Nr. 215 Erstes Blatt 179. Jahrgang Zreitag, 15. September 1929 Eriche int täglich,archer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Mosatr vezugsprelr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzclnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Sietzen« Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Zteindruckerel H. Lange in Sietzen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Fortgang der Ltntersuchung gegen die Bombenleger. Neue Verhaftungen in Holstein. Altona, 12. Sept. (WB.) Wie von zuständiger Stelle verlautet, sind gestern in Hamburg außer den bereits Genannten auf Grund weiterer Ermittlungen der Gaugeschäftsführer der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Emil Drix aus Itzehoe und der Kaufmann Adolf Rensch verhaftet worden. Ob die Verhafteten in einem Zusammenhang mit den Sprengstoffanschlägen stehen, bedarf noch der Klärung. Das Gerücht von der Verhaftung des preußischen Landtagsabgeordneten Lohse bestätigt sich nicht. Die Verhaftung des Gemeindevorstehers W i ck in Rönne erfolgte, weil Wick stark verdächtig sein soll, die Haupttäter begünstigt zu haben. Bei der Haussuchung soll wichtiges Deweismaterial gefunden worden fein. Man glaubt,, daß weitere Verhaftungen erfolgen werden. 3n Ilmenau in Thüringen ist die Mutter des dringend der Tat verdächtigen, aber in das Ausland geflüchteten Herbert Volk, Frau Dobel, von Polizeibeamten vernommen worden, da sie in engster Verbindung mit ihrem Sohne steht und den Schriftwechsel ihres Sohnes mit seinen Anhängern vermittelt hat. Frau Dobel ist vorläufig fest genommen worden. Ferner wird berichtet, daß der Sohn des geflüchteten Volk zu der Gruppe gehört, die vor zwei wahren die Synagoge in Lüneburg geschändet hat. Der Sohn dieses Volk soll auch zu dem Sprengkommando gehört haben. Auf dem Schwarzen Derge bei Harburg wurden, in einer Kiste vergraben, 60 Schuß Infanteriemunition gefunden. Man weiß nod) nicht, wie diese Munition dorthin gekommen ist. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Das erste Geständnis. Weschke an dem ersten Sprcngstoffattentat beteiligt. B c r l La, 13. Sept (Priv^Tel^-Jm -Äoitfe -es gestrigen Spätnachmittags hat laut „Lokalan;." im Altonaer Polizeipräsidium der Syndikus Guido Weschke ein Geständnis abgelegt. Rach seiner Aussage hat er d a s Spreng ft offatfen- t a t in w e i d e n f l e t h am 28. November 1928, das erste in der Reihe der Attentate mit verübt. Seine Mittäter zu nennen war er bisher noch nicht zu bewegen. Eine weitere bemerkenswerte Aussage hat Nickels gemacht, bei dem bekanntlich die Höllenmaschine gefunden wurde. Lr erklärte, daß er für die in Itzehoe erscheinende Zeitung „Das Landvolk" Aktien vertrieben habe. Er habe dabei das Recht, Gelder einzukassieren und sie bis zur höhe der Deckung seines Gehalles einzube- hallen. Man kennt auch eine Reihe von Landwirten, bei denen er in dieser Angelegenheit vorge- sprochen hat, und diese bestätigten bereits Nickels Tätigkeit für die Zeitung „Das Landvolk". Drei Verhaftungen in Mülheim (Ruhr). Essen, 12. Sept. (WB.) Im Zusammenhang mit der polizeilichen Untersuchung der Sprengstosf- attentate in Schleswig-Holstein, Lüneburg und Berlin sind am Mittwoch nachmittag in Mülheim an der Ruhr drei Personen auf Ersuchen der zur Zeit in Altona weilenden Berliner Kriminalpolizisten festgenommen worden. Es handelt sich dabei um den Juwelier Fritz Rehling, den Kaufmann Hans Rudorfs und den Konditor Anton Groß, sämtlich aus Mülheim. Die drei Verhafteten hatten einer deutsch-völkischen Tagung in Rostock beigewohnt und hatten von dort aus a n den „P o l i z e i h a u p t m a n n" Nickels Kar - ten grüße gesandt, die in die Hände der Polizei gefallen waren. Von Rostock aus hatten die drei jetzt Festgenommenen Nickels dann auch in Hamburg besucht. Alle drei Personen wurden der Landeskriminalstellc in Essen zugeführt; sie bestreiten, mit den Bombenattentaten irgend etwas zu tun zu haben. Oie Höllenmaschine. Hamburg, 13. Sept. (WB.) Am 11. September wurde, wie bereits gemeldet, in der Wohnung des Hamburger Kaufmanns Alfred P ü n j e r eine Höllenmaschine gefunden, die er von Nickels e r - halten hat. Die Untersuchung hat nun ergeben, daß die Anordnung des Zeitzünders unter Verwendung von drei Taschenlampenbatterien und einem Uhrwerk die gleiche war, wie im Falle Lüneburg und Schleswig. Die Höllenmaschine enthielt 733,5 Gramm Sprengstoff. N. G. D. A. p. und Lanövolkbewegung. Eine Erklärung der Nationalsozialistischen Partei. München, 12. Sept. (WV.) Die Leitung der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei veröffentlicht im „Völkischen Beobachter" eine Erklärung, in der es u. a. heißt: „Berliner Blätter versuchen anläßlich der Verhaftung der angeb- • liehen Dvmbenwerfer die nationalsozialistische Bewegung mi t der Lan dv olkbewegung zusammenzulegen. Die Parteileitung der R. S. D. A. P. stellt demgegenüber fest: Von den Verhafteten ist kein einziger Mitglied der R. S. D. A. P. Die Rational- sozialistische Deutsche Arbeiterpartei hat mit der Landvolkbewegung so wenig zu tun, wie mit irgendeiner anderen politischen Bewegung oder Partei. Den Angehörigen der R. S. D. A. P. ist es verboten, Mitglied der Landvolkbewegung oder einer anderen Organisation mit befehlsmäßiger Unterstellung zu sein. Parteiangehörige, von denen bekannt wurde, daß sie auch nur Beziehungen zur Landvolkbewegung unterhalten haben, wurden sofort aus der R. S. D. A. P. ausgeschlossen. Die Parteileitung sieht in der Landvolkbewegung ein Unternehmen, dessen Hintermänner ebensowenig erkenntlich sind wie deren Ziele. Auf der Suche nach Waffenlagern? Altona, 13. Sept. (WTB.) Rach der Aussage eines der Verhafteten und im hiesigen Polizeipräsidium Vernommenen soll sich im Kreise Winsen ein größeres Waffenlager befinden. Daraufhin ist in den heutigen Abendstunden sofort ein größeres Polizeiaufgebot dorthin entsandt worden. Angeblich sollen dort bereits 30 Gewehre und zwei Maschinengewehre beschlagnahmt worden fein. Eine amtliche Bestätigung der Meldung war noch nicht zu erlangen. Es haben sich auch Verdachtsmomente dafür ergeben, daß sich in Altona ein W a f f e n l a ge r befindet. Die Kriminalpolizei hat sofort Maßnahmen zur Aushebung des Lagers ergriffen. Das Waffenlager im Kreise Winsen. Hamburg, 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) Wie der Polizeibericht meldet, wurde bei einer Durchsuchung in der letzten Nacht auf dem Anwesen des Vaters des in der Sprengftoffangelegenfjeit festgenommenen Landmanns Amandus V i ck in Rönne (kreis Winsen), auf dem Hausboden folgende Waffen und Munitionsvorräte gefunden: 2 Maschinengewehre, 28 Gewehre, 35 Stilhandgranaten, 5 Kasten Maschinengewehrmunition, 2 Kasten Gewehrmunition, außerdem Ersatzteile, Werkzeuge, Oet- und Wasserkasten. Das versteck dieser Gegenstände war ein 3 Meter tief aus- gemauerter Schacht. Der Fußboden war an der betreffenden Stelle des Hausbodens heraus- gefchnitten und in die entstandene Lucke wieder hineingelegt worden. Eine große Futterkiste, die Über diesem Ausschnitt stand, verdeckte die Stelle. Auch Amandus vick jun. wurde fe st genommen. plaas stellt sich -er Polizei. Ein Brief Ehrhardts Berlin, 12. cpt. Bei der am Mittwoch im Zusammenhang mit der Aktion gegen die.Bombenatten- täter durchgeführten Haussuchung im Berliner Ehrhardt-Bureau in der Steglitzer Straße wurde bekanntlich der Leiter des Bureaus, Plaas, nicht angetroffen. Aus bisher unbekannten Gründen chatle .seine Sekretäria .Sonja e-s.^ei 'hrer Vernehmung im Polizeipräsidium nicht angegeben, daß Plaas sich am Vortage zu Kapitän Ehrhardt nach dessen Gut Wuthenow bei Neuruppin begeben hatte, und zwar, wie es heißt, um dort an der Hühnerjagd teilzunehmen. Die Meldung, daß die Berliner Polizei Plans suche, traf erst am Donnerstag früh auf Gut Wuthenow ein, woraufhin Plaas im Einvernehmen mit Kapitän Ehrhardt sofort nach Berlin zurückkehrte und sich am Donnerstagnachmittag nach vorheriger telefonischer Anmeldung freiwillig der Abteilung I A zur Verfügung ft eilte, wo man ihn sofort einem Verhör unterzog. Dem Regierungsdirektor W ü n d i s ch als dem Chef der Abteilung IA übergab Plaas folgendes Schreiben des Kapitäns Ehrhardt: „An das Polizeipräfidium Berlin, Abteilung la. Auf Grund der Pressenachrichten, die mich und meinen politischen Anhangerkreis in Verbindung mit den Bombenatteniaten bringen, habe ich meine politischen Vertrauensleute zu einer Tagung berufen. Ich mache dem Polizeipräsidium diese Mitteilung, um von vornherein irgendwelchen Kombinationen oder Gerüchten die Unterlage zu entziehen. Ich gehe dabei von der Voraussetzung aus, daß es Aufgabe der Polizei ist, die Oeffentlichkeit zu beruhigen. Zu meinem Erstaunen habe ich gesehen, daß das Polizeipräsidium es bisher nicht für erforderlich gehalten Hal, der Presse irgendeine Richtigstellung, die meine Person oder die Tätigkeit in meinem Bureau betrifft, zuzustellen. Ich habe festgeftellt, daß nach der Liste der verhafteten, die mir durch die Presse vorliegt, außer T e ch o w und dem in Berlin wohnenden Ernst v. Salomon niemand zu meiner aus dem Jahre 1921 und 1922 bekannten Organisation (Neu- deutscher Bund) oder zu dem später gegründeten Wicking-Bund gehört hat. Daß sowohl Techow wie Ernst v. Salomon an der jetzt schwebenden Sache völlig unbeteiligt sind, sieht für mich fest und wird sich wohl auch in Kürze erweisen. 3m übrigen gehören die beiden Herren schon feit längerer Zeit nicht mehr zu meinem politischen Anhängerkreis. Das dürfte der Polizei ja bekannt fein. Daß eine Organisation „O. E." nie bestanden hat, sondern nur in der Phantasie der Presse vorhanden war, dürfte doch ebenfalls bekannt fein, andernfalls verweise ich auf das Urteil des Skaatsgerichtshofes. Ich stelle jedoch keineswegs das Vorhandensein einer Organisation und eines Bundes — vorn Jahre 1920 beginnend bis zur Auflösung des Wikingbundes — unter meiner Führung in Abrede. Es steht für mich ferner fest, daß die Haussuchung in meinem Bureau keinerlei die Bombenattentate betreffendes Material zutage gefördert hat. Die Presse wird jedoch in dem Glauben gehalten, daß schwerbelastendes Material gefunden worden sei. Ich stehe Ihren Beamten z u jeder Auskunft hier in meinem Haufe zur Verfügung. Ich habe Herrn Plaas, meinen Mitarbeiter, aus meinem Bureau in Berlin, der sich seit Mittwoch bei mir in Wutenow befindet, Anweisung gegeben, sich beim Polizeipräsidium zu melden, da nach Pressemeldungen nach ihm gefahndet wird. ge;. Ehrhardt, Korvettenkapitän a. D." an die Abteilung IA. Die weiteren Vernehmungen der in Berlin im Zusammenhang mit den Bombenattentaten verhafteten Personen hatten bis zum Donnerstagabend keine neuen Momente ergeben, insbesondere keine Geständnisse gezeitigt. Vielmehr blieben alle Fe st genommenen dabei, daß sie mit diesen Sprengstpffanschlägen in keinerlei Zusammenhang gestanden hätten. Diese Darstellung wurde auch von Ehrhardts Mitarbeiter Plaas bei seinem Verhör gegeben. Plaas wurde gleichwohl inHaftgenommen, weil in seiner Wohnung eine Sprengkapselund scharfe Munition gefunden worden waren. Was den Kreis um Dr. S a l i n g e r betrifft, so sind weitere Ramen von Besuchern seiner Diskussionsabende bekanntgeworden, die seine Behauptung zu unterstützen scheinen, daß er lediglich den Ehrgeiz besessen habe, sich einen politischen Salon zu schaffen. Gewerkschaftssekretäre sollen ebenso wie Redakteure von Blättern der Mittel- Parteien an diesen politischen Aussprachen teilgenommen haben, ja, es heißt sogar, daß ein hoher Beamter des Berliner Polizeipräsidiums auf eine Einladung sein Erscheinen zugesagt hatte, im letzten Augenblick aber verhindert war, der Einladung zu Dr. Salinger Folge zu leisten. Wieder entlassen. Berlin, 12. Sept. (WTB.) Die Vernehmung der gestern in einem Cafe in der Leipziger Straße sestgenommenen drei Personen ergab, daß sie zwar in enger Verbindung mit den in Schleswig-Holstein und in Berlin festgenommenen Personen stehen, daß aber der Verdacht einer Beteiligung an den Bombenattentaten s i ch nicht bestätigt hat. Karl Heinz von Winterfeldt, Horst von Salomon und der Flugzeugführer Will! Eichler werden deshalb im Laufe des heutigen Tages wiederentlassenwerden. 0er Nachtragsetat. Hohe Anforderungen der Neichsressorts. Berlin, 13. Sept. (SU. Funkspruch.) Die Reichsressorts haben dem Reichsfinanzministerium ihre Forderungen für den tomni enden Rachtragsetat vorgelegt. Wie der Demokratische Zeitungsdienst berichtet, sind diese Forderungen nicht gering. Besonders von feiten des Reichsarbeitsmini st e r i u m s sind sehr erhebliche Mittel angefordert worden. Im Reichsfinanzministerium werden gegenwärtig die einzelnen Anforderungen der Ministerien geprüft. Dabei steht man auf dem Standpunkt, daß nur zwangsläufige und unvermeidliche Ausgaben im Rachtragsetat vom Reichstag angefordert werden sollen. Auch die Wünsche auf Schaffung neuer Beamten st eilen sollen unberücksichtigt bleiben. Die Gesamtsumme, die im Rachtragsetat gefordert wird, ist noch nicht festgesetzt. Sie dürfte aber ungefähr den Erleichterungen ent- sprechen, die der Voungplan für das la'ufende Fahr gewährt. Auf Grund der internationalen Verhandlungen werden im Rachtragsetat Anforderungen enthalten |ein, zu denen sich Deutschland verpflichtet hat. Das gilt im besonderen für die Summen, die an Belgien aus Anlaß des Mark- Abkommens gezahlt werden müssen. Das gilt weiterhin für die Defahungstosten und Bcsahungsschäden sowie für die Kosten der Kommissionen des Dawesplanes. Schließlich bestehen zwischen den Reichsressorts noch Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf die Gelder für die K r i s e n f ü r s o r g e. Hier standen an Reichsmitteln 25 Millionen zur Verfügung. Tatsächlich sind aber 9 8 Millionen auf Grund der gesetzlichen Verpflichtungen ausgegeben worden, so daß über diese Gelder noch eine Klärung erfolgen muh. Kompromiß zur Reform der Arbeitslosenversicherung? Tas Ergebnis der gemeinsamen Kabinettsberatungen des Reichs und Preußens. Berlin, 12. Sept. (V.D.Z.) 3m Anschluß an die Beratungen des Reichskabinetts über die Arbeitslosenversicherungsreform fand eine gemeinsame Sitzung des Reichs-unddes preußischen Kabinetts unter Hinzuziehung der Staatssekretäre und der Sadjreferenien statt, um die schwierige Angelegenheit weiter zu fördern. 3n unterrichteten Kreisen verlautet, daß die gemeinsamen Bestrebungen auf ein Kompromiß gerichtet waren. Ausgangspunkt war der demokratische Antrag, der den Abbau der Saifonarbeitcr- f ü r f o r g e betrifft. Weiter wurde der bayerische Antrag, also der ursprüngliche Zentrumsanirag Riesener, mitverarbeitet, der aus Gründen der Parität neben der Saisonarbeiterkürzung auch eine mäßige generelle Kürzung der anderen Anter st ühungslei st ungen vorsieht. Diese Kürzung wird nur so bemessen sein, daß das Defizit, das nach der Saifonarbeiterregelung und der gleichfalls zu berichtigenden Beitragserhöhung im Sinne der Vorlage des Reichsarbeitsministers noch besteht, gedeckt werden kann. Man meint, daß der Reichsarbeitsmini st er, der gegenüber den Gewerkschaften in gewissem Sinne f e ff g e ( e g t fei, eine Regelung ganz ohne Beitragserhöhung nicht übernehmen könne. Die Besprechungen wurden gegen Abend beendet. Neue Beratungen sind nicht mehr nötig, da man ; u einer Einigung gekommen ist. Es sollen morgen noch Besprechungen mit den anderen Cänberregierungen folgen. Wie der „Lökalanzeiger" aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, ist in der gemeinsamen Sitzung auch ein Beschluß gefaßt worden, die S a i .fange ro e r b e und damit insbesondere das Baugewerbe und die Bauftoffwirtschaft mit einer 14- projentigen Beitragserhöhung ; u dem jetzigen Beitrag von 3 v. h. z u belasten, während die übrigen Wirischaftsgrup- pen eine Iprojentige Erhöhung des Beitrages fragen sollen. Dieser Beschluß soll nach den 3nformafionen des Blattes mit Stimmenthaltung der sozialdemokratischen Kabi- neffsmifglieber und unter ausdrücklichem Widerspruch der v o l k sp a r f ei l i ch en M i n i ff e r zustande gekommen fein. Umbildung des italienischen Kabinetts. Mussolini entlastet sich. Rom, 12. Sept. (Agenzia Stefani.) Die im Folgenden genannten Unter st aatssekre- täre sind zu M i n i st e r n in den betreffenden Ressorts ernannt worden: Unterstaatssekretär Grandi zum Minister des Auswärtigen, d e Bono zum Kolonialminister, Gazzera zum Kriegsminister, S i r i a n n i zum Marineminister, Balbo zum Luftfahrtminister und Bot - t a i zum Korporationsminister. Der Unter« staatssekretär im Ministerium des Innern Bianchi wurde zum Minister für öffentliche Arbeiten ernannt. Das Ministerium für öffentlichen Unterricht erhält die Bezeichnung: Ministerium für nationale Erziehung. Minister ist Balbino Giuliano. Dem Unter» staatssekretär Ricci liegen die Geschäfte des Ressorts für körperliche Heranbildung der Jugend ob. Das Wirtschaftsministerium wird in ein Ministerium für Land- und Forstwirtschaft verwandelt. Als Minister wurde A e e r b o berufen. Alle Geschäfte, die die allgemeine Aufbau- und Sanierungsarbeit betreffen, werden einem Unter» staatssekretariat im Ministerium für Land- und Forstwirtschaft unterstellt. Die Reuerungen, die der König auf Vorschlag Mussolinis innerhalb der Regierung vorgenommen hat, erregten allgemeines Aufsehen, da nur der engste Mifarbeiterkreis Mussolinis von dem Plan vorher unterrichtet gewesen fein dürfte. Die Regelung bringt eine En11astung Mussolinis mit sich, der jetzt nur noch Ministerpräsident und Innenminister bleibt. Rich- tungsmätzig bleibt im italienischen Kabinett alles beim alten. Cs handelt sich hauptsächlich um die Heranziehung junger Kräfte aus dem faschistischen Lager. Die große Bedeutung, die der Jugenderziehung im faschistischen Italien beigemessen wird, geht aus der Errichtung eines älnterstaatssekretariats für Leibesübungen und Jugenderziehung im Ministerium für Volkserziehung hervor. Der mit der Leitung dieses Llnterstaatssekretariats betraute Abgeordnete, Ricci, ist einer der volkstümlichsten und nächsten Mitarbeiter Mussolinis und war bisher Präsident der Ballila des faschistischen Iugend- bundes. Oie Geeabrüstung. Die britisch-amerikanischen Verhandlungen über die Kreuzerfrage. R e u h o r k. 19. Sept. (Reuter.) Die letzten britischen Dorschläge zur Regelung der Kreuzerfrage, die der amerikanischen Regierung gemacht worden sind, sollen dahin gehen, daß Grotzbritan- n i en über 50 Kreuzer mit insgesamt 340000To. versügen soll, wobei sich unter diesen Schiffen 15 Kreuzer von je 10 000 To. befinden würden. Den bereinigten Staaten würde das Recht eingeräumt, über 18 Kreuzer zu je 10 000 To. zu verfügen und den Llnterschied der Flottenstärken durch den Dau kleinerer Kreuzer auszugleichen. Der Washingtoner Vertreter des Reuterschen Bureaus erfährt von zuverlässiger Seite, daß der britische Vorschlag, die Gesamttonnage der britischen Kreuzerflotte auf 340 000 To. zu bemessen, nicht vollkommen abgelehnt worden sei, es sei aber ein Kompromißvorschlag gemacht worden. Es handele sich um die Frage, wie man den Llnterschied zwischen diesen 340 000 To. und den 305 000 To., auf welche Präsident Hoover das amerikanische Kreuzevprogramm beschränken möchte, ausgleichen könne. Man glaube, daß diese Schwierigkeit sich dadurch überwinden lasse, daß die Vereinigten Staaten eine größere Anzahl 10 000-To. - Kreuzer erhalte und daß die gesamte amerikanische Kreuzerflotte durch ^leberlegenheit der Geschütze ihre Llnterlegenheit an Tonnengehalt ausgleicht. Keine deutschen Theateraufführungen in Kattowitz. B e u t h e n , 12. Sept. (WB.) Wie wir erfahren, sind die bereits seit langem schwebenden Verhandlungen zwischen der deutschen Theatergemeinde in Kattowitz und dem Verband polnischer Theaterfreunde über die Genehmigung deutscher Theateraufführungen in Kattowitz heute endgültig gescheitert. Das Scheitern der Verhandlungen ist darauf zurückzuführen, daß sich die Direktion des polnischen Staatstheaters geweigert hat, für die deutsche Theatergemeinde den notwendigen Verwaltungsraum zur Verfügung zu stellen, den diese seit 1922 ununterbrochen im Kattowitzer Stadttheater innehatte. Die Entscheidung liegt nunmehr beim Präsidenten der Gemischten Kommission, C a l o n d e r. Deutscher Anwalttag in Hamburg. Der in Hamburg abgehaltene 24. Deutsche Anwalttag gedachte in einem Festakt in der Musikhalle des 50jährigen Bestehens der Reichsjustizverwaltung. Außer den Teilnehmern an der Tagung waren zahlreiche Ehrengäste erschienen, u. a. der Reichsjustiz- m i n i st e r, der preußische Iustizminister, Vertreter der Landesjustizbehörden, Mitglieder des Reichstags, Vertreter der Hamburger Regierung usw. Der Präsident des Deutschen Anwaltsvereins, Justizrat Dr. Martin Drucker, Leipzig, hieß die Gäste willkommen. Reichsjustiz- minisler v. G u 6 r a r d brachte die Grüße der Reichsregierung, der Reichsjustizverwaltung und der Landesjustizbehörden. Für den Hamburger Senat sprach Senator Dr. Röldeke, für die Universität Hamburg Prof. Dr. Laun, ferner u. a. Dr. E ck st e i n, das einzige deutsche Mitglied des Prager Stadtrats. Auf die lange Reihe der Begrüßungsansprachen erwiderte Geheimer Justizrat Dr. Heilberg, Breslau. Hierauf folgte die Festrede von Professor Dr. Walter Fischer, Hamburg, der das Thema: „50 Jahre deutsche Justiz" behandelte. Rach- mittags sprach im früheren Zirkus Dusch der bekannte Berliner Anwalt Dr. Alsberg über „Die Philosophie der Verteidigung." Das bisherige Programm der Tagung brachte am Dienstag einen Senatsempfang im Rathaus und am Mittwoch eine Sitzung der Abgeordnetenversammlung, die sich zu einer eindringlichen Kundgebung für die Fachanwaltschaft gestaltete. Keine Mumnng vor Annahme des Noung-plans. Wie Briand das Haager Räumungsabkommen in Paris auslegt. Paris. 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) gestrigen Ministerrat. der unter Vorsitz Doumergues in Rambouillet tagte, soll Briand, wie der „Lr- celsior" erfahren haben will, in der Frage der Rheinlandräumung die Versicherung wiederholt haben, daß entsprechend dem Geiste und den Buchstaben des im Haag unterzeichneten Protokolls, der für das Ende der Besetzung dec dritten Zone des Rheinlandes festgesetzte Termin bis 30. Juni 1930 rein militärische Bedeutung habe und die vorherige (Erfüllung der drei folgenden Bedingungen erfordere, von denen die Räumung des Rheinlandes abhängig bleibe: 1. Annahme der Gesetze, durch die Rechtsverhältnisse der Reichsbank, der verpsändeien Einnahmen und der Reichsbank mit dem Zoung- plan in Einklang gebracht werden, durch den Reichstag. 2. Schaffung, Organisierung und tatsächliches Arbeiten der internationalen Zahlungsbank. 3. Ausgabe einer ersten erheblichen Tranche deutscher Obligationen durch die jnternationale Bank, deren Wert und Tilgung durch den ungeschützten Teil der deutschen Annuitäten garantiert werden muß. Frankreich und England. Macdonald über den neuen Kurs. Paris, 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der Chefredakteur des „Petit Parisien" hatte mit dem Premierminister Macdonald am Tage seiner Abreise aus Genf eine Unterredung über die Einstellung Englands zu Frankreich. Auf den Hinweis, daß man in Frankreich auf Grund verschiedener Wahlkundgebungen und Parlamentsreden, sowie vor allem auf Grund der Vorkommnisse zu Beginn der Haager Konferenz den Eindruck habe, die Arbeiterpartei sei dank einer gegen Frankreich gerichteten Einstellung zur Macht gelangt, erklärte Macdonald: „Vein, niemals gegen Frankreich! Unsere Politik gegenüber Frankreich ist eine Politik wirklicher enger Zusammenarbeit. Die von Ihnen erwähnten Kundgebungen entsprachen der in England auch in konservativen Kreisen weit verbreiteten Anschauung, daß die Politik des Britischen Reiches gegenüber Frankreich eine Unterordnung dar st eile und dah sie einer unabhängigen Stellung Englands Platz machen müsse. Die Ueberzeugung, die britische Politik befinde sich im Schlepptau Frankreichs, war so stark, dah die Reaktion hiergegen äußerst bedenklich hätte werden können. Eine Aenderung der Methode und der praktischen Stellungnahme war erforderlich, um Großbritannien mit dem Bewußtsein zu erfüllen, daß seine Zusammenarbeit mit Frankreich freiwillig sei." Durch seinen Ausspruch: „Keine Alliancen, keine Entente mehr, das ist eine überholte Einstellung", habe er kategorisch feststellen wollen, daß die Haltung der jetzigen Regierung von derjenigen der früheren verschieden sei. Die Vorkriegsalliance sei gegen andere gerichtet gewesen. Run sei es aber ein politischer Grundsatz der Arbeiterpartei, dah die Freundschaft von Volk zu Volk keine Spitze gegen irgendein anderes haben darf, entsprechend dem Geist der Rachkriegszeit. Daher müsse auch die Ausdrucksweise den neuen Zeiten und den neuen Ideen angepaßt werden. Das sei der Sinn seiner Worte „überholte Einstellung". Diese Worte rrch- tfeten sich gegen ein überholtes Wort. Er dachte dabei nicht im geringsten an einen Bruch der Freundschaft mit Frankreich. Die Zusammenarbeit mit Frankreich wird keinem Bruch ausgesetzt sein, weil die dieser Zusammenarbeit zugrunde liegenden politischen Ziele die gleichen sind. Das Volksbegehren gegen Kriegsschuldlüge und 8oung-plan. Oie Begründung des Volksbegehrens. Berlin, 12. Sept. (TU.) Der Reichsausschuh für das deutsche Volksbegehren gibt zu dein Gesetzentwurf eine Begründung, die gleichzeitig mit dem Entwurf dem Reichsministerium des Innern eingereicht werden wird. Die Begründung zu den einzelnen Paragraphen hat folgenden Wortlaut: Begründung zu § 1: Der Gesetzentwurf verlangt den Widerruf des Kriegsschuldanerkenntnisses und enthält Bestimmungen, die durch den sogenannten Voung- plan als letzte Auswirkung des Anerkenntnisses der deutschen Kriegsschuld notwendig geworden sind. Der § 1 soll auf deutscher Seite die Voraussetzung für ein erfolgreiches Vorgehen in dieser Richtung schaffen, während in § 2, Abs. 1 der Reichsregierung die Verpflichtung auferlegt wird, auf die förmliche Beseitigung der Kriegsschuldlüge aus dem geltenden internationalen Recht hinzuwirken. Durch § 1 soll also zunächst die deutsche Aqf- fassung dieser Frage festgclegt und den auswärtigen Mächten in feierlicher Form mitgeteilt werden. Es ist zweckmäßig, dies von vornherein klarzustellen, da fich sonst nach früheren Erfahrungen an diesen Punkt gegenstandslose Erörterungen anschliehen können. Begründung zu § 2: Der vorliegende Gesetzentwurf, insbesondere auch seine § 2 und 3 stellen keine Aenderung der geltenden Verfassung, noch auch die Außerkraftsetzung einer geltenden Gesetzesbestimmung dar. Der Gesetzentwurf enthält keine Eingriffe in das Haushaltsgesctz und ist kein Abgabengesetz. Er knüpft bewußt an das Gesetz über die Londoner Konferenz vom 30. August 1924, und zwar an dessen § 3a an und erweitert die darin der Reichsregierung gestellten Aufgaben, ohne Außerkraftsetzung der Bestimmungen dieses § 3a. Das Gesetz vom 30. August hat seinerzeit die Zustimmung des Reichstages gefunden und ist von dem damaligen Reichspräsidenten verkündet worden, sinter besetzten Gebieten wird auch das Saargebiet mit einbegriffen. Begründung zu § 3: Die Bestimmung des § 3, Abs. 1, ist in ihrer Wirkung davon abhängig, ob und in welchem Sinne in den bezüglichen Verträgen auf Artikel 231 des Versailler Vertrages Bezug genommen wird. Der Abs. 2 des 8 3 hat lediglich die Bedeutung einer bei- spielsmätzigen Auslegungsvorschrift. Die Absicht der Antragsteller geht dahin, daß über den vorliegenden Gesetzentwurf der Volksentscheid stattfindet, bevor die Ergebnisse der Pariser Sachverstänbigentagung der Beschlußfassung des Reichstages unterliegen. Sollte die Reichsregierung umgekehrt verfahren, so daß ein Reichsgeseh über den Pariser Tributplan sowie darauf bezügliche internationale Verträge in Kraft treten, bevor der Volksentscheid stattgefunden hat und verkündet ist, so würde dies die Vereitlung eines wirksamen Volksentscheides über den Tributplan bedeuten, denn die Auslegungsvorschrift des § 3, Abs. 2, und die Straf- Vorschrift des § 4. würde, da beide erst mit der Verkündung des Volksentscheides in Kraft treten und rückwirkende Kraft besitzen, alsdann für diesen Einzelfall unbeschadet ihrer Bedeutung für etwaige künftige Fälle durch bas Vorgehen der Reichsregierung ihrer praktischen Betz-eutung beraubt werden. Begründung zu § 4: Auch diese Bestimmung hebt in keiner Richtung bestehendes Recht auf, sondern sichert lediglich den Zweck des Gesetzes, indem sie die Richtbesokgung der Dorfchrfffi des § 3, Abs. 1, unter Strafe stellt und an* ordnet, daß dieser Fall der - gleichen Strafe unterliegen soll wie der Tatbestand des § 92 Rr. 3 St.G.D. Zur § 5 ist nichts zu bemerken. Oie Zulassung -es Volksbegehrens. Bedenken gegen § 4. Berlin, 13. Sept. (Priv.-Tel.) Wie dle D. A. Z. erfährt, wird Reichsinnenminister 6 e * bering das von dem Hugenbergschen Reichsausschutz eingereichte „Volksbegehren gegen die Versklavung Deutschlands für zulässig erklären. Erst nach der offiziellen Einreichung des Volksbegehrens, die in etwa zehn Tagen erfolgen soll, wird die Frage entschieden werden, ob das Volksbegehren verfassungsändernd ist oder nicht. Die Prüfung tzes Volksbegehrens wird sich namentlich auf § 4 des Gesetzentwurfes erstrecken, der die Grundlage dafür schaffen will, dah Mitglieder desReichs- kabinetts vor den Staatsgerichtshof gestellt werden können, wenn sie künftig Tributvert rage unterzeichnen. Laut D. A. Z. hat das Präsidium des Reichs- Oie Wetterlage. L ö 21 loi Donnerstaa; d. 12.5ept. 19297" abds —Sv* o iTä- O wolkenlos. 0 neuer. o nalb oedeact.» wolkig. H oedeckt •Iteglt^ ¥ Sehnet a Graupeln, b Nebel K Gewitier.(§ywindsiilie.O^ sehr «unter Ost jS massiger Südsüdwest. 15 stürmischer Nordwesk oie Pfeile fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen stenenden Zaf» len geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichen^ •uf Meeresniveau umoertchneten Luftdruck Wettervoraussage. Der Ausläufer der Jslandstörung hat beim Aufgleiten feiner Warmluft neben stärkerer Bewölkung auch zu Niederschlägen geführt. Dabei haben sich die starken Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht bereits ausgeglichen. Sein Einfluß wird durch den Zustrom etwas kühlerer Luftmassen zunächst noch zu Bewölkung führen, w?nn auch die Wolkendecke wieder aufreißt und Aufheiterung eintritt. Ferner wird dabei die Neigung zu gewitterartigen Niederschlägen vorerst bestehen. Wettervoraussage für Samstag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, leichte Abkühlung. zunächst noch Reigung zu Riederschlägen gewitterhafter Art. Wettervoraussage für Sonntag: Wolkig mit Aufheiterung, für die Jahreszeit warm, meist trocken. Lufttemperaturen am 12. September: mittags 25,8 Grad Celsius, abends 17,4 Grad: am 13. September: morgens 16 Grad. Maximum 26,3 Grad, Minimum 15,2 Grad. Die Perlenkette. Von Frank F. Braun. Jens Jensen stand vor dem Juwelengeschäft von Schüller & Bock und sah sich die Fensterauslage an. Es geschah ohne bestimmte Absicht. Vielleicht wartete er aber doch auf den Zufall, denn er betrachtete dabei aufmerksam die Vorübergehenden. Als dieser Amerikaner mit dem großkarierten» Anzug und der jungen Frau am Arm vor dem Laden stehen blieb, sah Jens Jensen nicht hin. Er verstand aber genug Englisch; auch wenn die hübsche Frau nicht mit ausgestrecktem Finger auf die Perlenkette in der Mitte der Auslage gedeutet hätte, würde er gewußt haben, daß es um diese Kette ging. „Bitte, Harry", sagte sie, „kaufe mir die Perlen. Du hast es mir versprochen; ich will dann auch weiter kein Andenken an Europa." Der grohkarierte Amerikaner nickte. „Ja, Liebling", sagte er. „Du sollst sie haben. Aber ich trage nicht — wieviel? — 12 500 Mark bei mir in der Tasä>e. Ich werde im Hotel Geld nehmen und dann die Kette holen." Das junge Paar entfernte sich. Jens Jensen stand nachdenklich. Er schaute die Perlenkette an. 12 500.— wies das Preisschild; ein schönes Stück Geld. Dann sah er dem Paar nach... Und plötzlich fiel die Idee in ihn hinein, daß er beinahe erschrak. Er erblaßte vor Freude ober vor Erregung. Augenblicks lief er den beiden Verliebten aus Amerika nach. Sie blieben immer vor ihm. Ahnungslos erleichterten sie ihm die Verfolgung. Der Uniformierte vor dem Hotel Europa riß ihnen die Tür auf. Sie traten ein und verschwanden im Hintergrund der Halle. Jens Jensen tippte an seinen Hut. „War das Herr Livingston?" fragte er den Türhüter. Der hob den Kopf, sah den gutgekleideten Herrn und gab bereit« willigst Auskunft: „Der Herr, den Sie nannten, wohnt nicht bei uns. Dies eben war Herr und Frau Parker aus St. Louis." „Ah, sieh an, der Harry Parker aus St. Louis", sagte Jens Jensen und entfernte sich gemächlich. Aber schon an der Ecke wechselte er das Tempo und sauste im Eilschritt den Weg zurück und betrat den Laden von Schüller & Bock. Er verlangte Herrn Schüller; der kam und Jens Jensen nahm ihn beiseite. „Herr Schüller", sagte er, „ich bin dec Sekretär des Herrn Harry Parker aus St. Louis; nebenbei bin ich auch noch sein Arzt. Ich bin gekommen Sie zu warnen. Es ist da leider" — und er zog die Achseln ein wenig an und hüstelte — „eine gewisse Peinlichkeit, ehem — der junge Herr Parker leidet an Kleptomanie." „Ich kenne den Herrn Parker nicht!" „Gewiß nicht; es laufen viele amerikanische Millionäre in Europa herum; aber Sie werden ihn kennen lernen; er wird kommen und eine Perlenkette kaufen wollen. Wahrscheinlich jene im Fenster zu 12 500 Mark, die er von der Straße aus gesehen hat. Dann geben Sie gut Obacht, daß nichts von Ihren Sachen verschwindet. Fühlt der Herr Parker sich beobachtet, beherrscht er sich übrigens meist." „Wird der Herr Parker die Sachen, die er eventuell kauft, bezahlen?" „Selbstverständlich. Sie können sich übrigens im Hotel Europa erkundigen." Der Juwelier wehrte ab. „Wenn bar bezahlt wird", sagte er. Jens Jensen nickte. „Nun kommt die eigentliche Schwierigkeit", sprach er. „Ich bin gekommen Sie zu ersuchen dem Herrn Parker nicht die echte Kette auszuhändigen. Herr Parker hat für die Perlen gar keine Verwendung. Er wird es, wie letzthin in Paris machen, wo er eine noch wertvollere Kette erstand, und die Perlen einzeln auf der Straße an Kinder verteilte." „Ja, aber dann halten Sie doch diesen kranken Mann von dem Kauf zurück!" „Das läßt sich nicht machen", sagte Jensen betrübt. „Die Parkers sind so reich, der Vater wünscht, daß dem Sohn alle Begehren erfüllt werden. Nur, Sie verstehen, wo es sich einrichten läßt, wie in diesem Falle, kann man ja unnütze Verluste vermeiden. Verkaufen Sie dem Herrn Parker eine erstklassige Imitation zum Preise einer echten Kette. Lassen Sie sich die vollen 12 500 Mark zahlen, bann wirb er nichts merken. Es ist ja zudem belanglos, ob er echte oder falsche Perlen auf die Straße wirft." „Wir haben ganz vorzügliche Imitationen; allerdings ist so eine Kette auch nicht unter einigen hundert Mark zu haben, Herr Doktor..." „Das tut nichts", sagte Jens Jensen, „Sie sollen zu Ihrem Verdienst kommen; eine Gefälligkeit ist die andere wert." Er ging zur Tür. „Ich komme dann tnra nach dem Besuch des Herrn Parker und bitte Sie das Geld für mich gegen Quittung bereitzuhalten. Die Imitation, die Sie Herrn Parker liefern, zahlen wir selbstverständlich." In der Tür wandte er sich abermals um. „Noch eins, Herr Schüller, vielleicht tauschen Sie die Kette im Fenster gleich um. ich meine, Sie legen die Imitation hin und zeichnen Sie mit 12 500 Mark aus; es ist ja höchstens für eine halbe Stunde. Ich werde dafür sorgen, daß der bedauernswerte Parker sich gleich zu Ihnen begibt." Jens Jensen kam nicht halb bis zum Hotel Europa, da begegnete ihm schon Harry Parker. Er folgte dem Amerikaner nicht. Wozu, es war ja alles in Ordnung. Er trat in die nächste Bar und ließ sich einen Cock-kail geben. Durch das Fenster beobachtete er die Straße. Es dauerte nicht lange und Herr Parker kam zurück. Er hielt ein Päckchen in der Hand und schien vergnügt. Jens Jensen zahlte und entfernte sich. Sein Herz klopfte kaum stärker. Er war solche Situationen gewohnt geworden. „Nun, Herr Schüller?" „Alles in Ordnung, Herr Doktor, die Differenz macht 12 275 Mark. Wollen Sie mir den Erhalt für alle Fälle bestätigen." Jens Jensen schrieb einen schönen Namen. „Eine teure Nachahmung", meinte er, „225 Mark für eine Kette aus falschen Perlen..." . u „Sie sagten, es solle eine gute Imitation sein... Jens Jensen nahm das Geld. „Gewiß," räumte er ein, „schließlich ist der Mann imstande, die Perlen auch einmal seiner Frau zu schenken, die braucht dann ja nie zu erfahren, daß es sich um Nachahmungen handelt." Der Juwelier lachte. Er meinte, em wenig vertraulich werden zu dürfen. „Wissen Sie', sagte er, , in den Kreisen kommt sowieso niemand auf den Gedanken, daß eine solche Frau falsche Perlen trägt." Nichtig", sagte Jens Jensen, „genau das dachte ich' auch", und er grüßte freundlich und zog die Tür zu. Hochschulnachrichten. Der Ordinarius Dr. Wolfgang Schadewalbt von der Universität Königsberg ist zum ordent- lichen Professor für klassische Philologie in Freiburg i. D. als Nachfolger von Rudolf Pfeiffer ernannt worden. Steinrück. Von Alexander Aaba. Das war im Iahre des TInheils 1923 — die Inflation auf dem Höhepunkt, Deutschland durchzogen und umsäumt von Rullenreihen. Steinrück, Held des Münchener Rationaltheaters, sah in der „Drennessel" zu Schwabing, einsam mit dem Maler Pauder, und sie tranfen Frankenwein. Rach der sechsten Flasche hatten sie einander nichts mehr zu sagen. Schlug Pauder vor: „Weißt du was? Spielen wir Ccartö." „Wie macht man das?" „O, es ist ganz einfach." — Uni) Pauder erklärte es. , r,_ Sie spielten. — Als hätte Fortuna selbst als hätten Gott Merkur und der Teufel dem Reo- phyten Steinrück beigestanden: er gewann; gewann Schlag auf Schlag, Strähne aus Strähne — gewann in einem Spiel, das er eben erst, vor einer Stunde, erlernt hatte. Leyte sammelten sich — Droschkenkutscher, Maler, Chauffeure, Dichter, Schuster, Gelehrte, Portiers — all die abendlichen Gäste der..Brennnessel" sammelten sich zu Trauben und Klumpen staunend, fiebernd um den Tisch, wo Steinrück und Pauder spielten — um Millionen — Milliarden — endlich um Summen, die man nicht mehr denken und sprechen kann. Längst waren Pauders Geldnoten erschöpft — er schrieb Bons aus. Aus Steinrücks Stirn brach der Schweiß; Pauders Augen traten aus den Höhlen. „Ich kaufe mir ein Haus," murmelte Steinrück. „Ich werde ein Auto haben — ich reise nach Italien." ---Dann schloß man die Partie. Steinrück saß mit hundert Zettelchen vor sich. Pauder ihm gegenüber, zernichtet, armgeplündert. „Freund," sagte Pauder, „was ich da an dich verloren habe, werde ich nie, nie ab tragen fonnen — und wenn ich mein ganzes Leben arbeite." ---Lange Pause. „Ordnen wir es also auf der Stelle, lieber Steinrück: wenn du einverstanden bist, bezahle ich die sechs Flaschen, die wir getarnten haben, und wir sind quitt.“ .Gut," fagte Steinrück nach einer neuen, langen Pause. Stuttgarter Verbandstag der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen. Der vierte Derbandstag des Zentralverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener E. V. fand dieser Tage in Stuttgart statt. Nach einem harmonisch verlaufenen Be- grüstungsabend in dem mit Fahnen und Pflanzen geschmückten Kuppelsaal des Staatlichen Kunstgebäudes sprach in der Hauptversammlung im Beisein des württembergischen Staatspräsidenten Dr. Bolz und des Ministerialrats Grieß- m e h e r vom Reichsarbeitsministerium der zweite Derbandsvorsihende Wuttke über „Volk, Reich und Kriegsopfer". Der Zentralverband habe die Pflicht, vom Staate und vom Volke das Höchste für die Kriegsopfer zu verlangen, da er nicht wolle, daß der Glaube an das Recht und der Glaube an die Zuverlässigkeit der Ration untergehen solle. Der Staat habe indessen seine Aufgabe den Kriegsopfern gegenüber bisher. in durchaus unzureichendem Mähe gelöst. 3n den Vordergrund trete die absolut unzureichende Versorgung der Kriegerhinterbliebenen. Weder den Witwen noch bei den Kriegereltern werde im Regelfälle der tatsächliche Lebensbedarf durch Rente und Zusahrente gedeckt. Die Rente der Kriegerhinterbliebenen mit dem Mahstabe der sozialen Bedürfnisse zu messen und sie diesen Bedürfnissen schnellstens anzupassen, das sei das Ziel, wobei gleichzeitig der Einbau der Zusahrente in die Grundrente ins Auge zu fassen sei. Als Vorstufe für die Bewilligung einer generellen Heilbehandlung sei eine Erholungsfürsorge für die Kriegerhinterbliebenen ins Auge zu fassen. Auch für die zur Schulentlassung kommenden Kriegerwaisen mühte besser gesorgt werden. Die an die Erziehungsbeihilfe geknüpften Hoffnungen seien nicht erfüllt worden. Kein Wort der Kritik sei scharf genug dafür, dah man im vergangenen Jahre von den vom Reichstage bewilligten 20 Millionen Mark für Er- ziehungsbeihilsen nur 15 Mill. Mark zur Auszahlung brachte: der so »ersparte" Betrag von 5 Mill. Mark müsse unbedingt zur Stärkung der diesjährigen Mittel wieder freigemacht werden. Man müsse sich daran erinnern, daß die Berufsausbildung der Kriegerwaisen eindringliches Gegenwartsproblem sei, das keinen weiteren Aufschub mehr vertrüge. Eine Quelle fortgesetzter Verärgerungen und ständiger Beunruhigungen sei das Verwaltungsverfahren im Versorgungswesen. Die auf Grund des § 57 Reichs- versorgungsgeseh systematisch durchgeführten Rachuntersuchungen gäben berechtigten Grund zur Klage wegen der Art ihrer Durchführung. Das ganze Verfahren müsse beschleunigt werden und es müsse eine stärkere Berücksichtigung der Znteressen des Beschädigten bei den ärztlichen Untersuchungen gesichert werden. Die qualifizierte Fürsorge, auf die die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen einen moralischen Anspruch hätten, sei heute von der Dewikli- gungsmöglichkeit provinzieller, städtischer oder kommunaler Behörden abhängig und als Folge hiervon würden die krassesten Unterschiede in der Fürsorgegewährung auftreten. Man müsse deshalb immer wieder die Forderung erheben, diese einheitliche Fürsorge für die Kriegsopfer zu sichern durch die Zurückführung der Fürsorge von den Ländern aus das Reich. Der Ehrenvorsitzende des Zentralverbandes deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener, ilicichstagsabgeordneter D. Thiel, lehnte eine Annäherung der Leistungen der Kriegsopferoersorgung und der Invaliden- oder Angestelltenversicherung grundsätzlich ab. Die sozialen Rentenversicherungen träfen grundsätzlich die Fürsorge für im normalen Ablauf des Lebens während der letzten Jahrzehnte eintretenden Schadensfälle. Die Versorgnung der Kriegsopfer beziehe sich auf die Schadensfälle, die plötzliches rauhes Eingreifen des Kriegsschicksals in junges blühendes Leben als Ursache habe.Ein Vergleich der Leistungen der Unfallversicherung mit den Leistungen der Versorgung der Kriegsopfer ergäbe, daß die Unfallversicherung in ihren Rentenleistun- gen bedeutend günstiger dastehe als die Versorgung der Kriegsopfer. Das Zurückstehen der Kriegsopfer hinter den Opfern von Betriebsunfällen fei aber aus sozialpolitischen und ethischen Gründen als Dauerzustand entschieden abzulehnen. Die Schwierigkeit bestehe darin, daß das Versorgungsrecht 807 000 Kriegsbeschädigte mit 294 000 Frauen und 1 200 000 Kindern sowie 1 425 000 Witwen, Waisen und bedürftigen Kriegerväter und -mütter zu betreuen habe, wodurch bei den gegenwärtigen Unterstützungssätzen einschließlich der Bezüge der Kapitulanten und der Offiziersoersoraung bereits ein Aufwand von 1671,1 Millionen Reichsmark erforderlich fei. Der Gesamtbetrag aller Anteile des Reichs an Einkommen-, Körperschafts- und Vermögenssteuern reiche trotz der Unzulänglichkeit der Leistungen im Reiche aber heute schon nicht einmal mehr aus, diese Ausgabeposten zu decken. Damit werde die Entwicklung des Versorgungsrechts zu einem der ernstesten Probleme der Finanzpolitik. Diese Erkenntnis sollte die Kriegsopfer darüber belehren, daß ihnen mit Anträgen nicht gedient ist, wenn nicht dahinter der ernste Wille steht, die schwierigen Finanzprobleme des Reichs, die dadurch aufgeworfen werden, verantwortlich zu lösen. Richt radikaler Phrasen, sondern ernster Anstrengungen bedürfe es, um das Ziel zu erreichen. Realpolitische Erwägungen berechtigen die Kriegsopfer zu fordern: daß sofort Schluß werde mit jedwedem Abbau: unbedingte Sicherstellung, wohlwollende, nicht bureaukratische Handhabung der Ausführung der bestehenden Gesetze und Versorgung: Bereitstellung der Ersparnisse in den einzelnen Sparten des Versorgungslebens; Einsparung im Versorgungsetat zur Abschaffung dringender Notstände im 'Versorgungsleben; Einsparung im Versorgnungsetat, die sich aus einem Rückgang der Zahl der Waisen und anderer Versorgungsberechtigter ergeben, sind für den notwendigen weiteren Ausbau des Gesetzes zu verwenden. In diesem Sinne an der Verwirklichung des vom Zentralverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegshinterbliebener gesteckten Ziele zu arbeiten, sei nationale Pflicht des ganzen deutschen Volkes. landbundes, das sich am Mittwoch mit dem Wortlaut des Volksbegehrens beschäftigte, einstimmig beschlossen, dem § 4 d i e Z u - stimmung zu verweigern. Die Veröffentlichung des Volksbegehrens in seiner jetzt vorliegenden Gestalt erfolgte, ohne dah dieses Votum des Reichslandbundes berücksichtigt wurde. Ferner wird dem Blatt mitgeteilt, dah auch die dem „Reichsausschuh" bisher angehörenden beiden Vertreter der christlich-nationalen Dauern- und Landvolkpartei dem § 4 nicht zugestimmt haben. Die „Deutsche Tagesztg." erklärt, dah die Meldung der D. A. Z., wonach das Präsidium des Landbundes sich gegen den § 4 ausgesprochen habe, im wesentlichen zutreffe, es sei aber anzunehmen, dah alsbald Verhandlungen über eine entsprechende Aenderung des Entwurfs geführt werden, der ja dem Reichsinnenministerium noch nicht zugeleitet worden sei. ,,GrasZeppelin"wiederinAr!cdriKshasen Das Luftschiff „Graf Zeppelin", das auf seiner Fahrt über Westdeutschland am Donnerstagvormittag um 10 ilfjr Münster i. Wests, passiert hatte, und dann über Herford, Minden Bückeburg um 11.44 Hhr Hannover erreicht hatte, trat den Rückweg nach Süden über Braunschweig, Magdeburg, Cisleben, Weimar, Jena, Coburg, Schwäbisch-Gemünd an. Am Donnerstag nachmittag um 6.54 Hhr traf es wieder über Friedrichshafen ein und ist nach einer längeren Schleifenfahrt über der Stadt um 7.12 Hhr glatt gelandet. Die Gesamtfahrtdauer des Luftschiffes betrug 20 Stunden. Wie Kapitän Lehmann der Hapag mitgeteilt hat, wird am 17. September 5 Hhr früh eine 24- Stundenfahrtnach Rordwestdeutsch- land und Hamburg beabsichtigt. Es können zwanzig Passagiere zu einem Passagepreis von 1200 Reichsmark daran teilnehmen. Berliner Börse. Berlin, 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Vormittagsoerkehr ist wieder eine ausgesprochene Tendenz noch nicht erkennbar. Das Geschäft ist sehr ruhig. Die Spekulation wartet bis zur Börse ab. Die Frankfurter Abendkurse sind im allgemeinen gehalten. Anregende Momente liegen heute so gut wie nicht vor. Man taxiert Farben 214,50 bis 215, Siemens 384,50 bis 385 und Schuckert 225. Aus der provinzialbauptfiabt. G i e h e n, den 13. September 1929. Gemeinsame Schulfeier der Schulen Gießens. Die große Zahnfeier, die im vergangenen Zahre von sämtlichen Schulen Gießens zur Durchführung gebracht wurde, fand damals ungeteilten Beifall und steht noch heute in guter Erinnerung. Es erschien daher sehr begreiflich, wenn an verschiedenen Stellen der Wunsch laut wurde, eine ähnliche Feier aller Schulen auch in diesem Zähre zu veranstalten. Die Schulleiter aller Schulen Gießens glaubten in der durch das Hessische Kultusministerium erlassenen Verfügung, nach welcher gelegentlich des Zugendtages in eindringlicher Weise die Bedeutung des 2u- gendherbergswerkes vor Augen geführt werden sollte, den Ausgangspunkt für die diesjährige gemeinschaftliche Feier in der Volkshalle am gestrigen Donnerstag gefunden zu haben. Konnte man im vorigen Zähre die Zahnfeier als sehr gelungen ansprechen, so darf man von der diesjährigen Feier als von einem vollen Erfolg reden. Die Zugend überbot sich geradezu mit ihren frischen und schönen Darbietungen. Sie allein war Träger der Vorführungen, die in ihrer Vielgestaltigkeit einen würdigen Rahmen boten zu dem Hauptteil der Vortragsfolge, der Ansprache von Studienrat Dr. Florke (Oberrealschule) über die Bedeutung des Zugendherbergswerkes. Das Schülerorchester der Oberrealschule bereicherte durch seine flotten Darbietungen die Dortragsfolge und konnte mit Recht den stärksten Beifall der über 4000 Besucher ernten. Auch der gewaltige Chor der vereinigten Schülerchöre der höheren Lehranstalten gab eine schöne Probe seines Könnens. Die Dolksschülerinnen brachten in reizender Zusammenstellung verschiedene Volkstänze, die allgemein gefielen. Die Studien- anstalt wartete mit einer Körperschule auf, die in ihrer Zusammensetzung den Forderungen neuzeitlichen Turnens gerecht wurde. Als zweite Darbietung dieser Anstalt brachte ein Schülerinnenchor hübsche Volkslieder und Tänze, die in Aufmachung stark denen der Volksschülerinnen ähnelte; ein zufälliges Zusammentreffen, das eines gewissen Reizes nicht entbehrte. Die Knabenschulen brachten ihre turnerischen Heftungen unter einem ganz besonderen Gesichtspunkte; sie wollten neben dem Können der einzelnen zeigen, in welch vielfältiger Art der Barren Verwendungsmöglichkeit im heutigen Schulturnen findet. Die Pestalozzi- und Goetheschuke führten eine wirksame Körperschule an mehreren Darren vor, die in Aufbau und Darbietung sehr schön waren. Das Gymnasium bot ein exaktes Gemeinschaftsturnen an vier Darren. Ein freud- betontes Hindernisturnen am Darren durch Schüler des Realgymnasiums zeigte eine weitere Verwendungsmöglichkeit. Alsdann turnte eine Riege der Oberrealschule Kürübungen am hohen Darren. Diese, wie auch die Heftungen der anderen Abteilungen fanden die Gunst der beifallsfreudigen Zugend. Rach den gesanglichen und turnerischen Darbietungen hielt Studienrat Dr. Flörke einen Vortrag über das Wandern und das Zugendherbergswerk. Trotz der Zeiten Rot und Dedrängnis hafte das deutsche Volk noch die Kraft gefunden zum Aufbau des deutschen Zugendherbergswerkes, das einem Reh gleich das deutsche Land überziehe. Roch seien, aber die Maschen des Rehes weit, immer neue Herbergen entstünden, alte müßten umgebaut oder neueingerichtet werden. Zwar könne die Zugend nicht durch große Beiträge das Werk unterstützen, aber sie könne und müsse für dieses große Hnternehmen, das doch fast für sie allein errichtet werde, werben. Sie könne werben bei Eltern, bei Bekannten und Verwandten. Sie könne aber auch werben durch sinngemäßes Wandern. Sie könne werben durch planvolle, ordentliche Benutzung der bestehenden Herbergen. Rechten und Pflichten des Zugendwandems bei Inanspruchnahme der Zpgendherbergen: kleine Abgabe, ungefähr 20 Pfennig für die Rächt. Dlei- benausweis. Bei Gruppen nur der Führer. Für das ganze Zahr 50 bzw. 25 Pfennig. So billig arbeite der Reichsverband für deutsche Zugendherbergen. Dah mit diesen Einnahmen das Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen. Oer Abschnitt V mit den Einträgen in bas Handels- und Gewerbeverzeichnis der Stadt Gießen, liegt drei Tage, vom Freitag, dem 13. bis einschließlich Montag, dem 16. d. Mts., zu jedermanns Einsichtnahme in unserer Geschäftsstelle offen. Oie zuständigen Geschäftsleute Gießens werden um Prüfung der Einträge auf Richtigkeit und Vollständigkeit hiermit gebeten. Für Fehler und Unrichtigkeiten kann keine Haftung übernommen werben. Oberhessischer Adreßbuchverlag Gießen Schulstraßc 7 Eingang von der Kaplaneigaffe aus gewaltige Werk weder erhalten oder gar ausgebaut werden könne, leuchte ohne weiteres ein. Deshalb mühten weite Kreise für den Gedanken des Zugendherbergswerkes geworben werden, damit der Verband immer mehr erstarke. Deutsche Zugend! Helft werben für den endgültigen Ausbau des Zugendherbergswerkes! Helft mit, das Werk zu erhalten! Macht recht eifrigen Gebrauch von den Herbergen! Lehrer Kling nahm im Anschluß an diese Ansprache die Siegerverkündigung von den Reichsjugendwettkämpfen vor. Das Deutschlandlied bildete den Schluß der schön verlaufenen Feier. Unter den Klängen eines schneidigen Marsches durch das Oberrealschulorchester leerte sich die sehr stark besetzte Volks- Halle. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag. D. H. D.: Vortrag Dr. Wischer, Berlin, 20 Uhr, Kaufmännisches Vereinshaus.— Deutscher Bauschulbund: Monatsversammlung, 20.15 Uhr, im Hotel Köhler. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Abwege" und „Vagabundenliebchen". — Astoria- Lichtspiele: „Der Scharfschühen-Dob" und „Zerbrochene Ehe". * LU. Von der Landesuniversität. Dr. Nörr, ordentlicher Professor der inneren und gerichtlichen Veterinärmedizin an unserer Universität, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität München als Nachfolger des verstorbenen Geheimrats Professor Dr. Schmitt zum 1. April 1930 angenommen. ' Wetterumschlag? Rach wochenlanger starker Hitze und Trockenheit brachte uns die letzte Rächt endlich eine langerhoffte Aenderung des Wetters, von der man allerdings noch nicht recht weih, ob sie auch nur für einige Tage von Bestand sein wird. Der gestern abend gegen 20 Uhr noch sternenklare Himmel bewölkte sich im weiteren Verlaufe der Rächt immer mehr, und heute früh konnte man endlich wieder einmal Regen feststellen. Zm Laufe der ersten Vormittagsstunden „spriherte" es noch etwas weiter, gegen 10 Uhr hellte es sich aber schon wieder ein wenig auf. Während man sonst gerne schönes Wetter herbeiwünscht, haben- wir jetzt nur das Verlangen, dah es endlich einmal ein paar Tage anhaltend regnen möge, damit in Feld und Oartejx wenigstens noch etwas gebessert werden kann. Weitere Lokalnachrichken im 2. Blatt Für des alle seine foschenur u SS320/30 Von j ed em Lebens die zu betreten Erfolg und Glück bedeutet. Manche gehen achtlos an dieser einzigen Chance vorüber, sie trotten ängstlich den ausgefahrenen Pfad der Gewohnheit, Engherzigkeit und Enthaltsamkeit weiter. Die Straße des Erfolges, die auch Sie beschreiten wollen, verlangt Entschlossenheit und Schwung. Der Erfolgreiche ist eher da als alle anderen. Er ist kein Fußgänger. Er fährt einen 4 PS Opel. Eine Probefahrt von ISMinuten wird Sie überzeugen. Besuchen Sie unseren nächsten Vertreter: er gibt auch Auskunft über die günstigen Opel-Zahlungsbedingungen. Preis (ab Werk) 4-fach bereift von RM 2100 an OPEL FÜHRT ZUM ERFOLG! 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Ein Besuch verpflichtet Sie nicht Streng reell, mäßige Preise Franko-Lieferung 7499D 'Carl Stückrath Asterweg 47 Sie kaufen Ihre Strümpfe / Socken besonders gut und billig im Spezial-Geschäft M.G.Grode Frankfurter Str 19 Sammeln Sie meine Strumpf-Gutscheinei Bei 12 dieser Scheine 1 Paar Strümpfe gratis! 7619A Bahnhofs-Restaurant Sorgfältig zusammenßest. Weinkarte Preiswerte Einzel-Platten Gepflegte Biere 6942p Dauerwellen individuelle und schonendste Behandlung des Haares, sachgemäße Ausführung 05846 SMMWeSe Packungen zur Behandlung von Gesichtsrunzeln, ausgeführt durch erstklassige Spezialistin. Schönheitspflege-Salon Gath ItnhnhnfKtrnDo Nr. 61. Zwangsversteigerung 1/29 Am Donnerstag, dem 10. Oktober 1929, vormittags 9 Uhr, wird im Amisgerichis- aebäude zu Gießen, Zimmer 106, das„ im Grundbuch von Gießen den Gustav Lückel und Ehefrau, Elise geb. Fenchel, in Gießen zu je Vi zugeschriebene Grundstück Flur 5, 71r. 1977/1O - 440 qm Bauplatz in der Lbelskrahe, geschäht 5280 RIN., versteigert. 6955D Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 20. August 1929. I A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: ______Leo, Ortsgerichtsoorsteher._______ MSM.WWMM MlMlreln in Stadt und Land unter günstigen Bedingung, gesucht. Bewerber, die in Feuer-, Einbruch-, Unfall-, Hast- vflichr-, Auto-, Wasserleitungsschäden und Glasversicherung, sowie in Lebens-und Ktnderversicherung bereits praktisch gearbetiet haben, bevorzugt. Näher, durch die Bezirks- dirtktlcn in Darmstadt Lleblgatr.7 I. Kaufhaus Schmücker ist das größte und bedeutendste Kaufhaus Oberhessens. Schmücker dient heute auch der verwöhnten Dame und dem gut angezogenen Herrn als vorbildliche Einkaufsstätte. Deshalb rate ich Ihnen, tragen Sie die gute Schmücker- Kleidung 7086 A Achtung für Zigarren-Fabrikaliien! 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Konstantin. 81,32 81.48 81.29 81,45 2,014 2,018 2,012 2,016 Athen. . . 5,425 5,435 5,425 5,435 Canada . . 4.171 4,179 4.168 4,176 Uruguay. . 4,066 4,074 4,096 4.104 Cairo . . . 20,865 20,905 20,866 20,906 St«! Am bene getraS von o ®an bre'$ Sießen Start । Gießen schasier ning.1 zubere N Sie $eff« bad) 1 Dassen ßauriei men W halb d Aach- ben 2 Duhbo (Fried D ie X wurde iinner Prüsli tischen märtet sich wohldi allem von zl Verbei händig an. 5 Da Detzla u s< all Se, alle önic Brflb 5- MARGARINE FM MW Bä M WWW WWW i Si| iii-ä 112-58 10$ 21,98? 20,38 4,2 10. 5 80,9? 61,99 1,96$ 0,4985 59,195 12,439 7,392 73,35 ifi 18, ? «1,4» 2016 435 176 20,90* 22,11 111,89 59,18 2,50 112-56 81,08 62,02 12,43 73,34 0.®* itfurt a^luU QdjL. r ‘ r ,759 >8,31 111,72 112. 10-54 >1,9« >0,341 4,19 16, so, i! I,4965 9,075 2.4’9 ,378 73.2' 3,0« 18,76 ö 4J6 $ Sormif/ogg* er, uni bte öchluhniveau erer Um* «t vssizielle hstärkere ate von eint* ht. 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Trhvtun* pater wieder us die 6 tim* lkheit un6er« "sich jedoch Alannesmann und erneut waltungsseile inzstoss ange* aissevorstoßes 4 Am 7 V.H. etwas nannte man Vtund 20.306, Paris 123,90, i> 32,86, gegen Lumen, Sport und Spiel 16 P.; Lilo Krick, Tv. 1860 Dad-Rauheim, 16 P.: Käthe Gehrke, Tv. 1860 Bad-Rauheim, 15 P.; GretelO11o, Wtv. Gießen, 15. P.: M a r ie Krehschmar, Mtv. Gießen, 15 P.: Betty Blum, Mtv. Gießen, 14 P.: Gretel Lang, Mtv. Gießen, 14 P.; Paula Hoffmann, Mtv. Gießen, 14 P. Fechter (Florett): Konrad Hofmann, Tv. Wetzlar, 15 P.: Jos. Kaicher, Tv. 1860 Dad-Rau- heim, 15 P.: Kurt Gehrt, Tv. 1860 Dad-Rau- heim. 14 P.; Erich Roj ahn, Tgm. Friedberg, 12 P.: Hrch. Wiltheiß. Tarn. Friedberg, 12 P., Otto Rumpf, T. u. Spv. Butzbach, 12 P. Fechter (leichter Säbel): Hans Bürk, Mtv. Gießen, 16 P.: Konrad Hövels, Tv. Wetzlar, 15 P.; Hans Leonhardt, Tv. 1846 Gießen. Der Prüfung schloß sich eine Besprechung der Fechterschaft an. Dabei wurden die alljährlich bei dem Wettfechten des Gauturnfestes wiederkehrenden Mißstände erörtert. Auch in diesem Jahre konnte in Alsfeld das Fechten -Zeitmangels wegen nicht zu Ende geführt werden. Es wurde deshalb beschlossen, dem Uebelstand dadurch abzuhelfen, daß in Zukunft schon am Rachmittag des Festsamstags mit den Wettkämpfen begonnen wird. Am 27. Oktober soll in Gießen ein Mannschaftskampf des Gaues Hessen in Florett ausgetragen werden. Voraussichtlich werden sich daran mit Mannschaften von je drei Fechtern beteiligen die Fechtriegen folgender Vereine: Tv. 1846 Gießen. Mtv. Gießen, Tv. Wetzlar. Tv. 1860 Bad-Rauheim und Tgm. Friedberg. Am 29. September findet in Dad- Rauheim unter Leitung des Kreisfechtwarts Ott (Offenbach a. M.) ein Dorfechterlehrgang für den Gau Hessen statt. Vereinsweitkampf T. B. 1860 Bad- Nauheim,T.V.Wetzlar,M.T.V. Gießen Am kommenden Sonntag kommt auf dem Mtv.- Plahe ein volkstümlicher Vereinswettkampf zwischen den drei im Gau Hessen in der Leichtathletik führenden Vereinen, Tv. Dad-Rauheim, Tv. Wetzlar und Mtv. Gießen, zum Austrag. Der Wettkampf, an dem sich sowohl die Schüler, Jugendturner und aktiven Turner, als auch die Turnerinnen und Altersturner beteiligen, besteht Südie-Achter Gießen-Wehlar. Am kommenden Sonntagnachmittag wird auf der Lahn der diesjährige R u d e r w e 11 k a m p f um denStädte-AchterGießen-Wetzlar ausgetragen. Es handelt sich dabei bekanntlich um den von den Städten Gießen und Wetzlar gestifteten Wanderpreis, um den bisher schon immer hart gekämpft wurde. Uebermorgen bewerben sich drei Vereine um den Sieg, und zwar die Gießener Rudergescllschast 1877, der Verein Rudersport 1913, Gießen, ujib der Wetzlarer Ruderklub 1880. Der Start ist beim Felsen, das Ziel am Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft 1877. Die Rudermannschaften stehen schon seit Tagen in scharfem Training, um sich in bester Weise auf den Kampf oor- zubereiten. Man beachte die heutige Anzeige. Fechten imTurngauHefsen(D.T.) Ansängcrprüfung. Die Fechterschaft des Turngaues Hessen veranstaltete am Sonntag in Butzbach eine Anfängerprüfung in beiden Waffen. Erstmalig traten damit, nachdem in allen Gauriegen jetzt das Frauenfechten ausgenommen worden ist, auch die Fechterinnen innerhalb des Gaues Hessen an die Oeffentlichkeit. Rach Begrüßung der Gäste durch Dr. H. R a u, den Vorsitzenden des Turn- und Sportvereins Butzbach, eröffnete Gaufechtwart Karl Kühn (Friedberg) den theoretischen Teil der Prüfung. Die von den Kampfrichtern gestellten Fragen wurden von den jungen Fechtern und Fechterinnen durchweg gut beantwortet. Sämtliche Prüflinge, 20 an der Zahl, konnten zum praktischen Fechten zugelassen werden. Jeder Anwärter hatte drei Gänge zu fechten: es ließen sich zum Teil sehr schöne Klingenführung und wohldurchdachte Fechthandlungen beobachten, vor ollem auch bei den Fechterinnen. Mit Ausnahme von zwei Fechtern (Florett- bestanden alle Bewerber: sie erhielten die Wettfechtkarte ausgehändigt und gehören nun der Jungmannenklasse an. Die Prüfung haben bestanden: Damen (Florett): Lore Sirconlomb, Tv. Wetzlar, 17 Punkte: Hilde Panse, Tv. Wetzlar, aus den mannigfaltigsten Lauf-, Wurf-, Stoß- und Sprungkonkurrenzen, sowie Staffelläufcn. lieber den Ausgang des Vereinswettkampfes kann im voraus nichts gesagt werden, da die Stärke der jüngeren Jahrgänge und Altersturner der Vereine Dad-Rauheim und Wetzlar nicht bekannt ist. Außer mehreren Gaumeistern werden auch verschiedene Krcismeister und Sieger von deutschen Turnfesten am Start sein. Während der Wettkämpfe werden die Turnerinnen und Turner des Männerturnvereins durch Schauvorführungen einige Abwechslung bieten. Leichtathletik der Sp.-Dg. 1900. 5. Die Jugend der Spielvereinigung 1900 empfängt am kommenden Sonntag die Leichtathletikjugend des V. f. D. 05-Kurhessen Marburg zum Rückkampf. Die erjte Begegnung fand voriges Jahr in Marburg statt und endete mit einem klaren Sieg der Spielvereinigungsleute, die insbesondere in der B- und L-Jugend den Marburgern weit voraus waren. Der Marburger Verein verfügt über einen tüchtigen Rachwuchs: die Marburger Jungens, die seit Jahren erstmalig wieder in Gießen starten, werden für die 1900er ein ernst zu nehmender Gegner sein. D. f. B.-Handball. Mit dem Zu-Ende-gehen der Leichtathletiksaison wird im V. f. D. der Handballbetrieb wieder ausgenommen. Rächsten Sonntag empfängt die erste Schülerh andballelfdie gleiche vom V. f. L. Wetzlar zu einem Gesellschaftsspisk. Die Platzmannschaft wird wohl eine Riederlage hinnehmen müssen, da die Gäste ihr in mancherlei, besonders aber an Wettspielerfahrung überlegen sein werden. V. f. D. wird sich sehr zusammennehmen müssen, wenn er nicht allzu hoch verlieren will. Spiel und Sport der höheren Gießener Schulen. Anschließend an die gestrige Veranstaltung der Gießener Schufen in der Volkshalle trugen die 1. und 2. Mannschaften der Oberrealschule und des Realgymnasiums Faustballspiele auf dem Anidersitätsplah aus. In beiden Spielen blieb die Oberrealschule Sieger. Bei den ersten Mannschaften war dies vorauszusehen, da die O.-R. das bessere Spielermaterial stellte. Unter der Schutzmarke »Taufstein« bringen wir einen 115.- ClESSEN Prüfen Sie bitte diese Spezialmarke, für die wir volle Garantie übernehmen. 7232A Trotzdem hielt sich das Realgymnasium sehr gut und lag bei Halbzeit nur um einen Punkt zurück. Rach der Pause gelang es der O.-R., den Vorsprung zu vergrößern und 46:39 zu gewinnen. Beim Sieger konnten der Mittelspieler und die Hinterleute gefallen. Die 2. Mannschaften lieferten sich ein gleichwertiges Spiel, das die Oberrealschule mit Glück gewann. Halbzeit 24:23 für R.-G. Ergebnis 48:52 für O.-R. V. f. B. Am kommenden Sonntag beginnen die unteren Mannschaften mit der Austragung der Verbands* spiele. Aus diesem Anlaß seien hier kurz die Erfolge gewürdigt, die die zweite und dritte Mannschaft des D. f. B. in der letzten Verbandsspiel* saison errangen. Die Ligareserve stand nach Beendigung ihrer 14 Punktspiele mit einem Punkt* Verhältnis von 23:5 und einem Torverhältnis von 65:24 hinter Sportverein Wetzlar und vor der Spielvereinigung Gießen an zweiter Stelle der Ta* belle. Arn besten von allen D.f.D.-Mannschaften schnitt die dritte ab. Sie gewann sämtliche zwölf Spiele und damit die Meisterschaft der Gruppe I der Gauklasse II. Ihr Punktverhältnis lautete 24:0 bei einer Tordifferenz von 40:10. V.f.B. war im vergangenen Jahre der einzige Verein des Lahnkreises, der eine vierte Mannschaft zur Teilnahme an den Verbandsspielen gemeldet hatte. Auch sie erzielte im Verhältnis zu ihrer Spielstärke eine An* zahl recht guter Resultate. Die Einteilung für die kommende Saison ist, abgesehen von geringen Aenderungen, im allgemeinen die gleiche wie im Vorjahre. Das Programm des nächsten Sonntags sieht für den Kampf um die Sporimg (Fabrikat Joh. Gg. Frey, München) mit langer und Breeches oder Knik- kerbocker-Hose, Unverwüstlich im Tragen — aus reiner Schurwolle, in Kette und Schuh gezwirnt, zu untenstehenden Preisen: /VXRKE Mk. haben viele Füße gesund gemacht. Literatur C133 kostenlos < .OiMG^l-’-Verkaufsslelle: H W. Herbert Marktplatz 2 öie losten melnProblem am besten. Jn Jhrer TJlarke liegt die höchste Vervollkommnung meiner&findung. Rama- Qualitat-ßlauband-Qualitair des Erfinders und jeinUrted. nach. 6öJahren: vereinigt zur- Höchst-Qualität: Drucksachen aller Art tzle vrübl'sche Universitäts-Druckerei, 8. Lange. 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Im zweiten Spiel sollte man der dritten Mannschaft einen sicheren, wenn auch nicht allzuhohen Sieg über Garbenteichs erste zutrauen. Wer den Punktkampf V.f.B. IV — Steinbach II gewinnt, kann nicht vorausgesagt werden. Gießen setzt sich fast ausschließlich aus jungen Spielern, zum Teil sogar aus Anfängern zusammen, was allerdings bei Steinbach ebenfalls der Fall fein wird. Auch die A.H.-Mannschaft tritt nach einer Pause von mehreren Sonntagen wieder auf den Plan. Sie fährt nach Marburg, um der A.H. von V.f.B. Kurhessen ein fälliges Rückspiel zu liefern. Das Vorspiel auf hiesigem Platz endete 3:3. Spielvereinigung 1900 Gießen. o. Mit Ausnahme der Ligareserve sind am nächsten Sonntag alle Seniorenmannschaften spielfrei. Die Reserve trägt das erste Derbands- spiel in der neuen Saison aus und muh gleich zum Meister des letzten wahres, der 2. Elf vom Wetzlarer Sportverein. Obwohl das Spiel in Wetzlar zum Austrag kommt, bestreiten es die 1900er nicht aussichtslos. Bei komplettem Antreten kann eine Wiederholung des im letzten Spiel in Wetzlar erzielten Tlnentschieden im Bereich der Möglichkeit liegen, denn die Blauweißen nahmen damals den Wetzlarern den einzigen Punkt auf eigenem Platz ab. Seitdem scheinen die Wetzlarer etwas an Spielstarke verloren zu haben. Bereits am Samstag gibt es eine (Zugendbegegnung zwischen 1900s 1. Jugend und der Fußballmannschaft der hiesigen Oberrealschule. Der Ausgang ist vollkommen offen. Am Sonntag nehmen die Pflichtspiele ihren Fortgang. 1900s 1. (Zugend hat Lollars 1. Fugend hier zum Gegner. Die 2. Fugend fährt zur 1. Fugend des Sportvereins Rieder-Weisel. Die 3. Fugend spielt auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe gegen die 1. Fugend Büblingshausens. $. 6p. 23.1926 Sieinbach. Vergangenen Sonntag weilte die dritte Mannschaft des V. f. D. Gießen in Steinbach, um ein Rückspiel zum Austrag zu bringen. Obwohl ein sicherer Sieg der Gäste in der Vorschau zum Ausdruck gebracht wurde, gelang ihnen doch erst in den letzten Minuten, das Resultat auf 3:3 zu gestalten. Sportverein 1928 Garbenteich. Die erste Schülermannschaft empfängt auf eigenem Platze die gleiche der S p i e l - Vereinigung 1 9 0 0 Gießen. Es dreht sich um ein Pflichtspiel, dem man einen offenen Verlauf geben muh, da die Kleinsten des Sportvereins die letzten Spiele mit glänzenden Siegen abschließen konnten. Arbeiter-Turn- und Sportbund. Fm weiteren Verlaufe der Serie treffen sich am kommenden Sonntag in der ersten Klasse in Raunheim Raunheim!, gegen Lollar 1. Beide Mannschaften haben durch älmstellung wesentlich an Spielst ärke gewonnen. Der Ausgang des Treffens ist deshalb offen zu lassen. Giehen ib geht nach Heuchelheim, um gegen die dortige, zur Zeit sehr spielstarke erste Mannschaft anzutreten. Die Gäste werden sich hier wohl mit einer Riederlage abfinden müssen. Grohen-Linden 1 fährt nach Wetzlar und wird in der dortigen ersten Mannschaft einen gleichwertigen Gegner finden. Fn der zweiten Klasse treffen sich in der Gruppe West: L e u n 1 gegen Rödgen 1 in Leun. Hier werden die Platzbesitzer Sieger bleiben. Auch Waldgirmes I wird in Kinzenbach einen stärkeren Gegner antreffen, der sich die Punkte wohl nicht streitig machen läßt. Klein-Linden I fährt nach Beilstein und dürfte dort einen gleichwertigen Gegner finden, der alles daran setzen wird, Sieg und Punkte zu behalten. R o d h e i m I geht nach Watzenborn und wird wohl als spielerfahrenere Mannschaft die Punkte mit nach Hause nehmen. Fn Gruppe Ost stehen sich in Oppenrod Oppenrod I gegen Daubringen 1 gegenüber. Hier wird es ein Treffen geben, in dem die Einheimischen wohl ein kleines Plus haben werden. Auch Staufenberg wird in Burkhardsfelden auf einen hartnäckigen Gegner treffen, der wohl die Punkte für sich behalten wird. Hachborn und Beuern werden sich ein gleichwertiges Spiel liefern, dessen Ausgang offen zu lassen ist. Auch Trais und Odenhausen werden sich in Treis ein gleichwertiges Spiel liefern. Grünberg, das nach Hungen fährt, wird in der dortigen 1. Mannschaft einen gleichwertigen Gegner finden, der auf eigenem Platze schwer zu schlagen ist. 2n der Fugendklasse treffen sich: Heuchelheim Fugend — Wißmar Fugend; Raunheim Fugend — Großen-Linden Fugend; Klein-Linden Fugend — Rodheim Fugend; Treis Fugend — Gießen Fugend, jeweils auf dem Platze des zuerst genannten Vereins. Der Freie Turn- und Sportverein Wieseck wird mit seinen drei Fußballmannschaften, einer Handballmannschaft und seiner Tumabteilung am kommenden Sonntag zu einer Werbeveranstaltung nach Wirges im Westerwald fahren. Deutsches Turn- und Sportabzeichen. Arn morgigen Samstag, 18 Uhr, findet in der Müllerschen Badeanstalt die Abnahme des Schwimmens für das Deutsche Turn- und Sportabzeichen statt. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 6. Sept. Eines Sonntags vormittags gegen 8 Tlhr hielt vor einem Hause an einer Stelle, an der das Parken verboten ist, ein Auto, dessen Führer einen Bekannten an die Dahn bringen wollte. Dieser stieg aus und machte in dem Hause eine wegen seiner Abreise unaufschiebbare Besorgung, die sich aber nicht vorauszusehender älmstände halber länger hinauszog, als er und der Autoführer erwarten konnten. Letzterer fah davon ab, jetzt noch auf dem nahen Parkplatz zu parken, da dies immerhin noch eine gewisse Zeit- in Anspruch genommen hätte und er fürchten mußte, zu spät zum Bahnhof zu kommen. Fm ganzen mag das Auto etwa 8 Minuten geholfen hoben. Roch der Verkehrsordnung dürfen Autos auf Plätzen, an denen das Parken verboten ist, nicht länger halten, als zum Ein- und Aus- steigen von Personen erforderlich ist. Das Gericht sprach den Autoführer frei. Es nahm an, daß Fälle vorkommen können, in denen trotz Parkverbots ein kurzes Halten gerechtfertigt erscheint und, was die Strafbarkeit eines solchen Verhaltens anlangt, der Wortlaut der Gesetzesstelle nicht ausschlaggebend fein darf. Dazu kommt, daß der Verkehr zur fraglichen Stunde dort sehr schwach und eine Gefährdung desselben ausgeschlossen war. Diese Tatsache allein hätte allerdings den Angeklagten nicht vor Strafe schützen können. Fn einem Rachbarort benutzte ein Gast, der allzuviel dem Alkohol zugesprochen hatte, die kurze Abwesenheit der Wirtin und stahl aus einem Schränkchen in der Wirtsstube zirka 20 Mk. Als er Verdacht auf sich gerichtet sah, entschädigte er die Wirtin. Trotzdem ließ er sich erst am Schlüsse der Verhandlung zu einem Geständnis herbei und erhielt, da er noch nicht vorbestraft ist, und das Gericht der Ansicht war, daß der Strafzweck auch ohne Verhängung einer Freiheitsstrafe erreicht werden könne, eine Geldstrafe von 70 Mk. an üteile einer an sich verwirkten zweiwöchigen Gefängnisstrafe. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 14. September. Vorabend 6.30 Uhr; morgens 8.30; abends 6.50 und 7.30 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 14. September. Freitag abend 6.15 Uhr; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 7.30.— Wochengottesdienst: morgens 6.30; abends 6 Uhr. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. 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