Jire" Zreltag, 15. März 1929 179. Jahrgang Nr. 65 Erstes Blatt Schmitt ‘Berlin, 14.März. (VDZ.) Auf der Tages- I Die ■hnimn ‘TtoirhätnnS ftoht hio orffp fRprntunn ' nno orbnung des Reichstags steht die erste (Beratung 01283 h neben meinem 'MW Salo« lubifopfföntlbtn, pfpflege - Um Annahme von Anzeigen für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrift 20“ 0 mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den Übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Hilserding begründet den Notetai vor dem Reichstag. Unter dem Druck der Reparationslafi. — Bedrängte Kassenlage des Reiches.— Die Deckung des Defizits.—Die Regierung mit weiteren Streichungen zur Vermeidung neuer Steuererhöhungen einverstanden. — Scharfe Kritik der Deutschnationalen. Das Zentrum sagt sachliche Mitarbeit zu. Thealerdeballe im Hessischen Landtag Oer Siaatszuschuß für das Hessische Landestheaier in Darmstadt. 6 r/'AKtt eine Vereinheitlichung der Bühnen Mainz, Darmstadt und Frankfurt in künstlerischer und technischer Beziehung ohne Beeinträchtigung ihrer Selbständigkeit möglich sei. Sie bitten den Landtag, Bericht au erstatten. Abg. Frau Heräus (Sn.) beklagt das Herabziehen der Rechtspflege und des Richter st andes und sittlicher Einrichtungen in den modernen Schaustücken. Hier müsse unbedingt eingeschritten werden. 2lbg. Dr. Werner (fraktionslos) will zugunsten einer Verbesserung der Kulturpflege auf dem flachen Land auf das Landestheater verzichten. Der Redner verneint, daß das heutige Theater, Kino, Presse und der Straßenbuchhandel dem Erstarken der religiösen und kulturellen Kräfte des Volkes dienten. Sehr viele Theaterstücke im Landesthealer entsprächen nicht dem normalen Provinzempfinden. Staatspräsident Dr. Adelung bedauert die „Moralpredigten", die schon seit über 20 wahren gehalten würden. 3n der Grund- auffaffung sei sich das Haus ja einig. 3n großem Maße seien beim Landestheaier bereits Ersparungen durchgeführt worden. Bei einer Stillegung des Theaters würden 300 Personen mit ihren Familien betroffen, und der Staat würde auS bestehenden Verpflichtungen eine Summe von 700 000 Mk. aufwenden müssen, ohne daß das Theater spielen würde. Die Theater seien nie Lleberschuhbetriebe gewesen. Der frühere Großherzog habe seinerzeit schon Beträge bis zu 400 000 Mk. gezahlt. Der Bauernbund habe ja auch einen geringen Zuschuß aus grundsätzlichen Erwägungen abgelehnt. Die Besucherzahl am Landestheaier sei im letzten 3ahr allein um 16 v. H. bei den Dauermietern gestiegen. 3n allen Fachzeitungen sei das Landestheaier in Schauspiel, Oper und Konzert als eines der besten süddeutschen Häuser anerkannt worden. Hebet einzelne moderne Aufführungen könnten die Meinungen der Zuschauer selbstverständlich auseinandergehen. Er bittet um Bewilligung des Zuschusses und verspricht, sich für Sparmaßnahmen des Theaters einzusetzen. Abg. Heinstadi (Z.) erkennt dem Theater eine Rolle als Kulturbringen zu. 3n der finanziellen Betrachtung gehe aber die Auffassung feiner Freunde auseinander. Das jetzige Ansteigen der Zuschüsse für das Landestheater sei nicht mehr zu billigen. Auch die zustimmenden Mitglieder seiner Fraktion würden ein letziesmal nur noch den Zuschuß gewähren; es liegt jetzt in der Hand der Theaier- leitung, durch eingreifende Sparmaßnahmen eine Erhaltung des Theaters zu ermöglichen. Den größten Vorteil aus dem Theater habe die Stadt Darmstadt, deren Zuschuß erhöht werden möge. Einem Beitrag bis zu 450 000 Mark — wie früher — würde auch das Zentrum zustimmen. Abg. S t u - m f e l s (S.) erblickt in dem angeforderten höheren Zuschuß eine zwangsläufige und automatische Folge der erhöhten persönlichen und sachlichen Kosten. Heute sei das Theater nicht -MW llll-WHl. !>N eiaüll.r Ä C p(2S8D • Erwartung habe sich aber nicht erfüllt, die angesichts der Außenpolitik so dringende Festigung unserer politischen Berhältnisse sei noch nicht erreicht, und dadurch habe sich auch die Einbringung des Etats verzögert. Die Regierung habe deshalb einen Rotetat eingebracht, um dessen Annahme sie den Reichstag bitte. Besonders lebhafte Zustimmung der Mehrheit fand der Minister, als er sich gegen diejenigen Politiker wandte, die nicht davor zurückschrccken, in dieser außenpolitischen Situation mit maßlosen älebertreibungen den Kredit des Rei - ch e s vor dem Ausland zu schädigen. Das ist eine Verantwortungslosigkeit. Bei der Besprechung der 250-Millionen-Anleihe für d i e Arbeitslosenversicherung betonte der Minister, er habe diesen Posten in den außerordentlichen Etat nur in der Erwartung eingesetzt. daß noch in diesem Sommer eine Revision dieses Dersicherungszweiges erfolgt. (Hört!) Die Regierung, so versicherte Dr. Hilfer- ding zum Schluß, hat beschlossen, keinem Antrag zuzustimmen, der die Reichsfinanzen neu belastet. Wir stehen zu diesem Beschluß mit aller Entschiedenheit und unter Einsatz unserer politischen Existenz. 3n der allgemeinen Aussprache, die nach einer Mitteilung des Präsidenten Lobe am Montag beendet werden soll, nahm als erster Redner Abgeordneter Dr. Hertz (S.) das Wort. Die schlechte Finanzlage sei nicht durch die jetzige Regierung, auch nicht durch die vorjährige Senkung der Lohnsteuer hervorge- rufen worden, sondern schon seit 1926 schleppe das Reich ein beträchtliches Defizit mit sich herum. Die Denkschrift des Hansabun- d e s wage nicht einmal die Behauptung, daß bei Durchführung ihrer Streichungsvor chläge neue Steuern mit Sicherheit vermieden würden. Bei diesen Streichungsvor^chlägen sei mit g.enzen- loser Leichtfertigleit und mit einer Hmenntnis vorgegangen worden, die für ernste Politiker nicht rühmenswert sei. Die völlige Verkennung des innigen Zusammenhangs zwischen Staats- Wirtschaft und Volkswirtschaft zeige sich in dem Vorschlag, bei der produktiven Erwerbs- lofenfürforge und bei den Kanalbau- ten zu sparen. Rennenswerte Ersparnis, e würden sich nach der Meinung des Redners beim W e h r e t a t machen lassen. Der Hansabund habe merlwürdigerwcise nicht die Möglichkeit entdeckt, die zweite Rate zum Panzerschiff A zu spcwen; dagegen wolle der Hansabund über die Hälfte von den sozialpolitischen Ausgaben streichen. Die Wirtschaftskrise würde noch viel schlimmer sein, wenn die Kaufkraft der Massen noch um den Betrag geschwächt würde, der jetzt in Form von Erwerbslosenunterstützung und Sozialrenten gezahlt wird. Gespart werden muh dagegen an dem großen Verwaltungsaufwand; angesichts der großen Finanznot dürste sich auch die Volkspartei nicht länger sträuben gegen eine Kürzung der übermäßig hohen Pensionen. Aus den Bilanzen der großen 3n- dustriewerke ergibt sich, daß die Steuerleistung dieser Werke bei steigendem Gewinn zurückgegangen ist. Mit der Kürzung der Länder- und Gemeindeanteile sind wir einverstanden. Die vorgeschlagenen Steuererhohungen treffen zu zwei Dritteln die Massensteuern und nur zu einem Drittel die Desihsteuern. Wir verkennen nicht die schweren Bedenken, die gegen eine Erhöhung der Bier st euer sprechen. Die Erhöhung der Hmsahsteucr lehnen wir ab. Bei den Vesihsteuem müßten sich größere Erträge er- zielen lassen. Die von der Volkspartei vorgeschlagene Besteuerung der öffentlichen Betriebe lehnen wir ab. Abg. Dr. Oberfohren (On.) erklärt, die ©inbringurig des Etats bilde eine Bankerotterklärung des gegenwärtigen Reichskabinetts. Die Allionsunfähigkeit der Regierung habe einen Grad erreicht, der kaum noch überboten werden könne. Der leichtfertige Schritt des Herrn Reinhold in der Hmsahsteuersen- I u n g und die Senkung der Lohnsteuer als erster und fast einziger politischer Akt der neuen Regierung seien die Marksteine auf dem Wege zu dem jetzigen Defizit. Die Methode der Geldbeschaffung, mit der der Reichsfinanzminister sich zu helfen suche, könne nur als grandiose Pumpwirtschaft bezeichnet werden. Der Redner wendet sich gegen d i e Kürzung der Heberweisungen an die Länder und Gemeinden, weil darin nur ein völlig übereilter und unzureichender Versuch zur Lösung des Finanzausgleichs zugunsten des Reiches zu erblicken sei. Die vorgeschlagenen Steuererhl Hungen würden von seiner Partei allgemein grundsätzlich abgelehnt. Die Gesamtsteuerlast in Deutschland sei nicht mehr steigerungsfähig. Die Entziehung von Finanzmitteln seitens der öffentlichen Körperschaften habe in den letzten 3ahren bis zu 38 Prozent des Volkseinkommens betragen. (Hört, hört! rechts.) Der Redner fordert energische Ausgaben- fenlung angesichts der Tatsache einer riefen- Darmstadt, 14. März. Präsident Delp eröffnet die Sitzung um 10.30 Uhr. Die Bänke der Abgeordneten weisen zahlreiche Lücken auf. Die Spezialdebatte zum Etat 1929 geht weiter. Das Haus beschließt, Anträge und Eingaben über B e - soldungsänderung beim Staatsooranschlag 1929 erst bei der nächsten Besoldungsnooelle zu behandeln und lehnt 36 kommunistische Anträge zum Etat, die bereits im Vorjahre abgelehnt wurden, ohne Debatte ab. Es folgt die Beratung des Finanzgesetzes, das den Staatsvoranschlag 1928 auf das Etatsjahr 1929 erstreckt, und das in der Einzelabstimmung gegen Kommunisten und Bauernbund angenommen wird. Es folgt die Einzelberatung des damit Der- bunbenen Nachtrags zum letztjährigen Haus- halt. Ohne Debatte werden eine Reihe von grundsätzlichen kommunistischen Anträgen abgelehnt. Bei Kapitel 1 (Forst- und Kamera!- a ü t e r und Forstoerwaltung) fordert die Regierung für die Sicherung der Eigentumsrechte 6000 Mark, außerdem 28 300 Mark für Neubeuten und größere Herstellungen und 203 200 Mark zur Erfüllung der Verpflichtungen aus der Dermögensauseinander- fetzung mit dem vormals regierenden Großherzog. — Abg. Dr. Niepoth (D. 23p.) beanstandet, daß sich die Regierung stille Reserven schaffe, von denen das Parlament keine Kenntnis habe, denn sie habe im Voranschlag 1928 die Holzverkäufe um eine Million Mark zu niedrig angesetzt. Auch die von der Regierung angegebenen Durch- schniltssätze feien nicht richtia gewesen. Er verlangt öffentliche Ausschreibung freiroeroenber Förster- stellen. — ßanbesforftmeifter Hesse erklärt, baß im Vorjahre die Durchschnittspreise bei Holzverkäu- fen sehr vorsichtig geschätzt, aber durch die günstige Konjunktur erheblich überschritten worden feien. — Das Kapitel wird angenommen. Kapitel 6 (Bad Rauheim) wird mit einer Rachforderung von 74 000 Mark für Werbe kosten, Erneuerungen am Reinigungsbau und der Dampfkessel genehmigt, ebenso Kapitel 6 a ((B ab Salzhausen) mit 2300 Mark Rachforderung. Bei Kapitel 7 (Landestheater) erklärt Dbg. Leuchtgens (Bbd.), daß man den Staats- zuschuß von zirka 900 000 Mark für das L a n d e s t h e a t e r nicht mehr verantworten könne. 3n irgendeiner Form müsse hier eine Aenderung erfolgen. — Abg. Dr. Wolf (Drpt.) ist der Ansicht, „Kultur" sei gut, wenn das Volk satt sei. Diele Theater seien keine Stätten der Sitte und Zucht mehr, sondern eher der Hnsitte oder Hnzucht und spielten nur für eine kleine Zuschauermenge. Er verlangt Zusammenschluß der Theater und Austausch des Personals; das Kapitel Theater lehnt er ab. Abg. Donath (Dem.) stimmt dem Kapitel zu, ebenso der Rachforderung von 100 000 Mark in drei 3ahresraten für sächliche Kosten. Gerade auch für die Hungrigen sei Kultur nötig. Die Spielpläne seien vorsichtig und richtig gemischt ausgestellt. Anerkennung verdiene die Ausgabe von zahlreien Freikarten an Arbeitslose und Rentenempfänger. — Die Abg. Kaul und Wiedmann (S.) bringen einen Antrag ein, von Negierungsseite aus zu versuchen, ob nicht e" «ÄS tiW MO MW das letzte I teil- vorschlagen bei den unverhältnismäßig hohen U m z u g s k o st e n der Diplomaten, beim Wehretat, besonders bei den fReuanforberungen der Marineleitung. Vor allem werden wir sehr kritisch die vielen Forderungen von Neubauten prüfen. Durch die vielen Bauten des Reiches find die Baustoffe für den Wohnungsbau verteuert worden. Mit den 240 Millionen, die das Reich den Ländern mit der Uebernahme der Kosten für die Erwerbslosenoersicherung überließ, haben die Länder nicht die Real steuern gesenkt; dos ist vielmehr alles für die Erhöhung der Beamten« gehälter verwandt worden. Wir find zur fachlichen Mitarbeit bereit, auch wenn wir außerhalb der Regierung stehen. Wir "sind aber nicht dazu da, Agi- tationsanträge von Parteien, die noch in der Regierung find, abzulehnen, um dadurch eine vernünftige Finanzpolitik zu ermöglichen. Eine solche Rolle übernehmen wir nicht. Es kann auch nicht so weitergehen, daß wir im Haushaltsausschuß mit der Etatsberatung beginnen, ehe eine Klärung zwischen den Regierungsparteien erreicht ist. Wir machen schon heute den Reichskanzler darauf aufmerksam, daß wir es ablehnen, ihm dann noch Sukkurs zu leisten, wenn der Karren erst völlig verfahren ist. Abg. o. Sybel (Chr.-nat. Bp.) lehnt bie von der Regierung gemachten Deckungsoorschläge ab. Die Ueberroeifungen an Länder und Gemeinden dürften nicht gekürzt werben, aber die Reichsregierung müße auch auf die Länder und Gemeinden einen Druck ausüben dahin, daß die Realsteuern gesenkt werden. Die heutige Sozialpolitik laufe daraus hinaus, große Teile des Volkes zur Faulheit zu erziehen. (Unruhe links.) Gegen eine vernünftige Sozialpolitik fei nichts einzuwenden. haften Hebersteigerung der öffentlichen AuS- I gaben und des Behördenapparates. Auch der Begriff der Zwangsläufigkeit von Ausgaben sei durchaus relativ. Man müsse in dieser Rotzeit auch den Mut zu Gesetzesänderungen aufbringen, um der Zwangsläufigkeit entgegenzutreten. Die Gegner würden an ihrer Ausraubungsabsicht um so mehr festhalten, wenn man die deutsche Wirtschaft für fähig halte, s o gewaltige Steuererhöhungen aufzubringen. Auf die Dauer könne die Möglichkeit eines ausgeglichenen Etats selbst bei größter innerer Sparsamkeit nur durch eine Befreiung von den Dawes- Lasten kommen. Abg. Brüning (Zenir.) meint, sehr bedenklich sei es, jetzt, wo außerordentliche Verhältnisse vorliegen, die Deckung in dauernden Steuern zu suchen; da fei es weniger ge- jährlich, einmalige Zuschläge zu vorhandenen Steuern zu bewilligen. Das Zentrum wolle neue Einnahmequellen nur dann bewilligen, wenn andere Mittel zur Deckung des Defizits nicht zu finden find. Der Wettbewerb der Parteien und Organisationen um die Rekordstreicherei an den Ausgaben führe freilich nicht zum Ziel. Bei der A r • beitslosenoersicherung müsse geprüft werden, wie die Finanzierung dieser Versicherung überhaupt möglich fei, ob nicht die Arbeitgeberbeiträge beträchtlich erhöht werden müssen. Das Zentrum werde jedenfalls solchen Streichungen nicht zustimmen, die automatisch eine Erhöhung der Realsteuern der Länder und Gemeinden bewirken würden. Streichungen wird das Zentrum des Etats für 1929. p^eichsfinanzminister Dr. Hilserding leitet die Beratung ein. Die Hauptaufgabe bei der Ausstellung des Etats für 1929 sei gewesen, völlige Klarheit über die finanzielle Lage des Reiches zu schaffen. Die gegenwärtige Finanzlage sei entscheidend beeinflußt durch die Gestaltung der außerordentlichen Etats für 1926 und 1927, insbesondere durch das damals aufgestellte Arbeitsbeschaffungsprogramm. Es fei zwar gelungen, das Defizit des außerordentlichen Haushalts von rund einer Milliarde durch Verwendung von Heber- fchüssen des ordentlichen Etats, Auflösung des Betriebsmittelfonds usw. zu senken, es betrage aber noch immer 738 Millionen. Diese Lage ist der Schlüssel zum Verständnis für die schwierige Kassenlage, in der sich das Reich befindet. Rach der Schätzung der Deckungsmöglichkeiten ist in der Kasse ein Defizit von über 500 Millionen entstanden, das durch kurzfristige Anleihen gedeckt werden mußte. 3n den letzten Monaten hat sich die Kassenlage besonders verschlechtert, nicht zuletzt wegen der großen Arbeitslosigkeit. Die Situation ist zweifellos ernst, aber es gehört schon ein besonderes Maß verantwortungsloser Böswilligkeit oder völliger Hnkenntnis der Lage dazu, diese Gelegenheit zu benutzen, um das Schreckblld der 3nflation an die Wand zu malen. Es handelt sich nicht um eine Schuldenwirtschast des Reiches, sondern nur um einen vorübergehenden Mangel an Kassenmitteln. Der Minister erklärt, daß es unter diesen Hmständen sein Bestreben war, den außerordentlichen Haushalt möglichst klein zu halten. Das sei gelungen. Außerdem habe er gesetzliche Maßnahmen vor- geschlagen, um in Zukunft zu verhindern, daß über den außerordentlichen Haushalt Ausgaben ohne tatsächliche Deckung vorgenommen würden. Der Minister geht dann zum ordentlichen Haushalt über, der mehr als jeder vorhergehende im Zeichen derRe- parationslast steht. Eia Betrag von über 600 Millionen mußte bei bet Aufstellung des Etats gedeckt werden. Ein Defizit habe er unter allen Umständen vermeiden wollen. Es blieben nur Streichungen, Kürzungen bet lleberweifungssteuern und Steuererhöhungen übrig. Sleuererhöhungen könnten dabei aber nur al» letztes Mittel in Betracht kommen. Sie müßten angesichts der vorhandenen Steuerlast und der niedergehenden Konjunktur noch Möglichkeit vermieden werden. Es müsse daher In erster Linie der weg der Sparsamkeit beschritten werden. Die Regierung ist grundsätzlich bereit, weitere Streichungen zu unterstützen. Tatsächlich sei für diese Streichungen ein geringerer Spielraum vorhanden, als in der Öffentlichkeit angenommen werde. Wenn man die zwangsläufigen Ausgaben abziehe, bleibe nur ein Teil für Streichungen übrig. Der Minister bespricht dann die Deckungsvor- lagen. Die Kürzung der Steuerüberweisungen der Länder und Gemeinden sei angesichts des Zwanges der Reparationslasten gerechtfertigt. Sie fei auch erträglich, weil den Ländern und Gemeinden eine Gesamtsumme bleibe, die die Sollüberweisun- gen von 1928 noch übersteige Trotz dieser Kürzung und der Höherschätzung der Steuerertrage seien Steuererhöhungen von insgesamt 379 Millionen erforderlich Das Schwergewicht solle auf die A l k o h o l st e u e r gelegt werden, weil bas deutsche Steuersystem in diesem Punkte einen Mangel aufweife. England beispielsweise erhebe vom Branntwein das Vierfache, vom Bier sogar das Fünffache der deutschen Steuer Der Minister betont daß er die gegen die Steuererhöhungen gel- tend gemachten Gründe nicht verkenne, es komme aber vor allem darauf an, sich nicht den Weg für eine künftige Steuerentlastung zu verbauen. Das würde geschehen, wenn man jetzt den Ausgleich durch scheinbare Streichungen oder sonstige unzulängliche Deckungsmittel finden wollte. Diese fünf, tige Reform müsse vor allem auf die 25 ef eit t • gung oer Zucker st euer und die Milderung der direkten Steuern gerichtet fern. Es hätte niemanden, der die Dinge verfolgte, verborgen bleiben können, daß dieser Etat nur mit außerordentlichen Schwierigkeiten ins Gleichgewicht gebracht werden kann. Zum IcU feien diese Schwierigkeiten auch der Grund für die verspätete Einbringung des Etats, weit mehr sei dieser aber eine Folge der polittschen Verhältnisse. Angesichts der grundsätzlichen Bereitschaft der dafür in Frage kommenden Parteien, eine feste Basis ftir die Regierung zu bilden, sei die Erwartung berechtigt gewesen, daß eine solche rechtzeitig gefunden werde. Die Verabschiedung des Etats durch das Kabinett hätte dann zugleich die grundsätzliche Zu- jtimmung der Mehrheit des Reichstags bedeutet. 0 ••tiger 'entscheid emarkb iy 000 wtH^Loee 1 ewinnl nahlaai lef,n »Ml Porto ei'1'ÄPL,* trtidtcüocto 15IH Frinkfert iM. lehuier), SUHL iJoiilChimbrt, Kahl, 8. Loeb, i Weber. [2297V Erscheint täglich,außer A Ä Sonntage und Feiertag«. jflHv ▼ NF HD ▼ ä GietzenerAnMger General-Anzeiger für Oberheffen grantfuii am duun°i168«. vrud und verleg: vrühl'sche Universitäts-Buch' und Steinöruderei R. Lange in Gießen. Schriftlettunz und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. mehr eine Bildungsstätte ausschließlich für eine gewisse Oberschicht, wie das früher der Fall war. Der Redner wünscht für die auswärtigen Abonnenten Fahrpreisermäßigung bei der Reichsbahn und stimmt dem Kapitel zu. — Die Abstimmung zu dem Kapitel wird zurückgestellt. danurwenigeAbgeordneteimHause sind. — Die Sitzung wird auf Freitagvormittag vertagt. Trohki will nach Oeutschlan- kommen. Ein Interview mit dem Führer der russischen Radikalen. Berlin. 15. März. (Prio.-Tel.) Die „B. Z. a. M." veröffentlicht ein Interview, das Trotzki ihrem Korrespondenten heute in Konstantinopel gegeben hat. Danach erklärte Trotzki u. a.. die einzige Regierung, an die er seine Bitte um Äusent haltsrecht gerichtet habe, sei die deutsche Regierung. Am liebsten wäre er in Rußland geblieben; da ihm aber die Moskauer Regierung zum Verlassen Rußlands gezwungen habe, möchte er nun a m liebsteninDeutschland leben, und zwar aus zwei Gründen: zunächst rocgeh feiner Gesundheit. Schon im Jahre 1926 habe er sich in Berlin von drei bekannten Professoren behandeln und einer Mandeloperation unterziehen lassen. Diese Aerzte kennen seinen Organismus genau, und da er zwar nicht todkrank, aber doch recht leidend fei, insbesondere von einem alten Darmleiden gequält werde, möchte er sich von denselben Aerzten behandeln lassen, die ihn bereits im Jahre 1926 behandelten. Der zweite Grund dafür, daß er gern in Deutschland leben möchte, sei, daß Deutschland ihm die besten Möglichkeiten für seine literarischen Arbeiten bieten würde. Er wolle zunächst eine Selbstbiogravhie schreiben und dann ein Werk über die Erforschung der russischen Revolution im Lichte desMarxismuszu Ende führen. Er rechne mit Bestimmtheit darauf, daß Deutschland seiner Bitte nachkomme, da er doch ausdrücklich versichert habe, er werde nicht öffentlich hervor t r e t e n und sich in keiner Weise in die deutsche Politik einmischen Er beabsichtige, wenn sein Gesuch genehmigt werde, in einem deutschen Badeorte zu wohnen und dort feine literarischen Arbeiten zu vollenden Obwohl er in der Türkei gewissen Beschränkungen unterworfen fei, habe er vergessen, daß er in Wirklichkeit ein Gefangener sei. lieber Mangel an Gastfreundschaft von feiten der türkischen Behörden könne er sich nicht beklagen. Zum Schluß wies Trotzki darauf hin, daß er (Ein» reifeanträfle weder in Frankreich noch in der Tschechoslowakei gestellt habe. Trotzkis Sohn betonte, sein Vater beabsichtige nicht, aus den Artikeln, die er gegenwärtig für die Weltpresse schreibe. Gewinne zu ziehen. Die Erträgnisse aus oieser Tätigkeit würden ausschließlich zur Bekämpfung der Stalingruppe verwendet werden. Trotzkis Asylgesuch. Nochmals ein Schritt Löbes beim Reichskanzler. 'Berlin, 15. März. (Priv.-Tel.) Im Zusammenhang mit der Nachricht, daß sich jetzt nochmals der Reichstagspräsident L ö b e an den Reichskanzler gewandt hat. doch das Asylgesuch des russischen Oppositionsführers Trotzki durch das Reichskabinett zu genehmigen, erfahren wir, daß die Reichsregierung schon in den nächsten Tagen noch e i n » mal zu der ganzen Frage Stellung nehmen wird. Inzwischen werden auch noch verschiedene Besprechungen mit dem hiesigen russischen Botschafter gepflogen, um wenigstens eine gewisse Stützung des privaten Antrages Trotzkis durch die russische Regierung zu erhalten. Nach wie vor besteht jedoch gerade auch in der Reichsregierung eine Mehrheit, die sich gegen die Einreisebewilligung Trotzkis ausspricht. Es läßt sich jedoch noch nicht überblicken, zu welchem Ergebnis das Kabinett endgültig kommen wird. Man darf nur hoffen, daß diese Frage mit der nötigen Gründlichkeit von den zuständigen Stellen geprüft wird, damit nicht Zwischenfalle. die später auftreten können, zu miß- liebigen Auseinanderfetzungen führen, wodurch die deutsch-russischen Beziehungen ihrerseits nicht gerade gefördert würden. Ein Kammersieg poincarss. Die Frage der religiösen Kongregationen wird beraten. Paris, 14. März. (WB.) 3n der Kammer wurde die Besprechung der Nachtrag, kreditvor- läge für 1928 fortgesetzt. Der kommunistische Abgeordnete Cachin forderte die Räumung Syriens und des Rheinlands, sowie eine bessere Ernährung der Truppen. Der sozialrepublika- nische Abgeordnete Drunet geißelte die 6tei- S der Lebenshaltungskosten seit der Sta- ung und forderte entsprechende Maßnahmen. Hierauf forderte Poincars für heute nachmittag die Beratung der Vorlage über die Wiederzulassung der Kongregationen. Er wies aus zahlreiche Zuschriften hin, die das Rachlasseil deL französischen Einflusses im Auslande und besonders in den lateinamerikanischen Ländern dem Umstande zuschrieben, daß die Kongregationen nicht mehr die Möglichkeit hätten, die notwendigen Kräfte zu rekrutieren. Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Abgeordneter Ma Ivy (Radikal), bekämpfe diesen Antrag unter Hinweis darauf, daß dadurch die Beratung die Rachtragskreditvorlage unterbrochen und somit deren Verabschiedung vor Monatsende unmöglich gemacht werde. 3n der lebhaften Debatte über den Regierungsantrag, die sich erklärt aus dem prinzipiellen Widerstand der Sozialisten und Radikalen gegen die Widerzulassung der religiösen Ordens- gcsellschaften und Kongregationen erklärte Außenminister B r i a n d , daß die Verabschiedung der Vorlage im Interesse der französischen Außenpolitik dringend geboten sei. Die Abstimmung ergab 323 Stimmen für den Antrag der Regierung, gegen den 254 Abgeordnete stimmten. Die Kongregationsvorlage wurde also heute nachmittag von der Kammer in Angriff genommen. Der radikale Abgeordnete Iacquier stellte $u Beginn der Aussprache die Vorfrage, was eine nochmalige Abft’.mmung Über die Frage der sofortigen Besprechung des Gesetzes notwendig machte. Er erklärte: Man verlangt von uns heute, den religiösen Kongre- gativnen wieder die Bestimmungen deS gemeinen Rechts zuteil werden zu lassen. Morgen wird man Um die Freiheit der Meere. Das britische Flotienbauprogramm. Angeblich kein Rüstungswettbcwerb mit Amerika. London, 14. März. (WB.) Im Unterhaus brachte der Erste Lord der Admiralität Bridge- man die Flottenvoranschläge ein. die, rote er er- klärte, im Vergleich zu den letztjährigen eine Der- Minderung um 1435 000 Pfund aufroeifen. Er bemerkte, daß der Flottenetat vor dem Kriege 24,5 v. 5). des Gesamtbudgets ausgemacht habe, während er jetzt nur noch 6,9 v. H. betrage. Im kommenden Finanzjahr würden drei neue Kreuzer auf Stapel gelegt werden. Bridgeman fuhr dann fort: Man spricht manchmal von unserem Flottenbaupro- gramm, als ob es ein großes Zusatzprogramm statt eines Erfatzprogramms fei. Vor dem Kriege hatten wir 114 Kreuzer, jetzt haben wir 52, und wenn sie weiter im Maße von drei Kreuzern jährlich ersetzt werden, so werden wir im Jahre 1940 nur noch 50 haben, die weniger als 20 Jahre alt sind. Für die Abrüstung habe Eng.and mehr alS irgendein anderes Land getan, und noch vor der Washingtoner Konferenz mehr Tonnage gestrichen. als ihm jetzt verbleibe. Bridgeman erinnerte an die britischen Vorschläge für die Verminderung der Flottenrüstungen und betonte, Premierminister Baldwin habe bereits erklärt, daß Großbritannien sich auf kein Wettrüsten mit Amerika einlassen werde. Die Einführung der sechs^ölligen Bestückung statt der achtzölligen zeige vollkommen klar, daß England nicht versuche, die Vereinigten Staaten zu übertrumpfen. 1927 und 1928 habe England drei Kreuzer aus seinem Programm fallengelassen, in der Erwartung, daß die Vereinigten Staaten wünschten, die britischen Vorschläge in Erwägung zu ziehen. Die zwei Mächte seien beide friedliebend, sowohl im eigenen Interesse wie auch auf Grund ihrer Traditionen. Daher sei es vollkommen unsinnig, sich einzubilden, es bestehe irgendeine Gefahr, daß sie einander bekämpfen werden. Der Friede der Welt werde nicht durch die Tatsache gefährdet, daß eine oder zwei oder mehr friedliebende Rationen starke Flotten besitzen. Eine Verminderung der Flotten sei äußerst wünschenswert im Interesse der Ersparnisse und noch mehr im Interesse der Menschheit. Wenn es möglich wäre, die Verwendung von Unterseebooten oder die Verwendung von Giftgasen oder Luftangriffen einzuschränken, so wurde dies ein riesiger Fortschritt sein. Wenn eine Verminderung ohne Risiko durchgeführt werden könne, so sei sie, darin seien sich alle einig, wünschens- wert. Wir sind bereit, so schloß Bridgeman, Vorschläge, die Abänderung bereits gemachter Vorschläge oder neue, vielleicht noch nicht bekannte Vorschläge in Erwägung zu ziehen. Das Mitglied der Arbeiterpartei Ammon trat für ein internationales Abkommen über die Freiheit der Meere ein. Der Liberale Sir Godfrey Collins erftärte, Bridgeman scheine die Bedeutung des Kellogg-Paktes nicht voll erkannt zu haben, denn er setze diesen Pakt nicht in öle Tat u m. Seiner Meinung nach bestehe keine Rot- wendigkcit für die in den Flottenvorschlägen enthaltenen Ausgaben. Frankreichs Marinevermehrung. Der deutsche Panzerkreuzer A bedroht Frankreichs Sicherheit. Paris, 14.Mär,. (1DIB.) Der Senat hat heute mit 272 gegen 28 Stimmen den Gesetzentwurf angenommen, der die Kiellegung der Im zweiten Teil des Flottenbauprogramms enthaltenen Einheiten vorfieht. Ls handelt sich um einen Kreuzer, sechs Torpedobootszerstörer, sieben Unterseeboote und zwei Avisos. Der Berichterstatter, Senator £ e m e r g, bezeichnete den Bau dieser Einheiten als eine notwendige Maßnahme dec Verteidigung und wies in diesem Zusammenhang auf die bevorstehende Indien st st ellung des neuen deutschen Panzerkreuzers und auf die Verabschiedung des italienischen jlottenbau- ptogramme» hin. Der deutsche Panzerkreuzer, dem noch weitere gleiche Einheiten folgen würden, fei so bestückt, daß er sämtliche französischen und englischen Kreuzer in Schach halten könne. Der Bau dieser Schiffseinheiten scheine vom Geist von £ oc a r n o und vom Geist des Kelloggpakte« nicht beseelt zu sein. Deutschland könne auf Grund des Versailler Vertrages nicht mehr als sechs Schiffe de» neuen Modells bauen. Anders aber verhalte es sich mit Italien. Da Frankreich im Falle eines Krie- ges sich nach mehreren Fronten verteidigen müßte, würde Italien im Miltelmeer das heft in der Hand halten, und da» sei für Frankreich unannehmbar. Der Vorsitzende des Marineausschusses, Senator de fietguejec, gab der Befürchtung Ausdruck, daß man vor einem neuen Rüffungeroettberoerb stehe. Die Räumung der zweiten Rheinlandzone. Herr Chamberlain ist im Unterhaus darüber interpelliert worden, wie es mit der Räumung der zweiten Zone ist und hat zutreffend die Auskunft erteilt, daß die Räumung am 10. 3a- nuar 1930, also in dreiviertel Iahren, fällig ist, daß deshalb besondere Verhandlungen über den Zeitpunkt nicht nötig seien. Es war mehr als überflüssig, geradezu kleinlich, wenn Herr Chamberlain bei dieser Gelegenheit es für nötig hielt, daran zu erinnern, daß Deutschland seine Verpflichtungen erfüllen muh, damit die Räumung erfolgt. Wir haben, weiß Gott, über den Rahmen des Möglichen hinaus erfüllt, einer besonderen Ermahnung, die gerade aus Chamberlains Munde hochnäsig wirkt, bedarf es dazu nicht. Wan könnte aus der Antwort vielleicht die Schlußfolgerung ziehen, daß Chamberlain an den günstigen Ausgang der Reparationsverhandlungen oder an Wirkungen des Abschlusses dieser Verhandlungen auf die Zurückziehung der Tesatzungs- truppen nicht glaubt. Das scheint uns aber vorläufig noch übertriebenes Mißtrauen, der ewig trockene Chamberlain hat rein bureau- mäßig geantwortet und jede Perspektive in die Zukunft absichtlich vermieden. Vorläufig halten wir jedenfalls daran fest und haben dazu ja auch eine Zusage von Frankreich, daß, wenn die Reparationsverhandlungen zum Erfolg führen, dann auch der Augenbllck gekommen ist, wo d i e ganze Besatzung vom deutschen Boden verschwinden muß, denn wir brauchen nationale und wirtschaftliche Ellenbogenfreiheit wenigstens in unseren eigenen Grenzen, um die letzten Kräfte freizumachen. Sonst ist auf die Dauer an die Befriedigung unserer Gläubiger überhaupt nicht zu denken. Freilich, nach den bisherigen Erfahrungen müffen wir darauf rechnen, daß Herr Driand im letzten Augenblick noch einen neuen Wider st and einschaltet und darauf aufmerksam macht, daß ja in Gens zwei Kommissionen eingesetzt sind, von denen erst die eine arbeitet, während di- andere, die über das Sicherheitsproblem orakeln soll, vorläufig nur in den Akten existiert. Es dürfte uns also nicht wundern, wenn er freimütig oder unter dem Druck PoincarLs dann doch noch die Zurückziehung der Truppen davon ab- hängig macht, daß auch die französischen Forderungen nach einer dauernden Kontrolle der deutschen Grenze befriedigt werden. Aber auch das würde ihm nicht darüber hinweghelfen, daß die Besatzungszeit für die zweite Zone zu Beginn des nächsten Jahres abgelaufen ist und daß spätestens am 10. Januar wieder für Tausende deutscher Einwohner der Augenblick der endgültigen Befreiung winkt. Woraus sich ergibt, daß für Frankreich der Wert der Besatzung mit jedem Tag an Kaufkraft verliert, zumal seitdem das gesamte besetzte Gebiet einstimmig bekundet hat, daß es lieber noch geduldig ausharren will, als seine Befreiung mit dem Preis unerhörter Bedingungen zu erkaufen. Diese Erinnerung ist gerade heute nicht unzeitgemäß, wo in Paris um die endgültige Gestaltung der deutschen Reparationsverpflichtungen gewürfelt wird. Nationalpolitisch wie finanziell würde Deutschland einen günftiaen Ausgang in Paris willkommen heißen, um jeden Preis darauf angewiesen aber sind wir nicht. von uns fordern, die Neutralität der Schulen zu revidieren. Innenminister T a r d i e u wi'.erfprach dem Verlangen des Abg. Iacquier und erklärte, man müsse nun endlich zur sachlichen Behandlung gelangen und die Fragen deS Verfahrens beiseite lassen. Er stellte gegen die Vorfrage die Vertrauensfrage. Die Kammer lehnte darauf die Vorfrage des Abg. Iacquier mit 321 gegen 249 Stimmen ab. Die Todesfälle unter den ftanzösifchen Vesatznngsirnppen. Peinliche Nnkersuchungsergebnisse. Paris. 13. März. (WTD. Funkspruch.) „Ioumal" glaubt zu wissen, Kriegsminister P a i n l e v ö habe vor dem Heeresausschuh der Kammer bei der gestrigen Beratung über die Ergebnisse der Untersuchung der hohen Zahl der Todesfälle unter Öen französischen Besatzunastruppen zugegeben, Öah öle Tatsache ihn peinlich berührt habe, daß an dem selben Abend, an dem einige Soldaten gestorben waren, i m Offiz ierskasino getanzt worden sei. Das sei zum mindesten ein Mangel an Takt gewesen. Er habe die Ansicht vertreten, daß gewisse Märsche und Hebungen bei 25 Grad unter Rull hätten eingestellt oder abgekürzt werden müssen, und daß es unblllig gewesen sei, bei solcher Kälte einen Soldaten zwei Tage lang im Gefängnis zu belassen. »Populaire" veröffentlicht heute eine Statistik, die die Todesfälle in Öen einzelnen Garnisonen des Rheinlandes bis zum 5. Marz aufführt und zu einer Gesamtsumme von 348 gelangt. — „Petit Varisien' glaubt zu wissen, daß der Kriegs- minnter nicht nur, wie bisher angekündigt, Maßregeln gegen einen General und einige höhere Offiziere ergreifen werde, sondern gegen einen DivißionSkommandsur und einen Befehlshaber eine« Armeekorps und gegen einen oder mehrere Obersten. e Rach einer Blättermeldung aus Trier ist trotz der anhaltenden wärmeren Witterung die Gewalt der in den Kasernen von Trier umgehenden Grippe-Seuche noch nicht gebrochen. Don gut unterrichteter Seite werden bis - um 13.März weitere 19 Todesfälle gemeldet. Ein Teil der Kasernen bleibt weiterhin gesperrt. Oer deutsch-südafrikanische Handelsvertrag. VerfassungskrisiS in Kapstadt. Berlin, 15. März. (Priv.-Tel.) In der Südafrikanischen Union ist ein Verfassungskonflikt ausgebrochen, von dessen Lösung unter Umstän- öen das Schicksal des deutsch-afrikanischen Handelsvertrages abhängt. Die Kapstädter Regierung hat sich vor einiger Zeit auf den Standpunkt gestellt, daß Verträge nur dem Unterhaus xur Ratifizierung vorzulegen seien, nicht aber dem Senat. Sie hat auch den deutsch- südafrikanischen Handelsvertrag nur dieser Körperschaft zugehen lassen, die ihm auch ihre Zustimmung erteilte. Der Senat, der ebenso wie die Opposition im Parlament mit diesem Verfahren nicht einverstanden ist, hat sich jetzt eingeschaltet, und einen oppositionellen Antrag angenommen, der den Vertrag ablehnt. Um daS Soiommen endgültig in Kraft zu setzen, ist jedoch die Zustimmung der Krone, also die Unterschrift des General^Nou- vemeurs, erforderlich, der aber feinen Ramen so lange nicht unter den Vertrag setzen wird, bis der Derfassurmsstrelt in irgendeiner Form gelöst worden Ist. Wir müssen unS also darauf gefaßt machen, daß noch sehr viel Zeit in« Land gehen wird. biS der Konflikt in Südafrika beigelegt ist. Das bedeutet also, daß unser Exporthandel so rasch nicht in den Genuß der Vorteile kommen wird, die ihm der Handelsvertrag zusichert. Aber gerade diese Begünstigungen sind es, die den Vertrag in den Mittelpunkt des inner- politischen südafrikanischen Streites gerückt haben, wird. doch durch die Vereinbarungen zwischen Berlin und Kapstadt eine Dresche in das englische Zollsystem gelegt, wonach bisher alle zollpolillschen Vergünstigungen ausschließlich dem englischen Mutterland zugute kamen. Aus aller Wett. Die 500 ooo.Mark.prämle der Preußischen Klassen- lotter le. Bei der letzten Zi hung i.er P eu IschenKlassen- lotterie fiel die Prämie von 500 000 Mart (mit einem Gewinn von 1000 Mark) auf die Rümmer 297 785. Das Los wird in Abteilung L in Acl r in Berlin-West, in Abteilung II in Achteln x Derlin-Rordost gespielt. Wie daS .Tempo" e- richtet, befindet sich unter den Gewinnern der großen Prämie ein 47 Iahre alter blinder Straßenhändler, der bisher fein Leben aus dem Verkauf von Dlindenerzeugnis en armselig fristete. Auch alle anderen Teillose der Steglitzer Abteilung der Glücksnummer waren i m Besitz kleiner Leute. Die Gewinner sind ein Kraftdroschkenführer, eine Dureauangestellte, ein Photograph, der zwei Achtellofe hatte, ein kleiner Beamter in Steglitz, der zur Zelt Im Krankenhaus liegt, eine arme Aufwartefrau in Lichtenberg und eine Frau in Ratibor. Benzinexplosion Im Kanalschacht. Durch eine heftige Explosion ist in Altenkirchen (Westerwald) der innere Stadtteil stark erschüttert worden, so daß sich der Bevölkerung eine große Aufregung bemächtigte. Don einer Tankstelle war Benzin in den Kanal gepumpt worden, da man offenbar glaubte, es mit eingedrungenem Wasser au tun zu haben. Dieses Benzin war in Brand geraten und auf einer Strecke von etwa 500 Meter Im Kanalschacht explodiert. Zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrümmert. Die zentnerschweren Deckel der Kanalschachte flogen meterhoch in die Lust, um im nächsten Augenblick auf der Straße zu zerschmettern. Wie durch ein Wunder sind Menschenleben nicht zu beklagen. Riesiger Waldbrand bei £ocarno. In Öen Bergwaldungen nördlich Locarno und oberhalbOrselina entstand am Mlttwochnach- mittag ein großer Brand, der am Donnerstagabend noch fortroütete. Die ganze Bevölkerung ist zur Bekämpfung des Feuers aufgeboten. Das Dorf Or- felina selbst ist gefährdet. Lin Geburtstagsgeschenk der Stadt Berlin für Professor Einstein. Die Stadt Berlin hat dem berühmten Physiker und Robelpreisträger Professor Einstein zu seinem 50. Geburtstag ein Glückwunschschreiben überreichen lassen uno ihm zugleich Mitteilung davon gemacht, daß der Magistrat beschlossen hat, Professor Einstein in Reu-Fladow in dem zur Zeit von Herrn von Zechau bewohnten Eln- f amilienhaus ein Wohnrecht auf Lebensdauer einzuräumen. Geständnis des Mörders des fr-.»zösischen Zugführer». Der 21 Iahre alte Gewerbeschülcr Steffen«, der unter dem Verdacht verhaftet worden war, den Zugführer des Schnellzuges Paris—Rancy ermordet zu haben, hat Die Tat eingeftanöen. Er hatte sich aller Barmittel entblößt gesehen und wollte sich neue Geldmittel beschaffen. Steffens ist in Hagenau im Elsaß geboren. Oie Wetterlage. berdc :«■ * 6 Donnerstaq. d.14. Marz 1929. raDds evonrtmei o erm. o r«® orettit» vomig. e otecm • Kbitte a »rewOTin • ifteei ROr*uei^§)u*e«i»t^™ idr e*»tr» O51 ««5e oodtn SUUontn jtei»eMtn Ze* en ge>cn die Tempoitur an. Du Limen erromdto Oft» ert afciclci» ui Mtruenet» uea«rer«n»we KfUre«- Wettervoraussage. Das britische Hochdruckgebiet hat sich in seinem Kerngebiet wieder etwas verstärkt und zeigt heute morgen Barometerstände von annähernd 775 Millimeter. Kräftiger Luftdruckanstieg in Skandinavien deutet darauf hin, daß sich das Hoch ostwärts verlagern wird. Deutschland wird somit von nördlichen, aus dem Hoch ausströmenden, Winden überflutet, die den meist nebelig-roolkiaen fjimmel noch immer fortbesteben lasten. Niederschläge treten vorerst noch nicht auf. Wettervoraussage für Samstag- Noch meist neblig-wolkiges Wetter mit zeitweiser Aufheiterung, bei wenig veränderten Temperaturen trocken. Wettervoraussage für Sonntag: Fortdauer des herrschenden Wetters. Lufttemperaturen am 14. März: mittags 4,6 Grad Celsius, abends 0,1 Grad; am 15. März: morgens 0 Grad. Maximum 6 Grad, Minimum —2 Grad. — Erdtemperaturen am 14. März: abends 0 Grad; am 15. März: morgens —0,2 ®rab Celsius. —- €on« 1 nenscheindauer 3H Stunden. MB hea äuglet», iülcr Sttfftni, iftet tootben war, $ PariL-DaiH • Lü titel tntbW »eldmillel MM» W geb°M. schenk [efiot 6inffdtt berühmten Physiker sor Einstern zu Slückwunschschreiben zugleich Mitteilung lagistrat beschlossen leu-Fludotv in dm )au bewohnten Sin« htauf Lebens« sD ■ÄS resche i?1!^ 9t- dvnach gen aujtlÄ »51* Mn. SZA". W ■ Gewinnern der °"er blindes ber sein Leben 'Zeugnis en £ ” SeitlofeX Pgyuaten im ^ Drwinner sind SUai*nte. ft ^"e. ein M 3elt Im Ä?°rtesM in Aatibor. nalschochi, In Alten. .«W Stadtteil ° M der lSevSI. demnchtigte. Ion rnzin in btn oa man ossenbar nj» Dalser »u hin in Drand gc. de von etwa 520 'diert. Zahlreiche Mert. Die zentner« schte flogen mein« ten Augenblick auf i; Wie durch ein Icht zu bcllagen. i tocarno. kdlich Locarno und ö am Mittwochnach' m Donnerstagabend ilferung ist zur Selen. Das Dorf Dr- ««<•* ,, «tV* V*1 lüSsagk. |ein{m ,iet Pj „int heuia R-H Oetter^ags j gjlär5: j Krad e”»0^ /SS«** Ohne Gewähr Nachdruck verboten 30. Ziehungstag 14. März 1929 65797 68840 76850 84398 88350 90221 123507 189673 218594 235348 282155 309702 356842 375984 57865 102862 132938 212823 231248 265755 300183 347150 362169 105885 169088 214835 231450 267546 301568 348344 364822 124339 203675 224304 251715 291486 324577 357186 392393 131365 207152 227122 253070 294548 335687 358752 393966 116388 171005 218331 234956 280445 302318 352748 368590 landwirtschaftlichen Maschinen und bu Lrateoorräte vernichtet, das Vieh fonnU bis auf die Hühner jum Glück noch gerettet werden. Der Schaden der beiden Besitzer ist nur zum kleinen Telle durch Versicherung gedeckt. Die schwerbetrosfenen Familien sind einstweilen notdürftig im Orte unlergebracht worden. Als Brandursach« wird Surzschl' h vermutet. 4 ®Winne iu 3000 M. 10 •earinn* xo 2000 HL 212054 325169 12 ®e»tnne iu 1000 HL 129641 146647 270653 Gewinnavszng 5. Masse 32. Prevblsw-Sgbdeittsche (25b. Preutz.) SUaflen-ßotierie Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich Hetze Gewinne gefallen, und zwar tr einer aus die Lose gleicher Nummer kn den beiden Abteilungen I und II Großfeuer in Löhnberg. Zwei Wohnhäuser und drei Scheunen elogeäschert. WSN. Wellburg a. d. Lahn. 14. Mär,, heute abend brach Im benachbarten Löhnberg ein Grohfeuer aus. durch das Zwei Wohnhäuser und drei Scheunen völlig eingeäschert wurden. Gegen 6.30 Uhr schlug plötzlich aus einem Haus an der Ringmauer eine hohe Flamme empor, die im Augenblick da, ganze Dach ergriff und sogleich auch das Nachbarhaus in Brand steckte. Die Löscharbeiten gestalteten sich wegen Wassermangels sehr schwierig. Erst als die Motorspritzen von Weilburg und Wetzlar anrücklen, konnte man aus der Lahn In langen Schläuchen Wasser an die Brandstätte pumpen Das Feuer hatte jedoch schon zwei Wohnhäuser und drei Scheunen ergriffen. Die wehren muhten flch deshalb darauf beschränken, die Nachbarhäuser zu retten. Gegen SUHc war der Brand so weit elvge- dämmt, dah für die Nachbarhäuser keine Gefahr mehr bestand. An den Löscharbeiten beteiligten sich ungefähr 25 wehren aus der Umgebung. Da aus den Häusern und Scheunen fast nichts gerettet werden konnte. ist derSchadenauherordent- lIch hoch. Vie Ursache de, Brandes konnte noch nicht ermittelt werden. wie der „Gießener Anzeiger" durch telephonische Erkundigungen in Löhnberg noch feslslellte. handelt es sich bei den bi, auf die Grundmauern niedergebrannlen Gehöften um die Besitzungen der Landwirte Heinrich Bock und Albert Schuster; letzterer betreibt neben seiner Landwirtschaft noch eine Schuhmacherei und Schuhhandlung, und ihm ist ein gröberes Schuhlager mit ver- brau ul. 3n beiden Gehöften wurden all« 3n der heutigen Schluhziehimg wurden Gewinne über 150 SDL gezogen 2 »«tohnu in 1000 HL nah tn» btthea Träadew Ma je 500000 HL auf «lt 297785 2 •ecuin« |U 10000 W. 260728 48 ©ttoinne «u 500 HL 20292 21928 24584 25187 51381 54686 83685 100234 124122 129302 139610 158649 200985 207035 235079 236446 253856 282959 292634 333482 373307 389781 390621 118 »ttemne in 300 HI 8397 41061 47217 52312 71917 259248 80461 129804 202318 71269 95879 126856 sachdienliche Angaben zur Ermittlung der Täter und Herbeischaffung bej Diebesgutes machen können, werden gebeten, der Seriminalabteilung, Zimmer 24, Nachricht zu geben. •* Fe st genommen wurden hier drei Fürsorgezöglinge. die aus der Anstalt Bethesda entsprungen waren. Sie wurden in die Anstalt zurückgebracht. ' *' herrenlose Fahrräder. In den letzten Tagen wurden hier drei Fahrräder herrenlos auf- . gefunden. Die Eigentümer können die Maschinen bei der Kriminalabteilung wieder in Empfang nehmen. •• Der Gießener Lesehalle-Verein hielt am Mittwoch abend in der IlniversitätS- Bibliothek seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Professor Dr. Fritsche erstattete den Jahresbericht für 1928, aus dem zu entnehmen war, daß der Besuch der Lesehalle im Selters- torhaus sehr zufriedenstellend ist und daß der Verkehr sich dort in Formen abwickelt, die den ganzen Verhältnissen entsprechen. Zu wünschen wäre, daß die Selbstkontrolle der Benutzer der Lesehalle darauf achtet, dah nicht, wie dies in vereinzelten Fällen vorgekommen ist, Lesematerial mitgenommen wird, oder aus einzelnen Zeitschriften gewiss« Illustrationen herausgefchnitten werden, wodurch andere Besucher der Lesehalle geschädigt werden. Aus der Bücherei des Lese- Halle-Vereins wurden 1928 im ganzen 13 951 Bände, gegen 14 964 Bände im Vorjahr verliehen. Da im laufenden Jahre dem Verein etwa« reichere Mittel zur Verfügung stehen werden als in den Vorjahren, beschloß die Versammlung, den Bücherbestand der Bibliothek stärker zu vermehren a.8 dies bisher möglich war. Der Vorsitzende, Prof. Dr. Eger, dankte Prof. Dr. Fritsche für seine auch im letzten Jahre geleistete Arbeit und große Mühewaltung, er verband damit gleichzeitig auch den Dank an die Damen, welche die Dibllothek gewissermaßen verwalten und die Bücherausgabe besorgen. Cs wurde noch mitgeteilt, daß der „Tag des Buches" durch eine Ausstellung im großen Lesesaal der Llniversitäts-Tih.ioihek begangen werden soll, die am Samstag, 23. März, vormittags 11 älhr eröffnet werden wird und vom Samstag bis Montag bis abends 6 Tlhr der Oefsentlichkeit zugängig ist. Die Vorstandswahl ergab durch Zuruf die Wiederwahl der seitherigen Vorstands- mitglieder, uenen es überlassen bleibt, durch Zuwatzl eventuell den Vorstand noch zu ergänzen. ** Die Ortsgruppe Gießen des Bundes der Kolonialireunde konnte, wie uns mitgete lt wird, im bisherigen Verlaufe dieses Jahres stet.ge Fortschritte in ihrer Entwicklung verzeichnen. Neben geselligen Veranstaltungen, die sehr zum Zusammenhalt unter den Mitgliedern beitrugen, wurde u. a. Anfang März in Gemeinschaft mit dem Kavallerieverein Gießen ein Familienabend veranstaltet, in dessen Mittelpunkt ein Vortrag des ersten Vorsitzenden Mohr über „Weltwirtschaft und Kolonialpolitik" stand. Weiter hielt der Redner an diesem Abend einen Lichtbildervortraa unter dem Leitwort „Eine Reise durch unsere Kolonien". Die Veranstaltung verlief zur vollen Zufriedenheit der Besucher. Am 9. März fand die Dierteljahreshaupt- Versammlung statt, die ebenfalls einen befriedigenden Verlauf nahm. •• Der schöne Mensch in der Neuen Kunst. Unter diesem Titel veranstaltet die „Interessengemeinschaft fortschrittlicher Künstler Hessens" (Darmstädter Sezession und Darmstädter Gruppe) zusammen mit der „Hessischen Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst" dieses Jahr eine grohangelegte, internationale Ausstellung. Sie wird von Mitte 3uni bis Oktober in dem Aus- stellungsgebäude auf der Machildenhöhe zu Darmstadt gezeigt werden. Eine retrospektive Schau vermittelt in charakteristischen Stichproben einen Lleberb'.ick über die künstlerische Prägung des Körperideals in vergangenen Epochen, von der Sieinzeit bis zur Moderne. Die besten "beut- schen und ausländischen Vertreter der Malerei und Plastik werden durch neue Arbeiten zeigen, wie das heutige Kunstschaffen dem Problem gegen- übersteht. "AichtaufkalteStelnefehenl Wenn die Sonne in den nächsten Wochen das Leben in der Natur zum Erwachen gebracht hat. kommt auch wieder die Zeit, in der groß und klein sich heraussehnt ins Freie und Ausflüge unternimmt. Dabei dürfen es alle Eltern, deren Kinder sich an solchen Ausflügen beteiligen, nicht unterlassen, nachdrücklich daraus hinzuweisen, daß ein Ausruhen auf kalten Steinen sehr gefährlich werden kann. Denn die Kälte der Erdkruste muß erst aus dem Boden heraus und der durch längeres Wandern schwitzende Mensch kann sich .den Tod holen", wenn er sich auf einen Feldstein oder auf einer steinernen Dank zum Ausruhen nieder- läßt. Ebenso muß dafür Sorge getragen werden, daß bei Wanderungen für den immer noch kalten Abend genügend fchühende Kleidung mitgenommen wird. die wandervolle goldklare flaarwaachseife für jedes Haar, auch als Shampoon jßiit'’ 3 CT Iugendgruppe von Bedeutung ist. DaS Ergebnis der Aussprache ging dahin, dah grundsätzliche Geneigtheit zu einem Zusammenschluß zu einer Interessengemeinschaft besteht, vorausgesetzt, daß die Selbständigkeit deS Vereins in finanzieller Beziehung und in bezug auf Betätigung auf dem Gebiete des Mvtor- fluges und des Freiballonsportes bestehen bleibt. Bornotizerr. Tageskalender für Freitag. Stadttheater: „Cäsar und Cleopatra". — Licht, pielhaus, Bahnhofstraße: „Hinter Klostermauern". — Astoria- Lichtspiele: „Im Schatten des Harems". — Stadttheater Gießen. AuS dem Sladtthealerbureau wird und geschrieben: Die heutige Vorstellung von ?,Cäsar und Cleopatra" beginnt schon um 19.15 Llhr. — Die Dolksvorstel- lung von Charletzs San le, am Sonntag, 17. März, beginnt um 18.15 Uhr. — Obst - und Gartenbau verein. Am nächsten Sonntagnachmittag im Kaufmännischen Vereinshaus Vortrag über „Düngungsfragen im Garten". (Siehe mutige Anzeige.) — Geflügel- und Vogelzuchtverein Gießen. Morgen Samstagabend im „H:sft chcn Hof" Monatsversammlung. Siehe Anzeige. — Wandervogel .Höhenflug" Gießen. Am morgigen Samstagabend findet im Frankfurter Hos" ein Lichtbildervortrag statt. Man beachte die heutige Anzeige. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 15. März 1929. Falsche Höflichkeit. Dor kurzem hat ein Hamburger Juwelen- Händler eine Art Rundschreiben an die „Herren Einbrecher" gerichtet, die ihm nachts vorher seinen Laden ausgeplündert hatten, und ihnen gute Bezahlung zugesichert, wenn sie ihm die Deute zurückorächten. Tatsächlich ging dieser merkwürdige Handel im Schutze der Dacht vor sich, der Juwelier blechte an die Einbrecher, die „Herren Einbrecher" gaben den Raub zurück. Was die Polizei dazu gesagt hat, weiß man nicht, aber sie dürfte mit einem solchen Verfahren nicht ganz einverstanden sein. Dun folgte ein Berliner Juwelier diesem Beispiel und übevbot es noch, indem er ein Plakat anbringen lieh, das der Kuriosität wegen hier wörtlich wiedergegeben sei: „Wertgeschähte Einbrecher! Bei Ihrem ungebetenen Besuch in unserem Hause mußten Sie eine merkwürdige Entdeckung machen: Es gibt im Grünewald auch Leute, bei denen für Sie Wertvolles zu holen ist. Ihr Kennerblick lieh die meisten Gegenstände als kaum verwendbar stehen. Nur eines haben Sie mitgenommen, was auch Ihnen verwendbar schien: einen alten silbernen Familienbecher. Was wollen Sie damit machen? Einschmelzen bringt wenig Geld ein, verschieben kann man ihn schwer, da er durch Inschriften zu deutlich als Eigentum meiner Familie bezeichnet ist. Für mich und mein Haus aber bedeutet der Silberwert wenig Im Vergleich mit den Erinnerungen, die das Erbstück trägt. Ich bin, wie Sie gcseh-n haben, kein reicher Mann, aber wenn Sie mir den Becher unbeschädigt zurücksenden, zahle ich Ihnen den Silberwert und ein Pfund Geld. Diskretion Ehrensache. Sie kennen ja meine Anschrift. Ein Grunewalder." Ditte zu beachten: „Wertgeschähte Einbrecher! Diskretion Ehrensache!" Wan darf sich wohl fragen, ob die Herren Einbrecher das richtige Verständnis für die Wertschätzung haben, deren man sie versichert. Unb ob sie viel auf die „Ehrensache" geben, sei dahingestellt. Aber mancherlei andere Gedanken drängen sich in diesem Zusammenhänge auf. Höflichkeit ist eine schöne Sache, und man soll sie üben, wo man kann. Wan könnte sie sicher noch oft an den Mann bringen, wenn man wollte, und es ist anzunehmen, dah sie auch in diesen anderen Fällen eine gewisse Wirkung erzielte. Wenn man sich aber im allgemeinen ein wenig umsieht, ist von Höflichkeit gerade das Maß zu finden, das als unbedingt nötig anzusehen ist. Ost aber wird man sogar nicht unbeträchtliches Untergewicht festzustellen haben. Man mache nur die Probe, wo viele Menschen und Menschen verschiedener Art zusammenkommen, vor allem dort, wo der eine einen kleinen Vorteil gegenüber dem andern erhaschen kann. Man stelle sich in überfüllte Straßenbahnen, an stark belegte Kleiderablagen bei Veranstaltungen, reise ein Stück in starkbeanspruchten Zügen, unö man wird gewiß Erfahrungen von einer Höflichkeit machen, die um viele Grade hinter der Höflichkeit zurücksteht, die den „wertgeschähten Herren Einbrechern" gegenüber angewandt wird. Gewiß kann man sagen: Der Zweck heiligt die Mittel, und so ernst ist das nicht gemeint. Dann würde sich also Höflichkeit nur dort einstellen, wo man sich Vorteile verspricht, und sie würde durch Abwesenheit glänzen, wo keine Vorteile herausspringen, mit andern Worten: Sie würde sich in den Dienst des krassen Egoismus stellen. Ist das nicht im Grunde eine Entwürdigung dessen, was man unter Höflichkeit versteht? Denn Höflichleit soll die äußere Form umschließen für den Verkehr von Mensch zu Mensch, sie soll aber auch der Ausdruck jenes Seelenadels fein, der im andern den gleichstrebenden Bruder achtet und nicht Halt macht vor dem Kleid, noch vor dem Damen. Ist aber Höflichkeit nur eine Marke, die man umbindet, wenn man gewisse Absichten erreichen will, so degradiert man ihren Wert. Dann ist sie eine schlimme Heuchelei, die schwächlichem Egoismus entspringt. Dann verliert sie ihren Sinn, und man lann mit Recht fragen: Was gibt man auf ein Wort der Höflichkeit, wenn es „wertgeschätzte" Einbrecher gibt, wertgeschäht nicht von ihrer Zunft, sondern vom Destdhlenen? Wie ist dann der einfache Mann zu schätzen, der sich mühsam fein ehrliches Drot verdient und ein wertvolles Glied der Volksgemeinschaft darstellt? O. S. Verein für Lustfahri. In der am Mittwoch abend im Saale des Hotel-Restaurant Hindenburg stattgehabten Hauptversammlung des Vereins für Luftfahrt in Gießen erstattete Geh. Rat Prof. Dr. König den Jahresbericht. In Ermangelung eines Ballons oder eines Flugzeugs hat sich der Verein mit seinen beschränkten Mitteln nur noch in den Dienst des Segelflugs gestellt, der von der Iugendgruppe des Vereins in zielbewußter, jugendfrischer Begei- sterung gepflegt und ausgeübt wird. Während der Slammverein 72 Mitglieder zählt, hat die Iugendgruppe die Zahl ihrer Mitglieder aus 22 erhöht. Aus dem von dieser erbauten Segelflugzeug „Zögling" haben 7 Mit- glieder die Prüfung A, 3 Mitglieder die Prüfung B ablegen können, und die letzteren smd infolgedessen auch als Sportzeugen anerkannt worden. Aeuerdings hat die Iugendgruppe dank des Entgegenkommens der Sladt den Bau eines neuen Flugzeugs ..Prüfling" begonnen wozu ihr von der Leitung des Realgymnasiums in liebenswürdiger Weise geeignete Werkstatt- räume zur Verfügung gestellt wurden. Von Bor- trägen und sonstigen größeren Veranstaltungen hat der Verein im vergangenen Jahre aus finanziellen Gründen Abstand genommen. Die Kassenverhältnisse find geordnete. Außer einem Bankguthaben von 300 Mk. steht dem Verein ein wertvolles Instrumentarium und eine ansehnliche Bibliothek zur Verfügung. An Stelle des Regierungsrats Ludwig Schmidt, der wegen Arbeitsüberlastung fein Amt niederlegte, wurde Geh. Rat Prof. Dr. König als Vorsitzender, Bankdirektor Ludwig Griehbauer a.s Schriftführer, Kaufmann Ernst Riemann zum Schatzmeister und Rektor Hermann Schmidt zum Fahrtenwart gewählt. Eine lange und sehr angeregte Erörterung rief die Frage des Zusammenschlusses des Vereins mit den Rachbar vereinen Marburg, Friedberg, Wetzlar. Dillenburg hervor. Der letztgenannte Verein hat in Hirzenhain bei Dillenburg em außerordentlich günstiges 6egdfluggclänte, daS für die Ausbildung der LU. Von der Landesuniversität. Der ordentliche Professor für englische Philologie Lr. Matter Fischer hat den an ihn ergangenen Ruf an die Handelshochschule Leipzig für Wirtschaftsanglistik (neuer Lehrstuhl) abgelehnt. ’* Berufung an die Universität Gießen. Der oroentliche Professor der Ehemie und Direktor des Chemischen Instituts an der Universität Kiel Dr. Otto Diels hat einen Ruf als Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Geheimrates Prof. Dr. Elbs an die Hessische Lande^universität Gießen erhalten. Polizei-Dienstjubiläum. Polizel- inspeklor Johannes Schaub kann am heutigen 15. März auf eine 25jährige Tätigkeit im Polizeidienst zurückblicken. Nachdem er bis zum 1. Dezember 1922 bei dem Polizeiamt Darmstadt, zuletzt als Polizeioberwachtmei'ter, tätig gewesen war, wurde er mit der Wahrnehmung der Dienst- geschäfte eines Polizeikommissars zum Polizeiamt Gießen verletzt. Seine Ernennung zum Polizei- kommisfar erfolgte am 1. August 1923, die Ernennung zum Polizeiinspektor am 1. April 1921. Polizeiinspektor Schaub hat sich in seiner langen Polizeldienstzeit und insbesondere in seiner hiesigen Tätigkeit durch seine Gewissenhaftigkeit, seine Pflichttreue und fein entgegenkommendes Wesen das Vertrauen seiner Vorgesetzten, seiner Untergebenen und die hohe Wertschätzung der Bevölkerung erworben. *• Seinen 75. Geburtstag kann morgen, 16. März, der Werkmeister i. *K Ludwig Becker Selter-weg 83 wohnhaft, in voller Frische begehen. Ter alte Herr war früher in der Cisenbahnnebenwerkstätte Gießen beschäftigt. ** Die Eisfläche auf der Lahn hat bis jetzt dem Wasser noch in weitgehendem Maße standgehalten. Zwischen der Lahnbrücke und dem Wehr bei den Mühlen sind die Eismasssen zwar schon stark zerrissen, jedoch in ihrer Tiefe noch recht ansehnlich. Unterhalb der Brücke steht die Eisfläche sogar noch sehr geschlossen, so dah man wohl annehmen kann, daß die Eismassen auch in den nächsten acht Tagen noch nicht verschwinden werden. •* Eine eindrucksvolle Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge sand auf Veran'afsung der Arbeit gem.inscha t der Militär- un) Regiment.v.reine Ließen gestern abend im Saale des Ea.ä Leib statt. Die Veranstaltung war auS allen Kreisen der Dürgerfchast sehr gut besucht und von Anfang bis Ende erfüllt von vollendeter Uebereinstimmung aller Desucher in der entschiedensten Bekämpfung der ungeheuerlichen und völlig haltlosen Beschuldigung des deutschen Volles. Nach kurzen Einsührungsworten des Vorsitzenden bet Arbeitsgemeinschaft, Landgerichtsrat Stümpert, hielt Oberst a. D. KleinhanS den Vortrag des Abends, an den sich die einstimmige Annahme einer Avwehr- kundgebung gegen den Artikel 231 des Versailler Diktats (Kriegsschuldlüge) anschloß. lieber die Kundgebung werden wir morgen noch näher berichten. •• Osterpaketverkehr. Die Deutsche ReichSpost bittet, zur Vermeidung von Anhäufungen und Verzögerungen die Osterpakete nicht erst kurz vor dem Fest aufzuliefern, sie gut zu verpacken, die Aufschrift haltbar zu befestigen und den Bestimmungsort unter näßerer Bezeichnung seiner Lage besonders groß unS kräftig niederzuschreiben. Auf dem Paket soll die vollständige Anschrift des Absenders angegeben und in das Paket ein Doppel der Aufschrift gelegt werden. Auch Päckchen sind recht haltbar zu verpacken und zu verschnüren, Hohlräume in ihnen mit Holzwolle usw. auSzusüllen. damit die Sendungen nicht eingedrückt werden können. Die deutliche Bezeichnung .Briespäckchen" oder „Päckchen" darf nicht fehlen. ** Zeichenausstelluna in der Ober» realschule. Vom morgigen Samstag ab bis einschließlich Mittwoch nächster Woche findet in der Oberrealschule eine Zeichenausstellung statt. Interessenten seien auf die heutige Anzeige besonders hin- gewiesen. •• Acht Hühner von einem Hunde getötet. Am vorigen Sonntagnachmittag zwischen 2 und 3 Uhr wurden, wie man uns heute berichtet, in einem Garten am Nahrungsberg, hinter dem alten Friedhof, von einem großen schwarzen Hunde, der in den Garten eingedrungen war, acht wertvolle Hühner totgebissen. Personen, die in dieser Gegend Hühnergeschrei vernommen, oder den Hund gesehen und Angaben über dessen Besitzer machen können, werden gebeten, sich mit der Kriminalpolizei in Verbindung zu sehen. *• Diebstähle. Der heutige Polizeibericht meldet: In der Nacht zum 3. März wurde an einer Aufbruchstelle im Neuenweg eine Sturmlaterne, gez. St.E.W., in der Nacht zum 10. März eine fiEberne Herrentaschenuhr mit römischen Ziffern und Stempel auf der Rückseite des zweiten Deckels .2L Sch. Tübingen, 15 Steine", sowie einige goldene und silberne Secktzipsel mit verschiedenen Inschriften, in der Nacht zum 13. März aus dem Garten eines Anwesens im Asterweg drei Paar Damenstrümpse in verschiedenen Farben und von einer Bleiche, vier mit Stickerei und Hohlsaum versehene weiße Damenhemden, teilweise L. 2. gezeichnet, sowie zwei weiße Prin- zeßunterröcke, die unten und an den Trägern mit Spitzen besetzt sind, entwendet. Personen, die preutzen. Kreis Wetzlar. ff Wetzlar, 14. März. Unsere Stabtoer» o r u n e t e n tagten a.n ge,lr Niederkleen, 15.März. Ein auf der Durchreise befindlicher Handwerksburscheer- krankte hier gestern nachmittag plötzlich derart schwer, daß er in einem Sanitätsauto in dieKlinik z u Gießen übergeführt werden mußte. Folgenschwerer Wasser o rbruch. WEN. Kassel, 14.März. Heute früh ereignete sich auf dem Hauptverkehrsplatz Kassels, dem Ko- nigsplatz, ein folgenschwerer Wasserrohrbruch, der an verschiedenen Stellen Etro- hensenkungen zur Folge hatte. Es entstanden mehrere Meter tiefe Löcher. 2lls ein mit einem Pferd bespanntes Marktfuhrwerk den Königsplatz passierte, öffnete sich unter dem Pferd plötzlich der Boden und das Pferd versank bis xum Kopf in einem Erdloch. Vta dingungen aus Pri- va band abzugeben. Schriitl. Ansr. unter 2382V a. d. G. A. erb. Verloren ffioioene BairenatmüaoOaht Ecke Ostanloge und Senckenbergstraste. Abzugeben geg. Be- Beziehbare OiUcet und LaudhSusev sow. Elageubäu er mit bezt.'bbar. Woh- uungen unter sehr günst. Bedingungen zu verknusen. 01326 Näb. durch G. Katz. Ludwigttr. 45, --- 45,22 „ -- 43,96 „ = 17,16 „ « 9,38 „ -- 1,91 „ Kreuzplatz 6 rissz Überall a h «WS» ° Gesangverein „Frohsinn" gegr. 18'4 ims.ug.ö 16. mötj. abends 9 Uhr, nbct nnläldld) des »5. Stillnngsfefies im BereinSlokal Re- stauratlon »Stadt Wetzlar- unter Kommers statt ES werden hiermit alle aktiven u. v ssiv. Mitglieder herzlich eingeladen. Dee Vorstand» [Verschiedenes| Junger, dnukelbr. Gut erhaltene» N. S. 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UM MMN für kleinen HauSbalt gesucht 01338 Marktvltztz 7. Am 13. März entschlief sanft unser Heber Vater. Schwiegervater, Grofivater und Urgrobvater Heute abend entschlief sanft nach längerem Leiden im 70. Lebensjahre meine gute Frau, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter u.Großmutter Heute nacht entschlief sanft nach langem, schweren Leiden unsere innigstgeliebte Mutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Berlin, Gießen (Südanlage 5), London, den 13. März 1929. Prof. Dr. Ernst Friedberger Dr. Otto Friedberger Hugo Friedberger 4 Enkel Die Einäscherungsfeier findet Dienstag, den 19. März, nachm. 2 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt Trauerfeier: Montag, den 18. März, nachm 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof in Gießen. In tiefer Trauer: Karl Müller Margarete Waydelin geb. Müller Carl Waydelin, Major a. D. Elinor, Walter, Margarete, Emanuel im 84. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Ludwig Seipp U. Familie Balthaaer Stephan IV, Familie Wilhelm Hahn IL Grobcn-Buseck. den 15. März 1929. Die Beerdigung findet Samstag, den 16. Märx, nachmittags 3 Uhr statt. 1 a u. 2b — 196,48 fm 2a u. 2b = 65,29 3a u. 3b — 4,26 la u. 1b ----- 10,24 2a u. 2b ---- 58,35 3a -- 8,70 3, 4 u. 5 = 33,31 2, 3, 4 u. 5 = 219,83 3, 4 u. 5 = 18,64 3, 4 u. 5 --- 27,24 l, I, II u. III, IV u. V. Nr. 65 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Zreitag, ?5. März 1929 Hoovers Vorgänger. Zehn Minuten amerikanische Geschichte. Don unterem Nachdruck auch mit Quellenangabe, verboten. Reuyork, März 1929. Die Geschichte der Kaiser und Könige, öle mitgeholscn, das Schicksal der Menschheit zu formen, kennen wir von der Schulbank her. Weniger jedoch jene Männer, die bis in die Gegenwart hinein mit schier unumschränkter Macht an der Saitze des reichsten und — wenn man will — auch glücklichsten Dolles der Welt marschieren die Präsidenten der nord- amerikanischen Union. Herbert Hoover, der siegreiche Kandidat der Republikaner im Präfidcntscha tskampf, hat soeben den „Thron" bestiegen, nicht den seiner Dät:r, sondern „nur" den seiner Amtsvorgänger, von denen jedoch dieser und jener (Haine sich tief ins Gedächtnis nicht zuletzt des deutschen Dolles eingeprägt. George Washington, der als erster den Mythos von der Änbcs'.egbarleit Großbritanniens zerstörte, Monroe, der einem Politischen Glaubensbekenntnis den Rawen gab, Roosevelt, der die Gastsreundschast des Deutschen Kaisers genossen, um diesen dann später mit Schmutz zu bewerfen, Wilson, dem ein Mill'.onenvolk in der Stunde seines tiefsten nationalen Unglücks vertraute... Oh ja, es verlohnt sich schon, Die Rainen von Washington bis Coolidge an sich vorüberziehen zu lassen, während das amerikanische Volk im Kapitol jubelnd seinen neuen „König" grüßt. Die lange Reihe jener 29 Männer, die bisher die höchste Würde in den Dereinigten Staaten bekleideten, beginnt mit dem glänzenden Ramen des Föderalisten George Washington, des Oberbefehlshabers der llnionäarmee im Be- freiungskriege gegen England, jenes Washington, der die Vertreter der dreizehn Reuenglandstaaten gegen Ende des a chtzehnten Jahrhunderts zur konstituierenden Rat'.onalvcr'ammlung zusammen- rief, die dann die Gründung der später so mächtigen Union beschloß. Rach dem Föderalisten John Adams, der 1797 bis 1801 „regierte", kam der demokratische Republikaner Thomas Jefferson ans Ruder, der die unteren Volksschichten der II. S. A. vertrat und die demokratisch-republikanische Partei gründete, aus der dann die beiden traditionellen, noch heute bestehenden politischen Gruppen hervorgegangen sind. Er erwarb die letzten französischen Hoheitsrechte, die noch im amerikanischen Küstengebiet bestanden und erließ ein Gesetz, das die Einfuhr von gewissen britischen Waren verbot. Jefferson wird abgelöst durch James Madison, einen Republikaner, der gegen seine eigene Ueberzeugung in einen Krieg mit England getrieben wurde, zur See geringe Teilerfolge erzielte, zu Lande aber entscheidend geschlagen wurde, indem die Hauptstadt Washington den Engländern in die Hände fiel. Trotzdem erkannte London im Frieden von ältrecht 1815 die vollständige älnabhängigkcit der 11. S. A. an und gab eS von diesem Zeitpunkt an auf, sich in die inneren Angelegenheiten der Vereinigten Staaten zu mischen. Die spanischen Rechte an der amerikanischen Küste, vor allem Lusiana und Florida, erwarb im Jahre 1819 James Monroe, der dann die nach ihm benannte Doktrin proklamierte, über die Sloane in einem seiner Werke schrieb: „Obwohl die Monroe- Doktrin niemals in eine genaue Formel gepreßt worden ist, so ist sie doch ein unantastbarer, feststehender Bestandteil unserer auswärtigen Politik." Gelegentlich des Versuches Spaniens, seine aufrührerischen Kolonien zum Gehorsam zurückzubringen, erklärte Monroe ganz ruhig, er würde sich niemals in die europäische Politik einmischen, doch dürfe auch niemand zur Sicherung seines Einflusses und feiner Macht in Amerika eingreifen. Monroe war sicherlich im besten Falle nur ein Mann von mittlerer De- gabung, dieser Ausspruch hat ihn jedoch unsterblich gemacht. Die sogenannte Virginia-Dynastie, die mit Jefferson begann, wurde von John Quincy Adams, einem demokratischen Republikaner, im Jahre 1829 beschlossen. Ihm folgte der Demokrat ^-Berichterstatter. AndrewJackson, der erste Führer der demokratischen Partei, ein Volksmann aus dem Westen, der die Macht des Kongresses zu brechen versuchte, die Antisklaverei-Gelellscha t gründete, und unter dessen Aegide der erste amerikanische Währungsverfall erfolgte, den auch der Demokrat Martin van Duren nicht auf halten konnte. Infolgedessen wurde die Gegenpartei Whig gegründet, die den nächsten Präsidenten William H. Harrison stellte. Auch John Tyler gehörte dieser Partei an, der als erster Vizepräsident durch den Tod des Präsidenten zum Amt gelangte, weswegen von diesem Zeitpunkt ab dem Dizepräsidentenamt größere Dedeutung beigemessen wurde. Der großzügige Ausbau der amerikanischen Verkehrswege, Kanäle und Eisenbahnen begann unter James K. Polk, der Texas annektierte und den Krieg gegen Mexiko gewann sowie die kanadische Grenze neu fest- sehte. Der Whigpartei gehörten die folgenden Präsidenten, Zachary Taylor (1819 bis 1850) und Millard Fillm ore (1850 bis 1853), an. Ihnen folgte Franklin Pierce, der Demokrat, der durch ein Gesetz die Teilung des kalifornischen Territoriums erwirkte und die Sklavenhalter des Südens bevorzugte. Damals schloffen sich die Whigs und die Demokraten des (Nordens gegen die beiden Richtungen im Süden zusammen und gründeten mit den Forderungen: Schutzzoll, Hebung des Verkehrs, Abschaffung der Sklaverei und Festigung der Währung, die republikanische Partei. Aber der Zerfall der 11. D. A. war unter dem Demokraten James Duchanan (1857 bis 1861) nicht mehr auszuhalten. 1860 erfolgte der Abfall der Südstaaten, die Bildung des „Fli- bustierrings", die Gründung des Bundes der Südstaaten, das Verbot des Schutzzolles und die Anerkennung der Sklaverei. Unter dem Republikaner Abraham Lincoln brach dann der Sezessionskrieg gegen die Südstaaten aus. Die Monroe-Doktrin wurden zum erstenmal kraftvoll gegen Rapoleon III. sowie gegen England, das den Südstaaten beistand, angewandt. Auch der Rachfolger Lincolns, Andrew Johnson, war ein Republikaner, der die Dill über die Rieder- lasfung der befreiten Reger veröffentlichte und so den Grundstein für den Rassenhaß in 11. S. A. legte. Johnson trat für die scharfe Anwendung dec Gewalt des Präsidenten ein, wurde angeklagt — und freigesprochen. Die Herrschaft des Finanzkapitals, die erste Anwendung des Schiedsgerichtsgedankens begann unter dem Republikaner 12lysses S. Grant. Seine Rachfolger und Parteigenossen Rutherford D. Hayes, James A. Garfield und Chester QL Arthur traten nicht besonders hervor. Garfield wurde ermordet. Die Demokraten stellten dann zweimal 1885 bis 1889 und 1893 bis 1897) in ©rotier Cleveland einen kraftvollen Präsidenten, der sich gegen die Einwanderung der Chinesen und Japaner wandte, den panamerikanischen Kongreß cinberief und vergeblich die Ricaragua-Dill betrieb. Von den folgenden Republikanern Benjamin Harrison und William Mac Kinley tat sich der letztere politisch im Krieg gegen Spanien hervor und begann so die amerikanische Kolonialpolitik. Unter ihm wurde das Projekt des Panamakanals unter Ausschaltung Englands begonnen. Auch Mac Kinley starb (1901) eines gewaltsamen Todes. Die Besetzung der Kanalzunge in 11. S. QL, der Ankauf der französischen Panamaaktien sowie der Abschluß eines Vertrages mit England, der der Union das alleinige Recht auf den Kanalbau verlieh, geschah unter Theodor Roosevelt, der während eines Jahrzehnts, besonders auch in Deutschland, einer der meistgenannten Politiker der Welt war. Rach dem Republikaner William Taft (1909 bis 1913) zog Woodrow Wilson, der Demokrat, ins Weiße HauS zu Washington ein. Er war eS, der auf feiten der Alliierten in das Ringen der Völker eingriff und dadurch den Weltkrieg entschied. Er war eine Zeitlang der mächtigste Politiker der Welt, der sich jedoch auf der . Friedenskonferenz" dies« Position rauben ließ und mit der „OluSlegung" seiner berühmten vierzehn Punkte über das SelbstbestimmungS- recht der Völker sowie deS Gedankens eines alle Rationen umfaßenden Völkerbundes einen großen Teil seines politischen Ansehens und Ruhmes einbüßte. Mit Wilson schien auch die demokratische Partei in ihrem Ansehen und ihrer Werbe- krast geschädigt. Die Republikaner kamen unter Harding (1921 bis 1923) und Coolidge ans Ruder, über dessen Wirksamkeit wir heute ein Urteil noch nicht fällen können. In dem Augenblick, da diese Zeilen veröffentlicht werden, ist bereits Herbert Hoover, die „S hinx", Herr des Weißen Hauses. Mögen seine Olbsichten jedoch noch so geheimnisvoll fein, so bürgt fein Rame doch für die strikte Aufrechterha'tung amerikanischer Tradition und die praktische Ausweitung des Begriffes prosperity. Landwirischast und presse. Die Landwirtschaft führt in Deutschland einen schweren Existenzkampf: sie braucht Zwischenglieder, ehe sie ihre Produkte beim Konsumenten ab- seht. Man wird nicht behaupten wollen, daß dieser Zwischenglieder wenige seien: der (Vergleich zwischen Erzeugerpreisen und Markt-, d. h. Kleinhandelspreisen erspart uns Beweisführung und Beispiele. Angesichts dieser Uebersetzung im Zwischenhandel muß sich der wirtschaftlich Denkende immer wieder fragen: Warum ignoriert die Landwirtschaft in wahrhaft ausfallender Weise die wirksamste Vermittler-Tätigkeit, die von allen andern Wirtschaftsfaktoren anerkannt und benutzt wird: die durch den Anzeigenteil der Zeitungen gebotene Regelung von Angebot und Rachfrage? Richt nach den Ursachen dieses eigenartigen Faktums sei hier geforscht, es führt zu weit ab; begnügen wir uns damit, in aller Deutlichkeit darauf hinzuweifen, daß es besteht und daß es ebenso unzweifelhaft höchst aktuell ift Ist es zu viel behauptet, wenn wir Me moderne Tagespreise ein Regulativ des Marktes nennen, des nationalen und des internationalen? (Darum bedient sich die Landwirtschaft seiner nicht, oder doch nur in unzulänglichem Maße? Sind doch heute mehr Vorbedingungen gegeben, schafft doch jeder Tag deren neue, die ein zweckvolles Inan- fpruchnehmen der Dienste, die zu leisten die Presse im Stande ist, gutheißen und beinahe erzwingen müßten. Immer klarer zeigen sich im modernen (Betrieb der Landwirtschaft Entwicklungslinien, die jene Schwierigkeiten, die für den einzelnen Landwirt Geltung haben mögen, für die Organisationen der Landwirtschaft mehr und mehr aus dem Wege räumen. Rur andeutend sei hier auf das Genossenschaftswesen und andere Zusammenschlüsse, seien diese nun lokaler oder regionaler oder noch umfassenderer Art, hingewiesen, vor allem auch auf die Standardifierungstendenzen, denen auch die deutsche Landwirtschaft mehr und mehr sich öffnen muß. Hier bietet sich ein weites Feld für Gemeinfchastswerbung großen Stils, für deren Zweckmäßigkeit und Wirkfamkeit keine Belege beigebracht werden brauchen. Es ist nicht nötig, Amerika und feine großzügigen Propagandafeldzüge gerade auch auf diesem Gebiete hier als Zeugen zu zitieren, auch bei uns hierzulande kennen wir ähnlich geartete Versuche — und nicht viel geringere Erfolge. — Wir wollen nicht allbekannte und oft gesagte Einzelheiten hier erneut wiederholen; auch der Standpunkt und die Bereitwilligkeit der Presse ist eindeutig gegeben, sie kann ihre Bereitschaft nur immer wieder betonen. Heute wirbt sie noch um die Landwirtschaft, sie will mit ihr und für Jle werben mit der einzigartigen Werbekraft, die ihr eigen ist: sie weiß, daß in nicht zu ferner Zukunft diese Werbegemeinschaft vollendete Tatsache sein wird, zu beider Ruhen, der ein Ruhen von eminent nationalwir.schasilicher Bedeutung fein wird. In dieser Gewißheit wird sie bestärkt durch Stimmen, die, aus dem Lager der Landwirtschaft kommend, in gleichem Sinne sich äußernd, von Tag zu Tag an Zahl und Gewicht zunehmen. Hier fet auf einige der wesentlichsten kurz hin- gewiesen. — In der „Illustrierten Landwirischaft- lichen Zeitung" vom 2. (November vorigen Jahres, stand ein Aussah „Wehr Reklame!" von Dr. W. Dickerich. An Hand von Beispielen, die sowohl gemeinschaftliche wie Cinzelpropaganöa- aktionen der jüngsten Zeit in Deutschland betreffen, wird die Rotwendigkeit der Rellame, vor allem der Zeitung.'Werbung schlagend bewiesen. Besonders wird die älnerläßllch'eit der Propaganda für Markenwaren, zu deren Herstellung und Vertrieb die deutsche Landwirtschaft ja zwang-läufig geführt wird, Har betont — Einen weiteren bemerkenswerten Beitrag zu diesem- Thema brachte die „Deutsche Tageszeitung", Berlin, also das Zentralorgan der deutschen Landwirtschaft, in ihrer Handelsbeilage vorn 25. Dezember 1928. Der Auf sah ist überschrieben „Die Zeitung als Markt" und führt den bezeichnenden Untertitel: „Dirck er (Verkehr zwischen Erzeuger und Verbraucher." Von Gedankengängen ausgehend, die wir im Eingang nur streiften, kommt das bedeutende Blatt im Verlauf der sehr interessanten Ausführungen zu einer unbedingten Bela hung der Zeitung^retlame, und zwar, was das Bemerkenswerte ist, zur Unterstreichung ihrer Rotwendigkeit für den speziellen Fall des einzelnen absahsuchenden Landwirtes. — Dabei kommt der Verfasser freilich nicht an der Feststellung vorbei, daß der (Deg für die Zusammenführung von Verbraucher und Erzeuger durch den Anzeigenteil der Zeitung merkwürdigerweise gerade in der Landwirtschaft nur selten begangen werde. Die seltsam anmutenden Umwege, die Inserat- scheu großer Teile unserer Landwirtschaft werden dann durch treffende Beispiele, die der grotesken Züge nicht entbehren, gekennzeichnet. Zuletzt erfolgt an die Landwirte dieser gute Rat: „Es kann der Landwirtschaft nur empfohlen werden, sich in dieser Hinsicht mehr dem kaufmännischen Denken anzupassen und den Vorteil wahrzunehmen, wo er ihr aus den verschiedensten Einrichtungen der Wirtschaft geboten wird. Dazu gehört auch der Jnferatenteil der Zeitungen als Markt." Den erfrischend klaren Worten der „Deutschen Tageszeitung" möchten wir nichts weiter hinzu- fügen. Es war ja auch nicht Absicht dieser Zeilen, den ganzen weiten Bereich dieser Fragen noch einmal abzuleuchten. Doch scheint es nicht müßiges Tun, von Zeit zu Zeit immer wieder daraus hinzuweifen, daß hier noch manches nicht so ist, wie es sein könnte und sein sollte. Marburger Festspiele 1929. WSR. Marburg, 14. März. Die Stadtverwaltung Marburg- hat sich entschlossen, die für die künstlerische Ausgestaltung der diesjährigen F e st s p i e 1 e angeforderten Mittel zu bewilligen. Obwohl die Ausgaben eine nicht unerhebliche Steigerung gegenüber dem Vorjahre erfahren, hält die Stadtverwaltung ihren Beschluß für ge-. rechtfertigt durch die Tatsache, daß die vorjährige Veranstaltung hohes Ansehen in der öffentlichen Beurteilung errungen und einen bedeutenden Zustrom nach Marburg gebracht haL Mit der Leitung der Festspiele ist wieder Dr. Fritz Dudde beauftragt worden. Im Mittelpunkt der diesjährigen Spielzeit soll eine künstlerisch eigenartig ausgestattete Aufführung deS „Seit“ stehen. Die schauspielerische Besetzung wird aus ersten Kräften der deutschen Bühnen gewählt. Frankfurts Laushaltssorgen. WSR. Frankfurt a. M., 14. März. Der Hauptausschuh der Fraicksurter Stadtverord- netentierfammlung hat gestern die G t a t s berat u n g zu Ende geführt. Es sind insgesamt bei den einzelnen Kapiteln 2 1 1 4 970 Mark gestrichen worden. Da der Fehlbetrag rund 4,1 Mill. Mark beträgt, sind also rund 2 Mill. Mark ungedeckt. Zur Deckung dieses Fehlbetrags schlug der Kämmerer vor, eine Hausangestellten st euer in etwas abgeänderter Form, wie vorgeschlagen, zu erheben, den Beschluß der abgelehnten Kanalgebühren zu revidieren und die Gewerbesteuer für Betriebe mit einem JahreSertrag über 10 000 Mark von 400 auf 460 Proz. zu erhöhen. ßin Auto verbrannt. co Lützellinden, 15. März. Gestern nachmittag geriet auf der Rhein-Pfälzer Straße zwischen hier und Groß-Rechtenbach ein Personenauto in Brand. Das Auto brannte bis a u f die Eifenteile nieder. Wie wir hören, soll es einem Kaufmann aus Klein-Linden gehören. Eine größere Menge Schokolade, welche in dem Auto transportiert wurde, soll mit verbrannt fein. Mdtuig- usifexeflgiftunQ^ an Irenen «fe efytfßaifen wefpen, nagen, § Qloc$- niemaßs fanßeine Mwf3 6egei(We $v$ne$me, wie &e neue Sewus*. o$W üt> Mr Qtuitödf unfl das SpcutSyftem, wk&v /W jb iZaaclfat Mrffaus‘&vec& vnÄßlg- fyanMk, wenn, e/rfiefr i^nett nidjft’ vwfcfy&eßfr ffineßkir aße/t, a& Mr waucfyeir. nritteitf’Me tionkiwert^ Mi {lDe^ einerr^geuceffe biet sind nicht zwingender Art und können daher durch den Vertrag beliebig geändert werten. Demzufolge ist in den für die Verpachtung hesfi- scher f islamischer Iagden vor geschriebenen Der', rag die ausdrückliche Bestimmung ausgenommen, daß der P ach'.er für den Wildschaden aufzukommen hat. In gleidjer Weise ist es natürlich möglich, das vertragliche Uebereinkommen so zu treffen, daß der Verpächter (etwa die Gemeinde) den Wildschaden trägt, im Falle der Pächter des- wegen in Anspruch genommen werden sollte. Ein Umstand, der in Kreisen der Landwirtschaft zur Prüfung berechtigter Erahforberung besondere Beachtung verdient, ist die Frage des sog. eigenen Verschuldens. Falls e.genes Verschulden des Geschädigten feststeht, findet § 254 DGB. Anwendung, welcher bestimmt: „Hat bei der Entsteb-ng des Schadens ein Verschulden des Geschä ig.m mitgewirkt, so hängt die Ver- pflichlung z^l Ersähe, sowie der Umfang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, rns- besontere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem anderen Teile verursacht worden ist. D es gilt auch bann, wenn sich das Verschulden des Geschädig.en tarauf befch änkt, daß er es unterlassen hat. ben Schulbner auf bie Gefahr ci .es ungewöhnlich hohen Schadens aufmerksam zu machen, die der Schuldner weder kannte noch kennen mußte, oder daß er es unterlassen hat, den Schaden abzuwenden ober zu mindern." Ein e i g e n e s V e r s ch u l d e n des Geschädigten kann demnach also darin erblickt werden, dah er absichtlich die Ernte seiner Feld- srüchte verzögert, um daraufhin Wldscha- densersatzansprüche geltend machen zu können. Weiter ist hier zu nennen die absichtliche Zerstörung oder Entfernung bestehender Schutzvorrichtungen, um das W.lb auf bestellte Grundstücke zu locken in der Hoffnung, daß es dort Schaden an richte. Eigenes Verschulden des Grundstücksinhabers ist auch darin zu sehen daß er es nach Eintritt von Wildschaden absichtlich unterläßt oder versäumt, weitere Schädigungen auf seinem Grundstück zu verhindern, oder den Umfang des bestehenden Schadens zu vermindern, etwa in der Weise, daß er abgeäste, umgebrochene oder sonstwie verwüstete Stellen seines Ackers neu mit Früchten bestellt, um von den beschädigten Flächen wenigstens noch einen gewissen Ertrag zu haben. Besondere Wichtigkeit kommt der Frage des eigenen Verschuldens, soweit dieses in Unterlassung der Herrichtung von Zäunen usw. erblickt werden kann, namentlich dort zu. top es sich um Beschädigung von Baumschulen, Pflanzstucken, Obst- bäumen und gärtnerisch benutzter Ländereien handelt. Für alle diese Fälle bestimmt Art. 2 des hessischen Wi.dschadensgesetzes, daß Ersatzan'prüche dafür bann nicht geltend gemacht werden können, wenn die Herrichtung von Schutzvorrichtungen unterblieben ist, dir unter gewöhnlichen Umständen -ur Abwendung des Schadens ausreichen würde. Nach Conradi. He sifches Iagdrecht S. 103, rechtfertigen sich die Ausnahmen dadurch, daß einerlei.8 in einem schneereichen Winter schon wenig: Hasen bie jüngeren Obstbäume einer Gegend, solange sie noch eine glatte Rinde haben, zu zerstören imstande sind, andererseits der Grund- bester derartigem Schaden mit leichter Mühe vorbeugen kann, indem er die Stämmchen mit Stroh ober ähnlichen Schutzmitteln einbindet, oder durch enges Drahtgeflecht, sog. Hasendraht, schuht. Zweifellos würde durch Unterlassen dieser -ein- fachen Maßregel dem Iagdberechttgten e:ne unverhältnismäßig hohe Er.atzleistung erwachsen, B——B—gaKgM—IH III MII» vl «I» Nur ein einziger Mann in der Welt hat das Recht, vom Forno- oder Münzhof aus weiterzufah- ren, in die vatikanischen Gärten hinein. Er ist Besitzer eines wunderschönen Wagens, der keine Erkennungsnummer trägt, weder mit Stoßfängern, noch Kurvensuchern ausgerüstet ist und die grotzt- möglichste Langsamkeit entwickell. Er kann nur einmal hin- und her. oder im Kreise fahren roie eine Kindereisenbahn, und Selbstfahrer, die in den Nürburgring ober in Alpenpässe verliebt sind, behaupten daher, sie mochten doch der Papst nicht ^Das ist das einzige Auto in der Ijeiligen Stadt. Ein Geschenk der Mailänder. Es muß sich, nicht roe- Niger als der Mann der freien Berge, wie ein Gefangener gefühlt haben und wurde auch selten genug benützt. Nun aber soll es Kollegen bekommen aus der großen Well und seiner natürlichen Bestimmung zurückgegeben werden. Die Gebundenheit weicht von der ummauerten Stadt zurück wie das Meer von einer Insel, die plötzlich auf dem Trockenen liegt und die lockende Ferne freigibt. Was das heißt, das kann wohl nur der ermessen, der zum Beispiel auf Malta einen rassigen Sechszylinder besitzt. Oberheffen. Landkreis Gießen. cß Lollar. 14. März. Auf Veranlassung des kürzlich gegründeten Obst- und Gartenbauvereins Lollar fand gestern abend im Saale „Zur Linde" ein öffentlicher Vortrag statt, in dem Obstbauinspektor Enkler vom Land- toirtschaftskammerausschuß der Provinz Oberhef- sen in etwa zweistündiger Rede das Gebiet der Baumpflanzung, -pflege und der dem Obstbau drohenden Gefahren durch Schädlinge behandelte. Zahlreiche gute Lichtbilder ergänzten In bester Weife die Ausführungen des Redners. Eine Aussprache gab Gelegenheit zur Klärung mancher den Obstbau betreffenden Fragen. + Grünberg, 14. März. Der Film- und Vortragsdienst der Deutschen Volk-Partei veranstaltete gestern abend im „Rappen einen F i l m a b e n b. der sich eines ziemlich guten Besuches erfreute. Zur Vorführung kam der Film „Die Amerika-Fabrt des L u f t f ch i ff e s ,G r a f Zeppelin'". Gezeigt wurden Originalaufnahmen von der zweitägigen Probefahrt des Luftschiffes über Deutschland, seine Fahrt über den Ozean, die beschädigte Backbordflosse. der begeisterte Empfang in Amerika, die stürmische Heimfahrt und die Fahrt nach Der- ^unb geflitzt und immer Welle gewesen waren, sie lagen steif ausgestreckt einer neben bem andern und hielten sich nun endlich still. Und weil es hübsch anzusehen war, wie sie da so sauber tot waren, deshalb blieben die Leute vor dem Laden stehen und hatten ihre Freude daran. „Dieser süße Hecht," rief daS zwölfjährige Mädchen mit den nackten Beinen, .und was eS für reizende Zähnchen hat." „Der wiegt seine achtzehn Pfund, sagte der Herr im Gummimantel. „Warum," so murmelte der Feuilletonist, „warum hat bie Forelle runde Flecken und bet Hecht längliche Flecken? Welch' eine Spielerei ist dieses?" Der Phllosoph aber dachte: „In diesem Geschäft ist der Zisch während eines Monats um 20 Prozent billiger geworden." Da geschah es, daß der große Hecht seine Kiemen öffnete und tief auf atmete; denn et wat noch gar nicht tot Und alle bie Leute, bie vor bem Laden gestanden hatten, fuhren erschreckt zusammen und wandten die Augen ab. „Gräßlich, dah sie da lebende Fische hinlegen," sagte der Herr im Gummimantel. „Man sollte ihm doch einfach den Bauch auf* schneiden," meinte das zwölfjährige Mädchen mit den nackten Beinen. „Warum," so murmelte der Feuilletonist, „warum hatten wir Wohlgefallen an dem Tode, und warum schauern wir vor bem Leben zurück?" Der Philosoph aber dachte: „Dieses Geschäft werde ich mir merken: da scheinen die Fische ganz frisch vom See herzukommen." Schäden an ringsum cingefricblgten, mit Tür und i Schloß versehenen Grundstücken (alfo etwa mit i Mauer ober Zaun umgebene Garten), auf benen i der Eigentümer auf Grunb dieser Umzäunung die Iagd in eigener Person auszuüben berechtigt ist. (Art. 6 des Hess. Gesetzes übet bie Ausübung der 3agb usw. vom 26. Iuli 1848.) Genau wie § 835 BGB. bestimmt auch Art. 1 bes Hess. Wilbschadensgesehes: „Die Ersatzpflicht erstreckt sich auch auf den Schaben, ben die Tiere an ben getrennten, aber noch nicht emgeernteten Gr*eugniifen bes Grundstücks anrichten." Durch biese Bestimmung ist bem Canbtolrt bie Möglichkeit gegeben, Ersatzansprüche zu verfechten auch für Willweschädigungen an geschnittenem, noch ungeerntet auf bem Acker befindlichem Getreide, Kartoffeln, Rüben usw., welche vom Boden getrennt, aber noch nicht eingeerntet sind. Mit der Einerntung ist die Erfahpflicht des Iagdberechttgten erloschen. _ Als ein geerntet gelten aber nicht nur Feldfrüchte, bie in Scheunen u. ä. Orte übergeführt sinb, sondern auch bie Unterbringung in Mieten unb Diemen auf bem Selbe selbst gilt als Einerntung im Sinne bes Gesetzes. Infolge biefes Umstandes können also Schäden, bie bas Schtoarzwilb an ungenügend gedeckten Kartoffelmieten usw. anrich.et, nicht erseht werden, da der Einerntende für eine hinreichende Sicherung feiner eingeernteten Produkte gegen schädigendes Wild sorgen muß. Aus bem Wortlaut bet betreffenben Gesetze geht außerdem hervor, dah eine Ersahpflicht nicht in Frage kommt für Schäden, welche durch Wildfchadenstiere an Sachen und Gegenständen entstehen, die nur zufällig und ganz vorübergehend auf dem Grundstück sich befinden, also weder Erzeugnisse noch Bestandteile desselben sind. Hierher gehören Säcke, Körbe, landwirtschaftliche Geräte, Werkzeuge u. a. m. Genau so besteht keine Haftung der Iagdberechttgten für Schaden, der von Raubtieren aller Art an Haustieren, z. D. Geflügel, und deren Produkten eintritt; ebensowenig kommt als Wildschaden solcher Schaden in Betracht, der anlählich der Iagdausübung von Iägern, Treibern, Hunden. Fuhrwerken u. bgL entsteht. Im letzteren Falle, sind die Ansprüche des Geschädigten nach Maßgcbe des Bürgerlichen Gesetzbuches § 823 sowie des Hess. Iagdgefehes von 1848 geltend zu machen. Die in ländlichen K.ei'en weitverbreittte Ansicht. dah Schäden, die durch Angriffe jagdbarer Tiere auf Menschen an deren Gesundhell und Eigentum entstehen können, ebenfalls als W i l d s ch a d e n zu behandeln fe.en, ist deshalb irrig, weil Wildschaden im Sinne der Gefehe nur an Grün d st ü ck e n und deren Erzeugnissen möglich ist. Aber es besteht auch auf anderem Wege keine Möglichkeit, aus d.efem Grunde Ersatzansprüche mit Er- folg zu verfechten, und zwar deshalb nicht, weil dem Iagdberechttgten nicht die Eigenschaft des verantwortlichen Tierhalters nach § 833 DGB. zukommt. Der Besitzer eines Wildparkes macht hierbei für Fälle, die innerhalb dieses Parkes Vorfällen, selbstverstänblich eine Ausnahme. Bei regulärem Wildschaden ist jeder unmittelbar Geschädigte zur Ersatzforderung berechtigt. Gewöhnlich wird dies der Eigentümer des betreffenden. Grundstückes selber sein, aber auch dessen Pächter. Riehbraucher usw. kann ebensogut ben Ersah des angerich'.e en Schadens verlangen, ohne daß.da- durch rechtlich ein Unterschied bedingt wurde. Die Ersatzforderung richtet sich gemäh § 835 BGB. gegen den Iagdberechtigte n, also nicht ohne weiteres gegen ben Pächter ber 3agb, der ja nur burch ben Pachtvertrag ein zeitlich genau begrenztes Iagbausübungsrecht inne hat. In Ergänzung bieser Bestimmung fetzt aber ber Art. 3 des he,fischen Wildschadensge'etzes dennoch auch eine Haftung des Pächters fest und erweitert damit die reichsrecht.ichen Vorschriften. Iagd - berechtigter (Verpächter) und IagbauS- eine riesige Kuppel. Pinienschirme geradeaus. Dor- ficht: spielende Kinder! Eine kreischende Straßenbahn, Geschrei, Trubel, Verkehrszirkus — wir sind an den Ausgangspunkt zurückgekehrt, auf den Petersplatz. Die umfahrene Stadt war die Cittä del Vaticana und sie liegt auf dem neunten Hügel der Siebenhügelstadt. 3m ganzen hat Rom dreizehn Hügel. Die deutsche Nationalkircke, an der wir eben vorbeifuhren, der alte Friedhof und das Oratorium Petri gehören seit dem römischen Frieden nicht mehr zum Vatikan. Auch das Sant’Ufficio, das Gebäude der Inquisition, und das Haus der Kardinale sind nicht in die Mauer einbezogen worden. Darüber wird viel gesprochen. _ Am bescheidensten unter den „Kirchenstaat -Grün- bem sind diejenigen gewesen, die sich mit einem Korridor zum Lateran begnügten. Nehmen wir die Strecke einmal unter den Kilometerzähler: Genau fünf Kilometer. Also doppelt so viel, als der amputierte Vatikan jetzt Umfang hat. Seine Fläche be- deckt insgesamt 44 Hektar, wovon ein Viertel auf die Peterskirche, ein Viertel auf die vatikanischen Paläste und zwei Viertel auf die Gärten entfallen. Kirche mit Pfarrhaus und -garten ins Große, ins Majestätische übertragen. Das Reich des Papstes beginnt erst — da der Petersplatz der italienischen Polizeihoheit untersteht — mit der ersten Stufe der Peterskirche. Der Kilometerzähler zeigt mit feinen Endziffern 6,3 an. Den Tachometer lassen wir auf 40. , Die Uhr gibt an 4 32. — Fahrt durch die Kirchen st ad t. Sssss — frrrr — schon hall uns ein Landsknecht bie Hellebarde vor, wir sind am Ende angelangt, im Hofe del Forno. Der Kilometerzähler zeigt 6 9 Die Uhr 4.33. 600 Meter Straße, im Grunde nur diese einzige, ; einsame Straße, die Via delle Fondamenta — das ist das ganze Derkehrsproblem der ,Stadt". Links von der Peterskirche, um deren Südhälfte sie her- . umführt, liegt ja zwar ein großer, ziemlich unge- , pflegtet- Platz, der Sakristei- oder Nerozirkusplatz, i aber auch hier würde ein Verkehrspolizist vor , Sehnsucht nach einem Vehikel sterben. Landwirtschaft und Wildschaden-Gesetzgebung in Hessen Don Forstaffeffvr Richard 3mmet, Assistent am Forstinstitut der Universität Gießen. Z0- EM 23 3 3? 3*3 So M3 W 12 =13 5-3“1: 2 3 z. ’n" «3 3 n - TS v Hs v = ' » w 1 n » O - 25 Tq n«- 13‘h| -■C- —I ~ * 5'«3 ul” = = "'? ”3 = = :' MfS ££3; =.30' H PÄ -WM X'1 3-3 13 h: 1 ..3-5 n 6 2 z ” 3 < k, o o - ü« ’S. tim in? < 6 Z3 2 MW MW » 9.9'S. 9-93 MW tätig 7 '.1 7(4* 2^! MW* s -- tta -um Reichspräsidenten. DorauSgingen einige Originalaufnahmen von Orten unserer näheren Heimat, wie Schlitz, Alsfeld, Büdingen, Marburg und der S^walmgegen). (D Grüninaen, 14. März. Im Alter von 89 Jahren staro hier eine der ältesten Personen unseres Dorfes, der Landwirt Peter Isheim. Der Verstorbene hat am Feldzug 1866 teilgenom- men und erfreute sich bis kurz vor seinem Tode noch guter körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Unser Ort zählt nunmehr noch 14 Personen, die über 80 Jahre alt lind, und 48 Personen, die das 70. Lebensjahr überschritten haben. ch Lich, 14.März. Der Kriegeroerein und der Seeverein hatten für Dienstagabend ihre Mitglieder und Freunde in „Steins Saalbau" zu gemeinschaftlicher Feierstunde eingeladen. Nach Herz» lichen Begrühungsworten von Stadtrechner Lud- w g H a u i e r, dem ersten Vorsitzenden des Kris» oeroereins, hielt Kapitän Schmeyl einen Lichtbildervortrog über die lömonatige Fahrt des Hilfskreuzers „W o l f" mit dem Flugzeug „Wölfchen", die während des Weltkrieges unsere ehemaligen Feinde in große Aufregung versetzte. Der Vortragende verstand es ausgezeichnet, volke° tümlich zu reden. Sein oftmals durchbrechender Seemannshumor versetzte alles in die heiterste Stimmung. D.e lebendigen Schilderungen Schmehls ließen alles miterleben. Kaum endenwollender Beifall lohnte den Redner für feinen ausgezeichneten Vortrag. Lehrer Stein, der erste Dorptzende des Seeoereins, sprach unter dem Beifall der vielen Zuhörer dem Vortragenden den Dank der Versammlung aus. 6. Inheiden, 14. März. Im Gegensatz zu an- deren Ortschaften ist unser Ort in der g.ücklichen Lage, von Wasserlcitungsschäden im ganzen Winter so gut wie verschont geblieben zu sein. Es ist dies darauf zurückzuführen, daß vor zwei Jahren bei der Kanalisierung des Ortes sämtliche Hausanschlußrohre erneuert wurden, da die Ortsstraßen sowieso aufgebrochen werden mußten. — In der Inflationszeit war hier durch eine Reihe von Neubauten ein ganz neuer Straßenzug entstanden. Seitdem ober hatte bie Bautätigkeit fast ganz geruht. Erst mit dem vergangenen Jahre hat sie sich wieder belebt Robert Zimmer ließ ein neues Wohnhaus erstehen, der Landwirt Karl Schäfer errichtete in der Nähe des Dorfeinganges eine neue Hofreite, von der einstweilen ein stattlicher langge- streckter Flügel mit Ställen und sonst.gen Wirt- schostsräumen unter Dach kam. Im Frühjahr wird der Bau fortgesetzt. Der Metzger Jakob errichtet ein neues Schlachthaus auf seinem Anwesen Der Landwirt Heinrich Wolf plant einen neuen Wohnhausbau, zu dem bereits Ausschachtungsarbeiten vorgenommen wurden. Kreis Büdingen. △ Nidda, 14. März. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt dieser Tage ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Der bisherige Vorsitzende und Kommandant derWehr, Spenglermeister Heinrich Woks, Bat um Entlassung von seinem Posten, weil er durch anderweitige Verpflichtungen überlastet sei. Daraufhin wurde Justizobersekretär Philipp HaaS als Kommandant der Freiwilligen und Pflichtfeuerwehr gewählt. Auch bei der kürzlich abgehaltenen Generalversammlung des hiesigen O r t s g e - werbevereinS wolte SpenglcrmeisterHeinrich Wolf als Vorsitzender zurücktreten. Doch gelang eS seinen Freunden, ihn zur Zurücknahme dieser Erklärung zu bewegen, so daß seine einstimmige Wiederwahl erfolgte. Dieser Verein zählt gegenwärtig 83 Mitglieder, von denen sich etwa die Hälfte im Rullmannfchen kleinen Saale am Samstag eingefunden hatte, um einen Lichtbildervortrag des Diplom-Handelslehrers Müller aus Gießen über das Thema »Vom Handwerk zum Trust" zu hören. Die interessanten Ausführungen über die Entwickelung des Handwerks, die durch vorzügliche Lichtbilder unterstützt wurden, fanden großen Beifall. A Blofeld, 14. März. Dor zwei Jahren ließ ein Frankfurter Herr, Pächter einer Anzahl Jagden, in unmittelbarer Nähe feines Jagdhauses im Dauernheimer Walde ein größeres Grundstück mit starker Drahtumzäunung versehen. Neben Geflügel wurde auch ein zahmes Nehpaar in da; Besitztum eingesetzt. Dieser Tage verschaffte sich nun ein wildernder Hund unter dem Drahtgeflechte einen Eingang und biß die beiden Rehe tot. Kreis Schotten. Laubach. 14. März. In der gestrigen Sitzung des Gemeinderats wurde zunächst die Anschaffung neuer Straßenschilder beschlossen. Sodann wurde auf eine Eingabe der Autobesitzer betr. Wassergeldansatz beschlossen, für große Autos lz Mk., für kleine 8 Mk. zu erheben. Die Kanalgebühren bleiben bestehen. Buntes Allerlei. Wolkenkratzer in der Berliner Friedrichstraße. An der Frvntecke Leiziger—Friedrichstraße wird das Cebäud« der 5 e renkonfektionsfirma S. Adam turmartig bis zu 10 Stockwerken hoch gebaut. — Ein ^nlicher Hochbau soll auch für das gegenüberliegende Grundstück (Gerold-Wein- stube) geplant sein, und es ist zu erwarten, daß auch das Moka-Gfti-Haus und gegenüber bad frühere Saf6 Zielka in ähnlicher Weise ausgebaut werden, so daß an dieser Stelle ein Hochbau-Komplex en'steht, der ein Gegenstück zum umgebauten Ale anderplatz und dem alsbald folgenden Potsdamer P.ay werden kann. Der rälselhafle Tod des Photographen Binder. Der rätselhafte Tod des bekannten Berliner Pho- tographen Binder steht, wie wir hören, unmittelbar vor seiner Aufklärung Schon vor einigen Tagen tauchte die Vermutung auf, daß der Verstorbene bat Opfer einer amerikanischen Kur- o f u s ch e r i n geworden sei. Daraufhin ist von den Angehörigen Binders gegen die Amerikanerin, die plötzlich nach Nordamerika abgereist ist, Stiafantrag gestellt worden. Inzwischen hat die Obduktion der Leiche Binders stattgefunden. Wenn auch das offizielle Gutachten der sachverständigen Aerzte noch aussteht, so herrscht nach dem bisheri- gen Untersuchungsergebnis jedoch kein Zweifel mehr daran, daß tatsächlich ein krasser Fall von Kurpfuscherei vorliegt. Es hat festgestellt wer- den können, daß die Behandlung des Verstorbenen untervölligerDerkennungdesKronk- heitszustandes erfolgt ist, und daß obendrein mit außerordentlich gefährlichen dilettantischen Mitteln operative Eingriffe gemacht worden sind, die schließlich den Tod des Patienten herbei- führten. Die Staatsanwaltschaft wird sich nunmehr mit aller Energie an die Verfolgung der Kurpfuscherin heranmachen. „3mmer-Ireu" wieder losgelassen. Der Polizeipräsident von Berlin hat in Der- solg des Strafverfahrens au8 Anlaß der Vorgänge am Schlesischen Bahnhof die Verfügung vom 7. Januar 1929, durch die er den »Lotterie- unb DergnügungSvere.n Norden" und den Sport- und Gefelligkeitsverein Jmmer-Trcu" au Grund deS 8 2 deS Re.chsverrinSgesetzes aufge.öst hatte, zurückgenommen. Das Auto auf dem Bürgersteig. — Sechs verletzte. In Berlin geriet am Wittenbergplatz von zwei Autodroschken, die sich in schneller Fahrt überholen wollten, die eine ins Schleuern. Der Wagen fuhr an der Stratzenbahn-Haltestelle auf den Bürgersteig. Sechs Personen wurden umgerissen und zumTeilschwerverletzt. Die Feuerwehr brachte die Verunglückten ins Krankenhaus. Line Einbrecherbande. Veit Dezember erfolgten in der Mägde- burgerVorstabt Sudenburg regelmäßig Einbrüche in Lebensmittelgeschäfte. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei führten zur Festnahme einer Bande von jugendlichen Einbrechern, und zwar handelt es sich um sechs kaufmännische Lehrlinge, die alle in fester Lehrstelle waren und bei ihren Eltern in Magdeburg wohnen. Die Täter gestanden, nicht weniger als siebzehn Einbrüche gemeinsam verübt zu 'haben. Da Fluchtverdacht nicht vorlag, wurden die jungen Burschen wieder entlassen. Zwei Tage darauf wurden drei dieser jugendlichen Einbrecher bei einem erneuten Einbruch in Wittenberge ertappt und wieder verhaftet. Belm Fluchtversuch tödlich verunglückt. Beim Fluchtversuch aus dem Frauengefängnis des Berliner Polizeipräsidiums ist die 33 Jahre alte Josephine JageUe abends gegen 24 Uhr tödlich verunglückt. Die hatte sich ein Bettlaken zerschnitten, zu einem Seil gewunden und an das Fensterkreuz angebunden. Das Bettlaken riß aber: die Jagelle stürzte vom 4. Stock auf die Straße htnad und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß sie bald darauf verstarb. Der Dokumenlenfälscher als Romanplagialor. Albert Frank-Heine wurde wegen Plagiats eines Romans von ConanDoylezu 1000 Franks Schadenersatz verurteilt. Die Zeitung, die das Manuskript Franks abgedruckt hat, ist als mitverantwortlich für das Plagiat verurteilt worden und haftet für die Aufbringung der Geldstrafe. Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachm.llag geschlossen. daß der milde Geschmack des Kaffee Hag auf die Entziehung des Coffeins zurückzuführen ist. Das ist aber ein Irrtum. Das Coffein hat mit dem Geschmack des Kaffees nichts zu tun. Milde Kaffees gelten beim Kaffeefachmann als die feinsten. Kaffee Hag schmeckt besonders mild, weil das auf den Bohnen befindliche übel riechende und unverdauliche Kaffeewachs mit entfernt wird. Zu dieser Milde im Geschmack gesellt sich beim Kaffee Hag das wundervolle Aroma. Außer* dem ist er vollkommen unschädlich. Machen Sie heute noch einen Versuch. Sie werden auf das angenehmste überrascht sein. 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Hessische Bürgermeisterei Odenhaufen. Nachtigall. Nacblclmeiden Noviionfchen la On-manon 3-rliieren um Ondulation Schulstraße 4, Verkauf I. Stock 21O5A Sorgfältig zusammen gestellte Weinkarte Preiswerte Elnzelplatten Gepflegte Biere Morgen Gamstag Wiedereröffnung meiner Konditorei Empfehle diese Woche la Mastfleieoh, 1. Qualität 80 Pl|. la Blndewärstchen Pfd. 1.00 Hk. la Haeklieleeh Pld. 1.00 Btt. €lee*ener Flel*chhalie WalltorslraBe 32 013 51 Lkbens-Siellimg bietet führende Akl.-Sef. Herren, die sich dem Außendienst widmen wollen und mit allen Kreisen der Bevölkerung Der. Handlungen iühren können. Zielbewußtsein Fleiß und Zuverlässigkeit als DorauS- sehung jeden Erfolges unerläßllch.Arbeits. seid dagegen unbeschränkt. Daher Möglichkeit zur Schaffung regelmäßigen und sie gerungsfähig. Einkommens. Aussührb Angebote erbeten unter F.O.U.166 durch Rudolf Mcsie, Frankfurt a.M. 2304V Bernh. 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Die für den Monat Februar 1929 zu unserer Kaffe fälligen Krankenkaffen, und ArdeifslosenversicherungsBeilräge können noch bis zum 20. d.M. ohne Kosten an den bekannten Zahlstellen gezahlt werden. Aach vielem Tage eingehende Zahlungen können nur unter Berechnung der Mahngebühren angenommen werden', außerdem sehen sich die Rückständigen der Zwangsbertreibung aus. Besondere Mahnung ergeht nicht. Gießen, den 15. März 1929. 237lD Allgemeine Ortskrankenkasse des Landkreises Gießen. ■ « Beel en Sie sich, es bietet sich eine seltene Gelegenheit! Hausrat Gießen, Lindenplatz 1 Damenstrümpfe 4 ßrt Seidenflor.............2.40,2 00, I.ÜU Angehörige der Schüler und Freunde unserer Schule laden wir zur Besichtigung der Zeichen-Ausstellung herzlich ein. - Besuchszeiten: Samstag. 16. März. 2-6 Uhr. Sonntag. 17. März. 11-6 Uhr Montag. 18. März. 11-6 Uhr. Dienstag. 19. März, 11-6 Uhr Mittwoch. 20. März. 11-6 Uhr. Kinder haben nur In Begleitung der Eltern Zutritt. Gießen, den 15. März 1929. Direktion der Oberrealschule: Dr. Roller. 2346D Wir erklären i srrnif, daß es unrichtig ist, wenn von der Auflösung unserer hiesigen Filiale erzählt wird. — Das Gegenteil ist der Fall: Um nun jedermann ausnahmslos die Vorteile unseres seit Jah en bestens bewährten Kredit-Systems genießen zu lassen, beginnen wir heute mit einem großen Sonderverkauf und haben teilweise die Preise rücksichtslos herabgesetzt Wer nicht n der Lage ist, eine Anzahlung zu leisten, erhält aut Wunsch H-Hnl WM Sonntag, den 17. März, ab 7 Uhr abend» KONZERT ausgeführt von Mitgliedern der Kapelle des hiesigen Reichswehr-Bataillons 23560 Obst- und Gatrtenbauveveln Gießen Einmaliges Gastspiel d-FranWurterMardienliüline Samstag, den 16. März, nachm. 4 Uhr, Einlaß 3 Uhr Schneewittchen und die 7 Zwerge Kein Film! Ä'Ä. Kein Film! Märchen in 7 Bildern mit Musik. Gesang und Ballett Künstlerische Leitung: Erich Sommer vom Neuen Theater. Frankfurt a. M. Preise der Plätze für Groß und Klein: Hl. 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Ein groher Teil der Turnvereine der Deutschen Turnerschaft pflegt schon seit Jahrzehnten das Kinderturnen, Unb immer wieder läßt die Tur- nrrschaft an ihre Vereine den Rus ergehen: dichtet Kinderabteilungen ein! Sie lut das nicht, um ihre Zukunft sicherzustellen, nicht, um immer genügend Nachwuchs für die Vereine zu haben. Die Turnvereine der Deut- fchen Turnerschaft pflegen das Kinderturnen, weil es ihr Ziel ist, allen Bevölkerungskreisen, also (inet) den Kindern, die Möglichkeit zu geben, U übesübungen zu betreiben und ihres Segens teilhaftig zu werden. Da taucht oft die Frage auf: „3 ft denn das Kinderturnen in denDereinen überhaupt notwendig?" Immer wieder ein- mal wird auf das Schulturnen hingewiesen, durch > os sich das Bercinskinderturnen erübrigte. Qlber tiefe Meinung ist unhaltbar. Gewiß ist es mit das Schulturnen heute bereits besser bestellt, als vor dem Kriege. Die Zahl der Turnstun- ten ist teilweise vermehrt worden, in den meisten Schulen wird das Turnen auch während des Winters erteilt, die Ministerien haben durch Abhaltung von Lehrgängen für die Weiterbildung dar Lehrkräfte Sorge getragen, Spielnachmittage, Cchwimm stunden usw. sind eingeführt worden. Unb doch hat die Schule damit nicht genug tun linnen. Das beweist schon die Tatsache, daß der Ruf nach der täglichen Turnstunde immer lauter wird. Jetzt scheitert sie immer wieder daran, dah es an den Mitteln und an den Lehrkräften zur Durchführung fehlt. Es gibt auch schon eine ganze Reihe von Schulmännern, die sich gegen die Ueberlastung der Schule mit neuen Fächern, und dazu rechnen sie das vermehrte Turnen, wenden. Sie wollen die Pflege der Leibesübungen den Verbänden, die sich damit beschäf- liflcn, überlassen. Aber sic haben damit wohl cdcnso unrecht, wie die, die das Vereinsturnen für überflüssig halten. Denn: Selbst wenn die tägliche Turnstunde in der Schule einmal Wirklich- leit werden sollte, auch dann ist das Vereinslumen noch nicht überflüssig! Die Unter- schiede zwischen Schul- und De r c i n 8 - turnen sind s o groß, dah eins das andere nichtersetzenkann. Die Uebungs- formen sind, nachdem beide voneinander gelernt haben, dieselben. Aber schon die Betriebsweise ist anders. 3n der Schule fehlt die kleine Ge- mcinschaft innerhalb der ganzen Klasse, fehlt die Riege. Schulturnen ist Zwang. Vereinsturnen aber freiwilitge Betätigung. Die Lehrer, die Heides erteilen, Schul- und Vereinsturnen, werten immer mehr Freude am Vereinsturnen erleben, weil hier die Kinder mit Leib und Seele Dabei sind, obwohl es doch in diesen Fällen hinesfalls am Lehrgeschick des Leiters liegen linn. Auf der anderen Seite wird das VereinS- ntrnen nie die erzwungene Regelmäßigkeit er- inchen können. Das Klcrnkinderturnen der Turnvereine aber muß wieder der Schule eine willkommene Vorbereitung der Kinder sein, denn mit dein Turnen der Kinder des 1. bis 4. Schuljahrs sind recht viele unserer Schulen noch im Rückstand. Und wenn Leibesübungen erst vom D. Lebensjahre an einsehen, dann kommen sie oft schon zu spät. So wird nichts weiter übrigbleiben, als ver ° ständnisvolles Reben- und Mit- cinanderarbeiten. Wenn- Schule und Verein auf getrennten Wegen zwar, aber doch einem Ziele zustreben, der körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend, dann wird es leichter fein, dieses Ziel recht bald zufriedenstellend zu erreichen. Fast überall arbeiten jetzt schon Schule und Verein reibungslos neben- und miteinander. Ganz von selbst wird das eine vom andern befruchtet, ganz von selbst ergänzen sich beide. Den Nutzen davon haben immer die Kinder. Und wenn die Schule versucht, das Turnen in den Gesamterziehungsplan einzuordnen, wenn sie leibliche und geistige Bildung in Zusammenklang bringen will, so kann man dasselbe auch von den Turnvereinen der Deutschen Turnerschaft behaupten. Sie pflegen nicht einseitige Körperkultur, oder Körperkult, wie manche sagen, sondern auch sie widmen sich der Gesamterziehung unserer Jugend. Sie erziehen die ihnen anvertrauten Kinder im Sinne deutschen Volks- und Turnertums. Sie wecken den Sinn für eine vernünftige und gesunde Lebensweise, lehren Anstand und gute Sitte, pflegen Heimatliebe und tätigen Gemeinsinn. So arbeiten sie nicht für sich, sondern werden Helfer der Schule, Helfer des Elternhauses. Fechten im Tumgau Hessen D. T. -o- Für nächsten Sonntag haben die Fechterriegen des Turngaues Hessen Vertreter der Frankfurter Fechterschaft zu einem Freundschaf.slampf nach Bad-Nauheim ein- geladen. Das Treffen findet in der Halle des Tv. 1860 statt und nimmt schon vormittags seinen Anfang. Cs geht um den Sieg aus einem Mann- schaftskampf im Florettfechten, bei dem 36 Gefechte zum Austrag kommen. Aus dem Gau Hessen nehmen daran teil: Gerhardt, Gießen: Mulch, Wetzlar. Schuchhardt, Marburg: Kühn, Friedberg: Hahn und Pfeffer, Bad- Nauheim. Aus Frankfurt kommen: Römer, Roth- fuß. Lesti, Bott, Pieper und Rasch. Das Schiedsgericht ist besetzt von N i e t s ch, Bad-Nauheim: © r o o 5, Marburg; Dippel, Carb ow und Wahl, Frankfurt. Handball der Sp.-Bg. 1900. ö. Am nächsten Sonntag trägt die e r st e Handballmannschaft der Spieloereinigung 1900 seit langer Zeit wieder einmal ein Spiel außerhalb des Heimatkreises aus. Sie wird von der gleichen Mannschaft de» Vereins für Bewegungsspiele H ö ch st a. M. empfangen. Die Höchster repräsentieren beste mainische ^-Klasse und werden die 1900er zur Hergabe ihres ganzen Könnens zwingen. Sollten die Gießener in der Lage sein, in vollständiger Besetzung zu erscheinen, so dürfte mit einem gleichwertigen Spiel zu rechnen fein. Erste Voraussetzung dafür ist allerdings, daß der Sturm produktiver arbeitet, als in den letzten Treffen. Rach einer länger als vorgesehenen Zwangs- Pause kommt auch die Jugend wieder zu Wort, und zwar fährt die erste Iugendmann- schäft zum Wetzlarer Sportverein zum Austrag des fälligen Pflichtrückspieles. Das Vorspiel endete mit dem irregulären Resultat von 4:1 für Wetzlar, tpas dadurch hervorgeru'en wurde, daß sich der erstmals spielende Torwächter seiner Aufgabe in keiner Weise gewachsen zeigte. Falls die Spielvereinigungsleute am kommenden Sonntag einen talentierten Schlußmann zur Verfügung | hcchen, sollte es ihnen möglich sein, die scharte | auszuwetzen. Wiederholungsspiel im Gießener Jußball. ö. Das am 24. Februar infolge der schlechten Welter- und Bodenverhältnisse nur als Gesell- schaftsspiel Spielvgg. 1 9 00 —V. f. D. findet am kommenden Sonntag eine Wiederholung. Wenn auch bi« Ligaelf des Vereins für Bewegungsspiele In der letzten Begegnung einen überraschend hohen Sieg erringen konnte, so hat man diesmal im blauweihen Lager doch die beste Hoffnung, weit besser abzuschneiden, in der Annahme, daß das letzte Resultat irregulär war. Anlaß dazu gibt auch wohl die Deränberte Mannschaftsaufstellung des Platzvereins 1900, von der man sich eine wesentliche Verstärkung und weit größere Durchschlagskraft der Stürmerreihe verspricht. Anderseits waren die Leistungen der Leute vom Waldsportplatz in den letzten Spielen nicht so überragend, daß man diesen so ohne weiteres einen hohen Sieg über 1900 zutraut. 1900s Zugendabteilung trägt auch erstmals wieder einige Spiele aus, die mit einer Ausnahme auf auswärtigen Plätzen stattfinden. Die erste Jugend spielt voraussichtlich gegen D. f. B. Gießen erste Zugend. Die zweite Jugend spielt in Heuchelheim gegen die dortige erste Jugend. Sie dritte Jugend tritt Garbenteichs erster Jugend dort entgegen. Die erste Schülerelf hat nach dem Ligaspiel Wetzlars erste Schüler- Mannschaft Im Pflichtspiel hier zum Gegner. Die zweite Schülerelf spielt ebenfalls in Garbenteich gegen die dortigen Schüler. V. f. B. Außer der Liga ist es von den aktiven Mannschaften nur noch die dritte, die am kommenden Sonntag auf den Plan tritt. Nachdem sie die Ver- bandsspielserie beendet und die Meisterschaft errungen hat, steht für die nächste Zeit eine Anzahl Privatspiele auf ihrem Programm. Am Sonntag hat sie die 1. Mannschaft Steinbachs zu Gast, gegen die sie, allerdings nicht ganz ohne Mühe, glatt gewinnen kann. Die 2. Iugendmannschaft trägt ein fälliges Pflichtspiel aus. Ihr Gegner ist die 1. Jugend Heuchelheims. Das Vorspiel endete 1:1. Ob es V. f. B. gelingen wird, sich einen knappen Sieg zu erkämpfen, muß bezweifelt werden, da Heuchelheim als recht spielstark bekannt ist. Turn-Gau Lahn-Oüneiterg im A. O. T. Der diesjährige Gauwaldlauf findet am näch- ften Sonntag am Fuße des Sch.ffenbergs statt. Start ist mittags um 2 Uhr auf der Straße Schiffenberg— Gießen (Alter Gießener Weg). Die Vorbereitungen zum Lauf hat der Turnverein Hausen 1864 übernommen. Arbeiter-Turn- und Sportbund. 3m weiteren Verlaufe der Aufstiegfpiele hat Wiesecks erste Mannschaft am kommenden Sonntag den Dezirksmeister des 5. Bezirks, Mainz-Kostheim, zu Gast. Der Gäste- mannschast geht ein guter Ruf voraus. Wieseck wird alle Kraft anspannen müssen, wenn es dieses erste Spiel auf eigenem Platze gewinnen und feine Position in der Tabelle dadurch wesentlich verbessern will. Vorher spielt Wieseck II gegen Fron- hausenI. 3n diesem Spiel werden wohl die Einheimischen Sieger bleiben. Nachdruck verboten. T Fortsetzung Eines Tages aber wußte man plötzlich, daß (Aeheimrat Hollermanns Tod doch kein natürlicher gewesen war. So sorgte Fritz Bellinger dafür, daß das Ansehen des beliebten, alten Arztes in kurzer Zeit völlig untergraben, und er selbst mehr und mehr im den Vordergrund rückte. Von alledem ahnte Brigitte Hollermann nichts, imi) sie hätte wohl auch nicht viel daran ändern tonnen. , .. 3n wilden Fleberphantasien rief fie immer unö immer wieder nach ihm. nach Doktor Hans- Jörg Eggenbrecht. Auch Ihr Vater spielte in ihren Phantasien eine große Rolle, und die alte $fcinna, die getreulich Tag und Nacht an ihrem Lcger saß und wachte, bekam die absonderlichsten Dinge zu Horen. Einmal, als Sanitätsrat Luhrmann noch am späten Abend nach der Kranken sah, schrie Britta laut auf: __ . „Hans-Jörg, Hans - 3org!“ jammerte sie. „Väterchen, sag' doch, ob mein Liebster tot ist! Die Blicke des Arztes und die der alten Hanna begegneten sich, und Luhrmann fragte. „Wen mag sie wohl meinen?“ „Mit Verlaub, wenn ich es sagen darf, Herr Sanitätsrat, sie meint Doktor Hans-3örg ©ggen- brecht, den zweiten Assistenzarzt des Herrn Geheimrat.“ , , „ „Der seit der Cxplosionsnacht spurlos verschwand, und von dem man heute noch nicht weiß, ot er mit der verkohlten Leiche, Jue man aus ben Trümmern barg, identisch ist?" „3a, Herr Sanirätsrat," entgegnete die Alte nickend. „Uebrigens ist es nun doch festgestellt worden, daß der Verbrannte Doktor Eggenbrecht war, denn an dem verkohlten Leichnam hing noch ein einziger Stoffetzen, und daran bau* vielte lose ein Knopf, den die Zimmerwirtin als einen Doktor Eggenbrecht gehörigen bezeichnete. Er ist also doch in den Flammen umgekommen. „Was aber hat unsere Kranke mit dem jungen Arzt zu schaffen?" fragte der Sanitätsrat köpf- ; chüttelnd, da Brigitta jetzt wieder gellend laut lenen Namen tief. Die alte Hanna antwortete nicht, aber In ihren Augen lag ein stummes Verstehen. »Hat Fräulein Brigitta schon einmal nach ihrem Bräutigam verlangt?" forschte Doktor Oie Liebe berBrigitta Hollermann Vornan von Elisabeth Ney. Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale). Lührmann jetzt langsam, da er den Zusammenhang zu ahnen begann. „Sie rief einige Male Doktor Bellingers Namen, aber in so furchtbarer Angst und Abwehr, daß ich glaubte, sie fürchtet sich vor ihm." Der Sanitätsrat nickte bedächtig vor sich hin, erneuerte dann selbst nochmals den Eisbeutel, und verließ mit stummem Gruß das Zimmer. Erst drei Wochen nach dem Tod ihres Vaters erwachte Brigitta Hollermann endlich wieder zu vollem Bewußtsein. Das Fieber hatte ausgetobt. Tagelang lag sie dann in ihrem Kissen völlig apathisch, ohne ein Wort zu sprechen oder von ihrer Umgebung Notiz zu nehmen. Die alte Hanna zitterte vor dem.Moment, in dem Brigitta Hollermann die ersten Fragen stellen würde. Und eines Tages, gerade als Sanitätsrat Lührmann anwesend war, fragte sie plötzlich, die Augen öffnend: „Weshalb kommen Sie immer zu mir, Herr Sanitätsrat? Wo ist eigentlich mein Vater?" „3hr Herr Vater fühlt sich nicht recht wohl. Eine kleine Erkältung, die Sie leicht durch Ansteckung gefährden könnte," log der Arzt, erschüttert vor ihren ängstlich-suchenden Blicken. „3a, er fühlte sich ja schon in der Nacht nicht ganz wohl," hatte ihm die Kranke, schon halb wieder im Schlummer liegend, geantwortet. Es war ihr demnach noch nicht zum Bewußtsein gekommen, daß sie bereits seit Wochen krank darnieder lag. Drei Tage später aber richtete fie sich urplötzlich in ihrem Bett auf, und der alten Hanna Hände fest umklammernd, rief fie angstvoll aus: „Hanna, alte liebe Hanna, sag' mir, sage es mir, ob Hans-3oro Cggenbrecht tot Ist! Weißt du, daß ich ihn lieb hab»?“ Da waren der alten Dienerin die Tränen In bie Augen getreten, und fie war in ihrer übergroßen Angst, antworten zu müssen, aus dem Krankenzimmer geflüchtet. Als sie sich nach längerer Zeit zurückwagte, lag Brigitta Hollermann wieder in festem Schlummer. Und wieder einige Tage später erwachte Brigitta aus einem langen, erquickenden Schlummer. Erstaunt, das erstemal völlig klar bei Verstand, richtete fie sich von ihrem Lager auf, und sah, daß sie allein war. Mit einem Schlag stand all das Schwere wieder vor ihrem geistigen Auge, und zugleich kam ihr die Erkenntnis, daß sie lange Zeit schwer trank gewesen fein mußte. Wo war der Vater? Sie hatte ihn nie gesehen, sondern immer nur den alten Sanitätsrat Lühr- mann. Vater war ja krank, hatte man ihr gesagt. 1 Krank? Aber so lange schon? Eine furchtbare, peinigende Unruhe überkam die Genesende. Zuletzt litt es fie trotz der großen Schwäche nicht mehr im Bett. Sie wollte aufstehen, um sich Gewißheit zu verschaffen. Taumelnd erhob sie sich, und vermochte nur mühsam das immer stärker werdende Schwindel- gesühl niederzukämpfen. Einen Morgenrock überwerfend, tastete sie sich, an den Möbelstücken einen Halt suchend, bis vor ihren großen Toilettenspiegel. Erschrocken sah sie auf das Gesicht, da- ihr daraus entgegenstarrte. Großer Gott, war sie daS, dieS hohläugige, magere Geschöpf mit dem bleichen, blutleeren Gesicht und den blauen Schatten unter den Augen? Sie mußte lange, vielleicht viele Wochen lang, schwer krank gewesen fein! Und all die Zeit war der Vater nicht ein einziges Mal zu ihr gekommen? Wo aber waren die Mutter und 3sa? Ein seltsames Zittern überlief sie, so daß sie sich schnell auf einen Stuhl fallen lieh. „Hallo!, kleines Fräulein, was machen Sie denn da für Geschichten," erklang es da plötzlich hinter ihr, so daß sie heftig zusammenzuckte. Sanitätsrat Lührmann war unbemerkt in das Zimmer getreten, und stand nun mit einem Sprung neben der Erschöpften. „Kommen Sie, liebes Kind, das ist noch nichts für Sie", versuchte er zu scherzen, und führte die Willenlose zum Bett zurück. Eigenhändig deckte er sie zu, und setzte sich dann wortlos an ihr Lager. x Brigitta lag geisterbleich in ihren Kissen und hielt die Augen fest geschlossen, und plötzlich sah der alte Sanitätsrat zwei große, glitzernde Tränen, die langsam über ihr abgezehrtes Gesichtchen rollten. „Kindchen, Kindchen", sagte er leis«, „weshalb weinen Sie denn?" Da umkrampfte Brigitta Hollermann die Hand des Arztes und rief verzeifelt: „3eht weiß ich es, ihr habt mich alle belogen! Mein Pa, mein armer, guter Pa ist nicht krank: er kann nicht mehr zu mir kommen, well er tot ist — tot, ebenso wie Hans-35rg! 3ch habe alles, alles verloren. Weshalb bin ich nicht auch gestorben?“ Verzweifelt blickte Sanllätsrat Lührmann auf die Kranke, In banger Sorge, daß sie einen Rückschlag erleiden könne. „Ste cnltoortcn mir nicht. Herr Sanitätsrat", schluchzte indes Brigitta leise. „Das sagt mir alles. Richt wahr, mein Vater ist tot? Mein Gott, vielleicht schon lange, und ich konnte ihn nicht noch einmal sehen." Die 3ugend Wiesecks hat sich Raunheims 3 u g e n d verpflichtet und wird auch diesmal- gegen den körperlich stärkeren Gegner unterliegen. Lollars erste Mannschaft hat sich für kommenden Sonntag zum Rückspiel die KreiS- klassemannschast Gießen! verpflichtet. Gießen tritt nach längerer Pause zum erstenmal wieder an. Lollar dürfte alles daran setzen, die Niederlage vom Vorspiel wieder wettzumachen, während Gießen durch größere Spielerfahrung ein Plus für sich in Anspruch nimmt. Wirtschaft. Oer Glanzstoff-prospett. Auf Antrag der Deutschen Bank und der Danksirma Lazard Speyer-Ellifsen in Frankfurt a. M. sind die 75 Mill. Mark Aktien der Vereinigte Glanzstoff-Fabriken G.-G., Elberfeld, an der Frankfurter Börse zugelassen worden. Der Prospekt enthält in der Hauptsache die auS dem Berliner Prospekt vom August 1928 bekannten Angaben. Darüber hinaus wird mitgeteilt, daß die American Glanzstofs im August 1928 ihren Betrieb ausgenommen, im Dezember 1928 ihre Anlage verdoppelt und die bekannte Kapitalerhöhung vorgenommen hat. Die Wuttergesell- schast mußte auf Grund der Garantie bis jetzt 367 500 Dollar der amerikanifchen Gesellschaft vorlegen, die später -urückzuzahlen sind. Für die American Bemberg betrugen die Vorschüsse 612 500 Dollar. Die Glanzsto^f Courtaulds G. m. b. H. hat den Kölner Betrieb im April 1928 ausgenommen, die Neuen Glanzstoffwerke A.-G. in Breslau ihren Betrieb in der zweiten 3ahres- hälfte 1928. Ueber die neu gegründete Associated Rayon Corporation wird mitgeteilt, daß Glanz- stoss für die Hergabe eines Teils der Derwer- tungsaltien und des Wertpapierbesitzes eine Barvergütung und einen Anteil am common stock erhalten hat. Mit einer 3nanfpruchnahme der Dividendengarantie für die preferred shares der Associated Rayon Corp. wird nicht gerechnet. Die Konventionspreise feien zwar wegen starker ausländifcher Unterbietungen ausgehoben worden, es werde aber zwecks Vereinbarung einer neuen festen Preisbasls verhandelt. Außerdem habe die Konvention auf dem Gebiete der Rationalisierung und Typisierung gute Erfolge erzielt und auch eine gemeinsame Propaganda in ihr Arbeitsgebiet aufgenommen. Die Konvention kann erstmalig am 31. März 1929 und dann jeweils am Schluß eines Kalenderviertel-' jahreS gekündigt werden. Für 1928 glaubt die Gesellschaft wieder ein befriedigendes Ergebnis in Aussicht stellen zu können. • 3nternationale Rohstahlgemeln- schäft. Wie Havas auS Brüssel betichtet, hat der Vorstand der 3nternati0nalen Nohstahlgemein- schaft in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, das jährliche Produktionsprogramm um zwei Millionen Tonnen zu erhöhen, weil infolge der Bedürfnisse des Marktes alle zum Kartell gehörenden Länder ihr derzeitiges Produktionsminimum überschreiten müssen. * Buderussche Eisenwerke, Wetzlar. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung wurde be° chlossen, der am 30. Mai in Frankfurt a. M. statt- indenden Generaloersammlung für das Geschäftsahr 1928 die Verteilung einer Dividende von 5 v. H. vorzuschlagen. Stumm neigte Sanitätsrat Lührmann vor ihrem angstvoll fragenden Blick den Kopf. Brigitta Hollermann schrie bei dieser stummen Bejahung laut auf. 3hre Tränen aber waren plötzlich versiegt. Mit beinah starrem Blick fragte sie: „Sagen Sie mir noch eins, Herr Sanitätsrat: 3ft auch das wahr, dah Doktor Eggenbrecht tot ist?“ Wieder blieb ihr Sanitätsrat Lührmann die Antwort schuldig. Da sank Brigitta mit einem klagenden Seufzer in die Kissen zurück und rührte sich nicht mehr. Diese unheimliche starre Teilnahmslosigkeit hielt beinah eine Woche an. Brigitta verweigerte jede Nahrung, und aß nur, wenn der Sanitätsrat neben ihr stand. „Herr Gott, so nehmen Sie doch endlich Vernunft an, liebes Kind!“ tief er eines TageS verzweifelt aus. „Wenn Sie nicht essen, können Sie ja nie gesund werden." „3ch will nicht mehr gesund werden", antwortete ihm Brigitta daraus trotzig, und in ihren Augen blitzte ein unheimliches Leuchten auf. Aber die kräftige Natur, die 3ugend in Brigitta Hollermann, siegte doch. Nach und nach kräftigte sich ihr Körper wieder, und die hohlen Wangen rundeten sich. 2lls sie das erstemal außer Bett war, lieh sie den Sanitätsrat rufen und fich über den Tod ihres Vaters berichten. Stumm, nur mit einem unendlich wehen Seufzer hatte fie ihm zugehört, und nun schwiegen fie alle beide. Der alte Sanitätsrat glaubte Brigitta wieder ein wenig auf richten zu müffen, und unterbrach das lange Schweigen. „Kindchen", sagte er, fest ihre Hand ergreifend, „auch ich habe mit 3hrem lieben Vater meinen besten, treuesten Freund verloren, und gerade daraus nehme ich alter Mann mir da- Recht, ein bihchen über Sie zu wachen. Es kann nie im Sinne 3hres Vaters liegen, daß Sie in dem tiefen Schmerz um ihn das Leben so völlig ver- ncirten wollen. Stünde er jetzt hier an meiner Stelle, liebes Kind, er würde wohl die gleichen Worte sagen. Sie find ja noch so herrlich jung und haben das Leben völlig vor fich Raffen Sie sich also endlich auf und sehen Sie dem Leben wieder mutig ins Auge. Haben Sie denn ganz vergessen, daß es noch einen Menschen gibt, der 3hrem Herzen wohl noch näher als 3hr toter Vater steht, und der sich in ängstlicher Sorge um Sie Tag und Nacht verzehrt?" „Wen — wen meinen Sie. Herr €ar,ität3rat?" stieß Brigitta erregt hervor. „Wenn anders als 3hren Verlobten, Doktor Fritz Beilinger. liebes Kind?" . _ , (Fortsetzung folgt) < • Dos Fobrikatlonspregromm der Firma Opel. Die Verwaltung der Firma Opel teilt mit: Die durch die Presse laufenden Nachrichten der letzten Tage find unzutreffend und entbehren jeder Grundlage. Die 4-?8-Wagen werden, wie bisher, in Rüsselsheim fabriziert. Desgleichen wird das in den letzten Tagen bekanntgegcbene Fabrikations- Programm aller anderen Typen zur Durchführung gelangen • Harpener Bergbau-Gesellschaft dividendelos. Der Aussichtsrat der Har- pener Tergbau-Gese.lschaft beschloß, den Alcher- schus; des Jahres 1928 in Höhe von 12 372 811 War! wie fo.gt zu verwenden: Abschreibungen 10 268 423 (L B. 10 211 562) Marl, llebrrweifung zur Aück.age für Bergschäden 285 473 Ml., lieber- Weisung öu Rlckl.gc fü. Anle.h k. st^n 1 Mill. Ml. Aus dem re b eibenden Gewinn von 818 914 Marl sollen 40 9x6 Marl dem Reservefonds überwiesen. 6 Prozent Dividende auf die BorzugZ- altien verteilt und die ve.bleibenden 759 988 Mar! auf neue Rechnung vorgetragen werden. Die S.ammaktien b.eiben also, wie erwartet, divi- dende.os (i. B. 6 Prozent). In den ersten Monaten des laufenden Iahces hat sich die Absatzlage des Ruhrbergbaus etwas gebessert. (G.D. 22. April.) • Essener Steinkohle-Bergwerke 2l..G., Essen. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Gesellschaft kamen der Geschäftsbericht und die Bilanz für das Geschäftsjahr 1928 zur Vorlage. Die Bilanz weift noch Vornahme von Abschreibungen in Höhe von 3 842 020 Mk. einen Gewinn von 4 680 615 Mark aus. Der auf den 9. April nach Essen einzu- berufenben Generalversammlung soll die Ausschüttung einer Dividende von 8 v. H vorgeschlagen werden. * Waggonfabrik A.-G., Rastatt. In der D lanz per 30. September 1928 erscheinen 0 358 Gläubiger, 0,127 Akzepte, andererseits 0,187 Schuld- ner 0 697 Vorräte Grundstücke, Gebäude und Anlagen stehen mit 0 927 zu Buch Der Betricbsüber- schuß betrug 0,930 Millionen Mark, die Unkosten beliefen sich auf 0,746 Millionen Mark, so daß ein Re rgewinn von 0.128 verbleibt, um den sich der Derlustvortrag aus dem Vorjahre auf 0,352 Millionen Mark ermäßigt (1,665 Mill. Mark Aktienkapital). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 15. März. Tendenz: freundlich. — Auch heute war zu Beginn des offiziellen Marktes die Börse freundlich. Das Geschäft war jedoch gegen gestern etwas ruhiger, da Orders kaum eingrtrofsen waren. Einige Kurse enttäuschten etwas, und die S eculation zeigte in verschiedenen Werten Abgabebedürfnis, so daß gegenüber der gestrigen Abendbörse vereinzelt kleine Rückgänge eintraten. Im großen und ganzen blieben die Kurse aber gut behauptet, doch machte sich bald eine erneute Geschäfts- belebung in der Hauptsache in Spezialwerten bemerkbar. Der feste Schluß der gestrigen Reuvorker Börse und- die unverändert belassenen Dislontsähe regten allgemein an und trugen zur Besserung der Tendenz bei. Auch dürfte, angeregt hiervon, die Spekulation wieder in größerem Umfange zu Deckungen schreiben. Lebhafter gefragt und im Vordergründe des Interesses standen von internationalen Aktien ' Svenska mit plus 4 Mark. Auch für Elektrowerte bestand weiter etwas regeres Interesse. Hier soll das Ausland wieder einige Kau'orders an den Markt gegeben haben. Demberg mit plus 1,75 Proz. standen im Vordergründe. Licht und Kraft, Felten und Siemens zogen bis 1 Proz. an. AEG. gut behauptet. Rur Schuckert vernachlässigt und etwas niedriger. Am Farbenmarkt machte sich Realifationsneigung bemerkbar, und 2.-G.» Farben eröffneten zum ersten Kurs 1,40 Prozent niedriger. Montanwerte standen im Hintergründe und lagen meist etwas nachgebend. Mannesmann büßten 1,5 Proz. ein. Rheinische 'Braunkohlen waren gut behau t t. Kup erwerte waren trotz der weiteren Steigerung der Kupfer- Preise angeboten und etwas schwacher. Rur für Gelsenkirchen, die etwas höher lagen, machte sich einige Rachfrage geltend. Bankaktien uneinheitlich. Rcichsbank 1 Prozent niedriger. Commerzbank und Danatbank konnten dagegen ihre Aufwärtsbcwegung, aber in sehr bescheidenem Maße, weiter fortsehen. Zellstoffwerte bis 0,5 Prozent anziehend. Autowerte ebenfalls etwas höher. Am Rentenmarkt hielt die Rachfrage in Deutschen Anleihen an. AuchSchu^gebi tsanleihen waren lebhafter begehrt und zögen bis 0,12 Proz. an. Im Verlaufe wurde das Geschäft sehr still, und die vorübergehenden Gewinne wurden wieder eingebüht, auch wurde das Anfangsniveau teilweise bei den Werten, in denen Abgaben vorgenommen wurden, unterschritten. Siemens gaben 1,75 Prozent, AEG. und I.-G.-Farben bis 0,75 Prozent nach. Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld eine Kleinigkeit höher. Am Devisenmarkt war Spanien mit 31,70 weiter etwas höher. Sonst nannte man Mark gegen Dollar 4,2153, gegen Pfund 20 4525, London-Kabel 4^52 250, gegen Paris 124,2550, gegen Madrid 92,65, gegen Holland 12,1163. Berliner Börse Berlin. 15. März. 3m Gegensatz zum heutigen Dormittageverkehr, in dem man höhere und verhältnismäßig viel Kurse nannte, eröffnete die heutige Börse in nicht ganz so fester Verfassung. Die Kretz te im Hilferdingschen Etat und die augenblickliche Durchberatung desselben ließen die Hoffnung aufkommen, daß weitere größere Steuern nicht von der Wirtschaft verlangt werden würden. Die Nichterhöhung der Londoner und Neuyorker Diskontrate beruhigte, und man glaubt mit leichten internationalen Geldverhältnissen rechnen zu dürfen, zu- mal ein Ausspruch des amerikanischen Schatzsekretärs Mellon vorlag, nach dem dieser innerhalb dieses Jahres wesentlich niedrigere Geldsätze erwartet. Ferner erregte eine Erhöhung der Eisenquote im Rohstahlkartell, eine Erhöhung der Kupferpreise von 20 50 auf 20,75 Cent und feste Auslandbörsen an. An der Börse machte sich aber das Fehlen neuer Kauforders fühlbar, und nur für Spezialwerte bestand wieder Auslandinteresie. Es kam sogar an den meisten Märkten vermehrte Ware heraus/ die nur zu niedrigeren Kursen Aufnahme fand. Dabei gingen die anfänglichen Gewinne wieder verloren, und die Beränderungen gegen gestern abend waren im allgemeinen nur noch gering. Relativ fest eröffneten Schubert & Salzer, Hattethal Draht, Bemberg, Svenska, Essener Steinkohle (im Zusamenhana mit der unveränderten 8prozentigen Dlvidentzeerklärung) und die meisten Elektropapiere. Deutsche Anlehen ruhig. Neubesitzanleihe weiter rege gesucht. Ausländer geschäftslos. Pfandbriefe meist leicht nachgebend Der Geldmarkt war etwas ancefpannt. Tagesgeld 6 75 bis 8,75 v H., Monatsgeld 7,5 bis 8 5 v. H., Warenwechsel 6 50 v. H. und darüber. Auch nach den ersten Kursen überwog die Abgabeneigung, und die Abschwächung setzte sich an den meisten Märkten fort. Lebhafter gesucht waren nur Polyphon, AEG., und Svenska. Die Märkte lagen sehr ruhig. Abschlüsse kamen nur bei bis zu 1 v. S). unter Anfang liegenden Kursen zustande. Siemens hatten etwa 2v. H. verloren. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a.. M., 15. März. Auch zum Wochensch.uh war die Haltung am Produkten- marit ruhig. Das Angebot von Inlandware blieb immer noch gering. Anregungen lagen nicht vor, so daß Umsätze kaum zustande kamen. Einiges Interesse bestand für Roggen, der in Rachwir- fung des abgcfchwäch.en Preises der vergangenen Woche wieder etwas anziehen konnte. Es wurden notiert: Weizen 24 bis 24,50 M.., Roggen 23,50 bis 23,60, Sommergerste (für Brauzwecke) 24 bis 24,25, Hafer (inl.) 24,50 bis 24,75, Mais (gelb) 21,50, Roggcnmeß' 33,50 bis 34,50, Weizen- fleie 14,25 bis 14,35, Roggenkleie 15,50 Mk. — Tendenz: ruhig. Daten für Samktag, 16. Marz. Sonnenaufgang 6 13 Uhr, Sonnenuntergang 18 05 Uhr. — Mondaufgang 8.23 Uhr, Monduntergang 0 Uhr. 1912: Eröffnung der Eisenbahn Windhuk—Keet- mannshoop: — 1925: der Mediziner August von Wassermann in Berlin gestorben. Erweitertes Schöffengericht Gießen. * Gießen, 13. März. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde gegen einen 21jährigen Landwirtssohn verhandelt, der sich an mehreren zum Teil noch nicht shulpf sichtigen Mädchen vergangen hatte. Rach einem eingeholten Gutachten des Kreisgesundheitsamtes ist der Angeklagte ein geistig minderwertiger Mensch. Mit Rücksicht hierauf und auf fein Geständnis wurden ihm mildernde Hmftänbe zugebilligt und er zu einer Gesamtstrafe von neun Monat Gefängnis verurteilt. Rach Art eines Hochstaplers logierte sich ein wegen Betrugs schon wiederholt vorbestrafter verheirateter Mann in einem Gasthof ein. Er legte sich einen hochklingenden Ramen bei, gab an, daß er sich mit Dodenuntersuchungen befasse, daß er mit seinem Auto eine Panne erlitten habe und bis zur Beseitigung des Schadens im Gasthaus verweilen wolle. In Wirklichkeit war er ohne jegliche Barmittel und Beschäftigung. Rach einigen Tagen verschwand er denn auch heimlich unter Hinterlassung seiner Schulden. Unter Zubilligung mildernder Umstände wurde er wegen Betrugs zu drei Monat Gefängnis verurteilt. Schach-Ecke. Bearbeitet von W Orbach AUe für die Redaktion bestimmten Mitteilungen. Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des ..Gießener Anzeigers" Problem Nr. 204 Do» K. Erlia, Wien. 2 8 i 8 7 t 3 4 l 1 Schwarz, d e d e Weiß. a b o h U h a b Weiß zieht und seht in drei Zügen matt. Weih: 6 Steine. Kb8; Lc8, g7; Sa6, c7; Bh6. Schwarz: 8 Steine. Kd8; Df3; Lai, g2; Bb6, d5, i6 gb Vorstehende Aufgabe wurde im 8. Problem- tumier des „Skakbladet" 1927 mit dem 4. Preise ausgezeichneL Partie Nr. 132. Die folgende kombinationsreiche Partie wurde kürzlich als dritte Partie des Wettkampfes Spielmann — Haulinger in Wien gespielt. Abgelehntes Damengambit. Weiß: Haulinger. Schwarz: Spielmann. 1. d2-d4 1. d7-d5 2. gl -13 2. Sg8-f6 3. c2 —c4 S 3. c7-c6 4 <-2-(3 4. e7-e6 5 Sbl - c3 5. Sf6-e4 Hat den Vorteil, sich nicht allmählich einschnü Spielweise 6. Sxe4, dxe4 usw. jedoch an, 13. ., e5. 14. b7-b6 Verschafft dem Rachziehenden ein chancenreiches 19. f5xe4 20. Ta8-e8 Spiel. 19. Ld3xe4 20 l)c2xe4 21. Lei -e3 14 Le2-d3 15. Ddl -e2 Logisch war 15 . 16 Ld2-el 17. De2 —c2 18. Tal -cl ren zu lassen. ö. Lfi-e2 Gut ist hier die 6. Sb8-d7 7. Lf8-d6 8. d5Xe4 9. f7-f5 10 e4>43 11. 0-0 12. a7-a5 13. Sd7-f6 vorzuziehen war 15. Dc2, um Se4 zu verhindern. 15. Sf6-e4 16. Dd8-c7 17 Lc8-a6 18. c6-c5 7. 862, f5 8.f3 6...... 7. 0-0 8. Sc3xe4 9. Sf3-d2 10 f2-f3 11. Sd'.xf3 12 a2-a< 13 Lei -d2 Strebt Se4 Vorerst war hier dxc angebracht, da der b°Bauer wegen Lg3 zurückschlagen mußte, woraus Weih durch Lc3 ein günstiges Spiel erlangt. 21 . .. 21 Lao>-c4! Spielmann fürchtet sich nicht vor Kombinationen. 22 d4 - c5 22. Dc7xc5 Richt etwa 22.....Lxfl? wegen 23. cxd, Dc4 24. De5! und gewonnen. 23 Lc3xg7? Weiß übersieht leider den folgenden verhängnisvollen Zug, der ihm die Qualität kostet. Gut war 23. Le5. b5! 24. Lxd6, Dxd6 25. Tdl mi. gutem Spiele. 23. ... . 23 TfS-^4! Dieser feine Zug mag dem Führer der weiße: Steine sicher überraschend gekommen sein. Da Spiel ist nun nach dem Qualitätsverlust nur noch eine Sache der Technik. Führt zur Eroberung des b-Bauern. 37. a4x.)5* 37. KcO>b5 38. Kd3-c3 38. H2-e2! 24 Tclxc4 24. Tf4Xc4 25. Tc4*c5 25. Ld6xc5 26. Lg7-d4 26 Lc5xd4 27. e3xd4 27. Te4-e2 28. Tfl-f2 28. Te2>rf2 29. Kglxf2 29. Tc8-c8 30. Sf3-el 30. Ke8-f7 31 Kf2-e3 31. Kf7-e7 32. Ke3-d3 32. Ke7-d6 33 Sei —c2 33. Tc8-f8 34. Sc2-e3 34 Tf8 —12 35. a3-a4 35 Kd6-c6 36. b2-b3 36. bh-b5 Aufgegeben, denn nach 39. Kd3 entscheidet 39. .... Txe3 + 40. Kxe3, Kb4 in wenigen Zügen. Lösung des Problems Ar. 20L Don 3. Derkovec. LDa3-d6! (droht 2 Df4+ usw.), SB! 2. Dx<6+! usw. 1......g5! 2. LF54-! usw. Sehr interessant ist, wie in der ersten Variante der angegriffene a-Turm die ganze 5. Reihe be herrscht, der Läufer e6 gefesselt, sowie f3 dur< den eigenen Springer blockiert wurde. Lösung deS SadsplelS Ar. SS. Don ®. R. Eomoff. 1. a6-a7, Lh2-gl 2. a7-a8D, Sd7-b6+ 3. Ka4 - b4!, SböxaS 4.f6-f7, Sa8-c7! 5. f7- f8D, Lgl -c54-! 6 Kb4xc4 (Falls 6. Dxc5 .. .., Sa6+, wenn 6. Kxc5, Se6+ usw.) 6....., LcbxkS Patt. Oie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redattionstisch. Nühct die Stundet Zannings geht spazieren. Plötzlich kommt ihm einer aufgeregt nachgelaufen. «Herr, Sie sind soeben gefilmt worden!!" Sagt Emil gleichmütig: „lleberroeifen Sie ein Honorar von 150 Dollar auf mein Konto." (Lust. BL) Der witzige Reger. Als Reger einst ein ziemlich verschwiegenes Bad im Schwa-zwald aufsuchte, lieh er sich vom Portier die Fremdenliste reichen, um sich einzutragen. Da sah er plötzlich auf der vorhergehenden Zeile etwas, was ihn stutzig machte. Er nahm das Buch zur Hand und las: „Erika MüUer, Komponistin, aus Mannheim!" Kurzentschlossen nahm er den Federhalter zur Hand und trug sich selbst ein: „Reger, Klavierlehrer, aus Wien!" H. I.-M. Sinaesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ein Avtschrei der Bewohner bom Wartweg. Das Bestreben und Verdienst der Stadt Gietzrn in Punkto „Sauberkeit" der Straßen soll durchaus nicht verkannt werden, zumal dies ja mit den modernsten Hilfsmitteln geschieht, so daß das geflügelte Wort von Gießener ..Schlammbeißer" gewiß nicht mehr berechtigt ist. Dieser Segnungen können sich allerdings die Bewohner des Wartweges, besonders im oberen Teile, nicht erfreuen. Im Gegenteil, man überläßt diese einfach ihrem SchicksaL Wenn auch eine Chaussierung dieses neuen Viertels, daS sogar alS Villenviertel gedacht ist, zur Zeit und mit einem Male nicht möglich ist, so ist es doch mindestens Pflicht und Schuldigkeit der Stadt, einen 1 m breiten Kohlenschlackenpfad anzulegen, damit die Bewohner des Wartwegs, meist Beamte, die mit dem Publikum zu tun haben, nicht auSsehen, alS kämen sie aus den Schützengräben, besonders wenn es sich auch noch um Schwerkriegsbeschädigte mit Deinamputation handelt, für die ein W« von und zur Stadt in dem Morast tatsächlich eine Qual ist. Mehrere Bewohner des Wartwege». Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren ange ühr en Ziffern aeben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 Prozent. Lombardzinsfuß 7,5 Prozent. •rranfluri 0 M Berlin öranHuri n M Ber.tn Arantfun a. IW. Berlin Berlin, 14- März Gels rnct Hraujöiische Not»« .... voUänviskve Noren...... Jt llenische Noten...... 9>oNveajsche Noten...... Denisch-Ocsterr, i 100 Kronen Rumänische Noten...... Lchwedische Noten...... Schwelger Noten....... Svanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten ... Devisenmarkt Berlin Telegraphische 16,48 168,26 22,12 112,08 59,03 2,485 112.23 81,03 63,41 12,435 73,19 -Frankkur AuSzahli 16,54 - 161,94 22,20 'M 2.505 112.67 81.35 63.89 12,495 73,49 t a. M. ing. Schub flute 1 Um Sure Pure Slnlüiifl flute Sdilufr I Ubr Sitte flure Gdiiufr flute Bn,aag fture Sdilufe, Pure i-Unr flute Lchiutz- flute Slnsang flut» Daium ‘4.3. 15 3. '4 3. • 5 3 Tamm 14.3. 15.3. 14-3. 15-3. Datum 14.3. 15.3. 14.3. 15 3. 5% t>l. R ld)6anleibc > 1V2. D«. Änt. Ablüs.-LLuld mit Äu» lo|.'8tcd)ien lex'fll. ohne 2lueloi.*tRe88,75 >23,5 •4 .2. 140 220 196,5 277 171,5 163.5 >63,75 130,5 303,25 54 12,5 127,5 169 12t 140,25 221 191 277,5 171,2s 163 168,75 307,5 2LU.it>. ... t Bergmann $ ülettr. Lieferungen .... K Vidit unö ftrafi .....10 ■veilen & Guilleaume. .... 6 Ges. f. (ilettr. Unient..... 10 Vamb. Ijleltr. Werte .... io Olbein. CSlettr......- 0 2d)le|. (SIeÜt. .....io Siemen« 4 Halske ..... 12 Transradio ...... 8 Bude tu» ....... b Teutidie Erdöl.......6 Essener Steinkohle......k Gelsenkirchener ... L Vt I 4 Vütucncr ...... 6 Hoesch Eilen. ...... - 8 3Ue Bergbau ........8 <1 öln-'Ueuciien........9 Man 11 e« mann ....... 8 4)ian6felbcr " fbcriditei. Eisenb. gebart ... 6 Cberidilei. Motäiuerie • f Lbönir Bergbau 5'. 'ibeinfldie Braunkobten 1 Kheinüahl 1. Jahr 4' iiebed Montan . 7, bereinigte Siablw. ... Ciaol Minen . . . . 1’ ilali 2( dierelcben .... l flah Westeregeln .... 1' Kaliwerk £al .......... Heidelberger Zement .... 10 Cemeni KarlkiatH ...... 8 Wayh Ä Freitag......10 Lchultheit Batzenhofer ... 1t Crroetle...... 1$ tier. Wonjftoff......1t Bemberg...... 14 Zellstoss «aldbos.....1t Zellllosj Aschaffenburg ... 12 (Sbudottenburget Wasser ..." Telitmet ®a6..... 8 Laimlet Ttototen ...... 0 Demag ....... 0 ifblenoertt fileeer......S Ludw.Soeme . ...... 10 Crenftebt A floppd . .... 6 Leonbatd Tietz . ...... 6 Bamag Meguin . ...... 0 .vtanks. Maschine»......8 ltzritzner ...... 11 VcnitflenftaeM ....... 0 Vediroerfe..........8 Mainktaflwetke ....... 8 Miag. K Jlefnrfulmer ....... 6 t'eier« Union ....... 8 Gebt. Roeaet ......to Boigl » daeffn«......8 Lüdd. ftudet 8 Dan 124,5 138 173 126 259,13 184,5 56 57 64,25 93,5 *72,5 114 119 141 25 102,5 116,5 213 145.75 noten M 138 127 259,59 185 56,5 — 142 iK 125,25 279 233 430 362 258 183 117 214,5 56 50,5 55,25 212,5 33 87,5 268,65 65 95 71,5 141 24,i 103 213 146 124 124 281 235,5 432 369 259 119 215,75 56.5 52 57,75 213,9 33 86,5 268,5 142,5 14- M.rz 15. MSri Amtliche Notierung (Selb 1 Brte- Lumiche Notierung (Selb 1 Brief »mit.-Non- Bu-n.-Aire» Brff.'Antw. Gtjriftiania. .flopenbaQ.'n Stockholm • HelüngtorS- Italien. . London - . . Neoqork . . P. ris. - . Schweiz . - Soa im - ^avan . . - h(o W!e" in D - Ccfi. abgett Prag . .. ?3 16 1M >,77? SS fc bi" Ä II ■’ II!;« 1°.6' !°’p 22.0: U>; 16|. Sb'* 64,6- o'sor ,77 s s 879 SU !Z ,49' 1.51 W 13 Ä :ä !>.<- 11-7? 2,07' ’S ,'Z 20,JJ» ts Ä !! l Ä »2,12 112,* 59,03 2,485 112-23 iiF (3,41 >2 einz. oder d. Dek. ca. SO Stück DIUiBq etw.trübgeword. Stücke in Tüll und Etamine, mit gfl A AA wunderb.Handfil-Mot.u.-Füß.,l weit unter sonstig. Preis, 15.00, lUiUU Rouleau-Köper in allen Farben und Breiten Samt!. Gardinen-Zubehör sehr preiswert c"VoswcV Madras-Garnituren dreiteil., in hell- n. dunkelgrundig, B" A einzelne oder dopp. Garnituren, H All per Garnitur............10.00, | sw V Ripse. 130 cm breit A AI" einfarbig und in aparten Streifen 4 B19 per Meter........... 5.50, 4.50, UlfaU Kunstseid. Fiammenripse P TFE doppeltbr., einfarb. u. gemusL, f. 19 ■ 89 elegante Dekorat.,p. m 9.50,7.50, tfi | U K'seid. 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