Nr. 2(9 Erstes Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 18. September 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. Mcuiatr-Vczugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. ücrnsprechanschlüfse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfittir-Vuch- und Zteindruckerel «.Lange in Gietzen. Schristleltung und Seschaftrftelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh/Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. England ladet zur SeeabriistungSlonferenz nach London ein. Oie Bombenaiientaie. Die in Altona Verhafteten nach Berlin gebracht. — Gerichtliche Voruntersuchung. 2( l f o n a , 17. Sept. (1DB.) Der im Zusammenhang mit den Sprengstafsanschlägen verhaftete Landvolkführer Wilhelm hamkens hat seine Mitwisserschaft bei den Bombenanschlägen ringe st a n d e n. Die Zeitung „Das Landvolk" hatte bisher jeden Zusammenhang zwischen Hamkens und den Attentaten entschieden bestritten. Die U e b e r s ü h r u n g der im Zusammenhang mit der Sprengstosfangelegenheit in hast gehaltenen 21 Personen nach Berlin ist heute vormittag oor- gcnommen worden. Der Dentist v e st m a n n aus hohn bei Rendsburg wurde aus der haft e n t - lassen. Die in Altana verhafteten Personen sind in einem dem fahrplanmäßigen Hamburger Zuge angehängten Sanderwagen um 12.45 Ahr in Berlin c i n g e l r a f f e n. Sie wurden unter Bewachung einzeln aus dem Wagen geführt und in 21 Droschken nach dem Untersuchungsgefängnis in Moabit gebracht. Zu ihrer Abholung waren Beamte der politischen Abteilung des Berliner Polizeipräsidiums nach Altona gefahren. Ein starkes Aufgebot der Schutzpolizei sorgte dafür, daß der Abtransport sich völlig reibungslos abspielte. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst ferner mitteilt, hat der Generalstaatsanwalt bei dem Landgericht I Berlin nach Prüfung des Ergebnisses der polizeilichen Ermittlungen nunmehr gegen sämtliche Personen, die wegen der in Berlin und auswärts verübten Sprengstoffatlentate festgenommen sind, bei dem Untersuchungsrichter des Landgerichts I Berlin die gerichtliche Varuniersuchung beantragt. Es handelt sich um 28 Angeschuldigte, u. a. Timm und die vier anderen seines Kreises, Ernst v. Salomon, Plaas, gegen welche bereits durch den Vernehmungsrichter in Berlin richterlicher Haftbefehl erlassen war, Nickels, Bruno v. Salomon, Weschke, heim, Bohm und h a m ke n s. Die Staatsanwaltschaft legt sämtlichen Angeschuldiglen zur Last, sich zur fortgesetzten Begehung von verbrechen gegen das Spreng st offgeseh verbunden zu haben. Gleichzeitig hat die Staatsanwaltschaft beantragt, die bereits bestehenden richterlichen Haftbefehle zu bestätigen, und im übrigen gegen die Angeschuldigten Haftbefehl zu erlassen. Der wegen Ueber- lastung der übrigen Unlersuchungsrichler bei dem Landgericht I Berlin vom Kammergerichtspräsiden- tcn mit Genehmigung des Justizministers noch zum Untersuchungsrichter bestellte Landgerichtsdirektor 2H a f u r hat die Bearbeitung der Sache übernommen. Das Volksbegehren. Stahlhelm, Landbnnd und Bauernpartei gegen den Landcsvcrratsparagraphcn. Berlin, 18. Sept. (Priv.-Tel.) Der Zusammentritt des Präsidiums im „Reichs- ausschuß für das deutsche Volksbegehren" ist auf den 21. September angeseht worden. Geheimrat Hugenberg wird heute nach Berlin zurückkehren. um persönlich die Verhandlungen wegen der Abänderung des Volksbegehrens zu führen. Laut „D. 21. Z." hat sich nunmehr auch der Stahlhelm dem Protest des Reichslandbundes und der Christlich-natio- nalen Bauernpartei gegen den Paragraphen 4 des Volksbegehrens angeschlossen. Die Rationalsozialisten verharren ihrerseits ultimativ auf der Beibehaltung des umkämpften Paragraphen. Für den 20. September sind Beratungen zwischen den führenden Persönlichkeiten der Deutschnationalen Partei über die Lage vorgesehen. Reichswehr uno Adersgenoffenschast. Berlin, 18. Sept. (Priv.-Tel.) Reichswehr- Minister G r o e n e r hat auf Grund des § 36 des Wehrgesetzes, der den Angehörigen der Reichswehr und Reichsmarine die Mitgliedschaft in politischen Vereinigungen oder Verbänden verbietet, die Deutsche Adelsgenossenschaft für politisch erklärt. Diese Verfügung des Reichswehrministcrs bedeutet für sämtliche Offiziere der Reichswehr und Reichsmarine den Befehl, aus der Lldelsgenossenschaft, sofern sie Mitglieder sind, sofort auszutreten. Der Befehl des Reichswehrminifters ist erlassen worden, weil in den Blättern der Lldelsgenossen- schaft unqualisizierbare Angriffe gegen die R e i ch s r e g i e r u n g und ihre Mitglieder veröffentlicht worden sind, und weil die Lldelsgenossenfchaft sich aktiv an dem Volksbegehren von Hugenberg-Hitler beteiligt. Oie Räumung von Koblenz. Koblenz, 17. Sept. (WTB.) Mit dem Abtransport der französischen Truppen aus Koblenz ist begonnen. Heute hat die hier liegende 121. Autoabteilung 28 Fahrze uge verladen. Gestern find vom 39. Artillerieregiment 238 Pferde nach Frankreich abgegangen; auch hat das Regiment bereits mit der Auflösung begonnen. Die Reservisten werden und sind z. T. in die Heimat entlassen, während die übrigen Mannschaften in der nächsten Zeit aus andere Regimenter in Frankreich verteilt werden. Am London, 18. Sept. (WTB. Funkspruch.) „Times" meldet: Premierminister Macdonald hat die französische, italienische und die japanische Regierung davon verständigt, daß Anweisung an die britischen Botschafter in Paris, Rom und Tokio ergangen sind, die drei Regierungen zur Teilnahme an einer Fünfmächtekonseren; über die Abrüstung zur See einzuladen. Es wird beabsichtigt, daß die Konferenz in der 3. Januarwoche nächsten Jahres in London zusammentreten soll. Die Regierung der Vereinigten Staaten, die sich an der Einladung beteiligt, wird ihren diplomatischen Vertretern in den genannten Ländern gleiche Anweisungen geben. Die britische und die amerikanische Regierung werden der vollkonferen; die Einzelheiten ihrer provisorischen Vorschläge mitteilen und den eingeladenen Regierungen zu verstehen geben, daß ein günstiges Ergebnis nicht ohne ihre vollständige und sympathische Mitarbeit erreicht werden kann, besonders in der Frage der Einschränkung der Tonnage der Zerstörer und Unterseeboote. Japans Konferenzprogramm. Gegen eine Verminderung der U-Boote. Tokio, 17. Sept. (WB.) Heute fand eine Ka- binettssihung statt, in der der Marineminister Admiral T a k a r a b e einen Lieberblick über die Marineabrüstungsverhandlungen gab und den Standpunkt Japans in folgenden Hauptpunkten festlegte: Japan ist bereit, dem Vorschlag näherzutreten, die Periode, in der keine Groß- k a m p f s ch i s f e gebaut werden sollen, b i s zum Jahre 1 936 zuverlängern. Japan ist der Ansicht, daß die amerikanische Gefechtsstärke in Kreuzern er ft er Klasse, die mit achtzölligen Geschützen bewaffnet sind, a l s Maßstab für das japanische Stärkeverhältnis von 70 Prozent zu dienen hat. Japan.ist bereit, feinen Bestand .an Zerstör e r n um annähernd 17 000 Tonnen auf 105 000 Tonnen zu vermindern, wenn der amerikanische und der englische Bestand an Zerstörern auf je 150 000 Tonnen beschränkt werden. Japan widersetzt sich der Abschaffung oder einer drakonischen Verminderung der Llnterseeboote, da es diese als die wirksamste Waffe gegen eine überlegene Flotte betrachtet. Frankreichs Vorbehalte. Keine Parität im Mittelmeer. Paris, 17.Sept. (WB.) Im Zusammenhang mit den Genfer Abrüstungsverhandlungen zeigt man sich in Frankreich außerordentlich besorgt über d i e englisch-amerikanischen Flottenverhandlungen, die man als endgültig gesichert ansieht. Die Annahme einer Einladung zur Teilnahme an der für Januar nächsten Jahres geplanten Konferenz, so bemerkt das „Journal des Debüts", durch Japan und Italien scheint unzweifelhaft zu sein, und zwar zweifellos unter der Bedingung, daß Frankreich keinen Vorbehalt mache. Niemals werde Frankreich vor einer so ernsten und für fein Prestige in der Welt und die Zukunst seines Kolonialreiches so folgenschweren Entscheidung gestanden haben. Das Blatt präzisiert sodann den französischen Standpunkt in der Frage der Rüstungsbeschränkung zur See. Es schreibt: Was uns interessiert, ist, daß wir nicht die Ko st en für diese Kombination tragen, und daß wir nicht mit dem Ver - l u st unserer Unabhängigkeit die zerbrochenen Töpfe dieser Küche- bezahlen. Worauf wir Freitag kehren die letzten Mannschaften des 23. Infanterieregiments aus Griesheim zurück, und dann rüstet sich dieses Regiment und das 151. Infanterieregiment zum Abtransport. Zunächst wird die Bagage abtransportiert; ihr werden später die Mannschaften folgen. Morgen kehren von jeder Kompagnie des 151. Regiments je vier Mann als Quartiermacher nach Metz zurück, wohin diese Regimenter verlegt werden. Geschlossene Mannschaststrans- Porte der beiden genannten Jnfanterieregimenter sind der Reichsbahn noch nicht, angefagt; dagegen hat die R h e i n l a n d k o m m i s s i o n heute wieder Wagen zum Abtransport von Gepäck nach Frankreich angefordert. Oer Räumungsbeginn in Königstein. K ö n i g st e i n i. T., 17. Sept. (Wolff.) Der Be- sahungs-Abzug ist hier in vollem Gange. Täglich verlassen mit den fahrplanmäßigen Zügen Familienangehörige der Truppen und einzelne Militärpersonen die Stadt, um endgültig in die Heimat zurückzukehren. Am Freitag abend wird mittels Sonderzugs, zu dem 13 Waggons angefordert sind, das Material des hier stationierten Truppenteils abtransportiert. Der Weggang der Truppen ist auf Montag, 23. September, festgesetzt. Sie verlassen mit einem Sonderzug, der jedenfalls von hier direkt nach Antwerpen zur anschließenden Verschiffung nach England geleitet werden soll, um 1.40 Llhr Königstein. Wenngleich auch das Verhältnis zu den nicht verzichten können, das läßt sich in drei Aphorismen zusammenfassen. 1. Wir wollen die Unlerseebootsslolle behalten, die als durchaus notwendig für die Deckung der vorgeschobenen Verteidigung unserer Küsten (Rordaftika einbegriffen) und unseres Kolonialreiches anerkannt worden ist. Die Zusammensetzung dieser Flotte wird bestimmt durch das Gesetz über das Seestatut. 2. wir müssen die Sicherung unserer Verbindungswege mit unseren Kolonien sicherstellen und über die Sicherung und Freiheit dieser verbinduvgswegc wachen, andernfalls wird unser Kolonialreich gefährdet. 3. Wir dürfen nicht vergessen, daß Frankreich m i l zwei Seefronten, dem Atlantischen Ozean und dem Mittelmeer versehen ist. Infolgedessen der um 12.15 Uhr Rheine überflogen hatte, traf um 12.37 Uhr über Osnabrück ein, von der Einwohnerschaft auf Straßen und Plätzen, auf den Dächern und an den Fenstern auf das Freudigste begrüßt. Die Kirchen, öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privalhäuser hatten Flaggenschmuck angelegt, um den Gast zu begrüßen. Glockengeläute und Sirenengeheul von Fabriken und Schissen brausten mit dem Hurra der Menschenmenge vermischt dem im Sonnenschein dahinziehenden Luftriesen entgegen. Das Luftschiff flog dann weiter über Oldenburg. Bremen nach Hamburg. Der „Gras Zeppelin" erschien um 16.40 Uhr über den Landeanlagen der ha- pag in E u x ha v e n , von einer gewaltigen Menschenmenge mit Tücherschwenken und Zurufen und von den Dampfern durch Sirenengeheul begrüßt. Das Luftschiff fuhr dann auf See hinaus und umkreiste den bei der Kugelbaake aufkommenden Dampfer „Renyork". Der hell in der Sonne glänzende Leib des Luftschiffes über dem langsam näher kommenden, in seinen Konturen noch undeutlichen Riesendampser bot ein wundervolles Bild. Der „Graf Zeppelin" kreuzte dann wieder über Lux- Haven, während die „Reuyork" von der Kugelbaake her sich langsam ihrem Pier näherte. Die „Reuyork" hatte um 15.10 Uhr bei dem Feuerschiff „Elbe I“ das Luftschiff gesichtet, das steuerbord aufkam und sich in schneller Fahrt und geringer höhe näherte und dann über der „Reuyork" kreiste. Den Passagieren, die durch die Dampfpfeife des Dampfers ans Deck gerufen worden waren, bot sich ein prächtiger Anblick. Als „Graf Zeppelin" am Backbord des Schiffes dicht entlang fuhr, entboot er der „Reuyork" mit Flaggengruß herzlichen Willkomm. Dr. E ck e n e r sandte von Bord des Dampfers aus folgendes Begrüßungstelegramm an Kapitän Lehmann: „Ihnen und der ganzen Besatzung herzliche Grüße und Dank für die eindrucksvolle Begrüßung über dem Wasser. Wünsche weiterhin gute Fahrt bei schönem Wetter. Grüße auch an die Passagiere. Dr. Eckener." englischen Besahungstrnppen ein erträgliches genannt werden konnte, so wird doch der Abzug der fremden Truppen freudig begrüßt und eine glückliche Entwicklung und ein stetiger Wiederaufstieg des reizendes Kurortes erwartet. Diez a. d. Lahn besahungssrei. Diez, 18.Sept. (TU.) Nachdem vor geraumer Zeit die Truppenteile von hier abgezogen sind, ist jetzt auch in aller Stille d i e französische Gendarm erie st ation aufgelöst worden und mit ihr die französische Trikolore aus dem Stadtbild verschwunden. Oer Kampf um die amerikanischen Zölle. Borat; gegen die neuen Zollerhöhungen. Washington, 17. Sept. (WTB.) Bei der Beratung der Zolltarifnovelle haben sich, obwohl auf der Tagesordnung des Senats der administrative Teil des Zolltarifs steht, bisher die meisten Redner mit Zollerhöhungen in der Form, wie sie vom Senatsausschuh und vom Repräsentantenhaus festgelegt worden sind, beschäftigt, teils als Gegner, teils als Befürworter. In der Montagssitzung hielt Senator B o r a h eine längere Rede gegen die Rovelle, die dem Wahlversprechen der republikanischen Partei zuwiderlaufe. Borah wies unter Vorlage statistischen Materials auf die Profitquoten der International Harvester Eompanh sowie der können wir uns mit keinen anderen europäischen kontinentalen Mächten aus eine Parität der Abrüstung zur See einlaj- s e n, die die Erdrückung unserer Seesfreitkräste im M i 11 e l m e e r zur Folge hat und uns dahin führen würde, den Verbindungsweg Marseille — Algier, der für die Mobilisierung unserer Armee unerläßlich ist, unter fremde Kontrolle geraten zu lassen. Hier liegt das Geheimnis der gegenseitigen Abhängigkeit unserer Streitkräfte zu Wasser, zu Lande und'in der Lust. Zusammenfassend kann man sagen, daß wir auf einer Flottenkonferenz nicht erscheinen können, ohne die Gewißheit zu haben, daß diese drei lebenswichtigen Punkte unseres Programms respektiert werden. Eckeners Landung. Die Besprechungen in Amerika. Hamburg, 17. Sept. (WTB.) Kurz nach 17 Llhr lag die „Reuyor t“ am Cuxhavener Pier fest. Llngeheurer Jubel umbrandete das Riesenschiff. Die Menschenmenge schwenkte Fahnen und Tücher und tausend Stimmen riefen nach Dr. Eckener. Den Pressevertretern wurde in Dr. Eckeners Kabine ein kurzes Interview gewährt. Die Hauptfrage galt naturgemäß dem Stand der Verhandlungen mit dem Ziel der Schaffung eines regelmäßigen Luftschiffverkehrs. Dr. Eckener schnitt diese Frage sogleich mit der Feststellung ab, daß von Verhandlungen überhaupt noch nicht die Rede fein könnte. Er habe in Amerika mit zahlreichen Interessenten, so mit Herren von der Harryman- Gruppe und von der Rational City Bank, Besprechungen gehabt und freue sich, sagen zu können, daß das Interesse an der Zeppelins ache sehr groß sei. Verhandlungen oder gar Abmachungen habe er nicht führen und treffen können, da zunächst die deutschen Besprechungen vorangehen müßten. Er komme m i t {einerlei Bindungen in die Heimat z u r ü ck. Die Tatsache, neue Freunde und Interessenten gewonnen zu haben, sei aber natürlich ein nicht zu unterschätzendes Plus. Auch dem Besuch in Akron scheine man in Unkenntnis des Verhältnisses des Luftschiffbaus Zeppelin zu der dortigen Gesellschaft eine falsche Deutung gegeben zu haben. Als Dr. Eckener das Schiff verließ, wurde ihm auf dem Weg zum Hapag-Sonderzug ein jubelnder Empfang der wartenden Menge bereitet. Ein gleich herzliches Willkommen empfing ihn bei der Ankunft in Hamburg um 21 Uhr. Vom Bahnhof aus begab sich Dr. Eckener mit Graf Brandenstein, der ihm nach Cuxhaven entgegen- gefahren war, ins Hotel „Vier Jahreszeiten". — Der Reichspräsident hatte den Führer des „Graf Zeppelin" mit einem herzlichen Telegramm- brief, in dem er ihm Dank und Anerkennung für die durch die Weltfahrt für Deutschland geleistete Tat ausspricht und der Hoffnung Ausdruck gibt, ihn bald in Berlin begrüßen zu können, aus deutschem Boden willkommen geheißen. Dr. Eckener sandte folgendes Antworttelegramm: „Für das überaus gütige Begrüßungsschreiben gestatte ich mir meinen ergebensten und ehrfürchtigsten Dank auszusprechen. Stahlindustrie hin. Der Stahlindustrie fei es gelungen, im letzten Halbjahr ihren Reingewinn um 80 Prozent zu steigern. Trotzdem verlange und erhalte sie weiteren Z o l l s ch u h. Der Farmer müsse die großen Gewinne der Industrie für LandwirtschaftS- maschinen allein aufbringen. Die Einfuhr von Fertigwaren betrage schon jetzt nur 4Prozent der einheimischen Produkt i d n. In den Vereinigten Staaten bestehe praktisch also schon jetzt eine Sperre gegen die Einfuhr von Auslandwaren; nun solle diese Sperre noch verschärft werden. Die Senatoren Reed und S m o o t traten dagegen für die Zolltarifnovelle ein, wobei sie erneut die von den amerikanischen Gewerkschaften formulierte Forderung zitierten, daß der h ö h e r c Lebens st andard der amerikanischen A r b e i t e r s cha st geschützt werde. Die Demokraten haben inzwischen eine Liste von etwa 200 Firmen auf gestellt, die für ihre Fabrikate Zollschuh verlangen. Die Demokraten wünschen, daß das Schatzamt dem Senat Steuererklärungen dieser Firmen vorlegt, Smoot hat aber bereits durchgeseht, daß die Ramen dieser Firmen nicht veröffentlicht werden dürfen. Für Dienstag haben die Senatoren der nordwestlichen Staaten eine inoffizielle Zusammenkunft einberufen, in der eine Opposition gegen die Zolle auf Schindeln und Bauholz organisiert werden soll, während andererseits betrieben werden soll, daß Manganerz wieder zollpflichtig wird. Ferner vertritt diese Gruppe den Wunsch, daß Häute mit Gewichts- statt mit Wertzoll beleat werden. „Gras Zeppelin" heißt Dr. Eckener in Hamburg willkommen. Osnabrück, 17. Sept. (WB.) „Graf Zeppelin", genügt. Cs reicht nicht aus, wenn wir in Deutsche land ein soziale- Arbeitsrecht schaffen: viel- mehiT- muh sich die soziale Tendenz auf die gesamte Rechtsordnung erstrecken. Wir brauchen klare, anschauliche und damit auch der breiten Volksschicht verständliche Formulierungen, damit das Recht von allen Seiten verstanden und innerlich erlebt werden kann. Recht und Rechtspflege dürfen weiterhin nicht lediglich Sache der Juristen bleiben. Äe christlichen Gewerkschaften erkennen die großen Zusammenhänge auf dem Gebiete des Rechtslebens und sind gewillt, aus dieser Erkenntnis die notwendigen Folgerungen zu ziehen, wozu auch ein einheitliches ^Zusammenarbeiten bei der Bewältigung der nächsten Aufgaben gehört. Aus aller Welt. ISTote des Grubenunglücks in Kleinrosseln. Forbach, 17. Sept. (WTD.) Bei" den Auf- räumungsarbeiten an der Grube St. Charles wurden weitere vier Leichen gefunden. Die Gesamtzahl der Toten beträgt mithin 19. Von den Opfern stammen 7 aus Preußen und dem Saargcbict. Der durch die Explosionskatastrophe verursachte Sachschaden dürfte ungefähr 20 Millionen Franken ausmachen. Generaldirektor Precheur erklärte dem Sonderberichterstatter, das erste Unglück am Sonntagmorgen, bei dem 4 Bergleute umkamen und 5 verletzt wurden, sei auf die große Unvorsichtigkeit eines Arbeiters zurückzuführen, der einen Wagen mit einem eisernen Faß Benzol nach dem Schacht transportieren sollte. Er habe in der Annahme, daß die Förderschale tan Ort und Stelle sei, den Wagen in den Schacht gestoßen. Die ganze Ladung sei aber i n d i e Tiefe gestürzt, da die Förderschale nicht da war. Beim Aufschlagen auf dem Boden sei das Faß explodiert und durch den Brand wurde die Explosion verursacht. 2HU dem vom Großen Los gekauften Motorrad tödlich verunglückt. Auf der Toster Landstraße ereignete sich kurz hinter Warmuntowitz ein Verkehrsunfall. Ein Eisenbahnbediensteter aus Warmuntowitz, der bei der letzten Ziehung der Preußischen Klassenlotterie einen Anteil von dem nach Groß- Strelih gefallenen Großen Los bekommen hatte, hatte sich auf Grund dieses Gewinnes ein Motorrad angeschafft, mit dem er eine Probefahrt unternahm. Da er im Fahren noch nicht ganz sicher war, verlor er bei der Begegnung mit einem, Fuhrwerk die Gewalt über sein Rad und fuhr direkt in das Gespann hinein. Der Motorradfahrer war sofort tot. während sein Begleiter mit schweren Verletzungen darniederliegt. Vulkanausbruch auf der Insel Martinique. Auf der Insel Martinique soll sich infolge eines leichten Ausbruches des Vulkans Mont Pelee oberhalb von St.Pierre ein Krater von 50 Meter Durchschnitt mit schwacher Aktivität gebildet haben. St. Pierre und Berne Rouge find von der Bevölkerung freiwillig g e- räumt worden. Die Behörden haben alle Vor« sichtsmahnahmen getroffen. Oie Wetterlage. gez. Eckener/ — Dr. Eckener wird voraussichtlich morgen abend von Hamburg direkt nach Friedrichshafen Weiterreisen. Lieber Hamburg. Jubelnde Begrüßung durch eine große Menschenmenge. Hamburg, 17. Sept. (WB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" erschien um 18.10 ilfjr, die Elbe aufwärts kommend, über Hamburg. Es beschrieb zunächst über dem Hafen eine Schleife und überflog dann das Weichbild der Stadt. „Graf Zeppelin" wurde durch eine Eskorte von acht Flugzeugen und von dem Reklameluftschiff P.N. 28 über Hamburg begrüßt. Die Stadt trägt reichen Flaggenschmuck. Auch die Schiffe im Hafen haben geflaggt. In sämtlichen Schulen fiel heute der Unterricht aus. Aus der näheren und weiteren Llmgebung sind zahlreiche Menschen herbeigeströmt, um das Luftschiff zu sehen. In den Straßen der Stadt herrschte außerordentlich starker Verkehr. Die freien Plätze und die Hausdächer waren bereits von 16 Ähr an dicht beseht. Es läuteten die Glocken, und die Dampfer und Barkassen im Hafen ließen ihre Sirenen ertönen. Durch jubelnde Zurufe und durch Tücher- schwenken gab die ungeheure Menschenmenge ihrer Freude über das seltene Erlebnis Ausdruck. Das Luftschiff kreuzte längere Zeit über der Stadt und setzte dann die Fahrt in der Richtung nach Lübeck fort. Lieber Lübeck/ Schwerin und Wismar. Lübeck, 17. Sept. (WTB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" überflog Lübeck kurz nach 19 Uhr, um 20 Uhr traf es über Wismar ein. Cs fuhr in niedriger Höhe eine große Schleife über der Stadt und schlug dann um 20.15 Uhr die Richtung nach Schwerin ein, das um 20.30 Uhr erreicht wurde. Rach einer Schleife über der Stadt entschwand es den Blicken der zahlreichen Zuschauer in südwestlicher Richtung. Bei dem hellen Mondschein war der Riesenkörper des Luftschiffes deutlich erkennbar. Er wurde außerdem von Scheinwerfern, die auf den Kirchtürmen aufgestellt waren, beleuchtet. Glockengeläut von allen Kirchtürmen kündigte das Rahen des „Graf Zeppelin" an. DerRüüflug des „Gras Zeppelin" Friedrichshafen, 18. Sept. (WTB.) Am 17. September um 21.20 Uhr erschien das Luftschiff „Graf Zeppelin" erneut über Hamburg und nahm Kurs auf Lüneburg, wo es um 22 Uhr eintraf. Die Positionslaternen waren sehr gut zu sehen. Das Luftschiff wurde in Lüneburg ourch eine zahlreiche, durch den Rundfunk aufmerksam gemachte Menge lebhaft begrüßt. Es verschwand dann in südlicher Richtung. Um 23.48 wurde der „Graf Zeppelin" über Hannover gesichtet und überflog die Stadt in , südlicher Richtung. 0.25 Uhr erschien es über Hildesheim und passierte 0.45 Uhr die Stadt Alfeld. Es fuhr dann an der Bahnstrecke nach Kassel entlang und überflog die Stadt Rortheim um ein Uhr. Um 1.18 Uhr wurde das Luftschiff über Göttingen gesichtet und überflog Mülhausen in Thüringen um 1.57 -llljr, von wo es nach einer nach Vesten gerichteten Kurve über dem Zentrum der Stadt um 2.01 Uhr nach Südwesten verschwand. Ueber Eisenach wurde der „Graf Zeppelin" um 2.15 Uhr gesehen. Die Silhouette des Luftschiffes bot bei der Ueberfliegung der Wartburg ein malerisches Bild. Ulm wurde um 6 Uhr passiert. Um 7.10 Uhr erschien das Luftschiff wieder über dem Werftaelände in Friedrichshafen und ist um 7.24 Uhr auf dem Werftgeländeplah gelandet. Oie Organisation der internationalen Zahlungsbank. Paris, 17. Sept. (WB.) Wie Havas berichtet, rechnen gutunterrichtete Kreise immer noch damit, daß die erste Sitzung des Organisationsausschusses für die internationale Zahlungsbank verzögert werden könnte, da gewisse Vorfragen noch zu lösen blieben. Der Ausschuß werde seine vorbereitende Sitzung wahrscheinlich nicht wie ursprünglich vorgesehen, am 2 3. September in Brüs- s e l abhalten. Diese Verzögerung deute aber nicht auf noch bestehende ernste Hindernisse hin. Tiefgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vertretern der verschiedenen Emissionsbanken feien nicht vorhanden: die noch zu regelnden Fragen bezögen sich anscheinend vor allem auf einzelne Punkte des einzuschlagenden Verfahrens. Oie deutsche Sprache in den englischen Schulen. London, 17. Sept. (WTB.) 3n einem heute von dem Unterrichtsministerium veröffentlichten Bericht wird darauf hingewiesen, daß nur in wenigen englischen Schulen die deutsche Sprache gelehrt wird. In dem Bericht wird mitgeteilt, daß sich bei den Reifeprüfungen im Iahre 1928 mehr als 54 000 Schüler in französisch prüfen ließen, dagegen nur 3837 in deutsch und 719 in spanisch. Der Bericht sagt, die Wichtigkeit der beiden letztgenannten Sprachen sei noch nicht genügend erkannt worden. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, daß nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Bcrbandstag des Reichsverbandes Deutscher Post- und Telegraphcnbcamtcn Berlin, 17. Sept. (WTB.) Im Plenar- sihungssaal des Reichswirtschaftsrates begann in Anwesenheit von etwa 200 Delegierten aus allen Teilen des Reiches der 18. Verbandstag des Reichsverbandes Deutscher Post- und Telegraphenbeamten e.D. Der erste Vorsitzende K u g - l e r betonte, der Verbandstag werde sich namentlich mit der Erhaltung des Berufsbeamtentums gerade auch bei der Post zu beschäftigen haben, die stark gefährdet sei. Der Präsident des Deutschen Beamtenbundes, Flügel, hob hervor, es sei zu hoffen, daß die deutsche Republik endlich beginnen werde, für ihre Beamtenschaft die Rechtsgrundlagen zu schaffen deren sie bedürfe. Es sei zu begrüßen, daß sich zu gemeinsamer Abwehrarbeit eine Reichs- postarbeitsgemeinschaft gebildet habe, die, wie es auch das Ziel des D. B. B. sei, durch rein sachliche Arbeit den Interessen des Berufs- beomtentums dienen wolle. In seinem Geschäftsbericht erinnerte Vorsitzender Kugler an das Zustandekommen der Arbeitsgemeinschaft aller Postbeamtenverbände mit Ausnahme der Allgem. P reust. Postgewerkschaft und reklamierte die Postschaffner für den Reichsverband. Er kündigte neue Gehaltsforderungen namentlich für Schaffner an. Wenngleich der Reichsverband parteipolitisch neutral sei, so bedeute das nicht, daß er nicht den republikanischen Staat absolut bejahe. Im Oktober werde in einer Ministerbesprechung die Frage der Vorbildung bzw. die Rotwendigkeit des Abiturs beim Postdienst entschieden werden. Die unteren Postbeamten müßten darauf bestehen, daß ihnen der Aufstieg nicht unmöglich gemacht werde. — Am Dienstagabend fand noch in den Sommersälen eine Kundgebung der Postbeamten gegen den Abbau des Derufsbeamtentums bei der Reichspost statt. Den Schluß der Kundgebung bildete die Annahme einer Entschließung, die im Interesse der Wahrung des Post- und Telegraphengeheimnisses und der Aufrechterhaltung eines geordneten Dienst betriebes die ungeschmälerte Erhaltung des Derufsbeamtentums für den Betriebsdienst der Reichspost fordert. Rußland und Berlin. 18.Sept. (Priv.^Lel.) Das Thema Kriegführung ist freilich keine unbedingt sympathische Angelegenheit, aber soweit die Kriegsschuldfrage von den strategischen Vorbereitungen zum Weltkrieg belastet wird, hält auch die deutsche 0-Dootofsen'sive das kontinentale politische Interesse gefangen. Im einzelnen auch bei den Russen. Die Verteidigung ihres Lebensraumes gegen Seemächte im Weltkrieg und bei der ihm folgenden Abwehr gegen „freundschaftliche" Interventionen der Kriegsverbündeten des Zarismus führt sie unweigerlich zur Ruhanwendung auch fremder kriegstaktischer Erfahrungen, und zwar sowohl die Sowjetleute als auch die Emigranten. Beide Parteien erkennen heute klar ihre kontinentalen Bindungen gegenüber der See, und so ■ ist es nicht uninteressant, zu welchem nüchternen Schluß dabei russische Marinefachleute über die deutschen Erfahrungen im O-Dootkrieg gelangen. Seine unabschätzbaren Vorteile für die Verteidigung des Landes stellt im letzten Heft des „Sarubeshny Morskoj Sbornik" (einer Marinezeitschrift der Emigranten) der frühere russische Kapitän zur See, Podgornh, an Hand einer Statistik fest. Danach haben die Alliierten in zwei Iahren O-Dootkrieg über 15 Millionen Tonnen ihrer Handelsflotte berlaren, wobei allein Englands Verlust 9 Millionenbetrug. „Großbritannien stand dicht vor der völligen Vernichtung, und mit ihm auch die Alliierten", schrieb dazu gelegentlich einmal der „Manchester Guardian". In den gleichen zwei Iahren konnte Deutschland bei einem Menschenverlust von 5000 Mann 33 0-Doote mehr neu- einstellen, als es verlor. Darum auch strebt, sagt Podgornh, England nach einem Verbot des l-l-Bootkrieges und der Verminderung der -er Seekrieg. Zahl kleiner Kreuzer, während Landmächte wie Frankreich gerade in dieser Waffe zur See stärksten Rückhalt spüren. Für Rußland schlußfolgert der Kapitän hieraus: „Deshalb muß Rußland bei seiner Wiedergeburt in den ersten Iahren die Aufgabe seiner Verteidigung zur See dadurch lösen, daß es der Entwicklung seiner Seestreitkräfte das P^ä^ zugrunde legt: aktive Verteidigung in seinen Meeren und energischer Lieberfall auf die Seehandelswege des Gegners. Aus diesem Grunde müssen wir den Kreuzerkrieg aufmerksam studieren und aus diesem Grunde auch braucht ein wiedergeborenes Rußland eine Linker- und Llebersee- kreuzer-Ozeanflott e." Die natürliche Basis einer solchen Flotte sieht Podgornh in dem geschützten Hafen Murmansk. Der Hafen ist eine natürliche Basis für eine große Anzahl von Schiffen und friert das ganze Iahr hindurch nicht zu. Hier, meint der Beobachter, ist auch die für den Feind unzugängliche Basis der russischen Kriegsflotte einzurichten. Auf Len ersten Schuß des Gegners erwidert sie mit dem Lieberfall auf seine Handelswege an jedem xbelie- bigen Punkt in jedem xbeliebigen Ozean. Diese russische Ruhanwendung ist im Hinblick vor allem auf einen möglichen englisch- amerikanischen Krieg im Stillen Ozean sestgehalten worden, in dem die Rolle I a p a n s von größter Bedeutung auch für Rußland sein wird. Aber sie bestätigt auch wieder sehr klare geopolitische Erkenntnisse auf die leider noch immer zu wenig realisierbaren, oft auch noch zu wenig erkannten Lehren einer Schicksalsgemeinschaft des deutschen und russischen Lebensraumes auf dem eurasischen Kontinent und gegenüber dem Ozean. Das Schicksal der ArbeiislosenversicheMg. Zwischenspiel. Berlin, 18. Sept. (Priv.-Tel.) Der ganze Kampf um die Arbeitslosenversicherung wächst sich immer mehr zu einem Schulbeispiel aus für eine Politik, wie sie nicht getrieben werden soll. Mit Hilfe des Reichsrats sind wir jetzt zwar glücklich so weit, daß endlich eine Vorlage da ist, die im Reichstag als Grundlage der Beratungen ld,ienen kann. Aber praktisch kommt sie doch um ein Dreivierteljahr zu spät. Seit dem vorigen Winter wußte die Regierung, daß die Arbeitslosenversicherung vor dem Bankrott stand. Immer wieder ist gedrängt worden, daß etwas geschehen sollte, das Kabinett Müller hat sich bewußt um die Entscheidung herumgedrückt, solange, bis man auch im Sommer mit einem Stoßseufzer der Erleichterung alles bis zum Herbst vertagen konnte. Schließlich kam der Arbeitsminister auf den verzweifelten Ausweg — was in der parlamentarischen Geschichte wohl noch gar nicht dagewesen ist — einen Entwurf einzureichen, der nur zur Hälfte fertigge stellt war, der absichtlich in den wichtigsten Fragen keine Entscheidung treffen wollte, sondern' das dem Kuhhandel zwischen den Parteien überließ. Dieser Kuhhandel hat bisher zu nichts geführt. Die Regierungssraktionen sind in immer schärfere Abwehrstellungen gegeneinander hineingeraten, der Bruch war eigentlich unvermeidlich. Da hat denn der preußische Ministerpräsident eingegriffen und wenigstens eine Verlegenheitslösung zustande gebracht. Mehr war sie nicht. Mehr ist sie auch nicht geworden, nachdem sie den Reichsrat glücklich passiert hat. In beiden Lesungen fand sich eine Mehrheit von einer Stimme gerade für die kritischen Entscheidungen. Lind wenn man die Abhängigkeit kennt, in der die kleineren Länder von Preußen stehen, wird man sich ungefähr vorstellen können, welchen starken Druckes es bedurft hat, um das Land Lippe, das mit seinen 12 000 Saisonarbeitern gerade an der Regelung dieser Frage stark interessiert ist, dazu zu bewegen, einem Vorschläge zuzustimmen, der den Saisonarbeitern weniger gibt, dafür aber höhere Beiträge auferlegt, wenn sie auch danach freilich immerhin noch erheblich mehr bekommen, als sie in die Dersicherungskasse einzahlen. Diese eine Stimme im Reichsrat hat aber jedenfalls keinerlei Wirkung für • den Reichs- t a g. Es ist vorauszusehen, daß hier der Kampf eigentlich erst beginnt. Die D o l k s p a r t e i lehnt jede Beitragserhöhung ab, die Sozialdemokraten bezeichnen auch den Kompromißvorschlag des Reichsrats, obwohl er zu Dreiviertel ihre Wünsche erfüllt, als unannehmbar. Hier einen Mittelweg suchen, hieße die Quadratur des Zirkels entdecken. Rormalerweise müßte das Kabinett im Laufe der nächsten Woche über die Arbeitslosenversicherung stolpern, aber keine von den Parteien wird die Verantwortung tragen wollen, vor der Verabschiedung der Boung- Gesehe eine Krise heraufzubeschwören. Deswegen steht heute schon fest, daß irgendein kümmerlicher Rotausweg entdeckt wird, bei dem freilich das Reich und das Stück noch vorhandener Regierungsautorität die Kosten zu tragen haben. Der Frankfurter Kongreß der christlichen Gewerkschaften. Frankfurt a. M., 17. Sept. Die Diens- tagssihung des 12. Kongresses der christlichen Gewerkschaften begann mit einem Bericht von Schmitz (Duisburg), 2. Vorsitzenden des christlichen Metallarbeitcrverbandes, über „Gewerkschaften und Wirtschaftspolitik" in dem er u. a. darlegte: Die Hebung der Lohn- und Lebensbedingungcn, fortschrittliche Sozialpolitik im ganzen, sind in entscheidendem Matze abhängig von erfolgreicher Wirtschaftsgestaltung. Soziale Fürsorge ist das Fundament für die Volksgesundheit, und Volksgesundheit ist wiederum die Grundlage gesunder und kräftiger Wirtschaftspolitik. Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik mutzten sich daher ergänzen. Zur Wiederbelebung der Idee der Arbeitsgemeinschaft sieht der Referent drei Aufgaben, die in inniger Beziehung zueinander stehen: Die Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit, die Lieberwindung der Agrarkrise und die Hebung der Reallöhne der Arbeiter. Der Lösung dieser Probleme stellten sich aber äußerst starke Hemmungen und Hindernisse in den Weg. da unsere Volkswirtschaft in hohem Maße durch die Tributleistungen und durch die private Kapitalverschuldung an das Ausland vorbelastet sei, was auch in entscheidendem Maße Llrsache unserer großen Arbeitslosigkeit sei. Die Hebung des Reallohnes muh in erster Linie erfolgen durch eine Preissenkung und eine durch sie bedingte Steigerung des Konsums: des weiteren muh sie aufbauen auf den Erfolgen der Rationalisierung. Der Landwirtschaft muß geholfen werden durch Schaffung günstigerer Produktionsund Abiahbedingungen, Senkung der Selbstkosten durch Steuererleichterungen und Zinsbeihilfen, ferner durch Rationalisierung, Siedlertätigkeit usw. Gustav H ü l s e r, Spandau (M. d. R.), referierte hierauf über „Die Sozialpolitik und ihre Gegner. Gerade in letzter Zeit haben die Gegner der Sozialpolitik versucht, die öffentliche Meinung einseitig und unsachlich gegen die Sozialpolitik einzunehmen. Der Redner setzte sich in diesem Zusammenhang besonders mit der Schrift Professor Horneffers auseinander und wies auf das schädliche und gefährliche Beginnen hin, den Spargedanken in einen Gegensatz tzur Sozialversicherung zu bringen. Gerade die Sozialpolitik habe ihren Teil zur Stärkung und Stabilisierung des deutschen Binnenmarktes geleistet, indem sie einen Teil des Arbeitsertrags für den Unter* halt der kranken und arbeitslosen Arbeiter sicherstellte. In unserem Volke ist und bleibt eine entschlossene Sozialpolitik der notwendigste Bestandteil jeder fruchtbaren Staatspolitik und die in der Sozialversicherung verwirklichte Gemeinbürg- schast der Starken und Schwachen ist ein notwendiges Gegengewicht gegen den Geist des schrankenlosen Egoismus und Individualismus, wie er durch die heutige kapitalistische Wirtschaftsform entfesselt worden ist. Als letzter Redner des Tages referierte sodann Gesamtverbandssckretär Adolph (Berlin) über „Das Arbeilsrechl als Wegbereiter einer sozialen Rechtsordnung". Er hob darin u. a. hervor: Das schwere Los der Lohnarbeiterschaft wäre heute unerträglich, würde ihr nicht durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verbände eine bescheidene Sicherung ihrer Existenz geboten. Das Arbeitsrecht hat heute aber nicht nur den Charakter von Schutzvorschriften, sondern ist vielmehr die notwendige ErgäiHung unserer Rechtsordnung geworden, die den Bedürfnissen eines sehr erheblichen Teiles unseres Volkes, nämlich der Arbeiterschaft, nicht Dienstag, o o HO \ 15' JM—a © womemos. © neuer. © naib bedeut, © woixig. • bedeckt eRegtix * Schnee a graupeln, b Nebel K Gewitter.@Wind5iiHe.O sehr «icnter Osi massiger Südsüdwest q stürmischer Rordwesl Oie Pfene fliegen mit dem winde. Die beiden Stationen stehenden Zah« len geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleicht^ enf Meeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Durch die Störung über Frankreich, die sich weiter nordostwärts ausbreitet, kommt der Hochdruckeinfluß mehr zum Schwinden. Während das östliche Deutschland noch im Bereich hohen Drucks liegt und somit dort heiteres Wetter herrscht, zieht im Westen bereits Bewölkung auf, die sich auch in unserem Gec biet bemerkbar macht. Auch die Winde drehen mehr nach Südosten und Süden um. Infolgedessen weisen die heutigen Morgentemperaturen stärkere Gegensätze auf. Im Westen erreichen sie bereits 17 Grad, dagegen werden aus Osten Werte unter 10 Grad gemeldet. Der Einfluß der westlichen Störung wird auch bei uns namentlich nachts zur Erwärmung fuhren und Bewölkung bringen, wobei später die Neigung zu Niederschlägen zunimmt und vielleicht auch einzelne Niederschläge nicht ausgeschlossen sind, zumal es in Frankreich vielfach zu Niederschlägen kommt. Wettervoraussage für Donnerstag: Wolkiges Wetter, wärmer, Temperaturen zwischen Tag und Nacht mehr ausgeglichen, Neigung zu Niederschlägen. Wettervoraussage für Freitag: Teils wolkig, teils aufheiternd, allmählich wieder etwas kühler. Lufttemperaturen am 17. September: mittags 24,7 Grad Celsius, abends 16,7 Grad: am 18. September: morgens 11,4 Grad. Maximum 25,1 Grad, Minimum - 6,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe: am 17. September: abends 22 Grad: am 18. September: morgens 15,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9 Stunden. 00 Van gäE für O walt’ Freu» vor « -IDalt" als 3- an t*: li-hen. LiebA al$ ßcUcnB wachlck Desestl! leider, mehrer bcbcdl Daldi diese 1 von e eingeh reiche gern t ein auf Werg einige genüget Auch V ist ein grasten Kaum biete« das tt aussen des 2 seiner allerle llnferl ®en|d 0r.( Auf Lande an T gramn eingeg X Landes grüfjun lidjen Seo Dni führ desllni berich! Antve stad Hebet Teile, einges begrü mimst mittel Har: Wie bet 6q Onstilu bot als Räume nchen 1 und Q] hätte 1 es |« einen die ® und forsch, im al beitsg Ander v Arbeit beiden flefteiiu düngen Aulobu derschie! m die j rat« 1867: boten. putsch' Uhr. in ,.5er $ Domes die nie Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 18. September 1929. Vom Philosophenwald. Man schreibt uns: Die zahlreichen Spaziergänger, die die Gutfleischstrahe am Amtsgericht für ihre Crholungsgänge nach dem Philosophenwald und dem Trieb benutzen, haben eS mit Freuden begrüßt, als der Weg durch die Wiesen vor einiger Zeit neu befestigt wurde. Dis zum Waldrand des Philosophenwaldes ist der Weg als gut zu bezeichnen. Das Wegstück, das nun an ber nach der Stadtseite zu gelegenen westlichen Seite des Philosophenwaldes bis zur Liebigshöhe führt, ist aber eher alles andere, als ideal. Dor ein paar Monaten war der Weg stellenweise, fast bis zur Hälfte, mit Gras bewachsen. Das Gras wurde entfernt, aber eine Befestigung des aufgehackten Weges unterblieb leider, so daß in den letzten Wochen eine dicke, mehrere Zentimeter hohe Staubschicht diesen Weg bedeckte. Außerdem wurde das Gestrüpp am Waldrand abgehauen,aber nicht entfernt, so daß diese Seite des schonen Philosophenwaldes jetzt von einer dichten Schicht Halbdürren Gestrüpps eingefaßt ist. Da an dieser Waldseite zahlreiche Bänke zum Aiedersetzen einladen, die auch gern von älteren Personen benutzt werden, so bietet der Woldsaum in seinem jetzigen Zustand ein äußerst unschönes Dild. Das Beseitigen des Rüstergestrüpps ist sicherlich keine große Arbeit, einige Fuhren werden es fortschaffen. Platz ist genügend auf dem Hinteren Trieb vorhanden. Auch kann es noch einen Zweck erfüllen, und da ist ein Dorschlag zu machen: Man baue einen großen Holzstoß auf und benutze die vollendete Räumung der zweiten Zone des besetzten Gebietes zum Anlaß, ein Freudenfeuer anzuzünden, das weithin leuchtet und seine Hoffnungsstrahlen aussendet bis zur Räumung der dritten Zone des Rheinlandes! Dleibt das Gestrüpp aber an seiner jetzigen Stelle liegen, so bietet es nur allerlei Ungeziefer und Unrat Gelegenheit zum Unterschlupf, und das will doch sicherlich kein Mensch fördern. Or. Eckener an die Landesuniversität. Auf das von Sr. Magnifizenz, dem Rektor der Landesuniversität, Prof. Dr. Drüggemann, an Dr. Eckener gerichtete Begrüßungstelegramm ist heute früh folgende Antwort hier eingegangen: „Dr. Brüggemann, Rektor der Hessischen Landesuniversität, Gießen. Für freundliches De- grüßungstelegramm, das mich sehr erfreute, herzlichen Dank. Eckener." Geologisch-heimatkundlicher Kursus. Der geologisch-heimatkundlicheEin- führungskursus, der zur Zeit an der Landesuniversität veranstaltet wird, wie wir schon berichteten, wurde im Geologischen Institut in Anwesenheit des Ministerialdirektors Dr. U r - st a d t und Stadtschulrats Fischer eröffnet. Ueber 30 Lehrer aller Schulgattungen aus allen Teilen Oberhessens haben sich zur Teilnahme eingefunden. Ministerialdirektor Dr. U r st a d t begrüßte den Kursus im Auftrage des Kultusministeriums in herzlichster Weise und übermittelte den Dozenten, Ilniversitätsprofessor Dr. Harrassowih und Studienrat Dr. Flörke, herzlichen Dank dafür, daß sie sich in den Dienst der Sache gestellt. Der Direktor des Geologischen Instituts, Professor Dr. Harrassowih, entbot als Hausherr den Willkomm in den schönen Räumen des Instituts, das ohne den neuzeitlichen Ausbau, wofür dem hessischen Staat Dank und Anerkennung gebühre, den Kursus nicht gut hätte aufnehmen können. Der Redner betonte, daß es sich bei der ersten Veranstaltung nur um einen Einführungslehrgang handeln könne, der die Grundlagen für die geologische Beobachtung und Anregungen für die geologische Heimatforschung vermitteln solle. Weitere Kurse, teils im allgemeinen Rahmen, teils in kleineren Arbeitsgemeinschaften seien vorgesehen. Rach kurzen Mitteilungen über das Programm der vier Lehrgangstage wurde sofort in die Arbeit eingetreten. Einführenden Vorträgen der beiden Dozenten folgten am ersten Tage bereits gesteinskundliche Uebungen im Institut und äle- bungen im Gelände. Für die letzteren stand ein Autobus zur Verfügung, der die Kursisten zu verschiedenen lehrreichen geologischen Aufschlüssen in die Umgebung Gießens führte. Daten für Donnerstag, 19. September. 1867: der Maler Ernst Oppler in Hannover geboren. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Jung- deutsche Schwesternschaft Gießen: Heimat-Abend, 20 Uhr, im Cafä °»ib. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der König von Sohr" und „Der Maharadscha von Domelanien". — Astoria-Lichtspiele: „Die Frau, die nicht nein sagen kann" und „Der Turfkönig". * ** Straßensperrung, mitgeteilt vom Ober- hessischen Automobil-Elub (A. v. D.) Gießen: Die Oie Millionenstiftung für Nauheim. Oer Dank des hessischen Staates. WR. D a r m st a d t, 17. Sept. Der hessische Finanzminister K i r n b e r g e r hat an die Stifterin des neu zu errichtenden Instituts für wissenschaftliche Forschung und Fortbildung in Dad-Rauheim, eine 71jährige Amerikanerin, folgendes Dankschreiben gerichtet: »Hochgeehrte gnädige Frau! Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen persönlich, auch im Ramen der hessischen Regierung, aufrichtigen Dank auszusprechen für die Tat hochherziger Gesinnung, welche die Stiftung „Institut für wissenschaftliche Forschung und Fortbildung zu Bad Rauheim" erstehen lieh. Durch den Erinnerungsfonds wird dem Gedächtnis Ihres verstorbenen Gatten (der viele Jahre lang in Dad- Rauheim Genesung suchte und fand. D. Red.) für alle Zeiten ein Denkmal gesetzt sein. Die Stipendien, die aus dem Erinnerungsfonds fließen, werden die Wissenschaft vielseitig befruchten und Tausenden wissenschaftlich strebender Männer und Frauen eine Stühe werden. Das Herzforschungsinstitut aber wird Zeugnis dafür ablegen, wie Sie in mitfühlender Sorge der leidenden Menschheit gedacht haben und der Einrichtungen, in deren Hand die so- soziale Versicherung liegt. Daß es der hessischen Regierung vergönnt ist, an dem von Ihnen geschaffenen Werke mitzuarbeiten, ist mir eine besondere Genugtuung. Dem schönen Werke alle Wege zu ebnen, habe ich gerne übernommen. Zur Freude gereicht es mir, daß die Stiftung einen ihr würdigen Platz findet und daß es auch in meiner Möglichkeit liegt, die Heilmittel des Bades der wissenschaftlichen Forschung in dem Institute zugänglich zu machen. Wie ich höre, gedenken Sie in allernächster Zeit Dad- Rauheim zu verlassen. Daß ich aus diesem Grunde nicht die Ehre haben werde, Sie persönlich begrüßen zu können und Ihnen selbst meinen Dank abzustatten, bebaute ich lebhaft, um so mehr, als ich weiß, daß eine mündliche Aussprache Ihnen Gewißheit gegeben hätte, wie sehr mir daran liegt, Ihr menschenfreundliches Werk nach allen Richtungen hin zu fördern und sicherzustellen. Genehmigen Sie, hochverehrte gnädige Frau, den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung, mit der ich die Ehre habe zu sein Ihr ergebener Kirnberger, Finanzminister." Die Landesuniversität Gießen hat nn die Stifterin ebenfalls ein herzliches Dankschreiben für die hochherzige Stiftung gerichtet. Dem Kuratorium des neuen Instituts gehören außer vier Mitgliedern der Familienstiftung noch an Professor Groedel (Bad-Nauheim), zwei Vertreter des hessischen Staates, je zwei Mitglieder der Lehrkörper der Universitäten Gießen und Frankfurt, ein Mitglied der Technischen Hochschule Darmstadt sowie ein Vertreter von Bad- Nauheim. Der Verwaltungsrat setzt sich zusammen aus Professor G r o e d e l (Bad-Nauheirn), zwei Vertretern des Staates, je einem Vertreter der Kliniken der Universitäten Gießen und Frankfurt, dem Vorsitzenden der Landesversicherungsanstalt reffen und zwei Aerzten aus Bad- Nauheim. Die Stifterin. Der Nauheimer Stadtrat ernennt sic zur Ehrenbürgerin. Bad-Nauheim, 18. Sept. (WTB. Eigener Drahtbericht.) Bürgermeister Dr. A h l nahm gestern abend Gelegenheit, mit einer vom Stadtrat bestimmten Abordnung der Stifterin des Instituts für wissenschaftliche For- schung und Fortbildung in Bad-Nau- h e i m den wärmsten Dank der Stadt Bad-Nau- Heim für ihre großangelegte und weitausschauende Stiftung auszusprechen. Gleichzeitig konnte er der Stifterin davon Kenntnis geben, daß der Stadtrat einstimmig beschlossen hat, aus Anerkennung und Dank für diese gemeinnützigster Menschenliebe entspringende Stiftung der Stifterin das Ehrenbürgerrecht der Stadt vad-Rauheim zu verleihen. Die Stifterin nahm die Ehrung mit bewegten Worten an. Sie betonte in ihrer Erwiderung besonders, daß die Stiftung einem Wunsche ihres verstorbenen Gatten entspreche, der sich im vergangenen Jahre bereits eingehend mit der Errichtung einer solchen Stiftung beschäftigt habe. Auch die Wahl von Bad-Nauheim als Stiftungsort sei auf den gleichen Grund zurückzuführen. Ihr Gatte habe Bad-Nauheim geliebt und jahrelang seine heilende Besserung an sich selbst empfunden. Die Stifterin uni) nunmehrige Ehrenbürgerin von Bad- Nauheim ist Frau Louise E. üerckhosf aus Los Angeles. Ihr verstorbener Gatte hieß William G. Kerck- h o f f. Frau Kerckhoff ist, wie wir erfahren, heute abgereist. Sie hatte Wert darauf gelegt, daß bis zu ihrer Abreise ihr Name möglichst der weiteren Oesfentlichkeit nicht bekannt werde. Strecke Buchenau — Brungershausen (km 6,5 + 75 — km 7,3) im Zuge der Straße Marburg—Biedenkopf ist für Fahrzeuge von über zwei Tonnen Achsbelastung vom 18. bis einschließlich 26. September gesperrt. Umleitung über Treisbach— Engelbach—Dexbach oder Caldern—Nesselbrunn— Sinkershausen—Dautphe. * * Aufgehobene Straßensperre. Die Sperre auf der Provinzialstraßenstrecke 3 Iben» st a d t — Altenstadt ist wieder aufgehoben. ** Aus dem Gießener Standesamt s re g i st e r. Es vcrstarben in der Zeit vom 1. bis 15. September: Friedrich Peter Hoppe, Schuhmachermeister, 67 Jahre, Wchstein- gasse 24; Friedrich Schön, Geheimer Schulrat i. R., 87 Jahre, Dergstrahe 3; Philippine Elisabeth Marie Löber, geb. Wagner, 73 Jahre, Kaiserallee 73; Anna Katharina Müller, Arbeiterin, 18 Jahre, Schühenstrahe 5; Heinrich Launspach, Schuhmacher, 33 Jahre, Löwengasse 13; Jakob Hainbach, Werkstättenvorsteher i.R., 70 Jahre, Frankfurter Straße 90; Anna Margarete Remmel, geb. Robert, 48 Jahre, Rittergasse 11; Walter Roll, 3 Monate, Brandgasse 5; Karoline Knauh, geb. Hahn, Witwe, 74 Jahre, Iohannesstraße 7. * * D i e Wahlen äm 17. Rovember, bei denen bekanntlich neue Stadtrats-, Kreis- und Provinzialtagsmitglieder zu wählen sind, betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. * * Eine st ädtischeOb st Versteigerung findet am kommenden Freitag statt. Die Zeiten und Versteigerungsorte sind aus der heutigen Bekanntmachung der Stadtverwaltung ersichtlich. ** Zum Andenken an Carl Hillebrand. Wie wir in unserer Beilage „Heimat im Dild" vom 12. September berichteten, jährte sich am gestrigen 17. September zum hundertsten Male der Tag, an dem der hervorragende Gelehrte, Philosoph und Schriftsteller Carl Hillebrand im Jahre 1829 in Gießen im jetzigen Gasthaus „Zum Lamm" (früher „Rebstock") das Licht der Welt erblickte. Der Besitzer des Gasthauses „Zum Lamm" hat aus diesem Anlaß in pietätvoller Weise die auf Veranlassung des Oberhessischen Geschichtsvereins von der Stadt Gießen an dem Hause angebrachte Hillebrand- Gedenktafel mit einem Blumengewinde umkrän- zen lassen, das auf der linken Seite die Zahl „1829“, auf der rechten Seite die Zahl „1929“, und am Fuße die Zahl „100" in Blumen zeigt. Das Arrangement wurde von der Gärtnerei Steinhauer in Klein-Linden hergestellt. Sonderschau für Porzellanerzeugnisse. Das Kunstgewerbehaus Jul. Bach hat gestern in den oberen Räumen des Cafä Astoria, und zwar im Dillardsaale und in den beiden anschließenden Zimmern, eine Sonderschau für Porzellanerzeugnisse eröffnet, die für die Dauer einer Woche dem Publikum frei zur Besichtigung zugänglich ist. Beim Betreten der vielseitigen Ausstellung begegnet man zunächst zwei Tischen mit einer Anzahl feiner Stücke aus der Staatlichen Manufaktur Berlin, die neuerdings mehr moderne Linienführung sowohl in der Gestaltung, wie auch in der Bemalung zeigt; reizende Blumenbehälter erregen hier die besondere Aufmerksamkeit des Besuchers. Eines der Rebenzimmer ist ausschließlich einer prächtigen Kollektion der Staatlichen Manufaktur Meißen gewidmet, bekanntlich der ältesten, im Jahre 1710 unter Kurfürst Friedrich August I. gegründeten Porzellanmanufaktur, deren Erzeugnisse allgemein bestens bekannt find; die wunderbare Figur eines Otter und ein reizender Peter Schlemihl seien als Glanzstücke dieser Kollektion besonders erwähnt. Die gefällige Eigenart der Erzeugnisse der Meißener Manufaktur ist bekanntlich die beliebte Blumenmalerei auf Gebrauchsgegenständen und ausgesprochene Farben der figürlichen Erzeugnisse. In dem folgenden Zimmer werden aus der Staatlichen Porzellanmanufaktur von Rymphenburg feine, dünne Gebrauchsporzellane mit Malerei in zarten Farben gezeigt, ferner fesselt hier eine reichhaltige Kollektion von farbenfreudigen Tierfiguren denDlick des Besuchers. Reben den bereits oben erwähnten Erzeugnissen der Berliner Manufaktur im Billardsaale sieht man dort noch zwei komplette Festtafeln und eine Anzahl kleinerer Tischgedecke für den täglichen Bedarf, bei denen Rosenthal und Hutschenreuther Porzellane, weiter Stücke von Fürstenberg, Rymphenburg und Meißen, sowie reizende Zier» und Gebrauchsgegenstände anderer Marken das abwechslungsreiche Bild vervollständigen. Die Herrichtung der Schau offenbart guten Geschmack und feines Verständnis für die Schönheiten dieses Kunst- gewerbezweiges. Als Innenarchitektin hat Frau Thomä in Gemeinschaft mit der ersten Verkäuferin des Hauses Bach bei der Herrichtung der Schau mit glücklicher Hand mitgewirkt. Decken, Teppiche und sonstige Dekorationsstoffe wurden von der Firma H. H o ch st ä 11 c r geliefert, das Weihzeug der Tafeln und Tische stellte die Firma A. Salomon, die Blumenarrangements lieferte die Gärtnerei Rudolf Weber. Der Besuch dieser interdfanten Veranstaltung kann nur empfohlen werden. ** Allerlei Merkwürdigkeiten zeigt gegenwärtig die Pflanzenwelt, die man als Folge des kalten Winters mit nachfolgendem außergewöhnlich heißem und trockenem Sommer deuten kann. So hängen die vielen Lebensbäume auf unseren Friedhöfen dick voller Samen, die ihr Aussehen durchaus verändern und den körnerfressenden Pögeln einen reich gedeckten Tisch bieten. Die Platanen werfen, wie in 1921, ihre Rinde in breiten Platten ab, so daß Stämme und Astwerk wie geschält aussehen. In den Laubwäldern raschelt das vertrocknete Laub an den Eschenbeständen der Südhänge und bleibt hängen.- Die Rotbuchen verfärben sich bereits in herbstliches Braun. Hin und wieder finden sich ältere Bäume mit vertrockneter Laubkrone. Die Herbstzeitlose dagegen fühlt sich auf Wiesen, die gewässert werden konnten, wohler als sonst. •* Gewerkschaftsbund der Angestellten. Die hiesige Ortsgruppe des Gewerkschaftsbundes der Angestellten (G.D.A.) veranstaltete am Donnerstag abend im Saale des Cafö Leib eine Kundgebung zugunsten des weiteren Ausbaues der Angestelltenversicherung. Rach einer kurzen Begrüßung durch Geschäftsleiter Mack hielt Stadtv. A. ©offner (Frankfurt a. M.) einen Vortrag über „Die Leistungen und die neuen Denkschriften, über die Lage und den Ausbau der Angestelltenversicherung". Der Redner erläuterte zunächst die wichtigsten derzeitigen Bestimmungen der Angestelltenverficherung (Mitgliedschaft, Beitragsleistung, Wartezeit, Leistungen, Rentenberechnung, Vorteile der Weiterversicherung usw.), unTlicf) dann eingehend mit den über die Angestelltenversicherung herausgegebe- nen Denkschriften 1926 und 1928 und dem von der Reichsversicherungsanstalt für die Ange- steiltenversicherung erstatteten Jahresbericht 1928 zu beschäftigen. Er stellte auf Grund dieses Materials fest, daß in den letzten Jahren bei der Versicherung eine gewaltige Steigerung der Einnahmen und Ausgaben eingetreten ist, daß sich die Ausgaben aber nicht in gleichem Maße erhöht haben, wie die Einnahmen. Auch die Zahl der Mitglieder habe sich seit dem Bestehen der Angestelltenverficherung wesentlich günstiger entwickelt, als von den Dersicherungsmathematikern seinerzeit angenommen wurde. Interessant sei auch die Festellung, daß die Zahl der weiblichen Angestelltenlehrlinge gegenüber den männlichen ständig steige, was eine Verschiebung der finanziellen Grundlagen der Angestelltenversicherung zur Folge habe. Auch die Zahl der verheirateten Männer gehe zurück, ebenso die Kinderzahl, was bezüglich der Höhe der auszuzahlenden! Renten von besonderer Bedeutung sei. Bei mathematischen Feststellungen hinsichtlich der finanziellen Auswirkung der Leistungen dürfe man nicht die Verhältnisse der Beamten zugrunde legen, die ganz anders seien. Der Redner versuchte dann nachzuweisen, daß bei den derzeitigen Beiträgen eine Erhöhung der Leistungen möglich ist. Er besprach weiter noch kurz die Denkschrift, die dem Reichstag demnächst vorgelegt werden wird und die u. a. auch die Einführung einer Eltern- bzw. Grohelternrente vorsieht. Er legte Verwahrung ein gegen die in der Denkschrift vorgesehene Beschränkung der Selbstverwaltung, die darin bestehe, daß der Reichsregierung die Möglichkeit gegeben werden solle, Einfluß auf den Haushalt der Angestellten-- versicherung zu erhalten. Im übrigen könne man von der heutigen Angestelltenschaft nicht verlangen, daß sie die Folgen des Krieges allein trage. Er forderte zur Mitarbeit bei dem Ausbau der Angestelltenversicherung auf. VII Joffe und Scannen rein und blank YIM kratzt nicht. Porzellan-Schau in den oberen Räumen des Cafä Astoria Eintritt frei! Besichtigung vollständig unverbindlich! 762bA hauptsächlich in den Erzeugnissen von den staatlichen Manufakturen Berlin, Meißen und Nymphenburg KiinstgewerbehausJuLBach Wieseck, den 17. September 1929. 7637D Berlin und Gießen, den 17. September 1929. 05953 Bahnhofs-Restaurant O942U Buseck versteigert. 76420 $rele öeflere 3 unö 4-53immer-Wohnung ftnSSÄS 4-3immet-®0ting zu verm. Schr. Sinn, suchenden zu verin. u. 7562D a. d.G.Arn. Schr. Ängeb. unter 7u6-,D o. b.@. zlttt. 105954 a. d. Gieß. Anz. ————— Vornehme Räumlichkeiten modernster Geschmacksrichtung / Geschlossener Raum für Gesellschaften Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Hammel, Lokomotivführer Die Beerdigung findet in Gießen statt am Donnerstag, dem 19. Sept, nachmittags *43 Uhr, auf dem Neuen Friedhof. Die Ueberführung vom Sterbehaus in Wieseck findet um 2 Uhr statt Heute vormittag 5.30 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Krankenlager meine liebe Gattin, unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Schwiegertochter Frau Maria Hammel geb. Hahn Bekanntmachung. Am Sonntag, den 17. November 1929, findet eine Neuwahl der Stadtrats-, Kreis- und Prooinzialtagsmitglieder statt. Es sind zu wählen: 42 Stadtratsmitglieder, 30 Kreistagsmitglieder und 35 Prooinzialtagsmitglieder. 7635C Der Stadt Gießen ist noch die Gemarkung Schiffenberg mit Herrnwald — Abstimmungsbezirk 13 — zugeteilt-, die Bewohner dieser Gemarkung sind nur für die Kreis- und Provinzialtagswahlen stimmberechtigt. Gießen, den 18. September 1929. Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Hamm. Statt besonderer Anzeige. Heute morgen ist unsere liebe Mutter und Großmutter Frau Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Mathilde Neumann geb. Wieprecht im 80. Lebensjahr sanft entschlafen. Gertrud Rößler geb. Neumann Margarete Vogt geb. Neumann Dr. Werner Neumann-Spengel, Arzt • Staatssekretär a. D. Johannes Vogt Direktor der Deutschen Reichsbahngesellsdiaft Ulla Neumann-Spengel und fünf Enkel. Zusammenkunft im Krämersgarten. Londorf, den 17. September 1929. Freih. v. Nordeck zur Rabenausche Rentei. Donnerstag, 19. September: Dngarisclie Gonlasch Mk.1.50 72781' Bullenverkauf. Die Gemeinde Ellingshausen verkauft im Wege schriftlichen Angebots einen erstklassigen schweren, schlachtreifen Simmentaler Bullen. Schriftliche Angebote mit der Aufschrift „Bullenverkauf' sind bis zum Freitag, de' 20. d. 2N„ mittags 1 Uhr, auf der Bürgermeisterei einzureichen, woselbst die Bedingungen eingesehen werden können und die Eröffnung stattfindet. 7650D Ettingshausen, den 18. September 1929. Hess.Bürgermeisterei Ettingshausen: Opper. Frische Seefische Schellfische o. K., Kabeljau o. K. Rotzungen, Scebecht, Filets Fischkoteletts, lebende Karpfen Frische Bücklinge, Marinaden usw. C. G. Kleinhenn Tel. 3866 7293L Bahnhofstr. 59. CAFE LEIB Reichhaltige Speisekarte Gut gepflegte Getränke | Stellenangebote| Großkonzern sucht ehemalige Versicherungsagenten zum Vertrieb seiner weltbekannten Maschinen gegen höchste Bezüge. Einarbeilg. erfolgt vom Werk. Schr.Ang.unt.7657D an den Gieß. Anzeig. 3lei6.$etfon zum Verteilen von Warenproben im dortigen Bezirk bei gutem Lohn gesucht. 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In Stenogr. u. Alaschinenschr., im Besitz des Führersch. III b, sucht entivr. Stellung bei mäßig. Anspr. Schr. Angeb. unt. 05942 a.d.G.Anz. Obstversteigerung. Das Obst der Gemeinde Alten-Buseck (Aepsel und Birnen) soll Jreitag, den 20. September d. 3., von vormittags 8 Uhr ab, an Ort und Stelle öffentlich versteigert werden. Zusammenkunft an der Provinzialstraße Alten-Buseck—Wieseck. 7660D Alten-Buseck, den 16. September 1929. ______Bürgermeisterei Alten-Buseck.______ Obstversteigerung. Samstag, den 21.1.2TI., wird im Anschluß an die fiskalische Obstversteigerung das Obst aus den Freiherrlich oon Rabenau- schen Gärten in der Gemarkung Alten- Obstversteigerung der Stadt Gießen. Freitag, den 20. September 1929 soll die diesjährige Obsternte öffentlich meistbietend versteigert werden: 7636C a) 8)4 Uhr beginnend, von den Bäumen an den Kläranlagen, im früheren Thromschen und Schaafschen Garten, am Leihgesterner Weg, am Alten Steinbacher Weg, am Lutherberg, an der Licher Straße und an der Sandgrube bei der Liebigshöhe. Die Zusammenkunft findet um 8)4 Uhr an der Kläranlage, um 10^ Uhr am Leihgesterner Weg bei der Gummifabrik von Poppe, statt; b) 14)4 Uhr (2)4 Uh. nachmittags) beginnend, von den Bäumen im städtischen Obstbaumstück hinter der Kaserne. Die Zusammenkunft ist um 14% Uhr in der Licher Straße an der Wirtschaft „Zur Stadt Lich". Gießen, den 16. September 1929. Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Rosenberg. Donnerstag, Den 19. September 1929, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg, zwangsweise gegen Barzahlung: vier Registrierkassen, zwei Kassenschränke, eit. Eismaschine, sechs Schreibtische, sieben Schreibmaschinen, zwei Nähmaschinen, einen Kleiderschrank, zwei Klaviere, vier Büfetts, drei Kredenzen, fünf Regulatoren, drei Eisschränke, einen Gasherd, zwei Sofas, fünf Divans, drei Sessel, fünf Vertikos, fünf Chaiselongues, zwei Spiegel, vier Tische, 50 Stühle, einen Silberschrank, eine Schreibtischkommode, einen Gasschrank, drei Bänkchen, acht Tischchen, zwei Stehleitern, drei Rohrsessel, zwei * Rollenschränke, einen Aktenschrank, fünf Warenschränke, einen Bilderschrank, einen Käseschrank, einen Gartenschirm, vier Blumenk-ippcn, eine Ladentheke, einen Schreibmaschinentisch, einen Spiegel, einen Teppich, eine Wanduhr, 20 Velourmatten, sechs Truhen, zwei Bücherschränke, zwei Grammophone mit 30 Platten, acht Korbwagen, ein Motor- rod zwei Fahrräder, drei Meter Lüfter, 80 Meter Futterstoff, 27,50 Meter Mantelstoff, 15,40 Meter Anzugstoff, 150 Flaschen Likör, vier Photoapparate. Dern, Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 — Fernruf 4101. Freundlich mödl. Zimmer in ruhiaemHaufe an Dame ob. Herrn zu vermieten, evtl, unmöbliert. Schmidt, Stevbanftr. 29. Tausche 6- bzw. 7:Zm.-Wohn„ 1. St.. Nähe Ilniv^ geg. 3-Zlm.- Wobng., t. er das Schicksal, das von unten kommt, das heißt von Menschen, die wir vielleicht nicht einmal achten können, zermürbt und erniedrigt." „Sie haben auch 'chon viel durchgemacht, nicht wahr?" fragte Klaus, der den Worten des anderen mit wachsender Teilnahme gefolgt war. „Du lieber Himmelt" erwiderle der, und in feinen stahlgrauen Augen lag etwas Versonnenes und zugleich Fernes. „Zuerst blieb ich Offizier. Ich hatte früh meine Eltern verloren und war von Verwandten, die sich nie um mich oder fahrlässige Brandssiftung ist in allen Kulturländern unter strenge Strafe gestellt. Ieder arbeitsfähige Mann ist ohne weiteres zur Löschung von Waldbränden gesetzlich verpflichtet. Man unterscheidet Erd-, Boden- und Gipfelbrände. Erdbrände entstehen nicht nur in Mooren, sondern können auch in Nadelwaldungen mit reichlicher Humusdecke Vorkommen, wie das vor einigen Jahrzehnten am Butterweg der Fall war. Sie sind schwer zu bekämpfen, weil sie, anscheinend gelöscht, an irgendeiner Stelle wieder ausbrechen. Man isoliert sie durch tiefere Gräben. Solche Brände schädigen die Baumwurzeln. Boden-, oder Lauf- und Flugfeuer kann bei geringer Ausdehnung durch Ausschlagen mit grü- fümmerten, als achtjähriger Iunge in das Kadettenkorps gesteckt. Ich kannte alfo von meiner ersten Kindheit an nichts anderes als den Sol- batenberuf. Dann kam der Tag, wo es nicht mehr ging, weil ich mich in die neue Art nicht zu finden vermochte. Nun fing ich allerlei an, wurde Kaufmann, zog durch die kleinen Städte und das platte Land und suchte, was ich auf meiner Wanderung erstanden, mit geringem Gewinn wieder loszuschlagen. Bald aber packte mich ein Ekel vor dieser erniedrigenden Tätigkeit, die mehr an den Hausierer als an den Kaufmann erinnerte. Ich nahm eine Stelle in einem ostpreußischen Vaterländischen Verband an und wanderte, für die gute Sache werbend, von Dorf zu Dorf. Aber auch diese Tätigkeit, die im Grunde eine unaufhaltsame Bettelei war, mußte mir nicht liegen. Wenigstens erhielt ich nicht soviel, als meine hierin mehr beschlagenen Kollegen. Und so ... na ja ... so kam ich schließlich auf den Kellnerberuf, auf den mich ein gewisses Geschick und körperliche Gewandtheit vielleicht von vornherein gewiesen hatte." „Und von da an ist es Ihnen gut gegangen, nicht wahr?" „Nun, wie Sie sehen," erwiderte der andere, indem ein eigentümlich wehmütiges Lächeln um seine dünnen Lippen spielte, „wenngleich es wahrlich nichts Leichtes ist, vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein auf den Wink und die Klingel von Leuten zu springen, von denen man sich früher die Schuhe putzen ließ." „Seit wann sind Sie hier?" „Seit fast zwei Jahren und bin zufrieden. Sonst wäre ich auch nicht so lange geblieben.“ „Gewiß ... auch ich wäre geblieben ...“ Da sah ihn Persich mit einem großen, erstaunten Blicke an. „Sie wären geblieben? Was wollen Sie damit sagen? Denken Sie denn daran, uns zu verlassen? Wir haben uns doch so gut zusammen eingearbeitet und verstehen miteinander." „Da haben Sie recht, Herr Kamerad," erwiderte Klaus und reichte ihm die Hand. „Aber es geht nicht anders. Sie als ehemaliger Offizier werden das sofort einsehen." Und er erzählte ihm kurz die Unterredung, die er eben mit Herrn Dettmiller gehabt, und von der Stellung, die dieser dem Vorkommnis des gestrigen Abends gegenüber eingenommen hatte. Persich sagte kein Wort. Leidenschaftlich zu werden oder aufzubraufen, lag nicht in seiner Art, aber 'in seinen stahlgrauen Augen sprang ein Hecker Funke auf. „Richt wahr, das sehen Cie ein?" fragte Klaus nach einer Weile. „3a ... das sehe ich ein. Wir sind eins in dieser Sache und werden es bleiben. Darauf können Sie sich verlassen.- nen Zweigen unterdrückt werden. Am wirksamsten ist das Wegräumen der brennbaren Doden- decke in breiten Streifen, wie sie längs der Bahnlinien vorbeugend angelegt find. Bei Gipfelfeuern in hohen Nadelho -beständen muß Holzabtrieb an der gefährdeten Seite vorgenommen werden. Wer einen Waldbrand bemerkt und nicht alles tut, was zu feiner Unterdrückung zweckmäßig erscheint, macht sich strafbar. Oberheffen. Ohm-Lumdatal Sängerbund. •ö Lehnheim, 16. Sept. Gestern sand hier in der Gastwirtschaft von Honig die ordentliche G e • neraloersammlung des Ohm-Lumda- tal-Sängerbundes statt. Vor Beginn der Versammlung wurde dem im 85. Lebensjahre stehenden Mitglied Eckhardt des Gesangvereins Lehnheim eine feierliche Ehrung bereitet. Die Vertreter der Bundesvereine,-sowie die Mitglieder des Gesangvereins Lehnheim begaben sich vor die Wohnung des alten Herrn, wo der Bundesvorsitzende, Becker (Kesselbach), dem Jubilar, der von seinem 23. bis zum 78. Lebensjahre aktiver Sänger war, herzliche Glückwünsche aussprach und ein Geschenk überreichte. Der alte Herr dankte ergriffen für diese schöne Ehrung seitens des Bundes. In der Versammlung erstattete zunächst der Bundesvorsitzende, Becker (Kesselbach, den Geschäftsbericht, aus dem u. a. zu berichten ist: In einer der letzten Vorstandssitzungen wurde die Gründung eines M u • sikausschusses beschlossen, dem die Herren Schäfer (Nieder-Ohmen), Dönges (Merlau), S ch o m b e r (Kesselbach), Graulich (Burg-Ge- münden) und Müller (Babenhausen) angehören. Der Bund umfaßte zu Beginn des Geschäftsjahres 27 Gesangvereine mit 857 Mitgliedern; ein Verein (Lumda) ist ausgetreten, ein anderer (Allendorf) hat seinen Beitritt erklärt, so daß der Bund zur Zeit 27 Vereine mit 903 Sängern zählt. 3n dem Bericht wurde weiter angeregt, den großen Lahntal-Gau in zwei Cinzelgaue einzuteilen. Der Schriftführer Conrad, Weitershain, gab die Protokolle bekannt, hierauf wurde der Rechnungsbericht erstattet, aus dem zu ersehen war, daß der Bund das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem lleberschuß abgeschlossen hat, durch den sich das Bundes- Vermögen weiterhin erhöhte. Dem Rechner wurde Entlastung erteilt, lieber das zweite Hessische Sängerfest in Darmstadt berichtete Müller. Babenhausen. Das Wertungssingen und Bundesfest für 19 3 0 wurde durch Abstimmung Freienseen übertragen. Der Verein Nieder-Gemünden begeht im nächsten 3ahre sein Fahnenweihfest. Die hohen Beiträge für die Tonsetzer-Dereinigungen wurden auch diesmal wieder stark kritisiert. Weiter wurde beschlossen, 10 Prozent der Einnahmen aus den Bundesfesteinnahmen an den Bund abzuführen. Zum Schluffe berichtete der Gauvorsitzende Koch. Gießen, noch über die Unterschlagungen in der Verwaltung des Deutschen Sängerbundes. Landkreis Gießen. y. Lollar, 16. Sept. Gestern feierte der Verein K i n de r f r e u n d, dem die überwiegende Mehrzahl aller Gemeindeglieder an- gehort, unter regster Beteiligung der Einwohnerschaft, das 25jährigeDe st ehenfeiner Kleinkinderschule. Der von der Firma Deibel & Nuhn hergestellte Neubau tour>e am 11. September 1904 eingeweiht. Dem Verein wurde bereits ein halbes Jahr später e e © e meindekvankenpflege angegliefccr;. Die Schwestern wurden von Anfang an vom Diakonissenhause Elisabethenstift in Darmstadt gestellt. Sie sind durch ihre Arbeit an Kindern und Kranken seitdem mit der Gemeinde auf das innigste verwachsen. Als Auftakt zum 3ubi» läumstage fand am Samstagabend im großen Saale zur „Linde" ein stark besuchter Familienabend statt. Pfarrer Hrckel, der Lei- Klaus hatte seine letzten Worte kaum noch verstanden, denn er hatte die Schritte des Chefs vernommen und sich zurückgezogen, da er ein Zusammentreffen vermeiden wollte. Als er nach einigen Besorgungen, die er in der Stadt gemacht, in das Geschäftszimmer trat, fand er den Oberkellner dort noch vor. Er faß auf demselben Stuhl wie vorhin, recht« auf einem großen Blatt weißen Papiers Zahlen an Zahlen und war so in seine Arbeit vertieft« daß er seinen Eintritt erst bemerkte, als Klaus ihn leise an der Schulter berührte. „Was machen Sie denn da, Herr Kamerad?" „Meine Abrechnung." „Hat sie solche Eile, daß Sie nichts hören unö und sehen?" »3a ... sie hat Eile. Denn wir gehen morgen zusammen." „Wir gehen morgen zusammen? Was soll daS heißen?" „Daß ich soeben dem Chef erklärt habe, daß Ihre Sache zugleich die meine wäre. Er bot mir das Doppelte meines Einkommens, aber auf meine Bedingung, Sie um Ihr Bleiben zu bitten, ging er nicht ein. Damit war die Angelegenheit für mich erledigt." Klaus hatte Mühe, die in ihm aufsteigende Bewegung zu unterdrücken. „Sie sind ein guter Kamerad und ein ganzer Kerl, Persich," sagte er. dem andern die Hand entgegenstreckend, „und ich bin stolz darauf, Sie zum Freund gewonnen zu haben, und doch — das hätten sie nicht tun sollen. Und ich hoffe, daß es nicht endgültig ist." „Es ist endgültig." „Wie soll ich es verantworten, Sie aus einer so guten Stelle vertrieben zu haben?" „Darüber können Sie ganz ruhig sein. Ein tüchtiger und zuverlässiger Oberkellner findet überall etwas im Leben, und auch Sie werden es sind en." In der einen Beziehung hatte Persich richsig vermutet: nach wenigen Tagen bereits hatte er eine ihm zusagende Stellung im Ho.el Adlon, das gerade einen Ober.'e Inet suchte und ihn auf seine Zeugnisse hin sofort übernahm. Klaus aber fand nichts, und Persichs Bemühungen, ihn bei Adlon oder anderswo als Direktor anzubringen, scheiterten, denn für diesen Posten war das Angebot viel stärker als der Bedarf. Schwere Zeiten brachen an. Alles mögliche versuchte Klaus. Aber immer wurde ein anderer vorgezogen. Es war ein Gsiick, daß er von beiden Stellen, *auf denen er be fr ier Beköstigung wenig gebraucht hatte, einige Ersparnisse gemacht hatte. Aber auch die würden eines Tages zu Ende gehen — und was sollte dann geschrien? (Fortsetzung folgt.) Anstalt in GEATRON“ JD956 ALLEINVERKAUF: 875 1075 1275 14.75 REFORM WAREN 3000 Verkaufsstellen allein in Deutschland. Günstige Ratenzahlungen Kur- und Stärkungsmittel naturrein / hochwertig / nervenbildend Verstopfte Magenleidende Gallen- und Leberkranke Nieren- und Blasenkranke Alleinstehende Beist. Arbeitende Alternde Wenden Sie sich an den nächsten Vertreter. sind das Erzeugnis einer der ältesten und leistungsfähigsten deutschen Schuhfabriken. Säuglinge und Mütter raschwachsende Schulkinder Knochen- und Muskelschwache Sportsleute Schwerarbeiter Zuckerkranke Fettleibige Nur diese überaus grosse Beliebtheit und Verbreitung ermöglichen die rationelle und vorbildliche Herstellung in der bekannt strapazierfähigen Qualität und den kleidsamen, modernen Formen zu sxr biUiaen. 'Preisen. NSU VEREINIGTE FAHRZEUGWERKE A:G. N ECKARSULM. WÜRTTBG. können. Die Schwester kam von der Nonnenweier. Kreis Büdingen. Preußen. WSR. Frankfurt a. M., 17. Sept. Fest genommen wurde h'er der Kaufmann Gotthard Richter aus Oranienburg bei Berlin, dep im Begriff stand, von Frauen Kautionen z u erschwindeln. Er meldete sich auf ein Inserat und trat in Scheinverhandlungen mit dem Zweck ein, ein hiesiges Konfitürengeschäft zu erwerben. Dann inserierte er selbst und suchte für dieses Geschäft eine Filialleiterin mit 800 Mark Kaution. Der Vorsicht einer sich meldenden Frau ist es zu verdanken, dah Richter gefaßt werden konnte, noch bevor ein zweites Opfer, das die Kautionssumme bereits flüssig gemacht hatte, ihm das Geld übergeben konnte. RicMer stand mit einer ganzen Reihe von Frauen in Verbindung. t\ufet\e und frische TTCkh.öoaift die Tlahrung für Dein ßin<\ axnn Pu nicht felblt (hllcn bannfi.Die für eine Mahlzeit benötigte THenge.Kufeke «Bfa bofiet für ein fönd bis zum b.Mönat FIUC Spezialhaus für gesunde Ernährung Diät- und Nährmittel für "’S JUNG Schulstraße 5 1 fein- $ -auch 6te 1( Gelnhaar, 17. Sept. Gestern morgen ereignete sich ein ernster Autounfall. Bei dem mit 40 Mann besetzten Autoomnibus versagten bergab die Bremsen, und der Wagen kam in ungeheure Geschwindigkeit. Dank der geistesgegenwärtigen Steuerung des Chauffeurs sind erfreulicherweise keine Toten zu beklagen. Er lenkte den Autoomnibus, als er an eine Kurve kam, auf einen QI der. Ein Chausseebaum wurde zwar abgebrochen, doch der Wagen, der sehr stark beschädigt ist, kam zum Stehen. Der Chauffeur hat einen Bluterguß auf der Brust, drei andere Insassen sind leicht verletzt. ][ Dindfachsen, 17. Sept. Endlich wird auch in unserer Gemeinde die Wasserleitung in Angriff genommen. Der Bau des Hochbehälters wurde dem hiesigen Maurermeister Günther für 8000 Mk. übertragen, während das Rohrnetz zu graben, die Rohre zu legen, zuzuwerfen und alles wieder herzustellen der Firma F i ch von Rieder-Mockstadt übertragen wurden. Die Arbeiten schreiten rüstig voran. Die Erdarbeiten sind mit etwa 3500 Mk. veranschlagt, einschließlich der Lieferung der Rohre, die von Wetzlar bezogen werden. Kreis Schotten. V Gedern, 16. Sept. Gestern nachmittag veranstaltete der städtische Kindergarten im großen Saale des Dergwirtshauses sein diesjähriges Kinderfest. Eine große Anzahl von Eltern und Angehörigen, sowie Freunden und Gönnern hatte sich auch dazu eingefunden. 3m Auftrage der Gemeinde begrüßte Lehrer Häu -- sei die Erschienenen. 3n bunter, abwechslungsreicher Folge wurden allerlei Gedichte, Zwiegespräche und Singstückchen in echt kindlicher, natürlicher Weise vorgetragen. Verschiedene geschickt eingeübte Reigen, welche die Zuschauer in das Märchenland versetzten, erweckten den ungeteilten Beifall aller Besucher. Wan merkte allen Darbietungen an, daß sie das Produkt dauernder Schulung und nicht nur für diesen Tag eingeübt waren. Darin dürfte ein gewisser pädagogischer' Wert liegen. Der im Fröbelschen Sinn geleitete Kindergarten unserer Stadt hat dank der tüchtigen Leitung seine Aufgabe richtig erkannt und sucht diese zum Ruhen und Vorteil der Kinder und Eltern durchzuführen. Den wohlverdienten Dank der Anwesenden an die Kindergärtnerin Frl. Krauskopf und die Helferin Frl. B o PP, die keine Mühe und Arbeit zur Ausgestaltung des Festes versäumt hatten, sprach am Schluß Lehrer Häusel aus. Er verband damit den Wunsch und die Hoffnung, daß sich der städtische Kindergarten auch weiterhin in der seitherigen günstigen Weise fortentwickeln möge. Starkenburg. WSR. Darmstadt, 17. Sept. Erst jetzt wird bekannt, das am vergangenen Donnerstag der 49jährige Feuermann Wilhelm Wacker im Städtischen Gaswerk beim Koksofenentleeren, wahrscheinlich infolge des Einatmens von ausströmendem Gas, betäubt wurde und in die vor dem Ofen befindliche Löschrinne, die mit kochendem Wasser gefüllt ist, abstürzte. Obwohl alsbald ein Mitarbeiter ihn aus seiner schrecklichen Lage befreien konnte, hatte der Bedauernswerte so schwere Brandwunden erlitten, daß ihm das Fleisch von den Knochen hing. Trotzdem lebte der Mann noch bis zum Samstagabend. Dar, 9 | rinnen-Unterstufe Thea Walz 32., Maria Schmidt 34. Siegerin. Die Hebungen an der Schwebekante, die von den Turnerinnen als Sondervorführung gezeigt wurde, erhielten die Bewertung „Gut" bis „Sehr gut". XAllendorf (Lahn), 17. 2Iug. Einem dringenden Erfordernis Rechnung tragend, hat die Gemeinde jetzt einen Leichenwagen beschafft, der von einer Darmstädter Firma geliefert wurde. Zur Unterbringung des Wagens wird auf dem alten Schulhof eine Wagenhalle errichtet, das Fahren ist dem Fuhrunternehmer L. Volk übertragen. — Ferner wurde hier eine Kleinkinderschule neu errichtet, die in dem Gebäude der evangelischen Gemeinschaft untergebracht ist. Die Zahl der Kinder beträgt über 60. Die segensreiche Einrichtung wird von den Eltern als große Wohltat geschätzt, da sie jetzt unbesorgt um ihre in der Schule gut unter» gebrachten Kinder ihren Feldarbeiten nachgehen Olon,ba im§c-cLauf^e tzle M S°L P°"°" «n Ü Wl,, [te daN» v sol^ Ä äääääääMMMMMMM ww W VWW W wWWWV VW vwww w w w Haus mit schönem Laden angrenzenden Raum nebit 6»Zim.- Wolmung in aüereriter Gefchäfis- lage AlSieldS ab 1. Oktober zu vermieten evtl, zu verkaufen. Das Hans eignet sich für jedes Geschält. Für flauen Friseur günstige Gelegenheit Näheres bei Herrn Karl Wittich, Gießen, Ebelstraße 39. (7641D —————————— M Mgliekrn; ein anderer 1 eriläri, so daß .e/ne mit 903 % wurde weiter iwsau in zwei Mlsührer Gon* Protokolle bekannt, ^bericht erstattet, D der Bund das einem lleberschuß ich das Bundes» !m Rechner wurde zN-te Hessische htete Wülfer, issingen un- urde durch Ab« tagen. Der Der» n nächsten Jahre ' "Beiträge siir die m auch diesmal wurde beschlossen, i den Vundessest» bzusühren. Zum ersitzende Koch, Tagungen in der ngerbundes. eßen. leftern feierte der , dem die über» emeindrglieder an» : jung der Cinwoh» efte^nfeincr ; ton der Sirma t Neubau tour'e oeiht. Dem T-:r= Ichr sMrc r ze (mgegüctn:, Anfang an vom si in Darmstadt ge- Arbeit an Kindern Gemeinde aus das | luftalt zum 3u5i» gabend im großen I besuchter Sami/ Hiäel. der Lei» orte kaum noch ver» Schritte des Chefs Dgen, da er ein > rgungen, die et in eschästszimmer not, t noch vor. l wie vorhm, rechte >»n Papiers Zahlen 7° Mil mailt, «S ««"* fjjttt «ajnaiir ie MtS S»ren un6 , o,it g* *,«al -l «»ÄS ie®auf ►j^y*** ierbunö. tetn fand hie, । «rV1"1'»- n68lnn her L'Mk " »ch vor die ^7?°b°°lsihende, oer ra°n itincm nh 6 n^r ®ar. '"".ein Qefdjen »Me :5' 3n der !ßer- S,e50°rfiB?nöe, 1 a j t s b e r i tfi f !?ntt »er letzten ^ung eines Ä u. iS «'"'N" in9.es Meriaus. ul'ch (Burg=®e. Schuhhaus Meyer Gießen, Bahnhofstraße 30. m7A Stabt auszuüben, wenngleich sie nicht immer freudvoll seien, sondern sehr oft der öffentlichen Kritik ausgesetzt seien. Er werde stets mit Hochachtung an seine Kollegen, mit denen er hier zum Wohle der Stadt in gemeinsamer Arbeit gewirkt habe, zurückdenken. — Der Beigeordnete verlas dann ein Schreiben des Gemeinderatsmitgliedes Karl Rühl, nach dem dieser infolge andauernder Krankheit sein Am t a l s Gemeinderat niedergelegt. Auch ihm, erst seit der letzten Wahlperiode Mitglied des Gemeinderates ist, widmete der Beigeordnete für seine tätige Mitarbeit herzliche Dankesworte, und erbat sich die Ermächtigung, dies dem Scheidenden noch schriftlich mitzuteilen. — Rachdem der Beigeordnete noch mitgeteilt hatte, daß er demnächst für einige Zeit in Urlaub gehen werde, und man in der nächsten Sitzung ein Gemeinderatsmitglied für die Zeit seines Urlaubes mit der Führung der Bürgermeistereigeschäste bestimmen müsse, schlug er vor, die übrigen Punkte der Tagesordnung für die nächste Sitzung zurückzustellen. Der Gemeinderat war damit einverstanden, und nach etwa halbstündiger Verhandlung wurde die Sitzung geschlossen. Darauf folgte dann bei einem Glase Bier noch eine kleine Abschiedsfeier für das scheidende Mitglied Angelberger. * Ettingshausen, 17. Sept. Wie alljährlich, versammelte sich die Schuljugend von Harbach, Hattenrod, Queckborn und Ettingshausen auf dem schönen Waldsportplah von Harbach zur Austragung der Reichsjugendwettkämpfe. Das gute Wetter begünstigte die Leistungen der jugendlichen Kämpfer, und so wurden auch diesmal wieder recht beachtliche Einzelleistungen erzielt (E. Pfeiffer-Ettingshausen 75-Meterlauf in lOVs Sek.: W. Schmidt-Queckborn Ballwurf 58 Meter). Die Wettkämpfe setzten sich aus drei Liebungen zusammen, die in zwei Abteilungen ausgetragen wurden: 75-Meterlauf, Weitsprung und Ballwurf. Die Oberstufe hatte im 75-Meterlauf 143/s Sek. = 0 Punkte, 103/6 Sek. = 20 Punkte, im Weitsprung 2,20 Meter = 0P., 4,20 Meter — 20 Punkte, im Ballwurf 30 Meter = 0 Punkte, 50 Meter — 20 Punkte. Die ent* ter des Diakonissenhauses hx Darmstadt, hielt einen interessanten Lichtbildervortrag über das ausgedehnte Werk seines Hauses im Hessenlande. Die Schüler der ooersten Schulklassen unter Leitung von Lehrer Haas erfreuten die Versammlung durch den Tortrag von drei mehrstimmigen Liedern. 3m Festgottesdienst am Sonntag predigte derselbe Geistliche. Die Feier war musikalisch bereichert durch dreistimmigen Mädchenchor (Leiter Lehrer Eberle) und Konfi rmanden- chor. Sonntag mittag bewegte sich unter Vorantritt unserer bewährten Auerwehrkapelle, des Dereinsvvrstandes und Vertretern des Gemeinderates ein bunter Festzug durch den Ort, in dem die mit Blumenkränzen geschmückten und Fähnchentragenden stattliche Kinderschar schritt, von einer Anzahl von Schwestern geleitet. Auf dem großen schattigen Schulhofe der Volksschule hatten sich viele Hunderte von Erwachsenen ein» gefunden, die mit großer Freude den lieblichen Spielen der Kleinen folgten, die von der Schwester Luise Töpfer meisterhaft eingeübt waren. Der Mädchenchor fang zwei Lieder. Der Vorsitzende des Vereins, Dekan Gußmann, gab einen Rückblick über die letzten 25 3ahre der Dereinsgeschichte, dankte allen Helfern und Gönnern, besonders der Leitung und Vertretung der bürgerlichen Gemeinde, sowie der Direktion der Duderusschen Eisenwerke. Er betonte, daß das Werk wie seither alle Berufskreise der Gemeinde einigen möge zum Wohle der kleinsten 3ugend. Bürgermeister Schmidt sprach in bekannter markiger Weise das Schlußwort, in dem er allen Helfern am Werke dankte, dem sozialen Wohlfahrtswerke auch fernerhin die Lln- terstühung der Gemeinde versprach, und die Kleinen mit großen Bretzeln erfreute. Aus der Geschichte des Vereins ist zu erwähnen, dah die beiden ersten Ehrenmitglieder des Vereins, Generaldirektor S teinecke (Lollar), der energische Förderer der Anstalt, und Generaldirektor Kaiser (Wetzlar) verstorben sind. Die außer dem Vorsitzenden allein noch lebenden Mitbegründer, die ununterbrochen dem Vorstände bis heute angehören, der Rechner Rektor Daab und der Zimmermeister Balthasar Ruhn wurden wegen ihrer Verdienste zu Ehrenmitgliedern ernannt. > 5) au bringen, 17. Sept. Dieser Tage hielt in der Wirtschaft Erb der hiesige O b stund Gartenbauverein eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, am 20. Oft. eine Ob ft* und Gartenbauausstellung zu veranstalten. Außer den verschiedenen Obstsorten sollen alle Gartenerzeugnisse, roh oder eingemacht, und alle Geräte, die der Obstbaum- Pflege dienen, ausgestellt werden. Ausstellungsberechtigt sind nur die Mitglieder des hiesigen Obst» und Gartenbau-Vereins. Der Vorschlag eines Mitgliedes, einen Fachmann za einem Vortrag über die Herstellung von Obstsäften und gährungsfreien Weinen zu gewinnen, fänd ungeteilte Annahme. + Grünberg, 16. Sept. Die jüngste Gemeinderatssitzung, zu der neun Gemeinderäte erschienen waren, war nur von kurzer Dauer. Den Platz des Gemeinderatsmitgliedes, Oberstudiendirektors W. Angelberger, zierte ein prächtiger Blumenstrauß. Da Herr Angelberger Ende der nächsten Woche nach Gießen übersiedelt, nahm er heute zum letztenmal an der Sitzung des Gemeinderates teil. Beigeordneter Keller sprach in längeren Ausführungen über die wirkungsvolle und tatkräftige Mitarbeit des Scheidenden, der seit 1919 dem Gemeinderat angehörte. Besonders erwähnte er fein Mitwirken bei der Ausgestaltung der 700= 3ahrfeier 1922, feine Wirksamkeit als Archivar und seine taktvolle Art, bei Meinungsverschiedenheiten die Gegensätze auszugleichen und zerrissene Fäden wieder zu knüpfen, überhaupt die vorbildliche Art, in der er das Amt eines Gemeindevertreters aufgefaht und stets zum Wohle der Stadt auszuüben versucht habe. Er schloß mit Dankesworten an den Scheidenden unter Lieberreichung eines Blumengebindes. Gemeinderat Angelberger, der sichtlich bewegt war, sprach seinen Dank für die anerkennenden Worte aus und betonte dabei, dah er sich in der langen Zeit seines Hierseins heimisch und verwachsen gefühlt habe und ihm das Scheiden recht schwer falle, dah aber das Herz des Beamten schweigen müsse, wenn ihn die Pflicht auf einen anderen Posten rufe. Er sei stets bestrebt gewesen, neben der Bürde seines verantwortungsreichen Berufes die Arbeiten und Pflichten eines Gemeinderates, soweit es in seinen Kräften gestanden habe, im 3ntereffe und zum Wohle der Große Strafkammer Gießen • Gießen, 10. Sept. Ein Dienstknecht war vom Amtsgericht wegen Unterschlagung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Als besonders straferschwerend wurden mehrere Vorstrafen wegen Eigentumsvergehen angesehen. Gegen dieses Urteil verfolgte der Angeklagte Berufung. Die erneute Beweisaufnahme ergab, dah der Angeklagte, der mit dem Hüten einer Anzahl Schafe beauftragt war, ein Schaf sich zugeeignet und verkauft hat. Das Berufungsgericht wies deshalb die Berufung zurück, setzte aber mit Rücksicht darauf, daß die Vorstrafen schon längere Zeit zurückliegen, die Strafe auf eine Geldstrafe von 60 M k. evtl. 12 Tage Gefängnis herab. Ein Kraftwagenführer hat in einem Dorf in der Wetterau einen 85 Jahre alten, fast tauben Landwirt auf der Straße mit seinem Auto angefahren, so dah er zu Fall kam. Verletzungen erlitt und nach 14 Tagen an einer hinzu tret enden Lungenentzündung verstarb. Gegen oas Urteil des Schöffengerichts, durch welches der Autolenker zu zwei -Monaten Gefängnis verurteilt wurde, hat der Angeklagte Berufung eingelegt. Das Berufungsgericht nahm am Orte des Unfalls Augenschein ein ünd vernahm dort auch die Zeugen. Der Fall stellte sich jetzt im milderen Lichte dar. Dor allem sprach zugunsten des Angeklagten, dah die Strahe durch Schnee und Eis schwer fahrbar war. Trotzdem festgestellt war, dah der Lenker vorher gehuppt hatte, gelangte das Gericht wiederum zur Verurteilung. Er hätte sich erst überzeugen müssen, dah der Verunglückte auch das Signal gehört hatte, eher durfte er nicht weiterfahren. Mit Rücksicht jedoch auf die erwähnten mildernden Umstände wurde nur auf eine Geld strafe von 150 Mk. erkannt. Berliner Börse. Berlin, 18. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Vormitiagsoerkehr liegt ohne jede- Anregung. Eine gewisse Verstimmung wird durch den matten Schluß der gestrigen Neuyorker Börse und den hoben dortigen Tagesgeldsatz von 10 o. $). heroorgerufen. Die gestrigen Frankfurter Abendkurse scheinen sich zu behaupten, doch sind Umsätze heute noch nicht getätigt worden. Man taxiert Siemens 386, Farben 215 und Glanzstoff 299. Am Devisenmarkt hört man London gegen Kabel 4,846750, London gegen Berlin 20,3560, London gegen Madrid 32,8650. ' Verspätete Mittagessen haben schon manchen Ehezwist verursacht. Es kommt im Haushalt eben alles darauf an, die Arbeit richtig einzuteilen. Darüber kann die Hausfrau aus den kostenlosen Kursheften der Sunlicht-Gesellschaft in Mannheim eine Fülle von Ratschlägen schöpfen. Sie werden an alle Verbraucherinnen von Sunlicht- Seife, Lux-Seifenflocken, Vim oder Suma völlig kostenlos abgegeben. 3526v sprechenden Uebungen der Unterstufe waren 14Vs bis llVüSek., 1,70 bis 3,70 Meter, 20 bis 40 Meter. Mit der Ehrenurkunde des Reichspräsidenten itzerden ausgezeichnet in der Oberstufe Emil Pfeiffer (Ettingshausen) 62 Punkte, in der Unterstufe Karl Brock (Ettingshausen) 68 Punkte. Die nachstehenden Sieger erhalten die Ehrenurkunde des Reichsausschusses für Leibesübungen in der Oberstufe: 1. Wilhelm Schmidt (Queckborn) 57 Punkte: 2. Hermann Aff (Queck- bom) 52 Punkte: 3. Emst Pfeiffer (Ettingshausen) 47 Punkte: 4. Rudolf Keil (Ettingshausen) 45 Punkte: 5. Wilhelm Scheid (Harbach) 44 Punkte: 6. Otto Klöh (Ettingshausen) 43 Punkte: 7. Heinrich Krug (Hattenrod) 40 Punkte. 3n der Unterstufe: 1. Emst Starck (Harbach) 61 Punkte: 2. Emst Knöß (Queckborn) 54 Punkte; 3. Willi Sommer (Ettingshausen) und Wilhelm Pfeiffer (Ettingshausen) 51 Punkte; 4. Emst Rau (Queckborn) 49 Punkte; 5. Paul Gontrum (Hattenrod) 48 Punkte; 6. Heinrich Scheld (Harbach) 43 Punkte; 7. Ludwig £in'mann (Queckborn) und Karl Diehl (Ettingshausen) 42 Punkte. ♦ Münster, 17. Sept. Rach fast li/2jäf>riger Vakanz wird die hiesige Pfarrstelle in nächster Zeit neu beseht werden. Von Er. Durchlaucht dem Fürsten zu Solms-Hohensolrns-Lich ist der Pfarrer Ferdinand S t r a ck in Ilbeshausen, Dekanat Lauterbach, für die Stelle präsentiert worden. Der zukünftige Pfarrer ist am 25. 3uli 1896 zu Leihgestern als Sohn des Kirchenrats und Dekans Strack geboren. Von Mai 1923 bis Oktober 1925 war er Pfarrassistent in Bischofsheim und von da ab Pfarrvikar bzw. Pfarrer in Ilbeshausen. ri. Lich, 17.Sept. Der Turnverein 1860 L i ch hielt dieser Tage seine Monatsversammlung bei Gastwirt Hammel ab. Auf der Tagesordnung stand als besonderer Punkt die Ehrung der Siegerinnen des Turnvereins bei dem letzten Gau-Frauenturnen in Lich. Der Frauenturn- wart, K. Volz, nahm die Ehrung vor und führte in seiner Anspracheqaus, daß der Verein stolz sein könne auf die Erfolge. Im Zehnkampf der Turne- rinnen-Oberstufe wurde Wilh. Walz 4., im Zehnkampf der Turnerinnen-Unterstufe Gertrud Zimmer 4., Helene Zimmer 13., Kunigunde Bellof 19., Ida Albohn 22., Gerta Kiefer 23., Marie Menges 28., im Siebenkampf der Turnerinnen-Oberstufe Wilh. Walz 6., Gretel Keller 18., im Zehnkampf der Ju- gendturnerinnen-Oberstufe Johanna Kaiser 6., Elisa» beth Menges 22., im Achtkampf der Jugendturne- Verkäufe | crui Wurf 06965 SerLel zu verkanten. Heuchelheim, Gießener Straße 48. Eln 1 Jahr gebt. Gasbadeoien mit Zimmerheizung zu verkaufen. 05946 Baumgartner, Hofmannstr. 9. Gut erhaltener Herd für Wirtschaft oder Metzgerei geeignet, billig zu verkaufen. Will». Plank, Lederhandlung, Mühtstraße 3. Ullllllllllllllllllllllllllllllllll Lauterbacher wagen gebraucht, aber sehr gut erhallen, zu verkaufen. Breis nach Uebereinkunft. T8«»L) Karl Kniß, Nidda, Oberhessen. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Habe erstklassige Siölien öeKeifer für kommend. Herbst abzugeb. Die Wellen sind nach Maßgabe d. Forstamt. gemacht. Preis vro Welle SD1L0.50. Beitellg. bis zum 30. 9. 29 unt. 05838 an d. Gß. Anz. D. REGIE: LEON POIRIER TERRA-UNITED ARTISTS 7632V Die Versteigerung erfolgt gegen Barzahlung an £rt und Stelle. Gießen, den 18. September 1929. proviuzialdircltion vberhessen. Tiefbau. Obstversteigerung an den Provinzialstraßen der Provinz Oberheffen. 1. Baubezirk. Ord.-Nr. Ltratzcnstrecke Termin Zusammenkunft Obstmenge Ztr.: 1. Gießen—Gleiberg 23. IX. 7 Uhr An der Hardt 2. Gießen—Rodheim anschl. Ende Lindenallee 240 3. Heuchelheim-Allendorf/L. anschl. Ortsausgang Heuchelheim 4. Kl.-Linden—Dutenhofen 24. IX. 7 Uhr Ortsausgang Kl.-Linden 5. Kl.-Linden—Lützellinden anschl. Ortsausgang Kl.-Linden 6. Kl.-Linden—Gr.-Linden 10 Uhr Ortsausgang Kl.-Linden 480 7. Gr.-Linden—Lützellinden anschl. An der Bauernmühle 8. Leihgestern—Steinberg 13 Uhr Nächst Steinberg 9. Gießen—Leihgestern anschl. Ortsausgang Leihgestern 10. Gießen—Wißmar 25. IX. 7 Uhr Bahndurchlaß bei Gießen 11. Gießen—Lollar anschl. An der Weltersburg 12. Gießen—Daubringen anschl. Abzweigung am Wald 170 13. Lollar—Daubringen 10,30 Uhr An der Holzmühle 14. Daubringen—Staufenberg anschl. Ortsausgang Daubringen 15. Daubringen—Alt.-Buseck anschl. Ortsausgang Daubringen 16. Kirchberg—Sichertshausen 26. IX. 7 Uhr Am Kirchberg 17. Staufenberg—Odenhausen anschl. Abzweigung Lollarer Str. 115 18. Kirchberg—Ruttershausen anschl. Am Kirchberg 19. Ruttershausen—Odenhaus. anschl. Ortsausgang Ruttershaus. 20. Wieselt—Alten-Busecl 27. IX. 7 Uhr Ortsausgang Wieseck 21. Wieseck—Trohe anschl. anschl. Abzwg. Alt.-Busecker Str. 135 22. Gießen—Rödgen Städtische Sandgrube 23. Gießen—Annerod 10,30 Uhr Waldausgang 24. Annerod—Grünberg anschl. Nächst Annerod 25. Gießen—Reiskirchen 28. IX. 7 Uhr Nächst Ganseburg 26. Reiskirch.—Lindenstruth— 740 Grünberg bis Abzweig. Queckborn anschl. Nächst Reiskirchen 27. Saasen—Bollenbach anschl. Abzweigung nach Saasen 28. Reiskirchen—Bersrod— Beuern 30. IX. 7 Uhr An der Ziegelhütte 29. Beuern—Allertshausen 8 Uhr Ortsausgang Beuern 120 30. Beuern—Climbach— Abzweigung n. Climbach Mendorf anschl. 31. Mendorf—Londorf anschl. Ortsausgang Mendorf 32. Londorf—Nordeck 1. X. 7 Uhr Ortsausgang Londorf 33. Londorf—Kesselbach anschl. Ortsausgang Londorf 240 34. Kesselbach—Geilshausen anschl. Ortsausgang Kesselbach 35. Geilshausen—Beltershain 2. X. 7 Uhr Ortsausgang Geilshausen 140 36. Lumda—Weitersh. (Kreuz) anschl. Ortsausgang Lumda 2. Baubezirk. I. Lich—Langsdorf 23. IX. 6,30 Uhr Bahnübergang Lich 2. Langsdorf—Nieder-Bes- zirka singen (bis Wald) anschl. 400 3. Langsdorf—Hungen 14 Uhr Ortsausgang Langsdorf 4. Hungen—Jnheid.—Utphe 24. IX. 6,30 Uhr Nächst Hungen 5. Utphe—Berstadt 13 Uhr Nächst Utphe zirka 350 6. Str. Tr.-Horloff—Bellersheim—Bahnhf. Bellersh. Bellersheim—Bettenhaus. 15 Uhr Baum Nr. 75 7. anschl. Ortsausgang Bellersheim 8. Hungen—Bilfingen 25. IX. 6,30 Uhr Nächst Hungen 9. Hungen—Nonnenroth— Röthges anschl. Nächst Hungen zirka 130 10. Nonnenroth—Billingen 13 Uhr Nächst Nonnenroth 11. Nonnenroth—Ndr.-Bessgn. anschl. Nächst Nonnenroth 12. Langsdorf—Ndr.-Bessin- gen (ab Wald) anschl. Waldausgang 13. 14. 15. Lich—Colnhausen Lick)—Steinbach (b. Wald) 26. IX. 6,30 Uhr anschl. anschl. Nächst Lich Nächst Lich Nächst Lich zirka 240 Lich—Ndr.-Bessmgen Ndr.-Bessingen—Münster 16. 14,30 Uhr Nächst Ndr.-Bessingen 17. Lich—Steinbach(abWald) 27. IX. 6,30 Uhr bei Km. 9,400 Waldausg. 18. Lich—Albach—Steinbach anschl. 19. Albach—Burkhardsfelden anschl. zirka 20. Hattenrod—Reiskirchen 14 Uhr Nächst Hattenrod 120 21. Oppenrod—Gießen (bis Hauptstraße) 16 Uhr Nächst Oppenrod 22. Lich—Garbenteich 28. IX. 6,30 Uhr Nächst Lich 23. Garbenteich—Watzenborn- Schiffenberg 9,15 Uhr Nächst Garbenteich zirka 24. Steinberg—Gießen anschl. 180 25. Gießen—Steinbach 14 Uhr Bahnübergang bei Gießen 15 Uhr Waldausg. n. Steinbach 26. Dorf-Gill—Hof-Gill 30.IX. 6,30 Uhr Nächst Seemühle 27. Lich—Eberstadt (ab Wald) anschl. 28. Eberstadt—Ober-Hörgern zirka 400 (b. Münzend. Abfahrt) 10,15 Uhr Nächst Eberstadt 29. Treis-Münzenberg—Mu- schenheim *> 14 Uhr Nächst Treis-Münzenberg 30. Muschenh.—Bettenhausen anschl. 3. Vaubezirk. 1. Laubach—Wetterfeld— Münster 25. IX. 7,30 Uhr Nächst Laubach 850 2. Kreuz Münster—Röthges anschl. 3. Wetterfeld—Lauter 26. IX. 7,30 Uhr Nächst Wetterfeld 4. Neumühle—Grünbera anschl. 5. Ettingshausen—Queckborn anschl. 6. Lindenstruth—Grünberg ab 500 Abzweigung Queckborn anschl. 7. Grünberg—Beltershain— Göbelnrod 14 Uhr Nächst Grünberg 8. Göbelnrod—Grmrberg anschl. 9. Grünberg—Lehnheim— Atzenhain 27. IX. 7,30 Uhr Nächst Grünberg 10. Abzweig Kreuz Mücke anschl. 400 11. Mücke—Stockhausen— Seenbrücke—Weickartshain—Grünberg 14 Uhr bei Flensungen 12. Ruppertenrod—Elpenrod 14 Uhr Wegweiser oberhalb Rup- 13. Nieder-Ohmen—Merlau— (pertenrod 260 Atzenhain anschl. 14. Weitershain—Stangen- rod—Grünberg (von Straße Atzenh.—Lda.) anschl. 4. Baubezirk. 1. 1 Kreuz Lumda—Weitershn. 28. IX. 7 Uhr 1 Am Kreuz Lumda 2. | Rüddingshaus.—Deckend. 12 Uhr Hinter Rüddingshausen 60 3. | Schadenbach—Büßfeld 13. vaubezirk. 1. Langgöns—Hochelheim 24. IX. 8 Uhr Hinter Langgöns 130 2. Langgöns—Gr.-Linden anschl. 3. Gambach—Oberhörgern— Münzenberg 26. IX. 8 Uhr Bei Gambach 300 4. Oberhörgern—Bahnhof anschl. 5. Leihgestern—Langgöns 3. X. 8 Uhr Hinter Leihgestern Bei Baum Nr. 1 6. Langgöns—Grüningen 13 Uhr 100 7. Grüningen—Steinberg 17 Uhr Hinter Grüningen Obst-n.Gartenbanverein Gießen Anmeldung nicht nötig /645D Unsere Mitglieder werden gebeten, ihr bestes Obst in 3 bis 5 Stück pro Sorte bis Samstag, 10 Uhr vormittags, in der Turnhalle abzugeben. Beste Leistungen werden prämiiert Herbstblumen- und Obst-Ausstellung am 21. und 22. September. Eröffnung Samstag, den 21. September, 16 Uhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten. Zur Herbstsaat biete an zu den Bedingungen der Landwirtschafts-Kammer Anerkannte I. Absaaten von: Friedrichswerther Berg W.-6ersto Petkuser Roggen Strubes Dickkopf W.-Weizen 7656D H, Brückmann Neuhof bei Leihgestern Saatbaustelle d. Hess. Landwirtschafts-Kammer ■Lichtspielhaus*™ Bahnhofstraße 34 M Heute letzter Tag: Emil Jannings | in: Der König von Soho H Morgen Donnerstag: PREMIERE A Werke der reeamten Weltliteraturisl. radeeu Rechts das ausgestanzte Papier für die Reihenbriefumschläge, links die fertig geklebten Umschläge. Die Zahlen zeigen, wie die Umschläge zusammengefaltet und verklebt werden. einander auf die in Reihen zugeführten Briefumschläge abgedruckt werden. Die Verwendung dieser Maschinen ist aber nur dann zweckmäßig, wenn immer wieder die gleichen Anschriften gebraucht werden, also für den sich in regelmäßigen kurzen Zeitabständen wiederholenden Versand irgendwelcher Mitteilungen an einen bestimmten Kreis von Empfängern. Dun kommt es aber auch häufig vor, daß einmalige oder sich nur selten wiederholende Mitteilungen an viele Empfänger verschickt werden sollen, z.B. Diederlassungsanzeigen, Mitteilungen über die Verlegung des Wohnfitzes, Glückwünsche, Familienanzeigen usw., wofür man keine Adressiermaschine benutzen kann, da es sich nicht lohnt, die Anschriften für eine einmalige oder seltene Verwendung zu prägen. Häufig werden daher bei solchen Sendungen die Anschriften mit der Feder geschrieben, weil dies schneller geht als das Schreiben mit der Maschine, da eben das Einspannen und Ausrichten zu viel Zeit beansprucht. Es gibt zwar zufammenhängende Postkarten, die man fortlaufend mit der Maschine beschreiben kann, so dah man nicht jede einzeln einspannen und ausrichten muh. Man hat aber bisher noch keine solchen Umschläge gehabt, Wohl weil man annahm, man könne sie nicht aus einem Stück Herstellen. Dies ist nun aber doch gelungen, und zwar so, dah die Vorderseite mit der Verschluh- klappe ununterbrochen durchläuft, während die Rückseite und die untere sowie eine seitliche Klappe seitlich herausstehen und in der Fabrik zu Umschlägen zusammengefaltet und verklebt werden. Der fertige Umschlag sieht dann aus wie ein gewöhnlicher Umschlag, der mit seiner aufgeklappten Verschluhklappe unten am vorhergehenden Umschlag angewachsen ist. Damit er dort leicht abgetrennt werden kann, ist die Verbindungslinie mit einer Lochreihe — wie bei Briefmarken — versehen. Die Umschläge können aufgerollt und von einem Rollenträger abgezogen werden. Man kann die einzelnen Umschläge aber auch wie die Blätter eines Leporelloalbums flach aufeinander legen und in Kasten verpacken, aus denen sie bann unmittelbar der Schreibwalze der Maschine zugeführt werden. Dabei wird viel Zeit gespart, indem hundert und mehr Briefumschläge hintereinander beschrieben werden können, ohne dah jeder einzeln eingespannt, ausgerichtet und abgelegt werden muß. Die Aufgabe, eine Form zu finden, wie das Papier ausgeschnitten werden muh, damit man es zu zusammenhängenden Briefumschlägen zusammenfalten kann, mutet an wie eine der bekannten Denksportaufgaben, die sich der Erfinder selbst gestellt, und die er auch in sehr hübscher Weise gelöst hat. Kohle, Koks, Teer. Von Or.'Zng. Otto Huppert. Was ist Kohle? „Ein brennbarer, schwarzer Stoff": viele werden nicht wesentlich mehr zu sagen wissen. Andere wissen schon, dah Kohle seit undenklichen Zeiten in der Erde liegt, daß Koks und Teer, unter Umständen auch das giftige Kohlenoxyd daraus entstehen können, und dah die Industrie Kohle und Koks braucht. Dur die wenigen, die am meisten von der Kohle wissen, wissen, dah man eigentlich nichts von ihr weiß, mit anderen Worten, dah unsere Erkenntnis vom Wesen der Kohle gleich Dull ist, angesichts der ungeheuren Zahl ungelöster Fragen über die verwickelte Zusammensetzung dieses eigentümlichen, uns so vertrauten Brennstoffes. Diele Menschen heutiger Zeit sind mit der Kohle weniger bekannt als wir älteren, die wir einst noch keine Warmwasserheizung hatten, sondern selber unseren Ofen bedienten und dabei feststellen konnten, dah manche Kohlen in unserem Zimmerofen nüt langer Flamme mehr oder weniger knatternd brennen, andere, z. B. Anthrazit, ganz ohne Flamme. Kohle ist aus vermodertem Holz, oft mit tierischem Faulschwamm zusammen, unter dem Einfluh von Bakterien und unter hohem Gebirgsdruck im Laufe langer Zeiträume entstanden. Anthrazit ist älteren Ursprungs und hat daher, da die Vermoderung schon weiter fortgeschritten ist, nicht mehr viel an flüchtigen Bestandteilen, die die Ursache davon sind,- dah eine Kohle langflammig brennt. Deutschland fördert zur Zeit rund 131 Millionen Tonnen Steinkohle. Reichlich i/4 davon wird zu Koks verarbeitet. Warum stellt man nun überhaupt aus der Kohle Koks her? Datürlich entsteht bei der Leuchtgasgewinnung Koks als Debenerzeugnis, denn Leuchtgas bildet sich beim Erhitzen von Kohle in Retorten. Selbstverständlich kann man dazu nur Kohle mit vielen flüchtigen Bestandteilen, nicht etwa anthrazitartige Kohle gebrauchen. Dun entfällt aber von den rund 27 Millionen Tonnen Koks, die jährlich in Deutschland erzeugt werden, nur 1/6 als Debenerzeugnis auf Gaswerke. 23 Millionen Tonnen Koks werden dagegen jährlich als Haupterzeugnis her- gestellt. Warum? Die Frage ist um so berechtigter, als aus 1000 Kilogramm Kohle nur 780 Kilogramm Koks gewonnen werden. Für die dabei abfallenden 320 Raummeter Gas besteht meist keine seinem Wert entsprechende Verwendungsmöglichkeit. Das Verkoken der Kohle an sich ist also äuherst verlustreich, und man könnte tatsächlich viel Geld sparen, wenn man, vom Gaswerksbetrieb abgesehen, Kohle statt Koks verwendete. Dies ist aber nicht möglich, weil unsere Süßte Industrie, die Eisenindustrie, für ihren ochofenbetrieb unbedingt Koks nötig hat. Es gibt zwar einzelne Kohlensorten, die im Hochofen verwendet werden können, und tatsächlich geschieht dies z.B. in Schottland. Es muh sich aber dann um Anthrazitkohlen besonderer Art handeln' sie dürfen nicht zerbröckeln und nicht „backen": sie müssen also, da sie als Anthrazit ja auch keine flüchtigen Bestandteile enthalten, schon als Kohle im ganzen so beschaffen fein wie Koks. Die meisten Kohlen werden bei einer bestimmten Temperatur weich bis flüssig, sie „baden“. Wenn der größte Teil der flüchtigen Destandtelle entwichen ist, werden sie trotz zunehmender Temperatur wieder fest, und nun entsteht das gleichmäßige Gebilde, das man Koks nennt; Koks ist fast immer wesentlich härter als Kohle. Bei der Erzeugung von Eisen im Hochofen handelt es sich darum, aus Koks, der mit dem Erz in abwechselnden Schichten gelagert wird, das Gas Kohlenoxyd — ein Kohlenstoff mit einem Sauerstoff — herzustellen, das dem Eisenerz — Eisen und Sauerstoff — den Sauerstoff entzieht, also Eisen bildet und dabei selbst in Kohlensäure — ein Kohlenstoff und zwei Sauerstoff — übergeht. Dähme man statt Koks die gewöhnliche Kohle, so würde sich einmal durch das Backen der Kohle und dann durch den mit den flüchtigen Bestandteilen entstehenden Teer in kurzer Zeit alles zusetzen, und der Hochofen müßte erkalten oder zerknallen. Auf der Ausstellung „Gas und Wasser" war eine Tafel mit den wichtigsten aus Kohle her- gestellten Stoffen und ihren Anwendungsgebieten zu sehen. Die Tafel war sehr stattlich, aber sie hätte in der" großen Halle keinen Platz gehabt, wenn man die aus Kohle gewonnenen chemischen Verbindungen auch nur einigermaßen vollzählig hätte anführen wollen. Dicht nur die zahlreichen Farben, sondern auch Aspirin, Pyramidon, Sal- varsan, Sacharin sind Kinder des Steinkohlenteers, der im wesentlichen die Grundlage der weltumspannenden organisch-chemischen Großindustrie Deutschlands bildet. Auf die Frage: „Was ist Teer?" lauten die verschiedenen Antworten ähnlich wie bei der Kohle: toer ihn am besten kennt, weih, wie viel noch zu erforschen ist. Die Hauptbestandtelle des Teers sind Verbindungen, die lediglich aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen, „Kohlenwasserstoffe". Diese lassen sich in verschiedene Gruppen oder Rechen einteilen, deren einzelne Gliedes in bezug auf Zusammensetzung und Eigenschaften eine ausgesprochene Zusammengehörigkeit zeigen. So sind z. D. in den Verbindungen der Paraffine reihe Kohlenstoff und Wasserstoff in einem solchen Verhältnis vorhanden, daß immer die Zahl der Wasserstoffatoine um zwei größer ist, aL8 die doppelte Zahl der Kohlenstoffatome. Das einfachste Glied, das Methan z. D., besitzt ein Kohlenstoff — auf vier Wasserstoffatome 2X1=2; 2x2=4 Wasserstoffatoine. Beim nächsten ©Hebe, dem Aethan, kommen zwei Kohlenstosfatome auf sechs Wasserstoffatome usw. 2x2=4; 4+2=6 Wasserstoffatoine. Je mehr Kohlenstoff, desto dichter werden die Glieder. Die vier unteren, bis zu vier Kohlenstoffatomcn sind Gase, die folgenden bis zu sechzehn Kohlenstoffatomen (und biet* unddreihig Wasserstoffatomen) sind flüssig; di« höheren, uns allen von den Parafsinkcrzen her betannten, sind fest. Besonders bemerkenswert ist es, daß die Glieder mit zunehmendem Kohlenstoff weniger Wasferstosf enthalten. Aethan z. B. hat zwei Kohlenstoff auf sechs Wasserstoff. Könnt« man noch zwei Wasserstoffatome hinzufügen, sy wäre man z. D. imstande, aus einem Molekül« Methan zwei Moleküle Methan herzustellen, also ein niedrigeres Glied aus einem höheren. Man hätte dann zwei Kohlenstoff auf acht Wasserstoff; eine solche Verbindung kann es aber aus bestimmten Gründen nicht geben. Sie fiele gleichsam auseinander, noch bevor sie gebildet wäre, und es entständen dann zwei Moleküle Methan, von denen jedes aus einem Kohlenstoff und vier Wasserstoff besteht. Man kann heute tatsächlich Wasserstoff in dieser Weise an Kohlenwasserstoff« anlagem, und das Bergiusverfähren ist nichts anderes, als eine Wasserstoffanlagerung an höhere Kohlenwasserstoffe der verschiedensten Reihen zur Herstellung von niedrigeren Kohlenwasserstoffen. Notwendige Mittel dazu sind hohe Temperatur und hoher Druck und in vielen Fällen gewiss« Vermittlungsstofse oder Katalysatoren. Die Interessengemeinschaft der Farbenindustrie ist heut« imstande, 90 vom Hundert des SteinkohlenteerS durch Wasserst off anlagerung in wasserhelles Benzin zu verwandeln, wobei 10 vom Hundert als Gas entweichen, ©ie Gesellschaft beherrscht das Verfahren der Verwandlung eines Stoffes in einen anderen so weit, daß sie Kohle oder Teer ganz nach Bedarf, entweder hauptsächlich zu Benzin oder Petroleum oder Gasöl oder Schmieröl verarbeiten kann. ©ie Verfahren zur Herstellung der Kohle- erzeugnifse spielen in der Gesamtentwicklung der Technik eine wichtige Rolle. Hier steht deutsch« Wissenschaft an führender Stelle. Sichre den Raum! Elektrozellen sehen, hören und alamieren. Je weiter die Technik fortschreitet, um so energischer arbeitet das raffinierte Handwerkszeug der Einbrecher, um so empfindlicher werden aber auch die Mittel, um diesem Ansturm zu begegnen. Wie weit man damit gekommen ist, zeigte ein Experimentalvortrag, den kürzlich eine der namhaftesten deuffchen elektrotechnischen Firmen in ihrem Berliner Verwaltungsgebäude veranstaltete. Die elektrischen Schutzeinrichtungen haben natürlich immer nur den Sinn, die üblichen mechanischen zu ergänzen, aber sie tun das in einer so präzisen, gewissenhaften und unauffälligen Art, daß es den Einbrechern heut« eigentlich unmöglich sein dürfte, in Räume einzudringen, die mit diesen besonderen Konstruktionen ausgestattet sind. Da ist zum Beispiel des Tresvrpendel« das an Geldschränken angebracht wird: ein sehr empfindlicher Apparat, der in der Lage ist. die geringsten Verschiebungen zwischen dem Befestigung spunkt der ganzen Schutzeinrichtung und einem Fühlpunkt erheblich zu vergrößern. Dieses Hebelshstem arbeitet auf eine Zusammenstellung von Kontaktarten und bringt Veränderungen in einem Stromsystem hervor, die mit einer unfehlbaren Sicherheit und an einer weit entfernten Stelle alarmierend wirken. Diese Einrichtung arbeitet absolut geräuschlos, so dah der Einbrecher nicht feststellen kann, wann unö ob sein Versuch, den geschützten Tresor anzugreifen, gemeldet wird. Es ist natürlich die Voraussetzung für di« sichere Wirkung aller dieser Vorrichtungen, dah die Leitungen zwischen dem Alarmsignal und der Einbruchstelle in Ordnung sind; daher werden sie oft von den Einbrechern zerschnitten, die meinen, nunmehr gegen alle Überraschungen gesichert zu fein. Hier befinden sie sich, wenigstens soweit es an den vorgeführten Apparaten gezeigt wurde, in einem traurigen Irrtum. Es waren nämlich Verbindungsleitungen frei durch den Raum verlegt, und an ihnen wurde gezeigt, wie Leitungen zerschnitten, überbrückt oder unschädlich gemacht werden können. Zugleich stellte es sich aber auch heraus, dah solche Versuche zwecklos sind — die Apparatur arbeitet trotzdem! Diese Warnungszellen sind ungemein empfindlich gegen Bewegung und Wärme. Bekanntlich pflegen sich die Einbrecher ihren Objekten mit Gebläsen zu nahen, um die Panzerwände zu zerschmelzen. Eine solche Hiheentwicklung ist aber gar nicht notwendig, um ein Signal in Bewegung zu setzen. Es wurde z. B. die Seitenwand eines üblichen Geldschranks mit einer gewöhnlichen Heizsonne bestrahlt. Die lokale Ausdehnung dieser bestrahlten Stelle veränderte das garue Gefüge des Schranks auf dem gewih beträchtlichen Umwege über die Tür und den Türrahmen so stark, daß auch bei dieser geringen Wärmeentwicklung die Alarmsignale einsetzten. Man sollte denken, daß auch die geübtesten Knacker vor so sensiblen Apparaten machtlos sind. Wenn natürlich auch die Tür eines Geldschranks die Stelle ist, an welcher der Einbrecher seinen Angriff zunächst ansetzen wird, so dah sie besonders zu schützen ist, so schrecken auch die Geldschrankkolonnen selbst vor armierten Wänden und umfangreichen Erdarbeiten nicht zurück, um zum Ziele zu gelangen, wie seinerzeit der aussehenerregende Einbruch in der Berliner Diskvntobank in der Kleiststraße bewiesen hat. Die großen Wände der Panzerkammern kaffen sich natürlich nicht so schützen wie die eine Tür, auch ist es nicht immer wirtschaftlich, in dos Mauerwerk selbst umfangreiche elektrische Leitungen einzulegen. Hier gibt es nun einen Apparat, der die Lauschzelle heißt. Er geht von dem Grundsatz aus. daß jeder Einbruch mit einem, wenn auch so geringen Geräusch verbunden sein muh. Hier sind nun die aus der Funktechnik bekannten Derstärkungseinrich- tungcn nutzbar gemacht worden. Mit ihrer Hilfe kann man bekanntlich das geringste Geräusch millionenfach verstärken und diese Einrichtungen sind daher ein wesentlicher Teil der Tresoranlagen. Auch hier wie überall kommt es natürlich daraus an. daß die Leitungsanlage sunktioniert. Hier hat die Technik wirklich Vollendetes geschaffen, denn es ist nicht nur gelungen, alle überhaupt denkbaren Eingriffe in die Leitungen unwirksam zu machen, man ist heute sogar soweit, daß sich die unvermeidlichen Fehler, die sich durch Abnutzung und -Zufälligkeiten in die Anlage einschleichen können, rechtzeitig und selbsttätig durch besondere Störsignale selbst melden, so daß der Schaden abgestellt werden kann. So wird also nicht nur das Zerstören. Beschädigen und Lieberbrücken von Leitungen sofort richtig gemeldet, es wird auch angezeigt, wenn z. B. die Spannung einer Batterie nachlätzk. wenn ein Heizfaden durchbrennt, wenn eine Röhre taub wird und ähnliche, unvorhergesehene Zwischenfälle. Die modernen Tresoranlagen sind oft so umfangreich, daß die Bewachung durch Angestellte kostspielig u nd nahezu aussichtslos ist. Dazu kommt, daß das menschliche Ohr nicht die Feinhörigkeit dieser Zellen haben wird, welche jedes ankommende Geräusch in Arbeit und Alarm verwandeln. Lind die Sensibilität dieser Anlage kann nahezu ins Llngernesfentz gesteigert werdens jedes Oeffnen und Schlichen einer Tür, ein fallengelassener Bleistift, ein im Raum gesprochenes Wort und ähnliche Belanglosigkeiten genügen schon, um die Alarmglocken zu läuten. Die Maschine trägt den Sieg über die menschlichen Sinne davon. Wirtschaft. Oie Vorgänge am deutschen Benzinmarkt. Aus dem deutschen, speziell westdeutschen Benzinmarkte wird gegenwärtig ein Preis- kämpf ausgefochten. Hie Konvention — hie Auhenseiter. Der Rufer im Streit ist die Rheinland-Garagen-G. m. b. H. in Köln, die vor kurzem plötzlich ihren Pumpenpreis auf 27 Pf. und am 7. September auf 24 Pf. für Benzin, 30 Pf. für Gemische und 35 Pf. für Benzol herabgesetzt hat und dabei gleichzeitig ankündigte, daß in den nächsten Wochen weitere Crrnähigun- gen eintreten sollen, bis der Denzinprcis, der bei der Konvention 31 Pf. beträgt, auf 19 Pf. je Liter herabgedrückt sei, und dah man ferner beabsichtige, den Kampf auf gaiu Deutschland auszudehnen, um die gegenüber dem Ausland bedeutend höheren Preise auf ein natürliches Mah herabzudrücken. Stellten bisher die augenblicklichen Vorgänge auf dein Benzinmarkt den Auhenstehenden vor ein Rätsel, so hat die am Montag in Düsseldorf abgehaltene außerordentliche Generalversammlung des Reichsverbandes der Garagenbesitzer, die sich mit dem Denzinkampf in Westdeutschland beschäftigte, insofern eine gewisse Klärung gebracht, als eine Entschließung gefaßt wurde, in der u. a. zum Ausdruck gebracht wird, daß der Verband sich hinter die den Kampf führenden westdeutschen Außenseiterfirmen stellt, ihre bisherigen Maßnahmen billigt und sich dem Kampf anschließen will. Der Verband überlasse aber in Anbetracht der Verschiedenheit der örtlichen Verhältnisse die Entscheidung über Zeitpunkt und Ort der Aufnahme des Kampfes seinen Ortsgruppen bzw. deren Mitglieder. „Die Konvention solle klar zu erkennen geben, dah sie dem Handel eine ausreichende Ver - dienst spanne gewähren wolle", ohne dah diese in dem Verbraucherpreise auf Kosten der letzten Konsumenten zum Ausdruck zu kommen brauche. Ferner solle die Schaffung fester Rormen für die Betriebsstoffe beantragt werden, weil man dem Marken- unwesen entgegentreten und das Vorurteil beseitigen wolle, als ob die Markenbetriebsstoffe eine immer gleichbleibende Qualität besäßen. Damit sind die Ziele der Außenseitergruppe bekannt geworden. Die Frage ist nun, ob die Außenseiter sich stark genug fühlen, einen Kampf gegen die in der Konvention vereinigten großen Vertriebsfirmen durchzuführen. Man darf zwar annehmen, daß die Außenseiter einer ausreichenden Unterstützung sicher fein müssen, die es ihnen ermöglicht, den Preiskampf auf eine geraume Zeit fortzuführen. Allerdings ob mit Erfolg, das dürste bei der starken Stellung der Konvention doch etwas zweifelhaft fein. Denn die Ausdehnung des Kampfes ist nach Aeuße- rungen von Fachleuten weniger eine Frage des Kampfwillens, als eine Frage der Lieferungsund Transportmöglichkeiten. Lind da dürften sich den Außenseiterfirmen eine Reihe von Schwierigkeiten hindernd in den Weg stellen. Abgesehen von der Geld- und Lieferungsfrage spielt die Frage der Grohraumtankanlagen, die den Außenseitern fehlen, eine große Rolle, alle Schwierigkeiten, die zu verschärfen sich die Konvention sicher nicht entgehen läht. Mag nun aber der Kampf zwischen Außenseitern und Konvention ausgehen wie er will, er darf unter keinen Ll m st ä n d e n bei einer eventuellen Verständigung auf dem Rücken des Verbrauchers ausgetragen werden. Man wird daher die weitere Entwicklung der Vorgänge auf dem deutschen Benzinmarkt mit Aufmerksamkeit verfolgen müssen. Weitere Entlastung der Reichsbank. Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 14. September hat sich die gesamte Kapitalsanlage der Bank in Wechseln und Schecks. Reichsschahwechseln. Lombards und Effekten in der zweiten Sevtemberwoche um 258,4 Millionen auf 2404,7 Millionen Mark verringert. 3m einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 232,9 Millionen auf 2239,6 Millionen Mark, und die Bestände an Reichsschahwechseln um 28,5 Millionen auf 17,2 Millionen Mark abgenommen, während die Lombardbestände eine geringe Zunahme um 3,0 Millionen auf 55,2 Millionen Mark erfahren haben. Die Anlage in Effekten ist mit 92,8 Millionen Mark unverändert geblieben. An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen sind 192,9 Millionen Mark aus dem Verkehr zurückgeflossen. Der -Umlauf an Reichsbanknoten hat sich um 190,9 Millionen auf 4411,7 Millionen Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 2,0 Millionen auf 403,0 Millionen Mark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 37,4 Millionen Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 426.7 Millionen Mark eine Abnahme um 44,9 Millionen Mark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen zusammen haben sich um 5,5 Millionen auf 2509,1 Millionen Mark erhöht, und zwar haben die Goldbestände um 3,0 Millionen auf 2186,3 Millionen Mark, und die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 2,5 Millionen Mark auf 322,8 Millionen Mark zugenommen. Die Deckung der Roten durch' Gold allein besserte sich von 47,4 Prozent in der Vorwoche auf 49,6 Prozent, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 54,4 Prozent auf 56,9 Prozent. Gründung der Elektrizität^ A.-G. Mitteldeutschland. Von der Verwaltung des Elektr o-Zweck- Verbandes Mitteldeutschland in Kassel wird mitgeteilt: Am 14. d. M. ist die Gründung der Elektrizitäts-A. -G. Mitteldeutschland in Kassel vollzogen und in das Handelsregister eingetragen worden. Die Gründung ist als Bargründung vollzogen worden mit einem Gesellschastskapital von 100 000 Mark, und stellt eine sogenannte Studien- gesell schast dar. Gleichzeitig ist der Zweck dieser Gründung der, eine rechtsfähige juristische Person zu schaffen, die mit den später ihre Sachwerte einbringenden Lieberlandwerken verbindliche Verträge schließen kann. An der Gründung sind beteiligt der Zweckverband Lleber- landwerk Edertalsperre, der Zweck- verbandFuldo-Hünfeld-Schlüchtern, die Kreise Hanau und Kirchhain und die Preußische Clektrizitäts-A. -G. Berlin. Cs müssen nunmehr die Beschlüsse bet Kreise, Körperschaften und anderer Bcfchluh- organc abgewartet werden, um später auf dem Wege der Rachgründung gemäß § 207 H. ®. B. unter entsprechender Erhöhung des Gesellfchafts- kapitals die einzubringenden Werke in die Gesellschaft aufzunehmen. Die Preußische Elektrizi- täts-A.-G., die mit jeweils 26 Prozent des Gesellschaftskapitals beteiligt ist, wird, abgesehen von der Einbringung des Elektrizitäts-Llnter- nehmens des Kreises Frankenberg, ihre Beteiligung in bar einbringen. Die Städte des Go- sellschaftsgebiets bearbeiten zur Zeit die Frage der Errichtung e igener Aktiengesellschaften aus ihren gewerblichen Betrieben und wollen sich durch Austausch eines Teils ihres Aktienkapitals gegen Aktien der Gesellschaft Mitteldeutschland mit dieser verzahnen. Bis zur erstmaligen Erhöhung des Aktienkapitals, d. h. bis zur Einbringung der kreiskommunalen Sacheinlagen, dürfte noch ein Zeitraum von einigen Wochen vergehen. Cs kann indessen damit gerechnet werden, dah bis zum Ende des Jahres der endgültige Umfang der Gesellschaft seststeht. Norddeutscher Lloyd und Tschechoslowakei. Durch Vermittlung der Bantfirma Friedrich D l e i b t r c u . Berlin, hat sich, wie WTB -Han- delsdienst erfährt, zwischen der Tschechoslowakei und dem Rorddeutschen Lloyd in Bremen eine Verbindung gebildet mit dem Ziel, die Ausnutzung der tschechoslowakischen F r e i h a f e n r e ch t e i n Hamburg in enger Verbindung mit dem Rorddeutschen Lloyd wahrzunehmen. Zu diesem Zwecke wird eine Aktiengesellschaft gegründet, woran der Rord- deutsche Lloyd mit etwa der Hälfte des Aktien- lapitals beteiligt fein wird, während tschechoslowakische Wirtschaftstreise die andere Hälfte des Kapitals übernehmen. Die Verwaltung der neuen Gesellschaft wird je zur Hälfte von deutschen und tschechischen Persönlichkeiten, darunter einem tschechischen Regierungsvertreter, gebildet werden. Die neue Gesellschaft wird vom tschechoslowakischen Staat mit der Wahrnehmung aller feiner Hoheitsrechte betraut werden. Der Erwerb von Schiffen in Zusam- menarbeit mit dem Rorddeutschen Lloyd ist zunächst nur in beschränktem Umfange vorgesehen. Anhaltende Glanzstoff-Vaiffe. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M, 18. Sept. Tendenz: unsicher - 3nfolge der anhaltenden Glanz- ft o f f b a i f f e war zu Beginn der heutigen Börse die Tendenz wieder unsicher und schwächer. Die etwas besseren Aussichten an der gestrigen Börse wurden zunichte, und die Unternehmungslust schrumpste erheblich ein, zumal die anfänglich an den Markt gegebenen Aufträge f a ft r e st lo s zurückgezogen wurden. Die Spekulation schritt erneut in stärkerem Maße zu Abgaben. Aber in erster Linie hatten Glanzstoff - A k t i e n hierunter zu leiden. Es trat ein neuer Rückgang von 7 Prozent ein. Die Grenze von 300 Prozent ist somit um 10 Prozent unterschritten. Die übrigen Märkte wurden anscheinend hiervon ungünstig beeinflußt, zumal auch die ^keuyorker Börse gestern recht unsicher war,* was in der Hauptsache auf die dortige Geldmarktverfassung zurückzuführen ist. Die Kursgestaltung im allgemeinen wurde aber trotzdem nicht besonders nachteilig beeinflußt, man kann vielmehr sagen, daß im Grundton eine gewisse Widerstandsfähigkeit zutage trat, aber trotzdem war keine Belebung des Geschäftes zu bemerken. Gegenüber der gestrigen Abendbörse war die Kursgestaltung nicht einheitlich. Es überwogen Abschwächungen bis zu 1,5 Prozent. Am Elektromarkt lagen AEG. knapp gehalten, Chade- Aktien gut behauptet. Licht & Kraft und Siemens gaben je 1,25 Prozent nach. Kaliwerte verloren bis 2,25 Prozent. Am Chemiemarkt eröffneten 3.-G.-Farben gut behauptet. Goldschmidt büßten 1,5 Prozent ein. Montanpapiere gaben ebenfalls etwa 1,25 Prozent nach. Rheinstahl unverändert. Einiges 3ntereffe bestand für Daimler und Süddeutsche Zucker bei leicht gebesserten Kursen. Zellstoffwerte, Bauunternehmungen und zumeist Dankwerte konnten ihre Kurse der gestrigen Abendbörfe erhalten. Renten still. Don Ausländern Zolltürken etwas höher. Rach den ersten Kursen traten weitere Rückgänge bis 1 Prozent ein. Glanzstoff-Aktien verloren erneut 4 Proz. Dies war der Grund zu allgemeinen weiteren Abschwächungen. doch schritt hernach die Kulisse zu Rückdeckungen. Die Tendenz wurde allgemein etwas fester, und es traten, wenn man die erst eingetretene Verschlechterung in De tracht zieht, Besserungen bis zu 1,5 Proz. ein. Die Rachfrage nach Glanzstoffwerten war etwas reger, bei einem Gewinn von 6 Proz. 3n Spezial- werten war das Geschäft etwas lebhafter. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 Proz. angeboten. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2005, gegen Pfund 20,365, London gegen Kabel 4,8468, gegen Paris 123,8550, gegen Mailand 92,67, gegen Madrid 32,86, gegen Holland 12,09. Erneuter Kursrückgang in Glanzfioff. Berliner Börse. Berlin, 18. Sept. Rachdem es gegen Schluß der gestrigen Börse und im Rachmittagsverkehr den Anschein hatte, als ob sich die allgemeine Tendenz von den Vorgängen am Kunstseidemarkt frei machen könnte, beeinflußte ein erneuter Kursrückgang der Glanz- stoffaktie n schon die gestrige Abendbörse wieder nach unten, und im heutigen Vormittagsverkehr herrschte aus demselben Grunde äußerste Zurückhaltung. Besondere wirtschaftliche Momente lagen nicht vor. Man verwies auf eine leichte Verschlechterung der Ar- beitsmarktlage, auf das nach uneinheitlichem Verlaufe schwache Reuyork und auf die versteiften Tagesgeldfähe am dortigen Platze, die neue Befürchtungen für den Geldmarkt aufkommen liefen. Da auch der Donnerstag wieder näher rückt, achtete man auch wieder auf die Goldabzüge von London nach Ll. S. A. Ein Moment vielleicht, das nicht übersetzen werden darf, ist. daß der Reichstag in den nächsten Tagen wieder zusam mentritt, so daß die bisher zurückgestellten innerpolitischen Differenzen mehr in den Vordergrund treten dürften. Der offizielle Dörsenbeginn zeigte jedoch trotz der weiteren schwachen Veranlagung der Kunstseidewerte relativ widerstandsfähige Haltung. Es ergaben sich zwar bei äußerst geringem Geschäft zu den ersten Rotierungen überwiegend kleine Kursabschläge, die aber ganz vereinzelt über 2 v. H. hinausgingen. Etwas stärker lagen Schubert & Salzer, Polyphon und von Rebenwerten Buderus. Deutsche Gisenhandel und Chemische Heyden. Die bereits erwähnten Kunstseidewerte verloren anfänglich 9 bzw. 14 v. H. Als Ausnahme wären Bank für Elektrische Werte mit einer Steigerung von 2 v. H. zu nennen. Deutsche Anleihen ruhig, Ausländer freundlich. Pfandbriefe eher schwächer. Geldmarkt weiter etwas leichter. Tagesgeld 6,5 bis 9v. H.: Monatsgeld 9 bis 10,75 v. H., Warenwechsel 7.75 bis 7,60 v. H. Der Verlaus zeigte keine einheitliche Tendenz. Besonders Kaliaktien waren starken Schwankungen ausgesetzt. 3m Grundton war die Börse widerstandsfähig, bei der herrschenden Geschäftslosigkeit ließen sich kleinere Kursrückgänge aber nicht immer vermeiden. Bemerkenswert war die schwache Haltung der Rorddeutschen Lloyd-Aktie, die bis auf 106,5 v. H. zurückging. Man will hier Abgaben zweier großer Privatbankfirmen beobachten und brachte diese Bewegung im Zusammenhang mit Hamburger Abgaben. Auch die übrigen Schiffahrtswerte wurden durch die schwache Haltung der Rord- deutsche Lloyd-Aktien beeinflußt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 18. Sept. 2lm heutigen Hauptmarkt war das Geschäft wieder recht ruhig. Die schwächeren Auslandnotierungen verstimmten wieder, Angebot kam ziemlich an den Markt. Don Brotgetreide lagen Weizen und Roggen leicht nachgebend. Am Mehlmarkt konnte Roggenmehl unverändert notieren, Weizenmehl büßte 0,25 Mark ein. Don Futtermitteln lag Mais für Futterzwecke leicht gedrückt. Es wurden notiert: Weizen 25 bis 25,10 Mark, Roggen 19,90 bis 20, Sommergerste für Brauzwecke 21 bis 21,50, Hafer (inländischer) 18,75 bis 19, Mais (gelb) für Futterzwecke 20 bis 20,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 38 bis 38,50, Roggenmehl 28,25 bis 30, Weizenkleie 11,35 bis 11,50, Roggenkleie 11,25 bis 11,50 Mark. Tendenz: ruhig. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 17. Sept. Ein „Homöopath" von hier, der von seiner kräuterkundigen Großmutter Einblick in die Elemente der Heilkunde erhalten haben will, behandelte einen Bekannten, der Fieber und Lungenschmerzcn hatte, mit harmlosen Medikamenten, die er ihm verbotswidrig verkaufte. Als der Kranke rostbraune Blutkugeln hustete und seine Frau einen Arzt zuziehen wollte, brachte der Angeklagte sie davon ab, indem er ihr sagte, die Behandlung werde sie 60 bis 80 Mk. kosten, soviel wie die Acrztc verstehe er auch, das Aushusten von Blut sei gut, dadurch komme es heraus, er kriege die Krankheit schon weg. Als nach mehreren Tagen dann doch ein Arzt zugezogen wurde, war es zu spät, der Kranke starb an einer infolge seiner Lungenentzündung eintretenden Herzlähmung. Wegen fahrlässiger Tötung war der Beschuldigte vom Bezirksschöffengericht Gießen zu dreiMo - naten Gefängnis verurteilt worden. Auf seine Berufung wurde heute das Urteil bestätigt. Auch heute kam das Gericht nach dem Gutachten zweier medizinischer Sachverständiger zu der Lleberzeugung. daß bei rechtzeitiger Anwendung herzstärkender Mittel, wie sie bei Lungenentzündung unbedingt von vornherein zu verabreichen sind, der tödliche Ausgang mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit vermieden worden wäre. Ferner erhielt der Angeklagte auf die Berufung der Staatsanwaltschaft noch wegen unerlaubten Verkaufs von Arzneimitteln eine Geldstrafe von 30 Mark. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Frankfurt a M. Berlin Franyurt a. M. Berlin Frankfun a. Uli. Berlin Berlin, 17. September Geld Brief___ Schluß-i Kurs I l-Ubr Kurs Schluß-l Anfang- Kurs | Kure Schluß- Knr« 1-Uhr Kurs Schluß. Kur« Anfang. Kurs Schluß- Kurs i-Uhr Kurs Schluß- Kurs Anfang- Kurs Französische Noten..... Holländische Noten ...... italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Teste rr., L100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schwerer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten - • Ungarische Noten . . - . • Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16,415 167,91 22,03 111,43 59,01 2,485 112,08 80,60 61,78 12,37 73,00 -Frankfur Auszahli 16,475 168,59 22,11 111,87 59,25 2,505 112,52 80,92 62,02 12,45 73,30 t a. M. Jng. Datum 17.9. 18-9. 17 9. 18.9. Datum 17.9. 18.9. 17-9. 18-9. - Datum 17.9. 18.9. 17.9. 18-9. 5% Dt. Reichsanleihe v. 1927 . Dt. Anl..,lbISs.-Schuld mit «ufr los.-Rech-tcn......... DeSgl. ohne AuSlos.-Rechte . . . 7% Franks. Hyp.-Bk. Goldpf. un- kündbar 618 1932....... Adlerwerle Klever......0 Ludw. Loewe.......10 Rat. Automobil ....... 0 Orenstein L Koppel.....6 Leonhard lieh......10 Bomag Meguin ....... 0 Franks. Maschinen ...... 4 Gritmer...... 6 Heyligensiaevt ..... Iunghan»..... 6 Lechwerke..........8 Mainkrastwerke.......8 Miag...........10 Rekursulmer ........ 8 Gebr. Roeder ....... ln Voigt ck Haessner......9 Südd. Zucker.......10 Dan 99,5 126,5 183 297 236 152 58 9 60,5 105,75 107,5 125 109,5 159 knoten 98 290 152 44,5 39,75 — 159,4 99 288,25 222,5 303 234 236 151,5 105,4 187,75 44,25 52,25 40,25 - 200 22,5 85,5 198 53,5 57 59,75 124 222 158,5 97,5 289,5 223,5 289 225,5 235,5 151 104,5 43 51,75 40,13 84.5 196,75 124 17. September 18. September 22,3 20 22 1.7 7,45 7,5 7,5 7,45 15 U6,65 156,5 109,2b 124,13 124,4 201 174, 266,75 164,25 150,75 154,5 296,75 Amtliche Notierung Geld ' Brief Amtliche Notierung Geld | Brief «mst.-Rott. Buen.-AireS Brff.-Antw. Christiania. .Kopenhagen Stockholm . HelssngforS. Italien. . . London. . . Neuyork .. Paris.... Schwei; •. Spanien . . Japan . . . Rio de Jan. Wien in D-- Seit, adgest. Prag . . . . Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . . Danzig.. .Konstantin. Achen. . Canada . . Urngnay. Catire . . 168,18 1,757 58,28 111,69 111,71 112,34 10,541 21,945 20,334 4,196 16,42 80,85 61,86 1,983 0,4965 59,035 12,418 7,380 73,19 3,035 18,76 81,31 2,010 5,42 4,166 4,066 20,86 168,52 1,761 58,40 111,91 111,93 112,56 10,561 21,985 20,374 4,202 16,46 81,01 61,98 1,987 0,4985 59,155 12,438 7,394 73,39 3,038 18,80 81,47 2,014 5,43 4,174 4,074 20,90 168,26 1,759 58,30 111,71 111,73 112,37 10,543 21,95 20,338 4,197 16,415 80,84 61,875 1,991 0,4975 59,04 12,42 7,378 73,21 3,035 18,73 81,31 2,012 5,42 4,164 4,096 20,866 168,60 1,763 58,42 111,93 111,95 112,59 10,563 21,99 20,378 4,205 16,455 81,00 61,995 1,995 0,4995 59,16 12,44 7,392 73,35 3,041 18,77 81,47 2,016 5,43 4,172 4,104 20,906 Berlin. 17. September Geld Brief Amerikanische Noten ..... Enalische Noten........ 4,176 58,15 111,45 20,30 4,196 58,39 111,89 20.38