Nr. 86 Erstes Blatt 179. Jahrgang Samstag, 13. April 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Giehener Anzeiger General-Anzeiger sm Oberhessen Vru6 und Verlag: Vrühl'sche UniverfitSt§-Vuch- und 51eindruüerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschüftrstelle: Zchulftrage L Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 °ln mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Das Notdach. Zehn lange Monate hindurch hat der Deutsche Reichstag und die deutschen Parteien der Welt das beschämende Schauspiel beispielloser politischer Unfähigkeit gegeben. Zehn lange Monate hindurch haben die Beauftragten des deutschen Volkes geglaubt, eben diesem Volke das Bild widerlichsten Kuhhandels und Parteischachers um Ministersessel und Einflußsphären ungestraft bieten zu dürfen. Zehn lange Monate hat das deutsche Parlament dazu gebraucht, um schließlich eine Regierung in den L-attel zu setzen, die sich auf eine stabile parlamentarische Mehrheit stützen kann. Aber ist das nicht schon zu viel gesagt? Denn was da nun unter dem Druck der Sorge um den Reichsetat und den Ausgang der Pariser Reparationskonferenz recht behelfsmäßig zusammengezimmert ist, ist doch nicht mehr als ein N o t d a ch, das eben nur solange halten soll, bis man den Etat vom Halse hat und übersehen kann, was unsere Sachverständigen aus Paris zurückbringen. Dieses ausschließliche Arbeitsprogramm der umgebildeten Reichsregierung ist in ihrer offiziellen Geburtsanzeige sehr scharf umrissen. Man wird sich also damit abfinden müssen, daß die Bemühungen um eine koalitionsmäßige Bindung der das Kabinett Müller-Franken stützenden Parteien im Sommer wieder ausgenommen werden, vorausgesetzt allerdings, daß nach den geradezu trostlosen Erfahrungen der verflossenen zehn Monate »och irgendjemand dazu Neigung verspüren sollte. Aber es gibt anscheinend immer noch Unentwegte, die auch nach der letzten Eskapade der Sozialdemo, kratie den Glauben an die Bündnisfähigkeit der „stärksten" Partei Deutschlands nicht aufgeben wollen. Dabei hat eben diese Partei in der Panzer« kreuzeraffäre gerade wieder erneut einen Beweis jämmerlicher Schwäche vor ihren radikalen Anhängern im Lande und dem noch radikaleren ft'onfur- renten um die Gunst der Massen erbracht, daß man erstaunt darüber ist, woher diese Glaubensfrohen den Mut nehmen, von einer ersprießlichen Zusam- menarbeit mit der Sozialdemokratie zu reden. Die erste Rate für den ominösen Panzerkreuzers, der nach dem Willen der Sozialdemokratie in der deutschen Innenpolitik noch weiter spuken soll, wurde vom Reichstag gegen die sozialdemokratische Fraktion bewilligt, die stärkste Regierungspartei lehnte eine Regierungsvorlage ab, und nicht nur das, sie zwang auch ihre Minister, gegen ihre eigene Dor. > ? zu stimmen. Nun sollte diese Komödie wiederholt werden. Die zweite Rate für den Panzer« kreuzer ist von dem Blaustift der Finanzsachverständigen verschont geblieben, sie figuriert im Wehretat des neuen Haushaltsplans, wie er aus den Besprechungen der Finanzsachverständigen der Parteien mit dem Reichsfinanzminister Hilferding hervorgegangen ist. Auf Grund dieser Vereinbarung glaubten die interessierten Parteien nun endlich zum Abschluß der Großen Koalition kommen zu können. Aber das Zentrum wollse vor der Entsendung neuer Männer in das Reichskabi- nett und der damit ausgesprochenen — diesmal festen — Bindung absolute Gewißheit haben. Der Prälat Sans sprach also in e'. ?m Schreiben an den Reichskanzler die Erwartung aus, daß der Panzerkreuzer mit der seltsamen Abstimmung über die erste Rate aus der politischen Debatte endgültig verschwunden sei, daß also die Sozialdemokratie den Seitensprung von damals nicht wiederholen werde. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat nicht gezögert, eine prompte und durchaus unmißverständliche Antwort zu erteilen. Sie denkt gar nicht daran, sich dem sanften Zuspruch des Herrn Prälaten zu beugen, sondern beschließt in fröhlicher Unbekümmertheit mit 93 gegen 29 Stimmen, auch d i e z w e i t e R a t e für den Panzerkreuzer abzu- lehnen. „Was schert mich Weib, was schert mich Kind", was gehen mich Kanzler, was Minister an. Die ich durch mein Votum erneut desavouiere, wenn nur der Partei auch auf der Regierungsbank alle Vorteile der Opposition ungeschmälert bleiben. Für die Erhaltung eines zugkräftigen Agitationsmittels kann man schon einmal aus der Verantwortung ausbrechen, die die stärkste Regierungspartei für den Gang der Reichsgeschäfte eo ipso zu tragen hat. Das Zentrum hat aus dieser Belehrung die Folgen gezogen. Die Große Koalition mar wieder einmal «— zum wievielten Male nun eigentlich während der letzten zehn Monate? — am Parteiegoismus kläglich gescheitert. Aber nun kam doch offenbar endlich den Verantwortlichen die Unmöglichkeit ihrer Lage zum Bewußtsein. Es mußte etwas zustande gebracht werden, wollte man nicht das System in einem Augenblick heillos diskreditieren, in dem das deutsche Volk wahrhaftig das Recht hatte, von feinen Beauftragten höchstes Pflichtgefühl und ernstes Verantwortungsbewußtsein zu fordern. In überraschender Elle fanden sich also Kabinett und Parteien in dem Gedanken, ohne koalitionsmäßige Bindung eine A r - beitsgemeinschaft, eine Art Zweckverband, zu bilden zur Erledigung des oben schon umrissenen Programms. Das ist immerhin ein Teilerfolg tno- natelanger Bemühungen, der, wenn wir recht unterrichtet sind, der Initiative der beiden oolkspartei- lichen Minister zu verdanken ist. Stresemann und Eurtius haben neben den Etatkritikern der Volks- Partei, Cremer und> Hoff, auch weiter die Genugtuung, daß ihr Verlangen, den Etat ohne neue Steuerlasten ins Gleichgewicht zu bringen, beim Reichskabinett wie bei den anderen Regierungsparteien durchgedrungen ist. Man hat sich auf ein Kompromiß geeinigt, das zwar in feinen Einzelheiten sehr anfechtbar ist — wir verweisen nur auf die Abstriche im Luftfahrtetat und die sehr willkürliche Höhereinschätzung der Aufkommen aus dem Branntweinmonopol ur.^ verschiedener Steuern — ober doch das Bemühen zeigt, die Ausgaben ener- gisch zu mindern und-neue Steuern zu vermeiden. Die neuen Abrüstungsverhan dlungen in Genf. Deutschland macht positive Vorschläge für eine Abrüsiungskonvention. Sabotage der Abrüstung. Am Montag tritt in Genf die Vorbereitende Abrüstungskommission zu ihrer sechsten Tagung zusammen. Seit fast vier Jcch-- rn ist sie an der Arbeit und man kann ihr gewiß nicht vorwerfen, daß sie inzwischen faul gewesen sei. Sie hat ganze Berge von Akten, von Anträgen, Fragebogen, Gutachten und Beschlüssen produziert, nur daß bei alledem nicht viel Positives herausgekommen ist. Freilich war das ja auch die Absicht der Drahtzieher, die zielbewuht darauf ausgingen, die Kommission nur zur Sabotage jeder vernünftigen Abrüstung zu mißbrauchen. Die einzelnen Winkelzüge, die dazu im Laufe der Jahre benutzt wurden, interessieren einzig nur den parlamentarischen Techniker, der aus der Geschichte dieser Kommission ungeheuer viel lernen kann, wenn er seinen Beruf darin erblickt, die Möglichkeiten zu studieren, wie man kunst- und formgerecht etwas verhindern will. Die Oessentlichkeit, vornehmlich die deutsche, hat mehr als genug daran, wenn sie sich das Grundproblem noch einmal vergegenwärtigt. Nach dem Friedensvertrag sollte die erzwungene Abrüstung Deutschlands der Anfang einer allgemeinen Abrüstung sein. Tatsächlich aber ist in den letzten zehn Jahren eine Slufrüftung der ganzen Welt erfolgt. Nur Deutschland liegt wehrlos zwischen den bis an die Zähne bewaffneten Staaten. Deshalb hat Deutschland immer wieder darauf gedrängt, daß die Zusage des Versailler Vertrages endlich in Angriff genommen würde. Schwer genug ist es dem Völker« bund geworden, die Kommission überhaupt einzusetzen, und hier begann nun das gegenseitige Intrigenspiel. England wollte von einer See- abrüftung nichts wissen, Frankreich von einer Abrüstung zu Lande nichts, jedenfalls nur bann, wenn eine Formel gefunden wurde, die praktisch den Franzosen ihre volle Rüstung erhielt. Nach langem Kampfe einigten sich England und Frankreich hinter den Kulissen zur gegenseitigen Anerkennung ihres Standpunktes. Das war das berühmte englisch-französische Abkommen von 1928, das auf amerikanischen Protest offiziell später preisgegben wurde, aber in seinen sachlichen Abmachungen weiter besteht und vermutlich dazu führt, daß jetzt England und Frankreich gemeinsam der Abrüstung Schwierigkeiten in den Weg setzen werden. Es trifft sich allerdings für sie ungünstig, daß P a u l - B v n c o u r, der mit advokatorischer Dialektik die Sache Frankreichs führte, diesmal nicht erscheint. Es trifft sich noch ungünstiger für sie, daß der Amerikaner G i b s v n als Beauftragter Hoovers vielleicht einige recht verfängliche Fragen stellen wird, und daß endlich die Aussen mit einem neuen Dorschlag auf teilweise Abrüstung hervortreten, den man nicht gut, wie den ersten russischen Vorschlag, einfach in den Papierkorb Wersen kann. Aufgabe der deutschen Delegation wird es sein, jede weitere Verzögerung zu verhindern. Der Plan geht offenbar dahin, die Arbeiten des Vorbereitenden Aicsschusses noch auf ein Jahr hinauszuziehen und dann erst im nächsten Frühjahr die eigentliche Abrüstungskommission ein- zuberusen. Da können wir nicht mitspielen. Deuschland würde sich selbst lächerlich machen, wenn es länger als zehn Jahre auf die Erfüllung der festen Zusage wartete. Oie Denkschrift des Grafen Bernstorff. Beschränkung der ausgebildeten Reserven und des Materials. Genf, 12. April. (WB.) Bemerkungen des Grafen Bernstorfs zu der 6. Tagung des Dorbereitungsausschusses für die Abrüstungskonferenz sind dem Dölkerbundssekretariat veröffentlicht worden. Sie bezwecken, wie Graf Bernstorff in seinem Begleitbrief hervorhebt, die bevorstehenden Arbeiten des Vorbereitungsausschusses zu sördern und fruchtbarer zu gestalten und sollen eine Erörterungsgrundlage für die weiteren Beratungen bilden, wobei die in den seitherigen Arbeiten verfolgten Ideen weiter entwickelt werden. Hauptzweck eines Abrüstungsabkommens ist es, die Faktoren, die nut für den Angriff verwendbar sind, zu erfassen. Dur sie können in einem Abkommen der Beschränkung unterworfen werden. Die Bemerkungen des Grafen Bernstorfs gehen daher von der Feststellung aus, daß zu den im Frieden für den sofortigen militärischen Gebrauch bereitgestellten Faktoren erstens auf personellem sowohl die unter den Fahnen stehenden Angehörigen der Wehrmacht, als auch die ausgebildeten Reserven gehören, und zweitens auf materiellem Gebiet sowohl das im Gebrauch der Streitmächte befindliche als auch das für den Kriegsfall b e r e i t gelegte lagernde Kriegsmaterial. Daraus ergibt sich ein allgemeiner Rahmen für ein Abrüstungsabkommen. Für die Erfassung der ausgebildeten Reserven wäre nach deutscher Auffassung die geeignete Methode die vom Unterfomitee genannte Abschaffung der gesetzlichen Wehrpflicht. Da aber festgestellt werden muh, daß der Versuch der Anwendung dieser Methode wenig Aussicht auf Erfolg hat, würde Deutschland unter Würdigung dieser Schwierigkeiten bereit fein, mit anderen im Dorbereitungsausschuh vertretenen Staaten nach Mitteln zu suchen, um unter Aufrechterhaltung der bestehenden, verschieden arbeitenden Wehrstzsteme den in dem Abrüstungsabkommen erstrebten Ausgleich der Rüstungen zu finden. Am besten wäre nach deutscher Anregung ein gemischtes System, bei dem nebeneinander die Beschränkung des jährlichen Kontingents, der Dien st dauer unter den Fahnen sowie der Gesamtdlensidauer, des Materials, der Registrierung und des Berufsperfo- nals erfolgen würde. Besonders wichtig erscheint hierbei die Beschränkung des Materials, nicht nur, weil sie eine sehr gute Methode darstellt, den militärischen Wert personeller Bestände herabzusetzen, sondern namentlich auch deswegen, weil sie das wirksamste Mittel ist, um diejenigen ausgebildeten Reserven zu erfassen, die bereits bei Inkrafttreten einer Ausrüstungskonvention vorhanden sind. Die Denkschrift schlägt für die Konvention eine auf den personellen Faktor bezügliche Tabelle vor, in die auf der Konferenz die für jeden Staat zulässigen Höch st zahlen eingesetzt werden müssen. Für den modernen Krieg, insbesondere für die Möglichkeit, einen Angriff auszusühren, ist von größter 'Bedeutung die Ausrüstung der Truppen mit Material. Armeen mit modernsten Kampfmitteln und reicher Materialausstattung sind ohne weiteres selbst stärkeren Gegnern, die über eine veraltete und zahlenmäßig geringere Materialausstattung verfügen, überlegen. Wenn daher das Material in der Abrüstungskonvention beiseitegelassen würde, so würde sich ein völlig falsches Bild von den Rüstungsverhältnissen der verschiedenen Staaten ergeben. Die Erfassung des Materials darf sich dabei nicht auf die Bewaffnung der unter den Fahnen stehenden Truppen beschränken, sondern sie muß aufdas lagernde Material ausgedehnt werden, namentlich weil durch dieses die ausgebildeten Reserven ihre Kampfkraft erhalten wird. Eine wirksame Beschränkung des Kriegsmaterials kann nur im Wege der Festlegung von Höchststückzahlen für die einzelnen in Frage kommenden Waffenkategorien erfolgen. Eine Erfassung durch Festlegung von Dudgethöch st zahlen würde nicht wirksam sein, einmal weil .sie das bei dem Inkrafttreten der Konvention vorhandene Material nicht erkennen ließe, ferner weil die militärisch sehr wichtige Art der Bewaffnung sich nicht ersehen liehe und überdies weil Dudget- zissern bei der großen zeitlichen und örtlichen 'Verschiedenheit der Kaufkraft des Geldes und der Bewaffnungskosten für die Beschränkung der Rüstungen überhaupt keinen geeigneten Der- gleichsmahstab darstellen. Unerläßlich wäre vor allem die Festlegung der Waffengattungen, die bei der modernen fiamp- fesweise einen Angriff zum mindesten außerordentlich erschweren würden, wie z. B. der Tanks, der Bombenflugzeuge und der weittragenden schweren Geschütze. Die Entwicklung des Abrüskungsgedankens sollte dahin führen, daß diese Waffen allgemein a b - geschafft werden. Steht man jedoch auf dem Standpunkt, daß hierfür die Zeit noch nicht reif ist, so müßte wenigstens auf eine sehr weitgehende Beschränkung gerade dieser Waffengattungen und deren genaue Festlegung in der Konvention hingewirkt werden. Es ist hierbei besonders zu berücksichtigen, daß die Beschränkung des Materials im Bezug auf die aus- gebildeten Reserven eine wesentliche Rolle spielt, da durch sie die Verwendbarkeit der letzteren bei Beginn eines Krieges in wirksamster Weise eingeschränkt wird. In dem Kapitel über den materiellen Faktor wird sodann noch aus das völlige Verbot der A n w e n - oung giftiger Gase kraft des Protokolls vom 25. Juli 1925 gegen die Anwendung chemischer Stoffe erinnert. Es wäre zu prüfen, ob nicht dem Verbot der Anwendung chemischer Kampfstoffe noch dadurch eine größere Wirksamkeit verliehen werden könnte, daß die Anwendung der wichtigsten Waffe, mit deren Hilfe die chemischen Kampfstoffe zur Anwendung gelangen, nämlich der Luftwaffe allgemein beschränkt würde. In Betracht kommen könnte ein allgemeines Verbot des Abwurfes von Kampfstoffen aus der Luft und der Vorbereitung hierzu. Dieses Verbot würde nicht nur das Abwerfen von Gasbomben, sondern auch von Brisand- und Brandbomben sowie die sonst etwa noch mögliche Freilich den Rahm von der Milch schöpfte das Zentrum. Es hat nach dem unerträglichen Zickzackkurs vergangener Tage diesmal so geschickt operiert, daß es — das muß ihm der Neid lassen — ohne jede Konzession seinerseits seine alte Forderung auf drei Ministersitze im Kabinett restlos durchsetzen konnte. Welches Gewicht es nun in die Wagschale zu werfen gedenkt, zeigt die Liste der Männer, die es — übrigens wieder einmal gegen jede vernunftgemäße Auslegung der Reichsverfassung — von sich aus dem Reichskanzler als Zentrums- Minister präsentierte. Guörard, Steger- w a l d und Wirth sind nicht die ersten besten Verlegenheitslückenbüßer für ein Kabinett, an das man sich nicht gebunden hält, sondern es sind Leute der ersten Garnitur, mit deren Entsendung das Zentrum ankündigt, daß es im neugebildeten Kabinett Müller-Franken eine starke Machtposition zu beziehen gedenkt. Um Herrn von Gusrard, den ehemaligen „Verbindungsmann" und Reichsverkehrsminister, mit dem Justizministerium beglücken zu können, mußte der Demokrat Koch-Weser auf dem Altar der Parteipolitik geopfert werden. Er war zwar seinerzeit ohnehin nur als Provisorium gedacht und hatte so viel anerkennenswerte Selbstentsagung gehabt, darauf einzugehen. Aber damals hatte man wohl kaum mit einer Zehnmonatskrisis gerechnet. So hat sich Koch-Weser in seinem Ressort energisch an die Arbeit begeben und die vorliegenden großen Entwürfe zur Justizreform in seinem Geiste entschieden vorwärts getrieben. Wir befinden uns zwar mit feinen Absichten nicht in allen Punkten in Uebereinftimmung, müssen aber doch sagen, daß es uns eine recht üble Begleiterscheinung des parlamentarischen Prinzips zu fein dünkt, wie hier die anregende und fruchtbare Tätigkeit eines Fachmannes und Sack)kenners — mag sie auch in recht vielen Fvagen unseren Wünschen z-uwiderlausen — durch einen aus parteipolitischen Gründen ergraun= > genen Personalraechsel brüsk abgeschnitten wird. I Wie nun ein Zentrumsmann Strafgesetz- und Ehescheidungsreform mit einer liberal-sozialdemokratischen Mehrheit fördern will, ist ein Rätsel, auf dessen Lösung durch Herrn von Guörard man gespannt fein darf. Herr Steger wald, dessen Aspirationen früher kein Ministerium gut genug zu sein schien, hat sich mit dem Verkehrsministerium begnügt. Diese Bescheidenheit darf nicht überraschen. Das Arbeits- minifterium, das ihm als Führer der christlichen Gewerkschaften von Rechts wegen zugekommen märe, ist in einer Zeit sinkender Konjunktur und wachsender Arbeitslosigkeit, namentlich auch in Erwartung kommender Lohnkämpfe, ein heißes Eisen, an dem Adam Stegerwald sich nicht gerne die Finger verbrennen möchte. Für die Zentrumsfraktion bedeutet fein Eintritt in die Regierung zweifellos eine fühlbare Erleichterung. Seine Opposition gegen Marx bei der Beratung der Beamtenbefoldung, feine Konkurrenz mit Kaas bei der Parteiführerwahl find noch unvergessen. Auch Joseph Wirth, der ewig Unruhige, Unberechenbare, ist für seine Parteigenossen gewiß bequemer in einem Ministersessel als auf der Abgeordnetenbank. Er hatte einmal den Ehrgeiz nach dem Posten eines Vizekanzlers, als ihm der Widerspruch des Reichspräsidenten einen Strich durch die Rechnung machte. Wenn er sich nun mit dem unscheinbaren R h e i n m i n i st e r i u m begnügt, so zeigt eine bewundernswert prompt erscheinende Verlautbarung über sein Programm doch schon, wohin die Reise gehen soll. Das Zentrum und Prälat Kaas an feiner Spitze haben den Wunsch nach außenpolitischen Lorbeeren noch nicht begraben. Joseph Wirth soll als Stoßtruppführer fungieren, mit dessen Hilfe Stresemanns Position vom Rhein- minifterium her anscheinend aufgerollt werden soll. Die Vereinigung aller Grenzlandfragen in Ost und West zur gemeinsamen Bearbeitung in dem zu einem Grenzland mini st erium umgestalteten Ministerium für die besetzten Gebiete soll das Auswärtige Amt „entlasten", lleberbenft man schnell das Arbeitsgebiet dieses neuen Ministeriums: Memel, Ostpreußen, Korridor, Oberschlefien im Osten, den Gesamtkomplex der R ä u m u n g s = frage aber im Westen, so wird mit einem Schlage deutlich, daß bei der gegenwärtigen Lage Deutschlands und seiner Außenpolitik mit dieser „Entlastung" der Aufgabenkreis des Auswärtigen Amtes geradezu ausgehöhlt wird, zumal bei der starken Aktivität Dr. Wirths auch eine starke Einflußnahme auf die Dinge der Reparations- und Völkerbundspolitik äußerst wahrscheinlich ist. Hier sehen wir für die Zukunft starke Reibungsflächen. Doch es ist ja nur ein Notdach, unter dem sich die Parteien, von den Sozialdemokraten bis zur Bayrischen Volkspartei, zusammengefunden haben. Viele und berechtigte Wünsche sind unerfüllt geblieben, wir erinnern nur an die Preußenfrage. Gegensätze sind nur mühsam verseh l e i e r t, die sich in alter Stärke wieder melden werden, sobald der Etat unter Dach und Fach gebracht ist und über die Ergebnisse der Reparationskonferenz Klarheit herrscht. Aber im Augenblick ist der Weg zur Arbeit frei. Sache der sich zur Arbeitsgemeinschaft zusammengefundenen Parteien ist es nun, unter Führung der Regierung, deren starke Hand man in den letzten Monaten fo oft schmerzlich vermißt hat, das sich selbst gestellte Programm mit Entschlossenheit und Tatkraft zur Durchführung zu bringen. Nur so können Parlament und Regierung das Vertrauen des Volkes langsam wiedergewinnen, das die unbegreifliche Mißwirtschaft der letzten Monate sie hat einbüßen lassen Handlungen mit den Regierungsparteien des Strelitzer Landtages ausgenommen. Der Landtag hat sich daraufhin, ohne Beschlüsse zu fassen, auf nächsten Montag vertagt. Nie Reichsnchtlini'en für den Wohnungsbau. Berlin. 13. April/ (D. D. Z.) Der Wohnungsausschuh des Reichstags nahm Richtlinien für die technische Wohnungsherstellung an. Danach sollen die Dauarbeiten. soweit es die Witterung irgend gestattet, gleichmäßig über das ganze Iahr verteilt werden. Reue Bauweisen und neue Baustoffe sollen herangezogen werden. Bei Frachten und Beförderungstarifen der Verkehrseinrichtungen ist auf eine Begünstigung der Baustoffe hinzuwirken. Die vorhandenen Träger der Bautätigkeit sind im gegenseitigen Wettbewerb voll ouszunühen. Soweit für einzelne von ihnen b e - sondere Begünstigungen bestehen, ist deren Mißbrauch zu verhindern. Die technische Gestaltung des Wohnungsbaues ist den Forderungen für Landes- und Stadtbauplanung. Dodenbeschafsung und Bodenrecht anzupassen. Den Anträgen auf Gewährung öffentlicher Baumittel sind sorgfältig aufgestellte und technisch einwandfreie Pläne und Berechnungen beizufügen, die von den zuständigen Stellen eingehend auch hinsichtlich der Auswahl geeigneter Wohnungstypen und Verwendung verbilligender Bauweisen und Baustoffe zu prüfen sind. Weiter wird gefordert die Rormung von Bauteilen. Von der Dauberatung ist 'weitgehendst Gebrauch zu machen. Bei der Vergebung von Aufträgen soll möglichst die R e i ch s v e r d i n- gungsordnung angewendet werden. Die baupolizeilichen Vorschriften sind nachzuprüfen. Das Verfahren der mit den Bauvorhaben befaßten öffentlichen Verwaltungs- Nellen ist zu vereinfachen, zu beschleunigen und zu verbilligen sowie den neuzeitlichen Baubedürfnissen anzupasfen Diktatur in Indien. ?2' 3tpriL Aus d-r qem-m- wmen tfreitagstagung der indischen Gesetzgebenden Versammlung und des Staatsrates in Neu-Delhi kündigte der Vizekönig von Indien, Lord Ir- hAn?R lr 'M, Hinblick auf den Einspruch des Präsidenten des Parlaments gegen die Verab- ^rm^or(a9c ’ür bic öffentliche bie Vollmachten selbst übernehme. Die notwendigen Verfügungen werden demnach direkt DD,m DlZekonig ausgehen, ohne daß die Gesetz- gebende Versammlung oder der Staatsrat die Mög- lichkeit eines Einspruches besitzen. In Begründung dieses ungewöhnlichen Schrittes führte der Vize- konig in längerer Rede u.a. aus, daß er nie mit | seiner Ansicht zurückgehalten habe, welch e r n st e r Gefahr das indische öffentliche Leben ausgesetzt i würde, wenn den revolutionären Drohungen auch nur für einen Augenblick freie Hand gelasseii würde. Wenn die Auslegung der bestehenden Derfassungs- bestimmungen durch den Präsidenten eines der beiden Häuser, die das Parlament zu einer Lage führe, der die Regierung aus sehr ernsten Gründen nicht zustimmen könne, wie das gegenwärtig der Fall sei, dann bestehe die einzig wirksame Abände- derungsmöglichkeit darin, von der zuständigen Stelle diejenigen ergänzenden Bestimmungen zu treffen, die notwendig seien, um in Zukunft die Wiederholung ähnlicher Unterbrechungen des normalen Ablaufes der gesetzgebenden Arbeiten zu verhindern. Diesem Kurs müsse ohne Verzögerung gefolgt werden. Um jedes Mißverständnis zu vermeiden, wolle er hinzufügen, daß der Zweck der geplanten Ergänzung der Bestimmungen in rohen Umrissen darin liege, daß der Verlauf der gesetzgebenden Arbeiten beider Häuser durch die Präsidenten der beiden Häuser nicht mehr aufgehalten werden könne, ausgenommen in Ueber- einstimmung der dem Präsidenten zustehenden Rechte. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident ist weiter in der Rekonvaleszenz. Erfreulicherweise geht es ihm dauernd besser. • Da der Reichsminister der Justiz Koch- Weser am Samstag im besonderen Auftrage des Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung den neuernannten Reichsgerichtspräsidenten Dr. Bumkein sein Amt einführen wird, wird die Umbesetzung des Reichsjustizministeriums und die Ernennung der anderen neu in das Kabinett eingetretenen Reichsminister erst im Laufe des Samstag erfolgen. e König Doris von Bulgarien, der bekanntlich seit einiger Zeit inkognito in der Reichs- Hauptstadt weilte, ist Freitag abend mit seinem Gefolge nach München weitergereist. Der wegen mehrerer Fememorde von den Untersuchungsrichtern bei den Landgerichten Berlin HI und Landsberg steckbrieflich verfolgte und in Bremerhaven von der deutschen Polizei fest- genommene ehemalige Feldwebel August Fahlbusch, der aus Amerika ausgewiesen worden ist, ist in Berlin ein getroffen und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Die Voruntersuchung wird vvn dem zuständigen Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat 3ung (Ber- Iln), geführt. Die Verteidigung liegt in den Händen des Rechtsanwalts Graf v. d. Goltz aus Stettin. * OBic verlautet, wird König Georg von England wahrscheinlich in der zweiten oder Verwendung von chemischen Kampfstoffen aus der Luft verhindern und so in erwünschter Weise dazu beitragen, die Leiden der Zivilbevölkerung im Kriege zu mildern. Außerdem würden durch ein solches Verbot Kampfmittel getroffen, die in erster Linie zum Angriff geeignet sind. Das dritte Kapitel über die Regelung von Stretttgkeiten befaßt sich mit dem Plane der Einsetzung eines Kontrollorgans. Die neue deutsche Anregung geht dahin, daß durch eine besondere Bestimmung jeder Signatarstaat das Recht hat, bei einem gemeinsamen ständigen Ausschuß, der personell vielleicht mit der Vorbereitenden Abrüstungs- kommission übereinstimmen könnte, etwaige Verstöße zur Sprache zu bringen. Der Ausschuß würde alsdann die Angelegenheit schriftlich oder mündlich aufklären und etwa festgestellte Verstöße im Wege der Verhandlung in geeigneter Weise ab» zustellen suchen. Dabei könnte erwogen werden, zur endgültigen Austragung von Angelegenheiten. in denen auf diesem Wege eine Regelung nicht zu erreichen ist. einen ähnlichen Weg zu eröffnen, wie er in den Minoritätenverträgen zur Anrufung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes gegeben ist. Oie Kommunisten am 1. Mai. Keine Truppenkonzentrationen der Reichswehr. Berlin. 12. April. (WTB.) Die „Rote Fahne" bringt in ihrer heutigen Morgenausgabe Meldungen über angebliche Truppen- konzentrationen am l.Mai. Rach derselben Meldung soll Polizeipräsident Z ö r - grebel sich an die maßgebenden Reichswehrstellen gewendet haben und weiterhin sollen Verhandlungen mit dem preußischen Innenminister über Heranziehung ostpreußischer Schutzpolizei stattfinden. Wie hierzu von den maßgebenden Stellen mitgeteilt wird, entspricht die Meldung der „Roten Fahne" in keinem Fall den Tatsachen. Das Reichswehrministerium erblicke keine Rotwendigkeit, Truppenkonzentrattonen in Berlin vorzunehmen und das Polizeipräsidium denke nicht an die Heranziehung ostpreuhischer Schutzpolizei, da die in Berlin vorhandenen Kräfte vollkommen a u s r e i ch t e n. um die Ruhe und Ordnung unbedingt aufrechtzuerhalten. — Wie weiter gemeldet wird, haben die Gewerk- s ch a f t e n auf ihrer gestrigen Tagung beschlossen, am l.Mai den Verkehr im üblichen Maße aufrechtzuerhalten. Das Fahrpersonal der drei großen Verkehrsunternehmungen hat sich auch bereit erklärt, wie üblich an diesem Tage Dienst zu-tun. Gegen die Aufforderung der Kommu- n i st e n, am 1. Mai auf den Straßen zu demonstrieren, macht sich eine immer stärker werdende Bewegung unter ihren eigenen Mitgliedern bemerkbar. So hat eine kommunistische Versammlung dieser Tage den Beschluß gefaßt, daß man nur dann demonstrieren wolle, wenn d i e Führer sich verpflichteten, an der Spitze der Züge zu marschieren. Trotzkis Gnreisegesuch abgelehni. Berlin. 12. April. (TU.) Wie amtlich mltgeleilt wird, hat sich das R e i ch s k a b i n e l l mit der Stage der Einreise Trotzkis nach Deutschland beschäftigt. Rach eingehender Prüfung aller Umstände hat das Kabinett beschlossen, dem Gesuch Trotzkis nicht stattzugeben. Maßgebend für die Ablehnung des Gesuches dürfte vor allen Dingen die Erwägung gewesen fein, die guten Beziehungen zu So. wjetruhland nicht zu trüben. Aefl steht auch, daß gefühlsmäßige Gründe nicht ausschlaggebend gewesen sind. 3m übrigen wird von zuständiger Seile darauf hingewiesen, daß Trotzki von der T ü r- kei die Aufenlhaltserteilung erteilt worden ist und daß er sich nach Lage der Dinge in der Türkei durchaus wohl fühle. Lin neues Memorandnm der GläubigermSchte. Oos neue Rechenexempel. Die Pariser und Londoner Blätter berichten übereinstimmend, daß die Sachverständigen der vier Gläubigermächte Frankreich, England, Italien und Belgien — nachdem sie zuerst durch das Ergebnis ihrer eigenen Ädditionsexempel einigermaßen verblüfft waren, unter sich zu einer Einigung darüber gekommen seien, w i e o i e l sie glauben von Deutschland verlangen zu können. Die Ziffern selbst werden etwas verschieden voneinander angegeben: Pertinanx berichtet dem Daily Telegraph, sie kämen auf eine Durchschnittsannuität von 2,2 bis 2,3 Milliarden hinaus, steigend gestaffelt, während 37 Jahren und hiernach herabgehend auf die Sumem der Amerikazahlungen aller europäischen Alliierten. Da an anderer Stelle Anfangsziffern von 1,7, Höchstziffern von 2,3 Milliarden genannt werden und auch voneinander abweichende Berechnungen über die Anteile der einzelnen Gläubigermächte verbreitet werden, so kann man zunächst diese Angaben als nichtauthentisch betrachten. Aber in den nächsten Tagen wird man ja wohl zuverlässig erfahren, was die Delegierten der Gläubigermächte zusammen ausgeklügelt haben, und man wird seine Konsequenzen daraus auf deutscher Seite ziehen müs- St. Wenn es sich dabei ergeben sollte, daß man tat- hlich mit einem Jahresaufkommen von 2,2 bis 2,3 illiarben Goldmark rechnet, so wird man den Gläubigern die Frage vorlegen müssen, ob sie es für gerechtfertigt halten, Deutschland zuzumuten, daß es für einen Nachlaß von 200 bis 300 Millionen jährlich ober von etwa 10 v. H. der im Dawesplan mit allerhand Kautelen vorgesehenen Höchstleistung drei ganz entscheidende und einschneidende Konzessionen macht; nämlich 1. den teilweisen Verzicht auf den Transferschutz bewilligt; in welcher Hohe dieser Verzicht beansprucht wird, wissen wir noch nicht, aber wir wissen jedenfalls, daß wir ihn bisher lOOprozenttg. also i n voller Höhe, genießen, 2. daß wir einer Ausdehnung der Zahlungen auf 58 Iahre zustimmen, d. h. auf 21 Lfahre mehr als im Dawesabkommen durch die Befristung der verschiedenen Obligationen vorgesehen. 3. daß wir unsere Mitwirkung zu einer Kommerzialisierung großer Teilbeträge der Gesamtforderungen herleihen, ohne die eingestandenermaßen eine Gesamtregelung nicht durchführbar ist, die aber für Deutschland mit ter Privatisierung seiner Schuld, mit einer Abänderung der p o l i 11 • schen Forderung seiner ehemaligen Kriegsgegner in eine unwandelbare, geschäftsmäßige verbunden wäre. Auch bei größtem Verständigungswillen und wettestgehender Rücksicht auf die wirklichen oder vermeintlichen Bedürfnisse der Gegenseite wird man sich sagen müssen, daß das gebotene Aequi- valent keineswegs für diese deutschen Konzessionen ausreicht, wenn es sich tatsächlich in dem Rahmen hält, der aus den vorliegenden Pressenachrichten zu entnehmen wäre. Cs ist selbstverständlich, daß die Ziffern der Annuitäten nicht allein und nicht absolut maßgebend sind, sondern daß in sehr hohem Maße auch die Dauer, die Modalitäten, die Sicherungen usw. in Rechnung zu stellen sein werden. Aber welches auch die möglichen Erleichterungen wären, die nach dieser Richtung hin und in Anpassung an die deutsche Leistungsfähigkeit noch geboten werden könnten, scheint die Grundlage für eine Verständigung zum mindesten eine ziffernmäßige Reduktion der Iahresraten in dem Maße notwendig zu machen, das den bedeutenden Konzessionen entspricht, die man von Deutschland in Abänderung des Londoner Abkommens von 1924 verlangt und die in den oben genannten drei Punkten plastisch vor Augen treten. Man wird deshalb hoffen dürfen, daß die authentische Mitteilung über die Vorschläge, auf die sich die Delegierten der vier Mächte geeinigt haben, nicht unerheblich von dem abweichen, was von der französischen und englischen Presse heute mitgeteilt worden ist. Oie Lahreszahlungen. Heute Uebergabe des Memorandums au Dr. Schacht. Eigene Drahtmelbung des „Gießener Anzeigers". Paris, 13. April. Die Agentur havas berichtet: Das neue Memorandum, das in der heule vormittag stattfindenden Vollsitzung der Reparationskonferenz überreicht werden wird, sei nicht ein Vorschlag der Delegationen der reparattonsberech- tigten Länder an die deutsche Delegation, sondern eine schriftliche Mitteilung der Delegationen an die Reparationskonferenz, um diese über die Ergebnisse ihrer Arbeiten und über ihre Schlußfolgerungen in Kenntnis zu sehen. Das Dokument werde die Zahl der Annuitäten enthalten, die die Sachverständigen mit der Zahlungsfähigkeit Deutschlands vereinbar erachteten. Dem Memorandum sei eins Aufstellung von Rormalannuitüten beigefügt, deren Annahme geeignet sei, die Grundforderungen der reparalionsberechtigten Mächte zu beftiedigen. Der „Makin" will wissen, daß die Anfangsannuitäten 1 8 0 0 Millionen Mark betragen und nach und nach auf 2400 Millionen Mark steigen würden, um nach 37 Zähren für 21 wettere 3ahre auf 1700 Millionen Mark zurückzugehen. Das .Journal“ sagt bereits voraus, daß die endgültigen Ziffern unter diesen eben genannnfen Ziffern liegen würden, aber nicht sehr viel darunker, denn die vier Delegationen feien entschlossen, ihre Positionen zu verteidigen. Weder Angebot noch Mmatum. Die Konferenz in der kritischen Phase. Paris, 13. April. (Reuter.) Es scheint, daß alle Gläubiger ihre Fordern nge n ermäßigt haben, einschließlich sogar der Amerikaner bezüglich der Milliarde Gvldmark, die ihnen noch zustand. Die erzielte Annuitätentabelle stellt daher die Ansicht der Gläubiger über das Mindeste dar. was Deutschland annehmbarerweise zu zahlen ersucht werden kann. Es ist nicht wahrscheinlich, daß Dr. Schacht diesen Vorschlag annehmen wird. Er wird wahrscheinlich um Zeit ersuchen, um seine Kritik zu formulieren. Don den jetzt kommenden Erörterungen hängt der Erfolg oder Fehlschlag der Konferenz ab und es ist schwer zu glauben, daß das Ergebnis ein Fehlschlag sein soll. — „Daily Telegraph" berichtet, die Vorschläge würden weder als Angebot noch als Ultimatum bezeichnet, sondern als Erörterungsgrundlage. Die Sachverständigen sind der Ansicht, daß die Ziffern vollkommen geheim gehalten werden müßten, bis die Deutschen Zeit gehabt haben, ihre Meinung darüber zu äußern. Es wird kaum als wahrscheinlich angesehen, daß Dr. Schacht heute mehr tun wird, als das Dokument zur Prüfung entgegenzunehmen. Berufung im Langkopp-Prozeß. Berlin, 12. April. (WB.) Die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil des Erweiterten Schöffengerichts Berlin-Schöneberg im Langkopp-Prozeß Berufung eingelegt. Bekanntlich hatte das Schöffengericht entgegen dem Anträge des Ersten Staatsanwalts Köhler den Farmer Heinrich Langkopp von der Anklage der räuberischen Erpressung freigesprochen und ihn nur wegen Bedrohung und Rötigung und wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu fünf Monaten Gefängnis mit Bewährungsfrist verurteilt Die Freisprechung wegen Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz dürfte bei der Berufungsver- handlung durch die Staatsanwaltschaft nicht an- gefochten werden, da von ihr selbst dieser An- klagepunkt fallengelassen worden war. Bei der C^nchtsschreiberei war bisher noch nicht bekannt ob auch Langkopp Berufung einlegen wird. Das durfte aber, dem Vernehmen nach, geschehen. Siu (Sparprogramm der Lufthansa. x -J1' (Priv.-Tel.) Die Beratungen des Arbei^ausschusses der Lufthansa über den Um- fang des Betriebes bei voller Durchführung ber geplanten Etatsabstriche haben bem „B. X." zufolge ergeben, baß nur zwei ober drei ber großen internationalen Linien aufrechterhalten werben könnten, nämlich bic Linien noch Paris, ßonbon und Moskau. Eine auch nur vorsorgliche Kündigung der Arbeiter und Angestellten »st v e r m i e b e n worben, um auch den Anschein zu vermeiden, daß die Lufthansa einen Druck auf die Regierung und bie öffentliche Meinung ausüben wolle. Nachdem der Umfang des Luftverkehrs endgültig festgelegt worben ist, wirb bie zweite Frage zu prüfen fein, wie bas Verhältnis der Lufthansa zur Industrie und die Verhältnisse in der Flugzeugindustrie selbst zu ordnen sind. Das 2Reid> vermittelt in Mecklenburg-Strelih. AerNn, 12. April. (Tel.) Amtlich wird mitgeteilt: Die Regierungskrise in Mecklenburg- Strelitz hat die Gefahr des Eintritts eines re g i e r u n g s l o se n. den Vor- schriften der Reichsverfassung nicht entsprechenden Zustandes herbei- g/suhrtt Die Relchsregierung hat deshalb be- l. Togal-Tabletten sind ein hervorragendes Mittel bei Rheuma, Gicht, Ischias, Grippe, Nerven- u. Kopfschmerz, Erkältungskrankheiten! Schädigen Sie sich nicht durch minderwertige Mittel. Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 5000 Ärzte, darunter viele bedeutende Pro- fessoren, die gute Wirkung des Togal. Fragen Sie Ihren Arzt. In allen Apotheken Mark 1.40 0.46 Chln., 12,6 Llth., 74.3 Add. acet, aal ad 100 Amyl . haben der breiten Öffentlichkeit unr7iioh bekannt gemacht, daß für unsere 5-Pfg.- Zigarette „Bulgaria Krone“ solch hochwertige Edef- tabake Verwendung finden, aus denen normaler- weise 8-Pfg.-Zigaretten hergestellt werden kön- L nen. 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M., vormittags 11 Uhr, versteigere ich im Auftrage der Amtskasse Krofdorf bei Gastwirt Jakob Appel in Krof. dorf, Hauptstraße, zwangsweise, meistbietend gegen Barzahlung: 3336D 1 elettr. Klavier mit 18 Rollen. Schenk/ Vottziehungsbeamier. Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen am Montag, dem 29. April 1929, lO'/s Uhr beginnend, in der Gastwirtschaft „Zur Liebigshöhe" in Gießen versteigert , 9. , 10. , 11. , 12. , 13. , 14. , 15. , 16. , 17. la 1b 1b 1b 2a 2a 2b 2b 3a 3b 4a 4b „ 2a 42,00 „ „ 2b 2,33 „ Das Holz ist mit Rinde gemessen. Angebote sind getrennt nach Sortiment und Klassen in den Losen bis Mittwoch, den 17. April, nachmittags, bei der untcrzeich- neten Bürgermeisterei einzureichcn, wo anschließend die Oeffnung der Angebote erfolgt. Mit der Einreichung unterwirft sich der Käufer den Verkaufsbedingungen, Die vor dem Termin bekanntgegeben werden. Das Holz ist vorher einzusehen, da spätere Reklamationen nicht berücksichtigt werden, und wird auf Verlangen von Förster Keil vorgezeigt. 3327D Beuern, am 11. April 1929. Hessische Bürgermeisterei Beuern. L i n d e n st r u t h. St. Kiefern-Langholz und -Abschnitte 3a (N, 30 bis 34 cm Mittcndurch- messer) = 63,90 fm. St. Kiefern-Langholz 3b (N, 35 bis 39 em Mittendurchmesser) = 2,04 fm. Die vorjährigen gü ft'tigcn Zahlungsbedingungen, wonach Stundung des Kaufgeldes bis 11. November 1929 gewährt roerbcn kann, sind auch für die diesjährigen Holzverkäufe maßgebend. Loseeinteilung nebst Verkaufsbcdingun- gen werden unentgeltlich abgegeben. Gießen, den 12. April 1929. Der Oberbürgermeister. ________2- V.: Dr. R 0 senbe r g. Holzsnbmission. Aus den Waldungen der Gemeinde Beuern soll folgendes Ruhholz auf dem Wege schriftlichen Angebots verkauft werden: Langholz und Abschnitte, Güteklasse N. 7. Klasse 8. „ 8. „ 18,65 39,37 39,37 26,75 47,90 19,62 57,60 14,67 31,26 17,91 7,64 Nutzholzversteigerung Mittwoch, den 17. April, vormittags 9 Uhr, kommt auf dem Rathaus zu Cleeberg aus hiesigem Gemcindewald nachstehendes Holz zur öffentlichen Versteigerung: 3361V Eiche: 89 Stämme mit 4697 fm (größtenteils Alteiche): 6 rm Küferholz. Kiefern- stämmc 28 Stück mit 12,52 fm; 34 rm Kiefern-Nutzscheit und -Knüppel (2,5 und 1,5 lang). Nadelholz: Fichtenstämme 570 Stück mit 195,74 fm; 289 Stangen 1. Klasse; 191 Stangen 2. Klasse: 752 Stangen 3. Klasse; 1000 Stangen 4. und 5. Klasse. 22 rm Kiefern-Brennholz (Scheit und Knüppel). Das Holz lagert in den Distrikten 8, 9, 11 und 13 Markwald, 19, 22, 23 und 24 Gaulskopf, 27, 33 und 36 Altenwald. Die Alteichen liegen in dem Distrikt 38 Mohrs- wald. Die Stangen lagern im Distrikt 48 Strichberg. Ferner kommen nach Ende der öffentlichen Versteigerung aus Distrikt 25 Gauls- kopf 222 Nadelholzstämme mit 118,00 fm in größeren Losen zum Ausgebot. Auskunft erteilt Förster Müller, Weiperfelden, sowie der Unterzeichnete. Cleeberg, den 11. April 1929. Der Bürgermeister: Höhn. I Mittendurchmesser) = 13,73 fm. St. Kiefern-Langholz 1b (N, 15 bis 19 cm Mittendurchmesser) = 60,67 fm. Kiefern-Langholz und -Abschnitte 2a (N, 20 bis 24 an Mittendurchmesser) = 325,45 fm. St. Kiefern-Langholz und -Abschnitte 2b (N, 25 bis 29 cm Mittendurchmesser) = 271,91 fm. Frankfurt a. M. Hauptgeschäft: Falkengasse 5, Telephon Rö. 3477/78 h iliale: Markt37/Läger: Saalgasse 27, Ostgüterbahnhof Vertreter: A. N. Auer, Gießen, Neuen Däne 22 9258V Torfftreu RM. 4.50 Torfmull NM. 4.75 pro Ballen frei Ver- wendungsstelle. tz. Sauer LEv. Kohlen- undLandes- vrodukle, Tel. 1154, Laaer und Bureau Walltorllr. 48, Ecke Braugasse 3377D 17 St. Kiefern-Langholz und -Abschnitte 3a, 3b und 4a (A, 30 bis 44 cm Bekanntmachung. Alle noch rückständigen Rechnungen für das Städtische Hochbauamt über ausgeführte Arbeiten und Lieferungen bis 31. März 1929 sind spätestens zum l.Mai 1929 in doppelter Ausfertigung, unter Beifügung der Bestellscheine an das Städtische Hochbauamt, Asterweg 9, einzureichen. Gießen, den 12. April 1929. Abfallholz-Versteigerung. Montag, den 15. April 1929, 14 Ahr beginnend, läßt die Stadt Gießen etwa 76 Haufen Abfallhol;, darunter 23 Lindenstamme, 8 Haufen Knüppel und 45 Haufen Reisig (das Reisig eignet sich zu Erbsen- reisern) öffentlich meistbietend versteigern, und zwar 3324C 9 Haufen am Schlachthof, 39 Haufen auf dem Alten Friedhof, am Alten Rodger Weg und Trieb, 9 Haufen in der Wiesenstraße, 19 Haufen am Schiffenberger Weg, am Bahnübergang. Die Zusammenkunft findet um 14 Uhr am Schlachthof, um 14^ Uhr in der Wie- se"ltrabe, „m 15 Uhr am Haupteinganq des Alten Friedhofs in der Sicher Straße und um 16 Uhr am Bahnübergang des Schiffenberger Wegs statt. Das Abfallholz am Alten Rödger Weg und auf dem Trieb wird auf dem Alten Friedhof mitversteigert. Gießen, den 10. April 1929. Der Oberbürgermeister. ö. 23.: Dr. Rosenberg. Frankfurt a.M. Pieräe-MörMe 15. April, 13. Mal, 10. Jual, 8. Juli, 19. August, 7. Oktober, 2. Dezember. Durchschnittlicher Auftrieb 700 Pferde aller Rassen, auch Schlachtpfcrde: ßröbte Auswahl u. beste Gelegenheit f. Kauf od. Tausch. Ein Besuch dieser Märkte ist zu empfehlen. s 118V Der Handel Sonntags verboten. Wi^idiT^di doth dieses lafjH Wi<3 selnetimen das Aügee'flteOSfilWie sanffühd : uber a,,e ™rfen und Hindernisse hinweggetragen werden! Welch schneller Läufer, welch vorzüg- ,cher Ber9$le.gerl Und bei alledem - so außerordentlich niedrig im Preis, so unerhört sparsam im Betrieb t Dieser Wagen ist wert, dal) Sie ihn bevorzugen. Besichtigen Sie ihn und verabreden bie eine Probefahrt. Bereitwillig)! nimmt der CifroSn-Händler Ihre Wünsche entgegen, in/« pc Se*szyl'nder-Cabriolef,fOnfsifzig.............RM 6950-ab Köln Sechszylinder-Limousine, fünfsifzig . . , . .........iRM 5950.- ab Köln Bmteier"- rebh.Jtal. Erh.stlb^ nolö. u. Verb.-Aied. letzte Sais. 10 20 mal s. fl. Dtz. 5 RM. C. Voat I, Lirb. CCQCOOOOOOOOÖOOOOO SaalMMi Cbstor'. Industrie gar. 11. Nachbau. ver Zentner 4,50 RM. bat abzugcben. snaD üeiüDatö leitet Kirch Gönö. Sperrholz Platten anerkannt beftes Material ans führend. Werken AosLBölzer, Furniere, Schreinereibedarf 1,91 „ Kiefernstämme aus Fällung 1928 (entrindet) Los 18. Klaffe 1b 31,00 fm Bekanntmachung Der Wochenmarkt beginnt von Dienstag, den 16. April 1929, ab vormittags um 7 Uhr und endigt um 13 Uhr. 3324C Gießen, den 13. April 1929. Der Oberbürgermeister. J.B.: Klingspor. In dem Konkursverfahren über das Ver- ber Gewerkschaft „Vorwärts" in Gießen wird der Termin zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf 3341D Freitag, den 3. Mai 1929 vormittags 8% Uhr mir Hessischem Amtsgericht in Gießen Zimmer 101, anberaumt. Gießen, den 6. April 1929. ___Hessisches Amtsgericht.__________ Bekanntmachung^ Das neue Schuljahr beginnt für die hiesige Fortbildungsschule am Wonlaa, dem 15. April 1929. 3300C Die Anmeldung der in die Fortbildungsschule neu eintretenden Schüler und Schülerinnen hat an diesem Tage, vormittags 9 Uhr, zu erfolgen, und zwar 1. für die kaufmännische und die allge- meine Abteilung in der Alten Klinik; 2. für die gewerbliche Abteilung in dem Behelfsschulbau, Rodheimer Str. 35; 3. für die Mädchenabteilung im Schulhaus in der Neustadt. Fortbildungsschulpflichtig werden mit Beginn des neuen Schuljahres alle Schüler und Schülerinnen, die an Ostern 1929 aus der Volksschule entlassen worden, sowie diejenigen, die aus höheren Schulen nach acht- jahnaem und mehr als achtjährigem Schulbesuch, aber vor vollendetem zehnten Schuljahr ausgetreten sind. Gießen, den 11. April 1929. Stadtschulamt. 3.23.: Fischer. 1 Gardinen werden gewaschen u. geipanni. HanShal- tungs-Wäschc wird angenommen. 02211 L. Albach KrosdorierStra':e13 Wirsing,WeiO-) ,e unil Rolkraulj ’• tal-ii», Großmarkthalle Fftm.,Tel.43859 Car. 3330V smitegrolen in nur denen Sorten und nur la Qualtt., irostsr. überwintert. BmeiiotttliWußet sehr stark, aus dem Einschlag, sehr billig. Edle Flieder, (üra- zilis. Deutzien, sorv. a. F-rüblings- blnmcnpflanzen empfiehlt vreiswert Gärtnerei Dönges. (Diesen Marburg. Str. «7 Telephon 748. Schwapp ! kommt! Asbest- Platten. 1,2,3,4 und 5 mm wieder am Lager. 6785 D CarlSchunck Freiherrlich Riedeselsches Nevicr Oberwald. NutzhoizVersteigermg : Dienstag, den 16. April 1929, werden von früh 10 Ahr ob im Schäfersche ' Saale zu Eingelrod aus den Distrikten Münchenhain (Siedlungsbetrieb), Anl. herrnhaag, Dörner, vreitetriefch, Lochwald u. a. versteigert: 3182V Buche: 33 Abschnitte mit 2,86 fm 3., 23,21 fm 4. und 11,15 fm 5. Kl.; 12 Derbstangen 1. bis 3. Kl. und 78 rm Null,scheit "nd Nutzrollen. Esche: 29 Abschnitte mit 4,97 fm 2., 5,64 f- i 3., 135 fm 4. Kl., 21 Derbstangen 1. und 2. Kl. und 7 rm Nutzrollen. Ahorn: 37 Abschnitte mit 4,57 fm 2., 10,34 fm 3., 2,34 fm 4.. 2,59 fm 5. Kl. und 1 rm Nutzrcllen. Eiche: 69 Abschnitte mit 0,13 fm 1., 10,69 fm 2., 22,75 fm 3., 13,03 fm 4., 0,92 fm 5. Kl. und 2,5 rm Nutzscheit und Rollen. Ulme: 1 Abschnitt mit 0,25 fm 2. Kl. Linde: 2 Abschnitte mit 2,59 fm 4. Kl. Hainbuche: 2 Abschnitte mit 0,42 fm 2. und 0,44 fm 3. Kl. Roßkastanie: 5 Abschnitte mit 0,73 fm 2. und 1,56 fm 3. Kl. Kirschbaum: 1 Abschnitt mit 0,21 fm 3. Kl. Schwarzpappel: 4 Abschnitte mit 3,26 fm 4. und 0,71 fm 5. Kl. Fichte: 96 Derbstangen 1. bis 3. Kl. Lärche: 16 Stämme mit 0,25 fm lb-, 0,92 fm 2a-, 1,41 fm 2-b, 6,77 fm 3a-, 7,33 fm. 3b-, 4,68 fm 4a-Kl., 13 Abschnitte (Schnittholz) mit 3,15 fm 3b-, 5,28 fm 4b-, 12,13 fm 5. Kl. Meißtanne: 2 Abschnitte mit 1,03 fm 2b- und 0,99 fm 3a-Kl. Es wird gebeten, das Holz vorher zu besichtigen, da nachträgliche Einwendungen nicht berücksichtigt werden können. Nähere Auskunft durch die freiherrlichen Revierbeamten und durch die Unterzeichnete. Engelrod (Oberh ), den 4. April 1929. Freiherrlich Riedeselsche Rcvierverwolluug. Versteigerung^ Montag, den 15. April 1929, von 10 Uhr vormittags ab, sollen in Lich, Oberstadt Nr.35, wegen Aufgabe der Landwirtschaft verschiedene landwirtschastliche Maschinen, u. a. ein ziemlich neuer Getreideableger, ein Kultivator, ein wagen, eine Ackerwalze, verschiedene Eggen, Pflüge, ein Pfuhl- fah, eine Mähmaschine, ein Halbverdeck, ein Schlitten, verschiedene Pferdegeschirre und verschiedenes andere freiwillig gegen Barzahlung versteigert werden. 3322V Die Gegenstände können schon vor dem Versteigerungstaae besichtigt werden. Lich, den 11. April 1929. Mori Gerichtsvollzieher in Lich. WeMUgNM I Kiefernnutzholzversteigerung der Stadt Gießen. Ausschreibung. Zur Ausführung ixer Neubauten: 1. eines Finanzamtes, 3387V 2. eines Versorgungsamtes in Gießen sollen in öffentlicher Verdingung vergeben werden die Maler- und Anslreicherorbeilen. Die Bauzeichnungen und Bedingungen liegen in den Geschäftsräumen der Neubauleitung Gießen, Landgraf-Philipp-Platz Nr. 4 (Wachgebäude) während der Dienststunden zur Einsicht aus. Die Verdingungsunterlagen können, soweit Vorrat reicht, dort bezogen werden. Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Anschrift versehen bis zum öffentlichen Verdingungstermin am 20. April 1929, und zwar für Bau 1 vormitiags 11% und Bau 2 vormittags 12 Uhr an die Neubauleitung Gießen, ^ondgraf-Philipp-Platz 4, einzusenden. Gießen, den 11. April 1929. Neubauleitung her Baugruppe des Landesfinanzamts. 1AMMM gegen Barzahlung billigst abzugeben, schriftliche Angebvie unter 02183 an den Gießener Anzeiger erbeten._________ Vesachwaren Versand ab Montag, 15. April. Bestellungen nehme ich noch entgegen. Gleichzeitig offeriere ich: Weißwein, Rotwein, Süßweine, sowie Zwetschenwasser, Trester-Sliwowih s>. Lublins« 335GD I EckeStefn- »nd Sammstraffe 41 / Telephon 892 38 M SM A Nr. 86 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 13. April (926 Fori mit dem ListenwahlWem! Von Dr. Alfred Vrodauf. Der Verfasser hat bis zu den Maiwahlen 1928 dem Deutschen Reichstage als Mitglied der demokratischen Rcichstagsfraktion ange- hört. Die jetzt so oielfod) erhobene Forde- rung nach einer Aenderung des Wahlsystems bat er schon damals in Wort und Schrift aufgestellt. Wir stehen in Deutschland in einer Krise des Parlamentarismus. Zehn Monate sind seit den letzten Reichstagswahlen vergangen, der neue Reichstag hat schon fast ein Drittel der durchschnittlichen Lebensdauer seiner drei Vorgänger hinter sich, und eben erst ist es möglich geworden, eine Parteikoa- lition, die eine feste Regierungsmehrheit darstellt, zusammenzubringen. Die Schwierigkeiten, vor denen wir stehen, sind letzten Endes eine Folge des W a h l s y st e m s mit seiner dezentralisierenden, parteizersplillernden Wirkung. Wenn solchen ge- radezu blamablen Vorgängen bei den Versuchen der Regierungsbildung, wie wir sie nicht bloß im Reich, sondern auch vielfach schon in den deutschen Ländern gesehen haben, für die Zukunft vorgebeugt werden soll, so muß vor alleni an die Wahlreform heran- gcganaen werden, die schon deswegen kommen muß, weil dos, was wir jetzt in Deutschland „Wahl" nennen, genau besehen, recht wenig mit einer Wahl zu tun hat, wenn man darunter Führer- auslese durch das Volk versteht. Was wir jetzt in Deutschland Wahl nennen, ift in Wirklichkeit nur ein Zerrbild von einer Wahl. Bei einer wirklichen Wahl darf e r st die A b - st i m m u n g am Wahltag ergeben, wer in das Parlament einzieht. Das war der Fall bei den Rcichstagswahlen vor dem Krieg. Wohl gab es schon damals eine Anzahl Wahlkreise, wo der Ausgang der Wahl mit großer Wahrscheinlichkeit vor- auszusehcn war, immerhin waren auch in solchen Kreisen Ueberraschungen nicht ausaeschlossen. Bei dem geltenden Listenwahlsystem ist zum großen Teil schon der Aufstellungsakt entscheidend für die Zugehörigkeit zum neuen Parlament: bei etwa 300 der Kandidaten, die bei Reichstags- wählen auf die Lifte gesetzt werden, bedeutet die No- Minderung auf der Liste tatsächlich schon die Ernennung zum Abgeordneten. Wer von einer großen Partei auf eine der ersten Stellen ihrer Wahlkreis- liaste gesetzt wird, ist faktisch damit schon „ge- wählt", ohne daß er bei der Wahlbeweaung einen Finger zu rühren brauchte. Beispielsweise steht bei der stärksten Partei, der sozialdemokratischen, in fast allen Streifen schon durch die Nominierung fest, daß die ersten drei bis vier der Liste dem neuen Reichstage wieder anaehören werden, der Wahltag bringt nur die Entscheidung darüber, wie viel von den nachfolgenden auf der Liste noch in den Reichstag einziehen werden. Was wir jetzt „Wahl" nennen, „ist in Wirklichkeit nur eine amtliche Zählung der einzelnen Parteien, verbunden mit Ernennung der Abgeordneten durch die Parteiinstanzen." Der Wähler trifft nicht die Entscheidung für eine Person — die Kandidaten können sich ja bei dem Umfang der Wahlkreise nur in einem kleinen Bruchteil der Orte vorstellen — sondern für eine Partei. Dabei wird es für ihn mit dem Wachsen der Zahl der Parteien, einer ganz natürlichen Folge eben des zersplitternd wirkenden Systems, immer schwerer, die einzelnen Parteien nach Wesen und Zielen auseinander zu halten. Die Versammlungsmüdigkeit, die bei jeder neuen Wahl immer mehr in die Erscheinung tritt, ist nur eine Folge des unpopulären Wahlsystems. Als weitere Folge hat sich auch mel- fach schon eine starke Wahlmüdigkeit gezeigt, so bet den letzten Reichstagswahlen in Württemberg, wo nur 60 v. S). der Wähler an die Urne traten. Reges Interesse an Wahlversammlungen und an der Wahl selbst werden weitere Kreise erst dann wieder nehmen, wenn sich wieder in kleinen Wahlkreisen nicht Listen, sondern Einzelkandidaten gegenüberstehen iverden, die dann auch Zeitseele. Von Rudolf G. Binding. Die Zeit ist nüchtern und wach. Durch un- g eh euere Erschütterungen und Ernüchterungen sind die Menschen wie au« dem Schlafe oder einem Zustand der UmDämmerung in ein Helles nnd grelles Licht gerissen. Alle Schleier sind gefallen. Die Zeit hat nicht nur tu geistigen Schichten Angst vor Illusionen. Sie will Klarheit selbst auf die Gefahr hin, daß ihr eigenes sich enthüllendes Antlitz hart, unschön, retzlos in dieser Klarheit erscheine. Sie steht der Wirklichkeit ehrlicher und sogar empfänglicher gegenüber als andere Zeiten. Wir. die wir aus dem großen Kriege heimkamen, gestehen uns, daß wir vor diesem Letzten erst ehrlich wurden. Die Ehrlichkeit der Zeit ist auf dem Schlachtfeld geboren. Ucbcrall ist aufgerissener nackter Grund. Das Leben hat offenbar keine Tiefe. Man tst sehr losgelöst. Die Vergangenhell tst nicht das worauf diese Zeit ruht. 'Siefc Zeit hat das Merkmal, keine Dergangenhell zu haben. Sie fußt nicht, wurzelt nicht. Die Betrachtung der Vergangenheit ist wie die Betrachtung des Schauplatzes eines abgeschlossenen Dramas. Es ist fast, als ob eine andere Menschheit darin agiert. Ein großes Bedürfnis nach Uinnittelbarswr Teilnahme an den menschlichen Dingen besteht. (Dies drückt sich selbst in Aeußerlichem aus: 'n Demonstrationen, großen Empfängen, Belustigungen, Kino, illustrierten Blättern.) Eine Lust, ;a cm gewisser Stolz großer gemeinsamer Gebundenheit durch taufend Strähnen des gemeinsamen Schicksals, selbst des gemeinsamen Tages ist wach. Isolierung, Absonderung, Zurückgezogenheit hat etwas Lächerliches bekommen, als stehe sie notwendig gegen das allgemeine Beste. Diese Gebundenheit ist tiefer und seelischer als die eines Sozialismus, ist feine Forderung (wie dieser) sondern aus dem Leben selbst geboren. Der Mensch steht unter dem Andrang der Technik, unter der Drohung der Maschine. Die Zeit lächelt dazu. Sie wird nur äußerlich davon berührt. Wunder der Technik verlieren bald die Qualität des Wunders. Sie werden an den Ort gewiesen, wohin sie gehören" in den Gebrauch : dem Leben dienend, nicht cs bestimmend. ht der Lage sind, sich wenigstens in der überwiegenden Zahl der Orte des Wahlkreises den Wählern oorzustellen. Man lieft und hört oft, daß in Deutschland der „P a r t e i k l ü n g e l" herrsche. Hierin liegt ein Stück Wahrheit, insofern, als bei dem Listenwahl- fnftem die Abhängigkeit des Abgeordneten vom Mehrheitswillen der Partei und von den Führern eine größere ist, als bei dem System der Persönlichkeitswahlen. Wenn der Reichstag als ganzes und die einzelnen Abgeordneten, und dasselbe gilt für die Landtage, heute, wo doch die Macht der Parlamente gegen früher ungleich größer ift, ganz offenbar geringeres Ansehen genießen, als früher, so ist das auch mit eine Folge der Unpopularität des Wahlsystems, bet dem die persönliche Fühlung zwischen Abgeordneten und Wöhlern verloren gehen mußte. Die großen Wahlkreise mit der Listenwahl sind eingeführt worden, um dem Prinzip der Der- hältniswahlen Rechnung zu tragen. Wenn dieses Prinzip bei uns bis zum Tüpfelchen über dem „i" durchgeführt ift, so kann kein Zweifel mehr bestehen, daß dies zum Schaden des Parlamentarismus geschel)en ift. Soll das parlamentarische Systeni richtig funktionieren, so darf keine große Vielheit von Parteien bestehen. Die restlose Durchführung des Derhältnisgedankens führt aber gerade zu immer größerer Par ° teienzerfplitterung. Wir haben es schon wiederholt gesehen, wie Leute, denen es nicht gelang, auf einer der Listen der schon vorhandenen Partei einen guten Platz zu bekommen, einfach einen „neuen Laden" aufmachten und mit eigenen Listen auf den Plan traten. Für Stimmzettel und ihre Verbreitung braucht ja nicht gesorgt zu werden, weil wir den amtlichen Stimmzettel haben und mit diesem leider keine Kautelen gegen einen Mißbrauch geschaffen worden sind. Das Land mit dem ältesten Parlamentarismus, England, hat die Verhältniswahl nicht eingeführt und ist bei kleinen Wahlkreisen mit Persönlichkeitswahl Der» Die Hast ist kein Merkmal unserer Zeit. Die Schnelligkeit ist es. Deshalb wird Langsames veraltet, gerät in ein faschcs Tempo. Die, welche von zersetzenden Strebungen der Zeit reden, wissen freilich selten, was zersetzt ist. Zersetzt werden können nur Substanzen. Es erweisen sich Dinge als Fiktionen, Konstruktionen, Wesenlosigkeiten. Inhaltlosigkeiten, die keine oder nie eine Substanz hatten. Lösung der Religion aus dem Staat bedeutet Lösung der Religion aus dem Leben. Dinge lösen sich aus dem Leben, wenn sich das Leben entfernt. Völker sind vorgeschrittener, unbefangener, duldsamer, verständiger und innerlicher verbunden als die Ordner ihrer Beziehungen. Der Friede oder die Frieden, die die Beziehungen der Völker ordnen sollten, wurden leider nicht von denen abgeschlossen, die aufeinander geschossen hatten, d. h. also von solchen, die sich gelten ließen, sondern von Diplomaten und Staatsmännern voll der alten Befangenheiten mit den alten Mitteln der Verträge. S'ch gelten lassen' ist mehr, als sich vertragen. Denn es. ist aus die Dauer nützlicher als politischer Ruhen. Einander-gelten-lassen ist zugleich Erziehung zu innerer Sicherheit, zu innerer Größe, zu innerer Höhe, die eben weiß, daß man auch dem anderen etwas gilt. Hieraus beruht das Eigengewicht (Glück) eines Volkes! auf Verträgen beruht nur das relative, zeitweilige Gewicht (Prosperität und politische Machtstellung). Dies ist ein Merkmal, aber zugleich auch ein Brandmal der Zeit, jener seltsam sengende Stempel des geringeren Wertes, den man den Völkern aufdrückt, obgleich sie es längst nicht mehr verdienen. Alle Dinge sind fragwürdig geworden. Was nicht fragwürdig erscheint, danach hat man nur noch nicht gefragt. Auch das Bewußtsein der Menschen ward fragwürdig. Erschütterungen und Erwachen haben skeptisch gemacht. Der Zweifel ist Weisheit geworden. Die Kühnheit der großen sicheren Geister, der großen Gläubigen wird vermißt: das ist eines der gewaltigsten Zeichen der Zeit. Das Gefühl der Gebundenheit und Verbundenheit aller menschlichen Dinge auf fragwürdigem Grunde — dieses »Relativitätsgefühl des Lebens" - setzt blieben, dort funktioniert der Parlamentarismus nach wie vor, in Deutschland ist man aber in einigen Ländern, so in Sachsen, Thüringen, Mecklenburg, schon auf den Hund gekommen, und im Reich ist es nicht well davon. Die Erkenntnis, daß der Proporz das parlamentarische System lahmlegt, wird sich in Deutschland schon noch durchsetzen. Jetzt wird die Zweidrittel-Majorität zur Abänderung der die Verhältniswahl vorschreibenden Derfasiungsbestimmung noch nicht zu erreichen sein. Aber es müßte möglich werden, daß wenigstens die gröbsten Mängel des gegenwärtigen Wahlsystems beseitigt werden. Der frühere Reichsinnenminister Dr. Külz hatte bekanntlich einen Entwurf ausgearbei- tet, der unter Beibehaltung des Systems der Zu- fammenrechnung von Stimmen innerhalb größerer Einheiten die bestehenden großen Wahlkreise in Unterkreise zerlegte und für diese nur die Aufstel- lung von Einzelpersönlichkeiten, nicht von Listen zuließ. Wenn es Dr. Külz nicht gelang, seinen Ent- wirf an den Reichstag zu bringen, so lag das daran, daß sich schon in der damaligen Regierung der Widerstand auswirkte, der bisher immer im Reichstag vorhanden war. Zwar gab es wohl in allen Parteien Abgeordnete, die für eine Reform eintraten, im allgemeinen konnte man aber fest- stellen, daß sich die Abgeordneten, namentlich ihre Führer, nicht von dem Wahlsystem trennen wollten, das ihnen den Eingang ins Parlament verschafft hatte. Kommt keine Reform zustande, dann ist die Entwicklung der Dinge vorauszusagen: Immer mehr Parteien, immer größer die Zahl der Wahlvorschläge, immer größer die Schwierigkeit für den Wähler, sich über Wesen und Ziele der vielen Parteien zu informieren, immer größer die Unlust, an diese Informierung überhaupt heranzutreten, immer größer die Schwierigkeit in den Parlamenten, daß sich feste Mehrheiten zusammenfinden. Und am Ende steht derBankrattdesParlamen- tarismus, van dem wir wahrhaftig schon nicht mehr weit entfernt sind! sich der Gläubigkeit, der Erfülltheit der Menschen. entgegen. Das Relativitätsgeseh, die großartigste Schau der Welt im physikalisch-mathematischen Sinn, ist zugleich im Sinn der Seele der Zeit. Der menschliche Geist, auf nichts mehr fußend, wird schweben müssen. Er schickt sich dazu an. Das Lebensbcwußtsein eines Menschen der Zeit ist unbewußt bereits das einer Schwebe, die fast der eines auf seinen Fittigen im Raume ruhenden Vogels gleicht. Nie Wölfe. Von Liesbet Dill. Auf der Durchreise durch Frankreich stieg ich in Lyon aus, der alten Stadt zwischen Rhone und Saone, wo die schönen Seiden gemacht weben, bas römische „Lugdunun'", berühmt wegen seiner blutigen Aufstände 1793 gegen die Jakobiner, bei denen die Flüsse vom Blut rot gefärbt wurden... Wenn ich nicht irre, hat Lyon unter Konrad II. einmal vorübergehend Den Deutschen gehört. Im 14. Jahrhundert tarn es erst wieder an Frankreich zurün. . Davon sind einige Spuren zurückgeblieden, denn der Hausknecht in meinem Hotel sprach deutsch und fragte, ob ich auch aus Straßburg sei, denn da war auch er her... Ich betrachtete mir Die schöne Stadt mit den weißblau rauschenden Flüssen, den stolzen Brücken und den wundervollen Kirchen. Dann suchte ich einen Rastplatz, eine Konditorei. Aber das ift, in diesen südlichen Ländern nicht so einfach. In den „Cafvs" bekammt man alles, nur keinen Kaffee: in Konditoreien bekommt man die köstlichsten Kuchen, aber keinen Stuhl. Man ißt sie stehend oder nimmt sie mit. In den Tavernen, wo der Kaffee in den Biergläsern kredenzt wird, sitzt man an kleinen Marmor tischen auf offener Straße. Die vorüber fahrenden Straßenbahnen und Autos schleudern Staubwolken auf unsere Tische. Endlich fand ich doch einen Tisch am Fenster in der Ecke. Eine Dame saß schon am Tisch. Hager, in Trauer, Witwe eines Advokaten. Sie bestellte eine Tasse Milch und eine „brioche". Wegen ihres Magens etwas schwach. „Sie sind Amerikanerin?" eröffnete sie die Unterhaltung. Als sie hörte, ich käme aus Deutschland, machte sie große, schwarze, runde Augen. Aus Deutschland. Himmlischer Gott! So weit war ich gereist, um Lyon zu betrachten! seS Bündnisses, das man jetzt nach dem ersten Vierteljahrhundert in England und Frankreich so lebhaft unterstrich, bewirkt und verschuldet zum allergrößten Teil die Erstarrung und Stagnation, in der sich die große Politik Europas nun schon feit mehreren Jahren befindet, zum Schaden Europas und, wir wiederholen es, zur Gefahr für seine_ Befriedung. Wen glaubt Chamberlain darüber täusche,' zu können, wenn er sich gleichzeitig überraschend und demonstrativ mit Mussolini trifft? Die italienische Presse sah etwas Bedeutungsvolles darin. Die französische kommentierte die Begegnung dahin, daß das französisch-englische Bündnis, gerade weil es so friedlich sei, herzliche Beziehungen zu Dritten nicht ausschlösse. Aber im Ernst kann kein Einsichtiger daran zweifeln, daß der Trick eines solchen Freundschaftsbesuchcs. den Chamberlain nun zum dritten Male gegenüber Mussolini anwandte, Italien in der großen Politik nicht einen Sch ritt vorwä r t s bringt. Er bedeutet nicht die geringste Veränderung in der Lage, die eben gezeichnet wurde, und erinnert Italien nur daran, daß es der englisch-französischen Verbindung gegenüber und durch sie gefesselt ist und daß es durch sie geradezu machtlos, mindestens mattgeseht ist. Und damit ist es auch gehindert und gehemmt, sich neue und andere Orientierungen zu suchen. In den Jahren nach dem Krieg, als das möglich war, hat es den Weg dazu nicht gefunden. Heute drückt das englisch-französische Bündnis, das Frankreichs Vorherrschaft in Europa sichert, auch die italienische Außenpolitik in Erstarrung und Stagnation. In dem amerikanischen Botschafter in Paris, Myrron T. Herrick, ist ein überzeugter Anhänger des Gedankens gestorben, daß in diesen englisch-französischen Konzern, in Krieg wie in Frieden, auch die Vereinigten Staaten gehörten. So ist dieser Todesfall, der das in Aussicht stehende Revirement in der ameritani- schen Diplomatie beschleunigen wird, vor allem für Frankreich ein großer Verlust. Denn schwerlich wird und kann sich ein neuer amerikanischer Botschafter in Paris, so stark dessen Einfluß fast auf alle dort beglaubigten Diplomaten immer wirkt, so ohne Einschränkung auf den Standpunkt Frankreichs stellen, wie das Herrick getan hat. Dagegen spricht die Einstellung Hoovers und spre^n vor allem die Interessen Rordamerikas selbst. Es steht unter Hoovers Präsidentschaft vor dem Problem, den friedlichen Ausgleich mit den älteren Staatsgebilden Europas, d. h. in erster Linie mit England zu finden. Es verfügt dafür über eine gewaltige, wie man in Genf sagt, „potentielle" Wacht. Aber es verfügt dazu noch nicht über die Klarheit und Sicherheit der weltpolitischen Orientierung und der dazu nötigen Methode und Praxis. Erst wenn die Union dazu gekommen sein wird, wird Europa — vorausgesetzt, daß es überhaupt Den Weg friedlicher Weiterentwicklung gehen kann, — wirklich au« der heutigen Stagnation und Erstarrung seiner großen Politik herauskommen. Graf C o u d e n h o v e, der Begründer der Pan- europäischen Bewegung, hat an Hoover zu Ostern einen offenen Brief gerichtet. Er bittet Amerlla um moralische Unterstützung und aktive Sympathie zur Erleichterung und Beschleunigung der Einigung Europas. Wie soll der amerikanische Präsident das machen? Mit einem Europa, das von sich aus so wenig oder nichts tut, zu einer Verständigung und Einigung zu gelangen? Das Hindernis im tiefsten ist doch eben wieder, daß Frankreich und England zusammenhalten, um die jetzige Ordnung, die sog. Ordnung der Pariser Friedensschlüsse zu konservieren, und daß vor allem wir und die anderen Besiegten mit dieser Ordnung nicht in einem Frieden, der dauern soll, leben können. Darum aber führt die Mitarbeit Rordamerikas, wie wir täglich mehr sehen, nicht zur Erleich-- terung einer Zusammenfassung Europas, wie Coudenhove sie konstruiert und erträumt, son- Seit dreißig Jahren lebte sie in dieser Stadt. Sie reifte niemals. „Jamais", sagte sie streng, denn die Welt da draußen gefiel ihr nicht mehr. Besonders die Jugend. Sie hob Die Augen gen Himmel, während sie ihren trockenen Kuchen in d:' Milch brockte. ..Eine Jugend ohne Moral, ohne Gewissen, ohne Glauben. Kleider 6is_ an d.c Kn:e und darunter nichts, nichts..." Sic erkundigte sich, wie es bei uns aussähe. ob wir auch schone Gegenden hätten und was wir im Winter machten? Ich sagte: dasselbe wie im Sommer... Aber es sei doch so außerordentlich kalt dort unten... Oh, dafür giot es ja Ocfcn, sagte ich. „Uno die Wolfe?" fragte sie schaudernd... ./Wie meinen...?" Run, die Wölfe... die kamen doch in Deutschland im Winter bis in Die Dörfer und in strengen Wintern sogar bis in die Städte. Jawohl, das hatte sie gehört... und deshalb dachte sich die Dame aus Lyon das Leben in Deutschland nicht ohne Lebensgefahr... Ein alter Lschorote stirbt. Das Gran Chaco, das vor kurzem einen Krieg zwischen Bolivien und Paraguay ynauf-ubeickwö- ren drohte, wurde von einer deutschen Expedition erforscht. Ihr Leiter, der Münchener Professor Dr. Hans Krieg, berichtet Darüber im Aprilheft von Delhagcn & Klasings M vnatshe ft e n. Aus den vielen fesselnden Einzelheüen seiner Darstellung ift mit am. eindrucksvollsten, was er in einem Dorf von Tfd)orote'3nDinncrn erlebt Hal. Er kommt in eine abseitsstehende Hütte, einen düsteren Raum, Dem Löcher im Gczweigc der Wand ein dämmerig fahles Licht geben. Die Hütte ist leer. Sie hat nur etwa Drei Meter im Durchmesser. In Der Mitte sitzt auf Dem LehmboDen ein nackter alter Indianer. „Er sieht." fährt Krieg fort, „gegen mich her mit weit offenen Augen, die ganz ohne Ausdruck sind. Er sieht mich, er muß mich sehen, aber er beachtet mich nicht. Keine Falte seines zerknitterten Gesichts bewegt sich. Er hockt majestätisch Da mit gekreuzten Beinen. Die Arme hängen schlaff herab, daß die Knöchel sich lose auf Den Boden stützen. Dor ihm steht eine Kürbissd-ale mit Wasser. Nie habe ich ein Bild solch würdevoller Resignation gesehen. Und Die Würde war unbewußt, selbstoer- ftänblid). Und wir sagen pedantisch: sie haben eine primitive Kultur! Beschämt zog ich mich zurück und winkte den anderen ab. .Was hat er9* fragte ich Den begleitenden Indianer. ,Er stirbt/ sagte Der ganz einfach." Sie Entente cordiale und die Mächte. Außenpolitische Umschau. Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. CR. Am 2. April hat man in London und in Cannes das 25jährige Bestehen der feg. „Entente c o r d i a I e", des englisch-französischen Bündnisses mit betonten Kundgebungen gefeiert. Die Damalige Verbindung (Der eigentliche Tag ist der 8. April 1904) war tatsächlich, wie heute die Pariser Presse sagt, eines der wichtigsten Ereignisse im Beginn Des 20. Jahrhunderts. Eingeleitet durch das englisch-französische Bündnis von 1902 und gefolgt von Der englisch-russischen Verständigung von 1907 wurde und war sie tatsächlich das Kernstück der englischen Einkreisungspolitik gegen Deutschland. Aber der Erinnerungstag ift keineswegs nur eine historische Erinnerung. Er bezeichnet auch eine Realität allerersten Ranges in den Staatenbeziehungen Europas, der Welt überhaupt von heute. Immer wieder kommen wir Daraus, zurück, auf Diese Wiederbelebung der zwischen Kriegsende und 1926 zurückgetretenen und gelockerten Entente seit etwa dem Frühsomn'er 1927 zu ihrer heutigen Festigkeit, za Der intimen Zusammenarbeit zwischen Chamberlain und Driand, die überall zu spüren ift. Wir kommen immer wieder Darauf zurück, weil uns scheint, als fei man sich in Deutschland immer noch nicht überall und durchgängig dieser harten Tatsache und ihrer Folgen ganz bewußt. W'r glauben, daß unter den englischen Staatsmännern nach Kriegsende am ehesten Lloyd George und sicherlich Lord Curzon sich darüber klar waren, daß der Weg für die englische Politik nun von Frankreich to eg - führen müsse zu neuer und anderer Orientierung. 2lber Die englische Politik hat dazu Die Kraft und Die Fähigkeit nicht gesunden, und am allerwenigsten die des konservativen Kabinetts seit 1924. Chamberlain hat wohl allen Ernstes geglaubt, eine Art „Entente ä t r o i s“ — zwischen England, Frankreich und Deutschland — als neue Gliederung mitschaffen zu können. Und Darüber ift er Dahingekommen, daß jene Gespräche der Drei Außenminister heute gar nichts mehr bedeuten, daß die englisch- französischen Beziehungen in die alte Vorkriegsbahn zurückgeglitten sind und daß Damit die englische Politik — ohne Erfolg verteidigt sich Chamberlain gegen diesen Vorwurf — im Kielwasser Frankreichs schwimmt! Fragen wir gar nicht, warum die englische Politik sich so entwickelte, halten wir uns vielmehr Die Tatsache vor Augen, daß dieses Bündnis toieDer in voller Kraft besteht und Die europäischen Staatenbeziehungen beherrscht? Die andere Seite nennt diese Konstellation „Die einzige solide Grundlage, auf der ein versöhntes Europa aufgebaut werden könne!" Es ist also auch nach Dem „Temps". aus dem Dieser Sah stammt, noch nicht wieder auf gebaut! Unsere Meinung ist, daß ein solches Bündnis Das größte Hindernis für Versöhnung und Wiederaufbau in Europa ist und daß eine schwere Gefahr für Europas Frieden ebenso in ihm liegt wie in den gleichen Staatenbeziehungen vor Dem Weltkriege. Warum, das bleibe heute unerörtert. Die Wiederbelebung und Existenz die- bern aut Herrschest, zur Entscheidung über bteS zerteitte Europa In seinen einzelnen Teilen! Wir stehen darin vor ungeheuren Perspektiven, wenn wir an Reparation und Abrüstung denken und an Projekte, wie di« „Lieberbank" für die finanziellen Kriegsverpflichtungen oder für die „finanzielle Hilfeleistung" an bedrohte oder angegriffene Staaten. Das letztere Projekt hat eben der Völkerbundsrat gutgeheitzen. Es kommt aus eine Kreditsicherung für einen Staat zum Schutz gegen Angriffe heraus. Realität würde da- natürlich auch erst dann, wenn sich die Bereinigten Staaten daran beteiligten. Aber daran sieht man, genau wie bei der „Lieberbank", in welche weittragende Folgerungen solche Projekte einer Frieden-sordnung und einer Friedenssicherung führen. Dah diese Entwicklungen immer mehr dazu beitragen, das Liebergewicht Rord- amerikaS zu verstärken, hat sich Europa selber zuzuschreiben k Auf diesem Hintergründe spielt sich, nun in seine entscheidende Phase eintretend, das große Ringen ab, in dem die Aeparativnsfrage „engültig" geordnet werden soll. Es soll lediglich von den wirtschaftlichen, den „geschäftlichen" Gesichtspunkten bestimmt sein. Aber da die Veranlassung, die Ursache, der Ausgang des ganzen durch den politischen Gesichtspunkt bestimmt war, die Festsetzung der Kriegskontri- butivn durch die Sieger und ihren Machtspruch gegem die Besiegten nach dem gewonnenen Krieg, so liegt auf der Hand, wie sehr sich darin in Paris jetzt auch ein politischer Kampf abspielt. Roch deutlicher wird das dadurch, daß auch in dem Kampf um die Reparationsord- nung, um die endgültige Ordnung und Festsetzung der deutschen Tributzahlungen England und Frankreich zusammenstehen und ihre Vertreter durch die gleichen Richtlinien leiten zu lassen. Soweit die Zeitungsnachrichten ein Urteil erlauben, halten in dieser schwierigsten Situation die deutschen Vertreter die Linie ein, die den deutschen Interessen entspricht. Nachdem nun auch darin die Osterpause vorüber ist, nähert sich der Augenblick, an dem der schwerste außenpolitische Kampf für Deutschland in diesem Jahre beginnt. Linier allen Limständen wird er alle Konzentration und Geschlossenheit und Entschlossenheit vom deutschen Volke erfordern. Deshalb sollte er so sehr wie irgend möglich, frei von Verquickung mit den innerpolitischen Streitfragen geführt werden! Hauptversammlung -es hesflschen philologenvereins. Eigenbericht des .Gießener Anzeigers". • Bad-Nauheim, 11. April. Die hessischen Philologen weilen seit heute in großer Zahl zu ihrer 4 4. Hauptversammlung in unserer Badestadt. Der erste Verhandlungstag begann heute früh mit einem Vortrag von Studienrat Dr. Knieriem (Bad-Nauheim) über das Thema: .Zur Kulturgeographie der Wetterau". An Lichtbildern zeigte der Redner die Entwicklung der Wetterauer Kulturlandschaft von der prähistorischen und römischen Zeit bis zur Gegenwart. Anschließend traten die Fachgruppen zu ihren Sitzungen zusammen, in denen pädagogische und methodische Themen der verschiedensten LIn- terrichtsgebiete zur Beratung standen. il. a. hielt in der Sitzung der evangelische Religionslehrer Liniversitätsprofessor Dr. Eordier (Gießen) einen Vortrag über .2 uther als Erzieher im Lichte des kleinen Katechismus". Die mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung tagte im Polytechnikum in Friedberg, dessen moderne Einrichtungen eingehend besichtigt wurden. Eine von Studierrrat Dr. Flörke (Gießen) geleitete Besprechung der an den pädagogischen Seminaren in der Ausbildung des Nachwuchses für das höhere Lehramt beschäftigten Philologen, wobei Oberstudiendirektor Dr. Roller (Gießen) über den Aufbau des pädagogischen Seminars der Oberrealschule Gießen berichtete, fand am Nachmittag statt. Diese Gruppe der Philologen erhebt die Forderung, dah ihr für ihre verantwortungsvolle Mehrarbeit eine angemessene Vergütung zuteil werde; sie sprach sich ferner dafür aus, dah der in Hessen beschrittene lWeg der praktischen Ausbildung der Studienreferendare an der Schule grundsätzlich beizubehalten sei. Nachmittags tagten ferner die Gruppe der kriegsbeschädigten Philologen und die Arbeitsgemeinschaft der Studienassessoren und Referendare. Am Spätnachmittag begann dann im Kurhause die öffentliche Festsitzung, zu der sich außer den Mitgliedern deS Vereins auch Gäste in größerer Zahl eingefunden hatten, darunter Vertreter des Staates, der Stadt und anderer Lehrerverbände. Der Vorsitzende deS Vereins, Studienrat Monjs (Darmstadt), entbot herzlichen Gruß, der vor allem auch dem Staatspräsidenten Adelung galt, und ging dann in geistreichen Ausführungen auf Sinnund Aufgabe der höheren Schule ein. 3nt Zeitalter deS DerechtigungswesenS sei diese Aufgabe besonders schwierig. Die hohe Aufgabe der Bildung und Auslese könne die höhere Schule nur dann wirksam erfüllen, wenn ihre Arbeit in nicht überfüllten Klassen vor sich gehe, wenn der neunjährige Lehrgang der höheren Schule unangetastet bleibe und den Philologen eine gründliche Ausbildung an der Universität zuteil werde. Die Philologen bekennen sich, so schloß der Redner, zur Aufgabe der Erziehung unserer Jugend zu pflichtgetreuen wollenden Menschen und als Beamte zur Pflicht im Dienste deS Staates. Unter lebhaftem Beifall begrüßte Staatspräsident Adelung die Versammlung, gleichzeitig auch im Namen der erschienenen Referenten des Kultusministeriums, Staatsrat Block und Ministerialrat G l ü ck e r t. Der Redner dankte dem hessischen Philologenverein für die Arbeit, die er an der akademischen Lehrerschaft und damit an der Jugend leistet. Der Philologenverein sei ein bedeutsamer Kulturfaktor im öffentlichen Leben, weil er nicht nur Standesfragen behandle, sondern auch am geistigen Rüstzeug unseres Volkes arbeite. Der Staatspräsident beglückwünschte den Verein zu seinem Ehrenmitglied Staatsrat Block, der vor 25 Jahren den deutschen Philologenverein begründet habe, und dessen Name mit der Geschichte der deutschen Schule im In- und Auslände für immer verknüpft sei. Die Notzeit, die unser deutsches Volk durchzumachen habe, erfordere Einschränkungen auf allen Gebieten im Reich, Staat und Gemeinde. Auch im Schul- und Dildungswesen müsse gespart werden. Dabei sei aber ängstlich darüber zu Wachen, daß unser Kulturniveau nicht herabgedrückt werde. Denn die Schule sei der wichtigste Aktivposten in unserem Volkstum. Nur die Schule könne uns kulturell und damit auch wirtschaftlich vorwärts bringen. Den Gruß der Stadt Bad-Nauheim entbot Bürgermeister Dr. Ahl, den der Bad-Nauheimer Aerzte-Vereinigung Sanitätsrat Dr. Hahn, der auf die Beziehungen der Psychologie zur Pädagogik einerseits und zur Medizin anderseits hinwies. Für die Landesuniversität in Gießen sprach Prof. Dr. Lacqueur, der die Beziehungen zwischen höherer Schule und Universität treffend herausstellte. Für den Landesverband Hessen des Reichsbundes höherer Beamten begrüßte Oberlandes- gerichtsrat Dr. Schneider (Darmstadt) die Versammlung. Den Gruß des hessischen Landeslehrervereins entbot dessen 2. Vorsitzender, Lehre? Kaufmann (Gießen), den des katho- I lischen Lehrervereins in Hessen Schulrat Kremer (Bensheim). Nachdem noch Vertreter deS badischen und des hessen-nassauischen Philologenvereins gesprochen, nahm die Tagung den Gruß des Deutschen Philologenverbandes entgegen. Dessen Vorsitzender, Geheimrat Dr. M e l l m a n n (Bersin), verband damit interessante Ausführungen über den Anteil des hessischen Philologenvereins an der Gründung des Deutschen Philologenverbandes. Letzterer verdankt feine Gründung vor 25 Jahren der vom hessischen Oberlehrerverein und seinem damaligen Vorsitzenden, dem jetzigen Staatsrat Block, ausgeganaenen Initiative. Der Redner trat dafür ein, dah die Pflichtstundenzahl der Lebrer nicht bis zur Kraftgrenze gehen dürfe; er forderte ferner ausreichende Mittel für die Weiterbildung der Philologen und wünschte, daß Reformversuche nur an einzelnen Schulen angestellt und erst nach etwaiger Bewährung allgemein durchgeführt werden. Den Abschluß der öffentlichen Festsitzung bildete der bedeutsame Seffoorfrag, den Universitätsprofessor Dr. G. Hoffmann (Heidelberg) hielt über das Thema „Derpäda- gogifche Humanismus In den germanischen und romanischenLändern“. Der Redner führte in mehr als einstündigen, tiefgründigen Ausführungen aus: Der pädagogische Humanismus in Deutschland, der nach dem Weltkriege einsetzte, orientiert sich historisch nur an dem Humanismus der Epoche Humboldt und Schleiermacher, sowie an dem italienischen Humanismus der Renaissance. Ganz vergessen sind die eigenen Wurzeln, die von Deventer und von Nikolaus Cusanus auSgingen. Der romantische Humanismus kämpfte gegen die Barbarei, der germanische gegen die Tyrannei; jenem lag ein Bildungsideal, diesem ein Erziehungsideal zugrunde. Der Junghumanismus in Deutschland wird nur leben können, wenn er mit dem Bil- dungSerlebnis der Romanen solidarisch, aber nicht identisch bleibt. Abends bot der Gau Wetterau deS hessischen Philologenvereins seinen Gästen im Sprudelhotel eine wohlgelungene Begrüßungsfeier mit reichhaltigem Unterhaltungsprogramm. Der Gruß, den Studienrat Dr. Decker (Bad-Nau- Heim) im Auftrag des Gaues entbot, wurde von Studienrat Freitag (Gießen) mit herzlichem Dank erwidert. Die Damenrede hielt in humorvoller Weise Oberstudiendirektor PH ilipp 8 (Friedberg), der auch da8 Bühnenbilderbuch „QIuS der Schule geplaudert" zusammengestellt hat. Das Schulleben vergangener und kommender Zeiten war in schöner Szene dargestellt, die lebhaften Beifall fanden. Oie Mitgliederversammlung. * Bad-Nauheim, 12. April. Heute nahm der hessische Philologentag seinen Fortgang. In der stark besuchten Mitgliederversammlung behandelte der Vorsitzende in seinem Jahresbericht eine Fülle von Fragen und Problemen der höheren Schulen und ihres Bildungswerkes. Die lebhafte Sorge um die Erhaltung und Entwicklung des höheren Schulwesens spricht aus den vom Vorstand der Mitgliederversammlung vorgelegten Entschließungen, die vom Vorsitzenden eingehend begründet wurden. Er betonte vor allem, dah ein Eingriff des Reichssparkommissars das höhere Schulwesen weiter empfindlich schädige, wandte sich im' Interesse der Jugend gegen die starke Überlastung der Philologen und forderte erträgliche Klassenstärken. Der gesamte Unterricht an den höheren Schulen müsse von akademisch gebildeten Lehrkräften erteilt werden. Die Bestimmung des Besoldungsgesetzes, dah jede dritte freiwerdende Beamtenstelle unbesetzt bleiben müsse, sollte zum mindesten für die im Schulwesen tätigen Beamten aufgehoben werden, weil die Durchführung einer ft> äußerlichen Maßnahme bei der gebieterischen Notwendigkeit des tatsächlichen Unterrichtsbedarfs zu einer starken Überlastung der übrigen Lehrkräfte führe. Die Bemühungen der Gemeinden, ihre von den Philologen durchaus gewürdigte Finanznot durch eine Einsparung im Schulwesen zu beheben, erfordere die Abwehr aller, die es mit Schule und Jugend gut meinten. Mit Entschiedenheit setzte sich der hessische Philologenverein im Interesse der Gemeinden wiederholt dafür ein, daß endlich eine Regelung der Verteilung der La st en für die höheren Schulen in Hessen Gesetz werde, und zwar in dem Sinne, dah der Staat die persönlichen Kosten für die höheren Schulen im selben Umfange wie bei der Volksschule übernimmt. Regierung und Landtag werden ersucht, in einer Novelle Sum Besoldungsgesetz recht bald die Fälle zu beseitigen, in denen Hessen im Vergleich zum Reich und zu anderen Ländern seine 'Beamten in großen Nachteil gesetzt hat. Gin weiterer Ent- schluh beschäftigt sich mit der Besserstellung der Anwärter des höheren Lehramt-8, für die in Hessen unerquickliche Verhältnisse bestehen, welche oft die besten Kräfte des Nachwuchses zur Abwanderung in andere Länder veranlassen, zum Schaden des hrs ischen Volkes. Ein Erlebnis war dann der tiefgründige Vortrag, den der 3. Vorsitzende des Deutschen Philologenvereins und bekannte Vorkämpfer der standespolilischen Bestrebungen der höheren Beamtenschaft, Studienrat Dr. Dohlen (‘Berlin), über „5> i e Zukunft derhöherenSchule" hielt. Er setzte sich eingehend mit den Einwänden auseinander, die heute vielfach in der Oeffent- lichkeit gegenüber dem Zustand des höheren Schulwesens erhoben werden. Der Behauptung von der Aufblähung der höheren Schulen stellte er den Nachweis gegenüber, dah ein vermehrter Zudrang nur auf der Oberstufe zu verzeichnen sei, während auf der Unterstufe ein Rückgang der Schülerzahl vorliege. Dxr vermehrte Zudrang zu den oberen Klassen habe aber seine besonderen Gründe, die im Wirtschaftsleben zu suchen und nicht leicht aus der Welt zu schaffen seien. Weiter behandelte der Redner das Problem der Auslese, und ebenso nahm er Stellung zur Kritik der öffentlichen Meinung und aus Gelehrtenkreisen an der höheren Schule. Mit Wärme zeichnete Dr. Dohlen die Erziehungsaufgaben der höheren Schule in Gegenwart und Zukunft, um sich zum Schluß der mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen für die Unantastbarkeit der wissenschaftlichen Ausbildung der Philologen an den Universitäten einzusehen. In Erinnerung an die vor 25 Jahren, am 9. April 1904, erfolgte Gründung des Deutschen Philologenverbandes ernannte die Versammlung den jetzt aus seinem Amte scheidenden Vorsitzenden der Deutschen Philologen, Geh.-Rat Dr. Mell- mann, Berlin, zum Ehrenmitglied des hesstfchenVeretns. Ferner wurde auf Anregung von Staatsrat Block, des Gründer« des Deutschen Philologenverbandes, beschlossen, sich beim Deutschen Philologenverband für die Sammlung einer Spende der Deutschen Philologen zur Unterstützung von Amtsgenossen an deutschen Auslandschulen einzusehen. Die von Studienrat M o n j 8, Darmstadt, geleitete Versammlung nahm einen einmütigen eindrucksvollen Verlauf. Morgen bilden Führungen in Bad-Nauheim und Friedberg und ein Ausflug nach der Saalburg den Abschluß der arbeitsreichen Tagung. Oberheffen. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 13. Avril. DuS Anlaß des 25jährigen Dienstjubiläums des Rektors Dr. Gg. Rein an der hiesigen Schule veranstalteten gestern abend ote Sozialdemokratische Partei, Ortsgruppe Wieseck, der Gesangverein „Sängerkranz, Freier Turn- und Sportverein, der Arbeiter-Samariterbund und das Reichsbanner zu Ehren des Jubilars einen Fackel- zug. Die Kapelle Mank hatte sich ebenfalls zur Verfügung gestellt. Nach einem Musikstück und Gesangsvortrag hielt Gemeinderat Karl Denner an den Jubilar eine Ansprache, in der er besonders hervorhob, was Dr. Rein in den 25 Jahren seiner Tätigkeit als Schulmann für Wiefeck geleistet und bedeutet habe. Er dankte ihm im Namen der obengenannten Vereine und wünschte ihm in seiner neuen Stellung als Stadtschulrat in Mainz alles Gute. Dr. Rein dankte Herrn Benner und den Vereinen in einer längeren Ansprache und lud die Vereine in das Dereinslokal zu einem Glas Bier ein. «. All en dorf (Lahn), 12. Qtoril. Mit Beginn deS neuen Schuljahres verläßt uns unsere seitherige Lehrerin, Frl. Stoll, und siedelt nach ihrem neuen Wirkungsorte Nieder-Ohmen über. Ihr Weggang wird hier allseits bedauert, verlieren doch die Kleinsten unserer Schule in ihr eine geradezu mütterliche Freundin. Darüber hinaus entsteht durch ihr Scheiden eine große Lücke, hatte sie doch hier eine Jungmädchenvereinigung ins Leben gerufen. Frl. Stoll wirkte an unserer Schule nahezu fünf Jahre; ihr unermüdlicher Pflichteifer und ihr freundliches, sonniges Wesen machten ihr alle Herzen zugetan. Die besten Wünsche der ganzen Gemeinde begleiten sie an ihren neuen Wirkungsort. CD Lollar, 12. April. Eine öffentliche Gemeinderatssitzung fand gestern abend statt. Die Grasnutzung von den Lumdaböschungen und den Schmauwiesen wurde seither alljährlich versteigert. Einem wiederholten Wunsche der Steigerer nach Verpachtung auf längere Zeit soll nun entsprochen werden. Erstmalig soll die Verpachtung vier Jahre umfassen, wobei zuvor für jedes Gelände stück durch die Feldgefchworenen eine Taxe feftzufetzen ist derart, dah der Durchschnitt der für die Versteigerungen in den letzten drei Jahren maßgebenden Taxen im allgemeinen als Taxe für die jährliche Pachtsumme gelten soll. — Die Schüler der hiesigen Schule waren durch die Gemeinde gegen Unfall bei einer jährlichen Prämie von 50 Pf. je Schüler versichert. Die Versicherungsgesellschaft fordert nunmehr die doppelte Prämie. Der Gemeinderat kam nach eingehender Aussprache zur Ablehnung dieser Forderung und beschloß eine Art Selb st versichern n g derart, daß die Gemeinde erstmalig einen Betrag von 500 Mark bei einer Kasse einlegt und ihn alljährlich um 100 Mark erhöht. Aus dem mit Zins und Zinseszinsen entstehenden Kapital sollen etwaige Entschädigungen ?;ezahlt werden. — Für das Stammholz agen zwei Angebote vor. Während das Angebot der hiesigen Schreiner die vom Forstamt Gießen mitgeteUten Durchschnittssätze weit überragt, bleibt das Angebot der Firma B. Nuhn A^G. darunter. Der Gemeinderat erteilte einstimmig seine Zustimmung zur Abgabe des Holzes an die Schreiner in den gewünschten Mengen zu folgenden Angebotspreisen: Buchenstämme: Klasse 4 zu 39,25 Mk., Kl. 5 zu 48,15 Mk. Kiefern abschnitte: Kl. 3s zu 40,15 Mk., Kl. 3b zu 45,25 Mk., Kl. 4a zu 47,20 Mk.. Kl. 4 b zu 51 Mk., Kl. 5a zu 58 Mk. pro Festmeter. Mit der Firma Nuhn soll nochmals verhandelt werden. — Die von der Gemeinde gezahlten Baudarlehen müssen gemäß einer Forderung des Kreisamtes zurückgezahlt werden, wenigstens ist mit der Abtragung seitens der Darlehnsnehmer zu beginnen. Der Gemeinderat beschloß eine Iproz. Tilgung ab 1. April 1929. — Es wurde weiter beschlossen, dah Neubauten auf Antrag auf fünf Jahre von der Grundsteuer befreit werden. — In einer Llnterftützungssache bestehen zwischen dem Fürforgeverband Gießen- Stadt und der Gemeinde Lollar Llnstim- migkeiten wegen der Llebernahme der Unter» stützungspflicht. Das Kreisamt Gießen vertritt gleichfassS die Stellungnahme der Gemeinde Lollar. Der Gemeinderat gab feine Zustimmung zur evtl. Klärung im verwaltungsgerichtlichen Streitverfahren. — Ein Baugesuch machte die Aufstellung eines Teilortsbauplanes für das Gelände zwischen dem Holzmühlenweg und dem Lollarer Kopf notwendig. Dem vom Vermessungsamt und Hochbauamt Gießen auf- gestellten Plane wurde zugestimmt und die Verlängerung der Baufluchtlinie der Lumdastraße nach diesem Plane beschlossen. V. Londorf, 12. April. Bei der Konfirmation im Kirchspiel der unteren Rabenau (Londorf, Kefselbach, Allertshausen und Climbach- wurden 26 Kinder (13 Knaben und 13 Mädchen) konfirmiert. Als das Kirchspiel noch sämtliche acht Ortschaften der Rabenau umfaßte, waren es stets zirka 80 bis 90 Kinder. In diesem Jahre wirken sich zum erstenmal die Kriegsjahre aus. D Lich , 12. April. Aus dem S t adtVorst a n d : Die städtischen Taglohnfahrten im Rechnungsjahr 1929 wurden, laut schriftlichem Angebot, dem Karl Nathes zu Lich zu 1.80 Mk. pro Stunde für ein zweispänniges Pferdefuhrwerk übertragen. — Nach einem Bericht der städtischen Baukommission hat die A l b a ch hinter dem Strahendurchlah in der Hattenröder Straße das U f et trotz Schutzes durch Flechtwerk tief unterhält. Nach dem Gutachten kann nur ein Liserschutz aus Beton dauernde Abhilfe schaffen. Die Kosten der Herstellung belaufen sich schätzungsweise auf 200 Mk. Der Stadtvorstand trat dem Gutachten der Baukommission bei und genehmigte die Errichtung einer Llferschutzmauer aus Beton. — Auf der westlichen Seite der Gießener Straße oberhalb der Amtsge- richtsstrahe ist nur ein Teil des Fußsteiges in seiner gesamten Länge mit Grohpflaster versehen, während der restliche Teil bis an die Hausfront noch unbefestigt ist. Die Anwohner dieses Straßen eils haben sich mit einer Gingabe um Befestigung dieses restlichen Fußsteig- an den Stadtvorstand gewandt. Nach dem von der Bauleitung vorgelegten Voranschlag werden sich die voraussichtlichen Instandsetzungskosten unter Verwendung von vorhandenen gebrauchten Pflastersteinen auf 650 Mk. stellen. Der Stadt- Vorstand stimmte der Eingabe zu. Die Befestigung des Fußsteiges soll unter Verwendung von gebrauchten Grohpflastersteinen erfolgen. — In seiner letzten Sitzung hatte der Stadtvorstand beschlossen, den Fußsteig in der MengeS- Basse mit einer Rinnenpflasterung in einer änge von zirka 140 Meter sortzuführen. Gelegentlich einer zwischenzeitlichen Besichtigung dieser Straße durch die städtische Baukommission wurde festgestellt, daß zwischen dem vorgesehenen Rinnenpflafter und dem chaussierten Fahrdamm noch ein etwa 1 Meter breiter unchaussiertev Streifen liegen bleibt, der gelegentlich der Verlängerung des Fußsteiges mit chauffiert werden müßte. Der Kostenaufwand für die Chaussierung beläuft sich auf schätzungsweise 630 Mark. Es wurde beschlossen, den vorgesehenen Fußsteig in der Mengesgasse nebst der Anchaussierung des FahrdammeS von der Fabrik Heinrich Reger Nachfolger bis zum Hause des Adam Weicker durchzuführen. Die Verrechnung der Kosten soll zu Lasten des Rechnungsjahres 1929 erfolgen. — Der Voranschlag des städtischen Wohlfahrtsausschusses für 19 9, der in Einnahme und Ausgabe mit 26 600 Mk. bei einem städtischen Zuschußbedarf von 15 500 Mk. abschließt, wurde genehmigt. — Ein hiesiger Bauunternehmer hat beantragt, dah ihm dis Ausbeutung deS Steinbruchs in Distrikt Riedköpfe des Licher Stadtwaldes auf ©ru d des Verpachtungsprvtokolls vom 7. Mai 19'2 vorerst auf die Dauer eines JahreS wieder gestattet würde. Der Nachtragsentwurf zu dem ar» ten Vertrag wurde genehmigt und der Bürgermeister zum Abschluß des Vertragsnachtrags nsit dem Gesuchsteller ermächtigt. — Die Baugesuche, 1. deS Matthias Ettl um Errichtung von Wirtschaftsräumen, 2. des Jean Weicker um Errichtung einer Einfriedigung und 3. des Heinrich Trechsler um Errichtung eines Wohnhausanbaues wurden nicht beanstandet. Der Wirt Jakob Eise zu Lich hat ein Gesuch um Erlaubnis zur Umwandlung seiner in dem Hause Hintergasse Nr. 61 bestehenden Schankwirtschaft in eine Gastwirtschaft nebst den erforderlichen Plänen vvr- gelegt Der Stadtvorstand beschloß, die Bedürfnisfrage für eine Gastwirtschaft zu bejahen. — Unter Mitteilungen gab der Bürgermeister bekannt, dah er bei dem Vorstand des Eisenbahn- betriebsamteS Gießen II gegen die zeitweillge Schließung des Bahnüberganges in km 16.42 Verwahrung eingelegt habe. Der Vorstand des Amte- habe nunmehr mitgeteilt, dah das hessische Ministerium der Finanzen mit Verfügung vom 10. November 1924 die zeitweilige Schließung des betreffenden Bahnüberganges genehmigt habe. Kreis Friedberg. WSN. Friedberg, 12. April. Gestern abenv gegen 5 Llhr hat sich in einem Abort des Bahnhofes Friedberg ein unbekannter Mann erschossen. Ausweispapiere, aus denen die Personalien festgestellt hätten werden können, waren nicht vorhanden. Der Selbstmörder ist wegen Liebeskummer aus dem Leben geschieden. Kreis Büdingen. △ Bübingen, 12. April. Vom 18. bis 30. d. M. tritt das Kreislehrerkino feine zwölfte Reife nach den einzelnen Stationen an. Zur Vorführung gelangt der erste Teil des Groh- films „Weltkrieg". „?“ Nidda, 12. April. Der Reit- und Fahrverein Nidda und ümgegenb errichtet auf der sog. Gänswiese eine etwa 600" Quadratmeter große gedeckte Reithalle. Der Kostenaufwand für den Holzbau soll 10 000 Marc nicht übersteigen. Die Halle soll so rechtzeitig vollendet fein, dah sie gegebenenfalls zum großen Gesangswettstreit ^s Gesangvereins „Sängerkranz" am 30. Juni mitbenutzt werden, kann. Aus dem Niddatal, 12. April. Gestern sind die Schwalben in unserem Tale ein* getroffen. Einzelne wurden bereits vor 14 Tagen gesehen, waren aber mit Eintritt der Frost« und Schneetage wieder verschwunden. Man nimmt an, dah sie eingegangen find. Kreis Alsfeld. »■* Alsfeld, 12. April. Stadtvor- standssihung: Da man sich in der letzten Sitzung am Dienstag ausschließlich mit der Voranschlagsberatung befaßte, muhten die übrigen Punkte auf eine besondere Sitzung am Donnerstag verwiefen werden. In dieser wurde zunächst nochmals der Entwurf einer Baupolizeiordnung für die Stadt Alsfeld durchberaten, zu welchem das Kreisamt verschiedene Braust deutsche Ware! 12: 8S37A 6/ 2// 2/2 - ZoiDenyuse 2b Strickkleidung aller Art tn riesiger Auswahl 1 BÜRGT FÜR. QUALITÄT! GIPK6N5 3369V Herborn Gießen Inserieren bringt Gewinn Bj I WüWjcki'tr! 1 3344V Jahnstrahe 18/0. 102171 nimmt an i Vertreter für Gießen: J. SCHUPP, Seltersweg 83 S PEZ L - WOLLGESCHAFT wuchtyp 1PIUMPH DAS MOTORRAD HÖCHSTER QUALITÄT Q. erprobt bewährt Versteigerung bestimmt! Ludwig Hartmeh Auktionator und Taxator Neuenweg 28 / Tel. 1414 Besichtigung ab 11 Uhr! Rundfunkprogramm deS Frankfurter Senders. (Ans der „Radio-Umschau-.) Sonntag, 14. MpriL Neue Kurse Beginn 15. 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StzÄ rs-feft“ Nr. 86 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Samstag, sZ. April 1920 Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen. Oie Landschaft des ersten Frühlings. Von Alfons paquet. Die Bergstraße — daS ist für uns nicht nur die uralte Römerftratze, die am Saum des Odenwaldes entlangzog, sozusagen ein Doppel- gleise der bedeutenderen Römerftrahe, auf der anderen Rheinseite drüben. Es ist die erste Landschaft südlich der Mainlinie, die schon ganz den Eindruck von Süddeutschland erweckt. Der Odenwald mit seinen sanften, meergleich wogenden Höhen hat etwas Geheimnisvolles. Der leichtgesprenkelte violettbraune Boden der Buchenwälder deckt alte Fährten Mauerreste verschollener Burgen. Da sind immer wieder auf den Höhen die Felsenmeere, die erstarrter Lava gleichen. In schmalen, vom Bedräng der Daumwipfel verfinsterten Tälern stehen zerbröckelte Kruzifixe, zum Schweigen gekommene Mühlen. Doch die Bergstraße ist die breite, sonnige Landschaft, vor der daS graugrüne Meer des Odenwaldes halt macht wie mit einem einzigen Saum. In der Höhe reiht sich Kuppe an Kuppe, jede breit und behaglich gelagert, keine ohne einen Turm, ein Gemäuer, das Aussicht bietet. Wälder kommen von diesen Höhen, sie fließen ins Tal hinab, sie zeigen über Weinbergen und hellen Wiesen ihre durchsichtigen Ränder. Nirgends schließen sich die geraden Pfeiler der Buchenstämme, die Spitzbogen der Wipfel feierlicher zusammen als an jener Stelle, nicht weit von Auerbach, die Rotgottes heißt. Im Waldboden freigelegt sind die Grundmauern einer längst verschwundenen Kirche. Roch wird dort jedes Jahr ein Gottesdienst abgehalten. Wie ere- mitenhaft einsam ist doch vieles in der Rähe dieser freundlichen kleinen Städte, der vielen Dörfer. die zwischen Darmstadt und Heidelberg zu finden sind, an der Bahn und an der Autostraße und abseits auf Hügeln und in Seitentälern. Sie sind wie eine lockere Kette von hellen Häusergruppen, zuweilen sind schon Gebäude aus dem roten Reckarsandstein hineingemischt, diese stehen besonders gut in den Pfirsichblüten und Apfelblüten deS Frühlings, im roten Schwarzdorn des Sommers und im kupferigen Herbstlaub. Doch gibt es auch alte Fachwerkhäuser, grobes Bauerntum neben den Sommerwohnungen, die sich die Stadtleute von Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg und Mannheim an die Bergstraße gebaut haben. In diesem Landstrich verdient der Frühling seinen schönen Ramen wirklich. Er ist zeitiger da als sonst in Deutschland, es ist, als nähme er von hier seinen Ausgang. An der Bergstraße beginnt in der Regel im April*) daS Blühen, dieses duftige, lockere Schäumen der Ratur, das sich in weißen und rosa Dlütenströmen zögernd fortsetzt und am mittleren Rhein noch den Mai vollkommen ausfüllt. An der Bergstraße mischen sich unmittelbar vor den Wäldern die Obstgärten, die Blumengärten, die Deerengärten, die Treibhäuser. Durch die Felder ziehen hohe schattige Alleen. Lieber Gartenmauern hängen die Ranken. Lleber- all ein reiches pflanzliches Leben, aus dem zuerst das Blühen der fremden Gäste, der Mandeln und Pfirsiche, hervorbricht. Der Derghang ist breit und sanft wie ein Kanapee. Alles ist der Sonne offen, alles atmet Wärme. Hm paradiesisch zu sein, müßte freilich dieses Land dem Menschen die harte, dauernde und keineswegs sorgenlose Arbeit ersparen, ohne die es ja doch in unserem Klima nicht abgeht. Denn hier, wo das Jahr lang dauert und viel Arbeit im Freien möglich macht, treibt neben nützlichen Gewächsen auch das Unkraut, und die Arbeit verdoppelt sich fast zwischen Feld und Garten. Llber es ist doch ein bescheidener Wohlstand hier, eine naturhafte Lebensfreude. Von der sauberen Residenzstadt Darmstadt mit dem barocken Schloß in der Mitte, den langen geraden Strahenzügen, den krummen landstadtmäßigen Gassen des älteren Stadtteils und den Villenvierteln, die ein einziger Park von Gärten und Baumgruppen sind, führt eine Allee von alten kunstvoll verkrüppelten Kiefern zum Großen Woog, der in der Richtung zum Rheine liegt. Lind wie fast alle Städtchen und Dörfer der Bergstraße ihren östlichen Ausgang gleich in die Wälder öffnen, so umschlingen stille, geebnete Waldpf ade die Stadt nach den Höhen zu fast ins Unendliche. Versteckt in den Tälern, doch zuweilen auch mit spitzen Kirchtürmen auf den Hohen sichtbar, liegen die Dörfer dort. Am Schloß und Dorsnest des einstigen Fürstentums Erbach *) In diesem ungewöhnlichen Wetterjahr dürfte auch an der Bergstraße die Baumblüte später einsehen. vorüber geht die Autostraße: nicht weit vom Denkmal eines Fürsten vor dem Schloß liegt in den Wäldern jener Lindenborn, wo Siegfried trank und von dem grimmen Hagen durchbohrt wurde. DaS alte Eberftadt mit seiner kleinen Festungskirche, Pfungstadt mit seinem mächtigen Rathaus und den Altertümern seines Zent- ocrichts, Bickenbach mit dem Alsbacher Schloß in der Rähe. Zwingenberg mit seinen Wehrmauern um die hochgelegene Kirche und den von der Stadtmauer fast zerdrückten Giebelhäusern, alle verraten noch ein wenig von ihrer bewegten Geschichte. Die große Heerstraße brachte Verdienst und Wohlstand, aber auch Lieberfälle, Gefahren. Lieber Zwingenberg ragt der M e l i b o k u s, der höchste Berg dieses Höhenzuges. Von der Spitze des schönen Berges reicht der Blick an klaren Tagen weit bis zum Reroberg über Wiesbaden, er trifft die Höhen der Haardt und fern die Vogesen. Lind auf seinen Wegen von Tal zu Tal kommt der Wanderer dann zum Auerbach er Schloß, der größten Ruine unter den vielen Burgen der Bergstraße. Schon ist dort der Blick von der Zinne, die Berge liegen offen wie die Ebene. Richt weit ist das gepflegte, städtisch saubere Bensheim mit seinen angenehmen Gasthäusern, schattigen Gartenwirtschaften, wohlbehüteten Landhäusern, die in Gärten fast verschwinden. Hier führt die Allee eine Wegstunde weit durch die Felder, schnurgerade und nicht fern dem Anstieg zu den Bergen. Sie mündet in das dörflichere Heppenheim, dessen regelmäßig gekreuzte Gassen einen guten Ruhepunkt zu entdecken geben, den reichgegliederten Fachwerkbau des Rathauses. Run ist schon der Lieber- gang ins Badische nicht mehr weit. Es ist, als wolle hier einmal das hessische Gebiet das Flachland meiden. Der Reckar hat jene Ebene geschaffen. die schon zum Mannheimer Bezirk gehört, und der Reckar ist nun einmal der Fluh unter der gelbroten Fahne. Auch die Stadt Weinheim, die sonst noch ganz odenwäldisch ist, gehört schon in den badischen Bezirk. Sie wird schon mehr von Heidelberg und Mannheim her besucht als von Darmstadt. Auch sie hat natürlich ihre romantische Höhe, die Burg W i n d e ck, aber sie hat auch ihren eigenen gewerblichen Eifer und sogar, wie Heidelberg, eine Heilquelle. Das Hessische reicht nur quer über den Odenwald mit schmaler Zunge zum Reckar hinüber, es erreicht ihn bei Hirschhorn, es seht sich sogar bis nah ans Württembergische fort mit seiner berühmten Exklave, der wundersamen ReichsstodlW impfen. Ein Frühlingstag in Heidelberg, grün wie Laub, wie frische Baumblättcr! Alle Straßen dieser wohligen Stadt scheinen den Fluh zu begleiten oder zu ihm hinzuführen, man glaubt nicht, wieviel Sang und Klang an einem hellen Sonntagmorgen hier emporsteigt, ein einziges hymnisches Toben I Vereine marschieren und begegnen sich mit Musik in den schmalen Straßen, aus den Fenstern hängen die Fahnen der Korporationen, in der Kirche an der Hauptstrahe brummt die Orgel. Der Reckar glänzt in der Sonne, die kleinen weihen Dampfer fahren, die Ruderboote treiben, auf der alten Drücke gehen Leute zum Wald hinüber, viele spazieren schon auf den Waldwegen der Höhe. Die rötlichen Villen leuchten von den Abhängen. Ein wenig weiter von der Stadt, und alles wird naturhaft. Durch den Hellen Laubwald ziehen sich die dunkleren Linien der Tannen den Derg hinunter, und die Sandsteinbrüche find rot wie das hinter einer Diegung verschwundene Schloß. Rhön-Bil-er. Von Hans Morgenstern. Vorschau. Groh-Eisenbahnstation ist Fulda, barocke Residenz ehemaliger Fürst-Aebte, die über das ganze Land hier und auch über die Rhön bis 1803. dem Jahr großer Säkularisationen, souverän gewesen sind. Vor der Stadt hebt sich einsam der hohe Petersberg. Hier oben, von der Terrasse des alten Kirchleins, ist die schönste Vorschau auf das langgestreckte, vielgestaltige Gebirge der „kuppenreichen Rhön" zu nehmen: erst einige Stunden weites, ödes Flachland, kaum ge- weltt. Dann plötzlich sind alle die verschieden und seltsam geformten Kuppen und Kegel hochgestülpt. neben-, hinter- und übereinander, wie blinde vulkanische LIrkräfte diese Dasaltmassen aus dem Erdinnern herausgetrieben haben. Die ,:Totenlade" der Milseburg, die breite Wölbung der Wasserkuppe, das mächtige Dammers-Massiv heben sich besonders auffällig aus dem malerischen Ganzen heraus. Aber die wertvolle Entfernung verwischt alle Einzelheiten der Ansicht, daß ein durchaus monumentales Bild bleibt, nur aus wenigen bloßen Elementen, aus Raum und Farbe, gemacht. Milseburg. Von Fulda mit der Rebenbahn bis Langenbieber. Auf hohen Dastionen thront Schloß Bieberstein. Durch herrliche Wälder über die idyllische Fohlenweide zum Karhof, von . wo gewiß die prächtigste Ansicht der Milseburg ist. Don Kleinsassen aus der Aufstieg, steil, eng, am rauschenden Dach hoch: kleine, grell blühende Wiesenflecke im Wald. Der Blick zurück fällt auf den wüsten, kahlen Stellberg, dessen Gesicht mit schwarzem, schlackigem Eruptivgestein wie mit Aussatz überstreut sich zeigt. Die Milseburg aber ist romantisch bewaldet. Von Ratur schon stellt das Plateau eine Burg dar, denn an allen Seiten stürzt der Berg schroff und steil ab. Mühsam klettert der Wanderer die schiefe Ebene dieses riesigen Dromedar-Rückens hoch, bis er am Rand der tief abfallenden Südwand jäh zurückschreckt. Hier über dem gefährlichen Ab- grund, zwischen schwarzen Basalt-Blöcken im weichen Moos zu sitzen, den Fuß in eine Gesteins-Rinne gestemmt, um nicht hinabzurutschen, und nun in die Tiefe und in die Weite zu blicken, läßt alle Mühen des Aufstiegs gern vergessen. Die Sonne strahlt auf solcher Höhe mit ungestümer Heilkraft. Der Wind weht, bald ungebärdig, bald streichelnd, einen reinen, himmlischen Geruch, denn er hat zuvor nichts Irdisches berührt. Llnd Goethesche Verse aus dem zweiten Faust drängen sich angesichts dieser Landschaft auf, wie Mephisto zyklopisch prahlt: „Ich war dabei, als noch da drunten siedend der Abgrund schwoll. .. Wasserkuppe. Weiter über den Grabenhof, am grotesken, von Blitzen zersplitterten Zacken des Teufel st eins vorbei und durch das Dorf Abtsroda auf der Rhön höchste Höhe, die Wasserkuppe (950 Meter). Man geht über die mächtigste, weiteste Wölbung wie über einen gewaltigen Globus. So haben Augen und Füße das wahre Erdgefühl. Wie die meisten Berge dieses Gebirges ist die Wasserkuppe kahl und windig, grasig und steinig. Ehemals war überall Wald, aber die Raubwirtschaft der Landesfürsten hat die Forsten vernichtet. Daher das rauhe Klima der Rhön und die historische Armut ihrer Bewohner, aber auch die strenge Schönheit dieser elementaren Landschaft. Ihre Eigenart liegt in den wenigen einfachen und großen Linien, die so schwer Anhalt zum Messen geben. Hier nun wirkt die menschliche Psyche durchaus heroisch, indem sie nicht das Kleine, wozu sie ja die Wahl hätte, sondern das Große sich imaginicrt: Auf kahlem Berg- hang eine Gruppe Sträucher erscheint gigantisch. Oder eine Baumreihe steht in mittlerer Höhe, und darüber steigt der kahle Gipfel hinaus wie in den Himmel. Doch plötzlich kommt ein Mensch oder eine Kuh über den Horizont der Kuppe. Zuerst erschrickt das Auge wie vor einer gespenstischen Riesenerscheinung, hat dann aber bald den gewohnten optischen Kontakt gefunden. Lind sofort schrumpft das ganze Landschaftsbild zusammen, alles wird klein, irdisch und gewöhnlich, da das Auge einen Halt zum Messen, zum Proportionieren fand. Denn nur in der Relativität ist Realität. Rhön-Leute. In Poppenhausen Nachtquartier zu suchen, lasse ich mich die Kuppe nach Westen zu hinunterlaufen. Aber am steilen Hang des Pferds- k o p f liege ich im Grase, den Sonnenuntergang noch zu sehen. Ringsumher klingt bukolisches Geläut an den Hälsen von Kühen, die, immer weidend, langsam zu Stall getrieben werden. Ein Hirtenbub kommt keck herangesprungen und beginnt mich auszufragen. Sein Dialekt ist mir kaum verständlich, wie ihm mein Hochdeutsch. Er ist 16 Jahre alt und hat im Leben nichts anderes kennen gelernt, als auf den Halden des großen Berges seines Vaters Kühe zu hüten. Er ist klein, neugierig, fuchs-schlau, er heißt aber Leo. Er stellt mir das Ansinnen, in seinem Vaterhaus drunten in Rodholz zu übernachten, und springt vor Freude hoch, als ich einwillige. Mit Johlen und Peitschenknallen treiben wir unsere vier Kühe zu Tal. Mir sind die vier noch gar nicht als gesonderte Individuen aufgefallen. Aber der Bub, der mit ihnen aufwuchs, weiß von jeder Kuh eine eigene Lebensgeschichte und eine verschiedene Charakteristik zu berichten. Am Dorfeingang drückt er mir die Peitsche in die Hand und springt voraus, den Eltern Bescheid zu sagen, daß Besuch kommt. Ob ich aber allein den Weg finde? „Das Vieh weiß!", ruft er zurück. Lind wirklich biegen denn auch die Kühe plötzlich von der Straße ab und rennen in den gewohnten Stall, wo sie gleich von der Frau gemolken werden. Der kleine, dürre Mann holt mich in die enge Stube, deren niedrige Decke ich mit dem Kopfe berühre. Die übrigen vielen Kinder, lauter Knirpse, kommen zum Vorschein, von den abwesenden werden die Photographien gezeigt. Zwischen sehr viel Gebet, zu Anfang und zum Schluß, nehmen wir die kärgliche Mahlzeit ein: trocken Brot, Kartoffeln ohne Fett, aber dazu die nahrhafte, aromatische, heiße Milch, die soeben von den duftenden Bergweiden kam. Später, Licht ist unbekannt, werde ich auf den Boden an das Lager geführt. Gleich über dem Kopf ist das unverschalte Pfannendach, mit Strohpuppen gedichtet. Ein Sternlein schimmert hindurch. Mir zu Füßen aber der warme Kuhstall. Da gab es dann beim gemütvollen Brummen und Kettengerassel der wiederkäuenden Kühe einen wundervollen Schlaf. Heilig Kreuzberg. Lieber das bedeutende Gersfeld durch herrliche Waldungen und durch das echte Rhön- Dorf Ober-Weißenbrunn, mit schönen Ausblicken über weite Weidelandschaft nach dem hohen D a m in e r s f e l d, nun auf den Kreuzberg (932 Meter). Hier das berühmte gastliche Wallfahrts-Kloster, wo gut zu übernachten und den Eigenerzeugnissen von Küche und Keller gehörig zuzusprechen ist. Der Berg ist eine uralte, schon heidnische Kultstätte. Run stehen auf der kahlen, wüsten Kuppe die drei Eichen-Kreuze aufgerichtet, in der Abenddämmerung ein großartiges Bild nach dem Bibelwort: Es ist vollbracht! Solche Landschafts-Religiosität als Fortführung altheidnischer Tradition des freien Natur- und Höhen- Kults findet sich mehrfach auf den Bergen der Rhön. Die Rückkehr von Gersfeld mit der Kleinbahn wieder nach Fulda. Linterwegs schallt der Stationsname Bronnzell und weckt die Erinnerung an das Krisenjahr 1850, da hier eine preußische und eine österreichische Armee aneinander gerieten, wobei aber nur ein preußischer Schimmel verwundet wurde, der daher historische Berühmtheit erlangte. Reisewinke. Bad Lal'.schlirf. In dem durch seinen Bonifaziusbrunnen rühmlichst bekannten Gichtbade Salzschlirf — das, zwischen den Ausläufern der Rhön und des Vogelsberges eingebettet, in nächster Rähe von Fulda romantisch gelegen ist — sind «^auch für die diesjährige Saison wieder erhebliche Reuerungen getroffen worden. Jenseits der dem Kurpark parallel lausenden Lindenallee sind große Erweiterungen der Kuranlagen vorgenommen worden, die sich van dem idyllischen Goldfischteich bis hinauf zum Kolonnadencafö ziehen und neben entzückenden, geruhigen Ruheplätzen auch Gelegenheit zu kleinen Spazierwegen während der Brunnenstunde mitten durch die ver- fchwenderischste Dlütenpracht bieten. Außerdem hat die Kurdirektion jetzt sämtliche eigenen Kur-, Pensions- und Dadehäuser mit Zentralheizung, versehen lassen, so daß der Kurgast auch bei kühler Witterung nicht der Gefahr des Erkältens ausgesetzt ist. Durch Anlage von fließendem Wasser in den der Badeverwaltung gehörenden Häusern wird jede Bequemlichkeit eines neuzeitlich eingerichteten Badeortes geboten. Frühling int Jodbad Tölz. In Bad Tölz liegen fünf in Gehalt und Zusammensetzung verschiedene Jodquellen — die stärksten reinnatürlichen, schwefelwasserstofffreien Jodtrinkquellen Deutschlands. Das Bad hat einen in Reichhaltigkeit und Mustergültigkeit der Badeanlagen, Vornehmheit des Badelebens usw. unverkennbaren Zug ins Große. Der Frühling ist in Tölz, dem alten, farbenfrohen Städtchen an der Isar mit seinen waldwogenden Bergen eine besonders schöne und Heilung versprechende Jahreszeit. - Ermäßigte pauschal!.: Die ersten 3 Wochen (Mindest!,.: pauschalpr. Mk. 189-/ 4. Woche Mk. 61.25. Bewilligung v. Kreditkuren auf Antrag Gegen Gicht-, Stein- u. Stoffwechselleiden! Im Kurhaus: Wochenpauschalpreis Mk. 80.50; im Badehof: Wochenpauschale Mk. 105.-. 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Don der Persönlichkeit dieses Mannes, dessen Damen fast jeder Markenfreund kennt, weih man nicht allzuviel. Als der Krieg ausbrach, befand sich ein in Paris ansässiger, reicher alter Sonderling auf Reisen in Serbien. Baron Philipp la Renotiere von Ferrari, wie sein etwas umständlicher Dame lautete, war der Sohn eines österreichischen Adligen und der italienischen Herzogin von Gal- liera. Da er in Paris im diplomatischen Dienst Oesterreichs stand, suchte er bei Kriegsbeginn Zuflucht in der Schweiz, muhte aber den größten Teil seiner weltbekannten Briefmarkensammlung in der Pariser österreichischen Botschaft zurucklassen. Der damals fünfundsechzigjährige alte Herr hatte den gröhten Teil seines Lebens als Einsiedler in dem berühmten Hause Rue de Darennes 37 zugebracht, das seine Mutter einst der Habsburger Monarchie vermacht hatte, damit ihr Sohn „auf österreichischem Boden" leben könnte. Länger als ein halbes Jahrhundert widmete sich Ferrari dort in stiller Zurückgezogenheit seiner philatelistischen Liebhaberei, der zuliebe er oft eine romantische Rolle spielte, ähnlich der des Kalifen von Bagdad, der gern unerkannt unter seinen Untertanen weilte. Man erzählt sich, daß dieser Sohn wohlhabender Eltern auf der Suche nach seltenen Briefmarken nicht nur Reisen nach London, Wien oder anderen europäischen Hauptstädten unternahm, sondern sich häufig sogar in fast zerlumpte Kleider hüllte, um unbeachtet die entlegensten Gegenden von Paris zu durchqueren. Aus solchen Forschungsfahrten sollen ihn oft genug die Kutscher verspottet haben, so daß er schließlich jeden, der ihn als „Fuhre" annahm, mit einem Goldstück belohnte. Bei der Dergröhe- rung seiner Markensammlung, die von Jugend an bis ins hohe Aller nahezu den einzigen Lebenszweck des Marquis Ferrari bildete, scheute er keine Mühen und Kosten. Seine fast unbeschränkten Mittel, seine Ausdauer und sein Finderglück brachten ihm den Erfolg: als er das selbstgewählte schweizerische Exil aufsuchte, war seine in Paris zurückgebliebene Markensammlung die größte und wertvollste, die jemals seit der Einführung der Briefmarke im Jahre 1840 zusammengebracht worden ist. Sie enthielt mehr als 120 000 Marken und umfaßte damit wohl ungefähr alles, was in den vergangenen sieben Jahrzehnten an Postwertzeichen in allen Ländern der Welt zur Ausgabe gelangt ist. Wer nur einigermaßen sachkundig ist, weih, dah das eine bewundernwürdige philatelisttsche Herkulesarbeit bedeutet, die wohl niemals mehr wiederholt werden kann. Um so schmerzlicher ist der Gedanke, der besonders für die deutsche Sammlerwelt mit diesen Markenschätzen verknüpft ist. Als Ferrari 1917 in Lausanne im Aller von 67 Jahren starb, hatte er seine ungeheure Sammlung testamentarisch dem deutschen Reichspostmuseum in Berlin vermacht, dessen vorbildliche Einrichtung vielleicht einst besonderen Eindruck auf ihn gemacht hatte. Der Krieg hat uns um diese unvergleichliche Erbschaft gebracht. Die französische Regierung lieh durch den Derwalter ausländischen Eigentums die Sammlung beschlagnahmen und in den Jahren von 1921 bis 1925 in Paris auf vierzehn öffentliche Auktionen versteigern. Diese Der- läufe hatten einschließlich der französischen Luxussteuer von 17,5 Prozent das erstaunliche Ergebnis von rund 8 Millionen Reichsmark, die Deutschland auf Reparationskonto gutgeschrieben wurden. Ein schwacher Trost, denn die berühmte und einzigartige Sammlung war damit für immer in alle Winde, in alle Weltgegenden zerstreut. Dom 15. bis 26. April wird In Zürich die berühmte Sammlung griechischer Briefmarken aus dem Dachlah des Barons Ferrari versteigert, die testamentarisch dem deutschen Reichspostmuseum zugefallen war. Sie veu gelang" Um 1 M ? Künste Sezest" wurde, aange" Auch' ein sch Eltern Präses bildha> mann, porträl »°t er„ schenk der »L Kruses benann aus ein tag in Mer Dre oberhessisch en Mitglieder der Hess. Landwirtschaftskammer. Bei den Wahlen zur Lanowirtschastskarmner für Hessen wurden aus der Provinz Oberhessen folgende Herren gewählt: Adolf Hensel in Dortelweil: Wilhelm Fenchel in Ober-Hörgern: Karl Breidenbach in Dorheim: Heinrich WUhelm Wolf in Düdelsheim; Heinrich Heihenröder in Dieder- Moos; Gustav Korell in Angenrod; Theodor wenig das Handwerk zu legen. Ein- wir ihnen — in allen Fällen geht es ja nicht — ihren Irrtum ziemlich deutlich vor Augen stellen. Doch mehr wirkt Humor. Auf irgendeine Uebertreibung setze man einfach eine stärkere! Wer die Lacher auf seiner Seite hat, hilft mit, daß der Besserwisser, wenigstens für einige Zeit, ruhig bleibt. Bei harmlosen Gesprächen sollte man diesen Leutchen allerdings ihre Freude gönnen. An Stammtischen und anderen ..geheiligten" Orten ist ja die Besserwisserei wohl heute nodj ziemlich in Blüte. Ich hatte einen guten Onkel, bet aucß zweimal in der Woche „seinen" Stamm- llsch besuchte. Vorher las er ganz genau die Zeitung, und bei Mitteilungen, die er für wichtig dielt, machte er halt, holte fein großes Konver- fatiol Slexikon hervor und fing an, sich vorzu- oetetten. Der geneigte Leser merkt schon, für was. -Denn also z. B. in der Zeitung vom Zigeuner- unwesen berichtet wurde, dann nahm der Onkel den Band mit dem Buchstaben Z und las nun alles, was da über die Zigeuner zu finden war So kam er gerüstet zum Stammtisch. Die Unterhaltung ging bald auf die Zigeunerplage über, wenn nicht, dann half der Onkel etwas nach oder fing selber von der Sache an, und nun war Zeit, sein Licht leuchten zu lassen. (Gustav Frehtag erzählt uns ja auch in seiner „Derlore- nen Handschrift" von einer würdigen Dame, die mit Hilfe ihres Lexikons für Unterhaltung sorgte.) 0o hat sich der Onkel viele, viele Jahre lang gewissenhaft vorbereitet und genoß dementspre- djenb großes Ansehen bei der Safelrunbe. Streng genommen fällt er ja gar nicht unter die Besserwisser: denn tatsächlich wußte er etwas. Schlimm war's nur, und das kam auch vor, wenn einer der anderen Stammtischbrüder irgend- rnaä an den Mitteilungen des Onkels auszusehen hatte. Denn dieser konnte doch nicht sagen, daß er heute nachmittag erst alles im Lexikon nachge- lesen hatte. Das gab bann einen Sturm im Wasserglas. Wie ott sind wir Zeuge solcher Kleinigkeit», tampse un (Safe, in Der Bahn, am Stammtisch. Da ist Schweigen von unserer Seite meist das Gegebene und Klügste. Dor einiger Zeit ging ich mit einem Bekannten an einem schönen WärzsomiLag spazieren. Ferrari, König der Briefmarkensammler. Universalerbe: Reichspostmuseum. Die vollständigste Postwertzeichensammlung derWelt. Ferraris zerstörtes Lebenswerk. Briefmarken als Kriegsentschädigung Von Max Büttner. Aos der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 13. April 1929. Oie Beffer-Wiffer. Es scheint beinahe so, als ob die meisten ausgestorben wären: aber es kommt uns nur so vor. Ihre Blütezeit erlebten die Besserwisser während beö Krieges und während der Jnflatton. War irgendeine Dachricht noch so Rar und wahrheitsgetreu, sie mußten immer noch ihren Senf dazu geben. Einmal hatten sie einen guten Bekannten im Großen Hauptguartier, dann wieder waren ihnen aus dem neutralen Ausland „geheime" Mitteilungen gegeben worden. Wir tonnen sie uns noch alle vorstellen, wie sie mit wichttgem Gesicht und entsprechenden Handbewegungen, meistens flüsternd, ihre Deuigkeiten verzapften. Und sie fanden immer gläubige Zuhörer. In bewegten Zeiten sind ja fast alle Menschen geneigt, auch ganz unglaubliches Zeug für bare Münze hinzu- nehrnen. Wenn wir genauer zuschauen, so finden wir sie immer noch, diese Rechthaber und Alleswisser. Sie sind nicht seltener geworden, sondern die Anlässe, über die sie uns belehren können, sind nur nicht mehr so zahlreich. Aber bei wichtigen Erfindungen, bei Derbrechen, bei großen Deuigkeiten und Unglücksfällen treten sie sofort in Erscheinung. Sie wissen stets, warum das so kam, wer der Schuldige ist und wie ein Erfinder zu der bestimmten Idee kam. Sie haben immer Ratschläge bereit, wie man dies und das hätte vermeiden können, wie man in diesem einen Fall die Sache hätte machen müssen. Wenn man sie hört, besteht eigentlich die ganze Menschheit aus Dummköpfen, nur sie allein verstehen etwas. Sind es nicht merkwürdige Käuze, diese Allesbesserwisser? Warum versteifen sie sich nur so fest auf ihre Ansicht und lassen andere Menschen kaum aussprechen'r Es ist nicht immer nur ®itel- feit, die sie so handeln läßt, sondern einfach Daturanlage und gewissermaßen ein — wenn auch übertriebenes — Rechtsgefühl. Haben diese Leute eine schwache Umgebung, die ihnen immer recht gibt, dann fühlen sie sich bald als Reine Halbgötter, Wir sprachen von einer wohlgelungenen Ausführung in einem Liebhabertheater, der wir am Abend vorher beigewohnt hatten. Wir stellten allerdings auch fest, daß in dem Stück ziemlich starke Anleihen gemacht worden waren. Einige Witze und Scherzfragen waren einfach aus der Fremdensihung der Mainzer Karnevalsgefell- schaf t übernommen worden. Wir hatten im Rundfunk die Uebertragung gehört. Dur meinte mein Begleiter, diese Sachen seien dieses Jahr in Mainz gebracht worden, ich dagegen wußte (und weih es heute noch genau), daß es im vorigen 3ahre war. Verschiedene Umstände waren mir so gut im Gedächtnis geblieben, dah ein Irrtum meinerseits ganz ausgeschlossen war (und noch ist). Ich sagte also meinem Begleiter, dah er sich wohl irre. „Dein!" beharrte er, „es war in diesem Zahr." Was sollte ich machen? Mich wegen einer Sache, die ganz belanglos war, mit meinem Bekannten zanken? Zum ersten Male nach langer Winterszeit konnte man sich der warmen Sonne freuen, und ich sollte nun hier versuchen, jemand zu belehren, der nicht belehrt sein wollte? Dein! Dafür war mir der Sonntag doch zu fd>adc. Ich fcß to i e g also. Wir hatten auch bald ein anderes Gesprächsthema, und der Spaziergang verlief ohne jede Mißstimmung. — sind halt merkwürdige Käuze, diese Besser- & Volksmund hat schon recht, wenn daß sie noch mehr wüßten als der liebe Gott: denn dieser weih alles, diese aber wissen alles besser! w* Daten für Sonntag, 14. April. Sonnenaufgang 5.08 Uhr, Sonnenuntergang 18.54 a nS* iJT" Mondaufgang 733 Uhr, Monduntergana 0.07 Uhr. 3 ö 1854: der Bildhauer Max Kruse in Berlin geboren; — 1927: der Verlagsbuchhändler Johann Klasina in Bielefeld gestorben. Die damaligen Pariser Dersteigerungen im Hotel Drouet bildeten naturgemäß jedesmal Sensationen für die große Philatelistengemeinde aller Länder. Von allen Orten kamen die Markenhändler und Sammler, um an der bedauerlichen Auflösung dieses Lebenswerkes teilzunehmen, das außer seinem Schöpfer und seinen beiden Sekretären vorher kaum jemand vollständig gesehen hatte. Die zahlungsfähigsten Liebhaber oder Geschäftsleute lieferten sich dort erbitterte „Auktionsschlachten", wie sie bis dahin im sonst so friedlichen Driefmarkenreich noch nicht vorgekommen waren. Vertreter verschiedener Regierungen Überboten sich gegenseitig, um seltene Postwertzeichen für ihre Museen zu erwerben. Ein als Sammler bekannter Tabakfabrikant aus Mülhausen im Elsaß hatte unter seinen Gegnern einen Beauftragten des Königs von Spanien. Deutsche und russische Interessenten wetteiferten um den Zuschlag einer großen Sammlung der sogenannten Semstwo- (d. h. etwa Landpost-) Marken, wie sie in dieser Vollständigkeit selbst in den zaristischen Archiven nicht vorhanden war. Bei aHebem kletterten natürlich die Preise in unwahrscheinliche Höhen. Der nordamerikanische Texttlindustrielle Arthur^Hind, den man heute den „amerikanischen Ferrari" nennt, erwarb die nur in einem einzigen Stück bekannte schwarz-rote Eincent-Marke von Britisch-Guhana (1856), die noch dazu an den vier Ecken beschnitten ist, zu dem phantastischen Rekordpreis von 1073 000 französischen Franken, was nach dem damaligen Wechselkurs der Summe von 32 500 Dollars entsprach! Eine der seltenen sog. Missionsmarken von Hawaii aus dem Jahre 1851 wurde für 156 000 Franken verkauft, und auch alle anderen großen Raritäten, wie z. D. Seltenheiten von Sizilien, Moldau-Rumänien usw., waren vorhanden und erzielten noch nicht dagewesene Preise. Obwohl es sich bet den Pariser Versteigerungen um enorme Markenmengen gehandelt hatte, war man doch schon damals in Sachverständigen- und Sammlerkreisen der Meinung, es könne dort noch nicht die ganze Ferrari-Sammlung zum Derkau gelangt sein. Diese Auffassung hat erst jetzt eine Destätigung gefunden. Vor kurzem wurde aus der Schweiz das Auftauchen weiterer Markenbestände aus Ferraris Besitz gemeldet, die angeblich von den schweizerischen Behörden zur Sicherung der Erbschaftssteuer längere Zeit beschlagnahmt waren. Es gelang dann den Erben, gegen Hinterlegung einer großen Summe den Dachlah freizubekommen und ihn schweizerischen und englischen Handelsfirmen zur Verwertung zu überlassen. Bon einem Züricher Auktionshaus wird nun ein Teil dieser neuaufgetauchten Markenbestände versteigert. Dabei handelt es sich vor allem um eine große Griechenland-Spezialsammlung, die als die umfangreichste und wertvollste dieser Art gilt. Auch eins der ersten Londoner Markenhandelshäuser kündigt für die nächste Zeit öffentliche Verkäufe aus Ferraris früherem Besitz an. Mit diesen Versteigerungen nimmt die Angelegenheit eine Wendung, die nicht mehr allein die Untere ff en der deutschen Markensammler berührt. Ferrari hatte in seinem Testament — soviel man weiß, ohne Einschränkung — feine Sammlung dem deutschen Reichspostmuseum zugespro- chen. Wer sind nun die neuerdings auftretenden „Erben", und wie sind ihre rechtlichen Befugnisse beschaffen? Das Reichspostmuseum selbst ist nach einer von ihm kürzlich erteilten Auskunft der Meinung, „die an die Schweiz zu entrichtende Erbschaftssteuer wäre weit höher gewesen als der Wert der in Lausanne lagernden Teile der Sammlung". Wird doch behauptet, daß die Erbschaftssteuer 400 000 Mar? betragen würde, während die berühmte Griechenlandsammlung nur 150 000 Mark wert fein fort. Dagegen befürchtet man in Kennerkreifen, dah sich nach den angezeigten Auktionen die Zahlung der Erbschaftssteuer durch die bisherigen Besitzer als außerordentlich glänzendes Geschäft erweisen werde! Das würde mithin heihen: ein Geschäft zum Schaden Deutschlands. Wie dem auch sei — diese Sammlung, die etwas Ginmaliges war, wird weiter in Atome zersplittert. Unb keinem noch so zahlungswilligen philatelistischen Krösus wird es je gelingen, wieder ähnliche Schätze zusammenzutragen wie einst in leidenschaftlicher Lebensarbeit dem größten Briefmarkensammler aller Zeiten und Länder: Philipp de la Renotiere von Ferrari. Wanderfahrten. G'.eßen — hangelslein — Climbach — Allendorf. Zu dieser Wanderfahrt benutzen wir blaue Striche, die uns auf der ganzen Strecke das Geleit geben. Wir beginnen unseren Marsch an der Unterführung in der Ederstraße, gegen dem Bahnkörper entlang zur Badenburg, wo wir rasten können. Das Zeichen führt uns durch das Badenburger Wäldcken, die Marburger und Daubringer Sttaße überschreitend, zum Hangelstein. Heber die Felsenkanzel, die Schöne Aussicht und die Schutzhütte geht es über den Daubringer Paß mit reizenden Blicken auf das Busecker Tal und die Rabenau mit den anschließenden Höhen. Ein gutes Stück später kommen wir über freies Feld, wo Vorsicht nötig ist; das Zeichen befindet sich an einem Grenzstein und weist uns nach links wieder zum Wald. Auf stillen Waldpfaden kommen mir nach geraumer Zeit am Aspenkippel, dem wohlerhaltenen Krater eines basaltischen Vulkans, vorbei, nach dem hochgelegenen Climbach, wo eine Rast am Platze ist. Von Climbach führt der Weg, der prächtige Aussicht in das Lumdatal, nach Nordeck und Winnen gewährt, nach unserem Endziel Allendorf. Dauer der Wanderung 4% Stunden. Sofien furf — Greifenstein — Dianaburg — Leun — Station Braunfels. Wir fahren mit dem Frühzuge nach Katzenfurt lSonntagskarte), gehen vorläufig ohne Zeichen durch Greifenstein, eine ehemalige französische Kolonie, und später an dem idyllisch gelegenen Forsthaus Langengrund vorbei. Bald daraus stoßen wir auf die Straße, die von Elgershausen kommt und mit blauen Strichen bezeichnet ist. Dieser Straße folgen wir jetzt nach links und gelangen durch schönen Hochwald bei mäßiger Steigung zur Dianaburg, einem einfachen Jagdschlößchen mit Aussichtsturm, daneben eine Försterei mit Wirtschaft. Die Aussicht vom Turm auf ein weites Wäldermeer sowie nach den Höhen des Westerwaldes, des Taunus und in unsere Gegend ist entzückend. Rote Striche führen uns über den Heisterberber Hof hinab zur Lahn, sodann durch Leun, an interessanten Fachwerkhäusern vorbei, zum Bahnhof Braunfels, von wo wir heimfahren. Dauer der Wanderung 4 Stunden. Daten für Montag, 15. April Sonnenaufgang 5.06 Uhr, Sonnenuntergang 18.56 Uhr. — Mondaufgang 8.27 Uhr, Monduntergang 1.22 Uhr. 1772: der Naturforscher Etienne Geoffroy Saint- Hilaire in Etampes geboren; — 1800: der britische Seefahrer James (Harte Roß in Balsorroch geboren; — 1832: der Dichter und Zeichner Wilhelm Busch in Wiedensahl geboren. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 170 bis 190, Matte 30 bis 35, Wirsing 20 bis 50, Weißkraut 20 bis 30, Rotkraut 20 bis 35, gelbe Rüben 25 bis 30, rote Rüben 25 bis 30, Spinat 40 bis 50, Llnter-Kohlrabi 10 bis 15, Rosenkohl 70, Feldsalat 200 bis 300, Endivien 150 bis 300, Tomaten 80 bis 100, Zwiebeln 25 bis 30. Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 60 bis 90, Kartoffeln 6, ausländische Aepfel 50 bis 80, innläüdische Aepfel 30 bis 40, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 50, Düsse 70 bis 80, junge > Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 100 bis 110, Blumenkohl 50 bis 150, Salat 30 bis 50, Salatgurken 130 bis 140, Lauch 15 bis 30, Rettich 20 bis 30. Sellerie 20 bis 100 Pf. das Stück; Radieschen 25 bis 30 Pf. das Bund; Kartoffeln 5,50 Mk. der Zentner. ganze Reihe verzeichnen. Für auswärtige Schüler besteht in Verbindung mit der Schule ein Schülerheim und eine Kostgemeinschaft, die beide rege in Anspruch genommen wurden. •• Schulperfonalie. Ernannt wurde der Lehrer Georg Wilhelm zu Dieder-Gemün- den, Kreis Alsfeld, zum Lehrer an der Volksschule zu Schwarz, Kreis Alsfeld, mit Wirkung vorn 15. April ab. Rheinhessen. WSD. Mainz, 12. April. Das hessische ®c- famtminifterium hat bestimmt, daß mit Wirkung vom 1. April d. I. ab die gesetzliche Miete in der Stadt Mainz auf 122 Prozent der gesetzlichen Friedensmiete festgesetzt wird. preuhen. Kreis Wetzlar. -o- Lützellinden, 12. April. Die diesjährige letzte Brennholzversteigerung unserer Gemeinde fand am Donnerstag in dem in der Gemarkung Grohen-Linden gelegenen Markwald statt. Es wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Eichenscheiter 22 bis 26 Mark, Duchenknüppel 31 Mk., Fichtenknüppel 18 bis 20 Mk. je zwei Raummeter, Buchen- wellen 14 bis 18 Mk., Eichenwellen 12 bis 15 Mark, Fichten- und Kiefernwellen 8 bis 15 Mk. je 50 Stück. Fünf Personen an Zleischvergifiung erkrankt. WSD. Wetzlar, 12. April. In einem Hause der Gewandsgasse erkrankten 5Personen, drei Knaben, ein 17jähriges Mädchen und ein 76- jähriger Mann unter ruhrartigen Erscheinungen und wurden zunächst unter Tyvhusverdacht in das Krankenhaus eingeliefert. Die bakteriologische Untersuchung ergab, daß die Erkrankungen auf den Genuß von Freibank- f le i sch zurückzuführen sind. Indessen muh die Infizierung des Fleisches in dem betreffenden Haushalt selbst erfolgt sein, denn etwa 100 weitere Haushaltungen, die nachweislich Fleisch aus dem gleichen Verkauf erworben hatten, sind von Erkrankungen freigeblieben. Die Erkrankten befinden sich bereits über eine Woche in ärztlicher Behandlung und sind isoliert. Schweres Autounglück. WSD. Hadamar, 12. April. Heute nacht zwischen 3 und 4 Llhr ereignete sich auf der Alten Chaussee bei Hadamar ein schweres Autounglück, bei dem der Kaufmann Karl Mayer aus Hadamar den Tod fand. Der Kraftwagenführer Guckeisberger aus Hausen bei Hadamar wurde schwer verletzt. Die beiden hatten die Dacht durchzecht und gegen Morgen in betrunkenem Zustand eine Autofahrt unternommen. Verhaftung von Eisenbahnräubern. wsn. Kassel, 12. April. In letzter Zeit sind die kleinen Bahnhöfe in der Umgebung von Kassel, die während der Dacht nicht benutzt werden, durch Einbrecher heim- gesucht worden, die es besonders auf die Kassenbestände abgesehen hatten. Jetzt ist es dem Der» chärften Streif- und Fahndungsdienst der Reichs- bahndirektion Kassel in Verbindung mit dec Landeskriminalstelle Kassel gelungen, den Dieben das Handwerk zu legen. Die Täter, denen auch die übrigen Einbrüche zur Last gelegt werden durften, wurden in der Dacht zum Freitag ding’* eft gemacht, als sie in einen Güterschuppen des Bahnhofes Spangenberg eingedrungen waren und dort einige Genuß- und Lebensmittel entwendet hatten. Der Sicherheitsdienst der Reichsbahn, der zusammen mit einem Kasseler Kriminal- beamten sofort an Ort und Stelle die Unter» uchung aufnabm, stellte, als er mit einem Kraft- Wagen die Gegend abstreiste, auf der Landstraße nach Kassel zwischen Dörnhagen und Waldau zwei verdächtig aussehende Personen, die er sy- fort der Täterschaft überführte Der größte DrÄ T Cellarius in Schotten; Otto Schneider T. irt Utphe: Konrad Jakobi in Rohrbach: Georg Heinrich Schwab in Dindsachsen; Eduard Lutz in Klein-Felda: Heinrich Weckler III. in Rockenberg; Friedrich Häuser III. in Dieder-Weisel; Albert Geyer in Hof Sassen: Wilhelm Kahl in Alten-Duseck. " Straßensperre. Wegen Ausführung von Wasserleitungsarbeiten wird die Provinzial- straße - Ortsdurchfahrt Dannenrod vom 15. April ab auf 8 Tage für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Appenrod —Deu-^lrichftein. ** Die Hessische Aufbauschule in Friedberg. Wie aus dem Bericht der Schulleitung über das Schuljahr 1928'29 ersichtlich ist, wurden nach der Zählung vom 15. Mai 1928 an der Schule 140 Schüler unterrichtet. Davon waren aus dem Kreise Friedberg 48, Kreis Gießen 30, Kreis Alsfeld 14, Kreis Lauterbach 8, Kreis Schotten 10, Kreis Büdingen 18, aus Starkenburg 3, aus nichthessischen Orten 8. Dormai alt waren 31 Schüler, um ein Jahr alter als normal waren 95, um zwei Jahre älter 11, um drei Jahre und mehr älter 3. Die Reifeprüfung bestanden 8 Schüler. Im Laufe des Schuljahres wurden u. a. zahlreiche Besichtigungen, Vorträge, Filmvorführungen und Schülerfahrten zur Erweiterung des Gesichtskreises der Schüler unternommen. Turnen, Sport und Spiel wurden an der Anstalt eifrig gepflegt; die Mannschaft der Schule gewann bei den Schlagballwettkämpfen der Schulen um das Hessenbanner die Provinz- meisterschaft. An Stiftungen und Geschenken kann die Schulleitung in ihrem Bericht wieder eine ANZEIGEN für die Tagesnummer des 6ießener Anzeigers werden zweckmäßig am Wachmittag vorher aufgegeben. Nash 9 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahmefällen nicht gewährleistet werden! VERLAG DES GIESSENER ANZEIGERS Zürich wird Mitte April von einem der bedeutendsten Driefmarkenhandelshäuser eine öffentliche Versteigerung veranstaltet, die geeignet ist, über die Kreise der eigentlichen Markensammler hinaus allgemeines Aufsehen zu erregen. Cs handelt sich um Teile aus der berühmten Ferrari-Sammlung, die ihr Schöpfer einst großzügig dem deutschen Reichspostmuseum vermacht hatte, die aber dann von Frankreich beschlagnahmt und auf Reparationskonto verrechnet worden ist. ■W\\VÄ Bas Beste MZEIIEIS ÜL Dir Vtc8» 9$ Bießener imäfiig am $ebenM e Aufnahme Ausnahme- tot werden! ls hrssischr Tk- 3 mit Diiking liche Miete Prozent Ler yt vir-. ^erstag in dem iden gelegenen Igcnöe Sur-)- cr 22 bis 26 FichtenknüMl leier, Tuchenten 12 bis lb 8 bis Ib M. Swärtige Schüler Schule ein chast, die beide en. int wurde öek lüeder-Eemün- m der Dolls- mit Wirkung iiiräuW* -^27: fr> aut^E per- tenfl^ it dec ndung Rieben «•j L--> Ä iter. ^rden ;fe5 SKS Etz eile -rast- «elW5 c>n-".L K» cheote nacht äs rtranfi. jn einem Hause •Honen, tot n und ein 7fr- t Erscheinungen Msvertacht in Sie bakterwlo- die Erkrankun- LZ Buchen-Schmttwaren liefern in * allen Stärken l^D 55 i=(fugen Mn & Go.. Gießen iBäl Telephon 149. Latten in allen Stärken prompt lieferbar 3348D Oie Krankenkaffen in Stadt und Kreis Gießen Vie Deutsche Sühne für SollShhglene in Kassel veranstaltet Mittwoch, den 17. April, abends 20 Uhr, in der Tum- halle des Turnvereins 1546 zu Gießen (Gteinstr ), ein einmaliges Gastspiel, betitelt Die weiße Pest Schauspiel in 5 Akten Diese Theaterauffahrung bient der volkstümlichen Aufklärung über die außerordentlichen Gefahren der Geschlechtskrankheiten. Oie Vorführung wird von Stadt Gießen und Kreisverwaltung (Kreisamt) Gießen unterstützt. Zur teilweisen Deckung der Kosten wird ein Eintrittsgeld von 20 Rpf. erhoben. MM MW in allen Holzarten, echt und Imitiert, beste Qualitäten zu äußerst günstigen Preisen langfristigeTeilzahlungen Bei Barzahlung 10% Rabatt Rudolf Leisler Neuenweg 23 Telephon 1573 Gegründet 1886 3346A Wiesetter Lichtspiele Glefiew Strafe. Honte Samstafi i morgen Sonntag Mary Pickford in: 33430 Das Ladenmädel! Hierzu das gute Beiprogramm. MMHWHH Bartanholz ofenfertig, Anfeuer boh, eichene Gartcnvfosten. 3. Wellhöfer, fternkvr.743. KeMMMMe Lichtspielhaus Bahnhofstrabe 34 Kn» noch heute Samstag, den 13. April 4 Uhr, 6 Uhr und 8.30 Uhr und Sonntag, den 14. April 11.15 Uhr Frühvorstellung Der beste, an Großartigkeit unübertroffene Kultur-Film: DIE ALPEN Das Paradies Europas. Ein Kulturfilm vom Schweizer Volk und seinen Bergen in 4 Akten und einem Vorspiel über Sage und Geschichte mit besonderer Musikbearbeitung für den Film unter Mitwirkung des vollen Orchesters Aal der Bühne: Tanz- und Gesangseinlaßen des weltberühmten Schuhplattler- und Gesangs* trios Familie Schneider: D" Königssee'r Vorverkauf: Ferber'sche Universitätsbuchhandlung Seltersweg 87 und an der Tageskasse. Sonntag, den 14. April, nachmittags 3 Uhr, ö Uhr, 7 Uhr und abends 8.30 Uhr: Jahrmarkt des Lebens nach der bekannten Novelle „Drei Wünsche“ von Bela v. Balogh. In den Hauptrollen: Gust Froehlich, Hans Mierendorf, Alfred Abel, Eva Speyer. Vera Schniterlöf, Hermann Pischa. — Ferner: Der Sprung in den Tod Sensations- und Abenteurerfilm in 6 Akten. Und: Die neueste Ufa -Wochenschau Ab Montag, den 15. April: Das große Doppel-Programm Die keusche Kokotte .. Gesellschafts-Komödie in 6 Akten mit Maly Delschaft und Otto Gebühr. — Ferner: Monty, der Wüstling Groteske in 6 Akten. In der Hauptrolle: Monty Banks. — In aller Kürze: „Fräulein Else" mit ElisabethBergner ----.. _______________3351c Gieflener Ireiwillige Feoerwebr Samstag, den 20. April 1929, abends S Uhr Aauptvevsanimttmg im Frankfurter Hof. Tagesordnung: 1. Jahresbericht, 2. Kaffen- bericht, 3. Voranschlag 1929/30, 4. Etwaige Anträge gern, ß 31 der Satzung, 5. Auszeichnungen, 6. Verschiedenes. Aussprache über das 75 jährige Iubiläum. / Uniform: Oienst- anzug und Helm. 32330 Der Vorstand. Cafe Astoria Heute Tanz-Abend bis 4 Uhr geöffnet vollständ. neu hergerlcht. Billards 02241 Das populäre Bierrestaurant Zum Löwen befindetsich Neuenweg 28 Täglich Elektrola-Unterhaltungskonzert viel Gewinn Bergisches KräfffutterwerK' toiftiooftf ff ff ff.' ... • Muskator Vertretung u. tzabrtklager für Oberhessen und anschltehende Streife 2432D ®effflgelfatm Sittmar, Sietze« Muskator-Erzeugnisse zu haben b.H. Dort, Bischoffen. mD Für die uns anläßlich der Konfir- mation unserer Tochter erwiesenen Auf- merksamkeiten danken herzlichst Robert Nohl und Frau Gießen, April 1929. 338ID Bierbaus Oibel Franz Sonntag 02232 Familien-Konzert Samstag, 6 Uhr, Leberklöße m. Kraut Es ladet freundlichst ein: Sauerborn Zu dem am 26. Mai 1929 in Laubach lOberh. fmttftnöenben Gaufest des Radfahrer-) BundeS-Oberhessen wird d. Vergebung de s Iuxplatzes Zuckerbuden usw. öffentlich ausgeschrieben. Bewerber woll. sich bis fväiestenS 30. Avril an den 1. Borsitzend. Hch. Wahl, Laubach tOberheffen) wenden.3334D UMWlWlM Betitlet fiori Borfelö empfiehlt feine EofnlKOten _____________________________ 2626D Burg Gleiberg Dem verehrttchen Publikum von Gießen zur gefl. Kenntnis, daß von morgen an Sonntags der Wagen der Autobuslinie Gießen-Kros- dorf um 14 Uhr 50 durchfährt nach dem Glei- berg. Nach Bedarf werden noch Wagen ein- gesetzt. 3399D Mm anderSaushaltungsschule derLalldwirWastskammer in Michelstadt i.Odtv. Vollständige Ausbildung in allen Zweigen der Hauswirtschaft. Molkerei und Kleintierzucht Werner: Gründliche Unterweisung in der Fertigung von Handarbeiten, Weiffzeug- nahen, Kleidermachen sowie theoretischer Un lerricht auf den verschiedensten Gebieten. Billigster Pensionspreis einschUeffl.Schulgeld usw. — Beginn des nächsten Kursus: 2. Juli 1929. 2567D Auskunft sowie Versand der Ansnabme- bcdingnngen durch dieLandwirtichaftö- kammcr in Darmstadt, Rbcinttrasre «2. • JletaJI- Stahl 2 Holz- DCllvll matratxen ■J Kinderbetten, Polster, Schlafzlmmer.ChaiselonCues Ul an Private, Ratenzahlung. Katalog 225 frei 385V Eisen möbel fabrik Suhl (Tbflrlng.) ladet freue freunde ein! „Hanewacker", der berühmte Nordhauser Kautabak, Ist seit genau 112 Jahren das Labsal von Millionen von Männern und für sie alle ein hervorragender Genuß von anregender Wirkung. Am 17. Mal 1929 — 2 Tage vor Pfingsten — nimmt die Firma G. A. Hanewacker G.m.b.H. Ihr neues Fabrikgebäude in Betrieb, das In den letzten V/, Jahren entstanden und mit allen modernen Einrichtungen der Technik und Hygiene ausgestattet Ist. Beider Feier, die aus diesem Anlaß Im Kreise der Arbeiter und Angestellten und vieler Geschäftsfreunde geplant Ist, möchte die Firma gern auch treue Freunde aus den Kreisen der Verbraucher begrüßen können. 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Vertretung: Sm.l Schmoll. ___________________26W Oie Tliere ist das Ventil das die Ablagerung von Säuren im Älut, insbesondere Harnsäure, die Grundursache von Rheumatismus, Gicht, Ischias, sowie der Arterienverkalkung, aus dem Körper ausscheidet. Nehmen Sie eine Zeitlang Reichels Wacholder-Extrakt »Marke Medico", der die Nierentätigkeit auf bas günstigste beeinflußt und so dke giftigen Abfallstoffe aus dem Körper entfernen hilft. In Drogerien und Apotbeken erhältlich, aber echt nur in Originalfüllungen mit .Marke Medlco". Bestimmt zu haben bei. 260V H. Eines, Drogerie, Seltcrßweg 68a W. Kilbinger Aachs., Drogerie, SelterSweg 79a August Noll. Drogerie, Bahnhosstratze 51 Earl Seibel, Drogerie, Frnnkiurter Straße 39 Otto Wintcrboff, Drogerie. Krcuzvlad 9'10. ft« Grün berg: Karl Schott, Kronen-Drogerte. In Butzbach: L. Schmidt, Drogerie, Wetseler Str. L /•lurmanfk ’B frh'n Zh/ordland 1 'Mkoteurl. Land) Samstag, 15. April 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) llr. 86 viertes Blatt 02234 Zungen Nachdruck verboten. 2. Fortsetzung. nemann schlug sich blickt — das macht fahre allein. Wenn „Ich weift es noch unruhig geworden, laS sie an Male. Die Gefühl, daß alles auf mich meine Hand unsicher. Bitte du nicht zu müde bist." Sie schüttelte den Kopf, nicht. Ich bin ein bißchen du wirst es verstehen." die Seite auf. Totentanz der Liebe diesem Tage zum so und so vielten aufgeschlagene Stelle lautete: Draußen, hinter den Fenstern der Billa, lag nordischer Bebel. Der Präfekt war abgerufen worden. Das Zimmer, wohlig durchwärnit, war erfüllt von einem fremdartigen Duft, der sie seltsam einschläferte. Die Zofe huschte herein: die junge Frau wies auf das Heft, das auf dem kleinen Schreibtisch lag. schüttelte lächelnd den Kopf. der langen Reise,.." bereit?" „Der Herr Präfekt hat eben telephoniert", sagte die Zofe, während sie ihr das Magazin hinüberreichte. „Es könne noch lange dauern. Wenn es der gnädigen Frau recht sei, möge sie vielleicht allein zum Ball fahren: der Herr Präfekt werde kommen, sobald es der Dienst erlaube." „Es ist gut", sagte sie mit einer ärgerlichen Handbewegung: die Zofe verschwand. Das Magazin knisterte in ihrer Hand: sie überblätterte cs. Hier war der Kniff: von selbst erst jetzt, nach den Eindrücken einer langen und abwechslungsreichen Reise, recht begriff. Sie blickte hinüber, ongezogen von irgend etwas, was sie fühlte, nicht sah. An der Ecke der Helgolandsstade stand ihr Reisebegleiter: er blickte dem Wagen entgegen, verstohlen, dennoch mit einem unverkennbaren gespannten Interesse. Sie zog den Kopf zurück, ohne eigentlich zu wissen, warum. Schämte sie sich für ihn? Er hatte erklärt, er müsse zur Rechten, nach der Glyptothek. Warum hatte er gelogen. Eben fiel die Gartentür hinter ihr zu, als ein zweites 2luto vorfuhr. Cs war das Dienstauto der Staatspolizei: ihr Mann stieg aus und kam mit eiligen Schritten hinter ihr her. Er schien nervös, ganz gegen früher fiel ihr seine Zerstreutheit auf. Dennoch, das fühlte fie_ deutlich, war er froh über ihre Rückkehr, er drückte ihre Hand und preßte sie, wie es seine Gewohnheit war, zärtlich gegen seine Wange. Aus dem Arbeitszimmer kam das Schrillen des Telephons. Er seufzte auf und nahm den Hörer ab: sie trat zögernd hinter ihm ein. Eben hörte sie, wie er sagte: „Alle Bahnhöfe besetzen — alle Flugstationen sperren — alle Autostraßen, die zur Stadt hin- aussühren, unter Bewachung stellen! Ich bin die ganze Rächt telephonisch zu erreichen — der geringste Vorfall ist mir sofort zu melden!" Die Zofe erschien. „Der Herr Präfekt denken doch daran, daß die Herrschaften heute abend zum Ball eingeladen sind?" Er wandte sich seufzend herum. „Du wirst müde „Gewiß, gnädige Frau." „Ich bin nicht müde", sagte sie, schon in der geöffneten Tür. „Richt im geringsten. Llebrigerw: was für ein Ball ist das? UnD bei wem?" Aber in diesem Augenblick klingelte das Telephon, und der Präfekt, der ärgerlich eine gleichgültige Meldung entgegennahm, konnte die Frage nicht mehr beantworten. „Auf alle Fälle werde ich im Laufe der Rächt, wenn auch nur für ein paar Minuten, auf den Ball kommen. Je besser du dich amüsierst, desto leichter, möchte ich sogen, ist mein Gewissen. Ich muß auf die Präfektur: leb wohl." Sie blickte sinnend auf die Tür, die sich hinter ihm schloß. Eine LInruhe hatte sic erfaßt, die sie sich selbst nicht recht erklären konnte. Sie tonnte ihren Mann — sie wußte, daß er von einer zähen Tüchtigkeit war, die selten ihr Ziel verfehlte. Jedesmal war es so: immer, vor jedem schwierigen Llnternehmen, glaubte er eine Stunde lang, diesmal werde es schief gehen: und jedesmal hatte er seine Ausgabe gelöst. Es war etwas anderes, was auf dem Grunde ihrer Gedanken aufklang. Ihre Blicke glitten hinüber zu dem weißen Buch, das auf der Chaiselongue lag, mit seiner schimmernden Glätte, die das matte Licht der Seidenlampe spiegelnd zurückwarf. Irgendwo standen unausgesprochene Dinge gegeneinander, berührten sich in einem Zusammenhang, den sie nur mit dem Gefühl, nicht mit dem Verstand begriff. Plötzlich klingelte das Telephon, das auf dem Schreibtisch stand. Sie fuhr verstört zusammen: mit bebender Hand nahm sie den Hörer ab. „Raten Sie einmal, wer hier ist", kam eine lachende Stimme aus der Membran. „Sie?" fragte sie ungläubig: sie fühlte, daß etwas wie Angst in ihr ausstieg. „Ich bin frei: es ging schneller, als ich gedacht hatte. Wann darf ich Sie sehen?" Sie holte tief Atem. „Wo find Sie?" „Im Hotel." Ihr Herz begann zu klopfen. Leise fragte sie: „Welche Antwort erwarten Sie von mir?" Flüsternd kam cs zurück: „Eine Antwort, die mich glücklich macht." Sic hörte das seltsame Beben in seiner Stimme — und jäh schlug die heiße Flamme in ihr Blut. „Lind wenn ich Rein sage?" fragte sic unsicher. „Sic dürfen nicht Rein sagen." „Wir wollten auf einen Ball gehen: mein Mann ist abgerufen worden." „Darf ich kommen?" „Wollen Sie mich auf den Ball begleiten?" „Ich darf bis zum Morgen mit Ihnen zusammen sein?" „Sie dürfen kommen imb mich abholen." ' (Fortsetzung folgt.) ** - Hinfahrt - Rückfahrt •** • fehlt ife »fahrt °° “ Or( d. JtrJtnnr errang Roman einer Nacht Von Paul Rosenhayn. sein, Schah." ..Ich?" sie „Müde?" „Run. — von „Ist das Bad ! Otto | mendiGl. I bleiben. Es macht mich nervös - - ich habe bas Die beiden traten ins Freie hinaus. Drüben hkelt der Wagen: der Chauffeur stand am geöffneten Schlag. Der junge Herr blieb stehen. „ES ist sehr gütig, gnädige Frau. Welchen Weg fahren Sie?" .Durch die Vesterbrogode." „Das ist schade: ich muß rechts herum, nach der Glyptothek." „Wie Sie wollen." Der Herr ergriff die Hand der blonden Frau urD blickte ihr stumm in£ Gesicht. „Mein Mann würbe kaum etwas dagegen beibcn..." „Ich werde kommen", sagte er leise, „früher, dte Sie denken, werde ich bei Ihnen fein.“ .Wollen Sie mich nicht ans Auto geleiten?" Er zog die Llhr. „Seien Sie mir nicht böse — geht nicht." „Steht so viel auf dem Spiel? Er zog die Hand der jungen Frau an die Nppen. „Ja", sagte er, indem er sich aufrichtete. ,Hs steht viel auf dem Spiel." Sie wandte sich herum, mit einem kurzen, ein Denig indignierten Gruft. Er blieb einen Moment lang stehen, vielleicht unschlüssig, vielleicht: im 9 lötzlichcn Gefühl einer begangenen Llnhoflich- ksit, vielleicht eines begangenen Fehlers. Im Jauern des Autos flammte eine Lampe auf: im g leichcn Augenblick wandte sich der Herr zur Rechten und verschwand im Menschengewühl, das in unablässigem Strome dem Innern der Stadt iLflutete. „Warum ist mein Mann nicht gekommen?" Sie legte die Hand auf den Türgriff. „Der Herr Präfekt," sagte der Chauffeur, immer mit jener schonenden halblauten Stimme, „2er Herr Präfekt ist heute sehr gehetzt, gnädige Frau. Er hat in aller Eile diese Blumen in den Wagen gelegt, dann ist er wieder abgefahren. Elan sucht jemand. Etwas mit Politik. Ein ganz schwerer Fall." „Was hat denn mein Mann damit zu tun?" ..Ich weih es nicht genau, gnädige Frau." Die junge Frau zog den Schlag zu: augenblicklich ging die Hupe des Autos. Der Schutz- ntann, der dienstbereit gefolgt war. gab ein Signal: der Wagen glitt in den dämmernden Abend hinein. Sie wandte den Kopf zur Rechten, das heimatliche Bild schien ihr neu und ungewohnt: neu iit seinen herben nordischen Konturen, die sie !Dic großen polaren Forschungsreisen mit dem deutschen Luftschiff „Graf ' Zeppelin" werden t m April und Anfang ?Rai 1 930 stattfinden, ',h. in der Zeit, wo die ^vlarnacht größtenteils vorüber, das Eis aber > vch gut, die Shtft am ruhigsten und der Som- ncemeBcI noch nicht da ist. 5hr wissenschaftliche Leiter der Expeditionen ist Fridtjof Ransen, vnfraglid) der größte Polarforscher der Gcgen- in art: Führer des Luft- lchiffes wird wahrschein- . Iich Dr. Eckener selbst «lein, der diesen Fahrten ■mit dem größten Inter- kesse und zugleich mit der größten Zuversicht ent* gsgensieht. An den um- i Idagreichen wissenschaftlichen und technischen Borbereitungen beteiligt sich ein Stab hervor- ragenDfter Fachmänner verschiedener Rationen: ganz besonders aber deutscher. Denn in Deutschland ist der Ge- • danke entstanden: in 6er deutschen Landesgruppe der Aeroarctic liegt der M0'z,b|F JlorM 260V Oer Magen des deutschen Volkes. Es wird den Statistikern nicht leicht gemacht, aus dem ihnen unaufhörlich zufliehenden Material das für die einzelnen Berechnungen Rotwendige herauszusortieren, und die Ergebnisse so zusammenzuftellen, daß auch der Laie sich darunter eine Vorstellung machen kann. Statistiken dienen der Erkenntnis des wirtschaftlichen Geschehens, sie geben einen Lieberblick und Einblick in die Zusammenhänge aller Wissensgebiete und dienen, auf eine einfache Formel gebracht, auch der Aufklärung der Bevölkerung. — Sine Frage, wie groß wohl der Magen des deutschen Volkes ist, hat nun soeben das Statistische Reichsamt dadurch beantwortet, daß cs die Verbrauchsmengcn der Lebens - und Genuhmittel in Deutschland ausgerechnet hat. Diese Berechnung ist für den Stand der deutschen Lebenshaltung kennzeichnend. Sie zeigt nämlich, daß der Verbrauch gegenüber den Vorkriegsjahren bei wichtigen Lebens- und Ge- nuhmitteln st a r k gesunken ist. So betrug z.D. der Verbrauch von Roggen im Jahre 1927 auf den Kops der Bevölkerung 97,2 Kilogramm, während er noch im Jahre 1913 153,1 Kilogramm ausmachte. Auch der Verbrauch von Weizen ist von 95,8 auf 78,8 Kilogramm gesunken. Roch größer ist die Senkung deS Kartoffclverbrauchs, der von 700,2 Kilogramm auf 381,9 Kilogramm zurückgegangcn ist. Gestiegen ist hingegen der Zuckerkonfum von 19 auf 21,7 Kilogramm. Konstant geblieben ist der F l e i s ch v e r b r a u ch , der nur eine Schwankung von 0,4 Kilogramm auf 49,9 _ Kilogramm zeigt. Gestiegen ist weiterhin der Eüdfrucht- bedarf von 4,44 auf 6,72 Kilogramm und der Kakaoverbrauch von 0,77 auf 1,12 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung. Bemerkenswert ist schließlich auch das Sinken des reinen Gcnuftmittelverbrauches. So ist z. B. der K a f f e c f o n f u m von 2,44 auf 1,95 Kilogramm gesunken und gegen 1913, wo 102,1 Liter Bier pro Kopf der Bevölkerung im Jahre getrunken wurden, begnügen wir uns jetzt mit nur noch 80,8 Liter pro Jahr. Der wachsende Fleischkonsum darf vielleicht damit in Zusammenhang gebracht werben, daß die Zahl der erwerbstätigen Erwachsenen, die in erster Linie für den Fleischkonsum in Frage kommen, gegenüber dem Vorkriegsstand zugenommen hat, während die Zahl der Kinder, die für den Fleifchgenuß weniger in Frage kommen, aber abgenommen hat. — Es zeigt sich also bei fast allen Lebens- und Gcnußmitteln, soweit sie nicht zu den elementaren Bedürfnissen gehören, eine beträchtliche Verminderung der Verbrauchsziffer. Der Rückgang des Kartoffelkonsums darf wohl auch damit in Zu- fammenhang gebracht werden, daß auch der Verbrauch von Spirituosen, die ja in der Hauptsache aus Kartoffeln gewonnen werden, beträchtlich z u r ü ck g e g a n g e n ist. Wirtschaft. Zur Ermäßigung des Kupferpreises. Das amerikanische Kupferkartell hat jetzt offiziell seinen 'Verkaufspreis auf 193, a Cents, d. i. mit einem Schlage um über 20 Prozent herabgesetzt. Damit ist der offizielle Preis der tatsächlichen Marktlage an* gepaßt worden. Allerdings hat dieser Kurs vorläufig nur eine nominelle Bedeutung. Llm den Markt wieder in die Hand zu bekommen, stellt das Kartell zu dem ermäßigten Preis, der übrigens noch immer erheblich über dem Preisniveau vor Beginn der letzten Kupferhausfe liegt (5 Cents höher), stark kontingentierte Mengen zur Verfügung. Ob das Kartell zu dem ermäßigten Kurse den Kupferpreis stabilisieren kann, steht noch nicht fest. Man muh abwarten, wie weil es in der Lage ist, Rückgängen, die angesichts der starken Eindeckungcn bei der Hausse auch weiterhin möglich sind, entgegenzuwirken. (Der Aufsatz „Die Diktatur der Kupscrkönigc in unserer Ausgabe vom Donnerstag behandelte die Lage des Kupfermarktes auf Grund der jüngsten Haussebewegung. Auch nach der jetzigen geringen Ab schwäch', ng der Preise liegen diese 1 immer noch erheblich über dem Preisniveau vor Beginn der in dem Aufsatz behandelten Hausse. D. Rcd.) Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Trotz aller nervöser Schwankungen und trotz einer merklichen Llnsicherheit im Zusammenhang mit den Reparationsverhandlungen und der Lage am Geld- und Devisenmarkt erwies sich die Börse in dieser Woche als recht widerstandsfähig. Die Tendenz wurde gestützt durch einige Auslandskäufc, die allerdings nicht mählichen Schelfrande durch daS Echolot geschehen. Ransen legt seit vielen Jahren gerade hierauf ein besonderes Gewicht. 3. Bei dieser Schelferforschung wird man zugleich Klarheit gewinnen über die Existenz verschiedener noch unentdeckter Inseln oder Inselgruppen, die man auf dem Schelfsockel vermutet. So über daS problematische Anhrejew- land im Rorden Ostsibiriens. So über die Gestaltung des bereits erblickten, aber noch ganz ungenügend bekannten Rikolaus-Il.-Landes (jetzt Rordland) nördlich von Asiens nördlichster Spitze. Es soll von der Luft aus kartographisch ausgenommen werden. 4. Llnausgesetzt flieht der Golfstrom aus dem Atlantisck^n Ozean, vorüber an Spitzbergen, in das rings geschlossene Polarmeer hinein. Was wird aus seinen warmen Wassern? Andererseits wissen wir, dah das schwimmende Eis der Polarsee unablässig von der Gegend Ostsibiriens her nach Spitzbergen und Grönland drängt. Ransen hat sich seinerzeit mit der „Fram" absichtlich in dieser Richtung treiben lassen, während umgekehrt Pearys Versuch, von Spitzbergen aus über das Eis zum Pol zu wandern, vergeblich blieb, weil die Bewegung der Eishaut unter feinen Füßen immer die mühsam gewonnenen Kilometer wieder aufzehrte. Ebenso glauben wir, dah die merkwürdig eisigen Temperaturen der ganz großen Meerestiesen auch in warmen Breiten einem langsamen Aequator- wärtsgleitcn polarer Wasser zuzuschreiben sind. Wie erfolgt nun Der Ausgleich und Wechsel dieser großen ozeanischen Strömungen im Pvlarmeer? Beobachtungen der Tempera* Die Fahrten sollen über d«s Polargebiet hin und hergehen zwischen einem non der Sowjetregierung gestellten Ankermast in Nord-Ruhland und einem solchen der Der- cimigten Staaten in Alaska, also sowohl im Norden RordamerikaS wie Sibiriens. Dazu sind auch Schleifenfahrten über dem innersten Polarmeer gedacht. Als dabei zu lösende Ausgaben wissenschaftlich (allerersten Ranges stellen sich vor allem die fol- iicnben dar: 1. Entdeckungsfahrten in dem noch völlig unbekannten Raum zwischen dem Pol, hem westlichen Nordamerika und dem östlichen Sibirien. Roch ist die Frage offen, ob das hier m Harisse aus den Gezcitenbewegungcn an der sibirischen Küste errechnete große Festland - existiert, oder ob das von Ransen seinerzeit auf der anderen Seite des Pols entdeckte Tief- ni c e r sich auch dorthin ausdehnt. Die Existenz cired großen Tiefmeers rings um Den Rordpol — iirt Verein mit Der inzwischen unzweifelhaft gewordenen Tatsache eines großen und sehr hohen ?cmdes rings um Den Südpol — würde ein bebrütender Schritt vorwärts zur Aufhellung großartiger Gesetzmäßigkeiten in Der Gesamtbildung der Erdoberfläche sein, Denen man seit langem auf Der Spur ist. 2. Feststellung Der Grenzen deS polaren »Tief meers, d. h. LIntersuchung, wo der Rand des sog. „Schelfs" verläuft, des Flachstran- bed, Der fast überall auf der Erde, ganz besonders anscheinend aber in der Arktis, Die Küste iimgürtct und erst bet etwa 200 Metern Tiefe oLötzlich zu den großen Meerestiefen abfällt. Des soll durch Pendelfahrten über Dem mut- turen, DeS Salzgehalts, Der Lebewelt in vcr- fchieDencn Wafscrtiefen werden Darüber wertvolle Aufklärung geben. Hatte Doch schon Ransen auf Der Framreife beobachtet. Daß in gewisser Tiefe des Wassers Des Polarmecres wärmer, statt kälter wurde, und damit wahrscheinlich Den bereits unter getauchten Golfstrom berührt. 5. Von größter Bedeutung für Die wissenschaftliche Meteorologie wie für Die praktische Wettervorhersage ist eine genauere Kenntnis deS arktischen Lustmeercs, in Dem Die Wurzel Der einschneidendsten klimatischen Erscheinungen gcraDe unserer Breiten liegt. Hier können Die Flüge Des Luftschiffes währenD jener Wochen natürlich nur einige Beobachtungsserien von gewissermaßen Zufallscharakter liefern; lösen können diese Fragen nur meteorologische Dauer st ationen in verschiedenen innersten Teilen Der Arktis, wie sie die Zukunft unbedingt wird haben müssen. Solche Stationen an beliebigen Stellen auszusetzen, zu verproviantieren, abzulösen und einzuhvlen wird nur das Luftschiff imstande fein. Die Möglichkeiten und Zweckmäßigkeiten hierfür auszuproben, wird eine weitere Ausgabe Der Zcppelinflüge fein._ Lieber- Haupt weist diese Expedition ja auch über sich selbst hinaus. Sie soll ein Bahnbrecher für eine Zukunft fein, in der das Luftschiff in weitestem Maße ein Wittel für die Forschung in sonst unzugänglichen Gegenden sein wird. 6. Lind nicht nur für Die abstrakte Forschung. Wie jeder Fortschritt Der Wissenschaft toirD auch dieser Dem praktischen Leben zugute kommen. Der nächste Weg von Hamburg zur Behring st raße, dem Eingang in den Pazifischen Ozean, führt genau über Den Rordpol? Der von Dort nach San Franzisko über Grönland: Der nach Japan über arktische GegenDen Rordasiens. Sicher toirD dereinst ein Prätischer Luftverkehr Diese geographischen Tatsachen ausnützen. Lind wir hoffen, daß es einer mit deutschen Zeppelinen sein toirD. Es gilt nur, vorher genau mit den in Betracht kommenden natürlichen Verhältnissen vertraut zu werden. Auch hierfür werden sicher schwerwiegende Ergebnisse gezeitigt werden. Heute erregen die Pläne Der Aeroarctic im Auslande Die größte Aufmerksamkeit. Wir Dürfen hoffen, Daß sie mit Dazu beitragen werden, das wissenschaftliche Ansehen Deutschlands wieder zu der Höhe emporzuheben, die es vor dem Kriege besah. Die Aordpolsahrt des „Graf Zeppelin" Von Professor Dr. Georg Wegener, Vizepräsidenten der Aeroarctic. „Riemand aber wußte, daß Der bescheidene junge Mann, der von Zeit zu Zeit in Den Kopenhagener Hotels auftauchte, kein anderer war als Der geheime Beauftragte FcDor Sokoloff — bis cs eines Tages der Behörde auffiel, Daß fein Erscheinen jedesmal mit einem geheimnisvollen Attentat zusammentraf. Von Da ab beobachtete man Den Fremden und stellte fest, daß er unter verschiedenen Ramen reifte.“ Im Hause schlugen Türen. Ein Schritt kam über den Korridor. Die Tür ging auf. Es war ihr Mann. „Du bist noch nicht im Frack?" fragte sie, gegen ihren eigenen Willen ein wenig ungeduldig. „Rein", sagte er nervös. „Ich kann dich nicht begleiten. Du mußt allein auf das Kostümfest fahren." „Was um Gottes willen gibt es eigentlich? Warum bist Du heute in so entsetzlicher Sile — und in so entsetzlicher Stimmung?" Er zuckte die Achseln. „Ich muß dir etwas gestehen: meine Stellung steht auf Dem Spiel." Bestürzt sah sie ihm ins Gesicht. „Deine Stellung?" wiederholte sie, sich aufrichtend. „Die Beamten haben versagt. Der Mann, den wir suchen, ist aller Wahrscheinlichkeit nach mit Dem Kontinentalzug gekommen." „Mit meinem Zuge?" „Ich habe alle Coupes durchsuchen lassen. Alle Pässe sind revidiert worden." Im Frack. Sic sah nachdenklich zu Boden. „Alle Pässe", sagte sic leise. „Alle Pässe. „Cs ist nicht unmöglich, daß heute nacht etwas passiert. Ein Mord. Irgend etwas, was verhütet werden muß. Leider wissen wir weder einen Ramen, noch haben wir ein Bild. Du wirst begreifen... unter diesen Llmständen... wenn sich etwas ereignet, und ich fürchte es fast, bin ich erledigt." „Ich werde lieber daheim bleiben." „Rein." Er ging auf sie zu und nahm ihre Hand. »Ich möchte dich bitten, nicht zu Hause zu Gas kein ,1 kein Oer bewirt Ra! u. 6le6en/i Vc Um zweites Legat in Höhe von 61 12-4. 13.4. 12,25 25 21 2.2 121 Banknoten 250,25 248,5 248,5 164 316,5 317,75 315,5 | 317 94 10,25 8,65 17,6 54 12,25 115,25 132 144,5 201,25 276 163 160,25 165 115,25 134,5 00,5 91 93,25 135 Soldat Kugel, wollt. 120,5 195 114,9 132 135 225,25 200,5 73,5 168 160 163,5 90 94.5 136 12 : 9 . 6 ■ 11 ist spend Kostenlose l Gustav Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a M. Telegraphische Auszahlung. . 8 . 8 10 . 8 10 io 12 11 12 10 10 10 9 . 8 8775T 54 1 12,4 I 252 I 118,5 90.9 1 95.75 136,5 | Das gri Eigene Schi 219j 25 | 1,25 I 2,1 10,6 Clllg. Deutsche Eisenbahn . Vamburg-Amerika Paket . Hamb.-Südam. Dampfsch. Hansa Dampfschiff . . . Norddeutscher Lloyd . . . 5111g. Deutsche (SrebltmtfL . Barmer Bankverein . . . Berliner Handellgejelljch. . Tommerz« und Privat-Bank Darmst. u. Nationalbank Deutsche Bank Dlskonto-Gesellschaft Ant. Dresdner Bank Miiteldeutsche Credttbank . Mctallbank....... Reichsbank....... hergab, stiftete jetzt ein . , i 60 000 Kronen. Dieses Legat ist dafür bestimmt, daß Kinder bedürftiger katholischer Heime in Norwegen an katholischen Schulen Unterricht erhalten können. hielt und davon einen hohen Betrag als Legat für kranke Kinder voll von Befürchtungen. Man sprach von der Möglichkeit einer Vertagung in Paris, und da es vor der heute stattfindenden Vollversammlung wirklich schwer zu sagen ist, wie sich die Verhandlungen entwickeln werden, kam f a st gar. kein G e - schäft in Gang. Zu Beginn der Börse lag Angebot vor, das angeblich aus verängstigten Provinzkreisen und aus dem Rheinlande stammte. Da diesem Angebot kaum nennenswerte Käufe resp.V Interventionsneigung der Banken gegenüberstanden, gaben die Kurse weiter nach. Auch die erneute Steigerung des Dollars verstimmte, ebenso wie der weiter angespannte Geldmarkt. Die Verluste gegen gestern betrugen bis zu 3 v. H., bei den schwereren Werten bis zu 5 v. H. Bayrische Motoren gingen um 6,25 v. H. zurück Deutsche Linoleum um 6 v. H., Polyphon um 7,25 v. H., und Kaliwerke bis 6,25 v. H. Kunstseideaktien gingen um fast 10 v. H. zurück; auf den Verlustabschluß verloren Deutsche Wolle 3 v. H. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer wenig verändert. Pfandbrief- markt noch unentwickelt. Am Geldmarkt blieben die Sätze unverändert, obwohl sich die Lage zum Medio weiter verschlechterte. Auch nach den ersten Kursen blieb die Stimmung nervös. Das Geschäft be- , wegte sich in engsten Grenzen, und nur die 4 Baissespekulation nahm hier und da Wochenenddeckungen vor, die zu kleinen Kurserholungen führten. ‘*«011 »lll B„ Wöj 81.5 18 121,25 ! 157 I 115,5 132 1 145 i 226,75 202 274,5 168,5 160,5 165,5 3- ©• Forben-IndustrtL. Dynomil Nobel . . . Scheideanstalt . . . . Goldschmidt . . , . , Rütgerowerke . . . . Metallgelellschaft. . . . Schwejk; von 20 bis 22: Die schwarze Montag, 22., von 20 bis 221/. Was Ihr 87,25 ' 53,9 12,2 89 i 80,5 ! 88,5 1 100,25 i 31,75 2,9 2,1 25 Datum 6% Dt. Reichsanleihe o. 1927 . Tt. Anll-Ablös.-Schuld mit AuS- los.»Rechten......... DeSgl. ohne Auslos.-Rcchte . . . 7% Franks. Hyp^Bk. Goldpf. unkündbar bis 1932....... <’/*% Rheinische Hyp^Bank Liqu^ Goldpf............ A.E.G. abg. BorkriegS-Obligation., rückzahlbar 1932 4% Schweiz. Bundeöb.-Dnl.. 4% Österreichische Goldrte.. . . 4,20% Oesterr. (silberne..... 4% Oesterreich, etnheitl. Rte. . . 4% Ungarische Goldrte...... 4% Ungarische Staatsr. V. 1910 . 4'/-% desgl. von 1913..... 4% Ungarische Kronenrle..... 4% Türk. Zollanleche v. 1911 . . 4% Türkischs Bagdadbahn°AnI., Serie I........... 4°/» desgl. Serie II....... 4% Rumänen convert. Ms. . . . 4%% Rumänen Goloanll von 1913 Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 14. April, von 19V- bis 22Vj älhr: Der fliegende Holländer. Montag, 15., von 19 bis 223/4: Der Aosenkavalier. Dienstag, 16., von 19Vs bis 22V,: Othello. Mittwoch. 17., von 19V» bis nach 221/2' Der Wildschütz. Donnerstag, 18., von 19V- bis gegen 23: Carmen. Freitag, 19., von 20 bis"nach 221'?: Der Troubadour. Samstag, 20., von 191/2 bis nach 221/t: Figaros Hochzeit. Sonntag. 21' von 19x/2 bis 22Vs Fidelio. Montag, 22., von 18 bis gegen 23: Parsifal. Schauspielhaus. Sonntag, 14. April, von llVr ^lhr: Aufnahmeprüfung des Bühnenvcreins und der Genossenschaft; von 15Vs bis gegen 17V2: Tanzgastspiel Trude Strauß;' von 20 bis 22V4: Katharina Knie. Montag. 15., von 20 bis gegen 22V»: Paulus unter den Juden. Dienstag. 16., von 20 bis 22: Die schwarze Kugel. Mittwoch, 17., von 20 bis gegen 22' Paulus unter den Juden. Donnerstag. 18., von 20 bis 221z2 Was Ihr wollt. Freitag, 19., von 20 bis 22V7 Katharina Knie. Samstag. 20., von 20 bis 22: Einmaliges Gastspiel der Bauhausbühne Dessau. Sonntag, 21.. von 10V2: Anfängerprüfung des Bühnenvereins und der Genossenschaft; von 15 bis gegen 17Vr-' Der brave 6 K 15 Info Mi, s s sy der Verla, % kein •**VI sond IU auch nur annähernd den Llmsang der großen Käufe vor Ostern erreichten. Sie beschränkten sich in der Hauptsache auf den Elektro- und Kalimarkt, waren jedoch ausreichend, um zusammen mit Deckungskäufen der Kulisse verschiedentlich Kursbesferungen herbeizusühren. Die Geschäftstätigkeit war im allgemeinen wieder ziemlich gering. Die enormen Forderungen der Gläubiger bei den Pariser Verhandlungen riefen zunächst große Verstimmung hervor, die aber späterhin einer beruhigteren Auffassung Platz machte. Naturgemäß blieb eine stärkere Zurückhaltung bestehen, da die Aussichten noch vollkommen unklar erscheinen. Unbefriedigt war man auch über die bei den Koalitionsverhandlungen wieder zu Tage getretenen Schwierigkeiten, die ja nunmehr behoben sind. Außerdem verstimmte der Fortgang der verschiedenen Tarifstreitigkeiten. Der größte Llnsicherheitsfaktor war die prekäre Lage am Devisen- und Geldmarkt. Der Ultimo war zwar entgegen manchen Befürchtungen ziemlich glatt verlaufen, eine nennenswerte Entspannung konnte jedoch bis jetzt noch nicht eintreten. Die Vermögenssteuerzahlungen haben sich jedenfalls noch nicht bemerkbar gemacht. Wie erwartet worden war, ließ der Reichsbankausweis nach dem Ultimo eine größere Entlastung vermissen, während andererseits die neuen Goldverkäufe der Reichsbank mit über 100 Millionen Mark ein nicht erwartetes Ausmaß erreicht haben. Diese Goldabgaben und der anhaltend hohe Dollarkurs liehen neue Befürchtungen entstehen, daß die Reichsbank nunmehr wohl zu einer Diskonterhöhung gezwungen werde. Eine derartige Maßnahme dürfte aber immer noch von der Gestaltung der internationalen Geldmärkte abhängen, deren Lage nach wie vor undurchsichtig und unsicher erscheint. Während in Reuyork zunächst eine gewisse Erleichterung eilige treten war, machte sich später wieder eine stärkere Anspannung fühlbar. 3n Holland blieb der Geldmarkt auch nach der Diskonterhöhung angespannt, und in Paris trat ebenfalls eine gewisse Verknappung ein. Immerhin war man befriedigt darüber, daß in London eine Diskonterhöhung bisher nicht vvrgenommen wurde. Von ungünstigem Einfluß auf die Stimmung war die Baisse am Metall- und besonders am Kupfermarkt als Reaktion auf die vorausgegangene außerordentliche Hausse. Die Kupferwerte, wie Metallbank, Mansfelder und Otavi, erlitten mehrprozentige Kurseinbußen. Anderseits wurden die Besserung der Arbeitsmarktlage, die erhöhten Produktions- und Umsahzif- fern beim Stahlverein und ein relativ günstiger Bericht über die Lage der Maschinenindustrie mit Befriedigung ausgenommen. Für Kaliaktien, die bei lebhafterem Geschäft mehrere Prozent anziehen konnten, regte der gute Kaliabsah im März stärker an. Ziemlich rege war die Umfatztätig- keit zeitweise auch am Elektromarkt, an dem Schuckert bevorzugt und erhöht waren. I.--G.- Farben blieben vernachlässigt im Zusammenhang mit der Nachricht, daß die Verhandlungen in Amerika augenblicklich keine größeren Fortschritte machen und die Bilanzsitzung der 3. G. auf den 15. Mai verschoben worden ist. Einiges Interesse machte sich dagegen für die Kohlenwerte bemerkbar. An den übrigen Märkten traten bei stillem Geschäft meist Kursabbröckelungen ein. Zum Wochenschluh wurde die Haltung allgemein , etwas schwächer im Einklang mit den neuerlichen Kursrückgängen an der Neuhorker Börse. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. In Lieser Woche war ebenfalls keine Belebung festzustellen. Das Geschäft war eher noch stiller und stagnierte zeitweise fast vollkommen. Einerseits drückten schwache überseeische Notierungen, anderseits das etwas größer gewordene Angebot von Inlandsware. Aus diesen Gründen war es leicht erklärlich, daß die Hän L- ler und Käufer große Zurückhaltung bekundeten. Obwohl von der Provinz günstiges Angebot vorlag, entschlossen sich die Interessenten nur zögernd zu Abschlüssen. Auch die Hauptmarkttage vom Montag und Mittwoch lagen sehr verödet. Abschlüsse wurden nur in einzelnen Getreidearten vorgenommen. Die Grundstimmung wurde jedoch im Verlaufe der Woche etwas freundlicher, da verschiedene Meldungen, in denen von Materialknappheit gesprochen wurde, wohl anregten, aber auf den eigentlichen Markt ganz ohne Einfluß blieben. Auch die Hausse an den amerikanischen Märkten fand eine günstige Beurteilung, doch ging auch hiervon keine Belebung aus, da sich der Export und die Mühlen von diesen Tatsachen nur wenig beeinflussen ließen. Wie schon erwähnt, konnte die Grundstimmung durch diese stimulierenden Momente ein freundlicheres Aussehen annehmen, das Geschäft 22.2 2,1 i 10,7 j 10,5 10,25 »3 Im Verlaufe machte sich eine Besserung bemerkbar, und die Tendenz war etwas freundlicher. Verschiedene Deckungen bewirkten eine Besserung des Kursniveaus bis zu 1,5 v. H. Im Vordergründe standen Elektroaktien. Siemens konnten 2,75 v H., AEG. 2 o. H. und Schuckert 1,75 v. H. anziehen. Auch Zellstoff Waldhof waren bis 2 v. H. erhöht. Am Geldmarkt nannte man Tagesgeld mit 6 v. H. Der Geldmarkt war etwas leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2176, gegen Pfund 20,4750, London gegen Kabel 4,8550, gegen Paris 124,27, gegen Mailand 92,65, gegen Madrid 32,59, gegen Holland 12,0925. Berliner Börse. Berlin, 13. April. Die Nachrichten, die gestern im Laufe des Tages eintrafen, hatten schon nachbörslich und im Abendverkehr Kursrückgänge zur Folge gehabt. Trotz einer festen Neuyorker Börse übertrug sich diese schwache Stimmung auch auf den heutigen Wochenschluß. Man konnte deutlich schon vorbörslich bei der Spekulation eine] starke Nervosität erkennen. Die Diskussionen waren! konnte aber immer noch nicht in Gang kommen, da auf der anderen Seite wieder verschiedentlich mehr Ware an den Markt tarn, die der Nachfrage vollkommen genügte. Die Preisgestaltung erfuhr von den vorteilhaften Momenten keine Berücksichtigung; es traten eher noch Rückgänge ein, da die völlige Interesselosigkeit der beteiligten Kreise genügte, eine weitere Erschlaffung herbeizuführen. Nur für Weizen bestand etwas mehr Nachfrage, und hier konnte auch im Zusammenhang damit für Weizenmehl Niederrheinische Qualitäten ein höherer Preis erzielt werden. Roggen, Hafer inl. blieben dagegen angeboten und gedruckt. Am Futtermittelmarkt war Mais für Futterzwecke beste Sorten und von Roggenkleie ebenfalls beste Qualitäten angeboten und abgeschwächt, während mindere Sorten beider Arten behauptet blieben. Weizenkleie war in geringerem Maße nachgebend. Roggenmehl hatte kaum Geschäft, ebenso Weizenmehl süddeutsches, doch traten hier keine Verluste ein. Zum Wochenschluh kam mehr Ware an den Markt, und die Haltung wurde daraufhin schwächer. Die Händler blieben zurückhaltend, so daß Umsätze kaum zu verzeichnen waren. Die Preisgestaltung erfuhr aus diesem Grunde keine Veränderung mehr. Auch die schwachen Notierungen vom Auslande verstimmten allgemein. Im Vergleich mit den Notierungen der vergangenen Woche waren Roggen, Hafer inl., Mais für Futterzwecke, Weizenkleie und Roggenkleie bis zu einer viertel Mark niedriger. Behauptet waren Sommergerste und Weizenmehl. Weizen und Weizenmehl Niederrh. Qualität konnten bis zu einer viertel Mark anziehen. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen 23.75—24.00, Roggen 23.00, Sommergerste 24.00, Hafer inl. 24.25, Mais für Futterzwecke 23.00, Weizenmehl 33.00—33.50, Niederrh. 32.50—33.00, Roggenmehl 30.00—31.00, Weizenkleie 13.65—13.75, Roggenkleie 14.75. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. 3m Gegensatz zu der vorigen Woche war der Auftrieb in allen Viehgattungen in dieser Woche erheblich stärker, was naturgemäß die Preisgestaltung erheblich beeinflußte. So war am Schweinemarkt infolge der starken Beschickung ein größerer Preiseinbruch festzustellen. Nach schleppendem Handel blieb größerer Ueber- stand. Bei Kälbern war der Auftrieb wohl auch größer; nach mäßig regem Geschäft wurde der Markt jedoch geräumt. Auch hier mußten die Preise sich einen größeren Abschlag gefallen lassen. Auf dem Rindermarkt konnte sich trotz des stärkeren Auftriebs reges Geschäft entwickeln, und bei weiter anziehenden Preisen wurde der Markt geräumt. Schafe hatten recht lebhaftes Geschäft aufzuweisen, die Notierungen wurden aber infolge des schwachen Auftriebs von der Notierungskommission ausgesetzt. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1531 Rindern, darunter 310 Ochsen, 85 Bullen. 529 Kühe und 360 Färsen, ferner aus 1401 Kälbern, 134 Schafen und 5943 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 686 Rinder, 158 Kälber, 7 Schafe und 2781 Schweine mehr angetrieben. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Klasse Al 60 bis 63, II 55 bis 59, B i 50 bis 54, Bullen A 53 bis 55, B 49 bis 52, Kühe A 46 bis 51, B 40 bis 45, C 36 bis 39, D 30 bis 35. Färsen A 60 bis 63, B 54 bis 59, C) 48 bis 53. Kälber Klasse B 75 bis 80, C 70 bis 74, D 62 bis 69. Schafe wurden aus den obenerwähnten Gründen nicht notiert. Schweine: B 72 bis 74, C 72 bis 75, D 72 bis 75, E 70 bis 73. Im Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche konnten Ochsen und Kühe je drei Mark, Bullen und Färsen je eine Mark anziehen, dagegen mußten Schweine bis zu sieben Mark und Kälber bis zu vier Mark im Preise nachgeben. * * Unter st ühung des notleidenden E i s e n e r z b a u e s des Sieg-, Lahn- und Dillgebietes. Im Preußischen Landtag ist ein Antrag sämtlicher Fraktionen, außer den Kommunisten und den Splitterparteien, eingegangen, wonach in den diesjährigen Haushalt für die Bergverwaltung eine staatliche Beihilfe in Höhe von 1 400 000 Mark eingesetzt werden soll. Diese Summe soll verwertet werden für den notleidenden Eisenerzbau des Sieg-, Lahn- und Dillgebietes, und zwar in der Weise, baß bis zu 0,50 Mark je Tonne ab 1. April 1929 abgesehten Eisenerzes gewährt werden soll. Reich und Preußen, bzw. Hessen für die in Oberhessen liegenden Gruben, sollen sich an der Hilfsmaßnahme bis zur Höhe von 0,50 Mark für die Tonne Eisenerz je zur Hälfte beteiligen. Der Ab- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse ®ie hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 Proze Buntes Allerlei. Lin Foch Denkmal in Meß und Straßburg. In der Sitzung des Metzer Munizipalrates stellte der Bürgermeister den Antrag, ein Komitee zu bilden, das in gleicher Weise, wie cs in Straßburg geplant ist, die Vorbereitungen für die Errichtung eines Denkmals für Marschall Foch in Metz treffen soll. Der Antrag wurde angenommen. Line neue Stiftung Sigrid Undsets. Die norwegische Dichterin Sigrid Undset, die vor kurzem den Nobelpreis für Literatur er- Franlsurt a. M. Schluß-s 1-Uyr- Kurs | Kurs Brief 16,50 169,44 22,18 112,54 59.27 2,515 112,64 81,45 63,64 . 12,50 73,46 sah wird auf Len preußischen Gruben auf runL 2,8 Mill. Tonnen, der Gesamtabsah auf 3 Mill. Tonnen im Jahre geschäht. * Norddeutscher Lloyd A.-G. Der Norddeutsche Lloyd hat von der Deutschen Dampfschifffahrtsgesellschaft „Hansa" die Mehrheit des Aktienkapitals der Dampfschiffahrtsgesellschaft „Neptun" übernommen. * Bulgarin - Zigarettenfabrik. Der Inhaber der Bulgarin-Zigarettenfabrik G. m. b. H., Dresden, S. K r e n t e r , bittet uns, mitzuteilen, daß sein Unternehmen nicht dem Reemtsmn-Konzern an- gehört, sondern daß er für feine eigne Rechnung arbeitet * Hirsch Kupfer- u. Mefsingwerke A - G. In der G.-V. nahm Direktor Dr. Hirsch Gelegenheit, den Standpunkt der Verwaltung bezüglich der Lage des Kupfermarktes zu präzisieren. Die deutschen Werke würden durch den Sturz des Kupferpreises nach der außerordentlichen Hausse kaum beunruhigt, da die Produzenten sich schon im vorigen Jahre stark eingedeckt hätten. Der amerikanische Kurs von über 20 Cents habe für Deutschland im großen und ganzen nur nominelle Bedeutung gehabt. Die Gesellschaft selbst habe ganz erheölich unter diesem Preis eingekauft. Die Kupfersituation werde sich aller Voraussicht nach in einiger Zeit geklärt haben. Die Entwicklung der Gesellschaft im neuen Jahre habe den Erwartungen entsprochen. Der Auftragsbestand war erheblich. Die Werke seien für nahezu fünf Monate beseht. Im Gegen- sah zu anderen Industrien stelle der Bareingang an Zahlungen einen erfreulichen Prozentsatz des Gesamteinganges dar. Die Abrufe auf die Auftragsbestände liefen bisher recht zufriedenstellend ein. Die G.-D. setzte die Dividende auf 9 (i. V. 6) Prozent fest und wählte Dr. Elfes (AE.G.) neu in den Aufsichtsrat. * H. Fuchs Waggonfabrik A.-G., Heidelberg. Wie bereits gemeldet, führt die Gesellschaft zur Zeit Verhandlungen wegen Hefter« nähme der Heidelberger Fabrikanlagen durch ein westdeutsches Werk der Waggonbauindustrie. Wie WTD.-Handelsdienst erfährt, hat die Gebrüder Schondorff A.-G., Düsseldorf, vor einiger Zeit Verhandlungen mit Fuchs Waggon aufgenommen, die sich jedoch lediglich darauf beschränkten, den derzeitigen Stand von Fuchs zu prüfen. In erster Linie ist dabei der Gedanke vorherrschend gewesen, eventuell die Werksanlagen von Fuchs den Interessen der Gebrüder Schöndorff A.-G. dienlich zu machen. Mit dieser Prüfung ist die Gesellschaft zur Zeit noch beschäftigt, so daß sich ein abschließendes Urteil über die gewonnenen Eindrücke noch nicht geben läßt. Davon jedoch dürften alle Weiterungen abhängig gemacht werden. Die Gebr.> Schöndorff A.-G. ist keineswegs gewillt, Verhandlungen über einen Verkauf oder eine sonstige Hebemahme aufzunehmen, wenn die Prüfung der Lage bei Fuchs Waggon nicht die Möglichkeit ergibt, die ein gewinnbringendes Arbeiten für die Zukunft gewährleistet. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 13. April. Tendenz: zurückhaltend. — Die Besorgnisse hinsichtlich der Reparationsverhandlungen bildeten das Hauptmoment der Börse und mahnten, da man auf Grund dieser Tatsache eher pessimistisch gestimmt ist, zur Zurückhaltung. Das Geschäft konnte daher, zumal auch zur heutigen Wochenschlußbörse fast keine Kaufaufträge Vorlagen, nur schleppend in Gang kommen. Die feste gestrige Neuyorker Börse, sowie die weiter etwas angespannten internationalen Geldmarktverhältnisse wurden nur wenig beachtet. Der Baissepar - tei, die erneut einen Vorstoß vorgenommen hatte, wurde nur wenig Widerstand entgegengebracht, da auch noch andere ungünstige Momente verstimmten. Doch blieben zur ersten Notiz wider Erwarten die Kursrückgänge ziemlich minimal. Das Geschäft kannte jedoch aus diesem Grunde keine nennenswerte Belebung erfahren. Neue Nachrichten aus Paris liehen in Börsenkreisen doch wieder die Hoffnung a«fkommen, daß noch ein günstiger Ausgang der Verhandlungen herbeigeführt werden könnte. Etwas stärker angeboten waren nur I.-G.-Farben mit minus 1,75 v. H., Westeregeln minus 2,5 v. H. Dieses Papier war auch nach den letzttägigen Kauen aus dem Auslande von dieser Seite etwas tärfer angeboten. Auch Kupferwerte im Zusammenhang wit der Kupferpreisermäßigung etwas stärker angeboten. Mansfelder eröffneten 2,5 v. H. niedriger. An den übrigen Märkten waren die Verluste sehr klein, teilweise waren sogar kleine Gewinne zu verzeichnen. AEG. verloren 0,25 v. H., Ehade-Akticn dagegen etwas gefragter und 1 Mark höher. Von Bankwerten zogen Reichsbankanteile 1,25 d. H. an. Glanzstoff minus 3 v. H. Einiges Interesse machte sich für Norddeutscher Lloyd auf den Erwerb der Majorität der Neptun-Dampfschiffwerft geltend. Gut behauptet blieben Bemberg. Renten still. Anleihen ohne Option etwas höher. Umgeitalt dar vorhanc ironischer Neuanlag Auftraggeb Einheit bih Anlage Hierbei wir der» geach u Ich verweis und Entwüd Eberhar Berlin Kurs Kurs 12 4. j 13 4." Lombardzinsfuß 7,5 Pr< Berlin 12- April______ französische 'Jlotcn . . . . Holländische Noren...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deulsch^Oestcrr.ä 100 Kronen Rumänische Noten ...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten Geld 16,44 168,76 22,10 112.10 59,03 2,495 112,20 81,13 63,36 12,44 73,16 Frankfurt a M. Berlin Schluß» Kurs t-Uhr Kurs Schluß-lAufana Kurs Kurs Datum 12.4. 13.4. 12-4. 13-4. Ä.E.G........ . 8 TtT 174,75 176,65 iTT Bergmann . ...... . 9 225 — 228,5 224 Eleklr. Lieferungen.... 10 — 167,5 170,25 166,5 Licht und Kraft..... 10 217,75 —— 219,75 217,5 139,75 Felten L Guilleaume. . . . 6 140.5 — 142,5 Ges. f. (ilettr. Untern.. . . 10 233 — 234 233 Hamb. Elektr. Werte . . . 10 — — 147,5 147 Rhein. (Eleftr....... . 9 — — —— 169 Schief. Cleftr....... 10 — 213,25 210,25 . 8 242,5 — 246 241,5 Siemens & Hall ko .... 12 392,25 392 395,75 156,25 390,5 TranLradio . . ..... . 8 — 155 Lahmeyer & Co...... 10 175 174,5 79,25 Buderus ........ . 5 _ 75 . 6 125 124,75 126,25 124.6 Essener Steinkohle .... . 8 — — 126,25 124,25 Gelsenkirchener ... f. 4 .M 133 132,6 134,5 133,25 Harvener ...... . 6 137,5 — 139,25 138,25 Hoesch Eisen. ...... . 8 — — 126 124.9 Ilse Bergbutt ...... . 8 215 — 215 210.5 Älöcknerwerke ...... ■ I 108 — 108,4 106,25 NölnMeuessen. . . . . . . 9 — — 126 124,25 Mannesmann...... . 8 118,75 —- 119,25 Mansfelder....... _ r 137 134,5 136 134,73 Oberfchlef. Eisend. Bedarf. . 5 88,75 Oberschlej. Kokswerte . . . . 6 — — 106,4 105.25 Phönix Bergbau..... c>'/r 95 94,75 95.9 95,13 Rheinische Braunkohlen. . 10 288,25 291,75 287,5 Rheinstahl s. % Jahr 4y2 124,5 124,5 125,9 124 Riebea Montan..... ' • 146 Bereinigte Stahl». . . . . 6 — — 93,13 92,75 Lstavi Minen . . . . . . 2 sh — -__ 63.75 68 Kali Aschersleben .... Stall Westeregeln..... in 10 244,5 249,5 247 246 251.23 241,25 246.25 Kaliwerk Salzdetfurth . . Id 378 - 384,25 373 .Frankfurt a M. Berlin Schluß- 1 Uhr- Schluß. Anfang Nurs Kurs Kurs Kurs Datum 12.4. 13.4. 12.4. 13.4- Pyiupp.yvtzuiann 126.5 — — 127 Heidelberger iSemcnt .... 10 152 __ — Gement Karlstadt ...... 8 — — _ Wayß & Ureilag .....10 133,75 134 135 _ Schultheis Patzcnhofer ... Io — — 311 304,5 Cfliuertc.........12 — —— 257,5 252,25 Bcr. Glauzstoss......18 456 453 462 453 Bemberg.........ii _ 316 5 Zellstosi Waldhos.....12 270,5 270 273 270,5 Zcllswss Aschassenburg ... 12 190 190,5 Eharlottcuburger Wasser ... 7 — — 116,25 115 Dessauer Gas........8 _ - 215,75 213.95 Daimler Motoren......0 62 75 Deutsche Maschinen-Fabrik . . 0 _ 56 55 Adlerwerle ftleoec......6 52 — 52 Ludw. Locwe..... . 10 _ 213 5 215 —— _ Orenstein & Koppel ..... 5 — _ 96 Leonhard Tietz . ...... 6 — _ 301 297 Bamag Meguin ....... 0 — _ Franks. Maschinen ...... 6 Gritzner..... 11 63,65 86 63 63,9 R5,25 — Heyligcnstacdt .......O 12 _ Iunghans. ......... 4 71,25 71,25 _ Lechwerke. .....8 115,25 115,25 Mainlraliwcrke........ 117,5 _ _ Miag............ Rekarsulmer ...... ..8 130,5 18,5 — 130,5 18 130,5 Peters Union ........ 8 117,5 119 Gebr. Roeder ....... 10 114 Boigt & Haessncr......8 213 _ 213 Südd. Zucker........8 154,5 — 154 — 12. - pril 13. April Am.liche Geld Dotierung Brie» Amtliche Notierung Geld 1 Brie Am st-- Nolt 169,06 169,40 i69,15 169 49 Buen.-Aire 1,773 1,777 1,772 1,776 Brss. Antw- 58,49 58,61 58,51 58,63 Christiania. 112,31 112,53 112,34 112,56 Kopenhagen 112,29 112,51 112,34 112,56 Stockholm . 112,41 112,63 112,48 112,70 Helsingfors. 10,588 10,608 10,595 10,615 Italien. . . 22,045 22,085 22,09 22,13 London. . . 20,443 20,483 20,454 20,494 Neuport . . 4,2150 4,2195 4,2130 4,2210 Paris. . . . Schwei; .. 16,455 16,495 16,46 16,50 81,08 81,24 81,115 81,275 Spanien. 62,81 62,93 62,84 62,96 Japan . . . Nio de Jan 1,874 1,878 1,878 1,882 0,497 0,499 0,500 0,502 Wien in D-- Oest. abgcst 59,14 59,26 59,18 59,30 Prag • . . . 12,463 12,433 12,466 12,486 Belirad . . 7,403 7,417 7,407 7,421 Budapest. . Bul arten 73,34 73,48 73,37 73,51 3,04 z ,048 >,047 3,053 Lissabon Tanvo 18,85 81,86 18,85 18,89 ■1,7t 18,89 81,72 81,88 Konst ntin. .,097 2,101 2,078 2,082 Alben. 5,465 5,473 5,47 5,48 Canada 4,186 4,194 4.181 4,189 llrn uav 4,196 4,204 4.186 4,194 Cairo . . 20,97 21,01 20,98 21,02 Berlin, 12. April Geld "iel "" 2uiuriiün.' Sttaijbutg. Uimdpakaies Inttag. ein So* • Miie, wie v > Lorber-itunM ils für Marschall c Antrag wuck ter Theater. April, von 191/) [länber. Montag, Kavalier. Viens« lhrllo. Mittwoch, Der DiWüh. gen 23: Carmen 21 >: Der Trou« bis nach 221',: von 19'/r bi; 18 bis gegen 23: «rief IbF" 169.U 22,18 112,54 59,27 2,515 112.» 91,45 ■63, «4 12,50 73,45 ist— H ■6 10 10 13 15 !0 13 36 44 16 ntfurt % ti.fl 12,56 112,10 10,6'5 22,18 20,494 4,2210 1650 81-275 62,96 0,502 i, 14. April, voi j Mhninvrreiai 15'/) bis gegta iufj; von 20 bv ig, 15., von .0 ■er öen Juicn. ; Die schwarze >iä gegen 221 >rstag, 18., von ireiing. 19., von Samstag. 20., Mpiel der Dau« „ von 10'/-: Ar.« ins und der Ec« 17'/,: Der brave 12- §,'c schwarze 22’, Das 3hr b Iladsels. ib Unbiet, die M Literatur n- ^oq als Legat !N. s-fU —-riojs «W 'tz ' 1*U2iä >25. ,ö5' Segen ! t. chlen, dj° n„-( ■fr äst: Ä™J« «3d) :a" nn‘e deut. .^Klation eine ^ls'onen waren °°",der Mög. und da es o°r ' Z ung wirtlich L-rhandlllng^ Lfe|n ®e< .'öo.rle lag 2[n, 'NPigten Pro. J 'tommte. 2a. Saufe rrsp.L , WfctQn.J. ^..Auch bi? et, ?AmS’ cbeni° c Geldmarkt. 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