Montag, 15. Mai 1929 179. Jahrgang Nr. HO Erstes Blatt Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Lrnst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis sür2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen cinzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange tn Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Der Kampf um den Gchlußbericht in Pans. Berlin, 13. Mai. (Priv.^Lel.) Es steht immer noch nicht fest, ob es gelingen wird, einen gemeinsamen Schluhbericht der Konferenz zustande zu bringen. Sn Paris ist augenblicklich eine Ver- handlungspause eingetreten, da man die Redaktion des Schluhberichtes, die hauptsächlich in den Händen des englischen Delegierten, Sir Sosuah S t a m p s , liegt, abwarten will. Der Entwurf soll am Dienstag vorgelegt werden. Man kann aber Wohl damit rechnen, daß die zu diesem Zweck einberufene Vollsitzung der Konferenz — seit langer Zeit wieder einmal eine Vollsitzung — möglicherweise noch um einen oder mehrere Tage verschoben wird. Die deutsche Delegation hat es durchgesetzt, daß ihre Vorbehalte fcu dem Voungschen Kom- promihvorschlag mit in den Schluhbericht hineingearbeitet werden sollen. Man darf allerdings nicht vergessen, daß diese Tatsache noch nicht die Annahme der Vorbehalte durch die Vertreter der alliierten Gläubigerstaaten bedeutet, denn es besteht durchaus die Möglichkeit, dah auf der nachher einzuberufenden Konferenz der b o- litischen Vertreter Poincare doch schließlich wieder am längeren Hebelarm sitzt, wenn er seine politischen Pfänder, also beispielsweise die Rheinlandbesatzung, in die Debatte wirft. Alsdann wäre Deutschland wieder vor die unangenehme Lage gestellt, politische Vorteile durch wirtschaftliche Zugeständnisse in der Reparationssrage eintauschen zu müssen Das aber ist gerade die Situation, die die Reichs- regierung bei ihrem ursprünglichen Vorgehen in der Reparationsfrage und bei ihrer Ablehnung der Verknüpfung von Reparation und Rheinlandräumung vermeiden wollte. Hinzu kommt als Erschwerung für den Schluhbericht, daß der bekannte Streit, der um die Verteilung der Quoten unter den Gläubigern ausgebrochen ist, noch längst nicht als beigelegt gelten kann. Rachdem Churchill kurz vor dem Auseinandergehen des Hinterhauses die günstige Gelegenheit benutzte, um mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, hat man in Paris die Verhandlungen über diesen Punkt hinter die Kulissen verlegt. Auch in sonst sehr optimistischen Kreisen rechnet man damit, dah cs zu keiner Einigung in dieser Frage kommt. Darüber hinaus aber gibt es noch eine ganze Reihe anderer Angelegenheiten, bei denen der Schluhbericht sich gleichfalls darauf beschränken dürfte, die verschiedenen Auffassungen klarzulegen. Schließlich aber und nicht zuletzt besteht immer noch die Möglichkeit, daß d i e F r a n z o s e n den ganzen Voungschen Plan überhaupt ablehnen, zu dem eine endgültige Stellung zu nehmen sie bisher noch peinlich vermieden haben. Es bleibt noch unklar, ob die französischen Vertreter dre Zurückhaltung dazu benutzen wollen, um noch auf der jetzigen Konferenz neue Zugeständnisse Deutschlands herauszuschlagen. Wir glauben allerdings, versichern zu dürfen, dah Dr. Schacht auf der Hineinarbeitung seiner Vorbehalte in den Schluhbericht unbedingt bestehen wird, so dah schließlich das Ergebnis der Konferenz bestenfalls die Feststellung der Richteinigung über eine Reihe von Grundfragen des Reparationsproblems sein kann. Welchen Weg unter diesen Urn- ständen dann die Politiker einschlagen werden, bleibt zweifelhaft. Die französische Taktik. Eine ungünstige Situation. Paris, 13. Mai. (Tel.-Un.) Pertinax gibt in einem längeren Artikel seinem Unmut_ über die Verschlechterung der taktischen Lage für Frankreich Ausdruck, da er von einer Einigung zwischen Stamp, Voung und Dr. Schacht durchaus überzeugt ist. Rach seiner Auffassung stehen die französischen Vertreter vor der Wahl, entweder den ganzen Bericht abzuwarten und sich dadurch abzusondern, oder die deutschen ISor» beh alte zu schlucken, die wohl nicht nach ihrem Geschmack sein könnten. Für Unterhändler, schreibt Pertinax, ist dies die ungünstigste und undankbarste Lage, die man sich denken kann. Die französische Abordnung suche sich zu verteidigen. Sie verweise darauf, dah das Verfahren, zu i>cm sie sich bequemen muhte, auch seine gute Seite habe. Wenn sie z. D. nötigenfalls dartue, dah sie die deutschen Vorbehalte nicht billigte, würde es dem Ausschuh möglich sein, die Zustimmung der deutschen Vertreter zu den 37 Sahreszahlungen von 2050 Millionen und die Begleichung der amerikanischen Forderungen vom 38. bis 58. Sahre zur Kenntnis zu nehmen. Dann werden Regierungsverhandlungen über die Vorbehalte des Reiches endgültig aus- scheiden müssen. Wir gestehen, so sagt Perti- nax, diese Rechnung über diese Hoffnungen nicht zu verstehen. Dr. Schacht wird nur in dem Maße gebunden fein, in dem seine Vorbehalte berücksichtigt werden. Wenn die französische Abordnung, wie sie anscheinend beabsichtigt, in den Berichten feststellen läßt, dah Sahreszahlungen unter 2200 Millionen nicht den Bedürfnissen Frankreichs zu entsprechen vermögen, wird Dr. Schacht seine Freiheit bezüglich der 2050 Millionen wieder zurückerlangem selbst wenn seine Vorbehalte angenommen würden. — Essen, 13. Mai. (IDB.) Die „Rheinisch-westfälische Zeitung" meldet, dah Reichsbankpräsident Dr. Schacht über Wochenende eine Dienstreise in das Industriegebiet angetreten hat und in Essen weilte. In seiner Begleitung befinde sich Generaldierektor Dr. Bögler. Die beiden Delegierten seien im Hotel Kaiserhof abgestiegen und hätten den ersten Direktor der Reichsbankstelle Essen Charles Rambeau, zu Tisch gebeten. Zweck dieser Zusammenkunft, fo schreibt das Blatt weiter, sind offenbar Besprechungen darüber, wie weit im Rahmen der bekannten Krediteinschränkungspolitik der Reichsbank die ebenso empfindlichen wie schwerwiegenden Interessen unseres rheinisch-westfälischen Industriegebietes dabei gewahrt werden können. Man soll sich darüber einig geworden sein, dah Stillegungen in der westdeutschen Industrie wegen Kreditbcschränkungen unter allen Umständen vermieden werden sollen. Da die Erhöhung des Reichsbankdiskonts um ein Prozent die gewünschte Wirkung der Berminderung des Devisen- und Goldabschlusfes nicht gehabt hat, wird Dr. Schacht, der nach seinem Essener Ausenlhalt nach Berlin weitergesahren ist, auch in dieser Frage neue Entscheidungen anbahnen müssen. Jedenfalls wäre es falsch, sich den Ernst einer Lage zu verheimlichen, die in erster Linie durch die Reparationszahlungen hervorgerufen worden ist und die nach dem Sinn des Dawesplanes die Frage einer Aktivierung des Transferschuhes in unmittelbare Rühe rücken sollte. Denn es verstöht gegen den Grundgedanken des Transferschuhes, wenn die Beschaffung von Devifen für diese Zwecke nur dadurch erreicht werden kann, dah man der deutschen Wirtschaft st e i - gende Zinslasten aufbürdet. Rückkehr nach Paris. Paris, 12.Mai. (WB.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der sich 24 Stunden in Deutschland aus. gehalten hatte, ist heute vormittag wieder nach Paris z u r ü ck g e k e h r t. Die Verhandlungen über die Formulierung des Berichts über die Arbeiten der Reparationskonferenz sind wieder auf. genommen worden. Wie verlautet, dürste Sir Josiah Stamp, der Vorsitzende des Redaktionsausschusses, wohl auch seine Formulierungen über das Kapitel mit den Zahlen der deutschen Delegation zur Begutachtung vorgstegt haben. „Ein falsches Rechenexempel." Hugenberg zu den Pariser Reparations- Verhandlungen. Krefeld, 12.Mai. (WTB.) Auf dem Landesparteitag Niederrhein der Deutschnationalen Volkspartei führte der Vorsitzende der Gesamtpartei, Geheimrat Hugenberg, u. a. aus: Was jeder vernünftige Mensch im Ausland einsieht, „Deutschland kann nicht meh r", schien bei dem Pariser Spiel, zum erstenmal auf den Tisch der Weltdiplomatie zu fallen. Die Hoffnung auf eine rettende Tat schwindet. Wir sinken im Wege des Ersatzes unmöglicher T r i b u t f o r d e r u n- । gen durch freie Wirtschaftsverein- | borungen immer tiefer in unentwirrbare Fesseln Zur Frage einer etwaigen Vertagung der Verhandlungen und deren Wiederaufnahme durch andere Männer, meint das „Echo de Paris", die anderen Abordnungen würden den Ziffern Voungs zustimmen, so dah Frankreich in die Minderheit gedrängt werde. Der französische Minister, der die Verhandlungen sort- sehen wolle, wäre unterlegen, noch bevor er den Mund öffnete. — Der „Figaro" meint, das beste Mittel für die Gläubiger, über ihre Derteilungs- streitigkeiten hinwegzukommen, wäre die Wiederherstellung einer Einhei tsfr ont mit der Rückkehr zur Einstellung der Gläubigerdenkschrift vom 17. April. der Knechtschaft. Es ist im Grunde ein falsches Rechenexcmpel. Die durch den Sozialismus und seine Freunde wieder vollständig untergrabenen Finanzen müssen durch eine einstweilige Verminderung der Jahrestribute nach außen hin saniert wer- den. Die festgefahrene Politik des deutschen Wohlfahrtsstaates muß wieder flottgemacht werden. Wir sind im Begriff, wieder einmal auswärtige Politik im Parteiinteresse der Sozialdemokratie zu machen. Es ist unsere Aufgabe, die Massen des deutschen Volkes unter rücksichtslosem Hinweis auf die falschen Führer erkennen zu lassen, daß nicht in den inneren Kämpfen der Parteien und Berufe« ihr Schicksal ruht. Vielleicht stehen wir vor einer Befestigung der Großen Koalition durch den finanziellen Ausgang der Pariser Verhandlungen, d. h., wenn dieser sinan- zielle Ausgang eine Ersparnis bringt, die es der jetzigen Mehrheit ermöglicht, weiter zu arbeiten. Vielleicht kommt aber auch eine kritische Zeit, die Beweglichkeit erfordert. Eine Krisenzeit ergibt sich auch aus der Entwicklung der deutschen Finanzver- hältnisse. Vor uns liegt ein Gesetzentwurf, der 500 Millionen neuer Reichsanleihe zu Bedingungen vorschlägt, wie sie das deutsche Volk, wie sie das Deutsche Reich noch niemals hat eingehen müssen. Außer 5 v. H. Zinsen wird Steuerfreiheit in Aussicht gestellt. Es ist berechnet worden, daß je nach der Lage des Falles sich für einzelne Besitzer solcher Reichsanleihe eine 14progentige Verzinsung bieten kann. Aus der ganzen Entwicklung kann ersehen wer- den, daß die deutschnationalen Warnungen berechtigt gewesen sind. Bringt Paris eine Ermäßigung der Tributlasten, dann kann, wenn zwei bis drei Jahre herum sind, sich der jetzige Z u st a n d wiederholen. Nach einer Betrachtung der Not der Allgemeinwirtschaft betonte Hugenberg, daß die Landwirtschaft am tiefsten in die Not hineingerissen sei. Ihre Verschuldung habe bereits wieder 10 Milliarden Mark erreicht. Die Ansicht, daß so, wie in den letzten zehn Jahren regiert worden sei, es nicht weitergehe, müsse Allgemeingut werden. Die Deutschnationale Volkspartei werde den Stahlhelm bei feinem Volksbegehr in jeder Weise unterstützen. Zusammen mit diesem müsse das Ziel erstrebt werden, den Staat zu erobern. Der Deutsche Gtädtetag zum Reichsanleiheprojekt. Gegen eine steuerliche Bevorzugung von Länderanleihen. Berlin, 11. Mai. (WTB.) Zu dem Beschluß des Reichsrates, dem Gesetzentwurf über die Besserung der Kassenlage des Reiches einen Zusatz anzufügen, wonach auch für Schuldverschreibungen und Schahanweisungen der Länder einmalige besondere Steuererleichterungen zugelassen werden sollen, weist der Deutsche Städtetag darauf hin, daß eine solche Forderung im gegenwärtigen Augenblick unannehmbar erscheint. Eine ungleiche Behandlung der Länder und Kommunen ist völlig unmöglich. Die Auswirkungen der neuen Reichsanleihe treffen in gleicher Weise den Kredit der Länder, wie den der Gemeinden und Gemeindeverbände. Das Kreditbedürfnis der Kommunen entspringt ebenso schutzwürdigen und dringenden Lebensbedürfnissen der Allgemeinheit, wie das der Länder. Die gegenwärtige ernste Finanzlage des Reiches aber verbietet es, die neue Vorlage durch So Überforderungen zu belasten. Der Reichsbankpräfideut in Essen. Kreditpolitik und Wirtschaftslage im Industrierevier. Die Arbeitslosenversicherung Von unserer Berliner Redaktion. Berlin, 13. Mai. Sn dem sogenannten „Sosort-Programm" der Reichsregierung spielt die Gestaltung der Arbeitslosenversicherung eine wichtige Rolle, materiell und politisch. Materiell, weil die Finanzlage des Reiches größte Sparsamkeit erfordert und die Anforderungen der Reichsanstalt für Arbeitslosen- versicherunq, die durch den langen und schweren Winter besonders in Anspruch genommen ist, sich auf die Finanzen stark auswirken; und politisch, weil sich bereits jetzt zeigt, daß die verschiedenen politischen Gruppen je nach ihrer Haltung gegenüber den sozialen Problemen Abänderungen des bestehenden Zustands als eine politische Maßnahme auffassen wollen und Demgemäß bekämpfen oder begrüßen. Und scheint freilich der rein materielle Gesichtspunkt im Vordergrund zu stehen. Wenn der „Vorwärts" eine Erhöhung der Bei- tragdlci ft ungen, die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern für die Arbeitslosenversicherung aufgewandt wird, um 1 Proz. fordert und sich davon eine Erhaltung der bisherigen Leistungsfähigkeit und die Ansammlung einer Reserve für die Zukunft verspricht, so ist das ein Ausweg, dem die allgemeine Rotlage der Wir tschaft ent- gegensteht. Wenn auf der andern Seite die Arbeitgeberverbände das System verändert wissen wollen, nach dem bisher die Leistungen an die Arbeitslosen erfolgen und sich davon Ersparnisse von 4—500 Millionen verspricht, so ist das wohl auch reichlich optimistisch und begegnet überdies aus politischen Gründen einem starken Widerstand. Immerhin scheint Einigkeit darüber zu bestehen, dah dieses System bisher Mißstände birgt, deren Beseitigung zu einer spürbaren Erleich terung der Ansprüche an die Versicherung führen könnte. Wenn man sich erst im klaren darüber ist, dah es im Sntereffc beider Teile, also auch der berechtigten Versicherungsempfänger liegt, die Snanspruchnahme der Dersicherungsleistung auf diese zu beschränken, so wird sich vermutlich eine Verständigung im Rahmen des Regierungsprogramms erzielen lassen. Denn es fehlen sichtbar bisher allgemein wirksame Kautelen dagegen, daß auch Arbeitsscheue, mittelbar auf Kosten der Arbeitswilligen, die durch ihre Beitragsleistung zur Erhaltung der sozialen Einrichtung beitragen, sich ganz oder zum Teil von der Versicherungsanstalt ernähren lassen. Es ist ferner vielfach so, daß Saisonarbeiten, wie etwa Spargelzucht, die Konservenindustrie und ähnliche Erwerbszweige, die von jeher rein saisonmäßig betrieben wurden und den Arbeitsausfall für den übrigen Teil des Sahres teils durch entsprechend hohe Löhne abgelten, teils aber überhaupt nur als zeitweiliger Rebenerwerb für die Frauen und jungen Mädchen anderweitig gut beschäftigter und bezahlter Sndustriearbeiter angesehen wurden, jetzt als geeigneter Rechtstitel für die Snanspruchnahme der Arbeitslosenversicherung während des größten Teiles des Sahres dienen müssen. Aehnlich liegt es bei hoch bezahlten, saisonmäßigen Betrieben des Baugewerbes usw., wo für die übliche Feierzeit in Gestalt besonders hoher Löhne die Selbst- vorsorge möglich und üblich war. Endlich fehlt beim bisherigen System die Prüfung auf die Bedürftigkeit. Der Verlust einer Arbeitsstelle für ein Familienmitglied, das mit mehreren gut beschäftigten zusammenlebt und vielleicht eben durch diese Richtbefchäftigung nützliche und notwendige Haus-, Garten- oder andere Arbeit übernehmen kann, die sonst gegen Bezahlung von Dritten ausgeführt werden müßte, ergibt logisch noch keinen Anspruch auf eine Entschädigung, die als soziale Maßnahme gedacht ist und für die wirklich Bedürftige genug vorhanden sind. 2lll diese Gesichtspunkte werden voraussichtlich bei der unmittelbar bevorstehenden Lieberprüfung des Problems -in Betracht gezogen werden, und man sollte denken, daß sich dabei wesentliche Erleichterungen der großen-Last schaffen ließen, die ja von der arbeitenden Bevölkerung selbst direkt und indirekt in hohem Maße mit- getragen wird. Dabei ist es freilich nötig, die Frage nicht politisch, sondern sachlich zu behandeln. Der Deutsche Volksbund in Polnisch-Oberschlesien. Bcrständigungswille hüben — Brutalität drüben. Berlin, 12. Mai. (Priv.^Tel.) Sn Katto- witz fand gestern die Generalversammlung des Deutschen Volksbundes für Polnisch-Oberschlesien statt. Zum Präsidenten des Bundes wurde für den verstorbenen Grafen Henckel von Donnersmarck einstimmig Prinz Heinrich von Pleh gewählt. Sn der Programmrede betonte der neue Präsident die Einstellung der deutschen Minderheit zum polnischen Staate und gab erneut der völligen Loyalität der Deutschen in Palen Ausdruck Die Deutschen seien in Polnisch-Oberschlelien keine Fremden, sondern gleichberechtigte Bc- siher der Heimat. Sie wollten eine einträchtige Zusammenarbeit mit dem polnischen Teil der Bevölkerung und forderten ihren Anteil an der Verwaltung des Landes. Der jetzige Kampf fei ihr gegen ihren Willen auf- gezw ungen worden. Es sei ein Kampf des Rechtes gegen die Gewalt. Deshalb sei auch der Deutsche Volksbund keine staatsfeindliche Organisation. Die Rede des neuen Präsidenten gewinnt ihre besondere Bedeutung im Hinblick auf die bekannten Oppelner Vorgänge, die jetzt so sehr zu einer Verschärfung des Rationali- tätengegensahes im Osten beigetragen haben. Aus deutscher Seite ist also nach wie vor der Wunsch vorhanden, diese Gegensätze auszugleichen und eine friedliche Zusammenarbeit beider Rationen vorzubereiten. Die Antwort aus Polen ist auch schon da. Die Warschauer Regierung ist bekanntlich feit einiger Zeit dazu übergegangen, deutschen Grundbesitz massenhaft zu liquidieren. Rach der Mitteilung des amtlichen polnischen Blattes, des „Monitor Polski" sind vom 29. April bis heute 43 Liquidativnsversahren durchgeführt worden, und zwar handelt es sich durchweg um kleine Dauern stellen von wenigen Hektar. Der Liquidationserlös ist äußerst gering. Rach deutscher Auffasung ist das Liquidationsverfahren mindestens in einer Reihe dieser Fälle unzulässig, weil die Besitzer bereits am 10. Sanuar 1920 die polnische Staatsan geh örigkeit erworben hatten. Hieraus ergibt sich zweifelsfrei, daß die Polen jetzt die Methode der Liquidationen benutzen, um den Kampf gegen die deutsche M i n ö e r - heit durchzuführen. Wenn die polnische Regierung die vergleichsweise harmlosen Oppelner Zwischenfälle dazu benutzt, um jetzt wieder eine Politik der gewaltsamen ilntcrörüdung gegen das Deutschtum in der polnischen Westmark durchzuführen, dann beweist sie damit, dah es ihr um die ost betonte Verständigungsbereitschaft nicht ernst war. Denn dieser Zwischenfall hätte sich auf andere Art aus der Welt schaffen lassen. Vielmehr muh man annehmen, dah die Oppelner Vorkommnisse der polnischen Regierung gerade recht kamen, um ihr einen Vorwand für eine neue Betätigung ihrer deutschfeindlichen Politik zu geben. Unter diesen Umständen sind auch die Aussichten der deutsch-polnischen WirtschaftS - Verhandlungen als äußerst schlecht zu beurteilen. Die Aussprache, die in der Sitzung deS Wirtschaftskomitees des Völkerbundes zwischen dem polnischen Vertreter und Dr. Hermes dieser Tage stattgefunden hat, bestätigt diese Vermutung. Es ist eben auch in den Wirtschaftsfragen ein wirklicher Wille, zu einem Ausgleich mit Deutschland zu gelangen, in Polen nicht vorhanden. Auftakt zurZMä'umstaglmg des Deutschen Schutzbundes. Empfänge in Tirol und Vorarlberg. Bregenz, 13. Mai. (TU.) Die Jubiläums- tagung des Deutschen Schutzbundes, deren Hauptteil Mitte der Woche in Salzburg stattfindet, hat am Samstag mit der Versammlung der Fahrtteilnehmer in Friedrichshafen ihren Anfang genommen, lieber 100 Vertreter des Deutschtums aus den europäischen Siedlungsgebieten hatten sich in Friedrichshafen eingefunden, um zunächst die Zeppelinwerft zu besichtigen, in der an dem Luftschiff die letzten Vorbereitungen zu der bevorstehenden Atlantikfahrt getroffen werden. Bereits in Friedrichshafen wurden die Fahrtteilnehmer durch Vertreter der Regierung, des Landes Vorarlberg und des österreichischen Bundesheeres begrüßt. Auf einem feierlichen Empfang in Bregenz erinnerte Landesstatthalter Dr. Redler, Bregenz, an die Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker, die besonders deutlich in der Losreihung Südtirols in Erscheinung trete. Die Zeit werde kommen, in der alle Deutschen des ganzen deutschen Sprachgebietes vereint seien und Zusammengehen wollten. Die Vorbereitung dieser Gemeinschaft gelte die Arbeit deS Deutschen Schutzbundes, den man auch in Vorarlberg zu schätzen wisse. — Dr. von Lösch erwiderte, daß die vergangenen zehn Jahre der gemeinsamen Arbeit der Deutschen aus den verschiedenen Winkeln des mitteleuropäischen Raumes noch nicht die Verträge von Versailles, St. Germain und Trianon hätten beseitigen können. Aber während früher die Entwicklung auscinandergcgangen wäre,' hätten die letzten zehn Jahre doch eine Vereinheitlichung des Volksgefühls gebracht und eine europäische Verantwortung geweckt, die man als Hoffnung für die Zukunft buchen könne. Am Sonntag wurden die Teilnehmer an der Jubiläumstagung im Schloß Ambras bei Innsbruck auch von der Tiroler Landesregierung empfangen. Landeshauptmann Stumpf sprach von der Vedeutung der Arbeit des Deutschen Schutzbundes, der dafür werbe, daß auch das deutsche Volk Gerechtigkeit in der Welt finde. Dieser Kampf des Schuhes würde nicht mit Waffengewalt geführt, sondern mit den Waffen des Geistes. Zur Erreichung eines friedlichen Ausgleichs zwischen den Völkern Europas. Gerade Tirol als die südlichste Grenze des deutschen Sprachgebietes verfolge die Arbeit des Deutschen Schutzbundes mit besonderem Interesse. — Der Rektor der Innsbrucker LIniversität, Professor W o p f n e r, sprach über die wissenschaftliche Deutschtumsarbeit der Innsbrucker Llniversität, die insbesondere der Erforschung der Zusammenhänge mit Tirol diene. — Der Vorsitzende des Deutschen Schutzbundes, Dr. von Lösch, schloß sich mit grundsätzlichen Ausführungen über die Bedeutung der südlichen Volks- grenze für die gesamtdeutsche Arbeit an. Der Schutzbund gedenke in dieser Stunde gerade Tirols, das zugleich das gemeinsame Symbol für die Grenzlandarbeiten Oesterreichs und Reichsdeutschlands sei. Er schloß mit den Worten: :,Wir alle, die wir aus allen Teilen des deutschen Sprachgebiets in Europa gekommen sind, kennen nur das eine Ziel, daß die deutsche Volksgrenze ein st auch die deutsche Staatsgrenze werde. König Fuads Besuch in Berlin. Das Programm für den Empfang des Königs von Aegypten. Berlin, 11. Mai. (TU.) An den zuständigen Stellen ist man zur Zeit mit den Vorbereitungen für den Empfang des Königs Fuads von Aegypten beschäftigt, der am 2. Juni von Alexandrien aus seine Europareise antreten und voraussichtlich am 10.Juni in der Reichshauptstadt zu amtlichem Besuch eintreffen wird. Im großen und ganzen wird das Empfangsprvgramm sich in dem Rahmen der Veranstaltungen halten, die seinerzeit zu Ehren Aman Ullahs ftattfanden. Die feierliche Einholung des im Sonderzug eintreffenden Königs, dessen Gefolge aus zahlreichen ägyptischen Würdenträgern gebildet wird, dürfte wiederum vom Lehrter Bahnhof aus erfolgen, wo sich der Empfang nach den bisherigen Erfahrungen am besten durchführen läßt. König Fuad wird dann vom Reichspräsidenten zum Palais PrinzAl- b r e d) t geleitet, das in Ermangelung anderer geeigneter Räumlichkeiten wieder zur Unterbringung des fremden Herrschers auserfehen ist. Am Abend des ersten Tages des für vier Tage berechneten amtlichen Aufenthaltes in Berlin gibt der Reichspräsident dem fremden Gaste ein Staatsdiner, an das sich im Voraarten des Reichspräsidentenpalais ein Zapfen st reich aller Reichswehrkapellen des Standortes Berlin und der benachbarten Garnisonen anschließen wird. Im weiteren Vcr- aufe des Proaramms, das wiederum eine ganze •^etpe von B e sich tigungen technischer u n d s ozialer Einrichtungen sowie sonstige Empfange vorsieht, wird voraussichtlich auch die Teilnahme König Fuads an einer Reichsweh r- u bring erfolgen. Im ganzen will sich das ägyptische Staatsoberhaupt etwa 12 Tage in Deutschland aufhalten und dann auch der Tschechoslowakei, der Schweiz und wahrscheinlich auch Spanien einen Besuch abstatten. Die Gemeindewahlen in Frankreich. „Llabilisierung der Lage." — Vordringen der Autonomsten. Paris, 13. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Die Gemeindewahlen haben im großen und ganzen — wenn man von dem Vordringen der elsässischen Autono mist en in den Stadt Parlamenten von Straßburg und Kolmar absieht — eine Stabilisierung der Lage gebracht. Der „Matin" schreibt: Dos Charakteristikum des ersten Wahlganges war daß alle Parteien fast völlig ihre Positron gewahrt haben. Rur die Sozialisten verzeichneten einen leichten Rückgang. Wahlgang hat das Ergebnis nicht wesentlichgeandert. In P a r i s hat die rechts- stehende Mehrheit vier Sitze gewonnen, die den Sozialisten und den sozialistischen Republikanern, also dem Kartell der Linken abgenommen wurden. Die Sozialisten haben jedoch in Lyon einen Sieg davongetragen, so daß Herriot Das Ergebnis der sächsischen Landiagsivahlen. Dresden, 12.Mai. heute fanden bei lebhaftester Tätigkeit aller Parteien die Dahlen für den Sächsischen Landtag stall. 3m ganzen waren von 12 Parteien Dahlvorschläge eingereichl worden, hier und da ist es zu Zwischenfällen gekommen. So wurde in Dresden in der Ditlenbcrger Straße ein SpD.-Wagen von einem kpO.-Wagen überholt, dessen Insassen heraussprangen und über die SpO.-Leuke herfielen, von denen einer oerlehl wurde. An anderer Stelle wurden die Instrumente einer Rotfrontkapelle von dec Polizei beschlagnahmt. Auch in Leipzig und Chemnitz ist der Wahl- sonnkag im allgemeinen ruhig verlaufen. Die Kommunisten betrieben namentlich in den Außenbezirken lebhafte Propaganda, daneben auch in geringerem Maße die Nationalsozialisten und die Soziademokralen. Der Wahlakt war um 5 Uhr nachmittags beendek. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug in den drei Dahlkreisen Dresden, Leipzig und Chemnitz nach den vorläufigen Berechnungen 2 701 217 (gegen 2 357 699 bei den vorigen Landlagswahlen). Davon entfallen auf die Sozialdemokratische Partei 922 118 (758 142), Deutschnationale volkspartei 218 363 (341 056), Deutsche Volkspartei 363 417 (292 079), Dirlschaflspartei 304 353 (231462), Kommunistische Partei 345 817 (342 112), Demokratische Partei 115 097 (111 351), Kommunistische Opposition 22 594 (—), Volksrechtparlei 70 092 (98 258), Alt- sozialistische Partei 39 625 (98 026), Rationalsozia- listcn 133 787 (48 018), Zentrum 25 440 (24 059), Sächsisches Landvolk 140 522 (—). Rach den vorläufigen Berechnungen werden sich die Mandate im neuen Sächsischen Landtag wie folgt verkeilen: Sozialdemokraten 33 (bisher 31), Deutschnalionale 8 (14), Deutsche Volkspartei 13 (12), Wirtschaftsparlei 11 (10), Kommunisten 12 (14), Demokraten 4 (5), Volksrechtparkei 3 (4), Alk-Sozialisten 2 (4), Nationalsozialisten 5 (2), Sächsisches Landvolk 5 (—). Bei den Dahlen sind also in der Verkeilung der Mandate unter den Parteien nur gerlngever- schiebungen eingetreten. Cs ist weder der kommunistischen Opposition noch dem Zentrum gelungen, ein Mandat zu erlangen. Eine s o z i a l d e - mokrakisch-kommunistische Mehrheit Hal sich nicht ergeben, von bekannten Parlamentariern sind wiedergewählt worden bei den Deutsch- nationalen der Landtagsvizepräsident Dr. E ck a r d k (Zwickau), von der Deutschen Volkspartei Volksbildungsminister Dr. B ü n g e r (Dresden), Oberbürgermeister Dr. B l ü h e r (Dresden), von der Wirkschaftsparkei Finanzminister Weber und dec frühere Minister Dr. Wilhelm, von den Demokraten der frühere Minister Dr. Dehne, von der Volksrechkpartei Justizminister Dr. v. Fumetti. Die Nationalsozialisten entsandten den Kapilänleul- nank a.D. von üillinger neu in den Landtag. Die Altsozialisten den jetzigen Ministerpräsidenten h e l d t. von sozialdemokratischen Abgeordneten sind wiedergewählt Schriftleiter Edel, der bisherige Landlagspräsident Schwarz, sowie die früheren Minister Liebmann, Reu und Graupe, von den Kommunisten Schriftleiter Renne (Dresden). Sie Länder und das Rotfront-Verbot. Wo bleibt eine einheitliche Innenpolitik des Reichs? Wir sind über den Verdacht erhaben, eine besondere Sympathie für Pen derzeitigen Reichs- innenminister zu hegen. Trotzdem ist es notwendig, über die Kompetenzen und den Aufbau seines Ministeriums jetzt einige Bemerkungen zu machen, die sich anläßlich der Vorgänge beim Verbot des Roten Frontkämpferbundes geradezu auf drän gen. Wie ist das alles gekommen? Der preußische Innenminister Grzesinski, gegenwärtig zufällig einmal ein Parteifreund des Reichsinnenministers, hat den Roten Frontkämpferbund für Preußen verboten. Der Reichsinnenminister hat dieses Verbot in einem Schreiben an sämtliche ßäni) erreg ierungen m i t g e t e i l t. Man kennt den Text dieses Schreibens nicht, vielleicht ist darin den übrigen Länderregierungen anheimgestellt worden, e i n Gleiches zu tun. Einige sind dem preußischen Beispiele gefolgt, andere haben gezögert, wieder andere, wie Mecklenburg-Schwerin und Anhalt, haben sich bislang geweigert, da angeblich für ihre Länder kein Anlaß vorliege. Damit haben wir bei einem der wichtigsten Akte der deutschen Innenpolitik wiederum eine vollendete Duntscheckigkeit, die dadurch her- borgerufen wird, daß der Reichsinnenminister in diesem Fall nichts weiter als ein Briefträger zwischen den Länderregierungen ist, weil ihm jede eigentliche Verwaltungskompetenz abgeht. Hm die vorhandenen Gegensätze auszugleichen, hat man eine Konferenz der Länderinnenminister nach Berlin berufen, wo stundenlang über das Rot-Frontverbot debattiert worden ist. Rachher wurde „Einmütigkeit" festgestellt, aber es steht noch dahin, ob sich alle Länderregierungen zu dem Verbot bequemen werden. Was bedeutet dieses umständliche Verfahren? Daß es im Reich keine zentrale Stelle gibt, die für die entscheidenden Maßnahmen der deutschen Innenpolitik verantwortlich gemacht werden kann. Früher, als Severing noch das preußische Innenministerium inne hatte, da entsinnen wir uns zahlreicher Fälle, in denen es mit der Einigkeit zwischen dem Ministerium am Platz der Republik und dem Unter den Linden gar nicht so weit her war. Der frühere Reichsinnenminister Jarres wird sich vermutlich solcher Fülle auch noch erinnern. Jedenfalls ist in keiner Weise die notwendige Uebereinstimmung zwischen der Innenpolitik des Reiches und der Preußens sichergestellt. Auch kann der Reichsinnenminister kaum jemals wirksam in die Innenpolitik der Länder eingreifen, wenn es sich als notwendig Herausstellen sollte, eine einheitliche Aktion vorzunehmen. Auf das Beispiel des Rot- Front-Derbotes angewandt, bedeutet dieser Zustand, daß heute alle Rotfrontorganisationen in Hessen, Anhalt oder Mecklenburg-Schwerin einen Unterschlupf finden und ungestört ihre Tätigkeit weiterführen können, wenn diese deutschen Länder auf ihrem bisherigen Standpunkt beharren sollten. Es liegt auf der Hand, daß unter solchen Umständen eine einheitliche Leitung der inneren Politik überhaupt unmöglich ist, denn wo soll die Achtung vor Derwaltungs- maßnahmen bleiben, wenn in einem deutschen Lande erlaubt ist, was im anderen mit Gefängnis bedroht wird. Besonders unerträglich wirkt dieser Zustand dadurch, daß der größte deutsche Bundesstaat, Preußen, fast zwei Drittel des ganzen Reiches umfaßt und daß schon sehr häufig die leitenden innenpolitischen Stellen sich in offenem Gegensatz befunden haben. Man erinnere sich nur des Vorganges, daß der Versuch des Reichsinnenministers v. Keudell, vor Jahresfrist das Verbot des Aotfrontkämpferbundes vorbeugend durchzusetzen, damals in erster Linie an Preußen gescheitert ist. So kann es im Interesse einer einheitlichen deutschen Innenpolitik und irn Interesse der Achtung des Volkes vor den staatlichen Organen nicht weitergehen. Es muß dafür Sorge getragen werden, daß endlich durch eine großzügige Reichsreform die Quelle dieses Uebels, der Dualismus zwischen dem Reich und Preußen und die Verworrenheit der Zuständigkeiten beseitigt wird. Die Gesellschaften zu den Maikrawallen. Berlin, 13. Mai. (Priv.-Tel.) Die Plenarversammlung der Delegierten der Berliner Arbeiter - und Angestelltengewerkschaften faßte zu den blutigen Ereignissen der ersten Maitage eine Entschließung, in der es heißt: Am Abend des 1. Mai sowie an einigen darauffolgenden Tagen wurden an einigen Stellen Berlins Zusammenstöße mit der Polizei provoziert, die einen blutigen Ausgang nahmen und eine Anzahl Tote und Verwundete als Opfer forderten. Dafür ist die Kommunistische Partei Deutschlands verantwortlich zu machen, die durch ihre wochenlange Hetze in der „Roten Fahne" den Boden dafür vorbereitete. Die Plenarversammlung bedauert außerordentlich, daß der 1. Mai nicht ohne Blutvergießen verlaufen ist und beklagt die unschuldigen Opfer. — Bei einer Durchsuchung des Breslauer Bureaus des Roten Frontkämpferbundes fand man nach einer Meldung der „Voss. Ztg." belastendes Material. Es wurden Rundschreiben aufgefunden, in denen immer wieder zum aktiven Widerstand aufgefordert wird und zu einer Durchbrechung des Demonstrations- Verbotes in Berlin durch Bildung angriffsbereiter Kampftruppen. gezwungen ist, auf das Amt des Bürgermeisters zu verzichten. Die Haltung der Sozialisten verdankt Herriot seinem Eintreten in das erste Kabinett der nationalen Einigung unter der Leitung Poincares im Juli 1926. Die Kommunisten haben ihre Stellung in Paris und in der Bannmeile beh auptet und konnten im übrigen, trotzdem sie mit Ausnahme des Elsaß ohne Wahlkompromisse kämpften, ihre Position unwesentlich verstärken, zum Teil auf Kosten der Sozialisten. Oer Namenstag des Papstes. Rom, 13. Mai. (TU.) Anläßlich des Namenstages des Papstes veranstaltete der de u t s ch e B o t- schafter beim Heiligen Stuhl, Diego von Bergen, am Sonntag in der Villa Bonaparte einen großen Empfang. Unter den Anwesenden sah man Öen Kardinalstaatssekrctär Gasparri sowie die Kardinäle Ehrle, Früh wirt und Faul- Haber, ferner Mitglieder des päpstlichen Hof- des Papstsekretariats, Vertreter der hohen Geistlichkeit, Ordensgenerale, die Chefs der beim heiligen Stuhl beglaubigten ausländischen Mist 5"- Leiter der päpstlichen wissenschaftlichen und 8rÄn ?"ltltutc, ferner Mitglieder der römischen von Jt"l'"' 6arUn Cr QUd) Hofdamen der Königin Unter den Gästen befanden sich auch der Reichs- unb leine Gemahlin sowie der deutsche Botschafter am Quirinal, v. Reu r a t h öer bayerische Gesandte beim Heiligen Stuhl und der österreichische Gesandte beim Heiligen Stuhl mit ihren Damen sowie die Leiter der deutschen Institute in Rom. Der Bayreuther Bariton Georg von Tschurtschentaler erntete lebhaften Beifall für seine Darbietungen, in deren Mittelpunkt Wagner und Schubert standen. Der Erzbischof von München, Kardinal Faulhaber zelebrierte in den Domi- tilla-Katakomben bei Rom, in denen sich die Gröber der beiden Märtyrer Nereus und Achille befinden, ein feierliches Pontifikalamt. Anschließend daran hielt der Lektor der Katakombenforschung eine Ansprache. Im Vatikan, wo weit sichtbar die päpstlichen Fahnen wehten, haben sich zahlreiche Gratulanten in das ausliegcnde Buch eingetragen, darunter auch sämtliche beim Vatikan akkreditierten Diplomaten. Aus aller Wett. Amerika will den „Graf Zeppelin" ankaufcn? London, 11. Mai. (Telun.) Der Präsident der amerikanischen Skyways-Gesellschaft. John El den, teilte nach Meldungen aus Cleveland in Ohio mit, daß er am Sonntag mit einer führenden Persönlichkeit des amerikcmischen Transkontinentalen Lufttransportdienstes und Mitgliedern der Verwaltung des Curtius-Flugdienstes Verhandlungen zum Zwecke der Festlegung der Einzelheiten für den Ankauf des deutschen Luftschiffes .Graf Zeppelin" führen werde. DaS Lustschifj foU füi den Dienst von Los Angeles nach Hawak verwendet werden, über den gegenwärtig in Reuyork zwischen einem Vertreter des Transkontinentalen Luftschiffdienstes und der Zeppelinwerke Besprechungen gepflogen werden. Eiden betonte, daß das Kapital in Cleveland und in Los Angeles für den Ankauf des Luftschiffes aufgebracht werde. Gleichzeitig mit dieser Mitteilung kündigt das amerikanische Flottenamt an, daß es dem Flug des „Graf Zeppelin" um die Welt, der für Juli geplant ist, seine volle II n - terstühung leihen werde. Der Sekretär des Flottenaintes, Adanis, erklärte, daß alle Schiffe und Stationen bereits angewiesen worden sind, die Reise des Luftschiffes zu erleichtern. Die Einrichtungen des Flugplatzes von L a k e h u r st wurden den deutschen Behörden zur Verfügung gestellt. Das Flottenamt hat ein großes Interesse an dem Zeppelinflug, wegen der wertvollen Aufklärungen, die er f ür die künftigen F l u g p l ä n e der gegenwärtig in Akron für das Flottenamt in Bpu befindlichen Luftschiffe liefern kann. Fünfzehn Opfer des Blitzes. Bei einem schweren Gewitter im nördlichen Pommerellen befanden sich zwei junge Leute au£ Long auf dem Kirchgang nach Briesen. Sie suchten unter einem Baum Schutz, in den bald darauf ein Blitz einschlug Der 18- jahrige Günther wurde getötet. Sein Begleiter, ein 14jäfjriger Knabe, war, als er aus seiner Bewußtlosigkeit erwachte, anbeiden Beinen gelähmt. Auch in der Gegend von M o g i l n o (Posen) gab es mehrere Bliheinschläge. Ein Fischer wurde vom Blitz getroffen und getötet. Un dem Dorfe Targ owencza schlug ein Blitz in ein Arbeiterhaus. Oabei sind 12 Personen schwer verletzt worden. Schwere Verkehrsunfälle in Schlesien. In der Rähe von Rogau-Rosenau fuhr der Führer eines Kraftfahrzeuges gegen ein Fuhrwerk, das er wegen einer Staubwolke nicht gesehen hatte. Eine mitfahrende Dame wurde so unglücklich auf einen Stein geschleudert, daß sie auf der Stelle tot war. Der Führer trug schwere Knochenbrüche und andere Verletzungen davon. — An der Kreuzung der Kleinbahnlinie Samenz—Reichenstein und der Frankenfteiner Chaussee fuhr ein mit vier Personen besetztes Auto eines Gutspächters in einen in voller Fahrt befindlichen Zug, da sich dortkeineSchran- kenanlage befindet. Das Auto wurde vom Zuge erfaßt und völlig zertrümmert, während die Insassen herausgeschleudcrt wurden und sämtlich schwer verletzt liegen blieben. Das Unglück geschah dadurch, daß der Führer des Wagens seine Aufmerksamkeit auf einige Radfahrer gerichtet hatte und den herankommenden Zug übersah. Von einer Kastanie erschlagen. Ein schweres Tlnglück ereignete sich in der Keinen Ortschaft Prötzel bei Wriezen in der Mark. Ein Jahrhunderte alter Kastanienbaum brach in sich zusammen und begrub sechs Personen, Berliner Ausflügler, unter sich. Eine von ihnen wurde erschlagen, während drei lebensgefährliche und zwei andere leichtere Verletzungen davontrugen. Elf Schulmädchen ertrunken. In Homel in Wolhynien find elf Schulmädchen bei einerKahnpartie verunglückt. Der Kahn kippte um, und da sich kein Mensch zur Rettung in der Nähe befand, find die Mädchen ertrunken. Oie Wetterlage. BJrciHns .5 Scydist nn Thorsh. 10 rStockfc 8 Wit*. 10 11, \1 WOTtl A E ”Mi? Sonntaa, d.12.r\ai 1929,8hmflS. -V-Jan Mayern O wolkenlos. ® neuer, onaib DedecM. e woimg. O oedecki eReottl * Schnee a Graupeln, b Meöet K Gewitter.®windstille.«Q-c sehr reicnter Ost ^5 massiger Südsüdwest. stürmischer nordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem Winde. Oie oei den Stationen stenenderr Zahlen geDen die Temperatur an. Die Linien verpmden Orte mit gleichen^ auf Meeresniveau umgereenneten Luftdruck Wettervoraussage. Nachdem im Lause des gestrigen Tages die Erwärmung angenommen hat, bringt der Zustrom aus Westen kommender Luftmassen wieder leichte Abkühlung mit sich. In Deutschland kam es durch sie vielfach zu Riederschlägen. Auch bei uns dürfte es im Laufe des heutigen Tages noch zu vereinzelten Riederschlägen kommen. Don Westen rückt eine neue Störung heran, deren Warmiust an der Südseite auch bei uns später wieder Erwärmung bringen wird. Auch dürfte sie zu strich- weisen Riederschlägen führen, die teilweise von Gewittererscheinungen begleitet sind. Wettervoraussage f ü r Dienstag: Wolkiges Wetter, vorübergehend auch aufheiternd, nach anfänglich leichter Abkühlung wieder wärmer mit Reigung zu Riederschlägen. Wettervoraussage für Mittwoch: Zeitweise bewölkt mit vereinzelten Riederschlägen, teilweise gewitterhafter Art. Lufttemperaturen am 12. Mai: mittags 20,4 Grad Celsius, abends 14,3 Grad: am 13. Mai: morgens 13,8 Grad. Maximum 20,4 Grad, Minimum 11,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. Mai: abends 19 Grad; am 13. Mai: morgens W& Grad, •— Sonnenscheindauer drei Stunden. Aus der provinzialhauptstadi. Gießen, den 13. Mai 1929. Zeriensonderzüge 1929. Auf der Ferienzugkonferenz in Baden-Baden wurde jetzt das endgültige Programm für die in diesem Sommer verkehrenden Feriensonderzüge festgelegt. Richtung Basel—Konstanz. 1. Kassel—Gießen—Basel—Konstanz am 5. Juli. Zu diesen Zügen werden Fahrkarten ausgegeben in G i e h e n. 2. Frankfurt—Basel—Konstanz am 14. und 20. Juli. Zu diesem Zuge werden Fahrkarten nur im Franksurtcr Hauptbahnhof ausgegeben. Richtung München. 1. Kassel—Debra—Fulda—München am 5. Juli. Fahrkarten in Bebra und Fulda. 2. Frankfurt—München am 13. und 14. Juli und 3. August. 3. Wiesbaden— Frankfurt—München am 20. und 27. Juli. Zu diesen Zügen unter 2 und 3 werden Fahrkarten ausgegeben in Frankfurt, Offenbach und Hanau. Richtung Rprddeich (16. Juli). Es werden Fahrkarten ausgegeben in Frankfurt, Gießen, Wetzlar und Dillenburg. Richtung Hamburg—Bremen. 1. Frankfurt—Hamburg—Bremen am 13. und 20. Juli. Fch.karten werden ausgegeben in Frankfurt, Offenbach, Hanau und Fulda. 2. München—Debra—Hamburg am 16. Juli. 3. München—Debra—Bremen am 17. Juli. Zu den Zügen unter 2 und 3 werden Fahrkarten in Bebra ausgegeben. 4. Kaiserslautern—Frankfurt—Gießen—Hamburg—Bremen am 16. Juli. Cs werden Fahrkarten ausgegeben in Frankfurt, Friedberg und Gießen. Richtung Berlin. 1. Frankfurt—Wiesbaden—Berlin am 13. Juli. Fahrkarten in Frankfurt, Offenbach, Hanau und Fulda. 2. Trier—Koblenz—Limburg—Gießen—Berlin am 30. Juli. Fahrkarten in Limburg, Weilburg, Wetzlar und Gießen. Richtung Stralsund (Ostsee). 1. Frankfurt—Stralsund—Carlshagen—Trassenheide am 14. Juli.. Fahrkarten werden ausgegeben in Frankfurt, Offenbach, Hanau, Fulda und Debra. Richtung Schlesien. 1. Frankfurt—Dreslau—Deuthen am 13. und 14. Juli. Fahrkarten werden ausgegeben in Frankfurt, Offenbach, Hanau, Fulda und Debra. 2. Saarbrücken—Mainz—Frankfurt —Dreslau am 30. und 31. Juli. Fahrkarten werden ausgegeben in Frankfurt, Offenbach, Hanau, Fulda und Bebra. Das Gtraußorchester in Gießen. Am Samstagabend weilte Johann Strauß mit feinem Wiener Orchester zu einem Gastkonzert in der hiesigen Volkshalle. Das Konzert, das Wiener Musik der guten alten Zeit brachte, war für unsere Stadt geradezu ein musikalisches Ereignis ersten Ranges und für Strauß und sein Orchester ein glänzender Triumph. Weit über 3000 Menschen füllten den großen Raum der Volkshalle und begrüßten Strauß und seine Musiker schon zu Beginn mit lebhaftem Beifall. Der Wiener Meister leitete den Abend mit der Ouvertüre zu Offenbachs Operette „Orpheus in der Unterwelt" ein. Dann folgte Jos. Strauß' Walzer „Dorfschwalben aus Oesterreich", Mozarts Menuett D-Dur Nr. 1 mit dem Konzertmeister Fritz T h a l e r als Solist, Millöckers Fantasie aus der Operette „Der Bettelstudent" und Joh. Strauß' (Sohn) Walzer „G'schichten aus dem Wiener Wald". Zwischendurch gab es eine Anzahl Einlagen, um den ständig mit geradezu orkanartigem Beifall dankenden Zuhörern weitere Freude zu bereiten. Der zweite Teil des Abends wurde mit der Ouvertüre zur Operette „Der Zigeunerbaron" von Joh. Strauß (Sohn) begonnen; hierauf folgte Kom- zcaks Lieder-Potpourri „Wiener Volksmusik", Joh. (Sohn) und Jos. Strauß' „Pizzikato-Polka" und E. M. Ziehrers Walzer „Wiener Bürger", dazwischen wiederum eine ganze Reihe von Zugaben. Jede der Darbietungen des Orchesters war ein instrumentales Kunstwerk von hohem Rang, an dem die gewaltige Zuhörermenge mit Recht ihre Helle Freude hatte, und dem sie in ebenso berechtigter Weise starken, sich ständig steigernden Beifall zollte. Das war ein Abend der vollendetsten populären Musikdarbietung, wie wir ihn in unserer Stadt in dieser Art noch nicht gehabt haben. Jedes Mitglied des Orchesters ein Künstler von Rang, der Dirigent ein genial begab- die tlrsache deS Tlnfalles konnte man nichts Bestimmtes erfahren. *• Fahrt a n den Rhein. Auch in diesem Sommer veranstaltet das Hapag-Reisebureau in Gießen wieder einige Rheinfahrlen. Die erste Tour findet am 16. Juni statt. Die Reise geht über Mainz nach Rüdesheim, Niederwald, Aßmanns- Hausen, Koblenz und zurück nach Gießen, mit Sonderzug und Sonderdampser, begleitet von einer Musikkapelle. Rechtzeitige Bestellung von Plätzen dürfte empfehlenswert sein. Näheres im heutigen Anzeigenteil. '* Eine recht ausgiebige Jagdbeute hatten hiesige Jäger dieser Tage im Gießener Stadtwald. In dem Tannenwald hundert Nieter rechts der. Straße nach Rödgen, in nächster Nähe der Sandgrube an der den Wald durchziehenden Schneise zum Bahnwärterhaus an der Grünverger Straße, befinden sich zwei große Fuchsbaue, sog. Kessel, mit mehreren Eingängen. Auf dem einen Bau waren in den letzten Tagen von verschiedenen Seilen zwölf, ja vierzehn junge Füchslein beob- achtet worden, die sich da ihrem drolligen Spiel Hingaben. Eine Menge im Wald umherliegender Federn von Hühnern, Fasanenhenne, Ueberreste von Hasen, Rehkitz usw. bestätigten, daß hier, tief unter der Erde, Reineke Fuchs seine Kinderstube eingerichtet hatte. Die Ueberreste von den Mahlzeiten legten aber auch Zeugnis ab von der außerordentlich räuberischen Tätigkeit, die von den alten Füchsen ausgeübt wird. So wurden z. B. in einem in der Nähe im Walde gelegenen Gehöft allein in einem Jahre achtzehn Hühner geraubt. Im Beisein des Jagdpächters zogen mehrere Männer mit Aexten, Hacken, Spaten und Fangeisen, von vier guten Hunden (einem Dackel und drei Foxterriern) begleitet, aus, um dem räuberischen Gesindel das Handwerk zu legen. Die Hunde nahmen an dem größeren Bau gleich Witterung, drangen hinein und verbellten dort. Nun wurde mit Hacke und Spaten nachge- graben, und nach einiger Zeit wurden zwei junge Füchse zutage gefördert. Die einzelnen Gänge wurden durchstochen und gesichert, um zu verhindern, daß die Füchse von einem Schlupfwinkel in den andern flüchten konnten. Abwechselnd trieben die Hunde die Füchse in zwei Winkel zusammen, aus denen es für sie kein Entweichen mehr gab, und verbellten dort. Nachdem erst dio Hunde wieder ausgegraben waren, wurden die letzten Schlupfwinkel mit dem Spaten freigelegt. Mit der Zange wurden die Jungfüchse, von denen mehrere schon eine ziemliche Größe erreicht hatten und sich darum auch mit den Zähnen recht energisch zur Wehr setzten, an das Tageslicht gebracht, wo sie dann ein sehr verdutztes Gesicht machten. Insgesamt wurden zwölf I u n g f Ü ch s e lebend gefangen, die dem Schliefplatz unterhalb der Liebigshöhe zugeführt wurden. Der dreizehnte Fuchs, der sich gegen den Hund wohl schon zum Kampf gestellt hatte, war von diesem im Bau erledigt worden; beide mußten aus- gegraben werden. Leider gelang es aber nicht, der alten Füchse, von denen, nach der Zahl der Jungen zu urteilen, wohl zwei Paare in Betracht kommen, habhaft zu werden. Weidmannsheil! ♦♦ XXX. Derbandsfchießen. Dor einigen Tagen hielt der Mittelrheinische Schühen- bund seine Derbandstagung in Mainz ab. Einen großen Baum der Tagesordnung nahm das XXX. Derbandsschießen in Anspruch. Der Besuch war sehr stark, sowohl aus dem unbesetzten wie aus dem besetzten Gebiet. Alle Teilnehmer zeigten das wärmste Interesse und brachten zum Ausdruck, daß sie alle regen Anteil nehmen und in größerer Zahl den Besuch des Schießens sich vorgenommen haben. Die Schießordnung wurde durch einige Sachverständige der letzten Durchsicht unterzogen, so daß sie wahrscheinlich im Laufe dieser Woche zum Versand kommen kann. Aus der Schießordnung sei nur kurz erwähnt, daß das Kleinkaliber-Schiehen voll eingeführt ist und daß die mit dem Deutschen Schü- henbund in Arbeitsgemeinschaft stehenden Klein- kaliber-Derbände an diesem Schießen sich beteiligen werden. Wie verlautet, wird die Beteiligung von dieser Seite recht stark werden. Die Kleinkaliber-Scheiben, Fest- wie Meisterscheiben, werden mit sehr schönen Ehren- und Geldpreisen ausgestattet. Aus allem ersieht man, daß das Interesse für Gießen groß ist und daß man mit vollem Erfolg rechnen kann. ** Auftrieb zum heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 54 Bullen, 171 Ochsen, 660 Kühe, 320 Färsen, 1005 Kälber, 41 Schafe und 5632 Schweine. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Ar. 32 vom 10. Mai enthält: Die Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlagen. — Die Verhütung von Waldbränden. — Vertilgung der Router Musiker, und dazu eine Musiziersreudigkeit mit feinster, musikkultureller Gestaltung, «H das zusam- men ließ dieses Ereignis zu einem riesigen Erfolg des Orchesters und zu einem einzigartigen Erlebnis der Besucher werden. Man kann angesichts dieser Konzertleistung nur eines: Johann Strauß und seinen Künstlern herzlich danken für den wunderbaren Abend, den alle Besucher noch lange Zeit im Gedächtnis behalten werden, und der den Wunsch aus- gelöst hat, Strauß und seine Musikerschar bei passender Gelegenheit wieder hier zu hören. Daten für Dienstag, 14. Mai. Sonnenaufgang 4.11 Uhr, Sonnenuntergang 19.42 Uhr. — Mondaufgang 8.42 Uhr, Monduntergang 1.04 Uhr. 1686: der Physiker Gabriel Daniel Fahrenheit in Danzig geboren (gestorben 1736); — 1752: Albrecht Thaer, der Begründer der rationellen Landwirtschaft, I in Celle geboren (gestorben 1828); — 1840: der i Staatsmann Karl Freiherr vorn Stein zu Altenstein gestorben (geboren 1770); — 1906: der deutschameri- konische Staatsmann Karl Schurz in Neuyork gestorben (geboren 1829). Bornotizen. — TageskalenderfürMontag. Wilhelm Schöttlers Schule für höheres Violinspiel: Wohl- tätigkeitskonzert, 19.30 Uhr, im (Singfaale des Realgymnasiums. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Sandgräfin". — Astoria-Lichtfpiele: „Die Jagd nach der Braut". — Aus d e m S t a d 11 h e a t« r b u r e a u wird uns geschrieben: Unter Leitung von Direktor Otto Schwarz wird Irene Triesch mit ihrem Ensemble ein einmaliges Gastspiel geben. Frau Triesch hat sich für das einmalige Gastspiel „Scheiterhaufen" von Strindberg gewählt. Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß dies Gastspiel im Freitag- Abonnement stattfindet. — Das Wohltätigkeitskonzert der Violinfchule Schüttler, das heute abend pünktlich um 19.30 Uhr im Singfaale des Realgymnasiums stattfindet, fei noch einmal der Aufmerksamkeit unserer Mitbürger empfohlen. Der Reinertrag der Veranstaltung kommt den beiden hiesigen Schwesternhäusern zugute. Der Besuch sei bestens empfohlen. , *• Ein hessisches Kirchengesang- vereins-Fest, das aus allen Gegenden der Provinz Oberhcfsen stark besucht war, fand gestern hier ans Anlaß des 50jährigen Bestehens des Gießener Kirchengesangvereins und der 45. Jahrestagung des hessischen Kirchengesangvercins, die in unserer Stadt abgehalten wird, statt. Vormittags und nachmittags waren in der Stadtkirche außerordentlich stark besuchte Festgottesdienste. Im Anschluß an den Rachmittagsgottesdienst bewegte sich von Oswaldsgarten aus ein großer Festzug nach der Volkshalle, die von den Teilnehmern in allen Teilen voll beseht wurde. Hier wurden eine Reihe von Ansprachen gehalten, darunter von Prälat D. Dr. Diehl namens der Kirchenregierung, von Beigeordneten Dr. Hamm im Auftrage der Gießener Stadtverwaltung, ferner von Sr. Magnifizenz dem Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Herzog, dem Vertreter der Theologischen Fakultät Prof. Dr. Bornkamm usw. Die Kirchengesangvereine brachten Chorgesänge zum Vortrag, die Posaunenchöre erfreuten mit instrumentalen Darbietungen. Die Veranstaltung nahm einen sehr stimmungsvollen Verlauf. Räherer Bericht folgt morgen. ** Ehrung eines Buchdruckerveteranen durch den Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident von Hindenburg hat dem Buchdrucker Theodor Loos in Gießen, der in der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Longe, Verlag des Gießener Anzeigers, tätig ist, aus Anlaß der Vollendung einer 58jährigen Dienstzeit in einem Schreiben herzlichste Glückwünsche, sowie seine besondere Anerkennung für die treuen Dienste, die der Buchdruckerveteron in ununterbrochener und hingebender Arbeit geleistet hat, ausgesprochen. ** Ein Autounfall, der zum Glück ohne ernste Folgen blieb, ereignete sich am Samstag gegen 21 Uhr in der Gnauthstraße, nächst dem Bahnübergang am Schiffenberger Weg. Der einer hiesigen Daufirma gehörige Lastkraftwagen fuhr dort über das östliche Trottoir der Böschung hinunter und blieb in dem etwa zwei Meter tiefer gelegenen Garten kurz vor dem Klingelbach stehen. Am gestrigen Sonntagmorgen wurde der Lastwagen in Gegenwart einer großen Zuschauermenge über den Klingelbach nach dem Schiffenberger Weg obtransportiert. Außer der Beschädigung eines Stückes Gartengeländes ist ein Personen- und Sachschaden nicht zu verzeichnen, lieber pennest er. — Erhebung der Kurtaxe und Dade^ gelber in Dad-Rauheim. — Bekämpfung der Tuberkulose. — Verhältnis der Schulen zum republikanischen Staat. — Ein allgemeiner hes« sischer Iugendseiertag. — Die Feier des Muttertags im Vollsstaat Hessen. — Dienstnachrichten. Buntes Allerlei. Wie das Parlament in Uganda lagt. Uganda ist nur ein Name, der vor etwa achtzig Jahren von arabischen Händlern erfunden wurde, die im Norden des Victoria-Nyanza Handel trieben. Sie hatten hier ein Volk gefunden, das sich selbst die Beganda nannte, ihr Land Begunda, ihre Sprache Luganda und jeden einzelnen von ihnen Muganda. Das war zuviel für die Araber, und so nannten sie das ganze Gebiet Uganda, wie es auch jetzt noch heißt. Es gibt keinen König von Uganda, aber auch unter der englischen Schutzherrschaft hot sich noch ein Herrscher in dem Lande erhalten, der jedoch nur über eine der fünf Provinzen des Gebietes regiert Es ist dies der Kabaka von Buganda, ein schwarzer Monarch, der über Leben und Tod gebietet. Buganda rühmt sich einer ununterbrochenen Folge von 35 Herrschern, aber nur die letzten unter ihnen sind in das Licht der Geschichte gerückt. Der König Suna, der von 1836 bis 1860 regierte, war der erste Herr- scher, der mit den Arabern in Handelsbeziehungen trat. Unter seinem Nachfolger Mtesa begann die christliche Mission im Lande, und dessen Nachfolger Mwanga, der sich gegen dos Christentum auslehnte, stürzte das Land in schwere Unruhen. Die königlichen Krokodile wurden damals überreichlich mit Men- schensleisch genährt, das ihnen der schwarze Gewaltherrscher vorwerfen ließ; Hunderte seiner Gattinnen wurden auf diese Weise weggeräumt, und ein Beweis für seine Willkürherrschaft ist die Tatsache, das er einmal die dreihundert Bewohner eines ganzen Dorfes zum Tode verurteilte, weil bei dem Durchzug des Königs durch diesen Ort einer seiner Träger strauchelte und dadurch das allerhöchste Gleichgewicht störte. Nur mit der Waffenhilfe der briti- scheu ostafrikanischen Gesellschaft behielt er seinen Thron, nahm 1893 das britische Protektorat an, wurde aber schließlich gefangen genommen und starb in der Verbannung. Sein Sohn, der gegenwärtige Kabaka Daudi Chwa, der als Kind auf den Thron kam, ist Christ, hat eine englische Erziehung erhal- ten und moderne Verwaltungsformen angenommen, die aber mit mittelalterlichen Sitten noch merkwürdig verknüpft sind. Das zeigt sich schon in den Der- Handlungen seines Parlaments, des Lukiko, die er selbst leitet. Kürzlich fand wieder eine feierliche Parlamentseröffnung statt, die in einem Londoner Blatt geschildert wird. Die Parlamentsmitglieder waren in einer großen Halle vor dem Thron versammelt, der auf einem mit Leopardenfellen belegten Podium steht- er ist überdeckt von einem Baldachin in blauen und 'gelben Farben, den Nationalfarben von Buganda. Vor dem Einzug des Kabaka erschien eine Kapelle aus sechs ebenholzfarbigen, weiß gekleideten Würdenträgern, die drei Saiteninstrumente und drei Trommeln bearbeiteten. Nach einer Fanfake auf einem Muschelhorn erschien der Herrscher, «in großer Mann, in einen roten Seidenburnus gekleidet und auf dem Kopf eine weiße, reich bestickte Mutze. Die Versammelten erhoben sich und jubelten ihm zu Das Orchester brachte ihm einen Willkommens- gruß und die Sitzung war eröffnet. Eine Abord- nung nahte sich, um über die Prüfung des Budgets Bericht zu erstatten. Der Finanzminister las mit so- norer Stimme den Bericht vor. Der Kabaka neigte das Haupt zum Zeichen seiner Zustimmung. Das Muschelhorn ertönte, das Orchester spielte, die Volks- Vertreter klatschten laut Beifall, und der erste Teil der Sitzung war vorüber. So einfach sind die par- lamentärifchen Sitten in Uganda. Dann folgte eine längere Erörterung über den Baumwollhandel, die ebenfalls durch ein Kopfnicken des Herrschers ob- , geschlossen wurde, und dann folgte eine Huldigung ' einiger reicher Untertanen, die kürzlich durch den Tod ihrer Väter zu Besitz gelangt waren. Sie er- baten die Anerkennung des Herrschers, und diese wurde ihnen in patriarchalischer Weise zuerteilt. Berliner Börse. Berlin, 13. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Ge- schäftsstillc, die am Samstag die Börse beherrschte, hält auch zu Beginn der neuen Woche an. Im heutigen Vormittagsverkehr sind bis jetzt Umsätze noch nicht zustande gekommen und Surfe nicht zu hören. Die Tendenz ist zurückhaltend, die Spekulation wartet bis zur Börse ab. Anregende Momente liegen nicht vor. Neuyork schloß nach festem Beginn schwach. Am Devisenmarkt hörte man London gegen Kabel 4,8520, London gegen Madrid 34,05, London gegen Paris 124,21, London gegen Berlin 20,4650, Kabel gegen Berlin 4,217750. ---IIF— ■" —Ml1 — I! , In jeder Beziehung ideal... so lautet eines der vielen glänzenden Urteile über unseren Mercedes-Benz Achtzylinder Typ „Nürburg“ die uns fast täglich unaufgefordert aus unserem Kundenkreise zugehen. Es ist der beste Beweis für seine hohe Vollkommenheit, daß auch die ältesten Automobilisten ihn rückhaltlos bewundern! Ausführung und Ausstattung RM. 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HO Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag. 15. Mai 1929 Volkstum und Siedlung. Zur zehnten Zahrestagung des Deutschen Schuhbundes. Von Wilhelm Freiherr» von Wränget, Vorstandsmitglied des Deutschen Schuhbundes In der Pfinastwoche dieses Jahres blickt der .Deutsche Schutzbund auf eine zehnjährige Arbeit im Dienste deutschen Volkstums zurück. Auch auf dieser zehnten Tagung, die in Salzburg statt« findet, werden im Rahmen des siedlungspohti« ichen Ausschusses die Fragen der Siedlung Pom volkspolitischen Standpunkt aus behandelt werden. Der Schutzbund seht damit die Erörterung über ein Thema fort, um das er sich seit dem Jahre 1925 andauernd bemüht hat. In der Erkenntnis, daß nicht nur die Bedrohung von außen, der Druck der „Staatsvölker" und der Agrarreformen Gefahren darstellen, denen es zu begegnen gilt, sondern auch jene weniger sichtbar«, stille Unterwanderung des deutschen Dolksturns im Osten, die vom Der« döltnis der deutschen und der slawischen Geburten« crtwicklung zwangsläufig bestimmt ist. Es ist oer gleiche Dorgang, der sich in den reichsdeutschen Ostgebieten und in den weiteren deutschen Siedlungen des Ostraumes zeigt. Das bodenständige Deutschtum — und sein Kern ist und bleibt der Bauer — geht zurück oder stagniert. Das Slawentum drängt nach. Fremdes Volkstum übernimmt die Bauern- oder Handwerkerstelle, die vom Deutschen verlassen ist oder für die kein Deutscher mehr zur Verfügung steht. Diese Gesamtentwicklung aber wird innerhalb des Reiches durch eine in den letzten Jahrzehnten verhängnisvoll- gewachsene Binnenwanderung von Osten nach Westen ergänzt. Ein paar Zahlen mögen das verdeutlichen. 3m Jahre 1871 betrug die Zahl der deutschen Landbewohner 26,2 Millionen, denen eine städtische Bevölkerung von 14,8 Millionen "gegenüberstand. 1910 lebten auf dem Lande nur noch 25.9 Millionen, während die städtische Bevölkerung aus 39.1 Millionen gestiegen war. Anders ausgedrückt: in einem Zeitraum von 50 Jahren hat sich die städtische Bevölkerung um 24,3 Millionen vermehrt, die deutsche Landbewohnerschaft um 0,4 Millionen vermindert. Diese Umschichtung, die ja in absolutem Sinne eine starke Bevölkerungszunahme darstellt, beruht aber in erster Linie auf der Abwanderung des Landbewohners in dieStadt.Richt die städtische Bevölkerung vermehrte sich aus sich selbst, sondern die Städte saugten die Land« bevöllerung auf, und dies um so mehr, als an und für sich der Geburtenüberschuß in den Städten mit zunehmender Stadtgröße schnell zurückgeht. Die Statistik spricht in dieser Hinsicht eine recht mahnende Sprache. 3m ersten Dierteljahr 1924 betrug z. B. der Gebürtenüberschuß in ganz Preußen auf das Tausend gerechnet noch plus 7,4, in Ostpreußen plus 11.2: aber in Hamburg war überhaupt kein Geburtenüberschuß mehr vorhanden und in Berlin mit minus 4,5 ein ausgesprochener Geburtenrückgang zu verzeichnen. Trotzdem: die städtische Bevölkerung wächst, die Bevölkerung der Ostgebiete geht zurück, eben weil ihr Geburtenüberschuß nach Westen und vor allem in die Großstadt abwandert. Die natürliche Folge dieser Ost—Westverschiebung: daS Der- 'hältnis zwischen Slawentum und Deutschtum im deutschen Osten ver- »schiebt sich zuungunsten des Deutschtums. Und Die Zurückdrängung des Deutsch« .■ Iums, die Einengung des deutschen Dolksbodens geht Hand in Hand mit der Z e r st ö r u n g der gesamtdeutschen Do l k s k r a f t. da, wie bereits ausgeführt wurde, auch die in die Städte eingewanderte ländliche Bevölkerung dem städtischen Gesetz des Geburtenrückganges erliegt. Angesichts dieser Grundtatsachen, von denen bie Erhaltung des gesamtdeutschen Dolksturns und seines Bodens überhaupt abhängt, war es eine entscheidende Aufgabe verantwortlicher Dolkstumsarbeit, die Dringlichkeit einer gesunden Bevölkerungs- und Siedlungspolitik nach grenzpolitischen Gesichtspunkten zu fordern und zu fördern, zumal im engeren und weiteren Kreise dieser Fragenkomplex, die Gefahr und die Möglichkeiten ihrer Beseitigung, noch keineswegs voll erkannt wurde. So bemühte sich der Deutsche Schutzbund vor allem darum, die praktische Siedlungsarbeit, die sich auf dem Reichssiedlungsgeseh vom 11. August 1919 aufbaute. im Sinne des Gesamtzieles, des Schuhes der Grenzen und der Erhaltung des deutschen Dolksbodens, zu beeinflussen. Es erschien notwendig, von innen her die Bodenständigkeit des ostdeutschen Dolksturns zu verstärken und seinen Bevölkerungszuwachs an der Scholle zu halten. Ein besonderer siedlungspolitischer Ausschuß wurde zur Bearbeitung dieser Fragen begründet und in Wort und Schrift, sowohl in den grundlegenden ..Büchern des Deutschtums" wie in Den kleinen Schriften des Schutzbundes die Zusammenhänge von Dolkstum und Siedlung eindringlich klargestellt. Dor kurzem hat das statistische Reichsamt die Siedlungsziffern von 1919 bis 1927 bekannt- gemacht und unter anderem berechnet, daß in diesen sieben Jahren 423 OOO Hektar insgesamt im Reiche zu Siedlungszwecken angekauft wurden, von denen bis 1927 rund 295 OOO Hektar besiedelt wurden. Betrachten wir die in der Statistik festgelegten Zahlen und die sich aus diesen ergebenden Leistungen im einzelnen, so ergibt sich, daß im Derhältnis zu der Bedeutung und Größe der gestellten Aufgabe das bisher Geleistete noch immer verhältnismäßig gering ist, daß allenfalls Ansätze verwirklicht wurden. Immerhin wurden im vergangenen Jahrzehnt innerhalb und außerhalb des Reiches positiv und negativ über Siedlungsmethodik und Siedler- material genug Erfahrungen gesammelt, die nunmehr der weiteren Siedlungspolitik einen festen Rahmen geben können. Heber all das wird der Siedlungspolitische Ausschuß in Salzburg zu sprechen haben. Zweierlei darf freilich nicht vergessen werden. Die erfolgreiche Reuschaffung von Siedlungen jeder Art und Größe und die Verwirklichung einer östlichen Grenzsiedlung im größeren Ausmaße ist von Der Wiederherstellung der Rentabilität der gesamtdeutschen Landwirtschaft und ihrer Desihfestigung nicht zu trennen. Jedoch „der Mensch lebt nicht von Brot allein". Der deutsche Bauer, der im Osten unter Dem Drucke eines harten Klimas um sein täglich Brot kämpft, monatelang von jedem Verkehr abgeschnitten ist, bedarf noch einer anderen, von Liebe getragenen Fürsorge. Derwirklichung Derjenigen Kulturgüter, Die sein Leben verebeln und verschönern, ist das zweite, das er vom deutschen Volke erwartet. Einweihung des neuen Medizinischen Minis in Vad-Aauheim. Bad-Rauheim hatte am Samstag einen großen | Die Geschichte des Bades legt dafür Zeugnis Tag. Der in Der Geschichte unseres hessischen Ba- ab. — und alle. Die das Bad kennen. Heroen Des ein bedeutsamer Markstein sein wird: es mir das bestätigen, daß der hessische Staat sich konnte bei strahlendem Sonnenschein und schön- | seiner großen sozialen Pflichten, die er nut M S Das neue Institutsaebaube. stem Frühjahrswetter die Einweihung des neuen Medizinischen Instituts erleben. Zu diesem denkwürdigen Ereignis versammelte sich am Dormittog gegen 11 Ahr in Dem neuen und schönen Gebäude eine große Festgemeinde. Zugegen waren u. a. Staatspräsident Dr. Adelung. die Minister Dr. Kirnberger und L e u s ch n e r . Staatspräsident a. 'S). Hlrich . Landtagsvräfident Delp und feine Stellvertreter, Die Vorsitzenden der Landtagsfraktionen und die Mitglieder dcs Finanzausschusses des Landtages, weitere Vertreter des Ministeriums. Se. Magm- fizenz der Rektor Der Landesuniversität Prof. Dr. Herzog, der Dekan Der medizinischen Fakultät der Landesuniversität Prof. Dr. Herzog, eine Anzahl weiterer Mitglieder der medizinischen Fakultät. Präsident Dr. Reumann von der Landesversicherungsanstalt, Kreisdirektvr Rech« t h i e n . Friedberg. Bürgermeister Dr. Ahl, Bad-Rauheim, Vertreter Der Aerzteschaft. usw., sowie zahlreiche Pressevertreter. Finanzminister Dr. Kirnbcrger begrüßte die große Festversammlung namens der Regierung, und führte dann in seiner Rede u. a. aus: Mit diesem schönen Bau unseres Instituts ist ein Werk vollendet, das dazu bestimmt ist, mitzuhelfen, die wertvollen" Schätze, die uns an- vertraut find, immer mehr und besser dem Wohl Der leidenden Menschheit dienstbar zu machen. dem Besitz und der Verwaltung des Bades übernommen hat, jederzeit in hohem Maße bewußt war. Richt einseitige fiskalische Interessen haben ihn geleitet, sondern in erster Linie Der Wille, Die ihm geschenkten Heil- und Segenskräfte als getreuer Verwalter denen zugute kommen zu lassen, für Die eine gütige Vorsehung sie bestimmt hat. Ihren vollen Wert können die Heilquellen unseres Bades aber nur entfalten, wenn sie nicht einer gefühlsmäßigen Empirie überlassen werden, sondern in Den Dienst ernster wissenschaftlicher Forschung gestellt werden. In unserem Bad, wo die Herzkranken Der ganzen Welt Heilung und Genesung suchen, ist der Wissenschaft mannigfacher Antrieb zu neuer Forschung gegeben, und so i ft begreiflich, Daß hier auch Der lebhafte Wunsch unD Das Bedürfnis entstand, der wissenschaftlichen Erforschung Der Herzkrankheiten und Der Dafür vorhandenen Heil- Iräfte eine besondere Stätte zu schaffen und cm geeignetes Instrument zur Verfügung zu stellen. Die hessische Regierung hat sich diesem Wunsch nicht entzogen und in diesem Bau ein Forschungsinstitut errichtet, das gaiu in den Dienst Der Wissenschaft gestellt fein soll und die praktische Tätigkeit der Aerzte unseres Bades mitbefruchten und unterstützen will. Aus diesem Grunde ist auch das Institut aufs engste mit der medizinischen Fakultät der benachbarten Landesuniversität verbunden. Es ist mir ein Bedürfnis, allen Denen, die an diesem Werk mitgeholfen haben, bei dieser Gelegenheit nochmals meinen Dank auszusprechen, vor allem dem Hessischen Landtag und seinem Finanzausschuß, der für die besonderen Bedürfnisse des Bades jederzeit volles Verständnis erwiesen hat. Mein Dank gilt Dem Erbauer Des Instituts, Dem Hochbauamt Friedberg, insbesondere Herrn Baurat Metzger, Der Die Pläne entworfen unD Die Bauarbeiten geleitet hat, sowie vor allem Herrn Professor Dr. Weber, Dem Leiter Des Instituts, von Dem Die Anregung zur Errichtung Dieses Baues ausging und dessen Tätigkeit und Geist nun diese Räume beleben soll. Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen mitteilen zu können, Daß auf Antrag der Landes« uniDcrfität Gießen Das Oefamtminifterium beschlossen hat, beim Landtag für Herrn Professor Dr. Weber eine planmäßige außerordentliche Professur an der Landesuniversität zu beantragen. Weiter danke ich Der Bad- und Kurverwaltung, Die Die Arbeiten von Anfang bis zu Ende betreut hat und Deren Obhut ich nun das Institut übergebe. Endlich Drängt es mich, aus dem Kreis meiner engeren Mitarbeiter und Kollegen Herrn Ministerialdirektor Schäfer besonderen Dank abzustatten. Er war es, Der sofort mit klarem Blick Die hohe BeDeutung eines solchen Instituts erkannte und sich mit seiner ganzen Kraft für Dessen VollenDung eingesetzt hat. Lassen Sie mich schließen mit Dem Wunsche: Das Institut möge seiner hohen Aufgabe stets treu bleiben. Möge es ihm gelingen, Der Wissenschaft neue Einsichten und Erkenntnisse zu erschließen, in gleicher Weise aber auch Diese Erkenntnisse in Den Dienst Der IciDenDen Menschheit zu stellen, vor allem in Den Dienst der Herzkranken, dis in unserem Bad Heilung suchen. Bad- und Sutrbircttor v. Bochnier, Bad-Nauhcim hieß mit herzlichen Worten bie vielen Gäste bei dieser Feier in Bad-Nauheim willkommen, insbesondere den Staatspräsidenten a. D. Ulrich, einen der langjährigsten und treuesten Kurgäste Bab-Nauheims, sagte dann allen, die am Entstehen dieses Instituts mitgewirkt haben, den aufrichtigsten Dank der Bad- und Kurverwaltung und schloß mit folgenden Wor- ten: Der heutige Tag ist als ein Ereignis ,n der Geschichte Bad-Nauheims zu buchen, die nun ihrem 100jährigen Jubiläum entgegengeht. Möge das neue Institut, das ein lebendiger Bestandteil Bab-Nau- heims ist, seine hohen Aufgaben erfüllen zur Erweiterung der baineologischen Kenntnisse und Forschungsaufgaben und zum Wohle der leidenden Menschheit. Der feierliche Auftakt des ßeuhgen Tages Hinter den Kulissen des Aquariums. Von Paul Eipper. Mitten am alten Kurfürftendamm in Berlin steht bcs Haus, in Dem Die Wunder des Meeres und der Flüsse wohnen. Nur eine Steinmauer trennt das (Betriebe der Weltstadt von jenen Lebewesen, und iner ein wenig Einbildungskraft hat, der kann sich - sobald feine Augen an das Dämmerlicht gewohnt find — vorslellen, er befände fich in einem Intergrunbtunnel mitten im Ozean. Links und «chts in diesen Gewölbegängen sind große Löcher ; in die Wände geschlagen, Glasscheiben davor gesetzt, uon oben her bringt aus unsichtbarer Quelle Licht, und nun zieht die Welt der -Wassertiere am Menschen vorüber. Der Tunnel ist komfortabel eingerichtet. Banke stehen ba, man kann seine Zigarre rauchen, und oben, dort, wo der Höhlengang um die Ecke biegt, steht ein behagliches Rundfofa. Aus dem Reich der Fische, der winzigen, buntschillernden Tropentiere und des riefengroßen dunklen Wels führen Stufen ins erste Stockwerk, wo Die Reptilien hausen, jene kriechenden ©iftrourmer, bie Schlangen. Da gibt es kleine Wüstenlandschaften mit Geröll und staubigen Stachelkakteen, wo sich plötzlich eine Puffotter auf richtet: Chamäleons und leuchtend bunte Eidechsen huschen in erwärmten Behältern, der Riefenwaran, jener eingebildete ,,~.anb-- brad)c" der malaiischen Inselwelt schiebt sich an Schildkröten vorbei, und in einem riesenhaften Raum, Der von hohen Glasscheiben umgeben ist, leben die Krokodile auf künstlich errichteten Sandbänken am Ufer eines Flusses unter Bananen» bäumen und üppigem Gras. Noch eine Treppe höher ist das Infektarium; Lmeifenhügel, Bienenkörbe, Riefenfchmetterlinge, b:c giftige Bogelfpinnc — endlos ist die Zahl der Geschöpfe, die kriechend, hüpfend und flatternd hier Dem Beschauer dargeboten werden. * Wer macht sich einen Begriff von der Fülle der Arbeit, der komplizierten Pflege, der wissenschaftlichen und technischen Vorbereitungen, der Futterbeschaffung, all der taufend Ueberlegungen, bie für bie Unterhaltung biefer Tierstation nötig sink). Sehen wir einmal hinter bie Kulissen, gehen wir durch bie Räume, bie für gewöhnlich bem Publi- ! kvm verschlossen sind: eine zweite Welt tut sich vor uns auf. Herr Inspektor Seitz, ein seit breißig 3oh- J ren erprobter unb erfahrener Tierpfleger unb Aquariumsfachmann, führt uns in den Keller hinab, der Futtermeister öffnet bie Türe zu seinem Reich. Da werden in großen Boxen Hunderte von Kaninchen und Meerschweinchen gezüchtet; sie rascheln im Stroh, graue, bunte, gefleckte. In allen Grotzen sind sie vorhanden, denn höchst unterschiedlich ist Die Anforderung, die jeder neue Tag bringt: miteigroße Tiere, winzige, ganz schwere, unb oft muß noch Bebarf von Tierhandliingen erworben werben, wenn gerabe eine befonbere Appetitsperiode bei den Schlangen eingetreten ist. Ein anderer Stall dient zur Unterbringung der Ferkel; daneben stehen Dutzende von dünnmaschigen Drahtglocken, unter denen rohes Fleisch liegt; Fliegenfallen, Darin es von vielen kleinen Summern wimmelt, die alle zur Ernährung der Kröten unb Frösche dienen. Der Hase Christian, seit mehr als zehn Jahren der Liebling des Futtermeisters, spaziert frei und ungefährdet überall umher; er folgt seinem Herrn aufs Wort und bekommt bis ans Lebensende das Gnadenbrot. ...... In besonderen Kammern werden Mause gezüchtet, es wimmelt in den Behältern von weißen und grauen Spielarten; daneben quietschen und piepsen die Ratten, die ebenfalls zur Schlangenfütterung bestimmt sind. , . , . „ In der nächsten Stube hört man keinerlei Geräusch. Dreißig große Holzkästen stehen in Regalen: hier ist die Kultur der Mehlwürmer, und wenn wir irgendwo den Deckel abnehmen, lebt der Grund aus Kleie und Sägmehl vom Geschiebe der taufend kleinen, fahlbraunen Larven. Es werden in zahllosen Töpfen Eichentriebe herangezogen; auch sie dienen zur Ernährung, ebenso wie die zarten Gräser, die im Warmhaus in langen Rabatten sprießen. Viele Liter Regenwürmer werden wöchentlich von Fängern abgeliefert; mehr als 75 Pfund Fische verfuttert man in einer Woche, und der Bedarf an Fröschen in der gleichen Zeit beträgt taufend bis zwölfhundert Stück. Alte Männer und Frauen sind dauernd in Der Umgebung Berlins mit dem Fang beschäftigt; sie verdienen sich so einen regelmäßigen Lebensunterhalt, ebenso wie jene Männer, die in den Tümpeln nach Wasserflöhen fischen und die gefüllten Behälter im Rucksack oder auf dem Motorrad nach Berlin transportieren. * Nun kommen wir auf unserem Gang durch die Unterwelt zum Heizer und Maschinenfachmann. An sorgfältig aufgefchichteten Kohlenbergen vorbei, über dicke Rohrleitungen zu den Feuerlöchern und Etzen- platten, darunter eine Hölle glüht. Hier wird das Wasser für die Tropentiere erwärmt, daneben stampfen die Pumpen und treiben die Flut durch die Stockwerke. Maschinen arbeiten, deren Kraft Die Luft in mehreren Atmosphären Stärke durch Die Wasserbecken preßt. Sie alle sind auf elektrischem Wege regulierbar; sobald genügend Druck erzeugt ist, 'schaltet der Kontakt selbsttätig aus, der Motor steht, bis der Vorrat wieder aus ein Minimum herabgesunken ist, und automatisch schattet sich dann der Gang wieder ein. Neunzig Kubikmeter Wasser sind in den Schaubecken ständig in Benützung, aber dreihundert Kubikmeter beträgt der Vorrat an diesem Lebenselement Des Aquariums. Und nun stehen wir in dem Dämmerigen Gewölbe, das Den Abfluß aus den Becken aufnimmt, durch Filter preßt, über einen zwei Meter tiefen Grund aus Sand und Steinen leitet, wo es sich reinigt, um schließlich, von allen Abfällen befreit, wieder in jene Reservoire zu fhe= ßen, aus denen die Pumpen täglich und stündlich neue Mengen hinaufjagen, teils erwärmt, teils falt, zur Erhaltung der Fische und der übrigen Wasser- tiere. Stille herrscht in diesem Raum, der längs gespalten ist, zur einen Hälfte Süßmaffer enthalt, zur andern das salzige Des Meeres. Ursprünglich hat ein Schiff durch das Netz der Kanäle Wasser aus der Nordsee nach Berlin gebracht, und die neuer» wehr pumpte die Hunderte von Kubikmetern ins Aquarium. Heute setzt man aus Chemikalien unb Salzen die Substanz des Meerwassers zusammen; denn begreiflicherwei e muß immer wieder ein Teil in die Abwässerkanäle gegossen werden und frische Zufuhr ftattfinben. * Wir haben genug von der Unterwelt, wandeln jetzt durch die Wärtergänge hinter den einzelnen Aquarien, sehen nun von oben herab in die Watzer- beefen, die — von allem romantischen Zauber entkleidet — in ihrer zementierten Rechtwinkligkeit mit vielen Lust- und Wasserrohren aneinandergereiht sind, unb betrachten bie Transportkosten, die Ein- gewöhnungsbecken für die tierischen Neuankomm- l‘nDenn auch im Aquarium sterben Tiere unb neue müssen angeschasst werden. Oft sind wetze Retzen nötig, um irgendeine kostbare Neuerweroung auf chnellstem Wege vom Fundort ins Aquarium zu bringen. Inspektor Seitz reift häufig nach dem Mittelmeer, fängt selber das benötigte Getier und kämpft mit Eisendahnoerwaltungen und tonnte einei vnb Mr i bcs Spiels Gleich Sattel schen Sie den neuen 6:1, 6:2, Deutsche 9 6:3. 5:7, lchen Spie dem Ramj ren Desor oorgeschri Tatsache, tischen A Aussichtei dos gut । "scheinen.' 7 Für Weltrekord ptubentS ünioerfitäi stellte. Er 41 e‘ ?, W d M ÄÄr SSL 8&S SS s KZ Berlin 11-Moi Tamm i- 252,25 54 145,5 124,25 53,5 50 433 254 186 204 50,13 k 0 0 5 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 297 240 425 333 251,25 und zen- not) Las bcsondereEreignis in der verflossenen Berichtsmoche ist her Ausweis der Reichs bonf vom 7. M a i. Er zeigt die ungünstigsten Ziffern, die die Reichsbank in ihren Ausweisen leit einer Gesundung der deutschen Schiffahrt auf dem Rhein die Wege ebnet. * * D i e amtliche Grohhandelsindex- z i f f e r. Die auf den Stichtag des 8. Mai berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist mit 136 gegenüber der Bor- Woche (136,1) leicht zurückgegangen. Die Indexziffern der Hauptgruppen stellten sich für Agrarstoffe auf 127.2 (127,1), für Kolonialwaren auf 126 (126,9), für industrielle Rohstoffe und Halb» 126.5 302,5 . 242.75 430 342 254 185.75 111,5 , 206 53,25 50.75 48,5 Lin deutscher Flieger in Amerila abgefiurzt Neuyork, 13.2Nai. (WTL. Funkspruch.) 3n Los Angeles wurden zwei Brüder bei einem Flugzeugabsturz gelötet. 3n Trona, in der Bähe von Los Angeles, iftderehemaligedeutsche Kampfflieger Bernhard Lauscher mit einem Verkehrsflugzeug abgeslürzt. Lauscher ist kurz nach dem Unglück seinen Verletzungen erlegen. Seine beiden Passagiere wurden schwer verletzt. Reichsbankpräsidenten , .. man mit der Krediteinschränkungspolitik derReichs- bank, die auch wohl in der nächsten Zeit noch cin= gehalten werden wird. Die allgemeine Situation des hiesigen Geldmarktes erfüllte die Börse weiterhin mit Sorge. Auch heute war das Angebot in Privatdiskonten recht erheblich. Aus der Provinz sollen namhafte Beträge Unterkunft suchen, und man rechnet wieder mit einer sck/arfen Repartierung. Dem Ultimo sieht die Börse schon heute mit einer gewissen Befürchtung entgegen, da sich bis jetzt noch f c in Zeichen einer Entspannung am Geldmärkte bemerkbar jnadjL Kaliwerke waren bis 5 v. H. gedrückt, I.-G.-Farben verloren bei etwas stärkerem Angebot über 3 o. H. Bon Elektrowerten lagen besonders RWE. mit einem 3-v. 5z.-Verlust schwach. Schultheis. Svenska, Glanzstoff, Schubert & Salzer und Deutsche '2Ülan< len gingen bis zu 5,5 v. 5)., Bemberg um 9 v. 5). waren auf 131,4 (131,6) und für industrielle Fertigwaren auf 157,3 (157,4). * Deutsche Linoleum werke A. - G.. Berlin. Die Generalversammlung genehmigte ohne Erörterung den Abschluß mit 15 Prozent Dividende und erteilte der Verwaltung einstim- rSosseq ^^zcnftörunz Jo M fdmt- ® die Na, Trotz bez TL!c$tc * Ionen Mi erklärt. r Klasse C bii Schien 2ulch hier sie • tvieder aui "er kurzen Ht». ^r ms «en. dritten PlH Zünüvis 'letzten Rande Süntorf, der ordentlich beengen sonnte. 45 kmt 1. 8. i 2. A>. ^ratz, 1", 3. CBerhui. der Maschum oieber Rült> ächtig in Füh. I aus über eine lviederum kurz Zwischen 3ün- dann ein et« )lay, ter üb Xv ccm übet auf CßdKclte ti, auf SL 5. us DKD. rS Tages Wick ILtZ? N °nitc. 2* ^nnl ages. her Ausgleichstreffer Kassel wurde nun leicht überlegen, ohne jedoch einen zählbaren Erfolg erreichen zu können. Oie Gchlußlämpfe um die süddeutsche Zuhball'Meisterschast. F r a n k f u r t a. M., 13. Mai. Tendenz ruhig.' Am heutigen Hauptmarkt konnte der Frankfurter Produktenmarkt auf Grund der wieder etwas festeren Auslandmeldungen in ebenfalls etwas festerer Tendenz eröffnen. Die Grundgestaltung erfuhr jedoch keine wesentliche Veränderung, da das Geschäft nach wie vor äußerst gering ist. Vereinzelt waren sogar Rückgänge feftzustellen, so verlor Sommengerstc 0,25 Mark, ebenso Hafer und Mais waren 0,50 Mark rückgängig. In Mehlen war heute das Geschäft auch sehr' ruhig, so daß der Preis für Weizenmehl sowie für Roggenmehl 0,25 bis 0,50 Mark nachgeben mußte. Es wurden notiert: Weizen 24 Mark, Roggen 22,75, Sommergerste für Brauzwecke 23,75, Hafer (inländischer) 23,50 bis 23,75, Mais (gelb) für Futter- zwccke 21 bis 21,50, Weizenmehl, süddeutsches (Spe- zial 0) 31,75 bis 32, Roggenmehl 29,75 bis 30,50, Weizenkleie 12,40, Roggenkleie 13,10, Erbsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 33 bis 50, Linsen (je nach Qualität für Speisezwecke) 40 bis 110, Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken, 13 bis 13,50, Weizen- Roggenströh (drahtgepreßt) 5,25 bis 5,50, Wei und Roggenstroh (gebündelt) 5, Treber (getrock- 13,75 bis 20 Mark. Letzte Nachrichten Wirtschaft. Geldmarkt und Kreditrestriktionen der Heichsbank. . 10 . . s . 10 zurück. Banken waren bis auf wenige Ausnahmen ziemlich behauptet. Hackethal-Draht und BMW. konnten sogar leicht anziehen. Deutsche Anleihen waren etwas schwächer, Ausländer uneinheitlich, doch schien in vielen Werten Angebot vorzuliegeu. Die Gcldsätze blieben unverändert, d. h. Tagesgeld 8,5 bis 10,'5 v. H., zum Teil 8 v. H. und Monatsgeld 9 bis 10 v. H. 3ni Verlaufe blieb die Tendenz weiter zurückhaltend und die Kursgestaltung sehr tineinheitlich, meist aber etwas schwächer. Rur Licht & Kraft etwas fester. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. TR.. 11. Mai. AuSlandeier unverzollt ab Grenzstation, deutsche Eier ab Station. Das Geschäft nahm in dieser Woche lebhaftere Formen an. Die Preise konnten weiter anziehen. Vereinzelte Auslandsorten konnten infolge von geringem Angebot nicht notiert werden. Farmeier werden nicht besonders im Preise festgesetzt, ondern als Onlandeier behandelt und als solche von den Großiften aufgekauft. Was die Qualitäten anbetrisft. stehen Inlandeier im Vordergründe des Interesses, sie werden von den Verbrauchern bevorzugt und sind den ausländischen ebenbürtig. Folgende Preise waren zu hören und lauten pro Pfennig per Stück: Italiener —. -. Bulgarische 9,50 bis 12. Holländische 9 bis 9.20, Polnische 7 bis 7.50. Russische .—. Dänische 9 50 bis 12, Flandrische 10,25 bis 10.50, Belgische 10 25 bis 10,50, Schlesische 9,50 bis 10. Bayerische 9 'bis 9.50. Rorddeutsche 9,50 bis 10. Rumänische 8 bis 8,50. Französische nicht notiert. frankfurter Tchlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 13. Mai. Auftrieb: 1105 Stuck Rinder, darunter 171 Ochsen, 54 Bullen, 560 Kühe, 320 Färsen: Kälber 1080, Schafe 142, Schweine 5951. Rinder: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: jüngere 60 bis 64 Mark, ältere 54 bis 59, sonstige vollfleischige 48 bis 53; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 54 bis 57, sonstige vollfleischige oder ausgemästcte 50 bis 53; Kühe: jüngere, vollfleischige höchsten Schlachtwerts 45 bis 50, sonstige voll- fleischige oder ausgemäflete 40 bis 44, fleischige 35 bis 39, gering genährte 28 bis 34; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 60 bis 64, vollfleischiae 55 bis 59, fleischige 48 bis 54. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 78 bis 82, mittlere Mast- und Saugkälber 73 bis' 77, geringe Kälber 65 bis 72. Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 73 bis 76, vollfleischige Schweine von etwa 210 bis 300 Pfund Lebendgewicht 74 bis 77, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 75 bis 78, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 75 bis 78, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pstmd Lebendgewicht 70 bis 75, Sauen 55 bis 63 Maik. Mark'tverlauf: Ausstellungsvieh über Notiz. Schweine anfangs rege, zum Schluß abflauend, geringer Ueberftand. Kälber und Schafe rege, geräumt. Arankfurtcr Getreidebörse. In den Endspielen um die Fußballmeisterschaft in Isüddeubschland gab es gestern manches überraschende Ergebnis. In der Runde der Meister verschaff. gestrigen 6om- Spiel um i)ic 5ei, in 6cm sich Schalke 04 tc mit 3:1 d n hervvrgchen der Runde dn ussia CIHiin- 03 trafen. 2k! rsatzleutc eilige- jcht bewährten, jipei Tore vor, Holen, so daß [tank 3n 6er mA-cinmeistcr UbiSher ihren wir evt m Grund W i, dah he w Das alles sine id) von 31)110“ , mir klipp M tcn Dissen der h von neuem in ,d ihn die > einem ncrt>Dfen während si4 chah lener reign'ssen diel .z hrozesies m 'Wendung e m wußte * 2^' »WA LÄ» . die 'Hw en Frage £ G® Cn Jalne" «ft einew §ed°r Ml te der hir rtci^öjLn: Jc(r Stet eich. s<^a * l tz-canzösische '.'ioten..... Hollandlichc 9?otcn...... stkalieniiche fttoten...... Äorwegifche 9Zotcn...... Teuifch Lesterr,»100 Kronen Rumänische Sloten...... Schwedische Noten...... Schweller Noten....... Spanische Noten....... IichcchoUowakifchc Noten .. Ungarische Noten....... Ein volles Programm bot die Gruppe Nord. .Hierbei holte sich der F. Sp. V. F r a n k f u r t durch iebr mäßiges Spiel gegen Union Ntederrad mit 2:2 Toren einen bitteren Punktverlust, der ihm erneut den Verlust der Tabellenspitze brachte. Den ersten Platz in der Liste an Stelle der Frankfurter nimmt nunmehr wieder der S. V. 'Waldhof Mannheim ein, der den F. Sp. !Ü.0 5 Mainz, der ihm im Falle eines Sieges noch gefährlich merbfen konnte, ganz überlegen mit 6:1 Toren schlug. . Auch der mit wechselnden Ergebnissen immer wieder überraschende V. f- L-Neu-Isenbu r g feierte wieder einen hohen Sieg. Diesmal gab es 5:1 Tore gegen Saar 05 Saarbrücken. Hierbei handelte es sich um den Triumph des Tabellenletzten über den Vorletzten. Der l.F. C. 07 Idar nutzte den Vorteil des eigenen Platzes zu einer Punktteilung mit dem D.f.R. Mannheim aus. 3:3 lautete das Ergebnis. . . In der Gruppe Süd gab es nur eine einzige Begegnung, allerdings zwischen den beiden Spitzen- mannschasten der Liste. Hierbei schlug die Sp. Vgg. Fürth die Augsburger Schwaben vernichtend mit 8:0 Toren. Durch diesen überzeugenden Erfolg ist die Sp.V.. Fürth endgültig Meister der Gruppe Süd geworden. Kußball-Städtekampf Berlin — Paris 5:0 (4:0). Der wieder zur Tradition gewordene Fußballkampf Berlin — Paris kam am gestrigen Sonntag nuf dem Preußenplatz in Berlin zum sechsten Male zum Austrag. Trotz aller Anstrengungen war es den Franzosen nicht vergönnt, den verdienten Ehren- treffer zu erzielen, so daß das Spiel mit 5:0 für Berlin abschloß. Vorrunde um die Handballmeifierschast der D. e. B. Polizei Darmstadt — Sportfreunde Siegen 9:3 (5:1). Auf dem Sportplatz der Polizei Darmstadt spielten gestern in der Vorrunde um die Deutsche Handballmeisterschaft Polizei Darmstadt und der, westdeutsche Meister Sportfreunde Siegen. Die Polizei Darmstadt konnte einen verdienten Sieg von 9:3 (5:1) erzielen, und zwar vor allem durch den glänzenden Aufbau des Spiels. Tennisländerkampf Deutschland - Spanien. Gleich das erste Spiel um den Davispokal in Barcelona endete mit einem überlegenen deutschen Siege. Hans Moldenhauer schlug den neuen spanischen Meister Maier leicht mit 6‘1 6:2, 6:3. Im zweiten Spiel schlug der Deutsche P r e n n den Spanier Sindreu mit 6:3, 5:7, 6:4, 4:6, 6:4. Dieser Sieg der deutschen Spieler ist um so bemerkenswerter, als man dem Kampf der Vertreter Deutschlands mit schwe- i ren Besorgnissen entgegensah; denn die noch wenig vorgeschrittene Form unserer Vertreter und die Tatsache, daß sie unter stark veränderten klimatischen Verhältnissen spielen mußten, ließen die Aussichten Deutschlands bei dem Kampf gegen kos gut gerüstete Spanien nicht gerade günstig erscheinen. Mm so erfreulicher ist dieser Sieg. Neuer Oiskuswelirekord. Ein Funkspruch aus Neuyork meldet einen neuen Weltrekord im Diskuswerfen, den der amerikanische Student Seattle TOocller oon ber Washington- llniversitöt bei einem Sportfest in Washington auf-- ftcUk. Er erzielte die Glanzleistung von 49,02 Meter. (Selb 16,47 169,16 22,14 112,18 59,15 2.52 112,40 81,24 60.13 12.455 73,335 Brief 16.ST 169,84 22,22 112,62 59,39 2.54 112.34 81,56 60.37 12.515 73.635 wird erst dann wieder akut werden, wenn sich Herausstellen sollte, daß durch die jetzt ergriffenen Restriktionsmaßnahmen die Gold- und Devisenmarkt- ... •• ■ - •. , q. s läge nicht in dem angestrebten Sinne beeinflußt cmiaer Nachfrage leicht awziehen Die Tendenz war werden kann. Es muß auch berücksichtigt werden, unsicher und schwacher. Am Geldmarkt war daß nicht übermäßige Geldansprüche der Wirtschaft Tagesgeld mit 8 v^H. etwas leichter. Am Dem,enden Status der Reichsbank so verschlechtert haben, markt nannte man Mark gegen Dollar 2 2175. gegen fnnhern dak es vielmehr S v e k u l a t i o n s k ä u f e Psund 20,4675, London gegen Kabel 4,8523, Pans sind, die vielleicht selbst bei einer Diskonterhöhung 124,20, Mailand 92,65, Äadrid 34, Holland 12,0675. anhalten würden. Die Reichsbank hofft, mit der fNcvIÜtCV Äöktk Durchführung der Restriktion den Abbau ihres . , ... Wechselpvrtefeuilles zu erreichen, und man kann . 131 m.nu ?$on ""^°nnittag nur wünschen, daß ihr diese, so bedauerlich an sich 'N den Bureaus eine seh^ zurückhaltende und eher Restriktionen mit ihren Kredit sperrenden Wirkun- dur Schwache neigende Stimmung. An der Dor- g-n' für to Wirtschaft find, ,°»ng.. Scbassuna einer deutschen Teil bis 5 0. H., eröffnete der offizielle Verkehr. Das Geschäft hatte heute im Vergleich .zu den letzten ^yemschlffayrtsgememschan. Tagen einen außerordentlich geringen Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit- Umfang. Die Kundschaft fehlte gänzlich, und die teilt, fanden am Samstag in Mannheim die I Spekulation schritt an fast allen Märkten zu Glatt Generalversammlungen der Rheinschiffahrts-A.-G. fteUungen. Anregende Momente lagen nicht vor. vorrn. Fendel. Mannheim; der Badischen A.-G. I Neuyork, das nach festem Beginn schwach schloß, für Rheinschiffahrt und Seetransport, Mann- I obwohl Tagesgeld mit 6 v. H. leicht war, verstimmte heim; der Rhein- und Seeschiffahrtsgesellschaft, eher, aus Paris lagen neue Nachrichten nicht vor, Köln' und der Mannheimer Lagerhausgesellschaft, I und die Betrachtungen der Presse über die Der- Mannheim, statt. In ihnen wurden die Ab- | Handlungen waren sehr geteilt. Die Reise des rechnungen für das Vorjahr dividendenlos Der- | Reichsbankpräsidenten ins Ruhrgebiet motivierte abschiedet und, um eine Rationalisierung der Rheinschiffahrt sicherzustellen, beschlossen, die deutschen Interessen in der Rheinschiffahrt unter einheitlicher Leitung zu einer Einheit zusammenzufassen. Das bedeutet die Schaffung einer deutschen Rheinschiffahrtsgemeinschaft, die rund ein Drittel Millionen Tonnen kontrolliert und damit Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Sic hinter den Papieren angefühllen Ziffern geben die Höh- der «nletzt b-fchwff-n-n «ividende an. - Leichibanldiskant 7,5 Prozent. Lombardz.nsfuh 8.5 Prozent. 1‘hüipu .poizman» . . Heidelberger dement . Temenk fiarlitabt . . Ean6 & yreiroa - Echultheit Patzenhoscr £ fiwetfc....... vcr. Klanjswls . . . • Srmbt-rg....... ReUiioif ISalbbof . . Zelliu.it «tchatzenblirg Shatlottetdmrgcr 'Zücüer $e|iauer ®a4 .... Daimler Motoren . . TeuÜcke Maichinen-Fob Sldlerwerke Riebet . . & Wlfe Iain tracht Frankfurt bestätigte dcn guten Lindruck der letzten Wochen erneut durch einen überlegenen Sieg über Borussia Neunkir - itzcn, der mit 3:0 Toren zahlenmäßig zu knapp ouefiel. Runde der Zweiten und Dritten. holte sich der 1. F.C. Nürnberg, dessen Meisterschaft allerdings bereits unantastbar seststeht, eine Inappe, aber nicht unberechtigte Niederlage von 2:3 Toren seitens der Münchener B a y e r n , die -t.i Punktgewinn zur Sicherung ihres zweiten dellenplatzes allerdings nach wie vor dringend mig die Ermächtigung für ein den Aktionären zu machendes Bezugsangebot, wonach auf die im Umlauf befindlichen Aktien ein Bezugsrecht im t Verhältnis 5:1 zum Kurse von nicht über 115 dem Jahre 1924 oulzuweisen hatte. Zunächst h Prozent in Gestalt von neu zu schaffenden bzw. die D e v i s e n a n f o r d e r u n g e n zwar n a ) vorhandenen Aktien der kontinentalen Linoleum- xC ’ fn4 ober , njd) immer S^abe na ) I unj£)n gctoä^rt wird, wobei diese Aktien mit ber Devisenhamsterei Ende April Aand ^at6cr Gewinnberechtigung für 1929 ausgestattet erreicht; auch die Entlastung des Wechselkontos hat ^erbcn foIkn yc6et bcn Geschäftsgang wurde nicht die in der ersten Woche eines Monats üblicher- mitgctcU’t ba^ bic durch die Kältewelle zu An- weise eintretenden Fortlchrttte gemacht Wenn man Wahres verursachte Beeinträchtigung diesen überraschenden Ausweis der Relchsbank vo i„^schen wieder ausgeglichen worden sei und 7. Mai beurteilen null so muß man sich die beson- I ^on,crn feiner Gesamtheit, besonders deren Vorgänge am Geld- und Devisenmarkt oer- Ufitcr Einbeziehung seiner auswärtigen Glieder, gegenwärtigen, die innerhalb der Woche vom 1 Ins weiterhin in aufsteigender Linie befinde. 7. Mai eingetreten sind. In der ersten Halste jener Woche hat die Anspannung bei der Reichsbank wei- Frankfurter Börse, ter zugenommen, daher starke Deoisenabgänge und Frankfurt a. TI., 13. Mai. Tendenz schwächer, hohe Wechseleingange Diese Tendenz hat bis zum o^egina ncuen ^Voche war das Geschäft wieder 3. Mai angehalten, "nd das ist der Tag, an dem sich I e f. r ft i (I da Anregungen vollkommen fehlten. Es die Reichsbank mit Rücksicht auf ihre zunehmende (agcn e[)er ungünftigc Nachrichten vor, die die Börse Anspannung entschloß, r'"schärft.e R es:r k bei der sowieso schon geringen Unternehmungslust t i o n s m a ß n a h m e^n,'«^1^11001^ weiter nachteilig beeinflußten. Vor allem drückte der dann erst am 6. bzw. Mai tatsächlich in Wirksa - fügsame Fortgang der Pariser Verhandlungen aus leit getreten und konnten.mithin den AusweiSder ^Stimmung. Aber auch die Neutjorker Börse vom Reichsbank vom 7 Maiflucht. m1 dem Maße beein 5am5tafl< bic 3roar fefl eröffnet hatte, aber zum fluffen, als cs .^rer Wirksamkeit entspricht Der cin unsicheres Aussehen annahm, blieb nicht Ausweis der Re,chsbank das Erelgmsder abgelau_ Einfluß. Die Geldmarktlage am dortigen Platze h,mn mnf?hen bher o e H di ä H tT^ T e ft rif - war zwar unverändert, eher günstig, aber im großen BTn «Än^n immer nod^ to n t . rna ,. . tigt mit ihrer Restriktionspolitik, die seit dem 6. bzw. na le n G e Ibm ar tine rh ° “ n 11 f e di e l 3 ’uJa^bcl ^ReickÄank^ e^hebl'ick^ zu^senken^um die Auslandorders,' sehlte wieder fast vollkommen', MMZZW-M-M-W ll Vtpr nn hn? Status nidit ein- res Ausmaß annahm, blieben gegenüber dem eam5= f reien Monde n daß vie mehr Devisen zu- tagschluß die Verluste ziemlich gering und über- a!crrin0trun!’6CS «iÄÄ SÄ TpftriftionsDolitit der Reichsbank mit minus 3 v. H. und Westeregeln mit minus 4,75 EW5i'ÄftXÄmnÄ: ist, da eine Diskonterhöhung sich erst nach und nach markt gaben die Werte zumeist bis zu 2 v.H. nach, nflPrtt lind hoher nickt den sofort er- nur Chadeaktien waren mit MINUS 5 Mark starker fteDt somit g-g-nm-rtig nicht im Mt^puntt^ \ ,m S«r- Haltung klein, und die Kurse gaben zeitweise weiter bis zu 1,5 v. H. nach. Nur AEG. konnten bei Rranffurta.?)!. Berlin Lchl'iß- Sut; ’ 1-Uht. fturj* Schluß. fturs •llnfaiig fture 11.5. — 13.5. 11.5. 13 5- ---rrr Frankfurt a. M. Berlin yronksurt a. M. Berlin 1 llfif Kurtz Lchlu^ Surs Slnsang- flut« L*lutz. 1-Uhr- R'ir6 Rute Echlub-sAnfang LurS Rur» 'Tatum 11.5. : 13.5. 11 5. 13 5. Taium 11.5- , 13.5. 11.5. | 13.5. 6% Dt. RctiMenleibe v. 1927 . SU anL-»I6t8L.SdnUo mü fflui- lof.-fRe (fiten......... Teigl. efine AuLol.-Ncchle . . • 7»; ytaitfl. HyP.-Bk. Soidps. mt kündbar bi« 1932....... 414-/0 tRbchnldx Hyp.-Bant Liqu. Soldps............ LEV. abg. BvEe-r^bNgation. rückzahlbar 1S3S . L'» Gchweiz. BimdeSb.-Lnl.. . . t’/o Oeslerreichijch« Voldrte.. . . *.20% Ceßerr. SUbente..... i"'o Oesterreich, einheiu. Nie. . . Ungarische ®ol6rte...... Ungarische Staat«r. v. 1910 . 4!i% bcigl. von 1916..... V'o Ungarische «tunende..... l"o lütt. Zollanleche v. 1911 . . 4’, Türkische Bagdadbafin.Li'l. Serie I........... l'o desgl. Serie II....... 4,^ Rumänen canverk.Rte. . . . 4’4% Rumänen Voldanl. von 1913 Mg. Deutsche Eilenbabn . . L'', Hamburg-Amerika -Jätet ... 6 Homb.-Südam. Dampssch. . . 8 Hansa Dampsjchifs .... 10 Rardbeuischer Lloyd ..... 8 Wg. Deutsche EreditanL . . 10 Barmet Bankverein .... 10 Berliner HandeÜgeselUch. . . 12 Lommerz» und Brivat-Banr . U Larmsl. u. Ratianalbank . . 12 Deutsche Bank - - - - - lv D'-konto-Geselllchaft 8nL . . IC Dresdner Bank ..... tC WUteldeuN'che TrediLank ... 9 Detalltoil...... • • • »ieich,bank ..... U 87,4 51,7 | 10,1 | 88 - 87,65 101,5 =5 1,85 8,25 16,5 120,25 112,5 125 126,5 212 186,75 260 160,75 154 158 307,75 51.6 10,25 186,25 152,5 158 — — 8).5 51.8 10,4 87,5 30 2,75 23,25 — 21,8 1,9 9,2 8.7 8,65 16,5 119,75 191,25 150 112,5 125,5 126,5 213,5 187,25 259,75 161,25 153,5 156 3074 51,75 10,13 119.5 149,5 111,25 125,25 126 211,5 186,25 258 160,75 152,65 158 305 Si.ü.Ä.......... Slekn. Lieferungen. .... 10 Licht und ftrnfl ...... IO Felten 4 Guilleaume..... t Gei. f. Seht. Untern.....10 Hamb, ftlcttr. Werke .... 1” :H6eln.l$leltr......... Schief. Vekrr........10 Schuckert..... t Siemens 4 Halrke • • • • • Vz Tranlradio . . ....... t Lafimeyer 4 (So....... 10 Bubetui..... E> Deutliche Erdöl ..... 6 öfiener Steinkohle . • . . - • 8 Eelfenkirchener . . . I ’/; 3- * H,nvener...... 6 Hocick Eifen........ . 8 INe Bergbau ....... .8 Klöcknerwerke ...... .....................9 Mannesmann. ...... .8 ManSfelder...... - Cberidjki. Eifenb. Bcbctf... 5 Oberfchlef. ikokSwerke.....« Momr Bc^bau......51: Rbeinifcke Braunkablen. . . 10 Rheinftabl . - ■ f. % 3^ V-i Riebeck Montan......7,2 Vereinigte Stahl». OtaviMinen . . .... .3»n Rart Aschersleben.....10 Kaki Defteregeln. . . . . • « Raluverk Ealzdetfurch . . . 1b 5k. ®. Farben.Industri, ... 12 Tvnamit Nobel ....... t ScheideanllaU....... .9 Gowfchmioi ..••••••5 RutgerSMerke ...... 6 Metaklgefellschast. ..... U 172 214,25 : 157 | 211.5 139 224 166 247,5 381,5 166 71 115 — 129.5 131.5 213 102 116.5 127,5 81 285 117,5 91 237,5 242.5 385 249,5 165 83 90 128,5 K> ro . M »O —* “4 > W o 1 1 1 1 1 K N« 1 1 - j S 1 S 1 1 1 1 ; 1 । । 1 ! 1 1^1 1 l'v. ! 171.5 I 214 157,25 212,5 I 139 224.5 141 167 186.75 247 381,5 146 166 70,4 114.5 130 132 117 212,75 101.65 116,9 116 127.5 83.13 106 88,5 285 117 146,5 91 65,75 233,25 241,5 383,75 250 82,25 89.75 129 170,5 210,13 155 210 222,75 140.5 164 185.9 245.13 378 166 69.25 113,75 128.5 100,25 115 114,9 127 105,25 283 25 115.5 90,5 65.5 | 232,5 । 236,5 ! 379,25 246.75 — 1 82,25 89 I 127.25 11. Mai 13. Mai Sinnliche Notierung i*4c(b 1 Brief Amtliche Notierung 6\c1t> 1 Brief 31 mit.» Noti. 169 43 169.77 169.41 169.75 Buen.-A>rr4 1,772 1,776 1.771 1.775 Bm.-Slntw 58.49 58,61 58.49 58.61 (Tbriftiania. 112,33 112.55 112,32 112.54 .stovenchagrn 412.32 112.54 112.31 112,53 Stockholm • 112,53 112,77 11255 112.77 HelfingforS. atollen . . . 10.59 22.07 10.61 22.11 10.588 22.065 10.608 22.105 London. . . 20 447 20.487 20.443 20.483 Neuvork . . 4.2135 4 2215 4.2135 4.2215 Pari;.... 16.46 16.50 16.455 16,495 Schweti . . 81.14 81.30 81.135 8f .195 Spante it . 60.06 60.18 59.84 59.96 Japan . . ■ Rio de Fon 1.885 1.889 1.888 1.892 0,5005 0,5025 0.502 0,504 Dien in T. £eft. obfleft 59,20 59.32 59,21 59.33 Sgrab" 1 ’ 12,467 12.487 12.465 1 2 485 7,407 7 421 7.407 7.421 Dudapcft. . 73.415 73.555 73.41 73.55 Bulgarien . 3.044 3.050 3.044 3.050 Lissabon . 18.90 18.94 18.88 18 92 T an,ia • • 81.71 81.87 81.69 81 85 .Konstantin. 2.051 2.055 2.038 2.042 Athen. . 5.455 ' 5.465 5.455 5.465 Ganaba . 4.192 1 4.200 4.188 4.196 Urnonay. 4-076 1 4.084 4.086 4.074 Cairo . . 20,97 I 21,01 20.968 21.008 Lud». Loewe 1° ~ 209 206 Rat. Automobil ..»••••*' — 29 4 29.4 Crcnflein 4 ftoppel • • - • • 5 ~ 92 90.75 Leonhard Tietz ..•••••6 — 290,5 287 Bamag-Meguin ~" Franks. Maichmen...... 6 54 — 54 — Gritzuer ,...••••• 11 80.5 * 80,6a , — ■pcuiiflenOafbf •••••••<' — — — — Fnngbann. ,..••••••4 63.25 — — £ed)rocrle. .»»•»•»k — — — — Vlainkraftwerke •••••••8 — 108 — n);iag. ....•••••• 1" — 124.75 123 Nelarfulmer .•••••••6 - — 14 l'ctcii Union ••••••••8 120 — 119.75 — Gebe. Roeder ....... I1' 110 — — — Voigt 4 Haesfner...... 6 205 — 205 I — Eüdd. Zucker........8 151 — 151,5 — I Banknoten Berlin, 11. Mai Geld 4irief uncritanrichc Noten..... 4.208 58,40 112.13 SV,438 4.228 58,64 112.57 20,518 tngüfdie Seten <»••• 43 TOD e rührt ließen. Von den Einbrechern fehlt bis jetzt noch jede Spur. Kreis Büdingen. MSN. Büdingen, 11. Mai. Äm benachbarten Düdelsheim sind durch ein Großfeuer zwei Scheunen der Anwesen Gröninger und Nanz vollständig zerstört worden. Die Feuerwehr konnte nur die angrenzenden Wohngebäude schützen. § Ridda, 12. Mai. An Himmelfahrt fand, von recht kühlem Wetter etwas beeinträchtigt, bei gutem Besuch das Dekanatsfest für Innere Mission hier auf dem Glaubzahl statt. Es sprachen Baurat Kessel. Schotten, über „Den Quell aller Siebe", nach ihm Major a. D. von Wedekind, Friedrichsdorf, über QifeH alter Ärafl". Dlr^tor Psttrn Schneider von der Epileptischen Anstalt in Riederramstadt schilderte, wie in der praktischen Arbeit an Epileptischen und Krüppeln immer wieder der Tatbeweis christlicher Liebe erbracht wird. Zum Schluß erstattete Pfarrer Korn- mann, Rodheim, als Dekanatsvertrauensmann der Inneren Mission, den Jahresbericht, der zeigte, daß die Qpfergaben für Zwecke der Inneren Mission teilweise gegen die Vorjahre sich gleichblieben, teilweise aber auch stark zurückgegangen sind. Gebete und Lieder, letztere vom Posaunenchor Ruppertsburg schön begleitet, umrahmten das ganze Fest. Die Festkollekte ergab einen ansehnlichen Betrag. Kreis Schotten. 8 ä.1 l rich st e i n , 12 Mai. Dieser Tage feierten 6ur bie Eheleute Konrad Io st II. und Ka- tharina, geb. Kraft, daS Fest deß goldenen Hochzeit. Der Iubilar bekleidete lange Iahre hindurch das Amt des Gefängniswachtmeisters nnd Substituts am hiesigen Amtsgericht, während feine Frau vierundzwanzig Iahre lang als Heb- amme tätig war. Beide erfreuen sich allgemeiner Achtung und Beliebtheit, und so war die Teil« na.9iy,c,an ihrem Ehrentag allgemein. Der Qrts- geistliche segnete nach einer kurzen Feier des Iubelpaar nochmals ein und überreichte namens bed Landeskirchenamtes eine llrfunbe und ein Gesangbuch nebst einem Glückwunschschreiben. Sei- fen8 des Kirchenvorstandes, dem der Iubilar lange angehört hatte und der bei der Feier vollzählig zugegen war, wurde ein Andachtsbuch über- reicht. — Am Samstag, 11. d. M.. feierte Alt- burgermeifter Heinrich Rühl in beneidenswerter Rüstigkeit seinen 7 7. Geburtstag. Möge ihm noch ein langer, friedlicher Lebensabend beschießen sein! TranHMwagen zum Anhängen an Fahrrad in gutem Zustand preiswert abzugeben. ÄdolfPlackGketzen Neuen Baue 41 Ev Erste volkstümliche Rhelofahrt Sonntag, den 16. Juni 1929 Sonderzug und SonderdampferundT^Nz^ä Gießen—Mainz—Rüdesheim—Aßmannshausen—Koblenz—Gießen Gesamtpreis RM. 12.50, Anzahlung RM. 6.—. Auf zum deutschen Rhein! Anmeldungen umgehend durch Reisebüro Loeb, Gießen, Seltersweg 93, Tel. Nr. 4197 Vertreter der Hamburg-Amerika-Linie I MAGGI5 ' Fleischbrühe Motorrad sührerscheinsrei Volkes Stimme ist einscheidend 8U000 haben DKW 200ccm gerauft und freuen lich ihrer Wahl. Das bedeutet für Sie: Sie brauchen sich den Stopf nicht au zerbrechen. sondern Sie wissen: hier kaufen Tie aut. Wenden Sie sich a.Lchilliitg" Gießen oder Schr. Slnfr. u. 27191) a. d. Gieß. Anzeiger. Kleiner MsMIMW tadeft.in Maschinen. Auöseh^ heruorrag. im Bergsteig, generalüberholt. Preis 650 'Mk. Probefahrt jederzeit unverbtndl. 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