Nr. 18 (Elftes Blatt 179. Jahrgang Dienstag, 22. Ianvar 1929 GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck vnb Verlag: vrühl'sche Univerfitütt-Vuch- und Stein&rudcrei R. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraste 7. Abbau der Generaleherrschast in China Eine Konferenz in Nanking. — Auf dem Wege zur Einigung des Reichs 61° Ser Föderalismus in Oesterreich und der Anschluß Ein Vortrag des Bundeskanzlers Or. Seipel in München. ist in ere Voraussehun- «2 Parteien eine Gefahr für den Bestand des ©lad' wie vor Kroa - Staates, vor den die Re- aber jede Regierunj Wünsche und a n : o c = , r« c ■< Sto?*5 =s’§ ? wickeln würden. So verfochten sie nach die Schaffung eines selbständigen t i e n s innerhalb Les jugoslawischen wodurch man sich in Belgrad erneut 5 = = ^ Einnahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantworllich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den Anzeigenteil Kurt Hlllmann, sämtlich in Gießen. »' 5 » essen in der Mandschurei äußerte. Es verstche sich von selbst, daß China angesichts der Schwierigkeiten, denen es sich gegenüber^eh^, mehr denn je sich Zurückhaltung und Mäßigung auferlegen müsse. Angesichts der politischen und strategischen Bedeutung, die die Mandschurei für Japan besitzt, und angesichts der historischen Bedeutung des Umstandes, daß dieses Gebiet von Japan unter Einsetzung seiner nationalen Existenz aus der Gewalt des zaristischen Rußlands befreit und für China zurückgewonnen wurde, sei es ganz natürlich, dah das japanische Volk an dem Geschick der Mandschurei besonders intensiven Anteil nehme. Diese Anteilnahme könne um so weniger wundernehmen, als in der Mandschurei mehr als eine Million japanischer Untertanen wohnten und Japan dort viele wichtige Rechte und Interessen habe. Es verstehe sich von selbst, dah die japanische Regierung die Souveränität Chinas in der Mandschurei respektiere, alles in seiner Macht Liegende tun werde, um die Grundsätze der offenen Tür und des freien wirtscha t- lrchcn Wettbewerbs dort aufrechtzucrhalten, und den Wunsch hege, dah in der Mandschurei sichere Verhältnisse sowohl für die Einheimischen wie auch für die Fremden geschaffen würden. Zugleich bleibe die Regierung jedoch fest entschlossen, alle notwendigen Maßnahme n zu treffen, falls in der Mandschurei Zustande eintretcn sollten, die die Ordnung stören und solcherweise die japanischen Interessen gefährden müßten. 0- 5-c n 3 Ha 2.5 *c c« -v ® 5 Kopf gestoßen fühlte. Offenbar scheint gierung in dem Fortbestehen der kroatischen 5 = 2' « ~ e61"o Japans Interessen in -er Mandschurei. Anerkennung der chinesischen Souveränität, aber Sicherstellung der eigenen Vorherrschaft. Tokio, 22. Jan. (WTB.) Der japanische Ministerpräsident Baron Tanaka hielt im Parlament eine längere Rede über die auswärtigen Beziehungen, in der er sich sehr eingehend über die Lage in China und die japanischen Inter- : o tr •*0«3 Stellen keineswegs vorherrscht. Der erste Entwurf zu einem Reichsverwaltungsgericht stammt aus dem Jahre 1919. Seitdem hat sich jede Regierung mit dieser Materie beschäftigt, hat auch andere nsita» "k-z Erschein! lögt>ch,anher sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte (Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. München, 21. Jan, (WB.) Der österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel traf heute abend kurz nach 6 ülhr auf dem Ostbahnhof München von Wien kommend ein. Zum Empfang am Bahnhof hatten sich der österreichische Legations- rat v. Günther und Herren des Akademisch- Politischen Klubs eingefunden. Dr. Seipel wird am Dienstagvormittag dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Heid seine Aufwartung machen und damit den Besuch erwidern, den Dr. Held des Bundeskanzler unlängst in Wien abgestattet hatte. Am Montagabend sprach der Bundeskanzler im Akademisch-Politischen Klub über »Föderalismus in Oesterreich". , Den Oesterreichern erscheine in der Verfassung nichts anderes so wichtig und so wesentlich, als eben die bundesstaatliche Einrichtung. Der österreichische Föderalismus wird uns oft zum Vorwurf gemacht und begegnet scharfer Kritik. Besonders kritisch stehen dem österreichischen Föderalismus die reinen und unentwegten Freunde des Anschlusses aus dem Deutschen Reich gegenüber, weil er jeden künftigen Anschluß erschwere, denn sie meinen, Oesterreich müsse dann seinen inneren Föderalismus auf geben, was wohl ein zu großes Opfer für Oesterreich wäre, oder das Reich müßte mit Oesterreich einen Subföderalismus in Kauf nehmen. So scheint Oesterreich durch seinen Föderalismus für immer zu einem selbständigen Sein nach Art der Schweiz bestimmt zu sein. Diese Einwen- dazu aber liegt der Hebel allein beim Wahlrecht. Nur ein Volksbegehren, das hier einsetzt, und hier mit einfachen Mitteln eine Verbesserung anstrebt, hat Aussicht auf Wirkung und Aussicht auf Erfolg. Das sollte auch der Stahlhelm bedenken, wenn er sich jetzt daran setzt, den Wortlaut seines Volksentscheids endgültig niederzulegen. Das Reichsverwalfungsgerichf. Dreißig Gesetzentwürfe und keine Entscheidung. Berlin, 22. San. (Priv.-Tel.) Wieder einmal taucht die Meldung auf, daß noch in allernächster Zeit der Regierungsentwurf für ein ReichsverwaLtungsgericht dem Reichsrat zugeleitet werde. Das Gesetz über das Reichsverwaltungsgericht hat eine allzu traurige Geschichte, als dah man jetzt diesen Optimismus teilen könnte, der auch an amtlichen zuständigen Innerhalb der neuen chinesischen Republik scheint sich jetzt eine bedeutsame Wandlung an- zubahnen. Die besten Absichten einer staatlichen Vereinheitlichung sind bisher immer wieder daran gescheitert, daß die örtlichen Instanzen sich nicht an die Verfügungen der Zentral- regierung kehrten. So etwas soll übrigen- auch in anderen Ländern vorkommen, und man kann sich denken, daß in diesem ausgedehnten 400-Millionen-Reich ohne rechte Verkehrsmittel die Möglichkeit örtlicher Machthaber zu polittschen Extratouren besonders groß ist. Auf diese- Grundlage der älnkontrollierbarkeit beruhte die Generalsherrschaft. die ganz China zu einem geographischen Begriff werden lieh und die es der Zentralgewalt unmöglich machte, über die Einhaltung der einmal eingegangenen Verpflichtungen zu wachen. Die Ranking-Regierung bemühte sich seit langem darum, die Provinzen mehr unter ihre Gewalt zu bekommen. Die wesentlichen Widerstände gingen von den Generalen aus, die bisher in den Provinzen als selbständige Machthaber schalteten und walteten und nach Belieben Steuern für den Unterhalt ihrer Truppen eintrieben. Wie selbständig sich diese Machthaber fühlten, geht aus dem Zwischenfall hervor, der sich kürzlich bei der Rundreise des englischen Gesandten Sir Miles Lampson von Ranking nach Peking ereignete, als auf einer Zwischenstation ein chinesischer General dem Gesandten einfach die Lokomotive ausspannte, so dah der englische Diplomat im eiskalten Zug stundenlang auf eine Ersahmaschine aus Peking warten muhte. In Ranking hat nun dieser Tage eine ® e n e- ralskonserenz getagt, in der sich der sanfte Druck des' Staatspräsidenten T s ch i a n g k ätsch e k im Sinne einer Einschränkung der GeneralS- vcllmachten wohltätig bemerkbar machte. Zunächst wurde die Herabsetzung der chinesischen Heeres- stärke von 1 Million 600 Tausend Mann auf 600 000 Mann beschlossen, auhecdem wurde eine Zentralisierung der Heeresverwaltung und des Heeresnachschubs vereinbart. Künftig dürfen die Generale nicht mehr Steuern in den Provinzen eintreiben, um ihre Truppen zu besolden und zu verpflegen, auch müssen sie ihre Waffenanforderungen an das Kriegsministerium in Ranking richten, das bekanntlich von dem sogenannten christlichen General Fengjuhficxng verwaltet wird. Man kennt die politische Entwicklung in China. Es mag sein, dah solche Beschlüsse einstweilen auf dem Papier stehen, gelingt aber der Rationalregierung auch nur einigermaßen die Durchführung dieser Maßnahme, dann hat sie eine wesentliche Etappe auf dem Wege der Vereinheitlichung Chinas erreicht. Der ganze Kampf der chinesischen Nationalisten geht um die Aufrichtung einer einheitlichen Staats- gemalt, damit China endlich einmal wieder seiner Bedeutung entsprechend eine Rolle in der internationalen Politik spielen kann. Zu diesem Zweck bemüht sich die Nationalregierung um ausländisches Geld und dieser Tage ist der künftige amerikanische Finanzberater der Nanking-Regierung mit einem Stabe von 40 Mitarbeitern nach Nanking abgereift. Gleichzeitig ist es aber das Bestreben der neuen chinesischen Machthaber, im Inneren die Voraussetzungen für eine gedeihliche Wiederaufbau- arbeit zu schaffen. Man hat den Eindruck, als ob dort zielbewußte Kräfte an der Arbeit seien, haben doch auch die letzten außenpolitischen Ereignisse bewiesen, daß sogar Japan sich langsam dazu bequemen muh, die chinesische Zollautonomie anguer- kennen. Jnnerpolilisch aber bedeutet die Beseitigung der Generalsherrschaft die Aufrichtung der eigentlichen Staatsgewalt. Daß Tschiangkaischek sich seine Absichten von einer Konferenz der haupt- beteiligten Generale bestätigen lieh, darf als ein Anzeichen wachsender Konsolidierung gewertet werden. Jedenfalls hat die Nanking-Regierung im Laufe der letzten sechs Monate unter der klugen und zähen Führung von Männern wie Tschiangkaischek und Dr. Wang Fortschritte gemacht, die bei der Langsamkeit chinesischer Entwicklungen als geradezu epochemachend bezeichnet werden müssen. Auch die Entwicklung des Verhältnisses zwischen China und der Mandschurei gibt Anhaltspunkte dafür, dah der Einfluh der Rankingregierung sich dort Schritt für Schritt verstärkt, und'dah Japan dort immer mehr an Boden verliert. tes gesehen zu haben, so dah sie sich veranlaßt: gefühlt hat, dem Dasein dieser Parteien durch ein Verbot ein Ende zu bereiten. Auch das war nicht klug, denn nun wird der alte Gegensatz noch schärfer in die Erscheinung treten, als das bisher schon der Fall war. Es bleibt bisher noch unklar, wie sich die Belgrader Diktatur-Regierung zu den eigentlichen Minderheitenparteien stellen wird. Sie hat zwar schon betont, daß diese nicht unter dem berüchtigten Paragraphen 3 des Gesetzes zum Schutze des Staates fallen. Immerhin liegt aber schon die Erfahrung vor, dah die serbischen Verwaltungsbehörden die kulturellen Organisationen desDeutschtumsinder Wojwodina aufgelöst haben. Dieserhalb ist der Führer der deutschen Minderheit in Süd- slawien, Dr. Stefan Kraft, in Belgrad vorstellig geworden. Im Interesse der guten Beziehungen zwischen Deutschland und Südslawien muh der dringenden Erwartung Ausdruck gegeben werden, dah die Rechte der deutschen Minderheit, die sich stets als loyal und staatstreu erwiesen hat, in vollem Umfange gewahrt bzw. wiederhergestellt wurden. Auflösungderkroatischenparteien Belgrad, 21. Jan. (WTB.) Gestern wurden von der Polizei in Agram auf Grund der Bestimmungen des Gesetzes zum Schuhe des Staates, die bestimmen, daß religiöse und Stammel-Parteien aufzulö en sind, die Geschäftsräume folgender politischer Parteien gesperrt und deren Archive beschlagnahmt: Kroatische Bauernpartei (Raditsch- partei), Kroatische föderalistische Partei (Trum- bitsch-Partei), Kroatische Dolkspartei (klerikal, und Kroatische Rechtspartei. Damit sind alle kroatischen Parteien ausgelöst. Es 1^37: o"i = 2 6 »6 w TD Ä er o:= $2 3 2.3 MM Oer Volksentscheid des Stahlhelms. Von unserer Berliner Redaktion. Auf seiner Führertagung in Magdeburg hat der Stahlhelm die Fanfaren für seinen Volksentscheid geblasen: 5000 Mann waren aufgeboten, die feier- lich ihre Zustimmung und ihre Unterstützung der geplanten großen Aktion aussprachen. Wie allerdings der Inhalt des Volksbegehrens fein wird, das erfährt man auch jetzt noch nicht; er scheint noch nicht festzustehen. Der Stahlhelm hat von Anfang an keine sehr glückliche Hand gehabt. Als er im Oktober zum erstenmal von seinen Plänen etwas verlauten ließ, legte er sich gleich so einseitig fest, daß er sich den Weg zum Ziel damit allein eigentlich schon versperrte. Will man ein Volksbegehren nur um der politischen Bewegung willen, nur um die Truppen im Feuer zu exerzieren, dann ist das eine Sache für sich. Will man aber das Volksbegehren um des politischen Zieles willen, um des Erfolges willen inszenieren, dann muß man darauf achten, den Stoß so einzusetzen, daß e r nicht in die Luft geht. Der Apparat, wie chn die Verfassung festlegt, ist ja ungewöhnlich kompliziert. Er sieht einen langen Instanzenweg vor, der mit dem Volksbegehren einseht und dann über den Reichstag zum Volksentscheid führt. Für das Volksbegehren braucht man ein Zehntel der Abstimmungsberechtigten, für den Volksentscheid, soweit es sich um Verfassungsänderungen handelt, die Hälfte aller Stimmberechtigten. Wie schwierig schon die vier Millionen auf die Beine zu bringen sind, die zum Vvllsbegehr gebraucht werden, haben die Kommunisten zu ihrem Leidwesen bei ihrer Propaganda gegen den Panzerkreuzer erfahren müssen. Eine ins Kleinste durchgeführte, ins letzte Dors hineinreichende Organisation ist nötig, um die Stimmen mobil zu machen, die allein dazu erforderlich sind. Ob der Stahlhelm über diesen Apparat verfügt, darüber kann man im Zweifel sein, zumindest aber ist er nicht stark genug, um auch nur annähernd die Massen auf die Beine zu bringen, die nachher bei dem Kampf um den Volksentscheid nötig sind. Darauf müßte er Rücksicht nehmen, er müßte fein Programm so setzen, daß es sich schlagwortartig für die Propaganda eignet, daß es aber gleichzeitig auch eine Basis bietet, um einer ganzen Grupppe von Organisationen ein weites Betäti- r. a n 2 r. 3d’ ssbsl Ms düngen kann man sehr verschieden beleuchten. So braucht der Föderalismus nicht zu groß und kostspielig zu sein, sondern kann das Mittel der größten Wirtschaftlichkeit der Verwaltung werden. Dafür ist der Föderalismus e i n Weg der wirklichen Selbstverwaltung des Volkes, der konsequent gegangen, sicher zum Ziele führt. Der zukünftigen Entwicklung setzt er wie jede stark herausgearbeitete und festgehaltene Eigenheit nicht geringe Schwierigkeiten entgegen, aber er bildet keine unüber st eigliche-und unbedingte Schranke. Daß der Föderalismus fo gut aufgenommen wurde und so tief Wurzel schlägt, kommt von der Stärke der Partei- aegensätze in Oe st erreich. Die Länder griffen gern zum Föderalismus als einem Abfperrmit- tel gegen das — wie sie sich ausdrückten — rote Wien, das seinerseits wieder sich nicht gern, sicher aber nicht ganz von einer Mehrheit vorwiegend kleinstädtischen und ländlichen Ursprungs beherrschen lassen wollte. Der Bundeskanzler schloß: Uns Oesterreichern von heute, namentlich denen, die Oesterreich regieren müssen, ist der österreichische Föderalismus eine Aufgabe, an der wir noch lange zu arbeiten haben werden, bis wir die Schwierigkeiten, die er auf- wirft, überwunden, die Möglichkeiten, die er eröffnet, ausgeschöpft Haden. Allen jenen, die Oesterreich gern haben, ist er ein Stück von diesem Oesterreich, wie es wirklich ist. gungsfsld zu geben. Daß die Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Zuständen sehr tiefgreifend ist, darüber besteht kein Streit: daß eine Aende - rung wünschenswert und notwendig ist, darüber wird sich die Mehrheit der Abstimmungsberechtigten vermutlich auch einig sein. Schwierig bleibt es nur, eine Formel zu finden, um dieser Unzufriedenheit einen Ausdruck Zu verleihen, der gesetzestechnisch nutzbringend ist. Deswegen kann es sich nicht um Kleinigkeiten handeln, wie der Stahlhelm sie zunächst ins Auge faßt, die Immunität der Abgeordneten ' ' diesem Sinne etwas Nebensächliches. Man muß schon das Ziel so setzen, daß mit der Abstimmung eine grundsätzliche Besserung unserer verfahrenen Verhältnisse erreicht werden kann. bleibt auf dem kroatischen Territorium allein die selbständige demokratische Partei (Swetosar-Prioitschewitsch) übrig, die hauptsächlich Serben umfaßt. Mit der Auslösung der genannten Parteien wurde die Begriffsbestimmung des erwähnten Gesetzesartikels durch die Praxis authentisch interpretiert. Wie in Agram verlautet, wird nach einer Zirkularverordnung des Ministeriums des Innern gegen die Zentren der anderen Parteien vorgegangen, die, sobald sie nach dem Ermessen der Behörden religiösen oder Etammescharakter haben, überall aufgelöst werden. Die dann noch übrig bleibenden Parteien müssen nach demselben Erlaß um die Genehmigung des Ministeriums des Innern für ihr Weiterbestehen nachsuchcn. Das Ziel -er Kroaten. Autonomie im Rahmen des südslawischen Staates. Paris., 21.3an. (DTR.) Der „Malin" oer- offenllicht ein Interview, das der kroatische Führer Matschet dem Außenpolitiker des Blattes in Agram gewährt hat. Matfchek führte aus: Ohne uns mit rechtlichen Erwägungen aufzuhalten, sehen wir keinen Nachteil in der Tatsache, daß der König mit allem was bisher bestanden hat, aufräumte. Wir sind auf die Zeil von 1919 20 zurückgekommen. Wir haben ein unbeschriebenes Blatt vor uns, das wir von neuem beschreiben können. Wenn man zu einer Verfassung kommen will, die Störungen unmöglich macht, so kann das nur durch ein Kompromiß mit uns geschehen, und wenn man mit den Kroaten zu einer Einigung kommen will, muß man damit anfangen, daß man ihnen die Wahl eine» parläge n mitgebracht. Das tragikomische Ergebnis ist, dah seit 1919 schätzungsweise 30 verschiedene Entwürfe zum Reichsverwaltunasge- richt im Reichsinnenministerium ausgearbeitet wurden, je nach der Haltung der Regierung ein wenig mehr föderalistisch oder unitaristisch, so daß schließlich alle möglichen Ruancen erschöpft sind. Das Ganze stellt einen beispiellosen Vorgang dar, der sicherlich nicht zur Popularisierung des geplanten Reichsverwaltungsgerichtes dienen wird, und der in einem kleinen Ausschnitt allerdings im Extrem d i e Hemmungen illustriert, die sich heute auf jede komplizierte Gesetzesmaterie auswirken. Auch jetzt ist noch ganz unsicher, wann sich das Kabinett mit dem Entwurf beschäftigen kann, denn zur Zeit schweben noch Verhandlungen mit andern Reichsressorts, aber die Hoffnungen gehen dahin, das Gesetz noch im Februar dem Reichsrat zuzulciten, wo wiederum äußerst schwierige Verhandlungen mit den Ländern bevorstehen. Aber es wäre erfreulich, wenn endlich unter Berücksichtigung der Wünsche der Länder d i e Rechtseinheit im Reiche auf dem Gebiete der Verwaltungsanordnungen gesetzlich gesichert würde. Oie südslawische Siaaisknsis. Die Kroaten und die Diktatur. Die Belgrader Regierung hat zur nicht geringen Ueberrafchung der Kroaten sämtliche kroatischen politischen Parteien mit Ausnahme einer einzigen ausgelöst und die Bureaus zum Teil versiegeln lassen. Dieser Vorstoß gegen die Kroaten berührt insofern eigenartig, als König Alexander sich immer wieder ernsthaft bemüht hatte, sich die Freundschaft der kroatischen Volksteile Jugoslawiens zu erhalten. Er hatte es auch nach der Ausrufung feiner Diktatur abgelehnt, in Kroatien feine Gesetze in ihrer ganzen Schärfe z» Anwendung bringen zu lassen. Die Kroaten waren auch zunächst glücklich über das Eingreifen des Königs, weil er durch die Beseitigung der alten Regierung und die Auflösung des Parlamentes eine ihrer wesentlichsten Forderungen erfüllt hat. Sie besaßen damals noch so viel Vertrauen zu ihm, um sich der Erwartung hinzugeben, daß er ihnen nunmehr volle Gerechtigkeit widerfahren lassen würde. Inzwischen hat jedoch bei den' Kroaten eine reichliche Ernüchterung Platz gegriffen. Sie haben die betrübliche Feststellung machen müssen, daß auch in der neuen Regierung einige serbische Parteien in verschleierter Form vertreten sind und daß nicht Alexander, sondern dieses Kabinett tatsächlich regiert Die Kroaten waren aber so unklug, starr an ihrem Programm sestzuhalten, statt zunächst einmal abzuwarten, wie sich die Dinge weiter ent- • 2 S 2 rL- OH zien 1 s zugesteht, bat In ihrem Namen verhandeln kann. Unsere Forderungen, wie ich sie auch dem König unterbreitet habe, bestehen im wesentlichen darin, daß wir unsere kroatische Regierung und unser kroatische» Parlament haben wollen, das sich mit allen Angelegenheiten beschäftigen soll, die nicht kollektiv den ganzen südslawischen Staat in seinen Beziehungen zu dem A u s l o n d e betreffen. Deiche Gefahr ist zu befürchten, wenn man den Kroaten die Autonomie bewilligt? wir mühten Selbstmordgedanken hoben, wenn wir uns von den Serben trennen wollten, wohin würden wir gehen? Nimmt man denn etwa an. dah wir den Wunsch zu Experimenten mit unteren Nachbarn haben? Die unabwendbarste Not- wendigkeit, fa sogar die Sicherheit unserer Existenz zwingt uns, geeinigt zu bleiben unter dem jetzigen König, was wir fordern, ist nur, entsprechend unseren Bedürfnisten turd) Männer verwaltet zu werden, die unsere Bedürfnisse verstehen. wenn wir die Geste des Königs zunächst auch mit Begeisterung ausgenommen haben, muh ich doch jetzt, um ehrlich zu sein, hlnzufügen, dah wir fürchten, dah serbische Politiker die guten Absichten des Königs, die wir niemals in Zweifel gezogen haben, mihbrauchen. Das neue Regime in Kabul. Rußland fürchtet Rückkehr unter das britische Protektorat. Moskau. 21. San. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Sn Kabul, wo 5jabib All* loh die Macht ausübt. ist noch keine neue Regierung gebildet worden. Dorausftchtllch werden das Alnt errichts- und Sustiz* ministerium aufgehoben werden. Die Frage des Weiterbestehens des Außenrnnn- steriums ist noch nicht geklärt. Die toemut)en Schulen sollen geschlossen und die Kadr-Gerichte wieder eingeführt werden. Es besteht bei der Regierung die Neigung, jegliche Beziehungen zu auswärtigen Staaten, mit Ausnahme Englands, abzubrechen und den Staat wieder in die Lage zurückzuversehen. die vor der Verkündung der afghanischen Alnabhängigkeit bestand. Sn afghanischen Kreisen wird 6rhauptet, dah die englische Gesandtschaft bereits einen entsprechenden Vorschlag gemacht habe, und dah der Entwurf einer Vereinbarung vorliege, nach der England wie früher an die Emire Subventionen zahlen werde. Die Derwirtlichung dieses Planes stöht auf den Widerstand der Geistlichkeit und der Kaufmannschaft. Bezeichnend ist, dah sich Habib Alllah in seinem anlählich seiner Thronbesteigung an die Bevölkerung gerichteten Erlah nicht Padischa (König), sondern wie früher die afghanischen Herrscher bis 1925 sich Emir nennt. Wie weiter gemeldet wird, hat Habib Alllah die deutsche und die französische Schule in Kabul geschlossen. Das Sn- ventar wurde verkauft. Aman Alllah soll im Hinblick auf die Absetzung Snahat Alllahs in Kandahar die Erklärung veröffentlicht haben, daß er seine Abdankung für nichtig erllärt und d i e Herrschaft wieder übernimmt. Llnabhängigkeiiswünsche des Irak. England hält feine Vormundschaft auch weiter für erforderlich. Bagdad, 21. San. (Reuter.) Das Kabinett des Königreichs Srak (Mesopotamien), das britisches Völkerbundsmandat ist, hat dem König seine Demission überrreicht. Sämtliche Minister erklärten, dah sie ihr Amt nur aus der Grundlage der von ihnen gestellten Forderungen wieder übernehmen würden. Diese bezvrhen sich auf verschiedene Punkte in dem Militär- und Finanzabkommen zwischen dem Srak und Grohbritannien. England ist der Auffassung, dah es nicht auf alle Forderungen des Srak eingehen kann, namentlich nicht auf diejenigen, die das Militär abkommen betreffen, denn es ist der Ansicht, dah der Srak noch nicht imstande sei, die Verantwortung für die Verteidigung seiner Grenzen zu übernehmen. Die Politiker des Srak fordern völlige Unabhängigkeit und wünschen sozusagen die Aufhebung der britischen Oberaufsicht. Die Haltung der Führer der gegenwärtigen Opposition ist im Grunde genommen dieselbe wie diejenige der zurückgetretenen Minister. Die Bi.düng der neuen Regierung wird darum wahrscheinlich schwierig sein. Parteien,Haushalt und Koalition. Die Schlüsselstellung des Zentrums. Berlin, 22. San. (Eigene Meldung.) Das parlamentarische Leben ist jetzt langsam wieder in Gang gekommen, nachdem die Retchstags- fraktionen der Drohen Koalition zur Beratung über den Haushalt des Herrn Hilferding zusammentreten. Die sozialdemokratische Fraktion hat sich mit der weniger aktuellen Frage des Steuer vereinheitlichungs- g e s e tz e s besaht. Viel wichtiger sind die Beratungen des Zentrums, well bei dieser Partei der Schlüssel der gegenwärtigen parlamentarischen Lage liegt. Für das Zentrum ist die Stellungnahme zu den Steuerforderungen des Herrn Hllferding um so schwieriger, als die mühsam gewonnene Fühlung mit der Bayerischen Dolkspartei bei dieser Gelegen- heit nicht gleich wieder abreihen soll. Sn Zentrumskreisen drängt man jetzt auf eine beschleunigte Losung der Koalitions- frage. Sn sozialdemokratischen Kreisen dagegen möchte man dieses Problem noch länger hinausschieben, insbesondere soll der Reichskanzler Hermann Müller der Auffassung fein, dah es besser sei, mit der jetzigen losen Regierungsgemeinschaft weiter zu regieren, als die Gefahr einer Krise unmittelbar vor dem Beginn der Reparationsverhandlungen heraufzubeschwören. Sm Hintergründe steht die Forderung der Deutschen Dolkspartei, dah nun endlich mit der Drohen Koalition in Preuhen ernst gemacht wird. Herr von Kordorfs hat bei der Reichsgründungsseier diesem Verlangen seiner Partei in so deutlicher Weise Ausdruck gegeben, dah auch das preu- Völkerbund und Weltwirtschaft. Mageres Ergebnis der Beratungen des Wirtschastskomitees. Berlin, 22. San. (Priv.-Tel.) Das Wirt- schaftskomitee des Völkerbundes hat feine jüngste Tagung beendet und Dr. T-r e n- delenburg, Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium, hat als fein Vorsitzender zu- sammenfajsend über das Ergebnis biefer Tagung berichtet. Gewiß handelt es sich bei dem Aufgabengebiet dieses Ausschusses um eine sehr schwierige und vielfach komplizierte Materie; denn es werden einzelne Produktionsgebiete aus der Gesamtheit der Wirtschaft herausgenommen, um im Sinne der Empfehlungen der Welt- wirtschaftskonserenz von 1927 neuen Gesichtspunkten internationalen Regelungen un- terworfen zu werden. Aber trotzdem kann man auch mit dem größten grundsätzlichen Optimismus das Ergebnis der jüngsten Tagung als recht mager bezeichnen. lieber die Neuregelung der M ei st beg ün st r- gung in Handelsverträgen ist ein Bericht an den Völkerbundsrat ausgearbeitet worden, der eine Musterklausel enthält,, und es sind bestimmte Ge- sichtspunüe herausgestellt worden, die für den Fall von Kollektivverträgen Bedeutung haben; aber bei der gegenwärtigen Tendenz der Handels- verlragspolitik fast aller Staaten hat diese Arbeit im Augenblick wenig praktische Bedeutung. Die Versuche, für Aluminium und Zement einen kollektiven Zollabbau herbeizuführen. sind fehl geschlagen,, für Aluminium sogar vermutlich definitiv. Eine allgemeine Verständigung über die internationale Kohlenfrage vermochte durch die herbei- geführte Aussorache der Sachverständigen gleichfalls nicht geschaffen zu werden, wenn auch der Bericht einen „günstigen Eindruck' ihrer Aus- spraa-e verzeichnet. Sn der Zuckerfrage, in der man sich ebenfalls um eine internationale Verständigung bemüht, hat man „bedeutsame Berichte" entgegengenommen, aber der Versuch, eine Kontingentierung des Anbaus und der Fabrikation herbeizuführen, muhte ebenfalls aufgegeben werden, und man hat den Spieh umgedreht: man will versuchen, den Konsum zu vermehren. Heber die iirternalionalen Kartelle ist weiter throre.isch beraten worden, ferner sind verschiedene Gutachten zur Frage der wirtschaftlichen Tendenzen, die den Frieden gefährden könnten, zur Frage des Grenzschutzes gegen Pflanzenkrankheiten und zu ähnlichen Dingen überreicht worden. Das einzige Gebiet, auf dem ein wirklicher Fortschritt zu verzeichnen ist, ist die Arbeit an der V e r e i n h e i t 1 i ch u n g der Zollnomenklatur, die freilich sehr wichtig ist. weil der gegenwärtige Stand der Zolltarife überhaupt keine Vergleichungen gestattet und Veriragsverhandlungen oder gar Bemühungen um Kollektiv'rerträge nahezu illusorisch macht. Hebersieht man also die Gesamtarbeit der jüngsten Session, so findet man in der Praxis recht wenig Fortschritte und eine Tendenz zur Zurückhaltung und zur Vorsicht, die eine wirkliche Abwicklung des Programms der Weltwirtschaftskonferenz im gleichen Tempo über Sahr- zehnte und über Generationen verteilen würde. Damit ist natürlich nichts zu erreichen. Alnb es ist auffällig, dah gerade unter dem Vorsitz eines so hervorragenden deutschen Fachmannes, wie des Staatssekretär5 Trendelenburg, der Eindruck der Komiteearbeiten ein Der» hällnismähig ungünstiger ist. Alnter seinem Vorgänger Serruys sind immerhin einige Erfolge in der Frage der Ein- und Ausfuhrverbote, der Knochenverwertung usw. erzielt worden. Die Divergenz liegt bestimmt nicht an den Vorsitzenden und noch weniger an ihren Ländern, denn unter allen Grohmächten ist Deutschland diejenige, die am aktiv st en und konsequentesten auf die Riederreihung der Wirtschaftsschranken hinarbeitet. Es scheint also fast, als hätte man es vermeiden wollen, unter deutscher Führung allzu entschlossene Schritte vor- wärts zu tun. Wenn dieser Circhruck falsch ist. so kann man nur hoffen, dah ihn die nächste Sitzung verwischt. hische Zentrum seine Konkordatsbedenken demgegenüber nicht mehr lange wird aufrechterhalten können. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident v. Hindenburg empfing den Besuch des Kronprinzen Gustaf Adolf von Schweden, der von dem schwedischen Gesandten af Wirsen begleitet war. Der Vorstand der Demokratischen Partei in Hessen hat einstimmig folgende Entschliehung gefaßt: „Der Vorstand bekennt sich nach wie vor zu dem Gedanken des dezentralisierten Einheitsstaates. Er erwartet von dem demoketischen Mitglied der hessischen Regierung und der demokratischen Landtagssrakllon ein tatkräftiges Eintreten für dieses Ziel und lehnt jede Konzession an den Länderpartikularismys ab.“ Ferner wurde beschlossen, den Parteitag am 3. und 4. oder 9. und 10. März in Worms abzuhalten, wobei als Hauptthema „Einheitsstaat und Hessen" behandelt werden soll. ♦ Sn der St. Hedwigs-Basilika in Berlin fand das Requiem für den verstorbenen Berliner Weihbischof Dr. Deitmer unter außerordentlich starker Beteiligung der katholischen Bevölkerung statt. Die Totenmesse las der Fürstbischof von Breslau, Kardinal Bertram; ter päpstliche Runtius Paeeili, zahlreiche Bischöfe und Prälaten und die gesamte Geistlichkeit des Dele- gatuxbezirks nahmen teil. Unter den Trauer- gäftert bemerkte man die Reichsminister von Guerard und Schätzet, den preußischen Minister Dr. Decker, Staatssekretär Pünder von der Reichskanzlei, Staatssekretär Weismann in Vertretung des preußischen Ministerpräsidenten, weiter den hessischen Gesandten Nuß und die ehemaligen Reichsminister Dr. Brauns, Dr. Bell pnd Giesberts. Parker Gilbert verabschiedete sich von Staatssekretär Kellogg. Er ha i» längere Unterredungen mit führenden Beamten der Westeuropa-Abteilung des Staatsdepartements. Sm übrigen bewahrte er vollständiges Stillschweigen über den Snßalt der Konferenzen und erklärte lediglich, die Gerüchte über feinen Rücktritt seien vollkommen unbegründet. Er werde am Freitag die Rückreise nach Berlin antreten. Die Pressestelle der Mecklenburgischen Staats- regierung teilt mit: Die von einem Teil der Presse verbreitete Nachricht, dah der Freistaat Mecklenburg-Schwerin wegen Derzinsung und Tllgung der restlichen Eisenbahnabfindungen K.age beim Staatsgerichtshof erhoben habe, entspricht nicht den Tatsachen. Mecklenburg-Schwerin hat keineKlage erhoben. Aus aller Well. Die Produktion in Doklorarbelleu. Eine interessante Statistik über die Zahl der Doktorarbeiten in Deutschland bringt eine Festschrift, die dem scheidenden Direktor der Staatsbibliothek, Geheimrat Kuhnert, gewidmet ist Aus ihr geht hervor, daß in der Zeit von 1885 bis 1926, also im Zeitraum von 40 Jahren, in Deutschland 155 570 Doktorarbeiten geschrieben wurden. In den ersten Jahren nach 1885 sind im Durchschnitt ungefähr jährlich 1500 Doktorarbeiten zu verze chnen. Damals besaß also der Doktortitel noch einen gewissen Seltenheitswert. Erst um die Jahrhundertwende setzt eine Zunahme der Zahl der jährlichen Dissertationen ein, die sich bis zum Kriege ziemlich stetig weiter entwickelt. Selbstverständlich mußte der Krieg einen starken Rückgang mit fid) bringen, der aber nach dem Kriege um so schneller wieder eingeholt wurde. So ist dann 1923, das schwerste Jahr der Inslationsnot, gleichzeitig das Rekordjahr mit 11 441 Dissertationen geworden. Die annähernd 160 000 deutichen Doktorarbeiten der erfaßten 40 Sahre verteilen sich mit 62 314 Dissertationen auf die Medizin, mit 53 016 auf die Philosophie, mit 31799 aus die Rechtswissenschaften, mit 3556 auf die Technischen Hochschulen, die aber erst feit 1913 gezählt sind und mit 1220 auf die Theologie. Seit 1924 kommen noch auf verschiedenen Sondergebieten weitere Doktorarbeiten hinzu, wie z. B. 353 Dissertationen der Tierärztlichen Hochschulen, 151 der Landwirtschaftlichen. 22 von bAn Bergakademien und 6 von den Forsthochschulen. Sehr seltsame Ergebnisse zeitigt die Statistik über die Neteiliq-mn der Alnbierf'täten an den Doktorarbeiten. 1924 stand z. B. Berlin mit der sehr hohen Zahl von 1033 Dissertationen so ziemlich an der.Spitze aller deutschen Alniöerfitäten, während es im darausfolgenden Sahr, 1925, an die siebente Stelle gerutscht ist. Diese starken Schwankungen dürften aber auch zum Teil mit der unruhigen Entwicklung der Snllationsjahre in Zusammenhang stehen, obgleich hier Motive eine Rolle spielen, die sich Wohl niemals konkret ganz erfassen lassen. Studentenaustausch Deutschland-Amerika. Wie wir hören, wird das Auslandamt der Deutschen Studentenschaft tmEinvernehmen mit dem deutsch-amerikanischen Sn- ftitut den bisher mit England und Frankreich eingerichteten Studentenaustausch auch auf die Bereinigten Staaten von Nordamerika ausdehnen. Den Studenten ’ werden Dom Snftitut kostenlose Ferienunterbringung in Amerika bzw. in Deutschland vermittelt, während die Studierenden allerdings die Aleberfahrtskosten selber auf bringen müssen. Lessing-Feier der Akademie der Künste. Die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste hielt am Vorabend des 200. Geburtstage Lessings im Festsaal der 2llade- mie ihre Lessing-Feier ab. Alnter den geladenen Gästen befanden sich u. a. der preußische Kulturminister Dr. Becker und der französische Botschafter, ferner Vertreter von Staat, Regierung und Behörden, sowie hervorragende Vertreter von Literatur und Kunst. Nach einem Musikvortrag sprach Präsident Prof. Dr. Mast Liebermann cinlci.enbe Worte, in denen er sagte, frische, freie Luft ströme noch heute aus Lessings Schriften. Der Geist, der diese Schriften schuf, sei unsterblich. Wir könnten nur wünschen, daß uns heute, 200 Sahre nach Lessing; ein neuer Lessing geboren werde. Prof. Dr. Sulius Petersen gab darauf einen Rückblick über 200 Sahre Lessing. Niemand habe ursprünglicher deut ch ge chrieben als Luther und Lessing. Lessing, der Reformator der Literatur, habe uns von dem Soch des Buchstabens befreit. Prof. Dr. Thomas Mann beschäftigte sich als Dritter Referent mit Lessing Z nationaler Sendung, die in kritischer Klärung bestanden habe. Er sei der Künder eines mythischen Typus der Klassiker. Der Geist öe3 historischen Lessing habe seine Ausgabe, deren Wichtigkeit nicht zu unterschätzen und die heute mehr denn je 'zu würdigen sei. Neapel j eiert die „Emden". Sm Hotel Cxcelsior fand ein Dom königlichen Kommissar für die Provinz Neapel dem Kapitän und den Offizieren des deutschen Schulschiffes .Emden" gegebenes Bankett statt. An dem Bankett nahm außer dem Kommissar für die Provinz Neapel und anderen städtischen, militärischen und faschistischen Behörden und Vertretern auch der deutsche Botschafter F r h r. v. Neurath teil. Beim Trinkspruch erhob der königliche Kommissar das Glas zu Ehren der deutschen Nation, während die Musik die deutsche Hymne anstimmte. Shm erwiderte Botschafter Frhr. v. Neurath, der für die herzliche Gastfreundschaft seinen Dank aussprach und sein Glas auf die Größe Stallens und die Gesundheit des Königs leerte. Die Musik stimmte dann die italienische Königshymne an. Cs folgte eine Tanzunterhaltung, an der bedeutende städtische Persönlichkeiten und die Offiziere des Schulschiffes .Emden" teilnahmen. Das Todesurteil gegen einen 70jährigen Gattenmörder bestätigt. Das Schwurgericht Lyck ßitte den Allbesitzer Sebrowski wegen Mordes zum Tode verurteilt. Dem 70jährigen Angeklagten war zur Last gelegt, seine eigene Frau, mit der er seit dem Sahre 1914 in zerrütteten Eheverhällnissen lebte, ermordet zu haben. S. leugnete die Tat. gilt aber als überführt, seine Frau, der er Beziehungen zu Soldaten während der Kriegsjahre vorwarf, von hinten überfallen, gedrosselt und dann mit einem zurechtgelegten Strick aufgehängt zu haben. Durch Verwerfung der Revision durch den zweiten Strafsenat des Reichsgerich es ist das Airteil somit rechtskräftig geworden. wieder drei Todesfälle durch Kohlenoxyd. Auf dem ostpreußischen Gute Haselau bei Heiligend eil sind in der Nacht drei Melker durch Kohlenoxydvergiftung infolge vorzeitiger Schließung des Ofens ums Leben gekommen. wieder eine Schlägerei zwischen Zimmerleuten. In einer Dresdener Wirtschaft kam es abermals zu einer blutigen Schlägerei zwischen den feindlichen Zimmererorganisationen der „Freien Vogtländer" und der „Rot- und Schwarz- Schlips e". Als das Ueberfallkommando erschien, waren die an der Schlägerei Beteiligten bereits g e ° flüchtet. Sie wurden jedoch auf der Marienbrücke eingeholt. Etwa 40 Mann, die zum TeU mit Aexten und anderen Werkzeugen beroafnet waren, wurden verhaftet und nach dem Polizeipräsidium gebracht. Sie werden wegen schweren Landfriedensbruchs der Staatsanwallschaft oorge- führt werden. Ein fideles Gefängnis. In der Kirche des Sonneburger Zuchthauses, die provisorisch als Gerichtssaal herge- richtet ist, trat das erweiterte Schöffengericht Frankfurt a. O. zu dem aussehenerregenden Prozeß gegen 21 Beamte dieser Strafanstalt zusammen. Die Anklage wirft den angeschuldigten Beamten aller Grade, vom Inspektor bis zum Hilfsaufseher, Diebstahl, Unterschlagung, Hehlerei und Verleitung zum Meineid vor, und zwar im Zusammenhang mit der in der letzten Zeit vielfach erörterten Verschleuderung von ehemaligem Heeresgut. Der Hilfswacht- meister W e i t h e , dem zur Last gelegt wird, daß er sich Militärbekleidungsstücke aus dem Altverwertungsbetrieb durch Vermittlung von Gefangenen angeeignet habe, soll versucht haben, den Gefangenen Pasch zum Meineid zu verleiten, indem Pasch angeben sollte, daß die von Weithe empfangenen Sachen ordnungsmäßig gebucht seien. Während Weithe in seinen Aussagen ziemlich unsicher war, bestritten die nach ihm vernommenen angeklagten Beamten sehr entschieden und klar jegliches Verschulden, und zwar setzten sie auseinander, in welcher Weise die Vorwürfe als Racheaktion von Gefangenen zustandegekommen seien. Haupt- Wachtmeister Henschke, der 28 Jayre in Sonneburg ist, erklärte: „Sin letzten Jahre herrschte hier eine f o zügellose Führung, daß wir keine Unterstützung durch den Direktor fanden. In der Schneiderstube arbeiteten von 32 Leuten nur sieben. Als ich allen Arbeit zuteille, haben sie trotzdem nur das gearbeitet, was ihnen g e - paßt hat. Es wurde auch heimlich geraucht und Karten gespielt. Alle unsere Anzeigen an Hauptwachtmeister Schulz waren vergeblich imt> gingen in den Papierkorb." — Hauptwachtmeister Kluck bekundete: „Eine Zeitlang erschienen die Gefangenen zur Freistunde so, daß sie in de r Iin» ken Hand d i e Tabakpfeife, in der rechten Hand das Taschenmesser trugen. Direktor Lüdecke ist ja auch schon von einem Gefangenen verwundet worden." Oie Wetterlage. 3T s. •Seydlst Ma 'Ui OSo Ja -y—Jan rtayeft- Montag d.21 .Jan.1929.7h at)ds. ==5P -Aberdeen- 5= ewontmos Q neuer 3 nare eeoemt» -oiMt» e o«ot<*v eRegew w Sehnte a Graupeln ■ Nebel R Gewitter.@winajtilie.O sei» eirnte» Qn nassw ludiuawest q itwmaeber NorOwest Oit Pfeirt fliegen mit dem wrnae Pie beiden Jtauonen Menenden Zanten oeJen die Temperatur an Pie Linien verbinden Orte mit iiticbci» nt -Veresmweau umarrerneetee lelldrara Wettervoraussage. Die Temperaturverteilung zeigt heute über Deutschland wieder stärkere Gegensätze. So lagen im Osten besonders über Schlesien, wo der Einfluß des ton- tinentalen ^ochs vorherrscht, die Temperaturen bis über 10 Grad unter Rull. Westdeutschland dagegen zeigt Temperaturen um Rull und darüber. Hagen heute morgen plus 4 Grad. Milde von Westen her stammende Luftmassen haben sich hier bereits mehr durchgesetzt und zur Erwärmung geführt. An der Ausgleitfront, die sich von Wilhelmshaven südwärts nach unserem Gebiet erstreckt, fallen Niederschläge teils als Schnee und Regen. Wahr- (cßeinl-d) werden d.e milden Luftmassen vorläufig zu meist wolkigem Wetter führen und die Temperaturen zunächst um den Gefrierpunkt und darüber halten. Wettervorhersage für Mittwoch: Vorwiegemd wolllges Wetter mit Temperaturen tagsüber um Null. Witterungsaussichten für Donnerstag: Zeitweise stärier bewölkt, und Temperaturen um Null schwankend. Lufttemperaturen am 21. Januar: mittags 4- 0,4 Grad Celsius, abends plus 0,9 Grad Celsius; am 22. Januar: morgens 0 Grad Cesius. Maximum + 1,1 Grad Celsius, Minimum — 4,6 Grad Celsius. — Erdtcmperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 21. Januar: abends — 1,3 Grad Celsius; am 22. Januar: morgens —1,1 Grad elsius. — Schneedecke 8 Zentimeter. on d^^vh kord^ 'ta*. ?«" Ä S'Himetletifen. enh? e^ENNols nb y°9t. mmanV^a- Z-L ■äs 1o,Q“INßDQorge: ils. S«Ä *Ä 1 Mammen. Lis n Beamten aUer '9- Hehlerei ,°°r. unb legten Zeit lb”uM Don . Hchrwich. 1 W to'ub, J5 dem Bww von ©efangenen ,n- Qefange» eit(n. indem Posch rif?e empfangenen seien. Wählend >l>ch unsicher mar, "enm angeklagten •ar jegliches Der- inanbet, in welcher lealtion von >en leien. f)aupt« 1 2ahre in Gönne« Wt herrschte hier ny, baß wir feine r fanden. 3n der Leuten nur sieben, hoben fit trotzdem or ihnen ge mlich geraucht le unsere Anzeigen iren vergeblich imb Hauptwachtmeister z erschienen die Ge> sie in der lin- pfeife, in der enmesser trugen. )on oon einem Ge- ge. 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Du merkst nichts von der Hast der Städte, horst nicht das Geklingel der Elektrischen, erschrickst nicht vordem Dröhnen der Autos. Stille ringsum, Grabesstille! Die Tannenbäume zur Seite, schwer gebeugt von dem Schnee, tragen ihre Lost ohne Murren. Du siehst Spuren oon Wild im Schnee; Hasen, Füchse, Rehe zogen hier vorüber. Aber bei Tage hakten sie sich im Buschwerk verborgen, die Schüsse vor einigen Tagen waren Warnung genug. Du stehst still und schaust dich um. Die Sonne hat für Augenblicke die Wolken besiegt. Welches Farben- jpiel tut sich vor deinen Augen auf! Auf jedem Aest- chen der Bäume, auf jedem Strauch glitzert und glänzt es, wie wenn mit unzähligen bunten Lampen beleuchtet würde. Und welche Pracht zeigt der gegen, überliegende Abhang mit den Schneewehen! Wie sich die Farben brechen, wie sie in tausendfältigem Spiel ineinanderfließen! Der ganze Zauber des Waldes umgibt dich hier. Du stehst und schaust und merkst, wie lindernd, wie balsamisch diese Schönheit, diese Ruhe auf dich und deine Nerven wirkt. Sachte und kaum fühlbar gleitet diese Ruhe auch in dein Inneres, läßt Sorgen und Alltagsleiden in weiter Ferne verschwinden: „Wie Krähen dort am Wakdesrand flattern die Sornen fort in das Land " (A. Sergei.) Du atmest die köstliche, frische Winterluft, es wird bir so leicht zumute, fast so, als wenn du dich am Abend, nach vollbrachtem Tagewerk, endlich zur Ruhe begehen kannst. Eine angenehme Müdigkeit burd)riefelt deinen Körper, und es kommen Erinnerungen aus der Kinderzeit ... Weißt du noch, wie dich deine Mutter einst abends im Bett tröstete, nachdem ou mit deinen Freunden in Unfrieden ge- schiede? warst und du glaubtest, es wäre dir bitter Unrecht geschehen? Wie sie dich mit einschmeichelnder Stimme bat, alles zu vergessen und nun zu schlafen? Ehe sie weggina. strich sie mit zarter Hand Über die Decke deines Bettes, und zum Abschied flüsterte sie: „Nun ruh' dich aus, und schlaf schön. Morgen ist alles roieb-r gut!" — So umfängt dich dos Schweigen des Winterwaldes, so mütterlich, so weich! — , . _, Die Sonne steht wie eine feunge Scheibe am Horizont. Noch eine kurze Zeit, und sie ist unter« qdaucht in die dunkle Wolkenmasse. Die Abend- Dämmerung senkt sich über Wald und Feld. Der Atem der Natur stockt. Langsam und lautlos sinkt alles in die Nacht. Auf den Dörfern ringsum Tauten die Abendglocken. Feierlich klingen die Töne an dein Ohr, zur Andacht, zum Frieden mahnend. Die Zeit der Ruhe ist da! Das letzte Leuchten des Schnees verschwindet, am Himmel erglänzen schon einige Sterne ... Wer sich innerlich erholen, beruhigen will, der wandre hinaus in den Winterwaldk L. Lessing-Gedenlseier in Gießen. Der Dorort Gießen des Deutschen Republikanischen Lehrerbundes versammelte am Samstag seine Mitglieder und Freunde im Festsaal des Landzraf-Ludwigs^ymnasiums zu einer Lessing-Gedenkfeier. Rach herzlichen Degrühungsworten von Rektor Loos. Gießen, der dabei auf die Bedeutung der Feier als vielleicht der einzigen größeren Lessing-Feier in unserer Universitätsstadt hinwies, ergriff älniversitätsprofessor D r. von Aster das Wort zu feiner Lesfing-Ge- denkrede. Der Redner schilderte zunächst Lessing als den Vertreter der Aufklärungszeit. Lessing war die jüngste und vielleicht die größte Verkörperung des Geistes der deutschen Aufklärungszeit. Heber seine Stellung als Mensch zu Menschen ist folgendes zu sogen: Lessings Leben war ernst und schwer und zwang ihn immer wieder, mit den Kleinigkeiten deS Lebens zu kämpfen. Trotz dieser Kämpfe und vieler Enttäuschungen hat ihm Bitterkeit ferngelegen. weil er in zu großer Liebe am Leben und den Menschen gehängt hat. und immer ist er trotz äußerer Rot freigebig gegen jedermann g-"^sen. DaS Christentum war ihm die Religion der Liebe, und Liebe war i hm das Zentrum im menschlichen Leben. Hebet seine Lebensgeschichte ist zu berichten: Gotthold Ephraim Lesung wurde am 22. Januar 1729 als Sohn eines Pfarrers in Kamenz in der Oberiausitz geboren. Er wuchs unter ärmlichen Verhältnissen, — eS waren im ganzen zwölf Geschwister, — auf. Die Rot ist fein Begleiter von srii Hefter Jugend bis zu seinem Tode gcL lieben. Die Fürstenschule in Weißen, die er besuchte, mußte er wegen Auslösung verlassen, auch konnte ihm die Schule nichts mehr bieten. ,Die Lektionen, die anderen zu schwer werden, sind ihm kinderleicht", sagte der Rektor der An- Halt von ihm. Mit 17 Jahren ging er zur llni- orrsität Leipzig und studierte Theologie, wendete aber sein Hauptinteresse dem Theater zu und ",ing als Zwanzigjähriger als freier Schriftsteller aach Berlin, lieber seine dichterische Begabung ribt Lessing in allzu bescheidener Weise eine l Harfe Selbstkritik im Rachwvrte der .Hainbur- -ischen Dramaturgie"; »Ich bin weder Schau- l icler noch Dichter. Wan erweist mir zwar manchmal die Ehre, mich für den letzteren zu er» f irnen. Aber nur, weil man mich verkennt.. Sie Buhne war nach Lessings Meinung das Spiegelbild des Lebens. 1760 nahm er eine Stelle als Sekretär des Grasen Tauentzien in Breslau an, ging aber bald zurück nach Berlin (1767 „Minna von Damhelm"). folgte spater einem Huf nach Hamburg und wurde hier Theaterkritiker. Als Bibliothekar in Wolfenbüttel an- gestellt, erschienen 1772 „Emilie Galotti" itnb die sogenannten Wolfenbüttler Fragmente. Die Veröffentlichung derselben verwickelte ihn in Fehden mit Pastor Götze. Verheiratet war er nur ein Jahr, seine Frau starb bei der Geburt des ersten Kindes. Als fein relegiöses Glaubensbekenntnis erschien 1779, zwei Jahre vor seinem Tode, .Rathan der Weise", das hohe Lied der Toleranz. Einen verwandten Gedankeninhalt hat auch das Werk «Die Erziehung bt* Menschengeschlechts" lieber die Staatsauffassung LessingS läßt sich folgendes sagen: Lessing betrachtete den Staat als eine Rotwendigkeit, ein Leben ohne Gesellschaft war ihm undenkbar. Allerdings fei der Staat da für die Menschen und nicht umgekehrt. Der Redner schloß seine Ausführungen mit den Gedanken: Möchte doch heute der lebendige Geist Lessings, auch der der rechten Toleranz, unser Leben durchdringen und möchten wir doch alle Kämpfer werden für Recht, Freiheit und Wen- schenvernunst. Die Ausführungen lohnte reicher Beifall der stark interessierten Zuhörer. Evangelischer Bund. Die Ortsgruppe Gießen des Evangelischen B u n d es Halle für Sonntagabend zu einer Auf- führung des Dramas: ,Helden des Glaube n s^ in der Turnhalle eingeladen. Viele waren der Einladung gefolgt; sie hatten es nicht zu bereuen, denn es waren Weihestunden seltener Art, die man dort erleben durfte. Das Stück fpieli zur Zeit der Christenverfolgung unter dem Kaiser Trajan; es wurde von Walter Nithack-Stohn verfaßt und von Direktor Heinz Selzer für die Bühne bearbeitet und in Szene gesetzt. Die Darsteller sind Berufsfchauspieler. Das Stück, das auf geschichtlicher Grundlage sich aufbaut, zeigt uns In ergreifender, ost erschütternder Weise, wie in jener Zell der Bedrängnis glaubensstarke, mutige Ehrt- sten lieber Marter und Tod erlitten, als daß sie ihren Glauben verleugneten. In fünf Aufzügen (6 Bildern) rollten sich Szenen von erhebendem Eindruck vor unseren Augen ab: Im Haufe Pisos, eines reichen Römers oon altem Adel, dienen Felicitas und Rufus, beide als Sklaven von Claudia, der Gyllin des Pifo; der Gladiator Glaukon, der ebenfalls als Sklave in Pisos Diensten steht, bekennt sich auch zum Christentum und soll demnächst getauft werden. Während Piso und sein Vetter, der Lebemann Krassus, kein höheres Ziel kennen, als sich die Gunst des mächtigen Trajan zu erwerben, und durch sie zu Ansehen und Macht zu gclanaen, erkennt Claudia die ganze Hohlheit und innere Lin- wahrhell des religiösen und gesellschaftlichen Lebens im damaligen römischen Kaiserreich. Von religiösen Zweifeln gepackt, die durch Unterhaltungen mit dem Philosophen Varro genährt werden, nimmt sie an einer nächtlichen Zusammenkunft der Christen in den Katakomben teil, wird mit ihnen gefangen genommen und vor Gericht gestellt. Hier bekennt sie sich als Christin, wird aber nicht, wie alle andern, zum Tod im Zirkus verurteilt, ihr wird vom Kaiser Begnadigung zugesichert, wenn sie den Weihrauch opfert. Claudia, noch nicht ganz stark im Glauben und irre gemacht durch die Vorstellungen ihres Gatten und Krassus', spendet den Weihrauch; sie wird aber später oon heftiger Reue gepackt, bekennt sich erneut als Christin und geht mit den übrigen Chn- sten in den Tod. Professor Dr. Schmoll, der Vorsitzende des Gießener Zweigoereins des Evangelischen Bundes, sprach vor dem 6. Bild herzliche Worte des Dankes allen, die zur Aufführung gekommen waren, insbesondere aber den Darstellern, die durch ihr treffliches Spiel die Tragödie in packender Weise wie- bergegeben hatten. Diesem Dank konnte sich jrber Besucher der Aufführung anschließen. Die Besetzung der einzelnen Rollen war mustergültig, die einzelnen Bilder waren zwar einfach, aber von packender Wirkung, das Einzel- sowohl wie das Gesamtspiel der Darsteller hervorragend. Hilfsverein für die Geisteskranken in Hessen. D-r Vorstand d-i HN! »v - r- >n»1Ü r d l« GeisteskrankeninHeffen legt soeben feinen Bericht über das Rechnungsjahr 1927 vor welches vom 1.April 1927 bis 31. Marz 1928 läuft. Der Verein kann darin über em reich- gesegnetes Wirken zum Besten seiner Schützlinge berichten. Seine Arbeit wurde durch die Hilfe von rund 50 500 Gebern (6400 mehr als im Jahre vorher), die in allen Teilen deS Hestenlandes em« rege Opferfreudigkeit entfalteten, wirsiam unter- stützt. Aus dem Ergebnis der Sammellisten find dem Verein im Berichtsjahr rund 24700 Mk. zugeslossen. KreiS-. Gemeinde» und Ktrchenlaßmt gaben zusammen 2500 Wk.. der Staat überwies, wie alljährlich, 1500 Mk. Don den Beiträgen auS privater Hand entfallen auf starken- b u rg bei 20 015 Gebern 11 097 Mk.. auf O der- Hessen bei 23 089 Gebern 9114 Mk.. auf Rheinhessen bei 7431 Gebern 4568 Wk.. insgesamt also bei 50 585 Gebern 24 779 Mk. Der Rechnungsabschluß zeigt eine Gesamtem- nähme von 44 634.60 Wk. und eine Gesamtausgabe von 38 033,89 Mk.. so daß em äleberschuß von 6600.71 Mk. verbleibt. Daten für Mittwoch, 23. Januar. 1783: der Schriftsteller Stendhal (Maria Henri Deyle) in Grenoble geboren; — 1806: der englische Staatsmann Wllliam Pitt d. I. in Putney gestor en; — 1832: der französische Maler Edouard Manet in Paris geboren; — 1922: der Musiker Arthur Rikisch in Leipzig gestorben. Wochrrrmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 170, Matte 30 bis 35. Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 20 bis 25. gelbe Rüben 15 bis 20, rote Rüben 15 bis 20. Spinat 35 bis 40, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 25 bis 30, Rosenkohl 40 bis 60. Feldsalat 120 bis 150, Tomaten 80 bis 90, Zwiebeln 15 biS 20. Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 50 bis 70. Kartofseln 5, Aepfel 20 bis 40, Birnen 10 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Rüsse 60 bis 80, Honig 40 bis 50. junge Hähne 100 biS 110, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 80, Eier 18 bis 20. Blumen- kohl 60 bis 120, Salat 40 bis 45. Endivien 25 biS 35. Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 biS 50 Pf. das Stück; Kartoffeln 3,80 bis 4,50 Mk. der Zentner. Bornotizen. — TageskalenderfürDienstag. Stadt- cheater: „Karl und Anna", 20 bis 22.15 Uhr. — Gaslehr-Vortrag, 8 Uhr, im Caf6 Leib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Hölle der Heimatlosen". — Astoria-Lichtspiele: „Der Unüberwindliche". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, erst. Wiederholung von Leonhard Franks Schauspiel „Äarl und Anna". — Otto Ernsts beliebtes Lustspiel '.Flachsmann als Erzieher" wird morgen, Mittwoch, 23. Januar, zum zweitenmal in Szene gehen. — Als nächste Vorstellung im Freitag-Abonnement wird „Nathan der Weise", Lessi gs dramatisches Gedicht, mit Edelbert GtareL in der Titelrolle zur Aufführung gelangen. Am Sonntag, 27. Januar, „Charleys Tante". Dieser Schwank von Brandon Thomas, über all bekannt und beliebt, fand tn der Neuinszenierung mit der originellen Musik oon Otto Hirsch und der modern-grotesken Dekoration Karl Löfflers großen Beifall. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Frans Bauer jun. Die Vorstellung beginnt um 18 Uhr. Ermäßigte Preise. — Im Goethe-Bund liest, wie man uns schreibt, am kommenden Donnerstag der bekannte österreichische Dichter Anton Wildgans aus eigenen Werken. Der Dichter, der vornehmlich durch seine dramatischen Werke bekanrrt ist. hat auf seiner jetzigen Deutschlandreise überall großen Beifall gefunden, so daß man auch seiner Gießener Vorlesung lebhaftes Interesse entgegenbringen dürfte. (Siehe heutige Anzeige.) — Oberhessischer Geschichtsverein. Man schreibt uns: Am nächsten Donnerstag, 24. Januar, findet der dritte Vortrag dieses Winters statt. Als Redner ist älniv.-Pros. Dr. Drexel gewonnen worden, der Direktor der Römisch-germanischen Kommission in Frankfurt a. M.. der sich um die Erforschung des Limes und der Römerzeit in Deutschland verdient gemacht hat. Er wird einen Vortrag mit Lichtbildern im Hörsaal des kunstwissenschaftlichen Instituts halten über die „Jupitergiganten- fäulen“. Dabei handelt es sich um Denkmäler aus der Zeit, da die Römer in Germanien saßen. Diese Säulen — nach ihrer Inschrift dem Jupiter geweiht — sind von einer auf einem Pferd reitenden, einmal auch auf einem Wagen stehenden Gottheit bekrönt. Zwischen den Vorderbeinen von des Gottes Pferd pflegt sich eine Gestalt zu finden, die gewissermaßen das Pferd trägt und die man den Giganten nennt. Es ist zweifellos, daß damit das Verhältnis des Himmels, den Jupiter darstellt, und der Erde, die durch den Giganten verkörpert wird, seinen bildlichen Ausdruck gesunden hat. Die Frage, ob sich hinter der Jupitergestalt auf den oft von der einheimischen Bevölkerung errichteten Säulen eine keltische oder germanische Gottheit verbirgt, ist bis heute noch nicht restlos geklärt. Gerade auf diese Dinge wird auch Prof. Drexel zu sprechen kommen, der 1922 eine Arbeit über die »Götterverehrung im römischen Germanien" veröffentlicht hat. Wir verweisen auf die Anzeige vom Samstag, 19. Januar. Auch Richtmitglieder sind bei dem Vortrag willkommen. — Oberhessische Gesellschaft f ü r N a - für- und Heilkunde, Naturwissenschaftliche Abteilung. Am Donnerstag, dem 24. d. M., wird ein Vortrag von Professor Dr. Wilser aus Freiburg i. Br. interessante Mitteilungen bringen über Bewegungen der Erdkruste, welche noch jetzt im Gange sind und welche sich an verschiedenen Ingenieurbauten des Oberrheintales deutlich zu erkennen geben. Man weist auf den Dor- trag besonders hin, weil es sich hier um Tatsachen handelt, die bisher ganz unbekannt waren und die nicht nur großes wissenschaftliches Interesse besitzen, sondern auch für die Ausführung von größeren Ingenieurbauten von größter Wichtigkeit sind. Näheres in der heutigen Anzeige. — Englisches Seminar der Universität. Man schreibt uns: Der Leitung des Englisches Seminars der Landesuniversität ist es gelungen, einen namhaften englischen Schul- mann, Herrn A. E. Iroentyman, der lange in der englischen Untern djtsoerroaltung tätig war, zu einem öffentlichen Vortrag zu gewinnen. Herr Twentyman wird am Montag, 28. Januar, um 2015 Uhr pünktlich im Neuen Hörsaale des Kunstwissenschaftlichen Institutes (Ludwigstraße 34) in englischer Sprache über „Englands gesellschaftlicher Aufbau im Spiegel feines Schulwesens" sprechen. Näheres wird in der Anzeige der Nummer vom Samstag, 26. Januar, bekanntgegeben. — Volkskunst abend (Sonatenabend) der Volkshochschule. Man schreibt uns: Der Dolkskunstabend, den die Volkshochschule Gießen am 27. Januar veranstaltet, will an ausgesuchten Beispielen einen äleberblick üb»r die Entwicklung der Sonatenform geben. Konzertmeister Gustav Lenzewski, Frankfurt a. M., und Professor Dr. Karl Schmidt, Friedberg, spielen vier Sonaten für Violine und Klavier von Händel, Mozart, Beethoven und Reger. Diese Werke sind besonders geeignet, diejenigen, die sonst mit der Kammermusik wenig Berührung haben, für diese Kostbarkeiten musikalischer Kunst zu gewinnen. Händels ^-Dur-Sonate ist unter seinen sechs Sonaten für Violine und Klavier die wirkungsvollste. En überaus wohllautendes Andante eröffnet sie, ein klangvolles Allegro echt Händelscher Prägung schließt sich an. Dann leitet ein ganz kurzes Adagio-Sätzchen zum Schlußsatz über, der die Form der Gigue trägt, einer aus England zu uns gekommenen Tanzform. Mozarts gleichfalls in A-Sur stehende Sonate ist durch das Andante besonders anziehend. Die ganze Sonate ist groß angelegt und erinnert — auch in der Dynamik — an Beethoven. Don diesem selbst folgt die groß» C-Moll-Sonate op. 30 Rr. 2 aus dem Jahre 1802. Den Schluß des Abend bildet Max Regers wenig bekannte Sonate in v-Moll (op. 103b Rr. 1), eins der besten Werke der Spätromantik. Sie ist bei aller Schwierigkeit für die Ausführenden leicht verständlich und in hohem Maße geeignet, in die Gedankenwelt des Meisters e n,usü.)ren. Reger ist besonders groß in der Variationen form. Davon gibt der letzte Satz dieser Sonate einen vollgültigen Beweis. (Man beachte die gestrige Anzeige.) — Die Große Gießener Karneval- Gesellschaft veranstaltet am kommenden Donnerstagabend im Cafe Leib eine große Gala- Damensiyung. Zu diesem närrischen Abend haben selbstverständlich nicht etwa nur Damen Zutritt, sondern auch die Herrenwell wird hierzu erwartet und soll dabei voll und ganz auf ihre Kosten kommen Die närrische Bortrags- folge einer solchen Sitzung wird so gestaltet, daß sowohl das Humorbedürfnis der Herren, wie auch die Heiteckeitserwartungen der Damen auf ihre Rechnung kommen Man darf den Bemühungen um die Popularisierung des Karnevals in unserer Stadt einen guten Erfolg wünschen 211. Don der Landes-Universität. Der ordentllche Professor an unserer Universität Dr. Hermann Hirt wurde zum Auswärtigen Mitglied der Regia Societas Scientiarum Bone- mica in Prag ernannt — Die Derwaltungsober- inspektoren bei der LandeSunivecsität Wilhelm Erle und Theodor Keßler wurden zu Bureaudirektoren befördert " E i n w e i h u g eine» neuen Univer- fitäts-Inftitut.. Da» neue Geologische und Paläontologische Institut der Universität wird am Samstag, 2. Februar, in feierlicher Weise eingeweiht werden. Bei der Einweihungsfeier wird Professor Dr. Drevermann vorn Senckenberg-Museum und Geologischen Institut der Universität Frankfurt DEGEN. GEGEN SPRÖDE HAUT Qschützt sie am Main die Festrede Ober da» Thema „Universttük und Museum als Bildungsstätte" halten. Line Besichtigung des Instituts wird im Anschluß an den Festakt stattfinden. *• Heber Rächt wie der Winter. Dem Tauwetter und dem Straßenschmutz der letzten Tage ist über Rächt ein anderes Regiment in der Ratur gefolgt. Während gestern Abend angesichts der Wetterlage noch kein Gedanke an erneuten Schneefall aufkommen tonnte, prangten heute früh Stadt und Land in einer dichten Schneedecke. Ter Schnee über Rächt war so reichlich niedergegangen, daß die weihe Decke heute früh in unseren Straßen eine Höhe erreicht hatte, die wir bisher in diesem Winter noch nicht verzeichnetem Auch heute vormittag schneit es leicht weiter, so daß selbst die Straßen im Stadtzentrum mit ihrem starken Verkehr ein völlig weißes Kleid angelegt haben. Für die Freunde deS Skisportes steigen durch diesen Wetterumschlag die Hoffnungen auf gute Sportmöglichkeit im Vogelsberg wieder in beträchtlicher Weise. ** Reichsunfallwoche Im Kreise Gießen. Der Vorbereitung dieser Aufklärungswoche in den größeren Orten des Kreises Gießen diente eine Sitzung, die gestern nachmittag im Kreisamt unter ' der Leitung des Dberregierungsrats Dr. Heß statt- fand, und an der die Bürgermeister der größeren Kreisorte, Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sowie andere für die Durchführung dieser Aufgabe interessierte Herren teilnahmen. Es wurde eingehend über die verschiedensten Möglichkeiten zur Durchführung der Aufklärungswoche beraten und schließlich den Bürgermeistern empfohlen, sich m.t den Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer in ihren Orten zwecks Anberaumung von Vortrags- abenben, Lichtbildervorführungen mit Vorträgen, Verteilung oon Aufklärungsschriften an Arbeitnehmer und in den Schulen ufro. in Verbindung zu setzen. ** Die gesetzlichen Gesellenprufun- gen betrifft eine Anzeige im heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf aufmerksam gemacht. ** Die Anmeldungen zu den höheren Schulen betrifft eine Anzeige in unserem heutigen Blatte, auf die wir die Eltern besonders aufmerksam machen. •* Personalien. Ernannt wurden der Amtsveterinärarzt Veterinärrat Dr. Wilhelm Schmidt in Schotten unter Belassung der Amtsbezeichnung „Veterinärrat" zum Kreisveterinärarzt mit Wirkung vom 1. Januar 1929 ab; Wil- melm Kreuder aus Ober-Ofleiden zum Pfleger bei der Landes-Heil- und Pflegeanstalt bei Gießen mit Wirkung vorn 2. Januar 1929 ab; Heinrich Heß aus Watzenborn zum Pfleger bei der Landes-Heil- und Pflegeanstalt bei Gießen mit Wirkung vom 10. Januar 1929 ab. — In den Ruhestand verseht wurden der Gendarmeriekommissar Johann Georg Haust zu Lauterbach, der Gendarmeriemeister Peter D u h r zu Londorf, mit Wirkung vorn 1. Februar 1929 ab, sowie der Forstrat im einstweiligen Ruhestand Friedrich Ku ll mann zu Burg-Gemünden vom 1. Februar 1929 an in den endgültigen Ruhestand. •• Diebstähle. Der heutige Polizeibericht meldet: In der Rächt vom 16. zum 17. Januar wurden in der Bahnhofstraße und Walltorstraße je zwei Schaukästen erbrochen und auS diesen 3 Goldrahmen mit Photographien und 9 Romanbücher entwendet. Größe der Goldrahmen 26x33 Zentimeter. Die Photographien, die auf der Vorderseite den Stempel „Hegewaldfilm" tragen, sind 24x30 Zentimeter groß. Die entwendeten Bücher sind betitelt: „Die Frau von aestern und morgen." „Der Sprung durchs Fenster." „Die tolle Herzogin." „Sie kommt. — Kommt Sie?" Hackebeilbücher. AuS einem Hofe in der Dahn- holstraße wurde ein Mülleimer mit der Rr. 2520 gestohlen. Personen, die sachdienliche Mitteilungen zur Ermittlung der Täter und Herbeischas- sung der entwendeten Gegenstände machen können, werden gebeten, der Kriminal-Abteilung, Zimmer 67, Rachricht zu geben. Berliner Börse. Berlin, 22. Jan. (WTB. Funkspruch.) Im Heu- ti^n Frühverkehr ist vorläufig noch nicht viel zu hören. Das Geschäft ist wieder sehr klein, die Spekulation bleibt zurückhaltend, die Kurse sind im allgemeinen wenig verändert, und die Tendenz ist als sehr ruhig und abwartend zu bezeichnen. Sprechstunden der Redaktion 12 bi» 1 Uhr mittag», 5 bi» 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschlossen. WIND U. SCHNEI WInierkür für 59243. Nervenkranke u.Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranstalt Botbelm im Taunus bei Frankf.a.M. — Prospekte durch Or. M. Schutze- Kahleyss, Nervenarzt. Amoi hilft be< Rheuma, tzschlaS. Hexenschuß Rervcn. u. Erkälkung«schmerzen. Sarmclilergeisl QImoI (|t(n allen Apochrkcn u. DroqeNen erhältlich. Verschleimt?»»« Jean Wcleel. Gienen, Sonneuetrafce •» Telephon Nr.N Nrfhtiches Bei Husten mit Auswurf nehmen Sie etwa alle 4 Diunden einen halben tkst» löffel voll i) n n u o t n. D'efeS anSnezeichne e. oft geradezu v rblüffend schnell wirkende Sveziaimt iel erhallen Sie in Aooiheken. 53eiianbieite sind auf 1 der Packung angegeben. 106V 648V Am Sonntagabend entschlief nach kurzem Leiden im 80 Lebensjahr mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater Heinrich Damm Frau Katharina Damm geb. Freund Familie Ludwig Damm Familie Wilhelm Schreiner Familie Friedrich Müller Wwe. Familie Ludwig Zecher. Alten-Buseck, den 21. Januar 1929. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 23. Januar, nachmittags 2*/• Uhr, statt Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule und Studienanstalt zu Gießen Die Anmeldungen für das neue Schuljahr werden Dienstag, den 5. Februar 1929, vormittags von 10 bis 1 Uhr im Direktorzimmer der betreffenden Anstalt entgegengenommen. Hierbei sind Geburtsschein, letzter Impfschein und Abgangszeugnis vorzulegen. Für die Aufnahme in die Sexta ist der vierjährige erfolgreiche Besuch der Grundschule erforderlich. Diejenigen Eltern, die glauben, daß ihre Kinder schon nach drei Jahren Grundschule in eine höhere Schule übertreten können, haben zunächst einen entsprechenden Antrag an die Schule zu richten, die das Kind augenblicklich besucht Gießen, den 21. Januar 1929. Altendorf Henk Dr. Roller Dr. Kalbfleisch 617D Broiie BieSener Karnefäl-BeseHsdiaii Geschäftsstelle: Kaplansgasse 2, Tel. 2540 Donnerstag, den 24. Januar 1929, in der Narrhalla Cafd Leib Grelle Gala-DamensiM Punkt 20” Uhr: Einzug des Elferrats Der Elferrat. 551D MWWMWNM ter Stadt Men. Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen am 647C Donnerstag, dem 7. Februar 1929 10% Uhr beginnend in der Gastwirtschaft „Zur Liebigshöhe" in Gießen versteigert werden: 264 St. Fichtenlangholz (N), Homaklasse la und 1b, 96,16 km. 212 St. Fichtenlangholz (N), Homaklasse 2a und 2b, 171,55 fm. 12 St. Fichtenlangholz und -abschnitte (14), Homaklasse 3a und 3b, 13,15 fm. 196 St. Kiefernlangholz (N), Homaklasse 1b, 76,05 fm. 664 St. Kiefernlangholz (N), Homaklasse 2a und 2b, 435,90 fm. 40 St Kiefernlangholz (N), Homaklasse 3a und 3b, 41,69 fm. 23 St. Kiefernabschnitte (N), Homaklasse lb bis 4a, 9,33 fm. 155 St. Fichtenderbstangen, Homakl. 1. 368 St. Fichtenderbstangen, Homakl. 2. 875 St. Fichtenderbstangen, Homakl. 3. 178 St. Fichtenderbstangen, Homakl. 4. 169 St. Fichtenderbstangen, Homaklasse 5 bis 7. Die vorjährigen günstigen Zahlungsbedingungen (Stundung des Kaufgeldes bis 11. November 1929) sind auch für die diesjährigen Versteigerungen maßgebend. Loseeinteilungen nebst Verkaufsbedingungen werden unentgeltlich abgegeben. Gießen, den 22. Januar 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Rosenberg. Nutz- und Brennholzversteigerung Donnerstag, den 24. Ianuar 1929, von morgens 9% Uhr an, soll im Anneröder Gemeindewald nachoerzeichnetes Holz versteigert werden: 631D Derbstangen 1. Klasse 43 Stück, 2. Klasse 123 Stück, 3. Klasse 372 Stück. Reicstangen 4. Klasse 106 Stück, 5. Klasse 8 Stück, 6. Klasse 17 Stück. Bohnenstangen 7. Klasse 150 Stück, 8. Klasse 80 Stück. Rundscheit: Kiefer 21,3 rm, Fichte 1 rm. Knüppel: Kiefer 23,6 rm. Reisig 2. Klasse: Buche 1200 Wellen. Durchforstungsreisig: Birke 910 Wellen, Eiche 450 Wellen, Kiefer 1492 Wellen, Fichte 300 Wellen. Reisig 3. Klasse: Kiefer 565 Wellen; (Astreisig): Fichte 200 Wellen. Stöcke: Kiefer 10,8 rm. Zusammenkunft auf der Kreisftraße Gießen—Grünberg beim städtischen Hochbehälter. Annerod, am 16. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei Annerod. Horn. Ulittrooai, den 233onnat 1929 «30 nattimlltags 2 üht versteigere ich Deuenweg 28 (im Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung: 1. vier Chaiselongues, zwei Trumeau- spiegel, ein Oelgemälde, vier Ladentheken, eine Holzkasse, vierAusstellungS- gefähe, 200 Dosen Gemüsekonserven, eine Toilette mit Marmorplatte, drei Büfetts, zwei Schreibtische, zwei Sofas, zwei Pianinos, einen Grammophon mit 28 Platten, einen Instrumentenschrank, vier Schreibmaschinen, ein Stock-Motorrad, zwei Bertikos, einen Dlegtisch, zwei Korbsessel, zwei Tische, zwei Flurgarderoben, zwei Aöhtischchen, zwei Zimmer- teppiche, zwei Kleiderschränke, einen Diwan, einen Spiegel, eine Kommode, einen Opel-Personenwagen, eine Schuh- macher-Nähmaschine, einen Gasherd, einen schwarzen Herd, einen Kesselmantel, eine Beerenpresse, drei Hobelbänke, einen Kassenschrank, einen Registraturschrank, eine Standuhr, einen Grasmäher, einen Kastenwagen, eine Stahlstanze, eine Kopierpresse, 1 Paletot. 2. Bestimmt: ein Harmonium (Hofberg. eichen, dunkel) mit Klavier- stuhl.eine Schreibmaschine (Mignon) Lmrkev Gerichtsvollzieher in Gießen. WwSiST SrlMlm Freitag, den 25. Januar 1929, vormittags von 9 Uhr ab, soll im Gemeindewald Lang-Göns, Distrikt Hardt, nachfolgendes Nutz- und Brennholz versteigert werden. Beginn der Nutzholzversteigerung vormittags 9 Uhr. Beginn der Brennholzversteigerung vormittags 11 Uhr bei Nr. 1. 6 Eichenstämme 1. Klasse, 1,24 fm. 42 Eichenstämme 2. Klasse, 14,27 fm. 18 Eichenstämme 3. Klasse, 11,00 fm. 1 Buchenstamm, A 3. Klasse, 0,61 fm. 4 Buchenstämme, Ä, 4. Klasse, 3,20 fm. 14 Buchenstämme, N, 3. Klasse, 8,63 lm. 4 Buchenstämme, N, 4. Klasse, 3,34 fm. 2 Buchenstämme, N, 5. Klasse, 2,15 fm. 11 Fichtenstämme la-Klasse, 1,60 fm. 5 Fichtenstämme Ib-Klasse, 2,22 fm. 46 Fichtenderbstangen 1. bis 3. Klasse. 101 rm Fichtennutzreisig. 2 rm Buchennutzscheiter. 238 rm Buchennutzscheiter 1. Klasse. 30 rm Buchen, und Eichenknüppel. 3200 Eichen-, Buchen- und Fichten-Wellen. 75 rm Buchenstöcke. 651D Zusammenkunft an der Kreisstraße Lang-Göns—Leihgestern. Lang-Göns, den 21. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei. Rompf. » M Überschuhe f>90 Mk. schwarz, ohne Kragen mit Samt-Kragen 8.90 hellfarbig......10.50 Besichtigen Sie bitte unsere Überschuhe EckeWettergaffe 607A Oberhesstsche Gesellschaft für Natur» und Heilkunde Naturwissenschaftliche Abteilung. Donnerstag, 24. Jan. 1929, 20.30 Uhr un Hörlaale des Physikalischen Institutes Vortrag von Prof. Dr. I. Wilier-Freibnra i. Br. Ne izenl. Erdverbiegungeu. nachgewiesen an Znaenteurbauten im Lberrhemial. Gälte willkommen. Der Borstand. Sanavera der süße Stärkungswein für Kranke und Genesende pro Flasche 2.50 Mark Alleinverkauf: 642A Medizinal Vermietungsn | HinorÄg. mit Znbeh , beschlag- nahmesrel, zu oerin. Schr. Anaeb. u. 659V an d. Gien. Anz. erb. Alleinstehende ftrnu in eine freie Wob- nuna in einem kl. 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Faschingstreiben — Ueberraschungenl _______________________________________________________139D Maskenkostüme zu verleihen von Mk. 1.50 an. — Mk. 2.50, 3.50 u. 4.50 Sämtliche Karneval-Artikel PeterKolIing’Giefjen Blsmarckstrahe 6 639A dünnerer i MMMI zum sofortigen Ein« tritt gesucht. 0107 Hetzd & Lohn, Seltersweg 12. Anmeldungen für die Sansa-Sandrlsschule [2d8D Z.Kunzelmann,Gießen,Äahnhofsil.60 Zum Löwen Morgen, Mittwoch, 23. b. M., ab 8 llhr abends Große kamevalist. Veranstaltung mit Kappensihung Ole Musik wird ausaeführt von der beliebten Tanz- und Sporttapeue Max Äeyreis,Äsenach /KöflBmaoOenX ' Aazüe ~ aus prima blauem Stoff werden angefertigt mit guten Zutaten: Mk. 47.00 ^Bauer, TuchliandlanL/ Seltersweg 91,1. Stock y Kein Laden S W UilÖ MWtz- MWWMg. Freitag, den 25. Januar 1929, oormlf- tags 10 Uhr. wird im Saale des Gastwirts Karl Schlörb, dahier, aus den Waldungen der Gemeinde Ruppertsburg (Distrikte Hohenberg, Geräums, Herzberg und Röden) folgendes Holz versteigert: Nutzholz: Stämme: Esche, N, 1. und 2. Klasse, 14 St., 1,80 fm; Buche, F, 4. Klasse, 1 St., 0,34 fm; Fichte, la-Klasse, 7 St., 0,90 fm, Güteklasse F 16 St., 8,38 fm. Derbstangen: Fichte 1. Klasse 96 St., 2. Klasse 98 St., 3. Klasse 338 St.; Esche: 1. Klasse 1 St., 2. Klasse 7 St., 3. Klasse 7 St . Reisstangen: Fichte 4. Klasse 470 St., 5. Klasse 352 St., 6. Klasse 313 St., 7. Klasse 160 St. Nutzknüppel: Eiche 2,2 rm; Lärche 1,8 rm; Fichte 10,9 rm. Brennholz: Scheiter rm: 370 Buche, 4,2 Eiche, 2 Birke, 5,6 Kirschbaum, 53,2 Fichte. Knüppel rm: 200 Buche, 21 Eiche, 2 Sirte, 2,5 Erle, 1,4 Elsbeere, 2,8 Kirsche, 3,5 Kiefer, 5,2 Lärche, 14,6 Fichte. Reiserholz 1. Klasse rm: 0,7 Fichte, 2. Klasse 4^9 Buche, 3. Klasse 400 Buche. Stöcke rm: 83 Buche, 1,5 Eiche, 50 Fichte. D..> zur Versteigerung kommenden Fich- ten im Geräums, Güteklasse F, sind mit einem + erkenntlich, sowie auch die Buche (41 Durchmesser, 2,6 lang) im Hohenberg. 643D Die Brennholznummern, welche blau unterstrichen sind, gelangen nicht zur Versteigerung. Ruppertsburg, den 19. Januar 1929. | Hessische Bürgermeisterei Ruppertsburg. Hogy. Kinderloses Ehepaar sucht zum 1. 3. 2 Zimmer und Küche. Schr. Anncb. u. 0114 an den Gietz. Anz. Jg. Kaufmann sucht M Zimmer mit Pension f. sofort. Sckr. Angeb. unter 0113 an d. Gieß. Anz. EInWkS, Ml. Zimmer zum 1. Febr. gesucht. Schrillt. Angebote mit Preis unter 650D an d. Gietz. Anz. erb. Stellenangebote) Reisevertreter fürleichteReifetäiig- kett gesucht. Täglich bares Geld. Offert, postlagernd an Neidböser, Gietzen. Gsrßato W der Aufgeber v. tSteflta# angeboten ist ci, die ein« gegangen-Bewerbung«, unterlagen (Zeugnisse, Zcugni-abschrtst., Llcyt- bilder o.bg L) schnellsten« jurflthuf. 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Während die Simon-Kommission, die bekanntlich feststellen soll, inwieweit Indien „reif zur Selbstverwaltung" ist, und was für Reformen ihm gewährt werden können, Indien ein zweites Mal bereist, haben die politischen Führer der nationalen Bewegung Indiens in Kallutta einen Beschluß gefaßt, der d i e Erklärung Indiens zum Dominion bis zum Ende des Iahres 1 929 fordert. Falls das englische Parlament bis zu diesem Zeitpunkte nicht von sich aus den Dominion- Status gewähren sollte, so wird erneut die schärfste Verhängung der Richtmitarbeit anye- droht. 2a, der radikale Flügel unter den indischen Rationalisten kündigt an, daß er in diesem Falle eine Proklamation zur Annahme bringen würde, die nichts weniger als die völlige Unabhängigkeit Indiens verlangt. Damit ist eine außerordentliche Verschärfung der gesamten Lage eingetreten. Denn die Beschlüsse des Kongresses von Kalkutta zeigen, das) die nationale Bewegung in Indien sich nach wie vor um die englischen Reformvorschläge nicht kümmern will und infolgedessen auch die Arbeiten der Simon-Kommission ablehnt. Die englischen Berichte aus Indien geben eine Verschärfung der Lage allerdings noch nicht zu, sprechen vielmehr im allgemeinen von einer Entwicklung, die den englischen Plänen günstig sei. Die englische Presse bemüht sich eben, die Vorgänge in Kalkutta lächerlich zu machen und als harmlos hinzustellen. Sie weist statt dessen auf Spaltungsbewegungen innerhalb der nationalen Bewegung Indiens und auf die alle Gegnerschaft zwischen Hindus und Mohammedanern hin, die ja allerdings wohl immer noch sehr groß ist. Selbst die Dominion-Entschliehung wird als bedeutungslos hingestellt, bzw. als Sieg der gemäßigten Richtung gedeutet, die angeblich berell sein soll, mit den Engländern zu paktieren. Diese Behauptung erschelllt in der Tat nicht ganz unrichtig, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Forderung auf Einführung des Dominion-Status gegenüber der Forderung auf Herstellung der völligen Unabhängigkeit Indiens von England eine starke Abschwächung bedeutet. Bisher haben die Führer der nationalen Bewegung es stetH abgelehnt, sich über das Verhältnis eines freien Indiens zu England zu äußern, bzw. anzuerkennen, daß für die indische nationale Bewegung die Rotwendigleit bestände, irgendeine Verbindung mit England zu belassen. Diejenigen, die (neuerdings stark unter dem Einfluß Moskaus, dessen Schriften und Lehren in den letzten Iahren wachsend unter der nationalen Iugend Indiens Anllang gefunden haben) eine völlige Loslösung von allem was englisch ist. forderten, müssen also mit dieser Entschließung überaus unzufrieden sein, da England ja nur den Wunsch der Do- minion-Leute zu Erfüllen brauchte, um der Agitation der Unzufriedenen den Boden zu entziehen. Das ist auf dem Kongreß in Kalkutta deutlich ausgesprochen worden, und die Opposition gegen Sie Annahme der Dominion-Cnt- schließung war dementsprechend groß. Wenn nicht Gandhi, der noch immer als der repräsentativste Führer des nationalen Indiens zu gelten hat, sich mit seiner ganzen Autorität für die Dorninion-Cntschließung eingesetzt hätte, zusammen mit Pandit Motilal Rehru. der noch vor wenigen Iahren als überaus radikal verschrien war, so wäre sie kaum angenommen worden. Gerade das wird als bezeichnend für die Entwicklung der Dinge im indischen nationalen Lager angesehen. Die Tatsache, daß Gandhi und Rehru. die jahrelang als radikal verschrien waren, sich für eine Resolution einsetzten, die in schärfstem Widerspruch zu den radikalen Forderungen von ehemals stehen, soll angeblich zeigen, daß die indische nationale Bewegung an einem Punkte angekommen ist, an dem sich die Geister scheiden. Zwischen denen, die glauben, daß die Freiheit Indiens nur mit Zustimmung der Engländer in absehbarer Zeit erreicht werden kann, und die infolgedessen die ganze Agitation nur als Mittel zum Zweck ansehen, und den anderen, die das Heil nur in einer Resolution beziehungsweise in einer völligen Trennung von England sehen, und deshalb die Forderungen der Agitation wörtlich für wahr halten, klaffe eben ein Zwiespalt, der kaum noch zu überbrücken sei. Daß es gerade die Iugend, geführt von Iyengar, Bose und Iavaharlal Rehru, ist, die die radikalen Forderungen vertritt und sich in Opposition gegen die offiziellen Führer Der Swaraj-Partei befindet, sei dabei durchaus verständlich, ba die politische Iugend nicht nur in Indien stärker an Revolutionen als an staatsmännische Kompromisse glaubt. Und doch würde man den bewährten Führern der indischen Rational-Bewegung unrecht tun, wenn man über den Forderungen der radikalen Iugend die ganze Tragweite der Dominion-Cnt- schließung verkennen würde. Wenn Indien e i n Dominion würde, d. h. ein sich selbst verwaltender unabhängiger Teil innerhalb des britischen Weltreiches, nur verbunden mit Großbritannien durch eine Art außenpolitischen Bündnisses, so würde dies in sich d i e Erfüllung aller Forderungen bedeuten, die die nationale Bewegung in Indien aufgestellt hat, und die beachtlicherweise in der Hauptsache innenpolitischer nicht außenpolitischer Ratur. sind. Die Abschaffung der jetzigen Vollmachten des Vizekönigs, Sie Einführung einer freien und ungebundenen gesetzgebenden Körperschaft, die Vereinigung Indiens in einem einzigen großen Staat, ja sogar das völlige Verschwinden der englischen Derwaltungsbeamten in kürzester Zeit würden und mußten die Folgen der Gewährung des vollen Dominions-Status sein. Das beweist u. a. die vom nationalen Kongreß in Kalkutta angenommene Verfassungs-CnZchließung, die zeigt, daß die nationale Bewegung in Indien auch durch ihre offiziellen Führer radikale Forderungen auszusprechen, vermag, die praktisch den nur dem Tone nach radikaleren Forderungen der Iugend kaum nachstehen. Der Unterschied besteht lediglich darin, daß man agitatorisch eine verschiedene Terminologie verwendet, wenn man nicht die Außenpolitik eines künftigen Indien für ebenso wichtig hält, wie die zur Zeit brennenden Fragen der inneren Verwaltung. Da die Engländer die indische Reform nicht von den Spitzen der Behörden, sondern Don bet Grundlage der Verwaltung aus angreifen wollen, wird hieraus ersichtlich, wie weit man sich inzwischen auseinandergeredet hat, und wie wenig Aussicht darauf besteht, daß zwischen den nationalen Indern und den Engländern eine Verständigung erzielt wird. Dessen scheinen sich aber gerade auch die angeblich gemäßigten Führer der Swaraj-Partei durchaus bewußt zu sein: sie wissen, daß ihre Dominion-Entschließung in der Form, in der sie gestellt wurde, auch dem konzessionsberei'.esten englischen Reformer nicht als annehmbar erscheinen könne. Und hier scheint denn auch die Absicht zu liegen, die Gandhi und Rehru bei der Annahme der Entschließung gelei.et hat. Sie haben absichtlich unerfüllbare Forderungen gestellt, weil sie wissen, daß England seiner ganzen Mentalität nach vorläufig die Forderungen des nationalen Indiens, selbst wenn sie in einem gemäßigten Gewände erscheinen, nicht erfüllen kann. Die Absage, die die Formulierung: „Dominion bis Ende 1929“ in Wirklichkeit also bedeutet, wird man demnach kaum verkennen dürfen: der Kampf um die Freiheit Indiens geht weiter, unabhängig von den Reformen, die das englische Parlament beschließen sollte, um das letzte Ziel der nationalen Bewegung in Indien, die Befreiung vom englischen Ioch, doch noch zu erreichen. 3uriWuiW Odrcheffess durch die Reichsbahn? Veranlaßt durch unsere, von der Reichsbahnverwaltung bi her unwidersprochen gebliebene Rachricht über die Umwandlung wichtiger D-Züge in FD- -3ü g e a u f der Main-Wesec-Bahn zum Rachtell des reisenden Publikums hat der Verkehrsbund Oberheffen gestern an die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. das nachstehende P r o - te st schreiben gerichtet: „Der „Gießener Anzeiger" Rr. 15 vom 18. 3an. 1929 meldet, daß die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M sich mit der Absicht trage, die D-Züge 191/192 der Strecke Hamburg (Berlin) — Kassel — Gießen — Frankfurt in FD- Züge umzuwandeln. Diese Rachricht genannten Blattes ist trotz des umsichtigen Pressedienstes der Reichsbahndire.tion ohne Widerspruch geblieben. Man darf hiernach wohl annehmen, daß diese Pressemeldung die Absicht Der Reichsbahndirektion zutreffend wiedergibt. Don diesem Standpunkt ausgehend, möchten wir nicht verfehlen, der Reichsbahndirektion unseren entschiedenen Einspruch gegen die mit dieser Maßnahme verbundene Benachteiligung des Reiseverkehrs zur Kenntnis zu bringen. Rachdem die Zuschläge für die Benutzung der D-Züge erst vor wenigen Monaten außerordentlich stark erhöht toorSen sind, würde die weitere Umwandlung der D-Züge in FD-Züge mit noch höheren Zuschlaggebühren nur darauf hinauslausen, weiterhin einseitig rein eisenbahnfiskalische Interessen zum Rachteil der wirtschaftlich ohnehin schwer ringenden Bevölkerung zur Geltung zu bringen. Wir sind, der Meinung, daß die weitmöglichste Popularisierung der D-Züge nach gesunden, kaufmännischen Grundsätzen nicht zuletzt auch im Interesse der Reichsbahndirektion liegt, und wir bitten daher in unserer Eigenschaft als Spitzenorganisation der oberhessischen Verkehrsvxrbung und als Beauftragte der oberhessischen Behörden die Reichsbahndirektion, von dem Plan der Umwandlung der D-Züge 191/192 in F D-Züge unter allen Umständen abzulafsen, damit diese für Oberhessen und die benachbarten preußischen Kreise wichtige Verbindung auch den breitesten Vevöl- kerungsschichten weiterhin zur Verfügung bleibt. Fernerhin ist zu unserer Kenntnis gekommen, daß die Reichsbahndirektion sich mit der Absicht trage, die im Sommerfahrplan 1928 gefahrenen D-Züge 153/154 Frankfurt-Gießen — Bremen tm nächsten Sommer in Gießen ohne Halt durchfahren zu lassen. Auch gegen diese Benachteiligung der Provinzialhauptstadt Gießen und der benachbarten oberhessischen und preußischen Kreise legen wir heute schon entschieden Verwahrung ein. Bei dem genannten Zug- paar handelt eS sich um eine ausgezeichnete Tages-D-Zug-Verbindung von und zur Rordsee- küste. Eine Unterbindung der Inanspruchnahme dieser Züge durch die Bevölkerung Gießens und der Rachbargebiete würde unter keinen Umständen von der Bevölkerung verstanden und von Ser Reichsbahndircktion sicherlich auch nicht genügend gerechtfertigt werden können. Wir hoffen zuversichtlich, daß auch in diesem Punkt zum mindesten der vorjährige Zustand wiederhergestellt und unter gar keinen Umständen eine Verschlechterung des D-Zugverkehrs auf der Main-Weser-Strecke eintritt.“ Der Hessische Verkehrsverband, Darmstadt, hat in der gleichen Angelegenheit bei der Reichs- bahndirektion Frankfurt a.M. Vorstellungen erhoben. Er hat folgendes Schreiben an die Reichsbahndirektion gerichtet: „Die Gerüchte wollen nicht verstummen, daß geplant sei. die Züge D 191/192 Dasel— Frankfur t—Gieße n—H amburg und Berlin in FD-Züge umzuwandeln. Eine derartige Mai-nahme würde mit Rücksicht darauf, daß die FD-Zugzuschläge gegenüber den ohnehin hohen D-Zugzufchlägen stark erhöht sind, als höchst bedenklich bezeichnet werden müifen, weil sie die Züge für den Verkehr auch auf nahe und mittlere Entfernungen stark entwerten. Wir bitten daher, falls bie umlaufenden Gerüchte eine tatsächliche Grundlage haben sollten, von der geplanten Maßnahme Abstand zu nehmen. Des weiteren möchten wir nicht verfehlen, bereits heute auf die Bedenken hinzuweisen, die dem offenbar geplanten Wegfall der im vergangenen Sommer erstmals mit b ftem Erfolg gefahrenen Züge D 153 154 Frankfurt — Bremen über Gießen — Kassel als dreiklassige Schnellzüge entgcgenstehen. Die Führung von F D-Zügen zwi- schen Franlfurt und den Hansestädten wird selbstverständlich grundsätzlich als wesenlliche Verkehrs» Verbesserung allseitig begrüßt. Andererseits muß es als im höchsten Grade bedenklich bezeichnet werden, daß die Einführung der neuen Schnellverbinbung auf K o st e n wichtiger breitiaffiger DZugsverbinbungen erfolgt. Die künftigen FD-Züge werden zwar für den Heineren Teil der wohlhabenderen Reisenden eine besonders giinst ge Verbindung darstellen. Die sehr schmerzlich empfundene Lucke im Schnellzug-fahrplan der Ma n° Weser-Bahn wird indessen durch den Wegfall der weitesten Kreisen zugänglichen dreiklassigen D-Zug- verbindung zu den tn Frage kommenden Zeiten bestehen bleiben, dies um so mehr, als die FD-Züge ihrer besonderen Aufgabe gemäß in bezug auf die Anzahl der Zwischenhalte aufs äußerste beschränkt sind. Wir hallen es für bringend geboten, bereits heute mit allem Rachdruck darauf hinzuweisen, daß insbesondere die Derkehrsverhättnisse der hessischen Provinz Oberhessen dringend erheischen, daß schnellstmöglich außer der FD-Zug- verbindung etwa in der Lage der im vergangenen Sommer gefahrenen Züge D 153/154 dreiklassige Schnellzüge über die Main-Weser-Bahn gefühnck werden, die nach Möglichkeit nicht nur die Verbindungen mit Bremen und der Unterweser, vielmehr auch mit Hamburg zu vermitteln hätten Anmerkung der Redaktion: Daß die beiden Spitzenorganisationen für die Derkehrswerbung in Hessen mit ihren Einsprüchen bei der Reichsbahndirellion Frankfurt a. M. durcha us im Sinne der Bevölkerung gehandelt haben, versteht sich von selbst. Anscheinend wird jetzt von der Reichsbahnverwaltung, wie man früher schon manchmal mit Bedauern feststellen mußte, wieder der Versuch gemacht, über die oberhessischen Verkehr s in t e r e s s en mit Leichtigkeit hinwegzugehen Diesen Bestrebungen gegenüber möchten wir die Reichsbahnverwaltung doch daran erinnern, daß sie den ob erbe ssischen Städten gegenüber auch P f l i ch t e n zu erfüllen hat, die gebieterisch fordern. daß ihnen die gebührende Erfüllung zuteil wird. Wir wollen nur hoffen und wünschen, daß die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. von ihren sehr anfechtbaren Plänen abläßt und Ober Hessen nicht wieder gewisse-- maßen als Stiefkind behandelt. Oberstaatsanwalt i. X Wünzer f. WSR. Darmstadt, 21. Ian In der Rächt zum Sonntag ist Oberstaatsanwalt t R. Rudolf Wünzer nach einem langjährigen Leiden, gegen das er in seinen letzten Iahren mit aller Energie ankämpfte, verstorben. Mit ihm ist eine durch Geistesgaben und Herzensbildung ungewöhnlich ausgezeichnete Persönlichkeit dahin- gegangen, die sich allenthalben, wo immer sie auftrat, großer Beliebtheit erfreute. Wünzer war am 17. Dezember 1862 in Weimar geboren. Er verbrachte seine Iugend in Darmstadt, wo fein Vater Mitglied und später Generaldirektor des damaligen Hoftheaters war. Rach seinem Studium war Wünzer von 1892 bis 1894 Rechtsanwalt in Darmstadt, 1894 bis 1899 Staatsanwalt in Mainz und Darmstadt, später Ober- Was der erste Güdpolarstug entdeckte. Mit seinem Erkundungsflug über Graham- Land, über den bereits kurz berichtet wurde, hat Sir Hubert W i l k i n s eine neue Epoche der Südpolarforschung ein geleitet Seine Leistung verdient aus zwei Gründen ganz besondere Beachtung: erstens hat er eins der beiben großen Probleme der antarktischen Forschung gelöst, und sodann hat er diese Tat in wenigen Stunden vollbracht, während in den Zeiten, da der ungeheure Vorteil des Flugzeugs dem Polarforscher noch nicht zur Verfügung stand, mindestens zwei antarktische Sommer zu dieser Feststellung notwendig gewesen wären. Die Lage von Graham-Land zu dem Südpolar-Erdteil war bisher noch nicht genau bekannt. Graham-Land, das ist der (Harne, den man der vorgestreckten Landzunge zwischen dem 63. und 69. Grad südlicher Breite und zwischen dem 58. und 67. Grad westlicher Länge gab, ist der am frühsten und wohl auch am besten bekannte Teil des Südpolargebietes. Die Süd-Shetland-Inseln, die etwa 130 Kilometer nordwestlich von seiner nördlichen Spitze liegen, wurden fast zufällig im Februar 1919 von einem englischen Seefahrer, William Smith, entdeckt. Der erste aber, der eine kurze Strecke der Küste des „Hauptlandes“ weiter südlich fand, war der Engländer Edward Bransfield. Da er aber sah, daß das neu entdeckte Land keine Handelswerte aufwies, so begnügte man sich damit, in den Iahren 1821 bis 1827 etwa eine halbe Million Robbenfelle einzuheimsen, und dann blieb das Land viele Iahre un- besucht, bis der englische Robbenjäger Bisco 1832 die Westküste von Graham-Land zum Teil erforschte und der deutsche Robbenjäger Da kirn a n n 1874 weitere Reisen in dem Land unternahm. Auf einem deutschen Schiff, dem „Iason", haben dann 1892/93 zwei norwegische Robbenjäger. die Kapitäne Larsen und Evensen, nach Eindringen in den Südpolarkreis zuerst eine Strecke hoch gelegenen Landes gesichtet, das sich vom 67. bis zum 68. Grad südlicher Brette aus- dehnte und von ihnen die „Foyn-Küfte“ genannt wurde. Dis zu dem jüngsten Flug von W i l - kins blieb diese Entdeckung der Flhn-Küste durch Larsen der einzige sichere Bericht von dem Vorhandensein eines Landes an dec Ostküste von Graham-Land, das sich über den Südpolarkreis ausdehnte. Die Expedition von Rordenskjöld im Iahre 1902/03 prüfte die Angaben von Larsen nach, berichtigte manche Irrtümer in seinen Angaben, konnte aber nicht die „Fohn-Küste" erreichen. Die Forschungen Rordenskjölds unb der zwei Expedittonen von Charcot an den nördlichen und westlichen Seiten von Graham-Land zeigten aber, daß augenscheinlich fortlaufendes Land bis südlich bis zum 69. Breitengrad ausdehnte, und seit den Treibfahrten der „Deutschland" im Iahre 1912 und der „Endurance" 1915 setzte man Sas Vorhandensein beträchtlicher Landmassen an der Westseite Ses Weddellmeeres voraus. So kam man auf die Vermutung, daß Graham-Land einen Teil des Südpolar-Erdteils bilde und daß es ein Glied in einer großen Gebirgskette Sarstelle, deren unter dem Wrer befindliche Gipfel durch Graham-Land und über dem Südpol sich fortsehten, um dann schließlich in der .,Königin-Maud-Kette" zu münden, die Amundsen 1911 während seiner Expedition gesehen hatte. Diese Annahme aber stand im schroffen Gegensatz zu der 1907 von Sir G. H. Darwin ausgesprochenen Ansicht, daß ein Arm des Roß- und Weddellmeeres den östlichen Teil der Antarktts vom westlichen trenne. So standen sich allo zwei geographische Anschauungen gegenüber, bis der Flug ijon WilkinS, der erste, der jemals im Südpolar«biet gemacht wurde, eine Antwort gab. Wir Müssen jetzt, daß Graham- Land fein Teil des WüdpolarerSteils ist; es ist von ihm durch die biÄte Stefansson-Straße getrennt, und der Teil Ms Konttnenrs, der weiter südlich gelegen ist. zeigt keine Spuren einer Gebirgskette, wie man vermutet hatte, sondern ist von einer sanft abfallenden Form. Die Theorie einer fortlaufenden Gebirgskette muß daher auf- gegeben toerSen, während die Annahme von Darwin an Wahrscheinlichkctt gewinnt. Aber dadurch wird auch die Ehre, den Südpolar-ErdteU entdeckt zu haben, Sem Engländer Bransfield genommen, der ja nur das nicht dazu gehörige Graham-Land gefunden hat, und als Entdecker der Antarktis erscheint der französische Polarforscher Dumont d'U r v i l l e, Ser auf dem französischen Schiff „Astrolabe" am 20. Ianuar I 1814 Adelie-Land sichtete, das zweifellos ein I Teil des Südpolarerdteils ist. Diese Entdeckung I wurde ihm allerdings von dem amerikanischen Forscher Charles Wilkes streitig gemacht, der einige Tage später Ad6lie-Land sichtete; er behauptete, eiut Tage vor d'Urville östlich von Adstte-LanS Land gesehen zu haben, aber nach den Feststellungen von Scott ist kein Zweifel, daß dieses „Land" nicht existierte. In einer Würdigung des ersten Südpolarfluges in der „Times“ wird hervorgehoben, daß diese Tat von Sir Hubert Wilttns außer ihrer großen geographischen Bedeutung der eindrucksvollste Beweis dafür ist, daß die Zukunft der Polarforschung in der Luft liegt Während eines Fluges von etwa zehnstündiger Dauer hat er eine weit größere Strecke zurückgelegt als irgendeiner seiner Vorgänger in dem Graham-Land-Gebiet; dabei hat er seine kartographischen Aufzeichnungen mit nicht weniger Genauigkeit durchgeführt. Er erreichte die von Rordenskjöld „Richthofen- Tal“ genannte Stelle in 66 Grad südlicher Breite von seiner Basis auf der Deception-Insel in weniger als zwei Stunden, währenS Rordenskjöld, der zu Fuß von einer 80 Kilometer näher gelegenen Basis aus marschiert war, zwei Wochen brauchte, um dieselbe Strecke zurückzulegen, und nicht weiter vorwärts kam. Wilkins dagegen befand sich drei Stunden später in 71 Grad südlicher Breite, 460 Kilometer weiter südlich. Dieser erste Südpolarflug bedeutet daher den überaus erfolgreichen Anfang einer künftigen Erforschung der Antarktts. Eidechsen. Von Victor Auburiin. Rachdruck verboten! Aus den brennend heißen Steinen, die am Abhang des Hügels lagen, faßen zwei Eidechsen und sahen sich an. Er hieß Chilperich und sie hieß Hilde. Sie sahen sich sünsundoierzig Minuten lang regungslos an, ohne auch nur mit den Augen zu Zwickern. Aber an dem Zittern ihrer Haut, die mit einem geschmackvollen Stickereimuster verziert war, konnte man das Schlagen ihrer kleinen Herzen erkennen. Die Gräser ringsherum rührten sich auch nicht, und die große Sonne stand wie festgenagelt am Himmel. Und durch die Gräser hindurch sah man das ferne Mittelländische Meer, das in einem blauen Traume tief eingeschlasen war. Funfundvierzig Minuten lang sahen Hilde und Chilperich sich an und rührten sich nicht. Da drehte Chilperich plötzlich den Kopf quer, so daß ein Auge zur Erde, das andere zum Himmel sah, und die Bewegung heißt in der Sprache der Eidechsen: „Ich habe dich lieb." Sowie Hilde diese Bewegung sah, drehte sie sich um und raschelte fort, und Chilperich raschelte ihr nach. Und so heftig raschelten sie beide, daß eine dort sitzende deutsche Maldame glaubte, es sei eine Schlange und entsetzt mit ihrer Staffelei von bannen floh; wodurch eine der besten Landschaften für die Herbstausstellung deutscher Künstlerinnen verloren ging. Die Eidechsin Hilde aber huschte durch das Gras fort, fuhr die verfallene Mauer des Olivengartens hinauf und schlängelte sich durch das große Steinfeld. und Chilperich immer hinter ihr her. An dem bekannten Schieferstück, das bei den EiSechsen Prin- zessin-Amalia-Ruh heißt, stellte er sie, sprang vor sie hin und sagte noch einmal: „Ich habe dich lieb." Sie aber antwortete: „Du bist ein Ekel; ich kann dich nicht mehr ausstehen mit deinem ewigen Augen- verdrehen; und wenn du mir auch nur noch einen Schritt nachgehst, wende ich mich ganz einfach an einen Schutzmann." Damit raschelte sie fort und ließ Chilperich stehen. Eine Stunde lang stand Chilperich regungslos und sah durch die Halme auf das ferne stille Meer. Dann erblickte er vor sich eine dicke blaue Brummerfliege, schoß durch die Steine weiter, und fing hier eine Mücke, da eine Libelle. Am Abhang begegnete er der kleinen Eidechsin Mathilde, die ihm sagte: „Chilperich, du solltest nicht im Gehen essen, das schickt sich nicht." Dabei lächelte sie so nett, daß Chilperich auch lächeln mußte und bann bezüngelten sie sich mit ihren Schlanaenzünglein unb gleich darauf begannen sie jenen Haschetanz, der in der Eidechsen spräche sagt: „Wir wollen jetzt sehr glücklich sein.' Aber wie sie mitten dabei waren, fuhr die Eidechsin Hilde, die sich nur versteckt hatte, aus dem Gebüsch hervor, auf Chilperich zu und biß ihm den Schwanz ab. Chilperig schlich langsam und ftummelig in seine Steinwohnung und war traurig. „Erst sagt sie mir, ich sei ein Ekel, und wenn ich mit der Mathilde tanze, beißt sie mir den Schwanz ab." So dachte er sich und wunderte sich sehr, denn er war noch jung und verstand nicht viel von den Geheimnissen des Frauenherzens. Turnen, Sport und Spiel L •' dem Titel ^Die er Heimatlosen“. in die Wohnungen gebracht werden können. Bricht auf einem Schiff leitet man Kohlensäure in ein Feuer auL, so den Daum, wo es P 1 Daum zuführt. Man hofft, auf diese Weise die so gefährlichen Erdölbrände auf rascheste Weise beveits im Entstehen ersticken zu können. Kraftwagen gebaut, der Röntgenaufnahmen beim Menschen sehr erleichtert. Sollte bisher eine derartige Aufnahme gemacht werden, so muhte der Kranke erst dorthin gebracht werden, wo sich der Röntgenapparat befand. Das für Döntgenaufnahmen eingerichtete Auto ermöglicht es, diese Aufnahmen ober die Behandlung ambulatorisch zu gestalten, d. h. sie in jeder Wohnung vorzunehmen. Das Auto gleicht in seinem Aeuherrn einem gewöhnlichen eleganten Personenkraftwagen. Unter der Motorhaube befindet sich ein besonderer Stromerzeuger, der den für den Betrieb der Röntgenapparatur nötigen Strom liefert. Die meisten Autos sind ja mit einer Lichtmaschine ausgestattet, deren Strom die Scheinwerfer und die sonstigen Beleuchtungskörper speist. Diese Lichtma ch.ne kann be< genügender Leistung aus- reichen. der Regel wird jedoch ein zweiter Stromerzeuger nötig sein, der. während das Auto vor dem Hause des Kranken wartet, vom Motor aus angetrieben wird. Don der Maschine aus führt ein langes Kabel ins Haus — das einzige, woran zu erkennen ist, dah hier etwas Besonderes deres Stethoskop wurde gebaut, das vor allem dem Zweck dient, aus einem Gemisch von Geräuschen den einzelnen Ton und die Quelle genau festzustellen, aus der er koinmt. Dieses Moschinen- stelhoskop besteht — hier liegt noch eine Aehn- lichkeit mit den neueren medizinischen vor — aus zwei Schläuchen, deren jeder o?cn mit einem kleinen Ansatzstück versehen ist. Die beiden Ansatzstücke werden in die Ohren gesteckt. Am unteren Ende des einen Schlauches befindet sich eine Platte, die durch ein kurzes Dohrstück mit einer Schalldose verbunden ist. Am Ende des anderen Schlauches ist ein feiner Stift angebracht, auf dem gleichfalls eine Schalldose aufsitzt. Don den Schalldosen gehen die Schläuche zu den Ohren. Bei der LIntersuchung wird zunächst die Platte aus den in Betracht kommenden Maschinenteil aufgesetzt. Sie nimmt alle hier auftre e:rden oder durch Fortleitung des Schalls wahrnehmbar werdenden Geräusche auf und überträgt sie auf die Schalldose. 3n dieser befinden sich Einrichtungen, die den Schall beträchtlich berftürlen. Mit dem Stift hingegen wird, während die Platte ruhig liegen bleibt, die Oberfläche ab^etastet. Man hört nun im einen Ohr das allgemeine, beim Suchen mit dem Stift im andern jedes Geräusch, das von diesem abweicht. Dadurch wird es leicht mög- llch. Fehler zu finden, um so mehr, als zum Stethoftop noch besondere Filtereinrichtungen gehören. die es ermöglichen, das Gesamtgeräusch gewissermaßen abzufiltrieren Sie bestehen aus einem Metallstab, der unten einen Kork trägt. Der Stab ragt nach unten zu aus diesem Kork nicht hervor, sondern schließt mit diesem ab. Diese Dorrichtung dämpft das Gesamt. eräusch, während der Stab das von einem einzelnen Punkt ausgehende Sondergeräusch weiterleitet. Es hat sich gezeigt, daß das Instrument sehr fein arbeitet und dah sich damit fehlerhafte Stellen sehr gut aufsinden lassen die man sonst schwer entdecken würde. „Oie Hölle der Heimatlosen". 2m Lichtspielhaus Bahnhof st ratze sieht man zur Zeit einen achtaktigen Film unter auf daS am 12. Tlat in Gretzen stattfindende 45. Iahresfest des Evangelischen Kirchenge^ang- vereins für Hessen in diesem Jahre kein besonderes Cßerbanbß-Äir^cnge« sangsfest zu veranstalten. Künftig soll bei Vertreterversammlungen in Derbandsgemeinden der musilalische Teil dec Tagung von dem Orts- verein bestritten und im Anschlutz an die Darbietungen tirchenmusikalische Fragen und Aufgaben erörtert werden. Für 1929 ist Büdingen als Tagungsort ausersehen worden. Schließlich wurde noch vecgefchlagen. eine Namensänderung vorzunehmen und den Derband in Zukunft „Kirche'nchor-Dcrband Büdingen, Didda, Schotten" zu nennen, da er die in den Dekanaten Büdingen. Didda und Schotten bestehenden Kirchengesangvereine umfaßt. Diese Umbenennung soll der nächsten Vertreter-Versammlung zur Beschluh- fafsung vorgelegt werden. Kreis Schotten. z □ Gaubad), 21. 3an. Jetzt fand die zweite Nutz- und Brennholzversteigerung aus den Waldungen der Gemeinde statt. Die Preise waren wesentlich höher, als bei der ersten Holzversteigerung. Es kamen das Raummeter Scheiter im Durchschnitt 12 bis 13 Mk., Knüppel 8 biS 9 Mk.. Stockholz 7 bis 8 Mk., vier Meter Reiser 3,50 Mk. Derbst a n g en kamen 1. Klasse 1,50 Mk., 2. Klasse 1 Mk., 3. Klasse 70 Pf. An die Laubacher Geschäftsleute wurden zum Submissionspreis nebst 10 Proz. Zuschlag abgegeben 10 bis 12 Festmeter Eichenstammholz, 3 Festmeter Bu- chenstammhvlz, 2 Festmeter Eichenstammholz für Deichseln, 3 Festmeter Fichten, 2 bis 2,50 Festmeter Kiefern, 1 bis 1,50 Festmeter Eichenholz. Kreis Alsfeld. =er. Homberg a. d. Ohm, 21. Jan. Nachdem die Mitteldeutsche Hartstein-Indu- st r i e in der letzten Zeit etliche ihrer Betriebe geschlossen hatte, hat sie am Freitag auch noch die übrigen, in der Umgebung von Homberg gelegenen Betriebe a uf unabsehbare Zeit st i l l g e I e g t. Dadurch wird die schon herrschende große Arbeitslosigkeit nur noch vergrößert. — Der Gesangverein .Frauenlob" hielt am Samstag- und Sonntagabend sein diesjähriges Wintervergnügen in Form eines'Theater- und Tanzabends bei gut besetztem Hause ab. Beide Deranstaltungen waren gut besucht und mit trefflichen Chören und Solls bereichert. Oberheffen. Landkreis Gietzen. Klein-Linden, 21. Januar. Der hiesige Kriegerverein veranstaltete am Samstagabend in der .Deutschen Eiche" ein Wohl- tätigkeitskonzert, ausgeführt von der Musikkapelle des 1. Batl. Inf.-Rgt. 15 aus Gießen, unter Leitung des Obermusikmeisters Löb er, zum Besten der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinftrbliebenen. Der erste Vorsitzende Schimmel hielt die Begrüßungsansprache, worauf das Deutschlandlied gesungen wurde. Die vielseitigen und ausgezeichneten Darbietungen der Kapelle wurden immer wieder mit starkem Beifall ausgenommen, so daß sich der Obermusikmeister wiederholt zu stets dankbar begrüßten Einlagen entschließen mußte. Der vollbesetzte Saal lieh das große Interesse der Einwohnerschaft an der in allen Teilen wohlgelungenen Deranstaltung erkennen. Dach Schluß der Veranstaltung wurde den Kam. Gottfried Bende- r o t h und Philipp Jung XX. das Abzeichen für 25jährige Mitgliedschaft von dem 1. Vorsitzenden feierlich überreicht. Eine Verlobung für den wohltätigen Zweck bildete den Schluß der Veranstaltung. * Großen-Linden, 21. Jan. Am Sonntag wurde in unserer Gemeinde nach einem aus reicher Erfahrung heraus gehaltenen Vortrag von Dekan G u h m a n n (Lollar-Kirchberg) ein kirchlicher Frauenverein gegründet. 18 Frauen traten zunächst dem Verein bei. Heute abend findet ün Saale von Schaum ein Lichtbildervortrag von Senior Kund aus Pan- cevo im Banat statt über das Thema: .Die Hessen im Banat". Der Reinertrag des Vortrages kommt dem evangelischen Kirchbau in Werschetz zugut. £ Wieseck, 22. Ian. Sonntag fand hier der Bezirkstag des 6. Bezirkes des Ar - beitersamariterbundes statt. Der Bezirk hatte Wieseck als Tagungsort gewählt, weil die Kolonne Wieseck, dank der Llnterstützung der Gemeinde, über ein mustergültiges Depot verfügt. Die Tagung sand im Saal von Gustav Göbel statt und wurde von Bezirksleiter Rohrbach, Lollar, eröffnet, der zugleich auch den Geschäftsbericht erstattete. Wie er mitteilen konnte, haben seit Bestehen des 6. Bezirkes die Kolonnengründungen stark zugenommen, so dah heute sehr viel kleinere Gemeinden bereits über gute Kolonnen verfügen, zum Wohle der Allgemeinheit. Den Kassenbericht erstattete A m e n d, Großen-Linden. Kreisleiter K r e ck e l, Offenbach, sprach über Wirken und Bedeutung des Arbeiter- Eamariterbundes. Diele Anfragen wurden von ihm beantwortet. Bezirkstechniker D u e s, Gießen, konnte mit Zufriedenheit feststellen, daß die Kolonnen des Bezirks technisch aus hoher Stufe stehen. Die Dezirksübung soll dieses Frühjahr in Heuchelheim stattfinden. Im Anschlutz an die Tagung wurde das Depot der Wiesecker Kolonne besichtigt. Die Samariter waren von dem Gesehenen sehr befriedigt. . H Lollar, 21. Jan. Am Samstagabend beging der Veteranen - und Kriegerver- ein Lollar im dichtbesetzten Saale „Zum Schwanen" seinen diesjährigen Llnterhaltungs- vorgeht. Alle übrigen Einrichtungen sind derart durchgebildet, daß sie leicht ' Der Mte läuft dei Dillinger eine Snltäi Gauerlani neu, Da öer ‘/OOP Punkt I blieb. Die Te: einem sportlich fuft vl-lveg Dillin- jungen tourt fnntert. daß j, tert hatte unb j 5ar- Die Gr pemutlalle 1 Hernr °urg, 1:31,54,' tzurde Schnurb, Düssel! Lpflgt, Mum- 1:50,4 ?Ke^laft 2:1 l.Di S-J * abend. In der Begrüßungsansprache des ersten Dorsihenden, Kam. Martin Laudert, wurde des Tages der Reichsgründung gedacht und auf die hohen Aufgaben der Kriegervereine hingewiesen. Besondere Grüße galten dem Altveteranen Heibertshaus en und dem Bezirksobmann der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen. Kam. Döhn, Gießen, der im Derlauf des Abends die Ehrung der Vereins- jubtlare vornahm. Das Ha^sia-Ehrenzeichen mit der silbernen Zahl 25 für 25jährige ununterbrochene Mitgliedschaft erhielten die Kameraden Anton B e ppe r l i n g, Heinrich Ehr ist, Friedrich Hauser. Konrad Nürnberger, Heinrich Schäfer und Martin Saubett. Dem Rechner des Vereins, Kam. Friedrich Deibel, wurde für seine mehr als 25jähriae Tätigkeit im Vorstande des Vereins die Derbandsehrentäfel verliehen. Der Vorsitzende sprach ferner dem langjährigen Fahnenträger, Kamerad Heinrich Bauer, zu seinem bevorstehenden 40. Arbeitsjubiläum die Glückwünsche des Dereins aus. Der erste Tell der Dortragsfolge war den Gefallenen gewidmet. Im Mittelpunkt dieses Teiles standen ein von Iungmannen daryestelltes lebendes Bild. „Wir wollen sein ein einig Dolk", das sehr wirkungsvoll war, sowie ein Gedichtvortrag zum Gedächtnis der Gefallenen, dem als Abschluß einige Minuten stlllen Gedenkens folgten. Der übrige Teil des Abends diente der Unterhaltung. wobei ein Sing- und ein Lustspiel zur Aufführung gelangten. Den musikalischen Teil der Veranstaltung führte in guter Weise die Kapelle ehemaliger Milttärmusiker (Krengel, Gießen) aus. LJ Rodheim a. d. Horloff, 21. Ian. Dieser Tage fand die 3. ordentliche Generalversammlung des hiesigen Klein- k a l i b e r s ch ü tz e n v e r e i n s, der zur Zeit aus 32 Mitgliedern besteht, statt. Nach kurzer Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Georg Kröll wurde die Wahl des Vorstandes vorgenommen, bei der der seitherige Vorstand wiedergewählt wurde. Ein Rückblick auf das verflossene Vereinsjahr zeigte, daß der Verein recht schöne Erfolge bei den Schießwettbewerben zu verzeichnen hatte. Aus der Rechnungsablage ging hervor, daß die Ortsgruppe auch wirtschaftlich zufriedenstellend dasteht. Die im Jahre 1927 erbaute Schießhalle, die 632 Mark kostete, ist vollständig bezahlt. Die vier Spielleute, zu denen jetzt noch drei hinzukommen, sollen auf Kosten des Schützen- und Kriegervereins einheitliche Kleidung erhalten. In seinem Schlußwort sprach der Versammlungsleiter dem Schiehleiter Otto M o m - berger, dem der Verein in erster Linie seine gute Entwicklung verdankt, den Dank der Versammlung aus. o. Ober-Bessingen, 21. Ian. Zu der Nachricht über die Auffindung des Registrierballons Nr. 8 können jetzt noch einige interessante Ergänzungen gemacht werden. Die Leitung des Observatoriums Lindenberg bei Potsdam schreibt: „Ser dort gefundene Registrierapparat ist nicht in Lindenberg, sondern in ilccle bei Brüssel hochgestiegen. Das belgische Meteorologische Institut hat in der Zeit vom 25. bis 27. Dezember 1928 eine Serie von etwa 30 Aufstiegen gemacht, um den Ablauf rascher Witterungsänderungen zu untersuchen. Von den aufgeftiegenen Instrumenten sind 20 in Deutschland (Rheinprovinz, Hessen und Unter- franken) gelandet. Nach einem internationalen Hebereinlommen besorgen die Meteorologischen Institute der verschiedenen Lander den Rücktransport derartiger Instrumente. Für unsere (deutsche) Ausstiege liegen die Landung orte in Polen und Böhmen." Der am Ballon hängende Instrumentenkasten enthielt nach Mitteilung von gleichem Institut 3 Meßinstrumente mit selbsttätiger Aufzeichnung, und zwar ein Barometer, Hygrometer und Thermometer. Die Aufzeichnungen erfolgen durch eine Schreibvorrichtung auf einer geschwärzten Glasplatte. Kreis Büdingen. tag. Stockheim, 21. Ian. Unter dem Vorsitz von Pfarrer Beck (Ober-Mockstadt) fand hier eine Versammlung der Vorsitzenden und Dirigenten der im llärband der evangelischen Kirchengefangvereine für das südöstliche Oberheffen zusammengeschlossenen Kirchenchöre statt. Man beschloß, mit Rücksicht Auch Röntgenstrahlen werden in her Maschinentechnik schon länger verwendet. Dor allem dienen sie dazu, um Risse ober GaSblasen in größeren Maschinenteilen, in Gußstücken und in einer Reihe weiterer Fälle festzustellen. Die Untersuchung Imtt Röntgenstrahlen kommt auch im Automobil bau zur Anwendung. Gewissermaßen aus Dankbarkeit hat die Automobilindustrie jetzt einen ttuSSr JS*** M «SS* fe'«**** Untersuchung kranker Maschinen. I Und andere technische Treuerungen. Don Dr. Franz Kittier. Die Behauptung, daß der Mensch eine Maschine ist, erscheint uns zu alt, als daß wir sie hier nochmals wiederholen möchten. Diel bemerkenswerter erscheint uns die Tatsache, dah die Maschine immer mehr Aehnlichlett mit dem Menschen bekommt. Nicht nur, daß sie ständig neue Arbeiten übernimmt, die der Mensch bisher ausführte, dah sie mit der Zeit alt und gebrechlich wird, dah sie an zahlreichen Krankheiten leidet sowie eine Reihe weiterer Umstände bedingen diese Aehnlichlett. Sie wird auch dadurch immer augenfälliger, daß die Derfahren, die kranke Maschine zu untersuchen und zu behandeln, teilweise die gleichen sind wie beim Menschen. Wo man bei diesem nicht hine.njehen kann, da geht man auf akustischem Weg: vor. Der Arzt nimmt sein Hörrohr, das ^.^thoskop, setzt es auf die Brust auf und horcht. Auch bei der Maschine hat man früher bereits zum Stethoskop gegriffen, um Unregelmähigketten ihres Ganges festzustellen. Auf diese Weise ermittelt man z. B. Fehler in der Lagerung von Wellen, erforscht man, ob sich nicht Einzelteile gelockert haben und eine Reihe weiterer Dinge. Das Stethoskop des Maschineningenieurs sieht freilich vielfach einfacher aus als das des Arztes. Er nimmt einen Bleistift oder einen metallenen Stab oder ein Stückchen Rohr, setzt es mit dem einen Ende auf dem zu untersuchenden Maschinenteil auf und horcht am anderen. Manchmal nimmt er das andere Ende auch zwischen die Zähne. Damit hört man in diesem Falle gleichfalls sehr gut. weil ja der Schall durch die Knochen auf das Gehör übertragen wird. Ganz befriedigen konnten diese primttiven Stethvsiope freilich niemals. Dor allem hielt es schwer, die genaue Lage irgendeines Fehlers zu finden. Die Maschinengeräusche mischen sich durcheinander. Feinere werden durch gröbere übertönt. Die Metallteile leiten den Schall sehr gut fort. Man weih daher oft nicht, woher der verdächttge Ton kommt, den man durch das Stethoskop wahrnimmt. Deshalb hat man sich nunmehr für die Untersuchung von Maschinen auf akustischem Wege von dem ärzllichen Dorbild freigemacht. Ein besonder sehr wenig befriedigende Eindrücke hinter- läht. Die zweifelhafte Einrichtung der französischen Fremdenlegion ist leider auch für uns in Deutschland eine allzu ernste Angelegenheit, als dah man sie so oberflächlich behandeln könnte, wie es in diesem amerikanischen Werk sich darstellt. Die Fremden'e^ttrn und ihre trostlosen asrika- nischen Schauplätze dienen hier nämiich fast au3* schließlich als „romanti che" Folle für einen Spielfilm. der nach deutschen Begriffen bedauerliche Mängel an künstlerischen Qualitäten aufweist. Die Handlung, die sich nach einem Manuskript von Ted Kent vor den Augen des überraschten Zuschauers abrollr, strotzt von Unwahr chllnlich- lichkctten und Unmöglichkeiten, von falschen Gefühlen und verbogenen Charakteren: fid muh als handfester Kitsch energisch abgelehnt werden. Es lohnt sich nicht, des Näheren darauf einzu- gehcn, was einem da alles zugemutet wird an phantastischen Doraussetzungen für das Zustandekommen der Ereignisse und an groben Verzeichnungen im Bilde der Hauvthandlung. FremdenlegionSsilme sind begrüßenswert und erwünscht, wenn sie sich auf eine vollkommen ehrliche, wahrhaftige und ungeschminkte Reportage beschränken: als Tatsachenberichte, zur Aufklärung (im guten Sinne) und zur heilsamen Warnung. Aber nicht als verlogene Räuber- geschichte im Wildweststil, die von Sentimentalität, Schurkerei und Edelmut trieft Eine im übrigen — rein filmisch — nicht ungeschickte Regie (Edward S l o m a n) und einzelne brauchbare darstellerische Leistungen (Lewis Stone, Norman Kerry, Imogene Robertson) vermögen die Mängel des Werkes nicht auszugleichen, über das man mit Stillschweigen hinweggehen könnte, wenn es sich dabei nicht um Dinge handelte, die, wie viele Beispiele beweisen, uns keineswegs gleichgültig fein können. nis beider Mannschaften ein leichtes Amt. Abgesehen von einigen Fehlentscheidungen war er fouft sicher und vor allem gerecht in seiner Leitung. Die ßigareferoe erzielte über die gleiche Frohnhausens ebenfalls einen zweistelligen Sieg. Die Gäste mußten die Ueberlegenheit der Platzmannschaft mtt einer 1:10-Nieberlage anerkennen. Heroorzuheben ist die gefällige und doch zweck mäßige Spielweise der D. f. L.-Elf, die sich zur Zeit in einer glänzenden Form befindet und von der im übrigen das gleiche zu sagen ist, wie von der Ligamannschaft. Das Spiel der . D r i 11 e n gegen Laubach» Zweite wurde infolge Spielunfah gleit des dortigen Platzes auf einen späteren Termin verschoben. Die 4. Mannschaft mußte sich von der überaus eifrigen Leihgesterner Ersten eine 1:3-Nieder- läge gefallen lassen. F. (5. Teutonia Steinberg. Die erste Mannschaft weilte am Sonntag m Garben te ich und konnte, trotzdem sie sechs Spieler als Ersatz einstellen muhte, nach durchweg überlegen geführtem Spiele 2:1 gewinnen. Der Torhüter des Platzvereins bewahrte seine Mannschaft vor einer höheren Niederlage, da er die schwersten Bälle meisterte. Arbeiier-Turn- und Sportbund. Watzenborn I — ©rünberg I 2:2 (0: 0). Ecken- Verhältnis 5:1. Am Sonntag wellte die erste Mannschaft von Grünberg zu einem Gesellschaftsspiel in Watzenborn. Beide Mannschaften lieferten sich ein ziemlich aleichwertiges Spiel, das Watzenborn zeitweise überlegen führte. Trotz des eifrigen Spiels verlies die erste Halbzett ergebnislos. Kurz nach Seitenwechsel ging Watzenborn durch seinen Rechtsaußen in Führung. Die folgenden Bemühungen Grünbergs wurden mit zwei Treffern belohnt. Dank des guten Zusaminenspiels konnte Watzenborns Elf bald den Ausgleich erzielen. Bezirksleiter Keller, Naunheim, leitete das Spiel in gerechter Weise. Handball d. Tv. 1899 Sroßen-Buseck. Nachdem die Busecker Handballer in Marburg überlegen gewannen, zogen es die Marburger vor, die Punkte des Rückspiels kampflos zu vergeben. Als zehntes und letztes Spiel steht für nächsten Sonntag das Rückspiel gegen Nauheim in Großen-Duseck, das Vorspiel ging 5:2 für Großen-Duseck aus. fo daß Nauheim wenig Aussicht auf Gewinn hat. Mit dem Gewinn dieses Spieles stände her Tv. Großen-Buseck dann mit 15 Punkten an der Tabellenspitze, vor Wetzlar mit 14 Punkten. Turngau Lahn-Oünsberg. Die am Sonntag in Kinzenbach abgehaltene Dorturnerstunde des 1. Bezirks hatte mit amt-rrichter in Waldmichelsbach, von 1913 ab zunächst Oberamtsrichter und später Oberstaatsanwalt in Darmstadt. Als Mitglied der Zweiten Kammer war Wünzer von 1914 bis 1916 tätig, dem Hessischen Landtag gehörte er als Mitglied der Deutschen Volks- partei von 1919 bis 1924 an. Hier war er einer derjenigen Redner, denen das gesamte Haus immer mit größtem Interesse zuhörte. Mit feiner lebendigen Beredsamkeit verband sich bei ihm die Neigung zu vermittelnder und ausgleichender Tätigkeit. Besonders seine Ausführungen zu Kunst- und Theaterfragen erweckten durch ihr ungewöhnlich feines Kunstverständnis besondere Aufmerksamkeit. Sein überaus frischer und immer lebendiger Natursinn ließ den Derstorbenen sich insbesondere für den Odenwald und feinen Verein einsetzen. Seine unvergeßliche Tätigkeit in dieser Richtung fand durch die Errichtung des Rudi-Wünzer-Turmes bei Waldmichelbach sichtbaren Ausdruck. v.-s/k sei- räleveE 11«6 Aber und ? . Launsbaä fliehen, 0" heravsstrberten 1900 1 - o. Sie örA L tW* Örn. 3n eine« h'mD mW muhten sich °l . neu Mr g- Schwächung uiu n erf M das gungrieme nen. nennte gespiell halte i tzosm gewesen Zu Spielans DerteiLigerpaa Krisen abtocni nasse Dali w Mion hinver daß sich die < beherrschung u fen Mißstände denen die k> förderlich gewe erzielten die ( den der Schiedst ger Abstoppmig ten Verteidige, Erfolg für die vorzüglichen Li Winlel gelvoch zeilpsisf überli Marburger 3r gerütkle 19C0er dritten Mole । ten die Spielto Aenderung der jeder - mit 21 - sein 'bestes die aufmerksam das Ehrentor, schnellen, pro! Clan weiter i mäßig durch EchicdsrichK leitete zur allc wurde ihm sc bpiclweise der macht. Vesöanös D. f. 23. Die Ligamannschaft überbot ihre Leistung vom Vorsonntag hinsicdllich des Feldspiels sowohl, wie auch der Verwertung der Torchancen um ein beträchtliches, wodurch sie Frohnhausen nach prächtigem Spiel mit 12:1 schlug. Ihre stete Formoerbesserung beruht in erster Linie in der zunehmenden Durchschlagskraft des Sturmes und des immer besserwerdenden Zuspiels der gesamten Elf. Mit der Angriffsreihe kann man feit den beiden letzten Sonntagen, im Gegensatz zu vorher, durchaus zu- frieden sein. Ihr Spiel ist energischer und damtt erfolgreicher geworden, nur mangelt es einigen Stürmern noch an rascher Entschlossenheit und Schußsicherheit. Die Läuferreihe lieferte eine sehr gute Partie. In der Zerstörung der gegnerischen Angr.fse war sie, wie immer, äußerst sicher, dabei leistete sie diesmal auch im Aufbau Vorzügliches, indem sie den Sturm m.t flachen und genauen Vorlagen versorgte und in steter Folge wohldurchdachte und planvolle Angriffe einlettete. Die beiden Verteidiger verstehen sich von Spiel zu Spiel besser und ergänzen sich in vorteilhafter Weise. Auch am Sonntag zeigten sie sich wieder als sehr schlagsicher und ließen den Tormann nur wenige Male in Aktion treten, der deshalb auch kaum' Gelegenheit hatte, sein Können unter Beweis zu stellen. Frohnhausen kam trotz allem E.fer und Ausdauer gegen das bedeutend reifere Spiel der Platzmannschaft nicht auf, hielt aber, soweit es in seinen Kräften stand, das Spiel bis zum Schluß einigermaßen offen und verzichtete, was anerkannt werden muß, auf die bekannte Taktik des Mauerns. Lobend erwähnt muß auch die Ruhe und der fporlliche Anstand werden, mit der die Gäste die hohe Niederlage Hinnahmen. Der Spielverlauf war folgender: V. f B. findet sich überafchend schnell und zeigt von Anbeginn an, besonders durch Zuspiel, daß es dem Gegner überlegen ist. Vorerst wehrt sich die Hintermannschaft Frohnhausens noch mit Erfolg, während sein Sturm vergeblich versucht, sich gSgen die V. f. B.-Verteidi- gung durchzusetzen. Es dauernd jedoch nicht lange, bis Gießen zum erjten Male einsenden kann, um dann in fast gleichmäßigen Abständen bis zur Pause noch sechs weitere Tore zu erzielen, während Frohnhausen etwa in der Mitte der ersten Halbzeit durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters zum einzigen Gegentor kommt. Nach dem Wechsel forciert der Gegner das Tempo und versucht durch weite Flügelvorlagen seinerseits zu Erfolgen zu kommen, bringt dabei wenige Male bis in die Nähe des V. f. B.-Tors vor, ohne dieses recht in Gefahr bringen zu können. Allmählich beginnt feine Läuferreihe, der es ohnehin an Geschlossenheit fehlt, nachzulassen. Die Ueberlegenheit der D. f B.-Mann° schäft nimmt im selben Maße zu und wird trotz zeitweiligen Ausscheidens des rechten Läufers, der sich infolge der Bodenglätte eine Muskelzerrung zugezogen hatte, immer drückender. Bis zum Schlußpfiff kann V. f. B. noch fünfmal einfenden. Schiedsrichter Dusch (Butzbach) hatte bet der Fair- brennt. Unter ihrer Einwirkung ersticken die Flammen. Es ist also nötig, ständig flüssige Kohlensäure in Stahlflaschen mttzuführen. Die Flammen ersticken natürlich auch in irgendeinem anderen Gas, das keinen Sauerstoff enthält, kann doch ohne Sauerstoff teilte Verbrennung statt- finden. Bei den Schiffen mtt Oelv erb renn ung lassen sich nun bei entsprechender Konstruktion der Anlage die Dorgänge derart leiten, daß die Abgase keinen Sauerstoff mehr enthalten. Sie können aus diesem Grunde ebenso gut zur Erstickung von Schifisoränden Verwendung finden wie Kohlensäure. Die Standard Oil Company hat nun einen Dampfer für Erdölbeförderung bauen lassen, bei dem Einrichtungen zur Verwendung dieser Gase als Feuerioschmittel getroffen find. Die Gase werden zunächst gewaschen, um abgekühlt zu werden. Für gewöhnlich gehen sie in den Schornstein. Entlteht jedoch ein Brand so werden sie durch em Ventil auf eine Leitung umgeschaltet, die sie dem gefährdeten portbund. 1:2 (0:0). 66ttu t Mannschaft von ftlftchoBIPiel in nschastea lieferten Spiel, das Matzen- Trotz des eifti« Lzeit ergebnislos. Watzenborn durch g. Sie folgenden n mit jtxi 2ref* fiufammenfiricß en Ausgleich er- AccMhrun, ieikte Amt. Lbn, '0eD war ei j0Jt ewer Leitung über die g?eid}. °chelbgen S der Platz. u°Se anerkennen. doch m, Flesch zur Zeit " und von der im w>c von der Liga. ege° Laubach, 'sah gleit des dor- Lermin verschoben, von der überaus n eine 1:3,Meder- k.®Ä uenlvb" bi7. lein dkez8 Ä?^L einberg. am eonnlfla in lcotzdem fte sechs uftte, nach durch» le 2:1 gewüirai. s bewahrte feine Niederlage, da er Hrohen-Buseä. baller in Warburg s die Warburger z kampflos zu ver- ci Spiel strht für ei gegen Amchcun ,iel ging 5:2 für Jheim wenig Aus« em Gewinn M® nZBuied dann mit Me, vor Dtzlar .tnattofet»'- Äelmatioir [W K.§ *ss s.sr. i ^Lrralchto> «. t»" »ou6«** .i;;erwUl L-ilfame" uab Raubet* -MKb--«'-"' » pon t:iK , nicht vn tifldw i unö r-lp°Ä Icrilchk ^osi^ SerrV'.,z d ": ünüberg. >enboch abgebal' Deziäs Halt^mt ms rascheste » zu können. 25 Turnern einen guten Besuch zu verzeichnen. Unter Leitung des 1. Bezirksturnwarts K. G i s - fei, Waldgirmes, traten die Turner an und turnien zunächst die Geräteübungen für das Ge- rätewertungstumen für Lollar durch, alsdann tourben die Freiübungen, welche durchweg auf gymnastischer Grundlage aufgebaut sind, durchgeturnt. 3m Anschluß an die Dorttirnerstunde maßen die Turner in einem Schau- und Wcrbe- tumen an den Geräten ihre Kräfte, bei welchen man seststellen konnte, daß sich der Gau auf diesem Gebiete mit jedem anderen messen kann. So waren Hebungen wie die Riesenfelge mit Umgriff am Reck, Luftrolle und Kreiskehre am Barren keine Seltenheit. Besonderes Lob gebührt gerbe r und Best. Waldgirmes, und Müller, Launsbach, die mit ihren sämtlichen Hebungen, welche an Exaktheit und Schwierigkeit nichts ausließen, die Zuschauer zu starkem Beifall heranssorderten. le. Handball her Sp.-Vg. 1900. 1900 1 — Universität Marburg I 0:7. ö. Die Erwartungen, die man in die Marburger Hniversitätsmannschast gesetzt hatte, sind nicht nur eingetreten, sondern noch übertroffen worden 3n einem leitend der Studenten in jeder Hinsicht ausgezeichnet durchgeführten fairen Spiel mußten sich bte mit fünf Ersatzleuten erschienenen 19C0cr geschlagen belennem Trotz der Schwächung und trotz des gut aufgelegten Gegners hätte das Resultat für die Spielvereini- gungsleute jedoch wesentlich günstiger lauten können, wenn die Mannschaft nicht so zerfahren gespielt hätte und der Torwart stets auf dem Posten gewesen wäre. Zu Spielanfang konnten zunächst die beiden Derteidigerpaare alle Gefahren von ihren Wurfkreisen abwenden. Der glatte Boden und der nasse Ball waren auch mancher gutgemeinten Aktion hinderlich. Doch bald stellte sich heraus, daß sich die Gäste dank ihrer besseren Körperbeherrschung und Ballbehandlung besser mit dielen Mißständen abfanden als die Einheimischen, denen die vierwöchige Pause nicht gerade förderlich gewesen zu fein schien. Das erste Tor erzielten die Studenten aus einem Strafwurf, den der Schiedsrichter wegen angeblich regelwidriger Abstoppung eines Angriffs durch lS^Os rechten Verteidiger verhängt hatte. Den zweiten Erfolg für die Gäste brachte ein von dem ganz vorzüglichen Linksaußen aus fast unmöglichem Winkel geworfener Ball. Kurz vor dem Halb- zeitpsiff überlief der außerordentlich schnelle Marburger Innensturm die etwas weit auf» gerückte 1900er Verteidigung und sandte zum dritten Male ein. Rach dem Wechsel versuchten die Spielvereinigungsleute ihr Hell in der Aenderung der Mannschaftsaufstellung. Obwohl jeder — mit Ausnahme deS Torwarts vielleicht - fein Bestes hergab, verhinderten Pech oder die aufmerksame Marburger Verteidigung selbst das Ehrentor. Die Studenten spielten ihren schnellen, produktiven Handball mit erhöhtem Elan weiter und brachten ihr Können zahlenmäßig durch vier weitere Tore zum Ausdruck. Schiedsrichter C l a a h vom V. f. L. Wetzlar leitete zur allgemeinen Zufriedenheit. Allerdings wurde ihm sein Amt bei der hochanständigen Spielweise der beiden Parteien nicht schwer gemacht. Verbandswettläufe des Skiklubs GaueNand. Zweiter lag. Der zweite Tag der Derbandswett- läufe des Skiklubs Sauerland in Willingen am Sonntag brachte wiederum eine Enttäuschung: ein Meister vom Sauerland Hat nicht ermittelt werden können, Da der beste in der Kombination mit •Vooo Punkt Hinter der Mindestnote 15 zurück- fclieb. Die Veranstaltung stand im übrigen unter einem sportlich recht erfreulichen Rivrau. Der Langlauf führte zum größten Teil über den Skiweg Willingen—Winterberg und zurück. Im Springen waren die Leistungen dadurch gemindert, daß das Weller sich weiter verschlechtert hatte und der Schnee sehr stumpf geworden war. Die Ergebnisse im Langlauf: Herrenklasse 1: Brinkmann, Winterberg, 1:34,24, Herrenllasfe 2: erster Wied, Berleburg, 1:31,54, Bestzeit. Zweiter in dieser Klasse wurde Schnurbusch. Winterbe.g, 1:32,(16. Dritter Rein, Düsseldorf, 1:34.13. Herrenaltersllasse 1: 1 Figge, Willingen, 1:37,11, Lange, Bochum, 1:50,45, 3. Wessel, Barmen, 2: 0,10. Allersklasse 2:1. Seidl er, Düsseldorf, 1:46,33, 2. Hoffmann, Düsseldorf, 1:57,38. 3. Altersklasse 3: 1. Winter, Hagen, 2: 3,3. Im Sprunglauf ist erster W i 11 e n b o r n , Barmen, und zweiter Fischer, Meinerzhagen, geworden. Wirtschaft. ^inhermürft in Gießen. Zum heutigen Rindermarkt in Gießen waren 738 Stück Großvieh und 170 Kälber aufgetrieben. Der Handel hatte stark unter der Witterung zu leiden und war weniger flott. Bezahlt wurden für Kühe 1. Qualität 550 bis 653 Mark, 2. Qualität 350 bis 450 Mark, 3. Qualität 180 bis 250 Mark, Schlachtkühe 150 bis 250 Mark, Rinder, 1- bis 2jährig. 100—200 Mark, Kälber je Pfund Lebendgewicht 50 bis 60 Pf. Bessere Tiere erzielten Preise über Rotiz. Von den Schlachiviehmärkien. Die Tendenz an den deutschen Schlachtviehmärkten war in der Berichtswoche durchweg nach, unten gerichtet. Die Märkte waren überfüllt, und besonders in Großvieh und Schweinen erwies sich die Beschickung als übermäßig hoch. Auch das strenge Frostweller war dem Handel nicht günstig: der Verbrauch in den Mehger- geschästen ließ zu wünschen übrig. Der Abtrieb nach auswärts hielt sich in normalen Grenzen. Die Zufuhren erhöhten sich für Rinder auf 22 020 (gegenüber 19 400 in der Vorwoche), für Schweine auf 80 SCO (geaen 75 000). Kälber waren mit 18 500 (19 600), Schafe mit 7800 (7600) Stück angeboten. An den Rindermärkten wirkte sich der zu große Auftrieb in durchschnitllichen Pre sermäßigungen von 1 bis 4 Pf. aus, die sich über fast alle Gattungen erstreckten. — Auch die Kälbermärkte Verliesen sehr langsam bei weichenden Preisen. Gute Dop, eilender fanden dagegen schnell Käufer. Die Einbußen beließen sich auf durchweg 2 bis 5 Pf. Das Schafgeschäft hielt sich im ganzen auf vorwöchigem Hmsang. Hammel erzielten die alten Preise. Bedeutend war der Preisdruck infolge ter großen Zufuhren am Schweinemarkt. An verschiedenen Plätzen litt der Handel zudem noch unter Seuchenverdacht. Ab- schläge von 3 bis 5 Pf. waren Rälbei die Regel. Schate Schweine Rinder Berlin 18-55 45-87 32-65 67-78 Bremen 21-54 44-82 — 54-74 Breslau 13-54 46-70 45-62 68-80 Chemnitz 20-54 50-80 50-59 58-77 Dortmund 24-58 45-85 — 60-75 Dresden 23-58 54-80 45-68 60-78 Düsseldorf 20-62 45-84 — 58-75 Elberfeld 18-59 50-84 — 62-76 Essen 23-58 50-110 35-56 63-76 Franks urt/M. 25-56 58-76 45-56 70-77 Hamburg 15-56 36-92 — 62-75 Hannover 20-54 40-90 35-55 64-74 Husum — — —- -- Karlsruhe 22-57 54—76 -— 71-80 Raffel 20-58 47-66 — 65-76 Kiel 20-52 32-78 31-60 50-74 Köln 20-55 48-110 45-58 60-74 L ipzig 20-59 50-79 40-66 65-78 JHagbebutg 20-53 33-75 30-63 64-77 Mannheim 18-57 45-76 43-46 56-77 München 15-52 50-76 — 50-76 Stettin 15-53 30-80 20-54 65-77 Stuttgart 15-55 50-72 — 52-80 Zwickau 15-54 60-78 45-62 60-78 * 8 Prozent Dividende bei der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft Berlin. Die Allgemeine Elektrizitätsgesettfchaft schlägt wieder, wie WTB.-Handelsdienst meldet, eine Dividende von 8 Prozent vor. Rach erhöhten Abschreibungen wird ein Reingewinn von 16,5 Millionen (i. V. 12,3 Millionen Mk.) ausgewiesen. Den Wohlfahrtseinrichtungen sollen zwei Millionen Mk. zufließen. Das Berichtsjahr verzeichnet einen Hmsatz von über 500 Millionen Mk. einschließlich der Hntcrncbmungcn, deren Kapital vollständig in der Hand der Gesellschaft ist. Der Auftragbestand beträgt 335 Millio.ren Mk. • Metallgefellschaft 21. - © , Frankfurt a. M. Aus einer für diesen Zweck schon seit längerer Zeit bereitgeftellten Reserve hat die Metallgesellschaft an die Australian Metal Co. 250 000 Mark zu zahlen. Es handelt sich hierbei um eine Vorkriegsiorderung. worüber vor einem deutsch-englischen Schiedsgerichtshof ein Vergleich erzielt worden ist. Auch andere deutsche Firmen sind zu Zahlungen an die Australian Metal Co. verpflichtet. Ein Tell davon wird durch das Ausgleichsverfahren zwischen dem Reich und England erledigt. • Hmtauschangebot für 7 Prozent Bahr. Schahanweifungen von 1926. Wie mitgeteilt wird, will auch der bayerische Staat bei der augenblicklichen Lage von einer Inanspruchnahme des öffentlichen Marktes zur Deckung seines Kreditbedarfes absehen. Es ist lediglich beabsichtigt, den Besitzern des noch im Umlauf befindlichen Teiles der am 1. April 1929 fälligen 7 prozentigen Bayerischen Schahanwei- | jungen von 1926 zu gegebener Zeit ein vorteilhaftes Hmtauschangebot zu machen. tyrnii .nrtcr Börse Frankfurt a. M., 22. Ian. Tendenz: etwas erholt. — Die günstige Beurteilung der kommenden Reparationsoeryandlungen, der weiter flüssige Geldmarkt und das Ende im französischen Bergarbeiterstreik hatten eine allgemeine Beruhigung zur Folge. Die Spekulation war zuversichtlich gestimmt und schritt in bevorzugten Werten zu Deutungen, da vereinzelte Interventionen von Bank- feite eine Anregung boten. Die Nichtauflegung einer Bayernanleihe, wodurch der öffentliche Markt verschont bleibt, wurde ebenfalls mit Befriedigung ausgenommen. Das Geschäft blieb jedoch immer noch verhältnismäßig klein, da das Fehlen von Kundenorders eine regere Geschäftstätigkeit nicht aufkommen ließ. Die uneinheitliche gestrige Neuyorker Börse und die weitere Ausdehnung der Streikbewegung in der sächsisch-thüringischen Textilindustrie, sowie die damit verbundene drohende Gesamtaussperrung wurden dagegen auf der andern Seite wenig beachtet. Die K u r s b e s s e r u n g e n hiellen sich gegenüber der gestrigen Abendbörse in kleinem Rahmen und überschritten nur selten 1,75 o. H. Die Börse war im allgemeinen ziemlich freundlich gestimmt. Im Vordergründe des Interesses standen deutsche Linoleum. Zellstoff Waldhof mit je plus 3 d. J). Am Elektromarkt konnten Siemens 1,75 v. H. und Licht & Kraft 1,5 v. H. anziehen. Auch 21. E. G. waren trotz der nur unverändert belaf enen Dividende 1 v. H. gebessert. Schuckert und Ge fürel gut behauptet. I -G.-Farben bei kleinsten Um ätzen 0,5 v. H. erholt. Montanwerte lagen still, nur für Otavi-Minen plus 1,25 v. 5). machte sich stärkere Nachfrage auf die feste Haltung der Kupferpreife in Neuyork bemerkbar. Ilse Bergbau war in größeren Posten angeboten und lagen 4 v. H. niedriger. Bon Dankwerten lagen Reichsbank 1,5 v. H. fester, Commerzbank und Metallbank etwas niedriger. Hapag minus 1 v. H., Nordlloyd plus 0,25 v. H. Am Automarkt waren Daimler 1,25 v. H. und Adlerwerke 0,5 v. H. erhöht. Renten still. Deutsche Anleihen etwas schwächer. Im Verlaufe blieb das Geschäft sehr klein, doch konnten sich die Besserungen bis zu 1 v. H. fortsetzen. Gefragt waren noch Phönix mit plus 1,25 v.H. und Stahlverein mit plus 1 v. H. I.-G.- Farben dagegen angeboten und nur knapp gehalten. Arn Geldmarkt war Tagesgeld zu 4,5 v. H. unvcr- ändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2088, gegen Pfund 20,4055, London gegen Kabel 4,8494, gegen Paris 124,09, gegen Madrid 29,69, gegen Mailand 92,71, gegen Holland 12,0968. • :er Börrc. Berlin, 22. Ian. Der Beginn der heutigen Börse war zumindest als beruhigter gu bezeichnen. Neue Momente lagen überhaupt nicht vor, so daß die börsentechnische Position den Ausschlag geben mußte. Das Kommunique der 21. E. G. wurde mit Befriedigung ausgenommen. Einen gewissen Eindruck machte auch die beträchtliche Erhöhung der Ruhrkohlenförderung im Dezember. Vor allem trug aber dann zu den ersten Kurfen als Beruhigungsfaktor der Stimmung bei, daß es den Anschein hatte, als ob die Abgaben aus Publikumskreifen er- heblich nachgelassen haben und daß besonders eine Großbank Äusnahmeneigung bekundete, lleberhaupt sollen bei den Banken eher Kauforders Vorgelegen haben, die die Spekulation zu Deckungen veranlaßten. Während im allgemeinen die Veränderungen nur gering waren, konnten Licht & Kraft, nach Abzug des Bezugsrechts von 15,60 v. H., Lorenz, Schlesische Zement, Bemberg, Allgemeine Lokal und Kraft, Spritwerte, Reichsbank und Deutsche Lino- (eum 2 bis 5 v.H. gewinnen, während Ilse Bergbau 5 v.H. und Svenska 5,50 Mark verloren. Deutsche Anleihen ruhig und eher abbröckelnd. Ausländer behauptet. Anatolier bis 0,40 v. H. schwächer. Der Pfandbriefmarkt verkehrte in sehr stiller Haltung, bei etwa behaupteten Kursen. Der Geldmarkt war unverändert leicht. Tagesgeld 3,5 bis 6 v. H., Monatsgeld 7 bis 8 v. H., Warenwechsel etwa 6,25 v.H. Im Verlaufe setzten sich die Besserungen in Grenzen bis zu 1 v.H. fort. Die Deckungen der Spekulation hielten an, die Umsatz- tätigkeit war aber weiter äußerst gering, und die herrschende Geschäftslosigkeit bewirkte wohl auch, das sich die nach den ersten Kursen erzielten Gewinne im weiteren Verlause nicht immer behaupten konnten. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 22. Jan. Auch an der heutigen Produktenbörse war die Tendenz _feft. Die weiter erhöhten AuZlandnotierungen lösten eine Befriedigung aus und die Händler schritten mit Zuversicht zu neuen Deckungen, doch blieb das Geschäft verhältnismäßig klein. Die an den Markt kommende Ware war immer noch sehr gering und die erhöhten Forderungen der Provinz wurden glatt bewilligt. Interesse bestand besonders für Weizen und am Mehlmarkt für Weizenmehl. Auch am Futtermittelmarkt war Roggenlleie und Mais stärker verlangt. Es wurden notiert: Weizen 23,75 bis 23,90; Roggen 23,25 bis 23,50; Sommergerste für Drauzwecke 24,50; InL Hafer 23,50 bis 23,75; Mais (gelb) für Futterzwecke 23,50 bis 24; Weizenmehl süddeutsches Spezial 0, 33,25 bis 33,75; Roggcnmehl 30,75 bis 31; Wei- zcnkleie 14; Roggenkleie 14,75 bis 15 Mark. Tendenz: fest. Kunst und Wissenschaft. Stiftung eines sächsischen Lessing-PreiseS. 3m Sächsischen Landtag wurde auf Antrag der Deutschen Volkspartei die Stiftung eines Lessingpreises durch den Staat beschlossen. Darauf hat das Ministerium für Vo k Bildung mit Zustimmung des Finanzministeriums zunächst einen einmaligen Betrag von 5000 M k. zur Verfügung gestellt. Der Preis soll nicht nur für dichterische Werke, sondern auch für bedeutende Leistungen der literarischen Kritik verwendet werden. Büchertisch. — Dad-Rauheimer Jahrbuch. 6. und 7. Jahrgang. Herausgegeben von Dr. Alfred Martin. Vad-Rauheim 1928. Verlag von Ludwig Wagner Vad-Rauheim. Preis 3,50 Mk. (801) — Der ne e Doppelband des „Bad-Rauheimer Jahrbuchs" unterscheidet sich durch ein handlicheres Format vorteilhaft von seinen Vorläufern; in bezug auf Inhalt und Ausstattung reiht er sich würdig an die früheren Jahrgänge an. Eine Fülle heimatkundlichen Stoffes ist in den zwei Jahren seit Erscheinen des notigen Doppe.bandes wieder „entdeckt" und in ansprechender Bearbeitung der Allgemeinheit zugänglich gemacht worden. Eine ganze Reihe von Aufsätzen haben mehr als lokalgeschichtliche Bedeutung und verdienen die Beachtung aller hessischen und hessen-nassauischen Heimatfreunde. Den größten Teil der Beiträge hat der Herausgeber Dr. Martin mit unermüdlichem Fleiß selbst beigesteuert, darunter vor allem solche zur Geschichte der Bad-Rauheirner Saline und solche zur allgemeinen Salinenkunde. Mit wertvollen Aufsätzen erscheint u. a. auch wieder Lehrer Schutt (Ossenheim) und Beigeordneter Kissel (Dad-Rauheirn), letzterer mit zwei größeren Arbeiten über die Geschichte des heimischen Eisenbahnwesens und über alte Landeshoheitszeichen in Oberhessen. Der Verleger hat keine Opfer gescheut, damit auch der neue Band wieder mit wertvollen Abbildungen ausgestattet werden konnte. Das neue Jahrbuch gehört wie seine Vorgänger in jede Heimatbücherei. — »Weshalb maskieren wir uns?" Diese in der jetzigen Faschingszeit nicht unintereifanle Frage untersucht Prof. Dr. Erich Stern in der neuesten Rümmer 4375 der Illustrirten Zeitung (Verlag 3. 3. Weber, Leipzig). Er zeigt, wie jeder Mensch einmal, und sei es nur im Faschingsscherz und -spiel, das verwirklichen möchte, was ihm als 3deal vorschwebt, und was das reale Leben ihm versagt hat. Ein wenig Phantasie, ein bißchen Schöpferkraft — und die moderne Frau tritt als Buschmädchen, als Lotte- Prihel-Puppe oder als Pierrot auf, oder sie kehrt zurück zur „guten alten Zeit" und erscheint in einem Alt-Wiener Kostüm. Diese und viele andere Faschingskostüme — in farbiger und einfarbiger Wiedergabe — sind im vorliegendem Heft zu zwei reizvollen Tableaus zusammengestellt. — Verschuer, Priv.-Doz. Dr. med. Frhr. Otmar v., Sozialpolitik und Rassenhygiene. Pädag. Magazin, Heft 1220. Langensalza, Hermann Beyer & Söhne (Beyer & Marrn). Preis 0,90 Mk. (509) — Das Heft vermittelt eine vortreffliche übersichtliche Schau und Verständnis für die Beziehungen zwischen Sozial- polittk und Rafsenhygiene und ihre praktischen Gegebenheiten. Die Zukunft unseres Volkes wird wesentlich davon abhängen, daß dieses Verständnis in allen Devölkerungsschichten geweckt wird. Letzte Nachrichten. K.-o.Eieg des Rutschen Soxers Echmellng in Amerika Newark (Neujersey), 22. Dan. (DTV. $unf- spruch.) Der deutsche Boxer Max Schmeting siegte in dem Kampf gegen Pietro Lorri in der ersten Runde nach 62 Sekunden durch k. o. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die dinier den Papieren ange'iübtten Ziffern geben die Höhe der zu'.ehi befchlossenen Dividende an. - Reichsbankdislom 6,5 Prozent, LombardzinSfuh 7,5 Prozent. F emlrfurt a TO Berlin 5 auhiun o. M Berlin Schluh-! flut» j 1-Ubr- ftur» Sch uh R.its V.n ang ftur» Schiutz ft"T, l-Uhr- ftur. Sch 113. ft -r» Ln,ang ftur» Datum 21 1. 22. 1. | 21. 1. 1 Datum | 21. i | 22. 1. 21. 1 22. 1. 1% St. eddxenirttr > -W tt Inl.-jlblbi -u!t niti Lus Un.-iHed)ien tciel obnt Uu«io|.-Rechre ’% JranH Hyp.-Bt «olbpl tm tünchen bi« 1932 04% «fretnitor Hop.-Vmi Stau Voldvl T-E.A abe ©orfritfll-Cbltflatton. rückzahlbar 1932 4% ttunBeifc.-tbu.. 4% üdtrnrithtldK «old». 4,20% Cetan Silberne t‘!e Ceftendcb eintjeitl Otte UngwtidK «ulone <*/o Ungarische Siaaitt e. 1M0 desgl ovn 1913 Unganiche fhernenne. 4% türt Sullanleibe v 1B1J 4% kürmche vagdaddabn-LrU Serie l <*A> oeegl Sette li e’/o Ohimänen tonnen «tte. Rumänen «olkxml tum 1918 eilfl Leunche Lilen'-ay» «S Lamdura-Lmeriko Sätet 8 Kamb -Südam DamvNch. 9 Benfe tompfidiifi 10 «ordveuiicktet Wogt 6 LIg DeuiiLe Crebttanft. 10 Bannet öantnercln 10 Berlin et hendelegefeMch 1» Lsmmer»- und -krwot-Banl 11 Äannft u Nanonoldanl 12 keuNche Bant 10 eWenio^iefeUKtHrfi ünt 10 Iteihnei Bant 1° Dtne:t>ean ..... 6 Eüener SteutloWe..... 8 Gelicntirchm« ... 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Slanzttoil .... 12 18 - ' - 483 Devisenmarkt Berlin —5trad 7,370 7,u92 ',389 Budav^ft - 73,27 73.41 <3,28 73,42 Bul arten ,035 ■,,041 -.042 ..048 sanknolen. t'ifiaben i».28 18.32 18,33 18.37 Da mig ftnnfi nttn ,1,42 81.58 »1.40 »1.62 Berlin. 21. Januar »elf Brte> 2,053 2.057 2,045 2,049 flnunfantitbe Ml ort» . • 1,185 47205 «tuen .44 j. lo 5,43^ 5.445 t*elfltf ir 90'/., in har Lose zum Preise von 1 RM. zu haben bei: Kaisers Kaflee-6»sch&ft Franz Bette, Mäusburg 10 Moritz Köhler, Neustadt 79 Peter Kolllng, Bismarckstraöe 8 Filialen der Firma Brinkmann, Inhaber: Frau Sack, Neuen Baue 17 Frau Amend, Neustadt 49 Frl.Tilli Michel, BleichstraOe 13 6350 /Saml-Resiex passend für Konfirmandenkleider ladnal. MH. 5,95 und 6,95 s.m solange Vorrat reicht 570D Jmr, TudMfonL Seltersweg 91, I. Stock Kein Laden X 4—tiDfflnötfl Pfund SO Ps. Koteletts Pfund 50 Ps. y Frische Fische Mittwoch und Donnerstag etntreffend: ff. großer Schellfisch o. K. im Ausschnitt.... Pfund 85 Pf. »M. blütcnbclkr Cabliau o. 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Matthes 18. Januar 1929 Für die uns anläßlich unserer Verlobung zuteil gewordenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Meia Kallenbach Ernst Sames Gießen, den 22. Januar 1929 Dr. med. Karl Eliseit Dr. med. liefet Eliseit geb. Weißgerber Vermählte Gießen Liebigstraße 68 637D 0122 0117 Des (Bewerbeoetelns. Der SdimieOe-, iDagner uno Zimmerer jmumn Anmeldungen werden Donnerstag, den 24., und Freitag, de« 25. Januar, von 3 bis 6 Uhr, im Gewerbehaus, Zimmer la entgegengenommen. Mitzubringen ist der Lehrvertrag und 2.- Mark Prüfungsgebühren. moo