Dienstag, 13. August |929 <79. Jahrgang Nr. 188 Erstes Blatt mung. Briand Der Reichswirtschastsmimster gegen einen Abbau der Sachlieferungen Haag, 12. Aug. (TU. Funkspruch.) Die geheime Sitzung des politischen Ausschusses hat am Montag von den technischen Fragen der Rheinlandräumung ausgehend wieder zu einer gröberen Aussprache über die grundsätzlichen politischen Fragen gesührr. Das Thema der Sitzung war aus- schlieblich die E i ns e h u n g e i n e s S a ch v e r - ständigenausschusses für die mit der Räumung zusammenhängenden Fragen: 1. Räumungstermin, 2. finanzielle Fragen der Räu» brauche, sobald sich zeige, bafc die Gegenseite gruno- sählich seine Forderung als berechtig! anerkenne. Ob Snowden in Uebereinstimmung mit dem Kabinett und im Interesse der Rettung der Konferenz allerdings wesentliche Zugeständnisse machen wird, erscheint nach wie vor höchst unwahrscheinlich. Der Gedanke der Vertagung der Konferenz bis zum Herbst findet in maßgebenden Krei- sen wenig Gegenliebe. e pertinax meldet dem „Daily Telegraph- aus dem Haag: Da» wichtigste Ereignis des gestrigen Tages war zweifellos die Unterredung Snowdens am Vormittag vor Zusammentritt des Finanzausschusses mit dem belgischen Premier-minister. Das gemeinsame Eintreten houtarts und Snowdens für Vertagung bis Mittwoch wird aus diese Unterredung zurückgeführt. Das gilt als Beweis einer allgemeinen Besserung der Atmosphäre. Rach Mitteilung aus französischer Quelle ist ein Kommissionsvorschlag in Vorbereitung. England soll einen großen Teil des Rück st andes der deutschen Annuitäten erhalten, der nach Befriedigung der Ansprüche der Hauptmächte verbleibt. Rumänien, Südslawien, Griechenland und Portugal sollen durch Herabsetzung ihrer Kriegsschulden an andere Großmächte für den Verlust des erwähnten Rückstandes entschädigt werden. Der Haager Sonderkorrespondent des „Daily Lhronicle- erwartet, daß die Franzosen gegen Ende der Woche vorschlagen werben, die Finanzkommission solle sich bis nach der Völkerbundssession vertagen. Der Korrespondent glaubt, daß dieser Vorschlag zweifellos Annahme finden werde. Haag, 12.Aug. (TU. Eigner Drahtbericht.) Das lelegramm, das der englische Premierminister Macdonald an den Schahkanzler Snowden gesandt hat, besagt, wie schon in einem Teil der gestrigen Auslage gemeldet, daß die Finanzkommission einen sehr ernsten Fehler machte, und daß die Aussichten für eine baldige Lösung sofort Schiffbruch erleiden mühten, wenn man sich nicht endlich dazu verstehe, den Bericht der Sachverständigen zu revidieren und den rechtmäßigen Forderungen Englands entgegenzukommen. „Alle Parteien und Gruppen des Landes ohne Ausnahme unter st ühen die Sache, die Sie führen, jede Zeitung steht hinter Ihnen, und alle Parteien im Unterhouse unterstützen Sie ebenfalls. Ich hoffe sehr ernstlich, daß Ihre Kollegen in der Finanzkommission erkennen werden, daß sie die Lage in dem Sinne auszulegen haben, daß die elementarsten Erwägungen des fair play zwischen den beteiligten Ländern eineRevisiongewls- ser Lmpsehlungen des Berichtes erfordern. Unsere bisherige Aktion für das Zustandekommen einer Regelung der europäischen Verhältnisse auf der Grundlage guten Willens beweist, daß wir wünschen, daß die Konferenz Erfolg hat, und zwar sowohl auf politischem wie auf finanziellem Gebiete, aber wir haben die Grenze der ungerechten Laftenverteilung erreicht." Das Telegramm RZacdonalds an Snowden wird auch amtlich als eine Rückendeckung für den Schahkanzler bezeichnet. Es fei ein sehr bedeutsames Eingreifen und habe einen günstigen Einfluß im Haag ausgeübt. Der englifche Standpunkt wird als unverändert bezeichnet. Doch wird hinzugefügt, daß Snowden nicht starr auf feinen Forderungen zu beharren Er sch e int täglich, anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien bl älter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter» scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüffe nnterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Der Quotenkampf wird vertagt Macdonalds Telegramm als Rückendeckung für den Schahkanzler. genossen? Die Wahrheit: Philipp Snowden ist ein Besessener. Er denkt natürlich ebensowenig daran, Stresemann Stecken und Stab zu leihen, I tote er ganz bestimmt nicht im stillen Kämmerlein mit den Franzosen zusammenkommt, ehe er sie in halböffentlicher Sitzung vernichtet. Er denkt wenn wir nicht sehr irren, überhaupt cm nichts anderes als an sein eigenes buisineß. Qln dieses aber mit einer Leidenschaftlichkeit, die bei international agierenden Engländern einmalig ist. Es gibt vielleicht einen einigen Konferenzdiplomaten auf der weiten Welt, der em ebenso zäher und aus innerster Rbtigung intransigenter Verhandlungspartner ist, wie der britische Schahkanzler: das ist Paul-Don- cour, die Schande der französischen Sozialdemokratie. Cs ist in allen Hotelhallen der hohen Politik bekannt, daß kein europäischer Staats- mann mehr geneigt ist, sich mit diesem Paul- Dvncvur an den Verhandlungstisch zu setzen. " Paul-Cheri", so nennt der Spott der Boulevards den alten Bonvivant, kann seiner innersten Ratur nach nicht einlenken. Seine kalten blauen Augen irren ausdruckslos ins Leere, wenn irgendeine Besprechung am kritischen Punkt an- I aelangt ist, da ein kompromisselndes Emlenken allein mag es auch nur von formaler Bedeutung fein, ihr über die gefährliche Klippe hm- wcghelfen könnte. Er ist nicht imstande, einzulenken. Sein Advolatenehrgeiz vertragt es nicht. So kommt es, nebenbei bemerkt, daß Paul» Cheri sacht, aber entschieden aus allen internationalen Verhandlungen a u s g e s ch a l t e t wurde, in denen er vor mehreren Jahren noch eine bedeutsame Rolle spielte. Ganz em ach aus der auch in Paris sich durchsetzenden Erkenntnis ! daß die Zeiten vorbei sind, da.die.Eitelkeit eines Advokaten den Gang der Geschichte bestimmen konnte. Run soll der ehrenwerte Mister Snowden ge- wih nicht durch einen Vergleich mit Paul-Bon- cour beleidigt werden. Will man aber die politische Krise vom Haag erkennen, muß man fie vor allem in der Persönlichkeit des britischen Schahkanzlers suchen. Auch dieser kann in diesem einzigen wenngleich entscheidendem Punkt, dem eben geschilderten Paul- ©beri nicht unähnlich, ganz einfach nicht ein- lenken. Er ist, eben wurde es gesagt, em Besessener. Vielleicht liegt das auch an feiner physischen Beschaffenheit. Es ist kein Geheimnis, daß Snowden sich nur auf zwei Krücken gestützt fort- Lewcgen kann, und auch dies nur sehr mühsam. Llnd es ist eine alte Erfahrung, daß körperlich Gehemmte die g-tShrNchllen D-rhandl>mgsI-°et. ner sind und die allerbesten Hasser. Dabei ist Snowdens Persönlichkeit, trotz ferner überaus trockenen, beinahe hemdärmeligen Art, cmch bei volitifchen Widersachern sehr beliebt. Er gilt bei Freund und Feind als die crJte Autorität öom Haag. Gar nicht unmöglich, daß die Geschichte einmal von der „Snowden-Konferenz ^Änn der^Schatzkanzler sich zu^Oort mdbet hält ein Saal, der von Cxzellenzherren voll^ pfropft ist, peinlich, vielleicht sogar ängstlich den Litern an. Alle Welt hängt an feinen Lippen- obwohl kaum einer von den Herren am balbrun den Tisch auch nur ein Wort feiner Rede ve steht. Sein Englisch ist nuancenarm wie blut- leer, hauchleife. Gar Nicht auf oratorische Wir- Der Haager Korrespondent des Arbeiterblattes „®ailij Herald" meldet: Die britische Forderung nach sofortiger und bedingungsloser Räumung ist unverändert. Der Korrespondent meint, ein beträchtlicher Teil der französischen Einwände gegen völlige Räumung innerhalb einer bestimmten und kurzen Frist könnten da- durch beseitigt werden, daß die deutsche Regierung die Entschädigung ihrer Bürger in einer Anzahl von Fällen von Ersatzforderungen übernähme oder sich mit einer. Pauschal- summe als Entschädigung zufrieden gebe. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil (Ern^. Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämUich in Gießen. Snowden und CH6ron haben sich im Haag wieder vertragen, sie haben sich offiziell die Hand geschüttelt, nachdem Herr Charon davon Kenntnis genommen hatte, daß die Bezeichnungen , grotesk und lächerlich ui öer englischen Sprache keine persönliche Kränkung enthalten Der diplomattsche Bierjunge, der hier in der Luft hing, ist also Mcklich vermieden tiror- ben und man kann sich weiter sachlich unterhalten. Dabei hat Herr Snowden, der sich inzwischen von M a c d o n a l d ein Telegramm bestellte mit hundertprozentiger Rückendeckung, sich damit einverstanden erklärt, daß iM Augenblick nicht mehr über die Verteilung, der deutschen Zahlungen, sondern über die für chn ebenso wichttge Frage der Sachlieferungen verbandelt wird, die ja nun in sehr viel höherem Matze Deutschland angeht. Dr. C u r t i u s scheint in seiner Rede nachgeholt zu haben, ipaö bisher versäumt wurde, indem er auf die wirtschaftliche und finanzielle Zwangslage Deutschlands aufmerksam machte, für die bisher niemand im Haag ein Wort gehabt hat. Saä reiche England weint fünfzig Millionen nach, wahrend das arme Deutschland zweieinhalb Mil- Oie Räumungsdebaite im Haag. Briand macht Schwierigkeiten. - Henderson vermittelt. - Eine private Besprechung hing abgeftelU. Pointen läßt er unter den Tisch fallen, statt sie hinzuschmettern, wie es die hohe Schule der Rhetorik einst verlangte. Wie ein guter Schauspieler steigert er feine Wirkung dadurch, datz er die Höhepunkte abfchwächt. Dabei hat Mister Snowden ganz gewiß nirgendwo technisch gelernt, wie die Sache mit der rednerischen Wirkung gemacht wird. Es kommt Ihm auf Wirkungen scheinbar blutwenig an. Diese Engländer, auch wenn sie der Arbeiterpartei angehören und gelegentlich irgend etwas Unverbindliches über Gleichberechtigung der Rationen sagen, find zu entscheiden, nicht zu wirken gewohnt. Manches hat Philipp Snowden bereits entschieden. Beabsichttgt war von einer sehr vorsichtigen Konferenzleitung, einer Generalaus- spräche über den Poungplan aus dem Wege zu gehen und sich sofort mit konkreten Einzelheiten zn beschäftigen, um so den von England bekämpften Quotenschlüssel stillschweigend zur Dis» kusslonsgrundlage zu machen. Rur ein Paar offizielle Liebenswürdigkeiten hätten zuvor noch aus- getauscht werden sollen. Als aber Snowden ei der ersten Sitzung der Finanzkommission das Wort erbat, war von offizieller Liebenswürdig- leit überhaupt keine Rede mehr. Mit souveräner Verachtung ging er über die Regieanerkennung hinweg direkt zur Tagesordnung über. Und diese Tagesordnung lautet für ihn ganz allein: England will einen höheren Repara- 11onsanteil. Alle anderen Erwägungen ha- ben hinter diese zurüchutreten. Snowden hat gesprochen, die Sache ist erledigt. Run, die Sache ist noch immer nicht ganz erledigt, und es wird noch sehr viel Wasser an den Dünen von Scheveningen sich brechen, ehe sie bereinigt sein wird. Philipp der Zweite, — nein Philipp Snowden ist gemeint, die unverkennbare Ähnlichkeit entschuldigt wohl die Verwechselung — Philipp Snowden aber ist der festen Ueberzeugung, daß alles weitere Gerede überflüssig sei, nun sein Standpunkt fest- stünde. Er will keine weiteren Opfer mehr bringen. Chäron, fein weihbärtiger, behäbiger Gegenspieler, Ehrenbürger zahlreicher französischer Provinzstädte, derzeit Finanzminister, desgleichen. Portugal, Rumänien, Griechenland — alle sind sie an ihrer .Opfergrenze" angelangt Lind selbst der ewig stumme kleine Adatschi, Präsident des Dölkerbundsrates, den die ältesten Genfer Stammgäste bisher nur schweigen und lächeln sahen, steht plötzlich mit der mannhaften Erklärung auf, die Opfer, die Japan gebracht hätte, seien unerträglich. Rur von den Opfern Deutschlands hat bisher noch kein Mensch gesprochen... liarben jährlich zahlen soll, das reiche England fühlt sich durch deutsche Sachlieferungen bedroht I Dr. Eurtius hat den Engländern einmal eine Rechnung aufgemacht und ihnen gezeigt, wie groß der Kapitalverlust, aber auch der Verlust unseres Handels gewesen ist. Wir können eben nur in Sachlieferungen zahlen. Auch Herr Snowden sollte eigentlich einsehen, datz in Bargeld so ungeheuerliche Summen aus der deutschen Wirtschaft nicht hrrauszuholen sind. Will er die Sachlieferungen stoppen, dann wird er eben die deutschen Zahlungen kappen müssen. Aber damit ist er ja auch wieder nicht einversuchte die technischen Schwierigkeiten der Räumung vorzuschieben und die endgültige Klärung der Räumungssrage hinauszuziehen. Er betonte sehr stark, die nach feiner Auffassung bestehende Gefahr, daß der Polittsche Ausschuß infolge des vorgeschrittenen Standes der Verhandlungen zu einem praktischen Ergebnis gelangen würde, bevor der Finanzausschuß zum Abschluß gekommen fei. Hierdurch würde sich nach französischer Ansicht die Gefahr einer Präjudizierung der finanziellen Ber- handlungen ergeben. Von französischer Seite wird somit nach wie vor mit großer Hartnäckigkeit die Auffassung vertreten, daß ein e n b g u l - tiger Räumungsbeschluh von dem Ergebnis derfinanzielle nV erlaub- langen der Konferenz abhänge. Dri-- and wies darauf hin, datz der Polittsche Ausschuß in feinen Arbeiten schon weit vorgeschritten sei. Briand beklagte sich darüber, wie schwer die Desahungstruppen unter dem letzten rheinischenWintergeli tte n hätten und daß eine Räumung im Winter für die Truppen klimatisch unzuträglich sei. „Es liegt in Ihrer Hand, den Truppen einen zweiten Winter im Rhei nlande zu ersparen", antwortete schlagfertig der deutsche Außenminister. Allgemeine Heiterkeit war die Antwort und der Vorsitzende Henderson klopfte den neben ihm sitzenden Briand mit einem jovialen Lachen auf die Schulter. Stresemann erklärte mit größter Entschiedenheit, daß eine Annahme des Voung planes für Deutschland ohne eine völlige und sofortige Räumung völlig undenkbar fei. Die Räumung fei kein finanzielles Geschäft mit Leistung und Gegenleistung, sondern eine Forderung der völkerrechtlichen Ethik. Die Welt würde das Ergebnis dieser Konferenz nach dem politischen Ergebnis beurteilen. Dieser ausgedehnte Dialog zwischen Strese- mann und Briand wurde von Henderson mit der Bemerkung abgeschlossen, daß die Aussprache zwischen Stresemann und Briand diese Fragen nicht gefördert habe. Aus biefem Grunde mache er den Vorschlag, daß die Hauptdelegierten der vier an der Räumung beteiligten Mächte, England, Deutschland Frankreich und Belgien, Dienstagnachmll- Eag 'um 4 Uhr am Sitz der englischen Abordnung zu einer Privat e n Besprechung zus ammentreten sollten. Bevor die Verhandlungen im politischen Ausschuß weitergeführt würden, fei es notwendig, daß zwischen den vier Hauptbeteiligten eine grundsätzliche Einigung über das Datum und die Durchführung der Räumung er^elt werde. In dieser Besprechung solle ferner daru^r beraten werden, ob ein ober zwei Ausschüsse für die Räumung des Rheinlandes zu ernennen, ob sie auch politische Weisungen erhalten sollten und welches Datum für den Beginn der Räumung in Aussicht zu nehmen sei. Der englische Aaunmngsentschluß Ohne Rücksicht auf das Ergebnis der Haager Konferenz. London, 13. Aug. (WTD. Funkspruch.) Der diplomattsche Korrespondent des »Daily graph" erfährt von maßgebender Seite, daß die brittschen Desatzungstruppen Ende dieses Jahres aus dem Rheinlande zurückgezogen sein werden, und zwar vhne Ruck - sicht auf das Ergebnis der Haager Konferenz. Dieser Beschluß fei den alliier- Oer Fall Snowden. Drahtbericht unsere« »-Sonderberichterstatters. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Den Haag, 12. Aug. 1929. Cs ist anzunehmen, daß Philipp Snowden in den nächsten Wochen — alle guten Konferenzgeister mögen uns davor bewahren, datz Monate aus diesen Wochen werden — der meistzitterte Staatsmann beider Kontinente sein wird. Die Engländer jubeln ihm in einer Einmütigkeit zu, wie sie feit Lloyd Georges Khaki- wahlen keinem brittschen Sterblichen zuteil ward. Die Franzosen hassen ihn, wie eben nur diese „Nation tigretine“, um des Tigers Clemenceau Wort über seine eigenen Landsleute zu wiederholen, zu hassen vermag. Selbst „le docteur Schacht", gewiß für die Franzosen der 3nbe- griff alles Dösen auf Erden und jener Mann zugleich der ganz bestimmt die Alleinschuld am Weltkrieg trägt, man wird es ihm schon einmal Nachweisen — selbst er ist populär unter den französischen Delegierten im Haag, an der unbeschreiblichen, sagen wir es höflich: Unpopularität gemessen, deren der britische Schahkanzler sich unter seinen lieben Bundesgenossen vom anderen Ufer des Kanals erfreut „Er ist ein Erzverräter!" sagte mir mit allem Pa- Hos sittlicher Entrüstung (schlietzlich geht es ja auch um beinahe achtundvierzig Millionen Goldmark, man hat also allen Anlaß, die fitt- liche Entrüstung zu strapazieren) einer der hervorragendsten sranzösischen Konferenzteilnehmer. Uns Deutschen erscheint der sehr ehrenwerte Mister Snowden natürlich, wie alles andere auf der Weit, vom Preiskegeln bis zur Schaffung Paneuropas als ein Problem, mit bemrnan sich weltanschaulich auseinandersehen muh. Was gelegentlich in der denkbar weltfremdesten Art geschieht Da war gestern in einem großen und sonst sehr gescheiten Blatt zu lesen, der britische Schahkanzler fei »Stecken und Stab der deutschen Vertreter“. Er hat, nach die» fer freundlichen Auffassung, die einzige brennende Sehnsucht, uns Deutschen die Kastanien aus dem Feuer von Briands Rede herauszuholen. Was aber ist die Wahrheit über diesen mysteriösesten und zweifellos interessantesten Zellten Regierungen und der deutschen Regierung entweder schon mitgeteilt worden oder werde ihnen unverzüglich mitgeteilt werden, möglicherweise im Haag durch Henderson persönlich. Rach Ansicht, maßgebender englischer Juristen würde die Zurückziehung der britischen Mitglieder derRhein- landkommission die legale Existenz der Kommission vernichten, denn nach der Rheinlandkonvention könnten der französische und der belgische Kommissar ohne ihre britischen Kollegen sich nicht als Rheinlandkommission be- zeichnen. Giesjemr Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen vruck und Verlag: vrühl'sche Untoerfltäts-Bufy und Zteindruckerei K Lange in Metzen. Schriftlettung und Geschastrstelle: Lchnlstratze 7. verstanden. England und die Reparationskohle. Zn Italien kerne Konkurrenz. Haag, 12. Aug. (WTD.) Die heuttge Dor. mittagsfitzung des Finanzausschusses behandelt« die Frage der Sachlieferungen. Reichsminister Dr. C u r t i u s und der italienische Delegierte Pirelli machten dazu längere Aus- führungen. Der französische Handelsminister Loucheur verschob seine Rede bis zur nächsten Sitzung, die auf Mittwoch um 10 Uf>r zur Fortsetzung der Generaldebatte vornehmlich über die Sachlieferungsfrage anberaumt ist. Die Sitzung verlief in durchaus fachlicher Weife. Reichsminister Curtius betonte, dah ein sofortiger Abbau der Sachlieferungsvorschläge der Experten nicht möglich sei. Er sprach die bestimmte Erwartung aus, daß keine Zumutungen über das Opfer hinaus an Deutschland gestellt werden, das schon der Voungplan fordere, und zwar weder in bezug auf Sachlieferungen noch auf andere Dinge. Er forderte die loyale Anerkennung der englischen Argumente und ebenfalls der Argumente Deutschlands. Die besonderen Industrien, die in England notleidend seien, befänden sich in Deutschland in der gleichen Lage; dazu komme in Deutschland die Land- wirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit bestehe in beiden Ländern, und die gewaltige -Zahl von drei Millionen Arbeitslosen sei in Deutschland erst seit kurzem erheblich abgebaut, „Aber", so führte der Minister aus, „wir wollen hier nicht Klagelieder an einem O p f e r a l t a c anstimmen, sondern p r a k - lische Arbeit am Verhandlungstisch leisten." Es könnten keinerlei Zweifel über die Frage nach den Darlegungen des deutschen Sachverständigen in Paris bestehen. Die gemeinsame Rot der europäischen Mächte, die durch Krieg, Inflation usw. hervorgerufen worden sei, fordere eine Lösung der Reparationssrage im gemeinsamen Interesse. Die Sachlieferungen seien vorläufig noch ein unentbehrliches Element. Wenn man die ersten neun Monate des letzten Reparationsjahres auf das Jahr verteilt, so ergibt sich ein Betrag der Sachlieserungen von 1150 Millionen Mark für das letzte Dawesjahr. Rach den Feststellungen Grahams ergeben die vorgesehenen 750 Millionen des ersten Jahres nach dem Voung-Plan abzüglich des Recovery-Aktes nur 540 Millionen, also weniger als die Hälfte. Der plötzliche Abfall des Sachlieferungsvolumens ruft ohnehin schon große Schwierigkeiten für die deutsche Wirtschaft hervor. Um so notwendiger ist es, an den zugebilligten Ziffern festzuhalten, das schließt nicht aus, dah auf besondere Einzel- wünsche Englands Rücksicht genommen werden kann. Graham habe auf die Beziehungen zwischen Sachlieferungen und einem etwaigen Moratorium verwiesen, wie durch Ziffer 4 Anlage 4 des Voung-Planes vorgesehen und darin eine Gefahr der Volumenvergrößerung der Sachlieferungen erblickt. Diese Ausführungen des Planes werden zweckmäßig in einem Linierausschuh unter Zuziehung einiger der Pariser Sachverständigen untersucht, ebenso die Bestimmungen über den Recoverh Act und die Schlußbestimmungen des Versailler Vertrages über die Kohlen- lieferungen. Anschliehend an die Darlegungen des Reichs- Wirt sch astsministers erklärte der italienische Delegierte Pirelli, vom italienischen Standpunkt aus würden die Bedenken Englands in hezug auf die Sachlieferungen nicht geteilt. Durch die Reparakionskohlenlieferungen sei England jedenfalls in der Ausfuhr nach Italien nicht geschädigt worden. Italien sei das einzige Land, das trotz des Ausbaues seiner Wasser- . tröffe eine Steigerung des kohlen- verbrauchs um etwa 30 v.h. seit dem Kriege herbeigeführt habe, die durch die Sachlieferungen gedeckt sei. Lin Rückgang des englischen Anteils an der italienischen kohlenoersorgung beruhe atg der Konkurrenz anderer Länder, z. D. Polens. Eine Verminderung der Sachlieferungen sei im übrigen im Voungplan vorwiegend« durch die energische Einwirkung der englischen Sachverständigen erzielt worden, ätzten Endes seien die Reparationen in Gütern zu leisten und das bedeute, dah die Wirtschaft der Cmpfangsländer dadurch benachteiligt werde. Er verstehe es deshalb durchaus, dah das britische Schatzamt auf Herabsetzung der deutschen Leistungen überhaupt gedrungen habe. Zum Schluh erklärte Pirelli, von Beginn der Pariser Verhandlungen an sei es die gemeinsame Lleberzeugung aller gewesen, dah aus ökonomischen Gründen Deutschland a n allen Verminderungen entsprechend beteiligt werden müsse, wenn eine solche in bezug auf die interalliierten Schulden gewährt werde. Die Arbeitslosenversicherung. Wistells Reise nach dem Haag. Haag, 12. Aug. (WTD.) Die Reichsminister S e v e r i n g und W i s s e l l trafen heute um 10.25 Llhr mit dem fahrplanmähigen Zuge in Begleitung des Abgeordneten Hertz im Haag ein, sind jedoch schon heute abend wieder aus dem Haag a b g e r e i st , nachdem sie die Frage der Arbeitslosenversicherung mit den hier anwesenden Kabinettsmitgliedern durchgesprochen haben. Die Besprechung ergab die Ansicht. dah die Beratungen des Sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages gefördert werden müssen, und dah ihm eine Kabinettsvorlage unterbreitet werden muh. Llm dieses Material vorzubereiten, ist eine Besprechung der fünf Froktionsführer der Koalitionsparteien vorgesehen. Sonst wird das Kabinett zusammentreten und eine Vorlage ausarbeiten. Damit das alles in Ruhe geschehen kann, wird der Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses, der Vizepräsident des Reichstages. Esser, gebeten, Die vorgesehene Sitzung des Ausschusses vom 19. auf den 22. d. M. zu vertagen. Anhaftende Besserung im Befinden des Reichskanzlers. Berlin, 12. Aug. (Prioatmeldung.) Wie wir von unterrichteter Seite hören, hält die Besserung im Befinden des Reichskanzlers an. Reichskanzler Müller konnte gestern zum ersten Mal seit Wochen einige Stunden außer Bett verbringen. Es ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, daß er Anfang der nächsten Woche die Klinik verlassen darf. Reichspräsident v. Hindenburg hat kurz vor seiner Abreise nach Dietramszell in einem Schreiben an den Reichskanzler nochmals herzliche Wünsche auf baldige Genesung ausgesprochen. Auch Reichswehr Minister Groener Hal ein ähnlich lautendes Schreiben an den Reichskanzler gesandt. „Graf Zeppelin" kehrt heim! Ein Augenzeugenbericht von der Landung. — Oie begeisterte Menge. — Ein Blick ins Innere des Lustriesen. - Vor dem Antritt der Weltfahrt. Von unserem 81.-Redattionsmitglied. Friedrichshafen, 11. Aug. Es waren trübe Aussichten für die Zeppelinlandung, als es am Freitag früh anfing, andauernd zu regnen und der Himmel ein so trübes Gesicht machte, dah alles am Bodensee grau in grau gehüllt war. Trotzdem war man. wie ich auf telephonischem Anruf beim Luftschiffbau Zeppelin erfuhr, sicher, dah der Zeppelin am Samstagnachmittag oder -abend eintreffen würde. Man sagte mir, dah das Luftschiff gute Fahrt mache. Samstag früh. Seit 5 Llhr regnet es Bindfaden, und die Wolken hängen so dicht und tief, dah man nur mit einem Zeppelin-Empfang in strömendem Regen zu rechnen wagt. Aber das beeinträchtigt die frohgespannte Erwartung nur wenig, nicht nur bei mir und meinen Reisebegleitern, sondern auch — wie der große Fremdenstrom in Friedrjchshafen beweist — bei den Tausenden, die sich dieses grandiose Schauspiel nicht entgehenlassen wollen. Den Vormittag verbringe ich in Gesellschaft eines Gelehrten, der dem Lehrkörper unserer Gießener Universität angehört, seit 1921 aber als Leiter der Drachenstation Friedrichshafen vorsteht: des Meteorologen Prof. P e p p l e r, der gleich wie ich nicht auf ein Ende dieses miserablen Regens zu hoffen tragt. Lind doch kommt es anders! Auf meine telephonische Anfrage beim Luftschiffbau höre ich, daß der Zeppelin um 8.40 Llhr etwa 100 Kilometer nordwestlich Besan?on stand, dah er weiter gute Fahrt mache und bereits gegen 1 Llhr mittags erwartet werde. Anschläge in verschiedenen Strahen teilen diese Botschaft auch der gewaltigen Menschenmenge in den Strahen Friedrichshafens mit. Gegen 1/211 Llhr hört der Regen endlich auf, das dichte Gewölk lichtet sich, und die Stimmung bei den Menschenmassen wird immer froher und gespannter. Vor der Zeppelinwerst, die ich mit meinen Begleitern gegen 1.12 Llhr besuche, flauen sich bereits große Besucherscharen, und am Portier- Haus vor dem grohen Eingangstore stehen die Schaulustigen in langen Schlangen, um eine Eintrittskarte zu erhalten. Meine Karten liegen schon bereit, so dah der Zutritt zur Werft keinen Schwierigkeiten begegnet, aber die andern alle erleben zum großen Teil eine Enttäuschung, denn nicht alle können Karten erhalten, obwohl die Zeppelinverwaltung in großzügiger Weise ganze Pakete von Karten zu freiem Eintritt zur Verfügung gestellt hatte. Gegen 1272 ähr, gerade als ich mit meinen Begleitern in einem Hotel am See beim Essen sitze, hören wir ein tiefes und starkes Brummen draußen vom See her, und schon ertönt der laute Ruf durch alle Straßen: (Srist d§! Zu Tausenden läuft alles zur Werft, die Straßen sind schwarz von Menschen! Aber noch macht der Zeppelin eine Rundfahrt um den See, um auch dort seine begeisterten Verehrer zu begrüßen. Gegen 12,45 Llhr bin ich mit meinen Begleitern nach ziemlichem Dauerlauf auf dem Landeplotz im Werftgelände. Da kommt draußen vom ©ev her auch schon Der Riesenleib des „Graf Zeppelin" in Sicht/ Ein Wasserflugzeug gibt ihm das Ehrengeleite und umkreist ihn in weitem Bogen. In ruhiger Fahrt mit gedrosselten Motoren nähert sich das Luftschiff seinem Heimathafen, dicht über ihm brummen plötzlich drei Motoren laut auf: das Landungsmanöver beginnt. Viele Tausende von Menschen flehen auf den Hängen des Geländes rings herum, einige Tausend beleben den Rand des Landeplatzes und die weite Fläche vor der Halle. Aus etwa 50 Meter Höhe saust plötzlich vorn und hinten vom Luftschiff Wasserballast herab, die Zeppelinbelegschaft rennt über den Platz und nimmt Aufstellung zur Hilfeleistung, aus den Kabinenfenstem winken die Passagiere, denen die Menge ebenfalls begeistert zuwinkt. Plötzlich fallen aus etwa 30 Meter Höhe die Haltetaue herab, die Mannschaft packt zu Hunderten zu und holt nun den Luftriesen, dessen Motore mittlerweile ihren ehernen Gesang eingestellt haben, mit kräftigen Fäusten herab. Kapitän von Schiller, mit einem großen Megaphon bewaffnet, leitet die Landung, die punkt 13 Llhr glatt und reibungslos beendet ist. Begeisterung erfüllt die Menge und weckt bei der Luftschiff- besahung und den Passagieren ein frohes Echo. Für wenige Augenblicke wird Dr. Eckener im Steuerrnannsraurn der Kabine sichtbar, neben ihm Flemming, später auch Knud Eckener, der Sohn des obersten Führers. Diele rufen nach Eckener, der sich jedoch allen Ovationen entzieht, indem er sich in das Innere des Luftschiffes begibt. Dann wird der Luftriese von einigen hundert Mann der Werksbelegschaft und freiwilligen Helfern zur Halle gezogen, begleitet von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge, der die sehr liberal absperrende Polizei keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Beim Einmarsch in die Halle ertönen begeisterte Hurrarufe auf Eckener und seine Mannschaft, bann drängt alles mit in diesen riesengroßen Raum, der dem Zeppelin sicheres Obdach gibt. Lim 13,25 Llhr ist er darin wohlverwahrt. Run begeben sich die Zollbeamten in das Innere des Luftschiffes, um ihren Amtsobliegenheiten nachzukommen, die aber sehr entgegenkommend gehandhabt wurden, denn schon nach 10 Minuten war alles beendet. Jetzt verlassen die Passagiere die Kabine, von einem Kurbelmann mit Eifer empfangen. Die Besatzung schaut befriedigt aus den Fenstern der Schiffsführungsräume. Alles ruft jetzt nach Dr. Eckener, der sich aber durch den Laufgang in eine der hinteren Motorengondeln begeben und von dort aus unbemerkt von der großen, um die Kabine sich stauenden Menge die Luftschiffhalle verlassen hat. Rur wenigen — darunter auch mir — ist es auf Grund besondrer Ausweiskarten vergönnt, noch das Innere des Luftschiffes gründlich in Augenschein zu nehmen und dadurch den erhabenen Eindruck von der Landung des Zeppelin noch zu vertiefen und zu einer Erinnerung für alle Zeiten zu gestalten. Llm 14 Llhr wird die Halle allmählich leer, an verschiedenen Motoren sind bereits die Propeller abgeschraubt, die Lleberholung -Les Luftriesen und die Vorbereitung zur W e l t f a h r t hat unmittelbar nadj der Landung bereits begonnen. Trotzdem strömen noch ständig Tausende von Menschen zu den Eingängen der Luftschiffhalle, um von hier aus wenigstens einen Blick auf dieses grandiose Wunderwerk deutschen Geistes und deutscher Technik werfen zu können. Llm ein gewaltiges Erlebnis von dauerndem Werte — sicher dem schönsten Ereignis meiner Llrlaubsscchrtl — reicher, verlasse ich gegen 14 1/4 Llhr Öie Werft, dabei unserem Zeppelin und seinem Führer Eckener von ganzem Herzen Glück wünschend zu allen weiteren Fahrten, die der Mehrung des deutschen Ansehens in der Welt dienen werden! Der „Graf Zeppelin" vor dem Giari zur Wettfahrt. Friedrichshafen, 12. Aug. (WTB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" wird, wie jetzt endgültig feststeht. am Donners tag, 15. Aug., frühmorgens zur Fahrt nach Tokio aufsteigen. Die Stunde der Abfahrt ist noch nicht bekannt. Die Lleberholungsarbeiten, so u. a. an der Hülle und den Motoren des Luftschiffes, sind bis zu dem genannten Tage abgeschlossen. In den Straßen der Stadt herrschte den ganzen Sonntag über lebhafter Verkehr. Die Hotels und Privatquartiere sind bis auf den letzten Platz besetzt. Ein Teil der von Amerika gekommenen Passagiere hat Friedrichshafen auf kurze Zeit verlassen, so der amerikanische Multimillionär Leeds, der unverzüglich nach Paris abreiste. Gestern abend versammelte sich die Besatzung des Luftschiffs mit ihren Angehörigen zu einer Familienfeier im Zeppelin- Kasino. — Wie wir hören, wird Dr. Eckener morgen als Gast des schwedischen Generalkonsuls in Renting bei Lindau weilen, wo er mit dem König von Schweden, Der sich zur Zeit auf seiner Besitzung am Bodensee aufhält, zu- sammentrefsen wird. Dr. Eckener Über den Wettflug. Friedrichshafen, 12. Aug. (TU Funkspruch.) In einer Unterredung, die Dr. Eckener dem Sonderberichterstatter der Telegraphen-Union gewährte, ging er eingehend auf die bevorstehende größte Etappe der Weltfahrt ein. Es kommen für die Fahrt nach Tokio hauptsächlich zwei Reisewege in Betracht, eine nördliche Route über Rordsibi/ien, die man etwa als den Weg über Jakutsk bezeichnen könnte und eine südliche Route über Irkutsk. Der Weg durch Deutschland wird voraussichtlich ziemlich gradlinig in der Richtung auf Danzig und von hier aus nach Leningrad sein. Bei diesem Reisewege würde das Luftschiff Berlin links liegen lassen und über Hinterpommern direkt die Ostsee ansteuern. Daraus gehr auch hervor, daß keinesfalls Oberschlesien angesteuert wird, wie dies vielfach angenommen wurde. Die ursprüngliche Absicht, zum Reklamekongreß nach Berlin zu fahren, hat Dr. Eckener wieder aufgegeben. Welche von den beiden angegebenen Routen das Luftschiff einschlagen wird, hängt von den meteorologischen Verhältnissen ab, die es in Asien antreffen wird. Auch während der Fahrt kann jederzeit eine Aen- berung der Route oorgenommen werden. Bei Einhaltung des nördlichen Reiseweges würde man i n der Nähe der I e n i f se e ° M ü n du n g die Küste des Eismeeres berühren. Es trifft übrigens keineswegs zu, daß Rußland die Zustimmung zum Ueberftiegen des russischen Gebietes verzögert hat. Dr. Eckener betonte im Gegenteil, daß di e russische Regierung außerordentlich entgegenkommend gewesen sei. i Llm den Benzinverbrauch möglichst niedrig zu halten, werde das Luftschiff bei mittleren Winden mit vier Motoren laufen. In diesem Falle würde die Geschwindigkeit des Luftschiffes bei Windstille 105 Kilometer, bei dem zu erwartenden Rückenwind aber 125 Kilometer betragen, während die Geschwindigkeit bei fünf Motoren 115 bzw. 135 Kilometer ist. Diese geringe Verminderung der Reisegeschwindigkeit würde man wegen der bedeutenden Benzinstoffersparnis gern in Kauf nehmen. Die Gesamt- st recke wird rund 10000 Kilometer bei einem Aktionsradius des Luftschiffes von 12/13 000 Kilometer betragen. Dr. Eckener hat die Absicht, die Blaugaszellen ganz zu füllen, diese also nicht durch Vermehrung der Traggasmengen zu schmälern. Während auf der Europastrecke das ßuftfd)iff genau über die Wetterlage orientiert sein wird, werden in Sibirien öie Wetternachrichten auf weite Strecken ganz ausfallen. Die Reisezeit bis Tokio dürfte rund fünf Tage betragen, während Dr. Eckener die Lieberquerung des Stillen Ozeans in vier bis viereinhalb Tgen, die Lieberquerung des amerikanischen Fest- l a n d e s in zwei bis drei Tagen durchführen zu können hofft. Die Gesamtdauer der Welt- sahrt wird vor allem von der Dauer des Aufenthalts auf den Etappenstationen abhängen. So hat man in Japan Vorbereitungen für große Festlichkeiten anläßlich des Zeppelinbesuchs getroffen, so daß Dr. Eckener schon jetzt befürchtet, länger als beabsichtigt, dort bleiben zu müssen. Das Luftschiff wird alle vier Stunden Standortmeldungen funken. Lieber die Verzögerung der Standortmeldungen bei der letzten Amerikafahrt äußerte sich Dr. Eckener dahin, daß die Funkstation in Friedrichshafen die Standortmeldungen des Luftschiffes infolge atmosphärischer Störungen meist nicht erhalten habe. Das Luftschiff habe regelmäßig alle vier Stunden an die Werft, nach Washington und an die Hapag seine Standortmeldung gegeben. Oer Welirellamekongreß beginnt seine Arbeit. Berlin.il. Aug. (WTD.) Der Weltreklame- Kongretz begann heute vormittag feine fachmännischen Arbeiten mit einer Sitzung in der Funkhalle, die von dem Ehrenpräsidenten des Kongresses, Reichskanzler a. D. Dr. Luther, eröffnet wurde. Der Vorsitzende des Kongresses, TZounggreen, dankte für den freundlichen Empfang, den der Kongreß in Deutschland und insbesondere in Berlin gefunden habe. Wir sind, so führte der Redner aus, alle treue Bürger der Gefc^iftswelt, jenes Geschäfts, dessen Vorrecht es ist, das materielle und kulturelle Wohlergehen aller Volker sicherzustellen. Hierauf wurde das Referat des Präsidenten des Reklame« Verbandes von Großbritannien, Lord Riddel, verlesen, der infolge einer Erkrankung am Erscheinen verhindert war. In dem Referat wird betont, dah die Kongrehteilnehmer etwas von den Wundern des modernen Deutschlands sehen würden. Sie würden sehen, wie die deutsche Industrie nach dem Kriege trotz bedeutender Schwierigkeiten neu geschaffen und fortentwickelt wurde. Es sei eine an Wunder grenzende Leistung, welche den Mut und die Mannhaftigkeit des deutschen Volkes widerspiegele. Dor diesem Mut müsse man den Hut abziehen. Es folgte dann eine Reihe von fachlichen Vorträgen. Am Abend fand im Marmorsaal des Zoologischen Gartens ein Bankett statt, au'f dem Ehrenpräsident Reichskanzler a. D. Dr. Luther erklärte, der heutige Abend habe bewiesen, dah der Derständigungsgedanke mächtiger ist als alle auseinanderstrebenden Tendenzen. Die Redner der verschiedenen Rationen hätten durchweg zum Ausdruck gebracht, daß die Menschheit zu ihrer Entwicklung deS gegenseitigen Verstehens bedürfe. Ich hoffe, so schloß der Redner, dah, wenn der Geist, der in diesen Reden der Vertreter aller Volker lebendig war, zur Herrschaft kommt, auf der Erde ein Zusammenleben der Menschheit auf der Grundlage der Gerechtigkeit und des Friedens zu erreichen ist. Rachdem Dr. Luther ein Hoch auf den Reichspräsidenten v. Hindenburg und das deutsche Volt ausgebracht hatte, fang die Fest- versammlung das Deutschlandlied. Oie Wetterlage. SeydisT 35TT. Montaa. yj2.ßuq»1929' 7B ar>d$. ------ — T Jan (fayen— ^ar^o c ■7 La (cruna - ■ zSu jlordoyan. 3® Qworxenf» © neittr. o traft» Deut ort. © wontig, • oedtm «HTeoea * Schnee a Graupeln. ■ Nebel R Gewitter ©Windstille.«O* sth# exnto Ost «lässiger Südsüdwest (S stflrmöcner «ordwesk ote Pfene fliegen mn dem winde. Pie oeiden Stationen stellenden Zafr» (en gehen die Temperatur an. Die Linien Verbinde» Orte mit gleichen^ w»t Meeresniveau umaef-cxäneU» UjJtdnufc Wettervoraussage. Mit der weiter östlichen Ausbreitung des hohen Druckes über Mitteleuropa führt derselbe allenthalben zu ruhigerem heiteren Wetter. Die anfangs noch zugestromten etwas kühleren Luftmassen flauen durch das Llmdrehen der Winde nach Westen ab. Lüe Hochdruckwetterlage bleibt zunächst bestehen, wenn auch bereits wieder durch das neue isländische Fallgebiet über Irland eine Warmluftwelle mit Riederschlägen zum Vordringen gelangt. Die Randstörung des Tiefs dürfte später vis in unseren Bezirk erneut Bewölkung aufkommen lassen, die gewitterdrohenden Eharakter annimmt. Die Temperaturen, die zur Zeit nur tagsüber höhere Werte erreichen, werden später sich zwischen Tag und Rächt mehr ausgleichen. Wettervoraussage für Mittwoch: Meist heiteres Wetter, warm und trocken. W i t te r u n g s au s s i ch t e n für Donnerstag: Wieder leichte Eintrübung mit auf- kommender Gewitterneigung. Lufttemperaturen am 12. August: mittags 23,4 Grad Celsius, abends 46,7 Grad; am 13. Augusts morgens 13 Grad. Maximum 23,6 Grad, Minimum 8,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. August: abends 23,3 Grad; am 13. August: morgens 17,4 Grad Celsius. — Sonnenfchetndauer sechs Stunden. Reifewetierdienst der amtlichen Wetterdienststelle Gießen. Rheingebiet (Köln): Gestern kühle Rächt, meist heiter; heute morgen heiter, 14 Grad, Rord- westwind. Baden (Baden-Baden): Gestern heißer Tag, meist heiter: heute morgen wolkig, 16 Grad, Ostwind. Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Gestern regnerisch und der Jahreszeit angemessene Temperatur: heute morgen wolkig, 14 Grad windstill. — (Berchtesgaden): Gestern regnerisch, der Jahreszeit angemessene Temperatur: heute morgen bedeckt, 16 Grad, Rordostwind. Küste (Westerland a. Sylt): Teils heiter, teils wolkig, der Jahreszeit angemessene Temperatur: heute morgen wollig, 15 Grad. Südwestwind. — Swinemünde: Gestern meist heiter, kühle Rächt: heute morgen wolkig heiter. 18 Grad, Westwind. Borkum: Gestern teils heiter, teils wolkig, warmer Tag: heute morgen heiter, 17 Grad, Südwestwind. iren von der Nachdruck verboten Ohne Gewähr 12. August 1929 4. Ziehungstag 198427 200537 198107 347890 294 29658 156050 176045 179097 137017 135625 123429 Prämien zu ie Verantwortlich für Lokales: i. 23. Dr. Thyriot. 150414 206767 242982 300646 26905 35952 56371 82760 24470 34151 48590 79362 94975 I 125347 133912 143496 155445 178726 200924 212725 227679 243130 261529 277575 289433 308404 328160 332883 345518 358884 383038 129699 198299 273502 344341 115409 138057 152035 174910 202589 232296 279110 309720 329460 340018 356668 388041 25567 36060 62804 121788 138561 153250 180222 215749 232515 281934 311641 331135 340872 361064 397885 141577 165289 180448 219378 257622 296314 314267 331457 342904 362007 399819 229455 239946 255175 273373 291003 298229 338394 342130 368907 369626 380654 385290 27730 36661 68681 86352 145388 159224 188135 223933 260702 296781 314393 332217 344039 362964 160071 164575 195378 230665 269935 297839 320402 333391 352253 376441 40416 71599 93672 242229 299392 341400 I 21209 30049 41735 77307 93698 123329 132919 141386 155142 175180 193674 211942 226947 242587 258668 274415 287074 306828 325351 332774 345044 355010 374269 150375 170237 196058 230785 271155 309041 321449 337255 355290 381381 140230 225891 286766 350020 38024 65172 87879 237814 288245 321706 384380 183712 212676 258747 302625 129563 135486 146562 155917 179081 203276 215646 228053 248266 262892 279539 292044 309796 329688 334996 348916 359524 387312 130593 137928 148676 165300 183095 206895 220901 228621 251636 267674 281002 298912 315682 330265 338638 349888 360210 387563 222608 276913 306567 383464 137987 150759 167702 191345 207806 220920 231333 252322 270261 281437 300263 318334 331577 339923 350150 374094 395028 216034 270043 304843 374249 139847 153806 173273. 191865 211119 225735 241489 255765 274301 286778 305012 323192 332613 344936 354052 374151 398749 *• Don der Jndustrie-und Handelskammer Gießen. Oluf Antrag der Jndustrie- und Handelskammer Gießen ist das Geietz. die Industrie- und Handelskammern betreffend, wie folgt geändert worden: Die Zahl der Mitglieder der Industrie- und Handelskammer Gießen wird auf insgesamt 20 (bisher 18) festgesetzt. Die Zahl der Mitglieder des Wahlbezirks Gießen-Stadt wird von 9 auf 10 erhöht. Cs wird cm besonderer Wahlbezirk Schlitz, umfassend den Amts- aerichtsbezirt Schlitz, mit einem Mitglied geoüdet. Die erforderlichen Neuwahlen werden zu Ende des laufenden Iahres vorgenommen werden. (Dgl. die heutige Bekanntmachung.) "Nehmt keineAchren in denMund! Es ist eine leider we.it verbreitete älnsitte von Erntearbeitern und Spaziergängern, reife -Halme dec Kornähre abzubrcchen und in den Mund zu nehmen. Schwere Krankheit kann mitunter die Folge davon sein: gerade zur Zeit der Ernte beherbergt die Kornähre, besonders in ihren Grannen, einen gefährlichen Pilz, den sogenani^ len Strahlenpilz. Dieser ruft, wenn er durch hohle Zähne oder durch kleinste Einrisse in der Schleimhaut des Mundes in den Körper gelangt, , ........... r— eine schwere bisweilen, wenn nicht ärztliche Hüfe aber auf ferner alter Forderung, die eine Be- rechtzeitig in Anspruch genommen wird, sogar 1 zahlung von 5 Mk. vorsieht, da auch das Heber- " Die 1 0 0 0 0 0. Gurke. Auf dem Muster- und Derfuchsgat für Obst-, Gemüse- und Weinbau der Landwirtschaftskammer für Hessen in Groß-Umstadt im Odenwald wurde am 8. August die 100 000. Gurke der Ernteperiode 1929 geerntet. Diese wurde in der Großmarkthalle in Frankfurt a .M. an bevorzugter Stelle zur Ausstellung gebracht. Die Zahl 100 000 bedeutet ohne Zweifel einen sprechenden Beweis für die Leistungsfähigkeit der erst feit zwei Jahren rrn de'_ Hessischen Landwirtschaftskammer errichteten Gewachsen. Deshalb beabsichtigt bchörde, eine Erweiterung der Dahn- hofsanlagen durchzuführen: sie benötigt dazu einen Streifen Gemeindelandes. Beide Parteien können sich nun über die Höhe des Preises nicht einigen. Während die Eisenbahnverwaltung anfänglich nur 20 Pf. für das Quadratmeter bot, ist sic jetzt bereit, 1,50 Mk. zu zahlen, nachdem eine Besichtigung durch eine Lokalkommission stattgefunden hatte. Der Gemeinderat verharrt tödliche Erkrankung hervor. Auch auf ö/m Luftwege. das heißt durch Einatmen des mit dem Strahlenpilz durchsetzten Getreidestaubes kann es i u einer Strahlenpilzerkrankung der ßunge I ommen. Kranz nieder. Wit Dankesworten leitend eines Vertreters der Stadt Diepholz schloß die Ge- Gewinnauszug 5. Klasse 33. Preußisch-Süddeutsche (259. Preuß.) Klasfen-Lotterie dächtnisfeier. P: Wölfersheim, 12. August. Die hiesigen Bahnhofsverhältnisse sind schon seit längerer Zeit dem immer stärker werdenden Verkehr nicht oe- die Eisenbahn- Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefasten, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II Landkreis Gienen. cf Heuchelheim, 12.Aug. Die Regulierung und Befestigung der Ufer des Bieber- b ach es innerhalb unseres Ortes macht weitere Fortschritte. Vor dem Kriege hatte man schon einen Teil, den sogenannten Römerkanal fertiggestellt. Vor zwei Jahren wurde nun mit der Fertigstellung der Brauhausstraße fortgefahren, und augenblicklich hat man damit angefangen, das Stück in der Berliner Börse. . rlin, 13. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Mter feste Haltung in Neuyork ließ auch im heu- cn Frühverkehr die Grundstimmung freundlich er- -inen. Die Spekulation blieb aber sehr abwartend i hielt sich vom Geschäft zurück, so daß zuver- "i-|c Kurse bisher noch nicht genannt wurden. Die Wandlungen im Haag scheinen nicht ungünstig zu u, sonstige Anregungen liegen aber nicht vor. ;i Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 1 -3 96, London gegen Mailand 92,75, London gegen pcinien 33,03, London gegen Kabel 4,8478, London gen Berlin 20,37. Kabel gegen Berlin 4,2015. 50 C " Ausgehobene Straßensperrung. Vom Tiesbauamt wird mitgeteilt, daß die wegen Ausbesserungsarbeiten gesperrte Strecke der Marburger Straße zwischen FriedhOssallee und der städtischen Untcrhaltungsgrenze bei der Wirtschaft ..Karlsruhe" ab Donnerstagfrüh wieder dem Verkehr geöffnet ist. In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen In der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 6 ©etmnne ju 6000 W. 20791 64638 216630 6 Weroinne ,u 3000 M. 44311 188637 275860 10 ®en>inne »u 2000 9ZL 104046 158958 182848 272416 ©etoinnl®« 1000 M. 12104 35765 50409 79100 96968 101031 135456 191482 192222 201436 239469 260675 270686 273476 273515 294378 326874 344281 356477 371184 379026 379374 Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Laubach. Die Wettervorhersage für den 12. März d.J. lautete: Neblig, wolkig, auch zeitweise aufheiternd, tagsüber mild, nachts Temperaturen noch in Gefrierpunktsnähe, trocken. Für den 13. Marz: Fortdauer des vielfach nebligen, wolkigen, auch ausheiternden Wetters ohne stärkere Temperaturoeränderungen, trocken. Im Gewinnrade verblieben: 2 . 600000, 2 Gewinne zu je 500000, 2 zu je 300000, 2 zu je 200000, 2 zu je 100000, 4 zu je 75 000, 6 zu je 50000, 12 zu je 25000, 78 zu je 10000, 144 zu je 5000, 394 zu je 3000, 698 zu je 2000, 1818 zu je 1000, 404$ zu je 500, 10180 zu je 300 M. 399286 188 ©etolnne gii 300 -m. 2322 3855 13850 14534 20384 28764 33371 33551 35227 36998 39436 46613 53165 59690 67912 68200 73606 78847 80841 89897, M 627, 101760 ^02793,109447 1 LI 310 Arbeit. 'SÄ treue Rs? H ‘ÄS SÄ '■"'n dem »-i. 11 Wunder und hip 5SA.ab* Ä SsÄ d gebwchi, mT gegen. b^urse. & ber ®eift bet t» aller MlL k! ommt, aus der Erde Ichheit auf der Friedens I’ Ktzr em Hoch d- Hachenburg und B fanfl die Fest. W. gräfin, der Stadt Diepholz, eine Abordnung des Heimat- und Geschichtsvereins erschienen, um an der Grust der Verstorbenen einen Kranz des Gedenkens an die Letzte des Stammes der Grafen von Diepholz-Brouchhorst niederzulegen. Dor der Oeffnung der in der St. Markuskirche be- sindlichen Gruft hielt der 1. Geistliche. Pfarrer Schneider, eine kurze Ansprache, in welcher er darauf hinwies, daß diesem Akt der Pietät der Gedanke der Pflege der geschichtlichen Der- gangenheit, der Anhänglichkeit an Althergebrachtem. und der Erinnerung an Persönlichkeiten, die ihrer Heimat ein besonderes Gepräge gegeben hätten, zugrunde liege. Auch bei der Der- storbenen, deren 300. Todestag heute sei, sei dies der Fall gewesen. Als Letzte des Stammes des Grafengeschlechts von Diepholz habe sie hier in Butzbach an der Seite ihres Gemahls ejne Heimat gefunden, und in ihrer 19jährigen Ehe so viel Gutes gewirkt, daß die Erinnerung hieran noch nicht ganz erloschen sei. Nach der Oeffnung der Gruft legte Oberstudiendirektor King- horst aus Diepholz einen aus Zweigen und Blumen des Schloßparks Diepholz hergestellten Juckmayer schreibt an Anton Behner. In dem Bericht über die Verleihung des Georg-Büchner-Preises an Carl Zuck- mayer wurde davon Mitteilung gemacht, daß der Dichter den materiellen Bestandteil dieses Preises an einen jungen, der Oeffentlichkeit noch unbekannten oberhessischen Dichter, Anton Betzner, weiter- gegeben hat. Der Brief Zuckmayers an Betzner, der im 34. Lebensjahr steht, ursprünglich Musiker war und jetzt in Rülfenrod (Kreis Alsfeld) wohnt, ist ein Dokument der Kameradschaftlichkeit und gibt auch eine Charakteristik Betzners: • Sehr geehrter Herr Betzner! Don Ihren Novellen aufs stärkste gepackt und gebannt, ja hingerissen von der Wahrhaftigkeit Ihrer Anschauung, dem Mut und der Klarheit Ihres Blickes und der echten, ursprünglichen Kraft Ihrer Sprache, ist es mir eine große, herzliche Freude, daß Sie die Geldsumme des mir von der hessischen Regierung verliehenen Georg-Büchner-Preises aus meiner Hand innehmen, und daß ich auf diese Weise meinem Glauben an Ihr ungewöhnlich starkes und reiches Talent Ausdruck geben darf. Ihre Geschichte vorn „Kohlhöfer" und die „Tänze im Dorf" umreißen mit seltener Anschaulichkeit und Eigenart ein Stück sehr deutscher, sehr landverwurzelter Menschenwelt, klar und wahr gesehen und ohne den schalen Glanz einer falschen Jdyllik, Bauerntum, Dorfwesen, wie es leibt und lebt, Organismen, bis in ihre verzweigtesten Gänglein, bis in die geheime Bewegung ihres verborgenen Zellkerns verfolgt. Heißer Blutschlag, tiefes menschliches Begreifen hinter der radikalen Wahrhaftigkeit Ihrer Gestattung. Auch das, was man Ihren Novellen als Fehler vorwerfen könnte, mangelnde Architektur, mangelnde Konzentration im Aufbau, häufig Zersplitterung und Verwischtheit der wesentlichen Linie, scheint mir ein Beweis des ursprünglichen dichterischen Talents, vielleicht ein typischer Fehler der Frühwerke aller starken Begabungen zu sein: Ueberfülle der Gesichte, verwirrender Reichtum der Palette, Nicht-Sparen-Kön- neu mit der eigenen Kraft. Ich glaube, daß Ihre Stärke in einer neuartigen, ganz persönlichen Erfassung eines typisch deutschen, landschaftlich verwurzelten, erdstarken Lebensausschnittes vorläufig am stärksten zum Ausdruck kommt und bin überzeugt, daß Sie in weiterer Entwicklung die absolute Einfachheit, auch im Stofflichen und in der inneren Linienführung Ihrer Gestaltung, finden werden, die Menschennähe, aber auch geistige Große eines Kunstwerkes kennzeichnet. Mit der Bitte, mich weiterhin an Ihrem Schassen teilnehmen zu lassen und in der Hoffnung, das; Ihnen bald auch der verdiente äußere Erfolg zuteil wird, begrüße ich Sie freundschaftlich! Ihr Carl Z n ck m a y e r. müsetreibanlagen. •» D. H. C. Eine Begehung seiner neuesten Schöpfung, der gelben Strichmarkierung, unternahm am Sonntag der D. H. C. Gießen. Das schöne Wetter hatte eine stattliche Wanderschar von rund 80 Teilnehmer auf die Deine gebracht, die am frühen Morgen bei hellem Sonnenschein über Krofdorf dem weiten Krofdorfer Forst zu- strebten. Die sonst so hübsche Fernsicht vom Rande des Waldes war leider durch Frühnebel start beeinträchtigt. Nach kurzer Rast ging cS auf wundervollen Waldwegen, über lauschige Schneisen in der Nähe des Fellingshausener Wasserbehälters zum Fuße des Dünsberges, wo man sich für die Besteigung des Berges sammelte. 3n bequemem Aufstieg wurde gegen Mittag der Gipfel des Berges erreicht, wo eine ausgiebige Ruhepause stattfand. Auch hier ver- hinärte starke Nebelbildung den sonst so prächtigen Fernblick vom Turm. Der Abstieg erfolgte in nördlichen Richtung über den Kreuzbuchenplatz, am kleinen Dü ns berg vorbei, durch ein liebliches Seite niälchen hinab in das Dünsbach- tal, das man durchquerte, um auf der anderen Seite im Distrikt Todmal bei einer, am Ende einer Waldwiese reizend gelegenen Jagdhütte mit überraschend schönem Blick auf den Düns- berg zu gelangen. Der Weitermarsch führte durch das reizvolle Dünsbachtal zur Reehmühle, wo man bei frvhem Sang und Klang die Zeit bis zur Heimfahrt verbrachte. Oberheffen. 82029 _____ _____ _____ _____ 99715 101076 102796 103148 106227 "------ 132393 132449 Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 13. August 1929. Vereinfachung der Erpreßguiabseitigung. Vielfachen Wünschen aus Industrie- und Handelskreisen entsprechend, werden von einem noch bekannt zu gebenden Zeitpunkt an bei dem Bahnhof Gießen besonders zum Durchschreiben eingerichtete Expreßgutkarten zugelassen. Während bei der bisherigen Exprehgutkarte der Stamm neben der Expreßgutkarte angebracht war und die gleichlautenden Einträge in die Exprehgutkarte, den Stamm und die De- klebeanschrist sowie evtl, im Befcheinigungsbuch je für sich gemacht werden mußten, ermöglicht die neue Expretzgutkarte mit mehreren übereinanderliegenden 2ll>schnitten die gleichzeitige Ausfertigung aller Abschnitte im Durchschreibeverfahren. Die r ornDer enter bei der Auslie erung von Expreßgut zu leistende Schreibarbeit wird dadurch ganz erheblich gemindert (bis zu 60 Prozent). Besonders vorteilhaft für den Versender ist der Umstand, daß die Auflieferungsbescheinigung, die ohne weitere Arbeitsleistung ausgefertigt wird, weit mehr Angaben enthält, als das bisherige Befcheinigungsbuch (unter anderem das wirkliche Gewicht, die Stück- und Duchungsnummer, Verpackung, Inhalt und Auflieferungszeit). Die Auflieferungsbescheinigung läßt sich karteimäßig behandeln und kann vom Versender mit der Warenbestellung und der Abschrift der Rechnung vereinigt werden. Dadurch werden weitere Vereinfachungen im Betriebe der Versender ermöglicht. „ .. Entsprechend den verschiedenartigen Bedur,- nissen der Verfandsirmen werden die Expreß- gutlarten in verschiedenen Zusammenstellungen geliefert, z. B.: zweiteilige Expreßgutkarten mit Expreßgutkarte und Stamm, dreiteilige Expreh- gutlarten mit Exprehgutkarte, Auflieferungsbescheinigung und Stamm, dreiteilige Exprehgut- tarten mit Exprehgutkarte, Stamm und Beklebezettel (Stückanschrift), vierteilige Expreßgutkarten mit Exprehgutkarte. Auflieferungsbe- scheinigung, Stamm und Deklebezettel (Stückanschrift). Versender, die vorläufig von der vorteilhaften neuen Exprehgutkarte keinen Gebrauch machen wollen, können bis auf weiteres die bisherige Exprehgutkarte weiter verwenden. Daten für Mittwoch, 14. August Sonnenaufgang 4.43 Uhr, Sonnenuntergang 19.25 Uhr. — Mondaufgang 16.01 Uhr, Mondüntergang 23.18 Uhr. "st?©etoinne 8u 500 OT. 10468 1 3908 18969 21140 66713 68137 64744 67784 73496 110986 12o994 ---... ---~ ‘A''4AR 4 rxoArxn nnnRQ-7 205628 347583 sz-ri vw w . — .w —___ _ _______ Scfrinnc xu 300 M. 1493 1681 4861 6621 ----- ----- ----- 28373 29658 Tanbtoerf der Provinz Oberhessen für angrenzendes Gelände freiwillig denselben Preis gezahlt hat. Wie man hört, hat die Elfenbahnbehörde den Antrag auf Einleitung des Ent- eignungsverfährens gestellt. Auch mit der hiesigen Bergwerksdirektion konnte wegen der Anlage einer Kanalisation, die durch Gemeindeeigentum führt, keine Einigung erzielt werden. Die Entwässerungsanlage war notwendig geworden durch die Erbauung von neuen Arbeiterwohnhäusern. Da man sich über die Höhe der einmaligen Abfindung zugunsten der Ge- meindekafse nicht einigen konnte, ist nun ein Der- waltungsstreitverfahren eingeleitet worden. Kreis Schotten. s Schotten, 12. Aug. Am gestrigen Sonn- tagnachmittag trat die historische Marktwache unter das Gewehr, um in althergebrachter Sitte den bekannten Sommer markt mit einem Umzug zu eröffnen. Die ehrwürdige Stadtfahne wurde, begleitet von dem Trommler» und Psei- ferkvrps. der Musikkapelle und Ehrenjungfrauen, durch die Strahen der Stadt getragen, die Marki- wache in ihrer schmucken Uniform gab das Geleit. Vor dem Rathaus eröffnete der Bürgermeister den Markt. Heute, am ersten Markttag, waren etwa 150 Pferde und 50 Fohlen, 610 Stück Rindvieh und 100 Stück Jungvieh aufgetrieben. Der Handel war im allgemeinen gut. Eine große Zahl Marktbesucher hatte sich eingefunden, ein Beweis dafür, daß der Sommermarkt feine alte Anziehungskraft noch besitzt, wenn er auch naturgemäß durch die Zeitverhältnisse und die Markt- konzentratton in den großen Städten gegen frühere Zeiten sehr gelitten hat. Am Dienstag ist Schweine-, am Mittwoch Krämermarkt. Starkenburg. MSN. Darmstadt, 13. Aug. Heute begeht Geheimerat Weicker seinen 7 0. Geburtstag, an dem weite Kreise der Bevölkerung lebhaften Anteil nehmen. Geheimerat Weicker wurde am 13. August 1859 in Darmstadt geboren und trat nach Absolvierung der Schule und der Universität in die Dienste des hessischen Staats, wo er der Finanzverwaltuntz zugeteilt wurde. Hier zeichnete er sich durch unermüdlichen Arbeitseifer und Umsicht aus. Im Jahre 1897 kam er nach Frankfurt a. M., um von da in die Eisenbahn- direktion Mainz überzugehen. Mehrere Jahre lang war er dort als Oberregierungsrat tätig. Infolge feiner ausgezeichneten Befähigung wurde man auf ihn aufmerksam und schickte ihn auf den schwierigen Posten eines hessischen Vertreters im preußischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten, den der nunmehr Siebzigjährige seit dem Jahre 1903 innehatte. Im Jahre 1921 wurde er pensioniert und nahm seinen Wohnsitz in seiner Vaterstadt. 2 ©etoinne ju 6000 M. 389739 __ 8 Gewinn« 8u 3000 M. 120344 239566 289603 314168®«tolnne iu 2000 9B. 156978 171014 351530 26 Gewinn« »u 1000 M. 34646 45171 60251 139487 146821 178817 221476 256770 294252 324845 330827 344162 398684 72 Gewinn« ,u 500 M. 582 21023 23115 26081 29294 31753 68815 84814 87267 90078 99199 - ------ 146379 156050 176045 179097 L K Mnnsas ftlDUttP al issage. Umleitung Mit derselbe^ ^Weiter. Die 3. ÄW* ist in io Mgch Ä (Sodbrennen) Unverständig steigender Milllonen-Umsafz sowie das 100jährige Bestehen unserer Firma beweisen am besten, dal) unser Original BullrEdvSalz ÄÄ“c.b.' 1 Verdauungsstörungen u. Sodbrennen Ist. Versäumen Sie mehr, sich heute noch ein Paket fOr 60 Pfg. zu kaufen oder unsere Tabletten zu 0.25 und 1.50 RM zu versuchen. Audi Sie werden von der prompten Wirkung überrascht sein. Nur edit in blauer Packung mit dem Bilde des Erfinders. BuHrld), Berlin W 57, Aus aller Welt. Die Europa-Rundflieger in Amsterdam. 3n Amsterdam trafen am Montag folgende Teilnehmer am Europarundflug ein: Kirsch um 13 57 Uhr. Droad 14.31 Uhr. und Miß Spooner um 14.34 Uhr. Kleps (Tschechoslowakei) um 15.39 Uhr, Earberry (Kanada) um 17 Uhr, Delmotte (Frankreich) um 17.39 Uhr. Italienischer Flottenbesuch in kiel. In Kiel lief am Dienstag vormittag 9 Uhr eine unter Befehl des Admirals Rota stehende italienische S ch u l f ch i s f d i v i s i o n bestehend aus den Panzerkreuzern „Pisa und ..Francesco Ferruccio". von Danzig kommend zu mehrtägigem Aufenthalt in den Hafen ein. Beim kassieren von Friedrichsort feuerte das Flaggschiff ..Pisa" 21 Schuß Landessalut, der von der Salutbatterie Friedrichsort erwidert wurde. Ein ungarisches Dorf niedergebrannt. Ja einer ungarischen Gemeinde brach im Hause eines Landwirts Feuer aus, das sich rasch ausbreitete, so daß bald ein beträchtlicher Teil der Gemeinde in Flammen stand. Erst gegen Mitternacht gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Elf 'Wohnhäuser mit 29 Scheunen und der | darin befindlichen Ernte wurden vernichtet. Der Schaden wird auf 100 000 Pengö geschätzt. Das Feuer dürfte von Kindern, diemitStreich- hölzern spielten, verursacht worden sein. Ein vierfacher Raubmörder. Dem vor einiger Zeit von der Berliner Polizei verhafteten vielfachen Einbrecher und Raubmörder Rudolf Weiß, der sich auch Karl Marks nannte, wird nun ein vierter Raubmord, begangen andern Pfarrer Schöne im R i e s e n g e b i r g e, zur Last gelegt. Drei andere Raubmorde soll Weiß i n Oberschlesien an einem Ehepaar und einem Gutsbesitzer begangen haben. Weiß gibt wohl die Raubüberfälle in verschiedenen Städten Deutschlands und des Auslandes zu, bestreitet aber die Mordtaten. Riesiger Waldbrand in Amerika. Ein Waldgebiet von 32 000 Hektar, das sich durch die vier Staaten Montana, Ida ho, Oregon und Washingtvn und sogar b i s nach Kanada hinein erstreckt, steht in Flammen. 4000 Mann sind bemüht, Den Brand, der mehrere Städte bedroht, einzudämmen. Infolge der sich häufenden Waldbrände wird das Ackerbauamt in Washington im Bundeskongreh eine Gesetzesvorlage einbringen, die das Wegwerfen brennender Zigaretten oder Zigarren verbietet. £ 1837: der Dichter Johannes Trojan in Danzig ge- n„^rgasse, welches zwischen Backhaus und Ernstboren (gestorben 1915); — 1840: ber Psychiater Rich. ftrQc„ti ' t neu herzustellen, die beiden Ufer wer- Freiherr von Krafft-Ebing in Dtanrihemi geboren ^n iM Betonmauern befestigt und die Straßen (gestorben 1902); — 1841: der Ph'losoph Johann beiberc>it5 neu hergerichtet und zum Teil verbrei- Friedrich Herbart in Göttinnen gestorben (geboren krt ^ine neuc Brücke wird etwas oberhalb der 1776). jetzigen Schleusenbrücke neu angelegt, und die icftcitcr Woküenmcivktviene Schleusen selbst werden durch eine neuzeitlichere ' , I Stauvorrichtung ersetzt. Die Betonarbeiten fuhrt Es kosteten auf bem heutigen Wochenmarkt: Baugeschäft W Rinn 8. aus. während die Butter 200 Pfennig, Matte 30 bis 25, Käse m-^sterarbeiten an den Pflastermeister L. Sack (10 Stück) 60 bis ^40^ Wirsing 20 bis 25 Weiß- *bnmas i Äre 1 K ?°rgen tznun Mere' Bürklinge feinste Fetlbückltnge, Psd. 60 NollmovS, BiSmarckherinae, Heringe in Gelee, Bratheringe Sardinen, in 1-Liter-Dosen | Neue hollSnd. Vollheringe S pure Milcher........Stück 20 4 gemischte............Stück 154 8 Neue engl. MatjeS, Stück 25 4 B Neue boll. MatjeS - - Stück 15 4 Neue Kartoffeln Wtonmoiö Balin bofstr. 27, Fernspr. 3631 Ö495A Creme Leodor Vier wichtige Verwendungsmöglichkeiten: Boi Sonnenbrand ist Creme Leodor ein wundervoll mhlendes Mittel gegen schmerzhaftes Brennen der Haut. Bei Insektenstichen verhindert Creme Leodor, dick aufgestrichen, schmerzhaftes Anschwellen und Juckreiz. Als Puderunterlage leistet Creme Leodor mit ihrem dezenten Blütengeruch vorzügliche Dienste. 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Aufträge meinerseits sind Ihrem geschätzten Geschäft im Winter nicht zugegangen, weil ich aus Mangel an Gelegenheit im Winter kaum photographierte und mir von den wenigen Aufnahmen Kontaktkopien genügten. Erst seit einigen Wochen benutzte ich die Leica wieder häufiger und von jeher ist es meine Absicht gewesen, sämtliche Vergrößerungen nur bei Ihnen herstellen zu lassen. Sobald ich nach Berlin zurückgekehrt bin und die Filmstreifen entwickelt habe, werden Ihnen größere Aufträge zugehen. Ueber Ausführung und Bedienung habe ich bei Ihnen niemals Grund zur Klage gehabt, im Gegenteil, ich war mit allem sehr zufrieden und immer wieder bewundern Bekannte und ich, wie Sie aus den doch zum Teil schlechten Negativen so Vieles herauszuholen vermocht haben. Und so will ich denn nicht versäumen, Ihnen und Ihren Angestellten hierdurch meine vollste Anerkennung auszusprechen. 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Dr. Luc Inn. der Orig, holländischen Künstler-Kapelle Kapellmeister Louis van Weestenberg 1240 qm Oiua* Acker Bekanntmachung. Auf Antrag der Industrie- und Handelskammer Gießen ist das Gesetz, die Industrie- und Handelskammern betreffend, wie folat geändert worden: 6726D Die Zahl der Mitglieder der Industrie- und Handelskammer Gießen wird auf insgesamt 20 (bisher 18) festgesetzt. Die Zahl der Mitglieder des Wahlbezirks Gießen-Stadt wird von 9 auf 10 erhöht. Es wird ein besonderer Wahlbezirk Schlitz, umfassend den Amtsgerichtsbezirk Schlitz, mit einem Mitglied gebildet. Die erforderlichen Neuwahlen werden zu Ende des laufenden Jahres vorgenommen werden. Gießen, den 12. August 1929. Industrie- und Handelskammer Gießen. Schirmer, Kommerzienrat. schürzen, 10 Mehgerklttel. 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Gummiabsätze, 30 Schuhbürsten, 4 Krou- pons Sohlleder, 10 Schaffelle, zwei Koffer, -wei Küchenherde, 2 Oefen, 6 Lederstühle, einen Regulator, 1 Zimmerteppich, 12 Dhd. Alpaka-Messer, -Gabeln und -Löffel, eine Kaffeemaschine, einen Fleischwolf, 1 Fleisch-' kutter,lFleischschneidemaschine,12Mehger- Nach Gottes unerforschllchem Ratschluß verschied heute früh um 4Uhr unser guterVater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Onkel Herr Georg Voß nach langem schweren Leiden im Alter von 67 Jahren. Mittwoch, den 14. August Konzert-und Solistenabenfi FLY-TOX tötet sofort alle Insekten, ohne Stoffe und Möbel m beflecken. FQr Menschen unschädlich. Behördlich empfohlen. Bekanntmachung. Die Umlage zur Aufbringung der Kosten der Handwerkskammer für das Rj. 1929 ist nunmehr festgesetzt worden. Mit Genehmigung des Herrn Ministers für Arbeit und Wirtschaft werden außer einem Stammbeitrag von 6 RM. für jeden Handwerksbetrieb 24 Rpf. für je 100 RM. Steuerwerk des gewerblichen Anlage- und Betriebskapitals erhoben. — Die Zahlung der Umlage hat in vier Zielen zu geschehen, und zwar: 1. Ziel sofort 2. bis 4. Ziel jeweils bis zum Ende der Monate September und Dezember 1929 und März 1930. Anforderungszettel werden den Umlagepflichtigen zur Zeit zugestellt. 6724C Gießen, den 9. August 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Seid. Stellenangebote| [6729D fleischig. 6725D gesucht. Für Gießen und nächste Umgebung suchen wir einen 6728D Gemarkung Gießen «HasenstöppeUz. ver- taufen ober zu verpachten. Zu ersr. in d.Geschst. b.Gft.Anz. Ein großes, sonniges Zimmer ock. kleines Schlaf- g. Wohnxtm. in Lefler Lage unb leicht erreichbarer Nähe d. Stabt, wenn mögt mit sep.Eing., z. 1. Oktober gesucht. Schr. Angeb. u.05101 g. b. Gien. Anz. erb. Suche zum 1. 10, evtl, später, infolge Pensionierung s„«,l) Heine Wllllvg für 2 Personen in Gießen ober Umgeb. Hegemeister Manft, oorttbaus Haina, Robhelina.b.Bieber Konditorei and Cal6 Amend Bahnhofstraße. 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Vickel qualifizierte sich für den Endlauf und kam hier auf den zweiten Platz, hinter Griesheim Elektron, vor Kölner D.C. 3m Kugelstohen zeigte Frl. Beling eine wesentliche Formverbesserung (8.26 Meter), hatte aber durch die Anwesenheit von Frl. Fleischer. Franksurt (11,90 Meter!) und anderen bekannten Werferm- das Versäumte nachzuholen. Gießen forciert nun seinerseits das Tempo, dem der Gegner, der sich in der ersten Spielhälfte anscheinend zu stark verausgabt hatte, nicht mehr fplgen kann. Dis zum Schluß kann V. f. D. noch zweimal ein- senden und so das Endergebnis auf 3:3 stellen, hat aber dabei noch Pech mit seinen Schüssen, denn zweimal verhindert die Torlatte einen sicheren Erfolg. Auch dieses Treffen hat erneut deutlich gezeigt, daß es jedem einzelnen der Mannschaft immer noch stark an Schnelligkeit und Wendigkeit mangelt, eine Tatsache, die Liga — Klein-Steinheim Liga 3:3. Ligareserve — Homberg I. 5:2. III. — Dieber 17:1. Der Spielausschuh hatte mit der Verpflichtung der Liga des Sportvereins Klein-Steinheim (bei Hanau) einen recht guten Griff getan. Die Gäste zeigten mehr als man von ihnen erwartet hatte. ö Der V. f. B. Diez hatte seine am Sonnig statt gehabten Wettkämpfe ganz großzügig aufgezogen. Aeben einer tadellosen Organisation war nisse: Dreikampf. Oberstufe: 1. Dietz, Lollar, 65 P.. 2. Frank, Lollar. 60, 3. Grohhaus. Lollar, 58. Hochsprung: 1. Frank. Lollar, 1,60 Meter, 2. Dietz, Lollar, 1.55. 10 0-Meter- Lauf: 1. Grohhaus. Lollar, 12 Sek., 2. Frank. Lollar. 12,4. Weitsprung: 1. Wissemann 5,40, 2. 3ung 5,20 (sehr schlechte Dahn). Speerwurf: 1. Dietz 44,60 Meter. Diskus: 1. Dietz 28,40 Meter. Weithoch mit Drett: 1. Frank 1.50 Meter hoch. 2.80 Meter jprett ab. 2. Wissemann. Jugend: Dreikampf. 1. Seipp, Lollar. Lieber ICO Meter wurde Seipvs Meldung nicht anerkannt. Hochsprung: 1. Seipp 1,50 Meter, 2. Klein 1,45, 3. Deibel 1,40. Weitsprung: 1. Klein. Lollar, 5,10 Meter, 2. Klinke! 5,05. Oberstufe. Kugelstohen: 1. Dietz, Lollar, 10,30 Meter. Leichtathletik der Sp.-Dg. 1900. Gutes Abschneiden bei den Oranienkampfspielen schafft?" „Eine unaufschiebbare und leider nicht l*ii> §USt mm stler-Kapelle Mtenberg «dbd2 «»dien tordli* genehme Veranlassung." Sofort wußte Druno Markenthin. was jungen Kaufmann, der uneingeladen nie Haus betrat, heute am Sonntag zu ihm getrieben. Aber er lieh sich nicht Las geringste merken, seine Höflichkeit legte nichts von ihrer plumpen Herzlichkeit ab. er bat seinen Besucher, frei von der Leber weg zu sprechen. „Mir wird nichts anderes übrigbleiben —“ Aber schon hielt Klaus inne. 3ede Miene seines Gesichtes zeigte das qualvolle Demühen, des immer aufs neue emporsteigenden Widerwillens Herr zu werden, vor diesem Manne in solcher Angelegenheit zu stehen. „Es handelt sich um den Vertrag, nach dem ich Ihnen innerhalb dreier Monate die besagte Menge von Kartons und Packpapier zu liefern habe. „Ganz recht. Die Sache ist ja wohl längst in Ordnung und die Frist, wenn ich recht unterrichtet bin. erst in zwei Wochen abgelaufen. Weshalb, wenn ich mir die Frage gestatten darf, bemichen Sie sich deshalb noch zu mir?" 2lm Sonntag folgten die Leichtathleten Turnverein Lollar einer Einladung des Turnvereins Vordeck (Rabenau) und konnten gegen starke Konkurrenz glänzende Erfolge erzielen. Einzelne Leistungen litten sehr unter den un- aünstigen Platzverhältnissen und unter starkem Gegenwind. Z. D. wurden alle Wurfkonkurrenzen und der ICO-Meter-Lauf gegen starken Gegenwind ausgetragen und trotzdem schöne Leistungen erzielt. Grohhaus (über 18 3ahre) und Se x pp als Jugendlicher liefer trotz harter Dahn die 100 Meter in der guten Zeit von 12 Sekunden. Wissemann warf im Dallweitwurf unter den erwähnten Schwierigkeiten 80J0 Meter. -Alles in allem kann der Turnverexn Lollar stolz sein auf die erzielten Leistungen. Die Ergcb- besriedigen. , . f r, 1900’8 zweite Jugend verlor in einem Gesellschaftsspiel gegen Lollars erste Jugend 3:1. da der Sturm die besten Torgelegenheiten aus- lieh. D. f. B. titut Lucius bei Echzell 112 km ron Bad-Nau- mt mit 40 Schillern. Oberrealschule und .Unterricht In klein, tl. levangeL) Sinn ge- Lebensweise. Beste os d. Dr. Lucius. Hamburger - Zigarren hin. „Wie? Richt eine von der auserlesenen Marke? Sie bevorzugten sie. als wir vor längerer Zeit einmal die Freude hatten — ich habe es mir wohl gemerkt. Run sagen Sie mir freundlichst. was mir heute schon bei nachtschlafender Zeit die unerwartete Ehre Ihres Besuches **" Dämonen der Zeit. Vornan von Arthur Brausewetter. 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Meinen Sie. ich merkte es nicht? Ich hätte Vicht gefühlt, daß all die übermütigen Scherze und Extravaganzen, in denen Sie sich sonst nicht zu gefallen pflegen, nichts als ein etwas wilder Humor gewesen, in dem Sie sich Luft machen wollten?" « So ...das hätten Sie gemerkt? Halb ablehnend erwiderte er es und halb ver- toenn Sie sich nun irrten? Wenn ich nichts runderes bezweckt hätte, als meine Gaste zu unterhalten, wie es dem guten Wirte zu- kommt, sowie er sieht, dah ihre Laune zu rosten ^^Rein ich irre mich nicht", sagte sie ganz leise und ganz langsam. Und in ihren blauen klugen die sonst so viel Lust und Glückseligkeit in die Welt hinausleuchteten, glimmte em leidvoller Trotz auf. „Ihr Leben lang haben Sie mtt mir Versteck gespielt. 3a. das Haden Sie. 3ch blieb für Sie immer das kleine dumme ®xng. Das ist nun vorbei. Heute täuschen Sie mich nicht mehr. Aber das eine möchte ich Sie doch fragen: Bin ich denn wirklich so wenig wert daß man nicht auch kameradschaftlich em großes Leid mit mir tragen könnte?" Wieder sah er sie an, sah sie, wie er sie bisher noch nie gesehen hatte, sah das Zucken um den knospenden Mund und den Zug von frühem -Ahnen und Wissen in dem liebreizenden Gesicht. „Ein grobes Leid.. wiederholte er 3a, so ist es ... vielleicht so groß, dah Sie trotz aller Kraft und Energie nicht mit ihm fertig werden. Lind wenn Sie jemand «brauchen, der es 3hnen tragen helfen könnte..." Einen Augenblick lebte es in ihm auf. zuckte es wie eine lockende Versuchung durch sein Herz „Aber ich bitte Sie... das ist ja alles Lln° ist darum noch kein Llnsinn. weil Sie es nicht zugeben wollen. Aber so war es ]a immer immer wollten Sie auf sich selber fteben. Lind ich wäre doch so glücklich, wenn ich 3hnen einmal helfen könnte ... Ihre Blicke trafen sich. frejtcn Gedämpft und leidenschaftlich zugleich Uangj Die Musik zu ihnen herüber, trug sie auf siwexmer Welle in ein entferntes Land ... vorbei - - - vorbei^ Oder vielleicht doch nicht vorbei? Wenn«es! chm morgen gelänge. Markenthin zu gewinnen, wenn Tenerissen sein Versprechen wahrmachte... Reue Hoffnungen zogen durch s ein Herz, gaukelten ih lichtere Bilder-- Kurz und kühl reichte die Terlinden Klaus die Hand und ging mit den letzten Gästen. * 3n dem mit mehr Prunk als Behagen aus- gestatteten Schlafzimmer lag das Markenthinsche Ehepaar noch in festem Schlummer, als es durch ein Pochen an die Tür unsanft geweckt wurde: Herr Körber hätte zum zweitenmal angefragt: Wann er den Herrn im Laufe des Vormittags sprechen könnte, cs handelte sich um eine geschäftliche Angelegenheit. 3eht wäre er selber da. „Am Sonntag lasse ich mich in geschäftlichen Dingen überhaupt nicht sprechen", antwortete Herr Markenthin ebenso verdrießlich wie entschie- den. änderte aber dann seine Ansicht: „Bestellen Sie Herrn Körber, dah ich in einer Viertel- stunde zu seiner Verfügung wäre." Er reckte sich noch einige Male, klagte feiner Frau, obwohl diese, unbeirrt weiterschlafend, nicht eine Silbe vernahm, was für eine miserable Vacht er gehabt, wie er es jeden Morgen tat, nahm zwischen dem Ankleiden eine Tasse schwarzen Kaffees und begab sich in sein Arbeitszimmer. „Guten Morgen, verehrtester Freund,' begrüßte er Klaus Körber, lud ihn zum Sitzen ein und schob ihm die Kiste mit den schweren xz. Fleischer). Griesheim Eienron iBühl- ! Die Cigarcferbe erzielte in Warburg aus dc>. ier) und Kölner Ballspiel-Club. Wenn auch | Sportplatz ®ammtt>cflgegen SuW*1« «J — iQtWrinnen -noch Nicht so i entschieden 3.3 (Halbzeit 2.1 für G De 2" . Begegnung war schön und fair. Zu bemangun waren auch hier beiderseits die 6türmerleUtungern 1900 hatte zahlreichen Ersatz in seinen Reihen. 1900’6 dritte Elf konnte auch das Ruckspiel gegen Cappels zweite Mannschaft siegreich gestalten. Gießen spielte durchweg leicht überlegen. besonders nach der Pause. Resultat 5:2 (Halbzeit 2:2). 3n der Giehener Els gefielen besonders die jungen Ersatzleute. Die erste 3ugend trug vormittags auf dem Sportplatz an der Liebigshöhe ein Schiedsrichterbelehrungsspiel aus, das der Prüfung Zugendlicher galt, die sich dem Schiedsrichterberuf widmen wollen. 1900 gewann das Spiel nach ständiger Lleberlegenhett mit 2:0 Toren, dem Spielverlauf nach aber viel zu knapp. Die Sei jungen der jugendlichen Spielleiter konnten sehr „3hnen zu sagen, dah es unmöglich ist. unter den abgemachten Bedingungen zu liefern." „Llnmöglich? Wir schlossen damals fest und verbindlich ab." „Aber keiner von uns konnte die Entwicklung der Dinge voraussehen. Das Papier stieg in kurzer Zeit zu einer Höhe, die selbst die kühnste Phantasie unter sich lieh. Llnd Hand, in Hand damit ging die völlige Geldentwertung." Benno Markenthin »sah sein Gegenüber mit einem halb verlegenen, halb ungeduldigen Blicke an. 3a, was erwarten Sie nun von mir, lieber Körber? Was soll ich tun? 3ch weih es wirklich nicht." „Es gäbe nur zwei Möglichkeiten. Entweder Sie entbinden mich von diesem unausführbaren Auftrag, oder Sie nehmen zu heutigen Preisen ab." Richt die leiseste Bewegung, kaum ein Erstaunen glitt über Markenthins glattes Gesicht. Er behielt dieselbe liebenswürdige Miene bei. dieselbe verbindlich ergebene Haltung. „Dem Sohne meines weit übers Grab verehrten Freundes wäre ich zu jedem Dienst bereit, zu jedem, sage ich:.. Selbst wenn er mein Untergang wäre." „3hr Untergang, Herr Markenthin?" Und Klaus Körber muhte vergessen haben, dah er hier als ein Bittsteller sah, auf Gnade und Ungnade dem anderen ausgeliefert, er hätte sonst nicht einen so höhnischen und unwilligen Ton in seine Frage legen können. Aber auch über diesen ging Benno Markenthin hinweg. „Ich sage nicht zuviel, mein lieber Körber. Denn eine Stunde später, als ich diese nach meiner Ansicht ganz unumstöhliche Abmachung mit 3hnen getroffen, habe ich auf Grund der mit 3hnen vereinbarten Bedingungen selber Aufträge für Zigaretten zu den entsprechenden Preisen übernommen. Und tarne ich jetzt dem Besteller mit derselben Bitte, entweder zurücktreten zu dürfen oder zu heutigen Preisen zu zahlen — nicht wahr. Sie verstehen, dah das im kaufmännischen Leben etwas Unmögliches ist. Wenn ich jetzt also auf 3hren Wunsch einginge, Sie von der Ueberlassuna der Kartons und des Papiers zu entbinden oder 3hnen die schwindelhaft gestiegenen Preise zahlte — ja, sage ich zuviel, dah ich dann ein ruinierter Mann wäre?" „So bin ich der ruinierte.“ Schwersällig erhob sich Benno Markenthin von seinem Stuhl, ging auf sein Gegenüber zu, legte ihm beide Hände auf die Schulter. „Rein! Das wird nie geschehen, solange Benno Markenthin lebt. Muh es einer von uns beiden sein — bann ich. Sie aber, den mir der st'ep- bende Vater auf die Seele gebunden... ja. mir und Tenerissen —" (Fortsetzung folgt.) „Was war dir nur heute abend?" Zum zweitenmal hörte Klaus Körber die Frage. Diesmal von den schmollenden Lippen der schönen Terlinden, als sie beide für einen kurzen Augenblick ungestört und unbeobachtet von den anderen an der grohen Eingangstür des Saales zusammentrafen. „Vicht ein einziges- mal hast du dich um mich gekümmert, nicht einen Blick oder Händedruck für mich gehabt." Dafür hatte ja Gomprecht um so mehr für dich." _ . „Du weiht, dah er mir gleichgültig ist. wie die anderen alle, dah mir der ganz: Abend Der» dorben war. weil du nur Auge und Ohr für die kleine Studnih warst." „War ich das?" antwortete er zerstreut und doch ganz ernsthaft. Wenn sie dir so gefällt, warum heiratest du sie'nicht? 3ch werde dir nicht im Wege fein —' „Wen soll ich heiraten? Die Tenerissen?" „Ach, mach dich zum Varren", sagte sie. schon wieder versöhnlicher gestimmt und ihr melodisches Lachen anschlagend, das sie auf der Bühne unwiderstehlich machte... „Die Tenerissen! Das wäre Selbstmord, und zu dem hast du ja Gott sei Dank, keine Veranlassung. Sage mir lieber, ob du nachher noch auf ein Plauderstündchen zu mir hinüberkommst. 3n einer Viertelstunde bin ich umgezogen." „Was würde deine Qlnni davon denken? ”®ic ist auf eine Hochzeit gegangen — ich bin ^Vein — heute nicht. 3ch kann hier nicht alles im Stiche lassen." Eine Sekunde zögerte sie. Dann streifte leise und verstohlen ihr Arm den fernen. „Oder soll ich cs machen, wie heute vor einem Iahr an deinem Geburtstag...? Vur zum Echem mich verabschieden und dann da drüben in deinem kleinen Privatkontor auf dich warten?' Er sah den sehnsuchsvollen Blick ihrer um- schleierten Augen, sah ihn harren suchen, locken, kämpfte eine Sekunde und erwiderte dann hasttg. fast rauh: „Vein, auch das nicht.' „--Auch dcxs nicht mehr? Es sind zu viel fremde Leute im Hause," lenkte er" begütigend ein, „und ich habe heute Grund, unnötiges Gerede zu vermeiden." „ „So ängstlich bist du geworden? „ Ich werde dir morgen meinen Besuch machen. 'Morgen finge ich die Aida. Da muh ich nachher meine Ruh^ haben." Der Glanz in ihren Augen war erloschen, ihr Ton hatte keine Schwingen mehr. Man war im Aufbruch begriffen. Der größere Teil der Gäste hatte sich bereits in d,e Garderobe begeben. Einige wenige nur verabschiedeten sich noch unter Redensarten und Verneigungen. Großer Erfolg der Mnner-Turnvereins bei den Deutschen Meisterschaften in Kastel. Bei den im Kasseler Stadion veranstalteten Volksturnmeisterschaften der deutschen Turnerschaft waren auch die Farben des M. TV. Giehen vertreten. Die Turnerinnen Else Bickel- Haupt und Erna Alt Haus, die beide die Kreismeistcrschast 1929 — erstere im Hochfprung. letztere im Weitfprung — erringen konnten, hatten sich durch diese Erfolg das Recht erworben, an den Endkämpfen um die deutsche Meisterschaft teilzunehmen. 3m Weitsprung tonnte Erna Althaus. die an 6. Stelle lag. sich nicht mehr für die Ent- scheidung qualifizieren, da nur 5 Turnerinnen für die Entscheidung zugelassen wurden. Mit einem Sprung von 4.86 Meter setzte sie sich jedoch noch vor Frl. B a u s ch u l t e - Osnabrück, die in diesem 3ahre schon 5,51 Meter sprang, und vor Frl. W il l r a t h - Berlin, denen eine ernste Anwartschast auf die deutsche Meisterschaft zugefprochcn wurde. 3m Hochfprung war der Mittelrheinkreis durch die Kreismeisterin Else Dicke lh aup t vertreten. 3n den Borkämpfen am Samstag konnte sich Else Bickelhaupt sowie die vorjährige Olympiasiegerin und D. T.-Re- kordhalterin. Frl. Rotte- Düsseldorf, beide mit 1,48 Meter, an die erste Stelle sehen. Auch die Entscheidung änderte zunächst nichts. Frl. Dickelhaupt. Giehen. und Frl. Rotte, Düsseldors. behaupteten mit gleicher Höhe den ersten Platz: erst durch längeren Stichkampf konnte die Düsseldorferin unsere hiesige Vertreterin, die sich leider in schlechter Verfassung befand. aus den 2. Platz verweisen. 3hre vorjährige Bezwingerin. Frl. Meyer, Siegen, landete erst an 5. Stelle. Trotz dieses Peches kann aber der Mittelrheinkreis, insbesondere aber der Män- nerturnverein Giehen, stolz fein auf diese ausgezeichneten Erfolge, da Wan immerhin bedeuten muh. d & nicht restlos, befriedigen. Der Herren-, die beiden anderen auf die Frauen- pieler^aust hber $rammg6arbClt ^6 eng- t^ar tu r^ge gittert. folgender: abteilung. Für die ersteren war. wie bereits in lichen ^.rainers. den sich Germania, sulda z tx,m JMoh verpaßt V. f. B. eine LÄÄUit.|ä^n6&t,aL7nBu6irpSÄSlJ ge gen. Sie Wiesbadener, die die Staffel in der das das erste der neuen Saifon in Sutoa toar. I w.rlt gegenunet Aeinheim das SWÄ-’ÄÄ ÄWa'ife KÄ tBi'nln. ein! ®Xn?n%aXMmanaÄÄ Ä sich I Zen Toren wurden immer wie- | "Lei "ch. mehr, und mehr bekannte Vereine, wie Griesheim Elektron, S. C. Köln-Marienburg. Fuhballsportv. Frankfurt und V. f. R. Mannheim im geschlagenen Felde, be- fcmden. Einen wertvollen zweiten Platz belegte auch Seipp 1900 im Weitfprung mit 6,29 Meter Erster war hier Rodenkircherr, Köln- Marienburg. mit 6,50 Meter, an dritter Stelle landete Dach. Sp. D. Wiesbaden, mit 6,02 Meter. Von den Sprintern kam nach erfolgreichem Vor- und Zwischenlauf Guyot in den Endkanft>f. Er placierte sich hier hinter Stein, „Eintracht' Frankfurt, und Seng Heimer, Hassia Bingen, an dritter Stelle. Die Frauenwettkämpfe erhielten eine betontere Bedeutung durch die Anwesenheit ber vorzüglichen Kräfte von „Einttacht". Frankfurt (L o - züalichen Leitung sehr fair. Die heikelsten gehen, '-llach oem '^vecyiei anuert iiuj uu» Situationen vor Den Toren tourDen immer wie- D- f. D. ftnDet sich mehr "^d me^ zusammen, der durch Die überragenDen Leistungen Der bei- feine Akttonen werden schneller und settie Konv Den ebenbürtigen Hüter gebannt. Der Gastgeber bination genauer. Tr°hdeni muh er sich noch wehrte Die vielen ungestümen Angriffe Der Blau- ein Drittes Tor gefallen lassen, um Dann aber weihen fast ftänbig mit verstärkter VerteiDigung mit Der anfangs vermißten Energie unD Wucht ab. Das Eckenverhältnis lautete 9:4 für Gießen. 1 »lofion forciert nun Verwertet würbe keine Ecke, obwohl fast alle schön vors Tor kamen. Eine glänzenbe Partte lieferte Der Giehener Ersatzmittelläufer (Der von Der Marine hier auf Urlaub weilenDe Fritz Balser), Der, Dank seiner Körpergröße, sich ftänDig in Den Besitz Des Balles sehen konnte. Auch beim Plahverein gefiel der fllte Mittelläufer mit am besten. Die Stürmerreihen waren, beiderseits sehr schußschwach. Der der Giehener war wohl aktiver, schoh aber zu unplaciert, ;l^’bTmteS Set Lu le>hrn ge- .AM ; AM von littst fiLmouthnMC. ict,i6xathtxtooe löfitrt)e Noten. . . 16,42 16,48 Holländische Noten . . . • 167,78 168,46 Italienische Noten . . . 21.99 fönrtairntfrfit» . 111.48 111 92 Deutsch Oesterr , 5100 Kronen 59J2 59,36 Rumänische Noten . . . 2,47 (schwedische Noten . . . Schwei;cr Noten ... - . 80^76 ' 8 U 08 Spanisch' Noten .... Tschechoslowakische Noten 12,399 12,459 Ungarische Noten . . 72,95 73,25 Sebifenmartt Berlin-Frankfurt a. Rl. Telegraph ische Auszahlung. 12. August 13. August Amtliche Notierung Amtliche Notierung iveld Bne' lÄeld Brief Amst.-Rott. 168,12 168,46 168,03 168,37 Bum. AireS 1,760 1,764 1.759 1,763 Brss.-Antw. 58,35 58,47 58,31 58,43 Cliristiania. 111,76 111,98 111,69 111,91 Kopenhagen 111,76 111,98 111,67 111.89 Stockholm • 112,39 112,61 . 112,34 112.56 Hclstngsors. 10,543 10,563 ' 10,538 10,558 Italien. . . 21,95 21,99 21,939 21,975 London. . . 20,35 20,39 20,336 20,376 Neuyork . . 4,1975 4,2055 4,195 4,203 Paris. . . . 16,41 16,45 16.40 16,44 Schwei; . . 80,725 80,885 80,655 80,815 Spanien . . 61,49 61,61 61.54 61,66 Japan ... 1,964 1,968 1,9/0 1,974 Rio de Jan. 0.4975 0,4995 0,4975 0,4995 Wien in D.» Ocst. abgcst. 59,11 59,23 59,07 59,17 Prag .... 12,419 12,439 12,413 12,423. Belgrad . . 7,366 7,380 7,365 7,379 Budave't. . 73,20 73,34 73,17 73,31 Bulgarien . 3,034 3,040 3,034 3.040 Lissabon . . 18.78 18,82 18,78 18,82 Danzig... 81,36 81,52 81,32 81,48 Konstantin. 2,00a 2,009 2,013 2,017 Athen. . . 5,425 5,435 5,42 5,43 Canada 4,176 4,184 4,171 4,179 Uni uay - 4,128 4,134 4,126 4,134 Cairo . . • 20,87 20,91 20,86 20,96 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Danknoten Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Ho der Dividende an. — 7,5 $ niauljun a u>i. Benin tSranljuM a Berlin cdihifr Kur« I >-llhr lliir:- Schluß 1 Hur« | Anfang. Kur- Echlub- Kurd 1-Uhr Kur? Echluh-1 Kure | Anfang- Kur: Datum 12-8. | 13.8. 12 8. 13.8. Datum 12-8. 13.8. 12-8. 13-8. 5% Tt. Neichöanicihe o. 1927 Tt. Anl.-Ablös.-Schulv mit 2tu& 87,5 — 87,5 — 'A.E.G........ Bergmann..... . . . 8 . . . 9 202,75 203,25 202,4 228 202,9 228 los.-Hechten....... TciflL ohne AuSIos.-Rechte . UN- 51,9 11 11,2 51,75 11 51,8 11,2 Elektr. Lieferungen. . Licht und Kraft . . . . . 10 . . 10 207,5 209 168 207 168,75 208,5 7% lytanli. Hyp.-Bk. Goldps 85,5 Selten & Guilleaume. - • • . 6 140,5 142 141,25 141 lunruat dis 1932....... 1 Rheinische Hhp^Bank 2iqu.- — — Gef. f. Elektr. Untern.. Hamb. Elektr. Werke . . . 10 . . 10 211 210,75 142 211,5 Goldps............ abfl. BorlriegS- Obligation., 76,9 — — Rhein. Elektr..... Schief. Äektr..... - . . . 9 . . 10 149,5 t - 150,75 181,5 226,75 — ruazah-dar 1933 ..... 89 — — Schmiert...... . . . 8 — 228,75 227,9 :% 2chwci;. Bundeeb.-Ani.. 98,75 — — Siemens 4 Halske . . • . . 12 381,5 383,5 381 382,5 4% Cösterreichische Goldrte. 29,25 — 29,1 — TranSradlo . . ... —— — — — 1,20% Ocsterr. Lilberrle. . 2,35 — — — Lahmeber & Co.. . . 171 — 171 — >% L esterreich. cinheitl. Rte. 1,775 — — — 74 73,75 112,5 134,75 133,9 144,5 127,25 214,13 1% Ungarische Goldrte...... 4% Ungarische Llaatör. v. 1910 . !!',% PeSgl. von 1913..... l% Ungarische Kronenrte..... .% Türk, Zollanleihe v. 1911 . . .1, Türkische Aagdaddahit-Anl., •serie 1........... :% oe4gl. Serie II....... • Rumänen convert. Rte. . . . . . % Rumänen Goldanl. von 1913 22,4 21,65 1,75 7,5 Illi"- 22,4 21,65 1,8 7,5 1,8 Deutsche Erdül . . . Cfsener Steinkohle . . Gelsenkirchener . . . Harpener...... Hoesch Eisen..... Ilse Bergbau .... Klöckneriverke .... Köln-Neuessen.... ManneSmann.... ManSselder..... . . . 6 ... 8 nI 4 . . . G . . . 8 . . . 8 134 143,75 215 136 145,75 111,75 134,75 144,75 7,55 — 7,5 7,55 17 — • ... 9 ... 8 ... 7 109,75 117 117,75 110,25 123,9 116,75 138,5 110 124,25 116,6 138,5 Obersch'-es. Eisenb. Bedac ... 6 _ — 85 > z. Deutsche Eisenbahn . nlnburg-'.'lmerika Paket . ^ainb.-Tüvam. Tampssch. V uifa Tanipsschlst .... t -iddeutscher Lloyd . . . '.'tilg. Deutsche üreditanst. . W, . 8 . 8 10 . 8 10 121 113,5 126,5 <11111 120,75 185 113,25 126,5 113,5 126,13 Lberschles. Kokswerke.....6 Phdnir Bergbau......5% Rheinische Braunkohlen... 10 Rheinstahl ... |. % Jahr 4% Riebeck Montan......7,2 Bereinigte Stahlw ....., Otavt Minen.......2 sh 102,75 284,5 110,75 104,5 123,5 113,5 106,5 102,6> 284,25 123 111,25 65 236 389 103,13 285 122,75 111,75 64,75 234 390,5 :j .rmer Bankverein . . . Berliner Handelsgesellsch. . NI merz- und Privat-Bauk ■ u-.mt. u. Aalivnalbank . 10 ie 11 12 128 207,5 182,5 275 — 182,25 275 128,5 207 182,25 274,5 167,5 153.5 128,5 207 182,25 275 167,5 153,25 159 Kall AjcherSleben . . Kali Westeregeln. . . Kaliwerk Salzdetfurth . . 10 . . 10 . . 15 230 236 389 — ? nlsche Bank..... ; ilkvtito-Tesellschast Ant.. 10 10 167 153 — 3. G starben-Industrte Dynamit Nobel . . . • . . 12 . . . 6 423,25 223,25 223,13 106.25 223,4 e.oner Bank..... 10 158,25 158,75 159 SchetdeanstaU.... . . . 9 156 _ ■.Vu tallbnn I ...... . . 8 Goldschmidt .... . . . 5 74 74,5 83 125,25 •licidjebanf....... 12 295 296 298 295 RütgerSwertc .... Metallgesellschast. . . • . . . 6 . . 11 83 125,6 — 83,5 125,75 Frankfurt a M. Berlin Schlups KurS | l-Uhr Kur Schluß Kur» Anfang. Kurs Datum 12-8. 13. 8- 12.8. 13 8. Philipp Hoizmann . . . e 106 — 106 104 Heidelberger Cement . • e . 10 132,5 133,5 — — üement Karlstadt . . . . 8 186 — — — Wayß & Freitag . . . . 10 101 — 101 — Schultheis Payeuboser . lö — — 297,25 298,5 Lstwerke...... . 12 — — 232,75 233,75 Ber. Glanz stoss . . . . 18 412 418 414 415,5 . 14 — 319 320 Zellstoff Waldhos . . . 12 — — 235.75 Beilsiofs Aschaffenburg . 12 155 156 155 — Charlottenburger Wasser . 7 — — 106,5 107 Dessauer Gor .... . . 8 — — 191.4 191,4 Daimler Motoren . . . 0 51,5 — 52.25 54,5 Deutsche Maschinen-Fabrik . . 0 — — 55,25 —— Adlerwerke Klever . . . . 5 — — 49 — Luvw.Loewe .... . 10 -- — 193.5 — Na«. Auwmobil . . . . . O — — 22,75 23,4 Prellstein & Moppel . . . 5 — — 89,75 88,75 Leonhard Dien . . . . . 6 — — 205,5 206,75 Bamag-Megmn . . . . . 0 — — — — Franks. Maschinen . . • • . . 6 54 — 55 — ©rinnet...... . 11 64 — 64 — Heyligenslaedt . . . . . 0 — — — — Iunghanr...... . . 4 64,25 64,13 64 — Lechwerse. . . . . . . 8 106 — — — Mainkras«werte . . . . . 8 106,25 — — — Mag........ . 10 125 — 124,5 125,5 Nekars ulmer .... . . 8 — —- — — Peters Union .... . . 8 119,5 120 119,5 __ Gebr. Roeder .... . 10 111,5 — _ Böig, & Hoessner . . . . 8 222 — 222 _ Slldd. Zucker .... . . 8 153 W — 152,5 — ' Berlin, 12- August ideld Brief Amerikanische Noten..... Belgische Noten........ Dänische Noten ........ Englische Noten........ 4,174 58,37 111.48 20,325 4,194 58,61 111,92 20,405