in der amtlichen Entscheidungssammlung bislang noch nicht veröffentlicht worden ist, hinzuweifen. Die erste dieser beiden letztgenannten Entscheidungen befaßt sich mit der Frage des Wuchers bei Untervermietung, während die andere Entscheidung die Anwendbarkeit des § 49a des Mieterschutzgesetzes auf die Forderung übermäßig hoher Abstandssummen erörtert. Den Ausführungen der erwähnten reichsgerichtlichen Urteile stimmt das hessische Ministerium vollinhaltlich zu. Sie sollen deshalb als Grundsätze des § 52 Abs. 3 des Mieterschutzgesetzes gelten. Die Polizeibehörden werden beauftragt, etwaigen Mißstä.nden bei den Vereinbarungen über Wohnungsmiete im freien Wirtschaftsleben und namentlich für die jetzt von der Wohnungszwangswirtschaft befreiten Räume ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden. Strafbare Handlungen, die hierbei festgestellt werden, sind von den Justizbehörden mit allem Rachdruck zu verfolgen. begR.r^1 l0 gu| gleich A auch ™ St w. verkennt Ct bQÖ >onden finx^eni 8.. ?u«S£ kLÄZ bliche Doliü?""- dolliaer s>^^ngj, KLr ^eHiele. ÄÄx»** ®r £ Wiele tn unserer E bluteten Der notig, daß die ^n- Dert und Sm ber UniversitLt be, or Dr.DibeliuS di, m FüHrer der M, " bLtten, tnefe H zu gestalten. Sr ‘ Haudtmann und i ergriff der badische S das Dort. Er gab ast die nie erlahmende ' dazu beitragen möge, er alten Stadt Heidel« : eine Gabe gespendet itur und Einigkeit. ilausschusseS verkündete t. Goldschmidt die berget Festspiel, lsschuh hat beschlossen, ei Dichter zu verteilen: £ Schirkele und Dar verzeichnete ferner mit die Tatsache, daß an on Scholz die Einla. gneS Dernauer" aß eine Heidelberger FeWrle hbam TbomaSMann ।te beä tiefen SHa/te^ mf bie fieftfyiek bin imannSthalL fli« m ging er in iiefgrün. e Geschichte M Sfc "- d seine Jutunstsauslich. 113 bei Kassel- Juli. Heute totmittag isher noch unausgeklärtn rieda.Tunnel« bei t. Die Gefahr war recht- so dah tr.e beiden ein. chwege-HeiUgen. — Leineseide sofort inten. Infolgedesien va. Menschenlebenmcht ge- ^rkchr aus diesen beiden ÄS* - Ä«. * • MS W ab« «i» W s-Ä."* ■»SiS.'1* bt blickte auf9^ gg>2’ o,it über diese i Äi^* llte n,em Gtrecken toirb durch Omnibusse, bie biS Drohtöpfer bzw. DeiSmar fahren, aufrechterhalten. Wirtschaft. Medio-Anspannung am Geldmarkt. In der Berichtswoche haben die Geldsätze auf der ganzen Linie angezogen. Diese Anspannung ist nicht nur auf die Abwicklung des Medio zurückzuführen, sondern auch auf die Zahlung großer Steuerbeträge, sowie für die Zinsen aus der Industriebelastung. Am Privatdiskontmarkt ist allerdings keine Aenderung der Geldfätze eingetreten, das nach dem Medio herausgekommene größere Angebot fand restlos Aufnahme. Das Anziehen der Geldsätze berechtigt zu der Frage, ob dadurch die aünftige Entwicklung, die der Geldmarkt feit Aufhebung der Kre- bitreftrittionen der Reichsbank genommen hat, auf- gehalten werden kann. Der letzte Ausweis der R e i ch s b a n k zeigte eine Entspannuna, die über bas normale Maß hinausging. Das Wechselkonto ist erheblich zurückgegangen, Banknoten unb Rentenbankscheine haben um runb 300 Millionen Mark abgenommen, so baß man im ganzen ben Ausweis ber Reichsbank vom 15. Juli als recht befriebigenb bezeichnen kann. Auch bie Valutensituation ber Reichsbank hat sich burch bie erheblichen Golbzu- gängc, bie sich in ben letzten Tagen burch Golb- fäufe in Conbon noch erheblich verstärkt haben, entschieben gebessert. Betrachtet man gerabe unter dem Gesichtspunkt ber Gvlbstärkung bes Reichsbankstatuts bie in ber Berichtswvche eingetretene Gelbverteuerung, so muh man zu bem Urteil kommen, baß biefe nicht von wesentlicher Einwirkung auf die Entwicklung des Geldmarktes sein kann, da der Kreditspielraum der Reichsbank genügend groß ist. Anderseits ist der Umlauf an Zahlungsmitteln nicht gerade klein, und die Reichs- bank scheint eher darauf bedacht zu sein, trotz der Goldzugänge den Notenumlauf einzu- b ä m m e n, zumal man nicht weiß, wie lange ber Golbzufluß anhält, unb vor allem, welche Devisen- anforberungen an bie Reichsbank in allernächster Zeit gestellt werben. Solange natürlich bie Reichsbank nicht in ber Lage ist, zu übersehen, welche Deoifenanforberungen an sie gestellt werben, unb bas wirb bis zu ber enbgültigen Regelung ber Re- parationszahlungen ber Fall sein, ist eine Entscheidung in ber Frage einer Disfontermäfjigung selbst bei noch so günstigem Status ber Reichsbank nicht zu erwarten. Die Reichsbank muß auf jeben Fall auch unter dem Poungplan mit Devisen stets gerüstet sein, unb zwar in erster Linie aus währungspolitischen Gründen. Sie Lage an den internationale nG e l d- markten zeigt keine entscheidende Veränderung. Besonders am Londoner Markt sind die Verhältnisse noch immer nicht geklärt, und die schwierige Lage der Bank von England hat an» geyalten, wenn auch das Ausmaß der Schwierigkeiten kleiner geworden ist. Die Reise des Gouverneurs der Bank von England nach Amerika hat den Erfolg gehabt, dah die Goldzuflüsse von London nach Amerika aufgehört haben. Der Dank von England würde es ohne weiteres ermöglicht werden, ihren Diskontsatz bis zur Ernte einzuhalten, wenn auch die europäischen Zentralnotenbanken sich dem Vorgehen Amerikas anschliehen würden. Auf ein Moment muh aber bei einer Betrachtung der internationalen Geldmärkte noch hingewiesen werden, nämlich die veränderte Lage am Pariser Geldmarkt. Die französischen Kapitalien haben bisher eine grohe Rolle gespielt, und sind auch gegenwärtig für die internationalen Kreditmärkte noch von großem Einfluß, besonders aber für Berlin, da mindestens 75 Prozent aller hier angebotenen Auslandgelder zu 60 bis 70 Prozent französischer Provenienz sind. Zum ersten Male seit der Stabilisierung des französischen Franken macht sich jetzt in Paris eine vorläufig noch leichte Verknappung bemerkbar, und während früher erhebliche Geldbeträge am Pariser Gelo- markt unanbringlich vorhanden waren, ist dies heute nicht mehr der Fall. Diese Entwicklung darf bei Beurteilung des deutschen Geldmarktes nicht unterschätzt werden. Oer deutsche Außenhandel im Juni. Die Einfuhr im reinen Warenverkehr beträgt im Monat Juni 1077,7 Mill. Mark, die Ausfuhr einschließlich der Reparationssachlieferungen 1079,4 Millionen Mark. Die Handelsbilanz ergibt somit einen Ausfuhrüberschuß von nicht ganz 2 Millionen, gegen 43 Mill. Mark im Monat Mai. Die Reparationssachlieferungen betragen 63 Mill, gegenüber 77 Mill. Mmk im Vormonat. Gegenüber dem Vormonat sind sowohl die Einfuhr (um 54,8 Mill. Mark) als auch die Ausfuhr (um 96,5 Mill. Mark) zurückgegangen. Mrgas-A.-S. unb Ferngas-Gesellschaft Saar. Abschluß eines Abkommens. Wie bet Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sind die Verhandlungen, die in der letzten Zeit unter Mitwirkung deS preußischen Handelsministeriums und unter Beteiligung der hessischen Staatsregierung zwischen der Ruhrgas A.-G. und den in der Ferngas-Gesellschaft Saar m. b. H. zusammengeschlossenen Gruppen über eine gemeinsame Versorgung Südwestdeutschlands mit Ferngas stattfanden, zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. Rach der Vereinbarung werden die Ruhrgas- A.-G. unb die Ferngasgesellschafl Saar m. b h. die Ferngasinteressen in Südwesideutschland in Zukunft gemeinsam zu fördern suchen. Sie werden den Zusammenschluß aller Gas. abnehmer in dem gemeinsamen Versorgungsgebiet in eine gemischtwirtschaftliche Gesellschaft an. streben, an der die kommunalen GaSabnehmer und die Gaserzeuger und möglichst auch die Länder beteiligt sein sollen. Sie werden Verträge gemeinsam schließen, Erfahrungen austauschen und sich auch sonst jede Hilfe zuteil werden lassen. Sie haben gegenseitig Gebiete abgetrennt, wobei der Ferngasgesellschaft Saar ein eigenes Dersorgungsgebiet vorbehalten ist, und haben sich über die Beteiligung am Absatz schlüsselmäßig geeinigt, wobei auf der Ruhrseite die Interessen deS Aachener Reviers und auf der Saarseite neben den Interessen der Hütten vor allem auch die des künftigen fiskalischen Bergbaues wahrgenommen worden sind. Hm die Anfangsleitungen wirtschaftlich zu ma« chen, ist beiden Gesellschaften eine Voraus- lieferung in die nächstgelegenen Absatzgebiete zugestanden, nach deren Erlangung anteilmäßige Beteiligung eintritt. Dabei sind bie Zusagen, welche bie Ruhrga»- A.-G. ber hessischen kommunalen Gasfernoer. jorgung machte, in vollem Umfang berück- fichligt. Schließlich ist der Fall behandelt, daß einer der Vertragschließenden nicht liefern kann oder will, und eine Aenderung der Vereinbarung wegen veränderter Umstände vorgesehen, wobei ein Schiedsgericht zu entscheiden hätte. Die Bildung der großen gemischtwirtschaftlichen Gesellschaft, die dem Abkommen praktischen Inhalt geben soll, ist in Angriff genommen. Mit der Beteiligung des Saargebietes am deutschen Ferngas-Absatz ist die Eingliederung des Saargebietcs in das deutsche Wirtschafsgebiet erheblich gefördert. Der Rückgang der Einfuhr liegt in der Hauptsache bei Lebensmitteln und Rohstoffen. An diesem Rückgang sind u. a. Getreide (minus 11,9 Mill. Mark), ferner — größtenteils saison- mäßig — Südfrüchte (minus 6,6 Mill. Mark), Obst (minus 2,2 Mill. Mark), Baumwolle (minus 12,2 Mill. Mark), Felle zu Pelzwerk (minus 13,5 Mill. Mark) beteiligt. Die Einfuhr von Fertigwaren hat sich gegenüber dem Vormonat etwas erhöht. Die Abnahme der Ausfuhr, die überwiegend saisonmäßig zu erklären ist, entfällt auf alle Hauptwarengruppen. Verhältnismäßig stark ist die Ausfuhr von Lebensmitteln (um 18,2 Mill. Mark- und von Rohstoffen (um 32 Mill. Mark) zurückgegangen. Die Abnahme der Ausfuhr von Fertigwaren in Höhe von 46,5 Mill. Mark verteilt sich auf sehr viele Waren. Vermindert ist insbesondere die Ausfuhr von Textilfertigwaven (um 15 Mill. Mark), von Walzwerkerzeugnissen und sonstigen Gisenwaren (um 13 Mill. Mark) von chemischen Fertigerzeugnissen (um 13 Mill. Mark). * • D ie amtliche Grohhandelsindex- ziffer. Die auf den Stichtag des 17. Juli berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes hat sich mit 138,2 gegenüber der Vorwoche (137,4) um 0,6 Prozent erhöht. Don den Hauptgruppen ist die Indexziffer für Agrar- stofse um 1,6 Prozent auf 133,3 (131,2) gestiegen. Die Indexziffer für Kolonialwaren lag mit 129,6 (127,3) um 1,8 Prozent höher als in der Vorwoche. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren stellte sich auf 131,3 (131,5). Die Indexziffer für industrielle Fertigwaren ist um 0,1 Prozent auf 157,3 (157,2) gestiegen. * Frankfurter Gasgesellschaft. Vom Aufsichtsrat der Frankfurter Gasgesellschaft wird uns mitgeteilt: Auf Grund eines llebereinkom- mens zwischen dem Aufsichtsrat und Herrn Generaldirektor T i l l m e h wird Herr Tillmeh am 31. Dezember 1929 nach Ablauf seines zwölfjährigen Dienstvertrages unter Wahrung seiner Pen- sionsanfprüche in den Ruhestand treten. Herr Tillmeh hat sich bereit erklärt, der Gesellschaft auch nach seinem Ausscheiden mit seiner fachmännischen Erfahrung und seiner Arbeitskraft xur Verfügung zu stehen. Der Aufsichtsrat hat dieses Anerbieten angenommen und wird dem Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. Vorschlägen, zu diesem Zweck.Herrn Tillmeh nach seinem Ausscheiden aus der Gesellschaft für die Zeit seiner Mitarbeit in den Aufsichtsrat der Frankfurter Gasgesellschaft zuzuwählen. • Stillegung eines Eisenwerks. Das auf dem Hochwalde bei Trier gelegene Eisenwerk Maria-Hütte, das seit Jahrhunderten besteht, hat seiner gesamten Belegschaft gekündigt und sieht sich voraussichtlich gezwungen, den Betrieb stillzulegen. Es ist dies eine Folge der Saarzollgrenzen, durch die das Werk von seiner natürlichen Verbindung abgeschnitten wurde. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 20. Juli. Das Geschäft war ruhig bei leicht nachgebenden Preisen. Es notierten Auslandseier ab Grenzstation unverzollt und Inlandseier ab Station: Bulgarische 10—10,25, Holländische 11,25—13, Jugoslawische 10,50-10,70, Polnische 9-9,50, Russische 11—12, Dänische 11—13, Belgische 11—11,25, Französische 11—12, Schlesische 11—11,50, Bayerische 10,75—11, Norddeutsche 10—12, Rumänische 10 bis 10,25; alles in Pfennige pro Stück. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 22. Juli. Tendenz lustlos. — Rach der zweitägigen Unterbrechung eröffnete die Börse in st i l l e r Haltung. Anregungen lagen nicht vor, die Tendenz neigte wieder zur Schwäche. Die Hmfahtätigkeit beschränkte sich auf ein Minimum. Die Spekulation schritt zu Qlbgaben, was aber vor allen Dingen in Zusammenhang mit den illtimoöorbercitungen zu bringen war. Orders lagen kaum vor. Publikum und Ausland waren vollkommen desinteressiert am Geschäft. Die sehr ruhigen und eher schwächeren Auslandbörsen vergrößerten die Zurückhaltung. Der Zwischenbericht des Reparationsagenten, der keine Sensation, aber doch interessante Feststellungen und Urteile brachte, wurde bei der herrschenden Geschäftslosigkeit nur wenig beachtet. Verstimmt war man über die schwere Erkrankung des Reichskanzlers. Gegenüber den Schlußkursen vom Freitag traten durchschnittlich geringe Rückschläge ein. Die Hmfahtätigkeit war auf den meisten Marktgebieten äußerst gering. Zur ersten Quotierung kamen nur sehr wenig Papiere zur Rotiz. Am Slektromarkt waren Chade-Olktien gut behauptet. Elektrische Lieferungen 1,5 und AEG. 1 Prozent schwächer. Farben lagen 1,25 Prozent gedrückt. Montanwerte leblos und zumeist 1,5 Prozent niedriger. Danken waren zumeist gut behauptet, nur Reichsbankanteile lagen 2 Prozent abgeschwächt. Stark angeboten waren erneut Glanzstoffaktien mit minus 1,5 Prozent. Einiges Interesse bestand jedoch für Iunghans, die leicht anziehen konnten. Stenten geschäftslos. Auch nach den ersten Kursen trat keine Belebung ein. Die Tendenz konnte weiterhin keine Besserung erfahren und neigte eher xur Schwäche, bei erneuten Abschlägen bis zu 1,5 Prozent. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 Pr^ent unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1957, gegen Pfund 20,36. London gegen Kabel 4,8520, gegen Paris 123,86, gegen Mailand 92,75. gegen Madrid 33,44, gegen Holland 12,07. Berliner Börse. Berlin, 22. Juli. In den letzten Tagen konnte man öfter die Ansicht vertreten hören, daß das Kursniveau jetzt einen kaum noch zu überbietenden Tiefstand erreicht hätte. Auch am Samstag rechnete man nach Dekanntwerden der nicht ungünstigen Auhenhandelsbilanzziffern (Aktivität zwei Millionen), der gebesserten Ruhrkohlenförderung, dem immerhin nicht unbefriebt* genden Zwischenbericht des Reparationsagenten und dem günstigen Bericht des Reichsbankkommissars für heute mit einer eher festeren Börse. Auch daß Reuhork eher freundlich schloß und die Reparationskonferenz zum 6. August gesichert zu fein scheint, wurde vorteilhaft aufgenommen. Aber schon heute vormittag trat wieder eine starke Geschäftslosigkeit zutage. Es trafen einige unvorhergesehene s chlechte Rachrichten ein, die die Hoffnung auf eine Besserung zuschanden werden ließen. Reben den Meldungen über den russisch-chinesischen Konflikt waren es vor allem die Rachrichten über die Erkrankung des Reichskanzlers Müller, die die Börse verstimmten. Hinzu kamen die beginnenden UltimoDorbereitungen und die Befürchtungen für den Geldmarkt, obwohl der Tagesgeldsatz eine kleine Erleichterung erfahren hatte. Auch seien die Londoner Goldverluste zu beobachten. Abschwächungen von 1 Proz. etwa waren der Durchschnitt. Darüber hinaus verloren Essener Steinkohlen, Siemens. Berliner Handelsgesellschaft, Lorenz, Karstadt, Sternberg usw. bis 3 Prozent; Glanzstoff sogar 13 Prozent. Anderseits waren AEG., Feldmühle, Schlesische und Thüringische Gas, Deutsche Waffen und A.-G. für Verkehr etwas gefragter. Deutsche Anleihen ruhig. Von Ausländem Bosnier etwas gebessert. Pfandbriefmarkt still. Am Geldmarkt nannte man Tagesgeld mit 7,5 bis 9,5 Prozent, Monatsgeld 9,5 bis 10,5 Prozent und Warenwechsel 8 bis 7,75 Prozent. Auch nach den ersten Kursen war das ©efgjäft bei abbröckelnden Kursen weiter sehr st i l l. In Dessauer Gas und Deutsche Waffen war die Hntemchmunaslust größer, ohne dah aber auch hier größere Gewinne erzielt werden konnten. Sonst betrugen die Kursverluste auf den meisten Marktgebieten 1 bis 1,5 Prozent. Polyphon minus 3 Prozent. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 22. Juli. Der Produktenmarkt eröffnete die neue Woche in lustloser Haltung und war allgemein schwach. Die hohen Preise der Vorwoche konnten sich meist nicht behaupten. So war vor allem am Mehlmarkt das Angebot groß unZr Weizenmehl muhte eine Mark im Preise nachgeben. Roggenmehl war dagegen nur 0,50 Mark billiger. Am Brotgetreidemarkt war Roggen um 0,25 Mark ermäßigt. Angeboten und schwächer war ferner Hafer und Weizenkleie. Es wurden notiert: Roggen 22,50 bis 22,75; Hafer, inländischer, 23 bis 23,25; Mais (gelb) für Futterzwecke 22,75 biS 23' Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0, 38 bis 40,75; Roggenmehl 30,60 bis 32; Weizenkleie 11,50 bis 11,75; Roggenkleie 12,75; Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 33 bis 50; Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 40 bis 110; Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken 10t Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 5; Wei- zen- und Roggenstroh, drohtgepreht 5; Wei- getrocknet 17,75 bis 18,75 Mark. — Tendenz nachgebend. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 22. Juli. Auftrieb: 1870 Rinder; darunter 376 Ochsen, 130 Bullen, 736 Kühe, 554 Färsen; 520 Kälber; 42 Schafe; 4360 Schweine. Ochsen, vollfleischige ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 53 bis 58, ältere 48 bis 52, sonstige vollfleischige, jüngere 43 bis 47; Dullen, jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts, 47 bis 52, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 42 bis 46; Kühe, jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts, 43 bis 46, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 36 bis 42, fleischige 30 bis 35; Färsen, vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, 53 bis 58, voll- fleischige 48 bis 52, fleischige 40 bis 47; Kälber, beste Mast- und Saugkälber 72 bis 76, mittlere Mast- und Saugkälber 65 bis 71, geringe Kälber 54 bis 64; vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 80 bis 84. von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 82 bis 85, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 82 bis 85, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 78 bis 82. Marktverkauf: Rinder schleppend, großer Heberstand. Dei Preisfestsetzung sind nur 50 Prozent des Auftriebs berücksichtigt. Schweine gedrückt, großer Heberstand. Kälber langsam, ausverkauft. Letzte Nachrichten. Blitzschlag in einen Schasstall. 500 Schafe verbrannt. Samtens auf Rügen, 22. Juli. (WTD. Funkspruch.) Am Sonntagnachmittag gingen über Vorpommern Gewitter nieder, die sich besonders auf Rügen in ihrer ganzen Stärke entluden. Ein Blitzschlag entzündete auf dem Rittergut Hnr 0 w des Rittmeisters a. D. Heidborn den S ch a f st a l l, von dem die Flammen auf eine Scheune übersprangen und auch diese in Brand setzten. Beide Gebäude brannten vollständig nieder. In den Stall waren bei Ausbruch des Gewitters 500 Schafe ein» getrieben worden, die sämtlich in den Flammen umfamen. Ein Drittel der gesamten Heuernte ist mit verbrannt, sowie eine Anzahl landwirtschaftlicher Maschinen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, LombardzinSsuh 8.5 Prozent. ffrmitfurta.gR. Berlin ffranksun a. M. Berlin Franlsurt a M. Berlin Schluß- Kurs l-Uh» Kurs Schluh- Kurs Ansang Kurs Schluß. Kurs l-Uhr- Kurs Schluß- Kurs Ansang- Kurs Schluß- Kur» l Uhr- Kurs Schluß. Kurs Anfang- Kurs Datum 19.7. 22-7. 19.7. 22 7- Datum 19.7- 22.7. 19.7. 22.7. Datum 19.7. 22.7. 19.7. 22 7. 5% ti. RtMlanleifr v. 1321 . Dl. Aul^ülblös-Schuld mtt Äul lo|.-jRed)lCT......... trtfll. ohne Lullos.-Rechte . . - 7% Frankl. Hyp-Bl. Soldps. im- kündbar bi» 1983....... 4K% «betuliche Hyp^Bank Ligu.- @olbpf............ 87,25 51,5 9,8 85,5 79 87 98 29,5 2,3 1,7 23,13 1,8 7,8 7,75 125,25 118,25 126,5 128 185,25 280,75 172,5 156,5 162 316,5 I 1 1 I | 11 | | 1 1 1 1 Illi 1 1 1 1 «3 1 1 1 “l 1 I 87,5 51,6 9,8 29,75 2,45 23,2 20,25 1,75 7,9 7,7 1'i 17,5 126,5 129 213,5 185,25 280,13 173 156,25 162 315 — 51,13 9,6 23,2 20 7,45 7,75 123^4 116,6 126,75 128,5 212 184,6 278,25 172 155,6 161,5 315 .................8 Bergmann.........9 Elektr. Lieserungcn. .... 10 ffelten 4 Guilleaume. .... 6 Ges. t. Elektr. Uniern.. ... 10 Hamb. Elekrr. Werke .... 10 Rhein. Elekn.........9 Schles. Elektr........10 Siemens 4 Haltke • • • • • 12 Drantradio . . ....... 8 Lahmeyer 4 Eo.. . . . . . 10 Buderus..... 5 Deutsche Erdöl.......6 Essener Steinkohle......8 Gelsenkirchener ... f. % 3. 4 Harpcncr...... 6 Hoesch Eisen.........8 Ilse Bergbau ........8 Rlödncnvcrt» ........ 7 Köln-Reuessen........9 Mannesmann........8 ManSselder.........7 Lberschies. Eilend. Bedarf. . . b Oberschlcs. SoUwerkc.....6 Phönix Bergbau......6Yt Rheinische Braunkohlen... 10 Rbeinstahl . . . s. % Jahr 4 V, Nie deck Montan......7,2 Bereinigte Stahlw......6 Otavi Minen.......9 $h Sali Aicher»!eben ...je 10 kalt Westeregeln......10 Kaliwerk Salzdetfurth ... 16 ff- G- ffarden-InduKrie ... 12 Dynamit Nobel.......5 Scheide anstatt....... .9 Goldschmidt ........6 Rütgerlwerke ........ 6 Meiallgesellichast. ..... 11 197" 225,25 211,5 139 231,5 392 171,5 117,25 140 148 213 112,25 123 134 105,5 299 127,5 114,5 238 242,5 395 228 77 86 126,5 ’E 209,5 74,5 115,75 112 m 113^4 235 226 124,5 197,75 226,5 155,5 212,25 139,25 212,75 139,25 150,5 188 231,5 392,25 148,25 172,25 75,75 117,25 138 140,25 149 135,5 212 112,5 131,4 123,13 136,75 89,5 108,5 106,13 298,5 127,75 114,4 64,25 238,75 242,75 398,5 228 77 86,75 126,5 197,25 222 t - 210,5 136,5 210,13 141 148,5 191,25 229 147,5 167,75 115,75 135 139 146,5 134 111,25 132 121,25 136,25 107,75 105,5 297 125,5 113,25 64,25 226 105,75 76,5 125 Philipp Holzmann......< Heidelberger Cement .... 10 Gement Karlstadt......8 Wayß 4 Freitag......10 Schutt hei» Patzenhvfer . . . lä Oftrocde........ • 12 Ber. Slanzstoll......18 Bemberg........." ZeUstoss Waldhos.....12 Zellsross Aschasjenbura ... 12 Charlottenburger Waster ... 7 Dessauer Sa»........8 Daimler Motoren......0 Deutsche Maschtnen-Fabrik . . o Adlerwerte Sleoer......6 Ludw. Loewe...... 10 Rat. Automobil ....... 0 Orenstein & Koppel.....6 Leonhard Dietz . ...... 6 Bamag-Meguio . ...... 0 ffranlf. Mmchtne» ...... 6 Grttzner...... 11 nunggan»..... .... 4 Lechwerte. ..... 8 Matnkraftwerke ....... 8 Miag.......... 10 Rekmlulmer ...... 8 Peter» Union ........ 8 Gebe. Roeder ....... 10 Boigt 4 Haesfner ..... • • Südd. Zucker........6 Dan 110 135,5 186 99 392 54 50 55 67,5 11 65 105,13 123,75 118 114 220 150,25 knoten 100,5 388,5 23,25 50 64,25 150 109,5 306 239 393,5 302,5 239,75 158,5 110,65 195,5 54,5 50 202 22,65 91,25 215 56 68 65 124,5 120,5 222 150,25 i i i i i s i 11 i i i i i i SSiiIlli S.E-G. aba. Borkrtegtz-Obllgatiou.. rückzahlbar 1932 ....... 4% Schweiz. Bunbe4b.»anL. . . 4% Lesterreichtsche Goldrte.. . - 4,20% Ceften. Silberrte. .... 4% Oesterreich, einheitl. Rte. . . 4% Ungarische Goldrte...... 4% Ungarilche Staat-r. v. 1910 . bergt, von 1913..... 4% Ungarische kroneurte.. . . - 4% Türk. Hollanlethe v. 1911 . . 1% Türkische Bagdadbahu-Anl., Serie I........... 4% beSgl. Gerte II....... 4% Rumänen convert. Rte. . . 4Vi% Rumänen Goldaul. von ISIS Sllg. Deutsche Siseudahn . . <¥* Hamburg-Llmerika Bakel ... 8 Hamb.-Südam. Dampfsch. - - 8 Hansa Dampfschiff.....»0 Norbbeulicher Lloyd.....8 Mg. Deutsche LrediUmS. . - 10 Barmer Bankverein - - - lv Betimet HandeUigelellsch. . - 12 Sommerz- uni PrirxN'BanI . 11 Darm st. u. National!) an! . . 12 Deutsch« Bank.....10 Ttslonu-Nesellschas, BnL . . 10 Dreidner Bank......10 Mitteldeutsch« LretttdaU ... 9 Metallbau!....... . G Reicht b an! ........ 12 161,5 314,5 Berlin, 19. Juli Geld Brief Smertkarrrlche Noten ..... ©tietfae Nolru ........ vonMt ÜBlm ........ Englische Daten........ 4,17 58,33 111,48 20,305 4,19 58,57 111,92 20,385 Devisenmarkt Q3erlin-5ranffurt a. QU. Telegraphische Auszahlung. Berlin, 19. Null Geld Brief Französische Noten..... 16,42 16,48 Holländische Noren...... Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr., ä 100 Kronen 167,83 21,96 168,51 22,04 111,48 111,92 59,03 59.27 Rumänische Noten...... 2,485 2,505 Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... 112,08 112,52 80,60 80.92 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 60,81 61.05 12,382 12,442 Ungarische Noten....... 72,85 73,15 19. Juli 22. Juli Amtliche Notierung Geld 1 Briet Amtliche Notierung Geld 1 Bries Amst-'Rott. Nten^-AireS Brff^Antw- Thritziania - Kopenhagen Stockholm . Helsingsors. Italien. . . London. . . Neovork .. Paris.... Schweiz . . Spanien. . Japan . - . Rio de Jan- Wien in D - CdL abgeft. fc:: Budapest. . Bulgarien. Lissabon - . Danzig. . . 168,19 1,758 58,24 111,69 111,68 112,34 10,533 21,93 20,338 4,1925 16,425 80,62 60,98 1,923 0,496 59,04 12,407 7,371 70,05 3,032 18,75 81,32 2,017 5,425 4,176 4,076 20,855 168,53 1,762 58,36 111,91 111,90 112,56 10,553 21,97 20,375 4,2005 16,465 80,78 61,10 1,927 0,498 59,16 12,427 7,375 71,19 3,038 18,79 81,48 2,021 5,435 4,184 4,084 20,895 168,15 1,758 58,24 111,76 111,69 112,34 10,531 21,935 20,334 4,191 16,415 80,60 61,09 1,931 0,496 59,03 12,403 7,359 73,03 3,037 18,75 81,30 2,018 5,43 4,176 4,096 20,85 168,49 1,762 58,36 111,89 111,91 112.56 10,551 21,975 20,374 4,199 16,455 80,76 61,21 1,935 0,498 59,15 12,423 7,373 73,17 3.043 18,79 81,46 2,022 5,44 4,189 4,104 20,89 Athen. . Tanada . . Urncmap. . Tatro - . - Die landwirtschaftliche Fortbildungsschule. Don Foribildungöschullehrer Steinmann. Unsere gesamte Volkswirtschaft befindet sich in einer schweren Krisis. Das eigentliche Zeitproblem ist aber, die landwirtschaftliche Ernte zu steigern. Darin gleicht unsere Zeit derjenigen vor fast hundert Jahren. Und heute wie damals wird die einzige Rettung von der Seite berkommen, von der der Mensch dem Menschen beistehen kann in allen seinen Röten, nur durch das Wissen. Damals wurde dem Volke durch die Tat Liebigs geholfen. Die Kenntnis (also Wissen) und die Befolgung seiner Lehren brachte eine Ertragssteigerung von über 30 v. S). Und heute schreit wieder das Leben unseres Volkes — und mehr oder minder das aller europäischen Völker — danach, die Ernte neuerdings um ein weiteres Drittel zu steigern. Dies ist, trotz aller gegenteiligen Ansichten, die brennendste Aufgabe, deren Lösung alle anderen, sowohl die sozialen, wie wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Aufgaben in sich schließen würde. Rasttos arbeiten Wissenschaft und Technik daran, diese Aufgabe zu lösen. Was nützen aber alle fortschreitenden Erkenntnisse von Wissenschaft und Technik, wenn ie nicht in die Tat umgesetzt, d. h. nicht zum Allgemeingut unserer gesamten deutschen Landwirt- chaft gemacht werden können. Daß die Lösung der Aufgabe auf diesem Wege möglich ist, beweisen die durchgehends hohen Ernten, die heute in neuzeitlich bewirtschafteten Großbetrieben bereits erzielt werden. Darum gilt in Fachkreisen die durchaus begründete Annahme, daß Deutschland nicht nur seinen Bedarf an den wichtigsten Rahrungs- und Futtermitteln selbst zu erzeugen und damit seine dichte Bevölkerung im wesentlichen mit eigenen Erzeugnissen zu ernähren im Stande sei, sondern darüber hinaus von einzelnen Erzeugnissen noch erhebliche Mengen für den Export verfügbar gemacht werden könnten. Wenn man nun bedenkt, daß 95 o. H. aller deutschen landwirtschaftlichen Betriebe zu den Parzellen-, klein- und mittelbäuerlichen Betrieben (unter 20 Hektar) gehören, so ist ohne weiteres klar, daß der Schwerpunkt der landwirtschaftlichen Erzeugung demnach bei den Betrieben unter 20 Hektar Größe liegt. So ist also letzten Endes das Ernährungsproblem (das landwirtschaftliche Produktionsproblem) eine Frage der Ausbildung des kleinen und mittleren Landwirts. Es steht unbestreitbar fest, daß eine Erhöhung der Gesamternte nur durch bessere Allgemeinbildung und vor allem bessere Fachausbildung der deutschen Landwirtschaft geschehen kann. Auf der einen Seite müssen Landwirtschaftskammer, Landwirtschaftsämter, landwirtschaftliche Vereine, land- wirtschaftlicbe Beratungsstellen und alle sonst dazu berufenen Personen und Körperschaften eine rastlose Tätigkeit für die fachliche Aufklärung und Weiterbildung der älteren landwirtschaftlichen Generation entfalten. Auf der anderen Seite dagegen muß der schulpflichtigen Generation gründlicher systematischer Fachunterricht bargeboten werden. Den Wert einer guten Bildung haben wohl die Führer der Landwirte klar erkannt, und sie betonen dies in Wort und Schrift (u. a. besonders Hepp, Präsident des Reichslandbundes), nicht aber die große Masse der kleineren und mittleren Landwirte. Um sie schwebt noch immer der Nimbus einer gewissen Bildungsfeindlichkeit. Diesen Glauben zu zerstören und sich als ein Stand zu zeigen, der weiß, was ihm nottut, sollte das erste Werk der Selbsthilfe fein. Don obiger Erkenntnis und der Tatsache ausgehend, daß Über 90 Prozent aller Landwirts- söhne nicht die Mittel oder das geistige Interesse für den Besuch einer landwirtschaftlichen Schule aufbringen konnten, war es Pflicht des hessischen Staates, dem 2luf - und Ausbau des ländlichen oder landwirtschaftlichen Fortbildungsschulwesens erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Es ist nun auffällig, daß gerade aus der Landwirtschaft selber, der doch notwendige Hilfe gebracht werden sollte, dieser Schulgattung Gleichgültigkeit, wenn nicht Ablehnung entgegengebracht wurde. Ich bin so kühn zu behaupten, daß in erster Linie die Ankenntnis dieser neuen Einrichtung schuld an der verkehrten Einstellung war, oder noch ist. Gewiß spielen auch noch andere Momente eine Rolle, Gleichgültigkeit, Geringschätzung der geistigen Bildung, geringe Erfolge der alten ländlichen Fortbildungsschule, der Entzug von Arbeitskräften, wenn auch nur für kurze Zeit usw. Bei keinem anderen Berufsstand haben wir etwas derartig Auffälliges erlebt. Mit Freuden haben sie sich die staatlichen Einrichtungen in dieser Beziehung zunutze gemacht, um chrem beruflichen Rachwuchs eine bessere fachliche und allgemeine Bildung geben zu lassen. Alle sind sich des Wertes einer solchen Bildung bewußt und halten an dem Grundsatz fest, daß Sparen an her Ausbildung falsch angetoa ndte Sparsamkeit ist. And wie viel mehr hat doch der heutige Landwirt größere und mannigfaltigere Kenntnisse notwendig, als irgendein gewerblicher oder selbst kaufmännischer Beruf. Die Landwirtschaft, die noch vor 100 Jahren ein einfaches, sehr tiefstehendes Gewerbe- war, ist heute eine Kunst, im wahren Sinne des Wortes, eine Wissenschaft geworden. And trotzdem wirtschaftet die übergroße Mehrzahl der Landwirte in den bäuerlichen Betrieben noch ohne jede besondere Berufsausbildung, „fast wie zu Großväter Zeiten". Es kann nicht oft und genug betont werden, daß eine bessere Allgemeinbildung und eine sachlich theoretische Ausbildung neben der praktischen für den Landwirt der heutigen fortgeschrittenen und anspruchsvollen Zeit zur zwingenden Rotwendigkeit geworden sind. Dem will nun die neue landwirtschaftliche Fortbildungsschule an ihrem Teil gerecht werden. 3m Gegensatz zu den landwirt- . schäftlichen Fachschulen will sie aber nicht nur Fachwissen vermitteln. Dem steht, außer anderen Momenten, die große Jugend, damit die mangelnde geistige Reife und die geringe praktische Erfahrung der Schüler entgegen. Für die landwirtschaftliche, wie für jede andere Fortbildungsschule steht in erster Linie der Schüler und nicht der Lehrstoff hn Mittelpunkt des Unter* richts. Heber jede Fach- und Berufsausbildung geht die Entwicklung der Persönlichkeit. Persönlichkeitsbildung ist das Hauptziel, das Fachliche und Berufliche muh sich dem unterordnen. Aber trotzdem können wir nur durch die Fach- oder Berufsausbildung zur Persönlichkeitsentwicklung kommen. So ist und bleibt die landwirtschaftliche Fortbildungsschule Berufsschule, wenn auch die Person des Schülers und damit allgemein erzieherische Gesichtspunkte in den Mittelpunkt gestellt und von ihnen ausgegangen wird. Das besagt aber, daß die richtige Erteilung des Unter» richts in Derufskunde, also in Landwirtschaftskunde, sehr bedeutsam ist und daß sich alles um dieses Sachfach gruppiert. Richt aber besagt es, wie es leider oft aufgefaßt wird, daß der Unterricht in der Berufskunde eine verwaschene, landwirtschaftlich gerichtete Raturkunde, darstellen soll. Weit schlimmer ist es noch, wenn lückenhafter, inhaltloser Sachunterricht und dazu noch als Gelegenheitsunterricht getrieben wird. Es muß unbedingt an der Erteilung von ausgesprochener L a n d w i r 1 s ch a f t s - künde festgehalten werden. Es mag sein, daß bei vielen Kollegen die landwirtschaftliche Derufskunde oder Raturkunde statt Landwirtschaftskunde treiben, es nur ein Streit um Worte ist. Allerdings soll 'auch nicht verhehlt werden, daß manche Lehrer aus bestimmten Gründen und mit voller Absicht nur eine landwirtschaftlich gerichtete Raturkunde erteilen. Diese gehen darin sogar soweit, daß sie z. D. das Rährstoffbedürfnis der Pflanzen im Anterricht besprechen, es aber als „Fachunterricht" ablehnen, auch nur die wichtigsten künstlichen Düngemittel hierbei zu nennen. Solcher Anterricht gehört in die Bolksschule. Wie schon weiter oben ausgeführt, wird auch von Erteilung einer strengen fachwissenschaftlichen Landwirtschaftslehre aus verschiedenen Gründen — deren wichtigste die mangelnde Zeit und die geringe geistige Reife der Schüler sind —, Abstand genommen werden müssen. Es soll aber der Schüler der landwirtschaftlichen Fortbildungsschule Landwirtschaftskunde hören, die nur dem Grad nach von Landwirtschaftslehre verschieden ist. Es wird in der Hauptsache, nach Lage der Dinge, Elementarunterricht sein, der logisch, methodisch und systematisch aufzubauen wäre. Das schließt aber die Behandlung von reinen Fachfragen nicht aus, denn es ist m. E. ein Anding, sowohl pädagogisch, als auch praktisch gesehen, daß man dem Schüler ängstlich Fachfragen oder Fachwissen verschließen will. Dafür ist — ich betone das nochmal —, einzig und allein der Schüler maßgebend. Was nützen den Schüler z B. alle landwirtschaftlichen Raturkenntnisse und »ertenntniffe, wenn sie nicht in enger Beziehung zu seinem Berus stehen, oder systematisch gebracht werden. In keiner anderen Berufsschulgattung will man auch auf halbem Weg stehen bleiben. Darum auch in der landwirtschaftlichen Fortbildungsschule Fachwissen in bestimmten, oben näher bezeichneten Grenzen. Aber noch aus dem Grunde ist Landwirtsschaftskunde notwendig, weil leider heute noch für etwa 91 Prozent aller landwirtschaftlichen Schüler die Fortbildungsschule den Abschluß ihrer Schul- und Lernzeit dar stell t. Richt soll damit gesagt werden, um es noch besonders zu betonen, daß die landwirtschaftliche Fortbildungsschule die landwirtschaftliche Schule verdrängen oder ersetzen soll. Das Gegenteil ist richtig. Jedem Schüler sollte der Besuch der landwirtschaftlichen Schule evtl. durch öffentliche Mittel ermöglicht werden. Aber auch dann ist nach dem Urteil vieler Sachverstänölgen Landwirtschaftskunde in der Fortbildungsschule als Grundlage und Vorbereitung für den Anterricht in der Landwirtschaftlichen Schule erforderlich. Auch hier könnten dann die Anterrichtsergebnisse noch wesentlich gesteigert werden. Zusammenfassend kann also über das Ziel des landwirtschaftlichen Anterrichts in der Fortbildungsschule gesagt werden: daß man in erster Linie alle Grundlagen des landwirtschaftlichen Lebens nach wissenschaftlichen Methoden in eingehender Behandlung zu völliger Klarheit zu bringen versuchen muß. Grundsätzlich muß noch betont werden, daß die völlige Klärung aller richtunggebenden berufskundlichen Fragen nach ihrer geologischen, biologischen, physiologischen und chemischen Seite hin, möglichst durch praktische Versuche und Anterweisungen in der Ratur, erfolgen sollen. Daher ist besonderes Gewicht auf Bodenuntersuchungen, Düngungs- und Vegeta- tionsversuche, tierische und pflanzliche Schädlingsbekämpfung usw. zu legen. Ein solcher landwirtschaftlicher Anterricht in der Fortbildungsschule wird den Schüler an scharfe Beobachtung und an klares Denken gewöhnen. Er gibt ihm die Heber- zeugung von der Bedeutung des landwirtschaftlichen Fachwissens, wird ihn zudem in der praktischen Anwendung des im Unterricht Erarbeiteten üben, und der Einfluß auf den praktischen Betrieb der Landwirte wird zweifellos zunehmen. Der so geschulte Iungbauer wird als späterer praktischer Landwirt den fachwissenschaftlichen Lehren der Landwirtschaft nicht mehr hilflos gegenüberstehen. Die Unsicherheit in der Anwendung von Kunstdünger, die Verständnislosigkeit gegenüber einer modernen Bodenbearbeitung, die Gleichgültigkeit gegenüber der Verwendung von hochgezüchtetem Saatgut und besonders die Richtanwendung der Schädlingsbekämpfungsmittel und noch andere Uebelstände sollen und werden unbedingt verschwinden. Allerdings sind noch eine Reihe von Voraussetzungen zu erfüllen, bevor der Fortbildungsschullehrer in dieser Art mit Erfolg Landwirtschaftskunde betreiben kann. So geht aus dem oben Gesagten mit aller Deutlichkeit hervor, daß ein solcher Unterricht nur von psychisch geeigneten und besonders vorgebildeten hauptamtlichen Lehrkräften erteilt werden kann. Don weiteren Ausführungen über die Lehrerpersönlichkeit, besonders auch über seine Vor- und Ausbildung, sowohl nach der praktischen, als der theoretischen Seite hin, soll hier aus ganz bestimmten Gründen abgesehen werden. Rur soviel sei noch gesagt, daß hier, mehr als bei jeder anderen Schulgattung, die landwirtschaftliche Fortbildungsschule mit der Lehrerpersönlichkeit steht oder fällt. Zur erfolgreichen Durchführung des landwirtschaftlichen Unterrichts gehört neben dieser wichtigen Frage von überaus weittragender Bedeutung aber die Erfüllung noch anderer grundsätzlicher Fragen. Sie sollen im Folgenden noch kurz skizziert werden. Vor allem muß eine noch schärfere Trennung nach Berufen, mehr als wie es jetzt schon geschieht, durchgeführt werden. Aus der ländlichen muh eine landwirtschaftliche Fortbildungsschule werden. Die Schüler anderer Berufe erschweren durch ihr oft mangelndes Interesse den landwirtschaftlichen Unterricht, weil sie nicht das notwendige Mindestmaß von gleichem Denken, Fühlen und Wollen haben. Weiterhin dürfen die Klassen aus bekannten Gründen auch nicht zu klein sein. Klassenstärken von 20 bis 30 Schüler gewährleisten in der Regel das erfolgreichste Arbeiten. In den meisten Fällen wird man daher zur Bildung von sog. Landwirtschaftlichen Bezirks-Fortbildungsschulen schreiten müssen, d. h. die Schüler mehrerer Orte werden an einem zentral gelegenen Orte zusammengefaht. Dann fallen auch die finanziellen Bedenken wegen Anstellung hauptamtlicher Lehrkräfte fort, da eine einfache Rechnung den geringeren Kostenpunkt dieses Unterrichts gegenüber dem seitherigen nebenamtlichen Unterricht ohne weiteres beweist. Staat und Gemeinden würden also außer den oben gekennzeichneten volkswirtschaftlichen auch noch geldliche Vorteile erwachsen. Durch Einrichtung der Bezirksfortbildungsschulen könnte man dann auch der anderen noch zu lösenden Schwierigkeiten mit Leichtigkeit Herr werden, als da sind: genügende Lehrmittel, zweckentsprechendesAnschau- ungsmaterial, Modelle, Apparate und Chemikalien zu Lehrer- und Schülerversuchen, Lehrgräsergarten, Versuchsfeld, landwirtschaftliche Fachzeitschriften usw., um auch hier nur das Wichtigste zu nennen. Damit sei im wesentlichen die Rotwendigkeit und die Voraussetzungen für die Erteilung von L a n d w i r t s ch a f t s k u n d e in der Landwirtschaftlichen Fortbildungsschule dargestellt. Selbstverständlich konnte dieses Problem als Mittel zur beruflichen Ertüchtigung der Jungbauern, da es so weitschichtig und vielseitig ist, im Rahmen dieses Aufsatzes unmöglich erschöpfend behandelt werden. Aber es konnte und sollte gezeigt werden, welche Ausgaben sich die neue landwirtschaftliche Fortbildungsschule gestellt hat und wie diese zu erreichen sucht. Qln der Landwirtschaft selber liegt es nun, die Anfänge dieser, ihrer landwirtschaftlichen Fortbildungsschule vor allem durch Bejahung einer guten und gründlichen Berufsausbildung zu dem werden zu lassen, was sie sein soll, nämlich das Mittel einer erziehlichen Beeinflussung und beruflichen Vor- und Fortbildung der breiten Masse unserer 3ungbauem. Oberheffen. Landkreis Gießen. V Mainzlar, 20.3uli. Gestern fand bei guter Beteiligung ein Rundgang durch d i e Gemarkung in Anwesenheit des Landwirtschafts-Direktors Trautmann, Grünberg, statt. Cs wurden sämtliche Felder besichtigt und an Ort und Stelle über Düngungsfragen, sowie Schädlingsbekämpfung in eingehender Weise referiert. Rach Schluß des Rundganges, der fast den ganzen Rachmittag in Anspruch nahm, wurde noch eine Besichtigung des in der feuchtesten Lage gelegenen Wiesengeländes vorgenommen. Rach Ausführungen von Direktor Trautmann wäre eine Trockenlegung' zum Teil wohl möglich, aber diese Maßnahme mit gan- erheblichen Kosten verknüpft. Der vor unserer Feldbereinigung durch dieses Gelände fließende sog. „Erlgraben" mit seinen vielen Quellen wurde bei der Bereinigung unbegreiflicherweise einfach zugeschüttet. + Londorf, 21. Juli. Zum dritten Male tritt der ländliche Reit- und Fahroerein Rabenau mit einem Reit- und Fahr- Wettbewerb vor die Oeffentlichkeit, und zwar am 27. und 28. Juli in Londorf. Die Veranstaltung steht unter der Oberleitung des Rittmeisters a. D. Freiherrn Roeder v. Diersburg. Am (Samstagabend findet eine Begrüßungsfeier und am Sonntagabend die Preisoerteilung und Reiterabend statt. Die Reit- und Fahroeranstaltungen werden am Sonntagnachmittag auf dem herrlich gelegenen Reitplatz abgehalten. In diesem Jahre wird zum ersten Male auch den Fahrern in ausgedehntem Maße Rechnung getragen und man darf auf eine verstärkte Beteiligung hierbei rechnen, da durch die Achenbach-Fahrkurse eine große Zahl ausgebildeter Fahrer in den Vereinen vorhanden ist. U. a. sind folgende Vorführungen geplant: eine historische Reiterquadrille, geritten von acht ehemaligen Ka- valleristen, Vielseitigkeitsprüfung im Gelanderitt, Reiterprüfung in Klasse A und Fahren mit Kutsch, wagen, Abteilungsvorreiten. Dazu sind neun Abteilungen gemeldet: Wero-ertshausen-Rüddingshau- sen, Geilshausen, Weitershain, Großen-Buseck, Lich, Büßfeld, Wettertal, Grünberg und Nieder-Ohmen. Ferner gibt es ein Hindernisrennen, sowie ein Glücksjagdspringen, bei dem jeder so lange springt, bis er einen Fehler macht, Schauvorfahren ländlicher Gespanne im Kutschwagen, Schaufahren eines Warmblut-Viererzuges in Landanspannung, ebenso eines Kaltblut-Viererzuges im Defonomie« wagen, sowie Eignungsprüfung für Arbeitsge- spanne im Oekonomiewagen. Lich, 22.3uli. Die Anmeldungen für alle Diehgattungen zum Licher Sommermarkt am Mittwoch, 2 4. 3uli, haben sich in den letzten Tagen derart erhöht, daß der Markt zu einem bedeutenden Ereignis der Stadt Lich zu werden verspricht. Bei der vom Landwirtschaftskammer-Ausschuß veranstalteten Versteigerung von Bullen, Ebern und Schafböcken gelangen hochwertige Zuchttiere zum Verkauf. Auf die heutige Anzeige sei besonders hingewiesen. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 21. 3uli. Gestern abend geriet auf dem Bahnhof Griedel ein Mann unter die Lokomotive des nach Bad-Rauheim fahrenden Zuges, wobei er sehr schwer verletzt wurde. Der dort kreuzende und nach Butzbach fahrende Zug nahm den Verletzten mit, von wo er in das 3ohanniterhospital in Rieder- Weisel verbracht wurde, wo er einer Operation unterzogen werden mußte. Rach Angaben von Augenzeugen soll der Verunglückte absichtlich vor der absahrendenLokomotive das Gleis betreten haben, um sich vermutlich das Leben zu nehmen. Der Verletzte soll in Mainz beheimatet sein. Er dürfte schwerlich mit dem Leben davonkommen. Kreis Büdingen. ch Ortenberg, 21. Juli. Wie erinnerlich, wurde im 3ahre 1922 der Förster Maul auS Wenings in seinem Revier erschossen aufgefunden. Der Mord rief damals große Aufregung in der Bevölkerung hervor, es gelang aber nicht, des Mörders habhaft zu werden. Run hat der berüchtigte Wilderer Carl Klipper aus Ober-Seemen, der am 25. 3uni bei Gelnhausen von einem Förster, der ihn wildernd antraf, angeschossen wurde, auf seinem Sterbebette gestanden, den Förster Maul im 3ahre 1922 erschossen zu haben, als er von ihm beim 3agdfrevel überrascht wurde. BHD AUTOOEL SHELL AUTOOELE AUSIUWÄH LEN NACH DEM SHELL-FÜHRER Ftie OIE SCHMIERUNG VON KRAFTFAHRZEUGEN SHELL-FÜHRER IKIlWii I» «9 SHELL AUTOOELE atts dem plomWerten. SHELL KABINETT der imodernen Celpumpe j 'S 3 O. ■e E r o <® e b’ ’o »t c B c aS. E i v a ‘•ä'k* e Jiehs j» *> * t «iS! ..-2 °co ä SSt V ... *3 e-L 4- o tic = ^ I. tce,B * £ E 3 v