Nr. 292 Erstes Blatt 179. Jahrgang Zreitag, 15. Dezember 1929 MetzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnick UN- Verlag: vrühl'fche Univerflläts-Vuch- und Steindruckerel R. Lange in Giehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bi» Lum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re« klameanzcigen von 70 mn; Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u „ mehr. Chefredakteure Dr Friedr Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Langem für Feuilleton Dr H.THyriot' für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Giehen. Eriche,nl täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monotr-Bezugrpreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter» scheinen «inzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüsse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Der Reichskanzler fordert das Vertrauen des Reichstags. Die Regierungserklärung legi die schwierige Kaffenlage des Reiches dar und fordert die Zustimmung des Reichstags zum Finanzsanierungsprogramm des Reichskabinetts. T» e r l i n, 12. Dez. (DDZ.) Auf der Tagesordnung steht als einziger Punkt die Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung. Reichskanzler Müller weist zunächst darauf hin, daß der ordnungsmäßige Termin der Dorlegung des Etats nicht eingeholten werden konnte. Die Regierung bedauert das, aber es liest sich nicht vermeiden, weil der Etat für 1930 aufs engste mit der Frage zusammenhängt, ob der Boungplon von den beteiligten Mächten angenommen wird. Als sich herausstellte, dost die Erledigung des Voung- planes sich länger hinauszögern würde, hat die Reichsregierung schon vor Wochen angeregt, am 13. Dezember die Fragen der Finonzresorm im Reichstag zu erörtern. Wir behandeln diese Frage nun einen Tag früher. Den ersten An- stost dazu gab dos bekannte Memorandum des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht. In dem Memorandum handelt es sich im wesentlichen um Punkte, die unsere Sachverständigen schon bei den Pariser Verhandlungen beschäftigt haben, bei denen es ober auch ihnen nicht gelungen ist, den Erfolg zu erzielen, der am meisten der deutschen Sache entsprochen hätte und den wir selbst gewünscht hätten. Auf reparationspolitischrm Ge- biet werden Vorwürfe besonders nach zwei Richtungen erhoben. Cs wird behauptet, die Reichsregierung habe auf der ersten Haager Konferenz und in der darauffolgenden Zeit auf Rechte verzichtet, die uns nad> dein TZoungplan zustanden und habe über die Lasten des Voungplanes hinausgehende Konzessionen gemacht. Der Sachverständigenbericht hat in einer Reihe von Fragen die Entscheidung den Regierungen überlassen. Der Grund hierfür lag darin, dast es den Sachverständigen nicht gelungen ist, in diesen Punkten die deutsHe These durchzusehen. Auf der Haager Konferenz soll Deutschland auf einen fünfmonatigen veberschuß von 400 Millionen Reichsmark verzichtet, die ungeschützten Annuitäten erhöht und mit dem Abschluß des deutsch-belgischen Markobkommens eine zusätzliche Belastung von 19,5 Millionen auf sich genommen haben. Bezüglich des Lieberschusses von 4 0 0 Millionen Mark, der sich daraus ergab, dast die Zahlungsperiode des Voung-Plancs bereits am 1. April d. I. einsetzt, die Daweszahlungen jedoch bis Ende August 1929 vorgesehen sind, bestimmen Ziffer 83 und 84 des Voung-Plancs und Ziffer 192 der Anlagen, dast f.c als erforderlich zur Befriedigung der Bedürfnisse der Gläubigerländer während dieses Lleberganaszeitraurnes behandelt werden sollen. Lind, so heißt es in Ziffer 84 weiter, 'verbleibt nach Befriedigung dieser Bedürfnisse ein Lleber- schust, so soll die Frage seiner Verwendung von den Regierungen geregelt werden. Rach dem Wortlaut des Poung-Planes kann also Deutschland nicht ohne weiteres diesen Lieberschuh für sich beanspruchen. Die Reichsregierung teilt das Schicksal der Sachverständigen, Lenen es nicht gelungen ist, in der Frage der Lieberschüsse eine für Deutschland günstigere Regelung erzielt zu haben. Es ergab sich dies als eine zwangsläufige Folge der im Haag erhobenen englischen Mehrforderungen, zu deren Befriedigung auch seitens einer Reihe von Gläubigerregierungen Opfer gebracht werden mußten. Ohne eine solche Lösung war, wie noch in aller Gedächtnis sein wird, die Gefahr eines Scheiterns der Haager Konferenz gegeben. Gegenüber der Behauptung, daß durch Erhöhung des ungeschützten Annuitätenteils die Entlastung Deutschlands während der ersten Jahre vermindert wird, muß betont werden, dast tatsächlich die jährliche Belastung völlig gleich bleibt. Rur im Falle eines Transfermoratoriums wäre der zu übertragende Betrag um eine verhältnismäßig geringe Summe höher. In einem solchen Falle kommt es aber nicht entscheidend darauf an, ob 660 oder 700 Millionen jährlich übertragen werden müssen, sondern es handelt sich in diesem Falle um die Llebertrogung oder Richtübertragung der viel größeren Ziffer der Gesamtleistung. Lieber die deutsch-belgische M a r k f r a g e hat Deutschland mit verschiedenen Llnterbrechungen schon seit 1919 verhandelt. Die belgische Regierung hat ihre Annahme des Voung-Planes von der Vereinbarung abhängig gemacht. Don einer nachträglichen zusätzlichen Belastung über den Voung-Plan hinaus kann also nicht gut gesprochen werden. Bei den neuen Zumutungen, denen Deutschland nach der Haager Konferenz entsprochen haben soll, handelt es sich besonders um die Ansprüche gegen den polnisck^n Staat und endlich um evtl. Zahlungen, die aus einem späteren Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich über die Saarfrage herrühren. Das deutsch-polnische Abkommen fußt auf den Empfehlungen des Kapitels 9 des TZoungplans unö bildet gleichzeitig die Fortsetzung früherer Verhandlungen mit der polnischen Regierung über Liquidationen und finanziellen Ausgleich. In dem Abkommen wird sowohl deutscherseits wie Polnischerseits auf eine Reihe von finanziellen Ansprüchen verzichtet. Deutschland hat die Zugeständnisse gegenüber Polen aber nur gegen wertvolle Gegenlei st ungen gemacht. Polen verzichtet auf das Recht zu weiteren Liquidationen und auf das Wiederkaufsrecht, das es für Rentengüter für sich in Anspruch nahm. Wenn Deutschland also in den rein finanziellen Teilen der Abrechnungen gewisse Leistungen übernommen hat, so werden diese durch wichtige Zugeständnisse Polens auf anderen Gebieten kompensiert. — Eine besondere Beurteilung müssen die Saarsragen finden, über die zur Zeit ein deutsch-sranzösi^ches Einvernehmen gesucht wird. Diese Erörterungen sind nicht auf dem Voungplan begründet, sondern aus dem Bestreben nach einer Gesamtliquidation aller schwebenden politischen Fragen eingeleitet worden. Lieber ihre Ergebnisse läßt sich zur Zeit noch nichts sagen. Das finanzielle Gesamtprogramm der Reichsregierung, das ich heule in feinen Grundzügen unterbreite, umfaßt Maßnahmen zur Sanierung der deutschen Finanzen und zur Entlastung der Kassenlage, insbesondere auch durch Verstärkung der Einnahmen der Arbeitslosenversicherung und durch eine umfassende Steuerreform. Wenn ich Ihnen heute nur die Grundzüge darlege, nicht aber auch die weit über ein Dutzend Gesetzentwürfe vorlege, aus denen sich dieses Reformwerk zufammensehen wird, so liegt eben der Grund hierfür in der Rolwendigkeit der Reichsregierung, bis zum Abschluß derDcr- handlungen über den Voung-Plan die erforderliche Verhandlungs- und Entschlußfähigkeit zu wahren. Denn gerade eine der Doraussetzungen für die Annahme des Voung- planes, auf die ja auch der Herr Reichsbankpräsident in seinem Memorandum hingewiesen hat, war, daß die im Voung-Plan enthaltenen gemeinsamen Empfehlungen restlos von allen beteiligten Mächten a n - genommen und geachtet werden. Dies legt der Reichsregierung die Pflicht auf, bis zur Erreichung dieses Zieles den außenpolitischen Rücksichten vor den innenpolitischen Gründen, aus denen auch der Reichsregierung die sofortige Vorlage der Gesetzentwürfe durchaus erwünscht wäre, den Vorrang e i n z u r ä u m e n. Die Reichsregierung ist sich ihrer Verantwortung voll bewußt, wenn sie dies erklärt und trotz aller Mißdeutungen daran festhält. Eine der Voraussetzungen für die Annahme des Zoungplans ist die Ordnung der dcnitschen Finanz- und Wirtschaflspolitik mit dem Ziele, die Wirtschaft an den Erleichterungen des Zoungplans leilnehmen zu lassen. So umfaßt auch das Reformprogramm der Reichsregierung zur Sanierung der Reichsfinanzen zwei große Aufgaben: die Schaffung eines wirklichen, nicht auf dem Papier stehenden Gleichgervichts des Reichshaushalts auch für die kommenden Jahre und ferner die Bereinigung des ungedeckten Lxtraordinariums zur Entlastung der Kassen- läge des Reichs. Trotz aller scharfen Drosselung der Ausgaben wird das lausende Haushaltsjahr mit einem Fehlbetrag abschließen, der mehr als das Doppelte des Fehlbetrags 1923 ausmachen wird, der rund 150 Millionen betragen hat. Wenn nun aber der Boungplan angenommen sein wird, so wird die für das Haushaltsjahr 1929 mit rückwirkender Kraft eintretende Haushalts- entlastung geradeausreichen, um de Fehlbeträge aus 1923 und 1929 abzudecken. Cs wird ■ notwendig sein, auch für 1930 einen erheblichen Teil der aus dem Poungplan sich ergebenden Entlastung zur Balancierung des Haushalts zu verwenden. Denn alle noch so berechtigten und lauten Rufe nach Entlastung der Wirtschaft und Verringerung der Steuerlasten der minderbemittelten Volksgenossen sind zwecklos, wenn nicht zuvor das oberste Ziel einer Finanzreform. der Ausgleich des Haushalts. völlig gesichert ist. So wird es für 1930 notwendig werden, für die wertschassende Arbeitslosensür- sorge hohe Beträge einzusehen, die Krisenfürsorge den tatsächlichen Ausgaben entsprechend zu erhöhen, das landwirtschaftliche Rotpreg.amm auf den seinerzeit in Aussicht genommenen Stand zu bringen, die Kosten für ein Grenzprogramm im Westen und Osten und für ein Abrechnungs- geseh mit den Ländern wegen ihrer Forderungen gegen das Reich aus der Llebernahme von Eisenbahn, Wasserstraßen, Post usw. einzustellen und auch bei einer Reihe von anderen Ausgaben einen endgültigen Ausgleich vorzunehmen. Line starke und dauernde Ausgabensenkung wird nur möglich sein durch eine zweckmäßige ver- wallungsorganisalion. Die Reichsregierung hosfk, daß gerade auch die von ihr beabsichtigte Steuerreform eine wesentliche Entlastung wenigstens schon der Abgabenverwaltungen von Reich, Landern und Gemeinden und erhebliche Ausgabenminderungen bringen wird. Für das Haushaltsjahr 1930 werden aus dem Voungplan noch 350 Millionen zur Entlastung aller Teile der Wirtschaft zur Ver.ügung stehen. Zur Erleichterung der deutschen Wirtschaft glaubt die Reichsregierung außer diesen 350 Millionen einen weiteren Betrag von rund 400 Millionen zu benötigen. Dieser Betrag soll durch die Erhöhung von zwei Steuern, nämlich die B i e r st e u e r um 180 Millionen und die T a b a k st e u e r um 220 Millionen, erzielt werden. Cs fgrni keinem Zweifel unterliegen, daß es durchaus mißlich ist, zu dieser Steuererhöhung zwei Steuern auszuwählen, die den Konsum belasten. Wenn das deutsche Steuerwesen auf eine gesunde Basis gestellt werden soll, kann an Dier und Tabak nicht vorbeigegangen werden, deren Testeuerung gegenüber der Erfassung anderer Steuerquellen zugegebenermaßen außerordentlich zurückgeblieben war. Ein Vergleich mit den Steuern des Auslandes zeigt ferner, daß fast nirgendwo Bier und Tabak einer so geringen Belastung ausgesetzt find wie gerade in Deutschland. Unter Hinzurechnung dieser beiden neuen Steuererhöhungen stehen somit zur Entlastung der Wirtschaft 75 0 Millionen zur Verfügung. Wie die Reichsregierung sich auf dieser Grundlage die Steuersenkung denkt, ist in seinen Einzelheiten bekanntgeworden. Die Reichsregierung hol sich das Ziel gesetzt, der notleidenden deutschen Wirtschaft die notwendigen neuen und starken Impulse zu geben Die Finanzreform soll vor allem die erforderliche Kapitalneubildung fördern. Bei der Einkommen st euer soll der steuerfreie Einkommenteil heraufgesetzt, die Kinderermäßigung soll verbessert und die Tarife teils herabgesetzt, teils auseinandergezogen werden. Die Einkommensteuerreform soll insbesondere auch der minderbemittelten Bevölkerung zugute kommen. Bei der Reuordnung sollen alle Vermögen bis zu 20 000 Mt. steuerfrei sein. Die Zuckersteuer soll völlig beseitigt werden. Es ist vorgesehen, die G e w e r b e st e u e r um 20 v. H. und die Grundsteuer um 10 v. H. zu senken, Deren weitere Senkung nach Inkrafttreten des Steuervereinheitlichungsgesetzes folgen soll. Die Aufbringungslasten für die 3 n i> u ft r i e Obligationen sollen im Laufe von einigen Jahren durch allmählichen Abbau völlig aufgehoben werden. Ebenso sollen die Rentenbankzinsen aufgehoben werden. Rechnen wir schließlich noch die Senkung der Gesellfchaftssteuer und der Wertpapiersteuer um die Hälfte und der D ö r s e n u m s a tz st e u e r um ■ ein Drittel hinzu, so habe ich damit ein Steuersenkungs-- programm von genau 915 Millionen für 1930 in großen Zügen umriffen. Da hiervon die Streichung der Rentenbankzinsen mit 25 Millionen Lind ein Teil der Senkungen der Industrie- belastnngen mit 80 Millionen nicht zu Lasten Des Reiches gehen, ist dies gesamte Steuersenkungsprogramm mit den vorher von mir erwähnten 750 Millionen durchzuführen. Daß eine solche Finanz:e orm eine große Anza l v n Ae n- öerungen des Finanzausgleichge- sehes zur Folge haben wird, ist selbstverständlich. Einzelheiten hierüber, insbesondere über die beabsichtigte Einziehung der Bier st euer in die Lleberweisunassteuer unter besonderer Berücksichtigung Bayerns als des Landes mit fyx größten Biererzeugung sowie insbesondere üuer die Llebernahme von Reichsgarantien für die Eteuerausfälle der Länder und Gemeinden und andere Dinge wird ihnen der Reichsminister der Finanzen vortragen. Weiler ist nach der einstimmigen Ausfassung der Reichsregierung der Lindau eines beweglichen Faktors in das Gemeindesleuerfyftem. durch den unter Berücksichtigung sozialer Rotwendigkeiten alle Gemeindebürger zu den Losten der Gemeinden herongezogen werden, ein dringendes Gebot dieser Finanzreform. Cs ist bekannt, daß einige solcher Vorschläge von einem Teil des Hohen Hauses scharf ab- gelehnt, von einem anderen Teil ebenso stark gefordert werden, und umgekehrt. Wie der bewegliche Faktor endgültig gestaltet werden soll, wird daher noch Gegenstand sorgfältiger Prüfungen auch in diesem Haufe sein. Ein solcher beweglicher Faktor muh aber geschaffen werden, ta auch die Finanzlage vieler Gemeinden ernst ist. Durch die Äovellezum Arbeitslosen- versicherungsgeseh ist es nicht möglich gewesen, den jährlichen Fehlbetrag der Reichs- anstalt auch nur zum größten Teil zu decken. Der durch die Reform erzielten Ersparnis von rund 100 Millionen steht ein weiterer jährlicher Fehlbetrag von etwa 18) Millionen gegenüber. Da bei der sozialen Rot der Arbeitslosen weitere Ersparnisse nicht zu erzielen sind, hat die Reichsregierung einmütig beschlossen, im Zusammenhang mit dec Finanzreform eine Erhöhung der Beiträge um 7» Prozent vorzuschlagen. Da sich die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den kommenden Iachren aber noch nicht übersehen läßt, so soll die neue Regelung nur bis zum 3 1. März 1931 gelten. Die Kanzlerrede im Urteil der presse. D e r l i n . 13. Dez. (TLI.) Zu der Lage, wie sie sich aus der Reichstanzler-Aede, den Parteiführer-Verhandlungen und vor allen Dingen aus dem neuen Eingreifen Dr. Schachts ergibt, nehmen die Berliner Blätter ausführlich Stellung. Die „S A Z" schreibt, die Regierung Müller- Hilserding sei am Ende ihrer Weisheit, solle mit ihr nicht auch das Deutsche Reich bankrott machen, dann müsse sie g e st ü r z t werden. Die Lage sei so ernst, so unhaltbar geworden, daß ein Vertrauensvotum im Reichstage nichts wäre, als ein leeres, aber gefährliches Spiel mit Worten. — Auch die .Börsenzeitung" kommt zu dem Schluß, daß für den Haag anderen Männern das deutsche Schicksal anvertraut werden müsse als diesen, die Katastrophenpolitic in Reinkultur machten. Cs sei ein Irrtum, daß eine Regierungskrise im Augenblick unbedingt zu einer Reparationslrise führen müsse. Die „Germania" hält die ungeheure Kassennot des Reiches für die drückende Kernfrage des gesamten deutschen Finanzpro- blems und meint, die Regierung habe mit der Forderung eines rückhaltlosen Vertrauensvotums dem Reichstag eine klare Entscheidung gestellt, vor der es kein Ausweichen mehr gebe. — Die Rationalliberale Korrespondenz, das amtliche Organ der D V P fchreibt: Die Wahrheit sei, daß dem Reich' das Wasser an der Kehle stehe. Seine schwe- dende Schuld allein betrage 1850 Millionen Mk Gelinge es nicht, 330 Millionen Mark jetzt aufzubringen. so könnten am 1. Januar 1930 die llebertoeilungen an die Länder und die Zahlungen der Beamtengehälter und andere Lei- stungen nicht in vollem Umfange erfolgen. /Wahrheit sei ferner, daß die Finanz- läge mancher Gemeinwesen sich eben- falte in fast katastrophalem Zustande befinde. Der Vorsatz, die gute Meinung und die Pro- grammentschlossenheit beständen, aber worin bestanden denn die Garantien, daß das vor- geschlagene Programm auch wirklich durch- geführt werde. Heute seien diese Garantien noch nicht zu sehen. Die größte Regierungspartei, die Sozialdemo, kratie, fei bis jetzt in keinerlei weise bereit, sick- bindend auf die Durchführung des vorgelegten Regierungsprogramms zu verpflichten. Rie- mand, der diese Frage mit der Verantwortung prüfe, die der Ernst der Stunde erfordere, werde von der Deutschen Volkspartei verlangen können, daß sie lediglich eine Vorauszahlung leiste, die olles andere, als eine wirkliche Lösung bedeute. Die Deutsche Lolkspartei müsse es deshalb ablehnen, sich unter einen falsch angebrachten Druck stellen zu laßen. Es dürfe nicht mehr fortgewurstelt werden im Interesse der Beamten ebensowenig wie im Interesse aller anderen Berufsstände, nicht zuletzt im Interesse der staatlichen Autorität und der öffentlichen Ordnung. Die Deutsche Bolkspartei habe die einzig richtige Konsequenz gezogen, daß n u r g a n z e Arbeit helfen könne, weil alle Halbheiten das Hebel nur vergrößerten. Wenn aber die größte Re- gicrungspartei, die SPD., trotz besserer Einsicht ihrer Minister aus Angst vor den Kommunisten nicht bereit sei, sich aus das Programm der Reichsregierung zu verpflichten und die Steuersenkung zu verabschieden, dann treffe sie auch die Verantwortung für die folgen. — „Die Stunde ist ernst!" — Diese Worte des Kanzlers setzt der „Vorwärts" als lieber- fdjrift über seinen Kommentar zu den Ausführungen Hermann Müllers. Die Aufrichtigkeit der Rede Müllers hat zweifellos großen Eindruck im Reichstag hervorgerufen. Besonders stark wirkten diejenigen stellen, wo die Gefahren geschildert wurden, die sich aus der Ablehnung des Sofort-Programms und den Sturz der Reichsregierung ergeben würden. Denn ötefe Gefahren bedrohen nicht nur das Reich die Lander und die Gemeinden, sie bedrohen auch die gesamte Wirtschaft, alle Schichten des Volkes. utscheTageszeitung" faot: Die stellt jetzt ihre Mehrheit vor Ultimatum; Vogel friß oder stirb. Alle Einsichtigen haben seit Monaten auf das ©nöc mit Schrecken hingewiesen. Schon vor der Haager Konferenz hätte sich, allein aus außenpolitischen Gründen, eine verehrliche Volksvertretung der Regierung gegenüber für eine vorgängige Ordnung der deutschen Finanzen ein- etzen müssen, Aber geschehen ist nichts, solange bis die Wirtschaft sich auf die Hinterbeine und bis der Reichsbankpräsident auf den ^ifq) schlug. — Der Lokalanz." spricht davon, Reichskanzler die unlösbare Aufgabe r9^a6re ^at>-’ Ergebnis elfjähriger sozialisti- scher Experimente am blutarmen deutschen Volk dadurch zu verteidigen, daß er neue Experimente d. h. neue wirtschaftliche Belastungen forderte. Der wichtigste Teil meiner heutigen Darlegungen betrifft die Behebung der Schwierigkeiten beim Kaffenbedarf. Es scheint mir, daß nur völlige Offenheit uns über die augenblickliche schwierige Situation hinweghilft. Ultimo Dezember müssen wir mit einem kassen- desizit von einer Milliarde und siebenhundert Millionen rechnen. (Hört! Hört! Zuruf: Das ist die Pleite!) Diesem stehen Dcckungsmit.el im Betrage von 1370 Qllil- lioncn gegenüber. Äie Reichslasse benötigt also zur Erfüllung ihr.".' Verpflichtungen Ultimo Dezember einen Kredit von 330 Millionen. Die ReihsrcZierung hat den energischen W en, Ordnung in den Rei "shaushait zu bringen. Für eine kurze Hebergangs eit wird freilich noch die Rotwendigleit von Ueberbrückungslre- d i t e n bestehen Kleiden. Neben dem allgemeinen Finanzprogramm ist ein: S'ndermahnahme dringend notwendig, nämlich die Inkraftsetzung der Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung und der Tabaksteuererhöhung schon am 1. Januar 1 9 3 0. Durch dieses Sofort-Programm fliehen der Reichsiasse 360 Millionen jährlich zu. Die Regierung hofft zuversichtlich, daß es ihr auf Grund dieser Maßnahmen gelingen wird, den für Ultimo Degember 1929 noch erforderlichen Kassenkredit zu erreichen. Die Reichsrcgicrung erwar ei vom Reichstag, dah pr sich mit groher Mehrheit zu den Grundzügen ihres Programms belennen wird. Anfang Januar soll die Schluß!-nserenz im Haag zusammentreten. Sollte die Reichsregierung nicht im Best- eines klaren Vertrauensvotums des Reichstags sein, so wäre der Zusammentritt der Schluhkonferenz ernstlich in Frage gestellt, wenn nicht in kürzester Frist die Reichsregierung neu gebildet wäre. Wenn die Ultimoschwieriglciten im De'em^er nicht überwunden werden könnten, so würde eine solche schwere Erschütterung der Reichssinanzen starke Rückwirkungen auf die private Wirtschaft haben und alle Teile der Bevölkerung in Mitleidenschaft ziehen. Es würden auch Gefahren für die Fortführung der Sozialpolitik, für unsere kulturellen Errungenschaften und für den mühsam in Gang gebrachten Wiederaufbau der Wirtschaft entstehen. Die Stunde ist ernst, sie fordert sehnelle Entschlüße. wenn auch über Einzelheiten des Finanzprogramms noch zu reden fein wird, so muh die Regierung doch verlangen, dah sich die Mehrheit des Reichstags zu den bargelegten Grundfähen unseres Finanzreformprogrammv bekennt. Ich richte an Sie den dringenden Appell, angesichts der Finanzschwier.gleiten die Bedenken zurückzustellen. Auch die Aeichsregierung hat sich unter Zurückstellung gegensätzliche^ Auffassungen einmütig auf ein Gesamtprogramm geeinigt. Die Parteien sollten sich in dieser ernsten Stunde bewußt sein, daß es gemeinsame Interessen des deutschen Volkes gibt, deren Vertretung unter Zurückstellung aller Einzelinteressen niemals dringender geboten war als jetzt, (Beifall bei den Regierungsparteien, Schmährufe der Kommunisten, nationalsozialistische Ruse: ,Treten Sie ab, Herr Müller!".) Aussprache über die Regierungserklärung Freitag, 1 Hhr. Der Lteberbrückungskredit. Nene Verhandlungen mit Lchacht. Berlin, 12. Dez. (Priv.-Tel.) Rach der Plenarsitzung des Reichstages fand im Reichstage eine Besprechung der Parteiführer statt, die aber bald wieder abgebrochen wurde, da der Reichsbankpräsident Dr. Schacht im Laufe des Abends im Reichstage erschien, wo er längere Zeit mit den Mitgliedern des Rcichskabinetts verhandelte. Wie die Telegraphenunion erfährt, hat Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat die Reichsregierung wissen lassen, daß das vorgeschlagene Sofort-Programm nicht genüge, um die Kreditfähigkeit des Reiches zu sichern. Insbesondere bedeute die Beitragserhöhung bei der Arbeitslosenversicherung keinen Zufluß für die Reichs- lasse. Der Reichsbankpräsident soll ferner u. a. auch die sofortige Erhöhung derDier- steuer verlangt haben. Die Garantiesumme, die der Reichs- bankpräsidnrt vor dem Abschluß der Kreditverhandlungen durch das Sofort-Programm erfüllt sehen will, beläuft sich auf 5 00 Millionen Mark. Das von der Reichsregierung vorgeschlagene Sofort-Programm sieht nach den EAlärungen des Reichskanzlers nur einen Betrag von 360 Millionen Mark vor, wobei neuerdings von Finanzsachverständigen einiger Parteien behauptet wira, daß die Erhöhung der Tabaksteuer nicht die erwarteten 220 Millionen Mark, sondern nur 156 Millionen Mark erbringen werde. Der Schritt des Reichsbankpräsidenten soll, wie in parlamentarischen Kreisen behauptet wird, dadurch veranlaßt worden sein, daß die amerikanische Banke n g r u p p e , mit der die Regierung in Kreditverhandlungen steht, für die Kredithergabe d i e Gegenzeichnung des Reichsbankpräsidenten verlangt. Rach dem „Vorwärts" soll der Verlauf der Verhandlungen der Regierung mit dem Reichs- bankpräsidenten Schacht, an denen außer dem Reichskanzler auch der Reichswirtschaftsminister Dr. Mol>.enhauer und der Reichs, inanz-nmister Hilferding teilgenommen haben, günstig gewesen sein. Schacht soll erklärt haben, daß er gegen die Führung und den Abschluß der Verhandlungen über ausländische Kredite des Reiches nichts einzuwenden habe. Damit wäre die Situation von der Seite der Kassenlage her beträchtlich erleichtert. Man könne heute wohl annehmen, daß — vorausgesetzt. daß es keine Panne in der parlamentarischen Verhandlung gebe — dem Abschluß des Anleihegeschäfts keine unüberwindbaren Schwierigkeiten entgegenstehen. Für die Verzinsung würden Sätze genannt, die unter den gegebenen Verhältnissen als noch günstig zu betrachten seien. Oie Stellung der Parteien. Die Lozialdenwkratcn lehnen die von der Bolkspartei geforderte Bindung ab. Berlin, 12. De§. (Priv.-Tel.) Rach den Besprechungen des Reichskanzlers mit dem Reichs- bankpräsidenten — an denen übrigens auch der Reichsfinanzminister und der Reichswirtschaftsminister teilnahmen — und längere Zeit andauerten, empfing der Reichskanzler die Führer der Regierungsparteien zu einer kurzen Ausspräche, die in den späten Rächt- stunden noch andauerte. Eine abschließende Stel- lungnahme ist noch nicht erzielt worden. In der Besprechung erklärte sich die Deutsche Volkspartei bereit, auf den Boden des Re- gierungsprogramms zu treten, wenn von den Übrigen Parteien die restlose Durchführung dieses Programms unbedingt gewährleistet werde. Die Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion hielten es nicht für möglich, eine solche Bindung einzugchen. Ebenso erklärte die Bayerische Dolkspartei, daß sie dem Finanzprogramm wegen der Bier st euer nicht zustimmen könne. Die Vertreter des Zentrums und der Demokraten stellten sich auf den Boden der Regierungserklärung. In der Parteisührerbesprechung Kurde auch die Möglichkeit einer Erweiterung des Sofort-Programms besprochen. Eine solche Erweiterung wurde nur für möglich gehalten, wenn als Ausgleich gleichzeitig ein Teil der Steuersenkungs- aktion vorweggenommen würde. Dies wurde aber wiederum für politisch unmöglich erklärt. Heber die Verhandlungen des Reichskanzlers mit Dr. Schacht erfahren wir, daß der Reichsbankpräsident sich in der Frage des Sosort- Programms vollkommen neutral verhält, und lediglich Vorschläge über die Gestaltung des Etats für 1930 in der Richtung gemacht hat, daß dieser Etat vollkommen ausgeglichen wird. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß die Debatte am Freitag zu Ende geführt wird, so daß die Abstimmung über ein Vertrauensvotum noch in den Abend- oder Rächt- stunden des Freitag vorgenommen werden kann. Angst in England. Ter deutsche Lieucrzahler könnte zu wenig zahlen. London. 12. Dez. (WTB.) Im Unterhaus richtete Allen an Schahkanz'er Snowden die Anfrage, ob er im Hinblick auf die vorgcschlagene wesentliche Verminderung der Einkommens- und Vermögens steuer in Deutschland den Gesamtbetrag angeben wolle, auf den die britischen Steuerzahler zugunsten der deutschen Steuerzahler als Ergebnis des Dawe.planes und des Voungplanes hätten verzichten müssen. Snowden erklärte hierauf, die Anfrage enthalte eine Unterstellung, mit der er nicht einverstanden sei. Die beiden genannten Pläne hätten die Verpflichtung Deutschlands auf einen Betrag herabgesetzt, der nach dem Urteil der zuständigen Richter innerhalb der Leistungsfähigkeit Deutschlands liege, um eine Entlastung in seinen Verpflichtungen an das Ausland herbeizuführen. Allen fragte weiter, ob die deutschen Steuerherabsetzungen nicht darauf hindeuteten, dah die Deutschen weit mehr bezahlen könnten, als sie wirklich bezahlen, um den britischen Steuerzahler zu entlasten. Snowden erwiderte: Es ist mir nicht bekannt, ob die Mitteilung über die beabsichtigten Steuerherabsetzungen in Deutschland richtig ist. Die Sachverständigen sowohl des Dawes- wie des Bounglomitees haben alle wesentlichen Faktoren in Betracht gezogen und einen Betrag festgesetzt, dessen Ausbringung nach ihrer Meinung die Fähigkeit Deutschlands zu Zahlungen an das Ausland nicht übersteigt. Staatsbetriebe und privat- wirtschast. Berlin, 12. Dez. (VDZ.) Im Volkswirtschaftlichen Ausschuß des Reichstags wurde mit 11 gegen 10 Stimmen ein Antrag der Deutschen Volkspartei angenommen, der die Reichsregierung ersucht, nachdrücklichst dahin zu wirken, dah der Handel und Gewerbe immer stärker schädigende zentralisierte Einkauf von behördlich benötigten Bedarfswaren unterbleibt. Der Ausschuß, nahm ferner einen Antrag der Wirtschafts- Partei an, der u. a. die Reichsregierung ausfordert, verbindliche Anweisungen dahin zu geben, daß bei allen reichseigenen Bauten das ortsansässige Gewerbe und Handwerk bei der Ausführung der Bauten herange- zogen wird und die in den örtlichen Bezirken vorkommenden natürlichen Baumaterialien vornehmlich Berücksichtigung finden: auf die Reichseifenbahn und die Reichspoftverwaltung sowie auf die Länder im gleichen Sinne einzuwirken. — Von einem Antrag Dr. Scholz (D.V.) sand ein Teil Annahme, der die Reichsregierung ersucht, zum Schutze des gewerbiicken Mittelstandes, insbesondere des Handwerks, alle irgendwie entbehrlichen öffentlichen Regiebetriebe abzubauen. Skandal bei der Berliner städtischen Brennstoffgesellschast. Berlin, 13. Dez. Der Fall des Stadtoberingenieurs Möllerke, der vor zwei Tagen wegen Amtsunterschlagung und Urkundenfälschung in Haft genommen wurde, wird der Staatsanwaltschaft Veranlassung geben, darüber hinaus in die höchst sonderbaren Geschäftspraktiken der Berliner Brenn- stoffgesellschaft, eines städtischen Unternehmens, hineinzuleuchten. Der Stadtoberingenieur Möllerke hatte die Aufgabe, Bescheinigungen auszustellen, nach denen bestätigt wurde, daß die für die Schulen und Rathäuser des Bezirksamtes Berlin-Steglitz in Rechnung gestellten Kohlen tatsächlich geliefert wurden. Der damalige Direktor der Brennstoffgesellschaft, B r o l a t, der als Direktor der Städtischen Derkehrgesellschaft auch in der Sklarek-Affäre eine Rolle spielt, wußte darum, daß seine Drennstoffgesellschaft fingierte Rechnungen einreichte. Auch Italien für Abschaffung der ^-Booie? London, 12. Dez. (WB.) Der Times-Korre- spondent in Rom will mitteilen können, daß die italienische Regierung beschlossen habe, den britischen und amerikanischen Vorschlag auf Abschaffung der U-Boote zu unter- ft ü ft e n. Es verlaute, daß der italienische Außenminister G r a n d i gleich zu Beginn der Flottenkonferenz eine entsprechende Erklärung abgeben und daß Italien den Standpunkt beibeyalten werde, gleichviel, ob Frankreich und Japan geneigt fein werden, sich anzuschkießen oder nicht. Oie Engländer verlassen Wiesbaden. Wiesbaden, 12. Dez. (WTB.) Die englischen Besaftungstruppen haben heute Wiesbaden verlassen. Heute vormittag verabschiedete sich der englische Oberkommandierende mit einer deutschen Ansprache von den staatlichen und städtischen Behörden. Heute 14 Uhr rückten die letzten in Wiesbaden befindlichen englischen Truppen vor das Hotel Hohenzollern, wo Generalleutnant Sir William T h w a i t e s , den Generalsalut entgegennahm. Darauf schritt er die Front der Truppen ab. Punkt 14.15 Uhr wurde unter den Klängen dec englischen Nationalhymne die englische Flagge heruntergelassen. Die Truppen marschierten dann zum Bahnhof. An der Ostseite des Bahnhofs hatte die 300 Mann starke französische Ehrenwach e für die Nheinlandkommission Aufstellung ge- nomm.n. Die englischen Truppen ma.ld)ierten im Paradeschritt und unter den Klängen der französischen Nationalhymne die Front der französischen Truppen ab. Um 15.30 Uhr verließ der Fug die Wiesbadener Bahnhofshalle. Auch aus den Städten Bingen und Höchst find die Besatzungstruppen abgezogen. Oas Reichsehrenmal. Der Ncichsinnenmini* er greift die Platzfrage auf. Reichsinnenminister Severing hat an den Reichstag ein Schreiben gerichtet, in dem es h.ißt: Der Reichstag hat am 15. Dezember 1928 beschlossen, von der Beratung und Beschlußfassung über die Platzwahl eines Reichseh renmals für die im Weltkrieg gefallenen Söhne Deutschlands solange adsehen zu wollen, bis der deutsche Boden von fremdländischer Besatzung befreit ist. Wie man wohl mit Recht annehmen darf, lag der Entschließung des Reichstages die Besorgnis zugrunde, daß die Tatsache der fremdländischen Besetzung deutscher Landesteile die Interessen dieses Geb.ets bei der Entscheidung über die Platz, frage des Reichsehrenmals beeinträchtigen könnten. Nachdem inzwischen auch die zweite Zone geräumt worden ist, erscheint diese Besorgnis nach meinem Dafürhalten nicht mehr begründet, da nunmehr sämtliche Gebiete des Westens, die nach den bisherigen Vorschlägen als Ort des Reichsehrenmals in Frage kommen können, von fremder Besatzung frei sind. Ich beabsichtige daher im Einklang mit den in weiten Kreisen des Volkes bestehenden Wünschen, der Frage der Errichtung eines Ehrenmals weiter Folge zu geben und beehre mich, dies dem Reichstag zur Kenntnis zu bringen. pacellis Abschied von Berlin. Berlin, 12. Dez. (WTB.) Der bisherige Apostolische Runtius inBerliin, Pacelli, ist heu.e abend um 8.25 Uhr vom Anhalter Bahnhof mit dem fahrplanmäßigen Zuge nach. Rom abgereist. Die lebhafte Beteiligung der katholischen Bevölkerung Berlins bewies, welcher Wertschätzung sich der scheidende Runtius hier erfreute. Gegen 7 Uhr abends war di: Knabenkapelle des Franziskaner-Waisenhauses im Vorgarten des Äuntiaturgebäudes in der Rauch- Straße ausmarschicrt und hatte dem Runtius ein Ständchen gebracht. Die katholischen Jugendorganisationen Berlins waren zur Spalierbildung mit 5000 Fackeln angetreten. Ihnen schlossen sich akademische Organisationen, Arbeiter-, Gesellen-, Meister- und Fachvereine an. Während der Fahrt 51m Bahnhof wurde der Runtius überall ftücmim) begrüßt. Im Fürstenzimmer des Bahnhofes wurde Pacelli vom Staatssekretär Dr. Meißner im Ramen des Reichspräsidenten empfangen, dessen Grüße er überbrachte. Danach verabschiedeten sich von dem Scheidenden die Mitglieder des fast vollzählig anwesenden diplomatischen Korps und die Reichsminister Dr. C u r t i u s und von G u e r a r d. Aus aller Wett. Oer Sturm. In Mittel-, West- und Nordosteuropa haben starke Stürme schweren Schaden angerichtet. In D e u t s ch- 1 and wurden vor allem das nordwestliche Küstengebiet und Sachsen heimgesucht. Auf Westerland wütete ein Nordweftftucm mit Stärke 10, der den Westrand ernst gefährdete. Die Brandung ist so ungeheuer, daß die Brecher bei tiefster Ebbe über das hochgelegene Strandrestaurant von Wünschmann schlugen und daß der bei Westerland gestrandete große Reparationsmotorleichter bei tiefster Ebbe hoch auf die Dünen geworfen wurde, die an dieser Stelle sehr schwach sind. Kliffs-Ende ist sehr gefährdet, da der Unterftranö ins Wasser gefallen ist. Heber Dresden ging ein schweres Gewitter nieder, das mit starken Regengüssen verbunden war. In Leip- z i g wurden von vielen Häusern die Ziegeln herab- gertssen. Die Feuerwehr mutzte Aufräumungsarbei- ten vornehmen. Der Sturm war zeitweise von starken Regengüssen begleitet. In Berlin herrschte am Vormittag starker Sturm und Regen. Gegen 21 Uhr setzte starker Regen ein. Der heftige Sturm, der Donnerstag nachmittag und am Abend im Nordseegebiet wütete, erreichte in Hamburg eine Stärke von 31, in Bremen sogar von 33 Sekundenmeter. In Cuxhaven wurde ein T.'il der am Wasser liegenden Straßen über- schwemmt. Auch die Rettungsstatiön ist überflutet. In der Nähe des Elbfeuerschiffs III sind über 24 Seeschiffe aller Größen vor Anker gegangen, die sich teilweise in Seenot befinden. Infolge des schweren Sturmes ist auch der Eiderdeich im Schwober Koog gebrochen. Zirka 50 bis 60 Meter Deich sind völlig t m Wasser verschwunden. Sämtliche Ländereien dieser Gegend stehen unter Wasser. Die Bewohner von Jevevdeich können ihre Gehöfte nicht verlassen. Weitere Deichbrüche wurden bis jetzt verhindert. Heber dem Atlantik verzögerten die starken Stürme die Ankunft des französischen Heber- seedampfers „Ile de France", auf dem sich der neue amerikanische Botschafter für Paris befindet. Hagelschlag und Wolkenbrüche gingen über die Vorstädte von London und das Themseial nieder. An der Themse wurden Dämme errichtet, um der Ueberschwemmung Halt zu gebieten. Heber ganz Holland wütet ein Rordwest. Die Fischerboote können wegen des schlechten Wetters nicht ausfahren. Die Sturme aus Westeuropa haben Lettland erreicht. Einige Funkstationen haben SOS-^ufe aufgefangen, deren Aussender man jedoch nicht ermitteln konnte. Der Küstenverkehr von Riga an die kurländische und isländische Küste ist unterbrochen. Fünf Jahre Zuchthaus für kindesrnißhandlung. Das Schwurgericht Gladbach-Rheydt behandelte eine Kindestragiidie im Bergmannsdorf Hückel> hos. Der Bergmann Jostes hatte sich von seiner Frau getrennt und war mit seinem 2^jährigen Jungen zu den Eheleuten Adelhütte gezogen. Die Frau Adelhüttes, die zu dem Bergmann intime Beziehungen unterhielt, hat das Kind in Abwesenheit des Mannes wiederholt grausam mißhandelt und an einem Sage solange auf das Kind mit einem dicken Waschknüppel eingeschlagen, dah es an den Folgen dec furchtbaren Verletzungen st a r b. Die Frau wurde unter Versagung mildernder Umstände wegen Körperverletzung mit Todeser'o'g zufünf Jahren Zuchthaus und fünfjährigem Ehrverlust verurteilt. 36 Giftmischerinnen vor Gericht. Vor dem Gerichtshof des ungarischen Theiß- städtchens Szolnok beginnt der Monstreprozeß gegen 36 des Giftmordes angeklagte Einwohnerinnen der Dörfer Tiszakürt und Ragyrev. Rach den Dor- erhebungen find von den Angeklagten 5 0 Personen getötet worden, indem man ihnen Arsenik in unauffälligen Dosen verabreichte. Der Giftstpfs wurde von zwei Hebammen in Verkehr gebracht und an Frauen verkauft, die sich den Mann vom Halse schaffen wollten, um den Liebhaber zu ehelichen, oder die aus Motiven der Erbschceicherei ihre nächsten Verwandten aus dem Wege zu räumey wünschten. Der Anfang der Selbstmorde liegt gute zehn Jahre zurück, aber erst vor einigen Monaten wurde auf Grund einer anonymen Anzeige eine Reihe von Verstorbenen exhumiert, nach und nach immer mehr Frauen des Giftmordes überführt. Unter den Verhafteten und denjenigen, die ihre Verhaftung zu befürchten hatten, sind nicht weniger als fünf Selbstmordfälle vorgekommen. Unter den Selbstmörderinnen befanden sich auch die beiden Hebammen, die das Gift an die übrigen verkauft hatten. Von den 36 Angeklagten werden Freitag vier vor den Richter treten, darunter die. Hauptangeklagte, die 65jährige Frau Lipka, die nicht weniger als vier Menschen mit Arsenik umgebracht hat. Der Donnerstag hat übrigens eine neue Sensation gebracht, da in einer dritten Ortschaft die Obduktion eines jüngst verstorbenen Ehemanns das Vorhandensein von Arsen ik ergeben hat. Die Frau des Verstorbenen wurde verhaftet. Risiroy entlastet. Der unter dem Verdacht, der Düsseldorfer Mörder zu fein, in Rowawes verhaftete Georg Ristroy, ist von der Berliner Kriminalpolizei weiter vernommen worden. Ein bei ihm vorgefundenes Billett eines Düfteldor er Theaters entlastete i hn von dem Verdacht, der Mörder der Hahn zr sein. Da auch die Perso- nalbeschreibung auf ihn nicht z ckrifst, ist damit zu rechnen, daß er nach Abschluß der Dernck)- mung aus dem Gewahrsam entlassen werden wird. Oie Wetterlage. Ote “feu« fliegen mit dem Winde Oie oei den Stationen sienendtn Zaft* 1L ThorshaVj 0(w5?ydl5fjord- \ j z—v_____ y-A1\5 ^-rJan Mayen. lermont irs. Xii Pare ^-Nordöy Löst 55 ilagent. Wien Ponnerstag, t IZDezemb. 19297" abds OsIO/*t"' ©womemos. 0neuer. 0na!v öedetKt.9 woiRig. • oedeext •rte$ei\ * Schnee a Graupeln. s neoei R » ich ^jojL^ne ^begKM ? Wns kbel- ■iftlwj hgte 'ringen mid)- di-s : befanden sich auch n, die das ®ift an ■ Don den 36 2n« )iet vor den Aich. )au-tangellagte, die cht weniger als vier rächt hat. Lei Im« leue Sensation n Ortschaft die r> Mn Edeinailii/düs Arsenik eeM >rbenen vinde ve> istei. der Tüsseldvr« IMwes vechoste!« Terliner Kriminal« vordem Sin bei ihm Sü.seldvr er ^Thca« dem Verdacht, ta Ja auch die Perso« 1 grifft ist damit ch/uß der Verne> itlasfen werden ^L. _ 37^8: 0 f.v. w* Mn 7-.«s»- 6(0H <*<** -S-- dl>g . itld. *jr> Aus der Provinzialhauptstadt Gießen, den 13. Dezember 1929. Gtudienrat Dr. Otto Lenz f. 2lm Donnerstagfrüh gegen 6 Hfjr ist, wie wir in einem Teile der gestrigen Ausgabe noch meldeten, in Gießen der Provinzialvorsihende der Deutschnationalen Volkspartei Oberhesfens. Studienrat Dr. Otto Lenz, an einem Herzschlag plötzlich und unerwartet verstorben. Sn voller Manneskraft und Frische hatte der so rasch in das Jenseits Abberufene noch am Mittwoch fernem Schuldienst sich gewidmet und ebenso spannkräftig am gleichen Abend Erholung in geselligem Kreise gesucht. Geboren am 9. Oktober 1887 zu Atzenhain bei Grünberg als Sohn eines Landwirts hat Dr. Lenz sein 42. Lebenswahr nur wenige Wochen überschritten. Vach dem Besuch der Realschule tu Grünberg und des Realgymnasiums zu Gießsn studierte Otto Lenz an der Universität in Gießen, dann in München und Berlin Deutsch. Erdkunde und Geschichte. 3:n Sahre 1911 bestand er das Staatsexamen mit „Sehr gut", mit der gleichen Rote promovierte er im Sahre 1912 auf dem Gebiete der Geschichte zum Ur. phil. Vom Oktober 1911 bis dahin 1912 diente er als Einjähriger beim Snf.-Rgt. Vr. 115 in Darmstadt. Dann stand er bis zum Ausbruch des Weltkrieges im Vorbereitungsdienst für seinen späteren Beruf. Als Dizeseldwebel rückte er am 4. August 1914 von Mainz aus mit ins Feld, wurde dann Of.izier-Stellvertreler und schließlich Offtzier. Obwohl er im Frühjahr 1915 sehr schwer verwundet worden war, stand er noch bis zum 4. April 1919 ununterbrochen im Heeresdienst. Vach seiner Rückkehr in das Zivilleben wirkte er von Ostern 1919 bis zum 31. Dezember 1922 an der hiesigen Oberrealschule, ab l.Sanuar 1923 bis jetzt an der Studienanstalt. Seinem Ccyulamtsberuf widmete er sich stets mit voller Hingabe. Die Hochachtung und Verehrung der ihm anvertrauten Sugend, sowohl dem ausgezeichneten Pädagogen, wie dem edlen, immer verständnisvollen Menschen geltend, und die hohe Wertschätzung durch seine Kollegen zeichneten den nun Verewigten in bester VZeise aus. Für unsere Studienanstalt ist sein früher Heimgang ein schmerzlicher Verlust. Durch seinen aufrechten Charakter, sein schlichtes Wesen und seine mannhafte, mutige und gerade Art erwarb sich Dr. Lenz aber auch über die Schule hinaus in weiten Bürgerkreisen in Stadt und Land große Sympathien. Als Alter Herr der Burschenschaft „Germania" und Mitglied des Verbandes alter Burschenschafter Gießen und Hingegen!) hat er sein Snleresse auch ste.s der Forderung der geistigen Bestrebungen unserer Swuden enschaft zugewandt und es durch Vorträge vor Studenten in die Tat umgeseht. Sm öffentlichen Leben trat er durch seine Betätigung im Rahmen der Deutichnationalen Volks- Partei stark hervor. Das Vertrauen seiner Parteifreunde berief ihn im Sahre 1920 in den erweiterten Vorstand der Ortsgruppe Gießen der Deutschnationa.cn Volkspartei, deren zweiter Vorsitzender er seit dem Sahre 1925 war. Seit dem Jahre 1925 wirkte er auch als Provinzialvor- sitzender der Deutschnationalen Volkspartei Ober- Hessens, als Mitglied des engeren Landesvorstandes der Deutschnationalen Volkspartei in Hessen, ferner als deutschnationaler Vertreter im Kreisausschuh Gießen, wohin er durch seine Wahl in den Gießener Kreistag entsandt worden war. Bei der jüngsten Kommunalwahl am 17. Rovern- ber d. S. wurde er von der Deutschnationalen Volkspartei wieder in den Gießener Kreistag, außerdem aber auch noch in den Gießener Stadtrat und in den Provinzialtag der Provinz Oberhessen gewählt. Seine Mitarbeit an den Aufgaben des Kreises Gießen war gekennzeichnet durch großzügige Auffassung der Dinge, dabei vereinigt mit strengster Gewissenhaftigkeit, vorsichtigem Abwägen aller Möglichkeiten, star'er Entschlußkraft und völliger Selbstlosigkeit. Für die von ihm als richtig befundene Entscheidung trat er immer mannhaft und ehrlich ein. Dabei scheute er im Verhandlungssaal, wie in Volksversammlungen keinen Kampf mit dem politischen Gegner, mit dem er auch unter äußerlich Wollen Sie viel ungünstigen Umständen als aufrechter Kämpfer in mutiger Weise den politischen Meinungsstreit durchführte. Sein umfassendes sachliches Wissen und Können, seine ausgezeichnete Rhetorik, seine Schlagfertigkeit und ein immer parates passendes Witzwort kamen ihm beim politischen Kampfe, bei dem er aber die Person des Gegners stets respektierte, sehr zustatten. Durch sein reges und positiv mitschaffendes Wirken zur Förderung des Kreises Gießen hat er sich um die Keisgesamt- heit verdient gemacht. Sm Siebener Stadtrat und für die Provinz Oberhessen mitzuarbeiten, war ihm vom Schicksal nicht vergönnt. Wenn der allzu frühe Heimgang dieses an den öffentlichen Dingen sehr interefsierten Mannes gerade in einer Zeit, wo viele Bürger sich verstimmt von der Arbeit im Dienste der Allgemeinheit zurückziehen, als ein Verlust für das gesamte öffentliche Leben zu bezeichnen ist, so trifft dieser Verlust seine eigene Partei ganz besonders schwer, für die er immer ein unermüdlicher Schaffer und Führer war. Oer neue Mnisteria d rettor für Landwirtschaft. WSV. Seit dem Tode des Ministerialdirektors Hebel hat sich um seine Vachsolge ein recht intensiver Kampf abgespielt. Verschiedene Kandidaturen waren bereits „so gut wie sicher". Alle bisher genannten Personen sind aber nun ausgefallen. Die hessische Landwirtschaft forderte insbesondere einen Fachmann für diesen wichtigen Posten. Das Ministerium hat nun den Direktor der Landwirtschaftlichen Versuchsstation zu Darmstadt, Prof. Dr. Hubert Rößler, mit Wirkung vom gärigen Tage zum Ministerialdirektor der Abteilung Landwirtschaft beim hessischen Ministerium für Arbeit und Wirtschaft ernannt. Zunächst behält Professor Rößler die Leitung der Landwirtschaftlichen Versuchs-, station noch bei, doch ist mit seiner Beförderung' die Möglichkeit gegeben, die von ihm bisher innegehaote Stelle des Direktors der Landwirtschaftlichen Derfuchsstation einzusparen. * *• D i e Mandats nachfolger von Dr. Lenz. An Stelle des gestern verstorbenen Stu- d'.enrais Dr. Lenz wird am 1. Sanuar der Hniversitätsprofessor Dr. Brüning in den Gießener Stadtrat eintreten. Das deutschnaiio- nale Kreistaasmandat des Verstorbenen geht an den Landwirt Karl Huber in Großen- Buseck über, während der Beigeordnete, O.er- bademeister. i. R. Franz Kissel zu Bad-Vau- heim, als Listennachfolger von Dr. Lenz in den Provinzialtag eintreten wird. ** Pfarrpersonalie. Das evangelische Landeskirchenamt ernannte den Missionar Vikol. Fuchs zu Elberfeld 3um Pfarrverwalter der evangelischen Pfarrstelle in Heidelbach, Dekanat Alsfeld. ** Forst Personalien. Die Forstreferen- dare Gerhard Pfeiffer in Gießen und Hans Puchert 34 Sickendorf wurden zu Forstassessoren ernannt. LH. Hniversitats-Gottesdienst. Am Sonntag, 15. Dezember, vormittags 11.15 Hhr, findet in der Reuen Aula ein Hniversitäts- Gottesdienst statt. Die Predigt hält Professor D. Bornkamm. ** D i e staatliche Gewerbesteuer für 1 92 9. Auf Grund des Artikels 17 des Gewerbe- steuergesehes hat der hessische Finanzminister die Sähe der staatlichen Gewerbesteuer für das Sahr 1929 auf 63 Pf. von je ICO Mark Gewerbekapital und auf 2,70 Mark von je 100 Mark Gewerbeertrag festgesetzt. Die im Gesetz vorgesehene Zustimmung des Finanzausschusses des Hessischen Landtages ist erfolgt. " Die Sonntags-Rückfahrkarten der Reichsbahn zu Weihnachten. Die Reichsbahnverwaltung macht darauf aufmerksam, daß die am Samstag, 21., und Sonntag, 22. Dezember gelösten Sonntagsrückfahrkarten keine längere Geltungsdauer haben, daß also spätestens am 23. Dezember vormittags 9 Hhr die Rückfahrt angetreten fein muh. Die durchgehende Gültigkeit über Weihnachten hinaus ist nach dem Personentarif nur bann vorgesehen, wenn der 23. Dezember auf einen 'Sonntag und nicht, wie in diesem Sahre, auf einen Montag fällt, im übrigen gelten Sonntagskarten, die am 23. Dezember von 12 Hhr mittags an, und am 24., 25. und 26. Dezember gelöst werden, zur Rückfahrt nur am 25. und 26. Dezember, und am 27. Dezember bis 9 Hhr vormittags. Am 27. Dezember muß also die Rückfahrt auf dem Zielbahnhof der Sonnlagskarte spätestens um 9 Hhr und von Hnterwegsbahnhöfen spätestens mit dem Zug angetreten oder fortgesetzt werden, der den Zielbahnhof um 9 Hhr verläßt. Die Benutzung von O-Zügen ist bei den am 23., 24., 25. und 26. Dezember gelösten Sonntagsrückfahrkarten nicht zugelassen. ** Diebstähle eines Reichsbahnbediensteten. Seit einigen Tagen wurden in den Packwagen der hier endigenden Personen- und Schnellzüge Diebstähle an Paketen usw. beobachtet. Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich schließlich auf einen Reich Dahnbedienstcten, der im Personenbahnhof mit der Hnterfuchung der Wagen beschäftigt wurde. Während der Mann im Dienste war, nahm die Reichsbahnpolizei in seiner Wohnung unvermutet eine Haussuchung vor, bei der sie eine Anzahl Gegenstände, die aus den Diebstählen herrührten, vorfand. Der ungetreue Mann wurde zur Strafanzeige gebracht. ** D i e Vorträge des Evangelisten Paul Schwefel er reuen sich, wie man uns berichtet, wie im vorigen Sahre, starken Besuchs. Die Darlegungen über die gegenwärtigen und z tlünftigen Ereignisse fanden aufmerksame Zuhörer. Die Vorträge dauern bis Sonntagabend. Näheres in der heutigen Anzeige. Deilece Lokalnachrichten im 2. Blatt preutzen. Kreis Wetzlar. 2Wetzlar,12. Dez. Der gestrige Schweine- markt war mäßig beschickt. Es waren auf- getrieben 216 Ferkel und 7 Springer. Snfolge des Rückgangs der Preise für fette Schweine gingen auch die Ferkelpreise etwas zurück. Bei langsamem Handel wurden bezahlt für 5 bis 6 Wochen alte Ferkel 28 bis 33 Mk., für 7 bis 8 Wochen alte 34 bis 38, für 9 bis 10 Wochen alte 40 bis 45 Mk. Für Springer wurden je Stück 60 bis 80 Mk. bezahlt. Der Markt wurde geräumt. * Lützellinden, 12. Dez. Bei der hiesigen G e m eindevorsteherwcrhl ist der seitherige Gemeindevorsteher Friedr. V 0 r s ch einstimmig wiedergewahlt worden, ein Beweis dafür, daß der Vorsteher in feiner amtlichen Tätigkeit das volle Vertrauen von sämtlichen hiesigen Einwohnern besitzt. Zum Vorsteherstellvertreter wurde ebenfalls der seitherige Stellvertreter Friedrich Engel gewählt. Kreis Biedenkopf. (DHartenrod, 12. Dez. Die hiesige Freiwillige Feuerwehr bereinigte ihre Mitglieder und deren Angehörige zu einem gemütlichen Familienabend in dem festlich dekorierten Saale der Frau Otto Seih Witwe. Der erste Kommandant begrüßte mit herzlichen Worten die stattliche Versammlung, insbesondere den Bürgermeister Happel, der als Gründer der Wehr anzusprechen sei und ihr stets sein reges Snteresse zugewendet habe. Auch einigen Vertretern der benachbarten Wehr Wommelshausen wurde mit warmen Worten für ihr Erscheinen gedankt. Bürgermeister Happel versprach in seinen Dankesworten, die Wehr in ihren Bestrebungen und Reueinrichtungen seitens der Gemeindebehörde immer nach Kräften zu unterstützen. Dann wurde ein Einakter gespielt, der ebenso wie zwei gelungene Couplets die Stimmung der Versammlung erhöhte. Bei den Klängen der bewährten, nie ermüdenden Hauskapelle blieb man mehrere Stunden sehr harmonisch beisammen. Dillkreis. U Eisemroth, 12. Dez. Am Sonntag wurde das in diesem Sahre erbaute Gemeindehaus Iber Kirchengemeinden des Kirchspiels Eisemroth feierlich eingeweiht. Am Vormittag und am Rachmittag wurden im Gemeindehause Festgottesdienste abgehalten. Vormittags hielt Dekan Brandenburger (Dillenburg) die Festrede, weiter hielt bei dieser Feier Landrat Dünger (Dillenburg) eine Ansprache. Sm Rachmittagsgottesdienst sprachen Dekan Brandenburger (Sillenburg), Pfarrer! Merten (Dramen), früher Pfarrer in Eisemroth, Pfarrer Gaul (Dillenburg) und Pfarrer Werner (Eisemroth). Die Gottesdienste wurden verschönt durch Chorgesänge und Darbietungen der Posaunenchöre. Die Kostern des Baus sind zum großen Teil durch Stiftungen und durch die Opferfreudigkeit der Kirchspielsiiemeinden bestritten worden. Berliner Sorte. Berlin, 13. Dez. (WTB. Funkspruch.) Auch der heutige Frühverkehr lag gcschiiftslos und zurückhaltend. Vorliegende Momente fanden geteilte Ausnahme, den unveränderten Neuycrrker Diskontsatz nahm man zur Kenntnis. Kurse mären noch nicht zu hören. Arn Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,9350, London gegen Mailand 93,22; London gegen Spanien 35,10 zu 35,15, London gegen Kabel 4,8805 zu 4,8810, London gegen Berlin 20,3840 dis 20,3875, Kabel gegen Berlin 4,1764 bis 4,1768. (Schluß des redaktionellen leite.) Trinkt Fachinger. Manche trinken mit Vorliebe vor dem Schlafengehen ein Glas des natürlichen Fachinger Wassers, sowie auch während und nach den Mahlzeiten, wodurch ihnen vortreffliche Dienste geleistet werden, da dieses Heilwasser in hohem Maße blutreinigend und blutauffrischend wirkt.7593v NßUmfifäNS EVTDn EIN f QUALITÄTJ M KW - 'Ä , '■ V. ; t-Av ,.-V< M' -aÄWKt 71 eiruchl hochfeiner J^|UWr«F V Mtrdoje IPfd.nuz- NK3.m-H.50u.b^ V 5wvw^6z - W 4 Pfd. MK. 6 - *1.- 8.-40.- u thligm Schokoladen 8» Pralinen. (iwriiher 9C-56D Jean Weisel, (Heften, Sonnenstrafte 6,Telephon Nr.S8M NtiUrtiches Zar GesanmtW verwenden tUF £™r„penaien- Cremeü Puder. tn Apoth.uDroQ. Dose u.Tube 6OPfg.u1.OO. 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Dezember 1929, nachmittags 1.30 Uhr statt 07984 101970 Karl Faber und Familie Otto Faber und Familie August Faber und Familie. Christine Faber geb. Stoll Heinrich Faber und Familie Wilhelm Faber und Familie Die: Beerdigung findet Montag, den 16. Dezember 1929, nachmittags 1.3)0 Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt. Gestern verschied plötzlich unser hoch verehrter Klassenführer Wir verlieren in ihm einen eifrigen Vorkämpfer deutsch nationaler Parteigrundsätze, für die er stets treu und unermüdlich wirkte. Seine vorbildliche Arbeit als 1. Vorsitzender des Kreis- und des Provinzialverbandes, die er mit großem Bekennermut und Unerschrockenheit leistete, sichern ihm in unseren Reihen für alle Zeiten ein ehrendes Andenken. Ueber vier Jahre bekleidete der leider so früh Heimgegangene in unserer Ortsgruppe das Amt des 2.Vorsitzenden. Aber darüber hinaus war er in führender Stellung unermüdlich tätig als ein treuer, zielbewußter und unerschrockener Vertreter unserer parteipolitischen Grundsätze Sein Hinscheiden bedeutet für uns einen unersetzlichen Verlust, den wir aufs tiefste beklagen. Aufs tiefste erschüttert, geben wir unseren Gesinnungsfreunden im Kreise Gießen und in der Provinz Oberhessen Kunde von dem unerwarteten Hinscheiden des In der Frühe des 12. Dezember 1929 verschied plötzlich und unerwartet Im Namen aller in tiefstem Schmerz Hetti Lenz geb. Förste Herr Stiidieml k. len Wir werden ihn nie vergessen! Garage für Uerfonenrunnen au mieten gesucht. Schrift!. Angeb. mit "Breidnnn. u. 10185D an den @teh. A«A. mtuuiiuuiiuyc uw w-- Anzeigers lieat ein Werbeflugblait veo Modehauses Salomon, Gienen, SÄul- ftratze 4, bei. UM»0 Todes-Anzeige Heute nacht 2 Uhr verschied nach kurzem schweren Leiden mein lieber, guter Mann, unser lieber, guter Vater, Schwiegervater, Großvater und Urgroßvater Im Namen des Lehrkörpers der Studienanstalt Dr. Kalbfleisch, Oberstudiendirektor. gestern abend um laden wir hier, durch nochmals ein und bitten um zahlreiche Beteiligung. 10204D 56 Jahren plötzlich und unerwartet zu sich in die Ewigkeit abzurulen. In tiefer Trauer: Karl Stiebing Elise Stiebing Klein-Linden, Frankfurt a M., 12. Dez. 1929. Die Beerdigung findet Samstag, den 14. Dez, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehaus, Klein- Linden. Schulstraße 11, aus statt. Zu der am Sonntag, abds. 8 Uhr, im Schühenhaus stattfindenden vnM Deutschnationale Volkspartei Ortsgruppe Gießen. Ganz unerwartet und plötzlich erlag heute früh Herr Studienrat Dr. Lenz einem Herzschlag. Der so jäh aus seinem Wirkungskreise herausgerissene Amtsgenosse wirkte seit dem 1. Januar 1923 an unserer Schule. Er war ein Lehrer von vorbildlicher Pflichttreue, der einen anregenden Unterricht erteilte. Voll Begeisterung tür seine Fächer, Deutsch und Geschichte, suchte er in seinen Schülerinnen dieselbe Liebe und Hingabe zum deutschen Volk und Vaterlande zu erwecken, die ihn beseelte. Seine Mitarbeiter betrauern in ihm eine starke Persönlichkeit und einen unantastbaren geraden Charakter, In der Geschichte unserer Anstalt wird er für immer einen ehrenvollen Platz einnehmen. Unvergeßlich wird er seinen Schülerinnen sein und denen, die mit ihm zusammen an unserer Schule wirkten. «Soziale Pflicht der Aufgeber v. rSIrNen« ongrboien ist ti, die ein» geqangeri^ewerbungS« unterlagen (3tugnijjc, Zeugni-abschrlft., Lichtbilder u.dgl.I schnellsten- »urü01890 Versammlung ausmertsnni. Der Borttand. Samstag, den 14.12.25 Monalsve.samm’ung mit Damen. [1021SD Kavallerie-Berein Gienen e. B. Sp.-Vg.1900 Sonntag den IS.Dez., nacbmtLags 3 Ubr: Haniiiiailspiel tregeu .. „Hessan-PrenPen Basic! 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Hinter ihm stehen aber die politisch unorganisierten breiten Massen der Spanier, die dankbar die Verdienste seiner Diktatur anerkennen, die in ihm den großen Patrioten sehen, der sein Vaterland uneigennützig vom Rande des Abgrundes gerettet und der seine Allgewalt niemals mißbraucht hat. Aber die spanische Diktatur ist im Gegensatz zur italienischen kein bleibendes System. Wohl hat Primo de Rivera wiederholt erklärt, daß es niemals eine Wiederkehr zum „verrotteten" Parlamentarismus geben werde und daß die Cortes in ihrer früheren Bedeutung nicht wieder auferstehen dürften, ober er hat bereits 1923, als er durch seinen Staatsstreich in Barcelona die Regierung stürzte und die Militärdiktatur verhängte, die Versicherung abgegeben, daß die Diktatur nur ein Uebergangsstadium bedeute, und daß sie sich, nachdem die Mißbräuche ausgerottet und die Ordnung und soziale Disziplin wiederher- geslellt fein würden, in einer neuen, den Bedürfnissen Spaniens angepaßten Verfassung auflösen werde. Primo de Rivera hat sein Versprechen gehalten. Die reine Militärdiktatur wurde 1926 in eine sogenannte Zivildikta - tue umgeformt. 1927 wurde dann die „Asam- b l e a R a c i o n a l" , d. h. eine beratende Kammer, einberufen, zu deren Ausgaben unter anderem die Ausarbeitung der neuen Verfassung gehörte. Der Verfassungsentwurf, der allerdings im Widerspruch zu den demokratischen Idealen der Reuzeit steht, ist veröffentlicht worden und soll durch eine Volksabstimmung Gesetzeskraft erlangen. Hier nun scheint Primo de Rivera feine Kräfte überschätzt zu haben. Wohl gelang es ihm Vhne allzugrohe Anstrengung, den zweimal wiederholten Putsch des Artilleriekorps niederzuwerfen, die Ruhe in Valencia wiederherzustellen und den Führer der Verschwörung, den früheren konservativen Minister Sanchez Guerro, dazu zu bewegen, sich freiwillig als Gefangener zu stellen, aber es ist ihm nicht geglückt, der Rationalversammlung (Asamblea Racional) durch Hinzuziehen bisher abseits stehender Elemente das Ansehen einer richtigen Volksvertretung zu geben. Sehr gewichtige soziale Gruppen, wie z. D. das Kollegium der Rechtsanwälte, die Akademie der Rechtswissenschaften, die sozialistische Arbeiterunion, einige Universitäten usw., haben sich entweder geweigert, überhaupt einen Vertreter in die Asamblea zu wählen, oder aber sie • haben eine Wahl vorgenommen, die als Verhöhnung Primo de Riveras aufgefaßt und anul- iiert werden mußte. So wählte die Universität von Valladolid zu ihrem Abgeordneten den ärgsten Gegner Primo de Riveras und der Monarchie, den Professor Unamuno, der flüchtig als Emigrant in Paris lebt, und die Madrider 2ld- vokatenkommer bestimmte zu ihrem Vertreter in der Asamblea Racional den Führer der Verschwörung von Valencia, Sanchez Guerra, der sich damals nach als Gefangener auf dem Kriegsschiff „Dato" befand und unter das Kriegsgericht gestellt war. Als Strafe wurde der Universität das Recht genommen, jemals einen Abgeordneten in die Kammer zu entsenden, und die Akademie >der Rechtswissenichaften wurde aufgelöst und Lurch eine andere erseht, berciji Mitglieder zur Wurst wider Wurst. Don Or. Johannes Kleinpaul. Jede Jahreszeit hat ihre Freuden, und so war «Hedem, „wenn der Wind Über die Stoppeln ging", Echweineschlachten ein wahres Fest. Weil es draußen für das „liebe Vieh" nichts mehr zu fressen gab, wurde cs „eingeschlachtet", damit man nicht selber Not litt, den ganzen Winter lang. Damit das Fleisch sich hielt, wurde es geräuchert, gepökelt, gesalzt unb gewürzt: daher die Bezeichnungen Wurst rind Sülze. Wurst war — neben Schinken (vom Schwein) unb Ragelholt (vom Rind) — die eigentliche Dauerware, die später auch in den Städten zumeist auf den Markt kam, als da nicht jeder mehr selbst Vieh hielt. Davon gab es lange nur vier Sorten: Blutwurst, Leberwurst, Fleischwurst imb Hirnwurst, und eine hohe Obrigkeit wachte scharf darüber, daß «fcei ihrer Zubereitung alles mit rechten Dingen zuging. Wehe dem, der versuchte, die „Wurstfülle" durch Zeigten von Rind- sleisch oder Schweineschwarten zu „strecken"! Aus- Drücklich heißt es im Meraner Stadtrecht: „Die Fleischhacker sullent auch keine Würst nicht ma- d)en, dann mit dem Fleisch, daz von dem Sstüne lammen ist." In Nürnberg wurde einmal mit Entrüstung festgestellt, „daß es immer etlich gab, Die sich unterstanden, Küewürst (Kuhwürste) zu machen und darin nichts anderes denn Küelungen imö -ledern zu thunde." Zu den Brat- und an» Deren Würsten dursten die Fleischhauer dort außer „schweinin Darm" höchstens nur „jung- »Inderin, die nicht eingefallen firtb, nehmen oder . gebrauchen". Hier ist also auch noch von „Bratwürsten" die 2ede. Ein andermal hören wir, daß sie nicht jidem gut bekommen. Im Iahre 1522 lieh Herzag Georg von Sachsen dem Rate zu Oschatz schreiben: „Liebe Getreue, nachdeme der Baccalaureus in hm us uf der Schule bei euch an verschinen Sankt Iohannistage (!) Bratwürste gegessen ha» : den soll, begehren wir ernstlich an euch empfehlend, daß ihr denselben Baccalaureum alsbald gefänglich annehmt und ihn anher wohlverwahrt schicket, auch mit der Sachen dermaßen ins geheim gehet, daß er nit verwarnet werde oder entkomme." Vier Iahre später steckte er auch noch mehrere Freiberger Bürger ein, die sich zu Mariä Himmelsohrt an Bratwürsten gütlich getan hatten; erst Hälfte von der Regierung ernannt werden. Aber diese Strafe wird von den Betroffenen wenig empfunden und schneidet der Diktatur selbst ins Fleisch. Cs ist wahr, diese Vorgänge sind von der Oefsentlichkeit sehr ruhig ausgenommen worden und haben keinerlei Proteste unter den breiten Massen der Bevölkerung ausgelöst. Das spricht jedoch nur für die politische Gleichgültigkeit der Spanier, nicht aber für ihre Anhänglichkeit an die Methoden der Diktaturregierung, von der sich Primo de Rivera so gerne überzeugen lassen möchte. Auch die Bemühungen des Diktators, die früheren Parteiführer zur Mitarbeit an der Rationalversammlung zu gewinnen, sind zum größten Teil erfolglos geblieben. Wohl hatte Primo de Rivera mit dem Exministerpräsidenten, dem Grafen Romanones in San Sebastian eine längere Besprechung, die in mehr oder weniger versöhnlichem Tone verlaufen fein soll, aber allein der konservative Exminister Sanchez Toca hat sich bereit gefunden, an der Rationalversammlung teilzunehmen. Die übrigen politischen Köpfe des früheren Spanien verharren in ablehnender Opposition. Eine ernste Mahnung für die Diktatur ist auch die langsame, aber ständige Abwärtsbewegung der Währung. Die Peseta, die sich bereits dem Goldkurse genähert hatte, fällt. Für das Pfund Sterling werden anstatt des Rominalwertes von 25 Pesetas 34 bis 35 Pesetas bezahlt, und für die deutsche Reichsmark 1 Peseta 70 Centimos anstatt 1,25. Auch die Staatsschuld ist im Laufe der Diktaturjahre um etwa eine halbe Milliarde gewachsen. Das sind sicherlich keine Alarmzeichen, aber sie weisen auf eine gewisse Instabilität in den politischen und wirtscl af.lichen Verhältnissen hin. Infolge der Unrast und Rervosität, die sich der spanischen Politik in den letzten Monaten bemächtigt hat, ist viel davon die Rede gewesen, daß der König Don Alfonso XIII. eingegriffen und Primo de Rivera gefragt habe, ob er nicht die Zeit für gekommen erachte, die Zügel der Regierung aus der Hand zu geben und einen Rachfolger zu ernennen. Es wurden bei dieser Gelegenheit die Ramen des Herzogs von Alba, eines klugen und angesehenen Grandseigneurs und des katalanischen Wirtschafters Sambo genannt, aber Primo de Rivera ist es scheinbar gelungen, den König von seiner Unentbehrlichkeit zu überzeugen, und vorläufig bleibt alles beim alten. Run sind es sicherlich nur patriotische Gründe, die Primo de Rivera dazu veranlasfen, die schwere Bürde der Regierung weiter zu tragen. Er ist nicht mehr der Jüngste, und Zuckerkrankheit zehrt an seiner Gesundheit. Schon vor einem Iahre trug er sich mit der Absicht, zurückzutreten, um sich der verdienten Ruhe auf den Kanarischen Inseln hinzugeben. Aber er sah fein Werk bedroht und blieb. Heute liegen die Dinge ähnlich. Primo de Rivera hat keinen Rachfolger. Es gibt niemand, der dasselbe Ansehen wie er genießt. Das ganze Staatsgebäude könnte durch sein Ausscheiden ins Schwanken geraten. So arbeitet denn Primo de Rivera unermüdlich mit verdoppelter Energie an der Ueberwindung der sich aufhäufenden Schwierigkeiten. Er ist allgegenwärtig. Bald sehen wir ihn in Sevilla, bald in Barcelona, bald arbeitet er in feinem Madrider Kabinett ununterbrochen sechzehnStun- den und kümmert sich um die kleinsten Einzelheiten der Staatsmaschine. Aber die Vielgeschäftigkeit des Diktators erhöht die Unrast, anstatt sie zu beschwichtigen. Seine Stellung ist uner- schüttert. Seine Person ist die Säule, auf die sich die gegenwärtige Regierung und die Diktatur stützen, aber das ist eine Last, die auf die Dauer fein Sohn und Rachfolger Herzog Heinrich ließ fie am Weihnachtsheiligenabend 1531 wieder los. Denen allen kamen ihre Bratwürste wahrhaftig teuer zu stehen. Kostbarer und köstlicher war eine andre Wurst, die die Kurfürstin Anna von Sachsen ihrem Beichtvater, dem Pirnaer Superintendenten Balthasar Kademann, verehrte, nachdem er ihr „in schweren Leibes- und Seelennöten" beigestanden. Sie schickte ihm ein kapitales Wildschwein, und als er damit „Schweineschlachten" veranstaltete, fand er darin eine Börse mit 364 Dukaten: er erzählte später oft, „so gute Würste hätte er nie vordem und nie wieder gehabt". Bald danach zog der edle Ritter Hans von Schweinichen durch alle deutschen Lande, um für seinen stark verschuldeten Herrn, den Herzog Heinrich von Schlesien, Darlehen bei den Reichs fürsten und Städten aufzunehmen. Im Iahre 1599 kam er auch an den Hof des Herzogs Iulius von Braunschweig-Lüneburg. Auch da waren alle Kassen leer, aber schon damals hielten die Braunschweiger auf gute Wurst, und. man zeigte ihm eine — nahezu 2000 Ellen lange — die just eben der Schlachtergilde geraten war. Man trug sie nicht nur als Schaugericht durch olle Gassen, man verewigte sie auch in einem Kupferstich, und zum guten Ende durste er fie auch noch selber mit losten. Das war wahrhaftig die längste, doch nicht die erste ihresgleichen. Ebenfalls nur im Bilde ist eine 593 Ellen lange Wurst aus uns gekommen, die die Königsberger ..Schlächterknechte" — bei 103 Mann — am Reujahrstage 1583 „über der Schulter" durch die ganze Stadt und zuletzt auf dos markgräfliche Schloß hinauftrugen, wo alsbald ein großer Schmaus begann. Praktischerweise hatten sie dazu die Bäcker eingeladen, die mit fünf mächtigen Striezeln angerückt kamen, je drei Scheffel schwer. — Das blieb allen, die zusehen und mithin konnten, in so guter Erinnerung, daß man dieselbe Sache zur Iahrhundert- wende wiederholte. Und wie gute Sitten Schule machen: am Fastnachtsdienstag, 1726 wurde auch in Zittau.eine 625 Ellen lange Wurst herumgetragen. Was dann damit geschah, läßt sich erbenfen. Gesagt ist nur: mehr als ein halbes Schock Schinken waren hineingehackt. Im Konvikt der Leipziger Studenten wurden gar bis zum Ausbruch des Weltkrieges Würste nach allen Regeln der Kunst besungen. Wenn einer der Konoiktoristen fein Examen hinter sich hatte, gab er seinem Tische nicht eine „Runde" — Bier trank für einen Mann z u schwer ist. Cs ist verfrüht, von einer Diktaturdämmerung in Spanien zu sprechen, aber der politische Himmel ist nicht mehr so klar wie er es noch vor einem Iahre war. Erweitertes Schöffengericht Gießen. v Gießen, 11. Dez. Ein früherer Postagent aus einem Rachbarort hatte sich wegen schwerer Amtsunterschlagung und Brief- unterdrückung zu verantworten. In seiner Eigenschaft als Postagent hatte er einen auf eine Zählkarte eingezahlten, für die hiesige Finanzkasse bestimmten Betrag von 837,50 Mk. in Empfang genommen und dem Einzahler auch den Empfang des Geldes auf dem Posteinlieferungsschein bestätigt. Auf eine Reklamation der Finanzkasfe stellte sich heraus, daß die Empfängerin weder die Zahlkarte, noch das Geld erhalten hatte. Eine Rachprüfung der Amtsführung des Angeklagten ergab, daß er das zur Kontrolle der Einnahmen bestimmte Buch insofern unrichtig geführt hatte, als er die Zahlkarte über den abhanden gekommenen Betrag nicht in der Eintragungsliste gebucht hatte. Der Angeklagte, der bestreitet, das Geld sich rechtswidrig zugeeignet zu haben, kann keine Erklärung dafür geben, wohin das Geld und die Zahlkarte gekommen sind. Die Richtbuchung der Zahlkarte an jenem Tage entschuldigt er mit Arbeitsüberlastung. Damit konnte er nicht gehört werden, abgesehen davon, daß dos Gegenteil sestgestellt wurde. Rach eingehender Beweisaufnahme hielt das Gericht den Angeklagten einwandfrei für überführt, daß er die 837,50 Mk. unterschlagen hat. Rur mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte alsbald nach der Entdeckung den Fehlbetrag erseht hatte, wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt und gegen ihn auf eine Gefängnis st rafe von acht Monaten erkannt. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde ein junger Mann, der, obwohl er den Offenbarungseid geleistet hatte, es verstanden hatte, unter Vorspiegelung seiner Zahlungsfähigkeit und Zahlungsbereitwilligkeit eine sehr große Zahl meist auswärtiger Geschäftsleute um erhebliche Beträge zu schädigen. Unter Benutzung von Geschäftsbriefen mit vielverheihendem Aufdruck gelang cs ihm, sich Waren zu erschwindeln, die er dann sofort nach Erhalt, um in den Besitz von barem Geld zu kommen, zu Schleuderpreisen wieder absehte. Wegen fortgesetzten Betruges wurde er zu zwei Iahren Gefängnis verurteilt. Zwei ebenfalls der Mittäterschaft Angeklagten konnte eine betrügerische Beteiligung nicht einwandfrei nachgewiesen werden. Sie wurden lediglich wegen Hehlerei zu je fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Daten für Lamstag, 14. Dezember 1546: der Astronom Tycho Brahc in Knudstrup geboren; — 1716: der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz in Hannover gestorben; — 1799: George Washington, Begründer der Unabhängigkeit Nordamerikas, in Mount Vernon gestorben; — 1849: der Komponist Konradin Kreutzer in Riga gestorben; — 1911: Roald Amundsen erreicht den Nordpol. Buhbach-Licher Eisenbahn und Auio- verkehr Buhbach. <> Riederkleen, 12. Dez. Unter dem Vorsitz des Landrats Miß zu Wetzlar fand hier eine Besprechung über die Gestaltung des Fahrplanes der Kraftomnibuslin i e Butzbach — Dornholzhausen statt. An der Besprechung nahmen teil: Betriebsleiter Bandlow von der Butzbach—Licher Eisenbahn, die Gebrüder Freitag vom Autoverkehr Butzbach, Kreisinspektor Dreydoppek vom Landratsamt Wetzlar, Amtsobersekretär Sänger vom Bürgermeisteramt Groß-Rechteübach, Gemeindevorsteher Eisenhardt, Riederkleen, Gemeindevorsteher Watz, Dornholzhausen, Kreisdirektor Rechthien, Friedberg, und ein Vertreter des Reichsbahnverkehrsamtes in Gießen als Beauftragter der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. Bei der Erteilung der Konzession zum Betriebe der Autolinie Butzbach — Klee- berg, die jetzt nur noch bis Dornholzhausen befahren wird, wurde dem Autoverkehr Butzbach und Umgegend durch den preußischen Handelsminister die Auflage gemacht, den Fahrplan so zu gestalten, daß zwischen dem Verkehr der Kraftwagen des Autoverkehrs und dem Verkehr der Butzbach—Licher Eisenbahn ein Min- destzeitabstand von einer Stunde eingefallen* werde. Der Autoverkehr Butzbach hat diese Bedingung bisher nicht erfüllt, weil ihm dies aus technischen Gründen nicht möglich war. Die Butzbach—Licher Eisenbahn forderte auf Grund der Konzessionsbedingungen, die erste Krastwagen- fahrt 6.30 Uhr ab Dornholzhausen um mindestens Vz Stunde, und die letzte Kraftwagenfahrt 18.15 Uhr ab Bahnhof Butzbach um mindestens 1/i Stunde später zu legen. Rachdem Kreisinfpektor Dreydoppel von dem bischerigen Verlauf der Verhandlungen Kenntnis gegeben hatte, erklärte Betriebsleiter B a n d 1 o w , daß die Butzbach—Licher Eisenbahn in allen Autolinien Konkurrenzbetriebe erblicke und mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage der Cisenbahngefell- schäft von der Erfüllung der Konzessionsbedingungen Tiid)t absehen könne. Die Gemeindevorsteher von Dornholzhausen und Riederkleen sprachen sich gegen eine 2Ien» ö'erung des jetzigen Fahrplanes des Autoverkehrs aus, da sich eine solche nur zum Rachteil der beiden Gemeinden auswirken könne. Amlsobersckretär Sänger wies darauf hin, daß eine Rundfrage bei den Haushaltungen in den Gemeinden Dornholzhausen und Riederkleen ergeben habe, daß die Butzbach — Licher Eisenbahn im laufenden Kalenderjahr nicht von einem einzigen Einwohner der beiden Gemeinden benutzt worden fei, daß vielmehr sämtliche Einwohner die Beibehaltung des bisherigen Fahrplanes wünschten. Keine Bedenken gegen den Betrieb der Autolinie im bisherigen Umfange und nach dem bisherigen Fahrplan äußerten ferner der Vertreter der Reichsbahn und Kreisdirektor Rechthien, Friedberg. Da trotzdem der Vertreter der Butzbach— Licher Eisenbahn den Einspruch nicht zurücknahm und anderseits die Vertreter des Autoverkehrs Butzbach eine Umgestaltung ihres Fahrplanes als unmöglich bezeichneten, schloß Landrat Miß die ergebnislos verlaufene Sitzung mit dem Bemerken, daß nunmehr die Entscheidung der höheren Verwaltungsbehörde abzuwarten sei. Er betonte hierbei, daß der Betrieb von Autolinien in den vom öffentlichen Verkehr weniger aufgeschlossenen Gebieten eine immer weitere Verbreitung annehme und daß sich diese Allgemeinerscheinung bei dem heutigen Fortschritt der Zeit nicht künstlich aufhalten lasse, selbst dann nicht, wenn Interessen der Reichsbahn oder privater Bahngesellschaften entgegenstünden. Im vorliegenden Falle müsse der Autoverkehr als einziges öffentliches Verkehrsmittel der Gemeinden diesen erhalten bleiben. man in diesen heiligen Hallen nicht, nur einmal im Jahre, an Königs Geburtstag, Wein —, sondern dann „schmiß" er ihm am nächsten Abend, an dem es nur Butterbrot und Käse gab, einen „Wurstsatz". Und jedesmal wurde darauf ein Vers gemacht, den irgendein Barde kurzerhand ersann, und dann die ganze Tafelrunde unisono zum Besten gab. Etwa: Wenn andre müssen Käse beißen, Tut unser Tisch 'nen Wurstsatz schmeißen. Eine Herausforderung, die man unmöglich ruhig hinnehmen konnte, weshalb sich irgendein anderer Tisch zum Sprecher aller machte: Ach, wenn man doch das Dichten ließe Und selber seinen Wurstsatz frieße. Am Abend dieses Doppel-Sprech-Gesangs — ein Beispiel unter vielen — war jedoch auch noch ein zweiter Tisch mit einem Wurstsatz gesegnet, nun freilich in verzwickter Lage. Kneifen war unmöglich. Geschickt wußte man sich zu helfen, indem man das eben Gehörte zur Kenntnis nahm und gleichzeitig dem ersten Tisch auch noch einen Hieb verfetzte: Ihr Futter frißt die Kuh mit Brüllen, Wir essen unsre Wurst im stillen. Damit nicht genug! Ein Tisch zwischen den beiden Beglückten ließ sich auch noch vernehmen: Wenn ich diese Wurst betrachte. Kommt mich banger Zweifel an: Ist sie wirklich von dem Schweine, Oder von der Pferdebahn? Gelächter an allen Ecken und Enden ... Wurst und wieder Wurst! Oester gilt: „Wurst wider Wurst!" In der Hinsicht machte im Frühjahr 1928 in dem oberbayerischen Städtchen Weilheim ein luftiges Geschichtchen die Runde. Dort sah der Gastwirt „Zur Amper" noch eben, wie die Tigerdogge des Rechtsanwalts mit einem Kranz Weißwürste aus seiner Küche heraussprang und das Weite suchte. Abends kam deren Besitzer zu ihm zum gewohnten Dämmerschoppen. „Was ich den Herrn Rechtsanwalt schon immer hab' fragen wollen: Ist ein Hundehalter haftbar für den durch sein Tier ungerichteten Schaden?" „Ganz klare Sache; natürlich hat er dafür aufzukommen." Am anderen Morgen erhielt der Jurist eine Rechnung über zehn Mark für den Wurstkranz, postwendend der Wirt eine Forderung in gleicher Höhe „für erteilte Rechtsbelehrung". Das öffentliche Aergernis. Die Voraussetzung einer Anklage wegen Erregung öffentlichen Aergernisses ist, daß irgend jemand öffentliches Aergernis genommen hat. Wie er es nimmt, ist seine Sache. Ein modernes Beispiel ist die Geschichte eines Sägewerkbesihers aus der Rähe von Kassel. Er wurde eines Sonntags mitten im Walde von einigen Männern ausgeraubt und ausgezogen und stand schließlich, jeder Barschast bar, in Hemd und Hose auf dem Waldboden. Was tun? Er krempelte sich die Unterhosen bis über die Knie, warf das Hemd auch noch weg und markierte jetzt einen Waldläufer, als welcher er atemlos bei seiner bestürzten Gattin in einigen Stunden anlangte. Unterwegs hatten ihn aber zwei Damen gesehen und sofort öffentliches Aergernis genommen, und nun muh sich der Mann, der den Schaden hatte, auch noch zu feinem Spott vor Gericht verantworten. Da von den Räubern bisher keine noch so kleine Spur gefunden werden konnte, nimmt die Polizei an, daß die ganze Sache auf Erfindung beruht, und das Gericht wird sich schlüssig werden müssen, ob es den Mann auf feinen Geisteszustand untersuchen läßt, ober die Anklage auch auf groben Unfug ausdehnt. — Was sind Sie wert? Das kommt natürlich darauf an. Wir sind uns selbst am meisten wert, nach dem alten Sprichwort, daß einem das Hemd näher ist als der Rock und daß alle Menschen Egoisten sind. Der Altruismus entspringt fast immer einet der vielen Eitelkeiten, die in uns stecken. Diese Werte sind imaginär oder, wie man heute au sagen pflegt, relativ. Wenn man bagegen wissen möchte, wieviel Mark oder Pfund oder Francs ober Dollar der Mensch wert ist, dann braucht man nur den englischen Chemiker Dr. Charles Henry Maye zu fragen, der zu den krassesten Materialisten unserer Zeit gehört. Er behauptet nämlich, der Mensch fei nur so viel wert, wie nach seinem Tode noch aus ihm zu machen sei. Aus dem Fett des Körpers eines ausgewachsenen Menschen kann man sieben Stücke Seife Herstellen. Mit dem Eisen, welches unser Leib enthält, läßt sich zur Rot ein besserer Rage! anfertigen, und aus dem Phosphor immerhin 2200 Streichhölzer anptnseln. Zucker haben wir auch, und zwar genügend, um eine Tasse Kaffee zu süßen. Kurz und gut, wenn jemand für einen erwachsenen Menschen heute 2,20 Mark anlegen würde, dann hätte et chn recht gut bezahlt. Aus der Provlnzialhauptstadt. Gießen, den 13. Dezember 1929. Istock und Schuh. An frühre Zeiten denkst du nicht, doch ich, ich denke dein! Du streiftest manchmal mein Gesicht und hülltest warm mich ein. Wenn du dich, wie so oft, beschmutzt, war ich der Sündenbock, — Du hast mich oft sogar geputzt ... So sprach der S ch u h zum Rock. Was du jetzt bist, bist du durch mich. Du bist heut fein heraus. Ich bitte dich, erinnre dich, — wie sahst du früher aus! So unscheinbar und ohne Glanz. Sei still und gib nur Ruh. Durch mich hast du die Eleganz ... So sprach der Nock zum Schuh, brau Mode hörte jetzt den Streit. Sie schwang den Zauberstock. Sie nutzte die Gelegenheit und schuf den langen Rock. Damit jedoch beim jähen Sturz dem Schuh das Herz nicht sprang, trägt man am Tag die Röcke kurz und abends dafür lang. Puck. BornoLizen. — Tageskalender f ü r Freitag. Stadttheater: „Beilchenfresser", 20 bis 22.15 Llhr. — Oeffentlicher Dortrag: „Das Leben nach dem Tode", 20.15 älhr, Lindenplatz 1 (Christliche Versammlung). — Verein für christliche Musik Gie- hen: Musikalische Abendfeier, im Konfirmandensaal der Lukosgemeinde, Liebigstr. 56. — Vewe- gung für religiöse Crneuerung/Die Christen- gcmeinschaft: „Meditation und Selbsterziehung", 20.15 Ähr, älniversitätshörsaal 41. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der Faschingsprinz" und ..Das Geheimnis der Carlton-Donk". — Ästoria- Lichtspiele: „Besondere Kennzeichen" und „Das rote Brandmal". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Dorstellung „Der Deil^nfresser" beginnt um 20 llfjr. Spielleitung Harrs Tannert. — Sonntag. 15. Dez., einmalige Wiederholung des zweiten Tages des Kammerspielzhklus „Ein Spiel vom Schmetterlingstraum", nach dem Chinesischen von Prof. Dr. Richard Wilhelm, einführender Dortrag Wen V ü a n Ting. Die Veranstaltung, die bei der Erstausführung sehr viel Interesse geweckt hat, beginnt um 11.30 Uhr. — Einen der größten Erfolge der Theatersaison bedeutet in diesem Jahr das Weihnachtsstück. Es wird das Märchen „Das tapfere Schneiderlein" von Alois Prasch — Vater des derzeitigen Intendanten Dr. Rolf Prasch — aufgeführt. Die kleine Welt lebt wie nie in diesem Jahr in dem Stück, jauchzt, wenn das wilde Schwein eingefangen wird, die Riesen sich in komischen Sprüngen erschlagen, das Einhorn geritten wird u. a. Am Dirtgentenpult: Franz Bauer. Bühnenbilder: Karl Löffler. Kostüme: Kurt Huber, Beleuchtung: Ludwig Keim, die Spielleitung des Ganzen bat Karl V o l ck. Erste Wiederholung Sonntag, 15. Dez., 15 Uhr. — 19 Uhr: „Die Troerinnen" deS Euripides (Rachdichtung von Franz Werfel), Spielleitung Intendant Dr. Prasch. — Dom Konzertverein wird uns geschrieben: Die am Montag, 16. Dezember, abends in der Stadtkirche stattfindende geistlich« Musikaufführung ist absichtlich in die Weihnachtszeit gelegt worden. Als „We i h n a ch t s k o n ze r t" bezeichnet, wurde sie mit einem Programm ausgestattet, das der selig-fröhlichen Weihnachtsstimmung Ausdruck geben soll. Dafür ist am heiligen Ort nichts geeigneter,' als unseres großen Meisters Bach kostbare Schätze an geistlicher Musik. Die Andächtigen pflegen ihn zumeist in der Osterzeit mit seinen unsterblichen Passionen zu hören; für den feierlich- fröhlichen Charakter der Adoentszeit ist das Weih- nachtsorator^ium der herrlichste aller musikalischen Berichte von der Geburt unseres Herrn. Das Werk ist indessen unter Bach niemals als Ganzes auf einmal aufgeführt, sondern in 6 Teilen auf die Weihnachtsfeiertage und darauf folgende Sonntage verteilt worden. Auf diesen autoritativen Vorgang gründet sich die bevorstehende, nur einen einzigen Abend füllende Auswahl von Arien, Chören und Chorälen aus dem Weihnachtsoratorium, die in der Hauptsache das Programm des Konzertes bilden. Das vollständige Werk kann, auch wenn nicht innerhalb des Gottesdienstes gespielt, überhaupt nur an zwei verschiedenen Tagen bargeboten werden, so daß bei jeder auf einen einzigen Abend beschränkten Aufführung auch schon früher eine Anzahl Nummern geopfert werden mußten. Bei unserer Aufführung ist von berufenster Stelle darauf Bedacht genommen worden, daß die getroffene Auswahl das Werk selbst in der verkürzten Form in jeder Hinsicht als ein geschlossenes Ganze und in all seiner lieblichen Schönheit erklingen läßt. Die Aufführenden sind bis auf die beiden Solisten einheimische Kräfte: Der Akademische Gesangverein, das Collegium musicum, und Herr Organist Nebel ing. Die Leitung des Ganzen liegt in den Händen des Herrn Dr. Temesvary. Das Collegium musicum wird in diesem Zusammenhang« auch die wundervolle Hirtenmusik, Sinfonia, wie sie Bach nennt, zu Gehör bringen. Als S o l i st e n betätigen sich Herr Prof. Reitz aus Weimar mit dem Vortrage einer Diolinsonate von Ba ch und einer weiteren von H. I. F. Biber (1644 bis 1704), des größten unter den deutschen Geigern des 17. Jahrhunderts. Seine Werk« und insbesondere seine Violinsonaten werden jetzt mit Recht besonders geschätzt und öfters vorgetragen. Herr Prof. Reitz ist als hervorragender Geiger bekannt; er wird hier zum ersten Male spielen. Seine Gemahlin und aus- gezeichnete, künstlerische Genossin Frau Elsbeth Reitz-Bergmann singt verschiedene Rezitative und Arien aus dem Weihnachtsoratorium und weitere zwei Nummern aus anderen, herrlichen Kantaten Bachs. — Die Bezirksgruppe Gießen des Deutschen Republikanischen Lehrerbundes veranstaltet am Samstag, 14. Dezember, 15.30 Uhr, im Saale des Landgraf-Ludwigs- Gymnasiums, Südanlage, einen öffentlichen Dortrag. Oberschulrat Dr. Deiters vom Provin- zial-Schulkollegium zu Kassel wird über das Thema: „Die politische Erziehung unserer Jugend" sprechen. (Man beachte die gestrige Anzeige.) — Hessische Bauernschaft e.D. Am Samstagnachmittag finden in L i ch und Trais- Horloff wieder Sprechstunden der Hessischen Bauernschaft e. D. statt. Eie werden zum erstenmal von dem neuen Rechtsbeirat des Derbandes. Syndikus Dr. Leber in Lauterbach, abgehalten. «Siehe heutige Anzeige.) Turnen, Sport und Spiel. Handball im Gau Hessen (D.T.) Die Mannschaften der Meisterklasse waren in diesem Jahre fast alle gleich spielstark. Der an der Spitze liegende Mtv. Gießen erlebte eine schmerzliche Enttäuschung. Infolge mangelnder Spielberechtigung eines Spielers der 1. Mannschaft erklärte das Schiedsgericht der Gaugruppe die Spiele gegen Großen-Buseck und Tv. 1346 Gießen für verloren. Mtv. ist dadurch auf den fünften Platz zurückgesallen. Wetzlar und Großen- Buseck führen nun mit je 12 Punkten die Tabelle. Mit je einem Punkt Abstand folgen Tv. 1846 Gießen, Tv. Bad-Rauheim, Mtv. Gießen. Der Reuling Friedberg hat 6 Punkte. Die Tabelle der Meisterklasse zeigt folgenden Endstand: Verein Spiele gern. unentfd). verl. Pkte. To. Wetzlar 10 6 0 4 12 Tv. Großen-Buseck 10 5 2 3 12 1846 Gießen 10 5 1 4 11 Tv. Bad-Nauheim 10 4 2 4 10 Mtv. Gießen 10 4 1 5 9 Tgde. Friedberg 10 2 2 6 6 Entscheidungsspiel um die Gaumeisterschast Das nach dem Labellenstand notwendig gewordene EntscheidungLspiel zwischen Wetzlar und Großen-Buseck findet am nächsten Sonntag» auf dem älniversitätssportplatz statt. Im vorigen Jahre wurde Großen-Buseck ®a um elfter, dichtauf gefolgt von Wetzlar, das in der vorigen Der- bandsrunde Großen-Buseck zweimal einwandfrei schlagen konnte. Diesmal liegt für Wetzlar die Meisterschaft in greifbarer Rühe. Die Mannschaft hat ohne Zweifel in den letzten Spielen eine glänzende Form gezeigt und die Spielstärke des Dorjahres erreicht. Ihr einziger schwacher Punkt sind die Außenstürmer. 3m übrigen zeigt Wetzlar einen fast vollendeten Handball. Ganz hervorragend arbeiten der Innensturm und die Läuferreihe. Spielen die Wetzlarer ohne Ersatz, dann haben sie wohl die größten Siegesaussichten. Großen-Buseck war in letzter Zeit etwas außer Form. In erster Linie war dies bedingt durch die Sperre von Mittelläufer und Linksaußen. Die Mannschaft verlor, allerdings mit fünf Mann Ersatz, gegen Wetzlar im Rückspiel 9:3, konnte aber in der Folge gegen Mtv. Gießen -und Friedberg unentschieden spielen. Aeuherst gefährlich ist der Sturm, der glänzendes Schuh- vermögen und seines Gefühl für Ballbehandlung besitzt. Inderthal im Tor ist schwer zu schlagen. Will Wetzlar gewinnen, dann muh es alles Können aufbieten. Handball im Turnverein 4846 Gießen. Die zweite Mannschaft weilt am nächsten Sonntag als Gast beim T. D. Lich. Die junge Licher Mannschaft verlor das Dorspiel in Gießen 8:1. Auch diesmal wird der Plahverein eine hohe Riederlage nicht vermeiden können. Handball der Gp.-Vg. 1900. „Hessen-Preußen" Kassel in Gießen. ö. Als ersten Gegner in den Spielen um die Bezirksmeisterschaft von Hessen-Hannover haben die 1900er am kommenden Sonntag auf eigenem Platz die Elf des D. f. L. „Hessen-Preußen" Kassel. Die Kasseler, die sich unter Führung 3ung- Henns in die Reihe der tonangebenden deutschen Leichtathletikvereine geschoben haben, sind handballerisch zum erstenmal in Gießen tätig. Aber auch auf diesem Gebiet vermochten sie bislang eine hervorragende Rolle zu spielen. So errangen sie im Dorjahre die Bezirksmeisterschaft von Hessen-Hannover und nahmen an den Endspielen um die westdeutsche Meisterschaft teil. In dieser Saison wird natürlich die Hessen- Preußenmannschaft alles daran sehen, um den Meistertitel erfolgreich zu verteidigen. Die Gästeelf ist sehr ausgeglichen und pflegt ein schnelles, produktives Spiel. Sie wird der Spielvereinigungsmannschaft in ziemlich allen Teilen über sein. Für die 1900er gilt es daher in erster Linie, das Treffen mit Eifer und Elan durchzuführen, auch müssen die Platzbesitzer, vor allem die Angriffsreihe, eine besser durchdachte Spielweise an den Tag legen, als dies seither der Fall war. Dor dem Dezirksmeisterspiel stehen sich die Mannschaften dec 2. Kompanie des hiesigen Bataillons und des Tv. 1862. Wieseck im Freundschaftsspiel gegenüber. V. s. 23. Während die zweiten, dritten und vierten Mannschaften am kommenden Sonntag pausieren, nutzt die Liga die verbandsspielfreien Sonntage dazu aus, durch Austragung von Gesellschaftsspielen gegen gute Mannschaften ihre Spielstärke zu verbessern und sich für die am 22. Dezember wieder beginnenden Punltlämpfe vorzubereiten. Durch ihr glänzendes Abschneiden gegen „Kur- hessen" Kassel ermutigt, hat sie sich auch diesmal wieder einen der Bezirksligaklasse angehörenden Verein als Gegner nach hier verpflichtet. Es ist der D. f. B. Weidenau (Sieg), mit dem sie schon öfter gekämpft hat. Die beiden letzten Begegnungen endeten 1:1 bzw. 2:1 für Weidenau. Die Gäste nehmen in der Tabelle der Gruppe Siegen des Südwestfalen-Bez'.rcs einen guten Mittelplatz ein und haben noch Chance, Dritter, unter Umständen sogar Zweiter zu werden. Die Mannschaft spielt einen sehr gefälligen Fußball, versteht aber auch ihre Spielwrise produktiv zu gestalten. Die Platzelf wird gegen sie einen mindestens ebenso schweren Stand haben, wie am Dorsonntag gegen Kassel. Ihre Aufstellung sollte die gleiche sein. Ihr Sturm muh sich diesmal bemühen, mehr offensiv zu spielen, da er sich sonst gegen die standfeste Verteidigung des Ramensvetters nicht wird durchsetzen können. Der Ausgang des Treffens ist ungewiß, eine knappe Riederlage wahrscheinlicher als ein Sieg. Spielvereinigung 1900 Gießen. o. Ein mit dem V.f.B. Kurhessen Marburg nach hier vereinbartes Gesellschaftsspiel muhte rückgängig gemacht werden, da auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe das erste Treffen um die Bezirkshandballmeisterschaft zum Austrag kommt. Die zweite, dritte und vierte Mannschaft tragen Verbandsspiele aus, wenn nicht der Der- legungsantrag 1900s Berücksichtigung findet. Die Ligareserve empfängt den derzeitigen spielstarken Tabellenzweiten, Wetzlar-Riek^rgirmes, gegen den es ihr sehr schwerfallen wird, zu einem Erfolg zu kommen. 1900s dritte Elf tritt hier Lichs erster Mannschaft entgegen. Wenn auch die Dlauweißen durch Qlbgabe einiger guter Spieler in die zweite Elf zur Zeit scheinbar etwas spielschwächer geworden sind, so traut man ihnen trotzdem einen knappen Sieg über den Gegner zu, in Anbetracht des eigenen Platzvorteiles. Die vierte Mannschaft hat im dritten Der- bandsspiel Großen-Busecks zweite Elf auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe als Gegner. Es sollte den Platzverein als Sieger sehen. $. Sp. B. 1926 Steinbach. Kommenden Sonntag empfängt Steinbachs L die gleiche Steinbergs zum fälligen Derbands- spiel. Da Steinberg zwei Punkte Vorsprung vor Steinbach hat, werden die Platzbesiher alles hergeben -müssen, um mit ihnen gleichzukommen. Die beiden Mannschaften werden in stärkster Aufstellung auf treten. Beiderseits begegnet man dem Ausgang des Spieles mit größtem Interesse, da dieser eine Vorentscheidung um den Aufstieg in die erste Gauklasse bedeutet. Vor diesem Spiel begegnen sich die 2. Mannschaften von Steinbach und Daubringen, wobei Saubringen die größten Siegesaussichten hat. Arbeiier-Turn- und Sporibunv. Am kommenden Sonntag findet in Oppenrod das Schlußspiel um die Meisterschaft der zweiten Bezirksklasse statt. Oppenrod l und Wieseck II werden um die Meisterschaft ringen. Im Vorspiel konnte Wieseck mit 4:2 Sieger bleiben, ob es ihm gelingt, auch am Sonntag den Sieg wieder an sich zu bringen, hängt von den Plah- verhältnissen in Oppenrod ab, die für die Gäste noch unbekannt sind. Der Ausgang des Treffens muh deshalb offengelassen werden. In Gießen treffen die Vorturner der Bezirks- Vereine sich zu einer Vorturnerausbildungsstunde. Als Llebungsplan ist der moderne älebungs- betrieb im Turnverein vorgesehen. Dr. Curüuö Ehrenpräsident der Akademischen Weltmeisterschaften. WSR. Darmstadt, 12. Dez. Reichsauhen- minister Dr. Cur t i u s hat den Vorsitz des Ehrenpräsidiums der „IV. Internationalen Meisterschaften für Stüde n t e n". die in der Zeit vom 1. bis 10. August nächsten Jahres in Darmstadt ausgetragen werden, übernommen. An diesen Akademischen Weltmeisterschaften werden sich etwa 500 ausländische Sportstudenten beteiligen. Oberheffen. Lichtfest in Bad-Nauheim. — Bad-Rauheim, 13. Dez. Wie aus dem heutigen Anzeigenteil hervorgeht, veranstaltet die hessische Baöestadt am nächsten Sonntag ein L i ch t f e st. Reben der Beleuchtung der Straßen und Plätze erscheinen die Sprudel im bengalischen Licht, und vom Johannisberg wird ein Leuchtfeuer weit ins Land scheinen. Das WeihnachtL- konzert der Kurkapelle wird durch große Lautsprecher in die Stadt übertragen. Alles iit in vorbereitender Tätigkeit. Die Geschättswelt macht außergewöhnliche Anstrengungen, um im Schaufensterwettbewerb ehrenvoll zu bestehen. An das kaufende Publikum werden feit 8 Tagen Prä- mi^nfarten beim Einkauf im Werte von 2.50 Mk. abgegeben. Als Prämien sind zahlreiche Gewinne gestiftet, u. a. auch von der Hamburg- Südamerilanisch. OamVft eine Freireise 1. Klasse nach Boulogne-sur-Mer und zurück. Krankenhausbau in Hungen. # Hungen, 12. Dez. Rachdem der hiesige Stadtvorstand einstimmig beschlossen hat. ein neues Krankenhaus zu errichten, werden zur Zeit die Pläne von dem Hessischen Hoch- bauamt zu Gießen bearbeitet. Als Baugelände ist das Terrain bei der Katholischen Kirche an der Ecke Bellerheimer Straße und Feldheimer Waldweg bestimmt worden. Mit dieser Regelung ist man allgemein zufrieden, zumal die Kanalisation b:s zu diesem Bauplatz bereits gelegt ist und die Wasserleitung unmittelbar daran vorüberführt. Das jetzige Krankenhaus, das vor mehr als 30 Jahren als Fendtsche Stiftung der Stadt übergeben wurde, entspricht schon seit langer 3eit nicht mehr den neuzeitlichen Anforderungen. Der Beschluß deS Stadtvorstandes unter der Führung des Bürgermeisters Fendt, der dem 1 jetzigen Krankenhausnotstand abhelfen will, ist daher nur zu begrüßen. Es soll natürlich kein Krankenhaus in großem Stile geschaffen werden, jedoch soll der Bau den Anforderungen der Reuzeit entsprechend sein. Den finanziellen Verhältnissen der Stadt will man weitgehendst Rechnung tragen. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 55 bis 63 000 Mark. Mit den Rohbauarbeiten soll im Frühjahr begonnen werden. Landkreis Gießen. ch Wi e s e ck , 12. Dez. Die Volkshochschule Wieseck entschied sich zu Beginn dieses Wintersemesters nach einem Einführungsvortrag von Dr. Michel dahin, daß entgegen den früheren Ge- pflooer.hcilen Themen behandelt werden sollen, die daS Leben des einzelnen oder der Gesamtheit zum Ausgangspunkt und Ziel zugleich haben. Von diesem Gesichtspunkt geleitet, berief man zunächst Dr. Ma lech (Gießen), der über „Gesunde Lebensführung" sprach. Der Vortragende fand mit seinen interessanten und allgemein- verständlichen Ausführungen derartigen Aicklang bei der zahlreichen Hörerschaft, daß seine Vortragsreihe, die ursprünglich nur auf drei Vorträge bemessen war, auf Antrag der Hörer auf fünf erhöht wurde. Mit großem methodischem Geschick führte Dr. Ma lech in die anatomischen und physiologischen Grundlagen der Lehre vom menschlichen Körper ein, um daraus die notwendigen Folgerungen für eine vernünftige Lebens» führung abzuleiten. Reben Turnen, das fein Ziel nicht in Rekordleistungen, sondern in angemessenen und regelmäßigen Leibesübungen sieht, empfahl der Redner ausgiebige Sportbetätigung, insbesondere das Handballspiel. Besonders eingehend besprach er die Ernährung, wobei er auf did chemische Zusammensetzung und den Ditamin- gehalt der einzelnen Rahrungsmittel hinwies und daraus die Forderung nach Roh» und Frischkost als einer vernunftgemäßen Ernährungsweise ableitete. Schließlich betonte er den Wert des Ruhens nach der Mahlzeit, im Gegensatz zum sprichwörtlichen „Stehen ober 1000 Schritte gehen*. In seinem gestrigen übschliehenßen Dov« trag beleuchtete Dr. M a l e ch den Wert bzw. den Hntoett der verschiedenen Genußmittel. 2llS- dann zeigte er die Funktionen der Haut als Endpunkt unzähliger Rerven und als Aussckei- dungsstelle von Feuchtigkeit und Giftprodukten und bewies, daß eine sorgfältige Hautpflege ebenso bedeutungsvoll für unser Wohlbefinden ist, wie eine vernünftige Ernährung. In der Aussprache, von der lebhaft Gebrauch gemacht wurde, betonte der Redner u. a., daß Blinddarm und Mandeln keineswegs funktionslose Gebilde im menschlichen Organismus darstellen, und daß ihre Entfernung nur in besonderen Fallen zu rechtfertigen fei. Die Lichtbilder, die Dr. Male ch am Schluffe eines jeden Vortrags zeigte, waren sehr instruktiv und gaben dem Redner jeweils Gelegenheit, die wesentlichen Punkte seines Vortrags noch einmal zusammenzufassen. Der herzliche Dank der Hörerschaft, den Rektor Petri dem Redner übermittelte, war wohlverdient. ♦ Leihgestern, 12. Dez. In der Volkshochschule hielt der Direktor des Landwirtschaftlichen Instituts der Landesuniversität Gießen, Professor Dr. S e s s o u s, einen Vortrag über „D i e Bedeutung der deutschen Landwirtschaft für die deutsche Volkswirtschaf t". In der Einführung zeigte der Vortragende in geschichtlichen Ausführungen das Gewordensein des deutschen Bauern, besonders in Beziehung auf seine seelische Einstellung und seinen Charakter. An Hand von reichem statistischem Material wurde dann den Hörern die Verbundenheit der Landwirtschaft mit der deutschen Volkswirtschaft in finanzieller, soziologischer und bevölkerungstheoretischer Hinsicht voraeführt und ihre Bedeutung für die Gesamtbevölkerung aufgezeigt. Aeußerst eindrucksvoll wirkten die zur Unterstützung des Vortrags im Lichtbild vorgeführten Tabellen. Zum Schlüsse wurde gezeigt, daß die Krise in der Landwirtschaft, die ein wichtiger Teil der Krise in der deutschen Volkswirtschaft ist, nur behoben werden kann, wenn die nichtlandwirtschaftliche Bevölkerung Deutschlands die Bedeutung der Landwirtschaft erkennt und hilft, daß die Erzeugnisse der deutschen Landwirtschaft vor den fremdländischen Erzeugnissen dem Verbrauch zugeführt werden. Der Vortrag hinterlieh bei der zahlreichen Hörerschaft, die zum großen Teil aus Richtlandwirten bestand, den besten Eindruck. Anerkannt wurde, wie dankenswert es ist, wenn die wissenschaftlichen Ergebnisse der Universität auf diese Weise nutzbringend ins breite Volk getragen werden. * Lich, 12. Dez. Am Sonntagnachmittag fand im Saale des „Holländischen Hofs" ein öffentliche Protestkundgebung des Zentralverban- des deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener gegen die von der Regierung geplanten, zum Teil schon durchgeführten Versorgungsabbau-Maßnahmen statt. Die Versammlung war gut besucht. Die Stadt Lich war an Stelle des verhinderten Bürgermeisters Geil durch den Beigeordneten Ihring vertreten. Das Referat hielt der Landesverbandsvorsitzende Karl Moll, Gießen. Nach feinen Inständigen Ausführungen über den Versorgungsabbau nahm die Versammlung einstimmig folgende Entschließung an: „Die heute zu Lich versammelten deutschen Kriegsopfer, zusammengeschlossen im Zentral- verbände deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener e. 23., erheben schärfsten Pro - test gegen die von der Reichsregierung geplanten und zum Teil schon durchgeführten Abbaumaßnahmen und erwarten von Reichsregierung und Reichstag, daß die schon getroffenen Maßnahmen schleunigst rückgängig gemacht werden und die Versorgung so, wie es dringend erforderlich ist, fortgeführt wird. Wir gehen dabei von dem Standpunkt aus, daß das deutsche Volk seine Kriegsopfer noch nicht vergessen hat und sich auch heute noch erinnern kann, was cs denen schuldig ist, die Leben und Gesundheit für das Vaterland ließen." • Ober-Bessingen, 12. Dez. Am Sonntag veranstaltete der Provinzausschuß für den Volksentscheid hier eine Versammlung, in der Studienrat Dr. Lenz, Gießen, über den Dawes-Plan und den Vo ung-Plan, sowie üöer den vom Reichsausschuß betriebenen Volksentscheid spracy. Der Redner vertrat in seinem eingehenden Vortrage den Standpunkt des Reichsausschufses, daß der Voung-Plan abgelehnt werden müsse, um die Dawes-Krise zu erzwingen. Rur dadurch könnten unsere Kriegsgegner gezwungen werden, mit uns über einen wirklich tragbaren Reparationsplan zu verhandeln. Die Darlegungen des Redners fanden lebhaften Beifall. Letzte Nachrichten. Einigung der Regierungsparteien? Berlin, 13. De;. (MTB. vrahlmeldung.) An der Parleisührerbesprechung, die heule in ihre ent- scheidende Beratung eingetrelen ist, nahmen fast alle fiabinettsmilglieder (eil. wie in parlamentarischen fireifen verlautet, sollen die Verhandlungen einen günstigen Verlauf nehmen, so daß mit einer Einigung gerechnet wird. Rach der Parkeiführerbesprechung werden nochmals die Fraktionen zusammentreten, die sich schon seit 10 Uhr dafür bereithalten. Ls wird allgemein angenommen, daß die Regierungsparteien eine gemeinsame Erklärung abgeben, jedoch dürfte der für 1 Uhr angefehte Beginn der Plenarsitzung um einige Zeit verzögert werden. Mord und Selbstmord. Groh.Ost Helm, 13. Dez. (DTV. Drahtnachricht.) heute früh 10 Uhr wurde in einem Stall die 16jährige Tochter des Landwirts Peter h o ck in einer großen Blutlache liegend m i t d u r ch- schnillener fiehle tot aufgefunden. 3n der Scheune des gleichen Anwesens wurde wenige Minuten später d i e Leiche des etwa 30 Jahre allen Knechts Christian Weir ich aufgefunden, der offenbar das Mädchen ermordet und dann sich selb st durch einen fiarabinerschuh entleibt hat. Meirich war srüher einige Jahre bei der Fremdenlegion gewesen. Das Motiv zu der Tat ist noch nicht bekannt. Die Gerichtsbehörden au» Aschaffenburg weilen am Tatort |t»n fr. Friedrich Levermann, Gießen Bielefelder Herrenwäsche - Seltersweg 81 schetten, Stück RM. 8.75 RM. 7.80 ca. 300 Paar Damen-Handschuhe RM. 1.60 Paar 10ÖI2D I Linoleum -Teppiche . 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Er wich vor der Mutter zurück, die nach ihm greifen wollte und krümmte sich zusammen, um nicht an ihr Kleid zu streifen. Als sie den Mund öffnete, verbarg er das Gesicht in den Händen. „Sag nichts! — Ich weih ja alles! — Er ist mir zuvorgekommen. Aber ich werde den Oerhen suchen! — Es gibt keinen Platz der Erde, wo er sich vor mir verstecken kann." „Bernd!" „3n jeden Winkel werde ich kriechen! Durch alle Erdteile werde ich ihn verfolgen! Vicht einmal im Wasser soll er vor mir sicher sein!" .Bernd!" Lätzen nahm dessen Hände in die feinen. „Schweig jetzt! — Vur jetzt, Berndl" Er warf einen raschen Blick nach dem Chauffeur. „Viemand weih etwas Gewisses. Es sind alles nur Vermutungen." „Dis aus das eine — daß er tot ist!" Es war ein verzweifeltes Aufschluchzen. Brunhildc wagte kein Wort mehr an ihn zu richten. Vur ihre Hände legten sich auf seinen Scheitel und fühlten sich in der nächsten Sekunde abgeschüttelt. Das war der Richterspruch ihres Kindes, welches fein Teil mehr an ihr haben wollte. Als man eine halbe Stunde später vor der Rampe auf Schloß Anstetten hielt, stieg eine gebrochene Fran aus dem Fond und ein junger Mensch, der in einer Stunde vom Knaben zum Manne gereift war. Er ging schleppenden Schrittes die Freitreppe hinauf, ohne nur einen Blick nach Mutter und Großvater zu werfen, die ihm langsam folgten. .Bernd!" Brunhildes Ruf war ein einziges Flehen. Er toarötc das Gesicht nicht und ging durch die Flügeltüre, welche Friedrich weit offen hielt. „Herr Baron!" — Die zitternde Stimme des Alten ließ ihn für einen Moment aufsehen. Er konnte nicht sprechen und würgte an den Tränen, die ihm haltlos über die Wangen liefen, horte die Schritte von Mutter und Großvater hinter sich und hastete der Treppe zu. Eine volle Stunde lag Drunhilde vor der Tür ihres Sohnes auf den Knien und bat um Einlaß. Als man das Schloß sprengte, fand man das Zimmer leer. Kxir durch das Fenster ins Freie geflüchtet, niemand hatte gesehen, wohin er gegangen war. Letztes Finkenschlagen im Tann! Wucherndes Drombeergezweig in wehenden Büschen zwischen Farren und Kiefern gezwängt! Lautloses Atemholen des Waldes! Wipfelrauschen und letztes Käfergesumm! Talab hetzte der Quell. An der rinnenden Quelle stillten die grasenden Rehe den Durst. Bachstelzen bestaunten ihr Spiegelbild und netzten im Schwünge die Flügel. Dann Ruhe und Schweigen. 3m Forsthause standen die Fenster weit zu» ruckgelehnt. Die Hochwaldtannen warfen nacht- dunkle Bänder darüber hin, als Bernd von Anstetten in die Lichtung trat. Wenn irgend jemand um die Wahrheit wußte, wenn jemand Gewißheit zu geben vermochte, dann war es Forstmeister Bogner. Das junge Gesicht war weiß, wie die verspäteten Blüten des wilden Kirschbaumes, der zwischen den Tannen wucherte. Seine Schritte schleppten sich nur mehr. Er hatte die ganze Kraft der Muskeln und Lungen beim Aufwärtslaufen vergeudet. Ein Hund fuhr ihm fläffenb entgegen, winselte auf und verkroch sich, als ein Pfiff aus dem Hause ihn zurückrief. „Herr Baron!" Bogner kam über die Treppe der Veranda und streckte feine Hand der eisig- kalten seines späten Gastes entgegen. „Wenn Sie einen Freund brauchen, Herr Baron, — — ich bin es!" Bernd nickte. „3ch will nicht 'bleiben,“ wehrte er, als der Beamte eine bittende Geste nach dem Hause zu machte. ,,3ch will nur fragen, ob Sie mir die Wahrheit sagen tonnen! — Aber nur die Wahrheit! Sonst verzichte ich darauf." ,.3ch glaube es zu können, Herr Baron! Aber nicht hier. Vielleicht geben Sie mir für eine Viertelstunde die Ehre." Seine einladende Geste von vorher wiederholte sich. An seiner Linken schritt Bernd die wenigen Holzstufen hinauf und trat ins 3nnere. Die großen Geweihe an den Wänden hingen bereits in tiefem Schatten. Bernd sah unter der Türe des Wohnzimmers die junget Frau des Forstmeisters stehen, bk sofort zurücktrat, als er sich abwesenden Gesichtes vor ihr verneigte. Das war nicht mehr der Knabe, den sie bislang gekannt hatte. Wissend, mit dem Blick des welterfahrenen, tausendfach enttäuschten Menschen, sahen ihr die Augen Bernds entgegen. Sie schloß geräuschlos die Türe hinter beiden Männern und trat auf die Veranda, um ein Stück nach dem Wald zu geben. Durch die offenen Fenster hörte sie die Stimme ihres Mannes, welche nie unterbrochen wurde. „3ch spreche von Tatsachen," begann der Forstmeister. „Alles andere, ich meine, jedwelche Kritik zu üben, liegt mir vollständig ferne." Er fühlte sich etwas unbehaglich, als der Blick des jungen Mannes so starr und unverwandt auf ihm ruhte. „3hnen zu berichten, wie sich die unselige Katastrophe abgespielt hat. das vermag jeder andere so wenig, wie ich selbst, weil es eben keinen Zeugen gegeben hat. — Es mag so gegen vier IHjc gewesen sein, als etwa zweihundert Meter unterhalb des Hauses ein Schuß fiel. 3ch dachte erst an einen meiner Jagdaufseher, doch gab mir die geringe Schlagkraft des Schusses zu denken. — Gleich darauf krachte schon der zweite. Eine Minute später war ich auch schon aus dem Bett gesprungen. Es gab für mich keinen Zweifel mehr, daß weder der eine, noch der andere aus dem Lauf eines 3agdgewehres gekommen war. Meine Frau hatte die Schüsse auch gehört und richtete sich im Bette auf. 3ch schlüpfte in mein Beinkleid, nahm die 3oppe über und zog die Schuhe an. 3m Treppabspringen pfiff ich nach den Hunden. 3ch hatte noch kaum den Fuß auf die Veranda gesetzt, kam schon ein Weib mit schreckentstelltem Gesicht den Hang heraufgejagt. — — Cs hat Minuten gedauert, bis es überhaupt zu sprechen vermochte. Drunten in der Lichtung liege ein Toter!---Ein Mann wäre an ihr vorbeigehetzt und den Steig hinabgeflüchtet und hätte sie dabei fast über den Haufen gerannt.--Das müsse der Mörder fein. 3ch lief, wie ich ging und stand, nach dem wald- begrenzten Wiesenstück hinab, fühlte meine Füße wanken und kniete in der nächsten Minute vor 3hrem Vater. Er lag auf dem Rücken, die Lider geschlossen und die Qlrme etwas von sich gestreckt. 3ch rief ihn beim Vamen, aber trotzdem ich nicht von ihm gehört wurde, sah ich, dah rasche Hilfe vielleicht noch Rettung bringen könne. 3d) riß meine 3oppe ab und streifte das Hemd herunter, das ich in einem dicken Bauschen über die Wunde band, aus der das Blut quoll. Dann rannte ich nach Hause, um meine Frau zu verständigen, dah sie nach einem Arzt telephoniere, während ich selbst Verbandzeug zusammenraffte und wieder zurücklief. Soviel ich auch eilte, es mochte doch zehn Minuten gedauert haben. — — Als ick) hinunterkam, war der Platz leer. Das Gras ringsum zertreten und mein blutgetränktes Hemd zusammengewickelt unter einen Baumstumpf geschoben. Ob sich der Herr Baron selbst sortgeschlcppt hatte, oder andere Hände mit dabei im Spiele waren, das vermag ich nicht zu sagen. 3ch setzte sofort meine beiden Teckel auf die Fährte. Sie sind sonst verlässiger als Polizeihunde und haben eine Vase, um die jedes Raubzeug sie beneiden konnte.--Aber in diesem Falle versagten sie vollständig. Sie sprangen nur immer kläffend gegen eine Fichte und vollbrachten ein Geheul, als ob ein Handwerksbursche dort Platz genommen hätte. Es gelang mir trotz allen Befehlen nicht, sie zur Ruhe zu bringen. Dann wurden sie auf einmal ganz still, begannen nur kläglich zu winseln und auf allen Tieren heranzukriechen, als wollten sie bei mir Schuh vor etwas ganz Ungeheuerlichem finden. 3ch kümmerte mich nicht weiter um sie, lief und stolperte über einen Browning, der im Grase lag. — — Er trug das Wappen des Grafen Oerhen eingrobiert. — Das Rätsel war für mich gelöst. Es muhte sich um ein Duell gehandelt haben, das ohne jeden Zeugen verlaufen war. 3ch rannte den Wald kreuz und quer, habe die Holzarbeiter alarmiert und ihnen gesagt, der Herr Baron hätte einen Fehlschuh gemacht und wäre möglicherweise dabei verunglückt. Als ich drei Stunden später nach Hause kam, brach ich vor Aufregung zusammen. Dem Arz!, der inzwischen eingetroffen war, hatte meine Frau gesagt, dah ich mich geirrt habe. Es müsse sich wohl um einen unvorsichtigen Schuh eines Sonntagsjägers gehandelt haben, der sich, ohne weitere Hilfe toieber davongemacht hätte. Wir wollten um jeden Preis vermeiden, dah der Vame der Herrschaften von der Allgemeinheit herumgezerrt wird. 3ch hoffe, dah wir in 3hrem Sinne, sowie auch in dem 3hrer Frau Mutter gehandelt haben, Herr Baron." Bernd neigte kaum merklich das Haupt. „Sie haben meinen Vater also noch lebend getroffen, Herr Forstmeister?" „3a! — Allerdings ohne Bewußtsein. Aber daß sein Herz schlug und die Brust in kurzen Stößen atmete, das kann ich, ohne lügen zu müssen, jederzeit beeidigen." „Glauben • Sie, dah Oerhen ihn weggeschafft hat?" „Vielleicht--obwohl ick) es eigentlich für ausgeschlossen halte. Er ist, wie die beerensuchende Frau ganz richtig meldete, talab geflüchtet. Wahrscheinlich hielt er 3hren Herrn Vater für tot. — Es müssen ganz andere Kräfte im Werk gewesen sein, daß der Herr Baron in dieser kurzen Zeit vom Platze verschwinden konnte. 3ch glaube nicht an okkulte Dinge — es wird zu viel Schwindel damit getrieben, ---aber meine Frau —" „Dürfte ich Sie bitten, fertig zu sprechen, Herr Forstmeister?" „Also ganz ohne Gewähr!--3hr Herr Vater hat einmal hier gesessen, genau in dem gleichen Stuhl. Es war damals, als ihn das Gewitter überraschte, ilnb hat ein Glas Tee mit uns getrunken. Da .sah meine Frau plötzlich hinter seinem Rücken ein bronzenes Gesicht auftauchen, das sich zu ihm herabneigte. 3ch habe wohl gemerkt, wie ihre Hände beim Füllen der Tassen zitterten, aber erst hernach die Ursache davon erfahren. An dem Vormittag nun, an welchem ich nach 3hrem Herrn Vater suchte, behauptete sie, dem gleichen Gesicht im Walde begegnet zu fein. Es wäre ein Mann Mitte der Dreißiger in der Kleidung eines 3nders gewesen, mit ,braunem Hautton und ein paar tiefdunklen, traurigen Augen. Sie hat Furcht bekommen und ihren Heimweg beschleunigt. Vach einigen Schritten hat sie sich umgewandt, aber nichts mehr von ihm gesehen." „Denken Sie an Zigeuner, Herr Forstmeister?" „Derlei kommt gar nicht in Betracht, Herr Baron! Lassen Sie diesen Gedanken ruhig fallen. — Aber wenn ich mir alles so vergegenwärtige: Das Gebühren der Hunde am Schauplatz der Tat! Ferner die Begegnung meiner Frau mit dem Altbekannten, drängt sich mir doch die Möglichkeit auf, daß der Herr Baron bei seinem jahrelangen Aufenthalt in 3ndien irgendwie die Bekanntschaft eines Mannes gemacht hat, der noch jetzt eine Rolle in feinem Leben spielt." „Vater ist ganz allein aus 3ndien zurück- gekommen," warf Bernd ein, „nur Stephan war bei ihm." .,3ch weih es. Herr Baron!--Trotzdem müssen irgendwelche Zusammenhänge bestehen. — — Welcher Art diese sind, wäre natürlich nur durch den Herrn Baron allein zu erfahren." 3n Bernds Gesicht verstärkte sich der müde, vergrämte Ausdruck, der die ganze Hoffnungslosigkeit seines 3nncrcn verriet. Er erhob sich und verneigte sich gleichzeitig vor Bogner. „3ch danke 3hnen für 3hre Auskunft, Herr Forstmeister! — Es sind noch acht Tage bis zum Schulbeginn. Dis dahin hoffe ich, meinen Vater gefunden zu haben." (Fortsetzung folgt.) maVek. Mutter hat so fein gekocht, und ich habe das Besteck mit Ara geputzt. Seht nur, wie es funkelt! Mutter meint, es geht nichts über Ata, das macht alles appetitlich und frisch und ist besonders billig. Das sage ich auch. Nur 20 Pfennig kostet die sparsame Streuflasche. Henkels Putz-und Scheuerpulver putzt und scheuert alles. Nur in Originalpackung-niemals lose. Hergestellt in den Persil-Werken Nr. 292 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheflen) Sreitag, (3. Dezember (929 »I— Uli--II——1—■*—Tn~|-|t— Wirischast. Niskontermäßigung der Sank von England London, 12. Dez. (WTV. Drahtmeldung.) Die Dank von England hat ihren Dis- k o n t s a h um 0,5 Prozent von 5,5 auf 5 Prozent ermäßigt. Schweden ermäßigt den Diskont. Stockholm, 12. Dez. Die Schwedische Reichsbank hat den Diskontsatz von 5,5 auf 5 v. H. ermäßigt. * * Weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit. In der zweiten Novemberhälfte ist die Zahl der Hauptunterstühungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung um rund 185 000 oder 18 v. 5). gestiegen. Sie beläuft sich nunmehr auf 1,2 Millionen Personen, darunter rund 960 000 Männer und 240 000 Frauen. 3n der Krisenunterstühung befanden sich am 30. November 18t 000 Personen, also 8000 mehr als in der Mitte des gleichen Monats. Vertagung der Verhandlungen des Kontinentalen Röhrenverban- d e s. Die in den letzten Lagen in Düsseldorf stattgefundenen Verhandlungen über die Erneuerung bzw. Verlängerung des Kontinentalen Röhren- Verbandes sind nach 3n;orma;i:nen des WLV.- Handelsdienst ergebnislos abgebroc'en worden. Dies soll auf übertriebene ausländis^e Quotenforderungen, insbesondere dec Vismarckhütte, die bekanntlich ein neues Röhrenwerk errichtet hat, sowie der tschechcslowalischen und ungarischen Erzeuger zurückzuführen sein. * Annener Gußstahlwerk A.-G. Annen i. Wests. Der Betriebsverlust beträgt 15189 Mk. (i. 03. 141 889 Mk. Gewinn). DuLch Gewinnvortrag aus dem Vorjahre ergibt sich ein buchmäßiger Lieberschuß von 46 733 Mk., der auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. (3. V. 10 v. 5). Dividende.) * Rheinisch - Westfälische Stahl- und Walzwerke A. G. Der Reingewinn beträgt 502 993 (686 894) Mark, aus dem 1 (8) v. H. Dividende vorgeschlagen werden. Llmsah 23,0 (23,1) Mill. Mk., Exportanteil 20,9 (14,1) v. H. Frankfurter Börse. Frankfurt, 13. Dez. Tendenz freundlich. Hinsichtlich der untlaren innerpolitischen Lage war man im heutigen Vormittagsvertehr unsicher, und es ergaben sich gegenüber der gestrigen Abendbörse zumeist Abschläge bis zu 2 Proz. Kurz vor Beginn des offiziellen Verkehrs wurde die Stimmung jedoch zusehends freundlicher. Der ernste Appell der Rcichsregierung an die Parteien verfehlte seine Wirkung nicht, und man nimmt an, daß das neue Finanzprogramm ohne nennenswerten Widerstand zur Annahme gelangen dürste. Die Ausführungen des Reichskanzlers Müller im Reichstage wurden in der Presse günstig ausgenommen und trugen ebenfalls zur Klärung der Lage bei. Die Bemühungen der Reichsregierung, einen Lleberbrückungskredit für den 3anuar°Llltimo zu erhalten, fanden ebenfalls günstigen Wederhall. Das Geschäft wurde plötzlich lebhafter, und die Tendenz nahm ein festeres Aussehen an. Die vorbörslichen Kursabschläge wurden aufgeholt und gegenüber der gestrigen Abendbörse vereinzelt noch bis zu 3 Proz. überschritten. Eine Sonderbewrgung fand auch heute wieder in erster Linie in Reichsbankanteilen statt. Bei lebhafter Nachfrage konnte dieses Papier erneut 6 Proz. gewinnen. Ferner bestand im Zusammenhang mit der Tatsache, daß Dr. Hartogs bereit ist, die Leitung der neuen technischen Deratungsabteilung des Aku-Konzerns zu übernehmen, für dieses Papier recht reges 3nteresse mit plus 3 v. Sj. Gleich nach Festsetzung der ersten Kurse lieh das Geschäft jedoch wieder beträchtlich nach, da auf der anderen Seite einige ungünstige Momente einen gewissen Pessimismus aufkommen ließen. Vor ollem verstimmte wieder die schwache gestrige Neuyorkec Börse und die starke Zunahme der Arbeitslosigkeit im Reiche. Der Grundton der Börse blieb aber unverändert zuversichtlich und freundlich. Am Elektromarkt gewannen Siemens 2 v. H., Elektrische Licht & Kraft 1 v. $)., AEG. 1,25 v. H. Am Montanmarkt ergaben sich Erhöhungen von 0,5 bis 1 v. H. 3m Gegensatz zur Allgemeintendenz lagen auch heute Schifsahrtsaktien, die im Angevot lagen und bis zu 1,5 v. H. schwächer eröffneten. Für die Farben- aktie machte sich ebenfalls mehr 3nteresse geltend, doch konnte hier e'in geringer Gewinn erzielt werden. Renten fast ohne Geschäft. Neubesitz etwas schwächer, Altbesitz dagegen leicht erhöht. 3m Verlaufe schrumpfte die Ümsatztätigkeit wieder stark ein. Die Kurse blieben gegen Anfang zumeist gut behauptet. Vermehrtes 3nteresse bestand nur noch für einzelne Spezialwerte. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6,5 v. H. notiert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1775, gegen Pfund 20,384, London gegen Kabel 4,8800, gegen Paris 123,93, gegen Mailand 93,24, gegen Madrid 35,10, gegen Holland 12,0913. Berliner Börse. Berlin, 13. Dez. Nach einem unentschiedenen Vormittag und einer eher schwächeren Vorbörse lagen die ersten Notierungen höher als erwartet. Die Kurse waren meist schon wieder aus gestrigem Vörsenschlußniveau. Die Enttäuschung über das Ausbleiben der Neuyorker Diskontermäßigung war überwunden, und man beurteilte die innerpolitische Situation etwas o p t i m i st i s ch e r. Man hofft, daß die Regierung das Vertrauen bekommen werde, und glaubt, in diesem Falle den Lleoerbrüctüngskredit des Reparationsagenten resp. seitens Dillon tauchte in diesem Zusammenhang heute die Ctauchte in diesem Zusammenhang heute die Version auf, daß Dr. Schacht seine Forderung nach dem Sofortprogramm nur unter dem Druck des Reparationsagenten gestellt habe. Die Londoner Diskontsenkung wirkte nach. Ausgesprochen fest lagen schon zu Beginn wieder Reichsbankanteile mit plus 4 Proz., in denen die guten Käufe anhielten. Chadeaktien plus 2 Mark, Charlottenburger Wasfer plus 1,5 Proz., Kanada plus 2 Proz. Berlin-Karlsruher 3ndustrie erreichten seit längerer Zeit einen Kurs von 70 Proz. Deutsche Anleihen etwas schwächer. Von Ausländern verloren Bosnier und Mexikaner bis zu 1 Proz. Pfandbriefmarkt geschäftslos. Liquiaationspfandbriete und -anteile ziemlich gehalten. Am Geldmarkt machte sich schon eine Versteifung zum Ultimo fühlbar. Tagesgeld erhöhte sich auf 6 bis 8 Prozent, Monatsgeld auf 9 bis 10,5 Proz., Warenwechsel notierten unverändert mit 7,40 Proz. Nach den ersten Kursen war es vorübergehend lebhafter. Spezialwerte wie 3lse Bergbau. Kunstseidewerte, Siemens, Salzdetfurth, Polyphon, Elektrische Lieferungen usw. konnten zeitweise bis zu 3 Proz. anziehen. Auch für Charlottenburger Wasser und Berlin-Karlsruher 3ndustrie erhielt sich 3nteresse. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 10. Dez. Ein hiesiger Kaufmann hat längere Zeit hindurch, nachdem seine Zahlungsunfähigkeit erwiesen war, durch Unterlassung von Lohnabzügen und Nichtablieferung der Krankenversicherungsbeiträge für bei ihm angestellte Dienstmädchen gegen die Reichsversicherungsordnung verstoßen. 3n gleicher Weise hat er sich gegen das Gesetz über die Arbeitsvermittlung und die Arbeitslosenversicherung vom 17. 3uli 1927 vergangen. Das Urteil lautete auf Haft st rasen von 20 und 10 Tagen. 3n der Urteilsbegründung wurde das Verhalten des Angeklagten sehr scharf gegeißelt, weil ihm offensichtlich jedes soziale Derantwortungsbewußtsein und auch der gute Wille, nachträglich wenigstens einigermaßen noch seinen Verpflichtungen nachzukommen, gänzlich abgeht. Zwei Polizeiwachtmeister sahen sich infolge von Ausschreitungen, die zwei Gäste eines hiesigen Cafes nachts kurz nach dem Verlassen desselben auf der Straße verübten, veranlaßt, den einen mit zur Wache zu nehmen, zumal er seine Personalangaben verweigerte. Auf dem Wege dorthin widersetzte er sich und suchte sich dem Zugriff der Polizeibeamten zu entziehen, wobei ihm der andere nach Kräften Hilfe leistete. Ersterer erhielt unter Annahme mildernder Umstände wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung — er hatte auch den einen der beiden ihres Amtes waltenden Wachtmeister beleidigt — insgesamt eine Geldstrafe von 6 0 M k., der letztere unter gleicher Annahme wegen des erstgenannten 03ergehens eine solche von 5 0 M k. 3n Großen-Linden auf der Frankfurter Straße kollidierte ein Autofahrer mit einem Radfahrer, der aus einer Seitenstraße kam. Ersterer soll vorschriftswidrig nicht rechts, auch zu rasch gefahren sein. Durch die Beschaffenheit der Straße, namentlich durch eine über die Hauptstraße nach der Seitenstraße laufende Gosse, wird dort die Sicherheit des Fahrens nicht unwesentlich beeinträchtigt. 3m Zusammenhang hiermit' mag die Nichteinhaltung der rechten Straßenseite geboten gewesen fein; der Angeklagte mußte aber unter allen Umständen seine Fahrgeschwindigkeit derart vermindern, daß er imstande war, sein Fahrzeug auf kürzester Strecke zum Stehen zu bringen. Das hat er offensichtlich nicht getan. Strafe: 20 Mk. _________________ Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmitlag geschloßen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne belgefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 242. Don T. Taverner. Preisgekrönt in einem englischen Turnier. 8 6 5 3 7 4 2 1 a ■,52% Schwarz. VZgW- 8 7 5 6 4 3 2 1 M ! Ä a b 2 h b c d e f g h Weiß. Weiß zieht und seht in zwei Zügen matt. Weih 10 Steine. Kg2; Dh5; Tfl, h2; Lgl, h7; Sei, c7; Be2, f3. Schwarz: 7 Steine. Kf4; Te8. f8; Ld8, g8; Bc4, c5. Endspiel Nr. 80. 8 7 5 4 3 2 6 1 4 3 8 7 6 5 2 1 Weiß. f g h Don Dr. Berthold LaSker f. Schwarz. a b Weiß am Zuge gewinnt. Weiß: 4 Steine. Ke6; Dg6; Lf7; Bf5. Schwarz: 6 Steine. Kh8; Td8; Lg5; Bc2, f6, h6. Der Komponist der vorstehenden schönen Studie ist ein Bruder des Exweltmeisters Dr. E. Lasker. Lösung des Problems Dr. 238. Don 3. Drown. I. Sb3-d4!, Lg3-e5. 2. l)!bxg5 nebst 3. Dg5— d2 oder d8 matt. 1.....g5-g4. 2. Sd4 - e2, beliebig. 3. Se2-c3 oder Dc6 oder St4 malt. l. . . ., Lg3- d6. 2. Sd4—c6, g5 — g4. 3 Dtö —f7 matt. 2. .. n L beliebig. 3. Lb4 oder Se7 oder Dxc5 matt. Lösung des Endspiels Dr. 80. Don Dr. D. Lasker. 1. U7-g8, Td8xg8. 2. Ke6-t7!, TgSxgö 3. k5>-gb usw. Aus der Schachwelt. Nach Beendigung des Schachturniers zu San Remo beginnt am 15.3anuar ein internationales Schachturnier zu Nizza, veranstaltet vom dortigen Schachllub. Es nehmen u. a. teil: Dr. Tartakower (Frankreich), Orbach und Seih (Deutschland), Sir Thomas und 3ates (England). Das Turnier endet am 4. Februar. Schachbriefkasten. Dr. H. B. Detmold: 3hr Versuch bei Problem Nr. 236 scheitert an: 1..... De4; auf 2. Sc4 -j- folgt dann 2. Kd5. Oie Narrenkappe. Splitter und Sparren vom DedaktionStisr-. heilige Einfalt. In einer modernen Gemäldegalerie steht ein junges Paar ratlos vor einem Bild. Man holt sich Auskunft im Katalog. Hier sieht: „Kubistische Landschaft". Bedauernd meint sie: „Gott, dieses Kuba muß doch ein entsetzliches Land sein!" (Lust. Bl.) Aufschnitt. Bor ein paar Jahren war ich in Ragusa, das ein herrlicher Platz ist und wo eine köstliche Lagune 3um Baden einlädt. Der Bademeister spricht deutsch. Ich wandte mich mit der Frage an ihn: „Gibt es auch keine gefährlichen Seetiere in diesem Gewässer?" „Nein", sagte er, „wir haben hier nur harmlose Barsche." „Aber im Hotel erzählt man mir, im vorigen Jahr habe sich ein Sägefisch in der Lagune gezeigt." „3a, aber das war ein ganz besonderer Fall. Nämlich, da ist hier an der Küste ein Schiff mit fünfhundert Fässern Rum untergegangen, und da haben sich unsere Barsche den Sägefisch kommen lasten, um die Fässer aufzukriegen." (Lust. Bl.) „Iphigenie." Folgenden Scherz findet man in einem Berliner Blatt: Bei einer volkstümlichen Dorstellung der „Iphigenie" sitzt in einer der vordersten Parkettreihen eine alte Dame, deren Gehör nid)t mehr ganz zuverlässig ist. Ihre junge Begleiterin hat daher die Aufgabe, die Vorgänge auf der Bühne zu erklären, sobald sie merkt, daß durch die mangelnde hör- fähigkeit der alten Dame das Verstehen der Büh- nenvorgänge nicht möglich ist. Am Schluß der dritten Szene des ersten Auszugs hört man in der lautlosen Stille des Theaters die an das Ohr der alten Dame gerichteten, mit überzeugter Sicherheit gesprochenen Worte: „Zu einer heirat kommt es vorläufig nicht." Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die höhe der zuletzt beschlostenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v.h., Lombardzinsfuß 8 o.h. Zraiikfurt a VI Berlin — — 125,5 — Nelsenttrchener ...... . 8 122,5 122,5 122,25 122,5 haroener......... . 0 131,5 — 131,5 131,25 hoesch Eisen........ 6V, —» —- 107,75 108 Ilie Bergbau..... . 10 218 — 217 216 Ilöcknerwerke . ...... — 91,5 90,5 91,25 stoln-Neuellen . . . . 7 — — 106,75 106,5 Mannesman--Röhren . . . . 7 90,5 90,9 90,75 30,75 Mansseldet Bergbau .... 110,25 109,25 107,9 Cbcnrfi'ei. Ei^n.eoart . . . — — — Obenchlei. Kolowerke.... . 7 — — 93,: 93,6 Pbonir Bergbau...... Rhe'nhche Braunkohlen. . . ey, 10 99 240,5 100 98,9 239 99,4 238 Rhetnktahl........ . 6 104 104.5 104,25 104.5 Riebeck Montan...... Frankfurt a M Berlin ■rdhUB- -Ul' Lchluy Aniang- ffur# Dir Kure Kurs Datum 12 12 13 12 12- 12 13 12 Bereinigte Slahlw 100 — 100,4 100,25 Olavi Minen ■ 16’/. — — 53,5 53,25 ftai werke ÄicherSlebeu ■ h 181,5 283 182 ßa. werke Westeregeln lü 188,5 188,5 190,5 Kaliwer e -sattoeiiurth 15 312 -- 312,5 315 Ä- S Farben-Industrte Dvnamli Nobel . . . 18 177,75 178 177,25 177,75 . 6 82 — ScheideanstaU.... ■ . y 140,5 140,5 — Goldichmioi .... e . 5 64 63,5 64.5 64,25 RülgerSwecke .... e . 6 68,5 69 68,75 68.9 MelallgeieUichaft . . • . 8 113 113,5 113.25 112,9 Philipp Hofmann . . 7 82 82 81,25 81,25 lernen werk beidelberg 10 117 117 Eementwerk Karislavt 10 — — Waotz e ,n ö ag • . 8 80 79 81 • — Schultheis Payen Hof« 15 — 272,5 271 Oftwerf?...... 12 — — 210,25 206,5 8er. Gianzstoff . . . 18 130.5 133 127,75 131,5 Bemberg...... 14 152 — 151,75 152,5 Zellstos' Waldhos . . WA — 130,75 177,65 178,75 Zellsloji Alchasjenburg Charlottenburger Walser X‘4 135 136 134 . 8 90,65 92,5 Schauet Gar . . . . V — — 152,25 152,25 Daimler Motoren . . . 0 36 — 36,25 36,13 Deutiche Linoleum . .35,5 _ 234,5 235,5 Maschinenbau A.-G. . e . 0 — 39,25 40 Ä rro-r Ul (j e . . e 0 ■ — t'uoiv. L'oew . . - 10 — — 149,5 150 Rat. Auwmobil . . . Oreniiew 4 Koppel . . 0 — — 18 * . 6 — 68 l'-onbaro Tietz . . . • 10 — — 148 _ Sven-ko ...» • • • 324 — 322,5 323,5 Frankl. Maichinea . . - . 4 42 ___ 40 _ Grtyner ..... . 6 47 — 47,25 _ beyltgensiaevl . . . Junghan». • . u 6 — . 6 46 — 46,5 _ Lewioerke. 8 ,02,25 _ Mainkrailwerte Höchst a. M. 8 105,25 _ _ Mlaq. 10 118,5 —- 117 118 Gedr. Roeder ... 10 108 _ Voigi » Haesfner . . M. - . 9 222 _ Sudtz. Lucker . . . . • • 10 161,25 — 161 — Banknoten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Berlin, 12. Dezember .Gelb Bries Amerikanische Noten .... 4.1665 4.1865 Belgische Ololen ....... 58,31 58,55 Dänische Noten ....... 111,73 112.17 Englische Noten . ....... 20,352 20,432 Fronzoliiche Noten ....... 16,39 16,45 Holländische Noten ....... 168,06 168.74 Italienische Noten........ 21,73 21,81 Norwegische Noten....... 111,63 112,07 Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling 58,65 58.89 «umanlidK Noten....... 2.47 2,49 Schwedische Noten....... 112,40 112,84 Schweizer Noten . ....... 81,19 81.51 Svantsche Noten........ 57,73 57,97 Tlchechoilowakisckie Noten. • • . . 12.33 12,39 Ungarische Noten . ..... 72,87 73,17 12 Dezember 13 Dezember Ämtliche Notierung tilmUiche Notierung Geir Brie, (9el6 B,c A nm.- Roti 168,41 168,7a 168.35 168,69 Buen.-AireS 1,719 1,723 1,723 1,727 Brsi.-Antw 58,395 58.515 *8.385 58,505 (fbriftianla. 111,86 112,08 111,85 112,07 Kopenhagen 112,01 112,23 111.95 112,17 Stockholm . 112,57 112,79 112,53 112,75 HelsingforS. 10,485 10,505 10,437 10,507 (Italien . . 21,84 ■ 21,88 21,835 21,875 London. . . 20,355 20,395 20,355 20,395 'Neunork . . 4,1725 4.1805 4.1715 4,1795 Paris. . . . 16,42 16,46 16,425 16,465 ednueU . . 81,085 81,24j 81,085 81,245 Sva >ten - 58,03 58,15 57,89 58,01 Japan . . . 2,043 2,047 2,043 2,047 wo de Jan Wien in D-> 0,452 0,454 0,469 0,471 C-eft adgest 58,74 58,86 58,73 58,85 Prag . . . Belrrad . 12,381 12,401 12,381 12,401 7,403 7,417 7,403 7,417 Budapesi. . Bul arten 73.06 73,20 73,05 73,19 3,017 3,023 3.017 3,023 t'ifTabon Danüg . Konst ndn. 18,80 18,84 18,80 18,84 81,39 81,55 81,39 81.55 1,978 1,982 1,980 1,984 Oi'tbtn. Kanada 5,43 4,131 5,44 4,139 5,43 4,134 5,44 4,142 Uru uay . 3.946 3,954 3,960 3,974 fcatro , . . 20,88 20,92 20,875 20,915 M, KM h K AW Freude bereiten NB ZWEI WORTE, die den ganzen Zauber des Festes umschließenl Kinderleicht ist es, zu beglücken — wenn Sie richtig wählen. Mein reichhaltiges Lager bietet beste Gelegenheit! - Sie finden hier: Moderne Kamine Dauerbrandöfen Gasherde Kohlenherde Ofenschirme Kohlenkasten Waschmaschinen für Hand- und Kraftbetrieb Wringmaschinen und Wäschemangeln Kleine Haushaltungsmaschinen Haus-u. Küchengeräte aller Art Solinger Stahlwaren -------— Werkzeuge für Erwachsene und Kinder Schlittschuhe Rodelschlitten Christbaumständet J. B. Häuser • Gießen • Am Oswaldsgarten Tel. 2145 und 2146. 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