Nr. M Erstes Blatt 179. Jahrgang Dienstag. 14. Mai (929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblälter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzel^erNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnttk und Verlag: Brühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. 5chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe r. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mnt Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Oie sächsischen Wahlen. Die Wahlen zum sächsischen Landtag sind diesmal allgemein mit einem Interesse erwartet worden, das noch über das normale bei einer derartig wichtige!) Teilwahl in einem symptomatischen Gebiet des Reiches hinausgeht. Als Beweis dasür kann die Verschiebung des sozialdemokratischen Parteitags dienen, die ziemlich offenkundig im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Votum Sachsens erfolgt ist. 3n Deutschland sind ja die Wahlen der Länder Ersah für jenes Stimmungsbarometer, das in anderen Ländern die R a ch w a h l e n für frei werdende Parlamentssitze bedeuten. And diesmal hat es sich lun eine besonders wichtige Feststellung gehandelt; -denn die vorangcgangenen Mai-Anruhen, die intensive kommunistische Propaganda ließ gerade in dem stark industriellen Sachsen die Möglichkeit zu, Auswirkungen dieser Vorgänge zu erkennen. Sieht man sich daraufhin die Wahlziffern an, so erkennt man schon auf den ersten Blick, daß diese Propaganda total verpufft ist. Bei einer allgemeinen Steigerung der Beteiligungsziffer (2,7 gegen 2,36 Millionen bei der vorigen Landtagswahl) um 15 Prozent, vermochten die Kommunisten so gut wie keine Zunahme ihrer Stimmen zu erreichen, nämlich nur knapp 1 Prozent; demgemäß ging die Zahl ihrer Mandate von 14 auf 12 zurück. Genau ebensoviel haben die Sozialdemokraten gewonnen, nämlich 33 statt bisher 31 Abgeordnete, mit einer Stimmenzahl von 922 000 gegen 758 000 bei der vorigen Wahl. Relativ trägt aber den Hauptgewinn die D e u t- sche Volkspartei davon, die ihre Anhänger von 292 000 auf 363 000 zu steigern vermochte und damit an die zweite Stelle der sächsischen Parteien rückt. Auch in der Mandatszahl, 13 gegen bisher 12, kommt das zum Ausdruck. Einen relativ noch stärkeren Gewinn tragen die R a - tionalsozialisten davon, die von 48000 auf 134 000 Stimmen, von 2 auf 5 Mandate an« steigen. Damit erklärt sich vielleicht der Rückgang der Deutschnationalen. Sie bringen es mit 218 000 gegen 341 000 bei der vorigen Wahl auf 8 gegen bisher 14 Mandate. Auch wenn man das neue Gebilde der sächsischen Landvolk- Partei, die zum erstenmal für den Landtag kandidiert und mit 140 000 Stimmen 5 Mandate davonträgt, zu einem großen Teil in dem bisher deutschnationalen Lager suchen kann und diese neuen Abgeordneten politisch den Deutschnationalen nahestellt, bleibt noch ein Minus von symptomatischer Bedeutung. Eine relative, wenn auch bescheidenere Zunahme, erfährt die Wirtschaftspartei mit 304 000 gegen 337 000 Stimmen und 11 gegen 10 Mandaten. Die Demokraten haben 115 000 gegen 111 000 Stimmen zu verzeichnen, verlieren aber damit ein Mandat, also 4 statt 5 Abgeordneten. Auch die Dolksrechtpartei geht von 4 auf 3 Abgeordnete zurück, die A l t s o z i a l i st e n sogar von 4 auf 2, wobei sie noch Glück haben, weil ihre Stimmenzahl tatsächlich von 98 000 auf knapp 40 000 heruntergegangen ist; das Zentrum fällt mit unveränderter Stimmenzahl aus, und ebenso die k o m m u n i st i s ch e Opposition, die es nur auf 22 600 Stimmen zu bringen vermochte. Die Sozialdemokraten hatten das Gesetz über die Aenderung des sächsischen Wahlrechts selbst mit beschlossen, haben aber im Vertrauen auf die Spruchpraxis des Staats- gerichtshoses nachträglich Einspruch dagegen erhoben und auch eine Angültigk>eitserklä- r u n g der Wahlen von 1926 erreicht. Maßgebend war dabei für sie der Erfolg, den sie im vorigen 3ahr am 20. Mai bei den Reichstagswahlen erzielten. Sie glaubten jetzt bei den neuen Wahlen wesentlich besser abzuschneiden und dadurch entscheidenden Einfluß auf die Regierungsbildung erringen zu können. Ein verzweifelter Versuch also, aus der Sackgasse herauszukommen, in die sich die radikale Schattierung der sächsischen Sozialdemokratie selbst hineinmanövriert hatte. Die Sozialdemokraten sind zweifellos davon ausgegangen, daß es ihnen gelingen würde, mit Hilfe der Kommunisten mindestens eine Abwehrmehrheit zu bekommen und dadurch jede Regierungsbildung gegen sie unmöglich zu machen. Was sie dann mit der Macht anfangen wollten, darüber haben sie sich nicht allzu sehr den Kopf zerbrochen. Sie haben mit dem Gedanken einer Minderheitsregierung unter kommunistischer wohlwollender Rcutralität mindestens gespielt; parteipolitisch mag man es bedauern können, daß ihnen dieses neue Experiment Zeigner erspart geblieben ist. Staatspolitisch ist es erfreulich wegen der Erschütterungen, die dadurch nicht nur dem Lande Sachsen erspart bleiben. 3m Gesamtergebnis sind also die Wahlen zwecklos gewesen. Die Stärke der Parteien ist fast unverändert geblieben. Eine kleine Verschiebung allerdings hat sich zu A n g u n st e n der bisherigen Regierungsparteien durch den Verlust der Altsozialisten, der Demokraten und der Volksrechtpartci ergeben. And das machtpolitisch Angünstige dabei ist, daß nicht mehr wie bisher die Altsozialisten, sondern jetzt die R a t i v n a l s o z i a l i ft e n mit ihren fünf Mandaten das Zünglein an der Waage bilden. Sie können, wenn sie mit Kommunisten und Sozialisten zusammenstimmen, jede Regierungsbildung verhindern, sie können praktisch aus ihrer antiparlamentarischen Einstellung heraus wahrscheinlich die ganze Arbeit des Landtags sabotieren. Bliebe der eine Ausweg einer Großen Koalition; aber dazu wäre eine innere Hmstellung der sächsischen Sozialdemokratie erforderlich, an die kaum zu denken ist. Das Reichsanleiheprojekt vor dem Reichstag. Berlin, 13. Mai. (D. D. Z.) Durch Mehr- heitsbeschluh wird bestimmt, daß an erster Stelle der Gesetzentwurf über Maßnahmen zur Besserung der Kassenlage (500-Millio- nen-Anleihe) beraten wird. Reichsfinanzminister Dr. hllferding begründet den Entwurf. Der vorliegende Entwurf wolle einen Weg zur Aeberwindung der gegenwärtigen Schwierigkeiten der Kassenlage des Reiches weisen. Eine Anleihe im eigentlichen Sinne sei zur Zeit nicht unterzubringen. Die Banken könnten angesichts der gespannten Geldlage nicht hinreichend helfen. Rach dem Entwurf sollen Schuldverschreibungen und Schahanweisungen, die auf Grund der Kreditermächtigung ausgegeben werden, bis zum Dtz- trage von 500 Millionen Mark befreit werden von der Vermögenssteuer, der Erbschaftssteuer und der Einkommensteuer bezüglich der Zinsen und sonstigen Erträgnisse. Rach der Vorlage soll der Reichsfinanzminister weiter ermächtigt werden, die Reichsbahnvorzugsaktien bei öffentlichen Kreditanstalten unter Aebernahme der Garantie für die Zahlung einer Dividende von 7 Prozent zu veräußern. Das Reich hat ungefähr 700 Millionen Vorzugsaktien der Reichsbahn im Besitz. Rach dem Gesetzentwurf sollen die Reichsbahnvorzugsaktien mit den Reichsanleihen gleichgestellt werden. Ein Zwang zur Aebernahme wird nicht angewandt. Die notwendige schnelle Hilfe für die Reichskasse kann aber durch die Ausgabe der Vorzugsaktien nicht gebracht werden. Darum muß eine öffent liche Anleihe mit dem besonderen Anreiz der Steuerbefreiung aufgelegt werden. Die berechtigten Bedenken gegen ein solches Verfahren sind von der Regierung nur zurückgestellt worden mit Rücksicht darauf, daß es sich hier nur um eine einmalige, vorübergehende Maßnahme handeln soll. Darum tarnr sich die Regierung auch nicht dem Beschluß des Reichsrates anschließen, der auch für Schuldverschreibungen und Schahanweisungen der Länder bis zu einet Gesamthöhe von 40 Prozent der gezeichneten Reichsanleihe die gleichen Steuerbefreiungen gewähren will. Der einmalige und begrenzte Rotstand der Reichskasse gibt zur pessimistischen Beurteilung der allgemeinen Finanzlage keinen Anlaß. Wir sind auf dem Wege, mit unseren Finanzen in Ordnung zu kommen. Der vorliegende Entwurf ist der erste Schritt dazu. Weitere Schritte werden folgen. Am neue Steuern wird es sich jedoch dabei nicht handeln. Abg. Graf W e st a r p (Dn.) spricht sein Befremden darüber aus, daß die sozialdemokratische Fraktion zu dieser Vorlage sich noch nicht zum Wort gemeldet habe. Die Rede des Finanzministers habe einen niederdrückenden Eindruck gemacht. Die verzweifelte Finanzlage habe zu einem ganz verzweifelten Vorschlag geführt. Gerade im Hinblick auf die Pariser Verhandlungen sei dieser Moment der allerungünstigste zur Einbringung der Vorlage. Roch größere Bedenken als gegen die Steuerbefreiung mühten gegen die Veräußerung der Reichsbahnvorzugsaktien erhoben werden. Die Deutschnationalen mühte sich ihre Stellungnahme Vorbehalten bis nach dem Abschluß der Ausschuhberatung. Abg. Schmidt- Berlin (Soz.) erklärt, angesichts des Ernstes der Lage sollte man nicht über die Arsachen der Finanznot streiten, sondern Hand ans Werk legen. Wir Sozialdemokraten haben gegen den in der Vorlage eingeschlagenen Weg auch sehr starke Bedenken. Auch wir werden uns unsere Stellungnahme Vorbehalten (lautes Gelächter rechts), bis wir im Ausschuß gehört haben, ob bessere Vorschläge gemacht werden, wie wir die Finanzen des Reiches in Ordnung bringen können. An dieser Aufgabe kann keine verantwortungsbewußte Partei vorübergehen. Wir müssen wieder Sicherheit und Beruhigung schaffen. Es hat schon eine gewisse Flucht aus der Mark eingesetzt, wenn auch eine 3nflationsgefahr nicht besteht. Zu einer Schädigung des deutschen Kredits rechne ich die Briefe des deutschnationalen Parteiführers Hilgenberg an seine Freunde in Amerika. (Sehr wahr! links.) Angesichts der Verhältnisse in der ja nun einmal bestehenden kapitalistischen Gesellschaft ist jetzt die Anleihe nicht ohne den Anreiz der Steuerbefreiung unterzubringen. Abg. M o l l a t h (WP.) nennt es eine neue Methode der Regierungskunst, wenn die Regierungsparteien sich die Stellungnahme zu den Vorlagen der von ihnen selb st g e st eilten Minister Vorbehalten. Der Bittgang nach Canossa wäre dem Finanzminister erspart geblieben, wenn die Regierungen schon seit 3ahren die Ratschläge der Wirtschaftspartei bei der Etatsgestaltung beachtet hätten. Die jetzt geplante Steuerbefreiung führt zu großen Steuerausfällen der Länder und Gemeinden, und die werden wieder ausgeglichen durch Erhöhung der Realsteuern auf Kosten des gewerblichen Mittelstandes. Wir haben gegen die Vorlage die schwersten Bedenken. Abg. Dr. Goebbels (Rat.-Soz.) meint, seine Freunde hätten schon seit 3ahren die große Pleite vorausgesagt, die jetzt nicht mehr verschleiert werden könne. Die von angeblichen Sozialisten geführte Regierung begebe sich vollständig in die Abhängigkeit von 3akob Goldschmidt und dem Börsenkapital. Wenn der Finanzminister sich gegen eine pessimistische Beurteilung der Finanzlage wendet, so mutz man fragen: Was ist dann ncxh pessimistifch zu beurteilen? (Rufe links: ,3hre Rede!" — Heiterkeit links.) Mit so albernen Witzen läßt sich der Ernst der Lage nicht verschleiern. Der Bankrott der Regierung ist da. Wir appellieren an das Volk. Abg. v. S h b e l (Chr.-Ratl. Bp.) erklärt, seine Freuick>e würden der Regierung keine Mittel bewilligen, bis eine grundlegende Finanzreform durchgeführt sei. Da^u gehöre vor allem Sparsamkeit, auch in der Form einer Herabsetzung der Reichstagsdiäten und eine radikale Reform der Arbeitslosenversicherung. Der vorliegende Entwurf sei unannehmbar. Er werde auch zu einer Zinserhöhung für den Privatkredit führen. — Damit schließt die Aussprache. Die Vorlage wird dem Haushaltsausschuß überwiesen. Die zweite Beratung des Haushalts für Ernährung und Landwirtschaft wird fortgesetzt. Abg. H a m k e n s (D. Vp.) führt aus, mit Steuererleichterungen allein sei der Landwirtschaft nicht zu helfen. Ohne eine Preiserhöhung für die landwirtschaftlichen Produkte werde es nicht gehen. Diese Belastung sei für den einzelnen Konsumenten verschwindend gering im Verhältnis zu dem daraus entstehenden Ruhen für die Landwirtschaft und die Gesamtwirtschaft. Zölle seien Straßburg, 13. Blai. (Tll.) Die gestrigen Stichwahlen in den elsässischen Städten haben in Straßburg, Kalmar, Schlettstadt und Hagenau den vereinigten Heimatgruppen trotz erbitterter Gegenwehr der französischen Rationalisten und der Sozialisten einen oollständi- g e n Sieg gebracht. 3n Kalmar vermochten die verbündeten Auto- nomisken und Kommunisten unter Führung des heimatrechllers R o s s 6 sämtliche 30 Sitze des Ge- mcinderates zu besehen, der in den letzten vier Jahren von den Gegnern der Autonomie beherrscht war. Die vereinigte Liste des bisherigen radikalen Bürgermeisters Senget und seines sozialistischen Beigeordneten Richard ist mit durchschnittlich 700 Stimmen hinter der Heimatliste zurückgeblieben. In Straßburg bestand der Gemeinderat gleichfalls aus Feinden der Heimatbewegung. Sie hatten gestern nur noch ein knappes Drittel der Ratssihe besehen können. Die Sozialisten haben von ihren 24 Mandaten nur 7 retten können. Line eben so autonomistenseindliche demokratisch-katholische Liste konnte 6 Sitze erlangen. Sämtliche übrigen Sitze eroberten die als „Elsässische Volksfront" zusammengeschlossenen Heimatparteien, deren namhafteste Führer gewählt sind, u. a. der katholische Autonomist Walther, der Liberale D a h l e t, die Landesparteiler h a u ß und Schatt und der Kommunist h u e b e r. Besonders sensationell wird in Frankreich aber d i e Wahl des Autonomisten Dr. Roß wirken, der unter der Anklage des „Komplotts gegen die Sicherheit des französischen Staates" steht und seit November in Untersuchungshaft sitzt. Als Symbol ihres Sieges und als politische Demonstration für die Heimatforderungen werden ihn die Autonomisten und Kommunisten zum Bürgermeister von Straßburg proklamieren. Die französische Presse hatte für den Fall eines Sieges der Autonomisten und Kommunisten m i l wirtschaftlicher Schädigung derStadt gedroht. Ein Aufsatz des „Temps" halte sogar besondere Vorsichtsmaßnahmen der Regierung für nötig erklärt, für den Fall, daß die von ihm als „Separatisten" und „Feinde Frankreichs" bezeichneten Parteien die Grenzstadt Straßburg in die Hand bekommen sollten. Neue politische Komplikationen wird die Kalmarer Wahl nach sich ziehen, da der zum Bürgermeister bestimmte Autonomist R o s s s bekanntlich die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verloren hat. Der Kamps um die bisher stets verweigerte Amnestie wird nun neu aufleben. Für die französische Oefsentlichkeit wird es nur ein schwacher Trost sein, daß in Mülhausen der nationalistische Bürgermeister W i ck y mit seiner sozialistischen Liste in der Stichwahl nochmals siegreich war. Die übrigen Mandate fielen an Radikalsozialisten, Nationalkatholiken und Demokraten. Mülhausen ist der einzige größere Ort im Lande, wo die von Poincare geförderte Oberkirch-Partei einige Sitze erlangen konnte. Sie unterlag aber vollständig in Schlet 1 stad 1, wo die verbündeten Heimatgruppen ebenso restlos sieg- ten wie in Hagenau. Enttäuschung in Paris. Paris, 13. Mai. (TU.) Die Pariser Preste spie- gett deutlich die Enttäuschung wider, die der Wahl- ausfall im Elsaß in Frankreich ausgelöst hat. Diesem Gefühl der Bitterkeit über den Erfolg der Hei- fein Allheilmittel. Redner begründet einen von den übrigen bürgerlichen Regierungsparteien unterstützten Antrag, die Einfuhr vo n dänischem Rindvieh und Rindfleisch in den Monaten August, September, Oktober und Rovember einzustellen. Abg. Freybe (Wirtsch.-P.) betont, der gewerbliche Mittelstand sei mit der Landwirtschaft auf Gedeih und Verderb verbunden. Der Mittelstand wolle der Landwirtschaft helfen und alle politischen Maßnahmen unterstützen, die zur Gesundung der Landwirtschaft führen können. Aber mit der Subventionierung müsse endlich Schluß gemacht werden. Der Redner verlangt eine gründliche Reform derPreisstatist i k, damit nicht auf Grund falscher Zahlen der Zwischenhandel der übermäßigen Verteuerung der Produkte beschuldigt wird. Wenn der Landbund ein Zusammenwirken der landwirtschaftlichen mit den Verbrauchergenossenschaften propagiert, so geht er einen bedenklichen Weg. Der Mittelstand in Stadt und Land gehört zusammen. Weiterberatung Dienstag: Auf der Tagesordnung steht weiter die zweite Beratung des Entwurfs zur Verbesserung der Kassenlage des I Reiches. matbemegung, besonders in Straßburg und Kol- mar, gibt auch der „Temps" beredten Ausdruck, der bei der Untersuchung der Schuldfrage den nationalen elsässischen Katholiken der Gruppe Oberkirch zum Vorwurf macht, sie hätten ihre Pflicht nicht erfüllt. Das Blatt tadelt weiter das Schweigen des Bischofs von Straßburg und u-hrft den christlichen Demokraten vor, daß sie nicht mit den Sozialisten und den Radikalsozialisten zu- fammengegangen seien. Nach Meinung des Blattes hatten die Klerikalen für Moskau und Berlin (!) gearbeitet, die Augen auf das deutsche Zentrum gerichtet und der 3. Internationale die Wege gebahnt. Die Wut des „Journal des Debüts" richtet sich insbesondere gegen Pfarrer haegy, der gegen den Bischof von Straßburg und gegen die Weisungen des Vatikans die klerikal-kommunistische Koalition vorbereitet habe. Recht lehrreich ist ein Aufsatz der „Sibert e" aus der Feder des namhaften Schriftstellers Gillouins, der/schon früher zahlreiche Aufsätze über die Lage des Elsaß veröffentlicht hat. Demzufolge seien trotz der Versicherungen der halbamtlichen Presse über den Rückgang der Heimatbewegung die Siege der Autonomisten in Straßburg und Kalmar vorherzu- sehen gewesen. Das Ergebnis werde feine Rückwirkungen auf die öffentliche Meinung Europas und auf die Freunde Frankreichs haben. Uebrall höre man diese sagen, Frankreich habe sie getäuscht oder es habe sich über ein französisches Elsaß seldst getäuscht. Das Elsaß sei also ein deutsches Land gewesen. Wenn Frankreich in seiner bisherigen Politik gegenüber dem Elsaß weiter verharre, werde es das Elsaß verlieren. Herriot verzichtet auf den Bürgermeisterposten von Lyon. Paris, 14. Mai. (WTB. Funkspruch.) Eduard Herriot, der Führer der Radikalsozialisten und ehemalige Ministerpräsident, hat gestern der Presse in Lyon erklärt, daß er auf den Posten des Bürgermeisters, den er 24 Jahre innegehabt habe, verzichte. Er habe vor den Wahlen mitgeteilt, daß er, wenn die sozialistische Fraktion stärker in das Stadtparlament einzichen werde, das Amt des Bürgermeisters nicht mehr annehmen würde. Das italienische Konkordat. Mussolini spricht über die Lateranvcrträge in der Kammer. Rom, 13. Mai. (SH.) Die Kammer hatte am Montag ihren großen Tag, da die Aussprache über die Lateranverträge durch eine mehrstündige Rede Mussolinis abgeschlossen wurde. 3n den Diplomatenlogen wohnten der Sitzung zahlreiche Vertreter der ausländischen Vertretungen bei. Vom Königlichen Haus war die Herzogin von Aosta anwesend. Mussolini erklärte, der italienische Staat sowie der Vatikan seien zwei völlig getrennte gegenseitig anerkannte souveräne Gebiete. 3m italienischen Staat sei die Kirche weder souverän noch frei, sondern den Gesehen des Staates und den Bestimmungen des Konkordates unterworfen. 3n 3talien gebe es also einen souveränen Staat und die katholische Kirche, die gewisie, loyal und freiwillig zuerkannte Vorrechte genieße. Außerdem feien die übrigen Kulte frei zugelassen. Bezeichnend für die Einstellung Mussolinis war folgende Bemerkung: 3talien habe das alleinige Vorrecht, die einzige europäische Ration zu sein, die den Sih einer universalen Religion bilde. Diese Religion sei in Palästina geboren, aber erst in Rom katholisch geworden. Wenn sie in Palästina geblieben wäre, wäre sie wahrscheinlich eine der vielen Sekten geworden Eine weitere Feststellung beleuchtet MuflokimS Der Greg der Heimatsroni bei den elsässischen Gemeindewahlen. Wird der Autonomist Or.Roos Bürgermeister von Straßburg? nalbaukosten muß erstrebt werden, Latz der Wohnungsbau nur mit einem Mindest- m a tz dieser Kosten belastet wird. Kosten dürfen nur für sogenannte Wohnstraßen in Anspruch genommen werden. Die Kommunen müssen zu einer Bodenpolitik übergehen, die ermöglicht, geeignetes Baugelände zur Beifügung stellen zu können. Die jetzigen Mieten können nicht aufrecht erhalten werden, da der Unterschied zwischen Berzinsung des Daukapitals und eingehender Miete derart groß ist, daß ein weiteres Bauen hierdurch in Frage gestellt wird. Er vertritt den Standpunkt, daß für bessere Reu - wohnungen erhöhte Mieten von den in Betracht kommenden Mietern auch getragen werden können. Hiermit wird auch ein allmählicher Liebergang zur Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft erreicht werden. Aus aller Welt. Vor der Amerikafahrt des „Graf Zeppelin". Soweit bis jetzt feststeht, werden sich an der Amerikafahrt des „Graf Zeppelin", die a m Mittwoch beginnen soll, 59 Personen beteiligen. Der 60. „Passagier" wird ein Gorillaweibchen sein, das von einer hanI Schwagers am Sonntagabend eine Ruderpartie auf dem Bodensee. Auf der Rückfahrt brachte der, wie es heißt, angetrunkene Mann durch Aufstehen das Boot unweit des Ufers zum Kentern. Die Hilfe vom Lande her kam zu spät. Alle drei Personen ertranken. keine deutsche Beteiligung an den Weltausstellungen in Lüttich und Antwerpen. Wie die „Nachtausgabe" meldet, hat die deutsche Regierung eine offizielle Teilnahme des Reiches a n den belgischen Weitaus st ellungen in Antwerpen und Lüttich endgültig abgelehnt. Die Ausstellungen finden im Jahre 1930 statt. Als Grund soll das Reich seine augenblickliche Finanzlage geltend machen. Gescheiterte Lohnverhandlungen im oberschlesischen Bergbau. In Gleiwitz finden zwischen dem Arbeitgeberverband der oberschlesischen Montanindustrie und den Vergarbeiterverbänden die ersten Verhandlungen über die neuen Lohnforderungen im Steinkohlen- und Erzbergbau statt. Außer einer Vereinheitlicyung der Löhne über Tag, die eine Lohnerhöhung bedeuten, wird eine gleichmäßige Lohnerhöhung für alle Arbeiterkategorien gefordert. Der Arbeitgeberverband lehnte mit Von heute an erscheint als Sommerausgabe der Tafchen-Lahrvlasr »es GieSerrss AmeiserS mit sämtlichen Eisenbahnverbindungen Oberheffens und der benachbarten preußischen Bezirke, sowie mit dem zuständigen post- und privat-Krastwagenverkehr aiis SoNterrlose Gondersabe noverschen Tierhandlung an den Zoologischen Garten in Chikago verkauft wurde und auf dem Luftwege nach seiner neuen Wirkungsstätte reist. Da das Luftschiff auf dem kürze st en nördlichen Wege über Irland —Neufundland mit zahlreichen Tiefs, Gegenwind, Regen und Rebel zu rechnen hätte, so wird es wahrscheinlich weder diesen Weg noch den Kurs der Dampferstraßen, sondern einen der längeren Wege im Süden wählen. Es wurde wiederum ein blinder Passagier entdeckt, der sich mit Hilfe einer gewöhnlichen Eintrittskarte in die Luftschiffhalle begeben hatte, sich dann in der Halle einschließen neß und sich in einem der Mannschaftsräume im Laufgange versteckt hatte. Es handelt sich um einen 18jähri- gen arbeitslosen Malergehilfen aus Kempten. Drei Personen im Bodensee ertrunken. Ein 40 Jahre alter Hilfsarbeiter von Rohrschach unternahm mit zwei Kindern seines Rücksicht auf die Wirtschaftslage des Bergbaus die Forderungen, die insgesamt für den Steinkohlenbergbau eine Mehrbelastung von etwa 14 Prozent bedeuten würden, ab und stellte entsprechende Gegenforderungen. Für den Erzbergbau wurde Gleichstellung der Löhne mit denen des Steinkohlenbergbaus verlangt. Es würde dies eine Erhöhung um mehr als 30 v.H. bedeuten. Die Gewerkschaften beabsichtigen, den Schlichter anzurufen. Die Erdbebenkatastrophe in Persien. Das Erdbeben in Persien dauert an. Rach den bisherigen Meldungen haben mindestens 300 Menschen das Leben eingebüßt. Lieber 50 Dörfer sind völlig und eine Weib größere Anzahl teilweise zerstört worden. Das russische Rote Kreuz hat in Flugzeugen Krankenschwestern, Aerzte, Medikamente und andere Hilfsmittel gesandt, Lebensmittel aus Turkestan treffen jetzt in Automobilen ein. Einstellung zu der Frage, wie weit ein umfangreiches souveränes Gebiet Boraussetzung sei, damit der Papst seine Mission erfüllen könne. Mussolini erklärte, daß die Geschichte der Kirche in den ersten Jahrhunderten keine Spur von Weltherrschaft aufweise. Erft durch die Berhandlun- gen zwischen Karl dem Großen und Papst Leo sei die Weither rschaft begründet worden, die dann zehn Jahrhunderte gedauert habe. Linier allgemeinem Beifall stellte Mussolini fest, daß durch die Lateranverträge kein Stück italienisches Gebietes an den Vatikan abgetreten worden sei. Rirgends habe also die italienische Flagge eingezogen werden müssen, wo sie einmal geweht habe. Der Vatikan besitze heute das, was er früher bereits besessen habe. Die Rede Mussolinis hat größtes Aufsehen erregt und wird lebhaft besprochen. In den Kreisen der katholischen Aktion und im Vatikan ist man peinlich überrascht von der entschiedenen Betonung der allgemeinen Gewalt des Staates auch gegenüber der Kirche, vor allem aber auch durch die Bemerkung, daß die katholische Religion erst in Rom katholisch geworden sei und wahrscheinlich, wie viele andere Sekten, erloschen wäre, wenn sie in Palästina geblieben wäre. In faszistischen Kreisen haben die Ausführungen Mussolinis, in denen er die Ausgaben des Staates von denen der Kirche abgrenzte, lebhafte Zustimmung gefunden. pariser Gchwierigkeiten. Die Zahlen des Yonngplans. Paris, 14.Mai. (MTB. Funkspruch.) Die Wor- genpreffe ist wieder einmal pessimistisch gestimmt. Sie berichtet gleichmäßig — also nach einem von einer bestimmten Stelle angegebenen mot d’ordre — nicht nur von Schwierigkeiten, die die Frage der deutschen Vorbehalte bringen könnte, sondern auch von Schwierigkeiten hinsichtlich der Poungschen Zahlenskala. Die ersteren werden vom „Journal" wie folgt angegeben: 1. Line Klausel, die evtl. Aussetzung des Transfers für die Hälfte der kransfergeschühten Annuitäten im Falle von Währungsschwierigkeiten vorsähe. Diese Aussetzung wurde sich auf zwei Jahre erstrecken können. 2. (Eine Klausel befr. die evtl. Aussetzung der deutschen Zahlungen überhaupt im Falle ernster Wirtschaftsstörungen, gleichfalls für zwei Jahre. 3. Schaffung eines Komitees in der Zentralbank, das gegebenenfalls die vollständige Revision des Zahlungsplans fordern könnte. 4. Verwendung der Aeberfchüffe der Zentra l b a n k für die Regelung der Schulden von der 37. bis 58. Annuität. Der „Malin" jedoch berichtet, der Vorsitzende habe gestern Dr. Schacht daran erinnert, daß die Vorbehalte zurDiskufsiongestellt werden würden, und daß es von den übrigen alliierten Delegierten abhängen werde, sie in den endgültigen Bericht aufzunehmen oder nicht. Welche Form man aber auch diesen Vorbehalten geben möge, und oor allem dem wichtigsten unter ihnen, der die Klausel für. eine evtl. Revision beireffe, fo sei ein noch schwierigeres Problem zu lösen: das der Zahlen. Rach Ansicht der meisten Delegierten fei mit einer Aenderung des von den Gläubigern in der Sitzung vom 12. April bekundeten prinzipiellen Standpunkts n i ch t zu rechnen, da eine solche nur denkbar sei, wenn man gewissen Mächten Opfer aufzwinge, die die Regierungen und Parlamente dann doch nicht ratifizieren würden. Die Delegierten widersetzten s i ch einem Verfahren, bei dem man die Zahlen von Poung pauschal annehme und sich alsdann unter sich auseinandersehe. Sie blieben dabei, daß die von dem amerikanischen Delegierten vorgeschlagenen Annuitäten von durchschnittlich 2050 Millionen Gold- marf um mindestens lOObis 120 Millionen erhöht werden müßten. Ls sei also unnötig, uns glauben machen zu wollen, daß das gesamte Problem sich gegenwärtig auf die Revldierung dieses oder jenes Vorbehaltes beschränke. Das Attentat aus Voldemaras. Der Plan einer Verschwörung gegen die Diktatur. Kowno, 13. Mai. (WTB.) Wie verlautet, soll sich unter den Personen, die anläßlich des Attentates auf Woldemaras verhaftet wurden, auch Hauptmann S ch l a p s ch i e s vom 5. Infanterie-Regiment befinden, der militärischen Rechtskreisen angehört. Es gehen Gerüchte, dah der Anschlag auf Woldemaras den äußeren Anstoß zu einer allgemeinen Erhebung gegen die Regierung geben sollte und baß geplant gewesen sei, am Tage des Attentats das 5. Infanterieregiment zur Meuterei zu verleiten. Außer Schlapschies sollen auch mehrere Offiziere der Reserve verhaftet worden sein. Bei den anderen Personen, die an dem Attentat beteiligt waren und der Polizei bereits bekannt sind, handelt es sich meist um Mitglieder der extrem-sozialistischen Studenten Vereinigungen Ausra Bulota und Budodis. Diesen soll es gelungen sein, überdieGrcnze zu flüchten. Die Zahl der Verhafteten soll sich insgesamt auf mehr als 200 belaufen. Der ehemalige Duma-Abgeordnete Ianuskewicius ist gleichfalls verhaftet worden. Im Befinden der beiden bei dem Attentat Schwerverletzten ist eine Besserung eingetreten, so daß sie nicht mehr in Lebensgefahr schweben. Demokratische Forderungen zum Wohnungsbau. Der Kommunalpolitische Ausschuß der Deutschen Demokratischen Partei Landes - verband Hessen, hat nach einer Besichtigung der Frankfurter Siedlungen Praunheim und Römerstadt und nach einem Dortrage des Stadtrats Klober, Mainz, über „Sondersteuer und Wohnungsbauprogramm" eine Resolution gefaßt, in der es u. a. heißt: Die Kommunen sollen in dem seitherigen .Umfange nicht mehr selbst bauen, sondern dazu übergehen, daß durch Baugesellschaften und Private gebaut wird, die bezusch uht werden. Es soll damit der teueren Verwaltung und Unterhaltung der Wohnbauten _ durch die Kommunen vorgebeugt werden. Bezüglich der Stratzen- und KaNachspiel zur Mairevolte. Kommunistenradau im preußischen Landtag. - Minister Grzesinski verteidigt die Polizei gegen die Vorwürfe der Linken. Berlin, 13. Mai. (V.D.Z.) Der Preußische Landtag trat am Montag zu seinem letzten Sitzungsabschnitt vor der Pfingstpause zusammen. Da als erster Punkt der Tagesordnung die Beratung des kommunistischen Mißtrau ensantrages gegen den Ministerpräsidenten und den Innenminister nachträglich festgesetzt worden war, also jenes Antrages, der die Grundlage für die Landtagsdebatten über die blutigen Maivorgänge bilden soll, waren die Publikumstribünen sehr stark besetzt. Der kommunistische Antrag verlangt außerdem die Amtsenthebung des Berliner Polizeipräsidenten Zörgiebel, die Aufhebung des Verbots kommunistischer Zeitungen und des Demonstrationsverbotes, sowie die Bestrafung der für die Unruhen verantwortlichen Polizeibeamten. Bei Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Borck (Dntl.) die Mitberatung eines Antrages seiner Fraktion, wonach allen bei den Maiunruhen besonders gefährdeten Schupobeamten eine einmalige Gefahrenzulage außerplanmäßig gewährt werden soll. (Lärmende Rufe bei den Kommunisten.) Der Antrag scheitert geschäfts- ordnungsmähig an dem Widerspruch dec Kommunisten. Als dann Innenminister G r z e s i n s k i feinen Platz auf der Regierungsbank einnimmt, setzt der ßärrti der Kommunisten erneut ein. Man hört Rufe: „Bluthund! Arbeitermörder!" Der Vorsitzende erteilt für einen solchen Zuruf dem Abg. Hofsmann (Komm.) einen Ordnungsruf und droht, da der Lärm bei den Kommunisten sofort wieder einsetzt, schärfere Maßnahmen an. Abg. Kasper (Kom.) begründet den Mißtrauensantrag seiner Partei. Am 1. Mai und den folgenden Tagen hätte sich die Polizeisoldateska gegen die Arbeiter schlimmer aufgeführt, als wenn sie sich im Feindesland befunden haben würde. Die Begründung des Demonstrationsverbotes durch Zörgiebel sei der Gipfel der Verlogenheit. (Präsident Bartels ruft den Redner zur Ordnung, Lärm bei den Kommunisten.) Wenn früher die Reaktion sich bezahlter Polizeispitzel gegen die Arbeiterschaft bediente, so sei der Grad der Verlumpung der heutigen sozialdemokratischen Führer so hoch gestiegen, daß sie selbst die Rolle solcher Polizeispitzel übernommen hätten. (Präsident Bartels ruft den Redner zum zweiten Male zur Ordnung und verweist auf die Folgen des dritten Ordnungsrufes. Lärm bei den Kommunisten.) Herr Zörgiebel, der aus der vierten Dolksschulklafse die Schule verlassen mußte (lebhaftes Hört, bört! bei den Kommunisten) könne bet seiner Beschränktheit sich nur der Brutalität bedienen. (Abg. Iendretzki (Komm.), der beleidigettde Zurufe gegen Zörgiebel macht, erhält nacheinander zwei Ordnungsrufe.) Unter fortgesetzten stürmischen Lärmszenen der Kommunisten zählt der Redner mehrere Einzelfälle auf, u. a. Sen des Arbeiters Ernst May, der einen Oberschenkelschutz erhalten hat. Als er getroffen niederstürzte, soll ein Polizeibeamter ihn durch einen zweiten Schuh getötet haben. (Lärmende Psui-Rufe bei den Kommunisten.) Innenminister Grzesinski der dann an das Rednerpult tritt, wird von den Kommunisten mit minutenwährendem Lärm empfangen. Die Kommunisten zeigen auf den Minister und rufen zur Tribüne hinauf: „Das ist der Arbeitermörder." Dabei tut sich besonders der Abg. Iendretzki hervor, der in Rotfrontkäm- feruniform die kommunistischen Lärmmacher anfeuert. Schließlich erteilt Präsident Bartels ihm einen dritten Ordnungsruf. Als er sich weiter weigert, den Anordnungen des Präsidenten zu folgen, wird er von der heutigen Sitzung a u s g e s ch l o s - f e n. Iendretzki begibt sich mit dem Ruf: „Rotfront trotz alledem!", der von den Kommunisten lärmend erwidert wird, auf feinen Platz. Da er offensichtlich den Saal nicht verlassen will, unterbricht Präsident Bartels die Sitzung auf 5 Minuten. Während der Sitzunaspause verläßt Abg. Iendretzki den Saal mit dem Ruf „Rotfront!", der von den Kommunisten dreimal wiederholt wird, während bei den übrigen Fraktionen ger acht wird. Nach Wiedereröffnung der Sitzung teilt Präsident Bartels mit, daß der kommunistische Abg. Iendretzki sich den Ausschluß aus 20 Sitzungstage zugezogen habe. (Großer Lärm bei den Kommunisten.) Innenminister Grzesinski, wiederum von den Kommunisten mit stürmischen Zwischenrufen empfangen, wendet sich gegen die Behauptung der kom- mumstischen Presse, die Schutzpolizei habe Dum- Dum-Geschosse benutzt. Wer etwas Derartiges fertigbringe, habe das Recht verwirkt, sich über Verbote zu beschweren. Wer behauptet, der Berliner Polizeipräsident habe die Volksschule schon in der vierten Klasse verlassen, der richtet sich von selbst. (Zurufe bei den Kommunisten: „Ist es wahr ober nicht?" — Ein weiterer kommunistischer Abgeordneter, der trotz der Aufforderung des Präsidenten im Gange stehen bleibt und den Minister durch lebhafte Zurufe am Reden zu hindern sucht, wird ausgeschlossen.) Präsident Bartels unterbricht die Sitzung auf 5 Minuten. Bei Wiederaufnahme der Sitzung teilt Präsident Bartels mit, daß er den Abgeordneten W o y t k o w f k i (Komm.) auf 8Tage aus- geschlossen habe. Auch der Kommunist Golke wird wegen einer beleidigenden Aeußerung aus» geschlossen. Er verläßt unter dem Ruf: „Es lebe Rotfront!" den Saal. Minister Grzesinski versucht, wiederum von Zurufen „Arbeitermörder" durch die Kommunisten empfangen, seine Rede fortzusetzen. Der Kommunist Eberlein wird zur Ordnung gerufen, der Kommunist Wollweber ausgeschlossen. Innenminister Grzesinski will darauf seine Ausführungen fortsetzen, wird aber wiederum durch den Lärm der Kommunisten daran gehindert. Minister Grzesinski führt aus: Die kommunistische Behauptung, daß nur das Verbot schuld an den blutigen Vorgängen in Berlin sei. wird schon durch die Tatsache Lügen gestraft, daß in Breslau. wo kein Demonstrationsverbot bestand, kommunistische Demonstranten gegen die Polizei vorgegangen sind. Deshalb hat der Berliner Polizeipräsident durchaus richtig und klug gehandelt, als er das Demonstrationsverbot nicht aufhob. Trotz der aushehenden Sprache der kommunistischen Blätter ist übrigens der Maidemonstrations- Versuch kläglich gescheitert. Die Polizei hätte leider von der Schußwaffe Gebrauch machen müssen, weil sie von Kommunisten und Roten Frontkämpfern überfallen worden sei. (Anhaltende Unter» brechungen und beleidigende Zurufe bei Den Kommunisten. Der Vizepräsident schließt den Abg. Kaasch (Komm.) aus und unterbricht, da der Abgeordnete den Saal nicht sofort verläßt, die Sitzung auf fünf Minuten. Bei Wiedereröffnung der Sitzung teilt der Vizepräsident mit, daß auch der Abg. Kaasch für acht Sitzungstage ausgeschlossen sei. Die Polizeibeamten hätten schießen müssen, um sich ihres eigenen Lebens xu erwehren. Man schlug die Beamten mit Stöcken und Schlagringen, warf sie mit Steinen und ging auch mit Messern gegen sie vor. In der Berliner presse ist der polizel keine Gerechtigkeit widerfahren. Wan hat scheinbar sehr viel vorn grünen Tisch aus geschrieben. Wenn die Polizeibeamten tatsächlich nervös geworden sein sollten, so wäre das kein Wunder, denn sie müssen sich seit Jahren von den radikalen Elementen provozieren und schlagen lassen. Die Lammesgeduld der Polizeibeamten ist aber nicht einmal während der Maivorkommnisse gerissen. (Immer erneute lärmende Unterbrechungen. Präsident Bartels schließt den Abg. Abel (Komm.) wegen fortgesetzter beleidigender Störungen von der Sitzung aus.) Sie (zu den Kommunisten), betrachten ja aus Prinzip die Polizeibeamten nicht als Organ des Staates zur Aufrechterhaltung der Ordnung, sondern als unangenehmes Hindernis für die Mordpolitik. (Stürmischer Lärm bei den Kommunisten. Abg. Abel, der eben ausgewiesen worden war, erscheint wieder im Saal, tritt neben dem Minister auf das Rednerpult und wendet sich in längeren Ausführungen an seine Fraktionsgenossen, denen er unter fortgesetztem Läuten des Präsidenten zuruft: „Aus Solidarität mit den ermordeten Proletariern und mit unseren Genossen vom Roten Frontkämpferbund verlassen wir gemeinsam den Sitzungssaal." Die Mehrzahl der Kommunisten geht unter dem Gesang der ersten Strophe der Internationale aus dem Saal, und es bleiben nur die an der Debatte interessierten Sprecher der Fraktion zurück. Während des Gesanges der Kommunisten verläßt der Präsident seinen Platz, womit die Sitzung unterbrochen ist.) Nach Wiedereröffnung der Sitzung beauftragt Präsident Bartels den Landtagsdirektor, den Abg. Abel wegen feines Vorgehens aus dem Landtagsgebäude aus zu weifen, und, falls er sich dem widersetzen sollte, die Hauswache zu Hilfe zu nehmen. Dann setzt Innenminister Grzesinski seine Rede fort. Das traurige Opfer der 22 Toten des Mai beklage die Staatsregierung aufs tiefste, sie lehne aber jede Verantwortung dafür ab. Ein wesentlicher Teil der Getöteten sei auf Grund der Obduktionsbefunde nicht von Polizeigeschossen getötet worden. Solange ich auf meinem poften stehe, werde ich meine Organe anweisen, mit aller Energie gegen d i e Störer der staatlichen Ordnung vorzugehen. In den Waitagen sind 51 Verletzte unter der polizei zu verzeichnen gewesen. Im letzten Jahre sind 18 polizeibeamte im Dien st getötet worden. Ramens der Slaalsregierung spreche ich den polizeibeamlen die größte Anerkennung aus. Außer den Toten sind auch diejenigen Opfer zu beklagen, die sich demnächst wegen Landfriedensbruchs oder auch wegen Hochverrats vor dem Strafrichter zu verantworten haben werden. 2m Zuchthaus werden sie dann nachdenken können über die Gewissenlosigkeit. Die Führer sind unter ihnen leider nicht. Wer sich gegen das Strafgesetz vergeht, der bekommt die Macht des Gesetzes zu fühlen. Der Rote Frontkämpferbund, so betonte der Minister, bleibt verboten. Abg. Schulz- Reukölln (Komm.) erklärt, er verstehe es, wenn der Minister die Polizei verteidige. Er sei ja der Anstifter dieser Polizei- Verbrechen. (Vizepräsident Dr. v. K r i e s ruft ihn wegen dieser Aeußerung zur Ordnung.) Der Minister habe nicht einen einzigen der kommunistischen Vorwürfe zu entkräften vermocht. Polizeiverordnungen sind ein Dreck für uns. Wir gehen auf die Straße: wenn es verboten ist, erst recht. Da der Redner noch zweimal zur Ordnung gerufen wird, wird ihm das Wort entzogen. Rach längerer Debatte vertagt sich das Haus auf Dienstag. Verbot des CRofett Fronikämpferbundes in Baden und Thüringen. Karlsruhe, 13. Mai. (WB.) Der Minister des Inneren hat für das Gebiet des Freistaates Baden in Liebereinstimmung mit der Reichsregierung den Roten Frontkämpferbund einschließlich der Roten Iugendfront mit allen Zweigorganisationen und Einrichtungen verboten und aufgelöst. Das Vermögen der aufgelösten Organisationen wird zugunsten des Reiches beschlagnahmt. Die Durchführung der Beschlagnahme obliegt den Bezirksämtern (Pvlizeidireltionen). Demonstrationsumzüge bedürfen der vorherigen polizeilichen Genehmigung. Die Genehmigung ist stets zu versagen für die in letzter Zeit üblich gewordenen Propagandafahrten gewisser politischer Gruppen mit Lastkraftfahrzeugen, welche erfahrungsgemäß zur Störung der off ent* lichen Ordnung führen. — Durch ministerielle Verfügung ist der Rote Frontkämpferbunb am Montag, dem 13. d. M., auch in Thüringen verboten worden. Aus der Provinziathaupistadi. Gießen, den 14. Mai 1929. Oie Einrichtung und Anlegung der Handwerksrolle. Durch die sog. Handwerksnovelle vom 11. Februar 1 929 ist die Handwerks- rolle eingeführt worden, d. h. die Handwerkskammer hat ein Verzeichnis zu führen, in das diejenigen Gewerbetreibenden einzutragen sind, die im Bezirke der Handwerkskammer selbständig ein Handwerk als stehendes Gewerbe ausüben. Die Vorschriften darüber, wie die Handwerksrolle einzurichten ist, sind von der Reichsregierung zu erlassen. Sie sind nunmehr im Reichsgesehblatt Rr. 17 vom 3. Mai 1929 erschienen. Darnach wird die Handwerksrolle in Form einer Kartei geführt. Durch die oberste Landes- öehörde kann außerdem die Führung eines besonderen Verzeichnisses vorgeschrieben werden. Die Kartei ist nach Gemeinden oder Gemeindeverbänden des Handwerkskammerbezirks zu gliedern! im übrigen soll sie alphabetisch nach Berufen oder Derufsgruppen aufgestellt werden. Für jeden Gewerbetreibenden wird eine besondere Karte angelegt. Die Eintragung enthält außer dem Ramen genaue Angaben über Geburtsdatum und Staatsangehörigkeit des Betriebsinhabers, bei juristischen Personen die Firma, ferner Angabe, ob der ^triebsinhaber die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen besitzt, die Angabe, ob Gründe vorliegen, welche das aktive oder passive Wahlrecht ausschließen oder hindern, Ort und Straß« der gewerblichen Riederlassung, ferner die Angabe über den Gegenstand des Anter- nehmens, Ramen und Staatsangehörigkeit, Geburtsdatum etwaiger Betriebsleiter und das Datum der Eintragung in die Handwerksrolle. Die oberste Landesbchörde kann weitere Vorschriften über den Inhalt und die Führung der Kartei erlassen. Das von der Handwerkskammer für die erste Anlegung der Handwerksrolle aufzuftellende Verzeichnis der eintragungspflichtigen Gewerbetreibenden ist in Form fortlaufender Listen aufzustellen, die nach Gemeinden oder Gemeindeverbänden gegliedert und im übrigen nach dem Alphabet aufgestellt sind. Die Einsicht in die Handwerksrolle ist jedem gestattet. Der Gommerfahrplan des Gießener Anzeigers wird von heute an in der beliebten Taschenbuchform an alle Bezieher unserer Zeitung kostenlos abgegeben. Das unentbehrlich gewordene Heftchen umfaßt 40 Seiten. In übersichtlicher Anordnung sind alle Zugoerbindungen der Bahnlinien enthalten, die Gießen zum Mittel- oder Ausgangspunkt haben. Es seien genannt die Linien bis Frankfurt, bis Fulda, bis Gelnhausen, bis Kassel und bis Köln. Die Fernlinien weisen die Ankunfts- und Abfahrt- zeitcn der großstädtischen Endstationen auf. Im übrigen sind auch alle wichtigen Anschluhstrecken über das oberhessische Fahrplangebiet hinaus aufgeführt, wie Frankfurt — Darmstadt, —Mainz, —Höchst, —Wiesbaden, —Bebra und — Limburg. Die Kraftwagenfahrpläne enthalten das ganze oberhessische Gebiet unter Einschluß der benachbarten preußischen Post- und Privatlinien. Gictzcner Wochenmarktprcise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 190 bis 200, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 20 bis 30, Weißkraut 20 bis 30, Rotkraut 20 bis 30, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Rüben 20 bis 25, Spinat 25 bis 40, Spargel 50 bis 100, Anter-Kohlrabi 10 bis 12, Erbsen, grün, 60, Feldsalat 150 bis 200, Tomaten 80 bis 100, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 50 bis 120, Schwarzwurzeln 40 bis 80, Rhabarber 25 bis 30, Kartoffeln 6, Aepfel, ausländ. 40 bis 80, inländ. 30 bis 40, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Tauben (Stück) 70 bis 90, Rüsse 70 bis 80 Pf. das Pfund: Eier 12, Blumenkohl 70 bis 150, Salat 20 bis 40, Salatgurken 70 bis 100, Ober-Kohlrabi 30 bis 40, Lauch 10 bis 20, Rettich 30 bis 50, Sellerie 20 bis 100 Pf. das Stück; Radieschen Dd. 20 bis 25 Pf.; Kartoffeln Ztr. 5,50 Mk. Bornotizen. — Tageskalender fürDienstag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die Sandgräfin". — Astoria-Lichtspiele: „Die Jagd nach der Braut." ** Zum Irene-Triesch-Ga st spiel. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Irene Triesch gastiert in Strindbergs „Scheiterhaufen" morgen, Mittwoch, 15. Mai, 20 Uhr. — Eisenbahner-Heim st ättenoerein. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung findet am 26. Mai im Eisenbahnhotel Hopfcld statt. Näheres in der heutigen Anzeige. * ** Straßensperrung. Vom Oberhessischen Automobilklub (A. v. D.) wird mitgeteilt: Die Straße Fellingshausen — Bieber ist von km 0,0 bis 0,8 vom 14. bis 28. Mai für alle Kraftfahrzeuge gesperrt. Umleitung über Rodheim a. d. Bieber. ‘*21b 15. Mai'neuerSommerfahrplan. Am Mittwoch, 15. Mai, tritt der neue Sommerfahr- plan in Kraft. Einzelne Küge verkehren schon in der Nacht vom 14. zum 15. Mai nach dem neuen Fahrplan. ** Vom Gießener Flughafen. Da die Luftoerkehrsstrecke Frankfurt a. M.—Gießen—Kassel—Hannover auch im letzten Jahre gut frequentiert war, ist sie in dem Sommerfahrplan der Deutschen Lufthansa voll aufrechterhalten worden. Sie wird, wie die Luftverkehrs-A.-G. Oberhessen-Lahngau in Gießen uns mittcilt, auch in diesem Jahre nicht nur von den streckenanliegenden Ländern und Städten, sondern auch vom Reiche subventioniert. Die Verbesserung besteht darin, daß die Strecke in diesem Jahre nach Süden über Darmstadt—Mannheim nach Stuttgart geführt wird, ferner erhält sie bessere Anschlußmöglichkeiten wie im Vorjahre. Die guten Verbindungen kommen nicht nur für den Personenverkehr, sondern in gleichem Maße auch für den Frachtverkehr in Betracht. ** Schulpersonalien. Ernannt wurden: der provisorische Gewerbelehrer Hans U i h l e i n an der gewerblichen Abteilung der Fortbildungsschule zu Gießen zum Gewerbelehrer an dieser Schule; der Schulanwärter Fritz H e s s i n g e r aus Eckelsheim, Kreis Alzey, zum Lehrer an der Volksschule zu Trais-Horloff, Kreis Gießen. ** Auszeichnung eines strebsamen Schülers. Die Optischen Werke Ernst Leitz in Wetzlar haben dem Unterprimaner der Gießener Oberrealschule Franz Kirchheimer, der kürzlich auf Grund wissenschaftlicher Arbeiten auf dem Gebiete der Paläobotanik ohne Besuch der Oberprima und ohne Abitur durch Beschluß des Hessischen Kultusministeriums das Reifezeugnis der Oberrealschule erhielt, als Zeichen der Anerkennung ein Binoeular-Mikroskop für seine Forschungen als Geschenk überreicht. ** Oper in Bad-Nauheim. Am Donnerstag, 16. Mai, veranstaltet die Bad- und Kurverwaltung Bad-Nauheim die zweite Opern-Auffüh- rung dieser Saison mit „Cavalleria rusticana" von Pietro Mascagni und „Bajazzo" von R. Leonca- vallo. Interessenten seien auf die heutige Anzeige besonders hingewiesen. ** Bundestag des Hessischen Beamtenbundes. Der diesjährige 10. Bundestag des Hessischen Beamtenbundes findet am 23. Juni im Kurhotel „Zur goldenen Krone" in Jugenheim an der Bergstraße statt. Auf der Tagesordnung stehen meist beamtenrechtliche Fragen. ** Die Zimmermeister - Zwangsinnung Stadt und Landkreis Gießen hielt am Samstag im „Schipkapah" eine Jnnungsversammlung ab. Zunächst erstattete Geschäftsführer Kirchner (Gießen) Bericht über die Tätigkeit der Innung im 1. Vierteljahr 1929. In der anschließenden Aussprache wurde von verschiedenen Rednern auf die ungünstigen Verhältnisse im Zimmerhandwerk hingewiesen und dabei auch die sehr stark hervortretenden Preisunterbietungen kritisiert. Auch die Frage einheitlicher Kalkulationen wurde eingehend erörtert. Die übrigen Verhandlungen betrafen die Abhaltung von Gesellenprüfungen durch die Innung, sowie die Durchführung von Maßnahmen zur Bekämpfung des Borgunwesens. ** 3n einem Jahre 125000 Handtücher gestohlen. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft hält für die O-Züge mehr als 100 000 Dutzend Handtücher bereit. Etwa 13 Prozent davon, nämlich 125 000 Stück, sind allein im Jahre 1928 „verlorengegangen". Außerdem kamen fast 4 Prozent derartig beschmutzt in die Wäscherei, daß sie entweder chemisch gereinigt werden mußten, oder überhaupt nicht mehr zu gebrauchen waren. Oberhessen. Landkreis Gießen. OOKlein°Linden,13. Mai. Aus der jüngsten Gemeinderalssitzung ist als bemertens- wert zu berichten: Zur Umwandlung der vorläufig erhobenen Gewerbesteuern für 1 9 2 8 in endgültige Steuern beschloß der Gemeinderat folgendes: An Gewerbesteuerbedarf für 1928 find von je 100 Mk. Gewerbekapital 0,50 Mk. und von je 100 Mk. Gewerbeertrag 1,00 Mk. aufzubringen. — Weiter wurde beschlossen: Woh- nungsbauten, die im Kalenderjahr 1929 begonnen werden, bleiben für das zur Zeit der Fertigstellung laufende und für die nachfolgenden fünf Jahre auf Antrag gründ steuer- frei, entsprechendes gilt für den verhältnismäßigen Teil der Grundsteuer für solche Reubauten, die nur zum Teil für Wohnungszwecke dienen. 'Ein Bau gilt als begonnen, wenn mit der Ausführung der Maurerarbeiten angefangen wurde. — Das Gemeindegrundstück in der Hügelstrahe soll den Interessenten als Dl eiche pachtweise überlassen werden. Der Pachtpreis für das 1300 Quadratmeter große Grundstück beträgt ANZEIGEN für die Tagesnummer des Gießener Anzeigers werden zweckmäßig am Nachmittag vorher aufgegeben. Nach 9 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahmefällen nicht gewährleistet werden! VERLAG DES GIESSENER ANZEIGERS 30 Mk., die Zahl der Dleichebenuher soll unbeschränkt sein. Die Obsternte des Grundstücks bleibt der Gemeinde. — Auf Anfrage einiger Gemeinderatsmitglieder erstattete der Bürgermeister kurzen Bericht über die zukünftige Wasserversorgung unserer Gemeinde. Die Wasserleitungsfrage ist für unseren Ort mit seiner stetigen Weiterentwicklung außerordentlich wichfig und harrt noch ihrer Erledigung. 3n dem neuen Dorfviertel an der Frankfurter Straße macht sich jetzt schon wieder Wassermangel bemerkbar, so daß oft schon vormittags um 8 Ahr der an der Ecke Frankfurter Straße—Waldweide stehende Gemeindebrunnen leer ist. Don einigen Gemeinderäten wird deshalb gewünscht, daß, sobald die Vorarbeiten eine Besprechung ermöglichen, der Punkt „Wasserleitung" auf die Tagesordnung gesetzt wird. 8 Alten-Buseck, 13. Mai. Die unter Leitung von Frl. Emilie Schmidt aus Gießen stehende Handarbeitsschule hatte gestern im Saake der ersten Schulklasse ihre im Laufe des Jahres hergestellten Arbeiten zur Desichtigung ausgestellt, um den Eltern und sonstigen Interessenten Gelegenheit zu geben, die Leistungen und Fähigkeiten der Schülerinnen kennenzulernen. Die ausgestellten Gegenstände legten beredtes Zeugnis davon ab, daß sowohl Lehrerin, wie Schülerinnen in jeder Hinsicht eifrig bemüht gewesen sind, ihr Destes zu leisten. Die zahlreich erschienenen Desucherinnen waren von dem Dargebotenen sehr befriedigt und brachten dies in anerkennenden Worten zum Ausdruck. )( Lich , 12. Mai. Trotz des kühlen und feuchten Wetters hatten sich etwa 500 Missionsfreunde aus den benachbarten Gemeinden zum Mis - f i o n s f e st versammelt, das an Himmelfahrt in jedem Jahr alter Aeberlieferung gemäß in der Meilbach, einem wundervoll gelegenen Waldteil, gefeiert wird. Rach dem Vortrag einer Motette durch den Licher Posaunenchor, gemeinsam gesungenem Lied und einer von Sttftspfarrer Lic. Schorlemmer gehaltenen Liturgie sprach Missionar Kaufmann, Kassel, von der Daseler Mission über die Rot der Heiden in China und die Treue vieler Heidenchristen. Mit einem Schlußwort des Geistttchen, Gebet und Lied, sowie einem nochmaligen Vortrag des Posaunenchors, der auch die Lieder begleitete, fand das schön verlaufene Missionsfest seinen Abschluß. Missionar Kaufmann hatte bereits am Vormittag xm Festgottesdienst in der Marienstiftskirche gepredigt und konnte 62 Mark als Kollekte für die Daseler Mission mitnehmen. Kreis Friedberg. < Bad-Nauheim, 12.Mai. Ein schwerer Motorradunfall ereignete sich gestern abend auf der Straße nach Friedberg. Der an der Post aushilfsweise beschäftigte Adolf Vogel, der erst seit einigen Tagen von einem Motorradunfall genesen ist, der ihn vor sechs Wochen ereilte, fuhr m i t seinerMaschine in ein Pferdegespann. Er erlitt einen Beckenbruch und außerdem schwere Verletzungen an Kopf und Armen und mußte ins hiesige Krankenhaus übergeführt werden. Die Begleitfahrerin, ein junges Mädchen von hier, kam mit leichteren Verletzungen davon. Kreis Schotten. Scho tten , 13. Mai. Die Kulturfi l m st e l l e des hiesigen Kreisschulamts bringt im Laufe dieser Woche in den Schulen des Kreises drei Lehrfilme zur Vorführung. Der erste betitelt sich „Die weiße Seuche" und veranschaulicht Entstehung, Gefahren und Dekämpfung der Tuberkulose. Im zweiten werden die Fahrten des „Graf Zeppelin" den Zuschauern vor Augen geführt. Als letzter läuft der Trickfilm „Die Entdeckung des Rordpols", der, als humoristische Deigabe gedacht, die Kinder mit besonderer Freude erfüllt. Es finden zehn Schüler- und fünf Erwachsenen-Vorstellungen statt, die sich auf die größeren Orte des Kreises verteilen. Kreis Alsfeld. Os» Alsfeld, 13. Mai. Ein tödlicher 1 Anglücksfall ereignete sich am Samstagabend im hiesigen Bahnhof. Der Dahnarbeiter Konrad Scheuer von hier geriet beim Rangieren zwischen die Puffer zweier Wagen und wurde totgedrückt. Der Tod muh auf der Stelle eingetreten fein. Man fand den! bedauernswerten Mann tot zwischen den Puffern hängend, als der Anfall bemerkt wurde. -er. Homberg a. d. Ohm, 12 Mai. Zu dem letzten Schweinemarkt waren 357 Stück Ferkel aufgetrieben. Es wurden für 6—8 Wochen alte Ferkel pro Kopf 50 bis 55 Mk. und für 8—10 Wochen alte Tiere 55 bis 65 Mark gezahlt. Das warme und schöne Maiwetter hatte viele Kauflustige angezogen, so daß der Markt bald geräumt war. Oie Wetterlage. lAonta^, ■JanMayei ■Röst- .TTiorsh. i'.orKh- 10. t» a 7.0' G W 77® o I <5 La Corww- Owolkenlos, o neuer, q naio Gedeckt. ® wolkig. • oedecki e"iregtt* * Schnee g Graupeln. b Neoei K 6ewit!er.(§)windsiiHe.O' sdv •eichtet Ost «nissige» Südsüdwest q stürmischer nordwest Oie Pfeue fliegen mit dem Winde Pie oeiden Stationen stehenden Zafi» ten gehen die Temperatur an. Die Linien. verDindeo Orte mit ßleKbcnj auf neeresniveau umoerexhneier» Luftdruck Wettervoraussage. Ein Hochdruckausläufer des südöstlichen Hochdruck» gebietes erstreckt sich über Deutschland hinweg. Gleichzeitig rückt die atlantische Störung dem Kontinent näher. Sie lag heute morgen über den britischen Inseln und führte dort zu verbreiteten Niederschlägen. Warmluft an seiner Südseite dringt westwätts nach Deutschland vor. In Westdeutschland haben bereits die Winde nach Süden gedreht und vielfach trat Nebelbildung und in Aachen Niederschlag auf. Die Bewölkung wird zunächst zunehmen und die Temperaturen wieder ansteigen, dabei kommt es auch in unserem Bezirk zu Niederschlägen. Wettervorhersage für Mittwoch: Meist wolkiges Wetter, wieder wärmer, einzelne Riederschläge. Witterungsaussichten für Donnerstag: Wechselnde Bewölkung, aufkommende Gewitterneigung mit wieder leichter Abkühlung wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 13. Mai: mittags 15,9 Grad Celsius, abends 12,7 Grad; am 14. Mai: morgens 10,6 Grad. Maximum 17,4 Grad, Minimum 4,2 Grad. — Erdtemperaturen am 13. Mai: abends 18,2; am 14. Mai: morgens 12,2 Grad. — Sonnenscheindauer 5K Stunden. Amtlicher Reisewetterdienfi der öffentlichen Wetterdienststelle Gießen. Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Gestern vorherrschend kühl und regnerisch, heute morgen 10 Grad Celsius, Südwind, wolkiges Wetter. — (Berchtesgaden): Gestern vorherrschend kühl und regnerisch; heute 10 Grad Celsius, Windstille, wolkiges Wetter. Baden (Baden-Baden): Kühle Nacht, teils heiteres, teils wolkiges Wetter; heute 10 Grad Celsius, Ost wind, wolkiges Wetter. Rheingebiet (Bad Dürckheirn): Kühles Wetter, meist heiter; heute morgen 9 Grad Celsius, Südwestwind, heiteres Wetter. Küste: Swinemünde: Kühle Rocht, teils heiter, teils wolkig, Temperatur heute morgen 10 Grad Celsius, Ostwind und heiteres Wetter. Borkum: Mäßig warmes Wetter, teils heiter, teils wolkig, heute morgen 10 Grad Celsius, Ostwind, wolkiges Wetter. Helgoland: Mäßig warmes, teils heiteres, teils wolkiges Wetter, heute morgen 7 Grad Celsius, Südwestwind, Rebel. Kilometer ''M: ।W Mittwoch, den 15. Mai nachmittags ab 2 Llhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28: 4 Kleiderschränke (1- u. 2fürig), 4 Betten (komplett mit Federzeug), 3 Deckbetten, 2 Küchenschränke, 2 Küchentische, 1 Waschtisch, 3 Nachtschränkc, 2 Glas-Ausstell- schränke, 2 Küchenherde, 1 Nähmaschine, mehrere Stühle, 1 Ausziehtisch, 1 Trumeau- spiegel, 2 Zimmersplegel, 1 Bücherregal, Vorhänge und Portieren, Blumenständer, 2 Schreibtische (Diplomat), 2 Gisschränke, 1 vierräderiger Handwagen, 2 Oefen, 15 Herren- und Damen-Räder, 1 Sofa, 1 Chaiselongue, 1 Truhe, 1 Theke, 1 Grasmaschine, 1 Chevrolet-Wagen (11/30 P S.) Versteigerung bestimmt. 41220 Ludwig Gavimetz Auktionator und Taxator Neuenweg 28. Telephon 1414. Aufklärung! ÄÄÄtaje Um Irrtümer zu vermeiden und meine werte Kundschaft vor Schaden zu bewahren, mache ich darauf aufmerksam, daß Herr Karl Heidt, Gießen, Löber- straße 15 aus meinem Betrieb ausgeschieden ist. Auch ist derselbe nicht berechtigt, meine Sparkarten einzuziehen, einzulösen oder gegen andere umzutauschen. Meine Niederlage ist nach wie vor bei Wilh. Jäger, Gießen, Bleichstraße 18. 03026 nur bewährte Marken. Sparsamster Gasverbrauch. Infolge bester Erfahrungen bei vor- genommen. Probekochen ist von uns noch das Fabrikat: Wilh. E. M. Lange, Murg 24. Rhein.-Weingroßbandtung aus dem Haupt produknonsgeb.iEigenb.) sucht erstklassigen VERTRETER zum Besuche von Vrivalkundschaft. Ständige persönliche Unterstützung durch das Stammhaus. Schriltliche Angebote unier 4327D an den Gießener Anzeiger erbeten. Senking-Werk A.-O. ausgenommen worden. Friedrich Heydö Sohn Scltersweg 12. 3980A NMAnMkM"SL Ausstellung stilrein u.vreiswerl DleBrüliiW Unlu.-Nvlleret. ».Lange. 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Schorlemmer für seine trostreichen Worte; der Stadt Lieh, dem Verein Kampfgenossen 1870/71 und 1914/18 für die überreichten schönen Kranzspenden, ebenso den Herrn Beamten der Stadtverwaltung Lieh. Die trauernden Hinterbliebenen: I. d. N.: Familie Wilh. Gondolpb, Familie Georg Steinmetz. Lieh, den 12. Mai 1929. 03042 Moderne Pullovers mit Arm aus feiner Wolle, oder aus Wolle mit Seide, mit Flöte billig zu verkaufen. A» der Kaserne 41. Carl Stückrath Möbelfabrik, Asterweg 47 __________4308A Sauerkraut Pfd. 25 Pf Käse feinster echter SchweizeriEm» menialer), vom Laib tm R 32,500 ccm, in sehr gutem Zustande, sofort zu verkauf, Babnbosftratze 5, Metzgerei Mit bl. V 4303D Mittwoch,15.Mai. abends 6 Uhr, im Hindenburg: 3a|omnienwiift mit Grünberger und sicher Alt-Burschen- schatiler. Anschlietz.: V. A.-B. Abend. 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Ohne sonderliches Interesse erledigt das alte Parlament gegenwärtig noch den Rest seiner Arbeiten, um Ende der Woche durch die formale Auflösung eines natürlichen Todes zu sterben. Wie wird die neue parlamentarische Vertretung Großbritanniens zusammengesetzt sein? Das ist eine Frage, die heute sehr weite Kreise des öffentlichen Lebens beherrscht, die aber auch jetzt noch niemand mit einiger Sicherheit zu beantworten vermag. Gewiß, es fehlt nicht an Schätzungen der einzelnen Parteien; an der Börse wird sogar ein regelrechter Dreiparteien-Kurs notiert, mit den gegenwärtig für die meisten Papiere üblichen Schwankungen. Die Blätter haben Preisausschreiben veröffentlicht und sehr hohe Belohnungen für die Lösung ausgesetzt, die sich nach dem 30. Mai als die genaueste Angabe erweist. Aber all das ist doch im Grunde wenig mehr als ein Teil der Wahlvorbereitung. Alle führenden Vergleiche sind für die kommende Wahl von höchst zweifelhaftem Wert und außer einer unbedingten Siegeszuversicht wagen sich auch die Parteileiter nicht ernsthaft an eine zahlenmäßige Berechnung ihrer Chancen. Diese für englische Verhältnisse etwas ungewöhnliche Unsicherheit hat viele Gründe. Da ist zunächst ein sehr gewichtiger neuer Faktor: durch die Erweiterung des allgemeinen Wahlrechts (das in dem demokratischen England ja nicht annähernd so allgemein ist, wie etwa in Deutschland oder auch nur Frankreich) sind in die Wahlregister rund 5,5 M i l l i o n e n weibliche Wähler neu aufgenommen worden. Niemand weiß, wie sie stimmen werden. Von den Wahrscheinlichkeitsberechnungen ist die eine so stichhaltig oder, wenn man will, so hinfällig wie die andere. „Die Frau ist konservativ", sagen die Konservativen, „sie ist fortschrittlicher als der Mann und empfindet die kleinen Tagesauswirkungen einer falschen konservativen Politik überdies viel stärker und direkter", sagen etwa die Liberalen. „Die Frau ist überwiegend mit uns", ist schließlich der Schlachtruf der Arbeiterpartei. Wer vermag es zu sagen. Nur Deutschland kann auf diesem Gebiet Vergleichszahlen liefern. Aber auf der Suche nach ihnen entdeckte man, daß sich für jede These Material finden läßt, selbst wenn einwandfreie Vergleichszahlen vorlägen, sie würden noch nicht viel besagen, denn Deutschland hat unter viel ungewöhnlicheren Verhältnissen gewählt und zwischen der deutschen und englischen Jungwählerin ist eine Welt von Unterschied. So wird es bis zum 30. Mai dabei bleiben müssen, Mittel zu ersinnen, durch die man sich die Gefolgschaft dieser wichtigen neuen Wählergruppe sichern kann. Von den anderen unbekannten Größen ist die wichtigste, daß die A r b c i t c r p a r t e i diesmal zum erstenmal bewußt auf eine parlamentarische Mehrheit hinwirkt. Die Partei will sich nun nach kaum mehr als 30jähriger parlamentarischer Existenz nicht mehr mit einer Mandatsvermehrung zufrieden geben, sondern sie erstrebt in einem Parlament von 615 Mitgliedern die einfache Mehrheit, also mindestens 308 Sitze. Daß dieses Ziel wahrscheinlich zu weit gesteckt ist, kann hier zunächst unbeachtet bleiben. Allein die Tatsache, daß die Partei heute glaubt, formal das Erde der Liberalen antreten und sich für absehbare Zeit mit den Konservativen in der Herrschaft des Landes teilen zu können, ist von grundsätzlicher Bedeutung. Bürgertum gegen Sozialismus und umgekehrt ist zum erstenmal der offizielle Schlachtruf — die kurze arbeiterparteiliche Regierung war ja nur eine Minderheitsregierung mit weniger als einem Drittel aller Parlamentssitze hinter sich. Nur wenn man sich den englischen Volkscharakter vergegenwärtigt, vermag man Oer Pflanzenatlas. Don Friedrich Schnack. 3d> weiß nicht, woher ich ihn habe und wer vor meiner Zeit seine botanischen Kenntnisse aus ihm schöpfte. Er ist da und begleitet mich, seitdem ich ihn kenne. Zwar sieht er nicht sonderlich gut aus: er ist auseinandergesallen und die Tafel, darauf die Kryptogamen abgebildet find: die Farne, Moose, Flechten und Pilze in ihren Wun» derfarben, sie wurde vor allen andern stark mitgenommen durch den Sturm der Zeit und die Angeduld blätternder Finger, die nicht rasch genug die gesuchte Pflanze finden konnten, wie jene ruhelosen, wilden Gesellen, deren Eifer nach der blauen Blume" verlangte. Zwar sind die Flechten und Moose zu verschmerzen, da ja die Pilze gut erhalten blieben: der Champignon, das Zierschwämmchen und die Dirkenschwäininchen, die an morschen Baumstümpfen fieöeln... Olbet ün großen und ganzen ist es doch recht schade, daß dem schönen Pflanzenatlas so übel mitgespielt wurde. Wan begreife nur: auf einer Tafel, angef reffen von Mäusen oder eingeriffen von Kinderhänden steht eine Sagopalme ihres Wipfels beraubt, und der daneben abgemalte Blütenstand ist bi8 auf einen unscheinbaren Best verschwunden. Es ist schlimm: die Palme wird nie wieder ausschlagen und einen grünen Wedelwipfel hoben, vom Blütenstand ganz zu schweigen. And also ist der Atlas nicht mehr vollkommen. Der Text zu den Tafeln, untergebracht im ersten Teil des Buches, ist mir minder ^^ig. weil Gelehrtenarbeit in einem steifbeinigenDeutsch aus dem vorigen Jahrhundert, trocken wie -Brot ohne Butter, sachlich, ordentlich, langweilig. Die Bilder aber hat kein Gelehrter gezeichnet und getuscht, ein durch und durch lebendiger Mensch war es, ein Meister seines Fachs, ein hellblütiger und helläugiger Maler, der Wohl eines kleinen Lorbeerblättchens würdig wäre, und mühte man es aus seinem eigenenAtlantenwerk herausschneiden. Mit gehorsamer Feder und schmiegsamem Pinsel hat er eine reiche, bunte Pflanzenwelt aufgezogen, gepflegt und gestaltet — soviele Jahre seitdem auch vergangen sind: das schön und sein gemalte Pflanzenreich blieb frisch, unverwelkt, gesund, wenn auch ein wenig altertümlich in der Tönung des Ehlorophyll-Grüns und der Blüten- färben. Das hat seine Gründe: die Bescheidenheit jenes Zeitalters liegt über den Pflanzenfahnen und Dlumenwimpeln. Dennoch verleihen diese Farben, gedämpft und beruhigt in sich wie Pastelle, den Pflanzenbildnissen den Ausdruck leib- zu ermessen, bis in welche Tiefen diese Prognose die englische Volksseele aufzuwühlen vermag. Gewiß läßt sich die englische Arbeiterpartei nicht mit einer sozialistischen Partei des Kontinents vergleichen und zwischen ihr und den Konservativen bestehen weit mehr Annäherungspunkte und Ausgleichsmöglichkeiten als auf dem Kontinent. Im Grunde ist auch der Wähler der Arbeiterpartei, wenigstens zum größten Teil, ein konservativer Engländer, und ganz gewiß erst in zweiter Linie internatio- n a I. Aber auf der anderen Seite haben auch die Konservativen wesentliche typisch englische Charakterzüge: ihre Umstellungssähigkeit und Konzessionsbereitschaft ist geringer als die verwandter politischer Gruppen auf dem Kontinent. So treffen, so paradox es klingt, zwar mehr und engere Berührungspunkte, aber gleichzeitig auch schärfere Gegensätze zwischen Sozialismus und Bürgertum als in den meisten anderen Ländern auseinander. Der Ruf, „es geht diesmal um den Bestand des Staates", den die Konservativen immer stärker heroorstoßen, ist daher ernst gemeint, aber nicht vollständig, denn es geht nicht im eigentlichen Sinne um den Bestand des Staates, sondern um die Erhaltung ober den langsamen Umbau des Staates, wie sie ihn verstehen. Und wenn die Arbeiterpartei sagt, „dieser Staat inuß fallen", dann meint sie nur die konservative Staats- konstrnktion, nicht etwa seine Ersetzung durch ein sozialistisch-internationales Gebilde. Beide sind gute Engländer und beide setzen sich, wenn auch mit grundsätzlich noch so verschiedenen Mitteln, für den englischen Staat ein. Das festzustellen, erscheint gerade vor dieser Wahl nicht ganz unnütz. Gegenüber der grundsätzlichen Bedeutung dieses eigentlichen ersten Machtkampfes zwischen alten Herrschern und radikalen Emporkömmlingen mag eine andere wichtige Erscheinung dieses Wahlkampfes auf den ersten Blick geringfügig erscheinen; die Lebensfähigkeit und künftige Stellung des englischen Liberalismus. Lloyd Georges Geschicklichkeit hat dafür gesorgt, daß die liberale Sache nicht übersehen wird. Man kann ihm dafür dankbar sein, denn je besser die ivahltaktische Stellung der Liberalen und je gründlicher ihre Kampfvorbereitungen gegen zwei ungleich stärkere Gruppen sind, desto einwandfreier wird am 30. Mai die Frage beantwortet werden, ob die Liberalen noch eine Zukunft haben. Gelingt es ihnen unter einem Mann wie Lloyd George nicht, sich wieder einen Platz an der Sonne zu sichern, dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, daß sie später den Kampf mit günstigeren Aussichten führen können. Die Liberalen haben nichts weniger zu vollbringen als den Nach- iveis zu führen, daß sie neben Konservativen und Arbeiterpartei als dritte en gl ische Partei ihren Platz behauptet haben und dementsprechend auch in Zukunft behaupten können. Jeder Sitz unter hundert Mandaten würde ihrer Sache abträglich sein müssen, denn es besteht kaum ein Zweifel, daß der Durchschnittsengländer eine starke Abneigung gegen ein Dreiparteiensystem mit den unvermeidlichen Regierungskompromissen besitzt. Die liberale Idee steckt sehr weiten Kreisen im Blut und sie wird in England fortleben, aber die liberale Partei wird möglicherweise über Bord geworfen werden, wenn sich zeigen sollte, daß sie zu klein ist, um sich unabhängig von anderen produktiv durchzusetzen, aber stark genug, um Konservative wie Arbeiterpartei an einer Mehrheit im Parlament zu hindern. Es ist möglich, daß es auch in England einmal zu einem Experiment kommen wird, daß eine konservative oder arbeiterparteiliche Regierung durch die Gnade der Liberalen regieren kann, aber es ist in hohem Grade unwahrscheinlich, daß eine von beiden Parteien oder das englische Volk für einen längeren Abschnitt von Jahren einen solchen Zustand sanktionieren werden. Die liberale Partei kämpft um ihre Existenz. Sie muß Mandate gewinnen, sie muß das Land überzeugen, daß ihr eigener Aufstieg in einem gesunden Verhältnis zu arbeiterparteilichen Gewinnen und wahrscheinlichen konservativen Verlusten steht; mit einem Wort, sie muß es beweisen, daß es weiterhin einen Sinn hat, bei späteren Wah- haftigen Lebens, den Schimmer elhsischer Freude und Kraft, einen poetischen Frühling, einen gesättigten Sommer. Sicherlich sind die Farben des Malers natürlichen Arsprungs und nicht wie die unseren in chemischen Küchen gezeugt. Ihr Bot, ihr Blau, ihr Gelb, das vielfach sich voneinander unterscheidende Grün, sie alle wurden wohl von Pflanzen und Hölzern gewonnen; leicht mag da die Pflanzenseele der ausgepreßten _ Gewächse flüchtig übergegangen sein in das grüne, blaue und rosige Farbenblut, und so kam es in die Bilder, und lebt, strahlt in meinem Dilderatlas des großen Pflanzenreiches. Es ist ein abwechselungsreicher, bunter Garten, darin man sich Wochen- und monatelang ergehen kann, ohne ihn in all seinen Teilen kennenge- Icmt zu haben. Er vereinigt in sich die Pflanzen aller Zonen, wie ein wahrer Weltgarten. Zwar ist er nur ein gemaltes Pflanzenwerk, eine Anlage botanischen Wissens. Trotzdem: es lohnt sich, ihn zu durchstöbern. Für mich hat es sich immer gelohnt. Den Anbilden der Witterung ist er nicht ausgesetzt, den Herbsten nicht preisgegeben. Die Schere der Mode, die auch die Büsche stutzt, schneidet nicht in seine Fülle. Ihm kann nichts geschehen. Er blüht, grünt und gedeiht, einzig genährt von meiner Liebe und meinem stummen Entzücken, wenn ich ihn aufschlage und den kunstvollen Bau der Taubnessel oder des Klappertopfs mit ebensoviel Bewunderung betrachte, wie nur irgendein menschliches Bauwerk. Die Taubnessel und der Klappertopf, der kriechende Günzel und die Ackerdistel, sie alle drücken, in wechselnder Gestalt, das eine aus: den schöpferischen Geist des Lebens, und die geheime Ordnung der Welt, jener Welk, die der Mensch nicht eingerichtet hat. In meinem Atlas, der völlig aus dem Leim gegangen ist, wie aus allen Bägeln ein verwohntes und abgebrauchtes Haus, an dessen Zimmerwänden aber noch die Bilder hängen, von der Art und der Beigung der Bewohner lebhaft zeugend, in diesem beschädigten Buch, darin die Pflanzenbilder schlicht und vornehm stehen, wie es ihrer Form und Anlage entspricht, habe ich die abgeschilderte Batur in einer Gesamtheit und mit so mächtigem Eindruck erlebt, wie der Musiker beim Lesen seiner Partitur den viel- klingenden Einklang des Instrumentenchores aufnimmt und erlebt. Denn auch mein Buch war eine Partitur, gefügt aus vielen Stimmen, ein Pflanzenchor, bald fein und gläsern mich ansprechend, bald heftig rauschend und duftend, bald düster, leidenschaftlich, üppig schwellend, bald farbig lodernd. Die Zartheit des Zittergrases, die Bipse des Wiesenschaumkrautes behaupteten sich len für die Liberalen zu stimmen. Gelingt dieser Nachweis, dann ist viel gewonnen, denn bann wirb sich vielleicht auch später einmal eine der beiben anderen Parteien bereit finden, mit den Liberalen eine Reform des englischen Wahlrech- t c 5 durchzusetzen, die an die Stelle der heutigen Mehrheitswahl irgend etwas setzt, was eine Parlamentsvertretung entsprechend der Zahl der aufgebrachten Stimmen sichert. Die deutsche Listenwahl wirb von England kaum je übernommen werden. Auch heute sind es in erster Linie die Männer, die den Ausschlag geben, und die Wahl einer Liste ist dem Engländer vollkommen wesensfremd. In dem Kampf der Parteien zeichnen sich danach einige alles andere überschattende Gesichtspunkte ab. Für die Konservativen handelt es sich nur um die Frage einer möglichst weitgehenden Erhaltung ihrer gegenwärtigen Macht; die Liberalen kämpfen um Wiederaufstieg und Zukunft, während die Arbeiterpartei diesmal das legitime Recht zu erlangen hofft, sich in Zukunft entsprechend den natürlichen Gesetzen der Wählerumschichtung mit einer großen bürgerlichen Gegenpartei in der Herrschaft teilen zu können. Flandern. In diesen Tagen sind es zehn Jahre, daß zu Versailles der deutschen Friedensdelegation die Friedensbedingungen überreicht worden sind, jenes Dokument des Hasses, welches seitdem Deutschland und Europa nicht zur Buhe kommen ließ. Wir erinnern uns gerade in diesen Tagen, daß im Jahre 1919 die Forderungen Frankreichs zur Errichtung seiner Vorherrschaft auch vor den Rechten der Ventralen nicht Haltmachten, daß damals Frankreich auf Kosten Hollands die volle Beherrschung der Rhein- mündungen zu gewinnen trachtete und damit die volle Herrschaft über den ganzen Rhein selbst und das wichtigste Ein- und Ausfallstor der west- und mitteleuropäischen Wirtschaft. Die damaligen Bestrebungen sind heute noch nicht begraben und bilden eine ständige Bedrohung Deutschlands. Als Bundesgenossen gegenüber dieser Gefahr kann Deutschland heute mehr denn je das Volk der Flamen betrachten, das selbst seit zehn Jahren einen zähen Anabhängigkeits- kampf führt, das heute nicht mehr bloß um die Erhaltung seiner Muttersprache, sondern um die Möglichkeit einer eigenen höheren Kultur kämpft. Das deutsche Volk hat sich seit hundert Jahren oft für die Polen und ihren Freiheitskampf begeistert. obwohl dieser nicht zuletzt gegen Deutschland selbst gerichtet war. In Flandern lebt seit den gleichen hundert Jahren, seit der Begründung des modernen belgischen Staates, ein uns stammverwandtes Volk von 4' _> Millionen unter einer Anterdrückung, die sicher nicht geringer ist als die der Polen jemals war; aber wie wenig Teilnahme hat Deutschland ihm bisher zugewandt! Es ist deshalb besonderes Verdienst der Süddeutschen Monatshefte (München), wenn sie in ihrem neuesten Heft „Flandern" über die Bewegung aufklären, vor allem durch führende Flamen selbst. Wenn Deutschland heute allen Bewegungen ähnlich der flämischen, so nahe sie es berühren, politisch auch machtlos gegenübersteht, so hat es seit dem Krieg doch eines gelernt; alle diese Auhenposten seines Volkstums mit einzubeziehen in das Gemeinschaftsgefühl der deutschen Kultur: de Coster und Timmermanns. Stijn Streuvels und Hendrik Conscience, Guido Gezelle und Bene de Clercg gehören uns mit an. And der Münchner Historiler K. A. von Müller sagt in seinem Vorwort zu diesem hochbedeutsamen Flandernheft: „Ansere Leser wissen, daß wir der Meinung sind, daß das deutsche Volkstum auch heute immer noch mitten im Krieg steht; daß jede geschlossene deutsche Schule, jede Zurückdrängung der deutschen Sprache eine verlorene Schlacht, jeder behauptete oder neu gewonnene Boden deutscher Kultur, deutschen geistigen Einflusses ein Sieg in diesem Kriege ist. In diesem Zusammenhang sehen wir heute auch den Anabhängigkeitskampf des flämischen Volkes, und wir danken den Männern, die ihn führen, für ihren Mut und ihre Zuversicht: Wir können von ihnen lernen." Oie Gasverf orgnngsfrage in Hessen Oie „Güwega" zur Oenkschrist der „Hekoga". Zur Frage der GasversorgunaH essens, die bekanntlich zwischen der R u h r - G a s - A. - G. und der Komm unalenSübwe st deutschen Ga s-A.-G. strittig ist, veröffentlicht die „SÜ- wega" (Südwestdeutsche Gas-A.-G. in Frankfurt a.M.) soeben eine Erwiderung auf die Denkschrift der Hekoga. Die Süwega führt aus: Hessen steht vor einer wirtschaftlichen und politischen Entscheidung von größter Tragweite. Soll die Gasoerlormmg des Landes künftig durch ausschließliche Fernversorgung von der Ruhr ober aber durch Gemeinschaftsarbeit kommunaler Gaswerke erfolgen? Der Vorstand der .Hekoga hat seinem Aufsichtsrat eine Denkschrift unterbreitet, in der das Preisangebot der Ruhr wesentlich vorteilhafter dargestellt wird, als das der kommunalen Gaswerke (Südwestdeutsche Gas A.-G.). Auf Grund dieser Darstellung empfiehlt der Aufsichtsrat seiner Generalversammlung den Anschluß an die Ruhr. Gegen diese Schlußfolgerung wendet sich die Süwega. In einem „Die ^tatsächlichen Preisunterschiede der beiden Angebote" überschriebenen Abschnitt wird berechnet, daß bet Preisunterschied zwischen dem Angebot der Süwega und dem bet Ruhr nicht, wie der Vorstand der hekoga behauptet, 1 bis 1,5 Pf. pro Kubikmeter, sondern nur 0,5 Pf. pro Kubikmeter beträgt. Es heißt bann weiter: Diese Differenz wirb sick)er mehr als ausgeglichen burch bie viel größere Be- triebsficherl-eit bei ber Versorgung ber Hekoga von mehreren Seiten unb aus größeren Gaswerken, die bessere Gasqualität und bie größere Gleichmäßigkeit der Gasbelieferung, sowie die Einflußnahme auf den Brennstoffmarkt, ein sehr gewichtiges Mo- ment, das in der Denkschrift des Hekoga-Vorftandes außer Acht gelassen worden ist. 3n einem „Kornmunalpolitische Bedenken überschriebenen Absatz wird dann weiterhin auf Die eminente kommunalpolitische Bedeutung der in Hessen bevorstehenden Entscheidung hingewiesen. Die gedeihliche Weiterentwicklung des südwestdeutschen Wirtschaftsgebiets", so heißt es da. „hängt entscheidend davon ab, daß Gemeinden und Provinzen auf dem Gebiete der Versorgung mit Gas als eine der zukunftsreichsten Energiequellen miteinander Zusammenarbeiten und dadurch auch ihre engere Verbindung auf andern Gebieten fördern. Es wird festgestellt, daß der geplante Ausschliehlichkeitsvertrag Hessens mit der Buhr die Gemeinden nicht nur auf 30 Jahre, sondern auch darüber hinaus bindet, und daß sie gezwungen fein werden, nach Ablauf der Ver» tragsdauer infolge des Fehlens eigener Werke zu ungünstigeren Bedingungen mit der Buhr ab- zuschließen als heute. Die Süwega erinnert weiter an die Gefahren, die sich aus dem Ferngasbezug von entfernten Produktionsstätten ergeben: Leitungsstörungen und Lieferungsunterbrechun- gen infolge von Wirtschaftskämpsen oder sonsti- neberx dem Glockenklang der Glockenblume und dem Summen des Eichenwipfels, und es gab keinen unedlen Wettstreit. Der Künstler hatte die Pflanzengeschöpfe eingestimmt in das sanfte Gesetz seines Buches, wie sie in Wirklichkeit eingestimmt waren in den Bestand und in die Jahreszeiten der Erde. • Wie er das Bähe, Vertraute, das Anschein- bare und heimatlich Schöne umfaßte und mit Liebe vor mich hinstellte, so ergriff seine Zeichen» und Malkunst auch das Ferne, Seltene, Fremd- artige, Erstaunliche, alle exotische und wilde Pracht. Glücks genug, Freude genug, die mir der sorgfältige Pflanzenatlas zuwies und bereitete! Wer hätte mir, wenn nicht er, den Mammei» baum, den Aprikosenbaum von St. Domingo vorgeführt, der so köstliche Früchte hervorbringt? Wer den Vierenbaum? Den Orleansbaum, mit dessen Fmich tmark die Indianer ihre Haut beizen? Wer das Glasschmelz-Gewächs vom Meeresstrand. wer die Wunderblume Ialappe, das Bitterholz und die Pimpernuß? Vicht ein Lehrer in meiner langen Schulzeit hat mich _ so fesselnd Pflanzenkunde gelehrt, wie mein bewährter Atlas des botanischen Reiches. Das muh ich ihm danken. And mehr noch: zum Stofs gab er mit den Seelenhauch, zur Lehre den Rausch der Phantasie. Lenkte der Atlas den Blick auf die Pflanze, zog er ihn zugleich auf die Welt, und überall, auf allen Kontinenten. fand der glückliche Blick Blumen, Gewächse, Bäume. Vatur. Seine Fruchtbarkeit war ohne Gleichnis: er bot den Pflanzen der Heimat und den Gewächsen der Fremde eine gastliche Stätte. Darin mag er, der gute Atlas, dem Paradiesesgarten gleichen, dem unverwelklichen Legendengarten, darin alle Arten von Pflanzen geschwisterlich gediehen, die Schlüsselblume genau so gut wie die herrlichste Orchidee, die ganz aus blauem Arwaldlicht gesponnen ist. Seine Harmonie ist rührend, seine Einheit beruhigend, seine Ordnung weise. Auch in ihm wird die Genesis geoffenbart, er ist ein bescheidenes und bezauberndes Buch der Weltschöpfung ... ----------- Freikarten. Von Hans ORiebau. Es war nicht klug von Mister Brother gewesen. ausgerechnet in Aberdeen ein Kino aufzumachen. Denn Aberdeen liegt in Schottland, und Schottland ist eine geizige Gegend. Acht Tage schon flimmerten die Filme, acht Tage schon hämmerte der Klavierspieler. Aber mehr als fünf Personen hatten noch nicht gleichzeitig auf den blank polierten Bänken gesessen. „Was tun?“ jammerte Brother. „Hm", sagte der Portier. ..ich wüßte schon ein Mittel, ein unfehlbares Mittel." Brother hob den Kops. „And das wäre? „Was zahlen Sie mir, wenn — ?" fragte der Portier. • „Ich zahle Ihnen 20 Pfund, wenn Sie mir 100 Leute ins Kino bringen.“ „Topp", sagte der Portier, „Freikarten ziehen das große Publikum nach sich. Das ist immer so. Geben Sie zwanzig Dauer-Freikarten aus, und die Sache ist gemacht." Brother wiegte den Kopf. And gab zwanzig Dauer-Freikarten aus. Am nächsten Abend um acht saßen zwanzig Personen auf den Bänken. Brother zählte. Rang die Hände. „Abwarten!" sagte der Portier. Am 8.20 Ahr saßen 39 Personen auf den Bänken. Brothers Stirn glättete sich. „Sehen Sie wohl!" sagte der Portier. Am 8.45 Ahr saßen 60 Personen, um 9.10 Ahr 78 Personen, um 10 Ahr 118 Personen auf den Bänken. „Mein Retter!" schüttelte Brocher dem Portier die Hand. And gab ihm eine Zwanzig- pfund-Vote. „Danke", sagte der Portier. Am 11 Ahr war die Vorstellung aus. Die Leute strömten auf die Straße. Brocher ging lächelnd zum Kassenschalter. „Run?" fragte er. Vichts . sagte das Fräulein an der Kasse. „Wie?" donnerte Brother. „118 Zuschauer minus zwanzig Freikarten, das sind 98. Achtundneunzig Karten müssen Sie verkauft haben!" „Vicht eine Karte ist verkauft", lächelte daS Fräulein. , , , „ , , Brother rang nach Luft. „Ich habe . stöhnte er. „doch nur zwanzig Freikarten ausgegeben.“ „Das genügt auch", sagte das Fräulein. „Wenn der Portier im Saal die Karten immer wieder einsammelt und sie auf der Straße von neuem verteilt, ist das Theater bald voll". Brother lehnte sich gegen die Wand. „Schuft!“ flüsterte er, „Betrüger!" And dann laut: „Der Portier soll sofort kommen." Aber der Portier kam nicht. Er war längst auf und davon. Brother fiel auf einen Stuhl. „Mein Gott", murmelte er. „nicht auszudenken! Wenn nun die Zwanzigpfund-Vote. die ich ihm gegeben habe, auch noch echt gewesen wäre!" gen politischen Ereignissen. Sie schildert die Vorzüge der Gruppenversorgung. Diese erhält starke und leistungsfähige Werke innerhalb des südwestdeutschen Bezirks, die. untereinander verbunden, durch höchste Ausnützung ihrer Anlagen und Reserven eine Preisgestaltung ermöglichen, die derjenigen der Ruhr nur um Bruchteile eines Pfennigs unterlegen ist. Außerdem verhindert sie das von der Ruhr erstrebte Koks- und Rebenproduktenmonopol, durch das der hessischen Bevölkerung jederzeit höhere Lasten auferlegt werden können, als die Ersparnisse in der Gasversorgung im günstigsten Falle betragen können. Die Gruppenversorgung gibt weiterhin die Möglichkeit, etwaige technische und wirtschaftliche Verbesserungen auf der Grundlage der eigenen Produktion in stärkstem .Umfange für die gesamte Bevölkerung auszunuhen und nur etwa benötigtes zusätzliches Gas als Ferngas zu beziehen. Endlich weist die Süwega auf die politischen Gefahren hin, die sich aus der Uebereignung lebenswichtiger Versorgungsbetriebe an einen privatkapitalistischen Konzern ergeben und erinnert an die Stellungnahme des Vereins der deutschen Gas- und Wasserfachmänner und des Deutschen Städtetages zugunsten der kommunalen Gaswirtschaft. Welche Bedeutung die beteiligten Kommunen Südwestdeutschlands dem ganzen Problem beimessen, erhellt am besten aus dem letzten Abschnitt der Denkschrift, der ein neues Angebot der Städte Frankfurt und Mannheim enthält: ..Von dem Bestreben geleitet, den Mitgliedern der Hekoga die Gewähr dafür zu geben, daß die von der Süwega erstrebte Gemeinschaftsarbeit nicht einseitig von den Interessen der Städte Frankfurt und Mannheim bestimmt wird, erklären sich die Frankfurter G a s - G. - A. und die Stadt Mannheim vorbehaltlich der Zustimmung ihrer verfassungsmäßig zuständigen Organe bereit, eine Produktionsgemeinschaft zwischen den Beteiligten herbeizuführen. Sie schlagen vor, die Gaserzeugungsstätten Frankfurt und Mannheim gemeinsam mit dem von der Hekoga zur Fortführung bestimmten Werk in Mainz in ein neues Groh- gasunternehmen einzubringen, die gemeinwirtschaftliche Erzeugung in diesen Werken zu betreiben und die Hekoga im gleichen Verhältnis wie Frankfurt und Mannheim an diesem Unternehmen zu beteiligen." Hessischer Industrie- und Handelsknmmertag. WSN. Mainz, 11. Mai. Der Hessische I n - dustrie- und Handelskammertag hielt heute in Mainz eine Vollversammlung ab, zu der neben dem Reichskommissar für die besetzten Gebiete und Minister Korell eine große Zahl behördlicher Vertreter erschienen waren. In1 seiner Begrüßungsansprache wies der Vorsitzende, Kommerzienrat Scholz (Mainz) auf die welthistorische Bedeutung der Sachverständigenkonferenz in Paris hin. Deutschland, so betonte er, habe durch seine Vertreter auf dieser Konferenz bewiesen, daß es den ehrlichen Willen habe, endlich zum Ziele zu kommen. Wer für eine wahre Verständigung. Frieden und Eintracht eintrete, müsse immer wieder die Räumung des besetzten Gebietes verlangen. Justizminister a. D. Dr. h. c. Schiffer verbreitete sich darauf über das Thema „I ustiz und Wirtschaft". In längeren Ausführungen wies er auf die Beziehungen zwischen Justiz und Wirtschaft hin und trat für eine Umgestaltung des Justizwesens nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ein. Vor Schluß der Tagesordnung brachte Dr. Schenk, Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer Darmstadt, eine von den Vertretern des Handelskammertages einstimmig angenommene Entschließung ein, in der dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben wird, daß die hessischen Industrie- und Handelskammern nicht Gelegenheit erhalten haben, zu dem Beschluß des Vorstandes und Aufsichtsrates der Hekoga Stellung zu nehmen, obwohl sie nach dem Gesetz auch in allen Wirtschaftsfragen von den Gemeinden gehört werden sollen. Bürgermeister Hiemenz (Mainz), Vorstandsmitglied der Hekoga, brachte zum Ausdruck, daß von endgültigen Beschlüssen noch nicht gesprochen werden könne. Es handele sich um einen Vorschlag, der zur Diskussion gestellt sei. Daten für Mittwoch, 15. Mai. 1773: der österreichische Staatsmann Fürst von Metternich in Koblenz geboren (gestorben 1859); — 1859: der Physiker und Entdecker des Radiums, Pierre Curie in Paris geboren (gestorben 1906); — 1862: der Dramatiker Arthur Schnitzler tn Wien geboren; — 1926: das Luftschiff Borge landet in Alaska nach Ueberfliegung des Nordpols. Wirtschaft. Entlastung der Reichsbank auf Wechsel- und Lombardkonto. Bei der Reichsbank seht sich, wie WDD.- Handelsdienst hört, die Entlastung auf dem Wechsel- und Lombardkonto fort. Ra- mentlich der Bestand an Reichsschatzwechseln soll eine erhebliche Abnahme erfahren haben. Der Rotcnumlauf habe sich weiter verringert. * * Verein für chemische Industrie A.-G., Frankfurt a. M. Die Verwaltung schlägt der auf den 11. Ium einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von wieder 1 Prozent für das Geschäftsjahr 1928 vor. Der derzeitige Geschäftsgang ist zufriedenstellend. * Zellstoff-Fabrik Waldhos 21.-®., Mannheim-Waldhof. Rach dem Bericht stellt der Beschluß der Errichtung einer selbständigen Zellulosefabrik in Kexholm (Finnland) die wichtigste Entscheidung im Jahre 1928 dar. Ausschlaggebend war die Erkenntnis der Rotwendigkeit der Wiedergewinnung eines Auslandstühpunktes mit günstigen natürlichen Bedingungen. Die im Zusammenhang damit stehende Kapitalerhöhung um 10,7 Mill. Mark ist durchgeführt. Die Projektierungsarbeiten für den Dau der neuen Fabrik, die auf eine Kapazität von 60 000 Tonnen Zellstoff eingerichtet werden soll, seien in vollem Gange. Ein Teil des technischen Stabes sei für Kexholm eingesetzt, der Beginn der Bauarbeiten hänge vom Wetter ab. Das Inlandgeschäft unterlag mehrfachen Schwankungen. Die Aufnahmefähigkeit des Auslandmarktes war im allgemeinen zufriedenstellend, wenn auch die Erlöse durch die Konkurrenz der dort heimischen Fabriken beeinflußt wurden. Die Erzeugung der sämtlichen Fabriken, die sich sowohl in Zellstoff, als auch in Papier erhöhte, konnte abgesetzt werden. Reu gegründet wurden die Sulfit-Zellstoff G. m. b. H. und die Pergament G. m. b. H. An dem Gewinn nimmt nur ein Stamm°A.°K. von 30,15 Mill. Mark teil, da das Dividendenrecht von 2 Mill. Mark Vor- ratsattien ruht. Der Ueberschuh aus Waren und Effekten beträgt 23,40 (21,52) Mill. Mk. Steuern und Unkosten beanspruchten 4,89 (4,58). Von dem verbleibenden Reingewinn von 8,284 (6,887) Mill. Mark werden 3,54 (3,15- Mill, zu Abschreibungen verwendet, 150 000 (200 000) Mark den Reserven überwiesen, 13^3 (12) Proz. Dividende auf die Stammaktien, wieder 7 Proz. auf die Vorzugsaktien Lit. A, 6 Proz. auf die Vorzugsaktien Lit. B und 6 Proz. auf die Genußrechte verteilt. Zum Vortrag verbleiben 376 685 (330 977) Mark. * Schweizerische Lebensversiche- rungs- und Rentenanstalt in Zürich. Der Aufsichtsrat hat den Bericht über das Iahr 1928 genehmigt. Bei den Kapitalversicherungen hat sich durch einen Zugang von 155 Millionen Franken (Dorjahr 144 Millionen Fr.) der Bestand auf P/s Milliarden Franken gehoben. Der Bestand an Rentenversicherungen, der Ende 1927 11,5 Millionen Fr. betragen hatte, erreicht nunmehr 15 Millionen Fr. Die Gruppenversicherung, die jedem Arbeitgeber das Mittel bietet, eine vollkommene Personalfürsorge zu schaffen, hat erfreuliche Fortschritte gemacht. Diese Einrichtung wird in steigendem Maße benützt; zu ihrer Der- breitung hat wesentlich beigetragen, daß der Reinertrag der Gruppenversicherung den Versicherungsnehmern wieder zufließt. Die Vermögenswerte sind von 340 auf 386 Millionen Franken, die Prämien- und Zinseneinnahme ist von 78 auf 86 Millionen Fr. gestiegen. Für Ver-- sicherungsleistungen und Rückvergütungen an Versicherte sind 30,5 Millionen Fr. gegen 27,7 im Vorjahr zur Auszahlung gelangt. Das Rechnungsergebnis beträgt nach einer Einlage von 1,12 Millionen Fr. in die Kriegsreserve 16,4 Millionen Fr., einschließlich 1,3 Millionen Fr. Reinertrag der Gruppenversicherungen. Das Ergebnis ist um mehr als 2 Millionen Fr. größer, als das zuletzt ausgewiesene und kommt den Versicherungsnehmern zugute. Durch die Zuweisung aus dem Iahresüberschuß erhöht sich der Ueberschuhfonds, aus dem die künftigen Rückvergütungen an die Versicherten entnommen werden, auf 35,7 Millionen Fr. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 14. Mai. Tendenz: zurückhaltend. Auch heute zeichnete sich die Börse wieder durch besondere Geschäfts stille und »Lustlosigkeit aus. Die gedruckte Lage am Geldmarkt und der stille Schluß der gestrigen Neuyorker Börse verstimmten erneut, und die Stimmung neigte weiter nach unten, doch blieben heute die Verluste ganz gering und überschritten kaum 1,5 o. H., da das Angebot sehr klein blieb, was aber in erster Linie auf den kleinen Umfang der Engagements zurückzu- führen war. Kaufaufträge fehlten ebenfalls wieder vollkommen, so daß das Geschäft fast vollkommen stagnierte. Das Hauptaugenmerk richtet sich nach wie vor noch auf die Reparationsverhandlungen. Der langsame Fortgang der Verhandlungen war vor allem der Grund zur Zurückhaltung, doch wurde es mit Befriedigung ausgenommen, daß zwischen dem englischen Delegierten und dem deutschen Sachverständigen Dr. Schacht hinsichtlich des Schlußberichtes eine Einigung erzielt wurde, doch macht die Verteilungsfrage der zu zahlenden Annuitäten noch einige Sorge, aber dessenungeachtet wird bald das Endergebnis der Konferenz erwartet. Auch bringt man damit in Zusammenhang, daß sich hiernach die Geldmarktoerhällnisse bessern würden. Etwas stärker angeboten waren Chadeaktien, minus 4 Mk., und Glanzstoff minus 6 v. H. Elektrowrrte waren bis 1 v. H. niedriger. Nur für AEG. bestand einiges Interesse mit plus 1,5 v. H. Dieses Papier wurde von amerikanischer Seite etwas reger aus dem Markt genommen. Auch Licht & Kraft konnten bis etwa 1 v. H. anziehen. Farben eröffneten 1,5 v. H. niedriger. Zellstoff Waldhof minus 2,5 v. H. Bank- und Montanwerke fast ohne Umsätze. Salzdetfurth 1 v. H. schwächer. Renten still, zumeist knapp gehalten. Von Ausländern waren Anatolier angeboten und bis zu 0,5 v. H. abgeschwächt. Nach den ersten Kursen blieb die Umsatztätigkeit eng begrenzt, die Kurse gingen zumeist infolge der anhaltenden Lustlosigkeit bis zu 1,5 v. H. zurück. AEG. blieben gut behauptet. Auch Deutsche Linoleum, die gut gehalten eröffneten, waren jetzt, nachdem man den Dividendenabzug berücksichtigt hatte, angeboten und bis 2,5 d. H. niedriger. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8,75 v. H. gesucht und angespannt. Arn Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,21065, gegen Pfund 20,453, gegen Paris 124,17, London gegen Kabel 4,8517, gegen Mailand 92,66, gegen Madrid 34,05, gegen Holland 12,0675. Die Mark lag allgemein etwas fester. Berliner Börse. Berlin, 14. Mai. Nach einem verhältnismäßig freundlichen, aber sehr stillen Vormittagsverkehr eröffnete die heutige Börse mehr stimmungs- als kursmäßig in schwacher Haltung. Die Beruhigungspille der Reichsbank, daß seit den letzten Ausgaben größere Rückflüsse eingesetzt hätten, und daß besonders die Reichsschatzwechsel eine starke Abnahme erfahren hätten, konnte die Befürchtungen hinsichllich des Geldmarktes nur zum Teil zerstreuen, denn es wurde bekannt, daß seitens der Seehandlung eine Erhöhung der Zinssätze um 0,5 bis 1. v.H. vorgesehen sei und sicherlich die Verkäufe aus der Provinz zu Geldbeschaffungszwecken ihr Ende noch nicht gefunden hätten. Auch die zunächst freundlichen Meldungen aus Paris wurden durch neueste pessimistische Pressestimmen wieder unwirksam gemacht, ferner verstimmte der im April schlechtere Ruhrkohlenabsatz, die gestrige schwache Neuyorker Börse und vor allem die anhaltende große Geschäftsstille. Bei den Banken lagen neue Orders so gut wie gar nicht vor. Nur in einigen Elektrowerten war die Umsatztätigkeit lebhaft. Besonders AEG. wurden in größeren Posten von amerikanischer und französischer Seite gekauft. Auch Norddeutsche Wolle und Stohr konnten sich nach ihrer gestrigen Abschwächung wieder etwas erholen, dagegen betrugen die Kursrückgänge im allgemeinen 1 bis 3 d. Sy, Essener Steinkohle, Konti Kautschuk, Polyphon und Glanzstoff gaben bis 5,5 v. H. nach. Deutsche Linoleum wurden heute exklusive Dividende gehandelt und lagen nur wenig verändert. Deutsche Anleihen und Ausländer geschaftslos. Pfandbriefe angeboten, besonders Goldpfandbriefe schwächer, dagegen Liquidationspfandbriefe und Anteile nicht einheitlich. Geld blieb unverändert gesucht, vielleicht sogar noch eine Kleinigkeit stärker als gestern. Tagesgeld 8,75 bis 10,75 v. Sy und nur vereinzelt darunter mit 8 v.H. Monatsgeld 9 bis 10,5 v.H. Warenwechsel ohne Umsatz. Auch im Verlaufe blieb der Markt mit Ausnahme von AEG. verödet, die Kurse bröckelten naturgemäß infolge der großen Geschäftsstille bis zu 1 d.S). ab. Polyphon verloren 2 o. H., Farben gingen ebenfalls um weitere 1,5 v. H. zurück, die Hoffnungen auf eine 14-v. H.-Divi- dende find im Moment wieder sehr gering. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurta. M., 14. Mai. Tendenz ruhig. Trotz höherer Auslandnotierungen verkehrte der Produktenmarkt in ruhiger Haltung. Die Grundstimmung war etwas freundlicher, das Geschäft erfuhr jedoch hiervon keine Belebung. Die Preise blieben im großen und ganzen unverändert, nur am Futtermittelmarkt war Weizenkleie etwas stärker angeboten und etwas schwächer. Das Angebot in den übrigen Artikeln blieb nach wie vor äußerst gering. Es wurden notiert; Weizen 24 Mark; Roggen 22,75; Sommergerste für Brauzwecke 23,75; Hafer, inländischer, 23,50 bis 23,75; Weizenmehl, süddeutsches, Spezial 0, 31,75 bis 32; Roggenmehl 29,75 bis 30,50; Weizenkleie 12,25; Roggenkleie 13,10 Mark. Rundfunkprogramm. Mittwoch, 15. Mai. 6,30: Morgengymnastik. 10,40 bis 11,10: Schulfunk: Deutsch, vorgetragen von Adalbert Reu- mann: Goethe im Gespräch. Einleitung: lieber das Verhältnis Eckermanns zu Goethe und über die Bedeutung der „Gespräche". 13,15: Schallplattenkonzert: Unterhaltungsmusik der Kapelle Dajos Dela. 15,05 bis 15,35: Stunde der Iugend; Aus dem Buch der Sage und Geschkchte, vorgetragen von Rektor Wehrhan: „Lustige Geschichten aus der Mühle". Für Kinder vom 10. Iahre ab. 16,35 bis 18,05: Don Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Bücherstunde. 18,45 bis 19,05: „ Fernsehen und Rundfunk". Dortrag von Oberingenieur Dr.-Ing. W. Reisser. 19,05 bis 19,25: „Kommt das Wohnheimstättengesetz?". Dortrag von Reg.-Rat Max Harteck. 19,25 bis 19,40: Senckenberg-Diertelstunde: „Zoologische Streifzüge durch Südtunis". Dortrag von Dr. R. Mertens. 19,40 bis 19,50: Französische Literaturproben. 19,50 bis 20,15: Französischer Sprachunterricht. 20,15 bis 21,15: Schallplattenkonzert: Aus „Die Walküre". Musikdrama in drei Aufzügen von Rich. Wagner. 21,15: Bunter Abend. Donnerslag. 16. Mai. 6,30 llhr: Morgengymnastik. 12,30: Schallplattenkonzert: Kammermusik. 15,05 bis 15,35: Don Kassel: Stunde der Iugend. Dichterstimmen aus der Heimat, vorgetragen von Mittelschullehrer H. Rückert, Kassel: „Das Konrädchen", Erzählung von Heinrich Ruppel. Für Kinder vom 12. Iahre ab. 16,35 bis 18,05: Konzert des Rundfunkorchesters: Smetana. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,45 bis 19,05: Don Kassel: Dortrag. 19,05 bis 19,45: „Rao Hius", ein niederdeutsches Trauerspiel in fünf Akten von Eduard Schoneweg, Dortrag und Vorlesung von Rektor K. Wehrhan. 20,15: Rach Stuttgart: „Amerikanische Tragödie". Hörspiel von Fritz Walter Bischoff. Anschließend: Vortragsstunde Hans Reimann. Freitag, 17. Mai. 6,30 Uhr: Morgengymnastik. 12,15: Schallplattenkonzert: Große deutsche Sänger und Sängerinnen. 15,05 bis 15,35: Stunde der Iugend. Aus der Technik des Alltags, vorgetragen von Mittelschullehrer Adolf Hering: „Ein Besuch im Flughafen". Für Kinder vom 10. Iahre ab. 16,35 bis 17,15: Hausfrauen-Rachmittog veranstaltet vom Frankfurter Hausfrauenverein. 17,15 bis 17,45: Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen-Rafsau und Waldeck: „Welche Ursachen hat die moderne Umbildung der weiblichen Arbeitsgebiete in der Landwirtschaft, und welchen Ruhen bringt sie der kaufenden Hausfrau?" Vortrag von Frau von der Malsburg. 17,45 bis 18: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 18,50: Stunde des Südwestdeutschen Radio-Clubs. 18,50 bis 19,10: „Fausts Weg ins Reich der Mütter, Mephisto als Allerweltsarzt und Beschwörung von Paris und Helena (Goethes „Faust II". 1. Akt)", Vortrag von Pfarrer Clemens Taesler. 19,10 bis 19,30: Zwiegespräch zwischen Bernard Brentano und Ernst Glaeser. 19,30 bis 19,50: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19,50 bis 20: Film-Wochenschau. 20 bis 21: Von der Stuttgarter Liederhalle: Konzert des Dahton-Westminster-Chors. 21: Sinfonie-Konzert. Samstag, 18. Mai 6,30 Uhr: Morgengymnastik. 11 bis 12: Dom Zoologischen Garten. 13,15: Schallplattenkonzert: Instrumentalsoli. 15,05 bis 15,35: Stunde der Iugend. Aus dem deutschen Liederkranz. Knabenchor des Gesangvereins „Eintracht", Wiesbaden- Biebrich. Chorleiter: Lehrer Hans Schmidt. 16,35 bis 18,05: Konzert des Rundfunkorchesters: Reue Tanzmusik. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 18,50: Esperanto-Unterricht. 18,50 bis 19,10: Der Briefkasten. 19,10 bis 19,30: Schachstunde. 19,30 bis 20: Stunde des Frankfurter Bundes für Dolksbildung: „Was bedeutet uns Pfingsten?", Dortrag von Elfe Zurhellen-Pfleiderer. 20 bis 21: Volkstümliches Chorkonzert. 21: „Die blaue Mazur". Operette in drei Akten von Franz Lehar. Anschließend: Tanzmusik. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. IFranksuN a. M. Berlin Schluß- Kurs l-Uhr. Kurs Schluß- Kurs Ansang Kur« Darum 13.5. 14.5- 13 5. 14 5. 5% Dl. Reichsanleche o. 1927 87,4 — 87,5 _ Dl. Olnl.-2lblö|.-ed)ult) mil (Muß los.-Rechlcn 51,6 — 51,7 51,6 Desgl. ohne Autzlos.-Rechte . 10 — 10,13 10,1 7% Franks. Hyp.-Bk. Goldps. UN kündbar bis 1932. . . 88 _ _ _ 4/z% Rheinische Hyp.-Bcmk Ligu Goldps..... 74,75 _ v.EG. abg. BorkriegS-Obligation. rückzahlbar 1932 87,75 — 87,5 — 4% Schweiz. Bundetzb.-Anl.. 101,5 — _ _ 4% Oestcrreichijche Goldtte.. 29.6 — 29,75 _ 4,20% Oeslerr. Silberne. . . 2,75 _ 2,75 — 4% Oesterreich, einheill. Rle. 1,75 — _ 4% Ungarische Golbrle.. - - 23,13 23,13 _ 4% Ungarische Slaalßr. v. 1910 . 20 — 20,3 — 4^% deßgl. von 1913 . . . 21,5 —— 4% Ungarische Kroncnric.. - 1,8 — 1,85 —— 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 9,13 — 9,1 ___ 4':., Türkiiche Bagdadbahn-Anl.. Serie I ....... — — 8,8 8,8 4% desgl. Serie II .... _ 9 4% Rumänen converl. Rle. . 7,6 _ _ 4yt°,'o Rumänen Goldanl. von 1913 16,5 — 16,5 — eillfl. Deutsche Eilenbahn . . 4Vi _ _ — _ Hamburg-Amerika Pake! . . . 8 — — 118,13 117,25 Hamb.-Südam. Tampsjch. . . 8 — — — Hansa Dampsschijs . . . 10 — — 149,75 — Norddeutscher Lloyd . . . . 8 110,5 110 110,75 109,5 Llllg. Deutsche Grevltanst. . . 10 125 124,13 125 124,75 Barmer Bankverein . . , 10 126 124 Berliner Handelsgesellsch. . . 12 — — 211,5 210,25 Commerz- und Privat-Bcmk . 11 185 183,6 185 183.25 Tarmst. u. Nalionalbank . . 12 256 257 255 Deutsche Bank .... 10 160,25 — 160,75 160 Diskonto-Geselstchast OnL. . 10 152,5 152 152,5 152 Dresdner Bank .... 10 156,75 156 157 156 Milleldeulsche Greditbauk . . . 9 . 8 _ _ _ RcichSbank ........ U 304 — 305 302 Frankfun a M. Berlin Schluß- l-Ubr- Schluß- Ansang- Kurs Kurs Kurs Kurs Datum 13-5. 14.5. 13.5. 14.5. A.E.G........... . b 172 173,5 172,75 173 Bergmann...... • . 9 —— — 209 206 Elektr. LIescrungen..... 10 —— 154 155,5 154,75 Licht und Kraft . ..... 10 209,75 210,5 210,65 211 Felten 4 Guilleaume.... . 6 137 —— 138 136,25 Ges. s. Elektr. Untern.. ... 10 222 221 222 221,5 Hamb. Elekrr. Werke . . . . 10 — —- 139,25 — Rhein. Elektr........ . 9 —- — 164 161,5 Schics. Elektr........ 10 — — 185,25 184,75 Schultert..... • • • . 8 243,25 244,25 243 Siemens & Halske . • • • • 12 376 375,25 377 375 Transradio . . ...... . 8 145 Lahmeyer 4 Go...... . 10 165,5 — 165 Buderus..... • • • . 5 68,5 — 68,5 68,75 Deutsche Erdöl ...... . 6 112,25 — 112,65 111,6 Essener Steinkohle ..... . 8 — — — 113 Gelsenkirchener ... t. % 3- 4 127,5 — 128,25 127,5 Harvener......... . 6 130 — — Hoesch Eisen........ . 8 — — 117 116 . 8 212 .— 213 212,5 100,5 — 100 98,5 Köln-Neuesten. ...... . 9 — — 115,5 — Mannesmann....... . 8 114 — 114,13 113,5 ManSfclder........ . 7 — — 126,25 126,5 Lberschles. Eiscnb. Bedarf. . . 6 — — 81,75 Oberschlej. KokSwerke .... . 6 --- — 105,25 104,75 Phönix Bergbau...... 88 — 87,5 87,75 Rheinische Braunkohlen. . . 10 283 — 283,5 282,25 Rheinstabi . s. Jahr 4/t 115,25 114 115,5 114,5 Ricbeck Montan...... 7,2 Bereinigte Slahlw..... 90,75 90,75 90,6 CinDi Minen..... . 2 Sh _ 65,13 Kali Aschersleben . . . . . 10 232,5 _ 930 ' 230 Kaki Westeregeln . . . . . . 10 237 _ 237,5 235,5 Kaliwerk Salzdelsurth . . . Id 378 377 380 378 3- ®- Farben-Industri« . . . Dynamit Nobel ...... 12 . 6 245,75 244,25 245,75 n|44 Scheideanstall. ...... . 9 __ _ Goldschmidt . ...... . 5 82,25 _ 81 Rutgers werke . ...... . 6 88,5 _ 88,75 87 5 Metallgesellschaft. e • e • • U 127,5 127 127,5 127 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- Kurtz l-Uhr- Kurs Schluß- Kurs Anfang Kurs Datum 13.5. 14-5. 13-5. 14 5- PHUtpP Hvtzmann .... 110,5 — 111 111 Heidelberger Eement. . . 10 145,5 145 Gement Karlstadt . . . . . k 180,5 — — —» Wayß 4 Freitag..... 10 —- 125 — Schultheis Pahenhoser . . 15 — — 296,75 295 Ostwerke........ 12 — — 239 236 Bcr. Glanzsiofs..... 18 422 416 421 415,5 Bemberg........ 14 — — 335 334,4 Zellsloss Waldhos .... 12 —— 248,75 251,25 248,25 Zellstoff Aschasfcnburg . . 12 — 184 Charlottenburger Wasser . • 1 —— — 110,5 110 Dessauer Gas...... . 8 — — 203,5 201,75 Daimler 'Motoren .... . 0 — 52 52,5 52,5 Deutsche Maschinen-Fabrik . 0 — 50,5 50,5 Adlcrwerke Kleoer .... . 6 47,5 — 48 47 Ludw.Loewe ...... 10 — — 205 203 Nat. Automobil..... . 0 —— 29 28 Orenstein 4 koppel . • • . b — — 91,25 91,75 . 6 — — 288 288 Bamog-Meguin..... . 0 —— _ Franks. Maschinen . • • • . 6 53 — 53,5 11 80,5 _ 80,65 — Hevligenstaedt . . . • . . 0 — — _ Funghan»...... . . 4 63,25 — 62,25 — Lechwerke. ...•••• . 8 111,5 — — Matntrastwerke . . • • • . 8 108 — — — Miag.......... 10 — 123 ________. Nelarsulmer . . • • • • . 8 — — 14 123 Peters Union ...... . 8 119,75 _ 118,5 Gebr. Roeder ...... 10 110,5 _ Boigt 4 Haessner .... . 8 205 _ 205 _ Südd. Zucker ...... . 8 150,75 — 150,5 — Banknoten. Berlin, 13- Mai Geld Brief Amerikanische Noten . . 4.208 Belgische Noten..... RR AI Dänische Noten ..... 112,19 112,63 Ellültiche No««.. . »« » » 20,435 20,515 Berlin 13- Mai Geld Brief Franzöftsche Noten. . 16,48 16,54 Holländische italienische Norwegische Noten . . . Noten . . . . » . 169,11 22,14 169,79 22,22 Noten. . . 112,18 112,62 Deutsch Ocsterr , ä ioo Kronen 59,15 59,39 Rumänische Noten . . . . « ■ 2,52 2,54 Schwedische Noten - . - * * a 112,40 112,84 81,14 81,46 60,42 12,53 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. 60,18 12,47 Ungarische Noten ■ . • • 73,25 73,55 Devisenmarkt Berlin -Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 13. Mai 14. Mai Amtliche Notterung Geld 1 Briet Amtliche Geld Dotierung Briet Aurst.« Rott. 169,41 169,75 169,32 169,66 Buen--Aires 1,771 1,775 1,770 1,774 Brss.-Antw. 58,49 58,6 58,475 58,595 Chriitiania - 112,32 112,54 112,28 112,50 Kopenhagen 112,31 112,53 112,26 112,48 Stockholm - 112,55 112,77 112,50 112,72 Hclsingfors. Italien. . . 10,588 22,065 10,608 22,105 10,583 22,05 10,603 22,09 London. . . 20,443 20,483 20,434 20,474 Ncupork . . 4,2135 4,2215 4,2120 4,2200 Paris.... Schwei» . . 16,455 16,495 16,45 16,49 81,135 81,195 81,105 81,265 Spanien . . 59,84 59,96 59,93 60,05 Japan . - . Rio de Jan- 1,888 1,892 1,887 1,891 0,502 0,504 0,4995 0,5015 Wien in D-- Ceft. abgest 59,21 59,33 59,17 59,29 Prag . . - . 12,465 12,485 12,463 12,483 Belgrad - • 7,407 7,421 7,407 7,421 Budapest. • 73,41 73,55 73,36 73,56 Bulgarien 3,044 3,050 3,042 3,048 Lissabon . 18,88 18,92 18,90 18,94 Danzig. . . Konstantin- 81,69 2,038 81,85 2,042 81,63 2,041 81,79 2,045 Athen. . . 5,455 5,465 5.455 5,465 Canada . . 4,188 4,196 4,186 4,194 Uruguay. . 4,086 4,074 4,097 4,104 Cairo .. 20,968 21,008 20,96 21/00 3Tage Sonderpreise (Mittwoch, Donnerstag, Freitag) für Strümpfe. Handschuhe Für diesen Extra-Verkauf haben wir Hunderte von Paaren — nur reguläre Ware - zu nebenstehenden, äußerst günstigen Preisen bereitgestelltI — Salomon «Ess Damen-Strümpfe aus gutem Mako, -A af In allen Farben und II Uh schwarz................XJeUXJ Damen-Strümpfe aus guter Waschseide fl QE in modernen Farben.... UiUU Damen-Handschuhe aus gutem Trikot Q QE weit unter Preis....... UivU Damen-Strümpfe aus la ägyptisch. 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Mai 1929, 9 Uhr vormittags, im Saale des Eisenbahnhotels Hopfeld, Gießen, Friedrichftraße-Wetzlarer Weg. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Vorlage der Bilanz 1928. 3. Entlastung des Vorstandes. 4. Bericht über die stattgefundene gesetzliche Revision. 5. Bericht über das neue Bauvorhaben. 6. Wahlen in den Vorstand und Aufsichtsrat. 7. Neue Wege für die Weiterentwicklung der Genossenschaft. 8. Anträge. 9. Verschiedenes. Nach § 31 der Satzungen sind Anträge bis zum 21. Mai d. 3. bei dem Unter- zeichneten schriftlich einzureichen. Die Bilanz liegt von heute ab acht Tage in der Wohnung des 1. Schriftführers, Herrn Weber, hier, Wetzlarer Weg Nr. 51II, zur Einsicht offen. 4326D Alle Mitglieder, die auf Zuweisung einer Wohnung Wert legen, werden gebeten, Ihre Wünsche bis zum 24. Mai spätestens bei dem Vorstand schriftlich oder mündlich unter Angabe der gewünschten Zimmerzahl onzugeben, um einen Beschluß über die weitere Bauweise herbeiführen zu können. Gießen, den 14. Mai 1929. Der Vorsitzende des Auffichtsrats. ________Landmann.________ Bekanntmachung. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 30. April 1929 einem Plan zur Aenderung von Fluchtlinien im Gebiet der Stephans- mark zugestimmt. 4320C Der Plan liegt in der Zeit vom 15. bis 30. Mai 1929 bei dem Städtischen Hochbau- amt, Asterwea 9, in den üblichen Geschäftsstunden zur Einsicht offen. Einsprüche tonnen innerhalb der Offenleaungsfrist bei Vermeidung des Ausschlusses bei dem Städtischen Hochbauamt vorgebracht werden. Gießen, den 8. Mai 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Or. Hamm. Bullenverkauf. Die Gemeinde Heuchelheim verkauft einen zur Zucht nicht mehr tauglichen Vogelsberger Bullen. Angebote für den Zentner Lebendgewicht sind schriftlich bis zum 17. Mai d. I.» vormittags 11 Uhr. bei der unterzeichneten Stelle einzureichen. 4314D Heuchelheim, den 12. Mai 1929. Hessische Bürgermeisterei. __________Kreiling.__________ Der von dem Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde Kesselbach für Rj. 1929 liegt vom 14. d. M. ab eine Woche lang auf dem Amtszimmer der Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Einwendungen können während dieser Zeit schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. 4315D Kesselbach, den 11. Mai 1929. Hessische Bürgermeisterei. Weber. Mittwoch, d.is.Mi 1929 nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28 (im ,^Löwen") zwangsweise gegen Barzahlung: 1. eine Kredenz, drei Büfetts, 8 Lederstühle, 5 Chaiselongues, 1 Kommode mit Schreib- sekretä'r, 2 Nähmaschinen, 1 Radioapparat mit Lautsprecher, zwei Bücherschränke, zwei Schreibtische, 1 Tafelklavier, 1 Operationsstuhl, 1 Instrumentenschrank, 1 Photoapparat, 1 Eßbesteck, 25,70 Meter Anzugstoff, 1 Herrenzimmertisch, zwei Schrankgrammo» phone, 3 pianinos,2 Eisschränke,! Kaffeemaschine, 2 Fahrräder, 1 Kühlschrank, zwei Gasherde, eine Heine Hobelmaschine, einen Dauerbrandofen, 1 Trumeauspiegel, einen elektr. Bohner, 1 Beerenpresse, 2 Oickwurz« mühlen, 2 Kleiberschränke, 1 Oelgemälde, 24 paar Gamaschen, 15 Dhd. Hosenträger, 2 Ztr. Sohlennägel, 20 Paar Herrenleisten, 31 Paar Schuhschäfte, 30 Schuhbürsten, vier Kroupons Sohlleder, 2 Aktentaschen, 2 Koffer, 10 Fensterleder, 3 Warengestelle, 1 Theke, 1 Schreibtisch, 1 Dezimalwaage. 2. Voraussichtlich bestimmt an Ort u. Stelle (Zusammenkunft der Steigerer in obigem Lokal): 4 Särge aus Tannenholz, 9 Kiefern» stämme zu Bohlen und Brettern geschnitten, 1 Hobelbank, 13 Tafeln Sperrholz. 4319D Zimier,Gerichtsvollzieher,Gießen Wiesecker Weg 16 / Telephon 1383. Gartenschirme Gartenmöbel Rollschutzwände empfehlen in reicher Auswahl Brüder Schmidt Seltersweg 4311A Rotes Portemonnaie mit 13 Mk. Inhalt am 13. Mai »w. Bergschenke und Tovvescher Fabrik verloren. Bitte geg. Belohn.a. Schweiler Marg. 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Aus dem Vorjahr, und zwar: a) Bestand zur Deckung restlicher Verpflichtungen . . . . -..... — b) Ueberschuß (+), Fehlbetrag (—) des Vorjahres.......... — Zusammen . — Jahressoll (Haushalt- soll-j-Rechnungssoll der Borjahrsreste) Ist-Einnahme oder Ist-Ausgabe seit Beginn des Rj. bis einschl. des Vorvierteljahres Im Berichts- Vierteljahr Zusammen 1 2 3 4 l. Einnahmen: 1228 53« 1766 1944 2. Von den Unternehmungen und Betrieben und der Vermögensverwaltung abgelieferte Ueberschüsse.............. 1176 697 319 1016 3120 1925 857 2782 Davon ab: An Unternehmungen und Betriebe und die 302 161 463 Vermögensverwaltung geleistete Zuschüsse — Verbleiben . . 3120 1623 696 2319 3. Sonstige Einnahmen: 15 29 Allgemeine Verwaltung......... 71 14 Schulwesen ............... 38 61 4 65 Tiefbauwesen............. Wohlfahrtspflege und Gesundheitswesen 168 5 10 15 (ausschl. Ärbeitslosenfürsorge und Woh- nungswesen)............. 490 336 — 336 Arbeitslosenfürsorge (Krisenfürsorge) . . . —— — — — Wohnungswesen............ Besondere gemeinnützige Anstalten u. Ein- 4 720 2 408 1 359 3 767 richtungen.............. Uebrige Kämmereiverwaltungen..... 472 38 10 48 Einnahmen insgesamt . . 5083 2488 1094 3582 (abzüglich der Zuschüsse an Unternehmungen, Betriebe und Vermögensverwaltung) 11. Ausgaben: 1. Allgemeine Verwaltung ....... 666 512 140 (36) 652 (36) 2. Schulwesen: a) Volksschulen. . . . ....... . 97 53 26 (I) 79 (1) b) Sonstige Schulen.......... 3. Tiefbauwesen (Wege-, Straßen-, Brückenbau 327 322 61 (17) 383 (17) 358 (1) und -Unterhaltung)........... 4. Wohlfahrtspflege u. Gesundheitswesen (aus- 389 247 111 (1) schließlich Arbeitslosenfürsorge und Woh- nungswesen).............. 1388 958 173 (23) 1131 (23) 5. Arbeitslosenfürsorge (Krisenfürsorge) . . . 7 10 2 12 6. Wohnungswesen............ 7. Besondere gemeinnützige Anstalten u. Ein- 13 11 3 14 richtungen............... 8. Uebrige Kämmereiverwaltungen (soweit nicht 930 550 254 (10) 92 (16) 804 (10) 509 (16) unter 1—7 aufgeführt)......... 9. Umlagen an den übergeordneten Gemeinde- 1455 417 — — — — Ausgaben insgesamt . . 5272 3080 862 (104) 3942(104) Mithin: Mehrausgabe . . — — 592 — — 464 bezw. Mehreinnahme . . — — +128 — Aus dem Vorjahr, und zwar: deutlicher Hai löhalt. a) Bestand zur Deckung restlicher Verpflichtungen b) Ueberschuß (+), Fehlbetrag (—) des Vorjahres Zusammen , . — L Einnahmen: 1. Schuldenaufnahme ........... 1097 1425 952 2377 2. Fondsentnahme............ — — — — 3. Sonstige Einnahmen.......... 937 168 48 16 Einnahmen insgesamt . . 2034 1593 1000 2593 11. Ausgaben: 1. Tiefbauwesen (Wege-, Straßen-, Brückenbau 225 233 und -Unterhaltung) ........... 34 267 2. Erwerbslosenfürsorge . .......... — — — — 3. Wohnungswesen............ 4. Sonstige Aufgaben der Kämmereiverwal- 1041 537 79 616 hingen................ 5. Außergewöhnliche Zuschüsse und Neuinvestie- 722 348 276 624 rungen für Unternehmungen und Betriebe - und Vermögensverwaltung ....... 46 38 — 38 Ausgaben insgesamt . . 2034 1156 389 1545 Mithin: Mehrausgabe . . — — — — bzw. Mehreinnahme . . — + 437 + 611 + 1048 Abschluß. A. Vrdew Aus dem Vorjahr ... ........... tlicher Hauöhc ilt wärZft (t) aus den Monaten IV. 28—III. 29...... Mehrausgabe (—) .... —464 Ergibt Bestand am Schlüsse des Berichtsvierteljahres..... . . . —464 B. Außerordentlicher Haushalt. Aus dem Vorjahr .............. ÄilÄ? au- den Monaten IV. 28—III. 29 . . . . Mehrausgabe (—) . . . .+1048 Ergibt Bestand am Schlüsse deS Berichtsvierteljahres . , . . . . . . .+1048 Erläuterungen: Die in Klammern beigefügten Zahlen stellen Ergebnisse des Rechnungsjahres 1929 dar. Gießen, den 11. Mai 1929. Der Oberbürgermeister. 43206 J.V.: Dr. Serb. Bequeme 312V Sprechapparate und Platten 4307A In großer Auswahl 4099A Bequemste Ratenzahlungen. Katalog gratis. Wilhelm Werner Gießen, den 14. DM 1929. 03039 Cafe Amend 1074V Spezialhans für orthopädische o. feine Fahbekleidand 4313D 410U oder aus Panama. mit hübsch. Faltenrock. .Mk. Fesche Sport-Kleider aus Trikoline, ab Mk. 13.50 Zahlungen o Sämtliche Kleider sind auserlesen in Bezug auf Formgebung und Material! — Für gediegene Verarbeitung und für tadellosen Sitz übernehmen wir Garantie Für die mir anläßlich meines 50jährigen Jubiläums erwiesenen Aufmerksamkeiten danke ich herzlichst. Q Kleider aus bedrucktem O Crepe de Chine, mit Volants oder mit Glockenrock, in modernen Far- ■ ben, mit langen AU — Aermeln, ab Mk. ■ wa H Flotte Kleider aus Foulard oder Travis6 - Seide, die große Mode, mit langen Aermeln Mk. 36.-, mit ä ■ kurzen Aermeln "1 je _ Teppidie liefert ohne An- zablnngausw.Spe- zialbauS, zahlbar in 12 Monatsraten. Erbitten Sie un- oerbinbl. Vertreter« besuch unter 4278V an den Gien.Anz. Die Mütze für den Sport smann Alleinverkauf der orthopädisch. Dr. Diehl und Hassiasana-Schuhe schau' aut ihren Ml. Madame Und denke dabei nur. Wie blinken Ihre Schult Madame Das macht J4EY*PoliturL. Carl Nowack ■ Gießen S KURHAUS BAD-NAUHEIM Groß. Bühnensaal Donnerstag, den 16. Mal 1929, abends 8 ühr Endegeg.il Uhr Zweites Opern-Gastspiel Musikai. Leitung; Generalmusikdirektor Heinz Bongartz Inszenierung: überspielt Josei Garels, Opernhaus Frankfurt/M. CAVALLERIA RUSTICANA (Sizil. Bauernehre) Oper 1.1 Aufzug BAJAZZO Drama i. 2 Aufzügen u. einem Prolog Eintrittspreise: Mk. 2.50 — Mk. 8.20. Kartenvorverkauf an der Theaterkasse. Telephon 2962. Auto-Neeb Tel. 1790. „,D 4/Z 3*f268l/nan eeANau# hatte die Ehre, mich längere Zeit mit Herrn Krentz zu unterhalten," sagte Sokoloff. „Hat er denn nicht 3hren Ramen erfahren?" „3ch selbst habe mich ihm vorgestellt. Aber ich glaube, es ist schwer, einen (Kamen bei der Vorstellung richtig zu verstehen. Richt wahr?" „3n der Villa Krentz haben wir Sie allerdings nicht gesucht.' sagte Der Vorsitzende resigniert. Der Staatsanwalt machte eine fragende Handbewegung hinüber zu dem Präsidenten. „Ditte, Herr Staatsanwalt!" ,.3ch möchte Herrn Sokoloff darauf aufmerksam machen," sagte der Staatsanwalt mit kühler Stimme, „daß die Art seines Benehmens in erheblichem Gegensatz zu der Rolle steht, die er hier spielt. Wenn nicht alles täuscht, ist Sokoloff an der ganzen Angelegenheit beteiligt — ja, mein 3nstinkt müßte sehr trügen, wenn Sokoloff nicht der intellektuelle Urheber dieses Mordes wäre. Was hat uns Herr Sokoloff über die Tat, über die wir hier zu Gericht sitzen, und über seinen Anteil an dieser Tat mitzuteilen?" Der Vorsitzende nickte. „Es würde vielleicht erheblich zur Vereinfachung und zur Klärung beitragen, wenn wir die zwei Herren zur Stelle hätten, die uns bis zur großen Pause ihre Mitarbeit so selbstlos zur Derfügmig gestellt haben: den Polizeipräfelten und den Staatsrat Krentz. 3ch bitte die beiden Herren sofort hierherzurufen." „Der Polizeipräfekt ist auf einer wichtigen Vernehmung." sagte der Staatsanwalt. „3n der Rordfeldgasse: er hat eine politische Sitzung aus- gehoben." „Hnb der Staatsrat Krentz?" „... ist auf einem Fest. 3n seiner Villa." „Gerichtsdiener: telephonieren Sie nach Der Villa Krentz: ich ließe den Staatsrat bitten, sofort zu kommen." „Run zu 3hnen, Herr Sokoloff," sagte der Staatsanwalt, der zum erstenmal die Selbstbeherrschung verlor. Er richtete sich auf und sah üofoloff mit funfehl Den Augen entgegen —- so wie man einem verhaßten und gefährlichen Feinde in die Augen blickt. „3ch ahne die Rolle, die Sie in dieser Sache spielen." 3ntellettueller Urheber! Sokoloff erwiderte diese Kriegserklärung mit einem harmlosen, ein wenig erstaunten Lächeln. „3ch glaube, Herr Staatsanwalt," sagte er ruhig, „die Rolle, die ich in der Angelegenheit Marsa Ermoliess spiele, wird sich am einsachsten aus der Verhandlung selbst ergeben. Es dürfte mehr rhetorischen als sachlichen Wert haben, wenn Sie über diesen Punkt urteilen, ohne ihn zu kennen." Der Staatsanwalt, der ein leises Lachen im Zuhörerraum mehr fühlte, als hörte, sagte zornig: „Wir werden mit aller Schonungslosigkeit diesen Punkt klarstellen, Herr Sokoloff." Sokoloff erwiderte immer so, als ob er ein verbindliches Gespräch mit einem gesellschaftlichen Partner führe: „Eben darum bin ich gekommen, Herr Staatsanwalt. Daß Sie die Frage meiner Beteiligung tlarftellen würden, war mir, der ich 3hren Schars - finn zur Genüge kenne, von vornherein eine Selbstverständlichkeit." Rechtsanwalt Aage Lund erhob sich. „3ch bitte, den Zeugen Kapitän Ehrysander nochmals zu vernehmen. Ehrysander hat ausgesagt, daß er Sokolosf kenne " Der Protokollführer blätterte einen Zettel um. „Herr Ehrysander hat um die Erlaubnis gebeten, abzureisen. Sein Schiff ging um zwei Uhr in dieser Rächt." „Sie haben Glück, Herr Sokoloff," sagte Aage Lund; aber Sokoloff schüttelte verständnislos den Kopf. „Es gereicht mir zur Freude," nahm der Staatsanwalt das Wort, „lagen zu dürfen, daß ich in diesem Falle ausnahmsweise mit meinem Kollegen, dem Herrn Verteidiger, gleicher Meinung bin. Der Kapitän Ehrysander kennt Sie, Herr Sokoloss." „So, so." „lind Sie ihn vermutlich auch?" „Es ist möglich" (Fortsetzung folgt.) Kndechilfe von Siam bis zum Aordkap! Was auf der Genfer Tagung des Komitees für Kinderschuh beschlossen worden ist. Von Walther Gersky. „Verlassene oder verwaiste Kinder, die hilflos in einem fremden Lande dastehen, dürfen nicht durch die Schuld des VureaukratismuS zu Schaden kommen I" Das war die Tendenz der Tagung, die das Komitee für Kinderschuh — eine Gründung des Völkerbundes — soeben in Genf abgehalten hat. Der Unbc- teiligte kann sich aus den etwas trockenen Berichten über die Tagung kein rechtes Bild von ihrer Bedeutung machen. Er wird onnehmen, öaft cs sich um theoretische Erörterungen handelte — während tatsächlich Menschenschicksale zur Entscheidung standen. Alle Jugendliche, deren Eltern auswanderten, um sich in einem fremden Land eine neue Existenz zu gründen, befinden sich in einer verzweifelten Lage, wenn ihre Eltern plötzlich sterben. Die Behörden ihrer neuen Heimat wenden sich dann an die Regierung des Landes, aus dem die Einwanderer gekommen sind, langwierige Erkundigungen werden eingezogen und umfangreiche Protokolle ausgenommen. Mancher Staat Hot nun versucht, dem anderen die Kosten für den Unterhalt oder die Rückbeförderung der Kinder aufzuhalsen. Die bedauernswerten Waisen fielen der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last und hatten das Gefühl, sehr unerwünschte Gäste zu sein. Das soll jetzt anders werden, denn fast alle dem Völkerbund angehörenden Mächte werden ein Abkommen unterschreiben, durch das sie sich verpflichten, dem Land, das ihre minderjährigen Untertanen beherbergt oder zurücksendet, unverzüglich die Kosten zu ersehen. Dadurch hofft man, den Kindern erne bange Wartezeit zu ersparen: man will dem beschämenden Zustand ein Ende machen, dost vielleicht ein Land sich weigert, die Kosten für den Rücktransport eines Kindes zu ersehen. Ebenso beabsichtigt man, durch einen ähnlichen Vertrag den jugendlichen Ausreißern zu helfen, denen es gelungen ist, ein fremdes Land zu erreichen, die aber nun gern die geplante Weltreise beendigen möchten, um wieder ins Elternhaus zurückzukehren. Auch diesen Zugendlichen soll die Wartezeit erspart werden, die sie im fremden Land verbringen muhten, bis sich die Behörden ihrer Heimat geäußert hatten. „Die Heimichaffung Minderjähriger ist ja nur ein kleiner Abschnitt des Aufgabengebiets, das das Völkerbundskomitee bearbeitet". erklärt Frau Ministerialrat Dr. Bäumer, die Deutschland auf der Tagung vertreten hat. „Mindestens so wichtig ist die Untersuchung, die wir über die internationalen Jugendgerichte angestellt haben. An die Regierungen aller größeren Mächte wurden Fragebogen versandt, die sich mit der Handhabung der Zugendgerichtsbarkeit befaßt. Rach unserer Ansicht kommt es bei einer Gerichtsverhandlung gegen Zugendliche weit mehr als sonst darauf an, die Motive aufzudecken, aus denen ein Kind die Verfehlung begangen hat. Medizinische Sachverständige müssen gehört, psychologische 'Beobachtungen berücksichtigt werden. Richt weniger wichtig ist die Frage, was mit einem Zugendlichen nach erfolgter Bestrafung geschieht. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um den Zugendlichen, der einmal gegen das Gesetz verstoßen hat, wieder in die menschliche Gemeinschaft aufzunehmen. Die verbüßte Strafe darf nicht als Makel an ihm haften bleiben. Auf früheren Tagungen haben wir uns agch mit dem Los der blinden und der schwachsinnigen Kinder beschäftigt und Erhebungen über die Gefahren angestellt, die der Alkoholismus für Zugendliche bietet. Wichtig ist auch der Schutz der unehelichen Kinder, die in manchen Staaten tatsächlich ziemlich rechtlos sind. Zu den Aufgaben des Komitees wird es außerdem gehören, internationale Vereinbarungen über die Altersgrenze zu erzielen, von der ab Zugendliche heiraten dürfen. Schwierig sind die bevorstehenden Komiteearbeiten besonders im Orient, wo Maßnahmen für den Schutz von Frauen und Kindern nötig find. Obwohl wir nichts anordnen, sondern den Regierungen nur bestimmte soziale Maßregeln durch den Dölker- bundsrat empfehlen, haben sich doch die meisten Länder diesen Anregungen zugänglich gezeigt. Man darf die Wirkung der Erhebungen, die das Komitee anstellt, nicht unterschätzen. Wenn nämlich die Regierung eines Landes, dessen Gesetzgebung auf einem bestimmten sozialen Gebiet noch rückständig ist, dem Völkerbund gewisse Aufschlüsse geben soll, pflegt sie nicht selten wenigstens die ärgsten Mißstände zu beseitigen, bevor der Bericht erstattet wird, denn kein Land der Welt möchte als unsozial gelten." Zn engem Einvernehmen mit dem Völkerbund arbeitet eine andere, ältere Organisation, die „Zn t e r n o t i o n o l e Vereinigung für Kinderhils e“. 3m Zanuar 1920, als in vielen Ländern die Kinder zu Tausenden an Hunger und Entkräftung starben, taten sich einige tatkräftige Leute zusammen, die in sich die Verpflichtung fühlten, allen Kindern, ohne Unter- schied der Staatsangehörigkeit und der Konfession zu helfen. Rie sollte die Kulturwelt den Ramen der kürzlich verstorbenen Engländerin Eglanthne 3 e b b vergessen, die sich mit ihrer starken Persönlichkeit für die neue Vereinigung einsetzte. Rach Ucbcrwindung großer Schwierigkeiten gelang es ihr, die internationale Vereinigung zu gründen, und als sich später der Papst an die Spitze einer Sammlung stellte, die den notleidenden Kindern aller Bekenntnisse zugute kam, konnte die praktische Arbeit beginnen. Die Vertreterin der deutschen Organisationen hatte bei der GründungsVersammlung in Gens einen schweren Stand. Roch waren die Vorurteile gegen die Deutschen nicht geschwunden: man wollte sie Wohl als Mitglieder, keineswegs aber als gleichberechtigt anerkennen. Dem taktvollen und klugen Vorgehen von Frau Adele Schreiber ist es damals gelungen, diese Klippe zu umsteuern. Heute ist die deutsche Abteilung eine der angesehensten unter den 52 internationalen Sektionen, die in der ganzen Welt bestehen. Durch die Angliederung der d eutschen Zweiastelle an die Deutsche Zentrale für freie Zugendwohlfahrt hat sie bedeutend an Autorität gewonnen. Freilich ist nicht zu bestreiten, daß der amtliche burcau» kratische Apparat die 3nitiati'oe beeinträchtigt. Es fehlt heute der 3dealismus der Gründer, der sich in der sogenannten „Genfer Deklaration" zeigte. Die Rechte des Kindes sollten in den fünf Abschnitten dieser Erklärung festgelegt werden, die verlangte, daß jedem Kind die normalen körperlichen und geistigen Entwicklungsmöglichkeiten geboten werden. 3edes hungernde Kind hat ein Recht darauf, gespeist zu werden: kranke Kinder müssen gepflegt. Zurückgebliebene gefördert, verirrte auf den rechten Weg geführt, verwaiste und verlassene ausgenommen und versorgt werden. Ebenso ist das Kind vor Ausbeutung zu schützen. Alle diese Grundsätze mögen uns selbstverständlich erscheinen. 3n vielen Ländern bedeuteten sie aber eine neue Weltanschauung, mit der man sich auseinandersetzen mußte. Die Deklaration wurde in deutscher, französischer, englischer, albanischer, arabischer, armenischer, bulgarischer. chinesischer, dänischer, spanischer, finnischer. georgischer, griechischer, hebräischer, holländischer. ungarischer, irischer, italienischer, japanischer, lateinischer, lettischer, norwegischer, persischer, polnischer, portugiesischer, rumänischer, russischer, serbischer, siamesischer, schwedischer, tschechischer und türkischer Sprache verbreitet, und die Delegationen, die ,fie annahmen, muhten die Thesen in feierlicher Weise unterzeichnen. Bald nach der Gründung setzte die praktische Arbeit der Vereinigung ein. 3n Rußland, wo damals eine furchtbare Hungersnot herrschte, wurden viele tausend hungrige Kinder gespeist, in Polen. Lettland und auf dem Ballan — besonders in Bulgarien — hat die internationale Vereinigung ebenfalls viel Gutes getan. Auch die deutschen Kinder wurden nicht vergessen, denn in zwei 3ahren wurden 7000 hungernde Kinder in Deutschland aus den Mitteln der Vereinigung gespeist. Die Einrichtung von Patenschaften für notleidende Kinder hat sich glänzend bewährt, noch heute erhalten 200 deutsche Kinder regelmäßig Zuwendungen ihrer ausländischen Paten. Daneben hat die Vereinigung wichtige Schritte für den Schutz der Kinder von afrikanischen Eingeborenen unternommen, ebenso hat sie versucht, das Los der chinesischen Kinder zu vev- bessern. Anfangs konnte sich Deutschland nur mit bescheidenen Mitteln an dem internationalen Hilfswerk beteiligen, es konnte im 3ahrc 1920 nur Sanitätspersonal und Medikamente nach Rußland schicken, und diese Hilfeleistung war auch nur durch die Unterstützung des Roten Kreuzes möglich. Tatkräftiger ging die deutsche Sektion vor, als es galt, die vielen tausend japanischen Kinder zu unterstützen, die durch das Erdbeben ihre Eltern verloren hatten. Weitsprung: 1. Maus, 1900, 5,92 Meter: 2. Seipp. 1900. 5.88 Meter: 3. Müller. Weilburger F.-B, 5,42 Meter. Kugelstoßen: 1. E. Schäfer, 1900, 12,98 (!) Meter: 2. Langlotz, 1900, 11,12 Meter: 3. Seipp, 1900, 10,08 Meter. Diskus: 1. E. Schäfer, 1900, 35,53 Meter: 2. Seipp, 1900, 31,31 Meter: 3. Tönges, 1900, 26,85 Meter. Dreikampf: Seipp, 1900, 149 Punkte. Klasse III: 100 Meter: 1. Müller, Weilburger F.-V., 11,8 C.; 2. Hopfenmüller. 1900. 12,1 ©.; 3. Groß- haus, Sportv. Lollar, 12,7 S. 400 Meter: 1. Tönges, 1900, 55,1 ©.; 2. Erbe, Weilburger F.-V, 55,4 S: 3. Köhnc, 1900. 1500 Meter: 1. Wambach, Wetzlarer Sp.-V-, 4:38,6 M.: 2. Müller, V.f.B, Gießen, 4:57,4M.: 3. Kleemann, Weilburger F.-V., 6:20 M. 3000 Meter: 1. Schäfer, H. 1900, 10 M: 2. Dött, Weilburger F.-V., 10:l,8-M.: 3. Treser, V.f.B, Gießen, 10:25 M. Hochsprung: 1. Seipp. 1900, 1,52 Meter: 2. Wolf, 1900. 1,52 Meter: 3. Dietz, Sp.-V. Collar. 1.52 Meter. Kugelstoßen: 1. Schmelz, 1900, 11,1 Meter: 2. Dirkenstock, 1900, 10,35 Meter: 3. Hopfen- müller, 1900, 10,22 Meter. Speerwerfen: 1. Guyot, 1900. 40,85 Meter: 2. Hopfenmüller, 1900, 37,81 Meter: 3. Lang- loh, 1900, 36,78 Meter. Dreikampf: 1. Hopfenmüller. 1900, 132 Punkte: 2. Dietz, Sp.-V. Lollar, 102 Punkte: 3. 3ung, Sp.-V. Lollar, 83 Punkte. E r st l i n g e: 100 Meter: 1. Keiner, Wetzlarer Sp.-V., 12,9 S.: 2. Siebeis. V.f.B, Gießen, 13 S.: 3. Knigge, x 1900. 13.1 S. 800 Meter: 1. Glagow. 1900. 2:22.4 M.: 2. Köhne, 1900. 2:23.6 M.; 3. Siebeis, V.f.B, Gießen, 2:26,1 M. Dreikampf: 1. Wolf, 1900, 109 P.: 2. Knigge, 1900, 93 P. Gpielvereinignng 1900 Gießen. Die Blauweißen warteten bei der am Sonntag stattgehabten Rückspielbegegnung mit Germania 96 Mudersbach in Mudersbach an der Sieg wieder einmal mit einer Glanzleistung auf. Ging das Vorspiel in Gießen mit 0:2 Toren verloren, so konnte diesmal die Ligaelf ein ehrenvolles Unentschieden (5:5) erzielen. Die Gießener imponierten besonders durch ihr ausgezeichnetes, berechnetes Kopfspiel, durch das sie bei dem reichlich hohen Spiel des Gastgebers immer im Vorteil waren. Aus dem Spielverlauf fei vermerkt, daß nach etwa 20 Minuten das Treffen schon 3:0 für Mudersbach stand, da sich 1900 erst allmählich auf dem schmalen ungewohnten Platz zurechtfand. Dann hatte auch Gießen, das mit leichtem Rückenwind spielte, zahlreiche Torgelegenheiten, von denen aber nur eine durch den Linksaußen verwertet wurde. Mit 3:1 für Mudersbach wurden die Seiten gewechselt. Zehn Minuten nach Wiederbeginn stand das Spiel 4:3 für Gießen. So blieb es auch in einem spannenden Ringen bis 10 Minuten vor Schluß: Da kam der Gastgeber durch Verwandeln eines Handstrafstoßes und durch einen Fehlschlag eines 1900-Verteidigers zu zwei Erfolgen. Aber nochmals glich der Gießener Linksaußen kurz vor dem Schlußpfiff mit schönem Schrägschuß aus weiter Entfernung aus und stellte damit das Endresultat auf 5:5. 1900s Sturm zeigte mehrfach recht schöne Flachkombination und wurde darin von der vorzüglich disponierten Läuferreihe aufs beste unterstützt. Das Schlußdreieck stand feinen Mann. Mudersbach spielte nach der Pause zeitweise recht hart. Zwei dafür verhängte Strafstöße, vom rechten Läufer ausgezeichnet vor das Tor gegeben, führten durch Mittelstürmer und Rechtsaußen zu zwei Treffern. Den vierten Gießener Erfolg erzielte der Mittelstürmer, der eine Flanke des Linksaußen blitzschnell einlenkte. Bei Mudersbach war der linke Flügel sehr gefährlich und auch der überragende Mannschaftsteil. Die Verteidiger waren unsicher. Die zweite und dritte Mannschaft weilten, sehr stark geschwächt, in Dreihausen und verloren demgemäß auch beide in recht torreichen Treffen. Die 2. Els unterlag der 1. Mannschaft des Gastgebers 2:7 und die dritte der dortigen zweiten Elf 5:7. Die Alten-Herren wagten sich in diesem Zahr ohne Training erstmals auf den grünen Rasen, und zwar in Wetzlar gegen den dortigen Sportverein. Zn nur zweimal 25 Minuten blieb 1900 mit 2:0 (Halbzeit 1:0) Sieger. Die 2. Zugend spielte in schwacher Aufstellung gegen Leihgesterns 1. Zugend 1:5. Dasselbe Resultat machte die 1. Schülerelf, die aber statt gegen die Aßlarer Schüler gegen Aßlars 1. Zugend spielte, wodurch der körperliche Kräfteunterschied zu groß wurde. V. f. B. Die Liga Mannschaft verlor am Himmelfahrttage gegenD. f. L. Frankfurt-Süd überraschend hoch mit 1:5. Bei der Bewertung des Resultats muh man allerdings berücksichtigen, daß sie mit drei Mann Ersah spielte und dazu noch stark vom Pech verfolgt war. Von den fünf Toren kann man zwei als Eigentore bezeichnen. Das Resultat entsprach nicht ganz dem Spielverlauf: mit 3:1 für Frankfurt hätte cs dem Stärkeverhältnis beider Mannschaften eher entsprochen. Damit ist zugegeben, daß die Gäste ohne Zweifel besser waren. Zhr Spiel war außerordentlich forsch, ohne jede unproduktive Künstelei, und ganz auf Erfolg eingestellt. Was an der Frankfurter Mannschaft besonders imponierte, war die ausgeprägte körperliche Gewandheit jedes einzelnen Spielers. Gerade dieses Spiel ergab erneut den Beweis für die Richtigkeit der in den Berichten über die V. f. B-Liga schon oft zum Ausdruck gebrachten Ansicht, daß fast alle ihre Spieler in bezug auf körperliche Fertigkeit noch viel zu lernen haben. Der Mangel an Wendigkeit, Start- und Laufvermögen war mit die Hauptursache für die Riederlage der Plahmann- schaft, die im übrigen den Gästen nur wenig nachstand, sich aber aus den erwähnten Gründen den ohnehin physisch überlegenen Frankfurtern gegenüber nicht durchzusetzen vermochte. Die A. H.-E l f stand nicht, wie in der Vorschau angegeben, der A. H. von Braunfels, sondern dessen ersten aktiven Mannschaft auf dortigem Platz gegenüber und verlor trotz allem Eifer mit dem immerhin noch günstig zu nennenden Resultat von 2:6. Das Pflichtspiel D. f. B. 2. Z u g e n d gegen Heuchelheim 1. Zugend endete mit dem knappen Ergebnis von 2:1 für Heuchelheim. Die Ligamannschaft kam am Sonntag von der „Germania" Marburg mit einem besseren Resultat zurück, als man erwartet hatte. Das erzielte 3:3 kann als recht gutes Ergebnis bezeichnet werden, umsomehr, als V. f. B. die schlechten Platzverhältnisse mit in Kauf nehmen und auch wieder mit drei Mann Ersatz antreten mußte. Germania hat sogar Glück gehabt, daß es das Spiel nicht mit eins bis zwei Toren Unterschied verlor, da D. f. B. das weitaus bessere Spiel vorführte und auch meistens den Ton angab. Besonders in der ersten Halbzeit zeigte sich Gießen im Feldspiel den Einheimischen fast dauernd überlegen, fand aber bei der Auswertung seiner zahlreichen Torchancen in dem hervorragenden Germanentorhüter ein kaum zu überwindendes Hindernis. Daß das Treffen bei Halbzeit anstatt 1:1 nicht mindestens 3:1 für Gießen lautete, hatte Marburg lediglich seinem vorzüglichen Schlußmann zu verdanken. Rach dem Wechsel waren die Gastgeber bedeutend besser als vorher und vermochten sogar für etwa 15 Minuten das V. f. B.-Tor zu bedrängen, während denen cs ihnen auch gelang, in Führung zu gehen V. f. B. hatte diese Schwächeperiode jedoch bald wieder überstanden und übernahm erneut das Kommando, dabei in kurzer Zeit Ausgleich und Führung erzwingend. Drei Minuten vor Schluß gelang cs den glücklich kämpfenden Germanen, Die Partie unentschieden zu gestalten. Die Ligareserve lieferte gegen die Liga- re se rv e der „Germania"-Marburg das schlechteste Spiel. Anfangs recht gut in Fahrt, lieft sie sich nachher von dem ebenfalls sehr wenig zeigenden Gegner glatt mit 4:1 schlagen. 2luf eigenem Platz hatten die A11 e n H e r r e n die aktive Mannschaft Garbenteichs zum Gegner und fertigten diesen nach forschem und wechselvollem Kampf knapp mit 5:4 ab. Die zweite Zugendelf errang im Pflichtspiel über die erste Rieder-Weisels einen überraschend hohen Sieg. Troy allem Eifer mußten lich die Gäste der weit besseren Platzmannschaft mit 7:0 beugen. Auch die dritte Zugend bot eine ansprechende Leistung, indem sie gegen die erste Zugend von L i ch bei größtenteils offen, kurze Zeit sogar überlegen durchgeführtem Spiel ein in Anbetracht der Spielstärkc des Gegners beachtenswertes 2:2 erzielte. Die erste Schülcrmannschaft blieb ohne Spiel, da die gleiche Gr. - Busecks dem Pflichttreffen ohne vorherige Absage oder Benachrichtigung fernblieb. Oberrealschule Gießen. Handballabteilung der Obcrrealfdjule I gegen 3nf.-Rcgf. 15 2:1. Auch die Handballer konnten einen Sieg erringen. Daß kein größeres Torverhältnis für die Erste her- auskam, lag wohl daran, daß sie zum erstenmal in der neuen Aufstellung spielte. Aber jedenfalls ist die Leistung gut, da ja die 15er als eine gute Mannschaft gelten. Juhbaüableilung der Oberrealschulc I gegen Jrkbberg Gymnasium Oberrealschule I 4:3. Die 1. Fußballmannschaft fuhr nach Friedberg und trug gegen die dortigen vereinigten Schulen ein Rückspiel aus, das sie mit 4:3 Toren gewann. (Vorspiel 1:1.) Der Sieg war verdient und hätte bei größerer Schußfreudigkeit des Sturmes leicht höher ausfallen können. Gießener T. L. - Mrburger Lawn T. L. 11:8 Der Marburger Club, der in diesem Zähre er» hebltchen Zuzug spielstarker Studenten aufzu- weiscn hat, konnte trotzdem nicht verhindern, daß Gicßcn als verdienter Sieger die Plätze verließ: in früheren Zähren gingen regelmäßig die Wettspiele gegen Marburg verloren, nur ein einziges Mal konnte Gießen gewinnen. Der diesjährige Sieg hat bewiesen, daß die erste Mannschaft des (Siebener Clubs trotz des kurzen Trainings in Form ist und mit guten Aussichten die zahlreichen Wettspiele der Saison bestreiten kann. Zm Einzel schlug Kirchner den Marburger W c ck e s s c r in zwei Sätzen: Roll hatte in bem Schweden Sörrcnsen — wohl der „kommende" Marburger Spitzenspieler — einen schweren Gegner mit gutem Flugballspiel, konnte ihn jedoch in hartem, raschem Kampfe ohne Sahverlust niederringen. Dr. Fischer und Hamann verloren .nach Kamps ihre Spiele, Dr. Schopp er und 6 c r t b a gewannen gegen ihre starken Gegner. Bei den Damen mutzte Frl. Berg vor der Routine der bekannten Frau Wcckesfer die Waffen strecken, spickte darauf jedoch vorzüglich gegen Frl. Euler und siegte verdient m drei Sätzen. Frau Winkelmann, die erstmalig für Gießen spielte, erfreute durch insgesamt drei Siege und führte sich durch ihr kluges, placiertes Spiel gut in die Gießener Mannschaft ein. Von den acht Ddppclspielen gewann Gießen und Marburg je vier. Kirchner-Roll gaben nur ein Spiel ab. Dr. Schopper-Scriba gewannen einen harten Dreisahiampf, Frl. Berg-Kirchner verloren glatt gegen das ausgezeichnet spielende Ehepaar W e ck e s s e r, Roll gewann mit Frl. Stark, die mit dankbaren „Lobs" gut unterstützte, auch das Mix?d. Ergebnis: Gießen siegt mit 11:8 Punkten, 24:20 Sähen, 234:174 Spielen Th. Gießener T.