Nr. UZ Erster Blatt 179. Jahrgang Donnerstag, 16. Mal 1929 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Schalle. Bezugspreis für 2wochen: 1 Reichsmark und 15 Rerchspfennig für Trägerlahn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüssc: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: graitffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniversttSi5-vuch- und Zteindruckerel 8. Lange in Liehen. Schriftleltung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzetgeu für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen van 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Re- klamcanzeigen van 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvarschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwartlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriat; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dietzen. „Graf Zeppelin" zur zweiten Amerikafahrt gestartet. Friedrichshafen, 16. Mai. (W. T. B.-Kunkspruch.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat heute früh um 5.58 Uhr zur festgesetzten Startzeit mit 40 Mann Besatzung und 18 Passagieren an Bord, seine Fahrt nach den Vereinigten Staaten von Amerika angetreten. Rach einer Schleife über dem Heimathafen hat das Schiff das Stadtgebiet mit Kurs auf Konstanz- Basel in langsamer Fahrt verlassen. ? Der Statt in Friedrichshafen. Friedrichshafen. 16.Mai. (0123. Funkspruch.) Sieben Manate nach seiner ersten Amerikafahrt ist es nun foroeif, datz der „Graf Zeppelin" seine zweite Fahrt nach dem Kantinent jenseits des Atlantik antrilt. diesmal mit zahlreichen zahlenden Passagieren und wertvoller Ladung an Lord. Jn der Stadl und auf dem Werftgelände wird es schon kurz nach Tagesanbruch lebendig, besonders in den Quartieren der Passagiere und der Zeitungsleute geht es aufgeregt zu. Die Straften und Wege sind aufgeweicht, da es die ganz Rächt hindurch geregnet hat. Auch jetzt ist der Himmel mit tiefhängenden, regenschweren Dal- ken überzogen, vor dem von den polizeibeamlen streng gehüteten Lingangstor der Werft und um den Platz herum drängen sich zahlreiche Neugierige und verfolgen gespannt die Abfertigung der reihenweise eintressenden Kraftwagen mit Fahrgästen und sonstigen Bevorzugten, die Zutritt haben. Gegen 5.30 2lhc kommt allmählich Leben in die grofte Halle. Die Passagiere finden sich mit dem kleinen Handgepäck ein. Während der dunkel- häutige Gorilla mit einem Handwagen zum Schiff transportiert wird, summen au Bord schon einzelne Motoren im Probelauf. Als einer der ersten geht Commander Clarke an Bord. Dann folgen in kurzen Abständen die übrigen Fahrgäste. Das Schiff ist offensichtlich vollkommen klar zum Start, denn schon kurze Zeit, nachdem die Vassagiere und die Besatzung gröfttcnteils an Bord sind, werden die Sandsäcke abgenommen und die Docke unter dem Schisssrumps entfernt. Das schwerbeladene Schiff konnte von wenigen Mann am Boden gehalten werden. Um 5.45 Uhr öffnen sich langsam die schweren Tore der Halle. Ein kühler Luftzug hebt die Flanken des Schiffes. Die e i n - jigeDamean Bord, die schlanke Amerikanerin, deren Name nicht bekannt ist, stellt sich noch in letzter Minute den hin und her haftenden Photographen zur Verfügung. Dann geht auch sie in das Schiss. Die Stimmung ist ausgezeichnet, die Passagiere unterhalten sich lebhaft mit den Umstehenden. Besonders Kapitän Witkins, der alte Pilot, macht ein fröhliches Gesicht. — Dann erscheint Dr. Eckener, gibt die letzten Befehle an die Mannschaft und verfchwindet in der Gondel. Um 5.49 Uhr ist alles an Bord und sofort wird das Schiss durch das Desttor im flotten Tempo mit dem Heck in die taunassen Wiesen hinausgebracht. Die Spannung ist auf den Höhepunkt gestiegen, als das Schiss ganz in» Freie gezogen wird mit der Spitze nach Süden quer zur Halle gedreht und über einen Graben hinweggebracht wird, begleitet von den Zurückbleibenden. Die Passagiere stehen mit vergnügten Mienen an den Fenstern. Scherzworte fliegen hin und zurück. Die letzten Photos werden angefertigt. Dr. Eckener verfolgt aufmerksam den Transport des Schisses, und wenige Minuten später gibt er das Kommando zum A u f ff e i g e n. Die Motoren werden angeworfen, die Haltemannschaften ffoften den schweren Schiffsrumpf in die höhe und langsam löst sich der Zeppe- lin von der heimatlichen Erde. Ein letztes Grü- ft en und winken seht ein, herunter und hinauf, das aber nicht von langer Dauer ist, denn sobald die fünf Motoren in Gang kommen, zieht das Schiff in mäftiger höhe rasch nach Südosten davon. Kurze Zeit später ist der „Gras Zeppelin" nach einer Schieise über der Stadt in westlicher Richtung fliegend, hinter Wolkenfchleiern verschwunden. Blinde Passagiere. Friedrichshafen, 15. Mai. (WTD.) Heute morgen wurden auf der Werft des Luftschiffbaues wiederum drei junge Leute entdeckt, die sich als blindePasfagiere an der Amerikafahrt des „Graf Zeppelin" beteiligen wollten. Zwei von ihnen hatten am Tage vorher das Luftschiff besichtigt und s i ch abendsin die Halle einschlieften lassen, während der dritte während der Nacht über den Zaun geklettert war. Einer der Festgenommenen, ein junger Holländer namens G. T. Kuhser. der vor einigen Tagen aus Amsterdam nach Friedrichshafen gekommen war, trug einen Monteuranzug und wollte sich beim Abflug in dieser Kleidung an Bord des Luftschiffes schmuggeln. Die beiden anderen sind junge Deutsche, der 20jährige Autoschlosser Richard Karge aus Bremen und ein 26 Jahre alter Gerbereiarbeiter aus Murhardt in Württemberg. Die drei ungebetenen Gäste wurden i n Haft genommen, da der Luftschiffbau nunmehr,' wie bereits angekündigt, gegenüber blinden Passagieren von seinem Recht zur Stellung eines Strafantrages Gebrauch machen wird. Heute nachmittag wurde ein weiterer blinder Passagier, ein 17jähriger Hilfsarbeiter aus Freiburg, in der Halle entdeckt, als er eben im Begriffe war, von oben durch das Gas - schachtventil in das Luftschiff hinabzusteigen. Der junge Mann hatte sich mit einer vollständigen Wildwestausrüstung, mehreren Messern, einer Reitpeitsche, Lasso und Signalpfeife versehen. Er wurde fe ft genommen , da auch gegen ihn Strafantrag gestellt werden wird. Oer Weg zur Selbstverständlichkeit. Zum drittenmal tritt ein deutsches Lenk- luftschiff von Friedrichshafen aus die Fahrt über den Ozean an. Das erstemal, als L. Z. III, das spätere Los Angeles das Wagnis unternahm, waren nur feine Erbauer und andere Fachleute an Bord; beim zweiten Male hatten sich für Hin- und Rückflug schon eine Reihe Passagiere ein- gesunden, die chr Unternehmen aber immerhin als großes Wagnis empfanden; beim dritten Male schiffen sich die Passagiere mit ungefähr den gleichen Empfindungen ein, mit denen man früher eine Seereise in einem der guten deutschen Dampfer des Lloyd oder der Hapag antrat. Und wenn eine Weile später die große Weltumsegelung des „Gras Zeppelin" in Szene gesetzt wird, wobei es gilt, zum erstenmal über Sibirien und Japan hinweg den gegenüber dem Atlantischen noch erheblich breiteren und weniger befahrenen Stillen Ozean zu kreuzen, so wird das ebenfalls nur noch eine Frage des Geldbeutels und der Zeit, aber selbst im Bewußtsein der Teilnehmer nicht chres persönlichen Mutes sein. Was hier von diesem einen Verkehrsmittel der Zukunft — nein, der Gegenwart! — gesagt ist, galt vor einigen Jghren vom Flugzeug für den binnenländischen Verkehr, galt wenig früher vom Automobil und vom Motorrad, die sich heute in Millionen Exemplaren die Verkehrswege der ganzen Welt erobert haben. Es ist die Erziehung zur Selbstverständlichkeit, die jedem praktisch brauchbaren technischen Fortschritt innewohnt, sobald er sich durch einige Pioniere das Daseinsrecht hat erkämpfen lassen. Auch von technischen Fortschritten, die nicht auf dem Verkehrsgebiet liegen, gilt das gleiche. Der hübsche Scherz, den wir dieser Tage in einer Rundfunkzeitung fanden, ist dafür durchaus bezeichnend. Roch vor wenigen Jahren, in und selbst nach dem Kriege eine Art Geheimwissenschaft der Fachleute, ist das Radiowesen heute jedem Kinde vertraut und bis zu den primitiven Volkern vorgedrungen. Deshalb ist es keineswegs so sehr unwahrscheinlich, daß der Reisende in Jnnerafrika, der in einem Dorfe von Dinka-Negern sich von seinem kleinen Rundfunkapparat eine allgemeine Verblüffung der Bevölkerung verspricht, als er vergeblich die Stimme ferner Stationen aufzufangen versucht, von dem Häuptling darauf aufmerksam gemacht wird, er habe feinen Stromkreislauf falsch geschaltet und für diese Apparatgröße empfehle sich eher eine Hochantenne als ein Rahmen... Freilich ergibt sich aus solchen Erkenntnissen auch ein Rückschluß weniger erfreulichen Charakters. Denn wenn die Errungenschaften, die heute im Vordergrund des öffentlichen Interesses stehen: Verkehrswesen, Radio, Kino usw. jedem Kinde und jedem Eingeborenen primitiver Gebiete ebenso leicht und ebenso vollkommen zugängig sind, wie dem Fachwissenschaftler, und wenn das „nil admirari“ für alles und jedes gilt, was wir als Kulturgüter anzusehen geneigt sind, so ergibt sich daraus die Verflachung dieser Kultur. Und damit zugleich der Verlust der seelischen Güter, die früher mit dem Begriff Kultur verbunden waren, weil ihr Besitz geistig erarbeitet und seelisch genossen werden mußte. Die Neigung zu solcher Arbeit, zu solcher Vertiefung, muß aber notwendig in dem Maße abnehmen, in dem die E r s a h g ü t e r der Kultur gleichsam automatisch in den Besitz, in die Kenntnis, in den Derwertungsbereich jedes einzelnen gelangen. Wozu braucht man ein musikalisches Instrument mühsam zu erlernen, wenn man gute Musit durch das Drehen an einem Knopfe oder durch einen Fingerdruck jederzeit ins Haus geliefert bekommt? Wozu braucht man sich seelisch und geistig auf eine Reise zu trainieren, sich körperlich auf Märsche vorzubereiten, wenn man im bequemen Auto, Flugzeug usw. diese und noch viel größere Entfernungen ohne eigene Anstrengung spielend zurücklegt? Und wozu braucht man Länder und Völker zu studieren, wenn man sie mit Ueberspringung aller Zwischengebiete in wenigen Tagen im Luftschiff erreichen und wieder verlassen kann? Die Entwicklung zur Selbstverständlichkeit, so unaufhaltsam sie uns scheint, hat Schattenseiten, die eine Einkehr fordern, wenn wir die ungeheuren Werte der selb st erarbeiteten Kultur für den einzelnen und für die Völker nicht gefährdet sehen wollen. „Reisen und Wandern." Die Eröffnung der Achten Jahrcsschau Deutscher Arbeit in Dresden. Dresden, 15. Mai. (WTB.- Die Achte Jahresschau deutscher Arbeit „Reisen und Wandern" wurde mit einem großen Festakt in Gegenwart einer ansehnlichen Festversammlung eröffnet. Ministerpräsident Heldt begrüßte die zahlreichen Ehrengäste aus allen Ländern, insbesondere die Vertreter des Reiches. Reichsminister des Innern Severing wies dann auf die seelische und die körperliche Bedeutung insbesondere des Wanderns hin. Das Wandern, so führte der Minister u. a. aus, verleiht ein Gefühl der Ungebundenheit, es reißt uns heraus aus dem Qualm der Häusermeere, aus dem Rauch der Fabriken und gibt uns in Feld und Wald der Natur wieder, es löst uns von den vielfachen Bindungen des Berufslebens und läßt uns auf kurze Stunden die Lasten und Sorgen des Alltags vergessen. Darin liegt zugleich ausgesprochen die Lebenswichtigleit und Bedeutung von Reisen und Wandern für die lebende Generation. Maß und Tempo der Arbeit verlangen heute Cleveland (Ohio), 15. Mai. (WB.) In einer hiefigen Klinik ereignete sich eine furchtbare Explosion. Die Klinik geriet in Brand. Aus den Laboratorien der Klinik strömte Giftgas aus, daß sich in der Umgebung der Klinik verbreitete Eine Anzahl von Fußgängern, die das giftige Gas ein- almeten, brach bewußtlos zusammen. Alle verfügbaren Aerzte und Rettungsmannschaften wurden alarmiert und in der Nähe befindliche Autos und Lastwagen zur Hilfeleistung herangezogen. Die Zahl der Toten bei dem Krankenhausbrand ist auf 93 gestiegen. Man rechnet damit, daft noch mehr Leichen unter den Trümmern liegen. Bor dem Trümmerhaufen, den das Gebäude bildet, spielen sich unbeschreibliche Szenen ab. Zu Hunderten suchen die Angehörigen der verunglückten Auskunft über das Schicksal der Krankenhausinsassen zu erholten, viele Kranke muhten während des Brandes vom Dach des Hauses heruntergeholt werden, wohin sie das Pflegepersonal zunächst gebracht hatte, viele Verwundete lagen stundenlang auf dem Strahenpstaster, ehe man ihnen Hilfe angedeihen lassen konnte. Anter den Toten befinden sich viele Opfer der Giftgase. Nach zwei schweren Explosionen schossen aus den Fenstern des zweiten Stockwerkes sofort die Flammen heraus und die in diesem Stockwerk unter- gebcachten Patienten waren hilflos dem w ü - tenden Element preisgegeben. Das Hospital, in dem sich zur Zeit der Explosionen über hundert Patienten befanden, füllte sich im Anschluß an die Explosion mit Giftgasen. Die Feuerwehrleute aus der ganzen Stadt, die schnell herbeigeeilt waren, sowie eine Reihe anderer Helfer drangen todesmutig mit Gasmasken vor und zogen die Patienten aus den Fenstern heraus. Andere Gefährdete wurden von den Aerzten und Pflegern auf das Dach des Hospitals getragen. Die meisten Geretteten hatten bei ihrer Rettung das Bewußtsein bereits verloren und waren verletzt. Ihre den Giftgasen ausgesetzten Gesichter und Hände waren gelb gefärbt. Bei dem Rettungswerk tat sich besonders der gerade vorüberfahrende Laskautoführer Jack Sutherland hervor, der einem Feuerwehrmann die Gasmaske entriß, in das brennende Gebäude hineinstürzte und zwanzig Personen rettete, ehe er selbst bewußtlos zusammenbrach. Die Feuerwehr hat jetzt ermittelt, daft die Explosionen im Erdgeschoß erfolgten, wo F i l m st r e i s e n aufbewahrt wurden, die zur Aufnahme von Röntgenphotos dienten. Die Polizeimannschasl, die als erste an der Unglücksstätte eintraf, stieß beim Eindringen in das Gebäude auf einen Haufen von 25 Leichen. Line innere Tür war durch eine Leiche versperrt, so daß andere Patienten, die bereit» zu schwach waren, äußerste Kraftanstrengung, rastlose Hingabe an den Betuf, da macht sich ebenso gebieterisch die Forderung nach einem körperlichen und seelischen Ausgleich nach Entspannung geltend, die um so vollkommener sein wird, je mehr es gelingt, mit der Arbeitsruhe zugleich einen Wechsel der Umgebung zu erhalten, eine innere Berührung mit den Kräften der Natur zu verbinden. Für unser Boll aber werden die Vorteile des Wanderns nur dann wirksam werden, wenn es gelingt, die Voraussetzungen zum Reisen und Wandern auch für die breite Masse zu schaffen. Eine Serien» pause im Jahr und eine erträgliche Arbeitszeit sind die ersten Voraussetzungen für die Befreiung vom Zwange des Berufslebens. Das weitere Bestreben muß darauf gerichtet sein, das Reisen und Wandern nach Möglichkeit zu verbilligen. Der Minister verwies auf die vorbildliche Tätigkeit des deutschen Jugendherbergsverbandes auf diesem Gebiet und richtete einen Appell an alle öffentlichen Körperschaften wie an die Verkehrsgesellschaften, den Wander- und Sportvereinigungen und den Ferienausflüglem Reisen und Wandern zu erleichtern. Ausgaben für die Volksgesundheit, so schloß der Minister, sind Anleihen, die sich m i t leistungsfähigen und l e i st u n g s w i l l i- gen Menschen verzinsen, und darum auch ein kräftiger Hebel zur Aufwärtsbewegung unseres Volkes. sich nicht mehr retten konnten. Der Schrecken wurde noch durch das Jammern und Stöhnen der in den Betten liegenden Patienten vermehrt. Wie die Feuerwehrleute und die Polizei- mannschasten so zeigten auch die Aerzte und das Pflegepersonal ein heldenmütiges verhalten bei dem Rettungswerk. Die Intensität der Flamme wurde noch durch die Explosion mehrerer Sauetttoffbehälter verstärkt. Nach den Explosionen entwickelten sich dichte Wolken oon Bro- midgas, die bei den Opfern Blutungen der Augen, der Nase und des Wundes hervorriefen. Alle in der Stadt aufzutreibenden Sauerftoff- behälter wurden den Krankenhäusern, in die die an Gasvergiftung erkrankten Opfer der Katastrophe eingeliefert worden waren, zur Verfügung gestellt. Die Todesopfer sind zumeist Patienten, aber auch einige Aerzte und Krankenwärter befinden sich unter den Toten. Die meisten von ihnen sind den erlittenen Brandwunden erlegen, zahlreiche sind vermutlich auch Opfer des Giftgases geworden. Die Feuerwehrleute trugen Dutzend« oon Personen aus dem brennenden Hause heraus, ohne zu wissen, ob sie tot oder lebendig sind. Die Schreckensrufe und das Jammergefchrci der Opfer erfüllten die Luft. Alle Geborgenen wurden unverzüglich in die benachbarten Krankenhäuser gebracht. Wan befürchtet, daß viele oon ihnen noch den erlittenen Verletzungen und den Einwirkungen des giftigen Gases zum Opfer fallen werden. Trotz fieberhafter Tätigkeit der Aerzte ist die Sauerstoffzuführung bei den vergifteten oft zu fpät gekommen. Eine Augenzeugin, die sich im Wartezimmer des Krankenhauses befand, gab folgende Schilderung der Katastrophe: Ich befand mich im Wartezimmer, als ich aus einem Nebenraum Rauchwolken eindringen sah. Sofort flammten die roten Signallichter des Krankenhauses auf, Aerzte und Wärter fuhren die Patienten in Krankenftühlen aus ihren Zimmern, viele, die dem Ausgange zueilten, wurden infolge des Einatmens des Bromidgases ohnmächttg und brachen zusammen. Fast hundert Todesopfer. Cleveland (Ohio), 16.Wai. (WTB. Funk- spruch.) Nach den letzten bekanntgewordenen Angaben ist die Zahl der Todesopfer der Krankenhaus- explofionskatastrophe nunmehr auf 99 gestiegen. Bei 40 lebend Geborgenen, die in andere Krankenhäuser gebracht worden sind, besteht wenig Aussicht, sie am Leben ; u erhalten. Die Todesfälle sind zum größten Teil durch die sich eut- wickelnden Giftgase verursacht worden. Bis jetzt ist nur beivier oder fünf Leichen der Tod durch Verbrennung festgestellt worden. Furchtbare fic Lrüs §°Wlut die Zu jedem Kleid und Mantel den passenden Hut (neben Seltersweg Gießen (Am Kugelberg 57 I.), Ermenrod, den 14. Mai 1929. 0308: | Verkäufe HIMsM>W.SSllMl 4385V werden. Gießen, den 15. Mai 1929. 030tB der Gehaltsansprüche an 4384V Städtische Sparkasse Marburg Lager. 6785V CarlSchunck Los km 29. 30. 31. 9,90 km 4,68 „ 1,20 „ Die Beerdigung findet Freitag, den 17. Mai, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. gegen hohe Provision zum Verkauf von Futterkalk, Kraftfutter und anderen Äe- darfsartikeln. 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Holzsubmission. Aus den Waldungen der Gemeinde Großen-Linden soll nachverzeichnetes Nutz- olz auf dem Wege schriftlichen Angebots erkauft werden: 4376V Langholz (Güteklasse N). Los 1. Eiche 3. Kl. 3 Stück = 3,79 ,, 2. „ 4. „ 1 - 1,52 „ 3. Kiefer la-Kl. 1 - 0,11 „ 4. „ 1b- „ 26 - 9,45 „ 5. „ 2a. „ 97 - 53,22 „ 6. ,, 2b- „ 20 = 17,17 ,, 7. ,, 2b. „ 27 - 21,87 ., 8. h 3a« „ 10 e . - 10,94 „ 9. n 3a- „ 13 = 15,40 „ 10. ,, 3b- „ 2 1 a = 2,30 „ 11. ,, 4a« „ 1 - 1,51 „ 12. Fichte la- „ 404 • . = 63,18 „ 13. „ 1b- „ 257 = 81,64 „ 14. „ 2a- „ 41 = 23,13 „ 15. „ 2b- „ 5 te = 4,50 Auch Sie, mein Herr, sollen Ihren Pfingstanzug bei uns kaufen, denn wir gewähren 30'1 BaUail 4.8IA Kleider aus Voile und Waschseide, reiz. Macharten...... Kleider a.Wollmousseline, Waschseide und Voile,mod.Dessins Kleider aus Mousseline u. Waschseide, neue Muster......... Mäntel herrenstoffartig, imprägniert, flotte Gürtelformen.... Mäntel ^a7c herrenstoffe, u. ■■ ■/ V englischartig, t. ganz a. K’Seide JL X Mäntel j englischartig, | mit Gürtel und I LX Biesengamitur R, K Nr. Y3 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 16. Mai 1929 Was denkt Amerika über dieReparationeil? Dr. Schachts Kolonialforderungen. — Nur keine falschen Hoffnungen, Amerika fühlt sich unbeteiligt. Von unserem O. ^.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. N e u y o r k, Mai 1929. Bis die nachstehenden Ausführungen dein deutschen Zeitungsleser vor Augen kommen, wird oas erste deutsd)« Zahlungsangebot auf der Pariser Konferenz und die hieran geknüpften Bedingungen schon im Strom der Tagesereignisse vorübcrgetrieben sein. Aber es wird doch noch interessieren, auch nachträglich zu erfahren, welches Verständnis man in den Vereinigten Staaten den ganzen Verhandlungen, namentlich den Darlegungen Dr. Schachts über die wirtschaftliche Lage Deutschlands entgegengebracht hat, und noch entgegenbringt. Es ist hierbei nicht die Rede vom „Mann der Straße", den ein sensationeller Mord, ein saftiger Skandal, ein Sportereignis mehr interessiert als „langweilige" Ncparationsverhandlungen, selbst wenn es sich dabei um die künftige Gestaltung der ganzen Weltwirtschaftspolitik, das Wohl und Wehe ganzer Nationen auf unabsehbare Zeit hinaus handelt. Es ist hier die Rede von Leuten, bei denen man einen ein besseres Verständnis ermöglichenden höheren Grad von Intelligenz voraussetzen dürfte. Der „National Foreign Trade Council“ — der Name besagt schon, daß es sich um eine Gruppe amerikanischer Geschäftsleute handelt, die am Handel nach und vom Ausland beteiligt find, und an deren Spitze James A. Farrell, Präsident des großen amerikanischen Stahltrusts, steht — läßt in den Zeitungen durch die Assoziierte Presse eine polemische Darlegung verbreiten, die berechtigte Zweifel an dem Auffassungsvermögen der hohen Herren Hervorrufen könnte, sähe man nicht auf den ersten Blick, daß eine solche Irreführung der öffentlichen Meinung nur böswillige Absicht, nicht Mangel an klarer Erkenntnis sein kann. „Die Erfahrung der Vereinigten Staaten," heißt cs in dem Dokument, „sollte jedermann davon überzeugen, daß politische Kontrolle (Beherrschung) der R o h st o f f e für die industrielle und kommerzielle Entwicklung eines Landes nicht unbedingt nötig ist. Das Wachstum der Vereinigten Staaten gründet sich nicht auf Kolonialbesitz. Die gewaltige Ausbreitung unserer Industrien war nicht davon abhängig, daß unsere Regierung die Kontrolle über Ueberseegebiete ausübte, wo die zur andauernden Beschäftigung unserer Fabriken und unserer Arbeitskräfte benötigten Rohstoffe erzeugt werden. Dennoch sind mir allezeit der Welt ■ stärkste Verbraucher von Rohmaterialien auswärtigen Ursprungs gewesen. Ueber die Hälfte unserer Gesamteinfuhr setzt sich aus Werkstoffen für unsere Industrien zusammen, und 40 v. H. hiervon erreicht uns im Rohzustande. Niemand wird in Abrede stellen wollen, daß (hier klopft sich der amerikanische Busineßman selbstgefällig aufs Bäuchlein) die Vereinigten Staaten eine ganz nett prosperierende Nation sind, und daß sie dies geworden sind, ohne, wie Dr. Schacht sagt, „in der Lage zu fein, sich eine eigene, nur ihnen zugängliche Basis für Uebersee-Rohstosfe zu schaffen." Außerdem ist es Tatsache, daß etliche 19 oder 20 v. H. unserer Gesamteinfuhr wichtige Rohstoffe sind, die ständig in höherem oder minderem Grade dem Bestimmungsrecht der die Gebiete, in denen ihre Ursprungsquellen zu finden sind, beherrschenden auswärtigen Regierungen unterliegen. Kali aus Deutschland ist ein Beispiel. Bei mehreren Gelegenheiten ist von solcher Kontrolle tatsäch- lich Gebrauch gemacht oder ist sie versucht worden. Wir haben unter sotanen Umständen nicht etwa zu regierungsseitigen Vergeltungsmaßnahmen in irgendeiner Form Zuflucht genommen, sondern zur öffentlichen Bloßstellung des Unklugen derartigen Vorgehens. Jede solche Kontrolle hat letzten Endes noch immer ihrer eigenen Zwecke leibst vereitelt, wie dies ja auch mit dem britischen Kautschuk-Experiment vor einem oder zwei Jahren der Fall war." Unter Anführung der Worte des Prä- sidenten Hoover, die ^Bereinigten Staaten seien „heute mehr als jede andere Nation auf offenen Wettbewerb verpflichtet", kommt der hohe „Nationalrat für den Außenhandel" zu dem interessanten Schluß: „dies ist offensichtlich auch der Ausweg für Deutschland, nicht aber die Schaffung von ihm beherrschter Rohstoff-Sammelbecken." * Wenn ein Zögling der untersten Klasse einer deutschen Handelshochschule seinem Professor eine derartige Dissertation vorlegte, so würde sofort eine Konferenz der Fakultät einberufen werden, um zu bestimmen, ob man sich die Mühe nehmen soll, dem künftigen Handelsherrn die Unterschiede zwischen Amerika mit seinen Gold-, Silber-, Kupfer-, Blei-, Zinn-, Eisenerz-, Kohlen-, Erdöl- und anderen Lagern, seiner Baumwolle, seinem Mais, Weizen, Obst, seinen zahllosen unermeßlichen Na- turschätzen und Deutschland, von dem man in den Vereinigten Staaten nichts braucht als das Staßfurter Kalisalz, klarzumachen, oder ob man den Troddel einfach zum Tempel Hinauswersen soll. Der weitaus größte Teil der Vereinigten Staaten ist sich des Weltkrieges überhaupt erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1917 bewußt geworden, als die Aushebung, die Rekrutierung des ameri- kanifcl-en Expeditionsheeres begann. Man geht kaum fehl, wenn man behauptet, daß gut 90 v. H. der Bevölkerung der Vereinigten Staaten nicht das mindeste Interesse an den Pariser Reparationsbesprechungen, nicht das geringste Verständnis für Deutschlands Lage haben. Was an Interesse überhaupt vorhanden ist, beschränkt sich auf den Osten des Landes, auf Neunork, Boston, Philadelphia, Baltimore, Washington. Je weiter westwärts man vordringt, desto geringer wird es, desto größeres Gewicht legen die Blätter und Blättchen auf rein lokale Angelegenheiten. Wer bei der nächsten Wahl die beste Aussicht hat, Hundefänger, Abdecker oder Gendarm zu werden, ob «in Republikaner oder ein Demokrat den Kontrakt zum Reinigen der Spucknäpfe im Rathaus erhalten wird, ist für die Leser — und darum auch für di« Redakteure — dieser Zeitungen unendlich viel wichtiger als alle auswärtig« Politik. Man behaupte nicht, ich übertreibe. Zum Beweis nur ein einziges Beispiel: Chikago ist die zweitgrößte Stadt der Vereinigten Staaten. Es erscheint dort u. a. ein Blatt, das auf der Vorderseite als zweite Kopfzeile sich als „The World’s Greatest Newspaper“ bezeichnet, die Chikago Daily Tribüne. Am 22. März, als bi« Assoziierte Presse zum ersten Male seit Beginn der Pariser Reparationskonferenz von dort eine bestimmte Ziffer (1750 000 000 Mark) als Minimalforderung der Alliierten meldete, brachte diese „größte Zeitung der Welt" darüber genau 34 schmale Zeilen. Und nicht in der üblichen großen Aufmachung, die etwa einer Schießerei unter Chikagoer Schnapsschiebern zuteil geworden wäre, nickst auf der ersten, zweiten oder dritten Seite, sondern auf der achtzehnten! Dorangestellt war eine Londoner Eigenmeldung des Blattes üb«r das angebliche Dilemma der Baldwin-Negierung infolge der deutschen Forderung auf Räumung des Rheinlandes. Und um die Wirkung der Asfociated-Preß-Meldung noch mehr abzuschwäck)en, folgte ihr eine Pariser Dc- pesckst, der mit dieser Nachrichtenorganisation konkurrierenden United Preß, di« aus dem Munde Thomas W. Lamonts, des Stellvertreters Morgans auf der Konferenz, ein zchnzeiliges Dementi bringt, es „fei überhaupt noch kein Minimalbetrag festgesetzt". Dabei ist die Chikago Tribüne wirklich em großes Gesckstiftsunternehmen. Dabei frat sie eigene Gießener Gtadtiheater. Gastspiel Irene Triesch: „Lcheitcrhansen" von Strindberg. Die T r i e s ch hat vor einigen Tagen in einer Berliner Zeitung darüber Rechenschaft abgelegt, warum sie für ihre Mai-Tournee durch Deutschland gerade dieses Stück ausgewählt habe. Man lieft zunächst: aus schauspielerischen Gründen: das mag angehn. Dann aber erfährt man — im Laufe ihrer vielleicht nicht immer unanfechtbaren, aber klugen und gut formulierten Darlegungen: auch um Strindbergs willen. Sie nennt ihn den Vater der deutschen jungen dramatischen Dichtergeneration. Wie weit dies berechtigt ist, kann hier nicht untersucht werden Dagegen muß gesagt werden, daß der '.Scheiterhaufen" unserer Meinung nach eins der unglücklichsten unter den vielen Stücken Strindbergs ist in feiner Form überlebt, in seinem Gehalt nicht mehr wichtig für uns. , . ,. Dies muh gesagt werden, gerade weil nur hier lange keinen Strindberg mehr gehabt und uns darauf gefreut haben, wieder einmal einen zu sehn. ‘ Denn auf die Frage: „Wieder Strindberg? antwortet die Triesch mit Recht: „Nein! — Nicht wieder. — Immer noch!" Immer noch ist der Schwede wichtig für uns, für unser Denken, für unser Theater. Das schließt nicht aus, daß er Stücke hinterlassen hat, die man heute, aus manchen Gründen, nicht mehr gern sieht. Dazu gehört der „Scheiterhaufen". * Ursprünglich, in der schwedischen Ausgabe, hieß dieses Kammerspiel „Der Pelikan". Es war eine so furchtbare Ironie, wie sie nur Strindberg einfallen konnte. Vom Pelikan erzählt eine rührende Volks- legende, der Muttervogel offne sich mit dem Schnabel hi'c Brust, um seine hungernden Jungen mit seinem Herzblut zu nähren. In diesem Stück aber handelt es sich um eine Menschenmutter, die gerade das Gegenteil von einem Pelikan ist, nämlich ein Vampyr. Der seinen Kindern bas Blut aussaugt, der sie seelisch und leiblich verkümmern und verkommen läßt. Gleiche Stimmung umfängt die letzten Kammer- spiele: „Wetterleuchten", „Die Brandstätte", „Gespenstersonate", „Scheiterhaufen". Man könnte die Namen beliebig vertauschen, ohne daß jeweils viel geändert würde. Die selbe Atmosphäre umgibt alle diese Stücke, die selbe Lust schlägt einem aus ihren Akten, aus ihren Szenen, aus ihren Worten, aus ihrer berechneten Musik entgegen: Trostlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Haß und bitterste Verzweiflung regieren hier überall gespenstig, schwelend, wetterleuchtend, spukhaft, lähmend und peinigend die Welt. Die Welt ist für Strindberg die schlimmste aller denkbaren Welten. Sic ist die Hölle. Die kleine Familie geht zugrunde im Inferno der menschlichen Seele. Was sich in diesen drei Akten nach und nach enthüllt, ist so abscheulich und so entmutigend, daß man gern darauf verzichtet, es alles geordnet aufzuzählen. Man krümmt und windet sich vor so viel Bosheit und Verkommenheit und Feindschaft und Betrug und Unterschlagung und — vor so viel kleinlichen, peinlichen, überflüssigen Schikanen und Zufälligkeiten und Hinterhältigkeiten des Alltags. Ein Kritiker hat mit gutem Grunde einmal gesagt: „Strindbergs Menschen haben neben ihrer Todeswunde immer noch, als deren letzte Folge- Erscheinung, Zahnweh oder Hühneraugen, die sie und uns eigentlich mehr peinigen als die tödliche Krankheit." Sparen wir's uns also, das verruchte Spinnweb von Niederträchtigkeit zu entwirren und in feine sorgsam herbeigetragenen Bestandteile zu zerklauben. (Es kann einem übel werden dabei.) Begnügen wir uns damit, daß wir feftftellen: hier begibt sich eine Familienkatastrophe wie sic uns noch vom jungen Hauptmann her geläufig ist. Hier rechnen Kinder mit ihrer Mutter ab, die eine Megäre ist. Hier wird ein Scheiterhaufen zum scheußlichen Strafgericht geschichtet, in dessen Flammen aber die Richter umfommen, indes die Urheberin alles Elends zum Fenster hinausspringt. Nichts bleibt auf der Brandstätte lebendig zurück. Nur ein schlechter Geruch, der einem den Atem nimmt. Die Triesch ist die klassische Tragödin des Naturalismus. Wir sahen sie, früher, bei Zola, bei Schnitzler ... unübertrefflich. Und auch für diese (schreckliche) Rolle gibt es wohl zur Zeit in Deutschland kaum jemanden, der sie besser spielen könnte als die Triesch. Vertreter in aller Welt. Sic bedient eine lange Reihe von Provinzblättern im nordamerikanischen Mittelwesten. Sie gibt in Paris eine Tageszeitung in englischer Sprache heraus, Konkurrenz für den Pariser Herold. Man beachte wohl: der Schreiber dieser Zeilen hat nicht die mindeste Absicht, den Ruhm der „größten Zeitung der Welt" zu schmälern, sich an ihrer redaktionellen Politik zu reiben. Die Schriftleiter wissen zweifellos, wofür ihre Leser sich interessieren und was für sie belanglos ist. Wenn man annehmen darf, daß die Affoziierte Presse von der Meldung, die in den Neuyorker Blättern weit umfangreicher war, auch nach dem Westen mehr als 34 Zeilen durchgegeben hat, so ist es um so schlimmer, wenn die „größte Zeitung der Welt" den Rest deshalb unter den Redaktions- tisch fallen lassen konnte, weil sie bei ihren Lesern fein größeres Interesse voraussetzen konnte. Und ausschließlich zum Beweis der allgemeinen Jnter- essenlofigkeit, des Mangels an Verständnis für und Sympathie mit Europa ist dieser eklatante Fall angeführt, der nur einen einzigen Beitrag zu einem Kapitel darstellt, das ad infinitum fortgesetzt werden könnte. Die 3000-Meilen-Str«cke des Atlantik zwischen Nordamerika und Europa ist viel, viel länger als man sich denkt. Aus Oer Provinzialbaupfstadt Gießen, den 16. Mai 1929. Oie braunen Gesellen. Da ist nun der Mai! Da grünen die Felder, die Gärten, die Walder. Da rauschen die Quellen, da fingen und springen die Vögel herbei. Da laufen die Kinder, die Mädchen, die Buben aus Kammern und Stuben hinaus, hinaus aus dem engen Haus. Ja, eins nur hat der Dichter vergessen Das sind die Maikäfer. Sie erst machen den Wonnemonat auch für unsere Kinder zu einer fröhlichen Zeit. Was wäre der Mai ohne die braunen GeseUen? Mühsam kriechen sie aus dem Schoß der Erde hervor, putzen sich sorgfältig die anhaftende Erde ab und summen hinauf zu den grünenden Bäumen, um sich hier gütlich zu tun. Sie surren und brummen im Sonnenschein und werden erst in der Rachtkühle stumm. Manchmal kommen sie in solchen Scharen, daß der Forstmann und auch der Obsibaumbcsitzer ärgerlich die kahlen Aeste betrachtet. Aber Heuer treiben sie es ja nicht so start, wie in früheren Jahren. Am Morgen aber kommen die Jungen und schütteln sie von den Bäumen. Oder sie gehen am Abend mit Tüchern, die an Stangen hängen, oder mit Strohwischen hinaus auf die Wiesen und schlagen die summenden Käser aus der Luft. Das ist ein lustiges Treiben, und manche Mutter muß ihren Jungen noch in der Dunkelheit suchen. So lebhaft ist er auf der Jagd, daß er das Schlafengehen vergißt. Dann aber stellt er sein Zigarrenkistchen, in das vorsorglich einige Luftlöcher gebohrt wurden, neben sich auf das Nachtschränkchen, damit er das angenehme Summen der braunen Ge- feHen noch im Schlafe vernehmen kann. In der Schule dienen die Maikäfer als Handelsgegenstände, sie werden verschenkt, erscheinen manchmal während des Unterrichts, zum Leidwesen des Lehrers. Dann wieder lassen die Jungen die Käfer an Stäbchen und Reisern hochklettern, schauen aufmerksam zu, wie sie Luft schöpfen und endlich davonfliegen. Wie alt mag eigentlich das Kinderlied, das dabei gesungen wird, sein? Maikäfer, flieg! Dein Bater ist im Krieg. Deine Mutter ist im Pommerlanö, Pommerland ist abgebrannt, Maikäfer, flieg! Haben wir's nicht alle als Kinder gesungen? — Sie besticht vor allem durch di« Oekonornie, mit der sic die Ausgabe beherrscht, gliedert und steigert. Sie musiziert gewissermaßen drei Akte lang auf einer bis zum Zerreißen gespannten Saite. Es märe schon viel, wenn sic den schrillen Ton des Einsatzes bis zuletzt durchhielte. Aber sie beginnt nicht gleich mit dem vollen Akkord, sondern moderato; sie zieht alle Register, aber nach und nach, sie läßt alle Minen springen, aber eine nach der andern, sie steigert sich erst zuletzt, im dritten Akt, zum Furioso ihres Totentanzes. Und die Wirkung ist um so stärker, weil sie schrittweise erzielt wird.' Bewundernswert ist, wie sie doch ganz am Ende, mitten im Wirbel einer wilden Verzweiflung und Todesangst, sich noch einmal einfängt zur unheimlichen Ruhe, zur eisigen Ironie und satanischen Ueberlegenheit, die in manchen Augenblicken eines bösen Triumphes von diesem skandinavischen Weibs- feufel ausgeht. Das Drama ist naturalistisch; allerdings. Aber man sollte sich darüber klar sein, daß man dieses Stück, wenn man es schon zu spielen unternimmt, nicht mehr gut in einem Stil inszenieren kann, der vor dreißig Jahren die Leute in Erstaunen setzte. Die Regie (Otto Schwarz) hätte einsehen müssen, daß es sich hier, gerade hier, wo ohnehin das ganze Parkett auf einer Nervenfolterbank sitzt, nicht darum handeln konnte, möglichst dick aufzutragen, sondern zu dämpfen, wo das nur möglich ist. Die handgreifliche Symbolik Strindbergs ist immer bedenklich gewesen. Mit der Windmaschine und der Rauchentwicklung sollte man sparsam umgehen. Es ist doch nicht nötig, daß der Schaukelstuhl andauernd von selber wippt und die Bilder mit gespenstigem Knall von der Wand fallen. Wir glauben es alle, auch ohne dergleichen technische Mätzchen von annodazumal, daß es in diesem Stück nicht mit rechten Dingen zugeht, und daß in diesem Hause der Teufel los ist. Das kleine Ensemble ist sauber eingespielt und füllt seine Plätze gut aus. Hans Carl Magnus (wir sahen ihn hier schon einmal, mit der Nielsen zusammen) gibt den Sohn: blaß, ausgemergelt, haßverzerrt und doch manchmal merkwürdig klar und hellsichtig in allem Rausch und der Vernebelung seiner entgleisten Jugend; dabei angenehm Unser Jüngster wollte natürlich auch „feinen'* Maikäfer haben, und fo pilgerten wir zum frisch-grünen Wald. Aber im hellen Sonnen- schein sind sie schwer zu fangen. Sie find nicht starr von der Rachtkühle und schwirren nur um die Bäume, wenn wir schütteln. Trotzdem bekamen wir einen. Ich muhte mein Feuerzeugschächtelchen ausräumen, und vorsichtig wurde der Maikäser von unserem Buben getragen. Wir entdeckten natürlich noch allerlei im Wald, aber krampfhaft hielt er seine Schachtel fest und lauschte nur von Zeit zu Zeit, ob er noch „krappele". Erst als wir in einer Fuchshöhle eine tote Gans fanden, gab er mir das Kästchen zur Aufbewahrung; denn dieser Fall war doch sensationell. Da wurde beraten und wurden Schlüsse gezogen: Wie kommt die Gans in den Fuchsbau? Änd es war doch so einfach. Am Tage vorher hat sie sicher noch fröhlich im Kreise ihrer Genossinnen auf der Wiese das zarte Gras gerupft. Der Räuber hattze sie sich geholt. Ratürlich horten unsere Jungen ein^tieses Brummen, das aus der Höhle kam. Das wäre der Fuchs, der ärgere sich, daß wir ihm die Gans wieder abnähmen. Ich habe nichts vom Brummen gehört. Wir legten das tote Tier in eine Fichtenschonuug und wollen demnächst nachsehen, ob sich Meister Reineke seine Beute wieder abgeholt hat. Wir kamen heim, und die Maikäsergeschichte wäre bald vergessen gewesen, wenn sich unser Bub nicht erlaubt hätte, seinen Maikäfer den Mädchen der Rachbarschaft der Reihe nach ins Haar zu sehen. Geschrei und Weinen folgten. Endlich kam et ins Haus, stolz auf seine Heldentaten. Er wollte den Maikäfer „aufheben" und hatte ihn auch bald versteckt. Erst am andern: Mittag kam er zum Vorschein: Im Rähtischchen meiner Frank Ja, was soll man da machen? Außer einigen kräftigen Schmutzflecken an verschiedenen Bändern wat ja nichts geschehen. Das weihe Huhn unseres Rachbars hat ihn nachher gesressen. Aber es gibt ja noch viele in Wald und Feld. Maikäfer flieg! K. Hassia-Bezirksiag Gießen. Unter dem Vorsitz von Professor Dr. K r a c - mer fand am Sonntag im „Postkeller" der Frü hj a h r s b e z i r k s t a g des Hassia- bezirks Gießen statt, an dem sich die Vertreter von 27 Kriegervereinen beteiligten. Rach kurzen Begrühungsworten überreichte der De- zirlsvorsteher Prof. Dr. Kraemer an mehrere verdiente Kameraden Ehrenauszeichnungen deS Verbandes. Rach den: Jahresbericht zählt der Bezirk 27 Vereine; der Austritt des Kavallerievereins wird lebhaft bedauert. Die Vereine besitzen ein Vermögen von 4356 Mk. und einen Inventar- wert von 5860 Mk. An Unterstützungen wurden 933 Mk. ausbezahlt. Die Rückvergütungen beliefen sich auf 1035 Mk., eine Steigerung ist zu erwarten, 2300 Hassiakalender wurden abgeseht. Das Sammelwerk lebt wieder auf, der Schießsport wird von einer Anzahl von Vereinen eifrig gepflegt. Die Jugendbewegung hat in dem Kameraden Brück (Lollar) einen eifrigen Leiter gefunden, ihm steht Jugendführer Pfaff (Lollar- zur Seite. Beratung der Anträge für Worms: Zustimmung fand der Antrag des Präsidiums auf Erhöhung des Mitgliederbeitrags auf 2 Mk. Der Organisation des Kleinkaliberschießens wurde zugestimmt, ebenso der Jugendorganisation. Der Antrag Alsfeld, den Verbandstag 1930 in Alsfeld abzuhalten, wurde einstimmig gutgeheißen. Eine Beihilfe zum Besuch des Reichs- kriegertages wurde abgelehnt. Als Vertreter für Worms wurden bestimmt: Prof. Dr. Krnein e r, Fürsorgeobmann Lehrer D ö h n und Jugendleiter Brück. Heber das Kleinkaliberschießen referierte Albin Klein (Gießen), der eine Einteilung des Bezirks in drei Gwuppen vorschlug. Weiteres wurde nach längerer Aussprache dem Referenten überlassen. sparsam mit den pathologischen Akzenten, die die Rolle leicht im Ueberrnaß bekommt. Die Tochter: Irene ßamonö; eine sehr interessante Ersd)cinung, ausgezeichnet auf die Figur passend, die Strindbergs aufgestörter Phantasie hier vorgeschwebt hat; obwohl man sich erst an die merkwürdig barte Stimme gewöhnen muß, die nur ganz, ganz selten einmal einen weichen, weiblichen Klang bekommt. Axel, der Eidam: Oskar N i t s ch k e. Breit, brutal und "gefährlich; in der Maske ein wenig an die Züge des Dichters erinnernd. — Edith Marlind war die alte Bedienerin, eine echt ftrindbergischc Hexe und fataler Hausgeist, der bei der Exposition mit giftigen Auskünften über die Vorgeschichte des Stückes maulfertig behilflich ist. Das Theater war dicht besetzt. Es gab starken Beifall, und die Spieler erschienen, nach dem letzten Vorhang, durch dicke Rauchschwaden hindurch, wiederholt an der Rampe. Dr. Th. Kunst und Wissenschaft. „Der schöne Mensch in der neuen fiunff." Tie Internationale Ausstellung in Darmstadt „Der schöne Mensch in der neuen Kunst" wird, außer ihrer thematischen Bedeutung, die einer Schau ausgesuchter europäischer Kunst haben. Die Ramen der ausstellenden Künstler aller Länder lassen kaum einen von Bedeutung vermissen. Es werden gezeigt unter anderen: aus Deutschland: Beckmann, Hofer. Kirchner, Otto Müller, Pechstein, Purrmann, Schlemmer, (Selling, Fiori, Kolbe, Koste. Frankreich: Derain, Lhote, Maillol, Souverbie, Ozensant. £?ur- tung der Nummern, sowie die Kennzeichnung von Eisenbahnübergängen bedürfen ebenfalls der Vcr- befferung. Aber das find alles nur Kleinigkeiten, verglichen mit den Summen, die in anderen Wirtschaftszweigen gerettet werden fallen. Ein großes Gebiet, das der Organisation fast unerschlossen blieb, ist das des Haushalts. Die meisten Frauen klagen darüber, daß sie nie Zeit haben, doch würden solche Klagen bei richtig organisierter Tätigkeit bald verschwinden. Früher wär die deutsche Hausfrau am angesehensten, die nach Schillers Worten „nimmer rastet". Jetzt geht man darauf hinaus, auch ihre Tätigkeit ^u rationalisieren. Wieviel Zeit verschlingt z. B. die Besä)affung von Ersatzteilen für Hausgeräte, die meist so unzweckmäßig besä-asfen sind, daß sie vorzeitig verbraucht und dabei noch schwer zu reinigen sind.' Die Laken passen nicht zu den verschiedenen Bettlängen, die es gibt; zerbrochenes Porzellan wird nicht mit dem gleichen Muster nachgeliefert: die elektrischen Hausgeräte stimmen nicht mit der Installation überein, es gibt Dutzende verschiedener Kaffeemühlen, Bratpfannen, Gardinenstangen, 200 Bremsgummis für Fahrräder, 400 Sorten Schuh - kartons und die Fabrikanten zerbrachen sich den Kopf, um in Herdplatten drei Kochlöll)er auf 107 verschiedene Arten anznordnen. Die geringsten Energieverliiste ergeben natürlich bei der Millionenzahl bcuti'djer Hausfrauen auch jährlich Millionenverluste. Diese werden noch vermehrt durch den unzweckmäßigen Wohnungsbau weltfremder Architekten, die z. B. nur selten daran denken, zwischen .Küche und Wohnzimmer in Kleinwohnungen eine Tür mit Glassenftec einzubauen, damit die Mutter während des Kochens ihr Kind überwachen kann. Am meisten Schuld an diesen unrationellen Zuständen trägt die Hausfrau selbst, die in den Läden eine möglichst große Auswahl verschiedener Modelle der gleichen Ware verlangt. Wenn man aber Kragen, Schuhe und Strümpfe bereits nach Nummern kaust, sollte dies auch bei Haushaltungsgegenständen möglich sein. Das Ziel moderner Organisation ist es, die Hausfrau vom Dienst nm Objekt zu befreien, damit sie für den Dienst am Menschen frei werde. Daß dies auch für den Haushalt sehr gut möglich ist, zeigen die ausgezeichneten Ergebnisse, die bereits in der Industrie durch Herabsetzung der Anzahl verschiedenartiger Waren auf sehr vielen Gebieten erreicht wurden. Der deutsche 'Normenausschuß müßte sich noch mehr als er es bisher getan hat, auch des Haushalts und der Tätigkeit der Frau an- nehmen. Er hat bisher gegen 2800 Normenblätter berausgegeben, und man hat berechnet, daß durch Befolgung aller von ihm vorgeschlagenen Maßnah men Ersparnisse von 8,5 Milliarden Mark jährlich erzielt werden können. Die Normung von Fenstern und Türen ergab eine Preis senkung um 30 v. H., — was bei allgemeiner Durch siihrung im Jahr 60 Millionen Mark ergeben würde. Durch Vereinheitlichung konnte die deutsche Reichs bahn die Reparaturzeit von Lokomotiven von 110 auf 26 Tage, die Zahl der Reparaturstände von 5000 auf 2150 verringern und durch Ankauf genormter Einzelteile Ersparnisse von 4 bis 68 v. H. erzielen. Die Verwendung einheitlicher Kisten setzte die Der- packungszcit für Stickwaren um 40 d. £)., die Spesen dafür um 30 v. H. herab. So gibt es zahllose Beispiele für die Ersparung großer Summen durch Nor mung. Nur sie ist imstande, O st w a l d s Grundsatz zu verwirklichen: Vergeude keine Energie, verwerte und veredle sie. Außer dcr Erleichterung, die der Hausfrau durch die Möglichkeit, ihre Wahl bei Einkäufen unter nur wenigen Gegenständen treffen zu müssen, geboten wird, kann sie ihre Tätigkeit auch sonst noch viel praktischer gestalten. Don ihrem Schreibtisch müssen alle überflüssigen Dinge verschwinden, die nur Platz wegnehmen und deren Reinigung unnütz Zeit erfor- dert. In einer Haushaltskartei kann sie bequem Zeitungsausschnitte mit vorteilhasten^Warenangebo- ten, Adressen, Rezepte und Rechnungsquittungen verwahren: die Anlage eines Inventarverzeichnisses wird bei Feuer ober Diebstählen sofort über die vermißten Gegenstände Klarheit schaffen. Wird die tägliche 'Arbeit schon frühmorgens richtig geplant, kann sich die Hausfrau viele unnütze Wege beim Einkauf aus dem Weg räumen. Eine Rentabilitätsberechnung wird oft zeigen, daß sich Reparaturen, etwa das Stopfen von Strümpfen in einem bestimmten Stadium, nicht mehr lohnt. Die fachgemäße Behandlung und Aufbewahrung von Möbeln, Wäsche und Geschirr wird von der organisatorisch begabten Hausfrau planmäßig durchgeführt werden. Auch auf indirektem Weg kann die Hausfrau für die Verbilligung der Warenpreise sorgen was schließlich doch nur ihr zugute kommt! In den Läden drängen sich die Käufer zu gewissen Tageszeiten zusammen, so daß für diese Spitzenleistung ein viel zu zahlreiches Personal bercitgehalten werden muß. Dec Umtausch von oberflächlich ausgewählten Gegenständen verursacht für beide Teile große Verluste an Zeit. Mehr Selbstdisziplin beim Einkauf könnte also die Spesen für den Ladeninhaber vcr mindern. Wenn sich die Hausfrau daran gewöhnen würde, ihr Lager an Vorräten oft zu revidieren, brauchte sic sich nicht stets mit dem Einkauf kleiner Mengen zu begnügen; das erfordert viele Gänge in den Laden und verteuert die Ware, während andererseits . unvernünftiges Hamstern Geld nnvcrzinst festlegt und es der Volkswirtschaft entzieht. So werden auch Lebensrnittel durch Verderben, Kleidungsstücke durch Unmodernwcrden unbrauchbar. Daraus folgt, daß eine tüchtige Hausfrau durch eine kleine, leicht anzulegcndc Statistik kontrollicren soll, wieviel sie jeweils von einer Ware cinzukaufen hat. 'Aber nicht nur die Hausfrau jdjäbigt fich selbst und damit die Volkswirtschaft durch einen oft er- schreckenden Mangel an Organisationstalent. Nur wenige Sachkenner finden sich durch das komplizierte deutsche Behördensystem hindurch, das z. T. dadurch zu erklären ist, daß es in Deutschland noch immer zehn Länder mit geringerer Volkszahl als Berlin gibt. Welche Behörde für die Bearbeitung einer bestimmten Angelegenheit zuständig ist, erfährt man noch nicht einmal genau, wenn man auf der Universität Verwaltungsrecht studiert. Es ist sehr lehrreich, wie sich ein bekannter Berliner Ministerialbeamter über das Problem der „Zuständigkeit" vor einiger Zeit informierte: Ohne viel zu fragen, stellte er, weil er dazu beauftragt mar, vor dem Reichstag zwei Flaggenmaste auf: die Tat- sact)e, daß sich schon nach zehn Minuten zwei Behörden als „übergangen" anmclbeten, ersparte ihm wochenlange 'Nachforschungen über die Zuständigkeit der verschiedenen Slemter! Dem Publikum kann durch klare Benennung der einzelnen Behörden und Aemtcr, genaue Angabe ihrer Sitze und der Sprechstunden sowie ihres Tätigkeitsgebietes viel Acrger und Zeit erspart werden, umgekehrt soll sich aber auch das Publikum bei mündlichen und schristlick-en Fragen kurz fassen. Mitglieder Bürgermeister Sjanacf. Kirch-Göns; Reuter, Oftheim; Hch. Witzenberger und Bürgermeister Weil, Oppershofen; 3. Reust, Ober-Mörlen, wurden cinftimmig wiedergewählt. Für das verstorbene Mitglied 4jofcf Kram c r, Riedec-Mörlcn. wurde Heinrich Krämer, Ric- dcr-Mörlen, ncugewählt. Die Bilanz wurde genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt. Bürgermeister Diehl und Landtagsabgeordneter Fenchel, Ober-Hörgern, rühmten die vorzügliche Amts- und Geschäftsführung dcr Mollcrei- leitung. Nrciö Schotten. X Schotten, 15. Mai. Aus dem Gemeinde rat: Der 3nnenausbau des neuen Wohnhauses sür Finanzamtsbeamte wurde besprochen und die Arbeiten auf Grund des engeren Submisfionsergebnisses unter die hiesigen Geschäftsleute verteilt. Der Reubau enthält sehr schöne geräumige Dierzimmerwohnungen nebst Küche, Zubehör, Gärten ufw. Ein neuer Zugangsweg mit erhöhtem Fußsteig soll angelegt werden. Das neue Krankenhaus erhält ebenfalls einen direkten Zugongsweg von der allen Straße her. Der Gemeinderat bewilligte einen Anbau zu dem neuen Krankenhaus. 3n einem Seitenbau sollen die erforderlichen Wirtschaftsräume, Desinfektionsraum, Waschküche. Plätt- ftubc, Garage, im Obergeschoß Räume für 3nfef- tionskranke. Deetüche ufw. eingerichtet werden. Die Kosten in Höhe von etwa 20 000 bis 25 000 Mart wurden bewilligt. 3m hiesigen Postamt soll ein Selbstanschlußamt bald errichtet werden, der von der Post hierfür verlangte Zuschuß von 10 000 Mark wurde genehmigt. Die Aeichspvst wird das hiesige Postamt ankaufen und will einen Anbau für das Selbstanschlußamt Herstellen lassen. Für die Reparatur der Kirchenuhr bewilligte der Gemeinderat der Kirche einen Zuschuß von 400 Mark. Die 11 nt - baufoften der Straßenbeleuchtung mit etwa 500 Mark wurden auf die Stadl übernommen. - 3n der Gederner Straße wird eine Seite mit erhöhtem Bürgersteig und mit Pflaster versehen, dessen Herstellung vergeben wurde. Ärcis Alsfeld. Z Manlbach, 15. Mai. In unserem voll besetzten Golteshanse fand die feierliche A mts- e i n U> c i f u n g des Pfarrers Kalbhcn n. der feit Mille 3uli vorigen 3ahres die hiesige Plarrstelle verwaltete und jetzt definitiv mit .der Pfarrei betraut wurde, durch Dekan Dr. Unverzagt (Alsfeld) statt. Die reich ausgestaltete kirchliche Feier, bei der auch der Kirchenchor Appenrod mitwirkte, hinterließ bei der großen Kirchengemeinde einen starken Eindruck. Der schnellste Personendampfer aus dem WSR. Main z, 15 Mai. Der neue Rhei n- dampscr „M a i n z" hat am Montag die Werst in Amöneburg verlassen und bereits einigeProbe- fahrten mit Erfolg gemacht. Mit dem Dampfer „Mainz" verfügt die Köln-Düsseldorfer Rhein- dampfschissahrts-Gesellschaft nunmehr über den schnellsten Personendampfer auf dem Rhein. Das Schiff ist 85 Meter lang und kann eine Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometer zu Berg erreichen. Es faßt 2500 Personen. die Besatzung, einschließlich Küchenpersonal und Kellner, wird etwa 40 Mann stark fein. Die Herstellungskosten betragen etwa 800 000 Mark. Erweitertes Bezirks-Schöffengericht Gießen. * Gießen. 15. Mai. Um das Schulgeld für feinen Sohn zu hinterziehen, hatte ein Beamter in Bad-Rauheim in den Jahren 1926 und 1927 in die Spalte „Freischüler" der von ihm amtlich geführten Schulgcldhebliste bei feinem Sohn fälschlich eingetragen: „1 Freistelle". Auf diese Weise brauchte er das Schulgeld in Höhe von je 174 Mk. nicht zu zahlen. Ferner hat er in amtlicher Eigenschaft empfangene Gelder in Höhe von mehr als zweitausend Mark unterschlagen und für seine Privatzwcckc er lebte weit über seine Verhältnisse - verbraucht; zur Verdeckung feiner Verfehlungen hat er die zur Äentrolle dienenden Bücher unrichtig geführt. Da das Gesetz bei dem erstgenannten Verbrechen leine mildernden Umstände kennt, mußte eine Zuchthausstrafe verhängt werden. Sie lautete auf anderthalb 3 a h r e. Ferner wurde zwingender Bestimmung zufolge auf eine G c I d- ftrafe von dreihundert Mark erkannt. Dem Angeklagten wurde weiter zur Last gelegt, aus einer öffentlichen Kaffe tausend Mark gestohlen zu haben. 3n diesem Fall erfolgte trotz erheblicher Verdachtsgründe auf Antrag der Staatsanwaltschaft Freisprechung mangels schlüssigen Beweises. Berliner Börse. 'Berlin, 16. Mai. (WTB. Funkspnich.) Geschäft hat sich im heutigen Vormittagsverkchr bis jetzt noch nicht entwickelt. Nach wie vor herrscht Zurückhaltung, doch sieht die Tendenz ipi Moment eher etwas freundlicher aus. Die Reichsmark hat sich weiter befestigt, und die Rückflüsse bei der Reichsbank sollen erheblicher sein. Das auf steifes Geld (Tagesgeld 15 v. H.) zum Schluß schwache Neuyork uerftimmtc eher. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt hört man London gegen Kabel 4,8508, London gegen Berlin 20,4225, London gegen Madrid 34,15, Kabel gegen Berlin 4,21 (zirka). die im täglichen Leben benutzt werden. So behaupten Raucher zuweilen, sie könnten nicht immer dieselbe Marke rauchen. Dies trifft nur dann zu, wenn man unter den vielenZigaretten die richtige nicht herausfindet. Wer aber das Glück gehabt hat eine Zigarette ausfindig zu machen, die wirklich Qualität ist, wird ihr auch treu bleiben. Es muß natürlich eine Zigarette sein, die die wertvollsten Tabake enthält. Es muß eben BU LG ARIA-KRONE sein, das Meisterstück der 5-Pfennig-Zigaretten. s gibt so Schlagworte, BULGARIA FUSCHEO -............—nnjh . i > unun.hHd ■ KRONE ■ rlr. 0.95 Verschluß 1.75, 1.25, 1. 0.75 2.75, moderne Formen, elegant und bequem, 0.95, einfache Wäsche 2.75 Geht schnurstracks Filet, zweifädig, porös, weiß und gelb, zu Her la Qualität Größe 4—6 1.75, 0.95 4.90 neueste Frühjahrsmuster .. .. 1.45, 8.75, 5.90, Herren-Phantasiesocken 1.95 3.75 .2.25, 5.90 io . 11.75, 9.75, beste Verarbeitung. 3.50, 2.75, GIESSEN 4323 A Strümpfe Schlüpfer Karl Hofmann II 4391D eigenen Aus unserer Fabrik: Zigaretten Zigaretten, hochfeine Mischung : Gastalde 6 Pf. Zigarettenpapier ^5 Pf. 3.60z 4.-z 4.40 GEG-Krüll: 7io 258D Negerdorf Karton Vi.60 Pf. Prima, grob und mittel 7IO 50 Pf., 7.100 Pf. Warenabgabe nur an Mitglieder 4.3 i2A WUliiümimm Schuhe, Automäntel Seltersweg 31 Phantis 4 Pf. Zeronth 5 Pf. 2.75 2.95 Yatras 4 Pf. Kisil 5 Pf. Extra Auslese kräftige Qualität neueste Muster. 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Mono Eigene Reparatur-Werkstatt und großes Ersatzteil-Lager 315V Nr. M Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 16. Mai 1929 Wirtschaft. Wieder 12% Dividende bei der Z.-G. Karbenindustrie. 3n der gestern in Ludwigshafen abgchaltenen Auffichtsratssihung der Z.-G.-Farbenindustrie» 21.-®., Frankfurt a. M. wurde der Abschluß für das Jahr 1928 vorgelcgt. Danach soll der auf den 22.3uni nach Frankfurt a. M. einzuberufenden G.-D. eine Dividende von wieder 12 Proz. vorgeschlagen werden. Nach 71776 528 (i. 03. 74 741 809) Mark 2lbfchreibungen beträgt der Reingewinn 118 458169 (100 812133) Mark. Aus dem Mehrgewinn gegenüber dem Vorjahre werden 11708 644 der Reserve, die damit auf 200 Mill. Mark anwächst, und 6,6 Mill. Mark einem Llnt^rstühungsfonds für pensionierte Angestellte zugewiesen. Einschließlich des aus dem Vorjahre übernommenen Vortrages von 4 426 777 Mk. werden 5 463 375 Mark auf neue Rechnung vorgetragen. Das Geschäftsjahr 1929 hat bisher eine befriedigende Entwicklung genommen. ' Zement Heidelberg. Die Generalversammlung der Portland-Zementwerke Heidelberg- Mannheim-Stuttgart 21.-®. genehmigte den Abschluß mit wieder 10 Prozent Dividende. Einer cinzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung soll eine Erhöhung des Aktienkapitals um 5 auf 30 Millionen Mark vorgeschlagen werden. Die neuen Mittel sollen zu Erweiterungen und Angliederungen verwendet werden; die Gewährung eines Bezugsrechts an die Aktionäre ist also nicht beabsichtigt. * Ludwigshafener Walzmühle, Ludwigshafen. Die G.-V. genehmigte den Abschluß mit 8 Proz. Dividende auf d ie Stamm- und 6 Proz. auf die Vorzugsaktien. Die 2kr Handlungen zur Abschließung einer Konvention in der rheinischen Mühlenindustrie werden als ein schwacher Ansatz zur Beseitigung der Preisunterbietungen begrüßt. Wichtiger sei aber eine Verständigung der ober- und niederrheinischen Mühlen untereinander. * Mannesman nröhren-Werke. Die Mannesmannröhrcn-Werke in Düsseldorf bringen für das Geschäftsjahr 1928 eine Dividende von 7 Prozent gegen 8 Prozent im Vorjahre in Vorschlag. Die Gründe für die Dividendenreduktion sind neben der höheren Belastung durch Steuern und soziale 2lbgaben auch in den niedrigeren Durchschnittserlösen zu suchen. Der Auslandabsatz war 1928 größer als im Vorjahre, was sich aber im Erträgnis nicht entsprechend auswirken konnte, da die Auslandpreise unter den inländischen liegen. Auch die Ausfälle während der Aussperrung im Ruhrgebiet sind zu berücksichtigen. Zu den bereits mitgeteilten Abschlutzziffern ist noch zu bemerken, daß der Rohgewinn 34,49 Millionen Mark gegen 33,54 Millionen Mark im Vorjahre betrug. Die Erträgnisse aus den Beteiligungen, die sich mit etwa 7 Prozent verzinst haben, machen etwa 2,5 Mill. Mk. aus. Ferner wurden an Zinsen 1,11 (0,16) Mill. Mark vereinnahmt. Diese wesentliche Steigerung ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die -Gesellschaft dauernd große Bankguthaben besessen hat, die auch heute zum größten Teil noch vorhanden sind. Das laufende Geschäftsjahr hat, wie WTB.-Handelsdienst erfährt, nicht gut an- gefangen. Die Frostperiode hat einen starken Rückgang der Verladungen in den Hüttenwerken gebracht. Auch in den Kohlenbetrieben ist gegenüber dem Vorjahr keine Erhöhung eingetreten. 3m März haben sich die Verhältnisse wieder normal gestaltet. Der Auftrageingang bewegt sich ungefähr auf der Höhe des Vorjahres. * Concordia-Bergbau-A. -G. .Oberhausen. Der Rohüberschuh beträgt 6,08 Millionen Mk. (i. V. 6,90 Millionen Mk.), Steuern und soziale Lasten beanspruchten 3,56 Millionen Mart (i. V. 3.29 Millionen Mk.), Zinsen und Provisionen 1,01 Millionen Mk. (i. 23. 1,02 Millionen Mk.), Abschreibungen 1,52 Millionen Mk. (1,50 Millionen Mk.). Der Verlust beträgt 0,01 Mitt. Mk. (i. 23. Reingewinn 1,2 Millionen Mk., aus dem 6 Prozent Dividende verteilt wurden). 3m laufenden 3ahre hat sich die Lage etwas besser entwickelt. * Liquidation von WaldorfAstoria. Die G.-V. der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik A.-G., Stuttgart genehmigte den Abschluß für 1928. Danach erzielte die Gesellschaft einen Rohertrag von 0.24 Mill. Mark. Rach 0,26 Mill. Marr Abschreibungen ergibt sich ein Verlust von 28 195 Mk., der durch den Gewinnvortrag aus Hekoga gegen Süwega. Eine Erwiderung der Hekoga auf die Denkschrift der Süwega. WSR. Der Vorstand derHegoka gab gestern eine längere Erwiderung heraus auf die Denkschrift der Südwe st deutschen Gasgesellschaft Frankfurt a. M. Er führt u. a. aus: Cs sei auffallend, daß die Süwega bei des Gaspreis auf ihr Angebot vom 31. 3uli 1928 zurückgreife und nicht das 23er» tragsangeoot vom 7. Dezember 1928 zugrunde lege, in dem die Preise enthalten seien, oie der Vorstand der Hekoga in seinem Bericht niedergelegt hat. Die Erwiderung geht dann auf die Behauptung der Süwega bezüglich der Gas- lieferung nach Temperatur und Druck ein. Die Ruhr würde mindestens dasselbe gewährleisten, was von der Süwega angeboten worden ist. Auf einen wesentlichen Llnterschied in der Qualität des Gases gehe freilich die Süwega nicht ein, nämlich, daß die Süwega den Heizwert des Gases mit 4200 Wärmeeinheiten, die Ruhr jedoch mit 4500 Wärmeeinheiten anbiete. Die Fortleitungskosten seien durch einen unparteiischen Sachverständigen in ganz eingehender Weise geprüft und berechnet worden. Es liege für die Hekoga nicht der gering ste Grund vor, aus den ihr bekannt gewordenen Darlegungen der Süwega eine Korrektur vyrzunehmcn. Es bestehe also nicht nur die „ganz geringe“ Differenz von rund 0,5 Pf. pro Kubikmeter, sondern der Vorstand der hekoga sei nach wie vor der Ueberzeugung. daß seine Berechnung richtig ist, wonach beim Fremdgasbezug von der Süwega das Gas pro Kubikmeter 6,13 Pf. und von der Ruhr 4,5 Pf. kostet. Unberücksichtigt sei dabei das ausschlaggebende Moment, daß die Ruhr das Gas in jeder beliebigen Menge und zu jedem Zeitpunkt liefern kann, was bei der Süwega nicht der Fall sei, die sich nur verpflichten wolle, pro Tag den dreihundertsten Teil der 3ahresabnahme bcrcit- zustetten. Rach Ansicht des Vorstandes spiele die von der Süwega aufgeworfene Frage nach der Einflußnahme auf den Brenn st offmarkt bei weitem nicht die Rolle, die man ihr aus durchsichtigen Gründen in der Pressepolemik zu geben versuche. Die Hekoga habe auch die kommunalpolitischen Bedenken, die die Süwega aufrolle, in ihrer Bedeutung durchaus erkannt und lasse sich in ihren Entschließungen von ihnen leiten. Der Vorstand der Hekoga sei durchaus der Aeberzeugung, daß sein Vorgehen ein Zusammenarbeiten der in Frage kommenden südwestdeutschen Städte nicht unterbinde. Auch die Gefahren des Ferngasbezuges von entfernten Produktionsstätten seien keineswegs außer Betracht gelassen worden. Es sei bekannt, daß im Falle des 2lbschlusses eines Fernlieferungsvertra- ges das Mainzer Werk als Detriebsstätte erhalten und als Reserve ausgebaut werden müsse. Wenn die Ruhr sich verpflichte, in dem Mainzer Werk im Rotfalle den gesamten Bedarf an kommunalem Gas zu erzeugen, so sei diese Frage durchaus zweckmäßig gelöst. Auf die von der Süwega hingewiesenen „Gefahren, die sich aus der Ue&ereignung lebenswichtiger Versorgungsbetriebe an einen privatkapitalistischen Konzern ergeben", wird darauf hingewiesen, daß die Hekoga ein rein kommunales Gebilde ist, das unter allen Umständen die Durchführung der hessischen Gasfernversorgung a u f kommunaler Grundlage sich zum Ziel gesetzt hat. Zum Schluß wird gesagt, daß das in den Zeitungsmeldungen enthaltene, außerordentlich weitgehende Angebot der Städte Frankfurt und Mannheim bisher bei der Hekoga noch nicht eingelaufen sei. 1927 bis auf einen auf neue Rechnung vorzutragenden Verlust von 4120 Mk. vermindert wurde. Wie der Aufsichtsratsvorsitzende hierzu ausführte, konnte der immer noch verhältnismäßig günstige Abschluß nur durch Heranziehung von stillen Reserven ermöglicht werden. Sodann wurde die Liquidation des Unternehmens, sowie Firmenänderung in „Gebaute Zigarettenfabrik A.-G." mit dem Sih in Berlin einstimmig genehmigt. * Allianz und Stuttgarter Verein Versicherungs-A.-G. 3m 3ahre 1928 betrug die Gesamtprämieneinnahme 178 (i. 23. 163) Mill. Mk. (hiervon 109 (105) Mill. Mk. für eigene Rechnung). Für Prämien und Schadenreserven wurden 95 (79) Mill. Mk. in Ausgabe gestellt. Aus dem Reingewinn von 4,16 (3,36) Mill. Mk. sollen 0,5 (wie im Vorjahr) der 2teferbe für außergewöhnliche Schadenfälle zugeführt, 0,50 (0,25) den Wohlfahrtseinrichtungen überwiesen, eine Dividende von wieder 12 Prozent verteilt, eine Einzahlung von 0,60 Mill. Mk. auf das nicht eingezahlte A.-K., das nunmehr mit 28 Prozent eingezahlt ist, geleistet und 0,35 (0,27) Mill. Mk. vorgetragen werden. • Stuttgarter Lebensversicherungsbank A. - G. Bei einem Reuzugang von 428 Mill. Mark und einem Gesamtversicherungsbestand von 1934 (im Vorjahre 1656) Millionen Mari ergibt sich ein Gesamt- Überschuh von 20 (16) Mill. Mark. Rach Ueber- weisung von 19 (141/2) Mill. Mark an die Gewinnreserve der Versicherten soll eine Dividende von 15 (14) Proz. an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Frankfurter Börse. Frankfurt a.M., 16. Mai. Tendenz: schwach. Schon im Vormittagsverkehr war die Stimmung zu Beginn der heutigen Börse wieder lustlos. Unternehmungslust bestand nur in ganz geringem Maße, da Auslandorders wieder fast vollkommen fehlten. Auch andere ungünstige Momente trugen zur allgemeinen Mißstimmung bei. Vor allem waren es wieder die ungünstigen Geldmarktoer hä ltnisse und die damit verbundenen Krediteinschränkungen im Reiche, aber auch der gestrige schwache Schluß der Neu- yorker Börse, der durch das plötzliche Anziehen des Geldsatzes von 6 auf 15 o. S). verursacht wurde, blieb nicht ohne Einfluß auf die Tendenzgestaltung. Das Geschäft war sehr gering, nur vereinzelte Werte hatten etwas lebhaftere Umsatztätigkeit zu verzeichnen. Bei der allgemein schwachen Lage traten gegenüber der gestrigen Abendbörse Rückgänge bis zu 2,5 v. H. ein. Die gebesserte Arbeitsmarktlage im Reiche und die wieder optimistischeren Meldungen aus Paris blieben auf der anderen Seite ganz ohne Eindruck. Angeboten waren Bergmann, Schuckert, Siemens, I.-G.-Farben, Zellstoff- werte, Wayß & Freytag und Banken. Die Verluste blieben, da sich kaum dringendes Angebot einstellte, verhältnismäßig gering. Montanwerke hatten kaum Umsätze zu verzeichnen, Harpener lagen 1,75 v. H. niedriger, dagegen waren Buderus mit plus 2 v. H. etwas gefragt. Rach den ersten Kursen wurde die Stimmung etwas zuversichtlicher, weil verschiedene günstige Momente doch ein gewisses Echo hinterließen und auch noch vereinzelte Auslandorders zu einer geringen Be sserung der Marktlage beitrugen. Von diesem Tendenzumschwung konnten besonders einzelne Elektrowerte und Kalipapiere profitieren. Aber nur für diese Aktien war die Umsatztätigkeit — aber nur zeitweise — etwas lebhafter. Die Nebenmärkte lagen noch wie vor gedrückt. Im Vordergrund standen vor allem weiter AEG. und Licht & Kraft mit je plus 1 v. H., Kali- werte bis 1 o. $). fester. Hier trugen vor allen Dingen Rückkäufe der Spekulation zur Besserung bei. Besonderes Interesse bestand noch für Metallgesellschaft mit plus 3,5 v. H., Autowerte bis 1 v. H. höher. Renten still. Deutsche Anleihen angeboten und etwas schwächer. Im Verlaufe unterlag die Börse trotz der etwas zuversichtlicheren Stimmung mehrfachen Schwankungen. Die Geschäftstätigkeit blieb eng begrenzt. Die meisten Werte lagen unter Druck und mußten um Bruchteile v. H. nachgeben. Für AEG. bestand weiter einige Nachfrage mit plus 1 v. H., Siemens blieben gut gehalten. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 9,25 v. H. weiter angespannt. Am Devisenmarkt konnte sich die Mark weiter halten. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2096, gegen Pfund 20,428, London gegen Kabel 4,8510, Paris 124,16, Mailand 92,65, Madrid 34,10 und Holland 12,0675. Berliner Börse. Berlin, 16. Mai. Die heutige Börse bot wieder ein Bild vollkommener Geschäftslosigkeit. Schon im Vormittagsverkehr herrschte eine etwas unsichere Stimmung, die auch zu Beginn der Börse anhielt. Nur in AEG. waren die Umsätze lebhafter, und hierdurch wurde der übrigen Börse eine leichte Stütze geboten. Im allgemeinen zeigte sich, wie schon an den Vortagen, das Bestreben der Spekulation, vor den Feiertagen die Engagements möglichst glattzustellen, da in bezug aus die nächste Entwicklung doch eine gewisse Unsicherheit herrscht, lieber Paris urteilte man wieder verschieden, die heutigen ausländischen Berichte klingen wieder zuversichtlicher, und es besteht immerhin die Möglichkeit, daß in der Vollsitzung morgen oder übermorgen eine Einigung erzielt werden kann. Mit Befriedigung wurde ausgenommen, daß bei den Alliierten die Stimmen sich mehren, die die interne Verteilung der Annuitäten unabhängig von den Verhandlungen mit Deutschland machen wollen. Der hiesige Geldmarkt erfüllte die Börse roci- ter hin mit Sorge ; wenn auch heute Tagcsyeld eine ganz geringe Erleichterung zeigte, die Sätze blieben aber unverändert. Verstimmend wirkte die gestrige Neuyorker Börse, die nach festem Beginn auf das Anziehen des Tagesgeldsatzes auf 15 v. H. schwach schloß und wenig günstige Betrachtungen über die Zukunft des dortigen Geldmarktes auslöste. Die ersten Kurse waren meist 1 bis 2,5 v. H. schwächer, als gestern nachmittag Schluß. Am Farbenmarkte kam größeres Angebot vor, der Kurs war aber nur wenig verändert. Polyphon, BMW, Norddeutsche Wolle und Deutsche Linoleum gingen mit etwa 3 v. H., Glanzstoff mit 7,5 v. H. und Chade- aftien auf Ein- und Verkauf auf 8 Mark zurück. Daimler waren trotz der Dividendenlosigkeit etwas fester. Drenftein wurden heute exklusive Dividende gehandelt. Oberkoks lagen trotz der Dividenden- erhöhung etwas schwächer. Auf dem Kalimarkt macht die Meldung von dem befriedigenden Absatz bis Mitte Mai keinen Eindruck. Deutsche Anleihen etwas schwächer, Ausländer uneinheitlich. Pfandbriefe meist wieder angeboten. Die Reichsmark besserte s i ch heute weiter. Der Dollar wurde im Freiverkehr mit 4,2095 gehandelt. Nach den ersten Kursen wurde es zunächst fester, da AEG. bei lebhaftem Umsatz 2 v. H. anzogen, später aber wieder uneinheitlich und zum Teil schwächer. Farben 1 v. H. niedriger angeboten. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 16. Mai. Ruf trieb: 141 Rinder, 1730 Kälber. 67 Schafe, 770 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast» und Saugkälber 73 bis 78 Mk.; mittlere Mast» und Saugkälber 66 bis 72; geringe Kälber 58 bis 65. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 70 bis 72; von etwa 160 bis 240 Pfund 70 bis 74; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfunk> 68 bis 72 Mk. — Marktverkauf: Schweine schleppend, geringer ileberftanb. Kälber anfangs rege, zum Schluß abflauend. Der Markt wurde ausverkauft. Schafe nicht notiert. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 16. Mai. Der Marktverkehr war heute mangels jeglicher Anregung und bei größter Zurückhaltung der Händler sehr ruhig und teilweife weiter abgeschwächt. Für Brotgetreide sind das Angebot und die Rachfrage äußerst gering, so daß kaum eine Bewegung darin sestzustetten war. Dagegen verlor Braugerste 25 Pf. Das Mehlgeschäft war heute wieder etwas ruhiger; Weizenmehl konnte sich gut halten, Roggenmehl war in größerem Maße angeboten und tourbc mit Verlust von 75 Pf. aus dem Markt genommen. Auch Doggenkleie war um 25 Pf. abgeschwächt. Es wurden notiert: Sommergerste für Brauzwecke 23,50, Roggenmehl 29 bis 30, Weizenkleie 12 bis 12,15, Roggenkleir 12,75. Tendenz ruhig. Letzte Nachrichten. Auflösung des Roifrontkämpferbundes in Braunschweig und Oldenburg. Braunschweig, 15. Mai. (WTB.) Der „Volksfreund" veröffentlicht ein Telegramm des Reichsinnenministers Severin g an die braunschweigische Staatsregierung, in welchem auf Grund des § 1 des Gesetzes vom 22. März 1921 der Rote Frontkämpferbund einschließlich der Roten 3ungfront mit allen seinen Einrichtungen im Lande Braunschweig f ü v aufgelöst erklärt wird. Alle Gegenstände der Vereinigung und ihrer Mitglieder, welche unzulässigen Zwecken unmittelbar gedient haben, sind zugunsten des Reiches zu beschlagnahmen und einzuziehen. Das Telegramm ersucht um Durchführung der Auflösung und der Beschlagnahme. — Auch in Oldenburg hat das Staatsministerium die Auflösung der kommunistischen Kampforganisationen verfügt. Dem Ersuchen des Reichsinnenministers nicht nachgekommen find also bisher nur Mecklenburg-Schwerin, Lippe, Schaumburg-Lippe und Hessen. Die hinter den Papieren angeführten Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. sssranlsun a. M. Berlin Schlub- Kurs l-Uvr- Kure Schluß- Kurs 21 n fang Kurs Datum 15.5. 16-5. 15 5. 16 5. 5% Dt. Rcidiimnleibe v. 1927 87,4 — 87,5 Dt. AnI.-Ablös..Schuld mit AuK los.-Rechten 51,25 51,25 51,4 51.4 TcSal. ohne Lluslos.-Rechte - . • 9,9 9,75 10 9,75 7% Arants. Hyp.-Bk. Goldvs. unkündbar bis 1932 . • 88 — — - <%% Rheinilche HyP.-Bank «lau.- (SolbiJf. . 72,4 —- — — 0.G.®. abg. Borkriegs-Lbligatron. rückzahlbar 1932 87,5 — 88 — i% Schweiz. Bundesb.-Anl.. 101-5 — — Oesterreichiiche Goldrie.. - . 29,5 — 22,9 4,20% Cefien. Silberne..... 2,65 — 4% Oesterreich, einheitt. Rte. 1,75 — — — 4% Ungarische ®olbrte.. . . ■ ■ 22,8 - 22.9 — 4% Ungarische Slaatür. V. 1910 — — — 4>,% desgl. von 1913 . • - —- — 21,7 4% Ungarische tkroncnrie.. . 1.8 — 1,75 1,85 4% Türk. Zollan leihe v. 1911 . . 8,8 — 9.1 8,9 4% Türkische Bagdadbahir-Anl., Serie 1........... _ — 8.7 4% desgl. Serie I I....... 9 8.9 8,75 4% Rumänen convert. Rte. . . - 7,85 l'/i% Rumänen (SolbanL von 1913 16,65 — 16,5 Allg. Deutsche Eisenbahn . . i'/-_ — — — — Hamburg-Amerika Paket . . . fe Hamb.-Südam. Tampsjch, . . 6 — — 116,75 117 — —— — — Hansa Dampssckijs.....10 —- 147,5 Norddeutscher l'lotjt.....6 Allg. Deutsche Creditanfi. . . 10 — 109,5 109,4 109,5 123,75 — 124,5 124,5 Barmer Bankverein .... 10 —— 124,75 124.75 Berliner Handelsgeseilsch. . . 12 209 207,25 Commerz, und Privat-Ban!. 11 182 182,5 182 182,5 Tormsi. u. Nationalbank . . 12 254 — 253,5 254 Deutsche Bank......™ 160 —— 160 160 Dtökonto-Gelclllchast Ant.. . 10 151,5 151,13 151,5 151,75 Dresdner Bank ; • W 155,5 155 155,5 155,5 Mitteldeutsche Credllbaiu • • • » —> —— — Metallbau!.........® - — — Xeichsbank..... 1’2 297,75 297,75 296 Franksurt a. M. Berlin Schluß- Kurs l Uhr- Kurs Schluß- Kurs An sang- Kurs Datum 15-5. 16.5. 15.5. 16-5. '2l.li.ti>. . . . . b 175 175,5 175 174,5 . 9 207 205 207 204,5 Ekektr. Lieserungen. . e • e 10 153,5 153,5 154 153.5 10 211 211,5 210 211 Felten & GurUeaume. • • • . 6 134,5 — 135 133.5 Ges. s. Elektr. Untern.» A . e 10 211 —— 210,5 210,25 Hamb. Elektr. Werke . e e e 10 — 137,75 137 Rhein. Elelrr..... . 9 —— —— 159,25 159 Schles. Elektr. . . 10 — —— 183 180.5 Schuckert...... . 8 240>75 240 241 241 Siemens & Halske . . A A ■ 12 373,25 371 373 370,75 TranSradio..... . 8 Lahmeyer 4 Co.. . • 10 165,5 — 165 — Buderus ...... - . 5 — 71 69 70.5 Deutsche Erdöl . . . . 6 110,5 — 110,75 110,65 Essener Steinkohle . . . 8 _ _ 112 110,25 Gelsenkirchener . . . f.'/r iM 127 — 126,5 125.5 Harpener...... . 6 129 128 128,5 — Hoejch Eisen. .... . k - — 114,5 Ilse Bergbau .... . 8 212,5 — 212,5 212,65 Kiockncrwerke .... r 98,5 98,13 97,75 Köln-Neuessen. . . • e » • . 9 —— 113,25 — Mannesmann.... . 8 112,5 — 112,65 111.75 Mansfelder..... 7 124,5 — 124,25 123.5 Lberschles. Eilend. Bedarf. A D — — — Lberschles. Kokswcrke. ■ . 6 — 103,5 103 Phönix Bergbau. . . d'/7 87 — 87,5 86.65 Rheinische Braunkohlen 10 280 — 280 281,25 Rheinstabl f. V* Iahi 4Vi 112 — 111,75 109,75 Ricbeck Montan . . . 7 9 — 141 ycieiniflte Siahllv. . e ■ . 6 — — 90,65 90 4 Ctatri Minen .... J?-h — — 64,25 64.25 Kali Aschersleben . . 10 226 227 225,75 Kaki Westeregeln. . . 10 230.5 231.5 231,5 231.75 Kaliwerk Salzdetsurih • ■ Id 375 376 374 373,5 I. ®. Farben-Industrie A A , 12 243,25 241,25 243 242,5 Donamit Nobel . . . A A A — 112 Scheideanskall.... • ■ . 0 — 162 _ Goldschmidt .... . 6 81 81 81 81.5 Rütgerswerke .... Metallgeiellschafl. . . e • . 6 87,25 87.25 86.65 • • 11 126,5 129,75 127 129,25 Franksurt a. Bl. Berlin Schluß. l-Utit- Schluß- Anfang Kurs Kurs Kurs Kurs Datum 15.5. 16 5. 15-5- 16 5- Phürpv Hofmann..... 109 • — 108,75 109,75 Heidelberger Eement . . . . 10 144,5 135.5 — -- Gement Karlstadt..... . 8 180.5 — — Wayß & Freitag...... 10 111 110 111 —— Schultheis Pahenhoser . . . 15 — — 291,75 290,75 Lstwerke......... 12 — — 234 231,25 Ber. Glanzftoss...... 18 413 — 414 406,5 _ _ 332 332.75 ]O 947.75 946 247 245 Zellsiosj Aichajscnbur-, . . . 12 179,5 Eharlottenburger Waii -r . . . 1 — — 109.25 108,25 Dessauer Gas....... . 8 — — 198,75 198,75 Daimler Motoren..... . O 52,25 53,25 51,75 52.4 Deutsche Maschinen-Fabrik . . O — —— 49.75 49.5 Adlerwerke Klever..... . 5 — — Ludw. Loewe..... . 10 - - 193 —— Rat. Automobil . ..... . O 28 28 Lrensiein 4 Koppel .... . b — 92 87 Leonhard TieN ...... . 6 — — 288 289 Aamag-Mcgurn ...... . 0 _ — — Frankl. Maschinen . . . • . . 8 51 — 51 —— Grikmer..... • • • 11 79.6 — 80 __ Henligenslaedt ...... . O - —— Funghans. . ....... Lechmerke. . ....... . 4 . 8 64,75 111 - Mainlrafiwerte ...... . 8 108 — Miag.......... 10 122 — 120,5 120 Rekursulm er ....... . 8 — Peters Union ....... . 8 — — 113,5 Gebe. Roeder ....... 10 111 Boigt 4 Haesfner ..... . 8 205 — 205 _ Eüdd. Zucker....... . 8 150 149 150,75 Banknoten. Berlin, 15- Mai Geld «rief yiuimtaiuKtie Noren ..... Belgische Noten........ Dänische Noten........ Englische Noten........ 4,204 58,345 111,98 20.397 4,224 58,585 112.42 20,477 Berlin 15. Mai Geld Brief Hran;ösische Noten..... 16.465 16.525 Holländische Noten...... 168,93 Italienische Noten...... 22.11 22J9 Norwegische Noten...... Deutsch-Lcsterr-, ä 100 Kronen 111,93 59.06 112,37 59,30 Rumänische Noten...... 2.515 2,535 Schwedische Noten...... 112.18 112,62 Schweizer Noten....... 81.13 81,45 Spanische Noten....... 59,68 59.92 Tschechoslowakische Noten .. 12,455 12,515 Ungarische Noten....... 73,20 73.50 Devisenmarkt Berlin -Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 15- Mai 16. Mai Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Briet Geld Brief Xintft- Rott. 169.15 169.49 169,07 169.51 Buen.-Aires 1.769 1,773 1.763 1,772 Bni--lntw 58,405 58.525 58,39 58.51 Christi ania. 112,16 112.38 112.00 112,32 Kopenhagen 112,40 112.62 112.08 112,30 Stockholm . 112,50 112.67 112,34 112,56 Helssngfors. Italien. . . 10,578 22.035 10,598 22,075 10.57 22.025 10.59 22.065 London. . . 20.413 20,453 20.40 20.44 Neuyort . . 4.2085 4,2165 4.2065 4,2145 Paris.... 16,445 16.485 16.425 16.465 Schwei; •. 81.04 81.20 81.05 81.165 Spanien. 59.71 59.81 59.91 60.03 Japan .. - 1,878 1.882 1.887 1.891 Rio de Jan. Wien in D-- 0,499 0,501 0,4985 0.5005 Lett- abgen 59,125 59,245 59.095 59,250 Prag - - . - 12.453 12.473 12,448 12.468 Belgrad .. 7.407 7.421 7.398 7.412 Budapest. . 73.32 73.46 73.29 73.43 Bulgarien. 3,044 3,050 3,039 3.045 Lissabon 18,88 18,92 18,87 18.91 Tanüg • • - 81,55 81.71 81.54 81,70 Konstantin. 2,045 2,049 2,041 2,045 Athen. . . 5,455 5,465 5.455 5.465 Canada . . 4,183 4.191 4.178 4,186 Um ;naö. . 4.116 4.124 4,097 4,104 Cairo . . - 20,94 20,98 20,925 20,965 Preußen- Kreis Wetzlar. (D Krofdorf, 15. Mai. An der Straße von hier nach dem Forsthaus „Waldhaus" ist eine hiesige Frau von einer jungen Radlerin angefahren worden und derart schwer zu Fall gekommen, daß sie besinnungslos heimgebracht werden mußte und nun schon tagelang schwer krank dar- niederliegt. v D o r l a r, 15. Mai. Auf dem mitten in unsrem Orte gelegenen Lindenplatz steht eine alte Linde, die unter Denkmalschutz genommen ist. Platz und Linde sollen nun eine einfache, würdige Einfriedigung erhalten, wozu der Gemeinde ein Zuschuß aus Kreismitteln in Aussicht gestellt worden ist. ~ Aus dem Hüttenberg, 15. Mai. Die Frühjahrs bestellungsarbeiten sind in unserer Gegend jetzt beendet. Hafer und Gerste gehen gut auf. Der in den letzten Tagen niedergegangene Regen hat auf das Getreide und die Futterpflanzen, die in diesem Jahre im Wachstum noch sehr zurück sind, günstig gewirkt. Man hat in diesem Frühjahr bedeutend weniger Kartoffeln angepflanzt, als in den vergangenen Jahren, denn im Winter sind viele Kartoffeln erfroren und jetzt fehlte es vielfach an Geld, um das erforderliche Saatgut beschaffen zu können. Die Obstbaumblüte hat begonnen: Kirschbäume stehen im vollen Blütenflor. Der Vlütenansatz ist gut; falls keine Rachtfröste mehr eintreten, berechtigt die diesjährige Obsternte zu den besten Hoffnungen. Die Fer.kelpreise halten sich unverändert auf ihrem hohen Stand. Es werden bezahlt: für 5 bis 6 Wochen alte Ferkel 40 bis 45 Mark, für 7 bis 8 Wochen alte 46 bis 50 Mark und für 9 bis 10 Wochen alte 52 bis 60 Mark. <> Hochelheim. 15. Mai. Die durch die Ernennung des Lehrers Zeuge zum ersten Lehrer freigewordene zweite Lehrer stelle an der hiesigen Volksschule ist von der Regierung in Koblenz dem Lehrer Wilhelm Wagner aus Crastel, Kreis Simmern, übertragen worden. Der bisherige Verwalter der Stelle, Schulamtsbewerber Schneider, wurde nach Crastel, Kreis Simmern, versetzt. — Bei der dieser Tage stattgehabten Reuverpachtung der Fischerei im K l e e b a ch in unserer Gemarkung blieb Lehrer Zeuge von hier mit einer Jahrespacht von 70 Mark Höchstbietender. Die bisherige Pacht betrug 126 Mark jährlich. Dem Pächter ist die Verpflichtung auferlegt, jährlich 1000 Stück Forellenbrut oder eine entsprechende Anzahl Setzlinge auszusetzen. <2> Riederkleen, 15. Mai. Das 8 0. Lebensjahr vollendete der Aushalter Johannes Krämer von hier in guter körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Er ist Veteran von 1866 und 1870/71. Kreis Biedenkopf. ch Fellingshausen, 15.Mai. In den Waldungen des Dünsbergs zeigte sich in den letzten Tagen ei ne Rotte Wildschweine von fünf Stück. Eine der Sauen wurde am Samstag erlegt, eine zweite angeschossen und am Sonntagmorgen von Spaziergängern im Walde angetroffen. Das verwundete. Tier versuchte zu entkommen und setzte sich, als man es festhalten wollte, durch kräftiges Umsichbeißen zur Wehr. Schließlich gelang es den Spaziergängern, die Wildsau durch einen Schlag zu betäuben, worauf sie das Tier an einen Baum festbanden und das Abschießen durch einen Jagdberechtigten veranlaßten. dt. Hartenrod, 15. Mai. Unser Mitbürger, der Altveteran von 1866 und 1870/71, Ludwig Pitzer, konnte am Montag in ausgezeichneter körperlicher und geistiger Frische seinen 88.Geburt s t a g begehen. Der Kriegerverein und der Posaunenchor brachten dem alten Herrn, ihrem Ehrenmitglied, eine schöne Geburtstagsmusik und eindrucksvolle Ehrung dar, der sich die Gesamtheit unserer Dorfbewohner gerne anschloh. Der Vorsitzende des Kriegervereins überreichte dem alten Herrn mit herzlichen Worten ein Ehrengeschenk. Mit tiefempfundenen Worten sprach Herr Pitzer den Vereinen und den übrigen Mitbürgern seinen Dank für die überraschende und ihn sehr erfreuende Ehrung aus. Starkenburg. WSR. Walldorf, 15. Mai. Die Geflügelfarm der Frau von Weinberg nimmt außergewöhnliche Ausdehnung an. An einem Tage der vergangenen Woche sind allein 3000 Küken ausgeschlüpft. Die Zahl der Zuchttiere beträgt f a st 2 0 0 0 0. Am letzten Sonntag besuchten sieben Geflügelzüchtervereine und viele Private die Farm. Auch viele Ortseinwohner von Walldorf gründen weitere Geflügelfarmen. ^Schuhe.' aber nur 101? vom Inserieren bringt Gewinn Herren-Artikel versteigert. 4378D 2.25, 1.75, 3.50, 2.60, Socken Mako, einfarbig und gemustert.... 1.35, 1.10, 0.95, Achtung! Achtung! Kragen neueste Formen 0.65 1.10, 0.95, Hosenträger, SockenhaEter, Taschentücher Reiche Auswahl! Aeußerste Preise! in eleganter Ausführung W (Mn) Achtung! Achtung! 4373a w 03051 ÄtWto/5oooeoMelli.9 1.20 2.20 0.85 in bester Ausführung und allen Preislagen Damen-, Herren- u. Kinder-Schuhe in großer Auswahl gut und preiswert! von 10 an Große Sendung billiger Spargel, Kopfsalat, Gurten, Tomaten, Apfelsinen, Aepfel, neue Kartoffeln trifft Freitag früh für die Feiertage ein. Berkaus Selterswea 3 im Laden. Svosib / Telephon 1051 Socken Seidenflor, mod. schöne Dessins Socken reine Wolle........•............. Sportstrümpfe.................... Einsatzhemden Mako, 2fädig, la Qual, Jacken Mako, gu|e Qualität..................... 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