Nr. 220 Erster Blatt 179. Jahrgang vonnerrtag, 19. September 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Bezugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger, lohn, auch bei Richter« scheinen einzclnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sichen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 116S6. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UnlversiMS'vuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Seschästrstelle: Zchulstrahe 7. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bi, zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm hbhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20'/, mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.tz.Thyriot; für den Übrigen Teil Ernst Munftchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Am die Rentabilität der Landwirtschaft. Die Minister Dietrich und Steiger auf der Tagung des Deutschen Landwirtschastsrats. - Die Rückgewinnung der Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes. Münster i. W., 18. Sept. (WB.) Der Präsident des Deutschen Landwirtschaftsrates Brandes eröffnete in der Stadthalle die 59. Vollversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrates. Er begrüßte den erschienen Reichsernährungsminister Dr. Dietrich, ferner den preußischen Landwirtschaftsminister Dr. Steiger, den bayrischen Landwirtschaftsminister Dr. Fehr, den mecklenburgischen Ministerpräsidenten Eschenburg, ferner die Vertreter der Reichs-, Staats- und Provinzialbehörden, die Vertreter der Spitzenverbände der deutschen Landwirtschaft und die Vertreter der großen deutschen Wirtschaftsverbände. Reichsernährungsminister Dietrich übermittelte zunächst die Grüße des Reichs- Präsidenten und der Reichsregierung, deren besonderes Sorgenkind die Landwirtschaft sei. Mit der deutschen Landwirtschaft stehe und falle nicht nur die deutsche Wirtschaft, sondern das ganze Volkstum. Mit großer Sorge verfolg« die Reichsregierung die schwierige Lage am Getreide markt. Im Hinblick auf die vorhandenen Schwierigkeiten sei beschlossen worden, alsbald über ein planmäßiges Zusammenarbeiten zwischen der Deutschen Getreidehandelsgesellschaft und Getreideindustrie- und Kommissions-A.-G. zu verhandeln. Die Rcichsrcgierung sei durchaus entschlossen, im Rahmen des Gesetzes dieGetreidepreiseauf jede Art und Weise zu halten. Die Auswirkung der Zollerhöhungen werde abgewartet werden müssen. Der Minster ging dann auf die gesetzlich im Sommer d. 9. beschlossenen Maßnahmen em und bemerkte, daß er fest entschlossen sei, den Der- mahlungszwang energisch durchzusuhren, daß er darüber hinaus gewillt sei, die Quote des zu vermahlenden deutschen Weizens zu erhöhen bzw. den Vermahlungszwang in einen Beimahlungszwang u m z u w a n d e l n. Die Lage am Getreidemarkt betrachte er im übrigen als nicht hoffnungslos. Diel größere Sorge bereite die Preisgestaltung am Großviebmarkt. Zwei wichtige Fragen der Landwirtschaft beträfen die Z i n s e n u n d S t e u e r n. Die unangenehmste Zin'enllast der Landwirtschaft, nämlich Die der Rentenbankzinsen, werde aller Voraus'icht nach am 1. April 1930 verschwin - Den. Dadurch werde Die Landwirtschaft alljährlich 90 bis 100 Millionen Reichsmark sparen. Die Amortisationsfrist der Rentenbanlscheme werde auf 10 bis 12 Jahre verlängert werden. Es bestehe die Hoffnung, auch zu einer Lösung zu kommen in der Hinsicht, daß der Renten- bankkreditanstalt ihre finanzielle Grundlage, die in Den ihr Jahr für Jahr aus den» Rentenbankzinsen zufließenden 25 Millionen liegt, erhalten werde. Darüber hinaus werde mit einem Zusammenschluß der beiden Genossenschaften die Zinsspanne vom ersten Geldgeber zum letzten Geldnehmer verringert werden können. Unter den Steuern seien die Drückendsten die Re al steuern, die für die Landwirtschaft etwa eine halbe Milliarde betrügen. Der bevorstehende Finanzausgleich müsse so gestaltet werden, daß die Länder und Gemeinden Diese Real steuern ermäßigen könnten. Der Minister versprach, in dieser Richtung tätig zu sein. Der Minister erklärte, daß er nie um die Politik, sondern stets um die Sache gekämpft habe. Der Kampf um die Landwirtschaft sei ein Kampf um die deutsche Wirtschaft, denn ohne eine Deutsche Landwirtschaft könne eine deutsche Wirtschaft überhaupt nicht bestehen. Auch die freie und unabhängige Stellung Deutschlands unter Den Rationen hänge von einer günstigen Lage Der Landwirtschaft bzw. gesicherten Ernährungs- gvundlage des Volkes ab, desgleichen aber auch Die Erhaltung eines gesunden Volkes selbst. der preußische Landwirtschastsminister Dr. Steiger führte dann u. a. aus: Auch in diesem Jahre ist es weniger die Ernte, die die Lage der Landwirtschaft noch besorgniserregender gestaltete, sind es vielmehr die Preise für dieland- wirtschaftlichen Erzeugnisse. So zeigten die Großhandelspreise für landwirtschaftliche Produkte Anfang dieses Jahres einen Stand von etwa 132, erreichten im Mai einen Tiefstand von etwa 124 und haben sich neuerdings mit gewissen Schwankungen wieder auf den Stand zu Beginn des Jahres gehoben. Dieser Preisstand zeigt bei einem Index von etwa 157 für industrielle Fertigwaren die mangelnde Rentabilität der Landwirtschaft. Diese Rotlage der Landwirtschaft hat ihre Ursache neben den gegenüber der Vorkriegszeit stark gewachsenen Lasten besonders in Welt- wirtschaftlichen Zusammenhängen. Zum Schuh der landwirtschaftlichen Erzeugung hat Preußen im Sommer Maßnahmen der Reichsregierung und des Reichstages zugestimmt, die auf einen erhöhten Zollschuh bei Getreide, Mehl, Butter und Kartoffeln abzielen, und die eine Teillösung der Maßnahmen dar- stellen, die auf diesen Gebieten von der Landwirtschaft gefordert werden. Reben zollpolitischen Maßnahmen muh die innere Regelung treten, die von der Selbsthilfe der Landwirtschaft und von staatlichen Maßnahmen gemeinsam getragen werden muh. Sollen die erzielbaren Preise für die Landwirtschaft wirllich erreicht werden, so muh neben der strengen Durchführung des Vermahlungszwanges durch eine bessere Deleih- barkeit der Getreideprodukte das Jnlandangebot besonders alsbald nach der Ernte eingeschränkt werden. Entsprechende Maßnahmen sind in der Beratung begriffen. Hinzu muh eine einwandfreie Preisfe st st ellung an denDör- s e n treten. Es muh damit gerechnet werden, dah alsbald an der Berliner Produktenbörse mehrere Votierungen für Weizen und Roggen unter Zugrundelegung der verschiedenen Hektolitergewichte eingeführt werden. Die bessere Qualität wird so ihren höheren Preis erhalten und damit werden die Bestrebungen zur Qualitätserzeugung sowie die Standardisierungsmahnah- men gefördert. Die für die Bewegung der Getreideernte im Reichsetat eingestellten 3,75 Millionen Reichsmark müssen nach meinem Dafürhalten der Getreidebewegung in vollem älm- fange und ganz besonders im Interesse der östlichen Landwirtschaft sofort dienstbar gemacht werden. Bei der Entwicklung der Kartvffelpreise ist leider wieder eine ständig f a ll ende Preistendenz zu beobachten. Ich hoffe, dem äleber- angebot an Speisekartoffeln aus dem Jnlande durch weitgehende Förderung der Markenkartoffelbestrebungen Herr zu werden. Mit besonderer Besorgnis erfüllt mich die Entwicklung der Rindviehpreise. Es werden deshalb besonders die Verhandlungen zur Aenderung der Diehzölle beschleunigt werden müssen. Durch den Rückgang bed Schweinepestandes haben die Schweinepreise einen so hohen Stand erreicht, daß hierin für die Landwirtschaft ein starker Anreiz- liegt, -Gchweinezucht und -hcck- tung zu vermehren. In Den Zahlen über Die Bewegung des Schweinebestandes dürfte jedenfalls der Beweis dafür liegen, dah wir die Ernährung der Bevölkerung wieder ausreichend mit inländischen Schweinen decken können, was der Forderung, Angleich der Schweine- an die Rindviehzölle, die Wege ebnen dürfte. Präsident Dr. Brandes berichtete bann über die Stellungnahme zum Rentabilitätsprogramm der Landwirtschaft und führte u. a. aus: Der deutschen Landwirtschaft muß unter allen Umständen ihre Lebens- und Entwicklungs- Möglichkeit wiedergegeben werden, selbst wenn damit vorübergehende Härten für andere Berufe verbunden wären. Eine verloren gegangene Rentabilität in der Landwirtschaft läßt sich wieder Herstellen durch Umorganisation des Betriebes, Verminderung der Ausgaben und Vermehrung der Einnahmen. In Deutschland muß eine Wirtschaftspolitik betrieben werden, die einen Jntensitätsgrad der Landwirtschaftsbetriebe zuläßt, der dem auf heutigen Landgrößen selbst wirtschaftenden Bauern und dem Arbeiter Beschäftigung und Verdienst gibt. Die Rentabilität würde sich nach den auf Grund der Buchführungsergebnisse angestellten Berechnungen durch eine 25prozentige Einnahmeerhöhung aus dem Verkauf von Getreide, Vieh, der Milch und der Molkereierzeugnisse Herstellen lassen. Reben dem Festhalten an dem klar erkannten Zukunftsprogramm, das unangetastet bestehen bleiben muß, sind Maßnahmen mit sofortiger Wirküng notwendig, wie sie in der Eingabe der Führer an den Reichsernährungsminister vor einer Woche niedergelegt worden sind. Unser Ziel ist: Wiederher st ellung der Rentabilität der deutschen Landwirtschaft, um die Landwirtschaft lebens sähia zu erhalten und dadurch di« Grundlag« für Deutschlands Zukunft und Deutschlands Freiheit zu schaffen. Unser Kampf gilt letzten Endes der deutschen Freiheit, und der freie Mann auf freier Scholle ist unser Ziel. Der Geschäftsinhaber der Dlscontogesellschaft Dr. Solmßen, Berlin sprach über „Der Poungplan und die deutsche Landwirtschaf t“. Er führte u. a. aus: Alle nach dem Kriege geschlossenen Verträge, einschließlich des Dawes- und des TZoung- Planes, dienen dem Zweck, den durch die Riederlage Deutschlands geschaffenen Zustand zu verewigen. Der Doung-Plan ist eine politische und keine wirtschaftliche Lösung. Will Deutschland den im Poung-Plan in ungeheurer Höhe festgesetzten Verpflichtungen genügen, so muh es seine Zahlungsbilanz so gestalten, daß es die abzuführenden Beträge deckt. Die Bilanz der deutschen Wirtschaft ist zur Zeit negativ. Sie muh in dem Umfang« aktiviert werden, dah aus den älebe rschüssen die Verpflichtungendes Poung-Planes abgedeckt werden können. Das Wirtschafts- Programm, das der deutschen Wirtschaft durch die Annahme des Poung-Planes vorgeschrieben wird, muh in erster Linie auf die Einfuhr- verminderung abzielen. Erste Voraussetzung muh die größte Sparsamkeit in der Finanz gebarung der öffentlichen Hand sein. Eine Einfuhrverminderung kann nicht bei der Einfuhr der industriellen Rohstoffe einsetzen, sondern nur bei den fünf Milliarden Der Lebensmitteleinfuhr. Die Hauptarbeit hat hier die Landwirtschaft zu leisten. Ein im Interesse der Gesamtheit erforderliches Agrarprogramm muh als Hauptziel verfolgen: 1. die Rahrungsfreiheit und damit die Voraussetzung für die politische Freiheit Deutschlands zu erringen, 2. die Handelsbilanz auszugleichen oder sogar zu aktivieren, 3. R a u m zu schaffen für die von der Industrie erwerbslos belassenen Bevölkerungskreife. Hand in Hand mit der Steigerung der agrarischen Produktionskraft muh ein freiwilliger Kampf der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung für das inländische Erzeugnis gehen. Um die Wirkungen der die deutsche Volkswirtschaft zur Zeit kennzeichnenden Kapitalnot zu beseitigen, muh die Landwirtschaft Qrgani- sationsformen anstreben, die neben dem Personal- und Htzpothekarkredi-t den Warenkredit als hauptsächlichstes Mittel zur Mobilisierung der in der Masse der Agrarerzeugnisse gebundenen Werte treten lassen. Solange das deutsche Volk aus Gebieten jenseits der Grenze bezieht, wird es abhängig bleiben. Erst wenn es seine Rahrung innerhalb des deutschen Vaterlandes erzeugt, wird es frei werden können. Eine Entschließung erwartet neben schleunigster Durchführung der von den landwirtschaftlichen Führern geforderten Sofortmahnahmen vollständige Verwirklichung des im Frühjahr ausgestellten Rentabilitätsprogrammes. Der Deutsche Landwirtschaftsrat sieht einen Ausweg aus der Rotlage des deutschen Volkes nur in einer z i e l- bewuhten Umstellung der gesamten deutschen Wirtschaftspolitik auf die Entwicklung aller landwirtschaftlichen Produktionskräfte und richtet an Reichsregierung und Reichstag die dringende Bitte, sich endlich unter Zurückstellung aller parteipolitischen Erwägungen zu einer Wirtschaftspolitik zu entschließen, die Dem deutschen Volke wirtschaftliche und politische Freiheit zurückgewinnen kann. Die MrtschaßWlM des Völkerbundes. Oer Vorschlag eines Zoll-Waffenstillstandes. — Oie Organisierung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit durch den Völkerbund. Genf, 18. Sept. (WB.) Die Aussprache über die Wirtschaftsprobleme wurde abgeschlossen, und der von Dr. Breitscheid vorgelegte Bericht samt den sehr umfangreichen Entschließungsanträgen angenommen. Offen bleibt nur noch der Entschließungsantrag üher die. . chM Zollwaifenstillstandes und die Gesichtspunkte, die für die Organisierung einer internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit durch ein Kollektivabkommen maßgebend sein sollen. In letzter Stunde war von englischer und irischer Seite ein Abönderungsantrag eingebracht worden, so daß diese Entschließung noch einmal an die Redaktionskommission zurückverwiesen werden mußte. Trotzdem werden genügend Vorbedingungen gegeben sein, um die Organisierung des Wirtschaftsfriedens in folgenden drei Etappen mit Aussicht auf praktische Ergebnisse zu versuchen: 1. Aufforderung an sämtliche Staaten, Ende dieses Jahres dem Generalsekretär des Völkerbundes eine Erklärung abzugeben, ob sie bereit sind, an der Konferenz für den Zollwaffen st instand teilzunehmen unter möglichst gleichzeitiger Mitteilung ihrer etwaigen Vorbehalte. 2. Verhandlungen, die sich über eine lange Zeit erstrecken dürften, zwischen den Staaten, die an dem Zollwaffenstillstand teilnehmen. 3. Schlußkonferenz nach zwei bis drei Jahren zur Sanktionierung der erzielten Der- handlungsergebnisse, zu der alle Staaten ohne Ausnahme eingeladen werden sollen, damit ihnen die Möglichkeit zur Teilnahme an den daraus hervor- gehenden internationalen Abmachungen geboten wird. Außer dieser neuen Methode zur Herbeiführung und Organisierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit behandeln die übrigen zehn bereits endgültig angenommenen Wrrtschaftsent- schließungen die Fortsetzung der bisherigen Ar- hclten Der Wirtschaftsorganisation des Völkerbundes unter der Leitung des ständigen Wirtschaftskomitees, in dem bekanntlich tne Regierungen der hauptsächlichen Industrieländer vertreten sind. Die beiden wichtigsten Entschließungen betreffen di« Kohlen- und Zucker- Enquete DeS Wirtschaftskomitees, wobei im Gegensatz zu den ursprünglichen fvanzösifchen Anträgen von der Einberufung einer internationalen Kohlen- bzw. Zucker-Konferenz vorerst abgesehen wird. Die Entscheidung übet die Einberufung einer d iploma tischen Kohlen- k o n f e r e n z wird dem Völkerbundsrat überlassen. Diese Konferenz hätte sich mit den Preisschwankungen auf dem internationalen Kohlenmarkt und mit dem Mißverhältnis zwischen der Kohlenförderung und dem Kohlenverbrauch zu befassen. Die Frage der Analeichung der Arbeitszeit und der Lohnverhältnisse im Kohlenbergbau wird der weiteren Bearbeitung durch das Internationale Arbeitsamt überlassen. Auch in der Frage der Einberufung der Zuckerkonferenz wird dem Völkerbundsrat vollkommen freie Hand gelassen. Der Völlerbund beschränkt sich dabei auf die Beobachtung der weiteren Entwicklung des internationalen ZuckermarkteS und regt lediglich die Herabsetzung der Zuckersteuer zur Hebung des ZuckerverbraucheS an. Das Münchener GsenbahnnnM vor Gericht. Freispruch sämtlicher Angeklagten. — Oer Hauptbahnhof München. In dem Prozeß wegen des Eisenbahnunglücks im Münchener Hauptbahnhof am 15. Juli v. I., bei dem eine Reihe von Passagieren ums Leben kamen, kamen die Sachverständigen zu Wort. Prof. Halter von der Technischen Hochschule München betonte, dah an der fraglichen Stelle an der Donnersberger Drücke weder eine Block stelle vorhanden war, noch, ein geordnetes Zug- meldeverfahren bestand. Wenn ein solches Meldeversahren bestanden hätte, wäre die Verwirrung des Stellwerkmeisters Schnellrieder und des Angeklagten Schall nicht eingetreten. Mit den vorhandenen Mitteln hätte eine verläßliche Sicherung des Meldewesens nicht erzielt werden können. Am kritischen Tage sei alles kreuz und quer gegangen und so fei es verständlich, dah bei dem Stellwerkbeamten ein Irrtum bezüglich der Meldung über die Durchfahrt des Vorzuges entstand. Beim Vorhandensein ordnungsmähiger Sicherungsvorkehrungen wäre «in solcher Irrtum un- mö^ich gewesen. — Rach dem Gutachten des Geheimen Daurats Bauer, Berlin, bestand der Hauptmangel der Dahnhofsanlage zur Zeit des Unfalls in dem vollständigen Fehlen der Abhängigkeit der eignete und Weichen von Der Betriebs stelle. Auch die Streckenblockung sei nicht regelrecht durchgeführt worden, was bei dem Unfall eine ausschlaggebende Rolle gespielt habe. Di« Beamten hätten einen außerordentlich schweren und verantwortungsvoll en Dien st gehabt. — Der Sachverständige Prof. P i r a r t h von der Technischen Hochschule Stuttgart erklärte die Anlage auf dem Münchener Hauptbahnhof wohl als ungewöhnlich, aber die Betri^s- einrichtungen wären so beschaffen gewesen, daß ein Unfall an sich nicht passieren konnte. Dagegen stellte dieses System an das Personal so außergewöhnliche Anforderungen, daß dieses Personal in bestimmten Zeiten nicht mehr ganz verantwortlich für irgendwelche Folgen gemacht werden konnte. Der Staatsanwalt erklärte, die Tatsache, dah in den Betriebsanlagen auf dem Hauptbahnhof in München schwere Mängel vorhanden gewesen seien, sei nicht als Strafausschließungsgrund, sondern nur als wesentlicher Strafmilderungsgrund anzusehen. Die Angeklagten hätten nrcht nur Betriebsvorschriften verletzt, sondern sie hätten auch in der kritischen Situation nicht alles getan, was sie nach ihrer Erfahrung und ihrer Ansicht hätten tun können. Der Staatsanwalt beantragte dann wegen je eines Vergehens der fahrlässigen Transportgefährdung in Tateinheit mit einem Vergehen der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung gegen Den Angeklagten Schaffnergehilfen Ritzer einen Monat Gefängnis, gegen di« Lokomotivführer Rickel und Albrecht aus Rürnberg je drei Monate Gefängnis, gegen den Stellwerksschaffner Schell und den Blockwärter Hechtel je fünf Monate Gefängnis und gegen Den Lokomotivführer Fischer Freispruch. Rechtsanwalt H i r s ch f e l D erhob in seiner Verteidigungsrede schwere Vorwürfe gegen die Reichs- bahn. Der Präsident der Reichsbahngesellschoft, Dorpmüller, habe in einer Pressekonferenz in Berlin die Schuld an dem Unfall der Nachlässigkeit des Personals zugeschrieben. Justizrat Ehrt st bezeichnete als eigentliche Ursache des Unfalls Mangel an Zentralisation und übertriebene Personaleinsparung. Die Verantwortung für das Unglück müsse der Reichsbahn rugeschrieben werden, weil diese ihre Beamten gezwungen habe, unter Bedingungen zu arbeiten, die gegen gesetzliche Bestimmungen verstießen. Rach dem Plädoyer der Verteidigung zog sich das Gericht sofort zur Llrteilsberatung zurück. Vach dreistündiger Beratung verkündete das Gericht das Urteil. Sämtliche Angeklagten wurden freigefprochen. Sn der Be - gründung wird festgestellt, daß die Anlage des Münchener Hauptbahnhofs nicht den Anforderungen entsprochen hak«, die man an die Einrichtung des größten Bahnhofs Bayerns stellen müsse. Es habe an der Zsntralisierung, an einem geregelten Zugmeldeverfahren und an notwendigen Vorschriften gefehlt. Auf wessen Schuld dieser Mangel zurückzuführen sei, könne dahingestellt bleiben. Es habe auch an einer genügenden Zahl geschulten Personals gefehlt. Der Dienst sei aber zu leisten gewesen und sei auch seit 20 Jahren geleistet worden. Ein Fehler im System hätte allenfalls beim Strafausmaß in Betracht gezogen werden müssen, wenn das Gericht zu einem Schuldspruch gekommen wäre. Da aber in den einzelnen Fällen das Gericht weder eine Fahrlässigkeit, noch einen Verstoß gegen irgendwelche Bestimmungen und Vorschriften in dem Verhalten der Angeklagten habe erblicken können, so sei auf Freispruch erkannt worden. Die Serieguns der Ahemlandkommission nach Wiesbaden. Berlin, 19. Sept. Der deutschnationale Reichstagsabgeordnete von Lindeiner-Wildau hat bei dem Reichsminister Dr. W i r t h in seiner Eigen- schaft als Abgeordneter für Hessen- Ra s s a u die nachdrücklichsten Vorstellungen gegen die Verlegung der Rheinlandkommission nach Wiesbaden erhoben. Er hat auf die besonders schwierige Lage Wiesbadens hingewiesen und das Versprechen erhalten, daß von feiten der Berliner Stellen alles Mögliche gegen die geplante Verlegung geschehen soll, freilich auch den Eindruck gewonnen, daß die Entscheidung darüber ohne Rücksichtnahme auf die deutschen Wünsche von der Rheinlandkommission herbeigeführt wird. Im Zeichen der Räumung. Französische Rücksichtslosigkeit im Rahetal Frankfurt a. M, 18. Sept. Wie aus Bad Sobernheim (Rahe) gemeldet wird, haben gestern von 7 älhr morgens bis 12 Uhr mittags mit einstündiger Pause dazwischen schwere französische Motorgeschühe unmittelbar über den Badeort hinweggefeuert. Ganz nahe, nordwestlich zwischen Bockenau und Steinhardt, stehen die Geschütze und schießen gerade über den Ort hinweg nach der Lim.acher Höhe zu. Dieses Scharfschießen soll am 20., 23., 24. und 25. September wiederholt werden. Dem Ort werde außer den schweren Vervenerschütterungen, die Bewohnern und Heilungsuchenden zugemutet werden, noch eine Einquartierung von über 240 Offizieren und Manns chaften für volle zwei Wochen aufgenötigt. Auch die nahe gelegenen Orte Staudernheim und Waldböckelheim feien mit französischen Truppen belegt. Man berichtet weiter, daß bereits eine Massenflucht der Kurgäste eingesetzt habe. Wie lange noch? Berlin, 19.Sept. (Priv.-Tel.) Wie die „Voss. Ztg." berichtet, hat das französische Militärgericht in Landau den katholischen Priester Georg Handrich aus Ludwigshafen zu 150 Mark Geldstrafe und 4 Wochen Gefängnis verurteilt. Pfarrer Handrich ist Bezirksleiter der „Deutschen Iugendkraft" in der Pfalz, einer katholischen Sportvereinigung, die am 14. Juni hei einer Zusammenkunft in Mundenheim einen Festzug veranstaltete. In diesem Zug marschierten auch einige Trommler mit, die von ihren Instrumenten Gebrauch machten. Bekanntlich verleiht das nach einer Ordonanz der Rheinlandkommission einem Festzug „militärischen Charakter"! DieZnternat tonale Zahlungsbank Wiesbaden alsTagungsort des Drttanisationsiomitccs. Paris, 19. Sept. (WTB. Funkspruch.) Zu der Frage des Tagungsortes des Organisationsausschusses für die Internationale Zahlungsbank schreibt „Petit Parisien", da Brüssel nicht mehr in Frage komme, dürfte der Vorschlag Dr. Schachts, Wiesbaden zu wählen, bei den übrigen interessierten Machten Zustimmung finden. Die rröffnungssihung werde wahrscheinlich am 3. Oktober stattfinden, worauf die täglichen Arbeiten am 7. Oktober in Angriff genommen werden würden. Berlin, 18. Sept. Seit einiger Zeit sind in Genf Bestrebungen int Gange, nicht nur den Sitz der Weltbank, sondern auch die Einwirkung des Völkerbundes auf die künftige Bank unter Genfer Atmosphäre sicherzustellen, vielleicht sogar sie unter eine Art Oberaufsicht des Völkerbundes zu bringen. Solche Bestrebungen werden vorwiegend von Frankreich und Polen begünstigt, während England sich von ihnen noch sernhält. Deutschland hat sich an dieser Diskussion bisher nicht beteiligt und würde selbstverständlich aus wirtschaftspolitischen Interessen eine solche Regelung auch ab lehnen. Veben Deutschland dürfte auch Amerika dagegen fein, dessen Mitwirkung aber aus finanziellen und wirtschaftspolitischen Gründen einen Hauptfaktor für das Gelingen der ganzen Aufgabe der Weltbank darstellt, das aber wegen seines grundsätzlichen Fernhaltens vom Völkerbund naturgemäß einen solchen Genfer-Gedanken ablehnen müßte. Reichswehr und Bombenattentäter. „Euthüllungen" der „Roten Fahne". Berlin, 19. Sept. (Priv.-Tel.) Die in Schleswig-Holstein Verhafteten sind jetzt dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Die Linkspresse wird also vorläufig darauf verzichten müssen, ihren Lesern täglich neue Sensationen über die angeblichen oder tatsächlichen Pläne der sogenannten Bombenattentäter vorzusehen. Sie hat aber bereits einen vollwertigen Ersatz in „Enthüllungen" kommunistischer Blätter gefunden, die schon vor Tagen die Reichswehr bezichtigten, sie hätte mit den radikalen Elementen Schleswig - Holsteins in engster Verbindung gestanden. Diese Behauptungen versucht jetzt die Berliner „Rote Fahne" durch die Veröffentlichung von Dokumenten zu untermauern, aus denen hervorgehen soll, daß zwischen einem Angestellten der Reichswehr und einem der Verhafteten gewisse Beziehungen bestanden haben: welcher Art sie waren, werden erst die gerichtlichen Untersuchungen festzustellen haben. Jedenfalls ist es mehr als voreilig, gefundene Briefe zu benutzen, um die Reichswehr mit dem Verschwörerkreis in Verbindung zu bringen. Zu diesen Briefen gehört auch ein an den General v. Hammer st ein gerichtetes Schreiben, von dem übrigens schon einmal im Sommer die Rede war, das aber General v. Hammerstein gleich nach Empfang vernichtet hatte. Selbst Zeitungen, die gewiß nicht reichswehrfreundlich sind, müssen feststellen, daß dieser General, der die Tochter des Generals v. Lüttwitz geheiratet hat, beim Kapp-Putsch treu zur Regierung hielt, also nach wie vor Putschplänen unzugänglich ist. Dagegen kann sich Hammerstein natürlich nicht wehren, daß ihm irgendein Bekannter Vorlesungen über die Votwendigkeit der Ausrufung der Diktatur hält. Auch Herr Severing dürfte als preußischer oder Reichsinnenminister von radikalen Parteifreunden wiederholt aufgeforvert worden sein, von seiner Macht entsprechenden Gebrauch zu machen, ohne daß man deswegen ihn ebenso verdächtigen darf, wie das gewisse Linkskreise der Reichswehr gegenüber jetzt tun. Das Volksbegehren. Reichslandbnnd und Stahlhelm. Berlin. 18. Sept. (WB.) Die Meldung, daß der S t a h l h e l m sich dem Protest des Reichslandbundes und der Christlich-nationalen Bauernpartei gegen den Paragraphen 4 des Volksbegehrens angeschlossen habe, wird vom Bundesamt des Stahlhelms f ü r falsch erklärt. Auf die nachträglich aus dem Reichslandbund und der Christlich-nationalen Bauernpartei gegen den Paragraphen 4 vorge- brachten Bedenken hin hat. so heißt es in der Mitteilung weiter, der Stahlhelm lediglich darum gebeten, daß das Präsidium des ReichZausschus- ses noch einmal zusammentritt, damit diese Bedenken in sachlicher Beratung ausgeräumt werden. Dem Antrag des Stahlhelms ist sofort entsprochen worden. — Das Hauptbureau des Leichsausschusses für das Volksbegehren teilt mit, da'ß der Reichslandbund, der durch seine Präsidenten und maßgebenden Persönlichkeiten im Reichsausschuß seit der Gründung vertreten war, nunmehr auch als Körperschaft dem Reichsausschutz für das Volksbegehren beigetreten ist. Wie der Demokratische Zeitungsdienst von gut unterrichteter Seite erfährt, stammt die Fassung des Volksbegehrens, vor allem auch der Paragraph 4, von Hugenburg selbst. Der Demokratische Zeitungsdienst schreibt u. a.: Vach- dem der Geheimrat Hugenberg seine Formulierung fertiggestellt hatte, ist er ins Benehmen mit Hitler und Seldte getreten. Vachdem sich Geheimrat Hugenberg der Zustimmung dieser beiden Herren versichert hatte, ist er dann erst an die Deutfchnationale Reichstag s f r a k t i o n herangetreten. — In der Besprechung erklärte nun der Präsident des Reichslandbundes Schiele, daß er dem Paragraphen 4 nicht zustimmen könne, und daß er die schwer st en Bedenken gegen die Formulierung habe. Schiele erklärte, daß er es nicht verantworten könne, als früherer Reichsmini st e r diesem Paragraphen zuzustimmen. Ein Zungnatio.raler Ring. Berlin, 19. Sept. Der Iungnationale Ring, eine Gemeinschaft junger konservativer Kräfte, die dem Boden der Deutschnationalen Volkspartei entwachsen sind, gibt soeben eine Schrift heraus mit dem Titel „DerRiedergang dernationalenOppositio n". Diese Schrift, die als ein „Warnruf aus den Reihen der Jugend" bezeichnet wird, ist eine scharfe Anklage gegen Hugenberg. Die Idee der nationalen Opposition befinde sich unter diesen Umständen in der größten Gefahr, „deshalb muß Hugenberg gestürzt werden — noch vor Stresemann". — Es wäre kurzsichtig, so bemerkt die „Germania", die einen ausführlichen Auszug aus der Schrift in großer Aufmachung bringt, in dieser Aktion der Iungnatiönalen etwa nur die Front gegen Hugenberg zu sehen und zu vergessen, daß es hier schließlich nicht um eine Person, sondern um eine Idee geht, um eine Idee, die so oder so die ganze deutsche Jugend bewegt und mehr oder weniger alle Parteien angeht. _____________ Heimaiwehr urrdVerfaffungs- reform in Oesterreich. Eine starke Regierung gefordert. Wien, 18. Sept. (WTB.) Unter dem Titel „Die letzte Warnung" wird von der Pressestelle des Heimatbundes eine Verlautbarung versandt, welche hier großes Aufsehen erregt, obwohl sie keine offizielle Kundgebung der Dun- dessührung der Selbstschuhverbände, sondern der heutige Leitartikel des Heimwehrorgans in Graz, der „Alpenländischen Heimatwehr" ist, der allerdings von einer dem dortigen Dundesführer Psriemer nahestehenden Seite stammen soll. In dem Artikel heißt es, daß die Heimatwehr diesmal ihre ganze Macht einsehen werde, um eine halbe Lösung der Verfassungsreform zu verhindern. Ihre Forderung gipfele in dem Verlangen nach einer Verfassung, die in sicher Weise den vaterländischen Wünschen wie den wirtschaftlichen Bedürfnissen der bodenständigen Bevölkerung entsprech«. Die Heimwehr will ganze Reformen und eine ganze Lösung. Fühlt sich die gegenwärtige Regierung einer solchen Aufgabe nicht gewachsen, dann möge sie zurück t r e te n. Dann haben die bürgerlichen Parteien freie Hand, durch die Wahl einer starken Regierung, in der auch die Heimatwehr den ihr gebührenden Einfluß besitzt, zur Entwirrung der Lage und zur Festigung unserer innerpolitischen Verhältnisse beizutragen. Oeffnet man der Heimatwehr kein Ventil, so könnte die innere Spannung eines Tages zu einer Explosion führen, die den reinen Parteipolitikern ganz sicher nicht erwünscht wäre. Heute hätten die reinen Parteipolitiker es noch in der Hand, durch einen großzügigen Entschluß den veränderten politischen Verhältnissen Rechnung zu tragen und das Staatsruder in die Hände einer ne uen Macht zu legen, welche die Fähigkeit und die Macht habe, eine Gesundung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Oesterreichs durchzuführen. Ob sie in einigen Wochen noch die Freiheit des Handelns hätten, das sei im Hinblick auf das stürmische Tempo, das die Entwicklung der Heimatbewe- nung eingeschlagen habe, fraglich. Am 29. September fänden in der Umgebung Wiens vier große Aufmärsche statt, ganz bestimmt nicht ohne einen tieferen Sinn. Sie würden den Druck der bodenständigen Bevölkerung auf die Entwicklung der politischen Dinge in Wien so verstärken, daß kein Politiker mehr den Ernst der Lage verkennen könne. Gegen Englands Abrüstungsvorschläge in Genf Frankreich. Italien und Japan in der Opposition einig. Genf, 19. Sept. (Tel.-Un.) In den letzten Tagen haben hier mehrfach Verhandlungen zwischen den französischen, italienischen und japanischen Vertretern ftattgefunden, um eine einheitliche Haltung der drei Abordnungen gegenüber dem englischen Abrüstungsoorschlag herbeizuführen. Es ist, wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, zwischen den drei Abordnungen eine drundsätzliche Einigung in folgenden Punkten erzielt worden: 1. Die Zuständigkeit der dritten Kommission der Vollversammlung (Abrüstung) für die Behandlung der grundsätzlichen Fraaen der Abrüstung, wird bestritten. Die Hauptfragen können allein in dem vorbereitenden Abrüstungsausschuß behandelt werden, da in diesem Ausschuß neben den Mitgliedsstaaten, auch Nichtmitglieds st aa- t e n, wie Sowjetrußland, Vereinigte Staaten von Amerika und die Türkei teilnehmen, und für die irgendwelche Beschlüsse einer Kommission der Völkerbundsoersammlung nicht bindend sein können. Die Aufgaben der dritten Kommission können sich nur darauf beschränken, der Vollversammlung Vorschläge für den Wiederzusammentritt des vorbereitenden Abrüstungsausschusses allgemeine Richtlinien für die Arbeiten zu geben, wie das in dem englischen Antrag, der vor einigen Tagen «ingebracht worden sei, vorgesehen ist. Die drei Mächte vertreten aus diesem Grunde die Auffassung, daß der englische Abrüstungsvorschlag ohne weitere Aussprache dem vorbereitenden Abrüstungsausschuß überwiesen werden muß. 2. Die französische, itali«nische und japanische Abordnung vertreten ferner den Standpunkt, daß die bisherigen Beschlüsse des vorbereitenden Abrüstungsausschusses, an denen die englische Regierung beteiligt war, und zu denen sie ihre Zustimmung erteilt hat, einen bindenden Charakter trage und keinerlei Abänderungen mehr unterzogen werden können. 3. Die drei Abordnungen sind nach wie vor der Auffassung, daß an dem Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht nicht gerührt werden darf und daß aus diesem Grunde die ausgebildeten Reserven — die große Streitfrage der letzten Jahre — nicht durch ein internationales Abrüstungsabkommen beschränkt werben können. Die Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen, darf sich nur auf den aktrven Truppenbestand beziehen. Das lagernde Kriegsmaterial darf ferner nur auf dem Wege der Herabsetzung des Militärhaushalts der Staaten, nicht jedoch durch direkte zisfernmäßige Verminderung eingeschränkt werden. 4. Die drei Abordnungen sind weiter der Auffassung, daß eine irgendwie geartete internationale ileberwachungsorganisa- tivn, der die ^leberwachung der Durchführung eines internationalen Abkommens obliegen konnte, nicht annehmbar ist. jedoch wird auf französischer Seite die Auffassung vertreten, daß in der Aeberwachungsfrage noch weitere Der- Handlungen möglich seien. Die französische Auffassung in dieser Frage kann daher als nicht endgültig angesehen werden. Aus aller Welt. Erholungsreise des Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg hat Mittwochvormittag Berlin verlassen, um einen etwa vierzehn tägigen Erholungs- und Iagdauf- enthalt auf dem Lande zu verbringen. Reichslagung des GuflaoAdolf-vereins. Am Dienstag nahm in Breslau der Gustav- Adolf-Derein seine Beratungen auf. In einer Reihe von Arbeitsgemeinschaften wurden die praktischen Fragen der viel verzweigten Gustav- Adolf-Arbeit besprochen. Die Propagandatätigkeit stellt sich schon jetzt auf das hundertjährige Jubiläum auf das Gustav-Adolf- Iahr 1932 ein. Unter der Losung „Eine Million in Groschen" rüstet man sich zur Sammlung einer Iubiläumsgabe, die alle Unter- stützungsaktionen der letzten Jahre weit übertreffen soll und für den großzügigen Ausbau des Dia vrawerkes bestimmt ist. Sein besonderes Augenmerk hat der Gustav-Adolf-Derein der Minderheitenfrage in Ost-Europa zugewandt. Weitere Arbeitsgemeinschaften beschäftigen sich mit der Frage der Auslandpfarrer, der Mitarbeit der Frau im Gustav-Adolf-Derein und der Diakonissenarbeit. Als Abschluß des zweiten Festtages fand in der größten evangelischen Kirche Breslaus, in der Glisabelbkirche, ein Abendgottesdienst statt. Tausende, die keinen Einlaß mehr fanden, versammelten sich in der Magdalenenkirchc zur Feierstunde. Die Feier klang aus mit einem lithurgischen Wechselgesang zwischen Geistlichen und Chor und mit einer Bachschen Fuge, die von Professor Gulbins auf der mächtigen Orgel der Elisabethkirche meisterhaft dargeboten wurde. Sanierung durch Einbruch. In Berlin hatte der 38jährige Kaufmann David Halpern bei der Polizei Anzeige erstattet, daß in der Nacht Einbrecher in seinem Pelzgeschäft in der Nähe des Stickelmarktes für 15 0 0 0 Mark Pelze gestohlen hätten. Bei der Untersuchung stellte die Polizei verschiedene verdächtige Einzelheiten fest. Die Einbrecher hatten angeblich vom Nachbarladen aus eine Wand durchbrochen, die die beiden Geschäfte voneinander trennte. Es war jedoch auffallend, daß die Trümmer des herausgeschlagenen Wandstückes nicht, wie es natürlich gewesen wäre, im Pelzgeschäft, sondern auf der anderen Seite der Wand lagen. Da noch weitere derartige Feststellungen gemacht wurden, sah sich Halpern veranlaßt, zu gestehen, daß der Einbruch von ihm fingiert worden sei, um das Verschwinden eines ihm von einer Leipziger Rauchwarenfirma anoertrauten Postens Kommissionsware zu vertuschen. Er hatte auf der Straße einen 27jährigen Erich Linke angesprochen und ihn gegen ein Honorar von 100 Mark verpflichtet, den Einbruch zu inszenieren. Linke hatte dazu auch die Geschäftsschlüssel erhalten. Bei dem Einbruch sind jedoch noch Waren im Werte von 10 000 Mark tatsächlich verschwunden. Halpern und seine Kontoristin, mit der er verlobt ist, sowie Linke find verhaftet worden. Todesurteile gegen Brillanten- und Devisenschieber in Rußland. Das Moskauer Gericht fällte gegen die Teilnehmer an einer illegalen lettischen Organisation, die sich mehrere Jahre lang mit dem Ankauf von Brillanten und Devisen in Sowjetrußland und deren Verschiebung ins Ausland besaht hatte, das -Urteil. Die Angeklagten Samuel Taitz und Abraham Klein« aus Moskau wurden zum Tode und die Äsngestellte der lettländischen Gesandtschaft, Berta Aschmann, zu sechs IahrenGefäng- n i s verurteilt. Weitere 20 Angeklagte, die meist Klienten dieser Organisation waren, wurden zu Gefängnisstrafen und Zwangsarbeit verurteilt. Es soll sich herausgestellt haben, daß Beamte der lettländischen Gesandtschaft Beziehungen zu Schmugglern unterhielten und Schmuggelware durch die lettische diplomatische Post ^fördern liehen. Ein großer Tankbrand in England. In Hüll ist am Montag ein riesiger Tank in der Tankanlage der Anglo American Oil Company explodiert und in Brand geraten. Schätzungsweise befinden sich in dem Tank, der etwa eine halbe Millionen Gallonen Drenn- stoff enthielt, auch jetzt noch 180 000 Gallonen. Während der vergangenen 24 Stunden hat man jede bekannte Feuerlöschmethode zur Dekämpsung des Brandes versucht, ohne den geringsten Erfolg ku erzielen. Die benachbarten Tanks, auf deren Schutz sich die Arbeit der Feuerwehr zur Zeit ausschließlich konzentriert, sind bereits derart erhitzt, daß große Dampfwolken aufrischen, wenn sie von dem Wasserstrahl getroffen werden. Die Feuerwehren der ganzen Ämgegend sind zusammengezogen. Aus dem etwa 40 Kilometer entfernten Leeds ist eine mit chemischen Feuerlöschmitteln ausgerüstete Spezi a l w e h r herangezogen worden. Don London ist schon gestern abend eine große Sendung Chemika lien, die sich zur Feuerbekämpsung eignen, mit einem Schnellzug nach Hüll geschickt worden. Der Brand konnte erst am Mittwoch in den Mittagsstunden gelöscht werden. Keine Mechanisierung des -Glücks. Die Verwaltung der Preußisch-süddeutschen Klaffenlotterie hatte die Frage geprüft, ob sich die Ziehung auf rein mechanischem Wege durchführen ließe. Die vorgeführten Maschinen wiesen aber alle den Mangel einer großen Kompliziertheit auf. Da bei der Lotterieziehung das Haupterfordernis die vollendete Durchsichtigkeit des Vorganges ist, konnten alle diese umständlichen Maschinerien nicht befriedigen, und das Präsidium und die Direktion der Staatslotterie kamen schließlich zu der Auffassung, daß sich eine absolute Sicherung auf maschinellem Wege noch viel weniger erreichen läßt, als bei der Ausführung durch menschliche Kräfte. Verhängnisvolles Spiel mit Streichhölzern. 53 Häuser der in der Rähe von Warschau gelegenen Ortschaft Karczew wurden durch Feuer vernichtet. 200 Personen sind obdachlos. Ein Kind, das mit brennenden Streichhölzern ein Kaninchen aus einem Dersteck treiben wollte, hat den Brand verursacht. Oie Wetterlage. mwoch, ;<8 o o f o o - ■artbzii A x -V/ ÄL ■ /LMrXwi Owoixenios. o neuer. «en geeen die Temperatur an. Die Limen verbinde» Orte mit gleicher^ ewt neercaniveau umoercehneten Luftdruck Wettervoraussage. Der Tiefausläufer, der gestern über Frankreich lag, hat sich über Deutschland ausgedehnt. Bereits in den gestrigen Abendstunden kam es in unserem Bezirk zu Riederschlägen, jedoch von geringer Art. Eine weitere Beeinflussung der Wetterlage findet nicht mehr statt, wenn' auch zunächst noch ozeanische Luftmassen nach dem Kontinent gelangen. Sie werden wohl Bewölkung mit sich bringen, aber kaum zu Rieder- schlÜgen führen. Wettervoraussage für Freitag: Wolkig mit Aufheiterung, Temperaturen nur wenig verändert, meist trocken. Lufttemperaturen am 18. September: mittags 23 Grad Celsius, abends 17 Grad: am 19. September: morgens 16,2 Grad, Maximum 23 Grad, Minimum 14,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. September: abends 20,9 Grad: am 19. September: morgens 17,4 Grad CelsiuS. Riederschlag 0,1 mm. — Sonnenscheindauer 78/< Stunden. Ä i ffic nid bai Sl rec kla Oil übi nod zur wei ffie bm Le me ter (K' m< te: leb 1 wir ihre lur wer tob bei ter Io- ve im 9« ter eir ha mt lie mi % fei W! ben ein U Gl UT be te ni 2 tx di m 3; ch ha da mu Heu auf M tei ba D w Io M oll Mg bod Vi D< im K Ml di S Aus -er Provinzialhaupistadi. Dießen, den 19. September 1929. Du und deine Nachbarn. Lieber Freund! Du schließest Deinen Brief mit dem bekannten Wort aus Schillers Tell: „Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nach, bar nicht gefällt." Ich muß die Wahrheit dieses Spruches bestätigen, kann D i r aber nicht in allem recht geben. Und da Du mir nicht nur etwas vor- klagen willst, sondern auch meinen Rat begehrst, will ich Dir einiges mitteilen, obgleich ich nun schon über dreißig Jahre in der Stadt lebe und kaum noch weiß, wie Eure Nachbarschaft auf dem Lande zur Zeit aussieht. Aber aus meiner Jugendzeit weiß ich noch, was treue Nachbarn bedeuten. Wenn ich so rückblickend diese Jahre überschaue, dann sehe ich immer mehr ein, daß an dem guten Verhältnis zu unfern Nachbarn in der Hauptsache meine Eltern schuld waren, besonders meine Mutter. Und ich glaube Dir keinen besseren Rat zu geben, als wenn ich Dir einiges davon erzähle, wie meine Mutter es fertig brachte, mit unfern M»ch- barn in so guter und herzlicher Freundschaft zu leben. Da kam es häufig vor, daß gerade wie bei Dir, wir Kinder die Störensriede waren. Kinder wägen ihre Worte nicht, sie sind Eintagsfliegen in ihrem Tun und Denken. Einer unsrer Nachbarn war ein wenig komisch und hatte einen besonderen, nicht gerade hübschen Beinamen. Aber wehe uns, wenn wir uns erlaubten, diesen Namen auch nur anau- deuten. Da konnte unsere Mutter, die sonst so selten schlug, mit irgendeinem Gegenstand so wähl- los drauflos prügeln, daß uns Seyen und Hören verging. Die Hühner der Nachbarn flogen auch einmal in unfern Garten, darüber hat es nie Streitigkeiten gegeben. Das waren Kleinigkeiten bei meinen El- lern. Aber andere Verdrießlichkeiten stellten sich ein. Manchmal wurde beim Abendessen etwas verhandelt. Aber fast stets sagte meine Mutter: „Wir wollens noch einmal überschlafen". Der andere Tag ließ dann mit seiner Arbeit, besonders im Sommer, den kleinen Aerger bald vergessen. Es kam der Brand unserer Scheuern. Der eine Nachbar hätte gern seine Scheidemauer nach un- ferm Grundstück zu auf unser Eigentum gesetzt. Das wurde in aller Freundschaft geregelt. Aber es wurde schriftlich aufgesetzt, und beide Parteien erhielten ihre beglaubigte Abschrift. Ich habe dieser Tage den Vertrag in Händen gehabt. Es kann niemals ein Streit oder gar eine Gerichtsklage daraus entstehen. Aber ich darf auch nicht vergessen, welch schöne Abende wir bei unfern Nachbarn und in meinem Elternhause verlebt haben. Wenn die Nachbarn zu uns kamen, bann wurden sie stets als Ehrengäste behandelt. Es wurde ihnen vom Besten aufgewar- tet. Sie sollten sich geehrt fühlen. Wenn sie es auch nicht immer so zurückgaben, fo machte das meiner Mutter gar nichts aus, Sie hielt daran fest, auch bei kleinen Verdrießlichkeiten. Und ich habe gefunden, daß es immer Eindruck auf die Nachbarn machte. Ohne daß es ausgesprochen wurde, hieß es: Ihr Nachbarn seid uns lieb und wert, bementfpre- chend werdet iyr auch geehrt. So tarn es auch, daß wir nie Schwierigkeiten hatten, wenn uns beim Viehstand oder sonstwie etwas vorkam und wir Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Es war doch früher so — und ist es wohl heute noch — daß man sich in vielen Lebenslagen auf dem Lande etwas vom Nachbarn leiht. Wenn das Brot ausgegangen war und man noch keine Zeit hatte, neues zu backen, bann ging man zum Nachbar unb lieh sich einen ober zwei Laib. Mit Milch, Butter, vielleicht auch mit Zucker, Salz unb Oel ginge ebenso. Auch Pflug, Egge, einzelne Gar- tengeräte, der Schubkarren, ja der Leiterwagen und bas Zugvieh würben gelegentlich geborgt. Daß sich bei unferm guten nachbarschaftlichen Verhältnis alles in Güte unb Freunbschaft ab- wickelte, versteht sich von selbst. Ich hatte eigentlich so bas Gefühl, bah meine Eltern mit zweierlei Maß maßen. Sie konnten gegen anbere, selbst bie allernächsten Derwanbten, manchmal hart unb streng in ihrem Urteil sein und sagten bann ihre Meinung klipp unb klar. Bei unfern Nachbarn ba- gegen übersahen sie gar manche Schwäche, ober taten doch wenigstens fo. Immer aus bem Gefühl heraus: mit ihnen müssen wir unser ganzes Leben zu- fammen sein, auf sie sind wir angewiesen, wenn wir in Not sind. Nun zu Dir, lieber Freund. Du schreibst. Dein Nachbar hätte seinen Narren an seinem wilden Buben gefressen und nennst das Affenliebe. Bei meiner Mutter hättest Du das nicht sagen dürfen. Wenn nun der Kleine auf Deinem Kirschbaum sitzt, so ist das doch nicht weltbewegend, ober gar teuflisch. Ich finbe bas gatu natürlich. Warum strafst Du ihn benn unb broyst mit ber Anzeige? Du hättest ihn einlaben müssen, in Deinen Garten zu kommen. Mehr als satt essen kann sich kein Junge. Warum tatest Du bas nicht? Weil Dich der Alte geärgert hatte? Warum hast Du bie Sache nicht einmal „überschlafen"? Ich kann auch nicht glauben, baß bes Nachbars Hühner solch großen Schaben in Deinem Garten angerichtet haben. Dagegen ist bie Sache mit bem gemeinsamen Zaun schon kitzelig. Aber auch hier rate ich Dir: Sprich mit Deinem Nachbar, unb bann setzt Euch schriftlich auf, wie es in Zukunft werben soll. Du wirst sehen, bann ist aller Streit beseitigt. Im Vertrauen sage ich Dir noch: Du barfft nicht soviel an Deinem Nachbar kritisieren, auch wenn Du in seinen Hof schauen kannst. Du muht ja nicht alles sehen, was er treibt. Unb wenn er einmal Pech hat, wie Du mir schilderst, bann zeige D u ihm, baß Du ein echter Nachbar bist, springe hin- zu, unb hilf ihm! Nimm Anteil an seiner Not! Aber lächle nicht in böser Schabenfreude! Unb wenn Dein Nachbar Sonntags am Gartenzaun steht, bann grüße nicht nur, fonbem labe ihn ein, zu Dir zu kommen, unb behandle ihn wie einen Ehrengast. Du wirst merken, Euer Verhältnis bessert sich von Tag zu Tag. Du freust Dich an Deinen Blumen im Garten, an Deinen Tieren unb hast sie vielleicht boch nur kurze Zeit. Deinen Nachbar aber hast Du Dein Leben lang. Wilh. v. Humbolbt sagt einmal: „Im Grunde sind es boch bie Serbinbungen mit Menschen, welche bem Leben seinen Wert geben". Ober willst Du nach bem Spruche handeln: Wir Menschen sind wie eine grüne Staube: wenn man biejelbe nur ein wenig biegt, so schlägt sie zurück (Abraham a Santa Clara)? Ich glaube boch nicht. Unb nun hoffe ich, baß Du meine Zeilen überdenkst. Für heute nimm noch herzliche Grüße von Deinem alten Freund M. Z. Kyffhäuserbund und Kriegsbeschädigte. Die 28. Dertreterversammlung des Deutschen Reichskriegerbundes „Khff - Häuser" hat — wie uns von der Kriegerkameradschaft Hassia berichtet wird — am 15. September im Anschluß an einen ausführlichen Bericht des Referenten für Sozialpolitik. Major a. D. G o e d i ck e. über Kriegsbeschädigtenversorgung und Reichsfinanzen, zu dem sich auch der anwesende Vertreter des Reichsarbeitsministers. Ministerialrat Griehmeyer, äußerte, folgende Entschließung einstimmig angenommen: „Die auf dem Kyffhauser versammelten Vertreter der im Deutschen Reichskriegerbund „Ktz^f- häuser" zusammengeschlossenen mehr als 3 Millionen alter Soldaten haben mit Besorgnis davon Kenntnis genommen, daß die anerkannte Finanznot des Reiches dazu geführt hat, nicht nur die auch von der Reichsregierung als berechtigt anerkannten Wünsche der Kriegs- beschädigtenundKriegerhinterblie- b e n e n auf weiteren Ausbau der Versorgung vor der Hand unerfüllt zu lassen, sondern daß stellenweise sogar der volle Bezug der ihnen auf Grund der Versorgungsgesetze in ihrer jetzigen Fass img zustehenden Gebührnisse gefährdet erscheint. Keinesfalls darf die. Finanznot des Reiches dazu führen, diejenigen vor anderen unter Sparmaßnahmen leiden zu lassen, die die größten Opfer für die Verteidigung des Vaterlandes gebracht haben." Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt. Butter 210, Matte 30 bis 35, Wirsing 20 bis 25, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 30, Römischkohl 10 bis 15, grüne und gelbe Dohnen 25 bis 33, Feldsalat 120 bis 150, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 10 bis 20, Meerrettich 70 bis 150, Kürbis 5 bis 8, Pilze 40 bis 45, Kartoffeln 5, FallLpsel 4 bis 5. Aepsel 10 bis 20, Birnen 10 bis 20, Preiselbeeren 35 bis 40, Pfirsiche 45 bis 70, Brombeeren 60 bis 65, Zwetschen 8 bis 12. Mirabellen 15 bis 20. Reineclauden 15 bis 20, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.: Tauben 70 bis 90. Eier 15, Blumenkohl 30 bis 80, Salat 15 bis 20, Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 10 bis 20. Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück: Radieschen 10 bis 15 Pf. das Bund: Kartoffeln. 4 bis 4,50 Mk. der Zentner. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Verein Rudersport Gießen 1913: Monatsversamm- lung im Bootshaus, 20.30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Verdun". — Die Klavierschule Körner veranstaltet am nächsten Sonntag ein Schülerkonzert unter gesanglicher Mitwirkung von O. S ch w i e - der und instrumentaler von L. Hillenbrand, P. Köhler und K. Rabenau. Zum Vortrag kommen, wie man uns schreibt, neben Werken älterer Meister, wie dem Violinkonzert op. 121 von Mozart, Lieder von Schumann und Brahms, ferner Werke von Raff und Draeseke, ein Trio für Klavier, Cello und Violine von Cesar Frank und anderes. Räheres im heutigen Anzeigenteil. — Liebig-Vortrag. Am Sonntag, 29. d. M., vormittags 11.15 älhr, spricht im Liebig- Museum Dr. Hildebrandt, Hannover, über ..Liebig als Mensch, auf Grund neuer Drief- forschungen": anschließend findet eine Führung durch das Museum statt. (Siehe heutige Anzeige.) ** DerGießenerHerbstpserdemarkt findet am 2. Oktober auf den städtischen Marktanlagen an der Rodheimer Straße statt. Mit dem Pferde- und Fohlenmarkt wird eine Prämiierung verbunden. Der Landwirtschaftskammerausschuß für Oberhessen und der Hessische Landes-Pserdezuchtverein haben sich an der Ausbringung der Prämiierungssumme auch diesmal wieder beteiligt. ** Die Fassade des Realgymnasiums in der Ludwigftraße besteht aus Sandstein unb ist ziemlich verwittert. Mit Hilfe des modernen Sandspritzverfahrens, das bei der Herstellung des Hauptpostgebäudes bereits erfolgreich verwandt worden ist, wird die Fassade jetzt gereinigt und erhält ihre natürliche Farbe wieder. ** B e i ber Autogeschicklichkeitsprü- f u n g, welche, wie berichtet, am vorigen Sonntag auf bem Trieb ftattfanb, erhielt ber Kaufmann Karl Frey, Lang-Göns, Mitglieb des Auto- unb Motorradklubs e. D. Gießen, in ber Wagenklasse VII, wie uns nachträglich noch mitgeteilt wirb, ben ersten Preis. ** Nebenbeschäftigung unb Lohnpfändungsgesetz. In ben von Steuersynbi- kus Hermann Will, Gießen, herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" lesen wir: Erwerb aus Nebenbeschäftigung wirb bem Lohnpsänbungsgesetz unterworfen unb unterliegt ben Pfänbungsbeschrän- kungen, wenn bie Hauptbeschäftigung fortfällt. Den Pfändungsbeschränkungen unterliegt nach bem Lohnbeschlagnahmegesetz nur ber Lohn, ber für eine Tätigkeit gezahlt wirb, bie bie Erwerbstätigkeit bes Arbeitnehmers oollstänbig.ober hauptsächlich in An- spruch nimmt. Im allgemeinen ist dies bie Haupttätigkeit. Eine Nebentätigkeit ist nicht geschützt. Wirb aber bie Haupttätigkeit aufgegeben, so wirb die Nebentätigkeit zur Haupttätigkeit unb bie bafür gezahlte Vergütung unterliegt bem Pfänbungsschutz (Kmnmergericht 26. April 1Ö29 — 8. W 3683/29). ** Die Nachteile vorzeitiger Kartoffel- und Obsternten. Von fachmännischer Seite wird uns geschrieben: Seit einer Woche sind viele Landwirte eifrig mit dem Einbringen ihrer Kartoffelernte beschäftigt. Dabei beschränkt man sich nicht nur auf die mittelfrühen Sorten, wie Odenwälder Blaue, deren Kraut schon abgestorben ist, sondern erntet auch die noch grünen Aecker ab. Damit wird die Ausreife der Knollen verhindert, was einem beträchtlichen Verlust an Nährstoffen gleichkommt Außerdem entstehen Nachteile durch das Verbringen in die zur Zeit noch viel zu warmen Kcllerräume, wo sie, auf Haufen geschüttet, mehr als sonst schwitzen unb durch gesteigerte Atmung viel an Stärkegehalt verlieren. Ob der dadurch erzielte Zeitgewinn für Herbstbestellung unb Obsternte diese Verluste aufwiegt, erscheint fraglich. Faule Kartoffeln gibt es nicht. Daß das vorzeitige Abernten des Winterobstes für den Verbraucher keinen Vorteil bedeutet, ist bekannt. Wenn auch als Folge der Trockenheit manche Sorten viel Früchte abwerfen, bie zudem meist wurmstichig sind, so ist das immer noch besser, es kommt als Fallobst um, als daß man es später als verdorben vom Lager schaffen muß. Zudem läßt sich Fallobst auf verschiedene Weise restlos verwerten.Es gibt in diesem Jahre reichlich unb schönes Obst. Man gönne ihm ben wohltätigen Einfluß der schönen, warmen Herbsttage und halte die Obstversteigerungen, soweit Winterobst in Frage kommt, nicht vor Ende des Monats ab. Fast überall geben bie Obstversteigerungen bas Signal zum all- femeinen Beginn der Obsternte. Finden diese zu rüh statt, so entsteht Schaden. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 13. Sept. Der Reisende einer hiesigen Firma erhielt für dir von ihm vermittelten Kundenaufträge Provision. Ahn diese zu einem höheren Betrage, als ihm zustand, zu erlangen, fingierte er einige Aufträge, und der Inhaber der Firma hatte, abgesehen von der dem Reisenden zu Alnrecht zugebilligten Provision, noch erhebliche Weiterungen und älnkosten, als die angeblichen Besteller der Waren die Annahme verweigerten. Unter Zubilligung mildernder Umstände, die vorwiegend in den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen des Reisenden gefunden wurden, erkannte das Gericht wegen Betrugs auf eine Geldstrafe von 1 50 Mark. Ein junger Mensch eines Rachbarortes beleidigte schwer eine unbescholtene verheiratete Frau, indem er ihr auf moralischem Gebiete schamlose Dinge nachsagte, deren Erörterung das Gericht veranlaßte, die Oeffentlichkeit wegen Gefährdung der Sittlichkeit auszuschließen. Der Ehemann der beleidigten Frau strengte gegen den Ehrabschneider eine Privatklage an, und dieser erhielt heute eine Gefängnisstrafe von zwei Wochen. Im Sommer l. I. stießen auf der Kreuzung Moltkestraße — Kaiserallee — Licher Straße ein Auto und ein Motorrad zusammen. Durch den Zusammenstoß war nur Materialschaden entstanden, und deshalb hatte sich der Autoführer lediglich wegen Verstoßes gegen die Verordnung über Kraftfahrzeugverkehr aus 1928 zu verantworten. Er war offensichtlich, im Gegensatz zu dem Motorradler, zu rasch über die genannte Kreuzung gefahren, deren Gefährlichkeit ihm bekannt fein mußte: er hätte so langsam fahren müssen, daß fein Fahrzeug auf kürzeste Entfernung zum Stehen gebracht werden konnte. Dies war aber nach Ansicht des Gerichts auf Grund der Beweisaufnahme ausgeschlossen. Im Strafbesehlsversahren hatte der Angeklagte eine Geldstrafe von 30 Mark erhalten. Er erhob Einspruch, aber eS blieb heute bei dieser Strafe. SS 326 30 SuHlICHrStlfe „GEATRON“ ■WIIMII II I II i III............ Illi IUI lUWr-W Seltersweg 46, Tel. 2627 2290V Pflssoebrennerel Lederfärberei . Dr. Gerson-Diät Salzfreies Brot, Zwieback, Keks, Chlorfreies Salz u. Ersatzwürze, Pflanzenbutter und Brotaufstrich, Zubrot, Rohkost, PreB-Säfte, Gemüsepulver, Zucker nach Dr. Gerson Vitaminpräparate 05957 Deutsche Gewürze, Mehle usw. im Vollbesitz ihrer natürlich. Nührkraft KRÄUTERHAUS JUNG Zwetschen, Pfund 10 Pf.. Frische Tomaten, Pfund 15 Pf., Frisch geblätterten Spinat, Pfd. 20 Pf.,Salatgurken, Senfgurken, p. Stück 10 bis 30 Pf., Endivien, p. Stück 10 bis 15 Pf., blaue, zarte Kohlrabi sowie alle anderen Gemüse zu billigsten Selbsterzeugerpreisen. Schnittastern - Nelken - Rosen sehr billig. 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Den Kaufleuten Friedrich Schnewer und Karl Kriechbaum, beide in Gießen, ist Gesamtprokura erteilt. Am 10. September 1929: bei ber Firma A. Schuster & Lo. ;u Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 12. September 1929: bei ber Firma Karl Schmulbach in Lollar: Das Geschäft nebst Firma ist auf Karl Schmulbach Ehefrau, Elisabeth geborene Ringel, in Lollar als Alleininhaberin mit Wirkung vorn 1. September 1929 ab übergegangen. Dem Karl Schmulbach in Lollar ist Prokura er- teill. Gießen, den 13. September 1929. __________Hessisches Amtsgericht.__________ ^Obstversteigerung. Samstag, ben 21. September, nachmittags 1 Uhr, soll das (Semcinbeobff, bestehend in Aepfeln und Birnen, an Ort und Stelle meistbietend versteigert werden. Zusammenkunft bei ber Bürgermeisterei. Münster, den 19. September 1929. Hessische Bürgermeisterei. _________ Heß.__________7676D Obstversteigerung. Montag, ben 23. September l. 3., vormittags 10 Uhr anfangenb, wirb das Obst ber Gemeinde IDefterfelb, vorwiegend gute Apfelsorten, an Ort unb Stelle versteigert. Der Anfang ist bei der Oberst, bei Nr. 1. Hessische Bürgermeisterei Wetterfelb. Krauß. 7679D MW« Konstanzs: o.B Ingenieurschule f.Maschinenbau o II und Elektrotechnik, Flugzeue- £■ bau und Automobilbau. 24tiV Beschluß. In dem Konkursverfahren über das Vermögen ber Gewerkschaft „vorwärts" in Gießen wird Termin zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen bestimmt auf: 7667V Donnerstag, ben 3. Oktober 1929 vormittags S'/i Uhr Zimmer 112, 1. Obergeschoß. Gießen, den 16. September 1929. __________Hessisches Amtsgericht.__________ Vergebung von Abbrucharbeiien. Das städtische Gebäude Neustadt 22 soll auf Abbruch verkauft werden. 7678C Die Bedingungen liegen bei uns offen. Angebote auf Vordruck sind verschlossen, versiegelt unb mit entsprechender Aufschrift versehen bis Montag, ben 23. September 1929 vormittags 11 Uhr einzureichen. Gießen, den 18. September 1929. Städtisches Hochbauamt: Gravert. Obstversteigerung. Donnerstag, ben 26., unb Freitag, ben 27. September 1929, jebesmal vormittags 9'Ä Uhr anfangenb, soll bas (Demeinbeobff, etwa 1500 Zentner Aepsel, 70 Zentner Birnen unb mehrere Bäume Zwetschen, baumweise an Ort unb Stelle versteigert werden. Zusammenkunft am ersten Tage auf der Provinzialstraße Butzbach—Hochweisel an der Hochweiseier Grenze, am zweiten Tage auf der Butzbacher Straße am Ortsausgang. 7698V Nieder-Weisel, ben 19. September 1929. Hessische Bürgermeisterei. Winter. FRANKFURTER HERBSTMESSE für MÖBEL HAUSHALT SPIELWAREN 22. BIS 25. SEPT. 1929 I Mietgesuche | 6-8-Zimmer- Wohnung zu Mieren gesucht. Umzugskosten usw. können ersetzt werben. Schrift!. Angebote unter 05972 an ben Gieß. Ans. erb. 34-simmer- wohNUNg Friedensmiete, gesucht. Umzug ufro. kann bezahlt werden. Schr.Angeb. u. 05971 an d. Gieß. Anz. erb. M. Biringer Nacht Seltersweg 63 / Inh.: Fr. Holzheimer B OO. •n O Cr- e v> 3 kV B- 8 c UUWSWUUUUUSWSNM Porzellan-Sonderschau « wurden geliefert TlQpIl* IIHfl Tvom al 21 filTi 11 der Firma Jul. Bach, Gießen, im Cafe Astoria G 75370 moderne I lOVll MIIU I tllÖlllOwfeÖll Hause VtllVIllVII Beachten Sie meine Spezialausstellung in Küchenuhren Ludwigstraße 36 Verkauf gegenüber Ludwigstraße 27 Karl Beck, Uhrmachermeister vormals Gg. Spies Uhren, Schmuckwaren,Trauringei. großer Auswahl Einladung zum öffentlichen Vortrag am Sonntag, 29. Sept. 1929, im Liebig-Museum, vorm. ll1/« Uhr, Herr Dr. Hildebrandt-Hannover: Liebig als Mensch aut Grund neuer Briefforschungen 12 Uhr: Führung durch das Museum mit Erläuterung der Neuerungen. 7681D Der Schriftführer: Der Vorsitzende: gez. Adolph.________gez. Sommer. SelllWk BüDÖ W üMIMG. StjieOBDfl In Ws iirö Male Konzert der Schule für höher. Klavierspiel von Minna Körner unt. Mitwirkung v. Ludwig Hillenbrand, Cello — cand. mus. et phil. 0. Schwieder, Gesang — P. Köhler und K. Kabenau, Violine. 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Professor der Geschichte an der Universität Gießen. Jede neue englische Aktenveröffentlichung ist ein Schlag gegen die Politik des Kabinetts Grey. Die im Jahre 1927 zuerst herausgegebenen Akten über den Juli 1914 bestätigten die schon aus deutschen und russischen Dokumenten gewonnene Ansicht, daß die englische Regierung in der großen Krisis nicht an Frieden und Vermittlung, sondern an Unterstützung der russischen und französischen O f f e n s i v p o li t i k gedacht und so wesentlich dazu beigetragen hat, den Bruch unvermeidlich zu machen. Als treibendes Motiv der englischen Politik ließ sich aus denselben Quellen die Abneigung gegen Deutschland und der Wunsch, ihm mit Hilfe der Entente einen schweren Schlag zu versetzen, erkennen. Jetzt, nach weiterem Fortschreiten des englischen Werkes, können wir sogar feststellen, wann und wie diese Auffassung im englischen Ministerium des Auswärtigen herrschend geworden ist. Der Grundsatz, daß Deutschland der vor allem zu bekämpfende Feind sei, tritt zum ersten Male als politisches Glaubensbekenntnis auf, nachdem Sir Edward Grey im Jahre 1905 das Ministerium des Auswärtigen übernommen hatte. Sir Ehre C r o w e, einer seiner einflußreichsten Berater und 1914 sein Unter« staatssekretär, verfaßte eine vom 1. Januar 1907 datierte Denkschrift, die, jetzt in dem kürzlich erschienenen dritten Bande der englischen Akten veröffentlicht, als eine Programmschrift der englischen Außenpolitik anzusehen ist. Das „Memorandum" stellt die kriegerische und seit Jahrhunderten auf Eroberungen ausgehende Gewaltpolitik Preußens und Deutschlands in Gegensatz zur englischen Praxis, die stets Achtung vor dem Rechte Anderer und der internationalen Freiheit betätigt habe. Ueber dies historische Zerrbild kann man kurz hinweggehen: eL soll nur die mit der Geschichte wenig vertrauten Regierungsmitglieder, an die die Denkschrift gerichtet ist, in eine antideutsche Stimmung versetzen und empfänglich für die Darstellung der jüngsten deutsch-englischen Beziehungen machen. Zur Kritik genüge der Hinweis, daß Preußen und England bis zum Jahre 1914 in allen großen Weltfragen seit Ludwig XIV. auf derselben Seite gestanden haben, die Verurteilung also auch die englische Politik mittreffen müßte. Mit besonderer Schärfe behandelt Crowe dann die deutsche Kolonialpolitik: jeder einzelne Schritt ist eine Feindseligkeit gegen England und eine Rechtsverletzung durch Gewalt oder Betrug. Zum Beispiel habe Bismarck, als er die Schuhherrschaft über Südwestafrika aussprach, behauptet, vorher bei England angefragt zu haben, ob es Anspruch auf dieses Gebiet erhebe. Aber eine solche Anfrage sei niemals geschehen, und Bismarck habe sogar, um vor der Öffentlichkeit seine Behauptung glaublich zu machen, Akten im deutschen Weißbuch gefälscht. Natürlich ist an dieser Erzählung Erowes kein wahres Wort. Cs ist urkundlich erwiesen und mußte Crowe aus dem Archiv seines Ministeriums bekannt fein, daß der deutsche Botschafter in London der englischen Regierung eine solche Frage vorgelegt aber lange Zeit keine Antwort erhalten hat. Eine Mahnung führte dann zur Entschuldigung der englischen Regierung wegen ihrer Unhöflichkeit und zu der Mitteilung, nichts gegen die deutsche Festsetzung in Südwestafrika einwenden zu wollen. Trotzdem hat aber, wie Friedrich Thimme kürzlich („Kriegsschuldsrage", August) nachgewiesen hat, England später versucht, dem deutschen Unternehmen Hindernisse in den Weg zu legen. Wenn in dieser Verwicklung also etwas zu tadeln ist, so ist es gewiß die englische Politik. Richt besser begründet sind die Klagen gegen die deutsche Politik auf den Fidschi-Inseln, auf Samoa, in Kamerun und insbesondere in Südafrika. Seit Mitte der neunziger Jahre habe Deutschland danach getrachtet, „seine Herrschaft über die Duren aufzurichten und einen Land- gürtel von Osten nach Westen quer durch Afrika zu besehen". Es ist schwer anzunehmen, daß der Verfasser diese Beschuldigung im guten Glauben au.sgesprochen hat. Wie hätte Deutschland einen solchen Plan, der nicht nur den Widerstand Englands, sondern auch den Frankreichs gefunden hätte, durchfuhren können? Aber als Crowe seine Worte niederschrieb, mußte ihm aus einem deutschen Weißbuch vom Jahre 1895 und selbstverständlich auch aus den englischen Archiven bekannt sein, daß die deutsche Regierung in allen Verhandlungen über Südafrika mit England stets den Wunsch, den bestehenden Zustand zu erhalten, vertreten, ja dem britischen Botschafter in Berlin einen Vertrag hierüber angeboten hat. Aber England ging nicht auf die Airregung em: natürlich um sich in seinen eigenen Annexionsbestrebungen nicht stören zu lassen. Solche Ausdehnungsbestrebungen auf Kosten der Buren zu verfolgen, war nach Crowe Englands gutes Recht: daß der deutsche Staatssekretär Marschall auf diese Agitation in Südafrika, die sich unter manchen gehässigen Angriffen gegen Deutschland vollzog, warnend hinwies, gilt ihm schon als Beweis für die deutsche Anmaßung und Offensivabsicht gegen England. Daß Crowe bei solchen Gesinnungen kein Verständnis für die deutsche Haltung im Durenkriege hat, seht nicht in Erstaunen. Um die deutsche Politik zu diskreditieren verschweigt er, daß die deutsche Regierung im Sommer 1899 den Buren wiederholt dringend einen Ausgleich mit England empfohlen hat, und daß die englische Regierung so überzeugt von der deutschen Loyalität war, daß sie ursprünglich nach Ausbruch des Krieges Deutschland die Vertretung der englischen Untertanen in Transvaal andertrauen wollte. Es sei unmöglich gewesen, sagt Crowe im Anschluß an diese Vorgänge, wegen der deutschen Böswilligkeit, befriedigende Beziehungen herbeizuführen: der Hauptvertreter des englischen Imperialismus, Josef Chamberlain, war anderer Meinung, denn er empfahl gerade im Jahre 1899 seinen Landsleuten einen Bund mit den Vereinigten Staaten und Deutschland. Alles das sind Dinge, die dem Berater Greys bekannt sein mußten. Vor allem tritt nach Crowe au Beginn des 2 0. Jahrhunderts die Verschiedenheit zwischen der schuldlosen englischen und der diabolischen deutschen Politik hervor. Das Abkommen über M a • rokko zwischen England und Frankreich vom April 1904, das die englisch-französische Entente einleitete, war nach seiner Darstellung durchaus defensiven und friedlichen Geistes und verletzte keine fremden Interessen: Deutschlands Auftreten gegen die Bestimmungen über Marokko war daher unberechtigt und hatte den Zweck, das englisch-französische Einvernehmen zu sprengen, weil es seinen Weltherrschaftsplänen entgegenstand. Wiederum steht Erowes Darstellung mit den Tatsachen in grellem Widerspruch. Sollte ihm unbekannt geblieben sein. Wasserstoff zerlegt! Ein gewaltiger Erfolg deutscher Wissenschaft. Von Professor Dr. Paul Kirchberger. Rachdruck verbotenI Dor einigen Jahren erregten die Versuche des englischen Physikers Artvn das größte Aufsehen in der wissenschaftlichen Welt. Er zeigte nämlich, daß die Atome zahlreicher Elemente, die man bis dahin für wesensgleich gehalten hatte, wie beispielsweise die Atome von Chlor, Dlei, Quecksilber und den sogenannten Edelgasen, von verschiedener Art seien und sich insbesondere durch chr Gewicht unterschieden. Die „Elemente" im bisherigen Sinn waren in den meisten Fällen Gemische verschiedener und verschieden schwerer Atome. Arton gab auch Mittel an — sie waren elektronnignetischer Art —, wie man ein solches Atomgemisch trennen und es so in zwei Gruppen aus gleichartigen Atomen zerlegen kann. Ein ähnlicher Versuch, der möglicherweise noch bedeutungsvoller und folgenreicher werden wird, ist nun dem deutschen Physiker Bonhoeffcr vom Kaiser-Wilhelm-Jnstitut zu Dahlem gelungen. Er hat über seine Arbeiten schon vor einiger Zeit in der Berliner Physykalischen Gesellschaft Mitteilungen gemocht und sie kürzlich in einem Vortrag vor der amerikanischen Chennschen Gesellschaft zu Mineapolis in Amerika noch ergänzt. Bei diesen Versuchen handelt es sich nicht wie bei Arton um Atome, sondern um die nächst höheren Gebilde, die Molekeln. Daß eine Wasserstoffmolekel aus zwei Atomen besteht, ist eine seit langer Zeit bekannte Tatsache. Aber wie findet diese Vereinigung statt, durch welche Kräfte wird sie bewirkt, und warum halten sich freie Wasserstosfatome in der Ratur nicht? Auf diese Frage wissen wir bis jetzt keine unbedingt sichere und restlos befriedigende Antwort zu geben, und man kann sagen, daß das für die ganze heutige Atomtheorie maßgebende Bohrsche Atommodell diese Antwort in gewissem Sinn sogar erschwerte. Das Wasserstoffatom nach Dohr, bei dem ein Elektron den Atomkern umkreist wie ein Planet die Sonne, war so wunderschön, so in sich vollendet, daß man sich vergeblich fragte, warum sich denn dieses schöne Wasserstoffatom nicht selbst genug sei, warum es sich so begierig mit seinesgleichen zu einer Wasserstoffmolekel vereinige. Die neuen Donhoefferschen Versuche werfen auf solche Fragen ein ganz neues Licht. Sie zeigen zunächst, daß es zwei Arten von Wasser- stoffmolekeln t/:6t, indem die Wasserstoffatome auf zwei Arten zu einer Molekel zusammentreten formen. Beide unterscheiden sich durch die Art, wie sie von Holzkohle aufgesogen werden, und auf diese Art ist auch ihre Trennung gelungen. Ob die eine oder die andere Art Wasserstoffmolekel entsteht, hängt vorzugsweise von der Temperatur ab. Äe Art, die bei Zimmertemperatur das Uebergewicht hat, wird Orthowasserstoff, die andere Parawasserstoff genannt. Uebri- gens sind immer beide Arten nebeneinander vorhanden, und ihr Mengenverhältnis stellt sich immer nach einem bestimmten Gleichgewichtszustand ein; je niedriger die Temperatur, um so mehr verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten des Parawasserstoffs. Dieses sogenannte „dynamische Gleichgewicht", das eine ständige Umwandlung beider Formen ineinander voraussetzt, ist den Physikern und Chemikern von wahllosen anderen Beispielen her wohlvertraut; daß es aber auch zwischen Molekeln desselben Stoffes besteht, dafür sind die Donhoefferschen Untersuchungen der erste Deweis. Ratürlich entsteht nun die Frage nach dem Grund der Verschiedenheit der beiden Wasserstoffmolekeln. Da das Wasserstoffatom aus einem Atomkern und einem Elektron besteht, muß die Molekel zwei Kirne und zwei Elektronen haben. Die mathematische Theorie hat auch bereits die Wege gezeigt, wie wir uns ihre Vereinigung, die keinesfalls ruhend gedacht werden darf, vorzustellen haben. Aber es erscheint vorläufig geboten, von einer anschaulichen Deutung dieser Theorie abzusehen, zumal es ohnehin fraglich ist, ob die alte einfache Vorstellung des Elektronenumlaufs beibehalten werden kann. Die Dedeutung der Versuche ist vorläufig noch nicht absehbar, ledenfalls aber sehr groß. Auch hierüber noch einige Worte: Die erstaunlichen, fast ans Fabelhafte grenzenden Erfolge der jüngsten Atomtheorie sind allgemein bekannt. Auch die Chemie hat von ihnen den mannigfachsten Ruhen gehabt, aber nach einer Richtung hin war der Erfolg der Atomtheorie doch nicht so groß, wie man vielleicht hätte erwarten können. Die wichtigste Frage für den Chemiker ist: Warum vereinigen sich die Atome zu Molekeln; denn diese Vereinigung und ihre Trennung macht die Welt des chemischen Geschehens aus. Verhältnismäßig leicht kann man s ich diese Vereinigung für den Fall vorstellen, daß es sich um Atome ganz entgegengesetzter Art handelt, wie etwa Sauerstoff und Wasserstoff oder Chlor und Ra- trium, von denen das eine elektrisch negativ, das andere positiv ist. Dabei kann man das chemische Gesetz auf den altbewährten Sah zurückführen: Ungleichnamige Pole ziehen sich daß Deutsckland wie viele andere Staaten roirt- schaftlicye Rechte in Marokko besaß, über die das Abkommen hinwegging, und daß England sich verpflichtet hatte, Frankreich in der Beseitigung dieser fremden Rechte zu unterstützen? Sollte er nicht gewußt haben, daß, wie die englischen Akten lehren, ceim Beginn der Verhandlungen der französische Botschafter ausdrücklich die Verdrängung Deutschlands aus Marokko als unerläßlich bezeichnet hat? Und sollte ihm entgangen sein, daß während der Verhandlungen in Frankreich von offiziösen Federn Propaganda für den Vertrag mit England grade wegen seines Gegensatzes zu Deutschland gemacht wurde? Sobald man dies deutsch-feindliche Moment in den französisch-englischen Vertrag einsetzt, erscheint Deutschlands Protest in anderem Lichte, und der weitere Vorwurf, Deutschland habe die Entente sprengen wollen, fällt ebenfalls zu Boden. Denn nie hat die deutsche Regierung einen solchen Versuch gemacht; Crowe versucht auch gar nicht, seine Behauptung zu beweisen. Er mußte sogar wissen, daß die Beschuldigung nicht zutraf, denn amtlich und prioatim waren ihm genügend Aufklärungen über die Absichten der deutschen Regierung zugegangen. Die Folgerung, die Crowe aus diesen und anderen Anklagen Deutschlands zog, war, daß Deutschland nach der Weltherrschaft strebe — die Niederlande und das Adriatische Meer nennt er einmal das nächste Ziel der Berliner Eroberungspolitik — und kein Mittel scheue, um seinen Zweck zu erreichen. Man dürfe daher, sagt er, ihm keine Zugeständnisse machen, um es nicht stärker werden zu lassen, und man müsse ihm in allen Verhandlungen mit dem größten Mißtrauen gegenüber« treten. Wäre diese Denkschrift nur eine Prioatarbeit, so brauchte man nicht viel Worte darüber zu verlieren. Aber es ist von höchster Wichtigkeit, daß der Minister Grey seinem Gehilfen ohne Rückhalt z u - stimmte. Er übersandte die Denkschrift dem Ministerpräsidenten und einigen anderen Kollegen mit der Bitte, dies „höchst wertvolle" Dokument mit seinen „Nachrichten und Erwägungen" sorgfältig au studieren; seine Darstellung der Vergangenheit fei eine vortreffliche Hilfe für die künftige Politik. Es nützte nichts, daß ein anderer englischer Diplomat, Sanderson, der Unterstaatssekretär des im Jahre 1905 zurückgetretenen Kabinetts Balfour, dem die Denkschrift mitgeteilt wurde, nachdrücklichen Widerspruch gegen mehrere Beschuldigungen Deutschlands aus der Zeit seiner Amtsführung erhob: Grey entschied entgegen den auf bester Sach fenntnis beruhenden Vorstellungen Sandersons, daß Erowes Ausführungen zu Recht bestehen sollten. Er betätigte die deutschfeindliche Theorie Crowes auch sogleich durch die Praxis. Obgleich er während der Verhandlungen von Algesiras über Marokko (anfangs 1906) dem deutschen Botschafter wiederholt versprochen hatte, nach einem befriedigenden Abschluß der Konferenz nach Kräften für die Entspannung zwischen Deutschland und England wie zwischen Deutschland und Frankreich wirken zu wollen, hat er nichts in diesem Sinne getan, er ist vielmehr allen späteren Versuchen des Botschafters, ihn beim Wort zu nehmen, beharrlich ausgewichen. Somit ist kein Zweifel, daß Grey sich völlig mit den Anschauungen seines Deraters identifiziert hat, obgleich er gewußt hat oder bei gutem Willen hätte sehen müssen, wie falsch und schief das Urteil über Deutschland war. Muh man aber in den Gedanken Crowes die Richtlinien der englischen Politik erblicken, so ist es nicht erstaunlich, daß die russisch-englische Verständigung von 1907 sogleich eine Richtung gegen Deutschland einschlug, daß König Eduard, ungehemmt von Grey, Oesterreich und Italien von dem deutschen Bündnis zu lösen suchte, daß alle Versuche, zu einem deutsch-englischen Abkommen über die Flottenstärke zu gelangen, fruchtlos blieben, und daß Grey endlich sich im Juli 1914 den Russen sogleich zur Verfügung stellte, nachdem er ihre Wsicht erkannt hatte, lieber Krieg gegen die Mittelmächte zu führen, als der an, wenn auch nicht gerade in dieser einfachen Form. Aber die Vereinigung gleichartiger Atome zu einer Molekel war für die Physiker und die physikalisch denkenden Chemiker von jeher eine harte Ruß! Darüber hat schon der große Berzelius, der Begründer der anorganischen Chemie, vor mehr als hundert Jahren vergeblich nachgedacht. Auch die Bonhoefferschen Versuche werden die Schwierigkeiten nicht gleich restlos überwinden, aber sie geben doch ungemein wichtige Fingerzeige, zumal sie ja von einer mathematischen Theorie unterstützt werden. Es wäre ein gewaltiger Fortschritt, wenn „die Theorie der Molekel" bis zu der Stufe der Vollendung gefördert werden könnte, die die Theorie des Atoms schon seit langer Zeit erklommen hat. Der Ruhen der neuen Forschungen wird auch durchaus nicht nur theoretischer, wissenschaftlicher Art sein. Denn es gibt kaum eine zweite Wissenschaft, der der Mensch auch für sein tägliches Leben so viel verdankt wie der Chemie. Menn jetzt durch die neuen Forschungen auch auf die Grundkräfte der Chemie, nämlich die Kräfte, die die Atome zu Molekeln binden, ein neues Licht fällt, so läßt sich unschwer ein künftiger gewaltiger Fortschritt dieser dem Menschen so un- gemein nützlichen Wissenschaft voraussehen. Mit mit und mit ohne. Von Hans Eiemsen. München hat sein Bier, Frankfurt seinen Apfelwein, wo Wein wächst, gibt es eben Wein, an der Wallerkante, wo gewiß kein Wein wächst, hat man sich doch allerlei erfunden, Grog. Eisbrecher. Doornkat, und sogar Sachsen hat wenigstens seinen Bliernchenkaffee. Aber was hat Berlin? Wie in jeder helleren Stadt gibt's natürlich in Berlin alles das zu trinken, was es woanders zu triicken gibt. Wer eine Berliner Spezialität? Ein Lokal-, ein Originalgetränk? — Ja. es gibt eins, und es ist durchaus zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten. Die „Berliner Weih e“. Früher sah man in sehr vielen, heute sicht man nur in wenigen kleinen Lokalen ein wirklich dursterweckendes Plakat: ein dicker, fröhlicher Bierkutscher mit roten Bäckchen und gut- mütig-martialischem Hängeschnurrbart, hält ein großes, gut ein Liter fassendes, sehr breites, nicht hohes, rundes Glas in der Hand, in der ein sehr hellblondes Bier wahrhaft „schäumt". Es geht dem dicken Bierkutscher offensichtlich recht gut, er strahlt Gesundheit und Vergnügen aus und ist schr zufrieden mit seinem Bier. Bier? Oesterreichisch-ungarischen Monarchie ihr Recht gegen Serbien zuteil werden zu lassen. Die russische Angrissspolitit zielte zwar zunächst auf Oesterreich, darüber hinaus aber auch auf Deutschland: also war ihr die Unterstützung Eng« lands zur Einschränkung des Rivalen sicher. Und endlich erkennt man, wie schwer es bei solchen Traditionen im englischen Auswärtigen Amt gewesen sein muß, nach dem Kriege eine objektivere Stellung zu Deutschland zu gewinnen. Austen Chamberlain, der Franzosensreund, wird gewiß von den Lehren Crowes nicht unberührt gewesen fein. Hoffen wir, daß es Henderson und Snowden gelingt, sich von diesem Bann ganz frei zu machen und neue Bahnen einzuschlagen. Aerzte-Kursus in Vad-Nauheim. 2$. Bad-Rauheim, 18. Sept. Der sechste der von der Vereinigung der Bad-Rauheimer Aerzte veranstalleten Fortbildungslehrgänge nahm heute hier seinen Anfang. Tagungsort ist das neue Medizinisch« Institut, das mit seinen vorbildlichen Einrichtungen die gegebene Stätte für einen Aerzte- kursus ist. Der Besuch des Leh^anges ist außergewöhnlich gut. Ueber 200 Mediziner nehmen daran teil, darunter auch 2krzte aus Polen. Ungarn, Holland usw. Auch zur Kur hier weilende amerikanische Aerzte haben sich als Gäste eingefunden. Die Eröffnung des Lehrgangs erfolgte heute morgen im Hörsaal des Medizinischen Instituts durch Sanitätsrat Dr. Hahn, den Vorsitzenden der hiesigen Aerzte-Vereinigung. Sein Gruß galt in erster Linie den Dozenten des Lehrgangs, besonders den ausländischen Referenten, dann aber auch den Vertretern der Behörden und Körperschaften, il a. dem Dekan der Gießener medizinischen Fakultät, Univer- sitätsprofessor Dr. Herzog; Ministerialrat Fresenius von der Gesundheitsabteilung des Hessischen Ministeriums; Obermedizinalrat Dr. Rebel (Friedberg); Dr. Dalguen (Heldenbergen), dem Vorsitzenden des ärztlichen Kreisvereins Friedberg. Worte des Dankes widmete der Vorsitzende dem Direktor des medizinischen Instituts, Prof. Dr. Weber, und dem Direktor des Quellenforschungsinstituts, Prof. Dr. De de. für die Unterstützung bei der Vorbereitung des Kursus. Der Lehrgang stehe, so führte Dr. Hahn aus, unter einem ganz besonders günstigen Stern, falle seine Eröffnung doch zusammen mit der für die Entwickelung der medizinischen Wissenschaft so bedeutsamen Stiftung, die eine hochherzige Amerikanerin für die Schaffung eines Instituts zur Erforschung und Bekämpfung der Herzkrankheiten gemacht habe. In gedankentiefen Ausführungen sprach Sanitätsrat Dr. Hahn von der Führermission des Arztes, vor allem auch auf bem Gebiets der Herzkranken-Dekämpfung. Das Gesamtthema des diesjährigen Lehrgangs behandelt die „Pathologie und Therapie der Zirkulationsstörungen". In etwa 20 Einzelreferaten findet es erschöpfende Darstellung. Heute sprachen: Prof. v. Weizsäcker (Heidelberg) über „Fortschritte der Physiologie und Pachologie des Herzens". Professor D r u g s ch (Berlin) über „Die arzneiliche Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz". Prof. Frank (DreÄau) über das klinische und elektrocardrographische Bild der Coronarartevien- thrombose". Prof. S ch e l l o n g (Kiel) über „Die Hypertonie bei Jugendlichen". Prof, von Jaschke (Gießen) über „Operative Gynäkologie unö Herzgefäßapparat“. Prof. De de (Dad-Rauheim) über die physikalisch-chemischen Grundlagen der Gasbindung in den Kohlen- fäurequellen. Gesellschaftliche Veranstaltungen der Bad- und Kurverwaltung umrahmen die wissenschaftlichen Darbietungen des mehrtägigen Lehrgangs. Ich weih nicht, ob das überhaupt Bier ist. Es ist ganz anders als das, was wir sonst Bier nennen, ganz hell, leicht, bünn. Am ehesten hat es noch mit dem Pilsener etwas Ähnlichkeit, aber ohne dellen leichte Bitterkeit. Es ist ein Getränk für den Durst, und es ist wohl fast unmöglich, sich in Weißbier zu betrinken, selbst ein ganzer Liter hat nur wenig Alkohol in ftch. und schon das gewaltige, runde, große, flache Glas, das wie eine Schale aussieht, erweckt die Vorstellung eines kühlen Bades. Rur eine nicht immer angenehme Eigenschaft hat die „Berliner Weiße", sie wirkt auf die Verdauung ähnlich wie der Frankfurter Apfelweins Daß sie kein richtiges Bier ist, wird schon daraus klar, daß man gern ein paar Tropfen Himbeersaft hineintut, die in dem weißen, dicken Schaum ein rosa Gesprenkel hinterlassen. Himbeersaft im Bier? Eine grausige Vorstellung! Aber mit bet „Berliner Weiße" verträgt es sich sehr gut, und immer, wenn man „eine Weiße" bestellt, wird man gefragt: „Mit „mit“ ober mit „ohne"?" „Mit mit“ ist eben mit Himbeersaft» und „mit ohne“ ist ohne. „Berliner Weiße“ gilt nicht für fein, „feine" Lokale sichren sie nicht. Das ist recht dumm, denn sie ist ein angenehmes, leichtes, sehr durststillendes und erfrischendes Getränk von feineren Qualitäten, als man sie dem Erfindergeist des sonst ja nicht gerade sehr kultivierten Berliner Gaumens vertrauen möchte. „Machen Sie,“ wie vor einem Laden geschrieben steht, „machen Sie einen Versuch! Sie werden des Lobes voll fein!" Hochschulnachnchien. Zum Rachfolger von Prof. W. Hävers auf den Lehrstuhl der vergleichenden Sprachwissenschaft an der Universität Würzburg ist Prof. Dr. Alfons Reh ring von der Universität Breslau in Aussicht genommen. — Der bisherige außerplanmäßige außerordentliche Professor an der Universität Freiburg i.Br. Dr. Hans Schrepfer ist in der naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. als Privatdozent für das Fach der Geographie zugelassen worden. — Zu ordentlichen Professoren an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin sind berufen worden: der Stadtgartendirektor Professor Erwin Barth in ©IjatlOttenburg für Gartenkunst und der Generaldirektor Erich Maurer in Ketzin an der Havel für gärtnerischen Pflanzenbau. Professor Maurer ist gleichzeitig die Leitung der Lehr» und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem übertragen worden. Oberheffen. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden. 18.Sept. Nachdem bereits für Dienstag, 10. September, eine Gemein d e r a t s f i tz u n g einberufen, diese aber wegen Mangel an Beteiligung nicht beschlußfähig war, fand am Montagabend erneut Sitzung statt. Anwesend waren neben dem Bürgermeister und dem Beigeordneten acht Gemeinderäte (von zwölf). Zunächst wurde durch den Vorsitzenden, Bürgermeister Jung, festgestellt, daß sämtliche tm Amt stehende Gemeinderatsmitglieder ordnungsgemäß und unter ausdrücklichem Hinweis auf Artikel 104 der Hessischen Landgemeinde- vrdnung eingeladen, und daß die für diese Sitzung festgelegten Punkte der Tagesordnung bereits Gegenstand der vorausgegangenen, aber nicht beschlußfähigen Sitzung waren. Die Sitzung wäre also beschlußfähig, ohne die notwendige Zweidrittelmehrheit. Für fünf freiwillig ausgeschiedene Gemeinderatsmitglieder waren die Ersatzmitglieder eingeladen, von denen jedoch nur e i n Mitglied zur Sitzung erschienen war. Die Verpflichtung dieses Mitgliedes, Friedrich Wilhelm Weigel, wurde vorgenommen. Äe Rücktrittsgesuche zweier anderer Ersahmitglieder wurden genehmigt. Zu dem Antrag des Friedrich Weller VI., betreffend Erlangung der Wirtschaftskonzession in der Wetzlarer Straße, wurde nach Prüfung die Bedürfnisfrage bejaht. Ein Antrag, die Unterbringung der Obdachlosen mit Erteilung der Wirtschaftskonzession in Verbindung zu bringen, wurde abgelehnt. Der Antrag zweier Anlieger der Heeg st raße um Zuteilung von Straßengelände zu ihren Hof reiten wurde ebenfalls abgelehnt. Der ErbauungeinerWas- s e r l e i t u n g wurde einstimmig zugestimmt und der Anschluß an das Wasserwerk der Stadt Gießen mit 7 gegen 3 Stimmen gutgeheißen. Wegen Abschluß des vorliegenden Vertrages mit der Stadt Gießen soll in demnächst stattfindender nichtöffent- lichrr Sitzung beraten werden. Dem vorliegenden Vertrag nach belaufen sich die Kosten für Kanalisation und Wasser pro Monat für den Haushalt auf 4,65 Mk. Die frei gewordene Dienstwohnung eines Lehrers ist nach Verhandlungen mit der Schulbehörde für die Erweiterung der Dürgermeisterräume aus Widerruf freigegeben worden. Damit ist einem dringenden Bedürfnis abgeholfen, denn das seitherige Bür- ?ermeistereilokal, ein einziges Zimmer von kaum 5 Quadratmeter Größe, war völlig unzureichend als Verwaltungsraum für eine mehr als 2000 Seelen zählende Gemeinde. Allerdings soll auch für die Zukunft die Gemeindekasse in einem der freigewordenen Räume untergebracht werden. Die Küche der seitherigen Wohnung soll als Lehrmittelzimmer für die Schule zur Verfügung stehen. Der Gemeinderat genehmigte die Summe von 800 bis 900 Mk. zur Anschaffung von Dureau- möbeln zur Ausstattung der neuen Dürger- meistereiräume. Der Gemeinderat genehmigte ferner die Reparatur einiger Gemeindebrunnen. ck. Heuchelheim, 17. Sept. Der Turnverein Heuchelheim hielt am Sonntag sein diesjähriges Abtur«en ab. Die Veranstaltung, die hervorragend organisiert war, ging unter der vorzüglichen Leitung des Frauenturn- warts Rinn flott und reibungslos vonstatten. Vormittags 8 alhr traten 90 Turner, 49 männliche und 41 weibliche, in verschiedenen Altersstufen zum Wettkampf an. Bald herrschte in der weithin bekannten geräumigen Turnhalle und aus dem Sportplatz reges turnerisches Treiben, welches von schönem Wetter begünstigt war. Rachmittags bewegte sich ein imposanter Festzug durch die Ortsstraßen. Rach Rückkehr in die Turnhalle begrüßte dort der 1. Vorsitzende L. Schmidt die Turner und die sehr zahlreich erschienenen Gäste. Er betonte in seiner Ansprache den propagandistischen Wert der Veranstaltung und forderte besonders die noch abseits stehende Zugend auf, im deutschen Turnen Körper und Geist für den harten Lebenskampf zu stählen. Anschließend legten verschiedene Vorführungen von Zugendturnern und Turnerinnen beredtes Zeug- ms von der Kleinarbeit ab, die innerhalb des Vereins geleistet werden muß, um zu derartigen Leistungen zu befähigen. Zwischendurch spielte die Kapelle Weller zum Tanz auf, der, umrahmt von weiteren turnerischen Vorfühsrungen, bis in die späte Rachtstunde andauerte. Bei der Preisverteilung wurden folgende Turnerinnen und Turner ausgezeichnet. Turnerinnen, Zugen d, Oberstufe: Zehnkampf: 1. Preis Lina 2 ober 162 Punkte: 2. Zohanna Pusch 156; 3. Gretchen Kehr 152; 4. Clise Hofmann 146. Turnerinnen, Zugend, Unter ft u f e: Achtkampf: 1. Preis Zette Pusch 121 Punkte; 2. Marie Volkmann 119; 3. Hilde Rinn 94; 4. Anna Rinn 88. Schülerinnen, Ober stufe, Achtkampf: 1. Preis Emma Fink 131 Punkte; 2. Elise Wämser 128; 3. Gretel Keil 127; 4. Else Sack 125. Schülerinnen, Unterstufe, Vierkampf: l.Pr. Erna S a ck 77 Punkte; 2. Gretel Kreiling 74; 3. Anna Sack 70; 4. Emmie Steinmüller 67. Turner, Zugen d, Oberstufe, Elfkampf: 1. Preis Willy Engelhardt und Erwin Reuschling 183 Punkte; 2. Arthur Kehr 179; 3. Otto Reidel 177; 4. Waldemar Schmidt 172. Turner, Zugend, Unterstufe, Elfkampf: 1. Preis Ernst Resseldreher 168 Punkte; 2. Otto Kröck 166; 3. Fritz Hofmann 164; 4. Willy Hofmann 161. Schüler, Oberstufe, Fünfkampf: 1. Preis Albert Kreiling 90 Punkte; 2. Arthur Metzler 82; 3. Erich Kröck 81; 4. Karl Rinn, Willy Rinn und Hans Ebe 78. Schüler, Unter st ufe, Vierkampf: 1. Preis Erich Schmidt 68 Punkte; 2. Heinrich Unger 66; 3. Aodls Christ 62; 4. Werner Schmidt 53. Die aktiven Turnerinnen trugen in dem Uebungen Laufen 75 Meter, Weitsprung, Kugelstoßen und Hochsprung einen Vereinsmeisterschaftskampf mit folgendem Ergebnis aus: Laufen 75 Meter: llVs Sek. Käthe Bath; Weitsprung: 4,10 Meter Emilie Rinn; Kugelstoßen: 7,85 Meter Marie Sack; Hochsprung (Seil): 1,40 Meter Käthe Bath. t Treis a. Lda., Am Sonntag hielt der hiesige Turnverein „Gut Heil" sein diesjähriges Abturnen ab. Das Programm wickelte sich vor zahlreichen Zuschauern glatt ab, die mit sichtbarer Freude und Begeisterung den vortrefflichen Vorführungen folgten. Am W e t t u r n e n beteiligten sich Zöglinge, Schüler und Schülerinnen. QUle Vorführungen zeigten, das die turnerische Leitung des Vereins in sehr guten Händen liegt. Zm Geräteturnen wie auch in den volkstümlichen Uebungen wurden vorzügliche Leistungen erzielt. Rach Abwicklung des Wetturnen folgte nach einer kurzen Pause das Schauturnen, bei dem besonders die älteren Turner durch schwierige Uebungen den Zuschauern zeigten, welche Arbeit im Verein ge- leistt wird. Der Turner Seth, Großen-Linden, der als Gast hier weilte, zeigte Gipfelleistungen an den Geräten. Eine besondere Rote gab dem Ganzen noch die Gegenwart des beliebten Turncrführers Dezirksturnwart Schüler. Der Vorsitzende des Vereins, Lehrer Walter, begrüßte in einer kurzen Ansprache die beiden Vorgenannten und gab der Freude der Turner über den Besuch lebhaften Ausdruck. Seine Aus- führungen waren angelegt auf die Beantwortung der drei Fragen: 1. Haben wir im Verein gearbeitet? 2. Wie haben wir gearbeitet? 3. Haben wir auch die rechten Erfolge zu verzeichnen? — Reichen Beifall fand der vorgeführte Volkstanz der Schülerinnen. cf Allendors a. d. Lda., 18. Sept. Zum zweiten Male feit der Renovierung im Jahre 1911 hat sich der Schwamm an der nördlichen Seite im SchiffunsererKirche bemerkbar gemacht. Vor kurzem hat man aus diesem Grunde wieder einige Frauenstühle entfernen müssen. Die Baubehörde hat nun, um den Herd dieses schädlichen Pilzes endgültig vernichten zu können, einen Teil der äußeren Kirchenmauer herausbrechen lassen. Hoffentlich wird das Unheil hierdurch ein für allemal beseitigt. — Nachdem sich bei dem letzten großen Brande im Mai d. I. herausgestellt hat, daß die Löschgeräte unserer Stadt für einen ausgedehnten Brand nicht ausreichend sind, hat der Gemeinderat die Anschaffung einer Motorfeuer- Nie Millionen der Astors. Der Prozeß einer Krankenschwester. Von Inquit. Wenn derjenige ein Betrüger genannt werden darf, der sechsmal wegen Betruges vorbestraft worden ist, so muh die Angeklagte Bertha Kirschner sich gefallen lassen, eine Betrügerin zu heißen. Aber dann gehört sie zu jener Art von Menschen, die sozusagen nichts dafür können, daß sie betrügen, erstens weil sie die Rolle eines bunteren oder höheren oder begüterteren Lebens aus innerem Zwange und mit voller Ueber- zeugung spielen, zweitens weil die Mitmenschen ihnen das Betrügen so unglaublich leicht machen. Bertha Kirschner nennt sich Krankenschwester, trug in der Freiheit immer Schwesterntracht und hat viele Stellungen als Schwester vom Roten Kreuz innegehabt. Allerdings vom amerikanischen Roten Kreuz. Ob sie wirklich Krankenschwester ist, das steht nicht ganz fest. Dafür aber sind die Patienten ihr dankbar, hängen an ihr und wollen sich nicht von ihr trennen. Immer schlägt der Fluß des Lebens um sie lustige Wirbel, immerfort gibt es anregende Bekanntschaften, fröhliches Beisammensein in Weinlokalen, immerfort treten Herren auf, die sie heiraten wollen, und ihr inzwischen mit Geld aushelfen, und als Widersacher lauern im Hintergründe nur die Ehefrauen dieser Männer. Mit solchem fröhlichen Treiben, wie gesagt, hat Schwester Bertha sich sechs Vorstrafen geholt, aber sie ist auch rings um die Welt gefahren und wäre aus Amerika ausgewiesen worden, wenn nicht ihre Staatenlosigkeit sie vor diesem Schicksal gerettet hätte. Zetzt steht sie vor dem Erweiterten Schöffengericht Charlottenburg, und es werden ihr neu sieben Fälle von Betrug, ein Fall von Diebstahl und ein« Fall von Unterschlagung vorgeworfen. Schön * kann man sie nicht nennen, kaum hübsch, ihre Stirn ist klar und hoch, die Rase groß und unregelmäßig, das Profil fast männlich, die Augen hell und offen. Sie spricht wortgewandt, klug, sachlich. Und bei alledem entbehrt sie nicht den Reiz der Liebenswürdigkeit und mütterlichen Fraulichkeit, der Vertrauen fordert und Liebe zu wecken vermag. Und gerade sie, völlig unwayrscheiillicherweise, stößt ohne ihr Zutun auf eine Erbschafts-Affäre, die in ihrer Phantastik von einer Hochstaplerin erfunden zu sein scheint Ein gewisser Gmmerich aus Schwaben oder daherum wandert zur Zeit Friedrichs des Großen nach Amerika aus und kommt zu Vermögen, und zwar mit Hilfe eines gewissen A st o r, der ungefähr ebendaher stammt. Er setzt diesen Astor zu seinem Erbe ein. Inzwischen ist daraus die große amerikanische Multi-Millionärs-Familie Astor hervorgegangen. Zetzt wird von den Rachfolgern des Emmerich behauptet, die Ueber- tragung der Erbschaft auf Astor sei nur für 90 Zahre erfolgt, und das Vermögen gehöre eigentlich den Emmerichs. Ueberall in der Welt, wo es Emmerichs gibt, werden Erbvereinigungen gegründet, so auch in Baden, mit dem Sih in Karlsruhe. Unter den glücklichen Zufallsbekanntschaften, die den Lebensweg der Schwester Bertha verschönten. befand sich auch ein Gendarmerieoberwachtmeister aus Karlsruhe, Witwer und Vater zweier erwachsener Söhne. Er verliebt sich in sie, denkt an Heirat, erzählt ihr von jener merkwürdigen Erbgemeinschaft, deren Mitglied er durch seine verstorbene Frau ist. Es kommt zwischen ihnen der Gedanke zur Sprache, daß sie mit ihren Kenntnissen der amerikanischen Verhältnisse, mit ihrer Weltgewandtheit und mit ihren Beziehungen geeignet wäre, die Sache der Erben gegen das Haus Astor zu führen. Sie zweifelt, verlangt Unterlagen und wird zu dem Vorsitzenden des Erbvereins geführt. Der ist früherer Hauptmann, jetzt Viehhändler, von Geburt aber, wie er bei seiner Vernehmung unfreiwillig verrät, Dereinsvorsitzender, mit „voll und ganz" und „nach wie vor". Man sieht ihn ordentlich inmitten der 110 Vereinsmitglieder seine pathetischen Reden schwingen, in denen er seiner Ueberzeugung von der Rechtmäßigkeit der Ansprüche und von der Verruchtheit der Familie Astor Ausdruck gibt. Und unter seiner Mitwirkung wird dann, erst vom Vorstand, dann von der Vollversammlung, die Krankenschwester Bertha Kirschner schriftlich bevollmächtigt, auf ihre eigenen Kosten die Sache der Erben in Amerika zu vertreten, gegen einen Gewinnanteil von 3 Prozent. Rebenbei bemerkt bedeutete das, wenn die Erbschaft in vollem Maße ausgezahlt werden würde, die Summe von 21 Millionen Mark. Was eine Betrügerin sich wünschen könnte und was sie zum Zwecke von Betrügereien sich erfinden müßte, das wird ihr hier auf ehrlichem Wege zuteil. Um übrigens diese Erbvereinigung und ihren wohlredenden Vorsitzenden zu kennzeichnen: bisher wußten sie ihre Angelegenheit nicht zu fördern; jetzt abeir beauftragen sie erstens die Krankenschwester, zweitens aber die Regierung des Deutschen Reichs mit der Durchfechtung ihrer AnsprücheI sp r i tz e beschlossen. Auf ein Ausschreiben sind etwa 20 Offerten verschiedener Firmen eingelaufen. Eine Sachverständigenkommission ist jetzt mit der Sichtung des Materials beschäftigt. Der Ankauf der Spritze dürste in aller Kürze stattfinden. — Vor kurzem hat sich hier eine Freiwillige Feuerwehr gegründet, der schon einige zwanzig Mitglieder angehören. 4- Rüddingshausen, 18.Sept. Seit Anfang dieser Woche geht man auch hier daran, die Kartoffeln zu ernten. Die Erträge sind gegenüber dem vorigen Jahre weit zurückgeblieben und geben noch nicht eine gute Mittelernte. Einigermaßen gut gediehen sind die roten (Vater Rhein) und blauen (Odenwälder Blaue) Kartoffeln, sehr schlecht die gelben und weißen. C Garbenteich, 18. Sept. Schon seit Zähren beschäftigt die beiden Gemeinden Garben- t e i ch und Hausen die Pfarrhausfrage. Die derzeitige Pfarrerwohnung ist in so schlechtem Zustand, daß auf die Dauer niemand zugemutet werden kann, darin zu wohnen. Das Haus ist gänzlich baufällig, was im Keller bereits bedenkliche Formen annimmt. An Decken und Wänden hält kein Verputz mehr. Das schlimmste ist, daß der Schwammpilz in dem ganzen Gebäude derart überhand genommen hat, daß eine Renovierung nicht mehr in Frage kommt, was auch in den Gutachten der amtlichen Sachverständigen zum Ausdruck gebracht wird. Deshalb war ein Reubau geplant. Die Kirchenbehörde will dazu aber nur einen so geringen Teil der Kosten zur Verfügung stellen, daß es den beiden Gemeinden zur Zeit unmöglich ist, die erforderlichen Summen aufzubringen. So konnte bis jetzt noch keine Lösung der Reubaufrage herbeigeführt werden. Wie verlautet, sieht sich unser Geistlicher aus diesen Gründen gezwungen, in Kürze von unseren Gemeinden seinen Abschied zu nehmen. Das hat in unserem Kirchspiel das lebhafteste Bedauern ausgelöst, und man will es nicht einfach hinnehmen, daß man eine Persönlichkeit, die sich so der allgemeinen Beliebtheit erfreut, aus Gründen, die nach unserem Dafürhalten von der Kirchenbehorde beseitigt werden konnten, verlieren soll. Vergangene Woche hatte sich deshalb in Garbenteich eine Kommission gebildet, die sich an die Kirchenbehörde zwecks Regelung der Angelegenheit wenden und bei abschlägigem Bescheid sogar einen Kirchenstreik herbeiführen wollte. Aus dringendes Bitten des Geistlichen, dem dies zu Ohren gekommen war, wurde davon Abstand genommen. Da aber die hiesige Bevölkerung endlich die Frage geregelt haben will, wollen die Gemeindevertretungen eine Abordnung an die Kirchen- befjöröe in Darmstadt senden. Man hofft, dort zu erreichen, daß die Hessische Landeskirche eine angemessene Summe bereitstellt. Hausen hat besonders durch die Vervollständigung seiner Wasserleitung eine große Schuldenlast auf sich genommen, und in Garbenteich sinnt man auf Mittel und Wege, die hier geplante Wasserleitung zu finanzieren. Man hofft, daß man sich dem in Darmstadt nicht länger verschließen und in Anbetracht dieser Tatsachen den beiden Gemeinden die erforderliche finanzielle Unterstützung nicht versagen wird. = Grünina en, 18. Sept. Bei der gestrigen Gemeindeob st Versteigerung wurden verhältnismäßig hohe Preise gezahlt. Obwohl die Apfelernte die vorjährige bei weitem übertraf, wurden in diesem Zahr weit höhere Preise erzielt. Es kostete schätzungsweise der Zentner Aepsel 5 bis 15 Mk., vereinzelt sogar bis 20 Mk. Dirnen kamen durchschnittlich aus 3 bis 6 Pf. das Pfund, Zwetschen wurden in guten Lagen mit 6 dis 7 ,Mk. für den Zentner gekauft. Letzteres ist ein Preis, den selbst Händler zur Zeit nicht an Privatleute zahlen. Die hohen Preise für Aepfe! und Zwetschen sind auf die Anwesenheit von Händlern zurückzuführen. U Rodheim a. d. Horloff, 17. Sept. Zn Gegenwart einer außerordentlich großen Menschenmenge aus unserem Orte und den Rachbar- dörfern wurde am Sonntag unser vor kurzem fertiggestelltes Gefallenendenkmal einge- weiht. Gegen 3 älhr bewegte sich ein stattlicher Zug, bestehend aus den Schulkindern, den An- Glaubt Schwester Bertha selbst an die Erbschaft? Wie sollte sie nicht, so gut wie ihr Verlobter, der Gendarmerieoberwachtmeister, und wie der Vereinsvorsihende, der Hauptmann a. D.? Sie hat die Aktion auf eigene Kosten übernommen. Aber über Geld verfügt sie nicht. Gleichzeitig unterschätzt sie begreiflicherweise die Kosten eines Prozesses, der in Amerika durchgefochten werden mühte. Zhrer Gewandtheit erscheint es vielmehr als ein Kinderspiel, soviel Geld unter der Hand aufzutreiben, wie zur Loslösung von Deutschland und zur lleberfahrt notwendig ist. Dabei stattet sie aus eigenem die Söhne des Oberwachtmeisters aus, von denen der älteste als eine Art Kontrolle sie begleiten soll. Außerdem schließt sich ihr noch ein Mann an, der gar nichts mit der Erbschaft zu tun hat, der sie nur belastet, der aber zu denen gehört, die sich in sie verliebt haben. Dessen Frau schlägt Alarm, aus Sorge um ihren Mann, erstattet Anzeige, und Schwester Bertha wird in Hamburg festgenommen. Die Polizei forscht bei ihren Bekannten nach, und mit einem Male fühlt jeder, der ihr Geld geborgt oder geschenkt hat oder der sonst irgendwie mit ihr in Beziehungen getreten ist, sich betrogen. Mag Schwester Bertha auch oft geschwindelt haben: mit der Astorschen Erbschaft ist es ihr ernst gewesen. Und wenn ihr die Provision von 21 Millionen Mark in die Hände gefallen wäre, so hätte sie davon wahrscheinlich einen besseren Gebrauch gemacht als alle Mitglieder der Erbgemeinschaft zusammen. Zn dem Prozeß gegen die Krankenschwester Bertha Kirschner ließ der Staatsanwalt die Anklage in acht Detrugsfällen fallen und beantragte für zwei Betrugsfälle eine Gesamtstrafe von einem Zahr und sechs Monaten Gefängnis. Das Gericht verurteilte die Angeklagte in zwei Fällen zu zehn Monaten Gefängnis und sprach in den übrigen Fällen, dem Antrag des Staatsanwalts entsprechend, frei. Fünf Monate der Strafe sind durch die Untersuchungshaft verbüßt. Auf Antrag des Verteidigers wurde die Angeklagte aus der Haft entlassen. Zauberkunststücke indischer Gaukler. Was die indischen Gaukler durch ihre Geschicklichkeit fertig bringen, grenzt oft an das Heber- sinnliche. An ton L ü b k e erzählt davon in einem Reisebrief aus Zndien. den die Leipziger„Zltust r i e r t e Zeitung" mit einer Reihe von Bildern veröffentlicht, einige bezeichnende Beispiele. gehörigen der Gefallenen, den Vereinen und der Gemeindevertretung unter Vorantritt des Rup- pertsburger Posaunenchores durch die Dors- stratzen zu dem Ehrenmal, das sich westlich unserer schönen Dergkirche und des sie umgebenden Friedhofs auf recht geeignetem Platz erhebt. Der Denkstein — hergestellt von der Firma Schmiedeknecht (Londorf) —, der die Worte: „Wer mutig für sein Vaterland gefallen, der baut sich selbst ein ewig Monument tm Herzen seiner Landesbrüder: Lind dies Gebäude stürzt kein Sturmwind nieder" (Korner) als Znschrift trägt, ist ein 5 Meter hoher Obelisk, der in seiner wuchtigen Wirkung zu der dahinterliegenden mächtigen Kirche sehr gut abgestimmt ist. Eine Mauer mit eingelassenen Tafeln, auf denen die Ramen der Toten ausgezeichnet sind, umgibt die Säule. Der Weiheakt wurde eingeleitet durch einen gut von einer Schülerin vorgetragenen Prolog. Ein in feiner Weise durch den hiesigen Gesangverein „Sängerkranz" zu Gehör gebrachter Männerchvr und weitere gefühlvolle Gedicht- Vorträge von Schulkindern leiteten über zur Weiherede, gehalten durch den Ortsgeistlichen, Pfarrer Kornmann, der in ergreifenden ünd zugleich erhebenden Worten Grüße entbot der deutschen äugend, den deutschen Müttern und dem deutschen Vaterland mit seinen gefallenen Söhnen, deren Treue und Opferfreudigkeit der Redner wunderbar zu schildern verstand. Bei präsentiertem Gewehr einer Kriegervereinsgruppe fiel Hann die Hülle des Denkmals. Hierauf sprachen Regierungsrat Dr. Braun namens des Kreisamts Gießen und Regierungsbaurat Kuhlmann (Gießen), nach dessen Entwurf die Denkmalsanlage hergerichtet wurde. Dem Lied „Morgenrot" des Gesangvereins und zwei Schülerdeklamationen folgte die Ehrensalve des Kriegervereins. Rachdem namens der Vereine (Gesangverein „Sängerkranz", Kriegerverein und Kleinkaliberschützenverein) durch deren Vorsitzende Kränze niedergelegt worden waren, übernahm zum Schluß Bürgermeister Hofmann das Denkmal in den Schuh der Gemeinde und dankte allen, die am Zustandekommen des schönen Werkes mitgeholfen hatten. T Steinheim, 17. Sept. Der hiesige Ob stund Gartenbauverein veranstaltet in Gemeinschaft mit unserer landwirt schäft- lichen Fortbildungsschule am 27. Oft. in der neuen Schule seine erste Obstaus st el- l un g mit Preisbewertung. Erst in diesem Früh»- jahr gegründet, erfreut sich der junge Verein sowohl bei den Obstzüchtern, als auch bei der verständnisvollen Gemeindeverwaltung bester Llnter- stühung. Der Landwirtschaftskammerausschuh für die Provinz Oberhessen und der Kreis-Obst- und Gartenbauverein Gießen haben je einen Zuschuß zu der Ausstellung bewilligt, womit die Ausgaben für die Prämiierung bestritten werden sollen. Reben der üblichen Ausstellung in Sammel- und Ginzelklassen soll auch die Verpackung des Obstes in die Einheitskiste des Reichsverbandes des deutschen Gartenbaus gezeigt und bewertet werden, da es von der allgemeinen Durchführung dieser neueren Maßnahmen abhängt, ob der deutsche Obstbau wettbewerbsfähig gegenüber dem Auslandobst ist. Für den Winter ist vorgesehen, eine Bespritzung möglichst aller Obstbäume der Gemarkung mit Obstbaumkarboli- neum mittels der neuen Motorbaumsprihe der Landwirtschaftskammer durchzuführen. # Aus dem Horloff tal, 18. Sept. Die Obstversteigerungen haben ihren Anfang genommen. Sehr gesucht sind die Zatschen. Der Behang war an sich schon unter mittet, und durch die anhaltende Dürre ist ein großer Teil davon vorzeitig unreif abgefajlen. Auch ist ein außergewöhnlich hoher Prozentsatz in diesem Zahre wurmig. Der Zentner stellt sich am Baume durchschnittlich auf 6 bis 8 Mark. Rormale Preise werden bei den Aepfeln erzielt. Ze nach Sorte und Qualität schwankt der Preis zwischen 5 bis 10 Mark; einzelne Bäume mit haltbarem Winterobst (Doskoop, Goldrenette von Blenheim) erzielten Preise, die weit über dem Durchschnitt liegen. Mostobst war nicht besonders begehrt. Fast in allen Dörfern liegen die Birnen auf der Straße, wie man landläufig zu sagen pflegt, d. h. es ist keinerlei Rachfrage vorhanden, so Zn Agra kam einmal ein Zauberer ins Hotel, um die Gäste zu unterhalten. Geldstücke ließ er verschwinden ober durch unsichtbare Kräfte sich auf der Hand vorwärts bewegen. Sine Karte lieh er in kleine Fetzen zerreißen, legte die Stücks unter einen Messingdeckel und zeigte später dieselbe Karte zusammengesetzt, nur mit einer fehlenden Ecke, die der, der die Karte zerrissen hatte, in der Hand behalten hatte. Oder er hieß die Zuschauer eine Karte aus einem Kartenblock hinter feinem Rücken wählen, gab den Block einer Dame in die Hand, schlug ruefartig darauf, so daß die Karten auf die Erde fielen, während die gewählte Karte in der Hand der Dame zu« rückblieb. Andere gewählte Karten zauberte et in verschlossene Bilderrahmen oder auch einen Ring, der in ein Tuch eingebunden war, auf einen Stock, den man an beiden Enden festhielt. Drei Spielkarten verwandelte er auf verblüffende Weise in immer kleinere Karten, bis die lehteni so Flein waren wie Erbsen. Sein Triumph aber bestand darin, daß er aus einem Kasten, in den unendlich viele, immer kleinere Kästchen geschachtelt waren, fiinfzehn Zwergkanarienvögel zauberte, die ihrem Meister auf das CJSort gehorchten. Zn Ceylon kamen öfter ein Mann und eine Frau in den Pensionsgarten. Die Frau legte sich gefesselt in einen Korb, der ihren Körper dicht umschloß. Darauf nahm der Mann ein langes Messer und stach tote wild auf den verschlossenen Korb ein, so daß die Zuschauer ein Gruseln überlief. Lachend ehtftieg aber die Frau später, ohne Schaden genommen zu haben, und frei von Fesseln, dem Korb. Meistens find diese Kunststücke Sinnestäuschungen, Geschwindigkeiten oder Suggestionen, in denen die indischen Gaukler und Zauberer wahre Meister find. Einer besonderen Beliebtheit erfreuen sich bei solchen Vorführungen aber auch die Vogeldressuren. Zn Delhr zeigte ein Mann drei Kanarienvögel, mit denen er die erstaunlichsten Kunststücke ausführte. Die Tierchen flogen auf Kommando zum nächsten Baum und brachten von dort ein Blatt mit, sie holten auf Kommando von der Stirn des Zuschauers das bunte Hinduzeichen herunter, steckten ihrem Meister Watte in die Ohren ober Zigaretten in den Mund, sie rollten ein kleines Wasser- eimerchen auf einem Stock hoch, sie balancierten, ein Stöckchen im Schnabel, im Kreise herum, fingen im Fluge ihnen zugeworfene Ringe und Rahrung, tanzten nach einer Melodie, schlugen Purzelbäume und als Höchstleistung fädelten sie mit einer Radel sechs auf einem Tuch liegende Perlen kunstgerecht ein. f 2h 18. Lepl. hier allg beobacht besonder trodmr hervvck sciMnl ernte r ® vier 3c wassc Stellen dauern! hat mi Haus wenige bollenbt mm fdjo früheren und and Zeit sei nehmen Waffe man an nötige ' 7 & Fort Ilm ; Berlin, oushörei -Halts, Mn if ifft Ijeu Jfliie F degbrau Er ab «fltiffer Arme { teil -Wein „Es £ Diese Mersc h ? ur hatte < äjl 6; X ’M L NX W ei befand iS ll<& jh "'eien Aber toet ih ferner bcn sch men, ; Men, nicht tr 'egen, t nehmen <.2ch n n» -'-lein, i mit de >n mrii Sie w »4 E cs f lch Ointerbu u o. vav - bis 3' r. Lar tag ist S? b st pi tzr must’ Md i Qlus 18.’ einen Kartoffel fartof. wrfiältnv auf WJ noch rech geerntet find dre reicher- schon vo die Ern diesem * hältnW zen.l; verurM hier lonn bei dem stark tm 2usstchte aber aus durch dir in den n ernte, stichig-, Zwetsch Zur Ze etation« die hm ernte; Lhriftbu tvenig 1 Fiele & nehmen, bedenkt, vier trat. T netten i ende hä Nachdruck verboten. 3£. Fortsetzung. iS®# (ie<&* Dämonm der Zeit Vornan von Arthur Brausewetter. 8^ t’Ä * Deba^en ichnet Ä ■SJü?" n°agg unb fefc :tn verstmtz. D» LN"^ru-pe *«te. staäf 2un namens Lrsr >urde. Dem ™« wch zwei 6d)ü« * ob Vereine (&, ^negerverein unb Oberen Vorsitzende ; .^aren, übernahm vs mann das Denk- und dankte allen, es schonen Werkes - Der hiesige Ob ft. > veranstaltet in Se- andwirt schäft« chulc am 27. Oft Obftausstel« ^rst in diesem Früh ?r junge Verein fy o auch bei her Der« iftung bester Unter- sammerausschuh für b der Slreis-Obst« n haben je einen bewilligt, womit die ng bestritten werden Ausstellung in Sam» auch die Verpackung Stifte des Reichsver« lenbaus gezeigt und >on der allgemeinen m Mhnahmen ab« lau wettbcwerbssähig ist. Für den Winter tzmg möglichst aller mit Obstbcwmlarboli« Rotorboumsprihe der Wsühren. tat, 18. Sept. Die fyben iljren Anfang die Zwetschcn. Dec er mittet und durch i grvher Teil davon Auch ist ein auher» ah in diesem Jahre llt sich am Vaum Mark. Momale Preise rzielt. 3e nach Sorte Preis zwischen 5 bis mit haltbarem Dm« rette von Aechm Iber dem Durchschnitt besonders begehrt ■ >gen die Timen aut . äufig zu sagen pflegt daß ffir teettg Geld fchwervehangene große Bäume zu erstehen waren. Meistens handelt es sich dabei um ausgesprochene Honigbirnen. Winterbirnen, tote Glockenbirne, Madame Berte u. a. waren etwas begehrt und stellten sich auf 2 bis 3 ML je Zentner am Baume. r. Lang. Göns, 18. Sept. Gestern nachmittag ist der Landwirt Wilhelm Reusch beim Ob st pflückenvonderLeiterge stürzt. Er mußte vom Gießener Sanitätsauto nach der dortigen Klinik verbracht werden, da et anscheinend schwere Verletzungen erlitten hat. ! Aus dem südlichen Kreise Gießen, 18. Sept. Die Landwirte haben vergeblich auf einen durchdringenden Regen gewartet. Da die Kartoffelpslanzen nun abstetben, seht die Spät« kartoffelernte schon überall ein. Das ist verhältnismäßig sehr früh. Aber die Erträge sind auf schweren und mittelschweren Böden immer noch recht gut, wenn auch nicht so dicke Knollen geerntet werden wie in früheren Zähren. Dafür sind die Kartoffeln aber gesünder und stärke» reicher. Auf leichten Böden waren die Stöcke schon vor längerer Zeit dürr geworden, hier ist die Ernte mäßig. Den besten Ertrag haben in diesem Jahre die Frühkartoffeln gebracht. Bet- hältnismäßig gut stehen die Dickwurzpflanzen , wenn sie auch — durch den Futtermangel verursacht — stark entblättert wurden. Aber hier kann ein guter Regen noch viel wirken, auch bei dem Gemüse, das von den Erdflöhen sehr stark im Wachstum behindert wurde. Die ersten Aussichten der Obsternte waren glänzend, aber auch hier hat die Trockenheit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Immerhin gibt es in den meisten Gemeinden eine gute Mittelernte. Allerdings sind viele Früchte wurmstichig. Auch viel Fallobst, besonders bei den Zwetschen, brachte uns die trockene Witterung. Zur Zeit werden Zwetschen an verschiedenen Stationen eingeladen, für den Zentner zahlen dis Händler 5—6 Mk. Gut ist die CBimenet n t e; AmanliS Butterbirne und Williams Ehristbirne gaben hohe Erträge, doch besteht wenig Rachfrage nach ihnen. Schade ist es, daß diele Landwirte nun auch ihre Aepfel ab- nehmen. Das ist entschieden zu früh, wenn man bedenkt, daß die Apfelblüte in diesem Jahre vier Wochen später als in normalen Zeiten eintrat. Bessere Sorten, wie Doskoop, alle Renetten usw. sollten unbedingt bis zum Monatsende hängen bleiben. Kreis Büdingen. V Aus dem südlichen Vogelsberg, 18. Sept. Die Kartoffelernte hat jetzt auch hier allgemein begonnen. Man macht dabei die Beobachtung, daß feuchte Aecker in diesem Jahre besonders dicke Früchte liefern, wahrend die trockenen Aecker nur Knollen mittlerer Stärke hervorbrachten. Die Ernte verspricht trotz der sommerlichen Trockenheit eine gute Mittelernte zu geben. Kreis Schotten. V Gedern, 18. Sept. In den vergangenen vier Jahren hatte unsere Stadt stets an Trinkwassermangel zu leiden. Durch schadhafte Stellen im Ortsnetz der Wasserleitung waren dauernd große Mengen Wasser fortgelaufen. Run hat man in den letzten Jahren sämtliche Hausanschi üsse neu verlegt. Bis auf wenige Ausnahmen ist diese große Arbeit jetzt vollendet. In diesem trockenen Jahre haben wir nun schon den Vorteil davon. Während in den früheren Jahren die Bewohner des Schloßbergs und anderer höher gelegener Ortsteile um diese Zeit kein Wasser aus der Wasserleitung entnehmen konnten, ist in diesem Jahre reichlich Wasser vorhanden. Vorsichtshalber wollte man anfangs das zum Sprengen der Ortsstraßen nötige Wasser dem Mühlbach entnehmen. Dies Alm ihn her jagte, raste, Hehle das fiebernde Berlin. Etwas Llnersättliches war in diesem nie aufhörenden Kommen und Gehen, diesem unaufhaltsamen Steigen und Fallen. Manchmal erschien ihm das ganze Leben und Treiben um ihn herum wie eine unentrinnbar sich sortwäl- zende Flut, die schließlich einmal über alle Hinwegbrausen mußte. Er aber stand ihr gegenüber .wurde von ihr ergriffen, mitgerissen — und konnte nicht die Arme bewegen und schwimmen, sondern mußte sich willenlos von ihr treiben lassen, wohin es ihr gefiel. Es toar ein oft bis zur Unerträglichkeit quälendes Gefühl. Aber den Mut verlor er auch jetzt nicht. Lind wer ihn, nach wie vor tadellos angezogen, in seiner lässig vornehmen Haltung durch die Straßen schlendern sah, der konnte.nicht darauf kommen, daß er es hier mit einer jener vielen Existenzen zu tun hatte, die des Morgens noch nicht wissen, wohin sie des Abends ihr Haupt legen, woher sie für den nächsten Tag das Brot nehmen sollen. Sehr verehrter Herr Körber! Ich muß Sie unbedingt sprechen, um 36nen die notwendige Aufklärung über das Vorkommnis des gestrigen Abends zu geben, vor allem, um Ihnen für die Ritterlichkeit zu danken, mit der Sie sich meiner angenommen und mir in meiner furchtbaren Lage Hilfe geleistet haben. Sie werden es begreiflich finden, daß ich nach dem, was sich dort ereignet hat, nicht in Ihre „Weinstuben" kommen und Sie daher bitten möchte, mir zu schreiben, wo und zu welcher Stunde ich Sie treffen kann. Es grüßt Sie bis dahin in großer Dankbarkeit Ihre Lotte Bernhard. Diesen Brief hatte Klaus in dem Augenblick erhalten, als er im Begriff stand, das Dett- millersche Haus zu verlassen. In dem täglichen Hin und Her seiner Gänge und Bewerbungen hatte er noch nicht die Ruhe gefunden, ihn zu beantworten. Jetzt aber war es die höchste Zeit. So schrieb er einige kurze Zeilen an Lotte Bernhard, daß er sie am Montag nachmittag zwei ilßr bei Kranzler erwarten würde. Eben hatte er sich in der um diese Stunde start belebten Konditorei niedergelassen, als sie auf ihn zutrat und ihn mit einem halb erfreuten, halb verlegenen Gesicht begrüßte. Rur mit einiger Mühe konnte er sie bewegen, eine Tasse Kaffee und ein wenig Gebäck zu sich zu nehmen. Sie befand sich in einer sichtlichen Unruhe und schien von dem Verlangen beseelt, sich sobald wie möglich ihm gegenüber aussprechen zu können. „Rein, hier in dem engen Raume unter den vielen Menschen ist es unmöglich," erwiderte sie, sXS cinein KZ -sesSi ijrcr. «ui! «»I ' ich wie vuo f^aucr Ssr* :r 1 k toar bis jetzt auch noch nicht nötig, da die Quellen der Wasserleitung starken Zufluß liefern, im Gegensatz zu vielen Wasserleitungsanlagen der Umgebung. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 18. Sept. Rachdern sich das Gießener Stadttheater dank seiner guten schauspielerischen Leistungen bei dem Alsfelder Publikum gewissermaßen eingebürgert hat, ist beabsichtigt, im kommenden Winter die Gastspiele in Alsfeld wieder aufzunehmen. Rachdem seither die Finanzierung des Llndernehmens in einer für die Stadt erträglichen Weise möglich war, darf man die Erwartung aussprechen, daß der Besuch auch im kommenden Winter wieder das gleiche Interesse für ein gutes Theater bringen wird, wie seither. Das Gießener Theater leistet, wenn es in den Provinzstädten spielt, ein Stück Kulturarbeit, das allgemeine Anerkennung verdient. Bei der Auswahl der Stücke wird nach Möglichkeit den verschiedenen Kunstrichtungen Rechnung getragen. Als Eröffnungsvorstellung wird am Sonntag, 13. Oktober das auf vielen deutschen Bühnen im vergangenen Winter gespielte Stück „Katharina Knie" von dem bekannten hessischen Dichter Zuckmayer, der kürzlich mit dem hessischen Büchner-Preis ausgezeichnet wurde, gegeben werden. Preußen. Dillkreis. WSN. Dillenburg, 18.Sept. Gestern nachmittag brach in dem Oekonomiegebäude des Landwirts Klaas in Mademühlen Feuer aus. Den angestrengten Bemühungen der einheimischen Feuerwehr gelang es nicht, des Feuers Herr zu werden. Begünstigt durch die große Trockenheit, fand das Feuer in den vorhandenen Futtervorräten und dem Holzfachwerk reichlich Nahrung. Erst vier weiteren Wehren aus der Umgebung gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Alles ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Das Vieh konnte gerettet werden, jedoch wurden die gesamten Futtervorrät« vernichtet. Der Schaden, der nur teilwese durch Versicherung gedeckt ist, ist bedeutend, da das Gebäude erst vor einigen Jahren vollständig erneuert wurde. Als Brandursache wird Kurzschluß vermutet. Kommunales aus Marburg. ][ Marburg, 18. Sept. Der Kreistag des Landkreises Marburg beschloß in seiner heutigen Herbstsihung den R e u b a u einer landwirtschaftlichen Schule am Südbahnhof. Das bisherige Schulgebäude am Kaffweg, das früher als landwirtschaftliche Versuchsstation diente, genügte seit langem nicht mehr den heute an ein Schulgebäude zu stellenden Ansprüchen. Es soll verkauft und der Erlös von schätzungsweise 70 000 Mk. den Baukosten der neuen Schule, die 200 000 Mk. betragen, zugeschossen werden. Außerdem sind 20 000 Mk. Beihilfe vom Landwirtschaftsministerium in Aussicht gestellt, so daß der Kreis noch 110 000 Mk. zu verzinsen hat. Ferner ist der Kreistag mit der Einrichtung einer 139 Morgen großen Krersjungviehweide bei Schönstadt einverstanden, deren Einrichtungskvsten auf IG 000 bis 18 000 Mk. geschäht sind. 6000 Mk. Beihilfe werden dafür vom Landwirtschaftsministerium in Aussicht gestellt, so daß der Kreis noch 12 000 Mark aufzubringen hat. Rach längerer Aussprache genehmigte man den Anschluß des Landkreises Marburg an die im Entstehen begriffene kommunale Elektro- verband-A. -G. Die Lieberlandzentrale und das gesamte Leitungsnetz im Kreise Marburg waren bekanntlich bei der Auskreisung der Stadt als er sie darum bat. „Das kann ich nur da draußen im Freien tun und nur, wenn ich mit Ihnen allein bin." Sie hatten das Kranzlersche Cafe verlassen und waren, die Linden entlang, durch das Brandenburger Tor in den Tiergarten gelangt. Das Schneetreiben, das bei dem starken Frost den Tag über ausgesetzt hatte, begann von neuem. Mit fast feierlicher Langsamkeit glitten die großen Flocken, von keinem Wind geängstigt, über ihre Häupter dahin, schmiegten sich um die kahlen Aeste und Stämme der Bäume, machten die Steige, obwohl die frühe Dämmerung bereits im Airzuge toar, hell und licht, gleich als wollten sie der Adventszeit das Festkleid weben und dem Weihnachtsfest den Weg bereiten. Solange sie im Gewühl der Menschen einher- gegangen waren, hatten sie sich über allerlei gleichgültige Dinge unterhalten. Aber von dem, das sie beide bewegte, war keine Silbe gefallen. Jetzt aber, als die Stille des Tiergartens und die feiernde Ratur sie umgab, schien der Bann von ihnen zu weichen, und je weiter sie vorwärts schritten und je luftiger die Flocken sie umwirbelten, um so mehr begannen sie aufzu- tauen. „Als wir uns damals auf Ihrem Gange zu Ihrer neuen Stellung trafen.“ begann sie, „da erzählte ich Ihnen wohl einiges von mir und meinem Studentenleben. Es waren nur Andeutungen, und Sie werden begreifen, daß ich Ihnen das Mißliche, ja, heute darf ich es bekennen, das Traurige meiner Lage nicht offenbaren wollte. Man hat mich zu Hause und im Kreise meiner Bekannten oft genug gewarnt, ohne alle Mittel nach Berlin auf die ilni- versität zu gehen. Ich aber hatte guten Mut und ließ mich nicht abschrecken. Freilich... mit welchen Kämpfen und Widerständen das Stu- dentenleven in dieser schweren Zeit für ein junges Mädchen verbunden ist, das hatte ich mir damals nicht träumen lassen. Doch ich hatte mit meiner Anzeige Glück und erhielt gleich am nächsten Tage eine vorzügliche Stelle bei Professor Dillburg. Sie werden seinen Rainen gewiß auch schon gehört haben, denn er ist eine anerkannte Größe und wird von weither aufgesucht. Er öffnete mir sein Haus, empfahl mich an eine Reihe von Bekannten, bei denen sein Wort viel gilt, und heute, ja, lachen Sie nur. heute stehe ich glänzend da. habe so viel Geld, daß ich von Bater gar nichts mehr brauche und für die Eltern ein Weihnachtsgeschenk eingekauft habe, habe, das die alten Herrschaften vielleicht mit mehr Entsetzen als Freude erfüllen wird. Aber ich kann ihnen die beruhigende Versicherung geben, daß es redlich verdient ist. Und auf diese Weise kam ich auch in das Haus jenes Herrn —" Sie brach ab. Es toar jetzt nicht mehr Verlegenheit. es toar heißer Unmut, der ihr hüb- Marburg in die Hände deS neuen Landkreises übergegangen. In einer langen Sitzung beschäftigten sich gestern die Marburger Stadtverordneten bis in die Abendstunden hinein mit verschiedenen wichtigen kommunalen Fragen. So wurde zwecks Unterbringung obdachlos werdender Familien beschlossen, auf städtischem Gelände am Südbahnhof eine Siedlung mit zwanzig Klein st Wohnungen (16 mit je einem Zimmer nebst Küche und vier außerdem mit Schlafkammer) zu errichten. Die Kosten in Höhe von 97 000 Mk. werden mit 60 000 Mk. aus dör Hauszinssteuer und 37 000 Mk. aus Anleihemitteln gedeckt. Ferner genehmigte man die sofortige Erbauung eines Stegs überd i e Main-Weser-Bahnlinie beim Haupt- bahnhof. damit die Bewohner des neuen Stadtteils Elsaßhausen nicht mehr so große Umwege zwecks Erreichung der Innenstadt machen müssen. Zur Anlage von sechs Tennisplätzen für die Studenten auf städtischem Gelände am Stadion wurden 24 000 Mk. bewilligt. Rach längerer vertraulicher Beratung genehmigte man den Bertrag wegen Eingemeindung von Ockershausen, wodurch Marburg einen Zuwachs von etwa 2000 Einwohnern erhalten dürfte. Kirche und Schule. (5 Allendorf a. b. Lumda, 18. Sept. Am Sonntag wurde hier das Jahresfest des Vereins für Innere Mission, verbunden mit dem Dekanatsfest für Innere Mission, gefeiert. Im Vormittagsgottesdienst in der Kirche predigte Volks- schriststeller Heinrich Naumann aus Nanzhauscn über Lukas, Kapitel 7, Vers 11 und folgende, — Auferstehung des Jünglings von Nain. Im Nach» mittagsgottesdienst, der bei dem herrlichsten Som- merwctter auf dem schattig gelegenen Platze vor der Kirche, dem sog. Rost, stattfand, sprach Pfarrer V ö m c l aus Rodhcim a. d. Bieber über Psalm 143, Vers 5 bis 10. Der Redner, der von 1914 bis 1925 Leiter des Erziehungsheims Düsseltal bei Düsseldorf war, schilderte in eingehender Weise die Not und das Elend der dortigen Zöglinge. Sodann sprach noch Volksschriftsteller Naumann über 1. Brief Pauli an die Korinther, 13. Kap., Vers 13. Den Rechenschaftsbericht erstattete in Verhinderung des Dekans Gußmann, Kirchberg, dessen Stellvertreter, Pfarrer Sattler, Wieseck. Viel zur Verschönerung des Nachmittagsgottesdienstes trug der Vo- saunenchor Bersrod durch seine Mitwirkung bei. Die für die Innere Mission bestimmte Kollekte ergab in beiden Gottesdiensten zusammen etwa 125 Mark. Außerdem wurden noch für 33 Mark Ansichtspostkarten unserer Kirche zum Besten unseres Orgelfonds verkauft. T Hirzenhain, 18. Sept. Auf Wunsch der Geistlichen des Dekanats Ridda fand hier im Gasthof Iungmann eine Dekanatskonferenz statt. Die Konferenz wurde durch Pfarrer Kornmann (Rodheim) mit Schriftlesung und Gebet eröffnet. Dekan 6er ib a (Ridda) begrüßte die fast vollzählig erschienenen Amts- brüber des Dekanats — Oberkirchenrat W a g- ner (Gießen) nahm auch an der Konferenz teil — und machte einige geschäftliche Mitteilungen. U. a. gab der Vorsitzende der Versammlung Kenntnis von einem Schriftwechsel zwischen dem Dekanat und dem Bezirkslehrerverein Ridda, der kürzlich sein 50. Jubiläum begehen konnte. Der Schriftwechsel war ein beredtes Zeugnis für das gute Zusammenarbeiten von Lehrern und Pfarrern im Bezirk Ridda. Mit Bedauern horte die Konferenz, daß die Dekanatsschwester ab 1.Dezember Gemeindeschwester in Ridda wird. Es soll eine baldige Wiederbesetzung der freigewordenen Dekanatsschwesternstelle erfolgen. Rachdem noch zum Ob er hessischen Dorfkirchentag am 7. Oktober in Ridda eingeladen worden war, Pfarrer Müller (Eichelsdorf) an die Einsendung der Gaben in die Sammelbüchsen des Gustav- Adolf-Vereins erinnert hatte, hielt Pfarrer Kornmann (Rodheim) einen Vortrag über: „Reue Wege der Seelsorge — das Laienapostola t“. Rach reger Aussprache, an der sich auch Oberkirchenrat Wagner beteiligte, schloß der Vorsitzende die Konferenz. — Am Rachmittag fand unter Führung der Herren Stein und Rippe! eine fast zwei- sches Antlitz noch um einen Hauch roter färbte, als es die Kälte bereits getan hatte. „Ich hatte einem schwächlichen, aber gutbegabten und wohlerzogenen Jungen von vierzehn Jahren, der viele Wochen die Schule hatte versäumen müssen, jeden Rachmittag Rachhilfestunden zu geben. Der Unterricht war mir eine Freude, eine größere aber ber Verkehr in der Familie. Die Dame war eine etwas zurückhaltende, jedoch feine und vornehm denkende Frau, mit der ich meist allein zusammen war, weil ihr Mann den ganzen Tag und bis in die späte Rächt hinein beschäftigt war. Dann unb wann aber, besonders in der letzten Zeit, erschien er, erzählte viel aus seinem Leben unb seiner Praxis, unb die Unterhaltung mit ihm war für mich etwas so Reues unb Anregendes, daß ich glücklich toar, wenn er sich zu uns fetzte. Eines Tages lud er mich ein, da seine Frau sich nicht frisch fühlte, mit mir in das Deutsche Theater zu gehen. Wan spielte „Alt-Heidelberg", und es toar ein hübscher Abend. Rach Schluß der Vorstellung meinte er: „Run wollen wir zusammen zu Rächt essen und ein Glas Wein trinken." Ich toar völlig harmlos: das vornehme Lokal und die herrlichen Sachen, die man uns auftrug, machten mir ein Riesenvergnügen. So etwas hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht gegessen. Sekt kannte ich überhaupt nicht, ich glaube, ich hatte ihn noch nie gesehen. Mit einem Male — es wird mir schwer, Ihnen das zu erzählen, aber es muß sein, damit Sie nicht etwa denken, ich hätte unbedacht oder aus übertriebener Prüderie gehandelt — fühlte ich seine Arme um mich geschlungen, sah fein erhitztes Gericht, seine gierig funkelnden Augen, hörte ihn wahnsinnige Worte stammeln — ich weiß heute noch nicht, woher ich die Kraft genommen, mich aus seiner Umarmung loszureißen — es war alles so ekelhaft und erniedrigend —" Sie brach ab; ihr sonst so lebendiges Gesicht war wie versteinert. Die Dämmerung nahm zu, die Schneedecke hatte einen bläulich fahlen Schimmer angenommen, die Baumskelette streckten die dürren weißen Arme gegen den blassen Himmel, an dem ein Stück d^s Mondes sichtbar toar; aber auch das toar bleich und ohne Leuchtkraft. „Es ist gut, daß Sie mir das alles erzählt haben —,“ sagte er nach einer langen Pause. „Aber von dieser Stunde an, nicht wahr, wollen wir nie wieder ein Wort über all dies sprechen. Es sei tot unb vergessen zwischen uns beiden." „Gut," erwiderte sie und atmete erleichtert auf, „ich wollte Ihnen nur noch einmal von ganzer Seele danken. Sie sind zum zweiten Male mein Retter geworden. Das werde ich -nie vergessen. Und nun erzählen Sie mir von Ihnen. Sind Sie mit Ihrem neuen Posten zufrieden? Oder", fügte sie scherzend hinzu, „wollen Sie sich wieder verändern wie damals?" „Ja, ich bin wieder auf dem Veränderungs- Wege." stündige Besichtigung der Eisenwerke Hirzenhain statt. Cs toar außerordeirtlich interessant, bas Werk, welches fast tausend Arbeiter beschäftigt, in allen Abteilungen unter sachkundiger Erklärung gerade bei der Tagesarbeit zu sehen. Besonderes Interesse erregte die Arbeit der Former in der großen Gußhalle und die Arbreit in den Emallierwerkstätteni. Rach Schluß der Besichtigung dankte Dekan Scriba den Herren Stein und Rippe! für die Führung, zugleich bat er, der Direktion für die freundliche Aufnahme im Eisenwerke den Dank der Geistlichen zu übermitteln. Herr Stein gab dem Wunsche Ausdruck, daß alle Herren von der Besichtigung den Eindruck mit- nehmen möchten, daß das Eisenwerk an feinem Teil auch ein Stück zum Wiederaufbau unseres deutschen Vaterlandes beitrage. * Atzenhain, 18. Sept. Eine seltene Feierstunde erlebte am vorigen Sonntag unsere Gemeinde. Das alte Gotteshaus, das schon seit Jahrhunderten auf das Dorf herniederschaut, wohl eine der ältesten Kirchen des Hessenlandes, wurde nach einer gründlichen inneren Wiederherstellung in einem feierlichen Gottesdienst zum neuen Gebrauch geweiht. Der Gesangverein unter Leitung des Lehrers Dotzert, eröffnete die Feier mit einem Choral. Rach der Festpredigt des Ortspfarrers wurden abwechselnd mit Gemeindegesang und Gesangverein noch zwei weitere Ansprachen gehalten von Lehrer Kaufmann (Gießen) und Pfarrer Dr. Lic. Stumpf (Merlau). Ersterer neun Jahre Lehrer in Atzenhain, den Organisten- unb Lek- tordienst in vorbildlicher Gewissenhaftigkeit versehend, ein treuer Kamerad und Mitarbeiten seines Pfarrers, ging von dem Gedanken aus, daß Kirche unb Schule äußerlich wie hier nebeneinander stehend, auch innerlich zusammenarbeiten müssen. Denn es gilt für das Leben nicht nur kluge Köpfe heranzubilden, sondern vor allem Menschen mit der rechten Gesinnung, Charaktere, die überall und in jeder Lebenslage ihren Mann stehen. Sie aber wachsen nur da, wo das Bild unseres Heilandes in die Kinderseele gesenkt wird. Mit einem toarmen Appell unseres allseitig hochgeschätzten Lehrers, dem neuen Kirchlein die alte Treue zu halten, schloß der Redner seine Ausführungen. Zum Schluß beglückwünschte Pfarrer Lic. Dr. Stumpf (Merlau) die Gemeinde und ermahnte sie, bei aller Freude a.i ihrem im neuen Schmuck wieder erstandenen Gotteshaus des großen Zusammenhangs mit der Gesamtheit nicht zu vergessen. Der Redner zog zum Vergleich das Völkerbundkonzert heran, das kürzlich durch den Rundfunk übertragen wurde, und legte der Gemeinde ans Herz, auf neuem Instrument mit alter Gewissenhaftigkeit, Treue und Unterordnung unter der unsichtbaren Leitung des ewigen Meisters im großen Konzert des Glaubens mitzuspielen. Mögen von der Feier so auch die auf ihr gesprochenen Worte der ®e- Mit hellem Erstaunen blickte sie zu ihm auf. „Ist das Ihr Emst? Lind schon wieder? Rein, das glaube ich nicht." „Sie dürfen es schon glauben.“ „Aber warum in aller Welt —“ Mit einem Male zuckte es wie eine Ahnung in ihr auf. „Sie gehen — weil Sie müssen? Weil —" Sie sprach den Satz nicht zu Ende. Eine tödliche Angst war in ihren Zügen, sprach aus ihren erschreckten Augen. „Ich bin die Veranlassung, daß Sie gehen! ... Rein... sagen Sie mir nichts. Ich weiß es. Ich fühle es. Daß Sie sich zu meinem Schützer aufwarfen, hat Sie Ihre Stellung gekostet. Oh, das ist das Schlimmste von allem.“ Sie hatte mit fliegendem Atem gesprochen; eine wachsende Erregung toar in ihren Worten und zugleich eine brennende Scham. Er suchte sie zu beruhigen, ihr vorzutäuschen, daß er gewiß auch so nicht lange geblieben, daß alles, was er getan, doch nur etwas Selbstverständliches gewesen wäre, daß er jeder fremden Dame gegenüber genau so gehandelt hätte — es war vergeblich. „Fühlen Sie denn nicht, wie schrecklich das für mich ist? Ich hätte meine Sache auch allein führen können. Weshalb mußte ich Sie mit hinein- reißen?" Lind bann wie von einer jähen Erkenntnis erhellt: „Lind das war nicht bas erstemal. Auch damals, als Sie Ihre Stelle im Hotel verließen, als wir uns Unter den Linden trafen unb Sie mir einzureden versuchten, daß Sie es aus dem Wunsche, sich zu verändern, täten: ja, leugnen Sie nur nicht... auch damals war ich die Veranlassung!" Hörte et sie nicht? War er nicht mehr bei der Sache? Er antwortete ihr mit keiner Silbe. Mit einer schnellen Bewegung hatte er sich umgedreht und stand ihr gegenüber, bas Auge mit scharf spähendem Blick in das schneebehangene, vom ersten Mondlicht burchgeisterte Gebüsch gerichtet. Sie wollte ihn fragen, aber das Wort erstarb ihr auf den Lippen. Ein unbeschreibliches Furchtgefühl hatte sie erfaßt. Da sah sie seine Hand mit schnellem Griff in die Seitentasche seines Mantels gleiten. „ilm Gottes willen... was haben Sie?“ Aber er winkte ihr, stille zu fein. Am ganzen Leibe zitternd, hielt sie sich neben ihm, unwillkürlich ihren Arm an den seinen lehnend. Sein Auge haftete noch immer an derselben Stelle, und die Pistole in seiner Hand hob sich. Dann ließ er sie sinken. „Es ist vorüber,“ sagte er nach einer kurzen Weile, „und Sie haben, in Ihre Worte vertieft, gar nicht gemerkt, in welcher Gefahr Si« waren. Gut. daß ich mehr auf der Hut war.“ (Fortsetzung folgt.) meinte unvergessen BleitenI Die Arbeiten im Innern ter Kirche sind unter dem bekannten Kirchenmaler Kienzle (Darmstadt) ausgeführt. ' Rainrod, 18. Sept. Am Sonntag fand dahier das diesjährige Dekanatsmissionsfest des Dekanates Schotten statt. Der Festgottesdienst begann um 1 älhr nachmittags. Eröffnet wurde er durch einen stimmungsvoll vorgetragenen Psalmgesang „Der Herr ist mein Hirte", durch den hiesigen Männergesangverein unter Leitung von Lehrer Lehm er. Die Festpredigt hatte Pfarrer Wolf von Wingershausen übernommen, der auf Grund von Psalm 42, 2 und 3, und Ioh. 7, 37 und 38 sehr packend sprach. Der Gottesdienst sowie die Nachversammlung waren von der Gemeinde Rainrod und Festgästen aus der Llmgegend sehr gut besucht. Nach kurzer Kaffeepause zog unter Vorantritt des Musikvereins unter Leitung von Rechner Seibel die Festgemeinde zum Festplatz unter der dicken Buche am illfaer Pfad, einem herrlich gelegenen Platze in der Nähe des Dorfes mit wundervollem Blick auf Nainrod und die Berge des Vogelsberges. Nach Choralgesang und Be- grühung durch Bürgermeister Dechert sprach als erster Redner Baurat Kessel von Schotten und zeigte in ernster und packender Weise, daß nur bewußte Christen auch rechte Missionsleute fein könnten. Hierauf begrüßte Dekan Widmann, Gedern, im Namen des Dekanates die Festgemeinde und gab der Freute Ausdruck, daß er das erste kirchliche Fest als Dekan gerade hier in Rainrod feiern dürfe, mit dem er durch manche persönliche Bande verbunden sei. Der Hauptredner des Tages, Missionar Schmoll, Hersfeld, schilderte in längeren Ausführungen die Erfolge und Schwierigkeiten auf den verschiedenen Baseler Missionsgebieten. Nachdem noch der Ortsgeistliche, Pfarrer Römer, Schotten, als Vorsitzender des Dekonatsmissions- vereins den Rechenschaftsbericht erstattet und Altbürgermeister Biehl allen Mitwirkenden gedankt hatte, fand das Fest gegen 6 älhr seinen Abschluß. Die Kollekte in Gottesdienst und Nachversammlung betrug 68,10 Mk. und kommt der Baseler Mission zugute. Dale« für Freitag, 20 Leptember. 1863: der Sprach- und Altertumsforscher Jakob Grimm in Berlin gestorben; — 1870: Einnahme Roms durch die italienische Armee, Ende des Kirchenstaates; — 1898: der Dichter Theater Fontane in Berlin gestorben; — 1910: der Schauspieler Josef Kainz in Wien gestorben. Briefkasten der Redaktion. 2H. M. 100. Wilde Kaninchen gibt es in Oberhessen zweifellos noch an verschiedenen Stellen. Wir konnten jedoch keinen bestimmten Ort ermitteln, wo diese Tiere anzutreffen sind. iit: irischast. Oer Handel in Reichsschuldbuchforderungen. Die Frankfurter Dörsen-Kommission für den Handel in amtlich nicht notierten Werten gibt von folgender Verfügung des Reichsfinanzministers, deren Inhalt für die Stückzinfenbe- rechn un g von Bedeutung ist, Kenntnis: „(Jür die auf Grund des Kriegsschädenschluh- gefehes vom 28. März 1928 — RGBl. I. S. 120 — in baä Reichsschuldbuch eingetragenen Entschädig u n gsschuldbuchforderungen werten die Zinsen entsprechend der Bestimmung im § 10 Absatz 2 am 15. Oktober und 15. April d. I. fällig. Die Berechnung erfolgt halbjährlich vom 1. April 1929 an, also jeweils für einen Zeitraum vom 1. April bis 30. September bzw. 1. Oktober bis 31. März, so daß die ersten Zinsen für die Zeit vom 1. April bis 30. September 1929 am 15. Oktober 1929 zur Auszahlung gelangen. Dagegen wird die Zahlung der letzten Zinsrate bereits bei Fälligkeit der entsprechenden Kapitalbeträge, also jeweils am 31. März erfolgen. Zur Erleichterung des Abschlusses von Geschäften kurz vor den Zinsterminen wird die Reichsschuldenverwaltung die Zinszahlungslisten nicht am 10. Tage des dem Fälligkeitstermin vorangehenden Monats (§ 22 des ReichZschuld- buchgesehes) abschliehen, sondern erst jeweils am 30. September bzw. 31. März, damit etwaige bis zu diesen Terminen eintretente Änderungen in der Person des Gläubigers nach Möglichkeit noch berücksichtigt werden können." Gläubigerversammlung der Südwestbeuischen Bank. Gestern fand in Fr ankfur t a. M. eine Gläubigerversammlung der Süd- westdeutschen Bank A.-G. statt, in der ter Vertreter der Deutschen Waren-Treuhand A.-G. die Mitteilung machte, daß außer dem Verlust des Aktienkapitals von I Mill. Mark ein weiterer Verlust v on 8 Mill. Mk. zu verzeichnen sei. Heber bte Umstände, die zu den Verlusten geführt haben, wurde u. a. mitgeteilt, daß nach Gründung der Bank eine Reihe von Geschäften der Landesgewerbebank für Südwestdeulschland A.-G. in Karlsruhe übernommen wurde, auf denen ein erheblicher Verlust ruht, der auf mindestens 3,50 Mill. Mk. geschäht wird. Ob und in welchem Umfange eine Verantwortlichkeit des Auf sich ts- rats der Bank für die verlustreichen Geschäfte besteht, werde der Gläubigerausschuh als eine feiner dringendsten Aufgaben unverzüglich zu prüfen haben. Die Versammlung wählte einen Gläubigerausschuh und ermächtigte den Ausschuß, den Antrag auf Eröffnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens zu stellen, wenn von irgendeiner Seite Konkursantrag gestellt werden sollte. * * Mühlen-Fusion. Die G.-V. der Ver- eingte Kunstmühlen A.-G., Landshut genehmigte einstimmig die oorgeschlagene Fusion mit der Kunstmühle A.-G., Rosenheim und beschloß Aenderung des Firmennamens in „Vereinigte Kunstmühlen Landshut-Rosenheim A.-G." Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 19. Sept. Tendenz zurückhaltend. — Die Stimmung an ter heutigen Börse war freundlich, doch konnte man eine gewisse Zurückhaltung erkennen, da am heutigen Donnerstag Befürchtungen hinsichtlich einer Diskonterhöhung in London auftraten. Die Spekulation blieb reserviert, zumal Aufträge auch heute wieder kaum ei nge troff en sein dürften. Die zunehmende Arbeitslosigkeit im Reiche machte keinen guten Eindruck. Es waren anfangs noch Abgaben zu beobachten, doch als die Meldung eintraf, daß die Diskontrate der Bank von England unverändert belassen wurde, zeigte sich etwas mehr Unternehmungslust, aber trotzdem war keine nennenswerte Geschäftstewegung zu erkennen. Rur Spezialwerte traten etwas hervor und es ergaben sich zur ersten Notiz gegenüber der gestrigen Abendbörse überwiegend Kursbesserungen. Die feste gestrige Neuyorker Börse konnte insofern keinen Eindruck machen, da in Amerika die Geldmarktverhältnisse immer noch nicht besonders günstig liegen. Aber im großen und ganzen war die Tendenz freundlicher, denn die zu bemerkenden Deckungen in Glanz- ftoffattien verfehlten ihre Wirkung nicht. Cs ergab sich hier ein Gewinn von 3 Prozent. Etwas hervortreten konnten noch am Elektro- markt Schuckert mit plus 2,5 Prozent, AEG. mit plus 1 Prozent und Siemens mit plus 0,75 Prozent. Elektrische Lieferungen dagegen minus 1,5 Prozent. Farben eröffneten fast unverändert. Autowerte bis 1,5 Prozent fester. Von Montanwerten zogen Buderus, Gelsenkirchen, Phönix u. Rheinstahl bis zu 1 Prozent an. Harpener und Mannesmann lagen vernachlässigt. Norddeutscher Lloyd waren weiter etwas schwächer; H ap a g dagegen etwas höher. Am Banke n m a r 1t war die llmsahtätigkeit etwas reger, bei gut behaupteten Kursen. Berliner Handelsgesellschaft gaben jedoch 1 Prozent nach. Renten still, zumeist etwas höher. Im Verlaufe war die Hmsahtätigkeit klein, die Kurse waren kaum verändert. Glanz st offaktien zögen weitere 2 Prozent an. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2004, gegen Pfund 20,364, London gegen Kabel 4,8466, gegen Paris 123,87, gegen Mailand 92,6750, gegen Madrid 32,86, gegen Holland 12,0890. Berliner Börse Berlin, 19. Sept. Obwohl die ersten offiziellen Notierungen ter heutigen Börse nicht immer ganz den vorbörslichen Erwartungen entsprachen, war ter Grundton doch als freund- l i ch anzufprechen. Schon an der gestrigen Frankfurter Äbendbörfe konnte man eine Beruhigung feftftellen, die ihren Ausgang von Deckungen und angeblich auch Interventionskäufen am Glanz st offmarkt hatte. Nachdem nun Neu- York trotz des Tagesgeldsahes von 10 Prozent im Verlaufe sehr fest war und heute auch bekannt wurde, daß in ter Geheimsitzung des Federal Reserve Boards am 17. d. M. eher eine Herabsetzung ter Neuyorker Diskontrate als eine Erhöhung befürwortet wurde, konnte man schon vormittags mit weiteren Deckungen rechnen. Diese wurden prompt vorgenommen, als die Meldung von einem auch heute unveränderten Londoner Diskontsatz ein- traf. Wieder hatten Goldabflüsse nach Frankreich in Höhe von 225 000 Pfund Befürchtungen hinsichtlich der Diskontrate aufkommen lassen. Am Kunst seiden markt und in BMW. wurde anscheinend etwas interveniert, letztere erschienen sogar mit Plus-Plus-Zeichen. Hier wollte man wissen, daß ein größeres Paket, das bisher auf den Markt drückte, nunmehr in feste Hände übergegangen ist. Die ersten Kurse tagen unein- heitlich und im allgemeinen nur unbedeutend verändert. BMW. gewannen 4,5 Prozent, B e rn- bet g 9 Prozent, G 1 anzstoff 8 Prozent und Papiere wie Mix & Genest, Rheinische Braunkohlen. Polyphon, Chemische Heyden, Elektrische Licht & Kraft, Rheinisch-Westfälische Elektro und Conti Gummi (letztere auf eine Notiz über guten Geschäftsgang), 2 bis 3 Prozent. Anderseits eröffneten Kali Aschersleben 2 Proz. und Schlesische Gas 2,25 Prozent niedriger. Auch S v e n s k a verloren im Einklang mit schwächeren Londoner Meldungen 2,50 Mk. Deutsche An leihen behauptet. Ausländer uneinheitlich. Pfandbriefe eher freundlicher. Der Geldmarkt war leichter. Tagesgeld 6 bis 8,5 Prozent, Monatsgeld 9 bis 10,5 Prozent, Warenwechsel 7,75 bis 7,60 Prozent. Nach ten ersten Kursen machte die Befestigung trotz eines sehr ruhigen Geschäftes weitere Fortschritte. B M W., Reichsbank, Salzdetfurth,Schlesische Gas und O st w e r k e zogen um etwa 2 Prozent an, und auch sonst ergaben sich etwa einprozentige Gewinne. Auf dem erhöhten Niveau kam aber immer wieder Ware heraus, so daß diese Gewinne sich später nicht behaupten konnten. Am Glanz st off-Markt machten sich wieder Abgaben bemerkbar. In Farben blieb das Geschäft ziemlich lebhaft. Man nannte einen Kurs von 5 bis 5,05 Prozent. Frankfurter Schlachtviehmarkt. F r a n f f u r t a. M., 19. Sept. Auftrieb: 72 Rinder, 1163 Kälber, 339 Schafe, 445 Schweine. Es notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 77 bis 80 Mk., mittlere Mast- und öaugfälter 73 bis 76, geringe Kälber 66 bis 72. — Schafe: Mastlämrner und jüngere Masthämrnel (Weite- mast) 47 bis 51, mittlere Mastlämrner, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 46, fleischiges Schafvieh 30 bis 39. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 87 bis 90, von etwa 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 88 bis 91, von etwa 160 bis 200 Psd. Lebendgewicht 87 bis 90, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfd. Lebendgewicht 85 bis 88 Mk. Marktverlauf: Schweine rege, ausverkauft. Kälter rege, geräumt. Schafe ruhig, geringer lleterftanb. Berliner Prodnktenrnarkt. Berlin, 18. Sept. Das Geschäft am Produktenmarkt bewegte sich heute in sehr ruhigen Bahnen, da weder vom Auslände noch vom Mehlmarkte Anregungen vorlagen. Das Angebot von Inlandbrotgetreite ist angesichts ter Zurückhaltung der Käufer ziemlich reichlich zu nennen, für Weizen waren etwa gestrige Preise zu erzielen, wobei sich weitere Nachfrage für Verladung nach dem Rhein zeigt. Roggen ist, namentlich in Kahnware, auch zu entgegenkommenden Forderungen schwer unterzubringen. Roggen- stühungskäufe erfolgten heute weder am Lieferungsmarkt noch in effektiver Ware. Anscheinend soll allmählich ein Ausgleich zwischen den bisher bezahlten Interventionspreisen und den im _ freien Markt erzielbaren Preisen herbeigeführt werden. Die Lieferungspreise für Weizen zeigten bei Eröffnung nur unbedeutende Veränderungen. Roggen fetzte bis 1 Mark niedriger ein. Am Mehlmarkte erfolgen weiterhin nur kleinste Bedarfskäufe. Hafer infolge weiterer Deckungsnachfrage der Exporteure im Preise behauptet, Gerste ruhig. Kunst und Wissenschaft. Ausstellung „Der schöne Mensch". Darmstadt. In diesen letzten Wochen fanden zahlreiche Führungen statt. Alle Gruppen wurden von Malern geführt. Reisende aus Holland. Italien. Amerika, ein Chinese, der von Bern besonders hierher kam, besuchten die Ausstellung. Demnächst wird der 8000. Besucher erwartet. Büchertisch. — Das malerische Nidda. 27 Bleistiftzeichnungen von L. Paetow, Berlin, mit begleitendem Text von Eugen Cloos. Nidda. Preis 2 Ult. Verlag von L. Cloos, Nidda, 1929. (380) — Das Büchlein stellt mit feinen künstlerisch warm empfundenen und doch äußerst lebenswahren, realistischen Zeichnungen und seinem historisch und sachlich erläuternden Text einen schätzenswerten Beitrag für die heimatkundlichen Bestrebungen weiter Dolkskreife dar. Ein liebevolles Heranziehen an die Stätten unserer alten Volkskultur wird allen Besinnlichen willkommen fein. — Ten bisher erschienenen Bänden ter schnell populär gewordenen Bücherreihe „Scherls 2 ° M a r k - R o m a n e" läßt der Verlag soeben drei weitere Bände folgert Die neue Ausstattung hat rasch Anklang gefunden; das handliche Format ermöglicht ein bequemes Hnjerbringen auf Reisen und Wochenend; die soliden GanHeinen- bände sind auch ein Schmuck für jeden Bücherschrank. — Ernst Klein bringt eine außerordentlich spannende Geschichte: „Die Dame mit dem Tigerfel 1“, die uns in einen tollen Wirtel interessanter Geschehnisse führt. Sehr interessant weiß auch Karl August von Las- f e r t seinen Roman „Ve rbrechen auf Schloß W ö r t h" zu gestalten. Einen Zusammenstoß zwischen den Weltanschauungen ter Großstädter und der traditionsgebundenen Dorfbewohner bringt uns Emmi Lewald in dem Roman „Das Fräulein aus der Stadt". (Buchverlag Scherl, Berlin SW 68. — 349 351.) — Westermanns Monatshefte (Verlag G. Westermann, Braunschweig), Haden soeben das erste Heft des 74. Jahrganges herausgebracht. Dr. Friedrich Düsel zeichnet an Hand vieler Illustrationen ein klar umrissenes Bild Otto Thieles, der schon manches Genie überflügelt hat. Der neue Roman von Rudolf Pres- ber, „Die Witwe von Ephesus", ist voll Spannung und Leben. Die Novelle von Georg Wasner „And dennoch etwas blieb fürs Leben", läßt die Stutentenjahre mit all ihren Freuten und Sorgen so deutlich am geistigen Auge Darüber- Stehen, als wenn man alles gestern erst erlebt hätte. Dann folgt Carl I. Lucher, ter bekannte Sportschriftsteller, mit seinem östlichen Beitrage „Zeltlagerleben" voll Stimmungsblltern, die seine große Verbundenheit mit Gottes freier Natur so recht erkennen lassen. Das Gebiet ter Musik berührt ter Aufsatz „3ugenterinnerungen an berühmte Musiker", aus dem Nachlaß von Ferruccio Busoni; Dr. Kurt Floericke schrieb für Tiersfreunde die Geschichte ter „Göttervögel". Ein hochaktuelles Thema ist „Hellsehen und Wahrsagen', behandelt von älniversitäts- prvsessor Verwehen. Otto Behrens führt uns nach Filmamerika. — Oberfchlesiens heutige Gestalt. Kohle und Eisen im Wiederaufbau und ÖSirt- schastskampf. Von Karl A Ibach. (Verlag Büscher & Sarx, G. m. b. H., Siegen. Broschiert und illustriert 2,50 Mk.) 343. Letzte Nachrichten. Weitere Haftentlassungen in der Sprengstoffaffäre. Berlin, 19. Sept. (MTB. Funkspruch.) Die beiten in ter Sprengstoffangelegenheit verhafteten Hof- besilzer Amandus Dick, Vater und Sohn, aus Rönne, find gestern aus der Unter- suchungshaft entlassen worden, da festge- stellt wurde, daß sie nicht in Beziehung zu den Spreng st ofsanschlägen stehen. Das in ihrem Hause gefundene TBaffenlager stammt aus dem Jahre 1920 von den demobilisierten Bal- tikumtruppen. Für den Besitz dieser Waffen werden sich die beiden vor den örtlichen Justizbehörden in einem von der Untersuchung der Sprengstofsangelegenheit völlig getrennten Verfahren zu verantworten haben. Einberufung des Reichstages zum 30. September. Berlin, 19. Sept. (TU.) Drahtbericht.) In ter Kabinettssihung, die am Donnerstag im Reichstag stattfand, und an ter mit Ausnahme von Dr. Slresemann und Dr. Lurtius sämtliche Reichsminister teilnahmen, wurde beschlossen, ten Aeltest e n r a t des Reichstags in seiner morgigen Sitzung zu ersuchen, die Einberufung des Reichs- tagszum3 0. September zur Erledigung des Gesetzes über die Reform der Arbeitslosenversicherung zu veranlassen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angesührlen Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Frankkurt a M. Berlin Frankfurt a M. Berlin «chluv- finrS --Uhr Kurs Schluß- Kurs Anfang. Kur. Schluß- Kurs i-Uhr Kure Schluß- Kurs Anfang- Datum 18.9. 19-9. 18 9. 19.9. Datum 18.9. 19.9. 18-9. 19.9. 6% Dt. Reichsanleihe v 1U27 . . Dl. Anl.-Abids.-Schulo mit AuS- Ich.-Rechten......... Desgl. ohne AuNos.-Rcchte . . . 7% Franks. Hhp.-Bk. Goldpf. un- tfinbbar blfl 1932...... 4Vt% Rheinische Hyp.-Bank Llqu.- A.C G. abg. BorkriegS-Obltgatiou., rückzahlbar 1932 ..... 4% Schweiz. Bundeeb.-Anl.. . . 4% Oesterreichilche Goldrte.. . . 4,20% Oesterr. Silberrtc..... 4% Oesterreich, einhcltl. Rte . . 4% Ungarische Goldrte...... 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 . 4)i% dcegl. von 1913..... 4% Ungarische Kronenrte..... 4% Türt. Hollanleihe v. 1911 . . 4% TUrlische Bagdadbahn-Anl., Serie I........... 4% deogl. Serie II....... 4% Rumänen ronbert. Rte. . . . 4 Vi% Rumänen Soldanl. von 1919 eillfl. Deuhche Eisenbahn . . 4y, Hamburg-Amerika Paket ... 7 Hainb.-Sstdam. Dampsich. . . 8 Han ja Da mpsichiss.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Allg. Deutsche Credilanfi. . . io Barmer Bankverein .... io Berliner HandelSgeielisch. . . 12 Lommerz- und Prival-Bank . n Tarmsi. u. Notionalbank . . 12 Deutsche Bank......10 Tiskonta-Gesellschaft Snt.. . 10 Dresdner Bant......n> yiciallban t.........8 i>-‘d)3banf....... 1? 87,5 53,6 10/25 85,5 78,5 88 99,25 28 2,35 1,7 7,65 7,75 7,8 7,45 14,8 106,4 123,75 124 201 174,75 267,5 164,75 150,5 154,5 295 53,65 10,2 22,4 7,7 114 106,25 123,75 124 200 174,75 164,5 154,5 87,5 53,25 10,13 28,25 1,7 22,4 22 1,7 7,8 7,75 7,7 7,45 113,65 180 154,25 106 124,13 124,25 202 174,75 267,5 165 151,25 154,5 293,9 53,9 10,3 21,9 7,75 7,75 113,9 153,75 106,4 124,13 124,25 201 174,75 267,5 164,5 151,25 154,5 294,25 A.E.G............b Bergmann.........9 Gleltr. Lieferungen.....10 Licht und Kraft......10 gelten L Guilleaume. ... 754 Ges. t. Elcktr. Untern.....10 Hamb. Elettr. Werke .... lu Rhein. Elcktr.........9 Schlei. Elektr........10 Schuckert.........11 Siemen- 4 Halske.....16 Traniradio..... 8 Lahme yer LEo.......10 Buderus...... 5 Deutfche ErdSl.......6 Essener Steinkohle......P Geilenkirchener ....... 8 Harpener..........0 Hoefch Elfen........6'-: Ilfe Bergbau ....... 10 Klücknerwerke......... Köln-Neuesten........7 Mannesmann........7 Man-felder.........i Oberschiei. Eilend. Bedars. . . Lberschles. Kok-werke.....7 Phönix Bergbau......6V4 Rheinische Braunkohlen... 10 Rhetnstahl.........6 Ricbeck Montan..... 7,f vereinigte Stahl« ..... Olavi Ditnen......1g'/, Kall Aichersleben.....i< Kali Westeregeln......10 Kaliwerk Salzdetfurth ... 16 I- ®- Farben-Industrie . . . 12 Dynamit Nobä.......g Scheideanstalt........ RülgerSwerkc........ß Metallgclellschast......a 192,5 204,25 138 207 383 165 141,75 145 213 113,5 137 106,25 265 113,5 235,5 241 393 214 150,5 72,25 79 193,13 220,5 168,13 223,25 383,5 68,75 142 144,5 111,9 106,9 122 235 213,75 78,25 126.5 192,5 228 169,5 204 138,25 206,/5 142 145,25 185,25 221,13 381,5 165 68,5 112,25 140 141 145 129 213 114 126,65 112 137,5 80,75 102,75 106,25 264 121 113,9 69,65 236 241,75 392 212,75 101,65 72,25 79 126. ‘ 193 220,5 168,5 206 137 206,5 145,25 182,5 222,6 383 115,75 141,5 145 114,5 124,75 111,6 137,25 79,13 83,25 106,13 266 122,13 114,5 69,5 240,25 391,5 213 77,6 126,6 rttanlfiin a M. Berlin Berlin, 18. September Geld Brief Schluß» l-Uhr Kurs Kurs Schluß»! Anfang- Ku re | Kur- F-ranzonsche Holländische Italienische Norwegische Deutsch-Lcsi Rumänische Schwedische Schweizer 9" Spanische N Tschcchoilow Ungarische V Devis Noten.... Noten...... 16,412 16,472 167,96 168,64 22,03 22,11 111,43 111,87 59,01 59,25 2,485 2,505 112,08 112,52 80,64 80,96 61,70 61,94 12,37 12,43 73,00 73,30 iranffurt a. M. Datum 18.9. 19.9. 18.9. | 19 9. Noten ...... Noten...... crr.L 100 Kronen Noten...... Noten...... ölen ...... Pyutpp Hotz mann....... 96,5 99,5 Heidelberger (lement .... 10 — 126,5 Cement Karlstadt.....10 — igz Wayß 4 Freitag.......8 — — 95,5 96,5 288,75 289 222,5 220,75 286 294 228 237 234 233,5 - 150,5 104,5 103,5 186,13 185,75 43,9 46 51,75 51,6 Echulthel- Pahenhofer ... 15 Ostwerte.........12 Bei. Glanjstofs......18 Bcmberg.........14 293 297 - 236 ito akische Noten . . toten..... enmarft Berlin-? Hellstosf Waldhof .... 13V, Hetlftofl Aickiaiienbura . . iv Telegraphische Auszahlung. Charlottenburger Wasser ... 8 — — Deffguer Gas........g — - Daimler Motoren......t 45 25 । — Deutlche Maschinen-gabril . . < — — 18. September 1$. September Amtliche Notierung (3clb | Brie, Amtliche Notierung Geld Brie, Adlerwerke Klever......0 40,5 — Ludw. Loew.-.......n — — 9?al. Automobil ....... c — ~ Orenstetn 4 Koppel.....6 — — Leonhard Tiey......10 — — Bamag-Meguin ....... 0 — — Franks. Maschinen......4 — — Griyner..........6 — :8 Heyltgenstaedt ....... — HunghanS...... .... 6 — 60,5 Lechwerke.........— 105,75 MaintraUwerte.......6 — 107,5 Miag...........1< - 125 Relais ulmer .......6 — — Gebr. Roeder.......1" — 109,5 Boigl 4 Haefsner......9 — — Südd. Zucker.......10 153,5 159 Banknoten 40 41,5 196,5 84,75 83,25 196,75 ’ - 52,5 - 56,75 59 - 124 124 222 — 158,25 — Amft.- Rott. Buen.-AireS Brss.-Antw- Christiania. Kopenhagen Stockholm HelsingforS. Italien. . London. . Neuyork . Paris. . . Schweiz . Spanien. Japan . . Rio de Jan Men in D. Ccft. abgefi Prag . . . Belgrad . Budapest. Blll 'arten Lissabon . Danzig. . Konstantin. Athen. . Kanada . Un: uap. Cairo • . 168,26 1,759 58,30 111,71 111,73 112,37 10,543 21,95 20,338 4,197 16,415 80,84 61,875 1,991 0,4975 59,04 12,42 7,378 73,21 3,035 18,73 168,60 1,763 58,42 111,93 111,95 112,59 10,563 21,99 20,378 4,205 16,455 81,00 61,995 1,995 0,4995 59,16 12,44 7,392 73,35 3,041 18,77 168,23 1,757 58,295 111,70 111,71 112,34 10,541 21,945 20,336 4,1965 16,42 80,86 61,86 2,002 0,4965 59,035 12,419 7,380 73,19 3,035 18,76 168,57 1,761 58,415 111,92 111,93 112,56 10,561 21,985 20,376 4,2045 16,46 81,02 61,98 2,006 0,4985 59,155 12,439 7,394 73,33 3,038 18,80 Berlin, 18. September Held Brief 81,31 2,012 5,42 4,164 4,096 20,866 81,47 2,016 5,43 4,172 4,104 20,906 81,30 2,014 5,42 4,166 4,096 20,86 81,46 2,018 5,43 4,174 4,104 20,90 Amerikanische Noten..... Belgische Noten ....... Dänische Noten ........ iknalikche Noten........ 4,177 58,14 111,45 20,30 4,197 58,38 111,89 70.3?