Nr. 242 Erstes Blatt 179. Jahrgang Dienstag, 15. Oktober 1929 (Er |d) e in 1 «ägllch,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte _ Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezngspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. ßernsyrechanschlüffe anterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlck und Verlag: vrühl'sche UniverfilStr-Vvch- vnd Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Zchrlftlettung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Annahme oon Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mrn Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 \ mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Der Ausruf der Aeichsregiermg. Berlin, 14. Oft. (Wolff.) Der von uns am Montag auszugsweise wiedergegebene Aufruf der Reichsregierung „An das deutsche Volk" ist nunmehr veröffentlicht worden. Er trägt neben den Unterschriften der Reichsminister und der Länderminister auch Unterschriften einer Reihe von Persönlichkeiten aus den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens, darunter auch: Adelung, hessischer Staatspräsident; Adenauer, Oberbürgermeister von Köln; Dr. Anschütz, Universitätsprofessor und Geheimer Rat; Dr. Dr. rer. pol. h. c. A e r e b 0 e, Professor und Geheimer Regierungsrat, Direktor des Instituts für landwirtschaftliche Betriebslehre; Dr. h. c. Bosch, Stuttgart; Dr. Bredow, Reichsrundfunktommisfar, Staatssekretär a. D.; Dr. theol. jur. et med. h. c. Adolf Damaschke, Berlin; Dr. Dr. h. c. Drews, Staatsminister a. D., Präsident des preußischen Oberverwaltungsgerichts; Einstein, Professor; Falkenberg, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Teamtenbundes; Flügel, Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes; Dr. Fuchs, Oberpräsident der Rheinprovinz; Dr. Dr. von Harnack, Professor, Wirklicher Geheimer Rat; Gerhart Hauptmann, Agnetendorf; Dr. Dr. jur. med. Phil, et rer. Pol. Kahl, ordentlicher Professor, Geheimer Justizrat; Lei Part, Staatsminister a. D., M. d. RWR.; Dr. Le- wald, Staatssekretär z.D., Liebermann, Professor, Präsident der Akademie der Künste; Thomas Mann, München; Franz v. Mendelssohn, Berlin; Frau Klara Mende, Berlin; Dr. Mein ecke, Universitätsprofessor, Geheimrat; Dr. Mulert, Präsident des Deutschen Städtetages; Dr. Oncken, Professor, Geheimrat; Dr. Planck, Professor und Geheimer Regierungsrat; Dr. Phil. Rabethge, Kommerzienrat; Dr. S a e m i s ch , Reichssparkommissar, Staaisminister a. D.; Dr. Schach t, Reichs- bankpräsident; Gustav Schneider, M. d. R., Bundesvorsitzender des Gewerkschaftsbundes der Angestellten; Dr. Schwander, Oberpräsident der Provinz Hessen-Rassau. Wütttembergunddiepropaganda gegen das Volksbegehren. Keine Benutzung des BchördcnaPParats für politische Zwecke. Stuttgart, 14.Ott. (WTB.) Don zuständiger Seite wird mitgeteilt: Eine Berliner Zeitung berichtet, die württembergische Regierung habe sich geweigert, den Aufruf der Reichsregierung gegen das Volksbegehren an^u chlagen. Hierzu wird fcftgestellt: Es ist nicht richtig, daß die württembergische Regierung sich geweigert hat, den Aufruf der Reichsregie, ung gegen das Volksbegehren anschlagen zu lassen. Mit einem Ersuchen, den Aufruf anschlagen zu lassen, ist weder die Reichsregierung noch die Landesabteilung Württemberg der Reichszentrale für Heimatdienst an die württembergische Regierung herangetreten. Die Landeszentrale Württemberg der Reichszentrale für Heimatdienst hat die württembergische Regierung am 12. Oktober mündlich gebeten, ein großes Plakat „S t r e s e m a n n s Vermächtnis" an die Oberämter und Gemeinden amtlich zum Anschlag hinouZzugeben. Das Plakat war unterzeichnet: dem Aufruf des Reichsausschusses der Deutschen Volkspartei, erlassen nach der Rede Stresemanns über die politische Lage am 30. September 1929.“ Der Landesabteilung der Reichszentrale für Heimatdienst wurde anheim gegeben, dieses Plakat selbst zu verbreiten, da nach dem Verwaltungsherkommen in Württemberg d i e Benutzung des Behördenapparates für politische Zwecke nicht üblich sei. Katholische Kirche und Volksbegehren. Stellungnahme des Breslauer Fürstbischofs Breslau, 14. Ott. (TU.) Die „Schlesische Volkszeitung" veröffentlicht folgende Kundgebung des Fürstbischofs von Breslau, Kardinal Dr. Bertram, zum Volksbegehren: „Neuoderberg, den 13. Oktober. Wiederholt haben deutsche Bischöfe eine ernste Warnung vor Teilnahme an solchen Verlangen und Bestrebungen veröffentlicht, die eine ruhige und gesunde langsame Festigung des inneren und äußeren Friedens des deutschen Volkes bedrohen. Nicht parteipolitische Stellungnahme oder Voreingenommenheit ist Beweggrund solcher Kundgebung, sondern d i e S 0 r g e um den Wiederaufbau dessen, was wir dem Weltkrieg und Umsturz entrissen, ist eine Sorge, die mit schwerer Verantwortlichkeit lastet auf allen, die führende Stellungen im öffentlichen Leben haben. Diese Sorge weckt ernsteste Bedenken gegen das zur Abstimmung gestellte Volksbegehren, dessen Annahme die Bemühungen der Reichs- und Staatsregierung um Verständigung mit den Siegerstaaten des Wellkrieges in verhängnisvoller Weise durchkreuzt und die jahrelangen Bemühungen um den Wiederaufstieg des Vaterlandes schwer gefährdet. Da diese Angelegenhell nicht einzig eine parteipolitische, sondern eine allgemein vaterländische ist, so sei dem hochwürdigen Klerus anheimgegeben, in außerkirchlicher Weise dahin zu wirken, daß die Diözesanen diesem Volksbegehren fernbleiben. ~ r,.., , „ Gez.: Kardinal Bertram, Furstblschof. Hilferdings Monopolpläne. Das Reichsfinanzministenum auf der Suche nach weiteren Einnahmequellen. — Reue Monopolanschläge auf Bier und Tabak. Von unserer Berliner Redaktion. Roch haben wir den Gedanken an das Zündholzmonopol nicht verdaut, und schon melden sich geheime Helfer des Reichsfinanzministeriums, um uns abrauf vorzubereiten, daß weitere Attentate auf das Bier und den Ta - b a k vorgesehen seien. Herr Dr. Hilferding läßt diese Berichte dementieren, aber doch in recht vorsichtiger Form, weil er offenbar immer noch nicht genau weiß, was er will; er huldigt dem Prinzip, seine Finanzreform dem Steuerzahler stückweise — was der Berliner so schön „auf Stottern" nennt — beizubringen. Daß dadurch jede Einheitlichkeit verlorengeht, daß das Finanzministerium bei dem Zwang, sich gegen Falschmeldungen zu verteidigen, vollkommen in die Defensive gerät und jede Stoßkraft für eine planmäßige Reform verliert, sind Rebenwirkungen, die von Herrn Hilferding gegenüber dem Prinzip der Trägheit offenbar willig in Kauf genommen werden. Dabei ist der Grund seiner Schweigsamkeit theoretisch anzuerkennen. Er zieht sich darauf zurück, daß ja das Schicksal des TZoung-Plans noch gar nicht festste h e und daß wir in eine unangenehme Zwangslage hineingeraten könnten, wenn wir das Fell des Löwen verteilen wollten, ehe wir ihn erlegt haben. Aber die wahren Motive des Ministers sind doch wohl ganz andere. Er doktert immer noch an der Frage herum, wie er seinen Parteigenossen sein Programm schmackhaft machen soll. Das ist in der Tat ein schwieriges Unternehmen, denn mit den Grundsätzen der Sozialdemokratischen Partei hat dieses Programm sehr wenig zu tun. Senkung der direkten Steuern und Erhöhung der Verbrauchssteuern, das ist genau das, was die Sozialdemokratie nicht will. Herr Hilferding ist immerhin volkswirtschaftlich vorurteilslos genug, um zu sehen, daß dies die einzige Möglichkeit ist, um zu einer Gesundung unserer Finanzen zu kommen. Aber die Parteisekretäre, die über die Doktrin nicht hinwegsehen, wollen ihm darin nicht folgen. Vielleicht ist auf dieser Erkenntnis auch die unglückliche Idee der Monopole für Bier und Tabak gewachsen. Monopole schmecken nach Staatssozialismus. Also wird dafür die Sozialdemokratie leichter zu haben sein. Jedoch, solche Dequemlichkeitserwägungen können und dürfen nicht ausschlaggebend sein. Das Beispiel des Spritmonopols schreckt zu sehr, als daß wir uns den Luxus einer Wiederholung noch leisten könnten. Was wir brauchen, sind ergiebige Steuerquellen, nicht aber irgendwelche Theorien. Bier und Tabak werden als reine Genuhmittel sicherlich wieder bluten müssen. Sie vertragen vielleicht auch noch eine neue Belastung, aber diese Belastung muß restlos den Reichskassen zugute kommen. Das ist durch eine einfache Erhöhung der bestehenden Steuern möglich, ein Monopol aber, selbst wenn es nur ein Verkaufsmonopol ist, verlangt einen großen Apparat, erzeugt Dureaukratismus und muß notwendig dahin führen, daß die Mehrerträge im Verwaltungswege verpulvert werden. Bei den Volksbegehren und Beamte. Ein Protest des Neichsausschusses. Berlin, 14. Oft. (TU.- Der Reichsausfchuh für das Deutsche Volksbegehren hat dem Reichsministerium des Innern folgendes Schreiben übermittelt: Wir erhielten soeben telegraphisch folgende Rachricht von unserem Landesausschuh aus Bremen: „In Dremerförde ist der Beamtenschaft. die den Aufruf des Volksbegehrens unterzeichnete, vom Landrat auf Regie- rungsweifung mitgeteilt worden, daß das Disziplinarverfahren gegen sie eröffnet fei. Sämtliche Beamte, auch Kommunalbeamte, wurden vor einer Eintragung für das Deutsche Volksbegehren amtlich gewarnt, da sie sonst ein Disziplinarverfahren unter Androhung der Entlassung zu erwarten hätten". Auf unsere sofortige telephonische Anfrage beim Reichsministerium des Innern wurde uns erwidert, daß der Herr Reichsminister des Innern persönlich nicht zugegen sei. Der als zuständig bezeichnete Geheimrat Förster erklärte uns, daß er über eine solche Frage nur eine schriftliche A u s - fünft geben könne. 3m übrigen sei dies eine preußische Angelegenheit, die nur den preußischen Minister des 3nnern anginge. Da es sich in diesem Fall erneut um einen doppelten groben Verfassungsbruch, nämlich um die Beseitigung der bei jedem Beamten durch Artikel 130 der Verfassung gewährleisteten Freiheit der politischen Gesinnung und um eine Entziehuna der in Artikel 125 gewährleisteten Wahlfreiyeit handelt, muß Streichhölzern läßt sich der Gedanke, da wir ohnehin schon in der Planwirtschaft sind, zur Rot vielleicht noch rechtfertigen, aber damit muß es auch genug sein. Zündhölzer, Bier und Tabak. Berlin, 15. Oft. (Priv.-Tel.) Im Reichsfinanz- Ministerium wird, wie wir aus guter Quelle erfahren, trotz aller Dementis sehr eifrig an der Monopolisierung gearbeitet. Das Zündholzmonopol, das kein Staatsmonopol ist, sondern lediglich ein Verbrauchsmonopol, wird voraussichtlich im Laufe dieser Woche zustande kommen. Die Frage ist nun, ob sich mit diesem Monopol auch der Reichstag befassen muß. Gewisse Kreise glauben annehmen zu können, daß die getroffene Regelung mit Ivar Kreuzer auch ohne Reichstag gesetzliche Geltung erlangen könne, doch dürfte der Neichsfinanzminister kaum diesen Weg beschreiten, da er doch wahrscheinlich im Interesse einer Sicherung seiner Maßnahmen die letzte Entscheidung der Volksvertretung überlassen will. Die übrigen M 0 n 0 p 0 l p I ä n e des Reichsfinanzministeriums scheinen in der Hauptsache von Staatssekretär Dr. V 0 p i tz auszugehen, bei dem Biermonopol ist anscheinend zunächst nur an die Wiedereinführung bzw. Heraufsetzung der Biersteuer gedacht. Denn es ist ohne Frage außerordentlich schwierig, die 68 000 deutschen Brauereien in einem Verbrauchsmonopol zusammenzufassen. Die Pläne, die auf die Schaffung eines Tabakmonopols zurückgehen, find an und für sich schon alt In enger Verbindung damit will man vor allem eine Normierung der Zigarren- und Zigarettentypen herbei» führen, um eine begrenztere Anzahl von Qualitätsmarken zu schaffen. Da der Zigarrenverbrauch in Deutschland wesentlich zurückgegangen ist, soll die Monopolisierung dieser Industrie im Konsum bedeutend einfacher geworden (ein. Es erhärten sich nun die Nachrichten, nach denen die Pläne um das Ta- baksmonopol tatsächlich im Zusammenhang mit Verhandlungen mit den Reemtsma - Zigarettenfabriken stehen. In Kreisen der Regierung weist man dabei darauf hin, daß man zu solchen Schritten gezwungen sei, weil man doch die Steuern abbauen wolle, und dafür neue Einnahmequellen schaffen müsse, die im Interesse der Parität am zweckmäßigsten auf den Massen« k 0 nsum der Genußmittel umzulegen wären. Steigender Ertrag der Tabaksteuer. Berlin, 14. Ort. (Priv.-Tel.) Der Ertrag der Tabaksteuer im ersten Vierteljahr des Rechnungsjahres 1 929/30 übersteigt mit 187,9 Mill. Mk. den des Vorvierteljahrs (161,6) um 26,3 und ergibt gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres ein Mehr von 21,8 Mill. Mk. Der Gesamtwert der Tabak- erzeugnisse, für deren Versteuerung von April bis 3uni 1929 Steuerzeichen gekauft worden sind, belief sich auf 731,3 Mill. Mk. Das entstandene Steuer-Soll an Tabakfabrikatsteuer und Materialsteuer für Zigaretten belief sich zusammen auf 167,54 Mill. Mk. in der Berichtszeit. probeslug des englischen Riesenlustschiffs. Mit 95 km Geschwindigkeit in 400 m Höhe über London. - Befriedigende Ergebnisse. — Begeisterung in England. Conbon, 14.Off. (TU.-Funkspruch.) Das £uft- fchiff „R 101“, das um 11.20 Uhr in Larding- lon aufstieg, hat feinen ersten Probeflug beendet und ist um 16.53 Uhr nachmittags wieder am Ankermast in Lardington festgemacht worden. Der Befehlshaber, Major Scott, gab nach der Verankerung durch das Mikrophon eine Beschreibung des ersten Fluges. Der Flug, fo erklärte er, fei in allen Tellen zufriedenstellend verlaufen, sämtliche Einrichtungen hatten einwandfrei gearbeitet, Scott sagte u. a. weiter: ..Wir haben nicht die Höchstgeschwindigkeit oder auch nur annähernd etwas ähnliches zu erreichen versucht. Die Geschwindigkeitsflüge werden später folgen. In den paffagierräumen wäre der Lärm der Wotoren nur schwach hörbar. Die Probefahrt hat für die Verwendung großer Luftschiffe gute Aussichten eröffnet. Die Handhabung dieses Lustriesen hat sich leichter erwiesen, als ich es erwartete." Technische Einzelheiten über den Verlauf des Fluges sind noch nicht bekanntgegeben worden, doch wurde von Begleitflugzeugen festgestellt, daß das Luftschiff über London ziemlich gleichmäßig mit etwa 95 Kilometer Geschwindigkeit in der Stunde flog. Die Flughöhe betrug nie mehr als 4 00 Meter. Eine halbe I stunde kreuzte das Luftschiff über der inneren Stadt und dem Westen Londons. Alle Dächer waren von dichten Menschenmengen beseht, die das Luftschiff freudig begrüßten. Für 20 Minuten trat eine teilweise Stockung des Straßenverkehrs ein. Rach dem glücklichen Verlauf des Probefluges find die Hoffnungen auf künftige große Leistungen des Luftschiffes allgemein wieder gestiegen. Den Ehrengästen bei der Probefahrt waren alle Einrichtungen des Luftschiffes zugänglich gemacht worden. U. a. wurde auch ein Mittagessen aufgetragen. Die Londoner Blätter äußern naturgemäß Befriedigung und Stolz über den gelungenen ersten Flug des „R 101“, wenn sie auch betonen, daß das Wetter sehr günstig war und daß es noch einer ganzen Anzahl von Versuchsflügen bedarf, bevor ein abschließendes Urteil über die Leistungen des Riesenluftschiffes gefällt werden könne. — „Times" sagt, es ist ein gutes Zeichen für die Zukunft, daß in diesem Jahre das schnell sie Flugzeug und das größte Luftschiff von Engländern gebaut und geflogen worden sind. — 3n anderen Blättern kommt verschiedentlich eine skeptische Stimmung zum Ausdruck. So sagt „Daily Rews“: Das Luftschiff scheint eine außerordent- li ch geringe Geschwindigkeit zu haben, und niemand weiß, ob es ungünstigen Wetterbedingungen gewachsen sein wird. unseres Erachtens im Gegensatz zu der Meinung des Herrn Geheimrat Förster als des Auskunft gebenden zuständigen Referenten der Reichsminister des Innern, als der zum Schutz der Verfassung besonders berufene Minister, es nicht nur als feine Zuständigkeit, sondern als seine Pflicht erachten, die Ausübung der Reichsgesetze durch die Landes- bchörden gemäß Artikel 14 ficherzuftellen und in Ausübung der Aufsicht der Reichsregierung gemäß Artikel 15 der Verfassung die ordnungsmäßige Durchführung des Volksbegehrens zu gewährleisten. Wir sehen daher einer sofortigen Antwort des Reichsministeriums des Innern entgegen, ob das Reichsministerium des Innern den in Bremerförde gemeldeten Verfassungsbruch billigt oder was das Reichsministerium des Innern gegen diese uns offenbar weiterhin drohenden Verfassungsbrüche von Staatsbehörden zu tun gedenkt. Im übrigen dürfen wir mitteilen, daß gegen die Schuldigen gemäß Artikel 107 des Strafgesetzbuches Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft eingereicht wird. „Seltsam und unerwartet." Pariser Kritik an den Räumnngserklärungen Maginots. Paris, 14. Oft. (WTB.) Zwei linksstehende Blätter, unb zwar das Organ der Radikalen „La Republique" und das der Sozialisten, „Le Populaire", besprechen in gleichem Sinne die gestrigen Erklärungen des Kolonialministers M a g i n 0 t über die Räumungsfrage. Beide Blätter fragen: 3st die Auslegung, die Maginot dem Räumungsversprechen vor zwei Wochen in 2ar-le-Duc und gestern wieder in Longoueville gegeben hat, die der französischen Regierung oder nicht? „Republique" schreibt: Wenn man Maginot glauben wolle, dann hätten die in Locarno getroffenen Abmachungen und der Kellogg-Pakt nur wenig Bedeutung für den Frieden. Für Maginot habe nur die Organisierung der französischen Grenze Bedeutung. Diese These sei für einen Mitarbeiter Driands — allerdings habe Maginot sich nicht nach Locarno begeben — seltsam und unerwartet. Ist diese These, so fragt das Blatt, die offizielle These der französischen Regierung geworden? — „Populaire" schreibt: Maginot versucht zu b I u f f e n. Heber die Bedingungen der vorzeitigen Rheinlandräumung gab es zwei Thesen. Die erste aus der Zeit vor der Haager Konferenz sei die P 0 i n c a r e s, wonach die Räumung von der Kommerzialisierung der geschützten Voung-Annuitäten abhängig sein solle. Der anderen Auslegung habe Briand im Haag selb st zugestimmt, und nach ihr werde der Abzug der französischen Truppen nur ab hän - gi g gemacht von der Annahme des Voung-Planes und von der Verabschiedung der Gesetze zur Anpassung der inneren deutschen Verhältnisse an den TZoung-Plan durch den Reichstag. Maginot spreche nun zwar von Bedingungen, von Erfüllungen, von Realitäten, aber er bestreite nicht in formeller Weise die Driandsche Auslegung. Was will er denn eigentlich sagen, so fragt das Blatt; will man sich an die erste Auslegung, die vor dem Haag galt, halten, oder an die zweite, die Briand doch not- wendigerweise hat annehmen müssen? Maginot hat genügend geblufft. Man will jetzt eineprä- zise Antwort. Preußens Entsorgen. Finanzminister Höpker-Aschoff zur Berwaltungsrcform. Derlin, 14.Ott. ((VDZ.) 3m Deamtenaus- schuh des Preußischen Landtages erklärte Finanz- Minister Dr.Höpker-Asch off u. a.: Aus den von der Finanzverwaltung aufgestellten Richtlinien für den Etat sind Bruchstücke in die Oeffentlichkeit gekommen und dort der- schieden gedeutet worden. 3n den Richtlinien vom 22. Mai 1929 sind die Ressorts darauf hingewiesen worden, daß auf der Einnahmenseite voraussichtlich eine Verschlechterung von 38 MillionenMark eintreten würde, und sie sind ersucht worden, mit Rücksicht hierauf ihre Anmeldungen aufs äußersteeinzuschränken. Durch ein Rundschreiben vom 13. September 1929 sind diese Richtlinien ergänzt worden, weil sich zeigte, dah die Lage in Wahrheit noch viel ungünstiger fei. 3n dem Rundschreiben wurden u. a. folgende Maßnahmen gefordert: 1. Streichung aller Ausgabevermerke, welche das Ausgabensoll erhöhen, 2. Streichung der Fondsverstärkun- gen im Extraordinarium, 3. Streichung aller Anforderungen für Reubauten, 4. Kürzung aller Dispositionsfonds um 10 Prozent. Mit besonderem Rachdruck wurde auf die drohende Erhöhung der Personalausgaben hingewiesen. Die Auswirkungen der Vesoldungserhöhung sind seinerzeit unterschätzt worden. Cs wurde daher als erstrebenswertes Ziel bezeichnet, die Personalausgaben allmählich um lOProzent zu vermindern. Dabei war nicht etwa an eine Wiederholung des Personalabbaues gedacht, sondern an eine Verbesserung der Verwaltung, die es ermöglicht hätte, freiwerdende Stellen nicht wieder zu besehen. Die Finanzverwaltung war sich außerdem darüber im klaren, daß diese Verminderung leider nur als ein sehr fernes Ziel betrachtet werden könnte. Der preußische Staat beschäftigt in runden Zahlen 200 000 Beamte, Angestellte und Arbeiter, dazu noch 110 000 Volksschullehrer. Die Verminderung derLehrpersonen wäre nur möglich, wenn die Klassenfrequenz in die Höhe gesetzt würden. Eine Verminderung der Poli- zeikräfte (rund 81000), wäre nur möglich, wenn wir die uns zugestandene Höchstzahl nicht ausnuhen würden. Eine Verminderung der in der Justizverwaltung beschäftigten Kräfte (rund 50 000) wäre nur möglich bei einer durchgreifenden 3ustizreform, die wiederum nur durch Reichsgefetze herbeigeführt werden könnte. Eine Verminderung der Personalkräfte der Steuerverwaltung (rund 10 000) wäre möglich, wenn unsere Steuergesetzgebung endlich zur Ruhe käme! Die Schwierigkeiten liegen nicht zum geringsten in der unglückseligen Aufteilung der Kompetenzen zwischen Reich und Ländern. Don den Ressorts sind sogar 2700 neueBeamtenstellenund3500Höher- gruppierungen angemeldet worden. Diese Anmeldungen sind von der Finanzverwaltung ohneAusnahmeabgelehnt worden. Es kann schon jetzt gesagt werden, daß bisher der Ausgleich im Haushaltsplan für 1930 nicht herbeigeführt werden kann. Oie Derfaffungsreform in Oesterreich. Tie Stellung Wiens. — Ter Bundesrat. Der Bundespräsident. Wien, 14.Oft (SU.) Die Verhandlungen des Bundeskanzlers über die Stellung Wiens in der neuen Verfassung stehen vor dem Abschluß. Cs ist geplant, die Stadt Wien zu einer Art reichsunmittelbaren Stadt zu gestalten. Dadurch würden sich in der Verwaltung einige bedeutende Veränderungen ergeben. So würde beispielsweise die zweite Instanz nicht wie bisher in der Person des Landeshauptmanns verkörpert sein, sondern ein vom Bund und der Stadt paritätisch Zusammengesetzter Ausschuß würde die Funktionen der zweiten Instanz ausüben. Bisher waren die erste und die zweite Instanz der Bürgermeister und der Landeshauptmann in der Person desBür- germeisters Seih vereinigt. Außerdem ist die Schaffung eines Gesetzes geplant, wonach sämtliche Städte über 20 000 Einwohner vom Obersten Rechnungshof kontrolliert werden können. Unter dieses Gesetz wird auch Wien fallen. Wesentliche Reuerungen bestehen ferner darin, daß Wien nicht mehr, wie bisher, die Bundes st euern einziehen soll, daß es zwar das Recht behalten wird, eigene Steuern auszuschreiben, dah aber nicht mehr unbe- grenzte und unkontrollierte Geldmittel in die Gemeindekasse fließen können. Minister Schumy hielt am Sonntag in Her- kendorf in Kärnten eine Rede, in der er u. a. ausführte: Der neue Bundesrat, der auch eine Art Wirtschaftskammer sein soll, wird 54 Mitglieder haben, und zwar 18 Ländervertreter und der Rest Vertreter der verschiedenen Wirtschaftskreise. Davon werden 12 Mitglieder Vertreter der Landwirtschaft, und zwar sowohl für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer, neun Vertreter von Handel, Gewerbe und Industrie, neun für die Arbeiter und Privatangestellten, drei für die öffentlichen Angestellten und drei für die freien Berufe sein. Ueber die Rechte des künftigen Bundespräsidenten teilte Schumy folgendes mit: Der Bundespräsident ernennt und entläßt die Regierung. Er kann den Rationalrat auflosen. Er hat ferner das Recht, direkt an das Volk zu appellieren und kann nach dem Verfassungsentwurf in beschränktem Umfange Rotverordnungen erlassen. China vor einem neuen Bürgerkrieg. In China scheint wieder einmal etwas los zu sein. Vorläufig aber kann man sich von dem Stand der Dinge noch kein klares Bild machen. Deutschland verfügt fast über gar keine Rachrichtenverbindungen, und was die Engländer, die Amerikaner, die Japaner oder auch die Russen berichten, sind alles Zweckmeldungen, die nicht so sehr der Wahrheit dienen, sondern in den Lesern bestimmte Vorstellungsideen erwecken sollen. Cs ist noch gar nicht so lange her, da schien die chinesische Revolution endgültig erledigt zu sein. Tschiangkaischek hatte sich an der Spitze der Regierungstruppen durchgesetzt, hatte sämtliche Gegner aus dem Felde geschlagen und auch mit dem Sohn des Marschalls Sschang ein Abkommen getroffen. Die Kuomintang beherrschte das Feld und konnte sich nun auf eine Stabilisierung der Verhältnisse einrichten. Der einzige unsichere Faktor in dieser Rechnung war der Marschall Feng, diese rätselhafte Persönlichkeit, die unter dem Spitznamen des „christlichen Generals" durch die Revolution marschiert und in ihren letzten Absichten schwer unterzubringen ist. Auch Feng hatte zunächst seinen Frieden mit der Ranking-Regierung gemacht, war sogar Kriegsminister geworden, aber so ganz zuverlässig war er wohl nicht, und Tschiangkaischek benutzte die erste Gelegenheit, wo er sich stark genug fühlte, um diesen unbequemen Rebenbuhler loszuwerden. Er setzte ihn als Kriegsminister ab, ließ ihn ächten und drohte mit der Vernichtung seines Heeres. Es schien auch so, als wenn Feng endgültig verspielt habe, jedenfalls hieß es damals allgemein, daß er sich zu einem freiwilligen Verzicht entschlossen habe, selbstverständlich gegen eine Abfindung in Höhe von einigen Goldmillionen. Er sollte auch bereits außer Landes sein und eine längere Studienreise unternehmen, die ihn auf Jahre aus der Entwicklung ausschaltete. Und nun heißt es plötzlich wieder, daß er China gar nicht verlassen hat, daß er wieder an der Spitze seiner Armee steht und seine Truppen gegen Hankau vorrücken läßt, während gleichzeitig der General S u n g, der Herr der Provinz Chansi, sich wieder meldet und mit Feng zusammengeht. Dazu sollen von Süden her unbotmäßige Generale auch gegen Ranking marschieren. Ein wahres Kesseltreiben also, das Tschiangkaischek zwingen würde, seine Abwehrtruppen gegen mehrere Fronten kämpfen zu lassen. Und ob er stark genug wäre, sich in einer solchen gefährdeten Position zu behaupten, ist zum mindesten zweifelhaft, zumal die Unzufriedenheit in seinen eigenen Reihen im Wachsen ist, da die Hoffnungen auf rasche Erfolge seiner Tätigkeit, vornehmlich in der Richtung einer Steuersenkung, sich nicht erfüllt haben. Es kann also sein, dah China nach einmal durch das Blutbad des Bürgerkrieges hindurch muh. es kann aber ebenso gut sein, daß diese ganzen Alarmmeldungen nur Phantasiegebilde sind, vielleicht entstanden aus den politischen Wirkungen des russisch-chinesischen Dahnkonfliktes. Jedenfalls ist wohl keiner der unbotmäßigen Generale imstande, seine Heere aus eigener Kraft vorzutreiben. Dazu muß w i e- der Geld von draußen gekommen sein; was beweisen würde, dah die großen Intrigen um den chinesischen Markt noch einmal begonnen haben. Oie Verschwörung gegen Oschiangkaischek. Eine offizielle Erklärung der Nankingrcgierung. Schanghai, 14. Oft. (WTB.) Die. offizielle chinesische Telegraphenagentur veröffentlicht zur Lage die Ausführungen eines Mitgliedes der Regierung, die erklärte: Die Verhaftungen aus Anlaß der versuchten Ermordung des Präsidenten Dschiangkaischek vor zwei Monaten enthüllten einen ausgedehnten Verschwör u n g s p l a n von Militarfüh- r e r n, die infolge der Verminderung ihrer Heeresstärke den Verlust ihrer Stellung und ihrer Macht befürchteten. Die Revolte sollte eingeleitet werden mit einem Vormarsch auf Hankau, den General Fengjuhsiang mit Unterstützung durch die sogenannte Eiserne Division, die oberhalb von Hankau garniso- niert ist, unternehmen sollte. Der Militärgouverneur der Provinz Aphui sollte die östliche Flanke Feng'uhsiangs decken. Gleichzeitig sollte Kan- t o n von meuternden Truppen südwestlich der Provinz Kwangsi angegriffen werden. Die Regierung begegnete den Plänen durch eine V e r - stärkung der Kantontruppcn und Verhaftung des Militärgouverneurs der Provinz Anhu:, wodurch das Vangtse-Tal als Op e r a ti onsb asis für die Regierungstruppen frei wurde, und durch Versetzung der Eisernen Division in eine nördliche Garnison. Die Division revoltierte aber und suchte, nach Süden durchbrechend, Verbindung mit den aufständischen Kwangsitruppen. Die Regierung sieht die Lage mit Ruhe und Entschlossenheit an. Unklare (Situation. Der Aufmarsch der Parteien. London, 14. Oft. (TU.-Funkspruch.) Von der drahtlosen Station in Schansi ist nach Pekinger Meldungen eine Kundgebung der im Aufstand befindlichen Generale gegen die chinesische Nationalregierung gerichtet worden, in der mit sofortigem Einmarsch in die Provinz Honan gedroht wird. Soweit diese Generale unter den Bannern von Marschall Feng und Pen kämpfen, muß angenommen werden, daß sie unter Zustimmung dieser beiden Truppenführer handeln. General Tschiangkaischek nimmt diese neue Bedrohung der Nankinger Regierung außerordentlich ernst, was deutlich daraus hervorgeht, daß eine Sondertagung des Kabinetts zusammenberufen wurde, in der eine außerordentliche Vollmacht für die Enllassung des Generals Lutsch u n g l i n, des bisherigen Kriegsministers und neuerdings Anhänger General Fengs, verfügt wurde. General Lutfchunglin wird beschuldigt, seit langem an einer Verschwörung gegen die Regierung beteiligt zu sein. Im Zusammenhang mit dem Aufstand in Norden gewinnt der Vormarsch des Geßerals T s ch a n g - fakwei in Kwangsi erhebliche Bedeutung. In maßgebenden chinesischen Kreisen wird die Ansicht vertreten, daß die neue Aufstandsbewegung in Kwangsi und in den südwestlichen Gebieten mit größter Wahrscheinlichkeit dazu führen wird, der Nankingrcgierung die Kontrolle des Landes aus er ver- Traum vom Oschingis-Chan. Von Anton Schnack. Ich sah ihn im Traum: einen geduckten fin» steren Mann mit dem Bollwerk einer knochigen Brust; dann den verrückten Kopf mit dem Bart der w.e ein roter Reaenstrich aus dem breiten und furchtbaren Kinn floh. Da war das Eisen seines Wesens, sein fressender Sturm; da war die Wucht, mit der er sein« Bahn von den Traumtoren der chinesischen Mauer bis an die weißen Wasser Polens zog. Er hatte das offene Ohr eines Tiergottes. Da-, mck horte er alles: Wind. Schneefall, das Schnau- den eines Pferdes, Geflüster, wenn es auch über hundert Hügel hinweg war, das Stampfen seiner Herren Verräterei seiner Vasallen, den Herz- schlag ferner Kinder, die Sehnsucht seiner Frauen, oen Rachechwur unterworfener Fürsten — und er handelte danach. Er hatte einen dunklen Dogen aus alter ^rvnze. die sich mit tödlicher Gewalt bog. Da- mrt schoß er der Sonne ins Auge, und sein Pfeil Düsenden Fluge nicht mehr zurück. Er hatte eine Haut aus Gold, den Schritt eines Panthers und den Blick eines Steppenvogelsscheu, lauernd und scharf. 2ch sehe sein verbranntes und schamloses Gesicht am Golf von Liautung, wo er eine laut- lose Wolke von zehntausend Falken gegen schneeweiße Reiher und wunderbare Farbenvögel stei- gen ließ. Seine Falken hatten ein silbernes Täfelchen am Bein, in dem ihr Lockname ein- geriht war. Er hatte einen zahmen Löwen, den ihm ein Scheich aus Arabien aus Freundschaft geschenkt hatte. Für seine wilden Iagdzüge hatte er abgerichtete schwarz- und weihgcstreifte Leo- parden, Luchse und Tiger. Sie hockten in kleinen Käfigen und funkelten furchtbar mit den Augen. Er hatte «inen Iägerchor von vielen tausend Mann. Die eine Schar war rot gekleidet, die andere war blau ange^gen. Unter dem Geheul von fünftausend Hunden zog sie in die Sumpfstriche der Steppen, die Walder erzitterten dun- let, d.e Passe brausten von ihrem Geschrei und das Wild erhob sich mit furchtsamen Öhren und dahiniagenden Geläufen. Dschingis-Chan saß auf dem Rücken eines Rie'enelefanten. von dem goldene und seidene Ketten herunterrieselten und chahte mit glühenden Augen und er krächzte svn- derbar wenn ein Pfeil in eine Hirschbrust flog. Ich 'ehe seine Abende, wo er sich über die Deute feiner Schlachten beugt, über die Seidm- ungemeine Silber über die bleckenden Romadenstämme der Hsia geritten, sein Pferd hatte ein goldenes Bleß, auf dem der Mondschein sich ausbreitete und unirdisch glitzerte. Er war durch die Steppen der Keraits gezogen, die mit Baumstämmen die Zelte verrammelten und Feuer in das Gras warfen, daß es mit dem Winde hinausflog bis an die Rächt der Wälder. Er hat die Rachtgebirge besessen, die Wolf- und Bärenwälder, die eisigen windigen Buldak- berge, er hat die fahlen und großen Flüsse besessen. den Shr oder Iaxartes und den Indus, den schwarten Amu oder Oxus, die schwermütige Wolga und das Salz des Aralsees. Yaks mit oen elfenbeinernen Hörnern und den Quasten aus Seide gehörten ihm zu hunderttausenden; das bronzene Gefieder der Fasanen, die Samlvfötchen des Zobel, die mächtigen Bärentatzen, die H.sche mit dem beinernen Geweih: er schnippte mit dem Finger, und Tausende von Jägern setzten sich in Trab. urem Ideal da er festsetzte, der Mann ?it Jagd und Krieg beschäftigen. Wir aber machen kleine dünne Musik aus Geigen, veilchenfarbene Worte um ein Gedicht zu schreiben, traurige Gesichter bei Konferenzen und zitternde Gespräche vor Frauen. Er ist viele tausend Male geritten; er hot drewiertel seines Lebens verritten: Rächte Rächte, Tage, ^.age, unter Mondaufgängen hin- toeg und quer durch das Sausen der Schnee- sturme. Morgens, als noch eisiges Violett aus den Gesteinen starrt«, ritt er schon die Pässe hinauf. Er hat Steppen durchfegt, deren Gras den Bauch seines Pferdes kitzelte. Er hatte Flüsse durchschwommen, m denen riesenhafte Scharen von breitmäuligen Fischen aus ihn zustiegen. Er war gegen dos Reich der Sun geritten und der Staich den die furchtbave Horde aufwirbelle. Ieincr ™ Qlter Mmm gegen'die schrei^m^äh^ I Ägame'ickbüche? stand, über die Krüge voll Reiswein, der die Glieder in Fieber brachte. Wenn er wollte, ließ er wilde Tempelgongs rühren, auf denen rötliche Götterzeichen hüpften. In seinen Kammern hatte er Haufen von grünen Iadesteinen. die mit Vögeln und Fischen verziert waren. Tausende von seidenen Jacken, die rechthaberische und Selbe Mandarine getragen hatten, schenkte er seinen Kriegern. • 3ch sehe ihn in klare Rächte reiten unter hohen Siernbögen hinweg, und der Zug seiner Horden, ist wie ein Wind. Ihre Gelichter sind großartig. Jeder hat hundert Pfeile. Ihre Säbel waren fest. Der Mond hatte ein rotes Haupt. Es war ein Schweigen in den Geschwadern. Sie kamen wie ein Meer, und die Städte versanken unter ihrem Staub. Zu oberst das klotzige Gesicht d.es Dschingis-Chan. Er fürchtete nichts. Rur wenn der Himmel von Gewittern bedeckt war, stieg er vom Pferd und alle mit ihm. Demütig legte er sich auf das Gras der Erde, wenn die Blitze durch das Gewölbe in grünen Schnüren fuhren. Dor ihm sprangen die Drachentore der Städte auf. Die Mauern bekamen Dreschen, wenn er sie mit seinem gnadenlo'en Auge anstierte. Seine Augäpfel drehten sich dabei blutrot in den Höhlen. Er liebte einen braunen Sterndeuter, der in die Geheimnisse des Himmels eingedrungen war. Dieser sagte ihm in einer Rächt, daß die Zahlen neun und dreizehn für den Dschingis-Chan untertänig und glückbringend wären. Dreizehn Monate hatte sein wildes Jahr, dreizehn große Feste lieh er feiern mit Wildbret und Wein, mit einsamen Feuern auf den Dergen, mit Komödianten und ungeheuren Jagden, mit Wirbelmusik und Frauen. Für seine Vasallen war es Gesetz, ihm neunmal neun Geschenke zu bringen. Sei es was es sei: Pferde oder Kamele Schlangenhäute oder Goldtafeln, Weinschläuche oder Haselnüsse, Pelztiere oder Salzsäcke/ Frauen oder seidene Röcke. Er stand dabei und sah großartig und leblos aus. • Das Jahr 1227 war dunkel. Der Wein roch abscheulich und hatte trübe Fäden. Die Leiber der Hand zu nehmen. Es laufen hartnäckige Gerüchte um, nach denen die Generale Feng und Pen ihr Hauptquartier in Peking aufschlagen wer- den. Auch darin wird ein Anzeichen dafür gesehen, in welch hohem Grade die Aufständischenführer Vertrauen in ihren Kampf gegen Nanking besitzen. Kleine Vorpostengefechte haben bereits begonnen. Größere Kampfhandlungen sind jedoch erst in etwa acht Tagen zu erwarten. Bei der Nanking-Negierung liegt die Zentral- leitung wiederum ausschließlich in den Händen von Dschiangkaischek, während im Lager der aufständischen Generale Pen und Feng sich in den Oberbefehl teilen. Die Aussichten, daß Dschiangkaischek sich halten kann, werden als gering angesehen, da auch für den keineswegs sicheren Fall eines Sieges der Zentralregierung die Stellung Dschiangkaischeks durchaus in der Schwebe bleibt. Die sehr rücksichtslos angewandte Zensur in allen Teilen des Landes erschwert im Augenblick einen klaren Ueberblick. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident v. Hindenburg hat an die deutschnationale Rhe'in- und Saarkundgebung in Reustadt a. d. H. folgendes Telegramm gesandt: „Haben Sie herzlichen Dank für Ihr freundliches Meingedenken. Ich erwidere Ihre Grüße mit aufrichtigem Wunsch für einen guten Verlauf Ihrer Tagung." Die letzte Ruhestätte Dr. Stresemanns ist in den letzten Tagen zu einer Wallfahrtsstätte der (Berliner geworden. Während man an den ersten Tagen der Woche durchschnittlich 50 000 Besucher zählte, die am Grabe verweilten, war gestern die Grabstätte das Ziel von über 100 000 Frauen und Männern aus allen Schichten der Bevölkerung. Vom frühen Morgen bis zum Einbruch der Dunkelheit ging ein endloser Zug am Grabe des verstorbenen Staatsmannes vorbei. Auf der Avusbahn geriet ein Privatwagen der „Dank für Arbeiter, Angestellte und Beamte" in einem Tempo von 70 Kilometer auf den Mittelstreifen, überschlug sich und begrub den Chauffeur und die beiden Insassen des Wagens unter sich. Lebensgefährlich verletzt wurde der Vorsitzende des Öli gem i en Deutschen Gewerkschastsbundes Theodor Le i - Part, während der mitfahrende Geheimrat Bachem ebenfalls schwere, doch nicht lebensgefährliche Verletzungen erLtt. Lcipart hatte den Vorsitz des 01. D. G. D., der größten deutschen Arbeitnehmerorganisation, nach dem Tode von Karl Legien vor acht Jahren übernommen. * Wie die „Deutsche Kolonialgesellschaft mitteUt, wurde der Deutsche I. M e i n e r t, Herausgeber der „Allgemeinen Zeitung" in Windhuk zum Bür- germeister von Windhuk gewählt. * Die Legung des Kabels Emden — Vigo der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft ist heute vollendet worden. Damit ist die wichtige Kabeloer- bindung, die vor dem Kriege nahezu 20 Jahre bestanden hatte, wiederhergestellt. Das Kabel wird dem Telegrammverkehr Deutschlands nebst Hinterländern mit Spanien, Portugal, den Mittelmeerländern sowie Südamerika, Afrika, Asien, Australien und Neu- Seeland dienen. Der Leitweg lautet „Emden—Vigo". Aus aller Welt. Der Bundestag des Reichsbundes der kolonialbeamlen. Auf der Mannheimer Tagung sprach Bundesdirektor E h r ma n n , Berlin, über „Das Kommunale Berufsbeamtentum". Er stellte an Hand von Zahlen fest, daß bei den Gemeinden im Gegensatz zum Staat die Angestelltenzahlen verhältnismäßig viel stärker anfteigen, so daß man zum Teil von einer Verdrängung der Berufsbeamten durch Angestellte sprechen müsse. Gegen diesen Abbau des Berufsbeamtentums forderten die Beamtenorganisationen st a a t s - rechtliche Bindungen der Gemeinden dahin, daß für dauernd notwendige Dienste bei Erfüllung öffentlicher Aufgaben Berufsbeamte-einzu- stellen seien. Grundsätzlich verlangten die Kommunalbeamten und -angestellten eine reichseinheitliche Regelung aller wesentlichen Grundlagen des Beam- tenrechts, vor allem auch gesetzliche Sicherung der Unkündbarkeit und eine ander Tiere bekamen seltsam fahle Flecken. Gegen Westen bebte die Erde. Es rauschte jeden Abend in der stahlblauen Luft. Woher dies kam, blieb allen unsichtbar. Waren es riesige Vögel, hohe, über den Wolken strömende Winde, Geister gefallener Horden? Er ließ die Sterndeuter köpfen, da ihre fahlen Beschwörungen, die sie gegen den Wind, die Wollen und die (Weite aussprachen, die Erscheinungen nicht bannten. Der Chan sah damals in dem Orte Kakzar- modon in der Mandschurei. Es wurde ihm unheimlich. Daher befahl er den Aufbruch. Aber bevor der Marsch begann, ließ er noch Tausende von Bäumen Pflanzen; denn er liebte das zarte und innige Leben des Baumes; und er glaubte, wer Bäume pflanzt, reinige sich wieder vom vergorenen Menschen- und Tierblute und würde lang und herrlich leben. Aus dem gelben Fluß, den sie entlangzogen, hupften ichwar'e F:sche mit bleichen Glotzaugen. Die Erde war an vielen Stellen gesprungen. Es st:ea Dampf heraus. Beim Untergang der Sonne zeigte sich ein Fratzengesicht im Gewölk. In der tvar Heulen. Die Farbe des Mondes wurde schwarz. Es stank nach Aas. Es war ble.erne Ruhe in der Landschaft. Ein Weihes ^'^ek 5P9 am Waldrand vorbei, aber keine Hand erhob sich zum Speerwurf. Geheimnisvolle Hände rührten eine Trommel. Der Klang war dumpf, als käme er aus den Schächten des Crdinnern. Da stach ihn das Herz, und er sank ein wenig rut.chend auf die Seite. Das Pferd ging weiter. Dschingis-Chan war im Reiten tot. Das Geschwader stieg ab. Hunderttausend Köpfe legten such mit den Stirnen auf die Steine. Es war ein furchtbares Schweigen. • Jenseits der großen chinesischen Mauer, süd- luh der Ho-Beuge, soll sein Grab liegen. Die Berge um es herum sind ganz unzugänglich und ichwarz. Und die Winde von einer sausenden Wut. Schon im frühen Herbst fällt Schnee darüber. Immer wird man große Reiher sehen, die mit pfeifenden und grausamen Schreien ihre Morgenflüge darüber machen. Ein verdorrter, versteinerter Krieger steht in der Eben« mit riesengroßem Schwert. Die Tränen seiner Augen sind Cisperlen. ■Röst .Nordoy« ^ftQgrdet Petin* SS5Ä Montaa, 14.Oktob.1°29 7" abds. i n—r FÄRBEREI BEDEUTENDSTE CHEM.REINIGUNGSWERKE IN SUDDEUTSCHLAND SZ-S-ü 'ebe b JftWfs we ‘"Ol',”^”in'9 611 Äs-ti ^übe mit S^'en. u einer^rnn!eRmann8 Ft'ÄS nL • flen bts »um ein Evkr 3UQ «n StaatSmames vvrbe? ein Privat. 7?MMe unb Ä?°n ?/'lomeler aus !«h und begrub hoÄ M" des -^^^brlichvn. •genbe d:S Al g:m i en ^buntes Theodo«: 2ei. ^'Ährende Geheimrat ^re, doch nicht leb-ns. erUL Lcchart hatte den - dri größten deutschen on, nach dem Tode von wahren übernommen. t KolonialMchast mitteilt, Reinert, Herausgeber >g" in Windhuk zum Bür- indhuk gewählt. t eis Emden-Bigo der !graphengesellschast ist heute t ist die wichtige Kabelver- lriege nahezu 20 Jahre be- lestellt. Das Kabel wird dem chlonds nebst Hinterländern den Mittelmeerländern so- Asten, Australien und Neu« ieg lautet „Smben—lßigo“. :r Welt. Mstag ja ^olonialbeamten. Tagung sprach Bundes- crlin, über „Das Kommu- ■_ Er stellte an Hand von n Gemeinden im Gegensatz telltcnzahlen verhall- e r ansteigen, so daß man erdrängung der Be- d) Angestellte sprechen bau des Lerufsbeamtentums enorganisationen staal5' aen der Gemeinden laben Berufsbeamte"elnzu. a verlangten die Kommu- llten eine reichseinheitltche en Grundlagen des Beam ch gesetzliche.S'che- nrFeit unb eine SS Es rauichte ; JfifW* -?n$Ä&bie ntcn- Orte Katzar- ''Le?nÄ Lausend- jg'feSS*-»'** • v.» entlanssM^ ch. .dnUen Slohaug-^ : mit Lungcn. 65 ,n «-.eilen "sonn- llN z 'Wndes L Der ^^innerm WS- iur w # K fätit »i- sy«s» »»* HENZE Laden in Gießen: Marktplatz 8 Fernspr.1459 -- 2495D Oer Aufmarsch zur Wahl 16. Wilhelm Arn end jun., Konditormeister 20. 3. 11. 12. 1. 2. 3. 10. 14. 17. 18. 19. 4. 5. 6. Prof. Dr. Otto Weimar, Oberstudienrat a. D. Fritz Neuling, Weißbindermeister Hausfrau Prof. Dr. August Brüning, Arzt ratsmitglied 4. Adolf Kurz, Oberingenieur, Stadtratsmitglied. 5. Albert Rahnefeld, Gastwirt, Stadtratsmitglied 6. August Balzer, Weinhändler, Stadtratsmitglied 7. Adolf Schmidt, Handelsvertreter 8. Friedrich Lenz. Schreinermeister 9. Karl Dierlamm, Pol z iverwaltungs- 2um Schutz gegen Grippe Erkältungskrankheiten, Mandelu. Halsentzündungen vberassistent Dr. Hans van Bentheim, praktischer Tierarzt Georg Wallenfels, Kaufmann Rud. A 5 d i g e r. Installationsmeister Friedrich W ö r n e r, Dampswäscherei-

I.M uiiMe tt Preis an den ,nE gelte'8*60 85 5 8517A „Ich werde Tante doch alles erzählen müssen/ sie kam nie dazu, diesen Vor 8Mil) ch 5 Mer JchreVeckner Vertrag. Aus Anlaß des vierjährigen Bestehens des deutsch-russischen Vertrages dürfte dieser Artikel über die deutsch-russischen Beziehungen aus besonders sachkundiger Feder auf besonderes Interesse stoßen. Wenn sich nun zum viertenmal wieder der Tag jährt, an dem in Moskau der deutsch-russische Vertrag geschlossen wurde, so liegt es gerade im Zusammenhang mit der vielfach aufgetretenen Kritik an den deutsch russischen Beziehungen nahe, sich die gegenwärtige Lage in dem Verhältnis zwischen beiden Staaten noch einmal in all ihren Einzelheiten vor Augen zu führen. Dabei wäre es verfehlt, der aufgetauchten Kritik die Oberhand zu lassen, zumal vor allem jene. Urteile, die aus Moskau kommen, leider allzusehr unter einer einseitigen politischen Qualifizierung leiden, die einer objektiven Betrachtungsweise wenig Raum läßt. Unverkennbar besitzen die deutsch-russischen Beziehungen heute nicht mehr den Grad der Wärme und Offenheit, der auf beiden Seiten erwünscht wäre. Wenn aber Rußland in seiner Presse, so in der „Iswestija" vom 8. September, und in der „Prawda", wo der anonyme Artikelschreiber Politikus sich in ganz besonders phantastischen und gespensterhaften Argumentationen ergeht, bereits von einem kritischen Stadium sprechen zu müssen glaubt, so dürste hierbei doch eine ollzu gefärbte Aburteilung der offensichtlichen Diskrepanz, die zwischen den de jure- und den de facto- Beziehungen besteht, erfolgt fein. Man sollte sich schon endlich einmal in Rußland daran gewöhnen, die Dinge so zu sehen, wie sie existieren. Das Prädikat „nichtsowjetistisch" oder „antisowjetistisch" dürfte seine Anwendung doch nur in einem Ressentiment begründet finden, das letzten Endes auf eigener Unsicherheit basiert. Gewiß hat die deutsche Aktivität in den letzten Monaten eine stärkere CSc ft Orientierung erfahren, ohne dabei aber, wie es der mißtrauische Kreml gern hinstellen möchte, zu einem absoluten Frontenwechsel gelangt zu sein. Die russische Kritik an der deutschen Westpolitik dürfte deshalb kaum einer objektiven Beurteilung standhalten. Die Reparationen sowohl als auch die Befreiung des Rheinlandes verlangten die stärkste Aktivität der deutschen Außenpolitik, ohne daß dabei doch von einer Abkehr von Rußland die Rede fein farm. Es wird der Sowjetregierung schwerfallen, Deutschland auch nur den geringsten Störungsversuch russischer Beziehungen mit dritten Ländern nachzuweisen. Im Gegenteil, überall hat Deutschland zum Ausdruck gebracht, wie sehr es gerade in diesen Tagen die vollzogene englisch-russische Einigung als einen weiteren Schritt zur Stabilisierung der Sowjetwirtschaft begrüßt, lind Deutschland ist dabei so gerecht, daß es den politischen Wert dieser Einigung so hoch einschätzt, daß cs den damit verbundenen Verlust einiger Rußland-Aufträge durch die englische Konkurrenz als weniger bedeutungsvoll betrachtet. Eine politische Freundschaft besteht im Leben der Völker nicht immer nur im aktiven Handeln, sondern sehr oft auch im Schweigen, was gerade im deutsch-russischen Verhältnis von so großer Bedeutung gewesen ist. Cs sind also nirgends euch nur die geringsten Ansätze eines Abschwenkens der deutschen Politik von der Rapallo- Linie zu verzeichnen, und Deutschland wird auch nicht davon abweichen, solange es nicht von feiten Rußlands dazu gezwungen wird. Russischerseits macht man allerdings Deutschland diese seine Haltung nicht leicht. So finden sich beinahe täglich schwere Vorwürfe gegen Deutschland in der Sowjetpresse, die in allem und nicht zuletzt im bekannten Händedruck des Staatssekretärs von Schubert eine Einreihung ^1350- $1750 »ei- * 2750 „Kind, das wußten wir doch! Wir dich in jenem Cafe entdeckt, eye du es ahntest. Und wärest du damals nicht so schn^l fortgegangen von dort, so hätten wir dich ßolen lassen. Oh, du Dummerchen, was ist denn dabei, daß du versucht hast, dir dein Brot selber zu Tausend Tausendkünstler. Klempner Tausend hatte zahlreiche Kollegen. — Goldmacher, die sich bei der Münze, -em Patentamt und dem Reichsfinanzministerium gemeldet haben. Oer Irrtum der modernen Alchimisten. Von Or. Zrih Eltmann. nung haben und die auch noch nicht von her Wahrheit des Spruches überzeugt sind: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt!" Diese „Erfinder" täuschen sich selbst und wollen keineswegs betrügen. Bei ihren Experimenten gibt es zwei Fehlerquellen: entweder kam in das untersuchte Material richtiges Gold hinein, oder es wurde irgendeine andere glänzende und goldähnliche Substanz gefunden. Meist entdecket diese Leute irgendwo Kupferkies, Pyrit, wunderschön gelbglänzende Kristalle, die in das Gestein einge- sprengt sind und es in Krusten überziehen. Mit unendlichen Mühen lösen die Goldfinder den Kies ab, sammeln ihn und wandern nach schlaflosen Nächten zur Münze, wo sie drei bis fünf Mark für eine Untersuchung zahlen, um dann zu ihrem Schreck zu erfahren, daß wieder nur Kupfer, Schwefel und andere Elemente, aber feine Spuren von Gold gefunden wurden. Immer wieder sprechen an diesen Stellen dieselben Leute vor, die ihre Hoffnungen nie aufgeben. Auch beim Patentamt erscheinen zwei- oder dreimal im Jahr bei dem Referenten für die Gruppe 40 Männer, die ein Verfahren für Goldmacherei zum Patent anmelden wollen. Es ist schwer und häufig unmöglich, die Methoden kennenzulernen, die zur Herstellung des künstlichen Goldes führen sollen; wenn man nämlich den Leu- Leichtathlet^'S- Hallen-TraiiM Ta""«- rUßS-k- S«*SI «L im Laboratorium bearbeiten. Es gibt übrigens nicht nur zahlreiche Goldmacher, sondern von Zeit zu Zeit melden sich auch Personen, die ein Verfahren zur Gewinnung von künstlichem Platin gesunden haben wollen. Natürlich sind auch das wieder keine Chemiker, sondern Laien, die mit Eisen Experimente anstellen, es allen möglichen Prozeduren unterwerfen und schließlich ein wunderschön glänzendes Spiegeleisen herstellen, das sie nur oberflächlich auf seine physikalischen, nicht aber auf die chemischen Eigenschaften untersuchen. Da es so prächtig wie Platin in grauer Farbe glänzt, glauben sie, dieses Edelmetall hergestellt zu haben. Statt nun zu irgendeinem Hanbelschemiker zu gehen und eine Analyse anfertigen zu lassen, eilen die tüchtigen Erfinder sofort zum Patentamt und verlangen dort, daß man durch Patentschutz die Mitwelt fortan daran hindere, auf ähnlich unsinnige Weise ihr Geld zu verschwenden. In Bayern scheint es neben Meister Tausend auch andere Goldmacher zu geben. Vor zwei ober drei Jahren wandte sich ein Bayer an das Finanzministerium in Berlin und machte dort ganz diskret die Mitteilung, daß er künstliches Gold Herstellen könne: er wolle jedoch seine große Erfindung nur zum Heil des Staates benutzen. Die Referenten des Ministeriums waren vorsichtig genug, sich in dieser Angelegenheit für unzuständig zu erklären und den Erfinder an jene staatlichen Forschungsinstitute zu verweisen, die zwar die nötigen Einrichtungen zur Überprüfung physikalischer und chemischer Vorgänge besitzen, zu denen Laien aber nun einmal kein Vertrauen haben. Man hat beim Ministerium von diesem Goldmacher nie wieder etwas gehört, und Deutschland ist also durch die Leichtfertigkeit des Finanzministeriums — im ursprünglichen Sinn des Wortes — um eine unerschöpfliche Goldquelle gekommen. Die ungeheuren Fortschritte, die in den letzten Jahrzehnten in den Naturwissenschaften gemacht wurden, legen die Frage nahe, ob überhaupt Gold aus weniger wertvollen Elementen erzeugt werden kann. Wenn man auch noch nicht ein entsprechendes Verfahren gefunden hat, so muß diese Frage dock- rein theoretisch bejaht werden. Praktisch würde die Herstellung von künstlichem Gold aber auch bann, wenn eine zweckmäßige Methode bekannt wäre, erst nutzbringend sein, wenn der Produktionsprozeß nicht teurer als die Verarbeitung goldhaltiger Materialien sein würde. Es gibt noch zahlreiche (Solblagerftätten, die nur deshalb nicht ausgenutzt werden, weil bei ihnen die Gewinnung des natürlichen Goldes zu teuer ist; im Krieg, als der Goldpreis stieg, hat man weit mehr als die doppelte Menge des gelben Metalls zutage gefördert, die etwa im Jahre 1923 produziert worden ist. Wenn man sich nun ten vorhält, baß sie bei der Anmeldung eines patentes ihr Verfahren angeben müssen, so verschanzen sie sich hinter die Ausflucht, daß sie ihre Methoden geheimzuhalten wünschen. Da sie die Preisgabe ihrer Entdeckung fürchten, kommt natürlich eine Patentanmeldung nicht in Frage. Fühlt man diesen Goldmachern bann etwas energischer auf ben Zahn, versucht man etwa, sie zu einem Experiment zu bewegen und vor dem Patentprüfer wirklich einmal eine größere Menge Gold herzustellen, so sind sie ängstlicher als Meister Taufend, verschwinden von der Bildfläche und lassen nichts mehr von sich hören. Natürlich ist es sehr gut möglich, daß mancher von ihnen im Verlauf seiner chemischen Versuche richtiges Gold zutage gefördert hat; aber bann war das Gold entweder schon im Ausgangsmate- rial enthalten, oder es wurde durch Verunreinigungen der Hilfsmaterialicn hineingebrachi. In jedem solchen Fall kann man aber nur Spuren von Gold finden, niemals mehrere Gramm, wie sie der Goldmacher Tausend vorgewiesen hat; um aus verunreinigtem Material so viel Gold auszuziehen, müßte man Waggonladungen Quecksilber ober Blei lillc . »SER S w' l6cS'" ■ ««fÄz ;frtn “oberbenoon 1^2 G.R.G- zur Herstellung von künstlichem Gold entschließen wollte, so käme vielleicht Quecksilber als Ausaangs- material in Betracht. Im Qecksilberatom kreisen 80 und im Goldatom 79 Elektronen; man müßte also ein Elektron aus dem Atom entfernen, und da die Elektronen sehr fest aneinander gekettet sind, kann man ihnen mit groben Mitteln nicht beikommen. Als Hilfsmittel kämen höchstens sehr starke elektrische oder magnetische Kräfte in Frage; deshalb versucht man z. B., am Monte Generoso durch Blitzentladungen Spannungen von mehreren Millionen Volt zu erzeugen, um Atomkerne zu zertrümmern. Den einzigen Erfolg in dieser Richtung hatte bisher Professor Rutherford, dem es gelang, mit Alphastrahlen Stickstoffgas zu zerlegen; er schoß aus dein Atomkern einen Bestandteil heraus, aber auch dabei handelte es sich um außerordentlich geringe Mengen. Man sieht daraus, daß mit einfachen Apparaturen und mit der Mischung irgendwelcher Chemikalien, wie sie der Klempner Tausend offenbar benutzt hat, nichts anzufangen ist — ganz abgesehen davon, daß auch mit hohen elektrischen Spannungen oder ähnlichen Kräften vorläufig nur Spuren von Gold erzeugt werden können. Größere Mengen können nur durch Taschenspielerei in die Retorte gelangt sein. Im Jahre 1924 glaubte Professor A. M i c t h e mit seinem Mitarbeiter ein Verfahren gefunden zu haben, um in einer Ouecksilberbogenlampc, die mit einem Strom von 170 Volt gespeist wurde, künstliches Gold Heraustellen. Auch dabei wurden freilich nur Spuren gefunden, und man berechnete damals, daß ein Kilogramm des auf diese Weise hergestellten Goldes 400 Millionen Goldmark kosten würde. Einträglich wäre die Goldmacherei also nach jenem Verfahren nicht gewesen — wenn nicht bald darauf die Gelehrten aller Länder festgestellt hätten, daß die ganze Sache auf einem Irrtum beruhte. Bei eingehender Nachprüfung zeigte sich nämlich, daß die beiden Forscher wenig sorgfältig vorgegangen waren. Das Gold, das sie vorweisen konnten, war nichi durch Zersetzung anderer Elemente entstanden; es war vielmehr schon ursprünglich in Spuren in der Apparatur vorhanden, nämlich in den Zuleitungs- clektronen, durch die der elektrische Strom in die Bogenlampe eingeführt wurde. Diese geringe Beimischung genügte, die falschen Ergebnisse hervorzurufen und die Welt monatelang in Atem zu halten. — Hätte Meister Tausend aber wirklich den „Stein der Weisen" gefunden: warum borgte er sich dann große Beträge, statt sich durch sein Verfahren selbst das nötige Betriebskapital zu verschaffen? Wirtschaft. Oie Arbeitslosigkeit. Nach den endgültigen Berichten der Landes» Arbeitsämter ist in der zweiten Septemberhälfte die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung um nicht ganz 14 000 Personen oder 1,8 v. H. g e st i e g e n. Don den am 30. September gezählten rund 750 000 älnterstützten waren 566 000 Männer und 183 000 Frauen. Auch in dem vorliegenden Berichtszeitraum beschränkte sich die Zunahme der Unter» stützten ausschließlich auf die Männer (plus 20 000), während bei den Frauen wiederum eine Abnahme zu verzeichnen war (minus 6500). Die gleiche Erscheinung ließ sich auch in der Krisen- unterstühung feststellen. Die weiblichen Hauptunterstühungsempfänger nahmen hier um rund 1 v. H. ab, während die männlichen um rund 2 v. H. anstiegen. Die Gesamtzunahme belief sich auf 1500. so daß die Zahl der Unterstützten in der Krifenunterstühung nunmehr rund 162 000 beträgt. * Aus dem Klöckner-Konzern. Die zum Klöckner-Konzern gehörenden Mannstädt- Werke haben ihre Abteilung Maschinenfabrik zum Konzern-Werk Humboldt und ihre Zementfabrik nach der Georgs-Marienhütte verlegt. Durch diese Aationalisierungsmahnahmen werden weit über 100 Arbeiter entlassen. Durch Entlassung im Eisenwarenbetrieb, die durch Beendigung der Dausaison notwendig werden, werden jetzt 130 Arbeiter betroffen. -• Entlassungen bei der Deschimag. Die Deutsche Schiff- und Maschinenbau-A.-G. (Deschimag), Bremen hat, wie WTB.-Handels- dienst erfährt, sich gezwungen gesehen, auf ihrem Werk QI.-®. Weser, Bremen einer großen Anzahl von Beamten zu kündigen. Die Zahl der gekündigten Beamten dürfte sich auf etwa 200 bis 250 belaufen. Es handelt sich um eine endgültige Maßnahme, die mit der Lage des deutschen Schiffsbaues begründet wird. Die Arbeiterzahl wurde bereits nach Olblieferung der „Bremen" von 10 000 auf 3000 Mann beschränkt. Seit einiger Zeit arbeitet das Werk nur fünf Tage in der Woche. Stadt und Land gehören zusammen Eine Aussprache über den Absatz heimischer Erzeugnisse. WSN. Da rmstadt, 14. Ott Unter der Leitung des hessischen Arbeits- und Wirtschaftsministers K o r e l l fand heute im Wirtfchaftsministerium eine Unterredung statt, in der Stadt und Land, Erzeuger, Handel und Verbraucher, zusammengeführt wurden, um den Absatz heimischer Produkte zu fördern. Es waren erschienen Vertreter der Hausfrauenorganisationen, des Einzel- und des Großhandels, der Konsumgenossenschaften, der Marktgenossenschaften, der Gastwirte, der Handels- und Handwerkskammern und des Mühlengewerbes, sowie der Präsident und der Generaldirektor der Hessischen Landwirtschaftskammer. Minister K o r e l l ging in seiner einleitenden Ansprache von der Verantwortung aus, die die Regierung der Landwirtschaft gegenüber fühle. Die propagierte Produktion ssörderung sei bereits weit vorangetrieben, während die Regelung der Verteilung noch sehr dahinter zurückbleibe. Der Minister schlug daher vor, daß sich Verbraucher und Erzeuger in aller Öffentlichkeit über ihre Sorgen und Anstände aussprechen möchten. Vonseiten der Landwirtschaftskammer wurde dann ein Bild über die Preisgestaltung dieses Jahres gegeben. Obwohl z. B. die Obsternte gut ausgefallen sei, erhalte der Erzeuger einen so niedrigen Preis, daß der Städter selbst darüber erstaunt sein müsse. Heber die Güte und Ueberlegenheit der heimischen Produkte brauche man kein Wort mehr zu verlieren. Der Preisspanne sei nachzugehen, aber gleich,zeitig müsse betont werden, daß von einer Ausschaltung des Handels nicht die Rede sein könne. Ein Vertreter der Konsumgenossenschaften schilderte darauf die Erfahrungen mit dem Absatz der heimischen Erzeugnisse, insbesondere der hessischen Markenbutter, des sog. deutschen Frischeis und eines guten Roggenbrots. Dom Einzelhandel wurde die Defiche- rung gegeben, daß man den Absatz deutscher Er- Zeugnisse gern fördern werde. Auch die Hausfrauen erklärten, biere Bestrebungen unterstützen zu wollen. Diesen Erklärungen gegenüber betonte der Präsident der Landwirtschaftskammer feinen besonderen Dank. Gerade die Gedankenlosigkeit sei im Käuferpublikum noch sehr verbreitet. Der Qualitätsmahstab müsse vom Verbraucher angelegt und anerkannt werden. Ein wesentlicher Teil der Aussprache galt dann der Frage der Herstellung eines hessischen Markenbrotes, wofür die Landwirtschaftskammer zur Herausgabe von Richtlinien angeregt wurde. Außerdem wurde für wichtig erklärt, daß es mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Vermahlungszwang der Mühlen nicht getan sei. Notwendig erscheine ein Beim ahlungs- zwang. 3n seiner Schlußbemerkung faßte Minister K o - r e l l dann die Ergebnisse der Aussprache zusammen, die eine erfreuliche Einigkeit und den geschlossenen Willen, der heimischen Wirtschaft zu helfen, gezeigt habe. Die gegebenen Anregungen würden in gemeinsamem Zusammenwirken weiter verfolgt und auch durch systematische Aufklärung in der Schule vertieft werden. Es gelte vor allem aber, in alle Kreise des Volkes hineinzutragen, was bisher auf dem Gebiete der Produktionsverbesserung in Hessen schon geleistet worden sei. Die heutige Unterredung sei nur ein Anfang gewesen, Stadt und Land zusammenzuführen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 15. Okt. Tendenz: uneinheitlich. — 3m vorbörslichen Verkehr machte sich zunächst — ausgehend vom Farben-Markt. an Dem im Zusammenhang mit der heutigen ersten amtlichen Notiz der 3.-G.-Bezüge einige Käufe vorgenommen wurden und die den Kurs bis auf 201 Prozent anziehen liehen — allgemein eine etwasfreundlichereStimmung bemerkbar. Zu Beginn der offiziellen Börse griff jedoch eine ständig wachsende älnsicherheit Platz, und die Abgabeneigung überwog. Große Verkäufe wurden namentlich am Elektromarkt beobachtet, angeblich in erster Linie für schweizer Rechnung. Ferner verstimmte auch der durch die Erklärung des Herrn Siemens deutlich gewordene Gegensatz zwischen dem AEG.- und dem Siemens- Konzem. Auf die allgemeine Tendenz von ungünstigem Einfluß war die Stockung bei den Verhandlungen mit dem Schweden-Trust, der unbefriedigende Monatsbericht der Maschinen» bauiikvustrie und nicht zuletzt der allgemeine Ordermangel. Am Elektromarkt lagen AEG.. Schuckert und Siemens bis 2,5 Prozent schwächer, Licht & Kraft 4 Proz. gedrückt, während Chade-Ak- tien auf die schwache Qtotierung des Peseta-Kurses erneut 7 Mk. nachgaben. Farben gaben gegen den vorbörslichen Kurs etwas nach, konnten aber gegen gestern noch 2 Prozent höher einsehen. 3.-G.-Bezüge wurden nach 4.15 vorbörslich mit 4 im Freiverkehr gehandelt. 3m Einklang mit Farben lagen Rheinstahl 1,25 Prozent höher. Sonst blieb das Geschäft am Montanmarkt still. Banken eröffneten bei kleinen Umsätzen etwa behauptet. Niedriger lagen Glanzstoff mit 7,75 Prozent, und Deutsche Linoleum mit minus 3 Prozent. Zellstoff Waldhof konnten 1 Prozent an» ziehen. Am variablen Markte lagen Kleyer 1,5 Prozent höher. Auch Wayh & Freitag plus 1,5 Prozent, auf die Mitteilung über guten Geschäftsgang und voraussichtlich wieder Vorjahrsdividende. Deutsche Anleihen waren behauptet. Von ausländischen Renten Türken etwas gefragter. 3m Verlaufe wurde die Stimmung, anscheinend auf Interventionen, etwas freundlicher. Nennenswerte Umsätze verzeichnete aber lediglich der Farben-Markt. an dem I.-G.-Bezugs» rechte bei lebhaftem Geschäft auf 4,85 Prozent anzogen, so daß auch die Farben-Aktie 1,25 Prozent anziehen konnte. Tagcsgeld unverändert. 8,5 Prozent. Am Devisenmarkt lag die Peseta etwas erhöht. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1915, gegen Pfund 20,41, London gegen Kabel 4,8690, gegen Paris 123,89, gegen Madrid 33,19, gegen Mailand 92,92. Berliner Börse. Berlin, 15. Okt. Nachdem bei ruhigem Geschäft der heutige Dormittagsverkehr einen noch im großen und ganzen freundlichen Grundton gezeigt hatte, war zu Beginn der offiziellen Börse bereits eine kleine Verschlechterung der Stimmung festzustellen. Diese war aber weniger auf allgemeine Momente (Maschinenbaubericht für September, mit weiterem Nachlassen des Auftragseinganges und Beschäftigungsgrades, langsam steigende Arbeitslosigkeit, unregelmäßiges Neuyork, oder innerpolitische Lage usw.) zurückzuführen, als auf einen plötzlichen Rückgang der Karstadt-Aktie und einiger anderer Spezialpapiere. Die Kursentwicklung wurde dadurch im allgemeinen uneinheitlich, und Kursgewinnen bis zu 2,5 v. H. standen Abschwächungen in gleichem Ausmaß gegenüber. Etwas lebhafter ging es, angeblich auf Auslandinter- effe, am Farbenmarkt zu, an dem außerdem die heutige erste Bezugsrechtnotiz anregte. Das Dementi einer Kapitalerhöhung bei Chade hatte bei diesem Papier einen Kursrückgang von 9 Mk. zur Folge. Auch Svenska lagen trotz Berücksichtigung des Di- oidendeabschlages von 5,60 Mk. auffallend schwach. Das Hauptgeschäftsthema war aber eine Veröffentlichung der heutigen Fachpresse über den Grund zur Verzögerung der Zulassung der jungen Karstadt-Aktien. Man wollte von einem angespannten Status wissen und schätzt die kurzfristigen Verbindlichkeiten der Gesellschaft auf fast 150 Millionen Mark. Darauf erschienen Karstadt-Aktien mit Minus- Minus-Zeichen und notierten 8 v. H. niedriger. Sonst fielen noch BMW. durch schwache Haltung auf. Deutsche Anleihen behauptet. Ausländer geschäftslos. Pfandbriefmarkt still. Der Geldmarkt war zum Medio steifer. Tagesgeld 8,10, Monatsgeld 9,25 bis 10,5 o. $)., Warenwechsel zirka 7,75 v. H. Von der schwachen Haltung der bereits gemeldeten Spezialwerte ausgehend, zeigten die Kurse im Verlaufe allgemein eher rückgängige Bewegung,. Es wird versucht werden, für die Aku-Aktie (Allgemeine Kunst- seiden-Umie) eine erste Notiz per Kasse zustande zu bringen. Kunstseidenwerte verloren im Verlaufe zirka 3,5 v. H., Polyphon 4 v. H., Svenska 3 Mk., BMW. zirka 2,75 v. H. Später konnte man auf diesem ermäßigten Niveau leichte Jnteroentionstätig- keit der Banken feststellen, die auch vereinzelt Erholungen zur Folge hatte. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 15. Okt. Auftrieb: 1728 Rinder (darunter 355 Ochsen, 91 Bullen, 672 Kühe, 516 Färsen), 413 Kälber, 104 Schafe, 4643 Schweine. Es wurden notiert: Rinder (Ochsen): vollfleischige, auZgemästete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 57 bis 60 Mk., (ältere) 53 bis 56; sonstige vollfleischige (jüngere) 48 bis 52; (Bullen): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 54 bis 57; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 48 bis 53; (Kühe): jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 46 bis 49; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 42 bis 45; fleischige 37 bis 41; gering genährte 30 bis 36; (Färsen — Kalbinnen, 3ungrinder —): vollfleischige, auZgemästete, höchsten Schlachtwerts 57 bis 60; vollfleischige 53 bis 56; fleischige 48 bis 52. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 79 bis 82; mittlere Mast- und Saugkälber 74 bis 78; geringe Kälber 68 bis 73. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 88 bis 90; vollfleischige Schweine von etwa 160 bis 300 Pfund 88 bis 91; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund 84 bis 88 Mk. — Marktverkauf: Rinder ruhig, Lleberstand. Kälber und Schafe mäßig-rege, ausverkauft. Schweine rege, ausverkauft. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Viehhofanlage in Gießen. Dor einiger Zeit las ich in 3hrer Zeitung ein Eingesandt des Herrn Stern, Gießen, über die Viehhofangelegenheit, und die Ant.wort der Stadt Gießen. Die Gründe der Stadt Gießen begreifend, womit die Verzögerung dieses Baues als unumgänglich dargelegt wird, möchte ich aber im 3nteresse des Diehhandels und der Volkswirtschaft darauf aufmerksam machen, daß ein Wirtschaflsgebilde wie der Gießener Markt mit einem regelmäßigen Auftrieb von weit über 1000 Tieren nicht mehr unter freiem Himmel abgehalten werden kann. Der an sich kapitalschwache Viehhandel hat an den Gefahren deS Markthandels und an den Konjunkturen desselben ohnehin genug zu leiden. Er kann es sich nicht leisten, die Gesundheit seiner Tiere auch noch den Gefahren der winterlichen Witterung auszusetzen. Es kann dem Viehhändler auch nicht zugemutet werden, daß er seine eigene Gesundheit dadurch gefährdet, daß er sich stundenlang in Wind und Wetter hinstellt. Aber auch die in ihrem Dermögensstand geschwächte Volkswirtschaft kann es sich nicht leisten, derartig immense Werte diesen Gefahren monatelang auszusetzen. Wenn auch für dieses 3ahr keine Qlenberungi mehr möglich sein wird, so möchte ich allen berufenen Stellen doch ans Herz legen, raschestens ans Werk zu gehen. Staat und Stadt haben eine moralische Verpflichtung, daß sie ihrem Kinde, das sie mit Hilfe des Diehhandels großgezogen haben, nun auch baldigst für die notwendige Unterkunft sorgen. S. St. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 8. Okt. In einem Dorf der Umgegend hatten eines Sonntags junge Burschen aus einem benachbarten Orte stark gezecht. Auf dem Heimweg begegnete ihnen in dem Dorf der Wachtmeister, den sie aber wegen der Dunkelheit, nicht erkannt haben wollen. Sie fielen über ihn her, warfen ihn zu Boden und schlugen bann gemeinsck-aft- lich auf ihn ohne jede Veranlassung ein, so daß er einige Zeit bewußtlos liegen blieb. Der nämliche Vorgang spielte sich später am Ausgang des Dorfes nochmals ab. Der Wachtmeister konnte nicht feststellen, wer die Angreifer waren. Auch die beiden einzigen Tatzeugen, die ihm zur Hilfe eilten, erkannten nur zwei von ihnen. Diese beiden wurden auch von einem Mitangeklagten, der seinerseits unumwunden zugab, mit den andern dreingeschlagen zu haben, als Täter bezeichnet. Das Gericht hatte keinen Anlaß, dem Mitangeklagten keinen Glauben zu schenken, zumal seine Angaben durch die beiden Tatzeugen unterstützt wurden. Während bezüglich des einen dieser Angeklagten, der erst 16 Jahre alt war, das Gericht sich für unzuständig erklären und die Sache insoweit an das Jugendgericht verweisen mußte, erhielt der andere wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung zwei Wochen und der geständige Mitangeklagte 10 Tage Gefängnis. Die übrigen Angeklagten wurden trotz erheblicher Verdachtsgründe wegen mangelnden Beweises freigesprochen. Ein Fuhrmann und sein Knecht wurden aus Nachbarhäusern beobachtet, als sie die vor einem stark beladenen Wagen gespannten Pferde, weil sie infolge eines Hindernisses nicht weiter vorwärts gehen wollten, roh mißhandelten. Die Anforderungen, die sie an die Zugkraft der Pferde stellten, waren offensichtlich viel zu hoch. Beide erhielten im Strafbefehlsverfahren ansehnliche Geldstrafen. Der Fuhrmann zahlle, der Knecht erhob Einspruch. Heute stellte sich heraus, daß ersterer der treibende Teil war und der Knecht ganz unter dem Einfluß seines Dienstherrn stand, dem zu Gefallen glaubte er so handeln zu müssen. Das änderte aber an der Tiermißhandlung nichts. Doch setzte das Gericht die Strafe um die Hälfte herab. 108,25 106 75 114 118 117,13 117 16 ’/. 174 Banknoten. 198,65 199,75 287 287,5 290 289,5 8,5 7 1 22,5 19,5 69.5 108 162 162 156 5 6 216 110 136 142 69,25 108 69 75,9 121,5 <7, . 7 . 8 10 . 8 10 10 12 11 1- 10 10 10 . 8 12 109,75 118,5 105,25 128,5 108 135 135,5 141 122,5 68 78 2 7,65 105,75 114 227,5 366,25 198 1< 15 156,5 110 123,75 124 199,5 174 262,75 162 162 156 157 109,75 123,75 124,25 197,5 174 262,75 162 162 156 98,9 107,75 264 115 114,75 112,75 67,75 223 228,75 367,25 200,5 109,75 123,25 124 199 173,5 262,5 162,5 162,25 156 135,75 142 124,25 216 110,25 119,5 106,25 128,5 73,25 98,75 108,13 264,25 112,75 113,75 i 13 68 . 8 . 0 67, lu 68,6 75,5 122 7,45 7,65 7,2 14,4 7,6 7,65 2 7,7 2,05 7,5 Ifc . 6 . B . 6 . 6 8 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. ^-elegraphische Auszahlung. 27,4 2,9 2 22,4 19,9 Buderus....... Deutsche Erd dl .... dienet Steinkohle . . . Geilenkirchener .... Harpener....... Hoesch Eilen. ..... Ille Bergbau..... Rlödnerroerfe..... KSin-Neuesteit. .... Mannesmann..... Manfiseider...... Lbersch'es. Eilend. Bedarf Oberschlei. ftotfiroerfe. . Phönix Bergbau.... flibclnlidje Braunkohlen. Rneinstahl...... Riebeck Montan .... Vereinigte Stahlw. . . Olavi Minen..... Kal« Alcher-lebea . . . Kali Westeregeln.... Ralttoed Salzdetfurth . I ® Farben-Industrie. Dynamit Wobei .... Echeideau statt..... Goidlchmto« ..... Rütgerswecte ..... Metallgeielll chatt. . . . . 7 67, 10 7,4 7,5 7,25 14,35 4% Schweiz. Bundefib.-Anl.. . . 4% Lesierreichilche ®olbrte.. . . 4,20% Oesterr. Silberne..... 4% Oesterreich, eintzeitl. Rte. . 4% Ungarijche Goldrte...... 4% Unganfdie Staatfir. v. 1910 . 4V,% deügl. von 191»..... 4% Ungarilche kronenNe.. . . 4% Türk, Zolianteihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl.. Serie l........... 4% befiel. Serie 11...... 4% Ohiurinen convert. Rte. . . . <7i% Rumänen ÖolbanL von 191:' 68 76 121 Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7.5 Proze Lllg. Deutsche Estenbahn . Hamburg-Amerika Paket . Lamb.-Sützam. Dampssch. Hansa Dampfschiff .... Rorddeuticher Lloyd . . . 8111g. Deutsche Eredilanst. . Barmer Bankverein . . . Berliner Handeifigelellsch. . Evmnierz- und Prtvat-Bant Darmst. u. Nalionalbauk . Deutsche Bank..... Difikonlo-Gelelllchaft Aut.. Dresdner Baut..... Metallh« I...... • ReichMmk....... Frankfurt a M. Berlin Schlub« Kurfi 1-Ubr Kurs Schluß.! Kurs Anfang- Kurs Datum 14.1 . 15 10. 14-1 >. 15.10. b% Dt. Reichfianleche v. 1927 . Dl. Anl.-Miöl.-Schuld mit Aufi- 87,5 — 87,5 — Io|.-Rech>en........ 50,55 50,55 50,75 50,75 Defigl. ohne Aufilol.-Rechte . . . 7% Frankl Hyv -Bl. Goidpf. un- 9,9 9,75 9,8 9,8 Ifintbar bis 1932..... 85,5 _ 4y,% Rheinilche Hyp^Bank Liqu ■ Golvpj............ 76,2 - — MM» A.E.G. aba. BorkriegS-Obligation. rückzahlbar 1932..... 88 -- — — Rranlfurt a M. Berlin Schlub- Kurs t-Uhr Kurs Schluß- Kurs Anfang- Kurs Datum 14-10. 15.*10. 14.10. 15-10. A.E.G........... 183 187,5 182,65 183,25 9 211 — 210,9 Elektr. Lieferungen..... lu 169 — 170 170 Licht und Kraft...... 10 185 — 184 181,5 Reiten 4 Guilleaume.... 17, 125 _— 127,4 Ges. f. Elektr. Untern.. . . . 10 182 _ 180 179 Hamb. Elektr. Werke .... 10 - — 132,5 Rhein. Elektr...... . . 9 146 — 145,5 145,5 Schief. Elektr........ 10 — — 172,5 173,5 Schuckert....... . 11 205,5 204,5 205,25 205,4 Siemens & Halske..... 16 351,5 349 352,25 351,5 Tranfiradto........ . v — 135 13 Lahsreyec 4$o....... 10 172,5 — 172,75 Frankfurt a M. Berlin Schlub» Kurs l-Uhr Kurs Schlub» Kurs Anfang. Kurs Datum 14.10. 15.10. 14.10. 15.10. Phutpp Hoizmann . . • • . - ' 91,75 — 91,65 — Heidelberger Ee ment . Gement Karlstadt . . • • . 10 . 10 124 •— T _ Wayb & Freitag - - - . . 8 88 89,5 89 — Schultheis Patzenhofer . 16 — — 285.5 286,5 Ostwerte...... . 12 — — 220,25 221,5 Bei. Glanzstoff . . . . 18 — 269 275 274,5 Bemberg...... 14 227 227 225,5 — Zellstoff Waldhof . . • • 13 7, 219 220 219,75 221,5 Zellstoff Aschaffenburg Eharlottenburger Waste ,2 143,5 — 143,5 —— . . 8 — — 96,5 — Destauer ®ao .... . . 6 — — 181,25 181 Daimler Motoren . . . . V 37 — 37,75 37,5 Deutiche Mafchtnen-Fabrit . . 1 — —— 48,5 Adlerwerte Klever . - • • . . 0 —- 38,5 38,4 — Ludw.Loewe .... - - . IC — — — 177 Not. Automobil . . . . . 0 — — 21,5 21,5 Orenstein » stoppel . . . 6 — — 78 77,5 Leonhard Tiey - . . . e . 10 — — 184 181 Bamag-Meguin . . . Franks. Maschinen . . . . 0 — — — — e • . . 4 46,5 — 46 — Grivner...... . . 6 48 — 48 — Heyligenstaedt . . . • . 0 5,5 — — — 49,5 — 49,75 — Lechwerke. . . . . . . 8 105,5 — — — Main traf twerto . . . e • . . 8 — — — — M>ag........ . 10 125 — 123,5 124 9tefariulmet . . . . . . L — — Peter» Union . . . . -. 8 — — _ — Gebr. Roeder . . . . . 10 106 — — — Botgl & Haeffne» . . . . 9 222 _ 222 __ Sildd. Zucker .... • • . 10 152 152,5 152,5 — Berlin, 14. Oktober Geld Brief französische Noten..... Holländische Noten ...... 16,42 16,48 168,11 168,79 Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr,5100 Kronen 21,93 22,01 111,75 112,19 58,70 58,94 Rumänische Noten...... 2,471 2.497 Schwedische Noten ...... 112,17 112,61 Schweizer Noten....... 80,74 81,06 Spanische Noten...... . Tschechoilowakische Noten . . Ungarische Noten ... 58,88 12,345 72,85 59,12 12,405 73,15 14. Oktober 15. Oktober Amtliche Notierung Amtliche Notierung iseiD Briet Geld Brief Ämst.'Rott- 168,46 168,80 168.48 168,82 Buen.>AireS 1,759 1,763 1,757 1,761 Brss.-Antw 58,425 58,445 58,435 58,555 Christiania. Kopenhagen 111,91 112,13 111,93 112,15 111,95 112,17 111,95 112,17 Stockholm . Helsingfors. Italien. . . London. . . 112,35 112,57 112,35 112,57 10,52 21,93 10,54 21,97 10,517 21,92 10,537 21,96 20,383 20,423 20,38 20,42 Neuvork . . 4,1880 4,1960 4,1865 4,1945 Paris.... Schweiz .. 16,44 16,48 16,445 16,485 80.97 81,13 58,86 80,965 81,125 Spanten. . 58,74 59,82 59,94 Japan . . . Nio de Ian. 2,001 0,498 2,005 0,500 1,998 0,438 2,002 0,500 Wien In D-- Ceft abgest. 58,85 58,97 58,83 58,95 Prag . . . . Belgrad . . 12,394 12,414 12,388 12,408 7,393 7,407 7,391 7,405 Budapest. . 73,07 73,21 73,07 73.21 Bulgarien . 3,032 3,038 3,030 3,036 Lissabon 18,78 18,82 18,82 18,86 Danzig. . . Konstantin. 81,44 1,995 5,435 81,60 1,999 81,45 1,994 81,61 1,998 Athen. . . 5,445 5,435 5,445 Canada 4,141 4,149 4,141 4,149 Uruguay. . 4,096 4,104 4,096 4,104 Cairo . . • 20,905 20,945 20,903 20,945 Berlin. 14. Oktober Geld «rief Amerikanische Noten ..... Belgische Noten ....... Dänische Noten ........ Englische Note»........ 4,169 58,32 111,75 20,355 4,189 58,56 112,19 20,435 '-sLK; Sö L eltDQ Ifin Lblj90; ‘ LWne fonbf. ta fe®!*™ M 7". ^«»tluren bX Ä.fc t»n« ei M £ Tiere : ??hhaMer auch M t ät ®?nbtft8 in reut, W auch bie 'm ,$** D«l!-i-iü. Mten, derartig immenfe monatelang aaszuletzen. ’ 2ahr keine Aenderrma >. io möchte ich allen be« Herz legen, raschestenS Staat und Stadt haben TOsie ihrem !e des Diehhandels groß, uch baldigst für die not« rgen. S.St. * «■%*• ‘f™ Sieben. cht Gießen. 3n einem Dors der Um- nntags junge Burschen aus -te stark gezecht. Aus dein en in dem Dorf der Wacht- vegen der Dunkelheit, nicht iie fielen über ihn her, war- schlugen dann gemeinfchast- Veranlassung ein, fo daß er liegen blieb. Der nämliche iter am Ausgang des Dor- Wachtmeister konnte nicht eifer waren. Auch die beiden ihm zur Hilfe eilten, er- fjnen. Liefe beiden wurden 'Magien, bet feiner/eils un- en andern breingefdfagen ichnet. Das Gericht hätte ngetlagten leinen Müden Angaben durch die beiden mrden. Während bezüglich igten, der erst 16 Jahre all it unzuständig erklären und das Jugendgericht verwesten ere megen gemeinschaftlicher t Wochen und der gestan- Tage Gefängnis. Die ourden trotz erheblicher Der- nangelnden Beweises steige- d fein Knecht wurden aus L aß sie die vor cmem gespannten Pferde, west sm stles nicht weiter vorwärts handelten. Die Anfo^run- ugkraft der Pferde zu hoch. Beide erhalten.m niebnliche Geldftrafen. D r «chi erhob EinlpM^ Gericht die herab. inkfurt a- btr 0,965 59,8 1,998 0,438 58,88 12-34 72,85 58,83 ft oMt. *■1 «do 58,445 112, 112, 112, 1O,M 21,9? 81-13 58,86 2,005 0,50» Turnen, Sport und Spiel. Deutsches Geräteturnen. Mil vollem Recht ist in den letzten Jahrzehnten eine stärkere Betonung des Freilicht- und Frei- luftturncns gefordert worden, und die stets mit Rachdruck betonten Bemühungen, die leibliche Erziehung aus der engen Halle nach Möglichkeit ins Freie, in Licht und Luft und Sonne zu verlegen, hatten überall vollen Erfolg. Die Turner-- schaft hat es auch in dieser Hinsicht in ihrem Turnbetrieb nicht fehlen lassen und ist gerne mit der neuzeitlichen Anschauung gegangen. Wenn man nun in diesen Bestrebungen, neue Wege zu bahnen, da und dort manchmal über das Ziel hinausschoh, so ist auch das verständlich, weil es eben menschlich ist. Man hat sich in dem Heberschwung der neueren, in vieler Hinsicht voll berechtigten Richtung doch in manchen Punkten etwas verstiegen. Hnö dazu gehört auch die ursprünglich von mancher Seite betonte gänzliche Ablehnung des Geräteturnens. Aber inzwischen hat sich bei allen unbefangen Urteilen» den längst wieder die Heberzeugung durchgerungen, daß das Turnen am Gerät für die Körperbildung, mehr noch für die Schulung des Willens, der Geistesgegenwart und der Geschicklichkeit ein unbedingt zu beachtender, nicht zu umgehender Faktor ist. Diesen Standpunkt bezeugt auch die Ausnahme des Geräteturnens in den Hebungs- betrieb des Sports. Das deutsche Geräteturnen ist der eigentliche Kern des Jahnschen Turnens, ist mit die wertvollste Erbschaft des Altmeisters. Die praktischen Lebensbedürfnisse des modernen Menschen haben darauf geführt, die Hebungen des Steigens, des Hängens und Stützens zu pflegen und weiter auszubilden. Hnö die reine Lust und Freude am Können, an der freien, völligen Beherrschung des Leibes in allen Lagen und Stellungen haben diese Hebungen zu einer Vollkommenheit entwickelt, die heute im Gipfel- turnen der Besten jedem Zuschauer berechtigtes Staunen abnötigt. Wer einen solchen Meister des Geräteturnens z. B. am Sonntag in seinen kunstvollen Bewegungen beobachtete, muß sich sagen, dah diese Hebungen ein ökonomisches und ästhetisches Meisterwerk sind, daß in ihnen trotz ihrer in reichstem Maße vorhandenen Schwierigkeiten die Schönheit des Leibes, der Rhythmus und die Linienführung nicht die geringste Einbuße erleiden. Freilich ist die Gerätekunst in höchster Vollendung, diese „Poesie des Leibes", nicht jedermanns Sache. Hur zähe, jahrelange Hebung, auherordentli.< Willenskraft und nie erlahmender Eifer, verwunden mit guter Veranlagung, führen zur obersten Stufe. Aber ein gewisses, ja ziemlich hohes Maß von Können läßt sich bei gewissenhafter Regelmäßigkeit von den meisten erreichen. Das eine aber gilt immer: „Die Gerätekunst fordert unendlich viel, ehe sie sparsam gibt.“ Daß unsere deutsche Jugend allen ausgetüftel- ten und ausgeklügelten hygienischen und theoretisch-physiologischen Bedenken zum Trotz zu Tausenden alljährlich immer wieder zum Geräteturnen eilt und Lust und Freude dabei empfindet, und daß Hunderttausende die Reigung und Lust zu dieser schönen Art der Leibesübungen bis ins späte Alter mit hinübernehmen, spricht in erfreulicher Weise für dos Geräteturnen als einer unversiegbaren Quelle der Dewegungs- freude. Diese Bewegungsfreude und der bunte Wechsel der reizvollen Hebungsformrn begeistern stetig zu neuer Tatkraft, so daß wir im Geräteturnen eine bis heute unerreichte Hochschule der Rerven- und Muskelzucht, der Schulung der Geistesgegenwart besitzen. Das Geräteturnen ist das große Hebungsfeld der Willensentschlüsse, die — wie der verstorbene Oberturnwart Max Schwarze, der feinste ©inner der Turnerschaft, sagt — in den Zusammenhängen des leiblich-seelischen Lebens jene hervorragenden menschlichen Eigenschaften sichern, die wir Ausdauer und Zähigkeit, Selbstvertrauen, Entschlossenheit, Herzhaftigkeit und Wagemut nennen. Dazu kommt noch, dah das Geräteturnen eine Schöpfung deutschen Dolksgeistes ist und ein Stück deutscher Dolkskultur, deutsch im Hrsprung, deutsch in der Empfindung und Benennung, ein Vermächtnis also, für das wir unfern Vätern dankbar fein und das wir pflegen und hüten wollen als ein gleichberechtigtes Glied neben den anderen wertvollen Zweigen deutscher Leibesübung. Gießen und die engere und weitere Hingebung hatten am Sonntag Gelegenheit, deutsches Geräteturnen, dargeboten von Meistern des Faches, in reicher Vollendung zu fehen. Der Deutschen Turnerschaft gebührt Anerkennung, daß sie eine so bedeutsame Veranstaltung nach Gießen gebracht hat. In erster Linie muß diese dankbare Anerkennung dem verdienten Gauoberturnwart unseres Heimatgaues Hessen, Wilhelm Will ausgesprochen werden, der die Anregung zu dem großen Treffen dreier Gaue gab und auch um die Vorbereitungen sich ganz besonders bemüht hat. V. f. B. Etwas mehr als 1300 Zuschauer, eine für Gießener Verhältnisse außerordentlich große Zahl, hatten sich am Sonntag auf dem Waldsportplatz ein- gefunden, um Zeuge des in der Vorschau als Fuß- ö. Rachdem die Leichtathletik mit dem Einzug des Herbstes die Herrschaft an Fuß- und Handball abgeben mußte, erscheint es angebracht, einmal rückblickend auf das zu schauen, was die verflossene Saison gebracht hat. Da ist zunächst von einem wichtigen Schritt der Leitung der Spielvereinigung 1900 im Frühjahr dieses Jahres zu berichten, der in der Errichtung einer Frauenabteilung bestand. Wenn anfangs vielleicht Bedenken über die Rotwendigknt dieser Reugründung vorhanden waren, fo dürften diese jetzt durch die allgemeine Geltung, die sich der deutsche Frauensport verschafft, und die ausgezeichnete Entwicklung der jungen Abteilung zerstreut worden sein. Es «kann nun gleich zur Aufzeichnung der Entwicklungskurve der Leichtathletik- und Frauenabteilung der Spiclvereinigung 1900 übergegangen werden. Hier ergibt sich ein außerordentlich erfreuliches Bild. Am meisten sticht die Zahl der errungenen Erfolge, nämlich 277 — ein Stand, der bislang noch nicht erreicht war — in die Augen. Darunter sind 94 erste, 108 zweite und 75 dritte Plätze! Besucht wurden insgesamt 24 Wettkämpfe. Die 1900er hielten deren fünf (Anfänger und Erstlingswettkämpfe, VIII. Rationale Wettkämpfe, Jugendllub'.ämpfe gegen Sportfreunde Siegen und V. f. L. Wetzlar sowie die Dereinsmeisterschasten) ab und bewiesen dadurch, daß sie auch in diesem Jahre wieder einer der ersten Leichtathletikpioniere des Bezirks Hessen-Hannover waren. Besondere Erwähnung verdienen die Rationalen Wettkämpfe, die auf Grund ihrer erstklassigen Besetzung und einwandfreien Durchführung in die vordere Reihe der in dieser Saison im Reich durchgeführten nationalen Veranstaltungen gerückt sein dürften. In diesem Zusammenhang darf nicht unbetont bleiben, wie schwer es bei den derzeitig herrschenden wirtschaftlichen Verhältnissen einerseits und der stetig zunehmenden Leistungssteigerung innerhalb der D. S. B.-Vereine anderseits ist, eine Abteilung schlagkräftig zu erhalten und mit ihr vor allem eineErfolgsserie zu erringen,toie sie diel900er auszuweiien haben. Dah dieses Ziel erreicht werden konnte, ist neben der verständnisvollen Förderung und Hnterstühung durch die Dereins- Icitung vor allem der tatkräftigen Arbeit der Herren Richtberg (Abteilungsleitung) und W. Schmidt (Trainingsleitung) zu verdanken. In erster Linie galt es — und das wird auch in Zukunft fo sein — Arbeit in die Breite zu leisten. Die oben bereits genannte Zahl der Erfolge und die nachstehende Aufstellung der eifrigsten Wettkämpfer legen Zeugnis davon ab, daß dieser Grundsatz befolgt worden ist. Das schließt aber nicht aus, die Spihenleute auch entsprechend zu fördern. Durch die in der vergangenen Saison vom Westdeutschen Spielverband erstmalig angeordnete Leistungsklasseneinteilung ist es nun ballgroßkampf bezeichneten Treffens der V. f. B. - Liga gegen „Germania" Marburg zu sein. Der gebotene Sport stand über dem gewöhnlichen Niveau. Es liegt in der Natur der Punktspiele, daß sie meist das, was Gesellschaftsspiele an technischen Feinheiten und systemvoller Kombination bieten, bis zu einem gewissen Grad vermissen lassen. Wenn das in diesem Treffen zum Teil der Fall war, so wurde man dafür durch den von Anfang bis zum Schlußpfiff außerordentlich spannenden Verlauf und den raschen Wechsel der Situationen vollauf entschädigt. Immerhin waren auch die beiderseits gezeigten technischen Leistungen im Durchschnitt nicht einmal schlecht zu nennen; zeitweise waren sie sogar recht gut. Es war ein Kampf zweier völlig gleichwertiger Gegner, der wirklich begeistern konnte. Daß er in Anbetracht der Bedeutung des Ausgangs von beiden Mannschaften unter äußerster Energieentfaltung und Einsatz der ganzen Körperkraft durchgeführt wurde, ist natürlich und ergab eine einzige Reihe von prächtigen Kampfbildern, deren sportlicher Reiz durch keinerlei Unfairnisse ober dergleichen gestört wurde. Für den Platzverein war ein Leichtes, auf Grund der Jahresergebnisse die Einteilung der Leute vorzunehmen. Die Spielvereinigung 1900 kann sich glücklich preisen, in sieben Disziplinen der Leistungsklasse I, deren untere Grenze bei den folgenden Angaben durch die eingeklammerte Zahl angegeben ist, bereits vertreten zu sein, nämlich im Kugelstoßen (12 Meter) durch Emil Schäfer mit 13,50 Meter, im Diskuswerfen (37 Meter) durch denselben mit 37,01 Meter, im 800-Meter-Lauf (2:04 M.). durch Hans Peters mit 2:01,8 M., im 1500-Meter- Lauf (4:24 M.) durch denselben mit 4:17,6 M., im 5000-Mcter-Lauf (16:40) M.) durch R. Paul mit 16:34,8 M., im Hochsprung (1,65 Meter) durch Th. Hopfenmüller mit 1,68 Meter, im Speerwerfen (47 Meter) durch E. G u y o t mit 48,55 Meter, O. Klös mit 48,10 Meter, Th. Hopfen- müder mit 48 Meter und K. L a n g l o tz mit 47,35 Meter. Also vier Speerwerfer in Klasse I, eine der erfreulichsten Ueberraschungen der ganzen Saison. Run noch eine kurze Rangordnung der Wettkämpfer und Wettkämpferinnen, wie sie sich auf Grund der erzielten Einzel- und Staffelerfolge ergibt (nach Punkten gewertet): Aktive: 1. E. Guyot 78 P.; 2. Th. Hopfenmüller 70 P.; 3. W. Seipp 56 P.; 4. R. Bepper- ling 50 P.; 5. R. Geist 42 P.; 6. G. Paters 33 P.; 7. W.Tönges 23 P.; 8. E. Schäfer 21 P.; 9. W. Knigge 19 P.; 10. R. Paul 17 P. Frauen: 1. Frl. Rickel 15 P.; 2. Frl. M. Lösch 13 P.; 3. Frl. P. Richtberg 12 P.; 4. Frl. Derzbach 10 P.; 5. Frl. Volk 8 P.; 6. Frl. Weiershäuser 7 P.; 7. Frl. Deling 5 P.; 8. Frl. Langhammer 5 P.; 9. Frl. Andreä 5 P.; 10. Frl. Braun 3 P. Von einer entsprechenden Aufstellung für die Jugendlichen ist Abstand genommen worden, da gerade hier die Allgemeinausbildung derWettkampf- betätigung vorzugehen hat. Zur Ehre der 1900er Jugendabteilung kann jedoch gesagt werden, daß auch hier derselbe gesunde Sportgeist und Aufschwung wie in der übrigen Leichtathletik des Vereins herrscht. Daß sich die Spielvereinigung 1900 um ihren Rachwuchs nicht zu bangen braucht, beweist das günstige Abschneiden bei den Gaujugendwettkämpfen. Hier rangierten die Spielvereinigungsjungens in der Gesämtwertung sowohl in Äl. A (Jahrgänge 1911/12), als auch in der L-Klasse (Jahrgänge 1913/14) klar an erster Stelle. Das Vorhandensein einiger Spitzenkönner ist ferner eine erfreuliche Tatsache, denn Leistungen wie 14,39 Meter im Kugelstoßen Kl. A, 3,10 Meter Stabhoch Kl. A, 4:43,5 M. 1500-Meter-Lauf Kl. A. 5,65 Meter Weitsprung Kl. 6, 12 Sek. 100-Meter-Lauf Kl. B, 45,90 Meter Speer Kl. B, 69 Meter Dallweit Kl. C, 2.26 Meter Standweitsprung Kl. O und 60,20 Meter Dallweit Kl. D sind keine Alltäglichkeiten. Leichtathletik Der Gp.-Vg. 1900. Rückblick aus die Saison 1929. der Verlauf geradezu dramatisch. Er verlor knapp mit 2:3 und hätte, ohne die unbedingt anzuerken« nende Leistung des Gegners schmälern zu wollen, bei etwas mehr Glück mindestens ebenso hoch gewinnen können. — Das Spiel beginnt mit einem ungewöhnlich scharfen Tempo; beide Mannschaften sind anfangs nervös und zerfahren, finden sich aber sehr bald und versuchen durch stets wechselnde Angriffstaktik zum Erfolg zu kommen. Einmal kommt bei einem glänzend vorgetragenen Kombinationsangriff der V.f.B.-Elf das Germanen-, einmal bei einem rasanten Durchbruch der Marburger Flügel das V.f.B.-Tor in Gefahr und umgekehrt. Dazwischen wieder gutes und auch weniger gutes Feldfpiel, und das alles in einem Tempo, das eher zu- als abzunehmen scheint. Ein Spieler Gießens wird verletzt und fällt fast ganz ans. Bei verteiltem Spiel und gleichen Torchancen nähert sich die erste Halbzeit bereits ihrem Ende, als Marburg in der 35. Minute etwas überraschend zum ersten Erfolg kommt. Der sck)arsgeschossene Rollball war für den Tormann, dem die Aussicht versperrt war, unhaltbar. In den restlichen zehn Minuten dieser Halbzeit verliert Gießen das Spiel. Die Mannschaft gerät durch den einen Erfolg des Gegners fast völliy aus dem Konzept. Ihr Zuspiel wird schlecht und ihre Aktionen zerfahren. Als Marburg, das die Schwäck-e- Periode Gießens ausnützt, wenige Minuten später zum zweitenmal einschießt, steigert sich die Nervosität einiger Spieler geradezu zur Hilflosigkeit. Die Germanen sind stark überlegen und haben das Spiel vollkommen in der Hand. Kurz vor der Pause stellen sie dos Resultat auf 3:0, was der V.f.B.-Torhüter allerdings hätte leicht verhindern können. Nach dem Wechsel geht V.f.B. sofort stark aus sich heraus und versucht mit aller Macht, das Resultat zu verbessern. Germania wehrt sich, kann aber nicht verhindern, daß es mehr und mehr zurückgedrängt wird. Eine Umstellung der Platzelf erweist sich als richtig. Ihre Feldüberlegenheit wird immer deutlicher und führt bald zum ersten Gegentor. Durch diesen Erfolg angefeuert, kämpft sie mit bewundernswerter Aufopferung und wirft alles in den Angriff, das Spiel noch nicht verloren gebend. Marburg wird für längere Zeit gänzlich eingeschnürt und kommt nur hin und wieder in einigen Durchbrüchen vor. Gießen steigert das Tempo und gibt alles aus sich heraus, jedoch ohne Erfolg; der Gegner verteidigt geschickt und zahlreich. Eine Minute vor Schluß kann V.f.B. noch auf 2:3 verbessern. Trotz des Spiel- und Punkt- Verlustes verdient die Mannschaft für ihre Leistung ein Gesamtlob. Sehr anzuerkennen war der Geist, mit dem sie, trotzdem das Resultat bereits 0:3 stand, nach der Pause den Kampf wieder aufnahm. Schiedsrichter Wingenfeld gefiel restlos. Die Art, wie er leitete, war imponierend. Die dritte Mannschaft gewann knapp aber verdient mit 2:3. Steinberg war zu Anfang überlegen, hatte sich aber anscheinend etwas zu viel zugemutet und tarn gegen die technisch bessere Platzelf am Schluß nicht mehr auf. Spielvereinigung 1900 (Ziehen. ö. Entgegen allen Erwartungen gewannen die 1900er doch das Ligaverbandsspiel in Herborn; man kann getrost sagen auch verdient. Verdient sogar in der Höhe mit 4:1 Treffern, denn ein schnellerer und wendigerer Angriff hätte jedenfalls dus Resultat für Gießen beträchtlich höher schrauben können, auf Grund der zahlreichen glänzenden Torchancen, die sich während deS Spielverlaufes boten. Damit soll keinesfalls gesagt werden, daß der Gegner, die Ligaelf des Sportvereins 1920, Herborn, schwache Leistungen gezeigt hätte. Im Gegenteil, der Plahverein brachte mit seinen schnellen, äußerst wuchtig vorgetragenen Angriffen die Gäste ost in harte Bedrängnis-. Er traf aber bei der Gießener Hintermannschaft auf einen Gegner, der in ganz großer Form war und infolge den weit besseren technischen Fertigkeit das Spiel diktierte. Bis zur Pause war das Spiel fast ausgeglichen, obwohl der Gastgeber in der Mitte der ersten Spielhälfte einen Stürmer durch Hn- fall verlor. Durch eminenten Eifer glichen die übrigen Spieler diesen Verlust aus, vergaßen dabei aber allzu oft die Regeln des sportlichen Anstandes. Gießener Spieler wurden dadurch erheblich verletzt. Der Schiedsrichter ahndete mit Verwarnungen und ungezählten Strafstößen. Kurz vor dem Wechsel schoß der Gießener Links- und sehr bzüfy i INTERNATIONALE KOCHKUNSTAUSSTELLUNG FRANKFURTS VOM12.BIS23.OKTOBER Grösste und Fachlich bedeutendste gastronomische Ausstellung derWelt mit stehender und lebender Kochkunslschau Stärkste industrielle Beteiligung Hervorragende wissenschaf HicheAbleilung. 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Gegen Schluß, beim Stande von 3:0 für Gießen, wurde der Herborner Mittelläufer vom Platz gestellt. Den Rest der Spielzeit spielte 1900 verhalten, und auf diesen Umstand ist es zurückzuführen, daß Herborn zwei Minuten vor Schluß zu einem Gegentor kam. Der mit drei Ersatzleuten, zum Teil aus der dritten Mannschaft, durchsetzte Sturm der Blau- weißen hielt sich sehr tapfer. Ueberragend hielt Sack im Gießener Tor. Bei Herborn war die Angriffsreihe der beste Mannschaftsteil. 3m anschließenden A l t e n--H e r r e n s p i e l blieb die noch ziemlich junge Herborner Mannschaft mit 3:0 Toren Sieger, da die Gießener Elf nicht komplett, und auch zahlenmäßig unterlegen war. 1900 s dritte Mannschaft verlor nach einem wechselvollen Tressen in Garbenteich gegen die dortige erste Mannschaft mit 5:3 Toren. Auch die erste 3ugcnö erlitt ihre erste Riederlage in Wetzlar beim dortigen Sportverein, und zwar nach einem lustlosen Spiel mit 4:0 Treffern. Die Wetzlarer Schüler traten auf eigenem Platz nicht an, so daß die Gießener wieder unverrichteter Dinge nach Hause fahren mußten. Handball der Sp.-Dg. 1900. 1900 l — v.s.V. Wetzlar I 1:2 (1:2). o. Das Berbandsspiel der beiden führenden Lahnkreismannschaften am Sonntag nahm den erwarteten knappen AuZgang. Zu Spielbeginn trug die 1900er-Mannschaft sehr forsche Angriffe vor, und als sie durch ihren Halbrechten in Führung ging, schien es, als ob die Punkte in Gießen bleiben sollten. Bald hatten sich jedoch auch die Wetzlarer gefunden und zeichneten sich durch gutes Abspiel und Schnelligkeit aus. Der von ihnen erzielte Ausgleich war allerdings ein billiger Erfolg, da der Ball von dem betreffenden Stürmer aus klarer Abseitsstellung heraus geworfen, jedoch vom Schiedsrichter als Tor gewertet wurde. Bor dem Wechsel kamen dann die Gäste auch noch zu ihrem Führungstor, indem sie einen Dreizehnmeterball, wegen etwas harten, aber keinesfalls unfairen Angehens verhängt, verwandelten. 3n der zweiten Halbzeit vermochte keine Partei mehr etwas Zählbares zu erreichen. Beide Hintermannschaften waren sehr auf der Hut, allerdings fielen die 1900er Stürmer — der Mittelstürmer ausgenommen — gegen den Dor- ionntag ab. Eine große Chance bot sich noch einmal kurz vor Schluß. Sie wurde aber von dem vorzüglichen Wetzlarer Hüter vereitelt. Arbeiter-Turn- und Gporibunb. Gießen Ib — Großen-Linden I 4:2. Auf dem Trieb standen sich- am Sonntag diese Mannschaften im Serienspiel gegenüber. Gießen trat mit verstärktem Ersatz aus seiner Kreisklassenelf an, während die Gäste Ersatz einstellen mußten. Gießen kannte bald in Führung gehen, doch glich Großen-Linden bald aus. Jetzt wurden die Gäste merklich besser. Ein Handelfmeter wurde von ihnen verschossen, während die Gegenseite einen gleichen verwandeln konnte und so bei Halbzeit mit 2:1 in Führung lag. Nach dem Wechsel verteiltes Spiel. Dann könnte Gießen sein Resultat auf 3:1 erhöhen. Nun strengte sich Großen-Linden mächtig an mit dem Erfolg, daß sie einen schönen Angriff mit Erfolg ab schlossen. Sodann machte der rechte Läufer der Gäste ein Selbsttor und dadurch den Einheimischen einen billigen Sieg. Heuchelheim Fügend konnte die 1. 3u- gcnd Wiesecks, die wiederum nur mit neun Mann antrat, nach schönem Spiel nur knapp 2:1 schlagen. Abpaddeln der Paddler-Gilde Gießen. Am Sonntag sand bei schönem Herbstwetter das diesjährige Abpaddeln der Paddler-Gilde Gießen statt. 16 Boote vereinigten sich am Rachmittag zu einer Auffahrt zwischen den beiden Wehren. Daran schloß sich die traditionelle Fahrt nach der Badenburg. 3n geschlossener Fahrt wurde am Abend wieder das Bootshaus erreicht. Der Fahrtenwart H. Becker hielt — wie man uns berichtet - eine kleine Ansprache an die Kanuten und brachte ein dreifaches „Ahoi" auf das Abpaddeln aus. Ein gemütliches Beisammensein in der „Pulvermühle" beschloß den schön verlaufenen Tag. Unter den Gästen des Tages war besonders der Borsitzende des Vereins für Alfer» kritik, Herr Plage, zu begrüßen. Seine Worte, daß die Paddler-Gilde auch in der vergangenen Saison wieder stolz sein könne auf die erzielten Leistungen, erweckten lebhiften Widerhall. Wie recht Herr Plage mit diesen Worten hatte, gebt daraus hervor, daß von den Mitgliedern während des Paddeljahres über 15 000 Kilometer im Faltboot auf mehr als 20 Flüssen und Seen zurückgelegt wurden. Schon die Ostersahrt vereinigte eine größere Anzahl Paddler auf der Mainstrecke Würzburg - Aschaffenburg. Die Pfingstfeiertage verbrachten die Paddler auf einem der schönsten deutschen Flüsse, dem Reckar. Längere Wanderfahrten wurden auf der Mosel, der Elbe, 3nn, 3sar, Leisach, Donau, Fulda, Weser unternommen. Auch vor gefährlichen Fahrten an der Rord- und Ostseeküste scheute man nicht zurück. Mit dem Abpaddeln konnten auch die Träger der vorhandenen Preise festgestellt werden: 1. Preis der Alferkritik, Hugo Becker, mit 2316 Kilometer; 2. (Fugendpreis) Max-Drandt°Ge° dächtnispreis, Heinz M o e s e r, mit 908 Kilometer. Oberhessen. Oer Erweiterungsbau des Gederner Krankenhauses. V Gedern, 14. Oft. Seit über fünf Fahren besitzt unsere Stadt ein Krankenhaus, das sich zum Segen für die gesamte Bevölkerung ausgewirkt hat. Aus kleinen Anfängen heraus entwickelte sich das Krankenhaus derart gut, daß sich die Gemeinden Burkhards, Kaulstoh, Sichenhausen. Herchenhain. Hartmannshain, Volkartshain. Ober-, Mittel-, Riederseemen, Steinberg, Glashütten. Völzberg und Alsenborn an das Unternehmen anschlossen. So kam es. daß die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten, um die immer zahlreicher hier Heilung suchenden Patienten unterzubringen. Ein Erweiterungsbau ließ sich nicht mehr umgehen. Dieser wurde dann auch im vergangenen Fahre beschlossen und im Laufe dieses Fahres ausgeführt. Kommt man jetzt den Schlohberg herauf, dann macht der monumentale Reubau einen vorzüglichen Eindruck. Weit ab vom Getriebe der Stadt, in der Rähe des herrlichen Schloßparkes, erscheint die Lage recht dazu geeignet, den Kranken die nötige Ruhe zu gewährleisten. Betritt man das Haus, so fallen dem Besucher sofort die für den ungestörten Krankentransport breit gehaltenen Truppen und Flure auf. Gerade wie letztere, so sind auch die einzelnen Zimmer mit schalldämpfendem Korklinoleum belegt. Fn den Zimmern befinden sich schöne, weißemaillierte Becken mit fliehendem und warmem Wasser, darüber geschliffene Wandspiegel. Elektrische Kraft-, Licht- und Klingelleitungen können jederzeit für den Patienten ausgenutzt werden. Das ganze Haus ist mit Zentralheizung ausgestattet. Der mit den modernsten Einrichtungen versehene große und helle Operationsraum ist bis zu einer Hohe von 1,60 Meter mit weißen Tonplatten belegt, darüber mit weißer Oelfarbe gestrichen. Der neue Fnstrumentenschrank ist in eine Wand eingebaut. Dor dem Operationsraum ist der Aerztewasch- raum, auch wieder mit den nötigen Einrichtungen musterhaft ausgestattet. Fn unmittelbarer Rähe ist das Röntgenzimmer, das in kurzer Zeit in Betrieb genommen werden kann. Fn jedem der beiden Stockwerke befindet sich ein Verbandsraum. Die Zimmer für das Personal sind im Dachgeschoß untergebracht. Hier befinden sich auch heizbare Trockenräume, die es ermöglichen, Wäsche in kurzer Zeit zu trocknen. Wirtschaftsund Aufbewahrungsräume für Speisen und Wäsche, Dügelzimmer, sowie Heizungs- und Abstellräume befinden sich im Erdgeschoß. Rachdem nun der Anbau soweit fertiggestellt ist, kann er in den nächsten Tagen in Benutzung genommen werden. Dann wird sofort mit dem Al m bau des alten Gebäudes begonnen werden, wodurch nochmals zwei Säle mit je 12 Betten, sowie Wohn-, Schlaf- und Speiseräume für die Schwestern gewonnen werden. 3m Altbau werden außerdem Baderäume für drei Wannen und Reihenwaschtische für die Kranken untergebracht. Die Schwestern erhalten ein besonderes Badezimmer. Von einer offiziellen Einweihungsfeier des Anbaues hat man abgesehen, da das Haus zu stark belegt ist und dies nur Alnruhe bringen würde. Die Delegzahl. sowie die Pflegetage in unserem Kreisbezirkskrankenhaus haben in den beiden letzten Fahren stark zugenommen, besonders die operativen Fälle. Sv fanden hier in den letzten sechs Wochen allein 24 Operationen statt, eine Zahl, aus der zu erkennen ist, welch guten Ruf unser Krankenhaus in den Bezirksgemeinden genießt. Als leitender Arzt fungiert Dr. Bach, der sich in der kurzen Zeit seines Hierseins durch sein Können, sowie sein freundliches Wesen das allseitige Vertrauen der Bevölkerung erworben hat. Kreis Schotten. -i- Ober-Schmitten, 14. Ott. Da die E r => bobrung einer neuen Quelle durch das Vorhandensein einer ungemein harten, geschlossenen Basaltschicht nur langsame Fortschritte macht, soll jetzt das Bohren auf elektrischem Wege fortgesetzt werden. Man traf bereits auf "eine Wasserader, die über 100 cbm täglich liefert. Nach Durchstoßen der Felsmasse erwartet man eine weit stärkere Quelle. Kreis Alsfeld. * Schellnhausen, 14. Oft. Dieser Tage erlegte der Hilfsförster Mack in dem Distrikt Strackeicherkopf der Försterei Ermenrod einen Keiler im Gewicht von 115 Pfund. I Dernsburg, 14. Oft. Ende Oktober hofft man, unsere alte Dorfkirche. die während des Sommers eine gründliche Erneuerung in ihrem 3nnern erfahren hat. wieder in Benutzung nehmen zu können. Man ist jetzt mit den letzten Arbeiten beschäftigt. Die Verzierungen über dem Dogen zum Chor werden von sachkundiger Hand ausgemalt, das Gestühl erhält einen frischen Anstrich, die alte, aus Altenburg bei Alsfeld stammende Orgel wird entfernt und durch eine neue erseht. Kunst und Wissenschaft. Verleihung der hessischen Staafsmebaiüe. WSR. Darmstadt, 14. Ott. Der von dem hessischen Staatspräsidenten gestiftete Ehrenpreis für Kunst gelangte anläßlich der internationalen Kunstausstellung „Der schöne Mensch in der neuen Kunst", die gestern ihre Pforten schloß, zum erstenmal zur Derteilung. Die goldene Medaille wurde dem Bildhauer Charles D e s p i a u , Paris, für seinen „Frauentorso" zuerkannt. Silberne Medaillen erhielten Professor Oskar Schlemmer, Dresden, für sein Bild „Bekleidete und Unbekleidete in Architektur" und der Bildhauer Harold Winter. Ober-Alrsel, für seine Plastik „Torso". 06596 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Helmgange unseres lieben Entschlafenen, für die so überaus zahlreichen Kranzspenden, dem Herrn Pfarrer Bremmer für seine aufrichtenden, trostreichen Worte, dem Gesangverein „Eintracht" sowie dem Kriegerverein für ihre letzte Ehrung, sei hiermit herzlichst Dank gesagt. Gleichzeitig sprechen wir all denen, die uns während seines langen schweren Krankenlagers stets hilfreich zur Seite standen, insbesondere den beiden hiesigen Krankenschwestern unseren wärmsten Dank aus. Für die trauernden Hinterbliebenen: Familie Fritz W. Klein-Linden, den 14. Oktober 1929. Drucksachen Mer Art tie vrühl'sche Universitäts-Druckerei. R. Lange. Gießen, Schnlstr. i ei Onkel Mo!U WM, MM A Vom Klubsessel angefangen bis zum Ofen hat alles moderne Linie. Jawohl auch der Ofen. Man hat doch heutzutage nicht mehr die verschnörkelten und verzierten Oefen von früher. Frank und frei sollen alle Gegenstände sein, nur dem Zweck angepaßt Und so sehen die modernen „Oranier“ - Oefen aus, die dazu - und in erster Linie natürlich — vorzügliche Wärmespender sind - bei geringem Verbrauch an Brennmaterial. Sehen Sie sich einmal so einen mod.,Oranier1, wie ihn Onkel Mollig hat, bei mir an. Jetzt zum Winter können Sie gut einen gebrauchen. J. B. HAUSER, GB ESS EN AM OSWALDSGAPTEN Großes Lager in Junker & Ruh- und Esch-Oefen. 833 ia Mach dem Fußbad leg geschwinde „Lebewohl“, d-e Pflasterbinde Um die Hühneraugon- V Zehen cjaSafc" ' Und das Uebel "A B’ wird vergehen! ve Hühneraugen Lebewohl u. I Lebewohl-Ballenacheiben für die Fussohle, Blech- , dose (8 Pflaster)75 Pf., Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pf., erhältlich in Apotheken und Drogerien, sicher zu haben: Medlz.-Drog. Haus Hindenburg, Seltersweg 68a, Löwen-Drog. W. Kilbinger Macht., Seltersweg 79a, H. Moll, Ludwlgsplatz-Drog. und Neustadt-Drog., 0. 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