Nr. 214 Erstes Blatt 179. Jahrgang Donnerstag, 12. September 1929 Eriche int löglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monotr-Vezugspretr: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Trägerlohn, auch bei Stichler« scheinen einzelnerRnmmern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt cm Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesfen vnick«nd Verlag: vriW'iche UmverfitStr-Such- and Steinörudcrei 8. Lange in Sictzen. Schristleitnng und S-schästriielle: Schulitraiie 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friede Will;. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein unö- für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Die Aufklärung der Bomöenaiieuiais. Der Augriff der Polizei. — Oie Verhaftungen in Berlin und Holstein. — Kurz vor einem neuen Anschlag festgenommen. Die Verhaftungen in Holstein. Herstellung und Transport der Bomben. Die „Landvolkbcwcgung". Hamburg, 11. Sept. (Wolff.) Nach den ersten drei Attentaten richtete sich der Verdacht gegen einen bestimmten Personenkreis, der auch bei der Ermordung Nathe- naus und bei dem Anschlagsversuch auf Seve- ring die Hand im Spiele hatte. Es wurden alle Sprengstücke gesammelt und die fraglichen Personen genau beobachtet. Aber nicht nur die Personen wurden überwacht, sondern auch die Landstraßen und Wege, hauptsächlich die Einmündungsstraßen von und nach Altona. Die ständige Ueberwachung der Automobile wurde beinahe schon zur Plage. -Zuerst wurden die Wagen im geheimen überwacht, d. h. Beamte schrieben die Nummern auf, während die Wagen vorüberfuhren. Dies ging aber auf die Dauer nicht, denn viele Wagen fuhren ein so schnelles Tempo, daß die Nummern nicht genau ersichtlich waren. Darauf wurden die Straßen durch die beiannten rot-weißen Pfähle verbaut, um Pflasterarbeiten vorzutäuschen. Die vorüberfahrenden Wagen waren auf diese Weife gezwungen, langsam zu fahren, wodurch es möglich wurde, alle Nummern zu notieren. So konnte man beobachten, daß immer wieder d ie gleichen Wagen vvrüberfuhren, wenn irgendwo ein Attentat erfolgt war. Der Kreis der verdächtigen Wagen und Personen verdichtete sich immer mehr, hauptsächlich dec Wagen IP 35 088 erregte den verdacht der Ueberwachungsbehörden. Ls wurde festgeftellt, daß der Wagen mit einem verdächtigen Gegenstand nach dem letzten Attentat in Lüneburg nach Heide unterwegs sei. Ein Beamter nahm auf einem Motorrade die Verfolgung auf, doch entschwand der Wagen den Blicken des Verfolgers, der durch eine Panne an der Weiterfahrt gehindert wurde. Am Dienstagfrüh erhielt das Polizeipräsidium die Meldung, daß der verdächtige Wagen in Krempe stehen sollte. Es wurde Befehl erteilt, daß die Insassen verhaftet werden sollten. Als Insasse konnte der angeblich ehemalige Polizei- Hauptmann Hans Friedrich N i ck e l ermittelt werden. Nickel war aber nach Hamburg gefahren und hatte den Wagen in Krempe stehen lassen. Die Nachforschungen in Hamburg ergaben, daß Nickel den verdächtigen Gegen st and mit nach Hamburg genommen hatte und bei dem Bankbeamten Karl Albert P ü n j e r abgegeben hatte. Die Polizei erschien nun überraschend bei Pünjer und sand im Bücherschrank eine völlig betriebsfertige Bombe, wie sie ähnlich auch bei den letzten Anschlägen Verwendung gefunden hatte. Bei seiner Rückkehr nach Krempe wurde Nickel verhaftet und gab auch zu, das verdächtige Paket — die Höllenmaschine — bei Pünjer abgegeben zu haben. Nickel ist 1890 in Westholstein geboren, war Supernumerar in Kiel und ohne festen Wohnsitz. Ob er Polizeihauptmann war, soll nachgeprüft werden. Er wohnte zuletzt bei seiner Mutter in Heide. Selbstverständlich wurde auch Pünjer verhaftet. Es konnte festgestellt werden, daß Nickel sehr oft in der Redaktion des „Landvolk" in Itzehoe verkehrte. Nun wurden auch hier Nachforschungen ange- stcllt, die zu dem Ergebnis führten, daß der Hauptschriftleiter Bruno v. Salomon, der Syndikus Guido W e s ch k e , der Korrektor Wilhelm D a m m a n d und der Redakteur Johann Kühl verhaftet wurden. Diese Inhaftierten find der politischen Polizei keine Unbekannte, denn Dammand war derjenige, der bereits wegen des Hohenweste.)er Attentats verhaftet worden war, aber wieder frei- gelassen wurde. Außerdem wurden noch der angebliche Uhrmacher Hans P l e n , der in Wirklichkeit Gold- und Silberarbeiter ist, verhaftet. Ls konnte feslgeslelll werden, daß Plen off und sehr geschickt bastelte, so daß der verdacht begründet erschien, daß er die Höllenmaschine sertiggestellt hak. Ein gewisser Herbert Volk konnte leider nicht verhaftet werden, weil er sich im Auslande aufhält, doch wird das Ausland ihn wahrscheinlich ausliefern, denn fein Aufenthaltsort ist bekannt. Er hielt sich bei feinen Verwandten in Nonne in der Nähe von Lüneburg auf, bei denen be i einer Haussuchung mehrere Handgranaten gefunden wurden. Heute morgen wurde noch der Landwirt Klaus Heim aus St. Annen verhaftet. Heim hatte den Fordwagen gefahren, den Nickel benutzte. Die Bomben wurden von FaU zu Fall immer besser, so daß Wohl angenommen werden kann, daß infolge der intensiven Berichterstattung in den Zeitungen die Attentäter auf Fehler in der Herstellung aufmerksam gemacht wurden. Während zuerst eine Margarinekiste Verwendung fand, nahmen die Täter später Zigarrenkisten, die sie mit großer Sorgfalt herrichteten. Gesucht wird noch der Fahnenträger aus Neumünster, namens M u t h m a n n , der auf einen anderen Namen (Drangfeld) „auf Reisen" gegangen ist. Auch der bekannte Landvolkführer aus Neumünster, Hamkens, wird in dieser Sache gesucht und seine Verhaftung dürfte nicht mehr lange auf sich warten lassen. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, daß es an einigen Stellen noch knallen wird; doch die Spitze der Affenfäfer scheint bereits verhaftet zu sein. Es ließ sich nicht vermeiden, daß die Verhafteten in Fesseln nach Altona gebracht wurden, denn ein Fluchtversuch lag sehr im Bereich der Möglichkeit. Die meisten festgenommenen Personen stehen der sogenannten Landvolkbewegung nahe, die in keiner Verbindung zu der christlichnationalen Bauern- und Landvolkpartei unter Führung des Vorsitzenden des Verbandes der preußischen Landgemeinden Landrat a. D. Dr. Gerecke steht. Es handelt sich vielmehr anscheinend um die Kreise, die dem wegen Aufruhrs bereits vorbestraften Landvolkführer Hofbesitzer Hamkens (Tetenbüll) Gefolgschaft leisten. Die unter dem Verdacht der Beteiligung an den Bombenattentaten festgenommenen Prsonen, zu denen noch ein Kaufmann Johnsen hinzugekom- men ist, b e ft reiten mit Ausnahme des verhafteten Nickel, der den Transport einer Bombe nach Hamburg zugegeben hat, sämtlich die ihnen zur Last Berlin, 11. Sept. (Priv.Tel.) Schon nach dem ersten Attentat in Lüneburg hat die preußische Polizei, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, sofort dieverfolgungeinheitlichorgani- fiert und den Berliner firiminalpoNzeirctt Weihet nach dort geschickt. Bei dem (leinen fi trete der Attentäter war mit den üblichen Mitteln nichts zu erreichen. Die Zusammenarbeit der preußischen Polizei mit der Hamburger und der Mecklenburger Polizei war geradezu vollendet. Mit dem Zugriss muhte aber gewartet werden, bis d i e Beweise schlüssig waren. Die Polizei wußte, daß Nickel imBesih einer neuenBombe war, die er an Schrader abgab. hier wurde sie beschlagnahmt. Ls ist eine sehr technisch vollendet gearbeitete Bombe. In Berlin stehen mit der Angelegenheit zwei kreise in Verbindung. Der eine ist der von Techow, der andere ist ein kreis, von dem man weiß, daß durch ihn Unterricht in der Behandlung von Sprengstoffen erteilt wurde. Ob dieser Unterricht ;um Zweck der gegenwärtigen Attentate erteilt wurde, steht noch nicht fest. Lin Teil der verhafteten gehört der früheren Organisation Konsul an. Ob Ehrhardt mit den Dingen im Zusammenhang steht, dafür sind keinerlei Unterlagen vorhanden. Wie der Polizeipräsident weiter mitteilt, wurden die feftgenommenen Personen im Lause de» Tages vernommen. Dabei stellten sowohl die zur Gruppe Salomon wie auch die zur Gruppe Timm gehörenden Personen jede Verbindung mit den Attentaten in Abrede. Durch das beschlagnahmte umfangreiche Schriftmaterial und auch durch Zeugenaussagen ist jedoch schon einwandfrei festgestellt, daß die zur Gruppe Salomon gehörenden Festgenommenen in eng ft er Verbindung mit den in Holstein festgenommenen Personen standen. Bei den zur Gruppe Timm gehörenden Personen ist festgeftellt worden, daß noch in letzter Zeit in der Wohnung des Timm versuche mit Spreng ft offen, Sprengwasser (Pykrin), Tränengas und Nilroglyyzexin angeffeUt worden sind. Die Chemikalien stammten von dem festgenommenen ehemaligen Feuerwerker W i l s k e, dessen Wohnung in der Bode-Straße in Neukölln ein vollständiges Laboratorium darstellt, dessen Einrichtung und Bestände zur Zeit von einem Sachverständigen eingehend untersucht werden. 3n diesem Laboratorium Wilskes, der sich Laborant nennt, sind praktische versuche zur Herst e 11 u n g von Sprengkörpern vorgenommen worden. Der ebenfalls zu dieser Gruppe gehörende feftgenommene Schlosser Roßteutscher war früher Mitglied des Ausschusses für die Organisation öffentlicher Kundgebungen, der „Sportabteilung" der NSDAP.» und ist zur Zeit Vorsitzender der Ortsgruppe Berlin des Bundes der Freunde Schlageters. Die ganze Gruppe Timm ist noch e i n Ueberbteibf el der ehemaligen Spreng- und Sabotageabteilung Hanen st ein, die von ihrer Tätigkeit in Oberschlesien und im Ruhrgebiet bekannt ist, und in der die Personen um Timm eine Arbeitsgemeinschaft bildeten. In einem LafL in der Leipziger Straße (es handelt sich um das bekannte Lase hlllbrlch. D. Red.) wurden heute um 15.50 Uhr der 25jährige Vertreter horst v. Salomon, der 27jährige Kurt Hein; v. winters et dt und der 29jährige Flugzeugführer Willy Lichter feftgenommen, gelegten Handlungen. Die in Itzehoe Verhafteten sind sämtlich streng getrennt in Polizeiautos nach Hamburg transportiert und in Einzelzellen untergebracht worden. In verschiedenen Fällen sind bei ihnen falsche Passe oorgefunden worden. Zur Zeit ist man mit der Sichtung der in der Redaktion des „Landvolks" in Itzehoe beschlagnahmten Schriften beschäftigt. Die Verhaftung des langjährigen Landbundführers Weschke hat in den Kreisen der Landwirtschaft eine Sensation hervorgerufen. Der Landbund s e l b st hat sofort eine Erklärung herausgegeben, in der er von Weschke abrüdt und feststellt, daß dieser seit einiger Zeit nicht mehr Geschäftsführer des Landbundes fei. Oie Landvolksührer in Schlesien verhaftet. Berlin, 11. Sept. In Verbindung mit den Sistierungen in Hamburg und Berlin sind in der Nähe von Breslau noch zwei weitere Personen festgenommen worden, und zwar handelt es sich um den bekannten Landvolkführer Hamkens, der sich auf einer Agitationsreise durch Schlesien befand, und den Geschäftsführer Muthmann, der Hamkens begleitete. weil sie sich in verdächtiger Welfe über die Bomben* attentäfer unterhielten. Sie wurden der Abteilung la des Polizeipräsidiums zugesührt. Wegen Verdachts der Beteiligung an den Bombenatientaten wurden in Berlin ferner noch festgenommen: der Inhaber eines Türschtteßergefthüfts, Georg K ruf chk-1 aus der Görliher Straße, der zum fireife Salomon gehört, und ein ehemaliger Feuerwerker Wilske aus der Florastrahe aus Neukölln, der zum fireife Timm gehört. Bei den in Berlin festgenommenen Personen wurde schriftliches Material vorgefunden, das auf eine enge Verbindung mit Ernst v. Salomon, Techow und Laß sowie mit Bruno v. Salomon und dem „Landvolk"-Krels schließen läßt. Nie Verhafteten Techow, Salomon und Laß. Berlin, 11. Sept. (WTB.) Lieber Hans Gert Techow ist noch zu berichten, daß er im Zusammenhang mit der Ermordung Rathenaus vom Staatsgerichtshvf z u vier Jahren und einem Monat Gefängnis verurteilt wurde, und zwar wegen Beihilfe. Sein Bruder Werner verbüßt augenblicklich die 15jährige Zuchthausstrafe, zu der er als Führer des Mordautos verurteilt worden war. 3m 3ahre 1927 gehörte Hans Gert Techow $u dem Kreis um Ehrhardt, gegen den ein Verfahren wegen Fortsetzung des verbotenen Wikingbundes eingeleitet war. Das Verfahren ist aber infolge der Amnestie von 1928 eingestellt worden. Lieber Ernst v. Salomon wird noch bekannt, daß er von Beruf Schriftsteller, in Kiel geboren und 27 3ahre alt ist. Er hatte in Berlin drei Wohnungen. Werner Laß, ebenfalls 27 Fahre alt, stand früher Roßbach nahe, bekämpfte ihn aber später. Er ist Führer der Freischar Schill, deren tätiger Mitarbeiter der Hans Gert Te - chvw ist. Nr. Galmgsr. Eine vielseitige Persönlichkeit. Berlin, 12. Sept. (Wolfs.) Recht eigenartig sind die Laufbahn und die politische Tätigkeit des in Berlin verhafteten Dr. S a l i n g e r. Er hat wiederholt seinen Beruf gewechselt, war eine Zeitlang Angestellter einer holländischen Luftverkehrsgesellschaft, dann Redakteur der „Industrie- und Handelszeitung" und zuletzt Syndikus des Zentralverbandes der Blech-, Metall-, Elfen- und Stahl- warenindustrie. Neben dieser geschäftlichen Tätigkeit hatte er politische Ambitionen und veranstaltete in seiner Wohnung in Wilmersdorf an jedem Freitag politische Diskusslonsabende, zu denen Angehörige der verschiedensten politischen Lager, insbesondere aber der radikalen Gruppen erschienen, und zwar sowohl völkischer wie bolschewistischer Kreise. So verkehrten bei Dr. Solinger zwei leitende Persönlichkeiten der russischen Handelsvertretung in Berlin. Auch der Schriftsteller Arnold Bronnen gehörte zu diesem Kreise, in dem er vielleicht Inspirationen zu seinem Roman über die ober- schlesischen Kämpfe erhalten hat. Auf neutrale Teilnehmer dieser Diskussionsabende habe Dr. (Solinger den Eindruck gemacht, als ob er eher ein Verfechter linksradikaler Ideen als ein Anhänger von rechtsradikalen Kreisen sei. Nach der „Voss. 3tg." wurden in der Wohnung von Dr. Solinger Teile von Höllenmaschinen, Sprengstoff, Pläne zur Herstellung von Bomben und zahlreiche Pläne von öffentlichen Gebäuden ge« fanden. Die Wohnung des Dr. Solinger soll das Zentrum der Berliner Organisation C gewesen sein, in der die Attentäter alle Vorbereitungen zu ihren Anschlägen trafen. Aus den Funden soll hervorgehen, daß sie in allernächster Zeit e i n neues Attentat, und zwar in Berlin, geplant hätten. Welches Gebäude sie in Aussicht genommen hatten, läßt sich nicht erkennen, da die Zahl der Vorgefundenen Pläne zu groß ist und keiner von ihnen besonders gekennzeichnet war. Aussagen der Verhafteten. Ernst von Salomon und Dr. Lalinger bestreiten jede Mitwissenschaft. Berlin, 11. Sept. (TU.) Nachdem die Haussuchungen heute vormittag abgeschlossen waren, wurde in den T^chmittagsstunden mit dem Verhör der ye ft genommenen begonnen. Ernst von Salomon erklärte, daß er an den Anschlägen in keiner Weise beteiligt gewesen sei. Er habe sich ausschließlich mit schriftstellerischen Arbeiten befaßt und augenblicklich sei er an der Fertigstellung eines Romans gewesn. Wegen finanzieller Schwierigkeiten habe er im August seine Wohnung aufgeben müssen und dann eine Zeitlang, etwa drei Wochen, bei seinem Freunde Dr. Salinger Untcrfunft gefunden. Als er schließlich in den ersten Segen des Monats wieder zu etwas Geld kam, habe er sich die Wohnung in der Darmstädter Straße gemietet. Mit seinem Bruder, dem Redakteur des „Landvolk", will er zwar in reger Korrespondenz gestanden haben, doch über die politische Tätigkeit Bruno von Salomons und hauptsächlich über feine angebliche Mitwirkung an den Bombenanschlägen nicht informiert gewesen sein. Auch.Dr. S^jin-e^ bsstreit^ entschieden jede Anteilnahme an den Attentaten. Er gibt zu, mit Herrn von Salomon befreundet gewesen zu fein, da er Herrn von Salomon toeg. n feiner schriftstellerischen Begabung schätzte. Er behauptet auch, keineswegs radikaler Ueberzeu- gung zu fein und will wiederholt versucht haben, auch Emst von Salomon von seinen politischen Ansichten abzubringen. Haussuchung im Bureau Ehrhardt. Berlin, 11. Sept. (WB.) In Verbindung mit den Untersuchungen der Sprengstoffattentate sollte heute vormittag das Bureau Eh r h a r d t in der Lützowstraße, das von früheren Mitgliedern der Organisation Konsul geleitet wird, einer Durchsuchung unterzogen werden. Als die Beamten der Polizei erschienen, war aber noch niemand im Bureau anwesend, so daß sich die Haussuchung verzögerte, bis gegen Mittag die Sekretärin, Sonja Lankes, eintraf. Die Beamten der Abteilung la des Polizeipräsidiums beschlagnahmten nunmehr das gesamte schriftliche Material und nahmen Frl. Santes fest, die nach etwa einstündigem Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Berliner Blatter zu den Verhafiungen. Berlin, 12. Sept. (Priv.-Tel.) Zu den Verhaftungen im Zusammenhang mit den vielen Bombenanschlägen der letzten Zeit erklärt die „G e r m a n i a“, das Berliner Zcntrumsblgtt: Wie von Anfang an in der Oefsentlichkeit vermutet, handelt es sich um rechtsradikale Elemente, Revolutionäre von Beruf. Gegen diesen politischen Nihllismus muß der Staat, muß jeder Staat, der sich nicht selbst aufgeben will, mit aller Schärfe und mit exemplarischen Strafen vorgehen. Vor allem gilt es auch, die Fäden, die zu etwaigen politischen Hintermännern führen, rüctsichts- los aufzudecken. 3edenfalls erscheint die sog. „Landvolk"-Bewegung durch die bisherigen Verlautbarungen schwer kompromittiert. Nichts könnte der Landbevöllerung mehr schaden, nichts wäre mehr dazu geeignet, das ehrliche Ringen der Landwirtschaft mit ihrer schweren materiellen Lage zur Aussichtslosigkeit au verurteilen, als wenn in den anderen Schichten des deutschen Volkes der Glaube aufkommen würde, daß der politische Radikalismus und Anarchismus in der Landbevölkerung feine Stühe findet. 3n der demokratischen „Vossischen Zeitung" heißt es: „Was bisher nur als begründeter Verdacht ausgesprochen werden konnte, ist durch die Verhaftungen in weitestem Umfange bestätigt: Es sind rechtsradikale Elemente, die Bomben fabriziert und zur Implosion gebracht haben. Die deutschnationale Partei läuft Gefahr, mit der moralischen Mitverantwortung für die nihilistischen Methoden im politischen Kampf belastet zu werden, wenn sie nicht einen deutlichen Trennungsstrich zwischen sich und jenen extremen Gruppen, aus denen die Urheber der Bombenattentate stammen, zieht. 3m ebenfalls demokratischen „Berliner Tageblatt" wird gesagt: (Die Methoden der Verhetzung und Verfälschung, mit denen die nationalsozialistische Propaganda und ein Teil der deutschnationalen Propaganda arbeitet, sind mo- rallsch mitschuldig an den Kriminalverbrechen. Die Ermittelungen in Berlin. Oer Kreis der Organisation Konsul. — Haussuchung bei Ehrhardt. Die Kriminaljustiz mag ihres Amtes walten. Daneben muh aber das moralische Strafgericht an allen denen vollzogen werden, deren verantwortungslose Hetzpropaganda solchen Taten, auch wenn sie dies nicht wollen und nicht wünschen, den Boden bereitet. Die volksparteiliche „Deutsche Allgemeine Zeitung" will erst nähere Einzelheiten über die Verhaftungen abwarten, bevor sie politische Folgerungen zieht. Rur eines kann, so schreibt das Blatt, schon heute gesagt werden: Menn in der Lat Anhänger der rechtsradikalen Bewegung sich zu einer nihilistischen Propaganda der Tat haben verleiten lassen, dann haben sie ihren Gegnern von links einen unschätzbaren Dienst geleistet, dessen Folgen die nationale Bewegung auf Jahre hinaus spüren wird. Der Hugenbergsche deutschnationale „Lokal- a nz ei g e r" schreibt unter der Aeberschrift: „Die Frevler": Mit den Verhaftungen wird die Vermutung der Polizei bestätigt, daß keinerlei größere rechtsradikale Organisationen mit den Bombenanschlägen zu tun haben. Haben sich Teile der radikalen Landvolkbewegung mit den Leuten der „O. C." zu den Sprengstoffanschlägen zusammengesunden, so ist das nach der einen Seite, nach der Negierung, ein Warnungssignal ersten Banges. Auf der anderen Seite aber gilt es, die Selbstverständlichkeit erneut festzustellen, dah keine Bot und keine Verzweiflung ein moralisches Recht dazu gibt, auf diese Weise mit der Staatssicherheit zu spie le n. Demonstrationen mit Sprengstoff sind kein Mittel der Politik, sondern Verbrechen, und nichts anderes als Verbrechen. — Die agrarische „Deutsche Tageszeitung" betont: Richt einer der genannten Männer hat mit irgendeiner der in Schleswig-Holstein bekanntlich ziemlich zahlreichen Landvolkbewegungen irgend etwas zu tun. Es handelt sich auch bei Weschke, Kühl usw. um Leute, die ausnahmslos seit langem alle Beziehungen zu den Landvolkorganisationen gelöst haben, un8 zwar darum, weil diese Organisationen ihrem Radikalismus nicht entsprachen, weil sie nach ihrer Behauptung der Forderungen der Anzufriedenen zu zahm vertraten, und weil die Hamkens- Bewegung überhaupt jede Organisation, jede Partei und jeden Verband als untüchtig für einen Aktivismus ablehnt. — Die völkische „Deutsche Zeitung", die behauptet, dah von der Mehrzahl der Verhafteten geradezu unglaublich kümmerliche Beweggründe angeführt werden, spricht von einem Generalangriff gegen rechts. Wir haben es. so erklärt das Blatt, bei dem jetzigen Bombenfeldzug zweifellos wieder mit einem der in den letzten zehn Jahren bekannten grohen Schläge gegen das nationale Deutschland zu tun. Die Gteafbesi-mmungen für Sprengstoff-Attentate. Berlin, 12. Sept. (Priv.-Tel.) Die gesetzlichen Strafbestimmungen, die wahrscheinlich auf die jetzt verhafteten Sprengstoff-Attentäter Anwendung finden könnten, wenn eine Verurteilung in diesem Sinne zustande kämen, sind sehr alten Datums. Das Gesetz gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen Gebrauch von Sprengstoffen stammt aus dem Jahre 1884. Es sitzht außerordentlich schwere Strafen, sogar vorwiegend Zuchthaus vor. Es genügt schon, durch die Anwendung von Sprengstoffen das Eigentum, die Gesundheit oder das Leben eines anderen zu gefährden, um sich einer Zuchthausstrafe bis zu 15 Jahren auszuseyen. Notwendig ist allerdings, daß der Vorsatz des Täters auf Herbeiführung der Gefahr gerichtet ist. Ein solcher Nachweis kommt möglicherweise bei dem angeblichen Attentatsplan des litauischen Dan- denführers Pletschkaitis in Frage, dürfte aber wahrscheinlich im Falle der letzten Sprengftoff- attentate keine Rolle spielen. Wichtig ist auch die Bestimmung, die die Verabredung eines Attentates mit Zuchthausstrafen nicht unter 5 Jahren trifft. Noch schärfer werden die Strafbestimmungen, wenn über die Verabredung oder Verbindung zu einem Attentat hinausgehend Sprengstoffe zu diesem Zweck hergestellt, angeschafft oder in Besitz genommen werden. In diesem Fall kann eine Zuchthausstrafe bis zu 10 Jahren ausgesprochen werden. Im allgemeinen ist festzustellen, daß die Strafbestimmungen des sogenannten Sprengsiofs- Gesehes außerordentlich scharf sind und bisher den Erfordernissen durchaus entsprochen haben. Die Deutschrandfahrt des „Graf Zeppelin". lieber dem rheinisch -westfälischen Industriegebiet Friedrichshafen, 12. Sept. (WTB.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist Mittwoch um 23.18 Ahr zu der bereits angekündigten Fahrt nach dem Li-einifch-wesrfcllischcn Industriegebiet mit28PasagierenanBord aufgestiegen. Der Start vollzog sich vollkommen reibungslos. Das Wetter war für den Aufstieg sehr günstig. Bei sternklarem Himmel wehte nur ein leichter Wind. Eine kleine Zuschauermenge sandte dem Luftschiff beim Abflug noch herzliche Abschiedsgrüße nach. Das Luftschiff nahm zunächst Kurs nach Westen und verschwand dann in nördlicher Richtung den Blicken. Unter den Passagieren befinden sich der amerikanische Konsul M a y n a r d , die Reichstagsabgeordneten Er - sing und Dr. Hertz, Ministerialdirektor C l o h, die Regierungsrate Schiller und Z e j k a, Kapitän Wolfram, Professor Göbel, Vertreter der Hapag, Regierungsrat Wittlinger vom Hauptzollamt Friedrichshafen und zwei Damen. Ueber Stuttgart kündigte sich „Graf Zeppelin" um 0.25 Uhr durch fernes Donnern der Motoren an. Um 0.30 Uhr befand er sich über dem Weichbild der Stadt. Die Straßenpassanten jubelten dem stolzen Schiff zu, das an dem hellen Nacht- Himmel deutlich zu erkennen war. Auf Lichtzeichcn, die dem Schiff zur Begrüßung gegeben wurden, wurde aus einer Hinteren Motorengondel durch ebensolche Zeichen geantwortet. — Unerwartet kurz nach 2 Uhr erschien „Graf Zeppelin" über dem Zentrum der Stadt Frankfurt. Da das Luftschiff In geringer Höhe flog, war es sehr gut sichtbar. Die wenigen auf der Straße noch weilenden Passanten jubelt n dem Luftschiff begeistert zu. Das Luftschiff entfernte sich rasch in nordwestlicher Dichtung. Kreuzte längere Zeit über dein Taunus, erschien 3.10 Uhr über Hanau, machte dort eine Schwenkung und nahm Kurs auf Fulda. Kurz vor Schlüchtern bog das Luftschiff ab, erreichte 3.50 Uhr Gießen und passierte kurz vor 4 Uhr die Höhenzüge bei Dillenburg in Richtung auf Siegen, das um 4.25 Uhr in Richtung auf Remscheid überflogen wurde. Nach den Städten Remscheid und Solingen wandte sich das Luftschiff nach Düsseldorf, wo es um 6 Uhr gesichtet wurde. Es umkreiste die Stadt, die nähere Umgebung sowie einige Nachbarstädte, überflog dann gegen 6.30 Uhr Viersen, gegen 6.38 Uhr Krefeld, unerwartet kam es gegen 6.55 Uhr wieder nach Düsseldorf zurück, machte eine große Schleife über der Stadt Düsseldorf und entschwand dann in Richtung Mettmann, das um 7 Uhr überflogen wurde. Elberfeld wurde im herrlichen Morgensonnenschein passiert. Das weiße Luftschiff hob sich wunderbar von dem blauen Himmel ab. Um 7.13 Uhr nahm es Kurs auf Barmen zu, durch die Talsohle, von Tausenden und aber Tausenden von Menschen jubelnd begrüßt. Um 7.15 Uhr hatte es Barmen überflogen. Um 7.17 Uhr ver- ließ das Luftfchif' die Stadt. Ueber Schwelm, Iserlohn, Dortmund und die Hohensyburg ging es dann nach Essen, wo das Luftschiff um 9.05 Uhr erschien, von einer zahlreichen Menschenmenge auf den Straßen und Plätzen stürmisch begrüßt. Der gesamte Straßenverkehr ruhte für einige Minuten. Regierung und KmdwirMaslskrifis. Eine Entschließung des Reichstandbundes. Die fofor O woixenios Q netter, o nart> eeaeext ® vroixig. ® neuem •itegMi * Schnee a Graupeln, e «eoei IC 6rwitur.(g)windstilie.eO> sehr «icnte» 0$i «lässige« Südsüdwest q sturmtyncr nordwesl Oie Pfene fliegen mit gern Winde. Oie o erden Stationen Sltnenden Zaft« len geoen die Temperatur an Die Limen verbinden Orte mit gleichen} •»I Meeresniveau umgtrechneten Luftdruck Wettervoraussage. Der hohe Druck wandert ostwärts ab, beherrscht aber noch die Wetterlage. Die von Westen heran- rückende flache Störung, die bereits Frankreich und dem äußersten Westen von Deutschland Warmluft bringt, wird außer Bewölkung und Nebelbildung keine wesentliche Beeinflussung Hervorrufen. Die Temperaturen steigen weiter an, und auch nachts nehmen sie wieder etwas zu. Wettervoraussage für Freitag: Stellenweise Frühnebel, tagsüber heiter, auch zeitweise wolkig, wärmer, trocken. Wettervoraussage für Samstag: Wenig Aenderung des Witterungscharakters. Lufttemperaturen am 11. September: mittags 23 Grad Celsius, abends 15,7 Grad: am 12. September: morgens 10,7 Grad. Maximum 23 Grad, Minimum 8,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. September: abends 22 Grad; am 12. September: morgens 14,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9% Stundeg. Aus der provinzialhaupista-i. Gießen, den 12. September 1929. Zeppelinbesuch in der Tiacht. Auf seinem Fluge nach Rorddeutschland berührte das Luftschiff „Graf Zeppelin" in der letzten Nacht, aus der Gegend von Hanau kommend, auch die Provinz Oberhessen. Unsere Stadt selbst wurde jedoch nicht überflogen, sondern das Luftschiff passierte weit an der südlichen Peripherie in Richtung Wetzlar vorbei. Aus Darbenteich wird uns folgendes berichtet: „Heute morgen 3.45 Uhr wurde der „Zeppelin", aus südlicher Richtung kommend, hier gesehen. Es war wohl nur ein günstiger Zufall, daß das Luftschiff über Garbenteich und seiner östlichen Umgebung eine Schleife zog. Es flog zunächst östlich von Garbenteich in nördlicher Richtung bis ungefähr über Steinbach, drehte dann nach Süden um und flog dabei direkt über Garbenteich hinweg. Der gewaltig- Schiffsrumpf hob sich jetzt deutlich vom Rachthimmel ab, während man vorher nur die Lichter, die wandernden Sternen glichen, sehen konnte. Es war ein imposanter Anblick! Der „Zeppelin" flog dann südwestlich etwa bis Dorf-Gill und drehte hierauf auf nordwestliche Richtung ab." Don Gießen aus sah man nur die Nordlichter an dem gestirnten Rachthimmel dahinziehen, der Rumpf des Luftschiffes konnte nicht erkannt werden. Einige begeisterte Zeppelinfreunde, die in Erwartung des Luftschiffes etwa von 1 Uhr ab auf der Schönen Aussicht am Fuße des „Wasserhügels" (Hochbehälter der Wasserleitung) bis gegen 3.30 Uhr im Freien kampiert hatten, konnten, wie man uns mitteilt, das Luftschiff gleich wandernden Sternen am Himmel dahinziehen sehen. Einer der Beobachter schreibt uns u. o.: „Weit leuchten die Maschinengondeln und der Führerstand. Der Riesenleib glänzt ganz matt im Schimmer der Crdlichter. Ruhig, in großer Fahrt, geht es nach Rordwesten. Cs war genau 3.45 Uhr." Zu bedauern haben wir nur, daß das Luftschiff auch diesmal wieder mitten in der Rächt hier vorüberkam und dadurch unsere Einwohnerschaft es wiederum nicht sehen konnte. Unsere Mitbürger werden dem „Luftschiffbau Zeppelin" dankbar sein, wenn er es ermöglicht, daß bei einer der nächsten Fahrten des „Graf Zeppelin" unsere Stadt bei Tage überflogen wird. Gießener Wochenmarktpreise. ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 210, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 20 bis 25, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 30, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen, grüne und gelbe 25 bis 35, Feldsalat 150, Tomaten 20 bis 25, Zwiebeln 10 bis 20, Meerrettich 70 bis 150, Kürbis 5 bis 6, Pilze 40 bis 45, Kartoffeln 5 (der Zentner 4 bis 4,50 Mk.), Frühäpfel 15 bis 25, Falläpfel 4 bis 5. Birnen 10 bis 30, Preiselbeeren 40 bis 50, Pfirsiche 45 bis 80, Brombeeren 60 bis 65, Zwetschen 10 bis 20, Mirabellen 15 bis 20, Reineclauden 15 bis 20, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Tauben 70 bis 90. Eier 15, Blumenkohl 30 bis 80, Salat 15 bis 20, Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 2 bis 4, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20. Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück: Radieschen Dd. 10 bis 15 Pf. Bornotizen. — Tageskalender f ü r Donnerstag. Deutsche Demokratische Bartei: Hauptversammlung, 20.15 Uhr, im Aquarium. — Zirkus Kapitän Schneider: 20 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Abwege" und „Das Vagabundenliebchen". — Astoria-Lichtspiele: „Der Scharfschützen-Bob" und „Zerbrochene Ehe". — Deutsche Demokratische Partei. Heute, Donnerstag, 20.15 Uhr, Hauptversammlung im „Aquarium". Siehe heutige Anzeige. — Kreiskartell Gießen-Land. Nächsten Samstag nachmittag im „Aquarium" zu Gießen Versammlung. Näheres in der heutigen Anzeige * ** Sitzung des Provinzialausschus- s e s. Der Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen hält am Samstag, 14. September, vormittags 8i Uhr beginnend, im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung ab, in der die Klagen des Dr. med. Ruppert in Bad-Nauheim, des Friedrich Schreyer in Bad- Nauheim und der Deutschen Reichsbahngesellschaft, Reichsbahndirektion Frankfurt a. M., gegen die Stadt Bad-Nauheim wegen Heranziehung zu den Strahenherstellungskosten der Moltkestraße verhau- delt werden. ** Freiflüge. Als jeweils 500. Besucher im Gießener Flughafen wurden, wie man uns mitteilt, die folgenden Persönlichkeiten festgestellt: Maria Heß, Weserstraße 6, Elsa Jung, Marktplatz 20, und Herbert Henkel, Grabenstraße 6. Die drei Besucher haben Anrecht auf einen Freiflugschein. ** Gesellschaftsreisen im beseh - ten Gebiet. Auf die Ditte des ReichS- kommissars für die besetzten Gebiete hat die Rheinlandkommission die unter dem 20. Juni erlassene Vorschrift dahin gemildert, daß Reise- Adreßbuch -er Stadt und des Kreises Gießen. Der Abschnitt V mit den Einträgen in bas Handels- und Gewerbeverzeichnis der Stadt Gießen, liegt drei Tage, vom Freitag, dem 13. bis einschließlich Montag, dem 16. d. Mts., zu jedermanns Einsichtnahme in unserer Geschäftsstelle offen. Oie zuständigen Geschäftsleute Gießens werden um Prüfung der Einträge auf Richtigkeit und Vollständigkeit hiermit gebeten. Für Fehler und Unrichtigkeiten kann keine Haftung Übernommen werden. Oberhessischer Adreßduchverlag Gießen Schulstraße 1 Eingang von der Kapianeigaffe aus aesellschaften sich für die Einreise ins besetzte Gebiet nicht mehr 15 Tage, sondern nur noch 7 Tage vorher anmelden müssen. Die Vorschrift vom 20. Juni brachte bekanntlich die Erleichterung, daß Mitglieder einer Reisegesellschaft nicht mehr den einzelnen Personalausweis nötig haben, sondern daß die Anmeldung der gesamten Mitgliederliste durch den Führer der Reisegesellschaft bei der Rheinlandkommission genügt. ** V. H. C. Die Septemberwanderung des V.H.C. Gießen erfolgte am Sonntag mit einer Beteiligung von über 70 Personen nach zwei schönen Seitentälern der mittleren Lahn. Vom Ausgangspunkt Aumenau führte der Marsch durch das tiefeingeschnittene, von hohen Schieferhalden umsäumte Dernbachtal zur ersten Rast nach dem durch seine großen Schieferbrüche berühmten Langhccke. lieber einen aussichtsreichen Höhenrücken, vorbei an den freundlichen Taunusdörfern Wolfenhausen und Haintgen, führte der Weitermarsch, zumeist durch prächtigen Wald, durch das anmutig gelegene Laubuseschach zur längeren Mittagspause nach Weilmünster, wo das Weiltal erreicht wurde. Dem schönen Tale abwärts ging es nunmehr durch die schmucken Orte Ernsthausen und Essershausen. Doch des überaus lästigen Straßenstaubs, durch zahllose vorbeirasende Autos verursacht, herzlich müde, wurde bei letzterem Orte die Landstraße verlassen und der Lahnhöhenweg beschritten. Bergauf, bergab, viele Windungen machend, führte das Zeichen durch eine landschaftlich reizvolle Gegend über das hochgelegene, mit einer stattlichen das Tal beherrschenden Burgruine versehene Freienfels und wieder hinab in das Weiltal, das durchquert wurde, um auf der anderen Sette nochmals eine Höhe zu überschreiten. Mit einiger Verspätung langte man am Endziel Weilburg an, wo man bei fröhlichster Stimmung und einem kühlen Trank die Lebensgeister wieder auffrischte. Schöffengericht Gießen. • Gießen, 11. Sept Ein ehemaliger Rechtskonsulent hatte im Herbst 1928 an einen Arzt und den Vater eines anderen Arztes Drohbriefe geschrieben und Strasanzeigen in Aussicht gestellt, falls er nicht Geld erhalte. Er hatte ferner einem Handwerker gedroht, er werde in dessen Stammwirtschaft das Vorleben seiner Braut erzählen, falls er ihm kein Geld gebe. Wegen versuchter Erpressung in 3 Fällen (die Drohungen waren ohne Erfolg geblieben) erkannte das Gericht auf 10 Monate Ge - f ä n g n i s. Ein schon mehrfach vorbestrafter Kaufmann aus D a r m st a d t hatte im Früh ahr 1929 eine Reihe von Personen aus Bad-Rauheim dadurch zur Hergabe von Geld und Geldeswert veranlaßt, daß er ihnen unwahrerweise vor- spieaelte, er erhalte in einem großen Hotel eine Stette; in einigen Fällen hatte er auch gefälschte Wechsel als Sicherheit gegeben. Strafe: 1 Jahr Gefängnis. Eine Witwe aus der ümg g:nd hatte den behandelnden Arzt ihres kurz zuvor verstorbenen Mannes gebeten, ihr eine Be Reinigung für die Llnsallversicherung aus ustellen, daß ihr Mann an den Folgen eines Sturzes von der Kellertreppe gestorben sei. Der Arzt hatte das ab- gelehnt und ihr lediglich eine den Tatsachen entsprechende Bescheinigung (Todesur a >e: Lungenentzündung) auf ein Dezeptformu.ar geschrieben. Hierbei hatte er ihr auch ein zweites Rezeptformular, das an dem anderen klebte, versehentlich mitgegeben. Auf dieses Formular mit dem Ramensaufdruck des Arztes schrieb dann der eine Sohn der Witwe nach Verabredung und im Einverständnis mit seiner Mutter und seinem Bruder eine angeblich von dem Arzt herrührende Bescheinigung, der Verlebte sei an den Folgen des Sturzes von der Kellertreppe gestorben. Die'e Bescheinigung wurde an die Dersicherungsgcsell- schast abgesandt, die aber hinter den Schwindel kam. Alle drei, Mutter und zwei Söhne, erhielten wegen schwerer Urkundenfälschung und Detrugs- versuchs je eine Woche Gefängnis Ein Arbeiter hatte im Winter 1928/29 versucht, die in früher Morgenstunde in einem großen Werk der Provinz allein tätige Putzfrau zu vergewaltigen. Er wurde mit 9 Monaten Gefängnis bestraft. Beachten Sie meine Spezialausstellung in Lederfirberel Seltersweg 46, Tel. 2627 2290V Küchenuhren Ludwigstraße 36 72,50 Verkauf gegenüber Ludwigstraße 27 Karl Beck, Uhrmachermeister vormals Gg Spies Uhren, Schmuck waren,Trauringe i großer Auswahl Miele Erzeugnisse werden nur in einer Qualität und zwar der besten, hergestellt. Die Anfertigung erfolgt nicht am laufenden Band, sondern in Präzisions Serienfabrikation. Bei allen Miele-Fabrikaten stehen Qualität und Preis in dem richtigen Verhältnis. Beim Kauf einer Miele-Maschine haben Sie die Gewißheit, daß Sie für Jhr Geld den höchsten Gegenwert in Ware bekommen. Der Güte unserer Erzeugnisse verdanken wir den guten Ruf des Namens „ M feie" Unser Fabrikationsprogramm umfaßt: Waschmaschinen Trommelwaschmaschinen Wäschezenfrifugen Wringmaschinen Wäschemangeln Elektromotoren * Staubsauger* * Kastenwagen « ♦ Leiterwagen « Melkmaschinen Milchzentrifugen •Butterfertiger* Buttermaschinen ♦ Butterkneter * * Fahrräder ♦ Jn den Fachgeschäften wird Jhnen gern Auskunft ■ über unsere Erzeugnisse gegeben. MielewerlieA.G. W Gttlerslon/wesifaien M über 2000 Beamte und Arbeiter. fiel Holsteiner Weißkohl Aottohl Wirsingkohl la feste Köpfe von Ende Sevi.dlS Milte Okiober mehrere Waaaons einlreffd. FörWarloÄ (Industrie) und Zwiebeln (Zittauer) nehmen Aufträge en'neocn. Auch für Wieder- veckäuser bi tltgsie Bezugsquelle. 7l84D 9. Sauer & Co. Jcrnivr. 2274. 35. Engener »n- und ßeiiloilerie Ziehung sicher19.Sept M. 5100 Alle Gew. barauszahlb.l Los 1 Mk. Porti und Liste 30 Pt. Meßkircher Geldlotterie Ziehg. sich.18. u.19.0kt. ""12500 Höchs'.gew. -°"°«8000 Porti und Liste 30 Pt. Nachnahme teurer. KarlOtacker.S’ alle hess. Einnehmer und alle Losgeschäfte. Apfelweinfässer in allen Größen empfiehlt 7M5D Mer-lsominkrkorli ♦ (legen Lsbm * Gallensteine ♦ Raphanose ♦ Zu sehr. v. Aerzt. T und Brauchen) T beatät die milde X Wirkungsweise. | Kräuter!» JUNG Freibank. Jreitaa, dculS.Leptcmber. v. h Uhr ad |7i)14l) Fleisch verkauf. Speise-un- Galai- karioffeln tn vrima Qualität, empfiehlt biUtflit W. Hantel W. Neneu Baue 7, Teleph. 2612. 4äD ■ n 681 M. Biringer Nacht. Seltersweg 63 / Inh.: Fr. Holzheimer Danksagung. Für die so herzlichen Beweise liebevoller Teilnahme, für die zahlreichen Blumenspenden und Ehrungen sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers bei dem Heimgang unseres lieben Vaters sagen wir Innigsten Dank. Im Namen aller Hinterbliebenen. Heinrich Schäfer. Reiskirchen, den 12. September 1929. Nr. 2(4 Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Donnerstag 12. September 1929 Deutschland und der russischchinesische Konflikt. Deutschland hat bekanntlich die Wahrnehmung der diplomatischen Interessen sowohl Rußlands als Chinas übernommen. Diese Aufgabe, so ehrenvoll sie an sich ist, stellt selbstverständlich in ihren Einzelheiten sehr große Anforderungen an die deutschen diplomatischen Vertreter und man kann ohne Frage feststellen, daß unsere diplomatische Vertretung sowohl in Rußland als in China ihr Aeußerstes getan hat, um die Aufgabe nach Maßgabe zu erfüllen. Nun handelt es sich aber bei diesen beiden Staaten um zwei Mächte, deren Auseinandersetzungen schon einen recht ernsten, beinahe kriegerischen Charakter annehmen. Aus diesem Grunde sind die Verhältnisse der jeweiligen Staatsbürger in dem anderen Lande keine einfachen, und ein diplomatischer Vertreter wird dabei ost in eine Lage ver- setzt werden, in der eine Entscheidung für ihn, da er doch dabei immer neutral sein muß, recht schwer, ja manchmal sogar unmöglich ist. Nun hat das russische Außenkommissariat der deutschen Botschaft in Moskau eine Note überreicht, die in ihrem Tone außerordentlich auffallend ist. Gewiß kann man es verstehen, daß die russischen Sorgen um ihre in China lebenden Staatsbürger groß sind, und daß die Erregung über gewisse Uebergriffe seitens der chinesischen Behörden immer größer wird. Anstatt aber zunächst einmal dafür zu danken, daß die deutschen Diplomaten in China die Hohe verantwortungsvoll« Aufgabe überhaupt übernommen haben, ergeht sich die russische Note in Vorwürfen, die, wie aus der deutschen Antwort ersichtlich wird, nicht einmal berechtigt sind. Die deutsche Antwort hat deshalb den Ton der Zurückweisung annehmen müssen. Andererseits gesteht die deutsche Regierung gern zu, daß sie im Rahmen des Möglichen nichts unversucht lassen wolle, um die Erfüllung der angetragenen Aufgaben auch zufriedenstellend zu erstreben. Um die Bedeutung dieser Zusage in ihrem ganzen Umfange zu begreifen, muß man sich aber vergegenwärtigen, daß in dem russisch-chinesischen Konflikt auf beiden Seiten Situationen anzufinden sind, die zumindest nicht mehr ganz den westlichen Kulturbegriffen entsprechen. Wenn Rußland heute Repressalien androht, so mutet dies schon etwas mittelalterlich an, um so mehr, als doch sowohl Rußland als auch China den Kelloggpakt unterzeichnet haben und somit genügend Mittel hätten, um ohne mittelalterliche Werkzeuge und Methoden zu einer Beilegung des Konfliktes in befriedigender Weise oder zumindest in gerechter Weise zu gelangen. Deutschland hat sich von Anfang an bemüht, mit Verständnis in voller Zurückhaltung die Entwicklung im fernen Osten zu verfolgen. Auch in der Zukunft wird Deutschland in gleicher Weise verfahren. Und gerade weil es die diplomatischen Interessen beider verfehdeter Staaten vertritt, wird und kann es nur diese Haltung einnehmen. Man sieht, daß die beiden Staaten bis jetzt wenigstens noch recht weit davon entfernt sind, die neuzeitliche Methode der Schiedsgerichtssprechung einzuleiten. Der deutsch-russische Notenwechsel zeigt aber, wie notwendig es ist, zu dieser Methode zu gelangen, und man darf nur erwarten, daß die beiden sich streitenden Mächte endlich dazu übergehen, den vernünftigen Weg des Rechtes einzuschlagen, der allerdings mit mittelalterlichen Gebräuchen nichts anzufangen weiß. Erst dann wird es den deutschen Diplomaten in diesen beiden Staaten auch möglich sein, allen Anforderungen gerecht zu werden, weil eben dann das Recht selber im Vordergrund steht. Englands Kohlenoffensive. Von unserem O-Korrespondenten. London, September 1929. Die Zusammenschlußbswegung im englischen Bergbau hat in den letzten Wochen nicht unerhebliche Fortschritte gemacht. Offenbar ist die Drohung der Regierung Macdonald, für jeden Kohlendistrikt Zwangssyndikate zu schaffen, nicht ohne Eindruck Bier Gektflaschen. Von Alfred Richard Meyer. Als ich mich vor vier Wochen von jenem freundlichen alten uckermärkischen Landwirt verabschiedete, der mir die kleine Waldparzelle am Liedersee verkauft hatte, sagte jener: „Ra aus Wiedersehen bei der Vermessung! Sie werden rechtzeitig vom Landmesser aus Eberswalde geladen werden. Und vergessen Sie die — Sektflaschen nicht, die zu jeder Vermessung notwendig sind! Viere müssen es mindestens sein!" Ich nickte stumm und hütete mich wohl, zu fragen: wozu denn bei solch einer Vermessung, die ich ja noch nie in meinem Leben mitgemacht hatte, ausgerechnet Sektflaschen gebraucht würden: ich wollte mir keine Blöße geben, daß ich dos nicht wußte. Ein Grundstückskauf mußte ja wohl betrunken werden — davon hatte ich ja schon gehört. Aber war so etwas in diesen nicht leichten Zeiten nicht auch mit Hellem Bier abzumachen? Mußte es unbedingt Sekt sein? Das fragte mich denn meine Frau auch und sie fügte hinzu: „Der Bauer will dich leimen — paß' nur auf!" Lind da fielen mir all die Momente meines Lebens ein, in denen ich tatsächlich Parzival, der reine Tor, gewesen war und unschuldig auf jeden Leim kroch — angefangen mit jenem Mensurhuhn, das ich, als junger Marburger Fuchs, dem Auftrage meines Fuchsmajors gemäß, zur ersten M.n ur von einem Ockershausener Bauern, der es schon in einem Käfig bereit» stehen hatte, abholte, für den Fall, daß mir die Ra'e abgehauen würde — welch fleischigen Gegenstand dann schleunigst ein Stück aus der lebendigen Hühnerbrust ersehen sollte. Wieder stand das große Gelächier ob meiner damaligen Gutgläubigkeit mit in den Ohren. Sollte sich nun so etwas noch einmal in meinen alten Tagen am schönen Mcberfee wiederholen? Lumpen lassen wollte ich mich jedenfalls nicht: und so stieg ich am Vorabend des Vermessungstages in den Keller, in dem gottlob richtig noch vier Flaschen Gelt lagen, eigentlich für besondere Familienfeste bestimmt. Aber — bedeutete so ein Grundstückskauf nicht auch ein Familienfest? Also! Mit dieser Beruhigung packte ich die vier Flaschen in meine Handtasche. Dadrinnen mochten sie getrost bleiben, wenn es sich hernach doch um einen Leim handeln sollte; auf die Frage, geblieben. Es wird jedenfalls bekannt, daß di« Grubenbesitzer entschlossen fein sollen, nicht erst den Vorstoß der Regierung abzuwarten, sondern gleich einen Schritt weiterzugehen und ein für den gesamten britischen Bergbau zuständiges Kohlenverkaufskontor zu schaffen. Aufgabe der angestrebten Exportoereinigung soll es sein, die englischen Kohlenverkäufer davon abzuhalten, sich auf den ausländischen Märkten gegenseitig zu unterbieten, wie das heut« noch immer der Fall ist. Es sollen also nach außen hin Einheitspreise zur Geltung kommen, wohlgemerkt aber Preise, die den Absatz britischer Kohle unter allen Umständen sicherstellen. Das bedingt natürlich nach innen einen Ausgleich der entstehenden Verluste, der etwa in der Weise vorgenommen werden soll, daß die gutgehenden bergbaulichen Betriebe von ihrem beim Jnlandsabsatz erzielten Gewinn Teilbeträge den notleidenden Zechen zur Verfügung stellen, damit sie aus dem Produktionsprozeß nicht auszuscheiden brauchen. Zn diesem Punkte decken sich also die Absichten der Labour-Regierung mit denen der Verfechter des Exportgemeinschaftsgedankens innerhalb des Bergbaus. Die einen wollen die Betriebe, die anderen die Arbeiterschaft vor der Erwerbslosigkeit retten. Da die Labour-Regierung sich noch im Haag sehr stark für den Bergbau eingesetzt hat, besteht Grund zu der Vermutung, daß die Bildung einer Derkaufsvereinigung im besten Einvernehmen mit dem Londoner Kabinett durchgeführt werden wird. In Deutschland ist diese Bewegung fast immer im Rahmen einer früher oder später kommenden Kohlenverständigung betrachtet und beurteilt, von dssr auch im Haag wieder sehr viel geredet wurde. Davon kann aber zunächst gar keine Rede sein. Die Engländer wollen ihre alten Absatzgebiete zurückerobern bzw. die Arbeitslosigkeit im Bergbau gänzlich beseitigen. Das bedeutet Kampf gegen die .sich immer mächtiger ausdehnende polnische Kohle, Kampf gegen die holländische, belgische und nicht zuletzt die R u h r k o h l e , die den Engländern schon seit jeher ein Dorn im Auge war. Englands Position ist schon jetzt sehr günstig. Di« Exportgruben arbeiten infolge der Arbeitszeitverlängerung, Lohnkürzung, Steuerleichterung und Frachtermäßigung ohne jeden Verlust, während bisher durchschnittlich im Jahr zweihundert Millionen Goldmark beim Verkauf noch zugesetzt wurden. Von der deutschen Kohle kann das gleiche nicht behauptet werden. Wie sich der Kampf auf dem Weltkohlenmarkt zwischen den Engländern und dem Ruhrsyndikat abwickeln wird, bleibt abzuwarten. Fest steht aber schon heute, daß di« britischen Grubenherren nur dann erst ernstlich für eine Kohlenverständigung zu haben sein werden, wenn sie wieder allein oder überwiegend den Markt beherrschen. Eine Periode harter Kämpfe steht also auch für den deutschen Bergbau bevor. Kann er nicht durchhalten, dann wird die schon durch das italienisch-englische Abkommen angebahnte Umschichtung sich in verschärftem Tempo vollziehen: auch die letzte englische Grube wird wieder voll arbeiten und nirgends wird es mehr erwerbslose englische Bergarbeiter geben, während umgekehrt auf deutscher Seite ein neuer Stillegungsprozeß mit neuen Entlassungen zu erwarten ist. Das ist di« Kehrseite der britischen Zusammenschlußbewegung. Das größte Dolksvermögen der Welt. Wenn man in den Statistiken nachblättert, um einen Lieberblick über die Höhe der Vermögen der einzelnen Völker zu gewinnen, so muh man eine sehr seltsame und interessante Feststellung machen: Man erfährt nämlich zu seinem Erstaunen, daß das Indianervolk das reichste der Welt ist. Bestätigt wird diese Feststellung durch eine Aufstelllung, die das Snöianerbureau in Washington soeben über die Lage der amerikanischen Indianerstämme herausgegeben hat. Es wird dort festgestellt, daß das Vermögen der Indianer bei einer Zahl von 350 000 Seelen etwa fünfzehn Milli- was ich denn in der Tasche habe, würde ich schlicht antworten: „Mein Frühstück!" Eine knappe Stunde Eisenbahnfahrt, eine halbe Stunde Postauto, eine Viertelstunde Weges zu Fuß — und ich war auf meiner Waldparzelle angelangt. Der Landmesser hatte schon verschiedene rot- und weihgestreifte hohe Stangen in die Erde gesteckt, studierte die Karte des Grundbuches genau, prüfte mit dem Bandmaß die Entfernungen nach. Lind da war auch schon der Landwirt mit seinem Sohn, der Gemeindevorsteher und verschiedene Äachbarn und die Gehilfen des Landmessers. „So spät?" begrüßte mich der Bauer und stellte mich den übrigen Herren vor. „Wir sind schon seit über einer Stunde stramm an der Arbeit. Lind — haben Sie auch nicht die Sektflaschen vergessen? Wir haben auch welche mitgebracht. Acht Stück brauchen wir nämlich mindestens." Ich tat so, wie wenn ich die Frage überhörte, und nickte nur stumm. Natürlich, wenn so viele Menschen an der Vermessung teilnahmen, würden acht Flaschen kaum reichen, daß ein jeder einen tüchtigen Schluck abbekäme! Darüber war hinterher immer noch zu reden. Aber daß die uckermärkischen Bauern bei einer solchen Gelegenheit Sekt zu trinken pflegten, — das schien mir denn eine etwas üppige Tradition zu sein, so sehr ich sonst im Leben mit alten Traditionen gewih gern einverstanden bin. Die Vermessung ging schneller, als ich dachte: was gewiß daran lag, daß der Landmesser nicht wie ich einst im Abiturientenexamen in der Mathematik eine dicke Vier davongetragen haben mochte. Auch heute hätte ich bestimmt an der Berechnung dieses aus verschiedenen Dreiecken und Trapezen zusammengesetzten Flächenmaßes eine ganze Woche zu tun gehabt, damit doch schließlich nur ein falsches Resultat herausgekommen wäre. „So — wo sind nun die Sektflaschen?" fragte jetzt der Landmesser. Da es sich also doch anscheinend nicht um einen Leim handelte, ging ich daran, meine Handtasche zu öffnen und das Verlangte hervorzukramen. Erstaunte Augen blickten mich von allen Seiten an. Lachen prustete mir entgegen. War ich doch auf einen Leim hereingefallen? Ich hätte mich ohrfeigen können! „25ber — die find ja gefüllt!" warf mir der Landmesser, sichtlich enttäuscht, vor. Merkwürdig — in anderen Situationen macht man einer Sekt- aröen Dollar beträgt, und daß das Durchschnittsvermögen jedes einzelnen mit etwa 43 000 Dollar zu veranschlagen ist. Freilich ist es nicht so, daß restlos alle Indianer wohlhabend sind. Insbesondere in den großen Städren Reuyork, San Franzisko, Chikago, gibt es Tausend« von Indianern, die in außerordentlich kümmerlichen Verhältnissen leben. Trotzdem wird behauptet, daß über 70 Prozent der lebenden Indianer unter den wohlhabendsten wirtschaftlichen Lebensbedingungen stehen. Der Wohlstand des Indianervolkes beruht in der Hauptsache auf seinen Reservatrechten aus großen amerikanischen Petroleumquellen. Vor etwa 70 bis 80 Jahren, als der Vernichtungskrieg der Weißen gegen die Indianer begann, und zum Siege der weißen Rasse führte, wurden die indianischen Lirein- wohner auf bestimmte, völlig unfruchtbare Gebiete deportiert, wo sie unter ständiger Kontrolle der amerikanischen Regierung gehalten wurden. Man nahm damals an, daß die Indianer nach spätestens einem Jahrhundert vollkommen ausgestorben sein würden. Diese Annahme hat sich jedoch nicht bewahrheitet und mit der Entdeckung der Petroleumfelder in den unfruchtbaren Gebieten, auf die man die Indianer gebracht hatte, setzte der Beginn ihres Wohlstandes ein. Es stellte sich heraus, daß in den Reservationen der Indianer sich C. eichsten Petroleum quellen, die überhaupt gefunden wurden, befanden. Die öden und unfruchtbaren Länder bekamen also bald unschätzbaren Wert. Die Rechtsverhältnisse Amerikas, die sich inzwischen konsolidiert hatten, ließen es nicht zu, die Indianer erneut zu vertreiben, es muhten ihnen vielmehr sehr beträchtliche Entschädigungen bezahlt werden, um die Petroleumfelder auszu- toerten. Diese Entschädigungen haben dann zu dem Wohlstand der Indianer geführt, und so ist es zu erklären, daß zugleich mit den amerikanischen Petroleummagnaten die Indianerstämme, die Gesamteigentümer der Reservationen, zu Multimillionären geworden sind, und weiterhin alljährlich riesige Summen verdienen. Allerdings können die Indianer nicht selbständig über ihr Vermögen verfügen, es steht vielmehr unter Vormundschaft des Washingtoner Indianerbureaus, das die Gelder verwaltet und alljährlich nach einem bestimmten Schlüssel die zu verzehrenden Summen überweist. Die Aufstellung des Indianerbureaus zeigt übrigens auch noch die bemerkenswerte Feststellung, daß die vielfach geäußerte Ansicht, die Indianer seien eine aus - sterbende Rasse, irrig ist. Ihre Geburtenziffer ist ausfallender Weise höher als bei den weihen Amerikanern. Weitlauf um 25 Millionen Mark. Enthüllungen über herrenlose Gelder. — Das Erbe des Zaren? Ein Sensationsprozeß. Von Or. Alexander von Andreewsky. Zum erstenmal äußert sich hier ein ehemaliger hoher russischer Staatsbeamter aus genauer persönlicher Kenntnis zu der viel erörterten und jetzt vor der Entscheidung stehenden Angelegenheit der Zarengelder im Ausland. Amerikanischen Zeitungen' zufolge steht in Reu- York ein Sensationsprozeh um das sogenannte Auslandvermögen derZaren- f amilie unmittelbar bevor. Es handelt sich um eine Summe von sechs Millionen Dollars, die in der National City Bank deponiert sein sollen. Diese Summe, die durch Zinsen sehr angewachsen ist, beanspruchen der Großfürst Kyrill, die Großfürstinnen Olga und Xenia, Schwestern des letzten Zaren, sowie Frau Tschaikowsky, die immer noch behauptet, die Zarentochter Anastasia zu sein. Aber nicht nur diese Mitglieder der Zarenfamilie, sondern auch Kerenski und die Sowjetregierung wollen Ansprüche geltend machen. Run klingen die Meldungen über das Vorhandensein eines Zarenvermögens in Amerika einigermaßen phantastisch. Es ist anzunehmen, daß es sich nicht um Gelder des Zaren, sondern um Beträge der zarischen Regierung handelt — und das ist natürlich ein wesentlicher Unterschied. Auch die Gegner des Großfürsten Kyrill geben zu, daß dieser „Selbstherrscher aller Reußen" ein Genie genannt werden kann, wenn es sich um die Erschließung immer neuer Geldquellen handelt; daß der Groh- fürst sich jetzt dazu versteigt, Ansprüche auf die in einer amerikanischen Bank deponierten Gelder zu erheben, ändert aber nichts an der Tatsache, dah der Streit um die Geldbeträge entbrannt ist, die niemals dem Zaren persönlich gehört haben. Die recht beträchtlichen Vermögen der russischen Regierung im Ausland« haben ihre interessante Geschichte. Als im Sommer 1915 die russischen Heere unter dem Druck Mackensens aus Galizien zurücksluten mußten, das vom dem Großfürsten Rikolai Rikolajewitsch bereits in ein russisches Gouvernement verwandelt worden war, erlitt der Rubelkurs an den neutralen Börsen eine starke Erschütterung. Der damalige Finanzminister Bark suchte nach einem Mittel, di« ins Schwanken geratene russische Währung zu stützen und entsandte eine Kommission von Sachverständigen nach London, um dort über die Ausnahme einer Valutaanleihe zu verhandeln. Mit Pässen neutraler Geschäftsleute versehen, begaben sich russische Unterhändler über Bergen nach London, wo nach langwierigen Verhandlungen ein Dalutaabkommen zwischen England und Rußland zustande kam. Das englische Schatzamt stellte der russischen Regierung je nach Bedarf größere Summen von Devisen aller Länder zur Verfügung: als Deckung sollte russisches Gold in Archangelsk auf englische Schiffe verladen werden. Gleichzeitig verlangte die englisch« Regierung aber als Gegenleistung russische Verstärkungen für die damals an der Westfront stark bedrängten Alliierten. Zwei Regimenter bester russischer Truppen wurden über Sibirien nach Wladiwostok entsandt und von dort an der asiatischen Küste entlang über den Suezkanal nach Frankreich verschisst, wo sie bis auf den letzten Mann auf gerieben wurden. In Petersburg wurde im Kriegsministerium eine „Kommission für Devisen-Verteilung" organisiert, deren Mitglied ich gewesen bin. Zum Vorsitzenden der Kommission wurde General Michelson ernannt, ein ehemaliger russischer Militärattache in Berlin, der wegen Spionageverdacht nach einer peinlichen Affäre sein Amt verlassen mußte. Der freie Handel mit Devisen wurde in Rußland streng verboten, und jeder, der Devisen brauchte, mußte sich an die Kommission wenden, die bald alle Hände voll zu tun hatte. Wie Pilz« schossen Munitionsfabriken aus der Erde, die ihre im Ausland bestellten Maschineneinrichtungen mit Devisen zu bezahlen hatten. Unter dem Deckmantel der Vaterlandsverteidigung entwickelte sich bald eine wüste Devisenspekulation, denn die durch die Kommission erworbenen Devisen wurden unter der Hand zu weit höheren Kursen weiterverkauft. Die Kommission selbst gab das englische Pfund, das an den „schwarzen Börsen" mit 25 Rubeln bezahlt wurde, zum amtlichen Vorkriegskurs von 10 Rubeln ab. Sogar ein ehemaliger Heldentenor der Petersburger Hofoper erschien eines flasche doch mit nichten das zum Vorwurf, daß sie einen sprudelnden Inhalt hat! „Gefüllte Flaschen habe ich noch nie unter die Grenzsteine eingegraben!“ Der Landwirt hatte inzwischen seine vier leeren Sektflaschen aus einem Gebüsch geholt. Ihm schien das Problem gar nicht so schwer zu lösen. „Ja, da müssen wir eben wohl die Flaschen schnell austrinken I" meinte er bieder und überzählte schnell die Häupter der Versammlung, wieviel denn wohl auf den einzelnen Mann komme. Ra. da brauchte sich schließlich niemand zu überheben! Was unserem Mittagsappetit auch nicht allzu gut bekommen wäre. Das Ganze würde eine Angelegenheit von ein paar Minuten fein, das Oeffnen der Flaschen mit einbegriffen. Lind also geschah denn der Trunk auch, den der Wunsch: „Auf gute Rachbarschaft!" bekräftigte. Ein Gehilfe des Landmessers murrte noch etwas in feinen gar nicht vorhandenen Bart, daß er ja eigentlich Antialkoholiker sei, aber uneigentlich ... Wie bei einem Begräbnis, einem ganz feierlichen. war es, dah meine Sektflaschen eingegraben wurden — an jeder Ecke des Grundstücks eine; die des Dauern aber hatten den Zugang sw eg zu meinem Grundstück zu bestimmen. Lind oben auf die verkehrt herum stehenden Flaschen kamen dann die schweren Grenzsteine. Lind da fiel mir aus fernen Iuristentagen der famose Paragraph 919 des Bürgerlichen Gesetzbuches ein: „Wenn ein Grenzzeichen verrückt geworden ist..Hoffentlich bewahrten hier die Flaschen vor solch bösem Schicksal, daß jemand in die nächste Grenzzeichen-Irrenanstalt einmal abtransportiert werden mußte! Run, da wir Gäste des wackeren Landwirts sind und dessen Gattin unwahrscheinlich große Schweinekoteletten auf den Tisch trägt, dazu Kümpe mit Erbsen und Karotten und Kartoffeln, die schwere Anstrengung der Vermessung in uns wieder wett zu machen, müssen meine Gedanken zu den vielen tausend Sektflaschen in norddeutscher Erde gehen, von denen kein Mensch etwas weiß. Welche Bevorzugung gegenüber ihren meisten Kollegen, die von lachenden Menschen schnell ausgetrunken worden und für die ein Lumpensammler hernach kaum gern einen Groschen gibt! Ihr anderen, Erwählten, habt noch eine andere, dauerndere Bestimmung, Grenzen, genaueste, unter der Erde für Besitz und Eigentum, aufrecht wie Grenadiere — freilich auf dem Kopfe stehend — zu sein, zumal für den Fall, „wenn ein Grenzzeichen verrückt geworden ist", um nochmals dieses mustergültige Juristendeutsch zu gebrauchen, dessen Verfasser kaum aus seiner Anonymität heraustreten wird! Gerade, weil Ihr, vielleicht für Jahrhunderte, noch dazu mit leerem Magen, auf dem Kopf stehen müßt, der dunklen Erde durch alle Jahreszeiten anvertraut, im Geheimen Dienende seid, wozu Euch gewiß nicht bei der Schöpfung die Verpflichtung wurde — grüße ich Euch, zolle ich Euch meine Anerkennung! Menschen mag es geben, denen ähnliches Schicksal im Leben ward — von denen auch niemand etwas weiß! Doch — doch — da muß ich an jenen und diesen plötzlich denken; und da ist es mir, wie wenn jener und dieser, leer getrunken, auf dem Kopf stehend, Pflichten zu erfüllen habe, deren Sinn uns unbekannt ist. Traurig kann man eigentlich bei solchem philosophischen Rachdenken werden. Da hat aber der Hausherr schon eine Flasche seines selbstbereiteten Obstweines aufgemacht und unsere Gläser gefüllt: „Auf gute Rachbarschaft!" Lind freudig tun wir ihm Bescheid - ich, als einer, der nun zu ihnen gehört, als Bürger und Grundbesitzer. Lochschulnachrichten. Der mit Titel, Rang und akademischen Rechten eines ordentlichen Professors ausgestattete a. o. Professor der Mathematik an der Universität Erlangen, Dr. Wolfgan-- Krull, ist vom 1.Oktober d. I. an zum etatsmäßigen ordentlichen Professor ebenda ernannt worden. Der aus Baden-Baden gebürtige Mathematiker, Schüler von A.Loewy (Freiburg i. B.) und E. Noether (Göttingen), begann seine akademische Laufbahn im Jahre 1922 als Privatdozent für reine Mathematik in Freiburg i. B. Dort erhielt er später die Amtsbezeichnung außerordentlicher Professor und Übernahm im Herbst 1928 den Lehrstuhl der Mathematik in Erlangen als Nachfolger von Professor Radon. Eine Berufung nach Rostock als Nachfolger von Professor Staude hat Dr. Krull abgelehnt. Sein Spezialgebiet ist Arithmetik und Algebra. — Dem planmäßigen außerordentlichen Professor für Geburtshilfe und ambulatorische Klinik in der tierärztlichen Fakultät der Universität München, Dipl'mlandwirt Dr. med. vef. Anton Otto Stoß sind vom 1. Januar 1930 an Titel, Rang und akademische Rechte eines ordentlichen Professors verliehen worden. Er ist als Verfasser einer langen Reihe von Arbeiten aus seinem Spezialgebiet bekannt geworden. W,. . Tages in der Kommission, um Devisen für seine Patronenfabrik zu erwerben! Neben der Devisenverteilung hatte die Kommission aber noch eine andere Aufgabe. Sie überwies nämlich jeden Monat recht bedeutende Summen nach K I Aeuyork an den russischen Botschafter, der die Kriegslieferungen der amerikanischen Munitionsfabriken — vor allem die Lieferungen der Sprengstoffirma Dupont — zu bezahlen hatte. Nicht ein einziges Mal wurden die Geldbeträge im persönlichen Auftrag des -Zaren nach Aeuyork oder nach London überwiesen. Als im Februar 1917 die erste Revolution den Zaren entthronte, wurde die Kommission für Devisenverteilung nicht aufgelöst: sie siedelte l* j , | sogar aus den bescheidenen Räumen, die sie bis dahin im Kciegsministerium innchatte, in das inzwischen beschlagnahmte prunkvolle Palais des Großfürsten Michael Alexandrowitsch über. Dir Kerenski-Regierung, die sich für die Parole „Krieg bis zum siegreichen Ende" entschloß. ließ ebenso wie ihre Amtsvorgängerin größere Dollarbeträge nach Aeuyork überweisen. Daher rührt wahrscheinlich der Anspruch Kerenskis auf einen Teil der in Aeuyork deponierten Summe, auf die natürlich der Privatmann Kerenski kein Anrecht hat. Als im Oktober die bolschewistische Revolution ausbrach, wurde die Devisenkommission aufgelöst, und ihr Vorsitzender, der General Michelson, starb ein Jahr später als Bettler auf einer Straße Petersburgs. Sofort nach dem bolschewistischen Umsturz wurden die Gelder der russischen Regierung in den Ententeländern beschlagnahmt. Offenbar wollen jetzt die [N,: < verschiedenen Erben des Zaren und der Zarenregierung versuchen, die „bis auf weiteres" beschlagnahmten Summen zurückzugewinnen. 3n , neutralen Staaten konnten die diplomatischen Vertretungen der Zarenregierung die aus derselben Quelle — der Devisenkommission — gespeisten Bankdepots aufbrauchen. Ein russischer Militärattache borgte seinem Kollegen in einem anderen Land einen recht ansehnlichen Geldbetrag zu Spekulationszwecken. Als er auf Rückzahlung drängte, erhielt er die Antwort, daß sein Schuldner das Geld der rechtmäßigen russischen Regierung auszahlen werde, falls einmal eine . - solche ans Ruder kommen sollte! , Die eigentlichen ..Zarengelder" — Privatver- mögrn des Hauses Romanow — sollen vor langer Zeit in London deponiert worden sein, und zwar zur Zeit Peters des Großen. Eingeweihte wissen freilich, daß in der Baring Brothers Bank, deren Mitinhaber Lord Revel- stoke vor kurzem verstorben ist. kein Zarengeld mehr vorhanden ist. Peter der Große hatte tatsächlich eine Million Taler bei Daring deponiert: diese Summe wurde im Laufe von zwei Jahrhunderten durch Lieberweisungen verschiedener Zaren bedeutend erhöht. Als die erste Revolution im Jahre 1905 ausbrach und die Herrensitze russischer Aristokraten in Flammen standen, wurde die russische Gesellschaft von einer Panii ergriffen. Russische Fürsten verkauften ihre Güter an reichgewordene Geschäftsleute und überwiesen das Geld ins Ausland. Der Zar mißbilligte diese Politik und wollte seinen Hofleuten ein gutes Beispiel geben. „Schämen Sie sich", sagte er eines Tages dem Hofminister Graf Fredericks, „so wenig Vertrauen zum russischen Volk zu haben. Es wird nichts geschehen, und ich habe, um die Leute eines Besseren zu belehren, mein ganzes Vermögen von London in unsere Staatsbank "überweisen lassen." Es fällt in der Tat auf. daß keiner von den rechtmäßigen Erben des Zaren, also vor allem seine Mutter und seine Schwestern, die Erbschaft antreten konnte — aus dem einfachen Grund, weil kein Erbe vorhanden war. Der ehemalige Finanzminister Bark, der Schöpfer des Devisenabkommens, der als tüchtiger Finanzmann in englischen Finanzkreisen die besten Verbindungen hatte, ist zur Zeit Generaldirektor einer großen Londoner Bank. Als die verstorbene Zarin-Mutter sich in Geld- Dänwnen dsr Zeit. Roman von Arthur Brausewetter. 28. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Sieh, sieh," erwiderte sie und blinzelte mich mit einem halb nachdenklichen, halb neckischen Blick an. „dann habe ich Sie doch nicht so unrecht eingeschäht. 3a, man muh vor 3hnen auf der Hut sein ... ich habe es mir manches Mal gesagt. Aber daß Sie bei uns so lange ausgehalten haben! 3ch glaubte, Sie nach der Rückkehr von unserer Winterreise nicht mehr hier vorzufinden. Sie haben mich durch 3hr Aushalten bei uns in Verwunderung gesetzt." . „Das kam vielleicht von meiner Liebe zur ländlichen Arbeit, die ich stets jeder anderen vorgezogen habe." „Aber diese trostlosen 3ahre —" „Da muß man wohl erst recht aushalten. Schließlich bin ich doch Soldat gewesen." Run hatte ich doch die Arbeit abbrechen lassen müssen. Halb beladen stuckerten die letzten Wagen dem Hofe entgegen. Sie bot mir einen Platz in ihrem Einspänner. 3n scharfem Trabe fuhren wir durch den strömenden Regen. Keiner sprach ein Wort. Aber als wir dicht an die Einfahrt gelangt waren, wandte sie sich mit einer schnellen Bewegung zu mir: „3ch habe 3hnen noch etwas mitzuteilen. Sie sollen es zuerst wissen. 3ch habe mich gestern mit Herrn von Dornin verlobt. Leben Sie wohl." 3mmer noch hallen mir ihre Worte durch die Ohren, immer noch höre ich ihr „Leben Sie wohl." Was.wollte sie damit sagen? Daß sie wiederum aus dem Hause gehen würde? Oder daß sie annahm, daß ich meine Stellung bei ihrem Vater aufgeben würde? Oder — etwas anderes? Daß sie einen Strich machen wollte unter alles, was je zwischen uns gewesen, so wenig es auch war? Oder war es gar nicht so wenig? 3ch weih es wirklich nicht. Mein Kopf ist mir so schwer, meine Gedanken wandern immer ab, kommen immer auf das eine und selbe zurück. Lind nur das eine weiß ich: daß eine Darbara Hollwede nie einen anderen als einen mit der ausgesprochenen Herrennatur heiraten würde. Ich aber war im letzten Grunde der Angestellte ihres Vaters und blieb es ihr. Oder war es doch nicht so? Sollte die Rot ihres Vaters ...? 3ch wurde in diesem Hin und Wider unterbrochen. Der Diener erschien und bat mich zu Herrn Hollwede, der mich zu sprechen wünschte. nöten befand, fetzte er ihr aus eigenen Mitteln eine Rente aus. Wäre ein Zarenvermögen tatsächlich vorhanden gewesen, hätte Dark es am besten verstanden, den Erben zu ihren Rechten zu verhelfen. 3m kommenden amerikanischen Prozeß kann es sich also nur um die erwähnten Gelder der Devisenkommission handeln. Die De- Ich fand ihn, eine Zigarette rauchend, behaglich in einem Klubsessel ausgestreckt. Aber auf seinem gebräunten Gesicht lagen Schatten, die alle seine Kunst mcht zu scheuchen vermochte, und seine Sprache strebte vergeblich den gewohnten sorglich leichten Klang an. „3ch habe Sie heute noch nicht sprechen können," begann er, „weil ich den Besuch eines Grohkaufmanns hier hatte, mit dem ich wichtige geschäftliche Dinge zu verhandeln hatte. Lind damit ich es gleich sage: Ich habe Tannenwalde verkauft." Er bemerkte mein Erschrecken, ließ mich aber, wie er es in solchen Fällen immer tat, nicht zu Worte kommen, sondern fuhr schneller und ohne jede Llnterbrechung fort: „Gewiß, Sie sind erstaunt. Sie werden einwenden, daß es heute ein eigen Ding ist, einen so schönen Desih zu veräußern, daß es im Widerspruch zu meinen Grundsätzen steht. 3ch verstehe das, habe mir Aehnlichcs selber gesagt. Aber man wird älter ... meine Tochter wird über kurz oder lang doch heiraten ... da wird mir Tannenwalde für mich und meine Frau zu groß. Ein kleineres ertragreiches Gut ... das wäre das Richtigste." Er zündete sich eine Zigarette nach der andern an, rauchte sie in hastigen Zügen, was er nur tat, wenn er stark nervös war, sprach unverdrossen weiter von seinen Plänen, seiner Zukunft, dem außerordentlichen Geschäfte, das er trotz aller Geldentwertung mit diesem Verkauf gemacht, zuletzt auch von mir: daß ja nun leider unser Zusammenarbeiten ein Ende hätte, daß es immerhin möglich wäre, daß der neue Desitzer... zwar wüßte er nicht, ob er überhaupt seinen dauernden Wohnsitz hier nehmen würde ... jedenfalls wollte er sich erkundigen und ein gutes Wort für mich einlegen ... Aur das eine sagte er nicht: Daß er neue, unheilbare Fehlschläge in einer gewagten Spekulation gemacht, und daß der Verkauf Tannenwaldes seine letzte verzweifelte Rettung gewesen. Armer Herr Hollwede 1 Armes Tannenwalde — I Wie nannte es doch vorhin die schöne Darbara? Ach ja ... „die Rache des Landes!" So sagte sie Hier brechen die Aufzeichnungen ab. Als Klaus Körber am Tage nach jener Llnter- redung Herrn Hollwede sein Ausscheiden aus der Tannenwälder Wirtschaft angezeigt, kam ihm der Gedanke, nach Derlin zu fliegen. Wenn er des Morgens in der Frühe in Königsberg startete, so konnte er schon des Mittags in Derlin sein. 3a, so wollte er es machen ... und zwar unverzüglich. Drittes Duch. Ein schwerschwüler, gewittcrgeladener Morgen brütete über dem Devauer Flugplatz, als Klaus träge harren der rechtmäßigen russischen Regierung, mit der Amerika und England über die Abrechnung und Zurückzahlung des Devisenabkommens verhandeln wollen. Daß alle An- sprüche der prozessierenden Privatpersonen abgewiesen werden, kann kaum einem Zweifel unterliegen. Körber mit dem Auto von Königsberg eintraf. Drei Flugzeuge, zwei Eindecker und ein stattlicher Zweidecker des Deutschen Aero Lloyd, lagen zum Start bereit. Das eine sollte nach Memel, ein zweites nach Moskau und ein drittes über Danzig nach Derlin und München fliegen. Aber der Start verzögerte sich. Man wollte erst die Entwicklung des Wetters abwarten. Da klärte sich der Himmel auf, die Witterungsberichte lauteten günstig, der Flug konnte beginnen. Man warf die Propeller an, einen nach dem andern, manchmal auch mehrere zugleich, und sie sausten und brausten, daß der von ihrem Riesenatem erschütterte Rasen in eine heftige Wellenbewegung geriet und wie in toller Angst davonzuwirbeln schien. Aber sie kümmerten sich nicht darum. Ohrenbetäubend war ihr Lärm und doch von eigener, wilder Melodie. Schon setzte sich der erste der Riesenvogel in Bewegung, lief, hüpfte, sprang in rasender Geschwindigkeit über die weite Fläche dahin, wandte sich, hob die Flügel, stieg hoch in die Lüfte, verschwand in dunstigen Fernen. 3etzt war Klaus an der Reihe. Mit einer fast fieberhaften Spannung, denn er flog zum ersten Male, sah er allem zu: wie man die kleine Aufstiegleiter hinunterließ, das Gepäck verstaute, der Pilot sich die Haube aufsetzte, die Handschuhe anzog — dann saß er mit drei anderen Fahrgästen, einem jungen Paar, das wohl seine Hochzeitsreise in die Lüfte antrat, und einem sehr nüchtern und prosaisch dreinschauenden Warschauer Kaufmann in dem weichfedernden Sessel. Hoch hoben sich die gewaltigen Tragdecks, trugen ihn in die Lüfte. Hier und da zuckte noch ein Blitz durch die schwefelgelbe Wolkenwand, greifbar wie in nächster Rähe. Dann teilten sich die Wolken, wichen, schwanden — hell leuchtete und lachte ein seidenblauer Himmel. Die 3ungvermählten drückten sich die Hand und küßten sich im Geiste. Der Warschauer Kaufmann rechnete und überlegte, welche Geschäftsgänge er den Rachmittag in Berlin noch machen könnte. Er aber dachte nichts, wollte nichts, gab sich ganz dem wundervollen Gefühle hin, so, aller Erdenschwere enthoben, hoch in den Lüften zu schweben, den balsamischen Duft der Höhe und der Freiheit zu trinken. Bald ließ er den Blick unter sich, bald in die Weite schweifen. Das Vergangene wurde lebendig, halb war es Wirklichkeit, halb mit den leichten weihen Wvlkenschleiern dahinfliehender Traum. Als ginge es ganz langsam vorwärts, ja als stünde er fest in der Luft, mit so ruhiger Sicherheit bewegte sich der Fokker, stieg bis fünf» gen nicht in dem Betrieb auf der eingleisigen Streck^ sondern auf der zweigleisigen Strecke Frankfurt- Hauptbahnhof—Frankfurt-West ihre Ursache hätten, daß also der zweigleisige Ausbau der Strecke Frank- flirt a. M.—Rödelheim—Cronberg eine Gewähr nicht bietet, ganz abgesehen davon, daß Mittel für den zweigleisigen Ausbau nicht zur Verfügung ständen. Der immer dringend geltend gemachte Wunsch nach einem verbilligten Vororttarif im Personenverkehr für die Städte des Rhein-TNain-Gebietes, wie er in Berlin und Hamburg seit langer Zeit be- steht und erst seit kurzem durch Einführung von Fahrscheinheften versuchsweise in Bremen, Breslau und Stuttgart zugelassen worden sei, wurde damit begründet, daß wohl der Versuch in den letztgenannten vier Städten abgeschlossen und auch befriedigend ausgefallen sein müsse, sonst sei er wohl abgebrochen worden, und der gegenwärtige Zustand sei ein Tarifvorrecht für einzelne Großstädte zum..Nachteil anderer. Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. erklärte, daß das Ergebnis des Versuchs, wie es nach der verhältnismäßig kurzen Zeit sich darstelle, als günstig nicht gerade bezeichnet werden könne. Sie sei auch bereit, dahin zu wirken, daß, wenn ein endgültiges Ergebnis in dieser Richtung fcststehc, der Versuch abgebrochen und nicht einzelnen Großstädten, nur weil sie Dersuchsstädte waren, ein Tarifoorrecht zugestanden werde. Oberheffen. Synagogeri-Hunderijahrfeier in Treis. gm. Treis a. d. Lumda, 11. Sept. Am 14. und 15. d. M. feiert die hiesige israelitische Religionsgemeinde das 10 0- jährrge Bestehen ihrer Synagoge, verbunden mit der Einweihung des renovierten Gotteshauses. Aus den Akten der seinerzeit kurfürstlich-hessischen Polizeidirektion in Marburg, der Treis damals zugeteilt war, ist zu entnehmen, daß die erste Anregung zu dem Synagogenbau im Iahre 1824 gegeben worden ist. Am 18. November 1824 berichtete der Gemeindeälteste, Manus Wetzstein, der Vorfahre einer noch heute in Treis ansässigen Familie, persönlich in Marburg über die Notwendigkeit eines Synagogenbaues. Der Kreisdirektor Hille befürwortete in einem Schreiben vom 27. November 1824 an die kurfürstliche Regierung in Kassel das Gesuch: „... Das anliegende Protokoll ergibt die Notwendigkeit der Errichtung einer Synagoge... die Gemeinde hat Gelegenheit, das dazu passende Haus des dahier als Polizeisergeant angestellten Heinrich Decker für 450 Gulden anzukaufen... 418 Gulden werden durch freiwillige Subskription aufgebracht..." Die Genehmigung der Regierung traf ein, aber es dauerte immerhin noch fast fünf 3ahre, bis das alte Haus abgerissen und die Synagoge nach den Plänen des ilni- versitätsbaumeisters Coester aus Marburg errichtet wurde. Der Neubau kostete 1670 Gulden, und war für die damalige Zeit nach den noch vorhandenen Plänen eine architektonische Zierde. Zum 50. 3ubiläum, 1879, wurde das Gotteshaus renoviert. In den letzten Wochen war man wieder eifrig dabei, das Gebäude in einen würdigen Zustand zu bringen. Oie Lauterbacher moderne Kläranlage. "Lauterbach, 11. Sept. Dieser Tage wurde im Deisein des Gemeinderats die neuer- baute Kläranlage in Detrieb gesetzt. Diese ist nach dem System „Emscher Drunnen" erbaut und stellt eine nach neuzeitlichen Grundsätzen geschaffene Anlage dar. Damit ist unsere AbwäsVerklärung in großzügiger und technisch einwandfreier Weise als gelöst zu betrachten. Die von Seiten der Llnterlieger in Angersbach, Salzschlirf usw. hauptsächlich während der trocke- hundert Meter, ja weit darüber, sank und hob sich dann wieder. Weiß, gelb, grün, blau gesprenkelt, wie ein buntgewobener Teppich in immer neuer Beleuchtung und Farbentönung lagen da unten Felder und Wiesen, reihte sich, in wundervoller Symmetrie aufgebaut. Gehöft an Gehöft. Die Wälder erschienen, je nachdem der Fokker höher oder niedriger sich hielt, wie niedliche Buschpflanzungen oder wie weich sich schmiegende Mooshügel. Dazwischen zogen sich perlmutterschimmernde Streifen Wassers. Flüsse oder kleiner Seen und Teiche. Lieber die Gipfel der dunklen Bäume aber glitt der Schatten des Fokkers dahin, wie eine große Taube. Lind alles, was man da unter sich sah, war wie aus dem Spielkasten eines Knaben aufgebaut. 3e länger er flog, um so mehr lichtete sich das Dunkel in Klaus' Seele, um so freier atmete er. um um so mutiger sah er den neuen Llfern entgegen, an die dieser Flug ihn tragen sollte. Das ganze Leben erschien ihm wie ein Spiel, das ein Kind ersonnen und das gar mcht verdiente. so ernst und tragisch genommen zu werden. Llnd in all das leuchtete von oben aus Himmelsbläue und rastlos wandernden Wolken ein stiller Fingerzeig der Ewigkeit hinein und wies in andere Welten. Das Haff war erreicht. An grünenden Llfern duckten sich die Häuser von Pillau. 3m silbernen Geträufel seiner Wogen, von wallenden, webenden Spihenschleicrn leise hin und her bewegt, breitete sich das Meer. Wie zwei spitze Zungen leckten die beiden Molen in die Llnendlichkeit der Fluten. Lind wieder flog da unten die Taube. Diesmal wie der Geist Gottes, der über den Wassern schwebt. Fort ging es in majestätischem Fluge zwischen Haff und Meer, Weichseldurchstich und Aickelswalde wurden überquert. Die Türme von Weichselmünde und Neufahrwasser tauchten auf, schwanden. Flächen weitete nsich, bewaldete Hügel winkten, verloren sich in kühle Dämmerung. Ein alter Bekannter hob das truhige Haupt, ließ seltsame Empfindungen in Klaus' Seele wachwerden, St. Marien. Mit ihren Türmen und Spitzen wuchs die alte Hansestadt Danzig aus dem Dunste empor. Ein kurzer Aufenthalt auf dem Langfuhrer Flugplatz. Dann hob der Fokker aufs neue die Flügel. Wenige Stunden später blinkte und gleißte im Nachmittagsgolde die Siegessäule von Berlin. Das Wetter war nicht von Bestand. Ein unwirscher Regen empfing Klaust als er sich in das unweit vom Bahnhof Friedrichstraße gelegene, nicht große, aber still vornehme Hotel Ellermann begab, an dessen 3nhaber, einen Iugendfreund, ihn Willfried von Oertzen mit warmen Worten gewiesen. (Fortsetzung folgt.) SnMgung des Lmdeseiserrbahnrats. WEN. Frankfurt a. M.. 11. Sept. Heute fand die diesjährige Herbsttagung des Landes- e i s e n b a h n r a t e s für die Reichsbahndirektionsbezirke Frankfurt (M.), Kassel und Mainz in Frankfurt (M.) statt. Reichsbahndirektionspräsident Dr. Roser von Frankfurt (Main) eröffnete die Versammlung und begann nach statutenmäßigen Feststellungen die sachlichen Verhandlungen mit Ausführungen über das Ergebnis der Beschlüsse und Anregungen der vorherigen Sitzung. Er erwähnte, daß die Prüfung des Antrags auf Freigabe der in Frankfurt (M ain) in die l)-Züge einzustellenden Schlafwagen zu einem Ergebnis im Sinne des Antrags nicht habe führen können. Die betrieblichen Gründe, die der Freigabe der Schlafwagen vor Einstellung in die Züge widersprechen, seien nach wie vor gegeben und könnten auch nicht durch eine besondere private Versicherung der die Wagen betretenden Schlafwagengäste ausgeräumt werden, ganz abgesehen davon, daß Verhandlungen mit Versicherungsgesellschaften ergeben hätten, daß eine Grundlage für die Höhe des Versicherungsbetrages kaum zu ermitteln sei. Dem Antrag, den von Norden nach Süden verkehrenden Feriensonderzügen in Darmstadt einen Halt zu geben, habe die Fe- riensonderzugkonferenz 1929 in Baden-Baden mangels Bedürfnisses nicht entsprochen. Der Tagung war erstmals eine Sitzung des Ständigen Ausschusses zur Verhandlung verschiedener Anträge vorausgegangen. Veranlassung dazu bot vor allem der Antrag, auf dem Weg durch den Distelrasentunnel auf den bisher noch bestehenden Zuschlag von 7 km über (Ein im perfonen- wie im Güterverkehr zu verzichten. Der Vorsitzende berichtete, der Ausschuß habe auf Grund einer eingehenden Prüfung der Rechts- und Sachlage den Mehrheitsbeschluß gefaßt. daß er unter der Voraussetzung, daß eine gleichmäßige Behandlung im ganzen Reichsbahngebiet sichergestellt werde, dem Antrag nicht zu- stimm'en könne und der Ansicht sei, daß der Antrag nicht weiter verfolgt werden solle. Die eingehende Aussprache im Landeseisenbahnrat ergab abweichend von der Entschließung des Ständigen Ausschusses den Antrag. die Tarife auf der Strecke durch den Distelrasen- tunnel im Nahverkehr, etwa zwischen Saffet und Frankfurt a. TU., unter Zugrundelegung der kürzesten Strecke zu berechnen. Dem Antrag wurde mit Stimmenmehrheit äuge ft i m m t. Die Reichsbahndirektion Frankfurt am Main sagte Prüfung zu. 3n dem Ständigen Ausschuß war neben einer großen Anzahl von Fahrplanwünschen auch ein seitens der Landwirtschaft gestellter Antrag behandelt worden, der darauf abzielt, im 3ntereffe einer Frachtverbilligung von Obst und Gemüse den Zubringerdienst von den Sammelsteüen nach den Eisenbahnstationen durch Lastkraftwagen der Reichsbahn zu bedienen. Es war dabei auf Versuche Bezug genommen worden, die bereits in der Reichsbahndirektion Trier angestellt werden. Die Vertreter der Reichsbahn führten aus, daß sie sich ihrer Pflicht um das Wohlergehen der Landwirtschaft bewußt seien unh die beteiligten Reichsbahndirektionen dem Antrag wohlwollend ge- genüberständen und bereit seien, ihn zu prüfen. Sie würden nach Abschluß der Trierer Versuche von sich aus darauf zurückkommen. Die Verhandlung über den im Ständigen Ausschuß behandelten Antrag auf Verbesserung des Nahverkehrs im Rhein-Main-Gebiet durch Einlegung von eilzugmähigen Triebwagens rächten ergab, daß der Antrag das größte Interesse der beteiligten Verwaltungen erwecke, andererseits aber finanzielle und betriebliche Schwierigkeiten entgegenstehen. Vorortverkehre seien im allgemeinen für die Reichsbahn Verlustbetriebe, wie Berlin und Hamburg beweisen. Da die Kosten eines Triebwagen-Kilometers (1,40 bis 1,60 RM.) nicht unbedeutend seien, sei es zweifelhaft, ob die Selbstkosten durch entsprechende Besetzung gedeckt würden. Der Erfahrung nach werde sich das Projekt für die Reichsbahn zu einem Verlustbetriebe gestalten. Es wäre angebracht, unter den beteiligten Städten nach Breslauer Muster etwa einen Zweck verband zu gründen, um die Reichsbahn gegen etwa entstehende Ausfälle im Garantiewege zu sichern. Die Versuche in Breslau seien durch die Frostverhältnisse des letzten Winters gehemmt worden und noch nicht abgeschlossen. Zum mindesten aber müßte auf die meist von den Städten ausgehenden Anträge auf Einrichtung von mit der Schiene konkurrierenden Kraftwagenlinien verzichtet werden. Dem Antrag auf Einführung eines 20-Minuten- verkehrs zwischen Frankfurt(M.) Hauptbahnhof und Frankfurt-Höchst ist schon im Ständigen Ausschuß entgegen gehabten worden, daß, wie schon früher im Landeseisenbahnrat betont, er aus betrieblichen und verkehrlichen Gründen nicht möglich sei. Dem lediglich im Landeseisenbahnrat behandelten Antrag, auf der in das Eigentum des Reiches übergegangenen Ohrntalbahn-Strecke Kirchhain (Bezirk Kassel) — Nieder-Ofleiden durchzutarifieren, konnte eine Aussicht auf Erfolg nicht gestellt werden. Diese Bahn ist Kleinbahn, und auch nach dem Uebergang auf das Reich und mit Zustimmung des Reichsverkehrsministers nicht als eine Bahn des allgemeinen Verkehrs anerkannt worden. Die an der Bahn selbst gelegenen Werke seien an sich tarifarifd) nicht ungünstiger gestellt, als die an der Reichsbahn gelegenen Werke, weil die Tarife der Ohmtalbahn denen der Reichsbahn entsprechen. Dem Nachteil der doppelten Abfertigungsgebühr fei durch verschiedene, mir für die Kleinbahn geschaffene Ausnahmetarife für Steine, Holz und Milch begegnet. Der Antragsteller erklärte sich mit den Erklärungen der Reichsbahn befriedigt. Dem bereits wiederholten Antrag des zweigleisigen Ausbaues der Teilstrecke Frankfurk a. M.-Rödelheim—(Kronberg wurde die in früherer Sitzung gemachte Ausführung entgegengehalten, daß die in der Verbindung Frankfurt a. M.—Cronlerg entstehenden Verfpätun- u. 5 schüler Dolkssc etorff für tai Leichr stufe (?- einem 5 aus je । bei bet ferner l gefötitf SaÜtou (19 bis llebunf nehrner Punkt; hervor mel : den), Linden 4. mit Lohn- Linden. Linden) Friede/ Willi © Erwin C 70 P. ' 69 P. ilnterfti vvlkstiu onS W ballwei Lauf (1 in der . Ml, b ersten Lang je 55 S (et, 4. 53 P. E 49 Y. q Sei uni Dilhedn 9- mit 4 Ludwin Lehrers allen U ton daniensv lügung ( ' All rcn sind wissig vc^ucht u irccfn-1 verstZ ist. Ängrif! ftcliun? Llonat' 2ruim Mrg' genden Klaras gung J ertrag' (jnw. Sie B ron gesert'9 Kulturl (Taura trurbcn ülche - Dieses land, rollten tätig r V gefüllt men toi bis M den '3b' einige echloinn eine eil unb Gr gorene kann y und ®< Die von st eine 5' waten teilet mit ctl einlage denstell der, S nots (f ta H, Later ginne ni /'lisflug .M fein j l'nb ausv Heinbc. ’ ystöQrts' ' ist,' m 15,’c ^tcr Tl Är '"ei nb Ueorbne, ÖQ3 neu noch in feerief ' eiten b, lafe Ä' hr k,S ch 6,11 $ iren Sommermonate, wo die Lauter fast ausgc- trocknet war, erhobenen Klagen werden nunmehr verstummen, da das Hebel gründlich beseitigt ist. Die Arbeiten wurden am 1. Mai b. 3. in Angriff genommen und haben bis zur Fertig. Heilung bei recht flottem Arbeitstempo vier Monate gedauert. Die Bezeichnung „Emscher Brunnen" ist nach dem Flüßchen Emscher im Ruhrgebiet benannt. Die dort im Umkreis liegenden Städte wurden vor Jahren gezwungen, Kläranlagen zu bauen, nachdem die Verunreinigung der Flüsse (insbesondere der Emscher) un- erträglich geworden war. Der Erfinder dieser Emscher Brunnen ist der Spezialist für Städteentwässerung, Dr.-Jng. K. Jmmhoss (Essen). Die Pläne für die Lauterbacher Kläranlage sind von Dr.-Jng. W. Breitung in Wiesbaden gefertigt. Die Bauleitung lag in Händen des Kulturbauamtes Gießen, Rebenstelle Lauterbach (Baurat Steinbrecher). Im vorigen Jahre wurden in Bad-Aauheim und Butzbach ebensolche Anlagen erbaut und in Betrieb genommen. Dieses System ist das zur Zeit beste in Deutschland. Die Vergärung des Schlammes findet vollkommen unter Wasser statt und geht selbst- tätig vor sich. Zu diesem Zweck mußte die Anlage vor der Inbetriebnahme voll mit Wasser gefüllt werden, welches aus der Lauter entnommen wurde. Zur Einarbeitung der Anlage, d h. bis zur vollständigen Vergärung der anfallen- den Aöfallstoffe und bis zur Geruchlosigkeit sind einige Monate erforderlich. Der anfallende Schlamm wird jährlich zwei- bis dreimal durch eine eingebaute Schlammsaugleitung ausgepumpt und auf Trockenplätzen gelagert. Dieser vergorene Schlamm ist vollkommen geruchlos und kann zu Düngungszwecken in der Landwirtschaft und Gärtnereien Verwendung finden. Die ausgehobene Baugrube hatte eine Länge von 14 Meter, eine Breite von 9 Meter und eine Ti-se von rund 11 Meter. An Erdbewegung waren etwa 1300 Kubikmeter erforderlich. Verarbeitet wurden rund 220 Kubikmeter Eisenbeton mit etwa 14 000 bis 15 000 Kilogramm Eiseneinlagen. Die Arbeiten selbst wurden in zufriedenstellender Weise von der Firma H. Schneider, Heuchelheim bei Gießen, ausgeführt. Landkreis Gieren. u. Klein-Linden, 11. Sept. Die Volksschüler von Allendorf (Lahn) und die hiesigen Volksschüler trafen sich gestern auf dem hiesigen Svortplah zum Austrag der von dem Landesamt für das Bildungswesen für Hessen angeordneten Deichsjugendwettkämpfe. In der Oberstufe (7. und 8. Schuljahr) traten 23 Knaben zu einem Fünfkampf an. Dieser setzte sich zusammen aus je einer Pflichtübung am Darren und Deck, bei der je 20 Punkte erreicht werden konnten, ferner waren an volkstümlichen Hebungen vorgeschrieben: Weitsprung 2,20 bis 4,20 Meter, Ballwurf 28 bis 58 Meter, und 100-Meter-Lauf (19 bis 15 Sekunden). Für die volkstümlichen Hebungen wurden Heberpunkte gewährt. ^Teilnehmer erreichten die zu einem Siege nötige Punktzahl von 67 Punkten. Als Sieger gingen hervor: 1. Pr. mit je 88 Punkten: Ernst Schimmel und Heinrich Reu schling (Klcin-Lin- den), 2. mit 82 P. Karl Wagner (Klein- Linden), 3. mit 79 P. Emil Luh (Klein-Linden, 4. mit je 75 P. Wilhelm Volk (Allendorf a. d. Lahn) und Wilhelm S t e i n m ü l l e r (Klein- Linden), 5. mit 74 P. Hans Volk II. (Klein- Linden), 6. mit je 73 P. Dudolf Jung und Friedel Jung (Klein-Linden), 7. mit 72 P. Willi Gärtner (Klein-Linden), 8. mit 71 P. Erwin Weber (Allendorf a. d. Lahn), 9. mit 70 P. Wilhelm Zörb (.Klein-Linden), 10. mit 69 P. Fritz Weller (Klein-Linden). In der Hnterstufe (6. Schuljahr abwärts) wurde ein volkstümlicher Dreilanrps ausgetragen, bestehend aus Weitsprung (1,70 bis 3,70 Meter). Schlagballweitwurf (20 bis 50 Meter) und 75-Meter- Lauf (15V.-, bis lV/5 Sek.). Von 35 Schülern, die in der Hnterstufe turnten, erreichten 24 die Punktzahl, die zu einem Siege berechtigte. Die zehn ersten Sieger sind: 1. Pr. mit 62 P. Walter Lang, 2. mit 56 P. Albert Jung. 3. mit je 55 P. Wilhelm Weigel und Gottlieb Müller. 4. mit 53 P. Ernst Weigel, 5. mit je 50 P. Eberhard Kopp und Erich Jung. 6. mit 49 P. Ewald Volk. 7. mit 48 P. Erich Weigel und Hermann Stein. 8. mit je 47 P. Wilhelm Wagner und Wilhelm Kissel, 9. mit 46 P. Rudolf Franke. 10. mit 45 P. Ludwig Glaum (sämtlich von Klein-Linden). Lehrer Keil, als derzeitiger Schulleiter, dankte allen Milwirkenden, insbesondere den Mitgliedern des Turnvereins Klein-Linden, die sich in dankenswerter Weise als Kampfrichter zur Verfügung gestellt hatten. * Allendorf a. d. Lda., 12. Sept. Seit Jahren findet hier Anfang September ein Volks- miffionsfsst statt, das von der Umgegend gut besucht wird. Dieses Jahr ist damit das Jahres- f e ft der Inneren Mission des Dekanats Gießen verbunden. Die beiden Festredner sind schon gut bekannt. Ver vor allem den alten Vater Naumann wieder einmal hören will, versäume nicht, bei dem schönen Wetter zu uns einen Ausflug zu machen. Der Bersröder Posauncnchor hat sein Kommen ebenfalls zugesagt. Nach der Feier sind auswärtige Freunde Gäste in unserer Gemeinde. Wir hoffen hier auf guten Besuch von auswärts, weit über das Lumdatal hinaus. Das Fest ist, wie in der heutigen Anzeige zu ersehen, am 15. September, nachmittags 2 Uhr, bei gutem Wcller vor der Kirche. Grünberg, 11. Sept. Zur jüngsten Ge - meinderatssihung unter Vorsitz von Beigeordneter Keller waren neun Gemeinderäte erschienen. Die T h e o - K o ch st r a ß e, an der das neue Finanzamtsgebäude errichtet wurde, das noch in diesem Monat bezogen werden soll, soll hergerichtet werden. Es wird beschlossen, die Arbeiten durch das Hochbauamt Gießen ausschreiben aii lassen. Der Bürgersteig soll zunächst, da regen Erdauffüllung noch Senkungen zu befürchten sind, nur provisorisch mit Kohlenschlacken hergerichtet werden, dem später ein fester Belag folgen soll. Es sollen aber jetzt schon Bordsteine verwendet werden. Eine Heberdeckung des Bürgersteiges mit Basaltgrus soll nicht geschehen. — Die Gall mar ktskommission hat den Plan, zur Ausschmückung des Marktplatzes auf der Käswiese, als auch innerhalb der Hauptstraßen der Stadt Wimpeln anzuschaffen und hat auch durch eine Sammlung, sowie Spenden von auswärtigen Grünbergern die nötigen Mittel hierzu bereit. Sie richtet nun an die Stadt die Bitte, ihr die benötigten Fichtenstangen zu Fahnenmasten zu überlassen. Der Gemeinderat, der alle Bemühungen zur Hebung des Gall- marktes freudig begrüßt und gerne unterstützen will, genehmigt einstimmig das Gesuch. — Zu dem Beschluß des Gemeinderats vom 25. September 1928 über die Kanalbenuhnngs- gebühren, die 30 Prozent von vier Zielen des Wassergeldes betragen sollen, hat der Minister des Innern seine Zustimmung nicht gegeben. Er ersucht, noch andere Grundlagen als das Wassergeld für die Gebührenfestsehung heranzuziehen. Dabei wurde auf die Ortssatzung von Butzbach hingewiesen: die Sache wird daher zurückgestellt, um die dortige Ortssatzung zu beschaffen, bzw. auch noch solche von anderen Orten einzuholen. — Bezüglich des neuen Bauplanes f ü r das Heegviertel stand seither noch die Entscheidung über die Diebsturmstraße. westlich der Bismarckstraße, aus. Der Gemeinderat entschied sich mit allen gegen eine Stimme für die Aufhebung dieser Straße, es soll nur eine Offenhaltung derselben vorgesehen werden. s. Trais-Horloff, 11.Sept. Die Einführung der nächstjährigen Konfirmanden unseres Kirchspiels in den Konsirman- denunterricht fand in einem besonderen Gottesdienst statt, zu welchem die Eltern und Verwandten der Kinder sowie die Gemeindemitglieder zahlreich erschienen waren. Pfarrer Weber richtete ernste Mnhnworte an Eltern und Kinder. Die Zahl der Konfirmenden, die in den Kriegsjahren 1915 und 1919 geboren sind, ist auch in diesem Jahr wieder klein und beträgt in allen drei Gemeinden zusammen 23. In Trais-Horloff sind es 4 Knaben und 4 Mädchen, in den Filialen Inheiden 3 Knaben und 7 Mädchen, Htphe 3 Knaben und 2 Mädchen. Kreis Schotten. „T Schotten, 11. Sept. Die Kulturfilmstelle beim hiesigen Kreisschulamt bringt nach den Herbstferien in den Schulen des Kreises den ersten Teil des Films „Nibelungen" zur Vorführung. Für unsere Jugend, der dieses Volksepos, wenigstens seinem Inhalt nach, bekannt ist, dürfte der Film eine wertvolle Auffrischung und Vertiefung des Stoffes bedeuten. — Die Stadt ist dazu übergegangen, die Wochenmärkte wieder aufleben zu lassen. Sie werden an jedem Freitag, vormittags, am Rat- Die Heeresfachsthule für Landwirtschaft Von Or. Chälons, Gießen. Unter dem Zwange des Versailler Friedensdiktates mußte die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland obgeschafft und durch zwölfjährige Dienstzeit ersetzt werden. Junge Leute, die im Alter von etwa 18 bis 20 Jahren in das Heer oder die Marine eintreten, sind dann bei ihrem Ausscheiden aus der Truppe 30 bis 32 Jahre alt. Es versteht sich von selbst, daß in irgendeiner Form der Uebertritt in das Zivilleben für diese Leute erleichtert werden muß. In Vorkriegszeiten war es nur der Stand der Unteroffiziere, welcher 12 und mehr Jahre in der Truppe diente. Es war damals ein Leichtes, die abgehenden Unteroffiziere mit einer gewissen Vorbildung in die mittlere Beamtenlaufbahn überzuführen. An Disziplin und Pünktlichkeit gewöhnt, bildeten sie einen festen Grundstein im Gebäude des deutschen Reiches, Heute ist die Frage der Ueberführung in Zivilberufe infolge der großen Zahl der in regelmäßigen Zeiträumen Ausschei- denden wesentlich schwerer und ferner auch infolge des Ueberangebots an Arbeitskräften in allen Berufszweigen. Schließlich bestand in früheren Zeiten wohl in allen Volkskreisen eine Neigung dazu, ehemalige, zur Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit erzogene Soldaten einzustellen, während dies heutzutage nicht mehr in gleichem Maße der Fall ist, sondern oft andere Eigenschaften in Zioilstellungen höher bewertet werden. Es ist deshalb nicht möglich, alle ausscheidenden Hcerescmgehörigen als' Staats- oder Kommunalbeamte unterzubringen. Zu freien Berufen müssen ebenfalls Leute übergehen. Gemäß dem gesteigerten Angebot an Arbeitskräften sind in der Jetztzeit die Anforderungen an Vorbildung und Berufsausbildung stark erhöht, so daß dem Soldaten des Reichsheeres und der Reichsmarine schon während seiner Dienstzeit Gelegenheit gegeben wird, sich zu einem Berufe vorzubilden. Derjenige, der sich, abgesehen von der eigentlichen Beamtentätigkeit, einem rein kaufmännischen Zweige zuwenden will, nimmt bei der Truppe die Ausbildungsmöglichkeit in der Heeresfach- schule für Verwaltung und Wirtschaft in Anspruch. Will jemand ein Handwerk, einen technischen oder sonstigen rein gewerblichen Beruf ergreifen, so steht ihm die Heeresfachschule für Technik und Gewerbe zur Verfügung. Solche, die in der Landwirtschaft unternommen wollen, besuchen die Heeresfachschule für Landwirtschaft. Der erstgenannte Ausbü- dungszweig war im alten Heere bereits bekannt. Die beiden anderen sind neu gefebaffen, als die Kriegswirtschaft allmählich von bet Friedenswirtschaft abgelöst wurde. Es ist erklärlich, daß die große Masse der Soldaten sich zunächst zur Beamtenlaufbahn drängte. Der Grund dafür liegt einmal darin, daß man glaubt, als Beamter die gesicherteste Existenz zu haben, besonders wegen der Beamten- penfion; weiter zieht dieser Berufszweig mehr, weil er von vielen als „feiner" angesehen wird als ein Handwerker, Kaufmann oder Landwirt. Schließlich liegt es im augenblicklichen Zug der Zeit, daß man vielfach glaubt, in den letztgenannten Berufszweigen sehr viel mehr arbeiten zu müssen. Wer aber nicht mit Scheuklappen, sondern mit offenen Augen durchs Leben geht, merkt sehr bald, daß es heute mehr oder weniger jedem Deutschen kümmerlich geht. Die durchaus unsichere Lage des Reiches überträgt sieh nicht nur auf den Beamtenstand, sondern auf jegliche Existenz in der Wirtschaft. Und so kommt es, daß Soldaten sich auch zu freien Berufen entschließen, denn hier kann man sich immerhin, sofern man etwas leistet, eher über das kümmerliche Niveau hinausheben. Selbst die sonst so oft mißachtete Landwirtschaft wird erstrebt. Daß ein praktischer Landwirt seinen 18jährigen Sohn erst einmal ins Heer schickt, damit dieser neben der Erlernung der sonstigen gerühmten Eigenschaften seinen Gesichtskreis erweitert, ist verständlich. Ebenso verständlich ist es, daß dieser Sohn, ehe er wieder nach Hause geht, um später die Wirtschaft zu übernehmen, von der landwirtschaftlichen Fachausbildungsmöglichkeit im Heer Gebrauch macht. Die dem Vater während der 12 Jahre entgangene Arbeitskraft in seinem Betrieb wird wettgemacht durch die am Schlüsse der Dienstzeit zustehenden Abfindungs- gebührnisse. Wie steht es nun mit dem gleichfalls aus der Landwirtschaft stammenden Sohn, der den Betrieb aus irgendwelchen Gründen nicht übernehmen kann? Sofern er Lust und Liebe zur Scholle und zum väterlichen Berufe hat, werden ihm durch seine Dienstzeit die Wege geebnet um sich selbständig zu machen. Durch Ankauf eines Betriebes auf dem freien Markt wird das meist schwer fein, weil wirklich gute Wirtschaften nur selten verkauft werden. Dagegen ist m Gegenden mit dünnerer Bevölkerung Siedlungsmöglichkeit gegeben mit Hilfe der Abfindung und ganz billiger Darlehen, die das Reich dem Siedler hypothekarisch zur Verfügung stellt. Auf diese Weise sind bereits eine Reihe von Soldatensiedlungen entstanden, auf denen es sich zweifellos besser lebt als in manchem städtischen Beruf. Man ist eigener Herr auf eigener Scholle. Die staatlich gewährten Erleichterungen sind sehr wesentlich. Es gibt Landwirte, die von der Siedlung abraten, weil sie in der Lage sind zu beweisen, daß man bei der augenblicklichen Krise der Landwirtschaft auf seiner Scholle nicht leben und nicht sterben kann. Man hört dies aber nur auf großen Betrieben. Der kleinere Betrieb ist besser daran, besonders aber der Siedler infolge der erheblichen Steuererleichterungen. Ferner kann als feststehend angenommen werden, daß der Staat vollkommen zusammenbricht, wenn die Krise der Landwirtschaft nicht in absehbarer Zeit behoben ist. Denn es ist durch keine Derschleierungskunft oder „höhere Einsicht" wegzuleugnen, daß die Landwirtschaft das Fundament unseres Staates ist. Sollte aber doch der völlige Zusammenbruch kommen und schlimmste Zustände bei uns eintreten, so hat der Siedler seine Scholle, von der er sich mit seiner Familie ernähren kann. Das russische Volk wäre seit 1917 längst ausgeftorben, wenn es nicht zu 92 v. H. aus Landwirten bestände. Nicht nur der Beruf des praktischen Landwirts in der geschilderten Form ist für den Soldaten zu erstreben und erreichen. Die moderne Landwirtschaft ist vielseitig und braucht auch andere vorgebildete Kräfte. Es gibt landwirtschaftliche Heeresfcichschüler, die das Schlofserhandwerk erlernt haben. Sie find vornehmlich dazu berufen, Motorpflugführer zu werden. Ein zuverlässiger, guter Motorpflugführer ist heute auf einem größeren Betriebe unentbehrlich. Der Betriebsleiter. gibt ihm daher eine entsprechende Stellung und Bezahlung. Gute Stellungen landwirtschaftlicher Beamter sind durch die landwirtschaftliche Krise selten. Dagegen können Landwirtschaftstechniker für Versuchs- und Musterbetriebe, sowie Kräfte für die landwirtschaftlichen Versuchsstationen herangebildet werden. Leute, die Kammerbeamte ober Genoffenschaftsbeamte werden wollen, werden durch Sonberlehrgänge ausgebildet. Wenn dies in großen Zügen die Berufezweige in landwirtschaftlichen Berufen sind — auch Gärtner werden in der Heeresfachschule für Landwirt- fdjaft vorgebildet — so soll noch auf die Ausbildung selbst eingegangen werden. Alle drei oben erwähnten Ausbildungszweige bedingen eine dreijährige sog. Pflichtfchule, in der die früher erworbenen Volksschulkenntnisse vertieft und erweitert werden. Mit dieser Grundlage treten die Schüler in den landwirtschaftlichen Berufszweig ein. Der Plan hierfür entspricht etwa demjenigen einer landwirtschaftlichen Schule in etwas erweiterter Form, soweit es sich um Theorie handelt. Dazu tritt eine Ausbildung in praktischen Betrieben. Die theoretische Ausbildung umfaßt drei Vierteljahrskurse, die mit einer Abschlußprüfung am Ende des dritten Vierteljahres absolviert ist. In dieser Prüfung werden vier schriftliche Klausurarbeiten in einem Zeitraum von je 4 Stunden gefordert und zwar aus dem Gebiet des Acker- und Pflanzenbaues, der allgemeinen und besonderen Tierzucht, der Betriebslehre und der landwirtschaftlichen Ehemie und Physik. In dem mündlichen Teil der Prüfung wird außer den genannten Fächern noch Obst-, Garten- und Gemüsebau sowie Volkswirtschaftslehre und Rechtskunde geprüft. Die Prüfung erfolgt vor einem Ausschuß, dem außer dem Lehrkörper Vertreter der zuständigen Landwirtschaftskammern, der genossenschaftlichen Körperschaften, der Siedlungsgesellschasien, der praktischen Landwirtschaft, der Kulturämter sowie sonstiger interessierter Institute umfaßt. Die praktische Ausbildung soll mindestens ein Jahr dauern, wovon das erste Vierteljahr vor der theoretischen Ausbildung liegt. Sie geschieht entweder auf Privatgütern ober auf staatlichen Betrieben. Da leicht ber Fall eintritt, daß die Güter die Soldaten nur als Arbeitskräfte ausnützen und ihnen nicht die Stellung von Eleven einräumen, werden auch reichseigene Heercsfach- fchulbetriebe mancherorts mit Erfolg geführt. Auch ist solchen Schülern, die siedeln wollen, die Möglichkeit gegeben, auf Betriebe in die Siedlungsgebiete wahrend der praktischen Ausbildungszeit kommandiert zu werden, damit sie mit den dortigen landwirtschaftlichen Verhältnissen vertraut werden. Leute, die Kammer-, Genoffenschaftsbeamte oder ähnliches werden wollen, erhalten nur eine dreivierteljährige Praxis. Das vierte Vierteljahr ist einem besonderen Kursus zur Erlernung von Geschäftsverkehr, Schreibmaschinenschrift, Kurzschrift, Wirtschaftsgeographie, Buchführung, Steuerkunde, Handels- und Warenkunde, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde vorbehalten. Auch dieser Kursus wird mit einer Prüfting beendet. Während die obengenannte theoretische Ausbildung 35 Wochenstunden umfaßt, werden bei letzterem Kursus nur 26 Stunden pro Woche erteilt. Da im Berufe eines praktischen Landwirts auch die Frau eine wichtige Rolle spielt und im allgemeinen erheblich zur Rentabilität oder Unrentabilität eines Bauerngutes beiträgt, so sollen auch die Soldatenfrauen Gelegenheit haben, in Anlehnung an die Ausbildung ihrer Männer für sich selbst Aneignung und Erweiterung landwirtschaftlicher Kenntnisse zu betreiben. Denn die Eignung der Frau wird bei ber Siedlungsbewerbung mit beurteilt. In den zivilen landwirtschaftlichen Schulen sind Lehrgänge für Landwirtstöchter vielfach bereits im Gange. In den landwirtschaftlichen Heeresfach- schulen ist man bis jetzt über Ansangsversuche aus Mangel an Geldmitteln noch nicht herausgekommen. Die bis jetzt abgehaltenen Lehrgänge erstreckten sich auf Viehhaltung, Garten- und Gemüsebau, Kleintierzucht, Kochen und Einmachen, Nähen, Flicken und Kinderpflege. Die Hauptschwierigkeit bei der Durchführung ber Frauenlehrgänge besteht bann, wenn in ber Ehe bereits kleine Kinder vorhanden sind, die der Pflege bedürfen. Zu den Lehrgängen können sie nicht mitgebracht werden. Es gehört Geld dazu, das in ber Jetztzeit nicht aufzubringen ist. Wird sich die Einrichtung der Heeresfachschule für. Landwirtschaft weiter gut fortentwickeln, so wird sie sich zum Nutzen des Heeres und des Einzelnen aus- ivirken, gleichzeitig auch zum Nutzen der Landwirtschaft und damit zur Erstarkung unserer produktiven Kraft und zur Erreichung ber Unabhängigkeit des Vaterlandes. hauS abgehalten. Die Einrichtung der wöchentlichen Märkte bestand bis gegen das Ende des 19. Jahrhunderts. Damals gingen sie ein, weil ihnen die Vevölkerung nur noch geringes Interesse entgegenbrachte. Jetzt muß sich zeigen, ob sich der wiedererstandene Wochenmarkt als lebensfähig erweist und als Bedürfnis empfunden wird. Kreis Alsfeld. =er. Homberg a. b. Ohm, 11. Sept. Der Auftrieb auf dem heutigen Schweinemarkt betrug 352 Stück Ferkel. Es wurden für sechs bis acht Wochen alte Ferkel 32 bis 40 Mark und für acht bis zehn Wochen alte Tiere 45 bis 50 Mark bezahlt. Da ber Hanbel im allgemeinen schleppenb war, verblieb Ueberftanb. Der nächste größere Markt ist ber sog. Kalte Markt: er finbet am 23. Oktober statt, mit ihm ist auch ein Schweinemarkt oerbunben. Rheinhessen. WSR. Dingen, 11. Sept. Wie die ..Mittel- rheinische Volkszeitung" mitteilt, hat der Papst den Dekan und Geistlichen Rat E i ch von Bingen zum Prälaten (päpstlichen Geheimkämmerer) in Ansehung seiner Verdienste als Diö- zesanpräses der katholischen Männer- und Arbeitervereine der Diözese Mainz ernannt. Ferner hat nach dem gleichen Blatt der Papst beschlossen. der Binger Pfarrkirche, die gleichzeitig mit dem Hildegardisfest ihr 1500jähri- ges Bestehen feiert, die Titel und Vorrechte einer Basilica minor zu übertragen. Die feierliche Erhebung der Pfarrkirche wird aller Voraussicht nach am Hildegardisfest erfolgen. Nreußen. Kreis Wetzlar. WSR. Wetzlar, 11. Sept. Die Lahn hat schon wieder ein Opfer gefordert. Gestern bemerkte im städtischen Flußbad in Wetzlar der Badewärter, als er die Zellen nach Schluß der Badezeit schließen wollte, daß an einem Haken noch Kleidungsstücke eines Mädchens hingen. Der Fluß wurde abgesucht, und man fand gegen Mitternacht außerhalb des Geländes der Badeanstalt die Leiche eines zehnjährigen Mädchens, die Tochter eines Expedienten aus Wetzlar. Das bedauernswerte Kind hatte ver- suchr, das gegenüberliegende Hfer der Lahn zu erreichen und war mitten im Fluß von einem Herzschlag betroffen worden. Q Lützellinden, 11. Sept. Aus der jüngsten Sitzung des Gemeinderates ist folgendes zu berichten: Die von dem hessischen Forstamt Schiffenberg zu Gießen aufgestellten Wirtschafts- und Kulturpläne für den in der Gemarkung Großen-Linden gelegenen Mark- wald der hiesigen Gemeinde für das Wirtschaftsjahr 1930 wurden vom Gemeinderat gut- geheitzen. — Bei derBeratungdesHaus- haltsplanes für das Rechnungsjahr 1929 hatte der Gemeinderat eine gewisse Summe für die Vornahme von Wasserschürfungen im oberen Surbachtal zwecks Gewinnung von Wasser für eine Gemeindewasserleitung zur Verfügung gestellt. Auf die durch das Bürgermeisteramt in Groß-Rechtenbach erfolgte öffentliche Ausschreibung der Arbeit waren zehn Angebote eingegangen. Der Gemeinderat beschloß die ursprünglich beabsichtigte Llbteufung von Versuchsschächten nicht auszuführen, fondern Bohrungen vornehmen zu (affen? Die Ausführung der Bohrungen wurde dem Ingenieur D e r l i ch in Wetzlar übertragen. — Für Wegebauzwecke wurden in den Haushaltsplan für das laufende Rechnungsjahr 5000 Mk. eingestellt. Der Gemeinderat beschloß, diesen Betrag restlos zum Eindecken verschiedener Straßen mit Kleinschlag zu verwenden. Cs sollen neue Kleinschlagdecken erhalten: die Hnterländer- Dorsstraße und die „Schwarze Hohl", falls die vorhandenen Mittel ausreichen, auch die „Webergasse". — Schließlich beschloß der Gemeinderat noch den Ankauf eines Simmentaler Bullen auf der am 14. Oktober in Lauterbach stattfindenden Auktion des Verbandes Mitteldeutscher Rotviehzüchter. 0 Ebersgöns, 11. Sept. Nach 16jähriger Hnterbrechung wurde am Sonntag und Montag zum ersten Male wieder das Kirchweihfest der hiesigen Gemeinde unter großer Beteiligung der Ortseinwohner gefeiert. Kreis Marburg. WSR. Marburg, 11. Sept. Bei einem Auftrieb von 150 Pferden, darunter acht Fohlen, wurde gestern auf der Bürgerwiese der diesjährige Herb st- Pferdemarkt abgehalten. Bei schwachem Handel wurden für leichte und mittlere Pferde 400 bis 700 Mk., für schwere Pferde 800 bis 1000 Mk. und darüber, für Schlachtpferde 100 und 150 Mk. und für Fohlen 150 bis 300 Mk. bezahlt. J) Fronhausen a. d. L., 11. Sept. Nach längeren Beratungen sah sich unsere Gemeinbevcr- tretung veranlaßt, eine Aenberung unserer Schulhausverhältnisse zu beschließen. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 1400 Personen und bei ungefähr 300 schulpflichtigen Kinbern reichten bie bestehenben Schulräume bei weitem nicht aus, um ben Erfordernissen zu entsprechen. Zur Zeit sind zwei Klassen in ber Schule in der Schulstraße untergebracht, bie im Jahre 1891 erbaut würbe, eine brittc Klasse befinbet sich im Rathause, bie vierte unb fünfte Klasse in Nebenzimmern einer Gastwirtschaft. Obwohl unsere Gcmeinbe burch bie Stoffen ber Felbbereinigung, bie jetzt ihrem Enbe entgegengeht, unb ber Lahnregulierung stark belastet ist, hat sie sich bennoch ber Notwendigkeit eines Schulhausneubaues nicht verschlossen. Die Kosten dieses Baues sind auf 75 000 Mark veranschlagt, wovon etwas über 21 000 Mark auf ben Rohbau entfallen. Baron Gunthram Schenck unterstützt babei in bankenswerter Weise bie Gemeinbe da- burch, baß er ihr ein Kapital zu bem Schulhausneubau gegen geringen Zinsfuß zur Verfügung gestellt hat. In bem neuen Schulhause werben vier Schulsäle eingerichtet, ferner Dampfheizung untz ein Schulbab geschaffen und im Dachgeschoß eine Wohnung für eine Lehrerin untergebracht. Gestern vormittag fand nun bie feierliche Grund st ein- l e g u n g für bas neue Schulhaus statt. Zu dieser Feier hatten sich der Gemeinberat, bie Gemeinbever- tretung, ber Schulvorstand, bie Lehrer mit ben Schülern, ber Architekt un.b Bauleiter, Ingenieur Stork zu Marburg, zugleich als Vertreter bes ßanbratsamtes, unb Einwohner eingefunben. Die Schüler ber oberen Klassen unter Leitung bes Lehrers Immel eröffneten bie Feier mit einem Gesang, barauf hielt Bürgermeister Schnabel eine Ansprache, in ber er auf ben Zweck bes neuen Schul» gebäubcs hinwies unb wünschte, baß in biefem Bau Menschen erzogen werben möchten, bie stets bereit finb, bem Wohle ber Gemeinbe unb bem deutschen Vaterlande zu dienen. Alsdann sprach unser erster Lehrer Schick, der in seinen Worten in treffender Weise auf die Aufgaben der Schule hinwies. Die Feier nahm in allen Teilen einen eindrucksvollen Verlauf. Kreis Biedenkopf. I Mornshausen, 11. Sept. In der Nacht zum Montag, gegen 24 Uhr, brach in dem Dachstuhl des W o h n h a u s e s des Schreinermeisters Heinrich Pfeiffer Feuer aus. Der Brand wurde von Gästen in einer benachbarten Wirtschaft alsbald bemerkt, die sofort unsere rrft vor einigen Monaten gegründete Freiwillige Feuerwehr alarmierten. Trotz eifriger Bemühungen dei Feuerwehrleute wurde das Wohnhaus ein Opfer der Flammen. Die Bewohner konnten sich zum Glück noch rechtzeitig in Sicherheit bringen, dagegen sind ein Teil der Wohnungseinrichtung und eine Anzahl zum Verkauf bestimmter Möbel mitoerbrannt. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch unbekannt. Anfang Januar d. I. hatte es in dem Dachstuhl des Pfeifferschen Hauses schon einmal gebrannt, jedoch konnte man damals die Flammen noch rechtzeitig löschen. 4 Hartenrod, 11. Sept. Gestern vormittag ereignete sich in der Aufbereitung der hiesigen Rhein. Fluß- und Schwerspatwerke ein schwerer Unglücksfall. Der erst löjäh- rige W. Aß mann von hier war mit dem Transportieren eines an einer Schwebeschiene hängenden, mit Schwerspat gefüllten Laufwagens beschäftigt, als beim Durchfahren einer Weiche diese sich löste und dem jugendlichen Arbeiter auf die Schädeldecke fiel. Der Schwerverletzte brach blutüberströmt besinnungslos zusammen. Ein sofort herbeigerufener Arzt stellte bei dem bedauernswerten Jungen einen schweren Schädelbruch fest und ordnete die sofortige Ueberführung in die Chirurgische Klinik zu Gießen an, wo der junge Mann in sehr bedenklichem Zustande darniederliegt. Daten für Freitag, 13. September. 1872: der Philosoph Ludwig Feuersbach auf dem Rechenberg bei Nürnberg gestorben (geboren 1804); — 1877: der Forschungsreisende Wilhelm Filchner in München geboren. wesentlich groß, denn die Unternehmungslust war bei der anhaltenden Orderlofigkeit immer noch gering. Auch der unverändert belassene Diskontsatz der Dank von England trug zur Beruhigung bei. Etwas lebhafteres Geschäft konnte sich aber später doch nur in Spezialwerten entwickeln. So traten Kaliwerke auf höhere Kalikuxe an den westdeutschen Börsen stark in den Vordergrund. Besonders Salzdetfurth waren gesucht und konnten 2 v. H. gewinnen. Aschersleben lagen 4,5 v. Sy und Westeregeln 5,5 v. H. fester. Auch für verschiedene Clektrowerte bestand einiges Interesse, Siemens erholten sich um 2 v. H. und AEG. um 1 v. H. Chade plus 1 Mk. Farben konnten, nachdem aus dem oben erwähnten Grunde größeres Interesse zu erwarten war, 2 v. Sy anziehen. Auch Glanzstoff wurden bei einem Gewinn von 5,5 v. H. umgeseht. Montanwerte waren 2 D. Sy gebessert, aber ohne besonderes Geschäft. Renten freundlicher. 2m Verlaufe war das Geschäft auch in Spezialwerten ruhiger, doch trat bei schon geringer Rachfrage eine weitere Befestigung der Tendenz ein. Besonders Kaliwerte waren erneut bis zu 2 v. H. fester. Die übrigen Märkte gewannen durchweg bis zu 1 t>. Sy Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6,5 v. Sy unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2015, gegen Pfund 20,369, London gegen Kabel 4,8472, gegen Paris 123,90, gegen Mailand 92,71, gegen Madrid 32,96 gegen Holland 12,0950. Berliner Börse. Berlin, 12. Sept. Schon im heutigen Vormittagsverkehr konnte man eine beruhigtere Stimmung in den Bureaus feststellen, die auch den Börsenbeginn beherrschte. Das Geschäft blieb aber im allgemeinen weiter gering, doch zeigte sich für einige Spezialwerte stärkeres Interesse. Die ersten Kurse zeigten bei nicht ganz einheitlicher Tendenz überwiegend geringe Besserungen gegen gestern mittag Schluß, da die Spekulation Deckungen vornahm. Eine Beruhigung bewirkten auch die feste gestrige Neuyorker Börse und das Nachlassen des dortigen Tagesgeldsatzes auf 8 v. H., auch die unveränderte Londoner Diskontrate nahm, wenn man auch kaum mit einer Erhöhung gerechnet hatte, eine gewisse Unsicherheit von der Börse. Die Berwaltungserklärung der I.-G.-Farbenindustrie über die Arbeiterentlassungen befriedigte, da gleichzeitig mitgeteilt wurde, daß der Geschäftsgang normal sei und die Umsätze die des Vorjahres übersteigen. Von anderen Momenten, die aber kaum einen Einfluß ausübten, waren noch zu erwähnen der Bericht über das im August bessere Maschinengeschäft, die Preisermäßigung für verschiedene Kupferfabrikate und der Stand der Arbeitslosigkeit. Das Hauptgeschäft hatten heute Kaliwerte, in denen man westdeutsche Käufe beobachten wollte. Das Anziehen der Kalikuxe regte weiter an, und die Kurse konnten sich um 3 bis 5 o. H. befestigen. Farben lagen unverändert. Montanwerte waren, bis auf Köln-Neuessen, etwa 1 v. H. fester. Daimler, Reichsbank, Bemberg und Hotelbetrieb waren bis 2 v. H., Polyphon 4,5 v. H. höher. Dagegen lagen Deutsche Kabel, Wiking Zement und Stöhr Kammgarn 2 bis 3 v. H. schwächer. Deutsche Anleihen uneinheitlich und eher niedriger, Ausländer gehalten. Pfandbriefmarkt ruhig und eher angeboten. Am Geldmarkt setzte sich die Erleichterung fort. Tagesgeld. stellte sich auf 8,25 bis 5,75 v. Sy, Monatsgeld 9 bis 10,25 v. H., Warenwechsel 7,60 bis 7,50 v. H. Nach den ersten Kursen wurde es, da am Kalimarkt sich neue Kursgewinne bis 5 v. H. ergaben, weiter fester und auch lebhafter, später ließ aber das Geschäft wieder nach, und die erhöhten Kurse konnten sich nicht voll behaupten. Salzdetfurth 3 v. Sy, Tietz und Reichsbank bis 2 v. H., Glanzstoff 4 v. H. über Anfang. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 12.Sept. Auftrieb: Rinder 75 Stück. Kälber 1035, Schafe 289, Schweine 579. Kälber. Beste Mast- und Saugkälber 79 bis 81, mittlere Mast- und Saugkälber 74 bis 78, geringe Kälber 66 bis 73. Schafe. Mastlämmcr und jüngere Masthämmel, Weidemast. 48 bis 53, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 40 bis 47, fleischiges Schafvieh 34 bis 39. Schwein e. Vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 88 bis 90. von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 88 bis 90, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 88 bis 90, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 84 bis 87. M a r k t v e r l a u f : Schweine anfangs rege, zum Schluß schleppend, ausverkauft. Kälber rege, ausverkauft. Schafe langsam, geringer äleberstand. SrieffofTen der Redaktion. Zwei Streitende. Sie fragen uns: „Wie hoch war heute früh der „Graf Zeppelin" und welche GeWirtschaft. Südwestbeutsche Bank A.-G., Frankfurt a.M. — 8 Mill. Mk. Verlust. Die Deutsche Waren-Treuhand A.--G., Hamburg- Berlin hat einen vorläufigen Status der Südwe st deutschen Dank A.-G. per 21. August 1929 aufgestellt; die Aufstellung einer regulären Zwischenbilanz wird noch etwa vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen. Die vorläufige Dilauz weist (bei einem Aktienkapital von 1 Mill. Mark) einen Passivsaldo von 8,003 Mill. Mark aus. Die finanzielle Situation liegt bei dem Institut also noch ungünstiger, als man zunächst vielfach angenommen hatte. Unter den Aktiven (in Mill. Mark) sind flüssige Mittel mit 0,481, eigene Wertpapiere mit 0,197, Beteiligungen mit 0,229, Aktivhypotheken mit 0,065 und 2mmobilien nach 50proz. Abschreibung mit 0,057 ausgewiesen. Die Schuldner in lausender Rechnung betragen nach 4.943 Abschreibungen insgesamt 11,479 Mill. Mark. Darunter befinden sich 7,429 gedeckte und 6,863 ungedeckte Debitoren, von deren Einbringung die Quote für die Gläubiger wesentlich abhängcn wird. Für zweifelhafte Engagements, Debitoren, Zinsen, Abwicklungsrosten usw. werden von den Aktiven 2,5 Mill. Mark zurückgestellt, so daß sich deren Endsumme auf 10,007 stellt. Bei den Passiven betragen ungedeckte Guthaben deutscher Danken und Dankfirmen 4,455, darunter 4,407 unter Bürgschaft der Favag, ferner Guthaben ausländischer Banken 1,210, Guthaben des Favag- Konzerns aus der Südwestdeutschen Bank überlassenen und von dieser verpfändeten Wertpapieren 4,473, Guthaben von Konzernfirmen 5.861 und sonstige Gläubiger 1,264. unter letzteren 0,046 im Cinzelbctrage bis 3000 Mark und 1,109 im Einzelbetrag über 3000 Mark. Don den geleisteten Bürgschaften werden voraussichtlich 75 Proz. = 0,697 in Anspruch genommen. Schließlich erscheinen noch 0,051 sonstige Verpflichtungen, so daß sich eine Gesamtsumme der Gläubiger von 18,011 ergibt. Auf sog. »korrespondierende Konten" in Höhe von 5,862 hat man Abschreibungen von 1,815 als mutmaßlicher Verlust vorgenommen, so daß noch 4,047 verbleiben. Diese korrespondierenden Konten sind Forderungen aus Schulden, die zwar in den Büchern verzeichnet sind, bei denen aber bei normalem Geschäftsgang kein Risiko vorhanden wäre. Die im Depot der Südwestdeutschen Dank liegenden Favag-Aktien sind in der Bilanz nicht bewertet. - Die Gläubiger der Südwestdeutschen Dank werden auf den 18. September zu einer Gläubigerversammlung eingeladen. Mit der Einladung wird ein Vergleichsvorschlag für die außergerichtliche Abwicklung der Dank den Gläubigern unterbreitet, der die sofortige Liguidation der Dank und eine Abwicklung nach streng konkursrechtlichen Grundsätzen vorsieht. Es ist beabsichtigt, die kleinen Kreditoren mit Einzelforderungen im Betrage bis zu 3000 Mark voll zu befriedigen, sobald die bevorrechtigten Gläubiger sowie die Masseschulden und Massekosten bezahlt sind. Alle übrigen Gläubiger erhalten gleichmäßige Befriedigung ihrer ungedeckten Forderungen in Höhe der sich nach Beendigung der Liquidation ergebenden Quote. * * L uh-Maschinen A.-G., Darmstadt. In der gestrigen ao. G.-D. der Lutz A.-G. zu Darmstadt zur Beschlußfassung über die Auflösung der Gesellschaft war die erforderliche Dreiviertelstimmenmehrheit des gesamten A.-K. nicht vertreten. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Dankdirektor Drink (Danatbank) teilte mit, daß inzwischen ein neues Projekt zur Umstellung der Gesellschaft eingebracht worden sei, das er als erfolgversprechend ansehe, wenn auch über die Aufbringung der dazu notwendigen größeren Kapitalien noch gesprochen werden müsse. Er schlug vor, daß der Aufsichtsrat das Projekt eingehend prüfen und je nach dem Resultat eine neue G.-V. einberufen möge, entweder zur Auflösung der Gesellschaft, oder zur Vorlage eines neuen Umstellungsprogramms. Dieser Vorschlag fand einstimmige Befürwortung. Direktor Brink teilte außerdem mit, daß die Verhältnisse der Gesellschaft durchaus liquide und so gut wie keine Schulden vorhanden seien. Es wird also in etwa acht Wochen eine neue G.-D. zu erwarten sein. Ueber das Projekt selbst wurde näheres nicht mitgeteilt. * Die Verringerung der Arbeiter- zahl bei der I. G. steht, wie die Verwaltung mitteilt, im Zusammenhang mit dem Abschluß des in den letzten Jahren durchgeführten größeren Ausbauprogramms, sowie mit einer weiteren Rationalisierung der Betriebe. Der Geschäftsgang als solcher ist weiter normal. Die Gesamtumsätze im laufenden Jahre übersteigen diejenigen des Vorjahres. * Lebensversicherungs-Gesellschaft Phönix. Aus dem Rechenschaftsbericht für das Jahr 1928 geht hervor, daß neue Lebensversicherungen über ein Kapital von 329 855 482 Mark und über 345 178 Mark jährlicher Rente abgeschlossen wurden, was gegenüber dem Zugänge des Jahres 1927 eine Steigerung von 17 d. Sy bedeutet. Der Versicherungsbestand hat am 31. Dezember 1928 1 057 742 769 Mark an Kapitalversicherungen und 848 707 Mark a.. jährlichen Leibrenten umfaßt. Gegenwärtig sind Lebensversicherungen über ein Kapital von mehr als 1300 Millionen Reichsmark in Kraft. Im Jahre 1928 haben die Prämien- und Zinseneinnahmen 57 697 000 Mark betragen. An Versicherungszahlungen wurden 15 685 409 Mark geleistet; zu einem Rechtsstreit ist es auch in diesem Jahre in keinem einzigen Falle gekommen. Die Garantiemittel des Phönix haben Ende 1928 143 233 028 Mark erreicht. Der Realitätenbesitz, bestehend aus 64 Grundstücken in 10 verschiedenen Staaten, hat einen Buchwert von 26 571 318 Mark. Auch im laufenden Jahre schreitet die Entwicklung mächtig vorwärts. Bis Ende Juni 1929 war der Neuzugang von Lebensversicherungen um ein Sechstel höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. * Minimax A. - G., Berlin. Die Gesellschaft schlägt vor, wieder 10 v. H. Dividende zu verteilen. Das laufende Geschäftsjahr habe sich gut angelassen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M.. 12. Sept. Tendenz etwas freundlicher. — Schon im heutigen Dormittagsverkehr konnte man eine allgemeine Beruh i g u n g bemerken, die auf eine Erklärung von Verwaltungsseitc der I.-G.-Farben-Indu- strie zurückzuführen war, wonach die Beschäftigung befriedigend und sogar besser wie im ver- •gangenen Jahre sei. Ferner befriedigten die festere gestrige Reuyorker Börse, sowie die besseren Geldmarktverhältnisse am dortigen Platze. Die Stimmung war etwas fester, zumal die Abgaben nachgelassen haben und von Dankseite einige Stühungsköufe vorgenommen worden sein sollen. Das Geschäft war aber nicht schwindigkeit hatte er?" Leider war kein Mitglied unserer Redaktion als Fahrgast an Bord, so daß wir Ihnen zu unserem Bedauern keine Antwort geben können. Letzte Nachrichten. WeitereScrhasiungeninderZombenaffäre Hamburg, 12. Sept (WTB. Funkspruch.) 3m Zusammenhang mit den Sprengsloffanfchlägen find weitere Verhaftungen in der Provinz vorgenommen worden. So wurde heute früh in Heide der Wirt des „heider Hofes", Lothar Gengelazky, unter dem verdacht der Mittäterschaft bzw. IDitroiffer- schaft verhaftet. Er war ein intimer Freund des verhafteten 07 icke l. Die Verhaftung einer weiteren bekannten heider Persönlichkeit soll bevorstehen. 3n Itzehoe wurden gestern Haussuchungen sowohl in der Schriftleitung der national- sozialistischen „Schleswig-Hol st einischen Tageszeitung" sowie in den Wohnungen der Redakteure dieser Zeitung, ll h f e und Ehlers, vorgenommen. Beide waren nicht in Itzehoe. Sie wurden in Hamburg fe ff genommen. Ge- rüchfweife verlautet, daß auch der preußische Landtagsabgeordnete L o h s e, der auch Schriftleiter der „Schleswig-Holsteinischen Tageszeitung" und Gauleiter der Rational-fozialiftifchen Arbeiterpartei ist, in Altona verhaftet worden sei, aber gegen die Verhaftung unverzüglich Beschwerde eingelegt habe. Eine amtliche Bestätigung dieses Gerüchtes war bisher nicht zu erlangen. Sie Westfalenfahrt des Zeppelin. Duisburg, 12. Sept. (WTB. Funkspruch.) „Graf Zeppelin" erschien um 9.15 Uhr von Mülheim kommend über der Stadt Duisburg. Tausende und aber Tausende von Menschen hatten seit dem frühen Morgen Ausstellung genommen, um dem Luftschiff zuzujubeln. Mehrere Schulen hatten aus Anlaß des Zeppelinbesuches geschloffen. Das Luftschiff umflog in geringer höhe den Rathausturm und nahm dann nordöstlichen Kurs aus Oberhausen. Von dort kehrte das Luftschiff, in geringer Hölze die Kruppsche Gußstahlfabrik begrüßend, nach Essen zurück und nahm feinen Kurs auf Gelsenkirchen-Buer und Recktings- Haufen, die nordwestliche Grenze des rheinisch- westfälischen Industriegebietes, wo es um 9.48 Uhr eintraf, von dort fetzte der „Graf Zeppelin" feine Fahrt nach Rordwestdeutfchland in Richtung Münster i. ID. fort, das um 10.10 Uhr passiert wurde. In Bielefeld verkündeten um 10.35 Uhr Böllerschüsse das herannahen des Luftschiffes „Graf Zeppelin". Um 10.55 Uhr wurde Herford erreicht. Um 11.10 Uhr erschien das Luftschiff über Bad Oeynhausen. Unter dem Geläut der Kirchenglocken überflog 11.11 Uhr „Graf Zeppelin" von der Porta Westfalica kommend Minden und erreichte 11.15 Uhr Bückeburg, das er in Richtung Hannover wieder verlieh. Eewinaauszug 5. Klaffe 33. Preußisch-Süddeutsche (259. Preuh.) Klaffen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose aleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 30. Ziehungstag 11. September 1929 In der heutigen Schluß-Ziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 «etoinnt zu 2000 M. und di« beUien Prämie» oon je 168274 168228 163797 226555 272236 303161 373026 170501 235557 273569 325877 397920 150000 224126 262203 302287 364403 292800 293770 295114 332826 345089 363369 500000 M. auf Nr. 127183 2 Gewinn« za 10000 M. 53808 4 Gewinn« ju 3000 M. 219534 357980 2 Gewinn« zn 2000 M. 340900 6 Gewinne zu 1000 Ni. 158919 166445 286354 64 Gewinne ju 500 M. 4623 20718 27073 38359 42629 75854 76624 83537 103785 133806 155122 158228 168274 176783 178589 221232 232816 236869 238433 269436 271412 273313 281265 303597 318798 322291 342901 345236 376728 303597 318798 322291 3.Ä 2743 »835 1 044. 36005 10240,7613». 83127.123106 1244». 13«! 130983 246832 250011 251460 In der heutigen Schlußziehung wurden die beiden Prämien oon 500U00 M. der mit je einem Gewinn oon 2txX) M. gezogenen Lose Nr. 127183 zugeschlagen. Sie kielen in Abteilung l nach Köln, in Abteilung II nach Berlin. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angesührien Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, ,Graninin a M. Berlin rtrantfurt a M. Berlin firanlfurt a Berlin Schluß-I 1-Uhr flut* Shire Schlich'1 Anfang, flnr-i | Stur-. Schiutz» ffur# 'Uhr ffnr? Schlich- Kurs Anfang. Kur; Schlub- Kurs i-Uhr flut' Schlich- Kurs' Anfang, fiur Datum 11.3. | 129. 11 9. 12.9. Datum 11.9. 12.9. 11.9. 12- 9. Datum 11.9. 12.9. 11.9. 12 9. 6% Dl. lKeid)«rtilclbe ’J. 1927 . Di. Anl.-Ablbi -Schuld mit Qlufr lof.-lHeditcit........ Teefll. offne Aurlol.-Rechte . . 7% firmiti Hyv -Bk. Goldps. un lünobar bli 1932...... 4!4% Riieiniiche Hqp.-Bank fiiqu OiolDpf . . ....... b7,4 53,25 10,15 85,5 78,25 £8,5 99,25 28,75 2,35 22,65 1,675 7,4 7,3 7,2 7.4 14,75 >10,5 124,25 201,25 175,75 269 164 151 156,5 '89 | | » , | 1 | 1 l I 1 1 1 1 1 Illi '«IlElllfSllltS'l 0 0 b7,5 53,4 10,4 2,5 .2,65 19,9 21,9 1,65 7,4 7,2 7,3 7,4 15 117,5 158,25 110,75 124,25 126 203 175,75 269,5 165 151,25 156,5 291 53,4 10,3 ',2 117,5 157,75 110,5 124 126 202,5 268,5 165 151,5 156,5 111.(5.®............e Bergmann Eleltr. Lielernngen.....10 richt und Straft......1< Helten L Guilleaume. . . . TV, Gej. f. Elettr. Untern..... 10 Hamb. Elettr. Werte .... 10 Rhein. Elettr...... . . Schief. Elettr........10 Schlickert........ . 11 Siemens & Halste ..... 16 Tranoradio......... 8 2nl)BWi)et 4 (Jo.......10 ’ÜUDCnid...... . . . 5 Deutsche Erdöl.......6 ©lener Steintohle ...... f Gelfentirchencr ....... 8 .Sarpener.........- 0 Hoe|ch Eilen........6V, Nlle Bergbau.......10 Stlödnerroerte . ...... Köln-Neuesten........7 Mannesmann........7 ManSlelder.........' Cber|1 53 58 8,7 1,5 110 222 159,5 knoten 1 । 1 2 ' । 5 । £ • i । 1 । ’ i 1 1 ' । । । 1 । । । । । । । । £ “ft - 101,_5 104 290,5 225,5 338 258 237 154 04,5 189,5 48,75 -4,25 41,5 200,5 24,25 196 52,5 59 60,13 122,5 222 159,75 202 225,5 339 238 103,75 189,6 50 54,5 41,75 202 24 86,25 197,25 122,5 nbfl. Vortriebs.Obligation, rückzahlbar 1932 4% Schwei,. Bunvet-b.-Anl.. . 4% Lesterreichifche Äoidrle.. . 4,20% Gelten. Silberrle. . . . 4% Oesterreich. eiuheiU. Rte. . 4% Ungarische (Bulette..... 4% Unoariidfe Staats«, v. 1910 4>/,% oecfll. von 1913 .... 4% Uugariiche Srcncnrte.. . . 4% Türl. ^ioiianleihe v. 1911 . 4% Turiuche Bagdadbahn-Anl. Serie 1.......... 4% beSfll. Serie 11...... 4% Rumänen eonvert. Rte. . . i*/,% Rumänen Goldaul. von 191 üllfl Deunche ihicnbngn . . 4V- iiamburfl-Slmetifa 'Batet ... 7 Hamb.-Sstdam. Dampfich. . . b ■Vanfa 2>anip||d)tff.....10 Norddeutscher Llouo.....8 -Illa Deutsche Creditanst. . . 10 Barnier Bantverein .... 10 Berliner HanvelsgeicMch. . . 12 £ cm nier$- und Privat-Bank . 11 barmst. 11. Nationalbant . . 12 Deutsche Bant......10 Tl-lontv-Geselstchast Ant.. . 10 Prcsbncr Bant......K -Relallban ..........8 ................- » *- Berlin, 11- September «Held Brief 2inieritanilche Noten..... Belgische Noten........ Tantlific Noten........ Enolische Noten........ 4,176 58,16 111.43 "0.302 4,196 58,40 111.87 "0.38? Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Berlin, 11. September Geld Bries französische Noten..... 167403 16,465 167,91 168,59 (italienische Toten...... 22,04 22,12 Norwegische Noten ...... 111,43 11,87 Deutsch Oesterr , A100 Kronen 58,99 59,23 2,47 2,49 <12,10 H2,54 Schweizer Noten....... 80,84 81.16 Spanische Noten....... 61,72 61.96 Tschechoslowakische Noten . . 12,385 12,445 Ungarische Noten . ... 73,12 <3,42 11. September 12. September Amtliche '-Notierung Amtliche Notierung Geld | Bne, (Aeld Brief «mit*'Rott. 168,20 168,54 168,21 168,55 Buen.-AireS 1,760 1,764 1,761 1,765 Brss.-Amw. 58,32 58,44 58,335 58,455 Christiania. 111,72 111,94 111,74 111,96 open Hagen 111,72 111,94 111,74 111,96 Stockholm . 112,39 112,61 112.40 112.62 HelsingsorS. Italien. . . London. . . 10,533 21,94. 10,559 21,985 10.545 21,955 10,565 21,995 20,346 20,386 20.347 20,387 Network . . 4,197 4,205 4,198 4,206 Baris.... 16,415 16,455 16,42 16,46 Schwei; .. 80,825 80,985 80,84 81,00 Spanien. . 61,88 62,00 61,89 62.03 Japan . . . 1,962 1,966 1,966 1.970 -Hio de (san- ,4965 0,4985 0,597 C.499 Wien in Ceft. abgcst. 59,08 59,20 59,09 59,21 Prag . . . 12,42 12,44 12,423 12.443 Belgrad . . । ,379 7,393 7,371 7,385 Budapest. . i 3,21 73,35 73,22 73,36 Bul: arten o,035 3,041 3,037 3,043 Lissabon . . Danzig.. . 18,76 18,80 18,77 18,81 81,30 81,46 81,32 81,43 ■flonft ntin. 2,021 2,025 2,014 2,018 Alben. . 5,425 5,435 5,425 5,435 Canada 4,172 4,180 4,171 4,179 11 ru uat) . 4,096 4,104 4,066 4,074 Cairo . > 10,866 20,908 20,865 20,905