Montag, 17. Juni 1929 179. Jahrgang Nr. 159 Erstes Blatt GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: VrLhl'fche Univerfitüts-Vuch- und Ztelndruckerei R. Lange in Gletzen. Schriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Tell Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Bietzen. Erscheint täglich,auher Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: gtanlfurt am Main 11686. Deutsch-polnische Verständigung in der Liquidationsfrage. Weitere direkte Verhandlungen. - Schluß der Madrider Ratstagung. Madrid, 15. Sunt. (WTB.) Gegen 13.30 Uhr trat der Rat zu seiner Schluhsihung zusammen, in der 2l d a t s ch i den auf gründ bet Bemühungen um eine Einigung zwischen Polen und Deutschland in der Liquidationsfrage entstandenen Bericht verlas. Sn dem Bericht wird festgestellt, daß die beiden Regierungen sich dahin geeinigt haben, in kürzester Frist direkte Verhandlungen zur Regelung der Angelegenheit unter dem Vorsitz von Adatschi aufzunehmen. Dieser ist beerchtigt, den Effektivvorsih bei den Verhandlungen einer ihm geeignet erscheinenden Persönlichkeit zu übertragen. Es wird die bestimmte Hoffnung ausgesprochen, daß die Verhandlungen mit der größten Beschleunigung geführt werden. Der Bericht vermerkt, dah die polnische Regierung in den Fällen, in denen nachgewiesen worden sei, dah die betroffenen Personen Anspruch auf die polnische Staatsangehörigkeit hatten, die Aufhebung der Liquidation der Güter angeordnet habe und dah, wenn sich bei der schwebenden Nachprüfung der Staatsangehörigkeitsverhältnisse einiger der Liquidation unterworfener Personen ergeben sollte, dah sie Anspruch auf die polnische Staatsangehörigkeit besitzen, die polnische Regierung ihnen gegenüber analoge Maßnahmen treffen würde. Die Aufhebung der Liquidation würde nach Mitteilung des polnischen Vertreters an den Berichterstatter grundsätzlich die Rückgabe der liquidierten Güter an ihre früheren Eigentümer bedeuten. Sn den Fällen, in denen die Rückgabe auf praktische Schwierigkeiten stößt, soll sie d u r ch die Zahlung einer angemessenen Entschädigung erseht werden. Reichsminister Dr. Stresemann dankte dem Ratspräsidenten für seine Bemühungen um das .Zustandekommen dieser Verständigung, und ging bann auf die gestrigen Erklärungen des polnischen Außenministers Z a l e s k i ein, der den O p p eine r Z w i s ch e n f a l l in die Debatte über die polnische Liquidationspolitik hineingezogen hatte. Stresemann stellte fest, daß dieser Zwischenfall mit der auf der Tagesordnung stehenden Frage nichts zu tun habe und bedauerte, daß der polnische Vertreter diese Angelegenheit nicht nur vor den Rat, sondern auch in Form von Interviews vor das Forum eines gastgebenden Landes gebracht habe. Die Angelegenheit sei dem Völkerbund unterbreitet und werde im September vom Rat verhandelt werden. Stresemann verwies auf die energischen Maßnahmen, die die zuständige preußische Regierung sofort gegen die Schuldigen ergriffen habe und stellte zusammenfassend fest, daß ein Staat, der selbstverständlich nicht für das Verhalten jedes einzelnen seiner Angehörigen verantwortlich sei, nicht mehr tun könne. Gegen die Loyalität der deutschen Regierung könne nicht der geringste Vorwurf erhoben werden. Wenn von einer Trübung und Störung der Beziehungen zwischen den beiden benachbarten Völkern gesprochen werde, so sei dies nicht auf den bedauerlicher Zwischenfall selbst, sondern auf seine systematische fortdauernde Ausnutzung zu Propa- gandazwecken bis in die Madrider Ratstagung hinein zurückzuführen. Solche Vorgänge wie in Oppeln seien nicht zu verhindern. Sie würden aber sehr viel weniger Wirkung ausüben, wenn man es unterließe, sie zum Gegenstand politischer Agitation zu machen. In einer kurzen Ansprache dankte hierauf der Ratspräsident der spanischen Regierung für die gewährte Gastfreundschaft und erklärte die 55. Rats- tagung für geschlossen. Keine Arbeitslosenversicherung der freien Berufe. Berlin, 17. Sunt (Priv.-Tel.) Seit einiger Zeit sind Bestrebungen im Gange, auch die freien Berufe in die Arbeitlosenverficherung einzubeziehen. Diesen auf einer Entschließung des preußischen Landtages beruhenden Wünschen ist besonders seitens der Aerzte- schäft lebhafter Widerstand entgegengesetzt worden. Das Reichsarbeitsministerium hat daraufhin ein Gutachten von der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung eingefordert. Der Vorstand der Reichsanstalt ist in Liebereinstimmung mit den Landesarbeitsämtern zu dem Schluß gekommen, daß die Einbeziehung freier Berufe in der Form einer Zwangsversicherung oder einer freiwilligen Versicherung weder erwünscht noch durchführbar ist. Das Reichsarbeitsministerium hat nunmehr dem ärztlichen Spitzenverband eine Mitteilung zugehen lassen, wonach man an zuständiger Stelle von einer Weiterverfolgung der Angelegenheit a b s e h e n werde. Wilhelm Kahl. Zum 80. Geburtstag am 17. Juni Don Dr. Gustav (Stresemann, Michöminister des Auswärtigen. Sn der Nationalversammlung in Weimar spricht man über den Frieden von Versailles. Auf der Rednertribüne steht ein Mann, der die Siebzig überschritten hat, und gibt eine Erklärung für seine Parteifreunde ab. Seine Fraktion ist eine der kleinsten in dem neugewählten Hause und hat im Wahlkampf im scharfen Gegensatz zu ihren Gegnern gestanden. Aber in dem Augenblick, da er spricht, lauscht das ganze Haus ohne irgendeine Llnterbrcchung. Wie die Töne einer Kirchenglocke, so klingen seine Worte und Sähe an das Ohr der Versammelten. Das Erz kann kunstvoll geformt und der Ton fein gestimmt sein, — bei diesem Redner verbindet sich die Wucht mit der Vielseitigkeit des menschlichen Snstrumentes der Stimme, und man spürt das Eine: hier spricht nicht nur der Mund, hier spricht dasHerz. Man weih, dah der bejahrte Redner zu Denen Sehört, die einst am Tage von Versailles im :ahre 1871 der Errichtung des Kaisertums beiwohnten, das nun zu Grabe getragen ist. Kein verletzendes persönliches Wort findet sich in der von größtem sittlichen Ernst getragenen und von einer kaum unterdrückten Leidenschaft erfüllten Rede. Um fo stärker ist der Eindruck, der sich von der äußersten Linken bis zur Rechten fortseht. Der Reichstag verhandelte am 21. Suni 1927 den Entwurf eines allgemeinen Deutschen Strafgesetzbuches. Die Reichstagsberichte zu lesen, ist nicht immer ein Vergnügen. Was an sachlicher und guter Arbeit geleistet wird, das geschieht meist in den Ausschüssen. Der Saal ist, wie man ihn genannt hat, der Saal der Wiederholungen, weil die Volksvertretung sich erst dann mit großen gesetzgeberischen Arbeiten beschäftigt, wenn sie in der öffentlichen Meinung bis zum Letzten durchgearbeitet worden sind. Parteipolitische Leidenschaften toben sich hier aus. Oft will keiner dem andern auch nur den guten Glauben beimessen. Seder sucht den Eindruck zu erwecken, als ob der echte Ring nur bei denen ist, die die Farben seiner Partei tragen. Die Sozialdemokratie ist außerhalb der Regierung. Syre Auffassung zum Entwurf eines Strafgesetzbuches widerspricht der Auffassung des Redners in vieler Beziehung. Da geschieht etwas im Deutschen Reichstag kaum Wiederholtes: Der sozialdemokratische Redner, der Abg. Landsberg, beginnt seine Rede mit einer Verbeugung vor dem Manne, der soeben gesprochen hat und führt unter Zustimmung aller Parteien folgendes aus: „So vieles uns auch voneinander trennt, es gibt doch erfreulicherweise auch Dinge, in denen wir übereinstimmen, und dazu gehört die Verehrung des Verehrungswürdigen. Sch denke, Sie werden mich als Shren Herold gelten lassen, wenn ich dem verehrten Herrn Vorredner meine aufrichtige Bewunderung ausspreche zu dieser Rede, in der sich die Weisheit des Alters mit dem schönen Eifer der Sugenb gepaart hat, und die unsere Verhandlungen auf das würdigste eingeleitet hat." Seit dem Sahre 1919 ist Kahl Vorsitzender aller Parteitage der Deutschen Dvlkspartei gewesen. Diese Versammlung von 1000 bis 2000 Menschen hat nie eine Debatte über die Wahl des Vorsitzenden gekannt. Sie liegt in ihrer Hand. Die Stellung des Vorsitzenden dieser Versammlung ist politisch eine bedeutsame. Sn jeder Partei gibt es Gegensätze, die um die Macht ringen. Aber nie ist in irgendeinem Moment der Gedanke aufgetaucht, daß ein anderer als Kahl die Versammlung leiten könnte. Die Form, in der er diese große Versammlung eröffnet, die Begrüßung, die er an die Vertreter des Auslands richtet, der Dank, den er den Rednern ausspricht, alles das ist so fein abgewogen, so sorg- fällig überdacht, so stark in der Wirkung, dah niemand wüßte, wer ihn an dieser Stelle ersehen könnte. Das sind wenige aus Erlebnissen wiedergegeben« Erinnerungen an den Politiker Kahl. Er gilt nich als Parteipolitiker, obwohl er in der Debatte eint scharfe Klinge zu schlagen weiß. Aber was ihn da vor bewahrt, in dem Sumpfe des Parteiegoismustecken zu bleiben, das ist — ich möchte sagen — da- Ewige seiner Gedanken. Vieles sehen wir heut« unter Sonne oder dem grauen Gewölk des Tages Wie viel Parteileidenschaft verschwenden wir ar diese Tagesfragen! Er sieht darüber hinaus, rott dieser oder jener Beschluß sich auswirken wird ir der Entwicklung, in der Verständigung aller Schich ten des deutschen Volkes. Jeder Interessentenstandpunkt steht ihm fern Seine Seele ist nie in den Versuch gekommen eine Frage danach zu entscheiden, ob es einer be stimmten Gruppe im Volke nutzt Was ihn übe diese Jnteressenkämpfe erhebt, das ist sein nur voi der Sorge um die Zukunft getriebenes, unbestech liches Gewissen Wie der Politiker, so auch der Mensch. Auch hier für gilt das Wort seines parteipolitischen Gegner- von der Verehrung des Verehrungswürdigen Pflichttreue, Güte und Freundschaft dem Freund seine hervorragendsten Eigenschaften. Gebe tn- ein gütiges Geschick, daß uns diese Persönlichkei noch lange erhalten bleiben möge. Gebe ein gütige: Geschick dem deutschen Volke, daß es seinesgleichei noch oft erleben möge! Macdonald fordert entschiedene MinderheitenpoMk. Gegen die Oeutschenverfolgung in Tirol. — $ür einen ständigen Minderheitenausschuß des Völkerbundes. London, 16. Juni. (BJIB.) „Sunbag Times" veröffentlicht einen Aussah des Premierministers Macdonald über die Minderheitenfrage, in dem es u. a. heißt: Wenn nicht eine Lösung des Minderheiten- Problems imGeist gegenseltigerAchtung und gegenseitiger Zugeständnisse cr- olgt, so wird es ernste Schwierigkeiten in Europa geben. Die siegreichen Staaten haben keinen 23er- uch unternommen, die Balkanstaaten entsprechend ihren Rassen abzugrenzen, da Präsident Wilson den Grundsatz des Selbsibestimmungsrechtes nur auf d i e besiegt en Staaten anwandte. So ist z. V. Mazedonien in einem Zustand der Gärung geblieben. Auch Fälle wie die des Elsaß und des Saargebietes dürfen bei einer Betrachtung des Minderheitenproblems nicht unberücksichtigt bleiben. Für ein demokratisches Regierungssystem sollte es keine Unterschiede im Genuß der bürgerlichen Rechte geben. Sprachliche und religiöse Unterschiede sollten bei Gesetzgebung, Verwaltung und Unterricht geachtet werden. Wo Minderheiten zu staatlichen Einheiten zusammengeschlossen werden können, sollte Selbftoer- ro a 11 u n g gewährt werden. Mißbrauch dieser Vorrechte kann nur durch Geduld und durch zweckmäßige Unterweisung entmutigt werden. In Jugoslawien hat die verserbung der Kroaten eine Lage geschaffen, in bet keine der Nationalitäten mit der anderen zusammenarbeitet, und die nur die Wahl zwischen zwei gleich großen Hebeln läßt, einer fortdauernden parlamentarischen Krise ober einer Diktatur. Die Friedensverträge haben Italien eine große deutsche und serbische Minderheit gegeben, die Italien durch jede mögliche Art der Unterdrückung zu italianifieren versucht. Angesichts der Umstände, unter denen diese Gebiete ihren Staaten jugeteilf wurden, und angesichts der Tatsache, daß dies infolge eines Krieges geschah, für den roir alle gezahlt und gelitten haben, sollten Minderheiten wie diese Zutritt zum Völkerbund als einer letzten Versöhnungsinstanz haben. Es ist ein großes Unglück, daß die Befugnis des Völkerbundes, die Erfüllung der Pflichten der Staaten ihren Minderheiten gegenüber zu kontrollieren, nicht auf alle Staaten wie Italien angewendet worden ist, und dah sie, soweit sie besteht, in praxi geschwächt wurde. Dem sollte ungesäumt ein Ende gemacht werden. Eine wirksame Aufsicht durch den Völkerbund sollte wiederhergestellt werden. Die technische Schwierigkeit, die die Einbringung von Gesuchen verhindert, sollte beseitigt werden, und die Verteidigung der angeschuldigten verantwortlichen Staaten sollte veröffentlicht werden. Ein ständiger Minderheitenausschuß ähnlich dem Mandatsausschuß sollte eingesetzt und die Vertuschungsdiplomatie sollte bei feiner Tätigkeit ausgeschaltet werden. Der Aufsatz schließt, Dr. Stresemann hat nach dem Protest, zu dem er im Dezember in Lugano provoziert worden war, angekündigt, daß er die ganze Frage des Schuhes der Minderheiten auf der nächsten Zusammenkunft des Völkerbundes aufwerfen werde. Jeder, dem die Fortdauer der Demokratie und die Sicherung des Friedens in Europa am Herzen liegt, wird ihm Glück dabei wünschen. Steht Macdonaid zu seinem Wort? London, 17. Suni. (WTD. Funkspruch.) „Daily News" meldet, sie habe gestern abend die Aufinerffarnkeit des Premierministers auf den obigen Artikel in der „Sunday Times" über die Minderheitenfrage gelenkt. Macdonald habe Ermächtigung zu folgender Erklärung gegeben: „Der Artikel ist vor mehreren Monaten für eine Agentur Leschrieben worden und wurde damals zur Veröffentlichung übergeben; es war nicht beabsichtigt, daß er jetzt veröffentlicht werden sollte und zu der heute erfolgten Veröffentlichung war keine Ermächtigung gegeben." Sin deufschnaiionales Volksbegehren gegen den Uoungplan. Berlin, 15. Juni. (VDI.) Der deutschnationale Parteivorstand nahm nach Ausführungen von h u g e n b e r g und Quaal) eine längere Entschließung an, in der die Ablehnung des Pariser Sachverständigenplans u. a. damit begründet wird, daß wir schon jetzt Tributleistungen und Einfuhr fremder Lebensmittel aus geborgtem Gelbe bezahlten und daß die Weiterführung der Schuldenpolitik eine G e - ährdung der Währung und völlige Preisgabe unserer wirtschaftlichen und politischen Zukunft bedeute. Auch würde die völlige Zerstörung des deutschen Kredites und Ansehens im Auslande sowie die zunehmende Verwirrung unseres innerdeutschen Lebens die Folge der Annahme sein. Wie die deutschnationale Presse meldet, hat der Vorstand im Einvernehmen mit der gesamten Rcichstagssraktion einstimmig beschlossen, den Weg für ein Volksbegehren gegen den Pariser Plan freizumachen. „Vom Vürgerstaal zum Volksstaat". Dortmunder Tagung des Jungdcutscheu Ordens. Dortmund, 16. Suni. (Sil.) Die Dortmunder Kundgebung des Sungdeutschen Ordens, die unter dem Leitwort „V o m Bürgerst aat zum Volks st aat" steht, begann mit einer Pressekonferenz, in der Hochmeister Mahraun nochmals die bekannten Ziele des Ordens eingehend darlegte. Gegen Mittag formierten sich die Sungöoleute aus Westfalen und Norddeutschland mit ihr>n Dannern zu einem Zuge, der sich durch die Stadt zur Westfalenhalle bewegte, wo eine öffentliche Kundgebung stattfand. Der Grohkorntur der Dallei Westdeutschland, Dr. Scholz, machte Mitteilung von einem an den Reichspräsidenten gerichteten Begrüßungstelegramm. Sodann sprach Hochmeister Mahraun über das Thema „Vom Dürgerstaat zum Volksstaat". Sn seinen Ausführungen rief er zur Sammlung der Kräfte für den Volksstaat auf, der die politische Gleichheit und die soziale und kulturelle Gerechtigkeit für alle Staatsbürger gewährleiste. Nur der soziale Volksstaat werde den Gefahren des 20. Sahr- hunderts, dem Bolschewismus und der Welt- plutokratie, begegnen können. Das deutsche Volk sei des Haders und der Demagogie der Parteien müde. Nur der Zusammentritt verantwortungsbewußter, staatsbejahender Persönlichkeiten aller Richtungen zu einem Dolksparlament im Sinne des Volksstaates könne die im Volk schlummernden politischen Kräfte wieder zur Blüte bringen. Als Voraussetzung fordere er aber die Aechtung der Flaggenbehe, die das deutsche Volk zersplittere. Er fordere Achtung vor der Reichsflaqqe, Achtung aber auch vor den Farben Schwarz-Weiß-Rot als dem Symbol der Großtaten deutscher Vergangenheit. Die Einstellung des Sungdo zum P a z i s i s m u s präzisierte Mahraun dahin: Wir lehnen es ab, irgendeinen weltfremden Pazifismus zu treiben, der die natürlichen Derteidigungsmittel unseres Volkes zerstören würde. Auch wir sind von Liebe zum Frieden erfüllt. Wir wollen aber unsere Freiheit und die Grenzen unseres Landes schützen. Dem Reichsbanner habe der Sungdo entgegen den Behauptungen der Rechtspresse kein Bündnisangebot gemacht, da ein Bündnis beiden Organisationen Schwierigkeiten bringen würde. Der Sungdo habe aber erkannt, daß alle politischen Grupven, die sich für den Grundgedanken der deutschen Erhebung und Wiedergeburt bekennen, dazu gehöre auch das Reichsbanner, sich die Hände zu g e - meinfamem Wollen reichen müßten. Nach weiteren Ansprachen von Führern anderer Politischer Gruppen, die sich ebenfalls zur volksnationalen Aktion äußerten, fand die Dortmunder Tagung des Sungdeutschen Ordens chr Ende. Oie Reichsbahn beantragt Tariferhöhung. Berlin, 17. Suni. (Priv.-Tel.) Der angekündigte Tariferhöhungsantrag der Reichsbahn ist jetzt bei der Reichsregierung eingegangen. Es wird vorgeschlagen, diejenigen Tarife, die im vorigen Sahre geschont worden sind, zur Erzielung von Mehreinnahmen heranzuziehen, also eine Reihe von Gütersähen und im Personenverkehr die Tarife für die zweite Klasse, während die Preise für die dritte Klasse unverändert bleiben. Sm einzelnen sollen, wie versichert werde, die Crhöhungssätze mäßig sein, da insgesamt nur die infolge der Lohnerhöhungen benötigten 55 Millionen aufgebracht werden sollen. Die Hauptverwaltung der Reichsbahn habe ausdrücklich betont, daß sie der Reichsregierung für jede andere Lösung der Finanzfrage dank«' bar fei. Das Sparguiachien für Hessen. Darmstadt, 16. Suni- Sn diesen Tagen ist der Reichssparkommissar S a e m i s ch in Darmstadt gewesen und hat sich mit der Regierung über sein Spargutachten unterhalten. Einige seiner Referenten sind hier geblieben, um mit Der Reichstag bespricht den Wehretat. Berlin, 16.3uni. (DDZ.) 3m Reichstag wird zunächst das Zusatzabkommen zum deutschschweizerischen Handelsabkommen dem handelspolitischen Ausschuh überwiesen und das internationale Opiumabkommen in zweiter und dritter Beratung angenommen. Es folgt dann die zweite Beratung des Haushalts des Reichswehrministeriums. Reichswehrminister Groener: Wie haben sich die Verfechter eines idealen Völkerbundes die Lösung des Wehrproblems gedacht? Militärpolizeiliche Kräfte zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Innern und kleine, hochmoderne Truppenkörper als Gliedarmeen des Völkerbundes! Die Wirklichkeit ist von diesem Idealbild weit entfernt. Von einer Ab - r ü st u n g oder auch nur Rüstungsbeschränkung ist bei den Siegermächten keine Rede. (Sehr wahr!) .Unfere Rachbarstaaten verfügen über 76 Divisionen gegenüber den 10 deutschen Divisionen. Man hat dieses Mißverhältnis leugnen wollen. Man hat sogar behauptet, die Stoßkraft des deutschen Heeres gehe weit hinaus über das, was seiner zahlenmäßigen Stärke entspricht. Diese Behauptung wird schon allein dadurch widerlegt, daß uns alle modernen Groh- kampfmittel fehlen. In den Nachbarstaaten werden gewaltige Reservearmeen ausgebildet, die uns fehlen. Man spricht auch davon, daß wir ein Führerheer hätten. Dabei wird aber verschwiegen, daß ein Führerheer ohne grohe Reserven und ohne gute Waffen nichts machen kann. Die Militärfliegerei fehlt uns ganz, und Deutschland ist gegen Luftangriffe schutzlos. Da man Deutschlands Entwaffnung nicht mehr leugnen kann, hilft man sich mit dem Wort von Deutschlands „poten- tiel de guerr e“. Cs wird auf die grohe Menschenzahl und die Leistungsfähigkeit der Industrie hingewiesen, die Deutschland schnell für den Krieg mobilisieren könnte. Tatsächlich würde aber eine solche Umstellung der Industrie und der Menschen auf den Krieg bei uns viele Monate in Anspruch nehmen, während die Siegerstaaten neben den militärisch ausgebildeten Reserven über eine stets auf den Krieg vorbereitete Rüstungsindustrie verfügen. Wir können uns nicht auf den „potentiel de guerre“ verlassen, sondern stützen uns auf den,, potentiel de paix“, auf unser vertragliches Recht auf allgemeine Abrüstung. Es wird nun die Frage aufgeworfen: Warum unterhalten wir überhaupt diese kleine, im Kampf gegen die großen Militärmächte doch nicht brauchbare Reichswehr? Ich antworte: Weil sie wenigstens verhindert, daß freundliche Nachbarn in unseren Grenzgebieten nach Gefallen schalten und walten und daß kriegführende Nachbarn über unsere Neutralität ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen können. Was die innere Verfassung der Reichswehr betrifft, so sind alle Parteien darin einig, daß die Reichswehr rein staatlich eingestellt und ein unbedingt zuverlässiges überparteiliches Instrument in der Hand der verfassungsmäßigen Gewalten sein muß. (Beifall.) Jeder versteht aber unter dieser staatlichen Einstellung etwas anderes. Aufgabe des Reichspräsidenten und des Reichswehrministers muß es fein, der Reichswehr ihre Stellung über den Par- teien zum uneigennützigen Dienst an Volk und Vaterland zu erhalten. (Beifall.) Trotz aller Kritik muß ich dankbar anerkennen, was die Reichswehr geleistet hat in pflichttreuer Arbeit, äußerster politischer Zurückhaltung und Hilfsbereitschaft gegen jedermann. (Beifall.) Kritik begrüße ich; aber eine Kritik, die nur herabfetzen will, lehne ich rundweg ab. Ich habe der Sparnotwendigkeit große Zugeständnisse gemacht, habe sogar auf Manöver verzichtet. Aber jedes Zugeständnis hat seine Grenze, sowie das feste Gefüge der Armee dadurch erschüttert wird. Es ist eine Staatsnotwendigkeit, die dem Reiche gebliebene Verteidigungsmöglichkeit aufrechtzuerhalten. (Beifall.) Abg. v. Lettow-Dorbeck (Dn.) begrüßt die grundsätzlichen Ausführungen des Ministers. Auch wir wollen Verbundenheit der Reichswehr mit dem Volke, aber wir wollen kein Eindringen der pazifistischen Strömungen in die Reichswehr. Die Angehörigen der Reichswehr müssen vom Wehrwillen erfüllt fein. Die Reichswehr darf nicht politisiert werden. Sie muß als ein zuverlässiges Derteidigungsmittel erhalten bleiben. Abg. Schöpflin (©.): Der Wehrminister kann die Reichswehr als zuverlässiges Derteidigungsmittel des Reiches erhalten, auch wenn noch weit mehr in seinem Etat gestrichen wird. Wir wollen nicht ein Parteiheer, aber eine Reichswehr, die sich nicht als Staat im Staate betrachtet, sondern sich mit der Republik verbunden fühlt. Wir verlangen, daß den Angehörigen der Reichswehr das volle Staatsbürgerrecht, also auch das volle Wahlrecht, gegeben wird. Abg. Drüninghaus (D. Dp.) erinnert daran, daß vor zehn Jahren von Roske die Grundlagen für die jetzige Reichswehr geschaffen wurden. Wenn man die Republikanisierung der Reichswehr fordere, so müsse erst wieder unterschieden werden zwischen der demokratischen und der sozialistischen Republik. Bei den hohen Anforderungen, die unsere Offiziere erfüllen müssen, wird auf eine abgeschlossene Schulbildung nicht verzichtet werden können. Die Versorgung der entlassenen Reichswehrangehörigen müsse schleunigst verbessert werden. Das Wahlrecht werde man Den Soldaten nicht geben können, wenn man sie nicht politisieren wolle. Die Beobachtung der verschiedenen Abrüstungskonferenzen hat uns gezeigt, daß die Siegerstaaten höchstenfalls daran denken, ihren gegenwärtigen Rüstungsstand aufrecht zu erhalten, keineswegs aber wirklich abzurüsten. Um so weniger können wir aber die uns gebliebene kleine Wehrmacht freiwillig weiter beschränken. Abg. Dr. Külz (D.) bezeichnet die Reichswehr als das Instrument zur Aufrechterhaltung der Selbständigkeit des Deutschen Reiches nach außen und der Ruhe und Ordnung im Innern. Die Reichswehr muh auf die Leistungshöhe ge- Paris, 15. Juni. (WB.) Die beiden französischen Delegierten auf der Reparationskonferenz Moreau und Parmentier haben an Ministerpräsident P o i n c a r e ein Schreiben gerichtet, in dem sie ihre Reparationsverhandlungen erläutern. Sie weisen darauf hin, daß Poincare ihnen unter Betonung des Charakters absoluter Unabhängigkeit eine Abschrift der" offiziellen Note zugestellt habe, die Frankreich an sämtliche interessierten Regierungen gerichtet habe, um die Bedingungen zu präzisieren, unter denen allein die Empfehlungen der Sachverständigen die vollständige Z u st i m m u n g der französischen Regierung erhalten könnten. Die Sachverständigen erklären, sie hätten sich bemüht, diesen Bedingungen denPlananzupafsen, der vom Sachverständigenausschuß angenommen werden sollte. Die Bedingungen dieses Moratoriums kombiniert mit denen der Abkommen von London und Washington sind aber derart, daß Frankreich niemals der Gefahr ausgesetzt fein kann, feinen einstigen Alliierten höhere Summen zu zahlen, als es von Deutschland zu erhalten hat. Den französischen Sachverständigen ist es klar geworden, daß damit zum ersten Male eine tatsächliche Verbindung zwischen den Reparationszahlungen und den Zahlungen unserer auswärtigen Schulden her- gestellt worden ist. Diese Verbindung wird in der Praxis um so enger sein, als die geplante Bank für die internationalen Zahlungen beauftragt fein wird, sämtliche Beträge einzuziehen und für die Gläubigerstaaten Frankreichs die Abrechnung wird vornehmen können. Von den Annuitäten von 1046,5 Millionen Mark, die auf Frankreich entfallen, beläuft sich der für die auswärtige Schuld absorbierte Teil im Durchbracht werden, die der Versailler Vertrag überhaupt ermöglicht: sonst hat sie für uns keinen Zweck. Wir treiben bewußt eine Friedenspolitik, aber wir brauchen die Reichswehr eben zur Aufrechterhaltung des Friedens. Deutschland hat einen Rechtsanspruch auf Abrüstung der anderen. Ein Volksheer im besten Sinne des Wortes soll die Reichswehr fein. Wenn wir das hoffen, so verlangen wir, daß der Reichswehroffizier und der Reichswehrsoldat absolut das Vertrauen des Staates verdienen. Die Reichswehr darf nicht hineingezogen werden in die Parteipolitik: das würde den Zustand völliger Wehrlosigkeit zur Folge haben. Die einseitige Betonung des Wissens bei den Reichswehrangehörigen ist abzulehnen: es soll die rechte Synthese zwischen Wissen und Können vorhanden sein. Deshalb lehnen wir ein absolut durchgeführtes Bildungsprivileg ab. Irgendwelche Verbindungen mit Organisationen und Bestrebungen, die gegen den Staat gerichtet sind, dürfen bei der Reichswehr nicht bestehen. Die Achtung vor der alten Tradition hindert nicht, daß sich die Reichswehr auch eine eigene neue Tradition zulegt. Wer das richtige Fronterleben hat, hält sich frei t>qn allem Chauvinismus. Abg. Sachsenberg (Wpt.): Mit pazifistischem Geist kann man die Reichswehr nicht verbinden, sie braucht soldatischen Geist. Die wirtschaftliche Entwicklung und die technischen Errungenschaften vor allem in der Fliegerei werden von selbst dahin führen, daß immer mehr der Krieg eine Unmöglichkeit wird. Wir müssen unsere Wehrmacht in der allerbesten Weise aus- statten, wenn sie ihre Derteidigungsaufgabe erfüllen soll. Abg. v. Epp (RS.): Heeresfragen sind Machtfragen, die mit der Staatsform nichts zu tun haben. An der kleinen Wehrmacht, die uns der Feindbund gelassen hat, darf nichts gekürzt werden. Wir stimmen dem Etat zu und erwarten, daß die in diesem Jahre gekürzten Positionen im nächsten Jahre wieder hergestellt werden. schnitt nur auf 626,5 Millionen Mark, so daß ein Iahresüberschuß von 420 Millionen Mark alsNettoeinnahme für Frankreich übrig bleibt, also von etwa 42 Milliarden Francs. Die Bemühungen der französischen Sachverständigen seien darauf gerichtet gewesen, das Recht Frankreich aufs Mobilisierung des Annuitätenteils durchzusetzen, der die französische Ziffer der französischen auswärtigen Zahlungen übersteigt und ebenso auch die praktischen Mittel dieser Mobilisierung zu organisieren Dank der Mobilisierung werde die Amortisierung der von Frankreich eingegangenen Schulden beschleunigt werden können, so daß Frankreich eine wirkliche Priori- t ä t zugunsten seiner materiellen Reparationen erhält. In seinem Antwortschreiben bringt Poincare den Dank der gesamten französischen Regierung für die Bemühungen der französischen Sachverständigen Aum Ausdruck. In der Iuni- nummer der Zeitschrift „Foreign Affairs" veröffentlicht er außerdem einen Aufsatz in dem er über den Sachverständigenbericht noch ausführt: Die französischen Sachverständigen hahen sich einverstanden damit erklärt, daß Frankreich einen sehr großen Teil der gemeinsamen Opfer übernimmt. Aber die moralischen Vorteile dieser gemeinsamen Regelung sind von allerhöchster Bedeutung. Sie verheißen eine neue Atmosphäre in Europa, die Förderung des Gefühls des Vertrauens und die Wiederherstellung einer haltbaren Grundlage der Zusammenarbeit zwischen den Nationen. Wir hoffen, daß die Regierungen sich beeilen werden,. so schnell wie möglich den Plan der Sachverständigen in Kraft zu setzen. Frankreich uni) der ftonngplan. Oer Bericht der französischen Sachverständigen — poincare scheint zufrieden. den Sachbearbeitern der hessischen Regierung E r- gänzungen usw. an dem Gutachten vorzunehmen. In gewissen politischen Kreisen wird mit als Grund für die Verzögerung der Fertigstellung des Gutachtens angegeben, daß der Sparkommissar mit einigen Feststellungen und Folgerungen seiner Referenten s i ch n i ch t i d e n- tisch erklären wollte. Der Ausgleichsausschuß der Konfessionen. Berlin, 16.Juni. (Priv.-Tel.) Der vor wenigen Monaten gegründete evangelisch-katho- lische paritätische Ausschuß hat seine Arbeiten aufgenommen. Er will, wie wir von unterrichteter Seite hören, selbstverständlich nicht eine Angleichung der Glaubenssätze der beiden Kirchen erstreben, ein solcher Versuch würde den Sinn feiner Ausgabe zu tiefst entgegengesetzt fein. Als positives Ziel seiner Arbeiten sicht der Ausschuß, der von einem evangelischen und katholischen Vorsitzenden geführt wird, dem konfessionellen Frieden zwischen den beiden Kirchen zu dienen. Für die Praxis der Kulturpolitik bedeutet diese Zielsetzung, alle Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, um unnötige oder auf Mißverständnissen beruhen- den Konflikte zu vermeiden und im Sinne des christlichen Geistes eine Zusammenfassung der Kräfte zu ermöglichen. So hat sich der paritätische Ausschuß, der kürzlich in einer vertraulichen Sitzung tagte, mit zwei aktuellen, auch die praktische Politik bewegende Fragen, beschäftigt. Er beriet die im Strafrechtsausschuß jetzt vertagte Ehescheidungsreform und das Problem eines Vertragsabschlusses zwischen dem preußischen Staat und der evangelischen Landeskirche, das nach dem Abschluß des Konkordates in den kommenden Monaten wohl eine größere Rolle spielen dürfte. Bedauerlicherweise find die Verhandlungen des paritätischen Ausschusses, die periodisch stattfinden und deren Referate von dazu eingeladenen Wissenschaftlern gehalten werden, vertraulich, obwohl man die Absicht hat, gelegentlich die Oesfentlichkeit zu informieren. Für die praktischen Fragen der Volkserziehung und für die gesetzliche Regelung der Kulturpolitik kann der paritätische Ausschuß, wenn es ihm gelingt, sein Programm auch nur teilweise zu verwirklichen, tzcherllch fegensvoll wirk eg. Kunst und Wissenschaft. Karl Heinsheimer f. Am Sonntagmittag ist unerwartet der derzeitige Rektor der Universität Heidelberg, Geheimer Hofrat Professor Dr. Karl Heinsheimer, im 60. Lebensjahre gestorben. Heinsheimer bekleidete in der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg das Ordinariat für Bürgerliches Recht, Zivilprozeh und Auslandrecht. Er war auch Herausgeber der „Zivil- gesehe der Gegenwart" und Direktor des Instituts für ausländisches Recht. Heinsheimer war geborener Mannheimer, studierte in Lausanne, Straßburg, Leipzig und Freiburg, habilitierte sich 1903 in Heidelberg und wurde 1907 ebendort ordentlicher Professor. Eine Nordisch-Deutsche Woche in Kiel. Eine Nordisch-Deutsche Woche für Kunst und Wissenschaft findet vom 15. bis 23. Juni in Kiel statt. Vier nordische Staaten, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland sind durch ihre Berliner Gesandten vertreten, außerdem durch Abordnungen von Professoren und Studenten. Don deutscher Seite sind Vertreter der Ministerien des Reichs und der Länder sowie fast sämtlicher deutscher Universitäten erschienen, fo der Reichsernährungsminister Dietrich, der preußische Kultusminister Dr. Becker, der Präsident der Notgemeinschaft, Exz. Schmidt- Ott, von auswärtigen Universitäten aus Kopenhagen: Prof. Hjemslev, Prof. Munch- Petersen, Prof. Faber, Prof. Pederson, Prof. Ton, aus Helsingfors: Prof. Brotheros, Prof. Greotenfeld, Prof. Ruuth, Prof. Sirelus, von der Akademie in Abo: Profefsor Lind- man, aus Turku: Professor Ochmann, aus Reykjavik: Professor Bjamavson, aus O s l o :_ Prof. Brögger-Keilhau, Prof. Lindvik, aus Göteborg: Prof. Hagendahl, Prof. Peterson und Prof. Röndahl, aus Lund: Prof. Tock, Prof. Rytberek, Prof. Lauritz, Prof. Wei- bull, aus Stockholm: Prof, von Euler-Schel- pin, Prof. Lindblom, Prof. Wemstedt, aus Upsala: Prof. Holmvik. _$on deutschen Universitäten sind gekommen: Rektor Prof. Herzog und Prof. Rosenberg Gießen, Prof. Neckel, Berlin. Professor Kroll, Breslau, Prof. Römer, Leip- -ig. Pros. M lehn er, Hannover, Pros. %an« zer, Heidelberg, Prof. Gentzner, Marburg. Den Lbiftakt der Woche bildeten sportliche Veranstaltungen, die mit Vorführungen isländischer Studenten und einer durch die Mitwirkung der deutschen Olympiasiegerin und Weltmeisterin Helene Mayer, Offenbach, beson- ders interessanten Fechtakademie begannen. Am Mittag wurden die Ausstellungen für nordische Volkskunst und nordische Architektur sowie für die nordische bildende Kun st eröffnet. Die nordischen Museen, Künstler und Architekten haben dazu ihre besten Stücke, zum großen Teil Stücke seltener Schönheit, gesandt, so daß die Ausstellung einen glänzenden Einblick in das nordische Schaffen gewährt. Aus aller Welt. General Booih f. London, 16. Juni. (WTB.) Der frühere General der Heilsarmee, William B o o t h, der einen Rückfall feiner Krankheit erlitt, ist heute abend gestorben. William Bramwell Booth wurde 1856 als Sohn des Begründers der Hellsarmee, des 1912 gestorbenen, früheren englischen Geistlichen William Booth geboren. W. Bramwell Booth hat die ganze Entwicklung der 1865 gegründeten Heilsarmee miterlebt, seit 1880 als sog. „Chef des Stabes", d. h. als erster Gehilfe feines Vaters. In dieser Eigenschaft hat er wiederholt die ganze Welt bereift, um die Organisation aufzubauen, die heute in 81 Ländern besteht. Nach dem Tod von William Booth im Jahre 1912 wurde Bramwell Booth sein Nachfolger als „General". Florence Booth, seine Frau, steht an der Spitze der Landesorganifationen in England. In den Vereinigten Staaten ist seine Schwester Evangeline Booth „Befehlshaber" der Heilsarmee. Seine sieben Kinder wurden alle Offiziere in der Heilsarmee. Als General Booth im Dezember 1928 schwer erkrankte, erreichte es die Reformpartei innerhalb der Heilsarmee, geführt von Evangeline Booch, General Booth, als unfähig, feine Stellung weiter auszuüben, abzusetzen. Der Hohe Rat wählte am 14. Februar 1929 den Generalstabschef Higgins mit 42 Stimmen zu seinem Nachfolger als General der Heilsarmee. Schweres Unglück bei fianalifationsarbeiten. |3n Marktheidenfeld a.M. stürzte am Stadtausgangi nach Erlenbach beim QMM Grabens von 3 Meter Tiefe der Sandboden ein und begrub mehrere Arbeiter. Trotz fieberhafter Ausgrabungsarbeiten konnten vier junge Arbeiter nur als Leichen geborgen werden. Einen Schwerverletzten hofft man am Leben erhalten zu können. Tödlicher Absturz der Fallschirmpilolin Tußmar. Die bekannte Fallschirmpilotin Elly Tußmar aus München ist in Chur bei einem Absprung aus einem Flugzeug mit dem Fallschirm in den Rhein g e ft ü r 3 t. Die Leiche konnte bis jetzt nicht geborgen werden. Die Nachricht von dem Unglück verbreitete sich erst ziemlich spät, da das Niedergehen der Fliegerin den Blicken der Zuschauer durch einen Wald entzogen wurde. Man wurde erst aufmerksam, als der Flieger über der Llbsprung- stelle lange Zeit kreiste und so auf das geschehene Unglück aufmerksam machte. (Ein Titelhändler vor Gericht. Wegen betrügerischen Handels mit Titeln und Diplomen wurde ein gewisser Dr. Wötitz zu einem Jahr Gefängnis, sein Assistent namens Forstmann zu acht Monaten Gefängnis und beide zu je 5 Jahren Ehrverlust nerurteilt. Wötitz hatte 1920 in Würzburg als Dr. jur. et rer. pol. promoviert, war in den Jnflationsjahren bis 1923 Bankbeamter gewesen und hatte von da ab im umfangreichsten Stile den Diplomhandel betrieben. Für die Dotkoranden eröffnete er als Einleitung Fernkurse. Die Titel wurden von der „Universität in Kar pur t h a la", der Residenz eines Fürsten im tiefsten Indien, ausgestellt. Diese Universität besaß angeblich eine amerikanische Charta und nannte sich „W e ft e r n Uni- versity". Ein anderer Teil der Diplome war an- geblich von der „National Universtty Dakota USA.", die aber längst ihre Pforten geschlossen hat, aus- gestellt. wieder ein ungeschützter Bahnübergang. Zwei Motorradfahrer aus Ahrensboek, die sich auf dem Wege zum Gauturnsest nach L a a g e in Mecklenburg befanden, verunglückten bei dem ungeschützten Bahnübergang in der Nähe der Ortschaft Kronskamp bei Laage tödlich. Der Fahrer raste mit seiner Maschine unmittelbar in den aus Richtung Rostock kommenden Personenzug hinein. Er wurde zwischen Lokomotive und Kohlenwagen eingekeilt und furchtbar zerstückelt. Sein Begleiter wurde in bewußtlosem Zustande ins Rostocker Universitätskrankenhaus überführt, wo er bald darauf seinen Verletzungen erlag. Sieben Personen beim Vaden in der Donau ertrunken. In Wien ertranken am Sonntag sieben Personen beim Baden in der Donau. Zwei Personen stürzten bei einer Kletterpartie im Wiener Walde ab. Plausibel. Zwei kleine Engländer im Alter von etwa acht Jahren unternahmen in den Straßen Londons ihren Mittagsspaziergang. Dem einen Kerlchen fällt es auf, daß die wenigen Pferde, die man heutzutage im Straßenverkehr noch zu sehen bekommt, scheu und verstört die unzähligen Kraftwagen anstieren. Der Freund des verwunderten Knirpses hat als Vollblutengländer für alles eine praktische Erklärung: »Die Pferde waren früher darast gewohnt, daß die Wagen von Gäulen gezogen wurden. Nun sieht das arme Zugtier, daß die Karren ohne Pferde laufen. Natürlich muß es da stutzig werden. Würdest du nicht staunen, plötzlich eine Hose vor dir spazieren zu sehen, eine Hose ohne das dazugehörige menschliche Dein?!" Oie Wetterlage. nayerr ■«05t S -ydlsf- .Thorsk OHO 12. La Ccruna Sonntaa. d.16. Juni 1929.8nmgs. S6G --lng& Owoiftenios. Oneuer. <>nait> oedecxL 9 woixip. • oedecxt eRegtiX * Schnee n Graupeln, s Nebel K Gewmer.@windstiUe.«Q-, sehr «eicnter O$l ^5 «ilsstQV Südsoowest» stürmischer nordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem winde. Oie sei den Stationen stenenden Zahlen peben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichem •ut rteercsniveav umatKibocU» Luftdruck Wettervoraussage. Die Nordmeerstörung hat sich wesentlich abgeflacht und ist somit für unser Wetter ungefährlich geworden. Gleichzeitig hat über den Britischen Inseln kräftiger Luftdruckanstieg eingesetzt. Auch in Deutschland ist das Barometer noch weiter in die Höhe gegangen. 3m Bereich hohen Druckes wird sich daher unser Wetter vorläufig meist heiter und trocken gestalten. Da wir immer noch ozeanische Luftzufuhr haben, sind späterhin Gewitterbildungen nicht ausgeschlossen. Wettervoraussage für Dienstag: Vielfach heiter, nur zeitweise leicht wolkig, warm und trocken. Wettervoraussage für Mittwoch: Meist heiteres und trockenes Wetter, späterhin Gewitterbildungen nicht ausgeschlossen. Lufttemperaturen am 16. Juni: mittags 23 Grad Celsius, abends 17,8 Grad am 17. Juni: morgens 16,8 Grad. Maximum 24,3 Grad, Minimum 15,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. Juni: abends 24,2 Grad am 17. Juni: morgens 19,6 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9% Stunden. Klus -er Provinzialhauptsiadt. Gießen, den 17. 3uni 19N. Oer Wadenkrampf. Von Or. Josef Llrbach, Wien. 3n den ersten Morgenstunden, wenn schon bald "Zeit zum Aufstehen ist und man sich noch behaglich ein wenig im Bette ausstreckt, kommt manchmal eine sehr unangenehme Lleberraschung: Eine Wade wird auf einmal hart, und ein wütender, immer zunehmender Schmerz seht dort ein. Man möchte schreien — so weh tut es —, und das erstarrte Bein bewegen: allein es geht nicht. Bach einigen Minuten läßt der Schmerz etwas nach. Ist der Anfall zu Ende? Keineswegs: wieder seht er sich eine Zeit fort, um erst dann endgültig abzuklingen. Ein dumpfes Weh- gefuhl bleibt als Erinnerung an den tückischen Anfall zurück. Was geht da in der Wade vor? Wieso gerät der Mensch mitten aus süßem Schlummer plötzlich in diese Höllen von Schmerz? Damit verhält es sich so: Der Krampf ist durch Störungen in der Dlutströmung und Blutverteilung im Wadenmuskel verursacht, ähnlich wie auch bei den sogenannten Krampfadern, wo sich das Blut in den erweiterten Gefäßen staut, nicht selten Krämpfe auftreten. Desgleichen kommen bei gewissen Schlagadererkrankungen des Unterschenkels und dadurch bedingter, örtlicher Kreislaufstörung krampfähnliche Zustände in den Beinen zustande, wodurch das Weitergehen auf der Straße plötzlich gestört werden kann. Wahrscheinlich liegt eine Art von Eindickung des Blutes in den Beinen vor: denn nach schweren, mit großen Säfteverlusten einhergehenden Krankheiten, wie Cholera oder anderen ernsten Erkrankungen, zeigen sich solche Krämpfe ebenfalls: ferner treten sie nach größeren körperlichen Anstrengungen, ermüdenden Märschen, langem Stehen, Beiten, Tanzen auf. Bekannt ist auch der den Schwimmer im kalten Wasser überfallende Wadenkrampf, der besonders dann gerne eintritt, wenn die Fußspitzen beim Schwimmen immer kräftig gestreckt werden. Durch diese Bewegung erfolgt nämlich eine starke Beanspruchung der Wadenmuskulatur, so daß Neigung zum Krampf sich einstellen kann. Nicht selten gibt andere Male eine rasche und heftige Bewegung überhaupt den Anlaß, z. B. beim Ausstrecken im Bett oder beim Anziehen der Schuhe. Außer den genannten Umständen dürfte die Anhäufung der im Muskel bei größeren körperlichen Leistungen sich bildenden Ermüdungsstoffe, zu denen insbesondere die Milchsäure gehört, für das Eintreten des Krampfes verantwortlich zu machen sein. Wadenkrämpfe kommen übrigens auch bei den verschiedensten Krankheiten der ^lnterschenkel- muskeln, beim Platt-, (Senk-)fuß, bei manchen inneren und Nervenleiden, ferner bei gewissen Bergiftungen (z. B. Alkohol und Nikotin) vor: dies sei nur aus dem Grunde erwähnt, um auf die Notwendigkeit hinzuweisen, bei gehäuften Anfällen von Wadenkrampf den Arzt zu Nate zu ziehen. Diel größeres Interesse als alle diese Einzelheiten beansprucht aber die Frage: Wie soll dem Hebel vorgebeugt werden, und was macht man, wenn man von dem Krampf befallen wird? Wer zu solchen Anfällen neigt, gehe tunlichst allen größeren körperlichen Anstrengungen aus dem Wege, vermeide brüskes Strecken des Deines und übe Mäßigkeit im Genüsse von Alkohol und Tabak. Um die Eindickung des Blutes zu bekämpfen, trinke man abends 1—2 Gläser Wasser oder Milch, Suppe, nicht aber schweißtreibenden Tee oder ein Abführmittel. Im Anfall wendete man bisher Massage des krampfenden Muskels an, oder sprang rasch aus dem Bette, um das Dein kräftig zu bewegen: doch alles dies hilft nicht immer oder nicht genügend schnell. In jüngster Zeit wurde nun empfohlen, das Fußgelenk stark nach rückwärts zu beugen, die Zehen also der Vorderseite des Unterschenkels zu nähern. Auf diese Weise wird nämlich, da die Streckmuskeln des Fußes an der Vorderseite des Unterschenkels, die Deugemuskel an der Waden-Hinterseite verlausen, die schmerzhafte Wade gedehnt: der Dlutkreislauf bessert sich, die Ermüdungsstoffe können abfliehen, und der Krampf hört auf. Wer es wegen der Schmerzen nicht zuwege bringt, diese Bewegung selbsttätig auszuführen, der versuche, mit der an der Sohle angelegten Hand den Fuß zwangsweise nach rückwärts zu biegen. Dieses unschädliche, einfache und billige Mittel sei allen Wadenkrampfleidenden, soweit nicht innere Krankheiten vorliegen, zur Erprobung empfohlen. Daten für Dienstag, 18. Juni. Sonnenaufgang 3.43 Uhr, Sonnenuntergang 20.19 Uhr. — Mondaufgang 16.49 Uhr, Monduntergang 1.37 Uhr. 1815: Sieg Blüchers und Wellingtons über Napoleon I. bei Bellc-Alliance: — 1839: der Dichter Martin Greif in Speyer geboren (gestorben 1911): —1845: der Entdecker des Malaria-Erregers Charles A. Laveran in Paris geboren; — 1885: der Maler Wilhelm Camphausen in Düsseldorf gestorben (geboren 1818); — 1895: Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals. Gleiberg-Ausstellung. Gestern vormittag wurde in Gegenwart eines zahlreichen Publikums im Ausstellungssaale des Oberhessischen Kunstoereins im Turmhaus am Brandplatz die aus Anlaß der 50. Jubiläumsfeier des Gleibergoereins von dem Oberhessischen Kunst- verein hergerichtete Ausstellung von Gemälden und Bildern aus Gleibergs alter und neuer Zeit eröffnet. Der Bor- sitzende des Oberhessischen ftunftoereins, Landgerichtsdirektor i. R. Bücking, begrüßte in einer einleitenden Ansprache unter Hinweis auf den Zweck der Veranstaltung die Besucher, in deren Namen und zugleich auch für den Gleiberaverein Geheimrat Professor Dr. König als Stellvertreter des verreisten ersten Barsitzenden, Provinzial- direktor G r a e f mit herzlichen Dankesworten erwiderte. Eine eingehende Besichtigung der vielseitigen Ausstellung schloß sich dann an. Der Zweck der Jubiläumsausstellung soll ein lokal-hi st arischer Rückblick auf die Geschichte des Gleibergs in Bild und Zeichnungen sein. Unter diesem Gesichtspunkt ist hier aus dem Besitztum der Allgemeinheit und aus Privateigentum an Bildern, Aquarellen, Stichen und Federzeichnungen alles zusammengetragen worden, was bisher sowohl von Künstler- Hand, als auch von Liebhabern und Freunden des Gleibergs je gemalt, gezeichnet oder gestochen wurde. Auf diese Weise ist eine recht vielseitige Schau zustandegekommen, die man mit Interesse durchwandert und die zum Teil auch ganz neue Blickpunkte auf das schone Landschaftsbild um den Gleiberg herum gibt. Ausgestellt sind Schöpfungen von Fritz von Wille (Dresden), Otto Ubbelohde, W. Bartel (Gießen), M. Felchner (Gießen), R. Pfaff (Gießen), Th. Müller (Gießen), W. Stephan (Gießen), G. Rohrbach (Gießen), O. Jung (Stuttgart), Bieber (Gießen), Geilfuß (Nauheim), Dich- mann (Großen-Linden), Jost (Gießen), Fräulein Rohr (Minden), Rentmeister W. Gäbler (Krofdorf), H. Will (Gießen), Kinzenbach (Gießen), H. Küchel (Gießen), C. Geist (Wimpfen), ferner zahlreiche Kupferstiche ^md Aquarelle aus dem Oberhessischen Museum, weiter Glasmalereien und Glasschliff- arbeiten, die zwar mit dem Gleiberg selbst nicht in Beziehung stehen, aber doch in sachlicher Hinsicht sich dem Rahmen der Ausstellung gut einfügen. Aus sämtlichen Arbeiten spricht viel Liebe und Begeisterung für den Gleiberg, wie überhaupt für unsere engere Heimat. Der Besuch dieser Ausstellung sei unseren Mitbürgern in Stadt und Land, insbesondere auch den Dörfern um den Gleiberg herum, warm empfohlen. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Romanisches Seminar: Neufranzösischer Liederabend, 20 Ähr, im Großen Hörsaal der Äni- versität. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Totentanz der Liebe". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der morgigen Aufführung von „Katharina Knie" wird Robert Kleinert vom Wiesbadener Staatstheater in der Hauptrolle des Vater Knie gastieren. Das Seiltänzerstück wird morgen das letzte Mal gegeben. Der Zirkus Dlondini wird auch bei dieser letzten Aufführung mitwirken. ** Von der Landesuniversität. Zur Wiederbesetzung des Lehrstuhls der Physik an unserer Landesuniversität als Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Geheimen Hofrats Professor Dr. König, ist ein Ruf an den außerordentlichen Professor an der Universität Berlin, Regierungsrat und Mitglied der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt Dr. Walther B o t h e, ergangen. — Der Lehrstuhl der Romanischen Philologie an unserer Landesuniversität, den gegenwärtig der im Herbst in den Ruhestand tretende Geheime Hofrat Prof. Dr. Dietrich Behrens innehat, wurde Professor Dr. Kurt Glaser in Marburg angeboten. — Der Professor für Altes Testament an unserer Landesuniversität, Dr. Baumgartner, der vor einigen Tagen einen Ruf an die Universität Basel angenommen hat, erhielt jetzt einen Ruf an die Universität Marburg als Nachfolger von Pros. Hölscher auf den alttestamentlichen Lehrstuhl der Marburger Universität. ** Zwangsversteigerungen landwirtschaftlicher Grund stücke in Hessen. Nach den Angaben der hessischen Amtsgerichte wurden an landwirtschaftlichen Grundstücken zwangsversteigert im Jahre 1924; 152 mit 17,16 Hektar Fläche, 1925: 507 mit 72,17 Hektar Fläche, 1926: 741 mit 116,50 Hektar, 1927: 793 mit 114,90 Hektar. 3m 3ahre 1928 wurden im ersten Quartal 810 Zwangsversteigerungsverfahren eingeleitet über 181,60 Hektar, durchgeführt wurden 91 Verfahren über 18,67 Hektar, im zweiten Quartal betrugen die Ziffern 191 Verfahren über 167,12 Hektar und durchgeführt wurden 27 Verfahren über 14,22 Hektar, tm driten Quarattl 181 Verfahren über 240,46 Hektar, durchgeführt wurden 27 Verfahren über 16,90 Hektar, im vierten Quartal waren es 147 Verfahren über 321,21 Hektar, durchgeführt wurden 35 Verfahren über 95,84 Hektar. •• ©in Autounfall ereignete sich am Samstagabend zwischen Kl.-Linden und Gr.-Lin- den. Das Personenauto des Kaufmanns W. Rühl (Kl.-Linden) stieß auf der Fahrt nach Gr.-Linden mit einem Kraftfahrer zusammen, dessen Rad unbeleuchtet war. Der Motorradfahrer, ein früherer Bahnmeister aus Gießen, erlitt erheblche Kopfverletzungen und lag längere Zeit bewußtlos. Das Motorrad und das Auto wurden schwer beschädigt. •• Die Neue Hessische Deamten- st e r b e k a s s e hielt dieser Tage hier ihre 5. Mitgliederversammlung ab. 3ahresbericht, 3ahres- rechnung und Bilanz der Kasse fanden einstimmige Genehmigung. Der seitherige Vorstand, bestehend aus Ministerialrat Braun, Darmstadt, Oberlandesgerichtsrat Weicker, Darmstadt, Vermessungsrat Bergauer, Darmstadt, Direkwr Burk, Darmstadt, Förster Klip- stein, Darmstadt, Oberregierungsrat Schneider, Darmstadt, Direktor Göbel, Offenbach, Stadtkasse-Direktor Vogel, Mainz, wurde durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. Die Kasse hat bereits über 300 000 Mk. als Prämien- und Sicherheitsreserven angesammelt. ** Die Fünfziger-Vereinigung 1879—1929 eröffnete ihr Sommerfest am gestrigen Sonntag mit einer Zusammenkunft am Stadthaus zur photographischen Aufnahme. Um 10 Uhr vormittags marschierte die etwa 160 für die Tagesnummer des Gießener Anzeigers werden zweckmäßig am Nachmittag vorher aufgegeben. Nach 9 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahmefällen nicht gewährleistet werden! VERLAS DES GIESSENER ANZEIGERS Altersgenossen zählende Vereinigung unter Dorantragen einer schönen, erstmalig bei den Fünfziger-Vereinigungen gestifteten Standarte nach dem Trieb, wo unter den schattigen Eichen ein Gottesdienst abgehalten wurde. Diese Feier wurde eingeleitet durch einen Choral: ihm folgte der Gesangverein „Liederkranz" mit dem Chor: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Die allen Teilnehmern zu Herzen gehende, die Belange, Erlebnisse und Empfindungen der 50er darstellende Ansprache hielt Pfarrer Bechtols- heimer. Mit dem gemeinsam gesungenen, von der Kapelle begleiteten Liede: „Lobe den Herrn" und dem ebenfalls vom „Liederkranz" vorgetragenen Chor „Der Wald" endete dieser Teil der Feier. 3m Saale der „Liebigshöhe" fand gegen 12 Uhr ein gemeinschaftlicher Frühschoppen statt, der sich weiter über die eigentliche Mittagsstunde ausdehnte. Für heute, Montag, nachmittag 2.15 Uhr sind vorgesehen: gemeinsamer Marsch mit Musik vom Landgraf-PhiliPP-Plah durch die Sonnenstrahe, Neue Bäue, ©arten» strahe, Kaiserallee nach dem Philosophenwald- Restaurant. Dort findet allerlei gesellige Unterhaltung statt. * Preishüten in Hungen. Wie man uns mitteilt, veranstaltet der Verein für Deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Gießen und Umgegend, in Gemeinschaft mit dem Oberhessischen Schäferverband am 30. 3uni in Hungen sein erstes oberhessisches Preishüten, dessen Schirmherrschaft der frühere Großherzog von Hessen übernommen hat. Der Wettbewerb geht um den Wanderpreis des ehemaligen Großherzogs, um Ehrenpreise des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft, Abteilung Landwirtschaft, der Landwirtschaftskammer, der Provinzialdirektion, des Universitäts- Tierzuchtinstituts Gießen, des Fürsten Reinhard von Lich, des Prinzen Ludwig-Friedrich zu Hohensolms-Lich, der ©tobte Nidda und Hungen, des 1. Vorsitzenden des Vereins für Deutsche Schäferhunde und der Ortsgruppe Gießen des Vereins für Deutsche Schäferhunde, außerdem um Geldpreise. Die Veranstaltung soll bartun, bah ber rein durchgezüchtete Deutsche Schäferhund der Hund der Schafherde ist und Vorzüge verschiedener Art besitzt. ** Auftrieb zum heutigen Frank- furter Schlachtviehmarkt. 115 Bullen, 1293 Rinder. 323 Ochsen, 485 Kühe, 370 Färsen, 516 Kälber, 28 Schafe, 4045 Schweine. Derbandsiag -es Hessischen Müllennnungsverban-es. * Gießen, 16. Juni. Am gestrigen Samstag hielt der Hess. Müllerinnungs- verband seine vierte ordentliche Dcr - bandstagung ab. Am Samstag vormittag fand zuerst eine Sitzung der Obermeister statt. Nachmittags fanden sich nach einem gemeinsamen Mittagessen in den Räumen der „Liebigshöhe" zirka 70 Mühlenbesiher aus ganz Hessen zusammen. Geschäftsführer D ä ch e r t begrüßte die Erschienenen im Namen des Verbandes, besonders die Vertreter der Behörden, Beigeordneten 3u- stizrat Dr. Rosenberg als Vertreter der Stadt Gießen, Dr. Lindemann als Vertreter ber Handelskammer Darmstadt, Mühlenbesiher Seipp namens ber Müllerinnung Gießen, Kaufmann Röhr als Vertreter ber Handelskammer Gießen, Mühlenbesiher 3 a k o b i (Pfälzer Müh- lenbesiherverband), Dr. 3ünger (Mühlenchemie Frankfurt a. M.), Mühlenbesiher Dienst, Weilmünster (Hess.-Nass. Mühlenbesiherverb.). Ferner verlas Geschäftsführer D ä ch e r t Schreiben der Provinzialdirektion Gießen, des Kreisamts Darmstadt, des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft und des Deutschen Müllerbun- des, die ihr Fernbleiben infolge anderweitiger 3nanspruchnahme entschuldigten. Sodann gab Geschäftsführer D ä ch e r t einen kurzen Geschäftsbericht über das 3ahr 1928, wobei er betonte, daß die Mitgliederzahl der 15 dem Verbände angehörigen 3nnungen nicht wesentlich abgenommen habe. Er wies ferner auf die wirtschaftliche Notlage der Müller infolge der ungeheuren Steuerlasten und die schwierige Kreditbeschaffung hin und erwähnte die Zweckmäßigkeit der 3nnungen. Mühlenbesiher Hubertus erstattete Bericht über die Prüfung der 3ahresrechnung, die mit einem Defizit von 446,29 Mk. abschloh, und begründete dieses mit einer zu niedrigen Festsetzung der Mitgliedsbeiträge: Geschäftsführer D ä ch e r t legte alsdann den Haushaltsplan für 1929 vor, der genehmigt wurde. Hieran schloß sich ein Vortrag von Mühlenbesiher Hubertus über „Müllerei-3n- t e r e s s e n" an. Der Redner erwähnte, daß die Ernte des letzten 3ahres gut gewesen sei, trotzdem konnten aber die Mühlen infolge der ungeheuren Einfuhr von Auslandware geschäftlich keine großen Erfolge erzielen. Es wies ferner auf den verfeinerten Geschmack der Verbraucher hin, die nur noch Auslandmehl verarbeitet sehen wollten. Diesem Mißstand sei trotz des bestehenden Reichsgetreiderats (im Reichstag) nicht abzuhelfen. Er betonte ferner die zu geringe Einschätzung des Müllergewerbes infolge ber unbedeutenden Beschäftigung von Arbeitskräften: hierauf beleuchtete er die Stellung der Bäckerinnuiv gen zur Notlage des Müllergewerbes anhand eines Aufsatzes. Sodann sprach Dr. 3ünger (Mühlenchemie Frankfurt a. M.) über Getreideverarbeitung, erklärte die chemische Zusammensetzung des Kornes und kam schließlich auf die Verfeinerung des Mehles durch Zusatz von Bleichmitteln zu sprechen, die das deutsche Erzeugnis dem ausländischen gleichwertig machen könne. Er erwähnte ferner den geringeren Nährwert des besser aussehenden Auslandproduktes. Nach lebhafter Aussprache wurde die Einreichung eines Schreibens an die Müllerberufsgenossenschaft mit der Ditte um Einräumung eines Sitzes in der Delegiertenversammlung beschlossen. Sodann kam die Frage der Feuerversicherung zur Sprache, und es wurde die Absendung eines Deschwerdeschreibens an das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft beschlossen, da die Versicherungsgesellschaften die Aufnahme der Mühlenbetriebe ablehnen, bzw. durch zu hohe Prämienforderungen unmöglich machen. Nachdem noch die Strompreise der Elektrizitätswerke besprochen worden waren, schloß 6er Verbands- vorsihende Scherer die Tagung. Berliner Börse. Berlin, 17. Juni. (WTB. Funkspruch.) Im Heu- tigen Frühoerkehr hat sich bisher noch kein Geschäft entwickelt. Die Tendenz scheint aber eher freundlicher zu sein, obwohl das in den bisher genannten Kursen noch nicht zum Ausdruck kommt. Man taxiert Farben 256,5, Siemens 400 und Glanz- stoff, für die die Transaktion mit der Bank anregt, 467. Am Devisenmarkt nennt man London gegen Paris 124,03, London gegen Mailand 92,67, London gegen Spanien 33,95 zu 33,98, London gegen Kabel 4,8475, London gegen Berlin 20,3325 bis 20,3350, Kabel gegen Berlin 4,1940. b®1 Darmirciohjelt RIC^BRANDT'S ÄctuveizerplilLN Daimler-Benz A.-G., Verkauf stelle Gleisen, Bahnhofstrafee 90/92 Mercedes-Benz Achtzylinder Typ „Nürburg „Eine Klasse für sich“ a Typ „Nürburg“ gewinnt bei der Westdeutschen Zuverlässigkeitsfahrt IQ2Q in seiner Wertungsgruppe den ersten Preis und fährt bei der Geschmeidigkeitsprüfung auf dem Nürburgring die beste Zeit aller Kategorien! 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Juli 1929, vormittags 10 Uhr, — vor dem unterzeichneten Gerichte — Zimmer Nr. 201 — Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 4. Juli 1929 Anzeige zu machen. Hessisches Amtsgericht zu Gießen. J. B. HAUSER, GS ESS EN AM OSWAL DSG ARTEN B. Aus verschiedenen Forstorten des Waldes der Stadt Grünberg. Ib-Kl. 4, 2a-Kl. 51, 2b-Kl. 146, 3a-Kl. 105, 3b-Kl. 19, 4a=SL 5 und 5. Kl. 2 km. Die Gebote sind mit der Aufschrift „Kiefernsubmission" bis längstens TNontag, den 24. Juni 1929, vormittags 11 Uhr, auf unserem Amtszimmer einzureichen, woselbst die Oeffnung in Anwesenheit etwa erschienener Bieter erfolgt. Das Holz ist geschält. Die Bieter sind 3 Wochen an ihre Gebote gebunden. Zwecks Besichtigung wolle man sich wegen Los 3 an Förster Edelmann zu Merlau, Post Mücke, wegen Los 4 an Förster Landmann zu Nieder-Ohmen und wegen des Holzes der Stadt Grünberg an Förster Ritter zu Grünberg rechtzeitig wenden. Grünberg, den 15 Juni 1929. Hessisches Forstamt Nieder-Ohmen. in altbekannter Güte und billigen Preisen bei Rudolf Rüdiger / Gießen WalItorutraße 35 4925A Zum AMMAN mit Mine empfiehlt sich 03850 H. Preis; Wetzlarer Weg. Tel. 1346. Konkursverfahren. lieber das Vermögen der Firma Ober- hessische Auto- und Fahrradindustrie Otto Göbel in Gießen wird heute, am 14. Juni 1929, vormittags 11 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet, da sie ihre Zahlungsunfähigkeit und ihre Zahlungseinstellung Voranzeige! Ab Montag, 24. Juni: „Die weihen Rosen von Ravensberg" Beschluß in dem Vergleichsverfahren über das Vermögen der Firma Rautenberg & Graf, offene Handelsgesellschaft in Heuchelheim, und deren Inhaber Robert Rautenberg und Heinrich Graf. 1. Der in dem Vergleichstermin vom 5. Juni 1929 angenommene Vergleich wird hierdurch bestätigt. 53150 2. Infolge der Bestätigung des Vergleichs wird das Verfahren aufgehoben. Gießen, den 10. Juni 1929. Hessisches Amtsgericht. 2a-Kl. 10, 2b-Kl. 84, 3a-Kl. 90, 3b-Kl. 55, 4a-Kl. 7 und 4b-Kl. 1 km. VraunerSund mit 4 weißen Moten und weißer Brust zugelaufen. Gegen Inserat- und Funerkofien abzu- holen. Brückmann, Birklar. 103847 H. Hochstätter Brandplatz Schloßgasse 4656A rmv warnen (Sie HhrrnÄewerbungen auf Anzeigen ohne Namen Zeugnisse, Urkunden ob. sonst wichtige Papiere beizufügen: Abschriften genügen zur Einleitung v. Anstellungsverhand- unqen. Ost Ist uns der Auftraggeber unbekannt unb In vlesenZällen können wir nichts tun für b. 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Juni 1929 angenommene Vergleich wird hiermit bestätigt. 2. Infolge der Bestätigung des Vergleichs wird das Verfahren aufgehoben. 3. Das allgemeine Veräußerungsoerbot vom 25. April 1929 wird aufgehoben. Gießen, den 10. Juni 1929. 5315D Hessisches Amtsgericht. Für Praxis mehrere grünere, beschlagnahmefreie Zimmer in guter Laae sofort au vermieten. Schr. Angeb. unter 03852 an den Gtefi. An.;. Komplett eingerichtete grönere WkMlSM sofort zu vermieten. Schr. Angeb. unter 03851 a. d. Gfi. AnA. litte Betiöoieiin die schon eine längere Praxis bat, von feinem SveAialgeschäst für Verkauf und Bureau ver sofort oder später in auteDauerstelluna gesucht. Schriftl. Angeb. mit Bild u.Zeugnls- abschr. unt. 5322D an den Gien. AnA. Stift Neuling, Weifibindermeiiter, Stelnfirane 72. Frauen für landwirischastl. Arbeiten gesucht. Schneidet, F-rank- furter Straße 29. Daselbst w.Stroh zu kaufen gesucht -5«? ,L) Gerichtsvollzieher in Gießen yvvvX'l Llammstr. 24 L, Telephon 239. 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Juni, nachm. 2 Uhr versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28 da hier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Standuhr, 1 Eiskonservator, 2 Nähmaschinen (Unferfcile), 1 Attenregal, eine Sprechmaschine, 1 Schreibsekretär, 1 Büfett 1 Registrierkasse, 1 Lederwalze, 1 Schreibmaschine, 1 Küchenschrank, 4 Schweine, eine Bohrmaschine, 1 Friseur-Ladeneinrichtung, eine Ladentheke, 1 Warenschrank, 7 Nähmaschinen, 4 Schreibtische, 2 Diwane, einen Regulator, 1 Vertiko, 1 Sofa, 1 Tisch, einen Wäschtisch,3 Chaiselongues,2 Klaviere, zwei m einfachster bis feinster Ausführung Teppiche/ Dekorationen uH.BRUCK INH. TH. WEINERT Giessen, Brandplafy (ALTES SCHLOSS) 5k gießt sich a mit dem Garten- Schlauch! 13 16 19 mm ’ I.O5 1.55 1 ÖOam.rol Osco-Gi.-ucs. Uoethestrabe 34 Telephon 352. ,,ML Frau Elisabeth Karpf im Alter von 77 Jahren. I Mietgesuche TURNVEREIN WIESECK E. V. In der Nacht von Samstag auf Sonntag starb plötzlich und unerwartet infolge Schlaganfalls unsere herzensgute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Tante • •ist im Sommer das wichtigste Gebot für die Küche. Verdorb. Fleisch oder verunreinigte Speisen sind die größte Gefahr für Ihre Gesundheit. Lebensmittel in einer Temparaturv.tOGrad Wärme oder gar mehr aufzubewahren, heißt. Bakterien-Kulturen züchten. In tiefer Trauer: Marie Hinne geb. Karpf Karl Müller und Frau Gustav Hinne Kurt Hinne, Erika Hinne, Erwin Hinne, Enkelkinder. Eine moderne, appetitliche Küche ist daher ohne Kühl- und ohne Fliegenschrank nicht mehr denkbar. Auch für den kleinsten Haushalt gibt es passende und wohlfeile Kühlschränke bei mir. Lassen Sie sich die neuesten Modelle einmal unverbindlich zeigen. Auch in Speise- Eismaschinen finden Sie bei mir große Auswahl. 52OOA Die Beerdigung unseres Mitgliedes Gertrud Gerlach findet am Dienstag, nachmittags 3'/a Uhr, in Krofdorf statt. Abfahrt mit Verkehrsauto 2.30 Uhr, Vereinslokal. Um zahlreiche Beteiligung bittet der Vorstand. 53210 Gießen (Löwengasse 11), Neuß a. Rh., Cincinnati (Ohio), den 17. Juni 1929. 5318D Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 19. Juni, nachmittags um l/a3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. £ f) Bademäntel,Badeanzüge von Salomon ÄS I Ltz ?unrel6el, ä5hu= Sdiur3c: _ 0-10 Sc?- 25 =® 3 3-LS-- §' 32£ti ©ÖZ’ o 2 O o x0 3 's ®_' E_ Montag, 17. Juni 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 159 Zweiter Blatt neun Per^ Geschichten aus aller Welt nicht auch damit zu spielen, aber sie lassen sich nicht aufheben. Dann zieht sie die Decke an die Nase und starrt vor sich hin. Es ist nicht zum Aushalten langweilig. Der Vater schnarcht wieder. Gräßlich ist das. — Ganz vorsichtig und leise beginnt sie vor sich hin zu einige Schwierigkeiten im Lande gibt. Diese sind aber vorläufig so gering, daß sie neben den erzielten Fortschritten nicht ins Gewicht fallen. kämpfe an der afghanisch-persischen Grenze keine Rolle spielen. Als drittes der bedeutsamen außenpolitischen Ereignisse Persiens ist schließlich der Abschluß der deutsch-persischen Verträge zu nennen, die über die deutsch-persischen Beziehungen hinaus grundsätzliche Bedeutung haben, da hiernach bald die Kapitulationen für alle Rationen fallen dürften. Denn mit der Lin- Chinesisches Porzellan. Von Margot Englisch. Beinahe 2000 Jahre früher als in Europa haben ostafiatische Völker Porzellan gefertigt, unb fast 200 Jahre hindurch vor der Erfindung des Meißener Porzellans gelangten chinesische Geschirre und Figuren als kaum bezahlbare Raritäten in die Kunstkabinette und Sammlungen europäischer Fürsten. Die chinesischen Schriftsteller verlegen einstimmig die Erfindung des Porzellans in das Jahr 185 v. Ehr. und erzählen, daß man vor dieser Zeit im heiligen Reich der Mitte nur Gefäße aus Erde und Bronze gekannt habe. Don diesen ältesten Stücken wissen uns nur die Dichter zu singen. Erhalten blieb kein einziges Stuck. Erst eine einige hundert Jahre später einsetzende Entwicklung kann man genauer verfolgen. So wurde unter der Dynastie Wei (221—264) kost, bares grünes Porzellan, unter der Dynastie Tsin (265—419) himmelblaues hergestellt, die schönsten Stücke nur für kaiserlichen Gebrauch. LIngefähr 200 Jahre später stand die chinesische Porzellanindustrie schon in schönster Blute, und die wenigen Stücke, die sich in chinesischen Sammlungen erhalten haben, gehören zum Kostbarsten, was es auf Erden gibt. Oft muhten die Städte einen Teil ihres Tributs dem Kaiser in Form von Porzellan entrichten und die Fabriken waren verpflichtet, ihre schönsten Stücke dem Kaiserhaus unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Dom Jahre 600 an sind die chinesischen Annalen voll von Verichtcn über die chinesische Porzellanfabrikation. In dem klassischen Buche über den Tee, im „Tscha-ling", verlangt man vom Porzellan, daß es leicht und doch solid sei. Es muß tief klingen wie der Jadestein und von einer Weiße sein, die den Bcrgschnee noch hinter sich läßt, dabei auch papierdünn. Auch die Musiker bedienten sich des Porzellans, stellten aus Tassen Glockenspiele zusammen, die mit Elfenbein und E-benholzstäbchen geschlagen wurden. Das beste und wertvollste chinesische Porzellan wurde unter dem Kaiser Sche-Tsong (954 bis 959) genau nach kaiserlicher Dorschrift hergestellt. Es war „blau wie der Himmel, klar wie der Spiegel, dünn wie Papier und klingend wie Jadestein". Cs übertraf an Feinheit alle früheren Fabrikate und wurde bald so selten, daß man von ihm in den Chroniken nur noch Schuldner: „Lim Himmels willen, ich habe doch nie im Leben von einem derartigen Schwur gc» ^Richter: „Wenn Sie die Formel nicht im vollen Wortlaut nachsprechen, muß ich Eie txrüttelten.“ , Schuldner: „Sollen meine Schafe ... Haven Sie doch Erbarmen. Herr Gerichtsrat, ich besitze ja drechundert Schafe!" Richter: „Schwören Sie oder schwören Sie nicht?" Schuldner: „Sollen ... meine ... Schafe ... alle die Dreh ... die Drehkrankheit bekommen. Die armen, unschuldigen Tiere!" Richter: ..... und meine Rinder an Waulund Klauenseuche zugrunde gehen ..." Schuldner: „Herr Iustizpräsident, ich habe jo bloß drei Stück!" Richter: „Llm so besser für Sie? Schwören Sie also." , Schuldner: „... und ... meine Rinder. Wenns nun einmal sein muß. sollen an Maul- und Klauenseuche zugrunde gehen." Richter: ..... des weiteren ..." Schuldner: „Du meine heilige Güte, geht's denn noch weiter? Ich bin ja schon ein ruinierter Mann!" Richter: ..... des weiteren soll meine diesjährige Ernte verfaulen ..." Schuldner: „Waas?" Richter: „Sprechen Sie die Formel! Schuldner: „Ich denke ja nicht daran? Wenn meine Ernte auch noch verfault, kann ich ja getrost betteln gehen. Wo doch mein Dieh schon restlos krevierte! Hoher Gerichtshof, ich erkenne meine Schuld an und bezahle sie binnen vierundzwanzig Stunden." Dcr Mann mit den 200Bräuten. (s) Prag. Die Tschechen scheinen Amerika übertrumpfen zu wollen und stellen einen epochalen Rekord nach dem andern auf. So heißt auch der neueste Weltrckordler Frantisek Rovotnh. Ein Vollblut- tschcchc. Rebenberuflich Schuhmachermeister. Steht im siebenundvierzigsten Lebensjahre. Ist weder ein Adonis noch ein Apoll. Sondern ein kleines, unscheinbares Männlein. Mit O-Deinen und einem, na sagen wir. Embontpoint, das tatkräftig für die Güte des echten Pilsners wirbt. Lind so etwas kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen. Weltmeister auf dem Gebiete des Heiratsschwindels zu sein. Das heißt soweit ließ er's nicht erst kommen. Er begnügte sich mit der Verlobung. Also mit einem kleinen Vorschuß auf die Seligkeit. In doppeltem Sinne; der brave Frantisek holte sich dabei nämlich gleich einen großen Vorschuß auf die Mitgift. In rund 200 Fällen. Die vorbildliche Polizei von Prohnih hat ihn aber „schon" bei dem Fall Rr.201 erwischt, und so mußte der Mann mit den 200~ Dräuten seine frauenfreundliche Tätigkeit zunächst ein* stellen. Wenn ein Neger einen Wechsel fälscht. — Paris. In dem eheinaligen Regerstaat Dahome, der seit 1892 eine französische Kolonie an der sog. Sklavenküste Obcrguineas darstellt, stand vor kurzem ein Schwarzer vor Gericht, angeklagt, dreißig Wechsel „gefälscht", genauer, mit dreißig verschiedenen Llnterschriften versehen zu haben. Zur lebhaften Verwunderung der Richter erklärte der Reger klipp und klar, unschuldig zu sein, und all die dreißig angewandten Ramen mit Recht zu führen. Den einen erhielt er bei der Taufe, den anderen brummte ihm der englische „Massa" auf, bei dem er über zehn Jahre diente, den dritten benutzt seine Familie als Miterbe der „Stimme der Könige", mit dem vierten wurde er bei seinem Stamme angeredet, der fünfte gebühre ihm für seine Heldentaten im Kampf mit den Leoparden. So ging das weiter, und der Mann mit den dreißig Ramen fand für die dreißig Ramenszüge vollzählig eine zumindest für Regerbegriffe moralisch einwandfreie Begründung. Da war nichts zu machen, der Mann konnte nicht rechtskräftig verurteilt werden. Das terzeichnung dieser persischen Abkommen mit Deutschland sind zugleich die Musterverträge für die Reuregelung der Beziehungen zu Frankreich, Amerika, Italien und den anderen europäischen Ländern geschaffen, denen fich über kurz oder lang keine der Großmächte wird verschließen können. Das ist für die Stellung Deutschlands in Persien um so erfreulicher, als bekanntlich neuerdings eine große Reihe von Deutschen nicht nur beim Bahnbau, sondern auch in der persischen Finanzverwaltung tätig ist. So ist zum Rachfolger des amerikanischen Finanzberaters Millspaugh ein Deutscher, Dr. Schnie- wind, aus dem preußischen Finanzministerium, berufen worden, die Leitung der persischen Rationalbank wurde dem früheren Direktor der Dis- conto-Gescllschaft, Dr. Lindenblatt, übertragen, und ein deutscher Finanzinspektor, Dr. S ch e e r. ist angestellt worden, deren Arbeit trotz der Kürze der Zeit bereits die Anerkennung der persischen Regierung gesunden hat. Das ist, obwohl es selbstverständlich keine politische Bedeutung hat, doch recht erfreulich, da man naturgemäß im gesamten Orient die Tätigkeit der deutschen Spezialisten stark beachtet. Daß gerade Deutschland die rechtliche Reuordnung der internationalen Beziehungen im Orient maßgebend beeinsluht hat, darf somit als Verdienst, besonders des deutschen Gesandten in Teheran, des Grafen von der Schulenburg, gelten, der das Deutsche Reich nun bald seit ------- Jahren ununterbrochen in Persien vertritt. Man erhält somit insgesamt von den Dingen in w sien ein recht erfreuliches Bild, obgleich verkannt werden kann, daß es naturgemäß war, ist im Dezember 1928 ein Llbkommcn über das Lieber fliegen persischen Gebie- t c s zustandegekommen, das diese schwierige Streitfrage endgültig regelt und der englischen Imperial Airways Co. die Möglichkeit gibt, den Flugdienst zwischen Indien und England zu eröffnen. Sodann ist in der Frage der Anerkennung des Irak eine Annäherung erzielt worden, da England im Irak auf die Kapitulationen für Europäer verzichtet hat, so daß nunmehr die 300 000 im Irak lebenden Perser nicht mehr wie bisher unter einem sie sehr verletzenden Ausnahmerecht stehen. Damit ist die Frage der Anerkennung der Abschaffung der Kapitulationen in Persien durch England praktisch soweit gefördert worden, daß England kaum mehr umhinkönnen wird, auch endgültig auf diese Sonderrechte in Persien selbst zu verzichten. Wenn man bedenkt, wie hartnäckig englischerseits der Kampf um die Vorrechte der Europäer geführt worden ist, so erkennt man dies als einen recht erfreulichen Crsolg der persischen Regierung, besonders da trotzdem die Beziehungen zu Rußland verhältnismäßig gut geblieben sind. Denn auch mit R u ß l a n d hat Persien dauerhafte freundnachbarliche Beziehungen anzuknüpfen «verstanden. Im März dieses Jahres ist es endlich geglückt, zwischen Persien und Rußland ein endgültiges Abkommen über einen Z o l l - vertrag zu schließen, der einen recht gefährlichen Konfliktsstoff zwischen den beiden Staaten auf die Dauer von sieben Jahren aus dem Wege räumt. Der provisorische Handelsvertrag, der im Handelsverkehr zwischen den Ländern ein bestimmtes Einfuhrkontingent festsetzt, ist zwar noch nicht durch einen endgültigen Vertrag erseht worden, aber die Handhabung der vertraglichen Bestimmungen — die Sowjetbehörden sind bekanntlich enteilter der Schikane — zeigt, daß man russischerseits vorläufig zufrieden ist und den Handel mit Persien zu pflegen wünscht, um auf diese Weise den politischen Einfluß in Rordper- sien zu heben. Bei dem stets wachsamen russischen Mißtrauen ist das für Persien ein Vorteil, der nicht unterschätzt werden darf, und demgegenüber kleinere Reibereien wegen der Danden- Schornsteinen schlagen die Flammen der Brennöfen gen Himmel, phantastisch mit ihrem Gluthauch die Stadt beleuchtend. Ununterbrochen herrscht die gleiche emsige Tätigkeit. Der weite Distrikt kennt keine Müßiggänger, keine Bettler. Zahlreich strömen die Armen der Provinz nach Kingtsching. Dort ist jederzeit Beschäftigung zu finden. Musterhafte Ordnung herrscht in dem Riesenbetrieb. Ein einziger hoher Mandarin leitet das Ganze, und alles gehorcht unweigerlich seinen Befehlen, denen er durch ausgiebig verabreichte Prügel den nötigen Rachdruck zu verleihen weiß. Der gesteigerte Absatz ihrer Erzeugnisse auf dem Weltmarkt war schuld, daß die Qualität einen erheblichen Rückschlag erlitt. Die Kunst wurde durch Fabrikware verdrängt. Auch so behielt das chinesische Porzellan einen gewissen Wert. Aber den Dichtern sagte die Dutzendware nichts mehr, und auch • die Sammler besonders schöner Porzellane stellten sich nicht mehr ein, da Einzelstücke nicht mehr zu haben sind. Dort wie bei uns litt das Kunstgewerbe unter der Massenproduktion. Eine neue Blütezeit der alten, schönen Handwerkskunst, die jedes Stück anders gestaltete wie das vorhergehende, wird kaum wiederkommen. von der Rührung übermannt worden — — Hoffentlich bemächtigt sich nicht der Welttourismus der berühmten Grotte, um daraus eine Kallhpso-Bar mit Odysseus-ckancinxs zu machen —-- Neue Eidesformel. (f) London. Diese köstliche Gerichtsszene — Ort der Handlung Irland — ist ein Beweis dafür, daß ein schlauer Richter selbst den geriebensten Gauner zum Geständnis bringen kann, wenn er nur die „richtige Sprache" anwendet. Ein Bauer lieh dem anderen einen größeren Betrag und war dabei unvorsichtig genug, sich mit einem Ehrenwort zu begnügen. Er konnte daher keinen Schuldschein aufweisen. Der Schuldner wollte von nichts wissen und beteuerte vor Gericht, nie einen Pfennig erhalten zu haben. Rach längerem, völlig ergebnislosen Hin und Her kam der Richter auf den originellen Gedanken, dem hartnäckig leugnenden, aber sehr verdächtigen Schuldner einen Probe-Eid abzunehmen. Mit der ernstesten Miene der Welt begann der irdische Vertceter der Frau Justitia einen improvisierten „Text" aufzusagen. Richter: „Rehmen Sie jetzt die Bibel in die rechte Hand und sprechen Sie mir die Eidesformel laut und verständlich nach." „Wenn ich in dieser Angelegenheit nicht die reine Wahrheit sage ..." Schuldner: „Wenn ich in dieser Angelegenheit nicht die reine Wahrheit aussage." Richter: „Sollen meine Schafe die Drehkrankheit bekommen ..." ___________ Das kleinste Wörtchen. Von Dorothea Hoser-Oernburg. Jeden Morgen um halb fünf Uhr wacht Schnuck auf und besieht, in Ermangelung anderer Beschäftigungsmöglichkeiten, ihre Beine. Sie sind etwas rosig gelegen und haben kleine, runde Druckstellen an den Knien. Dann niest sie, und dann überlegt sie, wie lange sie wohl schon still war. — Grauenhaft lange. Sie soll sich ganz ruhig verhalten und niemand stören. Also ist sie schrecklich brav. Sie kann sich gar nicht vorstellen, wie lange sie schon so liegt und kein Wörtchen spricht. Es ist langweilig. Durch die geschlossene Gardine kommt schont so gelbe Sonne und spaziert in Schlangenlinien und wunderhübschen Kringeln über die Bettdecke. — Schnuck seht sich leise auf die Knie und versucht. Persiens Aufstieg. Von unserem bl-Berichterstatter. ' Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Teheran, Mai 1929. Als vor einigen Wochen die Rachrichten von einem Aufst and in Afghanistan und dem Scheitern der Resormpläne Aman Llllahs durch die europäische Presse gingen, hat sich gewiß der eine oder der andere gefragt, ob diese Er- eignisse nicht auch aus Persien — das ja ebenfalls mitten in einer Periode allergrößter Reformen steht — zurückwirken würde. Das ist aber trotz aller Anteilnahme der persischen öffentlichen Meinung an den Vorgängen in Afghanistan nicht der Fall gewesen. Im Gegenteil, Persien hat trotz des Scheiterns bestimmter Re- formen in Afghanistan, wie z. B. bezüglich der Kleidung, die gleichen Reformen durch ein Gesetz gerade in der kritischsten Zeit einführen können, ohne daß sich hieraus größere Schwierigkeiten für die Regierung ergeben hätten. Ia, der „Erneuerer Persiens", Resa Schah Pah- lavi, hat es sogar wagen können, weitere Reformen anzukündigen, die für das Land zunächst einmal neue Steuern und weitgehende ilm Organisationen mit sich bringen, ehe sie wirtschaftliche Früchte bringen können. Daß derartige Maßnahmen möglich sind, liegt in Persien vor allen Dingen daran, daß der Schah von vornherein von anderen Voraussetzungen her zu den Reformen im Lande gekommen ist, als dies in Afghanistan der Fall war. Denn Resa Schah hat vom ersten Tage seiner Regierung an stets und ständig mit dem fortschrittlich gesinnten Parlament zusammengearbeitet. Er hat sich vor allem mit der Geistlichkeit des Landes zu verständigen versucht, wenn es Schwierigkeiten gab, und hat stets Llnruhen schon im Entstehen entdecken und ihre Llrsachen beseitigen können. Darüber hinaus aber hat er sich in seiner Armee ein Instrument geschaffen, das ihm treu ergeben ist und auf diese Weise eine gewisse Stetigkeit der Entwicklung gewährleistet, da es erklärlicherweise unter diesen Llmständen einen dauernden Widerstand gegen die Zentralgewalt in Teheran cin- sach nicht gibt. Hat doch auch in diesen Tagen Doscht Mohamed, der berüchtigte Bandenführer in Beludschistan. im Osten des persischen Reiches sich nach sechsjährigem Widerstande ergeben und dem Schah auf Gnade und Llngnade ausliesern müssen. Ein Rückblick auf die Ereignisse der letzten Monate in Persien bestätigt aber durchaus das Gefühl, daß die persische Staatsleitung geschickt und vorsichtig auf dem Wege der Reformen fortschreitet und zugleich das ihrige dazu beiträgt, um die Verhältnisse im Lande weiter zu konsolidieren. Die Wiederaufnahmeder Parlamentsarbeiten, die Verabschiedung des Haushaltes für das Iahr 1929/30 (also im voraus! Ein Ereignis, das zum ersten Male in der persischen Geschichte zu verzeichnen ist), das Fortschreiten der Bahnbauten, die Reorganisation des Iustizwesens, des Sanitätswesens, der Schulen, die weitere Förderung des Bahnbaues — die ersten Schienen wurden Mitte Ianuar gelegt —, sowie nicht zuletzt der Bau von rund 600 Kilometer neuen Straßen zeugen dasür, daß es nicht, wie früher so oft im Orient, bei leeren Worten bleibt, sondern, daß die Dinge, die im Parlament beschlossen werden, auch in Taten ihren Ausdruck sinden. Cs ist daher nur zu erklärlich, daß auch auf dem Gebiete der auswärtigen Politik der persischen Regierung einige Erfolge beschie- den gewesen sind, die der neuen Lage entsprechen und als Ausdruck der wiedergewonnenen außenpolitischen Freiheit des Landes gewertet werden müssen. So ist vor allen Dingen das Verhältnis Persiens zu England, das lange Zeit unklar und schwierig genug gewesen ist, endlich bereinigt worden. Rachdem im Mai vorigen Iahres durch den Zolltarifvertrag die große Frage der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten geregelt worden Zunge und den Lippen. Es klingt sehr komisch zu dem Schnarchen. „Muttu!" ruft sie plötzlich leise, denn sie hört, daß die Mutter sich umdreht. „Pst! — Leg dich ganz still hin und schlaf wieder, hörst du?" Schnuck kennt diese allmorgendliche Ermahnung wörtlich. Sie kann nicht mehr schlafen, aber gutwillig klemmt sie die Augen zusammen und versucht es. Es geht wirklich nicht. Wenn sie leise aufstünde? Ob man ihr das erlaubt? „Muttu!" schreit sie wieder stimmlos. „Willst du still sein! Wart!" Schnuck befürchtet einen Ueberfall und duckt sich ganz und gar unter ihr Federbett. Ach Gott, ach Gott! Wenn sie doch bloß schon groß wäre! Leise beginnt sie vor sich hin zu fingen. „Ein Zweigchen", singt sie, „stand auf den Garten und lacht sich über den Blumen und über den Vögeln tot." Jetzt hört der Vater auf zu schnarchen, dagegen beginnt er wie eine riesengroße Katze zu schnurren und zu fauchen. Es klingt gräßlich, und Schnuck liegt da, schweigt und fürchtet sich. Draußen vor dem Fenster halten die Vögel Mo» genparabe, und klipp, klipp, klapp kommt ein Pferdegetrappel durch die Straße. Es ist der Milchmann; Schnuck kennt ihn. Ach, wenn man doch zu ihm könnte! Wieder muß sie ihrer Sehnsucht Luft machen, und diesmal singt sie ganz laut, daß jeder es hören kann, der mag, sogar der Vati, der doch nur so tut, wie eine Katze, damit sie sich fürchtet und still ist — sogar der Milchmann. Und sie trompetet: „Es war einmal ein Mäuschen, das saß in sein Häuschen. Immer kam es in den Himmel, niemals war es ungezogen, da streichelt es den lieben Gott mit 'n Schwänzchen." „Allmächtiger! Kann denn dies Kind nicht Ruhe geben! Wirst du jetzt den Schnabel halten — du!?" „Muttu, darf ich aufstehn?" „Es ist noch nicht fünf Uhr! Leg pich hin und lasse uns schlafen, der arme Vati muß soviel arbeiten — schäm dich!" „Darf ich gar nicht fingen, Muttu?" „Nein." . „Darf ich auch keine Geschichte erzählen?" „Nein." „Darf ich auch kein einziges Wörtchen sagen, Muttu?" „Nicht das kleinste — zum Kuckuck!" „Auch nicht ein ganz winziges? ... Darf ich denn 1 nid) mal ,Däumerlings sagen, Muttu?" Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Die Grotte der Kallypso. — Paris. Wieviel Lesern der Odyssee sind nicht schon angenehme Schauer bei der Schilderung der Grotte der Rymphe Kallypso über den Rücken gelaufen, die den Odysseus sieben 3ab re lang durch den Zauber ihrer Schönheit an sich gefesselt hat? Victor Berard, der beste zeitgenössische fran- zösische Homerkenner, der jahrelang alle Küsten des Mittelmeeres bereist hat, um die Schauplätze des griechischen Heldenliedes festzulegen, hat seit Iahren vergebens versucht, auch diese Grotte der Rymphe Kallypso wiederzusinden. Erst bezeichnete er die sogenannte „Petersilien- Insel", Gibraltar gegenüber an einem Ausläufer des Atlasgebirges, als das „Zaubereiland bei den Säulen des Himmels". An und für sich entsprach die homerische Schilderung dieser Insel, aber es fehlten die vier „klaren Quellen", von denen in der Odyssee unzweideutig die Rede ist. Dann entdeckte Berard, daß das Eiland „mit den zwei Küsten" nichts anderes als eine Halbinsel sein müsse, und so fand er jetzt an der afrikanischen Rordküste eine wildbewachsene größere Landzunge, von Felsengrotten übersät, die vortrefflich mit der homerischen Schilderung übereinstimmte. Alles ist da, die mit wilden Veilchen überwucherte große Grotte, die einladenden Frucht- und Zierbäume, die Vögel die nach Fischen jagen, und auch die vier klaren Quellen, die durch ein Dickicht von Lorbeerbäumen, wilden Rosen und Pappeln riefeln. Berard ist, wie er sagt, beim Betreten dieses „geweihten Bodens" wie von einem Märchen berichtet. Wo sind diese seltenen Stücke hingekommen? Sie wurden meist den Toten mit ins Grab gegeben, und da der Chinese außerordentlich pietätvoll ist, durften bis jetzt in den alten Gräbern keine Rachfor- schungen angestellt werden. Rach und nach versucht man auch, die Oberfläche der Gefäße zu verzieren. Besonders hoch schätzte man Porzellan, welches Spuren von Tränen in Form von Goldpünktchen zeigte. Die Produkte des Bezirks Tschin waren stets schneeweiß. Feine Adem belebten die glatte Fläche, die so der gekräuselten Oberfläche des Wassers glich. Andere derartige Verschönerungen erinnerten an Bänder oder Tierpfoten; eine Fabrik fertigte Tassen, mit einem Grund, der den Federn des Perlhuhns nachgezeichnet war. Eine andere wieder wußte ihren Waren das Ansehen einer Gänsehaut zu geben. Keine Sonderbarkeit der Ratur gab es, die nicht in Porzellan nachgeahmt wurde. Man scheute weder Kosten noch Mühe bei neuen Versuchen, um noch prächtigere Schattierungen zu erhalten, und als Europa fernen Handel bis nach China ausdehnte, bezahlte man das dort noch unbekannte Kobaltblau mit dem doppelten Gewicht an reinem Gold. Der Chinese kennt unendliche Abstufungen zartester Schattierungen. Wer das Weiß des abnehmenden Mondes besitzt, muß auch das Rot der Sonne vor dem Mittag haben. Mit gelben Perlen bestreutes Tiefschwarz ist Vorrecht der Fabrik Kien, die von Kium stellt dunkelgelbliches Emaille her. Für all' diese Ruancen hat der Chinese ein weit schärferes Auge als der Europäer. Der chinesische Porzellanliebhaber weiß sehr wohl das Blau des zweiten Blattes der Zwiebel von dem der Pflaume, und das Gelb des Hasen- von dem des Marderhaares zu unterscheiden. Ein Violett gibt es, das der Haut des jungen Wacholder, ein Grün, das der Schlange, ein anderes, das der der Eidechse gleicht. Herstellen und Bemalen des hauchdünnen Porzellans rechnet zu den bedeutendsten Industriezweigen Chinas. Die berühmteste Manufaktur ist die von King-Tsching, zwischen Kanton und Ranking gelegen. Hier werden mehr als eine Million Menschen beschäftigt. Enge, dumpfe Straßen, dicht aneinandergedrängte Häuser, hastige lärmende Geschäftigkeit sind das Kennzeichen der Stadt, die keinen Llnterschied zwischen Tag „ , , „ . „ . . . , unb Rächt kennt. Aus Tausenden von Essen und 1 plappern, zwischen zwei Fingern hindurch mit der <<|O V ä ö a iß a * 0 Öif 7* - & er Cd - isS«0 h? c"o> ä 2. -* 3Lof * -»SA US' m 3S, 5 As5 O5,ü o? V*. " e5? -AZ ess" "Z2Ä ? 6 5 ^>s 5 N «3^ • 'S r a c 2 ö>is Xi 3 O: »-.'S 335 ZC 5 n 3 ° - -- 3.1 3 Gericht beschloß, ihn wenigstens mit einer Präventivhaft zu bestrafen, die solange dauern soll, bis sich das bereits in Vorbereitung befindliche Gesetz in Kraft tritt, wonach die Sieger höchstens drei Äamen führen dürfen. Schottisches Intermezzo. (f) London. Ein Schotte kehrte zur Mittagsstunde in ein Pariser Luxusrestaurant ein. Fünf Kellner in tadellos sitzenden Fracks begleiteten den Gast zu dem Tisch, wo er Platz zu nehmen geruhte. Der Gast verlangte ein Glas Wasser. Die Kellner schnitten ein in höchstem Grade verdutztes Gesicht, waren aber wohlerzogene Menschen und brachten wortlos das Gewünschte. Der Schotte trank von Zeit zu Zeit einen Schluck von dem Wasser und beobachtete dabei behaglich schmunzelnd die angeregt schwatzende, trinkende und flirtende Gesellschcht, die um ihn herum versammelt war. Vach zwei Stunden stand er nonchalant auf, stolzierte durch das Spalier, das die Kellner an beiden Seiten des Saales bildeten und erreichte unangetastet den Ausgang. Dort erwischte ihn aber der Geschäftsführer, der nicht umhin konnte, den sonderbaren Gast höflich zu interviewen: „Wie stellen Sie sich das vor, mein Herr? Sie kommen hier in ein Restaurant, halten sich zwer Stunden auf, verzehren gar nichts, geben keinen Pfennig Trinkgeld und ziehen jetzt so ganz einfach von bannen?“ „Was heißt, einfach von dannen ziehen? Sie können doch von mir nicht verlangen, daß ich Ihr Lokal nach dem Genuß von einem Glas Wasser im Tanzschritt verlasse!" Stirnen, Sport und Spiel. Die deutsche Fußballmeisterschaft. Die Borrunde. Aach den beiden vorweg genommenen Treffen des vergangenen Sonntags zwischen Preußen Za- borze und Hertha B. S. C. Berlin (1:8) bzw. V. f. D. Königsberg und S. C. 08 Breslau (1:2) wurden gestern die Vorrundenkämpfe um die Deutsche Fußball-Meisterschaft mit den sechs restlichen Kämpfen fortgesetzt. Hierbei war vor allem der glatte Sieg der drei süddeutschen Vertreter besonders auffallend. Der Süddeutsche Meister war nicht von allen mit restlosem Vertrauen nach Hamburg begleitet worden, wo er gegen Holstein Kiel antreten sollte. Die imponierende Art jedoch, in der der 1. F. C. Aürnberg die Holsteiner 6:1 schlagen konnte, war überzeugend genug für die überlegene Klasse des Altmeisters. Auch die S p. V g g. Fürth, Süddeutschlands Tabellendritter, fertigte den dritten Vertreter Westdeutschlands überlegen mit 5:1 Toren ab. Allerdings hatten die Fürther auf Aürnberger Boden in Fortuna Düsseldorf einen der schwächeren Teilnehmer der D. F. D.-Runde als Gegner. Sehr angenehm enttäuschten die Münchener Bayern. Sie hatten relativ die schwerste Aufgabe, denn der S. C. Dresden war von vielen Fachleuten in diesem Jahre als Geheimtip genannt worden. Run ist diese Elf bereits im ersten Treffen von dem besseren Sturm der Bayern aus dem ferneren Wettbewerb herausgeworfen worden. 3m übrigen gab es auf der ganzen Linie Favoritensiege, teilweise allerdings in einer Höhe, die unerwartet war. Wit der auffallend hohen Riederlage des zweiten Vertreters des Mitteldeutschen Verbandes, Wacker Leipzig, seitens der S p. V g g. 0 4 Schalke, ist nunmehr überhaupt keine mitteldeutsche Mannschaft mehr im Rennen. Daß die Leipziger auf eigenem Boden 1:8 verloren, ist für sie geradezu vernichtend. Tennis-Borussia Berlin rettete mit verzweifelter Kraftanstrengung die Situation, indem sie gegen Titania Stettin nach Spielverlängerung 3:2 knapp genug gewinnen konnte. Auch der HSV. Hamburg kam zu keinem deutlicheren Resultat. Er behielt in Duisburg über den SV. Meiderich ebenfalls nur mit 3:2 Toren die Oberhand, benötigte jedoch hierzu wenigstens keine Zusahzeit. Rach der nunmehr vollständigen Durchführung der Vorrunde verblieben demnach die drei süddeutschen Vertreter, 1. F.C. Nürnberg, Sp.-Vgg. Fürth und Bayern München, im Rennen. Für den Berliner Verband werden weiterhin seine beiden Vertreter, Hertha-BSC. und Tennis- Borussia Berlin, in die Schranken treten können. Der westdeutsche, norddeutsche und südostdeutsche Verband sind mit 04 Schalke, HSV. Hamburg und SC. 08 Breslau nur noch je einmal vertreten, während Mitteldeutschland und der Baltenverband bereits in der ersten Runde vollständig ausschieden. Die Handballmeister der DSV. polijei-Spo. Berlin (Herren) und S. 6. Charlotten- bürg (Frauen). 3n Halle wurden am gestrigen Sonntag die Endspiele um die Handballmei st erschüft der Deutschen Sportbehörde ausgetragen. Bei den Frauen holte sich in einem vor 2500 Zuschauern hartnäckig geführten Kampf der S.C. Charlottenburg zum brittenmale den Titel. Die Berliner Damen siegten knapp 3:2, nachdem Hamburg bei der Pause noch 2:1 geführt hatte. — Sehr fpannend war der Kampf der Herren zwischen den Polizei-Sportvereinen von Berlin und Darmstadt. Der süddeutsche Vertreter hielt sich sehr tapfer, er konnte in der ersten Halbzeit bei 5:5 Toren ein offenes Spiel erzwingen und fand damit den Beifall der 7000 Zuschauer. Aach der Pause waren aber die Hessen ermüdet und Berlin konnte sich mit einem 12:7-Sieg zum fiebtenmale in den Besitz des Meistertitels setzen. Leichtathletik-Meisterschaften des Bezirks Hessen-Hannover Der Bezirk Hessen — Hannover brachte gestern in Kassel seine diesjährigen Lelcht - athletik-Meifterschaften zur Durch- sührung. Starker Gegenwind, der zeitweilig herrschte, machte vor allem den Läufern viel zu schaffen. Mit den erzielten Leistungen kann man in Anbetracht der Umstände zufrieden sein. Ergebnisse: 100 Met.: 1. Freund, Hessen/Preuh. Kassel 11,1 Set; 2. Konrad, Universität Marburg, 11,4 Sekunden. 200 Meter: 1. Schaurig, H.P. Kassel, 22 Set; 2. Frehe, Göttingen, 23,6 Sekunden. 400 Meter : 1. Freund, H. P. Kassel, 53,5 Sekunden; 2. Tönges, Gießen 1900, 54 Sekunden. 8 0 0 Meter: 1. Depperling, Gießen 1900, 2:05; 2. Wortmann, Wetzlar, 2:06. 1500 Meter: 1. Christoph, Göttingen, 4:16 M.; 2. Peters, Gießen 1900, 4:17,6 M. 5000 Meter: 1. Scheybing, H. P. Kassel, 16:22 M.; 2. Melzenbach, Göttingen, 16:31 M. 110 Meter Hürden : 1. Sobottka, H. P. Kassel, 16,8 Set; 2. Hopfenmüller, Gießen, 16,9 Sekunden. 4 mal 100 Meter-Staffel: 1. Hessen/ Preußen Kassel 44,5 S.; 2. Göttingen 46,6 S. 4 mal 4 0 0 Meter-Staffel: 1. Hessen/ Preußen Kassel 3:37,2 M. SitMWmMii. Roman von Edgar Wallace. 3. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Daran habe ich auch gedacht," gab sie zu, „aber sie hätten sich doch wohl kaum die Mühe gemacht, den Zigarrenabschneider abzureihen." „Wer ,fie‘?“ fragte er. „Wer auch immer Stuart ermordet hat," antwortete sie ruhig, „wird auf jeden Fall alle Waffen weggenommen haben, die sich in seinem Besitz befanden." Er nahm die Uhrkette wieder auf, bemerkte den anderen Ring und wunderte sich, daß er diesen nicht selbst gesehen hatte. „Ich glaube, Sie haben recht", sagte er nach längerer Untcrfudjung. „Der Ring ist viel größer — er war übrigens die Kette fjinaufgeglitx ten —. und man kann ganz deutlich die Kratzer sehen, wo das Messer abgedreht wurde. Hm." Er legte die Kette in die Schale und blickte auf seine eigene ilfjr. „Haben Sie die anderen Gegenstände auch untersucht?" Sie schüttelte den Kopf. „Rur die Uhr und die Kette." Er blickte ün Zimmer herum und sah einen eingemauerten Wandschrank. „Ist der leer?" und, als sie nickte: „Wir wollen die weitere Untersuchung lassen, bis ich zurückkomme. Ich muß jemand aufsuchen." Er stellte die Schale in den Schrank, schloß die Tür ab und gab den Schlüssel an das junge Mädchen. Er war noch nicht an der Tür, als ihm etwas einfiel. „Sie werden jedenfalls nicht mehr hier sein, wenn ich zurückkehre? Sie haben doch sicherlich so etwas wie Bureaustunden?" „Ich habe es mir zum Prinzip gemacht, nie länger als bis zwei Uhr morgens hierzubleiben", sagte sie ernsthaft. Ohne Verlegenheit sah sie die freimütige Bewunderung in seinen Augen. „Ich glaube, ich habe noch niemals ein Mädel kennengelernt wie Sie", sagte er langsam und wie in Gedanken. Sie errötete und senkte die Augen. Dann lachte sie leise auf und sah ihn von neuem an. Ihre Augen erschienen ihm wie Sterne. „Vielleicht haben wir beide noch niemals jemand gefunden, wie wir einander erfcheinen." Larry verließ Scotland SZard und war sich bewußt, daß ein neuer und sehr wichtiger Faktor in sein Leben getreten war. 4. ^Flimmer Fred hatte den Dahnbof als erster wnd in großer Eile verlassen, aber außerhalb der Station gewartet, bis er Larrys Taxi vor- beifahren sah. Er hatte den lebhaften Wunsch, daß gerade an diesem Abend niemand ihm nachspürte, und außerdem einen tiefen Respekt vor dem Scharfsinn und der Lieberlegung Larry Holt's. Wenn in Europa Hochstapler einander trafen, waren sie einstimmig der gleichen Meinung, daß Larry Holt der Mensch wäre, den sie mit Freuden am jenseitigen Ufer des Styx gesehen hätten. Rur sprachen sie dann nicht vom „jenseitigen Ufer des Styx", sondern einfacher und mehr geradeheraus von „der Holle". Die unerschütterliche Beharrlichkeit dieses Mannes war, wenn er einmal eine Spur ausgenommen hatte, allgemein bekannt und gefürchtet. Fred hatte mehr wie jeder andere Veranlassung, vor ihm auf der Hut zu fein. Rach Larrys Abfahrt wartete er noch zehn Minuten, gab dann auf der Aufbewahrungsstelle des Bahnhofs seinen Handkoffer ab, verließ die Station durch einen der Rebeneingänge und stieg in das erste der dort stationierten Taxis. Einige zehn Minuten später war er auf einem der ruhigen Plätze in Bloomsburh angelangt, an dem sich hauptsächlich Anwaltsbureaus befinden. Das Haus, vor dem er ausstieg, war ein schmales, hohes Gebäude aus roten Ziegelsteinen und zeigte mit Ausnahme einer der oberen Etagen keine Spur von Licht. Der Portier sah ihn etwas mißmutig an. „Das Bureau ist schon seit mehreren Stunden geschlossen, Sir", sagte er kopfschüttelnd. „Wird erst morgen früh neun Uhr geöffnet.“ „Ist Dr. Iudd noch da?" fragte Flimmer Fred und schob seine Zigarre von einem Mundwinkel in den anderen. Der Mann zauderte einen Augenblick. „Mr. Iudd arbeitet noch, und ich glaube nicht, daß er gestört werden möchte." „Glauben Sie das wirklich?" sagte Fred höhnisch. „Fahren Sie mal 'rauf und sagen Sie dem Herrn, daß Mr. Walter Smith ihn sprechen möchte. Aber vergessen Sie bloß den Romen nicht — er ist ein bißchen ungewöhnlich", fügte er gutgelaunt hinzu. Der Fahrstuhlführer blickte zweifelnd auf den Besucher. „Ich werde mir bloß Unannehmlichkeiten bereiten", brummte er, als er in einen der beiden kleinen Fahrstühle trat, auf den Schalter drückte und schnell nach oben entschwand. Augenscheinlich war das Bureau von Dr. Iudd in der obersten Etage, denn es dauerte ziemlich lange, bis das Summen des Motors verstummte. Rach wenigen Minuten ließ es sich von neuem hören, und der Portier kam herabgefahren. „Er will Sie empfangen, Sir", sagte er. „Ich werde Sie nach oben fahren.“ 4 mal 1500 Meter-Staffel: 1. Hessen- Preußen Kassel 18:19,4 M. Hochsprung: 1. Fuchs—Wissemann, Universität Marburg, 1,73 Meter. Weitsprung : 1. Rausch, H. P. Kassel, 6,70 Meter. Stabhochsprung: 1. Adam, Kurhessen Kassel, 3,23 Meter;. 2. Kohler, H.P. Kassel, 3,13 Meter. Kugelstoßen: 1. Schäfer, Gießen 1900, 13,16 Meter. Diskuswerfen: 1. Gary, Marburg, 35,88 Meter. Speerwerfen: 1. Dr. Schlotthauer, Fritzlar, 55,08 Meter. Hammerwerfen: 1. Gary, Marburg, 32,17 Meter. 16. Feldbergfest. An dem diesjährigen Feldbergfest beteiligten sich insgesamt 1500 Turner und Turnerinnen, die vor zahlreichen Zuschauern sehr gute Leistungen zeigten. Die Ergebnisse lauten: Vier- kamps: Männer: 1. Leichum, Tv. Isenburg- 91 Punkte; 2. Schall, Tv. 1860 Frankfurt, 87 P.; 3. Müller, Tv. Kreuznach, und Reudecker, Tv. Klein-Auheim, 83 P. Frauen: 1. Bickel- Haupt, M t v. Gießen, 76 P.; 2. Ritzel, Tbd. Wiesbaden, 74 P.; 3. Brückner, Tv. Mainz 17, 73 P. Altersturner 1.Klasse: 1. Frihler, Tg. Dockenheim, 87 P.; 2. Deuter, Tg. Fulda, 86 P.; 3. Sturm, Groß-Gerau, 83 P. 2. K l a s fe: 1. Kehler, Tg. Bornheim, 90 P.; 2. Koch, Tv. Herborn, 87 P.; 3. Rennspecher, Tv. Dieburg, 86 P. Iugendturner: 1. Wirzberger, Tgm. Bornheim, und Moritz, Eintracht Frankfurt, 77 P.; 2. R o t h e r m e l, M t v. Gießen, 76 P.; 3. Sauer, Tv. Aschaffenburg, 75 P. Bölsungenhorn: 1. Tv. 1860 Frankfurt, 894 P.; 2. Tg. Koblenz, 852 P.; 3. Tv. Reu- Isenburg, 822 P. Iahnschild: 1. Tgm. Fulda. Brunhildisschild: 1. Tv. 1817 Mainz. Schmuck-Gedächtnis-Staffel: 1. Tg. Koblenz. Motorradrennen „Rund um Schotten". Bei dem am gestrigen Sonntag ausgetragenen fünften Motorradrennen „Rund um Schotten" brachten die zur DeutschenMo- torradmeisterschaft zählenden Läufe die folgenden Ergebnisse: Bis 2 5 0 ccm (211,2 km): 1. A. Geiß (Pforzheim) auf D.K.W. 2:26,5 Stunden. 2. Kohsink (Bietigheim) auf U.T. Iap 2:27,16 Stunden. 3. W. Winller (Chemnitz) auf D.K.W. — Bis 350 ccm (211,2 km): 1. K. Gall (Ludwigsburg) auf Standard 2:15,34 Stunden. 2. M. Kiemel (Vaihingen) auf U.T. Iap 2:17,14 Stunden. 3. I. Klein (Waldkirchen). Franz B ücker (Oberursel) gewann das Rennen der Beiwagen über 600 ccm auf Dücker, Rette (Fritzlar) das Rennen der 350ccm-Klasse für Ausweisfahrer auf Diamant, K l a u e r (Frankfurt) siegte in der Klasse bis 500ccm auf Gillet und I. Klein (Waldkirchen) brachte auf D.K.W. in der Klasse bis 500 ccm für internationale Lizenzführer einen zweiten Sieg an sich. Emser Regatta. Die 49. Ruder-Regattü in Bad-Ems hatte bei gutem Besuch ausgezeichnete Leistungen zu verzeichnen. In besonders guter Form befand sich die Kölner Germania, die auch der erfolgreichste Klub war. Die Ergebnisse sind: B.-V lerer: 1. RG. Koblenz 7:34,4; 2. RG. Lahnstein 7:46,6 Min. Zweiter Vierer: 1. Germania, Köln, 6:58,8 Min.; 2. Kasteller RG. 7:04,4 Min. Junior-Einer: 1. Hämmerlin-Wasser- sportverein Godesberg 8:49,4 Min.; 2. Fellenz- Cochemer RG. 8:53. „Sie sollten mich so nach und nach fennengelemt haben, Sergeant", sagte Fred, als er in den Fahrstuhl trat. „In den letzten Jahren bin ich ziemlich regelmäßig hierhergekommen.“ „Ich hatte vielleicht gerade keinen Dienst", entgegnete der Mann, während der Fahrstuhl langsam nach oben stieg. „Wir sind nämlich zwei Mann hier. Waren Sie vielleicht ein Freund von Mr. David, Sir?" Fred verzog keine Miene. „Rein," sagte er leichthin, „ich habe Mr. David «nicht gekannt." „Ja, das war eine traurige Geschichte. Denken Sie sich, er ist ganz plötzlich vor vier Jahren gestorben." Fred wußte dies sehr gut, hielt es aber für besser, es für sich zu behalten. Der Tod Mr. Davids hatte ihm beinahe eine Cinkommenquelle, „eine rechtmäßige", wie er es nannte, geraubt, während dies Einkommen ihm jetzt nur noch als „Gunst" zufloh. Er konnte es jeden Augenblick verlieren, dafür aber einige Jahre Gefängnis gewinnen, falls der joviale Mr. Iudd einmal seine Geduld verlor und sich nichts mehr erpressen lassen wollte. Der Fahrstuhl hielt an, und er folgte dem uniformierten Portier zu einer Tür, an die dieser anklopfte. Eine laute Stimme forderte sie auf einzutreten, und Flimmer Fred stolzierte in das elegant eingerichtete Bureau. Mit einem kühlen Kopfnicken begrüßte er den Inhaber der Wohnung. Dr. Iudd war aufgeftanöen, um ihn zu begrüßen. „Danke bestens, Sergeant," sagte er und warf ihm eine Silbermünze quer durch das Zimmer zu, die der Mann geschickt auffing. „Holen Sie mir bitte ein paar Zigaretten!" Als sich die Tür geschlossen hatte, sagte Dr. Iudd gutgelaunt: „Rehmen Sie Platz, Sie Gauner, Sie wollen sich wohl Ihr Pfund Fleisch abholen?" Er war ein großer, starker und kräftig gebauter Mann mit einem blühenden Gesicht. Seine Stirn war sehr hoch und seine tiefliegenden Augen lagen weit auseinander. Trotz seines etwas lärmenden, guten Humors verbreitete er ein Gefühl des Behagens um sich. Fred war in keiner Weise verletzt und setzte sich auf die Ecke eines Stuhls. „Ra, Doktor," sagte er, „da bin ich wieder." Dr. Iudd nickte und suchte In seinen Taschen nach einer Zigarette. „Was suchen Sie — Zigarette?" fragte Fred und holte fein Etui hervor, aber der Doktor schüttelte den Kopf mit einem breiten, gutgelaunten. aber recht bezeichnenden Lächeln. Junior-Achter: 1. Germania, Köln, 6:27,4 Min. 2. Wsp.-V. Godesberg 6:31 Min. 3. Kölner Club für Wassersport. Iungmann-Dierer: 1. RG. Zellingen 7:15,4 Min.; 2. Rhenania Koblenz 7:22. Erster Vierer: 1. Germania, Köln, 6.52 Min. 2. Kasteller RG. 7:05. Iungmann-Vierer: 1. RG. Gießen 7:30 Min.; 2. RD. Limburg 7:33. Zweiter Achter: Germania, Köln, 6:21 Min.; 2. Bonner RGM. 6:31,6. Erster Einer: 1. Arenz-Wsp.-V. Godesberg 7:39,6 Min.; 2. Rhenania Koblenz 7:52. Junior-Vierer: Reuwieder RG. geht In 7:51 Min. allein über die Dahn. Iungmann-Achter: 1. Germania, Köln, 6:32 Min.; 2. Kölner Club f. W. 6:36;4. 3. Rhe» nania Koblenz 6:40,4. Dritter Vierer: 1. RG. Zellingen 7:12,4 Min. 2. Koblenzer RG. 7:16,6. Ermunterungsvierer: 1. Saar Saarbrücken 7:28,3 Min.; 2. Wsp.°V. Godesberg 6:42. Erster Achter: 1. Kasteller RG. 6:21 Min.; 2. Kölner Club f. W. 6:30. Segelflieger Schulz tödlich verunglückt. Der mehrfache Weltrekordflieaer Schulz, einer der bahnbrechenden Pioniere der Segelfliegerei, ist am gestrigen Sonntag In Stuhm (Westpr.) tödlich abgestürzt. Ebenfalls war fein Wit- fHeger Kaiser auf der Stelle tot Wirtschaft. Erleichterte Lage des Geldmarktes. Die normalerweise nach dem Ultimo zu erwartende Entspannung am Geldmarkt hat sich fortgesetzt, sie beschränkt sich aber in der Hauptsache auf den Lagesgeldmarkt, während die Sähe für Monatsgeld, Privatdiskonten und Warenwechsel dem Rückgang der Tagesgeldsätze nur zögernd in der Derichtswoche gefolgt sind. Die leichte Entspannung am Geldmarkt ist zum Teil darauf zurückzuführen, daß ausländische Geldofferten zu günstigeren Bedingungen vorhanden und Auslandgelder in nicht unerheblichem Maße nach Deutschland geflossen sind. Auf diese Weise konnte sich die normalerweise nach dem Ultimo einsehende Entspannung in der Derichtswoche weiterhin verstärken. Die erste Einzahlung auf die neue Reichsanlelhe blieb auf den Geldmarkt ohne Einfluß. Am Privat- diskontmarkt war das Angebot während der ganzen Derichtswoche sehr gering, die Sähe blieben unverändert, und die Erleichterung drückte sich in einer stärkeren Rachfrage seitens der Privatbanken aus. Die Reichsbank ließ wiederum Restriktionen nicht mehr eintreten, und sie wird an dieser Politik festhalten, weil sie anscheinend hofft, trotz Aufhebung der Restriktionen um eine Diskonterhöhung herumzukommen. Allerdings bleibt zu beachten, daß der Ultimo Juni Halbjahrsultimo ist, der der Reichsbank eine sehr starke Anspannung ihrer Mittel bringen muß. Anderseits hat sie sich für den Halbjahrsultimo genügend vorbereiten können; besonders ihr Goldbestand und ihr Portefeuille an deckungsfähigen Devisen hat weiter zugenommen. Die Entwicklung am Devisenmarkt deutet auf ein Anhalten dieser Devisenrückflüsse hin. Die Kreditrestriktion der Reichsbank hat zur Folge gehabt, daß Industrie und Handel sich in der Inanspruchnahme von Krediten größte Zurückhaltung auferlegen, und vor allem darauf bedacht sind, ihre eigene Liquidität zu erhalten. Dies hatte vor allem solange einen Sinn, als in der Zeit des Bestehens der Krediteinschränkung die Gefahr der Restriktion des nachgesuchten Kredites vorlag. Das große Angebot am Lagesgeldmarkt hängt mit dem Bestreben von Industrie und „Danke bestens, Mr. Grogan," kicherte er. „Ich rauche nie Zigaretten, die mir von Herren Ihres Berufes angeboten werden." „Was heißt das, mein Beruf?" knurrte Flimmer Fred. „Denken Sie etwa, ich will Sie betäuben ?" „Ich habe Sie erwartet," sagte der andere, ohne auf die Frage zu antworten, und setzte sich. „Wenn ich mich recht erinnere, haben Sie eine außerordentlich starke Abneigung gegen Schecks." Flimmer Fred grinste. „Stimmt, Doktor," sagte er. „Das ist immer noch meine Schwäche." Dr. Iudd zog ein Schlüsselbund aus der Tasche, ging nach dem Geldschrank, schnappte den Schützer zurück und sagte, über die Schulter blickend: „Sie brauchen nicht zu genau aufzupassen, alter Freund; ich bewahre nie Geld in meinem Schrank auf, ausgenommen, Ich habe Zahlungen an Erpresser zu leisten." Fred verzog das Gesicht zu einer Grimasse. „Scharfe Worte haben noch nie jemand um» gebracht," zitierte er salbungsvoll. Der Doktor nahm ein Paket heraus, schlug die Tür zu und verschloß diese. Langsam kam er zu dem Schreibtisch zurück, warf einen dicken Briefumschlag auf denselben und blätterte dann In einem kleinen Rotizbuch, das er aus dem Schubfach genommen hatte. „Sie sind drei Tage zu früh gekommen," bemerkte er, und Fred nickte bewunderungsvvll. „Haben Sie aber einen Kopf für Zahlen, Doktor! Einfach großartig! 's stimmt, ich bin drei Tage früher gekommen, weil ich sehr schnell wieder abreifen muh, um einen Freund In Rlzza zu treffen.“ Der Doktor warf Ihm das Paket über den Tisch hinweg zu. „Es sind zwölfhundert Pfund in dem Kuvert; Sie brauchen es nicht nachzuzählen, es stimmt ganz genau,“ sagte Dr. Iudd, lehnte sich in feinen Stuhl zurück, zog einen goldenen Zahnstocher aus der Westentasche und sah dem anderen gerabe und nachdenklich in die Augen. „Ich bin selbstverständlich der größte Starr in der Welt", sagte er, „ober ich würde niemals eine solch schändliche Erpressung ertragen. Ich tue es ja doch nur, um bas Andenken an meinen Bruder von jeder Verleumdung freizuhüllen." „Wenn Ihr Bruder sich damit amüsiert, Menschen in Montpellier niederzuschießen, und wenn ich zufällig dazukomme," sagte Flimmer Fred salbungsvoll, „und helfe ihm, zu entwischen — und ich kann beweisen, daß ich das getan habe —, bann benke ich, daß ich Anspruch auf eine kleine Entschädigung haben kann." (Fortsetzung folgt) Handel nach Liquidität zusammen, das auch heute noch nach Aushebung der Kreditrestriktion anhält. Ob die Reichsbank auf die Dauer ohne eine Diskonterhöhung auskommen kann, ist zweifelhaft, solange die Sähe des offenen Geldmarktes nicht dem offiziellen Diskontsatz entsprechen. Jedenfalls mutz, wenn eine Diskonterhöhung vermieden werden soll, die Entspannung am Geldmarkt nach ^leberwindung des Ultimo anhalten. Das Reich, welches mit seinen Ansprüchen an den Geldmarkt bisher Wohl immer bestimmend für seine Tendenz gewesen ist. dürfte vorerst an den deutschen Geldmarkt nicht wieder herantrcten, zumal die Verhandlungen über einen größeren Kredit amerikanischer Danken ein günstiges Ergebnis erwarten lassen. Was die internationalen Geldmärkte anbelangt, so sind von dieser Seite her die Aussichten des deutschen Geldmarktes nicht gerade als ungünstig zu bezeichnen. Ser neue amerikanische Zolltarisentwurs. Der jetzt im Wortlaut vorliegende neue amerikanische Zolltarisentwurs geht auf einen ausführlichen Bericht zurück, den der amerikanische Haushaltsausschutz über die wesentlichen Veränderungen im Handel, der Industrie und der Landwirtschaft Amerikas seit der letzten Zolltarifrevision des Jahres 1922 herausgegeben und der von dem Republikaner Mr. Hawleh versaht ist. In diesem Bericht wird festgestellt, daß sich in den sechs Jahren seit dem Inkrafttreten des letzten ZollgeseheS die Konkurrenz des Auslandes auf dem amerikanischen Markt erheblich verstärkt hat und den Lebensstandard des amerikanischen Arbeiters bedroht, der allein durch eine Politik des Hochschuhzolles gesichert sei. Besonders die niedrigen Löhne des Auslandes werden als Hauptgrund dieser Entwicklung angesehen. Der zweite Teil des Berichtes besaht sich mit den Derhältnissen in der Landwirtschaft, der ein erhöhter Z o l l s ch u h gewährt werden müsse. Entsprechend dieser Zweiteilung werden in den neuen Zolltarif eine Reihe von Zollerhöhungen vorgeschlagen, die sich auf Agrarprodukte, insbesondere Zucker, Wolle und Mais, und auf eine Anzahl industrieller Waren beziehen. Die Aenderungen der 2ndu- striezölle beziehen sich vor allem auf vier Waren bzw. Warengruppen, nämlich Ziegelsteine und Zement, Erzeugnisse der Feintonwarenindustrie, Baumwollwaren, bei denen fast sämtliche Zollsätze, wenn auch in mäßigen Grenzen, erhöht werden sollen. Die großen Gruppen Chemie. Metalle und Metallwaren haben keine wesentlichen Veränderungen erfahren. Auffällig ist. daß der 25prozentige Automobilzoll weiter bestehen fort, obwohl man hierbei eher eine Zollermäßi- gung gerade bei dem großen Autoexport Amerikas erwartet hätte, für eine Anzahl wissenschaftlicher und chirurgischer Instrumente sind Zollerhöhungen vorgesehen. Man sieht also, daß die Wirtschaft Europas bzw. die F e r t i g w a - renindustrie Europas, wenn die in dem Entwurf voracschlagenen Zollerhöhungen angenommen werden, immerhin mit einem Rückgang ihres Exports nach Amerika wird rechnen müssen. Die Erhöhung der Agrar^ölle berührt Europa überhaupt nicht, sondern die Exportländer, die davon betroffen werden, sind besonders Kanada, Argentinien und Cuba. Das Wichtigste des neuen amerikanischen Zoll- tarisentwurfs ist jedoch die Bestimmung, datz der Präsident berechtigt ist, den Zollsatz für alle Einfuhrwaren bis zu 5 0 P r o - z e n t zu ermäßigen oder zu erhöhen, um die ausländischen und amerikanischen Produktionskosten einander anzugleichen. Dabei sollen auch die Transportkosten mit berücksichtigt werden. Durch diese Bestimmung wird die Vornahme einer Zolländerung durch den Präsidenten gegenüber dem bisherigen Zustand, wie er jetzt besteht, wesentlich erleichtert: sie trifft daher auch die europäische Industrie in viel stärkerem Maße, als die vorgeschlagenen Jndustriezollerhöhungen und bedeutet für die amerikanische Industrie in ihrem Konkurrenzkampf eine sehr starke Sicherung. Bekanntlich haben die Amerikaner bisher schon in vielen Fällen, wo es ihnen nötig erschien, zwecks Berechnung des Einfuhrwertes einer Ware umfangreiche Llntersuchungen über die Produktionskosten auch in den betreffenden Ländern selbst angestellt, und diese Untersuchungen wurden häufig als ein zu weitgehender Eingriff aufgefaßt. In dem neuen Zolltarifentwurf werden die davon hervorgerufenen internationalen Schwierigkeiten zugegeben, und es wird dem amerikanischen Importeur die Verantwortlichkeit auferlegt, selbst hinreichende Unterlagen für die Ermittlung des Auslandwertes einer Ware zu liefern. Für die Berechnung des Einfuhrwertes wird eine neue Methode vorgeschlagen. Der neue Zolltarif bedeutet somit eine Stärkung der Schutzzollbestrebungen und richtet sich gegen die Zollabbaubewegung. Im Außenhandel Deutschlands nehmen die Bereinigten Staaten eine recht beachtliche Stellung ein. Rund 8 Prozent vom Wert unserer Gesamtausfuhr gehen dorthin, also ungefähr doppelt soviel wie der Wert der deutschen Ausfuhr nach Oesterreich, und z. B. wesentlich größer als die nach Italien, Unter diesen Llmständen ist Deutschland an der amerikanischen Zollpolitik direkt und indirekt in hohem Maße interessiert. Daher hat der neue amerikanische Zolltarifentwurf in deutschen wirtschaftlichen Kreisen das größte Aufsehen und weitgehende Besorgnisse hervorgerufen, die sich aber in vollem Umfange nicht zu bestätigen scheinen. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, hält Amerika allerdings an seiner ausgesprochenen Hochschuhzollpoli- t i k, die vor allem auf dem Gesetz von 1922 begründet ist, auch in dem neuen Entwurf, der noch der Zustimmung des Repräsentantenhauses, des Senates und des Präsidenten bedarf, fest. Damit erfährt die von der Weltwirtschaftskonferenz ausgehende Politik eines internationalen allgemeinen Zollabbaues zumindest keine Unterstützung, wenn auch im einzelnen die amerikanischen Zollerhöhungen für Deutschland und Europa nicht so besonders stark ins Gewicht fallen dürften. Die Erhöhung der Agrarzolle trifft Europa kaum, während von den Aenderungen bei den Jndustriezöllen gewisse Rückwirkungen unvermeidlich sein dürften. Die Ausfuhr an Baumwollwaren, Erzeugnissen der Tonindustrie, wie auch Zement und Ziegeln dürfte zweifellos zurückgehen. • • D ie amtliche G r o h a n d c l s i n d ex- ziffer. Die auf den Stichtag des 12. Juni berechnete Grotzhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes hat mit 134,9 gegenüber der Vorwoche (134,5) um 0,3 v. H. angezogen. Von den Hauptgruppcn lag die Indexziffer für Agrarstoffe mit 124,4 (122,9) um 1,2 v. H. höher als in der Vorwoche. Die Indexziffer für Kolonialwaren stellte sich auf 123,4 (123,2). Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist um 0,2 v. H. auf 131,2 (131,4) zurückgegangen. * Preußische Pfandbriefbank-Preu, ßische Hypotheken-Aktienbank. Die Auf- sichtsräte der beiden Gesellschaften beschlossen mit Rückwirkung vom 1. Januar 1929 die Fusion. Den Aktionären der Preußischen Hypotheken-Aktien-Bank werden gegen vier Aktien drei Aktien der Preußischen Pfandbriefbank geboten. Das Kapital der Preußischen Pfandbriefbank wird nur um vier Millionen Reichsmark auf 25 Millionen Reichsmark erhöht, da von befreundeter Großaktionärseite fünf Millionen Reichsmark Pfandbriefbank-Aktien zur Verfügung gestellt werden. * A.-G. für Zellstoff > und Papierfa- brikation, Aschaffenburg. Wie WTB.- Handelsdienst hört, will der Aufsichtsrat der heute stattfindenden Generalversammlung Vorschlägen, von den neu zu emmitierenden. Stammaktien 4,8 Millionen Reichsmark den allen Aktionären im Verhältnis von 3:1 zürn Kurse von 130 o. j). anzubieten. Der übrige Betrag aus der Kapitalerhöhung soll der Verwaltung zu Verwertungszwecken, u. a. zum Erwerb der Aktienmehrheit der Memeler Zellstofffabrik, zur Verfügung gestellt werden. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 15. Juni. Das Geschäft war wieder ziemlich rege. Die allgemeine Tendenz erfuhr eine weitere Befestigung. Die Preise galten ab Station und ohne Zoll. Es notierten: Bulgarische 9,50—9,75, holländische 9,50—12,50, jugoslawische 9,50—9,75, polnische 7,50 bis 8, russische 8,75-9,75, dänische 10,00—12,50 flanderische 10,8—12,00, französische 10,50—11,50, schlesische 9,75-10,50, bayerische 9,75-10,00. nord- deutsche 9,75—10,50, rumänische 8,75—9,00. Frankfurter Börse. FLankfurt a. M., 17. Juni. Tendenz gedrückt. Im Anschluß an die freundliche Stimmung der Samstagbörse war man im Vormittagsverkehr noch verhältnismäßig zuversichtlich, doch schlug die Tendenz im offiziellen Verkehr um, da Orders kaum vorgelegen haben. Die Speku lation war zu-, rückhaltend und schritt zum Wochenbeginn verschiedentlich zu Gewinnmitnahmen und teils zu Abgaben, so daß die Tendenz zur Schwäche neigte. Das Geschäft bewegte sich in den engsten Grenzen. Die feste Reuyorker Börse vom Samstag konnte kaum eine Anregung bieten. Verstimmende .Nachrichten lagen aber auf der anderen Seite nicht vor, und bei Grundstimmung war eine gewisse Wider st andsfähigkeit nicht zu verkennen. Material in größerem Umfange kam daher auch nicht an den Markt, so daß gegenüber der Sams- tagbörse die Verluste nur vereinzelt über 1,5 o. S). hinausgingrn. So waren am Elektromarkt Siemens mit minus 2,5 v. H. etwas stärker angeboten. AEG. und Bergmann mit minus 0,75 v. H. nur leicht gedrückt. Farben eröffneten 1,5 v. H. schwächer. Am Montanmarkt war die Umsatztätigkeit in einzelnen Werten etwas lebhafter. Besonders für Mansfelder konnte sich mit plus 1,5 v. H. vermehrtes Interesse erhalten. Die übrigen Werte dieses Marktes lagen teilweise behauptet, dagegen der Durchschnitt 1 v. H. niedriger. Kalipapiere fast unverändert. Banken nicht einheitlick. Etwas höher lagen Berger, Siemens, Deutsche Bank und Discontogesellschaft. Reichsbankanteile und Commerzbank bis 1,5 v. S). abgeschwächt. Autowerte etwas bevorzugt und rege gefragt. Gefragt waren noch Zellstoff Aschaffenburg mit plus 1,5 v. H., Waldhof dagegen lagen im Angebot und büßten 1,5 v.H. ein. Nach der sprunghaften Aufwärtsentwicklung der Glanzstoffaktien vom Samstag war dieses Papier angeboten und bis 3 v. $). schwächer. Deutsche Linoleum minus 2 v. S). Renten still. Deutsche Anleihen gut behauptet. Von Ausländern Anatolier etwas höher. 3m Verlaufe konzentrierte sich auf einzelne Papiere etwas lebhaftere Nachfrage. Hiervon betroffen wurden Mannesmann mit plus 1 v. H. und besonders Reichsbankanteile mit plus 2,5 v.H. Elektrowerte waren ebenfalls eine Kleinigkeit fester, doch wirkte der anhaltende Ordermangel geschäftshemmend und die anfänglichen Gewinne wurden wieder eingebüßt. Gegen Anfang waren Elektrowerte gut behauptet. Deutsche Linoleum lagen weiter im Angebot und erneut 1,5 v. H. schwächer. Die Stimmung war im großen und ganzen nicht unfreundlich, doch abwartend. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7,5 v.H. etwas leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1933, gegen Pfund 20,325, London gegen Kabel 4,8471, gegen Paris 124,00, gegen Mailand 97,67, gegen Madrid 33,95, gegen Holland 12,0750. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 17. Juni. (Drahtbericht des „Gieß. Anz.") Zu Beginn der neuen Woche war die Haltung am Produktenmarkt sehr ruhig und die Geschäftstätigkeit blieb im allgemeinen bei großer Zurückhaltung der Händlerschaft gering. Die Tendenz war gut behauptet. Etwas Angebot bestand in Mais, der 0,25 Mk. nachgab. Am Mehlmarkt war nur Roggenmehl etwas gefragt zu 0,25 Mk. höherem Preise. Weizenkleie mußte 0,25 Mk. nachgeben, die übrigen Notierungen blieben unverändert. Tendenz ruhig. — Es wurden notiert: Weizen 23.50, Roggen, 21.75, Sommergerste 23, Hafer (inl.) 22, Mais 20, Weizenmehl (südd. Spezial 0) 32 bis 32,50, Roggenmehl 28 bis 28,75, Weizenkleie 10,50, Roggenkleie 11,50, Erbsen 33 bis 33.50, Linsen 40 bis 110, Heu 12 bis 12,50, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 5.25 bis 5.50, Weizen- und Roggenstroh, gebündelt 5, Treber, getrocknet 16.50 bis 17. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 17. Juni. Auftrieb: 1293 Rinder (darunter 323 Ochsen, 115 Bullen, 485 Kühe, 370 Färsen), 631 Kälber, 48 Schafe, 4284 Schweine. Cs wurden notiert: Rinder (Ochsen): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 63 bis 66 Mk., (ältere) 56 bis 62; sonstige vollfleischige (jüngere) 50 bis 55; (Bullen): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 54 bis 60; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 50 bis 53; (Kühe): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 50 bis 54; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 43 bis 49; fleischige 37 bis 42; gering genährte 30 bis 36; (Färsen — Kalbinnen, Jungrinder —): vollfleischige, auusgemästete, höchsten Schlachtwerts 63 bis 66; vollfleischige 56 bis 62; fleischige 50 bis 55. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 77 bis 80; mittlere Mast- und Saugkälber 70 bis 76; geringe Kälber 62 bis 69. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 78 bis 80; vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund 79 bis 81; von etwa 160 bis 240 Pfund 80 bis 82; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 77 bis 80 Mk. — Marktverkauf: Rinder, gute Qualität, rege, sonst langsam, nahezu ausverkauft. Schweine langsam, Lieberstand; Fettschweine vernachlässigt. Kälber ruhig, geräumt. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Anzeigenauftrage sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügles Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Letzte Nachrichten. Das Urteil im Aogens-Zakubowski-prozeh. Reu-Skrelih, 17. Juni. (TU. Drahtbericht.) Im Rogens-Jakubowski-Prozeh wurde nach fast dreiwöchiger Verhandlungsdauer am Montag mittag folgendes Urteil verkündet: Es wurden verurteilt: Der Angeklagte A u g u st Rogens wegen Mordes zur T o d e s st r a f e und wegen Meineides zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurdgen ihm für dauernd aberkannt; der Angeklagte Fritz Rogens wegen Veihilfe zum Morde und Meineid zu einer Gesamt ft rase von vier Jahren und einem Monat G e - ängnis. Rach Verbüßung von einem Jahr fünf Monaten soll Strafaussetzung auf die Dauer von fünf Jahren eintreten. Die Angeklagte Frau 6 äh - l e r wegen Beihilfe zum Morde und Meineid zu neun Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Rechte auf die Dauer von zehn Jahren. Der Angeklagte B l ö k e r wegen Meineid zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr sechs Monaten und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. Gewinnauszug 3. Klaffe 33. Preuhifch-Suddeutfchd (259. Preutz ) Klaffcn-Lotterie Ohne Gewähr________________ Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und H 2. Ziehungstag 15. Fünf 1929 Ön der Vormittagszichung wurden Gewinne über 120 M. gezogen 163389 136749 148315 364933 185422 216433 245316 283103 351022 54148 117094 164026 189501 222616 255630 292301 12621 31410 67886 101765 143562 157846 174744 200755 217542 228321 247218 272825 296189 328105 351730 375410 387607 128508 157476 199960 230400 257088 298021 105215 152861 161249 180534 201340 218728 229790 251108 276460 306201 334305 355114 375734 393502 161604 210564 236302 268070 307082 154817 166245 190384 206360 221089 233701 254777 279682 308026 340419 361126 378481 395322 165242 216297 238116 270717 318922 156217 166612 194393 212244 224902 246214 263637 285595 321910 342183 364535 385507 398382 187270 200030 216169 227285 246237 267690 287729 327181 351176 374494 386188 399229 188059 221472 247672 290482 352806 155248 166324 193364 207937 221962 235643 258530 281709 321369 340741 331348 379273 395432 157024 219100 119823 128375 138717 ------ ------ 166560 98 »ttoinne 400 M. 17221 18257 22022 36211 - 55171 74092 76303 92878 103332 116802 ------ 129603 * 1ROQQQ 220 ®eX7e3?u6240 M. 4447 6943 829012112 12543 18784 25184 26788 28110 29309 29772 34226 41621 48679 53956 58078 59559 70985 71488 72971 ^77831 ^78856 ,97821 . 4366 * " 9 ©ctolnne äu 2000 9H. 177647 6 Znn« u 1000 M. 90805 165540 191930 14 ©eteinne °u 800 M. 46484 85808 141882 159830 213241 250182 311263 14 Gewinne ju 500 M. 131114 300544 309109 381733 386109 In der Nachmfttagsziehung wurden Gewinne über 120 M. gezogen 374953 384428 23242 89488 158113 190450 247667 317484 11048 25491 56000 292 1 10982 23873 49668 78694 8598 21404 36672 77620 90565 09966 188835 241667 293884 384182 94773 $ 120362 142344 152037 169373 181931 191196 201638 224058 237764 268267 264502 282978 301673 334705 331158 366276 146919 162877 178111 188047 201336 211422 230769 252721 262984 273414 288729 319183 342663 362402 373827 379479 396996 145947 163609 180419 188195 201391 216250 231098 254862 263083 274568 294966 320881 345221 363988 374550 381110 397367 10115 21785 39255 78309 94615 115727 136817 162034 166219 181288 190671 201467 222308 236272 256679 263855 281982 296973 321622 349777 364031 374693 384266 11076 29669 60724 83930 127155 145142 166779 177676 183437 198072 208965 228659 252052 260424 272376 287754 316489 342632 356767 373360 378687 395273 130111 160094 192772 249083 327030 381669 124149 142629 163437 173114 183010 196787 208365 224672 240273 269923 271011 284774 304527 340499 352108 366367 376044 393549 131348 175823 199464 255128 333028 389850 6411 13531 31075 66430 86661 8337 20416 34092 71066 88814 186708 219918 285907 361495 398790 82764 _____ _____ ____ 95815 101477 104356 104732 1_____ ------ ------ 128955 129692 366333 ------ Gewinn« »u 240 M. 2 Gewinn« >u 10000 M. 191272 2 Gewinn« gu 6000 M. 236617 4 Gewinne «u 3000 M. 53796 285586 2 Gewinne ju 2000 M. 88169 2 Gewinne ju 1000 M. 236830 6 Gewinne »u 800 M. 65981 137679 181689 28 Gewinn» »u 500 M 12131 34649 43805 104975 129114 132036 146149 169659 186627 231361 279381 280370 360050 378832 92 Gewinn« «n 400 Dl. 6446 7601 14330 21881 ---- 33391 36426 48153 49460 76363 77688 ------ ------ 139491 140833 149612 180989 213700 276725 353963 390826 Berlin. 15. Juni Berlin Frankfurt a.M. 87,5 10,75 10,65 86,5 78,5 88 17. Juni 29,5 29,75 29,5 Geld 23,5 8,13 8,4 77 16,75 122,75 122,5 119,5 119,5 126 126 111,5 131 187 Banknoten. 329 328 328 327,5 221,5 144,5 50,95 10,65 23,5 20,5 23 1,95 8,25 . 8 12 22,75 1,85 8,25 10 , 0 , b , 6 , 0 . 6 11 . 0 52 70 206,5 27,75 92,5 284 215,25 27,5 92 279 120,25 149,5 110,75 . 8 . 8 10 , 8 , 8 10 , 8 , 8 127,25 115,5 222 145 111,13 129 130,75 224 188,5 278,5 172,75 156,5 162 119 194 149,5 110,5 129 131,25 226,5 188 278 173 157 162,75 51 10,75 129,25 131,25 226 187 278 173 157 161,5 77 106 106,13 123 50,75 69 8 8,20 4% . 8 . 8 10 . 8 10 10 12 11 12 10 10 10 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 172,5 157,25 161,25 8,25 8,2 Bio de Jan Wien tnD-- Qest. obgeft Belgrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . . Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Canada . . Uruguay. - Cairo - - - BDfl. Deutsche Eisend ahn . Hamburg-Amerika Pal ei . Hamb.-Südam. Damvsich. Hansa Dampsschiss .... Norddeutscher Lloyd . . . Allg. Deutsche Creditanst. . Barmer Bankverein . . . Berliner HandelSgesellsch. . Commerz- und Privol-Bank Darmst. u. Nationalbank . Deutsche Bank - - - - Di-konto-Gesellschast Stat. Dresdner Bank • . . . Mitteldeutsche Lredstbaui. Metallbank veichSbonk .«••••• Ludw. Loewe . . . Rat. Automobil . . Crenftctn 4 Kovpel Leonhard Tietz . . Bamag-Megurn . . ftianli. Maschinen . Grtyner..... Heyliaenüaedt • < Funghan»..... Lechwerke..... Mainkraftwerk, . , Mtag....... Rel-usulmer . . , Beter« Union . . , Bebr. Roeder . . < Boigt 4 Haeffna . Siidd. Zucker . . . Amss.-NoN- Buen^Aires Brss.-Antw- Thristiania. Kopenhagen Stockholm - HclssngforS. Italien. . . London. .. V? enn ort .. Paris. . - . Schwei, .. Svanien • ■ Französische Noten..... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten ...... Deulkch-Oefterr-, ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten....... Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter 6en Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfutz 8,5 Prozent. Geld 16,37 167,86 21,92 111,41 58,76 2,48 111,83 80,44 59,58 12,43 72,80 Brief 16,43 168,54 22,00 111,85 59,00 2,50 112,27 80,76 59,82 12,49 73,10 15- Juni Amtliche Notierung Geld ! Briet Amtliche 'Jtotieruni Bries An sang Kur« 17 6. I-Uhr. Kurs 17.6. Schluß Kurs 15.6. Datum 6% Dt. Reichranleihe o. 1927 . . Dt. Anl.-Abiös.-Schuld mit AuS- ..................... Deügl. ohne Aulllos.-Rechle - • - 7% Franks. Hhp^Bk. Goldps. un- kündbar bis ........... iy,% Rheinische Hhv.-Bank Li Uhr- kure Schluß- kure Ansong- Kurs Datum 15.6. 17.6. 15.6. 17 6- BhUlpv Hoizmann..... Heidelberger Cement . . . . dement Karlstadt..... Wahß 4 Freitag ...... Schultheis Patzenhoser . . . Qrtwerke......... 8 er. Glanz stoss ...... Beinberg......... Hell stoss Waldbos..... Scllfwff Sschanenbura . . . ithortotlenburger Wasser . . Dessauer <3a3....... Daimler Motoren..... Deutsche Maschinen-Fabrik . Adlerwerle «lever..... 10 . 8 10 15 12 18 11 12 12 ! 8 . 0 . 0 . 5 111,5 137,5 101,75 465 255 195,25 60,25 137,5 101,25 462 253,5 196,75 61,25 111,25 104,25 311,5 250,5 465 361 254 193,5 113 211,25 60,75 50,75 62,5 312 249 462 360,75 255 195,25 112 212 61,4 53,75 Schluß» Kurs 1 Uhr- Kurs Schluß. Kure Ansang» Kurs Datum 15.6. | 17-6. 15.6. 17.6. Ü.E.G............r 193 192,25 193,25 192,75 Bergmann....... . 9 222 221,5 223 222,5 Elettr. Lieferungen.....1° 159 — 160 159 Licht und Krass ...... 10 219,75 —— 219,25 218 Felten 4 Guilleaume. .... 8 Ges. s. Elektr. Unleriu. ... 10 136 134,75 135,25 135,6 — — 224 225,5 Hamb. Gicht. Werke .... 10 — 142,25 141,25 Rhein. Gleftr.........9 162 — 161,5 —- Schlei. Elektr........10 — — 197,9 — Schuckert..... .... 8 Siemens 4 Halöke.....12 242,5 — 242 241,4 399,5 397 400 397 Tranöradio . . ....... 8 — — 146,25 — Lahmeyer 4 So.. ..... 10 169 — 169 — Buderus..... .... 6 72 — 71,5 71,5 Deutsche Gtbfil.......6 113 — 113,5 114 Essener Steinkohle......8 — 126,5 126/5 Gelsenkirchener ... |. V* 9- < Harpener ........ 8 132 146,25 146 136,75 146,75 136,5 Hoesch Eilen.........8 —- —— 127,5 127,5 Ilse Bergbau ...... 8 217 103,75 — 104,5 214,5 105,13 — 125,5 124,25 116,5 115,5 117,75 116,6 132 133,5 132,9 133 Oberschles. Eisenb. Bedarf... 6 84 — — — Lberschles. Kokswerke.....6 —- 110,4 111 Phönix Bergbau......6¥i Rheinische Braunkohlen... 10 93 292 — 93,5 293,5 92,75 291,13 Rbeinstahl . . - s.Jahr IN 162 126 126,5 126,5 Riebeck Montan......7,2 —» 147 — vereinigte Etahlm, . .... 6 79,5 69 — 99,9 69 99 69,75 Kall Aschersleben.....10 242 241,5 243 —— Kokt Westeregeln......10 Kaliwerk Salzdetfurth . . . U> 250 250 249,75 251,75 411 — 410 411 3. G- Farben.Indurtrt» ... 12 256,25 254,75 256,25 255 Dynamit Nobel ....... 6 — — — Scheideanrtall ...... 9 164 •— Goldschmidt ..••••••& 77,5 77 78 77,5 92,5 RütgerSwerke ..••••• 92,25 91,6 93,5 Metallgesellschaft. • . • • • U 128,75 — 129,5 — 168,18 168,52 168,19 168,53 1,752 1,756 1,749 1,753 58,14 58,26 58,12 58,24 111,62 111,84 111,59 111,81 111,62 111,84 111,53 111,80 112,13 112,35 112,17 112,39 10,529 10,549 10,527 10,547 21,92 21,96 21,915 21,955 20,313 20,353 20,308 20,348 4,190 4,198 4,1935 4,2015 16,375 16,415 16,37 16,41 80,57 80,73 80,56 80,72 59,79 59,91 59,64 59,76 1,841 1,845 1,840 1,844 9,496 0,498 0,437 0,499 58,84 58,96 58,845 58,965 12,398 12,418 12,401 12,421 7,363 7,374 7,357 7,371 73,01 73,15 73,07 73,21 3,031 3,034 3,027 3,033 18,73 19,77 18,73 18,77 81,19 81,35 81,18 81,34 2,018 2,012 2,023 2,027 5,415 5,425 5,44 5,45 4,154 4,162 4,153 4,161 4,036 4,044 4,086 4,044 20,838 20,878 20,832 20,872 Berlin, 15- Juni Geld Brief Amerikanische Noten ..... Belgische Noten........ Dänische Noten........ Englische Roten ....... 4,167 58,06 111,43 20,287 £757 58,30 111,87 20,367 4. Verbandstagung der hessischen Geflügelzüchter. ---Gießen, 16. Juni. Zu einer bedeutungsvollen Kundgebung für die Förderung der hessischen Geflügelzucht, sowie für die Hebung und Verwertung der Eiererzeugung gestaltete sich der gestern und heute hier stattgehabte hessische Geflügelzüchtertag. Aus allen drei Provinzen hatten sich Vertreter der Vereine und Bezirke unter der Leitung der Provinzialverbandsvorsitzenden B r o h m, Darmstadt, Lehr, Mainz, und Kolter, Bad-Rauheirn, eingefunden. Eröffnet wurde die Tagung am Samstag durch interne Vorbesprechungen im „Hessischen Hos". Daran schloß sich ein wohlgelungener Begrü- tzungsabend im Cafe Leib an. Der Vorsitzende des Geflügel- und Vogelzuchtvereins Gießen, Franz Funk, und der Vorsitzende des Landesverbandes Hessen, Karl D e i t h , Reichelsheim, begrüßten besonders die Ehrengäste. Don diesen sprachen Oekonomierat Hensel namens der Landwirtschaftskammer, Beigeordneter Dr. Hamm für die Stadt Gießen, Professor Dr. K r a e m c r als Leiter des Tierzuchtinstitutes der ilniberfität, Schachtzabel, Halle (Saale) als Präsident des Bundes deutscher Geflügelzüchter, dem etwa 30 Landes- und Provinzialverbände mit 3118 Geflügelzuchtvereinen angehören. Für die auswärtigen Züchter sprach Hofmann, Marburg. Die Festordnung des Abends war außerordentlich abwechslungsreich und brachte neben Musikstücken Männerchöre des Dauerschen Gesangvereins, Solovorträge von Fräulein Rols hausen, Deklamationen, Kunstfahren, Tänze usw. Die Hauptverhandlungen begannen heute vormittag im Hotel Hindenburg. Der Vorsitzende K. V e i t h (Reichelsheim) hieß die stark- besuchte Versammlung herzlich willkommen und begrüßte u. a. die Ehrengäste Dr. Denker und Dr. Wagner von der Landwirtschaftskammer, Prof. Dr. K r a e m c r , Dr. Wetzel und Dr. Lang vom Universitüts-Tierzuchtinstitut und den Ehrenvorihenden August Schwan, Gießen. Unter lebhaftem Beifall teilte der Redner mit, daß der Landesverband Hessen den Präsidenten des Bundes deutscher Geflügelzuchtvereine, Schachtzabe^l (Halle), zum Ehrenmitglied e ernannt habe. Hierauf ergriff Präsident Schachtzabel das Wort und dankte für die erwiesene Ehrung. Auch er überbrachte mehrere Auszeichnungen des Bundes deutscher Geflügelzüchter. Für seine hohen Verdienste auf dem Gebiete der Geflügelzucht wurde der Leiter des Universitäts-Tierzuchtinstitutes, Prof. Dr. K r a e m e r , mit der Silbernen Bundesmedaille ausgezeichnet, ebenso der Ehrenvorsitzende Schwan, der zwanzig Jahre lang den Gießener Verein leitete. Außerdem erhielten die silberne Bundesmedaille die beiden Bad- Rauheimer Züchter H. Dingel und Friedrich Heß, die 26 bzw. 27 Jahre im Vorstand des dortigen Vereins segensreich wirkten. Hieran schloß sich als Mittelpunkt der Tagung ein Vortrag des Assistenten am Tierzucht- iustitute, Dr. Lang, über: „Weitere Förde r u n g s m a h n a h m e n auf dem Gebiete der Geflügelzucht". Durch die Verarmung des deutschen Volkes kann auf dem Gebiete der Geflügelzucht keine Luxuszucht betrieben werden, sondern es müsse vor allem die Wirtschaftlichkeit der Zucht ins Auge gefaßt werden. Hier müsse das Interesse der Geflügelhalter geweckt und in erster Linie bewiesen werden, daß die Geflügelzucht rentabel ist. Um diese Bestrebungen weiter zu fördern, und auf einer ?wertmäßigen Bahn vorwärts zu bringen, führte Redner drei Förderungsmaßnahmen an: 1. Alle Züchter müssen im Interesse der Sache Zusammenarbeiten, 2. die in Vereinen zusammengeschlossenen Züchter, Vereine, Bünde und die Landwirtschaftskammer müssen für die Herstellung der Einheitlichkeit in der Zucht Sorge tragen, und 3. die rein staatlichen Stellen, darunter auch die Lehr- und Versuchsanstalt für Hessen, die eigentliche Richtung für die gesamte Förderung der Geflügelzucht angeben. Ferner müsse der Staat Sleichgerrchtete Maßnahmen im Eierabsah, in der äerverwertung und in der Ausbildung von Fachleuten auf dem Gebiete der Geflügelzucht , treffen. Diese drei Kategorien müssen Zusammenarbeiten, damit das Endziel, Befreiung der deutschen Wirtschaft vom Ausland, erreicht werden kann. Zum Schluß richtete der Redner einen Appell an die Geflügelzüchter, einig zu fein im angegebenen Ziel, damit wir uns, wenn auch nicht im Eiltempo, dem Endziel sichtlich nähern können. Langanhaltender Beifall belohnte die interessanten Ausführungen des Redners. Vorsitzender K. Veith sprach dem Redner den Dank der Versammlung aus. Hieran schloß sich eine rege Aussprache. Dr. Lang kam dann auf die erste Leistungsprüfung für Hessen im Eierwettlegen zu sprechen, das seit dem Rovember 1928 auf dem hiesigen Tierzuchtinstitut stattfindet. Da die seitherige Methode des Wettlegens kein klares Bild ergab, so wurde von ihm ein gan- neuer Leistungsgedanken für die Prüfungen ausgearbeitet. An dem neuen Wettlegen werden sich 82 Züchter 'aus Hessen beteiligen, und zwar beginnt die Leistungsprüfung schon vom Brutei aus. Diese Eier kommen in eine Brutmaschine, die ausgeschlüpften Kücken werden gleich bedingt großgezogen und im Herbst desselben Jahres in Stämme eingeteilt. Alsdann kann das Wettlegen beginnen. Durch dieses neue Verfahren soll der Durchschnittsertrag der Eier erhöht, aber keine einzelnen Rekordhennen gezüchtet werden. Veith, Reichelsheim, und Präsident Schachtzabel sprachen sich ebenfalls für die neue Idee Dr. Langs aus, die auf dem Gebiete der deutschen Leistungs-Geflügelzucht richtungs- und tonangebend werden wird. Den Abschluß der Tagung bildete der Besuch des Tierzucht-Instituts unter Führung von Dr. Lang und Dr. Wetzel. Besichtigt wurden die neuzeitlichen Einrichtungen, wie Brutkeller mit einem Schrankbrüter für 6000 Eier, das Zentralaufzuchthaus, Schirmgluckenhäuser, Legehalle, Kolonieställe, Wettlegestall, Taubenschlag und dergleichen mehr. Rach Schluß der Besichtigung bereinigte sich eine Anzahl Herren zu einem gemütlichen Beisammensein im Hotel Hindenburg. Oberheffen. Landkreis Gießen. Y Mainzlar, 16. Juni. Dieser Tage fand hier die erste diesjährige Heugrasverstei- gerung bei zahlreicher Beteiligung statt. Die Preise bewegten sich, da die Flächen in kleineren Stücken zum Ausgebot kamen, vro Stück zwischen 16—20 Mark, so daß sich der halbe Morgen auf ungefähr 48—60 Mark stellte. Infolge der langen Trockenheit in diesem Frühjahre, welche die Grünfütterung teilweise bis in die letzten Tage hinausschob, sind die alten Heubestände bielfach bollständig aufgezehrt. Mit der Heuernte hat man bei uns bereits begonnen. Der Grasbestand ist trotz der Trockenheit durchweg als gut zu bezeichnen. — Unser Kindergarten, der bor einiger Zeit infolge zu geringer Beteiligung auf. gelöst wurde, ist in seinen alten Räumen jetzt wieder eröffnet worden. Er wird nunmehr als Privat-Kindergarten weiter betrieben. # Aus der nördlichen Wetterau, 16. Juni. Nunmehr lassen sich die A u s s i ch t e n für die Ob st ernte übersehen. Die Apfelbäume haben über die Maßen gut angesetzt, bis auf die edleren Sorten Schöner von Boskoop und Goldrenette von Blenheim. Die Früchte haben bereits Haselnußgröße erreicht, einzelne Aeste beginnen sich wegen des starken Behanges schon zu senken. Birnen bringen auch wieder eine gute Ernte. Vom Steinobst ist zu sagen, daß Kirschen, Zwetschen und die als Spalier gezogenen Pfirsiche und Aprikosen reichlich angesetzt haben, bei Zwerchen jedoch ganz unterschiedlicher Fruchtansatz festzustellen ist. — Die erste Ernte wird eben eingebracht. Da es hier an Wiesen mangelt, wird viel Luzerne oder ewiger Klee angebaut, von dem bei einigermaßen gutem Futterstand der erste Schnitt zu Kleeheu aufbereitet wird. Gegenwärtig werden hochbeladene Leiterwagen guten Dörrsutters eingebracht. Kreis Friedberg. WSR. D a d - R a u h e i m, 16. Juni. Einem verhängnisvollen Irrtum ist hier ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen. Ein 21 Jahre altes Mädchen zog sich vor mehreren Tagen durch Verwechslung zweier Tablettensorten eine Sublimatvergiftung zu, der es nunmehr im hiesigen Krankenhaus erlag. Kreis Büdingen. -s- Ridda, 16. Juni. Der Behang der Apfelbäume rechtfertigt im allgemeinen nicht die Erwartungen, die man im Hinblick auf die reiche Blüte zu hegen berechtigt war. Man sieht viele Bäume, die nur einzelne, oder wenig Früchte haben. Die Mehrzahl der Bäume ist mittelmäßig behangen. Es ist anzunehmen, daß die große Trockenheit, die nach der Blütezeit einsetzte, den Bäumen schädlich war. Kreis Schotten. /Gedern, 16. Juni. Dieser Tage wurde dem zur Zeit hier zu Besuch weilenden Ehrenbürger unserer Stadt, Karl Philipp Oberheim aus Reuyork, der von hier stammt und für seine Vaterstadt viel getan hat, in einer besonderen Sitzung der Gemeindevertretung vom Bürgermeister Müller der Ehrenbürgerbrief der Stadt Gedern überreicht. Der neue Ehrenbürger betonte nach der Rede des Bürgermeisters in seiner Dankesansprache, daß er in den vierzig Jahren seiner Abwesenheit von der deutschen Heimat seine Vaterstadt Gedern nicht vergessen habe. An die feierliche Sitzung schloß sich ein geselliges Beisammensein an. — Das Kuratorium der städtischen Höheren Schule hielt dieser Tage unter dem Vorsitz von Bürgermeister Müller eine Sitzung ab, in welcher der Voranschlag für 1929 genehmigt wurde. Der Etat schließt mit einer Einnahme von 12 989,50 Mk. und einer Ausgabe von 17 028 Mk. ab. Die Anstalt wird zur Zeit von 57 Schülern besucht. Bürgermeister Müller teilte mit, daß der Landtag Anfang April den Staatszuschuß für das Institut genehmigt hat. Preußen. Kreistag des Kreises Wehlar. Z Wetzlar, 15.Juni. Eine Kreistagssitzung, die sich mit der Verabschiedung des Voranschlags für 1 929 befaßte, fand am gestrigen Freitag unter dem Vorsitz des kommissarischen Landrats M i ß statt. Der Etat, der durch den Weggang des bisherigen Landrats Dr. Sartorius verhältnismäßig spät zur Vorlage kam, schließt in Einnahme und Ausgabe mit 3 3 1 5 4 0 0 Mark ab. Er wurde von dem Landrat mit einigen Erklärungen eingebracht, in denen er besonders noch der segensreichen Tätigkeit seines Amtsvorgängers, Geheimrats Dr. Sartorius, gedachte. In der Aussprache nahmen die Führer der Fraktionen, bis auf kleinere Wünsche, im allgemeinen eine zustimmende Haltung ein. Die speziellen Wünsche gingen besonders auf eine b e - f rh l e u n i g t e Verbesserung der Land- st r a ß e n hinaus, insbefoftbere auf eine Verminderung der noch vielfach bestehenden Gefahrenpunkte in einzelnen Orten. Aber auch hier ist die Kreisverwaltung an die vorhandenen beschränkten Mittel gebunden. Seitens der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft wurde vergeblich die Streichung eines Haushaltspostens von 20 000 Mark für Winterbe i h i l f e für Erwerbslose angfftrebt. In der Abstimmung wurde diese Position mit den Stimmen der SPD., der Demokraten und des Zentrums angenommen. Bei der Schlußabstimmung über den Voranschlag gab die bürgerliche Arbeitsgemeinschaft eine formulierte Erklärung ab, daß sie den Etat a b l e h n e, weil die Wünsche der Bürgerschaft bei Besetzung des Landratspostens durch das preußische Staatsministerium unberücksichtigt geblieben seien. Die Erklärung, die durch den Kreistagsabgeordneten Weber- Lützellingen verlesen wurde, hatte folgenden Wortlaut: „Der preußische Herr Innenminister bzw. das preußische Staatsministerium hat trotz dringlicher Vorstellungen ohne Rücksicht auf die berechtigten Forderungen des Kreises Wetzlar, die durch die Pensionierung des bisherigen Inhabers freigewordene Landratsstelle besetzt. Der Kreis Wetzlar mußte erwarten und konnte fordern, daß an seine Spitze ein fachlich geschulter, evangelisch- kirchlicher Verwaltungsbeamter berufen wurde. Wenn die katholischen Kreise unserer Rheinprovinz nur solche Landräte bekommen — wie der preußische Innenminister unseren Abgeordneten ausdrücklich erklärt hat — die mit der Mehrheit der Bevölkerung gleichen Glaubens und außerdem fachlich gebildete Verwaltungsbeamte find, dann hat der Kreis Wetzlar, der fast ganz evangelisch ist, doch wohl das gleiche Recht und den gleichen Anspruch. Dieser Anspruch ist gemäß politischer Vereinbarungen, die uns dWchaus nicht binden können, von dem preußischen Staatsministerium zurückgewiesen worden. Wir bedauern, dadurch in den stärksten Gegensatz zu der Staats- regierung gebracht worden zu sein, und können die von ihr getroffene W a hl nicht billigen. Wir wollen damit dem Herrn kommissarischen Landrat in keiner Weise zu nahetreten, anerkennen vielmehr seine schätzenswerten persönlichen Eigenschaften, müssen aber grundsätzlich das unserem Kreis gegenüber angewandte System ablehnen." Seitens der Deutschen Volkspartei wurde die Erklärung abgegeben, daß sie grundsätzlich mit den vorstehenden Ausführungen einverstanden sei, jedoch aus sachlichen Erwägungen heraus dem Etat zu stimmen werde. In der Abstimmung wurde dieser beim auch mit 18 gegen 8 Stimmen angenommen. Bemerkt sei zur Erläuterung, daß der neue Landrat katholisch war und jetzt Dissident ist, worauf wohl besonders der scharfe Einspruch zurückzuführen sein dürfte. Aus diesen Gründen dürfte auch bei der im Herbst statt- finbenben Wahl bes ßanbrats ein erneute Ablehnung durch die Arbeitsgemeinschaft zu erwarten sein. Llnglücksfälle bei einer Ballonverfolgung. WSR. Frankfurt a. M., 16. Juni. Heute veranstaltete der Motorrad- und Automobilklub eine Ballonverfolgung. Kurz vor A l s- f e l d geriet ein Kraftwagen aus Darmstadt infolge Reifendefekts in voller Fahrt ins Schleudern und überschlug sich. Die drei Insassen, sämtlich Herren aus Darmstadt, wurden aus dem Wagen geschleudert und erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen. Zwei der Verletzten wurden dem Alsfelder Krankenhaus zugeführt. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert. Ein weiterer lln- glücksfall ereignete sich bei Ermenrod. Dort wurde ein Motorradfahrer aus Bingen von einem anderen Fahrer beim Ueberholen gestreift. Er kam zu Fall und mußte mit einem doppelten Beinbruch abtransportiert werden. Schweres Flugzeugunglück. Kassel, 17. Juni. (WTB.) Rachdern am Sonntagvor- und -nachmittag in dem Fliegerlager am Dörnberg mit den Segelflugzeugen „Max Kegel" und „Prüfling Dörnberg" mehrere wohlgelungene Segelflüge erfolgt waren, startete gegen 16.30 ilf)r der 22jährige Iungflieger Heinz Kolke aus Kassel mit dem „Prüfling Dörnber g". Bald nach dem Start verlor das Flugzeug an Höhe, um dann senkrecht abzu stürzen. Schwer verletzt wurde der Iungflieger aus den Trümmern geborgen und verstarb auf dem Transport zum Krankenhaus. Die Untersuchung hat ergeben, daß sich das Steuer nach dem Absturz des Flugzeuges noch vollkommen in Ordnung befand, so daß anscheinend ein Bedienungsfehler der Anlaß zu dem schweren Unglück gewesen ist. Kreis Wcülar. * Rauborn, 16. Juni. Vor zwei Jahren berichteten wir über die Entdeckung und Ausgrabung einer alten K irche im Walde des Siebenmühlentals durch Pfarrer Schiefer st ein in Rauborn. Die aus- gegrabenen Grundmauern sind nunmehr auf Anordnung des Konservators der rheinischen Baudenkmäler wieder zum Zwecke der Erhaltung der alten Mauern zugeworfen worden. Es ist aber vorgesehen, zu günstigerer Zeit die Ausgrabun- gen an dieser Stelle (in der Rähe der Honig- mühle) fortzusehen, da man aus der Beschaffenheit des Bodens um die Kirche herum vermutet, daß sich vielleicht auch noch Aufschlüsse über die Profangeschichte jener Zeit ergeben könnten. Ungünstig ist die gegenwärtige Zeit insofern, als D r. Bader vom Landesmuseum in Bonn, der int Auftrage der Regierung die Stelle untersuchte, zur Zeit durch die neuen Entdeckungen am Bonner Münster und am Römerlager (castra vetera) in Tanten festgelegt ist. Da die bisherigen Untersuchungen nun zu einem gewissen Abschluß gekommen sind, sei noch einmal ein kurzer Rückblick auf diese Episode geworfen. Als sich aus den Untersuchungen der Vermächtnisse des Lorscher Codex ergeben hatte, daß in Rauborn zur Zeit Karls des Großen zwei Kirchen bestanden, eine Basilika der Theutbirg vom Jahr 777 und eine Ecclesia (Kirche) der Eheleute Engeldrud und Cngelsuint vom Jahr 806, begann vor zwei Jahren ein reges Suchen nach Anhaltspunkten für diese Kultstätte. Den besten Dienst zur unzweideutigen Auffindung der Grundmauern der einen dieser beiden Kirchen leistete die Beobachtung und vergleichende Betrachtung der Flur- und Wegenamen in der Gemeinde Rauborn. Genannt seien nur die Ramen „Alter Kirchhof", „Pfarrwird", „Kirmesgrund", „Pfof- fenhell", „Leichenschoß" und „Engelsberg". Die letztere Beziehung führte — besonders unter Berücksichtigung noch vorhandener Ortssagen — zu der sicheren Bestimmung der Ortskirche in Rauborn als der Tochter der von Engeldrud und Cngelsuint gestifteten Kirche von 806, und damit auch zur Bestimmung der im Walde gefundenen Kirche als der von 777, d. h. der der Theutbirg, der „venerabilis matrona" zu eigen gewesenen Basilika mit den Ausmaßen von 20 Meter in Länge und 5 Meter in Breite, mit einem gua- dratischen Altarraum und einer derartigen Fülle von Herumliegenden Steinen, daß sie vermutlich eine Steinkirche gewesen sein wird. Hessenfahrt des Deutschen Grünlandbundes. WSR. Darmstadt, 16. Juni. In der Zeit vom 16. bis 20. Juni veranstaltet der Deutsche Grünlandbund seine diesjährige Tagung in Hessen. Der Generaldirektor der Landwirtschaftskammer für Hessen, Dr. Hamann, wird an Stelle des erkrankten ersten Vorsitzenden Dr. v. Schmieder (Steinbach) die Tagung leiten. Sie beginnt mit einem Begrühungsabend in Bensheim a. d. B. Vertreter des Reiches, der Landesregierungen, der Landwirtschaftskammern und sonstiger interessierter Behörden, sowie die praktischen Landwirte nehmen an der Tagung teil. Die Hessenfahrt des Deutschen Grünlandbundes ist eine Besichtigungsfahrt, die durch die Grünlandgebiete Hessens, also Odenwald, Vogelsberg und Ried führen wird. Rach dem Besuch des Odenwaldes und des Rieds geht es nach Oberhessen (Iungviehweide der Stadt Gedern, Hutweiden der Gemeinde Cngel- rod, Versuchs- und Mustergut Selgenhof der Landwirtschaftskammer für Hessen, Vogelsberger Rotviehsammlung in Unter-Seibertenrod, Iungviehweide Warthof bei Grünberg und schließlich die Versuchsgüter und -selber der Universität Gießen. Die Tagung findet ihren Abschluß auf der Hardtterrasse in Gießen. 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