Zreitag, 16. August 1929 179. Jahrgang Nr. 191 Erster Blatt Verschärfte Krisis im Haag er$weg § Kampf um die Quoten. - England lehnt alle Angebote als Llnverminderte Gegensätze im Die Vesatzungsschäden des Meinlandes 05141 !er 6e!b GIESSEN ARTEN der noch wie vor äuhcrst gespannten Lage der Konferenz gebracht. In der Abendsihung der vier an den finanziellen Fragen hauptbeteiliglen Mächte. Frankreich, Belgien, Italien und Japan, ist ein neuer Vorschlag zur Beilegung der französisch-englischen Spannung in den finanziellen Fragen nicht weiter aufgetaucht. Sieht man nach den Derufsgruppen. so findet man in den einzelnen Stödten natürlich große Unterschiede. So waren z. r£>. in Köln 55 Proz. der Erwerbslosen ungelernte Arbeiter, während diese Gruppe in fast allen anderen Gegenden des Reiches nur 42 Proz. ausmacht. Dienstmädchen stehen mit nur 4 Proz. in der Liste, dagegen kaufmännische Angestellte mit 6 bis 14 Proz., das Baugewerbe (trotz der SommerzKl!) mit 5 Proz. im Durchschnitt, und die Metallarbeiter mit 7 bis 12 Proz. Auch die freien Berufe sind mit 0,6 Proz. zu erwähnen. Recht seltsam mutet an, daß fast 19 Proz. der Erwerbslosen in der Zeit, als sie noch einen Beruf ausübten, keine versicherungspflichtige Beschäftigung inne* hatten!! Sehr interessant sind die Gründe, welche zur Erwerbslosigkeit geführt haben. Ra- türlich steht reine Arbeitslosigkeit mit fast 82 Proz. an erster Stelle, aber auch Arbeitsunfähigkeit (in erster Linie Krankheit) ist mit 13 Proz. registriert. 3n 2 Proz. aller Fälle war eigenes Verschulden der Grund, das heißt die Betreffenden waren wegen irgendwelcher Delikte entlassen worden oder kamen aus dem Gefängnis und wurden nun nirgends wieder eingestellt. 3n 0,2 Proz. aller Fälle, also doch 1334 Mal, wurde die Arbeit, welche angeboten worden ist, verweigert. Auch dann wurde Unterstützung gezahlt. Don den oben angeführten 667 000 Leuten wurden nur 38 Proz. im laufenden Jahre erwerbslos, 23 Prozent hatten mehr als zwei Jahre bereits keine Stellung. 1 im Gewerkschafts- Oberlehrer an der ‘leid über: es Gest* d etngetaden. Eintritt hei. tischen Buchdrucker rungen nicht unter die auf die Dawescmnub täten anrechnungsfähigen Beträge fallen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher, preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Rcichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/. mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen. mark/i die Am Vormittag fand zunächst eine lange Beratung zwischen der belgischen, italienischen und französischen Abordnung statt. Danach begaben sich Gut! und Francqui zum amerikanischen Beobachter Wilson, mit dem sie eine lange Unterredung hatten. Francqui hat sodann den englischen Schahkanzler Snowden besucht. Rach seiner Rückkehr sand am Spätnachmittag am Sih der sranzösischen Delegation eine Beratung der Minister der vier beteiligten Mächte, Japan, Belgien, Frankreich und Italien, in der gleichen Weise wie gestern statt. Rach Schluß dieser Konferenz empfing L o u ch e u r die französische Presse. Er betonte, daß zwischen Frankreich, Belgien, Italien und Japan eine vollkommene Uebereinstimmung in allen Punkten erzielt worden und man der Ansicht sei, daß eine Befriedigung Englands innerhalb des Poung- planes möglich sei. Sollte Snowden aus den von ihm beantragten Revisionsausschuh bestehen, so würde eine neue (Einberufung der Sachverständigen notwendig und eine Lösung wäre bann nicht abzusehen. Ueber das, was den Engländern vorgeschlagen und wie es zu bewerten ist, schreibt der Auhen- politiker des „Echo de Paris", französischerseits zögerten gewisse Kreise nicht, zu behaupten, daß Snowdens Programm bis zu 80 Prozent befriedigt werde: aber Snowden selbst und seine Berater schätztest die lhnen gemachten Zugeständnisse auf 40 Prozent und zeigten einige Ungeduld. Es könne erstaunlich erscheinen, selbst in dem Falle, daß Snowdens Ansicht sich mit der mittelmäßigen Schätzung des Wertes der Zugeständnisse begründet sein sollte, daß eine Konferenz wie die vom Haag, die in soviel Eha- rakierzügen den Bestrebungen der englischen Politik entspreche, wegen der geringen Summe von 20 bis 25 Millionen Pfund Sterling jährlich scheitern sollte. Aber die Ansprüche des englifdxm Schahkanzlers seien in diesem Falle symbolisch: das sozialistiche Kabinett wolle gegenüber Europa beweisen, daß ein dem eigentlichen englischen Interesse genau angepahtes Verhalten Mode sei. Daher müsse man Zweifel hinsichtlich der kommenden Ereignisse hegen. Rach Ansicht der Engländer sind die Zugeständnisse der kontinentalen Gläubigermächte so unzureichend, daß sie diese ohne Zögern als völlig unannehmbar bezeichnet haben. Da andererseits Loncheur im Rainen der französischen Delegation erklärt haben soll, es sei den kontinentalen Gläubigermächten unmöglich, England weiter entgegenzukommen, läßt sich im Augenblick nicht übersehen, wie die Dinge sich weiter entwickeln werden. In englischen Kreisen spricht man wieder einmal von Vertagung und Abreise, und zwar diesmal offenbar mit etwas größerer Ueberzeugung. Snowden betonte, falls man keinen bestimmten Vorschlag, so Haag, 15. Aug. (TU. Funkspruch.) Die Bemühungen um einen Ausweg zur Befriedigung der englischen Forderungen und Beilegung der finanziellen Gegensätze, sind den ganzen Donnerstag über die verschiedenen Beratungen fortgesetzt worden, hierbei hat der Belgier Francqui die Rolle des Vermittlers übernommen, während zum erstenmal auch von einer Besprechung mit dem amerikanischen Beobachter Wilson die Rede ist. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanfchliiffe unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Sranlfurt am Main 11686. Slcßcn Mlhelmstraßt 43 IenllWngel' n ll>il auf diesem ank rlab unbrum ■ßÄ*929 67430 le einen Korb Bohne Bohnenschneid- Mühe machen, die den und sich dabei » die kostbare Zelt, Khlne neuester Kon- ■auch vorlührtn und len über die Leistung ine ist trotzdem nicht er Emaillelackierung M16A Oie vonOeutschland erwartete „Geste". Haag, 15. Aug. (WTD.) Don unterrichteter Seite teirb mitgeteilt: Die von englischer Seite unlängst angekündigte deutsche Geste in der Frage der Entschädigungsansprüche für die Besatzungsschäden usw. hat in der Presse vielfach eine irrige Behandlung erfahren. Cs handelt sich hier um diejenigen Ansprüche, die Deutschland nach dem Pariser Abkommen vom 5. Mai 1925 aus die Anrechnung bestimmter Beträge auf die bisher von ihm zu leistenden Daweszahlungen bezahlt. Dieses Abkommen war notwendig, nachdem der Dawesplan die Anrechnung der Besahungskosten auf die Annuitäten nach dem 1. September 1924 festgesetzt hatte. Eine andere Kategorie von ebenfalls nach dem Rheinlandabkommen .Art. 6“ vorher an die Reichsregierung gerichteten Forderungen ist trotz vielfacher Bemühungen bis heute nicht auf eine Rechtsbasis analog dem Pariser Abkommen gestÄlk wbrbeir. Sie werden aus H äushalts- mitteln bestritten, lieber die Höhe dieser auf die Dawesannuität anrechnungsfähigen Entschädigungsansprüche entscheidet ein gemischtes Schiedsgericht unter dem Borsih des Holländers Patyn. 2m Youngplan sind entsprechende Modalitäten nicht vorgesehen. Man rechnet mit den bisher offenstehenden und der Anrechnung auf die deutschen Jahresleistungen fähigen Beträgen bis zum 1. September auf etwas über 40 Millionen Reichsmark. Um diese Summe handelt es sich offenbar bei der in verbindlicher Form durch Henderson in die Debatte geworfenen Anregung, wonach Deutschland sich für die frühere Räumung durch eine Geste erkenntlich zeigen sollte. Bon deuticher Seite ist zunächst der Gedanke in die Diskussion gebracht worden, diese Forderung zur Vereinfachung des Verfahrens im Wege einer Pauschalsumme abzugeltcn. Wenn mit Bezug auf diese Ansprüche unzutreffende, teil- weife recht stark abweichende -Ziffern genannt worden sind, so beruht dies offenbar auf einer Uebersehung der Tatsache, daß nach Art. 249 des Versailler Vertrages Besahungskosten, also auch Besahungsschädcn, durch Deu tsch- land zu tragen waren, und daß demgemäß nach einem allerdings erst erheblich später eingegangenen Entscheid des Gemischten Schiedsgerichts die bis zum 21. September 1924 entstandenen, damals nioch offenstehenden Forde- unbefriedigend ab. wie es verabredet sei, am Freitag machen könne, hätte es keinen Zweck, am Samstag eine Sitzung der Finanzkommission einzuberufen. Das bedeutet ziemlich klar wieder die Androhung der Abreife. Auch die Italiener haben die Lage wieder verschärft, indem Grandi äußerte, für ihn sei die hager Konferenz am Samstag zu Ende. So hat also der Donnerstag keine Veränderung eve , sellscbait ,d, ver8ib‘ der Arbeitslosenversicherung beginnen will, kann aus der Ansehung des Termins für die Canter, konferenz geschlossen werden, daß die Lander auf die Beratungen des Ausschusses Einfluß nehmen wollen. - Auch der Deutsche S t ä d t e t a g verlangt, im Ausschuß gehört zu werden offenbar zu dem Zwecke, die neuen Bestimmungen des in Aussicht genommenen Gesetzes zur Reform der Arbeitslosenversicherung mit den Bestimmungen über die gemeindlichen Wohlfahrtsfürsorgen in Einklang zu bringen, damit nicht Leistungen, die von dem Reiche abgelehnt werden, von den Gemeinden übernommen werden müssen. Eine Erwerbslosenstatistik. Don unserer Berliner Redaktion. Berlin, 16. Aug. Bei den gegenwärtigen Auseinandersetzungen um die ^^lcherungsre- form handelt es sich m der Hauptsache um solche Arbeitslose, die vorübergehend arbeitslos geworden sind. Es ^bt aber noch eine ganz andere Gruppe von Arbeitslosen, das sind die, die dauernd wegen Arbeitsunfähigkeit erwerbslos sind. Schließlich werden durch die Arbeitslosigkeit aber in den unterhaltungsberechtigten Familienangehörigen auch noch eine ganze Anzahl von Metttchen getroffen, die nicht unmittelbar in die Kategorie der Erwerbslosen einzurechnen sind. Rii diese Zahlen sind nun in einer Statistik er.aht worden, die gerade in diesen Tagen von besonderer Bedeutung ist. ilung in s° urlsamstittn und 3m Monat 3uli dieses Jahres wurde die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland mit 667 000 angegeben, darunter eine erschreckend große Zahl Frauen: 149 000 oder 23 Prozent! Rur m einigen ganz großen Städten, wie Berlin, Hamburg, Köln usw., geht ihre Ziffer auf 15 Prozent herunter. Von diesen 667 000 Erwerbslosen sind nur wenige Zehntausend völlig unfähig, einen Beruf auszuüben oder selbst dem kleinsten Broterwerb nachzugehen. Auch nur 180 000 stehen im Alter von mehr als 50 Jahren, also ein sehr geringer Prozentsatz. Alle anderen sind im sogenannten besten Alter, wenn auch sehr viele von ihnen durch lange Krankheit, Arbeitslosigkeit, Armut, durch schlechte Wohnverhältnisse und dergleichen mehr derart geschwächt sind, daß auch mit ihnen nicht viel anzufangen ist. Richt eingerechnet in obige Ziffern sind die unterhaltungsberechtigten Familienangehörigen, 37 Prozent alte Leute, die bei ihren Kindern wohnen, die sie auch nicht ernähren können, und dann 63 Prozent Kinder, deren Eltern nichts oder nicht genug verdienen. 3m ganzen wurden am 1. 3uli r u n d 17 Millionen Menschen durch die Wohlfahrtsämter unter st ützt. Das sind 2,6 Prozent der gesamten Bevölkerung des Reiches! 3nnnerhin waren 57 Prozent der Erwerbslosen im Besitz einer eigenen Wohnung, woraus man schließen darf, daß diese Leute ansässig waren, daß es sich also in fast allen Fällen um wirkliches Elend gehandelt hat. Denn, wer Arbeit hat, läßt sich nicht unterstützen. Don Ausnahmen abgesehen. erwicseB' «esi»er‘ V.i*dur ' Mail1- rt 6i6tc Frankreich verlangt keinen deutschen Verzicht? Eine angebliche Erklärung Loucheurs. Das Näumungsprogramm. Berlin, 16. Aug. (prio.-IeL) Der Berliner „Börsenkurier- meldet aus dem Haag: Herr Cou- cheur teilte den französischen Journalisten mit, daß Frankreich nicht beabsichtige, sich von Deutschland den frühen Rückzug durch einen neuen Bet- zicht abkaufen zu lassen. Er schließe sich nicht der Anregung Hendersons an, daß Deutschland bei seinen Ansprüchen aus den Besahungsschäden eine Geste mache, in dem es hier auf Zahlungen verzichte. Wie nunmehr zuverlässig verlautet, will Briaud das Datum für die G e s a m t r ä u m u n g. d.h. also für den Abzug des letzten Befahungssol- baten aus der dritten Jone am Samstag bekanntgeben, und zwar wird sich die Bekanntgabe vorausfichtlich in der Form der A u f ff e l - lung eines Gesamtprogramms für die Räumung vom Beginn bis zu ihrem Abschluß vollziehen. Morgen vormittag sollen der deutschen Delegation die Ergebnisse der zwischen den übrigen Mächten wegen der Einsetzung der verschiedenen angekündigten Unterausschüsse und wegen der finanziellen Streitpunkte gepflogenen Der- Handlungen bekanntgegeben werden. Besprechungen über die Saarsrage. Haag, 15. Aug. (TU. Funkspruch.) 3n der Saarfrage hat am Donnerstag eine Besprechung zwischen einem französischen und einem deutschen Sachverständigen stattgefunden. Die Franzosen haben dabei auf Grund des von Deutschland vorgelegten Rahmenprogramms nähere Einzelheiten verlangt. Der Eindruck auf deutscher Seite ist, daß die Franzosen nur sehr z ö g e r n d an die Besprechungen Herangehen und daß sie nach wie vor auf dem Standpunkt stehen, die Saarfrage sei eine rein französisch-deutsche Angelegenheit. Sie richten daher ihre ganzen Bemühungen darauf, diese Verhandlungen von den allgemeinen Fragen abzutrennen. -------------- ) Macdonalds Amerikareise. Noch in diesem Jahre eineFlottenabrüstungskonserenz in London. London, 15. Aug. (TU. Funlspruch.) 3n gut unterrichteten diplomatischen Kreisen Londons wird nunmehr bestimmt damit gerechnet, daß Ministerpräsident Macdvnald im Ok- Ein Mimaium der Vottspartei? Be r l i n , 16. Aug. (Funkspruch.) Wie die „DAZ." hört, hat die Deutsche V o l k s p a r l e i m der Sitzung des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstags keinen Zweifel gelassen, daß sie aus der beschleunigten Einbringung der Gesetzesvorlage besteht Sie habe sogar eine Art ll 11 i m a t u m b i s Mittenäch st erwache gestellt und würde, wenn bis dahin der Entwurf noch nicht vorliegt, die Reichstagsfroktion einberufen, um zu ber dann geschaffenen Lage Stellung zu nehmen. Dies um fo mehr, als nach Mitteilungen des Slams- fefretärs Popih auch die kaffen tage des Reiches keine weitere Verzögerung mehr zulaffe. Länder und Gemeinden nehmen (Stellung. «7» e - [; n 16. Aug. (Priv.-Tel.) Rach dem B T" besteht bei der Mehrzahl der deutschen LL-KL« der Wunsch zu der Re^onn der Arbeitslosenversicherung noch einm 1 S telluna äu nehm^n, und so verlaurei, daß am Dienstag vormittag eine Lande rkon- s e r e n z zusammentritt. Da der Sozialpo sch Ausschuß am Dienstag nachmittag um 3 Uhr MU L- eigentlichen Debatte über die Reform aktiven Politik ausgeschaltet bliebe, einen ähnlichen Entschluß nicht in Erwägung gezogen hat. Gewiß hat Herr Poincare das nicht nur 1 aus nationalem Pflichtgefühl getan, sondern sehr viel mehr, weil er seiner ganzen Charakterveranlagung nach nicht zusehen kann, wie andere Verantwortung tragen, die er für sich allein beansprucht. Aber auch wenn man das in Rechnung stellt, bleibt sein Vorgehen politisch und parlamentarisch das einzig Mögliche. Für uns ergibt sich jedenfalls aus dem Ausfall des Reichskanzlers und der gleichzeitigen Abwesenheit von vier Ministern im Haag eine F ü h r e r l o s i g k e i t, die jetzt bereits zu den bedenklichsten Folgen innerpolitischer Art führt. Die Deutsche Volkspartei hat am Donnerstag in der Besprechung der Fraktionsvorsitzenden mit den Ministern ein Ultimatum gestellt, sie hat damit gedroht, daß sie sich aus jeder Beteiligung an dem Regierungsgeschäft zurückziehen würde, wenn nicht spätestens innerhalb einer Woche eine entsprechende Vorlage über die Arbeitslosenversicherung dem Reichstage zuginge. Die Finanzlage des Reichs wird nachgerade so katastrophal, daß der Anfang mit einer Sanierung geschehen muh. Wir wissen jetzt bereits, daß wir im laufenden Ctatsjahr mit einer Unterbilanz zu rechnen haben, die zusammen mit dem Verlust aus dem Vorjahr alle nur denkbaren Ersparnisse aus dem Voung-Plan bereits verzehrt, wir wissen, daß außerdem die Kassenlage trostlos ist, und wir wissen, daß aus der Arbeitslosenversicherung eine Mehrbelastung von mindestens 200 Millionen zu erwarten ist, wenn nicht vor Beginn des Winters Abhilfe geschaffen wird. Ausnahme der Verhandlungen über dieArbettSlosenversjcherung Noch immer keine Regierungsvorlage. Berlin, 15. Aug. (DDZ.) 3n der Re^s- kanzlei fand zwischen den Führern der Re - gierungsfraktionen des Reichstags, den Sozialdemokraten Dittmann, Wels, Dr. Herz, den Zentrumsabgeordneten Per- litius, Dr. Brüning, Esser, Frau Teusch, den Volksparteilern Dr. Scholz und Dr. Pfeifer, den Demokraten Frau Dr. Bäumer und Schneider, dem bayerischen Volk s p a r - feiler Prälat Leicht und sämtlichen in Berlin anwesenden Reichsmini st ern eine Besprechung über die Arbeitslosenversicherung statt. Sie führte zu keinem Beschlüsse. Uebereinstimmung bestand jedoch darüber, daß die Arbeitslosenversicherungsreform sehr beschleunigt werden soll und daß die Einzelheiten m morgen beginnenden interfraktionellen Besprechungen zu vereinbaren seien. Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstages trat unter dem Vorsitz des Abgeordneten Esser (Ztr.) zusammen, um die Fragen der Arbeitslosenversicherung zu beraten. Relchsar- beitsminister Wissell erklärte, daß die Reichs- regierung leider noch nicht in der Lage sei, dem Ausschuß schon jetzt eine fertige Borlage unterbreiten zu können. Das Reichs- arbeitsministerium habe zwar bereits dem Kabinett eine Vorlage unterbreitet und das Kabinett sei wohl auch in den meisten Punkten einig, aber es beständen in einigen wesentlichen Fragen noch Meinungsverschiedenheiten, über die eine Einigung noch nicht erzielt werden konnte. ?' Sept, amstag. Me' ssS M1dl Zucker Folgen der Führerlosigkeil. Von unserer Berliner Redaktion. Die Art, wie bei uns zur Zeit die Führung der Regierungspolitik wahrgenommen oder vielmehr nicht wahrgenommen wird, ist ein Kapitel für sich. Es fordert doch zwangsweise zum Vergleich heraus, daß Herr Poincare in dem Augenblick, wo er sich einer Operation unterziehen mußte, trotz aller Bitten seiner Ministerkollegen sich von seinem Po st en zurück- z o g, während nach allem, was man hört, der deutsche Reichskanzler, obwohl er wußte, daß er für mindestens ein halbes 3ahr aus der GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche llniverfitAr-vuch- und Zleindruckerei H. Lange in Sieden. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. >[et geb. Spih |U(l 1929- „ 1 05133 ne tober nach Washington reisen wird, um, mit dem Präsidenten Hoover die Flottenabrüstung soweit zu fördern, daß an die übrigen Hauptflottenmächte Einladungen für die Einberufung einer Flottenabrüstungskonferenz ergehen können. Weiterhin verlautet von zuverlässiger Seite, dah die vorbereitenden Besprechungen sowohl zwischen London und Washington wie zwischen Wacdonald und General Dawes einen durchaus befriedigenden Verlauf nehmen. Macdonald wird Samstag in einer Wvche eine erneute Aussprache mit General Dawes, dem amerikanischen Botschafter, haben. Aach dieser Besprechung hofft man, alle Hindernisse, die gegenwärtig noch dem Besuch des Ministerpräsidenten in Washington entgegenstehen, beseitigt zu haben. In Washingtoner amtlichen Kreisen glaubt man allgemein, dah es möglich sein wird, noch vor Ende des Jahres eine Tagung der fünf Flottenmächte einzuberufen. Der Dezember wird als der hierfür geeignetste Monat angesehen. Es besteht weitgehende Aebereinstimmung darüber, dah London der beste Platz für diese Zusammenkunft wäre. Schlußsitzung des Weltreklamekongreffes. Reichskanzler a. $. Är. Luther fordert den Frieden der Gerechtigkeit als Voraussetzung internationaler Zusammenarbeit. Berlin, 15. Aug. (TU.) Am Donnerstagdormittag fand die Schlußsitzung des In- ternationalen Reklamekongresses statt, in der wiederum eine Aeihe führender Aeklamefachleute über die ihr Gewerbe bewegenden Probleme sprachen. In seinem Schlußwort wies Präsident Bounggreen auf die ungeheure Arbeitsfülle hin. die der Weltkongreß bewältigt habe. Er richtete Worte herzlichen Dankes im Aamen aller Kongreßteilnehmer an den Reichspräsidenten v.Hindenburg, den „great old man“, an die Reichsregierung und vor allem an den Ehrenpräsidenten, Reichskanzler a. D. Dr. Luther. — Dr. Luther erklärte u. a., besonders wolle er zum Ausdruck bringen, wie dankbar wir Deutschen den Gästen aus den anderen Ländern seien, die sich zum Weltrellamekongreh in Berlin eingefunden haben. Dr. Luther fuhr fort: Sie haben durch Ihr Kommen eine Plattform geschaffen, auf der es möglich war, nicht nur die großen und immer mehr anwachsenden Aufgaben des Werbewesens mit Ernst und Hingabe zu erörtern, sondern es wurde auch möglich. Fortschritte zu machen, zu dem großen Ziel des Sichverstehens unter den Völkern und der Einsetzung aller Kraft für die Werke des Friedens. Die Werke des Friedens, an denen wir heute gearbeitet haben, sollen einen dauernden Frieden der Wohlfahrt für alle Völker schaffen helfen. Wir bekennen uns freudig zu der Ueberzeugung von der Macht weltbewegender Gedanken. Im Haag wird aber auch zur Stunde noch um die Wege zu einer fortschreitenden politischen Befriedung der Welt gerungen. Da kann nicht unerwähnt bleiben, daß alles Wirken auch um einen Frieden der Wohlfahrt als Voraussetzung die Gewinnung eines Rechtsfriedens hat. Der Aufrüstung der Geister, der wir hier auf einem wichtigen Teilgebiet des allgemein Menschlichen gedient haben und weiter dienen wollen, muh eine Abrüstung der Mittel des Krieges parallel gehen. Richt auf eine Gewaltordnung läßt sich die Zukunft der Menschheit aufbauen, sondern nur auf eine Ordnung wirklicher Gerechtigkeit. Gerade im Hinblick auf mein Doll und mein Vaterland mutz manches in der Welt noch geändert werden, wenn jene dauerhafte Rechtsgrundlage für das Leben der Menschheit errichtet werden soll, die wir alle erhoffen. Dr. Luther schloß mit dem aufrichtigen Wunsch, dah der Geist guten Willens, in dessen Dienst die Arbeit des Weltreklamekongresses gestellt worden ist, immer mehr zum Beherrscher der Welt werde. Revolution in Venezuela. Berlin, 15.Aug. Die Regierung von Venezuela hat vor einiger Zeit die Welt mit der Mel- düng überrascht, daß ein „Pi ra te n s chi f f" unter deutscher Flagge einen Putsch versucht habe. Wie sich allmählich herausstellt, handelt es sich dabei um die Vorbereitung einer neuen Revolution in Venezuela — die dritte in diesem Jahr —, welchen (Erfolg sie aber gehabt hat oder noch haben wird, darüber gehen die Mel- düngen weit auseinander. In Venezuela herrscht als ungekrönter König seit fast zwei Jahrzehnten Juan Gorney, bislang als Präsident, seit kurzem als Generalissimus. Seine Persönlichkeit ist stark umstritten. Die einen schildern ihn als einen Räuberhauptmann, die andern als den Reformator des Landes. Bei den Revolutionsneigungen der Bevölkerung ist es aber kein Wunder, wenn immer wieder Versuche gemacht werden, ihn zu verdrängen: Versuche, die allerdings nur Aussicht auf Erfolg haben, wenn ausländische Kapitali- st e n dahinter stehen. Und der Verdacht liegt nicht ganz fern, daß auch hier d i e Am erikaner die Hand im Spiel haben, die sich auf dem üblichen Wege über eine Revolution den entscheidenden Einfluß auf die großen Oelfelder von Venezuela sichern möchten. Beschlüsse des Züricher Zionistenkongreffes. Zürich, 15. Aug. (WB.) Der Rat der erweiterten Iewish Agency wählte zum Präsidenten der zionistischen Organisation Professor Wcitzmann, zu stellvertretenden Vorsitzenden des Rats den Richtzionisten Louis Marsh al (Reuyork) und den Zionisten Lord Welchett (London). Der Rat wählte ferner den aus 40 Mitgliedern bestehenden Devwal- tungsausschuh. Dieser führt, da der Rat selbst nur alle zwei bis drei Iahre zusammentreten soll, in der Zwischenzeit als Beauftragter des Rates die Geschäfte. Die Hälfte der Mit- glieder des Derwaltungsausschusses sind Richt- z i o n i st e n. Einstimmig faßte der Rat eine Reihe von Entschließungen, in denen u. a. mit Freude festgestellt wird, daß ganz Israel sich für den Wiederaufbau des jüdi- schen nationalen Heims vereinigt habe. Weiterhin werden die Inden in der ganzen Welt aufgefordert, diese heilige Aufgabe zu unterstützen. Ferner wird die Regierung Großbritanniens ersucht, geschäftliche Maßnahmen zu ergreifen, die das Wachstum des jüdischen nationalen Heims fördern, wobei die Rechte aller Einwohner Palästinas gewahrt bleiben sollen. Dankbar gedenkt dec Rat in einer Entschließung Lord Balfours, des Urhebers der historischen Dalfour-Erklärung, und des Barons Eduard Rothschild (Paris), der zum Ehrenpräsidenten der Agency gewählt wurde. Besonders feierlich gestaltete sich die Ratifizierung der Verfassung der erweiterten Iewish Agency. Aachdem dies« einstimmig angenommen worden war. fand die Unterzeichnung der für das Iudentum historischen Urkunde statt. Rach einigen Schlußansprachen wurde sodann die konstituierende Versammlung mit dem Absingen der jüdischen Aationalhymne geschlossen. Kleine politische Nachrichten. Wie wir von unterrichteter Seite hören, schreitet die Besserung im Befinden des Reichskanzlers immer weiter fort. Reichskanzler Müller hat in den letzten Tagen schon verschiedene politische Vorträge entge- gengenommen. Staatssekretär P ü n d e r hat dem Reichskanzler über den Stand der Haager Verhandlungen berichtet. Der zur Zeit in Berlin weilende Geschwaderchef des italienischenKreuzergeschwa- d e r s , Admiral Rota, wurde durch den Stellvertreter des Reichskanzlers. Reichswehrminister Dr. Groener, in Anwesenheit des Stellvertreters des Staatssekretärs der Reichskanzlei empfangen. In Begleitung des Admirals Rota befand sich der italienische Marineattachä in ‘Berlin. Monico, und der Adjutant des Admirals. e 2ln der Verfassungsseier des Staates Pyrmont, bei der der demokratische Landtagsabgeordnete Hauff die Festrede hielt, nahm, wie die Vossische Zeitung mitteilt, auch der frühere Regent des Landes, Fürst Friedrich von Waldeck und Pyrmont teil. Die Welffahrt des„GrafZeppelin". Stettin, 15. Aug. (1BB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" flog um 12.08 Ahr über Stettin und in schneller Fahrt in nordöstlicher Richtung weiter, um 14.55 Uhr über Danzig zu erscheinen, vom Sirenengeheul der im Hasen liegenden Dampfer begrüßt. Es beschrieb in langsamer Fahrt einen Bogen und verschwand dann in Richtung Ostnordost, wenige Minuten vor 16 Uhr wurde Königsberg passiert und um 17 Uhr kam Tilsit in Sicht. Bei bewölktem Himmel und völliger windstille und niedriger höhe flog der „Graf Zeppelin" in langsamer Fahrt über die Stadt, die er in östlicher Richtung wieder verließ, um nach dem Memelland zu fliegen. Das Luftschiff entschwand um 17.25 Ahr den Blicken der Zuschauer, die auf Dächern und Plätzen sich angesammelt hatten und ihm begeistert zujubelten. Bon sämtlichen Kirchtürmen läuteten die Glocken, während die Zellstoffabrik ihre Dampfsirenen heulen lieh. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometer überflog der „Gras Zeppelin" Litauen in nordöstlicher Richtung. Die Fahrt wurde durch den wind begünstigt. Am 18 Ahr MLZ. befand sich das Luftschiff über Seredzlai, wo drei litauische Militärflugzeuge dem Luftschiff bis Dot- nuva das Geleit gaben. Am 19.30 Uhr überflog „Graf Zeppelin" die litauisch-lettische Grenze. 20.10 Ahr MEZ. wurde die etwa 40 Kilometer östlich Dünaburg an der Düna gelegene Stadl Kreslawka überflogen; zehn Minuten später befand sich das Luftschiff über der lettisch- russischen Grenze. „Graf Zeppelin" befand sich um 1.05 Ahr MEZ. über Wyfchnlj-Wo- l o l s ch e k im Gouvernement Twer. Ein Funkspruch des „Graf Zeppelin" meldet, dah das Luftschiff wegen der ungünstigen Wetterlage nördlich von Moskau abgebogen sei. Moskau in Erwartung des Zeppelin-Besuches. K o w n o , 15. Aug. (Sil. Funkspruch.) Wie aus Moskau berichtet wird, herrscht in der M o s- kauer deutschen Botschaft heute nacht reges Treiben. Zahlreiche Angehörige der deutschen Kolonie Moskaus besuchen die Botschaft, um Rachrichten über das Eintreffen des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ einzuziehen. Dor der Botschaft stehen die deutschen Reichsnngehöri- gen und erwarten in der dunklen Rächt das Luftschiff. Die Kegel der Scheinwerfer vom Cho- dhnka-Feld und vom Zentralflugplatz in Moskau leuchten dauernd den nächtlichen Himmel ab. Ganz Moskau scheint auf den Deinen zu sein, um das seltene Schauspiel zu genießen. Die Moskauer Blätter hängen in ihren Fenstern laufend die neuesten Standortmeldungen des Luftschiffes aus. Fahrt ins Ungewisse. „Graf Zeppelin" hat auf seiner Reise um die Welt deutschen Boden verlass en und nähert sich über Rußland bereits der europäisch- asiatischen Grenze. Was ,,®ta' Zeppelin" vor sich hat, bedeutet in jedem Falle eine staunenswerte Leistung. Denn selbst, wenn er sich an die Linie der sibirischen Bahn halten sollte, mutz er Gebiete überfliegen, deren Luftströmungen unbekannt sind, bei denen vielleicht nicht einmal die Karten stimmen. Dazu die Rotwendigkeit eines Dauerflugsvonüber elftausend Kilometer. Das ist eine schwere, aber keine unerfüllbare Aufgabe. Schon auf seiner ersten Amerikafahrt hat das Schiff diesen RÄord geschlagen. Aber vielleicht sind die Bedingungen, unter denen es jetzt der neuen Belastungsprobe ausgesetzt wird, noch ungünstiger als bei der ileberquerung des Ozeans. Dr. Eckener ist sich über die Schwierigkeiten, die es zu überwinden gilt, vollkommen klar. Er will aber gerade durch einen Dauerflug den Beweis der unbegrenzten Möglichkeiten erbringen, die in dem Zeppelin-Typ liegen. Fünf Tage mutz er in der Luft bleiben, auch wenn er über Land ist, von allen Hilfsmitteln abgeschnitten. Ein kühnes Wagnis, das unternommen werden kann nur im Vertrauen auf die Güte des Schiffs. Wir wollen uns hüten, Dorschutzlorbeeren zu verteilen. Die Begeisterung aber, die das Schiff auf seiner Fahrt über Deutschland gefunden hat. wird dem Führer und der Besatzung ein Beweis sein, wie heiß die Wünsche sind, die das Luftschiff auf feiner Fahrt ins ilngetoiffe begleiten. Ein Weltkongreß der presse. Die Reklamefachleute beim Verein deutscher Zeitungsverleger. Berlin, 15. August. (WB.) Der Verein deutscher Zeitungsverleger veranstaltete einen Empfang im Hotel Esplanade, zu dem zahlreiche Vertreter des Diplomatischen Korps, an der Spitze der Doyen Runtius Pacelli, erschienen. Reben den Vertretern des Auswärtigen Amtes und der Presseabteilung der Reichsregierung nahmen an dem Empfang eine große Anzahl ausländis cher Zeitungsmänner teil, die aus Anlaß des Weltreklame-Kongresses zur Zeit in Berlin weilen. Der Vorsitzende des Vereins deutscher Zeitungsverleger, Kommerzienrat Dr. Krumb» haar, begrüßte die Gäste und schlotz seine Ansprache mit den Worten: Die Augen der Welt sind in diesem Augenblick nach dem Haag gerichtet, wo die leitenden Staatsmänner vereinigt sind, um mühevoll den Weg zu suchen, der zur endgültigen Befriedung Europas führen soll. Sie ist nur möglich auf dem Boten der Gerechtigkeit und Gleichberechtigung der Völker, wir Deutsche leiden unter vielem, was wir als Ungerechtigkeit und als unvereinbar mit dem Geiste der Humanität empfinden. An Sie, meine Herren Vertreter der Weltpresse, richte ich die Bitte: werben Sie für den Sieg der Wahrheit und Gerechtigkeit. Der Botschafter der Vereinigten Staaten, Dr. S h u r m a n, dankte namens des Diplomatischen Korps und aller ausländischen Gäste für die Liebenswürdigkeit der deutschen Gastgeber. — Marcel Knecht vom Pariser „Matin" dankte hierauf für die französische Delegation. — Kommerzienrat Dr. Reven-Dumont, Köln, führte aus: Die Presse hat eine gewaltige Macht in der Hand. Der großen Macht entspricht die große Verantwortung. Wir dürfen in Europa nicht nur in Ländern, sondern wir müssen in Kontinenten denken (lebhafter Beifall). Erst soll man in gutem Sinne national, bann aber darüber hinaus an die gesamte Menschheit denken. Es sollen nicht wieder 25 Jahre vergehen, bis wiederum die Männer der Presse aus aller wett einmal so zusammenkommen, wie es heute geschehen ist, sei es in Berlin, Paris, Ehikago oder sonstwo, hätten wir vor 15 Jahren die Möglichkeit einer persönlichen Aussprache und Verständigung - unter den Presseleuten gehabt, dann wäre das furchtbare Anglück des Weltkrieges nicht über die Völker hereingebrochen. Daß ein solches Unglück nicht wiederkehrt, dafür müssen wir Zeitungsleute sorgen. Hierauf erhob sich Botschafter Sh u r m a n nochmals und unterstrich in englischer Sprache den Gedanken dieses Weltkongresses der Presse. Es'werde jetzt die Ausgabe aller derer, die sich für diesen Gedanken einsetzen, sein, es nicht bei den Bankettreden bewenden zu lassen, sondern dem Gedanken eine planvolle Ausgestaltung zu geben. Aus aller Welt. Englische Kirchenmänner in der Reichshauptstadt. Eine Abordnung von zwanzig englischen Geistlichen ist unter Führung des Lordbischofs Ripon und des Londoner Universitätsprofessors Garvie am Donnerstag mittag von Hamburg in Berlin eingetrofsen. Rach einem Imbiß begrüßte Vizepräsident D. Dr. Bur g ha r t (Berlin) im Äamen der deutschen Vere ini- gun g für internationale Freund- schastsarbeit der Kirchen die Gäste und erinnerte an den Besuch der zwanzig deutschen Geistlichen in England im Vorjahre. In fliehendem Deutsch erwiderte im Aamen der englischen Abordnung Canon Guy Rogers aus Birmingham. Die beiden Völker Deutschland und England feien in der Vergangenheit seelisch voneinander zu weit entfernt gewesen. Es fei die Aufgabe auch dieses Besuches, einandev kennenzulemen und dadurch die Sache des Friedens, für die der Weltbund für internationale Freundschaftsarbeit der Kirchen arbeite, zu fördern. Unter starkem Beifall führte der Canon aus, daß es der ernste Wunsch unb die tiefe Hoffnung aller Glieder der englischen Abordnung sei, daß die britischen Desatzungstruppen das kommende Weihnachtsfest in ihrer Heimat feiern möchten. Für die russisch- orthodoxe Kirche in Deutschland sprach Bischof T h ch o n (Berlin). Unter den Gästen bemerkte man zahlreiche führende Dertreter des kirchlichen Lebens in Deutschland. Der Tod des Rechnungsrats vendti. Der Tod des bei St. Anton in Tirol ermordet aufgefundenen Berliner RechnungsratL Vendt beschäftigt jetzt auch die Berliner Kriminalpolizei. Der Baumeister Fritz Becker-, ein Freund des Toten, kehrte von seiner Serienreife zurück und gab der Kriminalpolizei Auskunft über fein Zusammensein mit Dendt. Beide Herren sind Mitglieder des Alpenvereins, Sektion Brandenburg. Am 31. Iuli fuhr Becker mit dem 70jährigen Dendt nach St. Anton, wo beide im Touristenheim Klatenbach Wohnung nahmen. stieg stürzten unterhalb der Solvay-Hütte Dr. Beauelair und eine der beiden Damen, die am gleichen Seile gingen wie er, etwa 200 Meter ab und blieben tot liegen. Eine zwölf Mann starke Rettungskolonne ist zur Bergung der Leichen von Zermatt au3 abgegangen. ... Die rumänische Rattonaloper exmittiert. Am Dienstagmittag wurde die Bukarester Rationaloper, die in einem Priva t h a u§e untergebracht ist, ausquartiert und das gesamte Mobiliar auf die Straße gestellt. 40 Arbeiter haben in stundenlanger Arbeit sämtliche Kulissen, die Garderoben des KünstLerpersonals. sowie alle nicht niet- unb nagelfest angebrachten Apparate der Bühneneinrichtung aus dem Hause getragen und hinter dem Opernhause aufgestapelt. Kurz nach dieser Ausquartterung , ging über Bukarest ein wolkenbruchartiges Gewi 11 er nieder. Durch die Wassermassen wurden das Mobiliar unb besonders die Kostüme nahezu vollständig vernichtet. Der rumänische Staat ist dem Eigentümer des Hauses, i dem die Oper untergebracht ist, seit Iahre. die Miete schuldig. Die Hauseigentümer haben sich schließlich zu einer Klage entschlossen und siegten in allen Instanzen. Rach einem Eingreifen des Ministerpräsidenten Maniu erhielten die Eigentümer deS Hauses eine Abschlagszahlung. Als weitere Zahlungen aber nicht z»u erlangen waren, machten die Hauseigentümer kurzen Prozeß und ließen die Rationaloper durch Gerichtsorgane einfach vor die Tür feiert Die Bukarester Presse bezeichnet diesen Dorfall als eine Kulturschande unb alle Blätter ohne Unterschieb der Parteistellung greifen bie verantwortlichen Regierungsstellen aufs schärfste an. Raubüberfall auf eine Reichsbanknebenstelle. Vormittags gegen 11 Uhr betrat ein Mann das Lokal der Reichsbanknebenstelle in Muskau und zog, nachdem er die Tür hinter sich geschloffen hatte, mit den Worten: „Hände hoch!" einen R e • d o l d e r, den er auf den im Zimmer befindlichen Beamten richtete. Als der im Nebenzimmer sich aufhaltende Reichsbankrat Böhme das hörte, gab er aus feiner Pistole sofort 8 Schüsse auf den Verbrecher ab, von denen einige getroffen haben. Der Verbrecher verließ flüchtend den Raum und verschwand, ohne daß man bisher seine Spur entdecken konnte. Polizei und Landjäger find auf der Suche nach dem verwundeten Räuber, der, nach dem im Zimmer hinterlassenen Blutlachen zu urteilen, verletzt sein muß. Ein neues Segelboot für Paul Müller. In Charleston (Südkarolina) übergab die Bürgerschaft dem deutschen Seefahrer Paul Müller für sein am 28. Iuni im Sturm gesunkenes Segelboot, mit dem er ohne Begleitung b»n Ozean überquert hatte, ein neues Segelboot. Die Wetterlage. Wettervoraussage. o 45 -Jan Mayen- iberdten- O :kh :Kordoyäfr- o wolkenlos O neuer. ®naiD Deacon. ® wolkig. ® oedecxi eRegtiK » Schnee c Oraupein. e NeOel K üewitter.(g)windstilic.o «nr «tente» Ost massige» Südsüdwest. q siurimstncf tordwest Oie pfeue fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen dienenden Zahlen gehen die Temperatur an. Pie Limen verDindeo Orte mit gleichem auf Meeresniveau umaertchneteo Luftdruck x do h rT @ @d0 ruat. PoonersUtL fe, August, _l9297h abds. Die Herrschaft des hohen Druckes dürfte durch die neuerdings herannahenben Störungen beeinflußt werden. Westlich von Irland lagert ein Fallgebiet und über der Biscaha hat sich ebenfalls eine Störung herausgebildet. Der toiebei einsetzende Temperaturanstieg dauert fort, unt durch den Einfluß der Störungen wird es zu Bewölkung und vielfachen Gewitterstörunger kommen. W e 11 e r d o r a u s f a g« für Samstag Aufkommende Bewölkung mit stellenweisen Gewitterstörungen und Niederschlägen, warm. Wettervoraussage für Sonntag Wechselnde Bewölkung, später leichter Temperatur ruckgang und Neigung zu strichweisen Niederschlägen. Lufttemperaturen am 15. August: mittaag 25,2 Grad Celsius abends 19,2 Grad: am 16. August: morgens 16 Grad. Maximum 26,5 Grad, Minimum 13,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 15. August: abends 26,2 Grad: am 16. August: morgens 19 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 8X Stunden. in unserer engen ,rer i. R. Heinrich 146269 171698 288763 295492 285044 367636 31169 17528 55935 52344 158212 157299 166614 149436 324204 392872 155843 153132 152553 Prämien zu je 2 zu je 300000, Verantwortlich für Lokales: i. V. Eh-. Thyriot. es und ringe. Mlnsaiwsser Neflfrftches $ @ @10 Jean Weieel, Oiefcen, Sonnenstrahe 6, Telephon Nr. 88 Mer Ml Ulk«! Am SamMonnitWi oo 1000 ».Strümpfe! Ein Versuch lohnt I 58O1A Kein Laden. Eingang Ecke Volksbad. 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WeuWig Sieben, Selrersweg 58,1 Trenne. mittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 8.30. — Wochengottesdienst morgens 6.15; abends 7 Uhr. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst m der Synagoge (Südanlage). Samstag, 17. August. Vorabend 7.15 Uhr; morgens 8.30; abends 7.o0 und 8.30 Uhr. __________________ Herren-Socken Kinder-Strümpfe Jedes Paar Mk. JJaul HIMet. ofina) übergaö Sie . Sichrer 1 ün Sturm fttW vhue Begleitung d°n neues Segelboot. aufhielt, am letzten Montag plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Herzschlages im Alter von 68 Jahren. Der Verstorbene hatte zunächst die Präparandenschule in Lich, später das Lehrer-Seminar zu Finedberg besucht, welches er im Jahre 1881 verlieh, und wirkte lange Jahre hindurch, bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1926, als Lehrer an der Volksschule in Leihgestern. Seine verdienstvolle Tättgkcit als Jugenderzieher hat ihm das uneingeschränkte Vertrauen der ganzen Gemeinde erworben. Abgesehen von seiner Tätigkeit als Lehrer hat sich der Verstorbene als Bienenzüchter einen hervorragenden Rennen gemacht. Erst ün Januar dieses Jahres konnte der Bienenzüchter- verein Gießen und Umgebung anläßlich seiner Hauptversammlung in Gießen Lehrer Buß für die 25jährige treue Führerschaft als erster Vorsitzender des Vereins eine wohlverdiente Ehrung bereiten und ihm den Dank der Dereinsmitglieder darbringen. Lehrer Buß war auch seit zwanzig Jahren erster Vorsitzender des Hauptvereins für ganz Oberhessen und schon einige Jahre erster Vorsitzender des Verbandes hessischer Bienenzüchter, welchem außer den Imkern von ganz Hessen der Mitteldeutsche Bienenzüchter-Verein, mit dem Sih in Frankfurt am Blain, und der Bienenzüchter-Verein für Kurhessen (Hessen-Kassel- mit Waldeck angeschlossen sind. Ferner war Herr Buh Mitglied des Vorstandes des Deutschen Imker-Bundes, so daß die gesamte deutsche Jmkerschaft die «Früchte seiner ausgezeichneten und sachkundigen Arbeit ernten durfte und ihm zu außerordeitt- lichem Danke verpflichtet war. Mit Lehrer Buß ist eine Persönlichkeit von hoher Bedeutung dahingegangen; ein durchaus rechtlich denkender und in weiten Kreisen beliebter Mann, dessen frühes und unerwartetes Hinscheiden allgemein bedauert wird. Wie wir Höven, sollen die sterblichen äleberreste nach Leihgestern, dem Ort seiner langjährigen Wirksamkeit, übergeführt werden, wo am morgigen Samstag die Beerdigung stattfindet. Daten für Samstag, 17. August. Sonnenaufgang 4.48 Uhr, Sonnenuntergang 19.19 Uhr. — Mondaufgang 18.36 Uhr, Monduntergang 0.53 Uhr. 1786: Friedrich der Große im Schloß Sanssouci gestorben (geboren 1712); - 1861: der Maler Ludwig von Hofmann in Darmstadt geboren. Vornotizen. 7. Ziehungstag 15. August 1929 3n der Dormlttagsziebung wurden Gewinne über 150 M. gezogen Klus der pwvinzialbauptstadi. Gießen, den 16. August 1929. Lehrer i. K Heinrich Buß f. Karl Stückrath / Giehen Möbelfabrik Asterweg 47 / Gegründet 1868 Wohnungs-Einrichtungen und Einzel - Möbel in aparten Modellen und gediegener Arbeit Im Gcwinnrade verblieben: 2 500000, 2 Gewinne SU je 500000, » Ou «,» 2 zu je 200000, 2 zu je 100000, 4 zu je 75000, 6 zu je 50000, 6 zu je 25000, 76 zu ]e 10000, 116 zu je 5000, 344 zu je 3000, 616 zu je 2000, 1612 zu je 1000, 3502 zu je 500, 8880 zu je 800 M. Doppelkümmel RMPİr Carl Küchel Nachfolger, Weinhandlg.u.Likörfabrik 6774a Gießen, Kaiserallee 1 (kein Laden) 375864 398473 *--- 5226 Schöffengericht Gießen. Gießen, 14. Aug. Ein hiesiger Kassenbeamter hatte in den Jahren 1927 und 1928 insgesamt etwa 14 000 Mk. aus der ihm anvertrauten Kasse entnommen und einem Bekannten geliehen. Wegen schwerer Amtsunterschlagung (er hatte auch die Bücher unrichtig geführt) erhielt er 8 Monate Gefängnis. Ein Arbeiter aus Gießen hatte sich tn drei Fällen an kleinen Kindern vergangen und wurde deshalb zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt. < vr Ein mehrfach vorbestrafter Pferdehändler aus dem Kreise Usingen hatte Anfangs 1927 einem Landwirt ein Pferd abgeschwindelt und den Kaufvertrag mit einem falschen Rainen unterschrieben. Strafe: 1 Jahr Gefängnis. Ein junger Landwirt aus der Provinz hatte im Mai d. I. versucht, einem Mädchen Gewalt anzutun. Mit Rücksicht auf seine Jugend und sein reumütiges Geständnis erkannte das Gericht auf 3 Monate Gefängnis. Ein Meachniker aus einem Landorte wurde im Mai 1928 dabei erwischt, wie er im Seltersweg ein Fahrrad aus einem Garten heraus mitnahm. Als rückfälliger Dieb erhielt er acht Monate Gefängnis. Ebenfalls wegen Rückfalldiebstahls wurde ein Arbeiter und eine mit ihm herumziehende Köchin zu je 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Sie hatten sich nachts in ein Haus eingeschlichen unb dort verschiedene Sachen im Werte von einigen hundert Mark entwendet. 3n der Nachwittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen Sonntaß,18.Außust nachm. 3.30, Sdrötzenhans Belustigung aller Art sowie Kinderfestzug und Tanz. Erscheinen aller Kollegen und deren Familien erwünscht sossv Ein I. Pferd (Fuchs) Sjäbrtg, mit Geschirr und Wagen zu verk. Söuls, SMlsvvllMer In Srflnöerg. Adreßbuch der Siadi und des Kreises Gießen. Oer Abschnitt III mit den Einträgen der Buchstaben A bis $ in das alphabetische Einwohner« und Firmenverzeich- nis der Stadt Gießen liegt 3 Tage, vom Montag, dem 19. bis einschließlich Mittwoch, dem 21. August zu jedermanns Einsichtnahme In unserer Geschäftsstelle offen. Oie zuständige Einwohnerschaft Gießens sowohl als die beteiligten Behörden und öffentlichen Körperschaften usw. werden um Prüfung der Einträge auf Richtigkeit und Vollständigkeit hiermit gebeten. Für Fehler und ün- richtigkeiten kann keine Haftung übernommen werden. Oberhessischer Adreßbuchverlag Gießen Schulstraße Z Eingang von der Kaplaneigaffe aus. nimm B ul Iricli -*S c$l Seit 100 Jahren unübertroHen geg. alle Verdauungsstörungen, Magenbeschwerden, Sodbrennen etc. 250 g 0.60, Tabletten 0.25 u. 150. Nur echt m. d. Bilde des Erfinders. Berlin W 57. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Neliglonsgefeüfchafl. Sabbatfeier den 17. August. Freitag abend 7.10 Uhr; Samstag vor- Tierschutz-Verein Gienen. Den verehrl. Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß Herr W. Schneider, Ebelstraße 38, seines Dienstes als Vereins- diener enthoben und Herr Karl Kaiser, Ostanlage 29 öl, als solcher bestellt wurde. Derselbe besitzt Ausweis. Für den Vorstand: 6802D W. Fritzel, 1. Vorsitzender. Modehaus Salomon Der weit über die Grenze' Heimat hinaus bekannte Lehr Duh, Leihgestern, verstarb m Berchtesgaden, wo er sich mit seiner Frau zur Erholung Verhalten feine gesetzliche Handhabe, um es zu unterbinden. Es entspricht zwar nicht den guten Sitten, aber trotzdem kann ihm nicht im Sinne des unlauteren Wettbewerb-Gesetzes beigekommen werden. Die interessierten Geschäftsorganisationen werden dem Vernehmen nach demnächst an die zuständigen Behörden herantreten, und um eine Ergänzung des bestehenden Wettbewerbsgesetzes ersuchen. Ein entsprechender Entwurf befindet sich gegenwärtig in Bearbeitung, mit dessen Prüfung amtlicherseits demnächst begonnen werden dürfte. •• Volkstümliche Sonderfahrt nach Helgoland. Einer volkstümlichen Sonderfahrt an die Rordsee und nach Helgoland hatten sich unter Vermittlung des Hapag-Reiseburcaus Gießen zahlreiche Teilnehmer aus Gießen und Umgegend angeschlossen. Die Autorundfahrt durch Hamburg und die anschließende Rundfahrt durch den Hafen gestaltete sich zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Den Höhepunkt bildete die Dampferfahrt nach Helgoland. Die Reise war ausgezeichnet organisiert, das herrliche Wetter ein gütiges Geschenk des Himmels. Me bi» m ' der ntifyiL -L ^ierhora. &Wl Ermatt 2 273978 285044 288763 28öQyjf 330530 346119 346199 3o2804 — Belehrung über Verkehrs-Un- fallverhütung in den Schulen. Die in den letzten Jahren zu verzeichnende, gewalttge und sprunghafte Steigerung des Straßenverkehrs, den das Kraftfahrzeug mehr und mehr be- beherrscht, hat früher nicht gekannte Unfall* gefahren hervorgebracht, die zum Teil darauf zurückzuführen sind, daß sich weder die Fußgänger noch die Fahrzeuglenker und die sonstigen Verkehrsbenuher in wünschenswerter Weise_ den veränderten Verhältnissen anzupassen vermögen. In Deutschland verunglücken jährlich über 2000 Kinder. Da das Verkehrsproblem ohne Verkehrserziehung nicht zu lösen ist, hat der hessische Minister für das Bildungswesen angeordnet, daß an sämtlichen hessischen Schulen passende Gelegenheiten im Unterricht zu Verkehrsbelehrungen, insbesondere über die Verhütung von Derkehrs- unfällen auf der Straße, zu benutzen sind. Bevorstehende Beendigung des Schreiner st reiks. Rach siebenwöchiger Dauer scheint jetzt der Gießener Schreinerstreik seinem Ende entgegenzugehen. Der Schlichtung^ ausschuß hat dieser Tage einen Schiedsspruch gefällt, der den Manteltarifvertrag für das Holzgewerbe, einschließlich der Desttmmungen über die Kostgeldsätze der Lehrlinge, auch für das oberhessische Holzgewerbe als maßgebend anerkennt. Die Parteien haben sich bis zum 21. August über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs zu erklären. •* Schaufensterdekoration und geistiges Eigentum. Anläßlich des in Berlin tagenden Welt-Reklame-Kongresses und der ge- genwärttg stattfindenden großen Reklcrmeschau sind die vielseittgen Erörterungen über das Plagiat am Schaufenster interessant. Rachdem die wirksame Ausstattung der Ausstellungsräume und Schaufenster zu einer besonderen Werbekunst geworden ist, müssen deren Schöpfungen unbedingt als Kunstleistungen anerkannt werden. Ein Schutz dieser Schaufensterdekorationen besteht aber nicht und so kommt es nicht selten vor, daß besonders wirksame Schaufensterdekorationen kopiert werden, nachdem sie ohne Einverständnis des Geschäftsinhabers photographiert und diese Photographien an andere Geschäftsleute verkauft werden. Leider gibt es für ein solches 123437 178894 257076 329591 ___ 374897 ------ -- 236 «ttoinne xu 300 M. 3989 19326 23667 28116 Preußen. Kreis Wetzlar. 00 Hörnsheim, 15. Aug. Der G e m e i n d e - rat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Beratung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1 9 2 9. Bei dem Abschnitt „Einnahmen" wurde beschloffen, zur Bestreitung der ungedeckten laufetiden Gemeindebedürfnisse auf die staatliche Steuer vom Grundvermögen, sowie auf die Gewerbekapital- und Gewerbeertragsteuer einen Zuschlag von 2 0 0 Prozent zu erheben. Ferner wurde beschlossen, die vom Schulvorstand beantragten Arbeiten ausführen zu lassen. Für die von der K irch engem ein de beantragte Erhöhung der Küsterentschädigung wurden die erforderlichen Mittel aus der Gemeindekasse zur Verfügung gestellt. Bei dem Artikel „Wegebau" faßte der Gemeinderat den Beschluß, die Schäfergasse vom Hause Rinker bis an das Wiege-Häuschen, ferner im selben Straßenzuge die Strecke vom Mühlgraben bis an den „Stern" mit einer neuen Basalt-Kleinschlagdecke i u versehen. Zur Ergänzung der Feuerlöschgerät- chaften sollte eine ausziehbare Feuerleiter beschafft werden, die Beschaffung mußte jedoch we- gen Mangels an Mitteln bis zum nächsten Jahre zurückgestellt werden. Fortbildungsschul- unterricht soll, wie im Vorjahre, abgehalten werden. Zur Schaffung eines eisernen Bestandes wurde die zinsbringende Anlage eines Betrages von zunächst 500 Mk. beschlossen. Im übrigen wurde der Haushaltsplan in Einnahme und Ausgabe auf 46 000 Mk. festgestellt. tung über Oberdieten—Niederhörlen—Rieder- eisenhausen. ** Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz teilt mit, daß ihre beiden Kranken- kraftwoaen gegen Haftpflicht usw. versichert sind, und daß sie hmit auch für vorkommende Schäden haftet, sofern sie selbst gesetzlich haftbar gemacht werden kann. (Dgl. heutige Anzeige.) , •• Primizfeier der katholischen Kirchengemeinde Gießen. Am Feste Mariä Himmelfahrt feierte die hiesige katholische Kirchengemeinde das Fest der Primiz eines Sohnes aus der Gemeinde. Seit vielen Jahren ist es der erste Aeupriester, der ans ihr her- vorgegangen ist. Das Pfarrhaus und die Kirche hatten Flaggenschmuck angelegt, auch das Innere des Gotteshauses war würdig vorbereitet. Unter Assistenz zweier Freunde und des hiesigen Pfarrers, Geistlichen Rats Dekan Beyer, sowie mit Unterstützung des früher hier amtterenden Kaplans Raue zelebrierte der Primiziant Josef Heihler, ein Sohn des HausmeistersHeihler vom Lyzeum sein erstes hl. Meßopfer. Strafanstaltspfarrer Dr. Laufenberg (Butzbach) hielt eine Ansprache über die hohen Aufgaben des Priesters. Die Gemeinde brachte ihre herzliche Anteilnahme an der Feier durch die Ueberrei- chung von Geschenken zum Ausdruck. n exmittiert. ! Äscher A-> rV1 uni, das gestellt. 40 A quä dem Hause ausgestaprll. ging über ^artiges ®e. Dermassen wurden ta Kostüme naheui "rumänische r des. ZDises, i- i.u. seit Jahre. ^Hauseigentümer ■ entschlossen n. Aach einem Ein. en Maniu erhielten eine Abschlags. Ölungen aber nicht die Hauseigentümer Aationaloper durch >ie Tür sr^n. Die diesen Vorfall als alle Blätter ohne J greifen die ver« n aufs schärfste an. isbanknebenstelle. ilral ein Mann das : in Muskau unb inltr sich geschlossen X hoch/ einen Äe> Zimmer besindlichen m Nebenzimmer sich :at Böhme bas >le sofort 8 Schüsse von denen einig« ge- verließ slüchtend den daß man bisher seine >i und Landjäger sind »undeten Räuber, der, offenen Blutlachen zu Neue moderne Herren ■ Anzüge, ein- und zweireihig, Mk. 25.—, 35—, 48—, 52.— und höher. Frack- und Smoking • Ansage in großer Auswahl zu niedrigen Preisen. Sport- und Kanchester-Anztioe v. Mk.3ö — an. Burschen-Anzüse ein- und zweireibta, in allen Farben, von TIE. 20.— an. moderne Frahjahrs-lHäntel von Mk. 25- an. Leichte Marengo-Paletots von Mk.30.— an. Gnmmi-lHSntel von tvtk. 15 — an. Windjacken u. Lodenjoppen v.Mk. 12.— an. Schw. Boten f.Kellner u.Eisenbahner v.Mk.lL an. fieetr. Hosen in all. Farben u. Grönen, v. Mk. 5.— ort auch mr korvul. Herren. Manch.-u. feldgraue Bosen o. Mk. 10.— an. Sport-Hosen v.Mk.8.- an. Knickerbocker 0^112.-an Elsenleste Hosen v. Mk. 6 — an. Kinder-Hosen «Grütze 7—10) ü)tk. 1.90, auch Klnderanrtge in großer Aus wobt äh Schleuderpreisen. Heue Herren-Westen Mr. 3.50. Blane Arbeitsansage v. Mk. 7.50 an. Weißbinderansage Mk. 10.—. Sommerjoppen v.ML 5- an. Auch schwarze Somoerjoppen für Eisenbahner. Blane nnd schwarze Lfisterjacken von tllkk. 10.— an. Getragene Ansage tn allen Größen, auch für korvut. Herren, von Mk. 12 — an. Frack-, Smoking-, Eehrock- nnd Cutaway-Anzüge, äußern vretswerl; auch gobr. Hosen und Kellner-Westen in allen Preislagen. — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Einen interessanten Theaterabend hat das Stadttheater für Dienstag, 20. August, vorgesehen. „Drei Mal Rußland" lautet der Titel des Abends. Drei Einakter von Anton Tschechow, „Der Heiratsantrag", „Das Jubiläum" und „Der Bär" gelangen aus Anlaß des 25. Todestages des russischen Dichters zur Aufführung. * *• Schulpersonalien. Ernannt wurden: die prov. Handarbeitslehrerin an der Volksschule zu Schotten Anna Döh zur Handarbeitslehrerin an dieser Schule, der Schulamtsanwärter Albert Maurer aus Maibach, Kreis Friedberg, zum Lehrer an der Volksschule zu Schotten, beide mit Wirkung vorn Tage des Diens^ antritts ob; der Lehrer Johann Heinrich Eichenauer zu Hergersdorf, Kreis Alsfeld, zum Lehrer an der Volksschule zu Alsfeld. •• Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. V. (A.V.D.) Gießen: Die Ortsdurchfahrt Angersbach im Zuge der Slrafze Rudlos—Angersbach ist vom 19. d.M. bis au, weiteres gesperrt. Umleitung über Stockhausen—Müs. Die Strecke Grüningen—Holzheim im Zuge der Straße Gießen—Watzenborn—Butz- bach ist gesperrt. Umleitung über Lang-Gons oder Dorf-Gill. Die Strecke Rieter-Mockstadt— Ober-Mockstadt im Zuge der Straße Friedberg- Staden— Ridda ist gesperrt. Umleitung über Leidhecken. Die Straßen um die Burg in Friedberg im Zuge der Straße Friedberg—Rauheim ist ab 19. d. M. gesperrt. Umleitung erfolgt durch örtliche Regelung. Die Strecke Oberdieten—Rieder- dieten von Kilometer 20,6 bis 21,6 ist vom 16. bis 30. d. M. gesperrt. 3m Zuge der Straße D illenburg—Eibelsh aus en—Biedenkopf. Umle - Damen-Strümpfe Waschseide / Seidenflor Mako 6799A 2 >■ 25000 W 379325 4 ÄtWtnnc en 5000 42. 16604 162251 6 QfretntTtne iu 3000 a 8 schlechte Gewissen der Australier in-der Südsee sucht nach einem billigen Dorwand, um unter der Aegid« des Böllerbundes ungestraft weiter sündigen zu dürfen. Hochschulnachrichten. Der Lehrstuhl für Luftfahrt an der Technischen Hochschule in Stuttgart ist dem ordentlichen Professor Dr.-Jng. Georg Madelung an der Technischen Hochschule in Berlin angeboten worden. — Professor Dr. Wolsgang Schade- waldt in Königsberg hat den Ruf auf den Lehrstuhl der klassischen Philologie an der Universität Freiburg als Rachfolger von Rudolf Pfeiffer angenommen. sein. Statt der rund 1100 Weißen, die 1914 unter deutscher Herrschaft in diesen Gebieten ihr Drol fanden, werden heute zwar 3700 Weihe gezählt, aber diese „starke" Zunahme ist nur dadurch zustande gekommen, daß man vielen ehemaligen Soldaten nicht die Möglichkeit gegeben hat. nach Australien zurückzukehren, nachdem sie einmal im Lande waren und dah man überdies ständig neue Siedler in das Land bringt — meist ganz ungeeignete Leute —, um eine „Kolonisierung" vorzirtäuschen. Das hat natürlich zu ganz unmöglichen Zuständen geführt, da es bekanntlich nichts Unhaltbareres gibt, als ein weihes Proletariat innerhalbe in er farbigen Bevölkerung, die ihrerseits auch arbeitsscheu und unzufrieden ist. Wie lieblich die Stimmung in der Bevölkerung dieser Gebiete sein muh, geht daraus hervor, dah selbst in den lobhudlerischen australischen Berichten die weihe Bevölkerung als „sehr schwierig zu behandeln" bezeichnet wird, von der Eingeborenenbevölkerung ganz zu schweigen, deren Kopfzahl sich nach den Angaben zuverlässiger Gewährsmänner in den letzten Jahren um rund zehn vom Hundert vermindert hat. das heiht also, etwa 60 000 Eingeborene ihren Tod den Segnungen der australischen Kultur verdanken .... Run tft gewih nicht zu verkennen, dah die Aufgabe der Australier sehr schwierig ist- Ehemalige Soldaten sind auch an anderer Stelle nicht immer vorzügliche Siedler gewesen, uiw es ist gar kein Wunder, dah ein so kapital- armes Land wie Australien einfach nicht die Mittel hat. um Kolonien zu erschließen. Aber das spricht die Australier doch nicht von der Verantwortung frei, die die Hebernahme des Mandats nun einmal mit sich bringt, und es entschuldigt in keiner Weise den Zynismus mit dem sie feststellen, das Aussterben der Ein- geborenen sei damit zu erklären, dah das Leben für sie ihren Reiz verloren habe, nachdem die Mandatsverwaltung die ..Kopfjägerei verboten habe. Gewih stehen die Melanesier und Mikronesier Reuguineas auf einer sehr niedrigen Kulturstufe, sind der Arbeit entwöhnt, Psychologisch für Europäer kaum verständlich. Gewih sind im ehemaligen Kaiser-Wilhelmsland Doller- I stämme von einer Wildheit vorhanden die es | als sicher erscheinen läht, dah man ihrer nur I schwer Herr werden kann. Aber warum, so fragt 1 man, hat man dann diese Leute den Australiern überantwortet? Unter deutscher Herr- | schäft sind in diesen Gebieten nicht lährlich Kurze Einführung in das Wienerische. Don Or. Franz Häußler. Cs ist noch nicht lange her, da hat man ziemlich allgemein gedacht: Wien, das sei eine traurige Geschichte von gestern. Und mittlerweile ist Wien in Mode gekommen. Erst war's Strauß und Beethoven, dann Schubert und schließ- lich einfach das Wienerische selbst, dieses liebenswürdige Rätsel. Denn wer weiß schon, was das eigentlich ist? Erstens ist das Wienerische eine S P r a ch e. Wenn man's gar philologisch nehmen will, sogar eine uralte deutsche Mundart, die ihre eigene Lautung und Syntax hat. Aber bei Mundart darf man nicht etwa daran denken, daß das Wie- nerische nur vom Bolk jargonartig gesprochen werde. Man kann im Gegenteil von die er Sprache etwas Aehnliches sagen wie Luther von der seinen, daß ihr nachfolgen die Kaiser und Könige. Wienerisch und nur wienerisch hat z. B. gleich Maria Theresia geredet. Als sie durch ihren Sohn Leopold Großmutter geworden war, rief sie die Neuigkeit aus der Hofloge des Duratheaters dem ganzen Publikum mit den Worten zu: „Lettin, gfreits enk, der Poldi hat an Duam!" Und Franz, der spätere Schwieger- vater Napoleons, soll seine Eindrücke nach der ersten Zusammenkunft mit diesem in den lapidaren Satz gekleidet haben: ,^iazt. weil in (— ich ihn) gsegn hab. kann i'n schon gar nimma laidn! Das Wienerische ist aber nicht nur Reregerat, sondern auch Ausdruck, und zwar ein sehr eigenwilliger Ausdruck für Welt und Menschen. Das soll nur durch eine einzige Silbe illustrier werden. Für alle im übrigen deutschen Sprachgebiete üblichen Derkleinerungssilben wie —chcn, Aeugumea unter australischem Mudat Eine vergessene und ruinierte deutsche Kolonie. Don unserem ^-Berichterstatter. genommen werden kann. Die Werbearbeit ist in vollem Gange. Hermann Schmidt ersttittete Bericht über den Wohnungsausschuh. Rach Ckn bis jetzt vorliegenden Ergebnissen kann damit gerechnet werden, dah der Unterbringung Turnerinnen keine Schwierigkeiten entgegenstehen. Die Arbeiten der Quartiermacher sind noch nicyt beendet. Heber die Tätigkeit des Finanzausschusses berichtete Hch. Da ter. Die Eint^tts- preise sind so festgesetzt, dah es jedem moglich.ift, dos Frauenturnen zu besuchen, «zur den Wirt- chaftsausschuh sprach Hch F'ndt. Die Wirt- chaft auf dem Festplatz ist dem Gastwirt Ernst Häfner übertragen worden. Der Zug-^und Ordnungsdienst wird ausgeführt durch die freiwillige Feuerwehr und der dieser angegliederten Sanitätslolonne. Diese wird auch den Sanitätsdienst aus dem Festplatz ausübem für denPresse- ausschuh sprach Oberinspektor Bopf. Der Dor- itzende des Turnvereins dankte hierauf im Namen des Dorstandes den Vorsitzenden der verschiedenen Ausschüsse für die geleisteten Ar- Oberheffen. Landkreis Gietzen. OO K l e i n - L i n d e n, 15. Aug. Heute nachmittag gegen 5 Uhr rannte an der Einmündung der Wetz' larer Strahe in die Frankfurter Straße em aus Lützellinden stammendes Personenauto mit einem aus Gießen kommenden Personenauto zusammen. Beide Wagen wurden beschädigt und mußten abgeschleppt werden. Die Insassen beider Wagen kamen, ohne Schaden zu nehmen, mit dem Schrecken dyoon. Ungezählte Autounfälle und Zusammenstöße kamen an dieser Stelle schon vor, ohne daß man irgendwelche Mittel fand, diesen Unfällen vorzubeugen. Im Interesse der Autofahrer und der die Straße benutzenden Passanten wäre es dringend erwünscht, wenn wenigstens durch große, weithin sichtbare Warnungstafeln die Autofahrer auf die Gefahren aufmerksam gemacht würden. i ß i cf), 15. Aug. Der Ne u b au d e s h i esig e n Postamts schreitet rüstig weiter. Die Jnnenarbeiten sind im Gang, so daß in einigen Monaten mit der Fertigstellung des stattlichen Bauwerks gerechnet werden kann. — Don dem am Schwanensee neu erstehenden Hotel, das ein hiesiger Bauunternehmer errichtet, wurde der Rohbau fertiggestellt. Der hiesige K r i e g e r v e r e i n veranstaltet am kommenden Sonntag zum erstenmal seit Jahren wieder in größerem Maßstab wie vor dem Kriege sein diesjähriges P r e i s s ch i e ß e n. Alle städtischen Vereine haben ihre Mitwirkung bei dem Fest zuge- saqt. Auch die hiesigen Männeraesangvereine werden Chöre vortragen. Als Festkapelle konzertiett die Kapelle der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr unter Leitung ihres Kapellmeisters Philipp Sommer. * Hausen, 15. Aug. Am kommenden Sonntag wird hier das 65jährige Jubiläum des Turnvereins Hausen gefeiert. Verbunden damit ist das Bergfest des Turngaues Lahn-Dünsberg sowie die diesjährige Kirmes. (Dgl. die heutige An- 3eimi) Lich, 15. Aug. Dieser Tage hatte der Dorstand des Turnvereins äu eine’- Sitzung eingeladen, in der über die Dorbereitungen zum demnächst hier stattfindenden F r a u c n t u r n - s e st berichtet wurde. Nach kurzer Begrüßung erstattete Karl Bolz für den Turnausschuh Bericht Die Absteckungsarbeiten sind erledigt, so dah die Anlegung des Turnplatzes in Angriff freiten z Hungen, 16. Aug. Einen Turnersmann von echtem Schrot und Korn hat ,^r Turnverein in seinen Reihen. Es ist der 78- jährige Wilhelm Frutig, ein Mitbegründer unseres Dereins. Don 1886 bis 1906 war er Turnwart, seit 1906 Ehrenturnwart. Auch wahrend des Krieges hat er das Amt als ^urn- toart versehen, und fehlt heute, trotz seines Alters, bei keiner Dereinsveranstaltung OvCt Versammlung. Selbst dem Jugendturnwart steht er noch mit Rat und Tat zur Seite, öur seine Verdienste in der deutschen Turnerschatt wurde er 1924 mit dein Ehrenbrief des -turn- gaues Hassia ausgezeichnet und zu feinem 78. Geburtstag in diesem Jahre mit dem Ehrenbrief des Mittelrheinkreises. LJ Rodheim a. d. Horloff. 15. Aug. Die Arbeiten an unterem Gefallenen den km al gehen ihrem Ende entgegen. Das eigentliche Denkmal, dessen Lieferung durch die Steinbruchfirma Schmiedeknecht (Londorf) erfolgte, ist bereits aufgestellt, während die Errichtung des den Denkstein umschließenden Mauerwerks, die von dem Baugeschäst Drott (Nidda) ausgesuhrt wird, noch einige Tage in Anspruch nehmen wird. Man hofft, daß die Einweihung Mitte September vorgenommen werden kann. — Die elektrische Etromspannung unseres Orls- nehes, die seither 11Q Volt betrug, erwies sich schon seit längerer Zeit als zu schwach. So war cs nicht möglich, daß mehrere Motoren im Orte gleichzeitig liefen, ohne daß sie sich gegenseitig in ihrer Kraftentfaltung beeinträchtigten. Dieser Tage wurde nun durch das Heberlandwerk die Hmschaltung auf 220 Volt vorgeiwmmen, so daß der Hebelstand nunmehr behoben ist. Allerdings war diese Hmstellung für die Haushalte die sämtlich neue Glühbirnen anschaffen mußten, zum Teil mit erheblichen Hnkosten verknüpft — Bei einem Treppenaufbruch m der Hofrette des Wilhelm Nicklas II. wurde ein Grabstein freigelegt, der als oberste Treppenplatte diente. Der mächtige Sandstein, der mit der Aufschrift nach unten gelegen hatte, stammt aus dem Jahre 1706 und trägt folgende Grabschrift: „Hier Ruhet in Gott Seelig Joh. Henrich Dräut' Conradt Dräuten seelig gewesener nut Nachbarn und Einwohner allhier äu Rodheim nachgelassener ehlicher Sohn ist geboten anno 1706, 27ten Octobr und gestorben in dem Jahre 1726’, Sten Sept.: seines ganses Alters ist 20 Jahre weh Niger 7 Wochen". Der Stein, der neben dieser Aufschrift noch einen weiteren Spruch trägt, ist mit feinem künstlerischen Geschick behauen und verziert und läßt wohl auf die Wohlhabenheit dieser Familie schließen. LJ Aus dem südöstlichen Teile des Kreises Gießen, 15. Aug. Die wirtschaftliche Notlage unserer Landwirtschaft veranlaßte verschiedene Landwirte, sich erstmalig in diesem Jahre neuen Zweigen des Acke rbaues Erlebnis mit Pfirsichen. Don Max Iungnickel. Ein hübscher Junge. stammt wohl aus^ gu^m Hause. Ist gepflegt, sieht sehr behütet ans. Die Haare keck aus der Stirn gestrichen. H.nd in beiden Händen eine große, braune Tute mit Pfirsichen Er ißt und schaut zum Fenster hinaus Ich habe die Empfindung, daß d-:r Junge, ^bald er eine Frucht aus der Tute nimmt, immer herzhafter wird. Seine Augen strahlen, jedesmal Widers durch die Scheiben, immer mit einem frisch verwegenen Blick. Hnd auf einmal hält die Dahn wieder, und schon sitzt neben dem Jungen nut der großen Pfirsichtüte ein Junge saft in bem gleidjen □nter — Aber welch ein Hnte-rschied! Der Tunae ist barfuß, hat zerflickte Hosen an. Ein Sperling Die Spur vom mutwilligen Windm ^n zerzausten Haaren. Wer weiß, wo er her- Ammt.^Dielleicht aus jenen Hättsern, die keinen (Baum und keinen Strauch sehen, aber wo die Armut treppauf treppab bitteren geht. Wer weiß, wieviel Geschwister er hat. ^eni ^ater bat sicherlich große Schwielen an den Händen, ilnö seine Mutter muß sicherlich den Groschen zehnmal herumdrehen, ehe sie ihn ausgeben Der arme Junge siebt mit hellem Erstaunen fr;« »leine, zarte Hand einen Piirsich aus ber Tüte herausholt. 2ÜS die Frucht stückweise im Munde verschwindet, sehe ich. tote em stiller (Neid in sein Gisicht emporsteigt. Auf einmal wird der Barfüßige von den blauen Augensternen gemuttert. Hnd ohne sich zu besinnen, wird ihm Titte bingehalten. Hnd nun greift er hin- Jin nimmt sich einen Psirsich. heraus. Otter hi? Tüte geht nicht weg. Wie eine braune Ge- ftebt sie vor ihm. Er greift tote- Lr bEm Und immer nerftttoinbet die Tüte SSh ilicht Die Augen des armen Jungen sisch-ln Mahlend msiiel^er L 4°sin- ‘“uni/nun sitzen sie da und «ffwu J>g «ff lauft dem armen Jungen aus den Mundtom^m. Er leckt ihn schnell nüt der Lungenspitze heraus- Hnd die beiden rücken gmiz dicht zwammerL lächeln und tuscheln. Wie Bruder sind sie. Hnd da sehe ich, wie die linke, gebräunte, ver schrammte Hand des armen Jungen ganj wech laib zärtlich wird, als sie, tote zufällig, den Gaskrieg im 17. Jahrhundert. In der französischen Revue d’Artillerie führt ein Oberst ein im Jahre 1650 erschienenes Buch des polnischen Generalleutnants S i e m i e n o - wicz über die „Große Kunst der Artillerie" an, aus dem hervorgeht, dah man bereits in früheren Jahrhunderten sämtliche Kampfmittel des chemischen Krieges benutzte, wenn auch nicht in ihrer heutigen Vervollkommnung. Siemienowicz beschwört zunächst alle christlichen Völker, niemals gegeneinander solche ruchlosen Kampfmittel zu benutzen, empfiehlt ihnen dann aber eindringlich ihre Verwendung im Kriege gegen Türken, Tataren und andere Ungläubige, die abgesagte Feinde des Christentums seien und darum ohne Skrupel aus der Zahl unserer Nächsten gestrichen werden könnten. Er glaubt, daß man Geschützkugeln durch einen Heberzug mit Quecksilber oder Arsenik ebenso vergiften könne wie Indianer ihre Kriegspfeile. Als weitere Giftstoffe empfiehlt er für den gleichen Zweck Schaum aus dem Maule tollwütiger Hunde und Oel, in dem möglichst viele Spinnen ertränft wurden. Zur Vernebelung des Feindes vor einem Sturmangriff schlägt er Brandkugeln vor, die mit Birkenrinde gefüllt werden, da letztere besonders starken Rauch entwickele. Als Fülle für Stinkbomben erscheinen ihm besonders Pech, Schwefel, stinkender Asant und Kot geeignet Aus einer Reihe von Beispielen aus früheren Feldzügen wie aus den Hussitenkämpfen und der Belagerung von Rhodus durch die Türken geht hervor, daß man damals in Verwesung übergegangene Kadaverteile in die feindlichen Festungen schleuderte, um so den Ausbruch von ansteckenden Krankheiten hervorzurufen. —lein. — li, —le usw. hat der Wiener e.ne ein- I zige sich zu eigen gemacht, die Nachsilbe —el. bzw. —erl, was durch Dokalisation des r wie —al | gesprochen wird. Aber man lasse sich nur nicht einfallen, damit nun gleich ins Wienerische übersetzen zu wollen. Der barocke Schnörkel —erl hat seine Tücken. Ein urwüchsiger Wier.er darf die schlanken Beine seiner Dame als „herzige Ha- xerln" bewundern, aber um Gotteswillen nicht die ausgewachsenen Exemplare der Gattung als Haxen ansprechen, es wäre keine ärgere Bloßstellung zu denken. Man spricht vom „zuckersüßen Go- scherl" der Wienerinnen, aber auch wenn es nicht ganz klein, sondern von Normalgröße ist, darf man beileibe nicht von einer Goschen reden. Go» scherl ist neckisch bewundernd. Goschen gemein, Jargon, unmöglich. So groß ist die Wirkung des kleinen —erl. Es macht das^ Hnmoralische moralisch. das Hngefüge zierlich, das Hnmögliche gesellschaftsfähig: aber es geht auch umgekehrt, ein Nockerl ist keine besonders liebe, kleine herzige Suppenmehlspeise, fentern einfach ein dummes Gansert Alle Vorsicht mit dem —erlschwänz- chen! „ , - * Das Wienerische ist drittens em Stuck deutsche Seele, wie es sich eben in seiner Sprache und seiner Musikalität ausdrückt. Seine Rede setzt nicht die einfachen Worte für die Dinge, sondern Verkleinerungen, weil es nicht die Wirklichkeit, wie sie ist, erlebt, sondern sie verklärt. Dem Idyllischen einzig gene:gt, idealisiert es die Welt Der Wein wird zum Weinderl schlechthin, die Frauen zu feschen Maderln und so fort. Gleich geruhsam behäbig ist auch sein Vergnügen. sein Tanz, ausgesprochene Wienermusik, Schrammelquartette und ähnliches, scheinen daher Ausländem immer im Rhythmus etwas zu ^Wer^ gand verstehen will, muh schließlich begreifen, dah das Wienerische im innersten ein Schicksal ist. Man muß denken, dah dieses Wienertum eigentlich feit den Türkenkriegen nicht mehr um feinen Bestand zu kämpfen hatte, dah es nie selbst zu sorgen hatte, weil eine hohe nahe Obrigkeit für es sorgte und dachte, dah es als kultureller Regent eines Dutzend stark unterlegener Nationen aufwuchs und so auf die andern aber auch die Dinge und sich selbst lächelnd spötttsch herabsehen lernte, sie verschnür- leite verdrehte, sich idyllisch dienstbar machte. Als solche Haltung aber ist das Wienerische längst historisch, schon die heuttge Jugend tragt ein wesentlich anderes Gepräge. Wer daher auf jeden Schritt in Wien die obgerühmte alte Ge- I mittlichkeit haben will, der bekommt sie selbst- verständlich für fein ©elb, denn man ist um die I Fremden sehr besorgt, aber er darf sich dann London. August 1929. u Gebietes auf 30 500 Pfund Sterling Hnter den ehemaligen deutschen Kmomat- >Urüdgegangen war, erreichte er 1926 27 den gebieten nimmt das ehemalige Deutsch-Neu- r^ert Don 419 000 Psund Sterling und im Jahre guinea eine Ausnahmestellung ein, da es als 1927/28 einen solchen von 659 000 Pfund Ster- einziges von ihnen einem Lande zur Verwaltung j. cQt also rund verzwanzigfacht. Aller- überwiesen worden ist, das noch heute selber dis j)ing8 spielt sich dieser Handel (in der Haupt- zu einem gewissen Grade Kolonialland ist: Deutsch- I ra(^ Aypra _ getrocknete Kokosnuß) f a st a us- Neuguinea ist australisches Mandatsgebiet gewor- schließlich mit England ab, so daß Austra- den. Hierfür sind ursprünglich Gmnde mah- Iien an sich von der Kolonie nur einen genügen geblich gewesen, die wenig oder überhaupt nichts Vorteil hat, da es ja deren Erzeugnisse selbst m mit dem Mandatsgedaicken zu tun hatten. Denn g L wsisich°silich 1 10*000 "Menschen geftorbc. nur weil sie die 16 sich bitte 680ID WMtiita, mlNii Bim Utsweg n^rNachf. ' Tierarzt jetzt ulstrahel imt / Teleph. 38 Spat- unb Vorschuß- b.Cba. 10. m. b. h. pfjenber. sammlung ff 1929, nachmittags ivirl Ranfl. )nung: Msisbeiichts 1928. Uattgefuntene jRc-. übet' Genehmigung über Tewinnvertei- über Entlastung des cheiten. 8803D t vom 19. August ab iu zur Einsichtnahme ilen 6»X)a 1Sestellt larente rmenschilder ebelreklamen istreicher- derarbeiten XBSifiSS ritz Belitz alermeister Telephon 3122 -W? elf»- 'S?®i Turnen, Sport und Spiel Nachdruck verboten. 5. Fortsetzung. War der Abend auch schon vorgeschritten, die engen Beziehungen, in denen er von je zum Reichenbachschen Hause gestanden, rechtfertigten grauen Vorhänge über die alten Gassen und hüllte sie in unbestimmt bläulich webende Dünste. als er nach breitete ihre seinen späten Besuch. Das Abendrot war Dämonen der Zeit Vornan von Arthur Brausewetter. Ein vereinzelter Stern war am Himmel sichtbar. Aber er war bleich und ohne Glanz wie die schmale Mondsichel, die über dem Pfarrturm hing. Von den Häusern sprangen ihm groteske verblaßt, draußen trat. Die Dämmerung des Platzvereins ist sehr stark, so daß auch diesmal mit einer interessanten Begegnung gerechnet werden kann, deren Ausgang vollständig offen ist. Für den Sonntag hat man für die Ligamann- schaft einen namhaften und sehr spielstarken Frankfurter Kreisligisten verschrieben. Der 2. F. C. 02 Frankfurt a. M.-Rödelheim, der im Westmainkreis des Süddeutschen Fußballverbandes bei den letzten Meisterschaftsspielen hinter Griesheim 02 (jetzt Oberliga) und Sportfreunde 04 den 3. Tabellenplatz einnahm, gastiert auf dem 1900-Sportplatz. 1900 hält Generalprobe für die am 8. September beginnenden Derbcrnds- spiele und wird deshalb höchstwahrscheinlich in stärkster Aufstellung antreten. Die bis jetzt ausgetragenen Spiele in Groh-Auheim und Fulda sahen die Vereinigten in recht ansprechender Form, trotz der erlittenen knappen und auch unverdienten Niederlagen. Lediglich der Sturm muß sich zu besseren Leistungen aufraffen, wenn nicht das Prestige der Mannschaft leiden soll. Auch hierbei ist der Ausgang nicht vorauszusagen, vielleicht trennt man sich „Unentschieden", was für die Gießener ein Achtungserfolg wäre, da man die Gästeelf für bestimmt für spielstärker hält. Man hofft auf ein schnelles spannendes Kampfspiel, bei dem der Platzverein einen neuen Stürmer probiert. Die Ligareserve führt am Sonntag das Rückspiel gegen Grünbergs 1. Elf aus. Sie wird die Reise dorthin nicht in der starken Samstagaufstellung antreten können, da einige Spieler verhindert sind. Wenn apch die 1900er das Vorspiel in Gießen leicht gewönnen konnten, so wird man es ihnen diesesmat auf dem kleinen Grünberger Platz nicht so leicht machen. Zudem ist Grünberg zur Zeit sshr spielstark. Vor dem Ligaspiel trägt die dritte Mannschaft ein Gesellschaftsspiel aus. Der Gegner steht bei Niederschrift dieser Zeilen noch nicht fest. Die vierte Elf spielt ebenfalls auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe. Don den Zugendmannschaften spielt nur die zweite Iugend gegen Leihgesterns erste Zu- gend ein. Gesellschaftsspiel in Gießen. Beschläge, zum Teil mit steinernen Kugeln und eisernen Ketten geziert, entgegen. Hier und da flackerte bereits ein Licht hinter einem der hohen quadratmäßig vergitterten Fensterscheiben auf. Wie ein traumschwerer Schatten hob sich die wuchtige Masse der Kirche aus alledem empor. Eine Fledermaus umkreiste im Zickzackflug einen ihrer kleinen Türme, bis sie in einem seiner ehrwürdig klaffenden Risse verschwand, und einige Tauben, die ein verspätetes Nachtmahl hielten, girrten über das Pflaster. Er hatte nicht weit zu gehen.' Die Reichen- bachsche Wohnung befand sich in einem dem „Englischen Hause" schräg gegenübergelegenen Patriziergebäude, das der Oberst früher mit dem unverheirateten Bruder zusammen bewohnt und dann von ihm geerbt hatte. Auch die Geschäftsräume waren hier untergebracht. Als wäre er nie fortgewesen und hätte es nie eine Trennung und Entfernung gegeben, so völlig unverändert und vertraut kam ihm alles bei seinem Eintritt vor: die geräumige Diele mit der alten Stuckdecke und dem reich geschnitzten Treppengeländer, der stark geschnörkelte und doch nicht unbequeme Aufstieg, die schwere Eichentür mit ihren phantastischen Verzierungen, die in die Wohnräume führte, die in der sogenannten „Saaletage" begannen und sich in großer Ausdehnung nicht nur nach hinten, fast bis zur Frauengasse, sondern auch ein Stockwerk höher fortzogen, während die später eingebaute „Hängeetage" dem Privatkontor des Geschäftsherrn und seines Prokuristen Vorbehalten war. Wahrhaftig — auch die alte Marieke war noch da, die bereits seit drei Zahrzehnten die treue Türhüterin des Reichenbachschen Hauses gewesen und ihm mit demselben halb polnisch unterwürfigen, halb mütterlich zutraulichen Lächeln öffnete wie früher, als er hier als flotter Leutnant seine Besuche abstattete oder zu den Bällen kam. Lind wiederum, als wäre das erst gestern oder vorgestern gewesen, empfing sie ihn mit freundlicher Selbstverständlichkeit und sagte wie damals: „Die gnädige Frau lassen sehr bitten." Nur als sie ihm den kecken Reisehut abnahm und sein bereits gelichtetes Haupthaar erblickte, meinte sie mit bedauerndem Ton: „Na, de jungä Härr Oberleutnant sin abä auch nich jüngä jeworde ..." Lind nun stand er in dem großen, nur von einer verschleierten Stehlampe müde erleuchteten Empfangssaal Frau Reichenbach gegenüber, blickte in ihr feines, durchsichtiges Anllitz, das eine stille und zugleich starke Seele ausstrahlte, sah die einmal so glatte und klare Stirn von verräterischen Falten durchquert, sah die vielen weihen Fäden in den noch vor wenigen Zähren bläulich schwarzen Haaren und muhte an Mariekes abgetragene Weisheit denken, dah wir alle nicht jünger, sondern älter werden, es in diesen wickelt. Die Gasthäuser sind überall bis zum letzten Platz belegt, und es müssen noch Privatquartiere herange^ogen werden. Bei der heißen Witterung wird die kühle Gebirgsluft hier als sehr wohltuend empfunden. Trotz der hohen Fleischpreise wird volle Pension zu einem verhältnismäßig niedrigen Satze gewährt. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a.d. Ohm, 15. Aug. Der gestrige Schweinemarkt war mit 208 Ferkeln befahren. Für fünf bis sieben Wochen alte Ferkel wurden 38 bis 48 Mk., für acht bis zehn Wochen alte 48 bis 55 Mk. bezahlt. Der Handel war im allgemeinen schleppend, auch verblieb etwas Lleberstand. Der Besuch des Marktes muh als gut bezeichnet werden, besonders wenn man bedenkt, daß in hiesiger Gegend die Ernte noch in vollem Gange ist. — Die hiesige Schühengilde beteiligte sich am verllossenen Sonntag, anläßlich der Feier des diesjährigen Derfassungstages an dem ausgeschriebenen Reichswettschiehen und erzielte hierbei eine Ringzahl von 1000. Kreis Lauterbach. ---Herbstein, 15. Aug. Die hiesige Zugendherberge erfährt eine bedeutende Erweiterung. Ein neuer Schlafraum mit etwa zwölf Betten, ein großer Tagesraum, ein Brausebad werden eingerichtet. Nach dieser Vergrößerung wird die Herberge für etwa 40 Personen Platz bieten. D. f. B. Die Ligamannschast fährt am kommenden Sonntag nach Warburg, um gegen die Liga der Vereinigten V. f. D.-Kurhessen em Gesellschaftsspiel auszutragen. In einem vor mehreren Monaten ebenfal^ aus dortigem Platz ausgetragenen Treffen mußte sich Gießen mit 2:4 geschlagen bekennen. Wenn D. f. D. diesmal günstiger abschneiden will, muh er eine bessere Gesamtleistung aufbringen als am vergangenen Sonntag gegen Klein-Steinheim. Voraussichtlich wird die Mannschaft in stärkster Aufstellung an- treten, was einige Hoffnung auf Erzielung eines ansprechenden Resultats zuläht. Voraussetzung ist, dah sie mit dem ganzen Kampfgeist und Siegeswillen spielt, der notwendig ist, um gegen eine Mannschaft wie die des V. f. D.-Kurhessen zu bestehen. Die Plahels gehört bekanntlich zur Cßc- zirksliga (Oberliga): sie rerlor vor vierzehn Tagen gegen den allerdings sehr spielstarken Frankfurter Dezirksligaverein Rotweih hoch mit 0:5 und Wird nun Wohl alles daransehen, um durch einen eindrucksvollen Sieg über den zweitklassigen Gegner die Scharte wieder auszuwehen. Man darf auf den Ausgang dieses Treffens der beiden alten Rivalen, die sich schon in so manchem Gesellschaftsspiel und Punktekampf gegenuberstanden, gespannt sein. Die Ligareserve fährt ebenfalls nach Marburg und ist Gegner der gleichen der D. f. D.-Kur° Hessen. Sie gewann fei der letzten Begegnung mit 4:2 und sollte auch diesmal wieder Chancen für einen knappen Sieg haben. Allerdings ist dies ihr erstes Spiel nach der Sperre, das sie nur für sich entscheiden kann, wenn sie sich gleich zusammenfindet. • Für die erste Iugendmannschaft steht der Gegner noch nicht fest, wahrscheinlich wird es, die erste Iugend der Marburger Vereinigten sein. Wenn der Abschluß noch zustande kommt, wird das Spiel ebenfalls auf dortigem Platz ausgetragen. V. f. B. Wird bei der bekannten Spielstärke Marburgs um eine Niederlage kaum herumkommen. Die zweite Zugend wird in Lollar der dortigen ersten Zugend gegenüberstehen. Der Ausgang dieses Treffens ist offen. Auch die erste Schülerelf tritt auf den Plan. Sie hat sich Garbenteichs Schüler verpflichtet. Fußball in Großen-Buseck. Für den kommenden Sonntag ist der Verein „Sportlust" Cappel bei Marburg nach Grohen- Buseck zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Der genannte Verein, dem es in der letzten Verbandsspielserie gelungen ist, in die Bezirksklasse 2 aufzusteigen und somit zur Liga gehört, genießt in seinem Heimatgau den besten Ruf und ist durch seine faire Spielweise gern gesehen. Die Spielvereinigung 1900 Gießen weilte am vergangenen Sonntag mit einer zweiten Mannschaft bei dem obenerwähnten Verein, und es gelang ihr nur, ein Unentschieden zu erringen, ein Beweis, daß man hier vor eine spielstarke Elf gestellt wird. Lieber die Spielweise der Cappeler Elf ist man wenig unterrichtet, anzunehmen ist aber, daß die Mannschaft den in der Marburger Gegend besonders geübten flachen Fußball spielt. Nachdem die erste Mannschaft des F. C. 26 Grohen-Buseck gegen die Liga des Spiel- und Sportvereins 1921 Burg so glänzend abgeschnitten hat, so dürfte bei gutem Willen und unter Einsatz der vollen Kraft, ein weiterer Erfolg erzielt werden. Für die F. C. Zweite ist die kommende Ligareserve der „Sportlust" Cappel verpflichtet. Auch die Zugend- mannschaft des erwähnten Vereins wird vertreten fein, um gegen Großen-Buseck anzutreten. Sportverein 1928 Garbenteich. Kommenden Sonntag tritt nach langer Pause die erste Zugend- und die erste Schülermannschaft des Sportvereins 1928 Garbenteich auf den Plan. Die Zugendelf trägt auf eigenem Platze ein Gesellschaftsspiel gegen die dritte Zuwandten, der einen höheren Posten bei der Regierung in Schneidemühl belleidete, war es ihm gelungen, das Versäumte nachzuholen, aber einen Tag und eine Nacht hatte er doch darangeben müssen. Lind als er nun im „Reichshof" anlangte, in dem er sich ein Zimmer bestellt hatte, war dieses längst vergeben und kein anderes mehr frei. Zm „Danziger Hof", im „Deutschen Haus" und im „Norddeutschen Hof" — überall dieselbe abschlägige Antwort. 2fi>er auch das focht ihn nicht an. Er lieh sein Gepäck auf dem Bahnhof und begab sich auf die Wanderung. An dem stolzen, goldgezierten Hohen Tor und dem alten Stockturm vorbei war er in die Langgasse und von dieser in die Zopengasse eingebogen — — da sah er den Turm von St. Marien vor sich. Aus dem steinernen Llrwald von Zinnen und Mauern, dem wundervollen Geäst spitzer, nadel- förmiger Dasallentürmchen, aus dem dicht ihn umschließenden Hä^sermeer ragte der alte Recke truhig und stark in den Himmel. Mit der satten Glut dunkelroter Rosen umschmiegte das Abend- licht seine wuchtige Gestalt, flocht ihm eine Krone von leuchtenden Edelsteinen um das königliche Haupt, tauchte ihn in eine Welt von Farben und Duft und baute von Turm zu Turm, von Giebel zu Giebel hinüber feine glitzernd spielenden Drucken. Klaus' Seele aber jubelte diesem Anblick entgegen. Alle Crdenschwere und Erdensorge war von ihm gewichen. Mit einemmal regte sich etwas in ihm, das mit dieser hochgehobenen Stimmung Wohl kaum in Einklang zu bringen war: ein rechtes redliches Hungergefühl. Soviel Geld, sich ein schönes Abendessen mit einer Flasche guten Weins zu leisten, hatte er aus allen seinen Verkäufen glücklicherweise noch erübrigt. Lind langte es nur für heute — der kommende Morgen muhte für sich selber sorgen. Lind er faß in der altertümlichen, so ganz dem vornehmen Hansegeist der Stadt angepaßten Weinstube in der Zopengasse, ah und trank, wie ihm zumute war, und faßte, neu gekräftigt, seine weiteren Entschlüsse. Für einen kurzen Augenblick wollte er bei seinem Oberst vorsprechen. bitterschweren Zähren vielleicht mit doppelter Schnelligkeit werden. Aber das war es nicht, was ihn bei dieser ersten Begegnung so befangen, ja geradezu so unsicher machte, sondern etwas anderes: die ihm auf den ersten Blick aufdämmernde Ahnung von mancher Nacht, die diese aufrechte und tapfere Frcr.u in Kamps und Herzeleid durchwacht haben mochte. Lind als läse sie in seiner Seele, sagte! sie unmittelbar nach den ersten herzlichen Will- kommensworten: „3a, mein lieber Herr Körber, es hab eben ein jeder der Zeit seinen Zoll zahlen müssen. Sie sind nicht der einzige gewesen, obwohl es Sie besonders hart getroffen." „Zch glaubte. Sie hätten weniger Grund, sich über daS Schicksal zu beklagen." „Weil wir ein Haus und ein gutgehendes Geschäft geerbt, ja, vielleicht zu Geld und Reichtum gekommen —" „Vor allem deshalb, weil Zhr Herr Gemahl nicht, wie so viele seiner Kameraden, zur Lln- tätigkeit verdammt wurde, die seinem Feuergeiste unerträglich gewesen wäre, sondern in eine regelmäßige Arbeit und eine geordnete Lebenslage kam." „Gewiß, dafür konnte man Gott nicht dankbar genug sein. Aber Sie vergessen, daß es für ihn nur einen Beruf gab, nur eine Tätigkeit, in der er auf ging. Es ist wohl kein anderer so von Geburt an Soldat gewesen wie - er. Nicht nur sein Vater und Großvater — soweit er seinen Stammbaum verfolgen kann, waren sie alle Offizier. Lind nun der Liebergang in eine Arbeit —" Sie brach ab. Die Tür hatte sich leise geöffnet: eine hoch und schlank gewachsene, bei aller Wohlbildung vielleicht zu schlanke und ein wenig schmale Mädchengestalt in hellem, kurz geschürztem Hauskleide mit weiten Aerrneln war in das Zimmer getreten. Die dunklen, im Halbkreise um die Schläfen liegenden Haare verhüllten den oberen Teil der Stirn, ließen dafür aber das feine Oval des frauenhaft zarten Gesichts mit der kühlen, blassen Haut um so deutlicher hervortreten. Aus den tiefen, blauen Augen grüßte ein Leuchten, still und gemessen, wie alles an dieser eigenartigen Mädchengestalt, die in der Zeit, da er sie nicht gesehen, zu einer wundervollen Reise herangeblüht war. „Ich glaube, ich hätte Sie nicht wiedererkannt, wenn ich Ihnen da vorhin auf der Straße begegnet wäre." „Ich Sie aber um so eher," gab sio mit einer Stimme wieder, iw der ein seltener Wohlvang war. „Es sind über stellen Iahre her, daß wir miteinander getanzt haben, und wenn ich mich recht erinnere, war es nur ein einziges Mal, und zwar hier in diesem Hause, zur Feier Ihres 17. Geburtstages." (Fortsetzung folgt) Andere Welten warteten auch seiner. Was gewesen und verfehlt, lag hinter ihm. Hinter ihm sorgloses Genießen, unbekümmertes Spiel jugendlicher Triebe und Wünsche. Ein dunkler Vorhang trennte ein verflossenes Gestern von dem kommenden Morgen. Mit einemmal war auch neue, ungeahnte Kraft in ihm. Durch die tiefe Stille der einsamen Nachtstunde brausten Fausts Worte: Ich fühle Mut, mich in die Welt zu wagen, Der Erde Weh, der Erde Glück zu tragen. Mit Stürmen mich herumzuschlagen Lind in des Schiffbruchs Knirschen nicht zu zagen. Was einmal gewesen, versank — — zu neuen Llfem lockte ein Tag. 2. D u ch. Danzig. Ein Waienabend umschmiegte die alte Hansestadt mit linden Liebesarmen, erzählte in ihren alten Gassen Märchen von gestorbenen Zeiten, schwang seine glutroten Fackeln über hohe Türme empor zu einem Himmel von mattblauer Seide und ruhte still und geborgen unter den verträumten Giebeln schmalfrontiger, dicht aneinandergekuschelter Häuser. Obwohl die Glockenspiele des Rathauses und von St. Katharinen feierten, ging doch ab und zu ein leises Singen und Klingen durch die Lust. Lind wenn man, von den QPärften und Straßen abzweigend, in die Enge der schmalen Nebengassen sich begab, gl .übte man, es ganz deutlich zu vernehmen. Aber man wußte nicht, woher es kam, noch, wohin es sich verlor; traumhaft war es und geistergleich wie die ganze alte Stadt, über die der zunehmende Abend die dunkelnden Fittiche breitete. Co sah Klaus Körber sein Danzig wieder, so wandelte er, nachdem er den Hauptbahnhof und das Gewirr der surrenden Elektrischen und der fauchenden Autos hinter sich gelassen, durch seine alte, kraftumsponnene Herrlichkeit, der er von je in so tiefer Liebe zugetan war. Sehr glücklich war sein Einzug nicht gewesen, und ein anderer, der zum Aberglauben neigte, hätte darin vielleicht keine gute Vorbedeutung gesehen. Unmittelbar vor dem Korridor, nachdem er nur noch wenige Stunden von seinem Ziele entfernt war, hatte man ihn trotz seines energischen Widerspruchs aus dem Zug gewiesen und an der Weiterfahrt gehindert, weil er wohl die deutschen wie polnischen Sichtungsvermerke, aber nicht die geforderte amtliche Bescheinigung des Finanzamts bei sich hatte, dah der Verdacht einer C teuerhinterziehung bei ihm ausgeschlossen wäre. Mit Hilfe eines entfernten Der- bearüßende Einrichtung getroffen, daß die Schuler der Real- und der Volksschule zum Früh- stück ein Fläschchen sterilisierte, kühle Milch für zehn Pfennig bekommen. Bei der jetzigen heißen Witterung ist diese Gelegenheit den Kindern besonders erwünscht. Wenn sich die Einrichtung bewährt, kann im Winter warme Milch von einem hiesigen Milchgeschäft geliefert werden. ---Eckartsborn, 15. Aug. Ein Ehrenmal für die Gefallenen des Weltkrieges errichtet gegenwärtig die hiesige Gemeinde. Die von der Firma G e m m e r (Lißberg) ausgeführten Arbeiten gehen ihrem Ende entgegen, fo daß die Einweihung des Denkmals am kommenden Sonntag erfolgen kann. Kreis Schotten. ch Aus dem Kreise Schotten, 15. Aug. Eine Reihe von Züchtern des roten Vogelsberger Viehes hat in den letzten Tagen einen schönen Erfolg gehabt. Als Vertreter der Firma Hagenbeck durch unser Gebiet kamen, wurden sie auf die reingezüchtete rote Rasse aufmerksam, so daß sie sich entschlossen, einige Tiere zu erwerben. Bei einer Rundfahrt wählte man mehrere tragende Rinder und sprungfähige Dullen aus. Es wird beabsichtigt, diese Tiere nach Südwest-Afrika zu bringen. Dei dem Aufkauf wirkte das zuständige Landwirtschaftsamt in Nidda, ferner Gutsbesitzer Fischer vom Hof Zwiefalten mit. cpHartrnannshain,15. Aug. Der Fremdenverkehr hat sich äußerst günstig ent- Fußball in Güddeuischland. Wenn auch nicht alle 64 süddeutsche Dezirks- ligavereine bereits am ersten Sonntag in den Kampf eingreifen — der Mainbezirk fehlt völlig —, so gibt es dennoch bereits spannende De- gegnungen. Cs spielen: in der Gruppe Baden: F. C. Freiburg gegen Sp. Dg. Freiburg, Sp. Dg. Schramberg gegen S. C. Freiburg. — Gruppe Rhein: Sp.Dg. Mundenheim gegen V. f. L. Neckarau, S. D. Waldhof gegen F. Dg. Rohrbach, Mannhein 08 gegen Sp. Dg. Sandhofen. — Gruppe Saar: D. f. R. Kaiserslautem gegen Sportfreunde Saarbrücken. — Gruppe H essen: Mainz 05 gegen Alemannia Worms, 1. F. C. Langen gegen D. f. L. Neu- Isenburg. — Don den Gesellschaftsspielen sind zu erwähnen: S. D. Wiesbaden gegen Gradjan- ski Agram (Samstag), F. S. V. Frankfurt gegen Gradjanski Agram (Sonntag), Karlsruher F. V. gegen Hertha/B. S. C., Kassel 03 gegen Rotweiß Frankfurt. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Der kommende Samstag und Sonntag wird die Fuhballabteilung der Spielvereinigung 1900 Gießen erstmals in der neuen Saison in Gießen in Tätigkeit sehen. Bereits am Samstagnachmittag erwartet man auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe die Ligamannschaft vom Sportverein 1920 Heuchelheim. Den Gießener Dorortlem ist nach jahrelangen Bemühungen endlich die Meisterschaft in der ^-Klasse (1. Gaullasse) gelungen und damit zugleich der Aufstieg in die Liga (2. Bezirks klasse). Die Gäste stellen eine richtige Kampfmannschaft, aus der Torwart, Läufer und Innenstürmer besonders hervorragen. Auf dem heimischen Platz in Heuchelheim trotzte diese Elf selbst den stärksten Gegnern beachtenswerte Resultate ab, während sie auswärts nur sehr selten spielte, und somit der richtige Vergleich fehlt. Im Vorspiel in Heuchelheim lieferten sich die morgigen Gegner ein recht spannendes Spiel, das einen knappen 3:2-Sieg der 1900er zeitigte. Die Ausstellung zuzuwenden. Neben Anlage von größeren E rd- beerplantagen auf Aeckem hat man auch hie und da den Anbau von Bohnen in größerer Ausdehnung vorgenommen. Es kamen meistens nur Buschbohnen zur Anpflanzung, und zwar bewährten sich die Sorten „Schwert-Nordstern" und „Hinrichs Riesen" aufs beste. So konnte ein Landwirt auf einem knapp V, Morgen großen Acker eine Ernte von über 17 Zentner erzielen, die er zum Teil zu recht guten Preisen absehte. Die Getreideernte befriedigt ebenfalls. Quantitativ ist der Ernteausfall zufriedenstellend bis gut, qualitativ sehr gut. Während das Hektoliter Weizen beispielsweise in sonstigen Zähren bis zu 74 Kilogramm wiegt, hat man diesjährig Gewichte von 78,5 bis 79 Kilogramm, festgestellt. Die Gartenfrüchte, besonders die Gemüse, ergaben sehr geringe Erträge, nur die Gurken- und Bohnenernte ist zufriedenstellend. Die Obstbäume versprechen ein gutes Mittelergebnis trotz des durch die Trockenheit verursachten Abfalls eines großen Telles der Früchte. Da aus verschiedenen anderen Gegenden über geringere Obstergebnisse berichtet wird, so hoffen die hiesigen Landwirte auf gute Obstpreise. Kreis Friedberg. Da d-Nauheim, 15. Aug. Der Stadt- rat hielt gestern eine Sitzung unter Vorsitz des Beigeordneten Kling ab. Es waren nicht weniger als achtzehn Punkte zu erledigen. Hervorzuheben ist, daß der endgültige Beitritt zum Zweckverband „Wette rau" erfolgt ist, und dem vorgelegten Entwurf einer Satzung zugestimmt wurde. Der Anschluß an den Zweckverband ist ein erfreulicher Schritt auf dem Wege der Annäherung und Verständigung der Nachbarstädte Friedberg und Bad-Nauheim, die ja übrigens jetzt gemeinsame kommunalpvlitischr Arbeit leisten wollen, soweit es möglich ist. Der gemeinsame Städteausschuß ist von beiden Stadträten schon vor längerer Zeit beschlossen, und gestern wählte der hiesige Stadtrat seine Vertreter in das „überstädtische" neue Parlament. Beschlossen wurde, die Bad-Nauheimer Kirmes, das weitbekannte Saisonschlutzfest, am 6. und 7. Oktober nach altern Brauche auf dem Marktplatz in der Altstadt zu feiern. — Die starke Inanspruchnahme der hiesigen Arbeits- amtsnebenstelle macht die Verlegung der Geschäftsräume aus dem Stadthause notwendig. Der Stadtrat stimmte der Ermietung einer Privatwohnung zu 1680 Mark Iahresmiete für das Arbeitsamt zu. Abgelehnt wurde zunächst der Antrag der Verwaltung auf Beschaffung eines Elektro-Lastwagens mit 2000 Kilogramm Tragkraft. Der Dauausschuh soll sich mit der Sache nochmals beschäftigen. — Für Asphaltierung eines Teils der Fürstenstraße wurden 9500 Mark bewilligt. Bad-21 anheim, 15. Aug. In Heidelberg, wo er im Ruhestand lebte, ist Generaloberarzt a. D. Dr. Schrade gestorben. Nach langjähriger militärärztlicher Dienstleistung bei den verschiedensten Truppenteilen, u. a. auch beim Infanterie-Regiment Nr. 116 in Gießen und beim Feldartillerie-Regiment 47 in Fulda, bekam er 1909 als Oberstabs- und Chefarzt die Leitung des hiesigen Militärkurhauses (jetzt Reichsversorgungskuranstalt). Durch die menschenfreundliche wohlwollende Behandlung, die er seinen Pflegebefohlenen zuteil werden ließ, ist sein Name bei Tausenden von Militärkurgästen in allen Teilen des Reiches noch in bester Erinnerung. Dr. Schrade war hier Begründer der heute noch sehr regen Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft und hat sich als Kolonnen- arzt der hiesigen Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz auch um das hessische Kolonnenwesen sehr verdient gemacht. Kreis Büdingen. A Nidda, 15. Aug. Nach Ablauf der Sommerferien der hiesigen Schulen wurde die zu sS Sv D. schier el11 Ja un!e Lei' 0. 31 1900'% ner CßJ.% Ingen? ihrA den/r iDieö- - morgen haben- ß.W sigcn ° 0-AlasI Durchfa von P. Ende W asten 2 Kämpfe Am b lung em kreis I r jährigen Vereins scheu 2 matzen abfind« Einzell Staffel Si ' Am (Lahn) Kreise ten vo (Lahn) ringest durch Spiel schaff ger. ! Dittel tem S vom Komi Men Lahn- begeht säum, l Gauen ter wel bandsm bekannt befinde' A Am tag vo finden fchen Eine s schlechte mittags Sporttei Epvrile' hirran Einzeü guten manch die T interef Pause kämpfe Hattet fchen. ihre 5 Acre Kreiskl Kreis!.' nach Ft Heilung fchähen erste A hindern Nl Eine Gau L komme. Lohnst, Hotel)' 6%$t »L «r tol-8 tünt 4%%' ®ol A.L.T rüch <%<£ <%£ 4 -0' | <%£ <%U <%U <%1 *% 5 6er <%be ’M W & W ®eto «eich Gieß en. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse — Reichsbankdiskont 7.5 Prozent, Lombarbzinsfuh 8,5 Prozent. Berlin. 15- August Berlin Frankfurt a. M. Berlin itrantfua a M. Schluh-l l.Ubr Schluh-. Anfang. Kur» ! Kurs Kurs \ Kuro Schlub-1 l.Ubr i Schluß. Anfang. Kurs \ Kurs | Kur» Kurs 15.8. 16.8. 15.8. Datum 133,5 405 408 156,5 29,3 49,5 22,25 7,45 107,5 128,5 122,5 113,75 Danknoten. Berlin, 15- August angeführt en Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. den 159 299,5 209 182,25 122,25 162,5 113,25 126,4 128,6 209 182,25 278 162,75 153,5 159 301 107 134 189 100,5 125 1,5 222 155 128,5 125 222 154,5 28,5 69,5 212 114,65 126,5 128,75 209 182,5 279 168 153 159 298,5 102 301 236,5 409 323 238,25 156,75 107,25 195,13 55,9 56,25 49 202,5 25,75 90 213,75 55,25 60 63,5 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 122,25 163 114,9 126,4 128,75 210,5 182,5 278,5 168 153,75 159 299,65 . 8 . 8 10 . 8 10 10 12 11 12 10 10 10 . 8 12 10 . 8 10 15 12 18 14 12 12 ' 8 . 0 . 0 . 5 10 . 0 . 5 . 6 . 0 . 6 11 . 0 . 4 . 8 . 8 10 . 8 . 8 10 . 8 . 8 16 8. "T= 54,5 59 9,3 63 107 Nordseemeisterschast im Schwimmen. Giehener Sieg in der Damenkonkurren;. Die diesjährige Aordseemcisterschaft im 1000 - Meter - Schwimmen, die in Borkum ausgetragen wurde, gewann der Weltmeister Walther Bathe, Breslau, hart bedrängt von Kurt B e s ch e, Erfurt; der frühere Rordseemeister Heinz Dernard, Bonn, konnte den dritten Platz belegen. In der Damen-Aordseemeister- schäft siegte überlegen Lydia Muth, zu spüren bekommen. Wie anders verlief doch im Jahre 1927 die grobe Dörsenkrisis in Deutschland! Der schwarze Freitag, der noch dazu auf den 13. eines Monats fiel, wirkte noch nach Monaten auf die Dörsentendenz ein, die sich inzwischen immer nur zeitweise und schüchtern erholen konnte. Seit Jahr und Tag ist es der deutschen Industrie nunmehr unmöglich, an der Börse größere Emissionen zu placieren. Die Grohkonzerne Deutschlands, die dennoch in Anbetracht des fortschreitenden Aufbaus ihres Geschästsumfanges laufenden Kapitalbedarf haben, müssen zu den kompliziertesten Emissionskonstruktionen greifen, um die neuen Wertpapiere dem Publikum fchmackhaft zu machen und mit dein nötigen Anreiz zur Zeichnung auszustatten, ^lbst die seit langem auf dem Boden liegende Kon- junktur hat keine Gelder für Börsenzwecke freigemacht, weil einmal die Reparationsund sozialen Lasten ungeheure Kapitalsummen aus der Wirtschaft heraussaugen und diese ihre geringen verbleibenden Mittel zur weiteren Rationalisierung und Ausdehnung des Wirkungskreises braucht. Man weih, welche ungeheuren Anstrengungen notwendig waren und sind, um den deutschen Erzeugnissen auf dem Weltmarkt wieder Geltung zu verschaffen. Der Absatz ins Ausland ist vielfach mit der Rotwendigkeit langfristiger Kreditgewährung verbunden. Unsere Exportindustrie hat also alle Mühe, in dieser Hinsicht mit dem kapitalkräftigeren Auslande Schritt zu halten. Besonders deutlich kennzeichnete jetzt wieder die rasche Lleberwindüng der Reuhorker Börsenkrise den Unterschied im Krafteaufbau der amerikanischen und deutschen Wirtschaft. Ereignisse, die bei uns jahrelang nachwirken, werden drüben infolge der Kapitalkraft des Landes schnell überwunden. Zu den sonstigen in Deutschland aktuellen Wirtschaftsfragen gehört gerade jetzt wieder das intensive Bestreben auf Bereinigung der Rotlage in der Fahrradindustrie. Dieses Fahrzeug, von unseren Großvätern als das modernste Verkehrsmittel angestaunt, wird jetzt immer mehr von Verkehrsmitteln mit Kraft- antrieb verdrängt. Man denke nur an den ungeheuren Aufschwung, den die Motorradinduftrie seit einigen Jahre nimmt. Die Fohrradproduzenten wollen nunmehr ihre Produktion gemeinsam einschränken und sich zu diesem Zweck fest zusammenschliehen. Die bei solchen Anlässen immer auftretenden Quotendifferenzen haben bis- her aber eine Einigung über die Kontingentierung der Fahrraderzeugung verhindert. Einigung im englischen Sanmwollkonflitt. Wie aus Manchester gemeldet wird, hat sich die Konferenz der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer der B a u m w o l l i n d u st r i e für ein schiedsgerichtliches Verfahren geeinigt. Auf Grund dieses Ab- kommens steht es jeder Spinnerei frei, am Montag den Betrieb wieder aufzunehmen. Bis zur Fällung eines Schiedsspruchs sollen die Löhne gezahll werden, die vor der Aussperrung Geltung hatten. • Die Saarkohlenproduktion. Roch der amtlichen Statistik der französischen Bergwerksdirektion betrug im Monat Juni die reine Kohlenförderung der französischen Saargruben 98,75 29,1 2,4 1,775 22,5 21,65 1,75 7,5 7,5 7,5 8 22.25 19,7 21,5 1,75 7,45 7,5 7,45 301 235.25 405 322 238 107.25 195,4 53,5 56 Ämerilanilchc Noten Belgische Noten . .. Dänische Noten . . . Lualitche Noten.»« Brief "TmtT 168,36 22,06 111.94 59,34 2,495 112,64 80,91 61,57 12,451 73,30 Berliner Börse. Berlin, 16. Aug. Im Augenblick bringen die Tage für die Effektenbörsen eine unver- änderte Situation, d. h. nicht börsentechnisch, sondern was die wirtschaftlich-politischen Momente betrifft. Während gestern der M i l l i o n e n k r e d i t der BankvonEnglandals Haussemoment da war, mußte natürlich heute das Dementi der betei= ligten Stellen ernüchternd wirken. Auch die Nachrichten aus dem Haag lauteten ziemlich pejfi' mistisch, und man machte sich bereits mit dem Gedanken einer Vertagung vertraut. Die sich ziemlich widersprechenden Nachrichten über den Verhand- lungsstand erinnern sehr an die Zeit der Pariser Verhandlungen, wo die Meinungen der Presse eben- alls ziemlich schwankten. Trotzdem zeigten die ersten Rutle heute eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit und eintretende Verluste betrugen nur in den eltensten Fällen mehr als 1 o. H. Das Geschäft war wieder klein. Selbst der Wochenschluß hat kein Reoli- sationsbedürfnis zur Folge. R e i ch s b o n k plus 2 v. H., Hamburger Elektrizitätswerk plus 1,5 v.H., AEG. plus 2,75 v. H. Bei letzteren etzten sich anscheinend die amerikanischen Kaufe fort, und die Gerüchte von einer Sanierungsmöglichkeit im Verhältnis von 3:1 erhielten sich. Schwache Veranlagung hatten Glanzstoff, minus 4 o. H. Deutsche Anleihen fester. Ausländer geschäftslos. Pfandbriefe teilweise etwas gebessert. Der Geldmarkt lag in sich weiter etwas versteift. Tagesgeld 6,75 bis 8,75 v. H. (vereinzelt nur noch 6,5 v. H.), Monatsgeld 9 bis 10,5 v. H., Warenwechsel etwa 7,75 o. H. Nach den ersten Kursen wurde es dann vorübergehend fester. Das Geschäft nahm an Lebhaftigkeit zu. Später setzten aber anscheinend doch wieder Wochenschlußglattstellungen ein, denn die Kursentwicklung wurde uneinheitlich und eher schwächer. Deutsche Waffen und Julius Berger blieben etwas fester. Sonst verloren 9kAG. 1 v.H. und auch Glanzstoff lagen um weitere 2 v. H. gedrückt. Durch die Meldungen eines hiesigen Mittagsblattes verstärkten sich die Meinungen, die morgen eine Vertagung im Haag erwarten. Frankfurter Getreidebörse. F r a n k f u r t a. M., 16. Aug. Zum Wochenschluß war das Angebot in neuem Jnlandgetreide etwas geringer, so daß die Preise für Weizen und Roggen leicht anziehen konnten. Im übrigen blieb das Geschäft ziemlich gering, doch war am Mehlmarkt die Tendenz ebenfalls etwas fester. Weizen konnte 0,2-5 Mark anziehen. Futtermittel lagen weiter still. Es wurden notiert: Weizen 26,50 Mark, Roggen 20,90, Hafer (inländischer) 21,50, Mais (gelb) für Futterzwecke 21,50, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 38,75 bis 41,25, Roggenmehl 29,75 bis 31, Weizen- kleie 10,50, Roggenkleie 11,75 Mark. — Tendenz: stetig. , Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. 40/ Schweiz. ®unbe4b^®nL. • - 4% Lesterretchische Goldrte.. • • 4,20% Oesterr. SUberrle. . . - • 40- Oesterreich. emgettL «re. > • 4% Ungarische Goldrte.. - - - • 4% Ungarilche Staatst. v. 1910 . 4 Vi% deSgl. von 1918 4% Ungarilche fttonenrte.. • - • 4% lütt. RoUanletbc O-1911-- 4 a in diu eins, zwei, drei, im Handumdrehen haben Sie einen Korb Bohnen ohne Anstrengung geschnitten. So eine Bohnenschneidmaschine gehört einfach in jeden Haushalt. Warum wollen Sie sich auch immer die Mühe machen, die Bohnen mit dem Küchenmesser zu schneiden und sich aabei die Hände verderben? Denken Sie auch an die kostbare Zeit, die dabei verloren geht? Sehen Sie sich meine Bohnenschneidmaschine neuester Konstruktion an, lassen Sie sie sich im Gebrauch vorführen und ihre besonderen Vorteile erklären. Sie werden über die Leistung erstaunt sein. 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