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Nr. 165 Erstes Blaff
179. Jahrgang
Mittwoch, 17. Juli (929
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Ein großer Tag in der französischen Kammer.
Poincare über den ftoung-Plan. — 65 Stimmen Mehrheit für poincare.
Paris, 16. Juli. (WB.) Dor zunächst schwach besuchtem Hause hat Ministerpräsident PoincarL heute Bormittag sein Expose über die Schuldenfrage mit einer Würdigung des P o u n g - P l a - n e s beendet. Er erinnerte daran, daß, zu 5 Prozent amortisiert, der Gesamtbetrag der Schuld Frankreichs sich auf 14 Milliarden Goldmark belaufe und der Gesamtbetrag der Schäden auf 40 Milliarden Gold- mark, daß Frankreich aber für diese letzteren die Folgen der Frankenentwcrtung getragen und sich mit 2 3 Milliarden begnügt habe. Die einmalige Annuität des Dawes-Planes habe mit 2i Milliarden Goldmark nur eine zweiprozentige Verzinsung der auf 132 Milliarden festgesetzten deutschen Schuld dargestellt. Für die Tilgung der Schulden sei also nichts vorhanden gewesen. Trotzdem sei Frankreich durch die Zahlungen des Dawes- Planes zufriedengeftellt. Der einzige Grund, den es hätte geben können, eine Revision zu verlangen, sei , die immer dringender werdende
Notwendigkeit einer Verbindung zwischen Reparationen und Schuldenzahlungen gewesen. Die französischen Sachverständigen hätten sich auf der Pariser Konferenz damit begnügt, für den Voung-Plan die deutschen Zahlungen nur für die Dauer zu verlangen, während deren Frankreich selbst gezwungen sein würde, an Amerika und England zu zahlen. Damit sei die seit zehn Jahren vergebens angestrebte Verbindung zwischen Zahlung der Schulden und Befriedigung der For- derungen Frankreichs, eine Verbindung, die von vornherein von allen Sachverständigen, einschließlich Amerikas, angestrebt worden sei, erreicht worden. Als weiteren Fortschritt des Voung-Planes gegenüber der bisherigen Regelung erwähnte Poincare die Möglichkeit der Kommerzialisierung, die Einschränkung der Sachlieferungen und die Festsetzung der Zahl der Annuitäten. Bezüglich der Internationalen Dank führte Poin- car6 aus, die Rolle dieses auf sozialistische Anregung zurückgehenden Instituts sei auf ver- nünfnge Grenzen zurückgeführt worden. Es werde die mit der Verteilung der Annuitäten zusammenhängenden Geschäfte vorzunehmen haben; es müsse auch die Aufgaben der Organe des Dawes-Planes, diefortbestehenmüssen, erfüllen und schließlich die Kommerzialisierung er- leichtern.
3m weiteren Verlauf seines Exposes in der Kammer führte Poincarö u. a. aus:
Der Voung-Plan gibt Frankreich nicht alles, was es vom Dawes-Plan hätte erwarten können. Jür eine Durchschnittsannuität von 1300 Millionen Goldmark und die etwaige B igung am Ertrage des Wohlfahrtsindex hc. .i wir jedoch die Gewißheit, unter allen Umständen 500 Millionen sichere Zahlungen zu erhalten.
Herriot richtete an den Ministerpräsidenten eine längere Anfrage über die Beziehungen zwischen Reparations- und Schuldenzahlungen und machte geltend, dah die im Voung- Plan zwischen beiden Fragen hergestellten Beziehungen nicht zugunsten Frankreichs, sondern nur gegen Frankreich wirken könnten. P o i n - c a r 6 führte aus: Selbstverständlich ist Frankreich gegenüber Amerika gebunden, und, falls Deutschland den Voung-Plan nicht ausführe, bleibt Frankreich selbstverständlich der Schuldner Amerikas. Die Haltung Amerikas wird dadurch ausgeglichen, daß schon Deutschland sich für ebensolange Zeit verpflichtet, wie Frankreich verpflichtet ist, an Amerika Zahlungen zu leisten. Amerika selbst hat als Gläubiger Frankreichs und indirekt hat auch Deutschland das größte Interesse an der Ausführung des Voung-Plans. Ich will der Kammer nicht verheimlichen, so fuhr Poincare fort, daß die älebergangsperiode vom Dawes- zum Voung-Plan nicht scharf begrenzt ist. Rach Auffassung der Sachverständigen würde die Anwendung des Voung-Planes rückwirkende Kraft haben. Frankreich wird unbestreitbar die ersten Opfer für diese llebergangsperiode zu bringen haben. Wir haben das größte Interesse daran, kein Mißverständnis hinsichtlich der ungeschützten Annuität aufkommen zu lassen.
Wir werden jede neue Herabsetzung unserer Forderungen an Deutschland ablehnen.
Wir haben gewiß keinen Anlaß zu triumphieren, wenn man unsere bereits verstümmelten Forderungen aus dem Versailler Vertrag und dem Beschluß der Reparationskonferenz vom Jahre 1921 weiter verringert. Es ist auch nicht die Regelung, die wir für unsere interalliierten Schulden gewünscht haben, aber ich glaube, daß wir trotzdem nicht über den zu fassenden Entschluß im Zweifel sein können. Wenn der Voung- Plan abgelehnt werden würde, wären wir zweifellos berechtigt, zu erwarten, daß der Dawes-Plan wieder ausgeführt wird, aber wir kennen die Schwierigkeiten, auf die wir dann stoßen würden. Wenn Deutschland seine Zahlungen an die Schuldnerländer einmal einstellen sollte, so würde die Zahlungsfähigkeit dieser Länder verringert fein, und diese müssen sich naturnotwendig miteinander zu verständigen suchen, um die Revision ihrer Schuldenabkommen zu erlangen. Amerika ist also in erster Linie
an der loyalen Durchführung dieses Planes interessiert. Poincarä schloß mit einer nochmaligen Aufforderung an die Kammer, die Schuldenabkommen nach dem Vorbild der anderen Schuldnerländer zu ratifizieren.
Oie Opposition beantragt Vertagung.
Die Kammer trat heute nachmittag in die Debatte über die Ratifizierung der Schuldenabkommen mit den Vereinigten Staaten und England ein. Sie verhandelte zunächst über einen Antrag des Abgeordneten Louis Dubois von der Fraktion Marin, des ehemaligen Vorsitzenden der Reparationskommission, der eine Vertagung der Ratifizierung der Schuldenabkommen fordert. Das Schuldenabkommen mit den Vereinigten Staaten berücksichtige nicht die Richterfüllung feierlicher Versprechungen von Vertretern berbereinigten Staaten und lasse ferner die Klauseln des Waffenstillstandes und des Vertrages von Versailles außer acht, die bestimmten, daß Deutschland die im besetzten Gebiet verursachten Schäden wieder gutmachen müsse. Frankreich habe die Summe, die Deutschland schulde, noch nicht empfangen; deshalb sei eine Vertagung der Ratifizierung gerechtfertigt. Louis Dubois erklärt weiter, die Amerikaner hätten vergessen, den Kriegsdienst in Rechnung zu stellen, der ebensoviel wert sei wie Geld. Außerdem hätten die Vereinigten Staaten an ihren Kriegslieferungen bedeutenden Ruhen, teilweise bis zu 50 Prozent, gehabt.
Ministerpräsident P o i n c a r 6 widerspricht der Forderung des Abgeordneten Dubois und erklärte, daß er es gewesen sei, der 1919 die Regierung veranlaßte, die amerikanischen Kriegsläger aufzukaufen. Die Kriegsschulden seien jetzt zahlbar, da man Schuldscheine ausgestellt habe, die auf Sicht lauteten. Man könne also angesichts dieser Lage die Diskussion mit Amerika jetzt nicht mehr aufnehmen. Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Dubois ergriff Louis Marin das Wort, um die Tagesordnung Dubois zu verteidigen. Auch der Abg. Reibe! von der Fraktion M a g i n o t unterstützte den Antrag Dubois. Der sozialistische Abg. Vincent A u ri o l erklärte ebenfalls, trotz der politischen Gegnerschaft würden die Sozialisten für die Tagesordnung Dubois stimmen. Ministerpräsident P o i n c a r 4 erklärte darauf, daß die Regierung gegen die Tagesordnung Dubois
die Vertrauensfrage
stelle. Die Tagesordnung Louis Dubois wurde nun mit 304 gegen 239 Stimmen, also mit 65 Stimmen Mehrheit für Poincare, abgelehnt.
Hierauf wurde eine Tagesordnung des Abg. Franklin Bouillon zur Debatte gestellt. Sie lautet, Frankreich könne sich nicht der Gefahr aussetzen, den Dawesplan durch den Poungplan abzulösen, bevor man _nid)t wisse, ob ihn alle interessierten Mächte loyal annehmen und ausführen würden. Der Verfalltag vom 1. August werde durch die Tatsache, daß über die Annahme des Uoungplans noch verhandelt werden müsse, ipso facto hinausgescho» den. Der Abg. Franklin Bouillon erklärte, es handele sich darum, für die lange Zeit von zweiundsechzig Jahren alle Garantien zu erhalten. Seit zehn Jahren hätten die französischen Unterhändler sich immer auf den Standpunkt gestellt, daß Deutschland beza hie, und gegen diese Politik wende er sich. Heute erkläre man, daß Frankreich bezahlen könne, weil es durch den Poungplan sichergestellt sei. Gerade weil dieser Poungplan eine neue Tatsache bilde, fordere er, Franklin Bouillon, eine nochmalige Verhandlung über d i e Kriegsschulden.
Zwei Reden Briande überReparation und Räumung.
Oie Räumung der zweiten Zone in Vorbereitung.
Außenminister Briand
trat dem Vertagungsantrag Bouillon aufs entschiedenste entgegen. Er erinnerte an den gleichfalls auf die Ausführungen Bouillons hin kürzlich unternommenen vergeblichen Versuch, bei Amerika eine Verschiebung des Zahlungstermins zu erlangen. „Wir haben", so erklärte Briand, „nicht die materielle Genugtuung erhalten, die wir suchten, und auch ein moralischer Vorteil ist nicht zu sehen. Die Debatte wird um so peinlicher, je länger sie dauert.
Der Krieg, der die Völker auf die Schlachtfelder wirft, ist kein gutes Geschäft mehr. Sieger und Besiegte haben ihr volles Maß an Leiden.
Es sind hier ungerechte Worte gesprochen worden. Man erklärt uns, „ihr steht einem reichen Gläubiger gegenüber." Demgegenüber ist zu sagen: fünfzehn Länder vertraten denselben Standpunkt wie wir. Dreizehn Länder haben die von Amerika verlangten Abkommen ratifiziert. Sie haben nur erklärt, daß im Falle der Äicht- zahlung durch Deutschland sich eine Verminderung ihrer Zahlungsfähigkeit ergeben würde. Frankreich befindet sich in der gleichen Lage. Rehmen Sie die Lage, wie sie ist. Wir haben auch ein Abkommen mit Großbritannie n. Sollten denn die Vereinigten Staaten uns allein die Klausel gewähren, die sie fünfzehn Staaten nicht gewährt habery nur weil wir unsere Ratifizierung verzögert haben?" Mit großem Aufwand an Beredtsamkeit erinnerte Briand an den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg. Er führte aus: „Es waren die Tage von Verdun. Die Deutschen standen in den Vororten von Verdun. Ich erinnere daran, damit man anderswo weiß, daß es Augenblicke gibt, die die Franzosen nicht vergessen. (Lang anhaltender DeifaU.) Ich will nicht, daß man, wenn das Furchtbare, das wir durchgemacht haben, von neuem unser Land Heimsuchen sollte, ich will nicht, daß man dann, wenn Frankreich Hilfe braucht, ihm sagen kann: Wir wollen uns nicht wieder dem ilndank aussehen. So unangenehm die Debatte auch sein möge, ich fordere Sie auf, dafür zu sorgen, daß man auch bei dieser Diskussion das Herz Frankreichs schlagen hört und seine dankbare Erinnerung empfindet.
Die Amerikaner sind von sehr weit hergekommen, um ihr Blut an unserer Seite zu vergießen, während in Frankreich niemand an den Sieg glauben konnte.
Es waren Stunden der Angst, des Schreckens, es war die Stunde, in der der Präsident der Vereinigten Staaten den Reichskanzler fragte: „Welches sind Ihre Kriegsziele?" Und der Reichskanzler antwortete: „Unfere Kriegsziele sind dort, wo unsere Soldaten stehen!" Wir konnten nicht glauben, daß der Sieg noch über unseren Fahnen strahlen würde. An jenem Märztag, an dem der Botschafter der Vereinigten Staaten mich aufsuchte, um mich zu fragen, welche Vorkehrungen unsere Ministerien im Hinblick auf den Krieg getroffen haben, sagte ich mit großer Bewegung zu ihm: „Sie kommen also?" Und ich brach in ein Schluchzen aus. Er auch. Er sagte: „3a". Es war ein großer Augenblick, und
Frankreich vergißt nicht, was Amerika für Frankreich getan hat!"
Briand erinnerte sodann an feine in Genf entfalteten Bemühungen, um die Regelung der Kriegsschulden mit derjenigen der Reparationen zu verbinden. Es habe die Möglichkeit bestanden, kommunizierende Gefäße zwischen
Deutschland, England und Frankreich herzustellen. Wenn der Antrag Franklin Bouillon nun angenommen würde, so würde alles verschwinden außer der Schuld Frankreichs. Amerika werde am Ende des Monats, wenn das Abkommen nicht ratifiziert sei, die Rechnung präsentieren. Wenn die Rechnung bezahlt werde, so werde England die feinige ebenfalls vorlegen. Vor dieser Gefahr und Häufung der Schwierigkeiten müsse gewarnt werden. Der Antrag Franklin Bouillon zerreiße alles, was bisher erreicht worden fei. Briand schloß:
„Wenn der Antrag Franklin Bouillon angenommen wird, so müssen andere Männer in der Regierung daraus eine Wirklichkeit machen."
Der Abgeordnete Franklin Bouillon nahm nach der Rede Briands seinen Vertagungsantrag zurück. Das gleiche tat der Abgeordnete Delson, der die Ratifizierung der Schuldenabkommen bis zur Ratifizierung des Voung- Planes durch Deutschland aufschieben wollte.
Oer sozialistische Abgeordnete Leon Blum
ergriff hierauf das Wort, um seinen Vertagungsantrag zu begründen, in dem die Regierung aufgefordert wird, zunächst eine Politik der
wirklichen Befriedung und der Abrüstung
zu betreiben. Er legte den sozialistischen Standpunkt dar: Annullierung der Schulden und ein Zahlungsplan, wonach die einzigen wirklichen Verpflichtungen Deutschlands in den Reparationen bestehen. Gegenwärtig, so erklärte er, werden etwa zwei Drittel der Annuitäten des Doungplanes für die Kompensierung der interalliierten Schulden verwandt. Frankreich wird nach der optimistischsten Berechnung für seine Reparationen nur 6 Milliarden Goldmark, d. h. 40 Milliarden Papierfranken erhalten, mehr als die Hälfte der Reparationen fällt uns also zur Last. Der Ministerpräsident hat heute vormittag behauvtet, daß unsere Reparationen mit 65 Milliarden Goldmark ersetzt werden müßten. Wir haben es bisher auf sechs Milliarden gebracht. Damit derartiges möglich war, mußte eine lange Reihe von Irrtümern begangen werden:
dec unverzeihliche Irrtum der Versailler Friedensverhandlungen, die Ablehnung der Vorschläge Bonar Lows und die Ruhrbesehung, ein außenpolitischer Fehlgriff, der eine Stimmung des Mißtrauens gegen Frankreich geschaffen hat. Wollen Sie jetzt Europa abrüsten und den Frieden ermöglichen? Rehmen Sie die Schiedsgerichtsbarkeit ohne Vorbehalt an? können Sie sich von der Vergangenheit abwenden? Die Sicherheit besteht nicht in der militärischen Besetzung, die Sicherheit liegt in Locarno! Erkennen Sie an, daß die sofortige Räumung des Rheinlandes eine Folge des Poungplans ist? Ohne diese Räumung gibt es keine Befriedung, ohne Räumung keine Annahme des Poungplanes. Wir fragen die Regierung, ob sie die Räumung des Rheinlandes von der Ausführung des Poungplanes abhängig macht, und ob sie unter Ausführung die Mobilisierung des ungeschützten Annuitätenteils versteht.
Der Ministerpräsident hat heute morgen behauptet, daß diese Mobilisierung nicht sicher sei. Wollen Sie also die Rheinlandräumung an diese Bedingung knüpfen? Wir wiederholen, daß keine Mobilisierung ohne vorherige Räumung möglich ist.
Rach der Rede Leon Blums, di« auf der linken Seite des Hauses oft von Beifall unterbrochen wurde, ergriff
Briand
nochmals das Wort. Er nahm für sich gegen Leon Blum eine gewisse Kontinuität der 3deen zur Verwirklichung desFrie- dens in Anspruch und verwahrte sich dagegen, daß man einen Tlnterschied machen wolle zwischen seinen Bestrebungen und denjenigen der Regierung. 3ji der Außenpolitik sei nichts geschehen, ohne daß die Regierung darüber beraten und die Ziele des Außenministers gebilligt habe.
Diese Erklärung wurde vom Ministerpräsidenten P o i n c a r 6 in einem Zwischenruf bestätigt. Briand schilderte dann die Schritte Frankreichs zur Aufrichtung des europäischen Friedens und erklärte weiter:
Die französische Regierung will nicht durch List oder auf Schleichwegen vorgehen, sie will auf die Konferenz gehen mit dem sehr festen Willen, alles, was möglich ist, im Interesse des Friedens zu erreichen.
Aber da der Abgeordnete Blum von Reparationen und vom Rheinland gesprochen hat, muß ich ihm sagen, daß es nicht sehr leicht ist, sich im Rahmen der Verträge zu bewegen. Es ist, wie wenn man jemandem einen Sack mit Kohle gibt und ihn beauftragt, Mehl daraus zu entnehmen. Briand erinnerte sodann an die Verhandlungen von Paris, London usw. und erklärte:
Auf der bevorstehenden Konferenz muß man sich völlig und endgültig einigen.
Eine endgültige vollständige Regelung darf aber nicht eine leere Formel fein. Briand fuhr fort: Für einen dauerhaften Frieden tzenügt es nicht, daß Frankreich allein Gesten unternimmt, sondern es sind gemeinsame Gesten Frankreichs und Deutschlands notwendig. Der Friedensvertrag hat eine 15jährige Besetzung vorgesehen. Die erste Zone ist zwei 3ahre länger als vorgesehen beseht geblieben, weil Deutschland nicht alle Bedingungen erfüllt hatte.
Was die zweite Zone betrifft, so haben wir keinen Grund, zu verbergen, daß die französische Regierung schon die Möglichkeit der Räumung ins Auge gefaßt hat. Die Räumung eines von 50 000 Mann besetzten Gebietes laßt sich frei- willig nicht von heute auf morgen bewirken. Seit Wochen Hal die Regierung die Mittel zur
Ausführung dieser Maßnahme ins Auge gefaßt.
Was wir erlangen wollen, ist, daß eine endgültige Regelung zustandekommt, ist die Gewißheit, daß der Voung-Plan lebendig und wirksam wird. Eine Anzahl Gesetze muß vom Reichstag beschlossen werden; ohne sie könnte der Voung-Plan nicht durchgeführt werden. Wir werden ebenfalls mit diesem Plan vor die Kammer treten, denn es liegen gewisse Abänderungen gegenüber dem Versailler Vertrage vor. Sie können von der Regierung nicht verlangen, daß sie die Bedingungen präzisiert, unter denen die Kommerzialisierung der Annuitäten möglich fein wird.
wir gehen aber auf die Konferenz mit dem besten Willen, eine endgültige Regelung zu erlangen und den Voung-Plan so ratifizieren zu lassen, wie er in seiner Gesamtheit von den Sachverständigen angenommen worden Ift, mit
Ausnahme gewisser Etnzelhetten über die Zah- lungsbank. Ich bin überzeugt, daß der Friede einen großen Schritt vorwärts machen wird.
Briand erklärte ferner, die Regierung dürfe sich nicht der Gefahr aussetzen, daß man chr nach der Konferenz in der Kammer vorwerfen könne, daß sie schlecht verhandelt habe. Wenn wir das R h einland räumen, so erklärte er werter, und wenn einige Monate später DeutsHland sich seinen Verpflichtungen entzieht, während wir gezwungen wären, unsere Schulden Zu bezahlen, so würde das nicht eine Atmosphäre des Friedens zwischen den beiden Völkern schaffen: tm Gegenteil, es würde zwischen ihnen einen nicht wieder gutzumachenden Zustand der Feindseligkeit herbei- sühren. „Der Friede," so fuhr Briand fort, „wird sich übrigens nicht allein aus dieser Konferenz ergeben, er muh auch aus einer allgemeineren Verständigung zwischen den verschiedenen Ländern Europas entstehen. Seit mehreren Jahren habe ich persönlich bei verschiedenen meiner Kollegen, die die europäischen Staaten tm Völkerbund vertreten, eine Propaganda im Sinne einer
Organisierung Europas
übernommen. Ich habe eine sehr große Anzahl zustimmender Erklärungen erhalten und erst kürzlich die wichtigsten Zustimmungen. Anter den gegenwärtigen Amständen bin ich der Meinung, daß Europa organisiert werden muh, um Konfliktsmöglichkeiten, die eine Gefahr für den Frieden sind, zu beseitigen. In diesem Sinne suchen wir die Organisierung Europas als Pfand des Friedens. Es ist also nicht möglich zu sagen, daß die Regierung in irgend einem Augenblick das Interesse des Friedens in der Welt und vor allem in Europa außer acht lassen wird. Ich versichere der Kammer, dah man auf der nächsten Konferenz unsere ganze Aufmerksamkeit, unseren ganzen Willen nicht einen Augenblick von diesem Ziel abbringen wird.
Rach der mit Beifall aufgenommenen Rede Briands wurde die Fortsetzung der Aussprache auf morgen vormittag vertagt.
pariser Presse-Kommentare.
Paris, f7. Juli. (WTB. Funkspruch.) Einige Blätter vertreten auf Grund der Tatsache, daß in der gestrigen Kammersitzung die Tagesordnung Dubois mit 65 St im men Mehrheit abae- lehnt worden ist, die Ansicht, daß nunmehr der Antrag über die Ratifizierung der Schuldenabkommen angenommen und daß Ende dieser Woche die Angelegenheit erledigt ist.
Briands Aeußerunge n in der gestrigen Kammersitzung über die Regierungskonferenz veranlassen einige Blätter zur Stellungnahme. So schreibt „Ere Rouvelle": Briand war geistreich, bezaubernd und allegorisch. Er kann zwar
ben Rhein nicht behaupten, trotzdem ist er entschlossen, ihn keineswegs für einLin- f eng «richt herzugeben. Was er ausführte, kann als die Vollendung der Technik des „Wenn und Aber" bezeichnet werden.- Die Art, in der er argumentiert, ist folgende: AlleS sagen kann ich eussh nicht, aber ihr müßt Vertrauen zu mir haben, zu mir, dem Mann von Locarno. Er hat auch etwaS durchblicken lassen von dem Zukunftsplan des europäischen Bundes des Friedenseuropa.
Die radikale „Republique" schretbt: Als Briand von der bevorstehenden internationalen Konferenz sprach, war seine Zurückhaltung sehr groß. Wenn jemand in seinen Worten entdeckt hat, welche Haltung die Regierung dort eigentlich einzunehmen gedenkt, dann muß der Betreffende schon sehr schlau gewesen sein. Eins ist unbestreitbar: Briand hat uns versprochen, daß er auf die Konfe- renz einen fest en Willen mitnehmen wird. Er hat uns außerdem noch versichert, daß er unsere Auffassung zu verteidigen gesonnen und bereit ist, nach seiner Rückkehr dem Parlament Mitteilungen zu machen. Abgesehen aber von diesen allgemeinen Redensarten und oberflächlichen Apercus war nicht zu erkennen, was unter der Oberfläche steckte. Diel Stroh bringt nicht das geringste Korn, das ich der ganze Ertrag.
„Ouotidien" schreibt: Briand kann nicht sagen, wir werden morgen räumen, dürfte sogar nicht sagen, wann wir räumen werden. Genau wie vor kurzem Henderson hat er sich bemüht, zu zeigen, wie sehr es in dieser Frage der Zurückhaltung bedarf. So hat Blum auf seine Frage zu der Angelegenheit keine präzise Antwort von Briand erhalten können.
„Figaro" sagt: Briand, der Frankreich auf der kommenden Konferenz vertreten wird, hatte allen Anlaß, eine Antwort auf die an ihn gerichtete Frage unzweideutig abzulehnen. Er wünscht sich die Freiheit des Handelns zu bewahren, und er hat auch ein Recht zu schweigen. Aber er hat uns in feiner Form Gelegenheit gegeben, zu erraten, was er will, und es ist bewundernswert, daß das genügte, um die Sozialisten auf der einen, wie die Rationalisten auf der anderen Seite zu. beruhigen. Aehnlich wie Poincars hat er die Zukunft resigniert beurteilt, aber Poincar^s Resignation ist jüngeren Datums und schmerzlicher. Briand ist an Resignation gewöhnt und jagt inzwischen auf dem gefährlichen Terrain des Plans eines europäischen Bundes Chimären nach.
„V i c t o i r e" schreibt: Der alte Fuchs von Locarno hat die Falle gewittert und sein Recht geltend gemacht, nicht von vornherein auf der Tribüne der Kammer zu erzählen, was er demnächst mit seinen Exgenossen Müller und Macdonald ins Werk zu setzen gedenkt.
Eine klare Feststellung des Reichskanzlers.
Berlin, 16.3uli. (IBB.) Mik Beziehung auf die Behaupkungen, die noch immer in einem Teil der französischen presse unter Berufung auf die Genfer Verhandlungen vom September o. 3. über den plan der Einsetzung einer besonderen Kommission für die demilitarisierte Rheinlandzone ausgestellt werden, wird uns von dem Herrn Reichskanzler, als dem damaligen Führer der deutschen Delegation, mitgeteilt, dah er nur die schon verschiedentlich von amtlicher deutscher Seite abgegebenen Erklärungen über dieses Thema wiederholen könne. 3nsbesondere stimme er in allen Punkten den Ausführungen zu, die noch vor wenigen Tagen der Herr Reichs- minifterdesAuswärtlgen gegenüber einem Vertreter der „Frankfurter Zeitung" gemacht habe.
Bei den Verhandlungen im September habe er in keinem Augenblick einen Zweifel darüber gelassen, dah für Deutschland eine über das 3ahr 1935 hinaus tätige Kommission der in Rede stehenden Art keinesfalls in Frage kommen könne. Keine deutsche Regierung würde sich finden, die in diesem Punkte über den Versailler Vertrag hinaus Konzessionen machen würde.
Aus der Haltung der deutschen Delegation in der Septembertagung erkläre sich auch die Tatsache, dah über die Dauer der Kommission, wie das bei Abschluß der Genfer Tagung veröffentlichle Kommunique zeige, keine Einigung habe erzielt werden können.
Macdonaldsprichtvongewiffsn anderen Mächten.
London, 16. Juli, (WB.) Im Unterhaus fragte das konservative Parlamentsmitglied B o o t h b y heute den Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, ob die Regierung in der Lage sein werde, eine Erklärung über die Frage, w o die kommende internationale Reparationskonferenz abgehalten werden wird, abzugeben, bevor das Haus sich für die Sommerferien vertagt, Churchill stellte hierauf an den Premierminister die Zwischensraae. ob er in dieser Angelegenheit der Tatsache Rechnung tragen werde, daß die britische Regierung, wenn die Kon. ferenz in London abgehalten wird, und daß, wenn die britische Regierung in die Lage kommt, Gastgeberin zu sein, sie sehr wahrscheinlich dazu gedrängt werden wird, größere Zugeständnisse zu machen, als wenn die Konferenz auf neutralem Gebiet stattfinde. Macdonald antwortete: „Ich wünschte, Churchill würde gewisse andere Mächte davon überzeugen, daß dieses der Fall ist,"
Es ist nicht ersichtlich, ob diese Antwort Macdonalds ironisch gemeint war, oder nicht, Schluß mit dem Rotenkrieg.
Paris, 17.3uli. (WTB. Funkspruch.) Rach dem „Echo de Paris" scheint die britische Regierung auf die Fortsetzung des Rotenaustau s ch s mit Frankreich in Sachen des Ortes der Regierungskonferen, verzichten und statt dessen durch ihren Botschafter in Paris direkt mit Briand und Poincare verhandeln zu wollet». Wan dürfte, dem Blatte zufolge, in einigen Tagen über das Ergebnis dieser Unterredungen unterrichtet werden.
Englische Räumungsvorberettungen getroffen.
London, 16. Juli. (WTB.) Im Unterhaus erklärte der Finanzsekretär im Kriegsministerium Shinwell auf eine Anfrage, endgültige Weisungen für die Räumung des Rheinlandes durch die britischen Trup- p e-n könnten erst erteilt werden, wenn der Räumungsbeschluß vorliege. Aber die Maßnahmen, die dann erforderlich seien, seien vom Kriegsmini st erium in einer Besprechung mit dem Kommandeur der britischen Rheinlandtruppen schon geprüft worden. Auf eine weitere Frage, worin diese Maßnahmen beständen, erklärt Shinwell, es hätten bereits Erörterungen über Einzelhe iten stattgesunüen, aber es sei noch nichts Endgültiges beschlossen worden.
Chinas Antwort an Rußland.
Es foll verhandelt werden.—Oie kommunistische Propaganda.
Nanking, 16. Juli. (WTB.) Der Minister des Auswärtigen, Wang, hat den interimistischen chinesischen Geschäftsträger in Moskau telegraphisch beauftragt, der Sowjetregierung die d) i n e > fische Antwortnote auf das russische Ultimatum zu überreichen. In dieser Antwortnote wird mitgeteilt, daß
der chinesische Geschäftsträger sich demnächst von Ranking mit allen Vollmachten ausgestattet nach Moskau begeben werde, um alle schwebenden Fragen mit dem Sorojetfommiffariat des Auswärtigen zu besprechen.
Die Note besagt weiter, die chinesische Regierung und das chinesische Volk hätten immer freund schaftliche Gefühle gegen Regierung und Volk der Sowjetunion gehegt. Es seien aber jüngst auf chinesischem Gebiet Beweise dafür geliefert worden, daß Sowjetagenten kommunistische Propaganda betrieben mit dem Ziele, die chinesische Regierung und die G e s e l l s ch a f t s ordnung Chinas zu gefährden. Um die
Ordnung aufrechtzuerhalten, hätten die mandschurischen Behörden non der ostmandschurischen Eisenbahn Besitz ergriffen und das Sowjetkonsulat in Eharbin geschlossen. Die mandschurischen Behörden berichteten, daß
die russischen Beamten der ostchinesischen Bahn das Uebereinkommen von 1924 nicht genau befolgt hätten, so dah man die Handlungsweise der Rationalregierung nicht als Verletzung des genannten Uebereintommens ansehen dürfe.
Die Nanking-Regierung verlange, daß die Sowjet- behören erstens die jetzt in Rußland gefangen genommenen Chinesen fr eil affe, zweitens die Chinesen in Rußland in gleicher Weise gegen Repressalien und Angriffe beschütze. Die chinesische Note schließt: Die Nationalregierung werde handeltreibende aus der Sowjetunion immer g u t aufnehmen, aber die kürzlich erfolgte Verhaftung von Russen in der Mandschurei fei nur g e - recht und eine notwendige Maßnahme zur U n - terbrüctung der kommunistischen Pro.
paganda in der Mandschurei tffii) zur Aufrecht, erhaltung der Ordnung gewesen.
Ein russisches Kommunique.
M o s k a u , 17. Juli. (WTB. Funkspruch.) Das Auhenkommissariat veröffentlicht folgendes (Kommunique: Der chinesische Geschäftsträger 6 i a W e i 6 u n g teilte am Abend des 16. Juli dem Auhenkommissariat folgende, ihm vom QHinv sterium des Aeußern in Ranking zugegangene telegraphische Instruktion mit: „Obwohl wir noch nicht den vollen Text der Protestnote des Außenkommissariats, die eine Antwort innerhalb einer bestimmten 5rift fordert, erhalten haben, sind wir über ihren Grundgedanken im Klaren. Gewöhnlich unterhält unsere Regierung freundschaftliche Beziehungen zur Sowjetunion. Diesmal machten die Eharbiner Ereignisse es notwendig, die bekannten Maßnahmen in bezug auf die Ost- chinabahn zu ergreifen, jedoch können diese nicht auf die vorhandenen diplomatischen Beziehungen der beiden Staaten Einfluß ausüben.
Der Gesandte wird bald nach Woskau zurück- kehreu und zur Ausübung seines Amtes schreiten. Falls die Sowjetregierung eine bestimmte Auffassung hat, kann man sie baldigst beiderseitig besprechen. Unserer Ansicht zufolge mühten alle Streitigkeiten auf Grund der Aussprache der beiden Staaten beigelegt werden.
Unter dieser Bedingung sind ade Fragen gleich au lösen. Wir befehlen Ihnen, schon jetzt mündlich dem Außenkommisfariat darüber Mitteilung zu erstatten und hinzuzufügen, daß wir sofort
nach Empfang der Protestnote de? AußeickE^ nnssariats sie beantworten/'
Wie die Telegraphenagentur der Sowjetunion von amtlicher Seite erfährt, wird die Sowjetregierung auf diese Mitteilung des chinesischen Ministers des Aeußeren nicht anttoorten, sondern die Antwort der chinesis chen Regierung auf die Rote des Außenkommissariats vom 13. Juli abwarten, die das Rankinger Ministerium des Aeußern sofort nach Eingang k«s Gefamttextes der Rote zu geben verspricht.
Richt ernst genommen.
Washington, 17. Juli. (Reutcr-Funkspr.) Eine Meldung aus Riga, der zufolge die Vereinigten Staaten vielleicht den Wunsch äußern würden, in dem Stteit zwischen China und der Sowjetunion zu vermitteln, wird hier nicht ernst genommen. Die Vereinigten Staaten haben die Sowjetunion nicht anerkannt und außerdem herrscht allgemein die Ansicht, daß die Regierung strenge Neutralität zu beobachten wünscht.
Ehina klopft bei Japan an.
Tokio, 17. Juli. (T. U. Funkspruch.) Der chinesische Gesandte in Tokio hat dem japanischen Außenminister, Baron Schide- Hara, amtlich den Abschluß eines Freundschaftsvertrages zwischen China und Japan vorgeschlagen. Die Rankinger Regierung legt großen Wert auf möglichst beschleunigten Abschluß dieses Vertrages, selbst wenn die anderen wirtschafllichen und politischen Fragen zwischen beiden Ländern noch nicht gelöst sind.
Oie Jungfernfahrt der „Bremen".
Bremerhaven, 16. Juli. (WB.) Heute um 17,52 Llhr hat der Riesendampfer „Dre - men“ seine erste Fahrt nach Amerika angetreten. Eine unübersehbare Menschenmenge, die die Kaianlagen umsäumte, jubelte ihm in unbeschreiblicher Begeisterung zu.
Zugleich mit der „Bremen" hatte auch der Seebäderdampfer „Roland" mit den in- und ausländischen Pressevertretern an Bord vom Kai abgelegt und fuhr vor der „Bremen" in die See hinaus. Im Laufe der Zeit gewann der „Roland" aber einen großen Vorsprung, da die „Bremen" in dem Fahrwasser der Weser noch nicht von ihrer vollen Maschinenstärke Gebrauch machen konnte. Auf der Höhe des Weser-Feuerschiffes drehte der „Roland" und fuhr der „Bremen" wieder entgegen, um sie auf halbem Wege au umkreisen und zugleich die letzte Post an Doro zu geben. In einem Postbeutel befand sich der Film, den die Para- mount-Gesellschaft von der Ausreise der „B r e m e n“ am Rachmittag ausgenommen hatte. Der Film wird mit dem Bordflugzeug der „Bremen" nach R e u h o r k befördert werden und, bevor die „Bremen" dort ankommt,
bereits in den Theatern zur Vorführung gelangen. Unter Absingung des Deutschlandliedes und begeisterten Hurra-Rufen trennten sich die beiden Schiffe. Während die „Bremen" in der Ferne verschwand, steuerte der „Roland" wieder Bremerhaven an, wo er gegen 22 Uhr eintraf.
Oie „Bremen" spricht zum deutschen Rundfunk.
Hamburg, 17, Juli, (WB.) Die U e b e r» tragungsverfuche der Norag über den T e - lepyoniesender des Lloyd-Dampfers „B r e • men" find gestern abend restlos gelungen. Fast alle deutschen Rundfunksender waren angeschlossen. Die Wotte des Sprechers waren mit allen Empfangsgeräten sehr gut verständlich, Die Rundfunksendungen der „Bremen" von hoher See wurden in Norder- ney und Zehlendorf aufgenommen und sämtlichen Sendern zugeleitet, Die Uebertragungen werden jeden Abend gegen 22 Uhr bis zur Ankunft des Dampfers nach feiner Jungfern- reife in Neuyork fortgesetzt.
Oos Befinden des Königs von England.
L o nd o n, 16. Juli. (WB.) Rach einer offiziellen Mitteilung im Buckingham Palast von jeute abend hat der König einen guten Tag jefjabt. Sein Befinden mache befriedigende Fortschritte.
Chilenischer Generalsbesuch.
Washington, 16. Juli. (WB.) Der Chef der chilenischen Heeresleitung, General D i a z, ist heute hier eingetroffen. Er wird am Mittwoch durch den chilenischen Botschafter D a - Vila Präsident Hoover vorgestellt werden. General Diaz tritt am Donnerstag seine Reise nach Berlin an, um den kürzlichen Besuch des Chefs der deutschen Heeresleitung General Heye bei der chilenischen Armee zu erwidern.
Oer Giinnes-prozeß.
Berlin, 16.Juli. (WTB.) Im Sttnnes- Prozeh wurden heute die Plädoyers der Verteidiger geführt. Zunächst plädierte Rechtsanwalt Dr. Sanbad, Berlin, für eine Freisprechung des der Beihilfe beschuldigten Angeklagten Schneid. Rach der Mittagspause plädierte für den Angeklagten Leo Hirsch dessen Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Whgodzinski. Er kam zunächst auf das Geständnis zu sprechen, das sein Klient vor dem Untersuchungsrichter abgelegt hat und erklärte, der Angeklagte habe sich darin der Wahrheit zuwider selbst belastet, denn er könne bei der Wiener Verabredung vom 31. Oktober zwischen Bela Grosz und Roth- mann nicht zugegen gewesen sein. Der Verteidiger bat, seinen Mandanten von der Mittäterschaft am versuchten Betrüge freizusprechen, zum mindesten aber das Strafmaß erheblich herabzusetzen. Die beantragte Strafe von sechs Monaten Gefängnis sei für den wenig aktiven Anteil, den Hirsch genommen habe, weitaus zu hoch. Der Verteidiger legte am Schluß noch dar, daß, wenn man strafbare Handlungen für vorliegend erachten sollte, diese ja in Oesterreich begangen sein müßten und dementsprechend dann eine Verurteilung hier in Deutschland nicht erfolgen könne.
Am Mittwoch wird Rechtsanwalt Dr. Münch für den Angeklagten Böla Grosz plädieren.
Aus aller Well.
Lloyddampfer „Derfflinger" vor Tsingtau aufgelaufen.
London, 17.3uli (WTB. Funkspruch.) Rach einer Reulerrneldung aus Schanghai, ist der Dampfer „Derfflinger“ des Norddeutschen Lloyds auf dem Wege von Dairen nach Tsingtau bei dem etwa 40 Meilen vor der Küste von Tsingtau liegenden Felseneiland Tscha-lien- t a u auf ein Riff geraten. Die Laderäume Rr. 1 und 2 find v o l l g e l a u f e n. Bon Schanghai find Bergungsdampfer unterwegs. Der „Derfflinger" hat 40 Passagiere an Bord.
Schiffskatastrophe vor Valparaiso.
Am Dienstag wurden, einer Meldung aus Reu- yort zufolge, Süd- und Mittelchile von
einem heftigen Sturm heimgesucht. Besonders betroffen wurden die Gegenden von San Antonio und Valparaiso. Gegen mittag sandte das chilenische Truppentransportschiff „Abtao" SOS-Rufe aus, worauf mehrere Schifte schleunigst zur Hilfe herbeieilten; jedoch sank das Transportschiff fast unmittelbar darauf vor dem Hafen von Balparaifo Bon der 40 Mann starken Besatzung konnte nur ein einziges Mitglied gerettet werden.
700 Todesopfer
der Neberschwemmnng in der Türkei.
Rach ergänzenden Meldungen über die Heber- schweinmungskatasirophe im Gebiet von Trapezunt sind dabei 7 0 0 Personen ums Leben gekommen. 3500 Personen sind obdachlos. Die Erdrutsche dauern an einigen Orten an und bilden eine Gefahr für die Bevölkerung. Der allein in Surmene am Schwarzen Meer angerichtete Schaden wird auf 700000 türkische Pfund geschätzt.
Furchtbare Verbreitung von Augenkrankheiten in Persien.
Teheran, 17.3nli. (WTB. Funkspruch.) Die letzten Statistiken, die auf Ersuchen des Bölferbun- des ausgestellt worden sind, besagen, das übe t 4 000 000 Personen in Persien Augen- krankheiten haben. Die gesamte Bevölkerung beträgt 10,5 Millionen. Die Zahl der Blinden beläuft sich auf 31 12 5.
Vier Tote bei einem Grubenbrand.
Dortmund, 16. Juli. (WB.) Das Oberbergamt teilt mit: Die bei dem Grubenbrand auf der Zeche „Katharina" bei Essen vermißten Bergleute sind nunmehr t o t geborgen worden. Sie sind in den Brandgasen erstickt. Der Brand ist so eingedämmt worden, daß er keine weitere Gefahr bildet. Heber die Ursache des Grubenbrandes ist feftgestellt worden, daß verbotswidrig auf einer Bremskammer mit einem Schweißapparat gearbeitet wurde und daß dabei Putzwolle und andere brennbare Gegenstände entzündet wurden.
Der Streit um den Eibsee.
Das „Berl. Tagebl." meldet aus G a r m i f ch - Partenkirchen, die Familie lerne, die Besitzerin des Eibfees, habe mitgeteilt, daß die mit den nunmehr abgereisten Herren des in Frage kommenden amerikanischen Klubs geführten Verhandlungen soweit gediehen feien, daß Herr lerne den Eibsee mit dem Hotel an die Amerikaner verkaufen könne. Die Endverhandlungen feien nur deshalb verzögert worden, weil sich Herr lerne erst mit seiner Verwandtschaft über die ihm unterbreiteten Vorschläge verständigen müsse. Herr lerne habe weiter mitgeteilt, daß befriedigende Angebote aus Deutschland nicht vorlägen. Er sei der Schikanen und Vergewaltigungen des bayerischen Staatsfiskus endgültig müde geworden. Terne habe auch durchblicken lassen, daß ein größeres Entgegenkommen des bayerischen Staates bei ihm vielleicht den Wunsch, seinen Besitz zu verkaufen, zurücktreten lassen würde.
Amerikanische Expedition von Eingeborenen getötet.
Rach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Caracas (Venezuela) ist eine Expe - - bition amerikanischer Ingenieure und Geologen in den Dschungeln von Venezuela von eingeborenen Pygmäen getötet worden. Die Expeditton hatte nach Petroleumquellen gesucht.
Aus der Provinzialhauptstadl.
Gießen, den 17. 3uli 1929.
Zwischen wogendem Korn.
Welch eigenartiges Gefühl überfommt einen doch, wenn man zwischen wogendem Korn hinschreitet, wie drängen sich die Gedanken heran, wenn der Blick über die schaukelnden 2lehren fortgleitet, wie fühlt man sich heimatverbunden, wenn die lachende Sonne über der bewegten Fläche spielt, daß man meint, inmitten einer Gvldflut zu stehen, umschlossen von immer beweglichen Wellen eines blinkenden Seeö. Welcher Frieden senkt sich auf einen selbst heriüeder, wenn der Wachtelruf von irgendwo her ertlmgt, wenn die Abendglocke aus dem fernen Dörfchen herüberfchwingt und der Tag ans Scheiden geht.
Mit welchen Hoffnungen und Erwartungen hat der Landmann vor Monaten den Samen der Erde anvertraut! Wie hat er gebangt darum, daß sein Werk gedeihen möchte. Fröste sind ge- kommen, dunkle Tage, dann aber auch wieder die Hellen, warmen, strahlenden Sonnentage, die die zarten Pflänzchen ans Licht lockten. Wie hat man das erste Grün begrüßt, das sich schüchtern aus der Erde drängte. Wie hat man sich gefreut, als neben der grünen Saat am Rain di« ersten Blümchen kamen.
Und dann sah man das alles wachsen, immer höher sich recken. Man sah es und sah es nicht. Vieles andere gab es ja zu schauen, und der Tag gehörte einem, daß es nicht nötig war, dem nachzusinnen, was im Grunde selbstverständlich erschien.
Hun aber schreitet man durch das wogende Korn und hört von ferne schon den blanken Stahl, der alles niederlegen wird, und fühlt plötzlich auch, wie weit man schon wieder ins Fahr hineingeschritten ist. Der Ernte entgegen, heißt ja, daß der Wind bald wieder über kahle Stoppelfelder wehen wird, daß feuchte Hebel auf die Erde sinken, die Tage trüb und un* freundlich werden.
Doch nein! Wir wollen noch nicht daran denken. Wir wollen noch dankbar hinnehmen, was der üppige Sommertag gibt, seine Wärme, seine Strahlenfülle, seinen köstlichen Reichtum. Die kargen Tage werden sich schon an uns heran- drängen. Wir werden uns ihnen nicht entziehen können. Eben darum vielleicht werden wir mit verdoppelter Freude an dem wogenden Korn hinschreiten, und es wird uns sein, als ob wir die Hände zärtlich über die goldenen Aehren hingleiten lassen mühten. Wie eine Liebkosung wird das sein, zu der es uns drängt aus Dankbarkeit für das alles, was uns Mutter Natur freigebig spendet, aus Freude an all dem, was sie uns an reinen Freuden an den Weg ftelti.
Bornotizen
— Tageskalender für Mi ttwock. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ledige Mütter'.
Daten für Donnerstag, 18. Juli.
Sonnenaufgang 4.03 Uhr, Sonnenuntergang 20.08 Uhr. — Mondaufgang 18.09 Uhr, Monduntergang 0.46 Uhr.
1100: Gottfried von Bouillon in Jerusalem gestorben (erster Kreuzzug),' — 1374: der Dichter Francesco Petrarca in Arqua gestorben; — 1721: der französische Maler A. Watteau, Hauptvertreter der
Rokokozeit in Nogent gestorben- — 1864: die Dichterin Ricarda Huch in Braunschweig geboren: — 1870: Verkündigung des päpstlichen Unsehlbarkeitsdogmas.
•* Oberst a. D. Naumann. 3n Ergänzung unserer Notiz über Herrn Oberst a. D. Naumann, wird uns noch mitgeteilt, daß derselbe im 3ahre 1869 in das Groß Herzog!. 2. Infanterie» Regiment übergetreten ist und in diesem den Feldzug 1870/71 mitaemacht hat. Dieses Regiment erhielt nach dem Krieg die Bezeichnung 2. Orohher- zogl. 3nfanterie-Regiment (Großherzog) 116.
* (Ein Dorado f ü r Stare und Spatzen. Im Borgarten der Synagoge an der Südanlage steht ein großer Kirschenbaum. Er ist aber so hoch und weitverzweigt, daß die in Menge daran hängenden Früchte nicht mal den kirsckenlüsternsten Buben erreichbar sind, und selbst mittels einer freistehenden Feuerwehrleiter dürfte es schwierig sein, die Kirschen zu pflücken. Diese Hindernisse kommen den Staren und Spatzen zugute. Dank ihrer Sachkenntnis suchen sich die Vögel die süßesten Früchte heraus; was ihnen nicht mundet, lassen sie auf den Kies fallen, zum Leidwesen aller jungen und alten Kirschenfreunde.
** Entfernte Bäume. Von den am Zeugbausgarten an der Senckenbergstraße stehenden Kugelakazien wurden in voriger Woche sechs Stück entfernt. Sie sind wahrscheinlich der Kälte des letzten Winters oder anderen Ursachen zum Opfer gefallen, zum Leidwesen aller Naturfreunde.
•* Abonnementskonzert. Am Donnerstag, 18. d. M., 20.16 Uhr, findet auf der „Liebigs- höhe" das 6. Abonnementskonzert der Kapelle des hiesigen Bataillons unter Leitung von Obermusik- meifter Löber statt. (Siehe heutige Anzeige.)
L. H. E. Ein beliebtes Wanderziel des V. H. C. Gießen ist stets der Taunus. Und gerade die am Sonntag veranstaltete Vereinswanderung, die auch noch vom herrlichsten Sommerwetter begünstigt war, war von besonders hohem Reiz. Der Frühzug brachte die nahezu 50 Teilnehmer nach Butzbach. Die schöne Taunusstraße aufwärts führte der Weg durch den Wald über Haufen zum Hausberg, wo inan die prächtige Aussicht bewunderte und hierauf durch das idyllische Jsseltal zu kurzer Rast nach Münster wanderte. Der Weitermarsch führte über einen Höhenrücken mit herrlichen Fernblicken und durch ein liebliches, buchtartiges Tal über das hochragende Schloß nach Ziegenberg, um hier im schattigen Wirtsgarten einige Zeit der Ruhe zu pflegen. Inzwischen hatte Frau Sonne ihren höchsten Stand erreicht und brannte auf der nun folgenden Strecke, die in stetem Anstieg zur Höhe nach dem Forsthaus Winterstein führte, den Wandern gehörig auf den Pelz. Nachdem im Garten des Forfthaufes der Kaffee eingenommen war, ging es zunächst auf der Landstraße weiter. Bei selten klarer Lust genoß man eine weite Fernsicht bis zu den Marburger und Hinterländer Bergen. Des lebhaften Autoverkehrs wegen wurde später ein Waldweg eingeschlagen, auf dem man unter fröhlichem Gesang durch den prächtigen Nauheimer Hochwald nach Bad-Nauheim zog, von wo die Heimfahrt erfolgte.
•• HeffischeKriegsblinbenlotterie. Zum Ausbau des Krtegsblinden-Erholungshei» mes in Bad Salzhausen, das füd> früher schon tätiger Fürsorge zu erfreuen hatte, ist eine Kriegsblindenlotterie mit über 5000 Gewinnen im Werte von 20 000 Mark ins Leben gerufen worden. 3n Anbetracht des guten Zweckes sei eine Beteiligung an der Lotterie nachdrücklich empfohlen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen.
Gngesandk.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem
Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Flucht in die Oesfentlichkeit.
Gießen, 15. 3uli.
Die Ecke der Gnauth- und der Stephanstraße ist ein beliebter Schauplatz nächtlicher Ruhestörungen. Es vergeht wohl kaum eine Nacht, in der die Anwohner nicht durch wüstes Gebrüll, Schlägereien oder auch nur durch stunden- lange Gespräche männlicher und weiblicher Waschweiber, die sich nicht trennen können, im Schlaf gestört oder am Einschlafen gehindert werden. Heute früh von 3,30 bis 4 Uhr tobten junge Leute an dieser Stelle ihre überschüssige Kraft in ausgiebigster Weise aus. 3ch stellte fest, daß etwa sechs junge Leute, davon drei weiblichen Geschlechts, vor dem Hause Gnauthstraße 4 ein kleines Auto umstanden und unter lautem Geschrei die Hupe in Bewegung setzten. 2lls sich später der Lärm mehr nach der Bleichstraße hinzog, konnte ist im Morgenlicht drei Studenten mit hellroten Mützen erkennen. Meine Aufforderung, sich endlich wegzubegeben, wurde mit höhnenden Zurufen beantwortet, erst auf meine Bemerkung, daß ich ihre Farben erkannt hätte, zogen sie ab, nicht ohne mir mit ihren Mützen einen höhnischen Abschied zuzuwinken. Ich habe gewiß Verständnis für harmlosen Studentenulk, aber nicht für ein solches Benehmen junger Leute, die sich so gern „die Hoffnung des Vaterlandes" und die „künftigen Fichrer des Volkes" nennen lassen. Von einer öffentlichen Nennung der Korporation, der die Ruhestörer angehören, will ich absehen, erwarte aber von dem betreffenden Bund, daß er mit aller Strenge vorgeht gegen Ausschreitungen, die seiner und seiner Mitglieder Würde nicht entsprechen und sein Ansehen, sowie das der ganzen farbentragenden Studentenschaft zu untergraben geeignet sind.
Es sind nicht, nur Studenten, die an dieser Straßenkreuzung ihr Unwesen treiben, dies festzustellen, erfordert die Gerechtigkeit. Der abgelegene, aber mit starkem Verkehr belastete Stadtteil, scheint zu Ruhestörungen der geschilderten Art geradezu herauszufordern. Es wäre wirklich an der Zett, daß die Polizei, die ich bereits früher auf diese unhaltbaren Zu stände schriftlich aufmerksam gemacht habe, hier einmal nach dem Rechten schaute. Sie kann natürlich nicht überall zugleich sein, aber öftere Streifen durch die bezeichnete Gegend in den vorgerückten Nachtstunden, etwa von 11 llljr an, würden gewiß heilsam wirken und den armen Kranken und den abgearbeiteten Gesunden zu einer besseren Nachtruhe verhelfen. Prof. Dr. K. Ebel.
Berliner Börse.
Berlin, 17. Juli. (WTB. Funkfpruch.) Auch im heutigen Frühverkehr war wieder kein Geschäft zu beobachten. Dörsentechnisch kann man vielleicht für heute eine kleine Reaktion erwarten, die Bewegung nach oben scheint aber auch am Montanmarkt zum Stillstand gekommen zu fein. Man taxierte an Kursen: Farben 231,5; Stahlverein 117,5; Mannesmann 127,5 und Gelsenkirchen 142,5. Am Devisenmarkt nannte man: London gegen Paris 123,88, London gegen Mailand 92,74, London gegen Spanien 33,46, London gegen Kabel 4,8505 zu 4,8510, London gegen Berlin 20,3550, Kabel gegen Berlin 4,1970 etwa.
Aus dem Amtsverkündigungsblatt.
• DasAmtsverkündigungsblatt Nr. 49 vom 16. Juli enthält: Die Hegezeit für Enten. — Der Voranschlag des Kreises Gießen für das Rj. 1929. — Bereifung von Zugmaschinen ohne Güterladeraum. — Reichssteuerllberweisungen. — Schlachthausanlage des Valentin Schäfer zu Reiskirchen.— Berichtigung. — Dienstnachrichten.
Oie Wetterlage.
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Mittwoch. 17. Zuli 1929
Sturm über Asien!
Sowjetultimatum an China. - Die Mandschurei, der Zankapfel der Großmächte. Japans bedrohte Schatzkammer.- Eisenbahnen, die ein Land beherrschen.
Don Or. Georg Häfner.
Wenn ein Land, das die Hälfte von Europa dar- | stellt und den ganzen Norden Asiens bis zur Küste des Stillen Ozeans einnimmt, dem volkreichsten Staat der Erde ein Ultimatum stellt, so stehen Verwicklungen bevor, die das Gespenst eines neuen, großen Krieges vor uns erstehen lassen. Aus der Sowjetunion kommen alarmierende Nachrichten über Vorbereitungen in der Roten Armee; ferner ist erwiesen, daß die chinesische Regierung an der Grenze der Mandschurei mobilisierte Truppen zusammengezogen hat, um für alle Fälle gerüstet zu sein; da sowohl Rußland, wie das Reich der Mitte viele Gegner haben und in zahllose politische Verwicklungen verstrickt sind, ist noch nicht abzusehen, welche Dimensionen der ausgebrochene Konflikt onnehmen wird.
Als die Russen im Jahre 1924 mit der chinesischen Regierung den Vertrag über den Besitz und die Verwaltung der o st ch i n e s i s ehe n Eisenbahn abgeschlossen hatten, gelang es ihnen durch einen äußerst geschickten Schachzug, sich neue Sym- pachien bei ihren asiatischen Nachbarn zu erwerben und gleic^eitig ihren Einfluß auch äußerlich in Peking zu erhöhen; sie schlugen nämlich den Chinesen vor, gegenseitig ihren diplomatischen Missionen den Rang von Botschaften .zuzuerkennen, und da das schwache China bisher bei allen anderen Mächten nur das Recht zur Entsendung von Gesandten besitzt, wurde diese Ehrung von dem um nationale Unabhängigkeit kämpfenden Volk dankbar begrüßt. Während China nun von diesem Zeitpunkt an ebenso wie die Großmächte in Moskau einen Botschafter besaß, rückte der Vertreter Rußlands in Peking ebenfalls in diesen Rang auf, und die Gesandten Englands, Ameri- kas, Japans und Frankreichs mußten neidvoll ihrem bisher verachteten russischen Kollegen bei allen diplomatischen Ereignissen in Peking den Vortritt laßen.
Damals waren die Chinesen sehr stolz, daß sie cs erreicht hatten, neben den Russen in die Verwaltung der chinesischen Ostbahn einzuziehen und Teilhaber dieses politisch und wirtschafllich sehr wichtigen Unternehmens zu werden. Die 1725 Kilometer lange Bahnstrecke verbindet die transsibirische Eisenbahn mit Wladiwostok, führt also quer durch die Mandschurei von Sibirien nach der Sowjetrepublik des Fernen Djt e n 5. In CHarbin zweigt sich die Linie nach Mukden ab, die einerseits Peking auf dem schnellstem Wege mit Europa verbindet und andererseits durch die beiden Arme der südmandschurischen Bahn die wichtigste Verbindung Japans und Koreas mit der westlichen Welt darstellt. Im Jahre 1903 ist diese Bahnlinie vollendet worden, die Rußland praktisch zum Herrn der Mandschurei machte und ihm sogar das Recht verlieh, im Gebiet der Bahn Militär- und Polizeigewalt auszuüben. Die Russen haben aus einem armseligen chinesischen Dors die große Handelsstadt Chardin gemacht, die heute nahezu 400000 Einwohner zählt und deren wettläufige Anlage auch dem Fremden sofort den russischen Städtebauer verrät. Um die Herrschaft in der Mandschurei entstand dann vor einem Dierteljahrhundert der russisch-japanische Krieg, der den Einfluß der Zaren zurückdämmte und die südmandschurische Bahn in japanischen Besitz überführte.
Damals wohnten in der Mandschurei, einem Gebiet, das doppelt so groß wie das Deutsche Reich ist, etwa sechs Millionen Menschen, jetzt werden es über 30 Millionen sein. Die B e o ö l - kerung hat sich also in 25 Jahren mehr als verfünffacht, und das Land hat damit einen Aufstieg genommen, der nur mit dem raschen Wachstum amerikanischer Städte verglichen wer-
den kann. An der sprunghaften Entwicklung dieses fruchtbaren und an Naturschätzen reichen Gebietes haben Russen, Japaner und Chinesen mitgearbeitet. In der Mandschurei leben etwa 200 000 Russen und nach manchen Schätzungen ebensoviel Japaner; Baron Tanaka hat freilich vor einem halben Jahr, als er noch japanischer Ministerpräsident war, die Zahl seiner Landsleute in der Mandschu- rei auf nahezu eine Million beziffert, aber diese Angabe darf wohl nur als politisches Argument und daher in unabhängiger Berichterstattung überhaupt nicht gewertet werden. Von den Japanern, die in der Mandschurei leben, sind nur verhältnismäßig wenige Ackerbauer; denn japanische Kolo- nisten vertragen das rauhe Klima und die harten Lebensbedingungen in der Mandschurei ebensowenig, wie südchinesische Einwanderer. Die Japaner sind die Herrenkaste des Landes; sie treiben Handel, besitzen Bergwerke, legen Fabriken an. Die süd- mandschurische Eisenbahn bient nicht allein dem Verkehr, sondern ist auch industrielle Unternehmerin, der Kohlenbergwerke, Oelmühlen, Eisen- und Stahlwerke, aber auch Hospitäler und Schulen ge- hören.
Russischer Eisenbahnbau und japanische Industrialisierung waren die Voraussetzung, aber die chinesische Einwanderung ist die Grundlage des schnellen Aufittegs der Mandschurei Aus den Provinzen Schantung und Chili ergießt sich Jahr für Jahr em breiter Strom chinesischer Bauern in das weite Land, dessen fruchtbarer Ackerboden erst zum dritten Teil bearbeitet wird. Mit der Eisenbahn, zu Schiss, sogar zu Fuß kommen die anspruchslosen gelben Männer mtt ihren Familien, die den Boden urbar machen, Sojabohnen pflanzen, Weizen bauen, sich einige Jahre durchhungern und so das Land mit ihrem Schweiße erobern. Die alten Herren der Mandschurei, die kriegerischen Mandschus und andere Restoölker, sind längst in entlegenere Gegenden gedrängt worden. Die Mandschurei, die staatsrechtlich in einem lockeren und nicht völlig geklärten Zusammenhang mit dem Reich der Mitte steht, wird durch den ständig stärker fließenden Strom der chinesischen Einwanderer schnell zu einem ganz chinesischen Gebiet; aber vorläufig sind die Ansprüche, die die Staatsmänner in Nanking auf dieses nördliche Land machen, weder moralisch, noch historisch, noch wirtschaftlich ebenso unbestritten gerechtfertigt, wie der Wunsch der chinesischen Nationalisten, die fremden Pachtgebiete an der pazifischen Küste zurückzuerhalten.
Schritt für Schritt mußten die fremden Mächte in China auf ihre Vorrechte verzichten und einsehen, daß dieser Staat mit 400 Millionen Einwohnern nicht in eine Reihe von Kolonialreichen aufgeteilt werden kann. Die Sowjetunion hat von vornherein freiwillig eingeräumt, was sich I a- p a n und England mühsam abtrotzen ließen; wenn Rußland jetzt auf ein Recht vernichten soll, das ihm zweifellos aus einem erst fünf Jahre alten Vertrag zusteht, so könnte Japan einerseits erleichtert aufatmen, einen gefährlichen Rivalen losgeworden zu fein; andererseits müssen die Machthaber in Tokio fürchten, daß der gewaltsamen Enteignung der chinesischen Ostbahn die ebenso ver- tragswwrige „Eroberung der südmandschurischen Bahn" folgen werde. Das wäre für Japan weit verhängnisvoller, als für Rußland. Schließlich ist die Mandschurei für die Sowjetunion nur eine entfernte Jnteressenssphäre, ein Vorposten im Fernen Osten, der der Sicherung Sibiriens dient. Für Japan ist dieses Land aber viel mehr. Auf den japanischen Inseln gibt es kein Eisen und nur wenig Petroleum; beides findet man in der Mandschurei, und die Japaner haben die Gewinnung die-
Gießener Gtavttheater.
Roderich Benedix:
„Die zärtlichen Verwandten".
Benedix. Schauspieler, Theater'oirektor und Schriftsteller aus Leipzig (1811 bis 1873) hat ja zwar die kaninchenhafte Produktion des seligen Kotzebue nicht ganz erreicht, hat es aber — unter anderem — immerhin auf 27 (siebenundzwanzig) Bände „Gesammelter dramatischer Werke" gebracht; er war nicht nur der Liebling seiner Zeit —: einige seiner Stücke haben ihn lange überlebt. Man glaubt sie immer wieder endgültig begraben. Aber sie leben noch und haben Erfolge selbst heute wieder... wie zu Lebzeiten ihres Schöpfers. *
Es ist ganz objektiv festzustellen, daß „Die zärtlichenBerwandten" an einemHunds- tagsabend eine Io stürmische Zustimmung sanden, wie sie bei uns nicht häufig ist und wie sie vielen, unendlich wertvolleren Stücken nie oder nur sehr selten entgegengebracht wird.
Selbst wenn man die Ausführung in Rechnung stellt, die recht hübsch war, und die Anwesenheit eines beliebten Gastes: man muß sich Wundern, wie so ein Erfolg zustande kommt. Es ist doch ernstlich über Benedrx nicht mehr zu diskutieren. Heber seinen philiströsen Humor; über seinen abgestandenen Witz; über seine zahme Satire, die ständig mit dem Zaunpfahl winkt; über den lappischen Dialog; und über die knallig inszenierte Situation, die nicht dem Lustspiel, sondern dem Schwank entstammt.
Heber den Inhalt ist natürlich auch nichts mehr zu sagen. Denn wenn man begriffen hat — und wer merkt es nicht schon in den ersten fünf Minuten —, daß der Titel eine augenzwinkernde Ironie ist, die drei Akte lang knüppeldick aus- geschlachtet und ausgekostet wird, dann weiß jedermann hinlänglich Bescheid.
„3e nun" (mit Denedixen zu reden) —: er verfügt doch über etwas, was den Erfolg, um den viele Zeitgenossen ihn beneiden könnten, wenigstens teilweise erklären mag. Heber Spannung. Man wird nämlich gespannt: nicht ob sie sich kriegen (dies versteht sich von selbst), sondern wer sich kriegt. Hub es ist weise dafür gesorgt, daß die verschiedensten Kombinationen getätigt werden können.
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Soviel vom Stück. T a n n e r t, der die muntere Inszenierung besorgte, erfaßte die einzig mögliche Situation; er lieh das Stück im Stil der Zeit spielen: im verschollenen Biedermeier. Dicht nur als Theaterstück, sondern zugleich als Kostümulk, mit kräftiger Hnterstreichung, markierter Ironie, breit, behäbig und geflissentlich; er schien das Ganze nicht ernst zu nehmen, und es war das Beste, was er tun konnte. Der Erfolg hat ihm jedenfalls rechtgegeben.
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Frau Prasch-Grevenberg als Gast, oder die verkehrte Welt; sie gibt nämlich nicht etwa eine reife und würdige Dame, sondern ein Mädchen („Määädchen"), ein älteres zwar, doch ein heiratslustiges, um nicht zu sagen manns- tolles; schäkernd und knicksend und kichernd, weinend und greinend, boshaft und hämisch nach der wildesten Enttäuschung. In der brillant gespielten großen Szene pes zweiten Aktes gewann ihre Rolle stellenweise, über allen Hlk und alle Karikatur hinaus, den Hmriß einer menschlichen Wesenheit; hier merkte man, was eine große, überlegene Schauspielerin aus einem schlechten Stück herauszuholen vermag.
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Auch die übrigen Damenrollen: sehr gut besetzt. Am besten gefiel uns Fräulein Heß; weil sie die Grenzen nicht überschritt, im Rahmen einer Lustspielfigur blieb und wirklich „im Stil der Zeit"; obwohl man auch darüber noch lächeln muß. Eine dezent und anmutig gespielte Partie.
Etwas sehr Drolliges machte Ilse Jahn: einen himmlisch lispelnden Backfisch, sonst nichts, nur einen Backfisch; zwar war es auch em biedermeierlicher, aber dies nur äußerlich, denn der Backfisch ist gewissermaßen zeitlos und an keinen Stil gebunden; allerdings scheint er, leider, auszusterben.
Lieselotte Fuhrmann, abermals die verkehrte Welt, als eine nadelspitze, gallenbittere, hochgestochene Witwe, Tante und Tunte sehr gesetzten Alters. — Ingeborg Scherer, ein erfreulich aus dem trauten Kreise ausbrechendes, tanz-, lach- und lebenslustiges Mädelgeschöpf, das verdientermaßen unter die Haube kommt. — Luise Jüngling, der Blaustrumpf mit wuchtigem Schritt und dröhnender Stimme, war recht in ihrem Element und erntete Sonder- appläuse.
Von den Herren fanden sich Ebert-Gras- sow. Arzdorf und Wefener mit Anstand
ser Bodenschätze auch unter beträchtlichen Kosten in Angriff genommen. Japan ernährt sich außerdem Aum großen Teil von den Bodenfrüchten der Man- oschurei. Würde man dem östlichen Jnselvolk diese Produkte wieder entziehen, so müßte Japans Weltmachtpolitik schnell zusammenbrechen. Den Japanern kann daher nichts daran liegen, einen gefährlichen Präzedenzfall zu schaffen und die Enteignung der ihnen sonst sehr unbequemen Rusten zu begünstigen.
Noch schwieriger ist die Lage, in die England bei einem Krieg Zwischen der Sowjetunion und China geraten würde. Der englisch-russische Gegensatz hat sich sehr gemildert. Man konnte aber schon unter der konservativen Regierung des britischen Weltreiches die merkwürdige Beobachtung machen, daß den Engländern an der Schwächung der russischen Stellung in aanz China viel, aber gerade in der Mandschurei sehr wenig liege. Ein bolschewistisches China würde für das größte Kolonialreich nicht nur den Verlust eines wichtigen Marktes, sondern eine Bedrohung seiner gesamten Kolonialpolitik bedeuten. Sollte dagegen die Sowjetunion aus der Mandschurei verschwinden, so könnte der japanische Einfluß leicht zu gewaltig werden. Deshalb steht England — zur Erhaltung des politischen Gleichgewichts im Fernen Osten — gerade in der Frage der Mandschurei den Rusten nicht unfreundlich gegenüber. Auch die Amerikaner würden es begrüßen, wenn Japans Macht in der Mandschurei nicht zu groß würde. Die Weltmächte wünschen also keine Veränderung des bestehenden Zustandes, und die Chinesen werden sich wohl dem Druck der ganzen Welt nicht widersetzen können.
Oberheffen.
Geißsest in Langsdorf.
ds. Langsdorf, 16. Juli. Begünstigt vom schönsten Wetter konnte am Sonntag der Ziegenzuchtverein Langsdorf sein 2 5 i ä h r i - ges Bestehen festlich begehen. Gegründet wurde der Verein 1903 durch den Altbürgermeister, Land- und Reichstagsabgeordneten Phil. Köhler, Langsdorf. In Anbetracht dessen, daß im vorigen Jahr Turnfest war, hat der Geißverein sein Jubiläum auf dieses Jahr verlegt. Vor 25 Jahren feierte man hier das Gründungsfest, ein Fest, zu dem der Abgeordnete Köhler- Lugge die ganze Hmgegend mobil gemacht hatte, das in vielen Zeitungen Erwähnung fand und noch heute in Langsdorf und der Hmgegend in Erinnerung geblieben ist. Seitdem hat die Ziegenzucht hier immer mehr Anhänger gefunden. Hnd nun, nach 25 Jahren, wollte man wieder einmal ein „Gaaßefest" feiern. Unter den Klängen einer Kapelle bewegte sich ein stattlicher F e st z u g, in welchem die mit Bändern geschmückten Geißen durch Schuljungen geführt wurden, zum Festplah, als welchen man den Sportplatz gewählt hatte. Dort begrüßte der erste Vorsitzende Heinrich Weber II. die Festgäste, worauf Bürgermeister Kneipp das Wort zur F e st r e d e ergriff. Er führte aus, daß die Ziege schon unseren germanischen Vorfahren ein liebes Tier gewesen und von welch hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung dieses fälschlicherweise so oft verspottete Tier „die Kuh des kleinen Mannes" sei. Er ermahnte die Erschienenen, dieses Fest, das das erste dieser Art sei, nicht als Jux und als Auswuchs des allgemeinen Fest- rummels zu betrachten. Cs sei ein berechtigtes Jubiläum, wenn man bedenke, wie schwer es gewesen, bis man den Wert der Ziegenzucht erkannt habe. Die Ziege spiele insofern eine wichtige Rolle, als sie dem kleinen Mann bei ihrer Anspruchslosigkeit sein Los zu bessern helfe, ja, sie sei berufen, mitzuhelfen an dem wirtschaftlichen Wiederaufbau. Rach einem Hoch auf das Vaterland fang dann der Gesangverein „Concordia" ein Lied. Alsdann ergriff der Kreisvorsitzende des Ziegenzuchtvereins, Landtagsabgeordneter Fenchel, das Wort zu längeren Ausführungen. Nachdem auch er den Wert der
in ihre konventionellen Rollen und ihren ledernen Dialog.
Kurt D o m m i s ch, der neue Komiker, hatte mit der Partie des Schurnmrich, eines elend aufgeblasenen und taktlosen Gecken auf der Brautschau, zwar sofort einen stürmischen Erfolg, spielte aber für unfern Geschmack viel zu deutlich und stellte am Ende eine Zirkusfigur, was reichlich übertrieben wirkte.
Friedrich Zingel und Hanns Heitzig, ebenfalls neu engagiert, waren in kleineren Chargenaufgaben beschäftigt, nach denen sich kaum ein Urteil über ihre Fähigkeiten bilden läßt. —
Vom Erfolg wurde gesprochen; es gab Beifall bei offener Szene und viele schöne Blumen zum Schluß. Dr. Th.
Afrikanische Medizinmänner.
Auch die südafrikanischen Medizinmänner und Zauberer folgen dem Zug der 3eit und haben sich jetzt zu einem Verband zusammengeschlossen, um chren durch die fortschreitende Aufklärung schwer bedrohten Stand zu schützen und sich mehr Ansehen zu verschaffen. Die Zauberer und Wunderdoktoren besitzen unter den eingeborenen Stämmen Südafrikas noch immer eine große ‘TkBeutung, und es ist dem weißen Manne noch nicht gelungen, trotz alles Unterrichts und strenger Gesetze den uralten Aberglauben aus den Herzen der Schwarzen zu reißen, in denen er durch Jahrtausende alte Heberlieferung wurzelt. Der „Zauber", den diese Leute ausüben, ist häufig auf geschickte Autosuggestion zurückzuführen. Dabei kommen die sonderbarsten Behandlungsformen vor. So wurde kürzlich aus Ratal berichtet, daß bei einer furchtbaren Malaria- Epidemie der Zauberdoktor die Bewußtlosen mit „höchst modernen Mitteln" heilte. Der Medizinmann zermalmte nämlich eine Grammophonplatte zu Pulver, mischte dieses Pulver mit dem Wasser von einer Lokomotive und erklärte, daß er auf diese Weise den Kranken zum Sprechen und zum Laufen bringen werde. Rach dem Bericht ist ihm dies auch tatsächlich gelungen, so daß die sprechende Macht des Grammophons und die Fortbewegungskraft der Eisenbahn auf den Pattenten übergingen. Trotz solcher Quacksalberei finden sich aber in den halb medizinischen und halb religiösen Prakttken der Wunoerärzte auch manche beachtenswerte Kenntnisse und Ferttg- keiten. So haben z. D. die Medizinmänner, lange bevor die moderne Heilwissenschaft auf diesen
Ziege geschildert, betonte er, daß es das Wer? seines Vorgängers im Landtag, des Abgeordneten Philipp Köhler-Lugge gewesen sei, daß Ziegenzuchtvereine entstanden. Köhler habe sich mit seiner ganzen Persönlichkeit unermüdlich für die Ziegenzucht eingesetzt und sei beim Landtag und allen maßgebenden Stellen vorstellig geworden, um die Ziegenzucht zur Blüte zu bringen. Alles, was in den 25 Jahren geschehen und erreicht sei, müsse auf seine Initiative zurückgeführt werden. Köhler, ein Mann von ungewöhnlichem Weitblick, habe erkannt, was die Ziege dem Minderbemittelten bedeute. Die Festgäste ehrten daher sein Andenken und das der übrigen Förderer des Langsdorfer Ziegenzuchtvereins durch Erheben von ihren Plätzen. Im Ramen des Kreisvereins, der im nächsten Jahre sein 25jäh- riges Bestehen feiern kann, überreichte Abgeordneter Fenchel denen, die 25 Jahre im Zuchtverein Langsdorf tätig sind, als Zeichen der Anerkennung und des Dankes eine silberne Radel. Rach einem zweiten Lied des Gesangvereins fand dann die Prämiierung der Ziegen und Lämmer statt. Anschließend folgte Tanz und Volksbelustigung.
Die vom Kreisvorsihenden Fenchel durch Heberreichung einer silbernen Radel für 25jährige Mitgliedschaft Geehrten sind: Heinrich Theiß, Heinrich HeilVI.. Georg Walther, Adam Ries und Wilhelm Theiß.
Bei der Prämiierung wurden zunächst drei- und mehrjährige Tiere gewertet. Je einen ersten Preis erhielten Hermann Roth IV., Heinrich TB e b e r II. und Heinrich Schäfer I. Den zweiten Preis bekamen Gustav Roth und Elise Schäfer. Der dritte Preis fiel zweimal an Georg Reih und einmal an Otto Pauli. Für ein- und zweijährige Ziegen erhielten einen zweiten Preis Gustav Bender und Gustav Weisel, einen dritten Preis Heinrich Theiß. Auch Lämmer wurden prämiiert: erster Preis Heinrich Roth II. und Wilhelm Theiß, zweiter Preis: Karl Krämer und Gustav Roth, dritter Preis Emil Roth, Wilhelm Theiß und Gustav Weisel.
Landkreis Gieren.
—Z— Großen-Linden, 16. Juli. Jrn Gegensatz zu anderen Gemeinden der Umgegend ist die Wohnungsbautätigkeit in unserer Stadt in diesem Jahre äußerst rege. Insgesamt wer- den nahezu 20 Wohngebäude errichtet, außerdem werden noch an zahlreichen landwirtschaftlichen Gebäuden Umbauten und Reparaturen vorgenommen, so daß hier auch noch zahlreiche auswärtige Bauarbeiter Beschäftigung finden. Erheblich begünstigt wird die Bautätigkeit durch die im vorigen Jahre durchgeführte wirtschaftliche Zusammenlegung der Grundstücke in unserer Gemarkung, wodurch wertvolles Baugelände erschlossen wurde.
gr. ©rüningen, 16. Juli. Der 12. Juli, der Heinrichstag, ist für die hiesigen Schulkinder von besonderer Bedeutung. Jeder Schüler bekommt an diesem Tage einen großen „Hein- richsweck", der nach dem Sttfter Heinrich Bender so genannt ist. Außerdem erhalten die letztjährigen Konfirmanden, die Lehrer, sämtliche Schulvorstandsmitglieder, der Pfarrer, Bürgermeister, Polizeidiener und Sttftsrechner einen solchen. In diesem Jahre hatte man die Re i ch s- jugendwettkämpfe auf diesen Tag gelegt. Der 1. Sieger in jedem Einzelkampf bekam noch einen Siegerweck. Ausgetragen wurde in jeder Gruppe ein volkstümlicher Dreikampf, bestehend aus 100- bzw. 75-Meter-Lauf, Weit- bzw. Hochsprung und Schlagballweitwurf. Die Anforderungen waren gegenüber dem Vorjahre z. T. etwas gemildert. Die Sieger: Gruppe I, Knaben: Erwin Leidich 40 P., Christian Petri 40 P. Gruppe I, Mädchen: Marie ©roßhaus 48 P., Emma I s h e i m 45 P.« Frieda Albach 44’/2 P., Else Buß 44 P., Ottilie Kaus 42 P. VoÄasse, Knaben: Gerhard Bender 50V2 P., Wilhelm Petri IL 47V2 P- Albert Leidich 46 P., Paul Jsheim 441/2 P., Wilh. Petri I. 42'/, P. Dorklasse,
Gedanken kam, die Paralhttker von Malaria- Mostttos beißen lassen, um ihnen so die Krankheit beizubringen und dadurch die Paralyse zu bekämpfen. Auch bei der Gründungsversammlung, die der neue Verband der Medizinmänner in einer großen Halle an den Abhängen des Randgebirges abhielt, zeigten sie erstaunliche Künste und entfesselten die wildeste Begeisterung bei ihren zahlreich erschienenen Anhängern. Man darf sich diese modernen Medizinmänner nicht als „Wilde" mit Lendenschurz und Bemalung vorstellen, sondern sie traten in europäischer Kleidung und mit einer merkwürdigen Eleganz' auf. Der Präsident der Versammlung trug einen vortrefflich sitzenden Anzug, steifen weihen Kragen und eine dunkle Brille; ein anderer war mit einem Schwalbenschwanz und grauen Beinkleidern geschmückt. Der eine brachte seine Zaubergeräte in einem Tabakbeutel, ein anderer in einem Opernglasfutteral, ein dritter im ledernen Handkoffer. Diesen Behältnissen entnahmen sie zunächst die Zauberknochen, aus deren Wurf die Zukunft erkannt werden kann. Es gibt hier Hauptknochen, die flach und lang sind; sie heißen „der große Mann", der „Beißer", „die große Tante" und ..die Heine Tante". Auf einer Seite ist jeder dieser Knochen mit Flecken bedeckt, die andere ist glatt. Wenn alle Knochen beim Werfen auf die gefleckte Seite fallen, dann steht großes Hnheil bevor. Fallen drei Knochen auf die gefleckte Seite und eine „Tante" liegt nach westlicher Richtung, dann „bist du tot vor Sonnenuntergang". Drei mit gefleckter Seite und eine „Tante" nach Rorden gewandt, bedeuten Glück, und so gibt es zahllose Deutungen. Die Proben, die mit diesem Knochenwerfen gemacht wurden, erregten die größte Bewunderung, ebenso auch die Anwendung der „riechenden Rute", das sind Stäbe, mit denen eine bestimmte Person, die dem Medizinmann ganz unbekannt ist, festge- stettt werden kann, die Diebe, Schätze und überhaupt unbekannte Dinge entdeckt. Vier Europäer, die anwesend waren, wurden gebeten, ihre Ramen auf ein Stück Papier zu schreiben. Alle, darunter auch ein bekannter Arzt des Randgebietes, der sich „Mr. Williams" nannte, schrieben falsche Ramen auf. Auf die Aufforderung des Präsidenten hin: „Mr. Williams", der allen Medizinmännern unbetarmt war, herauszufinden, ergriff der Rutenträger seinen Stab, flehte die Götter an, ihn zu leiten und warf dann die Rute, die direkt vor „Mr. Williams" niederfiel. Auch die Geheimnisse der Heilung durch Kräuter wurden an verschiedenen Kranken vorgeführt.
Mädchen: Irmgard Schäfer 57 P.. 2Dnna Leidich und Hilde Dender 44Vz P., Hilde Isheim 43 P., Luise Leid rch 41V, P- Gerhard Dender und Irmgard Schäfer erhalten die Ehrenurkunde des Reichspräsidenten
4- Grünberg. 16. Iuli. In der lungsten Gemeinderatssitzung unter dem Vorsitz deS Beigeordneten Keller waren 10 Gemelnde- räte anwesend. Die Firma August Schäfer. Hungen welche das Kiefernstammholz von der Stadt gekauft hat, und zwar zu einem viel spateren Zeitpunkte, als sonst Holzkäufe getätigt werden bittet mit Rücksicht darauf um eine Verlegung der Fälligkeit des Restkaufgeldes vom 11 Rovember 1929 auf den 1. März 1930. Der Gemeindcrat beschlicht als Termin für das Rest- kaufgeld den 1. Februar 1930. — In der bis zum Reubau der Reuapostolischen Gemeinde verlängerten Dismarckstraße hat die Firma K. D o ck im vorigen Iahre in einer Länge von rund 50 Meter den Straßenbau auf eigene Kosten her- gestellt, um ihr Baumaterial anfahren zu können. Sie bittet um Uebernahme dieses Stückes und Ersah der Kosten. Rach einem bauamtlichen Gutachten kann der Teil, der in die Fahr- bahn fällt, das sind 128 Quadratmeter, zu einem Preis von 320 Mk. übernommen werden. Vor der Beschlußfassung will der Gemeinderat eine Ortsbesichtigung vornehmen, um sich über den Zustand des Straßenbaues zu überzeugen. — Eine sehr ausgedehnte, zum Teil erregte Aussprache entspinnt sich bei der Frage der Aufhebung der westlich der Dismarckstraße geplanten Verlängerung der Diebsturm- st r a ß e. Hierzu liegt eine Beschwerde des Gewerbelehrers Kröhle vor, der an dieser, im Ortsbauplan vorgesehenen Straße einen Bauplatz erworben hat und dessen Baugesuch vor einiger Zeit abgelehnt wurde, während eine Eingabe der Mittelstandsvereinigung die Aushebung der Straße wünscht. Ein Gutachten des Hochbauamts überläßt die Entscheidung dem Gemeinderat. Die Abstimmung ist geheim und ergibt Ablehnung der Aufhebung mit sechs gegen drei Stimmen. Zwei Gemeinderäte, die durch verwandtschaftliche Beziehungen in der Sache in- teressiert sind, können nach § 107 der Landgemeindeordnung an der Abstimmung nicht teilnehmen. — Von Interesse war, daß gelegentlich der Aussprache der Beigeordnete mitteilen konnte, daß für größere Wohnungen hier keine Wohnungsnot mehr bestehe, da ihm zwei größere Wohnungen als leer gemeldet sind, für die zur Zeit keine Mieter vorhanden sind.
Kreis Friedberg.
WSN. Friedberg, 16. Juli. Seit einigen Tagen macht sich in der Wetter bei Bruchenbrücken wieder ein großes F i s ch st e r b e n bemerkbar. Dies ist um so bedauerlicher, als eine Frankfurter Fischgesellschaft durch Aussetzung neuer iS tut den Fischbestand zu mehren versuchte. Auf dem verseuchten Wasser treiben große Fische, besonders Karpfen, verendet umher. Es wäre zu wünschen, daß die maßgebenden Stellen diesem Massensterben energisch nachgingen.
WSN. Holzhausen v. d. 5)., 16. Juli. Unsere Gemeinde, die im Besitze einer Mineralquelle ist, beabsichtigt, diese wirtschaftlich auszunutzen. Das Untersuchungsergebnis lautet, daß die Ausschüttung der Quelle als Tafelwasser geeignet ist. Man denkt nunmehr daran, die Quelle zu verpachten.
Kreis Büdingen.
A Nidda, 16.Juli. Seit 25 Jahren verwaltete Ludwig Weber dahier den städtischen'Faselstall und hat stets die Anerkennung der maßgebenden Stellen für sorgfältige Pflege und Unterhaltung der Faseltiere gefunden. Auf Antrag des Kreisziegenzuchtvereins Büdingen und des Ausschusses der Landwirtschastskammer für Oberhessen erhielt nun Faselwärter Weber für seine musterhafte Pflege der Zuchtziegenböcke auf der Hauptversammlung des Verbandes deutscher Ziegenzuchtoereinigungen in Oldenburg die vergoldete Reichs-
Oberheffen
Am vorigen Sonntag veranstaltete das Hapag- Reisebureau S. Loeb in Gießen seine zweite volkstümlic.)e Rheinfahrt in diesem Jahre. Hatte die erste Fahrt vor drei Wochen einem Besuche des Rheins auf der Strecke von Mainz bis Koblenz gegolten, so war die Fahrt am vorigen Sonntag der Rhein-Anschlußstrecke von Koblenz bis Königswinter gewidmet.
Bei prächtigstem Sonnenschein und tiefblauem Himmel wanderte man am Sonntag früh in der siebten Stunde zum Bahnhof, um von hier aus wenige Minuten nach 7 Uhr mittels Sonderzugs die Fahrt anzutreten, an der etwa 400 Personen teilnahmen. Schon die Bahnfahrt war ein köstlicher Genuß. Bei lochendem Sonnenschein ging es hinein in das wunderbare Lahntal mit seinem zwischen Weilburg und Bad Ems so romantischen Bergland. Bei jeder Kurve der Bahnstrecke, die hier den Flußlauf entlang sich durch die Berge schlängelt und dabei nicht weniger als 18 Tunnels passieren muß, hatte man ein stets wechselndes, außerordentlich reizvolles Landschaftsbild vor sich. Dazu kamen die blitzblanken Städtchen und Dörfer, die sich so lieblich in den Kranz der Lahnberge einschmiegen, ferner die reine Flut des Flusses in den saftig grünenden Wiesen und am Fuße der wohlgepflegten, den Berg hinanstrebenden Waldungen.
In Koblenz angelangt wurde mit mehreren großen Gesellschaftsautos die Fahrt vorn Bahnhof durch die Stadt nach der Anlegestelle des Dampfers angetreten, und gegen zehn Ahr begann dann auf dem wundervollen Schiff „L o - h e n g ri n" der Köln-Düsseldorfer Dampfschiff- fahrtsgesellschaft die Rheinreise stromabwärts nach Königswinter. Auch auf diesem Teile der Fahrt konnten alle Teilnehmer eine Fülle des Schönen und Sehenswerten in sich aufnehmen. Vorbei ging es an den bergigen und bewaldeten Ausläufern des Westerwaldes, dann kamen zur Linken die bis an den Rheinstrom heran- rückenden Gebirgsformationen der Eifel, während gleichzeitig zur Rechten das Sieben- g e bi r g e sich erhob. Entzückende Bilder Boten sich hier den Augen der begeisterten Ausflügler dar. Reizvoll war auch der Blick über die schmucken Städtchen und Dörfer dieser gesegneten Rheinlandschaft. Ebenso interessierte der Anblick bcd großartigen Schiffahrtsbetriebes auf diesem gewaltigen deutschen Strome. Immer wieder hatte das Auge etwas Reues und Schönes zu schauen. Daneben kam abefr auch die Unterhaltung anderer guter Art nicht zu kurz. Die Veranstalterin der Fahrt hatte für zwei Musikverbandsmedaille. — In der Nähe unserer Stadt an der Gänseweide seit einigen Tagen lagernde Zigeuner gerieten am Sonntagabend untereinander in Streit, so daß die hiesige Gendarmerie einschreiten und die Kämpfenden mit Gummiknüppeln auseinandertreiben mußte. Die Männer gaben sich als Pferdehändler aus. Frauen und Kinder betteln. Auch Kartenschlägerinnen sind dabei. Wegen unbefugten Fischens jüngerer Zigeuner schritt gestern die Polizei ein.
Kreis Schotten.
x Schotten, 16.Juli. Aus dem Gemeinde- rat. Mit dem Bau einer Erweiterung des Krankenhauses, Anlage einer elektrisch betriebenen Waschmaschine, beschäftigte sich der Gemeinderat und genehmigte die vom Hochbauamt Schollen vorgelegten Pläne. In dem Nebengebäude sind eine Garage, Raum für Desinfektion, Waschküche, Plättstube, Krankenzimmer für Jnfektions- kranke, Tagesräume, Teeküche u. dgl. vorgesehen. Das städtische Krankenhaus ist dauernd sehr gut belegt, die erste Halbjahresabrechnung schließt günstig ab. Mit dem Bau der Nebengebäude soll sofort begonnen werden, die Ausschachtung ist soweit schon beendet. Die neuen Krankenräume erhalten große
am Mein.
kapellen gesorgt, die in unermüdlicher, sehr anerkennenswerter Weise musizierten! weiterhin konnte man dem Gesang von Rheinliedern eines der Musiker lauschen: und wenn das noch nicht genügte, ertönte der gemeinsame Gesang bekannter Volksweisen vom Rhein über den Strom hinweg. In angeregtester Stimmung wurde gegen 12.30 Ahr Königswinter erreicht. Hier hatte man etwa drei Stunden Zeit, um auf den Drachenfels zu gehen oder zu fahren, und von dort den wundervollen Blick auf das herrliche Landschaftsbild zu genießen. Bei dem auher- orBcntlid) klaren Wetter konnte man über Godesberg und Bonn hinweg, weit um Horizont die Türme des Kölner Domes erblicken, daneben sah man unmittelbar zu seinen Füßen das herrliche Siebengebirge, ein Bild, das sich für immer eindrucksvoll in die Seele einprägte.
Gegen 15.20 Uhr erfolgte bann, wiederum auf dem vortrefflich eingerichteten und sehr bequemen Dampfer „Lohengri n", die Rückfahrt von Königswinter nach Koblenz, stets begleitet von schönstem Sommerwetter. Mit einiger Verspätung langte die große Reisegesellschaft gegen 19.30 Uhr in Koblenz wieder an, von wo aus bann um 20.15 Uhr die Rückfahrt mittels Sonderzuges nach Gießen auf der am frühen Vormittag passierten Strecke erfolgte.
Wiederum Halle das Hapag-Reisebureau den Fahrtteilnehmern einen außerordentlich genußreichen Sonntag verschafft. Mit Anerkennung verdient hier noch vermerkt zu werden, daß der Verkehrsverein Königswinter den Beamten seines Bureaus zur Beratung und Bedienung der Reisegesellschaft bis nach Koblenz entgegengesandt hatte und dadurch schon auf der Hinfahrt allen Teilnehmern Gelegenheit geboten war, sich über alle Fragen des Besuches in Königswinter eingehend Aufschluß zu verschaffen. Bei der Ankunft in Königswinter wurde die Reisegesellschaft von Herrn König, Vorstandsmitglied des Verkehrs- Vereins Königswinter, empfangen, der es sich ebenfalls angelegen fein ließ, sich um die Gäste aus Oberhessen fürsorglich zu bemühen. Wenn diese Fahrten natürlich in erster Linie Vergnügungszwecken dienen, so sind sie doch auch in hohem Maße geeignet, bei allen Teilnehmern eine tiefere Kenntnis unserer schönen deutschen H e i ma t zu verbreiten und dadurch fördernd auf die Liebe zu ihr einzuwirken. Aus diesem Grunde verdienen diese Veranstaltungen der volkstümlichen Rheinfahrten volle Unterstützung zum Nutzen aller Beteiligten.
Veranden in sehr schöner, sonniger Lage. Den für das Krankenhaus aufgestellten Voranschlag über das laufende Jahr von 30 000 bis 40 000 Mark nahm der Gemeinderat unbeanstandet an. Ebenso erfolgte ohne Debatte die Annahme des aufgestellten städtischen Voranschlages in Einnahme und Ausgabe von 380 000 Mark. Die Gemeindeumlagen mußten im Hinblick auf die durch den Bau des Krankenhauses bedingten höheren Kosten um 10 000 Mark erhöht werden, sie betragen für das Rechnungsjahr 50 000 Mark. Die Einnahme aus Miete in den städtischen Häusern beläuft sich auf etwa 12 000 Mark, der Stadtwald hat 25 000 Mark eingebracht, die Grundstücksverpachtung über 9000 Mark. An Wassergeld gehen etwa 14 000 Mark ein. Den Einnahmen stehen anderseits hohe Ausgaben gegenüber, besonders auf dem Gebiete der Straßen- und Wegeunterhaltung über 12 000 Mark, Schulen etwa 21 000 Mark, Forstverwaltung, allgemeine Verwaltung 24 000 Mark u. a. m. An Steuerausschlagsätzen hat der Gemeinderat bestimmt: 42 Pf. pro 100 Mark Steuerwert der land- und forstwirtschaftlichen Grundstücke, 21 Pf. für Bauplätze, 56 Psi gewerbliches Betriebskapital, 240 gewerblicher Ertrag, 34 Pf. Sondersteuer. Der evangelischen Kirchengetneinde bewil-
UWWUWWMM.
Roman von Edgar Wallace.
29 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der nächste Tag brachte keine neuen Entwicklungen. Die Polizei hatte noch einmal die Wäscherei durchsucht und doch noch einen, Raum entdeckt, der oberhalb des Zimmers lag, in dem Diana eingeschlossen gewesen war. Es war ein winzig kleiner Raum im Dachgeschoß, der Spuren von Benutzung zeigte, aber von den Beamten leer auf gefunden wurde.
Larry verwünschte sich selbst, daß er seine erste Durchsuchung des Grundstücks nicht sorgfältiger durchgeführt hatte. Er war aber so erleichtert gewesen, als man Diana wiedergefunden hatte, und war darum nicht so gründlich vorgegangen, wie er es hätte tun müssen.
Zwei Menschen wünschte er vor allen Dingen zu finden. Erstens den Mann, dem der kleine Finger der linken Hand fehlte, jene rätselhafte Person, die sich einen Tag vor ihm in Beverley Manor nach Mrs. Stuart erkundigt hatte. And zweitens Emma, die geheimnisvolle Aufwärterin. Er fühlte in seinem Innersten, daß Emma den Schlüssel zu allen diesen unbegreiflichen Rätseln in Händen hatte.
„Ich werde es mir nie verzeihen," sagte er zu Diana, „toenn dieser Frau etwas zustöht."
„Sie brauchen nicht zu befürchten." sagte sie kopfschüttelnd, „baß sie ihr ein Leid zufügen werden. Ihr Leben ist viel zu kostbar für die Bande, uni) ich werde ganz genau wissen, wann die eigentliche Gefahr für sie beginnt."
„Sie?" rief er überrascht. „Wirklich, Diana, manchmal sind Sie mir direkt unheimlich."
Sie lachte und lieh ihre Schreibmaschine emsig klappern.
„ Flimmer Fred ist noch nicht zur Besinnung gekommen," erzählte er ihr, „aber die Aussichten dasür sind nicht ungünstig. Der Doktor sagt, daß kein Schädelbruch vorliegt und daß der Druck auf das Gehirn, der ihn noch besinnungslos Bält; nachlassen wird."
„Wo liegt er denn?"
„3m St. Mary-Hospital", erwiderte Larry. „Ich habe ihn in ein Privakimmer legen lassen mit einem Mann als Wache. Richt, weil ich befürchte, der arme Fred konnte entwischen," fügte er lächelnd hinzu, „sondern weil es einige Leute in London gibt, denen außerordentlich viel daran liegt, daß er entwischt, aber nur auf eine Weise, die ihnen selbst vollkommene Sicherheit garantiert —'
Sie brauchte nicht zu fragen, was er damit meinte. Larry legte den Fäerhalter weg, den
er in der Hand hielt, obgleich er sehr wenig geschrieben hatte.
„Es wäre keine schlechte Idee, wenn wir nach St. Mary fahren und uns an der Quelle erkundigen würden, wie es ihm geht.— Wollen Sie nicht mitkommen?"
Als sie sich vor dem zehn Zenttmeter breiten und ebenso hohen Spiegel, den sie nach dem Präsidium importiert hatte, den Hut aufsetzte, fragte sie, ohne freu Kopf nach ihm umzudrehen:
„Was beabsichtigen Sie mit Dearborn zu machen?"
Er strich nachdenklich sein Kinn.
„Im Augenblick weiß ich wirklich nicht, was ich machen soll. Es ist schließlich kein Verbrechen, wenn ein Mann behauptet, er wäre blind und ist es nicht. And übrigens hat er vielleicht noch genügend Sehkraft, um Ihre Hand gesehen zu haben. Vielleicht gibt es noch ein Dutzend anderer Erklärungen. Er konnte ja seine Hand auch ganz mechanisch, instinkttv erhoben haben."
Sie nickte.
„Cs ist möglich," versetzte sie ruhig, „aber et lächelte doch auch, als ich ihm zulächelte."
„Wer würde das nicht tun?" sagte Larry verliebt.
In dem Bureau des Chefarztes von St. March trafen sie den Chirurgen, der diesen Fall in Händen hatte.
„Sie kommen wie gerufen", meinte er. „Ihr Schützling ist gerade wieder zur Besinnung gekommen."
„Dars er sprechen?" fragte Larry eifrig.
„Ich denke, ja. Aus jeden Fall sehe ich keinen Grund, warum er nicht sprechen dürfte, wenn die dringende Rotwendigkeit dazu vorliegt. Er ist begreiflicherweise sehr schwach, und unter gewöhnlichen Amständen würde ich keine Erlaubnis geben, ihn zu — vernehmen. Ich gehe in meiner Annahme wohl nicht fehl, daß es sich um eine besondere polizeiliche Recherche handelt."
„Allerdings", sagte Larry grimmig.
Der Arzt führte sie nach dem Krankenzimmer, an dessen Tür das junge Mädchen zögernd stehen blieb.
„Soll ich mit hineinkommen?" fragte sie.
„Ihre Gegenwart ist sehr notwendig," sagte Larry, „und wenn auch nur in professioneller Eigenschaft. Haben Sie Ihr Stenvgrammheft bei sich?"
Sie nickte, und beide betraten das Zimmer, in dem Fred Grogan lag. Sein Kopf war ganz verbunden, sein Gesicht war blaß und verzerrt, aber seine Augen leuchteten auf, als er Larry erblickte.
„Ich hätte es niemals für möglich gehalten, mich auf Ihren Besuch zu freuen", sagte er. »Aber vor allen Dingen, Inspektor," feine
Stimme klang sehr ernst, „müssen Sie die Frau aus dem Kesselhaus herausholen."
„Die Frau im Kesselhaus?" fragte Larry schnell. „Was meinen Sie damit?"
„Das Kindermädchen. Die Amme von Clarifsa," war die verblüffende Antwort, „und wer Clarissa eigentlich ist, mag der Teufel wissen."
„Ieht werde ich Ihnen die reine Wahrheit erzählen", begann Fred und setzte sich im Bett zurecht. „Ich will nicht sagen, daß ich keine Lüge erzählen könnte — ich glaube, Rapoleon soll das gesagt haben, aber davon war ich nie überzeugt."
„Der Ausspruch ist in derselben Periode gefallen, aber von einem anderen Mann", sagte Larry lächelnd: „aber zerbrechen Sie sich nicht den Kopf über historifche Begebenheiten. Ich möchte, daß Sie die ganze Geschichte hier so schnell wie möglich vom Herzen hrrunterreden."
„In meiner freien Zeit habe ich 'ne ganze Masse gelesen", sagte der Verwundete nachdenklich. „Historische Bücher und erstklassige Romane — es gibt im Portland-Gefängnis eine sehr gute Bibliothek, die ist aber nicht ganz so gut wie die Bücher, die man im Wormwood-Scrubs-Ge-- fängnis zu lesen bekommt. Das hat ja auch nichts mit der Sache zu tun. Ich werde Ihnen jedenfalls die Wahrheit erzählen, Mr. Holt. Das beste ist, ich fange von vorne an, und ich muh mich da in ein schlechtes Licht setzen, aber Sie müssen eben eine ganze Masse, was ich Ihnen hier zähle, bergen en, weil ich sonst in den Verdacht kommen könnte, nicht ganz ehrlich zu sein."
„Der Gedanke, daß sich eine derartige Meinung über Sie verbreiten könnte, wäre mir unerträglich", sagte Larry, aber ohne zu lächeln, „und ich kann Ihnen die Zusicherung geben, daß sämtliche Einzelheiten, die sich nicht direkt auf den Mord Gvrdon Stuarts beziehen, in diskretester Weise vergessen werden."
„FamosI" sagte Fred sichtlich erleichtert. „Also. Die ganze Geschichte beginnt vor ungefähr vier oder fünf Jahren in Montpellier. Kennen Sie vielleicht Montpellier?"
„Sehr gut", sagte Larry. „Sie können also alle topographischen Einzelheiten auslassen. Ich kenne die Stadt vom Coq d'Or bis zum Palais."
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„Ich war gerade in Montpellier," begann Fred, „sah mir die Gegend an und amüsierte mich ein bißchen, bis ich so langsam in einen Spielklub hineinkam, der still und leise von einem Mann namens Floquart geleitet wurde. Gespielt wurde Bakkarat, und ich habe immer viel Glück beim Bakkarat, namentlich wenn ich gut Freund mit dem Geber bin. Diesmal aber war ich mit dem Geber nur .oberflächlich be*
ligte der Oemeinberat für Me W l ehe rherstkl» lung des Innern der Stadtkirche den Betrag von 3000 Mark. Das Kircheninnere ist in wunderbarer Weise restauriert worden. Die Einweihung der neuhergestellten Kirche wird in vierzehn Tagen stattfinden.
* Eichelsdorf, 16. Iuli. Am Sonntag fand hier der Kreisfeuerwehrtag deS Verbandes der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Schotten statt, der 14 Wehren mit 1080 Mitgliedern umfaßt, wozu auch die Pflichtfeuerwehren geladen waren, die zum größten Teile vertreten waren. Im Möserschen Saale wurde der geschäftliche Teil unter dem Vorsitz des Verbandsvorsitzenden Stang, Schotten, erledigt. Kreisdirektor Dr. I a n n und Regierungsrat Dr. Helmreich vom Kreisamt Schotten, sowie Kreisfeuerwehrinspektor Eberheim. Schotten, nahmen an den Verhandlungen teil. Der Vorstand des Kreisverbandes wurde einstimmig wiedergewählt. Der Bezirkstag 1930 findet in Ober-Seibertenrod statt, den Bezirkstag 1931 erhält Götzen, den Kreisfeuerwehrtag 1931 Laubach. Ein Brandangriff der Frw. Feuerwehr Eichelsdorf, an dem die Frw. Feuerwehr Schotten mit Motorspritze und mechanischer Leiter teilnahm, zeigte zwei gut geschulte Wehren in glänzender Zusammenarbeit. Rach Abschluß.der Tagesarbeit verbrachten die Feuerwehrleute noch einige gemütliche Stunden im Versammlungslokal. Ein Konzert der Feuerwehrkapelle Eichelsdorf unter Leitung ihres tüchtigen Kapellmeisters A. Spangenberger fand starken Beifall.
ld. Aus dem ob. Vogelsberg, 16. Iuli. Wenn auch das Rehwild nunmehr an Wildbret gut geworden ist, ist es doch kaum einem Jäger gelungen, einen wirklich guten Bock zu erlegen. Als Folge des ungemein strengen Winters 1928/29 ist eine dürftige Gehörnbildung zu verzeichnen. Auch die Rehkitze scheinen wenig zahlreich zu sein und zeigen in ihrer körperlichen Entwicklung deutlich die Folgen des Rotwinters, die sich noch auf Jahre hinaus bemerkbar machen werden und nur durch eine sorgsame Hege bet Rehbestände ausgeglichen werden können.
± Groß-Eichen, 16. Juli. Am Sonntagabend hatte sich der hiesige Turnverein sehr zahlreich im Saale von G. Faust zu einer außerordentlichen Generalversammlung versammelt. Der Vorsitzende, Lehrer Bopf, begrüßte zunächst die erschienenen Turner und Turnerinnen. Hauptpunkt der Tages- ordnung bildete das in diesem Jahre abzuhaltende Schauturnen. Es soll nun am 18. August auf dem Turnplatz abgehalten werden.
Starkenburg.
WSR. König (Odenwald), 16. Iuli. Die diesjährige Heidelbeerernte ist mit einem guten Ertrage in vollem Gange. Während die Händler anfangs das Pfund mit 30 Pfennig bezahlten, sind in den letzten Tagen die Preise um die Hälfte zurückgegangen, weil bei dem starken Angebot, das durch die schulfreien Kinder, die jetzt mitsammeln, eingetreten ist, genügend Ware an den Markt kommt.
Preußen.
Kreis Limburg.
WSR. Limburg, 16. Juli. Auf der Straße von Rennerod nach Mademühlen ereignete sich heute ein schwerer Motorradunfall, der ein Menschenleben forderte. Der 23jährige Motorradfahrer Kroppach aus Rehe jagte im etwa 60- bis 70-Kilometer-Tempo die Straße entlang, als aus einem Feldweg ein Heuwagen einbog. Bei dem Versuch auszuweichen, rannte Kroppach gegen einen Chausseestein. Während Kroppach nur leichtere Verletzungen erlitt, wurde seine Mitfahrerin, eine Försterstochter namens Mathuta Schultheiß, durch die Wucht des Anpralls gegen einen Baum geschleudert. Der Schädel wurde ihr zertrümmert. Sie war sofort tot.
fannt', wie Sie vielleicht sagen würden, und drei ganze Tage lang habe ich fein anderes! Geld als mein eigenes in rbie Hände Bekommen. And jeden Tag war von meinem eigenen (Selbe immer weniger zu sehen. Ra und dann haben sie mich in einer Rächt fein säuberlich ausgenommen, und als ich von 'Floquart wegging, hatte ich gerade Geld genug« um nach Haufe zu kommen, wenn ich zu Fuß ging.
Ich kam gerade aus der RueRarbonne, als ich einen Schuß hörte, und sah auf der anderen! Seite des Platzes einen Mann an der Erde liegen und einen anderen auffallend schnell weg- geljen. Damals waren die polizeilichen Einrichtungen jedenfalls nicht ganz aus der Höhe, denn nirgendwo war ein Schuhmann zu sehen. Den Kerl, der so schnell abmarschierte, mußte wohl gedacht Baben, daß er glücklich entwischt war, als ich plötzlich auf ihn zukam. Es war Morgendämmerung und gerade hell genug, daß ich sein Gesicht sehen konnte. Er sah sehr gut aus, hatte einen großen, gelben Bart und war. glaube ich, zu Tode erschrocken, als ich plötzlich auftauchte und ihn in Beschlag nahm. Privatangelegenheiten gingen mich ja schließlich nichts an, aber Sie müssen nicht vergessen, daß ich völlig — hm — ausgemistet war. Dann dachte ich auch, hier wäre die Gelegenheit, einem Mitmenschen in Rot zu helfen, und ihn von etwaigen Geldsummen, die ihr vielleit verdächtig machen könnten, zu befreien. Er erzählte mir eine lange Geschichte, daß der Mann, den er erschossen hatte, ihm eine große Gemeinheit zugefügt hätte, — in Gegenwart der jungen Dame möchte ich nicht näher darüber sprechen —, und dann steckte er mir ungefähr sechzehntausend Franken in die Hände, und dann ließ ich ihn seiner Wege gehen; er tat mir so leib.“
Er blickte verschmitzt zu Larry auf und grinste.
„Weiter. — Als ich sah, daß sich fein Schuhmann blicken lieh, ging ich über den Plah und sah mir den Erschossenen an, obwohl ich wußte, daß ich großes Risiko lief, in der Rähe einen halben oder ganzen Leiche gesehen zu Werdern Man hat später gesagt, er wäre sofort durch den Schuß getötet worden, das stimmt aber nicht, denn er lebte noch, als ich zu ihm kam und mich nach dem armen Teufel bückte, um zu sehen, ob ich noch etwas für ihn tun könnte. Ich fragte ihn, wer auf ihn geschossen hätte, und er sagte" — Fred machte eine nachdrückliche Pause — „David Judd."
Larry zog erstaunt die Augenbrauen in die Höhe.
„David Judd?" fragte er. „Ist er mit dem Doktor Judd verwandt?"
(Fortsetzung folgt.)
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__ LiN-M eineE'N« für den M der ihn M deutsche M bis es, M Schicksal.^ eS jetzt ubeN gieren, -st im SesHa aierungskunf geschnitten, u unpolitisch!" ‘ - König und Taget 1879-1885- Georg V, Hs -Sudle, auton Lennoj. Preis tziegismund, wichtigen 2ai abgeschlossener der Abschnitt eignisse nicht ganzen europ< scheu Politik, Die König C zeit den bei seine persör Mtel Mi voller, mens und Deobaä übte seine 1 stutz durch i den Weltle »nialpslich Milchen !i tischen as zäpefte qicrunge» u flößen ober ma( zustande iir auss K un Werden getan. Das' bediente, to ihren Mini tung, zu t unier frühe ten des 9 archen übei und der P liche Meld damals blc unter Vict Transaktion schen, von und so stgi gegenüber, t len die Mi bloßen Mg nettn. Miel oder erhielt Mg sanden, loS zur Fede zu einer Dis srine Witil erfolgt war. Königin ihrer ausges vnössentlich zunächst als gesehen we> scher Geschj Zeitraumes, Hohe seines Eignisse sta Mn der
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Kür den Büchertisch
Neue Kriegsbücher
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Aus fremden Literaturen
vor ollem darunter, daß in ihm zu viel geredet, zu viel diskutiert und philosophiert wird: noch dazu über Dinge, die damals, an der Front, als Gesprächsthemen wohl doch nur ausnahmsweise behandelt wurden. (Hier soll die historische „Richtigkeit" dieser Aufzeichnungen natürlich nicht bestritten werden: von dauernder Wichtigkeit können uns aber nur die Kriegsbücher sein, die über Sonderfall und Privaterinnerung hinausreichen ' • - .........ifett
Einfluß auf die Verteilung der Welt zu gewinnen und in letzter Stunde auch für Deutschland die wichtigsten kolonialen Erwerbungen zu sichern. In der intensiven Beleuchtung, die hier die gesamten großen Weltbegebnisse des Zeitalters finden, liegt die Bedeutung dieser neuen Derössentlichung, bei der man an keiner Stelle das Gefühl hat, einer Reihe von trockenen Aktenstücken gegenüberzustehen, vielmehr einem spannenden Roman, in dem die leitenden Persönlichkeiten der Weltgeschichte die politischen
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16. Juli. Die dies- : ist mit einem gu- 1 anflc. Während -nd mit 30 Pfennig
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y.j.uMiuyen UUL|IUUHM luiiiKu/iu ..VM, j Berlin W 50. — 183. — Das Buch schildert das
Wohlwollen auf, das allerdings mit dein Vorschrei- Leben in einem kleinen Fischerdorf hoch oben im ten in die neueste Zeit sich wesentlich abschwächt. | Rorden. Wir sehen dem sommerlichen Fischfang
(322). — Das schlichte, ergreifende Buch aus der Feder eines Frontsoldaten führt uns wieder an die Stätten des Schwertes. Die Schilderung dieser Fahrt gen Westen ist so packend, so wahr und so groß, dah niemand dieses Buch ohne tiefsten Eindruck aus der Hand legen wird. Einer unserer Kriegsfreiwilligen, ein Infanterist, hat diese Fahrt gemacht. Er fährt über Flanderns Erde, erlebt noch einmal Langemarck: er geht über die blutigen Felder der Somme, durch Loos, Lens, Loretto. Er grüßt die Dergwalder am Damenweg, Reims und die Champagne. Er wandert durch die öden Schluchten und Wälder um Verdun, weilt an Gräben und Gräbern, und was seine Augen sehen, was seine Seele erschüttert, das schreibt dieser alte Westfront-
handelnd durchs Land zieht, fühlen wir alle mit stärkster Erschütterung, daß hier ein ganzer Stand, der am tiefsten zu wurzeln schien, durch die verführerischen Gewalten der Zeit in seinem innersten Lebenskeim getroffen und wie von einem großen Sturm ins Ungewisse und Unbeständige hinausgeschleudert wurde. Rur der alte Ebbe steht aufrecht und unbeirrt in dem Geschehen und sieht die Dinge kommen, wie sie kommen mußten, wenn die Menschen den Glauben verlieren, die Demut verlernen und die Liebe zu Haus und Hof
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Universität Gießen.
Unter diesem Titel hat der vorjährige Rektor unserer Landesuniversität, Prof. Dr. jur. Ro - enberg, im Lindner-Verlag, Düsseldorf, ein Buch über „D ie Universität Gießen. ihreEntwicklung und ihre An st alten" erscheinen lassen (341), daS sowohl in seinem textlichen Inhalt, wie auch durch seine außerordentlich reichhaltige Bildausstattung ein guter Werber für unsere Alma mater Ludoviciana sein wird. Mit Recht sagt der Verfasser des Buches, daß Stadt und Universität Gießen und ihre Vorzüge noch allzu wenig bekannt seien, und es manchem In mehr als einer Beziehung eine lieber- raschung oder aar eine Entdeckung sein werde, wenn er von den Zeilen und Bildern dieses Buches Kenntnis nehme.
Der Text beginnt, unter einer Abbildung „Gießen im 17. Jahrhundert", nach einem Stich von Merian, mit einer in großen Stricken skizzierten Schilderung der Gründungsgeschichte der Universität. Im weiteren Verlaufe wird dann ein sehr interessanter Ueberblick über die Geschichte unserer Ludoviciana, das Wirken weltberühmter Männer an ihr, über den rastlosen Ausbau durch Hinzufügung zahlreicher weiterer Institute gegeben und in Verbindung damit auch ein fesselndes Stück der Gießener Stadtgeschichte entrollt. Den Abschluß der feingeschriebenen, von großer Begeisterung für unsere Universität zeugenden Schilderung bildet eine Uebersicht über den gegenwärtigen Stand unserer vielseitigen UniversitätLeinrichtungen und eine in großen Zügen gehaltene Beschreibung unserer Stadt und ihrer an historischen Bauwerken und landschaftlichen Schönheiten reichen Umgebung. Der textliche Teil wird in außerordentlich umfangreichem Maße durch Abbildungen illustriert. Reben der, Titelseite sieht man eine große photographische Aufnahme der Gesamtansicht von Gießen mit den Burgen Gleiberg und Vetzberg und dem Düns- berg im Hintergrund. Weiter werden dem Leser des Buches im Bild gezeigt: ein Blick von der Stadtkirche nach dem Gleiberg und Vetzberg, das Alte Rathaus am Markt, der Heidenturm mit dem Giebel des Alten Schlosses, das Reue Schloß und das Zeughaus in Frontalaufnahme und ferner vom Flugzeug aus, das Burgmannenhaus in der Kirchstraße, oer Hof eines Hauses in der Svnnenstraße, Siegel und Wappen der Universität, Blick in den Universitäts-Forstgarten, ein Bild von Justus Liebig, das Liebig-Denkmal, das Liebig-Museum, Liebigs Laboratoriums- räume, die Büste B v st r o e m s , das Denkmal für Franz Riegel, die Grabstätte von Wilhelm Röntgen, Aufnahmen aus dem Landwirtschaftlichen Institut, von der Wetterdienststelle, den Hniversitätsversuchsgütern, das ilni- versitätsgebäude, ein Blick in die Reue Aula. Aufnahmen aus dem Zoologischen Institut, eine große Anzahl Bilder der verschiedenen Klinikbauten und Inneneinrichtungen, eine Flugzeugaufnahme vom Klinikviertel, Aufnahmen vom Chemischen Laboratorium und vom Physikalischen Institut, ein Bild des großen Gewächshauses im Botanischen Garten, die Universitätsbibliothek mit dem Lesesaal, der Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, der älniversitätss^ortplatz. Bilder der verschiedenen Spvrtmöglichkerten, des Stadttheaters, Flugzeugaufnahmen vom Flughafen, die Lahn bei Gießen, Vetzberg und Gleiberg, Schiffenberg, Kloster Arnsburg, Münzenberg und Schloß Braunfels.
Der Druck ist auf Kunstdruckpapier in sauberer Herstellung ausgeführt und gibt dadurch der dankenswerten Arbeit des Verfassers und der photographischen Mitarbeiter einen würdigen Rahmen. Die Lichtbilder, geliefert von der Universität, wurden. gefertigt von den Photographen D ü r ck und TI h l, Buchhändler K e i ß n e r , Referendar Heinz Otto Wagner und Professor W ei d e n - bad), sämtlich in Gießen, sowie von der Süd- westoeutschen Lustverkehrs-A.-G. in Frankfurt.
Der verdienstvolle Verfasser wünscht am Schlüsse seines Vorwortes, dah das Werk denen, die Gießen kennen und lieben, schönste Erinnerungen wachrufen, unter den anderen aber der Universität Gießen neue Freunde werben möge. Diesen Wunsch können wir nur unterstreichen. Darüber hinaus möchten wir dieses vortreffliche Buch fowohl unseren Mitbürgern, wie auch den auswärtigen Interessenten am akademischen Leben warm empfehlen, denn die Lektüre und die große Fülle von Bildern dieses Buches bereitet seinem Besitzer wahre Freude.
Deutsche Romane.
— Eonrad Ferdinand Meyer: Jürg I e n a t s ch. Roman. 306 Seiten. Reelams Tlni- versal-Dibliothek Rr. 6964—66. Geheftet 1,20 Mk.» in Ganzleinen 2 Mk. (159.) — Gleich nach dem Freiwerden der Werke Conr. Ferdinand Meyers hat der Verlag Reclam seine sämtliche Ro- vellen und eine Auswahl seiner Gedichte in billigen Einzelausgaben herausgebracht. Jetzt fügt er noch das bedeutendste und umfangreichste epische Werk des großen Schweizer Dichters hinzu: Jürg Ienatsch. Die Feuerbrände des 30jähri- gen Krieges stehen hinter diesem Roman, dessen Held der gewaltige Freiheitskämpfer des Grau- bündener Landes ist. Seine Liebe, sein Triumph und sein Fall durch die Hand des geliebten Weibes sind mit dramatischer Wucht erzählt. Die vorliegende Ausgabe ist trotz ihrer Billigkeit ge- fchmackvoll ausgestattet. Der von dem bekannten Buchkünstler E. R. Weih entworfene Ganzleinenband macht das Buch zur Zierde jedes Bücherschrankes.
— Gustav Frenssen: „2)er Untergang der Anna Vollmann". Ullstein-Verlag, Berlin. (320) Einer der immer wieder wirkungsvollen, stimmungsreichen Seeromane des berühmten Schriftstellers, eine vorzüglich komponierte Erzählung vom rätselhaften Verschwinden eines Schiffes, von Not und Verbrechen, die sich an seinen Untergang ketten, und von der Sühne durch eine jüngere Generation«
— Ida Boy-Ed, Tine Frau wie du. Tlllstein, Berlin (152). — Der Band, „Eine Frau wie du", ist im besonderen Sinne ein Frauen- roman, mit feinem Verständnis für die Schwächen, aber auch für die mannigfachen äußeren Hem-z mungen des eigenen Geschlechts geschrieben. Ein Roman für Liebende, ein' Wegweiser durch die ■ vielen Fallstricke des täglichen Zusammenlebens in einer Ehe und eine Warnung an den Mann. > der in der Frau zu oft nur das angebetete Idol.
nicht aber den Kameraden im täglichen SebenÄM kampf fehen will.
Helden sind.
— Herbert Eulenberg: Die letzten Wittelsbacher. Brosch. 6 Mark, geb. 8,50 Mark. Phaidon-Verlag, Wien IV. (173) — Nach Eulenbergs .Hohenzollern" geht man nur mit Widerwillen und Schaudern an sein neuestes „historisches" Feuilleton. Wir wollen vorweg anmerken: Es ist nicht ganz so schlimm wie sein Vorgänger. Eulenberg bringt für die neuesten Opfer seiner historischen Forschung immerhin noch einiges
zu, dann kommt der Herbst mit dem Schlachtfest der Bauern und dem interessanten Versuch, einen Konsumverein zu gründen, bann der Schnee, der das Leben abtötet und zur drohenden Gefahr wird, als das Lebensmittelschiff strandet, auf das das Dorf wartet. Diese einfachen Vorgänge werden allmählich so tief durchleuchtet, daß der Strand Holmefjords zum Strand des Lebens wird: der gottesfürchtige Pfarrer des Dorfes kämpft für alle um einen lebendigen Glauben, er wird durch die schweren Schicksalsschläge, die das harte Leben hier oben mit sich bringt, immer mehr erschüttert und schließlich in den Wahnsinn hineingetrieben. — Auch dieses Buch ist für Gunnarsson charakteristisch und wird ihm neue Anhänger zuführen.
— Ragnar Holm st röm: Frachtdamp- f e r S/S Omega. Erzählung von der See. Aus dem Schwedischen überseht von Axel Lübbe. Stuttgart 1929, Engelhorns Romanbibliothek, Band 1027/28. Broschiert 2 Mk., Leinen 3,50 Mk., Halbleder 5 Mk. — (304) — Ian brennt heimlich durch und wird Kohlentrimmer des Frachtdampfers S/S Omega. Er will Seemann werden und die Welt sehen, die er bisher nur von Ansichtskarten kennt. An Bord der Omega lernt er die Welt kennen, — aber nicht so, wie er es erhofft hat, sondern in einem andern, wertvolleren Sinn: er lernt Menschen und Ver- hältnifse kennen, wie sie wirklich sind. Die interessanten Gestalten der Omega-Besatzung sind gut gezeichnet. Voll Menschenkenntnis und in Vertrautheit mit dem Seemannsleben läßt Holm- ström Charaktere und Schicksale lebendig werden.
— „Revue-Girl." Roman von I. P. Mc. E w o i). Deutsche Bearbeitung von Arthur R u n d t. 205 Seiten 8". E. P. Tal & Co., Verlag, Leipzig, Wien 1929. — 232. — Dieser Roman ist weniger feines Stoffes wegen interessant — er schildert den Werdegang eines amerikanischen Revuegirls —, als um seiner originellen Form wegen: Das Ganze ist nämlich als moderne Reportage aufgemacht, setzt sich zusammen aus Briefen, Telegrammen, Rezensionen, Funksprüchen, Dialogfetzen, Inseraten, Theaterzetteln und Zeitungsschnitten, und wird übrigens — wie ein Bühnenspiel — mit dem Verzeichnis der handelnden Personen eingeleitet.
— P. G. Wodehouse: Jeeves macht alles. Vier lustige Geschichten. (EngelhornS Romanbibliothek, Band 1026.) Stuttgart 1929, 3. Engechorns Rachf. — Broschiert 1 Mk. Leinen 1.75 Mark. — 208. — Wodehouses liebenswür- diger Humor hat schon mit seinen früheren Kostproben viele Anhänger gefunden: Wodehouse versteht sich auf eine englisch frisierte, film- mäßige Situationskomik, die selten ihre Wirkung verfehlt. Seine harmlos-heiteren Geschichten sind eine angenehme, anspruchslose und entspannende Lektüre.
ftellungen und Urteile sind nur mit größter Vorsicht auszunehmen. Manches erscheint neu und interessant, wenn auch auf seine Glaubwürdigkeit nicht nachzuprüfen. Der überaus schnoddrige Ton, der Eulenberg beliebt — wohl um von der Zunft der Fachhistoriker geziemend abzurücken, oder gar als bewußter Demokrat nicht irrtümlich in den Geruch eines Wahrers monarchischer Tradition zu kommen — dieser macht auch dieses Buch wenig sympathisch.
kämpser nieder. Die Erinnerung steht auf. AuS Schutt und Geröll alter Gräben, die noch so liegen wie einst, aus den zerschlagenen Brocken der Betonklöhe auS den verlassenen toten FortS wuchs dieses Buch als etwas Reues und Großes hervor. Der es schrieb, widmete es dem Gedächtnis seiner gefallenen Kameraden. Don ihnen erzählt er. Ein fieses Danken packt uns, und führt uys zu ihren vergessenen Ruhestätten. Jedem Leser wird dieses Buch zu einem packenden Erlebnis.
— Der unbekannte Soldat. Erlebnisse und Gedanken eines Truppenarztes an der West- front. Don Dr. Erich Meyer. München. I. F. Lehmanns Verlag. Gebd. 3,60 Mk. (323) — Der Verfasser hat die zwei letzten Kriegsjahre als Truppenarzt an den Brennpunkten der Westfront mit- gemacht und dort genug des Schweren und Er- schütternden blutenden Herzens erlebt. Man merkt dem Buche an, daß es eigenstes Erleben und Empfinden widerspiegelt, daß nichts selbstgefällig, oder gar aus politischer Absicht romanhaft erfunden ist. All das Furchtbare, Not und Tod, Zerstörung und Untergang, menschliches Versagen und verständliche Unzufriedenheit, kommt zu seinem Recht, nichts wird verschwiegen, nichts beschönigt und vergoldet, und trotzdem wirkt der Krieg ganz anders als ihn die Pazifisten schildern. Wir erleben ihn hier aufs neue als Lebenskampf des Volkes um feine höchsten Güter, dem fick der Lebenswille des einzelnen im festen Glauben und freier Hingabe opferwillig und todesbereit unterordnet. So wird dieses Buch jeden Mitkämpfer packen. Er wird es in Er- griffenheit lesen und es der Jugend schenken, damit sie erfahre, worum die Väter gekämpft haben.
— Alfred Polgar: Hinterland. 275 Seiten 8°. Verlag Ernst Rowohlt, Berlin W 3o. — (315) — Atlch ein Kriegsbuch. Und zwar ein zeitgenössisches insofern, als diese Skizzen und Feuilletons des bekannten Wiener Kritikers schon in der Kriegs- und Rachkriegszelt entstanden, damals verstreut publiziert, teilweise von der Zensur verboten, jetzt gesammelt und in einem Bande vereinigt worden sind. Es entsteht so em Gesamtbild in Mosaik, das als Ergänzung zu der übrigen, noch immer anwachsenden Kriegsliteratur angesehen werden kann. Hier wird der Krieg von hinten geschildert, von der Kehrseite, nicht von der Front, nicht von der Etappe, sondern von der Heimat, vom Hinterlande aus: und zwar scharf, deutlich und schonungslos: lauter kleine, sehr intensiv gesehene Impressionen. Trotz aller Objektivität der Betrachtung spricht aus jedem Sah verzweifelte Ohnmacht zu helfen und besserzumachen, mühsam unterdrückter Protest gegen alles Unglück und Elend der Zeit, das ja hier nur in seinen trübsten und trostlosesten Ausstrahlungen und Riederschlägen erfaßt wird.
und Heimat nicht mehr kennen.
— IackLondon: Die Herrindes großen Hauses. Roman. 310 Seiten 8°. Drosch 3 Mk., Leinen 4,80 Mk. Äniversitas Deutsche Derlags°A.-G„ Berlin. (258.) — Dieser autobiographische Roman, der das Schicksal schlichter, naturnaher, allein nach ihrem eigenen Gewissen lebender Menschen in der großräumigen kalifornischen Landschaft gestaltet, zeigt den Epiker Jack London von seiner besten Seite.
— Gunnar Gunnarsson: Strand des Lebens. Roman. 336 Seiten 8°. Brosch. 5.50. Leinen 7.50. Tlnlversitas Deutsche Derlags-A-G.,
— Sigrid Tlndset: Olav Auduns- sohn und seine Kinder. Herausgegeben von I. Sandmeier. Liebertragung von Sand- nieier und Angermann. Erster Band: 312 Seiten 8°: zweiter Band: 436 Seiten 8'. Geh. 11,25, geb. 15. Rütten & Loening Verlag, Frankfurt a. M, 1929. (133) — Mit diesen beiden Bänden werden die vorausgehenden, „Olav Audunssohn" und „Olav Audunssohn auf Hest- viken", fortgesetzt und das ganze Werk — ein Gegenstück zu „Kristin Lavranstochter" — zum Abschluß gebracht. Kriegstaten und Bemühungen um fein Seelenheil helfen Olav nicht über den ungesühnten Mord am Verführer seiner Frau hinweg. Als ein schwerer Verdacht gegen die eigne Tochter sich als unhaltbar erweist, bricht er körperlich zusammen, kommt aber innerlich zum Frieden. Der Sohn des Verführers, von Olav als eigen angenommen, wandelt sich aus einem haltlosen Schwächling zum Mann und Helden. So klingt Olavs Geschichte erhebend aus.
— Martin Andersen Rexö, Im Gotte s l a n d. (Gesammelte Werke. Achter Band.) Leinen 9.50 Mark. Verlag von Albert Langen: in München. (316) — Mit seiner großen Darstellungskunst weiß Rexö in dem spannenden und aufwühlenden Roman den Zusammenstoß des Altehrwürdigsten und Unvergänglichsten, von Acker, Scholle und Heimat, mit den neuen Mächten der Zeit, mit Geld und Kapital, sichtbar zu machen, und wenn Jens Vorup wie Tausende von anderen dänischen Dauern schachernd und
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I Dabei kann man allerdings das unbehagliche Ge- UtW fühl nicht unterdrücken, daß der blinde Haß, mit
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Sonn her ^ßnlfötribun ein stürmifckes Leben süddeutschen Rivalen sehr zu statten gekommen ist.
DerlaaDaul“ Wo nur ein Hohenzoller oU der preußische Staat
^nteuSÄ mit Bayern und den Wittelsbachern zusammen-
Tnolforrführerä der modernen Geschichte hat hier gekommen, und sei es nur auf die angenehme Weile sh rtnutxpnpr foiMt ein anaeiehener Po- einer Heirat und dergleichen, unterläßt Eulenberg ™ unordentlich ÄNn und es nicht, seinen stets Sereitgehaltenen Schmutzkübel
ÄH 4?ÄetaST"elnem »u entiwnn. So m di- Sefiiir« auch di-fe- Sud)« Stofen sSwtürmen gibt das Buch neben | aufeerft problematisch, auch (eine historischen Fest, einer sehr gut gesehenen Charakteristik des gwhen Redners und Slaatsmannes eine ausgezeichnete Milieuschilderung der großen Revolution.
— Die Tragik im Leben Bismarcks. Eine Studie zum Problem der Führung. Von
Dr. Harms. 2.80 Mark. Verlag von Quelle _ Ernst Johannsen: Vier von der & Meyer in Leipzig. (244) — Harms zeigt uns Infanterie. Ihre letzten Tage an der West-
die Ereignisse unter sonst nicht gewohnten De- front 1918. 108 Seiten 8°. Im Fackelreiter-Ver-
sichtspunkten. Als tragisches Moment im Schick- lag, Hamburg/Dergedorf, 1929. - (326) — Das
salsablauf Dismarcks lernen wir einen nie genug Kriegsbuch eines Arbeiters aus Altona, der 1916,
beachteten Kausalzusammenhang kennen: weil Alter von 18 Jahren ausgezogen und 1917 feine Herrennatur keinen gleichberechtigten Mit- a(g Neunzehnjähriger an die Westfront geschickt arbeitet duldete, blieben die wertvollsten Kräfte wurde. 1928 schrieb er dieses Buch, das die letzten der Ration von der Regierung ausgeschlossen. Schicksale und Erlebnisse von vier, cna mitein- Daraus ergibt sich ein doppeltes Verhängnis ander verbundenen, gemeinen Frontsoldaten in — Bismarck vergeudet seine besten Kräfte für einet Infanteriekompagnie im Westen schildert, eine Unsumme von Kleinarbeit und nicht zuletzt Hfe Eindrücke des Duches sind ungleich: es leidet für den Kampf um die Gunst des Monarchen. ...... "
der ihn schließlich doch fallen läßt —, das deutsche Volk hat in der Politik nichts mitzureden, । ÖQjU über Ainge, otc oamais, an oer . bis es, blindlings ins Verderben geführt, sein Gesprächsthemen wohl doch nur ausn Schicksal selbst in die Hand nehmen muß. Ob ' ' .......' “ ' "
es jetzt überhaupt noch lernen wird, sich selbst zu regieren, ist die große Schicksalsfrage. So liegt im Gefchici Dismarcks, dessen System der Regierungskunst, nur auf einen Uebermenschen zu- -------------------- a ,
geschnitten, unter jedem Rachfolger zwangsläufig und sich mit einer gewissen Allgemeingültiak verderblich wirken mußte, zugleich die Tragik des ihrer Gestalten und Ereignisse legitimieren.) D „unpolitischsten Volkes der Erde" inbegriffen. scheint uns hier schon deswegen nicht, oder nicht
— Königin Victorias Driefwechsel vollkommen der Fall zu sein, weil der Verfasser und Tagebuchblätter während der Jahre gar keine objektive Schilderung an sich beabsichtigt, 1879—1885. Aus Veranlassung des Königs sondern sehr bewußt und sehr deutlich eine Ten- Georg V. herausgegeben von George Earl &€ng seine Darstellung yineinbringt: nicht nur Buckw, autorisierte Üebersehung von Richmond gegen den Krieg als solchen — die haben andere Lennox. Preis geb. 16 Mk. Verlag von Karl Bücher auch —, sondern, aus der besonderen Her- Siegismund, Berlin SW 11. (302) Von dieser funft, Umwelt um) Einstellung des Verfassers wichtigen Sammlung liegt ein neuer in _ sich heraus, auch eine politische, soziale, religiöse Ten- abgeschlofsener, die Jahre 1879—1885 umfassen- tzenz. Das ist eine fühlbare Schwäche des Duches, der Abschnitt vor, in dem zahlreiche große Er- bag sonst nicht nur nicht literarisch, sondern auch eignisse nicht nur der englischen, sondern der stellenweise recht ungehobelt im Stil wirkt. Lesensganzen europäischen, insbesondere auch der beut- wert ist es jedoch wegen seiner oft erschütternden scheu Politik, eine neue Beleuchtung erfahren. Schilderungen der unsäglichen Leiden und Röte Wie König Eduard während seiner Regierungs- beß Soldaten an der entfesselten Front, im zeit den bedeutenden politischen Einfluß durch Westen 1918.
seine persönliche Gegenwart und durch das — „Wir waren im Westen". Auf feld- Mittel zwangloser Gespräche als Verständnis- gtQucr Straße von Dpern bis Verdun. Von voller, menschenkundiger Ratgeber, Mitarbeiter I Wilhelm Steinbrecher. (Mitteldeutsche Ver- und Beobachter auf seine Minister ausübte, so lags-Aktiengesellschaft Erfurt. Preis 1,50 Mk.). übte seine Mutter, Königin Victoria, ihren Ein- ----- - w ° *
sluh durch ihre Briefe aus. An einem rauschenden Weltleben lag ihr nichts und ihre Zere-
nialpslichten bereiteten ihr Pein, aber an ihrem -enilichen Königsrecht, dem Recht der poetischen Mitbestimmung, hielt sie auf as zäheste fest. Zwar konnte sie Gesetze. Re- gierungs- und Parlamentsbeschlüsse nicht um- | flohen oder rückgängig machen, wenn sie einmal zustande gekommen waren: aber sie konnte sie aufs stärkste beeinflussen, solange sie noch im Werden waren, und sie hat dies immer । getan. Das politische Mittel, dessen sie sich dabei bediente, war die Korresponderrz, die sie mit ihren Ministern führte und die Berichterstattung. zu der sie diese Minister- zwang. Auch unter früheren Herrschern hatte es zu den Pflichten des Premiemnnisters gehört, dem Monarchen über den Verlauf der Kabinettssihungen und der Parlamentsdebatten regelmäßige schriftliche Meldungen zugehen zu lassen. Aber was damals bloße Formalität gewesen war. wurde unter Victoria zu einer wichtigen politischen Transaktion. Einer so aufmerksamen und kritischen. von so festen Lieberzeugungen erfüllten und so stark in die Politik lebenden Leserin gegenüber, wie es Königin Viktoria war. konnten die Minister in ihren Briefen nicht mit bloßen Allgemeinheiten und Redensarten operieren. Blieb ein wesentlicher Punkt ungeklärt oder erhielt sie Mitteilungen, die ihre Mißbilligung fanden, dann griff die Königin ausnahmslos zur Feder, zwang den betreffenden Minister zu einer Diskussion der Frage und hinderte ihn, seine Politik fortzuführen, bis diese Diskussion erfolgt war. Darum ist die Korrespondenz der Königin Victoria mehr als bloß ein Ausdruck ihrer ausgeprägten Jndividialität. Auch der jetzt veröffentlichte Teil, der aus pvlitllchrn Gründen zunächst als Schluß der ganzen Sammlung angesehen werden muß, stellt ein Stück europäischer Geschichte bar, und zwar während eines Zeitraumes, in dem Fürst Bismarck auf der Höhe seines mächtigen Einflusses auf die Welt- ereignifse stand. Es ist die Zeit der stärksten Expansion der europäischen Mächte auf den über» feeischen Kontinenten, in der es auch für das englische Weltreich galt, seine wichtigsten Positionen zu sichern und zu erweitern. Der Briefwechsel der Königin Victoria zeigt, in wie hohem Maße die Königin persönlich mit ihrem steten Drängen auf energische Haltung den Schritt des englischen Imperialismus, oft gegenüber den passiveren Reigungen der Regierung, gefördert hat. Wir erleben in diesen Briefen, welche Beachtung und Bewunderung die Bildung des deutschen Bündnisses mit Oesterreich und sodann mit Italien fand, und wie Bismarck es verstand,
— Rudolph Stroh. ..Lill". Der Roman eines Sportmädchens. «August Scherl G. m. b. H. Berlin.) Ganzleinen 5,50 Mk. (144).— Alle Arten des deutschen Sports in seiner strahlenden Gesundheit und Lebensfrische, aber auch in seiner häufigen Einseitigkeit, leuchten in diesem Buche auf. Als Heldin steht im Mittelpunkt der spannenden Handlung „Lill", vor tausend anderen vom Schicksal bevorzugt, aus reichem Hause, flott, jung, hübsch, kerngesund an Seele und Leib, ein Sonntagskind modernsten Schlages und echt Berliner Mundart, aber das Herz auf dem rechten Fleck, — ein Kind, das erst am Schluß des Romans ahnt, daß Leben kämpfen heißt. Kämpfen nicht nur in den Iugendgefilden des Sports, sondern immer und überall, von der Wiege bis zur Bahre. Hnd kämpfen um neuen Aufstieg, vor allem im heutigen Deutschland.
Erziehung und Llnterricht.
— Einführung in die Rechtswissenschaft. Don Professor Dr. Gustav Radbruch. 31.-40. Tausend. Gebunden 3,60 Mk. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig. (285)_ — Der Verfasser versteht es, die an sich spröde Materie so frisch uns lebensnah zu gestalten, daß die Lektüre des Merkchens auch für den Richt-Iuristen eine Fülle des Interessanten bietet. Manche aktuelle Fragen werden behandelt und dadurch in vielfacher Beziehung das Verständnis für juristische Dinge auch beim Laien geschärft und erweitert.
— Neues Lesebuch für Berufsschulen, Ausgabe B für d i e weibliche Jugend. (Verlag Emil Roth, Gießen. In Ganzleinen gebunden 3 RM.) — 219 — Dieses vornehm ausgestattete Buch wurde herausaegeben von Berufsschullehrer Friedrich Adam, Gießen, Schulrat Karl Backes, Groß-Gerau, Berufsschullehrer I. Crone n b o l d, Wörrstadt, Berufsschullehrer August Kinsberger, Berufsschullehrerin Gertrud K i n s- berg er, Stadtschulrat Joh. Lösch, sämtlich in Darmstadt, Berufsschullehrer Hans Michel, Darmstadt, und Berufsschullehrer Eugen Neutz, Mainz. Es ist ausgestattct mit vier Federzeichnungen und einer Einbandzeichnung von der Künstlerin Margret Ertl-Wolfinger, München. Bei einer Durchsicht des Inhalts dieses Werkes kann man die erfreuliche Feststellung machen, daß hier den jugendlichen Leserinnen eine sehr lehrreiche Lektüre an die Hand gegeben wird. Sowohl auf literarischem Gebiete, wie auch in den kurzgefaßten Abhandlungen aus dem werktätigen Leben und in dem der Staatsbürgerkunde gewidmeten Teile ist von den Herausgebern mit größter Sorgfal" und gutem Geschmacks ausgewählt worden, um der Heranwachsenden weiblichen Jugend geistig nicht mehr zuzumuten, als sie verarbeiten kann, aber ihr in diesem Rahmen doch das beste Lesematerial zu bieten. Die Herausgeber und der Verlag haben sich mit dem Erscheinen dieses Buches ein Verdienst um unsere Jugend erworben.
— Bürgerkunde für die Hand des Be- rufsschülers. Von Rektor Schlechtweg, Neu-Isenburg. (Verlag Emil Roth, Gießen. Preis 0,80 RM.) — 216 — Das Heftchen macht feine Leser in sehr instruktiver Weise mit allem bekannt, was den Staat im engeren und weiteren Sinne betrifft. In geschickter und übersichtlicher Gruppierung ist der vielseitige Stoff behandelt, und dabei ist Bedacht daraus genommen worden, daß für den Heranwachsenden jungen Menschen die ganze Sachbehandlung leichtfaßlich und einprägsam ist. Das Büchlein kann man als sehr wertvolles Mittel für den Unterricht in Staatsbürgerkunde nur empfehlen.
Verschiedenes.
— Meyers Lexikon in 12 Bänden. Siebente, völlig neu bearbeitete Auslage. Heber 160 000 Artikel und Verweisungen auf etwa 21 000 Spalten Text mit rund 5000 Abbildungen, Karten und Plänen im Text: dazu etwa 755 besondere Dildertafeln (darunter über 100 farbige) und 280 Kartenbeilagen und Stadtpläne sowie 200 Text und statistische Hebersichten. Band 10 (Rechnung bis Seefedern) in Halbleder gebunden 30 Mk. Verlag Bibliographisches Institut QL-®, in Leipzig. — Die gewaltige wissenschaftliche und organisatorische Leistung, die dieses erste große Rachkriegslexikon darstellt, tritt nun immer deutlicher in Erscheinung. Wir können uns darauf beschränken, auf die wiederum ausgezeichneten, in inhaltlicher wie kartographischer Hinsicht vollendeten Kartenbeigaben hinzuweisen und aus der reichhaltigen Zusammenstellung farbiger und schwarzer Bildbeilagen einige ihrem Thema nach besonders interessante Tafeln hervorzuheben: Reklamekunst, Schädlinge, Schlange, Schmetterlinge, zeitgemäße Sportbeilagen (Reitkunst, Rekord, Rudersport, Rhythmische Gymnastik), zahlreiche Tafeln aus dem Gebiet der Kunst, der Technik (Rundfunk, Schreibmaschine, Röntgentechnik). Olllein schon die Beilagen des „Großen Meyer" bilden den orbis pictus unserer Zeit.
Der Text dieses 10. Bandes, ebenso aktuell wie wissenschaftlich einwandfrei, lehrt wieder, wie sehr der Wissensstoff der Gegenwart angewachsen ist, und wie unerläßlich darum für-jeden der Besitz eines Lexikons ist.
— Die Rechtsverhältnisse der Ge- meindebeamten im Volks st a a t Hessen.. Von Verwaltungsdirektor i. R. Ph. Schaefer. (Verlag Emil Roth, Gießen. Preis 2,80 RM., stark kartoniert.) — 218 — Der Verfasser hat das Gesetz über die Rechtsverhältnisse der lIemeindebeamten im Volksstaat Hessen vom 22. März 1929 unter Benutzung amtlicher Quellen, der Rechtsprechung und des Schrifttums für den praktischen Gebrauch erläutert. Er hat seine Aufgabe in der Weise durch- geführt, daß er zu den verschiedenen Artikeln des Gesetzes die erläuternden Kommentare in Form von Fußnoten hinzugefügt hat. Dadurch ist dem Leser eine Klarheit und Uebersichtlichkeit des Stoffes geboten, die man als glücklich bezeichnen muß, weil sie eine rasche und bequeme Orientierung ermöglicht. Das Buch wird den interessierten Beamten ein zuverlässiger Ratgeber sein.
— 1 235 — Das sind Siel Ein charakterologisches Spiel. Rach der amerikanischen Fassung von Webster-Hopkins frei übertragen von Richard Wiener. 168 Seiten 8°. E. P. Tal & Co., Verlag, Leipzig, Wien 1929. (314) — Ein origineller Zeitvertreib. Man macht es so: es sind fünfundzwanzig Fragen zu beantworten: in fünf Gruppen zu fünf, für QUärmer und Frauen getrennt. Die Fragen lauten z. D.: „Sehen Sie meistens Ihren Willen durch?" oder „Erscheint Ihnen die Gestalt eines Casanova beneidenswert?" (für Männer); „Wenn Sie nachts verdächtigen Lärm hören, stehen Sie auf, um nachzusehen, was die Hrsache ist?" oder „QBeinen Sie im Theater?" (für Frauen). Antworten: entweder ja oder nein. Aus dem zahlenmäßigen Verhältnis von „ja" und „nein“ ergibt sich eine Schlüsselzahl mit entsprechender Charakterstudie. Manchmal ist es verblüffend, was man da zu lesen bekommt. Natürlich ist niemand verpflichtet, die Sache ernster zu nehmen, als sie ihm erscheint. Aber ein nettes Gesellschaftsspiel ist es, das auch allerlei Varianten gestattet. Ie mehr Personen, um so besser.
Wirtschaft.
Die Reichsbank Mitte Juli.
Rach dem Ausweis der Reichsbank vom 15. Iuli hat sich die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten in der zweiten Iuliwoche um 290,3 Mill, auf • 2680,9 Mill. Mk. verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 288,2 Mill, auf 2399,8 Mill. Mk., die Bestände an Reichsschahwechseln um 95,6 Mill, auf 14,8 Mill. Mk. abgenommen, während die Lombardbestände um 93,5 Mill, auf 173,4 Mill. Mk. angewachsen sind. Die Effektenbestände sind mit 92,8 Mill. Mk. unverändert geblieben.
An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 282,3 Mill. Mark aus dem Qkr- kehr zurückgeflossen. Der Umlauf an Reichsbanknoten hat sich um 262,5 Mill, auf 4347,4 Mill. Mark, derjenige an Rentenbankscheinen um 19,8 Mill, auf 418,8 Mill. Mark verringert. Unter Berücksichtigung, daß in der Derichtswvche Rentenbankscheine in Höhe von 1,6 Mill. Mark getilgt worden sind, haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 31,0 Mill. Mark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 614,9 Mill. Mark eine Zunahme um 11,0 Mill. Mark.
Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen zusammen haben um 24,7 Mill, auf 2388,1 Mill. Mk., im einzelnen die Goldbestände um 41,7 Mill, auf 2036,2 Mill. Mark zugenommen, die Bestände an deckungs- fohigen Devisen um 17,0 Mill, auf 351,9 Mill. Mark abgenommen.
Die Deckung der Roten durch Gold allein besserte sich von 43,3 Prozent in der Vorwoche auf 46,8 Prozent, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 51,3 Prozent auf 54,9 Prozent.
*
* Baldur Pianofortefabrik A.-G., Frankfurt a. M. Die Generalversammlung dieser bekanntlich im Konkurs befindlichen Gesellschaft, in der nur ein Aktionär vertreten war, genehmigte die durch den Konkursverwalter erfolgte lieber- tragung des Geschäftsbetriebs, der Vorräte, Halb- und Fertigfabrikate, der Patente, Gebrauchsmuster und Warenzeichen der Baldur A.-G. auf die Philipps A.-G., Frankfurt a. M. Gleichzeitig wurde ein Vertrag genehmigt, wonach sämtliche Firmenrechte der Gesellschaft auf die Philipps A.-G. übergehen. Dieser zweite Vertrag war notwendig, da die
girmenrechte nicht in die Konkursmasse fallen. Die Philipps A.-G. wird die Fabrikate der Baldur A.-G. unter deren Warenzeichen herstellen. Im übrigen wickelt sich das Konkursverfahren bei Baldur weiter ab; für die nicht bevorrechtigten Gläubiger dürfte kaum eine Quote herauskommen. Die Höhe des von Philipps für die Übertragungen gezahlten Preises wurde nicht angegeben.
• Mansfeld QI.-®, für Bergbau und Hüttenbetrieb, Eisleben. In der a. o. G.-D. vertraten 42 Aktionäre ein Stammkapital von 31,105 Mill. Mark. Ferner war das gesamte Vorzugsaktienkapital von 375 000 Mark vertreten. Die Derfarnmlung hatte über die Erhöhung des Grundkapitals um 4,5 Mill. Mark durch Ausgabe von 4500 auf den Inhaber lautende Stammaktien von je 1000 Mark mit Gewinnberechtigung ab 1. Ianuar 1930 zu beschließen. Der Vorsitzende, Generaldirektor Dr. E. v. Schön, gab einleitend eine Begründung für die vorgeschlagene Kapitalerhöhung. Die Qkr- waltung schlage aus steuerlichen Gründen' die Dividendenberechtigung der neuen Olktien erst ab 1. Ianuar 1930 vor. Die Gesellschaft schulde aus drei Transaktionen, insbesondere aus der Fusion mit der Halleschen Pfännerschaft, den Qptions- erfordernissen aus der 3-Miil.-Dollar»Anleihe und der Interessennahme bei der A.-G. für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen, rd. 4,5 Mill. Mark, die der Gesellschaft von einigen Großaktionären leihweise zur "Verfügung gestellt worden seien. Diese Aktien müßten zurückerftattet werden. Der Weg, sie durch Ankauf an der Börse zu beschaffen, sei für die Gesellschaft ungangbar. Infolgedessen sollten sie nunmehr durch die Kapitalerhöhung beschafft werden. Rach längerer Aussprache wurden die Anträge der "Verwaltung genehmigt.
Frankfurter Börse.
Frankfurt a. M., 17. Iuli. Tendenz freundlich. — Im heutigen Vormittagsverkehr waren die Aussichten für die Geschäftsentwicklung noch sehr trostlos, da sich die Spekulation auf mangelnde Aufträge stark reserviert verhielt. Zu Beginn der Börse wurde die Stimmung aber zuversichtlich und freundlich, da sich wieder erneutes Interesse für einige Spezialwerte einstellte. Dor allem soll das Ausland QKaterial aus dem Markt genommen haben. Das Geschäft konnte sich aber nur in Spezialitäten etwas reger entfalten. Auch zeigte die Kulisse hierauf einiges Deckungsbedürfnis. Das nicht mehr so knapp gehaltene Tagesgeld und die Entlastung des Reichsbankinstituts nach dem heute erschienenen Ausweis boten eine Anregung. Besondere Beachtung fand aber die weiter ansteigende Deckungsquote. Etwas mehr in den Vordergrund traten heute Elektrowerte. Führend waren hier Bergmann mit plus 3,5 Prozent. Siemens, Felten und AEG. gewannen bis zu 1,5 Prozent. Auch Elektrische Lieferungen waren nwch der gestrigen starken Abschwächung bevorzugter und 1,5 Proz. fester. Schlickert lagen vernachlässigt. Eine amtliche Rotiz kam vorläufig hier nicht zustande. Stark angeboten waren Glanzstoff mit minus 4 Proz. Olm Chemiemarkt lagen die Aktien etwas gedrückt. Am Montanmarkt waren noch Gelsenkirchen mit plus 1,5 Proz. und Klöckner mit plus 1 Proz. gefragt. Stahlverein plus 1,5 Proz. besonders rege gefragt. Schiffahrtswerte waren weiter gesucht und bis zu 1,5 Proz. gebessert. Am Dankenmarkt gaben Disconto-Gesell- schaft 1,5 Proz. nach. Sonst war hier das Ge- schäst wie an den übrigen Märkten bedeutungslos. Renten still. Ausländer zumeist etwas fester. Am Farvenmarkt war das Geschäft unbedeutend. Die Kurse blieben zumeist gut behauptet, nur Farben lagen erneut etwas leichter. Olm Geldmarkt war Tagesgeld mit 8 Proz. etwas mehr angeboten. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1963, gegen Pfund 20,363, London gegen Kabel 4.8510, gegen Paris 123,875, gegen Mailand 92,73, gegen Madrid 33,45, gegen Holland mit 12,0820 schwach.
Berliner Börse.
Berlin, 17. Iuli. Im allgemeinen entsprach die Eröffnung der heutigen Börse den Beobachtungen, die man im Vormittagsverkehr machen konnte: da Momente, die eine Anregung bieten können, nicht Vorlagen, mußte die börsentechnische Situation und ein eventueller Ordereingang bei der Kursentwicklung den Ausschlag geben. Daß im russisch, chinesischen Konflikt eine Beruhigung eingetreten ist, wurde kaum beachtet. Das Kursniveau neigte mehr zur Schwäche, und in den schweren Werten war Abgabeneigung festzustellen. QlmMon- tanmarft scheint ein gewisser Stillstand eingetreten zu sein. Das Geschäft war wesentlich kleiner als in den letzten Tagen, und einzelne Werte dieses Marktes (Essener Steinkohle, Hoesch, Ilse Bergbau und Rheag) verloren bis zu 3 Prozent.
Dafür konzentrierte sich aber die Aufmerksamkeit der Spekulation heute mehr auf den Elektro- markt, an dem für AEG. wieder Ausland- Interesse bestehen soll. Auch in Bergmann setzten sich die Käufe einer Großbank fort. Schifffahrtsaktien hatten lebhafteres Geschäft, wobei allerdings mehr als psychologisches Moment die Ausfahrt der „Bremen" und der damit wieder einsetzende Wettstreit Deutschlands um das „Blaue Band" mitgesprochen haben dürfte. Die schwereren Werte (Demberg, Glanzstoff, Polyphon usw.) ver- loren bis 5 Prozent. Auch Farben neigten weiter zur Schwäche. Deutsche Anleihen unverändert. Ausländer vollkommen geschäftslos. Anatolier zur Schwäche neigend. Der Pfandbriefmarkt war uneinheitlich. Der Geldmarkt war unverändert angespannt. Tagesgeld 8,5 bis 10,5 Prozent, vereinzelt darunter bis 8 Prozent. Monatsgeld 9,5 bis 10,5 Prozent, Warenwechsel etwa 7,25 Proz. Diese neue Geldmarktsituation war auch de»' Grund, weshalb sich der gute Reichsbankausweis per 15 Iuli (Entlastung etwa 290 Millionen, Besserung der Deckung auf 46,8 bzw. 54,9 Proz.) zunächst nicht auswirken konnte. Erst im Cßetlaufe wurde es, vom Montan- und Elektromarkt ausgehend, freundlicher. Reichsbank konnten um weitere 2 Prozent anziehen. In Schiffahrtsaktien blieb das Geschäft lebhafter. Hapag gewannen 2,5 Prozent gegen Anfang. Kaliwerte waren 1,5 bis 3 Prozent höher. Die Rotiz für Otavi versteht sich heute exklusive Dividende. Auch im "Verlaufe lagen Kunstseidenwerte schwächer und etwa 1 Prozent niedriger, was auf die Hnlernehmungs- luft der anderen Märkte etwas abfärbte, so daß sich die erhöhten Preise nicht immer behaupten konnten.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 17. Iuli. Der Prv- duktenrnarkt verkehrte in ruhiger Haltung. Die stark ermäßigten Auslandnotierungen verstimmten, so daß das Geschäft sehr klein blieb. Das Angebot nahm größeres Ausmaß an, auch waren die Forderungen bedeutend ermäßigt, doch erfuhren die Preise infolge der Hmsahlosigkeit keine Veränderung. Es wurden notiert: Roggen 22,75 Mark, Hafer (inl.) 23,25 bis 23,50, Mais (gelb, für Futterzwecke) 23,25, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 39 bis 41,25, Roggenmehl 31,25 bis 32, Weizenkleie 11,75 bis 12, Roggenkleie 13 Mk. — Tendenz: stetig.
B.rliner Produktenbörse.
Berlin, 16. Iuli. Die stürmische Hausse an den gestrigen überseeischen Terminmärkten, die ein selten gesehenes Ausmaß erreichte, und die im Einklang damit um mehr als einen Gulden per 100 Kilo erhöhten Cis Offerten für Auslandweizen bewirkten an der hiesigen Produktenbörse eine Fortsetzung der lehttägigen scharfen Preissteigerungen. Besonders kam dies im handelsrechtlichen Lieferungsgeschäft zum Ausdruck, wo die Iulisichten für Brotgetreide etwa 10 Mark fester einsehten, während die Herbstlieferungspreise infolge der etwas ruhigeren Liverpooler Meldungen die Dormittagsgewinne von etwa 8 Mark für Weizen und 6 Mark für Roggen nicht voll behaupten konnten, sondern 3 bis 5 Mk. fester einsehten. Inlandweizen neuer Ernte wird aus allen Produktionsgebieten reichlicher als in den letzten Tagen angeboten, Forderungen und Gebote gehen jedoch um etwa 5 Mark auseinander, so daß Abschlüsse schwer zustande kom- rroen. Roggen neuer Ernte wird infolge des großen Preisunterschiedes zwischen Weizen und Roggen weniger stark offeriert. Für prompt verladbaren Roggen kamen auf etwa 5 Mark höherem Preisniveau vereinzelt Hmsätze zustande.
Kunst und Wissenschaft.
Deutsche Ausgrabungstäligkell in Aegypten.
Der Wiederaufnahme der deutschen A u s g r a « bungstätigkeit in Aegypten ist durch eine Reise, die Professor Dr. Roeder, Direktor des Pelizaeus-Museums in Hildesheim im März und April 1929 ausgeführt hat, der Weg geebnet worden. Auf dieser Reise, zu der die Mittel von Freun- den der ägyptischen Archäologie aufgebracht wur- den, hat Professor Dr. Roeder im Delta und in Oberägypten je eine Ruinenstätte festgestellt, deren Freilegung eine antike Stadtanlage mit Tempeln, Straßen, Plätzen und Häusern zu ergeben verspricht. Die Stifter der Mittel haben sich nunmehr zu einem „Verein für Städteausgrabungen in Aegypten" zusammengeschlossen, dessen Vor- sitz zu übernehmen Staatssekretär Professor Dr. P o p i tz sich bereit erklärt fjat. Die Anträge auf Genehmigung der Grabungen sind von der ägyptischen Regierung in entgegenkommender Weise ausgenommen worden, und die Arbeiten sollen im nächsten Winter mit einem Stabe von Mitarbeitern begonnen werden, der alle in Frage kommenden Fachgebiete umfaßt.
Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse
Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent.
Schluß- Kur»
Datum
16.7.
17.7.
16 7.
17 7.
5% »t. Reld)MnleÜ?e o. 1927 .
et Onl..8n>löf.-6d)utt mit Mui lof.-Sedjten
teSflU ohne Aueios.-Rechle
7% Frank,. Hyp^-Bk Soldps. un- kündbar bU 1939
V/i% Rheinische Hvv^Bank Stau Soldps.
ettt.®. abg. Borkrteg».Obligation., rückzahlbar 1939
67,25
85,5
79
87
—
67,5
50,9
10
51
10
4% Schweiz. BundeSb^SirU..
4% Ceflerrei
10
214,5
214,5
215,65
215,75
Reiten 4 Guilleaume.
. 6
139
140
139,25
140,5
Ges. f. (Seift. Untern..
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10
—
—
215,25
215
Hamb. Gleite. Werke .
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10
—
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141
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Rhein. Gleltt. . .
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—
152,25
Schies. Elekir. . . .
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Schuckert ...
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235,75
235,25
Element 4 HalLke . .
MM«
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TranLradio ...
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Lahmeyer »Co.. . .
• • •
10
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—
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SuberuJ......
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Deutsche Gtböl . . .
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—
120,25
120,4
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Essener Steinkohle . .
e . .
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140,5
Gelsenkirchener . . .
i y»
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141,5
143
141,75
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Harpener......
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• • •
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138,25
Ilse Bergbau ....
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115,5
116,25
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Köln-Neuesten. . . .
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136
135,25
Mannesmann ....
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10
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301
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Rheinstahl . . . s. % Jahr Riebeck Montan......
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131,5
131,75
131,75
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64,75
238,5
Bereinigte Siahlw. .
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402
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9- ®. Farben.Industrie Dynamit Nobel . . .
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Datum
16.7.
17. 7.
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Heidelberger Cement .... 10
Gement Karlstadt......8
Wayß 4 Freitag ...... 10
Schultheiß D atzen Hofer ... 15
Ostwerke.........12
Bcr. Glanzstoss......18
Bemberg ........ 14
Zellstoss Waldhos.....12
Zellstoss Aschaffenburg ... 12
(Charlottenburger Wasser ... 7
Dessauer Gai.......8
Daimler Motoren......0
Deutsche Maschinen-Fabrik . . 0
Adlerwerke Klever......5
Ludw. Sterne.......10
Rat. Automobil.......0
Orenstein 4 Koppel.....5
Leonhard Dietz.......6
Bamag-Menuin.......O
Franks. Maschinen......6
Gritzner.........U
Heyligenstaedt.......v
Lechwerke. ........b
Mainkrastwerke.......8
Miag...........10
Rekars ulmer........8
Peters Union........8
Gebr. Roeder.......io
Böig! 4 Haesfner......8
Südd. Zucker........8
_____________Sani
112
135,5
188
98,5
410
245,5 161
55
50
57
70
62
105,75
105,13
124
119,5 114
220
150,25
"noten
IllllllllllSlllllllllllllgllSIII
112
99,75
311,5
245,65
409
315
243,5
161 111,75 196,75
55,25
56,5
50
204
23,5 93.75
216,75
57,25
69
64
124,5
121
222
150
110,25
311,5
246
404
311
243,5
110,4
197,5
55
56
50
23,5
93,13
124,5
Berlin, 16. Juli
(Selb
Brief
Ämerikarnlche Noten ..... Bel-ftche Novm ........ Däntichc Noten........
Englische Roten...... .
4,172
58,30
11,43
20,29
4,192
58,54
111,87
20,37
Berlin, 16. Juli
Geld
Brief
Französische Noten.....
16,417
16,477
Holländische Noten......
168,03
168,71
Italienische Noten......
21,95
22,03
Norwegiiche Noten......
Deutfch-Oesterr., ä 100 Kronen
111,50
59,08
111,94
59,32
Rumänische Noten......
2,475
2,485
Schwedische Noten......
112,18
112,62
Schweizer Noten.......
80,68
81,00
Spanische Noten.......
60,53
60,77
Tschechoslowakische Noten . .
12,393
12,453
Ungarische Noten ...
72,87
73,17
Devisenmarkt Berlin
- Frankfurt a. M.
Telegraphische Auszahlung.
16. Juli
17. Jnli
Amtliche Notierung
Amtliche Noneruna
'»etd
Brte>
Geld
Brief
Amst-- Rott.
168,37
168,71
168,31
168,65
Bnen.-LtreS
1,760
1,764
1,758
1,762
Brff.-Antw-
58,255
58,375
58,24
58,36
Christiania.
111,75
111,97
111,69
111,91
K open Hagen
111,68
111,90
111,70
111,92
Stockholm -
112,40
112,62
112,38
112,60
Helimgfors.
10,535
10,555
10,535
10,555
Italien. . .
21,93
21,97
21,925
21,965
London. . .
20,335
20,375
20,337
20,377
Neupork . .
4,195
16,42
4,203
4,1925
4,2005
Paris....
16,46
16.415
16,455
Schwei» . .
80,64
80,80
80,625
80,785
Spanien .
60,76
60.88
60,81
60,93
Japan . . . Rio de Jan Dien in D^-
1,917
1,921
1,930
1,934
0,497
0,499
0,496
0,498
CtfL adgefi
59,035
59,155
59,025
59,145
Prag . . . . Belgrad . .
12,411
12,435
12,407
12,427
7,363
7,377
7,365
7,379
Budapest. .
73,10
73,24
73,075
73,215
Bulgarien .
3,027
3,033
3,032
3,033
Lissabon
18,75
18,79
18,73
18,77
Danzig. . . Konstantin.
81,35
2,018
81,51
2,022
81,29
2,023
81,45
2,027
Athen. .
5,42
5,43
5,425
5,435
Canada
4,168
4,176
4,165
4,173
Urnftuav. .
4,076
4,084
4,036
4,044
Lairo - -
20,855
20.905
20,86
20,90
ffranlfuri a. M.
Berlin
i'Uot- Kure
Sckftuh^Ansong
Kur» ! Kur»
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