L -1 -.'2 !$=«= a® n X ~ 3 a 0"5 C —•'• 0 ~ - Z-c - := = s^?=« ,$.= ■* 3= 7? -."’S. 3‘*' <ÜH”? h öis5;« 2 i==j®'3 . ^L»L2.oZL? = .. 3 = = 1?/, 3 ' - c- ~"U- ~ ö 3 3 E 2.S esg3-»2 28 3 2.3 ? ~ 2 ° eyE 2.= crs ~3 2 - C ie Ausführungen der beiden Verteidiger des Angeklagten bartn, dah neben einer Reihe pro- ze7sua.'er Verstöße gegen die Denkgesetze verstoßen wurde. Das Urteil wäre in Ermangelung einer einwandfreien Feststellung der Lieberlegung im Augenblick der Tat nicht haUbar. Erster Staatsanwalt Dr. Hauck kam zu dem Ergebnis, dah keine der Prozeßrügen begründet wäre, ebenso verhalte es sich auch in materieller Hinsicht. Das Urteil habe in zureichender Weise begründet, daß die Ueberlegung bei der Ausführung der Lat vorhanden gewesen sei. Die Ausführung der Tat habe sich nicht bloß darauf beschränkt, dah der Angeklagte der Frau Mertens das Gift eingeführt habe. Die Tat habe sich vielmehr noch drei weitere Stunden fortgesetzt, in denen der Angeklagte die Unglückliche durch drei Kliniken verfolgt und die dortigen Aerzte in den irrigen Glauben versetzt habe, es handele sich um eine Geisteskranke, bis diese schließlich auf seinen Einfluß in einer psychiatrischen Heilanstalt anlangte; in der der Mertens nunmehr keine medizinische Hilfe gegen die Strophantinvergifiung habe zuteil werden können. Wenn also nach dem vor- auZgegangenen Streit die Einführung des Giftes wirklich in einem Zustande des Ausschlusses der freien Willensbestimmung, also ohne Ueberlegung, geschehen sein könnte, wofür aber keinerlei Anhaltspunkte vorliegen, so sei eben der Begriff der Ueberlegung dadurch vollauf erfüllt, baß der Angeklagte später, also in diesen drei Stunden, nichts ge - t a n habe, um sein Opfer zu retten. Der erste Strafsenat des Reichsgerichts schloß sich den Ausführungen des Reichsanwalts in vollem Umfange an und verwarfdie Revision als unbegründet. Das Todesurteil ist nunmehr rechtskräftig geworden. Line Berliner Schute wegen Diphtherie geschloffen. In der 223. Eemeindeschule, Putbuser Straße 3, find sechs Diphtheritisfälle vorgelom- men, von Lenen drei tödlich verlaufen sind. Da in der Elternschaft große Beunruhigung entstand, sah sich der Rektor gezwungen, die Schule zu schließen. Der Polizeipräsident hat im Einvernehmen mit dem Hauptgesundheitsamt dieser Maßnahme für die Dauer von acht Tagen zugestimmt, um alle Kinder der Schule untersuchen zu lassen. •Jngft !ydl$f AMrdtl franitf. Ktocent freitaa. H.Oktob. 1929 7" <3Dds. Oie Weiisrlaae. naiD bedecm^ woucig. o oeaecKi erreget * Schnee aQraupein. - MeDei K Gewitter.(§)Wind$!ilie..o sehr «lenter Ost .£ -nissiger Südsüdwest q sturmiscno tordwesl oie Pfene fliegen mn dem winde. Die oeiden Stationen stenenden Zahlen geoen die Temperatur an. Die timen veromdeo Orte mit gleichen^ —l Meeresniveau umaercctinelen UifldrucK 'LLcrtervoouussage. Die nordische Störung hat sich weiter ostwärts verlagert und abgeflacht. Maritime Kaltluft an ihrer Rückseite ist bis nach Deutschland vorgedrungen und verursacht langsame Abkühlung. Wenn auch der hohe Druck im Westen zunächst beruhigend auf die Wetterlage einwirkt und es dabei zur Aufheiterung kommt, so verursachen die Reste der Störung immer noch Bewölkung, wobei auch vereinzelte, jedoch geringe Schauer nicht ausgeschlossen sind. Ein Uebergang zu stabiler und fester Wetterlage scheint immer noch nicht gegeben zu sein, da bereits über Island eine neue Störung herannaht. Wetteroorausf age für Sonntag. Vorübergehend etwas mehr aufheiternd, aber immer nod) wolkig, nach anfänglich weiterer Abkühlung später wieder milder, keine oder nur ganz vereinzelte schauer. Wettervoraussage für Montag. Wieder Uebergang zu unbeständigem Wetter mit Zunahme der Nieoerschlagsneigung wahrscheinlich. frjnirfj r Welt. noch drei Lei« 'Seseht, in denen der -liche durch drei UMen rn Lernte in den irrigen sich um eine Häßlich auf seinen bin- hen Heilanstalt anlangte, mnchr keine medizinische intinvergislung habe zu- enn also noch dem Vörie Einführung deS iem Zustande des Aus- Liilensbestimmung, also ichehen sein tonnte, too- Anhaltspunkte vor« Degriss der Ueberlegung .lt, dah der Angeklagte ei Stunden, nichts ge- )ser zu retten. Der erste nichts schlvh sich den Aus- rtvalts in vollem Umsange Revision als unbegründet, unmeijr rechtskräftig gen Dip^erie FeschlosstL chule, tßuttiufer 6tn$3, citissälle vorgecom- tödlich verlausen ;ast große Beunruhigung Rektor gezwungen, die Der Polizeipräsident hat dem HauvtgeMdheits- sür die Dauer von amt, um alle Sinter der lassen. Ktlerlaae. larsahrt VK s^ann t ^Un9 A?9e5°qtn ru J® J l4) b e fti m A« Wr 'seien, wär, xj lobQü> "it K®*- en. ' >"h an einer LZL bliH Ueber. ÖIld °er Tat nicht Dr. H a u ck kam zu dem ; begründet e in ?*-ln male* ae m zureichender Weise Erlegung bei der ^at vorhanden ge- 2 ä 5flt habe sich Elt,, dah der Angeklagte Eilt finnofi'iRri vcl '• .«n U* O't iJJL» °i"L DeuWj Denn o.u$. jjjetter» ^^“^hiaenh aus616 chst berU^Suii)eilerun!ier "och GG- -L-5: * lit 6Lt '«*' * fi« S& J Ä!S> hlag»"^ im Alter von 75 Jahren. 8498V 065’5 84W Nach einem arbeitsreichen Leben verschied heute früh plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Die trauernden Hinterbliebenen: Maria Weimer geb. Schmidt Anna Weimer Wilhelm Weimer und Frau nebst 2 Enkelkindern. Daubringen. den 12. Oktober 1929. Die Beerdigung findet Sonntag, den 13. Oktober, nachm. 2Va Uhr statt. 8496D im Alter von 60 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Katharine Rinn geb. Forbach. Launsbach, Homberg a. d. Ohm, den 11. Oktober 1929. Die Beerdigung findet Sonntag, den 13. Oktober 1929, nachmittags 3 Uhr in Launsbach statt Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10 bis 12; Spinat 20 bis 30; Römifchkohl 10 bis 12; Llnter-Kohlrabi 8 bis 10; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 23 bis 25; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 50 bis 100; Schwarzwurzeln 50 bis 70; Kürbis 5 bis 8; Pilze 25 bis 30; Kartoffeln 4>/s bis 5; Aepfel 10 bis 15; Birnen 10 bis 15; Preiselbeeren 40 bis 45; Pfirsiche 40 bis 60; ZWetschen 10 bis 12; Honig 40 bis 50; junge Hahne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Russe 50 bis 63; das Stück: Tauben 70 bis 90; Eier 16; Blumenkohl 30 bis 80; Salatgurken 10 bis 25; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 23; Sellerie 10 bis 30Pf.; der Zentner: Kartoffeln 3,53 bis 4; Wirsing 12 bis 15; Weißkraut 8 bis 10; Rotkraut 10 bis 12; Aepfel 8 bis 12; Dirnen 8 bis 10 Mark. Gießen (Kaiserallee 2), den 11. Oktober 1929. Die Beerdigung findet Montag, den 14. Oktober, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Fiiedhof statt. mit Ober- und Unterauslauf und Entleerung direkt in den Sack. — Unbegrenzte Lebensdauer. 6838V Pflüge aller Art Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir allen herzlichen Dank. Besonderen Dank dem Herrn Ptarrerfür die trostreichen Worte und seinem Altersgenossen Herrn Sch wieder für den Nachruf. Im Namen aller Angehörigen: Frau Mari Binderknecbt Wwe. nebst ßniern. Gießen, den 12. Oktober 1929. Donnerstag, den 10. Oktober verschied plötzlich und unerwartet infolge Schlaganfalles Unsere liebe Tante Marie Heller geb. Schmidt im Alter von 76 Jahren. Im Namen der Hinterbliebenen: Ph. Schreiber nebst Angehörigen Nachruf. Plötzlich und unerwartet verschied gestern auf dem Wege nach seiner Arbeit Herr Philipp Rinn Launsbach aus diesem Leben. Als Mitgründer und 25 jähriger Rechner erfreute er sich der größten Beliebtheit im Verein. Wir verehren ihn und seine Taten, sein Andenken wirkt bei uns in dankbarer Treue fort. Die Beerdigung findet Sonntag, den 13. Oktober um 3 Uhr statt. Versammlung bei Kollege Neul. Wirte-Verein Krofdorf-Rodheim Der Vorstand. Unübertroffen B sind noch immer Original-Sack-1 Drillmas chinen mit neuesten Körperiormen sowie sämtliche Ersatz • Teile mit d. bekannt. Sack-Gütezeichen, ßfi. Schielersteio Fernspr. 17 LI CH Fernspr.17 | Verschiedenes) 3000 BHI. auf I. Hyooihek zu leiben gesucht. Schrillt. Angeb unt. 06557 a. d. Gieß. Anz. zu verkaufen in Hessen, Nahe Gießen. Größe des Grundstücks T91 qm, davon bebaut 253 qm. Neubau, ca. 60 Arbeitsplätze und Rebenräume. Arbeitskräfte am Ort vorhanden. Schrlftl. Ansr. erbeten unter H. Z. 7616 (8412V) an den Gieß. Anz. Todes-Anzeige. Plötzlich verschied mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Wilh.WeifflwV., Sdnniedemeisteri.il. Männer, die anstatt zu arbeiten, sich müde laufen, um die Zinsen einer Stiftung zu erlangen, Haus- bettler die mit abgezogenem Hute an der Tür stehen, Landstreicher, die ewig auf der Straße liegen und die Wohlfahrtsorgane einer jeden Stadt kennen, sind keine erfreulichen Erscheinungen. Anstatt daß man den Bettel fördert, soll man soziale Fürsorge treiben, damit keiner Not leidet, der nicht mehr arbeiten kann, und arbeitslosen Volksgenossen Arbeit zu verschaffen, ist eine der vornehmsten Aufgaben des modernen Staates. $)■ 2. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Evangelisationsvortrag: .Das Rätsel im Leben Iesu", 20.15 Uhr, Löberstraße 14. — Alice- Frauenverein vom Roten Kreuz / Deutscher Bund für christliche Erziehung in Schule und Haus: Dortrag von Frau v. Glan aus Pinneberg über das Thema: „Erziehung in der Familie als Schuh gegen Immoralität", 20 illjc, Gr. Horsaal. — Han'oarbeitsaussteFu 'g: 15 bi; 19 Uhr, Hotel „Prinz Carl". — Gesangverein „Heiterkeit': 2^cndunterhaltung, 20 älhr, in der Turnhalle am Oswaldsgarten. — G. D. A.: Monatsversammlung, 20.30 Ahr, Eisenbahnhetel. — Reichsverband der Zivildienstberech i ^t:n: Monatsversammlung, 20.30 Uhr, in .Stadt Lich". - Bürgervereinigung Sachsenhausen: Mitglieder-U^r- sammlung, 20 Uhr im „ Fischerhof". — Ka- vallerie-Derein Gießen: Monatsvcrsammlung, 20.30 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: .Die Wochenendbraut" und „Oer Falschspieler von Mesquite". — Astorja-Lichtspiele: .Um Recht und Freiheit in der Prärie" und „Dynamit an Bord". — Tageskalender f u r Sonntag. Stadltheater: „Schwarzwaldmädel", 18 bis 21 älhr. — Evangelisationsvortrag: nachm. 3 Uhr: „Drei christozentrische Kreise", abends 8,13 älhr: „Ein heiliges Muß", Löberstraße 14 (Stadtmission). — Gau-Wettkampf im Kunstturnen der Gaue Frankfurt/M.—Rhein-Mosel^-Hes en, 14,30 älhr, in der Volkshalle. — Kathol. Frauenbund Gießen: Ausstellung mit Vorträgen, 14 älhr: Kath. Vereinshaus. — Handarbeits-Ausstellung: 11 bis 13 und 15 bis 19 Llhr, Hotel „Prinz Carl". — Turn-Verein von 1846: Wetturnen in der Turn- halle, abends 8 Uhr, Konzert, Tanz. — Licht- spielyaus, Bahnhofstraße: „Die Wochenendbraut und „Der Falschspieler von Mesquite"; Dorrn. 11 Ähr: „Das erwachende Aegypten". — Astoria- Lichtspiele: „Um Recht und Freiheit in der Prärie" und „Dynamit an Bord". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Arn morgigen Sonntag, 13. Oktober, geht als Fremdenvorstellung die Operette „Schwarzwaldmädel", von Aug. Neidhart in Szene. Die früheren Aufführungen in Gießen sind sicher noch in guter Erinnerung. Das Baars'sche Operettenensemble hat sich mit seiner Aufführung des „Boccaccio" bei den Gießener Operettenfreunden sympathisch eingeführt. — Die Uraufführung von Georg Kaisers neuestem Gesellschaftsstück „Hellseherei" findet Samstag, 19. Oktober, im Gießener Stadttheater, gleichzeitig mit den Landestheatern Stuttgart und Oldenburg, sowie dem Düsseldorfer Schauspielhaus statt. Da die Theaterleitung in dieser Termin-Bestimmung nicht frei ist, mußte sie sich nach den andern an der Uraufführung beteiligten Bühnen richten. Somit wird ausnahmsweise das Frcitagsabonnement in der kommenden Woche auf den Samstag verlegt, und die Vorstellung mit Rücksicht auf die längere Offenhaltung der Geschäfte am Samstag e r st u m 20i U h r beginnen. Spieldauer zwei Stunden. Gießener Wochenrnarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 210 bis 220; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 15 bis 20; Weißkraut 10 bis 12; Rotkraut 10 bis 15; gelbe Aus der provinzialhaupistadi. Gießen, den 12. Oktober 1929. Erntedankfest. Am diesjährigen Erntedankfeste stehen mir zwei Bilder vor der Seele. Eine Eisenbahnfahrt von Neapel nach Verona. Die goldene Sonne liegt über der mit so viel Schönheit geschmückten Lanoichaft. -^pressen Pinien, Oleander- und Mandelbaume ragen auf. Es ist dort heute noch so, wie es Goethe im Jahre 1787 gesehen hat: „Der Weizen ist wie ein Teppich. Pappeln sind reihenweise auf den Feldern gepflanzt, hoch ausgezweigt und Wein hinan- gezogen. Ein klarer, herrlich-lockerer Boden und gut bearbeitet. Die Weinstocke von ungewöhnlicher Stärke und Höhe, die Ranken wie Netze von Pappel zu Pappel schwebend." In Mittelitalien ist schon im Juni die Kornernte im Gange. Wagen, von Ochsen gezogen, bringen die Garben nach Hause; Fuhrwerke, mit drei Mauleseln bespannt, klingeln über die Straßen und sind mit Feldfrüchten mancherlei Art beladen. Uefc-er der lombardischen Ebene geht am Abend rotglühend die Sonne unter, ihr Schein fällt auf Maulheerbäume und Maisfelder, die sich meilenweit ausLehnqn. Auf der Piazza delle Erbe zu Verona Obst und Gemüse von jeder Art. Italien ist heute noch ein Gottesgarten. Daneben ein ganz anderes Bild, lieber den Vogelsberg weht frisch, aber auch rauh, der Herbst- wind. Der Himmel ist mit trüben Wolken bedeckt. Vom Schloßberg zu Ulrichstein fällt der Blick au Taleinschnittc, auf Höhenzüge und Walder, aus Fichten, die vom Winde gebogen sind, lieber den Baumkronen des Oberwaldes liegt das Schweigen, nur der Häher schreit auf, wenn sich Menschenschritte nähern. Schweigend dehnt sich das Breungeshainer Moor aus. Vom Hoherodskopf schaut man tief hinunter in das Niddatal und hinüber nach fernen Gebirgszügen. Italien ist fern, überall charakteristische deutsche Gebirgslandschaft, herb und streng, aber auch hier der Reiz der Fruchtbarkeit. Auf den Hutweiden und Wiesen wohlgepflegtes Vieh, in den Gärten Kraut und Bohnen, in den Dörfern summt die Dreschmaschine. Unten im Tale Obstbäume mit rotbäckigen Früchten, als es dunkel geworden ist, leuchten die Kartoffelfeuer durch die Nacht. Niemand wird Italien und den hessischen Vogelsberg auf eine Linie stellen, aber hier wie dort das Bild der Fruchtbarkeit, das Jahr 1929 ist allenthalben ein gesegnetes Erntejahr. Don Schleiermacher rührt das Wort her, daß Religion Abhängigkeitsgefühl ist. Niemals empfindet der Mellsch feine Abhängigkeit von höheren Machten mehr als wenn er das Naturleben beobachtet. Trotz aller'technischen Fortschritte kann er die Winterkälte nicht fernhalten, dem Sturme keinen nennenswerten Widerstand entgegensetzen, am allerwenigsten liegt es in seiner Macht, aus der Erde Feldfruchte in beliebiger Menge hervorzuzaubern. Das kann nur der von dem alte Erntelieder sagen: „Du krönest das Jahr mit deinem Gut. Die Anger find voll Schafe, und die Auen stehen dick mit Korn, daß man jauchzet und singet. Es wartet alles auf dich, daß du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gut gesättigt. Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; du nimmst weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder zu Staub." , , , ... Wer eine gute Ernte heimgebracht hat, wer überhaupt seine Arbeit belohnt sieht, darf an der Not anderer nicht vorübergehen. Es ist eine reine Freude, Alten, Kranken und Kindern etwas von dem Ertrage der Felder und Gärten in das Haus zu bringen. Mit der Wohltätigkeit allein ist es jedoch nicht getan, sie wirkt nicht immer charakterbildend und die Persönlichkeit festigend. Spittelweiber, die die Nachmittagsgottesdienste besuchen, um bei der nächsten Al- mösenverteillmg von dem Pfarrer bedacht zu werden, pianinos zu. ermteien. 8195D Rudolvb, ©eheröroeg 911b Telephon 8389. Drucksachen aller Art ftattung1 ftürein* unöf preiswert >lt vrühl'fche UnlverflISts-Vruckerei, L. Lange. Sieben, Schvistr. 7 frist für die Fremdsprachkurse bis zum 20. Oktober verlängert ist. Durch die bisherigen Anmeldungen ist, wie man uns mitteilt, der Kursusbeginn in Gießen gesichert, jedoch will man einen noch größeren Teilnehmerkreis gewinnen, um dadurch den Beitrag des einzelnen herabsetzen zu können. Interessenten mögen die heutige Anzeige beachten. ** Die Ausstellung des Kath. Deutschen Frauenbundes Gießen, die unter dem Leitmotiv „Die Hausfrau vor 50 Jahren und die Hausfrau heute" stehl, fei heute noch einmal besonders in Erinnerung gebracht. Die Ausstellung wird am Sonntag und Montag im Saale des Katholischen Vereinshauses gezeigt und mit Vorträgen und Vorführungen verbunden werden. Näheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. ** Die Heilsarmee beginnt, wie man uns mitteilt, am morgigen Sonntag mit einer Selbst- oerleugnungswoche, die in allen Ländern veranstaltet wird. Es sind aus diesem Anlaß für morgen besondere Versammlungen vorgesehen. Man beachte die heutige Anzeige. ** D r. AlsredBock wird, wie mir erfahren, am 14. Oktober, dem Tag seines 70. Geburtstages, nicht in Gießen anwesend fein. ** Schulpersonalie. Der Studienrat Eduard S ch ö n an der Oberrealschule in Gießen wurde mit Wirkung vom 14. Oktober ab zum Studiendirektor an der Realschule in Lauterbach ernannt. ** Auszeichnung verdienter Eisenbahner. Dem Zugführer Anton Dietz, wohnhaft Krofdorser Straße 22, und dem Oberzugführer Georg Schäfer, wohnhaft Goethestraße 23, wurden aus Anlaß- ihrer 47jährigen bzw. 42jährigen Eisenbahndienstzeit Anerkennungsschreiben des Herrn Reichspräsidenten sowie Glückwunschschreiben des Generaldirektors der Reichsbahn, ferner des Direktionspräsidenten der Reichsbahndirektion Frankfurt a.-M. durch den Dienststellenleiter des Bahnhofs Gießen überreicht. ** Eine öffentliche Sitzung desStadt- r a t s findet am Freitag nächster Woche statt. Diese Sitzung wird die letzte vor den Kommunalwahlen am 17. November sein. ” D ie Umgestaltung der West- anlag e ist jetzt im wesentlichen beendet. In etwa achtwöch'.ger Arbeit ist dort ein Strahen- zug geschaffen worden, der sich in seiner neuen Gestalt sehr vorteilhaft von dem früheren Bild unterscheidet. Vom Hotel Schütz bis zur Ecke Reustadt ist auf der östlichen Seite ein fünf Meier breiter Bürgersteig erstanden, der in drei Meier Breite Zementplatten und in zwei Meier Drei e Mo?aikpflaster hab Am Rande des Bürgersteigs find Pfanzstellen für Bäume vorgesehen, um hierdurch dem Straßenbild auf dieser Seite anlagenmäßigen Charakter zu geben. Die neue Fahrbahn ist neun Meter breit und mit Gußasphalt hergerichtet, so dah ein ruhiges und glattes Fahren aller Fahrzeuge gewährleistet ist. Auf der westlichen Straßenseite, am Bahndamm entlang, werden gärtnerische Anlagen geschaffen, die nach der Fahrbahn zu von einem eiwa zwei Meier breiten, mit Kies bestreuten Fußgängerweg abgeschlossen sein sollen. Reben Grünflächen find bei dem kommenden Anlagenstück auch Baumanpflanzungen geplant. Das Wieghäuschen am Reustädler Tor wird von feinem jetzigen Platze vc/rfchwind ein, sobald der Reubau des Wieg- Hauses an der Gabelsbergerstraße vollendet ift Alsdann wird auch das restliche Stück der west- lichen Seite der Westanlage an der Bahnunterführung gärtnerisch abschließend hergerichtet werden. In der Heberleitung von der Westanlage zur Rordanlage ist eine teilweise Inanspruchnahme des Oswaldsgartens und eine Veränderung des Bürgersteigs der Rordanlage notwendig gewesen. Mit diesen älmgestaltungsarbei- ten ist man zur Zeit noch beschäftigt. Die neue Fahrbahn der Westanlage ist jetzt für den Verkehr wieder freigegeben worden Die gärtnerische Herrichtung der neuen Anlagestücke wird im nächsten Frühjahr erfolgen. ** Der Fr ernds prachklub Gießen gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß die AnmeldeAuto- reparatnren, Wagenpflege übernimmt bei billigster Stundenberechnung V*sm Ernst Faber Anto-Scblossermeister. Walltorstraße63. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 13. Oktober. 20. Sonntag nach Trinitatis. Erntedankfest. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrassistent Schlaudrasf; 11: Kinderkirche für die Markusgerneinde; Pfarr- assistent Schlaudrasf; 6: Pfarrer Mahr. — Dofjan- nescirche. 9.30: Pfarrer Ausfeld; zugleich Militär- gottesdienst; 11: Kinderkirche für die Johannes- gerneinde; Pfarrer Ausfeld; 6: Pfarrer Bechtels- Heimer; 8: Bibelbefprechung im Iohannesfaal; Pfarrer Fliedner aus Madrid. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz. — Llisabeth-Klein- kinderfchule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas; 6: Pfarrer Lic. Waas. — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst; Abendmahl für die weibliche Jugend; 11: Kinder- gottesdienst. — Wiefeck. 9: Beichte; 9.30: Predigtgottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls. — Alten-Bufeck. 9.30: Beichte; 10; 11: hl. Abend- mahl; 1.30. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: hl. Abendmahl für die alten Gemeindeglieder von Staufenberg. — Haufen-Garbenteich. 10: Hausen; Feier des hl. Abendmahls; 1: Garbenteich. — HJahenborn- Steinberg. 11: Hauptgottesdienst. — Lich. 9.30: Pfarrer Staubach; 1: Kindergottesdienst; 2: Stiftsdechant Kahn. — Rieder-Bessingen. 9.30: Stifts« dechant Kahn; hl. Abendmahl. katholische Gemeinden. Samstag, den 12. Oktober. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 13. Oktober. 21. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 2: Rosenkranzandacht mit Segen. — Grünbccg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Montag, 14. Oktober: Versöhnungstag. Vorabend 5.45 Uhr; Predigt 6.15; morgens 7.45; Predigt und Seelenfeier 11.30; Schlußprcdigt 4.45; Festesausgang 6.15 Uhr. — NB. Während der Predigt ist der Eintritt nicht ge- stattet. Israelitische Religionsgesellschaft. Montag, 14. Okto, der: Versöhnungsfest. Vorabend 5.50 Uhr; Predigt; morgens 6; Festesausgang 6.18. — Wochengottesdienst morgens 6.30, abends 5 Uhr. Sonntagsdienst 0. Zerrte «.Rvotbeken am 13.10/29 Frau Dr. Marx. Dr. Steinreich. Hirsch-Apotheke. Safmarst: Dr. Schlittler. *D Mk. 5000 bis 8000 als Darlehen oder neoen stille Petcili- aung aus ttrivat- banb zu vergeben liegen nur erüktass. Sicherstellung u.übl. Zinsen. Schr.Anneb. u. 06 >45 a. d. G. Anz. Welche edle j Persönlichkeit leiht Studenten 200 M. ? Rückzahlbar i. vllnkt-1 lieben 'Monatsraten • L 50 Mk. Schrtiil. Angebote um. 06429 an den Gtek.Anzein. Bestellungen auf Fichten- Oeckreiser «extra starke Wellen» zum feitberig. Breis können noch aufgegeben werden beim Oberh.Samenhaas, Lmdenvlav,TelZ851 Schneiderin emvsieblt sich zum Anserttgen oon Kleidern und Weißxeug. Zu erfragen in der Geschaftsü. d. G. A. 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Stresemann abberufen worden, in einer weltpolitischen Lage, in der sich die für die letzten Jahre seiner Amtsführung bezeichnende Erstarrung oder Stagnation loderte, durch das Zusammentreffen recht verschiedenartiger Momente ein neuer Abschnitt beginnt oder beginnen soll. Die Präsii entenwahl in den Vereinigten Staaten — die englischen Wahlen — die Ratifikation des französisch-amerikanischen Schuldenabkommens — die Pari er Sachverständigenkonserenz zu dauernder Regelung der deutschen Tribute — deren Verbindung mit den interalliierten Schulden — die Haager Konferenz mit ihrem Anlauf zur „Generalliquidation des Krieges" — die Rheinlandräumung — die Erledigung der in Genf im September 1928 aufgeworfenen „Kontrollfrage" — es genügt, diese Schlagworte aneinanderzureihen zur Erklärung dessen, was wir mit dem Ausdruck „neuer Abschnitt" meinen. Wir brauchen dabei noch gar nicht darüber hinaus zu denken: an die praktisch ergebnis-, theoretisch keineswegs bedeutungslose letzte Völkerbundsversammlung — die russisch-chinesische Verwicklung — den Kelloggvakt, und zuletzt und vor allem an die Gespräche zwischen Hoover und Macdonald, an die Seeabrüstung und das neue englisch-amerikanische Verhältnis, dessen Anbahnung ja am schärssten den Einschnitt der Zeiten markiert. Mitten in diesen neuen Entwicklungen endete das Leben des deutschen Außenministers! Sechs Jahre hat er aktiv die deutsche Außenpolitik bestimmt. Vis 1923 stand er in der Opposition gegen Gedanken und Methoden, die die erste Hälfte der deutschen Außenpolitik im ersten Nachkriegsjahrzehnt leiteten. Sn den sechs Jahren arbeitete er immer mehr eine europäische Verständigungspolitik heraus, ^die praktisch namentlich. und wesentlich auf Tine deutsch- französische Verständigungspolitik hinauslief, in Verbindung mit England, in Anlehnung an England noch schärfer gefaßt: auch mit starker Hoffnung aus England. Strelemanns außenpolitische Gedanken gingen überwiegend nach dem Westen, nach Westeuropa. Lind in ihnen lebte stark die auf historischer Erinnerung gegründete Erwartung, daß England auch nach die'em Kriege seinem althistoritchen Axiom treu bleiben werde, der stärksten Macht des Festlandes (nunmehr Frankreich) feind zu sein durch seine Flotte und durch die Verbindung mit den schwächeren Mächten des Kontinents. Auf öie-c Erwartung gründete sich Dr. Stresemanns Verhältnis zu Lord d'Aber- non, dem ersten Rachkriegsbot'chastsr Englands in Berlin, überhaupt zur englischen Politik. Es ist bekannt, wieviel davon in den Anregungen vom Februar 1923 mitwirkte, die dann nach Locarno führten. Dr. Stresemann mußte immer mehr sehen, daß diese Hoffnung auf England eine Illusion war. Weder das England Lloyd Georges noch das Chamberlains waren willens, waren namentlich fähig und stark genug, diese Linie wirklich zu halten. In diesen Jahren hat die englische Politik die deutsche mit freundlichen Worten gewiß, mit der Tat und entscheidendem Eingreifen niemals unterstützt. Als Dr. Stresemann im Auswärtigen Amt von London die Locarno-Verträge zeichnete, hatte Chamberlain als einziges Bild das des englischen Vertreters auf dem Wiener Kongreß, Lord Castlereagh, aufhängen lassen. Der englische Minister wollte damit die Locarno- Derträger in ihrer Bedeutung dem Wiener Kongreß, nach dem ja Europa über ein Menschenalter in der Haupt'ache Ruhe hatte, gleichsehen. Chamberlain übertah dabei, daß das Wesentliche an Lord Castlereaghs Politik war, das was Chamberlain und die englische Politik bis 1929 nicht getan hat: den Unterlegenen im Völkerringen trotzdem um des Gleich» gcwichts und damit der wirklichen Befriedung willen als den Gleichberechtigten und unter souveränen Mächten G'.e.chstehenden wieder in die Vereinigung der Staaten einzusühren. Das Gleichgewicht in Europa ist noch nicht erreicht, als der Tod dem deutschen Außenminister die Feder aus der Hand nahm, noch nicht die volle Befreiung von den unerträglichen Fesseln und Vergewaltigungen des Versailler Diktats, und noch nicht eine Ordnung unter den Friedensverträgen, in der Staaten und Menschen wirklich mit Vertrauen leben können. Wieviel oder wie wenig die Stresemannsche Außenpolitik dagegen erreicht habe, darum geht der Streit der Parteien. Vor dem kaum geschlossenen Grabe sprechen wir heule dazu nicht. Die äußeren Daten sind: der Abbruch des Ruhrkampfes 1923 — der Dawesplan 1924 — das Angebot eines Sicherheitsvaktes an Frankreich und die Locarnoverträge 1925 — der Eintritt in den Völkerbund 1926 — das Thoiry-Gesvräch 1926 — der Beitritt zum Kelloggpakt 1928 — die Haager Konferenz 1929. In die'er Liste fehlt noch — der Rapallo- Vertrag lag vor Stresemanns Ministerzeit — der Berliner Vertrag mit Rußland, der 1926 unter ihm 'geschlossen wurde. Stresemann hielt an der in Rapallo eingeschlagenen Linie fest und betonte stets, daß Deutschland zwischen Locarno und Rapallo seine Unabhängigkeit und Neutralität wahren müsse. Ueber die damit bezeichnete Linie gingen seine Gedanken gegenüber Rußland nicht hinaus, wie überhaupt, in seiner Einstellung dem Westen Europas zugewendet, die östlichen Probleme seinen Intere'sen im Innern fremder waren. Mit Nordamerika verbanden ihn als führenden Vorsitzenden des deutsch-amerikanischen Wirtschaftsverbandes stärkende Fäden. Ueber Amerikas große Bedeutung für Deutschland war er sich durchaus klar. Er stand in engen Beziehungen zu dem sehr verständnisvollen Botschafter der Vereinigten Staaten, mit dem zusammen er in Heidelberg die akademische Würde eines Ehrendoktors empfing. Amerika wirklich einzuordnen in die Gedanken einer deutschen Außenpolitik, dazu ist er so recht nicht mehr gekommen. Auch wurde die Zeit dafür wirklich erst reif, als schon die ersten Schatten des Todes sich über sein Haupt senkten. Er schloß seine Arbeit mit der Konferenz im Haag und dann mit der Völkerbundsverlammlung in Genf, wo er in seiner letzten öffentlichen Rede Stellung nahm zu den „Paneuropa-Gedanken", einer europäischen Gesamtverständigung, die er vor allem wirtschaftlich sah und vertrat, aber mit betonter Ablehnung jeder Spitze derartiger Bestrebungen gegen irgendein Land außerhalb Europas. Im Nachruf auf Stresemann, dessen leidenschaftlichen und glühenden deutschen Patriotismus niemand bestreiten kann, sagte die „Deutsche Tageszeitung" in sehr zutreffender Formulierung: „Die deutsche Außenpolitik läuft in tief eingegra- bencr Furche, die jeden Richtungswechsel nach links oder rechts sehr erschwert. Sie war auch in hohem Maße auf Stresemann selbst zuge- schnitten. Das Erbe ist daher für keinen Nachfolger leicht. Niemand kann auch nun einmal bestehende Bindungen völlig außer Acht lassen." Den Kampf darum, der in seinen letzten Lebenswochen im Für und Wider des Boung- plans schon lebhaft begann, ob die Mehrheit im deutschen Volke für ober gegen die Fortsetzung dieser Politik sei, diesem Kampfe, in den er schon mit seinem alten Temperament einzugreisen begann, ist er durch einen plötzlichen Tod für immer entrückt worden. Auf ein besonders und rein Persönliches sei der Blick noch gelenkt. Stresemann war ein großer Arbeiter, immer im Gang, ungemein schnell fassend und die springenden Punkte herausfühlend, vielseitig und wendig und fähig, schnell Neues sich zu assimilieren. Aber die Masse dessen, was er zu bewältigen hatte, überstieg die Kräfte auch eines völlig gesunden Mannes. Es ist selbstverständlich, daß, wer im politischen Kampf steht, darin Kraft und Nerven riskieren muß, und es ist ebenso selbstverständlich, daß an große Aufgaben Gesundheit und Leben auch gesetzt werden müssen. Aber es ist nicht selbstverständlich, daß die ganze Anlage und Methode, die bei uns die Arbeit solcher Männer bestimmt, die Konzentration, die wirklich in die Tiefe dringende Arbeit ungeheuer erschwert und eine ilnfummc von Kraft und Zersplitterung oft nutzlos verbraucht. Wer im politisch-parlamentarischen Leben steht, weiß, was wir darunter verstehen, und wie diese Art vor der Zeit auch die stärksten Kräfte verzehrt. Besonders dann, wenn, wie in diesem Falle, der Leiter der Außenpolitik in so hohem Maße als Parteiführer auch Exponent einer bestimmten innerpolitischen Tendenz ist und zugleich darum kämpsen, sich damit fortwährend beschäftigen muß. Natürlich sind etwa Briand und Chamberlain auch Glieder einet innerpolitischen Gruppierung, aber bei weitem nicht in dem Maße, wie Stresemann es war. Beide und andere parlamentarische Außenminister in anderen Ländern können daher ein ruhigeres Leben führen und, was wichtiger ist, sich erheblich stärker konzentrieren auf das doch wahrhaftig nicht einfache Gebiet der Außenpolitik, und diese stets in ihrer Einheit sehen (wenn sie sonst dazu fähig sind). Der deutsche Leiter der Außenpolitik wurde und wird nach allen Seiten gerissen und ist immer in der Gefahr, in der Flut bet Besuche, Gespräche. Sitzungen. der Papierflut bet Zeitungen und Telegramme und vor allem dem Lärm des inner- politischen Streites unterzugehen. Jahrelang nun habe ich diele Verhältnisse im Ausland und bei uns beobachtet. Wie unendlich schwer ist es bei uns den zur Leitung berufenen Männern gemacht, zu wirklicher Konzeption zu kommen und die politische Phantasie, auf Grund der umfassendsten und nüchternen Tatsachenverarbeitung, in Ruhe einmal wirklich schöpferisch spielen und arbeiten zu lassen! Dergleichen Gedanken ruft ein solcher Todesfall wach, und sie leiten über zu der auf vielen Lippen schwebenden Frage: wer wird der Nachfolger? Der Feinfühlige empfand es aI8 höchst peinlich, daß gleich nach dem Tode die Parteipre'se die Debatte darüber entfesselte und mit der Liebertragung der provisorischen Leitung des Auswärtigen Amtes an Dr. Curtius gleich auch ter Parteistreit anfing, noch ehe das Grab sich über dem Toten geschlossen hatte. Rein sachlich erheben sich aber auch gleich eine Reihe Fragen. Gewiß spricht man mit Recht von der „tief eingegrabenen Furche" der heutigen deutschen Außenpolitik. Gewiß steht Boungplan. zweite Haager Konferenz, Saarverhandlung und Saarkampf ganz im Vordergrund. Ist das aber alles? Berühren Völkerbundspolitik, Abrüstungsgespräche, russisch-chinesische Verwicklung, in der Deutschland die Wahrnehmung der Interessen beider übernommen hat. und dergleichen mehr Deutschland nicht auch? Kann ein Staat in der Lage des unseren eine provisorische Leitung der Außenpolitik ober eine Besetzung dieses Amtes nach den Parteiverhältnissen und der Parteiarithmetik sich leisten? Gehört denn nicht zur Leitung dieses Amtes auch einigermaßen Sach - und Fachkenntnis? Gibt es unter den Fachdiplomaten niemand, der dieses Amt zu übernehmen fähig und kräftig genug wäre? ilnb wenn nein, wäre bas nicht ein nieber* schmetterndes Armutszeugnis für das Auswärtige Amt und die Pflege des Nachwuchses? Läge es nicht erst recht nahe, wenn es richtig ist, daß nach der Haager Schluhkonferenz die inneren Fragen der Finanz- und Steuerreform und der Deichsreform die außenpolitischen Probleme in den Hintergrund drängen werden, das Auswärtige Amt den Parteifragen zu entziehen und der Parleieinflüsse dazu? Sicher wird über diese Fragen in den nächsten Wochen von und unter den Parteien und unter den Ge'ichtspunkten der Parteiwünsche ausführlich gesprochen werden. Aber über diese Fragen muß auch vom Standpunkt der Außen- doli tik und dessen, was sie sachlich und sachlich fordert, wenn die deutschen Interessen draußen wirklich gewahrt werden sollen, gesprochen werden. Lind deshalb konnte auch die außenpolitische Rundschau an ihnen nicht Vorbeigehen, nachdem die Macht des Todes dem deutschen Staat und Volk bie^e Fragen schneller gestellt hat als gedacht, schneller jedenfalls, gls bah eine Vorbereitung auf die Antworten schon genügend vorhanden wäre! Gememdesmanzen und Finanzausgleich. Don Dr. Paul Mombert, 0. ö. Professor der Staatswissenschaffen an der Universität Gießen. 1. Seit der Stabilisierung der Währung sind die Finanzen der deutschen Stadtgemeinden ungemein angespannt. Die Ausgaben finb in ganz beträchtlichem Llmsang angewachsen, während Einkommen und Vermögen als Steuerquellen im Gegensatz zu der Zeit vor dem Kriege ihnen nicht mehr im gleichen Maße zur Verfügung stehen. Die Steuerhoheit darüber steht dem Reiche zu und die Stadtgemeinden erhalten daraus bestimmte Anteile, ohne jedoch bas Recht zu haben, dazu irgendwelche Zuschläge zu erheben. Ihr Bestreben geht dahin, dieses Recht wieder zu erhalten und bei dem Kampf um den endgültigen Finanzausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, der sich bei uns in den nächsten Monaten abspielen wird, ist bestimmt damit zu rechnen, daß diese Forderung eine besonders große Rolle spielen wird. Sie findet ihre besondere Begründung darin, daß die Ausgaben der Städte in ganz besonders hohem Ausmaße gestiegen sind, und daß vor allem die Real- steuern bereits eine Höhe erreicht haben, die vielfach über das wirtschaftlich Tragbare hinausgeht. 1. Die Ausgaben. Schon vor dem Kriege konnte man bei allen öffentlichen Körperschaften und auch bei den Städten, beobachten, daß ihre Ausgaben viel rascher stiegen als die Dolkszahl. Es handelt sich hier um das sog. Gesetz des steigenden, öffentlichen Bedarfs. Diese Entwicklung hing einmal mit dem steigenden Wohlstand unseres Volkes zusammen, dann aber auch damit, daß unsere öffentliche Verwaltung und vor allem die Städte immer mehr neue Ausgaben in den allerverschiedensten Richtung übernehmen mußten. Rach dem Kriege hat jedoch diese Steigerung der Ausgaben bet den Städten in ganz beträchtlichem Llmfang zugenommen. Die vor kurzem veröffentlichen Llntersuchungen des Statistischen Reichsamtes geben dafür das folgende Bild. Es betrug der reine Zuschuhbedarf der Gemeinden und Gemeindeverbände in den Jahren in Millionen für 1913/14 1925/26 1. Allgemeine Verwaltung 215,4 402,5 2. Polizei 100,1 173,7 3. Wohlfahrtswesen 470,6 1762,0 4. Bildungswesen 613,8 821,2 5. Wirtschaft und Verkehr 329,1 534,1 6. Finanz- und Schuldenwesen 124,4 168,2 Zusammen 1853,4 3881,7 Selbst wenn man die Geldentwertung dabei mit etwa 50 Proz. in Rechnung seht, so ist in dem betrachteten Zeitraum noch eine ganz erhebliche Steigerung der Ausgaben eingetreten. Die Tabelle zeigt deutlich, daß diese Steigerung in erster Linie auf dem Gebiete des Wohlfahrtswesens stattgefunden hat und diese Beobachtung läßt sich so ziemlich in gleichen Weise in allen Städten machen. Betrachten wir einmal die Verhältnisse einer Großstadt, so ergibt sich für Breslau das folgende Bild: Es entfielen Gießener Gtaditheater. Ludwig Hirschfeld: „Tie Frau, die jeder sucht". Sowas gefällt den Leuten: sowas sehen und hören sie zuuu gern. Es war ein Mordserfolg. Deisallsgeknatter nach allen drei Akten. Rach dieser Feststellung bleibt dem Referenten eigentlich nicht mehr allzuviel zu sagen übrig. Denn das Theater (nicht nur unseres) lebt wieder einmal in einer kritischen Zeit: es wird wieder allenthalben darüber gesprochen. Lind es ist ja auch, leider, etwas daran, und es hat keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken. In kritischen Zeiten ist aber etwa ein gutes und wertvolles Stück, in das niemand hineingeht, und das keinen Erfolg hat, für die Katz. Dagegen ist mit einem mäßigen Stück, wenn es gefällt (und es spricht sich herum, daß es gefallen Hat), wo nicht alles, so doch viel gewonnen. Dies ist ein Standpunkt, wie er den an« gedeuteten Zeitläuften entspricht, kein Standpunkt für die Dauer, aber ein Standpunkt immerhin. (Die ideale Forderung, für die bessere Zukunft und für die Dauer: das gute und wertvolle Stück, welches ein großes Publikum findet and Erfolg hat: wir sind optimistisch genug, daraus zu warten.) Also: hier gibt es ein harmloses Lustspiel, drei Akte, mit • ungenierten Abstechern in den erprobten Schwank, mit viel Oberfläche, mit em paar hübschen Schlagfertigkeiten, mit ein paar (zum Schluß) recht vernünftigen und ganz ernsthaften Bemerkungen, vor allen Dingen aber mit zeitgemäßem Spaß, mit der obligaten Verwechslung der Paare und der erst recht unvermeidlichen Doppelverlobung zum Schluß. Vor allem aber: mit aufgehobenem Zeigefinger. Seht einmal her, ihr Zeitgenossen, so ist das junge Mädchen von heute, die moderne Jugend, die neue Sachlichkeit, der Backfisch von 1929: mit der Tennismeisterschaft und mit dem Brustschwimmen und mit der frechen Klappe und mit den schlechten Manieren, mit dem Aepfelchen zum Frühstück und mit dem Fünfzigkilo-Höchstgewicht, mit seiner unernsten und un- geistigen „Selbständigkeit", die im entscheidenden Augenblick ganz klitzeklein wird und am Ende doch von jedem, ach so altmodischen Ge- fühlchen überrumpelt wird. Vor lauter Lllk und Karikatur und vor lauter fingerdicker Ironie wird natürlich an den Problemen der jungen Generation (ernsthaften, die es wirklich gibt) glatt vorbeigeschossen. Die wahre moderne Jugend — und dabei fällt der Autor gleich vor ehrlicher Begeisterung ins andere Extrem — sitzt nämlich, wie es hier heißt, in den Fabriken und in den Bureaus und hinter der Schreibmaschine. (Obwohl das ja doch auch sehr viele tun, die nicht mehr jung sind, und von den Jungen wiederum viele nicht aus Weltanschauung, sondern aus Notwendigkeit.) * Die Frau indessen, die jeder sucht, ist eine Mischung, eine zwischen den Generationen, zusammengesetzt aus gesunder Fortschrittlichkeit und gesunder Altmodischkeit. Prüfet beides und behaltet das Beste: das ist die lobenswerte und liberale Tendenz, mit der einen dieses Stück entläßt. Aber hier kam es ja minder auf die Moral an als auf die Situation; weniger aufs Lustspiel als auss Theaterstück. (§in bißchen Musik und ein bißchen Tanz und ein bißchen gedeckter Tisch, ein bißchen Verwechslung und ein bißchen Eifersucht und ein bißchen Liebe; ein bißchen aalglatter Dialog, ein bißchen „große Szene", ein bißchen Küsserei und ein klein bißchen Spannung — man sieht ja schon von weitem, wie das ausgehen muß —, ein paar gute Witze und drei Vorhänge gerade im rechten Augenblick. Das läuft alles sehr flink, sehr exakt und bei guter Laune im ganzen Hause unter der sauberen Epielführung von Peter F a f f0 11 ab. « Eine neue Schauspielerin stellte sich vor: Marianne Mewes aus Bremen, Nachfolgerin von Alix Krahmer: es ist nach dieser Probe natürlich noch nicht abzusehen, in welchem Umfang sie den Rollenkreis ihrer Vorgängerin, die von der Naiven zur Salondame hinüberwechselte, wird übernehmen können. Gestern lag der Nachdruck auf der Jugendlichkeit, die in fast allen „ Fächern" etwas für sich hat. Gute Figur, gute Stimme, frisches Spieltemperament; ein hübsches Debüt, mit dem man, beiderseits, zufrieden sein kann. * Peter Fass 0 11, als Vater Knie schon bekannt, sand sich auch in der leichteren Atmosphäre des Gesellschaftsstückes sympathisch zurecht, als älterer seriöser Liebhaber und Kavalier; die Spanne zwischen beiden Rollen ist immerhin nicht unbeträchtlich und läßt auf eine vielseitige Anwendbarkeit seiner darstellerischen Möglichkeiten schließen. Die besten und dankbarsten Figuren dieses Lustspielabends stellten Maria Koch, Franz Arzdorf und Luise Schubert-Jüngling: weil sie sich, vergleichsweise, am ernsthaftesten, natürlichsten und menschlichsten zu benehmen und auszudrücken hatten. — Daß es ein großer Erfolg war, haben wir schon gesagt. Dr.Th. Abschluß her Gießener Ferienkurse. Die internen Veranstaltungen der Gießener Ferienkurse wurden gestern nachmittag mit einem Vortrage des Dramaturgen Dr. Ritter vom Stadttheater beschlossen. Das Thema lautete: Grabbes „N a p 0 l e 0 n", eine bramatur« g i hch e Gestaltung. Der Vortragende begann mit einem Hinweis auf die gegenwärtige, nicht eben erfreuliche Situation des deutschen Theaters, auf feine mannigfachen Probleme und feine vornehmsten Aufgaben. Was uns zur Zeit am dringendsten fehle, fei ein theatralisch inspiriertes Genie, das auf der Bühne nicht Ideen, sondern, unter Verzicht auf falsch verstandenen Naturalismus, wirkliches Leben vermittle. Der Redner stellte dann, anknüpfend an den Einleitungsvortrag von Prof. Vietor, feinen Helden vor, Christian Dietrich Grabbe, eine der merkwürdigsten Gestalten in der Geschichte der deutschen Literatur und des deutschen Theaters. Sein Schauspiel „Napoleon^ ist eine zweifellos geniale Erfindung, aber ein dramaturgisches Ungetüm, dessen Aufführung immer ein Experiment bedeutet. Von den modernen Bearbeitungen ist die des Berliner Staatstheaterintendanten Jestner besonders bekannt geworden. Dr. Ritter entwickelte, im Gegensatz zu Heffner, eine eigene dramaturgische Gestaltung, die er, im Auszug, szenenweise rezitatorisch vortrug. Diese improvisierte Wiedergabe, bei der dem Redner seine schaufpielerische Schulung und Charakterisierungsgabe sehr zustatten kamen, gelang insofern ausgezeichnet, als den Hörern mit einfachsten Mitteln ein Eindruck von der visionären Stimmung und der szenischen Atmosphäre des Schauspiels vermittelt wurde. Es war sehr schade, daß dem Vortragenden nicht mehr Zeit zur Verfügung stand und die Darstellung vorzeitig abgebrodjen werden mußte; zumal die dramaturgischen Kernprobleme in späteren Szenen liegen, die nicht mehr besprochen werden konnten. Immerhin war das Gebotene interessant und ein vielfach anregender Abschluß der Kurse. Ehe man auseinanderging, richtete der Kursleiter Prof. Küster in einem kurzen Rückblick auf die Gesamtoeranstaltung freundliche Abschiedsworte an die Hörerschaft und gab dem Wunsche Ausdruck, es möchten alle Besucher mit reichem Gewinn und den besten Erinnerungen an Gießen und die Ferienkurse heimkehren. Die Kursteilnehmer sagten der Leitung durch einen Sprecher aus ihrer Mitte für die bewiesene Fürsorge und Mühewaltung herzlichen Dank, der am besten in eifriger Werbung für die Gießener Universität abgestattet werde. Hochschulnacbnchten. Der a. 0. Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Kiel Dr. Hermann Zahn ist beauftragt worden, in der genannten Fakultät die durch den Fortgang von Professor H. Geiger freigewordene Professur für Physik in Vorlesungen und Üebungen zu vertreten. — Der Privatdozent in bet^ philosophischen Fakultät der Universität Kiel Dr. Willy T h e i l e r ist beauftragt worden, in der genannten Fakultät die durch den Fortgang von Prof. Eduard Fraenkel freigewordene Professur für klassische Philologie in Vorlesungen und Üebungen zu vertreten. — Der Privatdozent für Zoologie und vergleichende Anatomie an der M ü n ch e n e r Universität Dr. Hermann E i d m a n-n hat einen Ruf auf die Professur der Zoologie an der Forstlichen Hochschule in H a n n M ü n d e n als Nachfolger von Professor L. Rhumbler erhalten und zum bevorstehenden Wintersemester angenommen. den Ausgaben in 54 50 120 genden Jahren 1925 377 313 169 16 1927 367 325 162 20 Davon für Wohlfahrtswesen hier von 1000 Mk. aller Jahren Wohlfahrtswesen Allgemeine Verwaltung Schulen Polizei Zuschußbetriebe und Unter» 1913 147 252 293 7 nehmungen Hm was es sich bei den Ausgaben für Wohlfahrtswesen handelt, ist zu bekannt, als daß es nötig wäre, nod) im einzelnen darauf einzugehen. Dabei haben die Ausgaben der Stadtgemeinden in den allerlehten Jahren noch eine steigende Tendenz gehabt. Es betrug der gesamte Zuschuhbedarf der Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern und der Gerneindeverbände in den fol- 1925/26 3076 Mill. Mk. 979 Mill. Mk. 1927/27 3551 „ „ 1263 „ „ 1927/28 3798 „ „ 1191 „ Also erst, wenn man die Ausgaben in dieser Weise zerlegt, läßt sich erkennen, woraus in erster Linie der steigende Finanzbedarf der Städte in den letzten Jahren beruht. Betrachtet man d:e gesamten Ausgaben der Stadtgememdcn so tmrb man im allgemeinen nicht sagen können, daß hier, vielleicht abgesehen von Vereinfachungen in der Verwaltung, viel gespart werden kann. Die meisten Ausgaben sind zwangsläufige, sind sog. Auftragsausgaben, und auch bei den anderen, die fakultativer Statur — also in das Belieben der Stadtverwaltung gestellt sind — handelt es sich um solche, die ebenfalls einen relativ zwangsläufigen Charakter tragen. Es sei nur auf die Gebiete der Strahenreinigung, der Kanalisation, der Beleuchtung usw. verwiesen. Freilich darf man kein allzu großes Gewicht auf diese Tatsache der Zwangsläufigkeit von Ausgaben legen. Wo eben nicht genügend Mittel vorhanden sind, müssen auch wichtige und nützliche Ausgaben zurückgestellt werden. Wenn aber heute noch da und dort Ersparnisse möglich sind — die Fälle liegen natürlich von Stadt zu Stadt verschieden — so wird man doch sagen können, daß es sich dabei jetzt um Beträge handelt, die nicht allzusehr ins Gewicht fallen. Man kann ruhig sagen, das kommunale Finanzproblem liegt nicht so sehr auf feiten der Ausgaben, als darin, daß die entsprechenden erforderlichen Einnahmequellen nicht zur Verfügung stehen. Wesentlich für die Gestaltung der Ausgaben ist die Höhe derjenigen für Wohlfahrtszweck«. 3m allgemeinen wird man mit einer gewissen Tendenz zu einer Verringerung dieser Ausgaben rechnen können, wenngleich die Schwankungen der Konjunktur und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt recht Wohl imstande sind, diesen Posten noch recht stark ansteigen zu lassen. Aber im Mittelpunkt der kommunalen Finanzprobleme stehen heute, genau wie bei dem Reich und bei den Ländern, die Einnahmen, deren Betrachtung wir uns nun zuwenden wollen. 2. Die Einnahmen. Im wesenllichen stehen heute den Stadtgcmein- den zwei Gruppen von Einnahmen zur Verfügung : Steuern und Heberschüsse aus eigenen Betrieben. Zu den steuerlichen Einnahmen gehören in erster Linie die Anteile, welche die Gemeinden vom Reich aus der Einkommens-, Körperschafts- und Hin - sahsteuer beziehen. Die folgende Tabelle vergleicht die Einnahmen der Gemeinde und Gemeindeverbände (ohne Hansastädte) in der Vvr- und Rachkriegszeit. Sie erhielten in der Gesamtheit in den folgenden Jahren aus den nebenstehenden Steuern in Millionen Mark: 1913/14 1925/26 Einkommensteuer 782 919 Grund- und Gebäudesteuer 378 509 Steuer vom Gewerbebetrieb 161 471 Gebäudeentschuldungssteuer (für den allgemeinen Finanzbedarf) — 225 Steuern vom Umsatz, Grund- und Vermögensverkehr 76 385 Steuern vom Verkehr 1 43 Steuern vom Verbrauch und Aufwand 62 225 Verschiedenes 49 103 Zusammen 1509 2880 Die Erträge aus der Einkommensteuer haben nicht einmal mit der Geldentwertung Schritt gehalten. Als Ersatz dafür erhielten die Gemeinden Teile aus der Umsatzsteuer und aus der Gebäudeentschuldungssteuer, Einnahmen, die es früher bei uns nicht gegeben hat. Daneben wurden ihnen noch Teile aus der Getränkesteuer zugebilligt. Diese vom Reich überwiesenen Einnahmen sind nach oben hin fest begrenzt und können von feiten der Gemeinden keine Erhöhung erfahren. Beginnt das Reich bestimmte Steuern abzubauen, was in den letzten Jahren bereits der Fall gewesen ist, so müssen die Gemeinden mit sinkenden Heberweisungen rechnen, wenn nicht ihr Prozentanteil an diesen Steuereingängen entsprechend in die Höhe gesetzt wird. Weil das Mehr an diesen vom Reich überwiesenen Steuern nicht zur Deckung der Mehrausgaben genügte, sahen sich die Städte veranlaßt, vor allem die Steuern auszubauen, die noch in gewissen Grenzen ihrer Steuerhoheit unterstanden: die sog. Real steuern, diejenigen auf den Grundbesitz und den Gewerbebetrieb. Diese Steuern haben bekanntlich heute eine Höhe erreicht, die für unsere Wirtschaft, vor allem auch für den kaufmännischen und gewerblichen Mittelstand recht bedrohlich ist. Wir haben eben gesehen, daß gegenüber der Zeit vor dem Kriege allein die Einnahmen der Gemeinden aus der Gewerbesteuer von 161 auf 471 Millionen gestiegen sind. Die Anspannung dieser Realsteuern hat aber — abgesehen von der starken Belastung, die darin liegt — noch andere bedenkliche Seiten. Die Uebernahme der Einkommensteuer auf das ganze Reich hatte die Wirkung, daß diese Steuer im ganzen Reich gleichmäßig ausgebaut ist. So lange, wie vor dem Kriege, diese Steuer in ihrer Höhe der Gesetzgebung von Ländern und Gemeinden unterstand, war die dadurch herbei- geführte Belastung regional sehr verschieden. Es gab sog. Steueroasen, in denen diese wichtige Steuer weit geringer war als in anderen Gebieten. Was an dieser Stelle gebessert worden ist, wurde nun dadurch nach der ungünstigen Seite hin wieder wettgemacht, daß wir bei den Realsteuern, vornehmlich bei der Gewerbesteuer, einer sehr starken Ungleichmäßigkeit der Belastung begegnen. 3n einer ungemein lehrreichen Untersuchung hat im Jahre 1928 daS Statistische Reichsamt festgestellt, daß ein gewerblicher Betrieb der gleichen Große und Rentabilität an steuerlicher Belastung durch diese Abgaben zu leisten hatte in Bremen 147 000 Mark Leipzig 314 000 „ Bochum 452 000 H Stuttgart 483 000 „ Rostock 575 000 „ Wenn wir nach den Ursachen dieser so sehr verschiedenartigen Belastung fragen, so hängt sie natürlich z. T. mit der verschiedenen Steuer- und Finanzpolitik der betreffenden Städte zusammen. Auch zum andern Teil doch auch wieder damit, daß der Wohlstand der Bevölkerung regional verschieden ist. Bei gleichen Ausgaben muß natürlich die Steuerlast um so höher sein, je weniger wohlhabend eine Stadt ist. Welche Unterschiede hier vorkommen, zeigt die folgende kleine Aufstellung: Es kamen auf Steuerbares 1000 Personen Vermögen auf Steuerpflichtige den Kopf in Mk. Wiesbaden 53 3678 Bremen 47 1870 Leipzig 29 1590 Bochum 24 899 Essen 19 1004 Hamborn 12 418 Es ist jedoch nicht nur der Unterschied im Wohlstand, der die einzelnen Städte zu einer so verschieden großen Anspannung der Steuern zwingt auch die verschiedenartige Zusammensetzung der Bevölkerung nach Alter und Beruf bemerkt recht große Unterschiede in den zwangsläufigen Ausgaben. So kamen z. D. in den folgenden Städten auf 1000 der Bevölkerung Volks- und Mittelschüler: Gelsenkirchen 151 Hamborn 141 Essen 125 Kassel 101 Frankfurt a. M. 86 Wiesbaden 73 Infolge der unterschiedlichen beruflichen Zusammensetzung der Bevölkerung ist dann auch der Sozialbedarf der Städtö sehr verschieden geartet. Man sieht also, welch große Unterschiede unter den Städten im Hinblick auf den Wohlstand und auf die Ausgaben bestehen. Damit hängt in hohem Maße die regional so ungleich große Anspannung der Grund- und Gewerbesteuern zusammen, und auf diesen Unterschieden baut sich das Bestreben auf, durch ein Reichsrahmengesetz für Realsteuern eine größere Gleichmäßigkeit in Deutschland herbeizuführen. Auch vom Standpunkt der Stadtgemeinden selbst aus können zu hoch angespannte Real- fteuern ihre bedenklichen Seiten haben. Je höher nämlich damit Industrie und Handel belastet werden, am so mehr wird dadurch ihre Absatzmöglichkeit nicht nur nach dem Ausland, sondern auch anderen, im Inland steuerlich günstiger gestellten Industrien gegenüber, bedroht, daß damit dann ein ungünstiger Einfluß auf den Arbeitsmarkt in der betreffenden Stadt und somit auf die Höhe ihrer Einnahmen und Ausgaben entstehen muh, liegt auf der Hand. Aber die meisten Gemeinden befinden sich heute in einer gewissen Zwangslage, weil sie eben angesichts ihrer hohen Ausgaben keine andere Wahl haben, als zur Deckung ihres Bedarfs immer wieder auf die heute bereits so stark angespannten Realsteuern zurückzügreifen. Es gibt nur noch einen Weg, den die Gemeinden, von kleineren Steuerquellen abgesehen, noch bestreiten können: hierbei handelt es sich um die Steigeren gihrersog. privatwirtschaftlichen Einnahmen, deren Betrachtung wir uns nun zuwenden wollen. Fast alle unsere Städte haben eigene wirtschaftliche Unternehmungen, wie vor allem Gas-, Wasser, Elektrizitätswerke und Straßenbahnen. In vielen Städten hatten schon vor dem Krieg diese Beiträge nicht unerhebliche Einnahmen abgeworfen, und nach dem Kriege ging das Bestreben dahin, diese Ueberschüsse noch beträchtlich za steigern. Hatten diese im Jahre 1913/14 für die Gesamtheit aller deutschen Gemeinden noch 189 Millionen betragen, so waren diese Ueberschüsse im Jahre 1925/26 auf 309 Millionen gestiegen und haben seitdem sicherlich noch weiter zugenommen. Freilich darf eine so weitgehende finanzielle Ausnutzung dieser Unternehmungen nicht dazu führen, daß an Abschreibungen und an Rücklagen für den Erneuerungsfonds gespart wird. Sind bann einmal die technischen Anlagen veraltet und stehen aus den Ueberschüssen der Vorjahre keine ausreichenden Rücklagen zur Verfügung, um den technischen Apparat dieser Anlagen auf der Höhe zu halten, barm wirb nichts anderes übrigbleiben, als durch Schuldenaufnahme die Mittel für die alsdann erforderlichen Umgestaltungen zu beschaffen. Es ist vor allem die oben bereits bargestellte Einengung der städtischen Finanzkraft, die heute fast alle Städte dazu zwingt, in steigendem Maße diese Detriebsüber- schüsse finanziell nutzbar zu machen. Alle bisherigen Darlegungen bezogen sich nur auf die ordentlichen Einnahmen der Städte. Reben diesen Einnahmen stehen ihnen aber noch Wege offen, solche Einnahmen außerordentlicher Statur auf dem Wege des öffentlichen Kredits zu erhalten. (Schluß folgt.) Der Gießener Rechnungsabschluß für 1926 Der Stadtverwaltung ist es bisher noch nicht möglich gewesen, die gesamten Verwaltungsberichte über die Arbeiten in unserer Kommunalverwaltung seit dem Ende des Krieges, insbesondere feit der Stabilisierung der Währung, herauszubringen. Als Teilstücke hat sie bisher die Rechnungsabschlüsse für die Rechnungsjahre 1924, 1925 und 1926 im Druck erscheinen lassen. Der Rechnungsbericht für 1926, auf den sich — da er das jüngste Stück dieser Veröffentlichungen ist — naturgemäß das stärkste Interesse richtet, ist in den letzten Tagen dem Stadtrat und der Presse zugänglich gemacht worden. Der Kassenabschluh für 1926 weist erfreulicherweise einen guten Stand aus. In der Betriebsrechnung ist die Einnahme für dieses Rechnungsjahr auf 4120 767,71 Mk. veranschlagt, die tatsächliche Einnahme beläuft sich aber auf 4 370 820,44 Mk. Auf der Ausgabeseite der Detriebsrechnung steht einer veranschlagten Summe von 4120 767,71 Mk. eine tatsächliche Ausgabe von 4 322 668,75 Mk. gegenüber. Der Abschluß der Betriebsrechnung für 1926 zeigt mithin bei einer tatsächlichen Einnahme von 4 370 820,44 Mk. und bei einer tatsächlichen Ausgabe von 4322668,75 Mk. einen Rechnungsrest von 48 151,69 Mk. In der Dermögens- r e ch n u n g für 1926 war die Einnahme auf 1 087 555 Mk. veranschlagt, während sich hier die tatsächliche Einnahme infolge größerer Anleiheaufnahmen auf 4 486 906 Mk. belief. Auf der Ausgabeseite stehen der veranschlagten Summe von 1 087 555 Mk. als tatsächliche Ausgabe 4 163 320,02 Mk. gegenüber. Der Abschluß Der Vermögensrechnung weist hiernach einen Rechnungsrest in Höhe von 323585,98 Mk. auf. lieber die tatsächliche Einnahme und Ausgabe der bedeutsamsten Titel des Haushalts von 1926 werden in dem Rechnungsabschluß folgende Angaben gemacht: Oie Betriebsrechnung. Gebäude 227 222,24 Mk. Einnahme, 142165,49 Mark Ausgabe. Grundstücke 77 783,33 Mk. Einnahme, 53 279,43 Mark Ausgabe. Waldungen 162 588,21 Mk. Einnahme, 87 984,20 Mark Ausgabe. Die städtischen Werke lieferten an den Etat ab: Elektrizitätswerk 225 000 Mk., Gaswerk 150 000 Mk., Wasserwerk 50 000 Mk. Schlachthof und Fleischbeschau 154 708,23 Mk. Einnahme, 151 011,40 Mk. Ausgabe. Jagden 4430 Mk. Einnahme, 974,75 Mk. Ausgabe. Märkte 16182,78 Mk. Einnahme, 10 871,11 Mk. Ausgabe. Waagen 18 723,20 Mk. Einnahme, 6157,49 Mk. Ausgabe. Friedhöfe 50 391,93 Mk. Einnahme, 63198JO Mark Ausgabe. b Volks- und Fortbildungsschule, Stadtschulamt und Horte 11 565,44 Mk. Einnahme, 100 429,30 Mark Ausgabe. Lyzeum und Studienanftalt keine Einnahme 69 329,67 Mk. Ausgabe. Gymnasium. Realgymnasium und Oberrealschule 622.77 Mk. Einnahme. 195 308,99 Mk. Ausgabe Stadttheater 265 772.62 Mk. Einnahme (Dor- anschlagsfumme 260 830 Mk.), 352 074.19 Mk Ausgabe (Voranschlagsfumme 315 808 Mk.). Gewerbe- und Maschinenbauschule, zweijährige Handelsschule keine Einnahme, 6000 Mk. Ausgabe. Aliceschule und Fröbelseminar keine Einnahme. 4018,86 Mk. QluSgabe. Stotde 370 am. Öinna5me 1 oi vuz,iu Jiiii. -2iu$gaoe» Strahenunterhaltung 35 815,85 Mk. Einnahme, 206 424,76 Mk. Ausgabe. Straßenreinigung und Müllabfuhr 82 143,57 Mk. Einnahme, 107 195,40 Mark Ausgabe. Straßenbeleuchtung keine Einnahme, 53 894,06 Mark Ausgabe. Öffentliche Anlagen 5730,99 Mark Einnahme, 42 955,59 Mark Ausgabe. Bäche und Badeanstalten 168,93 Mark Einnahme, 8715,46 Mark Ausgabe. Kanäle 163 202,26 Mark Einnahme, 148 424,25 Mark Ausgabe. Elektrische Straßenbahn keine Einnahme, 15 307,01 Mark Ausgabe (Voranschlagssumme 35 729 Mark). Feuerlöschanstalten 20 833,61 Mark Einnahme, 51 260,41 Mark Ausgabe. Wohlfahrtspflege 1393,73 Mark Einnahme (Vor» onschlagsfumme 1444 Mark), 853 346,03 Mark Ausgabe (Voranschlagssumme 945 580 Mark). Gewerbegericht, Kaufmannsgericht, Arbeitsgericht, Standesamt und Ortsgericht 1969 Einnahme, 18 816,66 Mark Ausgabe. Polizei und öffentliche Sicherheit 831,50 Mark Einnahme, 120 729,08 Mark Ausgabe. Öffentlicher Arbeitsnachweis für das nördliche Oberhesfen 1198,91 Mark Einnahme, 50 551,71 Mk. Ausgabe. Wohnungsamt, Mieteinigungsamt und Instandsetzungsstelle 6816,61 Mark Einnahme, 21 672,79 Mark Ausgabe. Allgemeine Verwaltung 74 485,18 Mark Ein» nähme, 446 133,55 Mark Ausgabe. Ruhegehalte, Witwen- und Waisengelder 3850,34 Mark Einnahme, 116 332,92 Mark Ausgabe. Schuldentilgung keine Einnahme, 10 571,30 Mark Ausgabe. Kapitalzinsen 91283,43 Mark Einnahme, 206 979,96 Mark Ausgabe. Zwecke der Landesuniversität keine Einnahme, 12 330,17 Mark Ausaabe. Oberhessisches Museum und Gailsche Sammlungen 2832,41 Mark Einnahme, 9831,37 Mark Ausgabe. Sand- und Kiesgruben, Steinbruch usw. 102 942,77 Mark Einnahme, 102 214,40 Mark Ausgabe. Anteil an der Reichseinkommen- und Körperschaftssteuer 375 052,90 Mk. Einnahme (Voranschlagssumme 345 000 Mk.), keine Ausgabe. Anteil an der Reichsumsahsteuer 102 021 Mk. Einnahme (Voranschlagssumme 100 000 Mk.), keine Ausgabe. Grunderwerbsteuer 74 732,32 Mk. (Voranschlagssumme 100 000 Mk.), 1721,52 Mk. Ausgabe (Voranschlag 1800 Mk.). Vergnügungssteuer 44 360,48 Mk. Einnahme (Voranschlagssumme 40 000 Mk.), Ausgabe 69 Mark (Vorjahr 0). Hundesteuer 32 739,05 Mk. Einnahme (Voranschlag 29 000 Mk.), 5125,78 Mk. Ausgabe (Voranschlag 4830 Mk.) In dieser Ausgabe ist für uneinbringliche und erlassene Hundesteuer allein ein Betrag von 4173,60 Mk. (Voranschlag 4000 Mk.) enthalten, der Rest entfällt auf Hebgebühren. Ausgleichsmittel 330 995.67 Mk. Einnahme (Voranschlagssumme 525 000 Mk.), Ausgabenseite nichts. Infolge der höheren Einnahmen war es nicht erforderlich, die veranschlagten Aus- -gleichsmittel voll in Anspruch zu nehmen, so daß eine Herabminderung der Zuschuhmittel aus den Rücklagen um 194 004,33 Mk. gegenüber dem Voranschlag eintrat. Gebäude-, Grund-, Gewerbe- * und städtische Eondersteuer vom bebauten Grundbesitz 1 272 493,48 Mk. Einnahme (1 150 000 Mk. Voranschlag), 279 143,20 Mk. Ausgabe (Voranschlag 50 000 Mk.). Die starke Steigerung der Ausgabe gegenüber dem Voranschlag erklärt sich derart, daß durch Verfügungen der Regierung der Kreis der Steuererlasse wesentlich erweitert wurde, wodurch der Betrag für erlassene Steuern infolge Berufung oder SaS* lungsunfähigkeit sich auf 140 090,45 Mk. (Voranschlag 45 000 Mk.) erhöhte, und daß in der Ausgabe die Beträge mit enthalten sind, die von der Stadt Gießen für die Kreiskasse und die Provinzialkasse mit erhoben und dorthin abgeführt wurden, endlich auch die an die Kasse des Wohlfahrtsamtes gezahlten Mietbeihilfen (39 450,95 Mk.) aus der Sondergebäudesteuer hier in Erscheinung treten. Oie Vermögensrechnung. Rest aus vorhergehenden Jahren 117 743,91 Mark Einnahme, 5910,18 Marl Ausgabe. An- und Verkauf von Gebäuden und Grundstücken 60 192,94 Mark Einnahme, 111003,37 Mark Ausgabe. Erbauung gemeinheillicher Gebäude 10 719,03 Mark Einnahme, 130 508,87 Mark Ausgabe. Umstellung des Straßenreinigungsbetriebs keine Einnahme, 44 722,70 Mark Ausgabe. Errichtung von Wohnungsbauten 7345,78 Mark Einnahme, 952 555,12 Mark Ausgabe. Für diesen Titel war im Voranschlag kein Betrag vorgesehen, die umfangreiche Aufwendung zur Finanzierung des Wohnungsbauprogramms wurde jedoch durch erhöhte Anleiheausnahme ermöglicht. Erbauung von Straßen, Wegen und Slinlagen 23 952,55 Mark Einnahme, 373 817,83 Mark Ausgabe (im Voranschlag war für die Ausgabe ein Betrag von 250 000 Mark vorgesehen.) Kanal- und Wasserbauten 2073,86 Mark Einnahme, 71 248,71 Mark Ausgabe. Lagerverwaltung 92 575,18 Mark Einnahme, 182 965,22 Mark Ausgabe. Forstbetriebsstock 54 012,84 Mark Einnahme (Voranschlagssumme 18 000 Mark), 12 694,64 Mark Ausgabe (Voranschlag 4000 Mark). Zum Zwecke der allmählichen Hebeführung der Volkshalle in das Eigentum der Stadt wurden auch in diesem Rechnungsjahre Anteilschein« im Betrage von 5000 Mark von der Stadt angekauft. Die Ausgleichsmittel wurden für die Detriebsrechnung nur mit 330 995,67 Mark Ausgabe in Anspruch genommen, anstatt der vorgesehenen 525 000 Mark. Kapitalmittel 4103 289,91 Mark Einnahme (Voranschlagsfumme 365 555 Mk.), 1 812 789,59Mk. Ausgabe (Voranschlagssumme 20 000 Mark). Die starke Erhöhung auf der Einnahmeseite um 3 737 734,91 Mark ist darauf zurückzuführen, daß Anleihegenehmigungen des Stadtparlaments aus den vorhergehenden Jahren erst im Rechnungsjahre 1926 auf dem Geldmarkt realisiert werden konnten. Dadurch wurde es auch ermöglicht, ein recht umfangreiches Wohnungsbauprogramm zu finanzieren, dem Volkshalleverein und einigen Sportvereinen Darlehen für ihre Zwecke zu gewähren und eine Anzahl Schuldverpflichtungen der Stadt abzutraHen. Für den Flughafen konnte im Rechnungsjahr 1926 ein Zuschuß des Reichsverkehrsministeriums im Betrage von 15 000 Mark zur Erbauung des Flughafens vereinnahmt werden. Demgegenüber steht auf der Ausgabenseite ein Betrag von 125 848,12 Mark für die Errichtung des Wirtschaftsgebäudes und für Wegebefestigungsarbeiten auf dem Flughafengelände. Der Rechnungsbericht bekundet in allen Teilen eine anerkennenswerte Vorsicht und Solidität unserer städtischen Finanzgebarung, die die Grundlage für eine gesicherte Aufwärtsentwicklung unseres Gemeinwesens bildet. Drei Jahre Kerker fürdenIrankfurterBücher-ieb. WSN. Frankfurt a.3)1., 11.Okt. Wie aus Graz gemeldet wird, wurde in dem Prozeß gegen den Privatgelehrten Dr. Arnulf Kogler, der angeklagt war, im Jahre 1924 in Graz Scheckbetrügereien und in den Jahren 1924/27 in der Stadt- bibliothek in Frankfurt a.M. Bücherdiebstähle begangen zu haben, heute das Urteil gefällt. Der Angeklagte wurde wegen Bücher» diebstahls zu 3 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Von der Anklage des Scheckbetruges wurde er freigesprochen. Er erklärte, die Strafe sofort antreten zu wollen. Eine Haussuchung, die im Lause der Ermittlungen in der Wohnung Dr. Koglers vorgenommen wurde, förderte vier Handschriften zutage, die sämtlich der Frankfurter Stadtbibliothek gehören. Der Ange- klagte hatte auch eine große Anzahl von Adressen in Deutschland und in anderen Ländern angegeben, an die er die gestohlenen Bücher und Wiegendrucke verkauft hat. Der Angeklagte hatte im Laufe der Verhandlung eingestanden, die Diebstähle in der Frankfurter Stadtbibliothek begangen und weitere Diebstähle beabsichtigt zu haben. Er habe alle Werke, Handschriften und Inkunabeln, die in der Anklageschrift aufgezählt sind, genommen, nur den Missale Moguntinurn nicht, den er tatsächlich auf dem Grazer Fetzenmarkt kaufte. Kogler gestand weiter, daß er verschiedene Werke noch in den Regalen der Frankfurter Bibliothek versteckt habe, die er später ZU verkaufen gedachte. Der Angeklagte gab genau an, wann er die verschiedenen Wiegendrucke verkaufte, und nannte eine Anzahl Händler, die seinerzeit erklärt hatten, mit ihm nicht in Verbindung gestanden zu haben. Kogler erklärte, er wolle jetzt alles zur Herbeischaffung der oerlorengegangencn Werke beitragen. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 13. Oktober, von 19.30 bis 22.30 Uhr: Fra Diavolo. Montag, 14., von 19.30 bis gegen 22.30 Hbr: Samson und Dalila. Dienstag, 15., von 19.30 bis 22.30 Uhr: Der Zigeunerbaron. Mittwoch, 16., von 20 bis 22.30 Hfjr: Schwanda, der Dudelsackpfeifer. Donnerstag, 17., von 20 bis nach 22.30 Mr: Der Troubadour. Freitag, 18., geschlossen (2. Museumskonzert). Samstag, 19., von 19.30 bis 22.30 übt: Fra Diavolo. Sonntag, 20., von 19.30 bis gegen 23 Hhr. Carmen. Montag, 21., von 20 bis nach 22 Mr: Orpheus und Eurydike. Schauspielhaus. Sonntag, 13. Oktober, von 20 bis 22.45 Uhr: Pariser Leben. Montag, 14., von 20 bis gegen 23 Mr: Die andere Seite. Dienstag, 15., von 20 bis gegen 22.45 Hhr, Uraufführung: Der 14. Juli. Mittwoch, 16., von 20 bis gegen 22.45 ilfjr: Der 14. Juli. Donnerstag, 17., von 20 bis gegen 23 Mr: Die andere Seite. Freitag, 18., von 20 bis nach 22 Mr: Frau Vidal hat einen Geliebten. Samstag, 19., von 20 bis gegen 22.45 Mr: Der 14. Juli. Sonntag, 20., von 11 bis gegen 13 Mr, Gastspiel des Friedrichs-Gymnasiums zu Kassel: Die Perser von Aifchhlos in griechischer Sprache, und sehr bzttit} ft man I. Gießen 06533 Statt Starten! Gießen, im Oktober 1929 06544 und Frau. 05536 Gießen (Steinstraße 61), am 12. Oktober 1929 06542 8457D Ihre Vermählung zeigen an Haus Schwarz, 1 Treppe, Telephon 4124. Gießen (Liebigstraße 97), 13. Oktober 1929 06574 Lichtspielhaus Weisung der Plätze. 8453V Natnrgenrähe Kranfcenhehandlnnfi Fran Ma Kalelsch Brann gepr. Magnetopathin Ul WHll 7 7791 KEIN LADEN 8494b 7979V Beste deutsche Bezugsquelle. Der Vorsitzende des Kuratoriums: Nlngshausen, Bürgermeister. Der Schulleiter: Bitt, Sektor. Gießen, Seitenweg 501, Eingang Wolkengasse rOfekn Dank asten Freunden und ^^Äekannten für die Gratulationen u. Geschenke anläßlich unserer silbernen Hochzeit. Philipp Hof Ofensehermeister Kursusbeginn gesichert Z. Mack zu RM. 3.50 Helgoländer Fleischcremsuppe Tomaten gefüllt m.ltal.Salat Junge Gans, gedämpfte Aepfel, glacierte Kastanien und Rotkohl Cabinetpudding mit Aprikosentunke zu RM. 2.20 Helgoländer Fleischcremsuppe Pökelzunge mit Schwarzwurzel und Petersilienkartoffeln Cabinetpudding mit Aprikosentunke Heinrich Damm Frieda Damm geb. Eckhardt Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen Marianne Stühier Georg Mgner Ihre Vermahlung beehren sich anzuzeigen Ernst parr Minna parr geb. Eise Gewerbeschule Aidda Staatlich beaufsichtigte, dreiklassige gewevblttbe Fachschule 3M oovteM Werden Sie Mitglied des Ihre Vermählung geben bekannt Rudolf Schütz Amanda Schütz geb. Bergener Fremdsprachklub Gießen Um die Teilnehmerzahl zu erhöhen und den Monatsbeitrag dadurch zu ermäßigen, wirb die Meldefrist bis 20. Oktober verlängert Die Karten sind im Vorverkauf in der Musikalienhandlung E. Challier sowie am Tag des Konzertes ab 3 Uhr an der Kasse erhältlich. 8466P Villlge böhmische Vettsedern nur erstktaingilc Qualitäten: VBfunb grauc,geschltssene sJ)L0.80unbl.—, balbweinc'M.1.20,wcine,slaumigeM.2.-, 2.50u.3.—.Herrschaitsjchlcist.schneewein, M. 4.—, beiter Haldrlaum DL 5 — u. 6.—, unflcfcbl.flaiim.sJiuuficbcrn'l)t.2.20,2.80u. 3.25, ftlnmnniui M. 3.80 u. 4.80, Daunen grau DL4 — u. 5.—, Daunen meih M.7.— und 10.— zollfrei gegen Nachnahme, von 10 Psnnd an postsrei. Nichlvassendes um- netaufdit oderGeldZurück.— Ausführliche Preisliste und Muster kostenlos. 7/sv mit Abteilungen für: Äauhandwerker, _„____________________________________________________ Maschinenschlosser und Elektro-Installateure, liefert in jeder gewünschten Aus- Möbelschreiner, Maler und Weißbinder. yniufUU/Cn UM"T stattung stilrein und preiswert Legion des Wioter-Semeslers am 28.Moder die vrübl'kche Universitats-Vruckerei. B. Lange. Gießen. 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Die Heilsarmee Schanzcnstratze 6 oesss Feldmajor H. Kärcher aus Wiesbaden hält Sonntag, den 13. Okt., nachm. 4 Uhr I. Vortrag, Thema: was ist,wos nun, ivos tot viehestsomiee? II. Vortrag, abends 8 Uhr: Was ist die Liebe? Jedermann herzlich willkommen. 5837V seiner Berufskrankenkasie und Lebens- Versicherung. — Geichaiisstelle Gieiren, Haus Schwarz, am Bnbnbof, Tel.4124 Große Auswahl • Damenhüte < in Filz und echten Velour. Stets das Neueste der Saison zu niedrigsten Preisen Handelsschulen C / ES SEN o Vd L. - HBHBOAN Pfungstadt 12. Oktober 1929 'Abrechnung. S§ä”s« ALKr 13&auVtootQmX Sman« ,nki^aurnnk? ^rde je. N. ‘Ä4 ZZ y« A^under etabttoui Anteilschein« ™ von der Stadt m. ^urdenftr die Betriebs. Ausgabe in Watt der vorgesehenen L2?’9! -töarf Einnahme 55 555 M), 1812 789 59X issumme 20000 Mach. Die Einnahmeseite um oarauf zurückzusühren, dah vtadtporlaments aus ahren erst, im Aechnungs- 'eldmarkt realisiert iverden de es auch emöglicht, ein Wohnungsbauprogramm zu kshalleverein und einigen 'n sür ihre Zwecke zu ge. zchl Schuidverpsiichtungen konnte im Rechnungsjahr Äcichsverkehrsministeriums >0 Mark zur Erbauung des Mt werden. Demgegenüber Habenseite ein Betrag von die Errichtung des Wirt« > für Degebesestigungs. ghafengelände. ht bekundet in allen Teilen Uorfidiiunb Solidi' 1 Sinan^gebarung, bie he esicherte AuswärtSentwiL- lesens bildet. Oie glückliche Geburt ihres Sohnes Heinz zeigen hocherfreut an Dr. jur. Otto Ortweiler Amts- und Landrichter Dr. med. TMa Ortweiler geb. Mulch z. Z. Krankenhaus Verein v.Rot. Kreuz, Könlgswarterstraße Frankfurt a. M., den s. Oktober 1929 84590 cn 227 - H ***** durch M. Brockmanns ^Zwerg-Marte-, dtr phqstologiich volUommeiie Rilhd^rj'Milchung! • ttein gewöhnlich« FuNrrtalk e Dnhu dt« «paonlichrn Sldjrleiitnnflen an Milch, Fleilch, F«a, Eiern • Gierig« Freier, heft« JuXiera»»« Nutzung • Etchechek Schutz gegen ttnochkurronrheUeul • R» echl In Origlual-Packnng - ute U|e! 1OOOOO Ratqeber umfonft ■L XX.UU. , Vrtauhftdkr odzhrer Geburt gestorben. Ihr Vater scheint damals auch sein na^s Ende geahnt zu haben, denn er ließ Sie, sein einziges Kind, photographieren und fand noch Zeit, eins der Bilder an seine Schwester zu s chicken, die hier in Deutschland lebte. Als er dann sein Ende nahen fühlte, ließ er seinen Freund rufen, bat ihm sich seines Töchterchens anzunehmen und dafür zu sorgen, daß es seiner Schwester überbracht würde. Das wurde ihm feierlich versprochen, aber nicht gehalten. Der Freund wurde von der Habsucht gepackt. Er wollte das reiche Erbe Ihres Vaters an sich reihen. Damit er das konnte, mußte das Kind beseitigt werden. Gott sei Dank schreckte der Elende vor dem Aeußersten zurück. Er übergab das Heine Mädchen einer deutschen Frau, die sich nach der Heimat zurücksehnte und zahlte ihr eine ziemliche Summe dafür, daß sie das Mädchen mit sich nahm und als ihre Nichte ausgab. Solange sie dieses Geheimnis wahrte, wollte er ihr halbjährlich einen bestimmten Betrag überweisen, lind die Frau willigte ein...“ „Es war Frau Wohllebe!" stöhnte Käthe. „Ganz recht!" bestätigte der Fremde. „Sie hat auch Wort gehalten und bis an ihr Ende geschwiegen. Dann mag sich ihr Gewissen aber doch geregt haben. Sie wollte sprechen, konnte indes nicht mehr alles offenbaren. Vielleicht hätten Sie nie erfahren, wer Sie in Wahrheit sind, hätte nicht der Förster Edelmann jene Todesanzeige veröffentlicht. Die Sache liegt so: Die Schwester Ihres Vaters, Fräulein Käthe, hatte» d-as Bild erhalten. Sie hatte schvn erfahren, daß Sie geboren worden waren. Als dann die Kunde eintraf, daß ihr Bruder gestorben war, erkundigte sie sich vergeblich nach dem Verbleib des Kindes. Der falsche Freund behauptete, er habe es, wie versprochen, in sicherer Obhut an sie geschickt. Er war sogar sehr bestürzt, daß es dann was sie brauchte, so entkleidete sie sich und schlüpfte in das weiche Bett, nachdem sie das Licht ausgedreht hatte. Sie wollte all das Wunderbare, was sie erlebt und gehört hatte, noch einmal überdenken. Aber ehe sie sich dessen versah, war sie eingeschlafen. Käthe ihm entgegen und bot ihm die Hand, aber schaute sie in heimlicher Bewunderung Sie betrat mit Käthe ein reizendes Mädchenzimmer, wo sie Platz nahmen. Während sie nun Käthes beide Hände in die ihren nahm, sagte sie: „Also daß ich deine Tante, deines Vaters Schwester bin, das wird dir wohl Herr von Bodenstein gesagt haben. Dein Vater hieß Vor- man von Bernsbruck, und ich bin seine einzige Schwester Adelheid. Ich war verheiratet mit dem Vizeadmiral Gerd Bottrup. Mein Mann ist schon zehn Iahre tot. Da ich selber keine Kinder habe, sehnte ich mich un so mehr nach dir. Der liebe Gott weiß eben immer, was er tut, denn hätte ich ein halbes Dutzend Kinder gehabt, dann hätte ich mich vielleicht nicht groß um dein Schicksal gesorgt und wir hätten uns nie gesehene aber so. ... Sage, Käthe, freust du dich denn, daß du nun endlich jemand hast, der dich liebt und den du wieder lieben darfst?" Aus den Augen der alten Dame strahlte ihre große Herzensgute, und Käthe konnte nicht anders, sie sank vor der Tante nieder und barg ihr Haupt in deren Schoß. Dabei kam ihr der Gedanke: Was spllte sie der Tante erzählen, wenn sie nach ihrer Vergangenheit fragte. Sie beschloß bei sich, ihre seltsame Che zu verheimlichen: sie sollte begraben und vergessen sein. Berndt Klausen würde sicher nie mehr zum Vorschein kommen. „Ich lasse dich jetzt allein, Käthe," hörte sie endlich die Tante sagen. „Du mußt erst ruhig werden. Dann sollst du dich hier heimisch machen. Ich werde dir das Mädchen schicken — oder nein — klingle selbst, wenn du es haben willst. Dann fahren wir noch vor Tisch aus. Ich werde dir doch allerlei kaufen müssen. ... So, Kind, nun steh' auf und gib mir noch einen Kuß! Llnd fürchte dich nicht mehr! Das Leben hat dir schon schlimm mitgespielt, doch nun soll es dich nicht mehr zu fassen kriegen!" Sie zog Käthe empor, nahm das von Trünen feuchte Gesicht zwischen ihre beiden schlanken Hände und schaute lange in die klaren blauen Augen. Immer heller und freundlicher wurde dabei ihr eigenes Gesicht. Sie sah, daß die Seele dieses jungen Menschenkindes noch rein war, ein fast unbeschriebenes Blatt. Zug um Zug dieses Antlitzes erinnerte sie an den toten Bruder, den sie so sehr geliebt und um dessen Erbe sie einen hartnäckigen Kampf geführt hatte. Sanft küßte sie Käthe auf den leise zuckenden Mund. „Kind, wie bin ich froh, daß mein Suchen nicht vergebens geblieben ist, daß ich nun doch noch die Tochter meines Bruders gefunden habe! Ich werde dich sehr, sehr lieb haben, ilnö du?" Käthe schlang anstatt einer anderen Antwort beide Arme um den Nacken der Tante und preßte ihr Gesicht an deren Brust. Dann stand Frau Adelheid Bottrup langsam auf: „Auf Wiedersehen, Kind! Unö noch einmal: Mögest du recht, recht glücklich werden in meinem Hause!" Käthe stand noch lange an der gleichen Stelle, unfähig, sich zu rühren, unfähig auch, etwas anderes zu denken als das eine: Ich habe endlich eine Heimat gefunden und wahre Liebe! (Fortsetzung folgt.) Ließe in Keilen. Vornan von Hans Mitteweider. Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale). Am nächsten Morgen war sie wieder früh auf, wusch sich, kleidete sich an und freute sich, daß sie ein so schönes Kleid hatte und sich nicht vor ihrer Tante zu schämen brauchte. Sie bemühte sich, sich vorzustellen, wer das sein könnte, wie sie wohl aussah. Sie kam nicht damit zustande. In fieberhafter Aufregung lauschte sie immer wieder, ob noch niemand außer ihr wach sei. Endlich horte sie im Nebenraum das Kaffeegeschirr leise klirren, und sofort öffnete sie die Tür. Sie erblickte nur den Diener, der sich achtungsvoll vor ihr verbeugte und meldete, daß Herr Bodenstein sogleich erscheinen wurde. So war es denn auch. Doller Freude eilte verschwunden sein sollte. Aber Ihre Tante faßte Argwohn gegen den Mann und hat sich all die Iahre bemüht, jene Frau zu finden, die mit dem Kinde verschwunden war. Durch Zufall kam ihr die Todesanzeige in die Hände. Sie las den Namen, den der Elende seinerzeit genannt hatte und sie las auch den Namen der einzigen' Leidtragenden — nur der Vorname kam in Betracht — Käthe. So heißen Sie wirklich: der andere Name stimmt nicht. Ich habe nicht die Erlaubnis, Ihnen zu sagen, welcher Ihnen zu Recht zusteht." Aber wie konnten Sie mich denn finden? ilnö gerade in dem Restaurant?" fragte das junge Mädchen verständnislos. Da lächelte ihr Gegenüber und erwiderte: „Ich fand Sie nicht erst dort, sondern ich war Ihnen schon dorthin gefolgt. Sie haben nur das 2luto nicht bemerkt, das hinter dem Ihren herfuhr. Um es-kurz zu machen: Ich bin Privatdetektiv und von Ihrer Tante beauftragt worden. die Käthe Femau zu suchen, die als Nichte der verstorbenen Frau Wohllebe in der Todesanzeige genannt war. Es war nicht schwer, da Sie selbst ja dem Förster Ihre Adresse angegeben hatten. Als Sie heute aus dem Hause auf die Straße traten, als ich Ihr blondes Haar sah, da wußte ich schon, daß ich die richtige Fährte hatte..." . E r. Käthe Fernau faßte das alles noch nicht, sie gab sich auch keine Mühe. Sie hatte aus seinen Rtzden nur eins herausgehört: Ihre wirkliche Tante lebte noch! ilnö außer sich vor Freuöe faltete sie nun öie Hänöe unö bat: „Bringen Sie mich zu meiner Tante, Herr...! „Bodenstein heiße ich", sagte öer Detektiv. „Herr Boöenstein, Sie werben begreifen, wie ich mich öanach sehne, meine Tante kennenzulernen, Öen einzigen Menschen, öer mir noch geblieben ist...“ Sie verstummte mitten im Satz, denn auf einmal war ihr, als sähe sie unmittelbar vor sich ein Paar leuchtenöe Augen. Schauöernö erinnerte sie sich öes Vorfalls im Cafe Metropol, wo er toieöer vor ihr aufgetaucht war, dem diese Augen gehörten. Bodenstein antwortete: „Morgen werde ich Sie zu Ihrer Frau Tante begleiten. Heute werden Sie mir die Ehre erweisen, mein Gast zu sein. Ich habe meinem Diener schon die nötigen Weisungen gegeben. Daß Sie bei mir nicht das geringste zu fürchten haben, das brauche ich Ihnen nun wohl nicht erst noch zu versprechen, nicht wahr?" „Nein, nein, Herr Bodenstein! Ich vertraue Ihnen! Ich will auch hierbleiben, und ich danke Ihnen so sehr! Aber nicht wahr. Sie bringen mich morgen früh gleich zu meiner Tante? Wie sieht sie aus? Ist sie-schon alt? Wie heißt sie?" „Wozu soll ich Ihnen sagen, was Sie morgen selber sehen unö hören toeröen!“ sagte öer Detektiv. „Sie toeröen müöe sein unö schlafen wollen..." Er klingelte öem Diener. Dann reichte er ihr öie Hanö unö verbeugte sich vor ihr. Käthe betrat ein Schlafzimmer, öas in seiner Ausstattung Öen übrigen Räumen entsprach. Sie fürchtete sich wirklich nicht im geringsten, unö öa eine unbekannte Hand für alles gesorgt hatte, unö sagte ernst: „Ihre Frau Tante toirö sich sehr freuen!* ^.Meinen Sie öas wirklich?" „Gewiß, Fräulein Käthe." Aber er sagte nicht, öaß sie nicht erwartet hatten, ein so schönes unö fo reizvolles Kinö zu finden. Er war noch nie so stolz auf einen feiner Erfolge gewesen wie auf öiefen, öer Öoch sehr, sehr leicht zu erringen gewesen war. Er lenkte öas Gespräch geschickt auf anöere Dinge, beöiente sie beim Kaffee trinken unö ber- schwank) dann einen Augenblick, um sich 3um Ausgehen fertigzumachen. Wieder wartete Käthe voll Llngeduld. Bald erschien Bodenstein wieder. In dem bereit- stehenden Auto fuhren öie beiöen öurch öie Staöt in öas vornehmste Viertel, öas Käthe überhaupt noch nicht kannte. Vor öem kunstvollen schmieöeeifernen Tor einer im Grün versteckt liegenden Villa hielt der Wagen. Bodenstein sprang heraus und half Käthe. Dann drückte er auf öie Klingel. Ein Diener in gestreifter Iacke schloß öie Tür auf, Öen Detektiv als Bekannten begrüßenö. Käthe wußte nicht, was sie öenfen sollte. In einer so vornehmen Villa wohnte ihre Tante? Dann mußte sie sehr reich sein! Als sie öie Stufen zum Eingang emporschritten, kam aus öer Tür eine schlanke, weißhaarige Dame in schwarzem Seiöenkleiö unö eilte ihnen entgegen. Noch einmal blieb sie, wie stutzend, stehen, dann rief sie laut: „Käthe! Herzenskäthe! Endlich!" Sie breitete beide Arme aus und Käthe warf sich an ihre Brust. Beide hielten sich lange umfangen, beide schluchzten. Endlich gab die alte Dame Käthe frei und schaute ihr ins Gesicht. „Ia, du bist es! Das sind die Züge meines Bruders, deines Vaters, Kind! Willkommen, tausendmal willkommen!" Sie zog Käthes Arm unter den ihren unö führte sie ins Haus. „Erst will ich dir öein künftiges Reich zeigen, Kind! Alles steht schon für öeine Aufnahme fertig!“ Niemals lose - nur in Originalpackung. Persil bi» Persil die ihre^rendN^' KZW ■4 Sx» im» "°dr na» V* rSjÄ? ‘ "• *»' 21~ TZHr M. Oet und barg £%*». !t‘i?$?• sch^ * das von Tranen )en chre beiden schlanke! W in die klaren blMn ' heu«11 wurde dabei dieses es noch rem war. ein säst • ^9 um Zug dieses M 1 den toten Bruder, den sie dessen Erbe sie einen geführt hatte. Ühe auf den leise zuckenden h froh, daß mein Suchen eben ist. daß ich nun doch es Bruders gefunden habe! lehr lieb haben. Und buT itt einer anderen Antwort lacken der Tante und drehte Brust. Adelheid Bottrup langsam . Kind! Und noch einmal: t glücklich werden in meinem lange an der gleichen Stelle, ihren, unfähig auch, etwas s das eine: Ich habe endlich n und wahre Liebe! etzung folgt.) Scfinee i waschen- Be» sil ist! Auf je 3aket jf! Kochen Sie lelstunde, und es nicht mehr überzeugt Sie- ;un0 Samstag, 12. Oktober 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. 240 Drittes Blatt Lugend und Hochschule. M und neue Pädagogik. Von Prof. Dr. <5. Lunge. Dor 120 Jahren, als französische Soldaten unser Land besetzt hielten, da war es Fichte, dec die Erneuerung Preußens vorbereitete. Er hielt seine „Reden an die Deutsche Ration", worin er vor allem eine andere Erziehung forderte. Auch heute nach dem großen Kriege ist das Gefühl allgemein, daß wir unsere Ansichten über Bildung und Erziehung ändern müssen, und zwar herrscht dies Gefühl nicht nur bei den besiegten, sondern auch bei den Sieger- Völkern. Ein Zeichen sind die großen pädagogl- schen Weltkongresse, von denen erst kürzlich wieder zwei stattgefunden haben: der eine in der Schweiz in Genf, der andere im dänischen Helsingör. Wenn hier wie dort Engländer und Amerikaner, Inder und Chinesen zusammenge- kommen sind, dann waren allerdings ihre Sorgen nicht immer die unsrigen. und vieles, was auf diesen Kongressen verhandelt wurde, ift für uns ichwer verständlich oder von geringer Bedeutung. Immerhin mag es gut sein, wenn wir einmal fragen, worauf denn die neue Pädagogik eigentlich hinaus will, ob sich denn aus ihren Lehren nicht einiges entiiehmen läßt, was für unsere alltäglichen Verhältnisse paßt. Die alte Pädagogik hielt es mit dem Grundsatz, den Reuters Onkel Bräsig über die Kaltwasserbehandlung aufstellte: „Alles was schlecht schmeckt, was dem Menschen eklig ist und wovor er einen Grugel hat, das ist gesund für den menschlichen Leib". Z. B. ein Kind sitzt nicht gern lange still; also müßte es stillsihen lernen, und es galt als ein großer Segen der Schule, daß es dazu angehaltcn wurde. Ein Kind hat auch eine andere Sprache als die Erwachsenen. Es kommt ihm aus „mir" und „mich" nicht an, überhaupt sind ihm alle Regeln der Sprache höchst gleichgültig. Also, sagte man. muh es diese Regeln lernen, und Lehrer und Lehrerin müssen ihm die Fehler mit roter Tinte und anderen Mitteln austreiben. Man wird zugeben, daß die alte Pädagogik nicht immer viel erreicht hat. Ein gesundes Kind entwickelt seine Sprache von selbst, während es heranwächst. Es wird ohne viel Rachhilfe schließlich richtig deutsch sprechen, vorausgesetzt, daß die Eltern es tun. Wenn es aber hieran fehlt, dann mag sich der Lehrer noch so sehr bemühen, es wird die Fehler nie ablegen. Ein gesundes Kind kann und darf auch nicht lange stillsihen; wenn ein Kind sich dauernd ruhig verhält, ohne dazu gezwungen zu sein, dann ist cs krank. Die Ratur hat es nun einmal so eingerichtet, daß in den Iahren des Wachstums der Bewegungstrieb am stärksten ist. Man rechnet sogar die Bewegung zu den „Wachstumsreizen", d. h. man meint, daß ohne starke Bewegung das Wachstum nicht recht vonstatten geht. Daß die Unruhe der Kinder den Erwachsenen manchmal aus die Rerven fällt, wollen wir nicht bezweifeln und es ist durchaus begreiflich, wenn die Eltern froh darüber sind, daß die Schule da« Kind „beschäftigt", nämlich viele Stunden an die Schulbank oder an die Schularbeiten fesselt. Die moderne Ansicht ist ebenfalls, daß Kinder beschäftigt werden müssen, nur sollen sie nicht so viel stillsitzen. In diesem Punkte sind nun viele heutige Schulen schon sortschritt- licher als die Eltern. Der alte Sih- und Lern- unterricht der Schule ist doch schon vielfach in eine zweckmäßigere Lehrform umgewan'.elt worden, die eben dem Verlangen des Kindes, sich zu bewegen und alle Sinne zu gebrauchen, besser entspricht. Das Lesenlernen geschieht oft auf die Weise, daß das Kind mit ausgeschnittenen Buch- staben hantiert, beim Rechnen werden kleine Klötze oder Kugeln benutzt. Der botanische Unterricht wird soviel wie möglich ins Freie verlegt, und oft sieht man das schöne Bild, wie Kinder unter Leitung des Lehrers im Garten arbeiten. Ein großer Fortschritt ist auch der, daß in den oberen vier Iahrgängen der Volksschule vielfach zwei Stunden Werkarbeit in der Woche eingerichtet sind. Hier werden die Schüler mit mancherlei praktischer Tätigkeit, vorwiegend mit Papp- und Tischlerarbeiten, be- schästigt. Leider fehlen nur für diese neuzeitlichen Ünterrichtsforrnen ost die Räume. In Zukunft wird es damit besser werden. Bel der Reueinrichtung von Volksschulen in Preußen soll künftig immer ein Raum für Werkunterricht und eine Küche für den hauswirtschaftlichen Unterricht vorgesehen werden, ebenso Einrichtungen für den Unterricht im Freien, nämlich eine Rasenfläche, bewegliche Sitze, ein Sandkasten usw. Hoffen wir, daß es auf diefem Wege weitergeht. Auch in der höheren Schule könnten in allem naturwissenschaftlichen Unterricht die Kinder reichlich zu eigner Handarbeit herangezogen werden. Aber es ist wohl vielfach die Meinung, daß dies mit dem „wissenschaftlichen Geist" der höheren Schule nicht recht vereinbar sei. In dem sprachlichen Unterricht, der fast die Hälfte der ganzen Schulzeit einnimmt, ist ja eine körperliche Betätigung der Schüler kaum durchzuführen. Run liehe sich dieser sehr Wohl einschränken, wenn man mehr auf die Beherrschung der Sprache abzielte, also auf das Sprechen und Lesen in der fremden Sprache. Die Schule hat für die Erlernung einer fremden Sprache in der Regel einige tausend Unterrichtsstunden angeseht, für das Lateinische auf dem Gymnasium z. D. über 2000 Stunden, für die erste Fremdsprache auf den Realanstalten, fast 2000 Stunden und dazu muß man noch ebensoviele Stunden für häusliche Arbeit rechnen. Dagegen wird nach einer der neueren Methoden eine fremde Sprache in einigen hundert Stunden erlernt Die Schule könnte ihren Sprachunterricht und ihren ganzen Lehrgang abkürzen, wenn sie von der Meinung ablassen wollte, daß das Sprachenlernen eine besondere, geheimnisvolle Wirkung auf Geist und Charakter ausübe, die sogenannte formale Bildung. /Alan kommt dabei ungefähr auf die oben angeführten Reuter-Worte: „Alles was dem Menschen eklig ist, wovon er keinen Sinn einsieht, und wovor er ein Grauen hat. das ist gesund für den menschlichen Geist." Es hat eben keinen Wert, in altherkömmlicher Weise Grammatik und Sprachzergliederung oder künstliche mathematische Buchstabenrechnungen als Selbstzweck, d. h. wegen der abfallenden formalen Bildung zu betreiben, sondern man sollte dafür Schüler und Schülerinnen mit Dingen beschäftigen, nach denen sie verlangen und die sie später brauchen können; geistige Schulung gibt es dabei auch. So haben sich denn auch Psychologen und Pädagogen in allen Ländern schon gegen den unseligen Glauben an formale Bildung ausgesprochen, genannt sei nur der Amerikaner William I a m e s und der englische Schulmann S l e i g h t. Rach den Lehren der neueren Pädagogik seht echtes geistiges Wachstum vor allem Freudigkeit und Lust zur Sache voraus und eine volle Entwicklung der Persönlichkeit wird überhaupt nicht durch Lernen in der Schule, sondern nur durch praktische Teilnahme am Leben erreicht. Goethe hat das auf feine Art ausgesprochen: „6aa ich. wie ich es denke, so scheint durchaus mir, es bildet Rur das Leben den Mann, und wenig bedeuten die Worte." Das künftige Studium der Technik Von Mar Fischer. Als Band 10 der „Abhandlungen und Berichte über technisches Schulwesen" ist kürzlich der Bericht über die Hochschultagung in Dresden vom 29 Rovernber 1928 erschienen. Er enthält die Vorträge von Professor Dr.-Ing. R ä g el über „Lehraufgaben der technischen Hochschule", von Professor Dr.-Ing. ehrenhalber M a t s ch o ß über „Entwicklungsrichtungen an ausländischen Hochschulen", von Professor Dr.-Ing. P r o b st über „Die Rotwendigkeit der planmäßigen Behandlung der Grenzgebiete an den technischen Hochschulen", von Professor Dr.-Ing. Zenneck über „Das Prüfungswesen an den technischen Hochschulen", von Professor Dr.-Ing. He i d e b r o e k über „Das Konstruieren als systematisches Lehrgebiet und von Professor Dr.-Ing. R e u m a n n über „ Forschung und Lehre, Hochschule und Forschungsinstitut". , , _. « , Hieran schließt sich die ausführliche Wiedergabe der an die Gesamtheit der Vorträge anschließenden Erörterung, in der auch hervorragende Männer der Industrie zu Wort tarnen. Zum Schluß wird eine Zusammenstellung der Ergebnisse gegeben, für die Geheimer Daurat Dr.-Ing. ehrenhalber de T h i e r r y, Geheimer Daurat Dr.-Ing. ehrenhalber L i p p a r t und Dr.-Ing. ehrenhalber K ö 11 g e n zeichnen. Diese Ergebnisse sind für die künftige Gestaltung des Studiums der Technik so wichtig, daß sie hier wenigstens im Auszug wiedergegeben werden sollen: „1. Die Technik hat in allen ihren Zweigen eine unübersehbare Fülle von Anwendungsmöglichkeiten gefunden, deren Zahl und Mannigfaltigkeit stetig steigt. Die Erziehung des Ingenieurs kann nur an wenigen Beispielen aus dieser Fülle durchgeführt werden, da das Studium auf keinen Fall verlängert werden darf. Gleichzeitig muh auf die begrenzte geistige Aufnahmefähigkeit der Studierenden Rückficht genommen werden, die es erforderlich erscheinen läßt, die Zahl von 30 Dorlesungs» und Pflichtübungsstunden in der Woche als obere zulässige Grenze zu betrachten. Aufgabe der technischen Hochschule ist es, die lehrhaften Beispiele auszuwählen, an deren Hand die Grundlehren technischen Schaffens möglichst vorteilhaft übermittelt werden können. Der gesamte Unterricht auf technischen Gebieten muh 6em Streben nach Wirtschaftlichkeit Rechnung tragen, das alles technische Schaffen beherrscht. ___ 2. Für den Wirkungsgrad des Studiums an den technischen Hochschulen ist die Vorbildung der Studierenden auf den höheren Schulen von großer Bedeutung. Die technischen Hochschulen müssen hierauf Einfluß nehmen, indem sie die schon an einigen technischen Hochschulen eingeführte oder eingeleitete Ausbildung der Lehramtskandidaten der Mathematik und der Raturwissenschaften übernehmen. Die auf den technischen Hochschulen ausgebildeten Lehrer werden besonders geeignet fein, auf den höheren Schulen das Verständnis für die Stellung der Technik im Bilde der heutigen Kultur zu übermitteln; sie werden aber auch die Schwierigkeiten des technischen Studiums kennengelernt haben und dadurch ungeeignete Schüler davon abhalten können. 3. Eine weitere sehr wichtige Voraussetzung für gute Lehrerfolge ist die Verminderung des übergroßen Andranges Studierender zu vielen Lehrfächern und die rechtzeitige Ausmerzung ungeeigneter, unter dem erforderlichen Durchschnitt begabter Studierender aus dem Fachstudium. Es erscheint zur Zeit nicht angängig, die Zahl der Studierenden durch Zwangsmahnahmen — Begrenzung ihrer Zahl, Aufnahmeprüfungen usw. — zu beschränken. Dagegen besteht in der scharfen Handhabung der Vorprüfungen eine wirksame Möglichkeit hierfür. Es ist notwendig und richtig, den Studierenden schon dort — nicht erst im weiteren Verlauf des Fachstudiums — zu einer Rachprüfung seiner Berufswahl zu zwingen. Die Wichtigkeit der grundlegenden Fächer, wie sie etwa mit der Vorprüfung abschlietzen, mutz den Studierenden immer wieder zum Bewußtsein gebracht werden. Dersäumnisfe aus den ersten Semestern können unter Tim ständen im späteren Studium und im Leben nicht wieder eingebracht werden und bedeuten dann einen bleibenden Verlust. Äe Anforderungen, die von außen her an die Lebensführung der Studenten in den Anfangssemestern gestellt werden (Sport, Verbindungswesen usw.), müssen mit dieser Rotwendigkeit in Einklang gebracht werden. 4. Wegen des starken Andranges zum Studium ist ferner die Schaffung einer genügenden Anzahl entsprechend besoldeter Assistentenstelle eine dringende Forderung. Sie soll die notwendige ständige Fühlungnahme zwischen Lehrern und Schülern erleichtern aber nicht etwa ersetzen. 5. Die innerhalb der reichsdeutschen technischen Hochschulen zum Teil schon bestehende Freizügigkeit ist auszubauen. Ein ilebergang an eine andere technische Hochschule soll ohne Zeitverlust in der Regel am Ende eines Studienjahres, unter allen Umständen nach der Vorprüfung möglich ein. Die Freizügigkeit mit den ausländischen, in erster Linie mit den deutsch-österreichischen technischen Hochschulen ist anzustreben. Diesen Richtlinien kann man nur von ganzem Herzen zustimmen, besagen sie doch nichts anderes als das, daß man dem zukünftigen Ingenieur auf der Hochschule die Grundlagen geben muß, auf denen fußend er sich mit dem gesunden Men- chenverstand in die Sonderausgaben hineinfinden muß und kann, die ihm der Beruf stellt. Es kommt nun alles darauf an, daß die wertvollen Ergebnisse der Tagung — allen Widerständen zum Trotz, wie sie sich aus dem natürlichen Beharren im Hergebrachten leicht ergeben können — in die Wirklichkeit itfngefetjt werden, denn nur wenn dies geschieht, können wir im Wettbewerb der Völker auf die Dauer bestehen. Was kann man studieren? Studienziele und Studiendauer. Von Erich Brandt. In dem großen Heer der Abiturienten, die zu Beginn jedes neuen Semesters unsere Hochschulen bestürmen, finden sich immer wieder viele, die in der Wahl ihres Studienfaches noch unfchlüfsia sind. Da- bei wissen die meisten gar nicht, wie viele Studien- Möglichkeiten ihnen offenstehen, und in welchen Richtungen sie sich, ihren besonderen Fähigkeiten und Wünschen entsprechend, spezialisieren können. Es sei daher hier versucht, die Mehrzahl dieser Möglichkeiten zu zeigen. Wegen der engeren Berufswahl wird es jedoch in Anbetracht der aussichtslosen Ucberfüllung vieler Studiengebiete unbedingt notwendig sein, vorher den Rat einer akademischen Auskunftstelle ober Berufsberatung einzuholen. Betrachten wir zuerst die U n i v e r s i t ä t e n , die zwar nur vier Fakultäten umfassen, was jedoch nicht ausschließt. daß man an ihnen unzählige Fachstudien betreiben kann. Die erste Fakultät ist die evangelische oder katholische Theologie, deren Studium etwa acht Semester dauert. Danach kommt die Medizin, der die Zahnheilkunde und Pharmazie angegliedert ist. Das medizinische Studium dauert elf, das zahnärztliche sieben, das pharmazeutische nur vier Semester, wobei jedoch der angehende Apotheker vorher drei Jahre lang praktisch tätig gewesen sein muß. Als Spezialgebiete der Medizin kommen u. a. in Frage: Innere Medizin, Kinderheilkunde, Psychiatrie, Chi- rurgie, Frauenheilkunde, Augenheilkunde, Hals-, Rasen- und Ohrenheilkunde, Haut- und Geschlechts- krankheiten. In der juristischen Fakultät ist der Studiengang bis zur Referendarprüfung, die man nach sechs bis acht Semestern ablegt, einheitlich. Dann folgt nach weiteren drei praktischen Jahren das Gerichts- ober Negierungsassessorenexamen, bas einem die Berufe des Richters, Staatsanwalts oder höheren Dermal- tungsbeamten erschließt. Außerdem kann man sich nach der Asscssorprüfung als Rechtsanwalt niederlasten. Am zahlreichsten sind die Studienfächer in der philosophischen Fakultät. Hier ist jedoch das häufigste Studienziel das des Studienrats, ein Studium, das in acht Semestern zur Referendar-, und in vier weiteren zur Assessorprüfung führt. Als Fächer hat man die Wahl zwischen Germanistik, alten und neuen Sprachen, Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte, Geographie, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft und Leibesübungen. Desgleichen kann man Philosophie, Mathematik, Physik, Chemie und die anderen Fächer auch mit dem Ziele des Doktorexamens studieren. Weiterhin seien die Wirtschaftswissenschaften genannt, in denen man es in sechs Semestern bis zum Diplom-Volkswirt und in acht zum Doktor bringen kann. Andere Studienfächer sind die Anthropologie, Archäologie und die Theaterwissenschaften sowie alle bedeutenden Sprachen der Erde. Aehnlich wie die Universitäten umfassen auch die Technischen Hochschulen vier Fakultäten, nämlich: Allgemeine Wissenschaft, Bauwesen, MaOie Phantasie des spielenden Kindes. Von Professor Karl Bühler. Die Phantasie des Kindes ist ein Thema, das Eltern und Erzieher gleichermaßen interessieren dürfte. Wir entnehmen die nachstehenden Ausführungen Prof. Bühlers aufschlußreichem „Abriß der geistigen Entwicklung des Kindes". (16.—25. Tausend. Geb. 1,80 Mark. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.) Wenn wir Erwachsenen uns ziellos dem Spiele der Vorstellungen hingeben, wachträumen, wie man zu sagen pflegt, oder wenn wir Pläne schmieden, Luftschlösser bauen, so geschieht das in der Regel bei vollständiger Körperruhe oder bei rein automatischer Tätigkeit, wobei sich die Sinnespforten entweder ganz schließen oder doch keine Eindrücke liefern, die den Vorstellungsablauf dirigieren. Den Frauen vergangener Zeiten war der Strickstrumpf der beste Reisegefährte im Reiche der Phantasie. Beim kleinen Kinde liegen die Verhältnisse noch wesenllich anders, das Kind braucht Anstöße von außen, weil sonst die Fäden bald abreißen und der Vorstellungs- Mechanismus zur Ruhe kommt, das Kind braucht Sinneseindrücke und körperliche Betätig u n g als Anregung seiner spontanen P h a n- tafietätigfeit und findet beides im Spiele, z. B. im Puppenspiele ober wenn es selbst einen Zylinderhut aufsetzt, den Stock in die Hand nimmt und einen Erwachsenen nachahmt, «olche Spiele heißen nach dem psychologisch betrachtet wichtigsten Faktor, der in ihnen enthalten ist, 3JJ usions- spiele, es handelt sich um das Phänomen der Scheindeutungen. Das Kind tut so, als ob es selbst ein Erwachsener wäre, es spielt wie der Schauspieler eine Rolle, es tut ferner so, als war« ein Stückchen Holz sein liebes Pflegekind, ms betreut werden muß, oder der umgelegte Stuhl eine Droschke, die man hoch vom Kutschersitz lenkt, d. h. es legt anderen, hier sind es leblose Dinge, sonst lebenden Tieren oder Menschen, seinen Spielkameraden, eine Rolle bei und verlangt, daß sie durch- gefichrt wird. Die Illusionsspiele des Kindes beruhen auf Nachahm u n g. Es gibt eigentlich nur ein einziges, von vornherein durch den Instinkt einigermaßen fest umrissenes Jllusionsspiel im Kinderleben, das ist das Pflege- oder Puppenspiel, welches vornehmlich von Mädchen geübt wird; sonst findet alles, was in der Familie passiert, später auch das, wovon das Kind erzählen hört, einen Widerhall m seinen Spielen. Die Bedeutung dieser „dramatischen Nachahmungsspiele", wie man sie genannt hat, für die geistige Entwicklung ist nicht gering zu veranschlagen. Das Kind eignet sich durch sie nicht etwa nur äußerlich die Manieren der Erwachsenen an, sondern sicherlich hält auch ein gut Teil der Affekte und Stimmungen, der Stellungnahme zu den Dm- aen und der Behandlung von Dingen und Menschen der Sympathien und Antipathien durch diese Pforte Einzug in die Kindesseele. Denn das Kind ist mit ganzer Seele dabei; in Affekte und Stimmungen, die es den Erwachsenen zunächst vielleicht nur oberflächlich abgesehen, lebt es sich hinein, wenn sie zur Rolle gehören, geradeso wie es seine eigenen Zustände wieder in fremde Personen und Dinge einfühlt. Damit verträgt sich nun aber, wie die tägliche Erfahrung lehrt, die Tatsache, daß es trotz lebhaften inneren Mitmachens nur sehr selten zu einer wirklichen Verwechslung der Spielwirklichkeit mit der Lebenswirklichkeit beim Kinde kommt. Die Scheindeutungen sind keine Falschdeutungen, d. i. keine Illusionen im pathologischen Sinne des Wortes. Denn so energisch ein Kind auch von Mitspielern und Zuschauern verlangen mag, daß sie die Fiktionen mitmachen, z. B. das Stückchen Holz ebenfalls wie ein Pflegekind behandeln und den umge- stülpten Stuhl nicht Stuhl, sondern Droschke nen- nen, so würde der kleine Spieler doch sehr erschrecken, wenn die Puppe, auf die er gerade beruhigend einredet, einmal wirklich zu meinen an* finge, also allgemein gesagt, wenn irgendein Spiel- I ding die ihm angedichteten und anbefohlenen Be- | wegungen einmal wirklich ausführen sollte.. Wo em verborgener Mechanismus solche Bewegungen oder gar Laute unerwartet erzeugt, da zieht sich das Kind tatsächlich, von panischem Schrecken erfaßt, zurück. Auch genügt meist eine einfache Interessenablenkung dazu, daß z. B. das Stück Holz, welches eben noch ein geliebtes Kind beim Spiele „bedeutete", vorn Kinde selbst als das, was es wirklich ist, behandelt, etwa ins Feuer gelegt wird. Echte Falschdeuttmgen hätten ganz andere Konsequenzen. Die Verhältnisse liegen demnach in vieler Hinsicht ähnlich wie bei der ästhetischen Illusion des Erwachsenen, der Illu- ion im Theater, beim Lesen einer Dichtung oder >cm Versunkensein in ein Bildwerk, d. h., auch dem piekenden Kinde bleibt trotz aller Hingabe im Hintergrund des Bewußtseins die richtige Orientierung zur Lebenswirklichkeit gewahrt, und es steht ihm auch in dem Zustande völliger Versenkung die Möglichkeit jederzeit offen, den Zauberschleier der Illusion von den Dingen sofort zu entfernen durch einen einfachen Akt der Besinnung. Wo dem einmal anders fein sollte, fangen die Dinge an, pathologisch zu werden. Es gibt viele treffliche Beobachtungen und liebevolle Schilderungen der Kinderspiele, aber die psychologische Analyse, vor allem die der Scheindeutungen, weist noch empfindliche Lücken auf. Wir wissen z. B. nicht mit Sicherheit zu sagen, wie es eigentlich mit den Vorstellungen beim Spielen bestellt ist. Ein Ereignis, von dem der klein« Spieler plaudert, mag manchmal recht lebhaft vor seinem inneren Auge stehen, auf keinen Fall ist aber dieses Dorstellungsspiel etwa mit den Träumen zu vergleichen. Denn im Traume wird alles Vorgestellte zur Wirklichkeit. So ist es, wie ich schon angedeutet fyab«, beim Spiele nicht, es wäre psychologisch kaum auszudenken, was entstehen müßte, wenn um die wirklich wahrgenommenen Dinge herum eine Welt greifbarer Vorstellungsgebilde gaukeln würde, der Verwechslungen wäre kein Ende. Selbst trenn, wenn das Kind seine Manipulationen an gar nicht vorhandenen Dingen vornimmt, z. B. ein buchstäbliches Nichts auf dem Arm wie seine Puppe einschläfert und streichelt oder als Kaufmann Münzen auf den Tisch zählt, ohne irgend etwas in den Fingern zu halten, selbst dann ist es fraglich, ob da mehr an Vorstellungen vorhanden ist, als jene schattenhaft flüchtigen Gebilde, die auch ein Erwachsener in ähnlichen Situationen erlebt. Wäre es wie in der Hypnose und im Traum, so müßte das Kind auch wie dort überwältigt werden von den eingebildeten Dingen, während die Erfahrung lehrt, daß es sie im Spiele souverän beherrscht. Das Kind läßt sich im Spiele von der Eisenbahn überfahren oder steigt in den Raubtierzwinger, beileibe nicht so, wie wenn ihm das im Traume passieren würde. Kurz, ich glaube, daß es im großen und ganzen mit der Leibhaftigkeit der Vorstellungen im Spiele nicht gar so weit her sein wird. Doch sei ausdrücklich bemerkt, daß es entscheidende Beweise für oder gegen diese Ansicht nicht gibt. Eine andere unentschiedene Frage ist die, wie das Kind überhaupt zu Scheindeutungen kommt. Biologisch glauben wir die Dinge einigermaßen zu verstehen, es liegt die Fortbildung einer schon im Spiele der Tiere vorkommenden Einrichtung, sozusagen eine Uebernahme der Scheintätigkeiten spielender Tiere ins Bewußte, ins Vorstellungsleben vor. Allein damit sind die psychologischen Faktoren, auf denen diese Einrichtung beruht, noch nid)t bestimmt oder wenigstens noch nicht hinreichend geklärt. Wenn ein Kind z. B. im Bilderbuch blättert, so nimmt es ebenfalls Deutungen vor: das ist ein Mann, das ist eine Kuh, der macht dies, der macht jenes. Das sind aber Ernstdeutungen. Und wenn das zweite Fragealter mit den gehäuften Warumfragen kommt, so will das Kind ebenfalls ernstgemeinte Ausdeutungen der Dinge und Ereignisse hören. Die kleinen Spielerzählungen des Kindes dagegen mit ihren Scheindeutungen werden schon von dem Er- Sider nicht ernst gemeint, d. h. sie tragen nicht ythen-, sondern Märchencharakter. Es wäre recht wertvoll, genauer zu wissen, was beim Kinde früher ist oder vorsichtiger gesagt, ob und wie die beiden zusammenhängen. In der Völkerpsychologie streitet man nämlich noch darüber, was früher, ursprünglicher, primitiver ist, das Märchen oder der Naturmythus, oder wie sonst beide zueinander stehen. schinenwirtschaft und Stoffwirtschast. Hier erfordert Das Studium bis zum Diplomexamen fast durchweg acht Semester, zu denen in der Regel noch zwei praktische hinzukommen. Rur der Markscheider und der Landmesser kann sein Studium schon mit sechs Hochschulsemestern absci, eßen, Hat man das Diplom- eramen abgelegt, so kann man in allen Fakultäten noch zum Doktor-Ingenieur promovieren, was aber naturgemäß das Studium verlängert. In der Fakultät der Allgemeinen Wissenschaften kann man Mathematik und Physik studieren, und zwar wird hier im Gegensatz zu den gleichen Studienfächern an der Universität mehr Gewicht auf die praktische Seite gelegt. Das Bauwesen weist ebenfalls zwei Untergebiete auf, in denen es Architekten und Bauingenieure heranbildet. Am mnfangreichsten ist jedoch die Fakultät für Maschinenwirtschaft, die sich in den beiden Hauptgruppen: Maschinenbau und Elektrotechnik einerseits, und Schiff- und Schiffsmaschinenbau andererseits gliedert. Davon liefert die erste Gruppe die Maschinen- und Elektroingenieure, während die zweite im gemeinsamen Kursus Schiffs- Ingenieure heranbildet. Auch e Stoffwirtschast hat zwei Fachabteilungen, erstens Bergbau und zweitens Chemie und Hüttenkunde. In der ersteren studieren sowohl die Bergingenieure wie auch die Markscheider, während die Landoermessung dem Bauwesen ange- gliedert werden soll. Die zweite Abteilung liefert technische Chemiker und Hütteningenieure. Reben diesen beiden großen Hochschulgruppen gibt es aber noch eine ganze Reihe anderer, die Spezialgebiete zum Gegenstand haben. So haben wir zwei Tierärztlichen Hochschulen, die die Ausbildung der Veterinärmediziner übernehmen. Das Studium dauert hier bis zum Staatsexamen neun Semester und verlängert sich möglicherweise durch eine anschließende Doktorpromotion. Eine nicht un- wichtioe Ralle spielen auch die vier Landwirt» sch östlichen Hochschulen. Diese führen in sechs Semestern zum Divlom-Landwirt und schreiben acht Semester für die Ablegung des Doktorexamens vor. Eine längere Abbildung verlangen die drei Forstlichen Hochschulen, die erst in acht Semestern zum Examen führen. Das gleiche ist bei den beiden Bergakademien der Fall. Wenn wir oben gesehen haben, daß man die Wirtschaftswissenschaften an fast allen Universitäten studieren kann, so stehen außerdem für dieses Gebiet noch fünf Handels-Hochschulen zur Der- füflung. Auch für deren Besuch ist natürlich wie bei allen anderen Hochschulen das Reifezeugnis Voraus- fetzuna, kann aber hier in besonderen Fällen durch eine Ersahprüfung nachgeholt werden. Der Abschluß des Studiums durch die Diplom-Kaufmannsprüfung erfordert sechs Semester, während für den Doktor au(f hier acht Semester notwendig sind. Auch für Kunst begabte sind zahlreiche Hoch- schulen vorhanden. So weist Berlin eine Staatsschule für freie und anoewandte Kunst sowie eine Staatliche Kunstschule auf. während sich in München di" Akademie der bildenden' Künste befindet. Für Musik finden sich in Berlin die Staatliche Akademische Hochschule für Musik und die Staatliche Akademie für Kirchen- und Schulmusik, und in München die Staatliche Akademie der Tonkunst Außerdem befindet sich in Berlin eine Staatliche Schauspielschule. In Chorlottenburg ist die D e u t f <_) e Hochschule für Leibesübungen, die Turn- und Sportlehrer heranbildet. Der Lehraanq dauert hier sechs Semester und verleiht dem Studierenden nach dem Examen den Titel eines Diplom-Sportlehrers Diese Sportlehrer können jedoch nur bei Vereinen oder Privatschulen ein Betätigungsfeld finden, da sie bis jetzt noch keine Lehrbefähigung an höheren Schulen haben. Oberheffen. Oer Orienberger Kalte Markt. Wie au3 dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich, findet vom 28. bis 30. Oktober der weit bekannte Ortenberger Kalte Markt statt. In welchem Umfange sich dieser Markt bewegt, ist daraus ersichtlich, daß in vorhergehenden Iah- ren der Auftrieb von Pferden und Fohlen annähernd die Stückzahl von 1000 erreichte, und diese ziemlich vollständig Kiuer fanden. Auch für den Rindvieh- und Schwcinemarkt ist mit einem großen Auftrieb zu rechnen. Besonders ist noch zu erwähnen, daß der Musterplah, wie auch der Iuxplatz mit einem festen Unterbau neu hergerichtet sind. Durch diese Reuherrichtung ist einem langgehegten Wunsche sämtlicher Marktbesucher entsprochen worden. Für gute Zug- verbiniuag ist, wie immer, Sorge getragen. Landkreis Gießen. n. G r o b e n - L i n d e n. 12. Ctt. Witwe Klara Marx wird am 14. d. M. 80 Iahre alt. — Der pensionierte Bahnwärter Iakob Luh, der im hessischen Garde-Iäger-Bataillon den Feldzug 1870/71 mitrnachte, vollendet am 15. Oktober sein 8 2. Lebensjahr. * Trais-Horloff, 10. Ott. In diesen Tagen folgt Lehrer Roth von hier feiner Versetzung nach Klein-Linden bei Gießen. Sein Weggang wird hier allgemein bedauert. Er war über zehn Iahre erfolgreich hier tätig und hat auf den verschiedensten Gebieten segensreich gewirkt. Sein hervorragendes Lehrergeschick uad sein Eifer, den er allen Fragen des Unterrichts und der Erziehung entgegenbrachte, veranlaßten Lehrerorganisation u d Behörde, ihn zum Leiter der pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Lich-Hungen zu wählen. Das Vertrauen, das man in ihn setzte, hat er nicht getäuscht: Die Lehrproben und wissenschaftlichen Vorträge, die hier und in den Orten der Umgebung gehalten wurden, erregten so großes Interesse, daß sie fast immer hundertprozentig besucht wurden. Richt minder bedeutungsvoll sind seine Verdienste um die Gründung und Leitung des hiesigen Volksbildungsvereins. Die Aufführungen der „Versunkenen Glocke", „Andreas Hofer" u. a., die musikalische Leistung des von ihm selbst geleiteten Musikquartetts, bedeuten für alle Trais-Horlosscr Feierstunden. Reben dieser künstlerischen Bedcu.ung des Volksbildungsvereins darf die wissenschaftliche Fortbildung, die durch Vorträge des Leiters und namhafter Professoren angeregt wurde, nicht vergessen werden. Auch für alle anderen Vereine, wie für jeden einzelnen, der um Rat bei Lehrer Roth vorsprach, war er ein treuer Berater. Die besten Wünsche unserer Gemeinde geleiten ihn an seinen neuen Wirkungsort. # Aus dem mittleren Horlofftal, 11. Oft. In dieser Woche wurden die ersten Zuckerrüben geerntet und zur Zuckerfabrik „Wetterau" verfrachtet. Wenn auch der Ertrag mengenmäßig nicht an die vorjährige Ernte heranreicht, so ist der Zuckergehalt infolge deS sonnenreichen, trockenen Sommers um so höher. Die Rüben kommen fast schmuhsrei zur Verladung. In den letzten Iahren hat der Zucker- rübenanbau ständig zugenommen, bedingt durch den hohen Futterwert der Rübenblätter und die Rücklieferung von 4 Prozent Trockenschnitzel gegen eine geringe Anrechnung der Trockenkosten. Auch wird das Saatgut unentgeltlich gestellt, die notwendigen Kunstdünger verbilligt und zinslos bis zur Ernte überlassen. Da dem Rübenbauer auch ein Mindestpreis zugesichert wird — in diesem Iahre 1,50 Mark je Zentner — kann er mit einer sicheren Herbsteinnahme rechnen. Kreis Büdingen. o LindheiIN, 11. Oft. Am 13. Oktober kehrt zum 7 0. Male der Todestag unseres unvergessenen Pfarrers Ludwig Rudolf O e s e r wieder. Das soll Anlaß sein, kurz des treff» lichen Dolksmannes zu gedenken, der unter dem Pseudonym O. Gla ubrech t als Vollsschrift- steiler einen großen Ruf hatte und heute noch hat. O. Glaubrecht wurde am 31. Oktober 1807 in Gießen geboren (an seinem Geburtshause, Sonnenstraße 6, wurde am 50. Todestage des Dichters eine Gedenktafel angebracht. D. Red.) und widmete sich später in seiner Vaterstadt dem theologischen Studium. 1835 zog er als Pfarrer in unserem Wetteraudvrfe ein, und hier wirkte er segensreich bis zu seinem am 13. Oktober 1859 erfolgten frühen Tode. Als Volksschriftsteller war O. Glaubrecht außerordentlich fruchtbar. Diele seiner Erzählungen wurden auch in fremde Sprachen überseht. Besonders bekannt sind die Erzählungen „Der Kalendermann vom Veitsberg", „Der Zigeuner", „Zinzendorf in der Wetterau". „Die Schreckensjahre von Lindheim" und „Die Heimatlosen", welch letztere in Gießen spielt. O. Glaubrecht verarbeitete mit Vorliebe volkskundliche und heimatkundliche Stosse. Allen Volks- und Heimatfreunden bleibt sein Wirken unvergessen Der bekannte Heimatforscher Pros. A. Roeschen (Laubach) hat Leben und Werk R. Oesers in den hessischen Biographien eingehend gewürdigt. ± Schwickartshausen, 11. Oft. Linser Ortsgeistlicher, Pfarrer Raumann, konnte am letzten Sonntag sein vierzigstes Dien st - j ubilä um begehen. Genau am gleichen Tage, am 6. Oktober 1889, war er in Weiterstadt bei Darmstadt ordiniert worden. Rachdem er von 1891 bis 1898 in Kirchbrombach im Odenwald und von dieser Zeit bis 1910 in Rauheim bei Groß- Gerau im Amt gewesen war, kam er im Mai 1910 nach hier. Im Iahre des Kriegsausbruchs, 1914 — sein einziger Sohn fiel im Krieg — konnte er schon sein 25. Dienstjubiläum in der Gemeinde begehen. Aus Anlaß des seltenen Gedenktages fand am vorigen Sonntag eine schone Feier im Gotteshaus statt, bei der die Gesangvereine von Gckartsborn und Dodenhausen, sowie der Musikverein von Eckartsborn mitwirkten. Der Kirchenvorstand überreichte dem Iubilar als äußeres Zeichen der Anerkennung für die den Kirchlpielsgemeinden Schwickartshausen, Eckarts- bvrn Dodenhausen und Bellmuth in bald zwanzig Iahren in so reichem Maße erwiesenen treuen Dienste ein schönes Bild. Auch das evangelische Dekanat Ridda übermittelte durch Dekan S c r i b a (Nidda) herzliche Glückwünsche. Kreis Alsfeld. »er. Homberg a. d. Ohm, 11. OIL Sine reiche Obsternte hat auch die hiesige Gegend zu verzeichnen. Da es trotz besserer Sorten oft an genügendem Absätze fehlt, haben die Baumbesitzer ihren H u bedarf cingekellert. Die geringeren Sorten dagegen werden als Schüttelobst meist zu Apfelwein gekeltert, was man täglich beobachten kann. Selbst ärmere L u e bereiten sich in diesem Iahre ihren Hau.trunk. Oesters tour- RunVfunkprogramm. Sonntag, 13. Oktober. 7 Uhr: Von Hamburg: Hasenlo z:rL 8.15 bis 9.15: Aus der Fciedenskirche Kas.el: Morgenfeier. Veranstaltet von der Hessisch-Evangelischen Landeskirche Kassel. 11: Stunde der Jugendbewegung. 11.30: Elisrnstunde: Erziehung und Bildung. „Kind und Theater", Vortrag von Mittelschullehrer H. Bückert, Kassel. 12: Von Kassel: Platzkonzert der ReiHswehrkavelle. 13.33: Stunde der Jugend: Aus dem deutschen Märchenborn. 14.30: Stunde des Chorgesangs: Konzert des Männergesangvereins Gustavsburg... 15.30: Stunde des Landes: 1. „Ausgaben und Bedeutung der ländlichen Haus'rauenvereine", Vortrag von Gräfin Wrangel, Kassel: 2. „Unsere Heimat: Der Westerwald", Vortrag von Lehrer August Straub, Okriftel. 16.30: Rach Köln und Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Die Zeit im Buch", Vortrag von Dr. Herbert Kranz, Frankfurt a. M. 19.10: Sportnachrichten. 19.30: Rach Stuttgart: „Fra Diavolo" oder „Das Gasthaus tion Terracina". Komische Oper in drei Auszügen von E. Seribe. Musik von D. F.E. Auber. 22.30 bis 23.10: Klavierkonzert von Erwin Schulhofs. Eigene Werke. 23.30 bis 0.30: Tanzmusik. Montag, 14. Oktober. 12.30 bis 13.15 Uhr: Aus Bad Hersfeld: Lullus-Fest. 15.15 bis 15.45: Stunde der Iu- genö. „Von fremden Ländern und Völkern": „Ein Tag am Gardasee", Vortrag nach eigenen Erlebnissen von Emil Richter (für Kinder vom 12. Iahre ab). 16.15: Hausfrauen-Rachmittag. 17.30: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.30: Wo uns der Schuh drückt: „Die Zimmervermieterin". 18.50: Englische Literaturproben. 19.05: Englischer Unterricht. 19.30: Rach Stuttgart: Erstes Montagskonzert. 21.30: Rach Stuttgart: Schwester Henriette. Hörspiel nach der Novelle „Schwester" von Hermann Kesser. 22.30: Von Kassel: Verdi-Abend. 23.15: Rach Stuttgart: Schallplattenkonzert, Iazzmusik auf Klavier. Stets modern und elegant. Literatur €133 kostenlos e(2haoa^L-*-Verl489A Tiere, beste Fresser, sowie gesunde Ankunft nach 14 Tagen nach Empfang. 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Während Akkumulatoren und Siemens je bis 3 v. H. zurückginaen, befestigten sich Bergmann, Ehade und Elektrische Lieferungen. Reichsbank schwach. Auch Farben gaben leicht nach, während Schubert & Salzer 4 v. H. schwächer lagen. Deutsche Anleihen behaupteten sich gut. Ausländer waren ganz uneinheitlich. Anatolier fester. Der Pfandbriefm§rkt zeigte das übliche Samstagsgeschäft, die Tendenz war nicht unfreundlich. Am Geldmarkt hat sich der Satz für Tagesgeld auf 6,75 bis 9 v. H. erhöht, eine Anspannung, die man mit noch fälligen Steuerzahlungen motiviert. Monatsgeld unverändert 9,25 bis 10,5 v. H., Warenwechsel zirka 7,75 v. H. Nach den ersten Kursen wurde das Geschäft etwas lebhafter; ausgehend von einigen Spezialwerten, wie Polyphon, Bemberg, Siemens, Schubert & Salzer, Berger, die 3 v. H., und Glanzstoff, die 5 v. H. gewannen, konnte sich das gesamte Kursnioeau um zirka 1 v.H., vereinzelt 2 v.H. erholen. Man wollte allgemeine Käufe in diesen Werten beobachten. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Ehrfurcht! Ist es ein Zeichen der Gemütsverrohung noch vom Kriege her oder Mangel an Selbstbesinnung in unserer schnellebigen Zeit, daß sich die Menschen nicht bewußt sind, was sie der Majestät des Todes schulden, die auch in der Demokratie unantastbar, von jedem einzelnen ihren Tribut fordert? Sah ich doch, wie schon des öfteren während meines langjährigen Aufenthalts hier, wie niemand, auch nicht einer von den zahlreichen Passanten beim Anblick des Leichenwagens, der gestern gegen Mittag mit einem Sarge die Ludwigstraße durchfuhr, sich das Memento mori: „Sei eingedenk des Todes" vergegenwärtigend, in Ehrfurcht fein Haupt entblößte. Ich kenne verschiedene Gegenden und Städte Deutsch- lands, aber nirgends bin ich dieser bewußten oder unbewußten öffentlich bezeugten Nichtachtung vor der Allgewalt des Todes begegnet, wie hier in Gießen. Dr. B. Daten für Tonnlag 13. Oktober. Sonnenaufgang 6.19 Uhr, Sonnenuntergang 17.13 Uhr. — Mondaufgang 15.59 Uhr, Monduntergang 0 Uhr. 1821: der Mediziner und Politiker Rudolf v. Virchow in Schivelbein geboren; — 1924: der französische Schriftsteller Anatole France auf seiner Be- sitzung bei Taros gestorben. Täten für Montag, 14. Oktober. 1066: Schlacht bei Hastings; — 1644: der Quäker William Penn, Gründer von Pennsylvanien, in London geboren; — 18Ö6: Schlacht bei Jena und Auerstädt; — 1813: Beginn der Völkerschlacht bei Leipzig; — 1919: Ratifikation des Vertrags von Versailles durch Frankreich. Letzte Nachrichten. Das Urteil im Prozeß Monroy. 3m Prozeß gegen die Komtesse Helga von Monroy beantragte Staatsanwaltschaftsrat Dr. Schmidt gegen die Angeklagte wegen schwerer Urkundenfälschung, Betrugs und Diebstahls unter Zubilligung mildernder Umstände eine Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis. Er stellte dem Gericht anheim, für diese Strafe Bewährungsfrist zu bewilligen. Die Angeklagte wird wegen Diebstahls in einem Falle und wegen schwerer Urkundenfälschung und zugleich Betruges zu einer Gefängnisstrafe von 3 1 2 Monaten verurteilt. Die Kosten des Verfahrens fallen, soweit Verurteilung erfolgt ist, der Angeklagten, im übrigen der Staatskasse zur Last. Das Gericht hat der Angeklagten drei Jahre Bewährungsfrist zugebiUigt. an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. ittantfuri a M. Berlin Datum 12 in. 11.1. 12.10. Datum 87,5 9,75 9,9 9,75 85,5 76,2 80,5 7,3 117,5 124 174 Banknoten 161,75 284; >83,5 7,25 14,25 9 in $etere Union . . ®ebt. Roeder . . t'oifll 4 Haessner Südd 8udet . . 2,85 2 22,4 19,9 21,9 2 7,35 2,05! 7,35 ! 7,4 7,35 7,25 14,3 . 7 . 8 io . e 10 io 18 11 18 10 10 10 . 8 117,25 179 156,i, 110 124,25 125 21)0,25 174 62,5 162 162 <56,5 StWuij.i Wilfong. Kur- | flur-. 2,9 2 22,575 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a M. Telegraphische Auszahlung. .‘Illg. Deutsche (Ulenbatjn . pambura-Amerika Valet . eomb.-Südam. Dampfsch. Van ja Dampfschiff .... Rvrddeutschcr Llood . . . ■2111g. Deufldif CtebltanfL . Barmer Bankverein . . . Berliner Handelegciellsch. . Kommerz, und Prioat-Baak Darmsi. u. Nationalbant . Deutsche Bank..... Ti.konii'.GefelllchLft Bnt.. Kremet Bant..... Wleialllan 1....... Reich»«!....... b°^> Dt. Retchranlethe v. 1927 . , 87,5 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse s>° hmlei den P°r>°r°n angelührlen Ziffern geben die Höhe der zuletzl beichioffenen Dividende K9,75| 123,75 I 124,5 1 174 I 262,5 162,5 162,5 157 Schluß.; i.Uljr Kur» | ftnro Dt. Ant.-Abich.-Lchuld mit Aus lof.-Rechten........ Total. ohne AuSIol.-Rechte . . 7% öranff Hyp.-Bk. woldpf. un kündbar bis 1932...... 4H% Rheinische Hyp..Bank Ltqu Gvldpf............ 81.8.®. abg. VortriegS-Obligation. rückzahlbar 1932 4% Schweiz. Bunde».-Ant.. . <% Oefierretchtlche ®o!drle.. . . 4,20% Ceftcn. Silberne. . . . 4% Oesterreich, ctnhettl. Rte 4% Ungarische ®oldne..... 4% Ungarische Staattr. v. 1910 . 4^i% beigl. non 1918..... 4% Ungarische Kronenrte.. . . ■i% Türk. Hollanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl. Serie 1........... i% detgl. Serie II...... % Rumänen ronvert. Rte. . . . i '„% Rumänen öolbanl. von 1913 nranlrun a M. Berlin Schluß- Kurt- i'Uhr Kur» Schluß- Kuro Anfang. Kure 11-10. 12.10. 11.10. 12. 10. 183,3 184 184 183,75 — —— 208,7j 211 168,5 — 168,25 171 185 -- 184,75 125,5 — 125,5 _ 131 — 180,13 — - — 131,5 — — — 146 145,5 — — 175,5 173 203,5 204 203,25 204 348,5 350,5 350 378 — — 138 171,5 — 172,75 172,75 68 — 68 _ — — 107,25 106,75 — — 135,25 135,75 135,75 — 135,65 135 — — 140,75 — — 123 218 — 218 ___ 110 — 109,5 109,25 — — 118,5 119,5 104 103,75 105 104,25 128,75 126.75 127,75 127,25 — — 72,75 72,75 — — 99,13 98,25 104,75 106 105,13 105,4 265 —— 265,65 264,5 110,25 111,25 110,9 111,25 «e—. 111,75 112 111,5 — b8 68 222,5 223,5 223,25 222,5 227,5 - 230,13 367 - 366,75 363 199,13 199 199 198 - 149 _ 69 —— 68 67,25 7b 121 76 122,25 76 - Frankfurt n ■ . Berlin Schluß. Kur» i'Uhr Kur» Schluß- Kure Anfang. Kur 11.10. 12.10. 11.10. 12-10. 91,75 — 90,75 90,13 123,5 124 — — — — — — —— — — — — 283,5 283,5 — — 220 220 .63 271 271,13 272 214 225 217,25 222 — — 218,13 218 —— — 142,75 — — — 95,9 95,25 — — 180,75 180 36,5 36 36 36,25 — — 48,75 49 37 37 37 37 — — I79,5j — — 22 — — — 78 — — — 185,25 183,5 — — — — — 47 47 _ 47 — 48 — — — — — — 50 — 105,5 105 — — 106,5 — — — 124,5 — 124,5 123,5 — — — — —— — _ 106 -- — — 222 — 222 —— 152,5 - 152,25 — Berlin, 11. Oktober Geld «riet französische Noten Holländische Viotca ...» irtal.enische Polen...... Norwegische Noten..... Deutsch-Ocsterr,s iov Kronen Rumänische Roten ..... Schwedische Noten ...... Schweizer Roten ..... Svanifche Roten....... Tschechoslowakische Roten . . Ungarische Roten 16,43 168,13 21,93 111,78 58,73 2,48 112,05 80,82 62,03 12,355 72,90 16,49 168,81 22,01 112,22 58,97 2,50 112,49 81,14 62,27 12.415 73,20 1 i: A.E.G........ Bergmann..... Eleklr. Lieferungen. . . 10 Licht und fitaji . . . . IC «reiten & Guilleaume. . IV, — Gei. f. Elektr. Untern.. - . . 10 Pa mb. Orient. Werte . . 1U Rhein. Elektr..... . . 9 Schlei. Elektr..... . 10 - Schlickert...... . 11 Sie nie ns & HalSke . . - - . 16 Traneradlo . . . . . . 8 — Lahmei,er L Eo.. . . • e . 10 — Buderus . . . . . . . 6 — Teuiiche Erdöl . . . . . 6 — dienet Steinkohle . . . - . . 8 Geilenkirchener . . . • ■ . . 8 2,05 flarvenet ...... . . O — 4?oeidi Eilen..... . 6 V, Sille Bergbau .... » - . 10 — filödnerroerte . . . . . - — —— iQanneümann .... . . 7 — Mantfelder..... Oberichte!. Eisonb. Bedarf . Cbetidjlei. Koktiverle. . . 7 — Bhönir Bergbau . . . . 6Vi 116 Rheintlche Braun kohlen . . . 10 — Rhetnstahi . . . . . . . 6 156,,5 Riebock Montan . . . 109 Bereinigte Stahlw. . 123,75 Olavi Minen .... 16'/. 124,25 Roll AicherSleben . . 199,5 Kali Westeregeln. . . . li 173,5 Kaliwerk Salzdetfurth . n> 161,75 5- ® ixarden-Industne . it 161,75 Dhnamil Nobel . . . . 6 156 Schelbeanftalt.... - . GoldiMmIdt 280,5 Rütger-werle .... . . 6 MetaUgefellichast. . . e • . . 8 Phinvv voizmann . . . Heidelberger E-ment . . Centern Karlstadt . . . Wayß 4 «xreltag • • - . - . 10 . !<■ . 8 Schultheis Patzenhofer . . 15 Ostwerke....... . 1? Bet. Glanzstoff .... . 18 Bemberg....... 11 Zellstoff Waldbos . . . Zellstoff Aschaffenburg . 13V, < Charlottenburger Wasser . . 8 Tesiauer Gas..... Daimler Motoren . . . . . 9 Deutsche Maschinen-Fabrik Adlerwerte ffleoet . 0 Luvw. Loewe..... Rat Automobil .... . li Drenflrtn 4 floppe! . . . . 6 Leonhard Tietz .... . 10 Bamag-Meguin . . . . • . . O Frankl. Maschinen . . . - . . 4 Gnynec....... Heyligensiaedt . . . . äungljan»....... Lechwerre...... Maintrasiwerke . . . . . . 6 , , < . . 6 . . t * ’n SJliag......... Rekurs ulmer..... - 11. Oktober 12- Oktober Amtliche Rorierung Amtliche Rotierung oield Brie' Geld Brief A mst.. Rott. 168,4b 168,80 168.37 168.71 Buen.-AireS 1,758 1,762 1,758 1,762 Brss.-Antw. 58,415 58,435 58,43 58,55 Christiania. Kopenhagen 111,91 112,13 111,90 112,12 111,93 112,1b 111,94 112,16 Stockholm . 6elfingfor8. Aralien. . . H2.3J 112,52 112,35 112,57 10,521 21,925 10,541 21,965 10,52 21,925 10,54 21.965 London. . . Reuyork . . 20,378 20,418 20.382 20,422 4,1880 4,1960 4,1880 4,1960 Paris. . . . Schwei; . . .6,435 16,475 16,44 16,48 60,945 81,105 80,96 81,12 Spanien > . 62,19 62,31 61,51 61,63 Japan . . . Rio de Jan- 2,002 0,498 2,00b 0,500 2,001 0,498 2,006 0,500 Wien in T.« Ceft- obgeft. 58,86 58,98 58,84 58,96 Prag . . . Bellrad . . 12,394 7,387 12,414 7,401 12,391 7,387 12,411 7,401 Budapest. . 73,06 73,20 73,06 73,20 Bulgarien . 3,032 3,038 3,032 3,038 Lissabon 18,80 81,59 18,78 18,82 Daruig. . . Konstantin. 81,43 2,005 18,84 2,009 5,445 4,149 81,44 2,005 81,60 2,009 Athen. . Tanada 5.435 4,141 5,435 4,41 5,445 4,49 Uru uay. . 4,096 4,104 4,096 4,104 Cairo . . . 20,895 20,935 20,01 20,05 Berlm, 11. Oktober Geld «rief Amerikanische Roten ..... Belgische Wortn ....... Tonische Raren • . . * . Englische Raren....... 4,172 58,23 111,68 20,36 4,192 58.47 112,12 20,43