Nr. 221 Erstes Blatt 179. Jahrgang Zreitag, 20. September 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Bezugsprclr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschliisse unter5ammclnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sichen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen OriKf und Verlag: vrühl'sche Univerfitütt-Vuch- und Steindruckerel H. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Große deutsche Wirtschastsverbände zur Lage. Eine Kundgebung des deutschen Einzelhandels. Wirtschaftspolitische Forderungen der Hauptgemeinschaft. Hamburg, 19. Sept. (WTB.) Aus Anlaß der Tagung der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels fand eine öffentliche Kundgebung statt, die bestimmt war, der Oeffentlichkeit von den Wünschen und Beschwerden des Deutschen Einzelhandels Kenntnis zu geben. Der Bor- sitzende der Hauptgemeinschaft, Heinrich G r ü n - selb, wies besonders auf die Rotwendigkeit hin, die Aufmerksamkeit oller Volkskreise und der Behörden auf die jetzige schwierige Lage des Einzelhandels zu lenken, die man nur als Dauerkrise bezeichnen könne. Aach wie vor gelte, daß das st orte Ab st eigen der ®e- schäktskonjunktur nicht so sehr durch wirtschaftliche, als durch politische Voraussetzungen bedingt sei. Cs ist dem Einzelhandel schon heute klar, daß nicht allein eine Minderung der Steuerlasten im Umfange der durch die Umstellung vom Dawes- zum Voung-Plan erzielten Ersparnisse erfolgen muh, sondern daß ganz unabhängig davon eine sparsamste Wirtschaft der öffentlichen Hand notwendig ist, für die die Vereinheitlichung der Steuer-und V e r w a l t u n g s r e f o r m die notwendige Grundlage bilden muß. Der Präsident der Detaillistenkammer Hamburg, Wilhelm Mcihl, wies darauf hin, daß wegen der überragenden Bedeutung des Handels für das gesamte hamburgische Wirtschaftsleben die gefahrvolle Lage des Einzelhandels gerade in Hamburg ganz besonders empfunden werde. Der Einzelhandel rufe nicht nach Slaatshilfe, glaube aber fordern zu können, daß der Staat darauf verzichte, die fi o n f u- mentenorganifakionen durch steuer- liche und andere Maßnahmen zu ft ä r k e n. Im übrigen bekenne sich der Einzelhandel zum Gedanken der Selbsthilfe. Senator Hirsch wies in dem anschließenden Vortrag über „Politik und Einzelhandel" auf das Streben zur Vertrustung und Stzndikatsbilduna beim Großkapital hin. Jeder Erfolg auf dieser Seite sei eine Niederlage der freien Wirtschaft. Der Gedanke der individualistischen Wirtschaftsführung werde sich trotz aller Anfeindungen siegreich durchsetzen. — Dr. Friedrich Pfeffer (M. d. R.) sprach sodann über „Einzelhandel und Sozialpolitik". Der Einzelhandel wisse, daß soziale Fürsorge für die wirtschaftlich Schwachen für ihn Kaufkraft bedeute. Aber aus der Entwicklung der letzten Jahre habe, auch der Einzelhändler gelernt, daß diese Fürsorge Wege gehen könne, die das Wohlergehen der Gesamtheit nicht förderten und daher den wirtschaftlichen Aufstieg hemmten. Wenn von 1924 bis 1928 etwa zwei Milliarden Reichsmark in die Reserven der Versicherungseinrichtung en geflossen feien, so bedeute das für den Einzelhandel gerade in den Jahren, in denen er am schwersten um seine Existenz gerungen habe, eine u n - wirtschaftliche Verschiebung und zum Teil gänzliche Vorenthaltung von Kaufkraft, was nicht unwesentlich dazu beigetragen habe, die wirtschaftliche Gesundung auch des Einzelhandels hintanzuhalten. Die Kundgebung schloß mit dem Referat des Reichstagsabgeordneten Bull über das Thema: „Einzelhandel im Gewerberecht". Der Redner wies darauf hin, daß die Staatseinstellung zum selbständigen gewerblichen Mittelstand in der Reichsverfassung in Artikel 164 festgelegt worden sei, der bestimme, daß Gewerbe und Handel in Gesetzgebung und Verwaltung gefördert und gegen Ueberlastung und Aufsaugung geschützt werden sollen. Diese Grundsätze seien aber seither nicht verwirklicht worden. Die Tagung des deutschen Landwirtschastsrats. Die Not des Kleinbauern. — Die Arbeitslosenversicherung. — Das Neichsmilchgcsetz. Münster, 19. Sept. (WB.) Am heutigen zweiten Tage der 59. Vollversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrats sprach Prof. Münzinger - Hohenheim über die Auswirkungen der Agrarkrise auf den kleinbäuerlichen Betrieb, wobei er u. a. auf das Schicksal der zweiten Söhne und der Bauerntöchter hinwies, die mehr und mehr Fabrikarbeit suchen müssen, um dadurch die Bargeldeinnahmen des Bauernbetriebes zu vergrößern. Dies habe in den letzten Jahren zur starkenProletarisierungdesBauern- t u m s und zur Landflucht geführt. Die herrschende Agrarkrise, besonders das schlechte Verhältnis zwischen den Preisen von Betriebsmitteln und Erzeugnissen, bringe es dahin, daß der Bauer nie Geld habe und sich infolgedessen jeder Ausgabe enthalten muß, auch dann, wenn diese Ausgaben den Betriebserfolg erhöhen würden. Bei Zinssätzen von Leihkapital, die über 10 v. H. Hegen, wage der Bauer nicht, Kunstdünger usw. auf Kredit zu kaufen. Den größten Teil der Steuer müsse der Bauer aus seinem Arbeitsertrag zahlen, da er bei Zugrundelegung des ortsüblichen Lohnanspruchs nur eine ganz ungenügende Kapitalrente durch den Reinertrag hat. Ziel unserer Agrarpolitik müßte sein, wenn man den Jungbrunnen des deutschen Volkes, sein Bauerntum, erhalten wolle, für unsere Landwirte ein Einkommen zu schaffen, das dem der anderen Berufsstände ebenbürtig ist, und den Bauernstand vor Ueberarbeitung und vor körperlicher und geistiger Verkümmerung zu schützen. Der Direktor der preußischen Hauptlandwirtschaftskammer Graf von Baudisfin sprach über „Die Landwirtschaft und die Reform der Arbeitslosenversicherung", wobei er u. a. ausführte, die Landwirtschaft stehe grundsätzlich der Regelung der Arbeitslosenfürsorge durch eine obligatorische Versicherung außerordentlich skeptisch gegenüber. Die Arbeitslosigkeit sei ein völlig ungeeignetes Versicherungsobjekt. Angesichts der finanziellen Rotlage des Reiches sei eine Arbeitslosenversicherung auf der Grundlage und im Umfange des jetzigen Dersicherungsgesehes f i - nanziell unhaltbar. Der Gedanke einer eigenen landwirtschaftlichen Arbeitslosenversicherung sei aufrechtzuerhalten, da es unmöglich sei, eine aus den verschiedensten Berufen zusammengesetzte Arbeitnehmerschaft von rund 20 Millionen in eine Massenversicherung zusammenzupressen. Da die Fehlbeträge durch Reformen und Ersparnisse gedeckt werden könnten, lehne die Landwirtschaft jede Erhöhung des Beitragssatzes rundweg ab. Oekonomierat Dr. Keifer berichtete über die Stellungnahme zu dem Entwurf eines Reichs- m i l ch g e s e h e s. Eine der wichtigsten Aufgaben des Reichsmilchgesehes sei, die Grundlage zu einer planmäßigen Zusammenarbeit von Erzeuger, Gesundheitsbehörden. Kommunen und Verteilern zu schaffen. Es müsse aber auch rechtzeitig auf die Gefahr einer allgemeinen Einführung des Pasteurisierungszwanges, der gleichzeitig die M i l chckü echormm g"cn"Fch-a stch em Zur Voraus^ sehung hat, hingewiesen werden. Die Kosten der Flaschenlieferung dürsten auf 300 bis 500 Millionen Mark zu veranschlagen sein, die von der Derbraucherschaft getragen werden müßten. Zum Schluß machte Kammerdirektor Prof. Dr. G e r - land, Münster, in seinem Vortrag über „Die westfälische Landwirtschaft unter der neuzeitlichen Wirtschaftslage" interessante Ausführungen über die Bedeutung des Gemüsebaues und der G e f l ü g c l h a l t u n g für die neuzeitliche Landwirtschaft. Die Umstellung der Landwirtschaft namentlich der kleineren Betriebe auf die intensivste Bodenbenuhung, den Gemüsebau, mache rasche Fortschritte. Die rheinischen Bauern. Vorwürfe gegen den Rcichsernährungs- minister. Köln, 18. Sept. (TA.) Der Vorstand der Vereinigung des Rhein. Bauernvereins und des Rheinischen Landbundes faßte in seiner letzten Sitzung eine Entschließung, in der es u. a. heißt: Die vom Reichstag kurz vor seiner Vertagung gefaßten Beschlüsse haben keine durchgreifende Wirkung auszulösen vermocht. Sie mußten in ihrer Wirkung versagen, weil sie die Kernfrage der Agrarkrise umgingen. Die Vorschläge der Dauernfrontführer verlangten als allein Erfolg versprechende Maßnahme zur Wiederherstellung der Rentabilität in der Landwirtschaft die Anpassung der Preise der Agrarprodukte an die Produktionskosten bzw. den gesunkenen Geldwert. Die Beschlüsse des Reichstages haben nicht diese Anpassung, sondern weiteres Absinken der Preise der wichtigsten Agrarprodukte tatsächlich im Gefolge gehabt. In Hebereinstimmung mit der übrigen deutschen Bauernschaft verlangen daher auch die rheinischen Bauern die beschleunigte Verabschiedung des landwirtschaftlichen Gesamtprogramms. Auf weitere Vertröstungen und nutzlose Teillösungen wird und kann sich der Bauernstand nicht mehr einlassen. Es ist endlich an der Zeit, entschlossen zu handeln. Mit schmerzlicher Entrüstung hat die rheinische Landwirtschaft davon Kenntnis genommen, daß der Herr Reichs- 'eruährtMgsmdnister D'Htrich mchk gewillt ist, für die Erfüllung dieser berechtigten Forderungen einzutreten. Wir erwarten, daß Reichsregierung und Parlamente mehr Einsicht bekunden werden. Forderungen des Michsverbands der deutschen Industrie. Oie Reform der Arbeitslosenversicherung. — Industrie und Landwirtschaft. Keine Einschränkung erprobter Propaganda. Köln, 19. Sept. (TA.) Der Düsseldorfer Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie ging am Donnerstag eine stark besuchte Präsidial - und Vor'standssihung unter dem Vorsitz von Geheimrat Prof. Dr. D. D u i s b e r g voraus. Das Präsidium beschäftigte sich in mehrstündigen Verhandlungen eingehend mit der Reform der Arbeitslosenversicherung. Der Reichsverband ist mit der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände der Meinung, daß, ohne berechtigte soziale Gesichtspunkte zu vernachlässigen, -eine finanzielle Sanierung der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung auch möglich ist, wenn eine Erhöhung der Beiträge vermieden wird. Darüber hinaus betont der Vorstand, daß es unbedingt notwendig sei, die Arbeitslosenversicherung in einer Form durchzuführen, die eine Belastung des Reichshaushaltes a u s s ch l i e ß e, weil in besonderen Fällen ein Darlehen nicht zu vermeiden, so müsse die Reichsregierung durch Herabsetzung der Leistungen für alsbaldige Deckung sorgen. Der Vorstand des Reichsverbandes sieht in der Art, in der bisher die Reform der Arbeitslosenversicherung behandelt worden ist, einen außerordentlich schweren Fehler, der zu den schwersten Folgen führen müsse. Obwohl es schon vor Monaten klar war. daß die Arbeitslosenversicherung in formeller und materieller Hinsicht geändert werden müsse, sei es bis heute noch nicht gelungen, dem Parlament eine Regierungsvorlage zuzustellen, für die die Regierung in allen Punkten die Verantwortung zu übernehmen willens sei. Das zeige, daß man nicht den 211 u t habe, auf einem Zustand, der von allen einsichtigen Kreisen als gefährlich anerkannt sei, die Konsequenzen zu ziehen, die finanziell und staatspolitisch notwendig seien. Der Reichsverband fordert daher, im Interesse dec Gesamtwirtschaft, mit größtem Rachdruck eine schleunige Reform der Arbeitsloseiwer- sicherung, die ihre.Durchführung ohne Beitragserhöhung irgendwelcher Art und ohne die Heranziehung öffentlicher Mittel gewährleistet und Mißbräuche aus- schließt. Heber die bevorstehenden handelspolitischen Entscheidungen berichtete Dr. Ernst v. Simson. Seine Ausführungen gipfelten unter der Zustimmung des Vorstandes in der Forderung, daß die deutsche Handelspolitik vor unüberlegten Experimenten bewahrt bleiben müsse. Der Vorstand kam in der nachfolgenden Aussprache einstimmig zu dem Ergebnis, daß er an seiner Entschließung vom 20. Juni über die agrar- politischen Forderungen festhalten müsse. Der Vorstand steht auch heute noch auf dem Standpunkt, daß die zur Wiederher st eil ung der landwirtschaftlichen Rentabili - t ä t geeigneten Maßnahmen im Interesse der Gesamtwirtschaft ergriffen werden müssen. In diesem Sinne spricht sich der Reichsverband auch für eine Erhöhung der Futtermittelzölle aus. Alle weitergehenden handelspolitischen Forderungen der Landwirtschaft sind aber nach Auffassung der Industrie nur dann vertretbar, wenn sie keine unerträg- licheBelastung fürden Konsumenten zur Folge haben und das mühsame Aufbauwerk der Handelsverträge nicht gefährden. In Würdigung der Auswirkung der vom Reichsverband im September vorigen Jahres gefaßten Beschlüsse auf Einführung eines organischen Sperrjahres gelangt der Vorstand des Reichsverbandes einmütig zu der Auffassung, dieses Sperrjahr bis zum 1. Oktober 1930 zu verlängern. Dann wurde fest- gestellt, daß die Annahme, die Propaganda der deutschen Industrie als solche solle eingeschränkt werden, durchaus ungerechtfertigt sei. Die deutsche Industrie sei nicht nur im Kampf gegen die eindringenden ausländischen Erzeuger gezwungen, sich aller neuzeitlichen Werbemethoden zu bedienen, sondern auch gegen den scharfen Wettbewerb im Ausland. Daß angesichts dieser Sachlage an eine kritiklose Beschränkung der Propaganda nicht gedacht werden könne, bedürfe keiner besonderen Bedeutung. Auf der anderen Seite liege es im Interesse der Industrie sowohl wie des ernsthaften Verlegergewerbes, gemeinsam an der Bekämpfung von Schädlingen auf dem Gebiet der Propaganda und der Hebung und Förderung erprobter Propagandamittel zu arbeiten. Es könne nicht genug begrüßt werden, daß dieses gemeinsame Arbeiten zwischen der Organisation der deutschen Industrie und den zuständigen Organisationen des Verlagsgewerbes auf der ganzen Linie eingesetzt habe. Parteien und Versicherungsreform. Gegen das Reichsratskompromitz. Berlin, 19. Sept. (D.D.Z.) In einer interfraktionellen Besprechung wurde von den Sozialpolitikern der Regierungsparteien zunächst die Hauptvorlage über die Reform der Arbeitslosenversicherung durchberaten. Dabei herrschte im wesentlichen Einigkeit darüber, daß die vom Reichsrat v o r g e n o m m e ne n Aende- r ung e n den Wünschen der Regierungsparteien nicht entsprechen und deshalb in diesen Fällen d i e ursprünglich« Regierungsvorlage wieder hergestellt werden soll. Das gilt z. B. auch für die Anterstühung der Lehrlinge. Eine Anzahl von Bestimmungen des Gesetzes sollen durch gemeinsame Anträge der Regierungsparteien a'bgcän* devt werden: für andere Bestimmungen haben sich einzelne Parteien eigene Anträge Vorbehalten. Die interfraktionellen Besprechungen sollen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Aus der Hauptvorlage muß man sich noch über die allgemeinen Bestimmungen zur Wartezeit und über die Abrechnung der Sozialrenten auf die Arbeitslosenunterstützung einig werden, die am Donnerstag noch nicht besprochen werden konnten. Ferner steht noch die Beratung der sehr wichtigen befristeten Sondervorlage bevor, die bekanntlich die aus der Hauptvorlage herausgenommenen Hauptstreitpunkte enthält, vor allem die Beitragserhöhung und die Sonderregelung für die S a i s o n a r b e i t e r sowie die Leistungsherabsehung für die jüngeren Arbeitslosen ohne Familienangehörige« Gegensätze in der G.p.D. Schwierige Stellung der sozialdemokratischen Minister. Be-rlin, 19.Sept. (Priv.-Tel.) Der Kampf um die Reform der Arbeitslosenversicherung hat auch innerhalb der Sozialdemokrati s ch en Partei zu starken Gegensätzen geführt. Wie wir von sehr gut unterrichteter Seite hören, tritt vor allem eine radikale Gruppe unter der Führung des Abg. Wels, der seinerzeit bei der großen Panzerkreuzer-Debatte im Reichstag durch eine äußerst scharfe Rede die sozialdemokratischen Kabi» nettsmitgüeber in eine schmierige Situation bracht für eine energische AHl § hnung des Reichsrats- kompromisses durch die Partei ein. Dieselbe Richtung vertritt auch dec Apg. Au f Häuser. Die gemäßigten Elemente, zu denen anscheinend auch der Reichsarbeitsminister W i s s e l l zu rechnen ist, und in deren Lager auch der Reichsfinanzminister Dr. Hilf er ding steht, werden unter diesen um» ständen in der für Freitag anberaumten Fraktionssitzung einen schweren Stand haben. Man bedauert vor allem, daß der Reichskanzler Hermann M ü I» l c r dieser Sitzung wohl noch nicht beiwohnen wird, denn gerade von seiner Autorität verspricht man sich eine starke Einwirkung auf die radikalen Elemente. Der Kanzler soll mit aller Energie einer Verständigung innerhalb der Koalitionsparteien zustreben, er soll die Ansicht vertreten, daß die Partei jetzt retten müsse, was noch von der Arbeitslosenversicherung überhaupt für sie zu retten sei, da bei einer radikalen Ablehnung der Kompromißanträae die Sozialdemokraten vom Reformwerk ausgeschal- t e t würden. Es ist anzunehmen, daß die gemäßigten Führer in der Freitagssitzung versuchen werden, wenigstens eine bindende Stellungnahme dec Partei zu vermeiden, um erst die Rückkehr des Kanzlers abzuwarten. Kyffhäuserbund und Volksbegehren. Keine Stellungnahme. Berlin, 19. Sept. (TH.) Die Presseabteilung des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyfshäuser" veröffentlicht folgende Stellungnahme: „Die 28. Vertreterversammlung des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyfshäuser^ vom 14. September 1929 billigt einstimmig die mehrfach bekanntgegebenen Erklärungen des ersten Präsidenten General der Artillerie a. D. von Horn zum Volksbegehren. Der Bund kann zum Volksbegehren keine Stellung nehmen, weil es sich um eine im Brennpunkt des parteipolitischen Kampfes stehende Frage handelt. Dementsprechend ist der Eintritt von Verbänden und Vereinen des Bundes in einen Ausschuß für das Volksbegehren nicht zulässig. Gegenüber irrtümlichen Aeußerun- gen wird festgestellt, daß der Deutsche Reichs- knegerbund „Kyffhäuser" sich in keiner Weise für oder gegen das Volksbegehren ausgesprochen hat. Die selbstverständliche 2kr- Pflichtung jedes einzelnen Kameraden, sich als Staatsbürger in dieser Lebensfrage des deutschen Volkes nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden, wird durch diese Entschließung nicht beeinflußt. Der Kampf gegen die Kriegsschuld- luge wird vom Bunde mit allem Rachdruck fortgesetzt." Hamkens hat nichts gestanden. Berlin, 20. Sept. (Priv.-Tel.) Der Verteidiger des verhafteten Landvolkführers Hamkens Rechts- anwalt Dr. Lütgebrune teilt mit, daß die in oic Presse lancierte Nachricht, Hamkens habe e * nr r e ? ä n b n * 5 abgelegt und seine Mitwisserschaft an den Sprengstoffattentaten zugegeben, von A bis Z unwahr sei. Die Justiz. Pressestelle erklärt zu dieser Mitteilung, daß sie in» fpfern zutreffe, als Hamkens bisher eine straf- bareHandlung nicht eingestanden hab«. Auch bei seiner Vernehmung durch den Untersuchungsrichter Landgerichtsdirektor Dr Masur habe er jede Beteiligung an den Attentaten in Abrede gestellt. Die Fronten im Abrüstungsausschuß. Frankreich, Italien und Japan gegen England und Deutschland. Genf, 19.Sept. (WB.) Im Abrüstungsausschuß der Völkerbundsoersammlung begründete Lord Robert Cecil den englischen Entschließungsantrag, durch den der Vorbereitungsausschuß für die Abrüstungskonferenz aufgefordert werden soll, bei der Vervollständigung des vorliegenden Entwurfes für die Abrüstungskonvention vier Grundsätze zu berücksichtigen, die die strittigen Hauptpunkte des Abrüstungsproblems betreffen. Lord Cecil stellte fest, daß seit 1927 in der Abrüstungsfrage kein Fortschritt erzielt worden sei, ja man könne sogar von einem Rückschritt sprechen. Ohne die Herabsetzung des Kriegsmaterials der Land- slreitkräfte sei kein Fortschritt zu erzielen. Auch hinsichtlich der B e s ch r ä n k u n g der Effektivstärken sei kein befriedigender Fortschritt erreicht. Hinsichtlich der Materialbeschränkung sei weder die Forderung der listenmäßigen Beschränkung noch die der budgetmäßigen Beschränkung beibehalten worden. Es sei fraglich, ob die Bestimmung über die Veröffentlichung der Budgets allein genüge, die Beschränkung des Materials zu gewährleisten. Die Abrüstungskonvention werde auch unvollständig bleiben, wenn sie den K o n t r o l l g e d a n'k e n nicht berücksichtige. Der französische Delegierte M a s s i g l i erklärte in trockenen und eindeutigen Worten, seine Regierung sehe nicht ein, warum die Beschlüsse der Vorbereitenden Abrüstungskommission noch einmal revidiert werden sollten. Es sei nicht angängig, wenn ein Land die Regierung wechsele, die Arbeiten v o n-v o r n zu beginnen. Graf Bernstorff erinnerte daran, daß er schon im Vorbereitenden Abrüstungsausschuß erklärt habe, die deutsche Regierung müsse die Verantwortung für die Beschlüsse, die die Vorbereitende Abrüstungskommission gefaßt habe, a b l ech n e n. Wenn es so weitergehe wie bisher, dann seien diese Beschlüsse nichts anderes als ein Vertrag auf zehn Jahre zur gegenseitigen Unterstützung gegen die Abrüstung. Die deutsche Delegation sei bereit, dem Vorschlag Cecils z u z u st i m m e n. Es sei zu hoffen, daß die Verhandlungen in der Kommission zu einem einstimmigen Beschluß führten. Werde dieser nicht erzielt, so wisse er allerdings nicht, wie das Problem der Abrüstung weitergebracht werden könne. Der italienische Delegierte de M a r i n i s und der japanische Vertreter Sato schlossen sich ohne Einschränkung dem französischen Standpunkt an. Oas Saarproblem. Berlin, 19. Sept. (Priv.-Tel.) Die demnächst mit Frankreich beginnenden Verhandlungen über die Rückgliederung des Saargebie- t e s werden nicht nur von dem außenpolitischen Verhältnis zu Frankreich bestimmt, sondern sind in hohem Maße auch eine äußerst komplizierte Frage wirtschaftspolitischer Ratur. Die Einbeziehung der Saarwirtschaft in das deutsche Wirtschaftsgebiet wird vor allem für die S a a r k o h l e gegenüber dem jetzigen Zustand eine sehr stark fühlbare Mehrbelastung bedeuten. Wie wir von unterrichteter Seite hören, berechnet man, daß die deutschen Soziallasten und Steuersätze zu einer Verteuerung der Saarkohle führen werden, die pro Tonne eine Steigerung des Preises um den recht beachtlichen Betrag von 2 Mark ausmacht. 3n engem Zusammenhang damit steht die schon vor dem Kriege akut gewesene Frage des Zusammengehens der Saarkohle mit der Rührte och I e. Hier eine Lösung zu finden, stellt eine schwierige Aufgabe dar, die wohl noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird. „Verdun"-em Kriegsfilm. Lichtspielhaus Bahnhofstraße. Dies ist der große französische Kriegsfilm, ausgenommen in den Jahren 1927 und 1928 unter der Regie von Leon Poirier auf dem furchtbarsten Schauplatz der Westfront; die Ereignisse konzentrieren sich auf die unvergeßlichen Kämpfe um den Besitz der Festung Verdun, die auf beiden Seiten mit unerhörter Hartnäckigkeit geführt wurden und auf beiden Seiten Hunderttausende von Menschenleben gekostet haben. Die Eindrücke, die dieses Filmwerk hinterläßt, sind start und ganz ungetrübt von irgendwelchen falschen oder unsachlichen Empfindungen. Obwohl es von Franzosen geschaffen wurde und in erster Linie als ein französisches Dokument vom großen Kriege gedacht war ist es, wie jedermann zugebrn muß, von einer unantastbaren Objektivität, ohne die leiseste chauvinistische Färbung und Fälschung. Dies vor allem begründet seine tiefe menschliche Wirkung. Die Bilder, welche das Heldentum, das Schicksal und das beispiellose Leiden zweier großen Völker umschließen, müssen überall verstanden und gewürdigt werden. Erstaunlich ist allenthalben die Realität der Darstellung, die oft beklemmende und aufwühlende Wirllichkeilsnähe und Wirklichkeitstreue dieses Films, vor dem man ganz vergißt, daß das alles hinterher geschaffen wurde, als die endlose Schlacht längst geschlagen und die unzähligen Gefallenen längst „begraben" waren, die „Echtheit" oder Richtigkeit der Bilder wird jeder bestätigen, der draußen gewesen ist. Filme wie dieser hier vermögen — neben einigen wenigen Büchern vom Kriege — jenen andern, die es nicht selber am eigenen Leibe erfahren haben, am ehesten eine ganz kleine, annäherungsweise Vorstellung davon zu vermitteln, wie das damals gewesen ist. Lind wem etwa beim Hinausgehen der Kopf dumpf war und die Ohren gedröhnt haben vom anhaltenden Paukenwirbel im Orchester, der möge bedenken, daß dies eben nur Paukenschläge waren, harmlos-spielerische Lautmalerei, und daß das Ganze kaum zwei Stunden gedauert hat — während damals oft tage- und nächtelang der Orkan des Trommelfeuers tobte, den keine Schilderung, kein Film und kein Buch, beschreiben kann. Der Film erfaßt sowohl die großen, strate- gischen Zusammenhänge seines Themas, wie auch und vor allem die kleinen und kleinsten taktischen Teilhandlungen und Episoden. Don hervorragenDie Revision ungleicher Verträge. Chinas Vorstoß im Völkerbund. — Oer Artikel 19 der Völkerbundssahung. Genf, 19. Sept. (WTB.) 3m Rechts- und Bersassungsausschuß der Völkerbundsversammlung wurde der chinesische Antrag auf Einsetzung eines S tu d i enkomi tees für Artikel 19 des Völkerbundpaktes behandelt, der die Rachprüfung unanwendbar gewordener Verträge und solcher internationaler Verhältnisse vorsieht, deren Aufrechterhaltung den Weltfrieden gefährden könnten. Der Führer der chinesischen Delegation, Chao Chu Wu, begründete diesen Antrag, indem er hervorhob, daß in der Vergangenheit die unter Artikel 19 fallenden Verträge f a st nur durch die Führung eines Krieges abgeändert werden konnten, während jetzt die Möglichkeit für die friedliche Rektifikation solcher Verträge gegeben sei. China sei besonders interessiert an diesem Artikel wegen der „ungleichen Verträge". 3n der allgemeinen Aus- svrache erklärte der frühere Reichsjustizminister Koch-Weser, die deutsche Delegation habe mit Genugtuung von dem chinesischen Antrag Kenntnis genommen. Tatsächlich erscheine es sehr zweckmäßig, den Artikel 19 einer gründlichen Prüfung durch ein besonderes Komitee zu unterziehen. Die Bedeutung des Artikels 19 sei um so größer geworden, als auf dem Gebiete des Verbotes des Krieges sehr erhebliche Fortschritte in den letzten Jahren vor allem auch durch den Abschluß des Kellogg- Paktes erzielt worden seien. Aber es genüge nicht, den Krieg zu verbieten, sondern man müsse auch die Kriegsursachen beseitigen. Dazu sei es notwendig, von einem rein konservativen Pazifismus zu einem evolutionären Pazifismus überzugehen. 3m weiteren Verlauf der Aussprache, in der sich auch 3ndien für den chinesischen Antrag erklärte, führte der belgische 3ustitiar R o l i n aus, er habe volle Sympathie für den chinesischen Vorschlag; der Ausnahmecharakter von Artikel 19 müsse aber gewahrt bleiben. Auch bestehe keine dringendeRot- Wendigkeit, ein Studienkomitee einzusetzen. Um aber das Vorhandensein des Artikels 19 allgemein ins Gedächtnis zurückzurufen und die Möglichkeit seiner Anwendung zu unterstreichen, schlage er eine Abänderung des chinesischen Antrages in dem Sinne vor, daß sich die Dölker- bundsversammlung dahin ausspreche, daß jedes Cß-4i ndesmitglied das Recht hat, die Aufmerksamkeit der Völkerbundsversammlung auf solche Verträge zu lenken, die seiner Meinung nach unanwendbar geworden sind oder den Frieden gefährden können. Der englische Professor Daker erklärte, die englische Delegation hätte nichts gegen die Einsetzung eines Studienkomitees einzuwenden, würde aber auch dem belgischen Vorschlag zustimmen, der ihm im Gegensatz zum theoretischen 3nteresse des Studienkomitees zweckdienlicher erscheine. — Der ungarische Delegierte T a n c z o s beglückwünschte die chinesische Delegation äußerst lebhaft zu ihrer 3nitiative und bemerkte: Richts sei beständig auf dieser Welt. Die Lage in einigen Teilen Europas sei unhaltbar geworden. Sie sei heute ungerecht und sei niemals gerecht gewesen. Ungarn sei in den Völkerbund hauptsächlich wegen des Artikels 19 eingetreten, da nur dieser Artikel die Garantie gebe, auf friedlichem Wege unerträglich und unanwendbar gewordene internationale Verträge zu revidieren. — Allgemeines 3nteresfe erregte die Erklärung des Vertreters von Abessinien, daß auch Abessinien ungerechte Verträge auferlegt worden seien, deren weiteres Bestehen die Existenz Abessiniens gefährden. Um den Frieden aufrechtzuerhalten, müsse der Artikel 19 wirksam gemacht werden. — Der Ausschuß beschloß, den chinesischen Vorschlag mit einigen Abänderungsvorschlägen einem Sonderausschuß zur Prüfung und zur Zusammenfassung zu überweisen. Oer Kampf um die Verfaffungsreform in Oesterreich. Der Warnruf der Heimwehren. Wer sorgfältig die zahlreichen Wiener Alarmmeldungen registriert und sich noch die „letzte Warnung" der Heimwehren zu Gemüte führt, muß in der Tat den Eindruck gewinnen, als ob Oesterreich am Vorabend gewaltsamer Umwälzungen steht. Ganz so schlimm liegen die Dinge allerdings nicht, obwohl eine scharfe innerpolitische Spannung unverkennbar ist, die schließlich doch noch der Ausgangspunkt unerfreulicher Vorgänge werden kann. Das weiß auch die Bundesregierung, die sich zur Zeit eifrig bemüht, die im Lande herrschende Erregung zu dämpfen und die Forderungen der Heimwehren, die eine gründliche Verfassungsreform verlangt haben, zu erfüllen. Sie kann natürlich nicht von heute auf morgen dem Parlament einen Gesetzentwurf über die Verfassungsänderung vorlegen, weil schließlich auch noch die Sozialdemokraten ein Wort mitzureden haben. Von irgendwelchen Kompromihverhand- lungen wollen aber die Heimwehren nichts wissen, sie fühlen sich stark genug, um sich auch gegen sozialdemokratische Widerstände durchsetzen zu können. 3n der Tat haben die Heimwehren in den letzten Wochen auch einen ungeheuren Zuzug, nicht zuletzt aus dem sozialistischen Lager erhalten. Welchen Eindruck dieser Machtzuwachs auf die österreichische Sozialdemokratie gemacht hat, geht wohl am besten daraus hervor, daß sie eine recht vorsichtige Zurückhaltung übt und eher zu Zugeständnissen bereit zu sein scheint. Die nächste Zukunft wird zu zeigen haben, ob es zu einer bedenklichen Zuspitzung kommt oder ob die Regierung Herr der Soge bleibt. Wir können nur hoffen und wünschen,' daß sich die Derfassungsreform in verfassungsmäßigen Dahnen vollzieht und daß beide Parteien, also die sozialdemokratische Schutzwehrund die rechtsgerichteten Heimwehren auf eine gewaltsame Austragung ihrer Meinungsverschiedenheiten verzichten. Was tut die Regierung? Erklärungen des Vizekanzlers Schumy. Wien, 19. Sept. (TU.) Der Vizekanzler Schumy in seiner Eigenschaft als Innenminister hat heute an ungewöhnlicher Stelle, nämlich i m Rechnungshof des Rationalrates, eine Antwort auf den Warnungsartikel der Heimwehren abgegeben. Schon die Tatsache, daß mit solcher Eile in dem einzigen zur Zeit tagenden Parlamentarischen Ausschuß diese öffentliche Stellungnahme erfolgt, zeigt, daß es sich um eine wichtige Wendung in der österreichischen Innenpolitik handelt. Vizekanzler Schumy war von sozialdemokratischer Seite über die Heimwehrkundgebung interpelliert worden, und zwar vom Äbgeordneten Dr. Deutsch, dem Führer des Republikanischen Schutzbundes. der Eindringlichkeit erscheinen insbesondere die wechselnden, umspringenden, vor und zurück drängenden (aber synoptisch, d. h. gewissermaßen von hüben und drüben gleichzeitig gesehenen) Kämpfe um die beiden wichtigsten Forts, Douaumont und Vaux. Artillerievorbereitung, Sturm, Delage- rung, mißglückter Ausfall, Gefangennahme, Gegenstoß, Patrouillen und die endliche Rückeroberung durch die Franzosen . 3m Wirbel der Ereignisse tritt — glücklicherweise — die einzelne schauspielerische Leistung ganz zurück. (Mit Drausewetter hat man, nebenbei bemerkt, keinen glücklichen Griff getan: er ist nicht der Typ des deutschen Feldsoldaten, der hier gemeint war.) Cs kam ja überhaupt nicht auf die Entfaltung von Stars und den wirksamen Einsatz von Heldendarstellern an, sondern nur darauf, den grauen und den graublauen Soldaten zu zeigen, einzeln, in Gruppen, in Massen, hüben und drüben, unkenntlich fast vor Schmutz, verwahrlost, verwundet, zerfetzt, übermenschlich kämpfend und leidend. So ist dieser Film ein Denkmal für den unbekannten Soldaten des Weltkrieges, für die Hunderttausende zumal, die um Verdun gefochten haben, die um Verdun gefallen und verschollen sind. — r — Die Lokomotive träumt... Von Friedrich Schnack. Die Lokomotive steht auf einer kleinen Eisenbahnstation. Die Station der schwarzen, öl- schwihenden Maschine ist unscheinbar, von Reisenden in Tuchen, Fetten und Zigarren kaum beachtet, und ganz unwichtig für den großen Weltverkehr, der die Kontinente durchschneidet. Die Sonne brennt stark, die Eisenbahnschinen flammen im Rachmittagsschein. Die kleine Lokomotive hat nichts zu tun und wartet vor dem verräucherten Maschinenschuppen. 3n den tiefen Gründen schlafen die Dörfer, und die Dauern, die nicht an Reise denken, arbeiten in den Feldern. Der Lokomotivführer sitzt zu Haus im Kreis seiner Familie an seinem Tisch. Es ist Vesperzeit. Solang der Lokomotivführer ißt und trinkt, hat die Maschine — „Schnauferl" nennt sie der Volksmund — sanftes Feuer auf ihrem Rost. Sie glost in der prallen Sonnenhitze vor dem geschwärzten Schuppen und läßt den Dampf mit schwach siedendem, gackerndem Geräusch durch das Pfeifenventil entweichen. Sie bringt einen melancholischen Ton hervor, wie eine Schar gelangweilter, in der Sonne dösender Hennen. Och gehe vorüber und betrachte ble glühende, mittagschläferige Lokomotive, die nicht in den dämmerigen Schuppen hineingelassen wurde. Der Lokomotivführer hatte es wohl sehr eilig. Der lange runde Kesselbauch der Lokomotive glänzt. Er trägt an seiner Seite die Zahl 1024, die Erkennungsmarke der Maschine in dem Ungeheuern Maschinenpark der Eisenbahndirektion. Oben, vorn auf dem Röhrenleib, ragt ein bizarr hoher, biedermeierhafter Schlot in die Luft, der wie ein schwarzer Einfülltrichter aussieht. 3n- mitten des komisch langen Kesselrückens befindet sich eine dicke Eisenbeule, eine Art Höcker, als wäre die Maschine ein eisernes Dromedar auf der langen Karawanenstraße der Eisenbahnschienen. Leicht und dreist, pfiffig und frech tanzt auf dem Führerdach die Pfeife, aus der jetzt der Wasserdampf gackernd entweicht. So steht die etwas altväterliche Lokomotive da. Und es ist offensichtlich, daß sie träumt. 3hre Räder halten mitten in einem 3dhll, das keine Eisenbahndirektion stört. Rechts und links vom Gleise wächst karges und geduldiges Eisenbahngras, auf dem der schwärzliche Tau des Maschinenöls funkelt. Abgeblühter Klatschmohn reift besonnen, bescheidene Kamillenbüschel blühen und' duften nach Apothekerkasten, und winziges billiges Pfennigkraut überwuchert die bräunlichen Holzschwellen. Lieber dieser kleinen Pflanzenwelt, die mit zäher Geduld ihr Leben behauptet, träumt die Lokomotive wie ein erratischer Fremdling mit heißer Degierde. Durch ihre Dampfspannungen wanken sehnsuchtsglühende Visionen, die schwermütig übersieden. Durch die dreiste, pfiffige Pfeife flöten sie mißgestaltet und mißgelaunt in die blaue Sommerhitze. Am Maschinenwerk zittert die Manometersäule. Unten im Rost poltert plötzlich eine feuerflammende Schlacke erschrocken. Die Lokomotive träumt. Das Oel brennt in ihren Eisengelenken. Es ist nicht gut, träumt die Maschine, ich sollte mehr Bewegung haben. Hier in dieser Enge ersticke ich. ... 3hre blinkenden Laternengläser, in die ein Sonnenstrahl sticht, starren geradeaus. Das Eisen- geleise schießt am roten Bahnhof vorüber, dessen Uhr stehengeblieben ist; das Schienenpaar macht einen Bogen und überschneidet den Damm, sticht ins Wiesengrün und ist tocg. Wenn ich sb könnte, wie ich wollte! sirrt die brütende Urgewalt des Dampfes. Die Maschine röchelt uni> hört den Dampf brodeln. Es gibt Länder, summt die Lokomotive, die ich nie durcheilen werde. Blaue Wasserfluten rollen bis an die Eisenbahndämme, und die Züge brausen mit wilden Freudenpfiffen auf ihnen dahin. Der kleine Heizer erzählte dies jüngst seinem Vizekanzler Schumy betonte, die scharfe Spräche, die die Heimwehren führten, beunruhige ihn nicht, zumal im demokratischen Staat jeder das Recht zur Kritik habe. Die Aufforderung an die Regierung, zurückzutreten, wenn sie sich für die Lösung gewisser Probleme zu schwach fühle, sei für die Regierung nicht bestimmend, denn sie stehe auf dem Standpunkt des Parlamentarismus und fühle sich nur den politischen Parteien und den Wählern gegenüber verantwortlich. Die Heimatbewegung sei eine so große Bewegung geworden, daß man über sie nicht glatt hinweggehen könne. Er beabsichtige nicht, die Landeshauptleute in der Frage des Verbotes oder der Genehmigung von Aufmärschen zu beeinflussen. Da die Heimwehren am 29. September an vier Orten Rieder Österreichs große Aufmärsche angekündigt haben, so bedeutet die Erklärung Schumys, daß diese vier großen Demonstrationen- stattfinden werden. Der dritte Punkt seiner Erklärungen galt der Frage der Derfassungsänderüng und gipfelte in der Forderung nach einer durchgreifenden Reform der Verfassung, ohne Preisgabe der demokratischen Grundlage. 3ch bin durchaus überzeugt, daß die gegenwärtige Verfassung in mehrfacher Beziehung einer Verbesserung bedarf. Es ist notwendig, daß auf parlamentarischem Wege diese Arbeit schnellstens zur Beschlußfassung führt. Die Vorbereitung im Schoß eines Ministerkollegiums ist bereits so weit vorgeschritten, daß Aussicht besteht, das Parlament schon in allernächster Zeit damit beschäftigen zu können. Sollte diese notwendige Beschleunigung nicht gewünscht werden oder sollte man der Meinung sein, der Zweck sei auch mit formalen Aenderungen schon erfüllt, dann wünsche ich keinen im Zweifel darüber zu lassen, daß sich die Dinge sehr zuspitzen könnten. An die Erklärungen des Vizekanzlers schloß sich eine längere Aussprache, in der der christlich-nationale Abgeordnete Dr. I e r z a b e l und der großdeutsche Abgeordnete Dr. Waber nachdrücklich betonten, daß die Heimwehrbewegung die natürliche Reaktion auf die Ueberspitzung des sozialdemokratischen Machtgedankens und Machtwillens darstelle und zu einem Ausgleich der im Staate lebendigen Kräfte führen werde. An den politischen Parteien aber liege cs, der programmlosen nur auf eine Aenderung der Zustände gerichteten Bewegung ein Programm zu geben und es zu vertreten. Das Parlament werde auf diese Weise einen Ausgleich der Kräfte herbeiführen, ohne daß es zu einer Vergewaltigung irgendeiner Klasse oder gar zum Bürgerkrieg komme. Zur Beunruhigung sei daher nicht die gerinaste Veranlassung gegeben. — Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Eisler erklärte, die Lösung von entscheidenden und lebenswichtigen Fragen sei nur im Wege der Verständigung und sachlicher Verhandlungen möglich, nicht aber durch Gewalt. Die Sozialdemokraten wünschten eine Verständigung und Rückkehr zu normalen Verhältnissen. Sie wünschten, daß die öffentliche Ordnung ihre Garantie finde in dem Funktionieren einer im Parlament wurzelnden ordenlichen öffentlichen Gewalt. PreffefHmmen. Wien, 19. Sept. (WB.) Die „21 r b e i t e r 3 e i - 111 n g" bezeichnet die unter dem Titel „Die letzte Warnung" verbreitete Erklärung von Heimwehrseite va(s ein Ultimatum der Heimwehren. Das Blatt fordert die Parteimitglieder zur Bereitschaft auf und faat: Wenn ein rechtswidriger Angriff auf die Verfassung gemacht wird, dann werden wir die Verfassung verteidigen, dann werden wir kämpfen. Aus Oesterreich wird kein Italien und kein Ungarn werden. Besser ein paar Taae des Kampfes als Jahrzehnte der Knechtschaft. Aber keine Einzelaktionen, keine voreiligen Schritte, dafür Bereitschaft, Wachsamkeit, Entschlossenheit. Es lebe die Verfassung der Republik. Wehe jedem, der sie anzugreifen wagt! Die katholische „R e i ch s p 0 ft" bezeichnet die Heimwehrbewegung als Gegendruck gegen den jahrelangen Druck der Sozialdemokratie in Oesterreich und erklärt, daß die Mädchen, als es ihm eine Blume heraufreichte und ihm gute Reise wünschte. 3ch hörte da vielerlei, denn der Lokomotivführer hatte sich etwas verspätet. Cs soll auch Länder geben, träumte das dunkle Maschinenwesen, in denen ganz andere Bäume wachsen als bei uns. Ach, ich sehe nur immer Tannen und Fichten, langweilige Eichen und öde Buchen! 3mmer eile ich an den gleichen Dörfern vorüber, immer sehe ich dieselben Felder und Erdhügel. Brause ich einmal über die kühnen Brücken donnernder Wasserfälle, von denen der kleine Heizer erzählte? 3age ich auch nur einmal an einem lieblichen See entlang? 3ch kenne nur die 3auchegruben der Dörfer. Rie in meinem Leben bin ich durch die geheimnisvolle Schwärze eines Tunnels gefahren ... Niemals durfte ich bis zu einer jener großen Städte eilen, wo riesige Bahnhöfe sind und Lokomotiven aus weiten Reisen kommen, gewaltig und erschauernd ... Oh, es gibt Städte, in denen die Züge unter der Erde rcchsen. Untergrundbahnen nannte sie der Heizer, den ich gern habe, weil er aufmerksam zu mir ist. Ach, wie armselig ist dieses Leben, das ich fuhren muß. Welche Hoffnungen hatte ich am Beginn meiner Laufbahn! Lind jetzt: vier Stunden hin, und vier Stunden her. Das ist alles. Tagaus, fagein. 3ahr für 3ahr. 3ch kann meine Strecke im Schlaf machen, wie ein Gaul, der im Trott alt geworden ist. Abenteuerliche Wünsche lodern in meinem Innern. Wenn es nur ein einziges Mal nach mir ginge ...! Aber es geht nicht nach den Wünschen der kleinen Lokomotive. Die Eisenbahndirektion hat ihr den Weg genau vorgeschrieben, und der Zugführer mißt ihr die Kraft zu, mit der sie den Dienstweg zu nehmen hat. 3a! Hort nur: jetzt läutet die Signalglocke grell in die flimmernde Sonnenstille. Der Lokomotivführer ist mit seinem Vesperbrot zu Ende, eilends kommt er gelaufen und besteigt seine Maschine. Der kleine Heizer schwingt sich lachend auf der anderen Seite der Lokomotive herein. Der Führer wirft einen Hebel. Die Maschine erwacht aus ihrer Reiseträumerei. Dampf zischt, und Tränenstvömen gleich kollert das heiße Wasser aus ihr. Die Schwellen werden davon nah und die gebleichten Grasbüschel. Die Räder drehen sich, und die Maschine rollt übers Geleise. Dort unten wird sie an einen Güterwagen gekoppelt, in dem ein brüllendes Oechslein verfrachtet Wird von auf und 121520 Besuchern. (Ein Feuerwehrmann als Brandstifter. 'beiterzei' iel ,Lie lchte j)eimmef)rleite 'n. Das Walt chast aus und aus die Deo >ii die Dersas- mpseu. Aus i Ungarn wer» ,p|e6 als Jahi- Einzelaktionen, eilschast, Wach- Lcrsassung der greifen wagt! bezeichnet hie )rud gegen er Sozial- erklärt, daß hie flalt bet und n durch, *n9, »bi, "dlage. Ich cgenwärtige Ziehung A ifl no" Dege diese Kollegiums B Aussicht ^rnachster Mu diese ounschi tow. ‘9 sein, bet wagen schon Wei dar- lehr zuspihen «M» sich chrisilich-natjo. >nd der groß. lchdrüÄich be» hie natur« erspihung ochtgedan- >nd zu einem •n Kräfte süh- ien aber liege Kenterung der Programm s Parlament h her Kräfte rgewaltigung krieg kotnme. die geringe idemakraiische e Lösung van ragen fei nur achlicher Der. i Gewalt. Die tänbigung und Sie wünschten, Garantie finde irlament wur- DOlt. 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Ver- bandstag der Deutschen Post- und Telegraphen- beamten am Donnerstag erklärte der Personal- refevent Ministerialrat Berg, im letzten Jahr seien manche Forderungen der Beamten erfüllt worden, z. D. die Anstellungsmöglichkeit für Hilfsschaffner als Beamte, Verbesserung der De- förderungsaussichten usw. Den Aobau des Beruf sbe amt en tu ms mit Hilfe des § 40 des Besoldungsgesetzes empfinde das Ministerium selbst schmerzlich und lästig. Für die Regierungsparteien des Reichstages betonte Abgeordneter Groh (Ztr.), die Parteien seien mit dem Vorsitzenden Kugler einig in dem Ziel, den Abbau des Derufsbeamtentums zu verhindern. Der Leiter der Akademie der Arbeit an der Universität Frankfurt a. M., Dr. Michel, führte dann in einem Vortrage über die Bedeutung der Beamtenbildung im Volksstaate u. a. aus, schon vor dem Kriege sei die geistige Schicht der alten Staatsbürger verbraucht gewesen: hie Militärs hätten die Zivilisten an die Wand gedrückt. Jetzt nun sei alles zur Interessen- und Parteiplattform geworden. Das persönliche Verhältnis des Beamten zum Staate sei in eine mehr wirtschaftliche Funktion umgewandelt. Die neue Volksbildung arbeite auf eine neue Volksgemeinschaft hin. Deshalb dürfe die heutige Beamtenbil- duna nicht mehr hauptsächlich akademisch sein, sie müsse über die täglichen Sorgen und Nöte des Volkes unterrichten. Liefe echt demokratische Bildungsarbeit müßten die Beamtenorganisationen leisten. Nicht wissenschaftliche Betätigung, sondern praktisches und sittliches Wollen mühten für die Beförderung maßgebend sein. Zur Personalpolitik wurde einstimmig eine große Reihe von Entschließungen angenommen, die u. a. die Streichung des § 40 des Besoldungsgesetzes fordern, ferner die gesetzliche Festlegung der 48-Stunden-Woche, die erhebliche Einschränkung der Besetzung von Deamten- posten mit Frauen, Gewährung von Erholungsurlaub möglichst im Sommerhalbjahr, Verbesserung des Besoldungsdienstalters der schwerkriegsbeschädigten Beamten, Beibehaltung der Svnderzuschläge für die Beamten des besetzten Gebietes. Rach einem Referat von Münster- kötter (Berlin) über Beamtenrecht wurden Entschließungen angenommen, die sich insbesondere auf baldige Verabschiedung der Beamtengesetze bezogen. Ferner wird darin eine Gleichstellung der Alt- und Reupensionäre sowie die Einstellung des Zustelldienstes an Sonn- und Feiertagen gefordert. Die Beisetzung der Opfer des kleinrosselner Bergwerksunglücks. In Anwesenheit von über 20 000 Personen aus allen Teilen des Mosel-Departements und dem benachbarten Saargebiet fand die Beisetzung von 18 Opfern des Explosionsunglücks auf der St. Eharles-Grube statt. Rach der kirchlichen Einsegnung der Opfer hielt Senator de Wendel eine Ansprache, in der er die Familien der Opfer der Anteilnahme der Regierung und der Fürsor^ der Bergwerksverwaltung versicherte. Der Kabinettschef des Arbeitsministeriums G a i l l o t sprach im Ramen des Arbeitsministers und älnterstaatssekretär Oberkirch im Ramen der Regierung, deren Beileid er aussprach, um dann in deutscher Sprache den anwesenden saarländischen Bergleuten für die bei der Katastrophe bewiesene Hilfsbereitschaft zu danken. Glückliches Theater. Müttitt des litauischen Kabinetts. Der Diktator Woldemaras nicht wieder beauftragt. Kowno, 19. Sept. (Funkspruch.) Die amtliche litauische Telegraphenagentur gibt bekannt, daß durch einen besonderen Akt des Staatspräsidenten Smetana die Umbildung des Kabinetts verfügt worden ist. Daraufhin sind sämtliche Minister zurückgetreten. Mit der Reubildung des Kabinetts ist der bisherige Finanzminister T u b e l i s beauftragt worden. Der Staatspräsident hat die Minister ersucht, ihre Aemter bis zur Reubildung des Kabinetts weiter wahrzunehmen. — Die Rach- richt hat hier größtes Aufsehen hervorgerufen. Riemand hat es bis heute für möglich ^halten, daß bei dem überragenden Einfluß des Ministerpräsidenten Woldemaras, der bisher in keiner Weile beeinträchtigt schien, eine so grundlegende Umbildung des Kabinetts Platz greifen könnte. Die Gründe für dir Umbildung müssen demnach sehr ernster Ratur sein und sind wahr» scheinlich in den tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Kabinetts zu suchen. Die Tatsache, daß der Staatspräsident nicht den bisherigen Ministerpräsidenten mit der Reubildung deS Kabinetts beauftragt hat, läßt die Vermutung zu, daß der Einfluß Wolde, m ar ad stark geschwächt ist. Tubelis gehört der gemäßigten Richtung innerhalb der Tautininkai an, als deren geistiger Führer Staatspräsident Smetona gilt. Aeußerunoen der Heimwehren die dynamischen Ausdrucksformen einer Bewegung sind, die in vehementem Vorwärtsdringen, im Sturm ihr Ziel erfassen möchte. Aber gerade eine gute, ihrem Zweck entsprechende Aenderung der Verfassung werde nicht aus der Pi st ole geschossen werden können. Selbstverständlich müßten die Arbeiten für ihre Fertigstellung mit aller Energie geführt werden. Der Widerspruch der Sozialdemokraten werde in Kauf zu nehmen und mit legalen Mitteln zu bekämpfen sein. Brände in Johannisthal, die größtenteils böswillige Brandstiftung zurückzuführen waren starke Beunruhigung in der Bevölkerung hervorgerufen haben, scheinen eine Aufklärung gefunden zu haben. Unter dem dringenden Verdacht, zahlreiche Brandstiftungen verübt 'zu haben, wurde der 25jährige Tischlermeister Fritz Kaufmann, Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in Johannisthal, verhaftet. Der Festgenommene ist g e st ä n d i g, mehrere Brände mutwillig angelegt zu haben. Dem vernehmenden Beamten gab er an, daß er st e t s eine große Freude an nächtlichen Bränden hatte. Wie verlautet, soll Kaufmann wiederholt von Krämpfen befallen worden sein und auch in der letzten Zeit sehr viel wirres Zeug geredet haben, so daß man mit der Möglichkeit rechnen muß, daß es sich um die laten eines Geisteskranken handelt. Remarque in Italien verboten. Die italienische Ausgabe von Remarques „3 m Westen nichts Reues" ist von der italienischen Regierung verboten worden. Die Ausgabe des Buches war bereits im Dücherzettel eines Mailänder Verlegers für ganz Italien auf den 15. September angekündigt worden. Die lUebersehung hatte ein.italienischer Frontkämpfer besorgt, und das Buch war bereits fertig gesetzt, als die Maßnahme erfolgte. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 20. September 1929. Zungdeutsche Schwesternschaft. Die Iungdeutsche Schwesternschaft Gießen veranstaltete aus Anlaß ihres fünfjährigen Bestehens am Mittwoch im Saale des Cafe Leib eine Trachtenpuppenausstellung und einen Heimatabend. Am Rachmittag fand die Eröffnung der Trachtenpuppenausstellung statt. Etwa 50 Puppen in alten, echten Hüttenberger, Rabenauer, Schwälmer und anderen hessischen Trachten erinnerten an Zeiten, in denen man auch die 3ugend auf dem Lande noch in ihren farbenprächtigen Trachten bewundern konnte. Die Ausstellung, deren Material mit vieler Mühe zusammengetragen werden mutzte, fand autzer- ordentliches Interesse. Der am Abend abgehaltene Heimatabend war stark besucht. Rach einem Begrühungsgedicht, „Ser gegrüßt mei Oberhesse", und einer kurzen Einleitung der hiesigen Ordensmeisterin Frau Dietor hielt die Hochmeisterin der Ordensgemeinschaft jungdeutscher Schwesternschaften, Frl. Hanna Klostermüller (Berlin), die Festansprache. In tiefgehenden Worten wies sie darauf hin, daß unsere gemeinsame Liebe und Freude unsere Heimat sei. Heimat sei die Verbindung zu dem, was vor uns war. Riemals sei ein Mensch unglücklicher und ruheloser, als wenn er keine Heimat habe. In der Heimat fänden wir Menschen, mit denen wir zusammen im Einklang ständen. Wenn wir die Bedeutung von Vater und Mutter in unserem Leben und im Gesamtleben unseres Volkes erfaßten, dann würden wir auch etwas von der Frau verstehen, welche die Seele der Heimat sei. Heimatboden sei ein Grund, auf dem wir uns alle zusammenfinden könnten, hier seien Drücken von Mensch zu Mensch. Einmal hätten wir das Große der Heimat ganz begriffen, als unsere Feldgrauen ins Feld zogen, um für uns zu kämpfen, Unser eigner Lebens- kreis weite sich aus zum Dienst fürs Vaterland. Wenn die Frauen zu Hause ihre Pflicht tun würden, so wirke sich dies auf das gesamte Volksleben aus. Wenn wir unser Schicksal als Teilschicksal unseres Volkes ansähen, so verleihe dies Mut und Glauben, sowie die Kraft, alles zu überwinden. Wir müßten zu der Erkenntnis kommen, daß wir in einer Schicksalsgemeinschaft stehen, daß wir ein Glied des Ganzen feien, und daß diese Schicksalsgemeinschaft die Möglichkeit biete, uns zu finden. Es sei nicht zu verstehen, wie Brüder und Schwestern, welche die gleiche Heimat und das gleiche Schicksal hätten, sich feindlich gegenüberstehen könnten. Die Kriegs» opfer seien für uns gebracht worden, es solle daraus ein neues Menschentum erstehen, das nicht das eigene Ich in den Vordergrund stelle, sondern sein Leben der Gemeinschaft weihe. Für die Erneuerung dieses Volkstums, als Brüder und Schwester eines Schicksals, einer Heimat und eines Vaterlands zu kämpfen, sei Pflicht eines jeden Deutschen. Anschließend an die von großem Verständnis für die Lage unseres Vaterlandes und unserer Volksgenossen getragenen Ausführungen wurde das Deutschlandlied gesungen. Das übrige Programm war gut zusammen gestellt und abwechslungsreich. Es brachte Deklamationen in oberhessischer Mundart, schöne Volkslieder und nette Volkstänze. Alle diese Darbietungen wirkten besonders durch die dabei verwendeten hessischen Trachten. Allerliebst war auch das Zwiegespräch „Stadt und Land", das zeigte, wie sehr Stadt- und Landbevölkerung aufeinander angewiesen find. Studienrat Schmid t, Ordensmeister der hiesigen Bruderschaft des Jung- deutschen Ordens, wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung der Heimatpflege für unser Volkstum hin. Mit dem Gesang des Ordensliedes fand die schön verlaufene Feier ihren Abschluß. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Deutscher Bund für christlich-eoangelllche Erziehung in Haus und Schule, Ortsgruppe Gießen: Familienabend, 20 Uhr, im Johannesfaal. — Gitarrenverein „Neapolita": Gemütliches Beisammensein. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Verdun". — Astoria- Lichtspiele: „Der Schrecken von Okl.)hpma" und „Polizeipatrouille um Mitternacht". — Ein Liliputaner-Gastspiel findet am nächsten Dienstag, nachmittags und abends, im Saale des Cafe Leib statt. Die kleinen Darsteller wollen ihren Gästen einige recht vergnügte Stunden bereiten. Man beachte die heutige Anzeige. •• Vorbereitung der Kommunal» wah len. Wie die Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil bekanntgibt, liegt die Stimmkartei (Wählerliste) für die kommenden Kommunalwahlen vom 23. bis 30. September zur öffentlichen Einsicht im Stadthaus, Bergstraße, auf. Räheres ist aus der Bekanntmachung ersichtlich. ' Straßensperrung. Das Hessische Polizeiamt teilt mit: Der Riegelpfad ist zwischen Wilsonstrahe und Aulweg wegen Vornahme von Hausanschlußarbeiten bis auf weiteres gesperrt. ** Landstraßensperrung, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club (A. v. D.) Gießen: Die Provinzialstraße Holzheim — Gambach wird vom 23. September ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über Lang-Göns und Dorf-Gill. ** Aufgehobene Straßensperre. Die Sperre auf der Provinzialstraßenstrecke Gießen— Hungen Ortsdurchfahrt Hungen ist wieder aufgehoben. ** Die Dien st stunden des P o lizei - amts für den Pu b l i k u m s v e r k e h r find ab 1. Oktober von 8 Uhr vormittags bis 12$ Uhr mittags und von 15 bis 17$ Uhr nachmittags. Samstags von 8 bis 12$ Uhr mittags. Für Samstagnachmittags ist in der Zeit von 16$ bis 17$ Uhr ein Eildienst eingerichtet, bei dem aber nur Anträge, die unaufschiebbar sind, erledigt werden können. ** Rückkehr der Hessenturner aus Amerika. Die Turner Schneider (Butzbach) und Reuter (Gießen), die bekanntlich eine etwa siebenwöchige Besuchsreise zu den deutschen Turnern in Amerika unternahmen, werden, wie ein Telegramm vom Norddeutschen Lloyd uns meldet, am heutigen Freitagabend 20.21 U h r auf dem Gießener Bahnhof wieder ankommen. Die Gießener Turnbrüder wollen die Heimkehrer am Bahnhof empfangen und dann zu einem kurzen Wiedersehenstrunk in den „Postkeller" geleiten. * Das Segelflugzeug „Stadt Gießen", mit dessen Erbauung die 3ungflieger- gruppe des hiesigen Vereins für Luftfahrt vor einigen Monaten begonnen hatte, ist, wie der Verein für Luftfahrt uns mitteilt, nunmehr fertiggestellt worden. Das Flugzeug soll zusammen mit dem vor zwei 3ahren erbauten Gleitflugzeug .Zögling" am nächsten Sonntagvormittag und nachmittag in der Turnhalle des Realgymnasiums ausgestellt werden. Am Vormittag soll auch die Taufe des Flugzeuges vor sich gehen. ** Sie Störche sind fort. Wie uns aus Allendorf. a. d. Lahn berichtet wird, haben die dortigen Störche ihre Sommerbehausung in Allendorf verlassen und den Zug nach Süden angetreten. In diesem Sommer waren es in dem von der Familie Storch schon seit Jahren besuchten Orte ein halbes Dutzend, und zwar die beiden alten und vier junge Störche. ** Herbstb.umen- und Ob st aus st e l - lung des Ob st - und Gartenbauvereins. Man schreibt uns: Die Vorarbeiten zu dieser Schau lassen erkennen, daß eine reiche Fülle vollendet schöner Blumen und Früchte zusammenströmt, die das Gelingen der Ausstellung von vornherein sichert. Unter den auswärtigen Ausstellern seien genannt: Rosenfirma Gebr. Schultheis (Steinfurth), Dahlienspezialzüchter Barth (Mainz), Staudenfirma Goos & Könemann (Niederwalluf). Man beachte die heutige Anzeige. ** E i n V. D. A.-Fest. Die gesamten Gießener Gruppen des Vereins für das Deutschtum im Ausland veranstalten am morgigen Samstag auf der Liebigs- höhe ein Herdstfest zugunsten des Aus - landdeutschtums. Das reichhaltige Programm weist u. a. musikalische Vorträge, Theateraufführungen, Tanzdarbietungen auf und verspricht einen interessanten Abend. Näheres in der heutigen Anzeige. *• Land sturm tag in Gießen. Die Kameraden des ehemaligen Landsturm-Infanterie- Bataillons Gießen (XVIII/9) wollen sich am 6. O k t ober hier zu einem Bataillonstag treffen. Für den Vormittag ist eine Gedächtnisfeier für die gefallenen Bataillonskameraden auf dem Reuen Friedhof vorgesehen, nachmittags soU sich eine gemeinsame Geselligkeitsveranstaltung im Cafe Leib anschließen. Oberheffen. Landkreis Gießen. HAlten-Duseck, 19. Sept. In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der Gemeinde- r a t mit der in Älten-Buseck zu erbauenden Försterwohnung. Die Kosten betrugen nach dem ursprünglichen Voranschlag 27 000 Mark, sie wurden jedoch durch einige Streichungen auf 21 000 Mark heruntergeseht. Die Gemeinde hat die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Die Vorlage wurde mit sechs gegen fünf Stimmen angenommen. Die Arbeiten sollen sofort beginnen. Die Leitung hat das Hochbauamt in Gießen. — 3nfolge der zweijährigen Mädchenfortbildungsschule herrschte seither hier der Zustand, daß auswärts beschäftigte Mädchen zum Besuch einer Fortbildungsschule drei 3ahre verpflichtet waren, während die im Dorfe Beschäftigten diese nur zwei Jahre besuchten. Durch Beschluß des Schulvorstandes und des Gemeinderats wird auch hier die dreijährige Fortbildungsschulpflicht für Mädchen eingeführt. + Grünberg, 19. Sept. Der heutige Schweinemarkt zeigte einen sehr starken Auftrieb: 615 Ferkel und 35 Läufer. Gegen den letzten Markt erfuhren daher die Preise einen kleinen Rückgang. Es kosteten sechs Wochen alte Ferkel 22 bis 28 Mk., sechs bis acht Wochen alte 28 bis 35 Mk., acht bis dreizehn Wochen alte 35 bis 45 Mk., Läufer 45 bis 55 Mk. Tendenz gut, geringer Ueberstand. * Lich, 19. Sept. Der Vorstand des Gewerbevereins hatte am vorigen Samstag feine Gründer und verdiente ältere Mitglieder zu einer kleinen Feier im Hotel „Holl. Hof" eingeladen, um sie zu Ehrenmitgliedern zu ernennen und ihnen in Anbetracht ihrer Verdienste ein Diplom zu überreichen. Der Vorsitzende, Schlossermeister Fr. Schmidt, hielt zu Beginn eine Ansprache, wies auf den Anlaß der Gründung des Gewerbevereins vor 40 Jahren hin und ermahnte, auch weiterhin der Organisation die Treue zu halten. Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt: Brauereidirektor Ihring, Georg Schiefer st ein, Karl Nikolaus, Jakob P a u li, Heinrich Walz sen., Friedrich Schäfer. Altmeister Walz dankte im Namen der Alten und ermahnte die jüngeren Handwerksmeister zu festem Zusammenschluß, der in der heutigen Zeit mehr denn je eine Notwendigkeit sei. Bei gemütlichem Beisammensein gingen die Stunden rasch dahin. r Obbornhofen, 19. Sept. Der hiesige Turnverein „Gut Heil", Mitglied des Turngaues „Wetterau" des Allgemeinen Turnerbundes, hielt am vergangenen Sonntag unter Leitung seines Vorsitzenden Wilh. Z u l a u f sein diesjähriges Abturnen ab. 3m volkstümlichen Wetturnen wurde im Fünfkampf (Freiweit, Freiweithoch, Deutscher Dreisprung, 100-Meterlauf und Kugelstoßen) um den Lorbeerkranz gerungen. Cs erhielten den Wanderpreis Willi Henzel mit 95 Punkten, den 1. Preis Otto Roth mit 85 Punkten, den 2. Preis Willi Bommersheim mit 75 Punkten. Das Ge- rätepreisturnen wurde im Reunkampf (je drei Hebungen am Reck, Darren und Pferd) durchgeführt. Reinhold Kammer errang den Wanderpreis und Fritz Groß den 1. Preis. Die Wanderpreise sind nun zum zweiten Male im Besitz der gleichen Sieger. Rach den Bestimmungen geht er in das Eigentum desjenigen Turners über, der ihn in drei aufeinanderfolgenden 3ahren erworben hat. Rach der Preisverteilung. die durch den ersten Turnwart Albert Leschhorn borgenommen wurde, fand noch Tänz im Saalbau Henzel statt. Kreis Schotten. § Ulrichstein. 19.Sept. Selbst in unserer Höhenlage, unweit des wasserreichen Oberwal..Wie denken Sie über Kaffee Hag? Mein Arzt empfiehlt ihn mir. schmeckt er denn?“ „Aber ganz vorzüglich? Er ist Ja bester Bohnenkaffee, dem das Coffein entzogen ist. Ich trinke ihn seit langer Zeit, und Sie sehen, wie frisch ich dreinschaue. Keine Spur vonZerstreutheit und Schlaflosigkeit mehr.“ „Dann will Ich doch dem Rat des Arztes folgen.“ „Unbedingt, es Ist Ihr Vorteil. Vollendeter Kaffeegenuß, Schonung der Nerven, Anregung ohne Aufregung — was wollen Sie mehr?“ Oie Wetterlage. » 7ß '•*43 waryl 15 «aflbfl. /Ti A/r _ -= frankt M ewomenios. Q neitet. o nalt> DedecM. ® wofKig. q oedeext •Keg?i\ V Schnee a Graupeln, s Nebel K Gewitter.(§)WindStille.«O-' sehr echter O$i ^5 massige» Südsüdwest Q stürmischer Nordwesl Oie Pfene fliegen mit dem Winde. Ole oeiden Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Linien verDindeo Orte mit gleichen^ euf rtecresniveav umaei-cchneleo Luftdruck Wettervoraussage. Die Störung im Rorden hat sich vertieft und zu einer Sturmzhklone entwickelt. 3hr Einfluß hat sich dabei südwärts bis über Deutschland ausgebreitet. Lebhafte Luftbewegung herrscht, und im Küstengebiet sowie in Mitteldeutschland treten Riederschläge auf. Die geschaffene Unbeständigkeit der Wetterlage wird zunächst noch anhalten, zumal Luftmassen aus höheren Breiten an der Rückseite der Storung vordringen. Sie w^ken sich auf die Temperaturen aus, werden eine leichte Abkühlung verursachen und auch Anlaß zu Schauerniederschlägen geben, jedoch dürfte gleichzeitig wiedereinsetzender Luftdruckanstieg von Südwesten her später eine Beruhigung der Wetterlage Herstellen. Wettervoraussage für Samstag: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, strichweise Regenschauer, im ganzen etwas kühler, um West drehende Winde. Lufttemperaturen am 19. September: mittags 23 Grad Celsius, abends 17 Grad: am 20. September.: morgens 17 Grad. Maximum 23 Grad. Minimum 12 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 19. September: abends 21,3 Grad; am 20. September: morgens 16,8 Grad Celsius. Svnnenscheindauer 5y4 Stunden. des, macht sich die an haltende Dürre der letzten Wochen ft ar I fühlbar. Obwohl unsere Wasserleitung von einer starken Quelle gespeist wird, erweist es sich doch als nötig, den Was - s erverbrauch nach Möglichkeit einzuschränken, weshalb die Leitung schon fett längere« Zeit die ganze Rächt hindurch und am Tag während einiger Stunden abgestellt wird. Auch wurde dieser Tage auf Veranlassung der Bürgermeisterei ein alter Brunnen an der Mauer des Pfarrhoss wieder aufgedeckt, damit diejenigen, bei denen die Dreschmaschine arbeitet, dort Wasser für die Maschine entnehmen können, wovon freilich bis jetzt noch kein Gebrauch gemacht wurde. Kreis rllsfeld. + Appenrod, 19. Sept. Die Kartoffelernte, die infolge der starken Trockenheit bereits in voriger Woche begonnen wurde, geht mit dieser Woche dem Ende zu. Der Ertrag ist eine knappe Mittelernte. Am besten sind Odenwälder Blaue und gelbschalige Kartoffeln, wie Industrie, während die rotschaligen Kartoffeln stark abfallen. Wohl waren die Sträucher noch nicht ganz abgestorben, doch bringt es die rauhe Lage und der schwere Lehmboden mit sich, beizeiten die Ernte vorzunehmen, da das abgeerntete Kartoffelland baldigst mit Winterfrucht bestellt werden soll. Deren Aussaat kann wegen der Trockenheit noch nicht geschehen, cs muh erst ein durchweichender Regen abgewartet werden. Soweit sich der schwere Lehmboden bearbeiten läßt, werden schon Aecker zur Aussaat hergerichtet. Für die Zugtiere ist dies eine sehr schwere Arbeit, die wegen der Trockenheit im Interesse der Schonung der Tiere ein öfteres Schärfen der Pflugscharen erfordert. Ich brauche Geld Möbel Feinkost ffumpfc Magnet Fleischsalat mit Mayon. 45 Pf. 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Gieße11 1913 ^,^der"elm? dnen (gälte >ur S^SÄ M‘fll'eSiiD0Ä M *, -^Verein Rudel1' JSS**” *s # fe’ Nr. 221 Zweites Blatt Gießener Anzeiger tGenerai-Anzeiger für Gberhesfen) Zreitag, 20. September 1929 „Der Freiheit entgegen"? Eine Antwort an Professor Moldenhauer. Von Or. h. r. p. Meesmann. Unter dieser Heberschrist hat Herr Professor Dr. Moldenhauer, M. d. R., als Vertreter des Rheinlandes einen in Nummer 216 des „(Siebener Anzeigers" veröffentlichten Aufsatz geschrieben, der wegen der in ihm enthaltenen Irrtümer eine Erwiderung, ebenfalls von einem Vertreter des Rheinlandes erfordert. Der Schreiber dieser Zeilen hat als Vertreter des besetzten Gebietes an allen wichtigen Verhandlungen seit der Besetzung der Nheinlande teilgenommen und darf daher wohl eine Kenntnis der Vorgänge für sich beanspruchen. Wie hat sich die heutige Lage des besetzten Gebietes entwickelt? Durch den Vertrag von Versailles wurde die Besetzung der Rheinlande festgelegt. Sie erfolgte in drei Zonen, von denen die erste nach fünf Jahren, also im Jahre 1925, die zweite nach zehn Jahren, also im Jahre 1930, die dritte nach fünfzehn Jahren, also im Jahre 1935 wieder geräumt sein sollte. Es war aber vorgesehen, daß, wenn Deutschland seine vertraglichen Verpflichtungen erfülle eine frühere Räumung eintreten sollte. Trotzdem nun Deutschland erfüllt hatte, erfolgte die Räumung nicht. 2m Jahre 1925 ließ sich Deutschland den Dawes-Plan mit neuen Eingriffen in die staatlichen Hoheitsrechte auferlegen. Man glaubte damit endlich das Recht auf alsbaldige Räumung erworben zu haben. Sie erfolgte wieder nicht, nur die erste Zone wurde, und zwar ein Jahr später als im Versailler Diktat vorgesehen, geräumt. Man schloß dann die Verträge von Locarno, um, wie Herr Moldenhauer sagt, das französische Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen. 2n Wirklichkeit verzichtete man freiwillig auf deutsches Land und anerkannte damit wichtigste Teile des Versailler Vertrags. Nach Herrn Moldenhauer hätte Deutschland alsdann wenigstens das Recht auf Räumung gehabt. Aber nichts erfolgte, die Rückwirkungen, die Herr Briand angeblich Herrn Stresemann fest versprochen hatte, blieben aus. Kein ernsthafter Widerspruch aber erfolgte gegen diese Nichteinlösung eines gegebenen Versprechens. Deutschland, unter Führung des Herrn Stresemann, fand sich damit ab, um „die Gegner nicht zu reizen". Nun kamen die Pariser Verhandlungen. Das besetzte Gebiet erklärte in allen seinen Vertretungen wiederholt mit größter Entschiedenheit, es fordere nunmehr endlich sein Recht, ohne daß irgendwelche neue Zugeständnisse gemacht werden dürften. Die deutsche Regierung bestätigte diese Auffassung, gab sie aber im Haag glatt wieder preis. Sie machte nicht nur höhere finanzielle Zugeständnisse über den Voung-Plan hinaus, sondern sie erklärte sich auch mit der Einsetzung eines Ueberwachungsausschusses für das besetzte Gebiet einverstanden für unbegrenzte Zeit, obgleich das Rheinland sich hiergegen auf das allerschärfste ausgesprochen hatte. Sie begnügte sich damit, daß man diesem Ausschuß ein anderes Mäntelchen umhing, indem man die ihm zugedachten Befugnisse einem in Locarno für andere Fälle bereits eingesetzten Ausschuß übertrug. Das wesentliche dieses Ausschusses ist, daß derselbe jederzeit, wenn Frank- Dämonen der Zeit. ZRoman von Arthur Brausewetter. 35. Fortsetzung. Nachdruck verboten. 11 nb als sie ihn fassungslos ansah: „Zwei Strolche waren uns, seitwärts zwischen den Tannen sich haltend, eine ganze Strecke gefolgt. 2ch hatte es sehr Wohl gemerkt, wollte Sie aber nicht unnötig ängstigen. Eben wollte der eine sich auf mich, der andere auf Sie von hinten stürzen... ich hatte jede ihrer Bewegungen beobachtet und mich fertiggemacht. Als die Schufte die Pistole erblickten, zogen sie sich zurück und drückten sich dort hinter die Baumstämme. Eben sah ich sie noch: jetzt sind sie spurlos verschwunden." Sie suchte tapfer zu bleiben. Aber er merfte, daß sie sich nur mit Mühe aufrecht hielt. „Wir wollen umkehren," sagte sie, „schnellt Wir sind ja auch hier in eine ganz einsame Gegend geraten, und kein Mensch ist weit und breit zu sehen." „Sind Sie so furchtsam? Das hätte ich eigentlich nicht von Ihnen gedacht." „Ich bin es sonst nicht. Zu Hause gehe ich bei Nacht und Nebel ganz allein und wohin Sie wollen. Aber da sind die Menschen auch besser." Dann aber, als schämte sie sich, seiner Ruhe gegenüber so klein und ängstlich zu erscheinen: „Es war nur ein Augenblick... nun ist alles vorüber. Nein, wir wollen noch ein wenig weiter gehen, die Nacht ist so schön, und wenn Sie bei mir sind, fürchte ich nichts." „So ist es recht, Fräulein Lotte! So habe ich Sie gern.“ Gr sprach es mit auf quellender Wärme, gab ihr die Hand, wollte ihren Arm in den feinen legen, da sah er, daß sie immer noch zitterte. „Nun. mit dem Mute scheint es allzu weit nicht her zu sein," meinte er scherzend, schloß ihren Arm fest in den seinen, griff mit der freien Hand unwillkürlich in die Seitentasche, in der die Pistole war. „O doch ... doch ..." And dann, auf feinen Ton eingehend: „Ich muß mich allmählich daran gewöhnen, Sie als meinen Retter zu betrachten. Es ist heute das drittemal ... Und viel öfter waren wir kaum zusammen." Er schlug einen schnelleren Schritt an. Sie bemühte sich, ihm zu folgen, aber leicht wurde es ihr nicht. Er merkte es, verlangsamte den Schritt und versuchte, sie durch eine unbefangene Unterhaltung auf andere Gedanken zu bringen. Aber sie ging wenig darauf ein. „Haben Sie nichts gehört?" fragte sie, indem sie plötzlich stehen blieb und den angsterfüllten Blick über die bleiche Dämmerung dahinirren ließ. „Nichts habe ich gehört," gab er mit unerschütterlicher Ruhe zurück. „lind wieder nichts?" Sie stjeh es zwischen den gebenden Lippen hervor; ihr Arm hatte sich aus dem seinen gelöst, reich glaubt, eine Verfehlung Deutschlands annehmen zu dürfen, in Tätigkeit tritt, und alle von ihm für notwendig gehaltenen Untersuchungen einleiten kann. Das ist dasselbe, was Frankreich mit dem von ihm vorgeschlagenen Ausschuß angestrebt hatte. An diesem Sachverhalt wird auch gar nichts dadurch geändert, daß daneben Deutschland den Völkerbund anrufen kann. Mit solchen schweren Opfern ist die Befreiung der besetzten Gebiete für den 30. Juni erkauft worden, und so sieht der „Erfolg" der deutschen Politik in Wahrheit aus. Cs liegt daher für das Rheinland nicht der mindeste Grund vor, so sehr es sich selbstverständlich über den Abzug der Franzosen freut, der deutschen Politik ein Loblied zu singen, ganz abgesehen davon, daß, wie das Rheinland stets betont hat, über der Räumung der Rheinlande das Gesamtinteresse Deutschlands zu stehen hat. Wie waren nun die Hergänge bei der Beendigung des Ruhrkampfes, die Herr Moldenhauer ja als besonderes Ruhmesblatt ter Stresemannfchen Politik verkündet? Sehr richtig sagt Herr Moldenhauer, daß die Politik Frankreichs seit dem 17. Jahrhundert darauf ausging, das linke Rheinufer in feinen Besitz zu bringen. Nur der Widerstand der anderen Mächte, insbesondere Englands, das Frankreich nicht übermächtig werden lassen wollte, verhinderte die Ausführung dieser Absicht beim Versailler Vertrag, bei dessen Herstellung D'utschland bekanntlich kein Wort mitzureden hatte. Dann versuchten die Franzosen ihre Absicht zu erreichen, indem sie den Streit an der Ruhr vom Zaun brachen. Dieser Versuch scheiterte, wie auch Herr Moldenhauer zugibt, nur an dem geschlossenen passiven und teilweise aktiven Widerstand der rheinischen Bevölkerung. Die deutsche Regierung unter dem Reichskanzler Cuno unterstützte und förderte diesen Kampf der Bevölkerung hauptsächlich durch finanzielle Mittel. Als dann Herr Stresemann ans Ruder kam, erklärte er die weitere finanzielle Unterstützung für unmöglich und brach damit den Kampf ab. Man braucht Herrn Stresemann hieraus keinen Vorwurf zu machen, denn unter der Wucht der Inflation erschien auch vielen anderen Leuten eine weitere finanzielle Unterstützung durch das Reich kaum durchführbar. Aber feit wann windet man einem Feldherrn Lorbeeren dafür, daß er die Waffen streckt? Ja, wenn es ujm noch gelungen wäre, die Einstellung des Kampfes mit ehrenvollen Bedingungen zu verknüpfen. Nichts von dem, bedingungslos hat die deutsche Regierung den Kampf aufgegeben und als sie dann über die Abwicklung der entstandenen Schäden mit der französischen Regierung verhandeln wollte, lehnte diese den Versuch ab mit der Erklärung, sie habe zur deutschen Regierung kein Vertrauen und werde unmittelbar mit den Wirtschaftskreisen verhandeln. So kamen die Micumverträge zwischen Frankreich und der deutschen Industrie zustande: es war eine Selbstverständlichkeit, daß später die deutsche Regierung den Industriellen die geleisteten Zahlungen zurücker- ftattete. Man hätte die Haltung der deutschen Regierung noch verstehen können, wenn sie sich dem geschlossenen Ring der Feinde gegenüber befunden hätte. Das war aber gar nicht der Fall. England hatte gleich nach dem Ruhreinbruch der Franzosen eine amtliche Note erlassen und veröffenllicht, in welcher sie das Vorgehen Frankreichs als einen glatten Bruch des Versailler Vertrags kennzeichnete. Statt sich diesen Gegensatz Englands gegen Frankreich zu- mit beiden Händen klammerte sie sich an ihn, als wollte sie ihn nicht von der Stelle lassen. Seltsam war ihm zumute: hier im tiefen Schweigen der einsamen, vom geheimnisvollen Schneelicht durchzitterten Nacht, so ganz allein mit dem entzückenden Geschöpf, dessen Hände immer fester die seinen hielten, dessen blühender Leib dicht und weich sich an den seinen schmiegte. „Sie haben eben gesagt, daß Sie nichts fürchten, wenn ich bei Ihnen bin." „Ja ... das habe ich gesagt ... Und doch —“ Das Wort erstarb ihr auf dem Munde — Und jetzt hatte auch er es vernommen, von ferne her dumpf verhallend und doch mit ziemlicher Deutlichkeit hörbar, einen Ruf, der halb gebietend, halb hilfeheischend durch die Stille drang. „Nein, Sie haben sich nicht geirrt," sagte er aufhorchend. „Es ist jemand in Gefahr. Die Banditen haben sich einen anderen gesucht. Wir dürfen ihn nicht im Stiche lassen." „Was wollen Sie tun?" „Zu ihm hin! So schnell wie möglich! Sie folgen mir, bleiben mir im Rücken, halten sich aber ganz hart an mich. Es ist keine Sekunde zu verlieren. Vorwärts!" Er sprach mit fliegendem Atem, aber ganz bestimmt. Fast wie ein Befehlender. Sie leistete keinen Widerstand. Ihre Furcht war gewichen, ihre ursprüngliche Tapferkeit wieder wach geworden. So stand sie unter dem Eindruck seiner Persönlichkeit, daß der Druck, der sich bis dahin lähmend über ihren ganzen Körper gelegt hatte, mit einemmal geschwunden war und sie ihren Fuß wieder frei und sicher fühlte. Er hatte die Pistole aus der Tasche genommen und schußbereit gemacht. Mitten durch das schneebehangene Gebüsch schlug er mit instinktmäßiger Sicherheit den Weg in der Richtung ein, in der sein geübtes Gehör den Ruf vernommen hatte. Zuerst war er bemüht, den stark ausschreitenden Schritt im Hinblick auf sie ein wenig zu hemmen. Dann aber, als er merkte, daß sie ohne Mühe folgte, ließ er jede Rücksicht außer acht und eilte, nur von dem Gedanken an fein Ziel erfüllt, meist laufend und über widerstrebende Stellen mit kurzem Sah fortspringend, über den hartgefrorenen, unter feinen Tritten knirschenden Schnee. Es war die höchste Zeit. An der Lichtung eines vom jetzt volleuchten- den Monde erhellten Platzes sahen sie einen vornehm gekleideten Herrn mit weißem Spihbart von zwer Strolchen hart bedrängt. Obwohl der alte Mann nicht die geringste Furcht zeigte, sondern die einzige Waffe, die er bei sich zu tragen schien, einen Spazierstock mit silbernem Griff, mit wuchtiger Hand über die beiden schwang, hielten diese ihre Revolver so drohend auf ihn gerichtet, daß er gegen solchen Angriff machtlos war. Aber er gab feine Verteidigung nicht auf, sondern schien entschlossen, eher sein Leben zu lassen, als sich in die Hände der Räuber zu geben. Da vernahmen diese hinter sich im Gebüsch dns Geräusch heraneilender Schritte, stutzten» blicknutze zu machen, hatte die deutsche Regierung kein anderes Bestreben, als sich Frankreich in die Arme zu werfen und England hatte dann wirklich keinen Grund, Deutschland zu helfen. So sieht der Weg zur „Freiheit" aus, den die Regierung Stresemanns beschritten hat. Sie kannte kein anderes Ziel und keinen anderen Weg als sich unter allen Umständen mit Frankreich zu „verständigen", Zugeständnisse wurden gemacht. Für keins erhielt Deutschland eine entsprechende Gegenleistung und so ist auch das selbstverständliche, längst fällige Recht auf Räumung der Rheinlande neuerdings wieder mit neuen Zugeständnissen örkauft worden. Es sei auch noch daran erinnert, daß Herr Stresemann den schmachvollen Amnestievertrag mit Frankreich einging, durch welchen diejenigen Deutschen, die Gut und Blut für ihr Vaterland im Ruhrkampf eingesetzt hatten und deshalb von Frankreich in das Gefängnis geworfen wurden, denjenigen Deutschen gleichgestellt wurden, die als Separatisten ihr Vaterland verraten hatten und deshalb von Rechts wegen hätten als Hochverräter verurteilt werden müssen. Diese Lumpen laufen heute noch unangefochten im besetzten Gebiet herum. Frankreich aber ließ nach wie vor Deutsche in französische Gefängnisse setzen und immer noch erfolgten neue Verurteilungen Deutscher durch französische Kriegsgerichte: es sei nur an den Fall des Leutnants Rouzier erinnert, der trotz schwerer Vergehen gegen Deutsche freigesprochen wurde, während die Deutschen, di sich in Notwehr zur Wehr gesetzt hatten, verurteilt wurden und dann genötigt waren, zwecks ihrer Begnadigung den französischen Präsidenten anzurufen. Herr Stresemann aber gratulierte kurze Zeit später Herrn Briand zum 25jährigen Abgeordnetenjubiläum, obgleich Herr Briand dieses Amt hauptsächlich dazu ausgeübt hatte, um Deutschland niederzuwerfen. Nun noch ein Wort über Frankreichs Rheinlandpolitik, da man es so darstellt, als wenn doch der Verzicht auf diese Politik das Verdienst der deutschen Regierung sei. Erstens hat Frankreich noch niemals erklärt, daß es diese seine Politik aufgebe. Wenn es das aber tut, so ist dies nur zwei Umständen zuzuschreiben: Einmal der einmütigen Abwehr der rheinischen Bevölkerung int Ruhrkampf, aus welcher die Franzosen ersehen muhten, daß das Rheinland deutsch ist und deutsch bleiben will und daß es mit einer Annexion einen Bissen schlucken würde, der für ihn gänzlich unverdaulich fein würde, und zweitens dem sehr verständlichen Widerstand Englands und anderer Staaten, denen eine solche Erweiterung des Herrschaftsgebietes Frankreichs als mit ihren eigenen Interessen unvereinbar erscheinen mußte. So hat Frankreich es vorgezogen, sich einstweilen mit der Sicherung zu begnügen, die ihm die Verurteilung Deutschlands zur politischen und militärischen Ohnmacht, die Schleifung aller deutschen Festungen, die Schaffung einer 50 Kilometer breiten entmilitarisierten Zone am Rhein und die Einführung einer ständigen Unter* suchungskommission gegenüber Deutschland in vollem Maße gewährt. Diese Aneinanderreihung einiger Tatsachen dürfte wohl genügen, die „Erfolge" der deutschen Regierung und insbesondere Stresemanns zu kennzeichnen, und damit den „Weg zur Freiheit" als das erscheinen zu lassen, was er ist. der Weg zur dauernden Versklavung Deutschlands. Sic Entwicklung der Angesielltenversichemng. Bezirksiagung der Vertrauensmänner der Angestelttenversicherung. Arn Sonntag fand in Frankfurt a. M. feit drei Jahren wieder die erste Bezirkstagung der Vertrauensmänner der Angestelltenversicherung aus Hessen. Hessen- Nassau und der Pfalz statt. Ueber 150 Personen nahmen an ihr teil. Nach Begrüßung durch Fabrikant G e r n • g'rofe, dem Vorsitzenden des Frankfurter Ortsausschusses, hielt — wie man uns berichtet — Direktor Schäfer von der Reichsversicherungs- anstatt für Angestellte einen Vortrag über die Entwicklung der R. f. A. in den letzten drei Jahren, über die bestehenden Ausbauwünsche und ihr Auswirken, sowie über die dem Reichsrat vorliegende Gesetzesnovelle vorn 12. Juli d. 3. Die Angestelltenvei^icherung habe eine gute Entwicklung genommen, sie umfasse jetzt 3,3 Millionen versicherte Angestellte und 320 000 Arbeitgeber. Am 1. Juli 1929 liefen 163 000 Renten, gegen 129 000 zu Beginn dieses Jahres. Die Rentensumme betrage im Juli d. I. 11 160 000 RM. Der Durchschnitt der Rente betrage Anfang d. I. 82,60 RM. (einschl. Steigerungssatz aus der Invaliden-Dicherung). Witwenrente 45,15 RM. und Waisenrente 37,50 RM. An die auf Grund des Gesetzes vom März d. I. neu rentenberechtigten, 60 Jahre alten stellenlosen Angestellten seien bis zum 31. August d. I. 1177 Ruhegelder bewilligt. Vom 1. Januar bis 31. August 1929 seien 18 644 Anträge auf Renten bewilligt. Im Heilverfahren seien 108 000 Anträge im Jahre 1928 bewilligt. Aus Mangel an Mitteln sei kein Antrag abgelehnt. Im Jahre 1928 seien über 104 000 Darlehnsgesuche bei der R. f. A. eingegangen. Für den Wohnungsbau habe die R. f. A. 100 Millionen RM. im vergangenen Jahre bewilligt. 2663 Einzelsiedlungshäuser seien bewilligt. An Verwaltungs* kosten würden 2,9 Prozent der Einnahmen verbraucht, ein sehr niedriger Satz im Vergleich zu anderen Sozialversicherungskörpern. Hinsichtlich der vorliegenden Anträge auf Leistungsausbau vertritt die R. f. A. die Auffassung, daß wesentliche Leistungsverbesse- rungen ohne Beitragserhöhungen zur Zeit auf Grund der versichern n g s t e chni s ch e n Bilanz nicht möglich seien. Eine Beitragserhöhung könne aber nicht befürwortet werden. Die R. f. A. lehne insbesondere die Erhöhung des Steigerungssatzes von 15 auf 20 Prozent ab, obwohl das selbstverständlich wünschenswert wäre. Nachdrücklich wandte sich Direktor Schäfer gegen die Verschlechterung der Selbstverwaltung, die dis Gesetzes-orlage an den Reichstag enthalte. Der Präsident und die beamteten Direktoriumsmitglieder müßten von den Organen der Anstalt selbst gewählt werden. Diese Forderung vertreten auch die Angestellten. Auch das Etatrecht und die Ausstellung der Desoldungsordnung müsse die R. f. A. selbst haben. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Die anschließende Aussprache gestaltete sich zum Teil recht stürmisch. Der Versuch, eine Entschließung zum Leiftungsaus* b au einzubringen, scheiterte, weil die Beten sich um und suchten, als sie den wie aus dem Boden emporgewachsenen Fremden gewahr wurden, in wirrer Flucht das Weite. Klaus sandte ihnen, als sein „Halt" nichts fruchtete, einige Schüsse nach, die sie aber nicht zu erreichen schienen, denn er sah sie in der Dämmerung der Mondnacht untertauchen und verschwinden. „Das war sehr liebenswürdig von Ihnen, meine Herrschaften," sagte der alte Herr, den dieser nächtliche Ueberfall und die Todesgefahr, in der er sich noch vor einer Minute befunden hatte, nicht im leisesten aus seiner Fassung gebracht hatten. „Und noch eine junge Dame dazu —“ Er ging auf Klaus zu, drückte ihn mit einer Bewegung, die er in seinen Worten nicht hatte aufkommen lassen wollen, die Hand und begrüßte Lotte mit ritterlicher Wärme. „Das heißt Schneid zeigen. Wenige hätten es getan. Aber ich habe es immer gewußt: der ehemalige preußische Offizier verleugnet sich nicht." „Sie kennen mich v fragte Klaus, den die ganze Art und Haltung des alten Mannes mit Zuneigung erfüllte. „Ich habe in dieser späten Stunde zum ersten Male das Vergnügen, Sie zu sehen. Aber den gewesenen Offizier merke ich Ihnen selbst in dieser mangelhaften Beleuchtung an.“ „Gewiß, weil Die selber einer gewesen sind. Ihre Ruhe und Tapferkeit bewiesen es.“ Ein feines Lächeln spielte um die Lippen des alten Herrn. „Sehen Sie, auch dies zeigt wieder den gewesenen Offizier, den es undenkbar dünkt, daß einer Mut und Schneid an den Tag legen kann, der nicht seinem Stande angehört. Nein, ich bin nie Soldat gewesen ... doch ich meine, wir verlassen jetzt die wenig gastliche Stätte, und Sie haben die Freundlichkeit, mich in mein Heim zu begleiten, wo wir uns bei einem Glas Wein von dem ausgestandenen Schrecken erholen können. Es wird uns allen dreien guttun, und allzu weit haben wir es nicht.“ Eine kurze Strecke wanderten sie über mehr oder minder verschlungene Pfade, manchmal bis an die Knie im hohen Schnee versinkend. Dann hatten sie die Tiergartenstraße erreicht. Vor einem palastartig gebauten Hause mit nur einem Stockwerk machten sie halt, und der alte Herr erschloß die schwereichene, mit reichem Messingbeschlag verzierte Pforte. Hundegebell, das bereits bei ihren ersten Schritten in den Garten vernehmbar gewesen, empfing sie. An der Seite des Dieners stürzte ein pechschwarzer Wolfshund die mit roten Smhma- läufern belegten Marmorstufen herab, begrüßte mit lautem Freudengeheul feinen H»rrn. sprang in hohen Sätzen an ihm auf und nieder, ließ darüber aber die beiden Fremden keine Sekunde aus den Augen und nahm ihnen gegenüber eine so abwartende Haltung ein, daß diese nicht vorwärts zu gehen wagten. „Jetzt kannst du die Freudentänze aufführen, werter Beppo," sagte der Alte und traute das. Zell des HundeS» „uni) vorhin, als ich dich brauchen tonnte, wandeltest du auf Liebesabenteuern und hättest deinen Herrn vielleicht nie wieder gesehen, wenn diese braven Menschen, denen du jetzt noch dazu mit höchst überflüssigem Mißtrauen begegnest, nicht seine Retter geworden wären." Und als verstünde der tluge Schäferhund jedes Wort, so beschämt und abbittend schmiegte er sich zu seines Herrn Füßen, so freundlich wedelte er den beiden anderen zu, gab ihnen den Weg frei und ließ sich von ihnen streicheln, was et sonst niemals bei einem Fremden duldete. „Und nun. meine Herrschaften, legen Sie hier ab und machen es sich nach den glücklich überwundenen Strapazen recht bequem. Du aber, Mohr," wandte er sich zu seinem Diener, der mindestens um noch zehn Jahre älter war als sein Herr, „lege zwei Gedecke auf und gieße von dem Burgunder im obersten Schrankfache in die Karaffen." Sie saßen zu dreien an dem mit großer Schnelligkeit zubereiteten Tisch. Mit steifet Feierlichkeit reichte der alte Dienet die Schüsseln, schenkte den Wein — kein weibliches Wesen wat zu spüren. Klaus lag eine Frage auf den Lippen. Als er aber fühlte, daß der liebenswürdige Wirt keine Neigung zeigte, irgend etwas Persönliches zu berühren, unterdrückte er sie und gab sich froh und unbefangen der Behaglichkeit der Stunde hin. Auch feine hübsche Begleiterin hatte alle Angst und Ährecken dieser seltsamen Abendwanderung überwunden. Sie nahm mit sichtbarem Vergnügen von allen aufgetragenen Speisen und sog den feurigen Burgunder mit dürstenden Lippen. Ihre Augen lachten. * Als Klaus am nächsten Abend in sein kleines Zimmer trat, das er seit einigen Wochen im vierten Stock einer Mietskaserne unweit des Dönhoffplatzes gemietet hatte, fand er einen Brief vor. Sofort wußte er, daß er von keinem anderen als von dem alten Herrn kommen konnte, der ihn gestern beim Abschiednehmen nach seiner Wohnung gefragt hatte. „Darf ich Sie bitten, morgen um zwei Uhr bei mir zu Mittag zu speisen?" las er. „Ich habe einiges mit Ihnen zu bereden. Seien Sie bis dahin gegrüßt von Syrern Ihnen in tiefer Dankbarkeit ergebenen Martin Feuchtwanger."--- Sie hatten in einem Schweigen, das nur hier und da durch ein hingeworfenes Wort unterbrochen wurde, zusammen gegessen und sich dann in das Herrenzimmer begeben, in dem der alte Mohr den Kaffee reichte, Likör und Zigarren zurechtstellte und sich dann lautlos zurückzog. „Ich habe die Gepflogenheit, niemals über meine persönlichen Angelegenheiten zu sprechen, begann Herr Feuchtwanger. „Es war ein Grundsatz unserer Erziehung, der uns von Jugend an eingeschärft wurde. Das Verhältnis, in das uns totöer Ihren und meinen Willen der vorgestrige Abend zueinander gebracht hat, rechtfertigt wohl eine Ausnahme." (Fortsetzung folgt.) zirkstagung sich für unzuständig erklärte. Es wurde geltend gemacht, daß die Aufstellung von Forderungen zum Leistungsausbau Sache der Angestellten- und Arbeitgeberverbände bzw. der parlamentarischen Vertretungen sei. Diese Meinung vertrat auch der Direktoriumsvertreter. Die Entschließung nahmen die Einbringer dann zurück. Besonders bemerkenswert war noch die Auffassung des R. f. A. - Vertreters hinsichtlich dcr versicherungstechnischen Bilanz, da diese von einem Teil der Vertrauensleute als ungeeignete Grundlage zur Leistungsbemessung bezeichnet wurde. Direktor Schäfer stellte fest, daß die R. f. A. etwas besseres als die versicherungstechnische Bilanz nicht habe und man sie als Grundlage jeweilig für die weitere Ausbaumöglichkeit ansehen müsse. Alle fünf Jahre würde sie neu aufgestellt, und man könne dann neue Beschlüsse fassen. Süddeutsche Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahl-Mustrieller. Die Süddeutsche Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahl- Industrieller hielt am 16. d. M. im ,Europäischen Hof" in Heidelberg unter dem Vor- sih des Geheimrats Robert Röchling, München, ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Den Geschäftsbericht erstattete Dr. h. c. M ees- mann, Mainz, der an Hand der Statistik auf die abfallende Konjunktur des letzten Jahres, die einen Rückgang der Produktions- zisfern von 10 Prozent für die Erzeugnisse der eileiiich aff enden Industrie mit sich brachte und auf die völlig unbefriedigten Erträgnisse hinwies. 36 Prozent des Aktienlapitcvls blieben ohne Dividende, nur 1 Prozent erzielte eine solche über 10 Prozent: bei einem Dankzinssah von 12 bis 14 Prozent ein ungeheures Mißverhältnis. Die Handelsbilanz bleibe wieder passiv und es sei unerfindlich, wie die neuen Tribut- zahlungen nach den Haager Abmachungen als definitive Lasten übernommen und geleistet werden könnten. Er besprach sodann die Absperrung s m a h n a h m e n des Auslandes, insbesondere von Amerika, das, während es von Frieden und Verständigung überfliehe, seine Foilmahnahmen verschärft und die Quote der deutschen Einwanderung auf die Hälfte herabgesetzt habe. Den Paneuropagedanken B r i a n d s empfahl er mit Vorsicht zu genießen, Deutschland dürfe jedenfalls in seiner Lage nicht auch noch seine wirtschaftliche Freiheit preisgeben, nachdem es die politische und militärische geopfert habe. Er berührte sodann die getäuschten Hoffnungen in bezug auf Belastung der Wirtschaft von Steuern und in bezug auf Derwaltungs- reform, und zum Schluß die soziale Versicherungs-Gesetzgebung und die neuerdings ausgetretenen radikalen Reformvovschläge von Hartz und H o r n e f f e r. Man könne dieselben in vielen Punkten als übertrieben und zu weitgehend ansehen, sie seien aber als Mahnung gegenüber den Gefahren der fortschreitenden Staatsfürsorge zu werten und enthielten auch durch die Hervorhebung des Spargedankens gegenüber dem reinen Fürsorgegedanlen fruchtbare Anregungen zur Reform. In erster Linie sei es Sache der Arbeiter und Angestellten, zu den Gedankengängen Stellung zu nehmen. Scharf kritisiert der Redner die Zurückdrängung der Selbstverwaltung bei den Trägern der Unfall- Versicherung, den Berufsgenossenschaften, durch Gesetzgebung und Verwaltung und den neuesten Versuch des Reichsarbeitsministeriums auf dem besonders wichtigen Gebiet der Unfallverhütung die Selbstverwaltung der Derufsgenossen- schaften durch paritätisch besetzte Ausschüsse unter Einschiebung der staatlichen Gewerbeaufsicht zu ersehen. Es sei dringend nötig, daß das Unter- nehmertum sich diesen Bestrebungen und Gefahren gegenüber fester zusammenschließe und Opfer bringe. Die Versammlung bekundete durch lebhaften Beifall ihre Zustimmung zu den Ausführungen des Berichterstatters. Rach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten hielt Dr. Reichert (Berlin) als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Hauptvereins einen außerordentlich interessanten Vortrag über den „Voungplan und seine wirtschaftlichen Auswirkung e n". Der Redner schilderte die Lage der deutschen Sachverständigen, die Entwicklung der Verhandlungen und die Unterschiede, die sich zwischen Voungplan bzw. Haager Abmachungen und dem Dawesplan ergaben. Er kam zu dem Schluß, daß die vorübergehenden Erleichterungen, die der neue Plan die nächsten Jahre bringe, die aber nicht so groß seien, wie sie von den Befürwortern dargestellt würden, weit ausgewogen würden durch die lange Dauer der VerpflichDatum 19.9. 20-9. 19 9. 20.9. 5% Dt. Kelchsanleihe v. 1927 . Dl. VlnI.-AbIöI..Schuld mit Aus- 87,5 — 87,5 53,3 Ich.-Rechten........ 53,7 53,55 53,6 ohne AuSloi.-Rechte . . 7% Franks Hyp -Bk. Goldps. un- 10,13 10 10,25 10 lündbar bis 1932...... <%% Rheinische Hyp.-Bank Liqu 85,5 — — — Goldps............ 73,25 — O.tt.QJ. aha. BortrleaS-Obltgation. rückzahlbar 1932 88 — — — 4% Schweiz. Bundesb.-Anl.. . — — — — Leklerreichlsche Äoldrte.. . 28 — 28,25 — 4,20% Oekierr. Gilbcrtte. . . . ,35 1,65 2,3 — 4% Oesterreich. etnhettt. Rte . — — — 22,4 22,25 19,9 22,13 4% Ungarische Slaaisr. v. 1910 . — 4%% bCSfll. von 1913..... — — 21,75 — 4% Ungarische Kroncnrtc.. . . 1,8 1,75 1,7 1,7 4% lütt, ZoUanleihc v. 1911 . . 4% Tückische Bagdadbahn-Anl.. 7,7 7,9 Serie l........... 7,65 — 7,65 — 4% deSgl. Serie 11....... 7,65 7,75 7,65 — 4% Rumänen convcrl. Rte. . . 7,5 9,9 —- 4%% Rumänen Öolbanl. von 1913 14,75 — 15 — 011 Deutsche trilenbahn . . 4% — * — Hamburg-Amerika Paket ... 7 115 114 114,5 114 Hamb.-Südam. Dampsich . . 8 — — — — Hansa Tampsschiss.....10 — - 153 — Norddeutscher Lloyd.....8 106,65 106 106,75 105,75 Wllfl. Deutsche (IreöUanft . . 10 123,75 124,13 124 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handeligesellsch. . . 12 124 124 124,25 124,13 200 — 200,5 200 Commerz- und Privat-Ban!. 11 174,75 174,5 174,75 174,5 Darm«, u. Raiionalban! . . 12 267,25 265,5 267 266,5 Deutsche Bant - - - - - }•? Tlslonio-Gesellschast Ant.. . 10 164,5 163,5 >64,5 163,5 150,5 — 151 150,5 154 Dresdner Bant......W 154,5 154 154,5 Melallban........... — — — —• Reichsbant .••••••• M 295 294,25 295 293,25 tungen, durch den Wegfall wichtiger Maßnahmen des Währungsschuhes und der Revisionsklausel. Der Vortrag fand einmütige Zustimmung in der folgenden Diskussion, an der sich hauptsächlich die Herren Geheimrat Röchling (München), Dr. Ulm (Mannheim), Geheimrat Klein (Frankenthal), Dr. Lessing (Oberlahnstein), T o s s e (Berlin) beteiligten. Der Vorsitzende legte zum Schluß folgende Entschließung vor: „Die Hauptversammlung der Süddeutschen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller ist mit dem Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie der Ueberzeugung, daß die durch den Voungplan Deutschland zugemuteten ^Lasten die Leistungsfähigkeit Deutschlands weit übersteigen und nicht tragbar sind. Die Versammlung spricht Herrn Dr. Dögler, der als Sachverständiger der deutschen Regierung hieraus die notwendige Folgerung gezogen und die Verantwortung für diesen durch die Haager Verhandlungen noch verschlimmerten Plan abgelehnt hat, ihren Dank und ihre volle Zustimmung aus." Die Entschließung wurde e i n st i m m i g angenommen. Schweres Bauunglück. WSN. Mainz, 19. Sept. Gestern nachmittag ereignete sich bei den Umbauten an dem nach Mombach führenden Viadukt am Hauptbahn- Hof ein schwerer Unfall. Die Ueberbrückung des Viadukts wird zurzeit ausgewechselt. Eine Offenbacher Firma hatte dort große Gerüste erstellt, um die alten Ueberbrückungen abreißen zu können. An einer dieser Ueberbrückungen wurde von Monteuren ein Stück abgeschweißt, das plötzlich abbrach und auf ein darunter angebrachtes Hänge- g e r ü st stürzte, dieses und drei darauf befindliche Arbeiter mit in die Tief« reißend. Die Monteure Franz Wagner und Adam Faust aus Tripstadt, sowie der Arbeiter Jörg aus Felsen- berg wurden schwerverletzt unter den Trümmern heroorgezogen. Sie wurden nach dem Stadtkrankenhaus transportiert, wo man neben schweren Schädel- und Knochenbrüchen gefährliche innere Verletzungen feststellte. Der Zustand der Verletzten ist s e h r b e d e n k l i ch. Festnahme eines Falschmünzers. WSN. F r a n k f u r t a. M., 19. Sept. Hier wurde gestern der 23jährige Gärtner Rudolf Wagner aus Marburg wegen Herstellung von falschen Ein - und Dreimark st ücken f e ft genommen. Er will die Falsifikate in den letzten Wochen in seiner elterlichen Wohnung in Marburg, Ockershäuser Allee 39, mittels Lötzinns in Gipsformen hergestellt haben. Die bei ihm vorgefundenen fertigen Ein- und Dreimarkstücke sind äußerst schlecht gegossen, hingegen die zur Herstellung von Ein-, Zwei-, Drei- und Fünfmarkstücken angefertigten Gipsformen ziemlich'gut gelungen. Von den angefertigten Falschmünzen will W. noch keine in den Verkehr gebracht haben, was ihm auch angesichts der Minderwertigkeit der Falsifikate nicht gelungen sein dürfte. W., der das ganze Herstellungsmaterial in einer Blechbüchse mit sich führte, will sich Hauptfach- lich deswegen nach hier begeben haben, um sich hier noch weitere Fachkenntnisse anzueignen und sodann die Falschgeldherstellung weiter zu betreiben. Daten für Samstag, 21. September. Sonnenaufgang 5.43 Uhr, Sonnenuntergang 18.02 Uhr. — Moni mfgang 19.04 Uhr, Monduntergang 8.26 Uhr. 1860: der Philosoph Arthur Schopenhauer in Frankfurt a. M. gestorben; — 1870: der Maler Sascha Schneider in St. Petersburg geboren. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschast. Sabbatfeier den 21. September. Freitag abend 6 Uhr; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 7.15. —» Wochengottesdienst morgens 6.30; abends 6 Uhr. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 21. September. Vorabend 6.15 Uhr; morgens 8.30; abends 6.35 und 7.15 Uhr. Letzte Nachrichten. Schwere Brandkatastrophe in Detroit. Detroit, 20. Sept. (wTv.. Funkspruch.) Zu einer fürchterlichen Katastrophe kam es hier beim Brand des Nachtlokals „S l u d y Club". 16 Personen wurden getötet und 50 schwer verletzt. Das Gebäude brannte vollständig aus. Die hohe Zahl der Opfer erklärt sich einmal daraus, daß der Brand im Keller ausbrach und so den Gästen der oberen Stockwerke sehr rasch der Ausgang verlegt war, und auf der anderen Seite dadurch, daß das Feuer schon einenbelrächtlichenUmfangangenom- m e n hatte, ohne daß irgend jemand im Haus die Gefahr bemerkte. Die Feuerwehr wurde infolgede en erst alarmiert, als zufällig ein Polizist von der Straße aus die Flammen aufschlagen sah. Unter den Gästen kam es zu einer furchtbaren Panik, die sich noch dadurch verschlimmerte, daß aus den im zweiten Stock gelegenen Räumen des Nachtlokals nur eineengeTreppenach unten führte. Als der Rauch immer dichter wurde, sprangen deshalb die Gäste aus den Fenstern ausdie Straße hinunter. Unter den ins Hospital eingelieferten Schwerverletzten befinden sich viele, denen die Kleider am Leib verbrannt sind. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, hat anscheinend die Panik schlimmer gewütet als der Brand. Aus unauf- geklärten Gründen Hal sich ein großer Teil der Besucher statt einen Weg ins Freie zu suchen, in die Toilettenräume geflüchtet. Als die Feuerwehr sich den Zugang erkämpft Halle, fand fie jbie engen Räume gepfropft voll von Menschen, die das Bewußtsein verloren hatten. An dieser Stelle allein wurden 25 Opfer geborgen. Lornbardzinsfuß 8,5 Prozent. Berlin, 19. September Geld Brief Französische Noten - Holländische Noten ..... Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch Oesterr-.L 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten ....... Spanische Noten....... Tschcchoilowalische Noten . . Ungarische Noten Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16,41 167,91 21,98 111,40 59,01 2,475 112,03 80,74 61,65 12,38 73,00 -Frankfur Auszahl 16,47 168,59 22,06 111,84 59,25 2,495 112,47 81,06 61,89 72,44 73,30 t a. M. ung. i9. September 20. September Ärmliche Notierung Geld 1 Brie, Amtliche Notieruna Geld | Briet Amst.-Rott. Bucn--AircS Brss.-Antw- Christiania. Kopenhagen Stockholm . Hclnngfors. Italien. . . London. . . Neuhork .. Daris.... Schweiz .. Spanien . . Japan . . . Rio de Jan. Wien in D-» Ceft. abgcst Prag . . . . Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon . Danzig. . . Konstantin- Athen. . Canada Uruguay. Cairo . . 168,23 1,757 58,295 111,70 111,71 112,34 10,541 21,945 20,33( 1,1965 16,42 80,86 61,86 2,002 1,4965 59,03- 12,419 7,380 73,19 3,035 18,76 81,30 ,014 5,42 . 4,166 4,096 20,86 168,57 1,761 58,415 111,92 111,93 112,56 10,561 21,985 20,376 4,2045 16,46 81,02 61,98 2,006 0,4985 59,155 12,439 7,394 73,33 3,038 18,80 81,46 2,018 5,43 4,174 4,104 20,90 168,21 1,760 58,30 111,69 111,70 112,32 10,539 21,95 20,337 4,196 16,415 80.865 61,92 1,998 0,497 59,025 12,42 7,381 73,174 3,035 18,73 81,31 2,013 5,425 4,162 4,096 20,866 168,55 1,764 58,42 111,91 111,92 112,54 10,559 21,99 20,377 4,204 16,455 81,005 62,04 2,002 0,499 59,145 12,44 7,395 73,315 3,041 18,77 81,47 2,017 5,435 4,170 4,104 20,906 Wirtschaft. preußische Erntevorschätzung für (Setreioe und Hülsenfrüchte. Die „Statistische Korrespondenz" schreibt: Rach der Vorschützung zu Anfang September d. 3. ergeben sich für Preußen im Vergleich mit der Novemberschätzung des vergangenen Jahres unter Berücksichtigung der Anbauflächen folgende Ge- samterntemengen (in 1000 Tonnen): Sept. 1929 Nov. 1928 Differenz Winterweizen 1636,9 2071,4 — 434,5 Winterroggen 6111,2 6366,2 — 255,0 Sommergerste 1294,1 1533,5 —139,4 Hafer 5036,5 4923,4 .+ 113,1 Erbsen 103,8 105.6 — 1,8 Speisebohnen 8,5 7,2 .+ 1,3 Ackerbohnen 89,7 107,4 — 17,7 Bei Winterweizen, Winterroggen und Sommergerste ist hiernach mit M i n d e r e r t r ä g en zu rechnen, ebenso bei Erbsen und Ackerbohnen, während bei Hafer und Speisebohnen geringe Mehrerträge zu erwarten sind. Oie Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Dolksstaates Hessen weist für den Monat August 1929 folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 73 041 Tonnen; davon wurden verkauft 33 585 Tonnen; der größte Teil der Rohkohlen wurde weiter verarbeitet, und zwar 32 573 Tonnen zu Schwelereiprodukten und 638 Tonnen zu Briketts. Die Brikettserzeugung betrug 206 Tonnen. * Zulassungen zum Börsenhandel. Der Reichsrat beschloß in seiner gestrigen Sitzung, zum Börsenhandel zuzulassen die Aktien der M i a g (Mühlenbau- und 3ndustrie-A.-G. in Frankfurt a. M.), der italienischen Gesellschaft Montecatini in Mailand und der Nordsee Deutsche Hochseefischerei (Bremen- Cuxhaven A.-G. • Maschinen- undArmaturenfabr ik vorm. H. Breuer & C o. A. - G., Frankfurt a. M. - Höch st. Die Generalversammlung beschloß Aenderung des Firmennamens in »Breuer-Werk QI.»®.". * Bayerische Motorenwerke A. - G., Müncheru Die Kursrückgänge der Qlttien der Gesellschaft sind laut „M. R. R." in der börsentechnischen Situation begründet und keineswegs in den Produktionsverhältnissen der Gesellschaft. 3n der letzten Zeit wurden von verschiedenen Seiten Verkäufe, insbesondere in Berlin, vorgenommen, jedoch nicht von se.ten Castiglio^is. Einige noch schwebende Exekutionen konnten inzwischen abgewendet werden. Der Geschäftsgang wird unter den gegebenen derzeitigen Wirtschaftsverhältnissen als befriedigend bezeichnet. * Unbefriedigende Lage der sauer- ländischen Textilindustrie. 3m allgemeinen wird die Lage in der sauerländischen Textilindustrie als ungünstig bezeichnet, wenn auch einige Betriebe günstiger abgeschnitten haben. Vor allem klagen die Blaudruckwerke, die fast ausschließlich auf den Export angewiesen sind, über geringen Auftragseingang. Die Preise werden als unzulänglich bezeichnet. Die weiteren Aussichten des Geschäftes beurteilt man ungünstig. Frankfurter Börse. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Frankfurt, 20. Sept. Tendenz: Unsicher. — Obwohl die gestrige Reuyorker Börse fest schloß und auch der Geldmarkt am dortigen Platze mit 7 Prozent eine wesentliche Entspannung aufzuweisen hatte, eröffnete die heutige Börse in unsicherer Haltung. Jnsolvenzgerüchte, die nicht zu kontrollieren waren, wirkten panikartig. Die Spekulation kam mit Material heraus, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse Kursrückgänge bis zu 2 Prozent eintraten. Rur die 3nsolvenz einer Berliner Dankfirma bestätigte sich, doch war hierdurch immer noch kein Anlaß gegeben, daß eine allgemeine Mutlosigkeit gerechtfertigt gewesen wäre, denn der Frankfurter Markt soll hiervon nicht berührt werden. Das Geschäft war heute dadurch äußerst bescheiden, Orders sollen kaum Vorgelegen haben. Die Verluste nahmen jedoch kein größeres Ausmaß an, denn man stand im allgemeinen den Gerüchten skeptisch gegenüber, da die Kulisse der Ansicht zuneigte, man dürfe nicht jeder hin- geftreuten und nicht bestätigten Rachricht Glauben schenken. Stärker gedrückt eröffneten Deutsche Linoleum mit minus 5 Proz. und Glanzstoffaktien minus 6 Prozent. Das Angebot in beiden Papieren war jedoch nicht sonderlich groß. Die Aufnahmeunlust führte zu diesen Rückgängen. Am Elektromarkt gaben die meisten Werte bis zu 1 Proz. nach. Rur Siemens verloren darüber hinaus 2,75 Proz. Montanwerte stagnierten fast vollkommen. Rur in Mannesmann kam mit minus 1,25 Proz. zur ersten Rotiz eine amtliche Rotie- rung zustande. Danken bis zu 1 Proz. niedriger. Für Holzmann bestand dagegen mit plus 1,25 Prozent einiges 3nteresse. Renten leicht nach- gebend. 3m Verlaufe trat für Spezialwerte leichtes 3nteresse zutage, und das Kursniveau besserte sich ein wenig. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6,5 Proz. weiter leichter. Am Devisenmarkt war die Lage nur wenig verändert. Man nannte hier Mark gegen Dollar 42002, gegen Pfund 20.352, London gegen Kabel 4.8465, gegen Paris 123.85, gegen Mailand 92.67, gegen Madrid 32.82, gegen Holland 12.0890. Berliner Börse. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Berlin, 20.Sept. Die heutige Börse wurde mit Schwierigkeiten einer alten Berliner Bankfirma (Sigmund Sternheim) überrascht. Schon gegen Schluß des gestrigen Verkehrs sprach man von Exekutionen, doch waren diese Gerüchte nicht zu kontrollieren und wurden auf die allgemeine Nervosität zurückgeführt. 3m Laufe des heutigen Vormittagsverkehrs verstärkten sich dann diese Gerüchte und hatten erneut mehr- prvzen tige Kursrückgänge zur Folge. Zu berücksichtigen ist allerdings, daß im Frei- Verkehr, d. h. von Bureau zu Bureau, so gut wie nichts umgegangen ist, so daß das Kursniveau wenig Widerstandsfähigkeit aufzuweisen hatte und die Kurse einfach heruntergesprochen wurden. Daß trotz der weiter erhöhten Börsen- kredrte Neuyork gestern fest war, und daß Tagesgeld sich auf 7 v. H. ermäßigte, blieb ohne Einfluß. Zu den ersten Kursen trat dann auf eine Erklärung der Liquidationskasse in Angelegenheiten der Firma Sternheim eine gewisse Beruhigung ein, und die Notierungen wiesen gegen die niedrigen vorbörslichen Taxen kleine Erholungen auf. Die Tendenz blieb aber im allgemeinen weiter sehr unsicher. Spezial- werte wie Reichsbank, Kaliwerte, Konti Kautschuk, Deutsche Linoleum, Polyphon, Svenska, Schlesische Gas, Siemens, Demberg, Glanzstoff, Elektrische Lieferungen und Charlottenburger Wasser, bei letzteren wollte man von einer bevorstehenden Dividendeermäßigung wissen, verloren immerhin bis zu 5 v. H. bzw. 5 RM. Nur Laurahütte plus 2,5 v. H. und BMW. plus 3 v. H. zeichneten sich durch Festigkeit aus. Deutsche Anleihen abbröckelnd. Auch Ausländer eher schwächer. Pfandbriefe nachgebend. Am Tagesgeldmarkt trat heute eine plötzliche Versteifung für Tagesgeld auf 7 bis 9,5 v. H. ein. 3m (verlaufe konnte man auf einigen Marktgebieten Ansätze zu einer Erholung beobachten, doch ergab sich in der Kursgestaltung keine Einheitlichkeit. Die anfangs stärker gedrückten Papiere zogen etwas an, im allgemeinen war eine stärkere Än- sicherheit auch später unverkennbar. Das Geschäft blieb sehr flein, und das war auch der Hauptgrund für ein späteres Abbröckeln der Kurse. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Franlsurt a 'Di. Berlin Schlug-! 1-Uhr fturts I Kurs Cchlub-s Ansong- ftute | Kurs Frankfurt a M. Berlin Schluß» Kurs i-Uhr Kurs Schluß'l Kurs | Anlang. Kurs Datum 19-9. 20 9. >9-9. 20.9. lü.C.®........ r 192,25 191,25 192 191,5 . v —- 219,5 220,5 219,5 ttlcltr. Lleserungea. . ■ • • 10 — — 168 166 Licht und Kraft . . . 10 204 203 204 203 Fellen 4 Guilleaume. . e IM. 136,5 — 136,25 135,5 Ges. s. Eiektr. Untern.. • e e 10 — 206,5 207,5 Hamb. Eletlr. Werte . • e e 10 — — 142 Rhein, ökttt..... e • e . 9 — — 145,25 145 Schlei. Clettr. . . . . ■ M e 10 — — 184 182 Smuckert...... • M M 11 — 220,5 221 220,25 Siemens 4 Halste . . • • • 16 382 379,25 381,5 379,25 Transradio..... . 8 — — — 165,5 LakMryer 4 Co.. . . • • • 10 165,5 — —- Buderus...... . 6 68,5 — 68,5 68 Deutsche Erddl . . . * M M . 6 — — 111,65 110,4 Essener Steinkohle . • M < e . 8 — — 140,25 139,25 Gelsenkirchener . . . . 8 141 141,25 140 Harvener...... Hoesch Elsen..... . 0 ey, 144,5 — 144 130,5 143,5 128,13 Ilse Bergbau .... 10 213 — — 112,5 Mücknerwecke . . . e • - ■ ' 114 — 114 — Köln-Ncuessea. . . . e e e ( — — 126,25 124.25 Mannesmann.... e e e . 7 111,25 137 110 111,5 110,25 ManSselder..... e • e • l — 137 137,25 Obersch'.es. Elsenb. Bedar . e — — 79,13 —— Oberschlei. KokSwerte. . 7 — — 102 100,4 Phönix Bergbau. . . Rheinische Braunkohlen e ■ «y, 105,75 — 109,75 105,6 . • e 10 266 — 266 264,5 Riiclnslahl . . . . 6 — 121 120,13 RIebeck Monian . . . 1,1 — —— — — Bereinigte Stahlw. . Olavi Minen .... 113,5 — 113,75 IK 16'/, — —— 69,5 68,75 Kall Aschersleben . . lu 234 — 233 23C Kali Westeregeln. . . Kaliwerk Salzdetfurth • • • 10 16 39,5 390 240,25 391 235,25 387 F. ®. Farben-Industrie 12 212 210,25 211,75 211 Hhnamtt Nobel . . . . 6 — — 101,25 — Echeldeanstalt. . . . e e e . 9 150 — — — Goldschmidt . . . . e e M . 6 72,9 — 71,5 72,6 RütgerSwcrte . • • • • e e . 6 78,25 77,25 78,5 76,6 MelallaeselUchast. . . e e e - 8 126,5 126 126,5 — Banknoten. .vranlsuri a Berlin Schlug« Kurs 1-Ufjr Kurs Schluß- Kurs Ansang. Kur. Datum 19.9. 20.9. 19.9. 20-9. Philipp Holzmann......< Heidelberger Eemeut.... 1° Eement Karlstadt ..... 1° Wayb -4 Freitag......-8 Schultheis Patzenhoser ... 15 Ostwert«.........12 Ver. Glanzstoft ...... 18 Bemberg.........14 ReUftoli Waldhol .... 18% Zellstoss Aschassenbura ... -z Charlottenburger Wasser ... 8 Dessauer Gas........9 Daimler Motoren......<- Deutsche Maschlnen-Fabrü . . 1 Adlerwerte Klever......O Ludw. Loewe.......10 Rat. Automobil ....... 0 Orensteln 4 Koppel . .... 6 Leonhard Tietz ...... 1° Bamag-Meguin ....... O Franks. Maschinen......4 Griyncr...... 6 Hehliaenstaedt ....... 1 IunghanS..... 6 Lcchwerte. ......... Mai,........... ..................... Peters Union........6 Gebr. Roeder.......1' Boigi 4 Haessner......9 6übD. Zucker.......10 97 126,5 181 98 295 40,5 50,5 58 9 60 105,75 106,25 124 109,5 222 158,5 98,25 98 289 59 124,5 158,25 97 288 220,5 292,5 243 234,5 151 104 184,5 46,25 51,65 41 196 33,25 197 52,5 56,25 124 222 158,25 98 284,5 218 288 238 232,75 150 101,75 183 45,25 51,25 41 195,5 82 197 124 Berlin, 19. September Geld Brief Amerikanische Noten..... 4,178 4,198 Belgische Noten..... . . 58,09 58,33 Dänische Noten ........ 111,40 111,84 Enalllche Noten........ 20,31 20,3? Tumen, Sport und Spiel. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Am kommenden Sonntag kommt das erste Fußballoerbandsspiel auf dem 1900-Sportplatz zum Austrag. Der Platzoerein steht dem letztjähngen Tabellenzweiten des Gaues Marburg, dem Fußball- verein Breidenbach, gegenüber. Beide Mannschaften greifen mit dieser Begegnung zum ersten Male in die Spiele der ersten Lezirksliga- klasse, Grupoe Lahn, ein. Der kommende Sonntag kann, insbesondere bei der völligen Unbekanntheit der Spielstarke der Gäste aus dem Hinterland, mit einer Ueberraschung enden. 1900 muß dieses Spiel sehr ersatzgeschwächt bestreiten. Das Fehlen von einigen Studenten alljährlich zu Beginn der Meisterschaftsspiele ist man gewöhnt, da die studentischen Ferien nicht zu umgehen sind. Hart triffst aber die Gießener die Sperre einiger Spieler (Torwart und linker Verteidiger). Deshalb muß der Rest der Mannschaft, sowie die eintretenden Ersatzleute mit ganzem Herzen bei der Sache sein, wenn die beiden Punkte in Gießen bleiben sollen. Technisch kann man den 1900ern ein Plus zuzurechnen. Der Gegner wird dies aber durch Eifer und Schnelligkeit wettzumachen versuchen. Die größten Befürchtungen muß man hinsichtlich des schußschwachen Pießener Sturmes hegen. Aus diesem Grunde ift man leicht geneigt, den Gästen die größeren Siegeschancen zuzusprechen. Eine minder wichtige Begegnung findet vor diesem Treffen statt. Das Lokalderby der Reserven zwischen 1900 und V. f. B. Gießen. Den Ausfall von fünf der besten Spieler bei 1900 wird man sich hier wohl merken. Der Ausgang ist vollständig offen, dv es sehr darauf ankommt, wie man beiderseitig dis- poniert ist. 1900s 3. Mannschaft hat nach Lich einen schweren Gang. Die 1. Elf von V. f. R. Lich war auf eigenem Platz immer ein schwer zu nehmendes Hindernis. Auf hiesigem Platz eröffnet 1900s 4. Elf die Spiele gegen Steinbachs 2. Mannschaft. Die 1. Jugend hat nach dem Ligaspiel Aßlars 1. Jugend zum Gegner und dürfte gewinnen. Die 2. Jugend spielt gegen die 1. Jugend Steinbergs. Auswärts spielt die 3. Jugend, und zwar in Gar- benteich gegen die dortige 1. Jugend. 1. und 2. Schülerelf messen die Kräfte mit den Schülern des Lokalgegners V. f. B. Der Spielausgang ist offen. V. f. B. Der nächste Sonntag sieht neun D. f. D.-Mannschaften mit rund hundert Spielern auf dem Plan. Die L i g a ist wieder spielfrei. Zweite, dritte und vierte Mannschaft tragen gegen die zweite der Gießener Spielvereinigung, Steinbachs erste und Daubringens zweite auf deren Plätzen Derbandsspiele aus, Die Jugend greift mit sämtlichen Mannschaften zuin erstenmal in die Pflichtspiele ein. Wäh- rerrd die erste in Heuchelheim gegen die gleiche des Sportvereins antreten muß, hat die zweite im Treffen gegen die zweite von Nie - dergirmes den Vorteil des eigenen Platzes, wird aber trotzdem sich sehr anstrengen müssen, wenn sie günstig abschneiden will. Die dritte Jugendelf wird wohl um eine Niederlage kaum herumkommen: sie empfängt die erste Jugendmannschaft von Großen-Buseck. Ein interessantes Treffen verspricht die Begegnung der 1. Schüler gegen S p ie l v e r ei n i g u n g 1. Schüler zu werden, dessen Ausgang offen ist. Während dieses Spiel auf dem Waldsportplah stattfindet, stehen sich die 2. Schülermannschaften beider Vereine auf dem Platz an der Liebigs- höhe gegenüber. Sportverein 1920 Heuchelheim. Kommenden Sonntag fährt die erste Mannschaft des Sportvereins Heuchelheim 1920 nach Burg, um gegen den dortigen S. u. S. C. das fällige Derbandsspiel auszutragen. Burg spielte im vorigen Jahre schon in der Ligaklasse und hat sich dadurch eine größere Routine für diese Spiele ungeeignet: außerdem hat die Mannschaft noch den Vorteil des eigenen Platzes. Heuchelheim sind in Burg nicht ohne weiteres Siegesaussichten einzuräumen. Die größere Wahrscheinlichkeit spricht für eine knappe Niederlage. Die erste Jugend spielt auf dem Heuchelheimer Platz gegen die erste V. f. B.-Jugend. Trotz guten Könnens dürfte sie gegen die sehr spielstarken Gießener nicht gewinnen können. Kußball in Lollar. Sportabteilung des Turnvereins Lollar I — F. L. 26 Großen-Buseck I. Die Sportabteilung des Turnvereins Lollar, eine Fußballmannschaft mit gutem Können, hat am nächsten Sonntag In Lollar der 1. F.-C.-Mannschaft Großen-Buseck ein Verbandsspiel zu liefern. Es handelt sich bei dieser Paarung um zwei verschiedenartige Systeme. Lollar kraftvoll in der Spiel- weise, Gr.-Buseck leicht, aber doch kampfkräftig. Im vorigen Spieljahr, als Gr.-Buseck zum erstenmal in der Gauklasse A spielte, war es Lollar leicht, mit dieser jungen Mannschaft fertig zu werden, später allerdings stieß man bei Großen-Buseck auf eine Elf, die durch die schweren Spiele wettspielerfahrcn wurde und stets einen gleichwertigen Gegner abgab. $. Sp. B. 1926 Steinbach. Nach seinem 2:1-Sieg über die erste Mannschaft von Lich empfängt der F. Sp. D. 1926 am kommenden Sonntag die dritte Mannschaft des V. f. D. Gießen zum fälligen Verbandsspiel. Nach den am Vorsonntag gezeigten Leistungen dürfte ein Sieg der Platzmannschaft im Bereich der Möglichkeit liegen. Jedoch muh man berücksichtigen, daß Steinbach mit zwei Ersatzleuten antreten muh, was der Mannschaft zum Verhängnis werden könnte. Andererseits wird der D. f. D. bemüht sein, sein remis vor vierzehn Tagen in Steinbach nicht mehr zu wiederholen. Arbeiier-Turn- und Sportbund. Am kommenden Sonntag hat die Kreis- klassen-Elf Gießens den Vertreter des Nachbarbezirks in der Kreisklasse, Dorheim I, auf dem Trieb zu Gast. Dorheim, das in den vorjährigen Spielen um den Abstieg kämpfte, hat in den bis jetzt ausgetragenen Spielen bewiesen, daß es viel an Spielstärke gewonnen hat und mit in der Spitzengruppe der Tabelle marschiert. Gießen, das in den bisherigen Spielen keine hervorragenden Leistungen zeigte, wird sich am kommenden Sonntag merklich anstrengen müssen, wenn es nicht unterliegen und endlich vom Ende der Tabelle aufrücken will. In der Nachrunde der 1. Bezirksklasse stehen sich am Sonntag Wetzlar I — Naunheim l in Wetzlar gegenüber. Hier werden die Gäste Sieger bleiben. W i e s e ck s I. fährt nach Großen-Linden und wird sich im Spiele gegen die dortige erste Mannschaft Sieg und Punkte wohl nicht streitig machen lassen. Gießen Ib und Lollar l stehen sich in Lollar gegenüber. Falls es Lollar nicht wieder vorzieht, unvollständig anzutreten, dürften die Gäste wenig Aussicht auf Erfolg haben. In der zweiten Dezirksklasse stehen sich ht Leun Leun l — Wieseck H gegenüber. Voraussichtlich werden auch hier die Gäste Sieg und Punkte mit nach Hause nehmen. Klein-Linden I geht nach Rodheim und wird gegen die dortige 1. Mannschaft einen schweren Stand haben. Kinzenbach I und Beil st ein werden sich in Kinzenbach ein scharfes Treffen liefern, dessen Ausgang die Einheimischen wohl als knapper Sieger sehen wird. Rödgen und Watzenborn werden sich in Rödgen ein gleichwertiges Spiel liefern, das dem Glücklicheren Sieg und Punkte lassen wird. Odenhausen hat Hungen bei sich und wird wohl den Gästen Sieg und Punkte überlassen müs en. Auch Grünberg wird seinem Gaste, der er tcn Mannschaft Oppenrods, den Sieg Überla fen müssen. Daubringen I und Burkhardsfelden I werden sich in Daubringen ein spannendes Spiel liefern, dessen Ausgang von der Ruhe im Spiel ab- hängen wird. Staufenberg wird wohl seinen Gast Hachborn mit einer Niederlage heimschicken, wenn es nicht vorzieht, unvollständig anzutreten. Beuern hat Treis zu Gast. Der Ausgang dieses Spieles ist offen zu lassen. In der Jugendklasse treffen sich: Heuchelheim — Gießen; Wieseck 1. Jugend — Klein-Linden; Watzenborn — Naunheim; Treis — Großen-Linden; Wißmar — Wieseck 2. Jugend; jeweils auf dem Platze des erstgenannten Vereins. Die Freie Turnerschaft Großen-Linden veranstaltet anläßlich ihrer Sportplatzeinweihung am kommenden Sonntag bezirksoffene leicht- athletische Wettkämpfe. Am Nachmittag findet ein Schauturnen der Bezirksriege und Sondervorführungen einzelner Bezirksvereine statt. Anschließend folgt das bereits erwähnte Fußball- spiel Wieseck — Großen-Linden. Minerahaswj Natürliches Kaufhaus Schmücker ist das größte und bedeutendste Kaufhaus Oberhessens. Schmücker dient heute auch der verwöhnten Dame und dem gut angezogenen Herrn als vorbildliche Einkaufsstätte. Deshalb rate ich Ihnen, tragen Sie die gute Schm Ücker-Kleidung GegenHaarausfall Schuppen, Jucken der Kovfhaul, das altbewährte echte Brennesselbaarwaner v. Hosapolheker Schaefer, fein varlünüert. Flaschen rnttbringen. */, Liter 0.75 RM^ '/, Liier 1.25 RM. All.-Bertreig.: Kosm. Abt. Engel-Apotheke.(256V Bekanntmachung. Betr.: Die Wahlen der Stadtrats-, Kreis- und Provinzialtagsmitglieder am 17. November 1929. Die Stimmkartei . Wählerliste) für die Wahl der Stadtratsmitglieder der Stadt Gießen sowie der Kreistags- und Prooin- zialtagsmitalieder liegt von Montag, den 23. September, bis einschließlich Montag, den 30. September 1929, werktags von 1% Uhr bis 12% Uhr und von 14% Uhr bis 18 Uhr, Samstag, den 28. (September, nur von 1% bis 13 Uhr, außerdem am Sonntag, dem 29. September 1929, von 9 bis 13 Uhr im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 13, offen. Während der Offenlegung kann jeder Angehörige der Stadt Gießen mit Gemarkung Schiffenberg und Herrnwald, der zur Zeit der Wahl, also am 17. November 1929, 20 Jahre alt ist, die Stimmkartei (Wählerliste) einsehen und Einwendungen dagegen vorbringen. Stimmberechtigt ist, wer am Wahltage (17. November 1929) Reichsangehöriger, 20 Jahre all ist, sechs Monate ununterbrochen in der Gemeinde ober Gemarkung wohnt und nach dem Wahlgesetz nicht vom Stimmrecht ausgeschlossen ist. 7702C Gießen, en 20. September 1929. Der Oberbürgermeister der Stadt Gießen. I. V.: Dr. Selb. 7O86A Obstversteigerung. Dienstag, den 24. September 1929, vormittags von 9% Uhr ab, soll das Gemeindeobst, bestehend in Aepfeln, Birnen und Zwetschen, an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden. Zusammenkunft bei dem Wohnhaus der Johannes Aff II. Witwe. 7707D Harbach, den 19. September 1929. Hessische Bürgermeisterei Harbach. S ch o m b e r. Obstversteigerung. Montag, den 23. September, von vormittags 8 Uhr an, wird das Gemeindeobft, bestehend aus Aepfeln, Birnen und Zwetschen, versteigert. Anfang in. der Schulstraße. 7718D Allendorf a. d. L., 19. September 1929. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lahn. _____________Volk.______________ Obstversteigerung. Donnerstag, den 26., und Freitag, den 27. September 1929, jedesmal vormittags 9% Uhr anfangend, soll das Gemeindeobfi, etwa 1500 Zentner Aepfel, 70 Zentner Birne und mehrere Bäume Zwetschen, baumweise an Ort und Stelle versteigert werden. Zusammenkunft am ersten Tage auf der Prooinzialstraße Butzbach—Hochweisel an der Hochweiseler Grenze, am zweiten Tage auf der Butzbacher Straße am Ortsausgang. 7698D Nieder-Weisel, den 19. September 1929. Hessische Bürgermeisterei. Winter. 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