Nr. 141 Erster Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 19. Juni 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte I Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech anschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStr-vuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftlritung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Deranttoortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Hilferding über Reichsfinanzen und Aoung-plan. Panzerkreuzer und Reichsanleihe. Don unserer Berliner Redaktion. Die Sozialdemokraten haben also wirklich den Mut aufgebracht, beim W e h r e t a t gegen den Panzerkreuzer zu stimmen. Die Mehrheit für den Bau war trotzdem sehr stark. Kommunisten und Sozialdemokraten brachten es auf 153 gegen 224, woraus zu entnehmen ist, daß ein Teil der Sozialdemokraten jedenfalls an der Abstimmung nicht beteiligt war. Nur die Minister dursten mit Ja stimmen, die übrigen Regierungsparteien lassen sich aber anscheinend diese dauernden Seitensprünge der Sozialdemokraten auch weiter gefallen. Sie sind nicht leicht aus der Ruhe zu bringen. Das zeigt sich auch bei der Rede des F i n a n z m i n i st e r s , der im Zusammenhang mit dem Etat der allgemeinen Finanzverwaltung doch wohl das Bedürfnis hat, einiges über die Finanzlage des Reiches zu sagen. Aber was er dazu oorbringt, geht an der Hauptsache soweit vorüber, daß es fast wie eine Verhöhnung nicht nur des Reichstages, sondern der ganzen Oeffentlichkeit wirkt. Herr Hilferding hat ausgerechnet, daß in dem Etat noch ein Defizit von 22 Millionen steckt. Die Finanzsachverständigen haben vor wenigen Wochen das Defizit schon auf 150 Millionen geschätzt. Ihn ficht das weiter nicht an. Er hält auch daran fest, daß er — vermutlich als einziger im ganzen Deutschen Reich — mit dem Ergebnis der Anleihe verhältnismäßig zufrieden ist, obwohl der Mißerfolg doch eigentlich zum Himmel schreit. Aber den Finanzminister stört das alles nicht weiter. Er macht in Zukunftsmusik und tröstet sich- mit dem Finanzprogramm, daß er im Herbst vorlegen wird, ohne allerdings auch diesnsvl nur anzudeuten, mit welchen Absichten er sich trägt; wobei er sich immer dahinter versteckt, daß er „politische Handlungsfreiheit" erst nach der Annahme des Doungplans hat. Ein Glück für ihn, daß die Parteien sich sehr bald in den Aoungplan verbeißen, der ihnen wichtiger ist als die allgemeine Finanzlage. Sonst wäre es eigentlich unvermeidlich gewesen, daß von allen Seiten die Hiebe gegen diesen Finanzminister hageldicht fallen. Sitzungsbericht. Berlin, 18. Juni. (BDZ.) Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Haushaltes der allgemeinen Finanzverwaltung. ReichSfinanzministep Dr. Hilserding. Och habe in meiner Ctatsrede mit voller Absicht das etwaige Ergebnis der Pariser Verhandlungen ganz außer Betracht gelassen. Ich habe unter Zustimmung der Mehrheit des Reichstages die Aufstellung eines Defizitötats abgelehnt. Ich rechnete damals mit den stillen Reserven, die wir in der A l k o h o l b e st e u e r u n g hatten. Der Reichstag hat es abgelehnt, dieses Stcuergebiet in Anspruch zu nehmen. Er hat das Defizit durch starke Abstriche ausgeglichen und alle Reserven aufgebraucht. Jetzt bleibt ein Fehlbetrag von 22 Millionen. Dis zur dritten Lesung wird auch die Ausgabenseite erhöht werden müssen, beispielsweise für die Lohnerhöhung der Rcichsarbeiter. Die Schwierigkeiten der Kassenlage im Mai sind vor allem durch die steuerfreie Anleihe behoben worden. Der Geldmarkt hat inzwischen eine Erleichterung erfahren, die deutsche Währung hat sich als absolut gesichert erwiesen. Die Beunruhigung der Oeffentlichkeit über unsere Kassenlage muß endlich aufhören, denn sie schädigt auch den Kredit der deutschen Wirtschaft. Um solchen Schwierigkeiten, wie wir sie in der letzten Zeit durchmachten, für die Zukunft vorzubeugen, wird es notwendig sein, wieder einen Detriebsmittelfonds anzusammeln. Das aus 1928 übernommene Defizit von 150 Millionen muß noch aus den Ergebnissen dieses Etatsjahrcs abgedeckt werden. Für das Etatsjahr 1930 müssen wir zu einer Klärung des finanzpolitischen Derhältnisses zwischen Reich und Ländern kommen. Ich kann auf Einzelheiten nicht eingehen, bevor die Verhandlungen abgeschlossen sind, die sich mit der Verwirklichung des Voung-Planes befassen. Ein erschöpfendes Finanzprogramm werde ich vorlegen in dem Zeitpunkt, wo ich politische Handlungsfreiheit habe. Abg. Dr. Quaatz (Dntl.) bezeichnet den sachlichen Inhalt der Ministerrede als recht dürftig. Noch immer ist die Einnahmeseite des Etats nicht genau festgestellt. Die Frage, ob wir ein organisches Budget haben oder nicht, kann der Minister auch heute nicht beantworten. 3d) halte es für gefährlich, dem Ausland vor- z u t ä u f ch e n, daß wir in der Lage wären, durch normale Steuern unser Defizit aus- zugleichZn. Ls muß dem Ausland gesagt werden. daß unsere wirtschaft mit Steuern ü b e r l a st e t ist, daß trotzdem mit diesen Steuern das Defizit nicht ausgeglichen werden kann, daß wir auch keine Anleihe unlerbringen können. Daraus ergibt sich die Konsequenz, daß wir uns nicht selbst belügen sollen, sondern eine wesentliche Herabsetzung unserer Tributleistun- ae n verlangen müssen. Das deutsche Volk, das doch schließlich die Lasten aufzubringen hat, muß schweigen, bis der letzte Diplomat den letzten Strich unter das Dokument gesetzt hat, das uns und unsere Kinder und Kindeskinder auf 70 Jahre in Schuldknechtschaft bringt. Dann wird die Drucksache vorgelegt, und nach ein paar Tagen wird der Tributvertrag angenommen durch eine Reichstagsmehrheit ohne Verantwortung. Dieser Etat ist ja frisiert. Das Defizit übersteigt tatsächlich eine halbe Milliarde. Warum wird denn dem Ausland eine Leistungsfähigkeit oorgespiegelt, die das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft gar nicht hat? Ich richte an den Finanzminister den MppeU: Ist es richtig, daß der Reichskanzler Müller mit Wissen der Reichsregierung a n b i e Sachverständigen einen Brief geschrieben hat des Inhalts, daß die Reichsregie-' rung der Ansicht sei, daß der Plan angenommen werden müsse, auch wenn wirtschaftliche Erwägungen dem entgegenständen. (Hört! Hört! rechts.) Ich bitte um eine Antwort, ob die Regierung eine Verantvortung für Paris tragen kann, tragen muß und tragen will. Vizepräsident Esser teilt mit, daß inzwischen von der deutschnationalen Fraktton ein M i h - trauensantrag gegen den Reichsfinanzminister eingegangen ist. Abg. Keil (Soz.): Das Defizit ist entstanden unter den Regierungen, an denen die Deutschnationalen beteiligt waren. Die Deutschnationalen haben auch durch Abkommandierung der Hälfte ifjrcr Fraktion erst die Annahme der Dawesgesetze ermöglicht, die sie jetzt bekämpfen. Wenn die Daweslast um 700 Millionen jährlich erleichtert wird durch das Ergebnis der Pariser Verhandlungen, so kann man das nicht einen Bettelpfennig nennen. Wir respektieren das Pariser Ergebnis, wenn wir auch nicht wissen, wie der neue Mechanismus funktionieren wird. Das durch die Sünden der Vergangenheit entstandene Defizit muß gedeckt werden. Vorher lehnen wir eine Steuersenkung ab, denn zunächst sind dringliche finanzielle Aufgaben zu erfüllen, vor allem die Sanierung der Arbeitslosenversicherung, nachdem unser Vorschlag einer Beitragserhöhung bisher keine Mehrheit gefunden hat. Wenn nach der Sanierung unserer Finanzen an eine Steuersenkung gedacht werden kann, dann müssen in erster Linie die Verbrauchssteuern und die viel zu hohe Lohnsteuer gesenkt werden. Hier wird die Beratung unterbrochen durch die gestern zurückgestellten Abstimmungen zum W e h r e t a t. Die Wehretat wird in der vom Ausschuß vvrgeschlagenen Form angenommen. Beim TTlarineetat wird der kommunistische Antrag auf Streichung der zweiten Rate für den Panzerkreuzer A in namentlicher Abstimmung mit 224 gegen 153 Stimmen bei fünf Stimmenthaltungen abgelehnl. Für die Streichung hat auch die sozialdemokratische Fraktion gestimmt mit Ausnahme der sozialdemokratischen Minister, die rote Rein-Karten gegen den kommunistischen Antrag abgaben. Es wird die Aussprache über die allgemeine Finanzverwaltung fortgesetzt. Abg. Dr. Brüning (Zentr.) erklärt: Das Zentrum kann sich dem Abg. Keil nicht darin anschliehen, daß wir das Pariser Ergebnis annehmen unbeschadet der Prüfung, ob es für unser Volk tragbar ist und ob es für unsere Währung die erforderliche Sicherheit gewährleistet. V)ir können auch nicht mit dem Abg. Keil von einer „finanziellen Mißwirtschaft der letzten vier Jahre" sprechen. Die Ursachen des Defizits liegen einmal in dem ungedeckten Arbeitsbeschaffungsprogramm von 1 92 6 und in der Arbeitslosenversicherung. Der Redner erinnert an die Rotwendigkeit einer Steuersenkung, namentlich einer Senkung der Real steuern. Die Länder mühten instand gesetzt werden, diese Steuersenkung auch tatsächlich durchzuführen. An den Polizeiausgaben lasse sich zweifellos noch sparen. Eine Steuererhöhung zur Beseitigung der schwierigen Kassenlage sei ausgeschlossen. Auch auf die Reparationserleich terungen dürfe man zu diesem Zweck nicht hoffen. Abg. Dr. Kulenkamp (D.V.P.) fordert, daß sich der S p a r w i l l e bei Reich, Ländern und Gemeinden immer weiter durchsetze. Von dem guten Willen der Beteiligten werde es abhängen, ob der Reichstag ein Sperrgesetz gegen die Ueberhöhung der Realste uern schaffen müsse. Man müsse nötigenfalls auch zum Aufgabenabbau schreiten, um den Äus- gabenabbau zu ermöglichen. Steuern und Soziallafien befragen heule bei einer Produktion von etwas über 60 Milliarden über 33 o. h. gegenüber 12,5 v. h. vor dem Kriege bei einer Produktion von 40 Milliarden. Als besondere Belastung hat die deutsche Wirtschaft noch die Feindtribute zu tragen. Diejenigen, die immer den Forderungen der Feinde nachzugeben geneigt sind, sollten sich darüber klar sein, daß die Heberspannung der Tribute den Zwang zur Zurückdrängung anderer Rotwendigkeiten zur Folge haben muh, wobei man schließlich auch vor dem Lohn an den Arbeitnehmern nicht halt machen kann. Der Redner verlangt, daß neue Ausgaben unter keinen Umständen bewilligt werden. Auch vor der Gefahr der Unpopularität dürfe man nicht zurückschrecken. Der Haushalt müsse ein Minimum darstellen, nicht ein Maximum. Kein Pfennig der in Paris ersparten Ausgaben dürfe anders verwandt werden als zur L a st e n s e n - kung. Abg. M o l l a t h (Wirtsch.-P.) wundert sich über die Bescheidenheit des Finanzministers, den das Zeichnungsergebnis der Reichsanleihe befriedigt habe, und macht auf die Folgen der Reichsanleihe bei den Ländern aufmerksam: Sachsen habe aussichtsreiche Verhandlungen mit den Banken über eine 45-Millionen-Anleihe geführt, die nach Bekanntwerden der Anleihewünsche des Reichs abgebrochen wurden. Bedauerlich sei es, daß der Sozialdemokrat Keil schon abschließend zum Voung-Plan Stellung genommen habe. Daß dieser Plan, so erklärt der Redner put erhobener Stimme, mit der Räumung der besetzten Gebiete in Verbindung gebracht werden muh, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Der Redner verlangt weiter dringend eine Reform der Arbeitslosenversicherung und eine Senkung der Realsteuern. Das deutsche Handwerk und die Bauern mühten durch Zölle gegen das Dumping des Auslandes geschützt werben. Abg. v. S h b e l (Chr.-Ratl. Bp.) betrachtet das Ergebnis der Anleihe als ein Mißtrauens- Votum des deutschen Volkes für den Finanzminister Dr. Hilserding. Durch Zollerhöhungen könnte man unmittelbar die Reichsfinanzen und mittelbar den nationalen Wohlstand stärken. p Der neue Kurs in England. Neue Abrüstungspläne der angelsächsischen Seemächte. — General Dawes macht erste Vorschläge. Das Pilgrimsbankett. . London, 18. Juni. (WB.) Bei dem Essen, das die Pilgrims-Gesellschast heute abend zu Ehren des neuen amerikanischen Botschafters in London, General Dawes, gab, brachte in Abwesenheit des Premierministers Staatssekretär Henderson den Trinkspruch auf General Dawes aus. Die Demokratien, fo erklärte der Staatssekretär, die Sie jUnb wir vertreten, sind während eines langen Zeitraumes in kamerads^astlichem Einvernehmen Seite an Seite marschiert. Beide Nationen sind eins in dem Wunsche, den Krieg aus der Sphäre der internationalen Beziehungen zu beseitigen und das mächtige Friedcnsgesühl der Völker in praktische Friedensmaßnahmen umzuwandeln. Ich hoffe und glaube, daß unsere beiden Länder bestrebt sind, gemeinsam mit den anderen Nationen einen neuen und erfolgreichen Versuch zu unternehmen, das Ziel endgültiger A b - rüstung zu erreichen. Die Welt braucht Abrüstung, die Völker sehnen sich danach, die Regie- rungen würden sie begrüßen. Die Völker der Welt sind der Ansicht, daß die Zeit zum Handeln gekommen ist. Nach der Ansprache Hendersons führte General Dawes in einer mit Spannung erwarteten Rede u.a. aus: Ein baldiges Abkommen über eine Verminderung der Flotten fei von größter Bedeutung in der gegenwärtigen Zeit und erscheine als der nächste Schritt, der in Richtung auf den Weltfrieden getan werden sollte. Eine Vereinbarung über die Methoden der Verhandlungen müsse von Anfang an alle interessierten Flottenmächte umfassen und müsse die Sanktion nicht nur eines Teiles der Welt, sondern der ganzen Welt haben. Bei den Verhandlungen müßten die technischen Marinesachverständigen und die Staatsmänner Hand in Hand arbeiten. Dem Staatsmann obliege in erster Linie die Pflicht, für den Frieden zu sorgen, und er müsse bei den Verhandlungen die Initiative behalten. Sache des Staatsmannes sei es, eine neue Ordnung aufzubauen. Der erste Beitrag der Flottensachverstandigen müsse die Definition der abstrakten Gleichheit fein. Ein Maßstab müsse gefunben werden, um den Gefechts- roert einzelner Schiffe zu bestimmen. Vermöge eines derartigen Maßstabes müsse es möglich gemacht werden, z. B. Kreuzerflotten oder die kombinierten Flotten von zwei Ländern zu vergleichen und Parität zwischen ihnen herzustellen. Dawes schlug vor, einen solchen Maßstab durch einen Ausschuß von Staatsmännern auf der Grundlage der von den technischen Sachverständigen gegebenen Definition feststellen zu lassen. Diese Staatsmänner müßten außerdem die Aufgabe haben, die Bestimmungen eines endgültigen Ab - kommens über Flottenverminderung zu entwerfen. Macdonald und die Vereinigten Staaten. London, 18. Juni. (WTB.) Premierminister Macdonald hielt in Loffiemouth, wo er vor einigen Tagen mit dem neuen amerikanischen Botschafter Dawes eine wichtige Besprechung über die englisch-amerikanischen Beziehungen hatte, eine Rede, in der er zunächst erklärte: Ich habe es sowohl vor als auch während der Wahlen klargemacht, daß ich unsere Beziehungen mit den Vereinigten Staaten in den Vordergrund der nationalen Interessen stelle, lieber feine Besprechung mit General Dawes bemerkte der Premierminister: Wir sind zusammengekommen in der Hoffnung, daß wir dazu anregen können, einen Tisch vorzubereiten, um den die anderen Rationen schließlich in zusammenwirkender Kameradschaft sitzen können, die Wege des Friedens zu ermitteln, ein Gefühl der Sicherheit zu gewinnen, nicht durch Waffenschuh, sondern ohne Waffen. Die mächtige Republik jenseits des Atlantischen Ozeans wird sich in keine europäischen Verwicklungen und Bündnisse einlassen, aber niemand braucht zu argwöhnen, daß sie ablehnen wird, den gemeinsamen Interessen des Friedens und der Demokratie zu dienen. Es gibt Hindernisse, die überwunden werden müssen, auseinandergehende Interessen, die versöhnt werden müssen, berechtigte Rivalitäten, die auf ihre Gebiete beschränkt werden müssen, und Erwägungen, die untersucht und geregelt werden müssen. Dies ist die ruhmreiche Aufgabe, die die glücklichen Besprechungen zwischen dem amerikanischen Botschafter und mir eröffnet haben, und ich bitte die gesamte Ration ohne Rücksicht auf die Partei, uns zu ermöglichen, das Werk zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen. Frankreich stimmt dem Nomig-plan zu. Ein Beschluß des Ministerrais. — poincar^S Bedingungen für die Räumung. Paris, 18. 3uni. (WTB.) heule vormittag fand unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ein M i n i ft e r r a t statt, über den folgendes Kommunique ausgegeben wurde: Der Ministerrat hat die Fragen der Reparationen und auswärtigen Schulden geprüft. Poincare, Brianb und ChLron gaben einen Ueberblirf über die Lage. Die Regierung hat einmütig beschlossen, bie Vorschläge des Sachverständigenausschus- f e s über die Reparationsregelung zu billigen und deren Ratifizierung im Einvernehmen mit den interessierten Regierungen zu betreiben. Der Ministerrat hat sich gleichfalls auf die Erklärungen geeinigt, die der Ministerpräsident, der Minister für auswärtige Angelegenheiten und der Finanzminister morgen vor den Kammer- a u s f d) ü f f e n für Finanzen und auswärtige Angelegenheiten abgeben werden. „Echo de Paris" berichtet, daß im Minifterrat auch über die Folgen der Anregungen des Sachverftändigenplanes gesprochen worden sei. 3n Hinsicht auf die Unterredungen, die heute am Quai d'Orsay zwischen Strefemann, Brianö und Poincare stattfinden würden, hätten die Minister zum ersten Male versucht, die Bedingungen festzulegen, die Frankreich für den Fall der Räumung des besetzten Rheinland e s stellen werde. Line Einigung über diese heikle Frage habe innerhalb des Kabinetts noch nicht erzielt werden können. Poincare und M a g i n o f hätten nachdrücklich ihren Standpunkt verteidigt, der darauf hinauslaufe, daß eine Räumung nicht in Frage komme, solange nicht mit der Durchführung der Mobilisierung des Guthabens, das Frankreich bei Deutschland habe, ein ernstlicher Anfang gemacht worden fei. Diese These entspreche auch der allgemeinen Auffassung der Parlamentarier der Regierungsmehrheit. (Sfrefemann in Barcelona. Der Reichsautzenminister hat eine Begegnung mit Poincare in Paris. Barcelona, 18. Juni. (WTB.) Reichsminister Dr. Stresemcmn ist aus Madrid kommend in Barcelona eingetroffen. Er wurde von den Behörden, von der deutschen Kolonie und von einer zahlreichen Volksmenge empfangen und begrüßt. Die Zeitungen begrüßen den deutschen Minister des Aeußeren, loben sein Friedenswerk und die Art, wie er das Minoritätenproblem behandelt hat. Strefemann besuchte in Begleitung des Chefs der Presseabteilung, Ministerialdirektor Dr. Z e ch l i n , u. a. die Kathedrale, von wo er sich zur Weltausstellung begab, um u. a. den deutschen Pavillon zu besuchen. Rach einer Besichtigung ber Stadt sand ein Essen im Restaurant „Miramar" statt. Hm 15.22 Tlhr reiste der Minister nach Paris ab. Er wurde am Bahnhof von frem Gouverneur tmö dem GenerakkcchitSn von Katalonien, dem Bürgermeister, dem deutschen Konsul und Mitgliedern der deutschen Kolonie sowie von einigen hundert Personen begrüßt. Bei der Abfahrt des Zuges war der Minister Gegenstand lebhafter Kundgebungen. Wie der „Ternps" berichtet, wird Dr. Stresemann, der morgen vormittag kurz nach 9 ^Ihr in Paris eintreffen wird, gegen Mittag dem Außenminister B r i a n d einen Besuch abstatten. Driand wird zu Ehren des deutschen Außenministers ein Frühstück veranstalten, an dem mehrere Mitglieder der französischen Regierung teilnehmen werden. Ministerpräsident Poincare wird sich nach dem Essen nach dem Quai d'Orsay begeben und dort seinerseits eine Begegnung mit Dr. Stresemann haben. Die Reparationskonferenz. Keiue Rechtsgrundlage für eine ständige Kontrolle. London, 18. Suni. (WTD.) Der „Daily Telegraph" schreibt: Sn britischen amtlichen Kreisen war gestern nichts über eine vorbereitende Konferenz des deutschen und der alliierten Außenminister bekannt, die nach Madrider und Pariser Meldungen diese Woche in Paris stattfinden soll. Sn London ist man nicht der Meinung, daß eine vorbereitende Konferenz notwendig ist, um zu einer Einigung über das Datum und den Ort der R e p a r a - tions- und Rheinlandkonferenz zu kommen. Man glaubt, daß dies auf dem gewöhnlichen Wege diplomatischer Verhandlungen geregelt werden kann. Was die Konferenz selbst anbetrifft, so wird in amtlichen britischen Kreisen nach wie vor mit Rachdruck die Ansicht vertreten, daß London der geeignetste Ort für ihren Zusammentritt ist. Man hofft in London, daß keiner der Alliierten auf der Einsetzung einer permanenten internationalen Kontrollkommission für das Rheinland bestehen wird, da der Versailler Vertrag keine legale Grundlage für eine solche Kontrolle, zum mindestens nicht über die Der- tragsdauer hinaus, gebe. Sn finanzieller Hinsicht zeigen die britischen amtlichen Kreise große Vorsicht. Die französische Forderung, daß die französischen Schuldenzahlungen von dem Eingang der deutschen Schuldenzahlungen abhängig gemacht werden sollen, wird britischerseits für unerträglich erachtet, da dann im Falle eines Ausbleibens der bedingten deutschen Zahlungen Großbritannien von Deutschland und von Frankreich nichts erhalten würde, während Frankreich den bedingten Teil der deutschen Zahlungen erhalte. Die Agrarzötte. Schweden macht Schwierigkeiten. Berlin, 18. Juni. (Priv.-Tel.) Die Lösung des Zoüproblems für Brotgetreide steht kurz vor der Entscheidung, wenn man noch die entsprechende Regelung im Rahmen der (oommertagung des Reichstages durchführen will. Aber die Schwierigkeiten sind augenblicklich ganz außerordentlich groß, so daß Pessimisten bereits, ähnlich wie bei der Reform der Arbeitslosenversicherung, von einer Vertagung sprechen. Der Sachoerständigenausschuß, den der Reichsernährunasminister zur Beratung über die Brotgetreidepreise eingesetzt hat, ist zwar bei der Arbeit, kann aber vor der Rückkehr des Staatssekretärs H e u k a m p aus Stockholm wohl kaum irgendeinen Beschluß fassen. Eine Zollerhöhung im Rahmen der Zwischenzölle ist ohne Verhandlungen mit anderen Mächten möglich, doch scheint eine 'solche Regeluna der Landwirtschaft nicht zu genügen, so daß eine Zollsteigerung darüber hinaus, wenn sie noch für diese Ernte wirksam sein soll, davon abhängig ist, ob Schweden zu einem Entgegenkommen sich bereitfindet. An sich "ist Schweden an einer Heraufsetzung der Getreidezölle direkt nicht interessiert, trotzdem rechnen aber die eingeweihten Kreise mit einem starken Widerstand Stockholms. Man geht wohl in der Vermutung nicht fehl, daß hier bereits eine Art Snteressengemeinschaft der nordischen Länder hergestellt ist und daß die Schweden vor allem auf Wunsch Dänemarks und Finnlands nur für Gegenkonzessionen auf dem Gebiet der Vieh-, Fleisch- und Buttereinfuhr zu einem Entgegenkommen gegenüber Deutschland bereit sein wird. Ob damit aber den Snteressen der Gesamtlandwirtschaft gedient ist, erscheint zum mindestens sehr zweifelhaft. Cs bleibt natürlich noch der Ausweg einer formalen Kündigung des deutsch-schwedischen Handelsvertrages zum 31. Dezember d. S., womit aber ebenfalls eine Zollerhöhung für diese Ernte nicht möglich wäre. Aber auch die anderen vorgeschlagenen Wege für eine bald wirksame Beeinflussung der Brotgetreidepreise stoßen auf die größten Schwierigkeiten. Der Monopolgedanke spielt nach vor eine große Rolle, aber in unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß ein solches Getreidemonopol frühe- stens im Laufe von 14 bis 2 Jahren in Kraft treten könnte. Es bleibt also noch die vom Reichsernährungsminister voraeschlagene Preisausgleichsgebühr, -die sofort durch- g führt werden könnte, die aber auf den Widerstand der Sozialdemokraten stößt. Daneben tauchen noch verschiedene andere Vorschläge auf, wie z. B. der Plan der Mühlenindustrie, den diese in einer Eingabe an das Ernährungsministerium dieser Tage formuliert hat und der auf einen Mahlzwang für Weizen hinausläuft. Nach diesem Entwurf sollen die Mühlen verpflichtet werden, auf Grund einer Festsetzung des Reichsernährungsministers bestimmte Mindest mengen v o«n deutschem W e i z en zu verwenden. Wie die Negierung durch alle die Vorschläge und Schwierigkeiten hindurchfinden wird, ist noch nicht zu übersehen. Noch kein Ministerpräsident in Sachsen. Starke Zersplitterung im ersten Wahlgang. Dresden. 18. 3uni. (WB.) Sn der heutigen Landtagssitzung staird die Wahl des Ministerpräsidenten auf der Tagesordnung. Es wurden 94 gültige Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf Fle iß ner (Sozialdemokrat) 31, Dr. Blü - bet (Deutsche Dolkspartei) 13, Dr. Eberle (Sn.) 9, auf den Abgeordneten Kaiser (Wirt- fchaftspartei) 1, Dock (Altsozialist) 1, auf den gegenwärtigen Ministerpräsidenten Heldt (Altsozialist) 2, den Snnenminister Dr. Apelt (Demokrat) 4, Volksbildungsminister Dr. Dünger (Deutsche Dolkspartei) 1 und auf den Abgeordneten Dr. Schreiber (Landbund) 5, während 17 weiße Zettel abgegeben wurden. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht hat, so ist die Wahl ergebnislos g'e- blieben. Sie soll am Donnerstag wiederholt werden. Rach Schluß der Sitzung erhob sich auf den Tribünen ein ungeheuerer Tumult, bei dem die Kommunisten und Sozialdemokraten heftige Schimpfworte gegeneinander schleuderten. Die Tumultszenen setzten sich auch noch auf der Straße fort. Zwischenfall im Stinnes-Prozeß. Reichskommissar Heiuzmann über die Pariser Borgänge. Berlin, 18. Suni. (WB.) Sm Stinnesprozeß wird der ehemalige Sonderkommisfar für die Ablösung von Markanleihen in Paris, Heinzmann, als Zeuge vernommen. Der Zeuge erklärt, das- Anleiheablösungsgesetz habe sich in Paris im allgemeinen reibungslos abgewickelt. Ein Entscheidungsrecht über die Aufwertung habe er nicht besessene er habe lediglich die Anleihen auf ihre Richtigkeit zu prü- f e n gehabt und sodann an den Reichskommissar in Berlin weitergeleitet. Der Vorsitzende fordert den Zeugen auf, sich an Hand der Akten über die Aufwertungsanträge zu äußern, die von den Angeklagten eingereicht worden waren. Der Zeuge Übersetzt den französischen Wortlaut der Anmeldeformulare und weist insbesondere auf die falschen Angaben beglich der Altbesih- begründung hin. Rachdem die Anträge bew reits an den Reichskommissar in Berlin weiter- gegeben worden seien, habe sich ein gewisser Lewith in Paris erboten, gegen eine angemessene Provision größere Anleiheschiebungen aufzudecken. Anhand des Kontos des Angeklagten v. Waldow bei der Banque Centrale sei dann die Entdeckung gemacht worden, daß im Rovember 1926 für größere Summen deutsche Reichsanleihen in London zu dem Zweck gekauft worden seien, sie als Alt- besitz anzumelden.. Der Zeuge erklärt, er habe darauf sofort in Berlin Anzeige er- st a t t e t. Dem französischen Abgeordneten Cal- m a n habe er erzählt, daß gegen ihn, Calman, wahrscheinlich ein Strafverfahren eingeleitet werden würde. Anläßlich eines Aufenthaltes in Berlin habe der Zeuge aber die Weisung erhal- ten, Colman zum Be rzicht auf Alt- und Reubesitz zu veranlassen, da für ein Strafverfahren bei der Regierung keine Stimmung bestand. Calman habe sich, da er sah, daß er in eine gefährliche Angelegenheit verwickelt worden war, auch bereit erklärt, diesen Verzicht auszusprechen. Am 7. September 1927 hat Calman mir gegenüber zum ersten Male den Ramen Stinnes genannt, jedoch hinzugefügt, daß es schwer sein werde, ein Beweismittel gegen Stinnes persönlich in die Hand zu bekommen. Ferner hat er mir gegenüber den ganzen Sachverhalt offen dargelegt und erklärt, daß irgendwelche Altbesitzansprüche nie bestanden hätten. Sch habe dann die Angelegenheit mit aller Energie verfolgt und die Angaben Calmans in geradezu grotesker Weise bestätigt gefunden. Es stellte sich nämlich heraus, daß mehrere Personen, in deren Ramen die Aufwertungsansprüche gestellt worden waren, davon überhaupt keine Ahnüng hatten. Rechtsanwalt Alsberg wirft dem Zeugen vor, die Beschuldigungen Calmans gegen die Angeklagten Stinnes und v. Waldow nicht objektiv genug geprüft zu haben. Zeuge Heinzmann erwidert in erregtem Tone, er habe alles getan, was in seiner Macht stand, die objektive Wahrheit herauszubekommen. Rechtsanwalt Dr. Alsberg erklärt, erregt aufspringend, die Verteidigung wolle nachweisen, daß das Auftreten Heinzmanns in diesem Verfahren an einer Reihe von Stellen gesetzwidrig gewesen sei, daß es ihm ferner nur darauf angekommen fei, unter allen Umständen Stinneszur Strecke zu bringen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Hock wirft dem Zeugen Heinzmann sogar Erpressung vor, so daß der Vorsitzende sich veranlaßt sieht, zu erklären: „Wir haben jetzt über die Schuld der Angeklagten zu entscheiden und nicht über die Schuld des Zeugen Heinzmann. Sch bitte doch, die Prozeßrollen nicht zu vertausche n.“ DerVerlinerKongreZdesWeltbundes für staatsbürgerliche Frauenarbeit. Berlin, 18. Juni. (WB.) Am zweiten Kongreßtage des Weltbundes für staatsbürgerliche Frauenarbeit wurden die zusammenfassenden E n t s ch l i e - jungen bekanntgegeben. Der elfte Kongreß des Weltbundes hat sich zunächst erneut zu den Grundsätzen bekannt, die seine Arbeit 25 Jahre hindurch geleitet haben. In bezug auf das F r a u e n st i m m - recht beauftragte der Kongreß den Vorstand des Weltbundes, sich in allen Staaten, die das Frauenstimmrecht noch nicht besitzen, für die Gewährung desselben einzusetzen, damit überall die „Volksregierung" auch wirklich das gesamte Volk umfasse. Ferner erklärte es der Kongreß als Pflicht der Frauen aller Länder, für freundschaftliche Beziehungen der Völker untereinander zu arbeiten und sprach sich für den Völkerbund als Basis des Friedens aus. Auf wirtschaftlichem Gebiete forderte der Kongreß, daß alleArbeitsgebiete denFrauen offen« st e h e n und daß alle Zweige der Berufsausbildung den Frauen unter denselben Bedingungen wie den Männern zugänglich seien. In bezug auf die 'S i t t - lichkeit erstrebt der Kongreß einen höheren, sittlichen Maßstab als bisher für Männer wie für Frauen. Was die Gesetzgebung anbelangt, fordert der Kongreß, daß die verheiratete Frau das gleiche Recht wie der Mann be- sitze, die Staatsangehörigkeit zu behalten oder zu wechseln. Nach Bekanntgabe der zusammenfassenden Entschließungen wurden die Beziehungen zu dem Internationalen Frauenbund ausgenommen, indem man einen Verbindungsausschuß einsetzte. Der Reichskanzler und Frau Müller veranstalteten heute nachmittag einen Tee-Empfang zu Ehren des in Berlin tagenden Weltfrauenkongresses. Die Mehrzahl der ausländischen Delegierten und der Vertreterinnen deutscher Frauenverbände waren der Einladung gefolgt. Don deutscher Seite waren außer den Gastgebern erschienen die Reichsminister G r o e ■ ner, o. Gu 6 rard, Scoering und Wissell mit ihren Damen, die Staatssekretäre Zweigert und Geid, Ministerialdirektor Dr. Köpke, Polizeipräsident 3 ö r g i e b e I und Polizeikommandeur Heimannsberg. Ferner sah man eine Anzahl Abgeordneter und Angehöriger der Presse. GroßfeuermemerVerlmerFabrik SchwierigesRettungswerk.-EinTodesoPfer Berlin, 18. Suni. (WB.) Sn einer auf dem Grundstück Alt-Moabit 104 untergebrachten chemisch-pharmazeutischen Fabrik brach heute nachmittag aus bisher noch unaufgeklärter Ursache ein Brand aus, der rasch einen derartigen Umfang annahm, daß der Einsatz von zehn Zügen der Feuerwehr und zwei Feuerlöschbooten notwendig wurde. Das Feuer war gegen 17 Uhr noch nicht niedergekämpft. Die drei um den Hinteren Hof des Grundstücks gelegenen Gebäude standen vom zweiten bis zum vierten Stockwerk in Flammen. Dagegen ist es inzwischen gelungen, die zahlreichen Menschen, die in dem Gebäude beschäftigt waren und deren Leben durch die ungewöhnlich rasche Ausdehnung des Brandes gefährdet war, wenn auch unter großen Mühen, zu retten. Das Grundstück Alt-Moabit 104 wird von einem Wohnhaus an der Straße, einem ersten Fabrikhof und einem zweiten Fabrikhof gebildet. Das Feuer kam im zweiten Hofe im rechten Seitenflügel im Betrieb der chemischen Fabrik dadurch zum Ausbruch, daß ein Angestellter, dem ein Bleistift in einen Spiritusbehälter gefallen war, die Fahrlässigkeit beging, mit einem Streichholz in den Behälter hineinzuleuchten. Sofort schlug eine Stichflamme empor, die im nächsten Augenblick auf einen neben dem Spiritusbehälter stehenden großen Benzinbehäl- t e r übersprang. Wenige Minuten darauf stand das ganze zweite Stockwerk des Seitenflügels in Flammen, von wo aus der Brand auch auf die beiden angrenzenden Gebäude des Komplexes Übergriff und so auch die Treppen versperrte. Sm dritten Stockwerk des Hauses befindet sich eine Litzenfabrik, deren 21 Angestellte sowie die beiden Snhaber den Weg ins Freie verlegt fanden. Ebenso waren im zweiten Stockwerk im Betrieb der ' chemischen Fabrik fünf Angestellte abgeschnitten. Die Feuerwehr breitete sofort Sprungtücher aus. Vier der Angestellten haben sich jedoch trotz der Sprungtücher beim Llbspringen erheblich verletzt. Sn den Fenstern des vierten Stockwerks erschienen ebenfalls Menschen und schrien um Hilfe. Es gelang schließlich, teils über die Seitentreppen, teils über die mechanischen Leitern sämtliche im vierten Stockwerk befindlichen 23 Personen ebenfalls in Sicherheit zu bringen. Den übrigen Angestellten war es noch rechtzeitig gelungen, zu flüchten. Der Expedient W o i n o w s k i, auf dessen unvorsichtiges Hantieren mit einem Streichholz der Brand zurückzuführen ist, hat bei der Explosion des Spiritusbehälters so schwere Verletzungen erlitten, daß er im Krankenhaus verstarb. Die Arbeit der Feuerwehr erlitt eine Verzögerung dadurch, daß die ersten Hydranten, an die man die Schläuche anschloß, versagten, so daß erst von einer anderen Stelle Wasser beschafft werden mußte. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 18. Suni. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtages lehnte mit 6 gegen 7 Stimmen einen Antrag Kaul (S.) ab, Der die Umwandlung von sechs Polizeileutnantstellen in Polizeihauptleutestellen verlangte. Die Regierungsvorlage über die Errichtung von Bade» einrichtungen in Deamtendienstwohnungen in der Dergwerksdirektion Wölfersheim (3700 Mark) wurde einstimmig gebilligt: ebenso die 27 000 Mk. für die Verwaltung der Landessteuern durch die Finanzämter bzw. der Vorkontrolle durch hessische Beamte. Einstimmige Annahme fand auch die Regierungsvorlage über die Rationalisierung des Handwerks, wofür bekanntlich 100 000 Mark angefordert wurden. Eine Reihe von Eingaben wird durch die meist ablehnende Regierungsantwort für erledigt erklärt. Oie Buch- und Betriebsprüfungen. Berlin, 18. Juni. (TU.) Der Reichsfinanzminister hat dem Reichstag eine Ueberficht der während des Rechnungsjahres 1928 im Reiche vorgenom- menen Buch- und Betriebsprüfungen zugehen lassen. Danach haben in insgesamt 51687 Fällen Prüfungen stattgefunden. Die Gesamtsumme des an Reichssteuern festgesetzten Me hrbetrages erreichte die Höhe von 121277 555 Mark, was gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung von mehr als 16 v.H. bedeutet. An Landes-, Kirchen- und anderen Steuern wurden Mehrbeträge von rund 21 Millionen festgesetzt. Die verhängten Geld st rasen betrugen 2 891 526 Mark. Aus aller Welt. Schweres Flugzeugunglück im Kanal. London, 17. Juni. (TU.) Ein am Montagvormittag fahrplanmäßig um 10.30 Uhr mit 11 Reisenden, dem Piloten und dem Mechaniker an Bord von Eroyden abgeflogene Verkehrsflugzeug der Strecke London — Paris — Zürich sah sich drei Meilen von der englischen Küste entfernt zur Notlandung gezwungen. Während alle Meldungen noch bis zum späten Nachmittag von einem glatten Verlauf der Landung und Rettung sämtlicher Insassen sprachen, und auch eine entsprechende amtliche Mitteilung dieses Inhaltes herausgegeben wurde, wird nun amtlich der Verlust von 7 Menschenleben bekanntgegeben. Von der Imperial Airway wird folgender Bericht herausgegeben: Das heule vormittag um 10.30 Uhr abgeflogene Verkehrsflugzeug der Linie London— Zürich sandte Jloff ignale aus, als es sich 15 Meilen von der englischen Küste entfernt über dem Kanal befand. Der Pilot kehrte um, mußte aber drei Meilen von der Küste entfernt niedergehen. Er teilte drahtlos mit, daß er längsseits eines Fischdampfers niedergehen werde, was auch geschah. Auf Grund der ständigen Rotslandsoorkehrungen wurden sosorl nach Eingang des Rol- signals weitere Schiffe an die Unglücksstelle entsandt. Bedauerlicherweise haben 7 Reisende i h r Leben verloren, vier Reisende, der Pilot und der Mechaniker wurden verwundet, wie man hofft, nicht ernsthaft. Aus der harmlos erschienenen Rotlandung, über deren günstigen Verlauf noch am Spätnachmittag Augenzeugenberichte veröffentlicht wurden, ist danach ein Verkehrsunfall ersten Ranges geworden, da neben den sieben Toten alle weiteren Snsassen des Flugzeugs verletzt, wurden. Gin ähnliches schweres Unglück im englischen Luftverkehrsdienst hat sich am Heiligen Abend 1924 ereignet, als ein Flugzeug kurz nach Verlassen von Croyden notlanden wollte, sich überschlug und in Flammen aufging, wobei sieben Reisende und der Pilot ihr Leben verloren. Ueber die Ursache des Verkehrsunglücks fehlen noch alle zuverlässigen Hinweise, da alle früheren Meldungen davon sprachen, daß das Flugzeug sich an der Oberfläche hielt. Die Reisenden, die sich auf den Tragflächen halten konnten, sollen von einem nur P/i Meile entfernten französifchen Fifchdampfer und anderen, gleichfalls in der Rähe befindlichen Fahrzeugen auf genommen worden sein. Demgegenüber steht nun fest, daß das Flugzeug in den Hafen eingeschleppt wurde. Von den Toten sind bisher nur drei ans Land gebracht worden. Vier weitere Tote sind, wie man annimmt, in der von Beginn der Rotlandung an völlig unter Wasser liegenden Kabine noch eingeschlvssen. Bei dem verunglückten Flugzeug handelt es sich um einen Handlet) Page-Doppeldecker mit zwei Motoren von 1000 Pferdekräften, der im März 1926 In Dienst gestellt wurde, bisher 250 000 Meilen zurücklegte und etwa 1000 mal den Kanal überflogen hatte. vom D-5ug ein Arm abgerissen. Auf der Fahrt von Raumburg nach Leipzig lehnte sich ein Leipziger Schulmädchen zwischen Weißenfels und Cvrbetha weit aus dem Fenster des Personenzuges hinaus, um Kameradinnen, die sich in einem anderen Wagen befanden, zuzuwinken. Sn diesem Augenblick kam ein O-Zug vorbeigefahren und riß dem Mädchen einen Arm oberhalb des Ellenbogens ab. Die Verletzte wurde in Cor- betha sofort ins Krankenhaus geschafft. Die Hitzewelle in Reuyork. Reuyvrk leidet noch immer unter der Hitzewelle. die feit zehn Tagen andauert. Dienstag nachmittag stand das Thermometer auf 33,3 Grad Celsius im Schatten, was einen Rekord bedeutet. Mehr als zehn Personen starben infolge der Hitze, und zwölf ertranken während des Wochenendes, wo Millionen von Menschen im Meer und in den Flüssen Erleichterung vor der Sonnenglut suchten. Bluttat in der Strafanstalt. Sm Gerichtsgefängnis in Snsterburg ist der Tlntersuchungsgefangene Pauleck von dem ilnter- suchungsgefangenen Raibutzki mit einem Schemel erschlagen worden. Es besteht die Möglichkeit, daß Raibutzki, der die Tat geftanö, in einem Anf all von Geistesgestörtheit gehandelt hat. Er war Anfang des Sahres zur Beobachtung in einer Srrenanftalt, von wo er als normal entlassen wurde mit dem Ergebnis, daß er simuliere. Der getötete Pauleck und ein anderer ilnterfudjungägefangener waren mit Raibutzki auf ärztliche Anordnung in eine Kranken- Äefie gelegt worden mit dem Auftrag, auf Raibutzki aufzupassen. Tödlicher Flugzeugunfall in Leipzig. Auf dem Flugplatz Leipzig-lMockau stürzte der 23jährige Flugschüler Benno Hacke aus Torgau auf einem Prüfungsflug zum Erwerb des Zwischenscheines aus einer Höhe von 150 Meter mit dem Flugzeug ab. Die Maschine wurde vollständig zertrümmert. Der Flugschüler erlitt einen Schädelbruch und zahlreiche Knochenbrüche und konnte nur als Leiche geborgen werden. Es wird angenommen, daß er eine Linkskurve zu steil genommen hat, so daß das Flugzeug abrutfchte und zur Erde stürzte. Oie Wetterlage. o Nordoyi 14 <9 Dienstaa, d.18. Juni 1929.7haM5- 3 --= —Röst- Eg QWoiKenfm O neirtr. q rraf» Deffecrt.» wofXig. • oeijtcxi •Ke^a * Sehnte a Graupeln. a MeDti K Gewitter.® windstille. .<>. sehr .eicnter ost massiger SOdsoawest. <5 stürmischer flordwesl Oie Pfene fliegen mit dem Winde. Pie oei den Stationen siencnden Zahlen geoen die Temperatur an. Pie Linien VerDindcs Oru mit gleicher» »ul rieercsnivcau umoeHrhoeUA Uilldruct Wettervoraussage. Die Luftdruckoerteilung zeigt nur wenig Aende- rung. Langsam wandert der Kern des Hochdruckgebietes ostwärts ab. Ganz Deutschland wird weiterhin von der Hochdruckwetterlage beherrscht. Sie hält zunächst weiter stand, jedoch nimmt mit der fortschreitenden Erwärmung und dem Umdrehen der Winde die Neigung zu Gewitterstörungen zu. Wettervoraussage für Donnerstag: Meist heiteres Wetter, sehr warm, Neigung zu lokalen Gewitterstörungen. Wettervoraussage für Freitag: Wenig Aenderung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 18. Juni: mittags 24,1 Grad Celsius, abends 17,7 Grad am 19. Juni: morgens 18,1 Grad. — Maximum 25 Grad, Minimum 11 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. Juni: abends 25,9 Grad am 19. Juni: morgens 19,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 12)4 Stunden. Aus -er Provinzialhaupifiadi. । ©laßen, den 19. Shtni 1929. Oer sommerliche Oarmkaiarrh. Zu den unerfreulichen Nebenerscheinungen jeden Sommers gehört das häufige Auftreten Von Darmkatarrhen. Sie können ganz besonders für den Säugling zu einer ernsten Gefahr werden. Hier ist die Ursache meist in der durch die Sommerhitze verdorbenen Säuglingsnahrung, der Milch, zu suchen. Deshalb ist Kühlhalten der Milch, Bezug aus einer einwandfreien Quelle und peinlichste Sauberkeit der Gefäße, in denen die Milch aufbewahrt wird, das beste Dorbeugungsmittel. Am sichersten wird natürlich diejenige Mutter ihr Kind vor Krankheit oder Tod bewahren, die es selbst stillt. Für den Erwachsenen spielt der an sich besonders zu empfehlende Obstgenuß als Ursache für vielfache Tormerkrantungen eine Rolle, und die Richt- t-cachtung der notwendigen hygienischen Dor- sichtsmaßregeln fordert manches Opfer. Die Oberfläche jeder Frucht ist der Verunreinigung durch Staub und Schmutz, durch Menschenhand und durch Insekten ausgesetzt. Deshalb ist es nötig, jedes Obst vor dem Genuß sorgfältig zu waschen, oder, wo dies möglich ist, das Obst zu schälen. Man hüte sich auch, beim Obstessen größere Men- gen Wasser zu trinken. Aber auch sonst sollte man im Sommer mit dem W a s s e r t r i n k e n zur Verhütung von Darmkatarrhen und ähnlichen Erkrankungen besonders vorsichtig sein. Vor allem vermeide man, wie es leider auf Wanderungen so oft geschieht, Wasser von unbekannter Herkunft zu genießen. Ist man dazu gezwungen, so lasse man es mindestens vorher sorgfältig ab- kochen; allenfalls ist ein Schluck aus einem klaren Gebirgsquell als hygienisch einwandfrei betrachten. Im übrigen sei für heiße Tage ein wenig kalter Kaffee, kalter Tee, oder ein Stück Schokolade zur Stillung des Durstes empfohlen. Außer der Rahrung selbst spielt aber auch sowohl für den Säugling, als auch für ältere Kinder und Erwachsene die Fliegenplage eine große Rolle bei der Entstehung des sommerlichen Darmkatarrhs. Tausenderlei Unreinlichkei- ten, Bakterien und Krankheitsgifte haften den Miegenbeinen an und werden so, zumal wenn die Fliegen Gegenstände berühren, wie den Sauaer der Milchflasche oder Speisen und Geräte, die wir dann zum Munde führen, in unseren Ver- dauunaskanal gebracht. Der Kampf gegen den Darmkatarrh ist also zugleich ein Kampf gegen die ^Fliege. Daher bedecke man alle Speisen mit einem Drahtkorb, oder einen für die Fliegen undurchlässigen Deckel. Man suche durch Fliegenpapiere und dergleichen die Fliegen einzufangen, man sorge für Durchlüftung namentlich abends nach Sonnenuntergang, kurz man setze in die Tat um den Kampfruf des Reichsausschusses für hygienische Volksbelehrung: „Tötet d i e Fliegen, sonst töten sie dich." Date« für Donnerstag, 20. Juni. Sonnenaufgang: 3.43 Uhr. Sonnenuntergang: 20.19 Uhr; Mondaufgang 19.12 Uhr, Monduntergang: 2.16 Uhr. 1849: der Dichter Franz v. Schönthan in Wien geb. (gest. 1913). — 1868: der Schriftsteller Walter Bloem in Elberfeld geb. Bornotizeu. — Tageskalender für Mittwoch. Goethe-Bund: Mitglieder-Jahresoersammlung, 20 Uhr, Hotel Schutz. — Englisches Seminar: Vortrag „The New Internationalism“, 20.15 Uhr, im Kunstwissenschaftlichen Hörsaal. — Lichtspielhaus, Dahn- Hofstraße: „Totentanz der Liebe". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird und geschrieben: Als nächste Premiere der Sommerspielzeit geht am Dienstag, 2. Juli, die Uraufführung „Liebe auf den zweiten Blick", Komödie in drei Akten von Miles MaNeson (nach dem Roman „Safeth First" von Margot Reville) Deutsch von Held in Szene. Spielleitung: Oberspielleiter Hans T a n n e r t. — Gießener Konzertoerei n. Morgen, Donnerstag, 20. Juni, in der Neuen Aula der Universität Dolkskonzert. Näheres in der heutigen Anzeige. — „D e r neue Internationalismus'. Heute 20.15 Uhr im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstrahe 34, Vortrag in englischer Sprache von Miß M. L. R o o t über „Der neue "Internationalismus". — E i n Lichtbilderoortrag über „TempelstättenGriechenlands wird von Dr. Johannes Hemleben (Kassel) am Freitag, 21. Juni, im Singsaale der Oberrealschule gehalten. Näheres in der heutigen Anzeige. •• Straßensperrungen. Dom Oberhessischen Automobil-Club (A.V.D.), Gießen, wird uns mitgeteilt: Die Strecke Eibelshausen- Siegen im Zuge der Straße Dillenburg— Siegen ist von Kilometer 1,7 bis 2,3 bis zum 29. Iuni gesperrt. Umleitung über Bergebers- o buch. — Die Straße H e r b o r n — H a ch e n- bürg ist von Kilometer 31,7 bis 32,1 vom 22. bis 26. Iuni gesperrt. Umleitung über Roth- Driedorf. — Die Strecke S t a d e n — Rieder- Mockstadt im Zuge der Straße Friedberg— Ridda ist ab 24. Iuni bis auf weiteres gesperrt. Umleitung über Leidhecken—Blofeld—Dauern- h e im—Ober-Mockstadt. ** Aus dem Gießener Standesamt s- re gift er. Es verstarben in der Zeit vom 1. bis 15. Iuni: 3. Iuni: Elisabeth Klose, geb. Roll, Witwe, 65 Iahre, Gartenstraße 26; Katharine Hardt, geb. Graß, 80 Iahre, Hammstrahe 4. 4. Iuni: Martha Heckmann, geb. Meng, Witwe, 61 Iahre, Stephanstr. 3. 6. Iuni: Eduard Karl Ritsert, Kaufmann, 35 Iahre, Kaiserallee 60. 9. Iuni: Wilhelmine Schultes, geb. Steinebach, 65 Iahre, Walltorstr. 44; Wilhelm Kretzer, Händler 80 Iahre, Teufelslustgärtchen 3. 12. Ium: Ferdinand Weil, Kaufmann, 56 Iahre, Ludwigstr. 3. 14. Iuni: Ottilie Wittich. Priva- tin, 79 Jahre, Seltersweg 63. ** Heugrasversteigerung. Bei der gestrigen Heugrasversteigerung der Stadt Gießen wurden bei großer Rachfrage gute Preise erzielt. Don den Wiesen im Reustädter Feld im Durchschnitt pro Morgen 100 Mk., im Heegstrauch 80 Mk., im Wiesecktal 60—100 Mk. ** Konzert in der Chiru rgischen Kli- n i k. Am Sonntagnachmittag erfreute der Mädchenchor der evangelischen Jugendoereinigung Klein- Linden die Patienten und das Personal der Chirurgischen Klinik mit einem wohlgelungenen Gesangskonzert. Helle Freude strahlte aus den Augen der großen und kleinen Patienten, und inniger Dank Umbau im Gießener Bahnhof. Schon feit Jahren sind die unzulänglichen Raumverhältnisse im Gießener Bahnhofsgelände allgemein bekannt. Die Reichsbahnverwaltung selbst kennt aus ihren eigenen Betriebserfahrungen die vielfachen Unliebsamkeiten und Schwierigkeiten, die aus den mangelnden Raumverhältnissen sich ergeben, und sie hätte sicherlich schon längst Abhilfe geschaf- en, wenn die Finanzlage ihr das gestattet hätte. Nunmehr wird aber doch der erste Schritt zur Ab- tellung der Schwierigkeiten im Gebiete unseres Bahnhofs getan. Seit einiger Zeit sind Vermessungen des Geländes in der Richtung nach Klein-Linden zu im Gange, die den Zweck haben, die Verlegung des Eisenbahnbetriebswerkes aus dem Güte rb ahn Hof und die Neuerrichtung dieses Werkes bei Klein- Linden in die Wege zu leiten. Nach den für die- en Zweck ausgearbeiteten Plänen soll das neue kisenbahnbetriebswerk mit Lokomotivschuppen, Werk- tätten, Bekohlunasanlagen, Wasserkranen, Dreh- cheiben usw. in der Nähe des Stellwerks Klein- Linden neu erichtet werden. Durch die Beseitigung des jetzigen Werkstättengebäudes im Güterbahnhof wird ein wesentliches Stück Gelände gewonnen, das mit Gleisen versehen und dem Güterbahnhofsbetrieb dienstbar gemacht werden soll. Der Verkehr zwischen dem geplanten neuen Werkstättengebäude bei Klein- Linden und dem Personen, und Güterbahnhof soll durch ein besonderes Maschinenzuführungsgleis geregelt werden. Im Güterbahnhofsbetrieb wird durch die vorzunehmende Gleiserweiterung eine Anzahl der jetzigen Sammelgleise vermehrt und die Abwicklung des oft gehemmten Wagenablaufs vom Rangierberg, wie auch die Arbeiten der Rangierkolonnen wesentlich erleichtert werden. Die Kosten für dieses großzügige Bauprojekt belaufen sich, wie man uns berichtet, auf 5 bis 7 Millionen Mark. Von Eisenbahnseite hören wir, daß diese Kostenangabe zu hoch gegriffen sei. Die vorstehend beschriebenen Umbauten sind als der e r st e Abschnitt eines groß- angelegten Umbauprogramms für unseren Bahnhof anzusehen, das im Verlause der nächsten zehn Jahre zur Durchführung kommen soll. Die Gesamt kosten für das ganze, auf Jahre berechnete Umbauprogramm werden nach dem heutigen Stande der Dinge auf rund25Millio- n e n Mark berechnet. Hieraus wäre allerdings ersichtlich, daß die Kostenangabe für den obenerwähnten ersten Bauabschnitt zu hoch beziffert ist. Aber abgesehen davon ist es in der Tat erfreulich, daß man nun endlich mit dem Umbau des Gießener Bahn- I Hofs beginnen und damit einer schon seit langen Jahren als dringend notwendig erkannten Forde- I rung gerecht werden will. Ser Voranschlag des Kreises Gießen für 1929. Die Kreisverwaltung des Kreises Gießen hat gestern den Mitgliedern des Kreistages den Voranschlag des Kreises Gießen für das Rechnungsjahr 1929 und die Einladung zu der diesjährigen ordentlichen Sitzung des Kreistages am 29. Iuni übermittelt. Der Voranschlag für 1 929 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1 003 260 Mk. gegen 940 999 Mk. im Vorjahre ab. Davon entfallen auf die Betriebsrechnung für 1929 insgesamt 769 069 Mk. gegen 720 036 Mk. im Vorjahre, auf die Vermögensrcchnung 234 191 Mk. für 1929 gegen 220 963 Mk. im Iahre 1928. In der B e t r ieb sr echnun g sind für die einzelnen Verwaltungszweige vorgesehen: Allgemeine Verwaltung: Einnahme 2215 Mk. (Vorjahr 2000 Mk.), Ausgabe 19 790 Mk. (Vorjahr 28 000 Mk.); Polizeiwesen: Einnahme 28 705Mk. (Vorjahr 27 700 Mk.). Ausgabe 32 685 Mk. (Vorjahr 30 210 Mk.); Schulwesen: Einnahme 10 Mk. (50 Mk.). Ausgabe 11 348 Mk. (10 898 Mk.); Kunst und Wissenschaft: Einnahme 200 Mk. (200 Mk.), Ausgabe 2400 Mk. (2100 Mk.); Bauwesen: Ein. nähme 4285 Mk.^4216 Mk.), Ausgabe 18 651 OHL (18 508 Mk.); Allgemeine Förderung der Wirtschaft: Einnahme nichts. Ausgabe 5620 Mark (5405 Mk.); Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen, einschließlich Erwerbslosen- und Woh- nungsfürsorge: Einnahme 261 892 Mk. (248 024 Mk.). Ausgabe 480 379 Mk. (460 822 Mk.); Anstalten und Einrichtungen: Einnahme 3140 Mk. (3025 Mk.). Ausgabe 13 990 Mk. (11870 Mk.); Finanz- und Steuerwesen: Einnahme 458 944 Mk. (428 405 Mk.), Ausgabe 176 777 Wk. (148 064 Mk.); Grundstücksverwaltung: Einnahme 39Mk. (47 Mk.). Ausgabe 20 Mk. (20 Mk.); Kapitalvermögen und Kapitalschulden: Einnahme 9639 Mk. (6369 Mk.), Ausgaben 7409 Mk. (4139 Mk.). In der Dermögensrechnung sind vorgesehen: Reste und Ausgleichsstock: Einnahme 215 716 Mk. (203 124 Mk.). Ausgabe 215 716 Mk. (203 124 Mk); Kapitalien- und Erneuerungsfonds: Einnahme 18 475 Mk. (17 839 Mk.), Ausgaben 18 475 Mk. (17 839 Mk.). Die Ausgaben betragen in der Betriebsrechnung 769 069 Mk., die Einnahme einschl. der Reichssteueranteile und der kleineren Kreissteuern 549 069 Mk.. so daß sich der Um- lagenbedarf für 1929 auf 220 000 Mk. stellt. Vie Tagesordnung der Kreisiagssitzung. Am Samstag. 2 9. Iuni. vormittags 10 Uhr, findet im Sitzungssaals des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung desKreistagsmit folgender Tagesordnung statt: 1. Diensteinweisung zweier Kreistagsmitglieder; 2. Rechnung der Kreiskasse und Derwaltungs- bericht des Kreisausschusses für 1927 Rj.; 3. Voranschlag des Kreises Gießen für das Rj. 1929 und Festsetzung der Ausschlagssätze für die Kreisumlagen für 1929; 4. Tätigkeitsbericht ter Dezirksfürsorgestelle und des Kreisjugendamts für 1928 und Bericht des Kreisschularztes für 1928; 5. Festsetzung des Ausschlagssahes für die endgültige Kreisgewerbesteuer für 1928 Rj.; 6. Ausdehnung der Unfallversicherung; hier: Zusammenschluß der Hess. Provinzen und Kreise für alle unsallverficherungspflichtigen Betriebe zu einem Dersicherungsverband. war den Sängerinnen und ihrem Chorleiter, Lehrer R a u , für die genußreichen und abwechslungsreichen Liederoorträge gewiß. In den Pausen fangen die Mädchen uyd jungen Burschen Volkslieder zur Laute. ** DerHessischeBe trm tprfru n d hält am nächsten Sonntag in Darmstadt seinen 10. Bundestag ab. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Vortrag über „Die Neugestaltung der Rechtsverhältnisse der Beamten in Reich und Ländern", den der Leiter der Rechtsabteilung des Deutschen Beamtenbundes, Dr. R i ch h a r d t aus Berlin, halten wird. Kein Heu und Stroh an Bahndämmen lagern! Zur Vermeidung von Feldbränden ist es erforderlich, erneut darauf hinzuweisen, daß nach den behördlichen Vorschriften leicht entzündbare Gegenstände wie Heu, Stroh, Getreide usw. nicht an Bahndämmen gelagert werden dürfen. Wenn das doch der Fall ist, dann müssen diese Gegenstände durch feuerfeste Bedachung oder sonstige Schutzvorrichtungen vor Funkenflug und glühenden Kohlen geschützt sein. Das Material darf erst in einer Entfernung von mindestens 38 Meter vom Schienenstrang schutzlos gelagert sein. Auch frisch gemähtes Getreide und Strohpuppen müssen mindestens 18 Meter vom Bahnkörper entfernt liegen. Für etwa eintretende Brandschäden haftet immer der Besitzer des brennenboren Materials. Die Reichsbahn haftet für solche Schäden nicht. Beanstandung des Offenbacher Eiais durch das Ministerium. WSR. Offenbach a. M., 17. Iuni. Der Minister des unnern empfiehlt dem Oberbürgermeister in einem Schreiben an das Kreisamt bezüglich des Haushaltsplanes, der einen ungedeckten Fehlbetrag von 670000 Mark ergibt, nochmals über den Haushaltsplan zu beraten, und schreibt, daß selbst bei Berücksichtigung der besonders schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in der Stadt Offenbach es vom Standpunkt einer geordneten Finanzwirtschaft unter keinen Umständen vertretbar sei, den vorgesehenen Voranschlag ab - z u s ch l i e h e n und einen so erheblichen Teil der laufenden Ausgaben ungedeckt zu lassen und auf die Anleihe zu verweisen. Rach einer Verwaltungsbesprechung wurde beschlossen, die Angelegenheit dem Finanzausschuß zu überweisen und in der Stadtratssitzung zu beantragen, zur Fortführung der städtischen Wirtschaft über den 1. Iuli hinaus auf Grund des vorjährigen Haushaltsplanes die Ermächtigung zu erteilen. Aus dem Amtsverkündigungsblaii. * Da s Amtsverkündigungsblatt Nr.42 vom 18. Juni enthält: Straßensperre-Aufhebung. — Mitgliederversammlung des Hessischen Schutzvereins für entlassene Gefangene e. V. — Dienstnachrichten. Berliner Börse. Berlin, 19. Juni. (WTB. Funkspruch.) Da für heute Anregungen fast gar nicht vorliegen, bot her Frühverkehr das übliche geschäftslose Bild. Die Tendenz bleibt abwartend, aber nicht unfreundlich. Kurse sind noch nicht zu hören, man taxiert sie behauptet. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,93, London gegen Mailand 92,67, London gegen Spanien 34,21 zu 34,25, London gegen Kabel 4,847750, London gegen Berlin 20,3175 zu 20,32, Kabel gegen Berlin 4,1910 zu 4,1915. Volkshochschule im Freien. • W a henborn-Steinberg.18. Iuni. Die StiftungfürVorträgeausderdeut- schen Geschichte veranstaltete am Sonntag nachmittag ihre erste Feier durch einen Vortrag von Prof. Dr. Aubin über „Entstehen und Vergehen der R ö m e r h e r r sch a f t in S ü d w e st d e u t s ch l a n d." An einer aus Dasaltblöcken errichteten Terrasse, die eine prachtvolle Aussicht auf Taunus, Westerwald, Düns- berg mit Gleiberg und Vetzberg, sowie die Stadt Gießen über dem Walde und östlich nach dem Vogelsberg bietet, versammelten sich über dreihundert Hörer aus Watzenborn-Steinberg, Gießen, Hausen, Garbenteich, sowie Lechgestern, Lang-Göns, Grüningen und weiter aus der Wetterau bei prachtvollem Wetter an der Stelle, die von der ©rüninger Landstraße leicht zu erreichen ist. Rach kurzer Begrüßung durch Geheimrat Sommer stellte Prof. Aubin in außerordentlich klarer und packender Weise den Einbruch der Romer, zuerst unter Cäsar, bann seinen Rachfolgern, in Südwestdeutschland dar, der schließlich zur Errichtung des Grenzwalles östlich des Rheines und nördlich der Donau führte. Dieser wurde mehrfach, wie es besonders im Odenwald zu beobachten ist, vorgeschoben, um die Grenze des römischen Reiches in das germanische Land vorzurücken und bas eingeschlossene Gebiet für Rom zu sichern. Der Grenzwall lief vom Rhein in der Rähe von Engers zunächst südlich, überschritt die Lahn in der Rähe von Ems, ging dann südlich durch den Taunus, dann östlich am Rord- rand des Feldberges vorbei. Hier war er durch die Saalburg bei Homburg gesichert, kreuzte dann das Tal an der Lochmühle, ging über den Winterstein im Dogen an Ziegenberg vorbei auf die Höhen bei Butzbach und llef dann, jetzt von der Bahn zwischen Gießen und Butzbach durchschnitten, auf der Wasserscheide zwischen Wetter (Main) und Lahn bis zu der Stelle zwischen Grüningen und Watzenborn-Steinberg, die von Geheimrat Sommer durch einen Denkstein gekennzeichnet wurde. An dieser Stelle biegt der Grenzwall nach Osten, dann nach Süden äff der Ostseite der Wetterau um, läuft zum Main, dann an der rechten Mainseite in der am weitesten vorgeschobenen Linie in der Rahe von Miltenberg nach Süden und gewinnt, nach dem Zug durch Schwaben scharf nach Osten abbiegend, Verbindung mit dem rätischen Limes, der die Donau nach Rorden sicherte. Der Redner schilderte in dramatischer Weise die Vorgänge, bis der Zusammenbruch der Römerherrschaft im Süd- westen durch eine Ueberflutung des Grenzwalles zwischen Rhein und Donau durch die Germanen erfolgte, wobei die Chatten (Hessen) in unserer Gegend eine wesentliche Bedeutung hatten. Der Vortrag wurde mit großer Spannung und lebhaftem Beifall ausgenommen. Dann gab Geheimrat Sommer noch eine kurze Darstellung der Stiftung, die organisch aus seinen vielfachen Beziehungen zu der Bevölkerung und Ku der Landschaft her ausgewachsen ist. Schließlich sprach Bürgermeister Schäfer und entwickelte einen Plan für di« nächste Feier, die 1930, wie die jetzige an dem Sonntag vor der Sonnenwende, an der gleichen Stelle statt- finden soll. Er schlug vor, die 800jährige Erinnerung an die Geschichte des ganzen Gebietes zwischen Gleiberg und vchifsenberg mit Gießen und Watzenborn-Steinberg, das urkundlich sehr früh erwähnt wird, bei dem zweiten Vortrag 1930 zu feiern, wenn mögllch durch ein geschichtliches Festspiel. Der Plan wurde durch Geheimrat Sommer sehr begrüßt und von der großen Versammlung mit starkem Beifall auf genommen. Dann folgte der im Stistungsbrief vorgesehene gemeinsame Gang zum Grenzwall über das Hochland von Obersteinberg, das prachtvolle Aussichten bietet. Am Denkstein gab Ge- heimrat Sommer eine kurz« Geschichte der Erwerbung und Erhaltung des Limes an dieser Stelle, sowie der Entstehung des Denksteins. Dieser trägt die Inschrift: Limes imperii ro- mani. Memoriae romanorum barbarus, Anno 1912. An der Seite steht: R. S. Civis Qiessensis cum uxore. Die Worte bedeuten: Grenze deS römischen Reiches. Dem Andenken der Römer ein Barbare. Seitlich: R. S., ein Gießener Bürger mit seiner Frau. Der selbst ironische Ausblick Darbare war ahnungsvoll gewählt, zwei Iahre später, am Anfang des Weltkrieges, wurde er uns von den Feinden gegeben. 100 Meter vom Denkstein zeigt sich, jetzt durch eine Daumreihe gekennzeichnet, der stumpfe Winkel, der daS Abbiegen des Grenzwalles nach Osten und später nach Süden zum Main andeutet. Rach einem Hoch auf den Redner d«S Tage-, Pros. Dr. Aubin, der ein wichtiges Stück der deutschen Geschichte lebendig gemacht hatte, schloß die Feier mit dem Liede „Deutschland, Deutschland über alles". Die Volkshochschule im Freien hat sich vorzüglich bewährt, die Veranstaltung zeigte das lebhafte Interesse,, das in weiten VolkS- kreisen für Unsere deutsche Geschichte vorhanden ist. Stirnen, Sport unö Spiet. Ruderklub „Hassia"-Giehen siegreich. Dei der ersten diesjährigen Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes am 15. und 16. Iuni in Mühlheim a. M. gelang es dem Ruderklub „H a s s i a", Gießen, mit seiner altbewährten Ruppmannschaft, einen schönen Sieg im Senior-Vierer gegen stärkste Konkurrenz, wie Mainz-Kastel, Offenbach, Mühlheim und Rüsselsheim, zu erringen. Ebenfalls erfolgreich war der Iungmann-Vierer, der im Ermunterungs-Rennen den Sieg für die „Hassia" erringen konnte. Rachstehend die Schilderung der Rennen, die der Ruderklub „Hassia" bestritt: Degrüßungs-Vierer: 1. „Vorwärts", Mannheim 2. Ruderklub „Hassia", Gießen; 3. „Freiheit", Mühlheim. In diesem Rennen trafen sich die besten Vierer des Verbandes. In den beiden Vorrennen, die vom Ruderklub „Hassia" bzw. „Vorwärts", Mannheim, gewonnen wurden, schieden Mainz 03 und „Germania" Offenbach aus. In dem Hauptrennen lieferten ftch Mannheim und „Hassia" Gießen einen erbitterten Kampf über die ganze Strecke, den im Ziel Mannheim mit einem halben Meter Vorsprung für sich entscheiden konnte. Iungmann-Vierer: 1. „Dorussia" Frankfurt; 2. „Hassia" Gießen; 3. „Vorwärts" Offenbach. Dies war Wohl das schönste Rennen deS ganzen Tages. Vom Start bis zum Ziel lagen die drei Boote Bord an Bord, und der Abstand zwischen dem ersten und zweiten Boot hn Ziel war so knapp, daß nur der Zielrichter den Sieger feststellen konnte. Senior-Einer: 1. „Vorwärts" Mannheim (Gutfrucht); 2. „Hassia" Gießen (Denzler).Denzler, der zweimalige Meister des Verbandes, wurde von dem Mannheimer Iunior mit fünf Längen geschlagen. D., der vier Iahre mit Rudern ausgesetzt hat, dürfte durch intensives Training seine frühere Form bald wieder erreichen. 2. Senior-Achter: 1. Mainz-Kasteler Ru- dergesellsch. „Germania"; 2. Ruderklub „Hassia". In diesem Rennen siegte Mainz-Kastel überlegen, da vier Mann aus dem Achter der „Hassia" durch die vorausgegangenen Vor- bzw. Haupt- rennen sich zu stark verausgabt hatten. 2. Senior-Vierer: 1. Ruderklub „Hassia" (Müller, Valentin, Eisebach, Rupp, Steuer Roll); 2. „Germania" Mainz-Kastel; 3. „Freiheit" Mühlheim. In zwei Vorrennen, die von „Hassia" Gießen bzw. „Freiheit" Mühlheim gewonnen wurden, schieden „Germania" Offenbach und „Undine" Rüsselsheim aus. ImHauptrennen siegte „Hassia" im Endspurt mit zwei Längen, nachdem auf der Strecke die drei Gegner abwechselnd in Führung lagen. Ermunterungs-Vierer: 1. Ruderklub „Hassia" (Goldhorn, Dechert, Dehus, Döbus, Steuer Roll); 2. „Dorussia" Frankfurt; 3. Wasser- sportverein Offenbach-Dürgel. „Undine" Frankfurt und „Freiheit" Mühlheim im Cßorrennen ausgeschieden. Auch hier wieder ein Kampf fast gleichwertiger Mannschaften bis 1500 Meter. Dann ging „Hassia" in Front und siegte mit zwei Längen. Die Schüler muhten im Dorrennen auS- scheiden. Handball im Lahn-Oünsberg-(Sau. LV. Garbenteich, komb. — Td. Wohnbach, komb^ 9:5. Am Sonntag trafen sich diese Mannschaften zum Gesellschaftsspiel in Garbenteich. Obwohl Wohnbach Garbenteich körperlich überlegen war, sah man keine Partei im Vorteil. Das Spiel, das von Anfang an bis zum Schluß mit sehr flottem Tempo abgewickelt wurde, trug den Charakter eines Freundschaftsspieles. Der Schiedsrichter leitete sehr gut, die Fairneß auf beiden Seiten erleichterte ihm fein Amt. Die Faustballmeisterschaft des Gaues. Am Sonntagvormittag wurde in Garbenteich die Fausthallmeisterschaft des Lahn- Dünsberg-Gaues ausgettagen. Es standen sich die Mannschaften der Turnvereine Hausen und Garbenteich gegenüber. Garbenteich konnte das Vorspiel (50: 38); sowie das Rückspiel (44: 37) für sich entscheiden und sicherte sich damit abermals den Titel eines Gaumeisters. nur „Kusele" und frische Milch für Dein Kind! Du wirst Freude haben. Lichtspielhaus Oeffentlicher Lichtbildervortrag 11 Vermietungen । von Dr. Johannes Hemleben, Kassel Totentanz der Liebe TT* Lahn* laWiitti gut geformt und gebrannt, gibt billig ab 535 )C {Stellenangebote zu verkaufen. 5361D gesucht 03899 ÄodbcimcrStr. 50 sofort 03895 y J. B. Häuser, GieBen, Am Oswaldsgarten beizutragen haben. 5352V Pferde öffentlich versteigert. 5351V !.'(Heff.) Bataillon 15. Jnf.-Regiment. 5274V kauft arbeit. 5327D Feinste englische MatjcS- Stück 0.25 Heringe Q.JUNI-^5.JULI Ein Film nach dem Roman von Ludwig Wolff aus der Berliner Illustrierten Zeitung Hunderte von Hausfrauen haben schon die besten Erfahrungen mit ihmgemacht, er wird auch Ihnen gefallen Ein Roeder ist universell, Sie können auf ihm backen, braten und kochen was Sie wollen, dabei ist er praktisch und einfach in seiner Einrichtung und außerordentlich billig Frische Bücklinge, LachSber., Rollmops, BiSmarckberinge. Heringe i.Gclce,Bratbcringe in 1- und '/r'Ltler'Dosen Teppiche liefert ohne An zablungauSw.Sve- zialhaus, zahlbar in 12 Monatsraten. Erbitten Sie un» verbindl. Vertreter- besuch unter 5346V an den Gieh.Anz. Feinste bolländ. Vollbcringe. pure Milcher, St. 0.10 u. 0.15 Neue Kartoffeln daS Pfund 0.12, 0.18, 0.28 0.45 0.75 0.50 Junges Ehepaar mit einem Kinde sucht 2-3-Zimiw-WiMg tauch im Neubau» sofort oder später. Schristl. Angeb. unt. 03885 a. d. Gss. Anz. f Vene X Kurse Beginn 1. Jnii Voßtsche Handelsschulen l Gießen Herborny X. 4557 A Bekanntmachung. Der Voranschlag für 1928 Rj. liegt vom Donnerstag, dem 20. d. 2H., ab eine Woche auf dem Amtszimmer des Bürgermeisters zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker Fisch-Speziaiiiaus Cuxhaven Marktstr. 14 GIESSEN Tel. 2417 Ffirstllche Gutsverwaltung Lieh AbMlleWe frifchmelkende.mtlch- reicke, gesunde Tiere Hans Stiiwe AOnesEslerhazv in den Hauptrollen Ein „Paeder "Herd hat sich bewährt Für den Plakat- anichlag wird em anständ., zuverlaff. Mann für einige Tage in der Woche gcf.; mögl. verheir. u. wobnh. tn Giessen. Kriegsbesch, od.Invalide bevorz. Radfahrer Beding. Schr.Angeb. u. 03897 an den Giess. Anz. Frische Tomaten, Bananen, Apfelsinen, Zitronen u. Acpscl Aröie- Ioiorrad 750 cem, verkauf, geg. bar 650 Mk. [03891 Wo, sagtd.GeschäflS- stelle des Giess. Anz. Tempelstätten Griechenlands Beissbetrachtungen z. Dlysterlengeschlchte Freitag, den 21. Juni, 20.15 Uhr, Singsaal d. Oberrealschule (Eing. Bismarckstraße) Eintrittskarten zu Mk. 1.— und Mk. 0.50 (nach Selbsteinschätzung) 03894 MntlM 1. Kraft und Bei- arbetterin, sucht für Leute zum Kartoffelbacken Großer Laden mifrXagerr dumen, evtl, mit freiwerden- ber Wohnung in günstiger Lage in Lollar, für alle Geschäfte, auch als Niederlage geeignet, zu verpachten oder zu verkaufen. Schristl. Angebote unter 03892 an den Gießener Anzeiger erb. UL Verkäuferin mit guten UmgangSformen, flotter Handschrift und Jachkenntnissen in Kurz-, Weib und WoUwaren von gediegenem Spezialgeschäft p.lö.Aug. oder 1. Sept, in oute Dauerstellung gesucht. Genaue schriftliche Angebote mit Zeugnisabschriften und AlterS- angabe unt. 5358V an den Gieß. Anz. WMSkMISÄ Babnbossir. 27, Fernspr. 1631 IW PS. Steyr ösitzig, mit abnehmbarem Brügge- Aufsatz, gut erhalten und gepflegt. SliMlfpiÄ perfekt in Stenographie u. Schreibmaschine und selbständig im Arbeiten, sofort od. spätestens 1. Juli gesucht. Schr.Angeb. unter 5349V a. d. Gh. Anz. ff. Kabeljau und Seelachs im Ausschnitt. ..Pfund FiletS, bratfertig.. - Pfund Koteletts...........Pfund Voranzeige! Ab Montag, 24. Juni Sie wetten Hosea von Ravensberg 3j)jjheUrt5elL- MMWMS.W nachmittags 2 Llhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 4 Schreibmaschinen, 2 Äüfetts, 1 Kredenz, 1 Sofa, 1 Wanduhr, 3 Dertikos, 3 Schreib» tische, 2 Sessel, 1 Nähmaschine, 1 Äücher- schrank, 1 Diwan, 1 Chaiselongue mit Decke, 2 Kassenschränke, 1 Schreibtischsessel, 1 Schreibmaschinensessel, 1 Motorrad, 3 Tische, 4 Stühle, 1 Küchenschrank, 1 Grammophon mit 30 platten, 25 Meter Anzugssoff, 3 Meter Mantelstoff, 28 Meter llniformstoff, 26,5 Meter Futterstoff, 7,2 Meter Kostümstoff, 1 Lastwagen, einen Käseschrank, 1 Ladeneinrichtung, 150 Flasch. Likör. bestimmt: 2 Decken- und 2 Kopfkissen» Überzüge (neu). sjstd Treis (Lumda), den 18. Juni 1929. Bürgermeisterei. Michel. beute und morgen früh etntreffend. Äste. Angclichellfische, Nordsee 1'/r"-2-p fündig ... .Pfund 0.50 ff. grosse Schellfische im Ausschnitt - ...Pfund 0.50 Frische PortionS-Tchellfischc Nordsee..........Pfund 0.40 Frische Eier das Stück.....0.13 und 0.14 Frische Tafel-Butter (4977A HMD W-Maschinen Edgar Dorrmann, Gießen. Rasch fertig für den Tisch ist mein Filet vom Fisch I ( Verkäufe | Grosser ödjöferöunö mit Stamnlbaum, gut dressiert, sowie 2- Sitzer - Paddelboot mit Ruder, saft neu, zu verk. Zu et fr. in der Gefehlt. d. Giess. Anz. 03888 Brennabor- Pereonen wagen 5/20 P. S., offen und aus Limousine in tadellosem Zustand, billig zu günstigen Bedingungen zu verkauf. Schr. Ang. unt. 5360V a. d. Giess. Anz. Zirka 4000 qm Heugras primaFutter, zu verkaufen. [03898 Ludwigstr. 45 p. | Empfehlungen | Sommerfptofien chemische Vernichtung in 1 Minute wie abgewaschen. Undenkbare Wirkung! wunderlich (roo nichts nützte». Mittel RM. 4.50 W.Wenek.Wöllstoln. Himmer-WohDg. 2. StoL Neubau, m. kompl. Badeeinr., für monatl. 75 RM. per 1. Juli z. verm. Schr. Angeb. unter 5363 D a. d. Gss.An». 3-Zimmer-Vom. 2.Stock, Neubau, mit Zentralheizung und kompl. Vadeeinr^ geg. Abstandssumme ab 1. Juli 29 z. vermieten. Miete mtl. 85 RM., etnschliessl. Heizung. Schriftliche Angeb. unter 5363D an den Giess. Anz. junges MW nicht unter 17 I.. sofort gesucht. 5347V H. Kalbfleisch Liebigstrasse 71. |Stellengesuche| 18jähr. Mädchen tn. guten Zeugnissen, das schon 2 Hahre in bess. HauSh.tätig war und mit allen Ar- betten vertraut ist, sucht in kleinerem Haushalt Schr. Angebote unt. I Mn.GMlMlMerillGletzen 03900 a. d. Giess. Anz. > Steinstraße 43 Femruf 4101 Srietm Gerskenssauer. Wilhelmstrasse 8. Ullllllllllllllillllllllllllllllill Beamter in KreiS- stadtOberh.rn.2Kin- dern, sucht s. 1. Juli d. I. 40-50 I. alte SmWIeM die in all. Stücken im Haush. erfahren sein muss u. Gemüt u. gr. Liebe f. Kinder Hal. Schrift!. Angeb. mit GehaliSanspr. bis z. 22. ö. 3)1 unter 5329V an den Giess. Anz. (Illllllllllllllllllllllllllllllllli Suche für sofort od. 1, Juli tüchtiges Mädchen für HauS- u. Garten- [ Kaufgesuche Feder» Prilschenwagen 4—6 Zentner schwer, gut erhalt zu kaufen gesucht.AdolfJnter- tbal,Wetzlar,Bahn- hosstrasse 1. 5354V Für getragene MreWer zahlt höchste Preise L. Rosenzweig Gie tzell.Selkecsw.58i Karte genügt. [953A C. Rübsamen. Fernspreciier 1659 Waschtische einzeln und doppelt In allen Ausführungen stets am Lager Rudolf Rüdiger, Gießen Walltorstraße 35 4925a ünjHjttfeWttfer Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Rein- hardshain für Rj. 1929 liegt vom 19. bis einfchl. 25. d. 2H. auf unserem Bureau zur Einsicht der Interessenten und evtl. Erhebung von Einwendungen offen. Es ist die Erhebung einer Umlage beschlossen, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Reinhardshain, dey 17. Juni 1929. Hessische Bürgermeisterei Reinhardshain. « Gieß. Stau 0005 Sdimon Nidda iOberh.s. 'Meiler. «Wen oder kinderlose, unabbäng. Witwe zur Z-ührung des Haushalts gesucht. Schr.Angeb. u. 03887 an den Giess. Anz. Mevdevevkauf. Am Samstag, dem 22. Juni 1929, vormittags 10 Ubr, werden auf dem Hose der Neuen Kaserne 2 überzählige 2-Ziinmer-Wohn. mit Küche U. Zubeh. z. l.Aug^ evtl.srüher od. später gesucht. Schr.Angeb. u.03886 an d. Giess. Anz. erb. 2 elegant mööL MMk möglichst mit Bad, tn nur gutem Hause gesucht. Schriftliche Angeb. unter 5344V an den Giess. Anz. Hehrere Garagen von gutem Zustande find sofort billig zu vermieten 5359V Schiffenberaer _______Weg 24. Mietgesuche HeutelelzterTag GRETA GARBO in Ab Donnerstag den 20. Juni, bis einscbl. Sonntag Or.BesselsVerwandlung sc 'S’-’ ooHoo Cafe Amend Heute abend 8. Sonder - Konzert mit verstärkter Hauskapelle Sonderkonzerte finden jeden Mittwoch statt. 534ID Gießener Konzertverein Donnerstag, den 20. Juni 1929, 20 Uhr, in der Neuen Aula der Universität Volkskonzert Ausführende: Das Collegium musicum, Leitung: Dr. Stefan Temesvary. Solistin: Elisabeth Dieffenbach (Violine). Händel: Concerto grosso E-Dur, Bach: Violinkonzert D-Moll, Solostücke von Bach, Tartlni u. a. 53450 Eintrittskarten 80 Pf.,Schülerkarten 50 Pf., bei ErnstChallier, Neuenweg 9 (Telephon 671) und abends an der Kasse. Studentenkarten 50 Pf. bei Herrn Sekretär Ritter. Liebigshöhe Donnerstag, den 20. Juni 1929, abends 8 Uhr 3.Abonnements-Konzert ausgeführt vom Musikkorps I./15 Leitung: Obermusikmeister Löber 03303 D. „Westphalia* D. „Thuringia" . D. .Cleveland" . D. .Westphalia* M.S. .St. Louis* D. .Thuringia* . 6. Juli 20. Juli ■30. Juli 14. Aug. 16. Aug. 28. Aug. HAMBURG-AMERIKA LINIE hämb ^KANADA Nächste Passagier-Abfahrten: AUSWANDERER | belieben sich wegen aller /^Einzelheiten zu wenden an: LINIE Hamburg Alsterdamm »der die Vertretung in: SSSS Gießen Seltersweg 93 Ecke Südanlage 443 -> r'- : Verheirateter : über 35 Jahre bevorzugt ® Intelligenter, energischer Mitarbeiter gesucht, der sich • durch großen Fleiß aus kleinen Anfängen Lebensstellung • mit Pensionsberechtigung erarbeiten will. Offerten be- O fördert unter F. K. D. 489 RndoK Rosse, Frankfnrt a. Hain. Irische Fische a Schellfische o. H a Cabliao o.K. a r. Rolznngen a f. Fisch! eis a f. Fischkolelells Schleien / Karpleo C. G. Kleinbenn Bahnhofstrasse 59 Tel. 66. IMkSeesiUe Blaufelchen vom Bodensee suw in stramm. Eisvackg. neue englische lllfltiesöetinge empfiehlt UMNachl. MttnsbnrglB, Tel.1612 Näherin empfiehlt sich im An- fertigen v. Kleidern, sow. Wäscheausbess. bet biU. Berechnung. Schristl. Angcb. unt. 03890 a. d. Giess. Anz. Fleißige Frau geht waschen und Putzen. Schriftliche Angeb. unter 03901 an den Giess. Anz. Bauerecher Gesangverein 6.V. 5356D Passive Mitglieder, die am Hess. Sängerbundesfest in Darmstadt teilnehm. woll., werden um sofort. Meldung bei Mttgl. Lotz, Babnhofslr. 33 ersucht.Nähere Auskunft daselbst. Entsprechend. Quartier- gelb, Bürger 3 —M. Hotel 5.— M., ist so- sort zu entrichten. \m v>| W N > < Die für Donnerstag abend einberufene Versammlung i im Hotel Schütz find, um 2V : Ubr statt. Ter Zug-u. Ordn.- 1 Ausschuss. 5362V Frisch gebrochene Meeren stets zu haben WieseckerWegIK, Telephon 1383. M64D Sleitita- IMäitaj des Men-fras Gießen. Wir machen darauf aufmerksam, daß das 03889 KIsiiMilr Sciiefa jeden Montag ab 16 Uhr, jeden Donnerstag ab 16 Uhr, jeden Samstag ab 16 Uhr, jeden Sonntag ab 9 Uhr und 17 llhr siattfmdet. Mittwoch, 19. Zuni 1929 Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Nr. m Zweites Blatt polens hoffnungsvolle Jugend! 1* Don unserem 8.-Derichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Warschau, Juni 1929. Während der Lemberger Studenten- k r a w a l l e konnte man in der Regierungspresse häufig lesen, daß das „Obwiepol" an allem Schuld sei, die akademische Jugend verhetze und im Interesse seiner finsteren, staatsfeindlichen Machenschaften mißbrauche. Unter diesen Um- ständen sieht auch der Fremdling gleich davon ab, das „Obwiepol" für ein neues Haarwasser oder Entsettungsmittel zu halten, denn wofern solche Dinge manchmal auch nichts nützen, so schaden sie doch selten. Das „Obwiepol" aber nährt sich mit Vorliebe von nationalen Minderheiten und ist somit untrüglich als polnische politische Partei anzusprechen — und zwar, als das zu einem gefälligen Sammelwort abgerundete „G rohpolnische Lager" (— nationale Rechte). 2m allgemeinen pflegen sich die übrigen Parteien, einschließlich des Pilsudski-Dlocks, mit gutem Appetit an diesen nationalpolitischen Tafelfreuden zu beteiligen und man muh den Blick schon auf Madrid und die Minderheitenklagen richten, um die vegetarischen Anwandlungen der Regierungspresse richtig einzuschätzen. Wenn die halbamtliche „Epoka" sogar erklärt, daß man es den Studenten nicht erlauben dürfe, die Anarchie des 17. Jahrhunderts heraufzubeschwören und „das friedlich Zusammenleben der polnischen Staatsbürger verschiedenen Volkstums und Glaubens" zu stören, so war das ein für den Gebrauchsfall abgelagerter Fastenfisch, dem die Sommerhitze nicht betommcn sein dürfte. Nun, die Studenten „störten" bekanntlich doch, und zwar so ausgiebig, daß allerlei Innenarchitektur dabei zuschaden ging. Die Polizei „schritt ein", es floß Blut auf beiden Seiten und man flüsterte sogar schon von einer behördlichen Schließung der Hochschulen. Als dann aber aus Madrid für das polnische Geschäft günstige Nachrichten einliefen, flaute die offizielle Entrüstung merkwürdig rasch ab. Das Lemberger Strafgericht lieh sich von väterlichen Gefühlen übermannen und beschloß, die „wegen öffentlicher Gewalt und böswilliger Zerstörung fremden Eigentums" verhafteten Studenten freizulassen. Nur der Herr Staatsanwalt hatte noch einige juristische Bedenken — lieblos, wie solche Bureaukraten nun einmal sind. Lieber Nacht wurden aus den „anarchischen Korporälen" — ,,jugendlichhitzige, in ihren religiösen Gefühlen gekränkte Patrioten' und kein Mensch wundert sich, wenn die gestern noch knurrige Regierungsprcsse heute wieder Arm in Arm mit den Obwiepol-Organen über die „deutschen Henkersknechte von Oppeln" herfällt. Daraus läßt sich folgende praktische Lehre ableiten und nach Belieben variieren: Wenn ein junger Deutscher in den zerfetzten, verstümmelten Ostmarken einem Polen zu nahe tritt, dann ist er eine „vertierte Bestie" — wenn dagegen ein polnischer Student die kulturellen Institutationen der Minderheiten^ verwüstet und kleine aufmunternde Strahenkämpfe Hervorruft, dann ist er im schlimmsten Falle ein „irregeleiteter, aber von edelsten Impulsen durchbebter Jüngling": dem man natürlich nichts Übelnehmen kann (sofern er seinen Patriotismus nicht ausgerechnet vor einer Dölker- bundsratstagung spazierenführt). Das wäre also die politische Seite der Sache, doch es gibt noch eine andere — vielleicht schlimmere. Der Pole liebt es, gleich anderen Völkern, in begeisterten Ausdrücken von seiner akademischen Jugend zu sprechen: Als von dem Hort der nationalen Erneuerung, den Wegbereitern Groh- polens, den Fahnenträgern der völkischen Kultur. Das ist sein gutes Recht und somit ganz in der Ordnung. Diese Jugend aber hat sich im Laufe der Jahre daran gewöhnt, Lobhudelei und Beweihräucherung als ihr zustehenden Tribut ein* zus ordern, was in Zukunft sein sollte, auf me Gegenwart zu übertragen und in sich selbst die tonangebende, einzig-rechtmäßige Inkarnation des polnischen nationalen Gedankens zu erblicken. Es gibt kaum ein inner- oder außenpolitisches Ereignis, zu dem die Studentenverbände nicht in schwülstigen, phrasenhaften Resolutionen Stellung nehmen und jede Zeitung macht es sich zur patriotischen Pflicht, diese „Entschließungen" ihrer akademischen Gesinnungsgenossen womöglich in Fettdruck aufzutischen — als wäre damit das letzte, entscheidende Wort gesprochen. Was Wunder, daß sich die unreifen, an Größenwahn leidenden Jünglinge und Jungfrauen die nationale Exekutive anmaßen und hemmungs- los handgreiflicher tocrbcn, wo der Resolutionen fabrizierende Geist nicht langt. Gesinnungsschnüffelei, Provokation, Hetze, Demonstration und nicht zuletzt der Knüppel oder Pflasterstein — das find die üblichen Mittel, mit denen der polnische Student seinen „Idealismus" zu gebührender Geltung bringt. Wo in anderen Ländern derStrahen- pöbel, der Mob, der Janhagel passende Betätigung sucht, da steht er in Polen im Schatten der „Kulturträger" (was seine freundliche Mitwirkung allerdings nicht ausschließt). Noch vor wenigen Tagen durfte der Lemberger Pöbel der nationalen Studentenschaft dabei helfen, die Polizei mit Steinen zu bewerfen und sie von den Pferden zu reihen. Minder- Heiten-Exzesse, Llkrainer-Gemehcl, Iuden-Po- gromc: Llndenkbar ohne polnisch-akademische Führung! In Warschau waren es hauptsächlich Studenten, die Anfang Mai, mit wüstem Gebrüll und Fäustcschütteln, die deutsche Gesandtschaft zu stürmen versuchten. In Posen waren es letzt ebenfalls Studenten, die (vermutlich als Sonderpropaganda für die Allgemeine Landesausstellung) in der Schloßstraße Schaufenster einschlugen und den Führer der deutschen Sejmfraktion auf der Ausstellung selbst bedrohten. Die Blüte der Nation, die Zukunft Polens, die Großsiegelbewahrer der nationalen Kultur! Arme Kultur... Aer KüWf um die Saar. Zehn Jahre nach Versailles verdient eine der ungelösten, unter allen aber die klarste und einfachste Frage von neuem das Interesse der Welt: die Saarfrage. Der Vorsitzende des Bundes der Saarvercine, Senats Präsident Andres, Frankfurt a. M., wies anläßlich der Bundestagung in Münster auf die Kundgebungen für die Rückkehr des Saargebietes zum deutschen Vaterland hin und stellt fest: Die über allen Zweifel erhabene deutsche Haltung des Saarvolkes, die bei diesen Kundgebungen immer wieder festgestellt werden kann, kann nicht über Nacht die Befreiung herbeiführen. Wer das glaubt, der überschätzt die Achtung, die das Selbstbestimmungsrecht der Volker in der Welt genießt, und der unterschätzt die Zähigkeit, mit der die Franzosen Stellungen festhalten, die ihnen das Versailler Diktat gebracht hat. Zwar haben die Franzosen die Hoffnung, die Saarbevölkerung könne sich jemals zu Frankreich hingezogen sichten, zu Grabe getragen, und auch die abgeschwächte Hoffnung, das Saarvolk werde sich wenigstens für ein Eigenöasein erwärmen, ist tief gesunken: aber die Hoffnung, daß sich mit Hilfe der in Versailles errungenenMachtstellung bis 1935 noch irgendeine Wendung herbeiführen liehe, die Frankreich etwas mehr verschafft als die einfache Wiederherstellung des Zustandes vor der Vergewaltigung von 1919, diese Hoffnung werden die Franzosen so leicht kaum aufgeben. Darum muh das Saarvolk darauf gefaht sein, die Fremdherrschaft noch bis zum Jahre 1 935 zu tragen, und wir alle müssen mit ihm auf der Wacht bleiben, gegenüber Versuchen der Franzosen, der Saarfrage einen Dreh zu geben, der nur französischer Begehrlichkeit dient. Auf der Suche nach einem solchen Dreh haben französische Unternehmer eine rührende Sorge für das wirtschaftliche Gedeihen des Saargebietes in ihrem Herzen entdeckt. Sie finden immer neue Zusammenhänge der Wirtschaft des Saargebietes mit der Wirtschaft Frankreichs heraus, und sie predigen die dauernde Eingliederung der Saarwirtschaft in die französische Wirschaft. Es kümmert sie nicht, dah sie mit solchen Predigten den Boden des Versailler Vertrages verlassen, der die endgültige politische Zukunft des Landes lediglich abhängig macht von dem Willen des Volkes: „en tenant compte du desir exprime par le vote de la po- pulati n" wird der Völkerbund bestimmen, unter welche Staatsgewalt das Gebiet zu treten hat: also als ein getreuer Buchhalter, der das Ergebnis der Volksabstimmung ausrechnet und fest stellt. In der Präambel zum Anhang an Art. 50 ist gesagt, dah lediglich die Bevölkerung des Saargebietes es ist, die über ihre endgültige Rechtslage entscheidet. Diese klaren Vorschriften versucht man in Frankreich zu verdunkeln, weil man den Kampf um das Saargebiet auf ein Gefechtsfeld verschieben möchte, das den Franzosen nicht ganz so ungünstig scheint, wie das des Vollswillens. Aber es scheint ihnen nur so. Die Grundlagen der Wirtschaft des Saar* WSN. Frankfurt a. M., 18. Juni. Das Hauptinteresse der heutigen Stadtverordnetenversammlung beanspruchte die Angelegenheit der Frankfurter Gasgesellschaft, die schon seit einigen Wochen in starkem Maße die öffentliche Meinung beschäftigt und worüber der Hauptausschuß am vergangenen Donnerstag einen gemeinsamen Antrag der Parteien, einen eingehenden Bericht des Magistrats über die Vorgänge bei der Gasgesellschaft zu verlangen, eingebracht hatte. Nach einer kurzen Begründung des Antrages des Hauptausschusses durch den Berichterstatter ergriff zunächst Oberbürgermeister Or. Landmann das Wort, um dem Wunsch der Parteien entsprechend in vollem Llmfange Rechenschaft undAufklärung Über die Vorgänge bei der Frankfurter Gasgesellschaft zu geben. Dr. Landmann, der in fast ein* stündiger Rede die ganze Angelegenheit behandelte, zerlegte zunächst die Materie in drei Punkte, nämlich 1. den Prüfungsvermerk der Price Waterhouse & Co., 2. die Verluste bei der Gewerkschaft Friedrich und 3. die Frage der sogenannten Expansionspolitik und die Vorwürfe des Dr. Merton gegenüber der Frankfurter Gasgesellschaft und Oberbürgermeister Landmann. Nach dem Ausdruck seines Bedauerns über diese ganze Affäre, die in der Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt habe und geeignet sei, den Kredit der Frankfurter Gasgesellschaft und das Ansehen der Stadt Frankfurt zu schädigen, legte Dr. Landmann zunächst dar, wie der falsche Prüfungsvermerk unter die Bilanz der Gasgefellschaft gekommen sei. Die Firma Price Waterhouse sei mit der Prüfung der Bilanz der Gasgesellschaft beauftragt worden. Ihr Prüfungsbericht ii. .rrschied sich von dem der Revisionskommission in der Beziehung, daß die Forderungen der Gasgesellschaft an die Gewerkschaft Friedrich, die in dem Bericht der Revisionskommission als Aktiven aufgeführt wurden, nach Ansicht der Price Waterhoufe infolge ihrer Dubiosität nicht als Aktiven in die Bilanz einzusetzen seien. Nachdem aber die Revisionskommission dem Arbeitsausschuß der Gasgesellschaft und ferner dem Aufsichtsrat die Annahme der Bilanz in der von ihr vorgeschlagenen Form empfohlen hatte, wurde diese Bilanz vom Aufsichtsrat der Gesellschaft genehmigt. Nach der Genehmigung der Bilanz durch den Aufsichtsrat hat nun die Direktion der Gasgesellschaft den schweren und unbegreiflichen Fehler begangen, den Prüfungsvermerk von Price Water- house unter d i e Bilanz der Gas- gesellschaft zu setzen, während zwar eine Bilanz von der Firma aufgestellt, aber in dieser Form nicht akzeptiert worden war. Die Direktion der Gasgesellschaft habe nun gebietes sind oft genug untersucht worden, und sie haben immer zu dem Ergebnis geführt, daß das Gedeihen der Saarwirtfchaft in einem weit höheren Grade abhängt von der engsten Verbundenheit mit der deutschen Wirtschaft, als mit den Beziehungen zur franzöfischen Wirtschaft über die Grenze: den schlagendsten Beweis aber hat uns doch das unglückliche Experiment des Versailler Vertrages selbst gebracht: es liegt jetzt klar zutage, daß die Wirtschaft zugrunde gegangen wäre, wenn man sie nicht mit allen möglichen abfchwächenden Mitteln über Wasser gehalten hätte. Die Rettung kann also nur die Rückkehr zum deutschen Vaterland fein. Der Kamps auf dem Gefechtsfeld des Volkswillens begann mit der plumpen Lüge Clemenceaus von 150 000 Franzosen, die im Saargebiet wohnten: es gab keine 100 dort, und daran hat sich n i ch t s geändert. einen zweiten Fehler begangen, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, nämlich dem Oberbürgermeister, nicht von der Korrespondenz, die nach einigen Wochen, nachdem Price Waterhouse von dem falschen Prüfungs- Vermerk Kenntnis erhalten hatte, mit dieser Firma geführt wurde, Mitteilung zu machen. Was die Verantwortung für den falschen Prüfungsvermerk anlange, so treffe ihn, den Oberbürgermeister, nicht die geringste Schuld, da er die Bilanz der Gasgefellschaft mit dem falschen Prüfungsvermerk nie zu Gesicht bekommen habe. In einer Sitzung der Finanzkommission sei aber, so erklärte Dr. Land mann mit Nachdruck, ausdrücklich von der Direktion der Gasgesellschaft festgestellt worden, daß nicht den Vorsitzenden des Aufsichtsrates, sondern einzig und allein die Direktion der Gesellschaft die Schuld für den falschen Prüfungsvermerk treffe. Nicht zuletzt aus diesem Grunde habe Dr. Landmann die ultimative Forderung Dr. Mertens abgelehnt, sofort den Posten des Aufsichtsratsvorsihenden niederzulegen. Was nun die Verluste und Schaden bei der Gewerkschaft Friedrich betreffe, fo müsse er feststellen, daß der Verlust einzig und allein auf höhere Gewalt zu- rückzuführen sei. Zu dem dem Magistrat gemachten Vorwurf, daß er, bevor er an die Gewerkschaft Friedrich herangetreten sei, ein technisches Gutachten hätte einholen müssen, erklärte Dr. Landmann, daß d er Magistrat eine Studienkommission eingesetzt habe, die in den Jahren 1 92 4/2 6 eine genaue Untersuchung der Grube vorgenommen habe. Das Resultat der Untersuchung sei gewesen, dah es nach Ansicht der Techniker unverantwortlich wäre, wenn die Grube nicht ausgenuht wepden würde. Den durch den Wassereinbruch verursachten Schaden habe kein Mensch voraussehen können. Was die Frage der Expansionspolitik und die Vorwürfe Dr. Mertons anlange, so habe er von vornherein in diesen Angriffen eine von bestimmter Seite und mit Unterstützung bestimmter Persönlichkeiten herrührendeKamp s- an f a g e gegen die von der Stadt seit Jahren mit Erfolg betriebene Kommunalpolitik gesehen. Er lehne die Vorwürfe Dr. Mertons als vollkommen unbegründet ab und bitte die Stadtverordneten, sich in keiner Weise durch diese außerordentlich bedauerlichen Vorkommnisse beirren zu lassen. Die Stadtverwaltung werde nach wie vor ihre Kommunalpolitik zugunsten und zum Wohle der Bevölkerung fortsehen. In der stundenlangen Debatte kamen von selten der einzelnen Fraktionsredner wesentlich neue Momente nicht zu Tage. Die Parteien verlangten lediglich einen erschöpfenden Bericht des Magistrats unter der Betonung, dah die geplante Gaspreis-Erhöhung unter „Gas"-Debatte im Nanksukier Siadtzattanient. Oberbürgermeister Or. Landmann antwortet aus die Angriffe Or. Mertons. Berliner Landschaft. Von Rudolf Großmann. Eine Erinnerung taucht herauf. . . Zahllose Fahrgleise, dauerndes Gepseife, Züge fahren ein und aus. Riesenplakate bluffen auf in freiem Felde. Häusermeer auf Hügeln. In silbriger Ferne sich verlierend. — Kleinbürger schlendern unter dem Melon einher oder wölben sich mit breiter Allüre im Grase. Enger zieht sich die Stadt, spielerisch klein angelegte Höfe mit Gärtchen, das Pfeifen verstärkt sich, langsam knarrt der Zug ein: „Gare de l’Est!“ Damals, als in uns jungen Deutschen Pafs anfina zu gären und uns unruhig machte, da lieh ich die Stadt, um sie von der „banheue aus zu fassen. Bald kamen andere nach M Oberkleen, 18. Juni. Der langjährige Seelsorger der hiesigen Gemeinde, Pfarrer Hart- mann, tritt am 1. August in den wohlverdienten Ruhestand. raum, und jetzt das Wort ,See' — das ist alles." Die unheimliche Mitteilung lag zwischen ihnen auf dem Tisch, und sie starrten einander an. Welcher bedauernswerte Blinde hatte inmitten all der trüben Schatten, die aus dem Nebel um ihn herum stammelten und schnatterten, diese Botschaft gesandt? Was verbarg sich hinter dem durchweichten Stückchen Papier? Wessen Knopf hielt der tote Mann krampfhaft in feinen erstarrten Fingern? Warum hatte man ihn ermordet? Man hatte Geld in seiner Tasche gefunden, seine Schmuckgegenstände waren unberührt geblieben. Nicht aus Habsucht war er umgebracht worden, auch nicht aus Rache, war er dcch ein unbekannter Fremder. Eine Tatsache stand unumstößlich fest, und Larry wußte, daß diese alle seine ferneren Handlungen beeinflussen würde. „Mord," sagte er leise, „Mord, und ich werde den Mann finden, der das getan hat, und wenn ich ihn aus der Hölle holen muß!" 7. Diana Ward blickte ihren Chef an, und neu erwachtes Interesse sprach aus ihren klaren Augen. „Braille," sagte er gedämpft, „das ist doch die Schriftsprache der Blinden?" „3a,“ sagte sie. „Es ist eine Art Punktierschrift, daS Verhältnis der kleinen Punkte zueinander bildet einen Buchstaben." Sie nahm das Papier auf. „Wenn blinde Leute schreiben, gebrauchen sie ein fieined Instrument, eine Art Griffel, und einen Führer für diesen. DaS hier ist aber in großer Eile von jemand geschrieben worden, der keinen Führer hatte. Ich kann ja fühlen, wie unregelmäßig punktiert worden ist. Die An- leserlichkeit der Worte, die ich nicht entziffern kann, ist beinah ebenso durch daS schlechte Schreiben wie durch den Einfluß deS WasscrS verursacht worden." Er hielt dies merkwürdige Beweisstück in beiden Händen und betrachtete es eingehend. „Könnte Stuart daS mit seinem Bleistift gemacht haben?" Sie schüttelte den Kovf und fragte schnell: „Haben Sie ihn gefunden?“ „Nein," sagte Larrh verdrießlich, „aber ich habe gesunden, wozu der Bleistift gebraucht wurde." Er öffnete baB Paket, daS er mitgebracht batte, und zeigte ihr das Hemd mit seiner tragischen Botschaft auf der Innenseite. „Warum hat er Innen Im Hemd geschrieben." fragte Larrh nachdenklich, „und warum auf linken Seite?" Diana verstand, was er meinte. (Fortsetzung folgt.) Schulklasse, daß Ausdrucksdrang und Gestaltungstrieb gerade im Kindes- und frühen Jugendalter stark und bei allen Kindern vorhanden ist. Der Ausdruck ist ein Urphänomen der Lebendigkeit: sich zu äußern ist mit dem Lebensprozeh selbst Wesenhaft verbunden. Faht man die Aufgabe der Kunsterziehung im Rahmen der allgemeinen Volkserziehung — zugleich bescheiden und richtig — als eine stete, veredelnde Pflege der Lebensäuherung auf, so wird ein Einspruch gegen sie namens Der Sondertalente nicht mehr möglich sein. Geistiges Leben von jeder Höhe und Art» äußert sich, will und muh sich äuhern, und daß es seinen Ausdruck immer verständlicher gestalten lerne, zu immer größerer Beherrschung der „Sprachen" — d. h. der Systeme von Ausdrucksmitteln, ihrer Grammatik und Logik reife, dazu soll ihm die Kunsterziehung Hilfsdienste leisten. Die Kunsterziehung im Rahmen der allgemeinen Erziehungs- und Bildungsschulen weih sich frei von dem überschwenglichen Glauben, produzierende Künstler züchten zu können: selbst der — bescheidenere und berechtigtere — Glaube, das Riveau des allgemeinen Geschmacks heben und die öffentliche Teilnahme an den Bewegun- gen der nationalen Kunst verbreitern und vertiefen zu können, ist nicht das entscheidende Ziel. Ausschlaggebend ist vielmehr die Einsicht, daß eine pädagogische Pflege allein der intellektuellen, siillichen und staatsbürgerlichen Fähigkeiten und Tugenden eine willkürliche Verkennung von Wertmöglichkeiten des Menschen bedeutet. Auch der musische Mensch ist eine Dollendungsform unseres Seins, nicht nur der theoretische Mensch, der politische und praktische Mensch. Und die Elementarvoraussehungen musischen Lebens: die Freude am Schauen und Hören, daS Spiel der Vorstellungen und die Phantasie, das Bedürfnis, eigenes Erleben. Empfinden und Denken mitteilend und ansteckend auszudrücken und im Werk zu gestalten, sind bei allen Menschen gegeben. Ob die elementare Kultur des Ausdrucks in der späteren Jugend und in der beginnenden Reife sich fortentwickelt zur schaffenden Kunst, das hängt allerdings vom Faktor der Dpezial- begabung ab, die vorbereitende Grundlegung aber ist ein Stück der Volkserziehung als solchen. Hochschulnachrichten. Der Lehrstuhl der systematischen Theologie der Universität Halle an Stelle von Prof. W. Lüt- gert wurde Professor Dr. Gerhard Heinzel - mann an der Universität Basel angeboten. Hetnzelmann bestand in Dessau die theologischen Examen und war seit 1907 Inspektor am Theologischen Stift in Göttingen. Hier promovierte er 1910 zum Lic. theol. und habilitierte sich ebenda für Neues Testament. 1914 folgte Heinzelmann einem Rufe nach Basel. — Professor D. Dr. Otto Scheel in Kiel hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der Kirchengeschichte an der Universität Halle als Nachfolger des Geheimen Konsistorial- rats Joh. Ficker erhalten. Prof. Scheel, der früher das Fach der Kirchengeschichte vertrat, bekleidet in Kiel den Lehrstuhl für Schleswig-Holsteinische Landesgeschichte, daneben Reformationsgeschichte und Geschichte der nordeuropäischen Staaten. Scheel studierte in Halle und Kiel, promovierte zum Lic. theol. und erhielt ebenda die venia legendi für Dogmatik. Fünf Jahre später die Ernennung zum Profesior. In Tübingen wurde Scheel persönlicher Ordinarius und 1922 etatsmäßiger Ordinarius. Seit 1924 lehrt Scheel in Kiel. Berufungen nach Bonn als Nachfolger von K. Sell und nach Berlin als Nachfolger von Adolf v. Harnack hat Prof. Scheel abgelehnt. Der Gelehrte ist Ehrendoktor der Berliner Theologischen Fakultät sowie der Tübinger Philosophischen Fakultät. — Das durch die Emeritierung des Geheimen Konsistorialrats C. Mirbt in der Göttinger Theologischen Fakultät erledigte Ordinariat der Kirchengeschichte ist dem o. Professor Lic. Hermann Dörries an der Universität Halle angeboten worden. Er erwarb 1922 in Marburg die theologische Licentiatenwürde und habilitierte sich in Tübingen, wo er später zum a. o. Professor ernannt wurde. 1928 siedelte er nach Halle als Nachfolger von Erich Seeberg über. — Zum Nachfolger oes emerit. Regierungsrats Prof. G. Störring auf den Lehrstuhl der Philosophie an der Universität Bonn ist der ordentliche Professor ebenda. Dr. Erich Rothacker ip Aussicht genommen. Rothacker promovierte in Tübingen, wurde 1920 Privatdozent in Heidelberg. Seit 1. April wirkt er als Nachfolger von Prof. Max Deutscher an der Bonner Universität. Jugend und Hochschule. Warum sind Kinder grausam? Don Dr. William Stern, o. Professor der Psychologie an der Universität Hamburg. Eine genaue Kenntnis des jugendlichen Seelenlebens ist die Vorbedingung einer richtigen Erziehung. Ein Wegweiser in der Welt des Kleinkindes ist des Verfassers „Psychologie der frühen Kindheit". Der 5. Auflage des Werkes entnehmen wir den nachstehenden Abschnitt mit Genehmigung des Verlages Quelle & Meyer In Leipzig. Herzlosigkeit und Grausamkeit werden ost dem kleinen Kinde zugeschrieben. Wie steht es damit? Zunächst ziehen ja in der Tat Fälle eines unerwarteten Gefühlsmankos die Aufmerksamkeit auf sich: gerade dort, wo der Erwachsene ganz von einem schmerzlichen Vorgang erfüllt ist und eine Teilnahme des Kindes erhofft oder gar beansprucht — z. B. bei Trauerfällen in der Familie, bei schweren Krankheiten oder heftigen Schmerzen von Angehörigen — wird man oft durch das Ausbleiben jeder Gefühlsresonanz beim Kinde peinvoll überrascht. Ferner wirkt die Gleichgültigkeit, mit der zuweilen lebende Tiere behandelt, Fliegen zerdrückt, Käfer zertreten, Schmetterlinge zerzupft werden, geradezu als Gegenstück des Mitleids, als grausame Freude an der Qual eines anderen Geschöpfes. Und nicht nur Tiere, auch Menschen (z. D. jüngere Geschwister) werden nicht selten von den kleinen Peinigern gehänselt, gezwickt oder sonstwie gequält. In vielen Fällen ist die Teilnahmlosigteit nichts anderes als mangelndes Verständnis. Das Geheimnis des Todes ist der frühen Kindheit verschlossen: was es bedeutet, für immer von einem lieben Angehörigen getrennt zu sein, kann dem ganz in der Gegenwart lebenden Kinde noch nicht aufgehen. Dazu kommt die geringe determinierende Tendenz und die große Vergeßlichkeit des Kindes: es ist nicht fähig, sich wie der Erwachsene stunden- und tagelang von einer Idee, einer Gefühlsregung völlig beherrschen zu lassen. So kommt es, daß das Kind auch im Trauer- Hause oder im Krankenzimmer dem momentanen Spiel seiner wechselnden Aufmerksamkeit viel mehr anheimgegeben ist, daß es wirklich vergißt, was die anderen ganz erfüllt: seine Teilnahm- losigkeit braucht also nicht auf Gefühlsdumpfheit zu beruhen. Ratürlich gibt es auch Fälle der wirklichen Verkümmerung — oder der verspäteten Entwicklung — des Mitgefühls. Erscheint die Teilnahmlosigkeit mehr als Lücke, so die Grausamkeit als positiver Flecken im kindlichen. Gefühlsleben. Aber auch hier darf der äußere Schein nicht unkritisch als psychologische Wirklichkeit hingenommen werden. Die meisten der als „grausam" anmutenden Taten beruhen auf uns wohlbekannten Motiven anderer Art, die an sich unmoralisch sind und die erst durch die Verbindung mit der kindlichen Ahnungslosigkeit jene Wirkung haben. Der hemmungslose Bewegungsdrang des Kindes, seine Zerstörungsliebe, seine Reugier, die in das Innere aller Dinge eindringen will, als dies wird mit echt kihdlicher Unbekümmertheit um die Folgen betätigt, mag es sich um irgendein Spielzeug ober um ein lebendes Tier handeln: und in solchen Momenten des restlosen Ausgefülltseins ist jedes Bewußtsein von den etwa dadurch hervorgerufenen Qualen ausgeschaltet. Der beste Beweis, daß es sich hier bei normalen Kindern nicht um einen angeborenen Charakterzug, sondern nur um mangelndes „Darandenken handelt, liegt in der Möglichkeit, dies Verhalten pädagogisch zu beeinflussen. Ernsthafte Belehrung und Warnung, das Vorbild der Erzieher, die sich jeder Tierquälerei und jeder überflüssigen Tiertötung peinlichst enthalten, evtl, auch eine kleine Demonstration am eigenen Leibe des Kindes: wie weh es tue, wenn man gezwickt oder am Bein gerissen wird, können wir erfolgreich wirken. Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang nicht überflüssig darauf hinzuweisen, daß die Anleitung zum Anlegen zoologischer Sammlungen (von Schmetterlingen, Käfern usw.) bei allem bildenden Wert doch auch ihre moralpädagogischen Schattenseiten hat. In die- fen frühen Jahren zum mindesten ist das Kind noch zu klein, um zwischen erlaubten und unerlaubten Eingriffen in das Leben der Tiere zu unterscheiden, und in seinem Gemüt zu ungefestigt, um nicht leicht in seinen Mitleidregungen gegen die Tiere abgestumpft zu werden. Reben den aus Unverstand zu erklärenden scheinbaren Grausamkeiten gibt es nun auch solche Tier- und Menschcnauälereien, die aus einer gewissen Reckfreude yervorgehcn. Die Lust am Recken, das nichts anderes als eine Art des Kampfspiels ist, erwacht schon sehr frühe; das neckende Kind genießt spielend sein Machtbewußtsein. seine Ueberlegenheit gegenüber dem Gehänselten. Freilich sind ja nun beim Kinde, wie wir wissen, die Grenzen zwischen Spiel und Ernst noch nicht scharf gezogen; deshalb ist das Recken nicht vor Ausartung geschützt. Die spielerische Freude an dem Schaden des anderen kann zur realen Freude werden; der Selbstgenuh der Macht kann die Einfühlungsfähigkeit in die Unlust des anderen abstumpfen, und die an sich harmlose Recklust rückt nahe an wirkliche Grausamkeit und Schadenfreude heran. Der Erzieber sei daher auf der Wacht, um rechtzeitig eine überwuchernde Lust am Hänseln einzudämmen und die Ausbildung eines herzlosen Charakter- zuges zu verhindern. Zu den bisher genannten Quellen grausamer Handlungen — Verständnislosigkeit, motorische Hemmungslosigkeit, ausgeartete Reck- und Hänsellust — kann nun der soziale Einfluß kommen. Denn verwahrloste und Verbrecherkinder, Kinder, deren Väter die Mutter mißhandeln, werden nur allzu leicht das, was sie täglich vor sich sehen, nachahmen. Msländersindmm und dmische Studenten im Ausland. Don Erich Brandt. Der hohe persönlichkeitsbildende und wissenschaftliche Werte eines Auslandsstudiums wird heute nicht nur bei uns, sondern auch im Auslande allgemein anerkannt. Daher finden wir auch an unseren deutschen Hochschulen alle übrigen europäischen Nationen vertreten, was in der zentralen geographischen Lage Deutschlands begründet ist. Darunter sind aber die Slawen zweifellos in der Mehrzahl. Das zeigt in voller Deutlichkeit die untenstehende Ausstellung, nach der die Russen und Bulgaren auch heute noch am stärksten vertreten sind, wo der Massenandrang der Jnflationssahre schon bedeutend nachgelassen hat. Befanden sich doch zum Beispiel im Jahre 1923 allein 2000 Bulgaren an unseren Hochschulen. Inzwischen sind diese Rekordziffern jedoch ganz wesentlich, meist bis auf 20 bis 30 v. H., gesunken. Die Ausländer sind nämlich wegen der für sie günstigeren Dalutaverhältnisse vielfach an französische und italienische Universitäten abgewandert. Und auch heute nimmt die Zahl der ausländischen Studierenden an den deutschen Hochschulen noch beständig ab. Betrug sie im Sommersemester 1926 noch 7930, o zählte man zwei Jahre später nur noch 6540 remdländische Studenten in Deutschland. Die nach- olgende Aufstellung zeigt an den Perhältnissen der Berliner Hochschulen, wie beträchtlich der Anteil der am stärksten vertretenen fremden Nationen in den letzten fünf Jahren gesunken ist. Die abgerundeten Zahlen sind den Angaben der entsprechenden ausländischen Studentenoereinigungen entnommen. 1922/23 1928/29 Russen 600 200 Bulgaren 900 150 Jugoslawen 250 100 Rumänen 300 50 Griechen 50 Litauer 100 25 Auffallend ist hierbei, daß erst nach den soeben genannten Östlichen Nationen England und Frankreich folgen. An außereuropäischen Staaten sind selbstverständlich die amerikaniscyen am stärksten vertreten. Sv entsendet Latein-Amerika etwa 250 Studenten nach Deutschland, während sich die Zahl der Nordamerikaner auf etwa 150 belaufen dürfte. Die übrigen Nationen bevorzugen jedoch durchweg die englischen Universitäten, da sie ja zumeist englische Staatsangehörige sind und deshalb dort besondere Vorrechte genießen. Nur Japaner und Chinesen sind auch an unseren Hochschulen in verhältnismäßig großer Zahl zu finden. Von Interesse ist aleichfalls die Feststellung, wohin sich die ausländischen Studierenden in Deutschland wenden. Die meisten strömen natürlich nach Berlin, das in seinen neuen verschiedenen Hochschulen mehr als 1800 Ausländer beherbergt. Danach folgt München mit etwa 800, und Leipzig mit etwa 700 fremdländischen Studierenden. Unter den eigentlichen Universitäten kann Berlin, sowie auch Leipzig einen Ausländerprozentsatz von 11 v. H. aufweisen; an dritter Stelle steht Königsberg mit etioa 8 v. H. Da sich aber mehr als ein Drittel der in Deutschland studierenden Ausländer den technischen Wissenschaften zuwenden, bilden sie an den technischen Hochschulen einen weit höheren Prozentsatz. Am zahlreichsten sind sie an der technischen Hochschule in Dresden, wo 17 v.H. aller Hörer Ausländer find. An der Berliner technischen Hochschule beträgt ihre Beteiligung nur 15 v. H. Besonders zahlreich sind die Ausländer auch an den landwirtschaftlichen Hochschulen vertreten. Eine besondere Stellung nehmen natürlich die auslandsdeutschen Studenten ein, die in den obengenannten Ziffern nicht miteinbegriffen sind. An den meisten Hochschulen versucht man daher auch, gerade ihnen den Aufenthalt in der eigentlichen Heimat so angenehm wie möglich zu machen. So hat z. B. die Stadt Berlin den auslandsdeutschen Studierenden das „Deutsche Heim" im Stadtschloß Cöpenick eingerichtet, das etwa 90 Studenten Wohnung und Geselligkeit bietet. Aber auch für die übrigen Ausländer wird überall gesorgt. Sie haben in Berlin gleichfalls ein Heim, das „Alexander von Humboldt-Haus", das in erster Linie gesellschaftliche und geistige Anregungen bieten soll. Fragt man jedoch nach dem Grund, warum gerade unsere deutschen Hochschulen so viele ausländiscke Studierende anziehen, so gibt darauf eine russische Studentin folgende treffende Antwort: Außer dem Ruf der deutschen Wissenschaften ist es die Frei- heitdesStudiums an den deutschen Universitäten, die die ausländischen Studierenden zumeist anzieht. Wenn der russische Student sein Studium in Deutschland abgeschlossen hat und in die Heimat zurückkehrt, um seine Kenntnisse dort zu verwerten, dann weiß er genau, daß er dank der hohen Wertung eines Studiums in Deutschland einen großen Vorsprung vor seinen in der Heimat ausgebildeten Kollegen haben wird." Dennoch ist, wie wir oben sagen, die Zahl der in Deutschland studierenden Ausländer beständig im Sinken begriffen, während erfreulicherweise die Ziffer der Deutschen von Jahr zu Jahr wächst, die eine ausländische Universität für kürzere ober längere Zeit aufsuchen. Die meisten finden wir in den Vereinigten Staaten, während von den europäischen Ländern Frankreich, England und Italien bevorzugt werden. So hielten sich im letzten Studienjahr etwa 220 deutsche Studenten in Frankreich auf. Davon besuchten allein 165 die Sorbonne in Paris die übrigen wandten sich Grenoble, Straßburg und 2>ijon zu. In England befanden sich zur gleichen Zeit 93 Deutsche, von denen 79 an der Londoner Universität immatrikuliert waren. Nicht viel geringer dürfte die Zahl der Deutschen an den italienischen Hochschulen sein. Diese bemerkenswerte Belebung des deutschen Auslandstudiums ist in erster Linie den zahlreichen Unterstützungen zu verdanken, die in den letzten Jahren von verschiedenen Seiten geschaffen wurden. Da ist vor allem der akademische Austausch- b i e n ft zu nennen, der in Berlin C 2, Schloß, Portal III, seinen Sitz hat. Seine Absicht ist es, einen großzügigen Studentenaustausch zwischen Deutsch- I land auf der einen und Amerika, England und Frankreich auf der anderen Seite ins Leben zu rufen. Dieses ist ihm in bezug auf die beiden erft- genannten Länder auch schon gelungen, konnten doch im vorigen Herbst schon mehr als 50 deutsche Studenten für ein Jahr nach Amerika gehen, während etwa gleichviel Amerikaner nach Deutschland kamen. Daneben wurden noch zahlreiche Freistellen für englische Universitäten vermittelt. An zweiter Stelle bemüht sich der Amerika- Werkstudentendienst der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft in Dresden, Knitzer- straße 2, deutschen technischen Studenten zu einem längeren Amerikaaufenthalt zu verhelfen. Die an- gehenden Ingenieure gehen auf zwei Jahre in die U. S. A. und sind dort wie Tausende ihrer amerikanischen Kommilitonen als Werkstudenten tätig. An- angs bereitete es Schwierigkeiten, die Studenten außerhalb der gesetzlichen Einwanderungsquote in das Land hineinzubekommen. Schließlich wurde es unter der Bedingung gestattet, daß sich die Studenten bei ihrer Einreise verpflichten, die Vereinigten Staaten nach zwei Jahren wieder zu verlassen. Für solche Studierende, die nur ein oder zwei Semester im Ausland studieren wollen, oder beabsichtigen, an einem der zahlreichen Ferienkurse der ausländischen Universitäten teilzunehmen, seien hier nur zwei Adressen genannt, wo man über alle Studienfragen Auskunft erhalten kann. Für England: Deutsch-Englische Akademische Vermittlungsstelle, 51, Rüssel Square, London W. C. 1, und für Frankreich: Vereinigung Deutscher Studierender, 4 Rue des deux Ponts, Paris IV E. Militärische Studentenausbildung in Amerika. Von Dr. Siegfried Scharfe. Die amerikanische Universität ist nicht nur Forschungs- und Lehrstätte, sondern gleichzeitig Kaserne und Truppenübungsplatz. Es wird also nicht nur doziert und studiert, sondern ebenso gedrillt und exerziert. Und zwar ist die militärische Studentenausbildung für eine bestimmte Zahl von Semestern entweder obligatorisches Unterrichtsfach, oder sie gehört zu den sogenannten „elektive" Fächern, die der Student nicht belegen muh, aber doch belegen kann. Warum werden in Amerika — wie übrigens ähnlich auch in anderen Ländern — die Studenten militärisch ausgebildet? Da es keine allgemeine Wehrpflicht, auch keine „Einjährigen" gibt, sucht man auf dem Wege über die Uniberfitäten, Technischen und vor allem Landwirtschaftlichen Hochschulen Reserveoffiziere heranzubilden, die im Falle eines Krieges ohne weiteres als Offiziere Verwendung finden können. Dah man ein solches Reserveoffizierkorps braucht und es ständig auffüllen muh, hat sich offenbar während des letzten Krieges gezeigt, als die amerikanische Armee zum ersten Male in wirklich gröberem Umfange eingesetzt wurde. Militärische Studentenausbildung In ihrer gegenwärtigen Form geht auf die National Defense Act vom Jahre 1920 zurück. Danach dauert der Ausbildungslursus, der wie gesagt dem Lehrplan einer Hochschule eingegliedert werden kann, zwei Jahre. Wie der Kursus im einzelnen gehandhabt werden, und von wem die Ausbildung geleitet werden soll, bestimmt das Kriegsministerium, das auch die Kosten für Uniformen, Munition usw. trägt und eine fortwährende Aufsicht über die Ausbildungskurse ausübt, damit also über die eigentlichen Hochschulbehörden sich einfach hinwegsetzt. Die Studenten, die an dem zweijährigen Kursus teilnehmen, müssen sich außerdem verpflichten, nach einer gewissen Zeit eine sechswöchige Sommerübung abzuleisten. Während in den meisten Fällen die militärische Ausbildung freiwillig ist, wird sie an den Landwirtschaftlichen Hochschulen zwangsmähig betrieben. Dort geht sie auf ein älteres Gesetz aus dem Jahre 1862 zurück, durch das den einzelnen amerikanischen Staaten durch die Bundesregierung in Washington Ländereien zugewiesen wurden unter der Bedingung, daß sie dafür chrev- seits Hochschulen für Landwirtschaft einrichteten, wie sie heute in fast allen Staaten der Union bestehen. Und das Gesetz von 1862, das übrigens ebenso wie die National Defense Act unter dem Warum Kunsterziehung? Don Dr. Aloys Fischer, o. Professor der Pädagogik an der Universität München. In den letzten Jahren haben die Bestrebungen, zum Wiederaufbau einer musikalischen Dolkskultur auf dem Wege über Schule und Jugendbildung zu gelangen, wachsende Bedeutung erreicht. Es wird deshalb unsere Leser interessieren, nachstehend aus der Feder eines unserer bekanntesten Erziehungswissenschaftler etwas über die Aufgaben der, Kunsterziehung und ihre Bedeutung zu hören. Wir entnehmen den Abschnitt mit freundlicher Genehmigung des Verlages dem ausgezeichneten Buche „S ch u l m u s i k a l i s ch e Zeitdok-vmente", in dem unsere her- vorragendsten Fachleute zu den musikpädagogischen Gegenwartsfragen Stellung nehmen. (Verlag Quelle & Weher in Leipzig. — 130.) Wer für Kunsterziehung eintritt und gleichwohl die Existenz von Degabungsunterschieden unter den zu erziehenden selbstverständlich nicht leugnen kann, befindet sich in einer schwierigen Lage. Einerseits kann man — mit einem gewissen Recht — sagen: nur die Begabungen sind wert, ausgebildet zu werden, es hat keinen Sinn, großen Aufwand an Mühe, Zeit und Geld auf die Anregung solcher Kinder zu wenden, bei denen schließlich doch nichts herauskommt, sie werden nur gequält, nicht gebildet, wenn man ihnen Aufgaben zumutet, für die Anlage und Interesse fehlen oder unzulänglich sind, sie verlieren damit auch Zeit, die sie für andere, ihnen zugängliche Dinge besser brauchen konnten, sie werden mißgestimmt und unfroh durch die Enttäuschungen steten Mißerfolgs. Andererseits liegt im Gedanken der Kunsterziehung als einem Mittel der allgemeinen Schulbildung der Anspruch, tatsächlich jedes Kind, auch dasjenige, das später zweifellos an eine aktive Kunstübung niemals denken tonn, durch die Welt des Ausdrucks und seiner Gestaltung hindurchzuführen. Ich glaube, die Lösung derartiger Schwierigkeiten in zwei Unterscheidungen zu finden: die Kunsterziehung im Rahmen von Erziehungs- und Bildungsschulen ist nach Grundlage, Aufgabe und Ziel von der Kunsterziehung im Rahmen einer Berufsbildung auf das schärfste zu unterscheiden. Das Recht der Sonderbegabung, auch im Bildungsgang zu Worte zu kommen, ist nicht früher entschieden, als bis das Dasein und die mutmaßliche Tragweite einer Sonderbegabung unbestreitbar deutlich ist. Überdurchschnittliche oder gar hervorragende künstlerische Begabungen, die im reiferen Jugend- alter sich zu dokumentieren beginnen, erfordern darum Schulen, in denen die Ausbildung zu künstlerischen und kunstgewerblichen Berufen erfolgt. Es kann nicht Die Aufgabe der vorangehenden Erziehungs- und Studienschulen sein, die künstlerische Berufsbildung vorwegzunehmen und alle Kinder zu Künstlern machen zu wollen. Soweit bei dem einen oder anderen Kind schon in früher Jugend und während des Besuchs einer allgemeinen Erziehungsschule ein künstlerisches Sondertalent sich bezeugt, wird die Schule als solche dieses nicht unterdrücken, kann der Lehrer im Einzelfall ihm helfen, mehr noch Elternhaus und Eelbstversuch; aber es kann nicht lehrplan- mäßige Ausgabe der allgemeinen Volks- oder Studienschule sein, die Individualität als solche schon zu pflegen. Also: zwischen Kunsterziehung als Bestandteil der Berufsbildung und Kunsterziehung als Element der allgemeinen Volksbildung besteht ein Unterschied der Anforderungen und des Ausmaßes, der durch die psychische Rangverschiedenheit der Talente bestimmt wird. Aber diese Rangverschiedenheit ist nicht ohne weiteres und insbesondere nicht für die Kindheit und frühe Jugend ein Beweis der Unmöglichkeit und Unsinnigkeit einer elementaren ästhetischen Erziehung. Das wird noch deutlicher durch die zweite Unterscheidung, die mir nötig und möglich scheint. Die Kunst ist ditz — gewiß an entsprechende Begabung gebundene — Vollendung einer Gruppe durchaus gemeinmenschlicher Fähigkeiten, nämlich des Ausdrucks eigenen Lebens, eigener Empfindung und Vorstellung und seiner gestalteten Objektivierung. Run lehrt jeder Blick in eine Kinderstube, eine Spielgruppe oder Einfluß eines Krieges zustande kam, bestimmte ferner, bah militärische Ausbildung ordentliches Unterrichtsfach an diesen Hochschulen sein solle. Diese Bestimmung hat lange Zeit nur wenig bedeutet, sie wurde im Sinne einer körperlichen Ertüchtigung der Studentenschaft gehandhabt, ohne den militärischen Charakter hervortreten zu lassen. Dis unter dem Einfluß des letzten Krieges auch die Landwirtschaftlichen Hochschulen anfrn. gen, mit der militärischen Studentenausbildung Ernst zu machen. .. ...... Da übrigens das Mindestalter für bie militärische Ausbildung auf vierzehn Jahre festgesetzt ist. werden seit dem Kriege auch schon die Mittelschüler ausgebildet: im Iahre 1925 waren es ihrer bereits mehr als 40 000, während die Zahl der ausgebildeten Universitätsstudenten damals rund 80 000 betrug. Inzwischen dürften aber diese Zahlen erheblich angewachsen sein. Dasselbe gilt auch von den Zahlen der Ausbildungsoffiziere, deren es 1925 rund 800 gab, während die Gesamtkosten für den Betrieb der R.O.T.C., wie man das Ausbildungskorps für Reserveoffiziere gewöhnlich abkürzt, mehr als IOV2 Million Dollar ausmachten. , , Interessant ist, daß sich in den letzten Iahren lebhafter Protest gegen die Einrichtung des R O.T.C. geltend gemacht hat. Die amerikanischen Pazifisten verurteilen sie als eine militärische An- oelegenheit, die in das Zeitalter der Abrüstung und des Völkerbundes nicht passe. Diese pazifistischen Kreise werden offiziell von den amerikanischen Kirchen unterstützt, von denen die Forderung aufgestellt wird, daß militärische Ausbildung von den Mittelschulen ganz zu verschwinden'habe, während die Hochschulen in allen Sollen die militärische Ausbildung zu einer freiwilligen Sache machen sollen. In verschiedenen örtlichen Studentenschaften hat man Abstimmungen für und gegen das R.O.T.C. durchgeführt, die allerdings praktisch nicht viel bedeuten, da erst durch Gesetzesänderung eine Umwandlung des bisherigen Zustandes erreicht werden könnte. Von den Anhängern des R.O.T.C. wird darauf hingewiesen, daß die militärische Ausbildung nicht nur zu dem Zwecke da sei, um auf einen fünf- ligen Krieg vorzubereiten, sondern vor ollem auch, um ein gesundes Vationalbewußtsein cius- zubilden. Deshalb seien den Kursen des R.O.T.C. auch staatsbürgerkundlicher Unterricht und ähnliche Unterrichtsfächer angegliedert. Die amerikanischen Pädagogen und Präsidenten der Universitäten sind geteilter Meinung. Auf der einen Seite wird militärische Ausbildung ..undemokratisch, barbarisch und pädagogisch völlig unklug" (Iohn Dewetz) bezeichnet, auf der anderen Seite wird sie für ebenso wichtig gehalten wie der Unterricht in Englisch, Mathematik. fremden Svrachen und Geschichte. (Dekan E. W. Lord, Boston Universith.) Wirtschaft. Normale Medioenilastung der Reichöbank. Der Ausweis der Reichshank zum Juni- Medio zeigt ein befriedigendes und normales Aussehen. In den ersten beiden Juniwochen beträgt die Entspannung rund 500 Mill. Mark gegenüber einer 'Anspannung von rund 650 zum Ultimo Mai. Die Abnahme des Wechselbestandes um 203 Mill. Mark durfte in Wirklichkeit größer sein, weil die Reichsbank auf diesem Konto größere Devisenzugänge verbucht hat. Die Höhe des Lom- bardkontos mit 125,8 Mill. Mark ist allerdings noch recht hoch und hängt wohl mit den noch immer anhaltenden Schwierigkeiten der Reichsfinanzen zusammen. Trotzdem muß die En t l a st u n g der R e i ch s b a n k als erfreulich bezeichnet werden, und es besteht auch Grund, anzunehmen, daß sie in der dritten Juniwoche weitere Fortschritte machen wird, so daß die Reichsbank, nachdem ihr Bestand an deckungsfähigen Devisen wieder eine beachtliche Höhe erreicht hat, in der Lage sein wird, den Halbjahresultimo und seine erhöhten Kreditansprüche seitens der Wirtschaft zu befriedigen. Die Restriktionsbestimmungen der Reichsbank, die im Reich bekanntlich eine sehr weitgehende Milderung erfahren haben, r:nb bei der derzeitigen Situation der Reichsbank überflüssig. Die Möglichkeit für ihre Aushebung ist um so mehr vorhanden, als praktisch der Verkehr mit der Reichsbank im allgemeinen wieder normal geworden ist und Kredit wünsche von der Reichsbank nicht mehr zurückgewiesen werden. Wenn offiziell die Aufhebung der Kreditrestriktion, die praktisch beendet ist, noch nicht erfolgt ist, so liegt dies wohl daran, daß durch die von den Banken vorgenommene Erhöhung der Debetzinsen erst eine Fühlungnahme mit diesen notwendig ist. Da den Banken durch die Aufhebung der Restriktionen der Kredit der Reichs- bank wieder zur Verfügung steht, so haben sie eigent- lich keine Veranlassung, an ihren erhöhten Debetzinsen festzuhalten, und man kann nur wünschen, daß die Verteuerung des Kredites zu Lasten der Wirtschaft so bald wie irgend möglich beseitigt wird, indem die Banken die Erhöhung der Debetzinsen um 1 0. H. wieder rück- gängig machen. Jedenfalls hat die Restriktionspolitik der Reichsbank zu einem vollen Erfolg geführt, da sie ihr eine Entlastung in dem erwünschten Ausmaße gebracht hat, abgesehen davon, daß ihr De- oisenportefeuille wieder stark gepolstert worden ist. Die Anpassung der Debetzinsen der Banken an den Diskontsatz der Reichsbank ist der letzte Schritt zur Wiederkehr normaler Geldverhällnisse. Oer neue iniernaiionaleKunstseideirust. Die Verwaltungen der Vereinigten Glanz st off-Fabriken A. - G., Elberfeld und der Vederlandsche Kunst- zijde-Fabrik Enka beschlossen, unter Aufrechterhaltung der rechtlichen und wirtschaftlichen Selbständigkeit, eine Verschmelzung ihrer Interessen durchzuführen. Eine formelle Fusion der beiden Gesellschaften kommt nicht in Frage. Zur Ermöglichung der bezweckten Interessengemeinschaft wird eine älebernahme der Aktien der einen Gesellschaft durch die andere mittels freiwilligen Aktienumtausches erfolgen. Die holländische Gesellschaft soll die juristische Grundlage des einheitlichen älnternehmens bilden, und demgemäß soll den Glanzstoff-Aktionären ein Angebot zum freiwilligen LImtausch ihrer Aktien gemacht werden. Der den Generalversammlungen der beiden Gesellschaften zu unterbreitende Interessengemeinschaftsvertrag sieht eine Aende- rung des Namens der Enka in „Algemeene Kunstzijde Linie" und Erhöhung des Aktienkapitals vor, um folgende Transaktionen durchführen zu können: 1. LImtausch von je neun Glanzstoffaktien von zusammen 2700 Mk. in zwei Llnieaktien von zusammen 2000 holländische Gulden mit gleicher Dividendenberechtigung ab l.Ia- nuar 1929. 2. Bezugsrecht nach Ablauf der Llmtauschfrist für sämtliche dann vorhandene Linieaktionäre im Verhältnis 4:1 zum Preise von 130 Prozent mit halber Dividendenberechtigung für 1929. 3. Ferner soll ein weiterer Betrag von 22 Millionen holländische Gulden Linieaktien zwecks Llmtausch von Maekubee-Aktien in Linieakten, worüber Verhandlungen schweben, sowie zu weiteren Angliederungszwecken ausgegeben werden. Diese Transaktion ist davon abhängig, daß mindestens 51 Prozent der Glanz st offaktien zum Limtausch angemeldet werden. Das Gesamtkapital an Linieaktien wird schließlich 125 Millionen holländische Gulden betragen. Der Vorsitz im Aufsichtsrat der Linie soll alljährlich wechseln zwischen einem Mitglied der holländischen und deutschen Gruppe. Die enge Interessengemeinschaft zwischen dem deutschen Kunstseidenkonzern Glanz st off- Werke und der holländischen Enka, deren Einzelheiten vorstehend berichtet sind, ist insofern eine besonders interessante Transaktion, als sie von den Beteiligten als ein wirtschaftlich unabwendbarer Schritt bezeichnet wird und somit die augenblicklichen Verhältnisse in der Kunstseidenindustrie und auf dem Kunstseidenmarkt kennzeichnet. Daß die Dinge auf dem Kunstseidenmarkt schon seit einiger Zeit, man kann wohl sagen seit dem Tode des belgischen Kunstseiden- Industriellen Barons L ö w e n st e i n, nicht so günstig waren und sind, wie man vielleicht allgemein glaubte, wird durch die Gründe zu dem Plane der einer Vollfusion praktisch gleichkommenden Interessengemeinschaft zwischen Glanzstoff und Enka eindeutig erwiesen. Die Kunstseidenindustrie befindet sich in Produktion und Organisation in einer ständigen Expansionsbewegung, die jedoch nicht mit den Absatzmöglichkeiten harmonisiert. Die Schwierigkeiten in den Kassenverhältnissen selbst bedeutender Gesellschaften der Kunstseide-Industrie haben durch Absatz um jeden Preis zu einem allgemeinen Preisdruck geführt, der sich gerade auf dem deutschen, durch Zölle nicht geschützten Markt empfindlich für die deutsche Kunstseiden- Industrie bemerkbar gemacht hat. Betrachtet man die Transaktion Glanzstoff-Enka unter diesem Gesichtspunkt, so muh man zugeben, daß sie anscheinend von dem Schuh der deutschen Kunstseideninteressenten diktiert ist. Ob allerdings durch eine derartige Zusammenschlußbewegung auf die Dauer eine Konsolidierung der Verhältnisse auf dem Kunstseidenmarkt erreicht werden kann, ist fraglich. Sie hängt ab von dem Umfang der Zusammenschlußbewegung, die nach den Plänen des neuen Trusts noch andere wertvolle Objekte erfassen soll. * *ArbekterentlassungenbeiderJ.-G.- Farbenindustrie. Wie WSN.-Dienst erfährt, kommen infolge Einschränkung der Produktion in den Werken Ludwigshafen und Oppau der J.-G.-Farbenindustrie einige Hundert Arbeiter zur Entlassung, nachdem weitgehend die achtstündige Arbeitszeit in den Betrieben eingeführt ist. Bei diesen Entlassungen werden, soweit cs die Betriebsoerhältnisse gestatten, selbstverständlich die sozialen Verhältnisse berücksichtigt. In erster Linie kommen solche Arbeiter zur Enllassung, deren Wohnsitz sehr weit von ihrer Arbeitsstätte entfernt liegt, ferner Ledige und Verheiratete ohne, oder mit geringer Kinderzahl. Der größte Teil der Entlassenen ist in den Jahren 1926 bis 1927 eingestellt worden. * Frankfurter Allgemeine Dersiche- r u n g s - A.- G., Frankfurt a. M. Die General- Versammlung beschloß die Verteilung von wieder 12,5 0. H. Dividende. Die Generalversammlung der zum Konzern der Frankfurter Allgemeinen gehörenden „Helios" Allgemeine Rückversicherungs-A.-G., genehmigte den Abschluß mit 12 v. H. Dividende. • D i e Konvention der oberrheinischen Mühlen perfekt. Wie W.T.D.-Han- delsdienst erfährt, ist nunmehr auch die Konvention der oberrheinischen Mühlen perfekt geworden und tritt am 20. Iuni in Kraft. Nachdem die Vereinbarungen der niederrheinischen Mühlen bereits seit dem 1. Iuni in Wirksamkeit sind, steht von dem gesamten Verhandlungskomplex nunmehr nur noch die Vollziehung des Konventionsvertrages durch die Bremer Mühlen aus. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 19. Iuni. Tendenz: abwartend. — Auch heute kam wieder keine regere Geschäftstätigkeit zustande, da der immer noch anhaltende Ordermangel drückend wirkte. Im allgemeinen lagen ungünstige Nachrichten nicht vor, aber trotzdem war man zurückhaltend, und die Tendenz war allgemein leicht abgeschwächt. Der feste Schluß der gestrigen Neu- horker Börse und die Erleichterung am Geldmarkt konnten keinen Eindruck machen. Nach der Festsetzung der ersten Kurse verstärkte sich die Abgabeneigung, und es traten bei der herrschenden Llnlust gegenüber der gestrigen Abendbörse zumeist Rückschläge bis zu 2 Prozent ein. Aber im großen und ganzen konnte man feststellen, daß das Angebot von keiner Seite dringend war. was vor allen Dingen auf den geringen Engagementsumfang der Spekulation zurückzuführen war. Auch heute machte sich die allgemeine Geschäftslosigkeit am Elektromarkt stärker bemerkbar. Hier kamen bei der Eröffnung nur Siemens mit minus 2 Prozent und Lechwerke mit minus 1 Prozent zur Notierung. Nur in AEG. waren Llmsähe zu verzeichnen, und es bestand für dieses Papier etwas lebhafteres Interesse, Deutsche Erdöl und Rüt- gerswerke dagegen leicht gebessert, Scheideanstalt minus 2 Prozent. Die Kursgestaltung war nicht einheitlich. Bei den übrigen Werten hielten sich bei jedoch nicht unfreundlicher Stimmung die Gewinne und Verluste die Waage. Am Montan- markt konnten Mannesmann und Mansfelder bis zu ein Prozent anziehen, während Stahlverein und Klöckner leicht nachgeben muhten. Schiffahrtsaktten bis zu 1 Prozent niedriger. Am Bankenmarkt waren Deutsche Bank etwas fester, Danatbank 2,25 Prozent schwächer. Auch Glanzstoff waren heute auf die niedrigere Bewertung der Enka-Aktien in Amsterdam weiter gedrückt und 7 Prozent schwächer. Autoaktien gut behauptet. Kaliwerte fast ohne Geschäft und eher vernachlässigt. Renten sttll. Deutsche Anleihen gut behauptet. Von Ausländern Zolltürken und Ungarn gebessert. Im Verlaufe machte sich Deckungsbedürfnis geltend, und die Llmsähe wurden etwas reger. Auch die Stimmung besserte sich daraufhin und war ausgesprochen freundlich. Farben gewannen 2 Prozent, A.E.G. 2,5 Prozent und Siemens 3,5 Prozent gegenüber dem Anfang. Auch für Schifffahrtswerte trat etwas regere Nachfrage zutage. Am Geldmarkt war der Sah für Tagesgeld mit 7 Prozent weiter ermäßigt. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1910, gegen Pfund 20.316, London gegen Kabel 4.8483, gegen Paris 123.95, gegen Mailand 92.66, gegen Madrid 34.20, gegen Holland 12.07550. Berliner Börse. Berlin, 19. Iuni. Trotz der anhaltenden Orderlosigkeit und der herrschenden Geschäftsstille eröffnete die heutige Börse ziemlich gut behauptet. An Nachrichten lag wenig Interessantes vor. Man beachtete nur die weitere Erleichterung am Arbeitsmarkte, die noch anhaltenden Verhandlungen im Ruhrbergbau, bei denen heute abend ein Schiedsspruch zu erwarten ist, und die Stellungnahme der Regierung zum Tariferhöhungsantrag der Reichsbahn, die noch nicht abgeschlossenen, aber weitergeführten Anleihekreditverhandlungen für das Reich. Etwas Beachtung fanden die erstmalig gestern wieder einsehenden Goldabgaben der Bank von England nach den Vereinigten Staaten. Ietzt, nachdem die Einzelheiten über die deutsch-holländische Transaktion in der Kunstseidenindustrie bekannt sind, werden die augenblicklichen Kursrealisationen bei Glanzstoff nicht mehr so ungünstig angesehen. Trotzdem lag aber heute hier Angebot vor und dieses Papier verlor zirka 7 Prozent. Auch Gesfürel, Karstadt und Svenska eröffneten schwächer. Aschaffenburger Zellstoff und Rüt- gerswerke notierten heute exklusive Dividende. Durch feste Haltung fielen Mansfelder Bergbau auf. Das Hauptinteresse der Börse zogen aber die unnotierten Werte auf sich, von benen Kali- industrie 260 und Bürbach mit 208 bis 207 nach gestern 205 lebhaft gehandelt wurden. Deutsche Anleihen behauptet. Ausländer eher schwächer. Mexikaner bis 0,5 Prozent niedriger. Der Pfand, briefmarkt verkehrte ruhig, aber nicht uneinheit- lich. Tagesgeld war mit 7,5 bis 9,5 Prozent unverändert. Nach den ersten Kursen überwog Abgabeneigung, mit Ausnahme von Kaliindustrie, Bürbach, Farben, R.W.E. und A.E.G. Später schritt die Spekulation zu Deckungen, und das Kursniveau konnte sich um 2 Prozent bessern. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 19. Iuni. Der Produkten« markt verkehrte heute in ruhiger Haltung. Die Stimmung war auf höhere Auslandnotierungen hin etwas freundlicher. Die Llmsähe waren im allgemeinen sehr gering, nur für Roggen machte sich bei etwas anziehenden Preisen ein lebhafteres Interesse bemerkbar. Im Zusammenhang hiermit war auch Roggenmehl gefragter und bis 0,25 Mk. teurer. Es wurden notiert: Weizen 23,50; Roggen 21,75 bis 22; Sommergerste für Drauzwecke 23; Hafer, inl., 22; Mais (gelb) für . Futterzwecke 20; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 32 bis 32,50; Roggenmehl 28,25 bis 29; Weizenkleie 10,25 bis 10,50; Roggenkleie 11,50. Tendenz: ruhig. Bücheriisch. — Hans Harmsen und Karl Christian v. Loesch: Die deutsche Devölke- rungsfrage im europäischen Raum, Verlag Kurt Vowinkel, G. m. b. H., Derlin-Grune- wald. Preis 3,80 Mk. (360) — Reichs-Bäder-Adreßbuch, nach amtlichen Quellen bearbeitet. 5. Ausgabe (Sonder, ausgabe für Auslandwerbung). Verlag: Reichs- Bäder-Adreßbuch nach amtlichen Quellen bearbeitet G. m. b. H., Berlin SW19, Leipziger Str. 76. Halbleinen geb. 15 Mk. (295) — Hans Richm art. Praktische Anleitung zum erfolgreichen Seidenbau, mit 90 Einzelbildern. Verlag Martin Salz- männ in Dessau. Preis 2,60 Mk. (293) — Ehr. A. Wagenbura, Der Weg zum Kapital, das System Des Geschäftserfolges. 5. Aufl. Organisator-Verlag, A.-G., Leipzig. (250) — Erwin Liek-Danzig, Irrwege der Chirurgie, kritische Streifzüge. Preis geheftet 6 Mk. I. F. Lehmanns Verlag, München. (259) — Das neue Sonderheft „Amerika" der Süddeutschen Monatshefte (München) füllt eine bisher bestehende Lücke im gemeinverständlichen Schrifttum über Nordamerika aus. Nur angebeutet werden kann hier der reiche Inhalt des Heftes, in welchem hervorragende Ken- ner des Reiches über dem Ozean das Wort ergreifen. So handelt C. L. W. Meyer, Bibliothekar an der Congreß-Bibliothek in Washington, über Amerikas Staatsverfassung. Professor H. E. Barnes, der amerikanische Vorkämpfer in der Kriegsschuldfrage, gibt eine aufschlußreiche Würdigung von Tyoodrow Wilson. Zum englisch-amerikanischen Gegensatz spricht Professor Dr. Brie, Freiburg, und über eines der wichtigsten weltpolitischen Wirtschaftsprobleme, nämlich Nordamerika und das Erdöl Dr. K. Hoffmann von der Hochschule für Nationale Politik, Berlin. Professor 0. Klenze, früher am College of the City of New York, gibt einen Lieberblick über das deutsche Element in den Vereinigten Staaten, während Dr. Schönemann, der Leiter der Amerika-Abteilung des Englischen Llniver- sitätsseminars in Berlin Hauptströmungen des amerikanischen Lebens schildert. Wesentliches über amerikanisches Frauenleben berichtet Frau Toni Harten-Hoencke, Berlin, und Richard C. de Wolf von der Congreß-Bibliothek in Washington gibt ein Bild von der amerikanischen Literatur der Gegenwart. Schließlich liefert Professor Fritz Dehn mit dem Temperament des Künstlers eine warnungsreiche Skizze vom falschen Amerikanismus in Deutschland. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den \ Zapieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Frankfurt a.M. Berlin Frankfurt a M. Berlin Frankfurt a M. Berlin Berlin, 18. Iuni Geld Brief Schlub Kurs I-Uht- Äuti Schlub- Kure Anfang Kure Schluß- Kure 1 Uhr kure Schlub-' Kurs Anfang Kure Sd)lu6- Kure i-Uhr- Kure Schlub- Kure Anfang Kur« Französische Noten..... Holländische Noten ...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oestrrr^Llvo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . - Ungarische Noten ... Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16,37 167,81 21,895 111,33 58,82 2,51 111,96 80,48 59,18 12,375 72,80 -Frankfur Auszahl 16,43 168,49 21,975 111,77 59,06 2,53 112,40 80,80 59,42 12,435 73,10 t a.M. ung. Darum 18.6. 19.6. 18 6. 19 6. Datum 18-6. 19.6. 18.6. 19.6. Datum 18.6. 19 6. 18.6. 19 6. 6% Dl. 8tcld)4anleU)e o. 19z? DI. ilnl.-Mblöl.-Sdiulb mit Au» lo|.-91ed)tcn Seigl. ohne AuSlos.-Rcchie V% Frany. Hyp.-Bk. Goldpf. tnr kündbar bl4 1932 *y,% Rheinische Htzp.-Banl Llau (gi'lbvf.. A.E.G. abg. BorkriegS-Obllgation., rückzahlbar 1939 4% Schweiz. iBunbeflb.-SnL. 4% Oesterreichliche Goldrte.. 4,20% Gelten:. (»Uberrtc. 4% Oesterreich, einheitl. 9?te- 4% Ungarische ®olbite..... 4% Ungarische Slaattr. v. 1910 4%% bc । । I । 1 । । । । । । । »-y, | | *5 | LiSZobi 1 SSSb-'u, Illi 18. Iuni 19. Juni 6- 23,45 8,2 120,75 111,75 186,75 275,5 172.75 157 162 330 Amtliche Notierung «Yeld l Brie, Amtliche Notierung (Selb 1 Briet Amst.-Ron. Bueu-LireS Vrff.-Antw. Chrrstiania. Kopenhagen Stockholm - HelftngforS- Italien. . - London. . . Neuport . . Paris.... Schweiz . . Spanien - Japan - . - Rio de Ian Wien in D-- Ceft. abgest Prag . . - . Bel)Tab . . Budapest. . Bulgarien Lissabon Danzig. . . Konstantin. Athen. . Canaba Uru.nav Cairo 168,14 1,746 58,14 111,57 111,53 112,18 10,523 21,92 20,30 4,188 16,39 80,525 59,41 1,841 0,496 58,84 " 12,395 7,363 72,97 3,031 18,73 81,14 2,008 5,435 4,151 4,036 20,82 168,48 1,752 58,26 111,79 111,75 112,40 10,548 21,96 20,34 4,196 16,43 80,685 59,53 1,845 0,498 58,96 12,415 7,374 73,11 3,034 18,77 81,30 2,012 5,445 4,159 4,044 20,86 168,17 1,749 58,115 111,66 111,53 112,19 10,527 21,915 20,322 4,1875 16,375 80,525 59,12 1,843 0,4965 58,83 12,401 7,351 72,99 3,027 18,73 81,13 2,018 5,44 4,152 4,046 20,832 168,51 1,753 58,235 111,78 111,80 112,41 . 10,547 21,955 20,342 4,1955 16,415 80,685 59,24 1,847 0,4985 58,95 12,421 7,365 73,13 3,033 18,77 81,34 2,022 5,45 4,160 4,054 20,872 Berlin, 18- Juni tAelb Brief Amcrikaiii'che Noten..... Belgische Noten ...... . Dänische Noten........ Englische Noten........ 4,166 58,06 111,33 20,27 4,186 58,30 111,77 20,35