Nr. M Erstes Blatt 179. Jahrgang Zreitag, \I. Mal (929 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätlek Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Sranlfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Such- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Zchriftlettrmq und Seschäftrstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für ( mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20"/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Die Macht der Technik. Die Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule in Stuttgart hat dem Reichsinnenminister Veranlassung gegeben, in seiner Festansprache auf die Notwendigkeit einer richtigen Einordnung des technischen Schaffens in das Ganze der menschlichen Kultur hinzuweisen. Seine Darlegungen gipfelten in dem Bekenntnis, dah sich heute menschliches Empfinden schaudernd gegen den Gedanken wehre, dah die gewaltige Macht der Technik noch einmal zu so grausigen Dingen wie im Kriege berufen werde. Mit diesen Worten hat der Reichsinnenminister das Kernproblem der modernen Technik berührt, ein Problem, dos in seinen gewaltigen Auswirkungen gar nicht bedeutsam genug eingeschäht werden kann. Die Technik, von Menschenhänden zu gigantischen Ausmaßen entwickelt, kann nur zu einem positiven Dienst an der Welt herangezogen werden, wenn der Mensch, der sie schuf, auch sie mit seinem tiefsten menschlichen Sinn erfaßt. Heber allen technischen Gesetzen, über aller technischen Erfindung und industrieller Auswertung, über aller Rationalisierung des technischen Arbeitsprozesses muh der Adel der Menschenwürde stchen, wie Severing sagte, jener Menschenwürde, die sich die technischen Zwecke in vornehmer Größe unterzuordnen weiß. Leider ist in der letzten Zeit, in der die Technik mit kühnen Schritten voranging, viel zu wenig darüber nachgrdacht worden, welche Auswirkungen und Rückwirkungen sich aus der ungeheuren Macht der Technik auf das Ethos des Menschentums ergeben können. Diejenigen, die an der Fortentwicklung der Technik. die nicht aufzuhalten ist und auch nicht auf- aehalten werden darf, mitarbeiten, haben des- yalb zu gleicher Zeit auch eine eminent ethische Aufgabe zu erfüllen. Die Luft wird nicht nur erobert um des Fliegens willen, die Elemente werden nicht nur gebannt um der bloßen Kraftausspeicherung willen, die Maschinen werden nicht nur geschaffen, um der Bewegung willen, alles wird nur entwickelt und erzeugt, um die Entwicklung der Menschheit selber zu fördern. Die Technische Hochschule in Stuttgart, die Heute auf ein hundertjähriges Bestehen zurück- Llicken kann, dürfte das beste Symptom für diese gigantische Entwicklung der letzten Jahrzehnte lein. Ausgehend von kleinen Anfängen, in der Los Experiment noch überwog, hat sich heute Lie technische Schulung zu einer gewaltigen technischen Arbeit entwickelt, die für die Kultur, lür die Politik, für das Dasein überhaupt ein ausschlaggebender Faktor ist. Das neue 2ahr- Hundert steht im Zeichen der technischen Wissen- JHaften, und wir wissen noch nicht, in welcher Ichrm es ausklingen wird. Soviel läßt sich aber Ichon heute sagen, daß die Technik nur dann au einer lebendigen Kraft des Jahrhunderts wer- Sen kann, wenn sie dabei nicht den Menschen Je Iber zermalmt. Hier liegt ein Problem, das tur heute in seiner letzten Tiefe noch gar nicht erfassen können, dessen Lösung aber beizeiten «ngestrebt werden muh, damit nicht die Entwicklung ein Fiasko erleidet, dessen Beseitigung nur unter größten Schwierigkeiten möglich sein würde. Wird man sich dieses Gedankens anlählich der Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule in Stuttgart klar, dann wird man dieser Jubelfeier euch die rechte Würdigung, die sie verdient und «uf die wir stolz sein können, zuteil werden lassen. Die Gistgaskatastrophe von Cleveland. London, 16. Mai. (XU.) Die Zahl der Todesopfer des Lxplosions- und Brandunglücks im krcm- kenhaus von Lleveland ist nunmehr auf 125 gestiegen. 25 Personen sind außerdem so schwer verletzt, dah an ihrem Aufkommen ge- zweifelt werden muh. Die Untersuchung der ^Katastrophe wird dreifacher Art sein. Der Gouverneur von Ohio, Cooper, kündigt an, dah alle Daattichen Körperschaften angewiesen sind, eine Un- I.rsuchung einzuleiten. Unabhängig hiervon wird ton den Grasschaftsbehörden unter Leitung Les zuständigen Bezirksarztes eine zweite Unter- |lidjung eingeleitet werden. Die Stabt Cleve- 8a n b hat ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet, Sie unter ber Leitung des Oberbürgermeisters ar- teitet. Man hofft, auf diesen drei geplanten Wegen jedenfalls zu einem einwandfreien Ergebnis der Ur- ßiche zu kommen. Die Explosion ist aller Wahrscheinlichkeit nach durch die bei der Verbrennung von Röntgenfilmen freigewordenen Gase hervorgerufen worden. Bei Ausbruch des Brandes wurden sofort alle feuer- f c ff e n Tore geschlossen, so dah die Explosion im Anschluß an die Verbrennung der Filme auch auher- »rdentlich starke Druckwirkung hatte. Das rntroidjene Gas ist eine Mischung von Jod- und vromdämpfen, in der Wirkung dem Phosgen sehr ähnlich. Der städtische Arzt, der die Opfer untersucht hatte, feilte mit, dah auf Grund der Blutproben als Todesursache (Einatmung von Blausäure oder Bromgas feftgeffeöt worden sei. Rach den letzten Ermittelungen entstand die Explosion durch Sclbstendzündung von dem Zelluloid der Ronl- gmplatten in dem vorratsraum des unterirdischen Geschosses infolge von lleberheizung des vor- rulsraumes durch undichte Dampfrohre. Sie deutschen Vorbehalte auf der Reparationskonferenz. Paris, IS. Mai. (WB.) havas veröffentlicht über die heute nachmittag abgehaltene Sitzung der Delegierten derGläubigermächte einen Bericht, in dem es heiht: Die Delegierten haben gemeinsam die von Dr. Schacht in den Bericht Stampe eingefugten Vorbehalte zu prüfen begonnen. Der englische Delegierte setzte das Ergebnis feiner Verhandlungen mit Dr. Schacht auseinander und erläuterte die genaue Tragweite der deutschen Vorbehalte. (Er machte Angaben darüber, in welchem Mähe feiner Ansicht nach diese Vorbehalte abänderungsbedürftig erscheinen, damit die Reparationskonseren; Aussicht habe, zu einer Verständigung zu gelangen. Alsdann begann eine (Erörterung über die ersten deutschen Vorbehalte, die sich auf folgende Punkte beziehen: 1. Möglichkeit eines zweijährigen Moratoriums für den geschützten Teil der beutfdjcn Schuld, und zwar sowohl hinsichtlich der Transferierung als auch der Aufbringung. — Dieser Punkt müsse gemeinsam mit Dr. Schacht geprüft werden. 2. Sicherheitsklausel, die es Deutschland erlauben soll, sich an den verwaltungsrat der Bank für internationale Zahlungen zu wenden, falls Deutschland sich wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten gegenübersieht, die beträchtlich seine Zahlungsfähigkeit ändern. Z. Aufhebung der Finanz- und Wirtschaftskontrolle des Dawes-Planes. — Die Diskussion werde zweifellos mit den deutschen Delegierten ausgenommen werden, um festzustellen, in welchem Mähe die durch die L i s e n b a h n Obligationen geschaffene Garantie aufgehoben werden solle. Morgen vormittag wird jede Delegation für s i ch die übrigen deutschen Vorbehalte studieren, die dann allgemein im Laufe einer am Nachmittag stattfindenden Sitzung aller Delegierten der Gläubigerländer geprüft werden sollen. Man hofft, so heiht es in ber Havas-Auslassung weiter, morgen mit dem Stublum der Vorbehalte Dr. Schachts zum I Abschluß zu kommen. Die Sachverständigen würden bann erkennen, welche Vorbehalte angenommen werden könnten, welche abgeändert werden müssen und welche gegebenenfalls nicht angenommen werden könnten. Wenn ernstliche Möglichkeiten einer Verständigung über die deutschen Vorbehalte gegeben seien, würden die Sachverständigen ihre Arbeiten fortsehen, und zwar, indem sie die Zahlen des allgemeinen Berichts erörtern und den eventuellen Gewinn der Bank für internationale Zahlungen in Rechnung stellen. (Erft wenn dieses Stadium der Verhandlungen erreicht fein werde, werden die Delegierten sich mit der Verteilung der deutschen Annuität und des Gewinns der Bank für internationale Zahlungen an die verschiedenen Gläubiger beschäftigen können. Oie Stellung der Gläubiger. Paris, 17. Mai. (WTD. Funkspruch.) Die Morgenpresfe berichtet in der gleichen Weife wie die Agentur Havas es gestern mittag getan hat, daß in der gestrigen Sitzung der Delegierten der Gläubigerstaaten die drei ersten deutschen Vorbehalte erörtert worden seien, nämlich erstens die Frage des Zahlungsmoratoriums, zweitens die Frage der Schuh- k l a u s e l, die im Falle neuer Ereignisse eine Revision des neuen Zahlungsplanes gestatten würde, drittens die Aufhebung der Finanz- und Wirtschaftskontrolle (hinsichtlich des Postens des Generalagenten für die Reparationszahlungen, der für Reparationszahlungen vorbehaltenen Steuereinnahmen, der in deutschen Organisationen vertretenen Ausländer und so weiter). Zu 1. will „Malin" als Antwort ber Gläubiger angeben können: von sämtlichen durch ben Krieg betroffenen Ländern ist Deutschlaub basjenige, besten Gebiet unbestreitbar am wenigsten burch Reparationen belastet ist (ungefähr 25 o. h.). Das Steuerptoblem ist für Deutschlanb nicht gegeben. Schlußfolgerung: Aussetzung bes Transfers, vielleicht; aber Aussetzung ber in Deutschlanb erfolgenben Zahlungen kommt nicht in Frage. Zu 2. lautet bie Antwort ber Alliierten nach bem „Malin": Deutschlanb befinbet sich in bet gleichen Lage wie wir. Es kann Vorkehrungen treffen, Hal aber nichts zu bestimmen. Auf jeben Fall barf b l e Initiative in biefer Frage nicht von ihm kommen, hier hat Amerika bas Wort. Dies wirb burch „Echo be Paris" dahin präzisiert: Solange bie Vereinigten Staaten nicht eine Revision ihrer Gläubigeransprüche zulassen, können w i r eine solche an unseren Ansprüchen nicht ins Auge fassen. Zu 3. lautet bie Antwort roieberum nach bem „Malin": (Ein vollkommenes verschwinben ber Psänber kommt gewiß nicht in Frage, jeboch finb Milderungen möglich, wenn Deutschland beispielsweise auf seine Eisenbahnen Anleihen auf- nehmen will, kann man bie strenge Priorität unserer Hypothek milbern. Rach bem „Echo be Paris" bagegen würbe bie Reparationskonferenz, fobalb sie ein neues System empfiehlt, sich biefer beulschen Forberung nicht entziehen können. Gestern ist, wenn man dem „Petit Parisien" Glauben schenken will, unter den Delegierten der Gläubigerstaaten auch die Frage der Verteilung der von Owen Poung vorgeschlagenen Annuitäten angeschnitten worden. Sowohl „Petit Parisien" wie einige andere Blätter deuten als mögliche Lösung an, daß man zum Verteilungsschlüssel von Spa zurückkommen werde, und daß man die Länder, die bei dieser Verteilung zu kurz kommen würden, durch eine Verwendung der Gewinne der Friedrichshafen, 17.Mai. (DTB. Funkspruch.) Nachdem bas Luftschiff „Graf Zeppelin" am Donnerstagoormitfag auf feinem zweiten Amerikaslug gegen 10 Ahr Lyon postiert halte, um 11.40 Ahr über Rimes, um 14.30 Uhr über Barcelona, um 17 Ahr über Saragossa gesichtet war, hat Dr. Eckener sich um 18.35 Uhr, 420 Meilen nordöstlich von Gibraltar entschlossen, die Fahrt abzubrechen und nach Friedrichshafen zurückzukehren, da in der Maschinenanlage größere Störungen aufgetreten sind, die die Uebersahrt nach Amerika gegenwärtig nicht ratsam erscheinen lassen. 3n einem an die Associated preß gerichteten Funkspruch heißt es, dah das Luftschiff am Donnerstag um 11 Uhr abends Barcelona zum zweiten Male passiert hat und mit drei Motoren und 80 Kilometer Geschwindigkeit in einer höhe von 500 Metern in Richtung Marseille fliegt, um 8 Uhr wurde die französische Küste bei der Rhvnemündung passiert. Es weht ein harter Mistral (Rordwind), Fahrtgeschwindigkeit etwa 30 Kilometer. Oer Maschinenschaden. BollcZuversicht an Bord. - NuhigeRücksahrt London, 17. Mai (WTB. Funkspruch.) Der Sonderkorrespondent des Daily Telegraph an Bord des „Graf Zeppelin" sandte gestern folgenden Funkspruch an sein Blatt: 7.20Uhr abends über Car tagena (Spanien), wir befinden uns bereits auf der Heimfahrt. Dr. Eckeners Beschluß zurückzukehren, ist in jeder Hinsicht lobenswert. Es muh ihn freilich große Ueberwindung gekostet haben, eine solchen Beschluß zu fassen nach einer Fahrt, bie so auherorbentlich rasch unb günstig war. Die Ursache istMaschinende f e k t. Etwa 420 Meilen vor Erreichung Gibraltars wurde ein Bruch in der Kurbelwelle eines ber Sfeuerborbmotoren entbeckt. Die Passagiere hörten bie Rachricht von biefer unwillkom- Berlin, 16. Mai. (Prioatmeldung.) Reichs- finanzminister Dr. hilferding hatte Vertreter ber Presse zu einem Empfang geladen, um bie näheren Einzelheiten der steuerfreien Reichsanleihe, bie heute nachmittag ihre Zustimmung vom Reichsrat erhalten hat, darzulegen. Diese Anleihe wird zu einem Ausgabekurs von 99 Prozent mit 7 p r o= zentiger Derzinsung ausgegeben, und zwar in Stücken von 100, 500, 1000, 5000, 10 000 und 20 000 Mark. Die Zinsscheine sind zahlbar am 2. Januar und 1. Juli jeden Jahres. Als erste Tranche sollen 300 Millionen aufgelegt werden, und sollten diese überzeichnet werden, dann würde ben Zeichnern bie volle Zuteilung angeboten werden, allerdings nur bis zur Grenze von 500 Millionen. Die Anleihe ist für fünf Jahre unkündbar, und dann können in den folgenden zehn Jahren alljährlich 10 Prozent zur Auslösung kommen, wobei die Rückzahlung pari erfolgt. Die Steuerbefreiung ist lediglich bei der Erbschaftssteuer auf die Zeichner beschränkt, sonst gilt sie auch für die zweite Hand. Reichsfinanzminister Dr. hilferding gab sodann noch einmal einen Ueberblicf über die Entwicklung der Finanzlage, die schließlich zur Auslegung dieser steuerfreien Reichsanleihe geführt hat. Er betonte, daß bereits unmittelbar nach feinem Amtsantritt am 4. Juli 1929 ein Kaffendefizit von 1075 Millionen bestanden hätte, und zwar verursacht durch die 475 Millionen, die das Extra- ordinarium seinerzeit als Vorschuß vom Ordinarium erhalten hatte, ferner durch das 100-Millionen-Darlehen bei der Preußenkasse, 200 sonstiger Darlehen und die 300 Millionen des Betriebsmittelbedarfs der Reichskasse. Dieses Defizit hat sich insofern bis jetzt geändert, als die Ver- schuldung des Extraordinariums an das Ordinarium inzwischen aus'6 00 Millionen ge st Legen ist und neuerdings die Darlehen an die Ar- beitslosenoersicherung dazugekommen sind, die bis Ende Juni insgesamt 400 Millionen betragen werden, wobei das Reich im Mai 25 Milinternationalen Zahlungsbank schad-, los halten könnte. Zu diesem Zweck werde die Frage erörtert, ob Deutschland sich nicht mit stärkerem Kapital, als bisher vorgesehen, an der Reparationsbank beteiligen könne. — Lieber die Frage des Fortgangs der Dcrhand-, lungen verlautet nichts Bestimmtes, jedoch barf, angenommen werden, daß, wenn die Gläubigerstaaten sich untereinander auf ein Verhandlungs- Programm geeinigt haben, vielleicht morgen, Samstag, eine Vollsitzung unter Beteiligung der deutschen Delegation stattfinden wird. Alsdann wird wohl eine kurze Pause in den Verhandlungen eintreten. menen Entdeckung mit großer Fassung an. Das Luftschiff fährt weiterhin ebenso ruhig unb ft e t i g w i e zuvor. Ls besteht wirklich kein Grunb zur Enttäuschung. Sobalb ber Fehler aus- gcbessert ist, kann bie Reise wieder begonnen werben. Es ist ein Pech, das allen Transportmitteln zustoßen kann. Alle Passagiere sehen einem neuen Start entgegen. Ungünstige Witterung. Hamburg, 17. Mai. (SU.) Das Seeflugreferat der Deutschen Deewarte in Hamburg gibt den nachfolgenden Bericht heraus: Für die Rückfahrt des Luftschiffes M®raf Zeppelin" ist die Wetterlage nicht so günstig wie sie sich bei der Ausfahrt gestaltet hatte, lieber dem Rordmeer liegt ein ausgedehntes Hochdruckgebiet, das südlich bis nach Frankreich reicht, während über dem Ligurischen Meer und dem Genua-Meer ein stationäres Tiefdruckgebiet liegt. Dadurch find die Bedingungen gegeben, daß über dem Golf von Lyon und der unteren Rhone ein kräftiger M i st r a l bläht, gegen den das Luftschiff anfahren muß. Auch im Rhone-Gebiet herrschen nördliche Winde, jedoch von geringerer Stärke. Dort und in der Oberrhein-Ebene wird das Luftschiff strichweise Wolken und leichte Regen antreffen. Oie erste Lustfracht des „GrafZeppeiin" Zum erstenmal in der Geschichte der Weltwirtschaft hat „©raf Zeppelin" für seine Amerikareise auch Frachtgut angenommen: neben einem Gemälde von Rubens und einem lebenden Gorilla ist auch ein Dechstein-Ausstattungs- flügel, der von John Wanamaker, Reuyork, eiligst benötigt wurde, verladen worden. Es ist ein Beweis für die Stabilität und Leistungsfähigkeit des Luftschiffes, daß selbst Frachtstücke von etwa 300 Kilogramm Gewicht verladen werden und schon wenige Tage später im Hause des Käufers auf der anderen Seite des Ozeans sein können. lionen unb im Juni unb Juli noch 10 unb 12 Millionen zur Verfügung stellen muß. Dr. Hilferding glaubt jeboch, baß bann keine neuen Anforderungen mehr von der Arbeitslosenversicherung an das Reich gestellt zu werden brauchen, wobei er aber betonte, daß es Ausgabe ber Reichsregierung sei, baß in Zukunft derartige Reubelastungen des Etats nicht mehr eintreten dürfen. Da in Anbeiracbt der Erschwerung des Geldmarktes die Unteroringung von kurzfristigen Anleihen immer schwieriger geworben sei und auch jene Institute, die, wie bie Preußenkasse, die Post, die Seehanblung unb die Reichsbahn, bisher die benötigten Summen zur Verfügung stellten, eben- alls nur unter Schwierigkeiten eingreifen können, ei dieser neue Weg einer steuerfreien Anleihe be- chritten worden, zumal ber andere Weg des Der- kaufs der Reichsbahnvorzugsaktien zur Bereitstellung ausreichender Mittel nicht g e • niigen würbe. Die steuerfreie Anleihe sei in Deutschland ein Novum, währenb sie in Frankreich unb Belgien als Finanzierungsmittel bekannt sei. Man habe zu dem Anreiz der Steuerfreiheit schrei- ten müssen, um auf diese Weise den Erfolg der Anleihe zu sichern. Der Reichssinanzminister vertritt jedoch den Standpunkt, daß jetzt die Situation geklärt sei, aber alles daran gesetzt werden müße, sowohl aus wirtschaftlichen Gründen wie auch aus reparationspolitischen Erwägungen heraus, den Erfolg der Anleihe zu sichern. Er glaubt nicht, daß durch die Anleihe Rückwirkungen große- ren Umfanges auf die Wirtschaft eintreten müssen, wobei er auch mit Entschiedenheit betonte, daß es falsch sei, von einer katastrophalen Finanzlage Deutschlands zu sprechen. Denn wenn die Anleihe den Erfolg hat, den sie haben muß, dann fei auf alle Fälle ein bestimmter Teil der finanziellen Schwierigkeiten ein für allemal beseitigt. Der Minister betonte schließlich daß ein M iß • brauch ber Zeichnungslisten von feiten ber Finanzämter niemals eintreten könne, weil diese Listen in den Händen- der Eckener brichi den Amerikaflug ab. „Graf Zeppelin" auf der Rückfahrt nach Friedrichshafen. — Motordefekt kurz vor Erreichung Gibraltars. Die steuerfreie Reichsanleihe. Banken lägen und vollkommen geheimgehallen würden. Die Führung bei der Anleihe habe die Reichsbank. Volkspartei und Anleihegeseh. Berlin. 17. Mai. (VDZ.) Wie aus den Abstimmungslisten jetzt hervorgeht, haben in der Mittwochsitzung des Reichstags auch zehn Mitglieder der Deutschen Volkspartei gegen das Anleihegesetz gestimmt. Es sind die folgenden Abgeordneten Dr. Becker-Hessen, Cramm, Dauch, v. Gilsa, Janson, Hueck, Dr. Leutheusser, Köngeter, Schmid und Dr. Pfeffer. Sechs Abgeordnete der Deutschen Volkspartei haben sich, wie bereits gemeldet, der Abstimmung enthalten. Reichsiagspfingstferien. Um die Immunität der Abgeordneten. Berlin, 16. Mai. (WTB.) Die letzteReichs- tagssitzung vor den Pfingstferien hatte Lärm- und Sturmszenen zu verzeichnen. Ohne Aussprache waren die Luftfahrtabkommen mit Holland und Norwegen angenommen worden. Dann aber wurde es lebhaft, als der Bericht des Geschäftsordnungsausschusses über die Anträge auf Genehmigung zur Strafverfolgung von Abgeordneten zur Beratung kam. Während früher solche Anträge durchweg abgelehnt wurden, hat sich schon seit längerer -Zeit im Geschäftsordnungsausschuh der Brauch durchgesetzt, die Strafverfolgung freizugeben gegen Abgeordnete, die als verantwortliche Redakteure einer Zeitung oder Zeitschrift in Deleidigungsprozesfe verwickelt sind. Die Strafverfolgung sollte freihegebcn werden gegen den nationalsozialistischen Abgeordneten Strasser und den kommunistischen Abgeordneten Florin wegen Beleidigung durch die Presse. Ein weiterer Fall betraf den kommunistischen Abgeordneten B e r h, der bei den Demonstrationen auf der Publikumstribüne des Reichstags Kriminalbeamte beleidigt haben soll. Von den Rationalsozialisten und den Kommunisten wurde heftig dagegen protestiert. Die Debatte wurde so erregt, dah einige Abgeordnete aus dem Saale verwiesen werden muhten. Die Strafverfolgung wurde genehmigt. Die Vorlage zur O st Preußenhilfe wurde dann in zweiter und dritter Beratung gegen die Kommunisten angenommen. Angenommen wurde auch in zweiter und dritter Lesung die Vorlage, mit der die S ch i ch a u w e r k e saniert und in Form einer Aktiengesellschaft mit Reichsmitteln fortgeführt werden sollen. Das Haus vertagte sich dann auf den 3. 3um. Das preußische Konkordat fix und fertig. Der Vertragsabschluß mit dem Vatikan am Donnerstag schon paraphiert. Köln, 16. Mai. (TU.) Wie das rheinische Zentrumsorgan, die „Kölnische Volkszeitung", erfährt. stehen die Verhandlungen über das Konkordat jetzt unmittelbar vor ihrem Abschluß. Sowohl der Pap st wie das preußische Staatsministerium haben ihre Z u st i m - -mung zu dem Vertragsentwurf gegeben, der wahrscheinlich von dem preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun und dem päpstlichen Nuntius P a c e l l i noch im Laufe des Donnerstag paraphiert werden wird. Dann geht die Vorlage zunächst an den Staatsrat, der sich gutachtlich zu äußern hat. Der Landtag will sich erst nach den Sommerferien mit dem Konkordatsentwurf beschäftigen, doch kann wohl damit gerechnet werden, daß das Konkordat noch im Laufe des Jahres in Kraft tritt. Nach der „Germania" verlautet, daß das preußische Staatsministerium, nachdem der Landtag seine Verhandlungen vor Pfingsten gestern zum Abschluß gebracht hat, heute zu einer Sitzung zusammentritt. Auf der Tagesordnung stehe der Vertragsabschluß mit dem Vatikan, über dessen Grundzüge eine beiderseitige Vereinbarung erfolgt sein soll. Oer jüngste Reichsbetrieb. Die Schichauwerft in Elbing wird saniert. Berlin, 17. Mai. (V.D.Z.) Der Reichstag hat jetzt endlich den Gesetzentwurf über die Sanierung der Schichau-Werft verabschiedet, nachdem diese seit Jahren auf wirksame Hilfe wartet. Die Werft, ein Unternehmen, das eine gute und alte Tradition besitzt, ist in ihre Zwangslage fast ausschließlich durch die besonderen Verhältnisse der Nachkriegszeit gekommen und somit zu den Kriegsopfern zu rechnen. In die Sanierung der Schichau-Werft spielen auch politische Fragen hinein, so daß man die Subventionierung in diesem Falle nicht allein von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus betrachten darf. Wahrscheinlich ist dieser Umstand auch dafür maßgebend, daß nach unseren Informationen die Schichauwerft, die sich künftig nahezu ganz im Besitze des Reiches und Preußens befinden wird, nicht in den Viag-Komplex eingruppiert wird. Die Viag (Vereinigte 2ndustrieunternehmungen-A.-G.) verwaltet bekanntlich sämtliche wirtschaftlichen Beteiligungen des Reiches. Ihr Aufbau würde durch Einreihung von Schichau nicht gerade glücklich ergänzt werden, so daß man das Elbinger Unternehmen voraussichtlich außerhalb des Konzerns lassen wird, ähnlich wie die Deutsche Werft in Kiel. Möglicherweise werden diese beiden Betriebe aneinander angeschlvssen. Roch in dieser Woche finden in Berlin Verhandlungen hierüber statt, die nach Pfingsten fortgesetzt werden. Soweit wir unterrichtet sind, wird das Reich und Preußen gemeinsam einen Aufsichtsrat bilden. Aerztekonfliki in Berlin. Berlin. 17. Mai. (Priv.-Tel.) Zwischen dem Magi st rat der Stadt Berlin und der organisierten A e r z t e s ch a f t ist cs zu einem schweren Konflikt gekommen, der seinen Grund darin hat, daß die Stadt Berlin immer mehr dazu übergeht, die Heilpflege zu kommunalisieren. Verschiedene Wohlfahrtsämter haben ^ Anweisung erteilt, daß die Geschlechtskranken künftig nicht mehr den frei praktizierenden Fachärzten, sondern den kommunalen Behandlungsstellen überwiesen werden. Die Aerzteschaft hat in ihrer Gesamtorganisation sich daraufhin mit den Berliner Aerzten solidarisch erklärt und für ihre Mitglieder alle neuen oder neu zu besehenden Kommunalfürsorgestellen gesperrt. Hierdurch ist ein sehr ernster Konflikt entstanden, in dem die Aerzteschaft nicht nur ihr» eigenen be- Hundert Jahre Stuttgarter Technische Hochschule. Reichskanzler Müller spricht über aktuelle Probleme der Reichspolitik. Stuttgart, 16.Mai. (WB.) Aus Anlaß der Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule fand heute eine offizielle Feier im Landestheater statt, bei der nach einer Begrüßungsansprache des Rektors Professor Schmoll von Eisenwerth der Rector designatus Professor Dr. Grammel zu einer Festrede über die Gegensätze zwischen Kullur und Technik das Wort ergriff, wobei er die Pflicht betonte, diesen unheilvollen Zustand zum Verschwinden zu bringen. Er bekannte sich zu dem Glauben, daß die Technik die Vorfrucht zu einer besseren Zeit ist, daß sie dereinst ganz die dienende Freundin Höch st er Kultur werden und daß sie zuletzt nur noch eine Grenze kennen werde: die Würde des Menschen. — Kultusminister Dr. Bazille überbrachte eine Jubiläums- g a b e des Landtags und der Regierung im Betrage von 150 000 Mark, die in erster Linie für die Errichtung eines Sportplatzes für die Hochschule verwendet werden sollen. In der begleitenden Ansprache betonte er, daß die Hochschule außer der Pflege der Wissenschaft und Kunst die nationale Aufgabe habe, die studierende Jugend zu Vorkämpfern gegen das schmachvolle Unrecht zu machen, das Deutschland mit der Kriegsschuldlüge angetan worden sei. Erst wenn dieser Drachen, der vor dem Tempel des Friedens liege, erschlagen sei, könne die Menschheit auf die Zeit hoffen, in der die Künste und Wissenschaften und alle anderen Seanungen des Friedens sich frei entfallen können. Reichsinnenminister S e v e r i n g hob die Not- Wendigkeit hervor, daß die Technische Hochschule der Allgemeinheit und der studentischen Generation noch mehr als bisher das Bewußtsein vermittelt, daß über allem technischen Gesetz, über aller technischen Erfindung und industriellen Auswertung, über aller Nationalisierung des technischen Arbeitsprozesses der Adel der Menschenwürde aller derjenigen steht, die in den technischen Arbeitsgang eingegliedert sind. Technischer Fortschritt werde kultureller Rückschritt, wenn er mit Verlusten an menschlichem Seelengut erkauft wird. Möge das Beginnen des zweiten Jahrhunderts den ruhmvollen Anteil der Technischen Hochschule Stuttgart an der Entwicklung technischer Wissenschaft und technischen Werkes mehren zum Wohle Deutschlands und der Menschheit. Oberbürgermeister Dr. Lau- tenschlager rief der Hochschule unter lieber- reichung einer Jubiläums spende von 100000 Mark ein herzliches Glückauf zu. — Nach dem Festakt im Landestheater folgten die Ehrengäste einer Einladung des Staatspräsidenten Dr. Bolz und des Senates der Technischen Hoch- schule zu einem Festessen in den Räumen des Neuen Schlosses, bei dem Reichskanzler Müller zunächst die herzlichen Grüße und Glückwünsche der Reichsregicrung sowie, in dessen besonderem Auftrage, die des Reichspräsidenten übermittelte. Der Kanzler verwies dann auf die jetzt in Paris stattfindenden Verhandlungen über das Reparationsproblem. Wir stehen, so fuhr der Kanzler fort, vor dem Ende dieser Verhandlungen. Ich will deshalb nicht auf Einzelheiten eingehen. Wir haben aber ein Recht zu fragen, ist es zehn Jahre nach dem Abschluß des Weltkrieges nicht endlich an der Zeit, für die Reparations- fraae eine Lösung zu vereinbaren, die von allem Kriegsgeist entgiftet ist? Ich brauche fernerhin nur an die staatsrechtlichen Fragen zu erinnern, die gegenwärtig Gegenstand ernster Erörterung im Reichstag bilden. Die ernste Lage unserer Reichsfinanzen erfordert im Interesse des Reiches, der Länder und der Gemeinden schleunigst finanzielle Maßnahmen, vor allem zur Besserung der Kassenlage des Reiches. Nur so sind Gefahren zu bannen, die sonst dem deutschen Wirtschaftsleben und damit dem gesamten deutschen Volk drohen. Ein weiteres Problem, das zur Entscheidung allmählich heranreift, ist die sogenannte Reichsreform. Ich will hoffen, daß die eingeleiteten umfangreichen Vorarbeiten der Länderkonferenz möglichst bald zu einem Reich und Länder befriedigenden Abschluß gelangen, damit die insbesondere von der deutschen Wirtschaft gewünschten politischen Entscheidungen auf diesem Gebiete in nicht zu ferner Zeit getroffen werden können. Wir wollen im Interesse unseres Volkes hoffen, daß es uns gelingt, alle diese Fragen zu lösen. In dieser schweren Zeit kommt es wieder einmal auf die Zusammenarbeit des gesamten deutschen Volkes an. Wer heute einen Blick zurückwirft auf die letzten zehn Jahre, durch die wir, wenn auch unter schwerstem leiblichen und seelischen Druck hindurchgekommen sind, der darf den starken Glauben haben, daß das deutsche Volk nicht untergehen kann. Wir aber wollen es erreichen, daß das deutsche Volk in der großen Völkerfamilie als wirklich gleichberechtigtes Glied wieder leben kann. — Aus Anlaß der Hundertjahrfeier sind 2 4 Ehrenbürger ernannt worden, darunter Reichspräsident v. Hindenburg, der Staatspräsident von Württemberg Bolz, der württembergische Kultusminister Dr. Bazille, Dr. Robert Bosch, der langjährige verdiente Vorsitzende der Vereinigung von Freunden der Technischen Hochschule und Marchese Silvio della Dalle di Casanova, der verständnisvolle Förderer der deutschen Kultur und Künstler. Unter den Ehrenbürgern befinden sich auch Professor Dr. Nernst, Professor Dr. Albert Schweitzer, Professor Dr. Sommerfeld und Staatssekretär Dr. S t i e l e r. Die Würde eines Dr.- Jng. ehrenhalber wurde u. a. verliehen an Professor Thomson. Kopenhagen. Professor Ivar Tengbom. Staatssekretär Friedrich Gutbrod. Professor Dr. Aiggli, Zürich, Reichsbahndirektor Wech- mann und Professor Thomann, Graz. ruflichen Interessen, sondern auch die Interessen der Allgemeinheit gegen die Sozialisie- runtzsbestrebungen des Berliner Magistrats verteidigten. Nie Ostpreußenhttfe. Der Damm an der deutschen Ostmark. Berlin, 17. Mai. (Priv.-Tel.) Der Reichstag hat in seiner letzten Sitzung vor Pfingsten noch die sogenannte Ostpreuhenhilfe endgültig verabschiedet. Reichsernährungsminister D i e t - r i ch -Baden führte dabei aus. daß zwar die Notlage in allen Grenzgebieten groß sei, daß aber in Ostpreußen zunächst etwas geschehen müsse, da die Dinge dort keinen Aufschub mehr vertrügen. Außerdem spielt die Finanzlage des Reiches bei diesen Erwägungen eine entscheidende Rolle, und es soll sofort auch etwas für die anderen Grenzgebiete getan werden, sobald die finanziellen Möglichkeiten dazu bestehen. Die Lastenminderung für Ostpreußen, die durch die jetzt angenommene Gesetzesvorlage vorgesehen ist, beträgt etwa 40 Prozent. Mit Recht wandte sich der Minister gegen den Gedanken, jetzt plötzlich den Grundbesitz in Ostpreußen zu zerschlagen. Wenn man die ostpreußische Wirtschaft überhaupt erhalten will, dann muß man auch den lebensfähigen Großgrundbesitz stützen. Ebenso notwendig aber ist eine Hilfsaktion für den Mittel st and, dessen Gedeih und Verderb besonders im Osten mit dem Blühen der Landwirtschaft eng zusammenhängt. Neben den rein wirtschaftlichen spielen auch national- politische Momente bei der Vorlage eine entscheidende Rolle. Der Minister hat mit großer Deutlichkeit betont, daß es Ostpreußen nationalpolitisch g e g e n d ie andrängende Polenflut zu schützen gelte. Besonders erfreulich ist es. daß es bei der Verabschiedung des Ost- preußengesetzes im Hause mit Ausnahme der immer Nein sagenden Kommunisten keineMei- nungsverschiedenheit mehr gab. Das Bild der Geschlossenheit des Parlamentes konnte auch nicht dadurch beeinträchtigt werden, daß ein Nationalsozialist, wenn auch verspätet, die Be- schlußfähigteit des Hauses zu bezweifeln suchte. Die Bevölkerung Ostpreußens mag aus dieser Tatsache ersehen, daß man ihre Notlage allmählich im ganzen Deutschen Reich begriffen hat und dah der Reichstag trotz seiner sonstigen parteipolitischen Zerrissenheit in diesem Falle zu einer einheitlichen und schnellen Arbeit gekommen ist. Das übrige Deutschland hat den Wunsch, dah sich diese Ostpreuhenhilfe rasch und nachhaltig auswirken werde, damit es gelingt, den um ihre nationalpolitische Zukunft schwer ringenden Ostpreußen ihre Heimat zu erhalten. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 16. Mai. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags verabschiedete zunächst eine Regierungsvorlage über den Dau von Bergarbeiterwohnungen in Wölfersheim. Gleichzeitig wurde von der Regierung mitgeteilt, daß sie zur Kohlenförderung verschiedene Maßnahmen bereits ergriffen habe, die von dem Ausschuß zur Kenntnis genommen wurden. Es handelt sich um di» Erwerbung einer Wohnbaracke zur Unterbringung von sechs Arbeiterfamilien oder 50 ledigen Bergarbeitern, der Teilung von drei vorhandenen Bergarbeiterwohnungen, so daß in Zukunft je zwei Familien in einer der vorhandenen Wohnungen Unterkunft finden können. Eine weitere Wohnbaracke wird vergrößert und außerdem wurden zwei Kohlentransportbänder angeschafft. Gegen drei Stimmen abgelehnt wurde ein volksparteilicher Antrag auf Aufhebung der Stempelgebühren für Bäckerläden für die Offenhaltung an den Tagen vor Feiertagen. Mit 8 zu 4 Stimmen wurde eine Regierungsvorlage über den Einbau einer Sammelheizung in das Ludwig-Georg-Ghmnasium in Darmstadt genehmigt. Ein Antrag Lux (Soz.), der verlangt, daß die Stadt Darmstadt einen Zuschuß von 10 000 Mk. geben soll, wurde abgelehnt. Gleichzeitig gab der Ausschuß der Auffassung Ausdruck, in Zukunft nach einheitlichen Gesichtspunkten bei der Behandlung der höheren Schulen vorzugehen. Eine Eingabe der hessischen Bauernschaft, Sih Lauterbach, wegen des Erlasses von Stempel - und Notariatsgebühren von Hypotheken wird durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Die Regierung ist außerstande, hier etwas zu tun. weil die Beurkundungen vor Notaren erfolgt sind. Zum Schluß wurde noch gegen drei Stimmen ein Bauernbundantrag abgelehnt, der eine Herabsetzung derHunde- steuer verlangte. Die beantragte Steuerherabsetzung würde einen Cinnahmeausfall von 400 000 Mark zur Folge haben. e Wie nunmehr feststeht, wird das Plenum des Hessischen Landtages am Mittwoch, dem 5.2 unl, zu einer Sommersihung zusammentreten. Nach dem vorliegenden Stande der Arbeiten wird damit gerechnet, daß der Landtag in einer Woche seine Beratungen beenden kann. Für den 7. Juni ist eine Besichtigungsfahrt nach Worms und Oppenheim vorgesehen. Die Vesreiunßsseier in Sofia. Sofia, 16. Mai. (TU.) Die Desreiungsfeier in Sofia erreichte am Mittwoch durch die 11 e b e r- bringung der Fackel mit dem heiligen Feuer von Preslaw an den König ihren Höhepunkt. Die Fackel wurde durch Läufer. Motorradfahrer und Reiter in den Sofioter Schloßhof gebracht, wo der König eine Ansprache an die Vertreter der bulgarischen Jugend hielt und sie als Träger bulgarischen Geistes und bul- aarischer Ideale begrüßte. Das heilige Feuer aus der alten Zarenstadt Preslaw sei ein Symbol des unaufhaltsamen Dranges des Volkes zu Freiheit, Größe und Fortschritt. Der König schloß seine Ansprache mit dem Rufe: „Es lebe Bulgarien und das bulgarische Volk". Sodann entzündeten die Minister und die Vertreter der Geistlichkeit an der Fackel des Königs ihre eigenen Fackeln. Die Preslawer Fackel wurde in die Schloßkapelle gebracht. Es folgte nun ein Fackelzug durch die Stadt und die Verteilung des heiligen Feuers auf sämtliche Sofioter Kirchen. Der ©efanLeinbtucZ der Festlichkeiten war infolge der ungeheueren Beteiligung deS Volkes gewaltig. Am Marsch durch daS königliche Schloß nahmen etwa 120 000 Menschen, die Hälfte der Einwohnerschaft Sofias, teil. Aus aller Welt. Admiral von Truppel 75 Jahre alt. Admiral Oskar von Truppel feiert am 17. Mai seinen 75. Geburtstag. Er gehörte von 1871 bis 1911 der Marine an, wurde 1897 Befehlshaber und 1901 Gouverneur des deutschen Schutzgebietes Kiautschau in China. Unter ihm nahm das Pachtgebiet wirtschaftlich und kulturell einen großen Aufschwung. 1905 wurde er zum Kontre-, 1908 zum Vizeadmiral befördert. 1911 wurde er Admiral und am 21. August dcssalben Jahres zur Disposition gestellt. Gleichzeitig verlieh ihm der König von Preußen den erblichen Adel. Banditen mit Maschinengewehren. Nach Meldungen aus Bukarest sind die zwischen Kischinew und Hanzesti verkehrenden A u t o b u s s e gestern nacheinander ' von starken Räuberbanden angegriffen, aufgehalten und vollständig ausgeplündert worden. Dabei wurde ein Passagier getötet. Auch die Wagen und Motoren wurden vollständig zertrümmert. Die von Bauern verstärkte Gendarmerie konnte die Räuberbande nach langem Umherstreifen heute beim Morgengrauen an einem Waldrande stellen, doch zeigte sich beim Angriff, daß die Banditen militärisch organisiert und mit Maschinengewehren ausgerüstet waren. Als die Gendarmerie und die Bauern die Stellung der Banditen zu stürmen versuchten, wurde der Gendarmeriekommandant schwer verwundet, ein Gendarm und zwei Bauern getötet. Die Banditen konnten sich dann unter dem Schutz des Maschinengewehrfeuers ohne Verluste zurückziehen. Schwere Masernepidemie in der Oberpfalz. In verschiedenen Städten und Ortschaften des Regierungsbezirks Oberpfalz ist eine schwere Masernepidemie ausgebrochen. In Fischbach sind bereits acht Kinder, darunter auch schulpslich- tige, an der Seuche g e ft o r b e n. Zahlreiche andere liegen schwer krank darnieder. Schwere Kesselexplosion. Bei der Prüfung explodierte im Betriebe der Firma Wegelin & Hübner, QI.-®., in Halle der Ressel eines Oelpalmsruchtsterilisierungsapparates, der im Werk II für das Ausland gebaut wird. Unter ungeheurem Knall wurde der 20 Zentner schwere Deckel hochgeschleudert und riß ein großes Loch in die Wand des Gebäudes. Unter den Trümmern des Apparates wurden sechs Schwerverletzte geborgen. Am schlimmsten zugerichtet ist der 50jährige Ober- monteur der Derlin-Anhaltischen Maschinenfabrik Galinsky aus Berlin. Die Unglücksstätte wurde abgesperrt, da Gefahr besteht, daß weitere Einstürze folgen. Große Feuersbrünste in Polen. Das in den Ostmarken gelegene Städtchen Jwie ist vollkommen abgebrannt. 250 Häuser wurden ein Raub der Flammen, über 500 Familien sind obdachlos. Der Schaden beträgt über drei Millionen Zloty. Ein unachtsam fortgeworfenes brennendes Zündholz hat den Brand verursacht. — 2m westlichen Kongrehpolen ist in dem Städtchen Sloczew ein Schadenfeuer ausgebrochen, dem acht zweistöckige Häuser zum Opfer fielen. 2n der Stadt herrschte > während des Brandes eine furchtbare P a n i^k. Die Löscharbeiten wurden durch die in den Straßen umherirrenden Menschen wesentlich erschwert. Zahlreiche Personen erlitten Brandwunden. Oie Wetterlage. ITTi 55- 45t Tharsh. -Aber« rw. .Bircn-ffls. -Mst- Ponnerstaa d.WAai 1929, T abds. / Vi 'tl /Ztt- Ja/fUytn— ° Wien / O ( y „ o Owolkenlos. ® neuer. (>nalb bedeckt. 9 wolkig. ® Gedeckt •'Regtfr v Schnee cx Graupeln, s Neoei K GeWitler.@Wino$tilie.«0-> sehr •tienier 0$! ^5 massiger Südsüdwest <5 stürmischer Nordwest Oie Pfeue fliegen mit dem Winde. Pie oeioen Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an. Pie Limen verbinden Orte mit gleichen^ aut neeresmveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Der hohe Luftdruck im Westen hat sich mit dem über dem Nordmeer lagernden zu einem ausgedehnten Hochdruckgebiet vereinigt. An seiner Vorderseite gelangen kühle Luftmassen südwärts bis nach Deutschland, so daß die Temperaturen einen weiteren Rückgang erfahren haben. Kaltluftzustrom brachte außerdem Bewölkung und strichweise Niederschläge mit sich. Da wir mehr an die Südseite des Hochs zu liegen kommen und somit die Luftzufuhr mehr aus Nordosten bzw. Osten stattfindet, so bleibt das Wetter immer noch kühl. Zu Niederschlägen wird cs in unserem Bezirk nicht kommen. Es dürfte vielmehr im Laufe des morgigen Tages stärkere Aufheiterung als bisher eintreten. Wettervoraussage fürSamstag: Küh- les, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, vorwiegend trocken. Wettervoraussage für Sonntagl Wieder langsame Erwärmung, wolkig, zeitweise aufheiternd, meist trocken. Lufttemperaturen am 16. Mai: mittags 16,7 Grad Celsius, abends 7,8 Grad: am 17. Mai: morgens 9,6 Grad. Maximum 16,7 Grad, Minimum 5,6 Grad. — Erdtemperaturen In 10 cm Tiefe aqi 16. April: abends 19,4 Grad: am 17. April: mott gen* 1Grad. — Sonnenscheindauer 6 «Stunt** loten. ene Städtchen L 250 Häuser über 500 galt beträgt über Main fortge- lat den Brand zngrehpolen ist n Schadenfeuer ge häuler zuni rschte1 während ■ ip a n i f. Sie i heu Strafen :idj erschwert, mdvunden. Betriebe der n Halle der wgscchparateS. > gebaut wird. >er 20 Zentner und ritz ein des Gebäudes, arates wurden borgen. Ln 0jährige Ober- Äaschinensabri! id$|tälte wurde ht, daß welke all. :t am iz toi’tu «OS ehren. rtt9 r°r. '^stärkte An- nach langen, cngrauen an /ich beim arisch or. .engeweh, je Tendarme- yenoatmetie- Mann "andüen tonn- ^Maschinen- iziehrn. Obetp|a[). ^ltschaften btt e schwere Ma. chbach sind be. "ch ichulpslich. chlreiche andere <651- n ( Ä «bSWI'Ä5 j Qrt« (Wl*""’ e ;U,Ä-S Ä nt dlt <0 bleibt U dursti Bx^sstält-lr n lager i KF Xjjltf Aus der Provmzialhauptsiadt Drehen, den 17. Mai 1929. Unsere Grünanlagen. Rach langem Winter ist es Frühjahr geworden, etwaS später zwar als sonst, aber dafür um so schöner. Die Saaten grünen, dah es eine Freude ist, die Obstbäume blühen reicher, als jemals. Feld und Wald ist ein einziger Blumengarten. Selbst der Older, den ein fauler Richtsnuh zu bebauen versäumte, hüllt sich in einen weißen, zarten Schleier von Hungerblümchen. Um diese Pracht im strahlenden Sonnenschein der Pfingsttage zu genießen, strömen alt und jung hinaus ins Freie, so daß die Gassen leer werden und der Wald bis in die fernsten Winkel lebendig wird. Hundertfältig ist die Schönheit eines sonnigen Frühlingsmorgens, tausendfältig das Leben, welches sich daran erfreut. Es gibt weise Männer, die in ihren Büchern schreiben, daß der bunte Flor einer blumenreichen Wiese oder der eines reichen Gartens lediglich aus Anlockungsmitteln für Insekten bestehe, die zur Bestäubung nötig sind, und daß nur die Verstiegenheit menschlicher Ueberhebung annehmen kann, die Erde schmüde sich für sie. Es mag sein. Man braucht sich auch nicht einzubilden, die Eisenbahn warte auf ihn, den Einzelnen, wenn er sie einmal zu einem Olusfluge irgendwohin benützen wolle. In Glaubenssachen besteht in dieser Hinsicht vollkommene Freiheit. Man kann auch denken, die ganz Weisen seien zu Barren geworden. Rur die sich daraus erbenden Handlungen erleiden eine Beschränkung, sofern sie gegen das Wohl der Olll- gemeinheit verstoßen, und darüber soll hier einiges gesagt werden. Kein vernünftiger Mensch wird seinen Kindern das Abpflücken wilder Blumen am Wegrand verbieten, wenn sie diese mitnehmen, um sie daheim in Wasser zu stellen. Was gibt es wohl schöneres als spielende Kinder mit Feldblumen in Händen oder im Haar, ein Olnblid, der am die eigene Kindheit erinnert. Denselben Kindern aber wird man den keimenden Eigennutz dämpfen, der alles, was er sieht, für sich haben möchte, und dann achtlos fortwirft, um nach neuem zu Haschen. Hier ist die Grenze gezogen, die für Kinder und in höherem Maße auch für die Erwachsenen ganz besonders aber da gilt, wo das Vlumenpflücken zu einem üblen Geschäft wird. Aus diesem Grunde weise man die sich heran-, Drängenden Kinder mit Blumensträußen von sich unb unterstütze nicht einen Handel, der unsere Fluren $u veröden droht. Wir übertreiben nicht. Wäre em solcher Handel nicht lohnend gewesen, so blühten im Hangelstein noch die Schneeglöck« chen, an der Hardt die blauen Küchenschellen und bei Rödgen der (Snxian. Vor 35 Iahren noch icar der Wiesengrund von Mitte bis Ende Olpril blau wie ein Tuch. Heute sind die Blümchen, die etwa noch vorhanden sind, zu zählen. Die Pflanze ist heute schon so gut wie ausgerottet, ter spärliche Rest ist kaum noch der Rede wert. Lind die Ursache: Die Blumen mitsamt den kleinen Dodenrosetten wurden massenhaft nach Gieren verkauft. Oln allen Straßenecken konnte man die Rödger Kinder mit Bündeln der blauen Blume treffen, die abgepflüdt zwar ihres Reizes entkleidet ist, aber als Seltenheit begehrt und mit Geld bezahlt ward. Was damals mit Küchenschelle, Schneeglöckchen, Leberblümchen und Enzian geschah, geschieht gegenwärtig mit Schlüsselblumen, Maikraut und Maiblumen. Der wahre Raturfreund hat seine Freude am Wachsen und Gedeihen. Er sieht in der mut- willigen, oder achtlosen Zerstörung ein Vergehen gegen die ungeschriebenen Gesetze der Sittlichkeit unt> Vernunft. Die schöne Ratur, die uns umgibt, ist die Grünanlage unseres Hergotts. Danach sollte sich jeder, der draußen wandert, benehmen! R. Daten für Samstag, 18. Mai. Sonnenaufgang 4.05 Uhr, Sonnenuntergang 19.48 Uhr. — Mondaufgang 14.07 Uhr, Monduntergang 2.35 Uhr. 1782: der Freischarenführer Major Adolf von Lützow in Berlin geboren; — 1799: der französische Schriftsteller Pierre Augustin Baron de Beau- tnardjais in Paris gestorben; — 1848: Eröffnung twer ersten Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt a. M. — 1804: Napoleon I. wird erblicher Kaiser. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. Stabt« tHeater 19.30 bis 22.15 Uhr: .Katharina Knie". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Mann, der lucht". — Astoria-Lichtspiele: „Verrat" und „Rod Ic Rocque, der Bandit". — Stadttheater Gießen. Aus dein Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Lorstellung von „Katharina Knie" beginnt um 19.30 Uhr. — Die kommende Woche bringt als Erstaufführung Karl Slobodas „Am Teetisch*. Dor einigen Wochen berichteten die Berliner Blätter, daß in Wien ein Dichter verhungert sei: Karl Sloboda. Von Hause aus Bankbeamter, hatte er mit seinen ersten Stücken, und insbesondere mit dem „Am Teetisch" einen solchen Erfolg, daß er glaubte, seinen prosaischen Beruf an den Nagel hängen zu können. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Amerika lieferte der „Teetisch" Rekordserien. Hunderttausend Dollar Tantiemen soll ihm das Stück eingebracht haben. Die Inflation machte den Autor zum Betller. Zn höchster Armut, obdachlos und ausgehungert, ist er in Wien gestorben. Die Erstaufführung von „Am Teetisch" ist am Donnerstag 23. Mai. Am Dienstag, 21. Mai, wird „Katharina Knie" das letzte Mal (Winterspielzeit) gegeben. * Von der Licher Straße. Die Frage der Beleuchtung der Licher Straße, über deren Unzulänglichkeit öfter Klage geführt wurde, geht nunmehr ihrer endgültigen Lösung entgegen. Nachdem im vorigen Herbst in dem Straßenteil oberhalb der „Stadt Lich" eine Anzahl Betanmasten gesetzt wurden, sind in den letzten Wochen neben dem Straßenbahnkörper zahlreiche eiserne viereckige Masten errichtet worden. Zur Zeit ist man damit beschäftigt, an den von den Masten nach den gegenüberliegenden Häusern bzw. hölzernen Hilfsmasten führenden Tragdrähten die elektrischen Lampenfassungen und Leitungsdrähte anzubringen. Nach Erledigung der Installationsarbeiten hat die Licher Straße vom Stern an der Moltkestraße bis zum Bahnübergang etwa 20 Brennstellen. — Die Fahrbahn der Licher Straße zwischen der Straße „Am Kugelberg" und der Friedensstraße ist wegen Vornahme von Erdarbeiten zum Anschluß der dortigen Neubauten an das Kanalisations-, Gas- und Wasserrohrnetz etwa zur Hälfte eilige- dämmt, jedoch wird der Verkehr aufrechterhalten. Am Anfang der Friedensstraße werden die gleichen Arbeiten ausgeführt. " Reun Tage Haft wegen Tierquälerei erhielt vom hiesigen Olmtsgericht ein vielfach vorbestrafter hiesiger Einwohner. Er hat diesmal seine Rohheit und Gefühllosigkeit, die er bei seinen früheren Straftaten oft an den Tag gelegt hat, an hilflosen, schutzbedürftigen Haustieren ausgelassen, indem er ein Hündchen und eine Katze wiederholt ergriff und grundlos auf den Fußboden aufschlug. In einem Falle blieb das Hündchen längere Zeit bewußtlos liegen, in dem anderen brach es infolge des Aufschlagens ein Bein, während die Katze infolge davon verendete. Die Anzeige war durch seinen Stiefsohn erfolgt, der jetzt die Aussage verweigerte, wohl auf Veranlassung seines Stiefvaters Es gelang aber trotzdem, den Angeklagten zu überführen, da der Zeuge schon vor Polizeibeamten eingehende, völlig glaubhafte Angaben gemacht hatte, die von diesen wiedergegeben wurden. Der Angeklagte erkannte das Urteil an; seinem Antrag, nur auf Geldstrafe zu erkennen, konnte wegen seiner bewiesenen niedrigen Gesinnung nicht stattgegeben werden. Gefängnisstrafe ist gesetzlich ausgeschlossen; es sind jedoch erfreulicherweise Bestrebungen im Gange, die daraus abzielen, daß in besonders schweren Fällen auch auf solche erkannt werden kann. ** Geschäfts st enographen - Prüfung an der Handelskammer zu Gießen. Die diesjährige Prüfung für Geschäftsstenographen haben an der Handelskammer Gießen bestanden: Abtlg. 180 Silben: B. Schneider, O. Treser (beide I. Reichsk.-Gesellschaft); Abteilung 150 Silben: Hch. Preußer (I. Reichsk.-Ges.), W. Rieß (Kurzschr.- Verein) und Hugo Baumann (I. Reichsk.-Ges.), sämtlich in Gießen. ** V.D.A.-Fahrt nach Kiel. Der Verein für das Deutschtum im Ausland (V. D. A.) hält seine diesjährige Haupttagung und das damit verbundene große Jugendtreffen der dem Verein in Jugendgruppen angeschlossenen Jungens und Mädels in Kiel ab. Der Sonderzug der Hesfen-Darm- städter, mit dem auch die Gießener V. D. A.-Grup- ven nach Kiel reifen, fährt heute nachmittag 17.31 Uhr hier ab. Die Gießener Schulen und Jugend- gruppen beteiligen sich, wie schon immer, sehr stark an dieser V.D.A.-Fahrt. Es nehmen diesmal von der Studienanstalt 48, vom Gymnasium 15, vom Real- gymasium 14, von der Mädchenjugendgruppe 23 und von der Oberrealschule 17 Schuler bzw. Schülerinnen teil. Außer diesen 117 Jugendlichen beteiligt sich auch die Akademische Ortsgruppe Gießen an der V. D. A.° Fahrt. Nach der eigentlichen Tagung in Kiel unternehmen die einzelnen Gruppen Ausflüge und Wan- berungen. Besichtigungen von Kriegs- und Handelsschiffen bieten eine sehr erfreuliche Bereicherung in der Reihe der vorgesehenen Unternehmungen. Am Donnerstag nächster Woche vereinigen sich fast alle hessischen Kielfahrer zu einer gemeinsamen Fahrt von Kiel nach Westerland und von hier über Helgoland nach Hamburg. •* Unfall auf dem Sportplatz. Heute morgen gegen 9 Llhr ereignete sich auf dem Uni* versitätssportplatz ein Unfall. Ein junger Stu- ANZEIGEN für die Tagesnummer des Gießener Anzeigers werden zweckmäßig am Nachmittag vorher aufgegeben. Nach 9 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahmefällen nicht gewährleistet werden! VERLAG DES GIESSENER ANZEIGERS dent kam beim FußbaUspielen zu Fall und zog sich einen Bruch des linken Oberarmes zu. Rach Anlegung eines Rotverbandes durch einen auf dem Platz anwesenden Arzt wurde der Qkrun- glüdte durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz der Chirurgischen Klinik zu- gesührt. ** Vom Gießener Ruderklub Hassia 1 9 0 6 wird uns berichtet: Rach dem langen, harten Winter ist es nun auch dem Ruderer durch die wärmere Iahreszeit wieder vergönnt, seinen schönen Sport auszuüben. Seit Wochen bemerkt man an und auf der Lahn einen regen Betrieb. Sind wir doch sehr darüber erfreut, welch' stattliche Zahl junger und älterer Ruderer sich zur diesjährigen Saison zum Training verpflichtet hat. Es sei gleich erwähnt, daß wir auch im Winter nicht ruhen und unsere Leute durch das Wintertraining für die kommende Saison vorbereiten. Unsere Aufgabe ist es und wird es immer bleiben, unsere Iugend so auszubilden, daß sie als Ruderer und als Menschen immer bestehen kann. Ob unsere mühevolle Arbeit von Erfolg gekrönt ist, muh die Zukunft zeigen, gilt es doch, auch in diesem Iahre auf verschiedenen Regatten Rennen zu bestreiten. Unsere diesjährige Regatta in Gießen auf der Lahn findet am 29. und 30. Iuni statt. Diese Zeilen mögen dazu beitragen, so manchen aus unserer Stadt zu bewegen, sich das Leben und Treiben, den Ruderbetrieb auf der Lahn einmal anzusehen. Gibt es doch viele, die diese Schönheit noch nicht kennen. Am zweiten Pfingft- feiertag ist Gelegenheit, eine Auffahrt sämtlicher Bootsgattungen anzusehen. ** Hessische Kriegsblinden-Lot- tcric. Unter diesem Titel veranstaltet der Bezirk Hessen des Bundes der erblindeten Krieger eine Lotterie, die dem Wohle seiner Mitglieder und besonders der besseren und behaglicheren Ausgestaltung des Kriegsblindenheimes in Bad« Salzhausen dienen soll. Es ist zu wünschen, daß sich weite Kreise der Bevölkerung an der Lotterie beteiligen und so ihre Anteilnahme an dem schweren Schicksal der erblindeten Krieger zum Ausdruck bringen. •* Gesellschaftsfahrten des Norddeutschen Lloyd. Die General-Agentur des Rorddeutschen Lloyd in Frankfurt a. M. veranstaltet auch in diesem Iahre wieder eine Reihe billiger Gesellschaftssahrten. Die Wasserkantfahrten über Bremen nach Helgoland und Rorderney finden in den Monaten Iuni, Iuli und August statt. Das Programm ist sehr reichhaltig, und vielversprechend. Im Iuli ist ferner eine Ge- sellschafksfahrt nach Tirol und im September eine solche nach Wien vorgesehen. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten. ** Gesellschaftsfahrten auf d er Tauernbahn nach den Alpenbädern und den Badeorten an der nördlichen Adria kündigt die Agentur Gießen der Hamburg-Amerika-Linie — Reisebureau Loeb — im heutigen Anzeigenteil an. Interessenten mögen der Anzeige ihre Aufmerksamkeit widmen. Aus aller Welt. Deutscher Philologentag in Wien. Vom 23. bis 25. Mai 1929 findet in Wien der 11. Derbandstag des Deutschen Philologenverbandes statt, zugleich die Feier seines 25jährigen Bestehens. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht eine öffentliche Kundgebung mit Vorträgen von Oberstudiendirektor Dr. Maier (Köln) über „Grohdeutsche Geschichte", von Landesschulrat Dr. Benda (Wien) über „Deutsche Kultur als Einheit und Mannigfaltigkeit", von Oberstudiendirektor Dr. Dehrend (Berlin) über »Deutsche Kultur- Politik". Außerdem werden die Vorsitzenden des Verbandes in einer öffentlichen Festsetzung einen Rückblick über die standespolitische, schulpolitische und wirtschaftspolitische Arbeit des Deutschen Philologenverbandes in den letzten 25 Iahren geben. Verbunden mit der Tagung sind efne Zusammenkunft mit den grenz- und auslanddeutschen Gästen, ferner Empfänge durch den österreichischen Untcrrichtsminister, sowie durch denBürgermeister der Stadt Wien. Besichtigungen der Wiener Schulen und andere Studienausflüge sind vorgesehen. Ein Weltkongreß für Vibliothckwcsen. Dom 15. bis 30. Iuni wird in Rom und Venedig unter dem Protektorat deS König- von Italien und dem Ehrcitpräsidium von Mussolini der erste Weltkongreß für Bibliothekswesen und Bibliophilie abgehalten werden. Dazu sind nicht nur alle Bibliothekare eingeladen, sondern auch die Bibliophilen und die Buchhändler. Während der Dauer des Kongresses wird in Rom eine Ausstellung stattfinden, welche die Tätigkeit jedes einzelnen Landes auf dem Gebiete der Theorie und Praxis des Bibliothekwesens veranschaulichen soll. Auf dieser AussteUung werden besonders stark auch die Industrien vertreten sein, die sich mit der Einrichtung und Ausrüstung von Bibliotheken beschäftigen. Gleichzeitig mit dem Kongreß werden außerdem Speztalaus- st e l l u n g e n von Büchern und Handschriften in 'Bologna, Florenz, Mailand, Reapel und De- nedig stattfinden. Von deutscher Seite liegen bereits jetzt zu dieser großen Veranstaltung zahlreiche Anmeldungen hervorragender Bibliophilen vor. Auch die hauptsächlichen und größten deutschen Bibliotheken haben ihre Beteiligung an den Ausstellungen zugcsagt, sie werden ihre bemerkenswertesten bibliophilen Schätze für die Dauer der Tagung und der Ausstellungen nach Rom senden. Besonders stark werden die Staatsbibliotheken Berlin und L e i p z ig an dem Weltkongreß für Bibliothekswesen beteiligt sein, da ja diese beiden Städte seit Iahrhunderten führend für das Bibliothekswesen gewesen sind. Das Ergebnis der Sonnenfinsternisbeobachtung am 9. Mai. Die totale Sonnenfinsternis, die am Himmelfahrttage in der Totalitätszone auf den Philippinen dank ausgezeichneter Witterungsverhältnisse hervorragend beobachtet werden konnte, hat nach den bisher vorliegenden Berichten die Erwartungen der Wissenschaftler in jeder Beziehung erfüllt. Die drei deutschen Expeditionen, die den Verlauf der Sonnenfinsternis auf Sumatra beobachtet haben, haben alle ihre umfangreichen Instrumente in Funktion treten lassen können. Wenn auch im gegenwärtigen Augenblick das Ergebnis der Beobachtungen noch nicht völlig übersehen werden kann, da die angestellten Berechnungen erst untereinander verglichen, die photographischen Aufnahmen erst entwickelt werden müssen, so läßt sich doch schon sagen, daß das wissenschaftliche Ergebnis als außerordentlich erfreulich angesehen werden muß und die umfangreichen Vorbereitungen — die deutschen Expeditionen allein hatten 15 000 Kilogramm Expeditionsgut mitgenommen — in jeder Beziehung gerechtfertigt waren. Man darf vor allen Dingen annehmen, daß die Prüfung des Einstein-Effektes, also die Ablenkung der Lichtstrahlen ins Schwerfeld der Sonne, geglückt ist und es der physikalischen Wissenschaft nunmehr möglich ist, die Relativitätstheorie Einsteins auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen. Berliner Börse. Berlin, 17. Mai. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Vormittagsverkehr herrscht schon eine richtige Feiertagsstimmung. Es besteht keine Rei- gung, Geschäfte abzuschließen, und die wenigen vorliegenden Orders dürften an der Börse erst zur Erledigung kommen. Die Ansichten über Paris sind auch heute geteilt. Reuhork schloß auf das Rachgeben des Tagesgeldsahes gut Sonst liegen anregende Momente nicht vor. Kurse sind noch nicht zu hören. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, den 18. Mai. Vorabend 7.45 Uhr; morgens 8.30; Predigt; abends 8.25 und 9.05. Israelitische Religlonsgesellschast. Sabbatfeier, den 18. Mai. Freitag abend 7.30 Uhr; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 9.05. — Wachengottesdienst 6.15; abends 7.15. Jean Weisel, Gleben, Sonnenstrabe 6, Telephon Nr. S, Natürliches Grösste Kilometer • : Sichten-Langholz-Verkauf. Aus der staatlichen Försterei Elpenrod, gorftort Eisenmannsberg, kommt nach- flehendes Fichten-Langholz, Güteklasse N, aus der Winterfällung 1927/28, und zwar: Ir-Kl. 5, Id-Kl. 38, 2a-KI. 98, 2d-Kl. 77, 3r-Kl. 40 und 3b-Kl. 4 km auf dem Wege b?s schriftlichen Angebots nach den für ben hessischen Staatswald vorgeschriebe- nen Verkaufs, und Zahlungsbedingungen Siim Verkauf. Die Gebote find mit der Aufschrift „Fichtensubmission" bis läng- sEins Dienstag, den 28. Mai 1929, vormittags 11 Uhr, auf unserem Amtszimmer einzureichen, woselbst die Oesfnung im Anwesenheit etwa erschienener Bieter erfolgt. Das Holz, das nur im ganzen abgegeben wird, ist geschält und muh übernommen werden, wie es im Walde liegt. Die Bieter sind drei Wochen an ihre Gebote gebunden. 43991) Zwecks Besichtigung wolle man sich rechtzeitig nur an Herrn Förster Simon zu Elpenrod, Post Nieder-Gemünden, Lelephonanruf Nieder-Gemünden Nr. 34, wenden. Grünbcrg, den 15. Mai 1929. Hessisches Forstamt Nieder-Ohmen. .... MM .und auch Ihre Töchter nn — sie klug sind. Nicht am Pfennig sparen und harten Talern nachweinen. Gute Seife nehmen und Wäsche schonen,das ist das Richtige! Nur das Gute hat Bestand. Ihre Groß mutier und Ihre Mutier haben schon mi / Salatöl \ Weinessig in nur guter, bekannter Qualität erhalten Sie stets in der Löwen -Drogerie v Wilh.KilhnißerNadif. y Seltersweg 79 a <4 j6A Arbeitsamt Gießen Nebenstelle Londorf Telephon 100. GefchästSitiinden v. 8—13 u. v. 149,-18Uhr. Zur Nebenstelle Londorf gehören die Gemeinden Ullendorf, AUertshauicn. Beuern, Climbach, (SeitSbausen, Kessel dach, Cbcubauicu, Riiddingödauieu, TraiS (Lumda), Weitershain. 44020 •o Suche noch einige Damen zum Vertrieb meiner erstklass. Gesundh.-Lelbbinden bei test. Gehalt u. Provision. Es wollen sich nur solche Damen melden, die bereits nachweislich mit gut. Erfolg in diesen Artikeln gereist haben. 03095 Vorzustellen Samstag, den ®18. d. 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Mal, nachmittags 3 Uhr statt, Fleischsalat, Heringsalat mit Mayonnaise, Oelsardinen, Sardellen, feine Wurst, viele Sorten Käse, Filetheringe in verschiedenen Soßen, Pilchardts,Fettheringe,Krabben,Hummer usw., Sardellen- u. Anchovis-Pasten stets frisch u. preiswert Im Namen der Hinterbliebenen: Marie Bommersheim Wwe. yj an Private, Ratenzahlung. Katalog 225 frei. 3tiöV Eisenmöbelfabrik Sahl (Thfirlng.) Für die zahlreichen Beweise warmer Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen, insbesondere lür die vielen Kranz- u. Blumenspenden sage ich im Namen aller Hinterbliebenen herzlichen Dank. Ochsenschwanzsuppe Paniertes Schnitzel Spinat auf Florentiner Art Bombe Tutti Frutti Allen, die mündlich und schriftlich liebe teilnehmende Worte für uns fanden, danken wir herzlich. Dr. Bogdan Nikoloff und Frau Emmy geb. Baur. Ochsenschwanzsuppe Hummerpastetchen mit frischem Stangenspargel Polnische Tunke Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes sage ich allen herzlichen Dank. Katharine Simon Wwe. y. —------matratcen ,„ Kinderbetten, Polster, Schlafzimmer,Chaiselongues Heute morgen verschied sanft, nach langem Leiden, unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Karl Otto, Lehrer i. R. Für die Beweise warmer Anteilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen Herrn Heinrich Bommersheim 8trabenmeister i. R., Veteran von 1870/71 danken herzlich ilFfbirikumlanE In6EnIeur-Schule\ Maschincn6auCiettre.\ fecnnitttoca-u. Tisfoto. \ ietreeete Licher pfingstmarki. Dienstag, den 21. Mai (3. pfingftfeiertag): Ziegen-, Lämmer-, Schweine- und Krämermarkt, verbunden mit Ziegenschau und Prämiierung unter Mitwirkung des Kreis-Ziegenzuchtvereins Gießen und der Landwirtschaftskammer. Bei Beschickung des Viehmarktes sind die seuchenpolizeilichen Vorschriften zu beachten. Ursprungszeugnisse für Züchter, Nachweis der Quarantäne für Händler. Es dürfen nur liefe aus unverseuchten Gemeinden der Kreise Gießen, Friedberg, Schotten, Büdingen, Alsfeld und Lauterbach aufgetrieben werden. 4230D Auftriebszeit von 7—814 Uhr. Nachmittags: große Volksbelustigung, Konzert und Tanz. Lich, den 8. Mai 1929. Hessische Bürgermeisterei Lich. Geil. tfEZ'M. - rvOatflCHBFr Ankauf u Umtausch ^-or, Schafwolle umpc y Wollgarne' Slricksachcn 4066A j. Mastlietfch Hackfleisch... RindSwürstch. 0.80 1.00 1.00 GieO. Fleischhalle, Walllorstr. 32 _____________________________ 03135 Empfehle für die Feiertage la Rindfleisch... Psd. 1.20 Mt. 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M Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Zreitag, <7. Mai (929 Entthronung des Goldes? Don Otto Corbach. Seit mehr als drei Monaten hält die Welt den Atem an und wartet auf den Schluhbericht der Pariser Sachverständigen-Konferenz wie auf den Spruch eines delphischen Orakels. In der Sphäre der Wcltfinanz. die für die große Mehrheit der Angehörigen aller Völker ein Buch mit sieben Siegeln ist, sollten neue Formeln gefunden werden, mit denen man die politische Unruhe bannen könnte, die die durch den Krieg entstandenen Zahlungsverpflichtungen hervorgerufen haben. Der Verlauf der Konferenz hat freilich schon bewiesen, daß es sich dabei wiederum nur um ein Trugspicl handelt. Jeder Versuch der Sachverständigen, von ihrem Sachverstand einen freien Gebrauch zu machen, scheiterte an dem politischen Widerstande der sie aus dem Hintergründe überwachenden Staatsmänner oder öffentlichen Meinungen. 3e länger sich die Beratungen hinzogen, desto mehr wich die Linie der Verständigung von der Linie vernünftiger Einsicht in die Leistungsfähigkeit des Hauptschuldners ab, und da der Hauptgläubiger nichts nachließ, indem er auf seiner Forderung, daß sich die Konferenz nur mit der Höhe der deutschen Reparationen zu befassen habe, beharrte, so droht selbst das Wenige, um das die deutschen Sachverständigen Deutschlands durchschnittliche Jahresleistungen aegcnüver den Zumutungen der Gläubiger herabgesetzt zu sehen hoffen, an deren Uneinigkeit zu scheitern. Dabei muß man noch völlig blind für die Relativität eines bestimmten Gcldausdrucks für die Leistungen eines Schuldners sein, um das Illusionäre dessen, was für Deutschland günstigstenfalls an „Schuldennachlaß" bei der Sachverstän- digen-Konferenz hcrausspringen kann, zu verkennen. Im wirklichen, und zumal im politischen Leben dienen Zahlen mehr dazu, Sachwerte zu verschleiern, als sie auszudrücken. Das, was das deutsche Volk leisten muß, um einen Jahrestribut von rund zwei Milliarden Mark ertragen zu können, kann unter Umständen nach einer Reihe von Jahren doppelt odergarmehrfach soviel sein, wie gegenwärtig. Ein überschuldetes Land gleicht einem überschuldeten Bauernhof, dem dec Steuereinnehmer die letzte Kuh aus dem Stall holt, um sie zu versteigern. Wie kann man dos, was der Steuerfiskus aus der Kuh herausschlägt, mit dem vergleichen, was sie dem Bauern wert war? Ein Volk aber, das Waren ausführen muh. um Schulden bezahlen zu können, handelt unter einem Zwange, der unter Umständen auf dasselbe hinausläuft, als wenn ihm die Waren zwangsweise abge- n o m m e n würden, um auf auswärtigen Märkten an Meistbietende verschleudert zu werden, unter Umständen unter dem Selbstkostenpreise. Für das wirkliche Ergebnis der Pariser Sach- verständigen-Konferenz bedeuten die paar hundert Millionen Mark, die wir vielleicht jährlich weniger zu bezahlen brauchen, als es ohne sie der Fall gewesen sein möchte, eine Bagatelle. Dieser Vorteil wird vielmals zu unseren Ungunsten ausgewogen durch die schroffe Zurückweisung des Versuchs Dr. Schachts, die Frage einer Erweiterung unserer Rohstoffbasis auch nur zur Erörterung zu stellen, durch die Verständigung über die Aufrichtung einer europäischen Zwingburg für die Weltfinanz und vor allem durch das Desinteressement der Washingtoner Regierung an der europäischen Landab- r ü st u n g, das zwar unmittelbar mit der Pariser Konferenz nichts zu tun hat, mittelbar deren Ergebnis aber stark beeinflussen muß. Man mag über den Vorschlag des Präsidenten Schacht, Deutschland unmittelbare Rohstoffquellen durch privilegierte Gesellschaften auf dem Boden fremder Kolonien zu erschließen, denken wie man will; sicher ist jedenfalls, daß Deutschland irgendwie versuchen muß, größeren Einfluß auf die Gestaltung der Weltmarktpreise für R o h st o f f e zu gewinnen, um nicht in Zu- Münchener Braiwürstl. Don Maxing. Mit der Stadt, mit der man lebt, ist man verheiratet. Die vollkommene Ehe besteht im Reisen. Die schönen Städte, diese reizenden, koketten, ruhigen und temperamentvollen Frauen inmitten einer Landschaft lieben daher den Fremden, denn er streckt sehnsüchtige Arme aus, um sie mit allen Vorzügen und Fehlern zu umfangen. Dann reist er wieder ab. „Hergott Sakra Kruzisixi!" ja. das war München! Heiser entquollen diese Laute dem Barte eines Gepäckträgers, dem ich meinen Koffer beim Herausreichen aus dem v-Zugfenster im Münchner Hauptbahnhof beinah auf den Kopf geworfen hätte. Fast sah cs so au8, als wollte er darob mit der rechten Hand ausholen. Aber er schwang sich brav den Koffer auf den Rücken. Herrgott Sakra Kruzisixi! Wie umrissen die drei Laute die ganze Stadt. Welch ein Wiedersehensgruß! Mit Därenslärke drückte mich der Gepäckträger schnell in ein kleines Auto, so daß mein Skalp beinahe an der oberen Wagentür hängen geblieben wäre. Aber es mußte wohl so sein, denn ein Polizist mit einer langen, silbernen, altpreußischen Spitze auf dem Helm winkte. Cs war Sonntagabend, halb elf Uhr. Da konnte man doch noch nicht schlafen gehen. Da mußte man doch noch ein Glas Bier trinken. War nicht der weihe Schaum über dem hohen, mit dunkler Flüssigkeit gefüllten Glase stets wie eine Apotheose gewesen? Zart, milchig, kühl, über den Rand quellend, wie ein Haufen feiner Spihenwäschc? Also wieder hinaus aus dem Hotel. Wie rein die Rachtluft, wie kühl, wie frisch. Am Karlsplah stand ein Mann mit einem Fernrohr. Er sah aus, als hätte ihn einst Erich Wille erfunden: klein, zusammengedrückt, mit einem grünen Lodenmantel, einem Seehundsbart, einer Bleibrille auf der Rase„ schwere Bergstiefel an den Füßen. Als sei er soeben von einem Sonntagnachmittagsausflug vvm Mars zu- rückgekehrt. Ein himmlisches Edelweiß zierte strahlend sein Knopfloch. Am Fernrohr stand, halb in der Kniebeuge, ein alter Akademieprofessor aus der Zeit um 1900 mit einem langen, breiten, grauen Bart. Ein Jägerhütchen auf dem Kopfe, um die Schultern einen dicken, von allen Röten der Zeit abgeschabten Wintermantel mit ausgerissenen Taschen. Als er den Kopf vom Oie Riesenstadt im Ruhrgebiet. Preffegeographie TLQ34- | REFELD. GLADBACH Neuss' Rhein-*- • DUISBURG" \ HAMBORN rem-\ falen SCHEID aJ----- Provinxg renne C.-R.'Castrop-Rauxel. w.* wanne-Eickel... wjJ.«waHen scheid. West- Die Riesenstadt im Ruhrgebiet. BARMEN-ELBERFELD S’-'S ©Lüden schd f^N-BUER Der dem Preußischen Landtag vorgelegte Eingemeindungsentwurf der preußischen Regierung schafft, wie untere Karte zeigt, einen zusammenhängenden Städtekomplex, das von Dortmund bis über den Rhein reicht. Die Bedcu tung dieser Neugliederung ergibt sich aus der Tatsache, daß von ihr rund 6,3 Millionen Einwohner, das ist 17 d. S). der Einwohnerzahl des preußischen Staates, betroffen werden. Die durch Zusammenlegung und Eingemeindung entstandene Verschiebung der Wohnbevölkerung der zukünftigen Stadtkreise zeigt die nachstehende Ausstellung. Bei Annahme des Gesetzentwurfes wird die Zahl der gegenwärtig im Rhein-Ruhrgebiet bestehenden 23 Landkreise um elf vermindert werden. Von den vorhandenen 29 Stadtkreisen werdest acht (Duisburg und Hamborn, München-Gladbach und Rheydt, Barmen und Elberfeld, Gelsenkirchen und Buer) in vier zusammengelegt, die Stadtkreise Osterfeld und Sterkrade nach Oberhausen eingemeindet. Einwohner (in Tausend) Stadtkreis vor der Neuglie nach der derung Essen 471 633 Dortmund 456 523 Duisburg-Hamborn 273 4- 127 481 Düsseldorf 433 465 Barmen-Elberfeld 187 + 168 406 Bochum 211 317 Gelsenkirchen-Buer 208 + 99 307 Oberhausen 105 189 München-Gladbach-Rheydt 115 + 45 193 Einwohner (in Tausend) Stadtkreis vor der Neue nach der llieberung Krefeld 131 160 Solingen 52 136 Mülheim a. d. Ruhr 127 129 Hagen 100 118 Remscheid 77 101 Wanne-Eickel 91 91 Herne 90 90 Recklinghausen 85 85 Bottrop 77 77 Witten 45 69 Wattenscheid 61 61 Gladbeck 60 60 Castrop-Rauxel 53 53 Neuß 45 48 Lünen 43 43 Zentralbanken als von den Bedingungen seiner Beschaffung und dem freien Spiel von Angebot und Rachfrage abhängt. Insoweit das der Fall ist, dient also auch eine rein rechnerische Einheit als Rückhalt für die Weltwährung, die auch ohne die Rabelschnur des Zusammenhanges mit ihrem metallischen Ursprung lebensfähig sein könnte. In der Tat wird seit einiger Zeit auch in amerikanischen Finanzkreisen die Möglichkeit eines metallfreien Geldwesens lebhaft erörtert. Während aber die Feindschaft Keynes gegen die Goldwährung darin wurzeln mag, daß die Kontrolle über sie von seinem Lande an die Union übergegangen ist, - klagt er doch beweglich über die Abhängigkeit der Dank von England von dem Federal Reserve Board —, so darf man hinter den amerikanischen Befürwortern eines metallfreien Standards ganz andere Triebfedern wittern. Würde nicht das, was die Bergleute der südamerikanischrn Goldminen mit Mühe an die Oberfläche bringen, in den Gewölben Washingtons verschwinden, so würde die Kaufkraft des Goldes seit Jahren z u g u n st e n der Schuldnerländer gesunken sein. Die Goldaufspeicherungspolitik des Federal Reserve Board kann aber einen Punkt erreichen, wo deren Rachteile die Vorteile überwögen, da es sich um ein immer kostspieligeres Verfahren dabei handelt. Dann könnte man vielleicht geneigt fein, zu versuchen, statt dem Golde d e m P a - p i c r d o l l a r einen künstlichen ile&crtocrt zu sichern. Unter feinen Umständen darf man aus der Zentrale der Weltfinanz das Heil eines der gesamten Kulturmenschheit dienlichen metallfreien Geldwesens erwarten. Soweit solche Bestrebungen vorliegen, handelt es sich im Gegenteil um die Reigung. d i e eigene Vorzugsstellung als Weltgläubiger noch rücksichtsloser als bisher auszunuhen. Das Heil Deutschlands wie aller Schuldnerländer liegt ausschließlich in der Linie eines unermüdlichen Ringens um größeren Einfluß auf weltwirtschaftliche Kraft- und weltpolitische Machtverhältnisse, da sie nur dadurch den Inhalt ihrer Schuldverpflichtungen zu ihren Gunsten verändern können. kunft bei seiner notwendigen Rohstoffeinsuhr maßlos übervorteilt zu werden. Allein das amerikanische Kupfermonopol hat uns durch seine Preispolitik eine Mehrausgabe von über hundert Millionen Mark binnen Jahresfrist aufzuhalsen versucht. Bisher hat immerhin der scharfe Gegensatz zwischen dem britischen und dem amerikanischen Imperialismus die Preise für die wichtigsten Rohstoffe auch für andere Bezugsländer unter einem starken Druck gehalten. Wie schon für Petroleum, so mag aber in absehbarer Zeit auch für andere Rohstoffe zwischen amerikanischen und britischen Interessenten eine Verständigung auf Kosten der übrigen Verbraucher erfolgen. Die Reparationsbank kann sich zu einem ungeheuren Staubecken für den Kapitalstrom entwickeln, der das europäische Wirtschaftsleben befruchten soll, so daß dieses in eine ähnliche Abhängigkeit von der Weltfirma geriete, wie die Ernährung der Bevölkerung Aegyptens von den britischen Eigentümern der Staudämme, die den Aeckern das notwendige Rilwasser vorenthalten können. Es wäre denkbar, daß die Weltfinanz einst auf den Einfall käme, die europäische Landwirtschaft durch finanzielle Trockenlegung zu ruinieren, um die europäische Bevölkerung von überseeischer Lebens- mittelzufuhr völlig abhängig zu machen. Dazu gäbe es kein wirksameres Mittel als die Reparationsbank. Der Sinn des Desinteressements der Union an der europäischen Landabrüstung nun liegt darin, daß Frankreich Aussicht hat, um den Preis einer Verpflichtung zu wohlwollender Reutralität gegenüber dem Ringm der Union nach einer Lahmlegung britischer Seeherrschaft Treuhänder für am erikanische Kapitalanlagen Fernrohr wegwandte, sah er mich, getröstet vom Ausguck in die Ewigkeit, mit idealistischem Augenaufschlag an. Der Blick in seine alten, schwimmenden Augen war mir geheimnisvoller als der Groschenblick in den Himmel. Ich folgte seinen Spuren und kam so richtig in ein Löwenbräu. Dort wurde gerade irgendein neuer „Bock'" gefeiert. Zu glänzenden, leuchtenden Klumpen geballt, von hellen, strahlenden Deckenlichtern beschienen, saßen Tisch bei Tisch, Stuhl bei Stuhl, in langen und breiten Sälen, die sonntagsfreudigen Münchner, lachten und tranken, tranken und lachten, während die schwarzen, umfangreichen Kellnerinnen gleich mächtigen Walrossen durch die schmalen Gänge schwammen. Der Sterngucker setzte sich in irgendeine Gesellschaft hinein. Der bescheidene Preuße ging wieder hinaus. Tische zum Alleinsihen werden in München nicht reserviert. Auf der Straße gab es zahlreiche Bergsteiger, unzählige Ausflügler, mit mächtig ausholenden Schritten begabt. Es mußte gerade ein Sonntagszug angekommen fein. Leder- Hosen, Kniestrümpfe, mächtige Gamsbärte an kecken, grünen Hüten. „Da ist eine Kneipe", erklärte Peter Scher, „da müssen wir hingehen." Die Türme der Lieb- frauenttrche, schwarz, nordisch, drohenden Gespenstern gleich, wuchsen über den Leib des Kirchenschiffes empor. Der Abend war kalt und es regnete. Die Kneipe gleich einem winzigen Körnchen Radium in der großen Dunkecheit. Sie strahlte. In ihren Strahlen saß am langen Holz- tisch unter vielen Münchnern ein junger Amerikaner und aß Schweinsbratwürstel vom Zinnteller. Das ist Sitte in diesem Ausschank. Er aß und aß begeistert, er trank und tränt begeistert, seine Augen wurden immer heller, sein Kopf immer röter, aber er verstand kein Deutsch, und als er gegessen hatte, machte er die seltsamsten Anstrengungen, der Kellnerin etwas zu erklären. Er deutete auf den Zinnteller. Die nächste Folge war, daß er noch mal drei paar SchweinÄrat- würstel erhielt. Auch die aßer. Aber als er dann wieder auf den Teller deutete und die Anni wieder eine neue Portion bringen wollte, hielt er den Teller mit abwehrenden Gesten eng umklammert. Ach, wenn er doch hätte ausdrücken können, was er wollte. Es wurde im Lokal herumgefragt, wer Wohl dieses seltsame Englisch verstehe, das der junge Herr spreche. Siehe, da stand Th. Th. Heine auf, näherte sich dem auf dem europäischen Festlande zu werden. Daß das allein ein vermehrter Druck der Reparationslast für uns bedeutet, das fühlt jeder Deutsche in den Fingerspitzen. Auf die Unmöglichkeit, die deutsche Leistungsfähigkeit in Ziffern auszudrücken, hat schon der englische Rationalökonom Professor Keynes immer wieder hingewiesen. Ec führt die verhältnismäßige Stabilität, die die Goldwährung vor dem Kriege dem europäisch-amerikanischen Wirtschaftsleben sicherte, darauf zurück, daß der Fortschritt in der Entdeckung von Goldminen so ungefähr dasselbe Tempo einhielt wie der Fortschritt in anderer Richtung. Das kam daher, weil mit der fortschreitenden Erschließung neuer Länder auch immer entferntere Goldlager ans Licht kamen. Diese Epoche ist vorüber. Seit einem Dierteljahrhundert sind keine neuen Goldlager von wesentlicher Bedeutung entdeckt worden. Auf der anderen Seite werden immer mehr rückständige Völker in raschem Tempo in den Kreis der modernen Kultur einbezogen. Wenn trotzdem feine Knappheit an Gold als Grundlage des internationalen Geldverkehrs eingetreten ist, so liegt das daran, weil es nicht mehr als Umlaufmittel, sondern nur noch a l s Deckung verwandt und in den Gewölben der Rotenbanken aufgespeichert wird. Keynes freilich meint, daß es auch dort nur mehr eine fiktive Rolle spielt: „Ein regulierter, metallfreier Standard hat sich unbemerkt eingeschlichen. Er besteht. Während die Volkswirte schlummerten, hat der akademische Traum eines Jahrhunderts Hut und Mantel abgelegt und Papierlumpen angezogen." Das Festhalten an einem scheinbaren Goldstandard hält Keynes für ein „barbarischcs Heber- bleibsel". Daran ist so viel richtig, daß der Wert des Goldes heute mehr von der Politik der Jüngling und erfuhr, daß er den Teller zum Andenken kaufen möchte. Der Wirt wollte aber nicht. Für wenige Mark könne der junge Mann ganz in der Rähe am anderen Tage solche Zinnteller erstehen. Aber der Amerikaner schüttelte traurig den Kopf. Es könne nur der Zinnteller sein, von dem er soeben gegessen habe. Ein anderer, auf dem feine Schweinsbratwürstl nicht gelegen hätten, habe gar keinen Wert. Schließlich hatte der Wirt ein Einsehen. Der Amerikaner glänzte. Ec packte den Teller mit einer Sorgfalt ein, wie eine Mutter ihren Säugling in Windeln wickelt, stand auf, dankte und verließ mit seligen Augen das Lokal. Er hatte keine Ahnung, daß Th. Th. Heine ihn als Modell in sein Herz geschlossen hatte. Aebrigens erzählte Peter Scher, daß in einer solchen Kneipe hin und wieder Olaf Gulbransson sitze, eine Kalbshaxe esse und dann mit seinen Zähnen den Knochen aufbeiße, daß die Splitter nur so herumflögen und in den Wänden stecken blieben, wo sie dann von Fremden zum Andenken wieder herausgezogen würden. Aus diesen Gründen sei er auch Professor geworden. Die Münchener Kellnerinnen walten in ihren Kneipen wie Aerzte im Sanatorium. Saßen da in einer bayrischen „Osteria" alte Regierungsräte, Professoren, Studenten und Schriftsteller. 3m Lokal hing ein vergilbter Gruß von Bismarck, handgeschrieben an den Stammtisch des Hauses. Die jungen, bäurisch hübschen Kellnerinnen kümmerten sich sorgsam um die alten Regierungsräte. Sie kannten jeden seit langen Jahren, wußten um ihre Leiden und schrieben ihnen vor, was sie essen durften und was nicht: „Das ist zu scharf für Jhna. Essen's doch Spaghetti. Das bekommt Jhna besser. Aber nein, Herr Geheimrat, das ist doch nichts für Sie. Da bekommen Sie nur wieder Darmkatarrh. Essen's doch frische Spargeln und Schinken." Sie sorgen sich um jeden Gast. Sie sind eigentlich gar keine Kellnerinnen. Sie gehören mit dazu, sind alle mütterlich und wie einst haben viele auch jetzt noch einen jungen Studenten, dem sie aushelfen, für den sie nähen, für den sie sorgen, mit herzlicher Zuneigung und großem Anstand und noch heute kommt es vor, daß so ein Student, wenn er sein Examen gemacht hat und Amtsrichter geworden ist, seine „Resi" heiratet Als eine Frau mit Veilchen durch das Lokal ging, schenkten wir unserer netten Kellnerin ein paar Sträußchen. Sie dankte dafür mit einem Blick, als wollte Ein neues Bismarck-Buch. Der bekannte volksparteiliche Abgeordnete von K a r d o r f f hat vier Vorträge über den großen Reichskanzler in Buchform erscheinen lassen („Bismarck", Ernst Rowohlt-Verlag, Berlin W 50.) (205) — Wer die Vorträge einst gehört hat, wird ihrem tiefen Eindruck verfallen sein: ein Mann legt von dem größten Deutschen Zeugnis ab, reich an Wissen vorn Werk und Wesen Bismarks, ehrfürchtig vor seiner Größe, innerlich ergriffen und gehoben von dieser Ausgabe. Mit Spannung folgt der Leser der glänzenden und lückenlosen Beweisführung; reizvolle Einzelzüge beleben das Bild des Großen. Ein riesiges geschichtliches Material ist gewissenhaft und mit meisterlicher Hand gruppiert. Auf jeder Seite ist spürbar, daß es der politische Sohn des getreuesten der Dismarckschen Gefolgsmänner ist, der Strich neben Strich zu einem Gemälde formt, das in der Bismarck- Literatur einen Ehrenplatz einnehmen wird. Kar- dorfss Buch wirst viele interessante Schlaglichter auf Bismarcks politisches System. Es wird mit Freimut behandelt, denn nichts ist dem Verfasser ferner, als Legenden zu stärken oder eine Parteifache au vertreten. Der Außenpolitiker Bismarck ist in den 80er Jahren ein vorsichtiger, fast ängstlicher Diplomat; die Sorge vor großen feindlichen Koalitionen liegt wie ein Alp auf seiner Brust. Der Jnnenpolitiker ist ein Kämpfer von vulkanischem Temperament. Aber: „Seine außenpolitische Gröhe war eine derartige, daß er sich gestatten konnte, im Inneren Fehler zu machen, denn alle diese Fehler hätten sich im Laufe der Jahre doch immer wieder ausgeglichen." So wird in Kardorsfs feingeschliffenen Sätzen die ganze Größe des Reichsgründers lebendig. Diese Vorträge lesen sich wie ein Kommentar zum deutschen Schicksal der Gegenwart. Was sonst in vielen Bänden verstreut ist, das hat hier ein Verehrer sie sagen, wenn ich erst Frau Amtsrichter bin, lade ich euch alle zum Kaffee ein. „Oer Man«/ der lacht." Das ist der Film, den Conrad Veidt bei seiner Rückkehr aus Hollywood nach Deutschland mit« brachte. Ein großer Historiensilm, nach Vicror Hugos vierbändigem Roman „L’homme qui rit“. Das englische Rokoko zur Zeit der Königin Anna gibt das Kostüm und das szenische Milieu für diesen Film, der aus den vier Bänden des Buck-cs eine spukhafte, halb groteske, halb schaurige Ballade macht. Das Ganze ist übrigens von Paul L e n i mit großen Mitteln, sehr sachlich und sebc geschickt, mit Phantasie und starker Spannung inszeniert. Veidt spielt den Mann, der lacht. Das ist der Sohn des Lords Ckancharlie, welcher als Aufständischer gegen König Jakob eines schrecklichen Todes durch die „eiserne Jungfrau" starb. Der Sohn wurde von Zigeunern verstümmelt: er hat zeitlebens ein lachendes Gesicht. Er muß immer ausschen, als ob er lache — er kann nicht anders. Der Film behandelt in großen Zügen feine Lebens-, Leidens- und Liebesgeschichte. Man begreift sehr wohl, was Conrad Veidt an dieser Rolle gereizt hat; aber er hat sich seine Ausgabe ungeheuer erschwert, und es ist im Laufe des Films nicht zu übersetzen, daß der berühmte Schauspieler eine gewisse Monotonie in feiner Darstellung (die als Ganzes eine sehr respektable Leistung bedeutet) nicht vermeiden konnte. Er vermag seine bedeutenden Mittel nicht vollkommen wirken zu lassen, er hemmt und begrenzt sich durch die vom Motiv aufgezwungene Starrheit der ewig lachenden Maske. Man würdigt die Leistung, die hier gegeben wird, wohl erst ganz, wenn man sich klar macht, daß der Schauspieler es hier unternimmt, eine große Rolle — so phantastisch es klingt — gewissermaßen nur mit der einen, oberen Hälfte seines Gesichtes zu spielen. Gegen Veidt tritt die übrige Besetzung ein wenig zurück. Gut ist vor allem in einer der weiblichen Hauptrollen Olga Baklanowa (Herzogin Josiana), wahrend Mary Phil bin (Dea) aus ähnlichen Gründen wie bei Veidt — sie hat eine Blinde zu spielen — eine gewisse Monotonie des Ausdrucks nicht ganz unterdrücken konnte. Ferner find Bran- don Hurst (Hofnarr) und Cesare G r a v i n a (Gaukler) in den größeren Chargen bemerfensroert Der Film läuft seit gestern im Lichtspiel- haus und verdient einen besseren Besuch, als er am ersten Tage aufoymeifen hatte. r—r— in einem knappen, schönen Buche zusammengefaßt. . DiSmarck verstehen lernen, heißt den Weg zur Realpolitik finden, heißt Waffen für eine bessere Zukunft suchen. Dem kann dieses Buch wie wenige dienen. Oberhefsen. Landkreis Gießen. ck. Heuchelheim. 16. Mai. Die seit einer Reihe von 3ahren geschlossene Kleinkinderschule hat ihre segensreiche Tätigkeit wieder ausgenommen. Welch dringendes Bedürfnis die Eröffnung der unter Leitung einer Gießener Kindergärtnerin stehende Schule war, geht daraus hervor, daß sofort 50 Kinder zum Besuch angemeldet wurden. — Am Sonntag fand im Schulsaal des Rathauses eine Ausstellung von Handarbeiten statt, welche die unter Leitung von Fräulein Liedeke stehende Handarbeitsschule im Laufe des vergangenen Jahres angefertigt hatten. Die geschmackvoll aufgebaute Ausstellung legte beredtes Zeugnis ab von dem Fleiß und dem Können von Lehrerin und Schüler. Die zahlreichen Besucher waren erstaunt über die außergewöhnlichen Leistungen, und sie verließen vollbefriedigt die Ausstellung. 4AusderRabe.au. 16. Mai. Gegenwärtig stehen die meisten frühen Sorten des Stein- und Kernobstes in voller Blüte. Wenn das günstige Wetter noch einige Tage anhält, ist nach dem baldigen Abblühen mit einer annehmbaren Ernte zu rechnen. Ein ebenso liebliches Aussehen zeigen die zur Zeit in vollem Blütenflor stehenden Ra psfeld er. die wie gelbe Flecken in der Frühlingslandschaft erscheinen. Allgemein klagen unsere Landwirte über den allmählich eingetretenen Futtermangel, eine Folge des strengen Winters. Die Heuböden sind leer, die Futterrüben, die in Kellern und Mieten mitunter stark gelitten hatten, mußten rasch verfüttert wer- den. Run herrscht allgemein Nachfrage nach Heu. Aus vorjähriger Ernte stammendes wird gegenwärtig mit 7 bis 9 Mark pro Zentner, je nach Qualität, bezahlt. v. Londorf, 16. Mai. Am Sonntag fand die diesjährige Generalversammlung der hiesigen Spar - und Borschuhkasse „R a - benau" statt. Der Vorsitzende des Aufsichtsrotes, H a s s e l b a ch, gedachte zunächst zweier im letzten 3ahre verstorbener Mitglieder, deren Andenken in der üblichen Weise geehrt wurde. Aus dem vom Rechner verlesenen Geschäftsbericht mar die erfreuliche Tatsache zu entnehmen, daß die Kasse unter einer guten Führung recht erfreuliche Fortschritte gemacht hat; sowohl Umsatz als auch Spareinlagen haben sich erheblich gesteigert. Aus dem Reingewinn kamen 10 Proz. Dividende zur Verteilung, eine ansehnliche Summe konnte dem Reservefonds zugeführt werden. Die Revision gab zu Beanstandungen keinen Anlaß. Die Kreditgrenze wurde in Anbetracht des Geldbedarfs bei größeren Geschäften und Unternehmungen pro Geschäftsanteil auf 5000 Mk. (bisher 3000 Mk.) bei genügender Sicherheit erhöht. Lehrer S t ö h r machte noch nähere Mitteilungen über die rege Benutzung der S ch u l s p a r - lasse. Für die S ch u l b i b l i o t h e k wurden 50 Mk.. statt bisher 40 Mk., bewilligt. Als Beihilfe für die Kleinkinderschule und die Krankenschwester wurden 30 Mk. bewilligt. * Beltershain, 16. Mai. Der älteste Einwohner unseres Dorfes, Landwirt Johannes S ch m i t t V., feiert am ersten Psingstfeiertage seinen 95. Geburtstag. -l Grünberg, 16. Mai. Beim heutigen Schweinemarkt waren 320 Ferkel aufgetrieben, gegenüber 607 beim Markt vor vier Wochen. Da zahlreiche Käufer erschienen waren, ging der Handel flott, und bei steigenden Preisen war der Markt bald ausverkauft. Es kosteten: Sechs Wochen alte Ferkel 40 bis 42 Mr., sechs bis sieben Wochen alte 42 bis 50 Mk., sieben bis acht Wochen alte 50 bis 54 Mk., über acht Wochen alte 60 Mk., Läufer 80 Mk. I AusdemsüdlichenKreiseGießen, 13. Mai. Das Sehen der K a r to f f e l n ist beendet. Die erste Ruhepause für den Landwirt hat begonnen. Durch die warme Witterung der letzten Tage ist alles vorzüglich gewachsen, die S o m m e r f r u ch t ist tadellos aufgegangen. Leider macht sich der Drahtwurm hier und da sehr unangenehm bemerkbar. Die jungen Pflänzchen werden gelb und sterben ab. Die Winterfrucht steht prächtig. Auch die K l e e ä ck e r sind gut vorangeschritten, nur fehlt, wie überall, ein durchdringender Regen. Die Landwirte warten auf das junge Grünfutter._ Einige Eilige hoben auch schon kleinere Baumstücke abgemäht; denn die Futternot zwingt hierzu. Da auch der Herbst 1928 sehr trocken und das Stoppelfutter sehr schlecht ausgefallen war, mußten die Landwirte von Oktober ab fast nur Heu und Runkelrüben verfüttern; da gehen nun selbst die größten Vorräte zur Reige. Auch spricht mit, daß manches durch die strenge Kälte verlorengegangen ist. 3n den Gärten werden Gurken und Bohnen gelegt. Die ersten Spargelpfeifen kommen zum Vorschein. Wie im Jahre 1917 blühen auch Heuer alle Bäume auf einmal. Birnen und S t e i n o b st haben gut angeseht, Apfel- blüten erscheinen auch, wenn auch nicht in dem Maße, wie man anfangs gehofft hatte. Wenn keine Spätfröste mehr eintreten, kann man mit einem guten Ob st ertrag rechnen. gr. ©rüningen, 16. Mai. Am Dienstag unternahmen unsere beiden Volksschul- klassen einen Tagesausslug. Die Unterklasse besuchte Bad-Rauheim, während das Reiseziel der Oberklasse Frankfurt a. M. war. Hier wurde zunächst der Zoologische Garten besichtigt, sodann führte der Weg zum Main und von hier aus zur Altstadt, wo u. a. der Römer (Kaisersaal. Kurfürstenzimmer und Sitzungssaal) und der Römerbrunnen in Augenschein genommen wurde. Für die Kinder dürfte der Besuch Frankfurts von großem Rutzen sein, da die natur- und heimatkundlichen, wie auch die geschichtlichen Kenntnisse dadurch eine wesentliche Vertiefung und Bereicherung erfahren haben. Die nicht geringen Reisekosten der Oberklosse hatten sich die Kinder im letzten halben Jahr in einer Wanderkasse gespart. df. Langsdorf, 16. Mai. Am verflossenen Sonntag fand im Saale des „Deutschen Hauses" das diesjährige Wertungssingen des Wettertal-Sängerbundes statt, zudem fünf Vereine mit rund 200 Sängern gehören. Als Pflichtchor war aufgegeben Silchers „Drauß ist alles so prächtig". Zeder Verein fang dazu ein Wahllied. Als Wertungsrichter war auch diesmal wieder Oberreallehrer Blaß, Gießen, gewonnen. 3n seiner anschließenden allgemeinen Kritik stellte er fest, daß von 3ahr zu 3ahr bei jedem Verein ein Fortschritt zu verzeichnen fei. Er ermahnte die Sänger, auf dem beschrittenen Wege weiterzuschreiten. Rach dem eigentlichen Wertungssingen wurden drei Chöre als Wassen- chöre gelungen, alsdann trug jeder Verein noch ein paar Chöre vor, die alle Zeugnis davon ablegten, daß mit Lust und Liebe die edle Songeskunst betrieben wird. s. T r a i s - H o r l o f f, 16. Mai. Die durch den Tod des Lehrers Geck erledigte zweite S ch u l st e l l e wurde jetzt dem Schulverwalter H e s s i n g e r übertragen, der sie auch inzwischen versehen hatte. — Eine seltene Raturerscheinung wurde von einem älteren Angestellten der Gewerkschaft „Friedrich" festgestellt, der täglich von einem Rachbardorf zu seiner hiesigen Arbeitsstätte geht. Er konnte wiederholt unter den Wildenten, die in dem in der Rähe der Horloff gelegenen großen Teich zahlreich vorkommen, ein weißes Exemplar beobachten. Kreis Friedberg. • Friedberg, 15. Mai. An der Lehranstalt für Obstbau und Landwirtschaft zu Friedberg fand an den letzten Togen ein Wiederholungs-Lehrgang für Baumwärter statt, nachdem der achtwöchige Baumwärterkurs mit 35 Teilnehmern in seinem ersten Teil am 27. April abgeschlossen wurde. An dem Wiederholungslehrgang nahmen dreizehn Daumwärter teil, die alle in früheren 3ahren den Baumwärterkurs an der Lehranstalt besucht hatten. Am 11. Mai wurde die Schluß- Prüfung abgehalten, zu der als Vertreter der Regierung Ministerialrat Bauer, und als Vertreter der Landwirtschaftskammer Landesinspektor Pfeiffer erschienen waren. Es wurde sowohl theoretisch als auch praktisch geprüft. Die praktische Prüfung erstreckte sich auf Pflanzen und Ausputzen der Bäume, auf Hmpfrvpfen und Schädlingsbekämpfung im Garten der Lehranstalt. Am Schluß überreichte Direktor Dr. Schad an die 13 Teilnehmer, die alle bestanden hatten, das Diplom als „staatlich geprüfter Daum- wart". Ministerialrat Dauer wies in einer Ansprache auf die große Bedeutung des Berufs als Daumwärter gerade in der 3etztzeit hin, wo es gilt, dem deutschen Obst zu einer Geltung gegen die Auslandeinfuhr zu verhelfen. WSR. Friedberg, 16. Mai. Zum gestrigen Schweinemarkt waren 418 Ferkel aufgetrie- ben. Bei lebhaftem Geschäft wurden bezahlt für sechs Wochen alte Tiere 35 bis 40 Mk., für sechs bis acht Wochen alte 45 Mk., für acht bis zwölf Wochen alte 45 bis 60 Mk. Der Markt wurde geräumt. Kreis Bübingen. * Ortenberg, 14. Mai. Am Sonntag versammelte sich der hiesige evang. Frauenverein im Hirzelschen Saale zur üblichen 3ah- resfeier bei Kaffee und Kuchen. Aach bem gemeinsam gesungenen Liede „Lobe den Herren" begrüßte der Geschäftsführer, Pfarrer Letzing, die Anwesenden, verlas den 3ahres- und Kassenbericht, gedachte der verstorbenen Mitglieder und sprach den Wunsch aus, daß die Arbeit des Vereins weiter wie bisher dem evangelischen Gemeindeleben Ortenbergs zum Segen gereichen und sich im Anschluß an den Verein eine 3ungfrauen- gruppe bilden möge. Die Ehrenvorsitzende, 3. D. Prinzessin Ernst zu Stolberg-Roß- l a, die am Erscheinen verhindert war, hatte ein Degrüßungstelegramm gesandt. Verschönt wurde die Feier durch den klangreinen, erhebenden Gesang von Frl. Göllner, begleitet von ihrer Schwester am Klavier, und durch das stimmungsvolle Violinsolo von Frl. Lili Dauer, begleitet von ihrer Mutter, Frau Direktor Dauer, und Frl. D a v i d s o h n. Rach einem kurzen Schlußwort des Pfarrers sand die Feier mit dem gemeinsamen Choral „Großer Gott, wir loben dich" einen würdigen Ausklang. s. D e r st a d t, 16. Mai. 3m Alter von 92 3ahren verstarb hier der Landwirt L u d w. Horn, der zweitälteste Einwohner unseres Ortes. Er war vor fünf 3ahren erblindet. Das älteste Glied unserer Gemeinde, der Landwirt Heinrich Storck, ist trotz seines hohen Alters von 94 3ahren noch rüstig und geht fast täglich aus. Er ist im näheren Umkreis der älteste Mann überhaupt. Kreis Schotten. □ Laubach, 15. Mai. Eine genußreiche Wanderung unternahm am Sonntagmittag der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs unter Führung von Professor R o e s ch e n. Durch die im prächtigsten Maiengrün strahlenden Waldungen wanderte man zunächst zur Engelburg. Der Führer teilte mit, daß man diese Anlage früher irrtümlich für eine mittelalterliche Durg, für den Sih der Edel- Herren von Engelhaufen gehalten habe. Diese Annahme finde sich in Glasers „Vogelbärbchen", wie auch im „Archiv für Hess. Gesch." (XV, 434). 3n Wirklichkeit habe hier ein gräfliches „Lust- Haus" gestanden, wie solmsische Archivalien bezeugen. Der bastionierte Wall und Graben fei höchstwahrscheinlich um das 3ahr 1545 vom Grafen Reinhard zu Solms errichtet worden, dem Erbauer der Festung 3ngolstadt, wo man ein Denkmal von ihm findet. Von der Engelburg aus nahm man den hefs.-solmfischen Grenzweg bis zum „Sennküppel". Man verlieh dann diese Waldschneise, um die kunstvolle Anlage der Rau- heimer Wasserleitung im oberen Lautertal zu besichtigen Sodann zeigte der Führer die Schanze auf dem „Sennküppel" bei Wetterfeld. Sie wird im Volksmund „Schwedenschanze" genannt, gehört jedoch nicht dem 30jährigen, sondern dem 7jährigen Kriege an, wo Ferdinand von Braunschweig vom 8. bis 11. September 1762 eine befestigte Stellung inne hatte; Laubach bildete den linken Flügel, in Grünberg war das Hauptquartier. Sodann durchschritt man den Wald gegen Wetterfeld. Am Waldesrand zeigte Prof. Roe sch en die Spuren des „alten Hammers". Man sieht noch deutlich das frühere Bett der Lauter und die Stelle, wo das Rad des Hammerwerks ging. Der Hammer muh spätestens um 1700 eingegangen sein. Heber Wetterfeld erfolgte dann die Heimkehr nach Laubach. V Gedern, 15. Mai. Der hiesige P r ä m i i e - rungsmarkt hatte wieder außerordentlich starken Besuch aus der Hmgegcnb zu verzeichnen und war für unsere Stadt ein guter Erfolg. Der Pferdemarkt war sichtlich durch den zu gleicher Zeit in Frankfurt a. M. stattgefundenen Pferdemarkt beeinflußt, aber doch immerhin noch befriedigend. Der Handel war lebhaft. Der Haupttag war der Dienstag, da hier die Prämiierung von Rindern der Simmentaler und der Vogelsberger Raffe, sowie von Ziegen ftattfanb. Auch an diesem Tage war der Handel sehr lebhaft, und es wurden viele Verkäufe ge- 1 tätigt. Schweine waren im ganzen 549 Stück Schach-Ecke. Gearbeitet von W Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 212. Weiß zieht und seht in zwei Zügen matt. Weih: 8 Steine. Kh6; Dd7; Ta4, g5; Le6; Sa2, cl; Bd6. Schwarz: 7 Steine. Kd4; Db4; Sa8; Ba5, d2, e2, e3. 8 6 5 2 4 3 g n 8 5 3 4 2 1 d e Weih. Don F. Sackmann. Schwarz, c d e t g h a b a b 7 8° Endspiel Nr. 74. Weih: 3 Steine. Kc8; Tf7; Bc7. Schwarz: 3 Steine. Ka6; Tc2; Bf2. Ein äußerst lehrreiches Endspiel. 8 6 5 4 3 2 ? 1 a a b g h h 8 6 5 3 2 4 gewinnt. Don Dr. E. Lasker. Schwarz, c d e f ■f g b c d e Weiß. Weih am Zuge Lösung der Aufgabe Ar. 209. Don O. Remo. 1. Sd8-e6! (Mit der Drohung 2. Dh3+ nebst 3. Dd3 matt). 1. . . ., Ke4. 2. Dxg2+, Kf5. 3. Sg7 matt. 1. . . ., Kxe6. 2. Df3, beliebig. 3. De4 matt L ... , 114. 2. Dxd3-|-, beliebig. 3. De4 oder Sf6 matt. Oie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedakttonStisch. Theater-Genuh. Krümmel, ein eifriger ©eefabrer, besucht in einer Hafenstadt zum ersten Male ein Theater. „Die Stumme von Portici" steht auf dem Zettel. Krümmel setzt sich in den zweiten Rang. Ganz vorn an die Brüstung. Als nun Masaniello mitten in der Schlummer- Arie ist, bricht plötzlich die überfüllte Galerie zusammen, und Krümmel saust in die Tiefe. Wie durch ein Wunder kommt er ohne Verletzung davon und freut sich mächtig seines Erlebnisses. Dann fährt er wieder mehrere 3ahre zur See, bis er eines Tages in einem Hafen lieft: „Heute! Die Stumme von Portici!" Kaum hat Krümmel das gelesen, nimmt er seinen Freund unter den Arm. „Das ist ein feines Stück," schiebt er mit ihm ins Theater, „das muht du dir ansehen." Sie setzten sich wieder in den zweiten Rang. Ganz vorn an die Brüstung. Während des ersten Aktes gähnen sie gelangweilt. Kaum aber beginnt Masaniello feine Schlummer-Arie, stößt Krümmel seinen Freund an: „So, 3unge, und nun halte dir feste! 3etzk geht's los!" J. H. R. Die Rachlglocke. Morgens gegen zwei Uhr wird stürmisch die Glocke der Rachtapotheke geläutet. Der Provisor öffnet die Klappe. Ein elegant gekleidete« Mann steht draußen. „So schnell wie möglich ein bißchen Heftpflaster!" fordert der Kunde. Der Provisor stürzt davon und kehrt in der Sekunde mit einem Pflasterröllchen wieder. „Eigentlich geben wir solche Kleinigkeiten in der Rächt nicht ab,“ sagt er, „aber da es sich um einen dringenden Fall handelt. . .“ „Hm einen äußerst dringenden Fall," bestätigt der Klient. „3ch muß einen Eilbrief wegschicken, und die Gummierung hinten am Kuvert klebt nicht!" (Lust. Dl.) Inschrift. 3m März war ich in Italien. Pendele auf dem Fahrrad von Ort zu Ort. 3n Sizilien will ich in einem kleinen Hotel übernachten. Heber dem Schanktisch hängt, In Del gemalt, ein riesiges Plakat mit der Aufschrift: Oh, meide diese Stätte, Rur Läuse sind im Dette. „Ranu?" frage ich den Wirt, „was soll das Schild? Wer spricht hier deutsch?" „Riemand spricht hier deutsch," sagte der Wirt. „Aber im Herbst war ein deutscher Maler hier, der hat mir den schönen Spruch gemalt. Die 3nschrist heißt: „Lang lebe der Duce, der Retter 3taliens!" H. R. auf getrieben; der Markt war um 11 Hhr bereits I völlig ausverkauft, trotz der recht stattlichen Preise. Für 6 Wochen alte Ferkel wurden 38 bis 40 Mk., für 8 Wochen alte Springer 48 bis 55 Mt. bezahlt. Schon lange vor der festgesetzten Auftriebszeit standen viele der zur Prämiierung gemeldeten Tiere vor der Sperre. 3m Vergleich zum vorigen 3ahre war diesmal fast die doppelte Anzahl von Bullen, Rindern und Kühen mit zusammen 167 Stück zur Prämiierung aufgetrieben worden. Die Vogelsberger Rasse übertraf an Zahl die der Simmentaler. Die Preisrichter waren vor eine schwere Aufgabe gestellt, da durchweg nur erstklassiges Vieh zur Stelle war. Die bekannten Züchter aus den Hochzuchtgebieten Angersbach, Bannerod, Rudingshain, Hof-Zwiefalten, Wenings, Eichelsachsen usw. waren mit ihrem Vieh zugegen. )—( Ruppertsburg, 15. Mai. Hnsere B e- zugs- und Absatzgenossen schäft hielt dieser Tage unter Leitung des Vorsitzenden Wilhelm Lein ihre zehnte ordentliche Generalversammlung ab. Wilhelm Lehr II erstattete die Rechnungsablage, die einen Reingewinn von 301,09 Mk. ergab. Die Zahl der Genossen ist mit 83 im abgelaufenen Geschäftsjahre unverändert geblieben. Bei der Wahl wurden Friedr. Geihll. als Vorstands- und Friedr. Weber als Aufsichtsratsmitglied einstimmig wiedergewählt. I Ober-Lais, 15. Mai. Der Bezirk Ridda der Krieger k a m eradschaft „Hassia" hielt feinen diesjährigen Bezirks- t a g hier ab. Alle Kriegervereine des Bezirks hatten Vertreter entsandt. Der Dezirksvorsteher, Oberjustizinspektor Geiger (Ridda), leitete die Versammlung. Die Anträge für den am 9. 3uni in Worms stattfindenden Verbandstag wurden eingehend beraten und auf Anregung von Pfarrer Weidner aus Ober-Lais beschlossen, einen Dringlichleitsantrag cinzubringen, der besagt: „Der Vcrbandstag möge alle notwendigen Schritte unternehmen, um eine Aenderung der Kriegä- versorgungsgesehe durch den Reichstag baldigst herbeizuführen." Der Bezirk Ridda entsendet zum Hassia-Verbandstag in Worms Dezirlsvorsteher Geiger (Ridda) und Kamerad Schneider (Hnter-WidderLheim). Der Bezirksschießmeister Reih (Dorsdorf) sprach über den Stand des Kleinkaliberschießens in den Vereinen. Der nächstjährige Bezirkstag soll in Blofeld abgehalten werden. Der Bezirkstag wurde umrahmt von Musikvorträgen des Musikvereins Ober-Lais und Liedern, die der Gesangverein „Liederfreund" zu Gehör brachte. Der Kriegerverein Ober- Lais hatte mit dem Bezirkstage die Feier seines 40jährigen Bestehens verbunden. Schon vor Beginn des Bezirkstages hatte ein Festzug durchs Dorf unter Vorantritt der Musikkapelle die Bedeutung des Tages unterstrichen. Am 1. 3anuar 1889 war der Kriegerverein Ober-Lais auf Anregung des Lehrers Ludwig gegründet worden. Don den 41 Gründern sind noch 14 am Leben, denen das golbene Abzeichen der „Hassia" für 40jährige Mitgliedschaft feierlich überreicht wurde. Lehrer L R. Ludwig war eigens zu dieser Feier aus Heidelberg, wo er für seinen Lebensabend feinen Wohnsitz auf» geschlagen hat, hergekommen. Er erinnerte in einer Ansprache an die Zeit der Gründung des Vereins, an die schon nach zwei 3ahren ermöglichte Beschaffung einer eigenen Fahne und sprach Worte der Freude darüber, daß es ihm vergönnt sei, wieder einmal im Kreise der alten Freunde zu weilen. Die Festansprache hielt Pfarrer Weidner, der unter den Stichworten „Still- gestanden" und „Vorwärts marsch" Rückschau und Ausblick für den 3ubelverein gab. Auch diese Feier wurde durch die Mitwirkung der Musikkapelle unter Leitung ihres Dirigenten Rudolf Hirz und des Gesangvereins „Liederfreund" unter Leitung von Lehrer Ströhinger verschönt. Das Präsidium der Kriegerkameradschaft „Hassia" ließ dem Kriegerverein Ober-Lais durch den Dezirksvorsteher Geiger einen Fahnennagel überreichen. r. Hnter-Seibertenrod, 16. Mai. Untere Gemeinde faßte den bemerkenswerten Beschluß, das Freilaufen der Hühner zu verbieten. Sie will damit erreichen, daß der Hühnerzucht im Zwinger eine größere Beachtung geschenkt wird, so daß sich von feEbfti eine rationellere Zucht reiner Rassen ergibt Der größte Teil der Landwirte ist mit dem, Vorgehen einverstanden und legt größere Hühnerställe an, derart, daß den Hühnern ein freier Auslauf in genügender Menge zur Verfügung steht. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. d. Ohm, 15. Mai. Alsbald nach der Gründung der hiesigen ©anitäts- tolonne wurde mit der Frei w. Feuerwehr eine Arbeitsgemeinschaft in der Weise gebildet, daß bei den Hebungen der Wehr stets einige .Mitglieder der Sanitätskolonne in voller Ausrüstung anwesend sind, um im Notfälle helfend eingreifen zu können. An dem am Sonntag in Ermenrod abgehaltenen Feuerwehrfest, das von unserer Feuerwehr stark besucht war, nahmen auch sechs Mitalie- der der Kolonne teil. Keiner der übrigen Wehren waren Sanitäter angegliedert. Fielen diese schon durch ihre Uniform auf, so machten sie durch ihr geschicktes Auftreten und ihre vorzügliche Haltung der Kolonne alle Ehre. Zum Glück brauchten sie nicht in Tätigkeit zu treten, aber dem Führer Waldschmidt und seinen fünf Begleitern gebührt volle Anerkennung für ihr Auftreten bei dieser Veranstaltung. N3, Burg-Gemünden, 15. Mai. Die Molkerei Rieder-Gemünden und Umgebung hielt dieser Tage ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung unter Leitung von Bürgermeister Lutz, Elpenrod, ab. Aus dem Reingewinn erhält jedes Mitglied eine nach der Kopfzahl bemessene 'Dividende, ferner erfolgt noch eine Rachzahlung auf die angelieferte Milch. 3m verflossenen Geschäftsjahre wurden von etwa 400 Lieferanten 1,9 Millionen Liter Milch an- geliefert. Die Berichte des Vorstandes wurden genehmigt. Bei der Reuwahl von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern wurde für das ausscheidende Mitglied Hesse, Otterbach, Bürgermeister Musch, Hainbach, gewählt. Die sahungs- gemäß ausscheidenden Mitglieder Decker, Mcüll- vach, und Hederich, Dleidenrod, wurden einstimmig wiedergewählt. Schließlich wurde noch über den Dau einer Käserei, für den ein Äre* Nt Mm etwa 30 000 Mar? erforderlich ist. verhandelt. Da dies« Angelegenheit jedoch nicht auf der Tagesordnung stand, war eine Beschluß- fassung nicht möglich. (•) Ermenrod, 15. Mai. Am Samstag fand hier der Verbandstag der Feuerwehren des Kreises Alsfeld statt. Die Verhandlungen wurden geleitet von Regierungsrat Strack, dem Deferenten für das Feuerlöschwesen bei dem Kreisamt Alsfeld. An Mitglieder von mehreren Wehren konnten für ^jährige Mitgliedschaft Ehrendiplome ausgehändigt werden. Nachmittags führte die hiesige Freiwillige Feuerwehr eine Musterübung aus. Dabei wurde auch die Motorspritze unseres Kreises vorgeführt. Anschließend bewegte sich ein Festzug durch die Ortsstraßen noch dem Festplah, wo allgemeines Volksfest stattfand. mr. Grebenau, 15. Mai. Die hiesige S p a r- undDarlehnskasse hielt dieser Lage ihre ordentliche Generalversammlung ab. Der Geschäftsbericht des Dorstandes und die Bilanz bewiesen, daß sich die Kasse auch im (Zähre 1928 günstig weiter entwickelte. Es wurde ein Reingewinn von 1772,39 Mark erzielt. Auf Beschluß der Versammlung werden davon je 500 Mark dem Reservefonds und der Betriebsrücklage zugewiesen. Der Restbetrag wird als Dividende den Geschäftsguthaben der Genossen zugeschrieben. Kreis Lauterbach. Lauterbach, 16. Mai. In der jüngsten Sitzung des Stadtvorstandes unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Walz wurde auf Vorschlag der Finanzlommission beschlossen, für Großabnehmer der Elektrizität allgemein eine Ermäß igung des Licht st rompreis e 8 eintreten zu lassen. Es wurde folgende Staffelung genehmigt: Bei einem Verbrauch bis 1000 Kilowattstunden 40 Pf. je Kilowattstunde, von 1001—1500 Kilowattstunden 35 Pf., von 1501 bis 2000 Kilowattstunden 30 Pf., von 2001 bis 2500 Kilowattstunden 25 Pf., über 2500 Kilowattstunden 22 Pfennig. Eine Anfrage des Gemeinderats Maurer, wie sich diese Staffelung für die Stadt in finanzieller Beziehung auswirke, beantwortete der Bürgermeister dahin, daß hierdurch der Stadt ein Stromgeldausfall von etwa 1200 bis 1500 Mark entstehe. — Der Bürgermeister berichtete weiter über die beabsichtigte Erbauung einer Jugendherberge und dir in dieser Beziehung mit dem Iugendherbergsverband stattgehabten Besprechungen. Rach den Ausführungen des Bürgermeisters kann die Jugendherberge nicht mehr länger in der Turnhalle verbleiben, da dieser Raum vom Turnverein dringend benötigt wird. Infolge der Wohnungsnot ist es auch unmöglich, anderweitig geeignete Räume zu beschaffen. Der Jugendherbergsverband beabsichtigt deshalb, in Lauterbach eine neue Jugendherberge zu errichten, jedoch unter der Voraussetzung, daß sich die Stadt an den entstehenden Kosten beteiligt. Die Finanzkommission empfahl, den Bauplatz, sowie die Mauer- und Tuffsteine unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Der Stadt entsteht hierdurch ein Kostenaufwand von etwa 1000 Mark. Der Vorschlag der Finanzkommission wurde zum Beschluß erhoben. — Zur Umwandlung der vorläufigen Gewerbe st euern für 19 2 8 in endgültige Steuern wurden folgende Ausschlags- sähe beschlossen: 1. von je 100 Ml Gewerbekapital 30 Pf., 2. von je 100 Mk. Gewerbeertrag 120 Pf. Es sind dies dieselben Sähe, wie sie bereits fürs Rechnungsjahr 1929 beschlossen wurden. — Der Bürgermeister machte ferner noch Mitteilung über die beabsichtigte Gründung einer Straßen-ReinigungS-Gesell- schäft durch die Firma Krupp, wobei an eine allgemeine Straßenreinigung und -spren- gung, insbesondere Mittwochs und Samstags, gedacht ist. Preußen. Kreis Wetzlar. 0 Krofdorf, 16. Mai. Förster Hoch- heiser sah am Dienstagabend, als er mit seinem Motorrad nach Forsthaus Waldhaus fuhr, mitten im Walde plötzlich einen st a r k e n R e h b o ck auf der Straße unmittelbar vor s i ch stehen. Das Tier war durch das Getöse des Rades und durch den grellen Lichtschein fo er« schreckt und geblendet, daß es nicht wich, noch wankte. Der Förster konnte trotz starken Bremsens einen Zusammenstoß nicht vermeiden, der für ihn glücklich ablief, den R e h - bock aber schwer verletzte, so daß nichts anders übrig blieb, als dem Tiere den Fangschuß zu geben. > Wißmar, 16. Mai. Aus der jüngsten Sitzung der hiesigen Gemeindevertretung ist u. a. folgendes zu berichten: Im ilmlegungs- versahren ist der Gemeinde ein an der Straße nach Salzböden schön gelegener, geräumiger D e - gräbnisplah angewiesen worden, der im vorigen Jahre mit den erforderlichen Wegeanlagen und mit einer Einfriedigung versehen wurde. Da der alte Friedhof nahezu ganz belegt ist und in Kürze geschlossen werden muß, wird nunmehr für dieses Jahr die zu der neuen Ruhestätte führende Straße zum Ausbau vorgesehen. — DaS für bestimmte Gewerbebetriebe bisher sehr niedrig gehaltene W a s s e r g c l d wurde dem allgemeinen Verbrauch dieser Betriebe entsprechend erhöht. — Der letzte in unserer Gemeinde noch vorhandene Drandweiher soll beseitigt werden, da unsere Wasserleitung ausreichenden Brandschutz gewährt. — Die Kosten sür A n s ch l u ß l e i t u n g e n an das elektrische Ortsnetz fallen von jetzt ab den betreffenden Interessenten ganz zur Last. den unschädlichen oof • feinfreien Kaffee Hag. 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Rach einleitenden Liebungen aus dem Gebiet der Körperschule wurden die allgemeinen Stabübungen für das 9. Gau-Frauenwetkrirnen, das vom Tv. L ich für den 1. September vorbereitet wird, eingehend behandelt und bis zur rhythmischen Wiedergabe nach Musik hinaufentwickelt. 2m Volkstanz unterrichteten in drei Tanzkreisen der Gauwart, die Abteilungsleiter Hch. Schnei- d e r vom Tv. Wetzlar und Frl. Luise Schwarz von der Tgde. Friedberg. Die Pflichtübungen für die verschiedenen Stufen des Wettkampfs am Beck, Barren und Pferd, sowie die Pflichtfreiübung wurden erläuternd durchgeturnt und fest- gelegt, während die Pflichtstabübung später den allgemeinen Stabübungen entnommen wird. An volkstümlichen Liebungen wurden in den Mehrkampf eingegliedert Kugelstoßen. Weitsprung und 75-Mcter-Lauf, die wiederum in Verbindung mit Hochsprung zu einem in sich abgeschlossenen volkstümlichen Vierkampf zusammengefaßt werden, der für alle Stufen offen ist und n«tch den Maßen der Oberstufe gewertet wird. Mit einer Besprechung, insbesondere der Gauwettkämpfe, schloß der Gauwart die anregende Arbeitstagung. Schwimmen im Gau Hessen D. T. -o- Jin Städtischen Schwimmbad zu Gießen fand am Sonntag unter Leitung des Gauschwimmwartes Franz Sauer (Gießen) eine planmäßige Gau- B o r s ch w i m m e r st u n d c statt, die vorwiegend für Turnerschwimmcr in leitender Stellung und für Kampfrichter bestimmt und von den Schwimmabteilungen der Gauoereine zahlreich beschickt war. Im Mittelpunkt der praktischen Arbeit stand die Vorbereitung auf die Wettkämpfe für das Gauschwimmen, das diesmal wieder mit den großen turnerischen Wettkämpfen im Gau verbunden wird, zumal die Gaufeststadt Alsfeld eine Schwimmanlage zur Verfügung stellen kann, die bei einer Kampfbahn von 50 Meter Länge und einer Tiefe von 3,50 Meter mit zureichender Sprunganlagc allen Anforderungen entspricht. Zur Bewerbung sind 15 verschiedene Wettkämpfe ausgeschrieben, die am Sams- tag, 20. Juli, als Auftakt zum Gaufest ausgetragen werden. Außer je einem Mehrkampf (Brust- und Rückenschwimmen, Streckentauchen und Springen) für die Unter-, Mittel- und Oberstufe der Schwimmer und Schwimmerinnen ist auch ein entsprechend abgcstufter, für die Jugendklasse (Jahrgang 1912 bis 1915) und für die Altersklasse (Jahrgang 1894 und früher) vorgesehen. Unter den an Ausdehnung und Art verschiedenen Staffeln wird die Hessenstafsel mit 1500 Meter, an der zehn Schwimmer zu je 50 Meter und ebcnsoviele Läufer zu je 100 Meter beteiligt sind, erhöhte Anteilnahme auslösen. Nachmittags vereinigten sich die Teilnehmer zu dem jährlichen G a u s ch w i in m e r t a g , bei dem der Gauschwimmwart seinen Jahresbericht erstattete. In der Aussprache wurde eindringlich darauf hin- gewiesen, daß die Schwimmabteilungen bei aller Pflege ihrer schönen Fachleistungcn sich nicht zu einem Verein im Verein entwickeln, sondern die lebendige Verbindung mit dem allgemeinen Turn- betrieb'ihres Vereins aufrcchterhaltcn sollen. Jeder Turner soll ein Schwimmer werden, aber jeder Schwimmer soll auch ein Turner bleiben. Die Entwicklung geht dahin, daß das Schwimmen ein wesentlicher Bestandteil des turnerischen Mehrkampfes, insbesondere in seiner volkstümlichen Ausprägung, wird: so ist z.B. in den Kampfspielen der D. -t. Nachdruck verboten. 30 Fortsetzung. Roman einer Rächt Von Paul Rosenhayn. „3d) weiß nichts von einer politischen Mission, antwortet Riedinger. , -. .Rein," sagt mein Mann, „hier sprechen Sie vielleicht die Wahrheit. Der einzige, der keine Rolle in diesem Drama hatte, waren Sie. Muß ich es wirklich in allen Einzelheiten aufrollen? Riedinger zuckt die Achseln. „Run gut, wenn Sie es nicht anberä wollen Also dieser Boris Remisow war Beauftragter eines zaristischen Klubs. 3hm war der Plan eines zaristischen gegenrevolutionären Putschcs anver- traut. Man hatte ihn nach Skandinavien geteuft, er sollte die Einzelheiten mit den skandinavischen Mitgliedern des Klubs besprechen. Lind nun kommt der Gegenschlag: die ®cgenbartei erfuhr von Remisows Mission: sie erfuhr welch kos^ baren und gefährlichen Schah Remisow mit sich führte — und sie setzte alles daran, Remisows Putschplan in ihre Hände zu bekommen. Zuerst mit Güte, Herr Riedinger. jawohl, Sie, Herr Riedinger, wurden nach Kopenhagen entsandt. Sie sollten Herrn Remisow jede Summe bieten, tDenn er Ihnen die Pläne aushändigte. Remisow lehnte ab. Riedinger verdoppelte sein Angebot. Remisow sagte: Rein. Run kam Marfa Ermolieff. Denn die Gegenpartei wußte, daß eine schöne Frau manches vollbringt, was einem Manne unmöglich ist. — Marfa Ermolieff wurde mit a[[en Geldmitteln ausgestattet, die ein kostspieliges und mondänes Leben ermöglichen. Sie nahm Wohnung im Grand-Hotel: sie machte auf geschickte und unauffällige Weise die Bekanntschaft ihres Landsmannes Doris Remisow. Sie hatte die Aufgabe, ihm die Papiere abzunehmen. Lind nun kommt die tragische Wendung: Marfa Ermo- liess verliebte sich in ihr Opfer." „Mein Gott!" sagte Linda. „Sie verliebte sich in Remisow, und sie erklärte ihren Auftraggebern, sie vermöge nicht, diesen Mann ins Unglück zu bringen. Run kam der dritte und entscheidende Schlag: Fedor Sokoloff trat auf den Plan. Turnen, Sport und Spiel. in Breslau 1930 das Schwimmen in den Sechskampf der Turner und in den volkstümlichen Mehrkampf der Turnerinnen ausgenommen worden. In gleichem Sinne haben bei dem Gaufest zu Alsfeld alle Schwimmer des Gaues Hessen an den allgemeinen Freiübungen der Turner teilzunehmen, und ihre Urkunden und Kränze werden gemeinsam mit denen aller übrigen Turner im Rahmen der allgemeinen Siegerverkündigung ausgcgebcn. Das Wasserballspiel ist in seiner Entwicklung soweit fortgeschritten, daß Spielrunden innerhalb des Gaues eingerichtet werden, und zwar in der für Handball gesperrten Jahreszeit (Juni bis August). In der ^-Klasse spielen Tv. 1846 Gießen, To. Wetzlar und Tgde. Friedberg: in der 8-Klasse alle übrigen Schwimmabteilungen und die zweiten Mannschaften der Vereine aus der ^-Klasse. Die Endspiele in beiden Klassen werden beim Gauturnfest zu Alsfeld ausgetragen. Zur Unterstützung des Gauschwimmwartes wurde ein Gauschwimmausschuß gebildet, in den Aug. Balser (Tgde. Friedberg), Fricdr. Eifert (To. Lauterbach) und Ferd. Götz (Tv. Wetzlar), gewählt wurden. An dem kreisoffenen Schwimmwettkampf, den die Marburger Turnerschaft für den 23. Juni vorbereitet, wird sich auch der Gau Hessen beteiligen, ebenso an den Wettkämpfen um die M e i st e r s ch a f t e n des 9. Kreises (Mittelrhein) am 27. und 28. Juli zu Frankfurt a. M. Turnerfechien. Der Gau Hessen unterliegt im Gaukampfe gegen Frankfurt. bpw. Wie wir seinerzeit berichteten, trafen sich am 17. März in Bad-Rauheirn die besten Altmannen der Gaue Hessen und Frankfurt a. Main zu einem Gaumannschaftskampf im Florett. Damals war die Ausgeglichenheit des Kampfes überraschend. Mit 18 zu 18 Siegen wurde das Treffen auf Llnent schieden gestellt. Der Rückkampf, der jetzt in Frankfurt ausgetragen wurde, brachte wieder 36 Einzelgefechte, die einen ganz vorzüglichen Sport boten. Die Leitung der Veranstaltung lag in Händen von Dippei (Frankfurt a. M.). Die Hessen - mann schäft setzte sich wie folgt zusammen: L. Gerhardt, Tv. 184b Gießen: K. Kühn, Tgm. Friedberg: Karl Mulch, Tv. Wetzlar: Gg. Schu- chardt, T. u. Spv. Marburg: K. Hahn. Tv. 1860 Bad-Rauheim: Peter Pfeffer, Tv. 1860 Bad- Rauheim. Diesmal muhte sich die Hessenmannschaft mit 21:15 geschlagen bekennen. Wenn Kühn (Friedberg), der beim Vorkampfe vier Siege, jetzt aber nur einen Sieg errang, und der mehrmalige Gaumeister Hahn (Dad-Rauheim), der es ebenfalls nur auf einen Sieg brachte, sich besser geschlagen hätten als man erwarten durfte, wäre auch jetzt ein Ausgleich leicht herbeizuführen gewesen. Die Hessenmannschaft wurde am würdigsten vertreten durch S ch u ch a r d t (Marburg) und Pfeffer (Bad-Rauheim), die je vier Siege errangen (beim Vorkampf vier bzw. drei). Tapfer hielt sich auch der Wetzlarer Mulch mit drei Siegen. Gerhardt (Gießen) brachte es beim Dorkampfe auf zwei Siege. Der beste Frankfurter war Gluck (Tgm. Eintracht) mit fünf Siegen. Turngau Lahn Oünsberg. Spielersihung In Allen darf (Lda.). Am Sonntag fand in Allendorf a. d. Lda. eine Spielersitzung statt, in der von handball- spielenden Vereinen vertreten waren Allendorf. Garbentcich. Kinzenbach. Londorf, Wieseck: neue Vereine: Beuern und Staufenberg, zu denen noch höchstwahrscheinlich Dorlar und Rodheim hinzukommen. Für Faustball waren nur Launs- bach und Hausen vertreten. Auf der Tagesordnung stand als Punkt 1: Letzte Handballrunde: Das am Himmelfahrttag in Garbenteich abgebrochene Spiel Kinzenbach-Garbenteich wird an einem noch zu bestimmenden Termin auf einem neutralen Platze wiederholt. (Zu dem am Dienstag im „Gieß. Anz." erschienenen Bericht über das Spiel Garbenteich — Kinzenbach ist zu bemerken, daß bad Resultat nicht 3:2 für Garbenteich, sondern 2:2 (1:1) lautete.) Der Tabellenstand ist folgender: 1. Londorf, 2. Garbenteich mit 2 Spielen im Rückstand. Der Gau- meister im Handball und Faustball fährt am 14. 3uli nach Dorheim (Gau Wetterau) zur Austragung der Verbandsmeisterschaftcn. Punkt 2: Faustballmeisterschaften: Die Faust- ballmeisterschaft, zu welcher der Termin noch bekanntgegeben wird, wird wahrscheinlich auf dem Wiesecker Platz zur Durchführung kommen. Punkt 3: Wahl eines neuen Spiel- warts: Vorgeschlagen wurde D r o l s b a ch, Garbenteich. Punkt 4: Von der neuen Spielserie ab werden die bereits den Vereisten zugeschickten Spielerpässe in Kraft treten. Handball Tv. Radheim I — Tv. Dorlar I 5:1 (1:0). Die Mannschaften trafen sich am Sonntag auf dem Rodheimer Platz zu einem Gesellschaftsspiel, das Rodheim verdient für sich entscheiden konnte. Rodheim, welches von Spielanfang au schon leicht überlegen spielte, konnte in der ersten Hälfte nur ein Tor vor le gen, während es in der zweiten Hälfte durch eine Llmstellung bedeutend besser wurde und noch vier Tove erzielen konnte. Dorlar, welches zum Schluß des Spieles besser Wandertag des Gaues Hessen O. T. *o- Der 97. Gauturntag des Gaues Hessen, der im März zu Gießen tagte, hat den alljährlichen G ö tz - Wandertag diesmal aus den Vereinen in den Gau und vom Himmelfahrttag auf den zweiten Pfingsttag verlegt, um durch zahlreiche Beteiligung dem Bruderoerein zu St I o ft e r Haina bei Gemünden an der Wohra seine Anerkennung bafür auszudrücken, daß cs ihm nach vierjähriger Arbeit gelungen ist, an diesem Tage einen großen Turn- und Spielplatz inmitten eines herrlichen Buchenwaldes einzuweihen. Außer einer gastfreien Aufnahme^ hat der rührige Verein eine Befidstiaung der Sehenswürdigkeiten der alten historischen Klosterstätte vorgesehen. Landcsobermedizinalrat Dr. Wickel wirb durch einen Vortrag in der Winterkirche und durch eine Führung die jetzige Verwendung der ausgedehnten Anlage zu einer Heil- unb Pflegeanstalt erläutern. Handball im Männerturnverein (D.T.) Die c r ft e Mannschaft des M. T. V. hat für den 2. Pfingstfeiertag die 1. Mannschaft der Turngemeinde Fr an k f u r t-R ö b e l- heim 18 4 7 zu einem Hanbball-Freundschaftsspiel nach hier verpflichtet. Die Rödelheimer, die zur Zeit Meister der Gauverbanbs-Sonber- klasse Main-Rhein sind, mußten beim Vorspiel auf eigenem Platze vorn M. T. V. eine 8:5-Rie- berlage hinnehmen. Während die Männerturner damals in stärkster Aufstellung an traten, wird die Mannschaft bei diesem Rückspiel infolge der Abwesenheit des Bataillons mit Ersah antreten müssen. Handball Tv. 1899 Großen-Buseck. Am 1. Feiertag stehen die Großcn-Busecker auf eigenem Platze der Tgeß Walldorf bei Frankfurt am Main gegenüber. Die Gäste stellen beste Klasse der Maingegend dar und sind bekannt wegen ihrer Schnelligkeit. Der Gastgeber tritt stark geschwächt an und wird sich sehr anftrengen müssen, um auf eigenem Platze ein ebenbürtiges Spiel zu liefern. Am zweiten Feiertag empfängt die Reservemannschaft die 1. vom Tv. Treis. In Treis verloren die Busecker knapp, allerdings in sehr schwacher Aufstellung. wurde, konnte in dieser Zeit fein verdientes Ehrentor erzielen. Londorf I — wieseck I 2:0. 2lm Sonntag trafen sich diese Mannschaften in Londorf zum Verdandsspiel, bei dem sich schon bald eine leichte Ueberlegenheit Wiesecks geltend machte. Dann fand sich aber der Londorfer Sturm sehr gut zusammen und brachte den Wiesecker Angriff zum Stocken. Bald konnte die Londorfer Mannschaft mit 2:0 in Führung gehen und diese in dem gleichen Verhältnis bis zum Schluß behalten. Tv. Niedergirmes II — Londorf II 5:4. Niedergirmes spielte von Anfang an leicht überlegen und konnte schon bald drei Tore erringen. Die Londorfer Mannschaft konnte dann aufholen, mußte aber beim Schlußpfiff den Sieg mit 5:4 Niedergirmes überlassen. Niedergirmes I — Londorf I 5:4. Bei dem anschließenden Spiel der ersten Mannschaften sah man auf beiden Seiten seine technische Leistungen, durch die dieses Treffen über das vorherige Verbandsspiel hinausragte. Stieber- girmes ging schon rasch in Führung, dem aber Londorf sofort den Ausgleich entgegenstellte. 3n dieser Weise blieb es weiter bis zum Schluß, wo es Riedergirmes gelang, unmittelbar vor dem Schlußpfiff das Siegestor zu schließen und damit das Ergebnis auf 5:4 für sich zu entscheiden. Ein Llnentschieden für die ebenbürtigen Mannschaften hätte dem Spielverlauf entsprochen. Die sehr rege Schülerabteilung bringt diesmal zwei Mannschaften auf die Beine, die beide gegen Treiser Schülennannschaften antreten werden. V. f. B. Die Ligamannschaft empfängt am ersten Feiertag ..Kickers Viktoria" Mühlheim zum Rückspiel. Das im Dezember v. 3. auf dortigem Platze ausgetragene Vorspiel endete mit einer 1:4-Riederlage Gießens. „Kickers Viktoria" hat inzwischen die Meisterschaft des Rordmain- kreises errungen und seine Spielstärke noch bedeutend verbessert. Die Stärke der Elf liegt int Sturm. V.f.B. wird bemüht fein, dem Gegner in der bestmöglichsten Aufstellung entgegenzutreten. Auch mit Ersatz, der sich am Sonntag in Marburg recht gut anließ, sollte die Mannschaft in der Lage sein, ein ansprechendes Spiel zu liefern und, mit etwas Glück, ein günstiges Resultat herauszuholen. — Am zweiten Feiertag hat die Liga die bekannte ..Germania 94" Frankfurt zu Gast. Das letzte Spiel zwischen beiden Mannschaften sand vor etwa einem 3ahre auf hiesigem Platze statt und endete mit einem hohen Sieg der Germanen. Wenn die Gäste heute auch nicht mehr das sind, was sie vor mehreren 3ahrcn waren, so spielen sie doch in der Kreisliga eine sehr gute Rolle und nennen noch eine feine Spielkultur ihr eigen. Am vergangenen Sonntag schlugen sie den V.f.L. Frankfurt a. M.- <3üb, der an Himmelfahrt die D.f.D.-Liga mit 5:1 abfertigte, hoch mit 6:1. Man darf gespannt sein, wie die Dlahmannschaft in diesem Kampfe abschneiden wird. Zu ihrer Aufstellung ist dasselbe zu sagen wie vorher. Sie wird um eine Riederlage kaum herumlommen, zumal Frankfurt in bester Besetzung spielen wird. Die Ligareserve hat für den ersten Feiertag ein Spiel auf hiesigem Platz mit der ersten Mannschaft des PostsportvereinsFrank- f u r t vereinbart. Vor zwei 3ahren weilten die Pvstsportler schon einmal hier und gaben damals der Ligareserve mit 2:1 das Rach sehen. V.f.B. wird sich sehr anftrengen müssen, wenn er -diesmal gegen die stark aufgekommenen Gäste nicht wieder verlieren will. Die dritte Mannschaft fährt am Pfingstsonntag nach Frankfurt, um der gleichen bet Der Sport an den pfingsifeieriagen. Fedor Sokoloff, der keine Rerven kennt, keine Hemmungen, keine Bedenken — der nichts sieht als das Ziel — für den es nur eine Schwierigkeit gibt: den Weg zu finden, der zu diesem Ziele sührt. Et stellte Marfa Ermolieff vor ein Ultimatum: „Bis morgen abend wünsche ich die Papiere. Sonst muß er sterben — und bu wirst als seine Mörderin verhaftet werden." Sie hat an feine Drohungen vielleicht nicht geglaubt — vielleicht hat sie Remisow ins Vertrauen gezogen. Riemand weiß es — denn Marfa Ermolieff hat über diese Dinge nie gesprochen. Rur dies weiß man: daß die Tat mitten in der Rächt im Grand Hotel geschehen ist — und daß man Marfa Ermolieff bei dem Toten gefunden hat.' Voll Entsetzen fragte Linda: „Habe ich Sie recht verstanden, Marcelle? Sokoloff ist der Mörder?" „3a." „Das ist nicht wahrl" „Das sagte auch Marfa Ermolieff." „Warum sollte sie eine Tat auf sich nehmen, die ein anderer begangen hat? Warum sollte Rie- binger sich für eine Tat einsetzen, die Sokoloff begangen hatte?" „Sie wissen nicht, wie straff gezogen das Retz der Disziplin unter diesen Leuten ist, Linda. Beide hatten sich, ohne mit der Wimper zu zucken, für Sokoloff bestrafen lassen. Der Chef mußte geschont werden. So lautete der Befehl. Hätten sie ihn mißachtet, so wäre ihr Schicksal besiegelt gewesen." „Aber Sie sagten doch vorhin, daß Sokolosfs Schuld sich herausgestellt hätte. Lind jetzt erklären Sie mir, die beiden hätten bis zum letzten Atemzuge seine Unschuld beteuert!“ „Als olles nichts fruchtete, spielte mein Monn den letzten Trumpf aus. Er ging auf Marfa Ermolieff zu. „Sie schützen Sokoloff, weil er zu 3hrer Partei gehört. Werden Sie auch für ihn büßen wollen, wenn ich 3hnen sage, daß Fedor Sokoloff ein Spion war, der zugleich in den Diensten der Gegenpartei stand?" „Das ist nicht wahr!" schreit Marfa Ermolieff auf. „Sehen Sie,“ sagt Krentz, „dies ist der Angelpunkt der Dinge. Was werden Sie tun, wenn ich 3hnen beweise, daß ich die Wahrheit sage?" „Es ist eine Lüge!" sagt Riedinger. „Hier" — damit öffnet Ole seine Brieftasche und legt Marfo Ermolieff drei Briefe vor, von Sokoloffs Hand gerichtet an die Leitung der zaristischen Partei in Paris. Marfo Ermolieff greift noch den Papieren, überfliegt sie, stöhnt auf. Sie sieht mit entsetztem Blick hinüber zu Riedinger, zu ihrem Mann: Krentz geht zu Riedinger hinüber und gibt auch ihm die Briefe. Und dann geschieht es: Riedinger steht auf und sogt: „3d> habe die Unwahrheit gesagt: meine Frau hat die Unwahrheit gesagt. Wir hoben keinen Grund mehr, Sokoloff zu schonen — hot sich nun doch herousgestellt, daß er ein Spion ist. Fedor Sokoloff ist der Mörder Remisows.“ Linda lehnte am Kamin, totenbleich, mit zitternden Gliedern, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, unfähig, ein Wort zu erwidern. Sie hörte die Stimme jener grau, die dort drüben in dem kleinen Gobelinfessel saß, die Verkünderin einer furchtbaren Botschaft, die alles zusammenbrechen lieh, was sich aus Liebe, aus Hoffnungen und beseligendem Gefühl in ihr aufgerichtet hatte. Sie begriff nichts als dies eine: daß eine Sturmflut hereingebrochen war, die alle Stimme niederrih, die alles zerstörte. Sie hörte dieses entsetzliche Rauschen vor ihren Ohren, das Wasser schien zu steigen. Deutlich sah sie, wie das Licht blasser, schwächer wurde: ober war das der Komps mit dem Zwielicht, in dem die künstlichen Flammen der Rocht unterlagen? Kamen nun, do die Sonne siegend emporstieg, olle Dinge auf ihr Maß zurück? War der Spuk der Rocht gewichen? Wurde nun alles nüchtern, klar und erbarmungslos? 3a, so muhte es wohl fein. Die Augen der Freundin dort drüben leuchteten in einem harten, grünlichen Lichte. 3hr Blick schien den Raum in sich aufzusaugen! Die gepackten Koffer — die Kleider — es war wohl keine Frage: Marcelle wußte, um was es ging. Dies war wohl ihre letzte und furchtbarste Rache — die Rache einer getäuschten und verratenen Frau. Run wuhte Marcelle, dah sie ihrer Gegnerin den Todesstoß verseht hatte. Als ob die Besucherin die Gedanken erraten hätte, die durch Lindas Hirn gingen: sie sagte plötzlich, nicht ohne einen gewissen lächelnden Stolz: „Sie sollen alles wissen: Richt mein Mann war es. der diese letzten Dinge aufgedeckt Hot. 3ch hatte die Briefe an die zaristische Partei in Händen. 3ch habe Sokoloff überführt: ich habe Riedinger dazu gebracht, Sokoloffs Ramen zu nennen." Linda trat einen Schritt ins Zimmer. Sie schloß die Augen. Sie fühlte die unendliche Schwere der Lider, sie spürte den Schmerz, den jede Bewegung bereitete. Leise sagte sie: „Es ist gut, ich danke 3hnen, Frau Marcelle. Lind nun bitte ich Sie, zu gehen." Augenblicklich erhob sich Marcelle. 3nbem sie Linda die Hand reichte, sagte sie freundlich: „3eht ist der Präfekt doch Sieger geblieben. Denn Sokoloff wird kaum aus Kopenhagen herauskommen." Des Rätsels Lösung. Während Marcelle die Treppe hinunterging, unter der Obhut des Dieners, stand Linda immer noch mit geschlossenen Augen am Fenster. Kam ntet bet Piertakt eines Autos durch die Rächt? Plötzlich schrak sie zusammen: das Telephon klingelte. Es war ihr Mann. „Denke dir, Liebling, der Prozeß ist entschieden: Sokoloff ist der Täter!" „3ch weih," sagte sie mit matter Stimme. „3A»song- Kure Kur- Schlutz. t-Uhu Kura Kurs Gchlutz- Anfang Kurs Kurs ? ä 8 ! € < Ü raitzostfche o Händische tolienische orwegische Noten..... Noten...... 167463 168.86 22.06 111.88 59.04 2.53 112.20 31.00 59.63 12.465 73.15 - 5ranffur Auszahl 16325 169,54 22,1’4 112,32 59,28 2,55 112 64 81,32 59.87 12,525 73.45 t a. M. Jng. Datum 16.5. 17-5. 16 5. 17 5. Tntum 16-5. i 17.5- 16-5. : 17 5- Datum 16 5 1 17 5. 16.5. 17-5. Noten 5% Dl. 8ield)3anlci6e d. 1927 . Dl. Anl.-Ablös.-Schuld mit Au» lof.-Oiedjten Desgl. ohne Au«lol.-Reckle . . . 7% Franks. Hyp.-Bk. Goldps. un kündbar HS 1932..... htnno ymzmann......: Heidelberger (Semen! .... 1° EemenI Karlstadt . ..... 8 Äayh 6 Freitag......10 Schultheis Patzenhofer ... 15 Ostweckc.........1- Bcr. Hlonzstoss......1« Bemb.rg.........14 ÜcUstoss Waldhoi.....12 -Icllswsf Äschassenburq ... 12 Eharloitendurger Vaster ... 7 Tci'jau-r esta! ....... 8 Daimler Motoren......u Deutsche Äaschinen.Fabrik . . 0 Adleriverke Klever......5 Ludw. Loewe ....... 10 Rai. Automobil . ...... O C rcnfteln 4 Uovvel ..... 5 Leonhard Tietz . ...... 6 Bamag'Meguin ....... O Franks. Maschinen......6 cynyncr....... . 11 Hcyltgenstacdt ....... O Iunghan«........... Lechwerke. .......8 Mainkrastwerke .......8 Mag........ 10 Nekarsulmer ........ 8 Peter« Union ....... 8 (lebr. Roeder ....... 10 Boigt & Hueffner ...... 8 Südd. Zucker..... 8 Dan 109,5 134.5 108.5 402 246 53 44,5 51 80 63 111.5 108 120 113.5 111 205 145 knoten 1 | | i i i i ; a i i i ! i i i i £ i i i i äs i 1 i i ü. 1 1 1 HO 109,75 290.5 232 408 328.5 245.25 108.13 199 52.75 49 45,75 194 25 88 290 51.5 80 62 120 113 205 145 114 292,75 233.9 417 247 108.75 200-5 52.13 49,25 44,75 196 28.13 89.5 290 122 - ^rniiru-^rncrc., a iw arronen umanilche Noten...... chwedische Noten...... Schwester Noten....... wanische Noten....... schechoilowakische Noten . . ngarische Noten....... Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16- Mai 17. Mai .Imtliche Notierung Geld I Bries Amtliche Notierung Cinlb »Beter 4% Ungarische Sloidrte...... 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 . 4>/,% desgl. von 1913..... 4% Ungaüsche Kronenrte.. . 4% Türk. Yollanleihe v. 1911 . - 4% Türkische Bagdadbahn-Anl., Serie I .... 4% beßfll. Serie II....... Deutsche Erdöl ....... 6 Essener Steinkohle......8 Gelsenkirchener ... f. Y* 3- 1 Hawener..... 6 Harsch Eisen. ....... .8 Ämn- Hott. Buen. Air,« Brsi.'Anlm ff Kristiania. Kovenhagen Stockholm . HelstngforS. Italien. . . London. . . 'JZcitnor? . . Pari«.... Schwei; . . Spanien. Japan . . . wo d« Jem Dien in T- Ceft- adgest Yrüfl • ■ • • Bclirad . . Budapest. . Bulgarien Lissabon . • Dmuig. . . .QonftJtrtm. Athen. . . Canada . Uruguay. . Cairo . . 169.07 1.768 58.39 112.00 112.08 112,34 10.57 22.025 20.40 4.2065 16.425 81,05 59.91 1.887 0.4985 59.095 12.443 7.398 73.29 3,039 18.87 81,54 2,041 5.455 4.178 4.097 20.925 169.51 1,772 58.51 112.32 112.30 112.56 10.59 22.065 20.44 4.2145 16,465 81.165 60,03 1.891 C.5005 59,250 12,463 7,412 73,43 3,045 18,91 81.70 2,045 5.465 4.186 4,104 20,965 168.90 169.24 1.763 1,767 58.31 1 58.43 111,96 112.13 111,95 112.17 112,22 112,44 10.56 10.58 21.995 22,035 20,38 20.42 4,2015 4.2095 16,415 16,445 80,91 81,07 59.84 59,96 1,878 1,882 0.499 0.501 59,02 59.14 12,431 12,511 7.393 7,407 73.19 73.43 3,037 3,492 18,85 18.39 81,43 81.59 2,038 2.042 5,455 5.465 1,1765 4.1885 4.116 4,124 20,915 20 945 Klocknerwerke 4% Rumänen converi. iRte. . . . 4 J4% Rumänen CöolbarU. von 1913 Mlg. Deutsche Eisenbahn . . 4% Hamburg-Amerika Paket ... 8 Hawb.-Südam. Dampssch. . . 8 Hansa Dampsjchiss ... 10 Norddeutscher Lloyd.....8 Llllg. Deutsche Creditanst. . . 10 Barmer Bankverein ... 10 Berliner Handelsgesellsch. . - 12 Commerz- und Privat-Bank 11 Darmst. u. Nationalbank 12 Deutsche Bank 10 Ti^kontc-Sesellschaft Aut.. . 10 Dresdner Lank . . . 10 Mitteldeutsche EredÜbank... 9 ...................12 'DianneSmann ........8 Manifestier.........' Oberschles. Eisend. Bedarf. . b Oberschles. Koköwerke..... Phönir Bergbau......5’ : Rheinische Braunkohlen... 10 Rheinstabl . . . s. ',L Jahr 4'/, Riebeck Montan......7,2 Bereinigte Stahlw. ..... 6 Ltavi Minen . ......2 sh Kali Aschersleben ..... 10 Koki Westeregeln ...... 10 Kaliwerk Salzdetfurth ... Id I. ®. Yarden-Induktrio ... 12 Dynamit Nobel ....... 5 Scheide anstatt . ....... 9 Koldschmidl . ...... .s RütgerSwerkc ........6 Metallgrlellschofk. ..... 11 Berlin, 16. Mai Geld «riet Ämcrikamtche Noten..... Belgische Noten ....... Dänische Noten........ Erislischc Roten........ 4,20 58,33 111.83 20,405 4,22 58,57 112.27 20,485