Donnerstag, 13. Juni |929 179. Jahrgang Nr. 156 Erstes Blatt Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnlü und Verlag: vrühl'fche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerei H. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahvorschrift 20v/o mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. England und die Rheinlandräumung. Eine Konferenz der Premierminister soll den Houngplan und seine politischen Folgen besprechen. London, 13.3uni. (2DIB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" führt aus, man erwarte mit Bestimmtheit, daß die britische Regierung in der nächsten Woche nach der Rückkehr Macdonalds und Hendersons nach London die diplomatische Initiative in Sachen der Reparationskonferenz ergreift. Offenbar bestehe in Frankreich Abneigung gegen diese Konferenz, oder doch wenigstens die Neigung, die Teilnehmer und die Tagesordnung dieser Konferenz zu begrenzen. Die Anwesenheit der Außenminister sei aber unentbehrlich. Die Wichtigkeit der zu behandelnden Probleme rechtfertige auch die Anwesenheit der Premierminister. Macdonald beabsichtige, unbedingt an der Konferenz t e i 13 u - nehmen. Der deutsche Reichskanzler werde dies wohl auch tun und auch Poincar 6 werde sich schließlich von der Zweckmäßigkeit direkter Erörterungen überzeugen. Die Haltung der französischen Regierung in der Frage der Annahme des Poung-Planes wird nach der Rückkehr Briands endgültig festgelegt werden. P o i n c a r e, der gegenwärtig den Bericht genau prüft, werde zweifellos mehrere Bedingungen formulieren, die erfüllt werden mühten, bevor die französischen Truppen aus dem Rheinlands zurückgezogen werden. Die französische Regierung sei der Ansicht, daß das Problem des Saargebietes nicht zu einem Teil der Regelung der Reparationskonferen; und der Rheinlandfrage gemacht werden dürfe. Sie wird vorschlagen, dies Problem gesondert zu besprechen. Briaud weicht aus. Die andern Eignatarmächte sotten gefragt werden. Paris, 12. Juni. (WB.) Zu der Unterredung, die Reichsaußenrninister Dr. Stresemann gestern abend mit Briand hatte, schreibt der „T e m p s", daß Stresemann, darauf bedacht, der öffentlichen Meinung in Deutschland eine Genugtuung zu verschaffen, aus die eventuelle Rheinlandräumung angespielt habe, die die Deutschen als eine notwendige Folge der Reparationslösung ansähen, während sie jedoch von der Schaffung einer Feststellungs- und Ausgleichskommission für das entmilitarisierte Rheinlandgebiet abhängig bleibe. Hierüber habe jedoch keine eingehende Aussprache stattfinden können einfach deshalb, weil das Rheinlandproblein noch andere Länder als nur Frankreich angehe und praktisch e r st nach vorheriger Verständigung unter den Besatzungsmächten in Angriff genommen werden könnte. In Wirklichkeit dürften die Verhandlungen über die Rcparationsf rage, die Rheinlandräumung und die Feststellungs- und Aus- glcichskommission erst in einer Zusammenkunft angeschnitten werden, auf der sämtliche Mächte, die den Genfer Beschluß vom September v. 3. unterzeichnet hätten, vertreten sein werden: das sei in Madrid nicht der Fall gewesen, wo Briand und Stresemann lediglich eine private Besprechung miteinander hatten. Wieder englische Minniünöser? Was sagt Macdonald? Berlin, 13. Juni. (Priv.-Tel.) Die letzten englischen Rheinmanöver halten schon sehr viel Staub aufgewirbelt, vor allem deswegen, weil die britischen Truppen gemeinschaftlich mit den französischen operierten und weil dadurch zum Ausdruck gebracht wurde, daß auch England noch immer von feindseligen Absichten Deutschland gegenüber erfüllt ist. Jetzt wird vom „Manchester Guardian" mitgeleilt, daß neue großeRhein- manöver des englischen Befahungs- k o r p s in Vorbereitung wären und daß diese Hebungen ihren Anfang am 20. August nehmen sollten. Da nach den Pariser Vereinbarungen die neuen Reparationslasten am 1. September zu laufen anfangen und Deutschland auf Grund früherer Versprechungen damit rechnen muh. dah es ihm gelingt, die Freigabe des Rheinlandes bis zu diesem Zeitpunkt zu erreichen, fällt es doppelt peinlich auf, dah ausgerechnet das englische Oberkommando noch einmal große Hebungen auf deutschem Boden abhalten will. Macdonald und die Labour Party haben wiederholt erklärt, dah sie für die R ä u m u n g des Rheinlandes feien; man darf doch wohl erwarten, daß fie wenigstens unverzüglich diesem Manöverunfug ein Ende bereiten werden. Dank an Dögler. Reichswirtschaftsminister Dr. Curtins gegen die Pressehctzc. Berlin, 12. Juni. (WTB.) Bei dem im Anschluß an die Tagung des Vereins Deutscher Eiseii- unh Stahlindustrieller veranstalteten Essen nahm Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s in einer kurzen Anl;.''ache Gelegenheit, um Herrn Generaldirektor Dr. Vogler seine Hochachtung und feinen Dank für die Tätigkeit in Paris, was der Auffassung der Reichsregierung entspreche, zum Ausdruck zu bringen. Er teilte mit, daß der Reichskanzler heute morgen den Dank der Reichsrcgierung in einem besonderen Brief an Dr. Vogler ausgesprochen habe. Dr. Curtius wandte sich gegen die in einem Teil der Presse erfolgten Angriffe auf Dr. Vogler bezüglich seines Rücktritts von den Pariser Verhandlungen. Er stellte ausdrücklich fest, daß Dr. Vogler nur von sich aus gehandelt habe und daß man nicht Klüngel wittern dürfe, wo letzte Gewissensentscheidungen fallen. Um eine Nation sei es schlecht bestellt, deren Geschick nicht mehr durch freie Entscheidung von Männern bestimmt werde, die ihre Persönlichkeit in den Dienst des Vaterlandes stellen. Die Madrider Ratstagung. Deutsch-polnische Streitfragen. Madrid, 12. Sunt (WB.) 3n der heutigen Ratssitzung wurden sämtliche Punkte der Tagesordnung ohne nennenswerte Aussprache genehmigt. Die vom Rat ausgesprochene Empfehlung betreffend das Genfer Giftgas- Protokoll, das bis jetzt von dreizehn Staaten ratifiziert und von etwa zehn anderen Staaten für die Ratifizierung vorgesehen ist, veranlaßte den finnischen und den persischen Delegierten, die Bedeutung des Verbots des Gaskrieges und des bakteriologischen Krieges hervorzuheben und die bevorstehende Ratifizierung durch chre, Länder anzukündigen. Aus den Berichten über die deutsch-polnischen Besprechungen in Paris ergeben sich Verbesserungen des örtlichen Verfahrens, namentlich eine Beschleunigung des Verfahrens, und eine Entlastung des Dölkerbundsrates, der in den letzten 3ai)ren von polnischer Seite immer mehr mit Bagatellsachen behelligt worden war, während die Beschwerden des Deutschen Volksbundes meist schwerwiegender Art sind. Die jetzige Regelung läßt jedoch die Möglichkeit offen, daß Angelegenheiten, die durch die örtlichen 3n- stanzen nicht befriedigend geregelt werden konnten, vor den Völkerbundsrat gebracht werden. Die polnische Forderung nach Wiedereinführung der S p r a che n p r ü f u n g e n , die von der knutschen Minderheit als ein gegen sie gerichtetes Druckmittel betrachtet wird, war für die deutsche Delegation bei den Pariser Verhandlungen untragbar. Eine andere Lösungsmöglichkeit zur Beseitigung der freilich unbegründeten Besorgnisse der Gegenseite wegen der Zulassung nur polnisch sprechender Kinder zur Minderheitenschule konnte noch nicht gefunden werden. 3m weiteren Verlauf der Sitzung wurde zum allgemeinen Erstaunen die für die Verfassung den Völkerbundes sehr wichtige Frage der Revision des Haager Statuts vollkommen debattelos erledigt. Auf Vorschlag des italienischen Ratsmitgliedes wurde beschlossen, gleichzeitig mit der nächsten Völkerbundsvcrsamm- lung eine Konferenz der am Haager Statut beteiligten Staaten abzuhalten, um die Revisionsvorschläge des 3uristenkomitees endgültig zu genehmigen. Die vorgeschlagenen Statutenänderungen, die sich insbesondere auf die Frage der Einholung von Gutachten^ beim Haager Gerichtshof beziehen, sollen der nächsten Dölker- bundsversammlung vorgelegt werden. Hugo Sünnes jr. sagt aus: Der Hauptangeklagte im Kriegsanleihe-Betrugsprozeß. Berlin, 12.3uni. (WB.) Am heutigen Der- handlungstag des Prozesses Stinnes wurde der Hauptangcklagte selb st vernommen. Staatsanwaltschaftsrat Berliner beantragt die Verlesung derjenigen Protokolle, in denen Geständnisse des Angeklagten v. Wal- d o w enthalten sind. 3n den Protokollen wird der Angeklagte Stinnes von dem Angeklagten v. Waldow schwer belastet, v. Waldow wirft ihm darin vor, über die Älegalität des Anleihegeschäftes bereits frühzeitig informiert gewesen zu sein. Auch Direktor Roth- mann sei sich darüber klar gewesen, daß das Geschäft unkorrekt war. Rothmann habe fer-, ner bei einer Unterredung zwischen Stinnes, Rothmann und v. Waldow die von ihm selbst bestrittene Aeußerung getan, daß das Anleihe- geschäft in vier bis sechs Wochen abgewickelt sein werde und man dabei das Fünfzehnfache verdienen könne. Weiter hat der Angeklagte zu Protokoll gegeben, daß er, nachdem die betrügerische Basis des Anleihegeschäftes dem Reichskommissar bekannt war und er den Eindruck gehabt habe, daß er im Stich gelassen werde, zu Stinnes gesagt habe: „Tun Sie doch nicht so, Herr Stinnes, als wenn Sie von der Sache nichts wüßten. 3ch soll wohl der Sündenbock gewesen sein?" Stinnes habe darauf geantwortet: „Es denkt ja niemand daran, Sie im Stich zu lassen, aber Sie dürfen Rothmann und mich nicht belasten, da wir 3hre einzigen Entlastungszeugen sind." Der Vorsitzende fragte darauf den Angeklagten v. Waldow, ob er angesichts dieser Geständnisse seine in der Hauptverhandlung gemachten Angaben aufrecht erhalte. Waldow erklärte, alles was mit seinen Angaben in der Hauptverhandlung in Widerspruch stehe, entspreche nicht der Wahrheit. Damit ist die Vernehmung des Angeklagten v. Waldow beendet, und es folgt das Verhör des fjauptangeflagfcn Stinnes. Stinnes erklärte stockend und mit innerer Be- wegung: „3ch habe, als v. Waldow und Rothmann mir das Geschäft vortrugen, auch nicht den geringsten Zweifel gehabt, daß es sich um ein unfaires oder auch nur in irgendeiner Form nicht einwandfreies Geschäft handeln könnte. 3ch bin mir heute selbstverständlich darüber klar, daß, wenn man mit der Logik des 3uristen an das Geschäft nachträglich herangeht, dann Fragen auftreten könnten, die einen hätten st u tz i g machen müssen. 3ch habe aber damals keine Bedenken gehabt. 3ch war nach dem, was ich gehört hatte, der Ansicht, daß durch die zuständigen Stellen eine sorgfältige Rachprüfung erfolgen werde. Aus den Mitteilungen v. Waldows über das französische Geschäft gewann ich nach und nach den Eindruck, daß bei der Durchführung die Holländische Dank oder Schrandt vielleicht sich nicht immer ganz fairer Methoden bedienten. Riemals aber ist davon die Rede gewesen, daß etwa Ansprüche nicht existierten. Diese Bedenken liehen bei mir den festen Entschluß aufkommen, wir müssen aus diesem Geschäft heraus. Ich wollte mich nicht in die Hände von Hochstaplern begeben und verhindern, daß mein Rame im Zusammenhang mit derartigen Geschäftsleuten genannt würde. An eine Schädigung des Reiches habe ich niemals gedacht. Ls ist mir selbstverständlich niemals der Gedanke gekommen, mir die Früchte eines Betruges zugute kommen zu lassen. Stinnes schildert, Rothmann habe ihm erklärt, daß für das Ausland eine Sonderbestimmung des Aufwertungsgesetzes bestehe, wonach die ausländischen Anleihebesitzer etwa schon verkaufte Stücke wieder nachkaufen konnten und es vor allem darauf ankam, daß die Anleihen ununterbrochen im Auslande waren. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Angeklagte an Rothmann nicht die Instruktion erteilt habe, sich über die angebliche Sonderbestimmung des Aufwertungsgesetzes für das Ausland zu erkundigen, erklärte Stinnes, das habe er leider nicht getan; er sei eben nicht auf den Gedanken gekommen, daß ihm jemand ein unkorrektes Geschäft anbieten könnte. Ferner bestreitet der Angeklagte, daß v. Waldow ihm an dem von diesem genannten Zeitpunkt mitgeteilt habe, daß die Unterlagen für die eingereichten Aufwertungsansprüche falsch waren. Der Vorsitzende fragte den Angeklagten, ob es ihm nicht bedenklich erschienen sei, auf Kosten des Reiches Ausländern zu Aufwertungen zu verhelfen, die sie sonst nicht bekommen hätten. Stinnes erklärt, zu derartigen Ueberlegungen habe er nicht kommen können. Er habe sich sagen müssen, wenn e r die Sache nicht finanziere, würde es ein a n - derer tun. Auf die Frage des Vorsitzenden an den Angeklagten, ob er o. Waldow nicht, wie dieser in der Voruntersuchung aussagte, den Auftrag gegeben habe, Akten beiseite zu bringen, erwidert Stinnes sehr erregt, daß davon gar keine Rede sein könne. Er habe gar keine Ursache gehabt, irgend etwas zu verheimlichen oder irgendwelche Akten zu vernichten. Die Vernehmung wird darauf auf Freitag vertagt. Fubiläumstagung des Hansa-Bundes. Berlin, 12. 6. (WB.) Der Hansa-Dund für Gewerbe, Handel und 3ndustrie hielt aus Anlaß seines 20jährigen Bestehens am Mittwoch eine Tagung seines wirtschaftspolitischen Gesamtausschusses ab, die aus dem ganzen Reich stark besucht war. Der Präsident des Bundes, Reichstagsabgeordneter Dr. Fischer (Köln), wies darauf hin. dah man angesichts der politischen und wirtschaftlichen Lage unseres Vaterlandes von einer größeren festlichen Tagung absehen und sich auf eine Arbeitstagung beschränken wolle. Geheimrat R i e h e r erklärte, über die Pariser Verhandlungen könne man erst ein definitives Urteil fällen, wenn man wisse, wie es mit der Räumungsf rage stehe. Gegenüber den Gefahren, die aus den Pariser Abmachungen für die Wirtschaft entstehen, sei es notwendig, eine möglich st große Einheitsfront herzustellen, ein einheitliches Wirtschaftsprogramm au schaffen, das Versöhnung und Ausgleich an die Spitze stellt und nicht den Kampf. Solange die Parole bei irgendeiner Partei Klassenkamp heiße, könne Deutschland nicht vorwärtskommen. 3m Mittelpunkt der Tagung standen Vorträge über die nächsten Aufgaben des Bundes im Anschluß an die Pariser Verhandlungen und über die Reformnotwendigkeiten auf so- zialpolitischem Gebiet. Der Tariferhöhungsantrag der Reichsbahn. Ein Druckmittel gegenüber der Reichsregierung? Berlin, 13.3uni. (Priv.-Tel.) DieReichs- bahn wird sich noch etwas gedulden müssen, ehe sie auf ihren Antrag auf Tariferhöhung beim Reichsverkehrsministerium anläßlich der Lohnsteigerung eine endgültige Antwort erhält. Zur Zeit finden zwischen der Bahn und der Reichsregierung ständig Verhandlungen statt, die noch in keiner Weise abgeschlossen sind. 3n enger Zusammenarbeit ermittelt das Reichsverkehrsministerium zusammen mit dem Reichsfinanzministerium die Auswirkungen des neuen Pariser Reparationsabkommens, soweit sie die Reichsbahn direkt oder indirekt betreffen. 3n unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß die Tariferhöhung zu vermeiden ist, da die neugeschaffene Reparationslage sicherlich irgendeinen Ausweg ermöglicht. Man deutet den Antrag der Reichsbahn auf Tariferhöhung vorwiegend als eine Art Schreckschuß, mit dem die Reichsbahn aus faktischen Gründen bei den Verhandlungen um die Verteilung der Reparationsersparnisse eine starke Stellung zu gewinnen sucht. Wie wir hören, hat sich das Reichskabinett, nachdem die Pariser Ergebnisse vorliegen, mit der Angelegenheit noch nicht beschäftigt, die zunächst den Sachverständigen in den einzelnen Ministerien zur Vearbeitung vorliegt. Unter diesen Umständen ist damit zu rechnen, daß eine endgültige Antwort der Regierung auf den Antrag der Reichsbahn und eine Klärung des Falles frühestens im Verlauf einer Woche erfolgen kann. König Fuad besucht Rathaus und Universität. Festvorstettungen in der Staatsoper. Berlin, 12.Juni. (WTB.) König Fuad von Aegypten wurde heute mittag im Rathaus in Gegenwart von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden empfangen. Jrn großen Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung sand eine musikalische Veranstaltung statt, an der das Berliner Symphonieorchester und der Berliner Lehrergesangverein mitwirkten und interessante Vorführungen der Tonbild-Syndikais-A.-G. gezeigt wurden. In einer Pause der Musikveranstaltungen hielt Oberbürgermeister Dr. Böß eine Ansprache. König Fuad dankte in französischer Sprache dem Oberbürgermeister und betonte, daß ihn der Empfang, den ihm die Stadt Berlin bereitet habe, mit besonderer Genugtuung erfüllt habe und daß er die kommunalen Einrichtungen der Reichshauptstadt bewundere. Nachmittags veranstaltete die Universität einen Empfang, zu dem sich neben Senat und Lehrkörper der Universität der preußische Slultusminifter Dr. Becker, sowie eine Delegation der Studentenschaft eingefunden hatten. Der Kultusminister empfing den König an der Pforte der Universität und geleitete ihn zum Vestibül, wo ihn Rektor und Senat begrüßten und in die alte Aula führten. Hier hielt der Rektor der Universität eine Ansprache, die vom Lektor für Aegyptisch-Arabisch, Dr. Waly, ins Arabische übersetzt wurde. Der König dankte in herzlichen Worten und begab sich in der Begleitung des Rektors, des Senats und einer Reihe von Dozenten in den Senatssaal zu einem Tee. Am Abend fand zu Ehren König Fuads in der Staatsoper Unter den Linden eine F e ft Vorstellung statt, zu der die Reichsregierung eingc- laden hatte. Beim Eintritt des Königs und des Reichspräsidenten v. Hindenburg in die große Mittelloge erhob sich das Publikum von den Sitzen, während das Orchester die Nationalhymnen spielte. Außer dem Reichstagspräsidenten, den Reichs- und Staatsministern, den Staatssekretären des Reiches und Preußens hatten sich das diplomatische Korps sowie Vertreter beider Parlamente, der Reichswehr und der Reichsmarine, der Be- Hörden, der Kunst und Wissenschaft, der Wirtschaft und der Presse eingefunden. Zur Aufführung gelangte die Oper „Der Rosenkavalier" von Richard Strauß unter persönlicher Leitung des Komponisten. Llm den Kopf Aesreteteel. Berlin, 13.3uni. (Priv.-Tel.) Bereits vor längerer Zeit wurde erörtert, ob Deutschland die ungewöhnlich schöne und weltberühmte Büste der ägyptischen Königin Q7ef retete Aegypten übergeben würde. 3m Zusammenhang mit dem Besuch König Fuads bringt ein Spätabendblatt aus angeblich gut unterrichteter Quelle eine Mitteilung, wonach man auf Grund verschiedener Vorbesprechungen zwischen den Diplomaten der beiden Länder zu dem Entschluß gekommen fei, die Büste der Königin dem ägyptischen Besuch als Geschenk des Deutschen Reiches mitzugeben. Bisher hatten sich die zuständigen deutschen Stellen auf den Standpunkt gestellt, daß keinerlei Anzweiflung des rechtmäßigen Besitzes möglich sei. Es würde sich also nur um ein außerordentlich wertvolles Geschenk handeln können. Wie die Telegraphen-Tlnion von unterrichteter Seite hört, dürfte indessen diese Meldung ganz und gar nicht Len Tatsachen enftprechen. Die Ltplv- matischen Verhandlungen, die seinerzeit zwischen dem Reich und 2legt)bten über dieses Kunstwerk gepflogen worden sind, haben zu dem Ergebnis geführt, daß sich die Düste vollständig zu Recht im Besitz Preußens befindet, so daß von irgendeinem ägyptischen Anspruch gar keine Rede sein kann. An die Museumsleitung ist bisher von keiner Seite wegen einer etwaigen Rückgabe des Kunstwerkes herangetreten worden. Ungarn und die„Kleine Entente". Die Revision des Trianonvertrags. Berlin, 12. Juni. (Eigene Meldung.) Bekanntlich bestehen zwischen Ungarn und den Staaten der Kleinen Entente starke Spannungen wegen der ungarischen Wünsche auf Revision des Trianonvertrages. Die Gesandten der Kleinen Entente in Budapest haben dem ungarischen Außenminister eine Verbalnote überreicht, in der das Befremden der Regierungen der Kleinen Entente über eine Rede des ungarischen Ministerpräsidenten GrafenBeth- l e n enthalten ist. Sn der Verbalnote wurde gleichzeitig angedeutet, daß die Regierungen der Kleinen Entente die „i r r e d e n t i st i s ch e n" Bestrebungen Ungarns demnächst vor einem internationalen Forum, gemeint ist wahrscheinlich der Völkerbund, erörtern würden. Der ungarische Außenminister Walko hat darauf die würdige Antwort gegeben, daß Ungarn stets die Ungerechtigkeit der Friedensverträge behauptet habe und sich nicht davon abhalten lassen werde, mit friedlichen Mitteln eine Revision dieser Verträge zu erstreben. Cura^ao. Am st e rd a m , 12. Juni. (WB.) Blättermeldungen aus Curayao besagen, daß die venezolanischen Insurgenten, die den Ueberfall ausgeführt haben, inzwischen auf 2000 Mann angewachsen sind und sich in der Nähe des venezolanischen Hafen- Platzes Como, den sie bereits erfolglos angegriffen haben, verschanzt haben. Der morgen nach Curaxao in See gehende niederländische Panzerkreuzer „Hertog Hendrik" wird außer seiner gewöhnlichen Landungsdivision eine Abteilung Kolonialtruppen zur Verstärkung der Polizeitruppen in Willemstad mit sich führen. Zriedensverhandlungeri zwischen Staat und Kirche in Mexiko. Mexiko City, 12. Juni. (Associated Preß.) PräsidentPortesGil empfing den Erzbischof von Morelia Ruiz y Flores und den ihn begleitenden Bischof D i a z im Schloß Chapollepec. Zu dieser Besprechung, die nach einer Aeußerung des Präsidenten gegenüber einem Pressevertreter die Einleitung von Verhandlungen zur Beilegung des seit langer Zett herrschenden Streites zwischen Staat und Kirche in Mexiko bedeuten dürfte, wurde sonst niemand zuaelassen. Die beiden Kirchenfürsten haben es auch abgelehnt, sich Pressevertretern gegenüber über den Zweck ihres Besuchs zu äußern. Nachmittags war die Besprechung noch nicht beendet. Bundestag des Deutschen Offiziers-Bundes. Hamburg, 12. Juni. (LU.) Der Hamburger Bundestag des Deutschen Offiziers-Bundes wurde am Mittwoch mit einer Frauentagung und der darauffolgenden Dundessihung eröffnet. Diese beschäftigte sich in der Hauptsache mit Organisa- tionsfragen. Sm weiteren Verlauf der Tagung wurde eine Reihe von Entschließungen einstimmig gefaßt, deren eine sich mit der Kriegsschuldfrage besaßt. Sn dieser ersucht der Bundestag die Reichsregierung, an die Unterzeichnermächte des Diktats von Versailles die Forderung zu richten, die Behauptungen von Deutschlands Schuld am Weltkriege als im Widerspruch mit der Geschichtswahrheit und unerträglich für die Ehre des deutschen Voltes restlos zu Römischer Kalender. Von Or. Gustav W. Eberlein. Rom, Juni 1929. Die neue Stadt. Wir wollen es doch genauer nehmen mit dem Datum: 7. Juni 1929, mittags 12 Uhr. Das ist nach Tag und Stunde die Geburtszeit der Stadt, die dem Himmel am nächsten ist, der Vatikanstadt, der Cittä del Vaticano. Es war ein großes Ereignis, ein historisches Ereignis, es war geradezu ein staatserzeugendes Ereignis. Schlachten mußten ihm vorausgehen, die sich durch zwei Generationen hinzogen. Die erste wurde bei Sedan geschlagen und die letzte im Palazzo Chigi. Bismarck und Mussolini, Pius IX. und Pius XI. Noch vierundzwanzig Stunden vor dem endgültigen Friedensschluß gab es ein kleines Geplänkel: Der Duce: Wir haben die zeitliche Macht der Päpste nicht wieder aufgeweckt, wir haben sie für immer begraben! Der Papst: Ich erlaube mir, einige Aeußerungen des Onorevole Mussolini zu belächeln. So ausgesucht fein, wie man das der Diplomatensprache nachrühmt, klang das ja nun gerade nicht, aber man darf die Worte nicht auf die Goldwaage legen, wenn es sich um so gewichtige Dinge handelt. Schließlich ist es keine Kleinigkeit, einen Kirchenstaat zu verlieren, und Milliardenschecks zu zücken, das fällt nur gewissen Tributärstaaten leicht. Nun ist also der alte Streit zu Ende, die Brücke zwisck)en Quirinal und Vatikan geschlagen, König und Papst haben die ersten Begrüßungstelegramme getauscht. Das war um elf Uhr. Dann zog der treffliche Außenminister des Statthalters Christi, Kardinal Gasparri, den Bevollmächtigten Viktor Emanuels zu einer letzten privaten Unterhaltung in seine Gemächer. Als der Duce den Damasushof hinter sich hatte, sein Auto hinter dem großen Obelisken auf dem Petersplatz verschwunden war, sah man, wie ein Blatt im Geschichtsbuch sich langfam wendete. Bald darauf, fünf Minuten vor zwölf, machten sich zwei päpstliche Gendarmen auf den Weg, auf den sie seit 1870 gewartet hatten, und als die Mittagskanone vom J,niculus herunterdonnerte, da besetzten die Schweizer Landsknechte die Stadtgrenzen. Bumm — mmmmmm! Hellebarde aufgeftoßen! Die neue Stadt trat ins Leben. ... Feierlich, höchst feierlich, das läßt sich nicht leugnen. Aber die sichtbare Souveränität, auf beseitigen. Eine zweite Entschließung tritt für den Wehrgedanken ein und richtete an alle auf dem gleichen Standpunkt wie der Deutsche Offiziersbund stehenden Dollsgenossen die Ditte, sich mit ganzer Kraft einzusehen in die Arbeit der Wiederbelebung des Wehrwillens im deutschen Volke zur Rettung unseres Vaterlandes. Sn seiner dritten Entschließung endlich fordert der Deutsche Ofsiziersbunv von den in Dekracht kommenden Landesregierungen, daß endlich Schluß gemacht werde mit den sogenannten „Feme- prozessen" und daß den noch in ten Gefängnissen schmachtenden Verurteilten, die in schwerster vaterländischer Rvt in gutem Glauben gehandelt hätten, durch eine ^Begnadigung die Freiheit wiedergegeben werden. Die Norm des Mariais in Hessen. Darmstadt, 12. Suni. (WTB.) Der Landtag beginnt die Aussprache über die Reform des No tariatsto esens. Abg. Schül (Zentr.) erstattet Dericht über die Beratungen der verschiedenen Anträge der Abg. Dr. Best (Dolksrpt.), Dr. Werner (fraktionslos), Böhm (Sn.) und Scholz (D. Dp.) im Gesetzgebungsausschuh. Das Ergebnis der Ausschußberatungen läßt sich dahin zusammenfassen, daß die Regierung gemäß einem Anträge Schreiber (Dem.) und v.Helmolt (Bbd.) zum Antrag der Abgeordneten Dr. Best und Genossen, Aenderung des Ausführungsgesetzes über die Angelegenhei- ten der freiwilligen Gerichtsbarkeit usw., baldigst einen Gesetzentwurf vorlegen will, der, unter Anpassung an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, eine Senkung der Stempel und Gebühren in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit, namentlich im Grund- stücks - und Grundbuchverkehr, vorsieht, und in die sofortige Prüfung der Frage eintreten will, ob ohne Verletzung wohlerworbener Rechte eine Beseitigung der staatlichen Pen- sions- und Hin te r b li e b enenve r s o r- gung für die Notare durch Schaffung einer selbständigen Zwangspensionskasse unter der Selbstverwaltung der Rotariatskammer möglich ist. Später gestellte Anträge mit Einzelvorschlägen wurden der Regierung als Material überwiesen. Sn einer Eingabe des Hessischen Industrie- und Handelskammertages werden schwerwiegende Bedenken gegen die Uebertragung von Beurkundungen besonders im Grundstückverkehr an die Ortsgerichtsvorsteher zum Aus- druck gebracht, wenn auch eine starke Herabsetzung der Rotariatsgebühren notwendig sei. Der Berichterstatter weist darauf hin, daß die Vorbereitungen zum Reichsnotariatsgesetz sehr weit gediehen seien. Gegen die Bestschen Vorschläge haben sich ausgesprochen das Plenum des Hessischen Oberlandesgerichtes, die drei Landgerichtspräsidenten, die meisten Amtsgerichte, der Deutsche Rotarverein, die Hessische Rotar- und Anwaltskammer. Das Durchschnittsgehalt des Rotars betrug im Jahre 1927 etwa 5000 Mk., 1928 4800 Mk. Abg. D r. Best hält seine Anträge aufrecht. Die hessischen Gebührensätze seien im Sahre 1923 ganz ungeheuerlich erhöht worden. Sm Snter- effe der hessischen Finanzen sei die Reform des Notariats notwendig. Wenn der Staat im Interesse der Rechtssicherheit die Formalisierung von Rechtsgeschäften vorschrieb, dann dürften die Kosten und Stempel nicht viel höher sein als die Kosten für die aufgewandte Zeit der Beamten. Abg. v. H e l m o l t (Bbd.) Die Auffassung seiner Fraktion in Einzelheiten sei nicht einheitlich. Im Interesse des Publikums liege zweifellos, daß die Beratung beim Rotar eine eingehendere sei, als dies beim Gericht möglich wäre. Mißstimmung im Lande bestehe nur über die zu hohen Stempelgebühren. Abg. Dr. Werner (fraktionslos) ist erfreut, daß sein Vorstoß in dieser Frage auch die an sich ablehnenden Kreise veranlaßt habe, sich mit den hier bestehenden Mißständen zu befassen. 'Bei einer Umänderung des Verteilungsschlüssels und der Herabsetzung der Gebühren dürften jedoch nicht die S t a a t s f i n a n z e n geschädigt werden. Er fordert die Einführung des Rich- ter-Rotariats. Auf die reichsgesetzliche Regelung brauche man nicht zu warten, bei der Frage des 11. August habe man ja auch davon abgesehen. Abg. Sturmfels (S.): Meine Fraktion lehnt die Uebertragung der Grundstücksbeurkundungen an die Ortsgerichte ab, da wir nicht zu den Ortsgerichtsvorftehern in ihrer Mehrheit das Zutrauen haben, daß sie bei der heutigen verwickelten Rechtslage imstande sind, derartige Verträge zu protokollieren. Wenn der Abgeordnete Dr. Best nach den Vorgängen im Ausschuß heute viel vorsichtiger gesprochen habe und kein Feind der Rotare sein wolle, so schaue ihm doch die Mißgunst aus allen Knopflöchern. 'Auch jetzt hübe Dr. Best wider besseres Wissen Behauptungen über die Einkommensverhältnisse der Rotare ausgestellt (der Redner wird zur Ordnung gerufen), Abg. Schreiber (Dem.) lehnt die Sozialisierung des Rotariats ab. Die Anträge Dr. Best und Dr. Werner lägen nach einstimmiger Ansicht der Fachmänner nicht im Interesse der Rechtspflege. Sie würden eine große Kosten- und Personalvermehrung bringen. Justiz- und Finanzminister fiirnbergcr erklärt u. a. er bedauere die Ausführungen des Abg. Dr. Best, der sich bisher große Verdienste um die hessische Justiz erworben habe. Er wolle ihm auf seine für die Justizverwaltung kränkenden Ausführungen nicht in der eigentlich angebrachten Weise antworten. Eine nennenswerte liebertragung von Deurkundungsgeschäften an die Ortsgerichte könne nicht in Frage kommen. Die Regierung hat nicht die Absicht, das gut bewährte Notariat auszuheben, weil dadurch dem Staat erhebliche Kosten entstehen. Mit der Pensions- und Hinterbliebenenversorgung ist der erhebliche Gebührenabzug verbunden, der dem Staat mehrere hunderttausend Mark einbringt, was in keinem anderen Lande der Fall ist. Wir stehen mit den anderen Ländern wegen einer Senkung und Angleichung der Gebühren in engen Unterhandlungen. Wenn ich die Unterlagen für die finanzielle Auswirkung besitze, werden wir den Plänen auf Gebührensenkung sofort näher treten. Abg. Dr. Niepoth (D.V.-P.) erblickt im Notariat eine beim Publikum beliebte Einrichtung. Die Uebertragung der Grundstücksbeur- kundungen an die Ortsgerichtsvorsteher wäre für diese ein Danaergeschenk. Die ganze Frage sei eine rein finanzielle. Wenn erst das sagenhafte Gutachten des Sparkommissars vorliege, könne man doch der Bevölkerung nicht zu- muten, ein nicht vollbeschäftigtes Amtsgericht aufheben zu lassen, wenn gleichzeitig ein voll- beschäftigter Notar am Platze sitze: der Staat dürfe nicht auf der einen Sette Opfer verlangen und andererseits fette Pfründen vergeben. Die Mehrheit seiner Fraktion stimme der Tendenz der Bestschen Vorschläge zu, in Einzelheiten weiche sie jedoch von diesen ab. Das zugesagte Entgegenkommen der Regierung hätte er etwas positiver und weitgehender gewünscht. Abg. Böhm (Deutschn.) fragt, nach welchen Gesichtspunkten die Ernennung von Notaren erfolge und ob bei der reichsgesehlich geplanten Regelung wirklich allen Rechtsanwälten nach 15- bis 20jähriger Praxis die Notariatserlaubnis gegeben werden solle. Ministerialdirektor Schwarz stellt fest, daß die Besetzung von Notarstellen nach Recht und Gerechtigkeit ohne Rücksicht auf konfessionelle oder politische Gründe erfolge. Bei vakanten Notarstellen werde ernstlich geprüft, ob das Amtsgericht die Notariatsgeschäfte übernehmen könne. Nach weiteren Ausführungen der Abgeordneten Dr. Müller (Bbd.). v. d. Schmitt (K.) und Dr. Best wird die Abstimmung auf morgen ausgesetzt, da nur noch ein Dutzend Abgeordneter anwesend ist. die der Papst den Akzent legte, wird von vielen Fremden als Rückfall in die Zeit der Kleinstaaterei beklagt, von den Sammlern freilich mit Begeisterung begrüßt werden. Denn jetzt gibt es Gedenkmünzen und sogar echte Briefmarken im Vatikan, es gibt aber auch Torwächter und Schranken. Die Vatikanstadt ist an ihren wichtigsten Zugangsftellen sofort mit Brettern vernagelt worden und wenn man hinein will, muß man an das Eternithäuschen gehen und Auskunft geben, was man darin zu suchen habe. Eine Art Kaserne, ein Kloster ist an die Stelle des offenen Heiligtums der Christenheit getreten. Damit ja kein Unbefugter den Frieden störe, kriegen sogar die vatikanischen Sammlungen, die nach dem Versöhnungsvertrag der Oesfentlichkeit zugänglich bleiben müssen, einen Eingang von der Piazza del Risorgimento aus auf ... italienischem Boden. Andererseits haben die Schweizer die berühmte Bronzepforte, die 58 Jahre lang zum Zeichen der Trauer halb geschlossen blieb, nun ganz geöffnet. Caligula gibt feine Sorte ab. Er hat das in meiner Anwesenheit getan, ich bin Kronzeuge und kann mich daher für die Echtheit verbürgen. Die Karte ist natürlich aus Bronze, hat die Gestalt eines Wolfskopfes und sieht so prachtvoll aus, wie sich das Seine Majestät eben leisten kann. Jedermann hat sie schon gesehen oder wenigstens das „Pendant" dazu, den Löwenkopf mit dem Ring im Maul, der zu unserer Kinderzeit, als das Pendant die gutbürgerliche Wohnung beherrschte, als der Trompeter von Säckingen auf dem Wandteller einmal von rechts her und einmal von links her blasen mußte, sämtliche Plüschsofas zierte. Damals, im Jahre 1895, fischte ein deutscher Taucher das Original aus dem Schiffe des Caligula im Nemisee heraus. Im römischen Nationalmuseum kann man es heute noch bewundern, die Kopien der Blechindustrie sind gottlob verschwunden. Hoffen ®ir. beim gütigen Zeus, sie werden jetzt nicht beim Anblick dieses Wolfskopfes wieder aufleben. Der Wolfskopf hat freilich auch schon sein Pendant, auch im Nationalmuseum, aber wir stießen doch «in Uff der Erleichterung aus, als er sich aus den schlammigen und zitternden Händen des Arbeiters herausarbeitete, der mit seinem Holzlöffel in der schmuddeligen Fracht des Orgienschiffes herumstocherte. -Lenn damit war nach der großen Enttäuschung. die das erste Auftauchen des „Schiffes", das heißt eines vermoderten Baumftrunkes, hervorrief, der gewichtige, kilogewichtige Beweis erbracht, daß wir doch nicht vor einem total ausgeplünderten Pharaonengrab stehen. Jetzt, wo das schwarze Fragezeichen zu einem Drittel auf- dem Trockenen liegt, wagt man bereits wieder, von einem Schiff zu sprechen. Es sieht wie ein gestrandeter Walfisch oder vielmehr wie das Gerippe eines verfaulten aus. Die Rippen werden nach der Säuberung sogleich mit dickem Segeltuch bedeckt, damit die stechende Sonne sie nicht zu Staub zerdörrt. Im Innern des Ungeheuers buddeln halbnackte Kerle mit Holzdingern herum, wie sie die Kinder beim Sandspielen benützen: so sorgfältig geht man vor, ganz wie in Pompeji. Kupserziegel fallen uns in die Hand, Marmor mit dem kaiserlichen Zeichen des „Soldatenstiefeichens", wie Caligula auf deutsch heißt ... die letzten Zweifel versinken schamhaft im „Spiegel der Diana". Neandertal am Tiber. Der Homo heidelbergensis wird sich hinter den Ohren kratzen, wenn er das hört. Der homo pri- migenius hat eine Konkurrenz bekommen. In Italien! Das ist insofern unerhört, als der Stiefel unserer guten Mutter Europa in der Maien^eit der Anthropologen gar nicht bewohnt war. Was der Urmensch eigentlich gegen Italien gehabt hat, ist nie so recht klar, geworden. Vielleicht konnte er die Spaghetti nicht leiden. Jedenfalls war er im römischen Standesamt nicht eingetragen und existierte infolgedessen für die Obrigkeit ebensowenig wie der amtlich im Weltkrieg um- und doch nach Hause gekommene Soldat, von dem man ab und zu in den Zeitungen lieft. In den römischen Zeitungen steht jetzt, daß der Neandertaler vom Tibertal den direkten und unwiderruflichen Beweis erbracht habe, daß auf dem heiligen Boden Roms das Leben des Menschen zurückreiche bis in die Epoche remotissima. Wie in Heidelberg und Mettmann. Auch das ist beim Buddeln zum Vorschein gekommen, wie alles in Rom. An der Via Momentana draußen, dort, wo es der Aniene nicht mehr erwarten kann, in den Tiber zu kommen, und infolgedessen das von den Anthropologen für solche Fälle vorgeschrieben« Kiesbett in die mit Recht so beliebte Erscheinung tritt, an dieser historischen Stelle, wo Nero sich den Tod gab, da hieb der Pickel eines Erdarbeiters plötzlich in Mammut- und Riesenfluß, pferdknochen, daß die Urzeitfetzen nur so herumflogen. Diese Reliquien, überlegte der Mann, können nur von dem allen Scheusal stammen, diesem Nero, na warte, dir will ich's mal geben! Und hieb und stocherte und philosophierte, bis er, Hamlet vom Scheitel bis zur Sohle, tatsächlich den Schädel des ^Wüstlings, des Brandstifters, des Muttermörders, hochheben konnte. Kultur- und Poststagen im Reichstag. Berlin, 13. Juni. (VDZ.) Im Reichstag wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichsmini, [teriums fortgesetzt. Abg. Ka h l (D. V.) widerspricht der Anregung des Abg. Dr. Moser, dem Reichstag eine gewisse Mitwirkung bei der Arbeit der Notgemeinschaft zu gestatten. Die von Dr. Moser bemängelten Arbeiten der Notgemeinschaft hätten sehr ernsten wissenschaftlichen Aufgaben gedient. Abg. P e tz o l d (W. P.) bedauert die Kürzung der Mittel für die wissenschaftliche Notgemeinschaft. Der Redner tritt für die Festsetzung eines Holks- trauertages und für die Schaffung eines Reichsehrenmales bei Bad Berka ein. Abg. Dr. Moses (Soz.) meint, die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft werde aus den hier über sie geführten Debatten gestärkt heroorgehen, denn jetzt sei das Interesse für sie geweckt worden. Das Kontra 11 r e ch t könne dem Reichstag nicht durch die Einheitsfront der Professoren genommen werden. Abg. Berndt (2n.) weist die Angaben des Ministers über den Stahlhelm als unrichtig zurück. Der Stahlhelm habe erst in München wieder programmatisch festgelegt, daß er gegen Umsturz und Gewaltanwendung sei. Unrichtig sei auch die Behauptung des Ministers, daß der Stahlhelm von Industriellen unterstützt wird. Der Stahlhelm werde ausschließlich durch die Beiträge seiner Mit- glieder erhalten. (Widerspruch links.) Leider habe der Minister feine Pläne gegen die Technische N o t h i1fe beinahe schon durchgesetzt. Abg. Dorsch (Chr.-Natl. Bp.) verlangt Erhöhung der Mittel für die Technische Nothilfe: Schutz gegen den Terror der Gewerkschaften sei notwendig. Abg. Landsberg (Soz.): Die Deutschnationalen sollten mit dem Vorwurf des Landesverrates vorsichtiger (ein. In der französischen Zeitschrift für das besetzte deutsche Gebiet inseriert erfreulicherweise fein deutscher Geschäftsmann. Die einzige Ausnahme bildet Herrn Hugenbergs Ufa-Theater, das dort in deutscher und französischer Sprache inseriert. Der Haushalt wird in der Ausschußfassung unverändert angenommen. Angenommen wird auch gegen die Linke eine Entschließung der Deutschnationalen, in der gesetzgeberische Maßnahmen gegen Entartung und Verwilderung auf dem Gebiete der literarischen Erzeugnisse und des Theaters gefordert werden, ebenso eine deutsch- nationale Entschließung, die Sicherstellung der politischen und religiösen Neutralität des Rundfunks nachzuprüfen. Weiter werden Entschließungen angenommen auf Verbesserung der Fahrpreisvergünstigungen für Iu - gendsahrten und Nachprüfung des Impf^ gesehes. Die Mißtrauensverträge gegen den ReichLinnenminister Severing werden gegen Deutschnationale, Kommunisten und Rational- sozialiften abgelehnt. Der demokratische Antrag auf Vorlegung eines neuen Wahlgesetzes wird gegen Demokraten und Zentrum abgelehnt. Ein demokratischer Antrag auf Aufhebung der innerdeutschen Län- dergesandtschaften wird angenommen. Ein deutschnationaler Schulgesehentwurf wird gegen die Stimmen der Linken dem Ausschuß überwiesen. Es folgt nun die zweite Beratung des P o st e t a t s. ^eichspostminister Dr. Gchähel gibt einen Ueberblick über die Entwicklung der Reichspost. Verkehr und Einnahmen der Post hätten eine ansteigende Linie gezeigt. Die im Kleingüterverkehr zwischen Poft und Eisenbahn bestehende Konkurrenz soll beseitigt werden. Die Versuche der Verkraftung des Landbestell- d i e n st e s sind erfolgreich verlaufen. Kraftpost- nnd Luftpostoerkehr haben sich gesteigert. Nach London und Stockholm haben wir Luftpoftlinien ein- gerichtet. Im Fernsprechwesen werden 'Diitte dieses Jahres 50 Prozent aller Hauptanschlüsse automatisiert sein. Wir rechnen Noch heute kann er sich nicht erklären, warum ein Professor darüber bis zu Tränen gerührt wurde und ihm den dreckigen Kürbis sanft aus der Hand nahm. Der Professor hat jetzt vor der römischen Gesellschaft für Urgeschichte nachgewiesen, daß es sich um einen echten Neandertaler handelt. Die Straßenbahn im Schützengraben. Das neueste Schlagwort. Die Lösung des unlösbaren Verkehrsproblems! Kein Platz mehr im alten winkeligen, von den Ahnen so unzweckmäßig derbauten inom? Nun, dann müssen sich eben die Straßenbahnen eingraben, halb unterirdisch fahren ... Ich will mich kurz fassen. Denn wenn ich mir vorstelle, daß man im Lauf einiger Tage eine Vatikanstadt, ein Orgienschiff und einen Neandertaler ausgebuddelt hat — was mag da beim Einbuddeln des Trams alles zum Vorschein kommen! Dafür reicht feine Phantasie aus. Zwischen den Beinen hindurch. Von Hans Siemsen. Bei uns zu Hause auf dem platten Land gab es einen kleinen Hügel. Er war vielleicht zwanzig — er schien uns tausend Meter hoch. Wir nannten ihn den „Berg". Von da oben konnte man in unsere flache Ebene sehr weit hineinsehen. Und das taten wir auch. Aber da es immer dieselbe Landschaft war, die man von da oben sehen konnte, so wurde uns das bald langweilig. Dann drehten wir uns um, bückten uns und sahen zwischen unseren Beinen hindurch. Und dann sah alles ganz anders aus. Das haben Sie auch gemacht? Gewiß! — Aber haben Sie auch soviel daraus gelernt wie ich? Damals, als Junge, habe ich das nicht gemerkt. Viel später ist mir das aufgegangen: daß alles „ganz anders" ausfieht, wenn man es zwischen seinen Beinen hindurch — wenn man es von einem anderen Standpunkt, von einem anderen Gesichtspunkt aus ansieht. Wie wäre es, wenn wir mal, wenn wir was nicht verstehen, wenn wir so ganz und gar anderer Meinung sind^als unser bester Freund, wenn wir dann mal die Sache zwischen unseren Beinen hindurch ansähen?! Wenn wir uns mal auf den Kopf stellten?! Das ist schwer? Ich weiß. Wir sind alt und steif und etwas korpulent geworden, und es fällt uns schwer, zwischen unseren Beinen hindurchzusehen. Aber wie wäre es, wenn wir wenigstens versuchten, unseren Aussichtshügel von zwanzig Meter nicht für einen Berg von taufend zu halten? Oie Wetterlage. UHI flDtr en— £a Conrna &f5 Ein älteres Pferd Ein Uenrad 15; 15; fast neu, aum Preise von RM. 45 zu oerk. Anton Breuer, Brandgaffe v. Kartoffeln Zentner 5 Mk. Vornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: Lieöigshöhe: 2. Abonnements-Konzert, abends 8 Mr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Weg allen Fleisches". — Aus dem Bad-Nauheimer Kurhaus. Man schreibt uns: Der weltberühmte Don« Kosaken-Chor, dessen Konzerte seit Jahren zu den schönsten künstlerischen Ereignissen des Musik- Sehv biUio abzugeben r (u. u. gegen Gebots 20 P. 8. Drehstroin- Motor.Motortrans- vortwagen verwend' bar bis 40 P. 8. ßreitdreschmaschine neu, 5 P. 8.-Antrieb, für 12 Ztr. Slunden- lelstung. [5205 D MemaslMW 5/14 P. 8., gut erhalt. Anfragen an Dipl.- Jng. Schwab, Geiß-Nidda. KWWMe evtl, einzeln -.leihen oder kaufen gesucht. Schr. Pretsang. unt. 03766 a. d. Gieß. Anz. Meck. Weberei sucht geg. hohe Provision vevtvetevttn) - zum Berkans von erstklassiger Bett», Leib- und Tischwäsche, Hand- u. Küchentüchern an Private gegen Nachnahme. Lebens- Existenz! Nur Meldungen v. wirkt. sletß. u. tüchtigen Personen werden berücksichtigt. Gefl. Angebote u. 2. 82 an die Grevener Verlags- n. Werbeanstalt H.A. Zlock,Greven l.W. Mittelschlag, braun. Wallach, zu verkauf. Ober-Hörgern Haus 27. 15164D 10 30 N. A. 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Schoernack, Gießen, Hotel Schttts gelbe Rüben (neue) Bund 20 bis 25; Spinat 25 bis 30; Römischkohl 15 bis 20; Dohnen (grüne) 45 bis 50; Spargel 50 bis 1,00; Erbsen (grüne) 40 bis 50; Mischgemüse 15 bis 20; Tomaten 70 bis 1,20; Zwiebeln 15 bis 20; Rhabarber 15 bis 20; Kartoffeln, alte 6, neue 20 bis 25; Aepfel (ausl.) 45 bis 70; Dörrobst 35 bis 40; Kirschen 60 bis 80; Stachelbeeren 35 bis 40; Erdbeeren 1,00 bis 1,50; Aprikosen 80 bis 1,00; Honig 40 bis 50; junge Hahne 1,20 bis 1,30; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Rüsse 70 bis 80; Tauben Stück 70 bis 90; Eier 12 bis 13; Tlumenkohl 60 bis 1,00; Salat 10 bis 25; Salatgurken 40 bis 70; Ober-Kohlrabi 20 bis 25; Lauch 10 bis Rettich 10 bis 20; Radieschen Bund 10 bis Berliner Börse. Berlin, 13. Juni. (WTB. Funksvruch.) Ge- schäfte sind im heutigen Dormittagsverkehr noch nicht zustande gekommen. Die Tendenz ist nicht einheitlich. Es herrscht allgemeine Zurückhaltung. Kurse sind kaum zu hören, man taxiert sie auf der Basis der Frankfurter Abendbörse. Farben etwa 258, Siemens etwa 401,5 und Reichsbank etwa 332. Aus 6er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 13. Juni 1929. Zuniregen. Wir Landwirte sagen: „Die Sonne hat noch keinen Bauer zum Land hinausgeschienen." Wir wissen, daß ohne das Sonnenlicht kein Wachsen und Gedeihen ist. Wenn aber in langen Wochen die Sonne mit versengender Kraft die Erde ausdörrt, wenn Pflanzen und Tiere nach Wasser lechzen, der Boden breite Risse zeigt, dann steigt doch oft der Wunsch im Herzen auf: Nun hätten wir gern einen guten, anhaltenden Regen! Kein rasch vorüberrauschendes Gewitter, das sich heftig nustobt und nur eine Menge Wasser, das aber schnell wieder abfließt, auf die Erde sendet, sondern einen langsam einsetzenden, sich stetig verstärkenden Landregen. Und es ist ein Tag der Freude, wenn am Morgen die Sonne nicht erscheint, dafür ober dunkle Wolken den Himmel bedecken, die den Regen ankündigen. Nur darf er nicht gleich in der Frühe des Tages kommen, sonst hat die Herrlichkeit bald em Ende. „Morgenregen und Alte-Weiber-Tänze dauern nicht lang", heißt es im Bolksmund, und wie oft haben wir getrost und fest vertrauend auf dieses Wort unsere Arbeit angefangen und wurden im Laufe des Tages nicht enttäuscht; denn es gab prächtiges Wetter. An trüben Tagen aber fetzt so ganz zögern« der Regen um die Mittagszeit ein und hört den ganzen Tag nicht auf. Wie gern lassen wir Gärt- ner und Landwirte dann Arbeit Arbeit sein und schauen vom Fenster hinaus auf die Straße oder in den Garten. Da, wo noch gestern schwere Staubwolken aufflogen, wenn Fuhrwerke oder Autos vorüberfuhren, da ist nun alles gebannt, alles festgehalten vom Raß. Es ist etwas Köstliches um einen warmen, langsam fallenden Regen zur rechten Zeit. Er klingt dem Landmann wie himmlische Musik. Wenn er nachts aufwacht und hört das sanfte Rauschen des Regens, dann freut er sich und stößt seine Frau an: „Gott sei Dankl Es regnet weiter. Das wird schön beiziehen. Jetzt können Kartoffeln und Frucht wachsen!" .... Wir alle freuen uns über das eintönige Lied des Regens und genießen mit Wonne die würzige Luft, bewundern das starke Wachstum der Pflanzen. Ich bin Gärtner und Landwirt und kann mir nichts Schöneres vorstellen, als einen rieselnden Juniregen. Richt deshalb, weil ich nun nicht mehr zu gießen brauche, sondern weil ein solcher Regen Erquickung und Befreiung bringt. Die Erde lag in harten Banden, stark gefesselt, die Pflanzen fanden keine Rahrung: da kommt nun der Regen und ist Erlöser für alle Lebewesen. Gelt, lieber Leser, du nimmt mirs nicht übel, wenn ich einmal poetisch werde? Aber in einer kleinen Plauderei braucht ja nichts vom Umsehen der Gemüsepflanzen und vom Kartoffelhacken zu stehen, dafür haben wir die „Scholle". Aber nun soll ein „richtiger" Dichter das letzte Wort haben. Es ist Klaus Groth, der in seinem R e g e n l i e d all den Zauber eines Juniregens gebannt hat: Walle, Regen, walle nieder, wecke mir die Träume wieder, die ich in der Kindheit träumte... W. K. Gietzener Wochcnmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfund 2,00; Matte 30 bis 35; Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Wirsing (grün) 35 bis 50; mit der vollständigen Durchführung des Selbstan- schlußsystems bis 1938. Die von uns gewahrten Er» । leichterungen haben zu einer großen Zunahme der Fcrnsprechanfchlüsse geführt. Der R u n d f u n t hat sich lebhaft entwickelt und ist durch den B i l d - - funk ergänzt worden. Man kann heute sagen, daß fast jeder sechste Deutsche dem 1 Rundfunk angeschlossen ist. Die Forde- , rung der Sparsamkeit ist für unsere Berwäl- tung immer leitender Gesichtspunkt gewesen. Die Rationalisierung unseres Betriebes hat dazu geführt, daß wir 7609 b e a m tete A r- beitskräfte weniger haben, während die Zahl der nichtbeamteten Kräfte um 8405 gestiegen ist Wir wollen auf diesem Wege fortsahren. Die Unmöglichkeit, in diesem Jahre eine Anleibe unterzubringen, nötigt uns leider zur weiteren Abdrosselung unseres Anschaffungsprogramms. Abg. Steinkopf (Soz.) warnt vor grundstur- zenden Aenderungen des Postfinanzgejetzes im gegenwärtigen Augenblick. In der Reichspost müsse republikanische Erziehungsarbeit geleistet werden. Die Amtsräume dürften nicht als '-Bureawäume für Stahlhelm und Jungdo benutzt werden. Die Senkung der Rundfunkgebühren wäre zu begrüßen. Abg. v. Raumer (D. Bp.) hält die Aufrechterhaltung des Postfinanzgesetzes für notwendig, um der Postverwaltung eine ungestörte Finanz-« wirtschaft zu ermöglichen. Der Prozentsatz der Ablieferung an das Reich müßte dauernd festgelegt werden. Eine wirtschaftliche Betätigung der P o st auf Gebieten, die nicht un m ittelbar zu ihremAufgabenkreis gehören, sei bedenklich, beispielsweise die Herausgabe von Branchentelephon- b ü ch e r n. Die Beamtenstellen müßten rein nach staatlichen Gesichtspunkten beseht werden, nicht nach parteipolitischen Rücksichten. Abg. Mollath (Wp.) meint, die Erhöhung der Ablieferung an das Reich um 35 Millionen sei unter dem politischen Druck der Regierungsparteien erfolgt. Mit dieser Mehrablieferung sei es dann begründet worden, daß die Fernsprechgrundgebühr nicht herabgesetzt werden konnte. Die Mehrablieferung ist eine indirekte Steuer auf Ko st en der Wirtschaft. Die Wirtschaft kann unter keinen Umständen eine weitere Gebührenerhöhung tragen. Die Postkraftwagen dürfen dem privaten Fuhr- Verkehr keine Konkurrenz machen. Abg. Reinhold (Dem.): Die P o st g e b ü h - ren sind zweifellos zu hoch. An der Errichtung von Derwaltungsgebäuden sollte man sparen und dafür mehr Wohngebäude für Beamte errichten. Die Rundfunkgebühr sollte gesenkt werden. Die Reklame muß aus dem Rundfunk verschwinden. Eine Gebührensenkung sei zu fordern bei den Paketgebühren, den Kabelgebühren und bei den Fernsprechgebühren der Wenigsprecher. DerZolschewislms mAordafrikü Moskaus Agitation in Algerien. Oran (Algerien), 11. Juni. (Telun.) Am 29. Mai ist hier ein Hafenarbeiter ft ceiE ausgebrochen, der anfangs nur kurze Zeit zu dauern versprach. Inzwischen hat sich jedoch die Bewegung infolge politisch-radikaler Einflüsse zu gespitzt und beunruhigt sowohl die hiesige Geschäftswelt, wie auch die Schiffahrt und nicht zuletzt die eingeborene Arbeiterschaft. Die geheime Wühlarbeit bolschewistischer Agenten beginnt bei dieser Gelegenheit ihre Ersolge zu zeitigen. Ein kommunistisches Arbeitersyndikat,. das vor einiger Zeit ins Leben gerufen worden ist, hat sich der Bewegung bemächtigt und sucht den Streik, der anfangs nur Lohnforderungen zum Ziel hatte, radikal-politisch umzubiegen. Dies kann um so verhängnisvoller werden, als die leicht entzündbare Masse der eingeborenen Arbeiter der radikalen Propaganda gern Folge leistet. Die Verhaftung der kommunistischen Rädelsführer durch die Polizei hat eine nur noch größere Der. bittcrung unter den Streikenden hervorgerufen. Es ist dabei zu Ausschreitungen gekommen, bei denen ein Polizist von Arabern niedergeschlagen wurde. Die Wirkung des Streikes auf Handel und Schiffahrt ist deshalb besonders fühlbar, weil Oran der zweitgrößte Hasen Frankreichs ist, sowohl der Zahl der ein. und auslaufenden Schiffe nach, wie auch als die größte Kohlenstation im Mittelmeer. Auch die deutsche Schiffahrt, die sich Orans täglich für ihren Kohlenbedarf bediente, empfindet diesen Streik als schädigend. Italien und der Vatikan. Rom, 10.Juni. (TU.) Der italienische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Senator Graf de Gr. Einfamilienhaus bekblognabmcitci, 30 Zimmer, ar. Garten, s.Studentenver- btnd. oder Sanator. vass.,fof. beziebb.,btU. zu verk. Schr. Ang. u. 03764 a. d.Gh.Anz. Zu verknusen eine verschalte 4/8 große Wellblech* Garage u. 1 neue Torpedo- Schreibmaschine. Dr. med. 9! o 1 d, Wetzlar, MMD Bannstraße 46. Unerreicht in Konstruktion, Material und Leistung. Geringster Ersatzteilebedarf Wenig Reparaturen daher die enorme Nachfrage und Produktionssteigerung 1929 um 120% Vogtländische Maschinenfabrik A.-6., Plauen I.Vogtland. Vertretung: Georg Karl Reit, GIESSEN, Marburger Straße 34, Fernsprecher 298. Decchi, stattete dem KardinalstaätssekretSr G a f p a r r i einen Besuch ab. Nachdem bereits schon oft ein bestimmter Tag für den ersten Ausgang des Pap ft es aus der Vatikanischen Stadt genannt worden ist, laufen neuerliche, allerdings noch nicht bestätigte Gerüchte um, die besagen, daß der Papst am 20. Juni die Vatikanstadt zum erstenmal verlassen und daß der König bald daraus dem Pap st einen Besuch abftatten werde. Dieser Besuch soll dann von dem Kardinal- staatslekretär Gasparri erwidert werden, der dem König bei dieser Gelegenheit den Christus- orden, die höchste vatikanische Auszeichnung, überreichen wird. Mussolini wird bei dieser Gelegenheit den Orden vom Goldenen Sporn erhalten. Da der Papst nicht mit einem Orden ausgezeichnet werden kann, verlautet, daß der Kardinal st aatssekretär vom König das Halsband des Annunziatenordens erhalten wird, wodurch er zu einem Detter des Königs wird. Oie Anklage gegen Lllih. Kattowitz, 12. Juni. (WB.) Dem Geschäftsführer des Deutschen Volks- b u nbe 5, Otto Ulitz, der nach der Auflösung des Schlesischen Sejms infolge des Verlustes feiner Immunität verhaftet und erst nach längeren Bemühungen gegen Stellung einer hohen Kaution aus der Haft entlassen wurde, ist jetzt die Anklageschrift zugestellt worden. Sie wirft dem Angeklagten Beihilfe zur Entziehung vom Heeresdienst und Erleichterung der Flucht von Militärdienstpflichtigen nach Deutschland vor. Der Prozeßtermin ist noch nicht festgesetzt, doch kann mit Bestimmtheit angenommen werden, daß der Prozeß erst nach den Gerichtsferien stattfinden wird. lebens zählen, wird unter Leitung fants herva> ragenden Dirigenten Serge Jaraff sich bet* nächst im Nauheimer Kurhaus hören lassen. Der Ehor wird am 18. Juni im Großen Bühnensaal bet Kurhauses Bad-Nauheim mit einem völlig neuen Programm auftreten, das eine Fülle erlesener musikalischer Genüsse verspricht. Den Verehrern des Don» Kosaken-Ehors sei empfohlen, sich schon jetzt die Ein- trittskarten zu sichern. Man beachte die heutige 2fa- zeige. . — Volkskonzert des Konzertverein». In diesem Jahre hält der Konzertverein das Volkskonzert in der Neuen Aule der Universität am Donnerstag, 20. Juni, ab. Es werden Werke für Kam- merorqjefter durch das Collegium musicum, unter Leitung von Dr. Stefan Temesvary, und Solostücke für Violine, durch Elisabeth Steffen- bad) aus Darmstadt, zur Aufführung gelangen. Um allen den Besuch des Konzertes zu ermöglichen, ist der Eintrittspreis (80 Pf.) sehr niedrig gehalten. Im übrigen verweisen wir auf die heutige Anzeige. * ** Sängerehrungen. Der Hessische Sängerbund hat folgende Mitglieder des Bauerschen Gesangvereins für ununterbrochen 40jährige aktive Sangestätigkeit mit der Silbernen Ehrennadel und entsprechendem Diplom ausgezeichnet: Louis B e l l o f f, Louis K ö h l i n g e r, Wilhelm Luft und Karl Schmidt. Für 50jährige aktive Sangestätigkeit wurde Georg Todt mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. ** Anlagenkonzert findet morgen. Frei- äag, 19,15 Ühr, durch das Musikkorps des I. (Hessischen) Grenadier-Bataillons, 15. Infanterie- Regiments, bei günstiger Witterung in der Südanlage statt. Leitung: Obermusikmeister Löber. Die Musikfolge ist: 1. „In Treue fest", Marsch. O. Seife; 2. Ouvertüre zur Oper „Das goldene Kreuz", I. Brüll; 3. Große Fantasie aus der Oper „Der Prophet", G. Weyerbeer; 4. Potpourri aus der Operette „Die Czardasfürstin". E. Kalman; 5. Fanfarenmarsch für HeroldS- trompeten und Kesselpauken, W. Löber. ** Rheinfahrt. Wie uns vom Hapag-Reise- bureau in Gießen mitgeteilt wird, verkehrt der Sonderzug zur ersten volkstümlichen Rheinfahrt am nächsten Sonntag, 16. Juni, ab Gießen morgens um 6.32 Uhr. Auswärtige Teilnehmer haben morgens und abends Gelegenheit, mit den fahrplanmäßigen Zügen zu kommen und wieder nach Hause zu fahren. Der Sonderzug hält in Butzbach und Bad-Nauheim. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. ** Abonnementskonzerte unserer Militärkapelle. Das Musilkorps unsere« Bataillons leitete unter der sorgsamen Stabführung seines Obermusikmeisters Löber am vorigen Donnerstagabend- die diesjährigen Abonnementskonzerte mit einer sehr genußreichen musikalischen Darbietung ein. Auf dem Programm standen Kompositionen von O. Jünger, Mendelssohn-Bartholdy, Thomas, Wagner, Schreiner, Rossini, List, L6har, Strauß und Mannfred. Die eifrig und in bekannter Schneidigkeit musizierende Kapelle konnte für ihre vortrefflichen Darbietungen natürlich lebhaften Beifall ernten und mußte sich zu einer ganzen Anzahl Einlagen verstehen, um den Wünschen des Publikums weitgehende Erfüllung zuteil werden zu lassen. Dieser erste Konzertabend war ein voller Erfolg für die Kapelle und eine angenehme Unterhaltung für das Publikum. — Am heutigen Donnerstagabend findet das zweite Abonnementskonzert auf der Liebigshohe statt, zu dem Obermusikmeister Löber wieder ein sorgfältig zusammengestelltes Programm vorgesehen hat. Es werden dabei u. a. Werke von Beethoven unb Lorhing, sowie drei Reuheiten zum Bortrag kommen. Man darf auch bei dieser Beranstaltung angenehme Stunden erwarten. •* Schwer verbrannt. Durch die Explosion einer Spirituslaterne erlitt gestern abend auf dem hiesigen Bahnhof der Aushilfsweichensteller Heinrich Sommeriad aus Münchholzhausen schwere Brandwunden. Der bedauernswerte Mann war mit dem Anbrennen der Signal- und Weichenlichter im Gießener Bahnhof, Bezirk Bergwald, beschäftigt, als plötzlich seine mit Spiritus gefüllte Anstecklaterne explodierte. Der Verunglückte mußte mit schweren Brandwunden im Gesicht und an den Händen der Chirurgischen Klinik zugeführt werden. ** Auftrieb auf dem heutigen Frank- ’ furter Schlachtviehmarkt: 170 Rinder, 1234 Kälber, 74 Schafe, 806 Schweine. Owolkenlos, oneuer, q naib Bedeckt. ® wolkig, o Gedeckt •Keg'i'n, ¥ Schnee a Graupeln. s Nebel K Gewitter.@WindStiiie.-O-, sehr ___Sc] o 12 " Herr Liebmann Bär im 69. Lebensjahr. 5203L 5195D das Pfd. 60 Pf. linße 522 ID 5220V 5213V gesucht (Stadtwahlkommissar). I. 23.: Dr. Seid. 6.00, 5.50, 5.00 Einsatzhemden Mako, 2fädig, la Qual., ft Die Beerdigung findet statt: Donnerstag, 13. Juni, vorm. 11 Uhr, vom Portale des Friedhofes der israel. ReligionsgesellschafL Frankfurt/M. Frankfurt am Main (Eschersheimer Landstraße 107), Berlin, Gießen, den 12. Juni 1929. Heute entschlief sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser lieber Vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel longue, 3 Teppiche. Versteigerung bestimmt. Niederste Aachlaß-Berßeigemlig Freitag, 14.3uni, nachm. ab 2 Llhr, versteigere ich im Löwen,Reuenweg 28 Kleiderschränke, Küchenschränke, zwei Äüfeiis, 1 Waschtisch u. Äachtschränk- chen,Betten,Sofas, Diwane,! Chaise- berechtigten schriftlich oder zur fchrist erhoben werden. Gießen, den 13. Juni 1929. Der Oberbürgermeister Feinste englische Matjes-Heringe das Stck. 25 PL Nene Sommer-Malta-Kartoffeln das Pfd. 28 Pf. Nene italienische Kartoffeln Pfd. 16 Pf. Frische Zitronen, Apfelsinen, Bananen, Tomaten Marmeladen 4977A Helvetia Erdbeer-Mannelade ca. 1 Bd.-Eimer 75 B, ca. 2 Bü. Eimer 140 B. Frischobstmannel.ca.2Pfd-Eimer85PL Richard Grünewald Bahnhofstraße 27 / Fernsprecher 1631 Ab io Uhr freier Verkauf von-. Herren-, Damen- und Kinderschuhen, Zigarren, Herren- u. Damenrädern. Ludwig Hartmeh Auktionator und Taxator, Neuenweg 28 / Telephon 1414. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Clara Bär geb. Haas Bina Falck geb. Bär Pauline Bär geb. Isaak. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meine liebe, unvergeßliche Frau, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester Frau Helene Jung geb. Zecher nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, im Alter von 57 Jahren . zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig jung V. Rechner des Spar- u. Vorschuhvereins. Staufenberg, den 13. Juni 1929. Die Beerdigung findet Freitag, den 14. d. M„ nachmittags 2 Uhr statt. Zephir, Trikolin, Perkai, weiß und mod. E EA Streifen 8.75, 7.50, 6.50, wewV Einsatzhemden Mako, schöne mod. Einsätze 3.50,3.25, 2.85 Bekanntmachung. Die Stadtwahlkommission hat in ihrer Sitzuna vom 31. Mai 1929 festgestellt, daß nach Artikel 57 des Gesetzes über die Wahlen für Gemeinden und Gemeindeverbände (Kreise und Provinzen) Herr Oeko- nom Heinrich Gottmann, der dem gleichen Wahlvorschlag, Kennwort: Deutsche Volkspartei, angehört, an Stelle des durch Tod ausgeschiedenen Stadtratsmitgliedes Prof. Dr. Krausmüller in den Stadtrat eintritt. Die Verhandlungsniederschrift nebst den zugehörigen Schriftstücken des Wahlverfahrens liegen vom 14. Juni 1929 an drei Tage lang während der Dienststunden auf dem Stadthause, Bergstraße 20, Zimmer 12, zur Einsicht offen. Einwendungen gegen die Feststellung sowie gegen das hierdurch bestimmte Stadtratsmitalied können innerhalb dieser Frist bei Mei- dung des Ausschlusses von den Stimm- Von der Reise zurück Dr.iMMÄwaM Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halsleiden Frankfurter Straße 10 Wein- und Svtrl- tuofengroßhandlung sucht tüchtige Vertreter Auto zur Verfügung, hohe Provision. Schr. Angeb. u. 03756 a. d. Gien. Anzeiger. 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Wehrum, Ehefrau des Franz Xaver Zick in Watzenborn, zugeschriebene Anwesen Kaplansgasse 19 5190D Flur 1, Nr. 680 = 116 qm Ho freite, Flur 1, Nr. 681 = 19 qm Grabgarten daselbst, geschätzt auf 9050 RM., versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 11. Juni 1929. 9. A. des Amtsgerichts Gießen: ______Le 0, Ortsgerichtsoorsteher._______ Zwangsversteigerung 65/2 Am Donnerstag, dem 11. 3uli 1929, vormittags 8% llhr, wird durch das Amtsgericht Gießen, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen der Ferdinand Weil Ehefrau Rosa geb. Reu in Gießen zugeschriebene Anwesen Ludwigstraße 37 Fl. 4, Rr. 289 = 433 qm hofreite versteigert. 4378V Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht aus- gehängt. Gießen, den 14. Mai 1929. I. A. des Amtsgerichts Gießen: _______Leo, Ortsgerichtsoorsteher._______ Vergebung von Kanal- u. Wasserleitungsarbeiten. Für die Gemeinde Watzenborn-Steinberg sollen die Arbeiten zur Weiterführung des Kanals und der Wasserleitung (ohne Rohrlieferung), veranschlagt zu 1500 RW., vergeben werden. 5209V Die Reichsverdingungsordnung ist für die Vergebung und die Ausführung maßgebend, sie liegt zusammen mit den Verdingungsunterlagen offen. Angebotsvordrucke können von uns bezogen werden. Eröffnung der Angebote Mittwoch, den 19. Juni 1929, vormittags 10J4 llhr, auf unserem Bureau, Frankfurter Straße 29. Freie Auswahl ausdrücklich vorbehalten. Gießen, den 10. Juni 1929. Hessisches Kulturbauamt. I.V.: Mangold, Regierungsbaurat. hell' mö Glllllimekglllsvelfielgelllllge» des Graf zu Solms-Laubachschen Forstamts Laubach. Montag, den 17. Juni, in der Gemar- kung Laubach: 5177V 1. auf der Geisewiese um 8 Uhr vormittags von zirka 28 Morgen (ohne Los 2); im Anschluß hieran unoorgezeigt auf der Geisewiese: die Lauterbachwiese: Lose 36 und 37 = 5919 qm; 2. vor der Ringelshöhe um 9% Uhr vor- mittags von zirka 15 Morgen, Im An- schluß hieran auf den Ziegelhütterteich- wiesen von zirka 15 Morgen (ohne die Lose 2 und 3) Los 1 in der Hirtenbach; Lose 21, 22, 23, 24 am Tiergärtnerteich, 25 311 Oberlaubach. An demselben Tage, nachmittags von 4 Uhr an, in der Turn- Halle zu Freienseen: 1. von zirka 120 Morgen im Wetterauer- gründ; 2. von zirka 40 Morgen im Wolfsgarten Lose 2e und 3, Kreuzseener- und Oberseenergrund (ohne die Lose 1 bis 34c) und Martinswiese im Lipper- grund; 3. von zirka 52 Morgen = 24 Abteilungen der vom Oberseenerhofgut zurückgenommenen Wiesen. Dienstag, den 18. Juni, von 9 Uhr vormittags an, in der Aepfelsbach von zirka 172 Morgen daselbst, am alten Keller, in den verschiedenen Heegbrücken und Gölte- wiese. An demselben Tage, nachmittags von 12 Uhr an, auf dem Jägerhaus von zirka 100 Morgen in Ruthardshaufen einfchl. Hexewiese, Hauxteilen, Hahlgarten, Langhecke, Mulsau, Geräums und Lingelbach, ohne Los 217b in Ruthardshaufen ferner von zirka 22 Morgen in der Silbach, Elgersbach, Giehern- und Bruchwiese, Linneswiese, Wiese am Hirschrot, dürre Stümpfe, Sonnenstümpfe, Ulfaer Eckweg und Brunnenwiese. Wiesenwärter Silß, dahier, und die be- treffenden Gräflichen Förster sind angewiesen, die Wiesenlose, die durch numerierte Holzpflöcke oder Steine kenntlich gemacht sind, auf Verlangen vor dem Ter- min vorzuzeigen. Holzsubmission den: 11,63 17,36 12,48 43,25 32,33 13,28 Klasse la ., 1b „ 2a „ 2b Klasse la „ 1b „ 2a ,, 2b Fichtenstämme. 16,92 fm fiiefernstämme. 0,31 fm Aus den Waldungen der Gemeinde Bersrod soll nachstehend angeführtes Holz auf dem Submissionswege vergeben wer- „ 3a 6,23 „ Die Angebote sind getrennt nach Klassen pro Festmeter bis zum Dienstag, 18. Juni L I., nachmittags um 2 llhr, bei unterzeichneter Bürgermeisterei einzureichen, wo die Eröffnung der Angebote erfolgt. Bemerkt wird noch, daß das Holz mit Rinde gemessen, jedoch entrindet ist. Man bittet, das Holz vorher einsehen zu wollen, da spätere Reklamationen nicht berücksichtigt werden können. Verkaufsbedingungen werden vor dem Termin bekanntgegeben. Bersrod, den 10. Juni 1929. Hessische Bürgermeisterei Bersrod Becker. 1 Auf ®utSBof im Sr, I Gießen ordentliches, gesundes Mädchen ob. eins. Stütze, die sich allen imHauSb. vork. Arb. unter- zieht. Lohn 36 Mk. t^am.-Anschl. Dauerstellung. Wettere Ausbildung möglich. Schrrsll. Angcb. unt. 03759 a. d. Gtz. Anz. Suche zu möglichst baldigem Eintritt ehrliches, zuverläss. Mädchen nicht unter 18 das schon gedient har os7 0 . 6 11 , 0 > 4 , 8 , 8 10 > 8 . 8 10 . 8 , 8 . 6 8 sh 10 10 lb 12 . 5 . S . 6 , . 6 11 223 147,25 121 194,25 152,25 112,5 130 133 228,5 191,13 281,5 174,9 158,75 166 75 107,5 106,13 124 228 191,25 281,5 174 158,9 165,75 187 <¥i . 8 . 8 10 . 8 10 10 12 11 IS 10 10 10 212 29,13 94,5 289,75 Devif enmarkt Berlin-Frankfurt a. M Telegraphische Auszahlung. Riebeck Montan . . . Bereinigte Stahlw. . Olavi Minen .... Roll Aschertleben . . Kaki Westeregeln. . . Kaliwerk SalzdetfutH 3. ®. Farben.InduilrU Dvnmnii Nobel . . . Gdjefbeanflali . . . . Goldschmidt . . . . jRütgertoerfe . . . . Metallgetellschaft. . • Belgrad . - Budapest. - Bulgarien. Lissabon . . Daiuig.. Konstantin- Athen. . . Canada . - Uruguay. . Tatro . « - A.E.G....... Bergmann .... Eletle. fiielerungen. Licht und firafl . . Selten 4 Guilleaume es. I. Ctcltr. Untern. Hamb. Eleltr. Serie Rhein. Elektr. . . . Schlei. Eleltr. . . . Schuckert..... Siemen« 4 HalLke . Tranlradio .... Lahmei,er 4Eo.. . Suöeru»..... Deutsche Erdöl . . Essener Steinlah!« . Gelsenkirchener . . Harvener..... Hoesch Eisen. . » . 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Zurr! abends sVs Ufa, bei Kamerad Faulstich, Bahnhofstraße, ein. 03765 Des Äovfiand. | Kurhaus Bad-Nauheim | Der weltberühmte Neues Programm Don 519ID Kosaken Dirigent Serge Jaroff: Chor singt am 18.6.. im Großen Bühnensaal, abends 8 Uhr. Kart.a.d.Theaterkassei.Kurhaus: Loge 5.-,I.Saalpl.4.- Il.Saalpl. n. 1. Reihe fflittelempore 3.-,Mittelempore, 2. und weitere Reihen 2.-. Ein hinreißendes Erlebnis Stiftung sürVotksvortrage aus der deutschen Geschichte Einladung zu dem ersten öffentlichen Vortrag in Obersteinberg am Sonntag, dem 16. Juni 1929, nachmittags 3 Uhr: Herr Prof. Dr. Aubtn von der Untverfftlil (Sieben: Entslehen und Vergehen der RömerherrschaH in Südwestdeutschland Zugang und Zufahrt von Steinberg in zirka 12 Minuten, von Station Schiffen- berg in -/, Stunde Nach der Feier Gang zum Grenzwall bet Grüntngen. Bet schlechtem Weller findet der Vortrag in der Kirchenhalle aus dem Schiffenberg statt.—Zutritt frei. 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