Geeabrüstung und Mittelmeerlocamo. Eine Anregung des Völkerbunds. — Gir Eric Orummond in London. Genf dementieri. Ter Londoner Besuch des Gcncralfckrclärs. Genf, 13. Rov. (TLl.) Die englische uirt) französische Presse brachte in den letzten Tagen eine Mitteilung, nach der dec Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, während seines kürzlichen Aufenthaltes in London Versuche unternommen haben soll, eine Verbindung zwischen der im Januar stattfindenden großen Flottenkonferenz und dem Völkerbund zu schaffen. Ferner soll der Generalfeiretär bemüht gewesen sein, eine Verschiebung des Zeitpunktes der Flottenkonferenz zu erreichen. 3n der gleichen Meldung war ferner mitgeteilt worden, daß der Generalsekretär ces Dölterbundes in London über ein angebliches Mittelmeerlocarno zwischen Frankreich undItalien verhandelt habe. Diese Gerüchte werden nun als jeglicher Grundlage entbehrend und als leere Mutmaßungen bezeichnet. Der Generalsekretär des Völkerbundes ist, wie erklärt wird, einer Einladung der englischen Vereinigung für den Völkerbund folgend, nach London gereist und hat dort anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Völkerbundes einen Vortrag über die Tätigkeit des Völkerbundes gehalten. Verhandlungen über ein Mittelmcerlocarno dürften jedenfalls über den Rahmen der Zuständigkeit des Generalsekretärs des Völkerbundes hinausgehen. Aus diesem Grunde allein müssen die Mitteilungen der englischen und französischen Presse als gegenstandslos angesehen werden. Die IlottenpariM im Mittelmeer Pariser Bedenken. — Englands Garantie. Paris, 14. Nov. (WB.) Auch das „Oeuvre" spricht von einem Mittelmeer-Locarno im Hinblick aus die vorbereitenden diplomatischen Besprechungen für die Fünsmächtekonferenz zur Seeabrüstung. Das Blatt schreibt: Es scheint, daß man im „For° eign Office" geglaubt hat, England könne in Kriegs, gesahr Frankreich die Unterstützung der englischen Flotte versprechen, wenn Frankreich von italienischer Seite angegriffen würde, und Italien, wenn dies von Frankreich angegriffen würde. Frankreich könnte in diesem Falle nach englischer Ansicht die Parität zwischen der französischen und der italienischen Flotte nicht mehr ablehnen, und auf diese Weise wäre der Erfolg der Seeabrüstungskonferenz gesichert Man wisse nicht, ob die Angelegenheit schon solche Gestalt angenommen habe, daß der englische Botschafter Lord Tyrell bereits mit Briand und Tardieu dar« über gesprochen habe, ober sicher sei, daß das „For- eign Office" diesen Gedanken geprüft habe, der von einigen englischen Liberalen ausgegangen sei. Zurückhaltung in London. London, 14. Rov. (WTB.) Der Marinekorrespondent der „QHorning Post" bezeichnet den gestrigen Plan eines Mittelmeer-Locarno als einen Versuchsballon. Die Rationen, die an der Londoner Flottenkvnferenz teilnehmen werden, sondieren jetzt naturgemäß die öffentliche Meinung. Zuerst wurde Hoovers Anregung über die älnverlehbarkeit der Lebensmittelschiffe unterbreitet, die zwar ausdrücklich als nicht offiziell bezeichnet wurde, aber offenbar bestimmt ist, den Delegierten der Konferenz vor Augen zu bleiben. Dann änderte Italien seinen Standpunkt in der U-Boot- Frage. Die Meldung von, dem Mittelmeer- Locarno stammt wahrscheinlich aus Frankreich. Endlich gibt die britische Regierung die Absicht bekannt, die Arbeiten am Flottenstützpunkt von Singapore mindestens bis nach Schluß der Konferenz hinauszuschieben. Rur Japan hat mit der ihm eigenen Zurückhaltung bisher nichts derartiges vorgebracht. Japan und die Seeabrüstung. Tokio, 15.Rov. (Funkspruch.) Am Donnerstag fand unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten eine Kabinettsitzung statt über die japa- nische Stellung zu der Seeabrüstunoskonferenz. Der Außenminister erstattete einen Bericht über seine Verhandlungen mit dem englischen Dot- schafter in Tokio. An dieser Besprechung haben auch die Vertreter des Admiralstabes und Generalstabes teilgenommen. Wie verlautet, vertritt die Regierung weiterhin die Ansicht, daß Japan seine Stellung in der äl-Doot- srage nicht ändern und außerdem die englischen Vorschläge über die Bewaffnung der Kreuzer, die in den letzten Tagen von der englischen Regierung in Tokio unterbreitet wurden, noch nicht angenommen werden könnten. Japan sei bereit, an der Seeabrüstung mitzuarbeiten, könne aber seine Sicherheit nicht gefährden. Reichshilfesür die deutschen Bauernflüchi- linge aus Rußland. Berlin, 14.Roo. (1BB.) 3n einer Partei- sührerbefprechung, die heule nachmittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers ftattfand, wurde die Frage einer Hilfsaktion für die bei Moskau angefammellen deutsch ft ämmigen Bauern besprochen. Man war sich darüber einig, daß den in großer Rollage befindlichen Kolonisten Hilfe gewährt werden müsse. Die dazu erforderlichen Vorarbeiten sind in Angriff genommen, und neben einer privaten Hilfsaktion sollen Reichsmil- tel in gewissen durch die finanzielle Lage des Reiches gebotenen Grenzen bereitgestellt werden. Man denkt daran, einen Teil ln Deutschland selb st a n z u s i e d e l n und dem übrigen die Auswanderung nach Kanada und Brasilien zu ermöglichen. Lin Teil der Flüchtlinge dürste in einem der noch bestehenden Flüchtlingslager Unterkunft finden. Die Linsehung eines Reichskommissors für die Flüchtlingssürsorge wird erwogen. 3n Aussicht genommen ist für diesen Posten ein Reichstagsabgeordneter, der schon aus früherer Tätigkeit Erfahrungen auf diesem Gebiete hat. vom haushaltsausschuh des Reichstages werden zunächst sechs Millionen Mark angeforderl werden. 3m Gegensatz dazu will der „Lokanz." erfahren haben, daß der Betrag, den die Reichsregierung in einer Vorlage vom Reichstage fordern wird, n i ch t ü b c r drei Millionen Mark hinausgehen werde. Heue Liquidationen deutscher Güter in Posen. Berlin, 14. Rov. (TL1. Funkspruch.) Wie die Telegraphen-Llnion aus durchaus zuverlässiger Quelle erfährt, geht Polen im Gegensatz zu dem Sinn des neuen Liquidationsvertrages erneut an öie Liquidation deutscher Güter heran. Ein Kommissar des Posener Landamtes, das die Bodenreform unter sich hat, hat in einzelnen festgestellten Fällen deutschen Gutsbesitzern davon Mitteilung gemacht, daß sie größere Teile ihrer Fläche für die Agrarreform zur Verfügung zu stellen hätten. Dabei ist nicht an Reusiedlungen gedacht, sondern nur an Ansiedlersiedlungen. Es wurde ausdrücklich erklärt, daß deutsche Bauern bei der Verteilung nicht berücksichtigt würden. 3n den benachbarten Gegenden finden sich aber nur ganz arme polnische Bauern, die weder das Geld noch die Gebäude zur älebernahme und zur Bewirtschaftung größerer Flächen haben. Rach Artikel 4 des polnischen Agrarreformgesehes verbleiben den Gutsbesitzern 720 Morgen Acker und Wiese. Rach Artikel 5 kommen dazu noch größere Flächen, die der Beschlagnahme nicht unterliegen, bei intensivem Rübenbau und bei Vorhandensein von Rebenbetrieben, insbesondere Brennereien und Zuckerfabriken. Rach diesen zwingenden Gesetzesbestimmungen dürfte eigentlich bei den in Betracht kommenden Gütern nichts beschlagnahmt werden. Den entsprechenden Einwand wies der Kommissar des Landamtes damit zurück, daß es sich um die Grenzzone handele, bei der Artikel 5 keine Anwendung findet. Das Agrarreformgesetz sieht eine derartige Ausnahme für die Grenzzone nicht vor. Der Hinweis auf die Grenzzone ist also ein ungesetzlicher Akt. Dieses neue Vorgehen des Posener Landamtes hat große Llnruhe erregt und wird in deutschen Kreisen Polens als Beweis dafür auf- gefaßt, daß Polen sich nicht an Me amtliche deutsche Auslegung der dehnbaren Bestimmungen des Liquidationsabkommens zu halten gedenkt. befassen sollte, fand ein jähes Ende. Rach kaum vierzig Minuten mußte die Versammlung geschlossen werden, da die Angehörigen der Sozialdemokratischen Fraktion den kommunistischen Sprecher Lange nicht ausreden lassen wollten, bevor dieser seine in der letzten Sitzung gegen die Sozialdemokraten ausgesprochenen Beleidigungen zurückgenommen hätte. Unter ungeheurem Tumult mußte der Stadtverordnetenvorsteher Haß die Sitzung aufheben, da eine Wetterführung der Debatte nicht möglich war. Das Ergebnis des Volksbegehrens. Die Nachprüfungen. — Tic Entscheidung des Reichswahlausschnsses. Berlin, 14. Nov. (Priv.-Tel.) In diesen Tagen ist in der Oesfcntlichkeit viel von den umfangreichen Nachprüfungen der Einzeichnungen in die Listen des Volksbegehrens die Rede gerne fen. Dazu erfahren wir aus zuverlässiger Quelle, daß es sich zunächst noch nicht absehen läßt, in welcher Höhe Einzeichnungcii als ungültig erklärt werden müssen, da auch heute noch beim Reichswahlleiter Beschwerden einlaufen. Daß diesmal eine so große Anzahl von Beschwerden vorliegt, wird bei den zuständigen Stellen im wesentlichen darauf zurückgeführt, daß das Hugenbergsche Volksbegehren in der Hauptsache auf dem Lande Anhänger fand, während die früheren Volksbegehren betreffend Fürstenenteignung und Panzerkreuzer durchweg die städtische Bevölkerung interessierten. Reben bewußter falscher Handhabung der Einzeichnungsformalitäten liegen deshalb auch eine ganze Reihe von Fällen vor, in denen einfach die Unkenntnis der gesetzlichen Vorschriften zu einer unkorrekten Handhabung der Einzeichnungsformalitäten führt. Was die Frage der Rückgängigmachung von Einzeichnungen betrifft, jo haben zwar gewisse Wahlausschüsse solchen Ersuchen stattgegeben, doch wird die Frage auch nach wie vor noch eingehend beim Reichswahlausschuß geprüft, um sie bei der endgültigen Feststellung des Resultates einer einheitlichen Regelung zu unterziehen. In welcher Höhe hierdurch Rückgänge zu verzeichnen sein werden, steht deshalb auch noch nicht fest. Immerhin rechnet man insgesamt mit einem Rückgang der seinerzeit vorläufig festgestellten Ein- zeichnungsergebnisse in einem Umfange, der das enbgültige Resultat hart an die notwendige Grenze heranführt. Die endgültige Entsck)eidung darüber liegt naturgemäß beim Reich swahlausschuß, der am 23. d. M. Zusammentritt und mit dem Reichswahlletter, der ebenfalls nur eine Stimme hat, aus sieben Personen besteht. Oer Tag des Volksentscheids. Eine Erklärung des Grafen Westarp. Berlin. 14.Rov. (Funkspruch. TU.) Gras Westarp teilt folgendes mit: „Die amtliche Erklärung, wonach der 2 2. Dezember Ab - stimmungslag für den Volksentscheid sein soll, nimmt zur Begründung dieser Festsetzung auf mich Bezug. Das ist falsch. Ich habe im Reichstag namens der dcutschnativnalen Fraktion und später in der Reichskanzlei lediglich gefordert, daß die Volksabstimmung stattfin- den müsse, bevor Regierung und Reichstag ihre Entscheidung über die Annahme des Pariser Planes träfen. Dabei habe ich darauf hingewiesen, daß, nachdem die verfassungsmäßig letzte Instanz der Gesetzgebung angerufen sei. ihre Entscheidung abgewartet werden müsse. Den 22. Dezember habe ich niemals als möglichen Abstimmungstermin bezeichnet. Wie die Dinge sich jetzt entwickelt haben, laßt sich die von mir ausgesprochene grundsätzliche Forderung ohne jede Schwieria- keit erfüllen, toerm die Volksabstimmung nicht vor Mitte Januar angesetzt wird, da nach dem Stand der Verhandlungen die Vorlage über den Plan den Reichstag schwerlich vor Ende Januar beschäftigen kann. Oer Großhandel zur Finanzreform. Berlin, 14.Rov. ($11.) Wie der Reichs- verband des Deutschen Groß- und Ueberseehandels mitteilt, hat der Steuer- ausschuh des Reichsverbandes in eingehender Beratung zu den bisher bekanntgewordenen Planen des Reichöfinanzministeriums hinsichtlich einet Steuerreform Stellung genommen. Eine Bekanntgabe und Veröffentlichung der Forderungen, die im einzelnen zu erheben sind, wird erst nach Abschluß der Haager Konferenz erfolgen. Der Groß- und Heberseehandel, der, wie die Zusammenbrüche in der letzten Zeit zeigen, in furchtbar ernstem Kampf um die Aufrechterhaltung seiner Existenz steht, bedarf dringend der Schaffung dcr Möglichkeit einer Äa» pitalneubildung und eines auf ein erträgliches Maß herabgeminderten Zinsfußes. Deshalb wird eine grundlegende, die Kapitalbildung fördernde, die Kapitalflucht hemmende Umgestaltung des Steuerwesens, also nicht nur einzelne unwesentliche und daher wirkungslose Erleichterungen für unbedingt notwendig gehalten. An erster Stelle des Programnrs steht neben der selbstverständlich immer wieder geforderten und dringend erforderlichen Senkung der Ausgaben von Reich, Ländern und Gemeinden ein wesentlicher Abbau der Gewerbe- und GrundVermögenssteuer, eine entscheidende Senkung des Einkommen st euertarifs und die Beseitigung der Aufbringung zur Industriebelastung. Diese Reform muß unter allen Umständen gleichzeitig mit einer Annahme des Voung-Planes im Reichstag beschlossen und sestgelegt werden. "6e Älnbte äebtnen Qr$ r ** VSÖÄ 3 ln vor- UfA ’? N« Unb irühge. ''Knschch, * f rrrS Mch m-e sirrd-r. Whaus mal-, Drogen-, Mate- den- und Eisenwaren- jingrößereinOckMe Großes massives Saus, iem Hof und Garten, ie, sofort zu verkaufen. 5Meflelt.woll.sichu. b. Gieß. M wenden. sirtzzu'. Uüitcin m-t Säule tiebwolf (Nortmauitt igel sehr billig abnigebeu. 5P, Großschleiferei itrcfci'rtB» ll>. I1 tiMWlW iHWr.wrlW»'* AeuenwH 28: ; Schreib 6M Öfchen, tiueM* 2 Mchranle, mit* erung bestimmt. g Hartinetz Nr. 269 Erstes Blatt 179. Jahrgang 8reitag, 15. November 1929 Erfcheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Vie Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Dlonat$«Be$ugspreti: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüste nntcrSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranlsurl am Main 11686. Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Unlverfitülr-Vllch- Mld Steindruckerel H. Lange in Sieben. Schriftlektung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Oie Rheinlandkommission in Wiesbaden. Umfangreiche Wohnungöbeschlagnahmcn. Wiesbaden, 14. Rov. (WTB.) Am heutigen Tag hat wieder ein Teil der englischen Besahungstruppen Wiesbaden verlassen. Die Vorhut des in Dotzheim untergebrachten Signaltrupps sowie Teile der Train- und Pionierabteilung und einige Infanterie sind nach England zurückgekehrt. Die Haupt- kontingente der Pioniere, des Trains und der Meldetruppen folgen am 3 0. Rovember. In einigen Tagen, am 19. Rovember, wird auch das Milttär-Tclcgraphenamt seinen D. trieb ein- stellen. Einige Gebäude, die Hvspitalzwecken dienten. sowie etwa 180 Wohnungen sind schon freigegeben, ebenso eine Kaserne. Das Schuhbataillon der Rheinlandkvm- mission erhält seinen Standort in der früheren Artilleriekaserne, die seither den englischen Husaren als Quartier diente. Der Vorsitzende der Rheinlandkommission T i r a r d wird in dem auch für die Rheinlandkommission als Verwaltungsgebäude vorgesehenen Hotel „Wilhelms" Wohnung nehmen. Das Reichskommissariat für die besetzten Gebiete, mit dessen Eintreffen am 25. d. M. zu rechnen ist, bezieht die Villa Langenbeckplah Rr. 3. Der Reichskommissar selbst wird in der Humboldt- strahe wohnen. Außer dem Hotel „Wilhelma" und 10 Dillen sind für die Rheinlandlommission und ihre militärischen Begleiter noch 1 0 3 Woh- nungen beschlagnahmt wordcn. Roch nicht entschieden ist, wo dre Schule für die 40 französischen Kinder untergebracht wird. Wie das Bureau der städtischen Körperschaften mitteilt, wurden am Allerheiligentage durch die Stadtverwaltung an den deutschen Kriegergräber n und auf dem Friedhof der englischen Besatzung (französische Soldatengräber sind nicht mehr vorhanden) Kränze niedergelegt. Die Besatzung ehrte in gleicher Weise die deutschen Gefallenen durch Kranzniederlegung; und zwar geschah dies seitens der französischen Besahungsbehörde am 1. Rovember und seitens der britischen am 11. Rovember. Der Ober st kommandierende der britischen Rheinarmce hat der Stadtverwaltung gedankt und gebeten, auch der Einwohnerschaft Wiesbadens den Dank der britischen Rheinarmee zu übermitteln. Das Programm der Evangelischen Volksgemeinschaft Die Evangelische Volksgemeinschaft (Christlicher Dolksdienst) tritt mit einem Programm an die Öffentlichkeit, in dem es u. a. heisst: Der Christliche Dolksdienst sieht seine Harcptaufgabe in dem Hineintragen christlicher Gedanken und Zielsetzuirgen in das ganz« öffentliche Leben; er ist aber auch bereit, die Grundsätze in den Parlamenten der Städte, Provinz«', Länder und des Reiches zu vertreten. Er seht sich ein für einechristlich-sittlicheStaats- f ü h r u n g und die Wahrung der Staatsautorität, und ist bereit zur Mitarbeit am Aufbau einer trag festen Volksgemeinschaft auf den Gruirdpfeilern der Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, der Reinheit und Opser- bereitschast. Im Kampf gegen die Volkssünden aller Art. wie Selbstsucht, Trunksucht und iln- zucht und für die Säuberung und Entgiftung des politischen Lebens, fordert er Hilfe für alle Hilfslosen und ist zu jedem Opfer zur Hebung der Voltsnöte bereit. Einer trage des andern Last. Er setzt sich ein f ü r den konfessionellen Frieden. Der Christliche Dolksdienst ist keine neue Partei, sondern eine Gesinnungs-und Tatgemeinschaft, die auch im Polltischen Leben imferm ganzen Volle in der Gesamtheit dienen will. Er steht politisch weder rechts noch links, sondern will Brücke sein und reicht jedem deutschen Bruder, der bereu ist, an der ®cfun- dung unseres Volkslebens selbstlos mitzuarbeiten, die Hand. Für die Gesamtarbeit des Christlichen Dolks- dienstes als Bewegung ist ein Rahziel und ein Fernziel ins Auge gefaßt. Das Rahziel besteht darin, allen denen, die mit Ernst Christen fein wollen, die Verantwortung für die Gestaltung des öffentlichen Lebens zum Bewußtsein zu bringen. Das Fernziel ist die Schaffung eines evangelischen Oes- sc n 11 i ch k e i t s w i l l e n s mit Hilfe christlicher Sachkundiger und dessen Geltendmachung in der Presse sow e in den parlamentarischen Dertrc- tungen dcr Gemeinde, des Landes und des Reichs. Oas Mißtrauensvotum gegen Döß. Ergebnislose Schluhsitzung der Berliner Stadlverordnctenversqmmlung. Berlin, 14. Rov. (WTB.) Die heutige Sitzung dcr Berliner Stadtverordnetenversammlung, die die letzte Zusammenkunft des S t a d t Pa r l a m e n t s vor den Reuwahlen darstcllte und sich mit den durch das Oluf fliegen der vorigen Sitzung unerledigt gebliebenen Anträgen zur Sklarek-Angelegenheit, insbesondere dem Mißtrauensvotum gegen den Oberbürgermeister Böß Sie internationalen Konferenzen (tfenf. — London. — Haag. London, 15. Hob. (WTD. Funkspruch.) Wie »TimeS" erfährt, wird in den Besprechungen, die der zur Zeit in London weilende Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric S r um - mond, mit dem Foreign Office haben wird, wahrscheinlich auch die Frage des Zeitpunktes der verschiedenen bevorstehenden Konferenzen behandelt Werdern Diese Konferenzen würden zeitlich zusammenfallen, wenn nicht Aenderungen vorgenommen werden. Der Völkerbundsrat in Genf solle am 20. Januar, die Flottenkonferenz in London am 21. Januar zusammentreten. Außerdem sei es möglich, daß auch die Haager Konferenz nicht im nächsten Monat, sondern er st im Januar stattfinden könne. .Times" weist darauf hin, daß eine Vorverlegung des Zeitpunktes der Ratstagung durch di« Tatsache erschwert werde, daß mehrere wesentliche Ausschußsitzungen für die Tage unmittelbar vor der Eröffnung des Rates festgesetzt worden sind. Um jedoch zu verhindern, daß Ratstagung und Flottenkonferenz zusammenfallen, müßte entweder die erste früher beginnen, als vereinbart wurde, oder die zweite etwas später. Was die Haager Konferenz betreffe, so sei der 15. Dezember als der frühe st mögliche Zeitpunkt ihres Beginns genannt worden. Dies wäre 10 Tage vor Weihnachten. Diese Zeit dürfte aber kaum genügen für die Beendigung der Arbeiten der Konferenz, zumal der Ausschuß für Ostreparatio- n e n eine vereinbarte Lösung seiner besonderen Probleme noch nicht erzielt habe. Außerdem sei gerade um diese Zeit der Volksentscheid in Deutschland über den Voungplan im Gange. .Times" stellt schließlich in Abrede, daß der Besuch Drummond mit dem Plane eines sog. Flotten-Locarno zwischen Großbritannien, Frankreich und Italien zusammenhänge. Oie Hungerblockade. Herriot zu den Anregungen HooverS. Paris, 14. Nov. (TU.) Der ehemalige Ministerpräsident Herriot äußert sich in der „EreNouoelle" über Hoovers Plan, die Lebensmittelblockade im Kriegsfälle abzuschaffen. Herriot stellte fest, die französischen Demokraten hätten sicherlich nichts gegen einen derartigen Plan einzuwenden, wenn er wirklich dazu beitrage, die Völker an der Kriegsführung zu hindern. Dies sei aber nicht der Fall, denn allein die Auslegung des Wortes, ^Le- b e n s m i 11 e I" würde Verhandlungen voraussetzen, die dann mit einem negativen Ergebnis enden müßten, denn es gäbe sehr viele Lebensmittel, die sowohl zur Nahtung wie auch zur Herstellung von Munition dienten. Hoover meine es wirklich ehrlich, doch glaube er, Herriot, daß der Luftkrieg und die Verschleppung von Gefangenen zu Geißeln im Kriege ebenso verabscheuungswürdig seien wie eine Blockade, denn auch dadurch würden unschuldige Personen betroffen. Die Lösung einer einzelnen Frage nütze nichts. Man müsse vielmehr die gesamten ungelösten Fragen behandeln, die zur Befriedung der Welt geregelt werden müssen. Außerdem sei es fraglich, ob En g l a n d den amerikanischen Wünschen Rechnung tragen würde, denn schon jetzt nähmen die englischen Blätter eine a b - lehnende Haltung ein. Frankreich verteidige sicherlich nicht die Blockade, stehe aber auf dem .Standpunkt, daß man, um sie abzuschaffen, einfach den Krieg selbst abschaffen müsse. Dies sei nur möglich, indem man für den Kellogpakt ein Garantiesystem findet, das seine Anwendung in allen Fällen sicherstelle. OiekommunistischeVewegung in Südafrika. Die Erigcborenen zahlen keine Kopfsteuer. London, 14. Rov. (Reuter.) In Durban (Ratal) wird nach vorbereiteten Plänen eine riesige Streitmacht europäischer und eingeborener Polizisten unter persönlicher Leitung des Polizeikommissars der Südafrikanischen Union, Oberst Devilliers, eine Razzia in den Baracken der Eingeborenen unternehmen, um Erhebungen über die Bezahlung der Kopfsteuer anzustellen und die Durchführung des Gesetzes zu erzwingen. Es steht außer Zweifel, daß die Regierung die Lage für sehr ernst an- sieht und Durban als ein Sturmzentrum betrachtet. Es liegen ihr Rachrichten von einem kommunistischen Plan vor, am Dienstagabend (16. Dezember) de Eingeborenen im ganzen Lande zu Kundgebungen zu veranlassen. Diese Rachrichten haben die Regierung veranlaßt, Maßnahmen zu treffen, um die Autorität des Gesetzes in Durban wieder herzustellen, wo es in offenkundiger Weise verletzt worden ist. Es wird aber keine katastrophale Entwicklung der Lage erwartet. Die Polizei glaubt, daß die heutige Razzia eine heilsame Wirkung auf die Stimmung der Eingeborenen haben wird. Wenn aber ihre Autorität herausgesordert werde, dann sind Vorbereitungen getroffen, um sofort wirksame Schritte zu unternehmen. Die Tatsache, daß die im letzten Herbst festgesetzte Kopfsteuer noch nicht bezahlt worden ist, wird als ernst betrachtet. Die Regierung hat 3nfotmationen, die keinen Zweifel an einer Verbindung zwischen Moskau und der jetzigen unruhigen Haltung der Eingeborenen lassen. Man glaubt aber, daß sich diese Haltung der Eingeborenen auf Durban beschränkt. Oie Krisis des englischen Kohlenbergbaus. Die Pläne des Arbciterkabinetts. London, 14. Rov. (WB.) Die Regierung hat vom Vollzugsausschuß des Brrgarbeiterverban- des tis endgültige Zusicherung erhalten, daß der Verband den Plänen des Kabinetts zu stimmt. Wie die „Daily Mail" meldet, wird nicht daran gezweifelt, daß es der Regierung gelingen wird, ihre beiden Gesetzes- Vorlagen bis Ende des Jahres mit Unterstützung der Liberalen Partei im Parlament zur Annahme zu bringen. Eine der Vorlagen wird sich auf die Verstaatlichung der Dera Werksregalien beziehen, die andere auf die Verminderung der Arbeitszeit um An« halbe Stunde. Das Blatt sagt weiter, im nächsten Jahre werde es Schwierigkeiten wegen der Lohnfrage geben, da die Bergleute darauf bestehen, daß wegen der Der- Der Reichsbankpräsident über die Reparaiionsbalik Das Ergebnis der Verhandlungen von Baden-Baden. Berlin, 14. Nov. (Privat.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht gab Vertretern der Presse einige Erläuterungen zu dem Ergebnis der Sachver- ständigenoerhandlungen von Baden- Baden. Er wies darauf hin, daß die Verhandlungen zwar verhältnismäßig lange gedauert haben; das liege aber in der Natur ihres technischen Stoffes. Sie hätten sich in einer durchaus harmonischen Atmosphäre abgewickelt. Auch die belgischen Sachoer st ändigen haben dem Präsidenten der Konferenz mitgeteilt, daß sie bereit sind, die Baden- Badener Vereinbarungen zu unterzeichnen. Dr. Schach unterstrich besonders, daß 'die neue Bank, wie sich aus den Statuten klar ergibt, nicht als Reparationsbank, sondern wirklich als eine internationale Bank aufgezogen wird, die ganz allgemein eine wichtige Hilfsstellung einzunehmen hat für alle irgendwie auftauchcnden Schwierigkeiten im internationalen Zahlungsverkehr. Die Bank kann mit ihrer Tätigkeit beginnen, sobald die 56 Prozent des Aktienkapitals, die von den beteiligten fünf europäischen Notenbanken und von Japan und Amerika übernommen werden, ein- gezahlt sind. Die restlichen 44 Prozent sind von den beteiligten Banken garantiert. Für den Vorsitz der Bank kommt zunächst niemand in Frage, der den fünf europäischen Banken nah:steht, sondern ein Amerikaner oder ein Neutraler. Vielleicht werden sich bei einem späteren Wechsel in der Leitung die europäischen Verhältnisse bereits so konsolidiert haben, daß dann die fünf europäischen Banken sich über die Ernennung des Vorsitzenden aus ihrem Kreise einigen können. Der Mitwirkung Amerikas und Japans über ihre quotenmäßige Beteiligung hinaus mißt Dr. Schacht ganz besondere Bedeutung bei, weil die Bank damit nicht nur eine uropäische, sondern eine wirklich universelle Einrichtung wird, lieber die Personalfragen bei der Leitung der Bank ist bisher noch nichts vereinbart. Sie werden vielmehr erst geregelt, wenn nach der zweiten Haager Konferenz volle Klarheit über das Zustandekommen geschaffen ist. Den Vorsitz in der ersten Sitzung des Verwaltungsrats wird der Alterspräsident führen. Von Interesse ist, daß im Artikel 60 des Statuts festgelegt ist, welche Bestimmungen durch Beschluß des Verwaltungsrats und welche nur gleichzeitig in Uebereinftimmung mit dem sog. Grundgesetz g e - ändert werden können, das nur mit Zustimmung aller Beteiligten, somit vornehmlich auch Deutschlands geändert werden darf. Dieses Grundgesetz enthält die rechtliche Basis der Bank, muß sich also nach der schweizerischen und der kantonalen Gesetzgebung von Basel richten. Da das schweizerische Handelsgesetzbuch nicht in Frage kommt, so muß erst ein neues besonderes Gesetz geschaffen werden, dem das Statut einverleibt wird. Dieses Gesetz wird dann zu einem Staatsoertrag erweitert, den die beteiligten Regierungen mit der Schweiz abschließen. Das ' runbgefefc enthält kürzung der Arbeitszeit keine Lohnverminderung eintreten darf. Dies würde zur Erhöhung der Kohlenverkaufspreise führen. — „Daily Telegraph" sagt: Der Hm- stand, daß die Zechenbesiher von Viorkshire, wo bereits der siebeneinhalbstündige Arbeitstag b e - st e h t, mit den Ansichten der Zechenbesiherver- einigung nicht einverstanden sind und den Regierungsvorschlägen zu st im men, wird eher ein Hindernis als eine Hilfe für die Regierung sein. A Noch immer in polnischen Gefängnissen. Die in Bromberg und Pofen verhafteten Deutschen. Berlin, 15.Rov. (Iel.-Un.) wie die „Deutsche Tageszeitung" aus Posen meldet, befindet sich der Jugendpfleger Mielke noch immer in Unter- suchungshaf t, obwohl seit dem Schlag gegen die deutsche Pfadfinderorganisation in Weslpotcn bereits fünf Wochen vergangen sind. Skudienral h e i d e l ck, der Geschäftsführer der deutschen Bereinigung für Sejm und Senat, befindet sich ebenfalls bereits vier Wochen in haft, der Angestellte des Deutschen Sejmbureaus, von Rühen, fast ebensolange. Oberlehrer Dr. Burchard in Posen sitzt seit viereinhalb Wochen hinter Schloß und Riegel. In Posen hat man bereits sämtliche bei der Haussuchung im Sejmbureau beschlagnahmten Akten wieder freigegeben, ohne irgendwelches belastendes Material gefunden zu haben, wie die „Deutsch« Rundschau" schreibt, ist über eine Freilassung Dr. Burchards, ja sogar über die gegen ihn vorliegenden Anklagepunkte, bisher noch nichts bekannt. Auch die Lage der drei in Bromberg Inhaftierten ist nach wie vor ungeklärt. In diesen Tagen sollen Bernehmungen stattsinden, die wahrscheinlich den Abschluß der Boruntersuchungen bedeuten werden. Gegen Linen der drei Belasteten ist bisher die Anklageschrift fertig- gestellt. Oer Fall Lampet. Die Leiche Köhlers gefunden. — Die Vorgänge im Freikorps Oberland. Berlin, 14. Rov. (WTB.) Peter Martin L a m p e l und feine des Fememordes an Köhler mitbeschuldigten Kameraden vom Freikorps Oberland, Schweninger und von Bollwih, haben eine genaue Darstellung der Vorgänge innerhalb des Freikorps Oberland Ende Luli 1921 gegeben, die zur Erschießung des Köh- l e r führten. Danach stellt sich die Tat selbst nicht als ein vorbedachter Mord, sondern vielmehr als eine Tötung im Affekt, möglicherweise sogar als ein Akt der Rotwehr dar, vorausgesetzt, daß man der Darstellung der drei Angeschuldigien folgt. Lieber die Rolle des Köhler wird von den An» geschuldigten und den bisher vernommenen Zeugen übereinstimmend folgendes bekundet: Köhler war ein Hüne von Gestalt u-nd an Brutalität ein Klapproth-Typ. Köhler habe schon längere Zeit im Verdacht gestanden, polnischer Spion zu sein, doch habe man keine Handhabe gegen ihn gehabt. Es seien verschiedene Waffenlager an Polen verraten worden und die Svionageabwehrstellc u. a. auch die Bestimmungen, die sich auf die sog. Steuerfreiheit beziehen. Don außergewöhn- lichen Forderungen dieser Art ist man übrigens abgegangen und hat sich mit der Ausschaltung von Doppelbesteuerung begnügt, und damit auch auf steuerlichem Gebiet den kaufmännischen Charakter der Bank gewahrt. Das Grundgesetz kann übrigens noch nicht veröffentlicht werden, ebenso ist die Bekanntgabe des Treuhandvertrags zunächst noch nicht beabsichtigt, weil es sich bei ihm erst um einen Entwurf handelt, der noch 2lbänbe- rungen erfahren kann. Oie Ostreparationen. Warum die Verhandlungen mit Ungarn scheiterten. D u d a p e st, 14. Rov. (WB.) Der Vertreter Lingams in der Konferenz für die Ostrepa- ra!iion«n, Baron K o r a n j i, ist hierher zurück- gekehrt und führte in einer Llnterredung aus, die Verhandlungen mit Ungarn seien ges Heiter t, weil die Kleine Entente für Ungarn unerfüllbare Forderungen stellte, und zwar auf erhöhte Reparationszahlungen über 1943 hinaus bis 1966, sowie auf Verzicht auf den Schiedsgerich ts- artikel des Friedensvertrage3. Ungarn habe den Beweis für seinen Verständigungswillen erbracht durch Unterbreitung eines sehr billigen Vorschlages, der jedoch von der Kommission gar nicht erörtert wurde. Es sei daher klar, daß die Verständigung mit Ungarn nur eine Frage zweiten Ranges, und daß das Hauptziel vielmehr war, Ungarn zu zwingen, der Kleinen Entente eine Amnestie für die Verletzung des Friedensvertrages zu gewähren. Die Verhandlung der Ungarn betreffenden Fragen werde nun int Haag fortgesetzt werden. Drohungen mit der Reparativnskommission brauchten nicht befürchtet zu werden: denn deren Mitglieder seien gewissenhafte, objektive, politischen Einflüssen unzugängliche Männer, die eine Henkersrolle gewiß nicht übernehmen würden. Oie pariser Reichsbahnverhandlungen beendet. Berlin, 14.Rov. (Tel.-Un.) Der „Dörsen- Courier" meldet: Der Organisationsausschuß zur Angleichung des QJoung- plans an das Reichsbahngeseh hat in Paris seine Arbeiten beendet. Die deutschen Mitglieder sind nach Berlin zurückgekehrt. Es verlautet weiter, daß noch einige Verhandlungen in Berlin nötig sein werden, um die Arbeiten formell zum Abschluß zu bringen. An den Schlußverhandlungen werden der Eisenbahnkommissar Leverve und wahrscheinlich auch der italienische Vertreter Bianchi teilnehmen. habe diesen Verrat Köhler zugeschoben und ihn entsprechend dem Korps geiennzeichnet. General Hoefer habe, als das Korps Oberland über die Demarkationslinie zurückgezogen sei, ausdrücklich Weisung gegeben, daß Oberland seine Waffen behalten sollte. 3n einer Scheune bei Wackenau wurde einStollenangelegt, in den die Waffen versteckt wurden. Der Eingang zum Stollen ging von einer Scheune aus. von Bollwih, Lampel und Schweninger erhielten "en Auftrag, für die Sicherheit der Waffen Sorge zu tragen. Eines Tages, Ende 3wli 1921, soll nun von Boll Witz Köhler dabei ertappt haben, wie er sich in der Scheune an dem Stolleneingang zu schaffen machte. Dabei soll es zu einem Zusammenstoß zwischen Dollwitz und Köhler gekommen sein, bei dem Lampel und Schweniger zugegen waren. Köhler habe sich auf Bollwih stürzen wollen. Dieser habe seinen Revolver gezogen und Köhler im letzten Augenblick durch einen Schuß getötet. Ganz abweichend davon ist die Aussage des Hauptbelastungszeugen Rehmsdorf, den der Liegnitzer Lln'.ersuchungsrichler durch Rundfunk ausfindig machte. Rehmsdorf bekund eie, nicht Bollwitz, sondern Lampel habe den tödlichen Schuh auf Köhler abgegeben. Er habe dann das Grab für Köhler in der Scheune aus- gehoben, dort, wo man am Mittwochabend auch die Reste des Getöteten fand. Lieber die Person des Köhler ist ermittelt worden, daß er ehemaliger Fürsorgezögling und mehrfach vorbestraft war, darunter wegen eines Sittlichkeits- Verbrechens in Reisse und daß er unter dem hochtönenden Ramen eines „Graf von der Lank- ken' auf schlesischen Gütern Hochstapeleien verübt hat. Der Verteidiger Lampels, Rechtsanwalt Dr. Flatow, Berlin, hat Beweis dafür angehoten, daß das Freikorps Oberland, wie andere Selbstschuhformationen, eine von der Regierung anerkannte und finanzierte Truppe gewesen sei, wenigstens, soweit es sich um die Kämpfe in Oberschlesien handele. Die Tötung des Spions ist bekanntlich zu einer Zeit erfolgt, als in Oberschlesien Kriegszustand herrschte, denn im Mai 1921 hatte der dritte große Polenaufstand begonnen. Aus aller Well. Alexander Zubkow in Bonn verhaftet. Alexander Zubkow, der Gatte der am Mittwoch verstorbenen ehemaligen Prinzessin Viktoria von Preußen, ist am Mittwochabend, obwohl er keine Einreiseerlaubnis nach Deutschland hatte, nach Bonn gekommen. Er äußerte im Laufe des Tages die Absicht, nach Frankfurt a. M. und von dort nach Cronberg zu fahren, um an der Beisetzung seiner Frau teti- zunehmen. Als Zubkow am Donnerstagmorgen um 9,50 Llhr den Zug in Bonn besteigen wollte, wurde er von Kriminalbeamten wegen seines verbotenen Aufenthaltes in Deutschland in Haft genommen und nach einem Verhör bei der Kriminalpolizei dem Gericht zugeführt. Da Zubkow von der Staatsanwaltschaft Bonn wegen fahrlässiger Körperverletzung und wegen Bannbruchs bereits feit langem gesucht wird, wurde die Verhaftung verfügt und Zubkow zum Amtsgerichtsgefängnis transportiert. Die Leiche der Frau Zubkow ist in Cronberg eingetroffen und wird in der Kapelle der alten Kronberger Burg, in der die beiden im Kriege gefallenen Söhne des Landgrafen von Hessen beigefetzt f'nd, am Samstag in aller Stille bei- 1 gefetzt werden. Die Familie des Landgrafen von Hessen ist bereits in Cronberg eingetroffen. Die Nachforschungen nach dem Düsseldorfer Massenmörder. Düsseldorf .14.Rov. (WD.) Die Angaben des noch immer nicht ermittelten Massen-Frauen- mörders tn einem Brief an die kommunistische Zeitung „Freiheit" über die Vergrabung eines weiteren Mordopfers bei dem Gute Pappendehl scheinen sich zu bestätigen. Die Kriminalpolizei hat die dort aufgefundene $>a- menhandtasche mit Schlüsseln als Eigentum des seit dem 11. August 1929 als vermißt gemeldeten Hausmädchens Marie Hahn aus Bremen festgestellt worden. Da auf dem Bauerngut auch ein roter Strohhut gefunden wurde, den die Hahn beim Verlassen ihrer Wohnung am 11. August clragen hat, ist damit zu rechnen, daß sie dem Mörder zum Opfer gefallen ist. Wie die Ermittelungen ergaben, soll die Hahn mit der ermordeten Reuter befreundet gewesen fein. Eine Einbrecherorganisation im Gefängnis. 3n der letzten Zeit wurden in Nordmähren zahlreiche große Einbrüche verübt. Bei der Polizei entstand bald der Verdacht, daß die Einbrüche von dein im Olmützer Gefängnis befindlichen Stefan Grünt, gegen den in einer Woche ein Prozeß stattfinden sollte, organisiert würden. Dieser Verdacht verstärkte sich durch die Feststellung der Polizei, daß ein Gefängnisaufseher namens Wenzel Pilat und seine Frau zwischen den im Gefängnis befindlichen Mitgliedern der Einbrecherbande Grünt und ihren in Freiheit befindlichen Genossen vermittelten. Es besteht der dringende Verdacht, daß der bereits verhaftete Gefängnisaufseher und seine Frau nicht nur passiv vermittelten, sondern auch die Einbrüche der Bande mitorga visierte n. Ein gefährlicher Wilderer. WSR. Hanau, 14. Rov. Dor einiger Zeit war das Gerücht verbreitet, daß der Maurer Karl Küpper aus Ober-Seemen (Oberhessen) auf dem Sterbebett das Geständnis gemacht habe, einen vor Jahren im Walde tot auf» gefundenen Förster erschossen zu haben. Diese Rachricht traf nicht zu, vielmehr hatte sich der damals Totgesagte jetzt vor dem Erweiterten Schöffengericht Hanau wegen Wilderns erneut zu verantworten, nachdem er bereits 1925 in Gießen wegen gewerbsmäßigen Wilderns und Widerstandes zu 2 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt worie.r war. Im vergangenen Sommer trieb er sich in den Wäldern des Kreises Gelnhausen herum, erlegte einen Dock nach dem andern, nahm die Geweihe und die besten Fleisch- stücke an sich und hatte nur noch das Streben, einen Hirsch zu erlegen. Am 25. Juli wurde er im Walde bei Weihers unschädlich'gemacht. Er war gerade wieder einem Dock nachgegangen und wurde von einem Förster in dem Augenblick, als er zum Schuß ansehen wollte, angerufen. Der Angeklagte drehte sich schnell herum und legte auf den Förster an. In diesem Augenblick gab der Forster auf den Wilderer einen Schuh ab, der ihn kampfunfähig machte. Der Staatsanwalt beantragte gegen den 27 Jahre alten Angeklagten wegen gewerbsmäßigen Wilderns, unbefugten Waffenbesitzes und Widerstandes drei Jahre Gefängnis. Das Gericht erkannte auf ein Jahr neun Monate Gefängnis. Oie Wetterlage. ~La (oruna '4G Täten- JMst TtiorsMffl jiordöy&K/ Äxy Ponnerstaq, l4.DoVemb. 19297" abds.SE '• . — —■■■ *■ X V Paris Ki- ©woiKtnios. ontnei (jnaiD DtdecKt.9 woimg ® otoecm • Kegen * Schott a Orauptin ® NcDci K GrwiUer,(§)Wind$tilie.«O-. sehr «icntf Osi nissige* sudsuowest Q siurm<$cnei nord>ve$t Oie »feile fliegen mit dem wmde Oie veinen Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an Pie Limen verbinden Orte mit gleichen} •ef nteresmVeau umoererbnttea lultdruci ÄZcttcrvocaussage. Eine Störung über Dänemark und der Ostsee entfaltet ihren Einfluß auch über Deutschland. Sie wird durch ihre Rückseite kalte Luft südwärts bringen, so daß in Mittel- und Rord» deutschland zunächst unbeständiges, sich abkuhlen» des Wetter mit Schauern herrscht. Da jedoch vorn Südwesten her der Luftdruck ansteigt, so dürfte für unser Gebiet zunächst neben nebelig» wolkigem Wetter auch Aufheiterung zu erwarten sein. Ein Liebergang zu beständigem Wetter ist jedoch noch nicht zu erwarten, gumal im Nordwesten über Irland eine neue Störung heran- zieht. Wettervoraussage für Samstag: Nebelig-wolkig, tagsüber audj Aufheiterung, Nachtfrostgefahr, meist trocken. Witterungsaussichten für Sonntag: Nach anfänglich wenig Aenderung der Wetterlage wieder milder, Bewölkungszunahme. Lufttemperaturen am 14. November: mittags 9 Grad Celsius, abends 4,6 Grad: am 15. Nooenrber: morgens 2,5 Grad. Maximum 6,4 Grad, Minimum 2,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 14. November: abends 5,2 Grad Celsius; am 15. November: morgens 4,2 Grad Celsius. — Niederschlag 0,9 mm. — Sonnenscheindauer eine Viertelstunde. Ändre Länüec — andre Zigaretten. Wir pflegen süddeutsche Art und richten uns nach dem süddeutschen Geschmack. In unserer Oberst findet jeder Süddeutsche das, was ihm vertraut ist — den süddeutschen Typ. Wenn es in der Heimat so gute Zl- ►ttertwe. bleibe im Lande nehmen, dann und rauche 5 ilg LV garetren gibt, die auf die Wünsche des Süddeutschen besondere Rücksicht Sieben Marktstrabe 22 IIIIIIIIIIIIIIIKIIIIIIIIIIIIIIIIIU Solides, kräftiges Mädchen das selbständig ar- beitet. 1. Han. 1930 gesucht. Eltvvs Koch- kenn nisie etiD. gute Beuflti. Beding. «so.D Frau Oberilörtter Hcrwi». Braunfels (tiflbn). "Dleibe im Bande.. OBERST SÜDDEUTSCHLANDS GUTE FÜNFER geM Schnupfen ! teressen der Hausfrauen vertrete, die auch oo(f$w(rt» fchaftlich von großer Bedeutung feien. Die Haus- Wirtschaftslehre, in vielen Städten schon eingcführt, werde dazu beitragen, daß die Hausfrauen selbst ihren Beruf höher einschätzen, als dies bisher geschehe. Die Iugcndleiterin, Fräulein Watz, gab ein klares Berufsbild über die Kinderpflegerin, den vielleicht frauenhaftesten Berus der Frauen, der bei Lust und Eignung immer Befriedigung gewähren wird. Alle Vorträge fanden großen Beifall und wurden noch durch Lichtbilder erläutert. Ausstellung von Familienspielen. Man schreibt uns: Im Rahmen der Volkshochschule wird der bekannte „Spiclpastor" Jahn aus Züllchow Familienspiele ausstcllen und vorführen. Es handelt sich dabei um Tischspiele für Erwachsene und Kinder. Die Veranstaltung findet am Sonntag im Studentenheim, Burggraben, statt. (Siehe heutige Anzeige.) Aus der Prvvinzialhaupistadi Durhen, den 15. November 1929. Philosophie der Scheidungskammer. „Wer ist roetfeV „Der von jedem lernt." „Wer ist mäd)tiy?" . „Der feine Leids «schäften zugelt. „Wer ist reicht * „Der zufrieden ißt." „Wer ist zuftiedern?" „Niemand." So ist es seit Beginn unserer Tage. Im Zeitaller des DoX ist cs noch genau so, wie zu jener Zeit, als Arabiens Märchen dw Runde machten durch die erwachende Welt. Als ivr König die Hälfte feines Reiches jenem versprach, vor ihm das Hemd eines vollkommen glücklichen Menschen bringen würde. Und sie fanden auch einen Marnn, der so glücklich war, daß er den ganzen Tag aus ivllem Herzen sang. Aber er war so arm, datz er nicht einmal ein Hemd hatte. Die Araber erzählen Dieses Märchen, ohne zu berichten, daß auch dieser singende Bettler voller Sehnsucht und Unzufriedenheit war. Denn es gibt keinen zufriedenen Menschen. Bist du jung, willst du alt sein. Im Alter ergreift jeden die Sehnsucht nach der Jugend. Lebst du in ber (Stabt, locken bich grüne Wiesen, Blumen unb (StaUbufL Lebst bu auf bem Lande möouCt trägt die gleiche Last ber Unzuftiedenheit wie der Arme. Du kannst wohl einen wertvollen Hunb für vieles Gelb kaufen, aber bu kannst nicht bas Wackeln seines Schwanzes kaufen. Das Rätsel menschlicher Unzuftiedenheit ist im Landgericht III in Berlin • Charlotten- burg gelost. In der dortigen Scheidungs- k a m m e r ist an ber Wanb hinter bem Richtertisch in großen gotischen Lettern ein Spruch zu lesen, der ben Dingen auf ben Grunb geht: „Die Meisten hoben das Meiste satt, was ihnen bas Glück beschieben Hat, weil sie fortwährend bas anbre quält, was anbre haben unb ihnen fehlt." Das ist wohl ber einzige Spruch einer Schsi- bungskammer, dessen Wahrheit von keiner Partei bestritten wirb, benn nur wegen dieser Spruchweis- I beit stehen sie alle dort vor bem Richter, um die mit | so vielen Hoffnungen begonnene Ehe wieber lösen zu lassen. M. A. Bornotizeu. — Tageskalenber für Freitag. Stabt- tbeatcr: „Der arme Heinrich", 19.30 bis 22 Uhr. — Wahlversammlung ber S. P. D., 20.30 Uhr, Caft Leib. — Lichtspielhaus: „Das Grabmal einer großen Liebe". — Astoria-Lichtspiele: „Der Gaucho". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Nachtvorstellung »Falsche Scham", Anfang 23 Uhr. * LU. Universitäts - Gottesdienst. Am Sonntag, 17. November, vormittags 11.15 Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt. Die Predigt hält Prof. D. Cordier. ** Der neue Direktor des hessischen Staatsarchivs. Die hessische Regierung hat ben Archiorat D. Fritz Herrmann zu Darmstadt zum Direktor des hessischen Staatsarchivs ernannt. * ®in? öffentliche Wählerversammlung der Mittel st andsver- cinigung (W irtschastspartei) sand gestern abend bei voll besetztem Saale im Gase Leib statt. Der Vorsitzende der Mittelstandsfraktion des Stadthauses. Architekt Nicolaus. sprach in gut zweistündiger Rede | Vermietungsn] rum uw- uno SWsMmr in nuiem Hause Aum 1. Dezember zu vermieten 07375 Nrankinrt. 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Die Pforten ter Luxuslokale haben sich wieder ge- net. Schlanke, weiße Frauenbünde mit dunkelten Fingernägeln, wie die Araberinnen sie haben, ginnen wieder ihr reizvolles Spiel, feurige Blicke s kohlschwarzen Augen fliegen über die Tische, rlockend und rufend. Bindungen knüpfen sich an, e Ban.be zerreißen — Liebe und Leben schäumen f und verhaltene Nervosität durchzittert die nun eigen Räume. Die große Gesellschaft gibt sich re Rendezvous, das diplomatische Korps richtet > totster häuslich hier ein und fie farbenfrohen sllichkeiten beginnen ihren alten Kreislauf. Märchenhafter Luxus neben bitter ft er A r - mut, schärfste Kontraste auf Schritt und Tritt, bas ijt Madrid! Pompöse Kirchen mit Heiligenstatuen, dmen unschätzbare Kostbarkeiten umgehängt wer- »en, und am Kirchentor verstümmelte, schmutzstar- reibe Bettler, halbnackte Kinder — wahrlich ein Dickliches Volk, das dabei froh und zufrieden bleibt. ’ Der Herbst scheint dem Frühjahr auch auf internationalem Gebiet nicht nachstehen zu wollen. Ein mehrer Segen von Kongressen ergießt sich wie- . her über Spanien. In Barcelona, in Sevilla und in Madrid bevölkern Kongreßteilnehmer aller 21 rt die Straßen. Französisch, englisch, italienisch und deutsch schwirren die Worte luftig durcheinander, |unb die merkwürdigsten Typen wandeln durch die (Bange ter vornehmen Hotels. Am wichtigsten ist olltte Zweifel der in Sevilla tagende Kongreß des spanischen Ueberseehandels, Die Vertreter von zwciundzwanzig mittel- und südame- teilanischen Republiken haben sich in ter andalusischen Hauptstadt versammelt, um die Möglichkeit 'teiltet Verstärkung der Handelsbeziehungen zwischen i bem spanischen Mutterland und ten Tochterrepu- bitten zu beraten. Während man im Anfang glaubte, daß das heitere und lebensfrohe Sevilla diesen Serbe fern nicht viel Zeit zur Arbeit lassen würde, steht man nun ganz überrascht vor der Tatsache, daß doch recht ernste Probleme dort positiv bearbeitet Aus der provinzialhaupistadt. Gießen, den 15. November 1929. Kunde und Verkäufer. Der Verein de r Einzelhändler hielt am Mittwochabend im vollbesetzten Saale des Kath. Dereinshauses seinen zweiten Vortragsabend ab. Vach einer kurzen Einleitung des zweiten Vorsitzenden, O. W i n t e r h o f f, sprach Kaufmann T h ö m e n a (Berlin) über das Thema „Äunbe und Verkäufer". Der Redner behandelte zunächst die Frage: „Was versteht man unter Kundendienst?" Er zeigte weiter, welche Eigenschaften und Fähigkeiten der Verkäufer besitzen muh, um den Kunden zufrieden- stellend zu bedienen. Vor allem müsse der Verkäufer Vertrauen $ u t Ware und zum Kunden haben, er müsse aber auch b e r u fs- freudig sein. Der Verkäufer müsse dem Kunden in erster Linie zeigen, daß er ihm helfen wolle, das Verkaufen komme erst in zweiter Linie. Der Verkäufer müsse auch über das nötige Taktgefühl dem Kunden gegenüber verfügen, er müsse alles tun, um die Stimmung des Kunden nicht zu verderben und den Geschmack des Kunden gelten lassen. Höflichk eit dem Kunden gegenüber sei eine selbstverständliche Pflicht, sie müsse aber auch dem unangenehmen Kunden gegenüber nim Aufdruck kommen. Vor allem müsse der Verkäufer in guter Laune fein. Hier gelte das chinesische Sprichwort: „Ein Mann, der nicht lächeln kann, soll keinen Laden aufmachen". Die Kundenbehandlung müsse verschieden sein, sie müsse Rücksicht auf die Kaufstimmung des Kunden nehmen und auf die besondere Eigenart desselben. Der Verkäufer müsse bei Abschluß des Derkaufsgeschaftes bestrebt sein, entstehende schwierige Situationen zu überwinden. Er müsse dem Kunden aber auch zeigen, daß er ein gern gesehener Gast ist. Die dem amerikanischen Berufskollegen nachgerühmte Dienst- bereits chaft („Was kann ich für Sie tun") müsse sich auch in den deutschen Verkaufsläden immer mehr bemerkbar machen. Die interessanten Ausführungen, die von weitgehender Sachkenntnis zeugten, wurden durch zahlreiche Beispiele aus der Praxis, sowie durch entsprechende Lichtbilder ausgiebig erläutert. Sie zeigten auf der einen Seite, wie man den Kunden nicht bedienen soll, auf der anderen Seite, in welcher Weise man dem Kunden dienen und dadurch zur Belebung des Umsatzes beitragen kann. An den Vortrag schloß sich eine anregende Aussprache. ** Kaufmännischer Berufswettkampf. Am Sonntag fand in Gießen der vom Gau Main-Weser des Deutschnationalen Handlungs- gehilfen-Verbandes veranstaltete kaufmännische Berufswettkampf statt. Alle Kaufmannslehrlinge und jungen Kaufmannsgehilfen bis zum vollendeten 21. Lebensjahre konnten, unbeschadet einer Verbandszugehörigkeit, an den ausgeschriebenen Wettkämpfen in kaufmännischem Rechnen, Situationsaufgaben und Kurzschrift, teilnehmen. Die große Zahl der Teilnehmer lieferte den Beweis, daß die Jungkaufleute das Streben haben, ihre Berufskenntnisse und Fähigkeiten dauernd zu vervollkommnen. Im Mittelpunkt des Wettkampfes standen auch in diesem Jahre Situationsaufgaben. Sie behandeln Geschäftsvorfälle, zu denen die Prüflinge Stellung zu nehmen haben. Die nach L:r Lage des Falles erforderlichen Maßnahmen sind zu schilde der notwendige Brief oder der Wortlaut eines Ick. .amms oder Telephongesprächs niederzuschreiben. Rach Beendigung des Wettkampfes wurde unter dem Vorsitz des Leiters der kaufmännischen Berufsschule, Direktor Dr. Wendel, die Prüfung der zahlreich abgelieferten Arbeiten vorgenommen. Die Ermittlung der Preisträger erfolgt nach einheitlichen Richtlinien für das gesamte Gaugebiet durch den Landesprüfungsaus- fchuß in Frankfurt a. M., für den der Leiter des Berufsamtes in Frankfurt a. M., Oberregierungsrat Menne, den Vorsitz übernommen hat. Die Sieger im Wettkampf erhalten Ehrenurkunden und Bücher auf einem Eltern- und Freundesabend überreicht. " Allgem. Deutscher Frauenverern, Ortsgruppe Gießen. Man schreibt uns: Die diesjährige Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, Staatsbürgerin - nen-Derband, Ortsgruppe Gießen, wurde von bet Vorsitzenden eröffnet. Vach Vorlage des günstigen Kassenberichtes durch Frl. Zimmermann und Genehmigung durch die Versammlung ergriff Frau M o m b e r t das Wort zum Jahresbericht. 3n außerordentlich geschickter Weise hob die Rednerin noch einmal das Wesentliche der vielen Vorträge des vergangenen Jahres hervor. Die Anregungen aus den verschiedensten Gebieten wurden wieder lebendig. Man hörte durch den Stoff einer Vorelle von Rußland, vom Jugendherbergswesen, von den Gerichten, der Berufsberatung, der Wohnungsfrage, der hauswirtschaftlichen Lehre, vom Stand der Frauensache durch den Bericht der Berliner Tagung des Weltbundes für staatsbürgerliche Frauenarbeit, der Kunst und Archäologie, und von der Vot- Wendigkeit einer Hausfrauen-Deratungsftelle. Vach dem Bericht ging Frau Mombert auf die aufgeworfene Frage ein, ob der Verein noch eine Existenzberechtigung habe, oder nach Erreichung der Kampfziele überflüssig geworden sei. Cs wird dem Verein vor allem von den jüngeren Frauen der Vorwurf gemacht, daß seine Bestrebungen gegen die Männer gerichtet seien. Aber gerade jetzt mehren sich die Stimmen, die auf ein Zusammenwirlen beider Geschlechter Hinweisen, find doch alle Fragen, die uns bewegen, in erster Linie Menschheitsfragen, in zweiter Linie Fragen der staatlichen Gemeinschaft, und in dritter Linie erst Frauenfragen. Zugleich besteht weiter die notwendig« Arbeit der Hebung des Interesses und Verständnisses der Frau für ihre staatsbürgerlichen Aufgaben. In der Angliederung der geplanten Hausfrauen-Beratungsstelle soll auch wieder die praktische Arbeit, die der Verein früher in so reichem Maße geleistet hat, in Angriff genommen werden. Welche Summe von Arbeit von dem Verein besonders in den schweren Kr'egsjahren mit Erfolg durchgeführt worden ist, kam so recht in einem Bericht des Vorstandes, der durch Frl. Birnbaum ver- lesen wurde, zum Ausdruck. Dieser Bericht gab zugleich kund, was wir Frauen ter jetzt ihr Amt niederiegenden ersten Vorsitzenden schulden. Frau Vaumann hat 17 Jahre ihr Amt unermüdlich in steter Bereitschaft und Arbeit für alle Fragen und Vöte der Frau geführt. Unter ihrer Leitung erhielt der Verein die heutige Bedeutung und Mitgliederzahl. Frau Vaumann hat ausdrücklich gebeten, nicht viel von ihr mitzuteilen, von all dem, was sie getan und erreicht hat: gar zu gern wälzt sie alle Verdienste auf ihre Mitarbeiterinnen ab. Aber wie alle mit ihr verwachsen sind, welche Liebe und Dankbarkeit alle beseelt, das kam nicht nur durch Worte vom Vorstand und Vereinsmitgliedern zum Ausdruck, sondern vor allem durch die wundervolle, warme, herzliche Stimmung, di« alle Herzen durchzog. Das war keine zufällige Vereinssitzung mehr, sondern eine Gemeinschaft dankbarer Menschen, die ihrer bewährten Führerin nicht anders und besser danken konnte als durch tiefste Verehrung und Zuneigung. Es war besonders schön, daß es keinen Abschied galt, sondern Frau Vaumann weiter zweite Vorsitzende bleiben will. Als erste Vorsitzende wurde Frau Seid begrüßt. So hoffen alle, daß der Verein weiter Gutes wirken will und wird. E. K. Der Reichsbahn-Turn- und Sportverein Gießen konnte vor einigen Tagen auf sein einjähriges Bestehen zurückblicken. Hebung der Körperkultur, Erziehung zur Kameradschaft durch Pflege aller Leibes» Übungen und Sportarten, Kräftigung von Körper und Geist, bildeten den Gründungszweck des Vereins. In der ehemaligen Vebenwerkstätte Gießen ist eine schöne, geräumige Turn- und Sporthalle geschaffen worden. In dieser finden die regelmäßigen Uebungsstunden statt. Erfahrene, eifrige Turn- und Sportwarte haben es verstanden, die Leistungen der Turn- und Sportriegen auf eine beachtenswerte Höhe zu bringen. Die Beteiligung an dem in den Sommermonaten abgehaltenen Kleinkaliberschießen war ebenfalls eine sehr rege. Die Ergebnisse im Turnen sowohl, als auch in der Schützenabteilung können als durchaus günstig bezeichnet werden. Bei dem ersten Abturnen in der Dereinsturnhalle wetteiferten die einzelnen Abteilungen um den Sieg. Am Vachmittag hatte der Vorstand zu einem Turn- und Familienausflug nach dem idyllisch gelegenen Dörfchen Annerod eingeladen. Bei dieser Gelegenheit sollte die Preisverteilung für die Turner und Schützen vorgenommen werden. Die Beteiligung war so groß, dah der Saal des Gastwirts Wallbott bis auf den lebten Platz besetzt war. In Verhinderung des ersten Vorsitzenden gab der stellvertretende Vorsitzende, Oberbahnhofsvorsteher H e i n z e l m a n n, nc sei- ' ner Begrüßungsansprache seiner Freude Ausdruck über die stattlichen Riegen und die glänzenden Leistungen, die der Verein, nach nvch nicht einjährigem Bestehen, aufzuweisen habe. In den Turn- und Uebungsstunden herrsche ein echt kameradschaftlicher Geist und großer Eifer, der zu der Hoffnung zu einem weiteren Aufblühen des jungen Vereins voll berechtige. Mit herzlichen Dankesworien an alle, die an dem Aufbau des edlen, die Gesundheit in reichem Maße fördernden Werkes mitgeholfen haben, und einem warmen Mahnruf an die wenigen, dem Verein noch fernstehenden Eisenbahner, sich im Reichsbahn-Turn- und Sportverein zusammenzufinden, schloß die mit reichem Beifall aufgenommene Ansprache. Turn- und Sportleiter, Obergütervorsteher Scholl und Schriftführer, Reichsbahnassistent Weber nahmen alsdann die Preisverteilung vvr. Das Gesangsquartett „Flügelrad" unter seinem eifrigen Dirigenten Etzel- müller verschönerte die Tagung der Sportler mit einigen kunstvoll vorgetragenen Chören. Bei deren Dortrag kamen sowohl die einschmeichelnden Laute im Piano, wie auch die mächtigen Forte- und Fortissimo-Stellen in formvollendet schöner Weise zu Gehör, wie überhaupt sehr gute Tenöre und Bässe sowie gute und sichere Mittelstimmen für einen warmen und ausgeglichenen Klang sorg'.en. Eine flotte Eisenbahner-Musikkapelle umrahmte ebenfalls mit reichhaltigen Darbietungen die in allen Teilen schön verlaufene Tagung. Räifehaster Leichenfund bei Bernsfeld. * Bernsfeld (kreis Alsfeld). 14. Jloo. heule fanden Bergarbeiter in einem Kanal zwischen Bernsfeld und A h c n h a i n die lieberreffe einer schon stark in verwe'ung übergegangenen männlichen Leiche. Die Unter- suchung nach der Herkunft des Toten wurde sofort eingeleitet. Ls wird vermutet, dah es sich um die sterbliche hülle eines etwa 16 Jafjte alten Jungen handelt, der aus Bernsfeld gebürtig und in Hainbach in einem landwirtschaftlichen Betriebe tätig war, aber schon seitDezemberv. I. vermißt wurde. Die behördlichen Ermittelungen sind zur Zeit in vollem Gange. VeMschöffengericht Gießen. * Gießen, 13. Vov. Ein Handlungsgehilfe von hier hatte sich wegen schwerer Urkundenfälschung und wegen Konkursvergehens zu verantworten. Als Prokurist einer angesehenen, aber dem Untergang entgegentreibenden Firma hatte er in den Jahren 1927, 1928 und 1929 fortgesetzt 104 Wechsel mit den Vamen von Kunden gefälscht und sie. um Kredit zu erlangen, oder wenigstens den eingeräumten Kredit zu erhalten, an zwei Banken von hier begeben. Vach der Konkurseröffnung hatte es sich herausgestellt, dah die Buchführung, für die er die Verantwortung trug, überaus mangelhaft gewesen war. Trotz der Darlegungen eines Duchsachverständigen, nach denen anzunehmen war, daß der Angeklagte einen Teil der kreditierten Summen in die eigene Tasche gesteckt hatte, nahm das Gericht dies nicht als festgestellt an, da immerhin ein gewisser Zweifel in dieser Richtung möglich war: schwere Urkundenfälschung in einheitlichem Zusammentreffen mit Betrug lag aber trotzdem vor. da der Beschuldigte in der Absicht gehandelt hatte, wenn auch nicht sich, so doch einem anderen, seiner Firma, an deren Erhaltung er großes Interesse hatte, einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen. Unter Annahme mildernder Umstände wurde auf eine Gesamtgefängnisstrafe von einem Jahr und drei Tagen erkannt. Eine Woche Gefängnis wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrugs erhielt ein Handlungsgehilfe von Lauterbach, der. um Provisionsvorschüsse zu erlangen, als Dezirksvertreter einer Versicherungsgesellschaft Anträge auf Versicherung angefertigt und mit den erdichteten Vamen von Antragstellern unterzeichnet hatte. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung.) Liebe Provinzial-Straßen-Bauverwallung. Oesters werden Dir in der Zeitung Klagen mitgeteilt über Deine schlechten Straßenverhältniss« mancherorts. Dieser Lage schrieb man Dir von Grüningen. Die gleichen Zustände kann man auch auf der Straße Gieße n—S teinber g feststellen. Auch diese Straße ist viel zu schmal für den jetzigen Verkehr. Der Bahnübergang, der über diese Straße führt, wurde von der Bahn-ß Verwaltung über drei Meter verbreitert. Diese! Maßnahme wäre für die gesamte Straße von Gießen nach Steinberg unbedingt erforderlich., Voch eins muß ich Dir ans Herz legen: frühe« war rechts und links von der Straße ein schöne« Fußpfad, der nur von den Fußgängern benutz« werden durfte. Heute ist das anders, auf ihnü liegen Stein- und Sandhaufen und alles ist übeq und über mit Gras bewachsen. Die Fußgängeq müssen daher ihren Weg mitten auf der Strahl nehmen. Wenn dann ein Auto kwnmt, wissen fiel nicht, wo sie hinflüchten sollen. Hoffentlich siehst Du Dir die Sache einmal an, damit auch hier Qlb»' Hilfe geschaffen wird. Einer für alle. „Wie machen Sie das nur? Den ganzenTag arbeiten Sie so intensiv im Beruf, und trotzdem sind Sie das blühende Leben selbst." ..Sehr einfach: erstens eine Stunde Sport, zweitens acht Stunden tiefen Schlaf und natürlich den coffeinfreien Kaffee Hag. — Sie^ wissen ja: Mehr Genuß und gute Gesundheit durch Kaffee Hag." v fHausherren 'Suppe aus Jean Weisel, Lieben, Sonnenstrafie 6, Telephon Nr.MM Ndürttches Für die Gefundheit NIVEA'CREME ist Tages-und Nachtcreme zugleich. \ A Am Tage schützt sie Ihre Haut vor den schädlichen Einflüssen \ rauher Witterung. Sie ist überdies hervorragend geeignet als Puderunterlage, da sie ein Verstopfen der Hautporen durch den Puder verhindert; sie läßt aber den Puder haften und später leicht wieder entfernen. Des Nachts wirkt das hautpflegende Eucerit, das nur in der Nivea-Creme enthalten ist, als Haut- nährmittel, alle Gewebe verjüngend, kräftigend und pflegend. Runzeln und Falten werden schnell und vollkommen beseitigt. 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Für die Richtigkeit der Abschrift Hungen, 13. November 1929. Schoenhals, Rechtsanwalt u. Notar. Zwangsversteigerung 63/28 Am Donnerstag, dem 9. Januar 1930, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude, Zimmer 106, das im Grundbuche von Gießen dem Alfred Brumlik in Gießen zugeschriebene Anwesen Kaplansgasse 18 Flur 1, Ar. 599'/ia = 242 qm hofreile, Jlur 1, Ar. 14968/io - 10 qm Hofreitegrund, geschätzt auf 35 900 RM., vatkläger, gegen den Max Simon in Echzell, Angeklagten, wegen Beleidigung hat das Amtsgericht in Nidda am 25. Oktober 1929 für Recht erkannt: Der Angeklagte Max Simon, geboren am 10. Juli 1887 zu Bisses», Handelsmann in Echzell, ist des ihm zur Last gelegten Vergehens der Beleidigung im Sinne des § 185 StGB, schuldig und wird deshalb in eine Geldstrafe von fünf (5) Reichsmark Hilfsweise 1 Tag Gefängnis und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Dem Privatkläger wird gemäß § 200 StGB, die Befugnis zugesprochen, den entscheidenden Teil des Urteils auf Kosten des Angeklagten durch einmaliges Einrücken im Gießener Anze.ger innerhalb eines Monats nach Rechtskraft des Urteils öffentlich bekanntzumachen. Die Richtigkeit der Abschrift der Urteilsformel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urteils bescheinigt. W-öe M v-er Aachde. berganger sie am t der dies Die Lu der tzch». verändert darfeit t Wogende De.zen Nächsten Sonntag, den 17. November, nachm. 315 Uhr im Saale des Kaufmännisch. Vereinshauses, Nordanlage über di gemein ptrnber ff die rvnde. 1* Ernstes b Lpiyengrt bringen wir in verblüffender Auswahl pflichtspi Die 5 Grobe selllchast 1 gt. Fl. 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Bergstraße 20 — Zimmer Nr. 6 — statt. Gießen, den 15. November 1929. Der Oberbürgermeister (Stadtwahlkommissar). I. V.: Dr. Selb. Unser Wahl Geschäftszimmer befindet sich am nächsten Sonntag, bcu 17.November von 9 Uhr vormittags im Hotel Viktoria. Daselbst von abends 8 Ubr ab fierbsl- unflWinlerarbellen Im Obst- und BeerenobslOarten, Behandlung der Obstvorrfile aal dem Lader Gäste willkommen. iür den Nachmittag Veloutinekleider KamelhaarsloH-ümsdil.-Sdiuhe mit Kappe und Absatzfleck. Filz- und Ledersohle Größe 36-42 4.45. 3.65, Filz- und Ledersohle Größe 36-42 4.95. 4.45, 3.95, 2.95. L25. in verschiedener Ausführung *?7oa sowie Sitz und Badewannen emvfiehlt Edgar Vorrmann,MenhandIung Beglaubigte Abschrift. In der Privatllagesache des Sally ModelaiWe Damen-Schnhe aparte neue Kotnhinalionen 16.50,14.50,13.50,12.50,10.90, Die Tiere find 8 Wochen alt. stammen von la. Eltern, grofiartig entwickelt unb eignen fick als Polizei-, Fuhr-, Wach-, Schutz- und Begleiibunde. N. 25, H.20RM. 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November 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. 269 Drittes Blatt Turnen, Sport und Spiel. Spieweremigung 1900 Gießen. 0. Die Dorrunde bet Meisterfchastssaifon 1929/30 wurde am vorigen Sonntag beendet. 2m Lager der Blauweißen ist man mit dem Abschnciden der ersten Els nicht gana zufrieden, da vier Siegen drei Niederlagen (letztere alle auf eigenem Platz) gegenüberstehen. Besonders schwer füllt dabei das Derlustspiel vom 10. November gegen den Wetzlarer Sportverein in die Waagschale. Nm kommenden Sonntag beginnt die Rückrunde. 1900 muh in den weiteren Spielen allen Ernstes bei der Sache sein, wenn es sich in der Spitzengruppe halten will, denn die konkurieren- den Mannschasten sind heute in der Spielstärke ausgeglichener denn je. Die Bereinigten hossen jetzt eublid) die Kalamität in der Mannschaftsausstellung beheben zu können, da andere spielerische Kräfte wieder zur Verfügung stehen, womit man Schwächen in der Elf auszugleichen hofft. Gegner am kommenden Sonntag ist die Ligamannschaft vom Sportverein 1920 Herborn. 3m Vorspiel in Herborn blieb 1900 mit 4:1 Sieger. Herborn gleicht in der Spielweise dem Wetzlarer Sportverein, ist schnell und wuchtig: die besten Leute stehen im Sturm, wozu sich ein ausgezeichneter Mittelläufer gesellt. 1900 hat einige Umstellungen vorgenommen. Der Verteidiger G o st m a n n besitzt ab Sonntag wieder Spielberechtigung. Der Spielausgang ist vollständig offen. Wenn die Vlauweisten aur eigenem Platze jetzt nicht besser durchhalten als seither, so dürste es nicht überraschen, wenn auch Herborn den Siegespalm entführt. Die Spielleitung ist dem Schiedsrichter Dusch (Dutzbach) übertragen. , Vorher geben sich die Alten Herren beider Vereine ein Stelldichein. 3m Vorspiel in Herborn unterlag eine schwache Giehener Vertretung 3:0. Diesmal erwartet man dafür die Einheimischen desto sicherer als Sieger. 1900s Reserven beginnen auch die Rück- runde. Das erste Treffen führt sie nach Duh- b a ch. Eine Wiederholung des Dorspielsieges (2:0) wird den Gießenern recht schwer fallen, da die Mannschaft nicht in stärkster Besetzung reist und Butzbach den Vorteil des eigenen Platzes sicher zu schätzen weih. Zudem stellte Butzbachs Hintermannschaft in allen Spielen ihren Mann. Die Dritte Elf der Spielvereinigung geht zum Derbandsspiel nach Steinberg und wird wohl gegen die recht spielstarke Vertretung des Gastgebers nichts ausrichten können. Alle 3ugend- und Schülermannschaften find pflichtspielfrei. , , Die Dritte 3 ugend wird voraussichtlich Grohen-Bufrcks erste 3ugend in einem Gesellschaftsspiel empfangen. D. f. B. Nachdem die Ligamannschaft erst am vergangenen Sonntag in Breidenbach war, muh sie am kommenden Sonntag die weiteste Reise der diesjährigen Derbandsspielserie nach dem noch eine gute Wegstrecke hinter Breidenbach liegenden W a l l a u antreten, um mit dem dortigen Fußballverein das erste Spiel der Nach- runde auszutragen. Wallau hat von seinen sieben Spielen fünf verloren, eines unentschieden beendet und nur eines gewonnen. Aber gerade dieser eine Sieg, den es am letzten Sonntag über die spielstarken Herborner errang, hat allgemein überrascht und brachte es vom Tabellenende weg, so dah es jetzt vor Breidenbach an I zweiter Stelle steht. Die dortigen Platzverhält- | nisse sind ebenfalls recht schlecht, die jede fremde Mannschaft vor eine schwere Aufgabe stellen und denen wohl auch Herborn zum Opfer siel. Wallau hat gezeigt, dah es diesen Dorteil gut auszunuhen versteht, wobei ihm sein Kampfgeist und seine Ausdauer sehr zu statten kommen. Zweifellos verfügt die D. f. D.-Elf über die bessere Technik und größere Erfahrung, die aus normalem Platz hinreichen sollten, den Gegner glatt zu schlagen: unter den gegebenen Derhäl^ nissen wird sie jedoch alle Mühe haben, sich durch einen knappen Sieg die beiden wertvollen Punkte zu sichern. Sie muh mit aller zu Gebote stehenden Kraft und Energie kämpfen, wenn sie ihre Tabellenstellung behaupten und sich vor einer Liebe rrafchung, die im Bereich der Möglichkeit liegt, schützen will. Die 2. Mannschast ist immer noch ver- bandsspielsrei. Nach langer Pause greift die 3. M a n n s ch a f t am kommenden Sonntag wieder in die Ber- bandsspiele ein. Sie steht in Garbenteich der dortigen 1. Mannschaft gegenüber und sollte einen Sieg mit nach Hause bringen können. 3m Dorspiel mußte Garbenteich eine 0: 5-Niederlage hinnehmen. LInterschätzen darf D. f. B. seinen Gegner nicht, da dieser den Dorteil des eigenen Platzes hat. Auf eigenem Platz trägt die 4. M a n n s ch a f t ein Gesellschaftsspiel gegen die 2. Mannschaft von Daubringen aus. Wenn sie sich zusammennimmt, kann sie gewinnen. Die 1. Iugendmannschaft fährt nach Friedberg, um der gleichen des dortigen Namensvetters ein Freundschaftsspiel zu liefern. Sie muß schon in stärkster Aufstellung antreten und sehr gute Leistungen zeigen, wenn sie einigermaßen günstig abfchneiden will. — Die 2. 3 u - gendmannschaft ist in Aßlar Pflichtspielgegner der dortigen 2.3ugendmannschaft. Der Ausgang des Treffens ist offen. Auf eigenem Platz hat die erste S ch ü l e r e l im Pflichtspiel die Schüler von Burgsolms zum Gegner. Hier kann man D. f. B. einen Sieg Voraussagen, da er seinem Gegner an Wettspielerfahrung überlegen ist. Wenn die Stürmer jedoch nicht schußsicherer sind, als in den letzten Spielen, wird das Resultat nicht allzuhoch ausfallen. Auch die 2. Schülerelf hat den Vorteil des eigenen Platzes, wird aber gegen Stein- bergs 1. Schüler, die ihr körperlich überlegen sind, um eine knappe Niederlage kaum herumkommen. Sportverein 1920 Heuchelheim. Die erste Mannschaft des Sportvereins fährt am kommenden Sonntag nach Niedergirmes zu dem dortigen Sportklub. Bei der Gleichwertigkeit der Gegner in der zweiten Dezirksklasse ist es schwer, eine Boraussage zu machen. Auf eigenem Platz wird Niedergirmes sich wohl kaum schlagen lassen, besonders wenn man berücksichtigt, dah Heuchelheim durch Berlehungen usw. in seiner Spielstärke sehr zurückgegangen ist. A. f. R. Lich. Nach ihrem 3:1-Sieg über B. f. D.s 3. 3ugend tritt die 1. 3ugendmannschaft der Rasenspieler am nächsten Sonntag auf eigenem Platz der gleichen von Herrnannstein entgegen. Nach den bisher gezeigten Leistungen sollte die Platzmannschaft den Gästen eine gleichwerte Elf entgegen* I stellen. Sportverein 1928 Garbenteich. Kommenden Sonntag hat die 1. Mannschaft des Sportvereins die ■' Mannschaft des D. f. B. zum fälligen Derbandsspiel als Gast. Garbenteich wird sich sehr anstrengen müssen, um den Gästen eine gleichwertige Partie zu liefern. Die 1. Schülermannschaft empfängt auf heimischem Platz die gleiche des Sportklubs Wetzlar-Niedergirmes zum fälligen Pflichtspiel. Das Spiel ist offen- zulasten. Handball-Lolattreffen. Am kommenden Sonntag kommen verschiedene Handball-Derbandsspiele zum Austrag, die für die Feststellung des Meisters von großer Wichtigkeit sind. Es treffen sich in der Gau-Mei ster- klasse die ersten Mannschaften der Turnvereine Großen-Duseck und Wetzlar, sowie des Tv. 1860 Bad-Nauheim und der Tum- gemeinde Friedberg. Außer bleien beiden Spielen kommen auf dem Mtv.-Plahe das schon seit langer Zeit mit Spannung erwartete Goli al treff en zwischen dem Tv. 1 8 46 und dem M t v. zum Austrag. Das Dorfp el konnten die Mtv.er, obwohl sie damals mit Ersaß antreten mußten, g'att mit 3:2 gewinnen: doch haben die gehlen Spiele bewiesen, daß der Tv. 1846 in letzter Zeit sehr an Spielstarke zugenommen hat, so daß man über den Ausgang dieses Spieles noch nichts vorau 5sagen kann. Dor dem Spiel der ersten Mannschaften treten sich die er st en 3ugendmannschaften der beiden Lokalvcreine ebenfalls im Derbandsspiel gegenüber. Da die Mtv.-Jugend — außer dem Spiel gegen Butzbach — noch kein Spiel verloren hat, dürste sie auch aus diesem Spiel, komplette Aufstellung vorausgesetzt, als Sieger hervor gehen. Handball im Turnverein 1846 Gießen. Während die 1. Mannschaft und die Jugendmann- schäft im Derbandsspiel dem Männerturnverein gegenüberstehen, trägt die 2. Mannschaft ein Freund- schaftsspiel gegen die l.Manschaft des Turnvereins Heuchelheim aus. Das Dorspiel konnten die Gäste knapp für sich entscheiden. Der jetzigen Spiel- stärke der 1846er nach zu urteilen, werden sie das Spiel gewinnen. Handball der Sp.-Dg. 1900. ö. Nach mehrwöchiger Pause tritt am Sonntag 1900’5 erste Mannschaft w eber auf den Plan. Sie steht zum Pflichtspiel auf hiesigem Platz der zweiten Garnitur des B. f. L. W e h - l a r gegenüber. Die Spielvereimgungsleute wer- den den Segnet sehr ernst nehmen müssen. Die erste3ugendman nschaft fährt aller Voraussicht nach zu dem Tv. Londorf, dessen erste 3ugendmannschaft den Gegner abgeben wird. Die A. D.T.-Leute werien auf heimischem Gelände den Gießenern den Sieg schwer machen. V. f. B.-Handball. Trotz seiner hohen Niederlage gegen die verstärkte Zweite des V.f.L. Wetzlar hat V.s.V. sich für nächsten Sonntag dessen erst« Mannschaft zu einem Cefellschaftsspiel n-ach hier verpflichtet. Daß die Platzmannschaft auch diesmal weder keine Siegesa-lssichlen hat, ist bei der Spielstärke Wetzlars als selbstverständlich vorauszu'etzen, zumal bei diesem Paulus als Mittelstürmer Mitwirken wird. 3mmerhin hofft sie, da sie in stärkster Aufstellung steht, ein ehrenvolles Resultat 1 herauszuholen. Handball d?S Turnvereins Großen-Linden In Großen-Linden stehen sich am kommenden Sonntag die 1. Mannschaften der Turnvereine Nieder-Ohmen und Großen-Linden im Rückspiel gegenüber. Bei dem r r einigen Wochen in Nieder-Ohmen stattgehabten Dorspiel siegten die Großen Lindener 5:1. Auch diesmal kann man den Gästen keine allzu große Siegesaussichten einräumen. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau. Der vorletzte Sp elsonntag läßt alle Mann» chasten bis auf Kinzenbach und Dorlar ihre letzten Spiele austragen. 3n Kinzenbach ist Staufenberg zu Gast und wird dort um eine Niederlage nicht h.'rumkomrnen. Zwei weitere Spiele finden in Londorf und Dorlar statt. Cs treffen hier Londorf — Beuern bzw. Dor'.ar — Allcndorf aufeinander. Sichere Sieger für Londorf und Wiendorf werden beim Schlußpfiff festftehen. Handball in Zronhausen (Lahn). Zum fälligen Punktspiel tritt am nächsten Sonntag die erste Handballmannschaft des Turnvereins D.T. Fronhausen der gleichen Mannschaft des Turnvereins Niederweimar gegenüber. Der Sieger ist im voraus schwer zu sagen, da zwei gleichstarke Mannschaften sich gegenüberstehen. Daten für Samstag, 16. November 1632: Tod Gustav Adolfs von Schweden bei Lützen: — 1717: der französische Philosoph Jean Lerond d'Alembert in Paris geboren. Wirtschaft. Preisbewegung und Geldbedarf. Das Institut für Konjunkturforschung hat in seinem neuesten Wochenbericht e ne Lin rfuchung darüb.r ang«,teilte. in welchem i m ange in bet nun schon seit Längerer Zeil als Folge verringerten Aufnahmefähigkeit des 3nlandmarktes sinkenden Preis endenz konjunkturelleEnt- spannungsMomente liegen. Sowohl die Rohstoffpreise, als auch die ^ertigwa.enpreise sind von dieser sinkenden Tendenz ersaßt. Die Rohstofspreise liegen um etwa 2,3 v. H. niedriger als vor einem 3ahre. besonders sind Textilien, Häute und Leder stark im Preise gefunken, so dah die gleichen, mengenmäßigen Llmfähe in Rohstossen in Zukunft mit erheblich geringeren Geldmitteln bewältigt werfen können. Die Senkung der Indexziffer für industrielle Fertigwaren ist vor allem auf den Rückgang der Konsumgüterpreise zurückzuführen, den das 3nftitut für das vierte Vierteljahr 1929 dem Werte nach auf 200 bis 300 Millionen Reichsmark schätzt. Durch diese Entwicklung tritt folgerichtig für den Einzelhandel eine Entlastung ein, da die Wieder- beschaffungslofien für verlauste Waren sich verringert haben. Entsprechend wird auch die ver- schlechter.e Liquidllät des Einzelhandels sich bes- fem. Die Minderung der gesamten Llmfahwerie bei gleichbleibenden Llmsahmengen beträgt nach den Berechnungen des 3nstituts für das letzte Vierteljahr 1929 schätzungsweise rund eine Milliarde Reichsmark. Sie trägt natürlich erheblich I zur Entlastung der Wirtschaft von der Geld- | bzw. Kreditseite her bei und damit zur weiteren Förderung der konjunkturellen Entspannung. Das Erbe des Herrn v on Anftetten. Vornan von 3- Schneider-Foerftl. älrheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die Lust, welche zu den geöffneten Fenstern hereinstrich, war wohltuend kühl. 3e höher sich ber Schienenstrang emporschraubte, desto mehr veränderte sich das Gesamtbild. Die Fruchtbarkeit war noch Ummer außerordentlich groß. Wogende Getreidefelder mit Mais, Gerste und Weizen bebaut, glitten vorüber. Dann ein Heller Ruf Günthers: „Schau doch!" Durch die Fenster sah ein Gebirgspanorama von so überwältigender Pracht, daß der Kranke die halbgeschlossenen Lider zu weitem Schauen öffnete, um gleichzeitig die frische, schneeig- kalte Luft in die Lungen zu saugen. Lind dann bot sich der Höhenkurort Dard- schiling dem Blick der Reisenden. Wie ein lustiges Dersteckspiel waren hundert und aberhundert Häuser und Häuschen in das Grün der Bäume geduckt: Die Bungalows der Europäer, wie sie die Einheimischen zu nennen pflegten. Akab stand als Erster auf dem Perron. Ws die Maschine kaum zu stehen gekommen war, hatte er bereits die Türe des Abteils geöffnet. Weiter hinten aus einem Wagen dritter Klasse kletterte der Paria über das Trittbrett, während Stephan Würz, der im Abteil nebenan gesessen hatte, dem fieberkranken Anftetten seinen Arm als Stühe lieh, da Günther mit Akab in ein Gespräch vertieft stand. Der Hindu verschwand sofort. Wenige Minuten später lehnten die beiden Europäer in den Polstern eines Wagens, der sie nach Baron Günthers Bungalow brachte. • • ..Wie zu Hauke!" s n . Hans Peter ruhte bequem ausgestreckt auf einem Liegestuhl und blickte in die Sonnenprachl der Schneefelder, die in erhabener Ruhe zu den hohen Fenstern der Veranda herernglänzten. Die beiden Säulen in den Ecken trugen kostbare Vasen, in denen Eichenbuschen und Sannen- grün steckten, während die Vegetation des großen Gartens, der sich rings um den Bungalow zog, tropischen Charakter auswies. „Muh man hier nicht gesund werden, Mter7" Günther neigte sich über den Liegenden und suchte in dessen Blick. Dieser war fiebrig und voll quälender Unrajt. Die schmalen Hände hoben sich von der gold« gefaserten Gobelindecke, die fransenbefchwert über den Liegestuhl herabhing. .Gibt es hier so etwas wie einen Arzt, lieber Günther?" „Natürlich, mein Mteri Soll ich nach einem schicken?" „Es wäre sehr lieb von dir. Würdest du mir auch sonst noch einen Gefallen erweisen?" „3eden, das weißt du doch." „Sind die Aerzie hier — ich meine — gibt es auch deutsche Mediziner in Dardschiling?" „3ch glaube, obwohl die Sanatorien Hier meist Engländer in ihre Dienste gestellt haben. Du brauchst natürlich nur den Wunsch betreffs der Nationalität zu äußern." „Dann laß mir einen Engländer rufen, bitte. Günther staunte. 3m Hinausgehen wanitr er noch einmal das Gesicht nach dem Kranken zurück: „Also einen Engländer, Hans Peter?" „3a! — Die Deutschen sind mir zu gewissenhaft." t . Der Baron verhielt den Schritt und kam wieder ein Stück ins Zimmer herein. „Darf ich fragen, wie das gemeint war?" .Wie ich es gesagt habe! — Sie sind zu gewissenhaft. Das ist zuweilen sehr beruhigend — zuweilen kann es aber auch sehr lästig sein. 3ch bitte alfo um einen Engländer." Günther nickte und verließ die Deranda, um nach Mab zu rufen, der gleich darauf die Straße hinauffchritt, welche nach einem Sanatorium führte. . Würz stand in der Küche und unterwies den Paria in den Geheimnissen der Kochkunst Als Günther über den mattenbelegten Fliesenboden kam, reichte ihm Stefan einen kleinen Zettel entgegen. „Speisekarte", las der Baron und hatte das sonst so strenggezeichnete Gesicht zu einem Lächeln erhellt: „Pfanncnkuchensuppe mit Bratwürsten — Mensch, woher nimmst du Bratwürste?" Stefan hielt die Handflächen gegen den Mund und drückte einen saugenden Kuß darauf: „Da ist da oben um die Ecke ein Landsmann .Ochsenschweif" heißt er, das ist doch ein gut öfter- reichischer Name, Herr Baron, nicht wahr? — Der hat alles, wie es auch zu Hause die Metzger nicht anders haben können: Qblut- und Leber- Würste, Zunge, gebeizt und geräuchert! Drat- und Wienerwürste. Herrgott, Mensch, hast du denn keine Augen!" Er stieß den Paria zur Seite und riß den Deckel des Topfes herunter, der die kostbarste Fleischbrühe barg, die Baron Günther je geschlürft halle. „Dcks beste läuft über, hat meine Mutter immer gesagt! Lind die Dummen fressen das Magere. Lesen der Herr Baron weiter, bitte.“ Während Stefan den Kochlöffel in feinen Mehl- teig fcywang, überflog Günther die nachfolgenden Speisen. „Cs ist gut, Stefan! — Nein, es ist vorzüglich. Lind zum Wein etwas Wasser. Baron Hans Peter kann ihn sonst nicht vertragen." Würz sah ihm nach, wie er aus der Küche schritt und den Körper etwas nach vorne geneigt hielt. Gott ja. Man trug eine gemeinsame Not und jeder ging um dieselbe herum, wie um einen großen Holzstoß, der eine auf der, der andere auf der gegenüberliegenden Seit«. Wenn man sich sah, machte man schleunigst Kehrt. „Verdirb dir den Magen nicht," warnte er den Paria, als dieser ein Stück rohen Fleisches verschlang, das Würz weggeworfen hatte, weil es ihm nicht mehr einwandfrei genug erschien. Draußen hörte er jetzt die ruhige, gleichmäßige Stimme des Hindu. Da der Baron mit ihm in seiner Muttersprache unterhandelte, konnte er nichts verstehen. Nur der Schwarze horchte auf und hielt für eine Sekunde im Kauen inne: „Hast du den Sahib hier eingeschlossen?" Er zeigte auf das Herz und verdrehte die Augen etwas. Stefan nickte zustimmend. Der Paria streckte sich etwas, als wollte er die Größe des Gefühls, mit welchem Würz an dem Gebieter hing, angedeutet wisfen. Stefan nickte und klopfte dabei Eier in die Teigmenge, daß es ein ganz safrangelbes Gebräu wurde. Der Schwarze seufzte. Dann kaute er weiter und begann nicht ohne eine gewisse Geschicklichkeit Gemüse einzupuyen. Baron Günther sand den Kranken, als er wieder ins Zimmer trat, nicht mehr auf dem Stuhle liegen, sondern in sitzender Stellung in einem der Korbsessel, welche unter der Deranda- tür standen. „Du fühlst dich Wohler?" Erfreut legte er ihm die Speisekarte in den Schoß. „Stefan ist ein Genie! — Mab ist zurückgekommen und hat bestellt, daß Dr. Edward Alsworth in einer Viertelstunde kommen wird, nach dir zu sehen. Wünschest du, daß ich zugegen bin?“ „Nein!“ Günther horchte auf: „3ch dachte nur! — Du wärst dann nicht gezwungen gewesen, auf alles Rede und Antwort zu stehen, das Sprechen ermüdet dich ohne Zweifel wieder.“ Hans Peter sah geradeaus, wo eben ein Riesenschaiten über die Schneefelder lief, der den Bergen ein trotzig-finsteres Aussehen gab. „Dieser Alsworth ist demnach ein Engländer." „3a, doch! — 3ch habe wenigstens um einen englischen Arzt ersuchen las en," erwiderte Günther, ein neues Staunen im Blick. .Mir wäre ein Deutscher sympathischer gewesen." Hans Peter sah nicht nach ihm hin. Llnver- wandt verfolgte er den Schatten, der jetzt die kantigen Hänge hinaufklrillrte und wie ein Totenkopf übet der Spitze hing. „Wenn die Koffer schon ausgepackt sind, würde ich dich bitt'n, das kleine Bündel Briefe und mein Tagebuch heraus- zufuchen und es auf dein Zimmer zu legen." „Auf mein Zimmer, Hans Peter?" „3a!“ Der Kranke spielte mit dem breiten Goldreif, der den Ringfinger der linken Hand umschloß. „Liebrigens wäre es mir lieb —“ 3m selben Augenblick drehte sich die Gartentür in den Angeln und auf dem mit rotem Sand bestreuten Wege, der nach dem Hause lief, kam ein Herr in hellem Sommeranzug, das weiße Seidenhemd über der Brust etwas blusig gehalten, und von einet diskret farbigen Kravatt« überschattet. Baron Günther kam ihm einige Schritte entgegen. „Anftetten." Er neigte sich leicht gegen den Arzt und horchte auf dessen tadelloses Englisch, das die Worte der Dorstellung begleitete. An seiner Linken ging er den Weg zurück, die fünf Stufen zur Veranda hinauf und machte ihn mit Hans Peter bekannt. „3ch lasse dich jetzt mit Mister Alsworth allein, mein Lieber," sagte er gütig. „Sollt: dir meine Gegenwart erwünscht fein, so drücke auf die Klingel hier. Akab bleibt in der Nähe und wird es mit melden, falls ich es überhören sollte! — Aus Wiedersehen!" Er legte Peter die Hand leicht auf die Schulter und zwang dessen Blick für eine Sekund« in den seinen. Sich nach Msworth verneigend, ging er die Verandastufen hinab und verschwand zwischen dem Rhododendrongebüsch, welches sich an der Umfriebung des Besitzes hinzog. Der Arzt hatte sich den Stuhl, auf welchen Baron Peter gedeutet hatte, herbeigrzogen und stellte einige gleichgültige Fragen. Er mochte Anfang der Fünfziger sein und machte mit seinem offenen Gesicht und den Flügen grauen Augen, die das Gemisch von Energie und Sehnsucht erkennen ließen, einen überaus sympathi- fchen Eindruck. „Sie sind Deutscher, Herr Baron?" „Oesterreicher!" „Das ist so ziemlich dasselbe." „3a, so ziemlich." „Zwischen 3hnen und 3hrem Herrn Bruder besteht die verblüffendste Ähnlichkeit, die ich je bei zwei Menschen an getroffen habe." „Wir find nicht Brüder." „Möglich?" entfuhr es Wsworth. Anftetten nickte. „Aber Vettern ersten Grades. An einem Tag — fast zur gleichen Stunde geboren, haben wir auch die Kindheit zusammen verlebt. Er hat beide Eltern durch den Tod verloren. Die Mutter bei der Geburt, den Vater drei 3ahre später." „Wie bemitleidenswert," warf Alsworth dazwischen. (Fortsetzung folgt) Diskontherabsetzung in Neuyork. Keuhork, 14. OIod. (CCM3.) Die Veuyorker Bundesreservebank ermäßigte ihren Diskontsatz von 5 auf 4,5 v. H. Xiöfonicnnäftiflunfl der Bank von Polen. Der VerwaltunaSrat der Dank von Polen hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, den Diskont von 9 aus 8,5 v. H. Herabzusehen. Gleichzeitig wurde der LornbardzinSfuß von 10 auf 9,5 v. H. ermäßigt. -Frank furterLebensversicherungs- A.. G. und Allianz, St u t t g a r t. Wie seinerzeit mitgeteilt, hat die Allianz und Stuttgarter Lcbensversicherungsbank A.-G. alsbald nach dem Zusammenbruch der Favag das in deren Portefeuille befindliche volle Aktienkapital der Frankfurter Lebensversicherungs-A.-G. erworben. Dabei wurde bekanntgegeben, daß die Deckungsmittel für die Prämienreserve und die gesamten Aufwertungsver- vslichtungen der Frankfurter Lebensversicherungs- A.-Ä. in voller Höhe vorhanden waren und daß alle vertragliche» Recht, der Versicherten, insbesondere die für 1929 und 1930 bereits bekanntgegebenen Versicherten-Dividenden sowie die für die Altver- sichcrten mit Genehmigung des Reichsaufsichtsamts festgesetzten Aufwertungsquotcn unverändert aufrechterhalten bleiben. Nunmehr hat die außerordent- liche Generalversammlung der Frankfurter Lebens- versichcrungs-A.'G. am 11. November den zwischen den Aufsichtsräten und den Vorständen beider Ge> scllschaften vereinbarten Verschmclzungsvertrag mit Rückwirkung vom 1. Januar 1929 an zugestimmt. Dieser Verschmelzungsvertrag ist durch die Senats- cntscheidung des Reichsaufsichtsamts genehmigt worden. Mit der Verschmelzung geht das gesamte Ver- mögen der Frankfurter Lebcnsversicherungs-A.-G. unter Ausschluß der Liquidation als Ganzes einschließlich aller Rechte und Verbindlichkeiten auf die Allianz über. Für die Versicherten der Frankfurter Lebcnsverstecherungs-A.-G. haftet nunmehr das gesamte Vermuten der Allianz. Nach Diirchsührung der Fusion wird das Vermögen der Allianz Ende 1929 rund 500 Millionen Mark betragen. Die jähr- liche Pramiencinnahme wird sich Ende 1929 aus 120 Millionen Mark, der Gesamti-.rsichcrungsstand auf etwa 2,7 Milliarden Mark belaufen. 1 D i c Insolvenz Zakov Dreyfuß Frankfurt a. M. Wie WTB.-Handelsdlenst erfährt, hat der Status der insolventen Mehl- großhandclsfirma Satob Dreyfuß, Frankfurt o. M, der in der Gläubigerversammlung am 19. Kooernber vorgelegt werden wird, gegen die zuletzt bekanntgegebcnen -Ziffern eine leichte Besserung erfahre i. Auch scheinen die Aussichten auf baä Zustandekommen eines Vergleichs, bei natürlich nur kleiner Quote, nicht ungünstig zu sein. - Gesellschaft für elektrische Unternehmungen, Berlin. Die G.-V. genehmigte einstimmig die Fusionsverträge mit der Ludw. Loewe & Co. A.-G. und der Agwea. Der Gesell- schatt verbleiben noch aus dem bisherigen Besitz rund 23 Mill. Mark eigene Aktien, von denen rund 4 Mill. Mark für die Option der amerikanischen Anlcihebesitzer aus der 5 Mill. Dollar-Anleihe bis Juli 1931 bcreitgchalten werden müssen. Der Ge- schäfisgang des Gesamtunternehmens dürfe als günstig bezeichnet werden, so daß für das laufende Jahr auch auf das erhöhte Aktienkapital mit einer Dividende von wieder 10 Prozent gerechnet werden kann. •* Spar- und Kreditanstalt für Deutsche Beamte und Angestellte A.-G. Die Spar- und Kreditanstalt für Deutscl)« Beamte und Angestellte A.-G. ist^ctzt in Berlin gegründet worden und wird am Montag, 18. November, in den alten Räumen und Depositenkassen der Bank für Deutsche Beamte G. m. b. f). den neuen Geschäftsbetrieb aufnehmen. frankfurter Börse. Frankfurt, 15. Hov. Tendenz: Freundlich. — Die D i s k o n t s e n k u n g um 0,5 Prozent in Heuyork mach e einen sehr gün- tilgen Eindruck, so daß die hiesige Börse in fester Haltung eröffnen konnte. Die Stimmung ist zuversichtlich, zumal auch die gestrige Hcuyorker Börse eine allgemeine Erholung auf- zuweisen hatte. Hierdurch veranlaßt, zeigte die Kulisse Deckungsbedürfnis, und das Geschäft nahm in Spezialwerlen einen etwas lebhafteren Charakter an, wobei sich beträchtliche Gewinne ergaben. Die übrigen Werte lagen dagegen weiter vernachlässigt, da der Qrdermangel immer noch anhielt. Es ergaben sich auch hier und da, infolge der besseren Börsensituation, Gewinne, aber in bedeutend kleinerem Ausmaße. Anklang fanden noch die g ü n st i g e n Deld- marktverhältnisse, nachdem sich gestern schon eine geringfügige Verstellung eingestellt hatte. Diese wurde aber durch die Diskontfenkung in Heuyork wieder behoben. Besonde.es Interesse bestand heute am Kunstleidenmarkt für Alu- Aktien mit plus 7 Prcz. und für Bemberg mit pluS 6,25 Proz. QIua> Glektrowerte tragen mehr in den Vordergrund. Führend waren hier Siemens mit plus 5,5 Proz. Schuccert gewannen 3 Prcz., Gessürel 3,25 Proz., AEG. lagen nur 1,25 Prcz. gebessert. Am Chemiemarkt eröffneten I.-G.-Farben 2,75 Proz. fester. Montanakiien waren b.s zu 1,75 Proz. höher. Hur Mans- felder machten eine Ausnahme und lagen leicht gedruckt. Hier dürfte die Abwärtsbewegung der Kupferpreise eine gewisse Holle gespielt haben. Banken b'.S 2,25 Proz. höher. Bevorzugt waren noch am Kalimarkt Westeregeln mit PluS 6 Prozent. Von lokalen Papieren lagen Frankfurter Maschinen verirachlässigt, Metallgeselischast konnten dagegen 1 Proz. gewinnen. Auch Autowerte konnten etwas proiitieren. Deutsche Linoleum plus 5,5 Proz. Kenten still. Deutsche Anleihen etwas sester. Von Ausländern Türken. vernachlässigt. Im Verlaufe blieb die Stimmung freundlich, doch ergaben sich infolge des Ordermangels geringfügige Abschläge, die aber selten 1 Proz. erreichten. Auch Gewinnmilmahmen führten dazu. Am Geldmarkt war TageSgeld mit 7,5 Proz. angespannter. Am Devisenmarkt lag der Dollar schwächer: das Pfund und die Mark konnten sich international bessern. Man nannte Mark gegen Dollar 4.1790, gegen Pfund 20.402, London gegen Kabel 4.8795, gegen Paris 123.86, gegen Mailand 93.19, gegen Madrid 34.80, gegen Holland 12.0840. Berliner Börse. Berlin, 15.Hob. Hicht ganz unerwartet hat gestern die Heuyorler Heseroe-Bank ihre Diskontrate erneut um 0,5 v. H. auf 4,5 v. H. ermäßigt. Trotzdem genügte diese Hachricht zusammen mit den übrigen Meldungen aus Heu- bet?, (festere Börse, toeüerer Rückgang der Maklerdarlehen um 700 Millionen Dollar), um den hiesigen HIarlt günstig zu beeinflussen. Obwohl man weiß, daß diese Dislonlsenkung im Moment noch leine grundlegende Aenderung am internationalen Geldmarkt bringen kann, und nur als Grenze gegen weitere Kursrückgänge an der Heuyorker Ei^ektenbörse gedacht ist, wird 1,5-v. H.-ZlnSspanne zwischen Heuyork und den übrigen Reserve - Banken und London auf die Dauer aber doch nicht aufrechtzuerhalten sein, sodaß sich, nach An ficht der Bör e, doch früher oder später eine Auswirkung dieser Maßnahme zeigen muß. Während London schon wahrscheinlich am nächsten Donnerstag mit einer Diikont- ermäßigung folgen durfte, ist für Berlin eine solche vor dem Iahrcsulllmo Wohl kaum mehr zu erwarten. Das Geschäft hielt sich zu Beginn der Börse wieder In ziemlich bescheidenen Grenzen und einer kleinen Kau.neigung des Publikums standen noch einzelne Verkauf ianträge gegenüber, so daß sich die hohen vorbörslichen Taxen nicht immer behaupteten. Gegen gestern mittag betrugen die Gewinne bis zu 3 v. H. durchschnittlich, bei Spezialwerten wie Berger, Bemberg, Aku, Ostwcr.e Sarotti Salzdetfurth, Westeregeln, Deutsche Linoleum, Siemens usw. bis 6 v. H. Svenska zogen um 13 HM. an, Polyphon um 8 v. H. Deutsche Waffen erschienen mit Plus-Plus-Zeichen und notierten mit 67 nach 63,5 v. H. Deutsch Anleihen ruhig. Auch Ausländer wenig terändert. Pfandbrief markt ge- schästslos, aber kaum noch schwächer. Der Geld- marlt war zum Medio etwas steifer. Auch sind heute verschiedene Steuertermine. Tagesgeld 7 bis 9 v. H., Monattgeld und Warenwechsel unverändert. Hach den ersten Kursen vorübergehend etwas lebhafter. 3m allgemeinen bleibt die Spekulation bei ihren Dispositionen aber noch ziemlich vorsichtig. Teutsche Waffen weiter fest und bis 70 v. H. a »ziehend. Auch Svenska konnten bis zu 5 Heichsmark erneut gewinnen. Berliner Prodnttenmarkt. Berlin, 14. Koo. Heute machte sich auf dem Getreidcmarkte nach den scharfen Preisrückgängen der letzten Tage eine Erholung geltend, die jedoch wohl weniger auf die festeren Auslandmeldungen als auf die verschiedenen, neuerdings angekündigten Hegierungsmaßnahmen zur Hebung des Getreidentveaus zurückzuführen waren. Die Offerten für Auslandwelzen, namentlich für Plata- weizen, lauteten beträchtlich fester. Don Umsätzen wurde bisher nichts bekannt. Vom 3n- lande ist Weizen und Koggen knapp angeboten, die um etwa 2rbld 3 Mark erhöhten Forde- Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw sind zu richten an die Schachredaktion des ..Gießener Anzeigers" Problem Nr. 238. Don 3. Drown. Weiß zieht und setzt In drei Zügen matt. Weiß: 4 Steine. Kb5; Df6; Sb3; Bf3. Schwarz: 3 Steine. Kd5; Lg3; Bg5. 8 6 5 3 7 4 2 8 7 6 5 4 3 2 Weiß. L n Schwarz, b c d f- f Partie Nr. 166. Die nachstehende sehr interessante Partie wurde als 18. des Weltmelsterschaftswettkampfes im Haag am 26. Oktober 1929 gespielt. Französische Verteidigung. Weiß: Bogoljubow. Schwarz: Aljechin. I. e2-e4 Eine große Ueberraschungl 3n den vorher- gegangenen 17 Partien des Wettkampfes eröffneten beide Kämpen regelmäßig mit 64. 1. . . . 1. e7-cö 2. 62-64 2. 67-65 3. Sbl -c3 3 Sg8-f6 4 Lei -g5 4. 6 ixe4 Dieses sofortige Schlagen, welches auch von Aljechin im Wettkampfe gegen Capablanca angewandt wurde, genügt zum Ausgleich. 5 Sc3«-e4 5. Lf8 - e7 6 Lg5xf6 6. g7xf6 7. Sgl — f3 7. f6 — f5 Dies Überläßt dem Springer f3 daö wichtige Feld e5 und ist deshalb zu verwerfen, nützlicher erscheint sofort b6 nebst Lb7. 8. Se4-c3 9. g2-g3 10. Lfl-g2 II. D61 -e2 12. Sl3-e5 13. 0-0-0 14 De2-h5 8. c7-c6 9. Sb8-67 10. D68-c7 11. b7-b5 12. Lc8-b7 13. 867-bd 14. Th8-f8 Auch auf 14. ..., L66 oder f6 käme f4 und Schwarz könnte noch Lxe5, 6xe5 nicht lange rochieren. 15 12-14 Falls jetzt z. B. 15. Dxli7, so Lf6, droht Th8, 16. Dh5, Lxc5 mit Hückgewinn des Bauern. 15. . . . 15. b5-b4 16. Sc3-e2 16. Sb6-65 17. Lg2xd5 17. cbxd5 18 Kcl-bl 18. a7-a5 Vogoljubows Springerstellung auf e5 ist vernichtend, Aljechins Chancen beruhen daher nur in einem stürmischen Königsangriff. 19. «3-g4! Dies führt zur Aufrollung der Zentrums- stellung des Hachziehenden. 19. . .. 20 f4-f5 21. Dh5xf5 22. Thl -el 23 b2-b3 24. Df5xh7 19 f5xg4 20. eöxf5 21 25-24 22. 24-23 23 Lb7-c8 24. Lc8-e6 Hiermit ist weiterer Hachteil vorläufig auf der e-Linie vermieden, aber das Hngtüd bricht bald auf der c-Linie herein. 25. D117 —63 26. c2-c3! 27 Tdl-cl 28. c3xb4 29. Tel -c6 30. Tel -cl 31. Se2-f4 32. ' f4Xc6 25 0-0-0 26. Kc8-b7 27. Dc7-b6 28. Lc7xb4 29 Db6-a5 30. F68-c8 31. Lb4-66 Hach 32. Tx66 würde Schwarz durch 32. .... Txcl 4- 33. Kxcl, Del nebst 1 c8 + ben Ausgleich erzielen. 32. ... 32. f7xe6 33 D63-H7+ 33. Tc8 - c7 34. Tc6xc7 + 34. L66xc7 35. Dh7 —67 35. Da5-b6 36. Se5 —63! 36. TIS-68 Hieraus beschließt Bogoljubow die von ihm durchweg in kräftigstem Stile durchgeführte Partie durch eine prächtige Schlußkombination. 31. Tclxc7-H 37. UböxcT 38 S63-C5+ 38. Kb7-b6 Falls 38. ... , Kb8 39. Sa6 -s-. 39. D67xc7 + 39. Kb6xc7 40. Sc5xe5+ 40. Kc7-67 41. Se6x68 41. K67X68 42. b3-b4 42 K68-67 43 Kbl -c2 43. K67-c6 44. Kc2-b3 44. Kc6-b5 45. Kb3xa3 45. Kb5-c4 46 b4 - b5 46. Kc4xb5 47. Ka3-b3 47 Kb5-a5 48. a2-a4 48. Ka5-a6 49 Kb3-b4 49. Ka6-b6 50 a4-a5 + 50. Kbö-c6 51. Kb4-a4 Hufgegeben. Lösung des Problems Kr. 234. Don G. Schüller. 1. D61-65! (Srobt 2. Dxg5 matt) 1. .... LxD oder Tf5. 2. Ll3 matt 1. ..., Lf5 oder Tg2. 2. Te7 matt 1. ..., Tc5 oder Dg3. 2. Tt7 matt 1. ..., Dc5 ober De7 ober Le3. 2. Lg4 matt Die Narrenkappe. Splitter und Sparren Dom KedakttonStisch. Dctrachlung eines Schiffsjungen. .....das schrecklichste Ende, das ein Kapitän nehmen kann, ist das Tauendel" * Mißverständnis. In Oesterreich sagt man: ich hab' mir «inen Mantel um hundert Schilling gekauft oder: er will's um dreißig Schilling haben. Na, und einer von denen kommt in Berlin an einen Obstwagen und meint: „Geben Sie mir eine Banane um zchnl" Sagt der Händler: „For Sie wcr'ck 'ne Nachtschicht inlejen!" (Lust. Bl.) * Belehrung. „Vater, was heißt das: ohne Ansehen der Person?" „Na, zum Beispiel, wenn du mit jemand telephonierst." , (Lust. Bl.) Der erste Besuch. „Was hat dein Edward gestern bei deinen Eltern gemacht?" „Schlechten Eindruck!" (Lust. Bl.) rungen werden von den Mühlen und vom Handel nur zögernd bewilligt. Bemerkenswert ist, daß für Koggen stärkeres Äaufintereffe als für Weizen zu beobachten ist. Am Lieferungsmarkt erfolgten Deckungskäufe, die Weizen um 3 bis 3,50 Mark, Koggen um 1,50 bis 1,75 Mark höher einsetzen ließen. Für Weizen- und Koggenmehle fordern die Mühlen unveränderte Preise, älmsätze kamen bisher nur in geringem Ausmaße zustande. Hafer ziemlich knapp angeboten, Verkäufer halten auf Preise. Gerste ruhig und unverändert. Es notierten für je 1000 kg: Weizen, niärf., 222 bis 223 (fest), Dez. 236 bis 236,75, März 251,50 bis 253; Koggen, märt, 160 bis 162 (fest), Dez. 176,50 bis 177 (Geld), März 192,50 bis 193,50; Braugerste 184 bi5 205 (ruhig); Industrie- und Futtergerste 166 bis 177 (ruhig); Hafer, märt, 149 bis 158 (fester). Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Relchsbankdiskont 7 v. H., Lombardzinsfuß 8 o. H. 3 ran Hurt a '"i lliertfr ,-dinift» ffur« Ub nur 2d)iu6 Vln|aiifl. Nur Datum 14 H 15 1 14 1. 15 il 6 eu Idir aiviiii on ..... 87.45 •— 87,5 — 7% Teiitldir t)lcldi8anleU)e von 1020 ........ $l. Vln . nUIOI Sdjlllo mit Iflur 99 — 99 — ici .Olcdiicn . 50 — 50. 50.1 T'r n' rhic \'li>- n< flrrfil 8% Hell. tlultttlaal von 1029 8.65 8,8 8,5 8.6 (rüdjnl)lb. 102%) Cbcrbclfcn Provinz - Slnleidr mli 89,5 — 89 — Vhielol.-lKcdtlen Teutidic No in in Gamntelobl 47,5 — — — Olnlrlljr «erle 1 8% ntantl. (>l)P.'V)ant Moldvle 46,75 — 46,9 — XIII unfünbbai Ole 1034 . 7% ,\ran(| Hup Bank tMolbpfe 96,5 — ■* — untiuiBbai bl# 11188 ... 4H% 'Hbrllllldlf Vvv -Vant tilqu. (üulbpir....... 85 — — • 79.5 — — — 8% Br Vnnbeopfanbbrtelanftalt Bf.'nvbrlele 81 17 . . . 98 — 98 — 6% Bi. VüiiOr.'PlnuDbtlftanfialt Komm.-Lbl fH iti . . . . 7% B< panve->vl>'nvbNe|aiiNalt, 95 — 95 — Planvdklrlc üi. io Vi., o> üiiji >>ri.rir,i#-Odlla«lon 69 — 89 — rUtftablbar 1032 — — — — 4% Oefterretditw »olDrte. 24,25 — 24.75 25 4.90-r, r-llrrr £llbrrr- 4% Oencrrrldilldir (Unbrltildx 2,85 2,95 biente • —• i,8 —— 4“., Unnariidir »olbrle . . . 21 ■■ 21 21,4 4% Unnarticbf «taattt o 1910 9.35 —• 9.2 19,5 4y.% be#ni. von 1013 . . . 21 — 4n„ Unaathdic Skvnrnrte.. .8 — .85 — 4% XUrt. BelianlelDe 6. lOtl 4% rurNlche Oogbabbabn-ani Serie 1 4% be4fll. e-Tt- II 8,5 8.55 8,7 8,6 «■» 8.6 8,6 8,35 8.55 8% iltiimilnlldir errrlnb Rente von 1903 i ■ ■ ■ 4^.".. iw ni.iiitldx Bfrrlnb mente 9 — 9 — Mn 1018 ....... 4% lKuman«<6e errrlnb. th111 Berlli -dt uh, ft.nr Ub fTur 1 Oamvina-Amerlla Palm Hamb fcüoam. Dampslch > ßanla Dana ll tillf .... 1' VlorbDcuildu-r Lloyd.....' Villa Drilliche arcdllansl >' Riarmer «aiitöereln ... i' berliner HaiideiaaelcUlch. . 1 üommrrA- und PUvat-Bant i Tarmll. u Vlatlunalban! . 1 Douuchr Bank ..... > $kconto-i.'k|ell|d)a|i, Mnl. i Drrrvurr löanf...... > vtrlchrvam . . i O.Q.OI . ftlftamann . . (flcltt. tilflrrunfifflelcnidiall । Lickt uiid Straft । firllrn » Üfulllcaume. . 7 V, Gri | (ilrttr Untern..... !<’ Hamb Ulettt «Werts .... 1 Bibeln lilrttr ....... Echte,, dir* ......1- Schildert L Co. ..... 11 Siemen» 4* yalite.....16 Iranfrabto . . ...... .6 Lavmryrr 4 4o.......1U V'UPrnu . . ...... b Deuttche Qrb»i ....... 6 Ullener Eirlnkohl»......» Wellenllrdjenet ....... 8 Harvruer...... 0 Hoelch Mlen........6V, mir «letflbau....... 10 fliednrriDerte ...... fl6in-9leuellen .... 7 Bloniie.'man -Mvhren ... 7 iXaiuklori Bergbau..... Cbendrei Uben.eoan ... Cbcridilri Itotoroerte.....7 Pbünl^ Berabau......6V. Rbr nlidv Vraunlohle»... 1> «beln stahl 6 Wiebcd Wontan......7,; 105,5 101.25 116.5 119 180 59.5 239.5 .52.5 152,5 149.5 256.75 166 68.5 118 166.75 188.25 301 160 64,75 26.5 210 »5.9 >7.13 109 104 247.5 04.5 105,75 101 • 19,5 161,5 153 153 150 259 167 25 121 170 191,5 306.5 65.75 135.25 98,5 08.5 105,5 105 162.25 148,5 100.9 116,5 119,13 179,5 159,5 236,75 152 152 149 253,5 165,75 202 164,5 167,5 118 167 >30 149.5 157.5 86.13 299.25 >27 160 64.5 97,5 >26.4 133.5 '17.5 95.5 15.25 97 08 72.5 96.75 04,13 247.5 03.65 106 101.13 117.5 119.5 182 161.5 239.25 153,5 153,5 150 257,5 166.13 205 166.6 170.5 120,25 170.5 131,75 149 161 190 304-75 128 161 66.5 99 127,13 135.25 120 210 97.6 >17,5 98.75 08 75 73 98 104.9 248.6 105,5 Aranllurt a Berlin djiuu- Ul' «djlub tinlann- »Ture «Tur ft ii re ftur Datum 14 ll. 15 1 14 II 15. 11 «ereintaie Stahlw 105 105.75 105.25 106,25 Claoi Minrii . . 16'/. — — 56.25 57,13 Rai werke -licherllevea b 197 —- 196 199.25 Ho werte :i*efterefleln 1U 01,5 207 5 200,25 205,5 Rai in c 5aUbctiuctb 1b 321 — 319,75 325.75 3 O» fiaruen.Onomtne . . 18 179,75 182,5 179 182 Dynamit 'Jtobel...... . 0 — — — — Scheideanttcht. ...... 135,5 — — — WolDldimiot ....... . b 65.25 66 65,25 67 Rütgeiewerte ...... . 6 74 74,75 73.5 75 iMetnllneiellidjaft . . . • . 8 '4.25 115 114 — Phlltpu Bo rmann . . 7 86.5 — 86,13 87,75 Jemen werk Ocloelberfl . . 10 20,5 120,5 -- — Üemeniiuert 'TarKtabt . . 1" 159 — — — Watw a t) aa . 8 83.25 82,35 82,5 — Schuitbei» üabenyoiet . . 16 — 276.25 280,25 Ollwerke ....... 17 215 220 Cer Wiatuftof! . . . 18 — — — B-mbera........ 14 ‘ 99 205.25 198 203,75 BellRol Walbhol . . . 18% '7.5 198 96.5 198 Hellflof. Vbdiatl nburg . 42 142,75 140 141,5 ilbürlotirnburfler Waller . . 8 — - 94.5 96,25 Deuauer • • . 0 — — 65,75 169 Daimler Motoren . . . . ( i2.5 43,75 42.5 44 Teutldte Linoleum . . . 748 253.5 -47,5 253 Molchlnenbau 81.>®. . . . . 0 — — — 47 .1 rio i >ii q ■ • • u —- — — — VUUQ) *ee n — — 66.5 — -Rat iMutomobi ... . c • •• — 21 Crenflein 4 floopd . . . . 6 — — 73.75 75.25 vonhiro iten ... 10 * — 159 160 G Den Ma . • • • • • • J08 — 301.5 314,5 Atanti Maichmen .... . 4 15,5 45 45,75 — rinnet ...... 6 16.5 — 49 — ftegligcnfiaeDt .... . V 3.5 — — — junnbane 6 — 16,75 — Veduoerte 8 103 03,5 — * Malnlranwen Höchst a M 8 106 — — Mtaa. 1U 21,5 — 20,5 '21,5 Webr «oebet .... 10 04.5 _ tiolfli 4 Metraa .... v 222 — 222 — GQbb ............. 10 — — '55.8 — Banknoten. Berllnt 14. November Gelb Briel eimertkanllche Noten 4,165 4,185 ÖcloHctie Noten ...... 58.20 58,44 Dütillche Noten ....... 111,63 112,07 ttiiflltldie Noten ........ 30,332 20,412 irranzolilche Noten ....... 16.432 16,492 Ooilditblldie Noten ....... 168.28 168,96 fltallenlldie Noten........ 21,835 21.915 Norweglldte Noten....... 111,58 112.02 Deutlch-Oesterrelch, i 1OO Schilling 58.55 58,79 iRiiniänllrfic Noten..... 2,475 2.495 Schwebildie Noten....... 12,08 112.52 Schweiler Noten ....... 80,79 81.13 Spanilche Noten...... . 58,28 58.52 T'chechollowalilck>e Noten..... 12.31 12.39 Ungarilche Noten ..... 72,86 73,16 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a 14 Nvvembet 15 November iMnitlitbr Ni'tletnna Am- ich- Ni-feruna Gib Bne, chrle Urte. Yllwt.-lHoti 168.65 168.99 168,58 168.92 Buen-Aires 1.718 1,722 1,721 1.725 Brss-Anttv 58.42 58.54 58,42 58.54 (ibrtftlnula 111.90 112,12 112,21 112.43 .'totk’ttbagni 111.93 112 15 111.93 112.15 Stockbolni 112.24 112.41 111.89 112.91 Helltnalorü 10.499 10,519 10.497 10.517 Statten ■ London - - . 21,865 21,905 21.8b 21.90 20.371 20,411 20.371 20.411 Ncunort . . 1,1775 4,1855 4.1760 4,1800 Vari«. - . 16,445 16,485 16.44 16.48 Schweiz '.. 80,97 81,13 80.97 81.13 Spa it:n • 58,41 58.53 58,40 58.52 ftapan . . . »2,375 12,395 12.373 12,393 Velirad 7.390 7.404 7.388 7,402 Vubap-Q . BtN arten 73.01 73.15 73.02 73,16 1.017 3,023 3.014 3.020 Lissabon 18.80 18.84 18.78 18.82 TanVa 81,43 81,59 81.44 81.60 .pemst Ittirt- 1,975 1,979 1.977 1,981 Wtlieti. 5,425 5.435 5.425 5,435 Canada 4.086 4.091 4.091 4.099 lltit uaö 4.046 4,054 4.046 4.054 Cairo 20.89 20,93 20.89 20,93