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GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen 8rv gunften der deutschen Reparationsobligationen geäußert haben soll. Mag das eine oder das andere richtig fein, Tatsache ist jedenfalls, daß Hilserding seine sich auf eine amerikanische Anleihe gegründeten Finanz- pläne am Donnerstag zu Wasser geworden sah, und das Reichskabinett nun wohl oder übel auf das Angebot des Reichsbankpräsidenten zurückkommen mußte. Dr. Schacht stellte feine Bedingungen, das Reichskabinett mußte sie in der Zwangslage, In der es sich aus den zur Genüge erörterten Gründen befand, ohne Einschränkung akzeptieren und auch die Regierungsparteien sahen anscheinend keinen andern Ausweg, aus der drohenden Kalamität herauszukommen, als die Zustimmung zu dem vom Reichsbankpräsidenten geforderten Schuldentilgungsfonds. Das bedeutet natürlich eine weitere Durchlöcherung, wenn nicht ein gänzliches Auseinander- brcchen des Hilferdingschen Finanzreformprogramms und ein Verzicht auf die Steuerf-nkun- gen, zumindest in dem ursprünglich vorgesehenen Zeitraum. Denn Schuldentilgung und Steuersenkung zugleich sind bei den in Aussicht stehenden Mit- tcln eine Unmöglichkeit. Das ist für die durch die immer empfindlicher drückende Last der Abgaben, wie durch die leider immer noch mehr um sich greifende allgemeine ßuffofig”cit im Geschäftsleben materiell wie psychologisch gleich schwer bedrängte deutsche Wirtschaft ein harter Schlag. Sie soll kaum genährte Hoffnungen auf eine in absehbarer Zeit ihr zugute kommende Lastenverminderung einsargen und statt dessen neue Belastungen auf sich nehmen, denn wenn auch in dem Initiativantrag der Regierungsparteien reichlich allgemein neben Steuern auch „Einsparungen bei den Ausgaben^ als Geldquelle für den Schuldentilgungsfonds genannt werden, so lassen gewisse Kommentare der Regierungspresse doch heute schon durchblicken, daß man sich im Ausgabenstreichen befremdlich wenig, zutraut und die Ausgabenseite des Etats mit erstaunlichem Fatalismus gleichsam als ein noli me tangere ansieht, an dem nun einmal nichts zu ändern fei. Es wäre dringend zu wünschen, daß der Herr Reichsbankpräsident, wenn er nun schon einmal als Schützer der Währung und der Kreditfähig- Brian- und seine Kritiker. Frankreichs Sicherheit nach der Nheinlandräumung. - Versailles und Locarno. — Der Senat billigt die Außenpolitik des Kabinetts Tardieu-Briand. Paris, 20. Dez. (Wolff.) Am Freitagnachmittag beriet der französische Senat über die Anfrage des Senators Lsmery, der sich mit den Sicherheitsgarantien, die Frankreich aus den Verträgen besitzt, befaßt. Lemery behandelte eingehend die Frage der Entmilitarisierung der Rheinlandzone aufgrund der Artikel 42 und 43 des Versailler Friedensoertrages, die von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung des Friedens sei. Wie werde diese Entmilitarisierung gesichert und überwacht werden? In dieser Hinsicht schweige der Vertrag. Wie werden wir nach Ablauf der Besetzung feststellen können, was sich in der entmilitarisierten Zone ereignet? Jetzt habe man nichts, was eine wirkungsvolle Kontrolle ersetzen könne. Außenminister C u r t i u s habe im Reichstage triumphierend mitgeteilt, daß keine Kontrollkommission vorhanden sei. Ohne Gegenleistung habe also Frankreich ein kostbares Sicherheitspfand aufgegeben. Die Gläubiger hätten durch den Poungplan im übrigen alles auf dem guten Willen Deutschlands aufgebaut. Das ganze Re para- tionsfyftem hänge von dem guten Willen Deutschlands ab. Briand habe auch auf die Hoffnungen, die man auf die Volksabstimmung im Saargebiet hätte fetzen können, verzichtet. Der Frieden könne nur bestehen bleiben, wenn Frankreich die mächtigste Nation bleibe. Briarid verwahrt sich dagegen, daß er die Sicherheit Frankreichs preisgegeben habe. Die Mängel des Versailler Vertrages habe er ausgeglichen durch den Vertrag von Locarno, der die französisch? Ostgrenze zu einer gemeinsamen Grenze Erg- lands, Belgiens und Italiens mache. Er habe 1926 außerdem erreicht, daß alle Mitglieder des Dölker- bundsrates darin übereinftimmten, daß auch das Rheinland der Kontrolle des Völkerbundes unterworfen werde. Was die Kontrolle durch die Alliierten anbetreffe, so hätten die Deutschen sie über 1935 hinaus abgelehnt. Jetzt habe man durch die Ausgleichs- k o m m i (f i o n des Locarnooertrages e i n e Kontrolle, solange ber ßoearnooertrag b c st e h e. Als beunruhigende Arbeiten in der Rheinlandzone ausgeführt wurden, habe er eingegriffen, und ein Einverständnis fei zwischen französischen und deutschen Sachverständigen erzielt worden. Frankreich habe nicht das Recht, die Rolle des Besiegten zu spielen. Der Friedensoertrag von Versailles zwinge übrigens Frankreich die Verpflichtung auf, mit feinen Alliierten solidarisch zu bleiben. Zwangsmittel gegen 60 Millionen Deutsche? Das sei ohne Unmöglichkeit; denn dadurch sichere man den Frieden in Europa nicht. Man sichere ihn nur durch eine Entspannung unter den Völkern. Fast alle Vereinigungen ehemaliger Frontkämpfer ermutigten ihn, Briand, feine Friedenspolitik fortzusetzen. Jrn Haag habe man schwer gekämpft. Er habe eine ftänbige Kontrollkommission im Rheinlande verlangt. Sie sei ihm a b g e l e h n t worden, weil der Friedensvertrag nichts derartiges oorsehe. Deshalb habe er b i e Ausgleichskommission angenommen, um Frankreich nicht zu isolieren. Schließlich stellte Briand fest, daß er seine Politik im vollen E i n- verständnis mit Poincare betrieben habe, und daß das jetzige Kabinett mit seiner Politik solidarisch sei. (Senator Millerand erklärte, int Februar 1925 habe man den größten Fehler begangen. Damals hätte Frankreich eine Verbindung zwischen Ost und West Herstellen müssen. Frankreich lönne sich nur sicher fühlen, wenn auch seine Alliierten sich sicher fühlten. Es sei ganz gleichgültig, in welchem Punkt Europas der Krieg entfacht werde. Deutschland verberge nicht einmal seine Absicht, die Ostgrenze abzuändern, und da eS niemals diese Abänderung auf friedlichem Wege erzielen könne, bleibe eben die Konfliktsgefahr. 3m Locarno- Dertrag seien England und Italien nicht Garanten, sondern Schiedsrichter. Beide seien Garanten gegen Deutschland, aber auch Garanten füt Deutschland gegen Frankreich. Schließlich erwähnte Millerand, daß Tar- dieu in einem seiner Bücher ausdrücklich fest- gestellt habe, daß Artikel 429 die Verlängerung der Besetzung auch dann ermögliche, wenn Deutschland feine finanziellen Verpflichtungen erfüllt habe. 3m Haag habe man das alles aufgegeben. Er glaube nicht, daß Frankreich zur Aufrechterhaltung des Friedens eine solche Derzichtpolitik betreiben dürfe, noch daß diese Politik den Frieden konsolidiere. Zwischen Deutschland und Frankreich bestehe ein grundlegender Gegensatz, solange dieser nicht beseitigt sei, dürfe man die Pfänder nicht auf geben. Brrand erflärt in seiner Antwort auf die Bede Wil- lerands, daß man nicht der Sicherheit diene, wenn man die Alliierten Frankreichs beunruhige. Seine Politik hinsichtlich des Saargeb^etes sei in voller ile6ereinftimmung mit Poincare durchgeführt worden. Frankreich habe allein mit Deutschland Verhandlungen eingeleitet, die den Zweck hätten, Frankreich die Möglichkeit zu geben, aus dem Saarpfand, das es in Händen halte, für die Zukunft Gewinne zu ziehen. Die Volksabstimmung im Saargebiet sei keineswegs eine aufgegebene Sache. Wenn Frankreich aber mit seinem Nachbarn im guten Einvernehmen leben wolle, müsse es mit ihnen über eine Frage verhandeln, die sie in hohem Maße interclficre. Man gebe doch deshalb nicht den Versailler Vertrag auf, wenn man Vorschläge, die unterbreitet werden, an* hort. Briand lehnte die einfache Tagesordnung des Senators Lemery ab und nahm die Tag es- ordnung Bienvenu-Martin an, die wie folgt lautet: Der Senat spricht der Regierung fein Vertrauen aus, damit sie zugleich mit einer Politik der nationalen Sicherheit öie Politik der internationalen Verständigung verfolgt, die in dem Abkommen von Loearno und im Antikriegspakt ihren Ausdruck gefunden hat. Briand erklärte vor der Abstimmung, wenn diese Tagesordnung vom Senat nicht gebilligt werde, müsse e in anderer Außenminister im Haag im Namen Frankreichs verhandeln. — Der Senat hat darauf die Tagesordnung Bienvenu-Martin m i t 2 5 3 gegen 2 Stimmen angenommen- Es haben etwa 60 Senatoren an der Abstimmung nicht teilgenommen, wahrscheinlich zahlreiche radikale und sozialistische Senatoren, die der Regierung Tardieu wegen ihrer Haltung in der Innenpolitik nicht ihr Vertrauen aussprechen wollen. Heue koaliüonsknfis über die Zullergerste. Die Agrarvor!age gefährdet. — Sozia'demokratischer Protest gegen die Annahme eines Antrags auf Zotterhöhung für Zuttergerste. heutigen JratHon nicht nur gegen die gesamte Soll- Berlin, 20. Dez. (VDZ.) 3n der Reichstagssitzung sind Anträge der Bayerischen Dolkspartei und der Bauerngruppen angenommen worden, wonach der Zoll für Futtergerste allgemein auf 5 Mark erhöht wird. Der in der Regierungsvorlage und in dem Kompromiß der Regierungsparteien vorgesehene versütterungs- anreiz für gekennzeichneten Roggen mit einem niedrigeren Zollsatz ist gefallen. Die Sozialdemokraten und Teile des Zentrums haben nun gegen die heute angenommenen Anträge p r o - test eingelegt, da diese Anträge nicht dem vor einigen Tagen gefundenen Kompromiß entsprechen. Da die heutigen Anträge dem Reichstag nur schriftlich und noch nicht gedruckt Vorlagen, muh aus formalen Gründen die Abstimmung am Samstag wiederholt werden. Sollten dabei die erwähnten Anträge wiederum angenommen werden, so würden die Sozialdemokraten und Teile des Zentrums die ganze Agrarvorlage ablehnen. Bel der heutigen Abstimmung haben allerdings 20 Sozialdemokraten gefehlt, so daß bei einer erneuten Abstimmung am Samstag diese zwanzig Abgeordneten, ro?nn sie vollzählig anwesend sind, den Ausschlag geben und die An- träge bann abgelehnt werden würden. Die Besprechungen unter den Regierungsparteien führten am Freilagnachmitlag noch nicht zu einem Ergebnis. Die sozialdemokratischen Unterhändler lehnten ein Nachgeben in dieser Frage rundweg ab. Sie erklärten, daß sie diese Frage als eine hochpolitische Frage betrachten müßten. Aus sozialdemokratischen Kreisen verlautet, daß die tarifoorlage stimmen müßte, falls die anderen Koalitionsparteien die Erhöhung des Zolles für Futtergerste auf 5 Mark beibehalten, sondern daß sie darüber hinaus dann auch die Koatl- fionsfrage aufwerfen müßten. Der „vorwärts" schreibt: Die Mitte werde sich am heutigen Samstag entscheiden müssen, ob sie weiter mit der Sozialdemokratie Politik machen wolle. Daß sie sich nach Laune und Zufall hier und dort ihre Mehrheiten suche, gehe nicht. Der Lleberbrückungskredit. Das Reich kommt znm Tezcmberilltims seinen Zahlungsverpflichtungen nach. Berlin, 21.Dez. Die D.A.Z. meldet: Am Freitag ist in der bis in d.e RachmUtagsstunden dauernden Bankensitzung bei der Reichsbank der Heber- brückungskredit für das Reich perfekt geworden. Ls handelt sich um einen Betrag von fast 403 Millionen Reichsmark, die unter Führung der Reichcbank in Deutschland von den deutschen Banken allein aufgebracht und dem Reich zur Verfügung gestellt werden, wie die Blätter von unterrichteter Seite erfahren, wird das Reich infolge der zustande gebrachten Regelung des Zwischeukredi- tes zum Ultimo Dezember alle Zahlungen, zu denen es verpflichtet ist, z u teisten im Stande fein. Somit bestehe, wie die Blätter schreiben, kein Grund zu irgendwelcher Beunruhigung. Insbesondere werde es möglich sein, d i c Beamtengehäller pünktlich zu zahlen. feit des Reiches, wie als Mitverfasser des Voung- plans sich berufen fühlte, mit starker Hand in die Rechte der ßegislative einzugreifen, mit der gleichen Energie, mit der er die Eteuererhöhungen betrieb, sich auch für eine Ausgabendrofselung einfetzte. Die Wirtschaft, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, würde ihm das noch mehr danken, als die erfrischende Initiative, mit der er seinerzeit durch sein Memorandum dem ewig zögernden Hilferding die Finanz- reformpläne entriß. _> Die Frage, ob e r ft Steuersenkung oder Schuldentilgung, ist durch das Eingreifen des Reichsbankpräsidenten zugunsten der letzteren entschieden. Wir hatten von einer Steuersenkung — namentlich wenn sie auf einen Schlag und in genügendem Ausmaße gekommen wäre, statt tropfenweise auf mehrere Jahre verteilt, wie es das zaghafte und ungenügende Programm Hilferdings oorsah — einen starken psychologischen Austrieb für das Wirtschaftsleben erhofft und erwartet, daß durch Rückwanderung des der Steuerschraube über die Grenzen im Ausland ausgewichenen Kapitals, durch eine allgemeine Belebung des inneren Markts und eines damit ver- bunbenen Rückgangs der Arbeitslosigkeit nicht zuletzt aber durch eine sparsamere Ausgabenwirtschaft der öffentlichen Hand die ständige Ebbe in der Reichskasse am ehesten beseitigt werden könnte und die Abdeckung der Schulden sich am ersten ermöglichen ließe. Dr. Schacht hat den umgekehrten Weg bevorzugt und man wird, bei allem leider allzu wohl begründeten Mißtrauen in den Willen der Berantwortlichen zu ernsthafter und energischer Sanierung der Reichsfinanzwirtschaft, doch nicht leugnen buifen, daß Dr. Schachts Plan erst rcftlo|e Klarheit und Sauberkeit in den Reichsfinanzen, dann ßaftenfenfung, etwas Bestechendes für sich hat, wenn man nicht eben sülchten müßte, daß, sobald man wieder Geld in den Katzen sieht, der alte Schlendrian wieder einfetzen würde, bevor die verheißenen ßaftenfentungen Tatsache werden. Wenn es von gewisser Seite so hingestellt wird, als ob die gegenwärtige verfahrene Situation völlig überraschend gekommen wäre und an ihr die amtierende Reichsregierung so gut wie unschuldig wäre, s» muß dem doch einiges entgegengehatten werden. Gewiß, rosig war die finanzielle ßage des Reiches nicht, als das Kabln Müller-Hilferding im Frühsommer des vergangenen Jahres die Erbschaft Köhlers übernahm, aber .=> kann keinem Zweifel unterliegen, daß sich seitdem manches hätte bessern lassen. Statt dessen ging es mit den Finanzen des Reichs unter Dem untät.gen Zufchauen Dr. Hilferdings in türrnifcher Fahrt bergab bis dorthin, wo wir jetzt tehen. Nicht nur, daß die Einlösung von Wahlver- prechen schon im Sommer 1928 das erste ßoch in den Reichssäckel riß, Hilferding hat auch die Segel gestrichen, als im Frühjahr 1929 die Parteien, auf der Suche nach Deckung für erhebliche Mehrausgaben, die Einnahmeansätze im Etat willkürlich neraufschroben und damit die prekäre Finanzlage schufen, in der wir uns während der ersten Haager Konferenz, gewiß nicht zu unserem Vorteil befanden. Als bann Hilferding die von den Pariser Sachverständigen geforderte Finanzreform von Monat zu Monat hinausschob, weil er glaubte, die enbgültige Gestalrung des Poungplans abwarten zu müssen, und die zweite Haager Konferenz, wie Einsichtige schon im Sommer vorausgesagt hatten, sich immer weiter hinauszog, vom September zum Oktober, vom Oktober schließlich bis zum Januar nächsten Jahres, da vergingen weitere wertvolle Monate, in denen Herr Hilferding die Hände in den Schoß legte und die Finanz- und Kassenlage des Reichs die katastrophalen Formen annahm, aus denen uns jetzt das Diktat des Reichsbankpräsidenten retten soll. Die Stellung Hilferdings ist auf das schwerste erschüttert, das werden auch seine Parteifreunde nicht leugnen wollen, und es ist befremdlich, daß ihre Drohung mit einer Kabinettskrisis ihn auf seinem Posten beläßt, obwohl keine Partei das Vertrauen hat, daß er die Energie und Tatkraft aufbringen werde, die heute ebenso sehr wie 1923, wo er schon einmal ein Versager war, zur Meisterung einer denkbar schwierigen Situation gehört. lieber die aktuelleren Sorgen der Finanzmisere hat man den Volksentscheid fast vergessen, den Herrn Severings weise Einsicht ausgerechnet auf den „Goldenen Sonntag" fest zu setzen für gut sand. Seit dem Volksbegehren mit feinen erregten Auseinandersetzungen zwischen Reichsausschutz und Regierung unb feit der, der Reichstag-debatle über bas sog. Freiheitsgesetz folgenben Sezession aus ber beutfd)nationalen Fraktion ist es still geworben um Hugenberg. Auch die Gegner haben sich einer grö feeren Zurückhaltung befleißigt. Ihnen ist post festum doch wohl die Erkenntnis gehämmert, ba§ sie mit ihrem übereifrigen Feldzug gegen das Volksbegehren der Sach«, für di« zu kämpfen sie Vorgaben, einen Bärendienst geleistet hatten. Nun aber haben die politischen Ereignisse selber für das Unternehmen des Volksentscheids wirkungsvolle Propaganda gemacht: Die bejammernswerte Hilflosigkeit der Reichsregierung angesichts der Finanzschw'ierig- keiten, Schachts Memorandum über den Poungplan, obwohl es sich scharf gegen den Volksentscheid als ein untaugliches Mittel zur Beseitigung oder Milderung der Reparationslasten aussprach, die durchsichtigen Bemühungen gewisser französischer Kre.se, di« alte Sanktionspolitik auch in den Poungplan hineinzubringen, und schließlich als Folg« alter Sünden des Preußenkabinetts der Spruch des Staatsgerichtshofs, der den Beamten das Recht der Teilnahme an Volksbegehren und Volksentscheid ohne Rücksicht auf den Inhalt des zum Entscheid gestellten Gesetzes zuspricht, ihre Werbetätigkeit allerdings mit den besonderen Beamtenpflichten in Einklang gebracht wissen will. Die Frontstellungen zum Volks- entscheid haben dadurch jedoch keine Veränderung erfahren. Die im Reichsausschuß vereinigten politischen Gruppen, die Nationalsozialisten, die Deutschnationale Volkspartei und der Stahlhelm treten weiter für das im Verfolg des Volksbegehrens vom Reichstag abgelehnte und von ihnen nun zum Volksentscheid gestellte „Freiheitsgesetz" ein, während.auch beute noch die übrigen Parteien, darunter auch solche, die den Poungplan an sich ablehnen, ihre Parteifreunde und Gesinnungsgenossen auffordern, dem Volksentscheid fernzubleiben. Etwas anderes konnte man nicht erwarten, denn aus dem Versagen des gegenwärt.g amtierenden Reichskabinetts in einer Einzelfrage, mag sie auch von noch so fun- damentaler Bedeutung sein, wie die Finanzreform, aus taktischen Fehlern und Uebergriffen bei der Bekämpfung politischer Gegner nun schließen zu wollen auf die Zweckmäßigkeit oder gar Notwendigkeit des zum Volksentscheid gestellten Freiheitsgesetzes wäre irrig. Denn weder an dem Sinn, noch am Wortlaut des Gesetzes hat sich das geringste geändert. Es enthält nach wie vor den berüchtigten Zuchthausparagraphen, verbindet nach w'e vor den Widerruf der Kriegsschuldlüge mit dem Poungplan, setzt also den vermutlich weit größeren Teil des deutschen Volkes, der in dem Poungplan einen, wenn auch geringen Fortschritt auf dem Wege zu einer Minderung unserer Reparationsoerpflichtungen sieht, dem Verdacht aus, die Kriegsschuld anzuerkennen, und bleibt schließlich auf die Frage, welche andere Politik denn getrieben werden soll, die klare, eindeutige Antwort schuldig. Eine vernünftig aufgezogene nationalpolitische Aktion hätte im rechten Augenblick aufrüttelnd wirken können, ja hätte sogar unserer amtlichen Außenpolitik bei der Abwehr neuer maßloser Forderungen unserer Gläubiger eine wertvolle Stütze sein können. Von dem Hugenbergschen Volksentscheid kann man das aus den oben angeführten Gründen leider nicht sagen. Er hat nur das eine Gute, daß er eine Aktion beendet, die von vornherein zur Erfolglosigkeit verurteilt war, und, wie wir hoffen, eine Epoche abschließen wird, die für die nationale Opposition die völlige selbstgewollte Ausschaltung aus der praktischen Po- litik bedeutete, die übrigen bürgerlichen Parteien aber auf Gnade und Barmherzigkeit an di« Sozialdemokratie band. Wenn erst der Schutt fortgeräumt sein wird, den dieser zersetzende Streit um das Freiheitsgesetz Hugenbergs, auf allen Seiten hinterlassen wird, wird hoffentlich der Weg frei für ein« Neuordnung unseres Parteiwesens, in dem e'ne starke Rechte, die auch der verantwortungsbewußten Mitarbeit an der praktischen Tagespolitik offen zugewandt ist, nicht entbehrt werden kann. Präsident Loubet f. Paris. 21. Dez. (WTD.) Gestern abend ist im Alter von 91 Jahren Emile Loubet. der von 1839 bis 190o Präsident der Republik war, gestorben. Loubet war Advokat in Marsanne, seiner Vaterstadt, und wurde dann ihr Bürgermeister. Eine enge Freundschaft verband ihn mit dem späteren Präsidenten Sadi Carnot, mit dem er 1373 In die Deputierten- lammet einzog. Nachdem er 1885 in den Senat gewählt war, sah er auf der äußersten Linken und wurde bald deren Führer im Senat und in der Kammer. 1887 wurde er Ministerpräsident. Es war eine der schwierigsten Epochen, die Loubet am Ruder sah. Anarchistenattentate, die Expedition nach Dahomey, Sozialistenkongresse, Bergwerksunruhen in Lens und Lievin hatten die Ruhe der Republik erschüttert. An den Forderungen der Radikalen scheiterte sein Minister- Präsidium. 1896 wurde er zum Präsidenten des Senats und 1899 mit 483 Stimmen gegen 279 für Msiine abgegebenen zum Präsidenten der Republik gewählt, an Stelle des plötzlich verstorbenen Felix Faure. Die Präsidentschaft Loubets kennzeichneten vor allem die weitere Festigung der französisch-russischen Freundschaft und der Dreyfuh-Pro- z e ß. Die glänzende Weltausstellung 1900 zog einen ungeahnten Fremdenzustrom nach Daris. Die auswärtige Politik leitete damals hauptsächlich Delcasse. Am Ende seines Septennats lehnte er eine Wiederwahl ab und zog sich gänzlich aus der Politik zurück. Aus aller Welt. vromdunglück in einem lNeuyorker Hnlecgrundbahn- tunnel Ein aus sechs Wagen bestehender Zug der Liniergrundbahn Brooklyn — Manhattan geriet im Tunnel unter dem East Ri- v e r, der die Stadtteile Manhattan und Queens verbindet, infolge Kurzschlusses i n D r a n d. Dec Führer des Zuges hielt, als er den Kurzschluß in der Stromschiene bemerkte, den Zug sofort am Die Passagiere gerieten infolge der durch die brennenden Isolierungen entstehenden Dämpfe in größte Aufregung. Zahlreiche Per- fönen versuchten, sich Len Ausgang aus dem Zuge zu erkämpfen. In dem furchtbaren Gedränge erlitten Viele Quetschungen, andere Schnittwunden durch Splitter der eingeschlagenen Fensterscheiben. Rach Ausschaltung des Stromes stürmten die Passagiere aus den Wagen in den rauch- erfüll ten Tunnel. Einige liefen auf dem Gleise zu der 800 Meter entfernten Station QucenS Plaza, andere zu dem Rotausgang und kletterten zu der über dem Tunnel liegenden Insel Welfare hinauf. Die übrige Passagiere wurden von einem Hilfszuge hinm Sgrbracht. Im ganzen wurden bei dem Unglüd 5u Passagiere, darunter mehrere Frauen, verletzt. ► ■ 1 Die Mchshaupistadi unter Staatsaufsicht. Oer Oberpräsideni verlangt die Bildung eines Tilgungsfonds und Kontrolle der Ausgaben. D e r l i n , 20. Dez. (WB.) In der heutigen Stadt- verordnetensitzung gab Bürgermeister Scholz einen Ueberblick über die Finanzlage der Stadt. Die k u r z s r i st i g e S ch u l d e n l a st sei in letzter Zeit immer m.hr angcwachsen und habe 4 0 0 Millionen erreicht. Der Magistrat habe die Tarife der städtischen Werke erhöht: denn nur so fei es möglich gewesen, den firebit zu erlangen, der jetzt endgültig genehmigt worden fei. Wenn die Erhöhung nicht erfolgt wäre, hätten die Aufsichtsbehörden e.ngegriffen. Der Magistrat sagte sich, daß von der Selbstverwaltung gerettet werden müsse, was noch zu retten sei. Bürgermeister Scholz verlas ein Schreiben des Oberpräsidenten an ihn, in dem es heißt: „Reue Aufgaben dürfen bis zur Regulierung der kurzfristigen Verschuldung nicht übernommen, auch dürfen Ausgaben nicht geleistet werden, die sich auf solche Aufgaben beziehen. Für den Monat Dezember 1929 sind die dort ermittelten Ausgaben für den Bedarf nach Maßgabe anliegender Aufstellung unbedingt innezuhalten. Heberschüsse aus den Tariferhöhungen und etwaige Steuererhöhungen find zunächst vom Januar 1930 ab in einem besonderen Tilgungv- sonds bei der preußischen Staat», bank im Betrage von 5 Millionen Reichsmark einzuzahlen. Darüber hinausgehende Heber* schaffe sind gleichfalls zur Schuldentilgung zu verwenden, es sei denn, daß ich auf besonderen Antrag eine Ausnahme gestatte. Ich will mich aber damit einverstanden erklären, daß über den Betrag von 5 Millionen hinaus- gehende Heberschüsse zur Fertigstellung solcher Bauten verwendet werden, bei denen die Fertigstellung unbedingt zur Erhaltung notwendig ist, in der Erwartung, daß die Fertigstellung nach den Grundsätzen ällher st er Sparsamkeit unter Vermeidung aller Aufwendigkeiten erfolgt. Die auf Grund vorstehender Anordnung not* wendige Entscheidung darüber, welche Mittel zu letzteren Zwecken freizugeben sind, sowie die zur Durchführung vorstehender Anordnung erforderliche lleberroadjung des Finanzgebarens der Stadt Berlin, und zwar sowohl der Zenlraloerwaltung wie der Bezirksverwaltung überfrage ich in Vertretung des Oberbürgermeisters Ihnen, Herr Bürgermeister Scholz, und mache Ihnen diese zur besonderen Pflicht. Heber die Durchführung der notwendigen Kontrolle erwarte ich fortlaufend Bericht unter Darlegung des Haushaltes und der Kasfenlage. Den ersten Bericht erwarte ich am .'.Januar 1930/ Abschließend stellt der Oberpräsident eine Verfügung hinsichtlich des Ueberbrücfungsfre- dites in Aussicht und erklärt, daß er sich wei - tereAnordnungen wegen Abbürdung der kurzfristigen, insbesondere der ungenchmigten Schulden, ausdrücklich vorbehalte. Die Anlage enthält einen 21 u sgabe nv or a lisch l a g für Dezember auf Grund der Angaben der städtischen Flnanzoerwallung. Dürgermcister Scholz führt« sodann weiter aus: Die Lage sei schwer, aber man habe kein Recht, von einer Katastrophe zu sirechen. Die Finanzlage sei auch in anderen Städten sehr schwierig. Das Fundament Berlins sei nicht so leicht zu [ erschüttern. 3n Berlin sei die Steurrkraft nicht übermäßig angespannt, auch die Tarife nicht. Man wüßte, daß man sich sehr vielMühe geben müsse, den Haushalt. selbst unter weiterer Erhöhung d:r Steuern, zusta. de zu bringen. Eine Erhöhung der Gewerbesteuer käme hierbei zunächst nicht in Frage. Wenn wir vorsichtig wirtschaften und uns auch fernhalten von größeren Ausgaben, können wir bald wieder auf gesunden Deinen stehen. Das bisherige Tempo ist aber nicht mehr möglich, und eine Atempause tut not; aber nach dieser Atempause würde man sich einer günstigeren Situation gegenüberschen. (Groß.r Lärm beiden Kommunisten!) Rach eingehender Aussprache wurde der kommunistische Antrag, der ge^en die Tariferhöhungen proiestiert und Ermäßigung der Gas-. Wasser- und Elektrizitätspreise für Kleinverbraucher um 25 Proz., unentgeltliche Abgabe an Erwerbslose und üln'.crstüßungsempsänger. einen Einheitspreis von 15 Pf. für sämtliche Verkehrsmittel, Ar"e'.terwochenia.-t:n zum Preise von 1.20 Mark und unentgeltliche Beförderung der Erwerbslosen vom unD zum Arbeitsnachweis und bei der Arbeitssuche verlangt, m i t 95 gegen 62 Stimmen angenommen. Angenommen wurde auch mit großer Mehrheit ein sozialdemokratischer Antrag, der die Tariferhöhung durch den Magistrat ohne Anhörung der Stadtverordneten mißbilligt und rückgängig gemacht sehen will. Einstimmig gelangte die Forderung des Zentrums zur Annahme, ci rcn 25gl c r g nAus- s ch u fr zu wählen, der sofort zusammentreten und die Gesamtfinanzlage der Stadt nachprüfen und auch Stellung zu den Tariferhöhungen nehmen soll. Oie folgen der Zwangsverwaliung. Berlin, 20. Dez. (WTD.) Bürgermeister Scholz, der vom Oberpräsidenten zum Kommissar für die Durchführung der Zwangsverwaltungsmaßnahmen bestimmt worden ist. äußerte sich dem Bertreter einer Berliner Lolalkorrespondenz gegenüber über die Folgen, die die Forderung der Auffichtsbehörde für Verwaltung und Stadtparlament haben. Er betont, daß keine Ausschaltung des S t a d t p a r l a m e n- t e s verursacht würde, da er selbst zum Kommissar ausersehen worden sei. Das Beschlußrecht der Stadtverordnetenversammlung würde nicht berührt, und die Stadtverordneten könnten durchaus. wie bisher, auch in finanzieller Hinsicht Beschlüsse fassen, die sich allerdings an den vom Oberpräsidenten vorgeschriebenen Dedarfsetat halten müßten. Etwaige weitergehende Anträge könne er. der dem Oberpräiioenten gegenüber die Berantwortung trage, nicht zur Durchführung bringe n. Der Oberpräsident habe für Dezember einen Bedarfsetat von etwas über 36 Millionen festgesetzt, die unter keinen älmständen überschritten werden dürften. Die am Donnerstag von der Stadtverordne'enmehrheit bewilligten 6 Millionen für die Winterbeihilfen seien auerOing^ in diesem Etat nicht enthalten, so daß sie auch nicht zur Auszahlung kommen konnten. Was die gestern von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Proteste gegen die Tariferhöhung angingen, so würde der Magistrat von ihnen Kenntnis nehmen. Welche Beschlüsse der Magistrat je'och dazi fcssen werde, könne im Augenblick nicht gesagt werden. Zollianswvellr md TMsteuererhWng. Deutscher Reichstag. Berlin. 20. Dez. (B.D.Z.) Bor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Berndt (Dntl.). sofort einen Antrag zu beraten, der verlangt, daß das Urteil des Staats- gerichlshofes wegen der Beteiligung von Beamten am Bolksbegehren durch öffentlichen Anschlag bekanntgegeben wird. Die Beratung des Antrags kann heute nicht stattfinden, da von der Linken Widerspruch erhoben wird. Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung der Zolltarifnovelle. Abg. Robert Schmidt (Soz.) führt aus. die gegenwärtige Linksregierung habe praktisch für die Landwirtschaft weit mehr getan als die frühere Regierung, in der die Deutschnationalen sahen. Die Kommunisten hätten kein Recht, von Brotwucher zu reden. In Sowjetrußland mache die Belastung der Massen durch indirekte Steuern 61 Prozent des Etats aus. während nur 39 Prozent durch direkte Steuern aufgebracht werden. Don der Bayerischen Dolkspartei und den Dauerngruppen wird beantragt, den Zoll für Futtergcrste allgemein auf 5 Mk. festzusetzen und Derbilli- gungsprämie für Futterroggen zu gewähren. 3m Hammelsprung w.rd dieser Antrag mit 193 gegen 177 Stimmen der Demokraten. Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Der Antrag, den erhöhten Futteracrstenzoll sofort in Kraft treten zu lassen, wird im Hammelsprung mit 194 gegen 180 Stimmen angenommen. Die Schluß- abstimmung über die Vorlage wird auf Samstag vertagt. Die Rooelle zum Gesetz über den Geldentwertungsausgleich bei bebauten Grundstücken w.rd einstimmig angenommen. Cs folgt die zweite Beratung des Zusatzabkommens mit Schweden. Di« Abgeordneten Geres (Dnt.) und Dr. Rademacher (Dnt.) lehnen das Zusatzabkommen ab mit Rücksicht auf die Behandlung der Rindvieheinsuhr und der Plastersteinindustrie. Abg. v. Sybel (Christ!. Rat. Bauernpart.) äußert gleichfalls starke Bedenken gegen die Zollermahigungen für Agrarprodukt« und Innereien. Die Speck- und Schmalzzölle seien gleichfalls unzureichend. Die Christlich-Rationale Bauernpartei werde gegen das Zusatzabkommen stimmen. Die Abgeordneten Tremmel (Ztr.) und Rauch (Bay. B. P.) bedauern die Dsreinbarun- gen über die P,lastersieinaussuhr. Sie empfehlen Die Annahme einer Entschließung, in der gefordert wird, daß die öffentlichen Stellen bei Aufträgen in erster Linie die notleidende deutsche Pflastersteinindustrie berücksichtigen. Das Abkommen wird angenommen, ebenso die Entschließung zugunsten der Pflastersttinindustrie. Ohne Debatte werden Anträge des Volkswirtschaftlichen Ausschusses angenommen, die den Abbau entbechrlicher öffentlicher Regiebetriebe fordern und sich gegen den zentralisierten Einkauf der Behörden wenden. In einer Entschließung wird die Reichsregierung ersucht, Lieferungsaufträge nur an solche Firmen zu vergeben, die in jeder Hinsicht die tariflichen Lohn- uno Arbeitsbedingungen sowie die gesetzlichen Arbeite, schutzbestimmungen einhalten. Eine weitere Entschließung verlangt Maßnahmen, um das Petitionsrecht des Reichsbahnpersonals künftig wirksam zu machen. — Angenommen wird weiter ein Antrag des Beamtenausschusscs. den Einfluß der Reichsregierung auf die Reichsbahn zu verstärken und die Rechtsstellung der Reichsbahnbeamten der der übrigen Beamten anzugleichen. Ein gleichfalls angenommener Antrag des Derkehrsausschusses fordert die Aufhebung der Leistungszulagen bei der Reichsbahn. Ein deutschnationaler Antrag über Frachtermäßigung f ü r die Rotstandsge- biete an Lahn. Dill und Sieg wird auf Vorschlag des Verkehrsausschusses für erledigt erklärt durch die inzwischen getroffenen Maßnahmen der Reichsbahn. Es gelangt dann die Novelle zum Tabalsteuergeseh zur zweiten Beratung. Abg. Dr. M a r u m (S.) weist die gestern vorn Abg. Ende (K.) aufgestellte Behauptung, daß er, Marum, groß« Gewinn« für 93ermittlerbienfte in der Zigarettenindustrie eingestrichen habe, als vollkommen grundlos zurück. Abg. Ende (K.) erwidert, fein Vorstoß haße wenigstens den Erfolg gehabt, daß nun ein Sozialdemokrat in der Debatte das Wort genommen habe. Zugegebenermaßen habe die Rechlscrnw. l.s- firma Marum die Firma Batschari vertreten, (älnruhe bei den Soz.) Des Zentrums Vorliebe für die Vorlage ist begreiflich, denn die Monopolfirma Rcuerburg halt sich einen Hauskaplan. Merkwürdigerweise schweigen auch die Ralional- bajazzos. ^(Heiterkeit.) Es ist ja bekannt, daß diese Monopolfirma eine der besten Geldgeberinnen für Stahlhelm und Rationalsozialisten ist. Meine schweren D.schuld'g ngei gegen dieRe chs- finanzverwaltung sind nicht widerlegt worden. Wir werden die Oeffentlichkeit über diese Korruptionserscheinungen unterrichten. Reichsfinanzmini st er Dr. Hilfer- ding: -Zu den Angriffen des kommunistischen Redners habe ich gestern schon erklären lassen, daß ich an der Integrität meiner Beamten keinen Zweifel Iyabe. Die einzelnen Beschuldigungen sind bereits geprüft und widerlegt worden. Der Reichsfinanzminister wurde von den Kommunisten mit Zurufen: „Er lebt ja noch!" und „Hat' s Schacht erlaub t?" empfangen. Abg. Dr. Rademacher (Dn.) erklärt, es handele sich hier um die Vorwegnahme einer neuen Belastung aus einem Steuerprogramm, dessen Steuersen- t u n g e n nach den Forderungen Schachts un- durchführbar sind. Die durch das Gesetz cintrctenbe Verschiebung der Konkurrenzfähigkeit ruiniere den deutschen Tabakpflanzer. die verarbeitende Industrie und den Tabachandel. Es sei die älebergangs stufe zum Staatsmonopol. Wie die Sozialdemokratie den Zusammenbruch des Jahres 1918 vor den ausländischen Waffen dazu benutzt habe, um dem deutschen Volke ihren Staat auszuzwingen, so benutzten sie den jetzigen finanziellen Zusammenbruch des Reiches, um ihm i h r e W i r t s ch a f iS- Methoden aufzuzwingen. Abg. Köster (WP.): Wir wollen zur Zeit einer Beseitigung oder Senkung der Verbrauchssteuern nicht das Wort reden, lehnen aber mit der gleichen Entschiedenheit iede Erhöhung derselben ab, weil solche Erhöhungen den stärksten Antrieb zur Lohnforderung bedeuten. Wir können diesem Gesetzentwurf unsere Zustimmung um so weniger geben, als er offenkundig unter allen älmstän- den Händler und Verbraucher schädigt zugunsten einer Industrie, deren überwiegender Bestandteil in einer Hand bereinigt, mit Hilfe der Kontingentierung ein Privat- monopol anstrebt. Don diesem zum Staatsmonopol ist nur ein Schritt. Die Wirtschaftspartei fordert freie Wirtschaft und lehnt daher dieses Gesetz ab. Rach Ablehnung kommunistischer und deutsch- nationaler Aenderungsantröge wird die Vorlage in der Auöschuhsassung in zweiter Beratung angenommen. Samstag erste und zweite Beratung des Til- gungssondsantra'es, dr tte Beratung der Tabaksteuer und der Beitragserhöhung zur Arbeitslosenversicherung sowie Abstimmung über die Zollvorlage. Oie Wetterlaae. Freitaa. ISr H L Ger ml O' ln< 4 W Wien / a, ©woixenros 0 nrner. o natD Dtdt 0$i ^5 «lässige» IcdMidwcst q Murmtscnei fiordwcl oit »feile fliegen mit Cem wmae 9ie oeiden Stationen jtenenden Zahlen gtorn die Temperatur an Die Linien i’trDmden Orte mit gleicht^ «ui neeresnivreu umgerecbnefen Luftdruck Wettervoraussage. Noch immer wirkt sich der hohe Luftdruck sowohl auf die Wetterlage, als auch auf die Temperaturen aus. Die in der Höhe beginnende Milderung hat sich bei uns, im Vogelsberg und Odenwald noch nicht durchgesetzt. Jedoch wird mit der weiteren Abschwächung des hohen Druckes und durch das östlich gerichtete Vordringen der neuen atlantischen Störung eine Aenderung geschaffen, so daß entsprechend dem Laufe der Isobaren die Winde auf Süden und Süd- westen drehen werden. Dadurch gelangen wir in den Bereich milderer Luftmassen, die sowohl Bewölkung verursachen und auch später Niederschläge in Form von Schnee bringen dürften. Wettervoraussage für Sonntag: Langsam einsetzender, von höheren Lagen aus beginnender Frostrückgang, aufkommende Bewölkung, noch trocken. Wi 11 e r u n g s au Ssich ten für Montag: Weiterer Frostrückgang, wolkig, Reigung zu Schncesällen. Lufttemperaturen am 20. Dezember: mittags —1,2 Grad Celsius, abends — 6,9 Grad; am 21. Dezember: morgens —8,7 Grad. Maximum —0,9 Grad, Minimum 9,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. Dezember: abends —0,9 Grad; am 21. Dezember: morgens —1,6 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 2'/i Stunden. Amtliche winlerfportnachrichlen. Vogelsberg (Hoherodskops): Leiter, minus 10 Grad, 3—4 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkeit: feine. (Herchenhainer Höhe): Heiter, minus 13 Grad, 4—5 Zentimeter Pulverschnee, Sportmöglichkeit: keine. ftsSä mtru^^en. 'ÄkKr 10;’yf'ltn ist £*Vfe »V Si'ftt. :S? ND tS. von bflt ub!te0(6le Abfangen, W CrHätl- « Wegnahme 9 fiau8 hinein n ^ieuersrn. ^n Schachts un. b5j.638 *1* “JatManjer, di« denTabachaM zum e ®-iwntohatt ir^ 1318 bot den Hobe, um dem l'Mdinam, |o fe. pfl'cn ZusamM. eWirtlchafit. dollen zur Zeit L der V.'rorauc^« lehnen aber «t iede Erho» ii lolchr Erhdhun' >eb zur Lohn« können diesem Se- 'g um |o weniger ita allen Umstän« braucher schä- chrie, deren über# er Hand bereinigt, ing ein Privat# ic|em zum StaaH- : Sie SirtfW ilchaft uni lchit Milcher und deutsch# « wird die lot# ] in zweiter De# Beratung bti SU# itcbn] der Tabak# jung zur Arbeits# immung über die öde. ■5 wies 5,3, 7-n Ä >SK« *.e$s rd) gelanS. ^iilfunfl &!#■’" auffo^ ütou* p’X ong' w 12 Aus der provinzialbauptstadt Gießen, den 21. Dezember 1929. Oie Sonne steigt wieder! Jur Wintersonnenwende. Stumm und verlassen liegen Wald und Flur. Die Zeugen der Sommerherrlichkeit sind vom unbarmherzigen Hcrbststurm, der wütend dahin- jagte, herabgeriifen worden. 3äh und erschreckend fegte der Wind durch die leeren Kronen und riß nieder, was welk und müde war. Gepeitschte Wolkensehen rasten am Himmel, kalte Regenschauer stürzten auf uns herab. So will es der Winter. Gr wünscht einen reinen Tisch, ehe er einzieht. Run hat er seinen Einzug gehalten mit ansehnlichem Frost, und vielleicht schon bald, wie aus einer weichen Regung über das trostlose Bild ringsum, werden große Flocken fallen und alles wunderbar neu gestalten. Dem wüsten Sturmgeheul wird eine große Stille folgen. Auch im Herzen der Menschen. Gar mancher Wunsch wurde vergassen, manche Hoffnung zu Grabe getragen. Biele werden müde dem Schneefloaentreiben zuschauen und im warmen Zimmer die Ruhe genießen, zurückschauen auf arbeitsreiche, heiße Tage. Aber tauchen da nicht auch sonnige Bilder auf, Stunden, die wir einst erlebten, als wir am Waldrand eifrig Holz zusammentrugen für das Sonnwandfeuer? ilnö dann: in der milden Sommernacht standen wir im Schein der heiligen Fiamme, zauberhaft eingehüllt von einer uralten, geheimnisvollen Macht. Doller Andacht, uns eins fühlend mit der lebendigen Ratur, hörten wir den Feuerspruch. Weit, weit zurück gingen unsere Gedanken, zu unseren Dorfahren, die vor Zeiten ebenso auf DergeShöhe standen und das Fest der Sonnenwende begingen. Für sie waren die Tage des Hochsommers und auch die der langen Rächte heilige Zeit. Zur Sonne schauten sie auf. zur Lebensspenderin. War dann dar kürzeste Tag gekommen, traten sie wohl zusammen zum Gericht und zum Opfer. Ueberall flammten dann die Höhenfeuer auf zum Zeichen, daß nun die Sonne wieder höher steigt. Wohl war das Sommersonnenwendefest, inmitten der grünenden und blühenden Ratur, das hellere, das frohere. Aber die Wintersonnenwende wurde dafür ernster und dankbarer gefeiert. Rach langen trüben Tagen, an denen oft noch dunkle Rebel alles in ein graues Einerlei hüllten, sollte nun endlich wieder das goldene Himmelslicht erscheinen und die Tage verlängern. Daldur, der Gott des Lichtes, kehrte wieder! Wir kennen die uralte Sage von Daldurs Tod/ Er. der milde, gütige Gott, wird die Erde und das Leben vor dem Untergang bewahren. Freia, feine Mutter, läßt alle Wesen der Erde schwören. daß sie ihrem Lieblingssohne nichts zu Leide tun. Bei dem großen Feste, das die Götter aus Freude darüber veranstalten, soll nun die Unverletzlichkeit Daldurs gezeigt werden. Alle Waffen, alle Geschosse prallen an dem Lichtgott tab. Hell und leuchtend steht er da. Doch Loki, der Gott des Reides und der Zwietracht, sieht es nur mit Unbehagen. Er weih, daß Freia bei dem Treuschwur ein Wesen vergessen hat. die schmarotzende Mistel. Sie hat den Eid für Daldurs Schuh nicht abgelegt. Ein Zweig von ihr. den Loti dem blinden Hödur. einem Druder Daldurs, auf den D gen leg! tötet den strahlenden Sonnengott. Der Winter siegt über den Sommer. Sonne und Leben fallen in tiefen Schlaf. Aber wie die Pslan-en nach dem Licht drängen, so ging auch die Sehnsucht der ersten Menschen nach der Sonne. Ohne sie konnten sie nicht leben. Die Sonne war ihr Gott. Es ist ein steter Kampf zwischen Licht und Dunkel, zwischen Gott und Teufel, -wichen Gut und Döse. Wintersonnenwende aber bringt dann die Erlösung von der Qual der langen Rächte. Cs ist ein Freudenfest, eine Feier bei flammendem Holzstoß. Das Licht siegt über die Finsternis, Daldur kehrt wieder. Wohl liegt die Welt noch im tiefen, winterlichen Schlafe, überdeckt mit einem Leichentuche. Darunter aber keimt sprossendes Leben. Missionare kamen, brachten neue Lehre, verkündeten die Religion der Liebe. Alte geweihte Bäume und Opferstätten wurden zerstört, aber unverändert stiegen die Flammen der Sonnenwendfeuer zum Himmel. Da strahlte plötzlich ein neues Licht hinein in die dunilen Äebeltage.-Die Sehnsucht der Menschen schaute nach einem andern Stern, bas Kind von D e t l e h e m war erschienen. So verschmolzen alter Raturglaube und christliche Lehre... Wir feiern die geweihte Rächt beim strahlenden Lichterbaum, umringt von der fröhlichst Kinder- schar. Wir schauen auf zu den kleinen Flammen, gedenken der Dorfahren beim leuchtenden Sonnwendfeuer im dunklen Winterwald und hoffen wie sie auf kommende, freundliche, lichtüberstrahlte Tage. P. Unsere Z.lustlierie. Die 3 Huff vierte des Gießener 21 n - Zeigers, die regulär am Samstag, 21.Dezember, erscheinen würde, wird als weihnachlsnummer der am Dienstag, 24. b. 2H., erscheinenden Ausgabe unseres Blattes beigelegt werden. Oer Volksentscheid. Für den am morgigen Sonntag stattfindenden Volksentscheid sei für die Stadt Gießen auf folgendes hingewiesen: 1. Auf Grund der erlassenen Aenderungsver- ordnung zur Reichsstimmordnung sind die seitherigen Abstimmungsbe-irke in drei Bezirke zusammengelegt worden. Diese Bestimmung ist nur für den Volksentscheid maßgebend. 2. 2m Wahllokale sind durch Schilder die seitherigen Abstimrnungsbe'irte erlenntlich gemacht, so daß jeder Stimmberechtigte den für ihn maßgebenden Bezirk sofort finden kann: der 216 - stimmungsbezirk A (Wahllolal in der Pestalozzis^ule, Knabenschule. Rordanlage 8 — Lehrerzimmer —) umfaßt die seitherigen 2T6» stimmungsbe'irke 1, 2, 3. 4, 5 und 16; der 216- stimmungsbezirk B (Wahllokal Al eK i.T, Liebmstraße 16, Eingang Hauptpor'cl, Saal Rr. 10) umfaßt die seitherigen Abstirnrnungs- bezirke 6. 7, 8. 9, 12 und 17; der 216 ft i m - mungsbezirk C (Wahllokal Stadthau', ©ar- tenstraße 2, Altes Birgermci'teroigebäude, Zimmer Rr. 7), umsaßt die seitherigen Abstirnrnungs- bezirke 10, 11, 13, 14. 15 und 18. 3. Der Stimmberechtigte hilft bas Wahlgeschäft erleichtern, wenn er zuerst seine Wohnung, dann seinen Hamen und Beruf nennt. 4. Wahlberechtigte mit Stimmscheinen stimmen nicht auf Grund der Stimmkartei, sondern unter 2lbga6e eines Stimmscheins ab. 5. Die Abstimmung geschieht, indem auf dem Stimmzettel, der im Wahllokal aus^.ehändigt wird, in den Kreis für „3 a" oder „R e i n“ ein Kreuz gesetzt wird. Die Kennzeichnung des Stimmzettels hat in der Absonderungsvorrichtung zu geschehen. Der Wahlumschlag mit dem gekennzeichneten Stimmzettel ist alsdann dem Abstimmungsvorsteher zu übergeben. Wechnachts- und Aeujahrspoflverkehr in S eßen. Beim Postamt Gießen ist der Dienst für Weihnachten und Reujahr wie folgt geregelt: Sonntag, 2 2.Dezember: Schalterdienst wie Sonntags, Paketannahme 8 bis 12 und 14 bis 18 Ahr, Briefkastenleerung und Orts-Briefzustellung wie Sonntags, Ortsgeldzustellung fällt aus, Orts-Paketzustellung vormittags, Landzu- stcllung fällt aus, Verzollung der Weihnachts- Pakete (Abfertigung beim Hauptzollamt) erfolgt nicht. Dienstag, 2 4. Dezember: Schalterdienst von 8 bis 12 und 14 bis 16 ilfjr für alle Sendungen, von 16 Ahr ab nur noch Telegramme und Gespräche, Briefkastenleerung wie Werktags, die beiden letzten Leerungen fallen jedoch aus, Ortsbriefzustellung und Ortsgeldzustellung wie Werktags, ebenso Ortspaketzustellung und Landzu- stcllung, Verzollung wie Samstags (8 bis 12,30). Mittwoch, 25. Dezember (1. Weihnachtstag), Schalterdienst wie an Sonntagen, Briefkastenleerung: außergewöhnliche Leerung von 6,15 bis 7,30, die Leerung von 8,30 bis 9,45 Ahr fällt aus, nachmittags wie Sonntags, Ortsbriefzustellung wie Sonntags, Ortsgcldzustellung fällt aus, Ortspaketzustellung erfolgt vormittags, Landzustellung: Brief- und Paketzustellung nach allen Landorten, Verzollung von 10 bis 11 Ahr. Donnerstag, 26. Dezember (2. Weih- nachtskag): Schalterdienst wie Sonntags, Briefkastenleerung wie Sonntags, Ortsbriefzustellung, Ortsgeldzustellung, Ortspaketzustellung und die Landbestellung fallen aus, auch eine Verzollung findet nicht statt. Mittwoch. 1. Januar (Reujahrstag): Schalterdienst wie an Sonntagen, D.iefkasten- lcerung wie an Sonntagen, Ortsbriefzustellung nach Bedarf, mindestens eine Zustellung vormittags, Ortsgeldzustellung findet statt, ohne Rachnahme und Postaufträge, Ortspaketzustellung findet nicht statt, Landzustellung: nach allen Landorten erfolgt Briefzustellung, Verzollung findet picht statt. Grcs;c:rcr Wochcnrnarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210 bis 220, Matte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 23, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 12 bis 15, Spinat 25 bis 35, Anter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat KO bis 120, Tomaten 50 bis 80 Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4,5 bis 5, Aepsel 10 bis 15, Dirnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Rüsse 50 bis 80. Honig 40 biS 50 junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 120 bis 140 Pf. das Pfund; Käse (10 S.ück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 70 bis 90, frische Landeler 19 bis 2), Kisteneier 17 bis 18, Blumenkohl 50 bis 100, Endivien 10 bis 40, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück; Kartoffeln 3,80 bis 4, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 10 bis 12, Aepfel 10 bis 12, Dirnen 8 bis 10 Mk. der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag, l. Reichs ur-,sch.i k esellfchaft „Gabel^b.rger" und Dan.enabteilung: We hnachtsfe'.er, „Stadt Lich".— Geflügel- und Vogelzuchtverein Gießen und Um# ccgenb: Monatsversammluna. 20 Ahr, im „Hessischen Hof". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Seelenverkäufer" und „Ein besserer Herr". — Astoria-Lichlspiele: ..Der 13. Geschworene" und „Hütet euch vor leichten Frauen". — Tageskalender f ü r Sonntag. Stadttheater: „Das tapfere Schneiderlein" 15 bis 17,30 Ahr; „Scribbys Suppen sind die besten" 19 bis 21 Ahr. — Quartett-Verein Gießen e. V.: Weihnachtsfeier, Saalöffnung 18,30 Ahr. — Tv. 1846: Weihnachtsfeier, 16 Ahr, für Schülerinnen und Schüler (Kinderabteilungen) des Vereins. — Verein der Elsaß» Lothringer: Weihnachtsbescherung, Aniversitäts-Cafe 16 Ahr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Seelenverkäufer" und „Ein besserer Herr". — Astoria-Lichlspiele: „Der 13. Geschworene" und „Hütet euch vor leichten graue**". — Aus dem S t a d 11 h e a t e r b u r e a u wird ua^ geschrieben: „Tobias Wunderlich", die dramatische Legende des jungen österreichischen Dichters, ist bereits zu Aufführungen in Budapest in ungarischer und in Amsterdam in holländischer Sprache angenommen. Wie mitgeteilt wurde, ist Heinz Ortner für fein Werk durch Verleihung des Tichterpre.ses der Gemeinde Wien ausgezeichnet worden. Musikalische Einführung: Kapelle Husemeher. — Sonntag, 22. Dezember, 15 Ahr: „Das tapfere Schneiderlein". — 19.00 Ahr: „Scribbys Suppen sind die besten". **■ Adventskonzert. Das für den vergangenen Sonntag vorgesehene Adventskonzert auf dem Lindenplatz mußte wegen ungünstiger Witterung ausfallen. Das gleich Programm wird unter folgenden Aenderungen am morg.gen Sonntag, 22. Dezember, am Seltersweg, gegenüber dem Verkehrsbureau, nachmittags um 3.30 Uhr ftatb inben. Vortragsfolge: 1. „Der Heiland kommt, lob- inget ihm", Frankfurt a. M. 1599, Melodie: Wie djon leuchtet der Morgenstern, von Ph. Nikolai. 2. „Hoch tut euch auf" von Chr. W. Gluck. 3. „Weihnachtsfeier" (Fantasie) von G. A. Walser. 4. ,Heims Abendfeier" von E. Ruh. 5. „Der Her ist mein Hirte" von B. Klein. 6. „Aus Judas Makkabäus" (Tochter Zion freue dich) von Händel. ** Weihnachtspostverkebr im Gießener Hauptzollamt. Die Amtsräume des Hauptzollamts Gießen find am 25. d. M., dem ersten Weihnachtstage, vormittags von 10 bis 11 Uhr, zur Abfertigung von aus dem Auslande eingehenden Weihnachts-Postpaketen geöffnet. **DieMufeen find am morgigen Sonntag geschloffen. * Oberhessischer Kun st verein. Die Weihnachtsausstellung: „K ü n ft l e r h i l f e 1929“ ist nur noch morgen, Sonntag. 22. Dezember, von 11 bis 1 Ahr vormittags und 3 bis 6 Ahr nachmittags, sowie am darauffolgenden Montag von 11 bis 1 Ahr geöffnet Der Ausstellungsraum bleibt dann bis Montag, 30. Dezember, gc- sch.ossen. von welchem Tage an die in der gestern stattgehabten Ausspielung gezogenen Gewinne. insoweit sie nicht schon am 22. und 23. Dezember abgeholt worden sind, in Empfang genommen werden können. (Siehe Gewinnliste im Anzeigenteil des heutigen Blattes.) Der Besuch der Ausstellung sei nochmals warm empfohlen. *• Jugendschöffen für das 3ahr 1930. Dei der Auslosung der 3ugendschöffen für 1930 wurden folgende Personen für dieses Amt bestimmt: 1. Für das Große 3ugendgericht: 3ohannes Weller. Zimmermeister in Leihgestern; Christoph Schweißguth, Kaufmann in Grünberg; Fritz Otterbein, Lehrer in Gießen; Ernst Schäfer. Apotheker in Gießen; Adam Tischer, Schreiner in Riederweisel; Christine Ottilie, Hausfrau in Gießen, Schanzenstraße. 2. Für das K l ine Jugendgericht: Georg Rennert, Schneider in Gießen, Wolkengosse; Ernst Klinkel, Schlosser in Lollar; Wilhelm Conrad, Reichsbahnassistent . in Gießen; Heinrich Ley, Oberwerkmeister in Gießen; Luise Peters, Hausfrau in Gießen, Bahnhofstraße; Friedrich Rinn 111., Glaser in Heuchelheim; Mgrgarethe Schreiner, Witwe, in Alten- Duseck; Philipp Hofmann, Lehrer in Lang-GönS. ** DieFünfziger 1880 —1930 werden im heutigen Anzeigenteil zur Gründungsversammlung auf nächsten Samstagabend eingeladen. Interessenten feien auf die Anzeige besonders hingewiesen. ** „Billig sein, n ich t billig scheinen!" Der Reichsvervand für Herren- und .Knabenkleidung verbreitet zur Aufklärung des Publikums eine Mitteilung über Warenpreise, in der es heißt: Es wäre verfehlt, wenn sich der Kunde nur durch sogenannte billige Preise beeinflußen ließe. „Billig" ist bekanntlich ein sehr relativer Begriff. Ein Anzug oder Mantel, der spottbillig angevoten wird, ist unter Umständen infolge feiner geringen Qualität und schlechten Verarbeitung horrend teuer. Leider besitzt die männliche Kundschaft meist nur sehr geringe Waren- kenntnis und läßt sich allzu leicht durch äußeren Schein blenden. Auch unsere jüngeren Hausfrauen, die zum großen Teil vor ihrer Ehe in irgendeinem Berufe tätig waren, stehen heute der Ware kritikloser gegenüber als ihre Mütter. Jeder denkende Mensch muß sich sagen, wenn er auch nicht mit fachmännischem Blick die schlechte Jnnenverarbeitung und den m':nverwertigen Stoff ohne weiteres erkennt, daß ein reeller Kaufmann güte Ware nicht verschleudern kann. Der Laie führt die auffallend niedrigen Preise stets auf einen besonders günstigen Einkauf zurück. Die „besonders günstigen Gelegenheiten", wo der Kaufmann zu anormalen Preisen einkaufen kann, sind aber naturgemäß selten. Für einwandfreie, moderne, gut verarbeitete Waren müssen auch angemessene Preise bezahlt werden. Das ist ein ehernes Gesetz, an dem weder der Kaufmann noch der Verbraucher rütteln kann. Man sollte annchmen, daß keine noch so geschickte Reklame den Käufer über diese unabänderliche Wahrheit hinwegtäuschcn konnte. Selbstverständlich wird jede Firma, die auf ihren Ruf bedacht ist. darauf achten, sowohl im Inserat als auch in der Schaufensterdekoration jede Uebertrei- bung oder gar Unwahrheit zu vermeiden, die vielleicht nur für den Fachmann ersichtlich ist. Sie wird nach dem Grundsatz handeln: Billig sein, nicht billig scheinen! Berliner Börse. Berlin, 21. Dez. (WTD. Funkspruch.) Der heutige Frühverkehr lag abwartend und völlig geschäftslos. Kurse waren noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London gsgen Paris 123,90, London gegen Mailand 93,24, London gegen Spanien 35,35 zu 35,45, London gegen Amsterdam 12,1050, London gegen Schweiz 25,0940, London gegen Kabel 4,8820 zu 4,8825. London gegen Berlin 20.38 zu 20,3825, Kabel gegen Berlin 4,1745, Tokio gegen Kabel 49. Ludwigs.- Brunnen 1 V; 4 . Öl'. .. l I;\ 'i. ■ ra r. । W r?, C i: W i : Ä) . illliuimiimiiiiiiiiimiiiiiiiiiimiiiäiiiiriiiifh Mk teils sogar mit Doppelsohlen und Nietnagelung! Lollar, den 21. Dezember 1929. I '4620 LILIENFELD Seltersweg 52 b935D 0*155 104601 08'46 2303 D Pernsorecher 86">9. [Verschiedenes! Gießen (Marburger Straße 15), den 21. Dezember 1929. 1047'P P3I9C Stellenangebote) Gießen, den 21. Dezember 1929. I>4«D RADIO Nur die modernsten Apparate und Lautsprecher, Verstärkeranlagen und Zubehör für alle Verhältnisse kaufen Sie in meiner 10J68A 08152 c Nicht Die Beerdigung findet Sonntag, den 22. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle aus statt DRUCKSACHEN aller Art liefert die 6r0hi'»ehe Druef ere Gießen. den 20. Dezember 1929. 'illllllllllllllllliillilllj L h»C314 Die Beerdigung findet Montag, den 23. Dezember, nachmittags 3 Uhr, aut dem Neuen Friedhot statt Zn Gießen oder Umgebung nehicßt au Anians iiädjuen ilnbieS oü. bolömd lidjii größere Wohnung ca. 6 Bunin er mit Buucoor. 9tu$inbi itrtie fchrtftl änneb unter IO4">4D an den Giesz. An». In tiefem Schmerz: Ottilie Kowarzik geb. Mentzel Hedwig Plckert geb. Mentzel Marianne Mentzel nebst den übrigen Leidtragenden. Rodheim, Offenbach, den 20. Dezember 1929. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 22 Dezember, nachmittags 27« Uhr statt Erste Beiohsknrr. sc’irllt • Gesd.schäft „Babelsberger*1 sn< i amena' lailang e. V. ‘*‘1) Gießen. Heute Abend Weihnachtsfeier in der Stabt V dr. tZrau 3enn Jontcu lUotfiitake 7. smöneSonmiea nute Sänger. buiin A i ocrt Mrofdoricr 2trni;e 4 - v. 0-N.8 Die trauernden Hinterbliebenen: Elisabeth Wagner geb. Göbel nebst Angehörigen. für Geschäfts- und Hauspersohal werden schnell besetzt durch eine Anzeige im Gleßsner Anzeiger. Die Kosten dafür sind gering. Der Erfolg wird sie aufwiegen. Koffer« grammophon ööll.neu, ftatt 180 Wik. 65.- Schr. Anacb. u. osifil o. d. G. A. Danksagung. Für die Hebevolle Teilnahme bei dem Heimgänge unseres teuren Entschlafenen sowie für die trostreichen Worte des Herrn Plärrers Kalbhenn am Grabe, für die vielen Kranzspenden und dem Gesangverein Germania sagen wir aut diesem Wege unseren innigsten Dank. Frau Elisabeths Stephan Wwe. nebst Angehörigen. Großen-Busedc, den 21. Dezember 1929. Violine m. Slnft. UVeit 60.—, nur 2*>.— Wik. Schr. '21 no. tt 08tt.3 a w. :,i. Für die überaus herzliche Anteilnahme bei dem Hinscheiden meines geliebten Mannes sage ich auf diesem Wege innigsten Dank. Hetti Lenz geb. Förste. Sie MM Wie Artble ich w^A fürnetinflcne bessere ßetcenlielhec L. Knne-TweiK le len, Seiternw. 68. Karte ncmiflt. EtuirciihuuN mit Garten, tiuSüd- viertel. mit frei- werdender 4-Zitn • Wohn., flünft. au ucr« fnuicn. 'Jtab. din ch SlHollmverger L 5oön Vitbimaür. 30. Radioapparat 3 Wöiir. tu iitche, in. einneb. Vmit« fpiecber. Glait, eiiip ana. Nur Mk. 60.- Sdjr. Vinneb. unt. 081615 a. d G. A. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste, der uns betroffen hat. danken wir allen herzlichst. Besonderen Dank Herrn Plärrer Schultheiß für seine trostreichen Worte amGrabe. dem Gesangverein Harmonie für seine wohlgelungenen Chöre sowie für die große Zahl der Kranzspenden und allen denjenigen, die unsere liebe Entschlafene zur letzten Ruhestätte begleitet haben. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Willi Zahrt Großen-Linden, den 19. Dezember 1929. Radio-Fachabteilung Brinkmann Allen Verwandten und Bekannten die traurige Mitteilung, daß unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter und Schwester Frau Elisabeth Struth gestern abend 81/, Uhr, nach längerem Leiden sanft entschlafen ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Wilhelm Christ. Statt Karten! Danksagung. Für die herzliche Anteilnahme bei dem Hinscheiden unseres Heben Entschlafenen sagen aut diesem Wege tiefgefühlten Dank Frau L. Rühl Familie H. Westecker. Gießen. Saarbrücken, den 21. Dezember 1929. _________'S I5<» | Stellenangebote| Vi titungstahige» Um ei nehmen i. Ben» nal.iet linnen und sannare Anlagen fucUt überall lüthilge Vertretet buv. Vermittler, aea. nute 'ISri-uifnm. Schr. Ang. u.Rr. 316 nn Blitteld. Aun.-Exp. •ßloditr, 5. lusiBs Danksagung. Hiermit danken wir allen, die beim Krankenlager unseres lieben Vaters und Großvaters und bei seinem Heimgang uns treu zur Seite gestanden und ihre Teilnahme so herzlich bekundet haben. Familien Schmilz, Messersdunldl, Thome. Gießen, Wolf, Krofdorf, den 20. Dezember 1929. I 468D (6utc kaMlknWne bat nbutficbl 081 #2 '.Hieb. ^reuzB sen., Scholtitr. >5 IIl. Beschlagnabmelreie 3-Zimnier-WohDüng nut Kuch?. abgeschl- Borv'.. ar. Keller, v letchvlaiz • 'j'enny., in nuicr, tnb. Stadi- In i - monail. 'Diicte 70 RM . au vermiet. Schrii I. Ai'aeb. unt. 08178 o. ö. Gien. An .. Gestern früh ist mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder Schwager und Onkel Ludwig Wagner III. Rangiermeister i. R. im 70. Lebensjahre sanft entschlafen. Am Donnerstagnachmittag verschied nach kurzem, schwerem Leiden unerwartet unsre liebe Schwester, Schwägerin, Tante und Großtante Fräulein Elise Mentzel. Die Beerdigung ist Montag, den 23. Dezember, nachmittags 17, Uhr, auf dem Neuen Friedhot. Von Beileidsbesuchen bitten wir Abstand zu nehmen. 1)8173 WcibnadtSscier am 1. Kciertaa <25. 12. 29) tn der Tu udalle Stctnstr. Beatmt 6 Uhr nach- it'ittna« 104531 > Todes-Anzeige. Freitagmorgen 930 Uhr entschlief sanft unsere liebe Mutter. Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter und Tante Helene ScMierbach Heb. Pansch im 89. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Jakob Schlierbach Familie Gg. Ludwig Schlierbach Familie Christian Schlierbach Familie Wilhelm Schlierbach. Gewandl. Fräukin oder MM Frau mit amen NmganaS- toinien tüt leichte Betckäiti„ung ne- sucht. Bn e> fraaen in derGeschäftoue e d. (3b. An». 10491V Stadttheater Sonntai, von la Ut» 1<‘/, Ubr Anner Abounetmnt MtnöciuotitcUuno Ermaaiate Bretle. Lios LDlere Süioelüeritlü Zaube.marcheu in 5 Bildern von 'JllolS 'l'XtUOJ, Mulik von Gustav v. :)iö.;lcr. Louutag. 22. Tcz., von 10 bis 21 Uur Auner Abrnnemeiit otembenuotiicUiuifl Snm lelzten Male: tmuüiiäbUDten find oie Denen Vunipiel tu einem Autian uns 3 Vlt.cn von Btiltuü Berni. Mittwoch, LS.Tez.» l.B.ei..nachtsieinnig von 20 bis 221 .Ubr lZ.MlNwai-M.-UHl. «üdiveNdcutsche Ersiausslloruug I001Ö5 WUböeilltÜ Dramaiifche Legende von Herrn, wtm Griner. Tonnerstag, den 2«. 2.A-echnachtsicieiiaa von 15 bis 177, Ubr Anner Abonnement Binder Vorstellung (Lrinantaie greife Das tapfere saiaeiönitin Zauberiuaichen in äibdjein von r.lotö Brasch, Wiufit rott Gustav o. Nobler. Touu rStao. den TcAcmoer. 2.!h>ciUn.icUi6ictcitaR von 19'/, bis 22'/. U.: Außer Abonneuicnt Br. müenvoriielliiuL Snm ersten Maie Die LufüieSiiW Lvcxcue in 3 Akten von Gg. CIo.iöorofn. tuiuü. v. tinluvit. Freitag, 27. Tez, von 20 bis 22 Ubr iZ.Zre.los-Av.'vor.L Sinn Icuicu Male: öofljjelt&re.te Lch.vank in 3 Akte« mm Adele MachewS und Ann 'RicholS. Lonniag, 29. 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Z99 Zweites Blatt fon, Wollen und Wunsch feines Freundes schützte, f mit dem Motto: „dezentralisierter Einheitsstaat^ Seine Wahl ist nicht die eines Flügels. Die No- (contradictio in adjecto), wie man uns In Deutschland zuweilen aus dem Wunsche vorspiegelt. die *£314 Paneuropa 'k « emann und icit ist noch nicht reif, um über alles zu sprechen, aber das kann und muß gesagt werden, daß keiner treuer und loyaler Stresemann gegenüber gewesen ist als sein Nachfolger. Wenn Scholz Gegensätze gewollt hätte, er hätte sie schaffen können — und er wäre nicht schwach geblieben. Er blieb treu — ohne sich zu beugen, Üm des einheitlich — auch von ihm Gewollten willen. Und wenn die Geschichte Stresemanns dereinst von einem wirklich Kundigen geschrieben wird, dann darf der Historiker nicht vergessen, das Bild zu zeichnen, mit welch rührender Selbstbescheidung, die doch einigen nicht ganz lieb war, Scholz in den letzten Monaten vor Stresemanns Tod Perpolitischen Wollens von < S d) o l z konstruieren wollen, Erste Etlthkiri' •thrlll • GenLiciifi „Eelilsierorr" ul i imeniliiluH F, **‘l) Bltia Galt äicnb Ml in brr giabt ü fordert wurde. 2hm lag keine Servilität, aber er war freundlich und entgegenkommend, ihm lag auch nicht die 2lbgeschlolfenheit und das von Obenherab so manches Fraktionschess, unter dem so viele geseuszt haben. Und er wußte, was er wollte. Das merkten die außerhalb der Fraktion, mit denen er nun ständig zu verhandeln hatte. Wie manchmal hat seine geschickte Diplomatie das Nötige erreicht. Scholz ist keiner von den, Gott sei Dank, ganz seltenen Volksparteilern, die in der Lehre von der großen Koalition fast ein Dogma sehen. Mit seiner berühmten Jnstervurger Rede hat er bewußt der bürgerlichen Koalition den Weg frei machen wollen. Die Oeutschnationalen kamen ins Kabinett — ihm war's zu danken. Man hat oft und gern eine Verschiedenheit der politischen Anschauungen und des minierung ist in Einmütigkeit erfolgt. Aber die Scholz besonders begrüßen, das find — auch außerhalb der Partei —, die in ihm den Mann sehen, der berufen zu sein scheint, die bürger- l i ch e R e ch te zu gemeinsamer Arbeit zusammenzu- bringen, die nicht Katastrophen sondern Aufbau auf gegebenem Grund will, die im Sinne des alten Hergtprogramms auch dann mit der Linken arbeitet, wenn die Linke nicht herrschen, nicht beherrschen, sondern Mitarbeiten will. Das sind ferner die, die das Wort vom Primat der Außen- Politik wohl bejahen, aber einen Mei ft er der Innenpolitik ‘für die nächste Zeit als gegebenen Führer sehen. Das sind die politischkühl denkenden Menschen in unserem Vaterland, deren Verstand und deren warmes Nationalgefühl einen Strich unter alte Gegensätze auf dem rechten Flügel fordern und die Bildung einer politischen Gruppe und Bewegung, die aus dem Staat, wie er ist, unter Verhältnissen, die nicht erträumt und gewünscht, sondern erkannt werden, einen Staat schafft, der die Volksgemeinschaft nicht in der Herrscl-aft der Massen und Klassen sicht, sondern im Ausgleich auf der Basis des Wollens eines bewußten deutschen Bürgertums, das keinen Sozialismus und keine Formaldsmokratie will, sondern die Erhaltung des alten deutschen Kulturgutes, das sich im besonderen in der Leitung von Staat und Selbstverwaltung ausdrücken muß. den: hie Eoudenhove, hie Briand! Aber selbst als Schlagwort gebraucht, offenbart der Name Paneuropa feinen tief tragischen Wesens- zug darin, daß er, um grob mit Shakespeare zu reden, die einen wie die anderen Verfechter feiner künftigen Verwirklichung über das Lebensformat hinaus zu Schurken oder zu Menschen macht, die durchaus das Zeug zum Heiligen und Helden haben, wie der Hauptträger der Paneuropa-Propaganda: sie zeigen schon dadurch das Stigma des echttragischen Paneuropa- Gedankens, daß sie nicht merken, wie schlecht im vierten oder fünften Akt das redliche Verfolgen ihrer Idee für sie selbst ausgeht, und nicht, wie hochgschähte Mitarbeiter darin in erster Linie den Weg sehen, daß ihrem zehnten Ministerium ein elftes, zwölftes, wie ich rechne, augenblicklich das dreizehnte folge. Dabei steht im tragischen Gegenspiel da- ber rühmte Wort des zu früh verstorbenen Friedrich Nahel, daß beim Zusammenstoß großräumiger und kleinräumiger Delange auf die Dauer immer die großräumigen siegen, und daß darin eine entsetzliche Perspektive für das von 26 Staaten,' selbstherrlichen Zollgebilden, auf 36 zerstückelte, von etwa 8000 Kilometer neuen Zollgrenzen zerschnittene Europa liegt, das seine besten Wasserstraßen, wie Donau und Weichsel, seine Landverkehrsadern, unterbunden sieht und dafür vom Größenwahn lebensunfähiger National st aaten durchtobt wird. Dabei sind ja von den großen Einheitsräumen deS Zukunftswettbewerbes für dos in tiefster Seele uneinige Europa erst zwei bis jetzt als Machtkörpcr so durchkonstruiert, daß sie Europas Zukunft überschatten: Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion im Osten. Beide sind föderalistische Tildungen größten Stils, nicht Einheitsstaaten Sehr geehrte Redaktion. Sie stellten mir kürzlich einige Fragen zu dem Problem „Paneuropa". Vielleicht erscheint Ihnen meine Antwort zu pessimistisch — aber solange noch auf deutschem Boden deutsche Menschen auf Geheiß anderer Europäer Schienen aus Verkehrsstreifen reißen und schweigend und widerstandslos Schimpf erfahren, wird ein Teil der Mitteleuropäer, und nicht der schlechteste, von Paneuropa und Vereinigten Staaten von Europa nicht sprechen wollen. Tie Voraussetzung vereinigter Staaten ist gegenseitigeAch- tung und Versicherung anstän- dicier Behandlung von Minderheiten dort und hier. Dazu fehlt es noch an den Anfangsgrundlagen. K. Haushofer. »Paneuropa" halte ich für den größten, echt tragischen — nicht wie so viele meinen, rationalistischen — Gedanken unserer Rasse unseres Raumes und unserer Zeit, weil seine Idee zugleich notwendig und unmöglich, wenigstens unerreichbar ist. Innerhalb unseres Erdteiles, der vielleicht durch „pelopo- nesischer" Krieg geradeso wie einst der panhelle- nisd)e Raum seinen Rang als Weltteil schon verloren hat und aus dem scheinbaren Sieg selbstischer Herrschsucht über den Cemeinschaftsgedan- ken in Halbinselgeltung am Rumpfe Eurasiens zurückgesunken ist, bedeutet Paneuropa zur Zeit unzweifelhaft das wirkliche Schlagwort für solche, die es ehrlich meinen, und „Catchword", Fangwort oder Trugwort — wie man das angelsächsische übersehen will — für solche, die genau wissen, toi« weit sie mitgehen können, ohne von Paneuropa gefährdet zu wer- Was sagt der Geopolitiker zu „Paneuropa"? Don Generalmajor a. O. Or. Karl Haushofer, ordentlichen Professor für Geopolitik an der Universität München. zentralen Korruptionsherde zu vergrößern. Von diesen beiden hat aber erst wieder einer, die 11. S. QL, seine volle wirtschaftliche Schlagkraft erlangt, und dieser noch nicht zum vollen Wüchse, der erst etwa 1950 eintreten mag. Für die russische Erde liegt das noch in ferner Zukunft; aber die Raum- und sonstigen Naturanlagen sind da. Föderalistisch sein oder gar nicht sein werden aber auch die anderen, an Größe Europa gleichen oder überlegenen Räume, wie der indische, ostasiatische, der brasilianische, der ibcro» spanische Lebensraum, zwischen denen sich in gewagten Torsionen heute noch das sich zusehends entgliedcrnde Gebilde des britischen Weltreiche« durchschlingt. Dieses sucht eben die Anlehnung an die transatlantischen Angelsachsen, und zeigt damit deutlich, wie wenig sich Paneuropa auf seine randständige Großinsel verlassen könnte — so wenig wie das ringende zweite Italien oder das werdende dritte auf die Republik Venedig, die „Serenissima". Sie kam erst heim, als sie ihrer überseeischen Habe beraubt warl Der große Festlandraum im Osten aber, die Reichsbildung der Sarmaten, fühlt sich, wie Mackinder schon 1904 entdeckt hatte, als Drehachse der Weltgeschichte der ganzen a'.ten Welt, mit einer ofiat-iujcn Front und einer europäischen Rückseite, einem ausblühenden Moskau und einem verkümmernden Petersburg—Leningrad. Diese beiden Riesenstaaten also wollen von Paneuropa nichts wissen, es nur nicht zu ihrem Schaden entstehen sehen, Frankreich aber, das wohl durch seinen Außenminister den Namen als Scheidemünze am meisten verwertet, hat nur ein Zwanzigstel seines Reiches und nicht die lebenskräftigsten Bevölkerungsteile in Europa: Gerade Coudenhoves Paneuropakarte rerrät, wieviel außereuropäische Raumvergewa'.ti- gung wie überseeische Dallastsäcke autzerbords von Paneuropa hängt. Wenn man sich von der Unmöglichkeit der Paneuropa-Ideen. so wie sie heute vertreten wird, im Raume der Erde überzeugen will, braucht man nur ein Paneuropaheft umzudrehen und die Weltkarte aus seiner Rückseite zu betrachten. Dann fliegt das pazifistische Mäntelchen, das so gerne um sie drapiert wird, hinweg. wie ein Spinngewebe davongleitet, das von einem Taifun erfaßt wird. Es bleibt e i n Machtgedanke, gefährlicher noch und heute schon schärfer angegriffen als die Machtgedanken, aus denen das Britenreich durch alle Zonen gebaut worden ist, das doch wenigstens die t^ea» nisch-kontinentale Spannung — abgesehen vom indischen Problem — nicht so sehr mit voller Zersetzungskraft in sich ausgenommen hat. Goll das feiner Atemweite, feines Ellenbogen- raumes beraubte Mitteleuropa nun für den Kolonialbesitz der Westeuropäer, sicher Frankreichs. Belgiens, der Niederlande eintreten —, der von Eoudenhove schwarz als zu Mitteleuropa gehörig aufgemalt wird: Glaubt man im Ernst, ohne Auseinandersetzungen von furchtbarer Tragweite die Selbstbestimmungsbewegung der südostasiatischen Millionen Niederhalten zu können? Etwa in noch größerem Stil, wenn der überseeische Angelsachsenbesih auch noch in den Schutz der paneuropäischen Idee treten wollte, z. B. wenn Raumangst den Australiern den vollen Druck einer raumhungrigen Wenschenmilliarde gegen ihre leeren Luxusräume für 6 Millionen — im Raumdruckvtthältnis 200 gegen 1 auf den Quadratkilometer — in seiner ganzen Wucht enthüllt? Der Hauptträger des Paneuropagedankens selber hat einmal seine lleberzeugung ausgesprochen, daß er diese ZukunftsauSein- crndersetzung ohne Krieg für unmöglich halte. Steuert aber Paneuropa nicht dann sehenden Auges mit auf diese Katastrophe zu, selbst wenn es im eigenen Kleinraum künftig Frieden hielte? Das glaubten ja auch die Panhellenen, Der betende Hase. Legende von Hans Franck. In einer rheinischen Kirche sieht man bis auf den heutigen Tag an heiligster Stätte zu den Füßen der Mutter Gottes einen Hasen. Ungelenke Dorskünstlerhand hat ihn aus einem weichen, willigen Lindenast Herausge.chniht. Dieses Schnitz- werk haben die Jahrhunderte so dicht mit einem Gewirr von Braun und Grau, von Hellen und dunklen Flecken überzogen, daß das hölzerne Fell im roten Schein des ewigen Lämpchens von gespenstischer Lebendigkeit ist. Blickt man aus der Ferne flüchtig darauf, meint man, der Hase mache ein Männchen, um den Iesusknaben auf den Armen Marias, der beide Patschhändchen nach ihm auöstreckt, durch sein Spiel zu erfreuen. Tritt man aber dichter zu dem Altar hin, gewahrt man: Nicht voll Verlangen greift das Gotteskind abwärts, sondern es schützt, es segnet das Tier am Mantelsaum seiner Mutter. Denn der Hase — kein Zweifell — betet. Wit gekreuzten Vorderläufen fleht er Unsere Liebe Frau an: „Hilfe!" Fleht um die Erhaltung seines Lebens. Der Herr von Limppurg nämlich war ein gewaltiger Nimrod. Otter eines seiner Hasen konnte er anno 1539 nicht habhaft werden, so oft er auch auf die Suche ging, treiben ließ, ja — wider feine Gewohnheit — darum anstand. Schnupverschnüh nannten die ©einen die'en Klügsten aus ihrer Mitte. Und sie wußten wohl, warum. Herr von Limppurg, der es schon als Schande erachtete, einen Hasen nur krank zu schießen, verfehlte Schnupperschnüß an drei Tagen hintereinander. Sie standen schließlich auf du und du, der Herr von Limppurg und Schnupper- schnüß. „Kriegst mich nicht!" höhnte Sch.iupper- schnüß mit seiner weißen Blume, wenn er schließlich doch aus dem Lager aufstand und davonhoppelte. „Krieg dich doch!" rief Herr von Limppurg ihm nach, riß die Flinte hastig an die Backe und — ballerte daneben. An einem hellen Herbstmorgen des gedachten Jahres schwur Herr von Limppurg „Hct!". Und in der Tat, nun schien es um Schnupperschnüß geschehen. Immer wieder wurde Schnupperschnüß von den beiden Hunden des Herrn von Limppurg aufgestochen. Immer wieder mußte Schnupperschnüß aus der Deckung ausfahren. Mit Hoppeln war es jetzt, wenn er fein Leben erhalten wollte, nicht mehr getan, Schnupperschnüß mußte flüchtig werden, mußte rennen, was feine langen Hinterläufe nur hergaben. Haken auf Haken mußte Schnupperschnüß, um den heulenden Hunden zu entgehen, im Laufen schlagen. höret und das Iesulkindlein feine Hände schützend über Dich gehalten hat, will ich Dir auch hinsüro im Felde nichts mehr antun. Wir kennen uns ja nun viel! zu lang und viel! zu gut, als daß ich jemals Dich mit Deinen Brüdern verwechseln könnte. Ziehe hin in Frieden, lieber Haas!" Bei solchen Worten hat Herr von Limppurg Schnupperschnüß gestreichelt, wie man ein schnurrendes Kätzchen streichelt. Dann hat er den Hasen, der nicht gezi.t rt hat in seinen Armen, betulich niedergesetzL Schnupper.ch üß ist davongehoppelt. Und keinen Hund, auch nicht den, der zum Begreifen vor der Kirchenschwe le einen Fußtritt nötig patte, hat man anryfeit müssen, daß er ihm nicht nachkläffe. Die Kunde von dem betenden Hasen hat sich schneller als Flugseuer von Strohdach zu Strohdach ausgebreitet in den Dörfern und Städten ringsum. Viele Meilen weit sind die gemeinen Leute zu dem Kirchlein des Herrn von Limppurg gewallsahrtet in der Herzenshvsfnung, daß Maria, welche das Flehen des Hasen erhörte, sich ihrer Bitte nicht versagen werde. Don den Opfern, so die dankbaren Waller zurückgelasfen haben, hat man sehr bald einen neuen Chor bauen lassen können. In dessen Mitte ist, an Stelle der bemalten Holztafel, die man in einem Seitenkapellchen ausstellte, j:n:s Schnihwerk au8 Lindenholz — Maria, das Jesuskind mit den segnend ausgestreckten Händen auf dem Arm, zu beider Füßen ein betender Hase — eingebaut worden, wie man es dorten bis auf den heutigen Tag sehen kann. Stresemanns Rachfolger. Don Or. Fr. A. pinkerneil. Mai 1920. Die Dolkspartei war mit ungeahntem Gewinn au8 dem Wahlkampf zurück- gelommen; die Fraktion hatte sich verdreifacht. Die Deutschnationalen buchten eine Steigerung der Wähler um über 50 Prozent. Nach noch unbeherrschten, aber streng nacygeahmten Regeln alter Demokratien entbot der Reichs.arz'er Hermann Müller den Vorstand der Vmks- partei-Fraktion ins Bismarckhaus und stellte cr- gebenst die Deute des Sieges in Gestalt der Uebernahme der Regierung zur 03er - fügung. Cs kam nach den Experimenten von Weimar zu einer rein Kirgerlichen Koalition unter Fehrenbachs Führung. Die Volkspartei sollte neben Heinze als Vizekanzler noch den Wirtschaftsminister stellen. Sie hatte in den Reihen der Fraktion Auswahl genug. Neben Stinnes und Vögler, die -nicht in Frage kamen, Leute wie Raumer, Curiius, Most, Moldenhauer, Dauch, Hugo, ihr stand Leidig zur Verfügung — aber die Wahl fiel auf einen »Außenseiter", den Charlottenburger Oberbürgermeister Dr. Ernst Scholz. Qüan raunte: -Von den Zünftigen will sich keiner die Finger verbrennen." Otter der Vorschlag ging von der Erkenntnis aus, daß es nur einem großen diplomatischen Geschick, einer ausgleichenden Natur gelingen könnte, ein bislang soz alistisch geführtes Wirtschaf sministerium unizu.orrnen und die ersten Schütte e ner b Slang fHarf cP o itionellen Gruppe in aktiver Be.eiligung an einer Regierung zu leiten. Man erwartete einen Vorteil von der Tatsache, daß Scholz weder der Geruch der Schwerindustrie anhaftete, noch er die tiefen Narben eines harten Kampfes mit.politischen Gegnern trug. Das suchte man in einem Menschen, dessen Wirken seit fast 20 Jahren ständig der Kritik der Öffentlichkeit ausgesetzt gewesen und dessen Erfolg nicht unwesentlich die Beherrschung der Kunst der Menschenbehandlung ausmachte. Ernst Scholz kam aus der guten alten Kommunalkarriere. Als Assessor in Frankfurt a. M. hat er unter Adikes nicht vergebens gedient, als Kämmerer Wiesbadens ein Ressort vorzüglich verwaltet, das den Kommunaljuristen ganz eng mit allen Wirtschafts- und Finanzfragen in Verbindung bringt Die Kasselaner holten sich den kaum 38jährigen zum Oberbürgermeister und — das sagt eigentlid) mehr als alle Ausführungen über ein kurzes Wirken in einem solchen Amt — muhten ihn sich schon nach einem Jahr von den Charlottenburgern wegholen lassen. Sieben Jahre führte Ernst Scholz die Stadt Charlotten- burg — als er 9 Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Amt sich auf die Stadt- und De- zirksverordnetenliste seiner Partei in Charlotten- burg aufstellen ließ, genügte der Stimmengewinn, um große Defizits in anderen Bezirken zu decken. Bei der Nachwahl 1921 für das befreite Ostpreußen kam er in den Reichstag — jung ist feine akademische Karriere. And als Stresemann 1923 mit der Aebernahme des Reichslanzleramls den Vorsitz in der Fraktion abgab, wählte man als feinen Nachfolger Scholz. Der erst zwei Jahre in der Fraktion und Parlamentarier war. And die Fraktion war nicht arm an Männern, denen man ein solches Amt anvertrauen konnte. Sieg der Rechten — schrieben die Ollleswisser. Scholz hatte in den Monaten des Zusammenarbeitens mit seiner Fraktion, in der viele Individualitäten einander das Leben nicht gerade leichter machten, das Vertrauen gewonnen, der geeignete Führer zu sein. Weil er das Stark im Wollen mit dem Geschick im Erreichen verband, weil er die Menschen von der Schwierigkeit eines Parlamentariers zu nehmen verstand, durch eine vornehme, so ungemein wohltuend wirkende Art, die wiederum nicht von Weichheit erkennen lieh, wenn Nachgeben in der Sache ge- - ein Traum ohne Aussicht auf Erfüllung. wagt zu antworten. Aeber die Lippen des knienden Knaben hinweg jedoch klingt es cloden- rein: „Et Häsche 15 bei der Mutter Maria!" Herr von Limppurg gewahrt Schnupperschnüß zu den Füßen des Altarbildek. Er reiht seine Fli: te hoch. „Nit schieße!" schreit die kniende Frau auf. Herr von Limppurg will eS nicht hören. Er nimmt Schnupperschnüß aufs Korn. Da ruft das kniende Mädchen verzückt: „Et Häsche b:t:t!" In der Tat: Schnupperschnüß sitzt — hoch- gerichtet — auf feinen Hinterbeinen vor Mutter Maria. „Männchen macht der freche Lümmel!" brüllt Herr von Limppurg. „Zum Narren hat er mich. Wie hundertmal schon. Otter diesmal treff ich nicht daneben. Gebt acht!" And langsam beginnt er den Schußfinger zu krümmen. „Et Häsche bet t!" rufen Dutzende, ruft das ganze Dorf. „Betet!!" Denn Schnupperschnüß fitzt nicht, wie er ehedem oftmals — Männchen machend — im Feld saß. Er hat die Vorderläufe gekreuzt übereinanber- getegt Schnupperschnüß — alle sehen, alte sagen, alle umgittern es — Schnupperschnüß betet Nur Herr von Ltmppurg will es nicht sehen, will es — obwohl es auch in seine Augen und sein Herz bringt — nicht wahrhaben. Abdrücken! Niederknallen! Endlich des Frechen habhaft werden! Endlich ihm feine Anverchämthiten heimzahlen l überschreit er feine innerste Stimme. Da streckt das Jesuskind feine beiden Patschhändchen aus, hält sie schützend, hält sie segnend über Schnupperschnüß, und Herr von Limppurg sinkt mit b eiend aufgehobenen Händen zu der knienden Gemeinde nieder auf die Erde. Nach geraumer Weile erst hat Herr von Limppurg sich erhoben. Er ist — ohne Gewehr — mit behutsamen Schritten in die Kirche gegangen. Schnupperschnüß hat nun wieder zu Mhen des Bildes der Mutter Maria gekniet, das Jesuskind hat seine segnenden Hände wieder in das Bild zurückgeholt. Herr von Limvpurg ist über den Kanzelplatz, am Sakramentshäuschen vorbei, an den Altar gegangen. Schnupperschnüß, als ob er gewußt hat, daß von jetzt an ewiger Friede zwischen seinem Verfolger und ihm fei, ist nicht vom QHtar heruntergesprungen, ist nicht von neuem flüchtig geworden. Herr von Limppurg hat Schnupperschnüß auf den Arm genommen und durch die kniende Menge hinweg bis zur Dorfstraße getragen. And hat allbort gesagt: -Ziehe hin, lieber Hase! Du hast Fretzheit in meiner Kirchen gesuchtt, die hastu gesunden. Dar- umb die Hund schon Fretzheit Dir gehalten, so will ich sie auch nicht brechen. And alldieweil die hochgelobete Mutter Maris Dein Gebet er- Olls Schnupperschnüß. erkannte, daß es ihm draußen auf dem Felde trotz alles Rennens und Hakenschlagens an die Wolle g hen werde, lief er auf das Dorf zu. Die Hunde mit Iappen, Herr von Limppurg mit Fluchen hinter dem Ausreißer her. „Et Häsche!" riefen die Kinder, als Schnupper- schnüß, gestreckten Galopps, in die Dorfstrahe einbog. Sie nahmen Steine auf, warfen nach ihm. „Et Häsche!" Sie packten Knüttel, schlugen nach ihm: „Et Häsche!" Im Trab auch die Kinderfchar hinter Schnupperschnüß her: „Et Häsche!" Erwachsene schlossen sich der Verfolgung des Gehetzten an. Sie ergriffen Mistgabeln, stachen zu: „Et Häsche!" Sie rissen Dreschflegel vom Haken herunter, knallten sie nieder: „Et Häsche!" Schnupperschnüß rannte hin und her auf ber Dor Straße, llmlief Häuser, Ställe, Backöfen. Drückte sich unter Gebüsch, hinter Türen, an Misthaufen. Immer und immer wieder aber stöberte man ihn auf: „Et Häsche!" Das ganze Dorf, die Hunde des Herrn von Limppurg, die Dorfköter — alle von Gehöft zu Gehöft hinter Schnupperschnüß her: „Et Häsche!" Da, in feiner höchsten Not, lief Schnupperschnüß durch die offenstehende Tür in die Kirche. Rannte zwischen den teeren Bänken entlang. Ueberquerte den Kanzelplatz. Sprang auf den Altar. And kauerte sich — Lin Hase mehr, sondern nur noch behaartes, bebendes, bedrohtes Leben — zu den Füßen des Bildes der Mutter Maria nieder. „Et Häsche!" rief es noch einmal hundert- stimmig: Empört, erschreckt, erkennend. Dann wurde es still. Ganz still. Denn die beiden getigerten Hunde des Herrn von Limppurg verfolgten Schnupperschnüß nicht mehr. Dor der Schwelle der offenen Kirchtür standen sie mit schlagenden Flanken. Olks ob sie einer angerufen hatte. Doch war niemandem die Stimme zu Ohren gekommen, welche ihnen Haltein befohlen halt:. Auch die hrankläffenden Dorsköter liefen nicht in das Innere der Kirche. Qkrftummt lagen sie vor der Schwelle des Gotteshauses. Olls einer der zuletzt Heranjachternden doch Miene machte, sie zu überspringen, bekam er einen so heftigen Fußtr tt. daß er jaulend davonlief. Denn schon falteten sich hier und da Hände. Schon war eine Mutter m t ihrem Buben und ihrem Mädchen in die Knie gesunken. Herr von Limppurg kommt herangekeucht. Die Dörfler bilden schweigend eine ©a,fe. „Wo ist er?“ schreit der Iagdwütige einmal über bas andere. „Ich knall ihn nieder. And wenn er sich im Schnihwerk. des Sakramentshäuschens verkrochen hat! Wo ist er?" Keiner der Erwachsenen Stadttheater eollllttu,22.Tcz- non l.ibn lili, litte »uttt Hbountüunt Mmöeiüoiitclluiiß titma.Hflie 'Lullt. WlM WW knuüe.Mlchtn In tzMui von IM» ACM W GllM v. M.M 6onuta(i.22.Tti., von lä bi» 21 Uüt Slußtt Mlmcium utemienvoriieuiiiii ZmnklMMie: MW «kl W OltBB üuuiviel in ff’ Äu'tau unw von iWlm• EÄg LLtz vüöiueiiöti1111* SntoiiWffL non 4'finl KÄS WlM Wag- rÄtzS «ZSKS * uiiu’i-Ui u7i rti' t; S&g 215So<( V-iS' w M SW Hochschulnachrichten. Privatdozent Dr. Ludwig Anschütz, Ober- afjiftent am Chemischen Institut der Aniversität Oll a r b u r g, hat die an ihn ergangene Berufung an die deutsche Technische Hochschule in Brünn als Nachfolger von Prof. Max Hönig angenommen und soeben seine Ernennung zum a. o. Professor und Vorstand des Instituts für organische Chemie an der genannten Hochschule erhalten. Er wird sein neues Lehramt mit Jahreswechsel übernehmen. — Profesior Dr. Franz Beyerle in Greifswald hat den Ruf auf den Lehrstuhl des deutschen bürgerlichen Rechts an der Aniversität Frankfurt a. M. als Nachfolger von Geheimrat St Dur- chard angenommen. — Professor Dr. Kurt N o a t in Erlangen hat den an ihn vor einiger Zeit ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Botanik an der Aniversität Halle als Nachfolger von Pros. G. Carsten angenommen, — mit Hß5D $ Oie Berjähruog F.G. machen. ganzen wurden 30 Bedürftige mit einer durch- schnittlichen Beihilfe von 20 2KL bedacht. Mit von W a f - men Kühl- Vheinhessen. • WormS, 20. Dez. Zum Direktor beS hiesigen Schlachthofes wurde der Vete- rinärarzt Dr. Wilhelm Eg euer auS Darmstadt gewählt. — Bad-Nauheim, 21. Dez. Wie auS dem gestrigen Anzeigenteil deS „Gieß. Anz." zu ersehen war, findet morgen in der Badestadt nochmals ein großes Lichtfest statt. Was am vorigen Sonntag auf dem Gebiete der Beleuchtung und Unterhaltung geboten wurde, fini'ct morgen seine Wiederholung. Dazu kommt neu noch eine bengalische Beleuchtung des Parkes. Am 2lbcnd wird durch Lautsprecher da2 Ergevm« der Prämienverlosung verkündet. Es sind bis jetzt rund 120 000 Vrämienkartcn. die bei Einkäufen von 2,50 OHL an abgegeben wurden, oj- geseht worden. Für die Verlosung stehen zahlreiche Gewinne zur Verfügung. Kreis Büdingen. r Büdingen, 20.Dez. £cute nacht wurde im hiesigen Rathaus. wo sich die Bureou- räume der Bürgermeisterei befinden, eingebrochen. Der Täter ist von der Müllergasse aus mittels eines Strickes durch ein Fenster tn das Treppenhaus gelangt. Hier hat ec die äußere Tür angsbohrt und dann eingrschlagen. Da jedoch die Türen zu den einzelnen Bureau- räumen verschlossen waren und der Täter durch in der Rachbarschaft entstandene Geräusch? gestört worden ist, verschwand er scheinbar Mieder auf dem gleichen Wege. Sicherlich ver- mutele der Täter größere Geldbeträge, da die Erwerbslosen am heutigen Tage ausbezahlt werden sollten. * Ridda. 19. Dez. Auf den b?iden vor kurzem abgchalt n:n Geflügclausstellur- Ö e n in Dauer..h.im und Schotten errangen d:e drei hiesigen, schon seit mehreren Jahren al- hervorragende Zücbter bekannten Au.'steiler Iustizir.fpck or Eduard Bär. Vermrssungsobr- inspektor Theodor S v a m e r und Kaufmann Hermann Roth auf ihre Zuchtstämme rebhuhnfarbiger 3ta:i;n:r b;to. aus einzelne Hähne und Hennen sämtlich je einen I. Preis und Ehrenpreis. Ferner erhielt Iustizoberseir tür Harth hier in Dauernheim einen 1. Preis auf Tauben. Die Rassegeflügelzucht schreitet auch 6.ec immer mehr vorwärts, und d r Geflügelzucht» verein entfaltet wieder regere Tätigkeit. 3n dem nahen Michelnau wurde in diesem 3ahre eine Geflügelfarm gegründet, die etwa 500 Hennen deä weißen amerikanischen Leghorns besitzt und deren Anzahl noch bedeutend vermehren will. Ueberlassung eines Baume- für die Unterbringung von Geräten wurde entsprochen. Ein in der Badeanstalt vorhandener Daum soll hierfür frei gemacht werden. Die Einsetzung 1 sermessern bei den hier vorhanoei anlagcn wurde beschlossen. L e i h g e st e r n. 20. Dez. Der Gemeinde- r a t befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit der Winterbeihilfe für bedürftige Sozialrentner, Erwerbslose und sonstige OrtSarme. 3m Oberheffen. Oer Haushaltsplan von Klein-Linden. 00 Kletn-Linden, 18. Dcz. Dem G e - meindsvorstand wurde in seiner jüngsten Sitzung vom Bürgermeister der Voranschlag der Gemeinde für das Dechnungs- jahr 1929 unterbreitet. 3n Rubrik .Grundstücke" wurden für Unterhaltung und Düngung 150 OKI. und für Reuanpslanzung von Bäumen weitere 100 Mk. abgefetzt. 3n Rubrik 24 tour- den in Ausgabe 10'0 Mk. für eine Badeanstalt gestrichen, ferner wurden die Ausgaben für Oesfentliche Sicherheit um 128 Mk. ermäßigt. 3nfolge dieser Str.ichung war ein-? Herabsetzung des Reservefonds um 1324 Mk. nötig. Der msprürg ich mit 25 000 Mk. vorgesehene 11 m- I lagebedarf konnte auf 26 030 Mk. ermäßigt werden. Die Betriebsrechnung zeigt nach diesen Abänderungen folgendeZ Bi.d: An Rech- l n u n g s r e st aus dem Vorjahr können 7504 Mk. verbucht werden. Für Gebäude ist die Summe I von 1540 Mk. gegenüber 3040 Mt. im Jahre 1628 aufzubringen. An Einnahmen aus Gebäuden sind 216 Mk. zu erwarten. Die Einnahme aus Gemeindegrundstücken ist mt 4093 Mk., die Ausgabe mit 550 Mk. angesetzt. DciMessen und Märkten stehen einer Einnahme von 100 Mt. keine Ausgaben gegenüber. Für die 3nstandhaltung einiger Brunnen sind 500Mk. in Ausgabe angesetzt (1928: 2300 Mk.). Die allgemeine Verwaltung bedarf einer Ausgabe von 15 664 Mk.. an Einnahmen werden hier 448 Mk. erwartet, für öffentliche Sicherheit sind 2708 Mk. durch die Gemeinde aufzu- bringen. An Ausgaben für öffentliche Gesundheitspflege sind C25 M'„ für Feuerlöschwesen 300 Mk. und für Armen- pflege 2000 Mk. erforderlich. Die Schu len bringen tn Einnahme 1774 Mk. (Mieten für die Lehrerwohnungen) und belasten die Gemeinde mit 7360 Mk., während für die evangelische ! Kirche 543 Mk. (1928 : 741 Ml., und für den Gemeindefriedhos 430 Mk. erforderlich sind. Recht erhebliche Mittel erfordert die Instandsetzung von Straßen und Wegen,nämlich 5350 Mk. Es soll aus den Heberschüsfen ein Fonds angesammelt werden, damit beim Dau der Wasserleitung die nötigen Mittel vorhanden sind, um anschließend an den Wafserleitungs- bau gleich die Herstellung von neuen Straßen vornehmen zu können. Die Ausgabe für Lan d- wirtschaftsHwecke beträgt 3990 Mk., wovon ein erheblicher Teil auf die Faselbaltung entfällt, die Einnahme beträgt 752 Mk. Die Reg lang der Grenzverhältnisfe erforte t nur noch 400 Mt. gegen 1253 Mk. im Jahre 1928. Für dos Orisbürgerwesen sind in Einnahme und Ausgabe wie im Vorjahr je 2251 OHart eingestellt. Die Mittel, die zur Instandhaltung von Graben und Bächen notig sind, wurden mit 2000 Mk. angefetzt. Unter soziale Fürsorge sind die Mittel für die Unterstützung von Klein- und Sozialrentnern, Krankenkasse-, Invaliden- und Erwerbslosenfürsorgebet- träge verrechnet. Die hierzu notwendigen Gemeindezuschüsse betragen 4652 Mk. An Kriegsund allgemeiner Wohlfahrtspflege sind 503 Mk. aufaut ringen. Für Wohnungssürf orge erscheinen in Einnahme und Ausgabe je 4080 Mark, an Steuern und Abgaben sind 2200 Mk. zu bezahlen. Die Anteile an Reich-steuern, die der Gemeinde Voraussicht ich übertote'en werden, sind mit 17 710 Mk. eingesetzt. Als Reservefon d- sind 3920 Mk. vorgesehen, während der Mobiliarerneuerungsfonds in Einnahme mit 113 Mk., tn Ausgabe mit 395 Mark erscheint. Die für Kapitalien benötigten Zinsen mit 168 Mk. werden durch den Einnahme- Rur Zustellung eines Zahlungsbefehls ober einer Klage — vor Jriftablauf — schützen den Gläubiger. Die Vorschriften über d.e Vernäh.u..g_ sind in den Paragraphen 194 folgende des Bürgerlichen Gesetzbuchs geregelt. Es kann im Rahmen einer Zeitung nicht erwartet werden, daß der umfangreich? Gcsehestext, der von der Verjährung handelt, hier vollständig abgrdruckt wird. DaS Bürgerliche Gesetzbuch sollte in jeder Familie zu finden fein. Dort lese jeder das Gesetz selbst nach und prüfe den eigenen Fall. 3m § 194 BGB. heißt es Har und bestimmt: .Das Recht, von einem Anderen ein Tun oder Lassen zu verlangen, unterliegt der Verjährung." Unter Tun oder Lassen ist stets eine sogenannte Leistung im Sinne des §241 DGB. zu verstehen. Eine Leistung im Sinne des bürgerlichen Rechts braucht nicht einen in Geld bestimmten VermögenSwert zu haben: es muß ober ein noch der Anschauung der menschlichen Gesellschaft schutzwürdiges, regelmäßig toi.t chaft- liches Interesse vorliegrn und auch der Eharalter einer rechtlichen Bindung ersichtlich sein. Reine Versprechen, die dem Gebiete des gesellschaftlichen Lebens, der Freundschaft, der Familie und der Religion angehö.en, kommen nicht in Frage. Eine Leistung selbst richtet sich entweder nach dem Gesetz oder nach einem bestimmten Vertrage. Hier fei nur hin hingewiefen auf folgende Stiften: 1. Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt 30 3 a öre, jedoch bilden die kürzeren Verjährungsfristen die Regel. In 30 Jahren verjähren beispielsweise bare Darlehen oder Forderungen, die durch Vertrag in eine Darlchens- schuld umgewandelt wurden, um sie vor einer kürzeren Verjährung zu schützen, ferner Ansprüche auf eine Vertragsstrafe. Schuldscheine üb~r den Gesamtbetrag einer R-chnung, für deren Sinzelbeträge kürzere Verjährungsfristen laufen (§ 195 BGB.). 2. In vier Jahren verjähren die Ansprüche auf Zinsrückstände, Miet- und Pachtzinsen, Renten, (böu:rüche) Auszugs!'istungen, Desoldurg'n, Unt.rhalt b.itccg: und alle re "ermäßig wiederlehrenden Stiftungen (§ 197 BGB.). 3. Bereits in zwei Jahren verjähren u. a. die Ansprüche der Kaufleute, Fabrikanten und Handwerker für Li'ferang von Waren usw. mit Einschluß der Auslagen, cs sei denn, daß die Leistung für den Gewerbebetrieb deS Schuldners erfolgt ist, ferner die Ansprüche der Land- und Forstwirte für die Lieferung ihrer Srzeug- niffe, der Gastwirte, der getoerb'ichen QlrEe tcr, der Lehrherren wegen des Lehrgeldes, d^r Unter- richtSanstalten. der Aerzte, Tierär'te, Apotheker, Zahnärzte, Hebammen, der Rechtsanwälte, Ro° täte, Gerichtsvollzieher v. a. m. Die Verjährung der Ersatzansprüche gegen die Post tritt bereits nach Abbaus von sechs Monaten, vom Tage der Einlieferung an gerechnet, ein. Denn die Reichsvostvcrwal- tung ist nicht in der Lage, die Unzahl von Belegen, die bei etwaigen Ersatzforderungen in Frage kommen, noch längere Zeit aufzabewah- rcn. Wrr sich durch eine in Verlust geratene Postsendung geschädigt sühlt, wird in jedem Falle gut daran tun, den Schadenersatzanspruch unverzüglich bei der zuständigen Postbehörde anzumelden. Die Anmeldung unterbricht stets die Verjährung. Im Postscheckverkehr verjährt der Anspruch in ?toei Jahren. Die Verjährungsfrist tauft vom Schlüsse deS IahreS an. in welchem der Auftrag dem zuständigen Postscheckamt erteilt wurde. Für Postanweisungen läuft eine sechsmonatige Verjährungsfrist, das gleiche g'lt für Zahllarten- au'träge und für Ansprüche auf Gebührenrücler- ftattung im Telegrammv-rkehr. Auch auf die Gefahr hin, daß schon Bekanntes hier wiederholt wird, sei folgender Rat erteilt: Besteht für den Gläubiger die Gefahr der Verjährung, so sorge er schleunigst, vom Schuldner, wenn irgend möglich in schriftlicher Form, eine vertragsmäßig erneute Anerkenn ung der betreffenden Forderung zu erhalten. Er wandle, wenn möglich, die Kaufgeldforderung in eine Darlehensforderung um (sich: oben unter Rr. 1). Notfalls nehme er di" Hilfe eines Rechtsanwalt) in Anspruch, der weiß, was zu tun ist. Wer durch seine Saumseligkeit Geld verliert, darf nicht das Gesetz, sondern nur sich selbst verantwortlich den tthir. Nack einigen Stunden frohgestimmter harmonischer Geselligkeit schied man mit dem Vorsatz, in fünf. Jahren nach Vollendung des 65. Lebensjahres wieder in festlicher Weise zusammenzukommen. U Großen-Linden, 20. Dcz. Am Mittwochabend sand unter dem Vorsitz deS Bürgermeisters Lang eine Gemeinderatssitzung statt. Die Chaussierung der Ranzenschneife im Gcmeindetoald wurde beschlossen und soll alsbald in Angriff genommen werden. Der Antrag auf Gewährung einer Winterbeihilfe, der in der vorletzten Sitzung zurückgcstellt worden war, wurde genehmigt. Die Auszahlung soll bestimmt noch vor Weihnachten erfolgen. Eine Eingabe der Gewerbetreibenden an den Minister des Innern wegen der hohen AuS- schlagssätze für 1929 wurde vom Bürgermeister verlesen. Hiernach betragen die Sätze für das Anlage- und Betriebskapital 200. für den Ge- tocrbcertrag 450 und sollen die höchsten in ganz Oberhessen sein. In den Aachbargemeinden, wie Heuchelheim, habe man Sätze von 50 bzw. 210, in Wieseck 92 bzw. 210, in Lich 60 bzw. 220 usw. Hierdurch werde die Konkurrenzfähigkeit der Großen-Lin'cener Gewerbetreibenden unmöglich gemacht, was die ernstefien Folgen zeitigen mühte. Ein Gewerbetreibender vom Gemeinderat trat energisch für die Herabsetzung dieser Sätze ein und wies durch Beispiele und Vergleiche auf die schädlichen Auswirkungen so hoher Sätze hin. Der Punkt wurde vertagt. Einem Antrag deS Arbeiter - Samariter - Bundes um at» fte, tote toit 6te Rorvmnerrkaner. den Perser- lönig zum Garanten für den Frieden deS Antol- kidas machten, der PanhellaS als Idee endgültig zu Grabe trug. Es hat einst ein geistiges Paneuropa gegeben, als eine aristokratische Ooerschicht wesentlich germanischen Blutes, deren führende Menschen das ganz romanische Form- und Btt- dungserbe bewältigt hatten. Dieses gctfhge^an’ europa stand in einer Seelenstimmung zusammen, bie z. D. Europa bei St. Gotthard a. d. Raab verteidigte. _ Es ist der furchtbare Irrtum unserer demokratischen Zeit, daß sie glaubt, es könne a u S wirtschaftlichem Zwang etwa auf dem Wege der Rationalisierung, getoisfermoßen so ähnlich, wie man eine Revolution in eine Lohnbewegung umbog und im materialistischen Sumpf ersticken tiefe, eine p a neu r opä i sche Flur- berelntgung geschaffen werden, wie ein Trust oder eine Verkaufsgewerkschast, und könne man das dazu etwa nötige „Seelische" Hinzupropa- gieren. Den wirklichen Paneuropäern ist ihr Gedanke Herzenssache und ihnen fehlt die 6celenfhm- mung nicht: aber man wird ihnen den Vorwurf machen müssen, daß sie nicht wählerisch im Heranholen der Vorspannpferde sind, dre ihre 3oee in den Raum hineinziehen sollen. Hwr aber liegt vielleicht ihr entscheidender Fehler. Professor Obst bat sicher ganz recht, wenn er die Behauptung der Erdteilstellung Europas eine Frage seines gemeinsamen Kulturbewutzt- sein- nennt Je mehr es sich amerikanisiert oder bolschewisiert, um so mehr verliert es diese Sonderstellung und wird amerikanisches ober eurasiatisches Anhängsel. Und die Gefahr zeigt sich auch darin, daß Europa, wenn eS noch Voll- geltung als Weltteil besäße, der einzige wäre, der ein blutüberfülltes Herz mit zuviel Volksdruck in seinem Ker n - raum hat. Bei allen anderen Weltteilen ist der Devölkerungsdruck ein peripherisches Problem: im Innern sind »tote Herzen" (Aßen. Australien), „wide, lone Lands“ (Australien, Rordamerika) oder wie in den tropischen Ernährungsräumen der Zukunft. Afrikas und Südamerikas. auf denen soviel Hoffnungen bei zunehmender Uebervölkerung der Erde ruhen, unter- bewohnte tropische Hylaea. Rur Europa miß- handelt durch Verstümmelung, Zusammendrücken im Lebensraum am meisten sein Herz, in dem wir Deutsche nun eben einmal wohnen. Solange das Herz aber im verzweifelten Druck es ablehnen muß. fein Letztes für einen Gesamtkörper herzugeben, der eS mit einem in der Weltgeschichte einzig dastehenden ©ctoaltfrieten verstümmelt hat. solange wird der Körper nicht verlangen können, daß dieses Herz in ihm auf« «ehe. Etwas Aehnliches hat schon MeneniuS Agrippa in bezug auf den Magen der römischen Plebejer in seiner berühmten Fabel beigebracht. Die Römer sollen es verstanden haben. Die Paneuropäer verstehen es noch nicht. Zu keiner Jahreszeit hat die Geschäftswelt im allgemeinen mehr die Augen aufzutun. als am Jahresschlüsse. An ihm drängt sich so vieles zu- s.-'mmen das Weihnachtsgeschäft, das in die en Cafere erstmals am 21. Dez., nachm. spä estenS um 6 Uhr. im Ladenverkauf sein gesetzlich sestgelegies Ende findet, die Reklamatioren, die dann und wann zu erfolgen pflegen, schließlich ber CBüdjer- abschluß und die Inventur. Gar manchem Geschäftsmann graut vor diesen Dingen. Und in den Büchern steckt vielleicht so mancher Posten, der mit dem Ablauf deS 31. Dezember rechtlich untergeht. Die Silvesterglocken läuten gar manchem Recht zu Grabe, das vielleicht, wie eine Darlehensforderung. jahrzehntelang bestanden hat. Verjährung! Für den Missetäter im Strafrecht eine Erlösung! Für den ehrbaren Kaufmann in Handel und Wandel ein Drohwort. oder gar ein schlimmer Verlust. Tue die Augen auf oder den Beutel! Stecke, vulgär gesprochen, die Rase in deine Bücher und Akten! Prüfe, ob mit dem Jahresschlüsse eines deiner Rechte — fast stets kommen nur Forderungsrechte in Frage — erlöschen wird, und toenn ja, so tue die nötigen Schritte, um dich vor Schaden zu bewahren. Denn immer wieder wird vom säumigen Schuldner vor Gericht die Einrede dec Verjährung erhoben, und der Kläger. der vielleicht im besten Rechte steht, muß eS erleben, daß sein Vorgehen erfolglos bleibt und daß er zu allem Aerger und Schaden auch noch die Kosten eine« verlorenen Prozesse« tragen muß. Mas versteht man im Rechlsleben unter Verjährung? Sie ist der Erwerb von Rechten durch Ersitzung oder Verlust von Rechten aller Art durch Ablauf einer bestimmten Zeit. In letzterem Falle spricht man von erlöschender Verjährung. Don dieser allein soll hier die Rede fein. Durch Zeitablauf wird es dem Fordernden, dem Kläger, unmöglich gemacht, einen Rechtsanspruch zu erzwingen, der an und für sich besteht, toenn sich der Schuldner nicht auf die Verjährung beruft und sie nicht im Prozesse geltend macht. Die Verjährung des bürgerlichen Rechts soll hier in erster Linie aügehandelt werden. Rach Paragraph 225 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB.) farm die Verjährung durch ein Rechtsgeschäft (Vertrag) weder ausgeschlossen, noch erschwert werden. Bei Kauf- und Werkverträgen ist allerdings die vertragsmäßige Festsetzung einer besonderen Verjährungsfrist zulässig. kommt jedoch in der Praxis kaum vor. Die Verjährungseinrede kann — sie muß es selbstverständlich nicht — im Prozesse im Wege derEinrede geltend gemacht werden. Sie ist niemals daS lauterste Mittel im Kampfe ums Recht, und dennoch muß sie bestehen, d. h. vorgebracht werden können. Denn cs geht nicht an, baß ein Gläuhiger noch stach Jahr und Tag kommen und eine Rechnung präsentieren tarnt, die längst aus dem Gedächtnis des anderen Teils verschwunden ist und von der etwa der Käufer einer Ware glaubt, daß sie längst I bezahlt sei. Deshalb trägt das Aechtsinstitut der Verjährung dazu bet, geordnetere, sicherere Zustände im Verkehrs- und Rechtsleben zu schassen. Es hat deshalb neben einer materiellen Wirkung geradezu auch eine erzieherische Seite. Sie zwingt den Geschäftsmann zur Ordnung. Der Schuldner aber, der in voller Kenntnis der Tatsache, daß er eine Rechnung noch nicht bezahlt hat, die Forderung eines Lieferanten oder Arztes zunichte macht, wird keinen Anspruch für sich erheben können, daß er vornehm, oder auch nur anständig handle, ilnb doch können Rechtsansprüche nicht ewig dauern. Sie müssen einmal ein Ende haben: sonst litte die Rechtssicherheit not. Andernfalls träte auch niemand mehr nach langen Jahren, toenn alle Beweismittel verloren gegangen, etwa alte Paviere vernichtet worden oder Zeugen gestorben sind, vor einer frivolen Klage sicher. Der Verkehr erfordert klare, sichere Rechtsgrundlagen. Schon das bloße Bestehen der Verjährung zwingt daher den Gläubiger, sich auf ihre einredeweise Geltendmachung gefaßt zu machen und sich danach einzurichten. Jeder Lehrling sollte schon wissen, daß das einfache Verschicken von Rechnungen. oder daß noch so schone oder grobe Mahn- I schreiben niemals eine laufende Verjährung unterbrechen, selbst dann nicht, trenn sich der Schuldner auf sie ausschweigt, d. h. solche Mahnschreiben unbeantwortet läßt. posten von 168 Mk. voll gedeckt, während für Schuldentilgung 375 Alk. b:n"fgt werden. Der Gesamteinnahme aus der Betr'.ebs- rechnung mit 40 244 Mk. stehen an Gesamtausgaben 66 244 Mk. gegenüber, mithin find noch 26 003 Ml. durch Gemeind e Umlagen auszubringen. Die Derrnögensrechnung zeigt in Kapitalien- und Erncu:rungSsonds in Einnahme und Ausgabe je 395 Mk. Der Voranschlag fand die Genehmigung des Gemeinderats. Die Au^schlagssätze für die zur Erhebung kommenden Umlagen werden demnächst sestgelegt. Landkreis Gies;en. X Klein-Linden, 20.Dez. Der Altveteran Landwirt Johann Georg Schmidt konnte am Mittwoch in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 8 7. Geburtstay Im Kreise seiner An- gehörigen begehen. Aus diesem Anlaß übersandte ihm der Reichspräsident sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift. Der Vorsitzende des Kriegerver- eins überbrachte die Glückwünsche des Vereins und überreichte dem Jubilar gleichzeitm im Romen der „Hassia" ein Weihnachtsgeschei'.k. Auch die andern drei Altveteranen, die noch lebenden Witwen von solchen wurden von der „Hassia" mit einem Weih- nacht:gesehenk bedacht, das von dem Vorsitzenden des Kricgervereins überreicht wurde. * Großen-Linden. 20. Dez. Die im Jahre 1869 geborenen Alterskameraden veranstalteten hier in der Gastwirtschaft „Zum Hüttenberg^ eine schlichte 6 0 e r - F e i e r. Die Veranstaltung, zu der sich fast alle Alterskameraden und Alterskameradinnen ein- gefunben batten, nahm bei Kaffee und Kuchen einen yarmoniscyen Verlauf. Zur Freude aller Teilnehmer hatte sich auch der jetzt in Lang-Göns im Ruhe- stand lebende Lehrer Diemer. zu dem die jetzigen 60er seinerzeit in di« Schule gegangen waren, ein- gesunden. Herr Diemer war von der ihm bei dieser Gelegenheit bekundeten Anhänglichkeit seiner ehemaligen Schüler sichtlich gerührt und dankte in I herzlichen Worten für die Ehrung, die ihm mit der I Einladung zu dieser Wiedersehensf«i«r bereitet wor- Liefer Sitzung dürfte wohl der alle GemeinLerat seine Arbeit abgesch.os>en hacren. Vier Mitglieder scheiden durch dre Äeuwahl aus, die anderen acht werden im neuen Parlament ihre Arbeit fortfetzen. — Lurch Len inzwischen emgetretenen otoft wurden die Arbeiten am Denkmalsbau eingestellt. Der größte Teil der Waurer- arbd.cn an der Umfcf,unglmaucr ist fcrLggeftellt, die Schriftplatten vom Steinhauerrneifter Schrader, Leihgestern, find angeliefert. Auch der eigentliche Denkmalstein liegt fertig bearbeitet zum Aufstellen im Bruch von H. Schmiede- knecht zu Londorf, so daß im Frühjahr bald mit der Fertigstellung des ganzen Gefallenendenkmals und seiner Einweihung gerechnet werden kann. ck. Heuchelheim. 20. D:z. Dieser Tage fand hier in bei Wirtschaft ..Zum Schwanen" eine Dürgervcrsammlung zwecks Gründung eine- Bürgervereins statt. Rach cing h.nde Beratung wurde die Gründung dieses Vereins einstimmig beschloßen. Die Vorstandstoahl'hatte folgendes Ergebnis: Fr. Karl Rinn, 1. Vorsitzender; PH. Böhmer, 2. Vorsitzender; Hermann Renschling. Schriftführer; Hermann Frei- t a g, Kassierer; V. Ludw. Christ, Wilhelm Reidel, Ph. Rinn I. und Hermann Volkmann, Beisitzer. * Lumda, 20. Dez. Auf Veranlassung des hiesigen Spar- und Darlehnskassen-Ver>- eins hielt im Saale von Hch. Schultheiß der Diplomlandwirt Gagel von der Deutschen Superphosphatindustrie einen Vortrag über neuzeitl che Düngerlehre. Der Vortragende erläuterte in mehr- stündigen Ausführungen an Hand eines im D U» kreis aufgenommenen Filmes die richtige Anwendung der verschiedenen Arten von Kunstdünger und 'deren Rentabilität. Der Vortrag wurde mit leb- Haftern Beifall aufgenommen. Die Genossenschaft erachtet es als ihre vornehmste Ausgabe, den Landwirten durch aufNärende und belehrende Vorträge die zweckentsprechende und nützliche Anwendung von Kunstdünger bekanntzugeben, um sie dadurch vor unwirtschaftlicher und verlustbringender Verwendung der Düngemittel zu bewahren. 6 Göbelnrod, 20. D'z. Heute fand hier eine gemeinsame Sitzung drS Schul- und G e- meindevorstandes statt wegen d.s Reu» baueS eines Schitlhauses. Das zulctzt beschlossene Bauvorhaben, in dem der Umbau des jetzigen SaaleS unter Anbau eines Stückes vorgesehen war. wurde wegen der Unüberseh- barfeit des Aufbruches aufgegeben. Rach dem neuen Plan, den Bauinfpeltor Kimvel vom Hochbauamt vortrug, wird der alte Saal auf- geteilt in zwei Zimmer und eine Kleiderablage und ein völlig neuer Saal auf der Rordseile angebaut. Rach eingehender B ratung und Lolal- schau wurde dieser Plan einftiiimvig angenommen. Der Plan wird nun sobald al- möglich in Ausführung genommen und bietet auch die Möglichleit, in späteren Jahren einen Detsaal aufzubauen. -s- Grünberg, 19. Dez. Auch in diesem Winter veranstaltet die Volkshochschule Gießen hier eine Anzahl Vorirage. Diese finden im Zeichensaale der Volksschule ftaXt, den die Stadt unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. Bis jetzt haben folgende Vorträge stattgefunden: „Musithören". Einführung in das Verständnis von Musikwerken von Franz Dauer junior, Gießen. „Goethes Lyrik" von Lehrer Heinrich Frank, Gießen. „Was sagt die heutige Wissenschaft über die Abstammung des Menschen? Richtiges und Falsches int Darwinismus" von Dr. W. Malech, Gießen. Besonders für das letzte Thema schien großes I.teresse vorhanden zu fein, denn der zweite Abend dieses Vortrages, der mit Lichtbildern stattfand, zählte eine Besucherzahl von 55 Personen. Rach Reujahr stehen noch zwei weitere Vorträge in Aufsicht. Zunächst spricht ' Pfarrer Rheinfurt, Brauer- schwend über „Kriegtzliteratur der Gegenwart. Die Sinnüeutung des KriegserlcbnisseS". Weiter wird dann Dr. W. Malech, Gießen, noch behandeln „Reform in Lebensführung und Gesundheitspflege". Kreis Friedberg. PB 4 bet 7m1*11 19 Ä"? -k- Sh.ift J?Hb ®%hi ^nloij, ste» ML b über NWissEr Erläuterte in mchr. eine; im D ll. 'Mg- »nwen. Dn ^nltbunger und °S wurde mit Ich, ä.S'V"1"?1* «“lawt, den Lund, Lehrende Vorch cye Anwendung W 111 fie dadurq wt S-nder Verwendung Heute tanb hier 2chul« unb 0c» Kegen b.8 Heu» uliS. 2uZ zuletzt > d:m b?r Umbau Inbau eines StüdeJ en der Unüktlcj» Mben. Aach km tot Äimbti t>om der alte Saal auf» rin: flkiterab.'cge auf der 3orbleite Biafunj NW infltatifl mgenom» baß alt ni.'glich in iitti euch die Wg« im 2:l!aal achu- TheaKrbeirlMeme'Maff Darmstadt-Minz? Gine Darmstädter Darstellung. Die Hessische amtliche Pressestelle teilt unS mit: Der Fehlbetrag deS Hessischen S? o n - deSthea terS hat trotz sparsamster Wirtschaftsführung eine Höhe erreicht, die für die Tröger dcS Instituts nicht mehr tragbar ist ein Vorgang, wie er an allen gemeinnützigen Bühnen in Deutschland festzustellen ist. Die Aegierung und die Generaldirektion des Landestheaters sind daher schon lange mit der Prüfung der Frage befaßt, wie sich der Fehlbetrag ohne allzugroße Schädigung des künstlerischen Niveaus der Leistungen senken läßt. Es ergaben sich zwei Möglichkeiten: einmal die Ersparungen in dem Betrieb selbst, die sich natürlich in wesentlichen Einschränkungen auS- wirken, müßten, dann aber die Verbindung mit benachbarten Bühnen in Form von Gemeinschaftsbetrieben oder A u S - taufchga st spielen. Es haben eingehende Berhandlungen r. it den Theaterverwaltun^en und Bühnen des Ah.in-Mainischen Gebiets (tätige- sunden, die zu dem Ergebnis geführt haben, daß ein Zusammengehen mit dem Main- ze r Stadttheater dir größte Aussicht auf Verwirklichung hat. DaS Siadtthentar Mainz ist ohne Hilfe von anderer Seite nicht mehr in der Lage, feinen Betrieb in dem seitherigen Umfang mit den drei Spielgattungen, Schauspiel, Oper und Operette, au, rechtzuerhallen. Dagegen bietet eine Zusammenarbeit mit Darmstadt, und zwar durch Einbeziehung des Stadt- thcaters Mainz in einem Geme'.nfchafts- betrieb unter einheitlicher Leitung als Landestheater Darmstadt — Mainz die Aussicht, daß Mainz in dem Genuß sämtlicher Spielgattungen bleibt und daß die künstlerischen Leistungen der gemeinsamen Bühne, gemessen an dem Standard der Darmstädter Bühne, keine Einbuße zu erleiden brauchen. Eine Reihe von außerordentlich schwierigen Vorfragen milf.en geklärt werden, und zwar solche finanzieller, künstle ischer, organisatrr scher, beir ebsle ni'cher und nicht zuletzt sozialer Art. Es ist selbstoer- ständlich, daß ein solcher Gemelnschastsbetrieb ohne Einschränkungen In den verschiedenen am Theater beteiligten Berufsgruppen nicht einzurichten ist. Zu irgendeiner auch nur grundlegenden Festlegung, insbesondere auch über eine künftige Verteilung der Spielgattungen auf beide Bübnen, ist es bis jetzt nicht gekommen. Presse- nachrichten, die hierüber bereits Mitteilung machen, find nicht zutreffend. Die Oesscntlichkeit wird rechizeitig unterrichtet tocr'en, sobald die Verhandlungen soweit geklärt sind, daß eine authentische Mitteilung gegeben werden kann. Einzelheiten aus Mainz. WSV. Mainz, 20. Dez. 3n einer Pressebesprechung gab Bürgermeister Hi emenz einen Lleberbliek über d'.e seit Jahren zu Rat'o alisie- ruags- und E.spar.ismaßnahmen gepilogenen Verhandlungen zum Zwcck: einer Zusammenlegung der Theater im rhein-maini- schen Wirtschaftsgebiet, die j:tzt dazu gesührt haben, daß die Städte Mainz und Darmstadt und der hessische Staat in Verhandlungen eingctr:ten sind, um dis Darmstädter und Mainzer Bühne zu einer Betriebs- aemeinschaft umzuwanheln. Tie Verhandlungen haben zu einem gewissen Ergebnis gesührt. Danach sollen die beiden O r ch e st e r, wenn auch in verkleinertem llmfa g. in Darmstadt und Mainz erhalten bleiben, so daß sie bei Konzerten und großen Opern sich gegenseitig ergänzen müssen. Das Personal von Oper und Schauspiel soll zusammengelegt werden. Dadurch Netzen fch De'rl^b^r'parT-rsfe erzielen, ohne die lünst.erische O-ua.Eät d:r Darbietungen zu becinträcht grn. Sieber die Frage, wohin nun Oper und Schauf-iel gelegt werden sollen, feien noch keine endgültigen Be'ch'üsfe gefaßt. Darmstadt wird wahrschem ich die Oper und Mainz Schauspiel und Operette erhalten. Auch Chor und Ballett in beiden Städten müssen sich Herabsetzung ihrer Stärke gefa.len lassen. Aach d.n Be- reebnungen von Bürgermeister Hiemenz scheine diese Lösung der einzige Weg zu fein, um die beiden Bühnen zu erhalten, w.'nn auch unter immer noch beträchtlichen finanziellen Opfern. Die B flechungsaffäre keim Sronffurfer Hochbauami. WSA. Frankfurt a. M, 2). Dez. Wie bereits mitgeteilt, sind sieden Beamte des Hochbau a m t e s wegen passiver Bestechung ihres Dienstes enthoben worden. Wie es heißt, handelt es sich um Bauführer, Inspektoren und Oberinspektoren. Die betreffenden Beamten scheinen ein stilles llcbvrelniommcn untereinander und mit den Handwerkern getroffen zu haben, nach dem sie bei Vergebung von Arbeiten einen best imm ten Satz bekamen. Da ür wurde dann dem betreffenden Handwerker drr Auftrag zugeschoben. Zuletzt wurden 1 0 Prozent der AuftragSsumme gefordert und auch bezahlt. Man nannte diesen Satz nur noch »Zehnt", und die Beamten hatten mit den Handwerkern bereits Türen ausgemacht, an denen sie an den Zahltagen der Stadt an die Handwerker bereitstanden, um ihren .Zehnt" In Empfang zu nehmen. Teilweise gingen die Beamten soweit, ihren „Zehnt" auf telephonischem Wcge einzufordern mit der Bemerkung: ,W o bleibt mein Geld!" Wer sich weigerte, die Abgabe zu zahlen, fand keine Derücksich- tlgung mehr bei der Arbeitsvergehung. Die Anzeige ist von einet Firma erfolgt, die früher feLft die Schmiergelder gezahlt hatte. Slabtrak May halte schon längere Zeit Verdacht, daß bei der Vergebung der 21t Seiten etwas nicht stimme. Er konnte a cr erst jetzt einschreiten, nachdem sich der Verbacht durch Beweise verdichtet hatte. Die maßgebenden Stellen haben den festen Wil en, Klarheit und Sauberkeit zu schaffen, und Stadtrat Ma) hat auch die Ha rd- werkslammcr ge c en, an der Aufdeckung der Sache nach Krästen niitzuhelfen. Spielplan ver frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag. 22. Dez., 20 618 22.45 illjr: Cavalleria rujti:ana. Hierauf: Der Bajazzo. Montag, 23. Dez.. 19 bis 23 Llhr: Lohengrin. Dienstag, 21. Dcz.: Geschlossen. Mittwoch, 25. Dez.. 18.30 btS 22.33 Uhr: Lohengrin. Donnerstag, 26. Dez.. 15.30 bis 17.33 Uhr: Hänsel und Gretel. 19.33 bis 22.15 Uhr: DaS 1 and des LächelnS. Freitag. 27. Dez.. 19.30 bis gegen 23 U'c: Aida. Samstag, 23. Dez., 19.30 bis gegen 23 Uhr: Die Caubcrflöte. Schauspielhaus. Sonntag, 22. Dez., 16 bis nach 18 llfjr: Hui, wir sausen um die Welt. 20 bis gegen 22.33 Uhr: Cvankali. Montag. 23. Dez., 15 bis gegen 13 Uhr: Die anders Selle. 20 bis gcen 22.15 Uhr: Marius ahoi! Dienstag, 24. Dez.: Eeschwfsen. Mittwech, 25. Dez., 15.30 bis 17.30 Uhr: Hui, wir sausen um die Welt. 20 bis gegen 22.33 Uhr: Komödie der Verjüngung. Donnerstag, 23. Dez., 16 bis nach 18 Uhr: Katharina Knir. 23 bis gegen 22.15 Uhr: Marius ahoi! Freitag, 27. Dez., 16 bis nach 18 Uhr: Hui, wir sausen um die Welt. 20 bis gegen 22.15 Ufjt: Marius ahoi! Samstag, 28. Dez., 16 bis nach 18 Uhr: Hui, wir sausen um die Welt. 20 bis gegen 22 llfjr: Brülle China. Sprechstunden v:r Redaktion. 1130 bis 12 30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nadjm ttag geschlossen 8 Nur echt in blauer Packung mit dem Bilde des Erfinders 250gr. 0.60 7 00 Jahre unübertroffen MW x für einen überanstreng ten, geschwächten Magen. Bul/richSalz schafft sofort eine geregelte leichte Verdauung und dadurch Wohlbefinden. Lebensfreude ........... 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Dezember 1929 (1. Feiertag), abends 8 Uhr, auf der Liebigshöhe statt. - Gäste können lonrv eingeführt werden. O Der Vorstand. Md GuiaehendeS Laden- aeickäst in Wetzlar sucht Bit 5000.- aus 1. Hypothek bet weiterer Sicherheit aus Privmhand. Schr. Ana. u. 10492D an den Gicsi. Anz. Arbeiter, Ende 40, mit etaenem Heim, wünlcht die Bekanntschaft eines aleick- attrilt. Fräuleins od. Wnwe ohne Ltluder rweses heirat Sckrtttl. Angeb. unt. 0 8170 L d-Gieb. Anz. Gießen Düsseldorf Liebigsir.74 22. Dezember 1929 1880-1930 Wir laden sämtliche Alterskollegen zur Gründungs- Versammlung auf Samstag, den 28. Dezember, abends 8 Uhr,in das Restaurant Faulstich (Saal), Bahnhofstraße 57, ein icichs Loch Konferenz A'ottenaLrr über hinau Mäch!e«Koi । 9l5:üfluncz j — Tericht । deren Te,‘i f tonferenj c. s-ung-vertca r *7 .^ sann Mi Storno j: ! ^tlaa ; 52 fort^ut i ^oi ■®i= Ita, J4. Iü4c 1 A’t j?, treffe ’ chl kJ? ^'Nlich^vl Konsumverein ßießen und Umgegend e. m. b. H« i ______ IÜ464A h/ Nr. 299 Drittes Blatt Außenpolitische Llmschau. Äon Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. 5t Der russisch-chinesische Konflikt ist beendet: die ^Beauftragten der russischen und der Mukdenregierung haben das Protokoll unter- zeichnet, in dem China die russischen Dedin- jungen annimmt, und so den Streit mindestens <1118 der Sphäre der kriegerischen Auseinandersetzung herausgebracht. Beide Regierungen werden nun die Verhandlungen weiterspinnen, um ile ostchinesische Dahnsrage zwischen sich endgültig zu bereinigen. Don der Rankingregierung bot man dabei nichts gehört. Eie gab dafür genau gleichzeitig Siegesnachrichten heraus: Last i'tt Südrebellen geschlagen seien und man hoffe, nun auch des Aufstandes im Rorden Herr zu werden. So wird China wieder länger mit iich zu tun haben und die russisch-chinesische Auseinandersetzung in diplomatischen Verhand- langen weitergehen. Die Welt rechnet damit, daß |ie sich zunächst um den Fernen Osten ' nicht ;a kümmern braucht. Das wird besonders angenehm In Tokio und Washington empfunden werden, weil jetzt die | Dorbereitung auf die Londoner Marine- Ion f e r e n z außerordentlich drängt. Die englisch-amerikanische Verständigung in bezug auf Schiffe ist ja vorhanden. Es scheint aber, als lollte doch auch die Frage der Freiheit der Meere, Les Seerechts, zwischen England und Amerika zur Sprache kommen. So sehr das die . L Verhandlungen erschwert, so wenig wird wohl Hoover wenigstens von einer ersten Erörterung des Problems abfehen können, weil er an diesem Punkte die öffentliche Meinung daheim für sich, für die ganze Abrüstungsaktion, gewinnen kann, die keineswegs von allen Seiten gleich- mäßig in den Vereinigten Staaten gebilligt wird. Nach Frankreich hat Henderson einen Wink herübergegeben, um gleichfalls den Doden für die Flottenloaferenz gut vorzubereiten. Er betonte, daß die Verständigung mit Amerika durchaus nicht einen engen angelsächsischen Vertrag bedeute und durchaus nicht die Trennung ton Frankreich, dessen Freundschaft gerade von ikm sehr hoch geschäht sei und mit dessen QEi» jiiftcr Vriand er auf der Konserenz nun gern zusammenarbeiten werde. Henderson sagte damit n-d)t leere Komplimente. Das für England Ent- scheidende liegt ja in seinem Wort »Wir sind furch die geographische Lage miteinander ver- iunden. Ihr seid unsere nächsten Rachbarn und wenn der Kanal.unnel zustande kommt, tue riet ihr uns noch näjer sein.' So läßt er icutlich erkennen, wo Englands Schwäche liegt unb was England daher an der Seile Frankreichs doch auch festhält. Er hofft, das; auf der ■■ Konferenz das »größte gemeinsame Maß der Flottenabrüstung erreicht werde" und stellt darüber hinaus das Programm: Januar — Fünf- Nlachie-Konserenz, Frühjahr — die vorbereitende Mrüstuncslommiision Les Völkerbundes, Herbst Bericht der Völkerbundsversammlung und toten Beschluß, »die allgemeine Abrüstungs- ionserenz cinzuberusen, auf der ein Weltabrü» smngsvertvag endgültig entworfen werden wird." UAlon kann dieser Bewegung so skeptisch gegen» überstehen wie man will, aber es liegt jetzt, durch England und Amerika hereingelommcn, ein großer Zug in ihr und. wie man sieht, ti:t Plan zum mindesten, der Hand und Fuß hat. . Mit Japan und schließlich auch mit Italien wird man dabei in den Seefragen zur Verständigung kommen. Die Schwierigkeit liegt l:i Frankreich und dessen marinepolitischen Fvr- i.tungen. Sie sind bekannt: Frankreich, wie jede sbwächere Seemacht, ist mit einer Bindung des ,LLinienschifsbaues durchaus einverstanden, aber cs will die Freiheit im Kreuzerbau und im ll-Dootsbau. Zu dieser Frage ist nun im Bericht ht Marinekommission der französischen Kammer - «in sehr interessantes Moment here'.ngekommen. S'.cfe Kommission erörtert die Situation für öle .Abrüstunnslonserenz unter dem Gesichtspunkte to8 deutschen Panzerkreuzerbauti a n s, der mit dem bekannten Kreuzer »A“ hgonnen hat. Und der Bericht stellt nun gegeneinander, daß die Mächte der Woshington- bnlerenz verpflichtet seien, bei Schiffen von Das Erbe -es Herrn von Anstetten. ZRoman von I. Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. L Fortsetzung. Nachdruck verboten „Sie Baronin ist eine wundervolle Frau. Sie reinen ihre ganze Liebe zu besitzen. Da dürfte denn doch nicht so sehr schwer fein, den Mut fri finden, ihr einzugestehen, wie sich die Sache erhält." „Sie sprechen als Unbeteiligter, lieber Doktor." „Als Unbeteiligter?" unterorach ihn Alsworth. Eie wissen: Aucy ich bin durch das Versprechen, n schweigen, belastet. Wenn Sie einverstanden inl, übernehme ich die Mission gerne, zu Ihrer 1c«u Gemahlin zu gehen und ifjr die Wahrheit , si enterbreiten.“ „Ilm keinen Preis!" „Sie werden sehen, verehrter Herr Baron —" „Kein Wort mehr davon, Doktor, oder Sie können mich in der nächsten Sekunde vor Ihren .Jirjea über die Klippen springen sehen." 2lsworth streckte eilig die Hand nach feinem ist in. „Sie könnten mir ruhig vertrauen, Baron Unther. Ich würde alles so bestätigen, wie tt sich zugetragen hat. Der todkranke Mann dort t-ien in Dardschiling — das Ultimatum, welches h ihm schickte, Heimzukommen — die Gewißheit bS Sterbens, die es ihm unmöglich machie, die teile noch anzutreten und wie er Sie beschwor, pult seiner in die Rechte des Gatten und Vaters yt treten, damit das Gut dem Sohne erhalten ble-bc. — Baron, es gibt keine Frau, die da nch! weich wird und Verzeihung findet." .Möglich, Doktor. — Mer eine Gewißheit H>.fid)t trotzdem nicht für mich. Denken Sie nur, !dos Sie empfinden muß, wenn sie hört, daß sie IL'.s Weib eines Mannes wurde, mit dem sie Ardcr nach göttlichem, noch menschlichem Recht schunden ist." ..Die Baronin sieht mir nicht aus, als ob sie «! nlich wäre," bemerkte Alsworth. — „Und Sie Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 2’. Dezember (929 10000 Tonnen und Darunter die Geschützkaliber auf 223 Millimeter zu beschränken, während der Versailler Vertrag Deutschland ähnliche Verpflichtungen nicht auferlege, der neue deutsche Panzerkreuzer stehe also außerhalb dieser Berechnungen. Daraus zieht die französische Kam- merkornrnißion eine bemerkenswerte Konsequenz: entweder müsse man die Bestimmungen des Abkommens von Washington ändern (womit die ganze mühselige bisherige Einigung in Frage gestellt wird) oder — man müsse zu einer Verständigung mit Deutschland kommen und dieses zur Konferenz auch einladen. Das Gewicht dieser Begründung wird noch dadurch verstärkt, daß auch auf andere Mächte hinge- toiefen wird, z. B. Spanien, das nicht zu den Signatarmächten von Washington gehöre, also beliebig ähnliche Schiffe bauen könne, weshalb das Flottenabkommen eben auf die Mächte zweiter Klasse überhaupt auszudehnen sei. Die französische Absicht ist natürlich, durch Derartige Hinweise von vornherein Die Londoner Arbeit zu erschweren, die Sabotage ist das leitende Prinzip Der ganzen französischen »Ab.üstungs- Politik'. Aber sowohl in London wie in Washington wird man nicht bestreiten können, daß in einem solchen Hinweis auf Deutschland und Spanien etwas Richtiges liegt und daß die Marineabrüstung, wenn sie wirklich etwas bedeuten soll, nicht einfach von den Seemächten ersten Ranges unter sich ausgemacht werden kann. Inzwischen haben Macdonald und fein Kabinett Die Köpfe ganz voll von Den inneren Fragen. Am 12. hat das Kabinett die erste Kohlenbill im Unterhaus vorgelegt. Sie nimmt ein englisches Koh'ensynLikat, einen vollständig obligatorischen Zusammenschluß Der Zechen in Aus ficht, ferner einen' Untersuchungsausschuß, Der Die Preiskontrolle im Interesse Les Verbrauches ausüdt; ferner die Herabsetzung der Arbeitsschicht von 8 auf 7l/t Stunden (Juli 1931 folgt dann automatisch die Rückkehr zum 7-Stundentag) und schließlich eine staatliche Stelle für Die Fragen der Arbeitszeit, der Arbeitsbedingungen und vor altem Der Löhne, also eine staatliche Lohnprüfungsstelle. Die Vorlage hat sofort eine politische Krise herauf- beschworen. da beide Oppofitions-arteten gegen sie sind. Eine Riederlage in einer so wichtigen Frage aber könnte Las Kabinett Macdonald nicht aushalten. Indes wird Wohl keine Krise daraus werden, weil die beiden Oppositionsparteien gegen verschiedene Teile der Vorlage sind. Die Liberalen sind für Herabsetzung der Arbeitszeit und die Lohnprüfungsstelle, lehnen aber das Syndikat, die Verkaufsgenossenschaft ab. Die Konservativen wieder wollen nicht die Lohn- prüsungsste'l" -nd Die Herabsetzung der Arbeitszeit und sind für Die Zwangsorganisation. Dieser Vorgang zeigc wieder, wie wenig sicher das Labour-Kabinett steht. Es muß außerordentlich vorsichtig und elastisch operieren, wenn es- sich längere Zeit halten will. Bringt es diese Kunst auf, kommt cs über Koh^envorlage, Arbeitslosigkeit, Budget hinweg, so kann es. wie wir meinen möchten, 1 bis l1/« Jahre für sich rechnen, und das wäre wegen der großen außen- politischen Ziele und Arbeit, Die das Kabinett sich gesetzt hat, im Interesse Der Weltfriedensordnung nur zu wünschen. Aber noch in'erefan er ist uns an diesen englischen innerpoliti.chen Vorgängen das Südliche, Das Programmatische, programmatisch Reue. Man faßt einen so wichtigen W'.rtfcha-ts- zweig wie Den Kohtenbau jetzt eben doch staats- organisatorisch an. Der Sozialismus in England kommt auf etwas Pfanwirtschaftliches hinaus. Und die Konservativen, die auch in einer inneren Umbildung sind, die Gruppe der jungen Konservativen darin vor allem, stehen Dem aufgeschlo sen entgegen. Diese jungen Konservativen. für lie etwa'cer Ab. erri re e Boothöy spricht, sehen ein, daß mancher.'ei Anschauungen und Einrichtungen der Vorkriegszeit in England nicht mehr gelten können und daß England in seiner industrielien Organisation hinter Amerika und Deutschland zurückgeblieben ist. Sie scheuen daher vor Dem Satze nicht mehr zurück, daß, wie Boothb) sagt, das Wirtschaftsleben heute keine Privatfache mejr fei, sondern eine Sache des Staates. Mit diesen Gedanken» gängen von Links und Rechts vermag die sind doch zwei Menschen, Die sich lieben! — Und dann, Sie haben doch jedenfalls nicht Die Absicht, diese Frau heute oder morgen im S.ich zu lassen." „Wie können Sie denken', fuhr Anstetten auf. „Ich werde bis zu meinem letzten Atemzuge bei ihr blciöen, vorausgesetzt, daß nicht alles einmal ein jätzes Ende nimm.! — Ein Ende mit Schrecken, Doktor." „Sie haben es selbst in Der Hand, Baron." „Ich weiß es. — Und trotzdem! Sie können nicht ahnen, wie sehr ich diese Frau liebe!" „Und Den Sohn des Toten?" „Richt weniger! — Wenn auch Brunhilde Die Täuschung verleihen wollte, Bernd könnte es nie und nimmer. — Lassen wir s also! Ich sonne mich in meinem Scheinglück, bis es zur Reige geht und trete Dann vom Schauplatz ab. Ich möchte Sie heute schon um Ihr Versprechen bitten, mir einen Platz neben Hans Peier zu geben. Ich glaube, ich habe es verDient, Seite an Seite mit ihm zu ruhen." „Gewiß, Baron! — Obwohl ich hoffe, Daß es noch eine andere Lösung gibt, als diese. Jedenfalls bedarf es nur einer Aufforderung Ihrerseits, und ich nehme die heikle Angelegenheit in Die Hand unD regle Sie zu Ihrer vollsten Zufrie- Denheit." „Ich werde mich Ihrer Worte erinnern, Doktor. — Wollen wir nun wieder zurückgehen? Ich möchte noch gerne ein Glas Wein mit Ihnen trinken, wenn Sie nicht zu müde sind." »Schlafen wäre mir jetzt eine Unmöglichkeit", war Die Antwort. Es ging schon gegen zwei Uhr, als Die beiden Herren nach Dem ersten Stock hinaufstiegen, um sich zur Ruhe zu begeben. Anstetten nahm schon vor Der Türe des Zimmers Die Schuhe ab, unD trat lautlosen Fußes ein. Die ©arDinen hingen reglos. Ihr Muster warf würfelförmige Schatten üaer Den gelten Teppich, Der Den Böden bedeckte. In Dem breiten Doppelbette lag Drunhildes blonDer Kopf in Die Kiffen geDrüdt. Das schöne Gesicht war von mattem Rot überhaucht unD Der feingeschwungene MunD zu einem leichten Spalt geöffnet. Der Munn stanD ohne Bewegung und sog jede Linie Dieses herrlichen Körpers in sich ein. Roch war Dies alles sein Eigentum! Wenn er sie liberale Partei LlohD George- einfach nichts anzusangen: sie hat in sich, in ihrem Programm, nichts, was das aufnehmen könnte. Sehr charakteristisch paßt es dazu, daß man über diesen Fragen rasch weiter kommt in Absichten, einen nationalen Wirtschafts - rat, der in Krisenzeiten die Regierung beraten solle, zu bilden. Macdonald beschäftigt sich Damit. Man denkt an einen Rat von 25 Mitgliedern aus allen Parteien, Wirtschaftsführern. Gewerkschaftlern, Theoretikern, ständigen Beamten. In diesem Wirtschaftsrat wäre natürlich erste Aufgabe das Thema der Arbeitslosigkeit. Kurz: Auch hier Reues und Umbildendes, waS zum letzten Punkte gerade Darum so interessant ist, als ganz genaue Parallelen Damit in den letzten Wochen, ja Bemühungen HooverS, vor sich gegangen sind. Eomohl Der Außenpolitiken wie Der Wirtschaf.spolitiker Deutschlands hat allen Anlaß, dergleichen genau zu verfolgen, als Zeichen einer Bewegung, eines, wie wir das nennen möchten, reformerischen Kapitalis " m u s. Und nur ein solcher wird — eine Lehre, Die recht sehr auch für unser Deutschland gilt — ein wirklich dauerhaftes Bollwerk gegen Len Sozialismus sein! DerWechsel im GießenerEtadirat. Am vorigen Dienstag ist das alte Gießener Stadtratskollegium nach Ablauf seines Manda'eZ mit Dank und Anerkennung für Die in vierjähriger Arbeit Der Stadt Gießen geleisteten Dienste verabschiedet worden. Der neue ©tabtrat wird sein Mandat am 1. Januar 1933 ü -ernehmen und es hoffentlich in ebenso gedeihlicher Weise ausüben, wie das abgetretene Parlament. In diesen Tagen zwischen zwei Kollegien erscheint es angebracht, sich das veränderte Bild in Der Zusammensetzung des Stadtrates, wie es durch den Ausfall der Kommunalwahl am 17. Rov. gestaltet wurde, vor Augen zu halten. Auf Der rechten Seite des Hauses hat es bei Den Deutschnationalen Die einschneidendste Veränderung gegeben. Von der alten Stadtrats- fratiion kehrt lediglich dec seit 1923 dem Kollegium angehörenLe Bauunternehmer Georg Becker in Den neuen Stadtrat zurück. Für das neue Parlament kandidierten nicht wieder der seit 1919 im Stadtparlament tätige Landgerichts- Direktor Schm ahl, die ebenfalls seit 1919 mit« wirkende Frau Prof. Kramer, Der seit 1923 dem Kollegium aageßörende Universi ätsprofessor Dr. Borgmann und Der von 1923 bis 1925, dann wieder seit 1929 amtierende Landwirt Heinrich ©ottmann. Das Ausscheiden dieser Personen aus dem Stadtrat ist, vom Standpunkt Les kommunalen Allgemeinintere.scs aus gesehen, ein schmerzlicher Verlust. Mit Landge- richtsdirektor S ch m a h l geht der Arbeit im Stadthause ein Kommunalpolitiier und Jurist von bemerkenswertem Format verloren. Der durch seine kluge und einsichtsvolle Art, durch seinen Weitblick, gepaart mit vorsichtiger Abwägung Der Dinge und Klarheit des Handelns, wie auch durch seine hervorragenden Eigenschaften als Jurist, als guter Kenner des Etats und als geschickter Fraktionsvorsitzender Der Arbeit für Las Allgemeinwohl wertvolle Dienste geleistet hat, die man künftig wohl noch manchmal sehr bermiffen wird. Durch klugen Rat, sorgsame Umsicht und großen Eifer zeich Tete sich auch Frau Prof. K r a m c r bei der Ausübung ihres Mandats aus. InsbIonoere Den Fraueninteresfen war sie dank ihrer langjährigen und hervorragenden Führerschaft im Alice-Frauenverein und ihrer unermüdlichen Mitwirkung als Helferin aller sozialen Bestrebungen auch im Stadtrat eine verdienstvolle Vorkämpferin, deren Stärke weniger im rednerischen Auftreten im Plenum, als vielmehr in der sachlichen Gestaltung der Dinge in den Kommissionen lag. Mit dem Rücktritt von Prof. Dr. Borgmann verliert das Haus eine Kraft, die b: sonders als fachkundiger Beurteiler und Förderer unseres Stadtwaldes von größter Bedeutung- für die Beratungen und Entscheidungen des Stadtrates hinsichtlich des städtischen Waldbesitzes war. Man darf wohl .annehmen, daß Prof. Borgmann natürlich auch künftig seinen Rat zum Besten unseres Waldes nicht versagen wird, aber sehr bedauerlich ist es, daß seine Mitarbeit im Stadtrat selbst künftig nicht mehr erfolgen kann. Der einzige Landwirt im Stadtrat war bisher der Oekonom G o 11 - mann, mit dessen Ausscheiden nun auch die wertvollen Kenntnifse und Erfahrungen Dc3 landwirtschaftlichen Fachmannes Dem Hause für Die nächsten vier Jahre verloren gegangen sind. Die Vertretung der Deutschnationalen Dollspartei im neuen Stadtrat, Die künftig keine. Fraktionsstärke mehr haben wird, hat noch vor Beginn des jetzt rief, wurden diese weißen Arme sich willenlos um seinen Hals schlingen, und dieses blühende Lippenpaar unter dem Kusse des seinen zu leisem Gestammel erwachen. „Brunhilde!" Die schlaftrunkenen Lider hoben sich und fielen wieder herab. Er setzte sich auf Den RanD Des Bettes unD nahm Die schmalen, kühlen Hände in Die seinen. »Hilde! — Ich habe Dir etwas zu sagen!" Der Wein hatte eine Stimmung in ihm geschaffen. Die ihn mit weltzerreihender Kraft erfüllte. Wer weiß, wann er wieder von solchem Mut beseelt war. »Brunhilde!" Ihr Kopf glitt neben feinen Arm und blieb dort ruhen. »Hörst du mich, Geliebte?" „Ach Bernd! — Was bist du für ein großer, Dummer Junge!" „DernD!" Der Mann war jäh ernüchtert. Der Sohn stand vor ihm und hielt die Hände gegen ihn gespreizt: „Betrüger!" Brunhildes Kops fiel zur Seite. Die Fäuste gegen die Augen gedrückt, sank Anstettens Körper vornüber, immer tiefer und tiefer, während die Lippen verständnislose Worte lallten. Als Die Baronin gegen Morgen erwachte, starrte sie ungläubig auf Den Gatten, der vor ihr auf Dem Teppich lag und den Kopf in die Arme gebettet hielt. Eine Weile faß sie ganz reglos, Dann rief sie ihn, hielt Die Finger erschrocken über den Mund unD atmete auf, als er nicht antwortete. Sie mutzte ihm das Peinliche der Situation ersparen und sich wieder schlafend stellen. Die hochsteigende Sonne warf Anstetten einen Regen von Goldpfeilen ins Gesicht. Das weckte ihn. Unter halboffenen Lidern sah sie, wie er sich aufrichtete und den Blick durch den Raum schickte. Geräuschlos hob er sich hoch und kühte die Hand, die sie auf der Decke liegen hatte. Dann ging er zum Waschtisch und begann, Toilette zu machen. Ihr Lachen ritz ihm den Kopf zurück: »Guten Morgen, Peter!" Die Arme ausgebreitet, kam et zu ‘Dr herüber. -Du bist wohl gar nicht zu Bett gewesen, mein Lieber?" Mandats einen sehr empfindlichen Verlust durch den plötzlichen Tod des als Spitzenkandidat gewählten Studienrats Dr. Lenz erlitten, Der sich durch seine Mitarbeit im Giehener Krcisaus- schuh schon eine wertvolle Summe von Erfahrungen in Der praktischen Kommunalpolitik erworben hatte. Mit Ausnahme des Bauuntcr- nehmers Becker, dem seine bisherigen Erfahrungen in der Stadtratsarbeit für die neue deutfchnationale Gruppe zustatten kommen w.r- den, sind die beiden anderen Deutschnationalen Stadtratsmitglieder des neuen Hauses kommunal- politisch noch durchaus unbekannt. Frau Dr. K le Witz wird Die Rachfolge von Frau Kramer antrcten. Univerfitätsprosis or Dr. Brüning zieht als Listennachfolger für Den verstorbenen Dr. Lenz in den Stadtrat ein. Erfreulich ist, daß mit Prof. Brüning nicht nur wieder ein direkter Mittler zur Universität, sondern auch ein Arzt in den Stadtrat kommt und dort mit Dem weit-" reichenden Wissen des Ar'tes bei zahlreichen einschlägigen Fragen fruchtbringend tätig fein kann. Beim Zentrum, das im alten Stadtrat eine Arbeitsgemeinschaft mit Den Deutschnationalen unter Der Bezeichnung „ Freie Vereinigung" bildete, ist die Veränderung nicht grotz. Der schon feit 1919 als Zentrumsvertreter im Stadtrat wirkende Lehrer G o e r z wird dort auch weiterhin als Vertreter seiner Partei Die reiche Summe seiner Erfahrungen Dem Dienst für das Gemeinwohl widmen. Der seit 1923 als Stadtratsmitglied tätige Hotelier Franz Schwab hat sich von Der weiteren Mitarbeit zurückgezogen und in Dem Stadtbauoberinspektor Grode, der schon von 1919 bis 1922 als Stadtverordneter tätig war, einen Rachfolger gefunden. Die berufliche Tätigkeit bei Der städtischen Baupolizei und Die Dort gesammelten Kenntnisse und Erfahrungen des neuen Zentrumsvertreters werden feiner kommunalen Arbeit, insbesondere auf Dem Gebiete des Bauwesens, zustatten kommen. Als Reuling tritt das Stadtratsmitglied Lotz als Vertreter Der Rationalfozialisti- fchen Deut schen Arbeiterpartei in das Kollegium ein. In kommunalpolitischer Hinsicht ist auch dieser neue Mann bis jetzt völlig unbekannt. Fast in Der alten Zusammensetzung wird die Fraktion der Mittel st andsvereinigung wiederkch-en. Der seit 1926 im Stadtrat sitzende Elektrotechniker Map W e i tz b ä ck e r hat sich von der kommunalpolitifchen Arbeit an dieser Stelle zurückgezogen. Durch den Gewinn eines Mandates werden außer sechs wiederkehrenden Mit- gliedern dieser Fraktion noch zwei neue Vertreter ihren Einzug in Den Stadtratssaal halten, und zwar der Handelsvertreter Adolf Schmidt und der Schreinermeister Friedrich Lenz. Auch diese beiden Stadtratsmitglieder find in der praktischen Kommunalpolitik Reulinge, ihnen dürfte aber das Einarbeiten in das neue Tätigkeitsgebiet dadurch erleichtert werden, daß sie sich auf einen ausgedehnten Stamm gut ein- geweihter Fraktionskollegen unter Der weiteren Führung durch den bisherigen Fraklionsvvrfitzen- den Architekt R i c o l a u s stützen können. Erhebliche Veränderungen hat es auch in Der Fraktion der Deutschen Dolkspartei gc* geben. Bei der personellen Reugestaltung dieser Fraktion ist zugleich der Senior Des Stadtrates, Der fett 1933 in diesem Gremium tätige Bau-- „Erlaube, Hilde!" „Hast mit irgendeinem Der glutäugigen Caprimädchen geschäkert?" »Brunhilde!" „Was soll ich anders denken? — Dein Bett i st unberührt." In knabenhafter Ratlosigkeit stand er vor ihr. »Du brauchst nur zu sagen, wo du gewesen bist". Drängte sie. »Bei dir!" „Ach wo!" Sie fühlte plötzlich Erbarmen mit feiner Hilflosigkeit: „Hans Peter, du bist nicht klüger, als Dein Sohn." Mit einem Lachen hob sie die Arme, zog ihn zu sich herunter und küßte ihn, küßte ihn, bis Der Mann wiederum alle Skrupel vergaß und nur noch das eine dachte: Roch ist sie mein! — Roch lacht mir das Glück! Unb wenn es auch nur ein Scheinglück war, das schon in der nächsten Stunde zerflat- tern konnte, er war doch selig darüber. „Run, hab ich recht gehabt, mein 3unge?" General Lötzen klopfte Bernd auf die Schulter und freute sich diebisch über dessen todernstes Gesicht. „Eifersüchtig bis zur Höchstgrenze! — Wie?“ Der Knabenkörper gab sich einen Ruck: „Die Mama ist nur mehr für Den Vater Da! UnD umgekehrt! — Ich bin überflüssig geworden." „Es scheint!" Das Lachen der Exzellenz rief Brunhilde herbei, Die seit Tagen mit Dem Gatter: zurückgekehrt war. „Was hast Du Denn Schöne > erzähltz Papa?" „Schönes? — DernD und ich werden uns demnächst empfehlen." Die Baronin stand mit halboffenem Munde. »Der Junge und ich sind eifersüchtig! — Jawohl! Wir gehören auch noch mit zur Za- milie und wollen nicht immer so, so halb geduldet neben euch ^erlaufen. Wenn eure Flitterwochen zu Ende sind, kommen wir wieder." „Aber Bernd, du —“ „Mutter, sei still!" Er warf ihr einen fcttfen- ben Blick zu. (Fortsetzung folgt) meister Heinrich CD Inn aus der Arbeitsfront ausgeschieden. Ferner traten zurück die seit 1919 nutaroeitende orau Oberst Qlaumann, der ebenfalls seit 1919 amtierende Schlosser- meister Karl Krailing. der seit 1923 im Stadtrat spende Geschäftsführer Hermann Kirchner und der von 1923 bis 1925, dann wieder seit 1929 mitarbeitende Landgerichtsregi» strator Ernst Rumpf. Daß dem Hause der auf langjährige und sehr eingehende Kenntnis aller kommunalen Verhältnisse gegründete Rat des Vaumeisters Winn künftig fehlen wird, ist aufrichtig zu bedauern. Wenn man aber bedenkt, daß dieser Herr jetzt 75 Jahre alt ist und das) er In nahezu enem Verteljahrhundert praktischer Mitarbeit in der Kommunalpolitik unserem Gemeinwesen mit vorbildlicher Treue und in hoch einzuschätzender Weise ehrenamtlich gedient hat. so muh man nun auch das Recht auf Ausruhen dieses verdienten Mitbürgers anerkennen. Das Wirken Winns als Stadtverordneter, der in vielseitigster Weise anregend und wegbereitend tätig war, wird in unserer Stadtgeschichte stets in ehrenvoller Weise vermerkt werden. Ebenfalls mit warmer Anerkennung muh des Wirkens von Frau Oberst Raumann im Stadtrat gedacht werden. Auch in dieser Dame hatten besonders die Fraueninteressen und die charitativen Bestrebungen aller Art eine eifrige Vertreterin, die sich immer mit klugem Verständnis für das Mögliche und Nützliche einsetzte und sich dabei auf die grohen Erfahrungen ihrer verdienstvollen Wirksamkeit als Vorsitzende der Giehener Ortsgruppe des Allgem. Frauenvereins stü':en konnte. Das Handwerk verlort mit dem Ausscheiden des Schlossermeisters Krailing einen allezeir eifrigen Fürsprecher, erfreulich ist jedoch, dah es nun nicht völlig ohne Vertretung tn dieser Fraktion ist. denn es wird dort durch den regsamen und auch in Handwerker- und Mittelstandsfragen entschieden und zielklar tätigen Bäclerobermeister Loeber weiterhin gut vertreten sein. Mit dem Geschäftsführer Kirche n e r und dem Registrator Rumpf scheiden nach verdienstvoller Mitarbeit Männer aus, die man als Vertreter der evangelischen Arbeiter bzw. der mittleren Beamten ansprechen konnte. Aber auch diese Kreise dürften ihre berechtigten Interessen fernerhin in dem schon seit 1919 amtierenden Dreher Wenzel und in dem neugewähl- ten Oberreallehrer Appel im Rahmen der volksparteilichen Fraktion ausreichend vertreten sehen. Erfreulich ist, dah Kaufmann Wilh. Horn, der tatkräftige Führer des Giehener Einzelhandels und feit dem Tode von Prof. Krausmüller Volkspartei icher Frak.ionsoorsihender, und Rentner Schwieder, der unermüdliche Vorsitzende des Verkehrsvereins, auch im neuen Stadtrat ihre kommunalpolitische' Arbeit forifehen können. Reuland betreten in der praktischen Kommunalarbeit Frau Landgerichtsdirektor S ch u d t als Rachfolger in von Frau Oberst Baumann, Rechtsanwalt und Rotor Schneider und Prokurist Friedr. Hirsch, in dem die kaufmännischen Angestellten nach dem im vorigen Jahre erfolgten Ausscheiden und Wegzug des An- gestelltensührers Schulz nun wieder einen Vertreter im Stadtrat besitzen. Auf den Bänken der Demokraten ist cme politische Vernunftehe zu bemerken. Hierhaoen sich die Demokraten und die Dolksrechtpartei für die nächsten vier Jahre gemeinsam eingerichtet. Ausgeschieden sind aus der demokratischen Fraktion der Stadtbauoberinspektor Höhn, der seit 1919 dem Hause angehörte, der seit 1926 amtierende Schreinermeister Haubach und der seit 1929 dem Hause zugehörige Realleprer Hebermehl, deren Wirten zum Besten der Allgemeinheit sich in vorteilhafter^ Wei e auszeichnete. Vom Standpunkt des städtischen Gesamtinteresses aus ist es au begrüßen, dah der seit 1923 im Stadtrat sitzende Stadtschulrat Fischer. der sich vor einigen Monaten unter dem Eindruck seiner erfreulicherweise glücklich verlaufenen schweren Erkrankung mit dem Ge-anlen deS Mandatsverzichts trug, wei'.er als Führer seiner Orupve im Stadtrat tä.ig sein wir). Als Mitarbeiter seit 1923 steht ihm dort auch künftig der Kaufmann Leop)ld Mayer zur Seite. Reu treten in das Kollegium ein der Rentner Reiber, der sich besonders für die Interehen der durch die Inflation geschädigten Rentner einfetzen will, und erfreulicherweise noch eine ärztliche Mitarbeiterin in Frau Dr. Marx, die mit ihren Erfahrungen als praktische Aerztln. deren Blick in viele Haushaltungen geht, tm neuen Stadtrat dem allgemeinen Wohl wertvolle Dienste leisten kann. Geringfügig ist die Umgestaltung in der S o - zialdemokratischen Fraktion. Bci 14 Mandaten im neuen S'adtrat waren 11 Gewählte schon im alten Parlament tätig. Aus» geschieden sind Frau Ottilie, die seit 1926 dem Haufe angehörte, und der seit 1929 amtierende Lokomotivführer Wolf. Für Frau Ottilie tritt Frau Christine Roll in den Stadtrat ein. Bemerkenswert ist ferner, dah als Schwerkriegsbeschädigter der Volkswirt Dr. G u m b e l dem neuen Kollegium angehören wird. Reucs Mitglied de 5 Hauses wird ferner der Parteisekretär Häuser fein. In den Reihen der Sozialdemokratischen^ Fraktion wird künftig auch der Senior der gewählten Stadtra'smitglie- der in der Gestalt des Redakteurs Vetters sitzen, der seit 1911 dem Kollegium angeh ort. Bei den Kommunisten hat das bisherige Stadtratsmitglied Bäcker Kästner noch einen Kollegen im neuen Stadtrat in Gestalt dcs Kraftfahrers Lepper erhalten. Wie sich die Gruppierung Im neuen Stadtrat bei der Ausübung des Mandats gestalten wird, läßt sich abschließend heute noch nicht übersehen. Cs schweben zur Zeit Verhandlungen nach verschiedenen Richtungen hin, die darauf abzielen, die durch den Wahlausfall hervorgcrusene Zersplitterung nach Möglikeit aufzuheben. Soviel man bisher hört, ist damit zu rechnen, dah dieses Ziel bis zu einem gewissen Grade erreicht wird. Einzelheiten hierüber können aber im Augenblick noch nicht gesagt werden. Mademoiselle Docteur im Kriege. Fäden zwischen Berlin und Paris. II. Aus dem neuen Buche: „Spionage!" von ch. R. B e r n b o r f f. Verlag Dieck & Co., Stuttgart. cherr I. Motthesius zieht in den ersten Wochen des Krieges unt Sein kleines Bureau in der Bülow- ftrafje reicht nicht mehr aus, und er bekommt ein ganzes chaus, ein schönes alles Gebäude in der Ko- n'Mrätzer Strafte, Hier geht es an unb für sich zu wie in e nein Taubenschlag, im ersten unb im zweilen Stock bieses chauses sitzen Zimmer an Zimmer Offiziere in Uniform ober in Zivil, hier laufen die gäben bes geheimen Rachrichtenbienstes zuerst einmal zusammen. Von hter aus gehen bie Nachrichten, nachdem man sie gesammelt, geprüft und gesiebt hat, an bie n-lllärischen Stellen. Im britten Stock dieses chauses, im wahren Sinne über dem Ganzen, sitzt ganz allein fast Tag unb Nacht 3. Matthesius unb neben ihm im selben Zimmer Mademoiselle docteur, Annemarie Lesser. In diesem chause, vor allen Dingen in der dritten Etage, geht es zu wie in einer groften Redaktion. M.l Unterschieden natürlich. Cs kommen keine offenen Meldungen, aber es kommen plötzlich zahllose Leute, bie das Golb wittern und sich dem deutschen Nachrichtenbienst für bie Spionage in den feindlichen Ländern unb für Erkundigungen hinter der Front der feinblichen Armeen anbieten. Diefejßeutc haben sich schon zuerst an bie militärischen Stellen gewandt, unb wenn bev zustänbige Offizier bie Ueberzeugung hatte, baft ber Mann tatsächlich zu vsrwenben sei, bann bekam er ein Renbezvous mit Matthesius, unb erst bann, wenn der Mann schon einmal gearbeitet hatte, wenn er Nachrichten geliefert hatte, b'.e sich als zutreffend herausstellten, bann wies man ihm den Weg in bie Bureaus des alten Hauses in der Königgrätzer Strafte. Aber nur den ganz groften Spionen, nur den ganz erfolgreichen unb zuverlässigsten öffnete sich bie Tür des dritten Stockes. 9. Matthesius ist bald überlastet. Seine Glieder flattern nur so in seinen weiten Sakkoanzügen, sein Gesicht wird noch hagerer, seine Hände werfen mehr wie bisher die Zirkel unb Stifte auf seinem Schreibtisch burcheinanber. Mademoiselle docteur rückt auf. An der Stelle bes überlasteten Herrn Matthesius verhandelt sie jetzt mit den Leuten, bie sich erneut zur Spionage anbieten, sie versteht es fabelhaft, m t diesen schwierigen Menschen umzugehen, sie sondert schnell bie Spreu vom Welzen, unb kurz hin- »eretnanber gelingt es ihr zweimal, einen feindlichen Spion zu entlarven unb unschä blich zu machen. Das waren in beiben Fällen Offiziere ber französischen Armee, bie über die Schweiz nach Deutschland gekommen waren, um dort als angebliche Zivilingenieure ihre Dienste dem deutschen Kundschafterdienst anzubieten, bamit sie auf biefc Weise bas Netz der beutfd;en Agenten kennen lernten. Annemarie Lesser versteht es auch, den Wert jeder Nachricht in positivem unb negativem Sinne sofort zu erkennen, ihre Wahrscheinlichke t zu ermessen. Mit Ausnahme einer kurzen Erlundungsfahrt nach England, wo fast bie meisten brutschen Agenten bei Kriegsausbruch auf eins noch heute nicht völlig aufgeklärte Weise verraten unb verhaftet wurden unb wo es deshalb galt, neue Verbindungen zu schaffen, bleibt sie in Berlin bis zum Beginn des Jahres 1916 bis zu bem Augenblick, in bem Im geheimen ber deutsche Angriff auf Verdun beschlossen wird. 9n diesem Augenblick, in dem es von nöergröftter Wichtigkeit ist, baft der Nachrichtendienst in Frankreich für Deutschland prompt unb gut funktioniert, reiften die Verbindungen völlig ab. Den Hauptteil ber Nachrichten für Frankreich hatte bisher in groften Zügen immer schnell, immer richtig Monsieur Pissard, französischer Staatsbürger, geliefert. 9n Abständen von wenigen Tagen trafen über die neutralen Länder, immer von einer andern Richtung kommend, die geheimen Kuriere mit ihm in Paris zusammen, um sofort roieber in ein neutrales ßanb abzureisen. Außerdem besaß das Geschäft des Monsieur Pissard, die Firma Meunier & Eo., jetzt eine Filiale in ber Schweiz, deren Prokurist jede Woche mit seinem Ches in Paris zusam- meiuam. Ferner hatte Pissard in zahllosen kleinen französischen Städten 2tgenten, die Pneumatiks unb Kugellager vertrieben und bie er ftänbig auffuchen mußte. 9n ber Hochspannung ber Zelt vor bem geplanten Angriff auf Perbun risi diese Verbindung jäh unb unerwartet ab. Monsieur Pissarb war nicht mehr aufzufinben, fein Bureau war verschlossen, man wußte nicht, was mit ihm geschehen war. Mademoiselle docteur entschloß sich sofort, nach Paris zu fahren, um zu sehen, was mit ihm geschehen sei. Sie tat es schnell, aber mit allen Vorsichtsmaßregeln. Sie kam von Holland nach England unb von England nach Bordeaux, damit niemand Verdacht schöpfen könne. Auch sie fand die Türen ber Firma Meunier & Co. verschlossen, aber ihrer Intelligenz unb ihrem Mut gelang es doch, in bie Räume einzudringen unb festzustellen, was aus Monsieur Pissarb geworben war. Der Agent war eingezogen worben. Aber an bem Tage, an bem er, ber bis dahin für große Summen Spionage für den Feind betrieben hatte, einrücken sollte, an diesem Tage sch oft sich Monsieur Pissard, dessen Nerven nun auch schon zermürbt waren, eine Kugel vor den Kopf. Annemarie Lesser zögerte nicht. 9hr schauderte nicht vor dem Ende, das der Agent genommen hatte, sondern sie handelte. 9n Berlin war bei ihr ein Mann namens Konstantin Couboyanis erschienen, ber — griechischer Staatsangehöriger — in Paris Vertreter für öüb> fruchte war, unb hatte sich angeboten, in Frankreich für Deutschlanb Spionage zu betreiben. Mademoiselle docteur erschien in seiner Wohnung. Couboyanis, früherer Offizier ber Armee seines Lanbes, aus nicht ganz klaren Grünben aucge- schieden, erwarb bie Firma Meunier & Co. von den Erben, zwei uralten Fräulein aus Marseille, unb er konnte bas tun, ba bisher weber auf bisse Firma noch auf Monsieur Pissarb ber geringste Derbacht gefallen war. Mademoiselle docteur blieb zunächst in Frankreich unb sie tat etwas, wovon Konstantin Couboyanis nichts wußte. Sie fand auf einem Sonntagsausflug einen Unteroffizier, ber in ber Spionageabwehrabteilung bes französischen Generalstabs arbeitete, unb dieser Unteroffizier war nach zwei Tagen ber schonen Frau verfallen. Durch ihn erfuhr sie vieles, was wissenswert war, unb Matthesius in Berlin atmete auf, denn es gingen wieder Nachrichten ein, Nachrichten, bie Hand unb Fuß hatten unb deren Tragweite gar-nicht zu überschätzen war. Annemarie Lesser warf alles in die Waag, schale, was sie ba hinein zu werfen hatte. Der Un- terofsizier hatte bie Ueberzeugung, baft sie eine ber berufsmäßigen Besucherinnen ber Amüsierlo'ale an den großen Boulevards und auf bem Montmartre war, er war weiterhin aber fest davon überzeugt. daß es seinem guten Einfluß zu verdanken sei, baft bas Mädchen, bas er ba tennengelernt hatte, auf bem Wege war, eine gute brave Bürgerin zu werben. Eines Tages, bei einem Spaziergang bot er ihr bie Heirat an, Annemarie Lesser sagte zu, wenn ihre Eltern in einem kleinen Dorf an ber spanischen Grenze einverstanden wären. Sie reifte dorthin ab. 9n Wirklichkeit verhandelte sie noch am Abend dieses Tages mit einem deutschen Offizier, ber vom Kundschafterdienst nach Paris geschickt war. Dieser Mann wußte nichts von ber Existenz des Konstantin Couboyanis, unb der Grieche mußte nichts von bem brutschen Offizier, der nun daran ging, sich ebenfalls bie Nachrichten zu verschaffen, bie für bie beutsche Heeresleitung zu wissen waren. (Fortsetzung folgt.) Gchach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw sind zu richten an die Schachredaltion des „Gießener Anzeigers" Problem Nr. 243. Dort 0. M. Meyer. Preisgekrönt im „Reuyorker Sun"-Turnier 1599. 8 6 7 5 3 4 2 1 8 7 6 5 4 3 2 1 Weiß. Schwarz. (1 e e h a b HUH I ■.....■....... Weih zieht und seht in drei Zügen matt. Weih: 7 Steine Ka5; Df!; Le5. °6; Bb4, b7, f4. Schwarz: 6 Steine Kd5; Lgl; Sb8; Ba6, c6, d4. Partie Nr. 171. Die folgende Partie wurde am 1. Dezember 1929 zu Frankfurt a. M. im hessischen Stadteturnier zwischen Mainz und Gießen am Brett 1 gespielt. Der Wettkampf endete zum dritten Male unentschieden. Sizilianisch. Weih: Hoffmann, Mainz. Schwarz: Dr. Davidson, Gießen. I.e2-e4 1. c7 — c5 2. c2-c3 2. Sg8-f6 3. Lf I — c4 Da doch anzunehmen ist, dah der zweite Zug von Weiß den Vorstoß des d-Bauern bewerkstelligen sollte, so muhte hier sofort 3. e5 mit nachfolgendem d4 geschehen. 3. . . 3. Sf6xe4? Eine ausgezeichnete Fortsetzung bestand für Schwarz in 3. ..., d5 4. eXd, Sxd 5. d4, Sb8 ufw. 4 Lc4xt74- 4. Ke8xf7 5. Dd l-h54- 5. g7-g6 6 Dh5-d54- 6.e7-e6 7. Dd5xe4 7. Lf8-g7 Bester 7..... Lh6 8 d2-d3 8.Sb8-c6 9. Sgl-f3 9. Th8 - f8 lO.H2-h4 Dieser scharfe Angriffsversuch hatte noch Zeit, zuerst sollte 10. Lg5 geschehen und auf 10.....Db3 11. De2, sodann 12.8a3 nebst 0—Oy-O und dann erst M nebst Verdoppelung der Türme auf der b°Reihe, was zu einem siegverheihenden Angriff geführt hätte. Aach der Spielweise P^n Weih bleibt sein eigener König auch in Gefahr. 10. . . . lü.i.7 - do 11. Dc4-e2 11. Dd8-d6 12. h4-h5 12. Sc6-e7 13. g2-P3 Unnötiger Tempoverlust: am besten sofort 13. hxg4-, hxg 14. Lg5 nebst Sbd2 und 0—0—01 Der Versuch 13. Sg5 4-, Kh8 14. 5xb7 scheitert an 14.....Tf5! 13.... 13. e6-e5 14. Kt7 - g8 15. DdXögö 16 Lc8-g4 14.Sf3-g54- 15. h5>rg6 16. Sg5xh7 Jetzt gerät der weiße König in das Geschützfeuer der schwarzen leichten Figuren. 17. - 17 T 8xi8 18. De2-e3 18 Tf8-f3 19. De3xc5 19.Tt3xd3 20. Sbl-d2 20 Dg6-e44-? ilnb Weiß gab auf, denn Matt in spätesten- drei Zügen ist nicht zu decken. Ein amüsanter Schluß. Lösung deS Problems Dr. 239. Don I. Iespersen. LTflXf2!, Kf4-e5 2. Dbl-hlü usw. 1.. . . ,c4-c3 2. Dbl - gl ufw. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redaktion-tisch. Raabe-Anekdote. Als im Jahre 1901 Wilhelm Raabes 70. Geburtstag gefeiert werben sollte, hatten seine Freunde f±on grofte Ueberrebungstunft nötig, um den bescheidenen Dichter überhaupt zur Annahme der Einladung zu veranlassen. Eine zweite Schwierigkeit gab es bann noch: Man mußte ihn dazu bringen, sich für seinen Ehrenabenb einen neuen Frack machen zu lassen. Er versprach es endlich, brummend unb unwillig. Aber bas Fest für den Dichter, im alten Rathaus von Braunschweig, gestaltete sich dann sehr würdevoll und schön, und man sprach noch nach Wochen von der erhebenden Feier. Als einmal in der Herbst- schen Weinstube wieder von dem Abend die Rede war, lächelte Raabe vergnügt vor sich hin und sagte leise: „Ader es war doch mein alter Frack!" Das rofe Licht. Der junge Polizist tritt zum ersten Nachtdienst an. Eine dunkle Herbstnacht, in der Gegend des Londoner Viktoria-Bahnhofs, „Sehen Sic da hinten das rote Licht? unterweist ihn fein Wachtmeister, „bis dahin geht Ihr Revier, unb nun los — gute Nacht!" — Militärischer Gruft auf beiden Seiten, unb der Jüngling patrouilliert bienst/ eifrig nach ber angegebenen Richtuna hin ab... Erst nach Tagen erscheint er auf dem zuständigen Polizeirevier. Der Vorgesetzt« fährt ihn nicht schlecht an: wo er sich fje rumgetrieben hätte und wac- dcrgleichen mehr. „Herr Wachtmeister," versucht er endlich zu erklären, „können Sie sich noch b Braunfels. 23: Tanzmusik. Dienstag, 24. Dezember. 11 bis 12: Schallplattenkonzert. 13.40: Schallplattenkonzert: Heiligabend. 14.30: Don Stuttgart: Der Hirten Verkündigung, ein neues Htr« tenspiel nach alten deutschen Texten. 15.30: Mtn- derstunde. 16.15 bis 17.45: Konzert für Kinder. 18: Dom Frankfurter Dom: WeihnachtSglocken. 18.15: Von Stuttgart: Das Gotteskrnd 19-30: Aus der Rikolauskirche Stuttgart: WechnachtS- musik. 20.15: Don Stuttgart: Weihnachten daheim und draußen. 21.30: Heilige Rocht, eine Weihnachtslegende in oberbayertlcher Mundart von Ludwig Thoma. 22.30: Schallplattenkonzert: Feierliche Musik. 23: Don Friedberg: Das Christ- geburtsspiel, ein deutsches Weihnachtsspiel von Fritz Wecge. 24: Dom Freiburger Munster. Glockengeläut. Mittwoch, 25. Dezember. 9 bis 10: Reue und alte Turmmusik. 10 bis 11: Aus der Peterskirche Frankfurt a.M.: Fest- gottesdienst. 12 bis 13: Anterhaltungs-KonzeN 13.30: Stunde der Jugend: Weihnachtslieder. 15: Don Stuttgart: Konzert des Rundfunk« orchesters: 16: „Weihnachten im Urwald", Vortrag von Afrikaforscher Hans Schomburgk. 16.30: Von Leipzig: Rundfunk-Kompositionen. 17.30: Von Stuttgart: Lieder und Arierr. 18.30: Don Stuttgart: Alte deutsche Wcihnachtsdtch« tung. 19.30: Don Stuttgart: Oberon, romanttscht Oper in 3 Akten von C. M. v- Weber. 21: Dm Stuttgart: Turandot, Prinzessin von China, ein tragikomisches Märchen nach Gozzi von Friedrich Schiller. 22.30: Don Stuttgart: Populäres Konzert des Rundfunkorchesters. Donnerstag, 26. Dezember. 9 bis 10: Katholische Morgenfeier. 11: Geist' liches Konzert, Werke von Hans Leo Haßler 12 bis 13: DonKa,stl: Konzert cesRundfunkorchc' sters. 14: Das Schlaraffenlandspiel. Ein luftigd Hörspiel für die Jugend von Kurt Arno Find eisen, Musik von Wilhelm Rettich. 14.30: Vo' Sinaen-Hohentwiel: Weihnacht-konzert. 16.30 Konzert. 18: ZcUberichte XV, Erinnerungen ot Stresemann. 19: Gesangskonzert. 19.40: Sport nachrichten. 20 bis 22.30: Konzert des große« Rundfunkorchesters. 23 bis 0.30: Tanzmusik. Taten für Lonntag, 22. Tczcmber. 1891: ber Orientalist unb Politiker Paul Anto« be ßagarbe in Göttingen gestorben (geboren 1827): — 1902: ber Psychiater Richard Freiherr von Krass» Ebing gestorben (geboren 1840). Taten für Montan, 23. Tezember. 1597: ber Dichter Martin Opitz in Boberfeld & Bunzlau geboren (gestorben 1639). Vorit ob liaukr Passe We 0 AK MBA M l* au jedem N L Ros Belfersw SrOberi Erfinder 5000fr duä; Lek, k uer für fr VfG toi 1 wenn b , iie3ei| 2®. Dom i. kJrten j)t JJur Öen r w ^n jt " .. öi M fr N^enlu Dorragenöe A4S Wt Stan 211 Vt; «oft kteitzer feinet L' Ä DL öberbüt| Spezialgeschäft Neuenweg 9 Ernst iD KAUFT VALVO rohren! 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Den Freimachungswert erhält die Deut« sche Reichspost und von dem Wohlfahrts« aufschlag die Gießener wiaternothilfe 80 o. h., aber nur dann, wenn die Marken vom Wohlfahrtsamt bezogen werden. Verwende jeder, insbesondere für bis wechnachts-, Neujahrs- und vsierpost, nur die Wohlfahrtsbriesmarken, und kaufe er sie beim Städtischen Wohlfahrtsamt, Gartenstraße 2, Zimmer Nr. 8. Gießen, den 21. Lttober 1929. Gieheuer Winlernothilsc. i. 25,80 .. 29.50 tntappe, »om 'KebatttonBttfA letbofe. ifoelm Noobes 70. fr He, halten feine Fremde unft nölig, um ben te 1 zur Annahme der Gi* ne zweite EchwierW nutzte ihn dazu bringen einen neuen Frnit nv- h es endlich, bnmunab B)o6lfB0tt5Eiiefinnilenüetlonf durch das Stabt. Wohlfahrtsamt Gießen. Im Deutschen Reiche findet zur Linderung materieller Notstände, insbesondere zur Kräftigung der Jugend, in der Zeit vom 1. November 1929 bis 15. Januar 1930 ein Wohlfahrtsbriefmarkenverkauf statt. Postalische Gültigkeit der Marken (für In. und Ausland) bis 30. Juni 1930. Der Wohlfahrtsaufschlag ist auf vielfache Anregung und unter Berücksichtigung der ausländischen Erfa rungen auf durch, (ajnittlid) 50 o. H. — anstatt seither 100 d. H. — des Frankierungswertes festgesetzt worden. Es werden ausgegeben: 5«, 8», 15-, 25- und 50-Pfennigmarken zum Verkaufspreise von 7, 12, 20, 35 und 90 Pfennig, eine amtliche Bildpostkarte mit eingedruckter 8-Pfennigmarke zum Verkaufspreise von 12 Pfennig und Markenheftchen, enthaltend sechs 5-, vier 8- und drei 15-Pfennigmarken zum Preise von Der Ricker-Ski-Schuh In höchster Vollendung ist vom v SV. als praktisch geeignet anerkannt Harltantiolz ofenfexttß, Ankeuer- boU, eichene (Sartcuvfosten. 3. WeUhöfer, Äcrnivr. 2313,^1) Passende Weihnachts-Geschenke erfreuen stets! 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Die Höhe des Zuschlags regelt sich wie oben unter 1 und cki'vch dem Zeitabschnitt, in dem der mehr- sfcchs Hundebesitz eingetreten ist. Die Zahlung der Gemeindehundesteuer 6üi mit der staatlichen Abgabe bei der Wonzkasse zu erfolgen. er Oberbürgermeister: Dr. Keller. Bekanntmachung. $.'tr.: Volksentscheid „Freiheitsgesetz" am 22. Dezember 1929. 10016C *I3ie bei den seitherigen Abstimmungen, so ist auch bei dem am 22. Dezember 1929 stclisindenden Volksentscheid die Stimm« artet nach Straßen und Hausnummern gkirLnet. Jrn Interesse einer schnellen Er. rellguhg des Wahlgeschäfts werden daher iDlt Stimmberechtigten ersucht, zuerst Strafte und Hausnummer ihrer Wohnung :arb dann Name und Beruf zu nennen. (Biefeen, den 21. Dezember 1929. :B-r Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Seid. TELEFUNKEN DIE DEUTSCHE W E L T M A R, K E ■■ ' ’■ ' '>•’ v> . 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Liebste, zu Ihrer Ansicht bekehren Sie mich nicht." Ich habe den herzlichen Wunsch, dah meine Ausführungen bei anderen, zum häufigen Umtauschen neigenden Frauen auf guten Boden fallen möchten, und zwar zu ihrem eigenen und der Verkäuferinnen Besten. Oer Babykorb. Die gegenwärtige Wohnungsnot und die damit verbundene Enge bringt es mit sich, dah der Kinderwagen außerhalb der Wohnung, beim Pförtner, in einem bestimmten Lagerraum oder anderweitig untergebracht werden muh. Er erweist sich als zu groß und schwer, um von einem Baum in den anderen ohne zuviel Schwierigkeiten transportiert zu werden. Man muhte an einen Ersah in der Wohnung denken und brachte den Wiegenkorb, der früher, in der Biedermeierzeit, auherordentlich beliebt war. wieder zu Ehren. Der B a b h k o r b erweist sich als ein besonders praktisches Möbelstück. Er ist leicht und handlich: er kann, das ist sein weiterer Vorzug, in einfacher und in eleganter Ausführung hergestellt werden: man kann ihn nach Belieben verzieren und ihn sehr geschmackvoll Herrichten. Am hübschesten wirkt er, wenn seine Außenwände verkleidet sind. In dieser Beziehung wird sowohl vom Kunstgewcrbe als auch von der Konfektion bereits sehr viel geleistet. Besonders anregend wirken die verschiedenen Spihenaus- stellungen, in denen vorbildlich dekorierte Babykörbe zu sehen sind. Die Spitze gehört vor allem zur Ausstattung eines hübschen Babykorbes, es können indessen sehr einfache Arten, auch bereits gebrauchte, anderweitig unverwendbare Einsätze und Kanten dafür benutzt werden. Man muh dabei immer bedenken, dah es sich um eine Babyausstattung handelt, darum kommen wertvolle, kostspielige Spitzen nicht in Betracht, sie würden bei der notwendigen häufigen Wäsche sehr leiden: außerdem würde es geschmacklos wirken. Mit wenig Mitteln kann man hier sehr viel erreichen, es gehört aber Geduld dazu, denn die Handarbeit ist dabei unerläßlich. Die Außenwände werden mit einfachem oder gemustertem Tüll bespannt, die Volants schließt man mit Spihenrüschen ab. Das Verdeck wird in derselben Weise bezogen, auch hier bilden feine Büschen, die, möglichst breit gehalten werden, den Abschluß'. Die Innenseiten des Verdecks füttert man am besten mit hellblauem Satin aus. gegen das scharfe Sonnen- oder das grelle künstliche Licht schützt man das Kind durch weihe Zuggardinen, die mit schmaler oder breiter Spitze eingefaßt sind. Der Band des Korbes wird mit gezogenen Büschen verdeckt. Zu dieser Ausstattung gehört eine hübsche Decke aus Satin oder waschbarer Seide, die in derselben Farbe wie das Futter des Verdecks gehalten wird. Else Mie. LhnWollen, plumpuddmg, Kreppet. Allerlei Rezepte für die Feiertage. Stollen. Don 2 Pfund Mehl, 300 Gramm Zucker, 60 Gramm He,e. V* Liter Milch nimmt man ein Viertel etwa ab und macht ein Hefenstück das man an warmer Stelle aufgehen läßt. Inzwischen 400 Gramm Butter sahnig rühren und innig mit dem Hefenstück vermischen. Am besten schlägt man den Teig mit einer Kelle, bis er Blasen wirft. Bun muß der Teig abermals aufgehen und danach mit 3/* Pfund Rosinen (Sultaninen und Korinthen, die vorher verlesen und gebrüht wurden). 200 Gramm geriebenen süßen und einigen bitteren Mandeln, der abgeriebenen Schale einer Zitrone, und 200 Gramm würflig geschnittenem Zitronat tüchtig durchgeknetet werden. Längliche Brote formt man dann daraus, die der Länge nach mit einem Messer eingeschnitten werden. Die S ollen müssen bei scharfer Hitze im Ofen braun bocken und noch heiß mit flüssiger Butter mehrmals bepinselt und mit Puderzucker dicht bestreut werden, bis sich eine dicke Zuckerlruste gebildet hat. Englischer Weihnachts-Pudding. (Plumpudoing.) 200 Gramm geriebene Semmel oder altbackene, eingeweichte Semmel, 2ö0Gramm gehäutetes und sein gewiegtes Bierenfett. Vs Liter Milch. Vs Liter Bum und drei ganze Eier verrührt man, und fügt dann 200 Gramm Zucker. 100 Gramm Zitronat, 50 Gramm Pomeranzenschale (beides fein würflig geschnitten) daran, sowie 50 Gramm geriebene süße Mandeln, 200 Gramm Korinthen, 200 Gramm Sultaninen. Diesen tüchtig durchgerührten Teig läßt man ein bis zwei Tage stehen. Will man ihn verwenden, so rührt man ihn nochmals durch. Er wird nun in eine gefettete Puddingform gefüllt oder in eine gefettete und mit Mehl bestreute Serviette eingeknotet und muh im Wasserbade drei bis vier Stunden kochen. Zum Anrichten stürzt man den Pudding auf eine Schüssel, legt ringsum kleine Stücke von Hartzucker, die mit Arrak übergossen und, wenn man den Pudding zu Tisch gibt, angezündet werden. Man reicht eine Weinschaumsohe dazu. Zu dieser quirlt man vier Eier mit einem Teelöffel Weizenmehl und zwei Eßlöffeln Zucker und einem Viertelliter Weißwein und etwas Bum klar, bringt es auf nicht zu großes Feuer und schlägt die Soße mit der Schneerute, bis der Schaum zu steigen beginnt. Kochen darf er aber nicht! Vom Feuer zurückgenommen, schlägt man noch kurze Zeit weiter, um ein Gerinnen zu vermeiden und serviert die Soße heiß. Silvester-Gebäck. Genau wie ein Weihnachtsfest ohne die es umschwebenden Düfte von Honigkuchen, Stollen, Marzipan und Lebkuchen undenkbar ist, hat auch der Silvesterabend seine traditionellen Küchen- spezialitäten. Bach dem Abendbrot, das mit Rücksicht auf die Ueberlastung der Küche zumeist kalt gereicht wird — pikante Schüsseln, kalte Salate und Aufschnittplatten —. braut der Vater mit den Söhnen den obligaten Punsch und die Mutter steigt in die Speisekammer, um die am Bachmittag bereiteten Sivester-Leckereien zü holen. Diese Silvesterkuchen sind je nach Gegend und Provinz verschieden, haben aber doch eines gemeinsam: Sie werden alle in schwimmendem Fett gebacken. So hat Köln seine Muzemandeln. zu denen V* Pfund Butter, 5 Eier, 3/4 Pfund Mehl, 2C0 Gramm Zucker. 100 Gramm geriebene Mandeln und V2 Teelöffel Hirschhornsalz langsam zu einem nicht zu festen Teig gerührt werben. Davon werden kleine längliche Klößchen abgestochen und im Fettbade hellbraun gebacken. Süddeutschland bäckt K r e p p e l. 3 bis 4 Löffel Hefe läßt man mit V* Liter Milch gehen. Inzwischen werden 180 Gramm Butter zu Sahne gerührt. 6 Eier, 180 Gramm Zucker und etwas geriebene Muskatnuß dazu gegeben und die Masse mit dem Hefestück verbunden. Man rollt den Teig aus, sticht mit einem Weinglas runde Scheiben aus, läßt sie noch einmal gehen und bäckt die aufgegangenen Bällchen in heißem Fett lichtbraun. Aehnlich den Kreppeln sind die in Ostdeutschland bekannten Porzeln zum Silvesterpunsch. Der Hefeteig muß fester sein und wird mit Oie umtauschende Frau. Don Johanna Weiskirch. Eine sehr wenig erfreuliche Erscheinung unter dem kaufenden Publikum ist häufig die umtauschende Frau. Dicht die ist damit gemeint, die das Umtauschen hier und da einmal in unerläßlichen Fällen vornimmt, sondern die jeden Einkauf im Hinblick auf das Ilmtauschenkönnen tätigende Frau. Es gibt ihrer eine große Anzahl. Sie find sich niemals so recht über ihre Wünsche klar, wissen selbst nicht, was sie wollen und möchten am liebsten alles kaufen, was sie sehen. Bei ihnen ist das Einkaufenwollen geradezu zur Manie geworden, die um so unangenehmer in die Erscheinung tritt, ttxmn die Mittel, die zur Verfügung stehen, diese Betätigung direkt verbieten. Solche Käuferinnen trösten sich mit dem Gedanken, umtauschen und abermals umtauschen und damit ihrer Einkaufswut frönen zu können. Wohlweislich haben sie sich die Erlaubnis dazu in den von ihnen heimgesuchten Geschäften" Vorbehalten. So kommt es, dah sie drauflos kaufen und ihrer Erwerbung bereits überdrüssig sind, ehe sie noch aus der Ladentür heraus find. Der Kampf beginnt: Soll ich nicht doch lieber gleich umkehren und das andere Stück nehmen, das eigentlich schöner war? Wie konnte ich mich nur zu diesem entschließen? Da war aber nur das dringende Zureden der Verkäuferin schuld daran! Ja, ja. diese Damen! Wahrscheinlich hat sie mir da einen richtigen Ladenhüter aufgehängt, um ein Extralob für ihre Geschicklichkeit einzuheimsen. Da will ich ihr nur gleich einen Strich durch die Rechnung machen, indem ich meinen Einkauf umtausche. Das geschieht denn auch. Die arme Verkäuferin, die froh war, die ihr bereits bekannte, schwierige Kundin abgefertigt zu haben, plagt sich von neuem mit ihr ab und bemüht sich redlich, die mehr oder weniger spitzen Badel- stiche freundlich zu überhören oder abzulehnen. Endlich, nach langem Hin und Her, ist die Käuferin ziemlich zufrieden und geht, aber nicht, ohne sich einen eventuellen a&ermaligen Umtausch vorzubehalten. Diesmal wird der Einkauf zwar nach Hause getragen, aber unterwegs schon allerlei Bemängelungen an ihm vorgebracht. Da ja, man kann ihn sich ja einmal zu Hause so recht bei Licht besehen und darüber schlafen. Morgen ist auch ein Tag, und das Weitere findet sich. Ja, ja, es findet sich bereits am nächsten Vormittag, daß der Einkauf keinen Beifall, sondern höchste Mißbilligung erntet, ilnb mit Hintansetzung häuslicher Angelegenheiten geht die um- tauschende Frau abermals au der Verkäuferin, die sie bediente, ilnb gleich darauf klingt es der in gereiztem Ton ans Ohr: »Aber Fräulein, wie konnten Sie mich nur zu diesem da animieren, wo ich Ihnen doch ausdrücklich gesagt hatte, daß die Farbe am Tage genau so cmsiehen müßte, als bei ihrer Ladenbeleuchtung. Das ist ja gar nicht der Fall. Ich würde wie meine eigene Großmutter aussehen, wenn ich diese Farbe tragen würde. Ausgeschlossen! Legen Sie mir bitte etwas anderes vor: aber bedienen Sie mich ein bißchen aufmerksamer, sonst müßte ich mich bei der Geschäftsleitung beschweren!" Ihren gerechten Unwillen mühsam bekämpfend, sucht die Verkäuferin die mehr als schwierige Kundin zufriedenzustellen. Fast scheint es unmöglich. Dur dem Umstand, das prinzipiell nicht öfter als zweimal umgetaufcht werden darf, gibt dem jungen Mädchen, als die mit großer Mühe bediente Käuferin sie verläßt, die Beruhigung, daß sie nicht zum dritten Male zum Umtausch erscheint. Sn meinem Bekanntenkreis befindet sich eine solche Frau, die mich durch ihr ewiges Umtauschen empört. Ich kam schön bei ihr an. als ich meinen Unwillen eines Tages keine Zügel anzulegen wußte und sie zu meiner Ansicht zu bekehren suchte. Sie hatte nicht das allergeringste Verständnis dafür, daß den Verkäuferinnen oft ein Unmaß von Selbstbeherrschung von den Käuferinnen xugemutet wird, und daß man es sehr wohl verstehen könne, wenn ihre Berven und damit ihre Geduld sie hier und da einmal im Karpfengerichie. Don Hermann Buge. Wenn gegen das Ende des Jahres, entweder bereits am Weihnachtsheiligabend oder spätestens zu Silvester die Hausfrau eines der schönen Schuppentiere erstanden hat und nun heimwärts wandert, um ihren Lieben etwas Gutes und Willkommenes auf den Tisch zu setzen, so steht im allgemeinen schon bei ihr fest, welche Zubereitung sie wählt. Da gibt es Familientraditionen, die sie von ihrer Mutter und diese von ihrer Mutter übernommen hat, nach denen der breitrückige Geselle unbedingt als „Polnischer Karpfen" auf- getischt werden muh. Oder aber der teure Ehe- liebste hat seinerseits eine besondere Vorliebe für „Karpfen blau" aus seiner Familie mitgebracht und die liebe Hausfrau fügt sich dieser, Beigung bereitwilligst. Oder in einzelnen Gegenden herrschen provinzielle Verschiedenheiten, denen sich Haus für Haus anpaßt. Und doch kann auch der Karpfen sehr gut einen Wechsel in seiner Zubereitung vertragen und bringt damit eine erfreuliche Bereicherung unseres Tischzettels. Vorher nur ein Wort über das Schlachten. Zuerst betäubt man das Tier durch einen kräftigen Schlag auf den Kopf. Dann tötet man es durch einen Einstich dicht hinterm Ohr, wobei das Rückgrat durchgetrennt und der Karpfen sofort und schmerzlos zum Tode befördert wird. Alles andere ist unnütze Quälerei. Meist besorgt uns der Fischhändler diese beiden Manipulationen gleich beim Einkauf, so dah uns nur das Ausnehmen und die Vorbereitung übrig bleiben. Versuchen wir also m diesem Jahre einmal, den Karpfen statt in Polnischer Sauce in Rotwein zu kochen. Es wird uns nicht leid tun. Bein, Ausnehmen wird das Blut in etwas Essig aufgefangen und sonst das Tier tote üblich zuvorbereitet. In eine ausreichend große Kasserolle tun tote dann Zwiebel- und Zitronenscheiben, Pfeffer, Delken und ein Lorbeerblatt, legen den , Karpfen oder die einzelnen Stücke hinein, gießen , eine halbe Flasche Rotwein und ebensoviel Wasser darüber und lassen alles zum Kochen kommen. Dann darf der Karpfen bei ganz gelindem Feuer garziehen. Bachdem wir ftn vorsi ''tig heraus» genommen, machen wir die Tunke, an to:li;e wir das Blut gerührt haben, bünjg. — Es empfiehlt sich, den Karpfen kalt auf das Feuer zu bringen, da er, wie alle Fische, wenn sie frisch sind, leicht vollständig einreiht. Oder sehen wir mal ganz von dem üblichen Kochen ab und wählen den „Gespickten Karpfen". Im Backofen. Ein Karpfen wird wie sonst vorbereitet, aber auf dem Rücken ein handbreiter Streifen Haut vorsichtig abgezogen. Das bloh- liegende Fleisch wird in mehreren Reihen sorgfältig und reichlich gespickt und dann das ganze Tier einen oder zwei Tage in eine Beize von Zitronensaft, Rotwein, etwas Salz, Zucker und Gewürz gelegt und mehrmals gewendet. Es kommt dann in einer passenden mit Speckscheiben aufgelegten Pfanne in den heißen Ofen, nach Möglichkeit stellt man den Fisch auf die Bauchseite. Die Marinade, in welcher er gelegen hat, wird aufgekocht, durchgcseiht und hinzugcgossen. Bleibt der Karpfen nun eine Dreiviertelstunde im Ofen und wird in dieser Zeit wiederholt mit der Beize übergossen, so entsteigt er als wunderbarer, braun überkrusteter, delikat anzusehender Braten seiner Pfanne, so daß die Hausfrau größte Ehre mit ihm einlegen tann. Als Deiguß wird der etwas verlängerte und eingedickte Bratenfonds benutzt. Dann sei an den in manchen Gegenden üblichen „Paprikakarpfen" erinnert. Die in Salz- wasser mit etwas Essig gargekochten Fleischstücke werden mit einer aus Butter, Zwiebeln, Mehl, Sahne und Paprika bereiteten dicken Tunke in heißer Schüssel übergossen und finden so sicher die Liebe des Hausherrn. Auch ein herzhaftes Karpsenfrikassee oder ein pikantes Ragout kann nach genau denselben Methoden, wie sie bei den entsprechenden Fleischgerichten Üblich sind, her- gerichtet werden. Es sind dies alles Gerichte, die sehr einfach zu machen sind und der Hausfrau nicht mehr Arbeit verursachen, als die gewohnten. Aber nicht nur in warmem Zustand, sondern auch kalt kann uns der Karpfen eine rechte Freude sein, ihn als Salat oder Mayonnaise zuzubere'.ten. Ser in gut gesalzenem und gewürztem Wasser gargekochte Karpfen wird zerpflückt und entgrätet und entweder mit einer Remouladentunke übergossen oder mit einer dicken Mayonnaise an- gerichtet. Er ersetzt dann am Silvesterabend den herkömmlichen, aber doch reichlich derben Heringssalat und bringt in die leiblichen Genüsse, mit denen wir dem neuen Jahr entgegenwachen, eine besondere Bote feiner Schmackhaftigkeit. praktische Weihnachtswinke. Don M. Schneider. Die schöne Sitte, durch Zusenden von Geschenkpaketen zu Weihnachten auswärtigen Freunden und Verwandten eine Freude zu bereiten, kann an allerlei Klippen zerschellen. Damit die Sendung auch wirklich ihren Zweck erfüllt, ist es erstens notwendig, das Paket zur rechten Zeit fortzuschicken, zweitens die Sendung so. zu verpacken, daß keine sogenannte Paketleiche entsteht, und drittens die Adresse nicht nur klar, deutlich und vollständig oben auf dem Paket zu befestigen, sondern sie auch innen auf einem Zettel miteinzulegen. Kann zum Einpacken nicht ein festes Kistchen verwendet werden, so soll das Paket wenigstens aus starkem Karton bestehen, der mit solidem Bindfaden umschnürt wird. Bindfaden, der nicht immer allen an seine Haltbarkeit gestellten Anforderungen entspricht, wird dauerhafter, wenn er drei Tage in eine konzentrierte Alaunlösung gelegt und dann getrocknet wird. Sollen S p i e l s a ch e n , wie z. B. Roll- oder Puppenwagen, aufgefrischt werden, so eignet sich hierzu am besten Emaillackfarbe. Die Sachen, mit ihr bestrichen, sehen schön aus und lassen sich auch gut sauber halten. Jedermann möchte dasAbsallenderChrist- baumnabeln so lange als möglich hinausschieben. Dies ereicht man dadurch, daß man den Baum vor dem Ausputzen auf 48 Stunden mit dem Stammende, von dem man erst ein Stückchen absägt, in eine Mischung von Glyzerin und Wasser stellt. Der Samstag, 21 Dezember 1929 Zimt, Delken, Zitronenschale und sehr viel Rosinen durchsetzt. Berlin muß za Silvester Pfannkuchen haben, die, wenn sie wirllich lustig und duftig sein sollen, sehr viel Sorgfalt bei der Zubereitung erfordern. Man nimmt zum Teig ein Pfund We zenrnchl, 250 Gramm Butter, 60 Gramm Zucker, 60 Gramm Hefe, 6 Eidotter, Vio Liter Milch, 8 gestoßene bittere Mandeln und da« Abgeriebene einer kleinen Zitrone. Wo viele Mäuler zu stopfen find, kann man auch nur i/4 Pfuno Butter, 4 Eier oder 100 Gramm Butter und 2 Eier nehmen, im letzteren Falle aber etwas mehr Milch. Bei der Zubereitung des Teiges ist eines streng zu beachten: gleichmäßige Wärme. Der Teig muß dreimal gehen, ehe er ausgestochen, gefüllt und z isammengesetzt werden kann: bann wird aber gleich mit dem Tacken in heißem Fett begonnen. Wenn die fertigen Pfannkuchen leicht abgekühlt sind, werden sie in eine Glasur aus Puderzucker, über Len gleichmäßig Zitronensaft, Rum, Orangenblütenwasser oder Rosenwasser gegeben ist, getaucht. Lieber kurz oder lang ... Don Hilde Hanna Sitte-Huiter. Eine brennende Frage, die fast ein Jahr lang im Mittelpunkt aller Modedebatten stastd. Und nun haben beide Teile recht. Er, der Rock, bleibt kurz und — er ist lang geworbt Kostümröcke (und das Kostüm ist ein Hauptteil der Garderobe der erwerbstätigen Frau) und jene einfachen Wollstoff-Lomplets, die heute sehr en vogue sind und Kleid und dreiviertellangen Mantel nicht aus dem korrespondierenden, sondern aus dem gleichen Material aufweifen: ferner Iumperlleider. die sogenannten „Laus- kleidchen", meist in dunkelblau, dunkelbraun ober einem seinen Karo ober Streif — die Rock- faume all bie'er Kleidergattungen sind regelmäßig und kurz. Kurz nun allerdings nicht mehr in dem Sinne der Kniefreiheit der Garconnezeit. sondern in jener wohltuenden praktischen Weise, die den Rock etwa sieben Zentimeter über das Knie reichen läßt. Selbstverständlich ist es, daß alle Sportlleider den kurzen Rock aufweisen. Für die Dachmittagskleider könnte man die Tendenz feststellen: vorn: etwa zehn Zentimeter über d«s Knie; rückwärts: bis zum unteren Wadenstyluß, womit keinesfalls gesagt ist, dah diese Kleider einem ausgesprochenen Mode- gesetz unterliegen. Das ist schon dadurch nicht der Fall, weil alle diese Kleider im Zeichen bet Glocke stehen. Schwunghafte Glockenpartien, an den verschiebensten Stellen eingesetzt, fomn en um so mehr zur Geltung, je länger sie sind, je mehr Spielraum sie haben sich auszuschwin- gen. Und sy bringt es die Glockenmobe mit sich, dah der unregelmäßige Rocksaum am Dachmit- tagskleid gang und gäbe ist. Dies ist aber nur ein älebergang. Denn der Abend ist es, der den ausgesprochen langen Rock vorschreibt. Ob aus Chiffon, ©orgelte, Chin^taft, ob aus Velour transparent oder einer der vielen modernen anderen Seiden und Samte in uni oder gemustert: das Kleid muh den Fuhknöchel erreichen, will es Anspruch auf mustergültige Eleganz erheben. Bei den undurchsichtigen Materialien ist es nun so, daß auch diese in so weiten Godets und Glocken gearbeitet sind, dah bei jedem Schritt, vor allem aber auch beim Tanz, das Kleid durch den Rhythmus des Ganges in die Höhe schwingt. Das durchsichtige Material, das keinen so schweren, sondern einen blütenhafteren Ausschwung hat, darf daher auf Glocken verzichten und wirkt nur durch die aneinandergereihte Fälle des Stoffes. Die Tüll- und Spitzenröcke haben undurchsichtigen Materialien eines voraus, sie verzichten nicht auf die Anmut der Beine, das nötige Unterlieft reicht vorn nur etwas über die Knie, folgt rückwärts der Länge des Rockes nur bis in die halbe Wade, so daß man bei jedem Schritt Stamm saugt die Lösung auf, die die Zweige längere Zeit feucht und elastisch erhält. Christbaumbrände sind nicht selten. Sie werden schon durch das Frischhalten des Baumes einigermaßen verhütet. Zn erhöhtem Maße erreicht man die Sicherung dadurch, daß der Baum vor dem AufstcUen mit einer Lösung besprengt wird, die aus einem Teil phosphorsaurem Ammonium und neun Teilen Wasser besteht. Der Baum wird durch diese Lösung imprägniert. Wird nun noch vermieden, ihn in der Nähe von Gardinen und Portieren auf- zustellen, so ist alles getan, um einer Feuersgefahr zu steuern. Imprägniert kann auch das mit grüner Emaillackfarbe angestrichene Christgärtchen werden. Wird es mit getrocknetem Moos ausgelegt, so sollte dies vor dem Auflegen mit Gräserfarbe grün auf- gefärbt und dann auch imprägniert werden, ebenso der weiße Glimmerstoff, der vielfach zur Verdeckung des Christbaumfußes verwendet wird. Vielen Aerger bereiten die Tropfflecken, die sich besonders zur Weihnachtszeit auf Kleidungsstücken, Tischtüchern, Teppichen usw. durch das Tropfen der Kerzen einstellen. Sie sind jedoch sehr leicht zu beseitigen. Ein Stück Löschpqpier wird aufgelegt, mit einem heißen Eisen darüber gefahren, und der Schaden ist beseitigt. Äeim Hantieren mit dem Hhristbaum bekommt man leicht Harzflecken an den Händen ober Kleidungsstücken. Abreiben mit Spiritus, Benzin ober Terpentinöl bringt sie zum Schwinben. Nun noch einen Ratschlag für bie S i ä t i n b e r Weihnachtszeit. Der Genuß von Nüssen ist gesund und nahrhaft, weil die Nüsse viel Fett und Eiweiß emhalten. Ein Zuviel, schlechtes Kauen, wie der Genuß anderer fett- und eiweißreicher Nah» rungsmittel bedingt die gefürchteten Verdauungsbeschwerden. Damit die Kinder sich nicht den Magen und damit viel Weihnachtsfreude verderben, sollen' die Naschmäulchen nicht zu o'ele Süßigkeiten auf einmal, und besonders nicht vor der Mahlzeit schlecken. Durch Verhütung von kleinen, unscheinbaren Anlässen zum Aerger kann man die große Freude unseres schönsten Familienfestes vor empfindlicher Einbuße bewahren. oa» leiocncenrumpfte Dein der Dame dezent dur--schimmcrn sieht. Das Kompromiß, eine der Stärken der Frau, wurde von der weiblichsten unter ihnen, von der Mode, sich zu eigen gemacht. QZur dadurch war es möglich, die Frage »kurzer oder langer Rock' in solch salomonischer, alle Frauenherzen befriedigender Weise zu (tfen. Wirtschaft. Wochenbericht vom frankfurter Effektenmarkt. Gleich zu Beginn der neuen Woche ergaben sich Kursabschläge, da die unklare inncrpolilische Lage allgemeine älnzufriedenheit auülöste. Doch tonnte sich bald eine Beruhigung und gering* füc,i„e Bes.erung durchleben, veranlaßt durch einen ernsten Appell Oer AeichZregierung an die Parteien hinsichtlich des neuen Finanzplanes. Die Auslassungen des Reichskanzlers Müller im Reichstage in dieser Beziehung trugen ebenfalls zur Klärung der Lage bei. Aber eine regere Geschäftstätigkeit tonnte sich trotz alledem nicht entfalten, da hinsichtlich des Iahresultimos zu beten llleberwindung Besorgnisse laut wurden. Man horte jedoch vom Bemühen der Reichsregic rung, einen Lleberbrüctungslredit zu beschaffe und die Situation wurde somit gerettet. Das C schäft war aber nur in einigen Spezialpapierc etwas lebhafter. Die Tendenz zeigte jetzt ein festes Aussehen, zumal einige Sonderbewegungen der Börse einen Anreiz boten, so daß Oer* schiedent ich die übrigen Wärlte etwas mit» gezogen wurden. Die eingesetzte Kaufwelle ebbte aber bald wieder aa. so das; sich daä Geschäft bet sich immer mehr süh.bar machendem Auftragsmangel wieder beträchtlich einschränkte. Auf der anderen Seite standen ungünstige Momente, die jetzt mehr in Erscheinung traten und zur erteilten v-urückhaltung mahnten. Eine mehr über* janb nehmende Lustlosigkeit war die Folge. Bor allem störte man sich an der meist unsicheren und schwächeren Äeuyor.er Börse, sowie an der rapid zunehmenden Arbllt-los.'nz ffer im Reiche. Aber trotzdem zeigte der Grundton der Börse eine hartnäckige Widerstandskraft, die aber in der Hauptsache darauf zurückzuf-hrcn war, daß MateriÄ kaum an den Markt kam. Auch ging von der ruhigeren Beurteilung der innerpolitischen Lage in Erwartung einer Einigung der Fraktionen hinsichtlich des Finanzprogramms eine gewisse Ermutigung aus, so baß die Spekulation in einigen Werten zu Deckungen schritt. Das Geschäft war aber nur vorübergehend etwas belebter. denn der Auftragsmangel stand immer wieder hindernd im Wege. Das Geschäft wurde immer Heiner, da auch Die Weihnachtsfeiertage, wodurch das Börsengeschäft mehrere Tage unterbrochen wird, einen gewissen Druck ausübten. Aber in erster Linie verstummte die Aussichtslosigkeit, für Berlin einen Auslandkredit zu ermatten, nachdem die Beratungsstelle dies abgelebt hat. Die Tendenz wurde daraufhin schwach. Aber ein Ausgleich war bald wieder geschaffen, da nach neueren Verlautbarungen erklärt wird, es bestände die Möglichkeit, einen Snlanötrebit sofort zur Verfügung zu stellen. Der Grundton war, davon ausgehend, wieder gekräftigt: das Geschäft b ieb aber durch das andauernde Hin lind Her fast gleich Rull. Rur einige Spezialwerte traten noch etwas hervor. Die älnsicherheit und das Auf und Ab hatten jedoch bis zum Wochenschius; teilweise ganz beträchtliche Abschwächungen zur Folge. Bei einigem Interesse b ieben Montanwerte wenig verändert. Kaliaktien lagen bis za 9 Prozent schwächer. Bem- berg, auch Aku waren zum Sch uß der Woche infolge der unklaren Situation an^eboten und bis zu 12 Prozent abgeschwächt. (. hadeaktien verloren 20 Mk.. Svenska 9 Wk. Schuckert büßten 8 Prozent, Siemens 7 Prozent und I.-G.-Farben 8 Prozent cin. Die übrigen Märite lagen wenig verändert, Renten teilwe se stärker gedrückt. Am Geldmarkt war Tageögeld leicht, aber später mit 8 Prozent gesucht. Am Devisenmarkt war die Mark fest, das Pfund und der Dollar lagen schwächer. Wochenbericht vom Frankfurter yroduktenmarkt. Der Feankfur'er Getreidemar't ist gegenwärtig so eng, daß er die Preisschwan langen am Weltmarke ziemlich genau widerspiegelt. Die schwachen Auslandn-e'dungen I ften infolgedessen auch am Frankfurter Produktenmarkt Realisationen aus, so daß die neue Woche wieder schwach eröffnete. Trotzdem das Angebot von Brotgetreide sehr gering war, konnte kaum Geschäft aufkommen, da man auch hinfichllich des Agrarprogramms große Zurück allung übte. Die Grundstimmung war überwiegend schwächer. Am Weizen- und Roggen markte hielten sich Angebot und Rachfrage die Waage. Die Käufer, sowie Verkäufer sind sehr vorsichtig und tätigen nur den notwendigsten Bedarf. Rur für spätere Sichten machte sich etwas Rachfrage bemerkbar. Für kurzsälli^e Partien von _ Aus- landbrotgelreide zeigte sich gleichfalls größeres Interesfe. Das Mehl geschaft stagnierte wieder fast vollkommen. Die älntemehmungslust war hier noch geringer, als am Drotgetreidemarkt. Trotzdem die Mühlen mit entgegenkommenderen Offerten an den Markt kamen, beschränkte sich die älmsatztätigkeit nur auf das Rotwendigste. Stärker gedrückt war Roggenmehl. Während sich für prompte Weizen-Aus'ugmehle noch etwas Rachfrage zeigte, war das Reugeschäft belanglos. Hafer und Gerste gut behauptet. Für Braugerste guter Quali'ät bestand kleines Kauf- interesfe. Mais und Futtermittel stärker gedrückt bei ünbebeutenber älmsahtätigleit. Zum Wochenschluß schlug die Stimmung um, da die festen üebctfeemelbungen den Haupt anreiz boten. Auch die optimistischere Beurteilung des Agrarprogramms fand jetzt etwas mehr Beachtung. Ramentlich Weizen stand im Vordergründe des Interesses, da die Mühlen keineswegs genügend versorgt sein sollen und somit größere Käufe vorgenommen haben dürften. R'ggen blieb hiervon unberührt. Die im Anschluß an die Weizenhausse heraufnotierten Mehlvrcise waren kaum durchzusehen. Bei der letzten Zolländerung im Sommer haben Mehl'äufer dadurch Rachteile gehabt, daß sie die Zolldifferenz nachträglich übernehmen mußten, obwohl in den Preisen, die sie den Mühlen vorher bewilligt hatten, bereits die Zollerhohung zum Aufdruck gekommen war. Die damalige Erfahrung mahnte daher für Mehle zur Zurückhaltung. Schwach lagen bag'^cn weiter Fn t.rmittol. Hä'er, Gerste und Mais ruhig bei gut behaupteten Preisen. Im Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche lagen Roggen 0,25 Mark, R ggen- mehl 0,75 Mark h"her während Mais, Weizen- und Roggenkleie bis 0,50 Mark niedriger notierten. Weizen, Gerste. Hafer und Weizenmehle gut behauptet. Die Woche schloß zu folgenden Ro'icrungen: Weizen 23,25, Roggen 19, Gerste 19.53 bis 20. Hafer 13, Mais 18, Weizenmehl, süddeutsches, 33 75 bi 3 39,50, Weizenmehl, nieder- rheinisches, 38 75 bis 39.50, Roggenmehl 27.75 bis 23,75, Weizenkleie 9,50 bi 3 9,60, Roggen- flcie 10 Mark. Kartoffeln unverändert 3,30 Mk. per Zentner. Wochenbericht vom Sronffurfer Schlaü tviehmarkt. Der Frankfurter Schlachtviehma.ki verzeichnete in dieser Woche in allen Viehgattungen reges Geschäft, so daß sich weitere Erholungen des Preisniveaus durchzuschen vermochten. Im Hinblick auf die bevorstehenden Feiertage war der Auftrieb in allen Gattungen ganz erheblich, ohne daß jedoch äleberstand verblieb. Ramentlich aus der Umgebung des Frankfurter Wirtschaftsgebietes waren die Käufer zahlreich am Markt, so daß der Abtrieb nach auswärts ziemlich groß war. Auch die Frankfurter Metzger deckten ihren Feiertagsbedarf in ziemlich großem Ausmaße. Einen Relordgewinn verzeichneten Kälber, die bis zu 10 Mark gewinnen konnten. Auch an den übrigen Märkten traten weitere kleinere Erhöhungen ein. Am Rebenmarkte wa en Schweine wieder uneinheitlich. Zu Beginn des Marktes verzeichneten sie noch sehr reges Geschäft, um zum Schluß merklich abzuflauen. Cs dürfte hier jedoch eine Folge des starken Auftriebes für einen Rebenmarkt gewesen fein, zumal doch am Hauptmarkt schon ziemlich gekauft wurde. Der Gesamtauftrieb bestand aus 2016 Rindern, darunter befanden sich 393 Ochsen, 90 Bullen, 740 Kühe und 570 Färsen, ferner aus 2238 Kälbern, 629 Schafen und 8212 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 397 Rinder, 837 Kälber und 3321 Schweine mehr angetrieben, dagegen standen 71 Schafe weniger zum Verkauf. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Al 57 bis 60, A2 53 bis 56, B 1 48 bis 52. Dullen A 54 bis 57, B 48 bis 53. Kühe A 47 bis 49, B 43 bis 46, C 38 bis 42, D 28 bis 37. Färsen A 57 bis 60, B 53 bis 56, C 48 bis 52. Kälber B 92 bis 93, C 83 bis 91, D 80 bis 85. Schafe A 45 bis 48. B 40 bis 44, C 36 bis 39. Schweine B 83 bis 85, C 84 bis 83, D 83 bis 85, E 80 bis 83. Im Vergleich mit den Rollerungen de: letzten Woche zogen Klüver bis 10 Mark, Ochsen 2 Mark, Kühe, Schafe und Schweine je 1 Mark an. Dullen und Färsen blieben behauptet. * ’ Verlängerung der Eisender- bände um zehn Jahre. Die Verhandlungen über die Verlängerung der Gifenverbände sind gestern mit dem Ergebnis zum Abschluß gelangt, daß die Deutsche Rohstahlgemeinschaft und sämtliche im kommenden Jahre abtaufende Der- kaufsverbände ab 1. Februar 19C0 auf zehn Jahre mit der Maßgabe verlängert worden sind, daß nach Ablauf von fünf Jahren unter gewissen einschränkenden Voraussetzungen cin Kündigung > recht ausgeübt werden kann. Für den Fall, daß der deutsche Röhrenverband nicht über 1932 hinaus verlängert wird, sind besondere Schuh- bestimmungen geschaffen worden. Der grundsätzliche Ülnterschied zwischen der alten und der neuen Rohstahlgemeinschaft ist darin zu erblicken, daß die neue Rohstahlgemeinschaft einen ®e- samtrahmen darstellt, mit dem alle übrigen Verbände stehen und fallen. Die Kündigungsvorschriften sämtlicher Verkaufsverbände wurden hierauf abgestellt. In dem neuen Vertrag der Rohstahlgemeinschaft sind ferner keine Quoten festgesetzt worden, vielmehr bildet die Höhe der Erzeugung die Grundlage für alle Lasten und Pflichten. * Siemens-Schuckert-Werke A.-G. Die Gesellschaft hat nach Abzug von 5 059 320 Mark (i. V. 4 C63 684 Mk.) für Anleihezinsen, von 1 785 500 Mk. (1 639 603 Mk.) für Abschreibungen auf Gebäude, von 8 927 361 Mk. (8 006 391 Mk.) für gesetzliche soziale Leistungen und von 6 978 368 Mark (5 860 538 Mk.) für freiwillige soziale Leistungen einen Reingewinn von 16 639 925 Mk. (16 560 414 Mk.) aufzuweifen. Der A-R. hat die Ausschüttung einer Dividende von wieder 10 v. H. und die Erhöhung der Sonderrücklage um 3 Mill. Mark (3 Mill. Mk.) beschlossen. 1 230 350 Mk. (1 150 839 Mk.) sollen auf neue Rechnung Dor- getragen werden. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 21. Dez. Tendenz: geschäfts- los. — Die Wochenschlußbürse zeigte ein wenig verändertes Bild. Die Stimmung war lustlos, und die Spekulation zeigte keine Unternehmungslust, so daß bis zur Festsetzung der ersten Kurse kein Geschäft zu verzeichnen war. Der Auftrags- mangel hielt an und verstärkte sich eher noch, so daß bei vereinzelt herauskommendem Material die Tendenz zur Schwäche neigte. Verstimmend wirlte die schwache gestrige Neuyorker Börse und die schlechte finanzielle Lage der Stadt Berlin. Gegenüber der gestrigen Abendbörse ergaben sich zum.ist Abschläge bis zu 2 d. Sy Eine Ausnahme machten am Montanmarkt Phönix und Mannesmann, die bei einigem Interesse leicht anziehen konnten. Otavi- Minen lagen 1 Mark schwächer. Stärker im Angebot lagen am Elektromarkt Siemens mit minus 4 d. Sy Man war enttäuscht über den unveränderten Dioi- dendensatz von 14 v. Sy, da man damit gerechnet hatte, daß bei einem günstigen diesjährigen Abschluß und befriedigender Geschäftslage für das kommende Jahr eine höhere Dividende zur Ausschüttung gelangen werde. AEG. lagen leicht gedrückt. Sonst waren Erstnotierungen an diesem Markt nicht zu verzeichnen. Am Ehcmiemarkt eröffneten Farben 2,5 v. Sy schwächer. Von Bankwerten lagen Reichsbank auf Realisationen und in Anbetracht der versch^cchter- ten Lage der Börse 4 d. Sy niedriger. Die übrigen Werte dieses Marktes waren wenig verändert Süd- deutsche Zucker eröffneten gut behauptet. Bis zu 1 v. Sy niedriger lagen noch Zement Heidelberg, Norddeutscher Lloyd und Zellstoff Aschaffenburg, Renten geschäftslos. Im Verlaufe war die Tendenz weiter schwach, bei erneuten Abschlägen bis zu 2 v. Sy Siemens lagen weiter im Angebot und büßten erneut 3,5 d. Sy ein. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7.5 v. Sy erleichtert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1739, gegen Bsund 20,375, London gegen Kabel 4,8821, gegen Paris 123,19, gegen Mailand 93,24, gegen Madrid 35,40, gegen Schweiz 25,095, gegen Holland 12,1050. Berliner Börse. Berlin, 21. Dez. Dormlttagsvcrkehr und Vorbörse lagen wieder einmal völlig geschäfts» l o s. Da wesentliche Momente vollkommen zu fehlen schienen, befürchtete man an der heutigen Wochenschlußbörse ein etwas niedrigeres Kursniveau. Zu den ersten Kursen überwog dann auch die Abgabc- neigung, so daß es meist zu Abschwächungen kam. Man ft'llte, wie das an gcschäftslosen Tagen verständlich ist. die weniger günstigen Momente in den Vordergrund. Das schwache Neuyork und das. entgegen den gestrigen Meldungen, noch nicht unter» zeichnete Liquidationsab ammeii mit England wirkten retardierend. Man diskutierte ferner über da» Eingreifen des Oberpräsidenten Dr. Meyer in die Geldverwaltung der Stadt Berlin und wertete dies als Symptom. Während sich die Verluste im allgemeinen im Rahmen von 1 p. Sy bewegten, verloren Spezialwerte bis 2 v. H. Darüber hinaus büßten Reichsbank 2,5 v. H.» Löwe 2,75 v. Sy, Gesfürel 2 v. Sy, Waldhof, Polyphon und Rheinische Braunkohlen 2,5 v. Sy, Löwe 3 v. H., Siemens, Schuckert je 3,75 o. H. ein. Bei den zuletzt genannten Papieren wirkte die unveränderte Dividende enttäuschend. lUtimoDorbereitungen (man glaubt, daß ein Teil des Publikums sich durch Esfektenoerkäufe flüssig halten will), kleine Glattstellungen druckten allgemein auf das Niveau. Deutsche Anleihen und Ausländer ge- schästslos. Der Pfandbriefmarkt war ruhig. Der Geldmarkt blieb unverändert. Im Verlaufe erfuhr das Geschäft k e i n e B e l e b u n a. Die Kurse bröckelten weiter bis zu 1 v. Sy ab. Schultheis, Salzdetfurth, Feldmühle und Berger verloren darüber hin- aus bis zu 2 d. Sy B.rliner Produktenbörse. Derlin. 20. Dez. An der Produktenbörse herrscht weiterhin stärkste Zurückhaltung infolge der älnsicherheit über die heute dem Parlament in dritter Lesung vorliegenden Zollerhöhungen. Das Geschäft kam infolgedessen wiederum sehr schleppend in Gang. Die flauen Meldungen von den nordamerikanischen Terminmärkten blieben hier völlig ohne Eindruck. Das Inland ist mit Angebot sehr vorsichtig am Markte und die Forderungen für Brotgetreide waren um 1 bis 2 Mark erhöht, ohne daß sich die Mühlen angesichts des stillen Mehlgeschäftes zu größeren Anschaffungen entschließen konnten. Am Liese- rungsrnarkt kamen die Dezembersichten anfangs nicht zur Rotiz, in den späteren Sichten eröffnete Weizen bis 3 Mark, Roggen 1,75 Mark fester. Für Weizen- und Roggenmehle tauten die Müh- lenofserten wenig verändert, das Geschäft bleibt still. Hafer ist infolge des geringen Angebotes im Preise gehalten, die Rachfrage ist auch nur klein. Gerste vernachlässigt. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märt., 241 bis 242 (fest). Dez. 254, März 268, Mai 278,50; Roggen, märt, 170 bis 172 (fester), Dez. 187,50 bis 183, März 202 bis 203 bis 202,50 (Brief), Mai 213,75; Braugerste 187 bis 233 (ruhig); Futter- und Industriegerste 167 bis 177 (ruhig); Hafer, märt. 149 bis 157 (ruhig), Dez. 160 (Brief), März 172,50, Mai 185,50; Mais, Mx.. 165 (still); für je 100 Kilo: Weizenmehl 29 bis 34,75 (ruhig). Kirchliche Aackrickien. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 22. Dezember. 4. Advent. Lladikirche. 9.30 Uhr: Pfarrassistent Sch.'audrasf; 11: Kinderürche für die Markusgemeinde; Pfarrer Becker; 5: Pfarrer Mahr; zugleich Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Matthäusgemeinde. — Johan* nestirdje. 9.30: Pfarrer Ausfeld; 11: Kinderkirche für die ^Johannesgemeinde; Pfarrer Ausfeld: 2: Weihnachtsfeier für die Kleinkinder Bewahranstalt: Pfarrer Bcchtolsheimer; 3.15: Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Lukasgemeinde; Pfarrer Bechtols- heimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz, 11: Kinderkirche; Pfarrer Lenz. — Elisabelh-Kleinkinderschule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas; 11: Kinderkirche für die Petrusgcmeinde; Pfarrer Ille. Waas. — Klein-Linden 10: Hauptgottesdier.st; 3: Kinderschulfeier; 5: Kindergottesdienst. — Wicfeck. 9.45; 11: Kinderkirche. — Allen-Duseck. 10; 4; Weihnachtsfeier der Kleinkinder-Dewahranstalt; 8: Weihnachtsfeier des Frauenvereins. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 1.30: Lollar; 1.30: Mainzlar. — ftaufen- Garbenleich. 10: Garbenteich; 1: Hausen. — Dahen- ' orn-Steinberg. 10: Hauptgottesdienst. — Cid). 10: stsdechant Kahn (Frauenchor); 12.45: Kinder- sdienst; 4: Weihnachtsfeier der Kinderschule. -- eder-Bcfsingen. 2: Stiftsdechant Kahn. katholische Gemeinden. Samstag, den 21. Dezember. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 22. Dezember. 4. Adoentsonntag. Gießen. 6 30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen: 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Gründern. 9.30: Messe mit Predigt. — Kulmen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30; Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.20: Hochamt mit Predigt. — Collar. 8.45: Messe mit Predigt. So-tttfri.. 'tuen. 'H'itWe’rnm22 12."29 Irl.Ör.GÜrtler. l>rNeumann-Svengel. Engclavvlb. Zabnarzt: Dr. Metz. ’D Kurszettel -er Berliner und Frankfurier Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern ieben die Höhe der zuletzt beschlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 o H., Lombardzinsfuß 8 o Sy "rantiitrl 0 yr ■ <1) «.fr U I rdi.i.» . amaii.v '1 "t «... 1 trn Scutidie ftuinnt Lammelob! — — — Anleihe «ede i 56 — 46,25 — 6% -vrdnfl ('DP. Boni ifiulBct: XHI i:nlüüotai bk 1984 . 7% mH Hnv Bant üiolbvle '6,5 — - it Dbni bk- lliBz 82 — - il'cliiildw Odd Wanf Vian (Mi'lbvie /8,5 — vo "Lh Vniibeeplanbbrielanftfllt ■1? Jan »briete tii >' Hi ViiuPe vidiiDbnManfiüii 98 - 98 — Sumin ibl R ui % Hi VaiiDe DlaitDbrtrlanfiali. 95 — 95 — 'jjfiiiibbrii-fe tX io 89 — 39 _ .» . .1,(1«: . ibltnanon .chablbm 193? - - - - t eiterreidutctie «sicne 24 - 24,13 - 4 frTilbrrr — 2,9 - i "o Orfterrelälidi» (ünbeltltdii heule 1,925 _ — _ . biifliimdie Wolbrtc 21.2 — 21.2 —- ju0 Unpanxti? Stantet o 191" — — 19 25 0 .% ccial ren l’Jh . . - -w 20,8 4% Un,ia.iitb>' titonenne.. . |.95 — '•95 _ 4% lüd rfpranietbc o. tOll 4°„ lurliitb- yaflMBbahn Än 7 - 7 — 2-ne i ,9 - '.1 1 40 t» r • ’ 4% «iimiii*« -er-tnb flmie c.9 7 ovn 1W19 41 tliti« orrrtnb 4irnie .8 — .7*1 ■ Bur I3!2 13.9 — 14 — n, :Huiiq: e uu- u n, r «rtf.u» , 1i" , tuiuann- R in To am 20 12 21 1'2 20 12 21 12 fiamourfl-ümeHia 'Lalc. 89,75 — 90 89.4 Hamb LÜvom. Xampfid) . > — — 161 t— (>anm 2)amiff biff.....1* — — 136,5 —— ‘JluTbbeuilrtiec rüovv.....• — 89 89.25 88.5 tillfl Teuiitb'Ckevilanfr . > 115 — 115.4 115 tiarmet iB.mioerein .... 1 115,5 115.5 115,25 115 5 Berliner HauoclsgeicUfck). • > 169,75 169,25 (lammen- imv '4>rivor-Banl 1 149.5 149,25 149.5 149 75 Tocmst. u. Watiunalbanl 1 228-5 228.25 228 5 Kcut'die Bonk..... 1 145 —- 145,25 Di»c 'Nlo-«eikllfchaN. Lnt. 1 145 144.5 145.25 144.5 Drc»bner Bank ..... 1 144,5 144.5 144,5 metd>t.b 310 311,5 311 J ffi itarben-Onouftrte tbnamii Oiebä . . . . n 171.65 169.13 172 169 • ■ . . 6 — — 80,25 78.9 Sdjeibeanualt ...» • • e ■ v- 141.9 141.25 — — ßlulbidimiot ...» • • . . b 61.3 — 62 61 Rüigerswerke ...» dRehiiiqeieHicfiaft . . 0 e . . b 67 — 67.5 66 25 . . 8 112.5 — 112.75 — 'Übtlipp imann 79.75 78 77.75 fernen werk ('eioefOrtg • 10 114 113 —- iSetnenimcd latlfWM . 10 159 * tiüQB S . 8 40 . . 8 78.25 78,9 — 6*uitben Patzeniwfer 15 — - 270.5 269.5 Cftroerfe .... . 12 — — 210.5 208.5 «et. 01 aniftofl 18 — — — — B'mberq...... ' 1 136 — 137 134 Hehfiof Wnlbbof 18% — — 177 174.5 fSeilftoii »lidtoii nbtitfl < 133 132.25 133,5 — abariottenbutger iäaifex • . . s — - 92,5 92.75 Denouer Was . . v — — 146 144 Firmlet Wotnren • , 44.5 — 34.25 34 Jeutfrfie Linoleum . 225 223 224 223 tiimdiiiicnbou Ä.-G. . • • . . 0 -- — 37.4 36.9 -Ä ru> > ■ onhiro Ttetz • . . . 10 — — — — - 313,5 313 -ttanfi 4«cid)tnea . . • . . 4 39 - 40 38.25 ■ünnnei . . • e . 6 — 43 45 üeoltflenftaeb 1,25 — runnban» « — — 45-75 46-25 vedimette •02.5 — IHamiij w tzSckll <3 l 160 ISO 160 — Banknoten. Berlin, 20 Dezember fflelb Brief 41tnerifanlidie 920ten ISelglfthe Noten ...... Tdiitfdje Noten ....... Cnflüfdie Noten . ....... .eranzvftidie Noten ....... Hollänblfdie Noten ....... ntallenlfdie Noten........ Norwefliidx Noten....... Deutidi.Cefteneid), 6 1OO TchUIina Numänlfdie Noten ...... »chrocoifdie Roten....... citroeher Noten . ...... ^vontidie Noten ....... r'Mewoiiownklfche Noten..... Unflatiittie Noten ..... 4.164 58.18 111.68 20.343 16.435 167.98 21.79 111.68 58.64 2.485 112.23 81.29 57,56 12.36 79.85 4.184 58,42 112,12 20.423 16.495 168.66 21.87 112.12 58,88 2.505 112.67 81.61 58.80 12.42 73.15 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 20 Teiemdei 21 leiem bei Ämilttd- Notletun,, i»e:r [ tönet tinuittbi Nol 1 rung diele | B e Amii.» :Hott Bu n -Airee .srss. Nnkw tibrifltania flop:nbafl.'n gtotfholm HeliinaforS Italien. - London. . . •.lieunorf . . Po. Echioet» . . Sva i:tt ■ Iavan - - - iw ve ^an Wien In D-- Ceft aboeft 'Vraa • Belirah VabaD-Q Bul arten ' iffabon Tanva onnft nrtn -Irden- a '5 0 15 7 0 M >0 >2 Ö )5 21 s p 6 51 n u 51 M 168.50 1,672 58.495 112'$ 112-15 112'3 10.4$ 21.“ »■8 h A 51.84 |M 7.4g fl-g 3,019 18'8 ß L 20."' " W Mark fett« >le lauten die ÄüK> das Geschäft bleiit gingen Angebote, ^rage iß auch nur w notierten für je 241 A m lieft), Ä bi?M, Vries). Mai 213,75; Eg): Sutter- unb -ruhig): Hafer, iM. 163 lDrich, May Mik, 165 W; 29 bis 34,15 (nchjgj. Di l“ Unb mVrlLln l” 'äs'« S$.58 Sl*«s ÄJ* ' genannten Me ' lbl-Meinfrb- ; rfaufe f;öHihl ,b,s ickten a*«S12 fc?ie £ ■ sT-r !tenw:[e, «Ä» HW*" bliebe? ifl Markte und die * ^°ren um I bk LL ^len an. Sä —i5j 58.1 111.« 20.343 16,435 167. 21.79 111-6 58-64 2-4« 112.23 81.29 57.56 12.36 72-85 kirickten. ncinben. iber. 4. Adoert raisistent Lch^diasf; luigemeinb#; Pfarrer lgleich Wki-aocht-icier isgemtinbf. - bohan- iseld; 11: üinderlirche Wner Ausseld; 2: ilinber:$roat)rQn|lall; i: Mihnachtrfeier der ihe; Pfaner Bechtels- lten jrlkdhofr. 930: he; Pfarrer Lenz. - Pfarrer Lic. Sinas; usguneinbt; Pfarrer i; chauptgottesdierst; Mier-ft. - MchS. 4. Mcft. DaftranftaU; 6; Weit? 9 - äirchber?. 10: Mainzlar. - W 1: Haufen. - W ttesdienft. - M .chor); 12-45: W iir der RinbcrlN- - chant Kahn. meinden. , Dezember. : Beichte. „ 4 Adoentfanntag. 7: Meße; Kommun» . q. Kochamt mit W ss* ‘SS* eße •—■ "ToTiviiä 12.29 r.M___ —TiM 58-42 112.11 20.423 16,«9 168.« 21-P n2.ii 58.« 2.505 112.67 61.61 58,80 12.42 73-15 i *irj. Was unterscheidet meinen Weihnachts-Verkauf von vielen i e I e n n anderen von IUj76A Barrabatt Schuh-Haus Juwelensdimud« Golds und Silberwaren XY-f-’S' UND c Gegründet 1879 Fernruf 3297 IO452U Telephon 3750 104/10 H. Kraft, Neuenweg46 Bi Wein TEPPICHE Jung 6787, k) Lager. Weihnachtsgeschenke CarlSchunck Lebensrnittel- u. Kräuter haus Schulstrabe (J8I39 Orient-Teppiche Zahlungserleichterung Carl Stückrath Giefaen, Asterweg 47 HUMA K>«31A 0718A 9 81 60 04 19 27 44 Verbinder Läuferstoffe Kokoswaren ist immer ein schönes Weihnachts-Geschenk! Gesunde und bekömmliche Sorten von besonderer Erlesenheit und Feinheit, und andere gute Geschenke! I Meine billigen Preise Meine soliden Qualitäten Prüfen Sie seihst Lodenjoppen Arbeitskleider Knabenk.eider Hosen /jäten wir in diesem 3:iSperrholz e tn Etche. Gaboon u. 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