Mittwoch, 20. März 1929 119. Jahrgang Nr. 67 Erstes Blatt J s n 1 2502A ijahrs' inb der Ansicht, daß die Lage zur Zeit ge- p a n n t ist, glauben jedoch, daß die akuten onimun'v" 1 fefi iS6 )n nd htl Oie Lage in China Der Witte zur Einigkeit. t mindestens aber bis zum 2ahr 1930, verschoben werden mußte. Herremans kommt bei seinen obigen Feststellungen zu dem Schluß, daß die in Brüssel abgegebenen Erklärungen Frank- Heines nichts gegen die Echtheit der in Frage stehenden Dokumente besagen. Frank- Heine sei augenscheinlich durch die Utrechter Ver- öfsentlichung des einen Dokuments plötzlich unerwartet in Bedrängnis geraten, aus der er sich nur durch Abgabe unwahrer Erklärungen habe herausreden können, was für ihn um so leichter sein muhte, als er Beziehungen zu sehr hohen belgischen Persönlichkeiten besitze. Außerdem habe Frank-Heine auch gewußt, daß er von den holländischen Erwerbern der Dokumente nach deren Ablieferung keine weiteren finanziellen Vorteile mehr zu erwarten hatte, so daß es ihm kaum schwer gefallen sein könnte, die Dokumente oder mindestens das veröffentlichte Dokument nachträglich zu desavouieren. Die Freilassung Frank-Heines sei LieApotheosediesesSpielsderHeu- chelei und des Betrugs gewesen. Herre- mans schließt seine Schrift mit folgenden Worten: „Bon dieser ganzen elenden Komödie würde man niemals etwas erfahren haben, wenn man mich rechtzeitig hinter Schloß und Riegel hätte setzen und mir für immer das Schweigen hätte auferlegen können." Ein ärztliches Gutachten für Trotzki. Berlin, 20. März. (Prim-Tel) Der Berliner Rechtsvertreter Trotzkis, der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Rechtsanwalt Dr. Kurt R o - s e n f e l d, hat bei der Reichsregierung und zugleich bei dec preußischen Staatsregierung ein ärzt- liches Gutachten eingereicht. Darin erklärt Professor Dr. Julius Eit r o n , der im Jahre 1926 gemeinsam mit Professor Kraus den an einer fieberhaften Erkrankung leidenden Trotzki in Berlin behandelt hat, daß eine damals bei dem Patienten vorgenommene Operationohneden gewünschten Erfolg blieb. Professor Citron bezeichnet es als wünschenswert, daß der kranke Trotzki heute von denjenigen Aerzten, die seine Krankheit noch von damals her genau kennen, behandelt werden kann. goms, der sie von der norwegischen Grenze abgeholt hatte, eingetroffen. Nachmittags unternahm das Brautpaar im offenen Wagen eine Fahrt durch die Straßen der Stadt, bei der es von der Bevölkerung herzlichst begrüßt wurde. Heute abend findet im Schloß eine Soir6e statt. Hilfe vom Ausland zunichte machen würden. Daher dürfte das gemeinsame Interesse schließlich überwiegen und die Beilegung der latenten Differenzen herbeiführen. Dergleichen Manöver mit Rücktrittsgesuchen und Abreisen — wie auch die heutige plötzliche Erklärung des alten Kuomintangführers Tsaiyuanpei, wegen Erkältung von Schanghai nicht nach Nanking zurückkehren und am Kongreß teilnehmcn zu können — müssen als alte chinesische Berzöge- Lnna'qme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/., mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Will;. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle vezvgrpreir für 2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsje: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. London, 20. März. (ZDIB. Funkspruch.) Rach der „Financial Times" nannte Moreau die Summe, die Frankreich von der Mobilisierung der deutschen Schuld erwartet, zehn Milliarden Mark. Großbritannien soll vier Milliarden und Belgien drei Milliarden Mark erwarten. Die Gesamtsumme der vorgebrachlen Ansprüche würde eine deutsche Annuität von 1 2 40 Millionen Mark bis 1,5 Milliarden Mark erfordern. Ls bestehen Anzeichen, daß Deutschland es ablehnen wird, die Zahlung einer derartigen Summe zu erwägen. Moreau erklärte in seiner Rede mit Orocn $oung, weniger als ad)t Milliarden Mack würden für Frankreich unannehmbar sein. Der Pariser Korrespondent der „Times" hält die Meinungsverschiedenheit für so ernst, daß die ganze Arbeit des Ausschusses gefährdet werden könnte. Frankreich würde durch einen Fehlschlag der Verhandlungen und durch eine Rückkehr zum Dawesplan weniger zu verlieren haben, als irgendein anderes Land, wenn auch alle Alliierten es sich leisten können, sich mit einem olchen Ergebnis abzufinden. Die Mcinungsver- chicdenheil zwischen dem französischen und dem deutschen Standpunkt scheint augenblicklich die heikelste Seite der Verhandlungen zu sein. Andererseits würde ein Fehlschlag nach so langen Arbeiten sicher derartig ernste Rückwirkungen nicht nur in Deutschland ausüben, daß Grund zu der Hoffnung besteht, daß die Rationen in ihrem eigenen Interesse eine Regelung zustandebringen werden. Am Schwänze aufgezänmt? Wenn ein Kaufmann mit einem andern einen Vertrag schließen will, der ihm bestimmte, lange laufend Verpflichtungen auserlegt, so einigen sich beide zunächst über die Höhe des Ges am t- objekt s. Wenn man z. B. ein Automobil auf Ratenzahlungen kauft, so stellt man zunächst fest, wieviel es kosten soll, bevor man sich über den Zahlungsmodus einigt. Ob dann 12 Monatsraten zu je T Mark oder 20 zu je V Mark vereinbart werden, ist eine sekundäre Frage. Ob die Zahlung durch Wechsel zu geschehen hat, oder ob fte ie- weils an ein« Bank überwiesen wird, ist di« dritte und wenigst wesentliche Frage. Da in Paris bei dem 'Bemühen um eine Verständigung über die deutschen Reparationsleistungen genau umgekehrt verfahren toiro, so könnte man zu der Annahme gelangen, daß die dort versammelten großen Finanzmänner „den Gaul am Schwänze aufzäumen". Denn da ist zuerst in wochenlangen Verhandlungen die technische Seite des Problems aufgerollt worden; man hat versucht, sich über die Methoden zur älebertragung deutscher Zahlungen, über die Einteilung in Bar- und Sachleistungen usw. zu einigen; dann erst ist man der Frage der Jahresraten nähergetreten, worüber aoer noch keine Einigung zu erzielen war; und erst wenn diese erreicht sein wird, kommt die Kernfrage dran, nämlich die Höhe der Gesa m t s u m m e , die Deutschland leisten soll, vielleicht auch noch verbrämt als eine zeitliche Be- London, 20.Mär;. (MTV. Funkspruch.) Der Pariser Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet: Die offiziösen Besprechungen zwischen den Sachverständigen über die höhe der deutschen Reparationssumme haben bereits begonnen. Außer Dr. Schacht hat auch der Gouvernei,r der Bank von Frankreich, Moreau, eine Konferenz mit dem Vorsitzenden des Ausschusses, Owen D. P o u n g, gehabt, um die Forderungen Frankreichs zu erläutern. Der Reuyorker Korrespondent des „Daily Telegraph" berichtet: Menn die Pariser Meldungen über den vom Sachversländigenausschuß erwogenen Reparationsplan zulreffen, wird dieser Plan wenig nach dem Geschmack der amtlichen Stellen in Washington sein. Es heißt, daß die amerikanische Regierung in dem Plan einen Versuch erblickt, die Alliierten aus dem „Reparationsgemälde" zu entfernen, soweit nicht der Empfang der Entschädigung für die zerstörten Gebiete in Betracht kommt und dafür die Vereinigten Staaten als einzigen und wirklichen Ruhnießer der Reparationen ins £id)t zu rücfen. 3n Deutschland und der übrigen Welt würde dadurch der Eindruck entstehen, daß, abgesehen von den Unkosten für wirkliche Zerstörungen, die ganzen Reparationsgelder „Onkel Shylock" zugute kommen. Dies würde die Vereinigten Staaten 41 Amerika und dieSachverständigen Oie Vereinigten Staaten wünschen nicht als Meingläubiger für die Reparationen aufzutreten. antwortlich seien, die den Kriegsgegnern und ihren Staatsangehörigen durch den Krieg entstanden seien. Und man hat in den folgenden Artikeln die Festsetzung der Höhe der hieraus hergeleiteten Ersatzforderung auf unbestimmte Zeit und ebenso der Höhe nach unbestimmt gelassen. Tatsächlich ist also das Objekt der jetzt zur Erörterung stehenden Transaktion noch nie und nirgends festgesetzt, so daß man sich auf Umwegen und mit allerhand Vorfragen langsam an diese Kernfrage heranarbeitet. Aber auch auS anderen Gründen ist das Pariser Verfahren nicht, wie es scheinen möchte, sinnwidrig. Denn die Höhe der IahreSzahlun- gen, selbst wenn ihre Dauer festgestellt ist, bestimmt die Höhe der Gesamtverpflichtung bet Derartig lange laufenden Vereinbarungen nur unter der Voraussetzung, daß Zinsfuß und Geldwert einigermaßen unverändert bleiben. Das ist sicherlich nicht der Fall, und deshalb bilden die Annuitäten den entscheidenderen Teil der Vereinbarungen verglichen mit der Gesamthöhe. deren Festsetzung fretlich ebenfalls wünschenswert, ja notwendig ist. Und für diese Iahreszahlungen wiederum ist der Zahlungsmodus wegen der bekannten Schwierigkeiten zur Uebertragung von Riesensummen in barem Gelbe, eine notwendige Voraussetzung. Schwierigkeiten überbrückt werden, da die führenden Männer einschließlich Fengjusiangs wissen, daß ein erneuter Zerfall und Kampf sämtliche bisherigen außenpolitischen Erfolge, die Einigung unter der Nankingsregieruna sowie alle weiteren Hoffnungen auf politische Erfolge gegenüber dem Ausland oder politische und wirtschaftliche immer unpopulärer im Auslande machen, und es heißt, daß W Washingtoner Regierung zu einer solchen Regelung niemals ihre Zu- stimmung geben würde. Deutschlands Wirtschaftslage. Der Bericht des amerikanischen Handelsattaches. Washington, 19. März. (WTB.) Das Handelsamt veröffentlicht jetzt den am 15. März teilweise bekannt gewordenen Bericht des Berliner amerikanischen Handelsattaches Allport im vollen Wortlaut. Der Bericht, der vom 8. März datiert ist, erklärt, die Depression der Geschäftslage äußere sich u. a. in der Zunahme der Arbeitslosigkeit und der Bankrotte, in der Richteinhaltung finanziel- ler Verpflichtungen, in der Verringerung deS Güterwagenverkehrs und des Zurückgehens des Umsatzes im Handel mit Anlagepapieren. Die Arbeitslosigkeit bis zum 15. März werde auf 1 300 000 geschätzt. Etwa ein Drittel der jetzigen Arbeitslosigkeit fei durch das Frostwetter verursacht. Sie Reichsbanklage sei Ende Februar etwas weniger günstig gewesen als in den Vormonaten. Trotz der allgemeinen ungünstigen Geschäftstendenz hätten gewisse Industriezweige ein befriedigendes Betriebsniveau beibehalten, besonders die chemische, die elektrische, die Papier- und die Eisen- und Stahlindustrie. Giftgas. Ohne Frage leben wir heute in einer Zeit des technischen Fortschrittes, der kühnsten Erfindungen und der unglaublichsten Sensationen. All das । ft außerordentlich realistisch, ja im Grunde genommen so realistisch, daß für die Romantik der Erfindergenies in Anbetracht des Tempos nicht mehr viel übrig bleibt. Lind doch ist diese Zeit höchst merkwürdig. Auf der einen Seite wird Die Menschheit noch sehr von den furchtbaren Eindrücken des Weltkrieges beherrscht. Vernünftige Menschen nahmen das zum Anlaß, um eine Präventivaktion gegen etwaige Kriege zu unternehmen. Diesen- Menschen । schlossen sich anderseits internationale Phantasten ! an, die vom Humanitätsgefühl übermannt, bereits glaubten, die Treuga Sei, den Gottes- I | rieben a u f Erden installieren zu können, i Daneben gesellten sich dieser Richtung aber auch I Kreise, die aus einer gewissen Feigheit heraus, nennen wir es modern Minderwertigkeitsgefühl, aus Furcht vor dem Phantom des mächtigen Deutschland, glaubten, zur Realisierung des Weltfriedens schreiten zu müssen, auf einem Wege, der mit Kanonen, mit Flug- । zeugen und anderen grausamen Vernichtungsmitteln gespickt wurde. Sicherheit wurde der 'Wrüstung gegenübergestellt. Rüstung wurde mit Der Unsicherheit und dem Mißtrauen, das man | ntoar nicht begründen konnte, gerechtfertigt. Dazwischen unternahm man Aktionen, ohne beson- k dere Anstrengung, die nach außen hin den Friedens- cngel repräsentieren sollten, im Grunde genommen > aber eben n u r A t r a p p e, nur Staffage sind, ohne' im Ernstfälle wirksam werden zu können. Man gründete ursprünglich den Völkerbund in der Absicht, wenigstens heißt es so in der Satzung, damit , ein Gremium zu schaffen, das eine kriegerische Auseinandersetzung beinahe unmöglich machen oder eben Mir für den allerletzten Ausweg zulassen sollte. Dabei ist sicher manch ehrlicher Gedanke mitverwandt । morden, das leugnen zu wollen, hieße die Geschichte i Lügen strafen. Genau so wäre es verfehll, den Kellogg Pakt zu einer bloßen Farce hcrabzu- ; loüröigen. Die ursprüngliche Zdee war aufrichtig ge- j meint, die Wirkung des Vertrags ist auch gut ge° I wesen, trotzdem verbleibt naturgemäß nach wie vor bie Gefahr, daß in einem Ernstfall ein solcher Ser« , trag schließlich, wie es mit den vielen Verträgen der 1 Vorkriegszeit der Fall war, ad acta gelegt wird. Das Genfer Giftaas-Protokoll, das I beute im Auswärtigen Ausschuß des Reichstages | ?ur Beratung stand, soll auch ein Schritt zur Ab» | rüstung fein. Der Gistgaskricg ist sicherlich eine l her furchtbarsten Ausartungen der Kriegs- I :cit gewesen. Wenn es gelänge, dieses Mittel endgültig aus der Welt zu fchaffen, so Ware .wahrhaftig viel erreicht. 2m Auswärtigen Aus- 'chuß ist man trotzdem noch skeptisch gewesen. Man i hat jedenfalls festgestellt, daß die Frage des und Luftschutzes auch weiterhin be- I handelt werden muh. Also auch hier ein Fall, | >cr Skepsis mit gutem Willen kontrahiert und h dadurch eine rasche Entwicklung in der Richtung ' her Aechtung aller Kriege auch in Wirklichkeit ' hemmt. Run wäre es verfehlt, mit dem Ressen- | timent aufzuwarten, wie es vielfach gerade die Kreise zu tun pflegen, die sich überhaupt noch nicht recht daran gewöhnen können, daß wir nach dem Kriege einen Zeitabschnitt in der Geschichte Der Menschheit eröffnet haben, der eigentlich schon ! von Grund aus eine kriegerische Entwicklung un- ! möglich macht. Die Wunder der Technik, das I Tempo, die Grenzenlosigkeit der technischen Er- ! fjiidungen. all das wird sicher dazu beitragen, - Die räumliche Beschränktheit, die der Krieg zur Voraussetzung hat. zu zersetzen und damit den i Krieg an sich unmöglich zu machen. Romantik da > unb Romantik dort; dazwischen bewegt sich die : Entwicklung der Wirklichkeit. Die pariser Reparationskonferenz an einem Mischen Punkt Frankreich nennt seine Forderungen. - Um die Gesamtsumme der Reparationen. Oie Hochzeit des Kronprinzen von Norwegen. Die Braut in Oslo eingetroffen. Oslo, 19.März. (TU.) Am Donnerstag findet die kirchliche Trauung des Kronprinzen Olaf von Norwegen mit Prinzessin Martha von Schweden statt. Bereits jetzt aber ist Oslo in Feststimmung, zumal, da es 700 Jahre her ist, seit der letzte norwegische Kronprinz geheiratet hat. Die Feststimmung ist noch dadurch erhöht, daß nach langem Winter der Frühling Einkehr gehalten hat. Die 2lusschmückung der Stadt war bereits am Montagabend beendet. Die großen öffentlichen und privaten Gebäude haben sich auf eine bestimmte Ausschmückung geeinigt. Lange breite Bänder mit norwegischen und schwedischen Farben zieren die Fassaden. Hier und da sieht man die Bilder des Kronprinzen und seiner Braut, umaeben von Grün, norwegischen und schwedischen Farben und mit der Krone geschmückt. Die Straßen sind mit langen Masten eingefaßt, von denen Fahnen wehen. Große Menschenmengen füllen die Straßen, um die Frühjahrssonne zu genießen. Die Menge wächst stündlich an, bringen doch die Züge unaufhörlich neue Scharen aus der Provinz nach der Hauptstadt. Auch die Eisobelisken, die einen Teil der Einzugsstraßen umsäumen, sind bereits aufgestellt. Hoffentlich wirken die Strahlen der Frühlingssonne nicht zu stark, damit von den Eismassen bis zum Donnerstag noch etwas übrigbleibt. Prinzessin Martha von Schweden ist heute vormittag in Begleitung ihres Bräuti- grenzung der Iahresleistungen, aus der man sich dann selbst den Gegenwartswert, also die Effektivhöhe der deutschen Schuld wird errechnen müssen. , Dieses Verfahren leuchtet nicht ohne werteres ein, eben weil es dem sonst in kaufmännischen Singen üblichen so auffallend zuwiderläuft. Es ist auch wohl in der Hauptsache durch die politisch-diplomatischen Schwierigkeiten der Aufgabe bedingt und entspricht kaum den innersten Rer- gungen und Gepflogenheiten der Männer, die es nun anzuwenden haben. Aber trotzdem kann man nicht ohne weiteres behaupten, daß es sinnwidrig wäre. Senn bei allen kaufmännischen Verträgen und Vereinbarungen ist das Objekt, über das man sich einigen will, im voraus genau bestimmt, also ein Automobil, ein Haus, eine bestimmte Ware xl dgl. Und der Wert dieses Objektes steht von vornherein, mindestens für den Verkäufer, bereits fest. Bezüglich der deutschen Leistungen aber hat man etwas in der Geschichte noch nie Dagewesenes getan. Man hat im Artikel 231 des Versailler Vertrages, freilich entgegen den Zusagen der Lansingnote vom Rovernber 1918, die nur Wiedergutmachung der in den Kriegsgebieten entstandenen Sachschäden forderte, festgestellt, daß Deutschland und feine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden ver- Schanahai, 19.März. (Prio.-Tel.) Die durch den plötzlichen Rücktritt des Kriegsministers Feng- j u s i a n g und den heute erfolgten, ebenfalls mit Gesundheitsrücksichten begründeten Rücktritt des in Peiping weilenden Generals Peichunghsi geschaffene Lage ist zwar nicht unbedenklich und in ihrer weiteren Entwicklung noch nicht zu übersehen, jedoch im Augenblick und für die Dauer des Kuo- rnintang-Kongresies kaum bedrohlich. Die Meldung, Fengjusiang verweigere die Ausführung der Nankinger Beschlüsse und Anordnungen, ent- pricht nicht den Tatsachen. Deutsche Beobachter Oie Utrechter Dokumente. Ward Herremans über denFallFrank-Heinc Amsterdam. 19. März. (WB.) .Rieuwe Votterdamsche Courant veröffentlrcht im Anschluß an die gestern wiedergegebene Unterredung 1 mit dem nach Holland geflohenen flämischen Iournalisten Ward Herremans einen ausführlichen Auszug aus der Verteidigungsschrift, die dieser zur Widerlegung der gegen ihn erhobenen belgischen Anklage geschrieben ha. Sie e sehr eingehende Veröffentlichung enthalt zahl- reiche weitere interessante Einzelheiten über den Hergang der Angelegenheit. Unter anderem.wird darin mitgeteilt, daß Frank-Heine, mit dem Herremans nach einer zufälligen Bekanntschaft j-im Zweck der Beschaffung der in örage stehenden Dokumente in enge Verbindung getreten war eine Anzahl militärischer Papiere aus demHaufe des verstorbenen belgischen Generals Mahieu heimlich entwendet habe, als zwei höhere belgische Offiziere gerade mit der Durchsicht dieser Papiere be- f s ch ä f t i g t waren, ferner, daß der mit öranr* Heine eng befreundete General Mahieu gerade ,n einem Zeitpunkt gestorben fei, als er Heine »u publizistischen Zwecken ein wichtiges Schriftstück nur für mehrere Tage zur Verfü^ns gestellt hatte, das Frank dann nach dem ^ode des Generals behalten habe. Aus dem einen So- hmient ergebe sich deutlich, daß die englische Beteiligung an den Plänen des belgischen und des sranzösischen Generalstabs von letzteren noch als unsicher angesehen wurde da nach Mitteilung eines englischen Unterhändlers die Ratisizierung der von den beiden genannten Generalstäben aufgestellten militärischen Wma- chungen durch die britische Regierung vorläufig. GietzenerAiizeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid und Verlag: vriihl'sche Universitäls-Vuch- unö Zteindruckerei R. Lange in Lietzen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. rongstattit ertßrt werden unb kaffen kein« weitgehenden und definitiven Schlüffe noch europäischer Art zu. Dagegen verlautet zuverlässig, daß Fengjusiang tatsächlich krank sei. Sein Rücktrittsgesuch ist in diesem Moment — abgesehen von seiner Krankheit — auch zu erklären aus seiner nicht unbedingt klaren Persönlichkeit und gewissen politischen Divergenzen wegen Nichchinzuziehung der Vertreter des linken Kuomintang-Flügels zu dem Parteikongreß. Jedoch betonte FenAusiang stets die Notwendigkeit der A u s r « ch te r ha l - tungder politischen Einigkeit. Der Rücktritt Peichunghsis erklärt sich aus seinem Gefühl der Unsicherheit seiner Stellung, do seine Truppen angeblich unzuverlässig sind, weshalb er schon lange eine lavierende Haltung einnahm. Sein Rücktrittsgesuch ist daher politisch wenig bedeutsam. Hilferdings Eiaibesprechungen. Berlin. 19. März. (Priv-Tel.) Der Reichsfinanzminister setzt im Reichstag seine Besprechungen mit den Finanzsachverständigen der Parteien fort. Wie es scheint, verfolgt er dabei die Absicht, zunächst mit dem Zentrum eine gemeinsame Grundlage zu finden und dann mit den Demokraten und schliesslich der Deutschen Volkspartei in Unterhandlungen zu treten. 3n Berliner parlamentarischen Kreisen hatte man eine derartige Taktik schon deshalb für wahrscheinlich gehalten, weil ja in der Tat in Steuerfragen zwischen der Sozialdemokratie und dem Zentrum die meisten Berührungspunkte bestehen. Am Mittag sprach der Reichsfinanzminister mit den demokratischen Abgeordneten Dr. Haas und Bernhardt und empfing dann den Vertreter der Deutschen Volkspartei, Dr. Cremer, mit dem er eine eingehende Besprechung über die bei einzelnen Staatsposten evtl, noch vorzunchmenden Streichungen hatte. Die Lohnbeweauna bei der Reichsbahn. Berlin, 19. März. fWolffbureau.) Generaldirektor Dr. Dorpmüller empfing die am Tarifvertrag beteiligten Reichsbahngewerkschaften, die den Wunsch ausgesprochen hatten, dem Generaldirektor ihre Lohnforderungen persönlich oorzutrogen. Die Forderung der Gewerkschaften geht auf Erhöhung des Stundenlohnes allgemein um sechs Pfennige (das macht eine Mehrbelastung für die Reichsbahn von 81 Millionen im Jahre). Don Generaldirektor Dr. Dorpmüller wurde darauf hingewiesen, daß es der Reichsbahn bei der bekannten gespannten Finanzlage unmöglich sei. irgendeine weitere Mehrbelastung auf sich zu nehmen. Alle irgendwie verfügbaren laufenden Mittel müssten für S a cho u sgoben zur Erhaltung der Betriebssicherheit in Anspruch genommen werden. Kleine politische Nachrichten. Der Reichstag nahm in zweiter und dritter Lesung den Dachtragsetat an. Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun ist nach Ascona bei Locarno abgereist. Gr plant, sich mehrere Wochen zur Erholung in der Schweiz aufzuhalten. Der frühere Reichswehrminister Dr. Gehler war vor einiger Zeit an einer Erkältung erkrankt. die zu Gelenkrheumatismus geführt hat. Da fein Zustand immer ernster wurde, musste Dr. Gehler in das St. Rorbert-Kranken- haus in Schöneberg gebracht werden. Wenn auch sein Befinden sich bereits gebessert, wird er wahrscheinlich noch mindestens drei Wochen im Krankenhaus bleiben müssen. • Der General der Infanterie v. T s ch i s ch w i tz, Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I. Berlin. scheidet mit dem 31. März 1929 mit der Berechtigung zum Tragen der Uniform des 8. (preussischen) 3nf.-Rgts. mit dem Abzeichen eines Generals der Infanterie aus dem Heeresdienste aus. Als Rachfolger ist vom Reichspräsidenten der Kommandeur der III. Division und Befehlshaber im Wehrkreis III, Berlin. Generalleutnant Hasse mit dem 1. April 1929 zum Oberbefehlshaber der Gruppe I ernannt worden. • Landesökonomierat Völlig, langjähriges Vorstandsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des Rheinischen Bauernvereins, eine der grössten rheinischen landwirtschaftlichen Organisationen, legte seine Aemter nieder wegen schwerster Bedenken gegen eine Verschmelzung der Organisationen der Bauernvereine und der Landbünde des Reichslandbundes. Gießener Gtadttheater. Emmerich Äälmän: „Die Herzogin von Chicago." „Das waren noch Zetten", singt Emmerich Käl- man und denkt dabei — und wir vielleicht mit ihm — ein bisschen wehmütig an seine ..TschardaS» fürstin" von vor nun bald wohl zwanzig Jahren, als man sich noch eine Melodie leisten konnte, ohne über die Achsel angeguckt zu werden, als auch noch ein Walzer bingenommen wurde und One- und Twostep der letzte Schrei waren. Aber auch Kalman hat gelernt mit den Wölfen zu heulen. Sein neuestes OpuS. zu dem ihm die Herren Brammer und Grünwald das Libretto lieferten, ist hochaktuell in jeder Beziehung. DaS Problem Europa-Amerika, über das auch grössere Geister schon seit einigen Jahren hoffnungslos nachdenken, wird in der formgerechten Abwandlung Eharleston — Wiener Walzer zur Debatte gestellt und •— wie wir zur Beruhigung schon vorweg mitteilen wollen — selbstverständlich gelost. EechS fesche MilliardärStöchtcr vom „Poung Lady Club" in Reuyork ziehen aus. Europa au erobern. Welcher von chnen es gelingen wird. oaS am schwerst käufliche Ding auf dem alten Kontinent gegen gute Dollars zu erwerben, der winkt drüben ein WillionenprerS. 3m schönen Land Sylvarien. nicht weit von Budapest, erobert nun zwar das Scheckbuch der reizenden Miss Mary Lloyd auS Cbikago im Sturm die Herzen der Minister, die ihr für sechs Millionen ein Schloss zu Füssen legen, aber der dazu gehörige Prinz zeigt sich spröder. Er schwört auf Tschardas und Wiener Walzer — wie Emmerich Stälmän —, und von diesen altmodischen Dingen will Miss Mary Lloyd nichts wissen. Aber die Liebe baut goldene Drücken. Rach einem staatsrechtlichen Exkurs über die demokratischen Herrlichkeiten des freien Amerikas und die AegierungSfvrgen eines BalkanpoLentaten Ein schlesischer Majoraisherr auf seinem Schlöffe ermordet. Graf Eberhard von Stolberg-Wernigerode auf Zannowitz mit dem eigene« Jagdgewehr erschaffen. - Oer Sohn unter Mordverdacht verhaftet. Görlitz. 19.März. (IBIS.) Gestern abend nm 10.45 Uhr wurde der 56 Jahre alle Eberhard Graf zu Slolberg-Ivernlgerode, Majo- ralsherr der Herrschaft Jaunowitz, in seinem Arbeitszimmer auf dem Sofa sitzend und lesend von hinten erschossen. Der Sohn de» Ermordeten. der 28jährige Graf Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode, ist unter dem verdacht, seinen Vater ermordet zu haben, verhaftet und Ins Hirschberger Untersuchungsge- sängnis eingeliefert worden. * Nach einem Bericht der Landeskriminalpolizei Liegnitz steht in dem Zimmer, in dem der Ermordete aufgefunden wurde, ein Gewehrschrank. Diesem Schrank ist ein Jagdgewehr entnommen worden, aus dem der tödliche Schuss abgegeben wurde. Der Einschuss ist am Hinterkopf erfolgt, während der Ausschuß über dem rechten Auge liegt. Auch das G e f ch o ß ist gefunden worden, mit dem Graf Eberhard erschossen wurde. Es handelt sich um ein sog. Dumdum-Geschoß mit abgeblatteter Bleispitze. Der Schuss ist offenbar au» ganzkurzerEntfernung abgegeben worden. Daraus erklärt sich auch, daß der Schädel des Ermordeten fast völlig zerschmettert wurde. Der Sohn des Ermordeten und jetzige Majoratsbesiher Graf Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode, gab an, et habe nach dem Weggang der Damen mit seinem Vater noch geplaudert, und beide hätten gelesen. AIS er, der Sohn, einmal auStreten musste, fei er auf dem Hausflur von zwei Leuten, die er aber nicht gesehen habe, überfallen, gewürgt und bewusstlos gemacht worden. AIS er wieder zu sich kam, sei er in seiner Angst zu dem etwa 100 Meter entfernten Wirtschaftsgebäude gelaufen und habe dort bei einer Kutscherfamilie Schutz gesucht. Von dem Schuss habe er nichts gehört. Der Arzt. Dr. Panitz, konnte an dem jungen Grafen weder Würgemale noch irgendwelche Spuren eine« betäubenden Mittels feststellen. Der Schuss ist von der im oberen Stockwerk schlafenden erwachsenen Tochter des Ermordeten gehört worden, die dann um Hilfe rief und das Schlvhperfonal alarmierte. Die gräfliche Familie wohnte nicht im eigentlichen Schloss, sondern in dem etwa 20 Meter dahinter im spart stehenden Gebäude, in dem sich früher daS Rentmeisteramt befand. 3m Schloy find DureauS unteraebracht, ferner wohnt dort der Verwaltungsdirektor der gräflichen Familie. Der ermordete Graf Eberhard bewohnte in dem Rentmeisterhaus die unteren Räume, während die Gräfin mit drei Töchtern sowie zwei weiblichen Dienstboten die Räume deS oberen Stockwerkes innehatten. Der älteste, noch unverheiratete Sohn und jetzige MajoratSbesitzer hielt sich meist in 3annviwh bei feinen Eltern auf. schlief jedoch im eigentlichen Schloß. 9er Landtag verweigert die ZuschnßerhShung für das Gießener Stadttheater. Das Bildungswesen im Etat. — MinisterKorerlüberdenWohnungSbauinSeffe«. Darmstadt. 19. März. Präsident Delp eröffnet die Sitzung um 10.15 Uhr zur Ginzel- beratung der Etatkapitel des Kultus- und Bildungswesens. Bei Kapitel 57 (Volksschule) fordert Abg. Frau Heraus (Dnl.) eine Referentin im Ministerium und die Besetzung frei- werdender Stellen an Mädchenschulen mit Lehrerinnen, bis der Lehrkörper mindestens zu 50 Prozent aus Lehrerinnen besteht. Abg. Storck (S.) verlangt weiteren Ausbau der Volksschule und besonders der Pflichtfortbildungsschule. Er wendet sich gegen den üebertritt im dritten Schuljahr in die höheren Schulen und verlangt Reorganisation der höheren Schulen im Sinne der deutschen Oberschule. Das Berechtigungswesen der höheren Schulen sei zu einem D e r e ch t i g u n g S u n- wesen geworden und häufig der letzte Anlass zu Schülertragödien. Abg Winter (Z.) wendet sich gegen die Vergiftung der Schuljugend durch Politik in der Schule. Die körperliche Betätigung der Schuljugend geht heute zu weit: hygienische Massnahmen sollten mehr ausserhalb der Schulzeit stattfinden. Durch die Abkommandierung zum Zahnarzt, zum Messen und Wiegen, zum Lust- und Sonnenbad, zum Schwimmen usw. werde der lllnterrichtsbetrieb stark beeinträchtigt. Er warnt vor einer Lieberschatzung des Werkunterrichts und fordert in grösserem Masse Bildungsbeihilsen für begabte Schüler. Abg. Dr. LeuchtgenS (Bbd.) meint, infolge einer Unterschätzung der Volksschule sei der Drang zur höheren Schule übermässig gross. Die höhere Schule als Vorbereitung für das Hochschulstudium müsse ihre Forderungen hinaufschrauben und alle Unbegabten in die Volksschulen zurückverweisen. Es sei ein Unfug, dass selbst der Staat für die untere und mittlere Deamtenlaufbahn das Reifezeugnis verlange. Ministerialdirektor U r st a d t spricht sich für eine stufenweise Anstellung der noch nicht eingestellten Lehrerinnen an Volks- und höheren Schulen auS. Die Ersetzung der höheren Schule durch die Aufbauschule sei zwar ein 3deal, könne aber heute noch nicht durchgeführt werden. Das Kapitel wird angenommen, ebenso ein Antrag des Bauernbundes, Lehrerstellen, die wegen geringer Klassenstärke eingehen können, in die Landgemeinden mit grösserer Klassenstärke zu verlegen und ein- uno zweiklassige Schulen bei der Aufhebung von Lehrerstellen auSzunehmen. Auf sozialistischen Antrag wird die Regierung ersucht, an den reinen Mädchenschulen mehr als seither Lehrerinnen zu verwenden. Der weiter- gehende Antrag Heräus wird abgelehnt. Die Kapitel 62 (Höhere Mädchenschulen). 66 (För- derung der Kunst), 67 (LandeSuniverfi- tät), 68 (Technische Hochschule). 69 (LanbeSbi- bliothek) und 73 (Hochbauwesen) werden ohne wesentliche Debatte einschliesslich der RachtragSforde- rungen angenommen. Rur beim Kapitel 66 wurde die Erhöhung des Staatszufchuffes für das Theater In Glessen nicht bewilligt. ES folgt der Etat deS Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft. Minister Kore 11 gibt eine Uebersicht über die in Hessen besonders grosse Arbeitslosigkeit, die weit über dem Reichsdurchschnitt liege. Rach der letzten Zählung vom 28. Februar betrage sie 28,2 auf Tausend, bei der Krisenunterstühung 3 auf Tausend der Bevölkerung. Um der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken, habe die Regierung besondere Massnahmen zur Förderung deS Wohnungsbaues als einer Schlüsselindustrie getroffen. Ueber den Stand deS Wohnungswesens in Hessen gab der Minister folgende Ziffern: Der Zugang an neuen Wohnungen habe Betragen im 3ahre 1924 2725 Wohnungen, 1925 6300 Wohnungen, 1926 5602 Wohnungen, 1927 7894 Wohnungen und im 3ahre 1928 10825 Wohnungen. Für daS 3ahr 1928 konnten auS dem 2llrf- kommen der Sondergebäudesteuer wieder 11,6 Millionen Mark zur Förderung der Bautätigkeit durch verbilligte Baudarlehen bereitgestellt werden. Hiervon entfallen auf die Städte mit Städteordnung nach Abzim früherer Aufwendungen rund 7 Millionen Mark. Die Zahl der mit verbilligten Darlehen beliehenen Wohnungen betrage vorbehaltlich endgültiger Feststellungen rund 4300 Wohnungen, wozu die von den Stadtverwaltungen geförderten Wohnungen noch hinzukämen. Bei der Verteilung der Darlehen hätten die zum AusstrahlungS- gebiet der grösseren Städte gehörigen stark belasteten 3nouftriegemelnben besondere Zuwendungen erhalten. Obwohl im Laufe des 3ahreS findet man mit Hilfe deS sehr vernünftigen Papa Lloyd aus Chikagv auch in der edlen Tanzkunst eine gemeinsame Plattform, das Orchester setzt schon zum DerlobungStusch an — — —. da ein kleines Hindernis, Seine Hoheit, der Erbprinz ist so unmodern, sich von schönen Dollar- prinzessinnen nicht wie ein Spielzeug laufen zu lassen. Alles droht im letzten Augenblick in die Brüche zu gehen. Aber ein gerissener Film- manager, der schon seine Felle fvrtschwimmen sieht — natürlich auch von drüben —. renkt die Situation mühelos wieder ein. »Da- Publikum verlangt ein happy end “ Diesem kategorischen 3mperativ beugt sich auch der romantische Erbprinz. Also eine Dollaranleihe zur Aufbesserung der notleidenden Finanzen S ilvarienS ..einerseits" und Herzogskrone samt Brautkranz „andererseits". und da- Publikum ist zufrieden, drüben und bei uns. Die Giessener Aufführung war von Adolf WieSner sehr hübsch in Szene gesetzt. Der sentimental-schmachtende Erbprinz lag 3enö Rado r ausgezeichnet. Die sehr fesche und gut angezogene Steffi DomeS-Orth war ihm eine quicke Partnerin. Einen grossen Erfolg konnte Karl Reul als nie um einen Witz verlegener Finanzminister für sich buchen. H. H. KlüferS König Pankraz war dagegen für unfern Geschmack reichlich getoagt. ebenso auch gelegentlich Rorbert FelS als Privatsekretär der Dollarprinzefsin. AuS dem grossen Ensemble seien ferner noch genannt Käche 31 te r als lispelnde Prinzessin Rosemarie, Edi Schreiner als recht ulkiger Staats- und HauSminister. Fritz Dteste! als MilliardärSpapa. und Fritz Heyne als betriebsamer Dardirckvr. Gehr nett arrangiert waren eine Reihe von Tanzeinlagen, für die H. H. Klüfer verantwortlich zeichnete. Besonders Der Parademarsch der kleinen Prinzen von Worenien fand lebhaften Applaus. Die musikalische Leitung lag in den Händen von RenS C. F r i e ss. der die schmissigen, einprägsamen Weisen Kälm4ns mit sicherer Taktführung und in flottem Tempo berauS- brachte. DaS vollbesetzte HauS zeigte sich für den heiteren Abend lebhaft dankbar. —e. Kunst und Wissenschaft. profeffot hau» $. helmolt s. 3n Berlin, wo er seit einigen 3ahren als politischer Redakteur tätig war, starb am 18. März nach kurzem schwerem Leiden der bekannte Geschichtsforscher Professor Dr. HanS F. Helmolt im 64. Lebensjahre. Hellmolt war geborener Dresdener. Rach Studien in Leipzig und Bonn war er 1893—9’ Mitarbeiter Karl Lamprechts. wurde dann DeclagSredakteur am Bibliographischen 3nstitut in Leipzig, in dessen Auftrag er die bekannte Helmolt sche Weltgeschichte in neun Bänden herauSgab. die feit- dem auch verschiedene Ueberfefcungen erlebt hat. 1908 wandte Helmolt sich der Tagespolitik zu. zuerst in Dresden, dann von 1912 bis 1917 als Chefredakteur der Weferzeitung in Bremen. 1917 bis 1919 als Pressechef im ReichSamt deS 3n- nem; 1922 war der Verstorbene Chefredakteur der Frankfurter Rachrichten. Die 2ifte feiner selbständigen Arbeiten sowohl, wie die der von ihm edierten Werke ist aussero-rdenUich umfangreich. Don populären historischen Schriften finb besonders bekannt geworden daS Ehrenbuch deS deutschen Volkes (1923), die schöne Monographie Friedrichs des Grossen (1925) und sein Hinden- burg-Duch (1926). Die letzten 3 ah re waren einer Reuherausgabe der bekannten Schlosserschen Weltgeschichte gewidmet, die. wenn wir recht unterrichtet sind, der Verstorbene vor seiner letzten Krankheit noch zum Abschluss hatte bringen können. Besonders geschätzt war die Arbeit des so vorzeitig aus seinem Schaffenskreise heraus- gerissenen Gelehrten als Rezensent namentlich historischer Literatur. Auch im Kampfe der deutschen Geschichtsforschung gegen die Kriegsschuld« lüge hat er feinen Wann gestanden» wer! '*1 Gegen 0id :grössert. GS müsse aber alles daran gesetzt eben, eine Angleichung der alten und neuen Mieten allmählich zu erreichen. Solange derartige Schwankungen beständen, fei der Zweck der von der öffentlichen Hand durchgeführten Förderung deS Wohnungsbaus verfehlt. Ä1 «3 Sw,n jhuhstagen. Straße-sch 5" 'S- ys«* tÄ to mit der - -Miss, vurd asbung pv" pr Lädclssül Bit 6 Duabta Der Präsid Sil, dem di "rlkeruna seh eitet besende Mtgen ÄI NsentUch oageschla Aufmerksam! eitern Äies whl die grö Aus aller Wett. Hebel auf der Uuterdbe. Der Hamburger Hafen ist erneut in bUMen Rebel gehüllt. Seit Dienstagabend find die Seedampfer auSgeblieben. während die Passagier- und Frachtdampfer der UntereIbe mit grossen Verspätungen eintreffen. Cuxhaven meldet ebenfalls dichten Rebel. Der Dampfer der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiff- fahrtSgesellschaft -Antonio Delfino“ liegt mit Passagieren bei Feuerschiff Elbe I seit der DienStag Rocht vor Anker. Reben anderen Seeschiffen wird auch der Llohddampser .M a i n“ mit einem Transport für HagenbeckS Völkerschan in der Elbemündung durch Rebel festgehalten. Ebenso haben die von Hamburg seewärts gegangenen Dampfer ihre Fahrt unterbrechen müssen. Drei Berliner Sinder verschwunden. Die Berliner Kriminalpolizei beschäftigt sich gegenwärtig mit der Aufklärung deS rätselhaften Verschwindens dreier Schülerinnen deS Hophie- Charlotte-LyzeumS in der Scharrenstrasse zu Charlottenburg. ES handell sich um die 12jährige Tochter Gudulla des Rektors Schul* aus der Kaiserin-Augusta-Allee unb deren beide Freundinnen, Lotte Schwarz und Margarete Lehmann, die ebenfalls bei ihren Eltern in Ehar- lvttenbura wohnen. Am Montagmorgen haben sich alle Drei, wie gewöhnlich, auf dem Wege zur Schule getroffen. Seit diesem Augenblick sind die drei Mädchen verschwunden und konnten bisher trotz aller Bemühungen der Kriminalpolizei noch nicht aufgefunden werden. Zwei der Mädchen haben ihren Eltern vorher Keine Geldbeträge entwendet und sie mitgenommen, in der Absicht, mit der Bahn nach Jamburg au fahren. Mitschülerinnen gegenüber sollen die Mädchen geäußert haben, dass Jie nach Hamburg fahren und von dort au5 auf einem Dampfer nach Amerika au - - wandern wollen". Tagung bet Bühnenkünstler. Die Genossenschaft Deutscher Dühnenauaehöri- ?er hält ihre 51. ordentliche Dertreterversamm- ung in Berlin ab. Die Tagung wurde unter dem Vorsitz des 1. Präsidenten Karl Wal- lauer in Anwesenheit von Vertretern deS preussischen Kultusministeriums und anderer Behörden eröffnet Der Präsident betonte, dass die diesjährige Vertreterversammlung im Zeichen einer überaus schweren Krisis des Theaters und der Existenzgefährdung der Genossenschaftsmitglieder stehe. Die staattichen unb städtischen Zuschüsse würden auS Sparsamkeitsgründen Wohnungen auf 6141 unb für daS 3ahr 1929 allein auf 4645 Wohnungen. Hiervon könnten mit den verfügbaren Anleihemitteln rund 2500 Wohnungen gefördert werden. .. Der ReichSbauindex fei im abgelaufenen 3af>re ungefähr gleich geblieben. Er habe zwischen 171,3 unb 173,4 unb der Baustoffinder zwischen 157.5 unb 160,9 geschwankt Dem Vernehmen nach sollen zur Zeit Derhanblungen über L o h n - steigerungenimDaugewerbeim Gange sein. RähereS hierüber könne noch nicht ermittelt werden. ES müsse aber ausgesprochen werden, dass die durch erneute Lohnsteigerungen eintreten- ben Schwankungen für die Finanzierung von Wohnungsneubauten — ohne über die Berechtigung der Lohnforderungen etwas zu sagen — unerträglich seien, weil damit die Baukosten und somit letzten SndeS die Mieten der neuen Wohnungen wieder gesteigert werden mühten. Hierdurch werbe die Spannung zwischen dem Stand der Altmieten und dem der rsntierlichen Mieten der Reubauten immer mehr vergröbert ES müsse aber alles daran aefettt 1928 eine Erhöhung der ursprünglich beschafften Anleihernlliel um 1,4 Millionen eingetreten sei. hätten rund 500 im Dau begriffene Häuser mit rund 1300 Wohnungen unberücksichtigt bleiben müssen. Von diesen werde voraussichtlich ein Xeil auch im neuen Baujahr unberücksichtigt bleiben. Für daS Baujahr 1929 solle daS-Derfahren von 1928 wiederholt werden, jedoch mit dem Unter» schied, dass die Anleihemittel nur bis zum Höchst« betrage von 8 Millionen Mark beschafft werben könnten. 3m Rovember 1928 sei der dringenbfte Debarf an Wohnungen nach dem Stand vom 15. Rovember 1928 durch Erhebungen in 468 Landgemeinden, die als Wohnungsnotgemeinden gelten, besonders festgestellt worden. Hiernach stelle sich der Bedarf tm ganzen unter Aufrechnung der bi« 1.3uli 1929 beziehbar werdenden Hindenburg fpenbet für ein Raabe-DeÄmal- Reichspräsident von Hindenburg hat dem Denkmals ausschuss bet .Gefells chas t bet FreundeWilhelmRaabeS, deren Ehrenschirmherr er ist. eine Spende von 2000 Mark überwiesen unb dieS dem DenkmalSauSschuh in einem eigenhändig unterzeichneten Schreiben mit- geteilt Außer der Stadt Berlin, die gleichfalls 2000 Mark spendete, haben auch die Städte Stuttgart unb Magdeburg je 500 und bad wür ttembergische Kultusministerium 250 Mark für das Raabe-Denkmal gegeben. Der DenkmalSauSschuh. der seinen Sitz in München hat, hat sich außerbem auch noch an verschiedene andere deutsche Städte wegen Beteiligung an der Spende gewandt. Eröffnung der Davoser hochschulturse. Die im Frühiahr 1928 inS Geben gerufenen Davoser Hochschulkurse werden tn diesem 3ahre zum zweiten Male abgehalten und zwar mit offizieller Beteiligung unb älnterstützung Deutschland-, Frankreichs. Hollands. 3talienS unb der Schweiz. Als Dozenten wirken neben schweizerischen Hochschullehrern namentlich solche auS Deutschland unb Frankreich mit Bei der Eröffnung der diesjährigen Hochschulkurse hielt DundeSrat Motta eine Ansprache, in der er als Hauptzweck dieser Einrichtung bezeichnete die Annäherung zwischen ben Dielen herzustellen, die gekommen seien, um sich körperlich zu festigen unb bei Gelegenheit ihres Aufenthaltes in Davos die höchsten Eigenschaften des Geistes zum toieberbelebenben Meinungsaustausch einzusetzen. Der Rebner gab seiner Freude über bie Fortschritte Ausdruck, welche der Friedensgedanke gemacht hat. Er schloss mit den Worten: .Die Davoser Hochschulkurse werden, wie ich wohl weiss, dazu bienen. daS Werk bet Versöhnung zu fördern unb insbesondere die Söhne Deutschlands und Frankreichs, oder allgemeiner gesprochen, die germanische unb die lateinische Welt einander näherzubringen Versuchern" ta Ausllän £ntcrrid)t3mi |rfl möglichst tmer von all fallen Trial ifaet Citcrati nan holst. t xitung lesen sich auch mit traut zu mad Zchmmch In der Ede chrn suhr di< vltweEls einem Strafe, fiürjte um m Insassen unti qutlid)ungen, Einer der mil Cine lvah Eine furch si'ankenhaus iüoche war d Achtung । XrankntjaiH nch'g, so baß cnbmn L leh er sch eu brauch wicbe Beta Tie städt.T ^2chchech '929 vermiet« ^abe der a Ttadthaw '"'Micheil. . Tie vorjähri alten Piz '^umrz.A »°g stellen. ließen,t Ter Beko finl senden IQ, Monlo| Treffpunkts Z kommen Dienste r vi. ^'Itood W -äs dienst fc"u6^ ^NfcfK bhi Oie Wetterlage. 55 re. M | hilft b.Rheuma,ISchlaS,Hexenschuß. «Nerven, und EckältungSschmerzen.- Ml IIWI Karmelttergelst Amol ist in allen Bekanntmachung SCHILLING DKW MOTORRÄDER herlge Vertrauen auf mich zu übertragen. "'v- -w—— —। —<»---------- .. * Hochachtungsvoll £ I Zost Kaleffch Wwe. f a nai 10/00 P. 8. Ben, Sech»zy linder Landaulet ......... Ml. 9-24 P.b. «dter offen. 6-Sitzer ML 8'20 P.S. Ben, mit 81 iffats- ML 12 40 P. S. Sieyr Limousine ML ülenstaa, (559. narz 1929,7" at>ds. «WIW» eW«|. «nattftttte rt»* • H«<“ •’«» • •Sehnt« A »reopei^ ••*#<* K QrwiHtr.(g)V*eitifle.^» *• etrntf» on naspoe* tefleowtsi Ö $taz*6-S dir nÄ *■ «Sb hauten immer mefit a?ti darw $ betahtUttS ) zu rrrrichen. S, Meli. alrtdbt 1 «NSÜ in M&h WM sind bU Heben, vähm! mpler der Mttlbt intreffen. rbck. Der Damplc ischen Dampsschtts. o Delsino" N Wf Oe l fett ta Liberi anderen Sw ddampser.Watt' grabtti MUerschai Aebel seilgehM, nburg seewärts » Fahrt unterbreche. Hohlsaum- Arbeiten aller Art werden schnellstens angefertigt im Austeuerhaus Salomon Gießen. Seltereweg 81 ‘»MA verschmaden. -lizei beschästigt M rang de» rätselhastv erinnert deS Hophm Scharrenstrabe p stch um die irjähM a Schul, oui btt deren beide Arm- S Margarete Lehen Ottern in 6&a* 1 mtagmorgen habe. ans dim Degi Seit diesem Obiger/ n verschwunde» irr Bemühungen» aulgesunden ver«^ ihren Client vorher >[ und sie mügeiws- der Dahn not Mitschülerinnen grW geäufiert b-b-». * und von dort Amerika aut- lei I&6R Ä! w unletö «nlttcln n. . 25« laWml beste Qualität zu billigem Preis C.Rübsamen,Gießen Fernsprecher 1659 18970 12/55 P. 8. Mercedes-Benz Limousine, fau neu- • ML 10000.— 12/55 P. 8. 'Mercedes-Benz Limoustne. sehr aut erb. 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Der Präsident von Mexiko, Emilio Portes Kil. dem die Aufllärung der mexikanischen Bevölkerung sehr am Herzen liegt, will sich dazu tiner besonderen Zeitung bedienen, die in regelmäßigen Abständen an die Wände der öffentlichen Bauten im ganzenL an de angeschlagen werden soll. Um die nötige Aufmerksamkeit zu finden, wird die Zeitung in einem Riesenformat hergestellt und dürste Dahl die größte der Welts ein. Ihre Größe beträgt 6 Quadratmeter, da sie in sehr großen Duchstaben gedruckt sein wird. Das Blatt, das tn bet Aufllärungspropaganda des mexikanischen Unterrid)! Sminifteriiun« eine große Rolle spielt, Idü möglichst unterhaltsam sein, um die Mexikaner von allen möglichen Lastern, besonders vom starken Trinken, abzulenlen. Es wird Artikel über Literatur, Musik und Sport bringen, und man hofft, daß sich mancher, um die Mauer- -eitung lesen zu können, dazu entschließen wird, sich auch mit den Geheimnissen der Schrift vertraut zu machen. Zusammenstoß zwischen Auto und Straßenbahn. An der Ecke der Karl- und Luisenstraße in Mün- hen fuhr die 35 Jahre alle Hauptmanns- iv i t w c Else ßeibf r ieb mit ihrem Kraftwagen i einem Strahenbahnzug in die Flanke. Das Auto stürzte um und begrub die Frau sowie zwei weitere : Insassen unter sich. Die Frau erlitt schwere Brust- Quetschungen, denen sie im Krankenhause erlag. I Einer der mitfahrenden Herren wurde schwer verletzt. Line Wahnsinnstat im Llblnger Krankenhaus. Eine furchtbare Bluttat hat sich im Städtischen I Krankenhaus abgespielt. Seit Mittwoch voriger 1 Woche war der Schlosser P r e u s ch o f f zur B e o b- 1 ad)tung s e i n es G c i st e s z u st a n d e s im j Krankenhaus untergebracht. Er verhielt sich sehr ; ruhig, so daß man ihn in einen Schlafraum zu i anderen Leuten brachte. Von einem Kranken i lieh er sich ein Rasiermesser, daß er nach Ge- s brauch wieder zurückgab. Er muß dann aber genau trocken. Wettervoraussage für Freitag: Meist wolkiges Wetter, Temperaturen zwischen Tag und Nacht sich mehr ausgleichend, Neigung zu Niederschlägen. Lufttemperaturen am 19. März: mittags 12,5 Grad Celsius, abends 1,5 Grad: am 20. März: morgens — 0,7 Grad. Maximum 13 Grad, Minimum —2,4 Grad. — Erdtemperaturen am 19. März: abends 5,3 Grad: am 20. März: morgens —0,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 8% Stunden. ,-vrzt ober gar aufgehoben, die Spielzeit unv ene w! Sie Gagen überall erheblich beschnitten. Die 1 H otlage wachse von Tag zu Tag und nC botauili*^t «Balte die Lage vieler Dühnenmitglieder gerabe- ’u unerträglich. Zahlreiche Klagen der Mitglie- dvck -^rs°b? btt bezögen sich auch auf Tarifbrüche der Di^k- mten, Nichtbezahlung von Dorproben und De- 8Um Ai*? chäftigung von u nbezahlten Volontären. Die i - Eschasst N' Achtung eine« solchen Rachwuchses bedeute eine " ‘ Vermehrung des Schauspielerproletariats. £et 2. Präsident. Dr. Daul Otto, berichtete ibtr den Wiederausbau der Pensions- , n st a 11 der Genossenschaft und die Altersver- prgung der Bühnenmitglieder. Emil Lind. Dttglied des Derwaltungsrats, berichtete als bchriftleiter über das amtliche Organ der ®e- »ossenschaft „Der neue Weg". Präsident W a l - lauer beschäftigte sich sodann mit der Mttwir- 1mg der Bühnenkünstler beim R und f unk und kn damit in Zusammenhang stehenden Urheber- Vrennholzversteiaerungen Montag, den 25. März 1929, findet im Cleeberger Gemeindewald die Versteigerung folgenden Holzes statt: Distrikt Ziegenlach. 60 rm Buchen Scheit und Knüppel, 1500 Buchen Wellen, 26 Buchen Stämme mit 11,67 km. Distrikt Kühunner. 103 rm Buchen Scheit und Knüppel, 1600 Buchen Dellen, 12 rm Eiche Scheit und Knüppel, 230 Eiche Wellen, 3 Buchen Stämme mit 1,58 fm. Distrikt Mohrswald. 2700 Eiche Durchforstungswellen. Zusammenkunft um 10 Uhr oberhalb deS Zechenhauses. Cleeberg, den 1L März 1929. Der Bürgermeister. Höhn. GIESSEN 1661D Bekanntmachung Die städt. Tennisplätze (Liebigshöhc und am Schützenhaus) werden für die Spielzett 1929 vermietet. Anmeldungen sind unter »«gäbe der gewünschten Tage und Zeiten int Stadthaus, Bergstraße, Zimmer 29, einzureichen. , 23,.2.k Die vorjährigen Mieter erhalten tunlichst ihre alten Plätze wieder zugeteilt, falls sie bis zum 25. März 1929 entsprechenden Antrag stellen. Gießen, den 15. März 1929. Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Seid.___________ Bekanntmachung. Die erste Versteigerung der Massegrund- itücke in der Gemarkung Watzenborn- vteinderg findet a.. Ort und Stelle an den folgenden Tagen statt: l-m4D TNontag. den 25. Mar; 1929, oormiltags 9% Uhr (Treffpunkt am Rathaus). Zur Versteigerung kommen an diesem Tage die Grund stücke der Fluren 1—V Dienstag, den 26. Mar; 1929 vormittags 9X Uhr (Treffpunkt am Rathaus) die Grundstücke der Fluren VI—IX. Mittwoch, den 27. Marz 1929 vormittags 9Z Uhr (Treffpunkt am Rathaus) bte Grundstücke der Aluren X—XII. Die innerhalb des Ortsberings Uegenden Aiassegrundstücke bleiben bis nach Abschluß her Verhandlungen vor dem Obersch.eds- nen der Versteigerung ausgenommen. Die zweite Versteigerung ist am Dienstag, dem 2. April 1929 vormittags 9Z Uhr im Saale der Gastwirtschaft von Georg Sommer VI. in Watzenborn. An diesem Tage werden alle Stücke ausgeboten, mit Ausnahme der Im Ortsbering gelegenen. Zum Mitbieten werden nur die am Verfahren mit Geländcabzug Beteiligten zugelassen, außerdem sämttiche Einwohner von Watzenborn-Steinberg. Lauterbach, den 19. März 1929. Der Hessische Feldbereinigungskommisiar. Ohly. Regierungsrat. die wirtschaftliche und finanzielle Lage noch sy unsicher und ungellärt ist, wird die Kirchenregierung ermächtigt, jeweils vor Beginn de« Rechnungsjahres 1930 und 1931 nach Anhörung de« Finanzausschusses die Einnahmen und Ausgaben nachzuprüfen und über die notwendigen Deckungsmittel zu beschließen." Diese Ermächtigung soll nur im Rahmen des Budgets gelten. Die Verhandlung wurde dann auf morgen vertagt. Berliner Börse. Berlin. 20. März. (WTD. Fmckspruch.) Rachdem gestern abend in Frankfurt bei ziemlich lebhaftem Geschäft die Kurse der Hauptwerte weiter anziehen konnten, ergibt sich hn heutigen Frühverkehr eine ähnliche Situation wie gestern. Eventueller Ordereingang wird ausschlaggebend für die Tendenz fein, vorläufig ist diese ruhig aber freundlich. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisenmartt nennt man London gegen Paris 124.29, London gegen Mailand 92.72. London gegen Spanien 32.25, London gegen Kabel 4.853550, Kabel gegen Berlin 4.2150. Zeitschriften. — „Weltreich der Technik nennt sich Heft 9 der Internationalen Zeitschrift .Die Böttcherstraße" (Angelsachsen-Derlag G.m. b. H., Bremen). Zum ersten Wale werden in diesem Hefte interessante Einzelhetten über den .Roll« Royce-Motor" mit Bildern veröffentlicht (eine deutsche llebersetzung des beachtenswerten englischen Beitrages ist beigegeben). Heber da« .Energetische Problem" schreibt HanS ^Dominik, über .Technik und Menschengemeinschaft" »Viktor Engelhardt, über .Gesetze und Grundlaaen der Biotechnik R. H. Francö. Lleberraschend sind die Ausführungen von Georg Sach« über bat Leben der Metalle" (mit reizvollen Dlldem). Da« ist nur einiges au« dem reichen Inhalt deS Hefte«. / Iftf rmelMrnlX Vogt’sche"" Handelsschulen Gießen-Herborn V Auskunft u. Prospekte y \ ko6teD;.d.d.8chulleitg. ✓ X Gießen, Goetbestr.32 ✓ Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. -yolzversteigenmg. Samstag, den 23. d.M^ sollen in den Distritten Spieß. Stangenwald und Burg- wald versteigert werden: 25620 274 rm Buchen-, Eichen- und Kiefern- Schell und -Knüppel, 708 rm dergleichen Reis und 18 rm Buchen- und Eichen- Stöcke. Zusammenkunft vormittags 9Yt Uhr auf der Marburger Straße an der Landes- orcnAC Friedelhausen, am 19. März 1929. Freih. v. Rabenauschcs Revier Friedelhausen. ;o. 11» Treis a. d. Lumda, Lindenstruth, Heuchelheim, den 19. März 1929. sind gut gepflegt und reintönig. 2558D IS65D Der Vorstand. 2534D Wir suchen für unsere verschiedenen 2566V Abteilungen einige 01495 AM BüsteoMer | Verkäufe gesucht. 2515D 2537A DRAHTGEFLECHTE 1-2 leere Mansarden mit Lfen sucht Aorilersien foL Dame mit lOjähr. Tochter npfl. Halbjahr Vorauszahlung. Ansführi. Eilofferten unter C. F. 7972 bet. Rudolf Masse. Berlin. Schiffbauerdamm 4. 2,tiV Die Beerdigung findet Freitag, den 22. März, nachm. 3’/* Uhr statt. ___________________________________________________________________________________01502 Einmaliges Gastspiel eines Wiener Violin-Künstiers Anfang 3 Uhr nachmittags! Gießen, Hanau, den 19. März 1929. Die Beerdigung findet Freitag, den 22. März, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 01494 Cberniirtncr Ernst, Wilheluistr. 16. WiMeMMlWMNg mit reichhaltig. Lager und ausgesuchten Spezialitäten in Süd- und Auslands« meinen ankcnweinel iuchi geeignet. Vertreter utv. günst. Bedlngi naen. Offerten unt. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer liehen Entschlafenen sowie für die trostreichen Worte des Herrn Plärrers sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Geschwister Becker. Gießen (Sonnenstra&e 11), den 20. März 1929. 22240 Lehrmädchen Bewerberinnen nicht unter 15 Zähren aus achtbaren Familien mit guter Schulbildung wollen sich unter Vorlage des Schulzeugnisses melden Kaufhaus Rosenau Mchslügel gebraucht, noch gut erhalten. NM.750.- piano nut erb. RM. 300.- zu verkaufen. [01489 Förster. Bahnhosstl aste 65 b. Sametag, den 23. März, abends 81 /, Uhr OfMLIaiiiii-teBliiiig bei Kamerad Arnold (Schipkapah). . Tagesordnung: 1. Jahresbericht, 2. Kasten» bericht, 3. Rechnungsprüfung, 4. Aus» Zeichnung von Kameraden seitens der Wehr, 5. Neuwahl des Vorstandes em. Sah 12 der Sa! ung, 6. Verschiedenes. Uniform: Arbeitsausrüstung, Helm. 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Gestern abend verschied nach längerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Heinrich Schön im Alter von 78 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Schön Familie Emil Schön Familie Wilhelm Schön. Weinstube Aaafs Häuschen Gießen, Walliorstr. 34 / Tel. 4520 empfiehlt zur Konfirmation prima Weine von Hl. 1.20 an per Flasche und höher. Sämtliche Deine Eine grohe 01368 Hofreiie muten im Ort, auch als Geichästshaus aut geeignet, ist erb- dungsb.z. verkauf, labere Auskunft im (9aftb. „3. Schwa» neu", Langgöns. Immhiei gold., tabri'n. einige bessere Stücke, auch goldene Dimmlofle schrbillig abzugeben Vabnbofstr. 491. Wenig getragener Cutaway (tl. Mguri Smoking u. blauer Anzug zu uerk. 9lä6et. t. b.iMe« schästöst. üeö (9. Anz. Verkäufer für gebrauchte Automobile gesucht. Schriftliche Angebote unter 2504D an den Gießener Anzeiger erbeten. Frdr. 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Zeiten, die den Höhepunkt der absoluten Musik bedeuten, führten das Streichquartett der Vollendung zu; nachkommende Zeitalter versuchten das Wesentliche der klassischen Quartettform mehr in deni Fornialen zu erkennen, anstatt zu bedenken, daß das Wesen der Forni wiederum durch einen organischen musikalischen Vorgang bedingt ist. Vollwertige Streichquartette werden wohl kaum als Erstlingswerke eines Schaffen- den dastehen, vielmehr bilden sie den Nieder- schlag einer Schaffensersahrung. die in chrer Ge- läutertheit den musikalischen Gedanken auch die letzte treffendste Formung hinzuführen vermag. Es ist daher kein bloßer Zufall, daß Mozarts Quartettkunst ihren Höhepunkt m den sechs Zoleph Haydn gewidmeten Quartett«, er- reicht hat. die, wie er selbst bezeugt, eine gru^t langer, angestrengter Arbeit gelesen sind ®ie Wendung zu einem persönlichen <5al un Streichquartett erschien den Zeitgenossen Mozarts un- gewohnt, weil seine Quartette eben mehr bedeuteten. als eine Art der Unterhaltungsmusik. Die vorjährige Aufführung des Wendling-Quartettes hatte dem L-Dur-Quartett mit seiner problematischen Einleitung das Wort gegeben. Dl^mal erlebten wir das Quartett in O-Dur. das in seinem Andante cantabile mit gu Den schönsten Eingebungen der Quartettkunst gehört, und das in seinem Finale der Kontrapunktik, bei aller Spannung unD Gestrafftheit. eine Selbstverständlichkeit, die im Heiteren mündet, zu verleihen vermag. Zumal für Beethoven bedeutet das Quar- tettschafsen die ""'ammenfassung und letzte Auswertung der Schaff-nserfahrungen. Aach der Neunten (5i)mLyo.,.e, nach der Missa und nach Öen letzten Klaviersonaten findet fein Werk die Krönung in den letzten Streichquartetten. Daß diplomatischen Beziehungen wieder ausgenommen haben. Auch der gefährliche Konflikt zwischen Bolivien und Paraguay, der im c - aufflammte, schließt trotz der Vermittelung der panamerikanischen Schlichtungskommission noch viele Gefahren in sich. Auch die Arbeiter- unruhen in Kolumbien und die Gärung unter den „3 n b i o ß“ in Bolivien, Kolumbien und Peru können von folgenschwerer sozialpolitischer Bedeutung sein. Das Erwachen der zum großen Teil nur halbzivilisierten indianischen Eingeborenen zu modernen Lebensforderungen, das Verlangen der „Peone" nach erträglichen Arbeitsbedingungen und nach höheren Löhnen kann auf die Dauer nicht unerfüllt bleiben. In Südamerika besteht bisher weder Arbeiterschuh noch Arbciterversicherung. Selbstverständlich kann man die südamerikanischen Verhältnisse nicht mit den europäischen vergleichen. 3n manchen Provinzen, selbst der der Zivilisation sonst ganz erschlossenen Staaten, wie z. D. in Argentinien und namentlich in den Urwäldern Brasiliens, schleichen die Indianer noch mit Giftpfeilen im Köcher herum; es gibt viele Gebiete, die der Fuß eines Weißen niemals betreten hat und die auf der Landkarte einen leeren Fleck aufweisen. Keine europäischen Gesetze lassen sich dort zur Erschließung jener Strecken anwenden, aber diese Gebiete kommen heute für die 3nteressen Europas auch wenig in Betracht. Deutschlands Einfuhr nach Südamerika und die Ausfuhr der dortigen Landesprodukte ist in ständigem Steigen begriffen. Namentlich an Chemikalien und Farbstoffen nimmt Deutschland «beim 3mport nach Südamerika oft die erste Stelle ein. Um nur ein Beispiel anzuführen: Deutschland war an der Gesamteinfuhr von Arsen nach Argentinien von 439 980 Kilo mit 269 830 Kilo, von Magnesiumsulsat von gesamt 513 250 Kilo mit 503100 Kilo beteiligt. 3n manchen anderen Produkten liegt das Verhältnis für Deutschland allerdings viel ungünstiger. 3n Uruguay haben die Vereinigten Staaten den Vorrang, auch in Kolumbien und Equador steht der deutsche Import an Chemikalien und Drogen noch hinter dem andere? Länder zurück. 3n der Belieferung Boliviens mit Sprengstoffen für die Minenindustrie teilt sich Deutschland mit E n g l a n d, aber bei einiger Anstrengung wird es möglich fein, den deutschen Anteil am Gesamthandel zu Deutschland und Südamerika Von E. von Ungenr-Steniberg. Trotzdem der Aequator und der Ozean das Deutsche Reich von Südamerika trennen, hat Deutschland doch dort im fernen Erdteil bessere Freunde, als in manchen nahen, kulturverwandteren Ländern. Südamerika ist für den deutschen Handel, für die Kolonisation und nicht zuletzt für den deutschen Einfluß ein Gebiet von unberechenbaren Entwickelungsmog- lichkeiten. Es ist nun eine bemerkenswerte Erscheinung, daß bei den im Aufschwung begriffenen Ländern der Neuen Welt der wirtschaftliche Schwerpunkt nicht sestliegt, sondern daß er sich unter dem Einfluß fortschreitender Zivilisation und mancher anderen Faktoren bedeutend verschiebt. Die Verkehrszentren im nördlichen Süd« einer la, die das Erbe des al ea Inkarcihes übernommen hatten, Quito, Bogota usw.. mußten von ihrer Bedeutung schrittweise zugunsten der aufstrebenden Küstenstädte zurücktreten, und hauptsächlich auf die großen Republiken am Atlantischen und am Stillen Ozean richtet sich heute das Augenmerk Deutschlands. Cs ist fast ein historischer Vorblick, daß bereits in früheren Jahrhunderten an eine deutsche Kolonisation Südamerikas gedacht wurde. Nachdem die kolonialen Unternehmungen der Fugger und Welser im 16. Jahrhundert gescheitert waren, schlossen einige Reichsfürsten, namentlich die von Bayern und Hessen-Nassau mit der Holländischen Kompagnie Verträge über die Ueberlassung von Guayana ab, aber auch diese sogenannten „wohlmögenden Negotiationen" konnten natürlich keinen Erfolg haben. Die lockenden Berichte jedoch, die damals veröffentlicht wurden, trugen aber die Schuld daran, daß sich in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts etwa 12 000 Deutsche durch sranzösische Versprechungen verleiten ließen, in jene fieberverseuchten Gebiete überzusiedeln, um dort elendiglich zugrunde zu gehen. Damals war Südamerika noch unter feinen spanischen und portugiefifdjen Vizekönigen ein Märchenland für europäische Vorstellungen. Heute arbeiten alle Staaten zielbewuht daran, ihren Einfluß in den reichen Republiken Südamerikas zu stärken und um dort Absatzgebiete für ihre Produkte zu finden. Ein Blick auf die politischen Verhältnisse jener Länder be- weist, daß sie sich fast alle in steigender Aufwärtsentwickelung befinden und daß es gilt, keine Zeit zu verlieren, um rechtzeitig an der Stelle zu sein. Für Deutschland ist es nicht unwichtig, daß die meisten Staatshäupter der großen südamerikanischen Länder aus ihrer Freundschaft für Deutsch- land kein Hehl machen. Der Präsident von Argentinien, der greise Don Hipolyte Irigoyen. war auch während des Weltkrieges Staatspräsident und hauptsächlich seinem persönlichen Einfluß war es zu verdanken, daß Argentinien dem Drängen der Entente standhielt und neutral blieb. Das deutsche Element in Argentinien spielt heute eine hervorragende Rolle. Auch der Präsident von Chile, General 3 b a n e x, ist als Deutschenfreund bekannt. Ebenso wie Chile läßt auch der Präsident von Bolivien, S i l e s, das Militär nach deutschem Muster ausbilden und die bolivianischen Flugzeuge sind fast ausschließlich deutschen Ursprungs. Der Präsident von Paraguay, Dr. G u g g i o r i, beherrscht die deutsche Sprache und fördert in jeder Beziehung die deutsche Kolonisat'.on. Alle diese Länder schicken v.ele ihrer jungen Leute zur Vervollkommnung ihresWisiens an deutsche Universitäten; sie kehren dann als Freunde Deutschlands und als Herolde deutscher Kultur in ihre Heimat zurück. In innenpolitischer Beziehung und in Der Regelung des Verhältnisses der südamerikanischen Staaten untereinander gilt es. noch manche schwere Aufgabe zu lösen. Noch immer ist der Konflikt zwischen Chile und Peru wegen Tacna und Arica nicht gelöst, wenn auch beide Staaten nach langer Unterbrechung die Beethoven in der Missa bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit der menschlichen Stimme gegangen war. wurde schon gelegentlich betont. Der einzige Klangkörper, der seiner Phantasie in ihrer Abgelöstheit vom realen Klange völligen Ausdruck zu geben imstande war, blieb für ihn das Streichquartett. Hier standen ihm vier souverän selbständige Stimmen als markante Klangvertreter zur Verfügung. Hier konnte er seine musikalischen Ideen bis zur letzten Konsequenz durchdenken, ohne Hindernissen in der Ausführbarkeit zu begegnen. Trugen auch die Streichinstrumente das gesangliche Element in sich, gab auch das Streichquartett Gelegenheit zur Entfaltung orchestralen Klanges, so bedeutete doch andererseits der Streichquartettklang in seiner Gleichförmigkeit ein Aufgeben der klanglichen Farbe, ein Her» vorkehren Der Differenzierung des Dynamischen, und damit gewann Beethoven als letztes Ziel die klangliche Abstraktion, die seinen musikalisch metaphysischen Gedankengängen das konformste Ausdrucksmittel wurde. So stehen seine letzten Quartette im Gegensatz zu seinen Symphonien, wie etwa graphische Meisterwerke mit letzter Konsequenz der Griffelführung zu monumentalen Gemälden. Diese letzte Quartettschafsenszeit wird durch das große Es-®ur-Quartett, op. 127, eröffnet. Vielleicht mag eine Anfrage des in Petersburg lebenden Fürsten Nikolaus Galihin der äußere Anlaß gewesen fein, sich wieder der Quartett-Komposition zuzuwenden; innerlich war der Boden dafür durch Die oorau’gegangenen Schaffensereignisse geebnet worden. Daß der Inhalt bei Beethoven die einzige Instanz für die Bestimmung der Form wurde, bestätigt der Kopf- fatz dieses Quartettes. Hier wurden die einleitenden Maestoso-Takte durch ihre jeweilige Tonart bei ihrer Wiederkehr (Es--Dur, Q-Dur, C-Dur) bestimmend für die sich ihnen jedesmal anschließende musikalische Entwicklung. Den Abstraktions- stil Beethovens in letzter Konsequenz mit seiner Beschrän^ing auf das Allernotwendigste, Wesentlichste im Gebrauch klanglicher Mittel bedeutet das Adagio mit feinem Herauswachsen der Variationen aus dem Eingangssatze. Stellenweise möchte man hier geneigt sein, letzte Anklänge an das Benedictus der Missa zu vernehmen. Das Scherzo erhebt sich nach einleitenden Pizzicato- Akkorden in allmählicher stimmlicher Steigerung. Nach einem klanglichen Versinken des Satzes, in dessen Verlauf zwei von Cello und Bratsche eingeführte Episoden schon Einhalt geboten, zieht ein Trio (Presto) geisternd vorüber, die Wiedersteigern. . In den Dezemberlagen des Vor-ayres wurde der Fernsprechverkehr zwischen Deutschland und Buenos-Aires eröffnet. Bei der feier- lichen Eröffnung wurden aus dem winterkalten Berlin nach Buenos-Aires und aus dem Hochsommer Südamerikas zu uns Glückwünsche herüber- und hinübergesprochen, in denen betont wurde, daß zwei Weltstädte, zwei Länder und Nationen sich über tausende von Kilometern in Freundschaft verbunden hätten, um kulturelle Werte zu übermitteln und um Verständnis von Land und Volk zu wecken. Heute kostet ein Dreiminutengespräch zwischen Berlin und Buenos Aires noch 180 Mark, aber dennoch haben die Aetherwellen den riesigen Abgrund überbrückt und die beiden Weltteile sind sich nähergekommen. Deutschland und Südamerika haben durch diesen „Radiohändedruck" zu gegen« fettigem Gedeih ihre freundschaftlichen Beziehungen für die Zukunft gefestigt. DienstenÜaffung eines kommunistisä en Lehrers. WSN. D a r m ft a ö t. 18. März. Nach 3tägigcr nichtöffentlicher Verhandlung vor dem Hessi - fchen Verwaltungsgerichtshof als Disziplinargericht erging heute abend da? Urteil gegen den wegen mangelnder Disziplin geaen seine vorgesetzte Schulbehörde und wegen mangelnderUnterrichlsbiszi- plin angeklagten 46jährigen Leyrer Heinrich Weber aus Offenbach. Es ist unseres Wissens das erstemal. daß in Hessen aus einem Verstoß gegen den Geist der Simultanschule ein Diszi- plinarverfahren gegen einen Lehrer eingeleitet wurde. Weber ist feit 1926 vom Amt suspendiert. Das Verfahren war nicht nur von der Geistlichkeit. die ursprünglich aus konfessionellen Gründen gegen Webers Tätigkeit Einspruch erhob, fondern auch von dem freidenkenden Rektor und vor allem aus der Eltern- s ch a-f t anhängig gemacht worden. Weber hatte im Unterricht die Kinder zum Austritt aus der Kirche aufgefordert, ihnen gedruckte Austrittsformulare mitgegeben und so zwischen neun- und zwölfjährigen Kindern und ihrem Elternhaus Konflikte hervorge- rufen. Aach der Anklageschrift betrieb er außerdem offen kommunistische Propaganda und scheint namentlich von einer Aufklärungswut besessen getoefen zu sein, wobei er in taktlosester Weise die Kinder über die Abstammung des Menschen, seine Geburt usw. aufklärte. Der Gerichtshof kam nach eingehender Beratung zu folgendem Urteil: Der Angeklagte hat die Pflichten verletzt, die ihm sein Amt auferlegt, und wird zu der Strafe der Dienstentlassung verurteilt. Dem Angeklagten werden für Die ersten Drei Jahre 75 Prozent, für Die beiden folgenden Jahre 50 Prozent feines gesetzlichen Ruhegehalts belasten. weiblichen also mehr weibl. 1251 1236 1216 1141 insgef. 11163 11296 11578 12 433 133 282 855 Arbeit« männl. 9912 10 006 10 362 11292 der 1141 Personen. lieber Die einzelnen Berufsgruppen ist im Berichtsmonat wie folgt zu berichten: In der Landwirtschaft war die Aach- frage nach Arbeitskräften infolge der winterlichen Witterung noch verhältnismäßig gering. Knechte und vor allem Melkmädchen wurden verlangt. Die Forsten fchritten infolge der 21.2.-27.2.29 Die Gesamtzahl waren im Arbeitsamtsbezirk Giessen im Februar 1929 arbeitslos. Augenblicksbesserung handelt, soll dahingestellt bleiben. . . Die Zahl der Arbeitsuchenden ist im Berichtsmonat auf 12 434 Personen gestiegen. Es wurden uns gemeldet: suchenden hat sich im Berichtsmonat zum ersten Male ein wenig (um 110) verringert auf eine Belebung des Arbeitsmarktes in der Metallindustrie zu verzeichnen. Die günstige Arbeits- marktlage in Der chemischen Industrie hat sich auch im Berichtsmonat nicht verändert. In der Lederindustrie machte sich eine leichte Entlastung bemerkbar. 3m Nahrungsmittel- und Genutzmittelgewerbe hat fich die Arbeitsmarktlage gegenüber dem Vormonat teilweise verschlechtert. Die saifonmähige Belebung der Lage im Bekleidungsgewerbe schreitet ausfallend langsam vorwärts. Durch die herrschende Grippe wurde Kranken- perfonal noch verschiedentlich. aber nicht mehr so stark wie im Anfang des Monats verlangt. Die strenge Kälte verschlechterte den Arbeitsmarkt im Baugewerbe derart, daß sogar die letzten Stammarbeiter, die sonst im Winter durchgehalten haben, entlassen wurden. 3m Gast- und Schankwi rtschaftsgewerbe war im allgemeinen durch die Fastnachtsveranstaltungen eine rege Nachfrage nach Aushilfskräften zu verzeichnen. Diese Nachfrage nach Aushilfskräften erreichte an Fastnachtsdienstag in der Zeit vom 31.1.— 6. 2.29 7. 2.-13. 2.29 14. 2.—20. 2. 29 kehr des ersten Satzes läßt am Schluß das Triothema noch einmal anllinaen. das rüstig dahin» fchreitende Finale löst sich in seinem Schluhteil von alter klanglicher Schwere. Ein Allegro com- modo offenbart transzendente Klänge, die von einer Schau in eine andere Welt künden. Hatte sich die Wendlingsche Vereinigung im vorigen Jahr für Respighis Quartetto dorico eingesetzt, so brach es diesmal die Lanze für Maurice Ravels Streichquartett in F - Dur, das diesem französischen Neuerer im Jahre 1904 die entscheidende Anerkennung verschaffte. Ravel seht die künstlerischen Maßnahmen, die für die sranzösische impressionistische Malerei bestimmend wurden, in das Musikalische um. Wie dort steht auch bei ihm das artistische Moment mehr als das rein musikalische im Angelpunkt feines Schaffens. Die wechselnden Stimmungen in seinem Werke bedeuten nicht die Gefühlsaus- strahlungen von Erlebnissen, wie wir gemeinhin diesen Begriff zu falten gewohnt sind, sondern eine raffinierte Charakterisierung klanglicher Erscheinungen unter der Ausnützung instrumentaler. harmonischer und rhythmischer Mittel bis zu letzter Sublimiertheit. Das Motiv ist bei ihm weniger die mit Lebenskraft geladene Keimzelle, die die Kraft zum organischen Auswachsen größter klanglicher Gebilde in sich birgt, sondern vielmehr eine Art Baustein, durch dessen Wiederkehr kaleidoskopartige Klangwirkungen erstehen. Es liegt etwas Faszinierendes in der Art. wie er das Eingangsmotiv des ersten Satzes in den weiteren Sätzen wiederiehren läßt; wie er ihm im Brechungslicht kühnster Harmonik neue, überraschende Wirkungen abzwingt und durch seine Umformung vom viertakligen in den dreitaktigen Rhythmus ein anderes Ansehen zu verleihen^ vermag. Der Gedanke an eine Art Variierung könnte nabe liegen; jedoch im Vergleich zu dem Variieren Beethovens wird es sich zeigen, daß bei Beethoven eine innere organische Entwicklung des mu- fikalischen Grundgeschehens und eine Entfaltung schlummernder Kräfte damit verbunden ist. bei ihm dagegen handelt es sich mehr um die Gewinnung immer anderer musikalischer Erscheinungsformen aus dem Material heraus. Zu bewundern ist die geniale Beherrschung der satz- technischen Mittel; die thematische Ueberbauung zweier Themen des zweiten Satzes läßt ebenso kontrapunkiisches Können wie auch die geniale Disposition des Formarchitekten erkennen. Die vielen klanglichen Möglichkeiten, die in diesem Quartett ruhen, wurden restlos mit einer staunenswerten Sensibilität durch das Wendling-Quartett ausgeschöpft, und Der nach Diesem Quartett gezollte Beifall mochte vielleicht mehr noch als dem Werk dem ausführenden Klangkörper gelten. Wie das konzertgebende Quartett zu unfern Klassikern steht, dafür haben die Aufführungen der vergangenen 3ahre die trefflichste Bestätigung gegeben. Auch diesmal war es ein völliges Aufgehen im Werk, das den kleinsten Zug. manche leicht zu übersetzende Wendung als sinnvolles Moment in den großzügigen Aufbau des Ganzen einzuordnen verstand und bis an die letzten Grunde musikalischen Geschehens heranführte. Die klanglichen Schattierungen, die feine Differenziertheit des Spieles, die satte, weiche, orgelhaft volle Klanggebung mit Der Möglichkeit der Aufsteige- rung zum größten tonlichen Ausmaß bestätigten aufs neue den wohl begründeten Ruf dieser überall gern gesehenen Vereinigung. Für den Abschluß einer an musikalischen Gewinnen so reichen Konzertsaison konnte es keinen würdigeren Schlußstein geben als diese Aufführung mit ihrem Höhepunkt in Beethovens Es=5>ur-Quartett Heidelberger Festspiele 1929. 3n einer unter Vorsitz von Dr. Rudolph K. Goldschmidt abgehaltenen Sitzung des Ausschusses der Festspielgemeinde wurde beschlossen. Die bisherigen Heidelberger Festspiele in Der Zeit vom 20. Juli bis 15. August unter Der künstlerischen Leitung von Gustav Hartung ab- zuhalien. 3m Schloßhof werben gegeben: „Agnes Dernauer", von Hebbel, in neuer für Den Schloßhof eingerichteter Dramaturgischer Bearbeitung; „Sommernachtstraum" von Shakespeare, in neuer Besetzung und neuer 3n- szenierung. 3m Dandhaus: Goethes „Ur- f a u ft“. Die Festspiele werben am Samstag. 20. Juli, mit ber festlichen Aufführung Der „Agnes Bemauer" eröffnet. Nachmittags geht in der Aula Der Universität ein Festakt voraus. Die Aufführung Des Florian Geher tourDc für Das nächste Jahr verschoben. 3n Der Ausschußsihung machte Der VorsitzenDe Mitteilung davon, baß den Festspielen in Anerkennung chrer kulturellen Bebeutung Mittel zur Verfügung gestellt worden seien, die es ermöglichen, lebende Dramatiker mit eigens für den Schloßhof und Das Dandhaus geschriebenen Dramen für Die Festspiele zu gewinnen. Auf diese Weise wird es möglich sein, im nächsten und übernächsten 3ahre besonders Die lebcnDc junge Dramatik zu unterstützen und zu förDetn. Die Arbeilsmarkilage in Oberheffen. . Februarbericht des Arbeitsamts Gießen. Durch den ungewöhnlich strengen und anhaltenden Winter dürfte der Höhepunkt Der winterlichen Arbeitslosigkeit nahezu erreicht fein, wenn auch bas Abgleiten Des Deschäftigungs- grobes im Derichtsrnonat noch immer nicht zum Stillstand gekommen ist. Die Arbeitslosigkeit in den Saisonberusen stieg weiter an, zugleich war in einigen Derufsgruppen, z. D. im Metallgewerbe, eine leichte Auswärtsbewegung zu verzeichnen. Ob es sich hierbei nur um eine anhaltenden langen Kälte zu Entlassungen. 3n Gärtnereibetrieben boten sich feine Be- schäftigungsmcg'.ich'eitcn. Die Verschlechterung der Arbeitsmarktlage hat sich auch für Die 3ndu- ftrie der Steine und Erden auSgewirkt. Betriebe, die in früheren Fahren regelmäßig durcharbeiteten, stellten infolge Der WitterungS» verhältniffe die Arbeit ein. Der Beschäftigungsgrad in Der Metallindustrie war im hohen Grade uneinheitlich. 3m allgemeinen ist jedoch BERUFSANGEHÖRIGEN GESAMTZAHLEN DER DIE ARBEITSLOSIGKEIT DER ARBEITER UND ANGESTELLTEN 60,4o/o 42«/o toler & Maurer weiHhinder */<) Zimmerer Gast- 4 Schankwirtschaft Schreiner 4o/o Schlosser 200/0 Bergbau! Salinenarbeiter 11 0/0 Schuhmacher 12.3o/o Schneider 2 0/0 Raul- mMscHe AnoesUIHel 693 18891341511216180816358 ihren Höhepunkt. Wit dem Ende der Fastnachts- fleit war auch wieder eine größere Belastung Les Arbeitsmarktes im Gast- und Schankwirt- schaftsgewerbe zu verzeichnen. Die Beschästt- gungd'age im Verkehrsgewer be war auch weiterhin durch den Frost beeinflußt. Die Reichsbahn zeigte sich teilweise a ufnahmefähig für Hilfskräfte zu Aufräumungsarbeiten und zur Befreiung der Dahnschienen von Schneemassen. Die Arbeitslosigkeit der Lohnarbeiter wechselnder Art nahm weiter zu. Rur kurzfristige Einstellungen zur Schneebeseit gung wurden in geringem Umfange vorgenommen. Sn obenstehendem Ähaubild setzen wir die Arbeitslosigkeit in einigen Berufen in Beziehung zur Gesamtzahl der Derufsangchörigen in unserem Bezirk. Die Gesamtzahl der erwerbstätigen Personen der Largestellten Berufsgruvpen wurde auf Grund der Berufs- und Betriebszählung vom 16. Sunt 1925 festgestellt. Auch bei dieser Gegenüberstellung wird die steigende Tendenz der Ar- beitslosigkett — hauptsächlich aber der Saison- arbeitslosigkeit — gut veranschaulicht. Die Gesamtausgaben des Arbeitsamtes Gießen beliefen sich im Monat Sanuar 1929 auf 665 064,69 Mark „ „ Februar „ 848 040,09 Die Ausgaben im Monat Februar übersteigen diejenigen des Monats Sanuar um 182 975,40 Mark. Diese Mehrausgabe ist durch das weitere Anwachsen der Unterstützungsempfänger bedingt. Der Arbeitsnachweis des Arbeitsamtsbezirks Gießen erfreut sich eines immer größeren Zuspruches. Sm Manat Februar wurden trotz der schlechten Arbeitsmarktlage 275 männliche und 207 weibliche, insgesamt 482 Personen, vermittelt. Oie Abteilung Berufsberatung wurde im Monat Februar gegenüber dem Vormonat in weit größerem Maße in Anspruch genommen; die Anzahl der Beratungen stieg von 117 auf 309. Außerdem liefen aus allen Kreisen der Provinz Oberhessen viele Anfragen ein, teil Lehrstellengesuche, teils Beratungen betref- fettd, die schriftlich beantwortet werden mußten. — ihn entfernter wohnenden Rat suchenden alt» zuweite Wege zu ersparen, wurde in Friedberg ein Sprechstunden-Rachmittag wöchentlich eingerichtet. Es ist auch geplant, zunächst noch in Lauterbach Sprech stuiäen abzuhalten. — Aus den bis jetzt vorliegenden Schüler-Personalbogen geht hervor, daß noch sehr viele zur Schulentlassung kommende Knaben und auch Mädchen keine Lehrstelle haben. Ein nicht unbeträchtlicher Teil Lehrstellensucher dürfte sich für die sog. „Modeberufe" haben vormerken lassen und wartet ab in der Hoffnung, doch noch in den gewünschten, aber längst überfüllten Berufen unterzukommen. Besonders die Elektroinstallations- und Friseurgeschäfte klagen sehr, von den Eltern der Schulabgänger recht überlaufen zu werden. 136 männliche Ratsuchende, von denen 38 in Gießen wohnen, nahmen im Monat Februar die Berufsberatung 197mal in Anspruch. Diese 136 halten 33 verschiedene Berufswunsche. Wiederum war der Kaufmannsberuf der begehrteste. Die nächst größte Anzahl Ratsuchender hatten überhaupt keinen bestimmten Berufswunsch. Sn nachstehender Reihenfolge wurden noch folgende Berufe am meisten gewünscht: Elektriker, Friseur, Buchdrucker und Schriftsetzer, Metzger, Schlosser. 122 Ratsuchende kamen aus Volks-, 14 aus höheren Schulen. 10 Schüler waren Krieger-, 5 Halb- und 2 Vollwaisen. Bei acht 'Berufsuchern muhte ärztliches Gutachten eingefordert werden. — Reue offene Lehrstellen wurden 81 für 22 verschiedene Berufe angemeldet, davon von 44 Arbeitgebern in Gießen. 3m laufenden Monat konnten 29 offene Lehrstellen endgültig besetzt werden. Sm gleichen Monat haben auch 59 Mädchen, von denen 28 in Gießen wohnen, die Berufsberatung in Anspruch genommen und wurden 112mol beraten. Diese 59 Schülerinnen hatten 11 verschiedene DerufSwünsche. Die meisten wollten Verkäuferin werden oder in einem Bureau unterkommen. Alsdann war der Schneiderinnenberuf der begehrteste. 55 ratsuchende Mädchen kamen aus Volks-, 4 aus höheren Schulen. 14 Schülerinnen waren Krieger-, 4 Halbwaisen. Aerztliches Gutachten mußte in drei Fällen eingefordert werden. — Reue offene Lehrstellen wurden 21 für 8 verschiedene Berufe angemeldet, davon 10 von Arbeitgebern in Gießen. Fünf Mädchen konnten in Lehrstellen vermittelt werden. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 20. März 1929. <§r ist da! Die Wärme bat den Panzer des Eises gebrochen. Unaufhörlich rinnen die Bächlein von den Abhängen. Auch durch unfern ©arftn kommt das Tauwasser geflossen. Wein kleiner Sunge leitet es geschickt durch eine abwärts führende Furche, und wo das Wasser etwas abstür^t, bringt er eine kleine Wassermühle an. Etn Rachbarsbub hat ihm gezeigt, wie man ein solches Ding verfertigt. Die Mühle ist sein Stolz, und an den schönen Rachmittagen verbringt er seine Zeit am kleinen Bächlein. Aber das Wasser läßt nach, bald hört es ganz auf zu fließen. Da nimmt er seine Mühle und marschiert zum „richtigen" Dach, der da unten durch die Wiesen rauscht. Da setzt er seine Wühle ein. Sch gehe mit und schaue zu. Sein Eifer rührt mich. Kaum aber ist die Mühle in Bewegung, da läßt er sie im S.ich, lauft weiter und ruft mir zu: „Vater, guck mal, eine Bachstelze!" Richtig! Da sitzt der kleine Frühlingsbote und wippt mit dem Schwanz. Lange hält er es nicht aus auf seinem Stein, schon ist er weitergehüpft, in ewiger Unruhe tackt das Schwänzlein. „Sunge,“ sage ich, „jetzt ist aber der Frühling da. Dor acht Tagen kamen die S t a r e. Siehst du, da oben in den Pappeln sitzen noch viele. linb vorgestern hörten wir die erste Lerche. 3hr Lied klang noch dünn, aber bald wird sie laut und fröhlich trillern!" — Zwar liegt an der Rvrdseite noch viel Schnee, das Land ist gefroren, die Rächte sind noch kalt, aber unaufhaltsam dringt die Frühlingssonne in alle Poren. Die Menschen erwachen und schauen verwundert mit blinzenden Augen in den Sonnenschein. Die Fenster öffnen sich. Drüben im Haus Horen wir ein Grammophon spielen, schon zum dritten Male: „Sch habe den Früh« ling gesehen!" lind am Sonntag ziehen sie hinaus, alt und jung. Meder hallen von den Bergern Die Burschen gehen wieder ohne Hut. Die Kinder holen die ersten Kätzchen vom alten Weidenbaum. Ein einsamer gelber Zitronenfalter, der an der Südseite eines Baumes geschlafen hatte, ist zu neuem Leben erwacht, wohl etwas zu früh; er wird erfrieren in der kalten Rächt, lins aber ist er neixfn den summenden Mücken, die im Sonnenschein tanzeit, als Frühlingsverkünder ein lieber Freund. Am warmen Abhang des Berges liegt der [leine Friedhof. Hier hat die Sonne die ersten Schneeglöckchen hervorgelockt, noch blühen sie nicht, aber schon dringt hier und da chr weißes Köpfchen durch. Frichlingsboien überall. Gerade die Schneeglöckchen auf dem Friedhof sind es, die uns in ihrer weißen Unschuld zu- rufen: „Run, armes Herz, sei nicht bang!" Gar viele, viele haben im letzten Winter auf dem Gottesacker gestanden, in harter Kälte. Sie haben einem lieben Menschen das letzte Geleite Die Liebe derBngitta Hollermann Dtoman von Elisabeth Aey. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). 1L Fortsetzung. Nachdruck verboten. „So schlimm wird Schwester Christiane doch nicht sein. Wenn sie nur ein ganz klein wenig ihrem Bruder ähnlich ist, so will ich mich schon jetzt freuen, zu ihr zu kommen." „Kindchen, Kindchen, so hat c8 Shnen also auch bei mir gefallen?" „Gefallen, Onkel Lührmann, das ist wohl zu wenig gesagt. Sch war hier sehr glücklich, nach all dem Schrecklichen." , Der alte Arzt wischte verstohlen über ferne Augen und trat schnell zum Fenster. Plötzlich wandte er sich wieder Brigitta zu, und sagte: „3m übrigen vergaß ich ganz, daß mir gestern abend der Rotar Blumert mttteilto, daß Shre Frau Mutter die Shnen zugefallenen zehntausend Mark zurückwies. Sie batten doch großmütig darauf verzichtet." „Sch mag das Geld nicht, ich brauche es nicht," entgegnete Brigitta hastig. „Kind, aus Shnen spricht der Trotz. Wer weiß, ob Sie das Geld nicht doch einmal sehr gut gebrauchen konnten." „Wofür, lieber Onkel? 3ch werde verdienen, was ich zum Leben benötige." „Hm, schon recht, Brigitta. Aber wie, wenn Sie einmal heiraten wollen und eine Aussteuer brauchen?" Brigitta war erbleicht, und hob unwillkürlich die Hände wie zur Abwehr. „Sch werde nie, niemals heiraten," sagte sie dabei leise. „Alle Wunden vernarben einmal, liebes Kind, so auch die Shre. Hans-3örg Eggenbrecht ist tot. Sie sind zu jung, um auf ewig um ihn zu trauern.“ „Sie vergessen, daß ich an seinem Tod die Schuld trage. Er starb mit dem Zweifel an mir im Herzen, ja, vielleicht war ich der Anlaß zu seinem Tod." „Rein, Brigitta, damit dürfen Sie sich nicht auch noch quälen. Sch habe Eggcnbrecht auch sehr gut gekannt. Er war nicht der Mann, der sich das Leben nahm, in freut er dabei viele andere Menschenleben gefährdete. Ein solcher Mensch, wie er, geht still beiseite. Die Explosion war ein unglücklicher Zufall, weiter nichts." Brigitta antwortete nicht, und glitt jetzt laut- los aus dem Zimmer. „Armes Ding!" murmelte der Sanitätsrat hinter ihr drein. Eine Stunde später wanderte Brigitta Holler- mann durch die beschneiten Gräberreihen des Friedhofs, auf dem man ihre zwei liebsten Menschen zur letzten Ruhe bestattet hatte. Lange stand sie an der alten Familiengruft, der Ruhestätte ihres Vaters, und starrte mit tränenlosen Augen darauf nieder. Dann ging sie langsam, schweren Schrittes, weiter zu einem einsamen, verschneiten Hügel, und legte eine einzige Rose darauf nieder. „Hans-Sörg, lieber Hans-Sorg," flüsterte sie dabei leise. „Vergib mir, ich bin ja nicht schuld. Rie, niemals werde ich dir die Treue brechen. Schlafe ruhig, du lieber, lieber Mann.“ Still wandte sie sich dann um, und verlieh den Friedhof. * „Geben Sie wohl, Brigitta, und Gott mit Shnen. Grüßen Sie mir meine alte Christiane, und geben Sie chr diesen Brief von mir," sagte Sanitätsrat Lührmann, als et am anderen Morgen seinem Schützling noch einmal zum Abschied fest die Hand drückte. Brigitta Hollermann vermochte nicht zu antworten, und Tränen trübten ihren Blick, als sie sich jetzt hastig über die Hand des alten Herrn bückte, um einen letzten Dankeskuh darauf zu drücken. Bleich ftanb sie bann an der Reling des Deinen Küstendampfers, und sah dem SanitätSrat nach, der noch einmal, zurückwinkend, schnell über die Landungsbrücke schritt und im Menschengewühl verschwand. Brigitta kam sich plötzlich unendlich verlassen vor, und eS war ihr, als mühte sie ihm nacheilen. Da aber ertönte das Wfahrtsignal. Zu spät; sie mußte mutig fein. Das Schiff trug sie ja nun einem neuen, selbstgewählten Leben entgegen. Riemand empfing Brigitta Hollermann bei der Ankunft auf Sylt. Kalt fuhr ihr der Seewind durch den dicken Mantel, als sie einsam den Landungssteg hinab- schritt. Man wieL ihr auf ihr Befragen freundlich den Weg. Als sie sich gerade anschickte, ihren Koffer aufzunehmen, um mutigen Herzens ihrem Ziel zuzustreben. tauchte plötzlich ein alter, in dicken Pelz gehüllter Wann vor ihr auf: verlegen an seiner Pelzmütze rückend, fragte er: „Entschuldigen Sie schon, Fräulein, sind Sie die neue Schwester für unser Kinderheim? Dann soll ich Sie nämlich mit dem Wagen abholen. 3d) bin Steffen Andresen, der Hausmann und Kutscher." Erfreut blickte Brigitta in deS Alten treu- herzig-verlegeiws Gfrefabt. und antwortete: „Sie haben sich nicht geirrt, ich bin die neue Seester, und freue mich, daß ich ab geholt werde." gegeben. Setzt trösten uns von da die ersten Schneeglöckchen: Run muh sich alles, alles wenden! lind wie lange schon haben unsere Kinder gelungen: „Lieber Frühling, komm doch wieder, schöner Frühling, fonun doch bald!“ Run ist er da! Es ist uns, wie wenn nach banger, schwerer Rächt endlich der junge Tag inS Zimmer tritt und wir befreit auf atmen. Wir grüßen den Frühling. Z. Saoptversammluog des Aertehrsverelns. Der Derkehrsverein Gießen hielt gestern abend im Saale des Hotel Schütz seine gut besuchte Sahresversammlung ab. Rach kurzer Begrüßung der Erschienenen, insbesondere auch des anwesenden Ehrenvorsitzenden Stadtv. W i n n und des Vertreters der Stadtverwaltung Beigeordneten Dr. Hamm, durch den Vorsitzenden Stadtv. Schwieder, erstattete der Schriftführer. Derwaltungs - Sekretär Waus, den Sahresbericht. Rach diesem hat der Verein auch im abgelaufenen Vereinsjahr eine außerordentlich rege Tätigkeit entfaltet Das Bureau des Vereins am Settersweg wurde nicht nur durch die ankommenden Fremden, sondern auch durch die hiesige Einwohnerschaft in steigendem Waste in Anspruch genommen. Auch sonst hat der Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs durch Veranstaltungen verschiedener Art, Herausgabe eines Stadtplans, großzügige Werbung in auswärtigen Zeitungen und Zeitschriften, sowie zahlreiche Eingaben eine rege Tätigkeit entfaltet. Die Witgliederzahl betrug am Schluß des Der- einsjahres 388. Rach dem vom Vereinsrechner Kaufmann S. Loeb erstatteten Kassenbericht betrugen die Einnahmen im abgelaufenen Sahre 5451,45 Wk., die Ausgaben 4755,24 Wk. Das Vermögen des Vereins betrug am 1. Sanuar 1929 1938,66 Wk. Die Abrechnung über die Lichtwoche ist noch nicht abgeschlossen, sie wird bestimmt keinen Fehlbetrag, sondern einen Ueberschuh ergeben. Bei den Wahlen zum Ausschuß wurden an Stelle der zurück- getretenen Herren Schwab, Hölters und Will neugewählt die Herren Klemmrath, Schwarz und D e n d e, die übrigen Ausschust- mitg’ieber wurden wiedergewähtt. Anschließend an die geschäftlichen Verhandlungen hielt Redakteur B 1 u m s ch e i n einen Vortrag über „Z e i t- fragen der Gießener Derkehrsforde- rung“, der Anlaß zu einer eingehenden Aussprache gab. Heber dieses Referat, sowie über die Besprechung zahlreicher kommunaler Verkehrsfragen werden wir morgen berichten. Saniiäiskolonne vom Roten Kreuz. Am Samstag hielt die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen im Kolonnendepot ihre Sahres- Hauptversammlung ab. Als Vertreter der Stadt Gießen wohnte Stadtv. Höhn der Versammlung bei. Kolonnenführer Kratz erstattete den Sahresbericht und sprach dabei allen, die durch Mitarbeit und Unterstützung das Werk der Kolonne auch im abgelaufenen Sahre förderten, herzlichen Dank aus. Der dringend benötigte zweite Krankenkraftwagen sei im Laufe des Sahres .angeschafft worden und habe schon sehr gute Dienste geleistet, insbesondere bei eiligen und bei Ferntransporten. Der Bestand an Geräten und Ausrüstungen für die erste Hilfeleistung wurde erweitert. Zahlreiche Uebun- gen wurden abgehalten, um die Mitglieder in guter Bereitschaft zu hatten für eventuelle größere Unglücksfälle. Sm Berichtsjahre wurde die Kolonne zu 2583 Hilfeleistungen herangezogen, darunter zu 1510 Kranken- uno Derletztentrans- porten. Don den Transporten waren in der Stadt Gießen 741, Provinz Oberhessen außer Stadt Gießen 588 (davon 383 im Kreis Gießen), außerhalb der Prov. Oberhessen 181. Die Hilfsfresinsettoren führten in 42 Fällen Desinfekttonen aus. Beim Umbetten, Baden und bei Rachtwachen für Schwerkranke wurde in 36 Fällen die Hllfe der Kolonne in Anspruch genommen. Krankenpflegegerät wurde 242mal ausgeliehen und damit manchem Kranken in dringender Rot geholfen. Von besonderer Bedeutung für die Allgemeinheit und die Arbeiterschaft in gewerblichen Betrieben war die Abhaltung eines Ausbildungskursus für Betriebsnothelfer in erster Hilfeleistung bei Unfällen. An dem Kursus, der unter der Leitung des Kolonnenarztes ftattfanfr, nahmen 80 Personen teil. Santtätswachen hat die Kolonne, außer den Sonntagswachen im Depot, bei sonstigen Veranstaltungen 32mal gestellt und dabei in 67 Fällen erste Hllfe geleistet. Die Kolonnenmitglieder, Zugführer Otto H a r i g und Gruppenführer Kaspar -Becker, die aus Gesundheitsrücksichten in die Reihe der inaktiven Mitglieder übertraten, wurden in Anbetracht ihrer großen Verdienste um die Kolonne zu Ehrenmitgliedern ernannt. Kreiöfeuerwehriag in Gießen. Der Verband der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Gießen hielt am Sonntag im Restaurant „Zum Schip* kapaß" in Gießen seinen Frühjahrsverba n ds t a g ab, an dem 33 Vertreter von 17 Freiwilligen Feuerwehren teilnagmen. Der Vorsitzende, Drandinspektor F. Wenzel, Gießen, begrüßte zunächst den Vertreter des Kreisamts, Regierungsrat Dr. Braun, Gießen, und die Vertreter der Wehren, worauf Regierungsrat Dr. Braun mit Dankesworten erwiderte und zugleich den Dezernenten für das Feuerlöschwesen im Kreise Gießen, Oberregierungsrat Dr. Heß. wegen anderweitiger Snanspruchnahme entschuldigte. Drandinspektor Wenzel erstattete den Sahresbericht. anschließend verlas der Schriftführer D r e i t h e r die Sitzungsberichte deS verflossenen Sahres. Der Rechner Heinrich. Lollar. gab sodann den Kassenbericht bekannt. Sämtliche Berichte wurden ohne Aussprache genehmigt; auf Antrag des Rechnungsprüfers Schmidt, Lang-GönS, wurde dem Rechner einstimmig Entlastung erteilt Stadtbranddirektvr Braubach, Gießen, sprach dem Vorstand Dank aus für die ausgezeichnete Arbeit im Sntereffe des Verbandes. Hierauf wurde die Freiwillige Feuerwehr Saubringen, die zur Zeit 70 Mitglieder zählt, einstimmig in den Kreisverband aufgenommen. Auf Antrag der Freiwllligen Feuerwehr Birklar, vertreten durch Kam. Wolf, wurde beschlossen, den Herbst- verbandstag in Birklar abzuhalten, um durch diese Veranstaltung werbend für die Feuer - Wehrsache in der dortigen Gegend zu wirken: der Herbstverbandstag soll am 4. August stattfinden. Die Herbstverbandstage für 1930 und 1931 sind für Großen-Buseck bzw. Lang-Göns vorgesehen, da die dortigen Feuerwehren dann auf ihr 50- jähriges Bestehen zurückbllcken können. Anschließend berichtete Kreisseuerwebrinspektor D i ck o r e, Gießen, über die Tagung der Hessischen Kreisfeuerwehrinspektoren in Frankfurt a. M.. Stadt- branddirektor Braubach. Gießen, und der Vorsitzende, Drandinspektor F. Wenzel, Gießen, empfahlen für die nächsten Wintermonate die Veranstaltung von Vorträgen über die Feuerwehrsache. Sn längerer Aussprache beschäftigte man sich sodann noch mit der Frage der Anforderung der Kreismotorsprihe bei Dränden und mit den Kostenbeihilfen der Hessischen Drand- versicherungskarnmer. Tie früher schon oft besprochene Frage des Kommandos auf der Brandstelle wurde ebenfalls wieder eingehend erörtert und dabei wertvolle Anregungen gegeben. Hierauf konnte der Vorsitzende die Tagung in den frühen Abendstunden schließen. „Schwester Christiane läßt sich entschuldigen," entgegnete der Alte, „doch bei uns sind ja alle krank, sie kann nicht eine Minute abkommen. Aber —" Der Kutscher stockte und griff hastig nach Brigittas Koffer. „Sa, was haben Sie denn, Herr Andresen?" fragte Brigitta, da ihr sein staunend-zweifelnder Blick nicht entgangen war. „Hm, nichts für ungut, Fräuleinchen,“ antwortete der Mann verlegen, „aber Schwester Christiane hat Sie mir so ganz anders geschildert." „Ra, wie denn, lieber Andresen?“ „Sie sagte mir. daß Sie groß und stark wären, und nun sind Sie so fein und zart. Herrgott, tote sollen Sie nur all die Arbeit fertigbringen?“ „Deshalb machen Sie sich nur keine Sorge, Herr Andresen, ich kann schaffen für drei, und nun kommen Sie aber schnell, damit Schwester Christiane nicht so lange warten muß.“ Holpernd und schüttelnd rollte der Keine, einfache Wagen vor ein vollständig verschnelleS Gittertor. „Hier müssen Sie aussteigen. Fräulein,“ bedeutete ihr der Alte. „3ch fahre hinten herum, den Koffer bringe ich dann auf 3hr Zimmer. Klingeln Sie nur, meine Frau wird Sie hereinlassen." Damit fuhr er davon. Brigitta klingelte vergeblich: es kam niemand, um ihr zu offnen. Endlich drückte sie auf die Klinke deS ToreS, und nun merkte sie erst, daß es gar nicht verschlossen war. Sie trat ein und durchschritt schnell den breiten Vorgarten. Auch die Haustür des wuchtigen, zweistöckigen, villenartigen Gebäudes war unverschlossen. Sogernb trat sie ein. Sie stand in einer Art Vestibül. Eine große Lampe, die von der Decke herabhing. spendete mattes Licht, und zeigte freundliche, weihlackierte Bänke und Tische mit bunten Decken und Kissen. Eine gemütliche Wärme durchströmte daS Haus. 2aute8 Kinderweinen erscholl von oben herab, dazwischen mischte sich eine tiefe, wohttönende Frauenstimme. „Schwester Christiane." dachte Brigitta unwillkürlich. Ganz so hatte sie sich die Schwester des allen Sanitätsrats vorgestellt. Und plötzlich erschien vor ihr auf dem oberen Treppenabsatz eine hohe, stattliche Fra"engestatt. Sie trug ein hochgeschlossenes. dunkclb aues Wolllleid. 3hr weiße- Haar lag schlicht um den schmalen Kopf, und auS dem unendlich einnehmenden, keinesfalls unschönen Gesicht sahen zwei große, gütige Augen fragend zu ihr hin. .Schwester Christiane?" stammelte da« junge Mädchen, ganz fasziniert von der fcltfamen, Hohen Erscheinung. „Mein Gott, Kind, sind Sie etwa Brigttta Hollermann?" Dang es erstaunt-fragend zurück „Die bin ich, Schwester Christiane. Vielleicht haben Sie sich mich etwas anders vvrgestellt; aber ich kann arbeiten, und komme mit freudlg- helfendem Herzen.“ „Kind, Kind," sagte die Frau, langsam die Treppe herabkommend. „Was hat mein Bruder da angestellt? Sie sehen ja "us, als ob Sie eine Erholung viel nötiger als die Arbeit hätten." „Sch war sehr krank und bm nur noch ein wenig blaß, aber wieder kräftig genug, tüchtig zuzugreifen," antwortete Brigitta. Setzt stand Schwester Christiane vor ihr und sah ihr einen Moment fest in die Obigen. „Wäre ich nicht in einer so verzweifelten Lage, so würde ich Sie ohne welleres zurückschicken," sagte sie dann kopfschüttelnd, „so aber muh ich eS wohl oder übel mit Shnen versuchen. Richt böse fein, Kindchen, aber Sie sehen wirklich zum Erbarmen elend aus. Sch verstehe meinen allen Bruder nicht mehr." „Hier ist ein Brief, Schwester Christiane; vielleicht enthält er eine Erklärung," entgegnete Dri- gitta unsicher. Die alle Dame nahm ihn in Empfang und ritz ihn auf. Es dauerte sehr lange, biS sie wieder aufsah. Sn ihren Augen stand jetzt ein seltsam mit- leidiger Ausdruck, und plötzlich streckte sie die Hände aus und zog Brigttta fest an sich. „RochmalS willkommen, liebe Brigitta." sagte sie gänzlich verändert. „So wollen wir es zusammen versuchen, den guten, mutigen Willen lese ich ja aus ihren Augen. Kommen Sie, ich führe Sie schnell nach Sb rem Zimmer. Ruhen Sie ein Stündchen und kleiden Sie sich um. Zum Abendessen treffen wir uns dann hier unten Im Speisesaal, wo ich Die den anderen Schwestern vorstellen werde, und morgen früh beginnt dann 3hr ®iei st!" Wit dankerfülltem Herzen sah Brigttta Hollermann in die warm-blickenden Augen Schwester Christianes, und ein Gefühl der Geborgenheit überkam sie, so daß sie plötzlich, einem inneren SmpulS folgend, sich rasch niederbeugte, und die schönen alten Hände in heißem Dankgefühl küßte. — Das Zttrnner. in daS sie Schwester Christiane führte, war einfach, aber freundlich und sauber, und führte nach einem großen, verschneiten Park hinaus. Roch einmal nickte ihr die alte Dame zu und verlleh dann schnell das Zimmer. Brigitta Hollermann war allein. Sie war zum Fenster getreten und starrte hinaus. Langsam löste sich eine Träne aus ihren Augen. „Herr Gott, hlls mir, gib mir Kraft, daß ich in dieser neuen Heimat Wurzel schlage,“ murmelte sie leise. (Fortsetzung folgt) VO M AG ie etwa DrigiA 2282V In Konstruktion JlÖOi Kreuzplah 4 / Telephon 1649 0t272 niniiniiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiii'iiiiiiiiiiiniiiiiiiiii iiiiiiiiiiuini ijj.iim umimii r. Gießen, Seitersweg 46 2290a Die erfahrene TTluHeü gibt ihrem Rinde KufeKe Li.frifche LVaasen und Gewichte aller An empfiehlt u stellt eichfähig her M, und der Dor- enzel, Siehen, linfcrntonale die über die Feuer' W befestigte :age bet 2ütfor- ; Bränden und x \S)tN de» j auj der Brand- ingehend erörtert n gegeben. Hier- Tagung In den Karl Schmidt, Gießen, Neuenweg 42, Tel. 1075 uiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiuiiiniiiHiliiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiKititHtiitiiiiiiihiiiiiiiiiiiiiuniiic 1 Myrtenkränze I Orangenkranze | I Ärautbuketts 5 3 werben jedem Wunsche entsprechend gebunden = Blumengeschäft I^üger l Unter schwierigsten Verhältnissen tausendfach bewährt! GroßeVorteile durch das einzig dastehendeVomag»Finanzierungssystem VOGTLÄNDISCHE MASCHINENFABRIK A.-G., PLAUEN I.VOGTL General-Vertretung: GEORG KARL REIT, GIESSEN, Marburger Str. 34, Fernsprecher Nr. 298 Unerreicht Material und Leistung. 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Die Dersamm- lung, an welcher auch Vertreter der Landwirt- schaslskammer und des Hessischen LcmdburrdeS teilnahmen, war sehr zahlreich besucht, Vorsitz luhrte der Landesvorsitzende der hessischen Geflügelzuchtvereine, Veith (Reichelsheim). Das einleitende Referat erstattete Generalsekretär Dr. Strub vom Hess. Genossenschaftsverband- Darmstadt. Er wieS insbesondere darauf hin. daß Bestrebungen zur Organisation des gemeinsamen Eierabsatzes in ganz Deutschland wahr- zunehmen seien, und in anderen Gebietsteilen Deutschlands schon zu einem geregelten Abfatz und guten Erfolg geführt hätten. Er forderte die Versammlung auf, sich unzweideutig zu äußern, ob die Vorbedingungen für die Gründung einer Zentral-Eierverwertungsgenossenschaft gegeben seien und ob der genossenschaftliche Ab- sah von Eiern von den Landwirten selbst gewünscht werde. Rus sämtlichen Lleußerungen der Diskussionsredner lieh sich entnehmen, daß die Schaffung eines geregelten Absatzes durch eine Derwertungsgenosscnschaft unbedingt erforderlich erscheine und daß auf eine intensive Mitarbeit der Geflügelhalter gerechnet werden könne. D i e Gründung einer Eierverwertungsgenossenschaft wurde einstimmig beschlossen. Die Annahme des Statuts, der Geschäftsordnung und insbesondere die Wahlen der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder sollen in einer endgültigen Gründungsversammlung am nächsten Samstag, 23. d. M., in Gießen vorgenommen werden. Die Organisation ist in der 'Weise gedacht, daß als Träger der Derwertungs- genossenschaft außer den Geslügelzuchtvereinen und Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absah-- gerwssenschasten bzw. Konsumvereinen insbesondere die Molkereigenossenschaften fungieren. Selbstverständlich sei, daß auch Farmbesitzer der Genossenschaft als Einzelmitglieder beitreten können. Gießener Wochcnmarktpreise. Es kosteten auf dem gestrigen Wochenmarkt: Butter 180, Kochbutter von 140 an, Watte 30 bis 35. Wirsing 40 bis 45, Weißkraut 30, Rotkraut 30 bis 40, gelbe Rüben 25 bis 30, rote Rüben 25 bis 30, Spinat 90 bis 100, Unter- Kohlrabi 10 bis 15. Grünkohl 50 bis 60. Rosenkohl 70 bis 80. Feldsalat 250 bis 300. Endivien 150, Tomaten 80 bis 100, Zwiebeln 25 bis 30, Meerrettich 50 bis 150, Shwarzwurzeln 90 bis 100, Kartoffeln 6,5, ausländische Aepfel 60 bis 90, i irländische Aepfel 30 bis 40, Dörrobst 35 bis 40, Rüsse 70 bis 80. Honig 40 bis 50, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Tauben 80 bis 85 Pf. das Pfund' Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Eier 15 bis 16, Blumenkohl 80 bis 160. Salat 40 bis 45, Salatgurken 140 bis 150, Lauch 25 bis 50, Rettich 2) bis 30, Sellerie 20 bis 100 Pf. das Stück; Radieschen 40 Pf. das Bund; Kartoffeln 6 Mk. Borrwtizeu. — Tageskalender für Mittwoch Stadt, theater: „Cäsar und Cleopatra", 19.15 bis 22.30 Uhr. — Jungdeutscher Orden e. V-: Oefsentliche Versamm- lung, 20.30 Uhr, im Cafs Leib. - Stadttheater Gießen. Aus dem Stadtthcaterbureau wird und geschrieben: Die heutige Vorstellung von .Cäsar und Cleopatra" beginnt um 19'/, Uhr. — Freitag. 22. Mä«, geht als Lustsbielpremiere „Der Mustergatte' von Hopwood in Szene. Die wcib.iche Hauptrolle spielt Onge Scherer, es wirken ferner mit die Damen Heß und Jahn und die Herren Arzdorf. Baste, Cinlmann, Wesen er. Den Mustergatten gibt Julius Baste. — Sonntag, 24. März, findet die einmalige Wiederholung von Tolstois „Und das Licht scheinet in der Finsternis" statt. Sä® UI * W Sieben. •s’tt> 11 [ i ae “ ®le6e? W, Men, ^reisamts, ''Ken, uni die ^egiewngsrat ermiöetk uni Feuerlvfchtzefen ^Drtzef), Mme entföul» 1 erstattete den aS der Schrift, sichte des ver. )einrich.Lol« i Wannt Säwt- "spreche gench, lechmmgSprüfxrS M Dechner ein- adtbranddirektor i Vorstand Dank eit im 3ntercffc die Freilvll- "gen, dl« iur stimmig In den Antrag der vertreten durch , den Herbst' abzuhallcn, um i> für die Feuer- !> zu wirken; der agust stattfinden. 0 und 1931 sind dönS vorgesehen, ann auf chr 50* Lnnen. Änschlic- Vefleramt km Otaleinti ■ für gut begabt*- filtere Schüler mit bedeutendem Zeitgewinn — im I GieOeoer Pädagogium, LieMaOe 461 Fernrnf 275 2A\2b ■ Köpfchen so stark auf den Boden auf, daß es einen schweren Schädelbruch davontrug Auf ärztliche Anordnung wurde der Kleine sofort auf den Transport zur Gießener Klinik gc- bracht, doch trat schon unterwegs der Lod des armen Kindes ein. D Sich, 19. März. Am Sonntag fand die Wahl eines Vertrauensmannes zur Landwirtschaftskammer hier für den Vertrauensmännerkrcis Lich mit den Gemarkungen Hof Albach, Kolnhausen und Mühlsachsen statt. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich gering. Sämtliche abgegebenen S.immen fielen auf den Landwirt Christian Heller 11. hier. ©rüningen, 18. März. Bei der gestrigen Wahl eines Vertrauensmannes für die Wahl zur L a n d w i r t s ch a f t s k a m m e r wurde der Landwirt und Wagncrmeister Adam Buß gewählt. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 19. März. Die Anmeldungen zum diesjährigen Fasel-, Pferde- und Zuchtviehmarkt sind gegen die früheren Jahre bedeutend stärker. So sind zur Prämiierung gemeldet: 42 Belgier und 37 Oldenburger Pferde, 63 Bullen, 70 Kühe und 68 Rinder der Simmentaler, sowie 14 Rinder der Vogelsberger Rasse, außerdem 14 Zuchteber und Zuchtschweine und 21 Ziegen. An Prämien stehen zirka 2400 Mark zur Verfügung, hierzu kommen noch die von den Banken, dem Alathildenstift und den verschiedenen Vereinen und Innungen gestifteten wertvollen Ehrenpreise. Das mit dem Markt verbundene L Reit- und Fahrturnier des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Butzbach und Umgebung, findet unter Mitwirkung der Vereine Lich und Wettertal statt. Kreis Schotte«. ch Aus dem hohen Vogelsberg, 19. März. Vor einigen Jahren machte man hier den Versuch, junge Kirschbäume anzup,lanzen. Trotz der Kälte der letzten Monate kann man fest- stellcn, daß die jungen Bäume verhältnismäßig gut überwintert haben. Hoffentlich gelingt es, die Reuanpslanzungen zu erhalten. Mit Aepfel- und Birnbäumen scheint es über der 500-Meter- Grenze jedoch nichts zu werden. Veranstaltung noch eine besondere Beachtung zu verschaffen, haben sich die Gießener Buchhändler bereit erklärt, die Eintrittskarte für die Festveranstaltung am Samstagabend bei Büchereinkäufen bis zum 5. April zum Betrage des Eintrittspreises in Zahlung zu nehmen. Wan beachte die Einladung im gestrigen Anzeigenteil. •• 6 i n Gießener Kommunist vor dem Reichsgericht. Der Reichsgerichtsdienst des W. T. B. meldet aus Leipzig: Vor dem vier- ten Strafsenat des Reichsgerichts hatte sich am Dienstag der 32 Jahre alte Maurer Joseph Buß wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu verantworten. Rach der Anklage soll Buß, der Leiter der Schalmei-Kapelle des Rot-Front- kämpfer-Dundes in V i e ß e n ist, am 9. Juni 1923 an mehrere Reichswehrsoldaten eine Schrift „Fritz Wiedemann. Die Geschichte eines Rcichswehrsol- baten" verteilt haben, die die älnterwühlung und Zersetzung der Reichswehr bezweckte, um sie für den von der Kommunistischen Partei erstrebten älmsturz der Reichssorm reif zu machen. Buß wurde erst zwei Monate später ermittelt. Er bestritt, daß er die Schriften verteilt habe und erklärte, daß eine Personcnverwechslung vorliegen müsse. Er sei lediglich der Musik wegen in die kommunistische Bewegung eingetreten und wisse nichts anderes, als daß die Partei aus legalem, parlamentarischem Wege die Interessen des Proletariats vertrete. Die in Frage stehenden Schriften habe er nicht verteilt. Bei einer in der Wohnung Buh' vorgenommenen Haussuchung wurde ein Exemplar der Schrift gefunden, von dem Buh jedoch keine Kenntnis gehabt haben will,, und das nach seiner Angabe seine Frau in einem Lokal von einem. Hube- kannten erhalten habe. Die als Zeugen vernommenen Reichswehrsoldaten erkannten jedoch Buh — einige mit Bestimmtheit — als jenen Mann wieder, der ihnen die Schriften In die Hand gedrückt habe. Das Gericht kam zu der älcberzeuaung, dah Buh tatsächlich die Schriften verteilt habe und verurteilte ihn, dem Anträge des Deichsanwaltes gemäß, zu einem Jahre drei Monaten Festungshaft und 150 Mark Geldstrafe. ** Die Landwirtschaftliche Haushal- tunasschule zu Michelstadt eröffnet am 2. JuN einen neuen Haushaltungskursus. Anmeldun- ?cn zu diesem Lehrgang sind an die Landwirtschaftsammer für Hessen in Darmstadt zu richten. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten. Oberheffen. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 20. März. Der Gemeinderat be- schaftigte sich am Tlonta^abenb in einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung mit der Frage der Bekämpfung der Obstbaumschädlinge. Hierzu ist von der Landwirtschaftskammer eine Spritze zur Verfügung gestellt worden. Alle Besitzer, die eine Bespritzung ihrer Obstbäume wünschen, können dies bei der Bürgermeisterei melden. ton. Weicka rtshain, 19. Marz Am vorigen Sonntag ereignete sich auf dem Hofe der Gastwirtschaft „Zur Kreuzburg", Inhaber Ernst Horst, ein schwerer älnglücksfall. Das dreijährige, einzige Söhnchen Horsts war beim Spiel unbemerkt auf einen Wagen geklettert. Das bedauernswerte Kind stürzte dabei rücklings von dem Wagen ab und schlug mit dem ** Neues rovinzialtagsmitglied. An Stelle des bisherigen Pcovinziattagsabgeordneten Landwirt Georg Phckipp Dietz von Nieder-Erlen- bad), der aus der Provinz Oberhessen verzogen ist, tritt der Studienrat Professor Friedrich Müller in Büdingen als neues Mitglied in den Prooinzialtag der Provinz Oberhessen ein. •• Veränderung im GießenerKreis- tage. Die Kreiswahlkomrnission hat festgestellt, dah an d'' S elle deS verstorbenen Mitglieds des Giehene. Kreistags, Bürgermeister Will (TraiS a. Lda.), ut. Landwirt Hch. Wilh. Schm andt von Holzheim tritt. *• Evangelisch-kirchliche Personalien. Durch die Kirchenregierung wurde der Pfarrer Dekan D. Jakob Iaudt zu Planig auf sein Rachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen und ersprießlichen Dienste, mit Wirkung vom 1. Mai an, in den Ruhestand versetzt. **FürdieWahIzurLandwirtschof ts- kammer ist in Gießen der Oekonom Heinrich (3 o 11 m a n n als Vertrauensmann für Gießen und Wieseck gewähll worden. Eine Ausstellung von Handarbeiten wird in der Studien anstatt am morgigen Donnerstag und am Freitag veranstaltet. Die Ausstellung wird im Zeichensaale hergerichtet. Die Besichtigungszeiten sind aus der heutigen Anzeige zu ersehen. — Der Tag des Buches wird in Gießen, wie man uns schreibt, am kommenden Freitag 11 älhr vormittags durch Eröffnung einer Buchaus stellung in dem Lesesaal der älniversitäts« bibliothek ein geleitet werden. Oberbibliothekar Prof. Dr. Fritzsche wird durch eine kurze Einführung die Ausstellung, die bis einschließlich Sonntag von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt zugänglich ist, eröffnen. Für Samstag, 23. März, konnte der bekannte Talladendichter Börries von Münchhausen zu einer Vorlesung aus eigenen Werken gewonnen werden. Er wird eingangs kurz über die Bedeutung des deutschen Buchtages sprechen. Um die Gießener Veranstaltung zu einer starken kulturellen Kundgebung zu machen, ist der Eintrtttspreis so gering bemessen worden, daß alle Kreise unserer Bürgerschaft teilnehmen können. Umrahmt wird der litergrische Teil durch Wusikvorträge. ausgeführt von Mitgliedern des Musilloi;Ps des 1. Bataillons 15. Jnf.-Regiment. Alfred Dock hat einen Prolog zur Verfügung gestellt, d-r beim Beginn des Festabends gesprochen wirb. Un der ltireÄnzüge bei uns chemisch reinigen. Sie.sind dann stets gut gekleidet, die Grundbedingung zu, einem erfolgreichen Geschäftsleben. Färberei Braubachs Fischer 153SA Brise^'Bi5®8 Etamine — Schmücker Gasführende kaufhaus | BK Billige Slnunpl-und Sockentage bei M.G.Grode Gießen / Frankfurter Strabe 19 Neu eröffnet8!! Kredit! Neu eröffnet!!! Aditun^! Wir eröffnen morgen Donnerstag, den 21. März, mittags auch am hiesigen Platze SonnenstraDe 9, eine Filiale. Sie kaufen bei uns Damen-, Herren: sowie BurfdtensGarderobe in erstklassigen Ausführungen. 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März, von 11—13 Uhr und von 14—18 Uhr findet in unserem Zeichensaal eine Ausstellung von Handarbeiten statt, zu der wir die Eltern unserer Schülerinnen u. die Freunde unserer Anstalt herzlichst einladen. Gießen, 20 März 1929. DIE DIREKTION. Teppiche Uesen ohne Anzahlung auSw.Sve- Atnlbnuö, zahlbar m 12 Monatsraten. Erbitten Sie nn- verbindl. Berlreier- besuch linier 2472V an den Gletz. An,. IMMM nur anerlann:e Ab- iaaien aus östlichem Sandboden. 2565D la ipeisekariolleln (Industrie» Speise- uod Fel erkoiilraliee ca. 60 Beniner, nuherst billig Torlslfeuu.Topimull S.SauerL-Lo. Vnner und Büro: Walltorstranc 48, Te.evhon 1l54. wen Seeiadis ohne Kopf Pw. 35, örMMW 3 Pjd. 1.00, Siimmet Psd. 50. I^D Liebigstrabe 71. Telephon 1685. Das neue 16 P.S. ist eingetroffen! Interessenten werden um Mitteilung gebeten, wann Vorführung erwünscht ist Oberbessische Anto - und Fabnadindustrie Otto Göbel / Gießen Schiffen berg er Weg 24 Fernruf 102 Aelteste Auto - Reparaturwerkstätte mit eigener Vuikanisieranstalt 25530 Kreuzplatz 6 2I86A Mittwoch, 20. März 1929 Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Rr. 67 Drittes Blatt Jugend und Hochschule cllzahlung| er nicht nur geebnet, sondern direkt entzogen, wenn im Elternhau e dem schulpflichtig werdenden Kinde der erste Gang zur Schule als der Anfang vieler Freud« bringender Tage hingestellt wird, der es ja auch sein kann, wenn die Schüler wollen. Sie davon zu überzeugen, dah die Schule etwas ist. was man nicht nach Belieben besuchen oder vernachlässigen kann, dürfte nicht schwerfallen, sehen doch die Kleinen Üjre größeren Kameraden und Kamercünnnen jahraus jahrein denselben Weg gehen. Auch jedes Bemitleiden der schulpflicht,g werdenden Kinder ist streng zu vermeiden, wenigstens vor ihren Ohren. Ganz gewiß fällt es den kleinen Schülern im Anfang sehr schwer, längere Zeit hindurch stillsitzen zu müssen, aber das ändert sich bald. Der Unterricht für die Kleinsten ist auch heute so abwechslungsreich und beweglich gestaltet, daß es ihnen wirklich nicht schwer zu fallen braucht, die Schule nicht als Gefängnis anzusehen. Deshalb sind die Mitleidsäußerungen der Mütter vor den Kindern gar nicht angebracht. Hat man die Ueberzeugung, dah ein schulpflichtig werdendes Kind den herantretenden Anforderungen körperlich und geistig noch zu wenig gewachsen ist, so ist es ja möglich, die Schulpflicht hinauszuschieben. Milieueinslüssen abhängig. Treffend bemerkt Stern, dah die Eltern bei der Auslese mitzusprechen hcüien müsien. und daß nur die Kinder in die höhere Schule überwiesen werden sollen, deren Eltern einverstanden sind. Dah dieses Einverständnis freilich bei den Eltern aus sozial gehvbenercn Schichten leichter zu erreichen fein wird, dah diese sogar auf, die Umschulung drängen, während die Angehörigen so- Nachdruck verboten. Wenn man, wie ich, in der Bähe größerer Schu.cn wohnt und frühmorgens vom Fenster aus die Schulkinder beobachtet, die zur Schule gehen, so fällt einem bei aufmerksamer Beobachtung folgendes aus: Es gibt zwei Gruppen von Kindern. Die e.ne Gruppe ist diejenige, we.chr zur Zeit in di« Schule geht, ohne Hast, die Sachen ordentlich angezogen, die Mappe gefchnü.t. Die andere Gruppe ist diejenige, welche im letzten Augenblick a.8 den Häusern stürzt, den Mantel mitunter nur halb an, das Frühstücksbrot noch halb in dec Hand — heiß, aufgeregt und im Trab den Schulweg eilend. Cs drangt sich einem unabweisbar die Heber» zeugung auf, daß bei den Kindern, die dauernd zu spät und in dieser Hast zur Schu'le eilen — eine gelegentliche Vergütung kommt natürlich überall einmal vor —, dah bei diesen * typisch gehetzten Kindern etwas im Eiternhause nicht stimmt, daß man den We.t der „Stunde vor der Schule" nicht ersaßt hat. Es ist sehr schädlich für di« Gesundheit der Schu.kinder, sowohl wie für ihre Rerven, als auch für ihre Psyche, wenn sie vom Ausstehen bis zum Fortgehen hasten müssen, um zur Zeit beim Unterricht zu sein. Matt sollte es sich durchaus zur Regel machen, die Kinder so zeitig zu Wecken, daß genügend Zeit bleibt, um ohne Zeitvergeudung. aber mit (Gelassenheit alles zu er- ledigen, was nötig ist, ehe die Schule beginnt. Man sage nicht, daß jede Viertelstunde Schlaf für das Kind segensreich sei. So hoch man den Schlaf auch bewehrten mag, die Viertelstunde der längeren Ruhe ist kein Ausgleich für den Rachteil, welcher entsteht, wenn das K.nd sich hinterrode ter Straf* 19 her um so mehr abhasten muß. Man prüfe nur einmal nach, ob die Viertelstunde nicht leicht ge* Wonnen werden kann, wenn das Kind am Aoeiü) zuvor ein« Viertelstunde früher ins Bett geschickt wird. R.chts ist mehr geeignet, bei einem nervösen Kind die Rervosität zu steigern, als wenn es seinen Tag mit Hast beginnt, und in der Angst, von vornherein etwas zu versäumen. Und es ift geradezu typisch für das nervöse K.nd. daß es das Verhältnis von Zeit- und Lebensaufgaben zu meistern nicht imstande ist. Wenn ein Kind frühmorgens zur richtigen Zeit ausstehen, seine Toilette und sein Frühstück zur richtigen Zeit erledigen kann und den Schulweg in Gelassenheit macht, so kann man mit ziemlicher Sicherheit auf eine innere Ausgeglichenheit der Pchche schloßen. Das nervöse Kind dagegen findet sich gewohnlrch früh nicht aus dem Bett, es schiebt den Moment des Aufstehens so lange hinaus, bis es Anziehen und Frühstück in der größten Eile erledigen muh. Es seht sofort aus Angst vor dem Zuspätkommen Appe.itlosigkeit ein. Das sind dann die Kinder, welche nur ein paar Dissen des Frühstücks hin»- unterwüegen und, wenn man sie zw ngen Will, an Uebelkeit und Erbrechen leiden. Gewöhnlich tritt na h der inneren Aulregung und Unruhe, wenn diese Kinder glücklich die Schule erreicht haben, eine starle Reaktion ein. Die Kmder werden ebenso schnell müde wie sie vorher uber- angespannt gewesen sind. D.e Lehrer haben dann den Schü er mit der typ..chen Morgenmüdigkeit, toc. ’ e die Lernfähigkeit außerordentlich hemmt. A.l dies« DeLngstigungen und Hemmungen des nervosen Kindes las,en sich erheblich reduzir^n. wenn man der Stunde vor der Schule als ($r- zjeher oder Mutter besondere Aufmerksamkeit Liebeo 14-18 Uhr, und 13 Uhr und von iichensaal eine mg beiten Ter Schülerinnen ■rzlichst einladen- ,IE DIREKTION. SUROL“ irlanRen Sie sofort ■reichen Anerben- In Apotheken zu 11 268V zheitung, oder Zentral. rclchen oder Erwär- :s °° kühlen nesheuun6 zial tiefer stehender Schichten häufiger Einwände erheben werden, und daß allein schon dadurch die Kinder aus besser gestellten Kreisen wesentlich bevorzugt sind, erscheint sicher. 3n der Stadt werden im Wesentlichen wirtschaftliche Motive die Eltern bestimmen: denn sie sollen ja für das Kind nun noch länger sorgen: die gewährten Erziehung ibeihilsen reichen nicht aus. um die Kosten zu decken, und vor allem sie entschädigen nicht für den Ausfall an Verdienst, mit dem die Eltern für die Zukunft rechnen und auf den sie nicht selten angewiesen sind. Die Auslese soll nach vier Schuljahren erfolgen: nur in Ausnahmefällen ist eine Umschulung bereits nach drei Jahren möglich. Daß hier der Lehrer der abgebenden Schule allein nicht entscheiden kann, weil er zu sehr auf den Durchschnitt dec eigenen Klasse eingestellt ist und weil er die Anforderungen der weiterführenden Schule zu wenig kennt, dah aber auch der Lehrer der letzteren nicht entscheiden kann, weil ihm das Kind fremd ist. wird von Stern eindringlich und mit vollem Recht betont: hinzukommt, dah beide zu sehr auf die Leistung eingestellt sind. Erst durch das Zuiammenwirlen von beiden mit dem Psychologen läht sich ein einigermaßen sicheres Urteil über die Begabung des Kindes gewinnen. Beobachtung des Kindes an Hand eines nach psycho'ogischen G.sichtspun'ten zusammengestellten Schemas, Leistungsbeurteilung und Testprü- fung. Würdigung der gesamten Persönlichkeit des Kindes gemeinsam sollen entscheiden, ob es einer Schule mit höheren Dildungszielen überwiesen werden kann. Die bisher mit diesem Verfahren gemachten Erfahrungen zeigen, dah man sich auf dem richtigen Wege befindet: denn die Zahl der Versager war außerordentlich gering; sie betrug bei den Hamburger Auslesen nur etwa 2 Proz.; sie war bei Umschulungen ohne Zuhilfenahme der psychologischen Methode jedenfalls erheblich größer. Dis zu einem gewissen Grade ift natürlich jede Prognofe unsicher, aber die geringe Zahl der Versager zeigt doch, daß die Unsicherheit in diesem Falle gering ist. Weitere Untersuchungen haben ergeben, daß vollkommene Wandlungen in den späteren Schuljahren überaus selten sind, daß die Zahl nur etwa l bis 2 aus 1000 betrügt. Die guten Erfahrungen der Hamburger Testprüfungen sind zum Teil sicher in der sorgfältigen Auswahl der einzelnen Prüfungsaufgaben und in ihrer Anpassung an den besonderen Zweck, die Lehrziele der weitersührenden Schule, zu suchen. Dah cs sich hierbei vorwiegend um eine Untersuchung der sprachlich-theoretischen Seite der Intelligenz handelt, wurde bereits bemerkt; diesd scheint mir nun einer Prüfung relativ leicht zugänglich zu fein; ob das gleiche für andere Begabungsricht mgen zutrifft, möchte ich hier nicht erörtern. Wichtig wäre es, die Lebens- und Derufsschicksale der so Ausgewählten weiter zu verfolgen, um zu sehen, wie sie sich später im Leben bewähren; denn erst diese Bewährung im Leben wird über die Berechtigung der Auslese entscheiden. Die Stunde vor der Schule Von Lisa Honroth-Loewe. lese der überdurchschnittlich Begabten anzustreben. Und hier erheben sich nun die beiden psychologischen und pädagogischen Fragenkomplexe: ist eine solche frühzeitige Erkennung der Begabungen möglich, wie ist sie möglich und wie soll die Auslese praktisch durchgeführt werden, welche besonderen Einrichtungen find zu treffen, um den besonders begabten Kindern gerecht zu werden? Zunächst die psychologische Frage: schon seit einigen Jahrzehnten hat sich die Psychologie mit dem Problem der Begabungsdiagnose beschäftigt, und sie hat eine Reihe von Methoden ausgearbeitet, welche die Begabunasdia- gnofe und den Begabungsgrad feststellen sollen. Besonders waren es Binet und Simon, die hier bahnbrechend waren; ihre Methode hat den Weg durch die ganze Welt gemacht und überall anregend und befruchtend gewirkt; in den letzten Jahren ist das Verfahren besonders in Amerika weiter ausgebaut und praktisch erprobt worden, wobei es allerdings eine nicht immer wünschenswerte Mechanisierung erfuhr. In Deutschland waren es Reumann, William Stern, Otto Lieprnann, Bober- t a g und andere, die sich eingehender mit der Begabungsforschung beschäftigten. Die Methoden, die sich hier entwickelten, in erster Linie das Test» und das Beobachtungsversahren, haben bei aller Vorläufigkeit und Einseitigkeit doch zu einer Reihe brauchbarer Ergebnisse geführt. Zuerst beschäftigte man sich vorwiegend damit, die Minderbegabten auszuscheiden, und erst später ging man dazu über, auch die Höherbegabten feststellen zu wollen. Dah die von der Degabungssorschung ausgebildeten Verfahrensweisen hier Anwendung ftnben können, wird zuzugeben sein. Gibt man die Rotwendigkeit, einer Sonderung nach Begabungen an, so wird sich sogleich die Frage erheben, in welchem 211 ter diese eintreten müsse. Während die einen auf jeden gemeinsamen Grundschulunterricht verzichten wollen, fordern die arideren ein gemeinsames Durchlaufen der gesamten Volksschule: man wolle gerade die begabteren und geistig regeren Schüler derselben erhalten, um ihnen hier bereits ihre Verpflich- tung für die anderen zum Bewußtsein zu Bringen; man wolle keinen Begabungshochmut züchten, nicht ein Gelehrtenproletariat entstehen lassen. Stern sucht diese Einwände zu entfräftigen, indem er darauf hinweist, daß gerade im Interesse einer Kraftentfaltung eine Differenzierung notwendig sei; ein Unterricht, der auf den Durchschnitt zugeschnitten sei, könne die Kräfte der begabteren Schüler nicht voll beanspruchen, es fiele ihnen zu leicht, zu folgen, und sie würden nicht lernen, mit Fleiß und Mühe zu arbeiten. Für einen gesunden Wettbewerb sei eine gewisse Gleichheit des RiveauS erforderlich. Seien die Begabteren aber unter sich, so müßten sie sich in ganz anderem Maße anstrengen. Es komme hinzu, dah man gar kein Gelehrtenproletariat züchten, sondern jeder Begabung gerecht werden wolle. 2lun möchte ich hierzu bemerken, dah bisher doch vorwiegend die intellektuelle Dega- da Vertrauen und Respekt Herkommen, die doch unbedingt zum gegenseitigen Verstehen und In- einanderleben notwendig sind? Da wird alle Liebe und Mühe, mit denen die von ganzem Herzen ihrem Beruf ergebenen Erzieher der kleinen Menschenkinder unermüdlich um deren Anhänglichkeit und Respekt werben, vergebens sein. Don ganz unberechenbaren Folgen ist es, wenn die Eltern die Klagen ihrer Kinder über tne Lehrerschaft unterstützen, ohne sich erst einmal näher über di« Ursache zu unterrichten. In neunundneunzig von hundert Fällen werden die Klagen ohne weiteres unberechtigt, zum mindesten stark aufgetragen sein. Jedenfalls dürfen die Lehrer und Lehrerinnen vor den Ohren der Kinder nicht herabgesetzt werden, wenn sie üjre Autorität nicht einbühen sollen. Was aber soll aus einem solchen Kinde, was aus seiner Schulzeit werden? Sie wird ihm eine fortgesetzte Quelle der Verbitterung und Unzufriedenheit fein, in der aller Jugendfrohsinn fehlt. In solchen Fällen hilft auch nur ganz selten ein Wechsel der Lehranstalt, sondern nur ein offenes, vertrauensvolles Aussprechen zwischen Eltern und Lehrern. Allen diesen höchst verderblichen Vorkommnissen ist aber von vornherein der Grund und Boden Erster Echulgang. Von Johanna Weiskirch. Nachdruck verboten. Alljährlich, wenn es Ostern werden will, pochen nicht wenig Mütterherzen dem Tage bänglich entgegen, an dem es heiht, ihre schulpflichti» qcn Lieblinge zum ersten Gang in das neue Leben zu geleiten. 2lber noch weit mehr Kinder- Herzen zittern ihm ängstlich entgegen. Wenn man die Kleinen auf diesem, ihrer völligen Freiheit ein Ziel sehenden Wege beobachtet, wie sie - auf zögernden Füßchen und manchmal mit tränen- gefüllten Augen den M.ttern oder anderen Begleitern folgen, können sie einem sehr leid tun. Wer vermöchte es zu ergründen, was dann in den kleinen angstvollen Seelchen vorgeht, welche Vorstellungen sie quälen? Wer weiß es. welche Bilder sich an diesem Tage in sie einprägen, manchmal unauslöschlich, sie durch lange Zeit hindurch b s in ihre Träume hinein verfolgen? Kein Mansch, auch die eigene Mutter nicht, kennt sich volllommen in der Psyche eines Kmdes aus. Aus diesem Grunde aber hätte jede Mutter die nicht ernst genug zu nehmende Pflicht ihm den ersten Echiugang als einen wunderschönen Weg erscheinen zu lassen, auf den es sich schon lange zuvor freut. Dah das sehr wohl möglich ist, sicht man an den mit eilenden Schritten, fröhlichen Augen und lachendem Munde der Schule zustrebenden kleinen Buben und Mädels, die cs gar nicht erwarten konnten, bis sie ihr Ränzchen auf den Rücken und die Düchcrtafche in die Hand nehmen durften. Es ist mehr als töricht von Eltern, größeren Geschwistern und Dienstboten, den schulpflichtig werdenden Kindern bei jeder Gelegenheit die Schule als eine Hölle hinzustellen. in der man vom Lehrer oder der Lehrerin bei jeder Kleinig- leit an den Ohren gezogen, mit dem Lineal auf die Finger geschlagen, in die Ecke gesteift oder gar in eine finstere Kammer mit Ratten und Mäusen eingcsperrt wird. Kein Wunder, wenn es dann einem ängstlich oder sensibel veranlagten Kinde vor dem ersten Gange zur Schule graut uni) es in vielen Fällen nur mit größter Mühe da au zu bewegen ist. Rie werde ich, ein temperamentvoll veranlagt gewesenes Kind und das vierte in der sechs- zahligen Gefchwisterreihe, meinen an der Mutter Seite angetretenen ersten Schulgang vergessen, in dessen Hintergrund eine gewichtige Zucker- brezel des Hcimtragens harrte. Die freudige Er- Wartung, die mein Kinderherz bis zum Rande füllte, wirft noch heute, bis in meine Herbsttage hinein, ihren Schimmer. Mir war die Schule im Elternhaus als etwas so wunderschönes Rot- wendiges hingestellt worden, in dem man allerdings fleißig und aufmerksam sein müsse, um die Zufriedenheit des Lehrers zu Wecken und keine Strafe zu erhalten, daß ich gar nicht an der Wahrheit des Gesagten zweifelte. Es ist also nicht nur dem schulpflichtigen Kinde, sondern auch dem Lehrer und der Lehrerin gegenüber unverantwortlich gehandelt, wenn diese Erzieher, deren 2lmt gewiß nicht leicht ist als Schreckgespenster hingestellt werden. Wo sollen bung (und zwar nach ihrer logisch-theoretischen Seite hin) Berücksichtigung ge.unden hat und daß die Tests, welche zur Auslese benutzt wurden, auf eine Erfassung gerade dieser Dega- bungsrichtung gingen. Wenn es sich nicht um diese Begabung handeln würde, wäre auch nicht einzuschen, weshalb die Schüler das Klassenniveau weit überragen; man findet im Gegenteil, daß vorwiegend praktisch oder künstlerisch veranlagte Kinder in ihren Schulleistungen zu- rückbleiben. Diese werden von der Auslese, so tote sie bisher wohl vorwiegend gehandhabt wird, es gibt Ausnahmen, nicht erfaßt. Meines Erachtens liegt aber gerade hier eine ungemein wichtige Ausgabe: diese mehr einseitig begabten Kinder herauszufinden und zu fördern und auch ihre allgemeine und wissenschaftliche Bildung zu begünstigen, sie in ihre ganze seelische Dersafsung richtig einzuordnen. Stern hebt hervor, daß be. der Auslese vermutlich auch die Kinder aus sozial geboteneren Schichten besser abschneiden würden als die Kinder aus den unteren Volksschichten: „man bedenke, daß rein erbbiologisch betrachtet, die sog. gehobenen Schichten ja auch schon eine Auslese durch die Generationen hindurch darstellen, die mindestens 5um Teil eine automatische Begabungs- auslese ist; denn immer wieder arbeiten sich aus der breiten Masse neue Schichten nach oben aus Grund irgendwelcher höheren Geisteefähigkeiten. Infolge dieses Prozesses ist es sehr wahrscheinlich, daß überhaupt in den gehobenen Schichten schon erblich Hochbegabungen in größeren Prozentsätzen vorkommen als in der ungeliebten Masse: und darum wird in der freien Schulbahnkonkurrenz von Kindern aller Schichten auch tüns- tig ein recht großer Teil der Auegelesenen auf die Kinder der in der Kultur länger verwurzelten Schichten entfallen." Ich kann gegen diese Ausführungen gewisse Bedenken nicht unterdrücken. Daß die Kinder aus den verschiedenen sozialen Schichten verft, ied-ene Leistungen auf intellektuellem Gebiet oufzuwcisen haben, scheint nach den vorliegenden Untersuchungen und nach den täglich zu machenden Erfahrungen erwiesen. Aber hier spielt meines Erachtens das Milieu eine erheblich größere Rolle als die ererbte Anlage. Es wäre noch zu untersuchen, ob diese in den gehobencren sozialen Schichten wirklich häufiger eine höhere Ausbildung zeigt. Daß die Kinder gehobener soz ater Schi yten vermöge ihrer besseren Leistung bei den Begabung Prüfungen günstiger abschneiden, halte ich für sicher: die Prüfung prüft bestenfalls den Entwicklungsstand im gegebenen Zeitpunkt, aber nicht die ursprüngliche Anlage: dieser Entwicklungsstand ist aber von ihi en! .jitteiltuS & erloscht ist MsM jiefeen Fer^102 „sta« - UM Zum Problem der Schülerauslese Von Or. Phil. et. med. Erich Stern, a. o. Professor der Philosophie an der Universität Gießen. 2lls man während des Krieges in Deutschland an eine praktische Durchsührung von Mahnay- men zur Förderung begabter Volksschüler ging, da begegneten diese Versuche einem allgemeinen Interesse. In Tageszeitungen und in der pädagogischen Facypresie wurden sie eingehend erörtert; sie sanden bald begeisterte Zustimmung. übertriebene Hoffnungen knüpften sich an sie, bald stießen sie auf Zweifel und Äritif Seither ist es ruhiger geworden, was freilich n chl bedeuten soll, daß die Diskussion über die hier liegenden Probleme zum 2lbschliih geMMmen ist. Gerade deshalb aber wird eine Schrift Beachtung finden, die von sachkundiger Seite auf Grund der bereits vorliegenden Erfahrungen eine zusammenfasfende Darstellung der Fragen versucht, wie sie kürzlich der bekannte Hamburger Psychologe William Stern in seiner Arbeit „Probleme der Schülerauslese" versucht. Das Problem einer Förderung begabter Volks- schiller hat mannigfache Seiten: im wesentlichen drei vo.i ihnen behandelt William Stern: die ethische, die pädagogische und die psychologische. Geboren wurde die ganze Bewegung aus einem vor allem durch die Kriegserlebnisse geweckten Gefühl der Verantwortung für die sozial tiefer stehenden Schichten des Volkes: die höhere Schulbildung und damit der Zugang zu den höheren Berufen sollte nicht länger ein Privileg einzelner SHichten fein. Sollen für den Ausstieg in führende Stellen nicht mehr Herkunft, Besitz. Beziehungen maßgebend sein, fonoern die Qualitäten des Menschen, so muß der Weg freigemacht werden, daß wirklich alle im Menschen liegenden wertvollen Kräfte und Fähigkeiten sich entfalten können. Rur dann wird der einzelne auch sein Bestes für die Allgemeinheit zu leisten imstande sein. Dazu aber ist er verpflichtet; denn Begabung bedeutet nicht eine angenehme Gabe, deren der Träger sich freuen darf, sondern zugleich eine Verpflichtung, die er der Allgemeinheit gegenüber hat. Hnö diese wiederum hat die 2lufgabe. den Begabten zu fördern und ihm die Wege zum Aufstieg zu ebnen. Dabei wird betont, daß es sich nicht allein um eine Äh^e- rung der intellektuellen, vorwiegend theoretischen Begabung, handelt, sondern dah jeder Mensch irgendwelche Anlagen zu wertvoller Leistung besitze, daß es gelte, festzustellen und Sur Entfaltung zu bringen. In der Praxis freilich scheint es bisher so zu sein, daß die intellektuelle, theoretisch gerichtete Begabung eine vorwiegende Berücksichtigung findet, während für die übrigen Zöglinge weit weniger gesorgt wird. Will man den verschiedenen Begabungen gerecht werdens so müssen sie einmal möglichst frühzeitig erkannt werden, zum anderen aber ist auch eine Sonderung im Unterricht, eine Aus- schenkt. Man wecke daS Kind zwar behutsam, verlange dann aber mit sanfter Entschiedenheit, daß es kurz darauf ausstehe. Man überlass« es nicht feinen Träumereien, sondern bleibe unter Umständen dabei, bis es sich aus dem Deck her» aus und in die Realität des Lebens gefunden hat Ist es notwendig, so muh man auch eine gewisse Zeit hindurch das Anziehen überwachen, damit hier di« Zeit nicht nutzlos vertan wird. Selbstverständlich darf man h erbet selbst keinerlei Rer- vosität zeigen, sonst steigert man im Kinde gerade das. was man abdämpsen wollte. Man dirigier« nur so. dah das Kind eine Viertelstunde völlige Ruh« zum Frühstück gewinnt. Vorbedm- gung ist selbstverständlich, daß der ganze HauS- halt selbst pünktlich geführt, und daß das Frühstück zur Zeit auf den Tisch gebracht wird. Hat man diese Erziehung zur Ruhe eine Weile mft Konsequenz durchgeführl, so wird man sehr bald beim Kinde eine sichtbare Erleichterung verspüren. Cs wird dann nicht mehr dauernd der Kontrolle bedürfen, um das Kind zur richtigen Zeiteinteilung zu bringen. Das Kind wird jetzt die großen Vorteile, die ihm daraus erwachsen, erkennen, und wird jene Selbstdisziplin entwickeln, welche ein wesentlicher Faktor der späteren Lebensgestaltung überhaupt ist. Zu dieser Selbstdisziplin gehört natürlich, dah die Schulsachen unter allen Umständen am Abend vorher gepackt werden. Man halte darauf, dah dies sofort nach Abschluh der Arbeiten erfolgt. Bei nervösen Kindern, welche an der sogenannten neurotischen Morgenmüdipkeit leiden, ist es auherordentlich gut, am fr hen Morgen ein paar kleine gymnastische Hebungen zu machen. Diese Hebungen, welche man aus den Bewegungen der rhythmischen Gymnastik entnehmen soll, dürfen in keiner Weise den Körper anstrengen, sie sollen nur physisch und dadurch psychisch etwas von jener Schwungkraft geben, um über, die Morgenmüdigkeit Hinwegzukommen. (Selbstverständlich ist diese neurotische Morgenmüdigkeit nur ein Symptom für eine tiefer liegende Hrsache, und die paar gymnastischen Hebungen von fünf Minuten allmorgendlich können kein Heilmittel, sondern im besten Falle ein kleines Hilfsmittel fein.) Reben diesen Kindern, die sich nie aus dem Bett herausfinden, gibt es den entgegengesetzten Typ des nervösen Kindes. Dieses Kind wacht vor lauter Ängstlichkeit, etwas zu versäumen, viel zu ftüh auf, kann nicht mehr einschlafen, holt sich womöglich frühmorgens die Schulbücher noch einmal hervor, um zu wiederholen, was es doch am Abend vorher ganz gut gewußt hat: ist längst vor der Zeit angezogen und beunruhigt durch diese nervöse Heberpünktlichkeit sich selbst und seine Umgebung. Der Erfolg ist am Ende genau derselbe wie beim unpünktlichen Kinde. Hier wie dort wird ein Uebermah von Kraft zwecklos aufgewandt, um sich dann in der Reaktion der Müdigkeit zu zeigen. Solchen Kindern Hilst man am besten, indem man ihnen selbst einen Wecker gibt Sie werden sich allmählich davon überzeugen, dah sie eine Verspätung nicht zu befürchten haben. Allmählich werden sie vielleicht auch das Zutrauen zu ihrer Umgebung bekommen, dah man sie rechtzeitig weckt. Auch empfiehlt es sich, wenn diese Kinder frühmorgens vor der Zeit erfinden Sie bei: ;rsweg26 loschen, ihnen etwa- zu essen an8 Bett zu stellen; denn durch das Hungergefühl wird die Rervosität außerordentlich gesteigert. Man gestatte nicht, daß die Kinder vor der Zeit aufstehen oder im Bett lefen und arbeiten. Man bringe sie vielmehr dazu, ganz ruhig in ausgestreckter Lage bei möglichst etwas gelüftetem Zimmer im Bett zu verharren, bis die Zeit zum Aufstehen gekommen ist. Auch diese Selbftdrszi- plin wird dem Kinde in der Schulzeit wie späterhin nützlich sein; denn es ist eine sehr unangenehme Eigenschaft so gearteter Menschen, wenn sie späterhin aus nervöser Ueberpünktlich- keit sich und chrer Umgebung eine unnötige Unruhe schaffen. Der Mensch kann sich durch richtige Zeiteinteilung außerordentlich viel Annehmlichkeiten schaffen, wie Unannehmlichkeiten ersparen. Die Stunde vor der Schule ist gerade dafür eine gute Lehrmeisterin. Wirtschaft. Frühjahrs-Pferdemarli in Gießen. Der heutige Gießener Frühjahrs- Pferdemarkt hatte infolge der günstigen Witterung einen guten Besuch aufzuweisen. Allerdings war die Zahl der zum Markt gebrachten Pferd« gegenüber dem Frühjahrs-Pferdemarkb von 1928 geringer. Sie betrug 322 Pferde, 19 Fohlen. (Frühjahrs-Pferdemarkt 1928 — 369 Pferde, 18 Fohlen; Herbstpferdemarkt 1928 == 410 Pferde. 37 Fohlen.) 2m allgemeinen wurde gutes Material vvrgeführt. Der Handel war trotz des guten Besuches außerordentlich ruhig, fast schlep- pend, so daß allgemein geklagt wurde. Der schlechte Geschäftsgang wird auf die ungünstigen wirtschaftlichen Derhclltnisse, sowie auf den langandauernden Winter zurückgeführt, wodurch dem Landwirt manche Einnahme an Fuhrlohn usw. ausgeblieben ist. An Preisen wurden bezahlt: für schwere Pferde 900 bis 1000 Mk., bessere Pferde 600 bis 700 Mk., mittlere Pferde 300 bis 400 Mk. Schlachtpreise 60 bis 150 Mk. Reichsbahn und Waggonindustrie. 2n bem Communiqus über ihre letzte Derwal- tungsratssihung, welches die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft herausgegeben hat, wurde u. a. hinsichtlich der Schwierigkeiten der Finanzierung bei der angespannten Lage der Reichsbahn darauf hingewiesen, daß seitens der Reichsbahn jedem „annehmbaren Angebot auf Geldbeschaffung nachgegangen werden könne". Gegenwärtig sind Zwischen Reichsbahn, Wag- gonindustrie und Brückenbau Verhandlungen über die Erteilung neuer Reichsbahnaufträge in größerem Umfange wieder in den Vordergrund getreten. Cs handelt sich dabei um ein Objekt, welches für die Waggonindustrie einen Wert von rund 100 Mill. Mark, und für den Brückenbau von etwa 15 Mill. Mk. ausmacht, übrigens ein Projekt, welches schon im vorigen Jahre eine Rolle gespielt hat und daher seit langem in der Schwebe ist. Die ganze Angelegenheit ist eine Frage der Finanzierung, da es der Reichsbahn bei ihrer gegenwärtigen finanziellen Lage unmöglich ist, größere Aufträge an die Industrie selbst zu finanzieren. Man hat nun anscheinend versucht, i>en im Vorjahr vorgeschlagenen Weg der Selbstfinanzierung seitens der 3 n - dustrie natürlich unter Zuhilfenahme der Danken, die die erforderlichen Gelder zur Verfügung stellen sollen, erneut zu beschreiten, und die Angelegenheit ist bereits soweit gediehen, daß die Verhandlungen mit den Banken, besonders mit der Darmstädter Dank, die bekanntlich der Waggonindustrie sehr nahe steht, in den nächsten Tagen ausgenommen werden. Die Waggonindustrie ist zurzeit sehr mäßig beschäftigt und erneut an die Reichsbahn, die für das erste Halbjahr 1929 Aufträge in Höhe von 93 Mill. Mk. erteilt, jedoch später auch noch für das zweite Halbjahr 1929 „gestreckt" hatte, herangetreten, um weitere Destellungen zu erhalten. Zweifellos besteht bet der Reichsbahn em solcher Mehrbedarf. Wenn auch die Reichsbahn zur Zeit im Vorstadium der in den nächsten Tagen aufzunehmenden Verhandlungen eine Stellungnahme zu dem Projekt zur Zeit ablehnt, so ist doch anzunehmen, daß sie ihm und der besonderen Art der Finanzierung zustimmen dürste, da der beschrittene Weg sich tatsächlich als ein annehmbares Angebot auf Geldbeschaffung, dem ja, tote oben gesagt, nachgegangen werden kann, erweisen würde. Die Reichsbahn würde in die Lage gesetzt werden, den ihr gestundeten Gegenwert ihrer Aufträge später nach und nach aus ihren laufenden Einnahmen zu decken, wozu sie durch die Unmöglichkeit einer Anleiheaufnahme gezwungen ist. Anderseits würden auch die Danken wegen des geringen Risikos ein gutes Geschäft machen, desgleichen die Industrie. Es liegt natürlich nahe, daß auch die Lokomotivinbustrie, ber es recht schlecht geht, ben gleichen Weg beschreitet, wenn es zunächst für die Waggoninbu- strie und ben Drückenbau gelingt, zu einem erfolgreichen Abschluß zu kommen. • " DerErzbergbau im Februar. Heber die Lage des Erzbergbaues im Februar wird berichtet: Dei ben Siegerlänber Gruben haben sich Förderung und Absatz gegenüber dem Vormonat nicht wesentlich verändert. Das anhaltend kalte Frostwetter erschwerte ben Aufbereitungsbetrieb über Tage fehr und wirkte sich auf die Gestehungskosten der Gruben ungünstig aus. Die Verkaufspreise erfuhren keine Veränderung. Auch im Lahn- und Dillgebiet einfchl. Oberhessen brachte der starke Frost Störungen und Schwierigkeiten beim Versand. Der Umschlag in Oberlahnstein muhte ganz eingestellt werden. Da die Hilfsmaßnahmen der Regierung bisher immer wieder aufgeschoben worden find, hat sich in ber Rotlage der Grubenbetriebe nichts gebessert. v Bankverein Offenbach. Der Gesamtumsatz stieg im abgelaufenen Jahre von 320 auf 347 Millionen Mark. Geschästsguthaben erhöhten sich um 200 000, Spareinlagen um 200 000 und Depositen um 350 000 Mark. Der lmsatz im Wechsel- und Scheckverkehr belief sich auf rund 20 Millionen Mark. Aus dem Reingewinn von 91 195 (83 096) sollen wieder 10 v. f). Dividende verteilt werden. (Generalversammlung 25. März.) * W c st b a n k A.-G., Frankfurt a. M. Das Institut berichtet über eine wesentliche Steigerung der Gesamtumsätze, die mit 518,27 Mill. Mark angegeben werben. Das Wechselgeschäft hat sich verdreifacht. Die Einnahmen an Zinsen und Provisionen aus dem Kontokorrentgeschäft stiegen auf 0,576 (0,350) Mill. Mk., aus Effekten, Konsortialbeteiligungen, Devisen, Sorten auf 0,039 (0,037) Mill. Mk. Verwallungskosten und Steuern beanspruchten 0,292 (0,256) Mill. Mk. Aus dem Reingewinn von 350107 (152 917) Mk. sollen wieder 6 Prozent Dividende auf das diesmal voll d videndeberechtigtr Aktienkapital von 5 Mill. Mark verteilt werden. Zum Vortrag verbleiben 13 772 (9117) Mk. • Voigt & Haeffner A. G. Frankfurt a. M. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung wurden die Dilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäfts'ahr 1923 vorgelegt. Rach Abzug von 3,832 (2,979) Mill. Mk. äln- kosten und 0,776 (0,549) Mitt. Mk. Abschreibungen verbleibt einfchl. 66 929 Mk. Vortrag ein Reingewinn von 809 746 (680 769) Mk. Der auf den 23. April einzuberufenben G.-V. wird daraus die Verteilung einer erhöhten Dividende von 9 (8) Prozent au* 7,5 Mitt. Mk. Stammaktien, 8 Prozent auf die 2,5 Mill. Mk. Vorzugsaktien und 7 Prozent auf die 200 000 Mk. Vorzugsaktien L—U vorgefchlagen. Dem Wohlfahrtsfonds sollen 60 000 (50 000) Mk. überwiesen und die restlichen 77 676 Mk. vorgetragen werden. * H. Fuchs, Waggonfabrik, A.-G., Heidelberg. Die auf den 23. d. M. einberufene Gneraloersammlung ist, wie WTB.-Hcmdclldienst erfährt, abgesagt worden, da sich die Stadt Heidelberg bis zu diesem Termin über die Kcedithingabe noch nicht schlüssig werden kann. Aus dcm gleichen Grunde ist bekanntlich von der Verwaltung und dem Gläubiger-Ausschuß ein neues Vergleichsverfahren beantragt worden, da das erste Verfahren bis zur festgesetzten Frist vom 15. März nicht erledigt werden konnte. * Unveränderte Dividenden i m Salzdetfurthkonzern. Die Kaliwerke Salzdetfurth A.-G. verteilt aus einem Reingewinn von 3,80 (2,59) Mill. Mk. wieder 15 Proz. Dividende. Der Reserve werden 1,21 (—) Mill. Mark überwiesen und 0,19 (0,18) Mill. Mk. vorgetragen. — Die Kaliwerke Aschersleben weisen aus 2,42 (1,73) Mill. Mk. Reingewinn 0,39 (—) der Reserve zu, verwenden 0,30 (—) Mill. Mk. für Sonderabschreibungen, verteilen wieder 10 Prozent Dividende und tragen die restlichen 0,17 (0,16) Mill. Mk. vor. — Dei den Konsolidierten Alkaliwerken Westeregeln beträgt der Reingewinn 2,43 (1,83) Mitt. Mk. Der Reserve sotten 0,60 (—) Mitt. Mk. überwiesen, wieder 10 Prozent Dividende ausgeschüttet und 0,17 (0,17) Mill. Mk. vorgetragen werden. * Maschinenfabrik Eßlingen A.-G. Die Dilanz für das abgelaufene Geschäfts'ahr ergibt einschließlich des Vortrages vom Vorjahre mit 297 473,10 Mk. einen Reingewinn von 350 588 Mk. Der Aussichtsrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, ber auf ben 30. April einzuberusenden G.-2. vorzuschlagen, ben Gewinn auf neue Rechnung vorzutragen. Von ber Ausschüttung einer Dividende soll abgesehen werden. ' Maschinenfabrik Buckau R. Wolf A.-G., Magdeburg. Der Reingewinn beträgt nach 845 022 (605 910) Mk. Abschreibungen 1408 883 Mark. Der Aufsichtsrat schlägt ber auf ben 5. April anberaumten Generalversammlung eine Dividende von wieder 10 v. H. auf das erhöhte Aktienkapital vor. Frankfurter Börse. Frankfurt, 20. März. (Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz."). Tendenz: behauptet. Im heutigen Vormittagsverkehr Hörle man toei- tcr höhere Kurse. Zum offiziellen (Beginn der Dörse war die Haltung weiter freundlich und zuversichtlich, doch traten auf verschiedenen Märkten keine Rückgänge ein. Das Geschäft war nicht ganz so umfangreich wie gestern, da sich das Publikum nach wie vor stark zurückhielt. Weitere Orders dürften vom Auslande wieder Vorgelegen haben, und Spezialwerte, die bei lebhafter Rachfrage wieder größeres Geschäft zu verzeichnen hatten, standen im Vordergründe. Der feste Verlauf der gestrigen Reu- horker Dörse und die am dortigen Platze stark haussierenden Kupferaktien wurden günstig beurteilt. Etwas zur Zurückhaltung mahnen auf der anderen Seite verschiedene Lohnkämpfe im Reich, doch wurde dieser Tatsache wenig Dedeutung beigemessen. Ausschlaggebend blieb die stärkere Beteiligung des Auslandes am Börsengeschäft. Auch die im Verlaufe in wieder etwas erheblicherem Maße eintreffenben Orbers von dieser Seite hatten eine zeitweise stärkere Belebung des Geschäftes auch an ben Rebenmärkten zur Folge. Eine lebhaftere Geschäftserscheinung konnte auch heute am Danke n m a r kt feftgcftellt werden. Hier waren vor allem Reichsbank plus 3 Prozent gefragt, die übrigen Werte dieses Marktes waren bis zu 2 Prozent gebessert. Schon zur ersten Rotiz waren sehr viele Papiere notiert. Weiteres Interesse bestand für Bergmann, plus 2 Prozent, und auch verschiedentlich für Siemens. Behauptet lagen Licht & Kraft und Elektrische Lieferungen. Far- benaktien 1 Proz. schwächer, während die übrigen Chemiewcr e etwcs fe er trg:n. An Moua m rk. waren Kupferwer.e stärker gefragt. Oktaviminen gewannen 2 Mk.. Mansfelder etwas gedrückt. Mannesmann minus 1,5 Proz. Karstadt plus 2 Mk., Svenska minus 2 Mk. Am Rebenmarkte waren Thüringer Elektrische Lieferungen mit plus 4,5 Proz. stark gefragt. Vereinigte Glanzstoff minus 2,5 Proz.. Zellstosftoerte etwas höher. Sonst waren nennenswerte Veränderung n nicht zu verzeichnen. Renten still. Deutsche Anleihen gehalten. Ausländer eher etwas abbröckelnd. Rach den ersten Kursen konnte die GefchäftZbelebung weitere Fortschritte machen, die Tendenz wurde fest. Im Vordergründe standen Eleltrowerte. Siemens konnten bei reger (Nachfrage 4 und Schultert 3 Proz. anziehen. Am Geldmarkt war der Sah für Tagesgeld mit 5,5 Proz. leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.2142 gegen Pfund 20,461. London gegen Kabel 4,8535. gegen Paris 124,29, gegen Mailand 92,72, Madrid 32,25, gegen Holland 12,1190. Berliner Börse Berlin, 20. März. Auch zu Beginn der heu- tigcn Börse konnte sich die s r e u n d l i ch e G r u n d- st i m m u n g der letzten Tage erhalten, doch war zu bemerken, daß sich die ll m s a tz t ä t i g k e i t in ruhigeren Bahnen bewegte. Vorliegende Momente konnten nach beiden Seiten auf die Tendenz wirken. Eine Erklärung des englischen Wirtschaftlers Paish, in der von einer bevorstehenden W c l t f i n a n z k r i s e die Rede ist, ergebnislose Verhandlungen über Lohnstreitigkeiten an verschiedenen Stellen im Reiche, einige Insolvenzen an der Börse und ein eher ui günst ger Bergbaubericht für den Monat Februar beeinflußten die Börse nach unten, das trotz höheren Geldsatzes feste Reuyork, die Salzdetsurthab Schlüsse und die Ausführungen des Geheimrates Bosch über seine Amerikarcise beeinflußten die Börse nach oben. Das Wichtigste für die heutige Börse war wieder, ob das Auslandinteresse anhalten wird. Man befürchtet doch, wenn auch nur eine geringe Verflachung des Reportgeldsatzes und eine eventuelle Erhöhung um 0,25 o H. Auch die Pariser Verhandlungen dürften vor Ostern kaum zu Ende gebracht werden, und man rechnet bereits mit einer Unterbrechung vom 28. März bis nach den Feiertagen. Zu den ersten Kursen waren die meisten Werte kaum verändert. Durch schwache Haltung fielen Harpener, Chade und Svenska auf, dagegen lagen Metallwerte unter Führung von Otavi, Sch'e- sis'che Zink und Fahlberg, Chemische Heyden usw. fest. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer etwas freundlicher. Pfandbriefe ruhig, zum Teil um eine Kleinigkeit schwächer. An der Haltung des Geldmarktes hatte sich wenig geändert. Tagesgeld mit 5 bis 7 v. H. und darunter wieder erleichtert. Der Verlauf war zunächst nicht einheitlich, später wurde es aber vom Siemensmarkt ausgehend allgemein wieder fester. Kaliaktien unter Führung von Salzdetfurth und Kunstseidenaktien bis zu 5 v. H., Polyphon plus 8 o. H und Otavi mit einer weiteren Mark gesteigert usw. Bemerkenswert vernachlässigt lag der AEG.-Markt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 20. März. Der heutige Produkienmarkt verkehrte infolge ber schwächeren Auslandnotierungen in sehr lustloser Haltung. Die Tendenz neigte nach unten, da auch Material ziemlich reichlich an den Markt kam, bem aber nur wenig Kaufinteresse gegenüberftanb. Die Preise blieben im allgemeinen behauptet. Mais für Futterzwecke und Weizenkleie, sowie Roggen waren stärker angeboten. Dementsprechend war Mais 0,25 Mk., Mais für Futterzwecke sogar bis 0.50 Mk. ermäßigt. Es wurden notiert: Weizen 24 bis 24,15; Roggen 23,25 bis 23,50; Sommergerste für Drauzwecke 24; inl. Hafer 24,50; Mais (gelb) für Futterzwecke 24; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 33,75 bis 34,25; Roggenmehl 30,75 bis 31,75; Weizenlleie 14,15; Roggenkleie 15,50 Mk. Tendenz: schwach. Kirche und Schule. Oekanaistag in Lauterbach. hml. Lauterbach, 18. März. Der Deka- natstag des Dekanates Lauterbach wurde dieser Tage hier in Lauterbach abge- halten. Den Verhandlungen, zu denen 45 Abgeordnete erschienen waren, ging ein Gottesdienst voraus, in dem Pfarrer Bohn aus Quecke über Apostelgefchichte 4,23 bis 31 predigte. Rach der Eröffnung und Begrüßung der Anwesenden, wobei besonders des bald 50 Jahre dem Dekanatsausschuß und dem Landeskirchentag angc- hörenden Geheimen Iustizrats Wahl in Schlitz in Anerkennung und Dankbarkeit für seine wertvolle und treue Arbeit für Dekanat und Landeskirche gedacht wurde, verlas Dekan Schlösser den Bescheid des Landest.rchenamtcs zum Deka- natstag 1927. Die Wahlen zum Dekanatstag wurden genehmigt und der Jahresbericht des Detanatsausschusses für 1927 und 1923 verlesen. Die Rechnung der Dekanatskasse für 1925/27 und der Voranschlag für 1930 und 1931 werden gutgeheißen. Zu weltlichen Mitgliedern des Deka- natsausschus es sind gewählt: A.töürgermeister Schäg (Ober-Moos), Jost Fiedler (Landen- Hausen), Konrad Zinn i. (Maar) und Bürgermeister Thomas Stock (Dlitzenrod). Zum D e - k a n wurde einstimmig w.iedergewählt Dekan Schlösser (Lauterbach), zum Dekanstellvertreter wurde Oberpfarrer (Bodner (Schlitz) toic» dergewählt und als Stellvertreter beider im Dekanatsausschuß Pfarrer Bohn (Queck). Darauf hielt Stadtpfarrer K n e l l (Lauterbach) einen Vortrag über „Kirche und Presse", dem sich die Berichterstattung der Vertrauensmänner für die Aeutzere Mission, Pfarrer Bohn (Queck) und Pfarrer Z e h f u ß (Hopsmannsfeld) anschloß. Mit dem Liede „Ach bleib mit deiner Gnade" wurde der Dekanatstag geschlossen. Taten für Donnerstag, 21. März Sonnenaufgang 6,2 Hhr, Sonnenuntergang 18,14 älhr. — Mondaufgang 13,11 älgr, Monduntergang 5,0 Uhr. 1685: Johann Sebastian Bach in Eisenach geboren; — 1763: der Dichter Jean Paul (Friedrich Richter) in Wunsiedel geboren; — 1809: ber Staatsmann Jules Favre in Lyon geboren; — 1871: Eröffnung des ersten deu.schen Reichstags in Berlin. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkünbigungsblatt ("Ir. 17 vom 19. März enthält: Die Wahlen zum Provinzia^tag ber Provinz Oberh s,c.n. — Wahl ber Kreistagsmitglieder für den Kreis Gießen. — Reichssteuerüberweisungen. — Anmeldung unsallrer-ich r. n s f i t g r Betriebe undTätig- feit:n. — Die Ausführung des älrkunder.stempel- gesehes. — geueroiStationen. — Einführung eines neuen Lesebuches für die Fortbildungsschulen.— Verbot von ött-ntlichen Lustbarkciien. — Dienst- nachrichten. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Mittwoch, den 20. März. Sladttirche. 6 Uhr: 6. Passionsandacht; Pfarrer Mahr. Freitag, den 22. März. Kapelle des Allen Friedhofs. 6 Uhr: Passions- andacht; Pfarrer Lenz. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse ftranffurt a M. 19.3. 124,5 450 447,5 264 55 55 56 72 114 142 23,13 Banknoten Die hinter ben Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbantdislont 6,5 Prozent, Lombardzinssuß 7,5 Prozent. 12 18 64,5 87,5 10 , 8 10 90,5 279,5 142 23,5 102,5 290 242,5 446 383 262,5 6 13 8 o o 6 10 O 6 6 O 6 11 263,5 189 12 12 8 10 b 8 ^ranlfur^7sL^"™^äedin 73 114 117 141,5 23,25 103 115,5 213 146,75 213 146,75 65 87,5 Devi.enmarkt Berlin-Frankfurt a M. Telegraphische AuSza hlunq. 127 290 242 448 385 263,5 186 119,13 218 55,75 I 51,75 54,75 | 218 eng. Dvuiche Wienbahn Hamburg-Amerika Patel • Hamb.-Südam. Dampsich. Hansa Dampfldiiff • Norddeutscher Lloyd . . QUIfl. TeutidjeSrebltanft. . «armer Bantverel» ■ . Berliner HandclegeleUlch. • Gommers- und Privat-Bank Darmst. u. Nationalbank Deutsche Bant Diekonio-Nesellichast Ant.. Dresdner Bant • ÜRÜielbeutldif Gtebttban! . Metallbank . ...••• vietchSbank .«••••• 119,5 219,25 55,13 51,9 54,5 219.5 32,25 90 281,75 . *y. . . s . . 8 . 10 . 6 . 10 . 10 . ir ii 12 10 . 10 . 10 20 3. —126 Datum -vMiitann...... Heidelberger Gemen! .... ! Gement Karlstadt ..... 9Bat)6 4 Freitag..... ! Schult!,etr Patzenhofer ... Ostwerke....... • : Ber. Glanzstoss......: Bemberg .... Zellstoss Waldhos Zellstofs Aschassenburg ... Charlottenburger Wasser • . . Tcilauet Wa«..... . . Daimler Motoren ...... Demag ...... flbleiroede ÄleDer...... Luvn». Loewe ...... Nat. Automobil ....... Crcnfleln & Koppel..... Leonhard lieft • ...... Bamag-Megutn ...... Franks. Maschinen...... GJriftnet......... Hculiaenstaedt . ..... Iunghan». . ....... Lechwerke. ......... Mainkrastwerk» ...... Mag. ....... Nekarsulmer ........ PeterS Union ........ Gebt. Rocoer ....... Voigt 4 Haessner...... Sltdd. Zucker........ Berl । Schl»s Ulntnnfl fli r SchluhF l Ubr fl»r^ ‘Hufe 19.3. | 20.:. 124,5 | 126,25 142 142 173 - 128,5 I 129,75 Berlin. 19. März Geld •■bru t (fcaiijüiiid)« Diolen . 12,47 16,53 uoilänDtiajc Noten...... 168,28 168.96 Ft lienischr Noten...... 22,16 22.24 Norwegische Noten ..... Deutsch Desterr,ä 100 Kronen 112,18 112,62" 59,03 59,27 Numänische Noten...... 2,487 2.507 Schwedische Noten...... 112,23 112,67 Schweizer Noten ...... 81,03 81,35 Spanische Noten....... 64,16 64.44 Tschechoslowakische Noten .. 12,45 12,51 Ungarische Noten 73,22 73,52 ."srantsurl a M. »Benin Schluß- Kure 1 l Uhr- Kurs Cch'ub- Kurs Ansang Kur« Datum 19.3. | 20-3. 19.3. 20.3. Vl.iz.u). ..... . t 178,9 178 177,25 177,75 . 0 218 220 217.9 218,25 (Llckir. Lteserungen..... 10 169,5 169,5 169,75 169,25 llicht und Stasi ..... 10 214 214,25 214 213,13 Felten 4 Guilleaume.... . 6 145,5 — 145,75 145,5 Ges. s. Elettr. Unicrn..... 10 237 236,25 236 237 Hamv. Elektr. Werke «... 10 — - 148 148 Rhein. Elektr...... . . 9 166,5 166 165,75 166,75 Schlei. Elektr........ 10 — — 207,5 207,5 Schlickert ....•••• . 8 226 227,5 226.5 226,5 Siemens 4 Halske ..... 12 384,5 385 382,5 383 Tronoradio ...... . 8 — — 158,5 159,25 10 167 — 164,5 167 Buderus . ...... . 5 79,25 79.5 79,5 — Deutsche ErdSI ...... . 6 123,75 124,25 123,25 123,75 Essener Sletntohls..... . 8 — — 127,5 128 Geilenkirchener . . . L ¥i I 4 131,25 —— 131 130,5 Harpener......... . 6 137,5 —• 137,75 136 . 8 — — 122,75 — Ilse Bergbau....... . 8 212 — 210.5 211 Möckneiwerke....... . •< 106,75 107 107,25 107,5 .................... . 9 — — 120,4 121,25 Mannesmann....... . 8 117,5 116 116,75 116,5 ManSselber...... • • . 1 130 129,5 129,25 129,9 Oberschles. Eilend. Bedarf. . . 6 — — 87,75 88,75 Oberichlei. Kokewerte . - . 6 — — 104,25 104,5 Phönix Bergbau ... 5Vj 95.75 94,9 '5.75 — Rheinische Braunkohlen . . 1« 295,5 — 294 293,5 Rheinstahl |. % Jahr VA 127 126,75 127 127,5 Riebeck Montan...... l;. — 142 143,25 Bereinigte Stahlw..... . i 92,25 92.4 92,5 92,4 Otavi Minen ..... 8$l — 72.4 70 71.4 Kali LscherZlebcn . . • • • 1< 218 - 217 217,75 MaM Westeregeln. . . • • . 1< 222,5 222,4 223,75 223,25 Kaliwerk Salzdetlurth . . . !!• 326,5 325,5 326 325,75 z. 0». garben-Industrie . • . U 250,9 249,75 250 250 Dnnamil Nobel ...... • —• 115,25 •— . 9 170 — — — . 6 91 — 91 91,25 Rüigerswerke ...... . 6 92,75 93,25 93 93,75 Melallgelellichaft. . ■ • . . 11 IN — — — Schlub- Kurs I-Upt flute Schluh-stAnjong flute flute Datum 19-3. 20-3. 19.3. 20-3. S% Dl. Hrelchsanleihe >. itiz- Di. Anl>Ablvi.-Schulo mit Aus 87,3 — 87,5 — lol.-Rechien 54 — 54 — Dergl. ohne Auslos.-Rechte 7% Front,. Hyp.-Bl. Goldps. luv 12,45 — 12,4 12,6 kündbar bis 1933 90 — ■— ■* 4V*% Rheiniiche Hnp.-Bant Ltau Goldps. a.tt.®. abg. Bottriegs-Obligation. 81 — — — rückzahlbar 1032 88,5 — — — 4% Schweiz. Bundesb.-Anl.. 97,751 — — — 4% Cc(icneld)Hdie Goldrte.. 31 — 31 — 4,20% Ceften. Gilbende. 2,9 — — — 4% Oesterreich, einheill. Rte 2,05 — — «— 4% Ungarische Goldrte. 25 —— 25 — 4% Ungarische Gtaatsr. v. 1010 4%% desgl. von 1013 21,4 — 21,5 *- — 22,5 — 4% Ungarische Kronenne- 2,05 — 2,05 —— 4% Türk. Zollanleihe v. 1011 4% Türluche Bagdabbahn-Anl. 11,65 11,5 11,4 — Serie 1 10,9 — 10,8 11 4% desgl. Serie N 4% Rumänen convert. Rte. 11,1 — 11 11,3 9.1 — — — 4Vj% Rumänen Äoldanl. von 1913 19,13 — 19,25 — 19. M rt 20- März Sinti liebe Notierung Amtliche 9 ioiierung Prier t«eld Brie- .'luvt- Non. 168,62 168,9b 168,64 168,98 Bun.-AireS 1,775 1,774 1,769 1,773 Brss.-Antw- 58,455 58,575 58,45 58,57 Christiania. 112,32 112,54 112,29 112,51 Atop.’iihno.'n 112,25 112.47 112,20 112,42 Stockholm • 112,49 112,71 112,46 112,68 HcliingforS. Italien. . London. . . st.'euyork . . PuriS. . . 10,592 10,612 10,592 10.612 22,05 22.09 22,05 22,09 20,445 20,485 20,438 20.478 4,2165 4,2185 4,2105 4.2185 16,445 16,485 16.44 16,48 Schweiz .. 81,01 81,17 80,995 81.155 Sva t:n • 63,34 63,46 63.48 63.60 Japan -• • 1,878 1,882 1.879 1,880 Rio de Jan Wien in D-> 0,501 0,503 0,500 0,502 Cefl. abgest 59,145 59,265 59.165 59,285 Prag • ■ • ■ 12,463 12,483 12,467 12.487 Belirad . • 7,397 7,411 7.395 7.409 Dudav.''t. . 73.37 73,51 73.37 73,51 Bul arten 3,041 3,047 3,041 3.047 Lissabon 18,82 18,86 18,82 18,86 Tanrfl - • • 81.72 81,88 81.70 81.86 Konst nliu. 2,073 2,077 2,072 5.45 Alben. . 5,44 5,45 5,44 2,076 Lanada 4,186 4,194 4.184* 4,192 Urn uan 4,266 4,274 4,266 4.274 Cairo • • 20,97 21,01 20,96 21,00 — 929 129 128,75 —- —- 196 197,75 —— — 170.25 —• — 125,75 125,75 139.75 141,75 141.5 141,75 — 141,5 141,25 142,25 — 226.5 224,25 225 198 198 197,25 197,75 278,5 280,4 279,5 280 172,5 174.75 173,5 174.4 164,4 164.75 164,9 165 169.25 170,25 170 170,25 — — — — 134 136.5 136,65 137 310 315 311,5 313,5 Berlin. 19 März Weib lief .. ..rtiuunaje Noten ..... 4,204 58.33 111.98 20,43 4,224 belgische Noten ..... . 58,57 Dänische Noten ....... 112,42 Englische Noten........ 20,51