Nr. 29| Erster Blatt 179. Jahrgang Donnerstag, (2. Dezember 1929 Erschein» rägllch, außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Vie Illustrierte Tießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monat» vezugrpretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüsse unterSammelnummer225I. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VniS und Verlag: vrühl'sche Univerfitülr-Vuch- und §telndnrckerel H Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftrftelle: Zchul'trahe 7. Annahme van Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70mre Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" „ mehr. Chefredakteur: Dr Friedr Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gieße»». Das Reichskabinett fordert die Entscheidung des Reichstags. Das Schicksal des Zinanzprogramms.-Sozialdemokraten und Volkspartei behalten sich ihre endgültige Stellungnahme vor. Die Entscheidung fällt „in offener Keldschlacht". Berlin, 11.De,. (Id.-Un.) Amtlich wird mltgcleilt: 3n der heutigen Rachmillagssitzung des Kabinetts wurde die politische Lage besprochen. Dabei ergab sich als einmütige Auffassung der Reichsreglernng, dah über das von ihr den Parteiführern vorgelegte Finanzprogramm eine alsbaldige Entscheidung des Reichstages herbeigeführt werde. Das Reichskabinett beschloß also, an den von ihr von vornherein eingenommenen Standpunkt festzuhalten, dah das Finanzprogramm als Ganzes unverändert angenommen werden muh, und dah sie mit dem Finanzprogramm st e h e und solle. Die Rcichsregierung wird die Entscheidung „in offener Feldschlacht suchen", indem sie nicht nur die unveränderte Annahme des Finanzprogramms, sondern auch die Bekundung des ausdrücklichen vertrauens des Reichstages für ihre G e f a m t p o l i t l k ein- schließlich des Finanzprogrammes fordert. Die Regierung wird die Erklärung über das Finanzprogramm am Donnerstag im Reichstag abgeben. Reichskanzler Hermann 7N ü l l e r wird im Reichstag für die Regierung das Dort ergreifen. Die Sitzung wird, nachdem die Regierung gesprochen hat, abgebrochen werden. Am Freitag und Samstag wird man debattieren. Die entscheidende A b st i m m u n g ist für Samstag zu erwarten. Roch der Regierungserklärung werden alle Fraktionen zufammenirelen, um über ihre Haltung in der bevorstehenden Aussprache zu entscheiden. Wie wird die Entscheidung fallen? Die Möglichkeit filier NcgierungskrisiS. ■Berlin, 12. De-. (XH.) Der Beschluß der Regierung, die Parteien im Reichstag zu einer klaren Entscheidung zu zwingen, ist. wie die den Regierungsparteien nahestehenden Blätter berichten, daraus zurückzuführen. dah die Regierung auf Grund der ergebnislosen Besprechungen am Mittwoch keine andere Möglichkeit geschen habe, zu einer Lösung zu gelangen. Die „Germania" weist in Ergänzung des Beschlusses der Zentruinssraktion darauf hin, dah das Zentrum ein geschlossenes Handeln der Regierungsparteien verlange und sich nicht damit absindeu tonne, dah die Deutsch: Dolispartei und die Sozialdemokratie sich in einzelnen Fragen von dem R.gierungsprogramm distanzierten. Bor allem müsse der Deutschen Dolkspartei gesagt werden, dah das Zentrum es nicht hinnehmen könnte, wenn sic sich in der Frage der Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung etwa überstimmen liehe. Die Bollspartei habe die Methode der Enthaltsamkeit von der Regierungsver- antwortung ost genug geübt. Sie scheine sich auch jetzt ihrer wieder bedienen zu wollen. Eine solche Methode wäre im gegenwärtigen Augenblick mehr denn je unerträglich. Es gehe augenblicklich wirklich um etwas mehr als um das Bedürfnis einzelner Parteien, sich ein agitatorisches Alibi zu verschaffen. Die Stunde verlange, vielmehr. dah die Regierungsparteien samt und sonders geschloss en die Berantwor- tung für die politischen Mahnah- m e n übernähmen, die ihnen das Rcichs- kabinett am heutigen Donnerstag vorlegen werde. Tiatürlid) werde d i e Form des Ber- trauensvotums eine große Rolle spielen. Die Regierung werde hoffentlich dafür Sorge tragen, dah diese Form nicht dazu geeignet sei, die von ihr erstrebte Klärung und Entscheidung zu verwischen. Mit anderen Worten: Die Formulierung des Vertrauensvotums werde so sein müssen, dah es sich auch auf das gesamte F i - nanzprogramm erstrecke. Der „Vorwärts" stellt fest, dah es in der amtlichen Mitteilung über die Kabinettssitzung heiht, dah über das den Parteiführern vorgclegte Finanzprogramm die „alsbaldige" Entscheidung des Reichstages herbeizusüh- ren sei und meint, wenn das Wort „alsbaldig" gleichbedeutend mit „sofort" sein würde, wäre eine ablehnende Antwort mit Slcher- heit vorauszusehen. Das Blatt hält zwar Den Ausgang immer noch für ungewiß, kommt aber zu dem Schluh, dah eine politische Krise vermieden werden muh. Die „D A Z" sagt, die Deutsche Dolkspartei, die am Samstag ihren Zentralvorstand in Berlin versammelt sehen werde, könne vielleicht eine Regierungsbeteiligung. die ihr bisher nur sehr bedingt und befristet zugestanden sei. und eine Zustimmung zu erhöhten Versicherungsbeiträgen Dann motivieren, wenn sie entsprechende Gegenleistungen auf wirts chafts- und finanzpolitischem Gebiet garantiert erhielte. Das Blatt ist im übrigen aber der Auffassung, dah die Fraktionen nach bewährter Praxis nichts unversucht lassen würden, um trotz aller kommenden Proklamationen ein h a n d f e st e s K o m p r o m i h zustande zu bringen. — Wie die „Börsenzei - tung“ mitteilt, ist beabsichtigt, der Vertrau- cnserkläruna ungefähr folgende Fassung zu geben: „Der Reichstag spricht der Regierung Has Vertrauen aus und billigt das von i h r vorgelegte Finanzprogram m.“ Der Rachdruck liege hier auf dem Wort „billigt". Billigung sei noch lange keine Bindung. Das Blatt bezeichnet die Formulierung als besonders raffiniert. Wenn Die Sozialdemokraten also das Finanzprcgramm billigten, so verpflichteten sie sich praktisch zu nichts. Außerdem fei noch geplant, das sogenannte Sofortprogramm, an dessen Erledigung ja den Soia’bemdralen sehr viel liege, in Gestalt besonderer Initiativanträge dem Reichstag vor.'.uiegen und beschleunigt erledigen zu lassen. Parteien und FmanzpriMamm. Berlin. 12. Dez. (VDZ.) Die Reichs- tagsfraktion der Deutschen Volks- Partei trat am Mittwoch wieder zusammen, um ihre Beratungen über das Finanzprogramm der Regierung fortzusehen. Heber den Verlauf der Fraktionssitzung erfährt das VDZ.-Dureau, dah die Deutsche Volkspartei keine Möglichkeit sieht, dem Finanzprogramm in seiner vorliegenden Form zuzustimmen. Die Fraktion will zunächst die morgige Erklärung der Reichsregierung abwarten, um dann zu der Frage der Durchführung des Finanzprogramms Stellung zu nehmen. lieber den Verlauf der Sitzung der sozial- dem okrotischen ReichLtagsfraltion verlautet, dah auch die sozialdemokratische Fraktion dem Finanzprogramm in der gegenwärtigen Form nicht 3 u ft i m m e n kann. Die Fraktion ist dagegen bereit, der Regierung ein Vertrauensvotum zu geben, das die Haager Verhandlungen, die Steilung der Re- curung gegenüber tc.n Reichsbanlprä identen und in allgemeinen Wendungen auch eine künftige Finanzreform umfaßt. Angesichts der Gegensätze, die in der Frage der Finanz- reform zwischen den Parteien bestehen, glaubt man in sozialdemokratischen Kreisen nicht, dah diese Frage gegenwärtig entschieden werden kann. Die Zentrumsfraktion des Reichstages, in der Abgeordneter Brüning über die Verhandlungen Bericht erstattete, faßte zwar keinen formellen Beschluß, brachte aber zum Ausdruck, dah sie unter Vorbehalt der Stellungnahme in Einzelheiten einmütig dem Programm der Reichsregierung z u 3 u - ft i m m e n entschlossen ist. Dabei wurde als selbstverständlich vorausgesetzt, dah die anderen Regierungsparteien eine ähnliche Haltung einnähmen. Der Gedanke, die Finanzreform auf dem Wege über ein Ermächtigungsgesetz zu erledigen, wurde von der Fraktion einmütig abgelehnt. Die Reichstagsfraktion der Wirtschafts - Partei fordert von der Reichsregierung in einem Anträge ein Finanzprogramm, das u. 0. folgende Maßnahmen vorsieht: Die Haushaltspläne für 1930, 1931 und 1932 sind 15 Prozent unter dem Etat von 1929 z u halten. Auf Länder und Gemeinden soll im Sinne einer gleichen Ctatsenkung eingewirkt werden. Alle Steuern, deren Erhe - bungskosten in keinem Verhältnis zum Steuerertrag stehen, sollen beseitigt werden. Verbrauchssteuern sollen grundsätzlich nur vom Reiche erhoben werden dürfe»». Das Loch im Reichssäckel. Berlin. 12. Dez. (TH.) Zur bevorstehenden Entscheidung über die Finanzreform schreibt der „Berliner Börsenkurier" u. a. folgendes: Geht man den Dingen auf den Gruird. so handelt es sich in erster Linie um eine krasse Hltimo- k r i s e, d. h. um die Frage, ob das Reich zum 3ahresultimo die erforderlichen Heber« brückungskredite in der Höhe von mehreren hundert Millionen erhalten wird oder nicht. Heber die vom Reparationsagenten auf Grund des Haager Abkommens gegebenen Kredite aus dem Heberfchuh der Daweszahlungen über die Voungzahlungen in der Höhe von 125 Millionen Mark sind noch weitere Riesenbeträge erforderlich, sofern die Reichsregierung am 1. Hanuar nicht vor die Zwangslage gestellt sein soll, daß sic die Ve- amtengcbälter in voller Höhe nicht auszahken kann. Das würde von der Hltimokrise zu einer Staatskrise führen. Rach der Aussassung der 3nftai»zen, Don denen die Bewilligung des Heberbrückungskredites abhängt, ist die erste Voraussetzung für die Hltimokredite die Gewährleistung. daß 400 Millionen Mark aus Konsumsteuern. sowie aus der Erhöhung der Arbeitslosenbeträge beschafft werden. Da nun die bürgerliche»» Parteiei» sich dazu wieder nur unter der Bedingung verstehen wollen, daß auch die Erleichterungen und Steuersenkunge,» in verpflichtender Weise gesichert werden, erklärt die Reichsregierung. dah ihr Programm in feinen Grundlagen als Ganzes angesehen und grundsätzlich gebilligt werden muh. Lehnt die Sozialdemokratie die Forderung des Kabinetts ab. dann würde die Reichsregierung zurücktreten. Es bliebe dann kaum etwas anderes übrig, als daß ein Beamten - Kabinett ober ein bürgerliches Kabinett a u f Grund des Rot-ArtikelS 48 bitta- torisch bafür sorgt, bah bie für ben Hcber- brückungslrebit erforderlichen Steuern bewilligt werden. Man glaubt in ben Reihen ber Reichsregierung nicht, bah bie sozialdemokratische Fraktion eine solche Zuspitzung ber Dinge in Gegnerschaft gegen bas von ihren Vertrauensmännern mahgebenb beeinflußte Kabinett burch ihren Wiberspruch im Parlament erzwingen werbe. EineamerikamscheAnleihealsSinter- grunh des „Sofort-programms"? Berlin, 11. Dez. (TU.«Funkspruch.) Zu bet» Verhandlungen über das Finanzprogramm erfährt die „T.-U." aus parlamentarischen Kreisen nach folgendes: Um den Schwierigkeiten der Kassenlage zum Ende des Jahres zu begegnen, hatte bie Reichsregierung Berhandlungen mit einer ame» rikanischen Banke 11 gruppe ausgenommen, die dem Reich einen Kredit non mehreren hundert Millionen Mark bewillige»» wollte. Durch Den überraschenden Bries des Reichsbank- präfibenten Dr. Schacht waren biefa Ärebitoer* hanblungen jedoch ins Stocken geraten. Bon der amerikanischen Bankengruppe würben vor dem enbgültigei» Abschluß ber Berhanblungen von ber Reichsregierung Maßnahmen verlangt, bie eine gewisse Sicherheit bes Kredites barstellten. Deshalb hat bie Regierung bei» Parteien ein S 0 - s 0 r t - P r 0 g r a m »»» vorgeschlagen, bas bie sofortige Erhöhung ber Tabaksteuer unb bie Erhöhung ber Beiträge zur Arbeitslosenversicherung uni i v. H. umfaßt. Da ber Weg über bie orbentliche Gesetzgebung wegen ber viele»» innezuhaltenben Fristen angesichts der kurzen Zeit bis Weihnachten nicht mehr möglich ist, ha» die Regierung von den Regierungsparteien gefordert, daß sie im Wege des Initiativantrages dieses Sosort-Prograinrn im Reichstag erledigen sollen. — Wie aus parlamentarische»» Kreise»» verlautet, werden wahrscheinlich Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten diesen Weg mitgehen. Aufruhr in einem amerikanischen SlaMesängms Auburn (Staat Rcuyork), 11. Dez. (WTB.) In» hiesigen Staatsgesängnis ist ein Aufruhr ausgebrochen. Wie gemeldet wird, stehe»» das Gefängnis und die Werkstätten in Flammen. Die Meuterei ist in ihre»» Ausmaßen ebenso ernst wie der Aufruhr im Clinton-Gefängnis im Juli dieses Iahrcs. Die Meuterei, an der sich 1580 mit eingeschmuggelte»» Revolver»» bewaffnete Sträflinge beteiligten, brach um 10 Hhr vormittags aus. Die Meuterer schossen den Hauptwärter nieder und überwältigten den Leiter des Gefängnisses I e n n i n g s und etwa 11 Wärter, die sie als Geisel»» fest- hielten, um die Freilassung ber etwa zwölf Rädelsführer der Meuterei zu erzwingen. Außer Polizei trafen Miliztruppen ein, die das Gefängnis umzingelten. Die Behörden zögerte»» zunächst mit einem Angriff auf das Gefängnis, da sie befürchteten, Hennings und die anderen Geiseln würden von ben Sträflingen getötet werden. Etwa 1000 Bewaffnete bildeten vor dem Gefängnistor ein Karree, bereit zu feuern, falls die Sträflinge geschlossen herauskämen, und zu fliehen versuchten. Kurz nach 12 Hhr ließen die meuternden Sträflinge durch einen Sträfling, der bei der letzten Meuterei eine große Rolle gespielt hatte, den Behörde»» mittcilen, daß, falls sie nicht innerhalb einer Viertelstunde freien Abzug erhielten, Hennings und die Wärter getötet werden würden. Hennings ließ der Polizei durch einen Ireugebliebenen Sträfling eine Mitteilung zukommen. in der er sie beschwor, alles zu bewilligen, was die Meuterer verlangten. Der Kommandeur der Miliztruppen erhielt die Weisung, falls b:e Sträflinge heraus.ämen, z u schießen, sonst in das Gefängnis einzudringen und sich der Meuterer zu bemächtigen. Rach Eintreffen der Anweisung ließ der Führer der Miliz die Truppen antreten und erklärte, Hennings werde sich mit seiner Lage abfinden müssen; die Sträflinge würden, falls sic her- auslämen und zu fliehen versuchten, nieder- gemacht werden. Hm 12.35 Hhr drang eine mit Tränengasbomben ausgerüstete Abteilung StaatSvolizei in das Gefängnis ein und entriß den 20 Rädelsführern, die sich in der Haupthalle verbarrikadiert hatten, Hen»»ings und vier andere Geiseln. 'Sei dein sich entwickelnden Kampf wurde,» drei Sträflinge getötet. 1500 Sträflinge hatten sich im Gesängnishos gesammelt und bereiteten sich zum letzte»» verzweifelten Widerstand vor. Auch die übrigen von den Meuterern festgehaltenen Geiseln wurden befreit. Eine aus 300 Mann bestehe,»de Abteilung ftaat- licher und städtischer Polizei und betoaffneter Zivilisten wurden gegen 4 Hhr angewiesen, das Staatsgefängnis systematisch nach Schußwaffen zu durchsuchen und W i d e r st a n d l e i st e n d e niederzuschießen. Abends gelang es der Abteilung, den Gefängnishof und die meisten Gefängnisgebäude zu besehen. Hierbei wurden zwei Sträflinge getötet. Bei dem Aufstand im Staatsgefängnis von Auburn find zwölf Personen getötet worden. Gegen die Ruhestörer im Reichstag. Berlin. 11. Dez. (VDZ.) 3m Reichstag stand eine Rovelle zum Diätengeseh zur Beratung, nach der der Reichstagspräs.bent ein Mitglied bis zu 30 Sitzungstagen und bei Weigerung bis zu 60 Sitzungstagen ausschliehen kann.- Don bei» Regierungsparteien unb ber Wirtschafts- Partei liegt ber Antrag vor, dem Paragraphen 1 des Diätengesehes folgenden Absatz an^ufügen: „3n ber Geschäftsordnung des Reichstags kann außer der zeitweilige»» Ausschließung von ben Sitzungen des Reichstages und seiner Ausschüsse das gleichzeitige Ruhen des Rechtes aus freie Eisenbahn fahrt unb auf Entschädigung ausgesprochen werden." Abg. G r a e s - Thüringen (Dnl.) wendet sich gegen bie Ausschußvorlage. An sich seien die Deutschnationalen immer bereit, die Stellung des Präsidenten zu stärken, aber sie könnten nicht einer Regelung zuftimmen, bie einen Eingriff in bie Verfassung bedeute. Die Verfassung garantiere ben Tlbgeorbneten nämlich die Diäten und die Freifahrkarte. Die Frage, was eine „gröbliche Verletzung ber Ordnung" ist. mühte auch durch eine bestimmtere Fassung erläutert werden. Abg. 2 ö b e (Soz.) bedauert, baß Vizepräsident Graes und seine Partei in diesem Falle nicht mit der Mehrheit einverstanden seien. Es sei richtig, daß es sich hier um ein überstürztes Gelegenheitsgesetz handele. Tatsächlich liegen die entsprechenden Anträge schon feit zwei 3 ahren dem Hause und dein GcschäftSord- nungsausfchuß vor. Aus meinen Widerspruch ist es zurückzuführen, wenn sie bisher noch nicht behandelt wurden. Die letzten Vorgänge bei der Beratung des Republikschuhgesehes waren ja nicht bie ersten planmäßigen Störungen ber Ordnung des Hauses. Menn aber von einem Abgeordneten offen bie Parole ausgegeben wird: „Der Minister darf nicht rcbenl", dann ist ber Reichstag gezwungen, eine solche Unter- reichischen karte steht nicht so hoch wie das Recht auf Ausübung des Mandats. Auch dieses Recht aber heben alle Parlamente vorübergehend auf, wenn nur auf btefe Weise das höhere Recht ber Existenz- und Arbeits- möglichkeit des Parlaments zu sicher»» ist. «Lebhafte Zustimmung.) Die Oesfentlichkeit spricht bei solchen Skandalszenen ja nicht von den schuldigen Abgeordneten, sondern es heiht draußen. So geht es im Deutschen Reichstag zu! «Abgeordneter Torgier «K.): „Die öfter- reichischen Sozialdemokraten obstruieren mit Autohupen und Kindertrompeten!") Solche Vergleiche mit anderen Ländern versähen zu ber Feststellung, bah im Vergleich zu ber Behandlung ber Opposition ii» Sowjetruh- lanb es hier sehr nachsichtlich unb gemütlich zugeht. Das Parlament muß sich schützen gegen die planmäßige Störung seiner Arbeit. Das ist es sich selbst unb seiner Würde schuldig. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) brüdung ber Redefreiheit unmöglich zu machen. Die jetzt vorgeschlagenen Maßnahmen sollen nicht das freie Wort beschränken, sollen auch nicht ber Opposition die Bewegungsfreiheit nehmen. Die Opposition mag sich in geistigem Ringen mit ben Gegnern messen; aber sie ist nicht berechtigt, bie Gegner durch Lärm am Reden zu hindern oder beschimpfende Ausdrücke zu gebrauchen, die manchen Abgeordneten das Verbleiben im Saale unmöglich machen. (Zuruse von den Kommunisten.) 3ch habe selbst neun Zehntel meines politischen Lebens in Oppositionsstellung verbracht, aber ich habe nicht solche Mittel angewandt wie Sie. (Zu den Kommunisten.) Wenn Ordnungsrufe mit Hohngelächter beantwortet werden unb ohne Wirkung auf die Gerügten bleiben, dann muß der Reichstag sich durch andere Mittel seine Arbeitsfähigkeit sichern können. (Lebhafte Zustimmung.) Die verfassungsrechtlichen Bedenken des Abg. Grac» treffen nicht zu. Das ver- faffungsmäßlge Recht auf Diäten und Fccifahr- Abg. Pieck (K.) bezeichnet die Vorlage als das kleine Ausnahmegesetz gegen die Kommunisten. Das große Ausnahmegesetz fei Severings Republikschutzvorlage. Sev:ring und Lobe kopierten Bismarck, Severing mit der Ausnahmegesetzgebung. Lobe mit der Strangulierung der Opposition. Der vorliegende Entwurf bedeute zweifellos e(ne Verfasiungsverlehung. Die Kommunisten würden sich nicht durch Entziehung von Diäten und Fahrtarten hindern lassen, in derselben Weise und mit denselben scharfen Mitteln wie bisher ihre Opposition zu betreiben. Abg. Dr. Bredt (WP.) erklärt dem Abgeordneten Graes gegenüber, es sei zweifelhaft, ob der vorliegende Entwurf versassungsändernd sei. Es sei freilich zweckmäßig, auf alle Fälle die Annahme der Vorlage mit qualifizierter Mehrheit fest,ustellen. 2n namentlicher Abstimmung wird die Destimmurg ütec verlängcr e Entziehung dec Diäten und der Freifahrkarte mit 30-1 gegen ol ©tim- men bei 49 Enthaltungen angenommen. Die übrigen Bestimmungen werden gleichsalls angenommen. Der dritten Beratung der Vorlage wird von den Kommunisten widersprochen, so daß sie erst später stattsinden kann. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurf zur Regelung älterer staatlich er Renten. Der Ausschutz hat die Re- gieruir^svorlage insofern geändert, das; nur noch diejenigen Renten entschädigungslos fortfallen follen, di« qL8 Ausgleich für die Aufgabe oder den Verlust von Leibeigenschaftsrechten oder ähnlichen Rechten begründet sind, deren Inhalt nach den heutigen Anschauungen als unsittlich angesehen werden muß. Die übrigen Renten werden aufgewertet mit 25, 8 oder 5 Prozent. 3n der namentlichen Schluhabstimmung wird die Vorlage bei neun Enthaltungen mit 302 gegen 106 Stimmen, also mit der für verfassungsändernde Gesetze erforderlichen Zweidrittelmehrheit angenommen. Llm den -II-Ahr-Ladenschluß am Heiligabend. Berlin, 12. Dez. (Priv.-Tel.) Die Annahme des Gesetzes über den 5-v.hr-Ladcnschlus; am Heiligen- abend durch den Reichstag hat in den betroffenen Kreisen zum Teil Bestürzung, zum Teil Genugtuung hervorgerufen. Die Bestürzung ist besonders im Lager der kleinen Gewerbetreibenden sehr groß, und das Reichskartell des gewerblichen Mittelstandes wird sich dem Vernehmen nach in diesen Tagen an den Reichspräsidenten wenden, um ihn zu veranlassen, daß die Verkündung des Gesetzes er st im nächsten Jahre erfolgt, das heißt also, daß die neue Gcsetzesregelqng für den diesjährigen che i l igenabend noch nicht in Kraft tritt. Die in dem Reichskartell zusammengefchlossenen Verbände stehen nämlich auf dem Standpunkt, daß das Gesetz für den Kleinhandel von katastrophaler Auswirkung sein wird, und zwar in erster Linie aus dem Grunde, weil das Gesetz er st 14 Tage vor Weihnachten durchgebracht worden ist, infolgedessen der Handel nicht mehr genügend Zeit hat, sich entsprechend umzustellen. Das Detailgeschäft ist nach Ansicht des Kleinhandels gerade in den beiden letzten Stunden am Weihnachtsabend von jeher die b e st e E i n - nahmequelle gewesen, und es wird der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die Lagerbestände, die für das Weihnachtsgeschäft hereingenommen sind, nicht abgesetzt werden können. Aehnliche Ansichten werden in den Einzelhandelsgemeinschaften im Reiche geäußert. Besonders Konfitüren-, Par- fümerie-, Bijouterie- und Herrenausstattungsgeschäfte glauben an eine nicht unempfindliche Störung ihres Geschäftes durch die Verkürzung der Geschäftszeit. Richt ganz mit Unrecht find die Geschäftsinhaber darüber aufgebracht, daß es teilweise dem Straßenhandel gestattet ist, bis 7 Uhr zu verkaufen, da dieser weder Gewerbesteuern zu zahlen hat, noch die großen Spesen für Geschäftsräume, Personal usw. zu tragen hat. Im Gegensatz zu der ablehnenden Auffassung des Einzelhandels wird die Neuordnung von den Angestelltenorganisationen selbstverständlich begrüßt. Die Warenhäuser der Großstädte und die größeren Geschäfte vertreten im übrigen den Standpunkt, daß durch den früheren Ladenschluß für sie keine Geschäftsbeeinträchtigung entsteht, weil sich bei ihnen erfahrungsgemäß in den letzten Stunden kaum noch nennenswerte Umsätze verzeichnen lassen. Eine Eingabe der Hauptgemeinschast des Einzelhandels. Berlin, 12. Dez. (Priv.-Tel.) Die Hauptgemeinschaft des Einzelhandels hat sich mit einer Eingabe an den Reichsrat gewandt, damit dieser dem vom Reichstag beschlossenen Gesetz des früheren Ladenschlusses seine Zustimmung versage. Begründet wird diese Forderung mit der Tatsache, daß der M a r k t h a n d e l in das Gesetz nur insofern einbezogen ist, als den Landesregierungen empfohlen wird, im Markthandel den gleichen Ladenschluß am Heiligen Abend durchzuführen. Die Hauptgemeinschaft nimmt den Standpunkt ein, daß diese Regelung für den Marktoerkehr praktisch bis zum Heiligen Abend überhaupt nicht mehr durchzuführen ist. Dadurch würden die Ladengeschäfte, die früher schließen müßten, gegenüber dem Markthandel stark benachteiligt werden. Reichslandbund und Volksentscheid. Berlin. 11. Dez. (XU.) Die Pressestelle des Deichslandbundes teilt mit: ..Der Reich-landbund seht sich in Fortführung der durch das Volksbegehren eingeleiteten nationalen Aktion gegen Boungplan und Kriegsschuldlüge mit aller Energie dafür ein, datz die Beteiligung des deutschen Landvolkes am Volksentscheid zur stärksten Wirkung kommt. Das deutsche Landvolk bringt durch seine Stimmenabgabe am 22. Dezember 1929 in gesetzmäßiger Weise die Ablehnung des Voungplanes und seiner für die Landwirtschaft jetzt und auf Generationen hinaus unerträglichen Belastungen sowie seinen Protest gegen die Mißachtung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Landvolkes nachdrücklich vor aller Welt zum Ausdruck, insbesondere auch gegen den für den deutschen Osten verderblichen paraphierten Polenvertrag. Indem der deutsche Bauer an diesem Tage die richtige Antwort nicht schuldig bleibt, stellt er das deutsche Volr in seiner Gesamtheit vor die klare Frage: Deutsche Führung oder marxistische Diktatur? Neun Monate Gefängnis im HirschLerger Eioiberg-prozeß. Verurteilung des Grafen Stolberg-Wernigerode wegen fahrlässiger TSlung. Hirschberg, 11. Dez. (WB.) In dem Prozeß gegen den Grafen Christian Friedrich zu Stolberg-Wernigerode ergriff zunächst Oberstaatsanwalt Engel zu seinem Plädoyer das Wort. Er wies darauf hin, daß hinreichender Verdacht nur für fahrlässige Tötung vorgelegen habe. Der Mordverdacht sei heute wohl im wesentlichen beseitigt. Der Angeklagte sei selbst daran schuld, daß der Mordverdacht noch heute von vielen im Publikum geteilt werde. Das lange Leugnen sei schwer verständlich. Aber der Angeklagte sehe nicht aus wie ein bereits 27jähriaer, und auch nicht wie ein Mörder. E-s sind Motive für einen Mord nicht zu finden. E-s spricht nicht dafür, daß die Vermögensverhältnisse Gründe für einen Mord geliefert haben können. Er müsse auch die Frage glatt verneinen, ob die sonstigen Familienverhältnisse einen Grund für den Angeklagten, zu der Tat gegeben haben tonnten. Der Angeklagte hätte von dem Tode seines Vaters in keiner Weise finanzielle Veränderungen erhoffen können. Zwei Momente müssen das Strafmaß herabdrücken. Die bisherige Unbestraftheit und die Tatsache, daß der Angeklagte kein vollwertiger M e n s ch gewesen sei. Der Angeklagte habe grob fahrlässig gehandelt. Er mußte sich sagen, daß ein Schuß immer losgehen kann, wenn man im Zimmer scharf ladet. Staatsanwaltschaftsrat Felsch beantragte gegen den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung eine Gefängnisstrafe von einem Jahr drei Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Luetge- b r u n e führt u. a. aus: In erfreulicher Unparteilichkeit hat die Staatsanwaltschaft darauf hingewiesen, daß kein einziges der Verdachtsmomente, die anfangs gegen den Angeklagten erhoben wurden, bestehen bleiben kann. Das ungewöhnliche Verhalten des Angeklagten ergibt sich aus dem Affekt, der den Angeklagten zwang, nicht die —niaT-m-tpr-w uMjeaiMWimm.mm m i I tr Schuld, sondern d i e Täterschaft abzuleugnen. Es war allgemein ül^ich bei den Stolbergs, mit geladenem Gewehr in? Zimmer zu hantieren. Ich komme zu dem Schluß, daß hier eine strafrechtlich zu ahndende Tat nicht vorliegt. Es handelt sich um einen unglückseligen Jungen, dem das Mißgeschick passiert ist, daß er sich selbst die Schuld am Tode seines heißgeliebten Vaters beimessen wollte. Diese Schuld kann ihm kein Freispruch abnehmen. Ich bitte um Freisprechung. Rechtsanwalt Rusche erklärt, der Angeklagte habe die mißliche Lage des Fideikommisses gekannt. Er habe auch gewußt, daß diese Lage durch den Tod des Vaters nicht verbessert, sondern sogar verschlechtert wurde. Das Gericht möge erwägen, ob es im Sinne des Straf- zwecks Lege, den Angeklagten zu bestrafen. Der Angeklagte erklärte: Ich bin schuld am Tode meines Vaters. Ich möchte nur sagen, daß es für mich ungeheuer schwer ist, und daß ich ungeheurer bestraft bin insofern, als mein lieber Vater, dem ich nur alles Liebe zu tun versucht habe, durch meine Hand den Tod gefunden hat. — Vorsitzender: Sie sind der Einzige von uns, der tatsächlich, wenn er will, den letzten Schleier von dem Dunkel des sog. Geheimnisses von Jannowitz enthüllen kann. Ist das nun wirklich alles, was Sie uns hier vom ersten Tage der Verhandlung an gesagt haben? — Der Angeklagte erwidert mit sehr fester Stimme: „Ja!" — Dann zieht sich das Gericht zur Beratung zurück. Nach 4^stündiger Beratung wurde durch Landgerichtsdirektor Hönsch als Vorsitzendem des.Hirschberger Schöffengerichts unter atemloser Spannung folgendes Urteil verkündet: Der Angeklagte wird wegen fahrlässiger Tötung zu einer Gefängnisstrafe von neun Monaten, worauf die 45tägige Untersuchungshaft voll angerechnet wird, sowie zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Der Angeklagte hat gegen das Urteil B e r u n g eingelegt, lieber die Bewährungsfrist wird vom Gericht erst nach Rechtskraft des Urteils entschieden werden. Sparmaßnahmen der hessischen Regierung. Beförderungsfperre für Beamte. Darmstadt, 12.De}. (MTV.) Den hessischen Beamtenorganisationen ist von dem folgenden Beschluß des hessischen Gesamtministe- r i u m s Kenntnis gegeben worden: Dis zur Beschlußfassung über die R o t m a ß n a h m e n, die wegen der ungünstigen Finanzlage des Staates vorgesehen werden müssen, sollen Anstellungen und Beförderungen hessischer Staatsbeamten unterbleiben. Die Berufung von Professoren der hessischen Hochschulen soll dadurch nicht ausgeschlossen werden. Auch können mit Zustimmung des Gesamiminisleriums die Stellen von Amksleilern und sonstige singuläre Stellen besetzt werden, wenn besondere Gründe dies ausnahmsweise notwendig machen. Durch diesen Beschluß werden Ausrückungen in höhere Gehaltsgruppen vorläufig unterbleiben. Das in der Besoldungsordnung vorgesehene Aufrücken in die einzelnen Stufen der Gehaltsgruppen nach Dienff- jahren wird jedoch davon nicht berührt. Aus dem Hessischen Landtag. Der Landtagsabgeordnete Dr. Werner (parteilos) bittet uns um folgende Ergänzung des Landtagsberichts vom 10. Dezember: 1. Abg. Dr. Werner (parteilos) hat nicht daran Anstoß genommen, daß die Demokraten in Sachen „Evangelische Landeskirche" einen Katholi.en vorschickten, sondern daran, daß dieser Redner (Abg. Schreiber) die evangelische Geistlichkeit kritisierte und glaubte, ihr gute politische Lehren erteilen zu müssen. 2. Abg. Dr. Werner hat ferner festgestellt, daß das Zentrum sich bei einer für die evangelische Kirche hochbedeutlamen Angelegenheit in Schweigen hülle, während die evangelischen Redner sich rückhaltlos bereit erklärten:, auch bei einer Vereinbarung mit der katholischen Kirche in gleicher Weise auch alle berechtigten Belange der Katholiken zu wahren. 3. Abg. Dr. Werner hat des weiteren fest- gestellt, daß die christlichen Kirchen unzweifelhafte Rechtsansprüche an den Staat hätten. 4. Abg. Dr. Werner hat schließlich sestgehallen, daß die sozialdemokratische Partei sich wiederholt ihren Pflichten als Regierungspartei entzogen und, als stärkste Stühe der Koalition, Vorlagen, die von sozialdemokratischen Staatspräsidenten eingebracht waren, einfach im Stich gelassen habe. So hat auch bei der Abstimmung über die Vereinbarung mit der evangelischen Landeskirche nur der kleinere Teil der sozialdemokratischen Fraktion für die Regierung gestimmt. 5. Aba. Dr. Werner hat schließlich bei der Frage der Rotariatsgebühren betont, daß ohne seine Initiative in Sachen der manchmal romanhaft hohen Rotariatsgebühren nichts geschehen wäre, und daß es unglaublich anmute, daß der Staat es seither geduldet habe, daß für eine einfache Deurkundungsgebühr b is zu 45 082 Mark bezahlt werden mußte! Der letzte Auswanderertransport in Eydtkuhnen. E y d t k u h n e n , 12. Dez. (WTB.-Funkspruch.) Heute nacht traf der neunte und letzte Transport deutsch-russischer Auswanderer in Eydtkuhnen ein. Er brachte 682 Personen, darunter 230 Kinder, mit. Auch diese Flüchtlinge gaben an, daß sich in Mos- kau noch etwa 2 0 0 0 deutsch stämmige Bauern befänden, die ebenfalls auswandern möchten, denen die russische Regierung aber die Allsreisegenehmigung nicht erteilen wolle. Mit der Abfertigung dieses Transportes, der heute abend 7.15 Uhr nach Hammer st ein weitergeleitet werden wird, ist die Tätigkeit des Eydtkuhner Hilfswerkes für die deutsch-russischen Auswanderer einstweilen beendet. Innerhalb 8 Tagen sind im Sanierungslager Eydtkuhnen insgesamt 5053 Flüchtlinge abgefer» tigt worden, eine Leistung, die restlose inerten- nung verdient. Das Sanierungslager wurde gestern vom Vorstandsmitglied des deutschen Roten Kreuzes, Oberst von Giese (Berlin) und einem Beauftragten des Internationalen Roten Kreuzes, dem schwedischen Kapitän Petersen (Paris), besichtigt. Beide Herren waren bei der Ankunft des neunten Flüchtlingszuges zugegen und gaben ihrer Anerkennung für die Arbeit des Eydtkuhner Hilfswerkes Ausdruck. Nie bayrischen Titel. Nach dem Spruch des Etaatsgerichtshoss. München, 11.Dez. (WB.) Lieber die Frage der Litelverleihungen und die jüngsten Verhano- lungen vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig berichteten in einer Pressebesprechung Staatsrat v. I a n und Ministerialrat Sommer. Cs wurde zum Ausdruck gebracht, daß Bayern die Entscheidung des Staatsgerichtshofes als unabänderlich hinnehmen werde. Politisch sei von großer Wichtigkeit, daß die Möglichkeit der Auslegung der Reichsverfafsung in diesem Punkte nichts weniger als eindeutig sei. Erst wenn die schriftliche Urteilsbegründung vdrliege, könne man überblicken, welche Folgerungen aus dem iirteil zu ziehen sind. Auf eine Frage über Die Höhe der bei den Titelverleihungen eingehenden Geldbeträge und ihre Verwendung wurde mitgeteilt, daß ausschließlich gemeinnützige, charitative, kulturelle und erzieherische Zwecke berücksichtigt wurden. Das kleinere Llebel. Ministerpräsident Held über die Beseitigung eines Eisenbahngleises in der Pfalz. München, 11.Dez. (WB.) In einer Anfrage der Nationalsozialisten war die Regierung befragt worden, ob es ihr bekannt sei, daß die französischen Besatzungstruppen die Zerstörung der pfälzischen Eisenbahnlinie vorgenommen haben, und was die Regierung gegen den schnöden Rechtsbruch der französischen Besatzung zu unternehmen gedenke. Hierauf teilte Ministerpräsident Held mit: Bei dem Abbruch des zweiten Gleises auf der kurzen Teilstrecke Obernheim — Münster am Stein handelt es sich um die Durchführung einer Vereinbarung der Reichsregierung mit der Botschafterkonferenz. Der Verkehr dieser Strecke kann auch bei eingleisigem Betrieb vollständig und reibungslos bewältigt werden. Von der Botschafterkonferenz wurden bei den bezüglichen Verhandlungen verschiedene andere Zugeständnisse, insbesondere die bisher verweigerte Genehmigung zum Bau der drei neuen Rhein- brücken bei Ludwigshafen, Speyer und Maxau, erreicht. So sehr der Abbau des Gleises auch von der bayerischen Regierung bedauert werde, so erscheine doch bei der Abwägung aller Umstände gegeneinander diese Maßnahme gegenüber einer weiteren Verzögerung des Rheinbrückenbaues als das kleinere Hebet Frankreichs verschleierter Heeresetat. Die Verwendung der deutschen Reparationszahlungen. Berlin, 12. Dez. (Priv.-Tel.) Es fällt schon seit Iahrrn auf, daß d ie Aufwendungen Frankreichs für seine Landesverteidigung nicht mit den jeweils im Heeresetat vorgesehenen Ausgaben in Einklang zu bringen sind. Wiederholt wurde die Vermutung ausgesprochen, daß Frankreich mit falschen Ziffern operiere. Hieb- und stichfeste Beweise dafür ließen sich aber nicht erbringen. Jetzt ist jedoch in der Kammerdebatte von zwei Abgeordneten darauf hingewiesen worden, daß Frank- rich tatsächlich etwa zwölf bis fünfzehn Milliarden für militärische Zwecke verausgabe, das wären also rund siebzig Prozent des französischen Budgets. Aach ihren Angaben sind die Etats einer Reihe von Ministerien dazu benutzt worden, um in ihnen Ausgaben für das Heer und die Marine unterzubringen. Diese Feststellungen dürsten den Tatsachen entsprechen. Es hat sich ja auch kürzlich erst in Polen herausgestellt, daß nicht allein im Heeresetat, sondern au-ch in den Etats fast aller anderen Ministerien Heeresausgaben sich befinden. Obwohl Frankreich oemnach in der Lage ist, mit den übrigen dreißig Prozent seines Etats alle anderen Staatsausgaben zu bestreiten, weiß es nach wie vor im Ausland den Eindruck hervorzurusen, als seien seine Kriegsschäden noch immer nicht beseitigt und als könne es unter keinen Amständen auf die deutschen Reparationen verzichten. Wozu es Deutschlands Zahlungen gebraucht, liegt nach diesen Enthüllungen in der Kammer auf der Hand. Daß aber trotzdem die Ministererklärungen, wonach Frankreich angeblich am stärksten ab gerüstet habe, im Ausland Glauben finden, ist mehr als merkwürdig. Der Sklarekftandal. TreDifziPlinarvcrfahrengegendieStadträte Busch und Haebel werden eingestellt. Berlin, 12. Dez. (Priv.°Tel.) Wie Oberregierungsrat Tapolski mitteilt, wird das Disziplinarverfahren gegen die Stadträte Busch und Gaebel nicht zur Durchführung kommen. Da beide unbesoldete Magistratsmitglieder sind und nicht mehr kandidieren, verlieren sie nach der im Januar erfolgenden Reuwahl der ehrenamtlichen Stadträte ihren Beamtencharakter. Das Disziplinarverfahren gegen sie kann aber bis zu diesem Zeitpunkt nicht erledigt sein, infolgedessen wird es eingestellt werden. Mit der Voruntersuchung in den meisten übrigen Fällen ist OberregieruNgsrat Tapolski noch vor Weihnachten fertig, so daß das Disziplinargericht alsbald zusammen- treten kann. Der Rest j^er Verfahren, darunter auch dasjenige gegen den Oberbürgermeister, wird im Januar zum Abschluß gebracht. Oie Düsseldorfer Morde. Ein im Zusammenhang mit der Düsseldorfer Mordaffäre in Rowawes festgenommener Knecht Georg Riestroy wurde im Berliner Polizeipräsidium vernommen. Rach seinen Bekundungen hat er bis zum 12. August in Stindelmühle gearbeitet, die Stellung aber dann aufgegeben, weil ihm der Verdienst zu gering war. Er wanderte nach der Schweiz und fand Arbeit in Schaffhausen. Kurze Zeit darauf überschritt er wieder die deutsche Grenze und fand Beschäftigung in Ohligs. Hier bliHb er nur einen Monat, dann wurde ihm gerünöigt. Jetzt wanderte er über Hannover und Halberstadt bis Potsdam, Der Verdacht gegen ihn bringt ihn in Zusammenhang mit dem Verschwinden und der Ermordung der Hausangestellten Maria Hahn, die feit dem 11.August vermißt wurde. 2m Besitz des Riestroy wurde eine Eintrittskarte für das Ap o l l o th e a t er in Düsseldorf gefunden, die am 11. August ausgegeben ist. Er muß also an diesem Tage iit Düsseldorf gewesen sein. Auffällig ist, daß er a m 7. Rovember, dem Tage, an dem die kleine Albermann ermordet wurde, ebenfalls in der Rähe der Stadt war. Das Material der Vernehmung wird nach Düsseldorf zur Prüfung weitergegeben werden. Riestroy bleibt bis zum Eintreffen der Entscheidungen in Gewahrsam. Oie Weiiei-Iaqe. hl.bezemt?. 19297" abds.F^, "[76* , . j4£[----3 bdsi: iydlSfiord- Oslo ADrrdetn -4- TJIL ’Hordö^an nf' -*r-< inorshavyar ---4--- -66- X > ierlln '-te 5 mt Qenf ~ba Coruna ■ ■ — Ultrj, _ O MamDQ. ©woiicenios. (3 netter. <>nalb beoecnt. A woiKtg. • oedecKt * Schnee a Graupem - «ebei K Gewitter.(§)Wind$tiiie.O-. sehr eicnte» Ost y nassige» Südsüdwest Q siurmiscner tordwesl die »feite fliegen mit dem wmae. Pie neiden Stationen stehenden Zähen geben die Temperatur ab Die Limen verbinden Orte mit gleichet- «at netresmveau umoereenneten Lultdruct 'L6ett?rvocuussagc. Der neue Wirbel bewegt sich ostwärts nach Süd- skandinavien weiter, an seiner Südseite herrscht im Laufe der Isobaren entlang verbreiteter Weststurm und wechselhaftes Wetter mit Schauern. Auch treten über den Britischen Inseln Gewitterbildungen in Erscheinung. Der unfreundliche Witterungscharakter mit stürmischer Luftbewegung dauert zunächst noch fort. Dabei geht die Temperatur durch Luftzustrom aus höheren Breiten langsam zurück. Die Bewölkung ge» stallet sich ferner wechselhaft, vorübergehend tritt Aufheiterung ein. Gelegentliche Schauer, jedoch mehr vereinzelt, treten auf, für später steht jedoch eine Beruhigung der Wetterlage in Aussicht, zumal von Südwesten'her stärkerer Druckanstieg sich bemerkbar macht. Wettervoraussage für Freitag: I?.imer noch unbeständiges, wechselhaft wolkiges Wetter mit Aufheiterung, zunächst zeitweise stürmisch, später abflauend, etwas kühler, einzelne Regenschauer. Wettervoraussage für Samstag: Etwas ruhigeres Wetter bei weiterer Abkühlung wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 11. Dezember: mittags 7,7 Grad Celsius, abends 8,7 Grad: am 12. Dezember: morgens 9,2 Grad. Maximum 8,8 Grad, Minimum 7,6 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. De- zember: abends 5,0 Grad, am 12. Dezember: morgens 5,0 Grad Celsius. — Riederschlag 11,3 nun. — Sonnenscheindauer y4 Stunde. Aus der Provinzialhauptstadt Dieben, den 12. Dezember 1929. Wie man sich das Leben versüßt. Ja, das ist schon eine große Kunst. Jeder bemüht sich auf seine Weise in ihr, und das Wie und Wodurch sind so mannigfach und bunt, wie das ganze Leben selbst. Wer um Weihnachten nimmt dies Bestreben feste, begrenzte Formen an. Unb es sind die Hausfrauen und die Konditoren, die wissen, was verlangt wird und was man von ihnen erwartet: und infolgedessen herrscht Hochbetrieb aus der ganzen Linie bei ihnen. Wenn sich zwei Hausfrauen jetzt um die Weihnachtszeit begegnen (oder wenn mehrere von ihnen tatsächlich noch die unwahrscheinliche -Zeit zu einem Kaffeekränzchen haben sollten), dann fragen sie kaum: „Wie geht es Ihnen?", sondern „Werden Sie auch Christstollen backen?" Uni) dann tauschen sie' im Verlaufe dieses brennend aktuellen Themas ihre Erfahrungen, und wenn sie sehr befreundet sind, vielfach auch ihre Rezepte aus. Jede Familie hat ihr eigenes, und jede natürlich das beste. Jedes besteht aus Mehl, Milch, Fett, Zucker, Rosinen, Mandeln und -Zitronat und der treibenden Kraft, der Hefe. Und trotzdem schmecken alle Stollen bei allen Menschen anders. Das erscheint geheimnisvoll. Aber vor Weihnachten ist das Geheimnisvolle gerade das Ratürliche. Außer dem Stollen wird noch vieles andere in häuslicher Kunst hergestellt, um das Leben zu versüßen. Da ist das kleine Gebäck, vielfach Spekulatius genannt, an innerem Gehalt und äußerer Form weit mannigfacher, als der solide Stollen. Und hier ist die Hausfrau nicht allein auf sich selbst gestellt. Hier treten die Kinder als helfende, störende, in ihren Augen aber immer ungeheuer wichtige, Hilsstruppen ein. Es gilt auszustechen. Richt einander. Dehülel Rein, die vielen Formen der Sterne und Herzen, der Kringel und Weihnachtsmänner, der Häschen und anderen Tiere. Auch Marzipan wird gebacken, schlichte Kartoffeln und prunkvolle Herzen mit Zuckerguß, und Quittenörot wird hergestellt — Brot und Kartoffeln — alles süß — um Weihnachten. Doch nicht jede Hausfrau form oder mag backen. Und es gibt ja außerdem auch noch einzelstehende weibliche Wesen, nicht zu vergessen die gesamte Männerwelt, die sich selbst, oder schenkend anderen das Leben versüßen wo en. Und für sie waren und sind die Zuckerbäcker und Konditoren in eifriger Tätigkeit. Man steht vor den Auslagen und bewundert, wählt, schwankt und möchte am liebsten von allem kaufen. Die zahllosen Päckchen Rürnberger und Thorner Lebkuchen, die weißbepuderten Stoll n, das Königsberger Marzipan, die Torten mit bunten Früchten, die geradezu künstlerisch verziert -sind. Tannenzap en aus Scho ola?e, Ma r nm, Pfeffe.'- nüsse mit weißem, rosa oder gar keiren Guß, Honigkuchenherzen mit Schokolade überzogen, Pflastersteine, Weihnachtsmänner mit gütigem Lächeln und grasgrünen Tannenbäumen, Herren mit bedeutungsvollen Inschriften „Ich licke Dich", oder „Dein für ewig". Wahrhaftig, wer bei der (hier angedeuteten) Fülle nicht das Seine her- aussindet, dem ist einfach nicht zu helfen. Ratürlich braucht man Zeit und Geld zum Vacken und Kaufen. Das weiß ich wohl. Und weiß ebenfalls, daß jeder klagt, kein Geld und keine Zeit zu haben. Trotzdem aber wird, in diesem Jahre genau wie in allen andern, gebacken und gekauft, und wenn das geheimnisvoll erscheinen sollte, erinnere ich an das Vorhergesagte: um Weihnachten wird das Erstaunliche und Geheimnisvolle gerade das Ratürliche. Und wenn dann das Fest gekommen ist, wird auf dem Kaffeetisch der (bestimmt wohlgelungene!) Stollen prangen, der festliche Tisch wird mit Tannenzweigen und Lichtern geschmückt sein, und zierlich verteilt werden Herzen und Kartoffeln, Weihnachtsmänner und Pflastersteine, Leckerli und Katharinchen, Sterne und Häschen sich auf den bunten Schüsseln friedlich miteinander vertragen. Der Baum wird brennen, und der Duft von Weihnachten, vertraut und fein, wird über dem Ganzen schweben. Eva v. M a s s o w. Daten für Freitag. 13. Dezember. Sonnenaufgang 7.57 Uhr, Sonnenuntergang 15.51 Uhr. — Mondaufgang 13.50 Uhr, Monduntergang 3.51 Uhr. 1769: der Dichter Christian Fürchtegott Gellert in Leipzig gestorben; — 1797: der Dichter Heinrich Heine in Düsseldorf geboren; — 1836: der Maler Franz von Lenbach zu Schrobenhausen in Oberbayern geboren; — 1863: der Dichter Friedrich Hebbel in Wien gestorben. Gießener Wochemnarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 210 bis 220; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 15 bis 20; Weißkraut 10 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 25 bis 35; Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 45; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 50 bis 80; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 50 bis 80; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 41/» bis 5; Aepfel 10 bis 15; Birnen 10 bis 15; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Gänse 100 bis 130; Rüsse 50 bis 80; das Stück: Tauben 70 bis 90; Blumenkohl 50 bis 100; Endivien 10 bis 40; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 40; Kisteneier 17 bis 18; frische Landeier 19 bis 20 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3,80 bis 4; Wirsing 10 bis 12; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 10 bis 12; Aepfel 10 bis 12; Dirnen 8 bis 10 Mark. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Christliche Versammlung Gießen: Oeffentlicher Vortrag „Verloren — Gefunden", 20.15 Uhr, Lindenplatz 1. — Lichtbildervortrag „Von der Aufnahme bis zum fertigen Bild", 20 Uhr, im Caf6 Leib. — Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei: Oeffent- liche Versammlung, 20 Uhr, im „Postkeller". — Damen-Vereinigung 1877/78—1928: Versammlung in der „Stadt Mainz", 20 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Faschingsprinz" und „Das Geheimnis der Carlton-Bank". — Astoria-Lichtspiele: „Besondere Kennzeichen" und „Das rote Brandmal". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In dem an morgigen Freitag im Stadttheater.als Erstaufführung in Szene gehenden Lustspiel „Der Deilchenfresser" von G. v. Moser verlegt die Spielleitung das Zeitbild der Handlung in das Jahr 1890, ein Milieu, wie es uns ungefähr aus der Operette „Die Fledermaus" oder aus „Die Journalisten" bekannt ist. Die Spielleitung hat Oberspielleiter Hans Tannert, zugleich Träger der Hauptrolle des luftigen Husarenleutnants Victor v. Bernst. Es wirken mit die Damen: Heß, Jahn^ Jüngling, Koch, Scherer und die Herren: Dommisch, Haeser, Heitzig, Linkmann, Ritter, Seitz, Volk, Wahlen, Wesener und Zingel. — Einführung in das Weihnachtskonzert. Die Volkshochschule veranstaltet unter Leitung des Universitäts-Musikdirektors Dr. Temesvary eine Einführung in das Weihnachtskonzert des Konzertvereins. Die Veranstaltung findet im Singsaal des Realgymnasiums am Sonntag um 20 Uhr statt. Räheres in der heutigen Anzeige. — Vorträge über Friedrich Rittelmehe r. Der zweite der angekündigten Vorträge zur Frage: „Was hat Friedrich Rittel- meyer unserer Zeit zu sagen?", findet am Freitag, 13. Dezember, 20.15 Uhr, statt. Lic. Robert Goebel spricht zum Thema: „Meditation und Selbsterziehung". Räheres in der heutigen Anzeige. • ** Personalien. Durch Entschließung des hessischen Justizministers wurden der Notar Dr. Ernst Rosenberg in Gießen zum Mitglied des Disziplinarhofes für Notare für die Jahre 1930, 1931 und 1932, zum stellvertretenden Mitglied dieses Disziplinarhofes der Notar Dr. Kurt Spohr in Gießen ernannt. Ferner ernannte der Justizminister die Notare Otto Jockel in Friedberg und Theodor B e i l st e i n in Grünberg zu Mitgliedern der Disziplinarkammer für die Notare der Provinz Oberhessen für die Jahre 1930, 1931 und 1932, zu stellvertretenden Mitgliedern dieser Disziplinarkam- mer die Notare Jmmo Albrecht in Gießen und Dr. Karl Brücher in Bad-Nauheim. — Ernannt wurden der Polizeihauptwachtmeister auf Probe Ernst Münk zu Gießen zum Polizeihauptwachtmeister mit Wirkung vom 16. November ab, die Polizeihauptwachtmeister Hans R i e n h a r d t und Heinrich Liebermann zu Gießen zu Kriminal» Hauptwachtmeistern mit Wirkung vom 1. Dezember ab, der Gendarmeriehauptwachtmeister auf Probe Wilhelm Schäfer zu Butzbach zum Gendarmeriehauptwachtmeister mit Wirkung vom 1. November ab. — In den Ruhestand versetzt wurde der Rektor an der Volksschule zu Lollar, Otto Da ab, auf sein Nachsuchen vom 1. Januar 1930 ab. — Versetzt wurde der Landwirtschaftsrat Dr. Wilhelm Bäumer beim Landwirtschaftsamt zu Heppenheim in gleicher Diensteigenschaft an das Landwirtschaftsamt zu Büdingen mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts an. ** Ihren 85. Geburtstag begeht am morgigen Freitag Frau Helene Appel, Johannes- straße 16 wohnhaft, in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Die alte Dame macht bei gutem Wetter noch stets ihre Spaziergänge. ** Straßensperrung-Aufhebung. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßenstrecke Nieder-Ohmen — Bernsfeld ist aufgehoben worden. ** D i e zweite Andacht für evangelische Studenten findet am Freitag, 13. Dezember, 20.15 Uhr, in der Alten Friedhofskapelle, Licher Straße, statt. Diese Adoentsandacht wird von Prof. D. Dr. L. Cordier gehalten. Der Gießener Singkreis wird drei Adventslieder fingen. •* Oberhessischer Kun st verein. Bei der am 10. Dezember stattgehabten Jahresverlosung wurden unter die Mitglieder 9 Anrechtscheine und 17 Kunstgcgenstände, insgesamt 26 Gewinne im Gesamtwert von etwa 1200 Mk., verlost. Anrechtschei ne entfielen auf: K. Bän- ninaer (150 Mk.), I. Kreuter (100 Mk.), A. Wettläufer (50 Mk.), Frau Kommerzienrat Mueller (50 Mk.), Prof. Rosenberg (50 Mk.), Dr. Binsack, Oekonomierat Hoffmann (25 Mk.), W. Hollmann (25 Mk.), Fritz Schlüter (25 Mk.). Kunst» gegen st ände gewannen: Frau Emilie Bän- ninger, Heinr. Hettler Erben, L. Habermehl, Frau L. Barthel, W. Reusch, O. Hirz, Frau Heddy Schön, W. Bücking, Dr. Werner Bock, Ernst Schmidt, Frau M. Corvinus, Pfarrer Dechtols- heimer, Professor Gundermann, Geheimrat Sommer, Dr. Szubinski, Stadtschulrat Fischer, Frau K. Schwöbel. Die Gewinne können während der bekanntgegebenen Ausstellungszeiten im Turmhaus am Drandplah gegen Rückgabe der Scheine in Empfang genommen, die Anrechtscheine bereits zu Ankäufen in der derzeitigen Weih- nachtsausstellung „Künstlerhilfe 1 9 2 9“ verwendet werden. Die Ausspielung für letztere findet am 20. Dezember statt. Lose zu 50 Pf. sind noch immer, insbesondere an der Ausstellungskasse, erhältlich. Weiterer Absatz ist im Interesse der ausstellenden Künstler sehr erwünscht. " Vorträge über Friedrich Ritte l- meyer. Man berichtet uns: Im ersten der angekündigten Vorträge zur Frage: „Was hat Friedrich Rittelmeycr unserer Zeit zu sagen?" behandelte Lic. Robert Goebel das Thema: „Der Ruf der Gegenwart nach Christus". Er zeigte, wie Rittelmeycr sich einerseits bemüht, gani und gar mit dem Geiste der Zeit zu leben. Dessen Auswirkungen können nach drei Seiten hin charakterisiert werden: die heutige Zeit ist durch die naturwissenschaftliche Erziehung zu einem Sinn für die Wirklichkeit ganz b:sonders erzogen worden; sie ist zu einer b sonderen Betonung des eigenen Ich und der Persönlichkeit gekommen; sie tut in der Entfaltung der Technik einen ganz besonderen Willen zur Erdbeherrschung kund. Rittelmeyer bejaht diese gegebenen Vorbedingungen, indem er sie aber zugleich aus der Kraft eines weitumfassenden Christentums von ihrer Echse.tigkcit und ihrer Erdgebundenheit zu erlösen sucht. Der erworbene Sinn für Erdenwirllichchit kann dann auf überirdische Tatbestände, auf die übersinnliche Welt angewcndet werden. Hierin sieht Rittcl- meher den Dienst Rudolf Steiners an der Gegenwart, daß er eine Erkenntnisart begründet hat, welche aus der Kraft des Christentums heraus, die Wirklichkeit und die Wirksamkeit der übersinnlichen Welt zu bestätigen und in Klarheit zu erforschen vermag. Die Jchbetonung der Zeit wird dann sinnvoll, wenn das Ich sich als bloßes Gefäß erkennt, das berufen ist, einen höheren Inhalt in sich aufzunehmen. Davon spricht das Johannes-Evangelium, wenn dort der Christus in besonderer Betonung ein göttlich erfülltes erstrahlen läßt, mit dem sich der heutige Mensch innerlich zu verbinden vermag. Der Wille zur Erdherrschaft wird dann erlöst, wenn er sich von dem christlichen Erdenziel bestimmen läßt: nicht an der Erde Raubbau treiben, sondern sie zu wandeln im Sinne der Verklärung. Das ist der Inhalt eines aus der Gegenwart errungenen, sakramentalen Christentums, auf das Rittelmeyer als Hilfe für die Gegenwart hinzuweisen sich bemüht. ** Eine neuartige Firmenlichtschrift hat das Schuhhaus Süß, Marktstraße, an seiner Geschäftshausfront nach der Mäusburg zu angebracht. Es handelt sich dabei um eine Neon-Licht- schrift, die in rpter Farbe,erstrahlt und in dieser Art die erste Lichtschriftanlage in unserer Stadt ist. Berliner Börse. Berlin, 12. Dez. (WTB. Funkspruch.) Der heutige Frühverkehr lag in Erwartung der Auseinandersetzungen im Reichstage naturgemäß äußerst zurückhallend und vollkommen umsatzlos. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,97, London gegen Mailand 93,24, London gegen Spanien 35,05, London gegen Kabel 4,8815 zu 4,8820, London gegen Berlin 20,3913 bis 20,3940, Kabel gegen Berlin 4,1770. Donnefeldts IX ist und bleibt V&o das beste *vv Morgen-und Abendgetränk. MW Warum nur die Nachbarschaft beliefern ... . ? Warum nicht die ganze Stadt? DlE Stammkundschaft in Ihrer Nähe weiß, daß Ihre Waren erstklassig sind. - im anderen Stadtviertel weiß niemand davon.... Sie könnten so einfach alle Stadtbezirke für sich gewinnen, wenn Sie einen schnellen Liefer- oder Lastwagen hätten, der in OPEL- I C Generalvertretung gg Gießen Frankfurter Straße 52/56 Telephon 2487 und 3013 Butzbach Telephon 146 Wetzlar Braunfelser Straße 69 Telephon 2606 9908A OPEL FÜHRT ZUM ERFOLG! kürzester Zeit Ihre Waren in der ganzen Stadt verteilt!... Eine telefonische Bestellung von irgendwo, und Sie könnten sagen: Jawohl, sofort!“.... Fragen Sie bei dem nächsten Opelhändler nach den erleichterten Opel-Zahlungsbedingungen!... Er hat gerade den richtigen Last- oder Lieferwagen für Sie!.... 4 PS Lieferwagen für 200 kg Nutzlast. V|2 Tonnen- und l3]* Tonnen - Lastwagen, alle mit den verschiedensten zweckmäßigen Aufbauten. . Dies sind dieWagen, die bereit sind, für Sie zu arbeiten. Neu-Eröffnung! Meinem Friseur-Geschäft habe ich einen Damen-Frisier-Salon angeschlossen. 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Nieder-Bessingen, den 12. Dezember 1929. Gegen Rückgabe dieses Inserates erhalten Sie einen Gutschein. J956A 12-Zhl-VdIhi. mit Küche zu mieten ges. (Lchr. Angel), n. 07956 a. d. Gies;. Anz. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ In tiefer Trauer: Auguste Wittich nebst Angehörigen. ffloijuiino zum Frühjahr. Evil. Abstand, Umzugsk. u. Mtetvorautzzahlg. Wohnungsschetn. Sckr. Angeb. unter 07961 n. d. Gn. Anz. Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstraße, Ecke Wolkengasse, Telephon 3403. Fisch-Zentrale Marktlaube. Freitag vormittag la frische Seefische und 07957 Fisch-Filets 3. & A. Beröen, Telephon 2295. Junger Kaufmann sucht für sofort möbliert. Zimmsr eotL mit Pension. Schrift!. Angeb. unt. 07963 a. d. GH. Auz. Reiche Auswahl in Pralinen- Packungen und ff. Marzipan von ersten Firmen empfiehlt Schokoladenhaus Weihl Inhaber August Stöckel Seltersweg Nr. 50 / Ecke Wolkengasse Weine Rotweine........ Flasche ISS Balaga........Flasche LS Samos.........Flasche 1.LS Stadttheater Freitag, 13. 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Gew Nr. 3 97 279 66 661 54 12 2< 286 56 664 30 22 9 298 53 669 76 24 32 31t 44 692 11 37 83 318 61 709 81 39 89 324 88 714 28 54 80 340 42 721 36 63 24 368 31 733 64 69 93 371 96 736 82 77 25 391 99 739 98 91 95 39i> 65 749 85 97 40 397 21 752 50 103 35 409 55 758 48 114 3 437 57 765 69 115 d 456 91 771 43 127 5 465 72 774 73 133 33 468 7 788 45 152 18 477 90 838 8 160 34 478 2 843 16 162 4 489 17 858 10 168 19 504 92 878 62 190 41 505 20 885 52 193 15 506 6 887 12 197 100 517 60 895 26 199 38 528 70 909 86 202 87 533 37 921 79 205 14 542 47 925 68 235 75 546 46 926 22 239 78 566 49 933 51 242 63 625 77 934 67 256 39 629 71 936 58 259 84 636 94 953 13 264 29 637 74 275 59 644 27 Die Gewinne können Freitag, de Gestimmt und repariert wird Ihr Piano, Flflfiel od. Harmonium preiswert u. gut durch Lis'A Pianohaus Schönau Giefaen Seltersweg 91 Tel. 3269 Dillenburg Marktstraße 7 Tel. 367. Kaufgesuche Wien *a§en en Felle ‘^erzuwkk. ers billig! 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Moskau, Dezember 1929. i Russland hat. das ist heute nicht mehr zu be- | streiten, ganz überraschend in der Mandschurei einen grossen Erfolg davongetragen. Cs ist ihm i gelungen, den mandschurischen Machthaber Tschanghsueliang zu zwingen, sich mit den j russischen Unterhändlern erneut an einen Tisch I zu sehen und anzubieten, den Status quo an der chinesischen O st bahn wieder herzustellen. Damit ist die Lage in der Mandschurei wieder einmal eindeutig zugunsten der Russen verschoben, da auch alle späteren Intrigen der Grossmächte kaum dazu ausreichen dürften, um diesen ersten russischen Erfolg rückgängig zu • machen. Meder der Rankingregierung noch den Japanern, noch Washington bürte es einfallen, , den „ Stieben“ in Ostasien ernsthaft zu stören, falls nicht etwa bie Russen über bie Wieberher- stellung des Status quo an ber Eisenbahn hinaus Forderungen stellen. Es ist bemerkenswert, wie die Russen diesen Erfolg erzielt haben: durch Einsatz brutalster militärischer Macht nach bewährter ^zaristischer" Methode, ja sogar ohne formale Kriegserklärung. Das russische Dorgehen ist jedoch nicht so widersinnig, wie es scheint. Da I der Feldzug in der Mandschurei kurz vor Anbruch des Winters begonnen wurde, noch | dazu in einem Lande, das einen dem sibirischen I lehr ähnlichen Winter kennt, schienen zwar die I militärischen Aussichten des russischen Dorstosses an sich sehr gering zu sein. Aber die russische I Armee, jedenfalls die an dieser Stelle eingesetzten sibirischen Elitedivisionen, hätten den Winter In der Mandschurei nicht als ungewöhnlich ernp- sunden. sondern sind von ihrer Heimat her noch I Härteres gewohnt. Das wäre hingegen mit den । einzigen, ernsthaft in Betracht kommenden Geg- ; 'nem der Russen, den Japanern, nicht der i Fall gewesen, also der einzigen Macht, die imstande gewesen wäre, den chinesischen Divisionen | den erforderlichen Rückhalt zu geben. Der mandschurische Winter ist eben für die südländischen apaner zu hart, so dass in dieser Zeit die japa- ische Politik militärisch stark behindert ist. Infolgedessen ist aber auch die russische Offensive gerade im Winter besonders gefährlich für die Chinesen, da zu dieser Zeit niemand ernsthaft auftreten kann, der den Russen Widerstand cnt- i aegenzusetzen vermag, um so mehr, wenn die Offensive der Russen so geführt wird, wie das Diesmal der Fall war, dass nämlich die einzigen Kohlenbergwerke in der Mandschurei bei Dalainor, bie bie Kohlen für bie gesamte chinesische Ostbahn liefern, gleich zu Beginn von bcn Russen besetzt würben unb damit bas ganze mandschurische Cisenbahnsystem lahm gelegt tvird. Hinzu kommt jedoch, bah bie politische Situation sich für die Russen seit ber Beschlagnahme ber ostchinesischen Bahn im Frühjahr des Jahres verschoben hatte. Als seinerzeit Tschanghsueliang, der chinesische Machthaber in der Mandschurei, die russischen Beamten der vstchincsischen Bahn vertrieb oder sie in Internierungslager sperrte, war China einig. Tschangh- fueliang konnte daher damit rechnen, dass ihm die Rankingregierung im Kriegsfälle Truppen senden oder doch zumindest „moralisch" zu Hilfe kommen toürbe. Das war in dem Augenblick, in dem bie Russen ben General Blücher gegen die Ostbahn in Bewegung setzten, nicht mehr möglich. Ganz abgesehen davon, dass der Winter auch die Chinesen, ähnlich wie bie Japaner, bei Truppenverschiebungen klimatisch behindert hätte, mußte Tschanghsueliang zur Zeit des Eingreifens der Russen befürchten, dass der chinesische Bürgerkrieg jede Hilfe der Rankingleute uinmöglich machen würde. Zwischen der Mandschurei und der chinesischen Zentralregierung standen damals (und stehen auch noch heute trotz des Waffenstillstandes!) der christliche General Feng und der Mustergouverneur Den von Schansi, die beide der Rankingregierung nicht gerade wohlwollend gesinnt sind — Feng ganz offen, Pen mehr im geheimen. Dieser Kampf nahm in dem Augenblick, in dem bie Sowjet-Union in ber Man- bschurei einfiel, olle Kräfte der Rankingregierung in Anspruch unb machte es ihr unmöglich. Gelb unb Waffen nach bem Rorden zu fenben ober auch nur burch aussenpolitische Interventionen die Dinge zu beeinflussen. Denn solange sie selbst im Lande keine unbestrittene Autorität hatte, war es ihr eben kaum möglich, dem Auslande gegenüber zu behaupten, dass bie Rankingregierung auch für den mandschurischen Machthaber zu sprechen berechtigt sei. Roch heute ist es ja nicht ganz klar, wer denn nun eigentlich mit ben Russen bie Fricbensverhandlungen führt, ob bie Regierung von Ranking ober Mukden. Infolgebessen waren auch bie Japaner hindert. Rachbem sie einmal grundsätzlich zu- gestanden haben, dass die mandschurische Frage auch in ben Machtbereich ber Rankingregierung fallen mühte, war es ihnen unmöglich, in biefer Angelegenheit sich selbständig mit dem mandschurischen Machthaber zusammenzusetzen, bzw. ihn an die Stelle zu dirigieren, die bie japanische Politik für richtig hält, ohne in ganz China einen Sturm ber Entrüstung hervorzurufen. Die Japaner waren infolgebessen gezwungen, sich im ganzen mandschurischen Konflikt zurückhaltend zu benehmen, wenn sie nicht ihre Interessen dabei gänzlich aufs Spiel setzen wollten. Die ganze Lage war somit für eine schnelle Aktion ber Russen überaus günstig. Aber so, wie bie Dinge nun einmal lagen, war für die Russen auch Eile geboten. 3ebe weitergehende Aktion, etwa die Loslösung der Mandschurei aus dem chinesischen Reichsverband, verbot sich nämlich, trotz aller Gunst der Lage, von selbst. Im Frühjahr, wenn die Schneeschmelze eintritt, d. h. also, in wenigstens vier Monaten, würden bie Japaner wieder aktionsfähig gewesen sein unb notwendigerweise die japanischen Interessen mit bewaffneter Faust verteidigt haben. Auch bie Rankingregierung würde vielleicht bis dahin die Möglichkeit gehabt haben, doch wieder eine Einigung in China herbeizusühren, und Tschiang- kaischek vielleicht sogar die Möglichkeit gewinnen, alle chinesischen Generäle zu einem Feldzug gegen Russland zusammenzufassen. Deshalb beschränkten sich die Russen auf ein enges Ziel: man formte Tschanghsueliang auf bie Knie zwingen, indem man ihm die Gefahr vor Augen führte, die eine ernsthafte militärische Riederlage für ihn gehabt haben würde. (Die Geplänkel in der Mandschurei waren ja keine richtigen Schlachten, sondern beschränkten sich auf die Vertreibung mehrerer chinesischer Regimenter durch eine überlegene russische Stossdivision.) Dazu genügte es aber, wenn man einerseits einrückte und doch zu einem Frieden bereit war, ehe der Feind vernichtend geschlagen war. Denn bann blieb Tschanghsueliang zwar in seiner Macht erhalten, war aber eben doch so verschüchtert, bass er einen Widerstand gegen die Rückgabe der Ostbahn an Russland nicht mehr leisten würde. Diese russische Berechnung ist denn auch richtig gewesen, da Tschanghsueliang eine ständige militärische Drohung der Russen nicht vertragen kann, ohne seine Herrschaft zu gefährden. Die russische Taktik in der Mandschurei war somit ausserordentlich geschickt gewählt. Die Drohung mit dem Kriege, bie ihr Vorgehen bebeu» tete, hat tatsächlich ausgereicht, um zunächst einmal de facto ben Status quo in ber Mandschurei wieberherzustellen, ohne bass eine andere Macht imstande gewesen wäre, das zu verhindern. Unb es ist kaum daran zu zweifeln, dass bie von den Russen in der Mandschurei geschaffenen Tatsachen durch die diplomatischen Verhandlungen nicht wieder ganz umgestohen werden können. Gießener Siadttheater. Weihnachtsmärchen: „Das tapfere Schneiderlein". Es dauerte beinahe drei Stunden — Weihnachtsmärchen können, wie man weiss, überhaupt gar nicht lang genug dauern —, unb es war | tnunberfdjön. Alle Kinder, so etwa vom vierten oder fünften 1$ Jahre ab, sollten es gezeigt bekommen. Unb - r emch von den Grossen tollten es alle sehen, welche | stich ein kindliches Gemüt bewahrt haben oder « es um die Weihnachtszeit wieder in sich entdecken I wollen. « Ehe man hingeht, mag man die Kinder- und jl Hausmärchen der Brüder Grimm wieder einmal vornehmen unb die Geschichte vom tapferen Echneidcrlein aufschlagen. Jedermann wird sich alsbald besinnen, dass dessen Feldgeschrei lautet: i sieben auf einen Streich!", und jedermann er- | , rtmert sich mit Vergnügen unb mit Gruseln, wie es ' mit ihm unb feinen gewaltigen Abenteuern be- i pellt war. "Nützlich unb ergötzlich ist es aber, dies alles l‘ Leibhaftig und mit vielem Prunk vor sich auf r der Bühne zu sehen, wie es Alohs Prasch I- erfunden hat als ein Zaubermärchen fürs Theater 11 in fünf Bildern und einer großen Schlussapotheose v vnd mit Musik von Gustav von Rößler. I* Gs ist also einfach nicht zu sagen, was es alles I j.n sehen gibt In ber Schneiderwerkstatt beim Deister Pimpernuß werben zum Beispiel vorn I ®efeilen Sixtus sieben überlebensgroße, fette Flie- । $m auf dem Musbrot mit einem Streich j. erschlagen: man muß es loben. Es wirb auch i; gefungen unb getanzt und ein gefährlicher Traum [! geträumt, unb am Ende zieht bas tapfere Schnei- ! dcrlein auf Abenteuer aus. * Sehr prächtig ist das Schloß des Königs Zip- . htrlein. Es herrscht dort aber Heulen unb Zähne- ' klappen, weil männiglich in großer Furcht lebt Dir bem bösen Wildschwein, welches das ganze Ir Land verwüstet. Unb mit bem Einhorn ist I; es ebenfalls nicht geheuer, unb auch bie beiden |i Riesen im Walde haben was zu bestellen. Vorher erscheint aber noch der buntscheckige Prinz vom Äffenlande mit seinem Gefolge, und zwischendrin gibt es eine so niedliche Parade der Zinnsoldaten, daß allen bas Herz im Leibe lacht. • Ueberaus groß und finster ist ber Wald. Es blitzt unb donnert, unb das Wildschwein rennt mit glühenden Augen ganz schrecklich über bie Bühne unb jagt ben gesamten Hofstaat in Angst und Aufruhr vor sich her, bis es vom Schncider- lein mit List gefangen und erschlagen wird: recht fett und rosig liegt es im Grünen. Dann wird das wütige Einhorn gebändigt, auf dem kommt ber siegreiche Schneider angeritten, und die Tiere des Waldes, als da sind Affen. Bären. Hasen. Eichhörnchen unb Mäuse, tanzen einen artigen Reigen. Zwei ganz gefährliche Butzemänner sind bie Riesen Titi unb Duschi-Buschi; ber Schneider, wie man sich erinnert, steigt auf einen bicken Baum, schmeißt Steine auf bie beiÖm Ungetüme herunter und bringt sie so in Wut, bah sie sich gegenseitig mit Keulen erschlagen. Man atmet ordentlich auf, wenn sie bot sinb. Ja, und zum Schluß ist männiglich wieder am Königshos, unb das Schneiberlein bekommt natürlich die schöne Königstochter zum Lohn unb wirb zum Ritter geschlagen, unb wenn sie nicht gestorben sinb, bann leben sie heute noch. Ach, unb auf einmal steht ein stattlicher Weihnachtsengel da unb singt, unb da kommt wahrhaftig ein Christbaum mit Kerzen unb Spielzeug bunt unb tounberbar aus den höchsten Höhen heruntergefahren. unb alle Welt singt zuguterletzt „O du fröhliche, o bu selige Weihnachtszeit". Fein! • Der gute Onkel Dolck hat das Zaubermärchen sichtbarlich mit viel Liebe und grosser Sorgfalt einftubiert, vom Meister Löffler sinb bie prächtigen Dekorationen, Franz Bauer dirigiert mit Schwung die Musik, und Herr Däulke (ber mit feiner Partnerin auch einen drolligen Solotanz beisteuert) hat die sehr hübschen und kindlichen Reigen eingeübt. • Man kann nicht alle aufzählen, die als Schauspieler mitwirken, aber man muß sagen, daß sie sämtlich mit Eifer und fröhlicher Laune dabei waren. Oie Verfaffungsreform in Oesterreich. Herrn Schober ist also wirklich das Kunststück gelungen, die Derfassungsreform a u f parlamentarischem Wege zu lösen und dadurch Oesterreich von dem Rand des Bürgerkrieges, an den es schon sehr hart herangerückt war, wieder zurückzuführen. Ein parlamentarisches Meisterstück, das nur möglich war. weil er die Kräfte der beiden Gruppen sehr klug gegeneinander abwog und die eine gegen bie andere auszufpielen wusste. Gesiegt haben weder die Heimwehren noch die Sozialdemokraten. Aber die Sozialdemokraten haben doch sehr viel Haare lassen müssen. Sie waren sich eben im Grunde darüber klar, bah sie es auf eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ben Heimwehren nicht ankommen lassen bürsten. Sie haben zwar ben Wund sehr voll genommen, im tiefsten Herzen aber hatten sie eine heillose Angst bavor, bah es ernst werben könnte, unb sie waren baher Herrn Schober bankbar. als er ihnen eine Drücke baute, bie sie mit Anstanb betreten konnten. Dafür haben sie einer Stärkung der Rechte des Bundespräsidenten, also einer Beschneidung ber Parlamentsrechte zugestimmt. Sie haben auch von ber Sonderst el- lu ng Wiens sehr viel opfern müssen. Ihre bisherige unumschränkte Machtstellung in ber Hauptstadt ist böse gekappt worden, ber Bürgermeister von Wien wirb künftig ber Bundesregierung unterstellt. Darüber hinaus sind Kontrollorgane vorgesehen, bie ihren Daumen auf ber Steuerpolitik und auf ber Daupolitik der Wiener Gemeinden halten und eine sinnlose Verschwendung verhindern, wie sie in ben letzten Jahren auf Kosten bes Hausbesihes getrieben worden ist. Als Letztes endlich hat bie Sozialdemokratie bie Vorteile ihrer qualifizierten Mehrheit. bie sie bisher im Rationalrat oft genug mißbrauchte, aufgeben müssen, in ber etwas verzwickten Form, daß nach deutschem Muster d i a Institution des Volksentscheids geschaffen ist, die sich allerdings nicht selbständig auswirkt, sondern nur über Gesetze zulässig ist. die im Rationalrat keine Mehrheit gefunden haben. Auf diesem Wege kann die Sperre die von den Sozialdemokraten bisher jeder Verfassungsänderung entgegengesetzt wurde, umgangen werden. Welchen Preis Herr Schober seinerseits den Sozialdemokraten für chre weitgehenden Zugeständnisse gemacht hat. darüber bestehen bisher nur Vermutungen. Wahrscheinlich wird er sich verpflichtet haben, nach Erledigung dieser Aktion die Bünde zu entwaffnen, um dadurch der Sozialdemokratie die Angst vor der Wiederholung des Heimwehraufmarsches zu nehmen. Aber es scheint doch, als wenn er indirekt damit ein gewisses Miliz-System einführen will, so daß aus ben Bünden staatliche Hilfstruppen würden, die bann allein burch ihren Bestand schon dafür sorgen müßten, daß in Oesterreich bie sozialdemokratischen Bäume nicht toicber in ben Himmel wachsen. Mademoiselle Docteur, die größte Gpiom'n Deutschlands. Katastrophe und Aufstieg. III. Aus bem neuen Buche: „Spionage!" von H. R. B e r n b o r f f. Verlag Dieck & Co., Stuttgart. Die Leitung des Krankenhauses erfährt von Annemarie Lesser die Adresse der Familie des toten Offiziers. Annemarie Lesser selbst erinnert sich, daß ihr der Hauptmann eingeprägt hat, daß sie, wenn etwas mit ihm geschähe, sofort auf dem schnellsten Wege einen Herrn I. Matthesius in ber Bülow- straße in Berlin benachrichtigen soll. Telegramme flattern in alle Winde. Im Domhotel trifft die ankommende Verwandtschaft des Toten die junge Annemarie Lesser. Das Mädchen ging zu dem Bruder des Toten, sie fragte, wann die Beerdigung tattfinden würde und sie erhielt die Antwort, daß ie bas nichts anginge und daß die Familie sie er- uche, nicht an das Grab eines Mannes zu kam- men, dessen Unglück sie verschuldet habe. Die Familie weiß nichts von dem, was der Hauptmann in den letzten Zeiten getrieben hat, sie ist davon überzeugt, daß der Hauptmann, der so plötzlich seinen Abschied nahm, „vor die Hunde" gegangen sei und daß Annemarie ihn „zu sich herabgezogen habe". Annemarie weint fassungslos in ihrem Zimmer, da erscheint liebenswürdig und taktvoll ein Oberleutnant der Kommandantur Köln, der erklärt, er habe den Auftrag, von Annemarie die Herausgabe der Papiere des Toten zu erbitten. Annemarie fährt auf, in ihrem Schmerz hat sie gar nicht daran gedacht, die Papiere befinden sich eingenäht in der Weste des Toten. Während die Familie schon in der Kapelle des Krankenhauses um den Sarg versammelt ist, in dem der Tote in dem Anzug ruht, den er zuletzt getragen hat, erscheint ein Offizier mit einigen Zivilisten: „Befehl der Kommandantur! Die Leiche ist beschlagnahmt!" Entsetztes Erstaunen der Familie, bie nichts begreift und nichts begreifen kann, der man aber die Leiche nach kaum einer halben Stunde zur Beerdigung freigibt. Am Abend erscheint der Oberleutnant der Kommandantur wieder bei Annemarie Lesser, Kurt D o m m i s ch war bas kecke Schneiberlein, bas sich vor nichts fürchtet: Heinrich Hub ein prachtvoll bicker, richtiger Märchenkönig: Beatrice Doering eine anmutige Prinzessin; Ludwig L i n k m a n n ber geckenhafte Prinz vom Affenlande; Karl V o l ck unb Luise Jüngling bie Schneidersleute; unb Gretel Woelke fang ben Weihnachtsengel. e Es bauert beinah drei Stunden, das haben wir schon gesagt: man kommt ordentlich auf seine Kosten, alles was recht ist. Und die Kinder, sie hören es gerne: sind auch das dankbarste Publikum, das man sich denken und wünschen kann: ihr Applaus kommt aus dem Herren, sie gehen mit heißen Backen nach Haus, und manches von ihnen wird heute nacht vom wilden Schwein, vom Affenprinzen, vom Christbaum und von den Eichhörnchen geträumt haben. Dr. Th. Streit um die Badewanne Marats. Die Badewanne des Revolutionsmannes Marat war bekanntlich die Stätte, an der der blutdürstige Demagoge von der schönen Charlotte Cordah erdolcht wurde; Die echte Badewanne, in der dieses geschichtliche Drama sich abspielte, ist daher eine Reliquie ersten Ranges, aber es fragt sich, welches die echte Badewanne Marats ist. Wie in der Ringgeschichte des Rathan drei Ringe statt des einen echten auftauchen, so gibt es auch drei Badewannen, für die der Anspruch erhoben wird, die einzige historische Badewanne Marats zu sein. Die Streitfrage ist dadurch in den Mittelpunkt bes Interesses gerückt, daß kürzlich ein amerikanischer Millionär die Badewanne, die ber verstorbene Dollarkönig Rodman Wanamaker vor einigen Jahren aus Paris mitgebracht hatte, für einen sehr hohen Preis erstand und sie als die echte Reliquie einem amerikanischen Museum stiften will. Daraufhin kam aus Paris bie Mitteilung, daß sich in bem borkigen Grevin- Museum, das eine grosse Sammlung von Reliquien aus der Zeit der französischen Revolution enthält, die echte Wanne Marats befinde; sie soll bald nach ber Ermordung des Revolutionshelden für bie Sammlungen des Staates gesichert worden sein. Aus Conbon aber sie weigert sich zuerst die Tür ihres Zimmers zu öffnen, sie will niemanden sehen, will mit niemandem sprechen, sie will dem Geliebten in den Tod nachfolgen. Der Oberleutnant redet und redet durch die geschlossene Tür, die sie schließlich doch öffnet, und er steckt zuerst einen kleinen zierlichen Revolver, ben er auf dem Tisch liegen sieht, in feine Tasche. Mit diesem Oberleutnant geht sie zur Bahn, er bittet sie, sich in Berlin sofort zu einem Herrn Matthe- sius zu begeben, dessen Adresse er ihr nochmal nennt. Im Zug nach Berlin faßt sich das junge Mädchen. Auf dem Bahnhof ist ein kleiner hagerer Herr, Matthesius, der sie bittet, mit ihm zu kommen, er hat sie gleich erkannt, eine junge Dame in tiefem Schwarz. In dem Bureau des Mannes liegen die eng beschriebenen Blätter, die man in ber Weste bes Toten gefunden hat, daneben liegen Karten, Zirkel und Papier. Annemarie faßt sich schnell, sie erklärt, sie zeigt. Hier, bie Zahlen links auf Wynan- kys Zetteln bebeuten die Planquabrate auf ber Generalstabskarte, diese Striche, das sind die Feldbahnen, das sind Gräben, diese Linien waren im letzten Manöver besetzt, das ist das und dies ist jenes. Matthesius pfeift durch die Zahne. Stundenlang zeichnen bie beiben bie Notizen auf einer Karte ein, immer roieber erklärt Annemarie deutlich und präzis, still zeichnet ber hagere Matthesius, unb zum Schluß, als ber Morgen schon dämmert, drückt er Annemarie Lesser bie Hanb und sagt: „Woher können Sie das alles? Ich denke, wir reden morgen weiter." Annemarie schläft auf einer Chaiselongue, sie weint sich in den Schlaf, in der Wohnung des I. Matthesius. Annemarie schläft noch, da gehen zwei Männer burch einen einsamen Weg im Tiergarten. Der eine ist Matthesius, ber anbere trägt den Titel „Exzellenz". Die Exzellenz: „Ich sinde Ihren Vorschlag gerabezu grotesk. Die Tatsache, daß das Mädel die Notizen des armen Wynanky entziffern kann und Erklürun- gen dazu gibt, beweist doch nicht, daß sie selbst so etwas ermitteln kann." meldete sich das bekannte Wachsfiguren-Käbinett der Mme. Tussaud und erklärte, die Badewanne die eine Sehenswürdi^eit des Panoptikums ist und mit einer Wachsfigur Marats ausgestattet ist, sei die einzig echte; sie wurde 1885 von dem Geistlichen des Ortes Sarzeau in der Bretagne für 8000 Francs für das Kabinett erstanden. Der Pfarrer hatte festgestellt, dass die Wanne aus dem Besitz eines Rachkommen des Brigadegenerals de Saint-Hilaire stammte, der sie 1805 von einem Antiquitätenhändler erworben hatte, der wiederum behauptete, sie nach Marats Tod aus dem Badezimmer genommen mx haben. Die Badewanne des amerikanischen Millionärs verfügt aber ebenfalls über sehr bestechende Echtheits beweise. Sie zeigt nicht nur eine Inschrift in alten Buchstaben: „3n dieser Badewanne wurde Marat am 13. Juni 1793 von Charlotte Cordah ermordet", sondern ihr ist auch eine älrkunde beigegeben, in der eine Frau Marcelle de Saint Drice erklärt, sie habe die Wanne von einem gewissen Boichard erstanden, dessen Grossvater bereits versicherte, cs sei die Badewanne Marats. Ob dir Wanne, für deren Echtheit man jetzt in Amerika kämpft, historisch ist oder nicht — jedenfalls ist sie ein interessantes Schaustück; sie hat die Form eines grossen Schuhes aus Messina, ist fünf Fuss lang und vier Fuss hoch; der Badende fass in ihr auf einem Stuhl mit ausgestreckten Beinen, und darunter war ein Rost, auf den glühende Holzkohle gelegt wurde, um das Wasser warm zu halten. Badewannen waren zur Zeit der französischen Revolution noch eine grosse Seltenheit, und auch Marat benutzte die seine nicht etwa der Reinlichkeit wegen, sondern weil er an einer Hautkrankheit litt, bei der ihm warme Bäder Erleichterung verschafften. Hochschulnachrichten. Professor Dr. Arnold (Süden an ber Technischen Hochschule in Breslau, dem Lehrstühle der physikalischen Chemie in Göttingen als Rachfolger von Geheimrat G. Sammann sowie in Frankfurt an Stelle von R. Lorenz angeboten wurden, hat sich entschlossen, den Ruf nach Frankfurt abzulehnen und der Derufuna nach Göttingen Folge zu leisten. Matthesius: „Ich verstehe mich auf Menschen, ich bin unter allen Umständen dafür, wir versuchen es einmal. Außerdem tut mir das junge Ding leid —." Die Exzellenz: „Wenn Ihnen das Mädchen leid tut, dann lassen Sie es Lehrerin oder Gouvernante werden, man kann doch einen Menschen, der so jung ist, nicht in solche Gefahren schicken." Matthesius: „Sie wird die Gefahren suchen wollen. Wir werden das ja sehen." Die Exzellenz: „Also machen Sie, was Sie wollen, Sie müssen das ja schließlich wissen." Am Nachmittag sitzt Annemarie Lesser verweint und bleich I. Matthesius gegenüber. Der hagere Mann fängt an zu reden. Seine schmalen gepflegten Hände gleiten über Karten, spielen mit den Zirkeln, zeichnen Linien auf weißem Papier. „Was wollen Sie jetzt anfangen?" „Ich weiß es nicht. Nichts." „Sie müssen doch irgend etwas tun." „Ich werde schnell mit mir ein Ende machen." „Glauben Sie, daß das im Sinne Ihres toten Freundes wäre?" „Daun möchte ich irgend etwas tun, das mich so in Anspruch nimmt, daß ich alles um mich herum vergesse." Pause. Matthesius stichelt auf seinen Karten. Da sagt Annemarie: „Könnte ich nicht —?" „Gewiß, wenn Sie wollen. Hören Sie zu. Sie fahren in die Vogesen. Sie stellen das und jenes fest." Matthesius sitzt mit ihr über den Karten und über den Dienstbüchern der französischen Armee wiederum bis zum Morgengrauen. In die müden Augen des Mädchens kommt Leben, sie macht Einwendungen, schlägt dies und das vor, verwirft Vorschläge ihres Gegenübers und macht andere. Der hagere Matthesius erwärmt sich, man wird einig und man wird handelseinig. Am nächsten Morgen zieht Annemarie ins Hotel. Nach einigen Tagen rückt ein Mädchen, das aussieht wie eine Sechzehnjährige, mit Koffern und Schachteln in ein Pensionat in der Bismarckstraße in Charlottenburg. Lange Zöpfe hängen ihr über den Rücken. Sie ist von Gestalt klein und zierlich, das kommt ihr zu Hilfe. Matthesius bringt dieses junge Mädchen an den O Zug nach Kalmar. Von Ferne sieht ein älter Herr zu, wie dieses Mädchen in den Zug steigt. Als er abgefahren ist, trifft dieser alte Herr auf der Bahnhofstreppe den Herrn I. Matthesius: „Sie sind vollständig verrückt. Das ist doch ein Kind!" I. Matthesius geht ruhig weiter Schritt für Schritt die Treppe hinab. Er kennt den alten Herrn nicht, der zufällig neben ihm ging, er führt ein leises Selbstgespräch, aus dem der alte Herr nur versteht: „Warten Sie es ab, Exzellenz." (Fortsetzung folgt.) Generalsrevotte in China. Das „ in den langjährigen chinesischen Einigungskämpfen geflossene Blut ist vergeblich vergossen worden: China ist heute uneiniger denn je, der Einfluß der Zentralregierung in Banking ist durch den Richtungskampf innerhalb der herrschenden Kuomintangpariei und durch eine soeben zum Ausbruch gekommene groß-- zügig angelegte Generalrevolte fast vollständig zerstört worden. Bachrichten aus China müssen natürlich mit großer Zurückhaltung ausgenommen werden, weil sie selten mit den Tatsachen übereinstimmen. Man darf wohl auch jetzt zunächst annehmen, daß Tschiangkai- s ch e k versuchen wird, mit den ihm treugeblie- benen Truppen nacheinander die meuternden Generäle zur Vernunft zu bringen. Er hat aber leider ma>t mehr den gleichen Rückhalt bei der Kuomintangpartei wie früher, auch fehlt es ihm an den erforderlichen Geldmitteln, um einen langwierigen Bürgerkrieg führen zu können. Außerdem ist die Zahl seiner Gegner so erheblich, daß Teilerfolge kaum ins Gewicht fallen werden, weil Tschiangkaischek an verschiedenen Fronten kämpfen muß und auf die Dauer dem Druck der verschiedenen gegen ihn aufmarschierenden Armeen doch nicht wird standhalten können. China steht heute wieder da, wo es sich 1924 befand. Die lokalen Gewalthaber haben d:e Macht an sich gerissen und werden, sobald Tschangkaischek erledigt ist, wieder gegen einander marschieren und einen Generalslwieg entfesseln, der China endgültig ruinieren muß. Aus der provinzialhauptstadt. Gießen, den 12. Dezember 1929. S!udienrat Or. Otto Lenz t. Heute früh gegen 6 Hhr ist der in weiten Kreisen unserer Stadt und der Provinz Ober- Hessen bekannte Studienrat Dr. Otto Lenz zu Gießen plötzlich an einem Herzschlag verschieden. Der auf so tragische Weise Verewigte hat ein Alter von nur 42 Jahren erreicht. Gestern nachmittag nahm er noch in voller Frische und Spannkraft an einer Lehrerkonferenz in der Studienanstalt teil, wo er seit mehreren Jahren unterricht.te. Der Heimgegangene, über dessen Lebensgang und Wirken wir morgen noch näher berichten werden, war eine mannhafte Persönlichkeit mit ausrechtem, geraden Charakter, die überall voll und ganz den Platz ausfüllte, auf den sie gestellt war. Der Entschlafene hinterläßt im Lehrkörper der Studienanstalt, wie auch im öffentlichen Leben und bei seinem ft üben- tisch2n Bunde eine Lücke, die von vielen Mitbürgern in Stadt und Land schmerzlich empfunden werden wird. Höchstleistung des Menschen als Persönlichkeit. Vorirag von Prof. Messer in detr Volkshochschule. Man berichtet uns: In der von der Volkshoch, schule veranstalteten Vortragsreihe mit dem Thema „Höchstleistung" hielt nach interessanten Ausführungen Prof. Hunte Müllers über körperliche, besonders sportliche Höchstleistungen und ör. Marten s", Bildungsleiters des DH. D., über Sinn und Hnfinn in der beruflichen Höchstleistung Prof. Messer den sehr stark be- suchten Schluhvortrag. Anknüpfend an die beiden voraugegangenen Vorträge zeigte Prof. M e f - s e r, daß sowohl bei der Behandlung des Sports, wie bei der des Berufs ein Hinausgreifen auf ein größeres Wissens- und höheres Lebensgebiet notwendig war. Unter den Fragen, die sich bei der Betrachtung des Svorts ergeben, find notwendig auch solche nach der Gesundheit, die höher zu bewerten ist, als sportliche Tüchtigkeit. Die Fragen der Derufsertüchtigung führen weiter zu solchen wie: ist die berufliche oder die „allgemein kulturelle Ausbildung" (Martens) die wertvollere?, ist, was der Mensch durch Fleiß und Hingabe, oder was er durch Begabung leistet, höher Große Saniia'iskolonnenübung auf -em Gchwelkrastwerk Wölfersheim. Eigenbericht des „Gießener Anzeigers". — Friedberg, 9.Dez. Der Provinzialinspekteur der ober^rssischen Sa- nitälskolonnen, Sanitätsrat Dr. Hahn (Bad- Bauheim), hatte für den gestrigen Sonntag eine große Kolonnenübung angeseht, und zwar der Kolonnen Friedberg, Bad-Bauheim, Butzbach und eines Sanitätsautos mit fünf Sanitätern der Kolonne Gießen. Die Bedeutung der Hebung ging aus der Anwesenheit zahlreicher Behördenvertreter hervor, von denen wir nennen: Kreisdirektor Recht hi en, Regierungsrat Grein und Obermedizinalrat Dr. Bebel vom Kreisamt Friedberg, Beigeordneten P l o ch (Butzbach), Beigeordneten Kling (Dad- Bauheim), die Bürgermeister von Wölfersheim, Södel, Melbach und Steinfurth. Der Hessische Landesverein vom Roten Kreuz war durch seinen Vorsitzenden, Geheimrat v. Hahn (Darmstadt), vertreten. Auch Mitglieder der neuen Sanitäts- kolonnen von Leihgestern und Hungen hatten sich auf dem Hebungsgelände eingefunden. Die Uebungsidee. Der beauftragte Hebungsleiter, Oberarzt Dr. Göbel (Friedberg), hatte der Hebung folgenden Gedanken zugrunde gelegt: „In dem Schwelkraftwerk Wöl.ersheim hat am 8. Dezember, vormittags 10.30 Hhr, im alten Kesselhaus eine Dampfkesselexplosion stattgefunden. Es arbeiten in diesem Betrieb zur Zeit des Hnfalles etwa zwanzig Personen: es ist anzunehmen, daß diese Arbeiter teils schwer, teils leichter verletzt wurden. Zunächst wird die Sanitätskolonne Friedberg zur ersten Hilfeleistung alarmiert. In der Zwischenzeit ist infolge der Explosion ein Brand ausgebrochen, so daß weitere Explosionen zu befürchten sind. Da unter diesen Umständen die Sanitätskolonne Friedberg zur ersten Hilfeleistung nicht ausreichen wird, müfsen weitere Sanitätskolonnen herangezogen werden. Es werden alarmiert die Kolonnen Bad--Bauheim und Butzbach. Don der Sanitätskolonne Gießen wird durch Alarm das Krankenauto zum Transport Schwerverletzter herangezogen. Gleichzeitig wird zur Bekämpfung des Feuers die nächste Freiwillige Feuerwehr (von Södel und Melbach) her- beigerusen." Die Alarmierung. Kolonne Friedberg Gießen Butzbach B.-Nauheim Eintreffen Alarm an der Unglüdsftätte 10.30 Uhr nach 30 Min., um 11.00 Uhr 10.57 Uhr nach 38 Min., um 11.35 Uhr 10.59 Uhr nach 59 Min., um 11.53 Uhr 11.00 Uhr nach 30 Min., um 11.30 Uhr Die Verletzten wurden von den Mitgliedern der Sanitä slolonne Hungen markiert. Der Uebungsoerlauf. Die Kolonne Friedberg (30 Mann, dirigiert von Oberarzt Dr. Göbel, Führer Röschen) hatte als erste eingreifende Kolonne die Aufgabe, die Verletzten aus den mit Gas gefüllten Räumen des Kesselhauses zu bergen und ihnen in einer als Derbandsraum hergerichteten bedeckten Halle die erste Hilfe angedeihen za lassen. Erstmalig wurden dabei Sauer st ofsmasken verwandt. Die schwierigen Bergungsarbeiten wurden geschickt ausgeführt, vor allem das Hochseilen der beladenen Tragen aus dem Kesselschacht, sowie das Abseilen von den Laufgängen des Kesselhauses mittels Flascherzugs. Zur Bekämpfung des Brandes wurde die rasch alarmierte Feuerwehr von Södel eingesetzt. Die Freiwillige Feuerwehr Melbach brauchte nicht aktiv eir zugreifen. Von den inzwischen weiter alarmierten Kolonnen war z ierft Bad-Bauheim (50 Mann, dirigiert von Sanitätsrat Dr. Hahn, Führer H. Stamm) zur Stelle, wenige Minuten darauf traf die Gießener Sanitätswache mit ihrem großen Sanitätsauto ein (vier Mann, Führer Kratz). Eine beschwerliche Fahrt hatte die Kolonne Butzbach (26 Mann, dirigiert von Dr. Rau. Führer Bachmann), die deshalb als letzte an der Hnglücksstätte erschien. Alle Kolonnen griffen sofort nach Eintreffen umsichtig in das Rettungswerk ein. Dabei erwiesen sich die von der Kolonne Gießen neu angeschafften Gasmasken als sehr praktisch. Es gab viel zu tun: Wiederbelebungsversuche an Schwerverletzten, Behandlung der vom Starkstrom Betäubten, Verladung und Abtransport der Verletzten in Kranlenkraftwagen und inzwischen her- gerichteten ßaftfrafttoagen. Die Kritik fand im Derbandsraum statt. Der Butzbacher Kolonnenarz' Dr. Rau unterzog die Leistungen der Kolonnen Friedberg uni) Gießen einer kritischen Besprechung, die dem Können der Kolonnen hohes Lob spendete. Oberarzt Dr. G ö - b e l (Friedberg), der die Kolonnen Butzbach und Bad-Bauheim zu beurteilen hatte, konnte sich ebenfalls sehr anerkennend aussprechen. Das zusammenfassende Gesamt urteil gab der Veranstalter der Hebung, Sani.ätsrat Dr. Hahn, nachdem er vorerst die Gäste herzlichst begrüßt und ihnen für ihr reges Interesse an den gemeinnützigen Bestrebungen des Roten Kreuzes gedankt hatte. Er zollte den vier schlagfertigen Sanitäts.olonnen, ihren rüjrigen Kolonnenärzten und bewährten Führern uneingeschränktes Lob. Herzlich wurde auch für das von der Leitung des Schwellraftwertes geze'.g.e Entgegenkommen gedankt. Zweck der Hebung sei nicht nur die Vorbereitung und Prüfung für den Ernstfall gewesen, sondern auch der Gedanke, für die segensreiche Tätigkeit des Roten Kreuzes in weiteren Kreisen zu werben. Redner betonte dabei unter lebhaftem Beifall, daß die Rot-Krerz-Organi- sationen abseits der politischen und religiösen Kämpfe stünden und als völlig, neutrale Einrich- '"■■en nur das eine Ziel im Auge hätten, der Allgemeinheit z i dienen. Der humanitäre Gedanke dürfe nicht „verpolitisiert" werden. Geheimrat v. Hahn (Darmstadt) und Kreisdirektor R e ch t h i e n (Friedberg) dankten herzlichst für die Einladungen zu der großen Hebung, für deren Verlauf beide Redner lobende Worte der Anerkennung fanden, unter besonderer Betonung der edlen Aufgaben des Roten Kreuzes. zu bewerten? So erweiterte sich (auch gemäß dem Plan der Vortragsreihe) das Thema mehr und mehr bis zur Frage nach ber Höchstleistung Des Menschen überhaupt. Zunächst, um diese Frage zu klären, dürfte man mit dem Vortragenden die elf Kulturgebiete der Gesundheit, der Wirtschaft, des Rechts, der Gesellschaft, der Kunst, der Wissenschaft, der Religion, der Moralität, der Bildung, des Glücks und der Sittlichkeit im Geist durchwandern, was zugleich wiederum ein Vordringen aus der Enge in die Weite bedeutete. Denn bei der Behandlung des Dildungswertes stellte der Vortragende fest, daß Bildung Verständnis für alle vorher aufgeführten Gebiete und eventuell auch Betätigung auf diesem fei. Bildung hat das Eigentümliche, daß sie auf all die anderen Gebiete sich bezieht und doch als etwas besonderes, als Geist der Kulturtätigkeit für sich angesehen werden kann. Aehnlich verhält es sich mit dem Glückswert, von dem ebenfalls Strahlen nach allen möglichen Gebieten gehen. Zum Beispiel findet jemand sein Glück auch im Dildungs- streben. Bach dieser Klärung entschied der Vortragende die Frage, ob fachliche oder allgemein kulturelle Ausbildung im Sinn einer totalen Bildung dahin: Höchstleistung des Menschen widerstreitet dem Gedanken des Fachmenschen- tums, das von der im Wesen der Bildung liegenden, allerdings oft leidvollen Beziehung zu allen Werten nichts wissen will. Dann tat der Vortragende den letzten Schritt, indem er zeigte, daß das Gebiet der Sittlichkeit das alles umfassende sei. Dieses Gebiet deckt sich nicht mit dem der Moralität, die es lediglich mit den zwischenmenschlichen Beziehungen der Rechtlichkeit zu tun hat. Dagegen wird vom Ethischen (Sittlichkeit) her das Gesamtleben des Menschen gestaltet. Hnd zwar aus persönlichen Gewissensentscheidungen, die vielfach aus einem Wertkonflikt hervorgehen. Sie werden dem Gebot gerecht: versuche in der gegebenen Situation den höchstmöglichen Wert zu verwirklichen bzw. nur das kleinste Hebel zuzulassen. Die Tatsache des Wertkonfliktes beweist, daß der sittliche Mensch an der Totalität der Werte durch innere Hingabe lebendig teilnimmt; daher entschied sich der Vortragende bei der Frage, ob die mit dem ethischen Verhalten verbundene Hingabe an die Welt der Werte oder die natürliche, mehr spezielle Begabung höher zu bewerten fei, zugunsten der ersteren. Er brachte zum Ausdruck, daß die Begabung sich überhaupt erst in der hingebenden, dienenden Arbeit entfalte. Sv kam er auch zur Verwerfung des Per- sonlichkeits k u l t u s, indem er zeigte, daß das erstrebenswerte Ziel der Persönlichkeit am ehesten erreicht wird, wenn man nicht an seine Persönlichkeit denkt. „Wer seine Seele verliert, der wird sie gewinnen." Anschließend beantwortete Pros. Messer eingehend zahlreiche Fragen der Hörer. W. H. ' Das Porto für Weihnach t s- und Beujahrspostkarten. Ohne Hmschlag versandte gedruckte einfache Weihnachts- und 2(eu- jahrSkarten, die hinsichtlich der Größe, Form und Papierstärke den Bestimmungen für Post- karten entsprechen müssen, kosten sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts, als auch im Fernverkehr 3 Pf. Es dürfen in dielen Karten außer den sogenannten Abfenderangaben (Absendungstag, Bame, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders noch weitere 5 Worte, die mit dcm gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzugefügt werden. Als solche zulässige Bachtragungen gelten z. B. die üblichen Zusätze „sendet", „Ihre", „Dein Freund", „sendet Dix", „sendet mit besten Grüßen Ihre" usw. Werden solche Karten im offenen Hmschlag versandt, so kosten sie sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts, als auch nach außerhalb 5 Pf. ** Deutsche Volkspartei. Man berichtet uns: Eine große Anzahl von Mitgliedern der Frauengruppe der D. D. P. hatte sich im „Hindenburg" an weihnachtlich geschmückten Tischen zu einer Ehrung der aus dem Stadtrat ausscheidenden Frau Minna Baumann versammelt. Die erste Vorsitzende, Fräulein Clara' Birnbaum, dankte Frau Baumann in herzlichen Worten für ihre zehnjährige, unermüdliche und aufopfernde Tätigkeit im Stadtparlament, die sie in Zeiten schwerer Bot und politischer Wirren angetreten hat. Frau Baumann erwiderte, daß sie stets mit Dankbar eit der Zeit im Stadtrat gedenken werde, da sie ihr eine Lebensbereicherung bedeutet habe. Ihr Dank gelte vor allem auch dem verstorbenen Professor Dr. K r außmüller, der ihr zur Seite gestanden. Sie gab dann einige Erinnerungen an die abgelaufene Zeit. Frau A. Kindt gab darauf in feinsinniger Weise einen Bericht über das Buch von Otto Lerche: „Frauenbriefe aus Ze.ten deutscher Bot". Sie betonte, daß das Buch kein geschichtliches Quellenwerk sein wo e, sondern Dokumente des Herzens und ter Seele enthalte. Sie brachte eine Reihe der schönsten Briefe zu Gehör, beginnend zu den Zeiten der Reformation mit einem Briefe Katharina von Boras, abschließend mit einem Briefe Johanna v. Bismarcks. Im Anschluß an einen Brief der Königin Luise sprach FrI. Hanna Keller mit ihrer klangvollen Stimme Körners Sonett „Vor Rauchs Büste der Königin Luise" und anschließend an einen Brief der Schwester Körners, dessen Sonett „2lbschied vom Leben". Die Briefe legten Zeugnis davon ab, wie oft Deutschlands Geschichte Seiten schwerer Bot gekannt, und wie allzeit deutsche Frauen geduldig das allgemeine Leid mitgetragen und in Treue und Zuversicht an dem Werden besserer Zeiten mitgearbeitet haben. Fräulein Hanna Keller stellte dann mit dem Vortrag des ftim- mungsvolten Gedichtes „Weihnachtkgedan.e.n" die Verbindung zur Gegenwart wieder her. ” „Rathen au und seine Zei t.“ Der Reichsbund der Deutschen Demokratischen Jugend (Jungdemokraten), Ortsgruppe Gießen, und der Demokratische Studentenbund hatten für Montagabend zu einem Vortragsabend im Hotel Schütz eingeladen, der außerordentlich gut besucht war. Bach der Begrüßung durch Schulverwal- ter Bauer, der kurz die Organisation und die Aufgaben der Jungdemokraten erläuterte, sprach der Referent des Abends, Herr Behrens, in interessanter Weise über „Rathenau und seine Zeit". Er entwarf zunächst ein Bild von der Jugendzeit Rathenaus, schilderte dessen vielseitige geistige Fähigkeiten und die Eigenart seines Wesens, um sich bann eingehend mit Rathenau als Mensch, als Schriftsteller und Dramatiker, rls Politiker, als Staatsmann und als Wirt- l schastler zu beschäftigen. Der Redner kam hierbei auf die literarische Tätigkeit Rathenaus zu sprechen, zeigte seine Einstellung in wirtschaftlichen Fragen, schilderte ihn als Warner und Mahner in der Zeit vor dem Kriege, als Organisator bei der Kriegsversorgung. Er erläuterte dann die Stellung Rathenaus zur Deino- kratischen Partei, der er bereits im Jäher 1920 Rückschläge vorausgesagt habe, gab die Einstellung Rathenaus zu den außenpolitischen Fragen und seinen Einfluß bei Verhandlungen mit unseren früheren Feinden bekannt und zeigte die Schwierigkeiten und Anfeindungen, mit denen Rathenau bei seinem Wirken zu kämpfen hatte. Der Redner kam noch auf die Ermordung Rathenaus und deren Begleitumstände zu sprechen. An die Ausführungen schloß sich eine rege Aus^ spräche» an der sich die Herren Rechtsanwalt Dr. Katz, Krämer, Schulrat Fischer und Grünewald beteiligten. Mit einem Schlußwort des Referenten und einigen geschichtlichen Mitteilungen des Versammlungsleiters fand die Veranstaltung. ihr Ende. *• Hausfrauen - Beratungsstelle. Am Montag hielt die Haussrauenberatungs- stelle (Hntergruppe des A. D. F.) die erste Abendversammlung ab. Bachdem die Dorfitzende Frau Dr. K o e p p e den Anwesenden kurz ihre Ziele und Aufgaben erläutert hatte, hielt sie in äußerst geschickter und anschaulicher Form einen Vortrag über praktische Weihnachtsgeschenke. Sie gab ihren Zuhörerinnen mancherlei neue und für jeden Geldbeutel ausführbare Anregungen, die dankbar und mit großem Interesse ausgenommen wurden. Zum Schluß bat die Rednerin die anwesenden Vorsitzenden der Frauenvereine herzlich, die Beugründung zu unterstützen und auch in ihren Organisationen in diesem Sinne zu wirken. P. S. Oberhessen. Landkreis Gießen. X Wieseck, 11. Dez. Den zweiten Advents-« Sonntag beschloß in unserer Kirche eine Advents-Lichtbild stunde mit zwei Film- ostoreihen und zugehörigem Orgelspiel und Gemeindegesang. Auf die Reihe „Kinderadvent" mit 25 Bildern folgte eine sehr anziehende Reihe „Vom Advent zur Weihenacht"; 58 Bilder aus Leben und Kunst gaben dem erläuternden Orte» geistlichen Gelegenheit, auf schöne Adventssitten und -bräuche hinzuweisen. : Beuern, 9. Dez. Hnter zahlreicher Beteiligung fast der ganzen Gemeinde, sowie sämtlicher Schulllassen wurde unser langjähriger Kirchendiener Heinrich Schneider im Alter von 73 Jahren zu Grabe getragen. Heber 45 Jahre hat der Verewigte fein Amt mit großer Treue und Gewissenhastigteit versehen. Hafer Ortsgeistlicher Pfarrer Schmi11r ühmte die vorzüglichen Eigenschaften des Dahingeschiedenen in einer zu Herzen gehenden Ansprache. Bürgermeister Linde n st r u t h legte unter Würdigung der großen Verdienste, die der Verstorbene sich in unserer Kirchengemeinde erworben hat, einen Kran; nieder. Außerdem legten noch Kränze nieder der Kirchenvorstand und der Kirchenchor seinem Ehrenmitglied. Letzterer, sowie die Schulkinder, sangen dem Entschlafenen. s. Beuern, 11. Dez. Die Hosreite der Witwe Walter in der Beugasse wurde kürzlich für 12 000 Mk. versteigert. Ferner ging die Hofrcite des Landwirts Karl Walter in den Besitz des Wagnermeisters Krämer über. Der Kaufpreis für diese betrug 13 000 Mk. Bimmt man hinzu, daß ebenfalls in diesem Jahr der frühere Bürgermeister Walter seine Hofreite an den Steinbruchsbesitzer Karl Damm verkaufte, so wechseln in einem Jahr drei Häuser von den sechs, die der alte Geschirrhändler Heinrich Walter seinen sechs Kindern in unserem Dorfe neu erstellt hatte. * Lumda, 11. Dez. Am gestrigen 10. Dezember konnte der einzige noch lebende Veteran von 1870/71 unseres Ortes, Peter Kappes Hl., in geistige'' und körperlicher Frische feinen 81. Geburtstag feiern. Reichspräsident v. Hinden- b u r g schickte ihm als altem Mitkämpfer ein herzliches Glückwunschschreiben mit seinem Bilde. Die Schulkinder ehrten den alten Krieger durch den Gesang der beiden Lieder: „Ein' feste Burg" und „Ich hatt einen Kameraden", die ihm durch seine Kriegszeit besonders wertvoll geworden waren. CO Klein-Linden, 11. Dez. Daß die Landwirtschaft und damit die Viehzucht in unserem Dorfe immer weiter zurückgeht, bewiesen die Cr- gebniffe der Diehzählun-U in der vorigen Woche. An Pferden wurden 23 gezählt (1928: 22). an Rindvieh 298 Stück, darunter 101 Stück Jungvieh und 197 Milch- bzw. Fahrkühe (1928: 361 und 1927: 374 Stück), Schafe 0. Die Zahl der Schweine, alle zur Hausschlachtung vorgesehen, beträgt 262 (gegen 281 in 1928 und 311 in 1927). Ganz erheblich ist auch die Ziegenzucht zurückgegangen. Während im Jahre 1927 noch 253 und 1928 noch 217 Ziegen vorhanden waren, ist ihre Zahl jetzt auf 186 zurückgegangen. Bur bei der Zucht des Federviehes ist ein kleines Ansteigen zu beobachten. Es sind gegenwärtig vorhanden 31 Gänse, 34 Enten und 3101 Hühner, insgesamt 3166 Tiere. (1928: 3014 und 1927: 2806). Die Zahl der Bienenvölker beträgt 17 (1928: 8). al. A11endors a. d. Lahn, 11. Dez. Hnfcrc Bürgermeisterei hat nunmehr auch T e - lephonanschluß unter der Bummer 355 erhalten. — Für die Deutschen Jugendherbergen, Gau Südhessen, in Darmstadt konnten aus einer Haussammlung in unserem Orte 30 Mk. überwiesen werden. * Leihgestern, 11. Dez. Einen genußreichen musikalischen Abend veranstaltete dec Orche st erverein Gießen von 1908 am Samstag im Saale „Zur Krone". Der erste Seil des Programms, der fast durchweg aus ernsteren, der Adventszeit angepaßten Stücken sich zusam- menfehte, wurde von den Zuhörern sehr beifällig ausgenommen. Im zweiten Teile des Programms wurden meist heitere volkstümliche Werke zu Gehör gebracht, die immer wieder stürmischen Beifall hervorriefen und den Orchesterverein nötigten, Zugaben zu gewähren. Der Gesangverein „Eintracht" half den Abend durch Vortrag verschiedener Lieder verschönen; „Schäfers Sonntagslied" von Kreutzer mit Orchesterbegleitung war sehr schön, ebenso der Chor: „Waldnacht von Kern. Ganz besonders ansprechend waren die beiden Lieder: „Morgenwanderung" von de Groote und „Sandmännchen" von Brodt. Der Dirigent des Gesangvereins „Eintracht", Herr D a u t b, der es verstand, seine gut geschulte Sängerschar mit ihrem guten Stimmenmateriat kicher zu leiten, erntete wohlverdienten Beifall. S Stiege e?’tÄ im Qbe' gab Ä >920 ?u^nt)0[i 3um SchN Mfcnten (.’■ 3fr meugtunbung ’&ttn Organisation "• P.S. ffen. ließen. len Weiten Advent-. «t Kirche eine Ad. °e mit zn-ei gife, n Orgelspiei und Sr- ^eche LinderadtM' lehr anziehende Seife W\ 53 Dilder aiß 'em erläuternden Ottfe f schöne ALventisütei ^nter zahlreicher Ä- dmcinLe. sowie säni- mler kmgiäf>rmer£iv chnejder im 2®«, ragen, lieber 15 I^ce' mt mit großer Treue eben, linier OrisM- ihmte die vorzüglichen 'chiedenen in einer zu . MgernMer Lin- Würdigung der grölen ebene sich in uns«« )Qt. einen Kran; nie* i) Kränze nieder dn^ Kirchenchoc fein®' lotoie die Schulkinder, ie $of reite der Mive^ e wurde kürzlich |ni ner ging hie fyfreitt ilter in den 2esttz ur übet. Der Knus- ttö M. Himmt men item Jahr der srühm seine Hosreile an 6s Jamm verlauste, s» drei Häuser von h Händler Heinrich I-' in unserem Sorsc nr. i gestrigen 10. 9^ lebende Merm/' li't irische feinen 81 ;prä|identv4>chöcn. mMllämhsamlM imit seinem 2^, lten Krieger durch W • Sin’ feste “J en“, Sie -B 5*^ 3 11M die IieöSucht. fr Mwnt« 0' £j MsschlaM^D 231 inl®il WÄ X vorha^A SA» ?iS Snlen unv |& (^:1 Wtil1" tzienenvouer Kirche und Schule. s. Inheiden, 11. Dez. Dieser Tags fanb hier eine Tagung der Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Lich- Hungen im neuen Schulhaus statt. 3m Mittelpunkt stand eine llnlerrichtsprobe in Erdkunde, die Lehrer Silh (Inheiden) in der Oberklasse abhielt. CBc= handelt wurde die oberrheinische Tiefebene als Landschaft und ihre Besiedlung. In der Aussprache beschäftigte man sich kritisch mit den verschiedenen Methoden des erdkundlichen Unterrichts. Es ist anzustreben, daß die Schüler selbst den Gedanlengang der Betrachtung eines Gebietes angeben und sich, so weit als irgend! möglich, die geographischen Erkenntnisse selbst aus dem Kartenbild erarbeiten. Kreisschulrat Kinkel hob hervor, daß man natürlich zuerst dem Lernenden bestimmte Wege, geographischen Denkens ausweisen müsse, und erläuterte dies an Beispielen. Lehrer Roth (Klein-Linden) empfahl zur Bereicherung erdkundliche Lesestoffe in lebensvoller Schilderung. Rach einer Pause hielt Lehrer H e s s i n g e r (Trais-Horloff) einen Vortrag über die körperliche Züchtigung in der Schule, an den sich ebenfalls eine ausgedehnt« Aussprache anschloß. Man war sich darin einig, daß cs Wohl anzustrcben sei, unter Anwendung anderer Strafmittel ohne die Züchtigung auszukommen. Solange jedoch auch das Elternhaus sie noch anwende, könne auch die Schule, wenigstens in hartnäckigen Fällen, nicht allgemein auf dieses Strafmittel verzichten. Rachmittags schloß sich eine Konferenz des Bezirkslehrervereins Hungen an. Es wurden die Satzungen des Kreisvereins beraten und weitere innere Vereinsangelegenheiten behandelt. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 10. Dez. Ein auswärtiger, vielfach wegen Diebstahls vorbestrafter und auch jetzt wieder wegen des gleichen Delikts in einer auherhessischen Strafanstalt einsihender ^Arbeiter" war wiederum des Diebstahls im wiederholten Rückfall beschuldigt. Ein Gastwirt in einer kleinen oberhessischcn Stadt gewährte ihm auf sein Rachsuchen ein Rachtlager. Bei seinem Weggehen am andern Morgen hieß er zum Dank für das bewiesene Entgegenkommen das im Schlasraum stehende Fahrrad des Wirts mitgehen. Er wurde alsbald gefaßt und vom Bs- zirlsschöffengericht Gießen am 9. Oktober 1929 zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt, und zwar unter ausdrücklicher Verneinung mildernder Umstände. Gegen dieses Urteil verfolgte der Angeklagte Berufung mit dem Ziel der Umwandlung der Zuchthaus- in Gefängnisstrafe. Die Beweisaufnahme — im Gegensatz zur ersten Instanz legte er in zweiter Instanz ein umfassendes Geständnis ab — ergab das gleiche Bild wie früher. Da der Staatsanwalt mit Rücksicht auf dieses Geständnis und darauf, daß es sich hier um einen Gelegenheit^diebstahl handelt, mildernde Umstände befürwortete, gab auch das Gericht der Berufung statt und erkannte mit Rücksicht auf die Jugend und die eben erwähnten Umstände trotz der Vorstrafen und des Vertrauensmiß- brauchs auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahr. Kunst und Wissenschaft. Die Erde in Ralur, Kultur und Wirtschaft. Die geographische Wissenschaft rüstet sich, in einem Standardwerk unter Führung des Gießener Universitätsprofessors D r. Fritz Kl u t e und mit Unterstützung namhafter Geographen Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz, Hollands und anderer Länder den heutigen Stand der Erdkunde aufzuzeigen. In einem „Handbuch der geographischen Wissenschaft" (Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion, Wildpark-Potsdam) will diese verhältnismäßig junge, aber wirklichkeitsnahe und universale Disziplin der Wissenschaften — vor kaum 100 Jahren durch Alexander von Humboldt und Karl Ritter begründet — nicht allein den engeren Fachgenossen, sondern auch den Wirtschaftskreisen und dem Naturfreunde durch eine Gesamtdarstellung dienen. Zu den Mitarbeitern gehören meist jüngere, darstellungsbegabte Geographen, die ihr Gebiet durch vielfache Reisen aus eigener Anschauung kennen, wie überhaupt alle Anschauungsmittel, welche die moderne Technik der Wissenschaft gegeben hat, hier herangezogen werden sollen. Interessant ist, daß gegenwärtig die französische erkundliche Wissenschaft auf gleichem Gebiet angestrengt tätig ist: hier wird die deutsche geographische Wissenschaft zeigen, daß sie in dem Wettstreit der Nationen ihre führende Stellung zu behaupten gewillt ist. Me Deckung des Hanauer Defizits. WSR. Hanau, 11. Dez. Der Magistrat der Stadt H a na u hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, zur Deckung des voraussichtlichen Fehlbetrags von 600000 M k. der Stadtverordnetenversammlung folgende Vorschläge zu machen: Einführung der Diersteuer vom 1. Januar 1930 ab, Erhöhung des Gaspreises um 1 Pf. auf 22 Pf., Erhöhung des Wasserpreises um 2 auf 28 Pf., Erhöhung der Lichtstrompreisarbeitsgebühr um 2 auf 24 Pf., Erhöhung des Kleinkraftstrompreises um 1 Pf., ferner Erhöhung der Grundvermögenssteuer um 70 auf 370 v. H., der Gewerbeertragssteuer um 40 auf 490 v. H. und der Gewerbekapitalsteuer um 100 auf 1100 v. H. Der Magistrat erhofft aus diesen Erhöhungen eine Mehreinnahme von 300000 M k. im laufenden Rechnungsjahr, so daß damit die Hälfte des Fehlbetrages gedeckt sein würde. Rundfunkprogramm. Freitag, 13. Dezember. 11 bis 12: Schallplattenkonzert. 12.15: Schallplattenkonzert: Klavier-Konzerte. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend: „Der Lehrling in den kaufmännischen Berufen", Vortrag von Berufsberater Klesper vom Arbeitsamt Frankfurt a. M. 16 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.05: Briefkasten. 18.15: Bücherstunde. 18.35 bis 19: Don Stuttgart: „Wesen und Bedeutung des ärztlichen Rezeptes". 19.05: Don Stuttgart: „Die neuere Entwicklung der Reichsbahn", Dortrag von Reichsbahn-Dizepräsident Honold, Stuttgart. 19.30: Don Stuttgart: Diolinsoli, Georg Deer- wald. 20.15: Don Stuttgart: Land im Rücken, Kammerspiel in drei Akten von Herbert Schesf- ler. 21,15 bis 22.15: Von Stuttgart: Volkstümlicher slawischer Abend des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 22.30: Unterhaltungskonzert. Samstag. 14. Dezember. 10.30: Schallplattenkonzert. 11.15: Schulfunk — Musik: „Das geistliche Volkslied", vorgetragen von Studienrätin Cilla Geis. 13.30 Schallplattenkonzert: Heiteres Wochenende. 15.15 bis 15.45: Stunde der Jugend: Aus dem deutschen Liederkranze. 16 bis 17.45: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.05: „Verkäufer und Käufer alter Bücher", Vortrag von Max Rieder- lechner. 18.35 bis 19: Spanischer Unterricht. 19.05: Gabentisch deS Rundfunks — Das Mikrophon in Warenhaus und Läden. 19.30: Trio- Konzert. 20.15 bis 22.10: Don Dortmund: Bunter Abend. 22.25: Don Kassel: „Unter Junggesellen", eine heitere Stunde. 23.30: Tanzmusik. Aus dem Amtsveekündigungsblati. • Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 89 vom 6. Dezember enthält: Sonntagsruhe. — Dienstnachrichten. — Zweiter Volksentscheid. — Erlaß einer Wiesenpolizeiverordnung für den Kreis Gießen. — Das Buch „Die Jugend und der neue Staat". — Werbewoche des D. D. A. — Versetzung der Beamten in den Ruhestand. * Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 90 vom 10. Dezember enthält: Die Wahlen zum Provin'ialtag 1929. — Strahensperre-Auf- hebung. — Aufklärungsschrift „Deutsch die Saar immerdar". — Verordnung über die Ausdehnung der Angestelltenversicherungspflicht. — Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft in der Gemarkung Gießen und Gemarlungsleil Wißmar. — Bekämpfung der Schnakenplage. — Das Buch des ehemaligen Direktors des Römisch- Germanischen Zentralmuseums. — Schäferei- sahung der Gemeinde Harbach. — Dienstnach- richten. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in bet Synagoge (Südanlage): Samstag, 14. Dezember. Vorabend: 4.30 Uhr; morgens 9; abends 4.35 und 5.15 Uhr. Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 14. Dezember. Freitag abend 4 Uhr; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 5.15; Wochengottesdienst morgens?; abends 4 Uhr.________________________________________ Sprechstunden der Redaktion. I 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag I nachmittag geschlossen und bis zum 10.Jahre dürfen Sie als besorgte Mutter für die zarte, empfindliche Haut Ihres Kindes nur die milde, reine NIVEA KINDERSEIFE verwenden. Nivea-Kinderseife wird nach ärztlicher Vorschrift hergestellt; mit ihrem seidenweichen Schaum dringt sie schonend in die Hautporen ein und macht sie frei für eine gesunde und kräftige Hautatmung. Preis 70 Pfg. Z W 29/30 NIVEA'CREME ist Tages-und Nachtcreme zugleich. Am Tage schützt sie Ihre Haut vor den schädlichen Einflüssen rauher Witterung. Sie ist überdies hervorragend geeignet als Puderunterlage, da sie ein Verstopfen der Hautporen durch den Puder verhindert; sie läßt aber den Puder haften und später leicht wieder entfernen. Des Nachts wirkt das hautpflegende Eucerit, das nur in der Nivea-Creme enthalten ist, als Haut- nährmittel, alle öewebe verjüngend, kräftigend und pflegend. Runzeln und Palten werden schnell und vollkommen beseitigt. Dosen RM. 0.20- 1.20 / Tuben aus reinem Zinn 0.60 u. 1.00 Nivea-Creme dringt in die Haut ein a. hinterläßt keinen Glans. BILDERfür Herrenzimmer Speisezimmer Schlafzimmer KUNSTHANDLUNG C.L.LEIB Kirchstr. 2 Drucksachen aller Art stattung stilrein nnb'prciiwen die Brübl’fcbe Universitäts-Druckerei. B. tonae. Gießen. StbMlttr. r Eine Kamera oiF Die brennende Weihnachtsfrage für die Dame, den Herrn, das Heranwachsende Kind, ist damit am besten beantwortet Die Kamera bereitet lanlend Freude and sollte deshalb der stete Begleiter sein. 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Die Verdingungsunterlagen liegen auf der Büraermeisterei Bernsfeld offen, wo auch die Anaebotsvordrucke, soweit Vorrat reicht, erhältlich sind. Die Eröffnung der mit entsprechender Aufschrift versehenen, postfrei bei der Bürgermeisterei einzureichenden Angebote findet Dienstag, den 17. Dezember 1929, vormittags 11 Uhr. auf der Büraermeisterei statt. Freie Auswahl Vorbehalten. Gießen, den 7. Dezember 1929. Hessisches Kulturbauamt. H. Steinbach, Regierungsbaurat. Licher Weihnachtsmartt Montag, den 16. Dezember 1929 Schweine- und Krämermarkt. Zum Markt zugelassen sind Tiere aus unverseuchten Gemeinden. Die Herkunft der Tiere ist durch Ursprungszeugnisse nachzuweisen. Für Händleroieh ist Nachweis der Quarantäne erforderlich. Der Austrieb hat in der Zeit von 8lA bis 9% Uhr vormittags stattfinden. 10162D Lich, den 10. Dezember 1929. Hessische Bürgermeisterei Lich. G e i L Das wäre eigentlich richtig! F.S1CHHAPT Ä 3 i r ■> 7”* V- Denn Leitungswasser ist kalkhaltig und harff damit können Sie keinen wirklich guten Kaffee machen. Kalkhaltiges Wasser wertet die Bohnen schlecht aus, das ist ganz natürlich. Aber: nehmen Sie „Webers Carlsbader“ zum Kaffee. Das macht Ihr Leitungswasser zum Kochen tauglich, wertet die Bohnen besser aus und hält ^febers macht den Kaffee besser- das steht fest! die Duftstoffe zusammen! So gelangt das ganze köstliche Kaffee-Aroma bis in die Tasse — bis auf den Tisch. Das ist so! Das merken Sie beim ersten Schluck. Lieber Sitzung ; kaminer Ter 2o sawinlung LfftnbZ W'ti !U% ÄL derreglerun legende. lenDerv entgegenge von den &' und auch t gesagten sich warte Der zu> d e r H a n genehmigt Die Mitarbeit akadem und §e Ser T hat bei bei furt a. W. richtet. Di Stelle eing fammenarbi delökammeri Leopold 2! Es ist die berichtei durch die mit dem ' dustrie- ui bracht toot Notwendix anertennei Don 6ei dieDie! getränt fischen 3n den Qeutf beten, sich den, da die aushebung noch in vl M eine schweig, t Echrist ersehen, ko einberstanl warm sür eintreten, lvren geh In tim mtes bei lamme m 1 einer Ma nächst abzr tz.rahhen einer worden. Ein Ar redisvren, eidigte svnen lebens bestell Derl 24 Fortsetzi »S mu6 W schlv berichten: »Unter i auch der ' in Die^ W M gängig, qt 5at man ( °M Besch ®«tid '^Mvlger S^hen h, bemi N.davoi Jachschau ^e Men, _ 5>nd. Du ^8 Oerh ^>che jn natürlich .®t ist L °J x K? X- ivohin. ^echtig ,,?ernö K.S-i «ffö Utl Ausführung von allen bank- und börsenmäßigen Geschäften w 87..D Marktstrabe 34 UNSERE HAUPTPREISLAGEN für Damen« Alleinverkauf der Marken Mercedes und Bally Mk. 14.50 1 Konfektdose gratis! 9838L Mk. 16.50 Mk. 18.50 Kostenlose Röntgen - Fub - Durchleuchtung! Hausschuhe in I ZUS. / 0.62 10157 A Dr. Temesvary: 10165V 28er Dürkheimer Feuerberg. 1.20 Gintritt 30 Pf. 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Auch Sie brauchen einen Ofenschirm für Ihren eisernen Ofen, wenn Ihre Einrichtung nicht durch die Wärmeausstrahlung leiden soll. Kommen Sie doch auch zu mir, ich habe eine reiche Auswahl In den hübschesten und elegantesten Formen zu wirklich mäßigen Preisen. Ansehen kostet ja noch nlch.s. 1UI36A __1JI6SA Erstklassige weihnachts- bäume von 1 Mk. an ein- Nr. 291 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Donnerstag, 12. Dezember (929 1 n r» »r nw ti i.-xbui ui mr nn——wm—■—■——B—————— Industrie- und Handelskammer Gießen. lieber die Verhandlungen in der jüngsten Sitzung der Industrie- und Handelskammer Gtehen wird uns berichtet: Der Vorsitzende bringt zur Kenntnis der Versammlung eine Statistik über Wechselproteste, Offenbarungseide, Pfändungen und Zahlungsbefehle, welche ein erschütterndes Bild von der täglich zunehmenden Rot der deutschen Wirtschaft darstellt. Dieser Rot, von welcher auch älteste und solideste Firmen nicht verschont bleiben, könne nur durch ein rasches und entschiedenes Handels der Reichs- und Länderregierungen in der Richtung einer grundlegenden Aenderung unseres gesam- tenVerwaltungs- und Steuersystems entgegengewirkt werden. Diese schon seit Jahren von den amtlichen Verufsvertretungen geforderte und auch von den leitenden Regierungsstellen zugesagten Reformen lassen jedoch noch immer auf sich warten. Der zur Vorlage gebrachte Voranschlag der Handelslehranstalt für 1930/31 wird genehmigt. Die Kammer erklärt ihre Bereitwilligkeit zur Mitarbeit bei der geplanten Einrichtung von akademischen Kursen für Kaufleute und Gewerbetreibende. Der Deutsche Landwirtschaftsrat hat bei der Industrie» und Handelskammer Frankfurt a. M. eine Verbindungsstelle eingerichtet. Die Kammer wird in dem bei dieser Stelle eingesetzten Ausschuß, der eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschafts- und Handelskammern herbeiführen soll, durch ihr Mitglied Leopold Mayer vertreten sein. Es ist die Herausgabe von Vierteljahrsberichten über die jeweilige Wirtschaftslage durch die hessischen Kammern In Gemeinschaft mit dem Verband der hessen-nassauischen Industrie- und Handelskammern in Anregung gebracht worden. Die Kammer kann eine dringende Rotwendigkeit für eine solche Einrichtung nicht anerkennen. Von den maßgebenden Regierungsstellen wird die Wiedereinführung der Gemeinde» getränkesteuern ernstlich erwogen. Die hessischen Industrie- und Handelskammern haben den Deutschen Industrie- und Handelstag gebeten, sich gegen derartige Bestrebungen zu wenden, da die Gründe, welche seinerzeit zur Wiederaufhebung dieser Steuern führten, auch heute noch in vollem Umfang Gültigkeit haben. Mit einem Antrag der Handelskammer Bramr- schweig, welcher dahin geht, die deutsche Schrift allmählich durch die Lateinschrift zu ersehen, konnten sich die hessischen Kammern nicht einverstanden erklären. Sie werden im Gegenteil warm für die Erhaltung der deutschen Schrift eintreten, damit deutsches Kulturgut nicht verloren geht. In einer Sitzung des Stenographenprüfungs- amtes der hessischen Industrie- und Handelskammern wurde beschlossen, von der Einführung einer Maschinenschreiberprüfung zunächst abzusehen. Für die Geschäfts st eno- graphenprüfungen ist die Einführung einer Vorprüfung in 120 Silben beschlossen worden. Ein Antrag des Verbandes deutscher Bücherrevisoren, der dahin geht, in erster Linie vereidigte Bücherrevisoren als Personen des praktischen Geschäftslebens zu Konkursverwaltern zu bestellen, wurde seitens der hessischen Industrie» und Handelskammern beim Justizministerium befürwortet. Eine Eingabe des Allgemeinen Deutschen Automobilclub E. D., welche die Aufenthaltssteuer für ausländische Kraftfahr- z e ug e aufgehoben sehen will in der Annahme, daß das Ausland zum Ausgleich die gleiche Verfügung trifft, ist dem Deutschen Jndustrie- und Handelstag zur weiteren Verfolgung übergeben worden. Der Hessische Industrie- und Hanöelskammer- tag hat sich mit der Frage einer Zwangs- Haftpflichtversicherung für Kraftfahrzeughalter befaßt und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß bei der starken Ausdehnung des Autoverkehrs eine solche nur befürwortet werden kann. Im Falle ihres Zustandekommens müsse jedoch dem Automobil in der gleichen Weise gesetzlicher Schuh gewährt werden, wie der Eisenbahn. Außerdem sei Vorsorge zu treffen, daß die bereits von einzelnen Berufs» genofsenschaften auf freier Grundlage getroffenen Sondereinrichtungen bestehen bleiben könnten. Der Hessische Industrie- und Handelskammer» tag hat durch die sämtlichen hessischen Zeitungen einen Artikel veröffentlicht, der sich an Vereine und dergleichen mit der Bitte wendet, die Anforderungen an Firmen des Handels und der Industrie um unentgeltliche Stiftungen zu Festen und Veranstaltungen einzuschränken, oder ganz zu unterlassen. Diese Anforderungen, deren Gewährung die Geschäftsleute nicht glauben abschlagen zu dürfen, werden mit der Zeit zu einer unangenehmen Belästigung und finanziellen Belastung, die bei der heutigen Wirtschaftslage nicht mehr zu verantworten ist. Eine Eingabe der Zigarrenhändler von Gießen an die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. befaßt sich mit der Verkaufszeit der Zi» aarrenv er kauss stelle in der Bahnhofshalle. Diese Verkaufsstelle ist durch die Verlegung der Sperre jedermann ohne Bahnsteigkarte zugänglich, wird aber trotzdem nach wie vor auch zu Zeiten offengehalten, in denen die ortsanfässigen Geschäftsleute ihre Läden geschlossen haben müssen. Da dies für die Zigarrenhändler eine empfindliche Schädigung bedeutet, haben sie die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. gebeten, zu veranlassen, daß die außerhalb der Sperre liegende Verkaufsstelle die gesetzlichen Ladenschlutzzeiten einhalten muß. Es fei dies um so leichter möglich, als für den Bedarf der Reisenden innerhalb der Sperre und in den Wartesälen reichlich gesorgt ist. Die Kammer hat diese Eingabe bei der Reichsbahndirektion dringend befürwortet. Leider ist der Eingabe der Erfolg versagt geblieben; in Gemeinschaft mit dem Verein wird jedoch die Kammer ihre Bemühungen in dieser Richtung fortsehen. Die Kammer hat ans Anlaß eines bestimmten Falles das Krcisschulamt Gießen gebeten, in eine Prüfung der o.age einzutreten, wie die Unterrichtszeit in den ländlichen Mädchenfortbildungsschulen den Bedürfnissen der Wirtschaft besser als bisher an- gepaht werden kann. Der Vorort des hessischen Industrie- und Handelskammertags hat sich an die hessischen Reichstagsabgeordneten mit der Ditte gewandt, dem Gesetzentwurf über den 5-Hhr-Laben° schluß am Heiligen Abend die Zustimmung zu versagen. Bezüglich dec Festsetzung eines Mindest-Auf- schlages auf die Mindestpreise von Branntwein un dBr a n n t w ei ne r z e u g- Das Erbe des Herrn von Anstetken. ZRoman von Z. Schneider-Foerstl. Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 24 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Er muhte die Augen abwenden, um nicht selbst schwach zu werden. Er begann ihr zu berichten: „Unter den Gästen von Mister Selthon war auch der Attache der österreichischen Botschaft in Wien. Von dem habe ich alles erfahren. Hans Peter war bereits seit zwei Tagen ab» fängig, als man nach ihm suchte. Jedenfalls at man auf Anstetten angenommen, er wäre, ohne Bescheid zu geben, verreist. Dann sickerte das Gerücht durch, daß beerensuchende Frauen frühmorgens auf einer Lichtung einen Mann gesehen hätten, der mit durchschossener Brust auf dem Rücken tag. Sie hätten sich vor Schrecken erst davongemacht und als sie später wieder Rachschau hielten, sei er verschwunden gewesen. Rur eine große Blutlache habe sich noch vorge» funden. — Du mußt nicht so fürchterlich zittern, Kind. Durch irgendeinen Zufall wurde ermittelt, daß Oertzen am gleichen Morgen ebenfalls nach der Lichtung gegangen war. — Wie sich die Sache in Wirklichkeit abgespielt hat, vermag natürlich nur er zu sagen." „Er ist hier." „In Ostende?" „Ja! — Ich habe ihn gestern nachmittag gesehen." Lötzen gab die Tochter frei „Ich gehe sofort und lasse mir von der Kurverwaltung seine Adresse herausschreiben. Dann haben wir Gewißheit." Ein mattes Hoffen trat in sein Gesicht. Er klingelte der Zofe und befahl ihr, bei der Herrin zu bleiben, bis er zurück wäre. Schon nach einer halben Stunde erschien er wieder und Brunhilde las sofort aus seinen Zügen, daß der Gang zDecklos gewesen war. Laut vorliegender Tlbmeldung war Oertzen mit Gattin am Rachmittag abgereift, unbekannt wohin. Der Mörder flüchtete vor den Händen der Gerechtigkeit. ♦ Bernd sprang mit der Elastizität seiner siebzehn Jahre aus dem Bett und reckte die Arme. Er hatte wundervoll geschlafen und noch wundervoller geträumt Das Wasser stürzte aus den vernickelten Hähnen des Marrnorwascht sches und überschüttete ihm Gesicht und Racken mit köstlicher Frische. „So früh schon auf dem Damm, Großpapa?" Er griff nach dem Frottiertuch und massierte Kopf und Rücken. „War s schön auf Mister Selthons Jacht? Sie soll ein ganzes Wunderding fein. — Wartest du auf mich? Dann bitte gedulde dich noch fünf Minuten, ich bin gleich fertig!" Ec streifte den Pyjama ab und schlüpfte in fein Beinkleid. „Ist Mama schon wach?" ..Schon lange, Bernd. — Aber sie ist sehr unpäßlich wegen der großen Sorge, die sie sich um Papa macht." „Hm Vater?" t „Ja, Kind. — Sie hat Rachricht bekommen — eine telephonische Rachricht, Bernd, daß er einen schweren Malariaan?ali hat und euer Heimkommen dringend erwünscht ist." Das Knabcng-sicht verblaßte. „Großpapa! — Die Wahrheit!" Wie klar und rasch er kombiniert, urteilte Löhen. Aber vorläufig genügte das, was er gesagt hatte. „Es ist so, mein Bub, w e ich dir berichtet habe. — Schwere Malaria! Ein außerordentlich bcforgniserregender Anfall. Die Mama packt bereits. Hm 9.45 Hhr geht der Expreß. Sie hat in diesen scheueren Stunden niemand als dich, Bernd. Ich bitte dich, ihr ein guter Sohn zu sein." Bernd stand gegen die Wand gelehnt und schlang mit zitternden Fingern die Krawatte über dem bastseidenen Hemde. „Wann können wir frühestens zu Hause sein?" „Roch heute abend mein Junge. Wir erreichen in Brüssel das Flugzeug nach Köln und steigen dort in das nach Münzen über. Gegen acht Hhr sind wir in Wien. Die Mama Has bereits den Wagen telegraphisch an den Flugplatz bestellt." Bernds schlanke Gestalt löste sich von der Wand und kam auf den General za: „Großpapa, wenn du mir nur aus Barmhe zigkeit etwas verschweigen willst, ich könnte dir die Lüge nie verzeihen." Löhen wandte den Blick ab, die Augen des Knaben sahen ihm bis in die Seele, aber die Wahrheit, die er verlangte, durfte ihm nicht geoffenbart werden! Jetzt noch nicht. Sie würde ihn fürchterlich genug treffen, wenn er sie einmal erfuhr. Er mußte bei feiner Lüge bleiben. Bernd fühlte, wie seine Knie steif waren, als er jetzt an der Seite des Großvaters zur Mutter hinüberging, ihr „Guten Morgen" zu wünschen. Ihr Anblick machte - sein Herz aufweinen. Wie über alles mußte sie den Vater lieben, daß innerhalb weniger Stunden diese bleiche, hohlwangige Frau aus ihr geworden war, weil sie sein Leben in Gefahr wußte. „Du mußt nicht so verzveifelt sein, Mama." Er nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände und küßte sie zärtlich. „Wie viele Fieberanfälle hat nissen im Kleinhandel haben sich die beteiligten Wirtschaftskreise im Rhein-Main-Gebiet unter der Führung der Handelskammer auf den Satz von 30 v. H. geeinigt. Ohm-Lumdatal-Gängerbund. '!' Mücke, 9.D.z Gestern f nb in Weife bachs Gastwirtfchaft der oiebjuhrige Dirigententag des Ohm-Lumdatal-Sängerbun- d e s statt. Cs wurden zunächst organisatorische Fragen besprochen, die hauptsächlich die ©aucintci.ung angingen. Alsdann wurde wieder einmal die immer wieder auftretende Frage der Vereinigungen zum Schuh bei geistigen Eigentums erörtert. Die Vereine finb in Sachen ber Chormusik unb -texte burch Beiträge an bie be- stehenben Körperschaften versichert, aber es machen fich in neuester Zeit Strömungen gelten!), bie auch bie etwa aufgeführten Theaterstücke unter denselben Zwang stellen wollen. Daß durch alle diese Dinge den nicht sehr mit materiellen Mitteln gesegneten Vereinen große Schwierigkeiten und Geldopfer entstehen, läßt sich denken. Man muß zwar dem geistigen Eigentum Schuh zugestehen, aber die geforderten Beträge finb entschieden zu hoch, so baß sie ben Vereinen schwer werden. Zum Gauchormeister wurde einstimmig Lehrer Dönges, Merlau, gewählt. Das mit dem Wertungssingen verbundene nächste Dundesfest findet am 25. Mai 1930 in Freienseen statt. Weiterhin beteiligt sich der Bund an dem Fahnenweihfest des Burg-Gemünder Vereins, bas am 6. unb 7. Juli 1930 abgehalten wird. Als Preisrichter für das Wertungsfingen wurde Musiklehrer Blaß bestimmt. Das vom Musilaus- fchuß erwählte Pflichtlied heißt: „Mein Lied" von Führmann. In bezug auf das Wah'.lied wurde festgelegt, daß man ein Lied im Volkston als Wahllieb für das gegebene erachtet. Hessische Vereiuigmg für Vmskmde. Zahresiagung in Lauterbach. (Von unserem Sonderberichterstatter.) * Lauterbach, 8. Dezember. Die hessische Vereinigung für Volkskunde hielt gestern unb Heu e hier ihre Jahrestagung ab, bie von Kreisschulrat Lorenh umsichtig vorbereitet war. Ober» studienrat Professor Keller (Friebberg), ber bie Veranstaltung für den am Erscheinen verhinderten Vorsitzenden ber Vereinigung, Ober- ftubienbireftor Dr. Faber, leitete, eröffnete mit herzlicher Begrüßung, die vor allem auch den Gästen galt. Die Tagesordnung umfaßte zwei wichtig: vol s'undliche Referate. Zunächst sprach Lehrer Bernhard (Hei- mertshaufen) in mehr als einftünbigen, tief» schürfenben und fesselnden Ausiührungen über „Volksglaube". An einführenden Gegenwartsb>eispi:len aus dem Kreise Alsfeld tonnte der Redner zeigen, daß ber seßhafte Mensch des Lanf.es im Gegensatz zum Städter einen viel lebhafteren Glauben an eine übersinnliche Welt hake Der urwüchsige Bewohner verhält sich den übersinnlick e i Mächten gegenüber nicht untätig; er bekämpft sie, wie das Beispiel des Hexentreibens in der Walpurgisnacht zeigt, wo sie ihm Schaben bringen. Wirksam kann in bieser Abwehr ber „bösen Geister" auch das W o r t in der richtigen Anwendung sein, b. h. in ber Gestalt ber magischen Formeln, wie sie in den Segen- unb Zauberbüchern niebergeschrieben finb. Diese Gesahne- heste spielen heute noch eine gewisse Rolle, finb aber nicht leicht zu verschaffen, einmal weil sie durch ihr Alter familiär geheiligt finb, dann aber auch, weil ber Eigentümer nicht in den Ruf kommen mochte, als abergläubisch oder rückständig angesehen zu werden. Die Segen» und -Beschwörungsformeln haben ben Hrsprung in dem aniiien griechisch-römischen Glauben, im germanischen Heidentum, oder sie finb Heberreste wissenschaftlicher Anschauungen früherer Zeit, können jedoch aus ber Gegenwart stamme:!. Rebner behanbelte eingehend die Segen, die er in ber Umgebung in über dreißigjähriger Arbeit gesammelt hat, unb er zeigte ben aufmerksamen Zuhörern, wie das Wort in befehlenbem Ton die bösen Geister bannt. Bezüglich der Wirkung der Formeln spielt bie Einbildung (Suggestion) des Hilfesuchenden eine große Rolle. Auch die äußere Form der Sprüche ist angetan, Tertrauen einzuslößen. Denn heilige Tarnen werden vielfach mit den Segen in Verbindung gebracht. Bei» fpiele veranschaulichten, daß Ge.e und Zauberformel eng miteinander verwandt finb. Der Aberglaube ist ein Ritus eines lebendigen Glaubens gewesen, ist bann aber herabgesunlfen zu einer Schale vH ne Kern. Es wirb deshalb Aberglauben geben, solange sich die Menschheit entwickelt. Für Leute, die mit dem Volke zu tun haben, ist es von großer Wichtigkeit, sich mit dem Aberglauben, in dem immer als Unterton wahrer Glauben mitschwingt, zu beschäftigen, um schädliche Formen bekämpfen und falsche Meinungen durch richtige ersetzen zu können. Heute noch gilt, damit schloß der Redner, das Wort Ernst Moritz Arndts: „Scheue dich nicht, das zu schonen, was viele Kluge Torheit und Aberglauben schelten!" Rach lebhaftem Beifall dankte Prof. Keller dem Redner für die interessanten Darlegungen, bie eine Lebensarbeit darstellen, und nahm selbst in längeren Ausführungen Stellung zum Aberglauben. Sein Vorschlag, bah Lehrer Bernharb seinen Vortrag am Predigerseminar und an den Pädagogischen Akademien vor den zukünftigen Seelsorgern und Erziehern des Landvolkes halten müsse, fand lebhafte Zustimmung. Heber das in Hessen noch wenig bearbeitete Gebiet der Volksbokanik hielt Lehrer O h w a l b (Bab-Rauheim) ein ein- führenbes Referat. Rach einem anschaulichen! Heberblick über bas Arbeitsgebiet ber Volksbotanik regte ber Vortrag zur Sammelarbeit auf bem Gebiete an. Volkskundler unb Botaniker werben sich babei die Hand reichen unb zunächst gemeinsam einen Fragebogen ausarbeiten. In erster Linie gilt es, bie Voltsnamen ber Pflanzen zu sammeln, bie oft viel bildhafter finb, als die wissenschaftlichen Bezeichnungen. Dann aber muß bie Arbeit auch auf bie Zusammentrayung bes sonstigen voltsbotanischen Materials bedacht sein. Die Beziehungen der Pflanzen zum Kinderspiel, Fragen der Volksmedizin, die Stellung der Pflanzen im Volksglauben, kirchliche und sonstige Bräuche sind zu beachten, und auch der kulturhistorisch fo unteressanten Flora der alten Tauerngärten und Friedhöfe verdient alle Aufmerksamkeit. Lehrer O ß w a l b führte zum Schluß seiner anregenden unb sehr beifällig aufgenommenen Ausführungen aus, baß, wie auf anberen Ge- Papa nicht schon überstanden! Zuletzt den in Dardsch'.ling, der doch so schwer war, wie er mir damals schrieb. Wenn wir erst z i Hause finb, wirb es sicher halb wieder aufwärts mit ihm gehen. — Vielleicht sehnt er sich auch nur so fehr nach uns. Ich mache mir nun doch Vorwürfe, daß ich nicht bei ihm geblieben bin.“ Statt aller Antwort drückte Brunhilde das Gesicht gegen bie Schulier ihres Jungen und weinte, weinte in so qualvoll heißer Reue und Verzweiflung, daß Bernd bis zur Abfahrt keinen Schritt mehr von ihrer Seite wich. • Auf die Sekunde donnerte der Expreß aus der Halle des Bahnhofs. Jedes Wort, das Bernd sprach, jagte Brunhilde einen Schauder über den Rücken. Roch besaß sie die Liebe ihres Kindes! Roch legte sich sein Arm tröstend um ihre Schultern unb lehnten feine warmen Hände ihr gramverzerrtes Gesicht gegen das seine. „Mutter, ich kenne dich nicht mehr. Er ist doch nicht gestorben, Mutter! Dann würbe ich ja begreifen, daß du so über die Maßen elend bist! Aber so sehen wir ihn doch heute abend. Wir teilen uns in seine Pflege, du unb ich. Ich habe noch acht Tage Ferien! Bis dahin muß er gesund fein!" Brunhilde fand kein Wort. Sie schloß die Augen, um das Gesicht des Sohnes nicht mehr zu sehen, welches dem anderen so ähnlich war — dem anderen, welches da irgendwo in die Erde verscharrt, verwesen unb verfaulen mußte. Lotzen warf ab unb zu einen Blick zu ihr hinüber. Dann bog sich uye Leib zusammen unb ihre Finger tasteten nach denen des Knaben, ber noch ein letztes, allerleh'.esmal seine ganze Sohnesliebe an sie verschwendete. Morgen war ihr auch diese verloren. Der General hatte eine Flasche weißen Bordeaux in das Abteil bringen lajen unb zwang sie ab und zu, ei,nen Schluck davon zu nehmen. Ein Zusammenbrechen ihrer Kraft im Flugzeug mutzte unter allen Umständen vermieden werden. Köln tauch '.e, von Sonne überflutet, am Rande ber Riefenebene auf und rückte immer näher. Endlich stoppte bie Maschine. Die Zofe mit bem Gepäck blieb zurück. Rur einen kleinen Handkoffer nahm Bernd an fich unb bestieg mit Mutter unb Grotzvater bas Auto, welches sie nach bem Flughafen brachte. Zehn Minuten später hob sich der Doppeldecker in eleganter Schraubenlinie in das Blau des Himmels unb nahm bie Richtung nach ©üb« osten. Wie ost hatte Bernb gewünscht, eine solche Reise machen zu bürsen. Run war fein Traum erfüllt, aber bie Freube war jäh burchschnitten unb nur das Sehnen blieb, ber Vogel möchte schneller fliegen, noch schneller, um bald bie Türme Wiens aus tauchen zu sehen, die ihn ber Heimat näher brachten. 3n München nochmals eine kurze Ruhepause von einer Stunbe, bann nahm man in ben Kabinen Platz, um über Salzburg nach ber Kaiserstabt zu kommen. Brunhilb.s Augen starrten burch bie großen Fenster, in bas Gleißen ber Spätnachmittagssonne, wenn sie jetzt allein hier säße, würbe ihre Rot unb Qual schon in ben nächsten Minuten ein Enbe haben. — Ein Sprung aus bieser Höhe von über tausend Meter unb sie würde in Atome zerschmettert sein. Es würde niemand mehr g:b:n, der ihr die Ruhe, nach der sie sich so maßlos sehnte, entreißen konnte. Sie sah zu Bernd hinüber unb gewahrte den Ausdruck der Freude in seinem Gesicht. Die Jugend seiner siebzehn Jahre hoffte noch! Würde hoffen, bis bie Wahrheit mit ehernen Fäusten auf ihn einhieb. Ab:r noch lagen Stunden vor ihm, bis er bas > Gräßliche erfahren sollte. Löhen griff ab unb zu nach ben Händen der Tochter unb nickte ermuntern!), richtete ben Blick auf den Enkel unb mahnte Brunhilbe mit ben Augen, sich tapfer zu zeigen. Als der große Vogel über Wien kreiste, lag die Kaiserstabt in die sanfte Glut des unter- gehenden Tagesgestirns getaucht. Das Kreuz der Stephanekirche flimmerte wie gleißendes Gold. In breitem Bande schob die Donau ihre Wasser nach Osten. In eleganter Spirale lenkte ber Pilot ben Doppeldecker auf den Flugplatz unb zwang die surrenden Propeller zur Ruhe. Zwischen Bernd unb bem Vater schreitend, ging Brunhilde in halber Bewußtlosigkeit zum Ausgang, sah den blauen Daimler warten unb mußte nach dem Arm des Generäls greifen, um nicht umzusinken. Bernd stand schon neben dem Chauffeur. „Wie geht es meinem Vater?" Ratlos glitt dessen Blick nach bem General, der rasch auf ihn zukam. „Ist eine Aenderung im Befinden meines Schwiegersohnes eingetreten?“ Dieser hatte Blick und Frage sofort begriffen. „Es ist immer das gleiche, Exzellenz." Löhen hob die Tochter in ben Fonb unb legte ihr bie Decke über bie Knie. „Komm, Bernb!" — Er hielt den Schlag für den Enkel zurück und stieg als letzter ein. — „ Fahren Sie langsam,“ befahl er so leise, datz nur ber Chauffeur es vernehmen konnte. Drunhilbes Finger lagen ineinanbergcfrallt „Ich kann nicht mehr!" Sie lehnte ben Kopf in die Ecke und riß Bernds Hände an sich. „Vater ist nicht am Fieber krank------ er ist vermißt." „Hilde!" — Lötzen hielt die Augen bet Tochter durch seinen zwingenden Blick in Dann. Bernds Augen wurden groß unb starr. (Fortsetzung folgt.) Frankfurt a M Frankfurt a M Berlin Banknoten. Berlin, II. Dezember Schluß-1 Aufang- Kurs I Kurs Dalum 12. 12. 11. 12. Datum 11 12. 12 12. 98 95,5 97,5 53 Schilling 113 156,75 Devisenmarkt Berlin — 175,13 138,25 280 160 146,25 281 94 116 151,5 der sie hat im Steige- 89,5 90,5 110,25 154 115 151,5 100 181 188 309 175,5, 139 63 69 113,5 64,25 68,13 10 , 8 10 ? r.- 116,5 116 172 151,75 231 147 146,5 271 61 91,25 122 132 - 7 »V1 10 10 11 16 8 io 94 117 116 172 151,5 230,5 146,5 146 279 100,25 53 178 310 175,5 . .> . 8 . 8 . 0 6M lu i 7 . 7 11 IC 11 *1( 1( IV* 10 100,25 54 180,75 188,5 309,9 174,75 82,5 63,65 68,4 113,5 i-Ubi Kurs 16'/, lu 10 lo 12 . 6 . 9 . 6 . 6 . 8 99 ! 238 , 102,25 1 Bercmtgie Stahlw7 Vtavl Minen . . . Kal werke Aschersleben Rai werke •Ißeftetegeln Raliroet e Salzdenurth 3. ®. Farben-Industri« Dynamit Nobel . . . GdjeiDeanflalt.... Goldschmidt . . . . RütgerLwerkr .... Melallgesellschcht. . . 95,65 116,75 116 172 151,75 231,25 146,75 146,5 271,5 12. 12. 15 sich bewährt und sollen weiter stattfinden. Der BekleidunAsordnung mit dem Ziele Einheitsuniform und Einheitsausrüstungsstücke wurde zugestimmt, ebenso der Einführung eines bereits in anderen deutschen Ländern eingeführten Feuerwehr-Chrenkreuzes für hervorragende Leistungen im Feuerlöschwesen und langjährige Dienste. Die automobile^leberlandlöschhilfe soll weiter ausgebaut werden. Sn der Losch- wasser Versorgung sind durch Errichtung von Gcmeindewasserleitungen in allen drei Provinzen wesentliche Fortschritte zu verzeichnen, dank der LInterstühung der Brandversicherungskammer. Zur Frage der Unfallversicherung und Haftpflicht, über die einheitliche, den Geschädigten Rechnung tragende Bestimmungen noch nicht vorliegen, nahm die Versammlung Stellung: allgemein wurde der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die Staats- bzw. Gemeindebehörden zur Versicherung der Feuerwehrmitglieder verpflichtet seien. Die von Klein, Gießen, beantragte und ausführlich begründete Errichtung einer Feuerwehrlotterie wurde, nachdem auch der Ausschuß beschlossen, beim Ministerium um die Genehmigung einzukommen, angenommen. Der Ertrag der Lotterie soll der Unterstützung in Rot geratener Kameraden dienen. Den durch die Technik veränderten Aufgaben der Feuerwehr entsprechend soll die Reubearbeitung des Feuerwehrhandbuches in die Wege geleitet und die fertigen Teile jetzt schon in der „Hessischen Feuerwehrzeitung" veröffentlicht werden. Auf Veranlassung des Ministeriums sollen Ortsschuhnehe eingerichtet werden dergestalt, daß in jedem Ort einige Handfeuerlöscher den Feuerwehrmitgliedern übergeben werden. Den Feuerwehr-Inspektoren und -Kommandanten wurde empfohlen, auch die Tagespresse über die Vorgänge im Feuerlöschwesen zu unterrichten und damit das Interesse an der Sache bei der Bevölkerung zu heben. Ein Antrag Darmstadt, in Zukunft den Vorsitzenden des Landesverbandes in der Landesversammlung zu wählen und nicht, wie bisher, durch den Ausschuß, wurde, weil verspätet eingegangen und nicht begründet, nicht auf die Tagesordnung übernommen, von mehreren Vertretern aber bekämpft, weil die seitherigen Vorsitzenden ihre Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit gelöst haben. Rach einer Reihe weiterer Anregungen konnte der Vorsitzende mit dem Ausdruck der 'Befriedigung die Tagung schließen. „Torpedo" Fahrräder undSchreib- ma sch in en Weilwerke A.-G., Frankfurt a. M.— Rödelheim. Aus einem nach 115 873 (78 992) Mk. Abschreibungen sich ergebenden Reingewinn von 171 811 (123 693) Mk. soll für das Geschäftsjahr 1928/29 eine erhöhte Divi- oenöc von 8 (6) Prozent verteilt werden. Zum Vortrag verbleiben 43 811 (27 693) Mk. Die G -V findet am 15. Januar statt. * Mehlgroßhandlung Jakob Drey- s u ß, Frankfurt a. M. Der von der letzten Glaubigerversammlung verlangte Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens bei der Firma ist gestern gestellt worden. Berlin-Karlsruher Industrie- V- Kugellager-Fabriken. 2Dte WTB.-Handelsdienst von maßgebender Seite hört, nehmen die seit längerer Zeit schwebenden Verhandlungen zwecks Vereinigung der Kugellager-Abteilung der Berlin-Karlsruher Industrie- Werke A.°G., Berlin mit der Vereinigten Kugel- lager-Fabriken 21.-®., Berlin, einen günstigen Fortgang. Engelhardt Brauerei A. - G Ber- lin. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, 'der am 8. Januar stattfindenden Generalversammlung vorzuschlagen, aus dem Gewinn per 30. September 1929 von 2 012 811 (int Vorjahr 1 988 902) Mk oer sich nach Vornahme von Abschreibungen in Hohe von 1 865 000 (1 960 794) Mk. ergibt, wieder 13 Prozent Dividende auf die Stammaktien und 6 Prozent auf die Vorzugsaktien zu verteilen -und die restlichen 246 111 (239 542) Mk. vorzutragen, ■jjtergu ist zu bemerken, daß an dem ausgewiesenen Erträgnis die mitteldeutschen Abteilungen, Am Sonntag tagte im Volksbildungsheim in Frankfurt die Abgeordnetenversammlung der hessischen freiwilligen Feuerwehren. Der Vorsitzende, K n a u p (Rimbach), der Rachfolger des wegen 2llters zurückgetretenen seitherigen Vorsitzenden Damm (Friedberg), begrüßte die zahlreich erschienenen Vertreter von 332 hessischen Feuerwehren. Die staatlichen, Provinz-, Kreis- und Gemeindevertreter waren ebenfalls zahlreich vertreten, was den Vorsitzenden bei deren Begrüßung veranlaßte, dies als Zeichen der Unterstützung der Feuerwehrsache, als Anerkennung und als 2lnsporn zu weiterer Arbeit zum Schuhe des Volksvermögens und des Vaterlandes zu betrachten. Weiter begrüßte der Vorsitzende die Ehrengäste, die Vertreter des Kurhessischen und des Rassauischen Verbandes, der Berufsfeuerwehren, die Presse u. a. Den Rachruf an die im verflossenen Jahre verstorbenen Kameraden hörte die Versammlung stehend an. Vor allem wurden namentlich genannt: Brandinspektor Leichner und Oberfeuerwehrmann Gentil aus Mainz, die in Ausübung ihres Dienstes beim Brande eines französischen Magazines den Tod fanden. Den Dank des Ministeriums des Innern und der Kreisämter stattete Regierungsrat Born- s ch euer (Darmstadt) ab. Die fortschreitende Technik stelle die Feuerwehr vor neue Aufgaben, aber die ^Regierung vertraue, daß die Wehren ihre Aufgaben erfüllen, sie werde der Feuerwehr ihre Förderung angedeihen lassen. Der Redner gab schließlich dein Bedauern über die Besetzung des Vaterlandes Ausdruck, unter der die Wehren schwer zu leiden haben. Der Vertreter der Hessischen Brandversicherungskammer, Regierungsrat Reuter, betonte die wertvolle Mitarbeit des Landesverbandes. Der Senior des deutschen Feuerlöschwesens und Vorsitzende des Rassauischen Landesverbandes, r o p p (Wiesbaden), überreichte dem seitherigen Vorsitzenden Damm (Friedberg) und dem neuen Vorsitzenden Knaup (Rimbach) die Verdienstmedaille des Rassauischen Verbandes. Branddirektor Schenker (Frankfurt) besprach die Fortschritte im Löschwesen, das durch die echnik in neue Bahnen gelenkt wurde, und gab wertvolle wehrberufliche Winke. Die Grüße des Kurhessischen Verbandes brachte Kreisbrandmeister S ch ü ß l e r. Vorsitzender K n a u p und Ehrenvorsitzender Damm statteten unter Hervorhebung der guten Beziehungen zwischen den hessischen, kurhessischen und nassauischen Verbänden ihren Dank für die gewordenen Auszeichnungen ab. Die Versammlung nahm dann den Bericht über die Führerkurse zur Kenntnis: sie haben Wirtschaft. Mskonlermäßigung her Senf vonSnglani» 2ondon, 12. Dez. (WTB. Drahtmeldung.) Die Bank von England hat ihren Diskontsatz um 0,5 Prozent von 5.5 auf 5 Prozent ermäßigt. D i e Börse am .he i li ge n a b e n d. Am 24. Dezember findet die Börse wie an Samstagen »on 11 bis 13 Uhr statt. Die Abendbörse fällt an diesem Tage aus. r D i e hessischen Kreditgenossenschaften. Für die 28 hessischen Kreditgenossen» schäften betrug die Gesamtbilanz nach den jetzt vorliegenden Zahlen am 31. Oktober 1929 an Aktiven zusammen 75,97 Mill. Mk., davon an ausgeliehenen Geldern 55,4 Mill., Grundstücken und Einrichtungen 1,675 Mill., sonstiges Vermögen 1,616 Mill., Wechsel 9,961 Mill., Wertpapiere 1,6 Mill., Guthaben bei Banken und Genossenschaften 1,7 Mill., und Barbestände 3,832 Mill. Auf der Passivseite erscheinen die Mitgliederguthaben mit 7,8 Mill., Rücklagen 3,484, Spareinlagen 40,137 Mill., sonstige Kundenguthaben 17,621 Mill., Bankschulden 2,137 Millionen. Akzeptverbindlichkeiten 1,23 Mill, lonlhge Schulden einschließlich Reingewinn 3,566 r l * * * s 6ltone^. Bürgschaften betragen am gleidjen Tage 2,1 Mill, und die Giroverbind- lichkerten 4,025 Millionen. Landesverband der Hessischen Freiwilligen Feuerwehren die bekanntlich durch die außerordentliche General- verfammlung vom 15. Oktober zu einer selbständigen Gesellschaft zusammengefaßt worden sind, nicht beteiligt sind, und zwar weder hinsichtlich des von ihnen erzielten Gewinnes, noch ' betreffenden Abschreibungen. Der Absatz abgelaufenen Geschäftsjahr wiederum eine rung erfahren. da eine Sonderbewegung in Reichsbank* anteile der Börse eine besondere Anregung gab. Bei recht lebhafter Rachfrage, und zwar in der Hauptsache von Aus- landfeite, und obwohl sonstige Spekulativmotive nicht zu erkennen waren, konnte dieses Papier etwa 12 v. H. fester eröffnen. Etwas hervortreten konnten noch am Elektromarkt Schuckert plus 2 v. H. Auch AEG. waren im Zusammenhang hiermit freundlich. Licht-L Kraft, Siemens und Gesfurel eröffneten dagegen 1 bis 2 v. H. schwächer. Montanwerte hatten kaum Geschäft zu Der« äcitbnen. Otavi Minen lagen 1 Mark niedriger, Rheinstahl konnten etwas anziehen, Mannesmann waren gut behauptet. Schiffahrtswerte galcn bis du 2,5 v. H. nach. Bon Kunstseidewerten lagen ^“^1 2ö. niedriger. Bon Chemiewerken waren I.-G.-Farben knapp gehalten. Scheideanstalt lagen 1 v. H. abgeschwächt. Renten ohne nennenswertes Geschäft. Deutsche Anleihen zeig len sich etwas erholt. Im Verlaufe war das Geschäft sehr still, die Kurse blieben durchweg gut behauptet. Als bekannt wurde, daß die D-a n k von England eine Diskontermäßigung Der« genommen hatte, wurde das Geschäft lebhafter, und das Kursniveau konnte sich gegen Anfang um bis zu 3 v. H. heben. Im Vordergründe standen Farben, Siemens und Schuckert. Die Tendenz war freundlich. Der Geldmarkt war mit 7 v. H. für Tagesgeld wieder angespannter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 41772 gegen Pfund 20,386, gegen Paris 123,92, London gegen Kabel 4,88, gegen Mailand 93,22, gegen Madrid 35,05, gegen Holland 12,0913. Berliner Börse. “Berlin, 12. Dez. Auch im heutigen Vormittagsverkehr herrschte im Zusammenhang mit den schwebenden Finanz- und Regierungsfragen eine verständliche Zurückhaltung. Man konnte sich noch kein Urteil über den Ausgang der gangen Angelegenheit bilden, war aber hinsichtlich präzisen Haltung der Regierung, die man nicht überall erwartet hatte, überrascht. Auch vorbörslich wurden die Kurse, wenn auch ziemlich unverändert, meist nur gesprochen: selbst bei den ersten offiziellen Rotierungen, die überwiegend 1 bis 2 v. H. schwächer lagen, kam das Geschäft nur zögernd in Gang. Eine Diskonterhöhung in London, die durchaus möglich wäre, wird für heute nicht erwartet, zumal es die Dank von England nicht darauf anlegen dürfte, die gerade ein)elenden Goldzuflüsse wieder zu unterbinden. Bemerkenswert schwächer lagen zu Beginn der CBörfe Schiffahrtsaktien, Löwe, ©effürcl, Julius Derger und Svenska. Bei Siemens enttäuschte anscheinend, daß keine Dividendeerhöhung in Frage kommt. Die beruhigende Erklärung der Verwaltung der Aktien-Gesellschaft für Verkehrs- toefen, die vorläufig entgegen den gestrigen Börsengerüchten mit einer elfprozentigen Dividende (unverändert) rechnen zu können glaubt, verursachte für dieses Papier eine Erhöhung um 2,5 v. H. Auch Wiking Zement lagen 5 v. H. höher. Iunghans plus 2 v. H., Aku plus 2,5 v. H., doch wurde hiermit der Schlußkurs der Frankfurter Abendbörfe nicht behauptet. Reichsbank plus 6,5 v. H. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer wenig verändert. Pfandbriefe eher angeboten. 5>ie Geld« sähe waren unverändert, doch war der Markt in sich etwas verknappt. Im Verlause regte die Festigkeit einiger Spezialwerte an. Reichsbankanteile (plus 4 v. H.), Siemens (plus 3,5 v. H.), Farben plus 2 v. H. lagen auf Großbankkäufe feft. Anderseits verwies man auf die heutige Sondertagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, anläßlich der zwei Wirtschaftsführer (Geheimrat DuiSberg und Silberberg) Sieben hielten, die sich wider Erwarten gegen den herrschenden Wirtschaftspessimismus aussprachen. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 12. Dez. Auftrieb: 114 Rinder, 930 Kälber, 579 Schafe, 550 Schweine. Cs notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 83 bis 86 Mark, mittlere Mast- und Saugkälber 78 bis 82, geringe Kälber 70 bis 77. — Schafe: Mastlämrner und jüngere Masthämmel (Weidemast) 44 bis 47, mittlere Mastläminer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 38 bis 43, fleischiges Schafvieh 32 bis 37. — Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 82 bis 84, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 83 bis 84, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 82 bis 84, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 80 bis 82 Mark. Marktverlauf: Bei allen Gattungen rege, ausverkauft. A.C.G......... Bergmann .... Elektr. Lieferung kgesellschakt Licht und Kraft..... Reiten & Guilleaume. . . ®ef. f. Elektr. Untern.. . . Hamb. Elektr »Werke . . . Mein. Elektr....... Schlef. (Beirr . ..... Schuckert &Go...... Siemens 4 Halllke .... TranSradto...... . Lahme yer 4Eo...... Frankfurter Börse. Stanffnrt a. M., 12. Dez. Tendenz: Un- fiqjer. — Die Zuspitzung der innerpolitischen Lage, die durch die ablehnende Haltung der Parteien gegenüber dem Finanzprogramm geschaffen wurde, ließ die heutige Börse unsicher eröffnen. Das Geschäft war gering, da die Spekulation in Erwartung der heutigen Fmanzdebatte große Zurückhaltung bekundete. Aufträge waren wieder kaum einge« troffen. Rur einige Spezialbewegungen machten eine Ausnahme und konnten bei etwas gesteigertem Interesse mit Gewinnen in größerem Umfange hervortreten. Das Gros der Papiere^lag aber vernachlässigt und eher etwas schwächer. Da aber Material kaum an den Markt kam, zeigte sich im Grundton der Börse jedoch eine gewisse Widerstandsfähigkeit. Gleich nach Festsetzung der ersten Kurse trat eine etwas größere Unternehmungslust zutage, die aber durch hervortretende ungünstige Momente wieder ein- gedämmt wurde. Die starke Zunahme der Arbeitslosigkeit im Reiche und die schwache gestrige Reuhorker Börse übten einen starken Druck auf die Gefamttendenz aus. Die Stimmung blieb jedoch zuversichtlich Amerikanische Noten Belgische Noten. Sfinifd)e Noten . , Englische Noten . . Französische Noten . Holländische Noten . Italienische Noten. . Norwegische Noten . Deutsch. Oesterreich, i 1 Rumänische Noten . Schwedische Noten . Schweizer Noten . . Spanische Noten . . Tschechoslowakische Note Ungarische Noten . Hamdurg-Amerika Palet . Hamb.-Südam. Dampfsch. Hansa Dampfschiff .... Norddeutscher Lloyd . . . Allg. Deutsche Eredttanst. . Barmer Bankverein . . . Berliner HandelSgesellsch. . Commerz- und Prioat-Bauk Dacmsi. u. Nakionalbank . Deutsche Bank..... Dicronto-Gesellschast, fllnt. Dresdner Bant..... Reichsbant...... . bieten der Volkskunde, auch in der Volksbotanik viele altertümliche Bräuche und Meinungen über Bäume und Kräuter und gar manche treffende und anschauliche Vvlksbezeichnungen für Pflanzen im Aussterben begriffen sind. Das soll ein Ansporn sein, diese Ueberbleibfel alten Volksgutes zu sammeln und aufzuzeichnen. An die Vorträge schloß sich dann die eigentliche Hauptversammlung an. Der vom Vorsitzenden erstattete Jahresbericht gedachte ehrend der verstorbenen Mitglieder Lehrer Schwinn (Lang-Göns) und Prokurist Heusohn (Hanau). Die Mitgliederzahl beträgt rund 700. Angestrebt wird die Verbindung Wit den heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaften. Herzlicher _ Dank wurde Prof. St. Hepding lGießen) für die riesige Arbeit, die er in größtem Fleiß für die Herausgabe der „Hessischen Blätter für Volkskunde" leistet. Deren Weitererscheinen war nur möglich durch die finanziellen Unterstützungen, die die “Bereinigung vom hessischen Staat, von der Provinz Öbcrtjeffcn, von der Rotgemeinschast der deutschen Wissenschaft und von treuen Förderern erhalten hat. Von letzteren wurde Direktor Dr. Müller in Flix bei ‘Barcelona (ein geborener Gießener) besonders genannt. Will die Bereinigung ihre Aufgaben auch in Zukunft erfüllen, bann ist das nur möglich, trenn auch die Mitglieder mehr zu den wertvollen „Blättern" beiftcucrn. Der Mindestjahresbeitrag wurde daher auf einstimmigen Beschluß der Versammlung von 3 auf 5 Mk. erhöht. Der Rechner, Studienrat O ß w a l b (Friedberg), erntete für die mühevolle Rechnungsführung den lebhaften Dank der Versammlung. Fortgeschritten ist die Angelegenheit der Flur- namenfammlung. Die Flurnamen von Bedungen bei Darmstadt, die Studienassessor Kraft bearbeitet hat, sind zur Zeit im Druck. Dem Druck übergeben werden in nächster Zeit die Saalwächtersche Flurnamenfammlung von Ingelheim und die v. Hahnsche Sammlung der Darmstädter Flurnamen. Auch die Volkslied- sammlung in Hessen macht gute Fortschritte. Oberstudiendirektor Dr. Faber hat seine Sammlung auf die Zahl 800 gebracht. Den Volkslied- schah von Maar hat Rektor Rühl (Rieder- Florstadt) in Text und Melodie ausgezeichnet und mit 110 Liedern dem Archiv der Vereinigung übergeben. Druckfertig ift ein hessisches Volks- liedheft, das Oberstudiendirektor Dr. Faber für die bekannte „Sammlung landschaftlicher Volkslieder" in sorgfältiger Auswahl zusammen- geftellt hat. Es bringt 70 der schönsten hessischen Voltslieder mit Rotensah und Bildern. Für die Letzteren wird jedenfalls der hessische Künstler Vudols Schäfer gewonnen. Den würdigen Abschluß gab der wohlgelungenen Tagung ein öffentlicher L i ch t b i l d e r v o r t r a g von Prof. Keller über „Das Wesen der Kunst in den Kunstwerken unserer Heimat". Die gedankentiefen Ausführungen hinterliehen bei den dankbaren Hörern starke Eindrücke. Der Gesangverein „Eintracht" Angersbach umrahmte den Vortrag mit wirkungsvollen Volks- licddarbietungen. Berlin Schluß) Anfang. Kure ) Kurs i-UDr Kur.' 12.12 Schluß. Kur- 1112 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. hmter den P°p>-r-n angesuhUcn Äffern z-b°n die Höh- der zuletzl be|d)M!enen Dickd-nd- an. - R-ich-b-m!di-k°nt 7 ->.H.. L°mbardzm--,uß 8 °.H. Budcrud...... Deutsche ErdSI . . . Essener Steinkohle . . Gelsenkirchener . . . Harpener...... Hoesch Eisen..... Ille Bergbau .... Klücknerwerke .... Köln-Rcuellen. # Mannesmann -Nähren Mangel der Bergbau . Oberschtes. Stienueoaif Oberschlei, itoteroede. Pbänir Bergbau. . . Rheinische Braunkohlen Ryelnsiahi..... Riebeck Montan . . . Schluß- Kurd 11. 12- Frankfurt a M Berlin Schluß. Kurs '-Uhr Kurs Schluß- Kurs Anfang. Kurs Datum 11.12. 12. 12 11. 12 12. 12- 6%> Keu fdje Reichsameche on ........ —- 87,5 1% Deutsche RelchSanlerhe von 1929 ......... Dl. An^.-AblSs.-Schuld mit Aus los.-Rechlen........ 99 -V 99 — 50 ___ 50,1 50 1 DeSnl. cfina Au'lol.-Rechte . . 8% Hess. DolkSslaal von 1929 7,85 7,8 (ruckzahlb. 102%) . . . . Oberhessen Provinz - Anleihe mit 89,25 — 89,25 — Auelos.-Rechlen...... Deutsche Komm. Sammelabl. — — — — Anleihe Serie 1...... 8% Franks. Hnp.-Bank Goldpfe. 46,1 — 46,3 — XIII unkündbar bis 1931. V% Franks. Hnp.-Bank Goldpse. unkündbar bis 1932 ..... 96,5 — — — 85 — — — Rheinische Hnp.-Bank Ligu. Goldpfe........ 79,2 8% Pr. Landespsandbriesanllalt, Pfandbriefe R. 17..... 8% Pr. Lanbespsanvbriefanstall, 98 — 98 — Komm.-Obl M. 16..... 95 95 7% Pr. Landespsandbriesansialt, Pfandbriese 01. 10..... 89 ÜLu.c*). aog. -LorrrtegS-Obligatlon. rückzahlbar 1932 ...... — — — — 4% Oefterreichllche Gold««.. . 24,5 24,75 2,9 4.20% OeNerr Silberri" . <% Ocslerretchische Einheitliche — — Rente.......... 4% Ungarische Goldrte..... 1,95 21,5 — 1,95 — 4% Ungarische StaatSr. v. 1910 _ 196 4/t% deegl. von 1913 .... 20,75 _ 21 4% Ungarische Krönende.. . . 1,95 _ 4% Türk. Zollanlethe v. 1911 . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl. 7,1 7,15 7,15 7,25 Serie 1.......... 4% brtfll. Serie II..... 7 7 — 7,15 7,1 7,15 5% Rumänisch» veretnh. Mente 7,25 von 1903 . • . . . . 4y,% Rumänische verrlnh. Rente 8,8 — 8,8 — »on 1913 . ....... Rumanllche versuch. Rente . 14.1 _ 13 9 7,075 — 7,15 — Geld Brief 4.165 4,185 58,81 58,55 111,73 112,17 20,362 20,442 16,40 16,46 168,16 168,84 21,71 21,79 111,73 112,17 58,64 58,88 2,47 2,49 112,28 112,72 81,19 81,51 57,68 . 57,92 12,33 12,39 72,85 73,15 Jranffurl a. M. 157 157 200,5 158,5 157 Lernen werk Heidelberg ... 10 Eementwerk Karlstadt ... 10 117 11 Dezember 12 Dezember —- 157,5 StiaQB 4 Frc y ag . . . 8 80,75 82 —- Amtliche Notierung Amtliche Notierung 152,25 153,75 151,75 Schultheis Patzenhofer ... 15 Ostwerke.........12 Ber. Glanzstoff ...... 18 Bemderg........ 14 Zcllllosi Waldhos .... 18y* Zellstoff Asckmsfcnbtlra ... rt Eharlottenburgcr Wasser ... 8 Destauer Gar........9 Daimler Motoren ...... 0 Deutsche Linoleum..... Maschinenbau A.-G......0 A u rw rie KI p.'c......u 271,5 210,25 121,75 150 176 133,75 90,5 152,5 37 235 39 270,5 209 125 149,5 176 90,13 152 36,13 235,5 39 Geld Brief Geld B, e 149,5 176 278 151 128 147 175 278,75 118 160,5 60,5 148,5 145,5 176 278 118 127 152 135 37 235 125 - Amst.« Rott- Buen.-AireS Brss.-Antw- Christianta. Kopenhagen Elockholnr. Helsingfors. Italien. . . London. . . Neuyork . . Paris.... 168,44 1,728 58,395 111,87 112,01 112,57 10,485 21,835 20,368 4,1715 16,425 168,78 1,732 ,8,515 112,09 112,23 112,79 10,505 21,875 20,408 4,1795 16,465 168,41 1,719 58,395 111,86 112,01 112,57 10,485 21,84 20,355 4,1725 16,42 168,75 1,723 58,515 112,08 112,23 112,79 10,505 21,88 20.395 4,1805 16,46 "* 91 90,25 152 18,9 Schweiz .. 81,005 81,225 81,085 81,245 124,75 125 Rat. Automobil ....... 0 147 Spanien. . 57,94 58,06 58,03 58,15 122 122,5 Orenstetn & Koppel ..... fi Japan .. . 2,043 2,047 2,043 2,047 — 132,25 106,5 214 131 106,5 215 V ’onhnrö Tietz ...... 10 SvenSka . . ........ — — 146,25 325 146 321,5 'Hio be Jan Wien tn D-. Oest. abgest 0,477 57,94 0,479 58,06 0,452 58,74 0,454 58,86 — 88,5 105,5 89,6 105 Frank,. Mchchtnea ...... 4 Griyner...... 6 42 49,75 6,5 42 41,5 — Prag . . . . Belzrad . . 12,381 7,402 12,401 7,416 12,381 7,403 12,401 7,417 90,5 90,75 90,6 Heyltgensiaedt .......v — Budapest. . 73,06 73,20 73,06 73,20 — 109,L 108,5 Iunghanl..........6 45,5 Bulgarien 3,017 3,023 3,017 3,023 — — — Lechwerke. . 8 103 105,5 Lissabon . . 18,80 18,84 18,80 18,84 — 93,25 99,25 93 98,9 Matntraftwerte Höchst a. M. . 8 Miag. . . . ... io — — Danzig. . . .Konstantin- 81,38 1,963 81,54 1,967 81,39 1,978 81,55 1,982 — 237 237,13 Gebr. Roeder.......io 109 222 161.25 118,5 118 Athen. . . 5,43 5,44 5,43 5,44 102,5 102,4 102,5 Boigt * Haeffne» ....... . 0 222 161 Canada . 4,131 4,139 4,131 4,139 —■ Südd. Zucke« ....... io 161,5 — llru uan . . Cairo . . . 3,966 20,89 4,979 20,93 3,946 20,88 3,954 20,92