Nr. 58 Erstes Blatt 179. Jahrgang Donnerstag, Zebruar 1929 Erschein» iü glich, außer Sonnlags und Feiertag«. Beilagen Die Illustriert« Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle vezugrprel, für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspsennig für Träger» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern msolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranlfnrt am Main 11686. GiejjenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VrvckvndVerlag: vrühl'sche UniverfilLtt-vuch. und ZlelndruSerel «.Lange in Lietzen. Schrlstleltung und Geschaftssteve: §chuMratze7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bi« zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20 \ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. DerantworlUch für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Kurt Hiümann, sämtlich in Gießen. polen sabotiert die Genfer Minderheiten-Aussprache. Reue Vergewaltigung Oberschlesiens. Die polnische Regierung hat zur allgemeinen Aeberrafchung am Mittwoch früh ein Dekret veröffentlicht. In dem die Auflösung des Oberschlesischen vejmS mltgetcilt wurde Wenige Stunden danach waren bereits Haussuchungen beim Deutschen Volksbund und seinen Mitgliedern Im Gange, die zu der Verhaftung des um das oft- vberichlesische Deutschtum verdienten Abgeordneten lllitz führten. Allein diese Verhaftung zeigt, welchen Kurs die Warschauer Regierung in Ostoberschlesien steuert und wer durch die Auflösung deS Sejms getroffen werden soll. Es ist nichts andere- beabsichtigt, als da 8 deutsche Element einer neuen Vergewaltigung zu überantworten, es noch rechtloser zu machen, als es ohnehin schon ist und es seiner Führer unter ganz nichtigen Vorwänden za berauben. Der Kampf gegen lllitz geht schon seit Jahren. ES sind gegen ihn die allerschwersten Vorwürfe erhoben worden; bei dem bekannten Rededw.'ll zwischen Zaleski und Stresemann in Lugano ist hon dem polnischen Außenminister erllärt worden, daß der Leiter des Deutschen Vollsbundes Hochverrat begangen habe und sich nur dank feiner Immunität noch auf freiem Fuße befind«. Der Vorwurf des Hochverrats und sonstiger staatsfeindlicher Umtriebe hat sich aber nicht aufrecht erhalten lassen, infolgedessen lehnte auch der Sejm alle Auslieserungsgesuche der De-. Hörden ab. Dem Wojewoden Grazynski ist es jetzt ge.'ungen, in Warschau die Auflösung des Sejm durchzudrücken. Damit ist auch die Immunität der deutschen Abgeordneten aufgehoben worden, so daß man den Pfarrer IMifc verhaften konnte. Sicherlich werden noch weitere ehema.ige deutsche Abgeordnete und Volksbundmitglieder ihrer Freiheit beraubt werden, da man jetzt zu einem großangelegten Schlag gegen das gesamte Deutschtum ausgeholt hat, das bisher tm oberschlesischen Sejm in der Mehrheit war. nun aber zu einer hoffnungslosen Min derheit gemacht werden soll. Don Reuwahlen steht in dem Auflösungsdekret zwar noch nichts drin, sie werden aber folgen, und dabei werden die Polen so verfahren, daß sie diesmal die meisten Mandate erringen. Der neueste Vergewaltigungsakt deS Deutschtums in Oberschlesien muß in der ganzen Welt ein geradezu sensationelles Aufsehen erregen, well eben erst die Polen durch ihre diplomatischen Vertreter im Ausland hatten erklären lassen, daß kein Grund zu Deschwerden über die Dehandlung der Deutschen durch den polnischen Staat oorläjen. Wenn es noch eineS Beweises für einen nachhaltigeren Schutz her deutschen Minderheiten in Polen bedurft hätte, dann ist er jetzt durch die neue Verfolgung der Doltsbundinitglieder und der deutschen Abgeordneten erbracht. lllitz ist der Mann, der am stärksten in Den Kämpfen der deutschen Minderheiten um ihr Recht hervor- getreten ist. und es dürfte wohl keine Stimme im Dolksbunde zu finden fein, die ihn dabei irgendwelcher anirpolnifchcr Maßnahmen beschuldigen könnte. Seine Absicht war es gerade, im Rahmen des polnischen Staates um die kulturelle Freiheit der deutschen Minderheit ztu kämpfen, und da jetzt bei der kommenden Ratstagung in Genf Gelegenheit sein wird, recht eindeutig über das Minderheitenproblem zu sprechen, hatte ja Polen alle 2er- anlaffung, einen Mann von vornherein zu beseitigen, der nur zu gut über die wahren Verhältnisse in Polnisch-Oberschlesien berichten konnte. Der Geschäftsführer des Deutschen Voltsbundes verhaftet. Wegen angeblicher Beihilfe zur Fahnenflucht. Salto wlh, IZ.Fcbr. (X1L) Der Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes. der Sejmabge- ordnete lllitz, ist heute früh auf Anordnung der Staatsanwaltschaft, kurz nactchem die Auslösung des schlesischen Sejm bekannt wurde, v e r h a f t e I worden. G?gen lllitz hatte im vorigen Jahre die Staatsanwaltschaft einen Ansliefe - rungsantrag an den schlesischen Sejm gerichtet, da lllitz der Beihilfe zur Fahnenflucht beschuldigt wird. Die Schuld des Abgeordneten lllitz soll darin liegen, daß er einem polnischen Staatsbürger, der nach Deutschland geflohen ist, um sich dem polnischen Heeresdienst zu entziehen, auf einem Briefbogen des Deutschen Volksbundes eine Bescheinigung ausgestellt habe, wonach dieser deutsch gesinnt und militärpflichtig sei, und daher nach Deutschland flüchten müsse. Der zuständige Ausschuß des schlesischen Sejms hatte seinerzeit be- schlossrn, dem Plenum zu empfehlen, diesen Antrag abzulehnen mit der Begründung, daß Zweifel au der Echtheit des Schriftstückes vorhanden feien. Sejmmarschall Dol 1 ny Halle auch in dem letzten Prozeß gegen das Mitglied des Deutschen Volksbunde« Dudek al» Zeuge aus- gesagt, er fei davon überzeugt, daß die Unterschrift des Abgeordneten Ulih auf dem betreffenden Schriftstück gefälscht sei. Auslösung des schlesischen Sejm. Lhne Beendigung der Bndgetbcratungcn. Kattowitz, 13. Febr. (WTB.) Durch Derord- nung des Staatspräsidenten auf Grund des Artikels 22 der Verfassung ist der schlesische Sejm a u f g e l ö ft worden. Die Auslösung kommt nicht überraschend; es befremdet jedoch, daß sie o o r der Beendigung der Bubgctbera t u ng erfolgt. In der Zeitung „Polska Zachodnia" wird ein Interview mit dem Wojwoden über di« Gründe der Auslösung veröffentlicht. Der Woj- wode erklärt darin, daß die Gründe der Oeftentlich- feil erklärlich sein müßten, denn der schlesische Sejm habe in der letzten Zeit keine positive Arbeit mehr leisten können. Nicht einmal der Abgeordnete lllitz sei auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Fahnenflucht a u s gelt e f c r t worden. In oppositionellen Kreisen wird der Grund zur Auflösung darin gesehen, daß man eine Fortsetzung der Budgetberatung verhindern wolle, da gegen den ersten verantwortlichen Beamten in der Wojwodschast wegen der Finanz- Verwaltung sehr schwerwiegende Dorwürfe erhoben werden. Korfanty erklärte, daß der erste Beamte der Wojwodschast vor den Staatsanwalt gehöre. Ein Schlag gegen Genf. Polnische Mindcrhcitenpolitik mit Hilfe des SlaattzanwaliS. Kattowih, 13. Febr. (Tel.) Die Verhaftung des Abg. lllitz hat überall den stärksten Eindruck gemacht. Der Verhaftung ging eine Haussuchung in der Wohnung Hlih's voraus. 3n Königshütte ist gleichfalls bei der Geschäftsführerin des Deutschen Volksbundes, Frl. E r n st, eine Haussuchung vorgenommen worden. Die Verhaftung ist deshalb so bedeutsam, weil die Degründung des Wojwoden für die Schließung des Schlesischen SejmS ausdrücklich darauf hinweist, daß der Sejm die Auslieferung bed Abg. Ulih abgelehnt habe. Die Ablehnung ist seinerzeit mit den Stimmen der Korsanty-Partei erfolgt. Alles spricht also dafür, daß der Sejm nicht zuletzt deshalb aufgelöst worden ist, um der polnischen Regierung die Möglichkeit zu geben, den Geschäftsführer des Deutschen Vollsbundes hinter Schloß und Riegel zu setzen, und ihm den Prozeß wegen Hochverrats zu machen. Der hierfür gewählte Zeitpunkt hängt zweifellos mit den bevorstehenden Minderheitsverhandlungen inGenf zusammen. Del dem Zusammenstoß zwischen dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann und dem polnischen Außenminister Zaleski während der Ratstagung in Lugano hatte bekanntlich Zaleski gegen den Deutschen Volksbund den Vorwurf des Hochverrats erhoben, worauf Zaleski von Dr. Stresemann die bekannte Zurechtweisung erhielt. Rachdem bann der Reichsaußenminister seine Aktion zur Behandlung der Minderheitenfrage in Genf angekündigt und nunmehr auch die ersten Schritte hierzu getan hatte, hat die polnische Regierung in den letzten Tagen versucht, durch entsprechende Gegenwirkungen in Genf, die auf der Märztagung bevorstehende Ralsaussprache in polnischem Sinne zu beeinflussen. Dieser Vorstoß ist, wenigstens bis jetzt, nicht geglückt. Die Auflösung des Schlesischen Sejms und die Verhaftung des Abg. lllitz dürsten also als e i n zweiter Vorstoß in der gleichen Rich- t u n g äu bewerten fein, wonach dem Geschäftsführer des Deutschen Volksoundes gerade zu der Zeit der Prozeß gemacht werden kann, in der die Minderheitsaussprache in Genf vor sich geht. Holland und die Flamen. Dr Borm spricht in Amsterdam. Amsterdam, 13. Febr. ($11.) Dor einer Versammlung von ungefähr 1200 Personen, unter denen viele Studenten und Mitglieder der Vereinigung ^Holland-Flandern" waren, wurde gestern abend zum ersten Male nach seiner zehnjährigen Gefängnishaft Dr. Bonn in Amsterdam begrüßt. Trotz der Warnung der Presse, die erst kürzlich vor einer Huldigung für Dr. Dorrn als ein Einmischen in die belgische Politik abgeraten hatte, war die Teilnahme sehr groß. Als Dr. Dorrn, von dem Ehrenausschuh geleitet, den Saal betrat, erhob sich das Publikum und begrüßte ihn stürmisch. Professor Bürger, der Vorsitzende des Ausschusses, feierte in Dorrn den mutigen Freiheitskämpfer. Der flämische Dichter Renö de Eler- q u e dankte Holland für die gastfreundliche Aufnahme. Unter stürmischem Deifall fang die ganze Versammlung das Lied vom flämischen Löwen. Sodann trat Dr. Dorm vor und sprach über die Flamenbewegung. Wenn Holland mit Flandern gehe, so würde man zum Siege schrei- ten. Die Flamen hätten nicht für Deutschland, sondern nur für ihre Freiheit ge - kämpft. Der Versailler Friede habe die De- toegung zum Stillstand gebracht. Zum Schluß erinnerte Dr. Borm Holland daran, daß die flämische Bewegung ein Vorbote der holländischen Kultur sei. Sollte es zu einem Krieg zwischen Holland und Belgien kommen, könne Holland auf die Flamen rechnen. Ist Trotzki in Konstantinopel? Konstantinopel, 14. Febr. (T. 11.) Trotzkis Anhänger in Konstantinopel behaupten, daß Trotzki am Dienstag hier unter dem Flamen ,Garnbarow" eingetroffen sei. Er werde begleitet von sechs Vertrauensleuten des PolitbureauS. Er habe Aufenthalt in der ehemaligen sowjetrusfifchen Botschaft in Konstantinopel genommen. Wie es heißt, soll Trotzki beaosichtigen, in Konstantinopel nur etwa vier Wochen zu bleiben, bis endgültige Entscheidungen über seine Weiterreise nach Europa getroffen feien. Die Begleiter Trotzkis sollen diesem verboten haben, irgendwelche Personen au empfangen. Im Gegensatz zu dieser Meldung teilt die sowjetrussische Botschaft In Angora mit, daß ihr von der Ankunft Trotzkis In Konstantinopel nichts bekannt fei. Einschränkung der deutschen Auswanderung nach A.S.A. Annahme der llrsprungsklausel im amerikanischen (Senat. — Oie Deutschen ein unerwünschtes Element. — Begünstigung der britischen Einwanderung. Washington. 23.Febr. (WV.) Der (Einroan- derungsausschuß des Senats beendete heute die öffentlichen Vernehmungen über Senator Ayes' Antrag, das Inkrafttreten derUrsprongs- klaufel nm ein weiteres Jahr zu verschieben. Jür die Deutschamerikaner war Victor Ridder von der Veuyorker Staatvzeitung erschienen. Gegen die Beibehaltung des gegenwärtigen deutschen Anteils sprachen Senator Reed von Pennsylvania sowie zahlreiche Vertreter der sogenannten patriotischen Gesellschaften, darunter der American Legion, die erklärten, dos feil 1790 hier ansässig gewesene Element müsse bevorzugt und der angelsächsische Charakter des Lande» gewahrt werden. Auch habe Amerika im wellkrieg schlechte Erfahrungen mit den wehrpsllchtigen deutscher Abstammung gemacht, von denen die hölfie am stampf nicht teitgeuommen holten. Da» Mitglied de» Repräsentantenhauses. Mc. Cor- mick, der ebenfalls vor dem Einwanderungeaus- schuh des Senat» erschien, wies die Angriffe eines Vertreter» de» Vorstandes der „Amencan Legion", gegen die Deutschamerikaner wegen ihrer angeblichen Weigerung, im Weltkriege auf Amerikas Seile zu kämpfen, scharf zurück und erklärte, dah die einzelnen Mitglieder der »American Legion" nicht gegen die deutsche Einwanderung seien und dah die neuen Quoten eine Ungerechtigkeit gegen da» deutsche Element in den vereinigten Staaten darstellt. Mc. Cormick fügte hinzu, über ein Drittel aller deutschstämmigen Einwanderer seien gerade wegen Ihrer Abstammung van den Armeebehörden zurück-« gewiesen worden und der Rest habe au» den gleichen Gründen wie die übrigen Amerikaner wegen heirat, körperlicher llu- laugttchkeit ober anderen Gründen nicht am Kriege gegen Deutschland teilzunehmen brauchen. Die Abstimmung ergab vier Stimmen für und sieben Stimmen gegen einen Aufschub, so baf> der Antrag im Senat abgelehnt ist und vom 1. Juli ab die deutsche Einwanderung von 51 227 aus 24908 Personen jährlich herabgesetzt, der britische Anteil dagegen auf 65 894 Personen erhöht wird. Rach der Bestimmung des Linwaadermigcgesehes muß der Präsident die neuen Quoten vor dem 1. April proklamieren. Zweifelhaft Ist also nur, ob Präsident Loo- lidge dies vor dem 4.Mär; tun ober es Hoover überlasten wird, der sich in feiner Rede, in der er die Jlominierung zum Kandidaten der Republikanischen Partei annahm, gegen die Ursprungsklausel aussprach und deren Aufhebung befürwortete. Die Herren des Saarlandes. AuS dem Saargebiet wird uns geschrieben: Frankreichs offiziöse Propaganda beschäftigt sich seit kurzem wieder sehr heftig mit der Sa erfrage, den Anlaß scheint offensichtlich die Auto- n o m i st e n s ch l a ch t in der Kammer, vielleicht auch der deutsche Minderheitenantrag beim Dölkerbund gegeben zu haben. Ein Ablenkungsmanöver also nur, aber bei der Art, wie die Franzosen bei derartigen Anlässen mit der Wahrheit umzugehen pflegen, doch recht gefährlich, zumal sie es immer noch bester als Deutschland verstehen, in der Welt für sich Stimmung zu machen. Was jetzt bewiesen werden soll, ist die Vormachtstellung Frankreichs im Saargebiet, die es durchaus nicht zulaste, daß das Saarland je zum Reiche zurück- kehrt. Politisch ist diese Behauptung allerdings schon lange nicht mehr zu beweisen, das Märchen von den 150 000 „Saarfranzosen" wagt niemand mehr aufzutischen. Und von der bevorstehenden Volks- abftimmung im Jahre 1935 wird nicht gern geredet, seitdem auch Frankreich eingesehen hat, daß hier ein eklatanter Mißerfolg zu erwarten ist. Daher wird jetzt eine andere Walze hervor- Seholt, besungen von sog. „Saarspezialisten", die an rt und Stelle mit dem Rechenstift herausgetiftelt haben wollen, daß das Saarland wirtschaft- l i ch unbedingt zu Frankreich gehöre und gehören muß. Run ist der Wunsch der Franzosen, das Land an der Saar auf irgendeine Art zu sichern, verständlich, allein die jährliche Kohlenproduktion des Saargebjetes bildet einen wichtigen Anreiz zur kalten Annektion. Und durch die französische Grubenverwaltung wird alles getan, diese Produktion immer weiter zu steigern. Ganz anders steht es aber mit der Eisenindustrie des Saargebietes, von der Frankreich frischweg behauptet, sie stände unter seiner Kontrolle. Das ist eine außerordentlich grobe Uebertreibung. Denn die übergroße Mehrzahl der Eisenwerke an der Saar hat sich von der französischen Hebersremdung. wie sie um 1920 herum zwangsmäßig durchgeführt wurde — die dem Völkerbund verantwortliche Regjerungskom- mission sah und hörte von den unzulässigen Druckmitteln merkwürdigerweise nichts —, längst wieder befreit. Röchling konnte sich sogar immer von unerwünschter Beteiligung freihalten. Zwei Eisenhütten und ein verarbeitendes Eisenwerk allein stehen noch unter französisch«: Kontrolle. Die die Franzosen mit diesen wenig eindrucksvollen Zahlen das stolze Wort rechtfertigen wollen, sie seien die Herren des Saarlandes, ist nicht zu begreifen. Die vielbeschriebene wirtschaftliche Verbundenheit des Saarlandes mit Frankreich ist nicht vorhanden, wahr ist allein, daß dieses Gebiet heute mehr noch als einst vom Mutterlande Deutsch-- land abhängig ist. DaS Reich hat die Saar- Wirtschaft erhalten, indem es den übergroßen Tell seiner Erzeugnisse zollfrei aufnahm, der Saarindustrie Absatzgebiete schaffte, für die Saarkohle Abnehmer suchte und den Erwerbslosen des Landes eine Lebensmöglichkeit bot. Der Saarausfuhr nach Frankreich im Jahreswerte von 80 Millionen Mark steht eine Ausfuhr nach Deutschland im Betrage von mehr als 260 Millionen Mark gegenüber, sie würde noch höher fein, wenn die stetig abfinkende Konjunktur nicht wäre. Es bleibt für Frankreich nicht eine Tatsache übrig, die es als eigenen wirtschaftlichen Ersolg buchen könnte. Wenn das Saarland wirtschaftlich einigermaßen geschert ist, so hat eS das nichts den Franzo en zu verdanken, nur die Hilfe des Reiches hat einen Zusammenbruch der Saarwirtschaft abgewehrt. Frankreichs Schulpropaganda im Saargebiek. Eine Warnung sämtlicher Politischer Parteien. Berlin, 14. Febr. (Priv.-Tel.) Sämtliche politischen Parteien, mit Ausnahme der Kommunisten, haben als Antwort auf die von der Kultusabteilung des Saargebietes an die Eltern der Schüler erlassene Aufforderung zum Eintritt der Kinder in die französischen Schulen eine Erklärung herausgegeben, in der es u. a. heißt: „Bereits zehn Jahre ist das Saargebiet von feinem Mutterlande abgetrennt. In dieser Zeit ist vor aller Welt der Beweis geliefert worden, daß das Saargebiet ein kerndeutsches Land ist. Noch immer aber gibt es Franzosen, die glauben, Frankreich habe ein historisches und moralisches Anrecht auf den Besitz des Saargebietes. Zu den Gründen, die neuerdings hierfür ins Feld geführt werden, gehört auch die Behauptung, das Saar- gebiet fei ein zweisprachiges Grenzge- b iet Jeder Franzose, der im Saargebiet lebt, wird einwandfrei bezeugen können, daß d e m n i ch t so ist. Man scheint aber aus der Tatsache, daß einige hundert Kinder, die von der französischen Gruben- DermaUung eingerichteten Schulen besuchen und an- dere Kinder in den deutschen Volksschulen dem fakultativen französischen Unterricht beiwohnen, zu folgern, im Saargebiet sei man dem französischen Annektionsgedanken günstig gesinnt. Diese Schlußfolgerung ist v o l l k o m . men irrig: aber sie scheint für gewisse chauvinistische Kreise Frankreichs ein willkommenes Argument mehr zu liefern in der Kette der Trugschlüsse, die sie für eine offene oder verschleierte Annexion des Saargebietes ins Feld führen. Diese bedauerliche Tatsache bestimmt die politischen Parteien, die Bevölkerung des Saargebie- tesvoreinem Besuch nicht nur 6er fron- zösischen Schulen, sondern auch des fakultativen französischen Unterrichtes zu warnen. Groeners Mrinebauprogramm. NurEriatzbautcn für veralietcKriegsfchisfe. Berlin, 14. Febr. (Priv.-Tel.) Obwohl noch icincrlci Einzelheiten über das Marinebau- Programm des Reichswehrministers, das dieser antragsgemäß dem Reichstag vor-- legen wird, bekannt sind, beschäftigt sich die Oeffentlichkcit namentlich des Auslandes recht lebhaft damit, wobei man sich in, Kombinationen ergeht, die die Sachlage aber völlig c n t - Hellen. Zunächst muß doch noch einmal klar sestgestellt werden, wie unsere Marine heute aussieht. Wir besitzen vier einigermaßen fahrtüchtige Linienschiffe und vier, die völlig veraltet sind. Dafür ist der Dau der vier Panzerkreuzer geplant, von denen der eine ja schon begonnen worden ist. Ferner besitzen wir g-rnäh dem Versailler Vertrag acht kleine Kreuzer, und zwar die Rhmphe (Jahrgang 99), die Thetis, Amazone und Medusa (Jahrgang 1903), die Arkona (Jahrgang 1902), die Berlin und die Hamburg (Jahrgang 1903) und den neuen Kreuzer Emden, der sich auf einer Auslandreise befindet. Diese Kreuzer sind also bis auf die Emden vöNig veraltet. Dafür find bereits drei Kreuzer vom Stapel gelaufen, nämlich dir Königsberg im März 1927, die Karlsruhe im August 1927 und die Köln im Mai 1928. Weiter liegt noch der neue Kreuzer E im Bau. Das bedeutet also, daß das Marineneubauprogramm den Reubau von weiteren drei neuen Kreuzern vorsehen muß. um unsere veralteten Kreuzer wieder zu ersetzen. Weiter besitzt Deutschland noch zwöl.f Torpedoboote zu 800 Tonnen, von der Möwe und Jltisllasse, und es könnte noch zwölf Torpedoboote auf Grund des Versailler Vertrages besitzen, die 203 Tonnen fassen, die aber überhaupt keinen Praktischen Wert haben. Wenn die Times in diesem Zusammenhänge heute von dem gefährlichen deutschen Marinebauprogramm berichtet, so läßt sich wirklich nicht begreifen, womit sie das begründen will. Im diesiährigen Etat des Wchrministeriums sind lediglich 20 Millionen eingesetzt, die sich ouS der zweiten Panzerkreuzer rate und den übrigen Ansorderungen der laufenden Kreuzerneubouten zufammensehen. Inwieweit der 2»eichswehrminister das Reubauprogramm festlegen wird, steht noch sehr dahin. Auf jeden Fall wird er kaum mit bevorstehenden Reubauplänen auf Grund der obigen Aufstellung auf- warten. Verständigung in der Textilindustrie. FricdlicheBeilegung von Tarifsirciligkciten Berlin, 14. Febr. (Priv.-Tel.) Der Ar- beitgeberverband der Deutschen Textilindustrie e. V. harte unter dem 6. Februar den Tertilarbritergewerkschaften unterbreitet, alle in der Textilindustrie schwebenden Auseinandersetzungen aus friedlichem Wege beizulegen und deshalb sämtliche zur Zeit schwebenden Tarifstreitigleiten einem zentralen Schiedsgericht zur endgültigen gleichzeitigen Entscheidung zu übertragen. Dir drei Spihenverbände der deutschen Textilarbeiter haben gestern dem Arbeitgeberverband mitgeteilt, daß sie bereit seien, seinen Vorschlag anzunehmen, sämtliche Larisstreitigteiten einem neutralen Schiedsge- richtsvrrfahren zu unterbreiten. Dieses Schiedsgericht soll sich nach den Vorschlägen der Ge- werlschaften aus drei Schiedsrichternzu° sarnmenfetzen. Den Vorsitzenden soll aber der Reichsarbeitsmini st er ernennen. Die beiden Parteien sotten je einen Beisitzer ernennen. Die Gewerkschaften schlagen vor, daß, falls der Versuch des Schiedsgerichts, eine Einigung herbeizufuhren, mißlinge, das Schiedsgericht einen Spruch fällen solle. Sei dieser Spruch e i n st i m m i g , so solle er für beide Parteien a l s verbindlich gelten. Sei er mit Mehrheit zustandegekom- men, so sollen die Parteien innerhalb 24 Stunden über Annahme oder Ablehnung des Spruches sich entscheiden. Auf Antrag der an- nehmenden Partei solle die zuständige amtliche 6te(*- eine Entscheidung über die Verbindlichkeit des Spruches fällen. Bereits am Freitag sott eine tleine Kommission mit den Arbeitgeberverbänden alle Einzelheiten des einzu- leitenden Verfahrens besprechen. Oer Reichspräsident beglückwünscht den Papst. Berlin, 13. Febr. (WB.) Der Reichspräsident hat an Seine Heiligkeit den Papst anläßlich dcr Wiederkehr seines Krönungstages nachstehendes Telegramm gerichtet: „Eure Helligkeit bitte ich, zum krönungsfeste meine aufritfytigjten und wärmsten Glückwünsche eatgegenzunehmen." Der Papst hat darauf wie folgt geantwortet: „Eurer Exzellenz gütiges Gedenken und innige Glückwünsche erwidern wir mit den herzlichsten Segenswünschen für Ihre Person und das ganze deutsche Bolt“ Der Reichspräsident und die Reichsregierung haben ferner dem päpstlichen Nuntius und dem italienischen Botschafter in Berlin ihre Glückwünsche anläßlich der Unterzeichnung des Vertrages über die römische Frage ausgesprochen. Die Botschaster Freiherr von Neurath und Dr. von Bergen sind angewiesen worden, ihre Glückwünsche sowohl bei der Kurie wie bei der italienischen Regierung auszusprechen. Anläßlich des Krönungstages des Papstes gab der a p o ft o » lifche Nuntius Pacelli am Dienstagabend ein Essen, an dem teilnahmen: der Reichs- Die Sachverständigen besprechen den Gilbertbericht. (KrtLuierungdesJreichsbankpräsidentenSchachtzurWirtschastslageOeutschlandS Paris, 13. Febr. (WTB.) Rach Beendigung der heutigen DormittagSfitzung des Sachverstän- digenausfchusses wurde folgendes K o m m u - niqu6 ausgegeben. Der Vorsitzende Owen V o u n g verlas den Mitgliedern des Ausschusses die Antwort des Generals Dawes auf das Degrühungstelegramm des Komitees, das, wie folgt, lautet: Och bestätige dankend den Empfang des Grußes des Sachver- ständigenausschusses. Die Welt erwartet im Vertrauen auf das hohe Ziel und die Bedeutung deS großen Werkes hoffnungsvoll dessen Vottendung, die so wesentlich für das Wohlergehen der Welt ist. — Auf Ersuchen der Mitglieder des Ausschusses machten Reichsbankpräsident Dr. Schacht und seine Kollegen von der deutschen Delegation Ausführungen über bestimmte Punkte, betreffend die deutsche wirtschaftliche Lage, wie sie im letzten Bericht des Generalagenten für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, dargelegt sind. Wie die Agentur HavaS berichtet, hat es sich Dr. Schacht vor allem angelegen sein lassen, die Schlußfolgerungen des letzten Berichts Parker Gilberts zu erörtern, besonders soweit sie das LebensyaltungSniveau Deutschlands betreffen, verglichen mit dem der anderen Rationen. Der deutschen Delegation wurden verschiedene Fragen über Einzelheiten gewisser Titel des Reichsbudgets gestellt. Dr. Schacht wurde ersucht, sich über den Stand der gegenwärtigen Prosperität der deutschen Industrie sowie über die deutsche Handelsbilanz zu äußern. Die deutsche Delegation hat umfangreiches Material und zahlreiche Statistiken vorgelegt, die die Sachverständigen in ihren Einzelheiten werden prüfen müssen. Wie man sieht, ist der Ausschuß erst noch bei einer Untersuchungsarbeit ziemlich allgemeiner Art, die wahrscheinlich noch mehrere Tage fortgesetzt werden wird und die die unerläßlichen Vorarbeiten für die Erfüllung seiner Aufgabe darstellt. Rach dem .Matin" soll Dr. Schacht daran erinnert haben, daß die Handelsbilanz Deutschlands ein Defizit in Höhe von einer Milliarde auftoeife. Damit die Dawesannuitäten bezahlt werden konnten, sei ein größerer lieber- schuß in der Handelsbilanz notwendig. Andererseits müßten auch bei den Einfuhr- und Ausfuhrziffern die Reparationssachlieferungen in Berücksichtigung gezogen werden. Dr. Schacht habe außerdem die nach seiner Ansicht zu optimistischen Schlußfolgerungen Parker Gilberts hinsichtlich dec budgetären Einnahmen aus den fünf verpfändeten Einnahmequellen (Zoll, Tabak, Bier, 2ttlohol und Zucker) erörtert. „Chicago Tribüne" erklärt: Die Verhandlungen gingen Dreimal so schnell voran, als man vorher angenommen hatte und werden, wenn dieses Tempo beibehalten würde, schon in einem Monat zu Ende fein, statt in Atoei oder btel Monaten, wie man geglaubt hat. Deutschlands Steuerlast. Keine Ncberschirsse für die Neparations- zahlungen. Berlin, 14. Febr. (Priv.-Tel.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat in seinen Ausführungen vor dem Reparationsfachverständigenausschuh die deutsche Steuerlast als die schwerste gegenwärtig in Europa bestehende bezeichnet und betont, daß infolgedessen öle Lebenshaltung stärker als in irgendeinem anderen Lande herabgedrückt sei. Die Ausführungen Dr. Schachts haben durch ihre Sachlichkeit und ihre Ueberzeugungskrast den Erfolg gebracht, daß die Reparationssachverständigen zunächst die Steuerlast Deutschlands erörtern werden. Deut sch lands Einkommen beträgt rund 940 Mk. je Kopf der Bevölkerung, dagegen das Englands rund 1700 Mk. Zieht man die Steuern usw. ab, so bleiben im Durchschnitt für den Privatverbrauch oder Ersparnisse in Deutschland pro Kopf der Bevölkerung höchstens 720 Mk. übrig, in England dagegen 1330 Mk., d. h. fast das Doppelte. Man sieht an diesen Zahlen, daß es nicht auf die absolute Große der Steuerlast ankommt, sondern darauf, was nach Abzug der öffentlichen Abgaben für Wirtschaft und Lebenshaltung bleibt. Darüber hinaus kommt es darauf an, wie die Steuern auf die wirtschaftliche Entwicklungs- Möglichkeit wirken, bzw. auf bie Heber- fchüsse, da Privatwirtschaft und Volkswirtschaft nicht nur von dem Unentbehrlichen leben können. Gerade die Ueberschüsse der deutschen Volkswirtschaft sollen die Grundlage für die Reparationszahlungen abgeben. Die gatoaltige deutsche Steuerlast, die der Wirtschaft bzw. den Trägem der Wirtschaft, den Arbeitgebern und Arbeitnehmern, schweren Schaden zufügt, beweist am besten, tote schwer die Reparationslasten auf uns drücken, denn der Zuschuhbedarf der öffentlichen Hand ist vornehmlich durch die steigenden Reparativ n s l a ft e n vergrößert worden. Die hohen Steuern hindern also die wirtschaftliche Ent« wicklungsmögfichkeit, deren Steigerung gerade im Onteresse unserer Reparationsgläubiger liegt. Denn die deutsche Wirtschaft soll nicht nur für sich selbst ertragfähig sein, damit eine gesunde Entwicklung gewährleistet ist, sondern sie soll darüber hinaus noch Reparationen zah« l e n. Man kann nur hoffen, daß die Ausführungen Dr. Schachts über Deutschlands schwere Steuerlast und gedrückte Lebenshaltung ihren Eindruck bei den Reparationssachverständigen nicht verfehlen und daß sie vor allem ihrem Sinne nach verstanden und geprüft werden. Langsamer Rückgang des Frostes. Berlin, 13. Febr. (WTB.) Allem Anschein nach hat Deutschland den Höhepunkt des Frost- wetters nunmehr überschritten. Auch die Wetterbeobachtungen der vergangenen Nacht zeigten ein Abwandern der Ka 111 uftrnaf - scn nach Südwesten. Wenn auch stellenweise noch sehr hohe Temperaturen gemessen worden sind, so ist doch überall ein wenn auch geringer Rückgang des Frostes zu verzeichnen. O st preußen meldet durch,chnittlich minus 17 Grad, die pommersche Küste minus 15 bis 19 Grad, Stettin dagegen minus 24 Grad. In Mitteldeutschland lagen die Temperaturen zwischen minus 18 und 22 Grad. In Berlin maß man in der Innenstadt minus 18, in den Außenbezirken minus 24 Grad. In Bayern war der Rückgang der Kälte sehr erheblich, so In München minus 22 Grad gegen 30 Grad gestern. Im Rheinland lagen die Temperaturen zwischen 18 und 21 Grad. Bon der Nordsee- k ü st e werden 4 bis 10 Grad Kälte gemeldet. In Frankreich Hot die Stätte teilweise erheblich zugenommen. In Mittelsrankreich, so z. B. in Clermont, herrschten Temperaturen von minus 22 bis 23 Grad. Poris hotte 13, Bordeaux 11 Grad Kälte. In Marseille wurden sogar minus 13 Grad gemessen. Sie Riviera meldet Schnee bei 2 Grad Kälte. Auch O b e r i t a l i e n leidet noch sehr unter Frost. Die Durchschnittstemperaturen betrugen 10 bis 12 Grad. Man rechnet für morgen mit einem Auffrischen der Winde, verbunden mit z u n e h m e n° der Bewölkung, da über ganz Südosteuropa ein großes Wolkenfeld lagert; trotzdem sind die Aussichten auf größere Schneefälle gering. Die stärkere Bewölkung verspricht ober weiteren Rückgang des Frostes. NotstandsmaßnahmendsrStadtBerlin Berlin, 13. Febr. (WTB.) Der Magistrat stimmte der Bewilligung einer Sonderkoh- l e n r a t e für laufend unterstützte Erwerbslose und andere Minderbemittelte in Höhe von einer Monatsrate zu. Ferner beschließt der Magistrat zwecks Ersparung von Heizmaterial vom 15. bis 21. d. M. einschließlich sämtliche Schulen zu schließen. Die Schulverwaltung wird beauftragt, in eng bevölkerten Teilen der Stadt dafür zu sorgen, daß einzelne Schulen, gut durchheizt, a 16 Aufenthalt für bie Schulkinder dienen können. Es sollen ferner von sofort ab ebenfalls bis Donnerstag, den 21. d. M. einschließlich die Schwimm-, Wannen- und medizinischen Bäder geschlossen werden. Die Brausebäder sind offen zu halten. Die Reichsbahnverwaltung folt,1 ersucht werden, durch Einlegung besonderer Kohlenzüge zu ermäßigtem Tarif die Kohlenheranschaffung zu erleichtern. (Steuerung der Breunstoffnot in Hessen. Darmstadt, 13. Febr. Die Kvalitionspar- teten haben in Landtag folgenden Antrag ein- gebracht: D^cch die katastrophale Entwicklung der gegenwärtigen Frost Periode, die einen über daS gewöhnlich? Maß weit hinauS- gehende i Brenn st offbedarf erfordert, werden zahlreiche Hilfsbedürftige in die größte Rotlage versetzt, der die Fürsorgekräger allein zu steuern vielfach nicht in der Lage sind. Diese außerordentlichen ilmftänbe machen daher auch eine Mitwirkung des Landes zur Linderung der Rotlage notwendig. Wir beantragen daher, einen Betrag von 100000 Mk. zur Verfügung zu stellen, der sofort den De« zirksfürsorgeverbänden als einmalige außerordentliche darlehensweise Beihilfe zur Steuerung der Drennstoffnot für Hilfsbedürftige zur Verfügung gestellt werden soll, unter der Bedingung, daß DezirkSfürsorge- verbände oder Ge.neinden für die außerordentliche Drennstof rerforgung mindestens den gleichen Betrag aufwenden, den sie von dem Lande erhalten. Die Regierung erklärte sich mit der sofortigen Behandlung dieses Antrages einverstanden, und der Hauplausschuß deS Landtages hat dann einstimmig dem Anträge zugestimmt. Präsident mit Staatssekretär Meißner und Oberstleutnant von Hindenburg, Reichskanzler Müller mit Staatssekretär Pünder, der preu- ßische Ministerpräsident Dr. Braun mit Staatssekretär Dr. Wcismann, der preußische Kultus- Minister Dr. Becker und Staatssekretär Lammers, der Chef des Protokolls, Gesandter K ö st e r, sowie zahlreiche bei der Reichsregierung beglaubigte Botschafter und Gesandte. * Der Bischof von Limburg, zu dessen Diözese auch der Kreis Gießen gehört, hat aus Anlaß des Friedensschlusses zwischen Italien und dem Vatikan an den Papst folgendes Telegramm In lateinischer Sprache gerichtet: „Wie dcr ganze katholische Erdkreis in diesem geschichtlich hochbedeutsamen Augenblick Dir zujubelt und Beifall klatscht, so lege auch ich mit dem hohen Domkapitel und dem übrigen Klerus sowie dem katholischen Volk meines Bistums Dir unsere herzlichsten Glückwünsche zur Wiedererlangung der Freiheit der Heiligen Kirche in kindlicher Ehrfurcht und Ergebenheit zu Füßen/ Der Bischof hat außerdem angeordnet, daß aus Anlaß dieses Ereignisses am nächsten Sonntag am Schluß des Hochamt» in sämtlichen Kirchen des Bistums das Tedeum zu singen ist. Aus aller Welt. Die Folgen der dünnen Strümpfe. In Rauen find einem jungen Mädchen beide Deine bis zu den Knien herauf erfroren. Das Mädchen glaubte, auch in dieser Kälte mit hauchdünnen Florstrümpfen gehen zu müssen. Run werden ihr aller WahrschÄnlichkät nach beide Beine abgenommen werden. Vorn Berliner Gesundheitsamt erfährt die „Deutsche Zeitung" hierzu, daß auch in anderen Fäl - l e n diejenigen Frostschäden erlitten haben, die zu leichte Strümpfe trugen. Aaschingsabend mit Ueberraschungeu. Auf ungewöhnliche Wcise bestohlen wurden die Gäste einer Pension im Berliner Westen, in der vor kurzem unter dem Ramen Pillon ein 35 bis 40 Jahre alter Mann abge- ftiegen war, dem seine gewandten Umgang3formcn rasch eine ungewöhnliche Beliebtheit verschafften. Sein Vorschlag, für die Gäste der Pension auf allgemeine Unkosten ht einem gemütlichen Lokal einen FaschingSball au veranstalten, sand deshalb auch allgemeinen Beifall. Während aber die Gäste im Lokal versammelt waren, fuhr der Fremde mit einem Auto vor der Pension vor und plünderte in aller Ruhe die Zimmer der übrigen Pensionsbewohner aus, worauf er unbehelligt verschwand. General Booth nochmals feines Amtes enthoben. Der Oberste Rat der Heilsarmee entschied mit 52 gegen 5 Stimmen, daß General Booth ungeeignet sei, fein Amt weiter auszuüben. Es wurde deshalb beschlossen, den General seines Amtes zu entheben. Bier Mitglieder enthielten sich der Stimme. Der Rat wähtte den Gene- ralstabschef Higgins zum Nachfolger des Generals Booth. Erneut Großfeuer in stottbuv. 2n der Tuchfabrik von Kühn & Mohr in KottbuS brach ein Feuer auS, das gewaltigen Umfang annahm und dem die ganze Fabrik zum Opfer fiel. Der Brand entstand dadurch, daß man mit einer Lötlampe versuchte, eine zugc - fr orene Wasserleitung au'z.tauen. Die Löscharbeiten erwiesen sich zunächst als unmöglich, da das Wasser auf dem Weg von den Hydranten bis zu den Schlauchspritzen gefror. Vie Flammen griffen auch auf das Dach einer benachbarten Maschinenfabrik über; hier konnte die Feuerwehr aber rechtzeitig großes Unheil verhüten. Aus der Fabrik, die bis auf die Grundmauern nleberbrannte, sind lediglich einige Ballen Tuch gerettet worden. Der Finanzausschuß lehnt den Theaterzuschuß für Gießen ab. D a r m ft a b t, 13. Febr. Der Finanzausschuß erledigte im Fortgang der Etatsberatung zunächst Kap.tel 62 (Höhere Bürger- und Höhere Mädchenschulen). Angenommen wurde mit dem Kapitel auch ein Antrag Axt (Volksrechtpartei), die seither der inzwischen eingegangenen Höheren Privatschule in Crainfeld bewilligten Staatszuschüsse für die Höhere Privatschule in Gedern zu bewilligen. Ohne wesentliche Debatte angenommen wurden die Kapitel 62a (Gewerbliche und kaufmännische llnterrichtsanftalten), 63 (Fortbildung der Lehrer an Volks- und Höheren Schulen), 64 (Jugendpflege) und 65 (Volksbildung). Lei Kapitel 66 (Förderung der Kunst) wurde gegen zwei Stimmen ein Antrag Birnbaum (D. v.) abgelehnt, dem Stadttheater in Gießen i einen Staatszufchuh von etwa 25 000 Mark zu gewähren und im Rachlragsetal 1929 einzu- stellen. Mit acht zu vier Stimmen a b g e l e h n t wurde ein Antrag Storck (Soz.), der die Regierung ermächtigen soll, den Zuschuß für das Stadttheater in G.etzcn entsprechend zu erhöhen. Gegen drei St.mmen abgelehnt wurde ein Antro • Storck, für die Ausbildung und Unterstützung hessischer Künstler usw. den vorgesehenen Betrag von 8500 Mark zu erhöhen. Das Kapitel selbst wurde genehmigt, ebenso Kapitel 67 (Landesuniversität Gießen). Hier wurden auch die in dem Nachtragsetat angeforderten Beträge für bauliche und innere Einrichtungen b e- willigt. Die Wetterlage. '6 So BL itfr 11 MUMoch, d.13. TeD 1929, T afrds oeei» h«c*l e «om>o. • » lehnte 4 Ortuoein e neoei R Greller.© W'i’di«'”e--O' eirntn O$i »»»ige- Sudtuowest Q jiermijthcr lordw'csi 0't »fen« wegen ein dem winde. Pie vei den lleüonen »lesenden en gexn die Temperatur «n Pie Linien «reromdeo Orte «ul gititBce ni n*ere$eiveiu < »ridre<* Wettervoraussage. Wettervoraussage für Freitag: Wolkiges Wetter mit zeitweisen Schneefällen, Temperaturen wenig verändert. Witte rungsaussichtenfürSamstagl Noch Anhalten des Frostwetters, vielfach nebligwolkig mit Neigung zu vereinzelten Schneefällen. Lufttemperaturen am 13. Februar: mittags —13,1 Grad Celsius, abends —17,3 Grad Celsius: am 14. Februar: morgens —16,3 Grad Celsius. Maximum —13,1 Grad Celsius, Min mum —20,8 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentim.ter T efe am 13. Februar: abends —6,1 Grad Celsius: am 14. Februar: morgens — 6,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 7 Stunden. winlerfporlmeldungen der Hess. Wetterdienststelle. Vogelsberg (Hoherodskopf): Leichter Schneefall, — 20 Grad Celsius, 35 Zentimeter Schnee, etwas verharscht, Ski und Rodel gut. — (Herchen- hainer Höhe): Le-chter Schneefall, —18 Grad Celsius, 35 Zentimeter Pulverschnee, Ski und Rodel gut. Odenwald (Neunkirchen): Leichter Schnefall, —10 Grad Celsius, 35 Zentimeter Schnee, etroaf verharscht, Ski und Rodel gut Sauerland (Winterberg): Leichter Schneefall, —11 Grad Celsius, 40 Zentimeter Schnee, Ski und Rodel gut. Taunus (Kleiner Feldberg): —22 Grad Celsius, 40 Zentimeter Schnee, stark verharscht, Ski und Rodel gut 4bow n'» Ä*11 ttanb, ®°5ntt n”e# enthob-. ä«; Z'D 9et * Qent. ‘Ubuft t6 Ni i, Ur un^a. As von bttt L-vgefro, 5* Dach einer 'N konnte Ä M cmiQe Da,. > lehnt-en ließen ab. '"°Wus!chub er. '«Qtunj zunächst 'l-nd höhere ,7 wurde mit dein lisrechtpaneis, b:( len höheren Pej. n Ltaatrzuschüsse Jle in ®ebern wtte angenommen che und kaufmän- sFonbildung dn iulen), W Ougenb t üvnslj narbt trag Birnbaum ?akr In Giehea 25 000 Mark ji tat 1929 dnjB- lehnt wurde (In erung ermächllacn Heater in T.ehcn en drei St.rninrn ird, für die Üu*- her Künstler u|w. ) Mark zu erhöhen, ligl, ebenso So^ld Sieben), hin setat angesorderlüi Einrichtungen de> -e. f -& s.. f*nc ei s l2 &<*Ä Ä ö? »Ä* ' n: E 6#“ Xä '^*** Aus der Vrovinzlalhauptsiadk. Gießen, den 14. Februar 1929. S..S. Es gibt Gewohnheiten, die sich fortsetzen, auch wenn sie längst ihre Berechtigung verloren halten, vorausgesetzt, daß sie überhaupt eine Berechtigung besaßen. Es wird schwer festzustellen sein, wer die Floskel „S. H." oder „9. H." erfunden hat. Sicher ist nur, daß sie aus einer Zeit stammt, die sich einer Servilität befleißigte, die heute nicht mehr am Platze ist. Eine andere Zeit hat ein anderes Selb» släno.gkeitsgefühl erzeugt, und man steht dem lie- ben Nächsten, wer er auch sei, kritisch gegenüber. Ob diese kritische Einstellung immer das Richtige trifft, ob sie nicht mangels tieferer Einsicht vor- beizielt, ob mit ihr auck nicht manche Nachteile em» porgelommen sind, soll hier nicht untersucht werden, well es zu weit vom Thema hinwegführen würde. Was hat es nun aber mit dem „S. auf sich? Jeder hat schon Briefe bekommen, auf denen dieser Vermerk zu finden war. Ob jeder wußte, was diese zwei Buchstaben zu bedeuten Haien? Nun, eine Kränkung oder Beleidigung sollten sie nicht fein. Einen Akt der Höflichkeit sollten sie bedeuten. Aber was hat schon eine Höflichkeit zu betauten, die man nicht versteht? Und wenn man sie versteht, was betautet eine Höflichkeit, die so billig ist wie dieses „S. H.". Also: Nickt mehr und nicht weniger als „Seiner Hochwohlgevoren" will die genannte Abkürzung besagen. Und nun könnte man wieder fragen: Was bedeutet denn das? Wohlgeboren oder Hochwohlgeboren: es ist wohl immer dasselbe, eine Leerheit, eine Redensart, hinter der nichts steckt als eine Un- Wahrheit, die allerdings ungefährlich ist, weil man sich überhaupt nichts dabei tankt und auch nichts zu denken braucht. Man schleudert es so hin aus alter Gewohnheit, und wenn nicht aus Gewohnheit, so deshalb, weil man sich noch dem alten Rezept über die Hausmedizin sagt: Nützt es nichts, so schadet es nichts. Aber der Empfänger des Briefes könnte vielleicht doch Wert darauf legen, daß diese Floskel da ist, er könnte es auch unangenehm, als eine Nicktachtung und dergleichen empfinden. Und da diese zwei Buchstaben nichts kosten, also schreibe ich sie hakt hin. Es sei daraus verzichtet, den Begriff Wohlgeboren näher zu untersuchen. Das haben bereits andere geistvoll und witzig getan, die sich bemüßigt fühllen, gegen den alten Zopf vorzugehen. Das war aber bereits vor langer Zeit, als man noch ziemlich gut muhte, was die zwei Buchstaben zu bedeuten hat- len. Nun sich jedoch die Zeiten auch nach der Richtung geändert haben, daß so mancher erst fragen muß, was denn mit der Aufschrift gemeint sei, darf man wohl auch meinen, daß es an der Zeit ist, den unnötigen Ballast aus einer verschnörkelten Zeit über Bord zu werfen. Der Reichspräsident wird es gewiß nicht übel vermerken, wenn man «infach und schlicht adressiert: An den Herrn Reichs- Präsidenten. Und was dem ersten Manne des Staates recht ist, könnte im Grunde auch dem Herrn Muller und der Frau Mali billig sein. Oder nicht? 8. Gietzener Wochenmarktpreise. GS kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: ^Butter 140 bis 170 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 lus 140, Wirsing 25 bis 30, Weißkraut 20 bis 25, Rotkraut 25 bis 30, gelbe Rüben 20 bis 25. rote Rüben 15 bis 20, Spinat 50 bis 60, LInterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 30 bis 35, Rosenkohl 60 bis 65, Feldsalat 200, Tomaten 80 bis 90, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 50 bis 120, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 5,5 bis 6 (pro Zentner 5 Mk.l, 2lev.«l 20 biS 40. Dörrobst 35 bis 40, Rüsse 70 b's 80. junge Hähne 100 bis HO. Suppenhühner 100 bis 120. Tauben 80 bis 85 Pro Pfund öier 18 bis 20, Blumenkohl 70 bis 140, Salat 40 bis 45, Endivien 40 bis 60. Lauch 15 bis 25, Rettich 10 biS 20. Sellerie 10 bis 50 Pfennig Vornotizen - logeshlenber für Donnerstag. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 8.15 Uhr, Lichtbildervortrog, in der neuen Aula der Univer- sität. — VDA.: Lichtbiltaroortrag „Die Siebenbürger Sachsen und ihr Land", Aula des Gymnasiums. — Elektrizitätswerk. Vorträge mit praktischen Kochoor- führungen, 16 Uhr, im Hotel Einhorn. — L.chtspiel- baus, Bahnhofstraße: „Das göttliche Weib". — Astoria-Lichtspiele: „Tom der Rächer". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadltheaterbureau wird uns geschrieben: Der Erfolg von Molnars «Olympia" hat starkes Interesse für dieses Stück erweckt. Molnar gehört heute zu den meistgespielten Autoren und wird auch mit seiner .Olympia" über die deutsche Bühne gehen. Die erste Wiederholung von ^Olympia" am Gießener Stadttheater findet am Freitag, 15. Februar, statt. SamStag, 16. Februar, 16 Llhr .Rathan der Weise" (Schülervorstellung'. Sonntag großer Operetten-Abend: „Der Mikado", Operette in 2 Akten (14 Bildern) von W. S. Gilbert. Musik von Arthur Sullivan. — Kirchenmusikalische Feierstunde. Am Sonntag, 17. Februar, findet in der Stadtkirche wieder eine kirchenmus.kal sche Feierstunde statt, die von der Markusgemeinde veranstaltet wird und deren Besuch für jedermann frei ist. Unter dem Thema .Der am Kreuz ist meine Liebe" bietet das Programm in Musik und Gesang alte und neue kirchliche Kunst. Gute auswärtige und einheimische Kräfte haben sich wiederum in den Dienst der Sache gestellt. Jedermann sei an dieser Stelle nochmals dazu eingeladen und auf die heutige Anzeige hingewiesen. — Vortrag über Probleme der modernen Dramaturgie. Dr. Karl Ritter, Dramaturg des Stadttheaters, spricht auf Einladung des Direktors deS Deutschen Seminars (Professor Dr. Victor) am Donnerstag. 21. Februar. In der tinioetfltät über „Probleme der modernen Dramaturgie". — Vorträge mit praktischen Kochoor- führungen, veranstaltet vom Elektrizitätswerk, finden morgen abend im Hotel Einhorn statt. (Siehe heutige Bekanntmachung.) — Kreis-Obst-undGartenbauverein. Am Samstag, 23. Februar, im Hotel Hopfeld Hauptversammlung. (Siehe heutige Anzeige.) *• Einen Wetterum, chlag brachte uns der heutige Tag. An Stelle des langanhaltenden strengen Frostes bei klarem .)immel haben wir seit heute früh Schneefall zu verzeichnen, dessen Stärke mit dem Fortschreiten der Stunden ständig zugenommen hat. Zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen, in der elften Vorm ttagssiunde, schneit es zwar fein, aber in dichtem Schleier, so daß sich in den Straßen bereits eine dichte weiße Schneedecke gebildet hat. Hoffentlich ist dieser Wetterumschlag gleichbedeutend mit dem endgültigen Abschluß der starken Frostperiode. *■* Der Zugverkehr auf unserem Bahnhof hat, soweit der Fernverkehr in Betracht kommt, weiter sehr unter den Einwirkungen der Kälte zu leiden. Die v°Züge aus Richtung Frankfurt am Main kommen jetzt zwar mit einiger Pünktlichkeit hier an, dagegen sind die Verspätungen bei den aus Norddeutsch'and kommenden Zügen außerordentlich groß; Verspätungen von anderthalb bis zwei ßEG-Wurstkonserven Oldenb. 6E6-Delikateß-Würstchen GE6 bürgt für gute Qualität Dose 3 Paar Inhalt. Dose 6 Paar Inhalt. Dose 12 Paar Inhalt. Dose 18 Paar Inhalt. Dose 30 Paar Inhalt. Dose 60 Paar Inhalt. 0.85 1.30 2 50 3.75 6.25 12 20 ^Pfd.oeo y4P fd.0.50 y4 Pfd. 0.60 ’/< Pfd. 0.50 y4 Pfd. 0.65 y4 Pfd. 0.55 % Pfd. 0.50 y4 Pfd. 0.36 y4 Pfd. 0.45 lA Pfd. 0.40 y4 Pfd 0 30 y4 Pfd. 0.24 % Pfd. 0 40 y4 Pfd. 0.38 In Qualität erstklassig! Im Preis außerordentlich günstig Zervelatwurst la Zervelatwurst I Salami la Salami I Schlackwurst Schinkenplockwurst.... Holsteiner Plockwurst.. Berliner Mettwurst Oldenburger Mettwurst Preßkopf Leber- und Blutwurst... Leber- und Blutwurst... Dörrfleisch Speck o w g. cu CD 7 cv II 1 CD o o ------M-- Fleischkonserven Schweinsnacken, Pfd. 2.60 Leber-u. Blutwurst 1 Dose zirka 1 Pfund netto nur 60 Pf. Echter westfälischer Pumpernickel, Paket 25 Pf. Warenabgabe nur an Mitglieder! Konsumverein Gießen und Umg. e. G- m. b. H» iszm Nur im Konsumverein deckt die denkende Hausfrau ihren Fleisch-, Wurstwarenbedarf Eisbein, Dose netto 320 g ■ 1 20 Eisbein, Dose netto 400 g B 1.40 la knochenloser Schweinskopf... Pfund H 1.20 Schweinszunge, Dose netto 410 g W 2 40 Delikateßsülze, netto400g 1.10 Stunden und teilweise noch mehr mußten bei diesen Zügen in Kauf genommen werden. Im Nahverkehr sind erfreulicherweise keine Klagen zu erheben. Trotz der starken Hemmungen durch den Fernverkehr wickelte sich der Dienst bisher in reibungsloser Weise ab, was um so mehr anerkannt werden muß, als die Grippeerkrankungen unter dem Personal des Gießener Bahnhofs letzt soweit um sich gegriffen haben, daß über ein Viertel des Personals dem Dienste fernbleiben muß. Eine gemeine Tat. Die MaSker.freiheit wurde am Dienstagabend in einem hiesigen Lokal gegenüber einem 17 Jahre alten jungen Manne von hier in ganz übler Weise mißbraucht. Während er mit Bekannten beim Bier zusammen- saß, wurde ihm eine Flüssigkeit in sein GlaS geschüttet, ol)nc_ daß er es bemerkte. Er trank weiter, verspürte jedoch bald darauf in der Speiseröhre Schmerzen. Diese ließen auch im Laufe des gestrigen Tages nicht nach, und cs stellte sich dauernd heftiges Erbrechen ein. so daß die Eltern sich veranlaßt sahen, einen Arzt herbeizurufen. Dieser stellte eine schwere Verätzung des Rachens und der Speiseröhre fest, die klinische Behandlung erforderlich macht. Da für diese Verätzung keine andere greifbare Ursache vorliegt, bleibt nur die Annahme übrig, daß die am Abend vorher in das Bierglas des jungen Mannes geschüttete Flüssigkeit ein ätzendes Mittel war, mit dessen Verwendung sich der Täter einen „Scherz" zu machen glaubte. Ob es sich um Salzsäure, oder irgendein anderes ätzendes Produkt handelt, ist bisher noch nicht fest- gestellt. •• Ei n kleiner Dachst uhlbrand entstand gestern abend gejen 7 H&r in einem Anbaugebäude im Hose der Zeughauskaserne. Die Flammen wurden alsbald von Soldaten bekämpft, jedoch erwies es sich als erforderlich, die Feuerwehr zur Hilfeleistung herbeizurufen. Als die Feuerwache wenige Minuten nach dem Rufe an der Brandstelle erschien, war eine größere Gesahr zum Glück nicht mehr vorhanden. Trotzdem mußte die Wehr noch mit einer Schlauchleitung und mit einen Feueclöschapparat in Tätigkeit treten, um die brennenden Dalken und Bretter abzulöschen. Rach einftündiger Arbeit konnte die Wehr wieder abrücken. Die Brandursache ist noch imbefannt. ** Austrieb auf den heutigen Frank- furterSchlachtvieh markt: 885 Kälber, 310 Schafe, 233 Schweine, 1 Kuh. Wettere Lokalnachrichten im zweiten Blatt. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 13. Febr. Ein Zuchthausgefangener namens K e n s ch e aus Sorau. war Mitte Suni 1923 bei der Außenarbeit in Rockenberg entwichen und hatte in der folgenden Rächt aus einer Fabrik und dann aus einer Schäferhütte ein Fahrrad und Kleider gestohlen, um besser fliehen zu können. Er kam auch in bas besetzte Gebiet und von da nach Frankreich. Dort ließ er sich wieder zur Fremdenlegion, der er bereits vor und während deS Krieges angehört hatte, anwerben, desertierte später, ging zur spanischen Fremdenlegion und desertierte dann auch dort. Er kam dann nach Deutschland zurück und wurde festgenommen. Mit Rücksicht auf sein Geständnis, den Almftanb, daß der Diebstahl lediglich eine Folge feines Entweichens war und lange Zeit zurückliegt, und andere Milderungsgründe, wurde auf eine Strafe von 1 Sahr Gefängnis erkannt. Ein 23 (Zahre alter Sattler war in ein Alsfelder Geschäft eingestiegen, um dort einen Anzug für sich zu stehlen. Er wurde aber entdeckt. Wegen versuchten Rückfallbiebstahls erhielt tr acht Monate Gefängnis. Ein wegen Silt.ichkeitSverbrechenS und Blutschande vorbestrafter Arbeiter aus Lich hatte sich wieder wegen versuchter Blutschande zu verantworten. Strafe 4 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Alle drei Urteile wurden alsbald als rechtZkrästig anerkannt. Amtsgericht Gießen. öin hiesiger Gewerbetreibender, der in vier Fällen Unterfdjlagungen beging, erhielt eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten und zwei Wochen. Sn dem einen Fall war eS ein Fahrrad, in dem anderen eine Nähmaschine uni» in dem dritten Fall ein GaSherd, die er sich rechtswidrig aneignete. Die Verkäufer hatten sich in den drei Fällen das Eigentumsrecht Vorbehalten, und der Käufer, der Angeklagte, wußte ganz genau dessen Bedeutung. 2icht!def!owcnigcr verlauste er die genannten Gegenstände weiter, bevor die Verläufer befriedigt waren. Sn dem vierten Fall hat er für einen auswärtigen Kaufmann Waren verkauft, die noch in dessen Eigentum standen, den Erlös aber für sich behalten und verbraucht. Schädigungen von Geschä'tS euten in dec geschilderten Weise gehören, wie die Gerichtsverhandlungen lehren, durchaus nicht zu den Seltenheiten. Vielfach tragen die Kaufleute aber eine gewisse Mitschuld, indem sie den Betrügern durch große Dertrauensfelialeit ihre betrügerischen^ Machenschaften dadurch erleichtern, daß sie sich über die Kreditfähigkeit der Käufer gar nicht oder nur unzureichend informieren. Ein in einer abgelegenen Straße dahier wohnender Arbeiter hielt sich einen Schäferhund. Vor die Türe kam derselbe nicht: geschah es einmal, so wurde er an der Leine geführt. Sobald fein Herr nach Hause kam und die Türe geöffnet wurde, pflegte er diesen durch Anspringen zu begrüßen. Bei einer solchen Gelegenheit lief der Hund an seinem Herrn vorüber auf die Straß« und biß dort einen zwölfjährigen Sungen, der sich in der Rähe von einem Trupp spielender Kinder befand. Der Vater des KindeS stellte gegen den Besitzer deS Hundes Strafantrag wegen fahrlässiger Körperverletzung. Sine Fahr- läsjigkeit war diesem aber nicht nachzuweisen. Auf Grund der Beweisaufnahme konnte er mit Recht annehmen, daß eS sich um keinen bissigen und gefährlichen Hund handle und besondere Schutzmaßnahmen, die jedes auch nur zufällige Verlassen des Hauses — und ein solches stand in Frage — verhinderten, nicht erforderlich seien. Dec Strafrichter mußte daher zu einen« Freispruch gelangen. Diez ohne Wasser und Licht. WSR. Diez. 13. Febr. Am gestrigen Fast- nachtdienStag war unsere Stadt ohne Wasser und ohne Licht. Mehrere Wasserrohrbrüche hatten zur Folge, daß fast die ganz» Stadt ohne Wasser war und ihren Wasserbedarf auS Sprengwagen, die durch die Straßen fuhren, entnehmen mußte. Gegen 10 llfjr abends fetzte dazu noch das Licht aus infolge der 2e- schädigu ng eine- Leitungskabels, die erst heute morgen gegen 8 Llhr wieder beseitigt werden konnte. Berliner Börse. Berlin, 14. Febr. (WTB. Funkspruch.) Da im heutigen Frühverkehr Kurstaxen überhaupt noch nicht zu hören sind, läßt sich eine Tendenz bisher nicht erkennen. Besondere Anregungen liegen nicht vor. Andererseits fehlen auch ungünstige Momente, so daß größere Veränderungen nach der einen oder anderen Seite für heute nicht erwartet werden. 1H ; ... ] / I rKvNS-Mel«' Allein für nufere fonlinrettsl. Icnfib ucrtnufL behärdt. emvioblenctt Vertrieb ringet <$Dc^mlnr;ttcl D. R >< bet unbeschrankter Avsivnioa» zu vor- liditcit und dauernder tjöcoitet Per dien itchance. tln Arqge geben fommcii nur ttrbeiröfreiiDifle Werten mit Organifations« tnlent und welche üoey ca. yit. ^OOO.— ccriüicn. 113 IV v. 1846. SMillMM fällt beule aus, Ausführliche Singeboie mit Angabe früh. Tä'.iiikrit imtci" T 5627 an Annoncen' Malier, ^raiikfnrt am Main._ [Verschiedenes) Besucht die Handels- sciaie Kcnzelmaan I Aclt H:r od.Damc findet lebensiängl. Unterkunft m au.em Hanfe nut d. Vunöc. direu a.Watd, 2Mtn. v. •rabnbot, gen 1 btö ÄllOxBarvocfmu?. 'Jiäbcvcd nachUcber- cinkunn. .^n erfrag, in der GefchättSiicUe de» Wien. Anz. <>611 Wer nimmt ein neu« geborenes Äind für eigen an? §chr. Angebote nm. .'612 an den (S. Anz. Vereins ) 1878-1928 Lamstag, 1L >3ebr. abends 8 Ubt: Generalversammlung bei Mf'.gl. Peter Qanb, Bahnhofitralle. ,M0D Der Borttaud. D. n. Oe. A. V« Sekt on Gießen» Soiintaa, 17.3ebr.: 2. BJfloöetoDfl. Grollen-Buseck — AUcndorf — ftron» bansen. SlblobtM s,31 naN. Gr.-BufeL iS. ll. 17» Uhr pktl. Vortrag»' it Schw. imD Stadttheater Freitag, 15* 20. Sreltüg-üöDzpfL von 2*> M"22 Ubr: I ölnmnto Spiel m3 Akten von I tZranz Molnar. Ostasiaflsdie Bilder Die Dla-Wodienstiian Die „göttliche“ Greta Garbo in ihrer schönsten Rolle als „Göttliches Weib“ Neben dem berühmten Namen der gefeierten Schwedin verzeichnet die Liste der Darsteller Lar» Hannon, den ebenso berühmten Landsmann der Künstlerin, so daß hier zwei der Größten unter den Großen v. Hollywood die Hauptrollen tragen. In weiteren Rollen: LoweH Sherman. I>o: othy Cumming. Polly Koran. Wie in keiner Künstlerin sind bei Greta Garbo alle weiblichen Vorzüge veieinigt! Das Faszinierende und Berückende ihrer Erscheinung gibt ihr eine Note feinster Pikanterie, und sie weiß es wie keine andere Darstellerin, glaubhaft zu machen, daß Männer In den Händen einer so berückenden Frau Spie.zeug sind. Das Prädikat „die Göttliche" ist bisher noch niemals einer Künstlerin der Leinwand verliehen worden. Auch sehr wenige Schauspielerinnen der Bühne wurden göttlich genannt, so die Düse, Sarah Bernhardt, die Rachel. In „Das göttliche Weib“ spielt nun die göttliche Greta Garbo, eine grobe Schauspielerin vom Format der Sarah Bernhardt Ferner: Kulturfilm Dick und Dof im Sündenpfuhl Lustspiel goontac. 17.Febr.. 11.15 Lhr.elnmal. Früh Vorstellung: Der gewaltigste Kultur- und Tierfilm aller Zeiten Chang der Dschungeln Sichern Sie sich Karten Im \ orverkauf an der Tageskasse des Lichtspielhauses sowie in der Ferberschen Universitäts-Buchhandlung. Seltersweg 87. iAA VV/ • irefo Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 Ab heute bis einschließlich Sonntag bringen wir den neuen, weit über den vorangegangenen Riesenerfolg von .Anna Karenina* noch hlnausragenden Greta Garbo Film, von dem tausende begeisterte Urteile sagen, daß er die Krone ihrer SchiWen ist Astoria - Lichtspiele Ab heute bis einschließlich Sonntag: Tom, der Rächer Ein Wildwest-1 ’rama in 6 spannenden Akten mit dem berühmten Cowboy Darsteller Tom Tyler in der Hauptrolle. — Ferner: Hochzeitsreise Die Geschichte eines Rechts- und eines Liebesnrozesses in 6 Akten. In der Hauptrolle Monty Banke. 1357C Dauerexisiknr Ltelle sofort einen tüchtigen 0616 Reisenden bet TadakwarengefchÄte und Kantinen RU besuchen hat. ein. Bor.'.»stellen Freitag den 1A ftebr., von 3—6 Ubr. bei Robaco, Hotel Heffiscber Hoi. Sranksurter Str. 7. Gröll. Werk sucht zum mögt, sofort. Eintritt 2 iiiqrn mit abgeschlossener kaufmännischer Lehre. 43c?Innung in flotteS StenogravbN ren uns Mafch.nenfchi eiben. 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Februar 1029, nacbmitt rgs 3 . llbr, im Eiieubalrn' botel (Hovfeld). Wietzen, Sticbn rtiftr. 4 Haupt-Derfammlung Tagesordnung: t. Vorlage der Rechnung von 1928 und des Boranfchlags für 192» 2. Vorirag des Herrn ObnbautnfoektorS Enkler. Giellen. über: „Die Durch» füoTiina der iiaailich fubven tonierien Uuipiroviaftion und die Etniührnng einer vlanmäll. Schädlingsbekämpfung im Streife (stellen" 3. Verschiedenes. Gleich Zeitig findet eine GrattS-Berlofung stau. - Um zahlreiches Erscheinen wird gebeten. ““D Giellen, den 12. Februar 1929. Der I. Vorsitzende: Wolf. ReaterungSrat. MMilW Ortsgruppen Gießen Sprechabend am Freitag, dem 15. Februar, abends 8 Uhr, im Schwarzen Walfisch. Seltersweg 50. Redner: pg. Kemper, Mannheim Parteifreunde und Gäste sind herzlich eingeladen. Oer Dorstand. V Pfund 20 Pf. Sprotten Koteletts Filets-- Pfund 60 Pf. Pfund 65 Pf. Grüne Heringe..Pfund 25 Pf. Bücklinge Pfund 30 und 60 Pf. 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Es ist daher zu begrüßen, daß letzt der Verlag für Kulturpolitik in Berlin eine deutsche Liebersetzung dieser Sammlung veranstaltet hat, die ein interessantes Vorwort erhalten hat ouS der Feder deS SohneS der Kaiserin, deS ehemaligen Kaisers Wilhelm II. Wir geben dieses Vorwort im nachstehenden wieder. Meine Mutter, die Princess Royal, wie sie bei sich zu Hause, am Hos und im englischen Volk genannt wurde, kam nach Deutschland als eine blühende, durch chre Schönheit alle bestrickende hohe Dame, deren große geistige Begabung und Bedeutung sich sofort überall Geltung verschaffen mußte. Sic kam aus einem Land, bas mit dem Kontinent innerlich nur wenig zu tun hatte, das seit Jahrhunderten ein eigenes Leben geführt und eine eigne Entwicklung gehabt hatte, anders als die Lieberlieferung und das Wachstum des Landes waren, in das sie einzog. Die Lust großer Staatsmänner, häufiger gedeihend aus dem nebligen, tnselreichen Boden als anderswo, die Lust eines in selbständiger Politik erzogenen und seine Söhne immer weiter erziehenden Volks hatte fie stets umweht. Die Princess Royal war die Tochter einer großen, alles überragenden Königin, die, bedeutender als Katharina von Rußland und glücklicher als die Kaiserin Maria Theresia, im Reichtum des mächtigsten Dolles der Erde, das sich ihr in Verehrung beugte, einem ganzen Zeitalter das Gepräge gab. Von der Königin Viktoria von England hat meine Mutter viele Gaben geerbt, und zu dem mütterlichen Erbteil kam noch daS väterliche Erbe eines so hochbedeutenden Mannes, wie es der Prinzgemahl war. Die westliche. Demokratie, wie fie im reinsten Sinne in der großen Königin und in ihrem Gemahl lebte, mu-ß von selbst auch in der Princess Royal jungen Seele sein, die alle Fortschrittsideen lebhaft bewegten, sowie chr starker Intellekt sie feurig ausgenommen hatte. Sie hatte viel gelernt als Kind, sie sprach mehrere Sprachen so gut wie daS Englische, sie hatte eine so gewandte Art, sich schriftlich ouszudrücken und faßte schon als junges Mädchen politische Probleme ihrer Heimat so glänzend aus, daß ihr Vater, der Prinzgemahl, sie bald alS feinen besten Sekretär verwandte. Aus dem freien, ungezwungenen Verkehr mit den großen Familien des Landes, aus der behaglichen Art, wie man damals schon längst in England lebte, lam meine Mutter, glühend vor Liebe zu dem Manne, den sie sich erwählt hatte, glühend vor Tatendrang, dem Land zu nützen, in das ihr hoher Gemahl sie führte, in die neue preußische Heimat. Sch habe oft daran gedacht, wenn ich mir die Gefühle meiner Mutter dabei vorstellte, wie einst dem ersten Kurfürsten von Brandenburg zumute sein mußte, als er aus einem ganz andern, südlich sonnigen Lande, mit reichen Städten und längst blü"erö>en Kulturen nach dem ernsten, strengen Rorden hinaufgezogen war. Die neue Kronprinzessin von Preußen richtete sich bald ein, zumal es sich im kargern, nicht wie England reichen Preußen schließlich gleichfalls leben lieh. Anders aber als mit Aeußerlichkeiten eines Hos- haltes, mit der Geselligkeit und den Annehm- üchleiten des täglichen Lebens, verhielt es sich mit dem Wesen der neuen politischen Atmosphäre, die jetzt der Lebensinhalt der Kronprinzessin lein mußte. Die Preußen waren keine Engländer. Sie hatten eine andre Geschichte, andre Vergangenheit, andre Lleberlieserungen, ihr Staat war anders' gewachsen und geworden alS der englische Staat, sie waren kontinental. Sie hat- ten einen andern Königsbegrisi. Die Klassere begriffe und die Klassenunterschiede waren andre als In England. Die Kronprinzessin sah und muhte sehen, daß daS preußische Voll viele Dinge nicht ober noch nicht hatte, die in ihrer Heimat altgewohnt und selbstverständlich waren. Mit Feuereiser ging meine Mutter daran, in der neuen Heimat alleS für den Bau eines VolkS- glülleS vorzubereiten, waS nach ihrer englischen Erziehung, Lieberzeugung und Weltanschauung allein das Dolksglück ausmachen konnte. Sie liebte meinen Vater abgöttisch, der selbst die westliche Entwicklung der Völker mit Sympathie ansah und fortschrittlichen Reigungen auch für die eigne Heimat aus Lieberzeugung huldigte, von ihm mit nicht geringerer Leidenschaft, als sie für ihn hatte, aus den Händen getragen. Es ist möglich, dah manches Wort meiner Mutter nicht ohne Einwirkung aus politische Erwägungen meines Vaters waren. Aber durchaus selbständig, im Denken und Handeln rasch und bestimmt, ist er, auch In der Zeit seiner Krankheit zu seinen entscheidenden Entschlüssen zweifellos von selbst gekommen. Da meine Eltern in jeder Beziehung harmonierten, in ihrer Zuneigung zueinander, wie in den politischen Lieberzeugungen, wird es kaum je eine Differenz zwischen ihnen, denen gemeinsamer Liberalismus der Grundton war, gegeben haben. Manches mag meine Mutter vertieft und an englischen Beispielen und Vorbildern ausgebaut haben. Sie waren wohl immer eins, oft freilich auf einer fremden Insel. In dieser neuen Heimat der Princess Royal waren ganz andere Verhältnisse alS in England, und für das preußische Volk war es ganz natürlich, dah preußische Männer seine Geschicke lenkten. Sie muhten so tun, wie es nach ihrer besten Lieberzeugung aus der Vergangenheit und Gegenwart heraus für Preußens Zukunft am besten war. Meine Mutter hatte andre LLeberzeugun- gen, wie ein Volk zu führen sei, als mein Großvater, und eS sand sich von ihr, die in regem politischen Gedankenaustausch mit ihrem Vater stand, keine Drücke zu einem Manne, wie es der überlebensgroße, von einem alles beherrschenden Willen getragene Fürst Dismarck war. Ein Kronprinz hat immer eine besondere und sehr oft von Krisen umgebene Stellung, die aus seinen natürlichen Rechten entspringt. Zumal in unferm Hause hat sich das oft gezeigt. Mein Vater, um nicht weiter zurückzugreisen, hatte andre Auffassungen als König Wilhelm, und über manche Dinge dachte ich anders als mein Vater. Sn der großen krisenhaften Zeit um 1883 war cS so, dah drei Auffassungen nicht immer im Einklang waren: die des Kronprinzen, meine« Vaters, die meines Großvaters und die deS Sohnes des Kronprinzen. Sn diesen vielleicht unvermeidlichen Zwiespalt der sich zur Folge bestimmten Generationen wurde meine Mutter mitgerissen. Sie stand schon in glanzvollen Tagen in der traditionellen Kronprinzenfror.be. Mein Vater war ein ruhmgekrönter, vom Volke wegen feines Wesens, feiner Erscheinung und wegen seiner wahren Menschlichkeit geliebter Fürst, ber das Reich hatte mit aufrichten helfen. Meine Mutter blühte auf in dem sonnigen reichen Glück, in dem sie mit ihm lebte. So lange mein Vater von Gesundheit strahlte, hatten die Gegensätze mit dem herrschenden System nur Kampflust ausgelöst, nicht Ditterkeit oder gar noch mehr. Da kam der furchtbare, in feiner Tragik unerbittliche und unbarmherzige Schlag: mein Vater war verloren und dem Tode verfallen! Damit beginnt der große, unendlich gramvolle Leidensweg meiner Mutter, ihr schmerzerfüllter, verzweifelter Kamps um Rettung, um Rettung des angebeteten Mannes und zugleich um ihren Lebensinhalt, um alles, warum sie auf dieser Erde zu sein glaubte. Sie hat nach verhältnismäßig kurzer Zeit klar erkannt, dah meinem Vater nur eine kurze Frist zum Leben vom Höchsten beschieden war. Meine Mutter traf wie ein Dlih die Erkenntnis, dah sie als Herrscherin ihre Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. In der Gesellschaft für Erd - und Völler künde sprach am 7. Februar Privatdozent Dr. Hermann Lautensach aus Gießen über 'Portugal. Der Vortrag stützte sich auf die Studien und Forschungen während zweier längerer 'leisen, die Dr. Lautensach in den beiden Dor- jchren unternommen hat. Einleitend betonte der Vortragende die Bedeu- lung einer kulturellen und wirtschaftlichen Annäherung von Deutschland und Portugal und ging rann zur Behandlung der drei Grundpfeiler der Portugiesischen Kulturlandschaft über. Diese sind Las Relief samt seiner geologischen Struktur und feiner Verwitterungsdecke, das Klima und schließ- Ich der Mensch als das eigentlich aktive, die Kulturlandschaft erzeugende und umgestaltende Element. Das Relief läßt drei Hauptteile Portu- «als erkennen: R o r d p o r 1 u g a l, aus hochgelegenen, von den Flüssen tief zerschnittenen Hochflächen und überragenden Kammgebirgen zusammengesetzt, nach Süden bis zur Serra de Guardunha nnb dem Tejo bei Abrantes reichend, Südpor - lugal, in dem niedrig gelegene, nur selten von Gebirgszügen unterbrochene Ebenen überwiegen, nnb Mittelküstenportugal, d. h. das Dreier! Espinho-Abrantes-Lissobon. Die granitischen Gebirge Nordportugals find Wasferspeichcr, die tonhaltigen Schiefer der Altzeit der Erde dagegen Cuffen die Regengüsse oberflächlich abfließen und '^rhindern die Bildung eines krumigen Verwitterungsbodens. Verhängnisvoll für die portugiesische Landwirtschaft sind die weiten Bereiche von mio- iGnen und pliozänen Sanden im Becken des unteren Icjo und Soda in Südportugal. Das Klima zeitigt in Aordportugals Sommer kaum höhere Durchschnitts- Itmperaturen als das der heißesten Teile Deutschlands, zeichnet [ich jedoch überall durch milde Winter aus und befeuert nur den Gebirgen Nordpor- stigals eine alljährliche Schneedecke. Don einschnei- »enber Bebeutung für die Wirtschaft ist dex nahezu regenlose Hochsommer, dem ein sehr niederschlaas- reicher Winter gcgenübersteht. Die ssirtschaftspsycho- logische Einstellung des Portugiesen ist vor allem durch die im Berg.eich mit Mitteleuropa sehr starke Dllnberbemertung der Zeit charakterisiert. Aus ihr entspringt die große Neigung zum ständigen Plaudern und damit der Mangel an Führernaturen sowie die Mattigkeit des wirtschaftlichen Lebens, kurz eine ausfällige Rückständigkeit, der aber versöhnend, ja beglückend, überall die Symptome der „guten alten Zeit" zur Seite treten. Nach einer kurzen Betrachtung der wichtigsten Siedlungstypen analysierte ber Vortragende die portugiesische Wirtschaftslandschaft. Der Landbau steht weit im Vordergrund. Der Portugiese besitzt vier Methoden, die Schäden der sommerlichen Trockenheit zu vermeiden: 1. künstliche Berieselung, besonders durch Fluhwasser, aus der ber Maisbau Nord- und der Reisbau Mittelküstenportugals beruhen: 2. Anbau unserer heimischen Feldfrüchte, die hier vor dem Hochsommer reifen und daher ohne künstliche Bewässerung auskommen (Weizen, Roggen, Kartoffeln): 3. Anvflcmzung von Fruchtbäumen, die das Grundwasier selbst heraufholen (Del-, Mandel-, Feigen-, Johannisbrot-, Apfelsinenbäumen, japanische Mispeln, Edelkastanien): 4. Anpflanzung von Waldbäumen (Kork- und Steineichen, Seestrandkiefern, australischen Eukalypten). Trotz sehr anerkennenswerter Anstrengungen der Forstbehörde, die Küstendünen und Gebirgshöhen aufzuforsten, sind noch 43 Prozent des portugiesischen Bodens DeNanb. Etwa vier Prozent der portugiesischen Bevölkerung widmen sich dem Fischfang, der sich nicht nur in den größeren Häfen konzentriert, sondern überall an den portugiesischen Flachküsten betrieben wird, da man noch urtümliche, schön bemalte Boote verwendet, die alltäglich auf den Strand hinauf- gezogen werden. Die wichtigsten Nutzfische sind Sardine, Tunfisch, Seehecht und eine Salmart. Die beiden erstgenannten dienen einer umfänglichen Konseroenindustrie. Die Heimindustrie (Kleineisenlndustrie, Stroh- und Espartoslechterei, Hutsabrikation, Woll- wederei) ist eine wichtige Erzeugungswirtschaft, die manchen landwirtschaftlichen Bezirken einen ausgesprochenen Sondercharakter verleiht. Die Großindustrie konzentriert sich in den beiden Haupthandels. und -Hafenstädten Lissabon und Porto, die zum Schluß des Vortrags, nach einer kurzen lieber- sicht über bas portugiesische Verkehrsnetz eine ausführliche Würdigung erfuhren. Den fachlichen unb tiefschürfenden Ausführungen des Redners, die von ausgezeichneten Lichtbildern begleitet waren, folgten bis Zuhörer mit großem Interesse bis zum Ende. Ideale nicht werbe verwirklichen können, ober baß fie nur ganz kurze Zeit ihrer Geltendmachung werde bienen können. Mit ihrem ganzen, großen Willen lehnte fie sich gegen ihr Geschick auf. Einmal scheint es — und das war gewiß auch so — als wäre nur die Erhaltung des geliebten Mannes ihr oberstes Gebot. Sie will ihn nur im Süden genesen wissen, sie selbst will immer um ihn fein. Das natürliche Recht ber Frau ist jetzt ihr erstes Gesetz. Sie weist die Forderungen, jede Einmischung zurück, bie der Staat an die Frage ber Erhaltung des Thronerben stellt. Aber m bem Derzweislungskamps mit dem Tode um Gatten und Lebensglück kommt doch die endgültige Erkenntnis: Zu spät! In den schweren Gram gräbt sich zugleich bie Verbitterung. Das Lebensglück ist verloren unb auch bie Lebensarbeit. Meine Mutter war alle Zeit ein sehr starkes, von menschlichen unb geistigen Tiefen her leiben- schaftlich bewegtes Temperament, daS sich in normalen Tagen selten Zügel anlegte, wenn sie Dinge aussprach. Jetzt hatten ihre Rerven, die sie so übermenschlich vor dem Kranken beherrschte, schwer gelitten. In England immer bereit, aus Lieberzeugung bereit, bie beste Deutsche zu fein, in Deutschlanb immer mit der Sehnsucht nach jenem andern, schönem England, sah sie nun überall Feinde, Abneigung gegen sich, ja selbst an Haß glaubte sie. Don dem schweren Zwiespalt, in dem ihre Gesinnungen gegen die Gesinnungen des Fürsten Bismarck standen und umgekehrt, ging vieles auf bie einzelnen Gesell- schaftszirkel über, auf alle, bie mit Bewunderung an bem Fürsten unb bem von ihm vollbrachten Werk hingen. Was an fie herankam, wirkte doppelt schwer. Sie war empsindlich. Alles verwundete sie. Sie war an schnelle Worte gewohnt und schrieb sie nieder. Sie sah alles düster, alles feindlich, sah Teilnahmlosigkeit unb Kälte, wo nur machtloses Schweigen war. Sie sagte scharf» Worte aus ihrem Temperament heraus über alle. In einem der Briefe An meine Großmutter, noch aus der Zeit des Glücks, heißt es: „Ich kann nichts dafür, wenn ich bei solchen Gelegenheiten heftig werde und unangenehme Bemerkungen, bie ich höre, mit einer Vehemenz zurückgebe, die nicht immer klug ist. Solche Reden rühren einen wilden Trotz in mir aus und bringen mich außei! Fassung." Meine Großmutter, erhaben und Bug, überlegen und in mütterlicher Güte weise, beschwichtigte und überbrückte, wo sie konnte. Ofix* das unbarmherzige Schicksal hat an meiner Mutter zum Schluß alles mit Gram überschattet. Die Tragödie war vollendet, als ihr großer unb reicher, ruheloser und so unendlich vielseitiger Geist vor der LInmöglichkeit stand, zu säen, wie fto sich's einst dachte, unb zu ernten, waS fie einst erhoffte. Ob man ihr beistimmt, ob man ein andres Weltbild hat, nie darf man vergessen, daß sie das Schlimmste erfahren hat, das einer Fürstin beschieden sein kann. Darum fällt nichts auf sie Aurüd von bem, was fie oft zu LInrecht, oft in lern „wilden Trotz" und „außer Fassung" schrieb. An Geist und edlem Wollen über den meisten ihrer Zeit, war sie die ärmste, unglücklichste grau, bie jemals eine Krone trug. Die Hungernden in der Kornkammer! BeffarabienfordertAutonomie.80000MohammedanerverlaffendieOobrudscha! Don unserem 8lc.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Bukarest, Februar 1929. Eine der größten Kornkammern Südosteuropas, ein Gebiet, dessen Boden so fett ist, daß er niemals gedüngt wird, ein Land von sprichwörtlicher Fruchtbarkeit, auf dem — bis zum Weltkriege — der Segen der Erde ruhte, ist jetzt von einer schweren Hungersnot betroffen. 2He Bauern verzehren ihr letztes Saatgut und wißen nicht, woher sie das nötige Winterfutter für das Vieh nehmen sollen. Die Agenten der verschiedenen Schiffahrtsgesellschaften haben ein leichtes Spiel. Tausende raffen ihre letzte Habe zusammen, um nach Uebersee auszuwandern, weil ihnen die Heimat keine Lebensmöglichkeit mehr bietet, die Verzweiflung in den Städten und Dörfern nimmt von Tag zu Tag zu, eine korrumpierte Beamtenschaft, die auch von der neuen, sonst so energischen Regierung des Dr. Julius M a n i u nicht beseitigt werden konnte, saugt der Bevölkerung das letzte Mark aus den Knochen... unb das Land, von dem hier die Rede ist, heißt Bessarabien! Man erinnert sich an bas kürzlich erfolgte Pakt- angebot Sowietrußlands an Polen unb Litauen, ein Schritt, ber in ber ganzen diplomatischen Welt großes Aussehen hervorrief und auch in Rumänien, das am meisten von Rußland bedroht ist, wie eine Sensation wirkte. Die rumänische Regierung ließ sofort erklären, daß sie zwar gern die Beziehungen mit Moskau aufnehmen würde, aber nur unter der Voraussetzung, daß Rußland den territorialen Besitzstand Rumäniens bedingungslos anerkenne. Moskau reagierte darauf nicht. Denn die Voraussetzung hieß in anderen Worten: Anerkennung oer Angliederung Bessarabiens an Rumänien. Dazu aber wird sich Rußland niemals verstehen! Es soll hier nicht untersucht werden, welche historischen unb politischen Rechte auf Besiarabicn größer sind, die Rußlands oder die Rumäniens — eines steht fest: Rumänien hat dieses vormals unendlich reiche unb fruchtbare Gebiet durch eine bodenlose Mißwirtschaft an den Abgrund gebracht. Heute ist es soweit, daß man mit ausländischen Banken Verhandlungen wegen ber Versorgung der am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Hungergebiete führt. Bezeichnenderweise sind an der Sache bie Dresdner Bank und eine Wiener Getreidefirma beteiligt, bie der rumänischen Regierung einen größeren Millionenkredit zur Verfügung stellen. Der größere Teil des Kredites soll In Naturallieferungen erfolgen, weil der S ch r e i na dj Brot alle anderen Bedürfnisse übertönt. Die beffarabifdje Fraas hat außer ihrem außenpolitischen Gesicht auch einen bemerkenswerten, inneren Ausdruck gewonnen, der vielleicht ber Auftakt zu großen politischen Umwälzungen in Südosteuropa werden kann. Die unmittelbar nach den letzten Wahlen begonnenen Bestrebungen des führenden dessarabischen Politikers Konstantin Stere, die dessarabischen Deputierten ohne Unterschied der Partei zu einem Klub zusammenzuschlie- ßen, wurden von Erfolg gekrönt. Nack) außen hin werden für die Gründung des bessarabischen Klubs verschiedene Erklärungen abgegeben, in Wirklichkeit handelt es sich um die ersten Versuche, Befsarabien aus der Abhängigkeit Rumäniens zu befreien unb eine gewisse Autonomie zu erreichen. Erst in den letzten Tagen wurde bekannt, daß hi Bessarabien auch außerhalb der 15 Kilometer-Zone (an der russischen Grenze), wo „ewiger Belage- rungszuftand" verhängt ist, besonders in den Städten das grauenvolle System der Zensur und Spitzele» weiter wütet. Gewisse Militärs, die bisher hier schrankenlos geherrscht hatten, wehren sich gegen die von ber Bevölkerung geforderte Aufhebung des Belagerungszustandes. Und die Folge davon: überfüllte Gefängnisse, überhitzter Haß gegen die Regierung, heimlich lodernde Begeisterung für das Russische, die schon darin zum Ausdruck kommt, daß fast alle Plakate unb sonstige geschäftliche und private Ankündigungen in Bessarabien ausschließlich in russischer Sprache gedruckt werden. Man mußte erst kürzlich von Bukarest die strenge Verordnung erlassen, daß sämtliche Publikationen auch in rumänischer Sprache zu erfolgen haben... Wie ich nun von durchaus verläßlicher Seite erfahre, wurde dem Ministerpräsidenten Maniu ein in der Presse aus begreiflichen Gründen bisher nicht veröffentlichtes Memorandum überreicht, dem zweifellos eine große Bedeutung zukommt. Das Memorandum ist von den in Amerika unb Europa leben- den organisierten beffarabifdjen Auswanderergruppen unterzeichnet unb gipfelt in der Forde- Neues über Fontane. 3n der Preußischen Akademie der Wissenschaft ten sprach der Berliner Literarhistoriker, Pro- sessor Dr. Petersen über „Fontanes ersten Berliner Gefellschastsroma n". Die Arbeit an dem Roman, „Allerlei Glück", der sechs Bücher in drei Bänden umfasien sollte, liegt In den Jahren 1876—1879. Ein erster Ent- wurs, der die Lleberschrist „New Novel“ trägt, nimmt das Schicksal des Fräulein Ida von Wangenheim, die 1871 ins Kloster gegangen war, 5um Ausgangspunkt für den Grundgedanken. „Es führen viele Wege nach Rom." In einer zweiten Phase des Planes werden drei Gesellschaftskreise, der büraersich-patrizische, der konsistorialrätlich-philosophische, der aristrkratisch- lebemännische in typischen Vertretern einander gegenübergestellt: in diese Kreise werden drei Freunde aus der Provinz eingeführt, von denen jeder einen anderen Lebensweg einschlägt, als ihm zugedacht war: der Iuristensohn wird Maler, der Superintendentensohn Mönch, der Adlige Lebemann. Tiefes Schema erweitert sich durch ein Register von Originalen, die in besonderen Liebhabereien, wie Reisen, Sammeln, Erfindungen, ihr Glück suchen. Der Roman heißt letzt Brose-Roman, denn als Hauptfigur tritt der Rentner Dr. Heinrich Drose hervor, in dem Fontane den Apotheker Wilhelm Rose, bei dem er in den Jahren 1836—1840 feine Lehrzeit durchgemacht hatte, porträtiert. Der Streit des reiselustigen Apothekers und seines Bruders, der germanistischer Llniversitätsprofessor ist, um die Entwicklung eines nach Berlin gekommenen Reffen, den der eine zum Weltmann, der andere zum Gelehrten erziehen will, wird nun das Hauptmotiv eines Dildungsromans. Der Held, dem ursprünglich die Künstlerlaufbahn zugedacht war, wird jetzt zeitweilig Archäologe, wobei an Valentin Rose, den Sohn des Professors Gustav Rose, gedacht war. und schließlich Anglist. Er tritt aus unglücklicher Liebe eine Fahrt nych England an und folgt damit der Leitung deS einen Orckels, aber er kehrt zurück als Anglist und findet in der gelehrten Arbeit fein Glück. Aus dem Roman des Rebeneinander in Gutzkows Art wird jetzt ein Familienroman, in dem die vier Hauptpersonen zu Kindern von vier Schwestern gemacht werden. Die Künstlerlaufbahn wird jetzt einer werdenden Schauspielerin, die bie Tochter eines im Broseschen Hause wohnenden kleinen Beamten ist, zugeteilt. Damit wird ein neues Milieu erschlossen, das mit Kegelklub, Theaterschule, Dorstadttheater ins Berliner Kleinbürgertum einsührt, in dem wiederum eine Reihe von Originalen gefunden werden. Trotz aller Konzentrationsversuche herrscht in dem Roman eine zentrifugale Tendenz, und es sind nicht nur äußere Gründe, die dazu zwangen, die Arbeit siegenzulassen. Kleinere Erzählungen, wie sie mit „Schach von Wu- thenow", „Grete Minde", „Ellernklipp" folgten, ließen sich leichter zum Vorabdruck bei Zeitschriften anbringen, aber auch Fontanes inneres Künstlertum drängte ihn mehr zur Ro- Delle. Viele Probleme und Motive des Romans sind die späteren Erzählungen („Schach von Wuthenow", „Cecile", „Stine", „Errungen, Wirrungen", „Frau Jenny Trcibel", „Efsi Briest". „Stechlin") übergegangen, so daß dieser Plan seinen Rachkommen allerlei Glück brachte, während ihm selbst die Vollendung nicht beschieden war. Ein Vornan Napoleons L Ein Jugendroman Rapo.'eons „Elision und Eugenie" wird demnächst in Warschau erscheinen, wo die Handschrift vor fünf Jahren in einer Privat-Bcbliothek entdeckt wurde. Der Roman besitzt weniger durch seinen dichterischen Wert als durch seine autobiographischen Bekenntnisse Bedeutung. Gr läßt uns einen Einblick tun in daS Seelenleben des jungen Rapoleon in den Tagrn, nachdem die Familie Bonaparte zuerst Korsika verlassen hatte. Rapoleons Bruder Joseph hatte in Marseille Julie Clarh, die Tochter eines reichen Kaufmanns geheiratet: in ihre Schwester Desirse verliebte sich Rapoleon und unterhielt mit ihr während der Monate, die er In Paris auf eine mi.itärische Verwendung wartete, einen lebhaften Briefwechsel, während er zugleich Joseph bestürmte, für ihn bei der jungen Dame zu werben. Der Roman spiegelt diese Erlebnisse drs späteren Kaisers. Bald danach trat dann Josephine in seinen Gesichtskreis, und bas DUd der Desiree verblaßte. ®ie Geliebte seiner Jugend hat dann später Bernadotte geheiratet, der bat Thron von Schweden bestieg. / nmg, btt neue rumänische Regierung möge tn Bessarabien nach vorheriger vollständiger Räumung des Landeeteils durch die rumänischen Truppen eine vollkommen freie und unbeeinflußte Volksab- st i m m u n g veranstalten, die über die Frage der Zugehörigkeit des Londes bestimmen soll. Das erwähnte Memorandum zählt sodann die bcs° farabischen Mißstände in allen Einzelheiten auf, erwähnt besonders die immer schrecklicher werdende Hungersnot und die ungeheure Anzahl der politischen Gefangenen, die noch immer nicht trog ollen Zusicherungen amnestiert worden seien. Da die na- tionalzaranistische Partei in der Zeit ihrer oppositionellen Tätigkeit die Unholtbarkeit der bessarabischen Zustände anerkannt habe, wird nunmehr der Ministerpräsident aufgesordert, das so oft verkündete Programm zu verwirklichen. Diese Adresse hat in Bukarest große Bestürzung hervorgerusen. Denn die Autonomiebestrebungen Bessarabiens werden immer deutlicher, wobei man natürlich das unbestimmte Gefühl nicht zu überwinden vermag, daß an der ganzen Aktion Rußland stark beteiligt ist. Man soll daher den Zeichen und Dingen, die sich jetzt im südofteuropäisck)en Wetterwinkel abspielen, größere Beachtung schen- ken, zumal sich in letzter Zeit auch in der Dobrudscha größere Ruhestörungen ereigneten, die man gewaltsam zu verschweigen sucht. Die Ur- Heber dieser Krawalle waren die in der Dobrudscha kürzlich ansässig gemachten, aus Makedonien geflüchteten, sogenannten Mazedo-Rumanen. Diese haben es hauptsächlich auf die eingesessenen bulgarische Bevölkerung abgesehen, gegen die sie gewalttätig vorgehen. Die Bukarester Zeitung „Lupta", welche die Unruhen kurz und etwas beschönigend erwähnt, meint dazu, man müsse den neuen Kolonisten beibringen, daß sie in Rumänien nicht willkürlich schalten und walten können wie es ihnen beliebt. Jetzt Hot die Bukarester Negierung eine ganze Anzahl unsähiger Beamten und Gendarmen abgesetzt, die an den Unruhen beteiligt waren und, wie sie öffentlich bekanntgibt, „einsichtsvolle Männer" hingeschickt, welche die Ruhe und Ordnung wieder Herstellen sollen. Der „Adeoerul" hingegen lenkt die Aufmerksamkeit der Regierung auf die ständig wachsende Aus» wanderungsbewegung in der Dobrudscha, wo die mohommedanischeBevölkerung, von gewissen Agenten veranlaßt, zu vielen Tausen- den, oft dörferweise, Haus und Hof verlassen, um in Anatolien eine neue Heimat zu finden. Biele Auswanderer gelangen aus diese Weise ins fürch- ierlichste Elend, zumal sie den Agenten allein für die Beschaffung eines Passes das letzte Geld geben müssen. Bisher sind nicht weniger als 80 000 Mohammedaner auf derartige Weise aus der Dobrudscha ausgewandert. An ihre Stelle rücken die Bulgaren, die den Fortgehenden Grund und Boden abtaufen. Die Folge natürlich ist das Anwachsen der bulgarischen Bevölkerung in der Dobrudscha, die heute bereits sechzig vom Hundert ausmacht. Hunger in Bessarabien, Not und Elend in der Dobrudscha, Auswanderer hier, Auswanderer dort — eine jahr- hundertaltc Krisis wird wieder einmal akut! StaatsmmisterKarl vonGrolman Am 14. Februar 1929 sind hundert Jahre seit dem Lode des hessischen Staatsministers Karl von Grolman verflossen. Gießen, wo ( er am 23. Juni 1775 als Sohn bes Geh. Ae- ' gierungsrates Adolf Ludwig Grolman geboren war. war mit Ausnahme einer einjährigen Studienzeit in Erlangen von September 1794 bis September 1795 bis zu seiner Lieber iedlung nach Darmstadt der unveränderte Schauplatz seines Lebens: er besuchte hier das Gymnasium und die älniversi.ät, wurde daselbst Ende 1795 nach seiner Promotion Privatdozent, im März 1798 außerordentlicher und im Juli 1830 ordentlicher Professor der Rechte. Reben seinem Freunde Anselm Feuerbach war er der erste StrafrechtS- lehrer seiner Zeit, ebenso wie er eine der Zierden der Ludoviciana war. Im Dezember 1315 'wurde er Llniversitätskanzler. Seine Berufung in die Kommission zur Ausarbeitung eines neuen bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1816 hatte das Ende seiner akademischen Wirkiamk.it zur Folge. Im Jahre 1819 wurde er als Geheimrat in das Staatsministerium berufen, und im März 1820 wurde er Staatsminister. Die von dem Groß- Herzog Ludewig I. erlassene hessische Derfassun^s- urkunde vom 17. Dezember 1823 ist von ihm Allerlei Weltgedanken. Don Professor Dr. Paul Kirchberger. Die Erde, der Wohnsitz des Menschen, ist im Bergleich zu dem unseren Fernrohren zugänglichen Teil der Welt viel, viel kleiner als das kleinste i°Pünktchen im Verhältnis zur Erde. Aehnlich verhält sich der Zeitraum, den die Menschheit mit Bewußtsein durchlebt hat, also im Höchstfälle ein paar Jahrtausende, zu der Zeit, mit der unsere Forschung rechnen muh. wenn sie vom Werden und Vergehen der Welt spricht. Aber trotzdem schweifen die Gedanken des Menschen hinaus in die kaum erschließbare äl-nendlichkeit, und je kühner die Fragen sind, um so mehr reizen sie zum Rachdenken: aber ohne Zuhilfenahme der Einbildungskraft, freilich der wissenschaftlich geschulten, werden wir kaum zu irgendwelchen Ergebnissen gelangen. Es gibt wohl keine Frage, die unser Rachdenken mehr reizt, als das Entstehen und Vergehen, das Leben und Sterben unserer Sonne, von der wir und unsere ganze Erde in so augenscheinlicher Weise abhängen, und das der sonnenähnlichen Fixsterne. Freilich haben sich die Sternkundigen hierüber eine sich mehr und mehr befestigende Anschauung gebildet. Sie behaupten, daß alle Sterne und so auch unsere Sonne ihre Laufbahn als „roter Riesenstern", das heißt als ein nur mäßig heißer, an der Oberfläche etwa 8000 Grad warmer, ungeheuer ausgedehnter Gasball begonnen habe, dessen Temperatur bei der Zusammenz'ehung zunächst immer weit r angcRiegen sei, bis sie etwa 25 033, ja 30 070 Grad 6c- Irug, um dann bei immer weiter fortschreitender Zusammenziehung immer weiter zu sinken und so den ersten Zweig der Entwicklung sozusagen rückwärts zu durchlaufen. So wird ein Stern, der ehemals ein „roter Riese" war, nunmehr ein roter Zwerg, und verschwindet so aus unserem Gesichtskreis. Es sind sehr wichtige Gründe, die für diese von den Sternkundigen wohl allgemein angenommene Lehre sprechen, vor allem die Tatsache, daß es unter den roten Sternen wohl „Riesen" und „Zwerge", aber keine ilebergäng: gibt, während diese bei den Sternen mittlerer Entwicklungsstufe, also bei den heißeren, und deshalb gelb oder weiß leuchtenden Sternen vorkommen. Auch hat man bei genauerer ilnter- suchung des von den roten Riesen und Zwergen gegen gezeichnet. Im Grunde feines Wesens war Grolman Gelehrter, und diesen Charakter verleugnete er auch nicht als Minister. Wir werden in einer der nächsten Rummern der ,Heimat im Bild" auf fein Leben und Wirken zurückkornmen. Prof. Dr. Karl Esselborn. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 14. Februar 1929. Das Abiturium. Die höheren Schulen stehen im Zeichen des Abituriums, und auch an unseren Schulen bilden sie gegenwärtig das unerschöpfliche Thema des Tages. Doll ehrfürchtiger Scheu blicken die unteren Klassen auf die Oberprimaner, von denen man weiß, daß sie in diesen Tagen, streng voneinander geschieden, in ihrem Klassenzimmer sitzen und die Prüfungsarbeiten unfertigen. Man versucht in den Pausen, einen Blick durch das Schlüsselloch zu werfen und möchte in dem Gesicht des einen oder andern, der einmal für kurze Zeit die Klasse verläßt, mit hochrotem Kopf und wie geistesabwesend die Treppe hinauf- und hinuntereilt. lesen. Schon sieht man ftaj in Gedanken selbst soweit, und ein heimliches Gruseln läuft einem über den Rücken. Ja, es ist eine große Sache mit dem Abiturium i Aber es ist unrecht, in ihm etwas Schreckliches, Aufregendes und älncrhörtes sehen zu wollen. Ist es doch nichts anders, als der ganz natürliche Abschluß der Schulzeit! Der Junge har seine 9 Jahre in der Schule zugebracht, und nun soll er in der abschließenden Reifeprüfung zeigen, was er in dieser Zeit gelernt hat und wie weit er reif ist. eine ihm gestellte Aufgabe selbständig zu lösen. So ist das Abiturium eine Krönung der Arbeit des Jugendlichen, ein Fest, mit dem man Abschied nimmt von der Vergangenheit, und das die Bahn öffnet für die Zukunft. Wer im Laufe seiner Schulzeit treu und fleißig arbeitete, der wird mit gutem Gewissen und innerer Ruhe der Prüfung entgegensehen. Jugendfrisch wird er sich dieses Hindernisses freuen, um es spielend zu überwinden. Die Prüfung wird ihm zur Gelegenheit, seine Kräfte zu zeigen. Kaum glaublich, daß man trotzdem gelegentlich von Schülerselbstmorden liest, von jungen Leuten, die an dem wichtigsten Punkte ihres seitherigen Lebens kneifen. Es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, daß mancher Jugendliche von heute leicht bereit ist, sein Leben wegzuwerfen, eine Auffassung hat, die im troffen Gegen ah zur sozialen Einstellung der Gegenwart steht. Wir schulden unser Leben der Allgemeinheit, und es steht uns nicht zur freien Verfügung. Kants Forderung von der unbedingten Pflichterfüllung mutz das A und O unserer ßebendan" 'auung werden. Der Jugendliche mutz nicht nur I j e a l e haben, et muh auch greifbare Ziele sich setzen. Das erste in seinem Leben ist, die Schule als Hauptsache anzusehen, sie gut zu durchlaufen und das in der Reifeprüfung äußerlich zu zeigen. Und bann ein neues Ziel! Unb so schreite er fort von Ziel zu Ziel durchs ganze Leben hin! Aber auf jedes richte er jedesmal seine ganze Kraft und sein ganzes Selbstvertrauen. Zum Licht empor mit klarem Blicks Ein Vorwärts stets, nie ein Zurück! Ein frohes Hassen, kühnes Streben. Und schnelles Handeln auch daneben. Dann hat das Dasein Zweck und Ziel: Wer Großes will, erreicht auch viel. H. K. Dorsicht bei dem Erwerb von Gelände für Bauzwecke. Von der Stadtverwaltung wird uns mrtgeteilt, daß es nicht se.ten vorkomme, daß B a u l u st i g e Gelände erwerben, ohne sich vorher darüber genau unterrichtet zu haben, ob das Gelände überhaupt, oder in der beabsichtigten Weise bebaut werden kann. In der Regel erfahren die neuen Grundstücksbesitzer erst dann von bestehenden einschränkenden baupolizeilichen Bestimmungen. trenn sie ihr Bauvorhaben durchführen wollen und ein Daugesuch bei der Bau- po.izei einreichen. 2n den meisten Fällen sind schon Vorkehrungen für den Baubeginn getroffen I unb Aufwendungen gemacht, die bann besonders schwer empfunden weiden, wenn wegen entgegen» stehender Bestimmungen die Bauabsicht nicht in der vorgesehenen Weise durchgeführt werden kann. Man ist bann sehr leicht geneigt, von Schwierigkeiten zu sprechen und die etge.-.e Schuld auf diese aigen städtischen Amtsstellen zu schieben, die pflichtgemäß eine gesetzlich vorgeschriebene Abänderung des vorgesatzten Planes verlangen, ober gar einen ablehnenden Bescheid erteilen. Dabei wird nicht bedacht, datz die für Hessen geltende Allgemeine Bauordnung n-ebst Ausführungsverordnung den Städten und Daupolizei- behörden Pflichten auferlegt, die beachtet werden müssen. Im städtebaulichen Interesse müssen Bebauungspläne ausgestellt und barHwlizeiliche Bestimmungen erlassen werden. Diese bienen dazu, die Bebauung der einzelnen Daugebiete nach einheitlichen Gesichtspunkten zu regeln, unter ganz besonderer Beachtung des Verkehrs und der gesundheitlichen Vorbedingungen. Die Wichtigkeit bie’er Rotwendigkeiten läßt es nicht zu, daß beliebige Ausnahmen gemacht werden. Es wird deshalb jedem Daulusttgen im eigenen Interesse dringend empfohlen, vor dem Kauf von Gelände sich bei der dem städtischen Hoch- bauamt, Asterweg 9, angegliederten Daubera- tungsstelle zu erkundigen, ob und in welcher Weise eine Bebauung des in Aussicht genommenen Grundstücks rnög.ich ist. Die Dauberatungs- stelle gibt in allen Fällen der Bauberatung kostenlos Auskunft. Antennen über den provinzia straßen. Amtlich wird uns mitgeteilt: Die Benutzung des Luftraumes oberhalb der Provinz i a l st r a ß e n ist von der Genehmigung der Provinzialbirektion als der über b.e Straßen und damit auch über den Luftraum oberhalb dersel e.i ve.fügungsberechliglen Eigentümerin abhängig. Soweit für die Antennen Stütz- punkte an zur Provinzial st raße gehörigen Bäumen an'earacht werden sollen, erhebt die Provinz nach Beschluß des Pro- vinzialauLschusses eine Benutzungsgebühr für die genehmigte Anlage, die für das erste Jahr 3 Mk., dann jährlich 1 Mk. beträgt. Soweit die Anlage lediglich den Luftraum oberhalb der Provinzial st raße durchqueren soll, ist die Provinzi.ldireskion ebenfalls genötigt, die Benutzung des Luftraumes für die Antenne in jedem Einzelfalle von ihrer Genehmigung abhängig zu machen, weil die Möglichkeit besteht, datz durch die Leitung über die Provinzialstraße (z. D. infolge Reißens der Drähte und Beschädigung von Wegebenutzern und dgl.) Schäden entstehen, für die die Provinz in Anspruch genommen wird, und weil die Provinz gegenüber solchen Ersatzansprüchen die Gewähr haben mutz, daß sie insoweit von dem Eigentümer der Antennen schadlos gehalten wird. Uebernimmt der Antragsteller die Verpflichtung, für Schäden, die aus der Anlage der Provinz oder dritten Personen entstehen, der Provinz gegenüber aufzu- fommen, so wird die Genehmigung im Regelfälle ohne jeden Anstand erteilt werden. Die bloße Durchquerung bcS Luftraumes durch die Antenne ist nach Beschluß des Provinzialausschusses gebührenfrei. Sämtliche Gesuche um Benutzung der Provinzialstraßen zur Errichtung von Antennen sind bei der Provinzialdirektion Oberhessen, Abteilung Tiefbau, Linzureichen. Schutz den Kartoffülvorräten. Während bet anbauernben Kälte sinkt ber Frost von Tag zu Tag tiefer in ben Boben, durchbringt Außenwänbe und Zunbamente und läßt bie Temperaturen in Kellern, welche seither als frostsicher galten, unter ben Gefrierpunkt sinken. Das erste und wichtigste, was badurch gcschäbigt wirb, sind bie Vorräte an Speisekar- toffeln. Als Gegenmittel bedeckt man sie in ber Regel mit Decken, Tüchern, alten Getreibesäcken, im Rotfalle auch mit entbehrlichem Bettzeug, aber bieser Schutz ist für längere Zeit nicht wirksam. Man wirb beshalb nicht versäumen, alle Kellerfen st er burch Säcke bicht zu versehen, welch« mit Heu, Hobelspänen, Holzwolle oder sonst einem schlechtem Wärmeleiter gefüllt sind. Alsdann wirb man alle kälteaus- strahlenben, mit Reif bedeckten Wänbe burch Benageln mit alten, leeren Säcken. Tüchern Pappe ober großen Pappbogen unschädlich machen. Hierauf wirb in einem Notofen, ber selbstverständ- ftammenben Lichtes trotz ber gleichen Temperatur Unterschiebe entdeckt, bie biefe Anschauung durchaus bestätigen. So ist nicht anzunehmen, daß die Sternkundigen dieses in seiner Art großartige Bild vom Werden und Vergehen der Welten sobald verlassen werden. Aber natürlich sind noch längst nicht alle Fragen erledigt, und vielleicht sind es gerade bie wichtigsten unb belangreichsten, bie noch übrig sind. Woher kommen bie „roten Riesen", was wird aus ben ..roten Zwergen" ? Woher stammt bie Energie ber Sterne, bie sie jahrmillionen- ober jahrmilliardenlang ununterbrochen Strahlen in ben Weltenraum senden läßt, zuerst bet stets stetgenber Temperatur, nachher bei ganz langsamer, in vielen, vielen Jahrtausenben völlig unmerklicher Abkühlung? Wie haben wir uns überhaupt ben Energieauktausch zwischen Weltenraum unb Fixsternen zu denken? Geht er immer nur in einer Richtung von ben Sternen in ben Weltenraum hinaus, ober gelangt er auch aus bicsem in die Sterne zurück? Besteht ein Zusammenhang zwischen bem Werben unb Vergehen ber großen Welten und ber ganz kleinen, die wir Atome nennen? Alle biefe Fragen werden wohl nur durch Zusammenarbeit der Sternkundigen unb ber Physiker gefördert werden können, unb so war es autzerorbentlich bankenswert, baß kürzlich einer unserer bebeutenbsten Phtzflk:r unb insbesondere Atomtheoretiker, nämlich Otto Hahn vom Kaiser-Wilhelm-Jnstitut in Berlin-Dahlem, in seinem Festvortrag vor ber Preußischen Akademie der Wissenschaften seine Gedanken hierüber geäußert hat. Hahn geht von der Tatsache aus, daß wir Atome beschießen können, wobei ein Teil von ihnen absvlittern kann, ja, unter Umständen eine Zertrümmerung des Innersten des Atoms, des Atomkerns, eintritt. Er fragt, ob nicht auch der umgekehrte Vorgang, ein Aufbau der Atome eintreten könne. Diese Aufgabe hat zwar bisher allen unseren Bemühungen getrotzt, auf Erben unb mit ben bescheidenen Mitteln bet physikalischen Verbuch Kunst lassen sich Atome nicht aufbauen - man braucht beshalb nicht anzunehmen, daß es überhaupt unmöglich ist. Hahn nimmt an, bah auf ben Sternen fremde Atomtrümmer bis in ben Atomkern vorbringen und in ihm sozusagen steckenbleiben können: wir hätten dann einen sich von selbst vollziehenden Atomaufbau an Stelle des sonst beobachteten Atomzerfalls. In den so entstehenden hochwertigen Atomen hätten die Sterne eine reiche Energiequelle, die den Ausfall auf lange Zeit hinaus deckt. Aehnlich steht es nach Hahn mit der Strahlung: daß Strahlen von den Sternen in den Weltenraum hinausgelangen, sehen wir. Wir brauchen darum nicht anzunehmen, daß ber umgekehrte Weg unmöglich ist: vielleicht bringt auch auS bem Weltenraum Strahlung in bie Sterne ein, unb feit einigen Jahren haben wir sehr bestimmten (Srunb zu ber Annahme, baß ber ganze Weltenraum von Strahlen burch- flutet ist. Eine ganze Reihe von Forschern, vor allem ber beutsche Phy i'.er Kolhörster, haben nachgewiesen, bah es eine außerordentlich kurzwellige Strahlung gibt, bie um so stärker wird, zu je größeren Höhen wir aufsteigen, unb bie man als kosmische Strahlung bezeichnen kann. Je kurzwelliger bie Strahlung ist, um so höherwertig ist ihre Energie im Sinne ber Atom- Physik. Denn Ausstrahlung ist in gewissem Sinne von einer Entwertung, Ausnahme von Strahlen von einer Aufwertung ber Atomenergie begleitet. Die Kolhörstersche Strahlung ist bie bei weitem kurzwelligste, bie wir kennen. Ihre Wellenlänge läßt sich nur durch das große Durchdringung.vermögen der Strafen, das bas ber Dcrtoanbtcn Röntgenstrah'en weit hin'er sich läßt, einigermaßen abschähen. Stellen wir uns vor, daß bie Atome auf ben Fixsternen biefe Strahlen verschlucken, fo könnte man bies als eine gewaltige Ausladung ber in ben Sternen aufgehäustcn Energie auf Kosten ber im Weltenraum verteilten ansehen. Die Energie, bie Sterne in ben Raum hinaus ausstrahlen, kehrt in ewigem Kreislauf zu ihnen zurück, lieber bie Herkunft ber kurzwelligen Raumstrahlung hat vor einiger Zeit A. v. A n t h r o p o f f, Professor ber Physik an ber llnlver.ität Bonn, bie Vermutung geäußert, baß sie ber Vereinigung eines Elektrons, ber negativ elektrischen llrcinhcit, mit einem Proton, wie man neuerdings oft sagt, das heißt ber positiv elektrischen Einheit, zu bauten sei. Bel einer solchen llrpaarung muß allerbings eine große Menge von Energie frei werden, und das wäre eben die der Kol- hörsterschen Strahlen. Professor v. Anthryposf hat aus seiner Annahme noch eine große Zahl anderer bekannter Tatsachen in Zusammenhang gebracht. Allerdings ist sehr zweifelhaft, ob eine lich Verbindung mit dem Schornstein hoben muJ» stänbig ein schwaches Feuer unterhalten, nachdem zuvor alte leicht brennbaren Stoffe aus bet Umgebung bes Ofens entfernt worben sind. Wo ber Eingang zum Keller im Freien liegt, werde« noch besondere Maßregeln gegen bas Einfrieren notwendig sein. Am besten ist in solchen Fällen immer eine größere Menge Stroh als Material. Daß in jeden Keller ein Thermometer gehört, ist selbstverstänblich. Kartoffeln, welche bereits etwas Frost bekommen haben, bringt man nicht unvermittelt in einen warmen Raum, sondern läßt sie ganz allmählich auftaucn. Kleinere Mengen schüttet man im Keller selbst in recht kaltes Wasser und entfernt bas sich habet bilbenbe Eis. Dann läßt man sie abtroefnen. Solch:, bie nach bem Aus- tauen weich geworden sind, gelten als verloren. Bei ben großen Verlusten an Kartoffeln burch bie außergewöhnliche Kälte, besonders auch in ber Landwirtschaft, ist leicht mit Kartoffelknappheit zu rechnen. Die Erhaltung aller Vorräte, auch ber kleinen unb kleinsten, liegt deshalb int Interesse ber QUIgemeinßciL Verband Oberhessischer Geflüqelzuchivereine. Am Sonntag fand im Eisenbahnhoiel Hopfeld in Gießen b.e diesjährige Hauptverf ainm- lung des Verbandes Oberhessischer Geflügelzuchtvereine statt. Der Vorsitzende. I. Kolter, Dad-Rauheim, leitete die Verhandlungen. Er bankte in seiner Begrüßungsansprache aJen, besonders Herrn Philipp, a s Vert.e er der Landwirtschastslammer, Heren V e i t h, als Vorsitzender des Landesverbandes Hessischer Geflügelzüchter. Herrn Dr. Wetzel, a.8 Vert e.er des U .ivers.tätL-Licr uchtinsti.utS Gießen für ihr Erscheinen. Zwei bewährte Veteranen deeGeflügel ucht.dieHerren Schwan, ©laßen, und Brom, Darmstadt, die im abgelaufenen Vereins ahr ihren 73. Geburtstag in voller Rüstigkeit feiern tonnten, beglückwünschte der Vorsitzende in herzlichen Worten. Den Leitern bet Verbandsschcu Obe hessischer Gef.ügelzuchtverrine. die a.s Jub.läumsschau des Kreisgeflügelzuchtvereins Alfeld in der Festhalle daselbst vour 9. bis 11. Rovernder 1923 stattfand, wurde vom Vorsitzenden der Dank des Verbandes auSge- spochen. Lobend hervorgehoben wurde die rasch; Zurücksendung der Ausstellungstiere, die alle Sonntagnacht verpackt unb Montag wieder in ben Händen ihrer Besitzer waren, und die rasche unb glatte Auszahlung ber Preisgelder. Auf jedes achte Tier kam ein Ehrenpreis. Allem Stiftern von Ehrenpreisen wurde geda.ckt. besonders der Hessischen Landwirtschastsiammer für ihre tatkräftige Unterstützung hier und bei der Landes- ausfte.lung in Offenbach. Die nächste Landesausstellung findet vom 15. bis 17. Rovember 1929 in WormS statt. Die Verbandsscha u erhält Schot- ten vom 6. bis 8. Dezember 1929. die als Jubelschau des dortigen Vereins geplant ist. Die l.Dezirlsschau erhält Butzbach, die 2. Selters ober Dauernheim. Allen Züchtern wirb vollständige Anlegung der Bundesringe an bie Jungt ere empfohlen, welche dann auf Ausstellungen versichert find. Der D. D. G. stiftet auch für Lokalschauen Dundesehrenpreise. Der Vorsitzende redete auch der Jugendpropaganda das Wort unb hat in Bad-Rauhe im schone Erfolge einer Jugendgruppe zu verzeichnen. Die Lugend ist durch Stt tung von Druteiern, Zuchttieren. Lektüre und weitgehendste Anerkennung auf Ausstellungen für diesen in jeder Hinsicht nutzbringenden Sport für ein jugendliches Gemüt zu begeistern. Sem älniversitäts-Tierzuchtinstitut Gießen dankte der Derbandsvorsitzende. baß es sich der Mühe unterzogen hat, ein Wettlegen auf dem Hardthof zu veranstatten und so ber Aufgabe „Erhöhung der Leistung burch Auswahl ber Rassen" zu dienen. Für bie Verwertung der Frischeier beantragte Herr Jäger eine Organisation. Reu ausgenommen wurden die Geslügelzuchtvere.:« Hat.enrob, Wisselsheim, Rieder-Ohmen. Schwalheim und Holzhau'en. D.e Prüfung der Rechnung ergab einen äleberschuß von 95.29 Mk.: bet Södlersonds wuchs dadurch auf 431.74 Mk. Dem Verbands.echner. Reinhardt, Schlitz, wurde der Dank ber Versammlung ausgesprochen. Auf Antrag von Schlitz wird Oberhefsen demnächst in solche Eheschließung zwischen Elektron unb Proton burch eine Art Ehescheidung wieder ausgehoben werden könnte — und so wäre daS, was vielen als bas Wichtigste erscheinen wirb, nämlich bie Gewähr für ben ewigen Bestand bet Welt, für ben sich ständig wiederholenden Kreislauf durch diesen Gedanken Anthropoffs in Frage gestellt. Mir fällt bie alte Sage vom Mönch von Heisterberg ein. ber über Raum und Zeit nach- bachte und darüber sein ganzes Leben oer.äumte. Das will ich nicht, unb ber Leser wirb es auch nicht wollen, unb darum sei es für heute genug, ----------- j Welche Kälte erträgt der Mensch? Zu bem in Rr. 33 des „Gieß. Anz." vvnr 12. Februar erschienenen kleinen Artikel „OBeUM Kälte erträgt ein Mensch?" erhalten wir die folgende, auf persönlicher Erfahrung beruhende Ergänzung aus unserem Leserkreise: Im starken Winter 1916/17 war ich in ntfftfcfjer Gefangenschaft in Kansk (Gouvernement Irkutsk). Im Januar 1917 stieg bie Kälte von 33 Grad etwa 10 Tage hintereinander auf 43 Grad unb erhöhte sich dann an mehreren Tagen aus über 50 Grad Celsius. Das Quecksilber unseres im Lager befindlichen Thermometers, welcher bis zu — 53 Grad anzeigte, war ganz.ich in bet Kugel verschwunden. 2n ber Stadt selbst wurde 63 Grad Celsius gemessen. Ein Kommando ter Kriegsgefangenen mußte an diesem Tage die Brotrationen aus der Stadt holen. Hierzu wur..e ich auch kommandiert. Das Kommando hatte einen Weg von etwa breiviertel Stunden zurückzulegen. Der Marsch hin unb her erfolgte im Laufschritt, benn bie Kälte war berariig stark, baß es an ben Ohren fror, trotzdem ich zwei gestrickte Kopsschoner und eine dicke Schneehaube aufhatte, so baß nur bie Augen hervorschauten. Verschiedene Leute, die weniger gut geschützt waren, singen laut an zu schreien vor Kälte und Schmerzen. Jedoch kamen wir alle glücklich zurück. Die mitgebrachten Brote waren steinhart gefroren. Der Hunger war jedoch so stark, baß die Brote sosoW mit einer Säg: in einzelne Portionen zerschnitten wurden, da baS Messer nickt durch bad Brot ging. Das gefrorene Brot wurde langsam aufgetaut und feucht unb kalt, tote eS war, verschlungen. Magen- und Darmkrankhcite» waren natürlich die Folge davon. H.G. rsH M .» 'W* lA ’M? *"«' M® i ^chtvtteilie S?Ä •m SÄ leitet« JJ«« TegrüßuncS, Müh-, t-andesvecLandei -kn Tr. Q3eht[ XI bttvLhrk 'Btt, tcnö^to □ n,®id i« nn abgrlaulenv N in voller % sichte der A>v Deo Lriinn btt xt-UZelzuhtverr^ Kinsgrflügeh^, Mr bMft te ilionb, wurde to DerbqodeZ ouigt n tvucde die ta!j ngstiere, die t ntag wieder in in und die rasche eJ Felder. Auf M L. Aileni Stifte ult, befoaders der ner für ch« tat» d l« der Lwde-- ^tllung sinhet 929 in Vorvit u erhält 6chol> 129, die ais Jubel» geplant ift. Lie Lutzbach, die 2 e i m. Allen K» irg der Tundrsm^ , welche dann mf für Lokallchm Per Dorrende ic lüc bai Dort ei Srfoiflz E!> i 3u^tnb Leien, Ctuto -- \ hbringmdm Skrn zu begeistern. 2f- Siehen dankte btt ich der Müh« unKt- Rassen" ju b®6 der . Otgan'.lotion. $a Geilügcl;uchwett-' berenten SM SÄ tzlektron unb p Löung wb« ) s° s& Lnthrokvsss"^ e twm ^5 aum und »eJ LeSesi Mch Leser ®?VatM Sieb- n AkB O Arinenent ^ ßIj> Ri»- üÄ ie KÄfi ffiige ßw -° 5 «<< <«fiB ^slrte geteilt. Die Herren Kolter. D e i t h und ein Herr der LandwirtfchastS- kommer nehmen die Etnteilung vor. Der Antrag, auS der 2L S. ®. auszutreten, fand Annahme. Dachdem Herr Schwan den Dorstand für fein« Mühewaltung gedankt halte, schloß Herr Kolter die anregende Versammlung. • — Gin Droh-ArbeitStag der Sanität S k o l o n n e. Unser« Freiwillige SanitätS- kolonne vom Roten Kreuz hatte gestern einen besonders arbeitsreichen Tag. In 17 Fällen wurde sie zum Transport von Kranken nach den Kliniken in Anspruch genommen. Es handelte sich dabei um schwere Erkältungskrankheiten, Knochen- brüchc, D.inddarmerlrankungen und eine Anzahl kleinerer Hilfeleistungen. •• Ein Achtzigjähriger. Dm morgigen Tag begeht Herr Jakob Gilbert, Gnauth. strahe 30. bei vollster geistiger und körperlicher Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag. Bereits seit dem Jahre 1863 ist der alte Herr In Giessen ansässig. •• SeschäftSjubiläum. Am 15. Februar begeht bie jirma Heinrich Krevert. Plock- strahe 7, Werkstätten moderner Maßarbeit sür Her.en» und Damengardrroben und Tuchhandlung, ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum. Die Firma ist weit über die Grenzen GießenS hinaus bekannt. ** Evangelisch-kirchliche Personals«. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Georg Sandmann zu Wachenheim die evange- gelische Pfarrstclle zu Schwarz. Dekanat Alsfeld, übertragen. Oberheffen. Landkreis Gietzen. 00 Klein-Linden, 13.Febr. Am Montagabend wurden durch die Borstände der Kranken- st a t i o n und der K l e j n k i n d « r s ch u l e die Jahresabschlüsse der beiden Institute festgestellt. Aus den, Bericht des Rechners der Krankenstation, Wilhelm Jung VIII., ist folgendes au entnehmen: Aus dem Jahr 1927 oerolieb ein Ueberschuß von 202,86 Mark. Die Gesamteinnahme aus dem Jahr 1928 betrug 1863,61 Mark, die Ausgabe 1666,19 Mark, mithin verbleibt ein Ueberschuß von 197,42 Mark. Der Rechnungsbericht der Kleinkinderschule, erstattet von dem Rechner Lehrer Rau, ergab in Einnahme 1729,71 Mark, in Ausgabe 1601,75 Mk. Der Ueberschuß von 127,96 Mark soll für dringend notwendige Arbeiten verwandt werden. X Wreseck. 13. Febr. Eine Lichtbild- Gustav-Adolf-Stunde am Sonntag brachte zuerst der Schuljugend und dann den Erwachsenen zwei durch Gemeindegesang ein- gerahmte Reihen von 114 Bildern. 52 handelten unter der Ueberschrist »Allermeist an des Glaubens Genossen" mit Text von Pfarrer D. Blanck- meister (Dresden) vom Gustav-Adolf- W e r k und 62 von der Gießener Gustav- Advlf-Tagung 1 9 2 5. cZ Allendorf a. d. Lumda, 13. Febr. Am Samstagabend hielt der hiesige Turnverein 1 907 fein diesjähriges Wintervergnügen, verbunden mit einem Werbeabeno. im dicht- besetzten Saale der Wirtschaft Bergen ab. Rach einem flott gespielten Marsche der Musikkapelle Lampa:, Gießen, wiesen der Ehrenvor.itzende Philipp H o f sowohl als auch der Vorsitzende Sattlermeister Heinrich F a u l st i ch in Ansprachen auf den erzieherischen und gesundheitlichen Wert des Turnens für die Jugend hin, und ermahnten die aktiven Turner sowohl, als auch die Zöglinge zum fleißigen Besuch der Turnstunden. Anschließend sand Schauturnen am Reck. Barren und Pferd statt. Alle Hebungen wurden exakt ausgesührt, und deutlich zeigte es sich hierbei, daß der Verein, der seit etwa einem Vierteljahr unter der technischen Leitung des bekannten Turnlehrers Schneider aus Wetzlar steht, in dieser kurzen Zeit große Fortschritte zu verzeichnen hat. Der Rest des Abends war froher Geselligkeit gewidmet. Z Saasen, 12. Febr. Sonntag fand bl« Beratung des Voranschlages der Kirche Veits- berg durch die Kirchengemeindevertretung statt. Dabei wurde über den vorliegenden Plan zur gründlichen Wiederherstellung der Kirche Deitsberg beraten und derselbe einstimmig angenommen: vorgesehen sind zunächst 2500 Mark. Ferner wurde «bensalls einstimmig beschlossen, die Frage der elektrischen Heizung mit der Renovation zusammen zu lösen, da bei der verkehrten bisherigen Anlage keine Hoffnung auf eine befriedigende Heizung besteht. So soll zur Verbesserung der bestehenden Anlage fein Geld mehr verwendet werden. Da die Voraussetzungen für den seinerzeit mit dem Kirchspiel Winne- cod eingegangenen Uebereinkommen weggefallen sind, wurde beschlossen, dieses Uebereinkommen mit Wirkung des neuen Rechnungsjahres zu kundigen and nach Lösung des Uebereinkommens die Wie- bervereinigung mit dem Kirchspiel Wirberg zu voll- jkehen. ö Wirberg, 12. Febr. Da bei der harschenden Kälte der Gottesdienst in den ungeheizten Kirchen von Reinhardshain, Beltershain und Harbach für die Besucher eine Gefahr für die Gesundheit bedeutet, bat der Pfarrer seit zwei Sonntagen im Einverständnis mit den Beteiligten den Gottesdienst bt den Schulsälen gehalten. 3n dem großen Kirchenraum auf dem Wirberg konnte trotz Beginnens mit der Heizung 12 Ständen vor der GotteSdienstz.it nur 5 Grad EelsiuS erreicht werden. Deshalb findet am kommenden Sonntag Gottesdienst in ReinhardShain im Schulsaal statt, während auf dem Wirberg kein Gottesdienst ist. Göbelnrod hat ebenfalls einen Gottesdienst im Schulsoal gehabt, als Ersatz für den auSge.allenen Gottesdienst aus dem Wirberg. — Am letzten Sonntag wurde von der Eefamtkirchengemeindcvertretung der Voranschlag sür 1929 der Kirche Wirberg beraten und nach der Vorlage des Kirchenvorstandes angenommen. Bei vorsichtiger und sparsamer Aufstellung konnten die Ausgaben im allgemeinen in alter Höhe gehalten werden, nut wenige Rubriken mußten geringe Erhöhungen erfahren. So wurden dem Pfarrer für die schon früher beschlossen« und dringend erforderliche Telephonanlage di« Mittel bewilligt. Der Stand der Aufwertung unseres Ablösungskapitals, entstanden bei der Auseinandersetzung mit dem FiskuS, ist immer noch derselbe, da die Schuldnerin. die Stadt Grünberg, noch nicht aufge- wertct hat: eine Entlastung durch Einnahme von Zinsen ist nach der Sachlage für die nächste Zeit nicht zu erwarten. Dagegen soll «ine kleine Aufwertungssache, wo die Kirche Schuldnerin ist, nunmehr geregelt werden. • Watzenborn-Steinberg, 13. Febr. Mit dem diesjährigen Jahresschluh deS Män- nergesangverein« Sängerkranz zu Watzenborn begeht bet Ehrenpräsident des Vereins, Johannes Harnisch IX., sein zwanzigjährige« PrLsidentenjubiläum. Die lange Zeit, innerhalb deren der Jubilar dem Gesangverein vorsteht, bedeutet einen außerordentlichen Aufschwung für den Verein, der zu einem erheblichen Teil dem Ehrenpräsidenten zu verdanken ist. Seine mustergültige Geschäftsführung sowie die Sorge für erstklassige Dirigenten verdienen volle Anerkennung. Ein seltenes Beispiel von Sängertreue gab der Ehrenpräsident während seiner mehr als breißigjähri- ?;cn Mitgliedschaft, indem er in dieser angen Zeit niemals eine Gesangstunbe versäumt hat, eS sei benn, daß ihn Krankheit oder Sterbefälle In der Famlie an den Besuch der Ucbungsstunden hinderten. Möge es dem Gesangverein Sänaerkranz immer vergönnt sein, die geschäftliche Leitung in so selbstloser Weise verrichtet zu wissen, sind doch diese Pflichten oft recht mühevoll. • Garbenteich. 12. Febr. Am Samstagabend hielt der Gesangverein „Frohsinn" bei sehr gutem Besuche sein Wintervergnügen ab. Rach einem flotten Eröffnungsmarsch der Kapelle Harnisch gedachte Lehrer Mörschel in seiner Ansprache des verstorbenen Lehrers Weisel, der ein großer Gönner des Vereins war und b f.'zn Raine nicht vergessen werden wird. Anschließend dankte bet Redner bem bewährten Chormeister Harnisch, Watzenborn-Steinberg, für seine aufopfernde Tätigkeit. Zwei aktive Sänger konnten eine seltene Ehrung erfahren: Karl Sommer und Georg Wahl betonten vom Verein für 35jährige aktive Tätigkeit je eine kleine Tischstanduhr »überreicht. Der Verein gab außer ansprechenden Volksliedern einige schwierige, gut durchgearbeitete Kunstchöre einem dankbaren Publikum zu Gehör. 3m zweiten Teil des Abends wurden unter der Leitung deS neugewählten zweiten Dors.tzenden, Otto Wahl, zwei Theaterstücke aufgeführt. Das flotte Spiel machte den Spielern, sowie ihrem Leiter alle Ehre. Tanz beschloß bie Feier. ch Orüningen, 12. Febr. Am Sonntag hatte der Adam-3sheimfche Gesangverein seine Vertreter zum Delegiertentag bed HauS - bera-Wettertal-Sängerbundes nach Butzvach entsandt. Es wurden u. a. folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Der Bund tritt dem Hessischen Sängerbund als Mitglied bei; 2. das diesjährige Wertungssingen findet am 12. Mai in Gamoach (Gastwirtschaft Weisel) statt; 3. das Dundessest wird für dieses Jahr dem neu beigetretenen Gesangverein Liederkranz zu Eberstadt übertragen. -o- Ober-Bessingen. 13. Febr. Dieser Tage wurde die hiesige Gemeindejagd zum Preise voit jährlich 890 Mark auf neun 3ohre an Herrn 3 ö k e l aus Friedberg verpachtet. Der seitherige Pachtpreis betrug 500 Mk. — Bahn- assistent Duphorn, der Vorsteher unsere« DahnhofeS, verläßt uns in Kürze. Der tüchtige Beamte Hai es während seines Hierseins verstanden, sich das Vertrauen des Publikums zu erwerben. Dur ungern sieht man ihn scheiden. Ganz besonders wird er auch von den hiesigen Vereinen als ein wertvoller Freund und Förderer vermißt werden. Sein neuer Wirkungsort wird Butzbach sein. Kreis Friedberg. s gttebbeta, 13. Febr. Die hiesige Auf- bau schule wurde wegen starken Auftretens der Grippe auf Veranlassung des KreiSgesunb- heitsamteS bis auf weiteres geschlossen. — An der Augustinerschule (Gymnasium und Oberrealschule) fanden bie Reifeprüfungen in Gegenwart eines RezierungsvertreterS statt. ES bestanden die Prüfung 16 Gymnasiasten und 24 Oberrealschüler. — Der hiesige Ortsgewerbeverein will In dcn Räumen und im Hose der Aufbauschule eine Gewerbeschau veranstalten, um die Leistungsfähigkeit deS hiesigen Handwerks vor der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Veranstaltung hängt ao von der Zahl der einlaufenden Meldungen. Dis jetzt liegen Erklärungen zur Teilnahme erst in geringer Zahl vor. L Friedberg, 13. Febr. Unter dem Vorsitz von Lehrer Schenk (Melvach) tagten hier bie Vorsitzenden der dem Gau Wetterau im Hess. Sängerbund an'«hörenden Vereinen um Vorarbeiten für das Bundesfest in Darmstadt zu treffen. Es nehmen nach den vorliegenden Meldungen aus bem Gaugenet an- nähernd 600 Sänger" an dem Feste teil. Einen Extrazug zu beantragen, wurde abzelehnt, da die Hälfte der Sänger am Samstag und der Rest früh am Sonntag fahren will. 3nfolgedes>n konnte der Zeitpunkt für das öffentlich« Platzkonzert noch nicht angegeben werden. Es soll versucht werden, billigere Quartiere zu beschaffen, um allen Sängern die Fahrt schon am Samstag zu ermöglichen. Weiter wurde beschlossen, im Festzuge einen Festwagen zu stellen; die Auslagen sollen durch einen einmaligen Beitrag gedeckt werden. Sämtliche Fah:renabvrdnungen fahren am Öamgtagmittag, damit die Fahnen rechtzeitig zum Faynenfestzuge in Darmstadt eintreffen. Eine rege Aussprache fand über den Punkt „Gern a" wegen der letzten Entscheidung des Kammcrgerichts statt. Weiterer Vorhand- lungsgegenstand war die Ehrung für langjährige Mitgliedschaft durch den Hessischen Sängerbund. Die beiden Filme .Das deutsche Lied' und.Das deutsch« Sängerbundessest in Wien 1928'' begegneten lebhaftem 3nteresse, so daß der Vorsitzende für deren Vorführung Sor e fragen soll. WSR. Friedberg. 13 F d.-. D.r d.csjährige Frühjahrspferdemarkt litt, wie alle ähn- llchen Veranstaltungen anderwärts, unter der starken Kälte. Es standen etwa 80 bis 100 Pferd« jeglichen Schlages zum Verkauf. Trotz der Ungunst der Witterung konnte bie übüche Prämiierung vorgenommen werden. WSR. Dad-Äauheim. 13. Febr. Die Dad- unb Kurverwaltung hat für die kommende Saison an Stelle des bisherigen Kurorchesters die M e i - ntnger Landeskapelle verpflichtet, die der Leitung von Generalmusikdirektor Dvngartz unterstehen wird. Die Verpflichtung des 53 Mann starken Orchesters erstreckt sich auf den Zeitraum vom 1. Mai bis 3D. September. Man hat diesen Zeitraum so weit ausgedehnt, da in der zwei.en September Hälfte noch der Allgemeine Deutsche Dädertag hier abgehallen wird. Aus dem großen Mufikprogramm, das ausschließlich von dem neuen Orchester und bekannten Solokräften bestritten wird, sind die Deutschen Meisterfestspiele zu neunen. die von Mai bis 3uni .Figaros Hochzeit", ein Decthovenkonzert und .Fidelio" bringen werden. Außerdem sind neun Sinfoniekonzerte und zahlreiche Opern- und Operettenaufführungen vorgesehen. 2$. Bad Rauheim, 13. Febr. Die Ernst» Ludwig-Schule war heute morgen genötigt, der Kälte wegen den älnterricht aus- z u s e tz e n. Die in der Hauptsache nach Rorden gelegenen Säle konnten nicht stärker als auf 7 bis 10 Grad erwärmt werden. Auch in der Stadtschule konnten die Rordsäle nicht auf die erforderliche Rormaltemperatur gebracht werden. Da die Anstalt ober in größerer Zahl über Säle an der Südseite verfügt, die abwechselnd den einzelnen Klassen zugewiesen werden, brauchte der Unterricht nicht auszufallen. — Die Gasrohrbrüche nehmen kein Ende. Heute muhten die fliegenden Arbeiterkolonnen wieder an verschiedenen Stellen eingesetzt werden. Kreis Büdingen. △ Ridda, 13. Febr. Der für heute hier an- gesetzte Schweine- und Krämermarkt konnte wegen der großen Kälte nicht st a t t f i n d e n. ES war nur ein Züchter aus Schwickartshausen mit Ferkeln und ein Händler mit Einlegern aufgebahren. Für letztere wurden für ein Stück 50 Mark bezahlt. Die Landwirte halten mit dem Ankauf von Ferkeln zurück, weil die außergewöhnlich hohe Kälte die Aufzucht der 3ungtiere sehr erschwert. 3n den letzten drei Tagen hatten wir hier morgens —23 b is 25 Grad Celsius. Seit langen 3ahren ist wieder einmal hier bie Ridda oberhalb der Stadt an manchen Stellen mit Eis bedeckt, was sehr selten vortommt, weil in dem Flußbett zahlreiche Quellen sind. * Nidda, 13.Febr. Der Bezirkslehrer- verein Nidda hielt dieser Tage hier feine zweite diesjährige Konferenz ab. Lehrer Heutzenröder sprach dabei in bemerkenswerten Ausführungen über das Thema „Die religiöse Entw cklung des Jugendlichen". An den mit yroßem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine rege Aussprache an. Weiter erörterte man noch die Frage der Sauf par taff en, über die demi.ächst in Stockheim ein aufschlußreicher Vortraß gehalten werden soll. * Hirzenhain, 13. Febr. Infolge der ungün- fügen Wirtschaftslage haben sich die Eisenwerke Hirzenhain gezwungen gesehen- E i n s ch r ä n - kungenimDetriebe vorzunehmen. In einigen Werkabteilungen wird bis auf weiteres schlossenen Eisdecke wirkte sich durch die unvorhergesehene Plötzlichkeit an verschiedenen Stellen in katastrophaler Wei e aus. So sind z. B. die hn Becken II des Ostha ens überwinternden Mosler- schen Badean takten dadurch in schwerste Bedrängnis gekommen. Die in das Becken zurückstauenden Wasiermasfen durchbrachen die dicke Eisdecke und stiegen über einen Meter hoch über das Eis. Da die Badeanstalten in das Eis eingefroren waren, konnten sie der Bewegung des Wasserspiegels nicht folgen, das Gefüge der Anstalt wurde an verschiedenen Stellen zerrissen und eingedrückt, die Fluten drangen in die unteren Räume ein und setzten sie völlig unter Wasser. Der- schiedene Pontons wurden überflutet und konnten vor dem Versinken nur durch Befestigung an Ketten gerettet werden. Die Badeanstalt ist jetzt noch in großer Gefahr. Um sie zu retten, muß sie von dem gesamten darauf befindlichen Ballast geräumt werden. Der Schaden, der durch Versicherung gedeckt ist, soll sich auf 50 000 bis 60 000 Mark belaufen. Auch andere bn Osthafen Hegende Schiffe sind durch den Rückstau in die Gefahr des Bersin kens gekommen, so etliche im Becken 11 des Osthofens liegende, der Stadt Frankfurt gehörende eiserne Kähne, in die gleichfalls durch die Umklammerung des Eises das Wasser in ziemlicher Höhe eindrang. Zuhrwerksverlehr auf der Lahn. WSN. Limburg, 13. Febr. DaS E i S der Lahn, die bereits seit einigen Wochen zugefroren ist, weist eine derartige Stärke auf, daß selbst schwere Fuhrwerke sich der Eisdecke anvertrauen können, was seit 65 Jahren nicht mehr der Fall war. So konnte man heute morgen ein schwerbeladeneS doppelspänniges Mühlenfuhrwerk beobachten, das den Fluß in seiner ganzen Dreite überquerte. Büchertisch. — Wohin, Ein Ratgeber zur De- rufSwahl der Abiturienten. Haraus- gegeben von der Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft. (Pre s 2 Mk. Verlag Walter de Gruyter & Co., Berlin und Leipzig) (74). — Die Schrift enthält Beiträge hervorragender Sachkenner auf dem Gebiet der Berufslunde und Berufsberatung über Studium und Berufskreis des Theologen, des Philologen, des Juristen, des Mediziners, des Wirtschaftswissenschafters, des Maschinen- und Elektroingenieurs, des Architekten, wie auch über Studien- und Berufsfrogen der Philologin, der Aerztin, der Nationalökonomin und Juristin. Die Beiträge über Lehrerbildung in den einzelnen deutschen Ländern, den Beruf de« Lehrer« und der Lehrerin und über auherakademische Derufsmöglich'eiten für Abiturienten und Abiturientinnen sind äußerst aufschlußreich. Aufsätze über den Sinn der akademischen Berufsberatung und die Entwicklung der Zahlen der Studierenden an den deutschen Hochschulen und ihre Wertung enthalten sehr beachtliche Anregungen für jeden jungen Menschen, der vor der Frage der Berufswahl steht. Die Schrift kann als ein unentbehrlicher Ratgeber für jeden Abiturienten und jede Abiturientin, wie auch für Eltern und Lehrer bezeichnet werden. — Der Deutsche Hochschulführer. Lebens- und Studienverhältnisse an den deutschen Hochschulen für das Studienjahr 1929 33. Her- ausgegeben von der Wirtschaftshilfe der $>eut- schen Studentenschaft (Preis 90 Pf. Verlag Walter de Gruyter & Co.. Berlin und Leipzig) (75). — Der Führer enthält genaue Angaben über die Lehrerbildungsanstalten in den einzelnen deutschen Ländern und über die Leibesübungen an den deutschen Hochschulen. Er gibt »klare Auskunft über die Studienkosten einschl. Gebühren und Kolleggelder, Studiendauer und Studienbeginn, Zulassungs- und Immatrikulationsbestimmungen, alle Hilfseinrichtungen und Studienerleichterungen, über studentische Verbindungen und Zusammenschlüsse und das Ausland- ftuDium. Grippegefahr beugt vor 2 CREME MOUSON 5 n?a(bl sie ir? weniger? Standen gjattand geschmeidig 1O79D Gießen Herborn Der CC. der Teutonia 9642a Etienhandlung Gratisver- I. A.r Bangert xxx Gießen. 1320V des Verfahrens verurteilt. 1330D und Fichte, 8 Lärche; Stöcke, rm: 112 »felDl Inearleren orlngi Gewinn gn 724t 4 ®en>inne «a 5000 i. 600 cm. 35ß \ r 85133 79476 82498 89073 92232 94342 95112 141026 181284 215011 289114 399028 3^8233 126282 177443 197136 249638 283884 342135 146401 181534 230534 270360 330997 371879 116798 146819 168831 182533 200807 239601 260442 280111 320989 336326 351996 360642 387406 120615 147,02 17O1R9 184134 201708 241224 268162 280327 322041 340229 352440 361480 388538 139902 180909 200716 283399 297935 357398 135045 154592 175081 189607 217468 248035 270598 299737 324765 349197 356645 362608 396184 10356", 143483 166*92 175293 196036 231960 2516R2 273144 315334 327364 350245 359139 373083 398604 124003 147654 172400 184201 205951 244775 272056 288145 3’29980 340R69 353743 361952 393312 129209 17«869 197556 250474 2O0606 353678 204 cypinim.- w 300 0 M. gezogen 2 «Gewinn» iu 25000 u ftvrs '2» n >ang nur» TS , R’ir» j'ntimi 1> 2 | 14 2. ll. 2. 14.2 WelAtnnleibr 3 »VL7 ö7.4 — | em.-'.ibioi.-Sttiuit mit aut 53,9 53,9 | b)..9,ß <% £rft*nrfd> rinhrtl —• 25 — OnaaTl|amb .efieam tamvf1* 8 8 - 172, ü Aank D»mufidiifl • • 10 — 157,5 139. ‘fursbruttoei Vloub • • 8 IM •• 12-2.. 122 ailfl yflirtdir tirebficntt. 10 IvK.ö - l34> 139,2. tJanrn »anlertfln 10 - — I4U Hü SttUn« t>a|0fitflr1rlll<6 Jommeq’ unb i(rto — 105.75 IliÄ.u ßtetMtct Bcnl • • 10 iiiD.ö iu8.3 |i-9.5 161 fltttelbfuifdw Äwblüxntf . . • — 127.73 .95.23 IÜ5.25 . e 129 129 — «HAttxatf ....... u i>03 — uOÖ 302.25 J anhfurt u. 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