Nr. 297 Erster Blatt 179. Jahrgang Donnerstag, 19. Dezember 1929 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monat» vezugrpretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüsse unterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hießen. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvS unv Verlag: vrühl'sche Unlverfitätr-Vuch. und SteindruSerel H. Lanze in Sietzen. Schriftleitunz und SeschZft5ftelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher» Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrist 20“/, mehr. Chefredakteur: Dr Friedr Wilh. Gange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler^ sämtlich in Gießen. Sanktionen im tzoungplan? pariser Blätter unterstellen dem britischen Schahkanzler die Absicht, die Reparationskommission auch im ssoungplan verankern zu wollen. —Zn England wird jeder derartige plan abgeleugnet. Berlin. 18. Dez. (Priv.-Tel.) Don Frankreich her wird jetzt gegen die Reparationslösung wieder ein erhebliches Störungsfeuer geschossen. Der politische Berichterstatter des »Echo de Paris", Pertinax, ist nämlich heute mit der sensationellen Enthüllung herausgekommen, daß der englische Finanzministcr Snowden die Absicht habe. Sanktionsbestimmungen noch nachträglich in den endgültigen Reparationsvertrag hineinzuarbeiten. Pertinax behauptet, daß Snowden nicht gleich an die Wiederbesehung des Ruhrgebietes oder des Rheinlandes denke, aber er unterstellt ihm die Absicht, die Reparationskommission in ihren alten Befugnissen zu bestätigen und wieder aufleben zu lassen, das wäre insofern ein ganz neuer Gesichtspunkt, als bisher in allen Verhandlungen darüber Einigkeit bestanden hat, daß die Reparationskommission aus Grund der neuen Reparationsregelung stillschweigend in der Ver- senkung verschwinden soll. Es erscheint nicht sehr wahrscheinlich, daß Snowden die ihm von Pertinax angedichtete Auffassung wirllich im Haag vertreten wird. Das Vorgehen des Pariser nationalistischen Blattes ist aber ein bedenkliches Anzeichen dafür, in welcher Richtung die französische Rechte, die doch in der Regierung magheblich vertreten ist, für die bevorstehende Konferenz ten Ministerpräsidenten Lardieu zu beeinflussen sucht. Selbstverständlich kann kein Zweifel darüber herrschen, dah sür Deutschland jeder Versuch einer solchen Verschlechterung des Haager Konserenzergebr.isses eine völlig neue Lage schassen würde. Keine deutsche Rigicrung kann von der zweiten Haager Konferenz nach Hause kommen und dem Parlament zumuten, es solle zu einer, Endregelung der Reparationssrage feine Zustimmung geben, in der immer noch das Damoklesschwert d.r militärischen Sanktionen über Deutschland schwebt. Der Bedenken sind ohnehin schon genug. Die Saarfrage ist noch ungelöst, und wird zweifellos bei den politischen Erörterungen im Reichstag eine überragende Rolle spielen. Der Rotenwechsel, der zwischen Deutschland und Frankreich hinsichtlich der Zerstörung von Eisenbahnlinien im besetzten Gebiet und des Verzichtes auf den R:ubau von Eisenbahnanlagen gepflogen worden ist, hat noch längst nicht sämtliche Bedenken ausgeräumt und die Befürchtung offen gelassen, daß Frankreich später nach Ablauf der festgesetzten 12-3ahr-Cr nze doch noch zu neuen Einwänden gegen dir Ausübung der deutschen Souveränität im Rheinland kommt. Jedenfalls bietet die zwnte Haager Konferenz noch eine Fülle von ungeklärten und für Drutsch- lönd gefährlichen Problemen. London dementiert. Lnowden stellt aus das Entschiedenste in Abrede Berlin, 19. Dez. (TU.) Die pariser Meldungen, nach denen Snowden beabsichtigen soll, von Deutschland die Annahme einer Sankttonsformel als vor- ansfehung für das Inkrafttreten des Houngplans zu verlangen, haben, wie der „D o r w ä r t s“ berichtet, in London lebhaftes Befremden hervorgerufen. Line Snowden nahestehende Persönlichkeit Hobe die Meinung geäußert, daß es sich hier um einen Versuchsballon von pertinax und feinen Freunden handele, der von dem Wunsch diktiert ist, England ein derartiges vorgehen zu suggerieren, um ein deutsches Vorgehen gegen Zulassung von Sanktionen zu parieren. Ls könne in aller Form erklärt werden, daß Snowden nicht daran denke, eine derartige Forderung aufzustellen. Unverkennbar sei, dah man in England die gesamte Sanktionsfrage weder von Deutschland noch von Frankreich aufgeworfen haben möchte. Die pariser Meldungen würden in Regierungstreifen um so mehr bedauert, als man befürchte, daß sie Anlaß zu einer neuen und völlig unberechtigten Anti-Snowden- h e h e geben könnten. Line offizielle Verlautbarung liege bisher nicht vor. Das „Berliner Tageblatt" berichtet aus London: Die Meldung des „Echo de Paris", England und Frankreich hätten sich für den Fall, dah Deutschland im Haag Schwierigkeiten mache, über „Sanktionen" geeinigt, wird in hiesigen offiziellen Kreisen auf das Entschiedenste in Abrede gestellt. Line solche Möglichkeit sei zu lächerlich, um auch nur diskutiert zu werden. Die Sanktions- Politik stehe im schroffsten Gegensatz zur englischen Politik und ganz besonders zur Politik der Arbeiterpartei. Die „DAZ." gibt einen Londoner Eigenbericht wieder, in dem es heißt: Das vom „Echo de Paris" verbreitete Gerücht, zwischen Frankreich und England fei eine Vereinbarung zur Anwendung von Sankttonen gegen Deutschland zustande gekommen, falls dieses den Doungplan nicht annchme, wird hier tu schärfster weise dementiert. Das Blatt versieht feine Londoner Meldung mit der Ueberschrift „Lin ausweichendes Dementi" und sagt, im „Echo de Paris" war von Sanktionen i m poung - plan die Rede, nicht von Sanktionen zur Erzwingung des Poungplans. Ls ist für Deutschland selbstverständlich, daß sich dieses u n - klare englische Dementi auch auf den zweiten Fall beziehen muß. Der Zusammentritt der Haager Konferenz. Nm drei weitere Taste verschoben. London, 18. Dez. (WB.) Amtlich wird gemeldet, daß die zweite Haager Konferenz erst am 6. Januar beginnen wird. Am 3. Januar werden die juristischen Sachverständigen der Mächte im Haag zusammentrelen. — wie nunmehr feststeht, werden sich auch zur zweiten Konferenz die drei Repara- lionsminister Dr. Lurtius, Dr. hilserding und Dr. Wirth nach dem Haag begeben. Wenn auch die Zahl der Mitglieder der deutschen Delegation etwas geringer fein wird als es auf der ersten Haager Konferenz der Fall war, so hat man sich doch entschlossen, möglich st alle Sachverständigen der verschiedenen Ressorts der Delegation beizugeben, damit durch evtl. Rückfragen keine Verzögerungen einpike,en brauchen. Aus diesem Grunde werden die Reparalionsminister u. a. noch von Staatssekretär v. Schubert und den Ministerialdirektoren Ritter, Gans, Posse, Scheffer und Dorn begleitet sein, voraussichtlich werden auch die deutschen pariser Sachverständigen Dr. Schacht, Melchior und Geheimrat K a ft l die deutsche Delegation begleiten. Die Seeabrüstungskonferenz. Berlin, 18. Dez. (Priv.-Tel.) Obwohl der Zusammentritt der Londoner Flotten-Abrüstungskonfe- renz immer näher heronrückt, zeichnet sich bis jetzt auch noch nicht von ferne die Möglichkeit einer Einigung ab. Japan besteht nach wie vor darauf, daß das Verhältnis der kleineren Sch.ffseinheiten zwischen ihm einerseits, England und Amerika andererseits sich auf 7:10:10 belaufe. Frankreich hat bisher jede Beschränkung der Tonnage der kleineren Einheiten abgelehnt. Die Gegensätze zwischen Frankreich und Italien sind noch in keiner Weise ausgeglichen. Italien versucht bei dieser Gelegen beit, seinen alten Wunsch, die volle zahlenmäßige Gleichheit mit der französischen Flotte zu erreichen, durchzusetzen. Wenn es nach den bisherigen Plänen geht, dann wird die Londoner Abrüftungskonferenz eine gewaltige Aufrüstung zahlreicher Flotten bringen. So sieht die allgemeine Weltabrüstung aus, zu der sich die Unterzeichner des Versailler Vertrages und die Mitglieder des Völkerbundes feierlich verpflichtet haben. Es gibt keine törichte Ausrede, die nicht gebraucht würde, um diesen völligen Mangel an gutem Willen zu verdecken. Der Kampf um die Iollvorlage. BehandrungderGetreide-undViehzöleimHanderspolitischen^eichstagsausschuß Berlin, 18. Dez. (DDZ.) Der Handels- politische Ausschuß ging am Mittwoch bei der Weiterberatung der Zollvorlage za den Getreidezöllen über. Zum Weizenzoll wurde von Sozialdemokraten, Demokraten, Zentrum und Deutscher Volkspartei beantragt, datz die Regierung, wenn die Entwicklung der Weizenpreise es erfordert, den Zollsatz für Weizen bis auf 3,50 Mark für einen Doppelzentner herabzusetzen oder bis auf 9,50 Mark Herauszusehen hat. Hierbei hat ein Preis von 260 Mark Pro Tonne als Durchschnittspreis zu gelten. Die Rotwendigleit einer Aenderung öeS Zollsatzes ist jeweils spätestens nach vier Monaten zu prüfen. Die erstmalige Prüfung hat auf Grund der Preisentwicklung vom 1. September bis 31. Dezember 1929 zu erfolgen. Ein entsprechender Antrag wurde für den Roggenzoll eingebracht, der nach unten auf drei Mark, nach oben auf neun Mark begrenzt werden soll. Als Durchschnittspreis für eine Tonne Roggen sollen 230 Mark gelten. Die Abg. Stubbendorf (Dntl.) und Fehr (Dl. Bauempart.) hiellen das System der gleitenden Zölle nicht für geeignet, der Landwirtschaft zu Helsen. Von Veriretern der Regierungsparteien wurde ferner beantragt der öerlbeftimmung des Linsuhrscheins den niedrigsten Zollsatz der betreffenden Fruchtgattung, bei Hafer 6 Mark für einen Doppelzentner zugrunde zu legen. Bei Roggen ist ein Betrag von 6 Mark und bei Weizen von 6,53 zugrunde zu legen, solange der Zollsatz für Roggen nicht 6 uuu bei We zm nicht 6,50 Mark unterschreitet. Die Reichs,egierung wird jedoch ermächtigt, bei der Ausfuhr von Roggen die Erteilung von Einfuhrscheinen an Bedingungen zu knüpfen. Ferner wird bei der Ausfuhr von im 3nlande erzeugter Gerste mit einem Hektolitergewicht von mehr als 67 Kilogramm bis zu einer Höchstmenge von 520 000 Doppelzentner in einem Kalenderjahr der Wertbestimmung dcs E'.nfuhrscheines ein Betrag von 6,50 Mark für einen Doppelzentner zugrunde gelegt; diese Einfuhrscheine dürfen nicht zur Bezahlung des Zolles für Gerste, die zur Dieh- fütterung bestimmt ist, benutzt werden. Abg. Schiele (Dnt.) bekämpfte diesen Antrag, der zur unbedingten Folge habe, datz Oft» preutzen überhaupt nichis mehr exportieren könne. Wenn schon Einfuhrscheine eingefüfjrt werden, barm müßte ihr Wert dem Wert der Zölle an gepaßt sein und für Roggen neun Mark pro Doppelzentner betragen. Reichsernährungsminister Dietrich erllärte, bei einem Einfuhrschein von 9 Mark Pro Dop el'entner R'ggen wäre es möglich, den Zentner Roggen aus Ostpreuhen für 4,50 Mk. im Auslande anzubietcn. Das wäre nicht nur eine Terschleuderung deutscher Produktionswcrte, sondern das Ausland würde uns den Vorwurf machen, daß wir mit Reichsmitteln Dumping treiben. Wir wollen den geraden Weg gehen und versuchen, mit Polen zusammen die Roggenausfuhr zu reduzieren. Zu diesem Zweck ist dem Antrag über die Festsetzung der Einsuhrscheine die Tenerkung eingefügt, datz die Regierung die Ermächtigung erhält, die Verteilung von Aus'uhrscheinen an Bedingungen zu knüpfen. Was die Gleitzölle angelt, so geht man mit der Behauptung hausieren, diese Art von Zöllen hätte sich nirgendwo bewährt, und man hätte sie überall nach kurzer Zeit wieder abgeschasft. Tatsache ist, daß die gleitenden Zölle eigentlich nur in England eine wirkliche Rolle gespielt haben, wo sie 300 Llahre lang in Kraft waren. Auch dort hat man sie nicht abgeschasft, weil sie sich nicht bewahrt hatten, sondern weil man zum Freih andel überging. 3n Oesterreich hat e man nur dem Hamen nach g eilende Zölle. 3n Wirklichkeit war es nur eine statistisch-e Gebühr. Auch hier haben sich die immer wieder geäußerten Befürchtungen in Bezug auf die Grlreidespeku- lation nicht als zutreffend erwiesen. Sn der Abstimmung wurden die Zollsätze für Roggen und Weizen nach dem Antrag der Regierungsparteien mit 18 gegen 6 Stimmen angenommen, nachdem Anträge der Deutsch- nationalen und der Bauernpartei auf Einführung eines festen Zollsatzes von 10 Mk. abgelehnt worden waren. Der Zollsatz für Braugerste wurde nach der Regierungsvorlage angenommen; für Hafer wurde ein fester Zollsatz von 9 Mk. an- gesetzt. Ferner wurde der Antrag der Regierungsparteien betreffend die Einfuhrscheine angenommen. Abgelehn t wurde ein Antrag Schiele- Fehr bezüglich der gleitenden Zölle, nach dem der Reichsernährungsminister verpftich- tet ist, den Zollsatz herabzusetzen, wenn die Entwicklung der Brotpreise es erfordert und den vollen Zollsatz wiederherzustellen, wenn die Entwicklung des Getreidepreises es erfordert. Ferner wurde gemäß einem Anträge der Regierungsparteien beschlossen: Der geltende Zollsatz für Malz von 12,75 Mk. bleibt so lange in Kraft, als für Gerste ein Vertragszollsah von 5 Mk. für einen Doppelzentner besteht. Zu der Position der Regierungsvorlage, die die Zollfreiheit für Reis zur Herstellung von Stärke vorfieht, beantragte 2lbg. Stubbendorf (Dnt.) einen Zollsatz von 2.50 Mk. zum Schuhe der deutschen kartosselver- arbeitenben Industrie. — Reichsernährungsmini- fter Dietrich: Ein so verkehrter Antrag ist noch kaum gestellt worden. 3m Reichswirtschasts« rat bst festgestellt worden, dah 1. die Stärke, die aus Reis hergestellt wird, aus Kartoffeln nicht hergestellt werden kann, 2. die Reisstärke zu ganz anderen Zwecken verwendet wird als Kartoffelstärke, und 3. die aus Reis hergestellte Stärke mindestens dreimal so teuer ist wie die aus Kartoffeln hergestellte. • Rachmittags verhandelte der Handelspolitische Ausschuß über den Zoll für Futtergerste, hinter Ablehnung aller Anträge wurde unverändert die Regierungsvorlage angenommen, die folgenden Zollsatz bestimmt: Gerste zur Viehfütterung unter Zollsicherung bis zum 31. Dezember 1930 gleich 5 Reichsmark; vom 1. 3anuar 1931 cib gleich 2 Reichsmark. Gerste zur Viehfütterung unter Zollsicherung bei Rachweis des Bezuges von gekennzeichneten Roggen nach späterer Bestimmung der Aeichsregierung bis zum 31. Dezember 1931 gleich 2 Reichsmark. ,Rach weiteren Beschlüssen beträgt der Zollsatz für Mehl, auch gebrannt oder geröstet, aus Getreide, mit Ausnahme von Hafer und Gerste, das anderthalbfache des Zollsatzes für Weizen, mit einem Zuschlag von 4,25 Mk. Der geltende Zollsatz von 14,50 Mk. bleibt fo lange in Kraft, als für Weizen ein Vertragszollsatz von 6.50 Mk. für einen Doppelzentner bestcht. Polierter Reis zur Herstellung von Stärke unter Zollsicherung bleibt zollfrei. Der Zollsatz für Weizen- und Roggen« stärke in Ausmachungen für den Kleinverkaus beträgt den dreifachen Zollsatz für Weizen mit einem Zuschlag von 7,50 Mk., für andere Stärke 21 Mk. Der Zollsatz für Weizen» und Roggenstärke in anderen Aufmachungen beträgt den dreifachen Zollsatz für Weizen mit einem Zuschlag von 2,50 Mk.; für andere Stärke 16 Mk. Die Diehzölle. Rach längerer Beratung wurde gemäß der Regierungsvorlage beschlossen, dah für den Fall, daß der Preis am Berliner Markt füe Schweine der Klasse C im Durchschnitt zweien Wochen niedriger als 75 Mk. für den Zentnen Lebendgewicht ist, sich der Zollsatz für Schweine um 50 v. H. erhöht, bis der Preis am Berliner Markt für Schweine der Klasse C im Durchschnitt zweier Wochen 70 Mk. für den Zentner Lebendgewicht erreicht. 3st der Preis am Berliner Markt für Schweine der Klaffe C im Durchschnitt zweier Wochen höher als 85 Mk. für den Zentner Lebendgewicht, so ermäßigt sich der Zollsatz für Schweine um 50 v. H., bis der Preis auf 85 Mk. für den Zentner Lebendgewicht sinkt. Wenn die Zollsätze hiernach abgeändert werden^ so sind sie durch den Reichsminister für Finanzen jeweils mit Wirkung vom zehnten Tage nach der letzten Rotierung in Kraft zu fetzen. Für die Einfuhr von lebendem Vieh» sollen die Zollsätze durch vertragsmäßige Abmachungen bei Rindvieh zu Schlachtzwecken nicht unter 24,50 Mark für einen Doppelzentner Lebendgewicht herabgesetzt werden, bei Scha - f c n nicht unter 22,50 Mark, bei Schweinen nicht unter 16 Mark, bei Fleisch von Rindvieh und Schafen, frisch, auch gefroren, mit Ausnahme der 3nnereien (Lunge, Herz, Milz) sollen öie Zollsähe nicht unter 45 Mart und bei Fleisch von Schweinen, frisch, auch gesrorrn (mit Ausnahme der 3mtereicn, Köpfe und Spitzbeine) nicht unter 32 Mark für einen Doppelzentner herabgesetzt werden. Durch einen weiteren Beschluß wurde die zeitliche Begrenzung oder Gültigkeit des Gesetzes über Zolländerungen vom 17. August 1925 aufgehoben. Damit wird dem Zollgeseh eine zeitlich unbegrenzte Gültigkeit gegeben. Rach weiteren Beschlüssen des Ausschusses sollen die Zollsätze durch vertragsmäßige Ab- machungen bei Butter, frisch, gesalzen oder eingeschmolzen, bis zum 31. Dezember 1933 nicht unter 50 Mark, bis zum 31. Dezember 1935 nicht unter 40 Mark und ab 1. 3anuar 1936 nicht unter 30 Mark für einen Doppelzentner herabgesetzt werden. Damit war die Beratung über das Zollabände- rungsgeseh im Ausschuß erledigt. Die weiteren Reichsratsbeschlüfie sowie die Anträge dir Parteien zu den 3ndustriezöllen sollen erst vom Ausschuß im 3 an u a r nächsten 3ah- res beraten werden. GegendieSandelsvettragspoM DiedeutschcnBauernvereinegegcndie neuen Zollabkommen mitLchweden undFinnland. Berlin, 18. Dez. (Sil.) Der Vorstand der Deutschen Bauernvereine faßte unter dem Vorsitz des Präsidenten, Reichsministers a. D. Dr. Hermes, am 18. Dezember zu den zur Zeit im Reichstag zur Behandlung stehenden handelspolitischen Fragen folgende Entschließung: Das von der Regierung herbeigeführte Abkommen mit Schweden, das ein zoll- begünsligtes Rindereinfuhrkontingent enthält, widerspricht dem eindeutigen Beschluß der Handelspolitischen Ausschusses des Reichstages vom 8. Oktober 1929 und bedeutet eine neue schwere Beeinträchtigung der Lebensinteressen, insbesondere der bäuerlichen Wirtschaften um so mehr, als damit gerechnet werden muß, daß auf dem Wege der Meistbegünstigung andere interessierte Länder dieselben Vergünstigungen für sich in Anspruch nehmen. Eine schwere Enttäuschung für den Bauernstand ist gleichfalls das Zusatzabkommen mit Finnland, in dem die in diesem Sommer vom Reichstag beschlossene Regelung des Futterzoller vertraglich gebunden wurde. Tie Vereinigung der Deutschen Bauernvereine stellt wiederum fest, daß die heutige katastrophale Lage der deutschen Landwirtschaft mit herbei- gesührt ist durch unerträgliche Bindungen landwirtschaftlicher Zoll- fätzei n Handelsverträgen. Diesen Weg hat die Reichsregierung bei den neuen Verhandlungsabschlüssen mit Finnland und Schweden wiederum eingeschlagen. Die deutschen Bauern können kein Vertrauen in eine derartig widerspruchsvolle Wirtschaftspolitik gewinnen, die als schädlich erkannte Verträge kündigt, um sie mit grundsätzlich gleichen Mängeln erneut abzuschließen. Um die polenverttäge. . Berlin, 18. Dez. (Prio.-Tel.) Die starke Oppo- sit.on, die das deutsch politische Liquidationsabkommen in der Oeffentlichkeit gefunden hat, scheint doch nicht ohne Wirkung geblieben zu sein. Gutem Vernehmen nach sollen bereits Verhandlungen mit der polnischen Regierung im Gange sein, die darauf hinausgehen, gewisse^A bänderungen der umstrittensten Stellen herbeizuführen. Die prinzipiellen Bestimmungen des Abkommens werden davon jedoch nicht berührt. Was die Wirtschaftsver- Handlungen betrifft, so läßt sich noch absehen, wann hier ein Abschluß zu erzielen ist, zumal ja die polnischen Vertreter bei diesen Verhandlungen schon bald nach dem Weihnachtsfeste nach dem Haag ab- reisen werden. Nach wie vor glauben die Polen, daß । die Fleisch- und Wurstfabriken das Schweine- kontingent nicht aufnehmen können, weshalb sie immer noch mit der Forderung aufwarten, auch ein Kontingent auf dem freien Markte abzu» setzen. Deutscherseits findet diese Forderung jedoch keine Zustimmung. Man glaubt aber, daß es möglich sein wird, auch über diesen letzten offenen Punlt des Handelsvertrages in Bälde eine Einigung herbeiführen zu können. Oie Tabaksteuererhöhung. Die parlamentarische Erledigung des Sofortprogramms. Berlin, 19. Dez. (VDZ.) Die Tabak- steuererhöhung, die als Tril des Sofort- Programms am Donnerstag den Reichstag beschäftigen wird, bildete am Mittwoch noch den Gegenstand interfraktioneller Verhandlungen der Regierungsparteien. Differenzen bestehen in erster Linie in der Frage, welche Dauer die Kontingentierung haben soll. Die Sozialdemokraten halten bisher daran fest, daß die Dauer aus fünfviertel 2ahr zu beschränken sei, während andere Regierungsparteien eine längere Dauer für erforderlich halten. Eine Einigung ist bisher nicht erzielt worden. Die Verhandlungen dürften am Donnerstag fortgesetzt werden. Die Initiativanträge werden voraussichtlich dem Ausschuß überwiesen, der seine Beratungen darüber noch am Donnerstag beendigen mühte, damit das Gesetz noch am Freitag zur zweiten Beratung kommen kann. Die dritte Beratung wird wahrscheinlich er st am Samstag stattsinden können, weil damit zu rechnen ist, daß von den Oppositionsparteien der sofortigen Vornahme der dritten Beratung am Freitag widersprochen wird. Sozialdemokratie und Zollvorlage. B e r l i n, 19. Dez. (VDZ.) Die S o z i a l d e m o- k r a t i s ch e Reichstagsfraktion beschäftigte sich heute abend in einer Sitzung mit der Z o l l v o r l a g e. Das Ergebnis der Aussprache war, dah die Frak- tion an dem schon im Ausschuß vertretenen Standpunkt festhält, daß sie also gegen die Schutz- zolle stimmen wird unter Annahme der übrigenTeileder Vorlage. Orr Reichswirischastsrai stimmt dem Zünddolzmonopol zu. Berlin, 18. Dez. (D.D.Z.) Der Wirtschafts, politische und der Finanzpolitische Ausschuß des Reichswirtschaftsrates haben über das Zünd- waremnonopor folgendes allgemeine Gutachten abgegeben: Der Reichswirtschaftsrat hält unter Würdigung der Finanzlage des Reiches, der allgemeinen Kapitalmarkttage und der relativ günstigen finanziellen Dedigungcn des An- leihevertrages es nicht für angebracht, diesen Vertrag zu gefährden. Er befürwortet auch die Annahme des Zündwarenmonopolgesetzes trotz schwerwiegender Bedenken im einzelnen. Die Lage der deutschen Zündholzindustrie würde auch ohne Verquickung der Finanzfrage zur Errichtung eines Monopols gedrängt haben und außerdem handelt es sich immerhin nur um einen Verhältnis- mäßig kleinen Bestandteil der deutschen Wirtschaft- — Zugestimmt wurde auch einer Cnt- schliehung, wonach die Reichsregierung dahin wirken soll, dah die int Entwurf des Wonopol- geseheS vorgesehene Entschädigung für Arbeiter und Ange st eilte wie beim Branntweinmonopol geregelt wird und steuerfrei bleibt. Oie Amtsbezeichnungen. Vor cinerNeuregelung int kommenden Jahr. Berlin, 18. Dez. (Prio.-Tel.) Im Besoldungs- gesetz von 1927 ist die Bestimmung enthalten, daß der Reichspräsident auf dem Berordnungs- wege die durch das Gesetz erneut veränderten Dienstbezeichnungen regeln wird. Die Beamtenoerbände, die daran sehr interessiert sind, haben sich auf Grund dieser Bestimmung ver- schiedentlich an den Reichsinnenminister gewandt, aber Severing erklärte, er wolle erst das Ergeb- nis des gegen Bayern angestrengten Prozesses in der Titelfrage abwarten. Nachdem nunmehr der Standpunkt des Reichsinnenministers durchgedrungen ist, kann Severmg den Wünschen der Beamten nachkommen. Wie verlautet, sind auch bereits die entsprechenden Schritte eingeleitet worden. Auch die R e i ch s b a h n, die ihrerseits selbständig vorgehen wollte, hat noch keine Entscheidung getroffen, so daß «ine Ueberein st immun g zwischen Reich und Reichsbahn sich noch Herstellen laßt. Die Neureglung der Dienstbezeichnung trifft vor allem die mittleren und unteren Beamten, besonders die der Gruppen 7 bis 9. Auf Grund der jetzt bestehenden vorläufigen Regelung herrschen geradezu groteske Zustände. So ergibt sich z. SB., dah in einer Gehaltsgruppe drei und mehr verschiedene Amtsbezeichnungen ganz widersinnig miteinander verbunden sind. Man rechnet da- mit, dah der Reichspräsident Anfang des kommenden Jahres eine entsprechende Verordnung veröffentlichen wird. Deutscher Reichstag. Berlin, 18. Dez. (WTD.) Der Reichstag nahm in feiner Mittwochsihung in zweiter und dritter Beratung zunächst das Gesetz über Erteilung einer Kreditermächtigung für die Reichsregierung in Höhe von 4 6 5 Millionen Mark mit 239 gegen 138 Stimmen an. 3n zweiter und dritter Beratung wurde dann eine Vorlage angenommen, durch die das Gesetz über die Ausfuhr v o n K u n st- teerten bis zum 31. Dezember 1931 verlängert wird, zugleich mit einer Cntschliehung der Regierungsparteien, in der eine Liebereinkunft mit Oesterreich im Sinne einer möglichst umfassenden Erhaltung des grohdeutschen Kunstbesrtzes gewünscht wird und mit einem Antrag Dr. Strathmann (Dnl.), der die Streichung einer Bestimmung der geltenden Verordnung verlangt, die unter gewissen Voraussetzungen finanzieller Art die Ausfuhr von Kunstwerken zuläßt. Ein Antrag LiptnSki (Soz.), nach dem das Gesetz über den Geldentwertungsaus- aleich beibebauten Grund st ücken durch die Bestimmung, dah die Festsetzung der gesetzlichen Miete im Reich durch die Reichsregierung mit Zustimmung des ReichsrateS und eines Ausschusses d«S Reichstages erfolgen soll, er- gänzt wird, und der Antrag über die Rück- Beamte und Volksentscheid. Oie Entscheidung des Gtaatsgerichtshofes. Leipzig. 19.Dez. (IBIB. Funkspruch.) 3n der Derfassungsstreitsache der deutsch nationalen Fraktion des Preußischen Landtags gegen da» Land Preußen um die Frage der Zulässigkeit einer Beteiligung der Beamten am Volksbegehren „Freiheits- g e f e h", hat der Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich seine Entscheidung nunmehr dahin gefällt: Die im Artikel 130, Absatz 2 der Relchsoerfa'sung den Beamten gewährleistete Freiheit ihrer politischen Gesinnung umfaßt das Recht, sich bei einem zugelassenen Volksbegehren ohne Rücksicht auf dessen Inhalt ein- zu tragen und bei einem Volksentscheid abzu- stimmen. Die weitergehenden Anträge werden abgewiesen. Oie Begründung. Zur Begründung der Entscheidung des Staatsgerichtshofes führte der Vorsitzende, Reichs- gerichtspräsident Dr. Bumke , unter anderem aus: Der Antragsgegner fordert in erster Linie Abweisung der Klageanträge als unzulässig, weil lediglich politische Meinungsäußerungen des preußischen Mini- stervräsidenten und des preußischen Staatsmini- stermms vorlägen, über deren Berechtigung der Staatsgerichtshof zu urteilen nicht berufen sei. Hiermit wird der Antragsgegner dem eigentlichen Streitgegenstand nicht gerecht. Die Anträge sind nicht so aufzufasfen, daß die Antragstellerin sich gegen den preußischen Ministerpräsidenten und die Mitglieder des Preußischen Staatsministeriums persönlich wenden und sie für eine von ihnen begangene Ber- fassungsverlehung verantwortlich machen will, vielmehr muß der Gesichtspunkt der Verfassungs- Verletzung im vorliegenden Falle überhaupt ausscheiden. Sve fraglichen Kundgebungen haben einen Zustand geschaffen, von dem die Antragstellerin behauptet, daß er die preußischen Beamten in einer, mit der Reichsverfassung nicht vereinbaren Weise in ihrer politischen Betätigung für das Volksbegehren beschränke. Diese Frage allein soll entschieden werden. Die Durchführung dcs Vollsbrgehrens beruht auf Artikel 73 der Rcichsverfassung. Ihrem Zweck dienen aber auch andere Bestimmungen der Reichsverfassung, insbesondere Artikel IcO, Abs.2. Er gewährleistet den Beamten die Freiheit ihrer politischen Gesinnung auch beim Volksbegehren. Er gilt für alle Beamte, auch für die preußischen, und dient insofern zur Ergänzung der preußischen Verfassung, die in Artikel 83 ausdrücklich auf die reichsrechtlichen Dramtenvor- schristen verweist. Die in Artikel 130 Abs. 2 den Beamten gewährleistete Freiheit, ihre politische Gesinnung zu äußern und zu betätigen, findet allerdings, wie von sämtlichen höchsten Disziplinargerichten zutr.ffcnd ausgesprochen worden ist, ihre Schranken in den besonderen Pflichten, die den Beamten kraft ihres Amtes obliegen. Bei der Beurteilung der Frage, ob die politische Betätigung eines Beamten mit seinen besonderen Pflichten vereinbar ist, kommt es aber sehr wesentlich auf die staatsrechtliche und politische Bedeutung dieser Betätigung an. Die Einzelchnung in die Liste eines zugelassenen Volksbegehrens und die Abstimmung über den sich daran anschließenden Vottsentscheid ist rechtlich nicht die Ausübung des Peliiionsrechts im Sinne des Artikels 126 der Reichsverfassung, sondern Teilnahme an der volksgesehgebung. Diese Volksgesehgebung ist der unmittelbare weg zur Verwirklichung des hauptgrundsahes der Reichsverfassung: „Die Staatsgewalt geht vom Volke aus." Sie steht der Reichstagswahl an Wichtigkeit für das verfassungsleben des Reiches nicht nach. Sie kann daher ebenso wie die Stimmabgabe bei der Reichstagswahl keinen - beamtenrechtlichen Bindungen unterliegen, vielmehr fleht die Teilnahme am Volksbegehren und Volksentscheid ohne Rücksicht aus dessen Inhalt allen Beamten frei. Nun ist es allerdings richtig, daß das Preußische Staatsministerium den ihm unterstellten Beamten die Teilnahme am Volksbegehren und Volksentscheid nicht verboten hat. Die Gesamtheit seiner Kundgebungen ließ aber in den Beamten d i e -B e - fürchtung aufkommen, daß sie sich schon durch Einzeichnung in die Listen und durch bloße Stimmabgabe einer disziplinarischen Ahndung a u s s« tz e n könnte. Dieser Zustand beeinträch- t i g t die durch Artikel 125 der Reichsoerfassung noch besonders geschützte Wahlfreiheit und steht da- her mit den Grundsätzen der Reichsverfassung nicht im Einklang. Darüber hinaus allerdings gewährt die Reichsoerfassung den Beamten keinen besonderen Schutz für ihre Teilnahme an der Dolksgesetzgebung. Jede Werbetätigkeit kann eine Verletzung der besonderen Beamten pflichten enthalten und daher mit der Be- amtenstellung unverträglich sein. Ob der Inhalt eines Volksbegehrens derartig ist, daß die Beamten über Eintragung und Stimmabgabe hinaus an seiner Durchsetzung nicht mitrrirken dürfen, ist im einzelnen Falle von den Disziplinargerichten zu ent- scheiden. Grundsätzlich unzulässig ist ein disziplinarisches Verfahren aus diesem Grunde nicht. flüfse aus den Hauszins st euerhypo- t h e k e n wurden dem Wohnungsausschuh überwiesen. Der von den Regierungsparteien ausgearbeitete Entwurf zur Aenderung des Diäten- g e s e h e s im Sinne der vor kurzem beschlossenen Verschärfung der Geschäftsordnung wurde in dritter Beratung in namentlicher Abstimmung mit 314 gegen 105 Stimmen, also mit einer für Verfassungsänderungen genügenden Mehrheit, angenommen. Es folgt die erste Beratung des Reichs- ministergesetzes, das die Rechtsve.hältnüse des Reichskanzlers und der Reichsminister regelt. DaS Gehalt des Reichskanzlers wird dadurch auf 45 000 Mark, das der Minister auf 36 000 Mark im Iahre festgesetzt. Dazu treten dieselben Zuschläge wie bei anderen Beamten. Ausscheidende Minister, die vorher Beamte waren, erhalten eine Pension von 80 Prozent ihres letzten Deamtengehaltes; die übrigen aus- scheidenden Minister erhalten nur ein Lieber- gangögeld für ebensolange Zeit, wie sie Minister waren. Die Vorlage geht an den HauShalts- ausschuß. Die in einer früheren Sitzung abgebrochene Aussprache über die Ablösung von Markanleihen wird hierauf fortgesetzt. Abg. Dr. Rademacher (Dnl.) beklagt die Benachteiligung der Pfandbriefanstalten, die darin liege, daß ihnen die Verfolgung ihrer Ansprüche gegen Gemeinden unmöglich gemacht werde. Der Anspruch, der mit dem Pfandbrief erworben wurde, dürfe nicht nachträglich durch ein Sondergesetz gestrichen werden. Abg. Dr. Best (DRP.) erklärt sich einverstanden mit dem kommunistischen Antrag auf Einsetzung eines parlamentarischen Llntersuchungsausschusfes wegen der Schiebungen mit Anleihealtbesitz. Tatsächlich hätten sich die Großbanken bei der Verwaltung des Altbesitzes der Bankkunden ungerechtsertigt bereichert zum Schaden der Kunden. — Der Antrag wird abgelehnt. Feststellung der Einheiiswerie auch für 1929. Berlin, 18.Dez. (VdZ.) Der Steueraus- s ch u ß des Reichstags stimmte gege.t die Stimmen der Deutschnationalen und der Wirtschafts- Partei der Ausdehnung der Feststellung der Einheitswerte auf das Kalenderjahr 1 9 2 9 zu und nahm eine deutsch- nationale Entschließung an, die festsiellt, daß nach Auffassung des Au schusses die bestehende Einheitsbewertung über das Kalenderjahr 1929 hinaus nicht au gedehnt werden dür e. — Der Gesetzentwurf über die Kosten bei Steuererhebung im Rachnahmeverfahren wurde mit den Stimmen der Regierungsparteien angenommen. Danach hat der Steuerpflichtige die Kosten zu tragen, die dadurch entstehen, dah die Steuerbehörde einem Steuerpflichtigen eine Postnachnahme auf Zahlung eines Steuerrückstandes zugehen läßt. Der Ausschuß nahm ferner Anträge auf steuerliche Begünstigung von Auslandanleihen an. Braunkohlenindusirie gegen Mittellandkanal. Berlin, 18. Dez. (Priv.-Tel.) Bekanntlich ist die Frage der Kanalbauten von jeher eins der umfirittenften Probleme der deutschen Wirtschaftspolitik. ReuerdingS hat der deutsche Braunkohlenindustrie-Derein eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet, in der hervorgehoben wird, dah die mitteldeutsche Draunkohleninbustrie von jeher eine Gegnerin des Mittellandkanals und anderer Kanalbaupläne gewesen ist, weil sie die Rentabilität dieser Bauvorhaben bezweifelt. Mit Rücksicht auf die bedrohliche Finanzlage des Reiches wird in dieser Eingabe hervorgehoben, dah die Aufwendung eines Betrages von 320 Millionen Mark für die Fertigstellung des MittelfandkanaleS nicht zu verantworten sei, zumal eine Rentabilität dieser Wasserstraße niemals erwartet werden könne. Weiterhin wird betont, dah das Reich unmöglich im Interesse einiger Wirtschaftskreise den Weiterbau von Kanälen forcieren kann, zumal die Reichsbahn durch den zu erwartenden Frachten ausfall zu Tariferhöhungen gezwungen wäre, bzw. durch Kampftarife den Versuch machen mühte, den Wettbewerb deS Mittellandkanals auszuschalten. Kleine politische Nachrichten. Der Schriftleiter des „Völkischen Beobachters" in Frankfurt a. M., G u t t e r e r batte sich wegen Beleidigung des preußischen Innen- Ministers zu verantworten. (Sutterer hatte in einer Versammlung den Minister mit den Ausdrücken: „Bankert, Findling und Kind des Juden Cohn" beschimpft. Das Gericht erkannte auf Grund des §8 des Republikschutzgesetzes auf eine (Gefängnis ftrofe von 6 Wochen und Tragung der Kosten. Der Geschäftsführer des Gesamtverbandes Deutscher Angestel lengewerkschaften, G. Brost M. d. RWR., hat feinen Austritt aus der Deutschnationalen Volkspartei erklärt. Das Vorgehen des Parteivorsitzenden gegen die Arbeitrezmervertreter in der Partei und in der Fraktion habe die persönlich-e Führer- Unfähigkeit des Geheimrats Hugenberg so eindringlich bewiesen, dah es ihm nutzlos erscheine, noch weiter Mitglied einer Partei zu bleiben, die bereit sei, sich solcher Führung dauernd unterzuordnen und sich damit selbst zur Dedeutungs- losigleit verurteile. • Der Senat der Freien Stadt Hamburg hat für 1930 Bürgermeister Rudolf Roß (Soz.) zum 1. Bürgermeister und Bürgermeister Dr. Carl Petersen (Dem.) zum 2. Bürgermeister gewählt. • Der Rat der Stadt Dresden hat beschlosien, zu Ehren des verstorbenen Reichsministers Dr. Stresemann den bisherigen Waldersee-Platz in Stresemann-Platz umzubenennen. • Ain Mittwochmittag empfing der Papst den Bischof von Mainz, Dr. Ludwig Maria Hugo, in Privataudienz. Aus aller Welt. Das Urteil im Siegelsdorfer Eisenbahnprozeß. Im Siegelsdorfer Eisenbahnpro^eß in Nürnberg verkündete Landgerichtsdirektor Bub folgendes Urteil: Oberbahnmeister Alfred Stuhl- f a t h ist schuldig eines Vergehens der fahrlässigen Transportgefährdung und wird deshalb zu drei Monaten Gefängnis verurteilt: die angeklagten Rottenführer Georg V o l l a n d und Oberbahnwärter Iohcrnn Greller aus Siegelsdorf werden f r e i g e - sprachen. Die Vermutung der Angeklagten, dah die Lokomotive nicht in Ordnung gewesen sei, sei in der Verhandlung widerlegt worden. Das Gericht sei der Auffassung, dah der Zu st and der Gleise die Ursache der Zugentgleisung gewesen sei. Da» Gleis Habs Wohl am Samstagmittag nach Schluß der Regulis* rungsarbeiten für das nicht besonders geübte Auge einwandfrei gelegen. Es habe sich aber sehr rasch zerfahren. Es sei ein betriebsgefährlicher Zustand vorhanden gewesen, den die Angeklagten Dolland und Greller Wohl nicht erkennen tonnten; sie feien deshalb freigesprvchen worden. Dagegen habe sich S t u h l f a t h insofern pflichtwidrig verhalten, als er die Gleisarbeiten nicht genügend beobachtet und sich von der Entfernung der Langsamfahrt- Scheibe nicht von dem Zustande der Gleise überzeugt habe. Beim Strafausmaß habe das Gericht berücksichttgt, daß Stuhlfctth sonst ein diensteifriger und gewissenhafter Beamter und daß ihm bei der mangelhaften Unterstützung von feiten seiner vorgesetzten Behörde die Schwierigkeiten der Gleisarbeiten nicht zum Bewußtsein tarnen. Aus diesem Grunde habe man ihm bedingten Straferlaß zugebilligt. Absturz englischer SübafritafHeger. Im Oberhaus machte Luftfahrtminister Thomson offiziell Mitteilung von der Katastrophe eines von England nach Südafrika abgeflogenen Militär-Eindeckers. Es sei ein Telegramm des britischen Generalkonsuls in Tunis eingetroffen, das besagt, das Flugzeug fei 30 Kilometer südlich von Tunis auf die Erde aufgeschlagen und zerstört worden. Beide Fliegeroffiziere seien tot. Nähere Nachrichten lagen nicht vor. Die verunglückte Maschine war die gleiche, mit der die beiden Flieger, Geschwaderführer Jones Williams und Fliegerleutnant I e n k i n s, im Sommer dieses Iah. res nach Karachi geflogen waren. An einem Probeflug, der der letzten verhängnisvollen Fahrt voraus- ging, hatte der Prinz von Wales als Passagier teil- genommen. Heimkehr eines deulschen Forschungsreisenden. Der deutsche Forschungsreisende Dr. D a e ß l e r ist nach siebenmonatiger Abwesenheit in Südamerika nach Bremen zurückgekehrt. Er wurde kurz nach seiner Ankunft in Bremen von Vertretern der hiesigen Geographischen Gesellschaft begrüßt und zu den Erfolgen seiner Expedition beglückwünscht. Lübecks Rlemling-Allar soll auswanderu. Dem deutschen Kunstbesitz droht eine schwere Gefahr. Es werden Verhandlungen geführt, die zum Ziele haben, den großartigen Flügelaltar Hans Memlings aus der Dom-Kirche zu Lübeck nach Amerika für sieben Millionen Mark zu verkaufen. Oie Wetterlage. Mittv/och, 73; 0 w o Uai, Wien 2 Aütrdeer?— HamDi OJ3 Z, ®10 0 v 'V Qwoixemos. oncittr. @nait> otdtcM.® «toikiq. e ordern •Rtgox * tchnee a Oravotin. ■ HtDei K Grwiiitr.(§)wind$tiiie.O «V tunte» O$i £ flissige» ludtudwest Morm&cne, Hordwesl Oie »feilt fliegen mH dem Winde Die Beiden Stationen dienenden Z«f* ien geben die Temperatur an. Pie Linien veroindeo Orte mit fllcKhc^ «af neeresniteau umoertcontltn Luftdruck Wettervoraussage. Zentraleuropa liegt im Bereich hohen Drucks, und zwar ist sein Kern im Westen nach Deutschland gewandert. Der gesamte Hochdruckkompleff gewinnt dabei ostwärts an Ausdehnung, über Polen hat sich durch die Kallluft ein wetterer Kern herausgebildet. Ueber ganz Deutschland sind die Temperaturen zurückgegangen und erreichen namentlich im Kern, begünstigt durch die Polarluftreste und die klare Rächt, die tiefsten Temperaturen. In München lagen die Morgentemperaturen bei minus 12 Grad, in unserem Bezirk bewegten sie sich zwischen minus 6 bis minus 8 Grad. Die bereits gestern in höheren Breiten vordringende Warmluft hat sich weiter südwärts ausgedehnt und streift bereits das Küstengebiet. Infolgedessen wird der Hochdruck allmählich abgeschwächt und die Bedingungen für daS stärkere Frostwetter gehen zurück. Iedoch hält vorerst der Frost an und schwächt sich langsam vom nördlichen Deutschland aus südwärts ab. Wettervoraussage für Freitag: Fortdauer des Frostes, jedoch spater Rückgang, stellenweise neblig, auch bewölkt mit Aufheiterung, trocken. Wettervoraussage für Samstag: Vielfach neblig und wolkig, Temperaturen weiter langsam ansteigend. Lufttemperaturen am 18. Dezember: mittags 0,7 Grad Celsius, abends —5,9 Grad; am 19. Dezember: morgens —6,4 Grad. Maximum 0,7 Grad, Minimum — 8,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. Dezember: abends 0,9 Grad; am 19. Dezember: morgens 0,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 3% Stunden. Amtliche Mnkersportnachrlchlea. Vogelsberg (Hoherodskopf): H:iter, minuS 8 Grad, 3—4 Zentimeter Pulverschnee. Sportmöglichkeit für Ski stellenweise vorhanden. Sauerland (Winterberg): Heiter, minuS 3 Grad, 12 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel mäßig. Schwarzwald (Feldberg): Bewölkt. minuÄ 9 Grad, 30 Zentimeter Pulverschnee. Ski und Rodel gut Alpen. Garmisch-Partenkirchen: Bewölkt, minus 9 Grad, 32 Zentimeter Pulverschnee, 6 bis 10 Zentimeter Reuschnee, Ski gut, Rodel mäßig, rjnKt rj Ha"'W?W 0 je£Cffbn SCHUH HAUS w M 'fNeite 7'e- unÄ itaflleget, tat ^°*n |iroP‘)f eines non Sfr ®cne= ' 005 be ugt, das > ml Tunis' a u u?d zerstör! s'e.re seien tot. J'Wite beben F|j«. ^'lliainz und AML hungrrelsendn, Dr.Daeßler "enycit in Süd. -kehrt. Sr wurde remen von Der« chm Gesellschaft inner Esdedition aurwandern. roht eine schwere mgen gesührt, dir ctigen Flügelaltar "Kirche zu fiübed Millionen Mark zu Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 19. Dezember 1929. Geheimrat Pros. Or. Gommer. Am 19. Dezember vollendet Geheimrat Prof. Dr. med. et phil. Robert Sommer, Direktor der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten, in Gießen, sein 6 5. Lebens- jahr. Geboren 1864 in Grottkau (Schlesien), besuchte er das Gymnasium in Sauer (Schl), studierte in Freiburg, Leipzig und Berlin Medizin und Psychologie und wurde nach Ablegung des medizinischen Staatsexamens und philosophischen Doktorexamens 1889 Assistenzarzt an der Schlesischen Provinzial-Srrenanstalt Rybnik und sodann am 1. Suli 1890 Assistenzarzt an der Psychiatrischen Klinik in Würzburg. Sm Suli 1892 habilitierte er sich in der medizinischen Fakultät der Hniberfität Würzburg für Psychiatrie. Am 1. April 1895 wurde er an die im Bau begriffene Klinik in Gießen berufen, deren weiterer Ausbau ihm wesentlich zu danken ist. Am Zustandekommen des ersten Kongresses für experimentelle Psychologie in Gießen 1904 hat er hervorragenden Anteil: er ist 25 Sah re stellvertretender Borsitzender der Gesellschaft für experimentelle Psychologie gewesen. Sn vielfältiger Tätigkeit als Arzt und Klinikleiter, als Forscher und Organisator und als Leiter seiner Studenten hat er sich überall dankbare Freunde und Verehrer erworben. Seinen Kranken ist er stets ein menschlich-gütiger Berater und Helfer gewesen. Die wissenschaftliche Welt kennt und achtet ihn als Berfasser einer heute noch bedeutsamen Schrift über die Geschichte der Psychologie im 18. Sahr- ßunaert, die 1892 zuerst erschienen ist und demnächst in neuer Auflage wieder erscheinen wird, als Gelehrten, der besonders auf dem Gebiet psychophysiologischer älntersuchungsmethoden und der Familienforschung und Bererbungslehre Grundlegendes geschaffen hat und der als Erforscher der vorgeschichtlichen Straßen, der sog Rennwege, hervorgetreten ist. Große geistige De- Wegungen der Gegenwart, die Psychotherapie und psychische Hygiene, verehren ihn als Vorkämpfer ihrer auf das soziale Wohl gerichteten Bestrebungen. Die Stadt Gießen schätzt ihn als langjährigen früheren Stadtverordneten, dem sie in baulicher und organisatorischer Beziehung manches verdankt und als Erhalter der Wirkungsstätte des großen Chemikers S. v. Liebig. Die Studentenschaft dankt ihm die Erwerbung und den Ausbau ihres Universitäts-Sportplatzes, den er in seinem Rektorat vom 1. Oktober 1914 bis 1. Oktober 1915 in Angriff nahm. Sein unermüdliches, arbeitsreiches Wirken auf den verschiedensten Gebieten der Sozial-Psychologie und -Psychopathologie führte in den letzten Sähren au bedeutsamen Ergebnissen: Die Organisation Der Psychotherapeuten und die Gründung einer ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie, in der er mehrere Sahre den Dorsitz geführt und als Leiter von vier Kongressen lebhafte Anerkennung gefunden hat, ferner die Gründung des deutschen Berbandes für psychische Hygiene als Glied der großen internationalen Bewegung für „Wental- Hygiene", dessen erste Tagung im Herbst 1928 in Hamburg er geleitet hat. Als Borsitzender des deutschen Berbandes gehört er dem vorbereitenden Komitee für den im Mai 1930 in Washington unter dem Ehrenvorsitz des Präsidenten der Bereinigten Staaten von Amerika, Hoover, stattfindenden ersten internationalen Kongreß für psychische Hygiene an. Ein Hinweis auf die Hauptschriften möge ein Bild von seinem reichen und vielseitigen wissen- schastlichen Schaffen geben: Grundzüge einer Geschichte der deutschen Psychologie und Aesthetik von Wolf-Daumgarten bis Kant-Schiller, 1892; Diagnostik der Geisteskrankheiten, 1. Aufl., 1894, II. 1921: Lehrbuch der psychopathologischen Anter- suchungsmethoden, 1899: Kriminalpsychologie und strafrechtliche Psychopathologie auf naturwissenschaftlicher Grundlage, 1904; überseht ins Sta- lienische und Russische; Familienforschung und Dererbungslehre, 1. Aufl. 1907, 2.1922, 3.1927; Tierpsychologie, 1925; Die Ribelungenwege von Worms über Wien zur Ehelburg, 1928; ferner Schriften über Sozialpsychologie und psychische Hygiene, Universität und Stadt Gießen und Dichtungen. Mögen seiner so fruchtbaren Wirksamkeit noch lange Sahre stets wachsenden Erfolges beschieden fein. Geheimrat Prof. Or. Brhrens f. Gestern morgen starb unerwartet der frühere, langjährige Vertreter der Romanischen Philologie an unserer Universität, Geheimrat Prof. Dr. Diedrich Behrens. Obwohl er seit dem 1. Oktober 1929 emeritiert war und in letzter Zeit kränkelte, hatte sich der Verstorbene nach alter Gewohnheit in fein Seminar begeben, um die immer noch auf ihm lastende Arbeit zu erledigen. Dort raffte ihn inmitten feiner Studenten der Tod hinweg. Diedrich Behrens, in einfachen Verhältnissen am 12. Januar 1859 zu Sophiengroden in Oldenburg geboren, konnte auf Grund von Privatstunden, die ihm sein erster Lehrer Heinrich Ahrens erteilte, mit 14 Jahren aus der Volksschule zu Neugarmssiel in die Tertia des Gymnasiums zu Jever eintreten. Nachdem er 1878 an dieser Anstalt das Abitur bestanden hatte, widmete er sich an der Universität Straßburg bis 1882 dem Studium der Neueren Sprachen. Er beendigte es durch die Erwerbung des Doktortitels in Straßburg und die Ablegung des Staatsexamens in Greifswald. Hier in Greifswald konnte sich der 25jährige Gelehrte, dessen Doltor- arbeit das ungeteilte Lob von Gaston Paris, des berühmtesten französischen Romanisten, gefunden hatte, im Herbst 1884 habilitieren. Im Jahre 1890 folgte Behrens einem Rufe als a. o. Professor nach Jena, von wo er ein Jahr später als ordentlicher Professor an unsere Landesuniversität berufen wurde. Hier hat er bis an fein Ende, fast vier Jahrzehnte, segensreich gewirkt. Das wissenschaftliche Wirken des Heimgegangenen hat unter der von allen Romanisten geteilten Erkenntnis gestanden, daß die romanische Philologie nur noch eine Fiktion ist, daß ein einzelner nicht zugleich in modernster französischer Literatur, alt- italienischer ober altportugiesischer Grammatik, spanischer Mundartforschung und rumänischer Volkskunde so bewandert sein kann, um mit eigenen wissenschaftlichen Arbeiten heroorzutreten. Deshalb hat sein ganzes Wirken auf der Einsicht beruht, daß sich nur durch weise Selbstkritik und Beschränkung für die Wissenschaft Ersprießliches leisten lasse. Wenn der Verstorbene auch in allen romanischen Sprachen zu Hause war, so galten seine Neigungen und Veröffentlichungen ganz der französischen Philologie. Durch die Zeit seines Lebens geübte Einschränkung ist er hier ein Meister seines Faches geworden. Das Werk, mit dem Behrens Weltruhm erlangt hat, ist seine „Grammatik des Altfranzösischen". Nach diesem Buch» lernen nicht nur die deutschen Romanisten die historische Entwicklung der französischen Sprache, sondern auch die ausländischen Neusprachler, insbesondere die Franzosen selbst. Ein Beweis dafür, was deutscher Gelehrtenfleiß zu leisten vermag! Es ist hier unmöglich, auf alle weiteren Publikat o- nen des Gelehrten einzugehen. Hervorgehoben fei nur, daß sich Behrens in den letzten Jahrzehnten besonders eingehend mit der Frage nach der wechsel- eiligen Durchdringung der einzelnen Sprachen be- chäftigte. Er hat durch eine ganze Reihe von größeren Arbeiten nachgewiesen, wie und in welchem Maße französische Wörter in die englische Sprache und andererseits englische und deutsche in die französische Sprache Eingang gefunden haben. Der Tod überraschte Behrens, als er m tten in der Darstellung des orientalischen Sprachgutes im Französischen begriffen war. Der Verstorbene hat sich aber auch sonst wissenschaftlich in hervorragender Weise betätigt. Seit 1885 war er Mitherausgeber der Zeitschrift für französische Sprache und Literatur, die er von 1891 ab allein redigierte. DieGießnerRomanisten verdan'en derTa'kraft und Ausdauer des Terftorberen d e Gründung der „Gießener Beitrage zur Romanischen Philologie", in denen viele Doktoranden ihre Arbeiten veröffentlichen konnten. Und hier ist des Dahin- gegangenen als des rührenden Förderers seiner zahlreichen Studenten zu gedenken. Roch im hohen Alter hat er bis in die Rächt hinein mit feinen Schülern zusammengesessen, um ihre Arbeiten zu vertiefen und zu feiten. Dieser Gelehrte, der seinen Stolz darin sah, im fachwissenschaftlichen Sinne ein Positivist zu sein, war in Wirklichkeit ein Idealist im weiteren Sinne. Außer für seine Familie lebte er ganz der Wissenschaft. Eine selbstlose, sich selbst bis aufs äußerste ausnuhende Persönlichkeit muhte unbedingt der studentischen Sugend imponieren und vorbildlich erscheinen. Darum fühlte sie bei dem plötzlichen, in ihrer Mitte erfolgten Tode ihres alten Lehrers, daß sie außer den Wissenschaftler einen ganzen Menschen verloren hatte. Auch die älteren Generationen der hessischen Neusprachler werden des Derstorbenen schmerzlich gedenken, ganz besonders diejenigen, welche im engeren akademischen Sinne seine Schüler waren. Weite Kreise unserer Stadt haben den alten Geheimrat gekannt. Aber nur wenige kannten ihn wirklich. Wenn Behrens auch in den langen Sahren seines Wirkens in Gießen hier feine zweite Heimat gefunden hat, so war er doch im Grunde der Rorddeutsche, der Oldenburger. Wer ihn auf der Straße sah, mochte von ihm den Eindruck eines verhärteten Gelehrten gewinnen. Auch ging er als stiller Wissenschaftler vom alten Schlage allen Deranstaltungen und allem Zeremoniellen gern aus dem Wege. Wer ihn jedoch im engeren Kreise bei sich hatte, wußte, wie dieser anscheinend so schwer zugängliche Gelehrte auftauen und von Witz und Humor sprühen konnte. Der unerwartete Heimgang Diedrich DehrenS' bedeutet für seine Angehörigen einen schweren "Verlust. Möchte es ihnen ein Trost sein, daß seine zahlreichen Schüler ihren schlichten und guten Lehrer nicht vergessen werden! Bornotizen. — Tageskalender füt Donnerstag. Oberhessi.a-er Geschichiseerein: Vortrag (mit Lichtbildern): Gießen im Siebenjährigen Krieg, von Prozessor Dr. Roeschen (Laubach), 23.15 Ahr. Hörsaal deZ Phy'i a'.ischen Institut'. — Oberh- hessische Gesellschaft für Ratur» und He lkunde: Vortrag von Professor Dr. Dingler „Lamarck und der Lamarckismus", 20.30 Ahr, Hörsaal des Forstinstitut 3. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: H6ee[ente:'äufet" und „Ein besserer Herr". — Astoria-Lichtspicle: »Der 13. Geschworene" und „Hütet euch vor leichten Frauen". •• Kauft noch vor dem Sonntag! Für die Weihnachtseinkäufe stehen nur noch wenige Tage zur Verfügung. Am nächsten Sonntag, dem Goldenen Sonntag, dürfte sich voraussichtlich wieder ein großer Zustrom von Käufern in den Geschäften bemerkbar machen, unter denen namentlich die Landbevölkerung stark vertreten fein wird. Wer feine Weihnachtsgeschenke in Ruhe und mit Sorgfalt auswählen will, sollte schon vor dem Sonntag einkaufen, denn erfahrungsgemäß können trotz des besten Willens des Derkausspersonals bei einem Massenandrang nicht alle Wünsche des Publikums so weitgehend berücksichtigt werden, wie das unter normalen Verhältnissen an den Werktagen der Fall ist. Sowohl im eigenen Snteresse, aber auch mit Rücksicht auf die Geschäftsleute möge jeder Bürger, insbesondere aber der Städter mit seinem bequemeren Weg zu den Geschäften, sich sagen: Wer jetzt ungesäumt kauft, handelt klug! ** Kraftomnibuslinie Gieße n—D ors- Gill — Birklar. Der Kraftverkehrsgesellschaft Hessen" wurde vom Ministerium des Innern die Konzession zum Betrieb einer Kraftomnibuslinie Gießen—Dorf-Gill—Birklar erteilt. Die neue Linie wird gemeinschaftlich mit der bereits bestehenden Linie Äießen—Steinbach—Albach betrieben und wird schon seit einigen Tagen befahren. Der Verkehr auf der Strecke Gießen—Birklar erfolgt zunächst nur viermal wöchentlich, und zwar Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags. '** Stadttheater-Abonnement. Die Einlösung des vierten Abschnitts des Stadttheater- Abonnements betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil, auf die wir die Interessenten besonders Hinweisen. Lss« l gegangen <|( täte taGAsV «Ä «reit sür 01 ZS» Sotutc« jg.Sl' e«*1 Bekannte leistungS- fähige Gewürmiüdle furbt bei den Detail- lifteit mn eingelüfcr* ton, foiöcnten Vertreter ge«. höbe Provision Antzsuhrl. fdirihL Anneb unter P 3731) on den Gieß. Anz. $abrifbureau fu :>t au Ostern intelligenten. zuverlässigen MIHI. VluMübrl. fdirifil. Angeb. unter 103761 > a. d. Gieß. Anz. erb |Stellengesuche| Junger, flotter Kellner von auswärts sucht illr 2 bis 3 Tage in der Woche Aoshilfeetelle. Schr. 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Danksagung. Allen, die uns beim Heimgang unseres lieben Kindes herzliche Teilnahme erwiesen, sagen wir aut diesem Wege innigsten Dank. Ganz besonders Dank für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, für die Kranzniederlegungen der Schulkameraden von Heuchelheim, des Schlachtervereins „Brüderschaft“, für die überaus zahlreichen Kranz-und Blumenspenden und allen denen, die ihm die letzte Ehre erwiesen. Die trauernden Eltern? Georg Herpel, Metzgermeister und Frau Marie geb, Schröder. Für die große Anteilnahme und das liebevolle Gedenken bei dem schweren Verluste meines unvergeßlichen Mannes danke ich allen herzlichst. Auguste Wittich. Gießen, den 18. Dezember 1929. Stadttheater atciittn, 20. Tez., 12. 3re.log- W-BoriL von 20 bis 22 Uhr Zum letzten Maler Die rmkillleii Nach der Tragödit der EurivideS von Fran, Werfel. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei dem Heimgänge unseres teuren Entschlafenen sowie für die trostreichen Worte des Herrn Buchner am Grabe und für die Blumenspenden sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Frau Geisel und Kinder. Gießen (Neustadt 59), den 18. Dezember 1929. iioai Todes-Anzeige. Gestern früh ist unser lieber Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Beiz Schlachthofkassierer L R. im 83. Lebensjahre sanft entschlafen. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Einlösung der Abonnements vor der 13. Ab onnementsvorstellung erfolgt M-M SamStaa, den 21. d. M., atzende» SV* Ubr 1l388D Stadt Mainz Sladttheater-Abonnemenf Die Einlösung des vierten Abschnitts der Abonnements für Dienstag, Mittwoch und Freitag hat an der Theaterkasse — Io- hannesstraße 3 — zu erfolgen, und zwar: Samstag, den 21. Dezember, für die Dienstags-Abonnenten: Montag, den 23. Dezember, für die Mittwochs-Abonnenten: Dienstag, den 24. Dezember, für die Freitags-Abonnenten in dar Zeit von 10 bis 13 Uhr. Nach Einzahlung auf Postscheckkonto „Frankfurt a. M. Nr. 37210, Kasse des Stadttheaters Gießen" erfolgt lieber» senduna der Abonnementskarten. 99460 Am (Samstag und Montag, ab 10 Llhr, Fortsetzung der Versteigerung. teils mit Kunstseide zillTI teils Wolle mit Seide teils wolle plattiert Einheitspreis ■ von ■ Die zu zahlende vierte Rate beträgt für: Proszeniumsloge, Rangloge und RM. 1. Rang (Reihe 1—2 1. Rang (Reihe 3—4), Sperrsitz (Reihe 1-11) „ ...... Große Versteigerung! Freitag, den 20. Dezember, nachmittags ab 2 Llhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 26, folgende Wollwaren: Strickjacken und westen für Damen, Strickjacken für Kinder, btaue Trikot- Hosen für Knaben. Damen- und Kinder- Schlupshosen, Kinderanzüge, Gamaschen- Hosen, Mühen mit Schals, Leibchen (gestrickt). Kinderjäckchen (grau), Kinder- röckchen (grau und weih), Kleidchen (grau und weiß). Leib- und Seclhosen für Kinder, wollene Kindermühen, seidene Zipfelmützen. Schals für Damen und Herren, Unterjäckchen für Damen, Sportstrümpse (mit und ohne Fuß), kindergamaschen. Herrenfocken. Strick- wolle in allen Farben, Faslnachts- strümpfe für Damen, Damen- und Kinderhandschuhe. Damen- und Kinderstrümpfe. kindersocken. zwei Spiegel, neun Messingslangen mit sämtlichem Ersah für Erker, eine Schausenslerlampe, eine Ladenlampe, sieben Glasplatten, eine Umrahmung von Erker, ein waren- regal, drei Glastüren vom Erker, zwei Oefen. 10389D Versteigerung bestimmt. Ludwig Savtmetz Auktionator und Taxator Neuenweg 26 Telephon 3414. Logenrückplatz, 1. Rang (Reihe 5—6), Sperrsitz (Reihe 12—14) Sperrsitz (Reihe 15—18), 2. Rang (Reihe 1) 2. Rang (Reihe 2—3 2. Rana (Reihe 4—5) Junae Scbälerhündin auf den Namen Blanka borend entlaufen Wuchs 10380D Srfiübenittnhe 10. 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Heute früh entschlief sanft und unerwartet mein lieber Mann, unser treuer Vater und Großvater Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unseres Heben Entschlafenen Christine Faber Wwe. und Angehörige. Lang-Göns, den 17. Dezember 1929 sprechen wir allen hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Familie Friedrich Groß. Im Namen der Hinterbliebenen: Dorothea Behrens geb. Fahlberg. Danksagung. Für die herzliche und liebevolle Anteilnahme zu dem überaus schweren Verluste unserer unvergeßlichen Annie wollenen Strickwaren Noch etwas Besonderes in Damen-Westen 350 Damen-Pullover Herren-Westen Herren-Pullover Kinder-Westen und -Pullover 00 Mk. «om traße 4 Verschiedenes WM» Vereine 14. >S- TTtssf*. n» )b !l- V- Zett- LN jeo feilen en, *). 10- in- tt- pe, en, ’tl- oe> Sl) auf Den Nnmen Lianka Dören) entlaufen ftudiei 1(6800 gififlüeniltn^'L ATAS I-'-KA im Wjw V'ÄÄ Ü vön.l'U WAS» »onfcWgW SH« Stf^.8 Mjfojsß ZsL AÄttz KO LamStas, dc« A' aller Art ^balbeo Preise, on Ihwate unb S?hJüctlauklab' Weben io,63D ^edncrsir, 16jl 3 der Slatar', * Valtlei urt wnrntnimaatci ?reiömert zu vn- '* (8098 ggpfffrjn ^^suche | 1 Elektro* motor Setbfelitrom, 12 PS, mit Anlasser, neu ob, ?ebr, gut erh. kaust totort 0810? W. Rin, VIII., Heuchrlbeim, Mit erb-einailliaitr Wen au foulen gesucht. Lchr. Äng. u. 08115 anb.Gien.AnAnacr Alte Nußbaum- A Itrlne Ait lausen ael. Echr. •jlnaebote mit Ptet! 11.08116(1.6. MH. Ich nehme biermik die Selrthiflunfl aea. ZobEVetckertn Vtd) unter dem «ns» bruiföesScbniiein» AUiüct. 08108 \ Züväe Nr. 297 Zweiter Blatt Zollkämpse. Don Dr. Nudolph Schneider, M. d.^. Deutschland kann sich nicht länger der Notwendigkeit verschließen, Zollerhöhungen in größerem Umfange vorzunehmen. All die handelspolitischen Hoffnungen, die wir seit 1925 gehegt haben, sind an der Macht der Tatsachen gescheitert. Wir glaubten 1925, uns mit einer wirklich äußerst gemäßigten Zollpolitik begnügen zu können. Durch die damalige Dorlage sollte auch nur eine vorläufige Regelung getroffen werden. Wir haben seitdem mit allen Kräften und mit allem guten Willen versucht, durch den Abschluß von Handelsverträgen mit zahlreichen Staaten zu einer Politik der Derständi- g u.n g zu kommen, und dabei wurden große Teile unseres Zolltarifs ermäßigt oder der Zollschuh für viele Waren überhaupt beseitigt. Und Deutschland hat nicht versäumt, guten Willen zu zeigen bei den Beratungen der Weltwirtschaftskonferenz in Genf, bei den Entschließungen des Völkerbundes über Zollabbau. Deutschland hat sogar versucht, auf dem Wege internationaler Verständigung voranzugehen, indem es vor anderthalb Jahren eine umfangreiche Vorlage über Zollsenkungen zunächst durch den Reichswirtschaftsrat verabschieden ließ. Und wir haben uns auch zu einer entgegenkommenden Haltung entschlossen, als letzten Herbst im Dölkcrbundsrat in Genf England einen zweijährigen Zollfrieden vorschlug. Wenn wir aber mit all diesen Maßnahmen und Plänen eine Poliiik weiterverfolgten, die uns 1925 wohl möglich erscheinen durfte, so haben die schweren vier Jahre seitdem eine geradezu entgegengesetzte wirtschaftliche Entwicklung gebracht. Und heute stehen wir vor der Tatsache, daß seit 1925 Steuern und soziale Lasten sich ungefähr verdoppelt haben, daß Löhne und Gehälter eine Erhöhung nach der anderen erfahren haben. Infolge der weggesteuerten und völlig unzulänglichen Kapitalbildung ist in Deutschland ein Mißverhältnis zwischen unzulänglichem Kapitalangebot und ständig gestiegener Kapitalnachfrage entstanden. Der Preis des Leihkapitals, also der Zinsfuß, steht weit höher als in irgendeinem der Länder, mit denen wir im Ausfuhrgeschäft in Wettbewerb treten. Unser Gegenspieler ist längst nicht mehr England, dessen Röte mit Ausnahme des Zinsfußes etwa den unsrigcn ähnlich sind. Unser gefährlichster Konkurrent ist Frankreich geworden, das nach dein Kriege eine völlig unerwartete, geradezu glänze de Wirtschaftsentwicklung ze gt, das keine ArbeiislosigicU tcnnt, das einen glücklicheren Weg der Stabilisierung gefunden hat als wir, das als größter Geldgeber aus dem europäischen Markte seiner eigenen Wirtschaft Geld zu einem Zinsfüße von 4,5 oder 5 Proz. langfristig zu leihen vermag, während diy, deutsche Industrie mit Mühe und Rot mit unzureichenden kurzfristigen Krediten von Fall zu Fall sich hellen muß und dafür im guten Durchschnitt jetzt 13,5 Prozent Zinsen bezahlen muß. Zuerst und am deutlichsten hat diese Entwicklung sich in der fürchterlichen Rotlage der deutschen Landwirtschaft gezeigt. Wenn man all das tausendmal Gesagte von der Steigerung der Löhne, Steuern und sozialen Lasten beiseite schiebt und nur einmal die Kosten des Kredits, die Höhe des Zinsfußes betrachtet: vor dem Kriege vermochte die deutsche Landwirtschaft gerade eben zu bestehen, wenn sie ihre Hypotheken und Telriebsmittel mit 5 oder 6 Prozent verzinsen mußte. Selbst in guten Jahren rechnete man als Ertrag der Landwirtschaft nur ein paar Prozente. Heute aber, da wir auf der ganzen Welt ein Ueberangebot, einen Preissturz für landwirtschaftliche Erzeugnisse haben, die viele Länder zu schleunigen Rotmaßnahmen für die Heiligenbilder. Don Irmgard von Faber du Kaur. Wir suchen das Heilige in weiter Ferne auf, aber bewegt es sich denn nicht mitten unter uns olle Tage? Die Laternen sind schon angezündet. Sie kehren heim, Vater, Mutter und der Kleine. Der hat ferne schönsten Kleider an und geht wie ein fremdes Kind zwischen ihnen. Er hört auf nichts, was sie sprechen. Obwohl er schon groß ist, wohl schon neun Jahre, lebt er noch ferne, fern der Menschenwelt. Das Geheimnisvolle umwebt ihn noch, das um die kleinen Kinder webt und um olle Menschen immerdar, die nicht Knechte der Erde sind, aber Könige in einem fremden Reich. So. geht der Kleine in sich selbst verschlossen, fremd und still. Da sind sie angekommen. Die Eltern verschwinden durchs Haustor. Er steht noch draußen und blickt sich um. Ein Schein fliegt über sein Gesicht. Er kniet mitten auf der Straße nieder — genau mitten im Weg — und breitet weit feine Arme nach der Ferne aus — und aus dem Dunkel fliegt ihm ein weißes Leuchtendes entgegen, eine jagende Kugel — genau mitten im Weg — und in seine Arme drängt sich's atmend und bebend, liebend und lebend, und er umschlingt feinen weißen Hund mit so überströmender, tiefer, innig rührender Zärtlichkeit, wie auf alten Bildern der kleine Johannes sein Lamm umschlingt. Die Bäume in den Anlagen strecken nackte Zweige aus und schütteln sie hin und her ohne Aufhören, als wollten sie etwas sagen und könnten die Worte nicht finden. Aber es muß etwas Wichtiges sein, die ganze Welt soll es hören, sie wollen es sagen, sie wollen es schreien und schütteln sich hin und her und können die Worte nicht finden. Ihnen zuzuschauen tut weh. Kalt bläst der Wind. Die Bänke unter den Bäumen sind leer. Aber mittags wandeln Menschen herum, bunt über den braunen Boden hin, ein- gemummt in Mäntel und Müsse. Sie wandeln zu zweit, zu dritt und zu vielen, plaudern uni) lachen, grüßen einander und freuen sich, wenn aus den bewegten Wolkenmassen einen Augenblick ein goldener Sonnengruß herniedersällt. — Fern von den Wandelnden, auf einer Anhöhe zwischen den Büschen, steht ein Mann. Sein Kleid ist schlecht. Er trügt keinen Mantel. Sein Gesicht ist häßlich. Er ist alt. Er steht fast unbeweglich', doch rings um ihn ist es lebendig. Von den Bäumen flattern die Vögel nieder und Hüpfen um ihn auf der Erde und picken die Drös- kein, die er zerstreut. Er regt sich nicht. Immer Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Donnerstag, (9. Dezember (929 Landwirtschaft und selbst die Vereinigten Staaten zu dem Hilfsgeseh, dem Farmcrgeseh, zwingen, heute kann die Landwirtschaft nicht außer der allgemeinen Rot noch die besondere Verteuerung ter Produktions osten in Deutschland ertragen. Die Landwirtschaft hält den hohen Zinsfuß von heute einfach nicht aus. Wenn deshalb schon im vergangenen Sommer, im Juni, der Reichstag sich zur Annahme eines großen landwirtschaftlichen Rotprogramms entschließen mußte, so zieht die jetzt dem Reichstag zugegangene Zollvorlage daraus nur die notwendigen Folgerungen. Sie ergänzt den Zollschuh für Getreide, sie will die Viehzölle den bereits erhöhten Fleifchzöllen anpassen. Run aber die Frage der Jndustrie- zölle. Cs mag einzelne Industriezweige geben, die einen Zinsfuß von der jetzigen Höhe in Deutschland noch in ihre Preise einkalkulieren können, Industrien besonders begünstigter Art, die sich damit abfinden, daß Deutschland gegenwärtig die höchsten Gestehungskosten unter den auf dem Weltmärkte konkurrierenden Ländern hat. Aber für die große Mehrzahl der alten Industrien gilt nah.zu dasselbe to'e für die Landwirtschaft. Deshalb kann man sich auch der Forderung nach wirksamem Zollschutz nicht verschließen, die jetzt von den meisten Zweigen der Textilindustrie, vom Automobilbau, von der Lederindustrie, von Kleineisen und Holzwaren, um nur diese hervorz cheben, gestellt wird. Man tonnte verstehen, daß die Zollwünsche der Landwirtschaft zuerst laut wurden, zuerst verstanden wurden. Bei der Industrie hat sich auch die geistige Umstellung langsamer vollzogen. Zuerst hieß es, die Vorlage werde nur die dringendsten Wünsche für die Schuhindustrie und für Aluminium enthalten. Dann sollte auch das wieder Wegfällen. Dann kam das Reichswirtschafts- minislerium mit einer umfangreicheren Vorlage, die jedoch vom Kabinett nicht angenommen wurde. Dann hat der Reichswirtschaftsrat wenigstens eine Entschließung für Jndustriczölle gebracht. Im Reichsrat haben alsdann eirz?lne Länderregicrungcn einzelnes erreicht. 3et}t maß der Versuch gemacht werden, was noch fehlt im Reichstagsausschuh durchzusel-cn. Die Schwierigkeit liegt in der knappen Zeit. Die Zolltarifvorlage soll diese Woche noch verabschiedet werden, da der geltende Zolltarif sonst am 31. Dez. außer Kraft tritt. Dazu kommt das Drängen der Landwirtschaft, die begreiflicherweise losort Erfüllung ihrer dringendsten Wünsche sehen möchte. Das ist der Gegenstand, um den jetzt im Handelspolitischen Ausschuß des Reichsla-es täglich bis in die späte Rächt gekämpft wird. Die Forderung der Industrie nach gleichmäßiger Berücksichtigung, nach solidarischem Schutzzoll wird nicht von der Tagesordnung verschwinden, solange die unerträgliche Höhe der Produktionskosten in Deutschland uns einfach zu einer solchen Zollpolitik zwingt. Mademoiselle Docteur Oie Aufmarschpläne. - Agentin 1 und 4, I. Aus dem neuen Buche: „Spionage!" von H. R. B e r n d o r f f. Verlag Dieck & Co., Stuttgart. Annemarie Lesser will für ein paar Wochen nach Capri, in Rom aber erhält sie die Nachricht von dem dräuenden europäischen Ungewitter, der Krieg steht vor der Tür. Annemarie Lesser rast mit einem schweren Wagen von Rom nach Mailand, es ist ihr gerade mit Hilfe des dortigen ständigen Agenten gelungen, sich einen falschen französischen Paß zu besorgen, da schlägt der Blitz ein, der in den Wolken gethront hat, der Krieg scheint nicht mehr zu vermeiden. Annemarie Lesser rast mit demselben Wagen nach Ventimiglia. Hier schickt sie das Auto zurück, und bald tritt eine Krankenschwester den Weg nach Paris an. In Paris stürzt sie in den letzten Tagen des Juli zu Monsieur Pissard, dem ständigen Agenten. Sie findet einen Mann, der bleich vor Angst und zitternd in seinem Zimmer sitzt. Monsieur Pissard sieht die Eintretende erstaunt an, Annemarie Lesser sagt leise: „Sehen Sie mich nicht so an, 1 und 4, G und W." Da springt Pissard auf, Freude glänzt in seinen Augen: „Mademoiselle docteur! Sie haben den Weg hierher gewagt?" In fliegender Eile unterbreitet Pissard der deutschen Spionin, während draußen vor seinen Fenstern die Menge in rasender Kriegsbegeisterung die Marseillaise singt, die durch einzelne Rufe „ä Berlin, ä Berlin" unterbrochen wird, seine Papiere. Pissard ist in den aufgeregten Tagen nicht müßig gewesen, so viel es ihm in Paris möglich mar, hat er durch ununterbrochenes Herumgehen auf den Bahnhöfen, durch dauernde Gespräche mit den kriegsbereiten Militärs die Art des Aufmarsches erkundet. Mademoiselle docteur braucht nur eine Stunde, um sich das alles auseinandersetzen zu lassen und um es in kleinster Schrift auf dünnstem Papier, das sie dann auf ihrem Körper verbirgt, aufzuzeichnen. Mit Hilfe von Pissard. der das Rötige stets auf Lager hält, fertigt sie wieder einen neuen Paß an. Sie wird die Tochter eines belgischen Offiziers und sie stellt ein Dokument her, aus dem hervorgeht, daß sie als belgische Krankenschwester im Ernstfall sofort zu einem belgischen Feldlazarett einrüden soll. Sie stößt aber in Paris auf die entsetzlichsten Schwierigkeiten, als sie versucht, sofort und schnell nach Belgien zu gelangen. Sie wagt alles, um viel zu gewinnen, sie erscheint in der Höhle des Löwen bei der Transportabteilung der Garnison Paris, und ihrem bestrickenden Liebreiz ihrem Scharm und ihrem Lächeln, das sie aus halbgcsenkten Augenlidern auf den zuständigen französischen Offizier wirft, gelingt es. einen Platz in einem Kurierauto Paris—Brüssel zu erhalten, d as französische Generalstäbler tn Zivil nach Brüssel bringen soll. Die Fahrt geht über Compiögne, St. Quentin, Maubeuge, Charleroi, nach Brüssel, und die geschulten Augen der Mademoiselle docteur erfassen auf dieser Fahrt sofort, wo die wichtigen Punkte des französischen Aufmarsches liegen, sie erkennen seine Schwächen und seine Stärken. Ein übriges tut noch das Gespräch mit den französischen Generalstabsoffizieren, die auf dem Wege nach Brüssel sind, und sie erfährt die ungeheuerliche Tatsache, die man in dem deutschen Generalstab bisher nur vermutet hat, daß die belgische Armee im Ernstfälle mit der französischen in Waffengemeinschaft gegen Deutschland stehen würde. Das geht einwandfrei aus den Worten der Generalstäbler hervor. Als der Kraftwagen in Brüssel einläuft, gelingt es Annemarie Lesser nicht sofort, sich von den französischen Offizieren zu trennen. 3m Gegenteil, die Offiziere bringen die schöne Frau zum belgischen Generalstab, wo sie einer Unterredung dieser Offiziere mit dem Souschef des französischen Generalstabschefs beiwohnt. Sie, immer in der Rolle der begeisterten Patriotin, erfährt bei dieser Unterredung, daß diesem Chef, dem General de Ryckel, eine Kriegführung gegen Deutschland mit offensiven Absichten vorschwebt. Sie erfährt weiter, daß man für den Ernstfall des ersten Schusses sofort die Landung von englischen Truppen in Stärke von sechs Infanteriedivisionen und acht Kavalleriebrigaden in einer Gesamtstärke von 160 OOO Mann in Antwerpen zugrsagt erhalten hat. Annemarie Lesser wohnt dieser Unterredung mit gemischten Gefühlen bei, einerseits ist sie sich darüber im klaren, daß diese Kenntnisse für die deutsche Armee unerhört wichtig sind — wenn — ja wenn es ihr gelingt, sie nach Berlin zu übermitteln. Anderseits weiß sie natürlich ganz genau, daß sie in ungeheurer Gefahr schwebt, entlarvt zu werden, wenn es dem General de Ryckel auch nur im entferntesten einfällt, sich nach ihren Personalverhältnissen etwas genauer zu erkundigen. Also verabschiedet sie sich bei der ersten Gelegenheit, sie muß noch verschiedenes eintaufen, aber sie entrinnt nicht einer Verabredung mit einem der französischen Offiziere, einem Generalstabsmajor, für den Abend zutraulicher werden die Vögel. Er streckt feine Hand aus — eine rotgefrorene Hand — und hält sie hin, ein Stück Brot in den F'.ngern. Da wagt es ein Vogel und flattert heran mit kleinen, blinkenden Augen, und nimmt das Brot aus feiner Hand. Und noch einer wagt es und immer ein anderer. So tanzt in kleinen lebendigen Wellen das Leben um den einsamen Menschen, der dort still und verborgen steht zwischen den Büschen, ohne Mantel im kalten Wind. Er sieht auf die Vöglein nieder, als wollte er sie segnen — die kleinen Wellen, die kleinen Flammen, die kleinen Funken des Lebens —, als wollte er sie segnen mit dem Liebessegen des Heiligen, der die Vögel liebte. Und er lächelt, und sein Gesicht ist schön. Cs ist Mittagszeit, die Straße wimmelt von Menschen, eilig hastende Tramwagen und Fuhrwerke poltern dazwischen. Es ist kalt. Muffe und Handschuhe und Taschen verstecken die Hände. Rur eine Hand ist bloß. Sie zieht einen kleinen Leiterwagen, auf dem eine schwere rohe Holzkiste lastet. Sie trotzt sich fest um den Griff, sie ist feingegliedert und beseelt und diese Arbeit nicht gewohnt. Sie liebt es, auf den Seiten eines Buches zu ruhen, die dünnen Blätter umwendend zu ertasten und großen reinen Geistern zu begegnen Den gleichen Ausdruck wie die Hand hat das Gesicht des Mannes, das er neigt. Das Geschäft das wohl die Rot ihm aufzwingt, erniedrigt ihn nicht: er aber erhöht es. — Aus der Straßenkreuzung fährt ein grober Mann in weißer Bluse, mit großen roten Händen einen Handkarren gerade in den Leiterwagen hinein. Der Grobe schimpft, während er seinen Karren zurückzieht. Der andere hebt das Gesicht und schaut ihn an, errötet leicht: ein Wunder ist in seinem füllen Auge. Auf die Schimpfworte erwidert er nichts: aber fein Auge sagt: „Du sprichst zu mir, als könnte ich dich verstehen. Run bin ich aber nicht von dieser Welt." * Der Spaziergang am Fluh ist so voll Leben, als wäre die ganze Stadt herausgekommen, die strahlende Sonne zu trinken. Auf den Bänken sitzen die Menschen dichtgedrängt. Alke, die sich wohlig sonnen, Mütter mit ihren Kindern, Studenten mit ihren Büchern. Mädchen mit einer Handarbeit. Die Wandernden rauschen in buntem Strom vorüber und auf oem Fluß tanzen die Sterne der funkelnden Sonne. — Ein Mann und eine Frau sind auf einer Dank allein, Arbeitsleute in schlechten Kleidern. Der Mann ist krank. Er liegt ausgestreckt auf der Bank, Haupt und Schultern ruhen im Schoß der Frau. Sein Gesicht ist so weiß wie das eines Toten. Um seine Stirn webt der Glorienschein der stumm erlittenen Qual. Die Frau hält das Gesicht über ihn geneigt, Haarsträhnen fallen herein. Sein Auge ruht still und groß hingebend in ihrem Auge, und um sie her versinkt das laute Leben, und nichts ist mehr als er und sie, das Leiden und die Liebe, und sie wachsen hinauf ins Gewölbe des Himmels, in den Glanz des Heiligen hinein. Es will schon Abend werden. Der Friede sinkt vom Himmel nieder. Die strengen Berge werden mild. Der Dauer ist vom Feld gekehrt und gibt im Stall zu trinken. Draußen neben dem Haus hobelt der fremde Arbeiter an einem (Brett. Die Dämmerung des Abends wächst. Er achtet es nicht. Da tritt die Däuerin heraus, groß hoch, stark. Ihr Gesicht hat die großen, einfachen. ruhigen Züge wie das Antlitz der (Berge. Sie tritt zu ihm und sagt: „Du schaffst noch, Hans? Es ist ja Rächt. Du siehst ja nichts. Hör' auf und geh du in die Stube. Ich werde auch mit dem Essen bald fertig fein.“ Sie geht. Er aber legt den Hobel fort für diesen Tag. wie ein frommer Mensch, der dem heiligen Gebot des Lebens willig gehorcht. MeWeihnachtsmanner des hohenAordens Die rechte Weihnachtsvorstellung ist für uns eng verknüpft mit Schnee und Eis und scharfer Kälte. Deshalb erscheint uns der hohe Rorden als das ideale Weihnachtsland, und in vielen Märchen wird der Weihnachtsmann als eine Art Rvrdpolsvrscher dargestellt in dickem Pelz und warmer Kapuze, der seine köstlichen Gaben unter luftigem Geklingel auf einem von (Remitieren gezogenen Schlitten herbeiführt. Auch heute noch in unserer nüchtern gewordenen Zeit, in der die Kinder nicht mehr viel vom Knecht Ruprecht wissen wollen, gibt es solche Weihnachtsmänner, die merkwürdigerweise Schutzleute sind. Es sind die Mitglieder der kanadischen berittenen Polizei, die in den kanadischen Gebieten des Polarkreises ihre entsagungsvolle und aufopfernde Pflicht tun. Sie sind nicht nur Verfolger des Rechts und Hüter der Ordnung, sondern den verlassenen Ansiedlern und Trappern und den armen Eskimos, die hier ihr Geben fristen, erscheinen sie wie gütige Helfer und väterliche Freunde. Wenn sie um die Weihnachtszeit in ihren roten, pelzverbrämten Röcken in irgendeiner eisumstarrten Ansiedlung oder in den Schneehütten der Eskimos auftauchen, dann werden sie mit so heller Freude begrüßt, wie selten ein Weihnachtsmann. Ende Rovember und Anfang Dezember treten diese Schutzleute ihre Weihnachtspatrouillen an, und zwar zu im Kriege. G und W. im Palace-Hotel, sie entrinnt dieser Verabredung um so weniger, als sich dieser Offizier bereits auf Tod und Leben in sie v.rliebt hat. Als sie auf der Straße steht, ist sie entschlossen, diese Verabredung nicht einzuhalten. Am Abend aber hat in ihr das Abenteurerblut gesiegt. Sie riskiert ihr Leben, um noch mehr zu erfahren, und schon in der ersten Stunde des Zufamn en- seins mit dem Offizier im Speifefaal tcS Palace- Hotels kennt sie den belgischen Ausmarschplan. Sie erfährt, daß die Militärgouverneure der belgischen Provinzen angewiesen worden sind, (Beilegungen französischer Truppen auf belgischem Gebier nicht als Rcutralitätöverlehung zu betrachten. Die Versammlung des belgifd;cn 'Feldheeres ist beiderseits der Gele im Raum Han- nut—<5t. Trond—Tirlemont—Hamme - R ille virgesehen. Sie erfährt die Einzelheiten dieses Aufmarsches, und gegen Mitternacht kennt sie die Defehung der Festung Lüttich. Sie erfährt vor allem aber den augenblicklichen technischen Zustand der Werke. Die Forts waren zwar noch modern und sturmfrei, die Zwischenräume waren aber im letzten Jahre nicht weiter ausgebaut, und das von tiefen Schluchten durchzogene Dor- gelänbe war der Feuerwirkung' völlig entzogen. Unterirdische vorgeschobene Forts waren in diesen Tälern nicht vorhanden. In die Festung selbst sollten sofort zwei Divisionen einrüden, die dritte und vierte belgische Division feilte den Aufmarsch dieser Truppen um Lüttich deden. Als Annemarie Lesser dieses erfahren hatte, da hielt es sie nicht mehr in der Gesellschaft des verliebten franzosiscl en Offiziers. Sie schützt ein plötzliches Unwohlsein vor, der Gedanke an ihren „Vater", den belgischen Offizier, bebrüdt sie, es gelingt ihr, den Offizier so zu verlassen, daß er keinen Argwohn hezen kann, mit ihrem Paß und ihrem selbsthergestellten Ausweis vermag sie in einen v-ZugBrüs el- Lüttich zu kommen, in denselben Zug, in dem belgische Generalstabsoffiziere in die Festung eilten. In (Berlin sitzt I. Matthesius, er ist seit Tagen nicht aus feinem Zimmer herausgelommen. Bündel von Telegrammen aus aller Welt häufen sich auf feinem Schreibtisch, zwei Telephonapparate schweigen nicht einen Augenblid, Ordonnanzen, offen in -Uniform, gehen bei ihm ein und aus. Während seiner ununterbrochenen Arbeit aber geht ihm eins nicht aus dem Kops: wo ist Annemarie Lesser? Er hat durch ein chiffrier.es Telegramm aus Mailand erfahren, daß sie über dem menschenfreundlichen Zwed, Post und Gaben in diese fernen Gegenden des hohen Rordens zu bringen. In der bittersten Kälte und unter dem Geheul der Schneestürme finden sie ihren Weg zu den Eskimos, denen sie den Sinn des Weihnachtsfestes klar machen und deren überaus mageren Speisezettel sie mit allerlei Leckerbissen verschönen. Wenn dabei auch die Lichter, öie_ für den Christbaum bestimmt sind, in die Mägen wandern, so muh man diese Verwendung hinnehmen, die dem Geschmack dieser Söhne des Schnees mehr entspricht. So manche Patrouille ist schon elendiglich umgekommen, wie vor 19 Jahren die Weihnachtsexpedition von Fitsgerald, die mit Post und Gaben von Fort Macpherson nach Dawson unterwegs war. An Abenteuern und aufregenden (Srlebniffei haben diese Weihnachtsmänner keinen Mangel. So rettete z. D. Inspektor Wilcox im Dezember 1923 zu Pangnirtung auf der Dasfins-Jnsel einige Eskimo-Familien durch feine reichen Weihnachtsgaben vor dem drohenden Hungertod. Auch 1927 fand Sergeant Daker auf seiner Fahrt von Dernad Harbour nach dem Tree-River eine Anzahl verkrüppelter oder sonst verletzter Eskimos, die er pflegte und reich beschenkte. Im selben Jahre meldeten Indianer das traurige Schicksal eines weißen Trappers Walter Lanner, dem Korporal Lloyd-Walters, der in Forth Smith stationiert war. Der Unglückliche sollte sich irgendwo am oberen Lauf des Slave-River befinden, und sofort machte sich der Schuhmann auf den Weg, um die (Reife von mehr als 1000 Kilometer durch die weglose Schneewüste zurückzulegen. Er sand auch den Trapper, aber als Leiche: er war bereits verhungert. Die Polizisten selbst feiern in ihren von aller Kulturwelt abgeschnittenen Stationen Weihnachten mit all dem Glanz dieses Festes. Die Ansiedler und Eingeborenen aus der Umgegend sind eingclaben, und alle hängen am Heiligen Abend ihre langen Strümpfe aus Renntierhaut auf, damit der „Weihnachtsmann'^ ihnen recht viel Geschenke fjineintue. Die Eingeborenen bekommen Messer und Kleidungsstücke, Seife, Muniton und solche Kostbarkeiten wie Spiegel und Glasperlen. Am ersten Feiertag findet dann ein Gottesdienst statt, und dann folgt das Festmahl, bei dem Renntierlenden und Därenschinken, (Robbenfloffen und ähnliche Leckerbissen der nördlichen Tafel, neben Tee, Diskuits und Tabak die Hauptrolle spielen. Dann vertreibt man sich die Zeit mit Schneeschuhwettlaufen, mit Ringen und Springen, mit Tanzen und Wettrennen, und heutzutage bringt sogar der Rundfunk die Stimmen der Heimat, von der man träumt . . . Ventimiglia nach Frankreich gefahren ist, und er sagt sich, entweder wird diese Frau verhallet und erschossen, oder sie kommt zurück und hat Nachrichten, die von außerordentlicher Wichtigkeit sind. Ihre Rückkehr und ihre Nachrichten erwartet er mit um so größerer Llnruhe, als seine Verbindungen mit Paris und Brüssel abgerissen sind, der drohende Krieg verhindert die Möglich'eit, Agentenmcldungen über d:n Draht zu erhalten. 3n der Nacht vom 3. zum 4. August stellt ein Posten der deutschen Grenzschuhtruppen an der Grenze zwischen Belgien und Deutschland auf der Chaussee von Nasproue und Eupen eine Frau. Sie trägt den Rock einer Bäuerin, ein Kopftuch, derbe Strümpfe, aber dem Soldaten fällt auf, daß sie dazu sehr gut gearbeitete zierliche Schuhe trägt. Die Frau, die auf unbekannte Weise über die Grenze gelangt ist, verlangt, sofort zu dem kommandierenden Ofsi'ier gebracht zu werden. Es ist mitten in der Nacht. Man weckt den Leutnant dcs Vorpostenzuges, dem diese Person außerordentlich verdächtig vorkommt. Eine Hebamme wird geholt, niemand hört auf die wütenden Proteste der Frau, die sofort einen Generalstabsofiizier sprechen will. Die Durchsuchung durch die Hebamme fördert zahllo'e eng- beschriebene Blätter und einen belgischen Paß zutage. „Sie Dumm opf," schreit die Frau den Leutnant an, „wenn Sie es nun schon wissen, natürlich bin ich eine Spionin, ober eine deutscheI Wenn Sie mich nicht sofort zu einem General- stabsofsi icr bringen können, dann telegraphieren Sie wenigstens nach Berlin an den Großen Generalstab, daß die Agentin 1 und 4, G und W von Ihnen hier soeben verhaftet worden ist." Man läßt die Frau in Bewachung der Hebamme und zweier Posten. Der Leutnant weckt seinen Hauptmann, ein dringendes Diensttelegramm geht nach Berlin, und nach einer Stunde erscheint ein Kraftwagen mit einen Generalstabs- Hauptmann in dem Heinen Dorf. Noch nie wurde der ßeutnant so angebrüllt, und bald gehen von Eupen aus telephonisch Wort für Wort diese unerhört wichtigen Nachrichten der Mademoiselle doctcur an 3. Matthesius -nach Berlin, der sie aufzeichnet, verarbeitet, und nach einigen Stunden lau en diese Mel ungen in F.rm von Benachrichtigungen und Te ehlen wiener bei der Truppe ein, und am Nachmittag dieses Tages, am Nachmittag des 4. August, erhält der General von Emmich mit seinen Truppen die Erlaubnis, belgisches Gebiet zu betreten und den Befehl, einen Handstreich auf Lüttich zu versuchen, der .Agentenmeldungen zufolge" aussichtsreich sei. Der Kern der Festung Lüttich fällt am 6. August in deutsche Hand. (Fortsetzung folgt.) Lius der provmzialhauptstavt. Gießen, den 19. Dezember 1929. Oie Gesundheitsfürsorge in den hessischen Schulen. WSN- Der hessische Minister für Kultus und Bildungswesen bestimmt soeben in einem Runderlaß an die Schulleitungen und Schulämter Richtlinien, wie die Gesundheitsfürsorge in den Volks- und höheren Schulen Hessens zu handhaben ist. Es wird angeordnet, daß jeder Schulanfänger möglichst vor Schulantritt, sonst innerhalb der ersten Wochen nach diesem, auf seine Schulfähigkeit untersucht werden soll. Geistig und körperlich zurückgebliebene Kinder sind auf Antrag des zuständigen Schulrats auf die Dauer eines 3ahres vom Schulbesuch zu befreien. Hat der zurückgestellte Schüler das schulpflichtige Alter erreicht, also vor dem 1. Mai des betreffenden 3ahres das 6. Lebensjahr zurückgelegt, dann zählt das 3ahr, in dem das Kind die Schule nicht zu besuchen braucht, als Schuljahr; das Kind hat die Schule dann nur sieben Jahre zu besuchen. Erreicht das zurückgestellte Kind das 6. Lebensjahr zwischen 1. Mai und 30. September, dann zählt das 3ahr für den achtjährigen Schulbesuch nicht. Aerztliche Durchmusterungen der Schüler sind in allen Klaffen jährlich mindestens einmal vorzunehmen. Der Schulrat ist verpflichtet, in seinem Bezirk mindestens eine öffentliche Sprechstunde für die Eltern der Schüler einzurichtcn. Der Schulrat hat den Erziehungsberechtigten die Behandlung eines Kindes durch einen Arzt zu empfehlen, wenn die Notwendigkeit durch den Schularzt festgestellt wird. Für die schulärztlichen Untersuchungen und Sprechstunden ist die Mitwirkung einer Schulschwester oder Kreisfürsorgerin sicherzustellen. Bei sämtlichen Schü- lern und Schülerinnen sind alljährlich im 3uli Messungen und Wagungen durchzuführen. Die Zahlen sind für jeden Schüler in einem ärztlichen äleberwachungsbogen einzutragen. Die Lehrer werden angewiesen, die Schüler gelegentlich des naturwissenschaftlichen Unterrichts und bei sonstigen geeigneten Anlässen über die Bedeutung, die Verhütung und Bekämpfung der übertragbaren Krankheiten aufzuklären. 3n den Richtlinien sind dann noch Bestimmungen enthalten zur Verhinderung der Ausbreitung übertragbarer _ Krankheiten durch die Schule, Vorschriften über die Reinhaltung der Schulsäle, die Beschaffung von Waschgelegenheit für die Kinder, ein Verbot des Reinigens der Schulräume durch Schüler, Verbot des Betretens der Schulraume durch Kinder, Lehrer. Schüler. Hilfspersonal usw., wenn sie an ansteckenden Krank- peilen leiden, oder wenn sie aus Behausungen kommen, in denen ansteckende Krankheiten herrsch, len oder noch bestehen. Auf die Zusammenarbeit mit den Eltern und Erziehungsberechtigten wird erhebliches Gewicht gelegt. Kanarienzucht- und Vogelschuhverein Gießen. Auf der am letzten Sonntag veranstalteten Verbands, und Jubiläums-Ausstellung des Kanartenzucht - und Vogelschuyver- eins Gießen wurde die Prämiierung durch die Preisrichter Fr. H e l b i n g, Frankfurt a. M und 3ean Kaiser, Offenback durchgeführt. Das Pramiierungsergebnis war folgendes- A. Selbstzuchtklasse: 1. Georg Krug, Lindenstruth. 318 Punkte, D rbandsmcist r'chaft, Verbandffwandcr reis, Veröandsplik t'.e, Statt- ehrenpreis und Dereinswanderprcis. 2. Heinrich Schmidt. Gießen, Swphanstr. 27. 315 Punkte, 1. Ehrenpreis. Damenehrenpreis, große goldene Medaille und Ehrenpreis für bestes Hohl. 3. Rich. Frenzel fen., Gießen, 309 Punkte. 2. Ehrenpreis, große goldene Medaille, Ehrenpreis für beste Knorre. 4. Kaspar Schmitt, Marburg. 306 Punkte. 3. Ehrenpreis, kleine gold. Medaille. 5. Ludwig Naumann, W hrShausen, 303 Punkte, 4. Ehrenpreis, kleine gold. Medaille. 6. Heinrich Becker. Gießen, 297 Punkte, 5. Ehrenpreis, große silb. Med. 7. Karl Heimes, Gießen, 238 Punkte. 6. Ehrenpreis, große selb. Med. 8. Oskar Müller, Wetzlar, 285 Punkte, 7. Ehrenpreis, kleine silb. Medaille. 9. Heinrich Ruppel, Ll' t r Widdersheim, 232 Punkte, 8. Ehrenpreis, kl. silb. Med. 10. Karl Hünermund. Gießen. 276 Punkte, 9. Ehrenpreis. kleine silb. Medaille. 11. Rich. Frenzel, Gießen, 279 Punkte, große silb. Med. 12. Karl Becker, Gießen, 270 Punkte, kleine silb. Med. 13. Heinrich Momberger, Gießen, 237 Punkte, kleine silb. Med. 14. Karl 3unge l,Wetzlar, 264 Punkte, kleine silb. Med. B. Allgemeine Klasse: 1. Karl Hünermund, Gießen, 306 Punkte, 1. Ehrenpreis, große gold. Medaille. 2. Wilhelm Hachenburger, Beienheim, 302 Punkte, 2. Ehrenpreis, große gold. Med. 3. 3oh. Gerlach, Silberg, 300 Punkte, 3. Ehrenpreis, kleine gold. Med. 4. Rich. Frenzel, Gießen, 297 Punite, 4. Ehrenpreis, große silb. Med. 5. Kasp. Schmitt, Marburg, 294 Punkte, 5. Ehrenpreis, kleine silb. Med. 6. Georg Krug, Lindenstruth, 291 Punkte, 6. Ehrenpreis, kleine silb. Med. 7. Heinrich ©immer, Gießen, 285 Punkte, 7. Ehrenpreis, kl. silb. Med. 8. Peter Müller, Limburg, 285 Punkte, 8. Ehrenpreis, kl. silb. Med. 9. Heinrich Ruppel, ülntcr-WidderLhcim, 285 Punkte, 9. Ehrenpreis,, kl. silb. Med. 10. Karl Decker, Gießen, 279 Punkte, 10. Ehrenpreis, kl. silb. Med. 11. Heinrich Befort, Wetzlar, 279 Punkte, 11. Ehrenpreis, kl. silb. Med. 12. P. Kluge. Bad-Nauheim, 279 Punkte, 12. Ehrenpreis, kl. silb. Med. 13. Heinrich Schneider, Steinbach, 276 Punkte, 13. Ehrenpreis, kl. silb. Med. C. Für ausgestellte Futtermittel, Käfige und Artikel zur Vogelzucht und -pflege: 1. Heinrich Hahn, Gießen, Diplom zur goldenen Medaille. 2. Karl Hünermun d, silberne Mcdail.'e. Taten für Freitag, 20. Dezember. Sonnenaufgang 8.02 Uhr. Sonnenuntergang 15.53 Uhr. — Mondaufgang 20.52 Uhr, Monduntergang 11.33 Uhr. 1795: der Geschichtsforscher Leopold v. Ranke in Wiebe geboren igcstorben 1886); — 1856: der Schriftsteller Ferdinand Aoenarius in Berlin geboren (gestorben 1923). Gictzencr Wochcnmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210 bis 220, Matte 30 bis 35. Käse (10 Stück- 60 bis 140, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 12 bis 15, Spinat 25 bis 35, Llnter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 50 bis 80, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 4l/a bis 5, Aepfel 10 bis 15, Dirnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis ICO, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 100 bis 130, Nüsse 50 bis 80 Pf. das Pfund; Tauben das Stück 70 bis 90, Kisteneier 17 bis 18, frische Landeier 19 bis 20, Blumenkohl 50 bis ICO, Endivien 10 bis 40. Ober-Koh'rabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück; Kartoffeln der Zentner 3,80 bis 4 Mk., Wirfing 10 bis 12, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 10 bis 12, Aepfel 10 bis 12, Dirnen 8 bis 10 Mk. der Zentner. Bornotizen. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Ein besonderes Weihnachtsgeschenk ist für die Gießener die Erstaufführung des neuen Werkes „Tobias Wunderlich" von Heinz Ort. ner, dem jungen oberösterreichischen Dichter. — Am Freitag. 20. Dezember, ist die letzte Aufführung von „Die Troerinnen" (Regie Dr. Prasch). * ** Sitzung des Provinzialausschus- s e s. Am nächsten Samstag, 21. Dezember, vormittags 8.30 älhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regieruugsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusfes der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Wilhelm Günther in Friedberg gegen den Bescheid des Kreisamts Friedberg vom 10. Oktober 1929 wegen Versagung einer Legitimationskarte für das Kalenderjahr 1929. 2. Gesuch des Otto Dietz in Bad-Nauheim um Verlängerung der Wirtschaftskonzession. 3. Klage des Bezirksfürforgeverbandes des Dillkreises, vertreten durch den Kreisausschuß des Dillkreises in Dillenburg, gegen den Bezirks- fürsorgeverband der Stadt Gießen auf Ersah von Fürsorgeleistungen für den Schausteller Ludwig Haubeil aus Gießen. Schulpersonalie. 3n den Ruhestand verseht wurde der Oberreallehrer an der 06er» realsd ule Gießen Heinrich Z i e p r e ch t aus sein Nachsuchen vom 1. Januar 1930 ab. •’ Aus dem Gießener Standesamts- r e g i st e r. Es verstarben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. Dezember: 2. Alwin August Loose, Installateur, 24 Jahre, Krofdorfer Straße 26; 4. Ludw. Feidel, Reuter, 83 Jahre, Sonnenstr. 3; 5. Mathilde Emmelius, Rentnerin, 71 Jahre, Ostanlage 21; 6. Marie Mühlbach, geb. Lahr, Witwe, 71 Jahre, Kaiserallee 9; 7. Margarete Volz, Manglerin, 30 Jahre, Frankfurter Str. 127; Johannes Erdmann, Lehrer i. R., 70 Jahre, Lindenplatz 1; Fritz Hübner, Kaufmann, 33 Jahre, Crednerstrahe 1; 8. Babette Stephan, geb. Fried- rich. Witwe, 68 Jahre, Eichweg 7; 9. Heinrich Emst Herpel, Fleischergefelle, 21 Jahre, Rod- Heimer Straße 45; Eise Lukas, Buchhalterin, 29 Jahre, Hillebrandstraße 6; 10. Luise Rein- schmidt, berufslos, 59 Jahre, Klinikstraße 22; 11. Georg Heinrich Johannes Louis Karl Wittich, Lokomotivführer, 56 Jahre, Ebelstraße 39; 12. Heinrich Friedrich Geisel, Händler, 70 Jahre, Neustadt 59; Otto Lenz, Studienrat, 42 Jahre Großer Stcinweg 13; Anna Emilie Marie Groß, Laborantin, 34 Jahre, Klinikstraße 32; 14. Philipp Döcher, Fuhrmann, 72 Jahre, Krofdorfer Str. 44; 15. Nikolaus Kraus, berufslos, 60 Jahre, Stephanstraße 49, Louis Rühl, Postassistent, 63 Jahre, Krofdorfer Straße 32. ** Keine Sonntagskarten f ü r Schnellzüge im Weihnachtsreisevcr» kehr. Wegen dcs starken F.r.iverkehrs an den Weihnachti tagen können die Schnellzüge für die Zeit vom 23. bis 27. Dezember mit So ^agsrück- sahrkarten nicht benutzt werden. Wer sstne Weih- nachtsre se m't ein r Sonntagsrückfahrkarte ou> führen will, die bekanntlich vom 23. Dez. 12 plhr mittags bis zum 27. Dezember 9 Uhr vormittags (als Frist für den Antritt der Rückr ise) gilt, muß zur Fahrt die planmäßigen Eil» oder Personenzüge benutzen ** Der Zigarettenschwtndler fest- genommen. In Herborn wurde am Dienstag der Reisende Wilhelm Läufer aus Altenkirchen festgenommen, der vor einigen Tagen in Gießen, Schotten und Friedberg Zigaretten erschwindelt hatte. Wie inzwischen in Erfahrung gebracht wurde, hat er diese Betrügereien auch in Limburg, Wetzlar und Köln begangen. *• Zigaretten gestohlen. Der Polizeibericht meldet: Aus dem Verkaufsraum auf dem hiesigen Diehmarktplah wurden in der Nacht zum Dienstag mittels Einbruchs etwa 800 Zigaretten in Packungen zu 10 und 25 Stück entwendet. Es handelt sich um folgende Marken: Kurmark, Ova, Setti, Salem Ausl.ese, Makedon. Finas, Mercedes und Setti Privat. ** Konzert in der Nervenklinik. Den Patienten der Nervenklinik wurde durch das Erscheinen des Gesangvereins „Einheit" aus Allendorf a. d. L. eine große Freude bereitet. In einer Fülle von schönen volkstümlichen Liedern konnte der Gesangverein seine gut durch» gebildeten gesanglichen Fähigkeiten voll entfalten und fand für seine Leistungen bei den Zuhörern lebhafte Anerkennung. Dem Gesangverein wurde am Schluß der Darbietungen von selten der Direktion besondere Anerkennung ausge- spro^-en. ** Der Frauenverein vom Roten Kreuz für Deutsche über See hatte am Montag seine Mitgliederrer'ammlung. Frau Provinzialdireitor Graes eröffnete nach Begrüßung der Gäste die Sitzung mit eine n Bericht über die Arbeit des vergangenen Jahres. Nach Erledigung der internen Vereinsangel^genhci en sprach Frau v. Oidtmann aus Darmstadt in fesselnder Weise von der Gründung des Vereins, seiner Tätigkeit und seinen Zielen und bewies die unbedingte Notwendigkeit engster Fühlung mit den Deutschen in unseren früheren Kolonien. Seit dem Raube durch die fremden Mächte sind dort draußen die -sanitären Zustände größtenteils unmöglich geworden, ohne Hilfe vom Reich gehen viele wertvolle Menschen zugrunde. Besonders Frauen und Kiniec leiden schwer: deutsche Schwestern sind draußen ein unendlicher Segen, doch müs'en sie meist unter unglaubiich priwiti en Berfäl nissen und schwersten körperlichen Anstrengungen arbeiten. Die Rednerin berichtete von der jüngsten deutschen Ansiedelung in Paraguay, Jndependencia. Dort ist die Not riesengroß. Obgleich etwa 10 000 Deutsche in Paraguay leben, halei sie keinen deutschen Arzt, keinen deutschen Pfarrer und nur eine einzige deutsche Schwester, die der Verein hinübersandte. Die Berichte von dort greifen ans Her--, größere E:istenzschwi?rigkeiten sind kaum denkbar. Die Arbeit der Schwester ist überwältigend; sie bedarf dringeidst der Un- terstüh ung. Die Eck Wester in Jndependen ia steht speziell unter hessischer Fürsorge. Daneben bedeuten die Zustände in Afrika einen Lichtblick. Das tadellos hygienische Wöchnerinnenhcim in Windhuk legt Zeugnis ab von deutscher Kultur und Tüchtig cih In Svcuopmund sind des Wöch- neriimenfeim, das Kinderheim, das ErholungZ- heim und der von Hessen gegründete Kindergarten überfüllt. Das deutsche Kindermaterial ist ein wertvolles, der alljährliche Aufenthalt im Erholungsheim für die inländischen Farmer ist unerläßlich als körperliche und seelische Auffrischung. Einem Appell an die Mithilfe aller zur Erleichterung des schweren ße5en3 der Deutschen über See. der Aufforderung zur Werbearbeit aller Stände und Konfessionen schloß sich eine Dlumenverlosung an, d.e den interessanten Nachmittag beendete. ** »Hess. Bauern an der Wolga und der Bolschewismus." Heber diese3 Thema sprach auf Einladung der theologischen Fachschaft am Dienstag Pfarrer Wagner, Bensheim. Er füjrte, wie man uns berichtet, etwa folgendes aus: Wir Hessen sind besonders eng verbunden mit jenen Wolga-Bauern. Hat doch ein großer Teil hier in Hessen seine eigentliche Heimat. Infolge der großen Not, die nach dem Siebenjährigen Kriege herrsch’e, infolge der hohen Steuern, der MünzVerschlechterung usw. folgten viele der Werbetrommel Ka harinas II.. die ihnen in Rußland 13) Morgen Land (soviel besaß damals kein Dauer), vollkommene Religionsfreiheit, die man damals in Deutschland auch nicht hatte, ewige Befreiung von Zivilund Militärdienst, 30 Jahre Befreiung von allen Steuerlasten, Dar ehen usw. zu.ich-erte. Trotz der Warnungen der Behörden und des Der- botcs folgte man diesem Ru e. Büdingen und Worms wurden für lange Zeit Zentralen der Auswanderung. Schätzungsweise sind aus dem jetzigen Hessen 5000 Personen damals ausgewandert. Die Auswanderer waren großenteils Schiffbrüchige. Nach schwerer Not und Entbehrung während des Marsches gelangten sie endlich nach Petersburg. Hier wählte sich Katharina die Tüchtigsten aus, die hier angesiedelt wurden. Die anderen wurden nach der Wolga gebracht. Dort sollten sie die Kaiserin schützen gegen tic unruhigen Bewohner, ferner Manufakturen anlegen. Im Kampfe mit den Bewohnern, in ungewohntem Klima ufw. mutzten sie sich emporarbeiten. Biele gingen unter. Doch es gelang. Die Leute setzten sich durch und brachten es za Wohlstand. Der russische Minister Orloff sch.e es durch, daß sie Pfarrer bekamen, die eine große Bedeutung für diese Tauern haben, z. B. Ternbonner und Katanev. Ferner bekamen sie Kirchengebäude und Schulen. Letztere waren allerdings schlecht. Schiech e Bezahlung der Lehrer. Nur im Winter war Schule. Große Kirchlichkeit herrschte unter den Kolonisten, die sich auch im Kampfe bewährte. 1861 wurde die Versprechung der Militärfreiheit aufgehoben, auch für die Mennoniten. Damals wanderten viele von diesen nach Kanada aus, die heute ihre Trüber und Schwestern auf,ordern, ebenfalls nach Kanada zr lomnen. Schon bereitete man das 150jährige Jubiläum der Einwanderung vor, als 1914 der große Krieg ausbrach, der Teginn der großen Leidenszeit für diese Dauern. Obwohl sie auf russischer Seite schweren Herzens gegen Deutschland kämpften, wurden sie als Deutsche verfolgt, val. daS Agrargesetz von 1915/17. Die Wolgadeutschen standen vor der Enteignung. Da brachen die Revolutionen aus, durch die sie zanächst vor dieser Maßnahme geschützt wurden. Doch bald gingen die Verfolgungen neu los. Und als sie sich einer anti- bolschewistischen Revolution anschlossen, wurden sie nach an'änglichem Siege geschlagen. Furchtbare Rache war chr Los. Sie bekamen ihxe Vorräte genommen. Frühjahr 1921 ein Aufstand. 3m Mai eine große Hitze. Alles verdorrt. Mißernte. Hunger! 750 000 Tauern waren es vor dem Kriege, jetzt 400 000. Heute findet eine systematische Vernichtung der deutshen „Großbauern" statt. Statt des Wohlstandes herrschen Elend und Noß Tr-Parten In einem Ag-arlande! ©ine große Hungersnot steht bevor, wvtzl g-uuee als die von 1921. Ein großer Teil der Dauern sucht vor dem Tode sich za retten durch Auswanderung. Ob cs ihnen gelingt? Einige Bilder verdeutschten die Gegeno und Zustande deS Wolgagebietes. Reicher Teifall dankte dem Redner für seine feinen Schilderungen. * Vorträge über Friedrich Rittel- meyer. Man berichtet uns: Im zweiten Vortrag zur Frage: „Was hat Friedrich Rittel- meyer unserer Zeit zu sagen?" sprach Lic. Robert Goebel zum Thema: „Meditation und Selbsterziehung". Rittetmeyer kann aus einer großen Erfahrung auf diesem Gebiet und aus einer langjährigen Arbeit an sich selbst heraus der Gegenwart Entscheidendes vermitteln. Gegenüber den Forderungen des allgemeinen Lebens und insbesondere des Berufslebens, deren Erfüllung weithin so stark von einem geistigen''Menschentum hinwegführen, ergibt sich die Notwendigkeit, ein inneres Gegengewicht zu schaffen. Diele Methoden bieten sich heute, vom Westen und Osten her kommend, an, die aber erst daraufhin geprüft werden müssen, ob sie den Dedürsnisfen deS mitteleuropäischen, christlich-religiös suchenden Menschen eine wirkliche Hilfe bieten können. Nur das kann bestehen, was dazu verhilft, in dazu ausersehenen Zeiten des Tageslaufes und in der dabei vollzogenen inneren Beschäftigung, Belebung und Pflege bestimmter geistiger Inhalte die drei Stufen zu ersteigen: innere Sammlung, innere Andacht, innere ©rtraftung. Geschieht dieser Verkehr mit geistigen Inhalten in Regelmäßigkeit (es geschieht auch in der Pflege des erneuerten kultischen Lebens), so wird der Liebende mit der Zeit eine Wirkung verspüren, durch die er nicht dem Leben etwa entfremdet, sondern für das Leben in indirekter Weise tüchtiger gemacht wird. Der Redner besprach dann einzelne Inhalte im Anschluß an das Johannes- Evangelium, die als Beispiele gemeint waren und sich zur Verwendung im meditativen Leben eignen. Rittelmeyer weist darauf hin, wie im Johannes- Evangelium ein Gesamtorganismus von Worten und Begebenheiten sich findet, der dazu berufen ist, von Menschen aufgenommen zu werden und einer großzügigen christlichen Erziehung von Denken, Fühlen und Wollen des Menschen zu dienen. dezirkssarkaffe Mlhil-enstist, Satzbach. * Butzbach. 18. Dez. Dieser Tage fand im »Hessischen Hof'^ die diesjährige M i t g l i e d e r- versammlung des Mathilden st i f t ä Butzbach, Dezirkssparkasse, statt, zu der der Vertreter der Aufsichtsbehörde, Kreisdirektor R e ch t h i e n, außerdem der Vorsitzende des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes, Justizrat: Dr. Reh (Darmstadt), Direktor Seipp von der Hessischen Girozentrale, Darmstadt, sowie neben! den Mitgliedern des Vorstandes und des Auf- sichtSrates sämtliche Gemeindevertreter erschienen waren. Der Vorsitzende, Direktor Rühl, erstattete zunächst eingehenden Bericht über den Geschäftsverlauf 1 92 8 und die derzeitige wirtschaftliche Lage. Sämtliche Punkte der Tagesordnung wurden einstimmig genehmigt. Die drei ausscheidenden Herren des Aufsichtsrates — Kaufmann Karl Gerhardt, Fabrikant I. Rumpf und Bürgermeister Dock — wurden wiedergewählt. Die Zunahme des Einlagebestandes mit 1 432040 Mk. wurde freudig begrüßt. Die Gesamteinlagen betrugen Ende 1928 4 418 820 Mark und heute bereits über 8 000 000 Mk., die sich auf 6320 Sparbücher verteilen. Der Durch- schnittsbetrag eines Sparbuches betrug Ende 1928 807 Mk. Aus den Kopf der Bevölkerung entfalten Ende 1928 234 Mk. Sparguthaben, heute auf jeden dritten Einwohner des Bezirkes ein Sparbuch des Mathildcnstifts. Die Giroeinlagen betragen 548 323 Mk. Die Debitoren im Kontokorrentgeschäft beziffern sich auf 1 560 938 Mark. Im Jahre 1928 wurden an Darlehen neu ausgeliehen: auf Hypotheken 1 132 773 Mk., auf Kaufgelder 564 001 Mk., an Gemeinden, Kirchen usw. 853 728 Mt., auf Privatschuldscheine mit Bürgschaft 270 481 Mk. Insgesamt waren ausgeliehen: auf Hypotheken 1 695 462 Mk.. auf Kaufgelder 448 823 Mk., an Gemcindedarlehen 1 009 533 Mk., an Schuldfchcindarlehen mit Bürgschaft 664677 Mk. Der Gesamtumsatz betrug 1913 4 224 909 Wk., in 1928 59 847 977 Mk., mithin eine Steigerung von 1417 v. H. Die Betriebsrücklage beträgt 143 118 Wk.,nach Zuschreibung des Reingewinnes von 25 939 Mark. Mobilien und Immobilien stehen hierbei nur mit 1 Mk. zu Buch. Kreisdirektor R e ch t h i e n und der Vorsitzende des Hessischen Sparkassen» und Giroverbandes äußerten sich in anerkennenden Worten über die erfreuliche Zunahme, die die Sparkasse in allen Geschäftszweigen zu verzeichnen habe, und sprachen ihren Dank dem Vorstand, dem Aufsichtsrot und der Beamtenschaft für die erfolgreiche Arbeit aus. Dem Vorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Direktor Seipp hielt dann einen eingehenden Vortrag über die öffentlichen Bausparkassen füc Hessen. In der Sitzung des Aufsichtsrates touröen wieder für gemeinnützige und mildtätige Zwecke 5000 Mk. bewilligt, darunter 600 Mk. für die Landwirtschaftliche Schule in Butzbach, 400 Mk. für die Obstbauschule Friedberg, 1500 Mk. für die Krankenschwestern im Sparkassenbezirk zur Verwendung im Interesse armer Kranker, je nach Seelenzahl oder nach den örtlichen Verhältnissen, 500 Mk. für Oberrealschule Butzbach als Beihilfe für Freistellen. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 92 vorn 17. Dezember enthält: Falsche Reichsbanknoten. — Straßensperre. — Turbinenan age der Gemeinde Hungen. — Buchmachergehilfe Sally Loeb, Gießen. — Dienstnachrichten. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 21. Dezember. Vorabend 4.30 Uhr; morgens 9; abends 4L5 und 5.15 Uhr. Israelitische Religionsgesellschasl. Sabbatfeier den 21. Dezember. 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Frau „3um Schoppen-Schmid",Löwengasse 2 den 19. Dezember 1929 08103 Volkshochschule Freifaa, den 20. Te-ember 1929, ‘20 Uhr. Katholisches BeretnshauS Aufführung der Schüler des LandeSer^lehungShettnS Bura sttordcck: Das Gotteskmd nach alten volkstümlichen Krivvenlvielen bearbeitet von (5. A. Hermann. Unkosteubeitrag 70 Bi. Beginn 20 Uhr. Vorher, 17 Ubr: Tchiitcr - Vorstellung. Glimm 20 Pf. 10,96o Gestimmt und repariert wird Ihr Piano, Flügel od. Harmoninm preiswert u. gut duich (ns A Pianohaus Schönau Gieben Selters weg 91 Tel. 3269 Dillenburg Marktstraße 7 Tel. 867. 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Kanzlei-, Konzept- und Postpapier gibt es in allen möglichen Zusammensetzungen. Die Druckpapiere sind meist halbgelcimt, die Kupserdruckpapiere dagegen ungeleimt. Dünn ist das Zeitungspapier, dick das Werkdruckpapier. Ganz ungeleimt bl'.iben auch das Löschpapier, das Schrenz- und Fließpapier. Kartonpapier, aus dem auch Postkarten hergestellt werden, ist nicht so stark wie Packpapier, Zigarettenpapier wiederum dünner als Seidenpapier. Auch das Pergament und das Rotendruckpapier gehören in diese Rubrik. Auf der Erde dürfte es rund 6030 Papierfabriken geben, wovon 1500 in den Bereinigten Staaten und 1100 sich in Deutschland befinden. 3m 3ahre 1900 besah Deutschland 1300 derartiger Fabriken, darunter allerdings eine Menge kleiner Betriebe, stellte aber damals nur 777 003 Tonnen jährlich her, während heute die in unseren 1100 Fabriken beschäftigten 115 000 Personen jährlich 2 Millionen Tonnen herzustellen imstande sind. Hierzu werden benötigt bzw. verbraucht 8 Mill. Raummeter Holz (Fichten. Tannen, Kiefern) für 165 Millionen Mark. 180 000 Tonnen Stroh und nur mehr 60 000 Tonnen Lumpen. Der Verbrauch ist ganz enorm gestiegen, nicht nur bei unS, sondern auf der ganzen Welt. Um die Jahrhundertwende verbrauchte in England jeder Einwohner pro 3ahr 11 Kilogramm, in Deutschland 8.5 Kilogramm, in Frankreich und Oesterreich 8,3 Kilogramm. Damals führte Deutschland jährlich für 90 Mill. Mark Papier aus, während die vier darausfolgenden Länder, England, Oesterreich, Frankreich und Belgien, zusammen diese Summe erreichten. Das waren, bei einem Preis von 280 Mark für die Tonne 340 GOO Tonnen. Heute stößt unsere Ausfuhr auf viel stärkere Konkurrenz, allerdings wird der größte Teil des bei uns erzeugten Papiers von uns selbst verbraucht. Der Verbrauch stieg pro Kopf auf 26 Kilogramm im 3ahre. Das wären 1,664 Mill. Tonnen. Da wir rund 2 Mill. Tonnen erzeugen, müssen wir 336 030 Tonnen int 3ahre ausführen. Recht wenig, wenn man bedenkt, daß auch in anderen Ländern der Verbrauch ebenfalls stark gestiegen ist, so in Amerika auf 62 und in England auf 37 Kilogramm. Das meiste Papier wird verbraucht für Verpackungen aller Art (33 Proz.). Dann folgen Zeitungen (18 Proz.), Bücher, Bilder (16 Proz.), Schreibpapier (8 Proz.), Postverwaltung (6 Proz.). Die Einfuhr nach Deutschland ist sehr gering, sie beträgt kaum zehn Millionen. Erweitertes VezirlSschöffengericht Gießen. • Dießen, 18. Dez. Am 5. September fuhr in Dad-Rauheim nach Einbruch der Abenddämmerung ein Motorradler die Frankfurter Straße entlang. Als er an die Stelle kam, wo die Lindenstrahe in die Frankfurter Straße mündet, bemerkte ein hinter ihm herfahrender Zeuge, daß „es sich plötzlich wie eine Wand vor ihn schob"; im nächsten Augenblick flog der Motorfahrer in die Luft und wurde gleich darauf mit zertrümmertem Schädel aufgehoben. Er war mit einem entgegenkommenden Auto zusammen- gestohen. das plötzlich in die Lindenstraße ein- bog. Der Führer des Autos, ein berufsmäßiger Kraftwagenführer aus Bad-Rauheim, hatte fich heute wegen fährlässigerTötung zu verantworten. Rach den Feststellungen und dem Gutachten eines Autosachverständigen war der Unfall darauf zurückzuführen, daß er statt auf der rechten Straßenseite in der Mitte gefahren war und die Kurve nach links nicht im vor- DasÄrbe -es Herrn von Anstetten. Vornan von J. Schneider-Foersil. Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau i. Sa. SO. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Als sie zurückkam, hatte er seine Stellung kaum geändert. Sie trug ihm das Glas hinüber und sah bittend zu ihm auf. „Was bist du für ein komischer Mann! — Muß ich dir denn wirklich sagen: ich möchte geküßt sein! Willst du mich denn wirklich so erniedrigt sehen — daß ich — daß ich .Richt!" stöhnte er hilflos. ,Warum quälst du mich dann fo?" Der leidenschaftliche Ausbruch, mit dem sie sich jetzt an seine Brust warf, ließ ihn taumeln, daß er gegen die Dalkontüre zurückwich, die hell ins Schwh sprang. ..Brunhilde!" Sie riß sein Gesicht zu stch herab und küßte es in brennendem Verlangen nach feinet Liebkosung, der mit herabhangenden Armen an der auw lehnte und die Augen ins Leere gerichtet hielt. »Warum bist du noch immer so voll Mißtrauen, Hans Peter? 3ch habe dir doch alles bis in das Kleinste gestanden, was zwischen mir und Oertzen gewesen ist. Dein Benehmen macht mich rasend. Ich möchte beinahe bereuen, mich nicht in Oerhens Arme geworfen zu haben." „Wenn du es doch getan hättest!" .Peter!" .Dann — dann —“ »Was wäre dann?" — Sie wollte erst zormg auffahren, blickte in sein Gesicht und war entwaffnet von der Verzweiflung, die aus ihm sprach. „Du bist mir die Antwort schuldig. „Dann hätte ich dich beim ersten Geständnis deiner Schuld an mich gerissen und nicht mehr losgelassen. Denn bann — Brunhilde — hätte ich mich nicht mehr schuldig gefühlt." Sie verstand ihn nicht. Sank nur vernichtet aus das Sofa und barg in lautlosem Weinen das Gesicht in die Hände. HausangestMe und Weihnachtsgeschenk. Rachdruck verboten! »Geben ist seliger denn Rehmen." Zu keiner Zeit hat dies alte Wort mehr Kraft und Geltung als jetzt zur Weihnachtszeit, da die Herzen und Hände mehr als zu sonstiger Zeit geöffnet sind, insbesondere auch denen gegenüber, die uns das ganze Jahr hindurch ihre Dienste geleistet und vielfach Freud und Leid mit uns geteilt haben, viel mehr vielleicht, als wir selbst ahnen und wissen. Weihnachtsgeschenke an unsere Hausangestellten, vielfach eine Selbstverständlichkeit, mögen da oder dort auch Kopfzerbrechen verursachen, zumal ihre rechtliche Ratur — sind sie ein Teil des Lohnes, oder freiwillige Gabe? — immerhin nicht unbestritten ist. Keinesfalls kann angenommen werden, daß die Weihnachtsgabe an die weiblichen häuslichen Angestellten unter den Begriff der Schenkung des Bürger.ichen Gesetzbuchs fällt. Ohne Zweifel gilt dieser Satz für die städtischen Hausmädchen und Köchinnen. Bei ländlichen weiblichen Dienstboten, deren Stellenwechsel in den einzelnen deutschen Landesteilen ganz verschieden ist, ist der Wertbetrag der Weihnachtsgabe in der Regel schon im Gesindevertrag eingehend festgelegt, da er vielfach nicht in barem Geld, sondern auch in Klei- dungs- oder Ausstattungsstücken, ja vielleicht gar in Raturalien (Getreide) zu bestehen pflegt. Rirgends ist im Bürgerlichen Gesetzbuch ausdrücklich von Weihnachtsgaben die Rede. Sie sind aber allgemein üblich und stellen sich als eine belohnende Schenkung dar. Wie aber die Hausangestellten den vereinbarten Lohn erhalten, so rechnen sie auch mit der Weihnachts- gabe als etwas Selbstverständlichem und Feststehendem, und der Arbeitgeber ober vielleicht noch mehr bie Hausfrau stellt von vornherein bie Summe für ' das Weihnachtsgeschenk, das „Christkindchen", als Rechnungsposten in Ausgabe. Er ist Dank und Anerkennung für die int Laufe des Jahres geleisteten Dienste. Solche Weihnachtsgaben, die der staatliche Beamte niemals kennt, tont men auch recht häufig in kaufmännischen und gewerblichen Betrieben vor. Reben Dank und Anerkennung bringen sie wohl auch int stillen die Hoffnung auf künftige zufriedenstellende Leistungen zum Ausdruck. In der Regel wird das Geschenk, das die Hausangestellte im Kreise der Familienmitglieder unter dem Weihnachtsbaum vorfindet, der Höhe des vereinbarten Monatslohnes gleichkommen und wird sich auch wohl mehr oder weniger nach der finanziellen Leistungsfähigkeit der betreffenden Familie richten. Rirgends aber wäre Sparsamkeit weniger angebracht als am Tage der weihnachtlichen Freude. Immerhin kommen Abstufungen vor und Abweichungen von der vorgenannten allgemeinen Regel. Keine Hausangestellte wird ein hohes Geschenk erwarten, wenn sie erst flirre Zeit, vielleicht nur einen Monat, int betreffenden Hause tätig ist. Stellenwechsel vor Weihnachten gehört zudem nach allgemeinen Erfahrungen aus leicht ersichtlichen Gründen zu den Seltenheiten. Aber auch die Art der Dienste bildet bei Bemessung des Geschenkes eine große Rolle. Ist beispielsweise mit dem Dienste auch noch die Pflege eines schwer kranken und gar mit einer unangenehmen Krankheit behafteten Menschen verbunden, so ist es nur natürlich, wenn die weihnachtliche Gabe besonders reichlich aussällt. Aber auch hier gilt vielleicht der alte Sah, daß niemand mehr leisten kann, als es seine wirtschaftlichen Kräfte erlauben. Krankheiten sind teuer, und besonders der Mittelstand weih ein Wort hierzu zu sagen. Enthält also nach dem Gesagten die Weihnachtsgabe auf der einen Seite eine Entlohnung seitens des Arbeitgebers, ist sie also eine Leistung im gesetzlichen Sinne an die Arbeitnehmerin oder den Arbeitnehmer, so ist ihr doch auch wieder der geschenkartige Charakter nicht abzusprechen. Und di ser Charakter d:r Gabe ist es doch wohl, der ihr einen höheren sittlichen Inhalt gibt. Geben ist seliger denn nehmen! Hat aber der Arbeitgeber oder die Hausfrau, die sich bei der Bemessung der Gabe in ihren Erwartungen künftig getäuscht sieht, ein Rückforderungsrecht? Oder kann sie den Wert ihrer b.sonderen Weihnachtslcistung ganz oder teilweise bei künftigen Lohnzahlungen aufrechnen? Mit Nichten! Denn § 534 des Bürgerlichen Gesetzbuchs besagt, daß Schenkungen, durch die einer sittlichen Pflicht oder einer auf den Anstand zu nehmenden Rücksicht entsprochen wird, weder der Rückforderung noch dem Widerruf unterliegen. Rech geltender Auffassung fallen hierunter die sog. remuneratorischen Geschenke des alten römischen Rechtes, d. h. die gewissermaßen entlohnenden Geschenke, die besonders dem Gefühle der Dankbarkeit entspringen. Die sog. Gelegenheits- geschenke, beispie^weise zum Geburts- oder Ra- menstage oder zu Weihnachten, sind ähnlichen Charakters. Mit Freuden wird der Arbeitgeber oder die Hausfrau sich der Weihnacht ichen Pflichten entledigen. Sie sollten sich vor ihren Hausangestellten nicht zu schämen brauchen und durch falsch angebrachte Sparsamkeit keinen Mißmut erregen. Leben wir auch in einer schweren Zeit, so gilt doch immer noch das alte Sprichwort: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. G. geschriebenen weiten Bogen genommen, sondern geschnitten hatte. Wäre er richtig gefahren, so hätte er den Motorfahrer vor sich vorbeigelassen und der Unfall wäre vermieden worden. Zu seinen Gunsten wurde berücksichtigt, bah der Motorfahrer selbst etwas zu rasch gefahren war und sein Rad nicht güt beleuchtet hatte, ferner die Unbescholtenheit des Angeklagten, der als sorgfältiger Fahrer bekannt und dessen Unvorsichtigkeit wohl nur so zu erklären war, daß er es einer plötzlichen Bestellung wegen eilig gehabt hatte. Die Strafe lautete auf sechs Wochen Gefängnis. Wegen fahrlässiger Tötung bestraft wurde ein Fuhrmann aus Udenhausen, der am 6. August auf der Landstraße Lauterbach—Wernges den Tod eines Motorfahrers verursacht hat. Er fuhr in der Dunkelheit mit feinem beladenen unbeleuchteten Fuhrwerk auf der linken, statt der rechten Seite der Landstraße dahin und wich, vielleicht unter dem Einfluß des Alkohols, den er zuvor genossen hatte, auch nicht nach rechts aus, als ein hinter ihm herkommender Motorfahrer durch wiederholtes Hupen seine Absicht, zu überholen, anzeigte. Als dieser schließlich auf dem schmalen Raum zur Linken an ihm vorbeifuhr, ließ er feine Pferde noch weiter nach links gehen, so daß der Motorfahrer stürzte und einen Schädelbruch davontrug. Durch bie Explosion der Karbidlampe gerieten die Kleider des Verletzten in Brand. Statt zu halten und Hilfe zu leisten, schlug er auf seine Pferde ein und suchte das Weite. Der Motorfahrer starb an Wundstarrkrampf, der durch eine Tetanusferumsprihe nicht mehr gebannt werden konnte. Der Angeklagte erhielt eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Ein vielfach bestrafter Rückfallbetrüger, der einen Landwirt beim Obsteinkauf um 12 Mk. b e - trogen hatte, erhielt drei Monate, eine bisher unbescholtene Frau, die in bedrängter Lage eine Postquittung gefälscht und sich einen nicht unerheblichen Betrag erschwindelt hatte, eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 17. Dez. Ein wegen Diebstahls und anderen Delikten mehrfach vorbestrafter junger ländlicher Arbeiter war wieder des Diebstahls, und zwar in vier Fällen, beschuldigt. Das Erweiterte Schöffengericht Gießen hatte ihn auf Grund eines Indizienbeweises in allen Fällen schuldig erkannt und eine Strafe von 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis ausgesprochen. Gegen dieses Urteil hatten sowohl ter Angeklagte wie bie Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt Schrittweise kam er näher, glitt vor ihr in bie Knie und legte ben Kopf in ihren Schoß. Sie hörte fein Stöhnen und vergaß darüber alles, was in Zorn und Empörung über feine Worte in ihr hochkeimen wollte. »Hans Peter, siehst du denn nicht ein, wie bu uns bcibe quälst? — Wenn du nicht verzeihen und vergessen kannst, daß ich mich von Oertzen küssen ließ, bann sage es. Ich werde meine Sachen packen und mit dem Vater nach Dölkin ziehen. Anstetten überlasse ich dir und Bernd! Schuldenfrei! Wenn du auch nichts von meinem G.lde willst, es gehört dann Bernd als Erbe seiner Mutter. Eine Trennung auf diese Weise ist immer noch besser, als dieses Rebeneinandergehen." Er hob das Gesicht und überflog ihre Gestalt. „Wenn ich wüßte, daß du mich liebst!" »Weißt bu denn bas nicht?" Er schüttelte den Kopf. Sie war verzweifelt. »Mein Gott, was soll ich beim noch tun, es bir zu beweisen!" Sie nahm sein Gesicht zwischen ihre Hände und begann auf ihn einzusprechen, während ihre Wangen ganz in dunkler Röte brannt:n. „3a, Hans Peter?" — 3hre Augen hingen an ih n und senkten fich unter dem flackernden Blick der seinen. „Es ist unmög'ich, Brunhilde!' „Warum soll das unmög'ich fein', Du bist erst vierzig und ich fünfunddreißig. Und du hast dir doch immer noch eine Tocht:r gewünscht! Früher, Hans Peter, weißt du noch? — Es wird das Kind unserer neuen Ehe fein!" „So oft du es ansiehst, soll es dich daran erinnern, daß ich es mit der gleichen Liebe empfangen und es dir mit derselben großen Freude geboren habe, wie vor siebzeha 3ahren Bernd." „Brunhilde!" Anstctlens G.sicht erblaßte. »Hast du Sorge, daß ihm Geschwister nicht willkommen find?" „Er wird mich verachten!" „Du taxierst ihn vollkommen unrichtig, mein Lieber. Er wird eine rasende Freude haben." „Er wird sich in seinem Erbe geschmälert sehen!" Brunhilde unterbrach ihn mit einem Auflachen. „Dafür ist gesorgt! Anstetten gehört Bernd — Dölkin unserem zweiten Kind! Es wird keinen Streit geben! — Es würbe überhaupt leinen geben, bu bummer Mann, auch wenn wir nicht ein weiteres Gut zu verschenken hätten. Wie schlecht du unseren Jungen kennst! Der teilt den letzten Dissen mit Schwester ober 03ruber.“ Anstetten strich das Haar aus den Schläfen, erhob sich und ging, die Hände in die Taschen seines Deinlleides gelrallt, nach der Dallontüre, sie zu offnen. 2lls ob die zehn Schritte Zwischenraum ihn gegen alles gefeit hielten, sah er nach ihr hinüber und fühlte unter ihrem Blick die Wände um sich kreisen. Er kam wieder näher, streckte beide Arme nach ihr aus und zog sie an sich hoch. 3hr Gericht weit in seinen linken Arm zurückg:bog:n, suchte er in ihren Zügen, sah, wie ihr Mund dem seinen ent» gegenzittcrte und zwang sein hämmerndes Blut zur Ruhe. Es konnte — durste nicht sein! Rie und nimmer! Sonst war alles für ihn zu Ende! „Es wäre besser gewesen, ich wäre nicht gekommen," sagte er tonlos. 3n unbch:rrschtcm Ausschluchzen barg sie das Gesicht an seiner Schulter, machte sich dann unvermittelt frei und lief zur Ture. Seine Hand lag noch vor der ihren auf der Klinke. „Brunhilde, einen Moment noch! Glaubst du mir, daß ich dich über alles liebe?" „Rein!" schrie sie ihm erregt entgegen. Dieses „Rein" beraubte den armen, noch kaum genesenen Menschen der letzten, fo lange geübten Selbstbeherrschung. Mit einem Aufstöhnen riß er sie in die Arme und preßte sie an sich. Draußen schoben sich seinsilbr ge Wölkchen über die schlafende Erde. Der Rachtwind koste nm bie Blutbuchen und machte sie leise erschauernd. Tränenschwer neigten sich die Wipfel über die Schuld einer Stunde. • Capri lag sonnengebadet ganz in das Blau des Meeres getaucht. Wie der Garten Eden hob es sich aus ben spiegelnden Fluten, von tausend Düften geküßt, von tausend Wogen ringöherum umschmeichelt. Bräutlich umfingen die R.ben den Stamm der Palme. Agaven wucherten fast- strotzend über die heiße Felswand und streckten ihre mächtigen Dlütenschäjte zum Himmel. Mär- Donnerstag, 19. Dezember (929 Auch in der Berufungsinstanz leugnete bet Angeklagte, bie Diebstähle begangen za Haden» Rach längerer eingehender Beweisaufnahme sah das Gericht zwei Fälle für erwiesen an. 3n einem Falle hatte er einen Bestand von Zi<« garren aus einer Wirlsü - in der er verkehrte, mittels Einste! gens durch das Dachfenster gestohlen; in dieser Handlung..e^e wurde gemäß 8 243 StGB, ein schwerer Diebstahl erblickt. 3m zweiten Falle stellte das Gericht fest, daß der Angeklagte aus einem Hause Wurst und einen Geldbetrag entwendet hatte; dieserhald wurde er nur wegen einfachen Diebstahls bestraft, da nicht erwiesen sei, daß er, wie ursprünglich angenommen wurde, über das Hoftor geklettert ist. Wegen dieser beiden Fälle wurde auf bi« Minimalstrafen für schweren und einfachen Diebstahl im Rückfall von 1 Ihr bzw. 3 Monaten Gefängnis erkannt und diese Emzelstrafen auf eine Gesamtgefängnisstrafe von 1 Jahr und 2 Monaten zarückgeführt. Die Untersuchungshaft wird mit drei Monaten in Anrechnung gebracht. Wegen der zwei weiteren Diebstähle erfolgte Freisprechung, da ein voller Beweis für die Täterschaft des Angeklagten nicht erbracht war. Oie Frankfurter Tumulte. WSR. Frankfurt a. M., 18. Dez. Zu den gestrigen Erwerbs losenunruhen teilt der Polizeibericht mit: Bei den gestern abend in der Altstadt im Anschluß an die Demonstrationen erfolgten Zusammenstößen der Polizei mit dem Mob (als Demonstranten konnte dieser nicht mehr angesehen werden) sind sieben Verletzte festgestellt worden, von denen fünf dem Heiliggeist-Hospital und zwei dem Städtischen Krankenhaus zugeführt wurden. Die Rettungswache hat drei Transporte und elf Hilfeleistungen ausgeführt. Bei diesen Personen wurden keine Schußverlehungen festgestellt. Eine Person wurde von dem Mob wegen einer Fußverletzung (wahrscheinlich Schußverletzung) abgeschleppt. Durch Steinwürfe wurden drei Po- lizeibeamte verletzt, jedoch nicht ernstlicher Ratur. Ein Kraftfahrer wurde durch einen Steinwurf leicht verletzt. Durch einen Schuß aus der Richtung Gelnhäuser Gasse wurde die Windschutzscheibe eines Krastwagens beschädigt. 2 7 Personen wurden fe ft genommen, davon zwölf wieder entlassen und 15 wurden dem Richter vorgeführt. Verbot aller Auf- und Umzüge unter freiem Himmel. WSR. Frankfurt a. M., 18. Dez. Der P o - lizeipräsident hat im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Tage alle Auf- und Umzüge unter freiem Himmel mit sofortiger Wirkung auf Grund des Artikels 123 Absatz 2 der Reichsverfassung in Verbindung mit den Vorschriften des allgemeinen Landrechts bis auf weiteres verboten. Oie Frankfurter Winterbeihilfe. Vorerst soll nur die Hälfte auSgezahlt werden. WSR. F r a n t f u r t a. M., 18. Dez. Der Magistrat hat heute in einer außerordentlichen Sitzung zu den Beschlüssen der gestrigen Stadtverordnetenversammlung über die Gewährung einer Winterbeihilfe Stellung genommen. Der Magistrat trat dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung auf Gewährung einer Winterbeihilfe an alle Unterstützungsempfänger in Höhe bis zu 900 000 Mk. bei. unter Zugrundelegung einer Unterstützung von je 20 Mk. je Hauptunterstützungsenrpfänger und je 5 Mk. je Rebenunterstühungsempfänger bei einem Stichtag vom 31. Oktober 1929. Es wird zunächst eine erste Rate von 10 Mk. für Hauptunterstützungsempfänger bzw. 5 Ml. für Rebenunterstützungsempfänger gewährt werden. Die Auszahlung soll so schnell als möglich erfolgen. Die Auszahlung der zweiten Rate soll erfolgen, sobald die Stadtverordnetenversammlung die dafür erforderlichen Mittel im Rahmen der Deckungsvorschläge für den diesjährigen Haushaltsfehlbetrag bewilligt hat. Zur Bewertung der in Frankfurt trotz der schwierigen Finanz- und Kassenlage gewährten Winterbeihilfe sei bemerkt, daß in Berlin und zahlreichen andern Großstädten überhaupt keine besondere Winterbeihilfe gewährt wird. chenstill lagen die Villen und Hotels im tiefen Grün der großen Gärten. Auf dem schmalen Pfad, der nach den äußersten Klippen führte, ging Brunhilde mit wiegendem Schritt dem Gatten voran, der in einem halben Meter Abstand folgte. Ab und zu blieb sie stehen und sah nach ihm zurück, lächelte, errötete wie ein junges Mädchen, ließ sich umfassen und, den Kopf etwas nach hinten geneigt, auf Mund und Wangen küssen. „Ich bin gestern gefragt worden, wie lange wir verheiratet sind," gestand sie scherzend. „Was hast du zur Antwort gegeben?“ „Acht Wochen!" Ein leiser Aufschrei! „HanS Peter, nicht —" Er hatte sie in die Arme gehoben und ging mit ihr raschen Schrittes nach der äußersten Spitze, die wie ein Lug ins Land ins Meer strebte. Sie hielt ganz still und schmiegte das Gesicht an seine Brust. „Hast du gar keine Furcht?" Er war auf den breiten Stein getreten, der wie ein Sprungbrett mitten über dem Felsen hing. „Wovor soll ich Furcht haben?" „Daß ich mit dir herunterspringe." Sie schüttelle den Kopf. „Das wirst du nicht tun!“ „Aber wenn?" „Dann bin ich ja bei dir, Hans Peter!" Sie fühlte das Erzittern seines Körpers und hob ihm die Lippen entgegen. Er stellte sie behutsam zu Boden, hielt aber ihren Arm fest durch den seinen gezogen. „So oft ich den Weg hierher nehme, bin ich in Versuchung, mich da hinunterzustürzen!" „Du!" — Ihre Augen hingen voll Entsetzen an ihm. „Hab keine Sorge, Liebes! Ich bin viel zu feige dazu! Jetzt wenigstens noch! Aber später vielleicht — vielleicht schon bald, werde ich dem Glücke doch meinen Tribut zollen müssen." Da ihr jedes Verständnis für feine Worte fehlte, drängte sie rückwärts. Er sah, wie ihr Blick in Tränen schillerte und legte den Arm um ihre Hüften. „Würdest du sehr traurig fein, Brunhilde, wenn ich ginge?“ (Fortsetzung folgt) Hanaus Eiaisorgen. WDR. Hanau, 18. Dez. Die neugewählte Stadtverordnetenversammlung hi.lt gestern ihre erste Sitzung ab. Der Verlauf der Sitzung zeigte, daß es für die Stadtverwaltung auherordentüch schwierig sein wird, mit dieser Versammlung zu arbeiten, d. h. Mehrheiten zu schaffen, um diese oder jene Vorlage durchzusehen. Auch die neue Stadtverordnetenversammlung hat die Magistratsvorlagen zur Deckung des städtischen Defizits abgelehnt. Es wird nunmehr nichts anderes übrig bleiben, als daß der ^Regierungspräsident eingreifen und die Deckungsmittel festsetzen muß. Ferner wurde ein kommunistischer Antrag, den Hauptunter- stühungsempfängern 30 Mk. und jedem Unter* haltungLberechtigten 10 Mk. als Winterbei * Hilfe auszuzahlen, mit 17 gegen 16 Stimmen obgelehnt. Während der Beratung dieses Antrags sand auf dem Marktplatz eine De* monstration der Erwerbslosen statt. Vach Veendigung der Stadtverordnetensitzung stürmte ein Teil der Demonstrierenden einigen Stadtverordneten nach, während der größte Teil von dem Schupoaufgebot aufgehalten werden konnte. Später bildeten sich auf dem Paradeplah verschiedene Gruppen, die von der Polizei zer* streut wurden. Wirtschaft. ElettriziiätZ - A. - &. Mitteldeutschland, Kassel. 3n der a. o. G.*V. vom 17. Dezember wurde die Erhöhung des Aktienkapitals von 100 000 Mark auf 24 Mill. Mk. beschlossen. Die neuen Aktien übernehmen gegen Einbringung ihrerClektrizitätsversorgungsein- richtungen die folgenden Unternehmungen: Zweckverband Lieberlandwerk Edertalsperre, bestehend aus 12 Kreisen, die Kommunale Elektrizitätsgesellschaft Fulda A.-G. und die Kreise Hanau, Marburg, Kirchhain, Rotenburg, Hersfeld, Rordheim und Einbeck. Von dem erhöhten Aktienkapital übernimmt des weiteren die Preußische Elektriz.*A.-G. 26 v. H. und bringt die Elektrizitätsversorgung des Kreises Franlenberg als Sacheinlage ein. Zu Anfang des neuen Jahres wird mit dem Vertritt weiterer Elek* trizitätsunternehmungen eine neue Erhöhung des Aktienkapitals vorgenommen werden. Der alte, für die vorausgegangene Studiengesellschaft gewählte Aufsichtsrat ist zurückgetreten, und es wurde ein neuer Aufsichtsrat gewählt. * Frankfurter Hypothekenbank. Dos Jnsti ut hat nunmehr vom Aussichtsministerium die Genehmigung erhal en. den Gläubigern der Kommunalrbligationen-Teilungsmasse ein Ab, in. dungsancevot zu machen. Dieses An^eirot sieht für die Inhaber der Vorkricgs-Kommunalobli. gotionen eine Ausschüttung von 5 v. H. in bar und 15 v. H. in 4 5^v. H.-Liquidationsgoldpfand* briesen der Dank vor, insgesamt also 2J v. H. der Goldmarkansprüche (bisher errechre.e Maximalquote 13,68). Gleichzeitig sollen die Inhaber der Jnflationsserien (Reihe 3 und 5 der Papier* mark-Kommunal bl gati. ncn) eine Darabfindung in Höhe von 25 v. H. ihrer Goldmarkansprüche erhalten. Das Aufsichtsministe.ium hat den Zu* schuh der Dank zur Teilungsmasse der Kom* munaloöligalior.en, dessen Festsetzung bekanntlich noch hinausgeschoben war, nunmehr auf 230 000 Goldmark in Liquidationspfandbriefen festgesetzt. • Adam Opel, A. - G., Rüsselsheim. Wie dem W.T.D.-Handelsdienst mitgeteilt wird, ist die Adam-Opel-A.-G. zur Zeit mit einer Umstellung ihrer Detriebsemrichtungen beschäf* tigt, durch die man sich eine wirtschaftlichere Ge* staltung der Fabrikation im nächsten Jahre verspricht. Bei dieser Umstellung und der gleichzeitig stattfindenden Inventuraufnahme werden einige tausend Arbeiter beschäftigt. * 'Brauerei Henninger - Kempff- Stern A.-G., Frankfurt a. M. Für das Geschäftsjahr 1923/23 wird die Verteilung einer Dividende von wieder 10 Proz. auf die Stammaktien und 7 Proz. auf die Vorzungsaktien in Vorschlag gebracht. Die G.-V. findet am 28. Januar 1930 statt. * Eisenwerke Gaggenau (A. - G., Gaggenau (Vaden). Die Gesellschaft hatte im Laufe dieses Jahres mit einer englischen Gruppe Verträge zur Veschaffung neuen Kapitals für die Durchführung der Sanierung abgeschlossen. Infolge der ungünstigen Entwicklung der Verhält- Reue Bücher. — Eugen Diesel, Die deutsche Wand* lung. Das Bild eines Volks. 1. bis 5.Tausend. Ganzleinenband 8 Mark. I. G. Coita, Stuttgart und 'Berlin. (606.) Eugen Diesel, der Versasser des kulturhistorischen Werkes „Der Weg durch das Wirrsal', unternimmt es, das deutsche Land und seinen Dau, die Landschaft, Stadt uni S ädt* chen, Stammes- und Reichsdeutsche mit ihren Eigenschaften, Arbeit, Industrie. Geist, Kultur, Tekenntnis, Pariei, Deruf, Behörde, darüber hinaus aber die allgemeine Stimmung des deut* schon Daseins za schildern, nicht von einem Winkel, einer Meinung, einer politischen, geschichtlichen, staatsphilosophischen, ras.ischen Idee oder Konstruktion aus, sondern mit unbefangenem Auge und Ohr, zugleich kritisch und lie'>evoll, ernst und humorvoll. Deutschland wird a,s großem Abstand gesehen, wie ihn bisher nur Ausländer besaßen: gleichwohl ist eine warme seelische Rähe zu allen deutschen Erscheinungen zu verspüren. — Alfred Weise: DomWildpfadzur Motor st raße. Vrlksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin- Charlottenburg 2. (666.) — Diese „Streifzüge durch die Geschichte des Verkehrs" geben in anschaulicher und interessanter Weise eine plastische Vorstellung von den verschiedenartigsten Mitteln, durch die der Mensch versucht hat, Zeit und Raum zu überbrücken. An Hand que lenmäßiger Belege tritt der Leser im vorliegenden Werke eine Wanderung durch die Weltgeschichte, von der Urzeit bis heute, an. Diese Wanderung, fesselnd und farbenreich geschildert, immer packend durch neue technische und kulturelle Errungenschaften, Länder und Sitten, Menschen und Jahrhunderte überbrückend, Zeit und Raum verkürzend, ergibt als Ganzes eine Weltgeschichte des Verkehrs und damit zugleich eine Art Revue geschichtlicher Bilder der wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und technischen Cntwicklungsstadien der Menschheit vom Urpfad bis zur Ozeanüberquerung durch den Zeppelin. Dieses Werk, vorbildlich schön ausgestattet, in Halbleder gebunden, zum Preise von 2,90 Mk. beziehbar, erscheint als 2. Band der Wissenschaftlichen Jahresreihe des Volksverbandes der Bücherfreunde. — Lieber und unter der Erde. Technische Rekorde. Von Hans Dominik. Mit 170 Abbildungen. Verlaa von Aich. Dong, Berlin W 57. Halbleinen 5 Mk. (453.) — Wer kennte und genösse nicht die Errungenschaften unserer hochentwickelten Technik. Wo früher schlichte Häuser standen, eryeöen sich heute turmhohe Bauten. Flüsse toeroen hinter Wa.sersch.ößern gestaut, die an Wucht und Raum den ägyptischen Pyramiden gleichen. Lieber Ströme dehnen sich weithin gestreckte Riesenbrücken, oder Tunnels führen darunter hin und dienen auch in Großstädten einem wichtigen Teile des Verkehrs. Die Kohle wird aus kckometertiefen Schächten ans Tageslicht gefördert. Durch Wa.d und Feld ziehen sich Starkstromleitungen, um riesige Energiemengen, an wenigen Stellen erzeugt, über das ganze Land zu verteilen. Den Werdegang vieler technischer Höchstleistungen läßt das se sclnde Buch vor dem Auge des Lesers erstehen, indem es den M.nschen im Kampfe mit scheinbar übergewaltigen Raturkräften zeigt, die er dennoch bezwingt. — Abriß der geistigen Entwicklung des Kindes. Von Professor Dr. K. B ü h l e r. 4. und 5. erweiterte Auflage mit 8 Tafeln. Geb. 1.80 Mk. In Sammlung Wissenschaft und Bildung Rr. 156. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig. — 438. — Eine klare und zuverlässige Anleitung zum Verständnis der Kindesseele bietet sich in dem vorliegenden Abriß. Ausgehend von der Vererbungslehre und der vergleichenden Psychologie verfolgt der Verfasser in sinnvoll gegliederten Abschnitten die ersten geistigen Regungen des Kindes, die Entwicklung der Sprache, der Wahrnehmungen, der Erinnerung und Phantasie, des Zeigens und des Denkens. Zu begrüßen ist die Erweiterung des Buches um ein neues Kapitel, das das soziale Verhalten des Kindes, also seine Stellung zu Eltern, Spielgefährten und Fremden behandelt. — Ludwig Richter-Abreißkalender. 16. Jahrgang. Preis 2,50 Mark. Verlag von Georg Wigand, Leipzig. (692) — Jedes Blatt trägt eine Abbildung aus Richters schier unerschöpflicher Schatzkammer, ferner Gedichte und Sprüche. Umfang 320 Seiten, mehrfarbiges Umschlagbild. — Deutscher Rundfunkkalender a u f das Jahr 1 930, vertrieben durch Südwestdeutscher Funkverlag G.m.b.H., Frankfurt a. M. 112 Blatt mit 106 B ldern, Format Queroktav, Preis 1,80 Mark. (623.) — Vicki Baum: Menschen im Hotel. Ein Kolportageroman mit Hintergründen. Berlag Ullstein, Berlin. Preis 3 Mark. (361). — Gustav Schröer: Heimat wider Heimat. Roman. 306 Seiten 8°. Verlag von C. Bertelsmann, Gütersloh. (456.) nisse während der letzten Monate in England und Amerika haben sich für die Durchführung der Verträge Schwierigkeiten ergeben. Die Ge- sollfchaft wendet sich daher erneut an ihre Gläubiger zwecks Verschiebung der aus dem früher abgeschlossenen Vergleich geschuldeten Ratenzahlungen. Der Gläubiger-Ausschuß empfiehlt die Einleitung eines neuen gerichtlichen Vergleichsverfahrens zwecks Hinausschiebung der Ratenzahlungen um sechs Monate. Die Betriebe sollen zur Erledigung des immer noch umfangreichen Auftragsbestandes zunächst weitergeführt werden. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 19.Dez. Tendenz: lustlos. — Auch heute änderte sich an der schon zur Gewohnheit gewordenen Geschäfts st ilke nichts. Anregungen fehlten vollkommen. Der Auftragsmangel hält weiter an, so daß ein Ansporn zu lebhafterer Geschäftstätigkeit in keiner Weise vorhanden war. Es lagen eher ungünstige Rachrichten vor. Vor allem verstimmte eine Meldung, wonach keine Aussichten für einen Inland* kredit bestehen würden, auch seien die wieder aufgenommenen Verhandlungen mit Amerika nicht gerade günstig. Ferner machte der feste Schluß der gestrigen Reuyorker Börse keinen Eindruck. Die Spekulation zeigte nur geringfügige Aufnahmelust, doch war auch das Angebot sehr gering, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse die Grundtendenz eine gewisse Widerstandsfähigkeit erkennen lieh und kursmäßig Gewinne zu verzeichnen waren. Zur Erstnotiz kamen nur wenig Abschlüsse zustande. Etwas Interesse bestand am Elektromarkt für AEG. auf höhere Dividendehoffnungen mit plus 1 Prozent. An diesem Markt waren nur noch Siemens mit minus 1,5 Prozent notiert. Farben eröffneten leicht gedrückt, während Scheideanstalt gut behauptet lagen. Deutsche Erdöl mußten etwas nachgeben. Leicht anziehen konnten noch Deutsche Linoleum. Am Kunstfeidemarkt war infolge einer Reaktion der besseren Veranlagung der AKLI.-Aktien dieses Papier angeboten und 3 Prozent schwächer. Montanpapiere geschsftÄos und 1 Prozent niedriger. Dauunter* nehmungen bis zu 0,75 Proz. abgefchwächt. Danken lagen dagegen gut behauptet. Schiffe blieben angeboten und bis 1,5 Prozent schwächer. Renten nachgebend. Im Verlaufe blieb das Geschäft still, die Kurse blieben im allgemeinen gut behauptet. Farben konnten etwas anziehen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8 Prozent gesucht. Am Devisenmarkt lag der Dollar schwach. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1740, gegen Pfund 20,335, London gegen Kabel 4,8830, gegen Paris 123,95, gegen Mailand 93,25, gegen Schweiz 25,10, gegen Holland 12,0375, gegen Madrid 35,25. Berliner Börse. Berlin, 19. Dez. Für heute lagen keine wesentlichen neuen Momente vor. Die Zahlungseinstellung der Banksirma Gebrüder Alexander in Breslau und die gemeldete stille Liquidation deS Bankhauses Kurt Friedler in Erfurt hatten schon vormittags.Befürchtungen aufkommen lassen, daß die Exekutionen noch nicht ihr Ende erreicht hätten. Ein weiteres Unsicherheitsmoment waren die schwebenden Verhandlungen des Reiches wegen Krediterlangung und die infolge des Weihnachtsfestes besonders früh einsehenden Lll- timovorbereitungen. Anderseits gaben ter zum Schluß festere Verlauf der Reuyorker Börse und die Hoffnungen auf eine höhere ACG.-Dividende der Tendenz einen gewissen Rückhalt. Die Eröffnung entsprach denn auch den vorbörslich gehegten Erwartungen. Bei nicht einheitlicher Kursgestaltung ergaben sich gegenüber gestern mittag Schluß überwiegend kleine Abschwächungen. AEG. aus dem bereits erwähnten Grunde etwas angeregt und 2,25 Prozent höher. Ferner zeichneten sich Sarotti durch einen 2,5prozentigen, und Aku durch einen 4,5- prozentigen Gewinn aus. Bemerkenswert schwach lagen Bemberg minus 2,5 Prozent, Schubert & Salzer minus 3,13 Proz., Licht & Kraft mit minus 3 Proz., und Chadealtien mit minus 4,5 RM. Auch am Schiffahrtsmarkt waren die Angebote auffallend groß. Havag verloren 2 Proz.» dagegen wurde der Rorddcutfche Lloyd-Kurs gestützt. Deutsche Anleihen aboröckelnd, Ausländer ziemlich geschästslos. Psandbriefmarkt eher schwächer. Der Geldmarkt versteifte sich weiter etwas. Man nannte Tagesgeld mit 7,25—9 Proz., Mo* natsgeld 9—10,5 Proz., Warenwechsel 7.40 Prozent und darüber. Auch im Verlaufe blieb die Tendenz uneinheitlich: das Geschäft war sehr still. Die Außenhandelsbilanz für Rovember, die bei Aus* und Einfuhrzisfern von rund 1150 Millionen diesmal fast ausgeglichen war, löste verschiedentlich Enttäuschung aus, doch ilt dieser Rückgang der Aktivität eine saisonmäßige Erscheinung, die nicht ungünstig gedeutet werden braucht. Später überwogen die Kursrückgänge, die bei Papieren wie Salzdetfurth, Bemberg, Siemens und AEG. 2 bis 2,5 Prozent betrugen. Frankfurter Schlachtvielfmarkt. Frankfurt a. M., 19.Dez. Auftrieb: Rinder 189 Stück: Kälber 1683, Schafe 391, Schweine 2536. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 92 bis 96, mittlere Mast- und Saugkälber 86 bis 91, geringe Kälber 80 bi? 85. Schaf e. Mast- lämmer und jüngere Masthärnmel 45 bis 48, mittlere Mastlämmer, ältere Masthärnmel und gut genährte Schafe 43 bis 44, fleischige? Schafvieh 36 bis ,39. Schweine. Dollfleischige Schweine von eiwa 240 bis 330 Pfund Lebendgewicht 83 bis 85, von etwa 233 bis 243 Pfund Lebendgewicht 84 bis 86, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 83 bis 85, fleischige Schweine von etwa 123 bis 160 Pfund Lebendgewicht 80 bis 83. Marktverlauf: Kälber und Schafe lebhaft, geräumt. Schweine anfangs rege, zum Schluß ab.lauend, Lieberstand. B.rliner Provuktenbörfe. Berlin, 18. Dez. An der Produktenbörse herrschte auch heute feste Stimmung. DaS 3n- lanbangebot von Brotgetreide zeigt sich weiter ausreichend, doch lauten die Forderungen für Brotgetreide etwa 3 bis 4 Mark höher. Da die Mühlen keineswegs reichlich versorgt zu sein scheinen, mußten sie wiederum höhere Preise als gestern bewilligen. Vom Auslande lagen gleichfalls erhöhte Offerten vor, das Interesse für kurz ällige Partien von Auslandweizen hält an. Am Lieferungs.narkt setzte Weizen bis 4,50 Mark höher ein, Doggen war per Dezember rege gefragt und konnte seinen Preisstand um 4 Mark bessern. Die späteren Sichten blieben behauptet. Verstimmend wirkte hier, daß nach dem Beschluß des Handelspotitischen Ausichus.eS der Einfuhrscheinwert unter dem höchsten Zollsatz bleiben soll. Weizen- und Roggenmehle haben bei leicht erhöhten Preisen kleines Geschäft. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Wo bleibt die Beleuchtung eines LeilS der Westanlage? Vor einiger Zeit wurde der Umbau der Westanlage beendet und hier eine Straße geschaffen, die wohl allen Anforderungen des immer mehr zunehmenden Verkehrs gerecht werden dürfte. Ebenso verhält es sich mit der Beleuchtung, von der hier die Rede sein soll. Man hat vom Viadukt Hammstraße bis Ecke Mühlslraße wohl einige neue Lampen angebracht, welche diesen Teil in den frühen Morgen- und in den Abendstunden in einer wunderbaren Heile erstrahlen lassen. Wie verhält es sich aber zwischen Ecke Mühlstraße und Rordanlage, Abzweig Stein* straße? Wenn man nach diesem ©trabenteil kommt, merkt man stark den Unterschied. Hier brennt am Kreuzungspnnkt Westanlage—Rordan* lage/Reustadt—Unterführung eine einzige Lampe, die wohl, was mir jeder zugeben wird, nicht ausreicht, um diesen ganzen obenerwähnten Strahenteil zu beleuchten. Warum wird hier keine Abhilfe geschaffen? Die Leitungsmasten sind schon lange errichtet, ebenso die Zuleitungsdrähte gespannt. Es brauchen lediglich nur noch die Lampen aufgehängt zu werden. Meines Erachten- kommen hier noch fünf Lampen in Frage (zwei in der Westanlage, zwei in der Rordanlage und eine weitere Ecke Reustadt). Hoffentlich finden diese Zeilen bei der zuständigen Stelle die nötige DeachtunO. Ein täglicher Benutzer der Westanlage. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern Jeden die Höhe der zuletzt defchlosjenen Dividende an. — Reichsdankdiskont 7 o H.. Lombardzinsfuß 8 v. H. Tranlfurt a W Berlin 'ranfhirt a M Ber„. Vranlfurt a M Berlin Banknoten. ifll-iiB»! Ub H'iir» 1 Bur edliuu Bnr. Aniang. ftnr -- uuü. 1'uneavCbltgaiton rückzahlbar 1982 ... 4% Oellerreickllcke <9olDrte.. 4 ?n"„ Cl-if'-rr «llb<-rr- 4% Oi'i'lerrelckillcbe Einheitlich, Diente 4% Unflarliche Sioldrie.. . - 4% Ungarüche Elaaisr. o. 1010 412% von 1913 . . - 4% Unoariidw fironenrte.. . 4% Juri flollaiileibc v. 1911 . 4% Turku che Bagdadbahn-Ln Serie 1. 4®„ r^nl <5-H» II 6% flhiinänildir wrrtnb Kent? von 1903 Hrunflutidir oereinb Rente •on 1913 ...... IX Rumankick« oetelnb 99 50 7.3 89,25 96.5 84 79,5 98 95 89 24 2,7 1.925 1.95 . -925 7 7 8,8 13.85 7.02= |" -I1 । 11111"' N .HUI II 1 II _______ 87,5 99 10,1 7.4 89,25 46,25 98 95 89 2,9 2 21.25 2 7.15 7.2 8,8 14 II 1 8S mmIIU II 1 1 1 1 । । । । । । 2- । । Hamvura-Amerila Pale. Hamb. Südam. Dampslch. - . ' Honia Dann slckiss.....!• Nordbeutlcher Lloyd.....> All» Deutiche Eredttanst. . . 1< Barmer Bankverein .... V Berliner Hanoelogeiclilck. . . 1 Eommerz- und Privai-BarU . L Tarmst. u. NarionalbarU . 1 Teuuche Bant......1 $iituiUo-Olc|cUld)a,t, 2Int. . 1' Dresdner Bant......1 Reichsbam ......1 A.1.D......... Bergmann ... (Sicht. Liderung-geleMchast i Lickt und flraft 1 gelten 6 Guilleaume . . . . 7V, Gei. f. (ileftr. Untern.. ... 10 Hamb (Siehr »Werke .... 1 Rhein (Hefte......... Schlei. Eid' ......1< Eckucken & do. .»••• 11 Siemen» & yaUte.....16 Transradio....... . 8 Lahmeyer & do. ..... . 10 Buderus . . -.••••• 6 Teu ticke Erd Li . ...... f (wiener Steinkohle...... Geiienllrchenet ....... 8 f'arprnet..... 0 Hoelck Eilen........6?} Ille Betadau ...... 10 Rlücknenverke ....... flö;n-97cuelien . . . . ’ Mannesman .Rdbre» .... 7 Mansieldc. Bergbau..... cdcfck'ei. Hi cn eo-ra .... Ldenckle,. flolerocde.....7 Pdonix Bergbau. .... 6Y, Rhe niicke Braunkohlen ... 1< Rhemktah.......... Aicbeck Montan . . . 7,1- 90.25 116 116 170 150 228,25 144,5 144,25 149.5 157 149 113 147 172 275,5 158 88 123.75 131,5 88.75 90 107.75 100 234 100,25 89 89,5 116 150 144.25 276 150,75 274 87,5 121-75 88-5 z - - 100 90.5 140.5 90.5 116,5 116 170 150 229 144,5 144.5 144.25 276 150.13 200 158.5 149.5 112,5 147-4 126.5 137.5 143.25 172.75 276 160 59,5 88.5 126 5 123,75 133 106.25 89.25 105 90.5 i07,25 63-75 91.4 99.65 234,25 100,5 88.5 139.75 90-25 115,5 115 75 169 149-75 229 144,5 144,25 276 152,5 199 5 158,5 146,5 112,5 147 138 141,25 173 277 122 158 59 88 4 126 123 132 105,5 214 88 25 104 90.25 106,5 90 75 100 234 100.75 Beretniate Stahiw . . Ctao Minen . . 16'/, fla werke AickerSIeben ... . flo werke Welteregcm . . . U Rai wei t Lalidetiutth ... lk> 3, ® ffarben-Inouskrte ... 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