Samstag, 22. Zunr (929 119. Jahrgang Nr. H4 Erstes Blatt M Geueidemonopol vorläufig abgelehnt Oesterreich mit einer solchen Regelung keine be- fcste Absicht hat, unbedingt zu einer befriedigenden ren Beratungen doch zu dem Entschluß gekommen kündigen. Wie wir erfahren, ist allerdings ein in die Luft. es nicht auf die diesjährige Ernte auswirken kann, wird man für dieses Jahr zu einem Interim greifen müssen, das an und für sich ganz gut in den sog. gleitenden Zöllen gefunden werden könnte. Wenn dabei behauptet wird, daß die Kündigung des Schweden-Vertrages auf den Reichspräsidenten zurückzuführen sei, der auf eine s o f o r - all diese Pläne ja schon seit langem im Wittelpunkt der Erörterungen stehen, und daß man erst dann die endgültigen Entscheide fällen kann, wenn die derzeitigen Verhandlungen im Sachverständigenausschuh, die, da die Verhandlungen von Staatssekretär Heukamp mit der Stockholmer Regierung ergebnislos verlaufen find, ja jetzt einer klaren Situation gegenüberstehen. zwischen vom Reichstag sein ganzes Finanzprogramm zusammengestrichen wurde, ohne daß er dagegen gemuckt hätte. Erinnern wir uns endlich, daß er auch jetzt nur immer in schönen Worten von der kommenden Fmanz- reform spricht, aber auch im kleinsten Kreise nicht andeuten will, wie er sich diese Reform vorstellt — offenbar aus Angst vor dem Widerstand in seiner eigenen Partei —, dann ergibt sich aus diesen wenigen Einzelheiten schon das Bild eines Finanzministers, wie er nicht sein soll. Sein Kollege und Parteigenosse W i s s e l l dagegen kämpft wie ein Löwe gegen die Umorganisation der Arbeitslosenversicherung. Er hat sich noch vor wenigen Wochen verpflichtet, ein Sofort-Programm, das wenigstens die dringendsten Reformen enthält, vor der Sommerpause im Reichstag durchzubringen, hat aber schleunigst vor seiner Fraktion kapituliert, weil sie trotz der Notlage der Wirtschaft eine Erhöhung der Beiträge der Arbeitslosenversicherung verlangte. Und zuguterletzt hat die ganze Fraktion sich bei dem Wehretat die Extratour geleistet, daß sie nicht allein für das Wahlrecht der Reichswehrsoldaten, sondern auch für den kommunistischen Antrag auf Streichung des Panzerkreuzers stimmten, im Vertrauen darauf, daß die Deutfchnationalen schon die erforderliche Mehrheit würden schaffen helfen. Und das, nachdem im Ausschuß die Sozialdemokraten eine Ablehnung des Kreuzers dadurch verhindert hatten, daß im ent- tige Behebung der Not der Landwirtschaft dränge, so muh demgegenüber doch festgestellt werden, dah scheidenden Augenblick einige ihrer Mitglieder der Abstimmung fernblieben. Das find alles Dinge, die sich mit Koalitionstreue und Koalitions- difziplin schlechterdings nicht mehr in Einklang bringen lassen. Kein Wunder, wenn deshalb eine starke Koalitionsmüdigkeit im Reichstag herrscht. Sie wird jetzt noch nicht zum Ausbruch kommen. Aber wenn die Entscheidung über den Young-Plan, über das Finanzprogramm und jetzt auch über die Arbeitlosenversicherung fallen muß, läßt sich mit Kompromissen nicht mehr arbeiten. Dann muß das Kabinett Müller fein Gesellenstück ablegen, und wenn es damit nicht zustande kommt, fliegt sen wieder gestrichen werden könnte. Damit würde man der vorn Reichsernährungsminister vor- Keine Einigung im Sachverständigenausschuß. - Aus der Suche nach anderen Möglichkeiten. - Gleitende Zölle. - Kündigung des Schwedenvertrags. sonders günstigen Erfahrungen machte. Der Ausschuß wird deshalb naturgemäß auch noch a n - de re Pläne ins Auge fassen müssen, wobei er die endgültiger Entscheid noch nicht gefallen. Da die Kündigung des Schweden-Vertrages sich aber noch Lösung zu kommen. In diesem Zusammenhang gewinnt die Nachricht geschlagenen Preisausgleichsgebühr näherkommen. Allerdings darf man nicht vergessen, dah sein soll, den Schweden - Vertrag am ZI. Juli für den 31. Dezember dieses Jahres zu Berlin, 22. Juni. (VDZ.) Der Sachverständigenausschuh der Regierung für das landwirtschaftliche Notprogramm hatte in der vergangenen Nacht nach langen Debatten den Vorschlag eines Reichsgetreidemonopols zunächst mit 6 gegen 5 Stimmen abgelefjnt. Die Beratungen über die Frage der Getreidepreisbildung werden jedoch heule nachmittag fortgesetzt. Das negative Ergebnis der nächtlichen Sitzung ist im wesentlichen darauf zurückzusühren, dah sich auch die für ein Wonopol eintretenden Sozialdemokraten und Deutschnationalen nicht über ben Preis einigen konnten, der durch das Wonopol stabilisiert werden oll. Die Agrarvertreter verlangten einen Preis von 27 Wart für den Doppelzentner Weizen statt bisher 21,5 Wark, während die Sozialdemokraten nur einem solchem von 25 Wark zustimmen woll- fen. Die vorläufige Dauer des Wonopols spielte dagegen eine untergeordnete Rolle. Den Ausschlag für eine Ablehnung des Wonopols gaben die Differenzen über die Zusammensetzung des Reichsgetreiderates. heute nachmittag soll eine Verständigung über die Preisfrage versucht werden, wenn das gelingt, würde zu erörtern sein, auf welchem Wege — durch ein Wonopol oder auf andere weise — die Preis st abillsierung erreicht werden soll. U. a. soll dabei auch der Gedanke bestehen, eine Behebung der Notlage der Landwirtschaft durch die Einführung von sog. gleitenden Zöllen, ähnlich wie -es in Oesterreich versucht worden ist, herbeizuführen. Nach dieser Regelung würde bei einem Tiefstand des Getreidepreises ein Zollaufschlag erhoben, der bei angemessenen Prel- B er l in, 21. Juni. (TD 23.) Unter der Leitung des Reichsauhenministers, der anstelle des erkrankten Reichskanzlers den Vorsitz führte, sand heute vormittag eine Kabinettssihung statt. In ihr berichtete der Reichsaußenminister über die Tagung des Völkerbundsrates in Wadrid und über die dort und in Paris geführten politischen Besprechungen. 3m An- schluh an diese Aussprache nahm das Kabinett Stellung zu dem Bericht des Sachverständi- genausfchufses vom 7. Juni dieses Jahres. Als Ergebnis dieser Beratungen sahte das Reichskabinett folgenden Beschluß: Die Reichsregierung ist bereit, den am 7. Juni d. I. in Paris von den Sachverständigen unterzeichneten Plan für die Lösung des Reparationsproblems als Grundlage für die Konferenz der Regierungen anzunehmen. In notwendigem Zusammenhang hiermit ist gleichzeitig die Liquidation der noch schwebenden Verpflichtungen aus dem Weltkrieg herbeizuführen. (fine Friedenskundgebung des Weltbundes der Frauen. Berlin, 21. 3uni. (WTB.) Heute abend veranstaltete der Weltbund für Frauenstimmrecht und staatsbürgerliche Frauenarbeit in den Festsälen bei Kroll eine Kundgebung für den Weltfrieden und den Völkerbundsgedanken. Cs sprachen Graf Bernstorfs, Reichsminister Dr. Wirth, die Vertreterin des Völkerbundes Rachel Crowdy (Großbritannien), Frau Dr. Bakker van Bosse (Holland), Fräulein Gourd (Schweiz), Frau Dr. Gertrud Bäumer, M. d. R. Eine andere Kundgebung vermittelte der großen Oeffentlichkeit in der Hauptsache die Ergebnisse und Entschließungen des Sonderausschusses für Frieden und Völkerbund an Bcöeutung, nach bet bas Kabinett nach länge- Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re> Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20u/o mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Stil weitergehen. Aber statt besser ist es eigentlich schlimmer geworden. Wir sehen ganz davon ab, daß Herr Dr. Hilferding, dessen Unfähigkeit zum Finanzminister sich eigentlich schon 1923 schlagend erwiesen hatte, inzwischen neue Proben seiner mangelnden Qualitäten erbracht hat, die eigentlich längst hätten genügen sollen, auf seine Mitwirkung an leitender Stelle zu verzichten. Denn die Steuersenkung war ja nur einer seiver Fehlgriffe. Erinnern wir uns, daß er Wochen und Monate verlor, weil er nut seinem Finanzprogramm nicht fertig wurde und darüber den Etat viel zu spät vorlegte. Erinnern wir uns, daß er mindestens schon seit dem Januar wissen mußte, welche ungeheuren Summen die Arbeitslosenversicherung aus der Reichskasse sog, daß er aber dazu schwieg und die Gefahr eines finanziellen Zusammnbruchs gerade in dem Augenblick heraufbeschwor, wo während der Pariser Verhandlungen die Unerschütterlichkeit unseres Finanzsystems den Franzosen hätte vor Augen geführt werden müssen. Durch dieses Versagen ist der auch der Mißerfolg der deutschen Sachverständigen nicht unwesentlich beeinflußt piorden. Erinnern wir uns weiter, daß ihm in- Auch ein Jubiläum. In der kommenden Woche jährt sich der Tag der Gründung des Kabinetts Mül- ler-Strefemann, sicherlich kein Anlaß zu Festartikeln; dazu sind die Ereignisse des vergangenen Jahres nicht angetan. Aber doch ein Grund, zurückzublicken und den Punkt, zu bestimmen, auf dem wir im Augenblick stehen. Hermann Müller hat es damals gewiß nicht leicht gehabt, fein Kabinett zustande zu bringen. Das war zum guten Teil feine Schuld, weil er nach einem kurzen energischen Anlauf allzubald die Zügel schleppen ließ und sich auf Verhandlungen mit den Fraktionen einließ, die im Gegensatz zu dem klaren Wortlaut der Reichsverfassung bisher stets die Bewegungsfreiheit des Kanzlers eingeengt haben. Zum Teil aber auch, weil bei den bürgerlichen Parteien, vornehmlich der Volkspartei, nach den traurigen Erfahrungen aus dem Jahre 1923 berechtigtes Mißtrauen bestand, ob mit den Sozialdemokraten überhaupt praktische Arbeit in der Regierung zu leisten sei. Aus endlosen Verhandlungen entstand schließlich ein Notbehelf, ein Kabinett, in dem das Zentrum nur durch einen Verbindungsoffizier vertreten war, der später wieder zurückgezogen wurde, bis es schließlich doch in einer Stärke von drei Mann in das Kabinett zurückkehrte. Das unerfreuliche Zwischenspiel, das ja auch durch die Verbindung nach Preußen hin noch kompliziert wurde/ist nicht abgeschlossen. Es hat — das muh doch gesagt werden — nicht gerade dazu beigetragen, die Freude an der Koalitionsarbeit zu erhöhen, das Mißtrauen gerade bei der Nolkspartei ist gestiegen, und der einzige Grund, weshalb das Kabinett bisher nicht aufgeflogen ist, wäre wohl darin zu suchen, daß die Kombination von der Volkspartei über das Zentrum, die Bayern und die Demokraten bis zu den Sozialdemokraten die einzig mögliche Mehrheitsbildung in diesem Reichstag bedeutet. Aber schließlich, die Voraussetzung für eine solche Koalition ist ja nicht Liebe, sondern das Pflichtgefühl dem Staate gegenüber. Und wenn sich im Rahmen einer derartigen Regierung das herausholen läßt, was jede Partei ohne Opfer ihrer Ueberzeugung für gerade noch tragbar hält, dann hat auch diese Zweckge- meinfchaft ihre innere Berechtigung. Aber gerade damit sieht es recht trübe aus. Die Sozialdemokraten haben sich ein Voraus zu verschaffen gewußt, indem sie unter der Verantwortung ihres Genossen Hilferding eine Steuersenkung für die niedrigsten Einkommen vornahmen, die für den einzelnen Steuerzahler nur sehr wenig bedeutete, das Reich aber rund hundertfünfzig Millionen kosteten und dadurch den letzten Anlaß zu den bestehenden Kafsenschwierigkeiten gaben. Wie denn überhaupt die Taktik der Sozialdemokraten darauf angelegt war, die Politik des doppelt en Bodens fortzuführen, die sie feit der Revolution betrieben haben: daß sie nach außen hin ihre Opposition fortsetzen und dadurch ihre Wählermassen beisammen halten, gleichzeitig aber die Vorteile der Regierungsmaschine für sich beanspruchen und möglichst stark im Kabinett vertreten sein wollen. Die bürgerlichen Parteien haben diesem Spiel gegenüber eine erstaunliche Langmut bewiesen. Sie haben sich mit Recht gesagt, daß die Sozialdemokratie eine Uebergangszeit ' braucht, um sich in die neuen Verhältnisse hin- einzufinden, daß man also nicht alles auf einmal von ihr verlangen kann. Aber allmählich brennt nun doch das Feuer auf den Nägeln, auf die Dauer kann es nicht in diesem die Konzentration der Opposition folgen, Forderungen aus dem eigenen Lager, bis schließlich die dritte und entscheidende Phase erreicht sein wird: Entweder die Forderung nach Rechenschaftslegung vor dem Vollzugsrat (bei ungünstiger Entwicklung der innenpolitischen Fragen) oder die Aufnahme der liberalen Forderung auf Wahlrechtsreform. Es ist -heute noch unsicher, wann und in welcher Form sich die Regierung mit dieser Lage auseinanderzusehen. haben wird, aber ziemlich gewiß ist, dah Anfang * nächsten Jahres die -Zeit beginnt, zu der sie auch de facto wieder zur Minderheitsregierung mit allen ihren Beschränkungen und Gefahren herabsinken wird. Diese Stellung der arbeiterparteilichen Regierung muh man sich vergegenwärtigen, um namentlich auch einen richtigen Mahstab für ihre außenpolitische Aktivität zu erhalten. Hier ist das englisch-amerikanische Verhältnis von alles überragender Bedeutung. Die ersten Ansätze für den Ausgleich, die bereits auf die Regierung Baldwin zurückgingen, sind günstig und vielversprechend. Aber im weiteren Verlauf der Dinge werden die Admiralstäbe auch ein Wort mitzureden haben. Seit dem noch in frischer Erinnerung stehenden Genfer Fehlschlag des Jahres 1928 hat sich auf englischer Seite manches geändert, die Anhänger der Verständigung mit Amerika sind stärker, ihre Argumente überzeugender geworden. Flotteneinigung Das Reichskabinett zum Aoung-plan. i JÄÄ. , , , . _ r «.• Großbritanniens ist mit so großen Hoffnungen Das pariser Sachverständigengutachten als Beryandlungsgrunolage für Die empfangen worden, daß die Enttäuschungen mcht Konferenz der Negierungen angenommen. V1“' - , die schärfste Verurteilung der Politik der äln- Reichsauhenrninisier Dr. Stresernann hatte tätigfeit Baldwins dar; ob es gleichzeitig eine am Freitagabend eine Besprechung mit den F ü h - Billigung der starken Aktivität 'm Sinne der tern bet Regierungsparteien, in bet neuen ■Regierung toat, wirb erst die Zukunft bie Züfpofitionen für bie am Samstag beginnest lXSt'rMniät?gOtei?Uäu ftätlster Mtiuftä ° eine Aussprache jum Stal bes Auswartl- ungewöhnliche Lage gefchaften mit allen Tot- gen Amts festgelegt wurden. Danach wird ^ilen auf feiten der neuen Regierung. Ihren Reichssinanzminister Dr. hilferding das Wort Gegnern sind vorläufig die Hände gebunden, nehmen zum Kriegslastenetat, hiernach ist beabsich- Macdonaldhat seine Regierung so zusammen- kigt zunächst die Vertreter der Opposition zu gestellt, dah personelle Einweichungen fast un- Lich»in?ster^' 5t"fem^^mi^ÄÄ gleichzeitig die notwendigen Ausführungen zu seinem Ä Ha7sogar Etat machen. Ein näheres Eingehen aus gIei(^ beginn eine deutliche Konzession an die die Reparationssrage soll nach Möglichkeit bürgerliche Seite gemacht und sein Kabinett ganz v e r m i e d e n werden. Auch die Regierungsparteien, Gegensatz zu den Satzungen seiner eigenen die dann das Wort nehmen, wollen sich in dieser Partei, in voller Unabhängigkeit, ohne 'Trage Zurückhaltung auferlegen. Am Wontagabend Zustimmung und ohne Befragung des Vollzugs- foll die Aussprache zu Ende geführt werden. Die rates gebt (bet Der Sozialist Ramsah Mac- Regierungsparteien ^nen An- ^^her^des Persönlichkeitswertes und als Ver- trag einbringen, wonach der Reichstag den Be- ^xxxtr des Parteidiktates. Seine Autorität ist schluh derReichsregierung zurkennt- vorläufig stark genug, um sich für eine Weile in nis nimmt. I dieser auch von der eigenen Partei stark unab- ---------- I hängigen Stellung erhalten zu können. Aber was ihm persönlich möglich fein wird, ist nicht auch für die Regierung als ganzes der Fall. Sie verkörpert eine Gruppe solider und zuverlässiger Männer, gegen die im einzelnen nichts eingetoanbt wird und von denen mehrere überall sehr großes Ansehen genießen, aber keiner von ihnen hat in einem auch nur ähnlichen Ausmaß wie Macdonald die innere Unabhängigkeit von parteimäßigen Gebundenheiten. Die Regierung wird getragen von den Führerqualitäten Macdonalds, dessen Stellung in England lange nicht mehr die des Führers der sozialistischen Arbeiterpartei ist, sondern die eines Politikers von bedeutendem Format, der sich von jenen sozialistischen Schlacken befreit hat, die überall Anstoh erregen. Daraus erklärt sich die günstige Aufnahme der Regierung, die soviel persönliches Ansehen genießt, wie nur irgendeine bürgerliche Regierung. Vorläufig ist diese Regierung daher nicht sozialistisch, sondern ein starkes Kabinett der Linken, dem Konservative und Liberale abwartend gegenüberstehen. Obwohl im Parlament in einer Minderheit, ist das Kabinett ganz ungefährdet. Die Konservativen werden zunächst auch gar keine Gelegenheit zur aktivem Opposition finden. Sie find für eine Tleber- gangszeit nichts anderes als aufmerksame Wächter und stille Mahner, alle sozialistischen Experimente zu unterlassen. Geschieht das, dann werden sie so etwas ähnliches wie freundschaftliche Opposition treiben; ihre Haltung ist der Regierung sogar günstiger als die der Liberalen, deren Bitterkeit Lloyd George beredten Ausdruck gab. Aber auch sie vermögen zunächst nichts gegen die Regierung zu unternehmen, wenn sie nicht ihre eigene Vernichtung beschleunigen wollen. Eine Gefahr für die nächste Zukunft droht der Regierung daher nicht von beiden Oppositionsparteien, sondern aus dem eigenen Lager heraus. Die Anhänger des Gedankens „Sozialismus in unserer Zeit" sind vorläufig machtlos; aber sie können sich immerhin darauf berufen, dah sie im Wahlkampf bedeutende Erfolge errangen (von 43 Bergarbeiterkandidaten sind 43 gewählt worden) und sie werden auf längere Sicht gar nicht dazu imstande sein, auf alle sozialisti- | schen Forderungen zu verzichten. Die Behandlung der Forderungen der Bergarbeiter wird bereits ein Prüfstein für die kommende innere Auseinandersetzung sein. Die Aktivität dieses linken Flügels wird zeitlich zusammenfallen mit dem Ende der gegenwärtigen Lethargie der bürgerlichen Opposition; denn der Kampf wird beginnen. Die Stellung der Regierung wird sich daher ohne ihr eigenes Zutun im Laufe der Zeit wesentlich ändern. Einer völlig ungefährdeten Uebergangszeit, die man wahrscheinlich mit mindestens sechs Monate ansetzen darf, wird Erscheint täglich,außer Ä (Mener Anzeiger lohn, auch bei Richter- wW scheinen einzelnerRummem • General-Anzeiger für Oberhessen richten: Anzeiger Gießen. v w 1 $ranihKtamCmoin<>ii6S6. Druck und Verlag: vrühl'fche llniverfitätr-vuch- und Stelndruckerei K Lange in «letzen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. imb Seerecht werden gewiß eine entscheidende Rolle für die geplante Zusammenarbeit spielen, aber daneben bleiben andere wichtige Fragen zu klären: Eine Einigung über die Stellung beider Länder in Südamerika, in China und das englische Verhältnis zu Japan. Alles Fragen von entscheidender Bedeutung für die Stellung Großbritanniens, so daß die Verwirklichung des an sich verlockenden Gedankens einer Art englische amerikanischen Bundes mit seiner einzig dastehenden Stoßkraft auf allen Gebieten doch noch recht ernste Hindernisse bieten wird. Aus diesen Verhandlungen werden der Regierung aber jedenfalls keine innerpolitischen Schwierigkeiten erwachsen. Anders liegen die Dinge schon m der Frage der Wiederaufnahme der diplomatischen Deziehungen zu Moskau. Die Regierung kann zwar in diesem Fall bestimmt auf die liberalen Stimmen und vielleicht Stimmenthaltung eines kleinen Teils der Konservativen rechnen. 3m arbeiterparteilichen wie liberalen Wahlprogramm hat ja gerade dieser Punkt eine sehr große Rolle gespielt. Aber Macdonald und auch sein Außenminister Henderson mit seinen großen Erfahrungen innerhalb der Bewegung der Zweiten Internationale werden sich darüber klar sein, daß ihnen die Dritte Internationale vielleicht noch einmal, wie schon 1924, g e f ä h r l i ch w e r - den kann. Moskau scheint ebenso unbelehrbar wie unberechenbar zu sein, die wüsten Ausfälle gegen eine Regierung, die sich anschickt, die Beziehungen mit ihm wieder aufzunehmen, toären sonst unverständlich. Dabei könnte eine englisch- amerikanische Verständigung auch über die Haltung gegenüber Rußland für die Sowjetrcgierung eine Frage auf Leben und Tod bedeuten, je nachdem sie es vorzieht, sich mit dem angelsächsischen Kapital zu verständigen, oder die Theorie der Weltrevolution in englischen Interessensphären weiter auszuprobieren. Das ist um so bedeutsamer, als unter den Fragen der inneren Weltreichspolitik. mit denen sich die Regierung aus- einanderzusetzcn haben wird, die R e u o r d- nung der Stellung Indiens zu Großbritannien die weitaus bedeutendste, aber auch gefährlichste ist. Die Befürworter der vollen Unabhängigkeit Indiens auf dem linken arbei- terparteilichrn Flügel und die Swarajisten in Indien werden Macdonald ohnehin Schwierigkeiten genug machen, mehr vielleicht als er zu meistern vermag. Wenn Moskau sich noch berufen fühlen sollte, als Vorkämpfer dieser Freiheitsbestrebungen aufzutreten, dann wäre das Schicksal der Regierung Macdonalds besiegelt. Die günstige Erledigung der amerikanischen oder russischen Frage mußte von erheblichem Einfluß auf die allgemein weltpolitische Entwicklung sein. Aber es ist nicht ohne weiteres sicher, bis zu welchem Grade sie die D e u t s ch l a n d berührenden Fragen direkt beeinflussen werden. Reben der Behandlung der weltpolitischen Ziele wird es daher besonderer Anstrengungen kontinentalpolitischer Art bedürfen, wenn die englische Regierung wesentliche außenpolitische Erfolge erzielen will. 2n dieser Hinsicht ist die Lage leider weniger klar als in der amerikanischen oder auch russischen Frage. Es ist zwar durchaus verständlich, daß Macdonald in den wenigen Tagen seiner Amtszeit noch keine Zeit fand, auch in der Minderheitenfrage zu intervenieren und die Rheinlandräumung ernsthaft aufzufassen — abgesehen von dem bekannten, politisch bedeutungslosen Trick-Artikel, der verspätet veröffentlicht wurde. Theoretisch ist zu beiden Punkten die Stellung der Regierung Deutschland günstig, praktisch wird es aber in diesen bisher von Frankreich vollkommen beherrschten Dingen nicht an Verwicklungen fehlen. Macdonald will die englisch-deutschen wie die französisch-deutschen Beziehungen verbessern, ohne gleichzeitig die englisch-französischen Beziehungen zu verschlechtern. Er ist theoretisch für die bedingungslose und sofortige Rheinlandräumung, für die Verminderung der Landarmeen und gegen die französische Reservisten-These, er ist, mit einem Wort, so ziemlich in allen Punkten gegen die französische Militär-, Macht- und Bündnispolitik. Es wird sich aber erst zeigen müssen, wieviel der Ministerpräsident Macdonald von den Idealen des Oppositionsführers Macdonald zu verwirklichen vermag. Paris wird ihm diese Aufgabe nicht sehr leicht machen, ganz gewiß dann nicht, wenn es überzeugt ist, daß auch die zweite Regierung Macdonald nur ein Gastspiel von kurzer Dauer sein wird. Vorläufig ist die englische Regierung in Paris durch Tyr ell als Botschafter vertreten, der sich leicht als gefährlicher Gegenspieler für den Außenminister Henderson erweisen kann. Diese Schwierigkeiten finden zunächst einen gewissen Ausgleich durch die mit der Pariser Einigung akut gewordene Rheinlandräumung, die der englischen Regierung eine wertvolle Geste durch Zurückziehung ihrer Truppen, sei es mit den französischen und belgischen, sei es ohne sie, in die Hand gibt. Deutschland wird eine solche Geste zu schätzen wissen und auch dafür Verständnis haben, daß nach dem durch eine Ironie der Weltgeschichte mit einem halben Nobelfriedenspreis ausgezeichneten frankophilen Chamberlain nicht sofort eine völlige Umkehr der englischen Außenpolitik erwartet werden kann. Aber Ramsay Macdonald wird auf der anderen Seite nicht erwarten können — und wir hoffen auch nicht erwarten wollen —, daß Deutschland ständig die Brosamen der ausgestoßenen Ration ißt und im übrigen von den Idealen lebt, die seine Rachbarn ringsum mit Füßen treten. Er wird erwarten können, daß die deutsche Außenpolitik seine Bemühungen nicht durch einen Übertriebenen Druck auf Erfolge auf allen Gebieten stört, nachdem man die hohlen Friedensversicherungen des konservativen Außenministers Chamberlain viereinhalb Jahre lang für bare Münze nahm: er wird gleichzeitig aber auch verstchen, daß auf längere Sicht eine deutsche Außenvolitik, die durch Zugeständnisse bis zum Weißbluten bisher auf keinem Gebiet etwas Entscheidendes erreichen konnte, selbst für ein entwaffnetes und so langmütiges Volk wie das deutsche nicht der Weisheit letzter Schluß fein kann. Leon Blum fordert die Rheinlandräumung. 3m wohlerwogenen Interesse Frankreichs. Paris, 21.Juni. (WTD.) 3m „Populaire" fordert der sozialistische Abgeordnete L L o n Blum unverzügliche Rheinlandräumung. Sr schreibt: Welchen wirklichen und vielleicht einzigen Zweck kann die Besprechung zwischen den Regierungen haben? Mit den Verfehlungen, Sanktionen und Kontrollkommissionen aufzuwarten, ist doch üherholt. Dor den Regierungen wird nach der Ausarbeitung des Poung-Planes eine einzige ernste Frage aufgeworfen werden, ebenso wie nach der Fertigstellung des Dawes-Planes in London auch,nur eine einzige Frage aufgeworfen worden ist. Damals hat es sich um die Ruhrräumung gehandelt, jetzt handelt es sich um die Rheinlandräumung. Er, Blum, wünsche von Herzen, und zwar im 3nteresse Frankreichs, daß dies unverzüglich die Initiative dazu ergreife, wenn es sie noch nicht ergriffen habe. Die Geste werde doch notwendigerweise erfolgen müssen. Möge Frankreich die Eleganz besitzen, diese Geste spontan zu tun, um die ganze Ehre und den ganzen Gewinn dafür für sich in Anspruch nehmen zu können. Wenn die französischen Minister das verstehen würden, dann würden die Verhandlungen unter den Regierungen sich kaum in die Länge ziehen. Gleichviel ob mit äleberlegung oder spontan könne die Entscheidung nur noch ganz wenige Tage hinausgeschoben werden. Bei dem jetzigen Stande der Dinge die Räumung zu verschieben oder zu versuchen, ihr aus dem Wege zu gehen, wäre nicht loyal, ja nicht einmal anständig. Die Arbeitszeit der Angestellten. Die Genfer Arbeitskonferenz bereitet eine internationale Konvention vor. Genf, 21. Juni. (WB.) Die Internationale Arbeitstonserenz nahm den an die Regierungen der Mitgliedsstaaten der Arbeitsorganisation zu richtenden Fragebogen über die Aufstellung eines internationalen Llebereinkommens über die Arbeitszeit der Angestellten mit 92 gegen 15 Stimmen an. In diesem Fragebogen wird die Möglichkeit ins Auge gefaßt, die Arbeitszeit der Angestellten einer internatlo» nalenRegelungzu unterwerfen. Die Hauptfrage lautet, ob die 48 stündige Arbeitswoche für die Angestellten einzusühren Verlängerung des Republik-Schutzgesetzes. Deutscher Reichstag. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Vorlage, durch die das Gesetz zumSchutze der Republik um drei Jahre verlängert wird. Der Rechtsausschutz hat der Vorlage zugestimmt. Abg. Dr. E v e r l i n g (Sn.) erklärt, die Sozialdemokratie rede vom freiesten Freistaat der Welt und feiere mit viel Flaggentuch die Verfassung, um sie gleichzeitig zu brechen und wesentliche Grundrechte aufzuheben und zu Privilegien der Republikaner zu machen. Sie Monarchie habe ein derartiges Schutzgesetz nie nötig gehabt. Ser Redner nennt das Republikschutzgesetz das Einfallstor für die Politisierung der I u st i z. Es handle sich um ein System Metternich in plumper Neuauflage. Sas Gesetz habe der Republik nur ein Senungiantentum und eine Vergiftung der politischen Atmosphäre gebracht. Unter der Regierung Braun seien mehr Beleidigungsklagen anhängig gemacht worden als in der ganzen Regierungszeit des alten Kaisers. Ser Redner fordert, daß das Republikschutzgesetz beseitigt werde. Abgeordneter Mastowski (Komm.) verlangt die Aushebung des Republikschutzgesetzes und erinnert daran, daß die letzte Verlängerung dieses Gesetzes mit den Deutschnationalen beschlossen worden sei. In feiner praktischen Wirkung richte sich das Gesetz lediglich gegen links. Reichsjustizminister v. Gusrard erwidert dem Abg. Sr. Everling, in der vorigen Re- gierung seien auch Mitglieder der Seutschnationalen vertreten gewesen. Siese hätten die Notwendigkeit der von Everling bekämpften Bestimmungen des Republikschutzgesetzes anerkannt. Sas ergebe sich daraus, daß in dem letzten Regierungsentwurf für die Strafrechtsreform dieselben Bestimmungen enthalten waren. Einem Senunziantentum wolle auch die jetzige Regierung nicht Vorschub leisten. Abg. Wagner (Nat.-Soz.) bekämpft das Republikschutzgesetz. Sie Seutschnationalen hätten freilich keinen Grund zur Entrüstung, denn sie hätten ja ein paar lumpiger Ministersitze wegen einer Verlängerung dieses Gesetzes zugestimmt. Abg. Best (VRP.) lehnt die Verlängerung des Republikschutzgesetzes ab. Abg. Sr. Rosenfeld (Soz.) stimmt dem kom- munistischen Redner darin zu, daß das Republikschutzgesetz in der Hauptsache gegen links angewandt worden sei. Sas liege aber in der Rechtsprechung des Reichsgerichtes. Nach der letzten Aenderung des Republikschutzgesetzes sei das Strafmaß gegen Kommunisten in keinem Falle hoher gewesen, als es auch nach dem geltenden Strafgesetz gewesen wäre. Surch Strafgesetze allein werde die Liebe zur Republik allerdings nicht geweckt. Siese Liebe wolle die Sozialdemokratie wecken durch ihren Kampf um die soziale Ausgestaltung der Republik. Ein strafrechtlicher Schutz dieser Republik lasse sich jetzt noch nicht entbehren. Abg. Drewitz (WP.) führt aus, ein Staat werde, ganz unabhängig von der Staatsform, niemals auf den gesetzlichen Schuh seiner Autorität verzichten können. Die Wirtschaftspartei bekämpfe alle Ausnahmegesetze, also auch das Republikschuhgeseh. Wenn das heutige Strafmaß nicht ausreiche, dann könnte durch eine Novelle das erreicht werden, was wir brauchen. Wir beantragen, das Gesetz bis zum 31. Dezember 1 930 zu verlängern. 2lbg. Dr. Bell (Z.) erklärt, das Republik- schuhgeseh sei allerdings ein Tendenzgesctz gewesen, denn seine Tendenz war die Beseitigung der politischen Mordatmosphäre. Ein Ausnahmegesetz sei es nicht, denn es sollte niemals einseitig gegen rechts angewandt werden. (Unruhe rechts.) Alm eine Einigung herbeizuführen, werde das Zentrum dem Antrag der Wirtschaftspartei zu stimmen. Abg. Külz (D.) erklärt sich gleichfalls mit dem Antrag der Wirtschaftspartei einverstanden. Der nationalsozialistische Antrag auf Aushebung des Republikschutzgesehes wird im Hammelsprung mit 244 gegen 123 Stimmen ab* gelehnt. Dagegen stimmt mit den Regierungsparteien auch die Wirtschaftspartei. Ser Antrag der Wirtschaftspartei, die Geltungsdauer bis zum 31. Dezember 1930 zu verlängern, wird mit den Stimmen der Antragsteller und der Regierungsparteien angenommen. 3n namentlicher Abstimmung wird die so geänderte Vorlage mit 256 gegen 124 Stimmen in zweiter Beratung angenommen. Es folgt die erste Beratung der Vorlage, durch die die Pachtschuhordnung bis zum 31. März 1930 verlängert wird. Abg. Tempel (S.) bedauert, daß die endgültige gesetzliche Regelung des Pachtschuhwesens wiederum um ein halbes Iahr verzö- g e r t werde. Die Sozialdemokratie stimme der Vorlage nur in der Erwartung zu, daß schleunigst ein soziales Pachtrecht geschaffen werde. — Die Vorlage wird in allen drei Lesungen angenommen. Die Novelle zu dem Gesetz über den gewerblichenRechtsschuh und den Gesetzentwurf über Bereinigung der Grundbücher wird dem Rechtsausschuß überwiesen. Der Geschäftsordnungsausschuß legt hierauf einen Bericht vor über Anträge auf Genehmigung zur Strafverfolgung verschiedener Abgeordneter. In zwölf Fällen beantragt der Ausschuß die Zurückverweisung der Anträge, dagegen beantragt er die Genehmigung des Antrages des Oberstaatsanwaltes beim Landgericht III Berlin wegen Durchführung des Dor- führungsbefehls gegen den nationalsozialistischen Abg. Strasser. Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) beantragt die Zurückverweisung des Falles Strasser an den Ausschuß, da der Antrag des Oberstaatsanwaltes auch auf Verhaftung des Abg. Strasser gehe, was jedoch im Ausschußantrag nicht angegeben sei. Abg. Graes- Thüringen (Dn.) unterstützt den Antrag Frick. Der Antrag Frick wird gegen Antragsteller und Deutschnationale abgelehnt. Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) bezeichnet den Ausschuhantrag im Fall Straßer als Ausnahme- recht gegen die Nationalsozialisten. Wenn Abg. Lipinski im Ausschuß den Abg. Straßer einen Feigling nenne, so werde Straßer das mit schlagenden Argumenten widerlegen. Der Redner erhält Ordnungsrufe wegen Beleidigung der Abgeordneten Hallmann und Mittelmann. Als er die vom Abg. Straßer veröffentlichten und vom Staatsanwalt verfolgten Beleidigungen zitiert, kommt es zu stürmischen Entrüstungskundgebungen der Sozialdemokraten. Präsident Löbe erklärt, es könnten unmöglich solche Beschimpfungen in der Form des Zitats im Reichstag wiederholt werden. Abg. Dr. Mittelmann (D.Vp.) bezeichnet die Behauptung des Abg. Dr. Frick, er sei an Reparationssachlieferungen beteiligt, als glatte Unwahrheit. (Abg. Dr. Kahl (D. Vp.) ruft Dr. Frick zu: „Schämen Sie sich!") Abg. Lipinski (Soz.) führt aus, das System des Abg. Straßer, eine ganze Reihe nationalsozialistischer Zeitungen verantwortlich zu zeichnen, sich aber unter Berufung auf die Immunität der g e r i ch t l i ch e n V e r- anttoortung zu entziehen, sei ein Mißbrauch der Immunität. Im Taunus fei_ eine Versammlung der Nationalsozialisten angekündigt worden mit dem Satz: „Cs kommt Straßer, dcv Schrecken des Reichstages!" (Stürmische Heiterkeit.) Abg. Strasser (Nat.-Soz.) widerspricht den Ausführungen des Abg. Lipinski. Tatsächlich handle es sich nur um verschiedene K o Pf- bl ä t.t e r mit gleichem Inhalt. 3m übrigen lehne er es ab, sich über den Begriff Ehre mit Vaterlandsverrätern und Zuhältern zu unterhalten. Bei diesen letzten, gegen die Sozialdemokraten gerichteten Worten, gegen Die Präsident Löbe durch fortgesetztes Läuten der Glocke vorgeht, stürmen die Sozialdemokraten unter Rusen der Empörung gegen die Tribüne vor. Die Nationalsozialisten kommen von der anderen Seite. Es droht einen Moment, zum Handgemenge zu kommen. Präsident Löbe kann schließlich den Abg. Strasser aus dem Saal weisen. Gegen die Nationalsozialisten, Christlichnationalen, Deutschnationalen und Kommunisten wird der Ausschuhantrag auf Genehmigung der Vorführung und Verhaftung des Abg. Straffer angenommen. Samstag 12 Uhr: Die Etats des Auswärtigen Amtes, der besetzten Gebiete und der Kriegslasten. sei. Eine andere Frage ist die, für welche Kategorie von Angestellten eine höhere Arbeitszeit angezeigt erscheint. Die Konferenz beschloß mit 103 gegen 17 Stimmen, die Frage der Schaffung einer internationalen Konven- ti o n auf die Tagesordnung der Tagung der Arbeitskonferenz von 1930 zu setzen. Oer Gtinnes-prozeß. Berlin, 21.3uni. (WB.) Zunächst geben der Prokurist der Firma Eisen und Stahl, G. m. b. H. in Hamburg, deren Geschäftsführer Direktor Nothmann und v. Waldow waren, und der Privatsekretär von Hugo Stinnes jr., Grubba, ate Zeugen an, dah auf Veranlassung von Herrn Stinnes und Herrn v. Waldow größere Geldbeträge zur Finanzierung des Anleihegeschäftes flüs- f i g gemacht wurden. Die Mittel stammten zum großen Teil aus der Firma „Eisen und Stahl", die zum Stinneskonzem gehörte, zum Teil aus dem Besitz Hollissen. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob es richtig sei, daß Stinnes die das Anlechegeschäst betreffenden Akten mit nach England genommen habe, erklärte Grubba, chm sei davon nichts bekannt. Der ZeugeHeinz- m a n n bekundet demgegenüber, dah der Zeuge Grubba bei der Haussuchung in Hamburg auf seine Frage, wo die Akten über das französische und rumänische Geschäft seien, geantwortet habe, Stinnes habe sie nach England- mitgenommen. Grubba gibt an, sich darauf nicht mehr entsinnen zu können. Es wurde dann die Vernehmung des Llntersuchungsrich- ters Landgerichtsrat Brühl fortgesetzt. Der Vorsitzende befragte den Zeugen u. a., ob es richtig sei, dah Brühl als Untersuchungsrichter zu dem Beschuldigten v. Waldow gesagt habe: „Wenn Stinnes verhaftet wird, können Sie frei- gelassen werden: aber einer von beiden muß sitzen Zeuge Brühl: Ich fürchtete zwar damals eine Beeinflussung des Angeklagten o. Waldow durch Stinnes, wenn beide sich auf freiem Fuß befänden, aber die Aeußerung, daß einer von beiden sitzen müsse, habe ich nicht getan. — Rschtsanwalt Ehlers: Ich habe diese Aeußerung aber auch gehört und werde sie als Zeuge unter E i d aussagen. — Zeuge Brühl bleibt dabei, daß er diese Bemerkung nicht gemacht habe. — Als im weiteren Verlauf der Vernehmung Verteidiger und Angeklagte dem Landgerichtsrat Brühl erneut den Vorwurf machen, während der Voruntersuchung versucht zu haben, die Beschuldigten mit der Androhung des Haftbefehls gefügig z u machen, erklärt Landgerichtsrat Brühl: Das ist ja Quatsch! — Die Verteidigung verwahrt sich gegen diesen Ausdruck. — Der Vorsitzende bittet den Zeugen, durch solche Ausdrücke nicht wieder neue Erregung in die Verhandlung zu tragen. Als nächster Zeuge gab Kriminalkommissar Rassow, der an der Voruntersuchung teilgenomffren hat, eine Schilderung der Verhaftung des Angeklagten von Waldow. Eine Mitteilung, die mir von Waldow machte, so sagte sstassow u. a. aus, mutete mich wie eine Szene aus einem Kriminalroman an. Er sagte mir nämlich, er habe einmal für Stinnes fingierte Korrespondenzen a n f e r t i • gen müssen. Er erhielt zu diesem Zweck vier Schreibmaschinen verschiedenen Fabrikats und Briefbogen mit vier verschiedenen Firmenköpfen. Auch anderen Angestellten sei diese Methode des Chefs, die man allgemein als „R o rn a n s ch r e i d e n" bezeichnete, bekannt gewesen. Weiter bestritt der Zeuge energisch, Herrn v. Waldow gegen Stinnes aufgehetzt zu haben. Oie landwirischastliche Giedelung. Berlin, 22. 3uni. (DDZ.) Der Reichstags- ausschuß für landwirtschaftliches Siedlungswesen beendete die Vorberatung über die Reichsrichtlinien für die Gewährung von Reichszwischenkrediten für landwirtschaftliche Siedler. Der Reichskredit einschließlich des 'Daukredits des Landes darf bei neuen Siedler st eilen bis zur Gröhe eines selbständigen Familienbetriebes 90 Prozent, bei größeren Dauernsiedlungen bis 25 Hektar 85 Proz., bei Dauemsiedlerstellen von 25 bis 50 Hektar 75 Prozent und bei Restgütern bzw. Siedlerstellen von mehr als 50 Hektar 665/3 Prozent des Pachtwertes der Stelle nicht übersteigen. Dabei dürfen größere Dauernstellen und Restgüter nur unter besonderen Voraussetzungen berücksichtigt werden. Bei Anliegerfiedlern darf der Reichskredit 75 Prozent des Pachtwertes der Zuwachsfläche nicht übersteigen. Nach Ablauf eines Freijahres erfordert der Reichskredit auf neue Siedlerstellen jährlich 4,5 Prozent, bei Anliegersiedlern 5 Prozent Zinsen und 0,5 Prozent Amortisation. Der Reichskredit ist im Grundbuch an erster Stelle einzutragen. Nach den Schlußbestinirnungen kann bewährten Siedlungsunternehmen ausnahmsweise ein nicht für ein Cinzelsiedlungsvorhaben bestimmter Kredit zu 7 Prozent gewährt werden. Kunst und Wissenschaft. Das 25jährige 2ubifäum dec Technischen Hochschule in Danzig. Als Auftakt zu seiner 68. Hauptversammlung in Königsberg veranstaltete anläßlich des 25jährigen Bestehens der Technischen Hochschule Danzig der Verein Deutscher Ingenieur zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Bauingenieurwesen eine Kundgebung in der Danziger Technischen Hochschule, der eine Begrüßung im Artus-Hof voranging. Zu dem Festakt hatten sich neben den zahlreichen Tagungsteil. Die Wetterlage. freitaa. ve o 0510' fl Ut TA »Ut 18 M TF rankt O wolkenlos. 0neuer e ReichsrW. von Reichs- övir/schaf/. 'öit einschließlich rf bei neuen öhe eines selb- iroMt, bei grv- tzeitar 85 Proz., 1 bis 50 Hektar ito. Liedierstelleu ■3 Prozent des bersteigen. Dabei nd Restgüter nur .gen berücksichtigt bletn darf der Pachttvertes der il Rach Maus Aeichskredit aus 1,5 Prozent, bei ifen und 0,5 Pro- edit ist Im Grund- inzutragen. Aach bewährten Kied- ?ife ein nicht für estinmter Kredit enschaft. chnischen Hochschule uptversammlung in ich des Ajähriaen Me M)ig der ieur jufamtncn hastsürBan. nbvMng in der ; der eine Dearu- Zu dem Festakt reichen Tagungsteid »ge. a (fClndcfl 0'" 1 W 22 T. Wsteu )rud^ J0 Iruckoer Es in ■ 92 3U?-rtiuDl W getunte vergilbte Tlwcfie Erklärung k lauge gekocht. Sf/Z 7895 Die Direktion des Lichtspielhauses A. Henrich. 542 .c 324 Gaststätten-Einrichtungen 317V O r — (D Sil jum Bleichen risierte Goodyear-Verkaufsstellen: Daum Sternreichen Besuchen wohlverdienten Anklang funden. Probedose und BroschOre „Ratschläge eines Arztes“ durch: DEUTSCHE A.-Q. FÜR NESTLE ERZEUGNISSE. BERLIN W 57 Während das Motorrad sich am nächsten abkühlt. Ein Einsamer träumt zwischen blumen und duftendem Labkraut. Gruppen sonntäglich geputzter Kinder Langesfr.SS Tel. Hansa 242fr29 Metall- u. Holzbearbeitung Bierausschank-Büfetts ragen Sie diejenigen, die Goodyear fahren. Alle werden Ihnen bestätigen, daß Goodyear- Reifen unübertroffen sind heute nur einen Sinn hat. Die erobert wird. Kilometer sür Kilometer. Lind zu ihren Seiten rollt sich das Panorama des Sommers ab. Felder, endlos, grün, silbern überweht. Ortschaften, Kirchtürme. Ein Tümpel mit schnatternden Enten. Heuernte. Die hoch- bepackten Wagen schieben sich schwerfällig in das laufende Band der Straße. Wälder schatten er, frischend. Eine Brücke über schimmerndem Wasserlauf. Ein Schloß. Wiesen mit weidenden Kühen. Blühende Holunderbüsche über niedrigen Zäunen. Und blauer Sommerhimmel und Lerchengesang über dem Ganzen. Allmählich lodert sich die lebende Kette. Ein Auto biegt in einen stillen Waldweg ab. Ein Radfahrerverein lagert in Gruppen. 3m blühenden Grabenrand sitzen Fahrer und Sozia und frühstücken, Entgegen den hier in Gießen kursierenden Gerüchten, daß das Lichtspielhaus am 1. Juli geschlossen wird, erklären wir hiermit, daß eine Schließung des Lichtspielhauses nicht stattfindet Im Gegenteil, wir bringen im Juli folgende Großfilme: Die Ehe, ein Film von VAN DE VELDE Das zweite Leben mit Pola Negri Der rote Kreis, nach dem bekannten Roman v. Edgar Wallace. L d. H. Lya Mara Durchs Brandenburger Tor (Solang noch untern Linden). Wäsche, die lange Zeit gelegen hat oder durch falsche Behandlung unansehnlich geworden ist, wird wieder frisch und schön durch Aufkochen mit Sil. Sil wird in kaltem Wasser Anläßlich des 30. Derbandsschießens Baden, Mitlelrhein, Pfalz vom L.b!s M.LM kn Gketze« (Festhalle und Trieb). Großer Fest- und Zuxplatz. Konzerte, sportliche u gesangliche Darbietungen. Festzvg. Tanz. Miliiärkonzerte, ausgeführt von der Kapelle des Ausbildungs-Bataillons Marburg und der Kapelle des F.-R. 15 Gießen, unter Leitung des Obermusikmeisters Löb er. 5419D aufgelöst und die Wäsche einmal eine gute Viertelstunde in der Sil- Die innere Körperreiniguna soll den Zweck haben, den Körper widerstandsfähiger gegen die Feinde der Gesundheit zu gestaltem Mit Vorteil seien dabei elektrische Schwachströme anzuwenden, deren Bedeutung in diesem Dortrage dargelegt werden soll. Interessenten seien auf die heutige Anzeige aufmerksam gemacht ungefähr auf der Höhe von Spanien, Im Atlantik beobachtet. Der Gründer der wanderer-Derke 70 Jahre. Kommerzienrat Johann W i n k l h o f e r, der Begründer der Wandere r-W e r k e A.-G., Schönau bei Chemnitz, feiert in körperliche» und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Johann Winklhofer ist ein Pionier auf dem Gebiete des Fahrrad- und Motorradwesens und schuf aus kleinen Anfängen heraus ein Werk, besten Erzeugnisse — man denke an die Continental-Schreibmaschinen, die Wanderer- Wagen und die Fräsmaschinen als Musterbeispiele deutscher Präzisionsarbeit im In- und Auslande angesehen werden. Gras Luckner wieder unterwegs nach Amerika. Rach einer mehrwöchigen Aeberholungszeit der Seebecwerft in Bremerhaven ist die Diermast- fchoner-Doppelschrauben-Sacht „Vaterland" zu einer erneuten Amerikareise Grasen Luckner wieder in See gegangen. Das Schiff ist gechartert von dem Präsidenten der Palm- Olive-Companh, D u r t Massee, der beabsichtigt, eine dreimonatige, teils wissenschaftliche, teils sportliche Reise in den amerikanischen Gewässern zu unternehmen. Bedeutende Schriftsteller und Maler werden an dieser Reise teilnehmen, außerdem der Leiter der Geographie Society, Sachverständige von Ruf der Meereskunde, hervorragende Forscher und Vertreter von Filmgesellschaften für Anterwasseraufnahmen. Die Ankunft der „Vaterland" in Reuyork wird Mitte 3uli erwartet. * Vergeßt die Anschaffung der Rückstrahler nicht! Wie bereits gemeldet, ist vom 1. Juli an auch für Hessen laut polizeilicher Vorschrift bei jedem Fahrrad oder Kraftrad ein hinteres Leuchtzeichen (Rückstrahler bzw. „Katzenauge") erforderlich. Cs sind nur solche Leuchtzeichen zugelassen, die den Prüfungsvermerk der amtlichen Prüfstellen der verschiedenen deutschen Länder tragen, weil sonst keine Gewähr gegeben ist, daß die Leuchtzeichen den Ansprüchen genügen. Jeder Besitzer eines Fahrrades oder Kraftrades sei iwchmals an die beschleunigte Anschaffung des Leuchtzeichens erinnert, da die Hinterlassung eine Polizeistrafe nach sich zieht. Der überwiegende Teil der Zweiräder in Hessen ist inzwischen mit Leuchtzeichen versehen worden. Schon jetzt zeigt sich die außerordentliche Zweckmäßigkeit dieser Reuerung, die zu einer bedeutenden Erhöhung der Sicherheit des Verkehrs, namentlich auf den Landstraßen bei Rächt, beitrügt. ** Diestödtischen Museen sind am morgigen Sonntag von 11 bis 13 Uhr geöffnet. ** Keine Kinoschliehung in Gießen. Die Direktion des Lichtspielhauses, Bahnhofstraße, gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß eine Schließung des Lichtspielhauses am 1. Juli aus Anlaß des bekannten Streites um die Vergnügungssteuer nicht stattfinden wird. Der Betrieb des Lichtspielhauses wird nach wie vor unverändert Durchgeführt. ** Studentischer Frühschoppen auf dem Brandplatz. Am morgigen Sonntag um 12 - -llljr veranstalten die Gießener Landsmannschaften Chattia, Darmstadtia, Merovingia, sowie die D. 21. L. Gießen auf dem Brandplatz einen L. C.-Frühschoppen. Bei den Klängen einer Kapelle und bei frohgestimmtem Frühtrunk soll den Tellnehmern eine anregende Stunde geselliger Anterhaltung zutell werden. Mit diesem studentischen Frühschoppen auf öffentlichem Platze lebt eine Einrichtung wieder auf, die unsere Uni- versitätsstadt auch vor dem Kriege schon gekannt hat und die heute z. D. in Marburg auf der Keherbach und in Jena auf dem Marktplatz eine oft in Erscheinung tretende beliebte Deranstal- tung ist. Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt An unsere Mitglieder im Verteilungsstellen-Bezirk Asterweg Ein lußßehefiter Wunsch geht In Ertfillunfi Ab Montag, 24. Juni, erfolgt die Warenabgabe wieder L etg. Heim Asterweg 6 Wir hoffen und wünschen, daß sich unsere Mitglieder des Ver- teilungsstellenbezirks Asterweg weiter rührig als treue Genossenschafter bewähren. 5424A Farbslecke bilden. Laut hallt der gemessene Schritt des Schupobeamten, der die Ruhe hütet Menschen mit Kuchenpaketen und Sonntagsgesichtern streben irgendeinem freundlichen Ziele zu. Ein paar Radfahrer, Autos und Motorräder können die Stille nur unterstreichen. Denn die moderne Straße liegt am Sonntag außerhalb der Stadt. Man muß sie erlebt haben, wenn man die neue Zeit erfassen toilL Denn draußen ist alles. Draußen ist der neue Sonntag. Sst das Leben, die Ratur, die Jugend, der Sport, die Familie, die Freude — i st der Verkehr I Die Landstraße lebt. Sn einem unerhörten Tempo. Sn einer ungeahnten Sntensi- tät. Sn bunten, flimmernden Streifen rollen sich ihre Bänder ab. Es wandern Familien, bepackt, froh, behaglich, von der Großmutter bis Aum Enkelchen im Kinderwagen. Es schlendert Der Zimmermann mit Schlapphut, weihen Hosen und Ohrringen. Sunge Burschen mit gelben Schuhen, Zigaretten und Stadtgesichtern. Auf Rädern flitzt es llingelnd vorbei. Ganze Familien, die Kinder voran, das Kleinste vor Vatern oder Muttern hockend; ganze Vereine; Mädels mit kurzen Haaren und kurzen Kleidern, junge Männer in Knickerbockers und Sportmütze. Auf dem Sommerweg zockelt der Arbeitswogen des Alltags, geschmückt mit grünen Zwsigen und ergreifenden Sängern. Brausend und knatternd überholt von den Motorrädern. Breit und ausladend sitzt der Lenker. Federnd, unbekümmert wippend, stolz und strahlend die Sozia hinter ihm, in Baskenmütze und Hosenanzug. Sn massiver Grandezza, im brummenden Gesang der Motoren dröhnen die gewaltigen Autobusse in ihrer gebändigten Kraft dahin. And die Kette der Autos ist unendlich. Elegant, unelegant, geschlossen, offen, überladen, altmodisch, schnittig, vom Zigarre rauchenden Behäbigen, vom schlanken Sportsmann, von der Frau von heute gesteuert — so rollen sie über die Landstraße, die 68 / Fernspr. 1089 u. 1090 RUHL Gießen, Südanlage Nr. 7 / Fernsprecher 2556 UnD Autopannen geben unbeabsichtigte Ruhepunkte. Ein Rad liegt aus der Straße. Reifen geplatzt. Die Herren erleichtern sich durch Sackeausziehen und Kraftausdrücke, die Damen stehen mit unsicheren Mienen daneben. Am streikenden Motorrad bastelt „®r mit schwarzbeschmierten Oelfinqern, während „Sie" Zange und Schraubenzieher diensteifrig und bekümmert hinhält. Auch Pannen gehören zum Leben. Sogar zum Feiertag, And schließlich kommen doch alle zum Ziel. Es gibt tausend Sonntagsziele. Städtische, dörfliche, ländliche, historische, moderne und unbestimmte, dem Zufall überlassene. Alnb alle liegen an der einen großen Straße; denn alle Straßen sind am Sonntag: der Weg ins Freie. Lind wie ist dieser Weg geebnet! Große, gelbe Emailleschilder stehen überall in, vor, hinter und zwischen den Ortschaften, Ramen, Richtung und Kilometer anzeigend. Dazu die Warnungstafeln: Kurve, Rinne, Bahnübergang, Schranke, Achtung! Stumm und deutlich regelt die moderne Straße sorglich den ganzen gewaltigen Verkehr, den der Sonntag mit elementarer Gewalt herauswirft. Dis der Tag zu Ende geht und die Ströme zurückrollen, nach Rorden, Süden, Osten, Westen. Staubwolken, Hupen, Klingeln, Lachen, Kinderweinen, huschende Lichtpunkte, breite Lichtkegel, Wandervogellieder, Lautenklänge. And der Dust von Korn, Holunder und Erdreich darüberwehend, über Die Landstraßen, die alle ein einziger großer Heimweg geworden sind. Vornotizen. — Tageskalender fürSamstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Dr. Bessels Derwand- lung; nachmittags 4 Ahr: Max und Moritz. Tag eskalender für Sonntag. Deutscher Bund für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule: Familien-Feier, Liebigshöhe. — Evangelische Stadtmission: Christliches Wald- fest, 3 Ahr, Waldbühne, Licher Straße. — Ob stund Gartenbau-Derein: Dortrag „Die gärungs- lose Deerenverwertung im Haushalt", 20.15 Ahr, im großen Hörsaal Der Universität. — Dienenzüchterverein Gießen und Amgegend: Dersamm- lung, 3 Ahr, Doller, Bahnhofstraße. — Sommer- fest der Gießener Studentenschaft, 19.30 Ahr, in Der Volkshalle. — Spiel-Vereinigung 1900: Handball gegen V.f.D.-Höchst, 4.30 Ahr. — D.f.D.: Leichtathletische Sugendklubkämpfe gegen D.s.L. Wetzlar. — Lichtspiechaus, Bahnhofstraße: Dr. Bessels DerwanDlung. — Vormittags 11 Ahr: Max unD Moritz. — Der Bund „Haus und Schule" hält am Sonntagnachmittag 4 Uhr eine Familienfeier mit Kindern auf der Liebigshöhe ab. Man beachte die heutige Anzeige. — Ein christliches Waldfest findet am morgigen Sonntag, 15 Uhr, auf der Waldbühne statt. Veranstalterin ist die Evangelische Stadtrnission. Man beachte die heutige Anzeige. — Ein Lichtbildervortrag über „Snnere Körperreinigung" wird am kommenden Montag 20,30 Ahr im Cafe Leib von dem Wohlmuth-Snstitut in Leipzig veranstaltet. Aus aller Welt. Unreeller im walchenseegebiel. Ein gewaltiges Unwetter ging Freitag nachmittag über dem Walchensee nieder. Gegen 2 Uhr brach eine derartige Finsternis herein, daß die Autos nur noch mit Scheinwerfern fahren konnten. Ein Wolkenbruch ließ die Bäche anschwellen und über die Ufer treten, so daß die Autos stellenweise bis zum Kühler im Wasser fuhren. Das Sägewerk der Walchenseewerk A.-G. und die Arbeiterwohnungen in Einsiedel sind vollkommen über- schwemmt. Auf die Straße von Urfeld nach Walchensee sind Steinlawinen niedergegangen, so daß ein größeres Aufgebot von Arbeitern die Verkehrsstörung beseitigen muß. Schwere Orkanschäden in Chile. Ein zwei Tage lang wütender Orkan, verbunden mit schweren Wolkenbrüchen, richtete in Santiago de Chile und in Nordchile besonders in der Umgebung von Antofagosta schweren Schaden an. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört, der Telegraphenverkehr ist nahezu völlig unterbrochen. Eisberge im Atlantik. Dieser Tage meldet ein deutsches Schiff, daß es auf seiner Fahrt von Kanada nach Europa nicht weniger als 33 Eisberge gesichtet habe und daß der größte etwa 60 Meter den Meeresspiegel überragt habe. Vor allem in den Frühjahrsmonaten April und Mai ist die Zahl der Eisberge im Atlantik stets besonders groß. Sn dieser Zeit sind von einem Schiff in der Rähe Der Reufundlandsbank, die besonders berüchtigt ist, innerhalb 24 Stunden 350 Eisberge beobachtet worden. Gelegentlich erreichen Eisberge eine Höhe von 100 Meter, aber nur V? ihres Gesamtvolumens liegt über Wasser. Man hat Eisberge schon auf dem 36. Grad nördlicher Breite, also Aus der Provinzialhouptstadt Gießen, Den 22. Suni 1929. Oie Straße des Sonntags. Von Eva von Maffow. Morgenstille über der Stadt. Helle, glänzende Bänder ihre Straßen, auf denen kleine Konsum-Verein Giefeen und Umg. e. G. m. b. H. Der Vorstand. nehmern die Spitzen der Behörden und der Leh» körper der Technischen Hochschule eingefunden. Namens des Vereins Deutscher Ingenieure über- brachte der Generaldirektor der Siemens-Schuckert- werke, Röttgen- Berlin, die Glückwünsche des Vereins und betonte in feiner Ansprache Die w i ch- t i g e nationale Sendung Der Hochschule, Die trotz schwerer Gefahren heute Der geistige Mittelpunkt Des deutschen Danzigs geworden sei. Namens Der Hochschule Dankte Professor Dr. Strelle Den Teilnehmern für ihr Erscheinen und gab ein Bild von der Entwicklung Der Technischen Hochschule in Danzig, Die aus kleinen Anfängen heraus heute bereits über 1600 StudierenDe aufweisen könne, Darunter allein 1200 Deutschen Stammes. Er schloß mit einem Avpell, Die Technische Hochschule Danzigs nach Kräften zu unter- ft ü Öen. An Den Festakt schlossen sich Wissenschaft- liche Vorträge und eine Reihe von Besichtigungen an. Die Ausstellung für Bibliothekswesen in Rom. Anläßlich des ersten Weltkongresses für Bibliographie und Dibliothekwesen ist in Rom und anderen Städten eine Reihe italienischer Fachausstellungen eröffnet worden. Sn Rom hat ferner eine internationale Ausstellung begonnen, an der zahlreiche Staaten beteiligt sind, darunter auch Deutschland und Oesterreich. Der deutsche Saal, dessen künstlerische Gestaltung in den Händen von Dr. G e r i ck e, dem Direktor der deutschen Akademie in Rom, gelegen hat, weist ein umfangreiches, anschauliches Material Der preußischen Staatsbibliothek, der Deutschen Dücherei Leipzig, der Verbandes der Stadtbibliotheken und der Volksbüchereien auf. Vor allem haben Dr. K r u e h , der Leiter der preußischen Staatsbibliothek, und Dr. A h l e n d a l, der Leiter der Deutschen Dücherei in Leipzig, keine Mühe gescheut, daß die ihnen unterstellten weltbekannten Organisationen vorbildlick in Rom vertreten sind. Der deutsche Saal hat Daher bei den zahl- >a.d.Gß.Änz. nJHDeimftr. 45 Grohe Werkstatt mit Lagerräumen und Bureau, zirka 400 qm. für jeden gewerblichen Betr. geeignet, sofort zu vermieten. Näh. bei A. Becker, Keuler- ürahe9.rel.l043E> Mietgesuche | 3-4-3lmmet- BNBN mit Bad, beschlagnahmefrei. baldmöglichst gesucht. Lchrisll. Angeb. unt. <0968 a. d. Gien. Anz 2 einzelne Damen suchen 3 Zimmer mit Küche Abfindungssumme wird gern gezahlt. Lchrisll. Angeb. unt. 54061) a. d. GH. Anz. Alletnsteb. Beamtenwitwe sucht titööere 2- oder Heinere 3 Zlm.-V. int gutem Hause ab August oder auch später. Schr.Ang. u. 03936 a. d. Gieß. An». Gesuchl 2 Zimmer von Magnetovathin zur Ausübung der vrarts in geelaneier Lage. Schriitl. 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Auf Kosten der Plockschen Stiftung können zwei in Gießen geborene Personen in der hiesigen Prooinzial-Pflegeanstalt als Pfründner ausgenommen werden. Meldungen werden bis zum 15. Juli 1929 auf dem Wohlfahrtsamt, Garten- ftraße 2, Zimmer Nr. 8, entgegengenommen. 5448V Gießen, den 21. Juni 1929. Der Oberbürgermeister. (Wohlfahrtsamt.) Bekanntmachung In der letzten Zeit gehen mir unzählige Gesuche um Vermittlung von Arbeitsstellen bei den städtischen Bauämtern und Betrieben zu. Ich mache hierdurch aufmerksam, daß ständige Arbeitsstellen zur Zeit nicht frei sind, und die bei den Bauämtern beschäftigten unständigen Arbeiter aus der großen Zahl der Wohlfahrtsempfänger vom Wohlfahrtsamt den Bauämtern überwiesen werden. 5451C Die Einreichung von Arbeitsgesuchen oder das persönliche Vorsprechen in solchen Angelegenheiten ist deshalb aussichtslos. Gießen, den 19. Juni 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: vr. Hamm. Lieferungsvergebung. Für die Chirurgische Universitätsklinik und die Universitätsklinik für Ohren-, Nasen- und Halskranke zu Gießen soll der Bedarf an Weißzeug und Bettwerk für das Rj. 1929 vergeben werden. Lieferungsbedingungen und Muster können auf Zim- mer 15 (Hauptgebäude der Chirurgischen Klinik) für beide Kliniken zwischen 15% und 17% Uhr werktags, außer Samstag, und zwar vom 24. Juni bis 8. Juli 1929 eingesehen werden. Bedarfslisten sind gegen Erstattung der Selbstkosten daselbst erhältlich. 5454V Angebote und Proben sind, mit entsprechender Aufschrift versehen, getrennt voneinander an die Verwaltung der Lhi- rurgischen und Ohrenkliniken bis zum Er- öffnungstcrmin Montag, den 15. Juli 1929, 10 Uhr, einzureichen. Zuschlagsfrist sechs Tage, KUR CIGARETTEN Ove (iqapelle 75er nenrn. C poche- -----------------z_____:____l----------------------------- Leichter einspännig. 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Bevor nun über die großen — die englischamerikanische Berhandlung und die politische Konferenz der Regierungen im Derfolg des Boung-Planes — näher gesprochen werden kann, richtet sich die Umschau auf zwei Borgänge außerhalb dieses Kreises. Rußland und China sind seit fast einem Monat in einer steigenden Spannung, in der sogar schon von Kriegsmöglichkeiten die Rede ist. Die chinesische, d. h. die Rankingregierung, hat das russische Generalkonsulat in Charbin durchsuchen lassen und behauptet, dort belastende Schriftstücke über die Beziehungen zwischen Sowjetrußland und dem verräterischen General Feng gefunden zu haben. Die Erregung auf russischer Seite ist nicht gering, Man spricht sogar von Möglichkeiten eines russischen Einmarsches in die Mongolei. Dann würde dieser Konflikt in die ruhende, aber niemals ausgetragene Auseinandersetzung auch um die Mandschurei und die ostchinesische Bahn, die noch heute in Rußlands Hand ist, einmünden. Wir glauben nicht an eine Kriegsgefahr. Weder China noch namentlich Rußland sind in der Lage, dort einen großen Krieg zu führen: vor allem dos letztere nicht, weil ja seine inneren Spannungen mit der Ernährungskrise und dem Kampf der Richtungen in der kommunistischen Partei unausgesetzt zunehmen. Aber diese russischchinesische Auseinandersetzung wird ein Grund dafür sein, daß Hoover und Macdonald, wenn sie einander wirklich sprechen, auch das russische Problem berühren werden. Rußland hat allen Anlaß, interessiert auf diese großen Gespräche zu blicken, und daneben hat auch Deutschland allen Anlaß dazu! Ein Programmpunkt der neuen englischen Außenpolitik ist die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu S o w j c t r u ß l a n d. In Rordamerika wird zumindest die Frage der politischen Anerkennung diskutiert. Was für uns noch wichtiger ift: die wirtschaftliche, finanzielle und technische Arbeit der Amerikaner an Rußland nimmt sehr zu, und Rußland greift natürlich mit beiden Händen danach. Im Augenblick herrscht in Sowjetrußland geradezu eine Amerikapsychose. Bedarf es noch eines Wortes, um darauf hinzuweisen, daß Deutschland über dem (Foungplan und dem Kampf um ihn, über den politischen Folgerungen daraus und im Kampf um sie, nicht den Blick nach dem Osten vergessen darf? Daß es seine Beziehungen zu Rußland erst recht in diesem weiteren Rahmen sehen muß, die politischen sowohl wie die wirtschaftlichen?! Wir überschätzen etwaige Gefahren für uns auf diesem Gebiete nicht. Roch weniger ist die fortwährende Angst der Sowjetregierung ernst zu nehmen, daß ein großer Bund gegen Rußland im Entstehen sei und daß Deutschland in diesen hereingezogen werden solle. Kein Zweifel aber ifi, daß die Auflockerung des Geländes in der Außenpolitik auch hier nötig ist und daß Deutschland sich anspannen und seine Position in Rußland wahrnehmen muß! Schließlich, die Llnterzeichnung des Konkordats zwischen Preußen und dem Vatikan am 14. Juni ist zunächst eine Frage der preußischen und der deutschen Innenpolitik. Davon ist hier nicht zu sprechen. Immerhin meinen wir, daß man die Frage nicht so ohne weiteres abtun konnte, ob Preußen überhaupt im Hinblick auf die inzwischen durch die Lateranverträge geschaffene Souveränität des Papstes z u ft ä n - d i g war, das Konkordat abzufchließen. Die Formel, die gegeben wurde, daß Preußen ja keinen Vertrag mit einem Souverän geschlossen habe, sondern mit der Kirche, ist keine Begründung, Denn die katholische Kirche ist überhaupt kein Faktor, mit dem ein Vertrag geschlossen werden kann. Dieser „feierliche Staatsvertrag" ist ja auch von Preußen mit der „römischen Kurie" geschlossen. Diese aber, oder der Vatikan oder das Papsttum, oder wie man es nennen will, i st im strengen völkerrechtlichen Sinne nun souverän geworden durch die Aussöhnung mit dem italienischen Staat und die Folgerungen daraus. Das sind keine Fragen der ganz großen Politik, aber immerhin soll man sich auch über derlei Dinge klar sein, wenn solche Abschlüsse getätigt werden. Das preußische Konkordat ist ein Erfolg der römischen Kurie und ihres ausgezeichneten Vertreters in Berlin. Gin Ereignis von greifbarer und starker Wirkung in der großen Politik ist es ohne Zweifel nicht!« MrtschafisenLlastung und KapLtalbüdung im Zeichen des Mung-Plans. Von Or. ing. e. h. Ernsi v. Borsig, Geh. Kommerzienrat, Berlin-Tegel. Der Optimismus, mit dem die Zahlen und Bedingungen des Boung-Planes, der jetzt in Paris von den Sachverständigen angenommen wurde, vielfach in der deutschen Oesfent- liebfeit aufgenommen werden, ist unberechtigt. Die deutsche Wirtschaft jedenfalls sieht dem Funktionieren des (Ioung - Plans voller Sorge entgegen. Wenn er auch gegenüber dem Dawes-Plan einige Erleichterungen bringt, so dürfen doch die Schattenseiten der Reuregelung nicht tzbersehen werden. Sie liegen vor allem darin, daß die Durchführung des Sachverständigenvorschlags für Deutschland eine vermehrte Aufbringung von Devisen erfordert und der private Entschuldungsdienst der Wirtschaft, der jährlich rund 1,5 Milliarde in Devisen für die Verzinsung und Tilgung der auf genommenen Auslandanleihe aufbringen muß, nicht mehr wie unter dem Dawesplan der ilebertragung unserer politischen Schuld an das Ausland vorangeht. Der Kern der Schwierigkeiten und Sorge liegt aber darin, daß die Summen, die Deutschland in Zukunft, auch in den nächsten Jahren, zu zahlen hat, noch immer unerhört hoch find und in keinem Verhältnis zur deutschen Leistungsfähigkeit stehen. Im Gegensatz zum Sinn der Konferenz, die von wirtschafilichen Sachverständigen beschickt war, ist in Paris eine politische und willkürliche Regelung getroffen worden, hingegen keine wirtschaftliche Lösung, die auf ausreichender Würdigung ökonomischer Tatsachen beruht. Der deutschen Wirtschaft steht bei der Durchführung des (Joung-Plans ein ständiger und starker Aderlaß an Kapital bevor, von dem man nicht weiß, ob er ertragen werden kann, vor allem bei einer Weiterführung der heutigen amtlichen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Obwohl Kriegsverlust, Kapitalschwund der Inflation und die Tributbelastung der deutschen Wirtschaft das Gebot auferlegen, besonders schnell neues Kapital zu bilden und alle produktiven Kräfte der Ration zu entwickeln, gebärdet sich unsere amtliche Wirtschaftspolitik, vor allem die Finanz- und Steuerpolitik in hohem Grade k a - pitalfeindlich. Die deutsche Wirtschaft trägt eine z u hohe Steuerlast, eine Tatsache, die feit einiger Zeit auch von sehr kritischen Rationalökonomen zugegeben und angegriffen wird. Unfer Steuersystem unterbindet die Kapitalbildung anstatt sie zu fördern und aus ihrer Zunahme Ruhen zu ziehen: gerade die für die Kapitalbildung wichtige Gruppe der Einkommen-, Kapital- und Gewerbesteuer ist ungesund überspannt. Unsere Sozialpolitik, deren Rotwendigkeit im Kern nicht bestritten wird, ist zu oft von der Vorstellung beherrscht, die Bewegungsfreiheit einjuengen, die der Unternehmer zur Erfüllung feiner Aufgabe braucht, Produktion und Absatz zu entwickeln und die Arbeitsgelegenheit zu mehren und zu sichern. Es wirkt ohne Zweifel paradox, daß in einer Wirtschaft, die schwere Lasten abtragen, und in einem Volke, das politische Freiheit durch Arbeit erringen muß, freiwillige ileberarbeit bestraft wird. Die schädlichen Folgen unserer bisherigen amtlichen Finanz- und Sozialpolitik, die zu stark von dem Willen zu kalter Sozialisierung, von der Mißachtung des notwendigen Erwerbsstrebens beherrscht ist, zeigen sich bereits an vielen Stellen. Die Kapitalabwanderung in Rachbarstaaten, die eine umsichtige, auf Produktionsförderung und Kapitalpflege abgestellte Wirtschaftspolitik treiben, nimmt bedenklich zu. während unsere Wirtschaftspolitik nicht die Konsequenzen aus der Tatsache zieht, daß wir in und von einem Wirtschaftssystem leben, dessen Motor der Erwerbstrieb und dessen Ge» sundheitsmaßstab die Rentabilität ist. Der Fehlschlag der Kassenanleihe, die trotz lockender Bedingungen nicht durchschlug, beweist wiederum, wie angespannt unsere Kapitaldecke ist. Er beweist aber auch, daß die wesentlichste Voraussetzung zum Erfolg einer Staatsanleihe zur Zeit erschüttert ist, nämlich das Vertraueun in unsere Finanzpolitik. An ihr wie auf gewissen Gebieten der Sozialpolitik wird am klarsten der falsche Kurs deutlich, den wir in den letzten Jahren gesteuert haben. Anhäufung überflüssiger öffentlicher M i 11 el durch eine rigorose Steuerpolitik, als Folge davon Wettbewerb von Bureaukratie undParlament im Suchenneuer Aufgaben und Ausgaben, um jene Mittel unterzubringen, ungeheures Anschwellcn des Haushalts in wenigen Jahren und jetzt als Folge der ungesunden Ausgabenwirtschast eine scharfe Finanzkrise — das sind die Etappen dieses falschen Weges. Wir müssen ihn verlassen und umkehren. Cs ist ein bedenklicher Irrtum, anzunehmen, daß mit der Annahme des (Houngplans alles gut sei und die Finanzkrise ohne Reformtaten beschworen wäre. Die angespannte Kassenlage besteht weiter: der ordentliche Etat ist unsicher balanciert, noch immer droht das große Loch der Arbeitslosenversicherung, durch das ständig Reichsmittel abfließen, im außerordentlichen Haushalt ist noch ein Defizit von 600 Millionen, viele Schätzungen von Steuereingängen sind zu hoch angeseht. Der Betrag von 558 Millionen, der durch die Annahme des Poungplans für das Haushaltsjahr 1928/29 frei wird, muß also zur Sanierung des Etats und darüber hinaus zur Entlastung der Wirtschaft verwandt werden. Es kann bereits jetzt nicht scharf und warnend genug Front gemacht werden gegen die vielen Interessenten und Kostgänger, die bereitstehen, um die Verminderung der diesjährigen Reparationszahlung für ihre Sonderwünsche und neue Staatsaufgaben zu beschlagnahmen. Aber selbst eine Reuordnung unserer Finanzwirtschaft bei strengster Ablehnung aller neuen Ausgaben und Positionen macht notwendige Reformen, die schon feit langem von allen Einsichtigen gefordert werden, nicht überflüssig. Eine der dringlichsten ist die Reform der Arbeitslosenversicherung, um diese Institution ohne Erhöhung der Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf eigene Füße zu stellen un!d die hohen Zuschüsse des Reichs entbehrlich zu machen. Was dann not tut, ist ein klares Aufbringungsprogramm der Reparationslast, das alle Kreise zu dieser Last und dem Bewußtsein, sie zu tragen, heranzieht und nicht allein die Wirtschaft belastet, die im Gegenteil für die nächste Zeit dringend eine Herabsetzung derjenigen Steuern braucht, welche die Kapitalbildung heute so stark drosseln. Die besondere Jndustriebelastung wird fallen müssen, um fo mehr, als sich diese spezialisierte Aufbringung der Reparationslast nationalpolitisch nicht bewährt hat, da sie das allgemeine Gefühl für die Existenz und die Folgen einer solchen Last ungesund schwächt. Mit einem solchen Programm muß eine Revision unserer amtlichen Wirtschaftspolitik verbunden fein, die von dem Willen getragen ist, die produktiven Kräfte zu fördern und die Wirt- schaftsinitiative in Deutschland anzuregen, aber nicht, sie über Gebühr einzuengen und außer Landes zu scheuchen. Hierher gehört auch der Verzicht auf eine amtliche Lohnpolitik, die von Außenpolitische Umschau. Don Or. Otto Hoehsch, o. Pros, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. ZK. Durch zwei, wie man in der Diplomatensprache sagt, „Cntrevuen" von je zwei Staatsmännern in den letzten Tagen ist symbolisch bezeichnet, daß ein Einschnitt in den Staatenbeziehungen jetzt vorliegt, daß die bisherige Stagnation, die über der Europapolitik, über der Weltpolitik gelagert hat, weichen soll. Am 16. Juni trafen sich Macdonald und der neuernannte amerikanische Botschafter für London, Dawes, an einem kleinen Ort in Schottland: beide ließen dann am 18. bedeutsame Kundgebungen für die neuen Seeabrüstungs- verhandlungen zwischen England und Amerika folgen. Am 19. trafen sich Poincare und Stresemann in Paris, mit Beteiligung Briands, um die politischen Folgerungen aus dem Llbschluß der Pariser Konferenz vorzubereiten. Der Amerikaner und der Engländer sind sich der geschichtlichen Bedeutung des Augenblicks durchaus bewußt. Der Deutsche muß es ganz selbstverständlich fein. Wird es der Franzose sein. Das ist die Frage, die über der ganzen großen, verwickelten und heute noch nicht zu besprechenden Arbeit der Außenpolitik der nächsten Monate steht. In Madrid jedenfalls, beim Völkerbund s- rat, ist dafür nichts geschehen. Dort hat Driand, abhängig von seiner inneren Politik und der ganzen auch nicht einfachen Lage in Frankreich, nichts sagen können. Die Besprechungen zwischen Stresemann und Driand dort können kaum irgendeinen Ertrag gehabt haben. Um so unerfreulicher ist es, daß die Tagung selbst mit einer glatten Riederlage Deutschlands ausging. Denn die wenigen Verbesserungen im Verfahren bei Minderseitsbeschwerden vor dem Völkerbund, die der schließlich auch mit Deutschlands Stimme angenommene Beschluß zugab, fallen ja nicht ins Gewicht gegenüber der Tatsache, daß der Vorstoß Deutschlands vom Dezember gescheitert ist. So faßt man z. B. im Lager der kleinen Entente und ihrer Anhänger die Situation durchaus so auf, daß keine Aende- rung des gegenwärtigen Regimes in Minderheiten möglich und daß Stresemanns These glatt abgelehnt worden sei: er habe weder die von Deutschland beantragte ständige Minderheitenkommission noch die Vertagung auf den September, noch die Hebcrtocifung an den Haager Gerichtshof erreichen können. Der Feldzug auf Revision, der in Lugano eröffnet worden sei, habe also mit einem Mißerfolge geendet. Daran ist der Lage nach nicht zu zweifeln, und es ist doch zu fragen, ob die deutsche Dölker- bundspolitik den Vorstoß im Dezember genügend vorbereitet hatte. Weiter muß die Frage erhoben werden, ob diese deutsche Völkerbundspolitik bei allem Eifer und aller Sorgfalt im einzelnen, strategisch wie taktisch vollständig auf der Höhe ist, ob sie nicht allzusehr in der Fülle der kleineren Aufgaben untergeht und sich zu stark von der bekannten allgemeinen Atmosphäre von Genf bestimmen läßt. Diese ileber- Icgungen gehören auch in den Kreis der Erwägungen über neue Methoden und Anlagen der weiteren Politik, die jetzt von Deutschland angestellt werden müssen. Aber der Jubel auf der anderen Seite geht nun auch zu weit. Wenn auch die formelle Vertagung auf den September nicht erreicht wurde, so ist Deutschland gar nicht gehindert, auf der Versammlung im September die Frage erneut aufzurollen. Was es jetzt angenommen hat, sind Aeußerlichkeiten, die seine weitere Politik hierin durchaus nicht präjudizieren. Auf den ersten Hieb fällt kein Baum! Das soll fein Trost sein für den zweifellosen Mißerfolg der deutschen Minderheitenpolitik jetzt in Madrid, sondern es muß ein Ansporn fein, die Weiterführung dieser brennend wichtigen Angelegenheit besser und umfassender vorzubereiten. Cs gibt auch hier Bundesgenossen, die mithelfen: man muß das alles nur von langer Hand vorbereiten und untermauern. Allerdings: es ist auch nicht möglich, in der heutigen Fülle von neuen Aufgaben alles mit einem Male zu Gießener Konzeriverein. Bolkskonzcrt. Die diesjährige Konzertsaison fand ihren Ausklang mit einem Volkskonzert des Collegium musicum. Entsprechend der klanglichen Zusammensetzung dieses Instrumentalkörpers waren die Streichorchesterwerke der Barockzeit am gegebensten: zum andern vermochte diese Programmauswahl auch am besten der beabsichtigten Tendenz der Veranstaltung als Volkskonzert zu entsprechen. 2IUen diesen Werken ist eine durchsichtige Struktur und ein gemessener Aufbau eigen- die Unterschiedlichkeit der Jnstrumentalfarbe, die leicht durch ihre Plötzlichkeit imstande wäre, die aktive Mithörerschaft von dem inneren organischen Aufbau in seiner Folgerichtigkeit abzulenken, ist hier auf ein Mindestmaß beschränkt: um so mehr wird das rein Geistige des Werkes als allein wirkender Faktor in den Gesichtskreis des. Hörers geruckt. Daß aber ein solcher, nach unseren heutigen Gegriffen, etwas einseitiger Streichkörper in feiner Entfaltung sich voll und wuchtig auszuwirken vermag, das bestätigte die Aufführung. Händels Concerto gross o F = 2 u r bewies auch gestern wieder feine zwingende Macht, die Hörer sogleich in den Bann zu ziehen. Es wohnt diesem Werke eine eigentümliche kraftvolle Frische inne, die in der klanglichen Urwüchsigkeit doch einen wesentlich anderen Charakter zeigt als die Corelll- schen Vorbilder. Händel vermag, die Tonmassen in ihrer linearen Verknüpfung mit elementarer Steigerungskraft zu machtvollen Höhepunkten zu erheben. Concertino und Grosso stehen sich bei ihm als zwei einander korrespondierende Kraftquellen gegenüber, die sich einander im Akzent verstärken, sich gegenseitig bestätigen, ergänzen und stützen. Das Ineinan- dergreifen von Concertino und Grosso wurde durch die führende Hand von Herrn Unioersitätsmusik- direktor Dr. Temesvary zu einer organischen Einheit: er ließ das Konzert mit der bei ihm gewohnten großzügigen Art erwachsen. Mit festgefügter Architektur führte er das Andante larghetto ein, ließ die Filigranarbeit der thematischen Verwebung zwischen Solisten und Grosso überaus klar erwachsen, und vermochte zu großen gewaltigen Steigerungen wie am Schluß des Allegro’ zu führen. Das Largo holte er mit seinem Dualismus der fernen kontrastreich heraus und ließ das Werk in i dem gewuchtigen fugierten Allegro ma non troppo gipfeln. Den konzertanen Zug des dargebotenen Zeit» abschnittes trug Elisabeth Dies fenb ach mit der Durchführung ihrer Solls Rechnung. Die Geigerin verfügt über einen großen, tragenden Ton, der in seiner klanglichen Plastik zum berufenen Vertreter der barocken Linie wird. Offensichtlich entsprach es einer gewissen Absicht der Solistin, eine möglichst geschlossene plastische Linie bei Bach zu entfalten; vielleicht hätte man sich aber auch den ersten Sah der Bach-Sonate mit etwas mehr klanglicher Differenzierung denlen können. Sie wurde dem wieder auf gefundenen Werke eine erfolgreiche Künderin. Die Tartini- Variationen gelangen ihr da, wo es auf großen breiten Ton ankam, überaus wirkungsvoU. Ihre Stakkatotechnik trat hier wie auch im folgenden Solo von Pugnani nicht immer mit klanglicher Plastik heraus. In dem Präludium von Pugnani bewies sie sich als Beherrscherin des dramatischen, großen Tones, gefüllt mit voller Temperamentshingabe. Am stärksten erschien sie in der Durchführung des Soloparts des Dachschen Konzerts für Violine und Orchester in D-Moll, jenem Werk, das uns als Klavierkonzert überkommen ist. Der Violinvirtuose Prof. Robert Reih, Weimar, hat mit sachkundiger Hand und violinistischem Stilempfinden das Werk in seiner ursprünglichen Fassung wieder hergestellt, indem er die Solopartie der Cembalostimmen wieder mit einigen kleinen Ausgleichungen in ihre violinistischen Rechte einlehte. Ob es sich überhaupt um ein originelles Werk Bachs handelt, wird zur Zeit noch in Zweifel gestellt. Sicherlich steht Dachs Eigenschaft als (Bearbeiter unbedingt fest, und die Gründlichkeit der Dachschen Dearbeitung ist derart stark gewesen, daß selbst bei der Annahme einer fremden Autorschaft das Werk zu einem Künder Dachschen Geistes und Dachscher Auffassung geworden ist. Lind das bestätigte auch in der Ausführung durch das Collegium musicum das Allegro mit seinem dahinstürmenden Hauptthema, das Adagio mit seinem schwer lastenden unisono Eingang, über dem dann die Solostimme erblühte, und das Finale mit feiner großaufgebauten Cadenz in überzeugender Weise. Elisabeth Dieffenbach ging mit feinem Empfinden und technischer Sauberkeit auf die stilistischen Vielfältigkeiten des Werkes ein, und so wurde dieses Konzert in der rekonstruierten Form dank der Solistin ünd dank der geistigen Leitung des begleitenden Orchesters durch Dr. Temesvary ein wohlverdienter Erfolg, der auch von allen Seiten die vollste Anerkennung fand. Das Collegium musicum bewies sich als ein wohlgefügter Jnstrumentalkörper. der in allen seinen Gliedern, im Concertino und im Grosso, trefflich beseht ist und in dem geistige Hingabe und technisches Können sich zu vollem Gelingen die Hand reichen. Dr. H. Hochschulnachnchten. Zum ordentlichen Professor für allgemeine Chemie (anorganische und organische Chemie) an der Technischen Hochschule in Zürich ist der o. Professor Dr.-Ing. Leopold Ruzicka von der LIniversität LI t r e ch t berufen worden. — Der durch das Qlbleben des Geheimen Rots E. Sehling an der LIniversität Erlangen erledigte Lehrstuhl für Kirchenrecht ist dem Privatdozenten Dr. jur. Hans Gier mann in Freiburg i. B. übertragen worden. — Professor Dr. Edmund Mezger in Marburg hat einen Ruf auf den Lehrstuhl des Strafrechtes an der ilni- oerfität Kiel als Rachfolger von Prof. E. Schmidt erhalten. Mezger widmete sich dem Studium der Rechtswissenschaften in Tübingen, (Berlin und Leipzig, besonders unter Frank, Deling, v.Liszt und Wach, promovierte 1908 in Tübingen, wurde 1910 Rechtsanwalt in Stuttgart, später Referent im Württemb. Justizministerium, 1917 Staatsanwalt in Tübingen und 1920 Landrichter ebenda. Inzwischen erwirkte er feine Zulassung als Privatdozent in Tübingen. Seit 1925 wirkt Mezger als Ordinarius in Marburg. — In Dad Wil- bungen verschied am 18. d. M. der bekannte langjährige Vertreter der Erdkunde an der Göttinger LIniversität Geh. Regierungsrat Prof. Dr. phil. Hermann Wagner im 89. Lebensjahre. 1840 zu Erlangen geboren, studierte Hermann Wagner in Erlangen und Göttingen Mathematik, Physik und Anthropologie. Von 1864 bis 1876 am Gymnasium Ernestinum zu Gotha tätig, beteiligte er sich lebhaft an den Arbeiten der bekannten geographischen Anstalt von Justus Perthes, an dessen Spitze damals August Petermann stand. 1876 übernahm Wagner das neugegründete Ordinariat für Geographie in Königsberg, welchen Lehrstuhl er 1880 mit dem in Göttingen vertauschte. In seinen Hauptwerken, dem Lehrbuch der Geographie, dem Methodischen Schulatlas und dem Geographischen Jahrbuch hat der Gelehrte unübertroffene Leistungen vollbracht, deren jede in ihrer Art den Erdball umspannt. — An der Universität Würzburg ist das durch den Weggang Professor Arthur Franz erledigte Ordinariat der romanischen Philologie dem Privatdozenten Dr. Adalbert H ä m e l angeboten worden. Prof. Hämel trat 1911 in den höheren Schuldienst, wurde 1919 Lektor für spanische Sprache in Würzburg und habilitierte sich zwei Jahre später ebenda für das Fach der romanischen Philologie. Der Gelehrte ist Mitglied der Kgl. Akademie der Geschichte in Madrid und der Hispanic Society of America. Der o. Prof, der Pädagogik an der LIniversität Köln, Dr. Wilhelm Kahl, ist von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden. Kahl bestand in Straßburg das Staats- und Oberlehrerexamen und war seit 1887 im höheren Schuldienst in Metz, Diedenhofen, Colmar, Zabem und Pfalzburg (Lothringen) tätig. 1903 wurde Kahl Stadtschulrat in Köln, später Provinzialschulrat in Koblenz, später 'Beigeordneter der Stadt Köln und Dezernent der Volksschulen, der mittleren und höheren Schulen. 1922 erhielt Kahl die Ernennung zum ordentlichen Professor an der LIniversität Köln. — Das durch das Ableben des Geheimen Regierungsrates Erich Decher an der LIniversität München erledigte Ordinariat der Philosophie ist dem ordentlichen Professor Dr. med. et phil. Richard Hönigswald in Dres- I a u angeboten worden. Hönigswald studierte zunächst Medizin und später Philosophie, promovierte 1902 zum Dr. med. und zwei Jahre später in Halle zum Dr. phil. und habilitierte sich im Herbst 1906 in Dreslau für das Fach der Philosophie. Hönigswald erhielt 1916 die Ernennung zum a. o. Professor der Philosophie in Dreslau als Rachfolger von W. Stern. 1919 erfolgte seine Ernennung zum Ordinarius. einer zum Teil falschen Konsumtheorie ausgeht und zu einer mechanischen Steigerung unseres Lohnniveaus ohne Rücksicht auf Konjunktur. Erzeugungskosten und Auslandswettbewerb führt. Die bevorstehende Gesetzgebungszeit legt mtihin der deutschen Politik eine schwere Verantwortung und eine Ausgabe auf, die nur unter Abkehr von vielen bisherigen Praktiken zu lösen ist. Ziel Lieser Aufgabe muh sein: Ablehnung jeder neuen Aufgabe und Sparsamkeit in der Finanzwirtschaft, Kurswchsel in unserer amtlichen Wirtschafts- und Sozialpolitik, Raum jum Leben und Schaffen für die Wirtschaft, damit sie die Produktivität sichern kann, aus der allein die übernommenen Lasten getragen und gleichzeitig unsere Volkswirtschaft und das soziale Leben gesichert und weiterentwickelt werden können. An- sere Politik stand bisher im Zeichen der Aufblähung von Lasten und Ausgaben, sie muh hin- fort im Zeichen der Restriktion, der Sparsamkeit und einer Ordnung stehen, der ein ehrbarer Geschäftsmann vertrauen und mit der er weltwirtschaftlich kalkulieren kann. Aus der Provinzialhauptstadt. „ Gießen, den 22. Juni 1929. Das Gleiberg-Jubiläum. Die Jubiläumsfeier des Gleiberg- Vereins aus Anlaß der 50. Wiederkehr der Besitzübereignung der Burg Gleiberg vom preußischen Staat auf den Gleiberg- verein nimmt in steigendem Maße das Interesse der breiten Oeffentlichkeit in Anspruch. Nachdem am vorigen Sonntag in den Ausstellungsräumen des Oberhessischen Kunstvereins in Gießen (Turmhaus am Brand) eine reich beschickte A u s st e l - lung von Gemälden und Bildern aus Gleibergs alter und neuer Zeit eröffnet wurde, folgt am kommenden Donnerstag, 27. Juni, um 20 Uhr im Gießener Stadttheater die Aufführung des von Studiendirektor S ch m e h l i n g verfaßten historischen F e st s p i e l s „Gleiberg" (ein Spiel in drei Bildern). Das von dem Schauspieler Paul Gehre vom Gießener Stadttheater einstudierte Bühnenwerk spielt im Jahre 1104 auf dem Gleiberg. — Für Samstag, 29. Juni, ist nachmittags eine Familienfeier des Gleiberg- vereins und seiner Freunde und Gönner auf Burg Gleiberg (Konzert, Tanz, Bolts- und Kinderbelufti- aungen, Ballonaufstieg usw.) vorgesehen, der sich am Abend eine große Burgbeleuchtung anschließen wird. — Am Sonntag, 3 0.1uni, wird vormittags ein Festakt im großen Burgsaal auf Burg Gleiberg stattfinden, nachmittags um 2 Uhr wird ein großes Volks- und Heimatfest beginnen, in dessen Rahmen zwei historische Festzüge auf der Burg zur Abwicklung kommen werden, Dr. Lampe (Gießen) die Festrede halten wird und Sonderoorsührungen des Gießener Ju- gcndtanzkreises die Vortragsfolge noch bereichern sollen. Den Abschluß dieses Festtages bildet wiederum eine große Burgbeleuchtung. An beiden Festtagen ist für reichliche Fahrgelegenheit mittels Kraftpost von Gießen nach der Burg Gleiberg Sorge getragen. Die Veranstaltung verdient als rechtes Heimatfest die Unterstützung aller Mitbürger in Stadt und Land. Hessisches Gängerbundesfest. Das Ehrenpräsidium des H e s s i s ch e n S ä n g e r- bundesfestes, das vom 12. bis 15. Juli in Darmstadt stattfindet, haben Staatspräsident Dr. Adelung und Oberbürgermeister Müller (Darmstadt) übernommen. Der Ehrenausschuß, der neben den hessischen Ministern führende Persönlichkeiten der Staats- und Stadtverwaltung, der Kunst und Wissenschaft, der Landwirtschaft, des Handels, der Industrie, des Handwerks, der Presse, der Schule und Universität, nicht zuletzt der in Hessen tätigen Reichsbehörden aufweist, zeigt in der Vielgestaltigkeit seiner Zusammensetzung, daß alle Kreise ein lebhaftes Interesse an dcr großen Kundgebung des Hessischen Sängertums bekunden. Das Fest beginnt mit dem Eröffnungskonzert des Gaues Darmstadt- Stadt am Freitagabend in der Festhalle der Landeshauptstadt. 1400 Sänger im Verein mit dem Landestheaterorchester werden sich zu einer eindrucksvollen Ehrung Arnold Mendelsohns zusammen- schließen. Der Samstag gibt in 16 Konzerten Gelegenheit, Leistung und Aufstieg verschiedener Vereine aus allen Teilen des Bundesgebiets kennenzulernen.» Höhepunkte der Sonntagsoeranstaltungen sind die vaterländische Kundgebung im Orangeriegarten, der Festzug und das Konzert in der Festhalle. Gießener Wochenmarktpreife. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Dutter 190 bis 200, Matte 30 bis 35, Wirsing 30 bis 35, Spinat 25 bis 30, Römischkohl 15 bis 20, grüne Bohnen 40 bis 50, gelbe Dohnen 60 bis 70, Spargel 50 bis 90, Erbsen 25 bis 35, Mischgemüse 10 bis 15, Tomaten 60 bis 100, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 10 bis 15, alte Kartoffeln 5,5, neue Kartoffeln 15 bis 20, ausländische Aepfel 45 bis 70, Kirschen 40 bis 50, Stachelbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 60 bis 100, Aprikosen 50 bis 70, Dörrobst 35—40, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Tauben 70 bis 90, Gier 12 bis 13, Blumenkohl 30 bis 90, Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 60, Einmachgurken 15 bis 20, Ober-Kohlrabi 10 bis 20, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 15 Pf. das Stück: Radieschen 10 bis 15, gelbe Rüben 15 bis 20 Pf. das Bund: Kartoffeln 4,50 Mk. der Zentner. ** Gegen die Verunreinigung der Lahn. Das Polizeiamt teilt mit: Die vorjährige Verunreinigung des Lahnwassers in der Sommerzeit gibt Veranlassung, rechtzeitig darauf hinzuweisen, daß jede vorsätzliche und fahrlässige Verunreinigung des Lahnwassers strafbar ist. Erwünscht ist es, daß diejenigen Personen, welche eine Verunreinigung der Lahn, z. D. auch das Einwerfen von Ankraut, wahrnehmen, der Polizei Mitteilung machen. Die Polizei- und Feldschutzbeamten werden für die Folge auf die Verunreinigung des Lahnwassers ihr besonderes Augenmerk richten. " Zwecklose Gesuche. Die Stadtverwaltung weist in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß die Gesuche um Vermittlung von Arbeitsstellen bei den städtischen Dauämtern und Betrieben, die in großer Zahl an die Verwaltung gerichtet werden, aussichtslos sind, da ständige Arbeitsstellen fehlen und die nichtständigen Arbeiter aus der großen Zahl der Wohlfahrts-Unterstützungsempfänger den Dauämtern überwiesen werden. Die Arbettslosenversichekung imb die Gemeinden. Von einem Kommunalpolitiker. Es kann den deutschen Städten nicht zum Vorwurf gemacht werden, daß sie dem Gedanken einer Arbeitslosenunter st ützung fein Verständnis entgegengebracht hätten; es fei nur darauf hingewiesen, daß schon vor dem Kriege einige Städte, darunter auch Berlin, das sog. Genter System übernommen hatten, wonach die Gemeinden den gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern den gleichen Betrag, den sie von ihren Gewerkschaften erhielten, aus städtischen Mitteln zuwendeten. Ebenso haben die Städte der Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten, lange bevor sich das Reich darum kümmerte, die größte Beachtung geschenkt. Um so bedauerlicher war es, daß das neue Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung trotz des heftigen Widerspruchs der kommunalen Spitzenoraanisationen die Arbeitslosenversicherung und die Arbeitsvermittlung von den Städten losgelöst und damit gerade die Instanzen ausgeschaltet hat, die an einer vernünftigen Lösung dieser Fragen das nächstliegende Interesse haben. Was die Städte befürchteten, ist denn auch bald eingetreten. Da die Arbeitslosenversicherung ihrer ganzen Natur nach nur zeitlich bearenzt wirksam sein kann, ist sie für die Bekämpfung der Dauerarbeitslosigkeit — und diese ist heute in vielen Gegenden Deutschlands und in vielen Zweigen von Handel und Industrie das Tyypische — völlig ungeeignet. Die Versicherung steuert nach einem bestimmten Zeitraum die Versicherten aus, und diese „Ausgesteuerten" belasten den Wohlfahrtsetat der Städte in einem kaum mehr tragbaren Ausmaße. So sind z. B. in der Stadt Offenbach a. M. von den rund 7000 Erwerbslosen nicht weniger als etwa 2 3 0 0 ausgesteuert. Wie kann man dieser Tatsache gegenüber noch davon sprechen, daß durch die Einführung der Arbeitslosenversicherung die Städte eine wesentliche finanzielle Entlastung erfahren haben? Es ist ein schwacher Trost, wenn man auf normale Zeiten verweist, in denen die Versicherung wohl ihre Aufgabe voll erfüllen werde. Die Aussicht auf diese normalen Zeiten ist doch noch recht vage; dazu kommt, daß allgemein die Leistungen der Versicherung nicht derart sind, daß sie eine zusätzliche Unterstützung durch die Gemeinden überflüssig machen. Das allerbede^klichste aber ist, daß in der Praxis zwei Arten'von Arbeitslosen geschaffen werden, die von der Arbeitslosenversicherung betreuten, an deren Unterbringung ganz naturgemäß die Arbeitsämter zur Entlastung der Versicherung ein besonderes Interesse haben, und die dem Wohlfahrtsamt überwiesenen Arbeitslosen, deren Wiedereingliederung in den Produktionsprozeß kaum möglich ist. Die jetzige außerordentliche Wirtschaftskrise hat nun gezeigt, daß die Arbeitslosenversicherung nicht in der Lage ist, ihre Ausgaben zu decken, und da das Reich es ablehnt, sich mit dauernden Zuschüssen für die Versicherung zu belasten, gehen die Versuche, einen Ausgleich herbeizuführen, nach zwei Seiten. Die einen — und das sind die Kreise um die Gewerkschaften — wollen der angeblich vorübergehenden Krise durch eine vorübergehende Erhöhung der Beiträge beikommen, die anderen glauben, durch eine Kürzung der Ausgaben den Ausgleich herbeiführen zu können. In einem Punkte sind sich beide Teile einig: Es müsse unter allen Umständen versucht werden, dem zweifellos vorhandenen Mißbrauch der Versicherung zu st euer n. Daran haben auch die Städte ein großes Interesse; es wäre nur zu wünschen, daß alle, die dazu in der Sage wären, Lazu mithelfen würden. Es will scheinen, daß auch die Arbeitgeber hier eine besondere Aufgabe und Möglichkeit hätten. Aber mit der Beseitigung dieser Uebelstände allein wird eine Sanierung der Arbeitslosenversicherung nicht zu er- reichen fein. Die deutschen Gemeinden müssen nur eins verlangen: Daß die in Aussicht genommene Regelung nicht zu einer neuen Bclastung der Gemeinden führt. Sie befürchten aber, daß die geplante Herausnahme bestimmter Gruppen aus der Arbeitslosenversicherung nur dazu führen wird, eine immer größere Zahl von Arbeitslosen den Wohl- fahrtsämtern zuzuführen und damit die heute schon nicht mehr tragbaren Soziallasten der Städte um ein bedeutendes zu steigern. Das Reich hat sich die Sorge um die Arbeitslosen langsam, aber sicher vom Halse geschafft und überläßt es den Gemeinden, wie sie damit fertig werden. Die Städte, die heute zum großen Teil nicht einmal in der Lage sind, die dringendsten Un- terhaltungsarbeiten durchzuführen, um ihren Vermögensstand zu wahren, werden immer wieder und wieder mit neuen Ausgaben belastet, ohne daß ihnen jemand sagen kann, wie sie diese Ausgaben decken sollen. Daß an dieser Entwicklung weder das Reich, noch die Länder und vor allen Dingen der deutsche Staatsbürger eine reine Freude haben werden, sollte eigentlich einleuchten. Die Städte haben es an Warnungen nicht fehlen ltssen. Sie müssen daher die Verantwortung für das Kommende ablehnen. ** Rindermarkt in Gießen. QIm kommenden Dienstag findet in Gießen Rindvieh- (Rutzvieh-) Markt statt. Der nächste Schweinemarkt ist auf den 10. Juli anberaumt. ** Vorsicht beim Aufbewahren von frischen Lebensmitteln in der heißen Jahreszeit! Bekanntlich sind frische Lebensmittel, insbesondere Fleisch- und Wurstwaren, Fische usw. während der wärmeren Jahreszeit leicht dem Verderben verfallen. Die Erfahrungen haben gelehrt, daß beim Genuß derart verdorbener Waren leicht Nachteile für die menschliche Gesundheit entstehen können. Die einschlägigen Geschäfte werden schon in ihrem eigenen Interesse darauf bedacht sein, leicht verderbliche Waren nur in einwandfreiem Zustande an die Käufer abzugeben, verhältnismäßig oft kommt es aber vor, daß manche Käufer unbewußt oder fahrlässig nicht immer für eine sachgemäße Aufbewahrung solcher Nahrungsmittel Sorge tragen, so daß diese in wenigen Stunden verdorben sind. Besonders bei Gewitterbildungen nimmt der Zersetzungsprozeß bei derartigen Lebensmitteln einen raschen Verlauf, wenn sie in falscher Weise in den Haushalten aufbewahrt werden. Wer im Zweifel ist über die sachgemäße Behandlung und Aufbewahrung leicht verderblicher Genußmittel, sollte sich unbedingt bei dem Verkäufer erkundigen, und er sollte die von dieser sachverständigen Seite gegebenen Ratschläge auch befolgen. " Sieger-Ehrung. Man berichtet uns: Die hervorragenden Erfolge, die die Turner und Turnerinnen des hiesigen Männer-Tarn- vereins bei den verschiedensten turnerischen Veranstaltungen in diesem Llcchre bereits errungen haben, legen Zeugnis ab von dem guten turnerischen Geist, der in dem Verein herrscht. Der 1. Sprecher nahm daher Veranlassung, in der letzten Turnstunde den Siegern und Siegerinnen die QInerlennung und den Dank des Vereins auszusprechen. Dabei feierte er ganz besonders! die Erfolge beim 76. Feldbergfest, von dem die 15 dorthin entsandten Vereinsmitglieder alle sieg- gekrönt heimkehrten. Er gedachte der glänzenden Leistungen von Else Bickelhaupt, die unter 164 Bewerberinnen den 1. Sieg, und des Heinz Rothermel, der unter 367 Mitbewerbern den 2. Sieg an die Vereinsfahne heften konnte, und überreichte ihnen eine kleine Erinnerungsgabe. Mit den herzlichsten Glückwünschen an alle Sieger und Siegerinnen — ihre Rainen wurden von uns bereits am Dienstag veröffentlicht — verband er die Mahnung, jetzt nicht zu rasten und zu rosten, sondern fleißig weiterzuarbeiten zum Wohle des Vereins und der Deutschen Turnerschaft. ** Der Konsumverein Gießen und Umgegend wird, wie er im heutigen Anzeigenteil bekanntgibt, seine im Asterweg 6 durch Umbau erweiterte Verteilungsstelle am nächsten Montag wieder eröffnen. Der Verein ist, wie man betont, mit dieser jetzt modern eingerichteten Derteilungs- stelle den Wünschen seiner Mitglieder in dieser Stadtgegend gerecht geworden. ** Vom Kurhaus Bad-Nauheim. Ein Lieder- und Arienabend des Sängers Umberto Urbano von der Mailänder Scala findet am kommenden Dienstagabend im großen Bühnensaal des Nauheimer Kurhauses statt. Interessenten seien auf die heutige Anzeige hingewiesen. "Herrenlose Fahrräder. Der Polizei- bericht teilt mit: Bei der Kriminalabteilung des Polizeiamts Gießen sind nachstehend beschiebene Fahrräder sichergestellt, deren Eigentümer bis heute nicht ermittelt werden konnten: Herrenrad Marke „Masi", ohne Fabriknummer, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen und hochgebogene Lenkstange; Herrenrad Marke „Diamant", Fabriknummer 450 877; Herrenrad Marke „Hammonia", ohne Fabriknummer, schwarzer Rahmen, schwarze Felgen und hochgebogene Lenkstange; Herrenrad Marke „Allright", ohne Fabriknummer, schwerzer Rahmen, schwarze Felgen und graue Bereifung; Herrenrad Marke „Viktoria", Fabriknummer unbekannt, das Rad ist schwarz überlackiert. Empfangsberechtigte wollen sich bei der Kriminalpolizei melden. ** Allerlei Diebstähle. Der heutige Polizeibericht meldet: Ende Mai oder Anfang Juni wurde aus einem Hofe in der Kirchstraße eine Stehleiter, die grau gestrichen war, am 11. 3uni mittags aus einer verschlossenen Wohnung ein lila Damenkleid und ein rosa Untcrrocf mit gelben Spitzen und am 13. 3uni zwischen 14,30 und 15 Ufjr aus einem Cas6 am Marktplatz eine gelbe Aktentasche mit Geschäftsbüchern der Firma „3reks A.-G. Kulenbach, der „Einkaufsgenossenschaft der Konditoren Frankfurt a. M. und Umgegend" und Papiere der Firma „Heinrich Lenz, Frankfurt a. M." entwendet. 3m letzten Falle kommt eine schwarzgekleidete Frau in Frage, die angeblich im Cafe gewesen war und den Vdrgang beobachtet hatte; sie soll 30 bis 35 3ahre alt sein. Am 14. 3uni wurde aus dem Wartezimmer der Kinderklinik eine Geldtasche mit 40 Mk. entwendet. Starkenburg. WSN. Darmstadt, 21.Juni. Heute Nacht entstand in der Waldstraße 16 im ersten Stock eine folgenschwere Benzinexplosion. Eine Ehefrau wollte die Petroleumlamve füllen, vergriff sich in der Flasche und öffnete eine gefüllte Benzinflasche. Der neben ih? stehende Ehemann hatte unvorsichtigerweise eine brennende Stearinkerze in der Hand. Die rasch entwichenen Benzindämpfe entzündeten sich an der Ker^e. Die Flasche explodierte, und im Nu stand das ganze Zimmer in Flammen. Der Ehemann mußte mit schweren Brand Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Während die Feuerwehr die Frau und ein Kind in Sicherheit bringen konnte, brannte das Zimmer völ- l i g aus. Preußen. Schweres Bootsunglück auf dem Main. WSR. iFrankfurt a.M., 21.3uni. Heute nachmittag gegen 16 Uhr ereignete sich auf dem Main ein schweres Dootsunglück, dem zweijunge MenschenlebenzumOpfer fielen. Zwei etwa 20jährige Burschen, deren Ramen im Augenblick noch unbekannt sind, mieteten ein Paddelboot und fuhren mainabwärts. 3n der Rähe des Städtischen Krankenhauses wollten sie das Boot drehen, das Boot kenterte und schlug um. Die beiden Burschen, die anscheinend des Schwimmens unkundig waren, machten verzweifelte Anstrengungen, sich zu retten, und schrien laut um Hilfe, doch niemand wagte es, ins Wasser zu springen; ein Fahrzeug war zudem nicht zur Hand. Rach einem furchtbaren Todeskampf verloren sie die Kräfte und sanken unter. Der Besitzer des Bootes, sowie ein anderer Schiffer bemühten sich spater, die Leichen zu bergen, was nach einiger Mühe auch gelang, Loch waren die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche erfolglos. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 21. 3uni. 3n Frankfurt a. M. operierte seit Mai d. 3. ein Schwindler mit einem neuartigen Betrügertrick. Er suchte in 3nferaten der Tageszeitungen Leute, die Fahrräder, Motorräder oder Musikinstrumente anzubieten hatten, einigte sich sehr schnell über den geforderten Preis und gab einen schon vorher ausgestellten Scheck in Zahlung, der stets 20 bis 25 Mk. höher war als der geforderte Preis. Die Differenz ließ er sich i n bar auszahlen. Ferner suchte er Frauen auf, deren Gatten, wie er aus 3nferaten feststellte, einige Tage vorher gestorben waren. Er Rente sich als Angestellter einer Lebensversicherung vor, wo der Verstorbene eine Lebensversicherung in Höhe von 5000 Mk. gemacht hätte. Diese Summe brachte er den Frauen in einem Scheck und ließ sich jedesmal eine Gebühr von 25 Mk. auszahlen- Der Schwindler wurde nunmehr von der Kriminalpolizei verhaftet. Es handelt sich um einen gewissen Friedrich Maurer, geboren in Aschaffenburg im 3ahre 1902. — Ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem es drei Schwerverletzte gab, ereignete sich heute vormittag in der Hohenstaufenstraße. Ein Auto, das von Franz B r u e r aus Laubeseschbach (Oberlahnkreis) gesteuert wurde und in dem sich als Beifahrer Otto Kleinschmidt aus Rod a. d. Weil befand, stieß mit einem Motorrad zusammen, dessen Fahrer das Auto vor dem Einbiegen in die Ludwigstrahe schneiden wollte. Der Zusammenprall war so stark, daß der Führer des Autos und der. Führer des Motorrades sowie der Beifahrer mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus gebracht werden mußten. $ünf Jahre Zuchthaus für einen internationalen Betrüger. WSR. Mainz, 21.3uni. Der gemeinsamen Tätigkeit der Mainzer, Wiesbadener, Frankfurter und Mannheimer Kriminalpolizei ist es gelungen, einen internationalen Betrüger zu stellen. Es handelt sich um den 46jährigen Italiener D a g n o l i, der im Verein mit andern 3talienern während einer Reihe von 3ahren größere Betrügereien verübt hat. Es fielen ihm in den Städten Mainz, Wiesbaden und Frankfurt, sowie in vielen kleinen Landortschaften durch betrügerische Machenschaften Beträge bis zu 15 000 Mk. in die Hände. Die Betrüger wandten sich in der Regel an kleine Landwirte, an Handwerker und Beamte, deren Gutmütigkeit sie ausnützten. Der Führer der Bande, D a g n o I i, stritt zuerst ab, der Gesuchte zu fein, wurde aber durch Gegenüberstellung mit den Geschädigten einwandfrei festgestellt. Er wurde wegen Körperverletzung, Bettelns, Landstreicherei und Betrugs zu fünf 3ahren Zuchthaus und 1200 Mk. Geldstrafe verurteilt. Spielplan -er frankfurter Theater. Opernhaus: Sonntag, 23. 3uni, von 19 bis nach 22.45 Ahr: Der Rofenkavalier. Montag, 24., von 19.30 bis 22.30 Ahr: Die Macht des Schicksals. Dienstag, 25., von 19.30 bis gegen 22.30: Cosi fan tutte. Mittwoch, 26., von 19.30 bis gegen 22.30: Hoffmanns Erzählungen. Donnerstag, 27., von 19.30 bis 22.30: Der Zigeunerbaron. Freitag, 28., von 20 bis 21.30: Elektra. Samstag, 29., von 20 bis nach 22.30: Der Troubadour. Sonntag, 30., von 17.30 bis gegen 23: Die Meistersinger von Rürnberg. Montag, 1. 3uli, von 19.30 bis 22.45: Die Fledermaus. Schauspielhaus: Sonntag, 23. 3uni, von 11 bis gegen 1 Ahr: 2. Dramatische Aufführung der Frankfurter Opernschule. 20 bis 22.15: Das Gerücht. Montag, 24., von 20 bis gegen 22.15: Der Mann, der seinen Ramen änderte. Dienstag, 25., von 20 bis gegen 22.15: Das Gerücht. Mittwoch, 26., von 20 bis gegen 22.15: Der Mann, der seinen Ramen änderte. Donnerstag, 27., von 20 bis gegen 22.45: Was 3hr wollt. Freitag, 28., von 19 bis gegen 22: Wilhelm Teil. Samstag, 29., von 20 bis gegen 22.15: Katharina Knie. Sonntag, 30., von 20 bis gegen 22.15: Der Mann, der feinen Ramen änderte. Montag, 1.3uli, von 20 bis gegen 22.15: Katharina Knie. Berliner Börse. B e r I i n, 22.3uni. (WTB. Funkspruch.) Zum Wochenschluß ist im Frühverkehr eine Tendenz noch schwerer erkennbar als sonst. Der Markt liegt ohne besondere Anregungen, auch von einem Ordereingang war bei den Banken noch nichts festzustellen. Der Grundton scheint aber freundlich zu bleiben, man taxiert vorläufig gestrige Abendkurse. So hört man Siemens 402, Farben 253 bis 253,5, Gelsenkirchen 138,5 und Mannesmann 120. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,99, London gegen Mailand 92,68, London gegen Spanien 34,27, London gegen Amsterdam 12,07, London gegen Schweiz 25,1925 zu 25,1950, London gegen Kabel 4,8483. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 23. Juni. 4. Sonntag nach Trinitatis. Sladlkirche. 8 Uhr: Pfarrer Becker; Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinde; 9.30: Pfarrer Mahr 11: Kinderkirche für die Mattbäusgemeinde; Pfarrer Mahr. — Jo- hanneskircye. 8: Pfarrer Ausfeld; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Johannes- gemeinde 9.30: Pfarrer Becker; abends 8: Bibelbesprechung im Johannessaal Pfarrer Müller. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz; Christenlehre für die Neukonfirmierten der Luthergemeinde; 10.45: Kinderkirche. — Elisabelh-Klein- kinderschule. 8.15: Christenlehre für die Neukonfirmierten der Petrusgemeinde; 9.45: Pfarrer Lic. Waas. — Wieseck. 9; 10.45: Christenlehre. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Christenlehre für die konfirmierte männliche Jugend 1.30: Lollar. — f)aufen- Garbenleich. 10: Garbenteich; Christenlehre; 1: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 9: Christenlehre; 10: Hauptgottesdienst. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Christenlehre für die weibliche Jugend; 12.45: Kindergottesdienst; — Rieder-Bessingen 9.30: Gottesdienst. katholische Gemeinden. Samstag, den 22. Juni. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, den 23. Juni. 5. Sonntag nach Pfingsten-. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe: Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 2: Christenlehre und Andacht. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. Sonntagsdienst d.Aerzreu. Apotheken am 23.6.29 Dr. Klewitz. Dr. Geyer. Pelikanavotheke. Zahnarzt: Dr. Gonter. "D Geschäftliches. Selbst wenn Sie von der Gesundheilsrichlong ab- sehen, ist „kornfrcmck" für weite Kreise das gegebene, alltägliche Familiengetränk. Seine Ausgiebigkeit geht bei verblüffender Kaffeeähnlichkeit des Geschmacks fagar so weit, daß man aus einem Pfund-Paket 20-,V’ . - ’ if. M ■ B LuX S?pFNfLOCK£N Se*-:iVhbhAC - Hören Sie, warum diese berühmten Fabrikanten und Verkäufer Lux Seifenflocken empfehlen:— LUX. Bemberg: „ Der feine Schaum der Lux Seifenflocken umhüllt die Schmutzteilchen und entfernt sie, ohne die zarte Gewebefaser anzugreifen.“ Diese Sachverständigen irren sich sicherlich nicht; sie wissen, wie ungemein wichtig schonendes Waschen für die Erhaltung zarter Gewebe ist, und sie raten zu Lux Seifenflocken, weil diese alle feine Wäsche sehr lange wie neu erhalten. 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I Photo? i Geh zu 1 Winterhoff I 49I3A Wefifylla Separatoren f 'tynwtyJlrv ^r^w^*-Ä{4*' ! ■4ta^ Äi^MKrJäL S6iw^/vwiuen und die Verteilerinteressen würden durch die Gasfernversorgung nicht beeinträchtigt. Die Ruhrgas A.-G., die durch eine günstige ver> iverlung der Nebenprodukte niedrige Gaspreise gewähren könne, fei der Meinung, daß namentlich in Gewerbe und Industrie in der Zukunft andere Brenn flösse weitgehend durch Gas zu ersehen seien. Diese Meinung stützte sich auf Erfahrungen, die in anderen Ländern und im rheinischen Industriegebiet gemacht worden seien. 3m April v. 3. habe die Gesellschaft das Gasnetz des R.W^. übernommen; nach einem 3ahre habe man den Absatz um über 30 Prozent steigern können. Die Gasabgabe der Gesellschaft betrage jetzt schon täglich 1,2 Millionen Kubikmeter, wovon 400 000 Kubikmeter aus dem alten R.W.E.-Veh uwd 800 000 Kubikmeter aus dem neuen Veh, letztere Menge lediglich an die Industrie, abgegeben werde. Ein Werk der Vereinigten Stahlwerke, die Niederrheinische Hülle, verbrauche mehr Gas als die Städte Düsseldorf, Dortmund und Sulzburg zusammen, nämlich elwa 140 Mill. Kubikmeter jährlich. Der in der Zukunft wachsende Bedarf von 3ndustrie und Gewerbe könne durch die Erzeugung der Kommunen nicht befriedigt werden. Bei dem Angebot der Südwega an die Hekoga habe es sich praktisch gezeigt, daß die Kommunen nicht die niedrigen Preise und nicht die Mengen, wie die Ruhrgas-A.-G. bieten könnten. Es sei ihnen auch nicht möglich, die Spitzen zu liefern, die bei einer Zunahme des Verbrauchs notwendigerweise aufträten. Bei den Berechnungen der Hekoga sei man von der Annahme ausgegangen, daß die Belastung der Kokerei einigermaßen gleichmäßig sei. Wenn aber tatsächlich in einem strengen Winter die Vachfrage stark wachse, müsse mit dem steigenden Kapitaldienst der Gaspreis steigen. 3m Zusammenhang mit einer Steigerung der Nachfrage stehe auch eine starke Vermehrung des Koksanfalls, der von den Kommunen nicht ohne weiteres abzusehen fei, da der Ruhrbergbau ihnen wohl nicht kampflos den Markt überlassen werde. 3m Falle einer Kohlenpreissteigerung könne ferner immer eine Gaspreiserhöhung eintreten, denn die Preise der Vebenprodukte, wie Teer, Ammoniak, Benzol usw. gingen nicht unbedingt mit in die Höhe. Aus diesem Grunde habe auch die Rubrgas-A.-G. mit ihrem Angebot ein großes Risiko übernommen. Die Saar könne nicht dasselbe bieten wie die Ruhr, da ihr augenblicklich nicht deren große Gasmengen zur Verfügung ständen, wenn auch Wohl in der Zukunft Gasfernleitungen von der Saar für die benachbarten Gebiete, wie die Pfalz usw., unausbleiblich feien. Ein Jdealzustand sei der Dau von Leitungen sowohl von der Ruhr wie von der Saar, wobei die örtlichen Anlagen in Frankfurt a. M., Mainz und Mannheim bestehen bleiben könnten, da sie als Stützpunkte sehr erwünscht seien. Schließlich wurde betont, daß der wirtschaftliche Unterschied der Angebote darin bestehe, daß die Ruhr- g a s - A. - G. der 3ndustrie besonders niedrige Preise bieten könne und in der Lage sei, den wachsenden 3ndustriebedarf ohne Preissteigerung zu decken. zuschasfen, was aber unterblieb. Run hat neuerlich das gleiche Pferd den noch ledigen Sohn des Hauses durch Ausschlagen tödlich verletzt. Der junge Mann, der in Kürze zu heiraten beabsichtigte, wurde heute unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen * Aus dem oberen Viddatale, 21. Juni. Einen erheblichen Einnahmeausfall bedeutet für viele Landwirte unserer ©egc.u in diesem 3ahre das Ausbleiben der Dick- wurzpflanzen suchenden Vogelsberger, die ausnahmsweise einmal genug „Setzwerk" hatten. Mancher, der seit 3ahren seinen Betrieb auf den Verkauf von Dickwurzpflanzen eingestellt hatte und in einer einnahmearmen Zeit ein schönes Stück Geld zusammenbrachte, sieht sich in seinen Erwartungen getäuscht und muß seine Pflanzen verfüttern. — Der Verhäng der Ob st bäume, besonders der Apfelbäume, ist zufriedenstellend. Allerdings bewirkt die herrschende Trockenheit bereits ein Abfallen der Früchte. Das Bespritzen der Obff* bäume, das von manchen Obstzüchtern erstmalig durchgeführt wurde, zeitigt schon Erfolge, denn die bespritzten Väume sind schädlingsfrei, während unbehandelte von Raupennestem wimmeln. Der strenge Winter 1928/29 hat das von seinem, fast ebenbürtigen Vorgänger 1923/24 begonnen? stände. Wie er sagte, wäre Stuart ein sehr nei> vöser und etwas eingebildeter Mensch gewesen, der in steter Furcht vor seinem Vater, einem reichen Landbesitzer in Kanada, lebte. Bei einer Tasse Tee im Cecil vertraute ihm Stuart an, daß er feine Frau zurückließe und nach Kanada führe, um feinem Vater die Veuigkeit feiner Heirat beizubringen. Er war in großer Sorge, was fein Vater dazu sagen würde, oder vielmehr, er hatte nicht den geringsten Zweifel, daß fein Vater außer sich fein würde. Der langen Rede kurzer Sinn war, daß er am nächsten Tage London verlassen, bei der ersten passenden Ge- legenfjeit seinem Vater reinen Wein einschenken würde, um dann zurückzukehren und seine Frau zu holen." „Ich zweifele nicht im mindesten daran, daß Stuart seinem Vater nichts erzählte, daß er das Geheimnis seiner Heirat sorgfältig hütete und schließlich in der Besorgnis, daß man doch dahinterkommen würde, alle Verbindung mit seiner Frau abbrach." „Man soll über die Toten nichts Böses sagen," versetzte das junge Mädchen kopfschüttelnd, „aber sehr anständig hat er nicht gehandelt." „Stimmt," sagte Larry. „Es war feige. Aber auf jeden Fall muh er feiner Frau eine recht beträchtliche Summe gegeben haben denn als der Vikar sie wiedersah, lebte sie in guten Verhältnissen. Drei Monate später, im 3uni 1898, wurde sein Kind geboren — sein Kind, das er niemals sehen sollte, von dem er höchstwahrscheinlich niemals gehört hatte, bis ihn vielleicht nach 3ahren Gewissensbisse nach England brachten um Weib und Kind aufzufinden." „Wahrscheinlich hat er sich an ein Auskunftsbureau gewandt, und das Resultat war die Entdeckung auf dem Kirchhof in Beverley' Manor — das Grab seines Weibes und feiner Tochter." „Wer ist denn aber Clarissa?" fragte sie, und Larry zuckte mit den Achseln „Das ist Rätsel Vummer zwei und muh noch gelöst werden." Das junge Mädchen schwieg, und ihre Brauen runzelten sich nachdenklich. Plötzlich legte sie den Federhalter fort, an dem sie in Gedanken herumgeknabbert hatte, und blickte ihn über den Tisch hinweg mit einem langsamen triumphierenden Lächeln an, das in seinem Gesicht eine willige Antwort fand. „Sie haben es gefunden?" sagte er eifrig, und sie nickte. „Sie haben das Rätsel der Tochter Clarissa gelöst?" „Ich glaube, das war eines der leichtesten Probleme," sagte sie ruhig, „und ich muh furchtbar dumm fein, dah ich nicht früher daran gedacht habe. Haben Sie den Geburtsschein?" „Voch nicht. Wir wollen morgen versuchen ihn aufzufinden" Zerstörungswerk an den Zwetschen- bäumen so beschleunigt, daß binnen kurzem mit dem Absterben eines großen Teiles der alten Zwetschenbäume gerechnet werden muß. Ein langsamer Ersah der dem Baumtode verfallenen Zwetschenbäume ist geboten, denn der Absatz von Zwetschen ist in Dörfern in Dahnnähe immer noch lohnend. Kreis Schotten. * Eichelsdorf, 21. 3uni. Dieser Tage konnte unsere Gemeinde trieb:rum einen wichtigen Abschnitt in dem feit 3al;ren geführten Kampfe gegen das Wasser — die Kanalisation des Unterdorfes — zu Ende führen. Die umfangreiche, nach Plänen des Kulturbauamtes Gießen von Maurermeister Friedrich Rau von hier ausgeführte Arbeit hat nun endlich nach Fertigstellung der von den Hofreitebesihem herzu- stellenden Hausanschlüsse eine völlige Entwässerung der Mühlgasse herbeigeführt. Erhebliche Wassermassen von denen im günstigsten Falle ein geringer Teil langsam versickerte, werden jetzt zu raschem Abfliehen gebracht, und die Keller sind nunmehr voll benutzbar. Kreis Als?eld. Alsfeld, 21.Juni. Stadtvorstandssitz u n g. In der gestrigen Sitzung befaßte man „Die Mühe kann ich Ihnen ersparen," fuhr Diana fort „Clarissa ist die andere Zwillingstochter." „Zwillinge!" stammelte Larry. Diana nickte, und ihre Augen blitzten vor Vergnügen über feine Ueberraschung. ..Das liegt doch auf der Hand," sagte sie. „Die arme Mrs. Stuart hatte Zwillinge, einer von ihnen starb, und der andere ist Clarisfn von deren Existenz Stuart vielleicht erst wenige Stunden vor seinem Tode erfuhr." Larry starrte sie ehrfürchtig an „Wenn Sie Chefkommissarin der städtischen Polizei sind, werde ich außerordentlich dankbar sein, wenn Sie mich als Sekretär anstellen würden. 3ch habe das Gefühl, als ob ich noch eine Wenge zu lernen hätte." 10. Flimmer Fred hatte London nicht verlassen und, um die Wahrheit zu sagen auch niemals die Absicht gehabt, fortzugehen. Verschiedene Zweifel bedrückten ihn die er klarstellen wollte, und sein Horizont war von einigen dunklen Wolken verfinstert, die er gern verjagt hätte. Flimmer Fred war mit allen Wassern gewaschen Wäre er dies nicht, könnte er nicht in einem so eleganten Stil leben hätte keine schicke Wohnung in der 3ermhn Street und kein Motorcoupe, das chn abends zum Theater brachte. Seine Unkosten waren nicht gering, aber seine Einkünfte desto höher. Er hatte immer verschiedene Eisen im Feuer, aber niemals verbrannte er sich die Finger an einem — und das ist die große Kunst des Erfolges im Leben Am Abend des gleichen Tages, an dem Larry das erste Rätsel des Falles Stuart gelöst hatte, sah Flimmer Fred allein in seinem prächtigen Wohnzimmer und dachte über eine Theorie nach, die er sich im Anschluß an eine am Morgen gemachte Beobachtung gebildet hatte. Menschen seiner Veranlagung und mit den stets unsicheren Aussichten für die Zukunft leiden an chronischer Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit ist zum großen Teil mit die Veranlassung, dah sie vom engen und geraden Pfade der 3ugend abweichen, ist vielleicht die eigentliche Veranlassung zu ihrem Unglück. Hundert Pfund monatlich, zahlbar jährlich, ist sicherlich ein sehr hübsches Einkommen; aber nichts verabscheut die Welt des Hochstapler- tums, des Verbrechens mehr als Beständigkeit, Regelmäßigkeit und System — drei Eigenschaften die gerade mit dem Gefängnisleben so eng verbunden sind, daß sie für die schon Vorbestraften in einem ganz besonders unangenehmen Geruch stehen Zwölfhundert Pfund jährlich ergeben innerhalb fünf Fahren die respektable Summe von sechstausend Pfund oder bei dem gegenwärtigen sich zunächst mit der Fischereiverpachtung des E i s a b a ch s. Die Berpachtung ergab einen Erlös von 88 Mk. gegenüber dem seitherigen Pachtpreis von 40 Mark; sie wurde genehmigt. Neuer Pächter ist der Naturheilkundige Daniel Laub. — Der Voranschlag der Oberrealschule für da^ Rechnungsjahr 1930 weist einen Zuschußbedarf der Stadt von 40 554 Mark auf, gegenüber 41 540 Mark im Vorjahre. Die persönlichen Kosten betragen 125 892 Mark. Der Voranschlag wurde in der vor- gelegten Form genehmigt. — Ausbau des alten Rentamtsgebäudes: Für einen städtischen Bediensteten, der in dem alten Anbau an der ehemaligen Stadtschule wohnt, muß infolge schlechter Beschaffenheit dieses Gebäudes eine neue Woh- nung geschaffen werden. Gemäß dem Vorschlag der Baukommission wurde beschlossen, zu diesem Zwecke eine Dreizimmerwohnung mit Zubehör im Dachgeschoß des alten Rentamts einzubauen. Der darüber vom Stadtbauamt vorgelegte Voranschlag in der Höhe von 2514 Mark wurde genehmigt. Mit der Errichtung der Wohnung soll alsbald begonnen, der alte Anbau an der Stadtschule soll niedergelegt werden. — Vergebung von Kanalbauarbei- t e n: Der Vorsitzende gab bekannt, daß die Erd-, Maurer- und Rohrverlegungsarbeiten für die Kanalisation, Bauabschnitt 1929, dem Ludw. Schneider II. in Heuchelheim zu seinem Angebot von 17 012,60 Mark als Wenigstnehmenden zugeschlagen worden seien, ebenso sei der Firma Jean D c r n & C o. in Gießen die Materiallieferung für die Kanalisationsarbeiten zu ihrem Angebot von 14 329,28 Mark als Wenigstnehmende übertragen worden. Wie der Vorsitzende dazu weiter ausführte, kann aus Mangel an Geldmitteln des Reiches und des Landes ein Darlehen für die verstärkte Förderung der wertschaffenden Arbeitslosenfürsorge nicht gewährt werden. Es kommt aus Mitteln der pro- duktioen Erwerbslosenfürsorge nur die sog. Grund- förderung in Frage. — Beschäftigung von ausgesteuerten Erwerbslosen: Da immer noch eine erhebliche Anzahl von Arbeits- losen bei der Arbeitsnachweisnebenstelle Alsfeld vorhanden ist, von denen bereits eine Anzahl ausgesteuert ist und die mangels Arbeitsgelegenheit der öffentlichen Wohlfahrtsfürsorge zur Last fallen würden, wurde ein Kredit von 2600 Mark auc Beschäftigung der ausgesteuerten Erwerbslosen bewilligt, der zum Ausbau von Straßen verwendet werden soll. — Zu einem Gesuch des Peter Schmoll von Bürstadt wegen Errichtung einer Sammelwasenmeisterei in der Gemarkung Alsfeld, worin dieser die Stadtverwaltung um Auf- gäbe ihres früheren ablehnenden Standpunktes in der Angelegenheit ersucht, wurde beschlossen, diesen aufrecht zu erhalten, da man nach wie vor der Ansicht ist, daß die zu errichtende Anstalt mit einer üblen Geruchsbelästigung für den angrenzenden Stadtwald verbunden sein wird, und weil ferner die Befürchtung besteht, daß auch der Wildbestand da- durch notleidet und ein geringerer Pachterlös die Folge sein würde. Auch der Verkehrs- und Verschönerungsverein hat in dem gleichen Sinne Einspruch erhoben. — Ein Gesuch von Grundbesitzern wegen zeitweiliger Ableitung des Liederbachs zur Verhütung einer weiteren Versumpfung ihrer Wiesen wurde nach längerer Aussprache nochmals an die Baukommission zu- rückverwiesen, da die Stadt auf ihr bestehendes Wasserrecht, das urkundlich schon seit 1350 besteht, nicht verzichten kann, zumal die anliegenden Garten- bcsitzer Einspruch erhoben haben. Es soll zunächst nochmals mit den Antragstellern verhandelt und eine Ortsbesichtigung oorgenommen werden. Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 UHr. Samstag nachmittag geschlossen Anzeigenauftrage sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richien. Wechselkurs vierundzwanzigtausend Dollar. Aber fünf 3ahre bilden auch eine bedeutende Spanne Zeit in dem abenteuerlichen Leben eines Mannes wie Flimmer Fred. Zwölfhundert Pfund gestatten nur Atoetmal das Maximum im trente et quarante und können in weniger als drei Minuten verloren werden. Dr. 3udd war Sammler. Fred hatte erfahren, dah Dr. 3udds Haus in Chelsea eine wahre Schatzkammer von Gemälden und antiken Schmuck- gegenständen war. Fred hatte in einer Zeitung einen längeren Bericht gelesen, dah Dr. 3udd der Besitzer historischer Juwelen war, deren Wert fünfzigtausend Pfund überschritt. Unö wenn auch Fred absolut kein Interesse für Geschichte hatte, so war er doch für den Wert kostbarer Steine äußerst empfänglich, und die Theorie, die er sich am Morgen gebildet hatte, war in erster Linie auf arithmetischer Basis aufgebaut. Wenn er sich innerhalb vierundzwanzig Stunden mit Kostbarkeiten im Werte von zehntausend Pfund aus dem Staube machen könnte, hätte er nicht nur sein Einkommen für acht bis neun Jahre im voraus, sondern er würde sich dann auch die Mühe ersparen können, alle zwölf Monate nach London kommen zu müssen, um sich sein „Gehalt" auszahlen zu lassen. Was könnte nicht alles in zwölf Monaten passieren! Wie leicht könnte ihm die Reise überhaupt unmöglich sein. Gefängnisdirektoren find bekannterweise gutem Zureden so schwer zugänglich. Vielleicht könnte er auch tot und begraben sein! Cs würde natürlich ziemlich schwierig sein, diese Kostbarkeiten in die Hände zu bekommen, da der Doktor kaum der Mann dazu war, sein Eigentum unbewacht zu lassen. Die gewöhnlichen Methoden, einen unerlaubten Zugang in das Haus des Doktors zu erzwingen, waren mit Freds professionellen Gefühlen unverträglich. Er gewann seinen Lebensunterhalt durch sein geschicktes Mundwerk und durch die blitzartige Geschwindigkeit, mit der sich verschiedene Zellen seines Gehirns den plötzlichen Forderungen jeder unerwarteten Lage anzupassen verstanden. Ein Brecheisen war für Fred ein Instrument des Abscheus — verkörperte es doch für ihn Arbeit. Aber es gab ja auch einen anderen Weg — und wenn er sich erst einmal mit seiner Deute aus dem Staube gemacht hätte, würde der Doktor überhaupt toagen, ihn anzuzeigen? Am Nachmittag schlenderte Fred ziellos durch Piccadilly Circus und sah sich plötzlich einem großen, etwas starken Mann gegenüber, der nach einem kurzen Blick in fein Gesicht versuchte, sich vorbeizudrücken. Aber Fred packte ihn am Arm und hielt ihn fest. „Ist denn daS nicht die liebe, alte Nummer 278? Wie geht's denn, Strauß?" (Fortsetzung folgt) Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen. Dinkelsbühl. Von Anton Schnack. Motto: „Dem berühmteren (Stadtbild) von Rothenburg ebenbürtig" (D e h i o). In der Weizen- und Kornwelle der mittel- fränkischen Hügellandschaft, vom nahen Schwaben- tum berührt, liegt Dinkelsbühl, die Stadt der Kinderzeche; Dinkelsbühl ist Mittelalter. Eine Mauer, von Efeu und wilden Reben grün und aussätzig gemacht, von Türmen durchspickt, umschließt die Stadt. Um in ihr Herz zu kommen, muh man chre Tore durchgehen: im Norden öffnet sich das schöne Rothenburger Tor, im Osten das Wörnitztor, im Süden das Äördlinger Tor und im Westen das Segringer Tor. Cs muh das Grausame für Dinkelsbühl gewesen sein, ohne besonderen Schutz mitten in der Ebene zu liegen. Die alten Befestiget stachen die Erde aus und liehen in die Gräben das Wasser der nahen Wörnitz fliehen; gegen Morgenaufgang und Sonnenuntergang, also im Osten und im Westen, leckt ein grünes, stehendes Wasser an die Mauersteine ... Ich umkreise den Ring seiner Mauer. Man zeigt mir den Stein, worauf die Jahreszahl 928 steht. Tausend Jahre Vergangenheit, lausend Jahre Lust und Leid liegen im Gesicht der Stadt. Von hundert Kriegsnarben versengt und gekerbt, bestürmt und beschossen, aber immer voll Trotz und Lebensmut. Dinkelsbühl ist ein Schmuckkasten, in dem ein Stück deutschen Mittelalters uns aufbewahrt ist. Jahrzehnte und Jahrhunderte haben die Stadt, die fernab vom Verkehr liegt, vergessen; heute ist ihre vergessene Schönheit ein kostbares und geliebtes Juwel im deutschen Städtekranz ... Ich erscheine mir wie ein Landsknecht, her- geritten über den Staub der fränkischen Land- strahe, Schuhsoldat eines Nürnberger Kaufherrn, der mit Tand und Waren durch das Wörnitztor geritten kommt. Ich finde Holz und Fässer vor den Türen, Wagen mit Mist und Garben, eine Stadt, die sich in Giebeln überbaut, mit dem Schatten und Dunst von vielen Winkeln, in den Traum der Vergangenheit verloren, deren Türme wie Türme einer Märchenstadt in die glasige Luft steigen. Sv stolpere ich umher, berückt von dem Unveränderlichen, das den Glanz und die Stärke der Vergangenheit in sich gesogen und bewahrt hat. Hier waren Kaufleute zuhause: das glänzende Nürnberg lag nahe, das reiche Würzburg und die wohlhabenden Städte Nördlingen. Rothenburg und Augsburg. Im Grundriß ist Dinkelsbühl eine unregelmäßig angelegte Stadt. Doch ist sie geräumig gebaut wie die Halle eines Händlers, der viele Waren, Tuchballen und Gewürze aufzunehmen hat. Die paar Straßen sind breit; hier sind die Trosse durchgetrabt, hier sind die Planwagen der italienischen Händler nach Norden gerollt, hier knarrten die Salzfuhren dsr Ostsee nach Süden und Westen. Giebel überall. Alte Wirtshaus- und Zunftzeichen blinken im Morgenlicht. Verschollene Höfe liegen im kühlen Schatten. In den malerischen Gäßchen träumt immer noch die Seele des Mittelalters. Wieviel Süßigkeit und Innigkeit atmet aus dem Namen „Nestleinsberg". Eine ist herrlicher als die andere; ich nenne die Köppengasse, die Föhreberggasse, die Lange Gasse, die Pfluggasse, die Russelberggasse, die Steingasse, die Kranzberggasse, die Klostergasse, den Kapuzinerweg. Durch die Untere Schmiedgasse schlendernd, sehe ich den Mond wie eine Sichel über dem „grünen Turm" hängen. Dinkelsbühl ist reich an Türmen; ich nenne davon den Bäuerlinsturm, den Faulturm, den phantastischen Grünen Turm und den Berlins- türm; ich nenne an Märkten den Schweinemarkt, den Ledermarkt und den Weinmarkt; ich nenne den herrlichen Koloß der St. Georgs-Kirche. Die Spätgotik stieg in ihm noch einmal in sehnsüchtiger Gottesinbrunst auf. Ich nenne das deutsche Haus, das der Gedanke und die Erregung der deutschen Renaissance zu einem der schönsten Fachwerkhäuser baute. Draußen vor den Toren liegen der dunkelgrüne Hippenweiher und der Rothenburger Weiher. Es ist ein unvergeßliches Bild, wenn die Türme und die Mauern der Stadt in sie hinuntertauchen und sich widerspiegeln. Auf den Vleichwiesen an der Wörnitz flattern die Wäschestücke genau wie im 16. oder 17. Jahrhundert. Am Mühlgraben rauscht die Stadtmühle, eine kleine Festung, ihr jahrhundertealtes Rauschen. — Dinkelsbühl hält sein Gesicht von der Zeit ab. Cs ist die Stadt des süddeutschen Mittelalters, mit heiterem Leben hinter den Fen- stei» und Giebeln. Diese Stadt hat unter dem Eintritt vieler Kriege gestanden, denen sie mit Tapferkeit und Gleichmut widerstand. Diese be- häbägen deutschen Kleinstädter, mit prunkendem Gerüt an den Wänden, Gewölbe voll Wein und teurem Gewürz, Kaufleute von einem gewissen Weitblick, haben die Jahrhunderte hindurch immer an ihre Selbständigkeit gedacht. Ein glückliches Schicksal ließ die Stadt so stehen, wie sie war. Und so wurde uns ein Wunder aufgehoben. Was soll ich auf der Reise lesen? Von Hanns Martin Elster. Was soll ich auf der Reise lesen? Diese Frage, keineswegs leicht zu beantworten, läßt sich nicht damit totschlagen, daß man „einfach" zu der sog. „Reiselektüre" greift, zu diesem Zwitterding von sich anständig gebender und unanständiger Literatur. Man muh vielmehr ihren eigentlichen Sinn zu erraten suchen. Lese ich auf der Reise, um über die Zeit fortzukommen, um mich selbst gleichsam durch Lesen leblos zu machen, oder lese ich, um die einer mechanischen Tätigkeit, an der ich selbst nicht teilnehmen kann, geopferte Zeit auszufüllen? Es ist eine bittere Wahrheit, daß das heutige Geschlecht lieber Über die Zeit als mit der Zeit fortzukommen sucht; der Wert der ' Zeit zeigt aber erst seine Bedeutung für den Menschen durch das, wodurch dieser die Zeit auszunutzen, d. h. in ihr vorwärts zu schreiten trachtet. Soll denn die Zeit, die man in der Eisenbahn zubringt, aus der Aufwärtsentwicklung eines Menschen ausgeschaltet sein? Wenn man nicht stilkstehen will, muh man die freie Zeit in der Eisenbahn ausnühen, und zwar so umsichtig wie möglich, denn wir sind auf der Reise andere Menschen. Unsere „Empfindsamkeit" — im guten Sinne des Wortes — ist erregter als im alltäglichen Leben, und wir reagieren deshalb leichter auf sonst unbemerkte Reize, wir halten deshalb in solchen Augenblicken empfangene Eindrücke tiefer und fester zurück, indem wir das Gesehene, Beobachtete, Gehörte und Gedachte innerhalb einer „Poetischen Stimmung“, von der Goethe als Dreiundfünfzigjähriger anläßlich seiner Schweizer Reise an Schiller schreibt, produzieren, oft nicht in klaren Formen, sondern nur tastend als Werdendes empfunden. Dieses Tasten ist die viel angefeindete Empfindsamkeit, der allein es gegeben ist, das Symbolische aufzufassen, wodurch uns das einzelne in Beziehung zur Vielheit, der I Teil in Beziehung zum Ganzen tritt. Wir treten also in eine doppelte Form ein; wir sind innerhalb der Empfindsamkeit Dichter und Philosoph zugleich, wir sind berauscht und nüchtern und suchen in einer Kontraststimmung eine Harmonie, die wir nur durch Auflösung des Kontrastes, des nüchternen Zwecksinnes und der phantasiereichen Teilnahme am einzelnen und am Ganzen erreichen können. Bei dieser Suche nach der Harmonie kann uns nun die Literatur unterstützen. Wir werden je nach der Stärke der Harmoniesucht unsere Lektüre auswählen müssen. Bei dieser Problemstellung sehen wir gleich, wie alles als lächerlich versinkt, was uns als sog. Reiselektüre angeboten wird, da es nicht im geringsten dazu geeignet ist. uns unseren inneren Ausgleich zu verschaffen. Wir müssen also zu der ästhetisch ganz reinen Literatur greifen und haben hier nun wieder darauf zu achten, daß das, was ernste, durchdachte und durchlittene Lebenserfahrung in ruhiger, stiller und durchwärmter Form gibt, das Geeignete ist, weshalb mir persönlich z. D. gerade das Größte, Goethes Romane und ähnliches, in der Eisenbahn besonders wohlgetan hat, weil es in seiner Vertieftheit und mit seiner überzeugenden Gröhe die Abschliehung der häßlichen Umgebung gegenüber am vollständigsten durchführte, weil es mich in eine andere Welt versetzte, aus der aufblickend ich alles deutlich in seiner Augenblicklichkeit fühlte, wodurch es mir ferner rückte, mir gleichgültig wurde, mich nicht mehr beleidigte, wodurch ich mir selbst zurückgegeben wurde und die ersehnte Harmonie fand, innerhalb deren der Genuß der vorübergehenden Landschaft sich verklärte, verschönte. Das mag eine ganz persönliche Erfahrung fern, wird mir mancher erwidern. Das ist es aber gerade nicht, sondern es trifft für alle zu, die sich selbst konzentrieren können und auch den Willen haben, dies zu tun. Verschieden und persönlich sind die Lektüre und die Auswahl der Bücher nach Geschmack, Alter, Erfahrung, Beruf des Lesenden natürlich. Dafür läßt sich keine allgemeine Regel aufstellen. Es läßt sich nur sagen, daß man die Zeit einer Eisenbahnfahrt nicht als eine Zeit ansehen soll, mit der sich nichts „anfangen“ läßt. Im Gegenteil, sie kann und soll uns viel bedeuten. Sie muh uns wie die Feierabendstunde erscheinen, in der der tätige Mensch nach Erledigung seiner Berufsgeschäste aufatmend die Woh- ttgkeit befreiter Selbständigkeit und spannungslosen Willens zu einer höheren, allgemeineren, weiteren Geistestätigkeit fühlt, in der er das Besondere in Beziehung zum Ganzen, das Symbolische als Vertreter des Daseins empfindet. Ein so gearteter Mensch kennt den Wert seiner kurzen Muhezeit instinktiv und er wird es schwer fühlen, wenn er vor die Wahl, wie er seine Muhe ausfüllen soll, gestellt ist, er wird aber schliehlich auch die richtige Wahl treffen, weil er nicht nach dem äußeren Schein — der hinsichtlich unserer Frage gerade bei der Reiselektüre so ausfallend und täuschend ist —, sondern nach der inneren Wesenheit des Buches für seine Person die Entscheidung fällt. Genau so soll es der Reisende vor Antritt seiner Fahrt machen; er soll nicht hastig zum Buchhändler laufen: „Run sagen Sie mal, was kann ich da lesen auf dieser langweiligen Fahrt?“ Sondern er soll die Fahrt in den Gang seiner geistigen Lebensentwicklung einbeziehen, er soll deutlich empfinden, daß die gezwungene „Gefängnishaft“ im Eisenbahnwagen nicht außerhalb seines Lebens steht, sondern genau so dazu gehört, wie ruhig im Hause verlebte Tage; und er soll die gewonnene freie Zeit in Beziehung setzen zu seinem ganzen Leben und zu dem augenblicklichen Standpunkt seiner Entwicklung. Dasselbe gilt nun auch für die „stillstehende" Reise: für den Aufenthalt in einem Bade, an einem Erholungsort usw. Auch in den vier oder &oder sechs Wochen soll man nicht einer be- rs „leichten" Lektüre „frönen“ in dem Glauben, gute Lektüre strenge an, sondern man gebe sich ruhig dem Genüsse und dem Einflüsse durchaus ernster, vollwertiger Bücher hin. Dann wird man spüren, welcher Segen von Gesundheit, Frische, Lebensstärkung aus ihnen uns zu- strömt und wie falsch es ist, leichte Lektüre für nicht anstrengend zu halten. Vielmehr trifft das Gegenteil zu, denn die Nerven werden durch den fortwährenden Widerspruch, in dem sie sich dem Buche gegenüber befinden, nur noch mehr gehetzt und gepeinigt. Erholung finden unsere Nerven am schnellsten, wenn sie aufgehen können in einem unserem sonstigen Leben, unserer sonstigen Tätigkeit ferner liegenden Weltbilde, sei es nun dichterisch gestaltet, wie in Romanen, Erzählungen, oder wirklich erfahren, in Erinnerungen, Briesen usw. Erholung finden unsere Nerven am schnellsten, wenn sie aufgehen können in der reinen Kunstform, was auf die Literatur übertragen lautet, daß man sich hüten muh vor eben solchen Büchern, die „sprunghaft“, unruhig geschrieben sind, die kurz abgerissene Erzählungen vereinigen, Fäden anknüpfen und wieder fahren lassen, kurz, nicht jenen völlig ruhig flutenden inneren Zv sammenhang haben, den nur Bücher offenbare die von wirklichen Persönlichkeiten, von Gros im Reiche des Geistes geschrieben sind. Mo greife daher ruhig zu unseren ersten Dichter, und Schriftstellern der Gegenwart und ebenso zu Prosa, die keine willkürliche Konzentration erfordert, sondern sich in den Leser einschmiegt wie zum Vers, der der Seele wohltut, wie zum ernsten Drama, das den Lebenskonflikt klärt. Man kann auch zu belehrender Lektüre greifen, kann sich auch einem bestimmten Literaturgebiete zuwenden; dieses neue Interesse wird immer erfrischen, den ganzen geistigen Organismus erneuern und nicht wenig zur Erholung beitragen. Cs ist selbstverständlich, daß dies alles mit Maß zu geschehen hat; es sollen durch diese ernste Lektüre keine unnatürlichen Zwangslagen in Gießen: Jean Weisel, Sonnenstr. 6 Telephon 88 und durch die Kurverwaltung Bad Wildungen, -msov flSadWIldungen fütTllece Wa-e Badeschriften: durch die Niederlage Zur Haustrinkkur: bei Nierenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker 1928: 22000 Badegäste Grünberg in Hessen onmutifl gelegen zwischen Vogelsberg und Welterau. bieietErholungsuchenden schöne, schattige Spazierwege durch das einzig, artig benltdie Brunnental. die gepflegten Anlagen des BcrkehrsvereinS mb prachtvollen Ausblicken auf Weiierau u.TaunuS, z. nah. Stadlwald. Gut bürgert. Verpfleg.- Gelegenbellen. Näb.d den Vsrkedrsvsrsl». 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Beliebter Ausflugsort mit historischen Baudenkmälern u-idyHischerUmgebnng hervorgerufen werden, keine Schematisierungen und Pensumerledigungen, sondern so, wie es die Zeit zuläßt, dann aber immer in Beziehung zum Großen und Ganzen des einzelnen Lebens. Ich glaube, dann wird niemand in Verlegenheit >mmen, in der Eisenbahn Langeweile zu empfinden, dann wird niemand in der Sommerfrische ratlos fragen: Was soll ich nun lesen? Aus deutschen Bädern. 25 Jahre Lalzfchlirfcr Kurtheater. Das von dem Kurdirektor des Bades, Generaldirektor Haeseler seinerzeit ins Leben gerufene Salzschlirfer Kurtheater konnte im Juni auf sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen zurück- blicken und hat in dieser langen Zeit Gelegenheit gehabt, den Ansprüchen eines aus allen Kreisen des In- und Auslandes bestehenden Publikums gerecht zu werden und sowohl für die nötige fröhliche Unterhaltung Sorge zu tragen, als auch Vermittler ernsthafter Kunst zu sein. Durch Uraufführungen — der unzählige Male auf allen deutschen Bühnen gegebene Schwank „So'n Windhund" von Kurt Kraah und Hoffmann erblickte z. D. in Bad Salzschlirf das Licht der Welt, ferner „Mein alter Herr" von Arnold und Dach und andere — und Gastspiele prominenter Künstler, wie Paul Wegener, Professor Ferd. Gregori, Frau Henny Trundt-Köln-Dayreuth und andere machte das Theater auch in Fachkreisen von sich reden. Fcstspielwoche in Lehnhausen. Die für die Zeit zwischen 22. und 30. Juni angesehte Festspielwoche sieht nach mancherlei Aenderungen nunmehr u. a. vor: 22. Juni »Tiefland" mit Kammersänger Schühendorf, 23. 3uni Tennisturniere, Boxkämpfe (holländ. und deutsche Meister), 24. Juni Arien- und Liederabend Schlusnus, 25. Juni Mozart-Festspielabend „Figaro" (mit den Kammersängerinnen Mathilde Schuh und Friedel Sahlmüller sowie den Kammersängern Schühendorf und Dal- zun), 27. Juni Dopplkonzert des Kurorchesters mit einer Militärkapelle und „Iphigenie auf Tauris" als Gesamtgastspiel des Städt. Schauspielhauses Hannover auf der Freilichtbühne, 28. Juni Beethoven-Abend, Solist Prof. Havemann-Berlin), 29. Juni „Hoffmanns Erzählungen" mit Kammersänger Schützen- Lors, 30. Juni Dillardturnier, Schwimmwettkämpfe, Geräteturnen der Westfalenriege der D. T., Schaufechten von Turnern und Turnerinnen. Wanderfahrten. ’ Grohen-Vuseck — Allcndorf — Fronhausen. Wir fahren nach Großen-Buseck und benutzen von hier rote Punkte, die uns am Schloß- garten vorbei über den Hohe Berg mit hübschen Ausblicken in schönen Hochwald führen. Auf einsamen Pfaden gelangen wir nach geraumer Zeit über das hochgelegene Climbach hinab nach All e n d o r f'sgute Gastwirtschaften). Namentlich der letzte Teil des Weges bietet prächtige Blicke in das Lumdatal, auf Allendorf, Vordeck und Winnen. An den Hängen des Totcnbergs her führt uns nunmehr eine rote Strichmark'erung, wiederum durch viel Wald, durch den Cbsdorfer Grund über Hassenhausen und Bellnhausen zum Endziel Fronhausen. Dauer der Wanderung 51/2 Stunden. Lauterbach — Slorndors — Alsfeld. Don unserem Ausgangspunkt Lauterbach leiten uns gelbe liegende Kreuze zumeist durch Wald über Almenrod und die 478 Meter hohe Torkuppe nach Storndorf. Hier verlassen wir das Zeichen und folgen nunmehr roten liegenden Kreuzen, die uns zunächst durch freie Gegend mit hübschen Dlicken auf den Vogelsberg, später auf schöner Waldstraße weiterleiten. Aach insgesamt 4> .stündiger, reizvoller Wanderung erreichen wir das als Sommerfrische bekannte freundliche Dorf Altenburg mit seinem hochgelegenen Schlosse. Letzteres liegt inmitten des Schloßgartens auf einer Anhöhe zwischen hübschen Baumgruppen. Der Schwalm abwärts gehend, gelangen wir in einer halben Stunde nach unserem Endziel Alsfeld, wo wir uns vor der Heimfahrt die prächtigen altertümlichen Bauten, wie Rathaus, Wein- haus und Hochzeitshaus, ansehen. Rundfunkprogramm. Sonntag, 23. Juni. 7 bis 8.15 Uhr: Von der Aorag, Hamburg: Hamburger Hafen-Konzert auf dem Dampfer „Cap Polonio". 8.15 bis 9.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Methodistengemeinde, Frankfurt. 11 bis 11.30: Elternstunde: „Die Furcht vor dem Kinde", Vortrag von Dr. Polag. 11.30 bis 12.30: Von Mannheim: Huldigung der Schüler der Schiller-Schule am Schiller-Denkmal anläßlich des 150jährigen Jubiläums des Aational-Theaters. 13 bis 14: Frühsommenrundgang durch den Zoo. 14 bis 15: Konzert des Volkschors Westend, Mitglied des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes (Rhein-Maingau). 15 bis 16: Stunde der Jugend: Aus dem deutschen Märchenborn, vorgetragen von Hanna Längen: Jagd- und Kriegsgeschichten aus den Abenteuern des Freiherrn von Münchhausen. 16 bis 17: Stunde des Landes: „Stadt und Land", ein Zwiegespräch zwischen Direktor Dr. Winter, Frankfurt a. M., und Dr. Pfisterer, Limburg a. d. L. 17.15 bis 19: Don Berlin: Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Schweden. 19 bis 19.30: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Rheinische Schwänke", erzählt von Rektor Wehrhan. 19.30 bis 20: „Frau Föns", Novelle von Jens Peter Jacobsen. 20 bis 21: Vom Kurhaus Wiesbaden: Konzert des Städtischen Kurorchesters. 21 bis 21.45: Von Groh-Steinheim a. M.: Johannisfeuer unter der alten Gerichtslinde. 21.45: „Der Hochzeitsabend", Lustspiel in einem Aufzug von Peter Nansen. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. Montag, 24. Juni. 6.30 Uhr: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert: Buntes Programm. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend: Aus Sport und Spiel: „Leichtathleten unterhalten sich", ein Gespräch mit Dr. Laven (für Kinder von 10 Jahren ab). 16.35 bis 18.05: Konzert des Rundfunkorchesters: Alte Tanzmusik. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.45: Viertelstunde der Deutschen Reichspost: „Postalische Winke für die Reisezeit", Vortrag von Oberpostinspektor Hem- bus. 18.45 bis,19.20: „Schwäbische Kunde", Dialektvorträge von Alfred Auerbach. 19.20 bis 19.40: Vortragszyklus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau: „Aktuelle Steuerfragen" (Reform des Haushaltrechts, Einführung des Verlustvortrags, Das Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer, Neuregelung der Gewerbesteuer), Vortrag von Dr. Köbner. 19.45 bis 19.50: Englische Literaturproben. 19.50 bis 20.15: Englischer Sprachunterricht. 20.15: Gastspiel von Mitglieder des Staatstheaters Wiesbaden: „Der Postillon von Lonjumeau", komische Oper in drei Aufzügen von H. v. Leuven und F. Brunswick, Musik von Adolf Adam. Dienstag, 25. Juni. 6.30 Uhr: Morgengymnastik. 13.30: Schallplattenkonzert: Klassische Ouvertüren. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. 17 bis 18.30: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.35 bis 18.45: Bon Kassel: Zehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund, Vortrag von Garteningenieur Karl Hintze. 18.45 bis 19.05: Stunde der Landwirtschaftskammer Kassel: „Die dem Wald drohenden Gefahren", Vortrag von Oberförster Lippitsch. 19.05 bis 19.25: Funkhochschule: „Mitteleuropa, eine geschichtliche Entwicklung des Begriffs" (Schluß), Vortrag von Prof. Dr. Künhel. 19.25 bis 19.45: Funkhochschule: „Der menschliche Faktor in der Industrie", Vortrag von Privatdozent Dr. Simonson. 19.45 bis 20.15: „Plagiate", Vortrag von Herbert Jhering, Berlin. 20.15: Sinfonie-Konzert. Anschließend: Zeitbericht II. Mussolinis Rede über die Lateranverträge in der Sitzung des italienischen Senats vom 25. Mai 1929 (übertragen und eingeleitet von „Actualis"). Darauf Schallplattenkonzert: „Aus Bayern". Mittwoch, 26. Juni. 6.30: Morgengymnastck. 10.40 bis 11.10: Schulfunk: Musik, vorgetragen vom akadem. Musiklehrer Ferdinand Hofmann: „Menuett". 13.15: Schallplattenkonzert: Robert Schumann. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend: „Lustige Schwänke und Geschichten", vorgetragen von Rektor Wehrhan. 16.35 bis 1805: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Büch erstünde. 18.35 bis 19.05: Don Kassel: Ludwig Bäte, Dortrag 35 Dr. Thomxsons Seifenxulver zum Einweichen Gzonil zum Aschen XXX. Verbandsfchießen Mittelrhein,Baden,pfalz 6. bis 14. Juli 4929 in Gießen Gegen Gicht-, (Stein- u. Stoffwechselleiden! - Ermäßigte pauschal^ Oie ersten 3 Wochen lMindestd.: Pauschalpr. Mt. 189.- / 4. Woche Mk. 61.25. ÄewiNigung v. Kreditkuren auf Antrag 3m Kurhaus: Wochenpauschalpreis M. 80.50; im Badehof: Wochenpauschale Mk. 105.-. Auskunft auch über Hauskuren durch die Badevenvaltung. 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Sowohl die Einfuhr, als auch die Ausfuhr sind zurückgegangen, die Einfuhr jedoch erheblich starker (um 133 Millionen Reichsmark) als die Ausfuhr (um 55 Millionen Reichsmark). Die Aprilzahlen lagen unverhältnismäßig hoch, weil in diesem Monat die während der Kälteperiode zurückgestellten Warentransporte nachgeholt wurden. Vergleicht man daher die Mai-Ergebnisse mit dem Durchschnitt der legten drei Monate, so ergibt sich eine Steigerung sowohl bei der Einfuhr, wie bei der Ausfuhr. Verhältnismäßig nm stärksten ist gegenüber dem Vormonat die Einfuhr von Lebensmitteln gesunken (um 50,8 Millionen Reichsmark). Die Fertigwareneinfuhr ist fast unverändert geblieben. Der Rückgang der Ausfuhr gegenüber dem Vormonat entfällt überwiegend auf die Fertigwaren und verteilt sich hier auf viele einzelne Posten. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. ' Die neue Woche stand in der Hauptsache im Zeichen des starken Order mangels, und dies wirkte sich oft so unangenehm aus, daß das Geschäft zeitweise fast völlig stagnierte. Die erhoffte Belebung des Geschäftes nach der Erledigung der Reparationsangelegenheit blieb aus, man war verstirnmt und zurückhaltend. Verschiedene günstige Rachrichten fielen gar nicht ins Gewicht, oder wurden kaum beachtet. Früher störte man sich an der ungesunden internationalen Geldmarktlage, und die Hauptschuld an der mangelnden Tlntemehmungslust wurde zumeist dieser Tatsache zugeschrieben. Als sich aber eine fühlbare Erleichterung hier einstellte, reagierte niemand mehr darauf, und die Spekulation verharrte in ihrer Apathie. An verschiedenen Tagen verstärkte sich die Abgabeneigung, es traten bei einzelnen Werten immerhin nicht zu übersehende Kursrückgänge ein. Bei dem Gros der Papiere blieben jedoch die Rückschläge minimal, da sich größeres Realisationsbedürfnis eigentlich niemals geltend gemacht hatte. Dies war aber vor allem auf den geringen Engagementsumfang ^urückzu- suhren. Im großen und ganzen neigte die Tendenz immer zur Schwäche. Das Ausland und das Publikum waren an fast allen Tagen am Börsengeschäft desinteressiert. Als besonderes Merkmal war in dieser Woche die Verschmelzung der Glanzstoff- mit der holländischen Enka-Fabrik zu bezeichnen. Als nähere Einzelheiten bekannt wurden, und zwar daß der Hauptsih nicht in Deutschland verbleiben, sondern nach Holland verlegt wird, in erster Linie aus steuerlichen Gründen, war man überrascht und sehr enttäuscht. In Glanzstoffaktien kam daher ziemlich Material heraus, und es ergaben sich hier Verluste in größerem Ausmaße. Die Abgaben hielten fast die ganze Woche hindurch an. Auch über das älmtauschverhältnis war man nicht zufrieden, die niedrige Bewertung der Enka- Aktie in Amsterdam drückte stark auf den Kurs dieses Papieres. Gegen Ende der Woche trat jedoch hier wieder eine Erholung ein, als die Distanz zwischen Enka und Glanzstoff nicht mehr so erheblich toar; man blieb aber in dieser Angelegenheit enttäuscht. Trotz des bevorstehenden Halbjahresultimos zeigte der Grundton der Börse eine nicht zu verkennende Widerstandskraft. Besonders zu erwähnen sind noch Aschaffenburger Zellstoff, die regeres Interesse auf sich lenken konnten, und zwar aus dem Grunde, daß jetzt eine engere Zusammenarbeit zwischen der Memeler und der Aschaffenburger Zellstoff-Fabrik geplant ist. In der zweiten Hälfte der Woche klärte sich die Lage etwas auf. und die Stimmung war wieder freundlicher. Vor allem rief die Meldung, wonach doch in nächster Zeit eine BO-Mill.-Dollaranleihe, nachdem zu Beginn der Woche an einem Zustandekommen infolge zu teuerem und ungünstigem Angebot gezweifelt wurde, zustande kommen soll. Auch die weitere Erleichterung am Geldmarkt, die Entlastung des Reich sbankin st ituts, die weitere Abnahme der Arbeitslosigkeit im Reiche, die besscreLage der deutschen Maschinenindustrie und vor allem wieder, aber nur in geringem Umfange, ein- treffende Auslandorders ließen eine freundlichere Stimmung und zeitweise eine lebhaftere Geschäftstätigkeit auskommen. Aber im Hintergründe stand noch immer das Zeichen der Order- losigkeit der letzten Tage und lieh bei der Kulisse noch keine größere Unternehmungslust aufkommen. Rach vorübergehenden Abgaben machte sich bald wieder stärkeres Deckungsbedürfnis geltend, unter Bevorzugung von Clektrowerten, Mansfelder, Zellstoffpapieren, vereinzelten Banken und vor allen Dingen Farben: letztere waren auf die in dieser Woche stattfindenden Generalversammlung lebhafter gehandelt. Interesse trat auch wieder für Glanzstoff, Autowerte und Conti- Gummi, letztere wurden erst in dieser Woche zum amtlichen Börsenverkehr zugelassen, zutage. Die anfangs eingetretenen Verluste wurden meist wieder aufgeholt und von Spezialpapieren sogar noch bis zu 4 Prozent überschritten. Mansfelder gewannen 8 Prozent. Banken waren mit Ausnahme von Commerz- und Reichsbank etwas schwächer. Chadeaktien verloren 3 Mark. Kali- werte konnten, aber bei fast durchweg ruhigem Geschäft, bis 6 Prozent gewinnen. Zum Wochenschluß war die Stimmung lustlos und neigte zur Schwäche, da der weiter anhaltende Ordermangel stark verstimmte. Bei geringem Angebot ergaben sich Rückgänge bis zu 2 Prozent, die aber im Verlause zum Teil wieder aufgeholt werden konnten. I.-G.-Farben wurden stärker angeboten, da hier Tauschoperationen gegen I.-G.-Chemie- Basel vorgenommen wurden, doch war aber auch hier bald eine kleine Erholung zu verzeichnen. Vom AEG.-Markte ausgehend, die gegen andere Werte getauscht wurden, machte sich eine a 11 - gemein freundlichere und zuversichtlichere Bewegung geltend. Der Abschluß eines Auslandkredites, der erst spät bekannt wurde, konnte sich nicht voll auswirken, aber die anfänglichen Verluste wurden bei wieder stiller werdendem Geschäft aufgeholt und teilweise noch überschritten. Interesse bestand noch besonders für Mansfelder. Anleihen lagen in der ganzen Woche fast durchweg geschäftslos, doch hatten deutsche und ausländische Renten zumeist Besserungen zu verzeichnen. Am Geldmarkt war, Tagesgeld mit 7 Prozent angeboten, doch trat hier mit 7,5 Prozent wieder eine Verknappung ein, wodurch man auch verstimmt war, und dies legte der Börse eine gewisse Beschränkung auf. Die Mark konnte sich nach einer vorübergehenden Abschwächung wieder kräftig erholen: der Peseta war Schwankungen unterworfen, aber von nicht allzu besonderer Bedeutung. Der französische Franke lag fester. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Auch in dieser Woche trat am Frankfurter Produktenmarkt feine Belebung ein, man war eher noch skeptischer und zurückhaltender. Vor allem verstimmten die in aller Welt vorzüglichen Ernteausfichten und das sehr günstige Wetter. Das Angebot von Auslandware toar sehr gering; auch hielt die Provinz mit ihrer Ware zurück, aber trotzdem kamen kaum Umsätze zustande. Die Annahme der Farmer-Dill durch das amerikanische Repräsentantenhaus und den Senat übte auf die amerikanischen Märkte wohl eine Anregung aus, blieb hier aber ganz ohne Einfluß. Vor allem hatte das Geschäft auch unter den verschiedenen Gerüchten bezüglich der künftigen Gestaltung der Getreidewirtschaft zu leiden. Doch wurde die Stimmung bald etwas freundlicher, die höheren überseeischen Rotierungen und das sehr knappe Angebot verbesserten doch die Lage etwas, da die Mühlen und der Export Rachfrage bekundeten. Das Geschäft nahm aber trotzdem kein größeres Ausmaß an. Verluste waren jedoch auch nicht zu verzeichnen. Die Vorgänge außerhalb der Getreidebörse konnten eigentlich gar keinen Einfluß auf die Preisgestaltung ausüben. Rur für Roggen bestand regeres Interesse bei steigendem Preis. Im Zusammenhang hiermit machte sich auch stärkeres Interesse für Roggenmehl, das bis zu einer halben Mark anziehen konnte, bemerkbar. Schwächer und angeboten lagen am Futtermittelmarlt Mais und Weizenkleie. Sonst waren besondere Umsätze nicht zu verzeichnen. Zum Wochenschluß wurde die Tendenz fest, da das Ausland wieder höhere Rotierungen meldete. Das Geschäft blieb I aber dennoch klein; auch wurde die Preisgestal- I hing hiervon nicht berührt. Die höheren For- | derungen der Provinz wurden nur schwer bewilligt. Im Vergleich mit den Rotierungen der vergangenen Woche waren Weizen, Sommergerste, Hafer (inl.), Weizenmehl und Roggenkleie gut behauptet. Roggen zog eine viertel und Roggenmehl eine halbe Mark an. Mais und Weizenkleie büßten je eine viertel Mark ein. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Die Geschäftstätigkeit am Frankfurter Schlachtviehmarkt war in dieser Woche sehr ruhig. Rur am Rindermarkt machte sich für gute Qualitäten seitens der Metzger verstärktes Interesse geltend, während die übrigen Qualitäten nur langsamen Handel zu verzeichnen hatten. Der Auftrieb war etwas stärker als in der Vorwoche. Die Exportbeteiligung war nur mittelmäßig. Der Markt konnte jedoch nahezu geräumt werden. Auch der Schweinemarkt hatte eine größere Beschickung aufzuweisen. Es wirkt immer noch sehr verstimmend, daß Fettschweine schwer verkäuflich sind, was naturgemäß das Geschäft nur langsam in Schwung kommen ließ. Schweine im Gewicht von 160 bis 200 Pfund sind etwas lebhafter gehandelt worden, und konnten auch einen recht ansehnlichen Preisgewinn gegenüber der Vorwoche erzielen (plus 5 Mk.). Kälber hatten trotz des schwächeren Auftriebs ruhiges Geschäft, die Preise blieben hier nur gut behauptet. Der Markt wurde jedoch geräumt. Schafe wurden infolge des immer noch sehr schwachen Auftriebs wieder nicht notiert. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1550 Rindern (darunter 323 Ochsen, 115 Bullen. 485 Kühe und 370 Färsen), ferner aus 1604 Kälbern, 91 Schafen und 5077 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vorigen Woche waren 189 Rinder und 88 Schweine mehr angetrieben, während 288 Kälber und 65 Schafe weniger zum Verkauf standen. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark' Ochsen Klasse al) 63 bis 66, a2) 56 bis 62. b) 50 bis 55; Bullen a) 54 bis 60. b) 50 bis 53; Kühe a) 50 bis 54. b) 43 bis 49, c) 37 bis 42. d) 30 bis 36; Färsen a) 63 bis 66. b) 56 bis 62, c) 50 bis 55; Kälber b) 79 bis 82, c) 71 bis 78. d) 60 bis 70; Schafe nicht notiert; Schweine b) 78 bis 81, c) 80 bis 82, d) 80 bis 82. e) 77 bis 80. Im Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche konnten Schweine 2 Mk. und Kühe 1 Mk. anziehen, während Ochsen. Dullen, Färsen und Kälber gut behauptet blieben. * * Daimler-Denz 21.-®., Stuttgart- Hntertürtfjeim. Die Generalversammlung genehmigte den bekannten dividendelosen Abschluß. Einleitend gab der Vorsitzende Dr. von Stauß, (Berlin, einen üeberblid. Im laufenden Jahre habe sich das Geschäft bisher fortschreitend entwickelt. 3n den ersten fünf Monaten 1929 habe der Hmfat) 53,5 Millionen gegen 47,5 Millionen Mark in der entsprechenden Vorjahreszeit betragen, im Mai allein 14,5 Millionen Mark gegen 12 Millionen Mark im Mai 1928. Im Juni habe die Diskonterhöhung und die Kreditrestriktion die Kauffreudigkeit der Kundschaft beeinträchtigt. Man hoffe aber, daß die durch die Pariser Abmachungen eingetretene Deruhigung diese Hemmungen beseitige. Die Verwaltung beantwortete sodann eine Reihe von Aktionärsfragen. Der in der Kälteperiode am Jahresanfang aufgenommene Kredit von 3,5 Millionen Mark sei zwei Monate vor Fälligkeit zurückgezahlt worden. Die Lieferantenforderungen (es werden monatlich für rund 8 Millionen Mark Waren bezogen) hätten sich prozentual weiter erhöht. Man hoffe, sich im internationalen und im deutschen Wettbewerb weiter zu behaupten, darüber hinausgehende Prophezeiungen seien kaum möglich. Zum Thema der Fusionsfragen wurde die schon im Geschäftsbericht ausgesprochene Bereitwilligkeit der Verwaltung erneut betont, aber auch auf die großen Schwierigkeiten hingewiesen. Ein Aktionär bemängelte die Höhe der Abschreibungen auf Werkzeuge usw., während ein anderer Aktionär diese für zu niedrig erachtete. Demgegenüber wurde von der Verwaltung erklärt, die von dem Aktionär angegebene Höhe des Bestandes an alten Wagen sei übertrieben. Er habe am 31. Dezember 1928 1.2 Millionen Mark betragen. Gegenüber der Frage eines Aktionärs, ob eine Kapitaltransaktion möglich sei, wurde auf die unleugbaren Fortschritte hinge- toiefen, die sich schon darin ausdrückten, daß die Gesellschaft den Umsatz in zwei Jahren mehr als verdoppelt habe. Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 22. Juni. Tendenz: geschäsis los. Zum Wochenschluß war die Stimmung wieder recht l u ft l o s , obwohl nachteilige Momente nicht Vorlagen. Der Ausfuhrüberschuß in der deutschen Außenhandelsbilanz im Monat Mai, der erstmalig eine Aktiva zeigte, und die überwiegend festere Neu- ijorfer Börse von gestern machten keinen Eindruck, da Auslandorders und auch Privataufträge, die immer von besonderer Bedeutung für die Geschäfts gebarung waren, kaum vorgelegen haben dürften. Die Grundstimmung war aber auch heute wieder nicht unfreundlich, doch verharrte die Spekula t i o n in ihrer gewohnten Zurückhaltung, so daß sich das Geschäft in engsten Bahnen bewegte Es wurden eher Abgaben vorgenommen, doch blic ben, da die Abgaben kein größeres Ausmaß an nahmen, die Rückgänge gegenüber der gestrigen Abendbörse gering und überschritten kaum 1,5 v. H. Etwas stärker waren erneut Glanzstoff mit 3 v. H. angeboten. Bon Elektroaktien waren AEG. und Siemens gut behauptet, während Chadeaktien, Licht & Kraft und Schlickert etwas nachgaben. Farben waren ebenfalls etwas stärker angeboten, und zwar aus nicht ersichtlid;en Gründen; obwohl auf der anderen Seite wieder etwas Nachfrage bestand, trat ein Verlust von 1,75 v. H. trotzdem ein. Rütgers- werke minus 1,75 v. H., Kaliwerte bis 1 v. H. gedrückt. Autowerte leicht nachgebend. Weiteres Interesse bestand für Montanaktien, hier wurden allgemein Käufe vorgenommen. Gelsenkirchener gewannen 1,5 u. H., Harpener 1 v. H., Mannesmann 1,75 v. H. und Phönix 1,25 v. H. Auch in Reichsbank an teile n konnte sich lebhaftere Umsatztatigkeit entfalten, aber hier wurde in der Hauptsache M a - tcrial für ausländische Rechnung aus dem Markt genommen, was eine Besserung für dies Papier von 4,5 v. H. zur Folge hatte. Renten geschäftslos. Im Verlaufe war das Geschäft sehr still, da Kausorders kaum eingegangen sein dürften. Nur für Montanwerte, die gut behauptet blieben, be stand weiter Interesse, so daß sich bei einzelnen Werten hier noch Besserungen um Bruchteile eines Prozentes durchsetzten. Die übrigen Aktien blieben auf dem Eröffnungsniveau gut behauptet. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 v. H. etwas leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1915 gegen Pfund 20,317, gegen Paris 123,97, Landon gegen Kabel 4,8480, gegen Mailand 92,6850, gegen Madrid 34,20, gegen Holland, etwas fester, 12,0690. Berliner Börse. Berlin . 22. Juni. Schon im heutigen Vormittagsverkehr toar die übliche Samstagstimstimmung zu erkennen. In Rachwirkung der gestrigen günstigen Momente (Außenhandelsbilanz und Reichskreditabschluh) toar man eher freundlicher gestimmt, obwohl für heute keine nennenswerten Anregungen Vorlagen. Reuyork toar allerdings wieder sehr fest gewesen, die Spareinlagen in Preußen haben eine weitere Steigerung erfahren, die Kalianleihe kann so gut wie abgeschlossen gelten, die Ausführungen der Reichsregierung zum Poung-Plan konnten befriedigen. Vor allem stimulierte aber ein guter Außenhandelsbericht für Monat Mai. Der Ordereingang war jedoch wieder minimal, und die Aufnahmelust der Spekulation weiter sehr gering. Soweit erste Rotierungen zustande kamen, zeigten sie etwas bessere Tendenz. Fest eröffneten Reichsbank (plus 2.5 Proz.) und Montanwerke. Auch Eisenbahnverkehrsmittel wiesen einen Gewinn von 2,13 Proz. auf. Deutsche Anleihen uneinheitlich. Ausländer geschäftslos. Der Pfandbriefmartt war still. Am Geldmarkt toar Tagesgeld mit 6.5 bis 9.5 Proz. eher leichter. Monatsgeld 9,5 bis 10,5 Proz. Warenwechsel 8,5 etwa. Auch nach den ersten Kursen trat keine Geschäftsbelebung ein. Die Tendenz neigte eher zur Schwäche. Die Ausführungen des Geheimrats Bosch in der heutigen General-Ver- fammlung der Farben-Industrie konnten keine Anregung bieten. Von Banken konnten Reichsbankanteile 1,5 Prozent gewinnen. Montanwerke bröckelten dagegen um Bruchteile eines Prozentes im Einklang mit der Allgemeintendenz ab. Etwas lebhafter ging es am Elektromarkt zu, wo aber nur Siemens etwas anzogen. Lleberraschender- weise waren Thörls Oel trotz der ungünstigen Rachrichten von Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassungen im Verlaufe um 2 Prozent gebessert. In Bürbach entwickelte sich zeitweise etwas Geschäft, die übrigen Kaliwerke lagen dagegen stark vernachlässigt. Berlin, 21. Juni Berlin 87,5 87,25 86 78,75 90 30 Banknoten 186 163,25 334 331,25 335,75 51 10,6 50,9 10,65 224,5 186,25 276,25 172,75 157,5 163,5 50,9 10,6 8,13 8,13 120,13 192 110,75 128,75 131,25 224,25 186 276,5 172,75 157,5 163,5 111,25 128,25 131 224 186,25 275,75 173,75 157,5 163,5 111 128,5 iVi . 6 . 8 10 . 8 10 10 12 11 12 io io 10 . 9 . 8 12 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 23,25 20,4 22,4 1,9 8,13 8,1 8,1 8,8 eUlfl. Deutsche «Lisenbahn . . Hamburg-Amerika Pökel . . Hamb.-Südam. Damvllch. , Hansa Dampfschiff..... Norddeutscher Lloyd . . . . ülllg. Deutsche ttrcbilontt . . Barmer Bankverein . . . Berliner Hondeksgesellsch. . . Commerz und Prival-Bank. Dorrn st. u. RaltonaibonI . . Deutsche Bank...... DtSkonto-Gelellschafl Snt.. . Dresdner Bonk ■ • - vrttleldeutsche Creditixml . . vletallbank........ Letchsbank 1,9 8,15 29,75 2,5 1,8 23,3 französisch« Noten..... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oe Herr, ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten....... Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börfe. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lornbardzinsfuß 8,5 Prozent. Geld 16,39 167,94 21,915 111,38 58,87 2,49 112.08 80,57 58,95 12.385 72,82 ^tieF 16,45 168,62 21,995 111,82 59,11 2,51 112.52 80.83 59.19 12,455 73,12 Schluß-Ansanp- flure ' Kur; 21.6. ! 22 6. Frankfurt a. M. 3dilu6. I-Uvr gut; Kurs 2L6. | 22.6. Datum 6% Dt. Reichsanlethe v. i9/‘ £L Anl.-Wlos.-Schuld mit MuS- los^Rechlen • DeSgl. ohne Auslos.-Rechte - - - »% Franks. Hyp.-Bk. Goldpf. un- kündbar bis 1932 - 4Vi°/o Rheinische Hyp.-Bank Liau Gokdvs.. N.E.G. abg. BorkriegS-Obligakion. rückzahlbar 1932 4% Schweiz. Bunbesb.-ÄnI.. . 4% Oesterreichische Goldrte.. . 4,20% Oekterr. Silberne. . . . 4% Oesterreich, emheitl. Rte 4% Ungarische Goldrte..... 4% Ungarische Staotsr. v. 1910 4H% desgl. von 1913 4% Ungarische Kronenrie..... 4% Türk. Zollonleihe v. 1911 . 4% Türkische Bogdadbahn-Anl. Serie I.......... 4% desgl. Serie II...... 4% Rumänen conveN. Rle. - • 4V,% Rumänen Golvanl. von 1913 Frankfurt a. M. Berlin Schluß. Kur; i-unt- Kurs Schluß. Kurs Ansang Kur» Datum 21.6. 22 6. 21.6. । 22 6- BhUipv Hoijmann..... Heidelberger Cement .... Gement Karlstadt..... Wavß 4 Freitag...... Schultheis Patzenhofer . . . Ostwerte......... Ser. Glanzstoff...... Bemberg......... Zellsioss Waldhof..... Zellstoff Aschaffenburg . . . Gbatiottcn bürget Dosier . . Dessauer Gas....... Daimler Motoren..... Deutsche Maschinen-Fabrü . Adlcrwerte Klever..... Luvw. Loewe....... Rat. Automobil...... Cicntlein 4 Koppel .... Leonhard Tiey...... Bamag-Meguin...... Franks. Maschinen..... Grihner......... Henliaenstaedt...... JunghanS......... Lechwerke........ Main trat lwerte...... Mag........... Rekanuimer....... Peters Union....... Gebr. Roeder....... Soigi 4 Haesfner..... Südd. Zucker....... 10 . 8 10 15 12 18 14 12 12 ' 8 . 6 . 0 . 6 10 .•0 . 6 . 6 . 0 . 6 11 . 0 . 4 . 8 . 8 10 . 8 . 8 10 . 8 . 8 112.5 138.25 176 - 452 252 — 54 70 74 106 106.13 123.5 128 115 138 449 252,25 = 53.25 484 Z — 130 101 315 252,5 349 253,25 186 112,25 213.25 58.5 51 53 207,5 28,9 92,5 279,75 71 ?5 73 123,5 129 221,5 145 315 252,6 450 347 253,25 112,5 211,5 594 209 279,75 122,25 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- Kur? 1 Ubr Schluß- Anfang. Kurs Kure Kurs Datum 21-6. | 22-6. 21-6- 22-6. 194 194 194,25 194,25 Bergmann......• ••••* Elektr. Lieferungen..... Licht und Krasi...... — 218,5 218,25 224 158 218,5 222,5 159 219 Felten 4 Guilleaume.....6 Ges. s. Elektr. Untern.. ... 10 134,5 223,5 — 135,25 223,5 134,9 223,5 Hamb. Elektr. Werke .... 1° — — — — Rhein. Elektr.........6 162,5 162 — Schlei. Elektr........1° — 195 Gdiuden ....... 8 — — 242,75 242 401 401 400,75 400,9 Transradio 6 — — 145,5 143,75 Lahmeyer 4 So...... . 10 170,5 — 171 — Buderus ........ Deutsche ErdSI.......6 Essener Steinkohle.....• * Gelsenkirchener ... 1. ¥i 3-4 Harvener . . ..... 6 Hoesch Eisen. ........ k Ilse Bergbau........° «löcknerwerke..... • • ‘ 73,5 138,5 221 106,5 140 140,75 in 74 116,25 129,5 138,65 144,75 129 221,5 107 127 119,75 139,75 74 117 130,25 140 145,75 129,75 107,75 128 121.5 139,5 ...................... Mannesmann........8 Mansfelder ? Oberschlei. Eilenb. Bedarf... 5 119,25 140,75 121 — — 87 112 96.9 Oberschles. Sokswerke . . -6 Phönix Bergbau.....5% 96,25 97 111,9 96,75 Rheinische Braunkohlen . . 1< Rbeinstabl 1- % Jahr 4_V, 295 127,75 295 128,25 294,75 128.75 Riebcck Montan...... Bereinigte Stahlw..... 1 103 103 102,5 103 70,9 Otavi Minen .....8 sl — Kali Aschersleben..... Jtafl Westeregeln......11 243 254 — 243 253,75 252,20 Kaliwerk Salzdetfurth ... Id 411,5 410,5 410 410,25 F. ®. Farben-Industrl» ... l‘< 253 251,75 253 252 Dynamit Nobel ....... B Scheideanstall..... 9 — — 118 160 — Goldschmidt ........b .................... 74,5 90 88,5 74,5 88,75 89 129 129 21. Juni 22- Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brie' Geld Brief Amil.» 'Jiott. 168,28 168.62 168,11 168.45 Buen-Aires 1,757 1,761 1,754 1.758 Brff^Antw 58,135 58,255 58,135 58,255 Christiania • 111,66 111,78 111,55 111,77 .Kopenhagen 111,58 111,80 111,53 111,75 Stockholm - 112,25 112,47 112.22 112,44 HelsingforS- 10,528 10,548 10,523 10,543 Italien. . . 21,925 21,965 21,905 21,945 London. . . 20,31 20,35 20,300 20,341 Neuyork . - 4,189 4,197 4,1875 4,1955 Paris. . . - 16,375 16,415 16,37 16,41 Schweiz . . 80,625 80,785 80,95 80,755 Spanien . 59,12 59,24 59,22 59,34 Japan . . . 1.841 1,845 1.840 1,844 Rio de Jan 0,4965 0,4985 0,496 0,498 Wien in D^- £)eft. abgell 58,89 59,01 58,855 59,975 Pma - - - - 12,412 12,423 12,409 12,429 Äelzrad . . 7,358 7,372 7,359 7,373 Budapest - - 73,01 73,15 72.98 73.12 Bulaarieu 3,027 3,033 3,027 3.033 Lissabon - - 18,73 18,77 18,75 18,79 Danzig - . - 81,36 81,31 Konstantin. ',018 2,022 2,013 2.017 Athen. . 5,44 5,45 5,415 5,425 Ccmada 4,155 4,163 4,154 4.162 Urn uap 4.036 4,044 4,026 4.034 Tatro ■ • 20.83 20.87 20.82 20,86 Berlin, 21 • Juni itzeld Brief 4,17 4.19 Belgische Noten ....... 58,075 58.315 Dänische Novm ...... 111.33 111.77 Tnglriche Noten........ 20,28 20.36 Gicht, Rheuma. Die Ursache der Schmerzen bei dieser Krankheit ist bekanntlich die in festen Kristallen und Nadeln abgelagerte Harnsäur«. Pfarrer Heumann, Gicht- und Rheuma- Zabletten überführen durch eine chemische Umwandlung die Harnsalz« in eine leicht lösliche Form, sodab ste der Körper ausscheiden kann, Zu diesem Zweck wird gleichzeitig die Leber- und Nieren» tütigkelt angeregt, also sehr vielseitige Eigenschaften,die die gründlich« und nachhaltige Wirkung bte Mittel» erklären. Gicht- u. Rheumamittel Nr. 33, Tabletten, Packg. Mk.4.— Nr. 34, Fluid zum Einreiben „ 3.50 168000 Oankjckrcibtin bcroctfctt Erkältung. 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Brasan-Tabletten Gallen- und Leberleiden. Di« Pfarrer Heumannschen Dallen- und Leberpillen bringen di« altbekannte Oelkur in eine leichtverdauliche, gut zu nehmende Form und verbesiern sie durch Zusätze, welche di« Neubildung von Galle anregen u. deren Stauung verhüten, womit «ine der Hauptursachen schmerzhafter Kolikanfälle beseitigt wird. Gleichzeitig wird di« Der- dauungstättgkeit kräftig angeregt Gallen- und Leberpillen Nr. 44, Packung......Mk. 5.50 Husten, Lungenleiden. Hier ist das bewährte Lolusot Pfarrer Heumanns am Platze. E» wirkt nicht nur schleimlösend, auswurfbefördernd und stark reizmildernd, sondern zugleich appetft- anrrgend und allgemein kräftigend auf die Atmungsorgane. Tolusot ist ein Doppelpräparat, bestehend aus Tabletten und Tropfen. DieAn- roenbung empfiehlt sich bei Husten, Keuchhusten, starker Verschleimung, Bronchialkatarrh, Lungenspitzen- Katarrh und ähnlichen Leiden. Tolusot Nr. 67, Doppelpacknng Mk. 4.50 Hämorrhoiden, innere und äußere. Pfarrer Heumann, bewährte. Hä» morrhoidenmiUel kommt entweder in Form von Zäpfchen oder al« Salbe zur Anwendung, je nachdem c, sich um innere oder äußer« Hämorrhoiden handelt Die Wirkung ist prompt schmerzlindernd, da, lästige Brennen und Zucken lätzt nach, der Kranke spürt wohltuende Erleichterung. Durch Verengerung der Blutgefäße bringt das Mittel Knuten und Geschwülste zum Schwinden. Entzündungen und Wundstellen heilen ab. Hämorrhoidenmittel Nr. 35, Salbe, Packung. Mk. 3.— Nr. 36, Zäpfchen, Packg. „ 4.50 Seetangen «Sie das 2S2 Setten starke, illustv. Kfavvev-Seuniann-Vmh gratis von £. Heumann fc Co., Nürnberg c eis Niederlage: Hirsch-Apotheke Gießen, Frankfurter Straße 4. 104V J11H0 Rödgen, Muschenhelm, Gießen, den 22. Juni 1929. 03987 5441V Darmstadt, den 21. Juni 1929. 03946 Hess. gern. A.-G. für kleine Wohnungen. Der Vorstand. Der Aufsichtsrat. 5425V Gießen / Seltersweg Horex-Motorräder Für die Reise und Sport nur Dauerwellen HOREX System Mayer, Karlsbad Ruf 1146 Seltersweg 75 Ruf 1146 5429V Aenderungen sowie Neuanfertigungen werden billig und sofort erledigt. bekannt zu geben. Seit Bestehen unserer Gesellschaft hat der Verstorbene ihre Entwicklung mit stetem Interesse verfolgt und gefördert. Wir werden sein Andenken in hohen Ehren halten. gestern abend 11 Uhr nach schwerem Leiden im Alter von 56 Jahren sanft entschlafen ist Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Margarete Balßer geb. Schwalb Familie Wilhelm Balßer XVI. Verstorbenen verlieren dem wir alle Zeit ein wahren werden. Gießen, 21. Juni 1929. Die Beerdigung findet Montag, den 24. Juni, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Mnboiz ofenfcriig, Anseuer bolz, eichene Gartenpfosten. 3. Wellhöfer, Kcrnspr.743. Auf telephonischen Anruf 101 stehen Auswahlsendungen sofort zur Verfügung. 400«a Nadir uf. Aus den Reihen unserer passiven Mitglieder wurde uns durch einen plötzlichen Tod Herr Bsuiinlerneliiner Richard Piaii entrissen. Wir verlieren in ihm einen eifrigen Förderer unserer Bestrebungen und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Bauerscher Gesangverein e.V. 54580 Nachruf. Plötzlich und unerwartet verschied unser hochverehrter Chef Herr Baannlernehmer Richard Plan Wir verlieren in dem so früh Dahingeschiedenen einen stets hilfsbereiten und unermüdlich tätigen Vorgesetzten. — Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Die Arbeiter der Fa. Piatt & Co., G.m.b.B. Gießen, den 20. Juni 1929. la Gchlacken- sand leicht, mittel und schwer, lief, prompt und billigst 2908D ter.Äeti Bieber b. Gießen, Tel. Rodhelm 16. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer herzensguten Mutter sagen wir hiermit auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Für die trauernden Hinterbliebenen: Marie Hinne geb. Karpf. Gießen, den 22. Juni 1929. Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß mein lieber Mann, mein treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Wilhelm Ba lßerX. Landwirt und Kirchenvorstand Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 19. Juni 1929 bei der Firma Lahn - Dill. Sieg - Versicherungs-Vermittlungs-Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Gießen folgendes eingetragen: Die Firma ist geändert in „Dersicherungsbüro Lösch, Gesellschaft mit beschränkter Haftung". 5416D Gießen, den 20. Juni 1929. hessisches Amtsgericht. Bekanntmachung. Truppenverpflegungsstelle Gießen kauft gutes Diesenheu neuer Ernte. 5421D Einlieferung von der Wiese oder sechs bis acht Wochen nach Einbringung in die Scheune. Das Heu muß unbedingt völlig trocken sein. Der Tag der Einlieferung ist vorher zu vereinbaren. Fernruf: Gießen Nr. 79. ' Metall- Daffpn Stahl 3 Holz- DCllvIl matrateen ■— Kinderbetten,Polster,Sch lafzlmmer.Chalselongne» UJ an Private, Ratenzahlung. Katalog 225 frei. 385V Eisenmöbelfabrik Suhl (Thttrlngen). Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Hinscheiden unseres lieben alten Herrn Wilhelm Becker geziemend in Kenntnis zu setzen. — In dem Wir haben die traurige Pflicht, das Hinscheiden des Mitgliedes unseres Aufsichtsrates, des Herrn Bauunternehmer Richard Pfaff Spezial- T Abteilung I ICIU^I _______ t Kleider,Mäntel,Kostüme,Hüte, Blusen,Unterwäsche,Strümpfe, ÜVEB w® UE | Handschuhe und Kleiderstoffe. Emil Koch & Sohn Haus moderner Haarkunst wir ein treues Mitglied, ehrendes Gedenken be- Verein Frohsinn gegr. 1864 5428D Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 18. Juni 1929 bei der Firma Direction der Disconto-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen, folgendes eingetragen: Der Umtausch der bisherigen Aktien zu 40 RM., 50 RM., 150 RM. und 180 RM. in Aktien zu 100 RM. und 1000 RM., die sämtlich auf den Inhaber lauten, gemäß den Vorschriften der Durchführungsverordnungen zur Goldbilanzverordnung, ferner der freiwillige Umtausch sämtlicher Aktien zu 400 RM. in Aktien zu 100 RM. ist durch, geführt. Durch Beschluß der Generalversammlung vom 25. März 1929 unter Zu- stimmung der persönlich haftenden Gesell- schafter ist der Gesellschaftsvertrag in Art. 5 (Einteilung des Grundkapitals und Streichung des vierten Absatzes über Umwandlung der Namensaktien in Inhaberaktien), Art. 13 (Einräumung von Ruhegehältern, Witwen, und Waisengeldern), Art. 21 (Höchstzahl der Aufsichtsratsmitglieder) und Art. 21 (Voraussetzungen für die Ausübung des Stimmrechts in der Generalversammlung) geändert. 5416D Gießen, den 20. Juni 1929. _________hessisches Amtsgericht._________ Arbeitsvergebnng. Die Arbeiten und Lieferungen zur Ausführung der Einfassung einer Teilstrecke des Bieberbachs mit Brücke am Backhaus in Heuchelheim sollen unter Hinweis auf die Reichsverdingungsordnung in zwei Losen vergeben werden. Pläne und Bedingungen können bei uns eingesehen und Leistungsverzeichnisse kostenlos bezogen werden. Eröffnungstermin Samstag, den 29. 3uni 1929, vormittags 10J4 Uhr, auf unserem Amt. Zuschlagsfrist drei Wochen. Freie Auswahl bleibt Vorbehalten. 5418D Gießen, den 19. Juni 1929. Hessisches Kulturbauamt. H. Steinbach, Regierungsbaurat. ist der Automobilverkehr wesentlich, starker als in Deutschland. Trotzdem gibt es - kein Land, in dem so viel Rad gefahren wird wie in Holland. Denn Automobil und Motorrad verdrängen nicht das Fahrrad,sie ergänzenes. Der Landwirt, der heute ohne Fahrrad gar- nicht mehr auskommen kann, die Hausfrau und Haustochter, die ihre Besorgungen rasch erledigen wollen, der Handwerker, der Angestellte. der Arbeiter, der Schüler, die rasch zur Arbeitsstätte fahren wollen, sie alle schätzen ihr Rad noch besonders, weil es während der Freizeit Gelegenheit zu schönen Ausflügen in die Natur gibt. Verschaffen auch Sie sich diesen Vorteil und kaufen Sie noch heute ein leiMlaufendes Miele-Rad Mielewerke A.G. Gütersloh / Westfalen. über 2000 Beamte und Arbeiter. üllllllllllllllllllllllllllllllllll Künstliche Zähne AU 3 NM, Brücken und Kronen zu btl- liafren Preisen, «wo FrauKöntger Dentistin, Steinftrahe 29. IIII1IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIII Prima selbstac kelterter Apfelwein ver Liter 65 Pfennig LudwigKolilermannlV. 5434D Bleichstr. 12. SmnMen chemische Vernichtung in 1 Minute wie abgewaschen. Undenkbare Wirkung! wunderlich iwo nichts nützte». Mitiel RM. 4.50 W.Wenck.Wflllatein. 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Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. Januar 1929 begonnen. Gießen, den 19. Juni 1929. __________hessisches Amtsgericht.___________ Bekanntmachung. Dienstag, den 25. Juni 1929, findet Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt; sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauen- seuche schutzgeimpft. Auftriebszeit am Markttage von 7 bis Uhr vormittags. Der nächste Schweinemarkt findet am 10. Juli 1929 statt. 5408C Gießen, den 22. Juni 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Klingspor.