Nr. 112 Erstes Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 15. Mak 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vniS und Verlag: vrühl'sche Univerfitats-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Seschäftrstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzetae« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Zehn Jahre Deutscher Schutzbund. Die Salzburger Jubiläumstagung. - Von der Schuharbeit zur Volksdeutschen Arbeit. Salzburg, 14. Mai. (TU.) Die Jubiläums- logung des Deutschen Schutzbundes nahm am Dienstag mit der Vorstandssitzung und der Mitgliedervcr- lammlung in Salzburg ihren Anfang. In beiden Sitzungen sprach Dr. v. L o e s ch ausführlich über die in den zehn Jahren des Bestehens des Deutschen Schutzbundes geleistete umfangreiche Arbeit für das Deutschtum. Beide Körperschaften des Schutzbundes nahmen dann einstimmig in einer Kundgebung die folgende Erklärung des Deutschen Schutzbundes aus Anlaß seines zehnjährigen Jubiläums an, die nachmittags in der festlichen Eröffnungssitzung feierlich verkündet wird: „Der Deutsche Schutzbund wurde vor einem Jahrzehnt in Zeiten größter Rot gegründet, als die Staakenwelt des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa zerbrochen war. Seine Gründer waren Deutsche aller Stämme, denen im Weltkrieg und Zusammenbruch das Gesamtvolksbewußtsein lebendiges Erlebnis geworden war. Sie wollten im Anschluß an beste lleberlieferungen deutscher Vergangenheit aus diesem Erlebnis eine neue Auffassung von Volk und Volkstum, Volksrecht und Volkspflicht formen, denn cb galt, den deutschen Volkskörper und den deutschen valksboden mit den Kräften der Selbsthilfe zu verteidigen. Diese neue Aufgabe verlangte neue Formen. Der Deutsche Schutzbund faßte die alten Kräfte der vetreuungsarbeit mit neuentstehenden verbänden zu einer Gemeinschaft zusammen. Diese ergibt Sinn, Richtung und Ziel vom gesamten deutschen Volksgedanken. Die geistige, seelische Hinwendung zum Gesamtvolk erweckte ungeahnte Kräfte. Binnendeutsch- lum, Grenz- und A u s l a n d d e u t s ch l u m lernten einander kennen, gemeinsam leisteten sie i n wechselseitiger Ergänzung Aufbauarbeit. Die Hinwendung zur volksheit brachte eine neue Einstellung zur Vergangenheit und wies den Weg in die Zukunft: zur Lösung der deutschen Frage. Die deutsche Staatsausfassung erhielt damit einen neuen Sinn. Aus der Anerkennung der volksper- sönlichkeil folgt die Forderung für volksrechte für alle Völker. Damit ist die Grundlage geschaffen zu einer wirklichen Befreiung Europas, feiner völ- ter und feiner Staaten. Der Deutsche Schutzbund ruft am Tage seines zehnjährigen Bestehens alle Deutschen zur volksdeut- jchen Arbeit. Sie steht jenseits aller konfessionellen und parteipolitischen Bestrebungen und fordert die . Hilfe aller, die den volksdeutschen Gedanken bejahen und die staatliche Einigung der Deutschen erstreben, entsprechend den feierlichen Erklärungen der Wiener Rationalversammlung von 1918 und der Weimarer von 1919. So bekennt sich der Deutsche Schutzbund noch zehn Jahren erneut zu den Zielen seiner Grün- dungssahung: pflege des Gemeinschaftsgefühls zu allen Deutschen und Schuhderbe- drohten Volksgenossen ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen, ohne Unterschied der Religion und unter Zurückstellung aller parteipolitischen und Klassengegensätze.'" Nachdem die Mitgliederversammlung der dies- । jährigen Geschäftsführung unter Leitung von Dr. v. Loesch und Frhrn. v. Wrangel ein- I stimmig das Vertrauen ausgesprochen und den diesjährigen Vorstand bestätigt hatte, folgte im großen Saal des Mozarteums die von Musikvorträgen umrahmte feierliche Eröffnung der Tagung durch Ministerialdirektor a.D. Dr. h. c. Goetz, Stuttgart, der darauf hinwies, daß es kein Zufall sei, wenn die Iubiläumstagung in Oesterreich abgehalten werde. Darin zeige sich die innere Verbundenheit des Reiches und des ge- 1 samten Deutschtums mit Oesterreich. Er begrüßte dann die zahlreichen Vertreter der Behörden und Körperschaften aus dem Reiche, aus Oesterreich und aus dem Auslande, besonders den Alt- Bundespräsidenten Dr. Harnisch und dankte der Presse für die Unterstützung, die sie in den zehn Jahren dem Schuhbunde bewiesen habe. Rach weiteren Begrüßungsansprachen hielt den Festvortrag Or. Sriebrid) König, Gießen: Erst die französische Revolution habe die Auffassung vom exklusiven Rational st aat geschaffen, die sich nach 1789 Europas bemäch- tigt habe. Die Dolkheitsbewegung unserer Tage .! bilde eine Art Reaktion auf die Ueberspan- nung dieses Rationsbegriffes. Auch wir Deutsche hätten uns gewöhnt, unter Deutschland nur das , Deutsche Reich zu verstehen, es sei jene Eng- . slirnigkeit des Rurstaatsbürgers entstan- ! den, die den Staatsgenossen fremder Doüheit sich |. verwandter wähnte als den Volksgenossen ande- [;• rer Staatsbürgerschaft. Der Deutsche Schutzbund habe den Weg für eine neue deutsche Auffassung von Volk, Volkspersönlichkeit, Volkstum und Volksgeist frei gemacht. Wir wüßten heute, daß wir deutsche Staatsbürger in 21 Staaten Europas sind, wir wollten heute die engste Zusammenarbeit all dieser Deutschen, um so die deutsche Frage befriedigend zu lösen und eine auf Recht und Gerechtigkeit beruhende neue Ordnung in Europa zu schaffen. Der Weltkrieg bedeute so für uns Deutsche eine große Wende: wir hätten Deutschland und das deutsche Volt, hätten darüber hinaus Mitteleuropa und das Abendland entdeckt und stünden vor der Ausgabe, unserem Deutschland eine allen seinen Teilen gemäße Form zu geben, unser Volk organisch ins Abendland einzufügen. Dazu muß der Volksbestand erhalten bleiben: Die Schuharbeit erhalte so heute ihren Sinn vom gesamtdeutschen Volksgedanken her, aus ihr sei volksdeutsche Arbeit geworden. Ihr Gegenstand sei das gesamtdeutsche Voll, das es zum Vewußtsein einheitlichen Persönlichkeitscharakters zu erziehen gelte. Die Volksdeutsche Arbeit müsse sich auch um das Verhältnis der Staaten und der Völker zueinander kümmern; sie verneine aber die geschichtlich gewordenen Staaten nicht, sondern erstrebe, daß Staaten und Völker sich aufeinander ausrichteten. Sie müsse daher das europäische Rationalitätenproblem auch als ihre Angelegenheit betrachten; sie glaube, daß die neuen Rechtsgedanken gesunden werden könnten, durch die volkliche Freiheit in Europa geschaffen werde, sie arbeite so für den toasten Frieden unter den Völkern. Der Kampf um die Reichsanleihe. Kaum ist der Reichstag wieder beisammen, dann beginnen auch die innerpolitischen Konflikte wieder. ein Beweis, wie lose der innere Zusammenhalt zwischen den Regierungsparteien ist, ein Beweis allerdings auch für den Mangel an Führerwillen und die Systemlosigkeit, die das Kabinett Müller bisher ausgezeichnet haben und leider auch noch weiterhin auszeichnen sollen. Geradezu typisch dafür ist die Geschichte der unglücklichen R e i ch s a n l e i h e, um die Herr Dr. Hilferding einen schweren Kamps auszufechten hat. Wer Sinn für Bosheit hat, kann nicht gut übersehen, welch eigenartige Verschiebung darin liegt, daß ausgerechnet der Minister der Sozialistischen Partei jetzt eine Anleihe Vorschlägen muß, die nicht nur antisozial, sondern einseitig kapitalistisch aufgezogen ist und so aufgezogen werden mußte, wenn sie überhaupt einen Erfolg haben soll. Indessen, das ist nur Fassade. Viel schwerwiegender ist doch, daß der Finanzminister bis vor wenigen Wochen mit aller Entschiedenheit die Schwierigkeiten der Reichskassengebarung ableugnete, daß er dagegen jetzt das Tempo der Anleihe forcieren muß, wenn er nicht am 1. Juni die Zahlungen ganz oder teilweise einstellen soll. An dieser Stelle ist schon seit Jahresfrist immer wieder darauf hingewiesen worden,' daß die Finanzverhältnisse des Reiches einer Katastrophe zusteuern. Herr Hilferding, der ja eigentlich der nächste dazu gewesen wäre, das zu merken, hat sich tot gestellt, solange, bis es zu spät war; und mutet jetzt seiner Partei ein Opfer der Ueberzeugung zu, das so kurz vor dem Parteitag taktisch kaum zu rechtfertigen ist. Aber nicht nur seiner eigenen Partei, auch in den bürgerlichen Reihen sind die Meinungen über die Nützlichkeit dieser Anleihe mehr als geteilt. Wenn sie gezeichnet wird, dann nur von den reichen Leuten, die sich ausrechnen, was sie daran an Steuern sparen, dann k o st e t aber diese Anleihe dem Reich eine Verzinsung, die weit über zehn Prozent jährlich liegt. Sie ist die teuerste Anleihe, die ein nicht unter Kuratel stehender Staat jemals aufgelegt hat, noch teurer vielleicht, als man vorhersehen kann, weil sich die Ausfälle an Vermögens- und Erbschaftssteuer zusammen mit der Einkommensteuer vorher auch nicht annähernd schätzen lassen. Deshalb sind auch im Kabinett starke W i - der stände gewesen, die nur überwunden wurden, weil das Feuer unter den Rägeln brennt und irgendwie Geld beschafft werden muh. Die Sozialdemokraten aber wollen wenigstens aus der Rot eine Tugend machen und für ihre Zustimmung d i e Erhaltung der Arbeitslosenversicherung in ihrem bisherigen Umfange einhandeln. Ein sehr feiner Plan, der aber daran scheitert, daß die bürgerlichen Parteien die Anleihe nur bewilligen wollen, wenn vorher die Arbeitslosenversicherung auf eigene Füße gestellt ist, weil sonst die ganzen Millionen spurlos in diesem Faß ohne Boden verschwinden würden. Wir beneiden den Kanzler nicht um die Schwierigkeiten, die sich da vor ihm auftürmen, zumal da nun auch die Agrarzölle von den Sozialdemokraten her- angezogen werden. Aber das alles hätte sich vermeiden lassen, wenn etwas mehr Voraussicht in der Führung der politischen Geschäfte obwaltete. Bedenken der Volkspartei. Berlin, 15. Mai. (VDZ.) Die Finanzsachverständigen der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hatten heute nachmittag mit dem Reichsfinanzminister Dr. Hilferding eine Besprechung, in der sie die Bedenken der Deutschen Volks- partei gegen die 500-Millionen-An- leihe zum Ausdruck brachten. Wie das VDZ.» Bureau aus volksparteilichen Kreisen hört, gipfeln diese Bedenken vor allem in der Forderung dafür, daß diese Anleihe nur eine einmalige Not- Maßnahme sein darf. Im Anschluß an die Besprechung fand eine neue Fraktionssitzung der Deutschen Volkspartei statt. Im Haushaltsaus- schuß wurde nach der Plenarsitzung zunächst die Besprechung der Anleihe fortgesetzt. Es besteht aber die Absicht, die Beratung auf morgen mittag zu vertagen, d a weitere Verhandlungen der Parteien mit dem Reichsfinanzminister als notwendig betrachtet werden. Frankreich verzögert den Zeppelinstart. Der Amerikaflug beginnt voraussichtlich erst Donnerstag stiih. Friedrichshafen, 14. Mai. (TU.) Der , Zeppelinstart, der am Mittwoch früh 6 Uhr erfol- | gen sollte, mußte am Dienstagabend verschoben werden. Der Störenfried der Zeppelinfahrt ist, wie ; sich nun herausstellt, nicht das ungünstige Wetter, sondern er ist abermals Frankreich, das ja bekanntlich bereits bei den Mittel- meersahrten wenig Entgegenkommen bewiesen hatte. Es besteht nämlich ein Abkommen zwischen j Frankreich und Deutschland, wonach deutsche Flug- । zeuge und Lustschiffe, sofern sie keinerlei F u n k - und photogerät an Bord haben, Frankreich ; ohne weiteres nach Anmeldung überfliegen dürfen. Sofern sie jedoch mit Funk- und Photomaterial aus- geftattet find, bedarf es einer besonderen Genehmigung der französischen Regierung. Frankreich ist nun aber auf die Anfrage der Zeppelinwerft hin in passive Resistenz getreten, d. h., es hat bis heute überhaupt nicht für nötig befunden, die Anfrage zu beantworten. Rach Rorden ouszuweichen und Frankreich überhaupt nicht zu berühren, ist leider zur Zeit unmöglich, da über dem Kanal Windstärke 9 herrscht. Die hier anwesenden zahlreichen Auslandjourna- l i ft e n , namentlich die Amerikaner, find über das unhöfliche Benehmen der franzöfifchen Regierung auf das äußerste empört und haben sich dahin geäußert, daß sie das verhalten der französischen Regierung in ihren Blattern nachdrücklich klarlegen werden. Dr. Eckener erklärte dem hiesigen Vertreter des WTB. heute abend, er habe soeben erfahren, daß das Uebersliegen Frankreichs nunmehr gestattet sei, aber nur unter gewissen Bedingungen. Die Hauptbedingung fei die, daß die französische Grenze zwischen l und 9 Uhr früh passiert werden muß. Danach mühte, fuhr Dr. Eckener fort, der Aufstieg spätestens um 5.30 Uhr früh in Friedrichshafen erfolgen. Da es uns aber infolge der späten Abendstunde nicht mehr möglich ist, die Werftmannschaften, die normalerweise erst um 6.30 Uhr ihre Arbeit beginnen, davon zu benachrichtigen, daß sie früher auf dem Werftgelände bereitstehen sollen, kann der Abflug ungeachtet der jetzt vorliegenden Einfahrlerlaubnis am W i i t w o ch m o r g e n nicht mehr vorgenommen werden. Wenn auf der nördlichen Route, deren Benutzung zur Zeit durch ungünstiges Wetter verhindert wird, eine Befferung der Wetterlage eintritt, kann die Fahrt upfer Umständen im Laufe des Mittwoch beginnen. Andernfalls muß der Abflug auf Donnerstag früh verschoben werden, wenn wir die Route über Süd- frankreich nehmen. An der Fahrt nach Lakehurst werden sich nach der nunmehr feststehenden Passagierliste 18 Fahrgäste beteiligen; darunter der Kommandant Clarke von der Flugstation Lakehurst, eine amerikanische Dame und mehrere Pressevertreter. Im Luftschiffbau und auf den Straßen der Stadt herrschte während des ganzen Tages reges Leben und Treiben. Reben Schulklassen und Wandervereinen belebten das Werftgelände Autos mit Journalisten , Film - leuten und Passagieren, die die neuesten Rachrichten über den bevorstehenden Start des Luftschiffes in Erfahrung bringen wollten. Auch der bekannte Polarforscher Frithjof Hänfen ist heute eingetroffen und hatte mit Dr. Eckener über die Ergebnisse der Berliner Beratungen des Forschungsrates der Aeroarctik über die Polarfahrt des „Gras Zeppelin" eine längere Unterredung. An dem Luftschiff selbst wurden allenthalben die letzten Vorbereitungen getroffen. Die Maschinisten überprüften nochmals die Motore. Betriebsstoff wird eingefüllt und in der Hauptgondel diese und jene Reparatur vorgenommen. Im Laufe des Rachmittags wurde auch der kleine drei Jahre alte Gorilla gebracht. Photographen und Filmleute suchten daS aus Kamerun stammende Tier, Susi genannt, mit dem SchifsSrumpf im Hintergrund im Bilde festzuhalten. Die Fracht, die etwa 1800 Kilogramm beträgt, soll im Laufe des Abends an Bord gebracht werden. Rachdem der Aufstieg für die Morgenstunden des Mittwoch abgesagt werden mußte, trat auf dem Werstgelände wieder etwas Ruhe ein. Dem Vernehmen nach sind ungefähr 250 Kilogramm P ost zur Beförderung mit dem Luftschiff vorhanden. Die Polarfahrt des „Graf Zeppelin". Finanzierung durch die Weltpresse. Berlin, 15. Mai. (TU.) Die A e rv-Arc- tis hat am Montag und Dienstag eine Sitzung abgehalten, in der sie sich mit b$m Programm für die große in Aussicht genommene Polar-, fahrt beschäftigte. Wie die „D. A. Z." erfährt, steht „Graf Zeppelin" bestimmt für die Fahrt zur Verfügung, und auch die Finanzierung erscheint gesichert. Es wurde beschlossen, daß die Fahrt in drei Etappen erfolgen soll. Das Luftschiff wird, falls Dr. Eckener nicht den Wunsch haben sollte, die Führung selbst zu übernehmen, von seinen Kapitänen Lehmann oder Flemming geführt. Als Mittelsperson zwischen der wissenschaftlichen Leitung und der Schiffsführung wird Hauptmann Bruns tätig sein. Professor Ran-. 1 e n selbst behält die Oberleitung der Expedition. Die Finanzierung wird im wesentlichen durch die Weltpresse, unter besonderer Beteiligung der amerikanischen Presse, vorgenommen. Die Reichsregierung hat ihre Unterstützung des Luftschiffbaues Zeppelin davon abhängig gemacht, daß „Graf Zeppelin" unter allen Umständen zur Verfügung gestellt wird. „Graf Zeppelin" wird im Herbst, nach einer dritten Amerikafahrt, einen großen Flug um d i e Welt unternehmen, um neue Erfahrungen zu sammeln. Das Deutschlandlied unter Strafe gestellt. Französische Gendarmen fühlen sich heraus- gefordert. Mainz, 14.Mai. (TU.) Ein Lehrer war, wie früher schon gemeldet, vor einigen Wochen in Landau verurteilt worden, weil er von feiner Schulklasse auf einem Ausflug das Deutschlandlied hatte fingen lassen und bei Näher- kommen eines französischen Gendarmen das Singen nicht eingestellt hatte. Gegen dieses Urteil wurde auf Verlangen der Reichsregierung Berufung eingelegt. In der Mainzer Verhandlung erklärte die Militärstaatsanwaltschaft, daß der Gendarm sich herausgefordert gefühlt habe. In allen Fällen, in denen ein Besatzungsangehöriger sich durch das Singen herausgefordert fühle, sei das Singen des Deutschlandliedes strafbar. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Fuehr wies darauf hin, daß bei Gelegenheit der Anwesenheit Dr. Stresemanns in Mainz in der vollbesetzten Stadthalle das Deutschlandlied gefungyi worden sei und, obwohl die gesamte Mainzer Militärkriminalpolizei im -saale anwesend war, um die Versammlung zu beobachten, habe sich doch kein französischer Besatzungsangehöri- ger herausgefordert gefühlt. Das Mainzer Militärgericht verurteilte den Lehrer trotz der scharfen Einwendungen des Verteidigers zu drei Tagen Gefängnis mit Strafaufschub bei Bewährung und 80 Mark Geldstrafe. Durch dieses Urteil ist jederzeit die Möglichkeit gegeben, das Deutschlandlied im besetzten Gebiet unter Strafe zu stellen, weil jeder französische Militärangehörige erklären kann, sich h e r au s ge f o r bert gefühlt zu haben. Oie chinesischen Wirren. Berlin, 14. Mai. (Priv.-Tel.) Die inner- politische Lage Chinas hat sich in den letzten Tagen wieder völlig undurchsichtig gestaltet. Es steht aber offenbar fest, daß die Zentratregierung in Rauling bisher noch nicht mit den radikaleren südlichen Kuomintang-Gruppen fertig zu werden vermochte. Außerdem bleibt die Haltung des Generals Fengjuhsiang nach wie vor zweifelhaft. Man rechnet jetzt in allen beteiligten Kreisen mit der Wahrscheinlichkeit, daß es zwischen ihm und dem Staatspräsidenten Tschiangkaischek zu einer bewaffneten Auseinandersetzung kommen wird» Tschiangkaischek hat bekanntlich den Versuch gemacht. vor General Feng die Schantung- Halbinsel, die die Japaner jetzt räumen, zu besehen. Wie es aber heißt, hat der von Tschiangkaischek damit beauftragte General starke Reigung, sich gleichfalls selbständig zu machen. Es gewinnt also den Anschein, als ob der chinesische Generalskrieg trotz des so stark gefeierten Sieges der Kuomintang noch längst nicht zu Ende (Sir Josiah (Siamp fährt nach London. Belgien macht Schwierigkeiten. Paris, 15. Mai. (WTD. Funkspruch.) Die Morgenpresse bestätigt, daß Sir 3osiah 6tarnt? für 24 Stunden nach London gereist sei, um, wie sie annimmt, mit seiner Regierung über einige Formeln des Berichts über die Arbeiten der Reparationssachverständigen zu verhandeln, der, wie man glaube, noch im Laufe des heutigen Tages den Delegierten zur Vorprüfung überwiesen werden könne. „Matin" schreibt, es sei nicht wahrscheinlich, daß, wenn man zur Annahme eines einzigen Textes gelange, dieser nicht von den Franzosen, Italienern und Belgiern gebilligt werde. Der Delegierte Groß- britanniens habe sich darüber bei seinen Kollegen informiert und Sir 3osiah Stamp glaubte große Aussicht zu haben, daß sein Werk angenommen werde. Die Schwierigkeit, die bestehe, fei die: Wo findet man ungefähr 100 Millionen Mark? Diese 100 Millionen Mark müßten an England gehen, man dürfe jedoch den Belgiern nicht zuwenig zuweisen und auch Serbien nicht vergessen, das zwar nicht auf der Konferenz anwesend sei, aber seine Ansprüche angemeldet habe. Man wisse wohl, wer die strittigen 100 Millionen Mark erhalten werde, aber noch nicht, wer sie geben solle. Hoffen wir, so schrieb .Matin", daß diese Frage vor der 14. Arbeitswoche des Sachverständigenausschusses geregelt werden kann. Lieber das Verhalten der belgischen Delegation, das durch eine auffallende Presse-Eam- pagne, durch Onterviews und offiziöse Verlautbarungen aus Brüssel vorbereitet wurde, schreibt .Petit Parisien": Aus den offiziösen Rachrichten aus Brüssel ergibt sich, daß Belgien fest entschlossen ist, keinem Abkommen der Sachverständigen »uzustimmen, wenn nicht die Frage der während der deutschen Besetzung ausgegebenen Markbeträge angemessen geregelt wird. 3n diesem Punkte ist Francquis sicher, bis zum Schluß von seinen alliierten Kollegen und besonders von den französischenDelegierten unterstützt zu werden. Francqui soll dem belgischen Premierminister über die Schwierigkeiten Bericht erstattet haben, auf die die belgischen Sachverständigen gestoßen sind, die sozusagen allein die in dem Alliierten-Memorandum enthaltenen Vorschläge restlos aufrechterhielten. Dieses Memorandum enthalte nach belgischer Auffassung das Höchstmaß der Deutschland zuzubilligenden Zugeständnisse. Die belgischen Sachverständigen hätten bewiesen, (!) daß die Wirtschaftslage Deutschlands es der Reichsregierung erlaube, die in dem Vorschläge der Alliierten vorgesehenen Verpflichtungen zu erfüll e n. Man erkläre, es sei für die belgischen Sachverständigen unmöglich, ein Abkommen zu unterzeichnen, das in irgendeiner Weise die Rechte 'Belgiens beeinträchtigen würde. — 3n einigen Blättern kommt übrigens zum Ausdruck, daß eS nach Ansicht gewisser Konferenzkreise vielleicht besser wäre, die Entscheidung der Reparationskonferenz bis nach den belgischen und englischen Wahlen zu vertagen, um die Einwirkung politischer Einflüsse auf die Entscheidung zu verhindern. Neue Roifroniverboie. Stuttgart 14. Mai. (WB.) Der Rote Frontkämpferbund ist in Württemberg verboten worden. Das Polizeipräsidium Stuttgart hat infolgedessen auch das Rote Treffen Pfingsten in Stuttgart und alle ihm dienenden öffentlichen und geschlossenen Versammlungen sowie jeden Auf- und Llmzug der Kommunistischen Partei für die Zeit vom 17. bis 20. Mai verboten. — Der Bremer Senat hat auf G.rund des Gesetzes zum Schuhe der Republik für das Gebiet der Freien Hanse st adt Bremen mit Zustimmung der Reichsregierung den Roten Frontkämpferbund E. D., einschließlich der Roten 3ungfront und der Roten Marine mit allen Zweigorganisationen, Formationen und Einrichtungen verboten und aufgelöst. Das Vermögen der betroffenen Organisationen wird gemäß § 18 des Gesetzes zum Schuhe der Republik und § 3 deS Gesetzes vom 22. März 1921 zugunsten des Reiches beschlagnahmt und eingezogen. — Der Lübecker Senat hat für das Gebiet des Freistaates Lübeck den Roten Frontkämpferbund und seine Rebenorganisationen verboten. — Wie die Telegraphen-Ünion hört, hat jetzt auch das anhaltische Staatsministerium das Verbot des Rotfrontkämpferbundes für Anhalt beschlossen, nachdem die Absicht bekanntgeworden war, den ursprünglich für die Pfingstfeiertage in Hamburg geplanten Rotfrontkämpfertag in Dessau abzuhalten. — Früher sind Verbote bereits ausgesprochen für Preußen, Dahern, Baden, Thüringen, Hamburg, Mecklenburg-Strelih und Sachsen. Aushebung eines Wiener kommunistischen Paßbureaus. Wien, 15.Mai. (WTD. Funkspruch.) Von ungarischen Kommunisten war beabsichtigt, unter dem Titel „Technisches Bureau" eine kommunistische Propagandazentrale zu gründen, die a l s Derbindungsstation zwischen Moskau undden Budapester und Berliner Kommuni st enkreifen gedacht war. Bisher sind fünf Verhaftungen erfolgt. Da bei den Festgenommenen keinerlei Personaldokumente vorgefunden worden sind, sind ihre Ramen noch nicht ermittelt worden. Der Leiter des Propagandabureaus, das mit Dela Khun in direkten Beziehungen stand, hat wiederholt Reisen nach Deutschland und Rußland unternommen. Die Polizei sucht nach weiteren Personen, die in die Angelegenheit verwickelt sind. Verhaftung eines Oeutschruffen in Leningrad. Moskau, 14. Mai. (WTD.) Die Leningrader Polizei verhaftete den früheren Grobfabrikanten Karl Weber wegen Handelsspionaae, Sabotage und Bestechung. Weber, der nicht Reichsdeutscher ist, wird vorgeworfen, er habe seinen Sohn, einen ehemaligen Denikin- Kämpfer und aktiven Weißgardisten, nach Deutschland kommen lassen, damit er dort Einrichtungen für die Sowjetunion einkaufe. Es wird behauptet, daß Weber planmäßig schlechte Ware gekauft und von ausländischen Firmen Bestechungen angenommen habe. Als besonders erschwerend wird angesehen, daß Weber die Ankäufe durch Die Reform der Arbeitslosenversicherung. Ein erster Versuch zur Veseitigung der offenkundigsten Mißstände. Berlin. 15. Mai. (Priv.-Tel.) Die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung und Vermittlung hat sich dem Drängen weitester Kreise der Oeffentlichkeit, die die Zustände in der Reichsanstalt für unerträglich bezeichnet haben, nicht entziehen können. 3n einem Rundschreiben des Präsidenten an die Arbeitsämter wird auf Grund der winterlichen Erfahrungen eine Reihe von Mißständen und die Möglichkeit der Abhilfe erörtert. So versucht man zunächst einmal auf dem Wege der Derwaltungspraxis die ärgsten Mißstände zu beseitigen, womit natürlich eine grundlegende Reform dieser Behörde keineswegs ersetzt werden kann. 3n dem sehr ausführlichen Rundschreiben werden die verschiedensten Fälle von Mißbrauchen der Arbeitslosenversicherung aufgezählt. So erfährt das häufige Vorkommen von Scheinarbeitsverhältnissen vor allem zwischen Verwandten, wodurch ein Anspruch auf eine Versicherungsleistung künstlich erzielt wird, eine eingehende Erörterung mit dem Hinweis, daß eventuell Strafverfolgung eintreten könne. Eine ganze Reihe von Fällen werden angeführt, in denen vorübergehende Dienstleistungen und solche, bei denen der betreffende Arbeitslose nur mit starken Einschränkungen und Arbeitspausen angestellt ist, Wohl eine Krankenversicherungspflicht begründen, ohne daß aber im Sinne der Arbeitslosenversicherung die Anwartschaftszeit wirklich erfüllt ist. Schärfere Maßnahmen werden im Zusammenhang mit der Arbeitsvermittlung und dem Angebotvon Arbeit für notwendig erachtet, wobei der Hinweis interessant ist, daß die Spruchpraxis der Versicherungsinstanzen in solchen Fällen zu einer Auslegung geführt habe, die nicht im Sinne der Vernunft und dem Zweck des Gesetzes gelegen ist. Verstärkte Zusammenarbeit der Arbeitsämter mit der Wohlfahrtspflege, schär- fere Kontrolle der Arbeitsbescheinigungen und im Zusammenhang den Gemeinden auch der Schwarzarbeit wird weiterhin als mögliche Wege zur Verbesserung der Derwaltungspraxis der Anstalt vorgeschlagen. Wenn auch mit einer verbesserten Verwaltung der Anstalt ihre schwere finanzielle Krise, die zu einer ernsten Bedrohung für die Reichsfinanzen geworden ist, nicht behoben werden kann, so ist doch die neue Aktion des Präsidenten der Reichsanstall ein Zeichen dafür, daß man nun endlich die 3nitiative zu Verbesserungen ergriffen hat. Oer Gewerkschastsring zur Arbeitslosenversicherung. Die Forderung einer Berwaltungsreforur. Berlin, 14.Mai. (WTB.) Der Gewerkschaftsring Deutscher Arbeiter-, Angestellten- undBeamtenverbände hat in einer Sitzung zu der in der Oeffentlichkeit erhobenen Kritik an der Arbeitslosenversicherung Stellung genommen, insbesondere gegen die Darstellungen, als ob lediglich eine falsche Handhabung der Arbeitslosenversicherung die auf 320 Millionen Mark gestiegene Belastung des Reiches durch die Arbeitslosenversicherung verursacht hätte. 3n dieser Stellungnahme heißt es, daß die nicht vorauszusehende Dauer und Strenge des Winters 1 9 2 8/29 die Arbeitslosenversicherung so stark belastet haben, daß die Beitragsmittel nicht ausreichten und in erheblichem Llrnfange die im Gesetz vorgesehenen Reichsdarlehen in Anspruch genommen werden mußten. Der Gewerkschaftsring erwartet, daß durcheine zielbewuhte Arbeit, insbesondere durch Mitwirkung der öffentlichen Auftraggeber die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt behoben werden. Die Reichsanstalt müsse beschleunigt die Einrichtungen der Arbeitsämter zur Durchführung besserer Ermittlung und Vermittlung und auch Kontrollen ausbauen. Der Gewerkschaftsring verwahrt sich energisch gegen einen Leistungsabbau und die Einführung der Bedürftigkeitsprüfung in der Arbeitslosenversicherung. Der Gewerkschaftsring glaubt, daß die zweckmäßige Durchführung notwendiger Verw al tungsre- formen nicht unwesentliche Ersparnisse in der Arbeitslosenversicherung bringen wird. Solange die anormale ungünstige Lage des deutschen Arbeitsmarktes keine Verbesserungen erfahre, sei die Gewährung öffentlicher Mittel für die Arbeitslosen unvermeidlich und notwendig. Vermittlung ausländischer Vertreter getätigt habe. „Tötung auf Verlangen." Der § 247 des Strafgesetzbuches. Berlin, 14. Mai. (VDZ.) Der Strafrechtsausschuh des Reichstages beriet den § 247, der denjenigen mit Gefängnis bedroht, welcher einen anderen auf dessen ausdrückliches und ernstliches Verlangen tötet. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) wies auf die Sterbehilfe als Akt höchster Menschenliebe hin und empfahl, um Mißbräuchen vorzubeugen, zwar die Strafbarkeit auch für diese Fälle bestehen zu lassen, besonders leichte Fälle aber straffrei zu lassen. — Abg. Dr. Strathmann (Dnl.) wollte diese straffreie Sterbehilfe nicht auf Aerzte beschränkt sehen. Sie soll aber nur zur Abkürzu ng gegenwärtiger Todesqualen, nicht aber bei unheilbaren Krankheiten und nur auf ausdrückliches Verlangen des Sterbenden gewährt werden. — Abg. Dr. Alexander (Komm.) beantragte Straffreiheit für Sterbehilfe bei unheilbaren Leiden. — Vorsitzender Abg. Dr. Kahl (D. Vp.) fürchtete, daß in der allgemeinen straflosen Gewährung der Sterbehilfe der Beihilfe zur Tötung Vorschub geleistet werde. — Auch Abg. Dr. Moses (Soz.) glaubte, das Recht der Sterbehilfe gehe zu weit. — Ebenso lehnte Abg. Emminger (Bahr. Vp.) die Straflosigkeit der Sterbehilfe ab. — Abg. Bell (Zentr.) trat für die unveränderte Annahme der Vorlage ein. Die gegen die Todesstrafe geltend gemachten Bedenken der 3rrepara- bilität verlangten auch bei der Frage der Sterbehilfe Beachtung. — Ein Vertreter des Reichsjustizministeriums erklärte, daß sich der Entwurf zurückgehalten habe, weil die Frage für eine gesetzliche Lösung noch nicht genügend geklärt sei. 3cdenfalls ließen alle Lösungsversuche die große Gefahr des Mißbrauches befürchten. Äeberdies sei ein praktisches Bedürfnis nicht anzuerkennen. Der Regierung sei kein Fall bekannt geworden, in dem gegen einen Arzt, der Sterbehilfe geleistet habe, Anklageerhebung wegen Mordes oder wegen Tötung auf Verlangen erfolgt sei. — Der Ausschuß nahm alsdann den § 247 unverändert an, ebenso den § 248, der Verleitung zum Selbstmord mit Gefängnis bestraft. Oas Branntweinmonopol. Die Etatdeckungsvorlage im Reichstag. Berlin, 15. Mai. (VDZ.) Auf der TageS- ordnung steht die zweite Beratung der Rovelle zum Branntweinmonopol. Die Vorlage gehört zu denen, durch die das Defizit im Etat gedeckt werden soll. Die Vorlage will die Monopolabgabe an das Reich erhöhen. Der private Handel mit Branntwein zu niedrigeren Preisen als den Preisen der Monopolverwaltung soll verboten, der sogenannte ermäßigte Branntweinaufschlag beseitigt, die Preisbegünstigung für Branntwein zur Herstellung von Heilmitteln und Arzneien aufgehoben werden. Der Steueraus- schuh hat Erleichterungen für die süddeutschen Kleinbrenner beschlossen. 3n der Aussprache erklärt Aba. Frhr. v. Richt Hofen (Dn.), die Vorlage habe starke Beunruhigung in die Kreise der Landwirte und Winzer getragen. Die an sich schon wenig lohnenden Brennereibetriebe würden dadurch noch weiter geschädigt. Das sei um so weniger zu rechtfertigen, als von der preußischen Regierung die Wiedereinführung der Gemeindegetränke st euern geplant werde. Der Redner beantragt verschiedene Aende- rungen der Vorlage. Die durch die Vorlage erstrebte Erhöhung der Reichseinnahmen werde wirkungslos, wenn auf der anderen Seite die dadurch geschädigte Landwirtschaft subventioniert werden müsse. Aba. Kerschbaum (D. Dp.) bellagt die Lage der kleinen Brenner. Die Dranntweinmonopol- gesetzgebung habe sich nicht bewäh^. Sie bewirke nur, daß die Kleinbrenner immer mehr in ihrer Existenz bedroht werden. Der vorliegende Entwurf werde die Lage dieser notleidenden Schichten noch weiter verschlechtern. Die vom Ausschuß beschlossenen Erleichterungen können nur den Erzeugern von Edelbranntwein, aber nicht den aller- kleinsten Brennern zugutekommen. Abg. Dr. Föhr-Baden (Zentr.) tritt für die Vorlage in der Ausschußfassung ein. Wenn dadurch wirklich ein Rückgang des Branntweinkonsums eintreten würde, so wäre das für die Volksgesundheit nicht schädlich. Der vorher unzureichende Llebernahme- preis sei im Ausschuß verbessert worden. Hierzu sollte die Regierung eine entgegenkommende Erklärung abgeben. 3m Ausschuß seien auch sonst wesentliche Verbesserungen gegenüber dem Regierungsentwurf erreicht worden, wenn das Gesetz auch ziemlich kompliziert geworden sei. Die Vergünstigung für Edelbranntwein werde hoffentlich in der dritten Lesung, noch auf andere Sorten ausgedehnt. Den Kornbrennern sollte eine bessere Ablieferungsmöglichkeit gegeben werden. — Ministerialdirektor Ernst erklärt, die Monopolverwaltung sei bereit, den in Abfin» dungsbrennereien hergestellten Kornbranntwein abzunehmen. Abg. 3ulier (Ehr.-Ratl. Dp.) nennt die Vorlage ein Gesetz gegen die Landwirtschaft. Es sollte lieber gegen die übergroße Einfuhr ausländischer Liköre vorgegangen werden. Rach Ablehnung aller Acndrrungsanträge wird die Vorlage in zweiter Beratung in der Ausschuhfassung angenommen. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch: Dritte Beratung der Branntweinmonopolnovelle, zweite Beratung der 500-Millionen-Anleihe. Oer Etat der Wissenschaft. Die Auswirkung der Etatkürzung auf die • Bibliotheken. Berlin. 15. Mai. (Priv.-Tel.) Der Reichstagsausschuh hat bekanntlich den Fonds für die Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft um 1 Million gekürzt, so daß der aus Reichsmitteln gewährte Zuschuß in Zukunft nur noch 8 Millionen Mark betragen wird, die auf die einzelne Zweige der Wissenschaft zur Verteilung kommen. Allen Erwartungen auf eine Erhöhung der Beihilfe zum Trotz ist es also zu den gefürchteten Abstrichen gekommen, und damit die zuversichtliche Hoffnung der Wissenschaft zunichte geworden, daß die maßgebenden Stellen die Rotgemeinschaft durch Gewährung der erforderlichen Mittel in den Stand sehen, ihre stets wachsenden Aufgaben zum Wohle des Volksganzen zu erfüllen und so die Weltgeltung der deutschen Wissenschaft zu sichern. Der allgemeine Pessimismus in den Reihen der deutschen Wissenschaftler prägt sich auch in einem R o t r u f an die Oeffentlichkeit aus, den der Verein deutscher Bibliothekare soeben erläßt. Er sagt darin, daß die Schmälerung der Reichsmittel für die Rotgemeinschaft ein kulturelles Verhängnis für unsere Volksgesamtheit bedeutet. Er führt dabei vor allem an, daß sich die Etatskürzung besonders auch bei den großen wissenschaftlichen Dibliotheken auswirkt, die sich schon jetzt in schwer bedrängter Lage befinden. So ist z. B. die bayerische Staatsbibliothek gezwungen gewesen, einen erheblichen Teil ihrer Zeitschriften a b z u b e st e l l e n; bei der Göttinger Llniversitätsbibliothek, die sich bisher zu einem Abbestellen von Zeitschriften noch nicht hat entschließen können, reichen die staatlichen Mittel so wenig aus, daß schon vor Ablauf der ersten Hälfte des Rechnungsjahres keine Bücher mehr gekauft werden können, und in ähnlich trostloser Lage befinden sich alle deutschen wissenschaftlichen Dibliotheken. 3n den Zeitschriften, die in erster ßinie bedroht sind, spielt sich der Fortschritt der Wissenschaften ab. Sind die Dibilotheken gezwungen, hier Abbestellungen zu machen, so ist das ein Schaden, der nur schwer wieder gutzumachen sein wird. Ganz besonders werden darunter die Raturwissenschas- ten, die Medizin und Mathematik zu leiden haben. Der Verein deutscher Dibliokhekar, weist auf diesen Punkt nachdrücklichst hin. ES wird daher Aufgabe der Rotgemeinschaft fein müssen, bei der Verteilung der ihr zustehenden Mittel in diesem Falle ganz besonders auf die Rotwendigkeiten und Erfordernisse für die Wissenschaft zu achten. Aus aller Welt. Berufung 6nud Eckeners nach Amerika. Die NeuyorkerVertreter der GoodyearZep« pelinCompany in Akron (Ohio) geben bekannt, daß der Sohn Eckeners, Knud Eckener, von der Gesellschaft alsKonstruktionsingenieur für die beiden Luftschiffe „Z. R. 4" und ,L. R.5", die die Goodyear Zeppelin Company für die amerikanische Marine baut, engagiert worden sei. Das erste dieser beiden Luftschiffe wird, .wie man erwartet, 1931 fertiggestellt sein. Die Berliner Philharmoniker in Gens. __ Das Berliner Philharmonische Orchester unter S^urtwängler, das nach dem Pariser Triumph dieser age auch in einigen Schweizer Städten lebhaft gefeiert wurde, veranstaltete in Genf ein Konzert, das für das musikalische Genf zu einem künstlerischen Ereignis ersten Ranges wurde. Eine stark internationale Hörerschaft, darunter viele Völkerbundsbeamte mit ihren Damen, spendeten bereits nach der einleitenden Symphonie von Haydn rauschenden Beifall, der sich nach der Leonoren-Ouoertüre Nr. 3 zu einer stürmischen Ovation für Dirigent und Orchester steigerte und sich zum Schluß nach der 1. Symphonie von Brahms zu einem langen Beifallssturm mit zahlreichen Hervorrufen gestaltete. Die hervor- ragende Ausnahme der deutschen Künstler kommt auch in der Presse unter einmütiger Anerkennung der erstaunlichen Fähigkeiten von Dirigent und Orchester zum Ausdruck. Nach dem Konzert gaben Generalkonsul Dr. 23 öl cf er s und Gemahlin zu Ehren Furtwänglers einen Empfang, der von der Genfer Gesellschaft und der deutschen Kolonie stark besucht war. Harry Liedtke schwer erkrankt. Der bekannte Filmschauspieler Harry Liedtke ist plötzlich an einer Blinddarmentzündung schwer erkrankt und wurde in die Berliner Klinik von Professor Borchardts gebracht. Beim Skatspiel getötet. 3n einer Chemnitzer Schankwirtschaft wurde bei einem zwischen drei Skatspielern entbrannten Streit einer von diesen, ein 46jähriger Hilfs- schaffner, von einem Dierglas so unglücklich gegen den Kopf getroffen, daß ihm die Scherben die Halsschlagader durchschnitten und eine tödliche Verblutung verursachten. Der Schuldige, ein kaufmännischer Vertreter von 37 3ahren, wurde verhaftet. Typhusepidemie bei Sondershausen. In Kirchengel bei Sondershausen sind dreißig Personen an Typhus erkrankt. Die Seuche hat bisher fünf Todesopfer gefordert. Als Herd der Krankheit wird ein Brunnen vermutet, der gegenüber dem Kirchhof liegt. Alle Erkrankten haben aus diesem Brunnen Wasser getrunken, da die Wasserleitung durch Frostschäden Störung erlitten hatte. lleberschwemmung in Texas. 3n Texas ist eine neue schwere Lleberschwemmung eingetreten. Mit Sicherheit steht bisher fest, daß vier Personen ertrunken sind, doch befürchtet man, daß die Zahl der Opfer dieser neuen Lleberschwemmungskatastrophe beträchtlich höher sein wird. Viele Familien mußten in überstürzter Flucht ihr Heim verlassen. Oie Wetterlage. Ü Coajna 3 btdccat. » wolkig. • bedeckt .eWfgbi * Schnee c Graupeln, e Nebel R Gewnter,(§)windstiHe.«O-. sehr «eicnter Osi massige» Südsüdwest. q stürmischer nordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem winde Pie beiden Stationen stehenden zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbindet) Orte mit gleichet) auf Meeresrnveau umoerechnelen Luftdruck Wettervoraussage. Bereits in den gestrigen Nachmittagsstunden hat warme Luft der britischen Störung unseren Bezirk erreicht und zu stärkerer Bewölkung sowie vereinzelten, kaum nennenswerten Niederschlägen geführt. Die Störung bewegt sich langsam über der Nordsee weiter und füllt sich auf. Infolgedessen ruft sie keinen wesentlichen Einfluß mehr auf unsere Wetterlage aus. Aus Westen zufließende Luft bringt noch zeitweise Bewölkung mit sich, sonst herrscht vielfach aufheiterndes Wetter, Niederschläge sind kaum zu erwarten. Wettervoraussage für Donnerstag: Wechselnde Bewölkung mit Aufheiterung, ohne wesentliche Temperaturänderung, meist trocken. Wettervoraussage sürFreitag: Vorwiegend trockenes, teils wolkiges, teils heiteres Sßetter. Lufttemperaturen am 14. Mai: mittags 16,6 Grad Celsius, abends 12,3 Grad; am 15. Mai: morgens 8,9 Grad. Maximum 19,2 Grad, Minimum 5,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Mai: abends 16,2 Grad: am 15. Mai: morgens 12 Grad. — Sonnenscheindauer 2% Stunden. rlirsk LieSe bergoer- bei S>^ rorsisende, Mi-" *. rat M'b Aus der fei folgens qieder für Toilette öi tteife une> lenden ge txir es m drren Kost fsigen.Und des Giebel- kleinerer ü wW de Mit- racher. Gesuchs ur 434 Mark o aoend stall- aeftern) W trag trachten. Ati liif bei eine £er Lahres dir Spender unb llnterst bttzvnnenen bringt. Der Vorsitzende b-nen finl Kasseninspe! (Krofdorf), Thront (( (gießen), 9 Eons), Büt Kaufmann 2 oblagt st' leit zur Erh Der Dor johr 19291 Ausgabe 73 bin Betrag Programm gekürzt wer Mark vorge Zuschutz do gesehen: M düngen vor Gießen 200 sireiskommu sicher Bauu: 1000 Mark, bringt 800 mutige Zusti Bei der 2 rechner Sc Schristführei baurot f) i rungsbaural stand. Die Satz Vorstand do lieber eit Kaden bi« (Nrvsbvrst. wertvolle Ä Drrsammlm Tätigkeit. $ rige Mitar Eingehend । sitzende Im l bcdingt naiv auch die Zuge les Vereins ideale Ziele, kunst, konsess Irü, ieber I Mt, sei im Das bev Jrfafc zu ei ! vubiläumsfe tzen und au Dorsitze, ^te mit C ,ntr erholter letzt.' Das - M, was be sitzes zum $ geleistet etwa ■ k $berPri p* Dhe'mpi der h, ?J6 (8,i N-rS W» Untere in Genf. W o h l t ä t i g k e i t s k o n z e r t zu- Ein d Sunlicht Seife Länder - und Städtewappen aller Erdteile In C o Id- und SilberdrucK: Die FREUDE des K URMARK-RAUCHERS. SPEZIAL-MAZEDONEN-AMSGHUNG WAI£A£KllNJu« (Jai44. A KURMARK-MANNER! KURMARK-FRAUEN! lmerikg. hä* «n leb^out ge. "Konzen, bas kunstlerj. 9es würbe, darunter viele Meten be. )onie von Ich nach btr 1 einer ftiirmi. ^ler fteigerie Wh nie ■'Wurm mit herv^ schirr lomml ,r ynerttmuna ingent und Di. Konzert gaben ' Gemahlin jy g, der von der ' Kolonie starl halt wurde bei n entbrannten jähriger Hilfz. a s so unglüd« dah ihm die der durch« Blutung Derur« lännischer Der« iftet chausen. (en sind dreitzig ieuche hat bis- . Ais Herd der vemutet, der rlrankten haben runten, da die Störung erlitten nft m) Liedtke ntjünbung inet Klinik von >ras. ! Leberschwem. U floßt bisher runken fint K der Opi» taiaiirvphe be- Milien muhten erlassen. 2i5as *3^p FOHcI^el.Lesc tcl? ans Garen 51?tenen. Soviel aber stehet fest: bie Frö^Ujc^en unter Euch sind meine die Freunde der anvergieichliehen Cigarette Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 15. Mai 1929. Gleibergverein. Die Generalversammlung des Glei« bergoereins tagte am Samstagnachmittag bei gutem Besuch auf der Burg Gleiberg. Der Vorsitzende, Provinzialbirektor G r a e f, gab zu beginn der Tagung seiner Freude darüber Ausdruck, daß unter den Gästen auch der neueLand- r a t M i ß (Wetzlar) erschienen war. ,ur die Dj,. eotdtr, vom Turm der Johannes- kirche bringt folgende Darbietungen: 1. Ein feste Burg ist unser Gott (Dr. M. Luther). 2. Preis und Anbetung (Dink). 3. Doldne Abendsonne (Dr. Phil. Rägeli, 1773-1836 Zürich). •* Die Reichsbank st eile Gießen kündigt im heutigen Anzeigenteil an, daß ihre Diensträume am Pfingstsamstag von 12 Uhr ab geschlossen sind. ** Gießener Sieg im Gas-Wett- kochen. Gestern fand in Frankfurt a. M. das von den Städten Gießen, Frankfurt a. M. und Fulda beschickte Bezirkswettkochen im Rahmen des Reichs-Kochwettbewerbs mit Gas statt, nachdem vor einigen Wochen die örtlichen Gas-Wettlochen durchgeführt worden waren. Die Siegerin bei dem Gießener Gas-Wettkochen, Frau Frieda Groß, Moltkestraße 18, wurde nun auch bei dem gestrigen Bezirkswettkochen in Frankfurt a. M. erste Siegerin und hat damit das Anrecht auf die Teilnahme an dem am 5. Juni in Berlin stattfindenden Reichs-Kochwett- bewerb mit Gas errungen. Bei dem gestrigen Wettkochen in Frankfurt wetteiferten 14 Teilnehmerinnen, darunter vier aus Gießen, um den Sieg. Hoffentlich ist es der Gießener Siegerin in diesem Wettkampf am Kochtopf vergönnt, auch bei dem Reichswettbewerb in Berlin, 6ci dem für die erste Siegerin ein Preis von 3000 Mark und für die zweite ein solcher von 1500 Mk. vorgesehen ist, die Spitze zu erringen. Dadurch würde die Berliner Ausstellung »Gas und Wasser", in deren Rahmen der Reichs-Kochwettbe- werb abgehalten wird, auch für Gießen noch eine besondere Bedeutung gewinnen. •* Der Vertretertag hessischer G e - meinbebeamten findet in diesem Jahre am 1. und 2. Juni in Gießen statt. Zu der Tagung werden rund 200 Vertreter der hessischen Gemeinde- beamten aus allen Teilen des Landes hier erwartet. ** D i e b ft ä t) l e. Der heutige Polizeibericht mel- bet: Vor einiger Zeit wurde in der Gerätehalle des Männerturnvereins Gießen, am Schiffenberger Weg, eingebrochen und zwei komplette Handbälle und fünf gute Handballblasen gestohlen. Vom 5. zum 6. Mai wurde an einem Hause in der Kaiserallee die Gartentür von unbekannten Tätern entwendet. Am 10. d. M. in der Zeit von 1 bis 7 Uhr wurde von einem unverwahrten Fahrrade eine elektrische Laterne, Marke „Radsonne", entwendet. Das Glas an der Lampe ist gesprungen, die Glühbirne fehlt. Personen, die Wahrnehmungen über den Verbleib der Sachen gemacht haben, oder Anhaltspunkte über die Täter machen können, werden gebeten, der Kriminalpolizei, Lcmdgraf-Philipp-Platz 1, Zimmer 64, Mitteilung zu machen. ** Zum XXX. Verbandsschießen, Baben, Mittelrhein, Pfalz vom 6. bis 14. Juli in Gießen wird uns geschrieben: Die beiden nach dem Kriege, 1925 in Karlsruhe und 1927 in Frankfurt a. M., stattgehabten Verbandsschießen haben in Ausmachung und Abwicklung die hohen Ziele des deutschen Schießsports glänzend bewiesen. Es steht zu erwarten, daß auch das diesjährige Iu- biläumsschießen in Gießen, über welches der hessische Staatspräsident Dr. Adelung das Protektorat übernommen hat, den Hoffnungen und Wünschen aller Schützen gerecht werden wird. Das Fest erhält dadurch einen besonderen Charakter, daß der Gieße- ner Schützenverein in diesem Jahre auf eine 350iäh- rige Tradition zurückblicken kann. Den äußeren Rahmen des eigentlichen Derbandsschießens bildet ein t ennis Schuhe Frau Margarete Becker Wwe empfiehlt 39340 Marke Fleet Foot geb. Zecher a.m.Spangen Paßgerecht, leicht, widerstandsfähig im vollendeten 74. Lebensjahr. Wir führen 6 verschiedene Sorten Herrengröße 6.90 Mk SCHUHHAUS' Die tieftrauernden Hinterbliebenen: 4364A Gießen, Bad-Nauheim, den 45. Mai 1929. 03079 Statt besonderer Anzeige Fast neuer, weißer Heinrich Hefe I im Alter von 74 Jahren. 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Der Deutsche ist also — will er auf eine im deut schen Sinne geleitete Schulbildung, auf ein deutsches soziales Leben nicht verzichten, gezwungen, all diese Einrichtungen auf vereinsmäßiger Grundlage s i ch s e l b st zu schaffen und zu erhalten, was auch zumeist geschieht. Aber diese Erhaltungsarbeit ist eine sehr viel schwerere, als wenn der Staat mithülfe, denn die Mittel, die die Deutschen für ihre deutschen Einrichtungen aufbringen müssen, stehen ja a u ß e r = halb der staatlichen und Gemeindesteuern, die sonst auch für diese Zwecke verwendet werden, und es besteht zumeist für die Einhebung derselben kein irgendwelcher Zwang, sondern nur aus gutem Willen her„Gas und Wasser Berlin 1929/' Amtsgericht Gießen. * Gießen, 7. Mai. Zwei Angeklagte, ein Ehepaar, hatten sich zu verantworten, weil sie Erziehungsmaßnahmen, die von zuständiger Seite hinsichtlich ihrer in Fürsorgeerziehung befindlichen Tochter angeordnet worden waren, vereitelt bzw. den Versuch hierzu gemacht haben. (Vergehen gegen das Iugendwohlfahrtsgeseh.) Der Vater hat inhaltlich der Anklage seine Tochter eigenmächtig aus der Stelle geholt, in die sie von der Anstalt, der die Fürsorgeerziehung oblag, untergebracht toar; die Mutter hat ihre Tochter in der Anstalt durch ein Telegramm aufgefordert, sofort nach Gießen zu ihren Eltern abzureisen. Der Vater wurde für schuldig befunden, und seine Behauptung, er sei nur besuchsweise zu seiner Tochter gekommen, die dann freiwillig und im Einverständnis der Fürsorgeschwester mit ihm gegangen sei, wurde durch die Beweisaufnahme widerlegt. Er erhielt eine Geldstrafe von 50 M k. Die Mutter wurde das Lenkmanöver auf den ganzen Körper, hier nutzt der Körper nichts und kommen Lenkleistung und Kontrolle allein auf Auge und Hand. Kein Wunder, daß sie zuerst immer vorbeilenken. Allmählich aber schult sich der Blick. Verteufelter Zwang zur Konzentration! Hnd nun vollzieht sich dos Wunder. Erst sechs Fahrten sind gemacht. Schon aber wird die vollkommene Aenderung der Einstellung spürbar. Die typische Subalternität des Fußgängers weicht, die Platzangst verschwindet, und die Mentalität des blick- sichern. fahrbahnbeherrschenden Autlers entwickelt sich. Noch weitere sechs Fahrten, und der neue Mensch ist fertig. Der Aufriß des Lebens verschiebt sich, und das Profil wird sichtbar, wie bei einer schönen Frau, die sich langsam zu uns herumkehrt. Die geistigen Funktionen erhalten einen neuen Stellenwert. Wir werden feinhörig für das Lebensganze und seine Bedürfnisse. Der Kraftwagen wird zum Symbol für die Welt, und wir begreifen den Kosmos nun technisch. Der Geist aber sinkt herab zum Instrument des Lebens. Der Amerikaner weih das längst und nennt diese Weltanschauung „Instrumentalismus". Denn er fährt Auto. Der Kraftwagen aber verändert den Menschen. Die Technik hat keinen Mythos mehr -- trotz Arthur Liebert. der das Gegenteil behauptet. Man muß am Steuer gesessen haben, um das zu begreifen. Der Amerikaner, der Dcnktechniker überhaupt hat die idealistische und mythologische Weltaufsassung endgültig hinter sich. Er ist grundsätzlicher Diesseitsmensch, der das Leben nicht mehr von einer Heberwelt, seien es ewige Ideen oder Werte, seien es leibhafte „Geister", abhängig denkt, sondern rein aus sich selber, aus bloß biologischen Gesichtspunkten erklärt. Geschäft und Technik aber sind so gut Lebcnsmächte wie Politik, Kunst und Religion. 2a, vielleicht noch bessere! Oft Religion etwas für sich? Rein, Religion ist das Oel zur Verhinderung von Reibungen und Konflikten. Darum ist die Kurbelwelle des Lebens für jeden Menschen, auch den scheinbar ungläubigsten, in Religion gelagert. Oft Denken Selbstzweck? Rein, denkender Geist ist im besten Falle der Anlasser für den Achtzylinder des Lebensganzen. Läuft das nicht auf eine Hmwertung alles dessen hinaus, was bisher „Geist" hieß? Es ist die Lehre von der unfreien Seele am „laufenden Bande" der sozialen Maschinerie. An die Stelle des wärmenden Ideals, des frommen Gefühls tritt nunmehr das kalte, geschliffene „Instrument" Ich lerne Autofahren. Von paut Feldkeller. Anders sieht sich vom gemächlichen Bürgersteig, anders vom Führersitz das Autofahren an! Wer hätte nicht schon den Sportsmann bewundert, wie er. den Glimmstengel im Munde, in schneidiger Fahrt das Steuer führt? Oder die Dame, die mit Grazie und klugem, wissendem Blick ihren Weg durch das Gewühl windet? Zur rechten Zeit besinne ich mich: in mehr als einem Sinn ist der Kraftwagen das Symbol unserer Zeit. Die Masse bevorzugt den „Omnibus" in jeder Bedeutung (auch Kino. Radio, Grammophon sind „Omnibusse", zu deutsch: „für alle"). Der Denker aber ist ein Einspänner von Statur. Ihm ziemt allein das Sportkupee. Der Philosoph muß fahren lernen. Spricht nicht Keyserling vom „Chauffeurtypus" als dem beherrschenden Menschentyp unserer Zeit? Schon bin ich in der Fahrschule. Schnell ist das Geschäftliche erledigt, die nötigen Papiere besorgt. Was erst Spiel, Gedankenspiel war. wird unbehaglicher Ernst. Der ich nie auf einem Führersitz gesessen bin, ich werde mitten auf den Straßen Berlins hinter das Lenkrad geklemmt und schaue hilflos auf die Schalter, Knöpfe, Manometer, Hebel vor mir, unter mir und auf den flutenden Verkehr. Ehrlich gesagt, schon möchte ich wieder herunter. Wozu da bloß drei Fußhebel sind bei nur zwei Beinen? Der Fahrmeister erklärt die vier Gänge des Getriebehebels, und ich lerne schalten. Dann setzt sich der linke Fuß auf den Hebel für die Kupplung, der rechte auf den Gashebel. Wenn der linke Fuß hochgeht und einkuppelt, muß der rechte heruntergehen und „Gas geben". Die Füße bewegen sich also entgegengesetzt. Ich begreife! Wozu spiele ich — Harmonium? Schon aber bereue ich den unpassenden Vergleich im Anblick der dichten Gasschwaden, die der rechte Fuß hervorruft. Der Tölpel gab Vollgas! Er muß nuancieren lernen. Mein männlicher Strapazierstiefel erweist sich als hoffnungslos unempfindlich für den leichten Gegendruck des Gashebels, und ich wünsche mir die zarten Sohlen einer rehfüßigen Frau. Das schnaubende Hn- getüm will gekitzelt werden! Eine Paradoxie neben so vielen andern des Autofahrens. Run das Lenken. Reue Schwierigkeiten. Wohl bin ich vor Jahren Motorrad gefahren. Aber das hier ist ganz was andres. Dort verteilt sich Berlin, Mai 1929. Bei einer Besichtigung dieser Berliner Ausstellung hat man den Eindruck, daß dem Publikum gezeigt werden soll, was mit Hilfe seiner Steuerzahlungen von den Kommunal-Verwaltungen geschaffen wird. Es soll das Gas und das Wasser, dessen sich der Mensch täglich so oft bedient, in seiner Erzeugung und vielseitigen Verwendungsmöglichkeit vor Augen geführt werden. Außerdem bietet diese Ausstellung Gelegenheit, den Kampf unserer deutschen Industrie gegenüber dem ausländischen Wettbewerb zu beobachten. Als Ziel erstrebt man die Qualitätsausführung bei Einhaltung von Preiswürdigkeit. Die Ausstellungsgruppe „® a s" baut sich um ein großes, etwa 1000 Quadratmeter umfassendes Gaswerks-Modell auf, das alle Abschnitte der Gaserzeugung zeigt, ausgehend von der Kohlenentladung mit Hilfe modernster Greifer und Bandförderer aus Kahn ober Waggon auf ben Lagerplatz, und enbigenb bei ber Verteilung des Fertiggases über die neuesten Druckregelungsanlagen in das Stabtrohrnetz bzw. den bekannten Hochbehälter, den Speicher. Den ganzen Erzeugungsprozeh hier zu schildern, würde zu weit führen. Es soll nur noch auf die bauliche Anordnung zur Erreichung kürzester Transportwege hingewiesen werden, die gerade bei dem gezeigten Modell auf das beste berücksichtigt find. Daß auch die Verwertung der Rebenprodukte umfassend behandelt ist, versteht sich von selbst, hängt dies Kapitel doch auf das engste mit der Rentabilität einer Gaswerksanlage zusammen. Hm das Modell gruppieren sich die Ausstellungen der Fachfirmen, überleitend zur Verwendung des Gases in Haushalt, Gewerbe und Industrie. An erster Stelle im Haushalt ist den Firmen für die Herstellung von Gasherden Erwähnung zu tun, um so mehr, als darunter auch unsere benachbarte Industrie an der Dill vertreten ist. Gasherde für moderne Siedlungen. Einfamilienhäuser und Großküchen, solche werden in bemerkenswerter Vielheit der Ausführung, jedem Wunsche entsprechend, angefertigt. Daneben sieht man Gasbadeöfen der bekanntesten deutschen Firmen. Für das Handwerk kommen Gasback- Öfen mit den unvermeidlichen in Teig gebackenen Würstchen in Frage, komplette Konditoreieinrichtungen mit Baumkuchenbackmaschinen. Wäsche- r c i cinrichtungen und ganze Schneider Werkstätten sind aufgebaut. Für die Industrie kommen vor allem die Glüh- und Schmelzöfen für öi(L keramischen Werke und Glashütten in Betracht. Auch die Industrie der feuerfesten Steine und Erden, die ja auch in unserer Stadt beheimatet ist, stellt ihre Erzeugnisse aus. Gasfeuerungskessel für Zentralheizung des maschinellen Denkaktes. Sozialer Einfluß und Denktraining sind die Ideale dieser Philosophie. „Das Gehin", sagt John Dewey. der Begründer ber Wolkenkraherphilosophie von Reuyork, „ist bloß das Instrument einer besonderen Art biologischen Verhaltens, aber kein Organ der Welterkenntnis". Es sei hohe Zeit, sagt Will Durant. der andere Amerikaner, daß auch die Philosophie sich säkularisiere, wie Wissenschaft und Kunst, Gesellschaft und Wirtschaft schon längst getan: daß sie aufhöre, verkappte Theologie zu sein, und endlich lerne, fest auf dieser unserer Erde zu stehen. Man sieht es gleich. Der amerikanische Philosoph fährt Auto. Die europäische Philosophie allein klebt wie eine ängstliche alte Jungfer, die sich nicht über die Straße traut, an der Bordschwelle, an der Schwelle veralteter Problemstellungen, die recht eigentlich Fußgänger- probleme sind. Die Augenlinie des Fußgängers berührt schon nach 20 Meter den Erdboden, die des Kraftfahrers aber erst nach 100 Meter. Alle bisherige Weltweisheit aber war Fuh- gängerphilosophie mit dem kurzen Blick für das Rächstliegende, ohne Gefühl für die großen biologischen Zusammenhänge. Rascher und energischer aber ist "die Auffassung des Autolenkers. Anders erscheint ihm die Landschaft: des Fußgängers stehendes Filmbild wird ihm zum zu- fammenbrängenben Zeitraffer. Lebensgefühl und Metaphysik verdichteii sich wie das Gasgemisch im Zylinder und befähigen ihn zu rascher, rasender Fahrt. Hub rascher unb rascher wird meine eigne Fahrt von kosmischen Stimmungen beflügelt. ... Doch was ist das? Eine unsanfte Erschütterung reiht mich aus meinen Himmeln. ..Halt zum Donnerwetter!!!" Es ist die Stimme des prüfen- den Fahrsachverständigen, ber hinter mir im Wagen Platz genommen hat. „Herr! Wie kommen Sie bazu, rechts zu überholen?! .. . Außer- bem haben Sie einen Handwagen angefahren. Das bedeutet den Durchfall durch die Prüfung, mein Herr!" In der Tat. Heber der Metaphysik hat der Philosoph die Ethik des Llutoverkehrs vergessen! Die Straße aber ist in erster Linie ein soziales, kein kosmisches Phänomen! Ich fluche auf den Amerikanismus. Auch der Autler braucht ein Herz — ein Herz für seine Mitmenschen. Mein Glaube an den herzlosen „Instrumentalismus" ist erschüttert. Riemais wieder besteige ich ein Auto. Heimkehr des verlorenen Sohnes im Flugzeug. In ben Romanen kehrt ber verlorene Sohn nicht immer wie in ber Bibel als armer Teufel zurück, sondern häufig als Retter in höchster Rot, unb es verfehlt auf naive Gemüter nie die Wirkung, wenn die Familie aus dem alten Heim vertrieben werden soll und im letzten Augenblick der verschollene Spröß- ling als reicher Mann heimkehrt und Glück und Segen über die Seinen bringt. Ein solcher Roman- schluß hat sich kürzlich in ber Wirklichkeit ereignet, unb zwar kehrte ber verlorene Sohn, den neuzeitlichen 'Anforderungen entsprechend, im Flugzeug heim. In der Stadt Kingston im Staate Missouri lebte schlecht und recht ein wackerer Landmann namens Henry Cox. Er hatte einen Sohn Ralph, der dem Baker wenig half und an nichts anderes dachte als an Fliegen. Aber der Vater, dessen.Besitzung verschuldet war, hatte kein Geld, um den Jungen als Flieger auszubilden. Da, eines Tages, verschwand Ralph, und der Vater hörte, daß er sich Geld geborgt hatte, um auf eine Fliegerschule zu gehen. Weiter vernahm er nichts mehr von seinem Jungen und trauerte um den „verlorenen Sohn". Unterdessen ging es ihm immer schlechter. Er konnte die Zinsen unb Steuern nicht mehr bezahlen, und so sollte schließlich seine Besitzung versteigert werden. Die Versteigerung war um 9 Uhr morgens angesetzt. Landleute in Kraftwagen, zu Pferde unb zu Fuß strömten aus ber Umgegend zusammen, denn man hoffte, das Gut, des alten Cox billig zu erstehen. Schon wollte der Versteigerer auf ein Gebot den Zuschlag erteilen und hatte bereits ben Hammer erhoben, als man plötzlich ein Surren unb Schwirren in den Lüften hörte. Der Auktionator hielt mit dem Hammerschlag inne; aller Augen richteten sich empor, und man sah ein Flugzeug am blauen Himmel schweben. Solch ein Anblick ist in Missouri immerhin noch eine Seltenheit, unb so verfolgte man eifrig ben Menschen-Vogel, ber sich in eleganten Kreisen auf ein benachbartes Feld herniedersenkte. Aus ber Maschine stieg — Ralph unb 303 ben anroefenben 0c» richtsoollzieher in ein kurzes, aber erregtes Gespräch, nach dem er eine bicke Brieftasche hervorzog und alle Schulden auf Heller und Pfennig bezahlte. Die An» wärter auf die Farm zogen mit langen Gesichtern ab, während Vater Cox seinen „ungeratenen Jungen" in die Arme schloß und in die Worte ausbrach: „Unb da sagt man, baß es heute keine Wunber mehr gibt!" aus zahlen bie Auslanbbeutschen_ noch ihre eigenen nationalen Steuern, bie oft bie Staatssteuern überschreiten. Das Bekenntnis zum Deutschtum unb ber Wille, ber Muttersprache treu zu bleiben, ist zumeist nicht nur ibeeller Art, fonbern oft mit großen finanziellen Opfern oerbunben. Deshalb müssen wir im Mutterlanbe bem Auslanbbeutschtum nach b e ft c 11 Kräften helfen, beim wir haben in ben Aus lanbbeutschen überall Pioniere zu erblicken, bie beut« scher Sache unb ihrer Weltgeltung Wege bahnen. Aus bleiern Grunbe mühte eigentlich ein jeder Deutscher wenig st ens Mitglied des Vereins für bas Deutschtum im A u s - l a 11 b e fein, ber nun in Kiel feine Tagung ab« halten wirb. gen und Warmwasserbereitungen, auch Radia- toren-Heizkörper, die bekanntlich ebenfalls in unserer nächsten Rähe angefertigt werden, möchten auch gerne in jedem Haushalt recht bald Eingang finden. Für alle diese Verwendungsstellen werden die neuesten Meßinstrumente gezeigt. Besondere Beachtung verdient die Organisation des Slbrechnungsverkehrs, der sich in großen, besonders aufgebauten Bureaus abwickelt. Das Wasser, das zweite wohl am meisten benutzte Element, wird auf die verschiedenste Weise gewonnen, wobei als Grundlage der Kreislauf des Wassers in der Statur dient, der als Wandgemälde dargestellt ist. Oberflächengewin» nung wechselt mit Grund- und Quellwassergewinnung. Die Großstädte Deutschlands, an der Spitze Berlin, das mit seinen großartigen Werken in erster Linie dazu berufen ist, bringen ihre Methoden, wie bei Gas, auch bei Wasser zur Schau. Einen breiten Raum nimmt die Wasseraufbereitung ein, mechanische und chemische Vorgänge, wie Filtration und Chlorierung, Ent- säuerung und Enthärtung usw., zeigen uns, mit welcher Exaktheit und Sorgfalt die Wasseraufbereitung unter ständiger Kontrolle steht, bevor das Raß zum Verbraucher gelangt. Auch die Abwasserbeseitigung, die leider noch oft verkannt unb in ihrer Bedeutung unterschätzt wird, ist auf dieser Ausstellung in das rechte Licht gerückt. Die Gas- und Wasserleitungsrohre in Gußeisen und Beton mit Eisen- einlage, die gleichfalls nach den allerneuesten Erfahrungen und Methoden im benachbarten Wetzlar hergestellt werden, wirken sehr dekorativ, diese Objekte sind neben den großen Wasser- schieberu die populärsten Teile einer Wasserleitungsanlage. Wasser messer neuester Bauweisen sind gleichfalls vertreten. Einen bemerkenswerten Kampf führt die F i 11 i n g s i n d u st r i e, die in unserer Stadt ebenfalls ansässig ist, gegen die Herstellung der Schweißverbindungen. DaS B a d e s a ch, für welches eine der bedeutendsten Hnternehmungen in Gießen heimisch ist, ist in großer Mannigfaltigkeit zu sehen. Zeitgemäße offene Sommerschwimmbecken in großen Sportanlagen wechseln mit Schwimmbadeanstalten in Form gedeckter Hallenbäder und Fluß- bzw. Seebädern. Auch große Badeprojekte unter Zugrundelegung der rentablen Abwärmeverwertung sind zur Schau gebracht. Hand in Hand mit der Technik arbeitet bie Wissenschaft, bie ihre Bearbeitungsgebiete in der Chemie der Wasseraufbereitung hat, daneben in der Hntersuchung der Materialschäden in Gas- unb Wasserwerksanlagen. Statistik und Bauliches vervollständigen diese in ihrer Aufmachung und Konzentration wohl einzig dastehende deutsche Ausstellung. Minderheiten - Auslanddeutschtum. 3ur Pfingstiagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande. Von Frih Heinz Neimesch. Durch bas ganze beutsche Volk geht ein Sehnen unb Streben nach Zusammenfassung ber nationalen Kräfte, noch Schaffung von Kraftmittelpunkten, die es uns ermöglichen sollen, wieber einmal bas zu werben, was wir waren, von der Welt geachtet und angesehen als bie größte und kulturell bebeutfamfte Ration Europas. Wir sind auf bem Wege, ein Volk zu werben--spät, sehr spät, fast zu spat, denn schon sinb wichtige Teile aus unserem Volkskörper für ewige Zeiten gerissen, bie wir nie mehr mit uns oerbinben können, bie Niederländer, noch vor wenigen Jahrhunderten Deutsche genau so wie Westfalen, Rheinländer ober Oldenburger unb bie Deutsch-Schweizer. Die Gefahr ber Ver- schweizerung besteht für O e st e r r e i ch, in noch viel stärkerem Maße aber in Luxemburg und bei Danzig, vielleicht auch ein wenig im Saarge b i e t. Eine solche Verschweizerung gefährdet aber wenigstens nicht die deutsche Kultur dieser Gebiete, sie macht mir ihre Menschen politisch indifferent am Schicksal des Reiches und pflegt kleinliche Kräh, winkelet. Der Drang ber Menschen, mit bem Mutterlande vereinigt zu sein, wird im Saargebiet und in Oesterreich aber auch in Danzig stärker fein, als ber Wille unserer Gegner, bie diese Wiedervereinigung glauben fürchten unb verbieten zu müssen. Währenb also biete Gebiete in ihrer kulturdeutschen Zusammensetzung kaum gefährdet erscheinen, sind es aber bie grenzbeutscben Gebiete Elsaß- L 0 t h r i n g e n, E u p e n - M a l m e d y unb S ü d- t i r 0 I nebst ber Südsteiermark, ber ganze beutsche Osten unb noch sehr viel mehr alle ausland- deutschen Gebiete, während die Tschechoslowakei unb Dänemark nicht in ber Lage sein werden, ihre Deutschen zu assimilieren, 'an dachte vor zehn Jahren wer weiß welche große politische Tat zu tun, als man bie sog. Minderheitsschutzklausel schuf und in die Friedenstraktate einbaute. Vor ber ganzen Welt fühlten sich bie Großen Fünf falviert, glaubten ber Demokratie ein ungeheuerliches Opfer gebracht zu haben, wobei erwähnt werben muß, baß sie natürlich sich selbst nicht verpflichtet haben, ihre Minderheiten als gleichberechtigte Staatsbürger zu behandeln. Alles andere ist eingetreten, nur nicht bie Ruhe auf bem Gebiet ber Minberheitenfrage, um bie man mit lächerlicher Katzenpfötigkeit herurngeht, sie von allen Seiten beäugt, sich aber nicht getraut, einmal ein klares Ja oder Nein zu sagen; das demokratische Odium könnte allzuleicht verletzt werden. Kein Problem wird in Angriff genommen, ja, man hat ben Cinbruck, als ob man in Genf — mit Ausnahme ganz weniger Männer, so vielleicht ber Ungarn, ber Russen und ber Sübflaroen — überhaupt nicht über das Problem ber Befriebung ber Minderheiten nachgedacht hat. Strefemanns großzügige Vorschläge wären unmöglich auf ein so fassungslos unorientiertes Publikum gestoßen, wenn sich die Herrschaften schon einmal bemüht hätten, zu verstehen, was die Minderheitenfrage überhaupt bedeutet. Man will Millionen Menschen, wenn auch nicht gerade überall in so brutaler Form, wie dies ber Faszismus in Südtirol tut, zwingen, f i ch zu assimilieren, d. h. sein Volkstum gegen ein anderes auszutauschen, so wie man ein Hemd wechselt. Man hält das für ganz selbstverständlich, ja, ist sogar erstaunt darüber, daß wir Deutschen zum Beispiel gar keine Lust dazu zeigen, uns gleich den Schlangen zu häuten unb heute deutsch, morgen polnisch unb übermorgen vielleicht russisch zu sprechen, zu lernen, zu beten. Da ben europäischen Auslanddeutschen ihr Deutschtum lieb ist und sie es eben nicht mehr so leicht ablegen, wie es heute noch viele Reichsdeutsche machen, die übers große Wasser nach Amerika gehen unb schon nach vierzehn Tagen glauben englisch radebrechen zu müssen, auch wenn sie mit einem Landsmann sprechen, so erklärt man, die 'Auslanddeutschen Gegen die Tierquäler. Der aufopferungsvollen Tätigkeit des Deutschen Tierschuhvereines ist es zu verdanken, daß dem Reichstag vor kurzem ein Antrag vorgelegt worden ist, in dem eine Verschärfung der im Strafgesetzbuch vorgesehenen Strafen für die Tierquäler gefordert wird. Bereits in der nächsten Zeit dürfte dieser Antrag vor den in Frage kommenden Instanzen zur Beratung kommen, und es ist damit zu rechnen, daß diesem Anträge stattgegeben wird. Es ist bei dieser Gelegenheit interessant, einmal Släheres über den Deutschen Tierschuhverein zu hören, der im ganzen Reiche Zweigvereine unterhält und seit dem Jahre 1841 ununterbrochen im praktischen Tierschutz tätig ist. Der Verein befaßt sich vor allem damit, die Tierwelt vor groben Mißhandlungen zu schützen. So hat er im vergangenen Jahre in Verfolg von Tierquälereien 2197 Strafanzeigen erteilt, von denen 640 Anzeigen zur Bestrafung der Täter, 321 Anzeigen zur Verwarnung führten. In der Hauptsache erstreckten sich die Tierquälereien auf Pferde, Hunde und Katzen. In allen deutscheiV Städten verfügt der ®eutfd>c Tierschuhverein: über Heime und Tierhorte, die gegen geringes Entgelt jeden Rat und jede Pflege in Tier» angelegenheiten erteilen. Berlin z. B, das über drei große Tierhorte verfügt, hat im vergangenen Jahre allein rund 50 000 mal Auskünfte erteilt. Etwa 100 000 Tiere sind in den Kliniken in einem Jahre ärztlich behandelt und verpflegt worden. Die Berliner Zweigstelle hat vor kurzem sogar einige Sltotorbreiräber in den Dienst gestellt, um den im Straßenverkehr verunglückten Tieren raschere Hilfeleistung zuteil werden zu lassen. Die umfangreiche Organisation des Deutschen Tierschuhvereins trägt also in weitgehendem Maße dazu bei. wo es nur irgend wie augeht. schuhbedürftigen Tieren zu helfen. Der vor der Beratung stehende Antrag auf Strafverschärfung bei Tierquälereien ist feine jüngste Initiative, die hoffentlich zu dem gewünschten Erfolg führt. seien verstockte Sünber, unb man würbe ihnen bann eben auf anbere Weise bie Flötentöne beibringen. Die Minberheitenschutzklauseln hat man vergessen, unb Herr Minister Benesch unb seine Kollegen von ber Kleinen Entente verlangen, man sollte diese Klauseln überhaupt a u s h e b e n , denn sie brückten ungebührlich — wie wenn sich schon irgenb jemand von ihnen nach ben Klauseln gerichtet hätte. Was wollen die deutschen Minderheiten selbst? Soweit es echte Minderheiten sind, also nicht Teile des geschlossenen deutschen Sprachgebiets, die in einen fremden Staat hineingezwungen wurden, unb deshalb noch Wiedervereinigung streben, wie bie Su- detenbeutfchen, fordern diese Deutschen die Kultur- Autonomie, also eine Selbstverwaltung in allen nationalen Fragen, die fca sind, Schule, Kirche, Künste unb Wissenschaften, aber auch in sozialen Fragen, wie Altersversorgung, Säuglingspflege, Kinderbewahrung, Kamps gegen Tuberkulose unb Trunksucht, Mütter- unb Eheberatung, Büchereiwesen und in all den anderen Angelegenheiten, die wegen mangelnden Beweises freigesprochen, da immerhin das übrigens ganz erfolglose Telegramm auf Grund der Beweisaufnahme auch einen andern Sinn und Zweck gehabt haben kann, als die Anklage annahm. Zudem handelte die Mutter, auch wenn sie es bestritt, fraglos ganz unter dem Einfluß ihres Ehemannes. Ein in Diensten einer auswärtigen Firma stehender früherer Eisenbahnbeamter in einem Nachbarort hatte auf Empfehlung einen ihm bis dahin fremden Mann, der einen falschen Namen führte, in Logis genommen, damit er der Firma aus der Umgegend Kunden zuführe. Dieser belohnte das Vertrauen schlecht; er stahl seinem in bescheidenen Verhältnissen lebenden Loaisgeber etwa 250 ML und verschwand. Seine Verbindlichkeiten hat er diesem gegenüber nicht erfüllt. Der Diebstahl war Wohl vorbereitet. Die Re- cherchen nach dem Dieb waren infolge der falschen Namensangabe erschwert; schließlich wurde er unter seinem richtigen Namen in einer anderen Sache verhaftet. Seine Strafe lautete auf drei Monate Gefängnis. Kirchengesangvereinsfest in Gießen 50 jähriges Bestehen des Evang. Kirchengesangvereins Gießen. - 45. Zahresfest des Evang. Kirchengesangvereins für Hessen. * Gießen, 13. Mai. Am gestrigen Sonntag feierte der hiesige Kirchengesangverein sein bOjähriges Be- st e h e n. Große und langwierige Vorbereitungen waren nötig gewesen, um die Feier so würdig auszugestalten, wie dies beim Festgottesdienst am Sonntagvormittag in der Stadtkirche zutage trat. Daß Kirchenfeste noch immer eine große Anziehungskraft beim größten Teil unserer Gemeindemitglieder haben, zeigte die Tatsache, daß schon lange vor Beginn der Festgottesdienste die Kirche von Freunden der Kirchengesangvereinssache dicht beseht war. Den Altardienst im Vormittags-Gottesdienst versah Pfarrer A u s f e l d (Gießen). Den Höhepunkt des Gottesdienstes bildete die musikalisch hochstehende Kantate Nr. 34 „O, ewiges Feuer", ein Meisterwerk unseres Kirchenmusikers Johann Sebastian Dach. Die vielen Schwierigkeiten in den Einsätzen und die zum Teil recht schweren Tonfiguren der Kantate wurden von dem Chor unter der sicheren Leitung seines musikalisch fein empfindenden Dirigenten, Lehrer Linden- st r u t h, glatt bewältigt. Der Orchesterverein Gießen, der die Begleitung des Werkes übernommen hatte, zeigte großes Können und feines Anpassungsvermögen, so daß der Aufführung ein voller Erfolg beschieden war. Die Solisten, Stadtorganist Simon (Tenor) und Studienrat Dr. Krauß (Daß), waren ihrer Aufgabe voll gewachsen und Fräulein 6 t am m I er brachte bei gewohnter Sicherheit mit weichtönender Stimme ihre Arie zum Vortrag. Auch Frau Dr. Fischer (Klavier) fügte sich passend dem Rahmen ein. 3n seiner Fe st predigt über Psalm 103, Vers 20 bis 22: „Lobe den Herrn, ihr seine Engel..." führte der Redner, Pfarrer Lenz, aus, daß das 50jährige Bestehen des Kirchengesangvereins nicht nur ein Musikfest, sondern in der Hauptsache ein Kirchenfest sein solle. Kirchengesangvereine sollen Vorsänger der Gemeinde sein und Diener Christi. Die Feier hinterließ tiefen Eindruck. War der Sonntagvormittag in der Hauptsache mehr dem Gießener Kirchengesangverein gewidmet, so galt das Kirchenfest am Sonntagnachmittag namentlich der Feier des 4 5. Zahresfestes des Evang. Kirchengesangvereins für Hessen. Schon kurz nach 1 Uhr hatte sich die Stadtkirche mit Glaubensbrüdern aus allen Teilen Oberhessens gefüllt, die dem Festgot- t e s d i c n st beiwohnen wollten. Ein Orgelspiel, eine Fuge von Ioh. Seb. Dach, vorgetragen von dem Stadtorganisten, Lehrer Simon, leitete die Feier ein. Wie immer bei derartigen Angelegenheiten, so hatte sich auch diesmal wieder das Kalbhennsche Hornquartett aus Großen-Duseck in den Dienst der guten Sache gestellt und brachte eine vortreffliche Wiedergabe einer Fuge von Gottfried Reiche. Dann erklang aus den Kehlen der vielhundert Sänger und Sängerinnen, geleitet von Lehrer Romer (Großen-Linden), der vierstimmige Choral: „Komm, o, komm, du Geist des Lebens", abwech- Vornan einer Nacht Von Paul Nosenhayn. 28. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Sie geben selbst zu, daß es möglich ist. Glücklicherweise'bin ich in der Lage, auf eine fundamentale Einstimmigkeit aufmerksam zu machen. Die Angeklagte Marfa Ermolieff behauptet, Sie nicht zu kennen. Der Kapitän Chrysander aber hat ausgesagt, er habe Fräulein Ermolieff am Morgen des Mordtages mit Ihnen, Herr Sokoloff, zusammen im Oerstedspark gesehen. Wir haben alle Ursache, anzunehmen, daß Kapitän Chry- sonder die Wahrheit gesagt hat — und daß die Angeklagte aus einem Grunde, den wir noch nicht kennen, versucht hat. Sie zu schützen. Wollen Sie uns über diesen Punkt Auskunft geben?" „Warum nicht, Herr Staatsanwalt? Der Kapitän Chrysander hat die Wahrheit gesagt!" „Sie geben zu, daß Sie am Mordtage mit der Angeklagten zusammen waren?" „Gewiß." „Und warum hat nach Ihrer Meinung Fräulein Ermolieff diese Tatsache geleugnet?“ Sokoloff zuckte die Achseln. „Cs dürfte so fein, toie Sie vermuten: sie wünschte mich zu schonen." „Sie zu schonen ... Sie zu schonen..." Aage Lund sah dem Staatsanwalt triumphierend in die Augen. „Sie gestehen damit, daß Sie einen Anteil an dieser Tat haben, der bisher verschwiegen worden ist?" „Herr Sokoloff," sagte der Staatsanwalt, „daß Sie hierhergekommen sind, freiwillig gekommen sind, hat natürlich nicht verfehlt, auf uns alle einen günstigen Eindruck zu machen. Ich darf daraus schließen, daß Sie willens sind, für das einzustehen, was man Ihnen zur Last legt, und daß Sie gekommen find, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Ich möchte Sie klipp und klar fragen. Wer hat den Mord an Doris Remisow begangen?" Wieder zogen sich alle Dlicke auf Sokoloff. Der zog sorgsam den Nappahandschuh von der Rechten. Und, indem er dem Fragenden plötzlich ins Gesicht sah, sagte er mit leiser Stimme: »Diese Frage, Herr Staatsanwalt, möchte ich nicht beantworten." „Ich mache Sie darauf aufmerksam, Herr Sokoloff, daß es in meiner Macht steht, Sie augenblicklich verhaften zu lassen." „Ich weiß es. Aber ich muß Ihnen sagen, daß ich entweder freiwillig oder gar nicht aussage." felnd mit der wohl 2000 Seelen zählenden Gemeinde. Oberkirchenrat Wagner, der Superintendent für Oberhessen, legte seiner Festpredigt den Text aus Johannes, Kapitel 15, Vers 26 und 27 zugrunde: „Wenn aber der Tröster kommen wird..." Nach der Predigt sangen die vereinigten Chöre, geleitet von Lehrer Römer (Großen-Linden) unter machtvoller Orgelbegleitung das Glaubensbekenntnis, eine Umdichtung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses von Luther nach einem Sah von Wilhelm Wolfrum. Mit einem Orgelnachspiel, einer Fuge in D-Moll von Max Reger, sand die erhebende Feier Üjr Ende. Der Jefhug von drei Posaunenchören geführt, mit 28 Kirchen- gesangvereinen und vielen sangesfrohen Iugend- gruppen, die durch ihre bunten Wimpel und Abzeichen den Festzug belebten, zählte etwa 3000 Menschen. Er bewegte sich zur Vvlkshalle, wo sich abi 4 Uhr der Festakt vollzog. Nach Eröffnung durch die bereinigten Posaunenchöre von Klein-Linden und Lang-Gons und einigen Dläsern aus Gießen und Lich, geleitet von Herrn Germer, Klein-Linden, fanden die Degrühungen und die Darbringung der Glückwünsche statt. Als erster Redner sprach Pfarrer S t a u b a ch , Watzenborn-Steinberg, der Vertrauensmann der Kirchengesangvereine des Dekanats Gießen, einen herzlichen Willkommen- und treudeutschen Gruß. Er begrüßte insbesondere den Vorstand des Evangel. Kirchengesangvereins für Hessen, ferner die anwesenden 28 oberhessischen Vereine, die nimmermüden und immer wieder mitwirkenden Posaunenchöre, die Vertreter der Kirchenbehörde, den Prälaten D. Dr. Diehl und Oberlirchenrat Wagner, den Dekan G u tz m a n n , Kirchberg-Lollar, die Kirchengemeinde Gießen, die Vertreter der Gießener Universität und den Vertreter der Stadtverwaltung Gießen, und dankte allen für ihre Mitarbeit und Unterstützung. Dekan G u ß m a n n überbrachte die Grütze des Dekanats Gießen, feierte den Gießener Iubelverein und dankte chm besonders für seine Mitarbeit im Dekanat in wn verflossenen Jahren. Im Auftrage der Stadt Gießen begrüßte Beigeordneter Dr. Hamm den Gießener und den Hessischen Kirchengesangverein. Der Vertreter der Universität, Se. Magnifizenz Prof. Dr. Herzog und der Vertreter der Theologischen Fakultät. Prof. Dr. Dornkamm, schlossen sich den Wünschen der Vorredner an. Den Degrüßungen folgte der Massenchor von fast tausend Sängern und Sängerinnen der Vereine, geleitet von Lehrer Römer, Großen- Linden. Da die vielen Vereine nicht einzeln auftreten konnten, so hatte man sie in fünf Gruppen eingeteilt, und jede dieser Gruppen trug dann einen Chor vor. Zur Gruppe 1 gehörten die Vereine von Hausen, Leihgestern, Rieder- Eschbach, Nidda und Watzenborn-Steinberg (Dirigent Finanzsekretär Sommer, Watzenborn- Steinberg). Zur Gruppe 2 gehörten Allendorf (Lahn), Dutzbach, Großen-Linden, Klein-Linden, Dad-Nauheim und Ober-Rohbach (Dirigent Leh- „Darf ich mir also die Frage erlauben, Herr Sokolöff, mit welchen Aussagen Sie uns erfreuen wollen?" „3d) möchte einen Vorschlag machen. Ditte, stellen Sie Ihre Fragen: ich werde sie beantworten — oder ich werde sie nicht beantworten. Je nachdem." Aage Lund sprang auf. „Jetzt wird es mir zu bunt!" schrie er. „Herr Sokoloff scheint der Meinung zu fein, er könne mit einem dänischen Gericht Katz' und Maus spielen! Ich protestiere gegen ein solches Benehmen — und ich teile völlig die Meinung des Herrn Staatsanwalts, daß man Herrn Sokoloff eine kleine Probe von den Machtmitteln geben sollte, die die Justiz glücklicherweise in ihren ^Händen hat! Nichts ist offensichtlicher als die Tatsache, daß hier ein Geheimnis vorliegt — und daß Herr Sokoloff dieses Geheimnis kennt. Ein Mann kommt, direkt von einer Katastrophe, die zu den schwersten Heimsuchungen gehört, die einem Menschen begegnen können; er kommt in den Gerichtssaal, um seine Pflicht zu tun; in dem Augenblick, in der er einen Namen nennen will, schreit die Angeklagte dazwischen und hindert ihn, diesen Namen auszusprechen. Die Angeklagte hat uns ferner versichert, sie kenne diesen Sokoloff nicht; Sokoloff selbst zerstört aus einem Grunde, den wir nicht kennen — diese Unwahrheit und erklärt: Ich kenne Fräulein Ermolieff. So ganz nebenbei erfahren wir plötzlich, daß Fräulein Ermolieff in Wahrheit gar nicht Fräulein Ermolieff ist, sondern Frau Riedinger — die Frau jenes Zeugen, der aller Wahrscheinlichkeit weiß, daß Marfa Ermolieff unschuldig ist. Und nun — alles wird damit umgeworfen — kommt ein gewisser Herr Sokoloff und erzählt uns in aller Seelenruhe, er wolle sich die Fragen aussuchen, die er beantworten, und die er nicht beantworten werde, Herr Sokoloff," — er wandte sich zu dem Angeredeten herum — „ich kann Ihnen verraten: ich weiß mehr von Ihnen, als Sie ahnen. Wir wissen mehr. Ich weiß, daß Sie in Politische Konspirationen verwickelt find — und daß Sie, wenn nicht alles täuscht, eine Art Fichrerrolle haben. Ich wette hundert gegen eins, onß dieser Mord an Remisow ein politischer Mord ist — und ich bin felsenfest davon über» jeugt, daß die Tat unter Ihrer Aegide geschehen 'n ~ daß Sie, Herr Sokoloff, der intellektuelle Urheber des Mordes an Remisow sind!" Der Staatsanwalt griff die letzten Worte des Verteidi^rs auf. „Ich gehe noch einen Schritt r ct^cr‘r gibt nur eine Erklärung für das sonderbare Verhalten der Ermolieff. Für diesen Ausbruch Für diesen Aufschrei: .Ich verbiete dir, den Namen zu nennen!‘ Frau Ermolieff ist ret Römer, Großen-Linden). Zur Gruppe 3 gehörten Alten-Duseck, Steuern, Büdesheim, Burkhardsfelden, Laubach und Oppenrod (Dirigent Chormeister Nicolai, Gr.-Duseck). Zur Gruppe 4 gehörten Gießen, Grünberg, Heuchelheim, Londorf, Treis a. d. Lda. (Dirigent Lehrer Linden- struth, Gießen). Zur Gruppe 5 gehörten Alsfeld, Appenrod, Dannenrod, Grohen-Eichen, Lauterbach und Romrod (Dirigent Musiklehrer Meinhardt, Alsfeld). Die vorgetragenen Chöre fanden allgemeinen Beifall und zeigten, daß in Stadt und Land eifrig an der Weiter- durchbildung der Kirchengesangvereine gearbeitet wird. In der Pause sprach zunächst Pfarrer Marx, Darmstadt, der erste Vorsitzende des Evangel. Kirchengesangvereins für Hessen. Er wies in feiner Ansprache darauf hin, daß eigentlich schon 50 Jahre verflossen seien seit Bestehen des Hessischen Kirchengesangvereins und übermittelte noch Grüße des Hessischen Kultusministers, ferner der Druderverbände von Nassau und Kurhessen und des Vorsitzenden des Deutschen Kirchengesang- verbandes. Der Oberhirte der Hessischen Ländeskirche, Prälat D. Dr. Diehl, führte etwa folgendes aus: Erst mit der Gründung der Hessischen Kirchen- gesangvereine vor etwa 50 Jahren ist eine Besserung des Kirchengesanges zu beobachten gewesen. Mit der Singbewegung ging Hand in Hand die Bewegung zur lebendigen Gemeinde. Der Dank für den Fortschritt gebührt in erster Linie den Kirchengesangvereinen, die heute noch ein Stück Volksgemeinschaft darstellen, denn reich und arm, alt und jung ist in ihnen vereinigt. Pfarrer Ausfeld, Gießen, als Vertreter des verhinderten Pfarrers Dechtolsheimer brachte Grüße des Evangel. Kirchenvorstandes Gießen. Auch der Posaunenchor des Evangel. Arbeitervereins trug durch guten Vortrag eines Musiki stückes zur Ausgestaltung der Feier bei. Mit einem Posaunennachspiel der vereinigten Posaunenchöre fand die erhebende Feier ihr Ende. Sie war ein Zeugnis evangelischer Stärke und Kraft und eine machtvolle Kundgebung des evangelischen Volkes aus Gießen und der ganzen Provinz. Hauptversammlung des Evang. Kirchengesangvereins für Hessen. Am Montag fand im Gemeindesaal der Iohan- neskirche zu Gießen die Hauptversammlung des Evang. Kirchengesangvereins für Hessen statt. Nach Eröffnung mit dem Choral -Lobe den Herrn, o meine Seele" begrüßte der Vorsitzende, Pfarrer Marx (Darmstadt), die Vorstandsmitglieder aus Oberhessen und Starkenburg und die zahlreich versammelten Pfarrer, ßefjrer und Freunde des Vereins. Er dankte allen, die zum guten Gelingen der Feier am Sonntag beigetragen hatten, besonders Pfarrer S t a u b a ch (Watzenborn - Steinbach), Pfarrer Ausfeld und Professor Weimar (Gießen), dem Vorsitzenden des Gießener Kirchengesangvereins. Dann wurde in die Verhandlungen eingetreten. Von vielen Seiten wird gewünscht, daß verdienten Mitgliedern der Kirchengesangvereine, vielleicht aus Anlaß der 25jährigen aktiven oder audj der 40jährigen passiven Mitgliedschaft, Ehrendiplome überreicht werden. Prof. Koch (Offenbach) hatte die Ausarbeitung eines solchen Diplomes übernommen, und der Entwurf fand Beifall, so daß der Kochschen Künstlerwerkstatt in Offenbach 100 Mk. genehmigt wurden für die Weiterausarbeitung der Diplome. Den Rechnungsbericht erstattete Pfarrer Marx. Die Einnahmen im Jahre 1928 betrugen im ganzen 6887,94 Mk., die Gesamtausgaben 6230 Mk., so daß ein Kassenüberschuß von 657,97 Mk. verbleibt. An Unterstützungen für Vereine wurden 360,20 Mk. ausbezahlt. Nach Prüfung der Rechnung wurde diese genehmigt. Den Jahresbericht erstattete Dekan Zimmermann (Darmstndy. Hessen zählte am 1. Mai im ganzen 222 Xirchengesangvereine mit die Täterin — sie hat die Tat begangen auf Geheiß Sokoloffs. Sie liebt Sokoloff: mit dem Opfermut der Frau will sie ihn schützen. Ist es nicht so, Frau Ermolieff? In Gegenwart Ihres Gatten, bei dessen Anblick Ihnen vielleicht das Gewissen schlagen wird, fordere ich Sie auf, die Wahrheit zu sagen. Cs handelt sich in diesem Augenblick nicht mehr um die plumpe Frage: du oder ich — es handelt sich um den geheiligten Begriff der Pflicht — es handelt sich um den göttlichen Gedanken der Wahrheit. Drängen Sie Ihre Gefühle für einen Mann zurück, der, Sie wissen es längst, ein Verbrecher ist — denken Sie an das übermenschliche Opfer, das Ihr Gatte gebracht hat, in dem fiebernden Verlangen, Ihnen zu helfen, Sie zu retten, Ihren Körper zu retten vor der entehrenden Schmach einer furchtbaren Strafe — Ihre Seele zu retten von der grauenhaften Schuld, sie reinzuwaschen vor Gott und den Menschen. Ich fordere Sie auf, Marfa Ermolieff: beantworten Sie die Frage: hat Fedor Sokoloff Anteil an dem Mord an Remisow?" Marfa Ermolieff hob den Kopf; sie sah auf den Staatsanwalt — sie wandte die Augen herum zu Fedor Sokoloff, der undurchdringlichen Gesichts vor sich hinblickte — und sie sah auf Riedinger, der sich halb in feinem Sessel erhoben hatte und sie mit einem Ausdruck ansah, den sie offenbar nicht verstand. Sie sah hinüber in den Zuhörerraum, aus dem nicht ein Laut kam; sie mochte begreifen, daß in diesem Augenblick alles von dem Wort abhing, das sie sprechen würde. Langsam hob sie die Hand, als ob sie ein unsichtbares Hemmnis beiseite schiebe — langsam stand sie auf. Aber während sie mit letzter und schwerster Anstrengung sich anschickte, zu sprechen, kam wieder das älncrtoartcte, das in dieser ereignisreichen Nacht Herrschaft über alles hatte, dazwischen: Bruno Riedinger, ihr Gatte, erhob sich. Er sagte: „Ich muß einen Irrtum zerstören. Ich bin gekommen, um zu bekennen, daß meine Frau unschuldig ist. Daß auch Sokoloff nichts mit dieser Sache zu tun hat. Denn ich habe Doris Remisow ermordet: aus Eifersucht. Weil er der Geliebte meiner Frau war." „HerrStaatsratKrenhl" Aus dem Zuhörerraum kam ein Schrei. Sokoloff blickte hinüber; der Vorsitzende erhob sich. Es war Linda Andersen, die aufgeschrien hatte. „Angeklagte Ermolieff," sagte der Vorsitzende, „ist das, was Ihr Mann uns gesagt hat, die Wahrheit?" Die Gefragte antwortete zögernd, mit leiser Stimme, indem sie den Kops senkte: 8 Frauenchören und 11 Chorschulen. Davon entfallen auf Starkenburg 107 Kirchengesang- dereine, 2 Frauenchöre und 9 Chorschulen, auf Rheinhessen 67 Kirchengesangvereine und eine Chorschule und auf Oberhessen 48 Kirchengesangvereine mit 4 Frauenchören und einer Chorschule. Auf die einzelnen Dekanate in Oberhessen verteilen sich die Vereine folgendermaßen: Gießen 13 und eine Chorschule, Alsfeld 5, Büdingen 5, Friedberg 7, Grünberg 3, Hungen keine, Lauterbach 4. Nidda 2. Rodheim 6 und Schotten 3. Gegen das Jahr 1927 hat sich die Zahl der Gesamtvereine in Hessen um 2 erhöht. Für ein ausscheidendes Mitglied wurde Direktor Obmann (Mainz) neu in den Vorstand gewählt. Eine längere Aussprache fand über das Verhältnis zu der Genossenschaft der deutschen Tonsetzer (Afma und Gema) statt. Da in Hessen nur noch in ganz vereinzelten Fällen Kirchenkonzerte gegen Eintrittsgeld stattfinden, wurde ein Vertrag mit der Genossenschaft abgelehnt. Das nächste Iahresfest soll in Darmstadt abgehalten werden. Den breitesten Raum der Versammlung nahm der interessante Vortrag von Geheimerat D. Dr. Flöring (Darmstadt) über „Die Bestrebungen zur Vereinheitlichung unseres Choralgesanges" ein. Er berichtete ettoa folgendes: Vor rund 50 Jahren wurden in Deutschland mehr als 70 verschiedene Choralbücher gezählt, heute sind es immer noch 39. Das besagt, daß fast jedes deutsche Land seine eigenen Choralmelodien hat. Wie unliebsam sich dieser Umstand bemerkbar machte und noch macht, zeigte sich während des Krieges bei den feldgottesdienstlichen Feiern und heute bei den Kirchenfesten. Als sich die deutsche evang. Konferenz 1853 zum ersten Male mit der Angelegenheit beschäftigte, sollte nach und nach Besserung eintreten. In Hessen waren es die Kirchengesangvereine, die an der Besserung mithalfen, trotzdem sind bis heute noch nicht die Melodien des im Jahre 1888 für Hessen herausgegebenen Choralbuches allgemein eingefüfjrt. Jetzt ist man vielerorts bestrebt, eine Einigung in den Choralmelodien für ganz Deutschland anzubahnen. Aber alle Teile des Reiches müssen Opfer bringen, daß dieses Ziel erreicht wird. Als Bahnbrecher für diesen Gedanken gelten bis jetzt: 1. das Melodienbuch, im November 1921 vom deutschen evang. Kirchenausschuß herausgegeben; 2. das deutsche Gesangbuch und 3. das Choralbuch dazu von Arnold, Mendelssohn. Rheinland und Westfalen lehnen jetzt schon dieses Melodienbuch ab, wollen aber einer Vereinheitlichung des Choralgesanges nicht im Wege fein. Wie steht es in Hessen? Für uns mühten 7 Choralmelodien größere und 10 Melodien kleinere Abänderungen erfahren. Studienrat Borngässer spielte die alten und die neuen Weisen auf dem Flügel vor. Auch wir dürfen uns auf die Dauer einer Vereinheitlichung nicht entgegenstemmen. In der Aussprache, an der sich Univ.-Prof. D. Dr. Cordier (Gießen), Pfarrer Dr. Stumpf (Merlau) und der Vertreter von Nqssau, Prof. Dr. Schlosser (Herborn), Prof. Becker, Pfarrer Marx und Pfarrer Knodt beteiligten, kam zum Ausdruck, daß für Hessen der Zeitpunkt der Einführung eines neuen Gesangbuches verfrüht sei, daß wir unsere Mitarbeit an der Vereinheitlichung des Choralgefanges aber nicht versagen sollen. Ein Beschluß über die für uns noch nicht spruchreife Angelegenheit wurde nicht herbei geführt. Mit herzlichen Dankesworten an alle Beteiligten und Mitwirkenden schloß hierauf der Vorsitzende, Pfarrer Marx (Darmstadt), die anregende Versammlung. Daten für Donnerstag, 16. Mai. Sonnenaufgang 4.08 Uhr, Sonnenuntergang 19.45 Ufyr. — Mondaufgang 11.30 Uhr, Monduntergang 2.20 Uhr. 1788: der Dichter Friedrich Rückert in Schweinfurt geboren; — 1831: der Physiker David Edwin Hughes in London geboren. ..Ds ist die Wahrheit, Herr Richter." „Hat jemand außer Herrn Riedinger Anteil an der Tat? Vielleicht Sie? Vielleicht Herr Sokoloff?" „Niemand." Sokoloff wies mit einer kurzen Handbewegung auf Riedinger. „Sie haben gehört, wie die Dinge stehen. Herr Riedinger hat die Wahrheit gesagt: das ist anerkennenswert; denn er hätte natürlich ebenso den Versuch machen können, mich zu verdächtigen. Darf ich mir eine Frage erlauben: haben Sie etwas dagegen, wenn ich nun, nachdem sich alles geklärt hat, den Gerichtssaal verlasse?" Achselzuckend wandte sich der Vorsitzende dem Staatsanwalt zu. Der sagte: „Hm. Herr Sokoloff gilt als ein Mann, der in mehrere politische Mordtaten verwickelt ist." „Sind diese Taten in Dänemark begangen worden?" „Nein." „Liegt von einem ausländischen Staat ein Aus- lieferungsgesuch vor?" „Nein." „Ist Ihnen irgendein Delikt bekannt, ein positives Delikt — ich spreche jetzt nicht von den Ge- rüdjten, sondern von Tatsachen —. das man Herrn Sokoloff zur Last legt?" „Nein, Herr Präsident." „Eine letzte Frage, Herr Sokoloff: Warum sind Sie nach Kopenhagen gekommen?" „Weil ich hörte, daß mein Name mit der Sache Remisow in Verbindung gebracht wurde: um mich zu rechtfertigen." „Hm. Das läßt sich hören. Legt jemand von Ihnen Wert darauf, daß man Herrn Sokoloff zur Verfügung des Gerichts hält?" „Ja, Herr Präsident," sagte der Staatsanwalt. „Ich glaube, daß wir ihn brauchen werden." „Das gibt uns kaum ein Recht, ihn festzunehmen." Eben trat der Gerichtsdiener ein. „Herr Staatsrat Krentz!" „Sehr gut. Ich möchte ihn gleich vernehmen. Und Sie, Herr Sokoloff, werden die Güte haben, draußen im Zeugenzimmer zu warten, bis wir Sie hereinrufen; ich möchte Sie mit dem Staatsrat Krentz konfrontieren." Sokoloff mochte seine tune lässige Verbeugung und ging zur Tur, die sich eben öffnete. Krentz trat em; er sah Sokoloff mit einem erstaunten Blick an und folgte ihm mit den Augen, bis sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte. (Fortsetzung folgt.) tinS nahm 'at D. Dr Destr". ng un. berichtet wurden in 1 Thvral- 'M 39. ä« '>« Wam sch und noch les bei den >te bei den dang. Äon- Angelegen- 1 Wrung Mngesang. “Fen, trotz, rlodien des «nen 6§0, t ist man m Choral, 'nen. Wer mgen, daß Zecher sür Utiobw 4en evang. Kis deutsche dazu von d Destsalen i ab, wollen 'ralgesanges in Hessen? Mere uni n erfahren, e alten und Auch wir iheitstchung spräche, an ier (©teil) und der öchlvsser Darf und n Ausdruck, Einführung sei, daß wir tlichung des sollen. Ein ■ spruchreife hrt. alle W* x\ der Dor« ), die anrc* L'r 5 8 SSÄ ’S« sch m Uln 2 "d-Am- .Erstand bu-rdas der A.Teuia) JWltn Wb statt. ^est soll öl ein W Darum l*n& in Schwein' avid Edwin Mai. lergang 19.45 nbuniergang undbewegung ,ie die Dinge scheit gesagt- hätte natur- neu, mich zu ige erlauben- 7S rsihende dem 2r Anteil an Herr Soko- ÖHM#61 ickest rf wmm -.G .>*s ÄS lugen.: i, ein Pdst on den ®e' das man JSS 5&S , iverden- : ihn fe^ w. BEHM«? WWÄ 'RE|EiMTSMA CIGARETTEN Diese erprobte Packung bewahrt das edelste Aroma wie imTresorl Skizzen von einer Mischungsanlage, durch die unsere wertvollen Tabakblätter zur reinsten, natürlichen Duftmischung ge- bracht werden. ■ß I t X M MM *■". "#=c.y-s' <> 8 4 / ■ ■■ ■■ kr Lichtspielhaus Gchützenverein e. V., Gießen 434 ID MIT NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN Beachten Sie bitte die untenstehende Annonce der Firma /.Schmücker Nachfolger! Asloria-Lichlspiele Ab morgen bis einschließlich Sonntag das grobe Doppelprogramm Bekanntmachung! der in sämtlichen deutschen Großstädten mit riesigem Erfolg aufgeführt wurde, gratis Die berühmten billiger I. Schmücker Nachfolger 4?6 und daß diese Bei. spiele allgemeine Nachahmung finden. Wenn es nun auch selbstverständlich ist, daß größere Ritte Zeit und Geld kosten, und deshalb dem Durchschnittsmenschen nicht möglich sind, so ist es doch zu begrüßen, wenn dieser schöne Sport in kleinerem Maßstabe immer mehr Aufnahme findet. Der Initiative des Gießener Reitinstitutsbesitzers, Herrn S ch ö m b s, ist es zu danken, daß in Gießen Ausflüge zu Pferde sich einbürgern. Schon im vergangenen Jahre wurden schöne Ritte gemacht. Zu Beginn des Frühlings stieg der erste Zweitageritt. Ziel war das malerisch gelegene Homberg a. d. Ohm. Vorbereitungen zur Uebernachtung hatten sich dort leicht bewerkstelligen lassen. Zwölf der unermüdlichsten Reiter und Reiterinnen versammelten sich in der Universitätsreitbahn. Der frühen Jahreszeit wegen mußte von Waldwegen abgesehen und auf der Landstraße geblieben werden. Heber Großen-Buseck ging es nach Geilshausen, wo gemütlich Kaffeepause gemacht wurde, um dann den Ritt über Odenhausen, Deckenbach fortzusetzen. Es wurde nur auf gutem Boden getrabt und bei Bergen und starkem Gefälle abgesessen. Am späten Nachmittag traf man in dem alten Städtchen Homberg ein. Zu der Strecke von Gießen nach Homberg, die ungefähr 40 Kilometer beträgt, waren trotz gemäch- licken Reitens nur vier Stunden gebraucht worden. Besonders hervorgehoben werden muß die gute Hal- tung von Reiter und Pferd, die bei der Ankunft keinerlei Ermüdung zeigten. Nach Versorgung der Pferde schloß ein gemeinsames Abendessen und ein gemütliches Beisammensein bei Grammophonmusik und Tanz den Abend. War tags zuvor das Wetter trübe und regnerisch, so strahlte am andern Morgen die Sonne über das Ohmtal. Nach einem Gang durchs Städtchen, bei dem die herrliche Aussicht vom Berge aus bewundert wurde, ging es in flottem Trab wieder von bannen. Diesmal führte der Weg über Bernsfeld, Weiters. Hain durch die Rabenau, die sich von der Höhe von Appenborn aus prächtig im Mittagslicht zeigte. In Londorf, dem Zentrum der Rabenau, wurde Mittagsrast gehalten. Dann trabte die Kavalkade weiter durch das schöne Lumdatal, zur Rechten die Höhen mit der Burg Nordeck, zur Linken die Lumda selbst mit ihren malerischen Tälchen. In buntem Wechsel folgten die Orte Allendorf, Treis, Mainzlar. Von der Höhe zwischen Daubringen und Alten-Buscck noch ein letzter Blick auf die Rabenau. Dann ging’s ins Wiesecktal, an Alten-Buseck vorbei über Wieseck nach Gießen. Auch diesmal keine Ermattung von Roß und Reiter. Nach einem solchen Wochenend- Ritt geht cs bann mit frischen Kräften roieber an bie Arbeit ber neuen Woche. Es ist eine ganz anbere unb bnuernbcre Erholung als anbere Vergnügen, bie, in Hast unb Schnelligkeit genossen, mehr erschöpfen als erquicken. A. G. * ** V. Sy C. Eine genußreiche Maienfahrt nach dem unteren Lahntal unternahm am Sonntag oer V. Sy C.°Gießen. Der Frühzug brachte die 54 Teilnehmer nach Balduinstein, von wo man stromabwärts über den Geilnauer Brunnen nach Geilnau wanderte. Es war eine köstliche Wanderung, die durch eine der lieblichsten Strecken des Lshntals führte. Der Wald, der jenseits des Flusses bis nahe an sein Ufer heranreicht, hat sein Frühkngslleid angezogen; Buchen, Birken und Lärchen leuchten hellgrün aus den dunklen Fichten hervor, in dem srischgrünen Wiesen- teppich nicken Frühlingsblumen, und am Wegrande blüht in blendendem Weiß der Schlehdorn. Aus dem Walde schallt der Auf des Kuckucks, und hoch in der Luft trillert die Lerche ihr Subellieö. 3n kräftigem Anstieg wurde die Höhe hinter Geilnau, wo die erste Aast erfolgte, genommen, um auf die hochgelegene Landstraße zu gelangen, von der man bei klarer Luft einen weiten, umfassenden Rundblick hat. Bald war das freundliche Städtchen Holzappel erreicht, das einige schöne Fachwerksbauten aufzuweisen hat, und weiter ging es zur Groblei, einem hoch über dem Gelbachtale gelegenen Felsvorsprung mit einem entzückenden Blick in das Tal und auf die benachbarten Höhen und Dörfer. Ein steiler Waldpfad brachte die Wanderer zu ausgiebiger Aast nach dem idyllisch gelegenen Oertchen Dies. Der Weitermarsch führte durch das liebliche, vielgewundene Gelbachtal, durch das seit einiger Zeit eine neue Breite Straße führt und das zu den anmutigsten Seitentälern der Lahn gehört. Bei der Obernhofer Hütte wurde der Bach überschritten, und übet einen bewaldeten Höhenrücken, von dessen Kamm man einen überraschenden Blick auf das gegenüberliegende Kloster Arnstein, auf das Lahntal und die Orte Obernhof und Weinähr genoß, ging es noch hinauf zum Goethepunkt mit seiner herrlichen Rundsicht, um später von Obernhof, wo die Schlußrast erfolgte, dfte Heimfahrt anzutreten. ** D. H. B. - Ders ammlung. Man berichtet unS: Die Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Berbandes hatte ihre Mitglieder zu einem besonders ausgestalteten Abend am Samstag nach dem Kaufmännischen Dereinshaus eingeladen. Der Bildungsobmann Schwarz begrüßte die aus der Lehrlingsgruppe zur Gehilfengruppe übertretenden 31 3ung» gehilfen. Die feierliche Handlung wurde durch Den Gesang des Männerchvrs ..Deutscher Sang" im D. Sy B. mit Liedern von Schubert und Jul. Gersdorsf umrahmt. 3m Schlußwort stellte der Kreisgeschäftsführer Brzezinski die alten Mitstreiter den 3unggehilfen als Borbild vor Augen und forderte sie auf. in die Kampffront einzutreten. Es gelte, für „Recht und Freiheit" im Beruf zu streiten. Mit dem D. H. V.-Der- bandsmarsch wurde der offizielle Teil des Abends beschlossen. Der Einbruch in die Gießener Ortskrankenkasse. Berhandlunfl vor der Gießener Strafkammer. Gesamtstrafe: 12 Jahre Zuchthaus * Gießen, 14. Mai. 3n der Rächt vom 2. zum 3. September 1925 wurde in der Gie ßener Allgemeinen Ortskrankenkasse ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die Täter erbrachen mittels Bohrer, Knabber und Stemmeisen den Kassenschrank, wobei ihnen ein sehr erheblicher Betrag in die Hände fiel. Lange Zeit konnte man den Tätern nicht auf die Spur kommen, bis man schließlich in der Person des- polnischen Staatsangehörigen Anton Zalubski einen der Täter ermittelte. Durch das Schöffengericht Gießen wurde er im vorigen 3ahre zu 2 3ah'ren Zuchthaus verurteilt. Z. erkannte das Urteil nicht an. Auch die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein, da ihr die Strafe zu niedrig erschien. Kurz darauf gelang es Z., auf ganz raffinierte Weise aus der Untersuchungshaft zu entweichen, bis er Ende vorigen 3ahres wieder ergriffen wurde. Die Zeit der sich selbst verschafften Freiheit benutzte er, entsprechend feiner kriminellen Anlage, als gewerbsmäßiger Geldschrankknacker. So wurde er inzwischen wegen weiterer Einbrüche durch die Große Strafkammer Würzburg zu 6 3ahren Zuchthaus und durch die Große Strafkammer Dessau zu 4 3ahren Zuchthaus verurteilt. 3n der heutigen Verhandlung vor der Großen Strafkammer Gießen bestritt er wiederum, sich an dem hiesigen Einbruchsdiebstahl beteiligt zu haben. Er wurde aber auf Grund deS zusammengetragenen Indizienbeweises einwandfrei der Mittäterschaft überführt. Unter Verwerfung seiner Berufung wurde die Strafe entsprechend dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf 3 3 ahre Zuchthaus erhöht. Hieraus und mit den übrigen inzwischen erkannten Strafen wurde eine Gesamtstrafe von zwölf 3ahren zwei Wochen Zuchthaus gebildet. Außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 3ahren aberkannt und die Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht ausgesprochen. Oberheffen. Landkreis Gießen. z. Rödgen, 13. Mai. Dieser Tage sind an der Durchfahrt Gießen — Grohen-Bu- s e ck, die drei scharfe Biegungen in unserem Dorfe aufweist, n 6 u e Richtungsschilder für den Autoverkehr angebracht worden. Dieser ist eben wieder außerordentlich lebhaft, da die Straße Gießen—Reiskirchen gesperrt ist. Ebenso notwendig wie diese Richtungsschilder erscheinen zwei Warnungstafeln mit der Aufschrift: Schule. Der Ausgang aus dem Schulhof mündet gerade an der einen Straßenbiegung. Die Schüler, besonders die ABC-Schützen, sind immer in Gefahr, zumal die Arbeiten an der Kanalisierung die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich lenken. — Heute verlieh die Krankenschwester Lenchen unsere Gemeinde, um eine neue Stelle in Eschau bei Aschaffenburg anzutreten. Sie war etwa vier 3ahre hier tätig und hat in dieser Zeit in manchem Haus Kranke gepflegt und manchem die erste Hilfe bei Unglücksfällen zuteil werden lassen. Man sieht sie ungern von hier scheiden. O Hungen, 13. Mai. Gestern fand hier die feierliche Einweihung des Gefallenen- b e n t m a I s statt. Nachdem morgens am Kriegerdenkmal 1870 71 auf* dem Friedhof seitens des Stadtvorstandes ein Kranz niedergelegt worden war, begann um 10 Uhr der F e st g o 11 e s d i e n st, an dem sich sämtliche Vereine beteiligten. Das Gotteshaus war überfüllt, so daß nicht alle darin einen Platz finden konnten. Die Festpredigt wurde von zwei Liedern des Mädchenchores umrahmt, der nach einem angepaßten Präludium „Es ist ein Schnitter, der heißt Tod" und nach der Festprcdigt „Das Leben welkt wie Gras" fang. Im Anschluß an den Gottesdienst ordneten sich die Vereine auf dem alten Marktplatze, und unter den Klängen zweier Trauermärsche bewegte sich der Zug zum Denk- mal, das gegenüber der Schule zur Aufstellung gelangt ist. Hier begann die Gedächtnisfeier mit dem gemeinsamen Liede „Ein feste Burg ist unser Gott". Architekt Schmidt aus Düsseldorf, ein gebürtiger Hungener, nach dessen Entwurf das Denkmal durch den ebenfalls anwesenden Bildhauer Z i e s e n i ß zu Düsseldorf hergestellt worden ist, übergab das Denkmal der Stadt. Unter Präsentieren des Gewehres seitens der Ehrensektion des Kriegeroereins fiel die Umhüllung, worauf der Gesangverein „Liederkranz" das Lied „Morgenrot" intonierte. Bürgermeister Fendt übernahm das Denkmal für die Stadt, dankte allen, die an feiner Errichtung teilgenommen hatten und wies auf feine Bedeutung hin. Stadtpfarrer Bock hielt hierauf eine eindrucksvolle Weiherede. Den Höhepunkt seiner Ansprache bildeten etwa folgende Sätze: „Stein und Erz sind aus einer toten Masse durch die Hand des Künstlers zum Leben erweckt worden. Sie leben nun und reden. Sie reden zu den Hinterbliebenen und den hier Versammelten. Aber wenn alle hier erklungenen Lieder verklungen, alle gesprochenen Worte vergessen und alle Anwesenden oer- gangen fein werden, so werden Stein und Erz noch reden zu den kommenden Geschlechtern von den Taten der gefallenen Helden." Bei gesenkten Fah» nen unb unter Glockengeläute verlas Bürgermeister Fenbt hierauf die Namen der Gefallenen, der in der Heimat Verstorbenen und der Vermißten. Ein stilles Gedenken an bie Gefallenen unter Präsentieren des Gewehres schloß' sich an, worauf der Ortsgeistliche ein kurzes Gebet sprach und die Ge- wehrsektion des Kriegeroereins die Gefallenen durch drei Ehrensalven ehrte. Nach dem gemeinsamen Liede „Ich halt' einen Kameraden", ergriff Provinzialrabbiner Dr. Hirschfeld (Gießen) das Wort unb richtete beherzigenswerte Worte an bie Anwesenben U. a. wies er barauf hin, daß im Schützengraben alle, ohne Unterschied ihrer Religion ober ihres Standes, Schulter an Schulter ge- standen unb gekämpft hätten unb auch gefallen wären. So sollten aber auch heute bie noch Lebenden Schulter an Schulter stehen und kämpfen, dann werde auch unser zusammengetretenes Vaterland sich wieder erneuern und erblühen. Dann werde es auch im Kreise der Völker wieder den Platz ein- nehmen, wohin es gehöre und wo es gestanden habe. Lehrer Schmidt fang hierauf mit den Schülern der Oberklasse „Mag auch bie Liebe weinen". Nach der Kranzniederlegung der Vereine fand die würdige Feier ihren Abschluß mit dem Deutschlandlied. Hierauf marschierten die Vereine geschlossen unter den Klängen der Friedberger Feuerwehrkapelle bis zur Turnhalle, woselbst der Zug sich auflöste. Das Denkmal stellt einen gefallenen Krieger dar, der trotz schwerer Verwundung sich wieder aufzurichten versucht. Es dürfte zu den schönsten Gefallenen-Denkmälern gehören und wirb stets eine Zierbe unserer Stabt fein. Kreis Büdingen. * Vibba, 12. Mai. Die @ e n e r a l o e r f a m m > 1 ung ber Bezirkssparkasse Nibda hat eine bebeutenbe Vergrößerung unb einen inneren Umbau des Sparkassegebäudes beschlossen, wozu die Pläne von einem hiesigen Architekten nach Entwürfen eines Spezialisten dieses Faches in Berlin ange- fertigt waren. Der Neubau kommt an die Westseite des jetzigen Hauses zu stehen unb soll bie Schalter für bie oerschiebenen Geschäftszweige nebst ben Bureauräumen sowie bie Registratur unb die Toiletten enthalten, während bie jetzigen Geschäftsräume zu einem geräumigen Sitzungssaal, einem Warte- unb Direktiönszimmer unb einem Raum für die Schließfächer der Kunden umgebaut werden. Der bisherige Tresor wird abgerissen unb burch einen mobernen im Erbgeschoß bes Neubaues ersetzt. Ferner wirb bas Erbgeschoß noch bie Heizungsanlage unb ein Formularienlager neben einem größeren Arbeitsraum aufnehmen. Das Dach bes einstöckigen Anbaus soll aus einer feuersicheren Betonbecke mit Kupferbelag hergestellt werden unb Einrichtung für Oberlicht erhalten. Die Kosten dieser modernen, zweckmäßigen und dringend notwendigen baulichen Veränderungen sind auf 80 000 bis 90 000 Mark veranschlagt. u/ Zahresversammlung derOberheff. Viehversicherungs-Anstall. — Friedberg, 12. Mai. Die Oberhessische Viehversicherungs-Anstalt, der in Oberhessen, Kurhessen und Starkenburg 2800 Mitglieder mit einem Dersicherungskapital von 3,5 Millionen Mark angehören, hielt heute nachmittag hier im „Ratskeller" ihre diesjährige ordentliche Hauptversammlung ab, die gut besucht war, vor allem aus Oberhessen und dem Hanauer Land. Der neue Direktor der Anstalt, Dr. van Be n t h e i m (Gießen), eröffnete die Tagung mit herzlicher Begrüßung und erstattete den 3ahresrückblick, der von einem gefunden Fortschritt berichten konnte. Die Mitgliederzahl, die am 1. 3anuar 1928 insgesamt 2270 und am 1. Januar d. 3. 2464 betrug, hat in den ersten Monaten des neuen Geschäftsjahres einen weiteren erfreulichen Zuwachs von 293 erfahren. Versichert waren am 1. Januar 1928 zusammen 3358 Pferde und 739 Stück Rindvieh. Am 1. 3an. 1929 betrugen die entsprechenden Zahlen 3456 und 729; dazu kommt in 1929 bis zum heutigen Tage ein Zuwachs von 406 Pferden und 123 Stück Rindvieh. An Schäden kamen 1927 174 und 1928 206 Fälle zur Auszahlung. 3n allgemeinen Ausführungen nahm der Berichterstatter zu der Frage der Prämienhöhe Stellung, die nie erörtert werden dürfe, ohne daß auch die Leistungsfrage gewürdigt werde. Die gemeinnützige Anstalt, die eine Versicherung auf Gegenseitigkeit sei, wolle keine Gewinne machen und könne daher die Mitglieder so entschädigen, daß sie auch in allen Fällen einen wirklichen Ruhen hätten. Die Ueberschüsse kämen nur den Mitgliedern zugute; gute Rücklagen brächten eine Herabsetzung des erhobenen Prozentsatzes. Es sei unmöglich, bei niedrigeren Prämien so hohe Leistungen wie die der Oberhessischen Anstalt zu gewähren. Kontrolleur 3 ä g c r (Gießen) gab als Kassenrevisor einen eingehenden ileberblid über die Geldverhältnisse der Anstalt. Er stellte fest, daß am 31. Dezember 1928 ein bilanzmäßiges Vermögen von 8207,72 Mark vorhanden war, was gegenüber dem Abschluß vom 15. 3uni 1928 einen Vermögenszuwachs von 4415,38 Mark bc- bedeutet. Die Versammlung gab diesem Ergebnis ihre lebhafte Zustimmung. Rachdem Kaufmann August Balzer (Gießen) dem.neuen Direktor unter lebhaftem Beifall den Dank für die klare kaufmännische Buchführung übermittelt und Altbürgermeister Kümmel (Rieder-3ssigheim) wiederum herzlichst Herrn A. Balzer für die der Kasse 1928 geleisteten Dienste gedankt hatte, wurde dem Direktor und dem Ausschuß durch die Versammlung einstimmig Entlastung erteilt. Fünf sahungsmäßig aus dem Ausschuß ausscheidende Mitglieder wurden einstimmig auf drei 3ahre wiedergewählt, und zwar: Landwirt Hermann B ü n d i n g (Unter-Widdersheim), Gutspächter Georg 11 h r i g (Löwenhof bei Friedberg), Landwirt 3ohs. Gombert (Ebsdorf), Kaufmann Aug. Balzer (Gießen), Landwirt Heinrich Schneideri. (Utphe). Für den zurückgetretenen Oekonomierat Fritsch (Dilshofen) trat nach einstimmiger Wahl neu in den Ausschuß Gutspächter Paul Hofmann (Hof Güll). dessen Familie eng mit der Geschichte der Anstalt verbunden ist, gehörte fein Großvater doch zu den Gründern der „Oberhessifchen". Für Landwirt B u n t f ch u h (Lengsfeld) wurde als Ersah Landwirt H a x (Groß-Umstadt) in das Schiedsgericht gewählt. Einstimmige Annahme fand eine Satzungsänderung, die bezüglich des Ausleihens von Pferden die Erweiterung bringt, daß das Verleihen von Pferden unter Mitgliedern der Anstalt gestattet ist. 3m Ramen der wiedergewählten Ausschußmitglieder dankte Landwirt Schneider (Utphe) für das entgegengebrachte Vertrauen. Die Einmütigkeit der Versammlung zeigte, daß das Vertrauen in die Kasse nach wie vor besteht. Mit dem Wunsche, daß die Anstalt als einige Kasse sich weiter günstig zum Wohle der Landwirtschaft entwickeln möge, beschloß Direktor Dr. oan Bentheim die Versammlung. 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Gewebe, aparte Must., 4.20, Foulard-Seiden und Tolle de soie, in unerreicht großer Auswahl, täglich Eingang von Neuheiten zu ganz besonders günstigen Preisen Carl Nowack Seltersweg 85 ____ 4366A Nr.y2 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen) Mittwoch, (5. Mai (929 Lugend und Hochschule. diesem Sinne ist die gewiß viel zu große Zersplitterung der Studentenschaft in zahlreiche kleine Gruppen nicht zu begrüßen und ebenso die heute weniger als je berechtigte kastenmäßige Abschließung der Studentenschaft von der übrigen Bürgerschaft. Diese Scheidung ist gewiß in der Regel nur eine scheinbare, rein äußerlich durch gewisse zöpfische, gesellschaftliche Formen bedingte. Mit diesen trennenden Dingen oufzuräumen, scheint mir eine Hauptpflicht der Studentenschaft zu sein. Besonders in einer modernen Großstadtuniversität begegnen sie keinem Verständnis und gar in einer Universität wie der unsrigen, die eine Schöpfung der Bürgerschaft ist, und die von der Bürgerschaft mit großen Opfern unterhalten wird, ist ganz gewiß eine, wenn auch pur scheinbar gesell- schastliche Sonderstellung der Studentenschaft nicht berechtigt. Vergessen Sie nicht, daß der Vorzug, studieren zu dürfen. Ihnen keine Vorrechte verleiht, sondern Pflichten auferlegt. Dor allem die Pflicht der Dankbarkeit gegen den Staat und gegen unsere Mitbürger, die Ihnen die Gelegenheit bieten. Und diese Dankbarkeit sollen und können Sie dadurch zum Ausdruck bringen, daß Sie von dem, was Ihnen unsere Universität bietet, den besten Gebrauch machen. Benutzen Sie Ihre Studienzeit nicht nur, um Kenntnisse und Berechtigungen zu erwerben, sondern auch sich einzuleben in die große Gemeinschaft Ihrer Kommilitonen und die größere Ihrer Mitbürger, um an sich selbst einen scharfen Maßstab anzulegen, um sich Verständnis für die Anschauungen und Empfindungen anderer anzueignen, ohne die ein segensreiches Zusammenarbeiten nicht möglich ist. — Wenn Sie gute akademische Bürger sind, werden Sie auch gute Staatsbürger sein. Alle diese Ziele lassen sich sehr wohl vereinigen mit jugendlichem Frohsinn, heiterer Geselligkeit und lustigem Treiben, die ein altes Recht unserer Stu- denten sind und die wir Ihnen auch in unserer modernen Großstadtuniversität nicht kürzen wollen. In diesem Sinne heiße ich Sie nochmals auf unserer alma mater herzlich willkommen. WaskannderSludentnebenbeiverdlenen? Don Erich Brandt. Die reinen Studiengebuhren belaufen sich bei einem Hochschulstudium je nach der Fakultät auf 120—200 Mark im Semester. Diese Summe kann zur Hälfte oder ganz erlassen werden, wenn der Student wenigstens im dritten Semester steht, zwei ausreichende Fleihzeugnisse beibringt und den Nachweis führen kann, daß seine Eltern oder Erzieher ein verhältnismäßig niedriges Einkommen und Vermögen besitzen. Sieht man also im günstigsten Falle von diesem Teil ab, dann bleiben immer noch die Kosten für den Lebensunterhalt, die sich nach statistischen Erhebungen auf etwa 125 Mark stellen und die der Student aufbringen muß. Dieser Betrag ist jedoch ein Existenzminimum und kann selbst bei Inanspruchnahme sämtlicher akademischer Einrichtungen kaum unterschritten werden. Viele Studierende, denen nun diese ziemlich beträchtlichen Mittel nicht voll zur Verfügung stehen, versuchen daher, sich den Nest durch Nebenerwerb selbst zu verschaffen. Sie finden dabei Unterstützung von feiten der akademischen Erwerbsvermittlungsämter, die die studentischen Selbsthilfeorganisationen an fast allen deutschen Hochschulen geschaffen haben. Um nun die Nebenerwerbsmöglichkeiten, die sich heute dem Studenten bieten, naher zu untersuchen. teilt man sie wohl am augenfälligsten in Semester- und Ferienarbeit. Davon ist die Semesterarbeit die gesuchtere, weil sie neben dem eigentlichen Studium einhergeht und somit eine unmittelbare sinterstühung darstellt, während ja der in den Ferien tätige Student versuchen muß, von seinem Verdienst möglichst viel für das nächste Senrester zu sparen. Als Nebenbeschäftigungen während des Semesters kommen jedoch in erster Linie Hnterrichts- und gewerbliche Stellen in Frage. Der Unterricht, zumeist Nachhilfeunterricht, ist ja als studentischer Nebenerwerb nichts neues, bot er doch schon in der Vorkriegszeit dem Studenten fast die einzige Möglichkeit, etwas nebenbei zu verdienen. Aber heute ist die Bedeutung der llnterrichtsstellen wesentlich geringer geworden, machen sie doch nur noch ein Fünftel der Semesterarbeiten aus. Der einzige Vorzug, den sie gegenüber den gewerblichen Tätigkeiten auch l)cute noch genießen, ist vielleicht der, daß sie im allgemeinen gut bezahlt werden. Die sogenannten gewerblichen Arbeiten sind jedoch von großer Mannigfaltigkeit. Heute scheut der Student keinerlei Arbeit mehr, um seine Studienideale in die Tat umsetzen zu können. Daher finden wir zahllose Studenten, die nebenberuflich als Musiker, Zeichner, Stenographen, Fremdenführer, Detektive, Postaushelfer und — Zettelverteiler tätig sind. Die gewerblichen Stellen sind zwar ziemlich zahlreich, haben aber vielfach den Nachteil, daß sie nicht sonderlich gut bezahlt werden. So müssen etwa 40 Prozent aller angebotenen Stellen von den akademischen Erwerbsvermittlungsämtern als zu ungünstig ab» gelehnt werden, obgleich das von diesen verlangte Mindesthonorar noch unter einer Mark pro Stunde liegt. Auch die Ferienarbeit teilt sich in zwei Gruppen, nämlich in Erntehilfe und Tätigkeit in der Industrie. Die letztere kommt jedoch nur für Hörer der technischen Hochschulen in Frage, für die sie aber manchmal die Annehmlichkeit haben können, daß ihnen die Ferienarbeitszeit als Praktikantentätigkcit angerechnet wird. Nur sind diese Stellen nicht sehr zahlreich und lassen auch in bezug auf die Entlohnung noch viel zu wünschen übrig. Die meisten industriellen Unternehmen stellen auch nur in den Herbstferien Werkstudenten ein, weil ihnen die Osterferien zu kurz erscheinen. Die Erntehilfe kommt dagegen mehr für die Studenten der Universitäten in Frage. Doch handelt es sich hierbei nur um eine kurze Saisonarbeit, die noch dazu die schlechtest bezahlte von allen studentischen Nebenerwerbstätigkeiten ist. Neben der bloßen Vermittlungstätigkeit der akademischen Arbeitsämter hat man sich an manchen Hochschulen auch bemüht, den Studierenden völlig neue Nebenerwerbsguellen zu erschließen. Diese Bestrebungen führten zu Gründungen von Uebersehungsbureaus, Buchbindereien und ähnlichen Betrieben, in denen Studenten Beschäftigung finden. Die größte Bedeutung kommt hier Wohl den akademischen Uebersehungsbureaus zu, die sechs deutsche Hochschul- städte aufweisen können. Hier bietet sich den Studenten eine Nebenarbeit, die gut bezahlt wird und die sich in den meisten Fällen mit den späteren Berufszielen decken wird, was man z. D. von manchen gewerblichen Tätigkeiten nicht immer behaupten kann. Die hier aufgezählten mannigfachen Nebenerwerbsmöglichkeiten, die sich dem heutigen Studenten im Gegensatz zu früheren Zeiten bieten, mögen vielleicht den Gedanken aufkommen lassen, es könne nicht sehr schwer sein, wenigstens einen Teil der Studienkosten in dieser Art aufzu- bringen. In Wirklichkeit ist jedoch gerade das Gegenteil der Fall, wie die nachfolgenden Angaben klar und deutlich zeigen werden. Zuerst sei darauf hingewiesen, daß die Zahl der vorhandenen Stellen noch immer viel zu klein ist, um alle Nachfragen befriedigen zu, können. So vermittelte z. B. das Berliner akademische Akademische Bürger und Staatsbürger. Eine bcmerkcnswertc Jmmalritnlationsredc. Bei der ersten feierlichen Immatrikulation an der Universität Köln begrüßte der Rektor, Professor Dr. rned. Ferdinand Zinsser, die zahlreich erschienenen neuen Studierenden und hielt dann eine Ansprache über „Akademische Bürger und Staatsbürge r". Die Immatrikulation bedeutet nicht nur die Zulassung zu der Universität und ihren Vorlesungen und Uebungen, sondern auch die Ausnahme in den Kreis der akademischen Bürger. Sie gibt nicht nur Rechte und erlegt Pflichten auf gegenüber dem Lehrkörper und den Einrichtungen der Universität, sondern auch gegenüber der Gemeinschaft der Studenten. Die akademische Ge- incin|'d)ait ist im Kleinen ein Spiegelbild des Staates, und die Pflichten des akademischen Bürgers stimmen weitgehend überein mit denen des Staatsbürgers, und so bildet das Leben und Wirken im .Kleinstaat der Universität die beste Schulung für den Staatsbürger. Gemeinschaftliche Interessen und gemeinschaftliche Ziele führen die Bürger zusammen und das Schicksal des Einzelnen ist mit dem der Gemeinschaft eng verbunden. Ebenso wie die Bürgerschaft des Staates fetzt sich die der Universität zusammen aus Menschen der verschiedensten sozialen und wirtschaftlichen Kreise, der verschiedenen Konfessionen und selbst verschiedener ^Rassen und Stämme. Alle diese Elemente müssen Zusammenwirken im Dienste der gemeinsamen Ausgaben, der Arbeit an der Entwicklung der Persönlichkeiten und für das Streben nach Wahrheit und Wissen. Wie im Staate wird auch von der akademischen Bürgerschaft viel gesündigt durch Interesselosigkeit und mangelnde Teilnahme. Es ist sehr bedauerlich, daß die aktive Mitwirkung der Studentenschaft an der Verwaltung der Universität, die die Nachkriegszeit gebracht hatte, sobald wieder verlorengegangen ist. Aber wenn die Stu- dentenschast zur Zeit auch nicht befugt ist, tätig in die Geschichte der Universität einzugreifen, so darf sie doch nicht teilnahmslos abseits stehen. Jeder Einzelne erhalte sich so, als wenn von seinem Verhallen das Schicksal des Ganzen abhinge. Ebenso wie die Bürgerschaft des Staates ist leider auch die akademische Bürgerschaft zersplittert in zahlreiche Fraktionen und Fraktiönchen, die sich nicht nur streng von einander abschließen, sondern sich vielfach geradezu bekämpfen. Gegensätze gibt es überall und ohne sie wäre das Leben tätlich langtveilig. Aber das Trennende darf nie überwiegen über das Einigende, Gemeinsame, Verbindende, wenn nicht das Ganze Not leiden soll. Besonders schwer wiegen die parteipolitischen Gegensätze, wenn es auch bedauerlich ist, so ist es doch ganz natürlich, daß die politischen Gegensätze, die draußen v-nfer Volk zerwühlen, auch in die Gemeinschaft der Universität herüberspielen. Sie können nicht einfach zur Seite geschoben werden. Ohne politifdje Gegensätze ist kein Staat. Sie» dienen dem Fortschritt. Verhängnisvoll ist es nur, wenn fie, wie es vielfach bei uns der Fall ist, ausarten zu einer Mißachtung des politischen Gegners. Keinesfalls gehör^ das in die Universität, «sie find Studenten, d. h. Sie wollen erkennen lernen, was wahr ist und für einen Wahrheitssucher ist Voreingenommenheit nicht der richtige Weg. Versuchen Sie den Gegner zu verstehen, seine Ziele, Absichten und Motive zu erkennen und gegebenenfalls ihn zu widerlegen oder zu überzeugen. Das sollte akademische Art sein und tue sollen Sie üben als Vorschule für ihr Staatsbürgertum. Wenn fid) die Gegner verstehen und achten, wird aus dem Gegensatz Nutzen für das Ganze erwachsen. Mit Recht ist gesagt, daß wir Deutsche uns darüber klar sein müssen, daß, wenn wir wieder ein mächtiges Volk werden wollen wie zuvor, zuerst wieder ein einiges Volk werden müssen. Die ersten Schritte dazu muß jeder in seinem Kreise tun und mithin Sie im Kreise Ihrer akademischen Mitbürger. In Fachbildung oder Hochschule? Don Dr. 3- Diel, Berlin. Noch den Ergebnissen der Hochschulstatistik für bas Sommerhalbjahr 1928, die für diesen Zeitraum erstmalig nach einheitlichen Gesichtspunkten für gan8 Deutschland bearbeitet worden ist, befinden sich heute 120 000 Studierende aus den deutschen Hochschulen. Vor dem Krieg waren es 80 000. Wenn ’toit uns überlegen, daß das deutsche Reichsgebiet an Fläche etwas wehr als 10 Prozent verloren hat, daß ein großer Teil des damaligen Volksvermögens nicht mehr existiert. bann verstehen wir es ohne weiteres, daß es schier unmöglich ist, für alle derzeitigen Studierenden entsprechende Lebensstellungen zu schaffen. Dazu kommt ja. daß bereits letzt zum Teil eine starke Hcberfüllung der akademischen Berufe und ein ilcberangcbot an Anwärtern mit abgeschlossenen Examina vorhanden ist. Neben diesem äußeren Niedergang besteht die Gefahr eines inneren. Noch vor kurzem tU bei der Tagung des Hochschulverbandes in München offen ausgesprochen worden, daß die Durchschnittsleistungen der Studierenden zuruckgegangen sind, was übrigens auch von den Schülern der höheren Schulen hin und wieder behauptet wird. Wir sind gewohnt zu fragen, wer ist schuld daran? Die einen behaupten: das Berechtigungswesen. das auf immer weitere Gebiete übergreift und die Anforderungen steigert. Die anderen weisen nach, daß die starke Entwicklung der Wissenschaft und Technik in der Tat eine Steigerung der Anforderungen für alle Berufe bedingt. Freilich hat offenbar auch das Wort von dem Aufstieg der Begabten" Schule gemacht. Man versteht praktisch diese Worte so, daß möglichst jeder studieren, zum mindesten die Voraussetzungen sich dazu offen halten sollte. Also wird der Junge zur höheren Schule geschickt, er durchläuft die Schule und steht nach dem Abiturientenexamen vor dec Frage eines Hochschulstudiums. Tatsächlich ist die steigende Zahl der Abiturienten einer der wichtigsten Gründe für den Zugang zu den Hochschulen. Wir halten vor dem Krieg im Deutschen Neiche etwa 17 000 Abiturienten, heute werden es etwa 30 000 und bis 1934 wird die Zahl voii 35 000 bis 40 000 erreicht fein. Die Entvölkerung der Volksschulen zugunsten der Höheren Lehranstalten ist ja das Eharakteristikum unserer Tage. Es gibt viele Städte, in denen bis zu 30 Prozent und mehr aller Schüler sich auf den höheren Lehranstalten befinden. Der Drang, nach oben zu steigen, ist verständlich und berechtigt. Es wäre aber besser, mehr an das Vorankvmmen zu denken. Man würde dann eher erkennen, daß man besser von einer nun einmal gegebenen Basis aus rechnen sollte. Es liegt wohl auch im Interesse jedes einzelnen Standes, daß seine Angehörigen allmählich^ vielleicht in mehreren Generationen, die höchsten Stufen erreichen. Das äußere und innere Par- benütum ist von Hebel; dies zeigt sich leider sehr oft und gerade gegenüber den Kreisen, denen der Betreffende — vielleicht zu rasch — entwachsen ist. Sodann darf man das Bedürfnis der Wirtschaft und Gesellschaft nicht außer acht lassen. Sicherlich sind die Anforderungen überall gestiegen. Daraus ist jedoch nur zu folgern, daß die verschiedenen fachlichen Kenntnisse auf ein möglichst hohes Niveau gebracht werden müssen. Die höhere Schule ist aber, und das wird immer wieder vergessen, keine Fachschule, sondern eine allgemein bildende Einrichtung, mehr wissenschaftlicher als fachlicher Art. Es wird sogar bekanntlich behauptet, daß die Schüler der höheren Lehranstalten für manche praktisch geartete Berufe unzureichend vorgebildet oder überhaupt praktischen Berufen entfremdet seien. Eltern sollten sich darum fragen, ob es wirklich das Beste für ihre Kinder ist, diese auf die höhere Lehranstalt zu schicken, anstatt sie eine fachliche Mittelschule oder nach Besuch der Volksschule eine ent» sprechende Fachschule absolvieren zu lassen. Wir haben jetzt gerade einen Mangel an Qualitäts- Handarbeitern zu erwarten, wo die meisten höheren Berufe recht trübe volkswirtschaftliche Perspektiven zeigen. Die Frage des späteren Berufes muß aber auch vom Standpunkt des Einzelmenschen aus scharf ins Auge genommen werden, unter Berücksichtigung der ihm innewohnenden, hervorstechenden Gaben und Fähigkeiten. Wenn der Lebens- und Berufskampf so außerordentlich schwer geworden ist, insbesondere angesichts der bestehenden Arbeitslosigkeit, dann hat doch derjenige, der im Nahmen seiner Anlagen ein Betätigungsfeld gefunden hat, größere Aussichten sich durchzusehen, als der andere. Hnd nicht nur das, sondern auch eine größere innere Befriedigung! Wenn wir unter diesen wenigen Gesichtspunkten — es gibt natürlich deren viel mehr — diese Fragen überblicken, fo können wir jedenfalls nicht gut sagen, die Lehrer seien schuld an den wenig erfreulichen Hmftänden. Im Gegenteil beobachten wir, daß die Pädagogen ständig darüber nachdenken, wie die Erziehung der ihnen anvertrauten jungen Menschen möglichst gut gestaltet werden kann. Jeder, der selbst die deutsche Schule besucht hat, wird in Dankbarkeit fo manches Lehrers gedenken, der ihm in der Vergangenheit irgendwie und wann in kritischen Zeiten eine Stühe und Hilfe gewesen ist. Wir täten gut daran, nicht immer zu fragen, wer ist schuld daran, sondern was ist schuld daran. Oder wenn wir schon fragen wollen, wer ist schuld daran, so dürfen wir nicht an uns selbst vorübergehen. Die Schule ist nicht nur eine Angelegenheit der Lehrer, sondern geht ebenso die Eltern wie uns alle an. Vielleicht sind manche Verhältnisse noch nicht ganz so geworden, wie sie sein sollten, weil wir anderen diesen Fragen gegenüber uns zu gleichgültig verhalten haben. Objektiv wird man heute schon behaupten können, daß ohne Zweifel die Organisation unseres gesamten Schulwesens, das zu sehr und einseitig auf wissenschaftlich-akademische Berufe eingestellt ist, den starken Zudrang zu den Hochschulen und damit die Heberfüllung der akademischen Berufe verursacht hat. Cs fehlt eben an den gleichwertigen. ebenfalls (zum mindesten theoretisch!) zur Hochschule führenden Fachklasken, wie sie z. B. das amerikanische Schulwesen besitzt. Dort ist bekanntlich eine Gabelung der höheren Schule in diese drei Kurse vorhanden: a) akademische Kurse, b) technische Kurse, c) kaufmännisch-industrielle bzw. landwirtschaftliche Kurse. Wir müssen an eine ähnliche Umstellung unseres Schulwesens denken. Nicht nur aus egoistischen Heberlegungen vom Standpunkt der akademischen Berufe aus, sondern auch weil wir Qualitätsarbeiter, wie bereits dargelegt, für jeden Beruf gebrau- * chen, und weil es auch das wohlverstandene Erwerbsvermittlungsamt, das größte feiner Art, im letzten Studienjahr mehr als 2500 Stellen und gibt dabei gleichzeitig an, daß diese Zahl wenigstens verdoppelt werden mühte, um alle minderbemittelten Studenten zufriedenzustellen. Das leuchtet ohne weiteres ein, wenn man bedenkt, daß die neun Berliner Hochschulen fast 20 000 Studierende aufweisen. Bei der Anzahl der vermittelten Stellen ist noch zu berücksichtigen, daß sich darunter höchstens 600 sogenannte Dauerstellen finden, das sind solche, die wenigstens drei Monate hintereinander ein festes Einkommen verbürgen. Die andern 1900 Stellen sind jedoch ausschließlich Einzel- und Gelegenheitsarbeiten., Cs können also selbst in Berlin trotz aller an- eriennenswer ten Bemühungen des dortigen Arbeitsamtes nur etwa 15 Proz. aller nachfragenden Studierenden (3 Proz. der Gesamtzahl) eine nennenswerte Nebenbeschäftigung finden. Diese Tatsache zeigen noch deutlicher die Einkommensziffern selbst. Die Gcsamthöhe des an die Berliner Studenten vermittelten Einkommens betrug nämlich im letzten Jahre 200 000 Mark, wovon etwa drei Viertel auf die Dauerstellcn entfielen. Danach kam also auf jeden dieser 600 Studenten ein Durchschnittseinkommen von 250 Mark im Studienjahr. Das reicht aber gerade aus, um den Lebensunterhalt für zwei Monate zu bestreiten, während die Dauer beider Semester neun Monate beträgt. Für die übrigen Einzelarbeiten stellt sich jedoch der Durchschnitt nur auf etwa 26 Mark. Man muß also schon eine große Anzahl solcher Stellen vermittelt bekommen, um darin eine nennenswerte Hnterstühung finden zu können. Nicht viel besser steht es mit den Fcrienarbei- ten. So haben Statistiken erwiesen, daß wegen der Hngunft der heutigen industriellen Lohn- Verhältnisse Werkstudenten während einer Arbeitszeit von sechs Monaten nur wenige hundert Mark sparen konnten, von denen nicht einmal ein einsemestriges Studium zu bestreiten war. Dennoch ist die Nebcnerwerbsmöglichke't fast dec einzige Weg, der sich den Hörern der technischen Hochschulen bietet, da Semesterstellen für fie wegen der starken zeitlichen Inanspruchnahme durch die Vorlesungen und Hebungen meist nicht in Frage kommen. Man sieht also, daß die Verhältnisse recht ungünstig liegen, und die Aussichten, durch Nebenarbeit einen großen Teil seiner Studienkosten selbst zu bestreiten, recht gering sind. Heberdies dürfte sich die Lage auch in der nächsten Zukunft nicht wesentlich bessern, weil wegen des übergroßen Zudrangs zu den Hochschulen mit dem zu erwartenden Anwachsen der Stellenzahlen auch die Nachfrage ständig steigen wird. Wann verdient ein Kind Strafe? Von Professor Or. W. Stern. Die richtige Erziehung des Kleinkindes muß auf der genauen Kenntnis der Kindesseele aufbauen, wie fie uns die psychologische Forschung vermittelt. Daher verdient eine so klare und umfassende Darstellung wie Sterns,Psychologie der frühen Kindheit", der wir den nachstehenden Abschnitt entnehmen, die Beachtung aller Erzieher. (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. 15. bis 19. Tausend. 552 Seiten. Geh. 10,80 Mk., Seinen 12,80 Mk) Bestrafung ist zunächst unentbehrlich, um unzweckmäßigen Handlungen zu begegnen, deren Zweckwidrigkeit das Kind nicht verstehen und würdigen kann. Gründe der Lebenssicherung, der Gesundheit, der Sauberkeit, der Ordnung und Sparsamkeit, Hausvorschriften und Polizeivorschriften verlangen, daß viele Betätigungen, welche das Kind in ahnungsloser Naivität zu vollführen geneigt ist, mit der Marke „unerlaubt“ versehen werden. Das Kind soll nicht am Finger lutschen, nicht häßliche Grimassen schneiden, nicht die eben gesäuberte Stube be- egoistische Interesse jedes einzelnen Menschen verlangt, für ihn den Beruf zu finden, der ihm die besten inneren und auch äußeren Möglichkeiten gibt. Das wäre Auslese im besten Sinn und zugleich die beste Grundlage für das Hochkommen unseres Volkes. Ein alter Studentenbrauch. Ein freute vergessener, früher aber häufig und gern geübter studentischer Brauch war das sogenannte „Hutschen". Es war dies eine besondere Art des Brüderschaftstrinkens, bei dein die beiden Beteiligten alles tauschten, was sie im Augenblick am Leib trugen, und zwar nicht nur die Kleider, sondern auch den Degen, die Uhr, Ringe, Börse usw. Manch „ewiger Student" erwarb sich durch das „Hutschen" die Mittel, die ihm ein weiteres Der- weilen auf der Universität gestatteten. Er suchte sich zu diesem Zweck gern einen frisch von der Schule gekommenen Studenten aus möglichst reichem Haus zum „Hutschbruder" aus. Dieses Brüderschafts-Angebot konnte von dem jungen Mann natürlich nicht ausgeschlagen werden, wollte er sich nicht, ein Duell mit dem kelteren auf den Hals ziehen. So fügte er sich in der Regel in sein Schicksal und gab widerspruchslos feine schönen Wäsche- und Kleidungsstücke an den älteren Hutschbruder ab, samt Ringen, Uhr, Schnallen, Agraffen, Degen, Geldbeutel, und was er sonst eben on sich tragen mochte. Der alte, gewitzte Student aber hatte sich für das „Hutschen" besonders schäbig herangemustert, und der bedauernswerte junge Kommilitone erhielt nun für sein wertvolles (Eigentum möglichst fadenscheinige und schmutzige, wohl auch zerrissene Wäsche- und Kleidungsstücke und höchstens noch^eine leere und zerfetzte Börse. Daß er neben dem Schaden für den Spott nicht zu sorgen brauchte, erhellt ohne weiteres. Weit harmloser war die Sache, wenn eine solche „Hutschung" des Ulkes halber vorgenommen wurde, so zum Beispiel, wenn ein riesenlanger Student einem besonders Kleinen das „Hutschen^ anbot, und dann die beiden Hutschbrüder Arm in Arm nach Haus zogen, der eine angetan mit einem Rock, dessen Acrmel ihm kaum über den Ellenbogen reichten, während der andere im Schmuck lang nach- schleppender Rockschöße gravitätisch dahin wandelte. schmutzen, nicht wertvolle Sachen — Taschenuhren, Glasgeschirr — wie Spielzeug behandeln, Hinwersen, auseinandernehmen, nicht auf den Rasen treten, sich nicht zum offenen Fenster hinaus- legen usw. TlnD da das bloße, wenn auch ständig wiederholte Verbieten bei der Vergeßlichkeit des Kindes und bei seinem Aufgehen im Gegenwartsaffekt nicht ausreicht, so müssen stärkere Hemmungsmechanismen geschaffen werden durch assoziierte älnlustaffekte. Hier hat also die Strafe noch keine moralische Bedeutung, sondern bloß abschreckenden Zweck: sie soll künstlich eine ähnliche Wirkung erzeugen, wie sie in natürlicher Form durch den Sah „Gebranntes Kind scheut das Feuer ' gekennzeichnet ist. Dies Ziel der Abschreckung kann freilich dadurch leicht illusorisch gemacht werden, daß mit der Strafe nicht sparsam umgegangen wird. Wenn ein Kind von einem ganzen System von Verboten umgeben und für jede der dadurch bedingten Liebertretungen streng bestraft wird, kann es ja gar nicht mehr die Unlust der Strafe mit bestimmten Handlungsformen assoziieren und diese so meiden lernen: vielmehr wird als eine allgemeine Reaktion Abstumpfung statt der erhofften Abschreckung erzielt werden. Das Vorgehen mancher Erzieher, die überall dort aufs heftigste zuschlagen, wo das Kind in seiner Ahnungslosigkeit etwas anrichtete, hat nur noch wenig mit Bestrafung zu tun: oft genug ist es nichts anderes als die hemmungslose Entladung des Aergers über den vom Kinde verursachten Schaden, oder der Machtinstinkt, der sich am widerstandslosen Objekt betätigt. Ein zweites Strafmotiv liegt vor beim Zusammenstößen von Erzieherwillen und Kindeswillen. Die Ueberwindung des kindlichen Eigenwillens und Trohes ist erforderlich, nicht nur weil das Ziel des Crzieherwillens durchschnittlich das wertvollere ist und gerade im Interesse des Kindes erreicht werden muh, sondern auch deshalb, weil das Kind zur Selbstbeherrschung und zur Fügung unter eine Autorität fähig werden muß. So ist auch hier Bestrafung nicht zu vermeiden. Freilich soll man sich dessen bewußt bleiben, -daß auch Eigenwillen und Auflehnung nur Zerrbilder einer an sich wertvollen Anlage des Kindes, nämlich seines Selbständigkeits- streoens sind: und da die Erziehung zum Gehorsam nichr Selbstzweck, sondern nur Vorbereitung und Vorbedingung für die höheren Zwecke: der Erziehung zur Selbstverantwortlichkeit ist, so muß man sich hüten, aus der Bekämpfung des Eigenwillens eine Ertötung des eigenen Wollens zu machen. Selbst für die frühe Kindheit darf Kadavergehorsam und mechanisch geregelter Drill nicht als Inbegriff der Erziehungsziele gelten. Das dritte Objekt der Bestrafung endlich sind solche Handlungen, die als Anzeichen minderwertige Charakterzüge -- der Raschhaftigkeit, der Unaufrichtigkeit, der Grausamkeit usw. — aufgefaßt werden. Hier hat die Strafpädagogik besondere Vorsicht zu üben. Zunächst nämlich ist es schon irreführend, beim kleinen Kinde von „Charakterzügen" zu sprechen. Wohl bringt das Kind gewisse Anlagen mit, aber diese sind ursprünglich noch nicht eindeutig determiniert, sondern entwickeln sich erst —' unter dem fortwährenden Einflüsse der Umgebung — nach dieser oder jener Richtung zu dauernden Eigenschaften. Unter den mit- wirkenden Umgebungseinflüssen aber ist die Strafe selbst einer der bedeutendsten. Sie kann bei zu großer Häufung und Härte dem Kinde das einzige ihm zur Verfügung stehende Abwehrmittel, die Geheimhaltung und Leugnung, nahelegen und so Tteigung zur Verstecktheit und Verstocktheit erst erwecken oder zum mindesten verstärken. Un- pädagogische Bestrafung fördert also unter Umständen das, was sie bekämpfen soll. Selbstverständlich soll damit nicht dem „laisser faire, Jaisser aller“ das Wort geredet werden. Rur sollte der Wert der anderen positiven Erziehungsmittel stets höher bewertet werden, und die Strafe, wo sie nötig ist. den Charakter einer auch für das Kind verständlichen, milden Sühnung nicht verleugnen. Eine weitere Schwierigkeit für die Bestrafung moralwidriger Handlungen liegt in der Deutung dieser Handlungen. Denn der Erwachsene beurteilt nur gar zu leicht das Tun des Kindes nach dem Maßstabe seiner eigenen Moral, nennt z. B. Lüge, was die äußere Form der Unwahrheit trägt, und gibt sich nicht davon Rechenschaft, daß die psychologischen Bedingungen dieser Erscheinung beim Kinde völlig andere sein können, als er sie aus der Psyche her Erwachsenen kennt. Hier führt also mangelnde psychologische Erkenntnis zu einem verfehlten Rigorismus, der vom Kinde Tugenden fordert, zu denen es noch gar nicht fähig ist, und ihm Laster vorwirft und anrechnet — mit denen es zum Teil erst durch diese Vorhaltungen verfrüht bekannt gemacht wird. Wie viele Kinder würden noch lange im Paradieseszustande der Lügenfremdheit durch die Welt gehen, wenn ihnen nicht vorzeitig durch den Verdammungs- spruch „du lügst jar mit darauffolgender Strafe erst aufgedrängt worden wäre, daß es so etwas wie Lüge gibt. Wirtschaft. Oie Arbeitslosigkeit geht weiter zurück. Die endgültigen Feststellungen über die Arbeitslosigkeit am 30. April bestätigen die vorläufigen Mitteilungen, daß auch in der Zeit vom 15. bis zum 30. April die Zahl der Hauptunter- stützungsempfänger weiterhin erheblich zurück g e g a n g e n ist, und zwar von 1 480 000 auf 1 126 000, also um 354 000 oder 23,9 v. H. Der Rückgang ist bei den männlichen Hauptunterstützungs- -mpsängern auch diesmal wieder sehr viel stärker, als bei den weiblichen (bei den Männern 27,4 v. H„ bei den Frauen nur 9 v. H.). Das weist darauf hin, daß der Hauptanteil an der Entlastung nach wie vor auf die Außenberufe entfällt. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Krisenfürsorge hat sich in der genannten Zeit fast nicht verändert (am 15. April 198 260, am 30. April 198 780). Bei den männlichen Haupt- unterstügungsempfängern ist ein Rückgang von 164 000 auf 162 000, bei den weiblichen eine Zunahme von 34 200 auf 36150 zu verzeichnen. Die Zahl der R o t st a n d s a r b e i t e r aus der Arbeitslosenversicherung und aus der Kcisenunter- stützung ist in den letzten Wochen rasch gestiegen. Sie betrug am 30. April insgesamt rund 93 000 gegenüber 31 400 am 31. März 1929. Höhere Zinssätze bei der Seehandlung. Die fortdauernde Anspannung am Geldmarkt veranlaßte die Preußische Staatsbank (S e e h a n d l u n g) für einige im Geschäftsverkehr mit den Danken und Bankiers geltenden Haben- und Soll-Zinssätze neue Bedingungen bekanntzugeben. Die Steigerungen betragen 5 K bis 1 Prozent. Der Zinssatz von 7 Prozent für tägliche Gelder, die über Ultimo bei der Staatsbank stehenbleiben, ist rückwirkend vom 4. Mai auf 8 Prozent erhöht worden. Für Einlagen auf einen Monat fest werden jetzt 8 Prozent (bisher 7a;8 Prozent), auf zwei Monate fett 81 4 (7V2) Prozent und auf drei Monate fest 81/. (76/8) Prozent vergütet. Die Sähe für feste Einlagen gelten als Richtlinien. Im Einzelfall werden die Bedingungen der Marktlage entsprechend vereinbart. Auf Sonderkonto ,.H“ (Darlehen auf einen Monat fest, mit dem Recht zu jederzeitiger Einzahlung) werden auf der Debetseite 9' -> (83 '<) Prozent, auf der Habenseite 61/* (5:* 4) Prozent berechnet. * * Sie Kohlen Produktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Volksstaats Hessen weist für den Monat April folgende Zahlen nach: An Braunkohlen wurden gefördert 37312 Tonnen: davon wurden verkauft 16 631 Tonnen: der größte Teil der Rohkohlen wurde weiter verarbeitet, und zwar 15 936 Tonnen zu Schwelereiprodukten und 270 Tonnen zu Briketts. Die Briketts- crzeugung betrug 122 Tonnen. * Fusion Effektenbank - Vereinsbank genehmigt. Die G.-V. der Deutschen Vereinsbank K. QL a. QL, Frankfurt a. M., genehmigte einstimmig den Qlbschluß mit 5 Prozent Dividende und die vorgeschlagene Fusion mit der Deutschen Effekten- und Wechselbank, Frankfurt a. M. Die G.-V. der Deutschen Effekten- und Wechselbank, Frankfurt a. M., genehmigte ohne Erörterung den Abschluß mit 9 (i. V. 8) Prozent Dividende, die Fusion mit der Vereinsbank und die im Zusammenhang Damit notwendige Kapitalerhöhung um 5 auf 15 Mill. Mk. * Wayh L Freytag A.-G., Frankfurt a. M. Der Aussichtsrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, der auf den 6. Juni einzuberufenden G.-V. nach reichlichen Abschreibungen und Rückstellungen eine Dividende von 8 (i. V. 10) Prozent vorzuschlagen. In das neue Geschäftsjahr hat die Gesellschaft einen erheblichen Auftragsbestand übernommen, der sich unterdessen weiter erhöht hat. Sofern keine wesentlichen politischen oder wirtschaftlichen Störungen eintreten, glaubt die Gesellschaft mit ausreichender Beschäftigung rechnen zu können. * Frankfurter Maschinenbau A. - G., vorm. Pokorny & Wittekind. Frank- f ü r t a. M. Rach dem Bericht wurde im Geschäftsjahr 1928 ein Betriebsüberschuß von (in Mill. Mk.! 2801 (2819) erzielt. Unkosten verminderten sich auf 1664 (1871): dagegen stiegen Steuern auf 0.483 (0.244), soziale Abgaben erforderten 0.141 (—). Abschreibungen 0.225 (0.208). so daß ein ermäßigter Reingewinn von 0.288 (0.285) verbleibt, woraus 4 (6) Prozent Dividende auf 6.6 Stammaktien and wieder 6 Prozent auf 0.318 Vorzugsaktien vorgeschlagen werden. Die restlichen 5292 (3699) Mk. werden vorgetragen. Im laufenden Geschäftsjahr habe sich die Konjunktur zunehmend gebessert, und es feien Anzeichen vorhanden, daß der Auftragseingang in der nächsten Zeit günstig bleiben wird. Wenn auch die ungünstigen Faktoren des deutschen Wirtschaftslebens nicht oder nur langsam beseitigt werden, so erhoffe man für das Unternehmen doch eine Besserung. (G.-V. 28. Mai.) Frankfurter Börse. F r a n k f u r t a. M., 15. Mai. Die heutige Börse war wieder schwächer, da die ft a r t angcspann - ten Geldmarktverhältnisse weiter verstimmten. Die Spekulation zeigte daher sehr wenig Unternehmungslust und schritt, nachdem sie gestern abend verschiedentlich Rückkäufe vorgenommen hatte, zu erneuten Abgaben, die jedoch kein größeres Ausmaß annahmen, fc> daß die Verluste gegenüber der gestrigen Abendbörse nicht besonders groß waren. Etwas stärker angeboten waren am Kalimarkt Salzdetfurth mit minus 5 v. H., auch Glanzstoff gaben 5 v. H. nach. 3m großen und ganzen waren die Umsätze äußerst bescheiden, und bei der bestehenden Lustlosigkeit und Zurückhaltung stagnierte das Geschäft hauptsächlich an den Nebenmärkten f a ft vollkommen. Die Stütze, die Auslandorders, fehlte auch heute wieder fast ganz. Am Farbenmarkt eröffneten I.-G.-Farben bei größerem Angebot 3 0. H. niedriger, da der Beschluß in der heutigen Generalversammlung, wonach doch nur eine Dividende von 12 v. H. ausgeschüttet werden soll, verstimmte, da verschiedentlich damit' gerechnet wurde, diese Gesellschaft würde eine Dividende von 14 0. H. zur Ausschüttung bringen. Scheideanstalt und Holzverkohlung waren gut behauptet. Am Elektromarkt waren die Umsätze ebenfalls sehr gering, nur Siemens lagen mit minus 3 v. H. etwas stärker im Angebot, während die übrigen Werte zumeist gehalten blieben. Gessiirel waren sogar gut behauptet, doch muß der Dividendeabzug berücksichtigt werden. Montanwerte und Banken hatten ebenfalls kaum Umsätze zu verzeichnen. Als Nachwirkung der Dividendereduzicrung bei Wayß & Freytag von 10 auf 8 v. H. erschienen für dieses Papier an der Maklertafel Minus-minus- Zeichen, Umsätze waren aber nicht zu verzeichnen: man konnte nur einen Taxekurs von 10 v. H. hören, was einem ungefähren Verlust von etwa 13,5 v. H. gegenüber der gestrigen Abendbörse entspricht. Renten still. Auch im Verlaufe blieb die Börse vollständig leblos. Bei der anhaltenden Lustlosigkeit gaben die Kurse erneut bis zu 1,5 0. H. nach. AEG. dagegen waren etwas gefragt und leicht gebessert. Schuckert bis 2 v. H. niedriger. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8,75 v. H. weiter gesucht. Am Devisenmarkt war die Mark weiter fest. Man nannte Mark gegen Dollar 4,2120, gegen Psund 20,441, London gegen Kabel 4,8510, gegen Paris 124,14, Mailand '92,58, Madrid 34,20, Holland 12,0675. Berliner Börse. Berlin, 15. Mai. Schon im heutigen Bor» mittagsverkchr war die Tendenz unsicher, und diese Stimmung übertrug sich auch wieder auf die Börse selbst. Das Geschäft war außerordentlich gering, nur in AEG. bemerkte man wieder Auslandkäufe, während die Spekulation an fast allen Märkten zu Glattstellungen schritt. Das die Börse heute vor allem bewegende Moment war die Bilanzsihung der I.-G.-Farben- Industrie. Obwohl der größte Teil der Börse seit langem mit einer unveränderten Dividende von 12 Proz. gerechnet hatte, rief doch die Bestätigung dieser Annahme eine starke Verstimmung hervor. I.-G.-Farben waren daraufhin über" 3 Proz. niedriger angeboten. Die ersten Kurse lagen fast durchweg 1 bis 3 Proz. unter Den gestrigen Schlußnotierungen. Bemberg, Spritwerte, Kaliwerte, Glanz st off und Polyphon gingen sogar bis zu 9 Proz. zurück. Gut behauptet blieben nur A E G., etwas fester lagen Iunghans mit einer Besserung von 2'/4 Proz. Deutsche Anleihen waren etwas schwächer, auch Ausländer lagen bei nicht e inheitlicher Haltung meist niedriger. Am Pfandbriefmarkt hielt das Angebot in Geldwerten weiter an. Tagesgeld blieb mit 8% bis 103/4 Proz. (stellenweise mit 8 Proz.) weiter gesucht. Monatsgeld 9 bis 10'/, Proz. Rach den ersten Kursen konnten sich nur I.-G.-Farben bei etwas lebhafteren älmsätzen gut behaupten, während der überwiegende Teil der Werte um 1 bis 2 Proz. weiter zurückging. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 15. Mai. Die weitere Befestigung an den nordamerikanischen Tcrmin- märlten konnte dem hiesigen Markte heute keine Anregung bieten, und die Haltung war allgemein sehr ruhig und lustlos. Einige Rachfrage bestand nur nach Weizenmehl, das etwa 25 Ps. anziehcn konnte. Für Hafer trat ein Preisrückgang von etwa 25 Ps. ein. Die übrigen Rotierungen blieben unverändert. Kleie lag eher etwas niedriger. Es wurden notiert: Weizen 24, Roggen 22.75. Sommergerste für Brauzwecke 23.75, Hafer, inländ. 23.25 bis 23,50, Mais (gelb, für Futter- zwecke 21 bis 21,50, Weizenmehl, südd. Spezial 0, 32 bis 32.25. Roggenmehl 29,75 bis 30,50, Weizenkleie 12 bis 12,25, Roggenkleie 13. Tendenz ruhig. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverküudigungsblatt Nr. 33 vom 14. Mai enthält: Falsche Rcichsbanknoten. — Straßensperre. — Schulmusikalische Tagung in Wiesbaden. — Dienstnachrichten. Zeitschriften. — Zeitschrift für Musik. Monatsschrift für eine geistige Erneuerung der deutschen Musik. Herausgegeben vom Steingräber-Verlag, Leipzig. Hauptschriftleiter Dr. Qllfred Heuß. 1929: Heft 4. Heftpreis 1,50 Mk.: Qlbonncmcntd- preis vierteljährlich 4 Mark. — Die Erinnerung an Die vor 200 Jahren erfolgte Erstaufführung von Ioh. Seb. Bachs Matthäuspaffion regt den Schriftleiter Dr. QI. Heuß zu einer Betrachtung der Chöre in den Matthäuspafsionen von Vach und Heinrich Schütz an. Mit seinen Ergebnissen stellt er sich in Gegensatz zu Friedrich Spitta, Dem Bruder des Vachbiographen. „Spitta erscheint Der Passionskomponist Schütz größer als Bach, weil dieser den ganzen Stoss im kirchlichen Sinne betrachtet habe, während Schütz menschlich frei dastehe. als ein unbefangener, rein psychologisch vergehender Dramatiker ' Heuß stellt dagegen fest, daß bei Bach Affekt, Leidenschaft herrschen („er sieht die Priester durch fein eigenes, leidenschaftliches Temperament"), so daß sich leicht das Gegenteil einer rein-kirchlichen Einstellung Nachweisen liehe: vielmehr „ist es beiden Meistern Darum zu t un. die Passionsgeschichte in reiner Menschlichkeit als tiefreligiöse Menschen zu sehen: sie tun es. aber auf Grund ihres so sehr voneinander verschiedenen Wesens und ihrer verschiedenen Welteinsicht und Menschenkenntnis'. Wilhelm Virneisel (Koblenz) führt seine Arbeit über den musikalischen Konversationsstil in Richard Strauß' Intermezzo zu Ende. Rudolf Franz (Leipzig) berichtet über Verdis Oper „Die Räuber". Vom völkerpsychologischen Gesichtspunkt beleuchtet Karl Schück (Leipzig) „Amerika und die Musik". Reben verschiedenen anderen Aufsätzen Musikberichte: als Rotenbeilage sechs Chöre aus Der Matthäuspassion von H. Schütz. — Im Maiheft der „Zeitwende" (C. H. Becksche Verlagsbuchhandlung in München) schreibt über „Reue Wege im Strafvollzug und in der „Entlassenenobsorge" Ministerialdirektor Richard Degen, der uns einen Blick in den mo- dernen Strafvollzug tun läßt, Der nicht bloß der Vergeltung dienen will, sondern zugleich auch versucht, die Gefangenen, soweit sie für eine Derartige Einwirkung überhaupt noch zugänglich sind, zu tüchtigen und arbeitsamen Menschen und brauchbaren Mitgliedern Der menschlichen Gesellschaft zu erziehen. — Ein Auslanddeutscher aus Der Südsteiermark gibt ein erschütterndes Bekenntnis von der inneren Rot des Ausland« deutschen, von der Schwierigkeit, im häßlichen Kampf des Tages die Seele rein zu bewahren. — Erich Brock versteht mit feiner Empfindung für die zarten Schwingungen Der Frömmigkeit der Iansenisten uns ein Bi ID vom Schaffen des Malers von Port Royal: Philippe de Cham- paigne zu geben. Heber Immanuel Kant wird von Professor Dr. Julius Ebbinghaus mit Geist und Temperament, mit seltener innerer Teilnahme geredet — nicht von Kants Werk, seinem System, sondern von seiner Persönlichkeit. seinem Charakter, von seinem gewaltigen Kamvs gegen älnwahrhaftigkeit und intellektuelle Hnredlichleit. Letzte Nachrichten. Auch Oldenburg löst auf. Oldenburg, 15. Mai. (MTV. Funkspruch.) Auf Ersuchen des Reichsinnenministeriums ist der Rote Frantkämpferbund einschließlich der Roten Jungfront durch Verfügung des oldenburgischen Staatsministeriums vom 14. Mai ab für das G e - biet des Freistaates Oldenburg auf. g e 1 ö st worden. Das vermögen ist zugunsten des Reichs beschlagnahmt. Das verbot ist nicht zuletzt deshalb erfolgt, weil die Absicht bestand, das Rotfronttreften zu Pfingsten nach Olden- barg zu verlegen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den \ tarieren ange ührlen Ziffern geben die Höhe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. |>,ranlsurt a.M. Benin ftranksuri a M. Berlin Frankfurt a.M. Berlin Berlin 14- Mai Meld Brief französische JZotcn..... Holländische Boren...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Lcsterr., ilOO Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... edjtDi’Ufc Noten ...... Spanische Noten....... Tschechoslowakisch- Noten . . Ungarische Noten....... Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16.48 169.11 22.13 112,13 59.10 2.51 112,28 81.22 60.18 12.50 73,25 -Frankfur Auszahl, 16,54 169.79 22,21 112,57 59,34- 2,53 112,72 81,54 60.42 12.56 73,55 t a M. ing. Schlust- Äuts l-UDt- Kur? Schluß- Kurs Anfang fl-urt Echlutz. 9ure 1 Uhr. ftutfl Schluß «tut- Anfang- Sur» Lchlust- »uri t-Uhr- Ku re ächlub-.Lnsaug Kurs , fturi Datum 14.5. 15.5. 14 5. 15 5. Datum 14-5. 15.5. 14-5. 15.5. Tatum 14.5. 15-5. 14.5. 15 5. 6% DI. Reichsanleihe o. 1927 . D>. Llnl.-Slblö1..Schuld mit Ltuö lol.-Rcchien Tesgl. ofw «uSlos.-Rechte . . . 1% Franst. Hyp.-Bk. Goldvl. un kündbar bli 1032. . . d! i°'o Rheinische Hstp.-Bank fitem Goldps.......- - 0.G.®. afifl. B orkrieg». Obligation.. rückzahlbar 1932 4% Schweiz. BundeSb.-Äul.. 4% Oeslerreichtlche Goldrte.. . . 87,25 51,5 10,1 88 73,65 87,5 100,5 29,5 2,65 1.8 23 1,8 9,1 9 7,65 1S.S 124 210 183,5 256,5 160 152 156.75 302,75 jiiSSS।111" 11 M iiii ii1111111 । । । 11 । 87,5 51.5 10 - 88 23 20,25 1.8 9,2 9 16,4 117,25 148,5 109,5 124,5 124,65 211 183 256 160 152,25 157 302.5 51.5 10 1,8 9,2 8,8 117 148 108,9 124.25 124.75 208 181.5 254 160 151,5 155,5 VLti.ti»............» Bergmann..... 9 (fldtt. Lieferungen..... 10 Acht und Kraft ...... 10 gelten & Guilleaume..... 6 Ges. 1. EI-ktr. Untern.. ... 10 Hamb. Äektr. Werke .... 10 Abein. Elektr.........9 Cchles. Eleklr........10 Schuckert..... 8 174 211,5 1.'6 221 161,25 243.5 375 166 - 128.5 130 212 99,5 113.5 126 87,5 282 228,5 234.5 379 245 81 88 126,5 173,25 211 212 241 372 110,25 127 99.5 — 110,75 227 374 242 162 81,75 174,5 206,75 154.5 211 136 222 162 184.25 243.25 376,25 144.5 165 69 lll 128.5 130 115,75 212,25 98.75 114 114.13 125,75 81 104,75 87,65 282.25 115 90,65 65 229-5 235,25 378.5 244,75 114 81 87,9 127,5 174.25 207 154,13 211.75 135 212 138.13 158,5 182,5 241 373,25 69,5 110,65 127 126,5 212,5 98,5 114,5 112,65 124,25 103,75 280,5 110.5 90.5 64.5 226,5 372J5 241,5 81,25 87.25 ' Phuurp Polzmann....... Heidelberger Cemcnt .... 10 Lement Karlstadt ...... 8 Sahst 4 Freitag......10 Lchullheir Datzenhoser ... 15 Cfliuertc.........12 Bcr. Glanzstoss......18 Be.nberg.........14 Hellslojs Waldlioi.....12 Zellstoss Ajchajst'uburg ... 12 Charlottenburger Taster ... * Dessauer (Saö........8 Daimler idlokorr»......» Deutsche Majchinen-Fabrik . . o Adlenverke Klever......5 Ludw. Loeive...... 10 Nat. Automobil.......O Lrrniiein 4 Koppel.....b Leonhard Ticy ....... 6 Baniag-Meguin ....... 0 Franks. Maschinen......6 Gritzner.........11 Hehliaenstaedt ....... O Iunghans..... 4 ficchwerkc. ......... 8 Mainkrostwerke ....... 8 Mag....... . • • • 10 Kefanulmet ........ 8 PeterS Union ........ 8 Scbr. Boeder ....... 10 Boigt 4 Haessncr ...... s Südd. Zucker ........ 8 Dan! 110 145 180.5 123,5 418 47 52 80,75 62 111,5 108 121 115,25 111 205 151,25 ‘nuten 413 247 63 150,5 = 123 296 238,25 418,5 336 249.5 180.5 110 201 52,13 50,25 47,25 204 28 92.13 289.5 53 80 63.5 — 122 14 205 150,75 110 273 264.5 410 332 247.5 109 199.75 50 203.25 28,25 92.13 288 1 - Tranrradto ......... 8 fiahmeyer L To...... . 10 Buderus .......... 5 Deutsche Erdöl . ...... 8 Essener Steinkohle......8 Gelsenkirchener . . . f. V* I- < Harpener. ....... ..6 vvcsch Eisen. ........8 ."Ilie Bergbau .......8 Klöcknerwerke ........7 kköln-Ncuessen. ...... .8 Mannesmann........8 ManSselder.........7 Cbcrldilci. Eisend. Bedars... 5 Oberschlej. KoKwcrke.....6 Phönix Bergbau......5’,i Rheinische Braunkohlen... 10 Rbeinslabl . . . |. % Jahr 4»„ Riebcck Monlan......7,1 Bereinigte Stahlw......6 CtaDl Minen.......3 sh Sali Aschersleben ..... 10 ftaJl Westeregeln...... IC Kaliwerk Salzdetfurth ... Id 3- ,">arben.Induürte ... 15 Dynamit Nobel ....... k> Scheidcanstal: . ....... 9 Goldschmidt ...... ..6 Rütgettoede . ....... 6 Metallgesellschaft........ n mst.-Non. Buen-AtreS Brss.-Antw ttbrifHanta. .Qoixnhagen Stockholm • Helstngforä. Italien. . . fiondon. . . Nruyork . . Porig ... Schweiz . . Spanien. Japan - . . Nio de (>an Dien inT > Lest, abgcsi &>:: Budapest. . Bulgarien. Lissabon Tanüg. . . stonstintm- Athen. . . Canada . . Uruguay. . Tatro . . . 14. Mai 15. Mai Amiliche" tteld 169,32 1,770 58,475 112,28 112,26 112.50 10,583 22.05 20.434 4,2120 16,45 81,105 59.93 1,887 0.4995 59,17 12,463 7,407 73,36 3,042 18,90 81,63 2,041 5,455 4,186 4,097 20,96 iotierung Briet 169,66 1,774 58,595 112,50 112,48 112,72 10,(03 22.09 20.474 4,2200 16.49 81.265 60.05 1,891 0,5015 59.29 12,483 7,421 73,56 3.048 18.94 81,79 2.045 5,465 4,194 4.104 21,00 4% Oesterreich, einheill. Rle . . (Äeld 169.15 1.769 53,405 112,16 112,40 112,50 10.578 22.035 , 20,413 4.2085 16,445 81.04 59.71 1.878 0,499 59.125 12.453 7,407 73.32 3.044 18.88 81.55 2.045 5,455 4.183 4,116 20.94 Briet 169.49 1.773 58,525 112.38 112,62 112,67 10,598 22.075 20,453 4.2165 16.485 81.20 59.81 1.882 0.501 59.245 12,473 7.421 73,46 3.050 18,92 81.71 2,049 5,465 4.191 4.124 20.98 4% Ungarisckse DlralLr. v. 1910 . 4'/;% bergt, von 1913 . 4% Ungarische Kronenrtc.. . 4% Türk. ZoUantcihe v. 1911 . . 4% Türkische Vcgdadbahn-Anl., 4% desgl. Serie II....... 4% Rumänen conoert. Rle. . . . 471% Rumänen Boldanl. von 1913 Slllg. Deutsche Eisendadn . . Hamburg-Amerika Paket ... 8 Hamb.-Lüdam. Dampssch. . . 8 Hansa Damplichiss ... 10 Norddeutscher Lloyd.....8 Wlg. Deutsche Crrditanst. . . 10 Barmer Bankverein ... 10 Berliner HandelSgesellsch. . . 12 Commerz« und Privat-Bank . 11 Darmst. u. Nationalbank . . 12 Deutsche Bank .....10 Dirkonto-Sesellschast 8tnL. . io Dresdner Bank......10 Mitteldeutsch« Tredilbank . . . e Metallbank ......... 0 Ncichkbank . -......12 Berlin, 14. Mar Gelv «rief runcrikanische Note» ..... Belgische Noten........ Dänisch« Noten ........ Englische Noten........ 4,209 58.417 112,08 20,414 4,229 58.657 112.52 20,494