Nr. 295 Erstes Blatt 179. Jahrgang Dienstag, 17. Dezember 1929 Erich«ini tcglid),oufjei Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener gamilienblättei Heimat im Bild Die Scholle monat$Be$ugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Ücrnsprechanfchlüffe nnter5ammeInummet225L Anlchrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Poftfdfedfonto: $r Tag zu Tag. Keinem Politiker der Gegenwart dürfte es einfallen, sich restlos mit der großen Revolution zu identifizieren, keiner auch würde es wagen, die Kolonialpolitik in Bausch und Bogen abzulehnen. Und gerade in der Kolonialpolitik liegen die Keime einer unaufhaltsamen Entwicklung, zum Guten oder zum Bösen. Von der nächsten großen Koloni.-lau Stellung erwartet man in Paris neuen Aufschwung, neue Attraktionen. Aber an Skepsis fehlt es auch in dieser Beziehung nicht. Iedec Franzose weiß, daß das heutige Frankreich ohne Kolonien unvorstellbar wäre, aber die Kolonialpolilik trägt auch große Gefahren in sich, besonders für ein verhältnismäßig so dünn bevölkertes Land. Man denkt in Frankreich viel zu viel über Sicherheit nach, nicht nur in der Außenpolitik, sondern auch in jeder anderen Beziehung. Man möchte das Bestehende ewig erhalten. Zukunft aber bedeutet nicht Sicherheit, sondern älnsicherheit und die Erneuerung wird nur bann kommen, wenn man vor älnsicherheit und Problemen nicht mehr zurückscheuen wird. Oie Sklareks haben zuviel Steuer bezahlt. Berlin, 16. Dez. Das Steuer ft rafocr = fahren, das wegen angeblicher Steuerhinterziehung gegen die drei Brüder Sklarek und einen Finanzbeamten eingeleitet worden war, hat eine überraschende Wendung erhalten. Die Nachprüfung der Bücher durch die Sachverständigen hat ergeben, daß die Sklareks nicht zu wenig, sondern im Gegen- teil 25000 Mark z u viel an Steuern gezahlt haben. Dieser Betrag wird jetzt seitens des Konkursverwalters von der Finanzkasse znrückoer- langt werden. Joseph Rsldin f. Ein tapferer Kämpfer für das Deutschtum Südtirols. Aus Meran kommt die erschütternde Nachricht, daß der Bozener Rechtsanwalt Joseph Roldin an einem Magengeschwür verschieden ist. Vielleicht wäre ihm noch zu helfen gewesen, wenn nicht blinder Haß die fasz stischen Behörden bestimmt hätte, ihm die Ausreise nach Karlsbad z ir Kur zu verweigern. Mit Ioseph Roldin ist einer der zähesten Verteidiger des Südtiroler Deutschtums dahingegangen. Schon 1920, als er aus fünfjähriger russischer Kriegsgefangenschaft in seine Heimat zurückkehrte, bereiteten ihm die neuen Herrscher alle erdenklichen Schwierigkeiten. Er ließ sich aber nicht einschüchtern, nahm seinen Rechtsanwaltsberuf wieder auf und stellte sich vor allem an die Spitze seiner Landsleute, denen er namentlich unter dem Faszistenregiment mit Rat und Tat zur Seite stand. Riemais weigerte er sich, einen Volksgenossen vor fasz stischen Gerichten zu verteidigen, immer war er bereit, helfend einzuspringen und gegen die Entnationalisierungspolitik des Faszismus Front zu machen. Kein Wunder also, wenn er sehr bald auf di e S chwa rze Liste kam und man nicht zögerte, ihn unter einem nichtigen Vorwand zu verbannen. Zwei Iahre saß er auf den unwirtlichen Liparischen Inseln, zag sich hier ein schweres Typhusleiden zu und schließlich auch ein Magengeschwür. Erst auf ein Begnadigungsgesuch seiner Kinder wurde er vorzeitig frei- gelassen. Er durfte sich seiner Freiheit aber nicht allzu lange erfreuen, einer Freiheit übrigens, deren Grenzen durch die italienische Polizei gezogen waren. Trauernd steht heute Südtirol an feiner Bahre, trauernd gedenkt aber auch das gesamte Deutschtum dieses Mannes, der für deutsches Wesen und deutsche Kultur tämpfte und starb. Oer Wahlkampf in Ostoberschlssien. Tas DciUfchlum in der Verteidigung. Berlin, 17. Dez. (Priv. Tel.) Einen endgültigen Ueberblick über die nationale Struktur Ostoberschle- ficns können die jetzt vorliegenden Abstimmungsergebnisse bei den Äommuncilwahlen noch nicht geben, da eine ganze Reihe größerer Städte roic Königshütte und Tarnowitz erst im kommenden Frühjahr wählen werden. Es ist zweifellos, daß der Stimmenverlust von 10 bis 15 v. H., den die Deutschen in fünf Städten erlitten haben, ein be- völkerungspolitisch ernstes Zeichen ist, wenn auch dieses Ergebnis die Folge der rücksichtslosen Entdeutschungspolitik des ostoberfchlefischen Woje- woden Graszynski ist. Neben der Dreiteilung der Wahlen -hat er in über fünfzig Gemeinden die Aufstellung deutscher Li st en ver boten, deutsche Kandidaten mußten aus dem Wahlkampf ausscheiden und deutsche Listen polnische- Bezeichnungen annehmen. So erreichte er sein Ziel, er kann sich heute in Warschau hinstellen und der Regierung erklären, daß es ihm gelungen fei, bas ostoberschlesische Deutschtum auf den Aussterbeetat zu fetzen, was natürlich nicht den Tatsachen entspricht, da es wesentlich stärker ist, als die Wahlergebnisse zeigen. Aber Polen will eben den Nach weis führen, daß die deutsche Bevölkerung zahlen mäßig z u r ü ck g e h t und daß es nicht mehr nötig ist, sich an die Minderheitsverträge zu halten. 25 Mk. liegt, er soll auf 5 Mk. ermäßigt werden, wenn der Preis über 27 Mk. steigt. Der Futtergerstenzoll soll bis zum 31. Dezember d. 3. mindestens 5 Mk. betragen, später 2 Ml. Lei Mitverfüttcrung von Roggen solle jedoch schon in diesem Jahre nur 2 Mk. Zoll entrichtet werden. Diese letzte Bestimmung wünscht der Reich-rat zu streichen. Der Mindest - zoll für Hafer soll 5, 7 und 9 Mk. betragen, die entsprechenden Preisgrenzen 22 und 24 Mr. Entsprechend den Getreidezöllen sind auch die Mehlzölle neu gestaltet. Bei der beweglichen Regelung der Getreidezölle glaubt die Regierung, die Ginfuhrscheine nicht ohne weiteres den stets wechselnden Zollsätzen anpassen zu können. Sie schlägt deshalb vor, daß der Wert der Einfuhrscheine für Roggen, Weizen und Hafer wie bisher beibehalten wird, bis der Zoll auf 5 Mark für Roggen und Hafer und 5,50 Mark für Weizen sinkt. Der Reichsrat dagegen wünscht den tatsächlichen zu Grunde zu legen, bei Roggen und Hafer jedoch 6, bei Weizen und Gerste 6,50 Mark, solange die Zollsätze für Roggen und Hafer 7 oder 9 Mark und bei Weizen 7,50 Mark oder 9,50 Mark betrogen. Als M a l z z o l l schlägt die Regierung das Eineindrittelfache des Gerstenzolles zuzüglich einer Schutzsponne von 6 Mark vor. Die vom Reichsrat beschlossene Schuhspanne von 8 Mark hält die Regierung für zu hoch. Auch verschiedene 3ndustriezölle werden durch die Zollnovelle neu geregelt, eine Erhöhung ist namentlich für Schuhe vorgesehen, neu eingeführt wird ein A l u m i n i u m z o l l. Die vom Reichsrat beschlossene Erhöhung der Kammgarnzölle, der Daumwollgarnzölle und der Zölle für Baumwollgewebe hat die Regierung dagegen nicht in ihrer Vorlage ausgenommen. Reichsfmanzmrnister Dr. Hilferding begründet die Vorlage: Die Reichsregierung konnte bei der Verlängerung des Zollgesehes dieWünscheverschledener3ndustrie- zweige nicht berücksichtigen. Es wäre gefährlich, wenn von Deutschland eine neue Welle des Protektionismus ausgehen würde, gerade in einer Zeit, in der überall auf einen Abbau der Zollmauern hingewirkt wird. Der englische Vorschlag für einen Zollfrie- L e n hat gerade für die deutsche Wirtschaft die höchste Bedeutung. Wir hoffen, daß es in einer solchen Atmosphäre gelingen werde, den Kampf gegen den Protektionismus auf internationaler Basis zu führen. Heute, im Zeitalter der industriellen Konzentration und Organisation haben die Zölle eine ganz andere Bedeutung als früher. Sie dienen nicht mehr dem Schutze der schwachen Industrien, sondern sie erleichtern den starken Industrien die internationale Kartellbildung. Die Rot läge der Landwirtschaft wird allgemein anerkannt. Mit Zöllen allein ist diese Rotlage nicht zu beheben. Wenn durch Zollerhöhungen der Preis gesteigert wird, so muß andererseits der Konsument gegen zu starke Preissteigerungen geschützt werden. Diesem Zwecke dient das Sh st em des Gleitzolles. Damit wird auch den Produzenten gedient, die ein Interesse an stabilen Preisen haben. Die Krise im Getreidebau muß in der Hauptsache durch organisatorische Maßnahmen auf dem Getreidemarkt überwunden werden. Hohe Einfuhrscheine sind nicht das geeignete Hilfsmittel. Cs liegt dicht im Interesse der deutschen Wirtschaft, deutschen Roggen unter den Produktionskosten ins Ausland zu werfen. Beim Roggen ist Polen das einzige Konkurrenzland Deutschlands. Gelingt es, mit Polen zu einem älebereinkommen zu gelangen, so könnte vieles besser werden. Abg. Hoernle (Komm.) erklärt, die Genser WeltwirtschaftSkonferenz habe nicht den mindesten praktischen Erfolg gehabt. In Wirklichkeit habe ein internationales Wettrüsten im Zoll- wesen eingesetzt. Deutschland habe den Ehrgeiz, dabei an der Spitze zu marschieren. Der vorliegende Entwurf sei ein neuer Beweis dafür. Da weitere Wortmeldungen nicht Vorlieben, geht die Vorlage an den Handelspolitischen Ausschuß, die Zusatzabkommen zu den Handelsverträgen werden dem Auswärtigen Ausschuß überwiesen. Dienstag: Das Ministerpensionsgeseh. Kimbrisches Märchen. Von Robert Seih. In dem Walde Dragaholm wohnte einst der gute Zwerg Alfur. Dessen ganze Freude waren achtun».vierzig Fliegenpilze, und er hegte und pflegte sie. Eines Tages mußte er zu seinem Schrecken feststellen, daß der fünfunddreißigste Fliegenpilz über Rächt verschwunden war. Darüber war er sehr traurig, sah auf seinem Daum- stumm und überlegte hin und her, wo dieser fünfunddreißigste Fliegenpilz geblieben sein konnte. Da kam der Rabe Hathumot des Weges und stellte sich sehr bekümmert über die traurige Rach- richt des Zwerges. Innerlich aber freute er sich, Denn er konnte die Fliegenpilze nicht leiden, weil sie sich einen bunten Hut aufgesetzt hatten, und er liebte nur das, was schwarz war wie sein Gefieder. Sein Schnabel aber redete anders als sein Herz dachte, und Hathumot sagte, daß den Dieb eine böse Strafe treffen müßte. Der gut» mutige Zwerg jedoch hatte gegen niemanden Verdacht, aber der Rabe räusperte sich bedeutungsvoll, als könnte er dem Armen einen Fingerzeig geben. „Ich würde dir gern den Missetäter nennen, aber ich fürchte, daß die Sache übel auslaufen könnte." Run drang der Zwerg mit beweglichen Worten in Hathumot und schwor, daß er den Räuber nur gütlich verwarnen wollte, Dmnit der für die Zukunft von seinem schänd- tichen^Tun lassen würde. Da nannte der Rabe Das Wildschwein Baddo, denn er hatte einen großen Aerger auf das Wildschwein, weil es ihm die besten Trüffeln vor der Rase wegfraß. Das Wildschwein Baddo war aber ganz unschuldig, und daher wurde es grob, als der Zwerg mit seiner Anklage kam, und sie zankten sich. Der gute Zwerg Alfur ging also trübselig nach Hause und der Rabe zuckte die Flügel. Am nächsten Tage aber geriet das Wildschwein Baddo nachträglich über den fälschen Verdacht so in Zorn, daß es hinlief und alle Fliegenpilze cntzweitrampelte. Da schwand alle Güte aus AlfurS Gesicht und er gab sich das Versprechen, daß er nicht eher ruhen würde, als bis er den Tod seiner Fliegenpilze gerächt hätte. Gr bat den Raben | Das Abkommen Wer die chemischen Eisenbahnen. Llebereinkunst zwischen Aotschafierkonferenz und Reichsregierung. Berlin, 16. Dez. (WTB.) Die Reichsregierung hat mit der Botschasterkonferenz in Paris durch Rotenwechsel zwischen der deutschen Botschaft in Paris und dem Präsidenten der Bot- schasterkonferenz ein Abtommen über die rheinischen Eisenbahnen getroffen. Bei den Verein- Larungen handelt es sich um zwei Fragenkomplexe: l. Art. 43 des Vertrages von Versailles schreibt vor, daß Deutschland links des Rheines und bis 50 Kilometer rechts des Rheines die Beibehaltung aller materiellen Vorbereitungen für eine Mobilmachung untersagt ist. Hieraus folg:rte die Bolschafterkonserenz auch die Befugnis, einen be st im menden Einfluß auf alle Eisenbahnanlagen in der demilitarisierten Zone auszuüben. Bereits in einer Rote vom Jahre 1922 war gefordert, daß eine Anzahl von Eisenbahnanlagen zer- stört, andere im Dau b fEndliche nicht weitergebaut werden sollten. Die Fragen sind bis zu den Verhandlungen mit der Botschafter- konfcrenz im Juli dieses Jahres offen geblieben. In den jetzt veröffentlichten Roten ist nunmehr folgendes Ergebnis festgelegt worden: 1. Verlangt wurde u. a. der Abbau einer Reihe von Gleisen auf zweigleisigen Strecke i. Zugestanden ist der Abbau eines Gleises auf Teilstrecken. Die gesamten übrigen Strecken bleiben zweigleisig. Auf den künftig eingleisigen älnterabschnitlen wird der dort bestehende geringe Verkehr, selbst im Falle erheblicher Steigerung, ohne jede Schwierigkeit bewältigt werden. Verlangt wurde ferner die Beseitigung aller Dcr- binoungs- und Anschlußkurven an die Rhein- brücken bei Remagen und Rüdesheim. Zugestan- den wurde nur die Beseitigung einer für den öffentlichen Verkehr bedeutimgs o.en direkten Verbindung der Rheinbrücke bei Remagen mit der Ahrtalbahn. Alle übrigen Kurven bleiben erhalten. Schließlich wurde die Zerstörung von 78 ehemaligen Militärrampen verlangt. Hier ist der Abbau von drei Rampen und die Verkürzung von 11 Rampen zugesagt worden. Die drei für militärische Zwecke angelegten Rampen waren ohnehin wirtschaftlich nicht ausnuhbar: die elf Rampen behalten auch nach der Verkürzung noch eine Ausdehnung, die für die Befriedigung der Bedürfnisse des öffentlichen Verkehrs durchaus genügt. 2. Die Botschaftertonferenz hatte ferner auf Grund ihrer Auslegung des Art. 43 die Unterlassung des Weiterbaues u. a. folgender Strecken verlangt: Zwei- gleisige Strecke Hamborn — Geldern; drittes und viertes Gleis der Strecke Düren — Köln; drittes und viertes Gleis der Strecke Trier — Koblenz; ferner die Unterlassung des Baues weiterer Eisenbahnbrücken über den Rhein. Durch die Vereinbarungen ist zugestanden, daß die Strecken Düren—Köln und Trier—Koblenz während der nächsten zwölf Jahre nicht oiergleisig ausgebaut werden. Ferner ist zugestanden die Unterlassung des Baues weiterer Eisenbahnschienenstränge über den Rhein für die nächsten zwölf Jahre mck ausdrücklicher Ausnahme der tünftigen Anlage eines zweiten Gleises bei Maxau und einer zweigleisigen Linie bei K ö l n. Die bewilligten Einschränkungen bewirten keinerlei Beeinträchtigungen des bestehenden und für die nächsten zwölf Jahre zu erwartenden Verkehrs. Wenn die Botschafterkonfe- rcnz sich ihre Rechte aus Art. 43 des Vertrages von Versailles vorbehält, bedeutet dies nicht, daß die Reichsregierung verpflichtet ist, vor Errichtung irgendeiner Bahnanlage in der demilitarisierten Zone die Genehmigung der Botschafter- konferenz einzuholen. Deutschland ist vielmehr in der demilitarisierten Zone genau so wie im übrigen Reichsgebiet berechtigt, Eisenbahnbauten zu wirtschaftlichen Zwecken oorzunehmen. Wenn die Botschafterkonferenz je beabsichtigen sollte, gegen einen bestimmten Bau auf Grund von Art. 43 Einspruch zu erheben, würde es ihr obliegen, nach- a u tu e i f e n, daß die betreffende Anlage nicht wirtschaftlichen Zwecken dient, sondern eine Mobil- machungsvorbereitung darstellt. II. Rach dem Rheinlandabiommen (Ordonnanz 282) sind alle Bahn bauten im besetzten Gebiet vor Inangriffnahme der Besatzungsbchö'rde (Interalliierte Feldeisenbahnkommission) zu unterbreiten, die d i e Genehmigung verweigert, wenn sie eine Gefährdung der Sicherheit der Besatzungstruppen als vorliegend erachtet. Durch die Verhandlungen im Juli-August d. I. ist erreicht worden, daß die Bauten, denen die Besatzungsbehörden bisher Widerstand entgegengesetzt hatten, nunmehr aus» geführt werden können. Hierzu gehören auch die drei Rheinbrücken. sehen sich aber die entscheidenden Führer bei Zentrums für Liese Steuer, deren nähere Einzelheiten erst im Rahmen der großen Finanzdebatte geklärt werden sollen, ein, wodurch zwischen den beiden Parteien, die seit etwa zwei Jahren in einer engeren Arbeitsgemeinschaft stehen, und auch weltanschaulich sich nahe verwandt sind, eine ungewöhnliche Spannung entstanden ist. Der Volksentscheid. Die Zahl der Abstimmungsstellen. Berlin, 16. Dez. (WB.) Der Reichs, ausschuh für das deutsche Volksbegehren hat sich bei dem Reichsminister des Innern beschwert, daß in einzelnen Ländern die Absicht bestehe, bei dem bevorstehenden Volksentscheid eine geringere Zahl von Ab- st imm ungs stelle n einzurich.ten als dies beim Volksentscheid über die Fürstenenteignung der FaU war. Der Reichsausschuß beruft sich in seinem Beschwerdcschreiben auf die Reichsverfassung und auf den § 38 der Reichsstimmordnung. Der Reichsinnenmini st er hat das De- schwerdeschreiben des Reichsausschusses sofort beantwortet und darauf hingewiesen, daß der § 38 der Reichsstimmordnung am 5. Dezember d. I. durch Reichsratsbeschluß dahin abgeändert wurde, daß in Gemeinden mit voraussichtlich auhergewöhnlich geringer Beteiligung der Stimmberechtigten die Stimmbezirke auch mit einer größeren Einwohnerzahl als 2500 gebildet werden können. In dem Antwortschreiben des Reichsinnenministers heißt es u. a.: Die Einwohnerzahl eines Stimmbezirkes dürfe nicht so gering sein, daß sich die Abstimmung der einzelnen Stimmberechtigten ermitteln lasse. Von einzelnen Landesregierungen und großen Stadtverwaltungen fei darauf hingewiesen worben, daß bei Einhaltung der Regelvorschrift von nicht mehr als 2500 Personen für den einzelnen Stimmbezirk das Abstimmungsgeheim- nis nicht gewährleistet werden könne, weil die Stimmbeteiligung in vielen Gemeinden voraussichtlich sehr gering sein wird. Diesen Einwendungen habe der Reichsminister des Innern stattgegeben und daher mit Zustimmung des Reichsrates die vom Reichsausschuh angefochtene Verordnung herausgegeben. Neuer Milliardenkredit 45 Millionen Znlandkredit für Berlin. Erhöhung der Wcrkstarife. Berlin, 16. Dez. (WTB.) Da mit einer Genehmigung des amerikanischen 15-Million en-Dollar-Kredites durch die Beratungsstelle infolge des entschiedenen WiderspruchesdesReichsbankpräsi- denten nicht mehr $ u rechnen ist, hat der Berliner Magistrat inzwischen Verhandlungen mit anderen in Betracht kommenden Stellen sowie mit den Reichs- und Staatsbehörden über die Aufnahme eines anderweitigen Kredites geführt. Die Verhandlungen hatten das Ergebnis, daß der Stadt dieMittel fürden notwendigen Bedarf im Dezember zur Verfügung gestellt werden. Dieser kurzfristige Kredit ist nach dem Verlangen der Aufsichtsbehörde baldigst zu tilgen. Zu diesem Zweck legt die Stadt einen Fonds an, in den sie allmonatlich 5 Millionen Mark aus erhöhten Abgaben der städtischen Werke und Betriebe ein» schiebt. Der V e r k e h r s t a r i f wird von 20 auf 25 Pfennig, der Elektrizitätstarif von 16 auf 20 Pfennig, der Wassertarif von 15 auf 20 Pfennig, der Gastarif von 16 auf 18 Pfennig erhöht. Der Kredit für Berlin wird der Stadt von dem unter Führung der Seehandlung stehenden Preußenkonsortium gegeben, mit dem die Verhandlungen begonnen haben. Die Reichsbank nimmt nur eine Hilssstellung ein, indem sie unter Umständen zum Rediskont bereit ist. Wie hoch die Gelder sein werden, die Berlin erhält, Hathumot um Rat, und der war gern bei der Hand, ihm einen Kriegsplan zu entwerfen. „Du muht dir einen Speer schneiden und die Spitze in den Saft deiner zerstampften Fliegenpilze tauchen. Damit wird es dir ein Leichtes fein, dich von den ©etoalitäligleiten des Wildschweines ju befreien.“ Und er nannte dem Zwerg auch noch Ort und Stunde, wo er den Gegner am besten treffen könnte. Der Zwerg Alfur tat, wie ihm der Rabe Hathumot hieß und tötete das Wildschwein Baddo. Der Zwerg aber bekam Gewissensbisse wegen seiner Tat, und das Leben machte ihm keine Freude mehr. Da sagte der Rabe Hathumot zu ihm: „In Thuriland steht ein heiliger Baum. 3n dessen Zweigen wohnt die Vergessenheit. Wenn du dahin wanderst und dir ein Blatt von dem Baume brichst, könnte dir wohl Erlösung werden. Aber der Weg ist hart und gefahrvoll, und ich weiß nicht, ob du solcherlei Mühsal ertragen könntest." Da beschloß der gute Zwerg Alfur nach Thuri- land zu wandern, und er bat den Raben Hathu- mot, solange auf seine Wohnung achtzugeben, damit nicht Räuber darüber kämen. Der Rabe versprach das gern, denn er besaß nur ein toin- bigeS Rest und er hatte es schon lange auf Mfurs Haus abgesehen: „Ich will sogar noch ein Uebriges tun und mich an deinen Herd setzen, uamit ich deine Habe besser bewachen kann, denn ich habe ein großes Mitleid mit dir“ Der Zwerg war darüber gerührt und nahm unter vielen Dankesworten Abschied von dem Raben Hathumot. Er wanderte Jahre und Jahre, bis er zu dem heuigen Baum in Thuriland kam. Von den Mühen des Weges war er alt und grau geworden. Als er nun unter dem mächtigen Baume stand, sah er zu seinem Schrecken, daß er viel 3u klein war, um sich ein Blatt von den Zweigen zu pflücken. Da setzte er sich unter den Baum unö beklagte sein Los. Diele Jahre sah er dort und wartete darauf, daß der Baum ihm ein Blättchen herabwerfen würde. Aber keine Hoff- nung war vergebens. 3n dieser Zeit dachte der Zwerg Qrtfur viel über das Leben nach, und e5 erschien ihm nichtig und eitel. „Ich will nach Hause wandern,“ sagte er endlich, „denn ich habe des Raben Gefälligkeit schon viel zu lange in steht noch nicht fest. Berlins Verbindlichkeiten am 31. Dezember betragen etwa 60 Millionen Mark, also gerade so viel, wie der Amerikakredit hätte betragen sollen. Hiervon finb jedoch 40 Millionen kurzfristige Fälligkeiten, über deren Prolongation jetzt verhandelt werden soll. Werden sie verlängert, so vermindert sich der neue Kredit um denselben Betrag. Auch über die Zinshöhe ist noch keine Abmachung getroffen. In Frage kommt ein Betrag von etwa 45 Millionen Mark, also rund 15 Millionen weniger, als die Stadt Berlin erhalten hätte, wenn die Beratungsstelle dem Amerikakredit zugestimmt hätte. 5lm disBayerischeVolkspartei. Widerstand gegen die Biersteuercrhöhung. München, 16. Dez. (WB.) Zur Abstimmung über die Vertrauensformel im Reichstag äußert sich die Baherische Volkspartei-Korrespondenz dahin: Die Stimmenthaltung der Bayerischen Dolkspartei im Reichstag ist die sichtbare Einleitung eines Loslösung s p r o z e s s e s von der Regierung und der Regierungskoalition. Wenn es in der bisherigen Regierungskoalition Parteien gibt, die Wert auf Zusammenarbeit mit ber Bayerischen Dolkspartei legen und im Interesse der deutschen Politik nicht für förderlich halten, wenn in Bayern eine verzweifelte Stimmung einreißt, dann ist jetzt die letzte Gelegene 6eit gekommen, der Deichsfinanzpolitik ein für Bayern erfreuliches Gesicht zu geben. Die Biersteuererhöhung, die rund 180 Millionen einbringen soll, hat bei der Bayerischen Volispartei eine Ablehnung erfahren. Dagegen Anspruch genommen." älnd er machte sich auf den Heimweg. 2lls er nach Hause kam, saß der Rabe Hathumot vor des Zwerges Haus. Er hatte sich ausgeplustert in der Sonne unö sah dick und behaglich aus, denn die Vorräte des guten Alfur waren ihm wohlbekommen. Er sah den Zwerg dreist und herausfordernd an und fragte nach seinem Begehr. „Kennst du mich nicht mehr?" enttoortete dieser, „ich bin hoch der Zwerg Alfur. Ich war l ei dem heiligen Daum in Thuriland, und unter leinen Zweigen kam mir die Erkenntnis von der Richtigkeit alles irdischen Seins." Der Rabe Hathumot aber tat, als wäre ihm Alfur fremd und sagte: „Der Zwerg, von dem du sprichst, hatte einen schönen blonden Bart und ein frisches rotes Gesicht. Hier ober sehe ich einen dürren Greis vor mir. Du kannst unmöglich der Zwerg Alfur fein.“ Da war der Zwerg zuerst betrübt und Dann wurde er zornig, denn er erkannte die Tücke des Raben. „Du bist also auch ein Lügner," kreischte Hathumot und setzte sich breit vor den Eingang des Hauses. „Hast du mir nicht soeben von deiner großen Erkenntnis unter dem heiligen Daum in Thuriland vorgeschwatzt unö gerätst so schnell in Zorn, um einen ehrbaren Raben mit List von seinem Eigentum zu jagen. Sollte es dir Graukopf nicht besser anstehen, Deine Worte in die Tat umzusehen und in Frieden und Freundschaft des Weges zu ziehen?" Da beugte sich der Zwerg Alfur vor dieser Zurechtweisung, entschuldigte sich und trottete davon. Unö er wandte sich von der Welt ab und lebte als Einsiedler zwischen Bilsenkraut. Philipp Wolfrum, zum 75. Geburtstag. Am 17. Dezember hätten wir Philipp W o l f r u m , dem bedeutenden Kirchenmusiker und Musikhistoriker, zum 75. Geburtstage alles Gute und Schöne gewünscht. Der Tod nahm ihm Buch und Griffel und ließ uns sein universales Werk zurück. Drdentt man den raschen Aufstieg des jungen Musillehrers zum Organisten und akademischen Musikdirektor in Heidelberg, der da noch mit 37 Jahren in Leipzig mit einer kirchenmusikalifchen Arbeit promovierte und sieben Jahre später zum Professor für Musikwissenschaft in Heidewerg ernannt für Frankreichs Rüstung. Die Verteidigung der Grenze. P a r^s, 16. Dez. (WTB.) Die Regierung hat in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, der Kredite^ in Höhe von 290 Millionen Francs für die Verteidigung der französischen Grenze und von 400 Millionen Francs für die Verteidigung durch die Luftwaffe fordert, die der Kriegsminister in Den Haushaltsjahren 1930 bis 1934 zu benutzen ermächtigt werden soll. In der Begründung wird erklärt, um das Land vor einem eventuellen Einfall zu schützen, sei es uncrläs ! ch, Verteidigungsanlagen zu errichten und für Waffen unö Muni- tion zu sorgen, damit ziffernmäßig beschränkte Truppen das Dorrücken einer feindlichen Truppe aufhalten können. Die Regierung beantragt daher, daß zuzüglich der bereits bewilligten Kredite ein weiterer Kredit in Höhe von einer Milliarde Francs aus dem allgemeinen Budget für 1929 für Heeresausgaben bewilligt wird, und zwar für Artillerie 250 Millionen, für Pioniertruppen 750 Millionen. Aus aller Wett. Großer Fabrikbrand in Bingen. Bingen, 17. De;. (WTB. Funkspruch.) heule früh gegen 3 Uhr brach in der 6 a r l G r a f f f ch e n Tabakwarenfabrik Feuer aus. 3n kurzer Zeit stand ter ganze Gebäudekomplex, der sich über I eine Straßenfront von 200 Bietern erstreckt, in Flammen. Als die Ortsfeuerwehr eintraf, war eine Rettung dec brennenden Gebäude schon unmöglich, I wurde, so dürfen wir ihn zu den bedeutenden Persönlichkeiten rechnen. Das Dachsche Ethos ließ I er durch seine Aufführungen klingen. Reben Orgelwerken, die im Schatten feines Freundes Max Reger verschwanden, kennen wir Chorwerke, Lieder, Kammermusik und Orchesterstücke. Bedeutend sind seine schriftstellerischen Arbeiten. „Luther und die Musik“, „Luther unö Dach" prägen seinen kirchenmusikalischen Sinn. Sein Eintreten für Die musica sacra, ihren tieferen Wert und ihre Ausgestaltung, wirkt noch heute nach. K.V. Uraufführung in Frankfurt. 3m Frankfurtsr Schauspielhaus wurde am vergangenen Samstag Alexei Tol- st o i s „Komödie der Verjüngung" in Der Uraufführung herausgebracht. Das Stück schildert in etwas abenteuerlicher Weise bald tragisch, bald komisch Die Che einer alternden grau, die durch eine Derjüngungsmcthode der Jugend zurückgegeben wird, und die dann in einer Filmszene ihre Erfahrungen unter eigener Mitwirkung und der Mitwirkung derselben Personen, die in ihrem Leben wirklich eine Roll» gespielt haben, kurbeln laßt. Regie und Darstellung standen auf gutem Riveau, und machten dem Pub ikum den bizarren Einfall des Autors fchmau.^aft, so daß Der Beifall stark war. Das Stück ist in seinem ersten Teil voll von Satire über Die ZustänDe in der Sowjetunion. Hochschulnachrichten. Professor Dr. Albrecht Götze in Heidelberg hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der semitischen Philologie an der Universität Marburg als Nachfolger von Professor B. Landsberger angenommen. — Der durch das Ableben des Professors R. Lorenz an der Universität Frankfurt a. M. erledigte Lehrstuhl der physikalischen Chemie ist dem nichtbeamteten a. o. Professor Dr. Karl Friedrich Bonhoesfer in Berlin angeboten worden. — Der Daudirektor Der Stadt Köln, Adolf A b e l, ist als Nachfolger des Geheimen Baurats Professor Dr.-Ing. h. c. Theodor Fischer vom 1. Mai 1930 an zum ordentlichen Professor für Baukunst an Der Technischen Hochschule in München ernannt worDen. Abel ist Der Schöpfer Der neuen Kölner Ausstellungsbauten- f L'tzL' scheid, '‘"’Ssfttllei, 3,i*ii?6° L W AG " Mlii* | »a» 3,. । ft bQ6 der 8 zz ?' Dezember b ? ' '^bgeänder, I r D?7°us!ich>li r Ompitkn toot« - Aegelvoi,chrP von J ,ur wn einzelm ? ^ngsgeheim- e, beiden könne ’ 1 v^len Tememden \toirb. Sielen Eüi, Mtt des Innern 1 Zustimmung tzes ^sschuh angesoch. ben. hfreW Rüstung. 7 Sm,je. >■ Sie Aegierung hat ' itoutf eingebiuchi, I 90 Millionen " g der französischen | tonen Francs Luswasse fordert, I n Haushaltsiahren | emächtigi werden | rd erilätt, um das | teilen Ginfall I ch, Lerleidigungs- > Waffen und Muni- I nmähig belchränkli 1- einer feind- y ‘en lönnen. Sic >ast zuzüglich der ein weiterer lter Milliarde । in Dudget für IW ,t wird, und M für PivniertruW ; Seit ) in Bingen. . Aunkfpruch.) h">r ßarlSrüfffch" uet aus. 3n W L komplex, der fich ikr Mlern erftredl, « ehr einlraf, rvar et« iubj^”-’ uÄÄ" ,?£«"*» ■JSKä «rchrsterstuck. -KE Sollet jronffuH. ^bracht- A bolb erlicher y^ett W ^ chode dtt *Ä> ,n I, und Ute et MÄ r°"> t».£* L ®«' vjetunion- richten- ,e in ^ c l 2(f)rl^ uf aul Wninl »'Ätoi'i'** Äft -»yy teilte Ig#«" da das Feuer in den vorhandenen Vorräten reiche Nahrung sand. Vie eiligst nach der Brandstätte entsandten auswärtigen Feuerwehren von Rüdeshelm, Bingerbrück. Kempten und Mainz muhten sich aus den Schuh der anschliehendcn Häuser beschränken, die durch Funkenflug und die grohe hihc stark gefährdet waren. Gegen 6* Uhr stürzte der Hintere Teil des etwa 30 Meter hohen Fabrikturmes nach einer Explosion zusammen. Gegen 7 Uhr wütete der Brand noch weiter, doch ist die Hauptgefahr beseitigt. Der Wert des Fabrikgebäudes einschließlich des Inventars wird auf zwei Millionen Mark geschäht. Der Betrieb beschäftigte etwa 600 Arbeiter. Der In Eger Festgenommene ist nicht der Düsseldorfer Mörder. 3n der Pressekonferenz im Düsseldorfer Polizeipräsidium wurde mitgeteilt. dah der in Cger fest- genommene 2osef Mayer tschechischer Staatsangehöriger ist. 3m Jahre 1921 wurde er durch Regierungsverfügung wegen verschiedener Eigentumsdelikte aus Deutschland ausgewiesen. 3m 3uli 1929 hielt er sich wieder in Düsseldorf-Rcisholz auf. Er hat zu verschiedenen Zeiten und zur Zeit des Mordes an der 3da Reuter bestimmt inEger im Gast- haus zum Hirschehen gewohnt. 3m September und Oktober, in welcher Zeit die ersten Mordtaten verübt worden waren, hat er auch verschiedentlich daselbst gewohnt. 3n den Zwischenzeiten, in denen er nicht dort gewohnt hatte, hätte er nicht nach Düsseldorf gelangen können, da ihm die Geldmittel dazu nicht zur Verfügung standen. Zu Fuß oder zu Rad konnte er in dieser kurzen Zeit den Weg nicht gemacht haben. Bei der schon erwähnten Skizze, die bei ihm gefunden wurde, handelt es sich um eine einfache Geländeskizze, die in keinem Zusammenhang mit den Düsseldorfer Mordtaten steht. Auch paßt die Beschrei- bung, die die Polizei von dem Mörder hat, nicht auf ihn. Der Mörder soll höchstens bis zu 1,70 Meter groß sein, während Mayer über 1.80 Meter ist. Er kommt also aller Wahrscheinlichkeit nach als Täter nicht in Betracht. Bisher hat sich auch noch niemand gemeldet, der ihn in der Stinter Mühle am 11. August photographiert hat. Hocker-Revolte in Gotha. Als die zur Auffüllung des Gothaer Stadtsäckels einge.ührte Hockersteuer um 1/81 Uhr in der letzten Rächt zum erstenmal erhoben werden sollte, kam es zu einem förmlichen Aufruhr. Als Protest schlossen um diese Zeit sämtliche Lokale ihre Pforten, und wie auf ein Alarmzeichen sammelten sich die dadurch zwangsläufig an die ?ühle Luft beförderten Gä.ie in den Straßen. Lärmend und singend zog man nach der Wohnung des Oberbürger m ei st er s, die ober schleunigst durch Herbeiziehung der Polizei geschützt wurde. Die Polizei drängte die Menge in die Anlagen am Marstals. Hier versuchte nun der Oberbürgermeister Dr. Scheffler von einem Gartenzaun herab den aufgeregten Geistern die Berechtigung der Hockersteuer- Berordnung klar zu machen. Höhnisches Gelächter rind Pfeifen waren die Antwort. Die Polizei schritt schließlich zu vielen Verhaftungen. Die Stadtverwaltung hat sofort dem Stadtrat infolge des allgemeinen Widerstandes gegen die Hocker- sieuer die vorläufige Außertraftsetzung ier Verordnung anheimgegeben. Drei Todesopfer eines Wirlshaussireikes. In der Wirtschaft Wagner in Oberhausen kam es in der Nacht zum einem Streit, der drei Menschen- (744); — 1844: der Volkswirt Lujo Brentano in Aschaffenburg geboren. Gießener Wocheumarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 210 bis 220; Malte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 15 bis 20; Weißkraut 10 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 25 bis 35; Sinter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 45; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 50 bis 80; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 50 bis 80; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 4V2 bis 5; Aepsel 10 bis 15; Birnen 10 bis 15; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Gänse 100 bis 130; Äüsse 50 bis 80; das Stück: Tauben 70 bis 90; Blumenkohl 50 bis 80; Endivien 10 bis 40; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 40; Kisteneier 17 bis 18; frische Landeier 19 bis 20 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3,80 bis 4; Wirsing 10 bis 12; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 10 bis 12; Aepfel 10 bis 12; Dirnen 8 bis 10 Mark. Bornotizen. — TageskalenderfürDienslag. Stadttheater: „Der „Veilchenfresser". 20 bis 22.30 Uhr. — Evangelifalionsvorlräge (Straßenmissionar Wind- gaffe spricht), 20.15 Uhr, im „Postkeller". — Theologische Fachschaft Gießen: Dortrag (mit Lichtbildern): „Hessische Bauern an der Wolga und der Bolschewismus" von Pfarrer Wagner (Bensheim), 20.15 Uhr, im Großen Hörsaal der Universität. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Jacht der sieben Sün- den" und „Grand Hotel"!" — Astotia-Lichlspiele: „Vorsicht! Zwangsjacke!" und „Ein schwerer Fall". — Aus dem Stadtthealerbureau wird uns geschrieben: Die heutige Vorstellung „Der Veilchenfresser" beginnt um 20 ilfjr. — Mittwoch, 18. Dezember, 19.30 Tlhr zum letzten Male „Die lustige Witwe" von Lehar. — Freitag, 20. Dezember, 20 älhr. wird die 3nszenir° rurg „Die Troerinnen" (Werfel) des 3nten- banlen Dr. Prasch zum letztenmal gespielt. — Sonntag, 22. Dezember, nachmittags „Das tapfere Schneiderlein", Beginn 15 ilfjr; um 19 ilhr zum letzten Male „Seribbys Suppen sind die besten". — Orlrers neuestes Stück „Tobias Wunderlich", dramatische Legende in drei Alten, wird am Mittwoch, 25. Dezember, (1. Weihnachtstag) 19.30 ilfjr erftauf geführt. Spielleitung: Oberfpielleilcr Hans T a n ne r t. — Das nächste Operellengaslsb'.el „Die lustige Witwe" (zum letztenmal) am Mittwoch, 13. Dezember, 19.30 llhr. RDV. Fahrkarten für die Weihnacht s r e i s e ! Wer zu Weihnachten eine Reise unternehmen will, denke daran, sich rechtzeitig Fahrkarten zu kaufen. Der Weihnachls- reiseverkehr wird allem Anschein nach recht stark werden, daher empfiehlt es sich, auch einePl ah- karte für den D-3ug zu kaufen; sie ist drei Tage vor dem Reisetag erhältlich und kostet 1 Mk. in der 2. Klasse und 50 Ps. in der 3. Klasse. Schlafwagenplätze muß man sich ebenfalls zeitig besorgen, denn diese sind für die längeren Strecken stets besonders begehrt. Die Vorverkaufsfrisl im Reisebureau beträgt 23 Tage. Wintersportgeräte kann man seit 1. Dezember im Bereich von 250 Kilometer in sehr bequemer Weise auf Fahrradkarten im Packwagen befördern lasten. Die Sonntagsrückfahrkarten gelten bereits zur Hinfahrt am 23. Dezember ab 12 ilhr mittags, ferner am 24. Dezember und an den beiden Feiertagen. Die Rückfahrt kann am 25. oder 26. Dezember, ferner am 27. Dezember bis 9 ilhr morgens angetreten werden. Am 23. und 24. Dezember gelten sie nicht zur Rückfahrt. ** Schadenfeuer. Gestern abend gegen 22.30 Uhr wurde die Feuerwache nach der Schreinerei von E. H. Müller in der Schillerslraße gerufen, wo durch einen Heizapparat ein Teil des Fußbodens und eine Hobelbank in Brand geraten waren. Mit einigen Eimern Wasser war die Gefahr alsbald beseitigt. Heute früh gegen 43 Uhr mußte die Feuerwehr erneut nach der Schreinerei van Müller ausrücken, da dort durch Jlugfeuer bei dem vorhergegangenen Brande drr auf dem Gebälk liegende Hvlzstaub in Brand geraten war, der bereits einen Durchzug nach dem Dachstuhl ergriffen hatte. Auch hier konnte nach kurzer Löscharbeit jeg, liche Gefahr beseitigt werden. Der Brandschaden ist zum Glück nicht allzu erheblich. Der Schreincreibe- tricb erleidet keinerlei Störung. •* (Sin Unfug ft i ft er am Feuermelder konnte in der Samslagnacht von der Polizei auf frischer Tat erwischt werden. Der Hebel- tätet hatte schon kurz vor seiner Feststellung aus Schabernack einen anderen Feuermelder gezogen. Wegen des doppelten „Vergnügens" dieser Rächt wiro er sich nun vor dem Strafrichter zu verantworten haben, der ihm hoffentlich einen gehörigen Denkzettel geben wird. •• Der ® emelnbebereln d.er Lu? a -4 gemeinde veranstaltete am vorigen Freitag einen Familienabend, der wesentlich der Kirchenmusik gewidmet war. Gerichtsreferendar Robert Harnisch hielt einen interessanten Vortrag über „Die Pflege der Kirchenmusik von der Reformation bis zu Johann Sebastian Bach". Der Vortragende, der in den Geist der evangelischen Kirchenmusik tief eingedrungen ist, entwickelte ein anschauliches Bild von den kirchenmusikalischen Bestrebungen im 16., 17. und 18. Jahrhundert, besonders verweilte er bei Bach, dessen Größe er vor den Zuhörern lebendig aufsteigen ließ. Der neugegründete „Verein für christliche Musik", dessen Vorsitzender Werkmeister Bartholomäus ist, brachte verschiedene Musikstücke, darunter Adventslieder, zum Vortrag. Die 14 Mitglieder dieses Vereins zeigten, daß sie über bedeutendes musikalisches Können verfügen. Den Bestrebungen des Vereins, der sich die Pflege der Kirchenmusik in unserer Stadt zum Ziele gesetzt hat, wird man sicherlich hier allseitiges Interesse entgegenbringen. Geplant ist eine Vereinigung, die die Bestrebungen dieses Vereins fördern und unterstützen soll. Berliner Börse. Berlin, 17. Dez. (WTB. Funkspruch.) Obwohl die Kreditverhandlungen des Reiches und der Stadt Berlin langsam weiter zu kommen scheinen, liegt auch der heutige Frühverkehr ge° fchästslos. Das schwache Reuyork von gestern wirkt eher verstimmend und man rechnet mit leichten Kursrückgängen. Oie Wetterlaqe. 5 ■RörUi Moerdfl 3 - — >~5eydl5fiord- Montaa, t 16.bezemt?.naib Dtdes22'/,U.- 12.Mittlv0lv-AV.-vsr. Zum letzten ’JJiaie Die luiihe Wlive Cvcrcitc m 3 Akten von Btktor L^on und Leo Stet«. MustlvonSr.LehLr. Waschbare Damenbinden oder / CameUa-Hartmann-Binden \ sowie sämtliche Artikel für die Hygiene der Frau Bettstoffe, sämtliche Gummiwaren, Gummistrümpte, Leibbinden Ständige Damenbedienung! j \ Drogerie Wlnlerhofl / Abteilung Hjtiene Drucksachen aller Art XÄrtJ'Ä Srübl'stbe Univerfilats-VrvckrrLi. H. Lange. Gießen. Sdtulftt. 7 Trauringe in jedem Goldfeingehalt Carl Brück Juwelier, Gießen, Kreuzplatz S 10171D Rutzholzverkauf. 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Wir beabsichtigen bei Eintritt von Frostwetter die in Kellern und ähnlichen Rau- men vorhandenen Schnaken durch Ausbrennen mittels Spiritusfackeln zu beseitigen. 10016C An alle Bewohner der Stadt Gießen ergeht die Bitte, im Interesse der allgemeinen Volkswohlfahrt die Schnakenbekämpfung dadurch zu unterstützen, daß den mit der Durchführung dieser Aufgabe beauftragten Personen das Betreten der hierfür in Frage kommenden Räume gestattet wird. Gießen, den 14. Dezember 1929. Städtisches Tiefbauamt: Braubach. Verkäufe | :• ch aizimrnei* ?chl eiche, funi- mit 3tetl. L pieaelfchrank, '.Uff.350.-, Pitch-Pine- Kttche, Mk. 250.-, nuübnuniöol.Klav er l gr. Splegelscnrank, Chaiselongue billig zu verk. Schr. Ang. u. 08051 a. d. Gß.Anz. Die für den Umbau des Postgebäudes an der Bahnhofstraße in Gießen erforderlichen Maurerarbeiten sollen vergeben werden. Bedingungen nebst Preisverzeichnissen und Zeichnungen liegen beim Postamt in Gießen, 2. Geschoß, Zimmer 7 (Baustelle) zur Einsicht aus und können dort mit Ausnahme der Zeichnungen, solange der Vorrat reicht, unentgelllid) bezogen werden. Die Angebote sind verschlossen und mit der Aufschrift: 10315D „Angebot auf Ausführung der Maurerarbeiten im Postamt in Gießen" versehen bis Montag, den 30. Dezember 1929, an die Oberpostdirektion in Frankfurt (Main), Zimmer 340a, postfrei einzu- senden. Die Eröffnung der Angebote erfolgt in Gegenwart etwa erschienener Bieter um 11 Uhr. Falls keines der Angebote für annehmbar befunden wird, bleibt die Ablehnung sämtlicher Angebote Vorbehalten. Frankfurt (Main), 17. Dezember 1929. Die Bauleitung. Zehn neue Wasch-Körbe fomie zwei große Schlafzimmer - Bilder und einige kleine Bilder billigst zu verk. ,u3n,D A. Ldnckcr, Bahuspediieur. Gut erhaltener SW« sowie Kostüme und Kleider vretSwert zu verkaufen. Wo? sagt die Gefchäilsst. des 40 Ztr. Mist zu verkaufen. 08065 £>. 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Im Speisesaal dieses Hotels fitzt am selben Abend Annemarie Lesser. Im Fremdenbuch des Hotels ist dieser Name nicht zu finden, dort steht ein französischer Name und Annemarie trägt einen französischen Paß bei sich, aus dem hervorgeht, daß sie aus Paris stammt. Durch den Speisesaal geht an diesem Abeyd Rens Austin, ein junger belgischer Leutnant, und als er an dein Tisch der Spionin vorbeigeht, fällt ein Glas klirrend zu Boden. Die junge, schöne Frau, die an dem Tisch sitzt, und in der niemand so leicht das junge Mädchen, das in den Vogesen dem Manöver folgte, wiedererkennen kann, stößt einen leichten Schrei aus. Sie hat sich in die Hand geschnitten, ein kleiner Tropfen Blut fällt auf das Tischtuch von gelbem Damast. Ren6 Austin, königlich belgischer Leutnant, ist wohlerzogen und chevalercsk. Er steht schnell an ihrer Seite und begleitet sie aus dem Speisesaal. Er beschafft ein wenig Watte, ein kleines Pflaster, und dann lacht man in zwei tiefen Sesseln in der Halle des Hotels. „Scherben bringen Glück!" sagt Rens Austin. „Hoffen wir es," lachte Annemarie Lesser. Scherben bringen Glück und vermitteln Bekanntschaften. Der junge Offizier erfährt, daß er eine junge Dame vor sich hat, die der Malerei ergeben, bis zum Sommer die großen Bilder in den vielen Museen der schönen belgisä^n Haupfftadt studieren und kopieren will. Man trifft sich im Musse Wiertz, man trifft sich aber auch im Bois de la Cambre. Man kommt sich näher und Rens Austin, dessen Dienst ihm manche freie Stunde übrig läßt, verschwindet nicht mehr von der Seite der schönen Frau. Diese Frau ist eine begeisterte Französin und eine fanatische Deutschenhasserin, Ihr Vater, der längst tot ist, war Offizier in der französischen Armee und hat seine Liebe für das Kriegshandwerk auf bie Tochter vererbt. Die ruhmreiche Armee, die große Armee der französischen Nation, das ist noch etwas! Und die belgische? „Oho!" protestiert Austin, „aber bitte, Mademoiselle, wir haben dies und jenes." Acht Tage lang ist sie plötzlich verschwunden. Der Offizier läuft traurig umher. Plötzlich ist sie wieder da, sie ist durch das Land gefahren, um zu zeichnen und zu malen. Sie zeigt ein paar hübsche Radierungen, Weidenkätzchen an einem Hügel, ein Boot auf einem Kanal, aber es gibt eine ganze Menge von Sachen, die sie dem Leutnant Rens Austin nicht zeigt. An ihre Adresse in Berlin geht eine ganze Kiste mit Oelgemälden ab, mal ist es ein Pferd auf einer Weide, mal ist es eine Windmühle und einmal ist es eine Waldlandschaft. Diestz Bilder kommen in die Hände des Herrn I. Matthesius, der völlig ohne Kunstverständnis die dicken Oelfarben von der Leinwand heninterkratzt und dann auf Zeichnungen stößt, die ihn viel mehr interessieren. Eines Mittags steht vor dem Hotel ein elegantes kleines Auto, zweisitzig, das modernste, was es gibt. 'Austin kann fahren, und Annemarie hat es gekauft. Sie will fahren, und das Land kennenlernen. Austin nimmt acht Tage Urlaub, und, verliebt bis über die Ohren, fährt er den Wagen der jungen Pariserin in das Land hinein. Kreuz und quer über den Uebungsplatz Beoerloo geht die Fahrt. Annemarie, als Tochter eines alten Offiziers, fragt dem Leutnant die Seele aus dem Leib. Man fährt wei- ler über die Forts der Festungen, man klettert durch Kasematten, zu denen der Offizier sich bei seinen Kameraden den Eingang leicht verschafft. Am sechsten Tag der Reise fährt man entlang der holländischen Grenze und auf der Chaussee gibt «s plötzlich eine kleine Panne. Austin arbeitet an dem Motor, Annemarie zieht ein kleines Notizbuch, nimmt ein Blatt heraus und sagt: „Wieviel Benzin haben wir verbraucht, wieviel Kilometer sind wir gefahren, ich will das mal aufschreiben." Das Erbe des Herrn von Nnstetien. Vornan von 3. Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister. Werdau i. Sa. 28. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Warum hast du es überhaupt getan?“ DaS Gesicht lag noch immer in den QIrm vergraben. „Bernd! — Das fragst du mich?“ „Der Kerl ist es ja gar nicht wert, Papa,“ stieß der Knabe heraus und tastete mit der Linken nach Llnstettens Hand. „Und die Mama?“ Anstetten erschrak, als Bernd jetzt das Gesicht von den Kissen aufhob. „Du bist doch mein großer Junge, Berndl Jeder Mann, der auf. seine Ehre hält, wird handeln, wie ich gehandelt habe. Solange die Mama meine Frau ist, kann ich nicht dulden, daß ein anderer die Finger nach ihr ausstreckt.“ Die Lider weit über die Augen gedeckt, lehnte der Knabe gegen die Schulter des Mannes, der ihm den Rücken stützte. „Wirst du dich jetzt scheiden lassen, Vater?“ „Rein, Bernd!“ „Aber später?" „Das fragst du zu früh, mein Junge. Keinesfalls vor deinem achtzehnten Geburtstag. Dis dorthin bist du dann ein gereifter Mann und hast weder die Mama noch mich mehr nötig. Wenn ich dich auf Anstetten geborgen weih, wird es mir leicht fein, wieder irgendwo unter» zutauchen und der Mutter den Weg frei zu machen." Und als er sah, daß die Hände Bernds sich ballten, mahnte er bittend: „Jeder hat ein Recht auf Glück, mein Kind. Wenn die Mama das ihre bei Oerhen zu finden hofft, will ich ihr kein Hindernis fein, aber solange deine Zukunft nicht gesichert ist, muh sie sich noch gedulden. Richt um meinet-, aber uni deinetwegen!“ „Ich will nicht ohne dich auf Anstetten sein, Papa! Du kannst es verkaufen. Mir ist es gleichgültig, wohin wir dann gehen. Rur das eine weih ich, daß ich bei dir bleiben werde.“ In dem Augenblick, in dem der Offizier mit der kleinen Reparatur fertig ist, will Annemarie Lesser das Blatt Papier wieder in das Büchlein stecken, aber eine ungeschickte Bewegung der Hand lägt das Blatt zur Erde fallen, der Wind faßt es und weht es fort, und Rens Austin, galant und gut erzogen, läuft hinterher, um es zu fassen. „Nein!" schreit Annemarie, „lassen Sie doch das Stück Papier," aber der Leutnant läuft gelassen hinter ihm her, das in kleinen Wirbeln über die Chaussee und über das Feld getrieben wird. Da läuft auch Annemarie los, vielleicht greift sie es doch zuerst. Das Papier weht in einen Graben, der Leutnant springt hinab, und dann dauert es einige Zeit, sie kann ihn nicht sehen, zwischen ihnen ist eine Hecke, er kommt noch immer nicht, schließlich tritt er auf die Chaussee und sogt, „das Papier ist in einen kleinen Tümpel gefallen, es ist fort". Er sagt nichts weiter. Die beiden steigen ins Auto. Der Leutnant gibt Gas. Der Wagen fegt über die Chaussee, Annemarie Lesser sieht von der Seite auf das Gesicht ihres Begleiters. Der Offizier beißt sich ununterbrochen auf die Lippen, er ist bleich und er redet nicht. Annemarie Lesser setzt sich zurecht. Sie hockt auf ihrem Sitz wie eine Katze, fert.g zum Sprung, fertig zum Kampf auf Tod und Leben. Der Offizier muß langsamer fahren, er nähert sich einem Dorf, und da in der Ortschaft, an der Wegkreuzung, auf dem Trottoir der Straße, vielleicht 100 Meter abwärts, steht ein Feldgendarm. Der Leutnant Rens Austin reißt die Bremse des Wagens an, daß sie knirscht. Annemarie Lesser sieht, daß sein Gesicht in dem Augenblick wutverzerrt ist und dann springt er aus dem Wagen. Er geht schnellen Schrittes geradeswegs auf den Gendarmen zu. „Hallo!" ruft er, „Wachtmeister, kommen Sie schnell her!" Da tritt Annemarie auf den Gashebel. Ihr anderer Fuß läßt die Kupplung los, den Gang hatte sie schon eingeschaltet, die rechte Hand hatte sie schon am Steuer, sie gleitet auf den Führersitz und der Wagen schießt davon. Er rast aus dem Dorf heraus, knarrend und fauchend im ersten Gang, Annemarie Lesser versteht es noch nicht, im Fahren einen andern Gang einzuschalten. An einem Waldrand gerät das Auto auf den Sommerweg. Annemarie Lesser reißt die Bremsen, trotzdem schlägt der Wagen gegen einen Baum. Die Frau springt heraus, das Auto, dessen Gang noch immer eingeschaltet ist, fährt weiter, fährt zur andern Seite der Straße, überschlägt sich im Graben, geht in Flammen auf. Annemarie hetzt durch den Wald. Sie läuft um ihr Leben, sie folgt einem schmalen Pfad, der sie bis an dos Ufer eines Kanals führt. Hier holt sie Atem. Sie sieht einen großen Lastkahn, der, getrieben von einem kleinen Motor, langsam über das Wasser gleitet. Sie reißt sich die Kleider herunter, schnürt sie zusammen, knüpft sie auf den Rücken und schwimmt durch das Wasser. Sie braucht nicht lange zu schwimmen, da saßt sie das tiefliegende Bord des Kahns. Sie schwingt sich hinauf, kriecht auf dem Schiff vorwärts, damit man sie vom Ufer nicht sehen kann und steht schließlich am Heck vor einem uralten holländischen Kahnschiffer, dem bei ihrem Anblick, wie sie naß und triefend und wenig bekleidet vor ihm steht, vor Schreck die Tonpfeife aus dem Mund fällt. Als Annemarie Atem geschöpft hat, beherrscht sie sofort die Situation. „Dreitausend Francs" sagt sie. „Hier bitte, hier sind die Scheine. Sie sind etwas naß, aber sonst noch ganz gut erhalten, die f» b für Sie, wenn Sie mich auf Ihrem Schiff über die holländische Grenze bringen. Sie müssen mich aber gut verstecken, denn die Grenzer sind hinter mir her, weil ich Diamanten geschmuggelt haben soll. Hier sind 1000 Francs als Anzahlung." Mewfrouw, die Schifferin, erschien aus der Kajüte auf den Ruf ihres Mannes. Nun ging alles sehr schnell. Unten im Kahn zwischen allen möglichen Waren wird eine Tür aufgeschlossen, die man nicht so leicht finden kann und der die Schmuggelei kein ganz fremder Begriff zu sein scheint. Es findet sich ein Raum, in den man schnell ein paar Decken und Kissen wirst, mit den nassen Kleidern zieht die Schif- fersfrau ab, es gibt sehr viel heißen Tee und es gibt sehr viel Herzklopfen, bis man endlich über die Grenze ist. Mewfrouw stand dabei, als der Schisser neben seinem Geld einen festen Kuß auf den Mund bekam. Rens Austin aber hat die Sache ins Rollen gebrockt. Der Gendarm und er wurden aufgehalten durch das brennende Auto, unter dem sie die Frau vermuteten. Erst nach geraumer Zeit, als sie nichts von ihr fanden und als sie sahen, daß ihre Annahme, sie sei unter dem umgeschlagenen Wagen verbrannt, falsch war, da alarmierten sie die nächstgelegene Feldjägereistation, die mit Pferden und Hunden erschien, aber inzwischen war ein Gewitter niedergegangen, man fand ihre Spur nicht mehr. In Brüssel aber legte der Leutnant den Zettel, der keineswegs im Tümpel verschwunden war, sondern den er sorgfältig in seiner Brieftasche verwahrt hatte, vor. Aut diesem Zettel standen genau, mit zierlichen Buchstaben und Zahlen ausgezeichnet, die Armierungen von zwei Forts, in denen man am letzten Tage gewesen war. Das Kaliber der Geschütze und ihre Reichweite waren peinlichst verzeichnet. In Hoek van Holland bestieg Annemarie das Schiff nach Dover. Mit ihren Notizen war I. Matthesius, mit dem sie sich in Amsterdam getroffen hatte, nach Berlin gefahren. Sie hatte sich oerän- tert. Ihre Haartracht war anders geworden, und sie trug eine Brille. In Jfle of Wight blieb sie einige Zeit, sie machte ausgedehnte Motorbootfahrten an der englischen Küste, immer mit ihrem Malgerät, und sie hatte, wenn sie beobachtet wurde, das exaltierte Wesen eines Malweibes angenommen. Plötzlich aber bekommt sie wieder, so wie schon einmal in dem Dorf bei Charleville, als Wynanky noch lebte, ein entsetzliches Angstgefühl. Mitten in ter Nacht steht sie in dem Zimmer ihres kleinen Dorfgasthauses auf, packt nur das Nötigste und dos Wichtigste ihrer Habe in eine Handtasche und tritt auf die Treppe hinaus. Langsam, lautlos, immer ihrem unerklärlichen Angstgefühl folgend, steigt sie die Treppe hinunter und steht schließlich im Erdgeschoß des Hauses. Aus der Gaststube hört sie gedämpfte Stimmen mehrerer Männer, sie hat es ja gewußt,, man spricht von ihr, sie ist verdächtig, Spionage an den Küstenplätzen getrieben zu haben, man wird sie gleich verhaften — Annemarie Lesser besteigt am Morgen den französischen Dampfer Dover—Calais. Sie weist sich an Bord mit einem Schweizer Paß aus un£ sie gelangt über Paris ohne Zwischenfall nach Berlin, während man auf allen englischen Schiffen, nachdem diese funkentelegraphisch benachrichtigt worden sind, nach ihr fahndet. In Berlin erfährt I. Matthesius, daß mittlerweile ter belgische Geheimdienst Hand in Hand mit dem englischen Dienst festgestellt hatte, daß die Spionin, die ihr Spiel mit Rens Austin trieb, und das Malweib an der englischen Küste miteinander identisch waren. Man gab ihr wegen ihrer Brille den Spitznamen „Mademoiselle docteur". I. Matthesius nahm ter Annemarie Lesser alle Pässe ab und warf ste ins Feuer. „Wir werten jetzt erst einmal auf unfern eigenen Namen nach Meran fahren, um uns etwas zu erholen. Ich fürchte allerdings — aber ich will Ihnen die Ruhe nidjt nehmen. Annemarie Lesser geht durch de Parkanlagen in Meran. Die Ereignisse der letzten Zeit, ihre Flucht an Bord des holländischen Schleppkahnes, ihr nächtlicher Fußmarsch, um auf ein französisches Schiff zu gelangen, all dies" Ereignisse zerren kaum mehr an ihren Nerven. Sie ist viel mit einem italienischen Iuwelenhändler zusammen, und es ist das erstemal seit Jahren, daß sie mit einem Manne des öfteren zusammen ist, ohne daran zu denken, wie sie aus ihm irgendwelche Geheimnisse militärischer Art herauslocken kann. Mitte Juli, es ist das Jahr 1914, erhält sie von Matthesius die Aufforderung, sofort nach Italien zu fahren. Ein Agent, ein früherer Pionieroffizier, ter seinen Sitz in Mailand hatte, hatte von Matthesius den Auftrag erhalten, sofort sestzustellen, ob und welche Erdarbeiten hauptsächlich an den Küsten in dem ganzen Lande neuerdings ausgeführt würden. Dem deutschen Agenten war zur Erfüllung seines Auftrages eine Frist von etwa einer Woche gesetzt. Der Mann telegraphierte chiffriert nach Berlin, daß „Ich danke dir, Bernd!" Hans Peter senkte den Kops auf dessen Scheitel. Der Betrug, den er an diesem Herzen beging, war ungeheuerlich. Das übernommene Erbe dr.ckte ihn mit Dergeslasten. In dieser Minute hatte er nichts als den sehnlichsten Wunsch, daß Oertzens Kugel etwas tiefer gesessen hätte. Dann wäre ihm alles, was noch kommen mochte, erspart geblieben. Bernds Frage, wo er von dem Grafen getroffen worden sei, beantwortete er mit einem kurzen Tippen der Finger auf die linke Brust» feite. „Und du hattest noch die Kraft, Vater, bis hierher zu kommen?“ Anstetten bejahte. Es war das beste, nichts davon zu erwähnen, daß Würz ihn halbwegs getragen und Qltab die Hand nicht von der Wunde genommen hatte, bis sie in der Hütte angekommen waren. Es dünkte ihm zuviel, das Gemüt Bernds mit Dingen zu belasten, die für alles menschliche Verstehen in undurchdringliche Rätsel gehüllt blieben. Keinem Europäer würde es je gelingen, diese Zusammenhänge zu erforschen. Es gab Dinge zwischen Himmel und Erde, die immer und ewig ein Geheimnis bleiben würden. „Vielleicht übernimmst du es, die Mama zu verständigen, daß ich noch am Leben bin,“ sagte er bittend. „Wenn ihr vielleicht auch eine andere Botschaft erwünschter gewesen wäre." „Vater!" Die Knabenaugen blickten ihn flehend an. „Ich will die Mama nicht verteidigen! Aber das, was du jetzt sagtest, war grausam. Du hast ihre Verzweiflung nicht gesehen. Ich aber habe das Fürchterliche mitgemacht und weiß jetzt, daß sie dich über alle Maßen liebt.“ Anstettens Gesicht war sehr blaß. „Tote liebt man immer anders, als die Lebendigen," sagte er resigniert. „Vielleicht machst du jetzt Toilette und gehst hinunter und sagst, ich lasse sie bitten, zu entschuldigen, daß sich die ganze Sache so außer meiner Berechnung entwickelt hat. Und Bernd — wenn möglich, schickst du mit den Wagen herauf. Ich glaube, daß ich die ganze Strecke zu Fuß noch nicht machen kann. — Dis hinunter an die Lichtung komme ich vielleicht.“ „Du bleibst, Papa! Keinen Schritt darfst du mir aus der Hütte. Ich —" Don unten herauf kam durch das offene Fenster eine Stimme, die Bernd aus dem Bette springen und in sein Beinkleid fahren lieh: „Ich gebe alles Hoffen auf, Herr Forstmeister. Der Junge hat sich ein Leid angetan. Er hing bis zur letzten Faser an seinem Vater. Wir werden ihn ebensowenig finden, wie meinen armen Mann.“ Dernd lag schon über das Sims geneigt: „Mama!" Der Aufschrei einer Frauenstimme klang nach oben. Anstetten mußte den Sohn halten, dah er nicht den Sprung auf den moosigen Boden wagte. Ein hetzender Schritt über die Treppe. Bernd lief an ihm vorüber und ließ die Türe hinter sich offen: „Mutter!" Zwei Arme schlangen sich um ihn. Anstetten sah flimmerndes Blondhaar, das sich an die Wange Bernds schmeichelte, er hörte geflüsterte Worte und sah, wie Drunhildes Kops sich jäh nach dem Zimmer wandte. Bernd hatte Mühe, ihren zuckenden Körper im Gleichgewicht zu halten. Der Baron fand weder Sprache noch Bewegung, wußte nur, daß ihn ein Eid band, die Lüge weiter zu tragen und suchte vergeblich das Hämmern seines Blutes zu unterdrücken, denn seine Sinne schrien nach der Frau, deren Ehre er mit seinem Leben verteidigt hatte. Er machte ein paar Schritte auf sie zu, sah zwei bittend gefaltete Hände und dann ein blondes Haupt, das an ihm niederglitt und sich an seine Knie preßte. „Hans Peter — vergib mir!“ „Brunhilde — nicht so!" „Vater, vergibst du?" Berrrd lag an seinem Hals und drückte das Gesicht an seine Wangen. »Hilf mir erst die Mutter beruhigen, mein Junge!“ Anstetten wollte die kniende Frau zu sich aufheben, taumelte und sank rückwärts auf den Dett- rand nieder. Brunhilde schnellte empor und stützte ihm den Rücken: „Schiebe dem Papa das Kissen unter, Bernd. — Ist es so gut, Liebster? — Wir wollen die Füße etwas höher nehmen, damit du zu liegen kommst.“ Er zwang sich mit aller Kraft des Willens, bei Bewußtsein zu bleiben, fühlte, wie ihm etwas den Mund netzte und drückte die Hände gegen die 03ruft. er dazu ein paar Wochen brauche, denn er wisse sich keinen andern Rat, als das ganze Land zu bereifen. 24 Stunden nach diesem Telegramm erschien Annemarie Lesser in seiner Wohnung. Am nächsten Tage etablierte sich in ter Stadt ein neues Annoncen- bureau. Es konnte nicht auffallen, daß dieses Geschäft auf sämtliche Zeitungen des Staates, vor allein aber auf die kleinsten ländlichen Blätter abonnierte. Aus diesen Blättern wurden dann systematisch alle Annoncen ausgeschnitten, in denen die Militärde- hörten die Vergebung von Tiefbau- und Betonarbeiten ankündigten. Nun war es nicht mehr schwer, mit Hilfe einer guten Generalstabskarte Art und Umfang ter beabsichtigten Festungsbauten zu erkennen, und in sechs Tagen war die Aufgabe gelöst, (Fortsetzung folgt.) Die Ferngasversorgung Oer Aufsichtsrat der Hekoga für die Ruhrverträge. WSR. Darmstadt, 16. Dez. Der Aufsicht s r a t der Hekoga (Hessische kommunale Gasfernversorgung), der heute von 2,30 bis 8 Uhr tagte, hatte beschlossen, der auf den 21. Januar 1930 einzuberufenden Generalversammlung die Vorlage mit der Ruhr-Gas A.-G. und der Saar-Gas-Gesellschaft zur Annahme zu empfehlen. Mit welcher Mehrheit die Empfehlung ausgesprochen wurde, ist nicht bekanntgegeben. Oie Provinz Starkenburg gegen das Ruhrgas-Abkommen. WSR. Darmstadt, 16. Dez. Der Provinzialausschuß der Provinz Starkenburg befaßte sich in einer am Samstag abgehaltenen Sitzung eingehend mit den zwischen dem Vorstand der Hekoga und der Ruhrgas- A.-G. — Saargas- A.-G. vorläufig vereinbarten Verträgen. Rach sehr lebhafter Aussprache beschloß der Ausschuß, den Provinzdirek- tor der Provinz <5tarfenburg anzuweisen, sich gegen die Annahme der Verträge auszusprechen. Die Ablehnung wird damit begrüntet, daß das Vertragswerk insbesondere hinsichtlich der Wahrung d r geineinwirtschaftlichcn Interessen der Provinz nicht den Voraussetzungen entspricht, unter denen der Beitritt zur Hekoga erfolgt sei. Die Provinz Starkenburg vertritt 1Z Stimmen. Oie Vorgänge bei der Hausrat G.m.b.H. WSR. Frankfurt a. M., 16. Dez. Zu alarmierenden Rachrichten über die Vorgänge bei der Hausrat G. m. b. H. in Frankfurt teilt die Magistrats-Pressestelle zur Aufklärung folgendes mit: Die Hausrat G.m.b.H. Frankfurt am Main ist keine Frankfurter städtische Gesellschaft, sondern eine Gesellschaft, an ter die Stadt Frankfurt neben dem Landeshauptmann von Wiesbaden und den Städten Wiesbaden und Offenbach beteiligt ist. Die Hausrat G. m. b. H. ist kein wirtschaftliches Erwerbsunternehmen, sondern ein sozialer Betrieb. Ec wurde seinerzeit gegründet, um gegenüber dem Vorgehen gewisser Abzahlungsgeschäfte ter minderbemittelten Bevölkerung ten Erwerb billiger und guter Möbel zu erträglichen Zahlungsbedingungen zu ermöglichen. Auch ter von ter Stadtverordnetenversammlung zur Prüfung der städtischen Unternehmungen eingesetzte Ausschuß hat erst vor wenigen Wochen die Aufrechterhaltung! der Hausrat G.m.b.H. mit Rücksicht auf ihre soziale Zielsetzung empfohlen. Zu den wirtschaftlichen Verhältnissen ter Hausrat G. m. b. H. ist festzustellen, daß ihre Reorganisation bereits seit Monaten mit dem Ziele einer gewissen Beschränkung der Aufgaben im Zuge ist. Die augenblicklichen Schwierigkeiten sind dadurch entstanden, dah die Schuldner, auf die naturgemäß die wirtschaftliche Lage ungünstig in b.jjug auf ihre Zahlungsfähigkeit eintoirtte, mit ihren Zahlungen im Rückstand blieben. Es sind deshalb schon seit längerer Zeit Bemühungen im Die Baronin sah Blut durch das Leinen sickern und riß beide Hemdknöpfe auf. Die Wunde hatte sich wieder geöffnet und ließ dunkle, warme Tropfen heraussickern. „Laufe zu Bogner hinunter," bat sie angstgeschüttelt, „er soll sofort nach einem Arzt telephonieren, Bernd! — Hans Peter!" 3m Hinauseilen blickte der Junge zurück und sah, wie die Mutter das bleiche Gesicht des Gatten mit Küssen bedeckte. Für Sekunden lehnte er sich draußen gegen die gekalkte Wand und drückte die Hände über die Rügen: dann hetzte er die Stufen hinab und rannte mit Bogner nach dem Forsthaus. „Mach keine Geschichten, alter Junge, und tu, wie ich befohlen habe. Du fährst ein paar Wochen nach der Riviera und schläfst dich dort gesund. Hier nebelt es zu stark." General Lötzen schob die Decke, welche von Anstettens Knie geglitten war, wieder in ihre alte Lage zurück und sah ihm zwingend in die Augen. „Sie ist meine Tochter, ich will ihr weder Ankläger noch Verteidiger sein, aber wenn man das Sprichwort wahr haben läßt: Einem Reuigen verzeiht man, dann hat auch sie Anspruch darauf." „Ich habe restlos vergeben, Vater." , »Hm — Brunhilde hat jedenfalls das Empfinden, als ob es nicht so wäre. Auch ich —" er hielt inne, denn er sah die Tochter durch die breite Ahornallee des Parkes geradewegs auf die weiße Steinbank zukommen, auf der sie beide saßen. „Wie geht es, Liebster? — Besser? — Wie froh ich bin!" Eie war hinter den Gatten getreten und hatte dessen Kopf gegen ihre Brust gelehnt. „Ich fürchte nur, daß die Märzluft für dich nicht sonderlich zuträglich ist. Wollen wir nicht lieber hineingehen?“ ®r hielt die Augen geschlossen, um ihr Gesicht nicht zu sehen und nur den Klang ihrer Stimme in sich einzusaugen, fühlte ihre Lippen auf seiner Stirn und schauerte zusammen. So konnte das nicht weitergehen! Sein Blut war in einem Aufruhr sondergleichen. Er mußte die Finger in die Lehne krallen, um nicht mit beiden Händen noch ihr zu greifen. (Fortsetzung folgt). Gange zur Verbreiterung der Kapl - talbasis der Gesellschaft. Ein Abschluß wurde bisher wegen des schwerfälligen Apparats der verschiedenen daran beteiligten Instanzen (drei Magistrate und drei Stadtverordnetenversammlungen, sowie der Dez'.rlsverband) nicht erreicht. Die gegenwärtige Situation ist dadurch entstanden, daß durch eine verfrühte Pressemitteilung über finanzielle Schwierigkeiten eine Anzahl Wechselgläubiger nervös geworden ist. Bei einer ruhigen Abwicklung sind für die Gläubiger der Gesellschaft Verluste nicht zu befürchten. Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main hat in seiner heutigen Sitzung zur Behebung der akuten Schwierigkeiten bei der Hausrat G. m. b. H. beschlossen: Unter der Voraussetzung einer angemessenen Beteiligung anderer Beteiligter ist die Stadt Frankfurt a. M. bereit, bis Ende Januar gegen entsprechende Sicherheit einen Ueberbrük- kungskredit bis zur Höhe von 200000 Mark zur Verfügung zu stellen. Grundsätzlich ist der Magistrat der Ansicht, daß die Liquida t i o n der Hausrat G. m. b. H. eingeleitet werden muß. Ueber die Richtlinien zur Liquidation der Hausrat G. m. b. H. werden im Einvernehmen mit dem Revisionsamt und dem Rechneiamt unverzüglich Vorschläge gemacht werden. Wirtschaft. Meßapitalerhöhung des MS. genehmigt Die Generalversammlung der Rheinisch- Westfälischen Elektrizitätswerke iu Essen setzte die Dividende auf 10 v. H. fest und genehmigte die vorgeschlagene Kapitalerhö- h u n g zur weiteren Stärkung der Mittel zum Ausbau von 181 um 62 auf 243 Mill. Mark. 29 266 800 Mark der neuen Aktien werden an ein Bankenkonsortium begeben zum Kurse von 130 v. H., das sie den Inhabern der gegenwärtig umlaufenden Inhaberaktien derart anbietet, daß auf je sechs alte eine junge Aktie zum gleichen Kurse bezogen werden kann. Die Frist zur Ausübung des Bezugsrechtes läuft am 25. Januar 1930 ab. 30 723 200 Mark werden zu HO v. H. ausgegeben: sie werden von einer Treuhandstelle gezeichnet mit der Maßgabe, daß die Verfügung über diese Aktien nur mit Zustimmung der Gesellschaft erfolgen kann. 'Die 100 000 neuen Ramensaktien werden zu HOv. H. einer Treuhandstelle zur weiteren Begebung an die kommunalen Aktionäre übergeben: sie unterliegen gemäß Paragraph 227 H. G. B. der Einziehbar.eit. Ergänzend zum Geschäftsbericht führte Generaldirektor Dr. V ö g l e r aus, daß in den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahre 3 die nutzbare Stromabgabe 1,220 Milliarden Kilowatt gegenüber 730 Millionen Kilowatt in der entsprechenden Vorjahreszeit betragen Habe, was eine Steigerung um 70 v. H. bedeutet. Die Entwicklung des RWE. zeige die fruchtbare Zusammenarbeit von Wirtschaft und kommunalen Verbänden. Erwähnenswert sei, daß die früher auf eigener Stromerzeugung basierenden Grotz- konzerne, wie J.-G.-Farben und Stahlverein, inzwischen dazu übergegangen seien, ihre Energie in vielen Millionen Kilowatt vom RWE. zu beziehen. Die günstige Entwicklung des Llnierneh- niens gestatte es, den Kleinabnehmern ab Februar nächsten Jahres einen wieder verbilligten Haushalttaris anzubieten. Die Großbauten Schluchsee-Werk und Speicherkraftwerk Herdecke werden zu Beginn des nächsten Jahres fertiggestellt sein. * D i e Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Volisstaates Hessen weist für den Monat Ro - vember folgende Zahlen nach: An Rohbraunkohlen wurden gefördert 72 298 Tonnen. Davon wurden verkauft 33 516 Tonnen. Der größte Teil der Rohkohlen wurde weiterverarbeitet, und zwar 58 104 Tonnen zu Schwelereiprodukten und 505 Tonnen zu Briketts. Aus den verschwelten Kohlen wurden gewonnen: 3781,30 Tonnen Rohteer, 332,70 Tonnen Leicht öl aus Schwelgasen, 14159,10 Tonnen Koks. Die Briketterzeugung betrug 209 Tonnen. e Gläubigerversammlung Bankhaus Georg Köth. Bensheim a. d. B. In der Gläubigerversammlung vom 14. d. M. wurde von Rechtsanwalt Dr. Mainzer, Darmstadt, die Situation bei dem Bankhaus Georg Köth, das bekanntlich seine Zahlungen eingestellt hat, bargelegt. Die Aktiven übersteigen die Passiven um rund 100 000 Mk. Da jedoch bei den Außenständen mit Verlusten gerechnet werden müsse, erscheine es zweifelhaft, ob die Gläubiger voll befriedigt werden können. Die Verhandlungen mit Banken schweben noch. Rach längerer Diskussion beschloß die Versammlung, ein Arrangement zu versuchen. Cs wurde ein fünsköpfiger Gläubigerausschuh gewählt. * Anleihegenehmigung der Stadt Berlin auf unbe stimmte Zeit verschoben. Rach Informationen des WTB-Handels- dienst ist auf Antrag der preußischen Regierung die Beratung über das Kreditbegehren der Stadt Berlin seitens der Beratungsstelle für Auslandskredite auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben worden. • Bayerische Aktienbierbrauerei, Aschaffenburg. Der Aufjichtsrat beschloß, aus dem Rohgewinn von 505 000 (388 000) Mk. auf das Aktienkapital von 2 Mill. Mk. eine Dividende von 15 (13,33) Prozent nach reichlichen Abschreibungen und Rücklagen vorzuschlagen. Jtinhermorff in Gießen. Aus dem heutigen Ruhviehmarkt in Gießen waren 1045 Stück Großvieh und 150 Kälber aufgetrieben. Auswärtige Käufer waren zahlreich vertreten. Es kosteten: Kühe 1. Qualität 550—650 Mk., 2. Qualität 400—450 Mk., 3. Qualität 320—380 Mk. Schlachtkühe 150 bis 350 Mk. Rinder, 1—IV-Mrig, 150—300 Mk., Rinder, ^jährig, 120—180 Mk., Kälber je Pfd. Lebendgewicht 60—75 Pf. Bessere Tiere erbrachten Preise über Rotiz. Der Handel war weniger lebhaft. Schlecht begehrt waren Rinder geringerer Qualität, so daß von letzteren Lieberstand verblieb. Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 17. Dez. Tendenz: freundlicher. — Obwohl nach dem Scheitern des Dollarkredites für Berlin ein Jnlandkredit zur Verfügung steht, trat kaum eine Geschäftsbelebung ein, denn der Ordereingang war nach wie vor sehr gering. Die Tendenz wurde jedoch von dem zur Verfügung stehenden Jnlandkredit günstig beeinflußt und zeigte ein freundlich es Aussehen. Wenn auch keine Schwierigkeiten zur Lieberwindung des Jahresultimo zu erwarten sein dürften, blieb die Spekulation zurückhaltend, da auf der anderen Seite die wieder sehr schwache gestrige Reuhorker Börse und die ungünstigen Arbeitsverhältnisse im Reiche auf die Börse einen Druck ausübten und einer lebhafteren Geschäftstätigkeit hemmend im Wege standen. Zur Erstnotiz gelangten nur wenig Papiere. Gegenüber 3uia]i jjioiun? usaow ajiggqudqfö uobirßob aaq Besserungen zu verzeichnen. Am Clektromarkt eröffneten AEG. 1 Prozent und Schuckert 0,75 Prozent fester. Siemens waren dagegen vernachlässigt und leicht abgeschwächt. Am Chemiemarkt waren Deutsche Erdöl und Goldschmidt gut behauptet, wahrend Scheideanstalt etwas niedriger lagen. Farben konnten bei zeitweise etwas lebhafterem Geschäft etwas Interesse auf sich lenken, bei einem Gewinn von 1,5 Prozent. Auch am Montanmarkt waren die Llmsähe äußerst klein. Etwas mehr hervortreten konnten, wenigstens in der Kursbesserung, Rheinstahl mit plus 2 Prozent: Mannesmann und Phönix lagen 1,5 Prozent höher. Am variablen Markt büßten Junghans 1 Prozent ein. Scheideanstalt blieben gut behauptet. Am Bankenmarkt überwogen Abschläge bis zu 1,5 Prozent. Renten still, aber gut behauptet. Im Verlaufe war zeitweise das Geschäft etwas reger. Es ergaben sich Besserungen von 1 bis 2 Prozent. Im Vordergründe standen Siemens mit plus etwa 3 Prozent. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 Prozent unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1760, gegen Pfund 20,379, London gegen Kabel 4,8825, gegen Paris 123,94, gegen Mailand 93,23, gegen Madrid 35,22, gegen Holland 12,0960. Berliner Börse. Berlin, 17.Dez. Rachdem schon im heutigen Dormittagsverkehr auf Grund der schwebenden und mit Aussicht auf Erfolg geführten Kreditverhandlungen des Reiches und der Stadt Berlin eine gewisse Beruhigung eingetreten war und man eher mit einer festeren Börse rechnete, traten ?,u Beginn des offiziellen Verkehrs die anhaltende Orderlosigleit uni) das geringe Interesse außenstehender Kreise wieder stärker hervor. Die Tendenz wurde unsicher und die Kur-.'g ^altung uneinheitlich. Einerseits gab man den schwächeren Verlauf der gestrigen Reuyorker Börse als retardierendes Moment an, anderseits tauchten Gerüchte von Schwierigkeiten am Münchener Pia e auf, doch handelt es sich nach unserer Information nur um eine unbedeutende Firma. Wesentlicher war schon die relativ schwache Entlastung des Re i ch s b a n k a u s we i s e s f ü r die zweite Dezember-Woche, in dem de Wechsel zwar um 172 Millionen und der Notenumlauf um 95 Millionen abgenommen haben, die Lombards dagegen eine Zunahme um 51 Millionen erfuhren. Die Deckung hat sich nur unbedeutend auf 49 resp. 57,5 v. H. gebessert. Während bei den Rebenwerten die Kursverluste gegenüber gestern mittag nur unbedeutend waren, betrugen sie bei den Hauptpapieren 1 bis 2 v. H. Schwach veranlagt waren KunstseidewertL (Mu minus 4 v. H. und Bemberg minns 4,5 v. H.). Bei RWE. ist ein 9-v. H.-Dividendenabschlag im Kurse berücksichtigt. Bemerkenswert fest lagen Montanpapiere, für die die Gründung der Ruhr - Montan - Industrie Anregung zu sein scheint. Deutsche Anleihen ruhig. Bon Ausländern waren Bosnier bis 0,75 v. H. fester, Mexikaner etwa 0,5 v.H. schwächer. Der Pfandbriefmarkt war sehr still, Liquidationspfandbriefe und -anteile zur Schwäche neigend. Der Geldmarkt lag unverändert. Tagesgeld 7 bis 9 v. H_, Monatsgeld 9 bis 10,5 v. H., Warenwechsel 7,40 v. H. und darüber. Rach den ersten Kursen bekamen die günstigen Momente die Oberhand, und die Kurse erfuhren bei leichter Geschäftsbelebung kleinere Besserungen. Montanpapiere standen weiter im Vordergründe. Reichsbankanteile holten einen Teil ihres Anfangsverluste 3 wieder ein. Kunstseidewerte uneinheitlich, Bemberg konnten sich um 2 v. H. erholen, Mu gaben um weitere 1,5 v. H. nach. — Die Gerüchte über die Münchener Schwierigkeiten dürf en nicht den Tatsachen entsprechen. Wir erfuhren auf Anfrage in München jedenfalls, daß dort von den angeblichen Schwierigkeiten nichts bekannt sei. Oberhessische Gesellschaft für Aaiur und Heilkunde. Don der Oberhessischen Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde (Ratur. wissenschaftliche Abteilung) wurde im Lichtspielhaus Bahnhofstraße der im letzten Jahre von dem Berg- und hüttenmännischen Verein zu Wetzlar auigenommene Film „Ein deutsches Eisenerz reoter“ borge,ührt. Der Film behandelt die Bergbaubetrieb im Lahn- D i l l g e b i e t und in Oberhessen. Llniverfitätsprofessvr Dr. Hummel, der zu den auf der Leinwand gezeigten Bildern erläuternde Worte sprach, führte die Mitglieder und Gäste in kurzen Worten in die wechselvolle Geschichte des Bergbaues in der engeren und weiteren Llmgebung von Gießen ein. Es wurde darauf hingewiesen, daß der Erzbergbau im Lahn-Dillgeviet und in Oberhessen bereits vor dem Kriege für die deutsche Erzversorgung eine große Rolle spielte, nach dem Kriege aber durch den Verlust der Erzreviere in den an Frankreich abgetretenen Gebieten für die deutsche Eisen verarbeitende Industrie zu einem überaus wichtigen Lebensnerv geworden ist. Rach Angabe des Vortragenden beträgt die jährliche Förderung für alle drei Bezirke insgesamt etwa eine Million Tonnen. Davon entfallen auf das Lahn-Dillgebiet 600 020 Tonnen Roteisenstein, auf Oberhessen 250 000 Tonnen Eisenmanganerze und 150 000 Tonnen „Vogelsberger" Basalteisensteine. Don den geförderten Erzmengen werden von der benachbarten Eisenindustrie — hauptsächlich kommt hier Wetzlar in Betracht — ein Drittel verhüttet. Fast die Hälfte wird nach dem Siegerlande und dem Saargebiet verfrachtet, während der Rest im Ruhrgebiet abgesetzt wird. Die Erze sind besonders gut geeignet zur Erzeugung des bekannten nassauischen Qualitäts-Gießereiroheisens. Jirsgesamt dürften heule Bergbau und Eisenindustrie des Ocbic e3 rund 25 000 bi3 30 000 Arbeitern und Angestellten Beschäftigung geben, was volkswirtschaftlich dadurch noch von großer Bedeutung ist, daß räumlichem verhältnismäßig großer Bereich in Frage kommt. An dem genannten Bergbau sind nachfolgend aufgeführte Unternehmungen beteiligt: Dude- russck e Eisenwer.e A.-G. Wetzlar: Burger Eisen- trer e G. in. b. H., Abteilung I. C Grün, Dillenburg: Gebr. Stumm, Reunkirchen (Saar): Ge- werlschaft Gießener Braunsteinwerle, Gießen (Krupp): Gutehoffnungöhütte A.-G., Oberhausen (Rhld.): Hess.-Rass. Hüttenverein G. rn. b. tz., Steinbrücken: Mannesmannröhren-Wer^e, Düsseldorf: Preuß. Bergwerks- und Hütten-A.-G. Dillenburg: Rasselsteiner Eisenwer sgesellscha't, Reuwied: Sieg-Lahn Bergbau-Gefe lschast m.b.H. Weilburg (Krupp): 2kreinigte Stahlwerke A.-G. Düsseldorf. Darauf erfolgte die Vorführung des Films. Zunächst erhielten die Zuschauer einen Einblick in die Bergbaubetriebe, welche an der Lahn und Dill auf Roteisenstein umgehen. Durch einen Trickfilm wurde die geologische Position eines Roteisensteinlagers erläutert. Der Roteisenstein wird heute, von wenigen Ausnahmen in der Dillenburger Gegend abgesehen, fast ausschließlich im Tiefbau gewonnen. Wohlgelungene Ausnahmen gaben ein Bild von den Gruppenbauen, von der Gewinnung des Erzes und der Förderung unter Tage. Zum Schluß wurde in kurzen Zügen der Gang der Erzaufbereitung auf der Buderusschen Grube Georg Joseph bei Gräveneck erläutert. Ter zweite Teil des Filmes behandelte die Eisen- manganerzlagerftätte der Lindener Mark. Auch hier wurde zunächst der stratigra- phische Verband der Schichten im Profil gezeigt. Das Erz findet sich in unregelmäßig geformten Taschen und Mulden im obermitteldevonischen Massenkalk und wird von tertiären Schichten überdeckt. Der Gehalt an Mangan beträgt zirka 15 bis 20 Proz., der Eisengehalt im Mittel zirka 20 Prozent. Die interessanten Aufnahmen von der Gewinnung des Erzes und der Förderungseinrichtungen aus den riesigen Tagebauen des Gießener Bergwerkes erweckten allgemeines Interesse. Der dritte Akt gab einen Lieberblick über den Vogelsberger Brauneisensteinbergbau in der Umgebung von Hungen und Mücke. Wie aus dem gezeigten Profil ersichtlich wurde, findet sich im Vogelsberg der Brauneisenstein, welcher einen Eisengehalt von zirka 18 Prozent aufweist, in mehreren, einige 100 Meter breiten und mehrere Kilometer langen Streifen von verwittertem Basalt. Das Erz selber tritt in Form von unregelmäßig geformten Taschen an der Grenze von unverwittertcm und verwittertem Basalt auf. Es handelt sich bei den Vogelsberger Brauneisenstein-Lagerstätten ebenso wie bei den Eisenmanganerzen der Lindener Mark um typische Verwitterungslaaerstätten, deren Metallgehalt primär im Basalt enthalten war. Wie die Zllm- ftreifen erkennen ließen, wird das in wechselnder Teufe vorkommende Erz sowohl über, als auch unter Tage gewonnen. Ein kombinierter Betrieb von Tagebau und Tiefbau wurde aus der Gegend von Mücke gezeigt. Dann folgten Aufnahmen aus den Waschanlagen. Das an sich arme Erz ist so, wie es gefördert wird, nicht ohne weiteres verwendbar. Durch Waschen in mit Schwertern ausgerüsteten Trommeln wird das aus der Grude geförderte Haufwerk von dem anhaftenden Lehm befreit und auf diese Weife auf einen Metallgehalt bis zu 50 Prozent orige» reichert. Zum Schluß wurde noch einmal darauf verwiesen, daß der Bergbau an Lahn und Dill und in Oberhessen schon seit Jahrhunderten umgeht und schwere Zeiten durchgemacht hat. Er hat sie jedoch immer wieder überstanden und war die Grundlage hochwertiger Eisen- und Slahlerzeug- nisse, die dazu beigetragen haben, deutscher Werkarbeit Weltgeltung zu verschaffen. Ur. F. K. Tagung des Republikanische« Lehrerbundes. Die Dezirksgruppe Gießen des Deutschen Republikanischen Lehrerbundes hatte für Samstagnachmittag ih.t Mitglieder und Freunde in die Aula des Lana- graf-Ludwig-Gymnasiums eingclaöcn. Krciöschul- rat Loos, Groß-Gerau, eröffnete mit herzlichen Begrühungsworten die Versammlung und dankte insbesondere dem geschäftsführenden Vorsitzenden, Professor Hüter, Gießen, der die Dor- bercihingen zu der Tagung in die Hand genommen hatte. Er wies in einleitenden Worten auf die Bedeutung des zur Beratung stehenden Themas in unseren Schulen hin. Dann sprach Oberschulrat Dr. Deiters vom Provinzial- Schuttollegium in Kassel über „D i e politische Erziehung jugendlicher Schüler". Die Gedankengänge des Vortrags sind etwa folgende: „Man begnügte sich seither in unseren Schulen mit einer intellektuellen problematischen Erziehung und ließ die Jugend auf den Gefilden der Probleme stehen. Heute wird man der Jugend nicht mehr die Zugehörigkeit zu politischen Verbänden wehren wollen. Die Schule darf nicht zu einer allgemeinen Staatsauffassung erziehen wollen, sondern zu einer ganz bestimmten Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont. 7 o. H., Lombardzinsfuß 8 v. ch. Frankfurt a Vt tberllr ’ranlfurt a ” «etil- stranlkurt a 4V Berllr Banknoten._________________ schütz. Ul' (lommera- und PrivauBauk n Lärmst, u. Nanonaldanl . > Deniiche Bank...... 1‘ Diironw-Geiellschasi. ttnt . 1< Dresdner Sani......1' vteichsban. ......1 e.e.® . Bergmann . . (gleite. Lieferung-aelelllchaft i Lickt und Shaft 1 stellen 4 Guilleaume .... 7^ Gei. t (Wehr. Untern.. ... 10 Hamb Gleite -Werke .... 1 Rhein. (Kelte........ Schiel. (Elch ......io Schuckert »Go......11 Siemens 4 Haisks.....10 Transradio . . ....... 8 Lahmeyer 4 Go.......10 SuDcrn . . ß Deutsche Grbßt . ...... o Sisener Steinkohle ...... r Gelienlirchener ....... 1 fjarpenet......... 0 Hoesck» Eisen. ....... 6^ Ilie Bergbau...... . IC Rl6diicriverte ....... SSln-Reuesten ....'• Mannesman'- -RSbren ...."« Clanefcloei Bergbau .....< Lbenchiei- Sncn.eoatt . . • . Oberichiei Itoliroede..... Phönix Bergbau......6¥ Rhe'niiche Braunkohle»... U Nheiustahl......... Ricbeck Moutan ...... 1A 94,5 । 93 116 116,5 173 151.25 232,5 146 145 285 152 151 114 150,25 175,75 123 131.5 — 89,5 90.5 00,25 102 93 151 231-25 145 153 176.5 278 61 90.5 92 ; 100,75 104 94,5 163 143,5 93,13 117 116.5 173,5 151,25 233 146 145.25 286 152,75 161 152 114 151,5 139 146.5 176,5 278,25 160,5 60.13 90,5 123,25 133 107,25 215 90.5 106 90 65 108. 9.,5 '00.75 235 102 94,4 142 93,4 117 116 172.5 151 232 145,5 145 285 152,5 200 160 152,5 F 151,5 127,5 176,5 278.5 115,5 60,13 91 122.5 132 106,75 215 90 105 92.5 107,75 65 93,4 100 234.5 ’ 103.25 Vereinigte E'.ahiw Ciao M'nen . . 16'/, Rai werke ÄicherSIebea . i fla werke Westeregeln ... io Rai io e SalAOi-'iuctb U> J (S starven-Invusttte... Yt Dnnamit Nobel.......6 Echeideanitalt........ u Goioidiiniöt ........b Riiigerswerke ........6 MeiaUaeiellichait ...... 8 PhUipp vo r mann . . . < Lernen werk Heidelberg ... 10 kSementroetl ■TarUtaOt ... 10 itüaoB 4 . Dm .... 8 Sdiuitbeta Payenuofer ... iß Oitwerke ........1? Oer. (ö.anritofl « - 18 Bemberg........ 's Heiütof Waldhol .... 18H ZelMoii Aichajünkmea . . -z Charlottenburger üflaiia • • • 8 Deliaucr Ga» .....8 Daimler Motoren .....1 Deutsche Linoleum..... ■<1 IID r. XI D ‘ -...•»> sruoro. x'oeiD .... I'1 Wat. Automobi. ...... r Crenilein A Roppel .....® y-onhnr6 Tie- ..•••• *0 stranN. Maichlnc»......J (Ärtyner ....... 6 HeDligenlkaevt .......t lunghan». • • 6 Lechwerke. « Malntraitwert Höchst a. M. S Miag. 10 «ebr. Roeder.......10 -toigi » Haessaa......o Eudr jade»..... . io 132 188 312 174,75 139,5 63 68 75 113,5 81,25 116 80 146 16.75 233 39.5 45 6,25 51 01,5 106 121.5 108 222.5 162 176 139 63 114 116.25 50 - 102,75 51.5 183.5 189 313 175 5 68,5 113.75 81 r. 271 210 147.5 180 134,5 91,9 151 36,5 233 39,9 151 67 47 323 40 45,5 10,75 ■21 222 160,5 102,25 51,5 181 313 175,5 62,5 113,75 81 271 210 120 143 180 91,75 151,25 36.25 231,5 39 150,5 145.25 320.5 121 b, oji 68,04 21,82 11,63 58,63 2,48 12,30 81,19 57,78 12,349 72.89 srankfur 16 Dezent bei 17 Dezember Ämtltckv Notieiung @cir | Bnei Amtlich. Noferung Geld .; e nnvu» Ron Bu'N.-Aire- '^-rst-Antw Christiania .Uopritdagen Stockholm Helsingiors. (Italien. - London. - . Nennork . . Poris.... Schweiz .. Sva iirn • Javan • • - "io de Ian 'Sten in Cefl. abaeft Prag . Belirad Budapest - Bul arten t'ifTabon Danzig • .von« urin. Sltljeu . Kanada Uru uav Cairo • - 163,2b 1,725 58,38 111,80 111.96 112,51 10,484 21,835 20,354 4,1695 16.42 81.055 57,89 2,043 J,466 58,69 12,378 7,399 73,04 3,017 18,80 81,38 1,978 5,435 4,134 3,956 20,875 168,59 1,729 58,50 112,02 112,18 112,73 10,504 21,875 20,394 4,17.35 16,46 81,215 58,01 2,047 0,468 58,81 12.398 7,414 73.18 3.023 18,84 81 54 1,982 5,445 4,142 3,964 20,915 168,33 1,701 58,385 111.83 111.96 112,50 10,485 21,3-1 20,362 4,1715 16,425 81,13 57,82 2.043 0.459 58.71 12,384 7,406 73,07 3,022 18,83 81,41 1,998 5.437 4,135 3,926 20.88 168.67 1,705 58,505 112,05 112,18 112,72 10,505 21,88 20,402 4.1795 16.465 81,29 57,94 2,047 0.461 58.83 12,404 7.420 73,21 3,028 18.87 81,57 2,002 5,445 4,143 3,934 20.92 Turnen, Sport und Spiel iW/Zr ttrigabe, 9_________bis 2^. Dez. EINSCHLIESSLICH Filiale: GIESSEN, Kirchenplatz 12 99590 politischen. Die Erziehung muh tiefer greifen, Quellen müssen für die Jugend erschlossen werden. Die fortgeschrittene Schule führt ihre Schüler hinaus ins praktische Leben. Eine sachliche Erziehung soll an Stelle der problematischen Erziehung treten. Jugend soll heute selbst entscheiden und zur politischen Entscheidung erzogen werden, ülnsere Jugend von heute drängt viel früher zur politischen Aktivität. Eine solche Erziehung kann nur von solchen Erziehern geleistet werden, die politisch selbst erzogen sind. Es wäre vermessen, der Jugend politische (3c- dankengänae vorzuschreiben, vom Erzieher muh eine sehr hohe, freie geistige Einstellung verlangt werden. Daß Einhalt geboten werden muh bei politischen -Utopien, womit von der extremen Seite unsere Jugend angelockt wird, ist selbstverständlich!" Unter dem Beifall der Zuhörer dankte Kreisschulrat Loos dem (Redner für seine Ausführungen. Um die Gedanken des Vortragenden auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen, schlug Kreisschulrat Loos vor, den Dortrag drucken zu lassen. Mit Dankesworten an die Versammlung schloß Kreisschulrat Loos die Tagung, da eine Aussprache über den Vortrag nicht gewünscht worden war. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 13. Dez. Der Angeklagte, ein Arbeiter aus der Umgegend, war in einer Fabrik mit Ausbesserungen beschäftigt. Das (Rauchen während der Arbeit war ihm verboten. Er ging deshalb tagsüber einigemal in das nahe Kesselhaus, dessen Betreten den Fabrikarbeitern untersagt war, und rauchte dort. Am Eingang zum Kesselhaus begegnete ihm ein Lehrjunge, der eine Lohndüte in der Hand trug; er unterhielt sich mit diesem über die Lohnverhältnisse und setzte seine Unterhaltung mit dem Heizer im Kesselhaus fort, dem von dem Jungen d'.e Lohndüte übergeben worden war, aus der der Heizer das Kleingeld entnahm. Dann ging dieser im Kesselhaus an fein Spind und verwahrte dort die Düte mit Inhalt — 50 (Ulf. — in seiner Hose. Dies alles hat nach der Ueberzeugung des Heizers der Angeklagte mit angeseyen. In Abwesenheit des ersteren und zu einer Zeit, in der dieser seines Dienstes wegen zeitweise das Kesselhaus zu verlassen pflegte, wurde der Angeklagte später von einem Zeugen darin gesehen. Gegen Abend bemerkte der Heizer, dah ihm die Lohndüte gestohlen worden war. Der Verdacht lenkte sich auf den Angeklagten. Das Gericht erachtete auch, zumal derselbe leugnete, zur angegebenen Zeit in -dem Kesselhaus gewesen zu sein, den Indizienbeweis für seine Täterschaft als erbracht, war aber der Ansicht, dah auch ohne Verhängung einer Freiheitsstrafe der Straf- zweck erreicht werden könne, und verurteilte den seither unbestraften Angellagten an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zehn Tagen zu 100 M k. Geldstrafe. Ein (Radfahrer drückte in der Dunkelheit fein nicht mit einer brennenden Laterne, wohl aber mit einem (Rückstrahler versehenes Fahrrad auf der (Straße Krofdorf—Gießen. Er ging rechts aus der Straße unmittelbar an der dort befindlichen Baumreihe und wurde auf diesem (Dege von einem hinter ihm herkommenden Auto gestreift, so dah er zu Falle kam und unerhebliche Verletzungen davontrug. Das Gericht gewann die Ueberzeugung, dah der Autofahrer fahrlässig gehandelt hat. Dieser hat es offensichtlich, obwohl lebhafter Verkehr herrschte — es war Gleibergfest gewesen — und trübes, regnerisches (Detter war an der ihm unter solchen Verhältnissen besonders gebotenen Vorsicht auf der Straße, die damals von vielen Fußgängern in der Dunkelheit begangen wurde, fehlen lassen und sich deshalb strafbar gemacht. Milderungsgründe lagen wlmerhm vor. Er erhielt wegen fahrlässiger Körperverletzung eine mäßige Geldstrafe. EXKAISERS WEIHNACHTS-SCHOKOLADE “Xiw 56,20 111,” 20.353 16,391 168,04 2LÖ 111,ö 58W 2,48 112.30 81.9 57- 12.349 72.89 7^33 1,701 58.38 11'93 111.96 112,50 10.485 21,8-1 20.362 4,171 16,4 8Mj 57,62 043 0,459 M Ä Sg 18,0 ei, 11 1.93- 5-S 20, * Kunst und Wissenschaft. Ehrung Hermann Stehrs. Der (Rathenau.Preis, der zum ersten Male verliehen wird, ist, wie aus Berlin ge. meldet wird, dem Dichter Hermann Stehr fir Jein Gesamtwert zuerkamU worden. I 58,505 112-05 112' WH 2 ,88 20.W? 4,179? 6.4V 81,29 57,94 047 0*461 58,83 12,401 7^ 73L 1Ä Ä $ V. s. 3. V. f. V. Liga — v. f. V. Weidenau Liga 1:1. Die Ligamannschaft hat mit ihrem Spiel gegen V. f. B. Weidenau am Sonntag erneut gezeigt, dah sie auch gegen spielstarke Vereine der Dczirksligaklasse mit Erfolg bestehen kann. (Denn es auch nicht zu einem Sieg reichte, so lassen der Verlauf und das l:l-Resultat doch mit Berechtigung von einem Erfolg sprechen, da V. f. B. während eines großen Teils des Trof- fens feinem Gegner leicht überlegen war und auch die größere Zahl von Torgelegenheiten herausarbeitete, was u. a. sein weitaus besseres Ecken- Verhältnis beweist. Das Spiel litt naturgemäß unter den ungünstigen (Ditterungs- und Platz- Verhältnissen und ließ technische Feinheiten fast ganz vermissen. Trotzdem war der Spielverlauf recht spannend, da beide Mannschaften mit einem in Anbetracht der Umstände lobenswerten Eifer bei der Sache waren. Spielverlauf: V. f. D. versteht es sehr bald, sein Spiel den Bodenverhältnissen anzupassen. Seine halbhohe Kombination ist raumgreifend und läßt den Gegner nicht recht auftommen. Allmählich findet auch dieser sich besser zusammen und bringt verschiedenemal das Gießener Tor in Gefahr, ohne jedoch zu einem Erfolg zu kommen. Die Gegenangriffe der Platzelf sind systematischer und machen der (Säfte- Verteidigung schwer zu schaffen, die trotz aufopfernder Abwehr nicht verhindern kann, daß D. f. B. zum Führungstor einsendet. Vach der Pause forcieren die Gäste das Tempo und versuchen den Ausgleich zu erzwingen, was ihnen auch nach einiger Zeit, ohne feldüberlegen zu fein, bei einem raschen Durchbruch gelingt. Von jetzt ab gibt V. f. D. wieder den Ton an und drängt den Gegner in dessen Hälfte zurück. Sein Sturm besitzt jedoch nicht die nötige Durchschlagskraft, um die oft recht günstigen Erfolgsmöglichkeiten auszunühen. Ein zugesprochener Elfmeter wird verschossen. Eine Anzahl gutgetretener Eckbälle bringen ebenfalls nichts ein. Langsam macht sich die Gästemannschaft wieder frei; bei wechselseitigen Angriffen und verteiltem Spiel gelingt es bis zum Schluß keiner der beiden Parteien mehr, den Siegestreffer zu erzielen. Es bleibt beim Resultat von 1:1, das dem Spielverlauf nicht ganz entspricht, dem vielmehr ein 3:l°Sieg Gießens gerechter geworden wäre. Immerhin kann die Mannschaft in Anbetracht der Spielstarke des Gegners, der einer höheren Spiel- klasse angehört, mit dem Resultat zufrieden sein. Handball der Sp.-Vg. 1900. 1900 I — Hessen-Preußen Kassel I 0:8 (0:5). o. Bei andauerndem Regen und auf dem mit großen Wasserlachen bedeckten 19(0er»Platz kam am Sonntag das Bezirksmeisterschaftsspiel zum Austrag. Es wurden dadurch an die Spieler außerordentlich hohe Anforderungen gestellt, denen die Gäste in weit besserem Maße gerecht wurden, als die Platzbesiher. Die Hessen- Preußen spielten, wie erwartet, einen ausgezeichneten Handball und warteten mit einer Leistung auf, wie sie in Gießen lange nicht gezeigt worden ist. Die Mannschaft hatte keinen schwachen Punkt. Besonders hervorstachen rechter Verteidiger, linker Läufer und das Jnnentrio. Die 1900er lieferten kein schlechtes Spiel und hätten unbedingt einige Gegentore verdient. Die Mannschaft zeigte zuweilen schöne Ansätze, es fehlte jedoch der erfolgreiche Abschluß. Damit ist schon angebeutet, dah es wieder im Sturm haperte. So lange dieser feine Spielweise nicht besser variieren kann und die einzelnen Leute nicht zielbewußter arbeiten, wird nicht viel Zähl- hrerbundes. ftzen Lehrrc E.chmitzag ih-< e Aula de- W cldbcn. KrciMl' rncte uüt heizliy« nmlung und imck hrenden M, der die Lorin die Hand ge- inteitenben (Sorten (Beratung stehenden hin. Tann M „DiepoUNIHi er Schuler sind etwa folgens wssiif „ AaatsaußalWg er ganz bestimmten RABATT IN MARKEN (ZUCKER AUSGESCHLOSSEN) dez 'tiu. 1 5)ur? n M *4 3 der Erläutert S llt2 die 6i'(e ? aK^tig^ "Profil g?,L ^-eldedonischrn ">°ren Cch-L ? brSö9l 8‘ria ifnoh?iKel iit£a (.'"ahmen von der vrderung-einrich. 's,Interesse. Dn 1 uoer den 2v° ensteinberg« mgen und Aücte ersichtlich wurde,' -crauneisenstein Ma 18 sNtni J Meter breiten Streifen von ver« «r tritt in form aschen an der oerwittertem 3a« >cn AogelSberger msv tow bei den Marl um typische :en Metallgehalt ir. Die die Film« >as in wechselnder über, als auch un< ibinierter (Betrieb irde aus der Sc- i folgten Ausnah« 8as an sich arme wird, nicht ohne Waschen in mit mmcln vir- to itoeri von dem an« if diese Dcise auf W Prozent ange« nmal darauf verlohn und Dill und Hunderten umgeht lt Hai Er Hai sie den und war die und Slahlerzeug- en, deutscher Wertteil. Or. F. Ä, Entdeckung nur eine dünne Bevölkerung hatten und eine gute Grundlage zur Besiedlung als Kolonialländer boten. Während Argentinien im Jahre 1880 noch Getreide einführte, sei es heute ein großer Getreideproduzent für den Weltmarkt geworden. An der Hand von zahlreichen, selbst- aufgenommenen Bildern verstand es Professor K l u t e . ein fesselndes und zugleich recht anschauliches Bild von der Bodonbeschafsenheit, der kulturellen Eigenart und der Entwicklung der Länder zu geben. Während Argentinien das Land des Großgrundbesitzes mit seinen Viehfarmen bildet, bietet das benachbarte Chile infolge günstigerer klimatischer Bedingungen bereits das Bild eines intensiven Ackerbaues, während in seinem nördlichen Wüstenteil der bekannte Chilesalpeter und Kupfer gewonnen werden. Der Redner gab am Schlüsse seines mit außerordentlich lebhaftem Beifall aufgenommenen zweistündigen Vortrages in crcffanle Ausblicke über die Desiedelungsmöglichieiten dieser ehemaligen spanischen Kolonialländer und als Ab- sahgebiet für die deutsche Wirtschaft Starkenburg. WSV. Darmstadt, 14. Dez. Der Kreis- pfandmeister Adam Brunner hat sich in seinem Amt eine Reihe von Unterschlagungen zuschulden kommen lassen und ist gestern von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Die Feststellung der Verfehlungen ist noch nicht abgeschlossen. Es verlautet, daß er bisher die Unterschlagung von 12 000 Mk. vereinnahmter Gelder zugestanden hat. Die Verfehlungen sollen bereits längere Zeit zurückliegen und wurden auf das Mahnschreiben e(n:r rheinhessischen Kreiskasse zur Abrechnung aufgedeckt. Die Beisetzung von Prälat Dr. Watz. WSV. Darmstadt, 16. Dez. Unter zahlreicher Anteilnahme wurde heute nachmittag der Prälat i. R. Geheimerat Dr. K a r l Walz zur letzten Ruhe geleitet. Dem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, fand nur eine kurze Feier am Grabe statt. Vach der Grabrede von Pfarrer Waldeck legten Vizepräsident Dr. Dahlem im Vamen der Evangelischen Landeskirche und des Landeskirchenamts, Pfarrer Knodt als Vertreter der Gemeinde Bad-Vauheim, wo der Verstorbene zwölf Jahre gewirkt hatte, sowie ein Vertreter des Elis^ethenhauses in Bad-Vauheim, dessen Mitgründer der Verstorbene war, und ferner ein V^treter der christlichen.Studentenverbindung Wingolf in Gießen Kränze nieder. bares an des Gegners Wurfkreis erreicht werden. Die Läuferreihe, insbesondere Mittel- und linker Läufer, taten ihre Schuldigkeit, ebenso das Schlutzdreieck. — Zum Spielverlauf ist kurz zu sagen, daß das Treffen von Anfang bis Schluß äußerst interessant und in flottem Tempo durchgeführt wurde. Vach Halbzeit war 1900 taktisch besser auf der Höhe und ließ den Gegner nuc noch dreimal zu Erfolgen kommen. Beide Mannschaften spielten vorbildlich fair und machten Schiedsrichter Jentzsch, V. f. D. Gießen, das Amt nicht schwer. Handball im Gau Hessen (D. T.) Zu dem Entscheidungsspiel um die ©au» meisterschaft, das am vergangenen Sonntag aus- getragen werden sollte, trat die erste Mannschaft des Turnvereins Grohen-Buseck aus unbekannten Gründen nicht an. Wetzlar ist damit aller Wahrscheinlichkeit nach Gaumeister und muß nun mit den übrigen Gaumeistern um den Aufstieg in die Kreistlasse spielen. Handball im T. V. Grohen-Buseck. Tv. Großen-Vuseck Schüler — Tg. Friedberg Schüler 1:0. Trotz des dauernden niedergehenden Regens am Sonntag bot der gut trockengelegte Platz den Schülern einen festen Boden. Großen-BuseckS Schüler warfen sicherer als ihre Gegner. Das für die Zweite vereinbarte Spiel mit M.T.V. Gießen wurde in letzter Stunde abgesagt. Die erste Mannschaft hatte nach beendeter Derbandsrunde einen wohlverdienten Ruhetag. Kein Handball in Garbenieich. Das für Sonntag in Aussicht genommene Freundschaftsspiel gegen V.f.L. Wetzlar konnte wegen des strömenden Regens und infolge völlig aufgeweichten Bodens nicht zum Austrag kommen. Sportverein 1921 Ettingshausen. Das am Sonntag in Ettingshausen gegen die 1. Mannschaft des Sportvereins Vieder-Ohmen ausgetragene Spiet konnte die Platzmannschaft mit 7:1 (Halbzeit 3:1) gewinnen. Dis zur Halbzeit gaben die Gäste einen fast gleichwertigen Gegner ab; sie mußten sich jedoch in der zweiten Halbzeit fast nur auf Verteidigung beschränken und konnten nicht verhindern, dah der wieder einmal schuhfreudige Sturm Ettingshausens noch weitere 4 Tore einsenden konnte. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Oppenrod I — Wieseck II 2:4. Zum Schluhspiel um die Meisterschaft der zweiten Bezirksklaffe standen sich beide Mannschaften am Sonntag in Oppenrod gegenüber. Trotz ununterbrochenen Regens kam das Spiel zum Austrag, obwohl die Platzverhältnisse viel zu wünschen übrig liehen. Beide Mannschaften traten mit Ersah an. Der Anstoh Oppenrods brachte flottes Spiel. Bereits nach wenigen Minuten konnte Oppenrod durch einen Fernschuh in Führung gehen. Dann folgte ausgeglichenes Spiel. Oefters muhte der Ersahhüter der Einheimischen rettend cingreifen. Kurz vor Hallizeit konnte Wieseck den Ausgleich Herstellen. Vach Seitenwechsel drückte Wieseck etwas mit dem Erfolg, dah es bald die Führung übernahm. Elfmeter auf beiden Seiten wurden verschossen. Dann erhöhte Wieseck sein Resultat auf 4:1. Erst kurz vor Schluß konnte Oppenrod durch einen Elfmeter das Resultat auf 4:2 stellen, an dem dann beide Parteien nichts mehr andern konnten. ergaben, dah es s ich um einen jungen Arbeiter aus Wißmar handelt. Es kommt Selbstmord in Frage. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft Gießen zur Bestattung freigegeben. D Lich, 16. Dez. Der heutige Schweine» markt war mit 191 Ferkel beschickt. Bei flottem Geschäft wurden bezahlt: für fünf bis sechs Wochen alte Tiere 28 bis 32 Mark, für acht Wochen alte 36 bis 38 Mark und für zehn Wochen alte 40 Mark. Der Markt war innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Zum Krämermarkt hatten sich nur wenige Stände eingefunden. Hier dürfte lediglich der „wahre Jakob" auf seine Kosten gekommen fein. Der Fremdenverkehr mit Einschluß des gestrigen Sonntags brachte unserer Geschäftswelt den erwarteten Erfolg. — Die Viehzählung in der Stadt Lich, den Gemarkungen Hof Alvach, * Kolnhausen und Mühlsachsen hatte folgendes Ergebnis (die Ergebnisse des Vorjahre.* sind in Klammem gesetzt): Pferde 163 (186), Rindvieh a) Jungvieh 182 (205), b) älteres Vieh 363 (415), Schafe 614 (507), Schweine 670 (823) Siegen 146 (218), Gänse 235 (273), Enten 104 (95), Hühner 3208 (3954), Bienenstöcke 45 (28). Kreis Alsfeld. Alsfeld, 16. Dez. Auf Einladung der hiesigen Dürergesellschaft hielt Aniver- sitätsprofessor Dr. Klute (Gießen) im Physik» saal der Oberrealschule, der bis auf den letzten Platz beseht war, einen Lichtbildervortrag über seine Forschungsreise durch Argentinien undChile. Der Vortragende erläuterte zunächst die natürlichen 2c» bensbedingungen der beiden Länder, wobei er interessante Aufschlüsfe über die frühere Kultur und Besiedlung der beiden Länder gab, die im Gegensatz zu anderen Teilen Amerikas bei ihrer KAISER1« KAFFEE-GESCHÄFTE....... Oberheffen. Bad-Nauheim im Licht. z£ Bad-Vauheim, 15. Dez. Für das große L i ch t f e st, wie es zur Vertehrsbelebung von der (Bereinigung der Einzelhändler unter anerkennenswerter Mitwirkung von Stadt- und Bad- und Kurverwaltung heute hier erstmalig veranstaltet wurde, waren in löblichem Eifer und unter großen Opfern in großzügiger Weise die Vorbereitungen getroffen worden. Das ist auch der Grund, weshalb trotz des denkbar schlechten Wetters — cs regnete den ganzen Vachmittag in Strömen — von einer wohlgelungenen Veranstaltung berichtet werden kann. Die Autobusse und die Bahn brachten zahlreiche Besucher aus den Orten der Vachbarschaft heran, darunter auch viele Käufer, auf die sonst der angeblich teure Badeort keine besondere Anziehungskraft ausübt. Die Leute konnten sich davon überzeugen, daß auch Bad-Vauheim eine durchaus reelle Geschäftsstadt ist. Das lebhafte und bewegte Treiben auf den Straßen zeigte Ausmaße, wie sie unsere Stadt noch nie gesehen hat. Aber auch der geschäftliche Erfolg wird, allerdings unter Berücksichtigung der allgemeinen Wirtschaftslage, als befriedigend angegeben; er wäre bei anderer Witterung gewiß noch besser gewesen. Das schöne weihnachtliche Bild der festlich prangenden Stadt hat zweifellos die Kauflust gehoben; und auch die Ausgabe von Prämienkarten bei Einkäufen im Werte von 2.50 Mk. an hat sich günstig ausgewirkt. Das wird allgemein von den Geschäftsleuten bestätigt, die einmal begrüßen, daß zumeist gegen Barzahlung gekauft wird, dann aber auch feststellen konnten, daß die Einheimischen das „Kauft am Platze!" mehr als früher beachteten und zweifellos toepi- ger Geld nach Frankfurt getragen haben. Der Schaufensterwettbewerb, bei dem das Publikum mit Stimmzetteln sein Urteil abgab, hatte die Geschäftswelt zu höchsten Leistungen angespomt und die Beschauer zu genauester Betrachtung und damit teilweise auch zum Kausen angeregt. Außerdem hat er dem ethischen Zweck solcher Veranstaltungen, den Geschmack des Publikums zu bilden, bestimmt dienen helfen. Cs dürfte den Wählern schwer gefallen fein, unter den vielen schönen und zum Teil großstädtisch aufgemachten Fenstern das aller- schönste herauszufinden. Ein Lob verdienen die Dad-Vauheimer Elektrotechniker. die mit den verschiedensten Arbeiten, die sie an Privathäusern und auf öffentlichen Plätzen ausgeführt haben, beweisen konnten, daß sie die Technik der Beleuchtung beherrschen. Die Dankeskirche im magischen Scheinwerferlicht, der in den hessischen Landesfarben erstrahlende Schuckhard-Drunnen, das feenhaft geschmückte Kurhaus und der abwechslungsreiche Lichtgirlandenschmuck der Straßen schufen, um nur einiges auS der Fülle des Gebotenen zu nennen, eindrucksvolle Bilder und Lichteffekte, die groß und klein entzückten und allgemein den Wunsch laut werden ließen, die Veranstaltung am nächsten Sonntag bei hoffentlich besserem Wetter zu wiederholen. Lleberschwemmungen im Niddatal. ch Aus dem Viddatal. 15. Dez. Die schweren Regengüsse, die heute in den Mittags- und Vachmittagsstunden im Gebiet des Vogelsbergs niedergingen, führten bereits gegen 4 Ahr zu starken Aeberschwernrnungen. Cs sind wieder die Gebiete betroffen, die immer unter dem Hochwasser zu leiden haben. In Ober-Schmitten muhten die Anwesen am Vihdaufer die Keller räumen. Da der Regen noch anhält, ist die weitere Gefahr noch nicht abzusehen. Das Hochwasser ist heute stärker als in vorausgegangenen Anwetterzeiten. (17.30 Ahr.) △ V i d d a, 16. Dez. Infolge der anhaltenden Regengüsse Ende voriger Woche stieg der Was - ! c c c r ^dda im Laufe des Sonntags so stark, daß oberhalb der Stadt das Wasser uber die Afer trat und das ganze breite Wiesent al von Anter-Schmitten bis DauernhelmineinengroßenSeever- wandelt wurde. Gegen 5 Ahr nachmittags wurde von Schotten telephonisch milgctetlt, daß in der Dortigen Gegend ein Wolkenbruch mebergegangen sei. Dann stieg auch hier bald das Wasser so hoch, dah die tie(gelegenen Straßen der Ql kl ft a ö t überschwemmt wurden und die Anwohner schon Vorbereitungen zum Räumen ihrer Wohnungen trafen. Zum Glück trat aber gegen 8 Ahr abends ein langsamer Rückgang des Wassers ein, wodurch die Gefahr vorüber war. Doch blieben viele Leute während der Vacht vorsorglich außer (Bett, um ständig den Wasserstand beobachten zu können. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 16. Dez. Am Samstagabend wurde in dem Saal der Wirtschaft „Zur Burg" der Versuch gemacht, auch unserem Dorfe die Volksbildungsbestrebungen zugänglich zu machen. Das Interesse, das der Sache entgegengebracht wird, scheint — dem ersten Vortragsabend nach zu schließen — nur sehr gering zu fein, denn obwohl sich die Vorsitzenden aller örtlichen Vereine für die Sache ausgesprochen hatten, waren kaum 20 Leute erschienen, zur Hälfte Frauen, um dem ersten Vortrage beizuwohnen. Frau Dr. V e u ni a n n (Gießen) sprach über „Die seelische Entwicklung des Kindes" unb über „Erziehungsfragen von allgemeinem Interesse". Eine sehr rege Aussprache schloß sich den Ausführungen der Rednerin an. Wieseck 16. Dez. Heute begann Lehrer Hel - le r, der seither in Vieder-Florstadt tätig war, feinen Dienst an der hiesigen Schule. Gleichzeitig verließ Schulverwalter Pfeiffer unsere Gemeinde zum größten Bedauern unserer Abc- Schühen, die ihren guten und liebevollen Lehrer nur ungern scheiden sehen. CD Lollar, 16. Dez. Heute morgen kurz nach 7 Ahr wurde auf dem Bah nkör per der Strecke Lollar—Wetzlar, etwa 100 Meter vor der Lahnbrücke, der stark verstümmelte Leichnam eines überfahrenen j un - gen Mannes gefunden. Die Feststellungen "TiT 58.44 112-17 20.433 16.437 'S US 2.« 112,74 81.' 12439 73.19 Freude bereiten Das Drastische Fest- R <1 A H f d Geschenk für den Beim! d« BS 1 LTLLÄL^L Cafe Amend Salomon, Schulstrafee 4 BiLDERfür 10317V Der Vorstand. - Gäste willkommen. Hotel Schütz 10054D Artikel 10164V Metzelsuppe IQ’O'iD Mittwoch OS06Z Gießen, plocksiraße 14- U914A Fischhaus Cuxhaven Tel. 2417. Marktetraße 14 .60<) Plund -. 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