Nr. 135 Erster Blatt 179. Jahrgang Mittwoch, 12. Juni 1929 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugsprei r für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'fche Universitäts-Buch- und Ztemdruckerel R. Lange in Stehen. 8chriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer "bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/n mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Minderheiienduell Briand—Stresemann. Adaischis Endbericht im Ratskomitee angenommen. - Gtresemanns Vertagungsantrag bleibt erfolglos. Donnerstag Minderheitendebatte im Völkerbundsrat. Madrid, 11. Juni. (WB.) Die heutige vertrauliche Sitzung des Ratskomitees war beherrscht von den in freier Rede vorgetragenen, sehr flar und ruhig formulierten Ausführungen des Reichsaußenministers Dr. Stresemann, die auf allen Seiten mit größter Aufmerksamkeit angehört wurden. Dr. Stresemann behandelte das Minderheitenproblem sowohl unter dem Gesichtspunkt des Verfahrens als auch nach der prinzipiellen Seite. 3n der Verfahrensfrage seien gewisse Verbesserungen erzielt worden, während in manchen Punkten, vor allem in bezug auf den bestehenden Ausschluß der stammesverwandten Staaten aus dem Dreier-Komitee die deutschen Vorbehalte aufrechterhalten werden müßten. Die Einsetzung eines Minderheiten- ausschufses des Völkerbundes soll nach der deutschen Auffassung nicht zu Eingriffen in die staatliche Souveränität oder zur Ausübung von Tleber- wachungs- oder Kontrollbefugnissen dienen, sondern bezwecke nur das fortlaufende Studium der Lage und der Entwicklung der Minderheitenfrage. Die Einwände und Befürchtungen gegen die Einsetzung dieses Ausschusses seien da^r nicht gerechtfertigt. Was die prinzipielle Seite anlange, so bestehe über den Umfang derDerpflich- tungen des Völkerbundes keine älebereinstim- mung. Aus dem Londoner Bericht und den ihn beigegebenen Denkschriften der verschiedenen Länder seien die Meinungsverschiedenheiten klar ersichtlich. Als Ausweg komme in Betracht: 1. eine Vertagung der endgültigen Entscheidung, wodurch Zeit für eine gründlichere Prüfung des Berichtes gegeben wäre und auch dem Ulmstande Rechnung getragen würde, daß verschiedene im Rat nicht vertretene Staaten sich noch nicht dazu geäußert haben. Diese Staaten könnten vielleicht die Minderheitenfrage vor die Dölkerbundsver- sammlung bringen, wobei neue Anregungen zur Erleichterung oder Lösung des Problems auftauchen könnten. Als zweiter Ausweg bleibe die Einholung eines Gutachtens beim Ständigen Haager Gerichtshof über das Mandat des Völkerbundes in der Minderheitenfrage. Bei dem allgemeinen Ansehen, das die HaagerRechts- gutachten in der Welt genießen, könnte ein solches Gutachten die Erzielung eines einstimmigen Beschlusses im Rat erleichtern und so den peinlichen Eindruck der Uneinigkeit des Dölkerbunds- rates vermeiden. Zusammenfassend wiederholte Dr. Stresemann, daß Verbesserungen in verschiedenen Verfahrensfragen erzielt worden seien, daß er aber den Londoner Dreier-Bericht nicht annehmen könne, da er in wesentlichen Punkten mit dem in Widerspruch stehe, was er bei Aufwerfung der Minderheitenfrage im Auge gehabt habe. Angesichts der be- ste^nden Meinungsverschiedenheiten wäre eine Vertagung zweckmäßig, da sie die Uleber- brückung der Gegensätze vielleicht ermöglichen und anderseits die Anrufung des Haager Gerichtshofes erlauben würde. Der französische Außenminister Briand vertrat die Auffassung, daß der vorliegende Bericht eine Verbesserung des gegenwärtigen Verfahrens in sich schließe. Die von Dr. Stresemann vorgeschlagene Vertagung wäre ebenso bedenklich wie eine Anrufung des Haager Gerichtshofes, durch die die ganze bisherige Tätigkeit des Völkerbundes in der Minderheitenfrage in ein falsches Licht geraten müsse. Es sei sehr wohl möglich, daß in der Dölkerbundsversamm- lung eine neueDebatteinder Minderheitenfrage entstehe, aber zuvor mühte i m R a t e i n e Einigung zustande kommen. Könne diese nicht erzielt werden, so würde das einfach die Rückkehr zum Status quo bedeuten. Außenminister Dr. Stresemann unterstrich nochmals seine gegensätzliche Auffassung in der prinzipiellen Frage und fügte hinzu, er sei so sehr wie jedes andere Ratsmitglied davon überzeugt, daß man zu einem einstimmigen Beschluß kommen sollte. Wollte man aber dem Rat den Dreier-Bericht mit sämtlichen Denkschriften und den Sitzungsprotokollen des^Rats- komitees zustellen, so würde dadurch das Fortbestehen der Meinungsverschiedenheiten offenkundig. Eine Vertagung dagegen könnte die Möglichkeit weiterer Annäherung schaffen, wie auch die Anrufung des Haager Gerichtshofes keineswegs das Prestige des Völkerbundsrats verringern, sondern zweifellos die Erzielung der Einstimmigkeit erleichtern würde. Annahme des Endberichts. Rach längerer Debatte hat dann das Ratskomitee gegen Abend seine Arbeiten durch Annahme eines von Adatschi unterbreiteten Endberichts an den Völkerbundsrat und eines Cntschließungsentwurfes abgeschlossen. Bericht und Entschließung werden am nächsten Donnerstag in öffentlicher Sitzung vom Völkerbundsrat erörtert werden. Der Endbsricht wird noch vertraulich behandelt. Es kann aber bereits gesagt werden, daß er nur Verfahrensfragen betrifft und die prinzipielle Seiten des Minderheiten- prvblems unberührt läßt. Auf Grund der heutigen Aussprache im Ratskomitee besteht Cin- vevständnis darüber, daß jedes Ratsmitglied in der öffentlichen Ratssitzung zu diesem Bericht Erläuterungen geben und Erklärungen oder Vorbehalte anbringen kann. Dementsprechend wird auch Dr. Stresemann in einer grundsätzlichen Erllärung den deutschen Standpunkt nochmals zur Geltung bringen. Die Taktik der deutschen Delegation. Die, amtliche Beurteilung der Lage. Die Annahme des Minderheitenberichtes im Ratskomitee läßt, wie von deutscher offizieller Seite verlautet, noch keine Schlüsse auf den Ausgang der gesamten Debatte im Volkerbunds- rat zu, obwohl aller Voraussicht nach auch dort die Annahme erfolgen wird. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, daß von anderer Seite die Aufrechterhaltung des prinzipiellen Teiles des Londoner Dreier-Berichtes (Ablehnung der Errichtung einer Studienkommission des Völkerbundes und Ablehnung der Ausdehnung der Garantie des Völkerbundes) gefordert wird. Das würde natürlich die deutsche Haltung entscheidend beeinflussen und müßte zu einer entsprechenden Gegenerklärung des deutschen Ratsmitgliedes führen, so daß die heute erzielte Verständigung wieder gefährdet sein könnte. Maßgebend für die Haltung der deutschen Delegation war, daß die heute vormittag vom Reichs- auhenminister befürwortete Vertagung sich nicht mehr erreichen ließ. Auch änderte sich die Lage dadurch, daß der Vertreter Kanadas, der sich immer sehr warm für die Minderheiten einsetzt, sich mit der wenn auch nur teilweisen Berücksichtigung seiner Derbesserungsvor- schläge einverstanden erklärte und an die deutsche Delegation den dringenden Appell richtete, die erheblichen Verbesserungen durch eine völlig ablehnende Haltung nicht aufs Spiel zu sehen. Auch ist mit dem neuen Bericht kein Definitivum geschaffen. Der deutsche Standpunkt über den grundsätzlichen Teil des Minderheitenproblems bleibt aufrechterhalten und damit auch das Recht, die grundsätzliche Frage im geeigneten Augenblick wieder aufzugreifen, wobei die große Wahrscheinlichkeit zu berücksichtigen ist, daß sich die nächste Völkerbundsversammlung ebenfalls mit dem Minderheitenproblem zu befassen hat. Ein unbefriedigendes Ergebnis. Madrid, 12.Juni. (TU.) Bei nüchterner Beurteilung muß man sagen, daß das Ergebnis wenig befriedigt, es entspricht keineswegs den von der deutschen Abordnung gestellten Zielen. Die Vertagung ist nicht erreicht worden, eine Berücksichtigung der grundsätzlichen deutschen Forderungen über die Dauergarantie des Minderheitenschutzes und dem ständigen Minderheitenausschuß ist nicht erfolgt. Der gegenwärtige ungenügende Zustand des Minderheitenschutzes bleibt im wesentlichen mit geringen Aenderungen unverändert. Die Gegenseite erklärt, daß damit die Minderheitenfrage endgültig erledigt sei. 9n dem Bericht an den Dölkerbundsrat wird ausdrücklich festgestellt, daß die Protokolle der Sitzungen sowie der Londoner Minderheitenbericht sämtlichen Mitgliedsstaaten des Völkerbundes zugesandt werden sollen, so daß damit eine allgemeine Wiederaufnahme der Minderheitenfragen auf der Septemberversammlung möglich erscheint. Stresemann und Briand Zher die Mparationskonserenz. Eine erste Aussprache. — Der fehlende Dritte. Die Reparationsbank. Madrid, 11.3uni. (WTB.) Die angekündigte Besprechung zwischen Reichsaußenminisler Dr. Stresemann und dem französischen Außen- Minister B r l a n d hat heute von 17 bis 18 Uhr am Sih der französischen Delegation stattgefunden. Die beiden Staatsmänner begaben sich darauf im gleichen Kraftwagen zur Sitzung des Ralskomitees. Heber die Unterredung berichtet der Havas-Ber- treter in Madrid: Man neigt zu der Annahme, daß Stresemann diese Begegnung benutzt hat, um sich über gewisse Probleme, die Deutschland und Frankreich besonders interessieren, auszulassen. Briand wird Dr. Stresemann aufmerksam zugehörl, aber nicht verfehlt haben, daran zu erinnern, daß der Genfer Beschluß vom 15. September v. 3.» auf Grund dessen der Sachoerständigen- a u s s ch u ß für eine endgültige Regelung der Reparationen einberufen worden war, das tiferf sämtlicher an der Regelung dieses Problems direkt interessierter Mächte gewesen ist; die französische Regierung gedenke keineswegs, sich den Verpflichtungen zu entziehen, die sie durch die Annahme der obengenannten Entschließung übernommen hat. Sie sei also durchaus geneigt zu vollster Zusammenarbeit mit sämtlichen Signataren. Die Abwesenheit dieser Signatare stehe nun dem entgegen, daß irgendeine Verhandlung während der Völkerbundskagung eingeleiiet wird. Deshalb konnte die Unterredung zwischen den beiden Außenministern auch nur einen informatorischen Charakter tragen. Heber den begrenzten Gegenstand ihrer Besprechung im Einvernehmen haben beide Staatsmänner beschlossen, in Zusammenarbeit mit den Interessierten Mächten zu gegebener Zeit die praktischen Folgerungen aus diesen Ergebnissen zu ziehen. Wie der „v o r w ä r t s“ ergänzend aus Madrid meldet, hat Briand beim Empfang der französischen Pressevertreter die Unterredung als eine Selbstverständlichkeit hingestellt, zumal von dem mit Hermann Müller im September 1928 vereinbarten Aktionsprogramm eine w i ch- t i g e Etappe durch die Unterzeichnung des Sach- verständigenberichls bereits erzielt worden sei. Andererseits betonte Briand die Schwierigkeiten, regelrechte Verhandlungen über dieses Programm in Abwesenheit eines der Kontrahenten, nämlich der englischen Regierung, zu führen. Aber Stresemann habe keine Verhandlungen eingeleitel und weder die noch ungelöste Frage der Feststellungs- und Vergleichskommission noch die Saarfrage angeschnitten. Günstiges Urteil der amerikanischen Finanzwelt. R e u y o r k, 11. 2uni. (WD.) Der gestern von Paris zurückgekehrte Bankier Morgan erklärt, daß die Reparationsbank ein bedeutsames Werkzeug zur Sicherung des Weltfriedens darstelle und daß chre Schaffung das einzige Mittel sei, das die Sachverständigenkonferenz entdecken konnte, um die aus dem Weltkrieg entstandenen internationalen Probleme einer Lösung entgegenzuführen. 3n Reuyorker Dankkreisen wird allgemein die Bedeutung der Reparationsbank hervorgehoben. Die Finanzwelt ist, wie es den Anschein hat, von dem Erfolg der internationalen Bank überzeugt, doch wird vielfach Bedauern darüber geäußert, daß das System der amerikanischen Bundesbanken nicht unmittelbar daran beteiligt sei. Man gibt sich jedoch der Hoffnung hin, daß schließlich doch eine derartige Beteiligung erfolgen werde, da die Dundes- Reservebanken es ja nicht vermeiden formten, zur Reparationsbank in Beziehungen zu treten. Man erwartet hier eine starke Rachfrage nach Aktien der Reparationsbank, obwohl man nicht annimmt, daß die Bank sich sofort als ein gewinnbringendes Unternehmen erweisen werde. DieMsHeKassenlagedesReichs Eine Uebcrsicht für 1928. Berlin, 11. Juni. (DDZ.) Der Reichsfinanzminister hat dem Reichstag eine Uebersicht über die Gestaltung der Reichseinnahmen und -ausgaben in dem vergangenen Jahre zugehen lassen. Für 1928 wird festgestellt, daß der ordentliche Haushalt mit einem Fehlbetrag von 154,4 Millionen abschließt. Die Einnahmen betrugen 10 277,6 Millionen Reichsmark, die Ausgaben 10 231,7 Millionen Reichsmark, so daß ein Einnahmeübsrschuß von 45,9 Millionen Reichsmark vorhanden war. Da aber zur Deckung von Resten noch 200,3 Millionen benötigt werden, ergibt sich der oben genannte Fehlbetrag. Gegenüber dem Haushaltssoll sind insgesamt 337,6 Millionen mehr ausgegeben worden, wovon 108,3 Millionen auf Steueranteile der Länder entfallen. Mehreinnahmen waren 183,2 Millionen zu verzeichnen, wovon 162,4 Millionen auf Steuern usw. entfallen. An Mehrausgaben über das Haushaltsoll hinaus find folgende Posten bemerkenswert: Für Unwetterschäden und dasPan- zerkreuzeroolksbe gehren 5,3 Millionen, beim Reichsarbeitsministerium rund 50 Millionen, für die Saisonarbeiterunter slützung und für die Ruhrausgesperrten, an Kriegsbeschädigtenrenten und für Heilbehandlung im Rahmen der Militärversorgung etwa 75 Millionen, für ungedeckte Besatzungskosten 52 Millionen, Zuzahlungen für Reparationskohlenlieferungen rund 11 Millionen. Der außerordentliche Haushalt wies am Ende des Rechnungsjahres 1928 eine Gesamtverschuldung von 904,5 Millionen auf. Die Arbeitslosenversicherung. Noch keine Einigung über das Reformprogramm. Berlin, 12. Juni. (PDZ.) Die Besprechungen des Reichsarbeitsministers mit den Vertretern der Regierungsparteien in der Frage der Arbeitslosenversicherung wurden wieder ausgenommen. Die Besprechungen führten bisher zu keiner Einigung. Insbesondere ist die Frage einer Beitragserhöhung noch strittig. Die Deutsche Volkspartei steht einer solchen Erhöhung nach wie vor vollkommen ablehnend gegenüber. Sie ist der Auffassung, daß eine durchgreifende Reform der Versicherung eine Beitragserhöhung überflüssig machen würde. Demgegenüber sind die Vertreter der übrigen Regierungsparteien, Sozialdemokraten, Zentrum, Demokraten und Bayerische Volkspartei zu der Ansicht gelangt, daß man sich auf die Dauer einer Beitragserhöhung nicht werde verschließen können. Diese Parteien würden bereit sein, einer Beitragserhöhung, wenn auch nicht um ein Prozent, so doch um ein halb Prozent, zuzustimmen. Daneben ist man bestrebt, zur Beseitigung von Mißständen und Mißbräuchen eine bestimmtere Formulierung der Begriffe Arbeitnehmer und Arbeitsloser in das Gesetz hineinzubringen. Weiter sollen künftig die Versiche- rungsleistungen a b g e stuft werden nach der Dauer der unterbrochenen Arbeitstätigkeit. Bis zum Herbst soll dann die Regierung ein umfassendes Reformprogramm für die Arbeitslosenversicherung vorlegen. Die Deutsche Dolkspartei hält demgegenüber bisher daran fest, daß insbesondere die Saisonarbeiterfürsorge sofort einer Regelung bedarf. Die Besprechungen werden am Mittwoch fortgesetzt. Die Finanznöte der Reichsbahn. Die Konkurrenz des Kraftwagengnter- Verkehrs. Berlin, 11. Juni. (Priv.-Tel.) Im Zusammenhang mit dem Antrag der Reichsbahn auf Tariferhöhung zum Zwecke des Ausgleiches der 55 Millionen Mehranforderungen durch die Lohnerhöhungen, ist von verschiedener Seite vorgeschlagen worden, die Reichsbahn solle sich mit dem Güterverkehr der Kraftwagen- Gesellschaften so einigen, daß aus der bestehenden Konkurrenz eine gewinnreiche Zusammenarbeit zustande kommt. Optimistische Stimmen glauben sogar, daß durch ein solches Abkommen ein großer Teil der jetzt benötigten Mehrausgaben gedeckt werden tonnte. Wie wir von unterrichteter Seite hören, dürften aber diese Hoffnungen zur Zeit unerfüllbar sein. Die Reichsbahn schätzt heute den jährlichen Einnahmeausfall durch die Konkurrenz des Kraftwagenverkehrs auf 250 QKil* lionen und rechnet sogar damit, daß dieser Posten in den kommenden Jahren noch auf 300 b i s 350 Millionen an st eigen könnte. Unter diesen Umständen muß sich das ganze Interesse der Bahn zurzeit darauf richten, wenigstens ihren Besitzstand am Verkehr einigermaßen zu h a 11 c n, was um so schwieriger ist, da die Dahn die Massengüter, wie Eisen und Kohle, die rund 40 Prozent am Gesamtgüterverkehr ausmachen, nahezu zu Selbstkostenpreisen im Interesse der Volkswirtschaft fahren muß, während die Konkurrenz des Kraftwagens sich gerade bei den hochwertigen Gütern, die für die Eisenbahn am wichtigsten sind, am stärksten auswirkt. Mit der R e i ch s p o st sind bereits seit längerer Zeit Verhandlungen im Gange, um Doppelverkehr zu vermeiden und die gegenseitige Konkurrenz so weit wie möglich auszuschalten. Diese Verhandlungen, die noch nicht abgeschlossen sind, scheinen sich günstig zu entwickeln. Wesentlich schwieriger aber liegt die Konkurrenzfrage mit dem freien Kraftwagenverkehr. Hier hat sich die Reichsbahn zwar durch die Kündigung des Abkommens im vergangenen Jahre mit der Kraftverkehr Deutschland G. m. b. H., die rund 35 Gesellschaften örtlicher Ratur umfaßt, freie Hand erworben. Es ist u. a. der Gedanke aufgetaucht, ob die Reichsbahn unter Beibehaltung ihrer Mitarbeit an verschiedenen schon bestehenden Kraftverkehrsgesellschaften, wie in Sachsen usw., nicht einen eigenen Autola st Wagenverkehr ein- 'richten soll. Diesem Plan stehen aber große Hemmungen entgegen, da die Reichsbahn nach den Bestimmungen in diesem Falle konzessionspflichtig ist — was die Reichspost nicht ist —. so daß erst eine Aenderung der gesetzlichen Bestimmung erzielt werden müßte. Innerpolitische Debatte im Reichstag. Berlin, 11.Juni. (VDZ.) Im Reichstag wird die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums fortgesetzt. Von den Deutschnationalen, Nationalsozialisten, Christlichnationalen und Kommunisten sind Mißtrauensanträge gegen Minister Severing eingebracht worden. Von den Regierungsparteien wird in einer Entschließung die Regierung ersucht, bei der Hereinnahme fremder Arbeitskräfte auch das Auslanddeutschtum zu berücksichtigen. Abg. Dr. Strathmann (Dn.) weist die Angriffe zurück, die gestern Abgeordneter Dr. Moses gegen die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft gerichtet hat. Er wendet sich dann gegen Tendenzen im Theaterleben, wie sie in Lam- pels „Giftgas über Berlin" zum Ausdruck gekommen • seien. Wenn der Minister sich als Verfassungshüter fühle, dann sollte er vor allem auch den Artikel 119 der Verfassung durchsetzen, der die Ehe unter den Schutz des Staates stellt. Abg. Dr. Dessauer (Zentr.) stimmt der vom Abgeordneten Dr. Moses an der Notgemeinschaft der Wissenschaft geübten Kritik nicht zu. Die von Dr. Moses beanstandeten Arbeiten hätten von den 16 Millionen Neichsbeihilfe nur 11 000 Mark in zwei Jahren erfordert. Auch sachlich gehe die Kritik fehl. Die Notgemeinschaft wirke auch segensreich durch ihre Unterstützungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Heichsimrenminister Severing. Wenn wir das Be r u f s s ch u l ge se tz aus dos Reich übernehmen, würde das dreißig Millionen kosten. Demnächst wird dem Reichstag die Vorlage des Vereinsgesetzes zugehen. Die Regierung hat hier den alten Entwurf akzeptiert, ohne sich mit allen Einzelheiten zu identifizieren. Ein Reichs- fchulgefetz wird heute kein Minister vorlegen, wenn er nicht die Parteigegensätze verschärfen will. Wir haben für eine solche Gesetzgebung gegenwärtig auch gar nicht das nötige Geld. Wenn ^„Stahlhelm" nur den Wehrgedanken pflegen wollte, wie es ja auch der Jungdeutsche Orden tut (Lachen bei den Nationalsozialisten), dann hätten die Behörden keinen Grund, gegen ihn vorzugehen. Er will aber tatsächlich den Parlamentarismus abwürgen, und das lassen wir uns nicht gefallen. Zu meinen Ausführungen über die Begriffe national und international bin ich durch die Angriffe von deutschnationaler Seite provoziert worden. Die Erfahrungen beim Weltkrieg haben gezeigt, welche außenpolitische Gefahr es sein kann, wenn durch unberechtigte Angriffe gegen die Sozialdemokratie im Ausland der Glaube erweckt wird, daß diese größte Partei bei einem Angriff auf Deutschland tatenlos beiseite stehen würde. Die wissenschaftliche Notgemein- schäft wollen wir beim Reicks erhalten, aber die Herren von der Notgemeinschaft sollten nicht zu empfindlich sein gegen berechtigte und auch unberechtigte Kritik. Wir wollen ein Kontrollorgan schaffen, durch das die Verbindung der Herren von der Notgemeinschast mit der Volksvertretung hergestellt wird. Abg. Dr. Joos (Zentr.) verlangt bessere Fürsorge für die kinderreichen Familien. Weiterberatung Mittwoch. ----------------------- । Die Strafanträge im Rogens-Prozeß. Das Plädoyer des Oberstaatsanwaltes. Neustrelitz, 11. 3uni. (WB.) 3m Nogens- Prozeh begannen die Plädoyers. Oberstaatsanwalt Dr. Weber als Vertreter der Anklage betonte, die Hauptverhandlung gegen Nogens und Genossen habe ergeben, daß der Hingerichtete 3akubowskl nicht als allein schuldig anzusehen sei. Die Geständnisse der Angeklagten Nogens seien nur mit größter Schwierigkeit zustande gekommen. Es sei ihnen deswegen auch bei dem Geständnis des August Nogens, der ja mehrfach wieder geleugnet habe, Beweismittelwert beizumessen. Die Geständnisse seien das festeste Fundament der Anklage. Ein Beweis des Alibis des August Nogens konnte nicht geführt werden. Kreuzfeldt, der in der Hauptverhandlung als Zeuge stark gelogen habe, sei sehr verdächtig. Am Tatort könne Kreuzfeldt jedoch nicht gewesen sein. Als Täter oder Mittäter komme er vorläufig nicht in Frage. 3ft Kreuzfeldt der Anstifter gewesen? Auch für diese Vermutung läßt sich kein Beweis erbringen. Gegen Blöcker habe sich eigentlich gar kein Verdacht erhoben. 3ch möchte glauben, so sagte der Oberstaatsanwalt, daß Kreuzfeldt Mitwisser war. Gegen die Beteiligung 3akubowskis können ernste Bedenken bestehen^ diese Bedenken müssen aber stark eingeschränkt werden. Von der Mitwisserschaft 3akubowskis bin ich überzeugt. Die Familie No- gens hat aber 3akubowski in gerissenster Weise belastet. Nach mehrstündigen Ausführungen stellte Oberstaatsanwalt Weber folgende ©traf an- träge: gegen August Nogens wegen gemeinschaftlichen Mordes die T o d e s st r a f e, wegen Meineides zwei Fahre Zuchthaus, außerdem dauernde Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte: gegen Fritz Nogens wegen gemeinschaftlichen Mordes und Mittäterschaft, aber unter Berücksichtigung des 3ugendgerichtsgesehes zwei Fahre Gefängnis, wegen Meineides ein 3ahr Gefängnis, zusammengefaht in eine Gefängnisstrafe von 2V2 3ähren: gegen Frau Kähler-Nogens wegen Beihilfe zum Morde fünf Fahre Zuchthaus, wegen schweren Meineides drei Fahre Zuchthaus, zusammengezogen in eine Zuchthausstrafe von sechs Fahren, sowie Ehrverlust auf zehn Fahre: gegen Blöcker wegen schweren Meineides die Mindeststrafe von drei Fahren Zuchthaus, ferner fünf Fahre Ehrverlust und dauernde Entziehung der Zeugnisfähigkeit sowie Erlaß eines Haftbefehles wegen Fluchtverdachtes. Oie Oeutschnaiionalen zum Konlordat Berlin, ll.Funi. (VDZ.) Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Landtages hat folgendes Schreiben an den Ministerpräsidenten gerichtet: „Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Landtages ist bereit, an einem Vertrag des Staates mit der Kurie m i t- zuwirken. Sie kann zu dem jetzigen Vertragsentwurf erst Stellung nehmen, wenn er i m Wortlaut vorliegt. Sie lehnt den Abschluß eines Vertrages mit der Kurie ab, solange nicht gleichwertige Verträge mit den König Fuads Berliner Besuch. Oer König besichtigt Industrie- und Derkehrsanlagen. Berlin, 11. 3uni. (WTB.) König Fuad besichtigte heute vormittag nach einer Rundfahrt durch den Tiergarten in Begleitung seines Gefolges und feines deutschen Ehrendienstes die Anlagen des Tempelhofer Flughafens. Der König begab sich hierauf zu einer Besichtigung des älllsteinhauses und folgte mittags mit seinem Gefolge und den Herren des Ehrendienstes einer Einladung des Reichstagspräsidenten Lobe zu einem Frühstück. An dem Frühstück nahmen teil u. a.: Mitglieder der Reichstagsfraktionen und die Reichsminister Curtius, Severing, Ste- gerwald und Wirth: nachmittags stattete der König der Staatlichen Porzellanmanufaktur einen Besuch ab, wobei Staatskommisfar Regierungsrat Dr. Moelle und der technische Direktor Professor König berichteten über die einzelnen Abteilungen. Besonderes Fnteresse brachte der König dem 900teiIigen Tafel- und Kaffeeservice entgegen, das die Staatliche Manufaktur im Auftrage des ägyptischen Gesandten für den Empfang hergestellt hat, den König Fuad veranstaltet. Hieran schloß sich ein Tee, wobei dem König von der Staatlichen QUanufaftur zum Andenken ein Schinkelkorb überreicht wurde. Am Abend gaben der Reichskanzler und Frau Müller zu Ehren des Königs im Kongreßsaal der Reichskanzlei ein Festessen, zu dem der Reichspräsident, der Doyen des Diplomatischen Korps, Nuntius P a c e l l i, Reichstagspräsident L ö b e und die Vizepräsidenten des Reichstages, Esser und v. Kardorff, die Mitglieder der Reichsregierung, der preußische Ministerpräsident Dr. Braun, die Minister Dr. Becker und Dr. Hirtsiefer, Oberbürgermeister Böß, die Chefs der Heeres- und Marineleitung, Vertreter der Wissenschaft, der Industrie, der Banken, des Handels, der Wirtschaft und der Presse erschienen waren. Eine Gefallenen-Ehrung im Zeughaus. Berlin, 11. Juni. (WTB.) Der König von Aegypten hatte den Wunsch ausgesprochen, das Andenken der deutschen St r i e g s gefallenen zu ehren. Aus Anregung der Reichsregierung hatte deshalb der preußische Ministerpräsident Dr. Braun den König von Aegypten in das Zeughaus geladen. Wenige Minuten vor der Ankunft des Königs traf Reichspräsident v. H i n b e n b u r g in Marschallsuniform ein, begrüßt von sämtlichen zur Zeit in Berlin anwesenden Mitgliedern der preußischen Staatsregierung, an ihrer Spitze Ministerpräsident Dr. Braun. Kurz darauf traf der König von Aegypten ein, der in der unteren Halle des Zeughauses vom Herrn Reichspräsidenten und dem preußischen Ministerpräsidenten empfangen wurde. Ministerpräsident Dr. Braun führte dann seinen Gast und den Herrn Reichspräsidenten über die breiten Freitreppen, die von Fahnenträgern der Reichs- wehr-Traditionskompagnien flankiert waren, in die Gedenkhalle, die der Erinnerung an die gefallenen deutschen Soldaten geweiht ist. Dort legte der König von Aegypten einen großen Lorbeerkranz mit einer in den ägyptischen Farben gehaltenen Schleife nieder, auf der die Worte standen: „Fuad R. 1929." Nach der Kranzniederlegung schritt der König von Aegypten die Front der im Vorhofe aufgestälten Fahnenkompagnie ab. Keine Ordensverleihungen. Berlin, ll.Funi. Mit Rücksicht auf die entgegenstehenden Bestimmungen der Reichs- Verfassung haben die beteiligten Stellen des Deutschen Reiches und des ägyptischen Königs- Hofes sich dahin verständigt, daß keine Auszeichnungen aus Anlaß des Berliner Staatsbesuches des ägyptischen Königs Fuad erfolgen. König Fuad von Aegypten hatte ursprünglich die Absicht, bei seinem Berliner Aufenthalt Ordensauszeichnungen seines Landes an die Repräsentanten des Deutschen Reiches zu verleihen. Die jetzige Reichsregierung vertritt entsprechend der Ansicht des hierfür Anstehenden Reichsinnenministers Severing die Auffassung, daß die Bestimmungen der Reichsverfas- sung ganz klar und eindeutig sind, unö eine Annahme von Titeln und Orden nicht zu lassen. Der ägyptische König ist hiervon verständigt worden, so daß er von Auszeichnungen Abstand genommen hat. Sommertagmg des Kesslschen Landtages. Die Prügelstrafe. — Rot-Zroni im Parlament. Darmstadt, ll.Funi. Präsident Delp eröffnet die 48. Sitzung des Landtags bei gut besetztem Haus. Anwesend sind Staatspräsident Adelung und sämtliche Minister. Die kommunistischen Abgeordneten Sumpf und Schäfer erscheinen in der .Uniform des verbotenen Roten Frontkämpferbundes. Der Präsident widmet dem verstorbenen sozialdemokratischen Abg. Södel einen warmen Nachruf, den das Haus stehend anhört. Der Nachfolger, Gemeinderechner Georg Schwebe!, Siedelsbrunn, wird eingeführt. Es folgen zahlreiche kleine Anfragen. 11. a. erklärt Staatspräsident Adelung, daß von einer Aufhebung der E i s e n b a h n d i r e k t i o n Mainz und der Oberpostdirektion Darmstadt nichts bekannt sei und daß die Regierung sich gegen solche Bestrebungen energisch wenden würde. Auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten v. d. S ch m i 11 (Komm.), ob die Regierung bereit ist, die Verfügung, wonach Notferien wegen Kälte und Kohlenmangel auf die sonstigen Ferien angerechnet werden sollen, rückgängig zu machen, erwidert Ministerialdirektor 11 r st a d t, daß er nicht beabsichtige, die Verfügung zurückzunehmen. Nach der Kürzung der Osterferien, und da nur unwesentliche lleberschreitungen der in der Verfügung gezogenen Grenze vorgekom- men sind, ist eine Kürzung sonstiger Ferien nicht erforderlich geworden. Auf eine kleine Anfrage des Abg. Senat erwidert Staatsrat Karcher: Der Regierung ist bekannt, daß eine Anzahl Gemeinden mit der Ablieferung der erhvoenen Beiträge zur Handwerkskammer im Rückstand ist. Die Säumigen werden zur alsbaldigen Erfüllung der ihnen obliegenden gesetzlichen Verpflichtungen angehalten werden. Die vom Hauptausschuß als vordringlich genehmigte Errichtung von Dergarbei- terwohnungen in Wölfersheim und die Umstellung der Landwirtschaft im Hohen Vogelsberg werden zur Kenntnis genommen. Bei dem Einbau einer Sammelhei- jung in das Ludwig-Georg-Gym- n a f i u m in Darmstadt (40 000 Mk.) sprechen sich die Abg. Dr. Leuchtgens (Bbd.), Ham- mann (Komm.), Donath (Dem.) gegen die Vorlage aus, während Abg. Heimstadt (Ztr.) sich dafür erklärt. Die Abg. Dr. Werner (fraktionslos) und Dr. Keller (D. Dp.) unterstützen die Vorlage, die ?egen Bauernbund, Kommunisten und drei Demoraten angenommen wird mit der Maßgabe, daß die Stadt Darmstadt die Kosten verzinsen mutz. Abg. H a m m n n n (Komm.) begründet seinen Antrag, die Prügelstrafe in den hessischen Schulen aufzuheben. Es sei ein Skandal, daß die hessische Regierung an dem Erlaß über die Prügelstrafe, der schon über 25 Jahre alt sei, festhalte, trotzdem wir inzwischen eine Revolution gehabt und einen neuen Volksstaat bekommen haben sollen. Warum werde nur in der Volksschule so häufig geprügelt? Ministerialdirektor U rfta bt stellt fest, daß entsprechend den Anregungen der Regierung die körperliche Züchtigung in den Schulen immer seltener werde. Bei dieser Frage seien auch die Erzieher und Eltern zu hören. Wenn das Dolksschulgesetz nicht bald komme, werde die Regierung von sich aus vorgehen. Die meisten kommunistischen Behauptungen über Mißhandlungen hätten sich als falsch erwiesen. Abg. Winter (Zentr.) wandte sich scharf gegen die Uebertreibungen des Abgeordneten Hammann. Es gäbe allerdings Fälle, in denen ein Lehrer bei aller Güte ohne Züchtigung nicht auskommen könne. Abg. Reiber (Dem.) erhebt Einspruch gegen die allgemeinen Derdächtigungen der hessischen Lehrerschaft durch die Kommunisten, denen leichtfertige Behauptungen wiederholt nachgewiesen worden seien. Er bittet die Regierung, alsbald eine Revision der Züchtigungsoorschriften etwa nach preußischem Muster vorzunehmen. Abg. Kaul (Soz.) polemisiert gegen die agitatorische Haltung der Kommunisten in dieser Frage. Wenn die vorgebrachten Fälle von Mißhandlungen zuträfen, bann verlange er allerdings schärfste strafrechtliche Verfolgung. Die Sozialdemokratie erachte die Prügelstrafe als ein zur Erziehung ungeeignetes Mittel und trete für den Antrag ein. Abg. G a l m (Komm.) verlangt nicht öffentliche Zustimmung der Sozialdemokraten zu dem Antrag, sondern Durchsetzung ihrer Gewalt in der Regierung. Notwendig sei auch eine bessere Auswahl bei der Lehrereinstellung. In der Abstimmung wird der Antrag mit den Stimmen der Rechten und der Mitte abgelehnt. Präsident Delp fordert die beiden kommunistischen Abgeordneten Sumpf und Schäfer, die die verbotene Rotfrontuniform tragen, auf, beit Saal z u verlas fen. Die Abgeordneten weigern sich und protestieren. Daraufhin werden I sie auf vier Sitzungen ausgeschlossen. Die Sitzung wird unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der -Sitzuna fordert der Präsident die beiden Abgeordneten abermals auf, den Saal zu verlassen. Da sie sich erneut weigern, erfolgt ihr Ausschluß auf die Dauer von 14 Sitzungstagen. Präsident Delp schließt die Sitzung um 2 Uhr und beraumt die nächste Sitzung auf Mittwoch, 10 Uhr, an: Aussprache über die Aenderung des Notariats. Die Kommunisten begleiten den Sitzungsschluß mit Rot-Front-Rufen. evangelischen Kirchen vereinbart sind, die vom Landtage gleichzeitig und in unlöslicher Verbindung mit jenem angenommen werden können. Die Fraktion ersucht das Staatsministerium: 1. entsprechend den vom Kultusminister gemachten Zusagen den jetzigen Vertragsentwurf zu veröffentlichen: 2. diesen Vertrag noch nicht zu unterzeichnen und die Verhandlungen mit den evangelischen Kirchen wieder aufzunehmen." Volkspartei und Preußenkabinett. Die Ablehnung des Brarmschen Angebots. Berlin, 11.Juni. (Priv.-Tel.) Die preußische Regierungspresse zerbricht sich den Kopf darüber, weshalb die Deutsche Dolkspartei nicht auf bas angebliche Entgegenkommen des preußischen Ministerpräsidenten Braun eingegangen ist. Für die Deutsche Dolkspartei ist dabei sicherlich die Erwägung maßgebend gewesen, daß das Angebot des politisch I ärmlich bedeutungslosen Handelsministeriums und eines Ministers ohne Portefeuille für eine Vertretung der Partei im Kabinett ungenügend ist, zumal der Versuch, die Verbindung zwischen Reichskabinett und Preußenkabinett durch die Person eines Ministers herzustellen, kaum als eine glückliche Lösung des Dualismus zwischen dem Reich und Preußen angesehen werden kann. Darüber hinaus aber dürsten auch Erwägungen der Reichspo- l i t i k für die Vorstandsentscheidung der preußischen Landtagsfraktion maßgebend sein. Aus der Rede des Führers der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei in Düsseldorf ging hervor, daß die Deutsche Dolkspartei die sachlichen Differenzen mit der So- zialdemokratie in der Frage der Balancierung des Etats doch für recht schwerwiegend hält. Natürlich wäre es falsch, annehmen zu wollen, daß die Deutsche Volkspartei gesonnen sei, heute oder morgen hieraus Konsequenzen zu ziehen. Aber man kann die Möglichkeit nicht von der Hand weisen, daß es wegen der Finanzfragen im Reich, insbesondere wegen der Arbeitslosenversicherung, einmal zu tiefgehenden und unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten zwischen dem rechten und dem linken Flügel der jetzigen Regierungs- koalition kommt. Aus diesem Grunde dürfte die Deutsche Volkspartei in Preußen es einstweilen vorziehen, sich in einiger Reserve zu halten, zumal ja gerade In 8er Konkorvatsfraae sehen dem Liberalismus einerseits und dem Zentrum und der Sozialdemokratie andererseits erhebliche Differenzen bestehen. Aus aller Well. Generaldirektor Lolsmann vom Luftschiffbau „Zeppelin" tritt zurück. Kommerzienrat Dr.-Jng. C o l s m a n n wird auf Grund eines in der Gesellschaftsoersammlung des Luftschiffbaus „Zeppelin" zustande gekommenen Beschlusses am 1. Juli in freundschaftlichem Einvernehmen mit den Gesellschaftern feit» Stellung als Generaldirektor des Luftschiffbaus „Zeppelin" niederlegen, um sich volkswirtschaftlichen Aufgaben zuzuwenden. Hinsichtlich der Neubesetzung sind bisher noch keine Beschlüsse gefaßt worden. Riesenbrand in einem amerikanischen Petroleumfeld. 3n einem der Los Angeles nahegelegenen Pe- troleumselder sind neun Bohrtürme und 4 5 000 Fässer Petroleum durch einen Riesenbrand vernichtet worden, der einen Gesamtschaden von mehr als einer Million Dollar anrichtete. Die mit Asbestbekleidung versehenen _ Feuerwehrleute waren die ganze Nacht bemüht, den Brand einzudämmen. Die Polizei hatte die größten Schwierigkeiten, die Menge der Zuschauer, die durch den gewaltigen Feuerschein und die ungeheuren Rauchwolken an- gelockt worden waren, aus der Gefahrzone fernzuhalten. Schwerer Unfall bei einem Turmkarusseü. Auf dem Vergnügungspark am Holzmarkt in Ratibor löste sich plötzlich eine etwa 100 Kilogramm schwere Gondel von einem 5 Meter hohen Turmkarussell. Die Gondel wurde, da sich das Karussell in voller Fahrt befand, mitten unter die Zuschauer geschleudert. Neun Erwachsene und fünf Kinder wurden verletzt, davon ein Erwachsener und zwei Kinder sehr schwer. Das Unglück soll darauf zurückzuführen sein, daß die Drahtseilenden nicht vorfchrists- mäßig mit der Gondel verbunden waren. Kunst und Wissenschaft. Der schöne Mensch in der Neuen Kunst. Darmstadt 1929. Die Räume des Nusstellungsgebäudes sind neu hergerichtet worden. Durch Herausnahme von Zwischenwänden und Einbauten ist die herrliche Architektur des Erbauers Olbrich wiederhergestellt. 3n dem sogenannten Sektraum neben dem Hochzeitsraum wird ein Kaffeerestaurant eingerichtet. Die Eröffnung findet Sonntag, 16. 3uni, statt. (Eine deutsche Kunstausstellung in Paris. Fn der Pariser Nationalbibliothek wurde am Sonntagnachmittag durch den deutschen Botschafter von H o e s ch und den französischen Anterstaatssekretär für schöne Künste, Francois Poncet, eine Ausstellung moderner deutscher Graphik eröffnet. Sie ist als Gegenstück der im März d. 3. in der staatlichen Kunstbibliothek in Berlin veranstalteten Ausstellung moderner französischer Graphik gedacht und führt von Liebermann und Korinth bis zur jüngsten Gegenwart. Fhre Organisation liegt in den Händen des Direktors der staatlichen Kunstbibliothek, Pro- feffor Dr. Glaser, der von den Beamten der Nationalbibliothek unterstützt wurde. Die Ausstellung vereinigt mehr als 300 Werke deutscher Künstler und gibt ein anschauliches Bild der verschiedenen Kunstrichtungen. Auch Hans Thoma und Slevogt kommen zu Wort. Ebenso die bekanntesten deutscher Bildhauer, Graphiker, die Dresdener Schule und Käthe Kollwitz. Oie Wetterlage. «Ost s 9^ Coruna Dienstaa, nl 1929,7” aDds. Owolkenlos. O neuer. . Bestrebungen, scheitert vieles in der öffenllichen Gesundheitspflege. Deshalb hat die Ausstellung „Der Mensch in gesunden und kranken Tagen", die in der Gießener Dolkshalle noch bis zum 16. Juni gezeigt wird, es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen zunächst einmal über den Körper in gesunden Tagen zu unterrichten. Erst wenn alle die normale Tättgkeit und den normalen Dau des Menschenkörpers begriffen haben, können sie Krankheitsvorgänge in ihm verstehen und mit Erfolg und äleberlegung solchen Krankheitszufi änden Vorbeugen bzw. sie bekämpfen. Das Besondere der Ausstellung besteht nicht darin, daß tote Duchweisheit gebracht wird, sondern daß der Körper anschaulich, möglichst in voller Tätigkeit und Bewegung vorgeführt wird. Im Spiel geradezu lernt der Besucher alles, was für ihn wissenswert und wichtig ist. Außerdem sind die dargestellten Dinge zum Teil von hohem Schönheitswert. Wir erinnern nur an den durchsichtigen Menschen, jene Sammlung wundervoller durchscheinender Präparate. Mit immer neuer Begeisterung strömen aller Orten die Menschen in „Den Menschen", und nachdem sie den gesunden Menschen schätzen und lieben gelernt haben, studieren sie mit Eifer die Feinde der Gesundheit und anschließend die Mittel und Wege, gesund zu bleiben oder wieder zu werden. Es ist wohl selbstverständlich, daß auch in diesen Abteilungen von der bewährten Unterrichtsmethode nicht abgegangen, daß alles in lebendiger, anschaulicher Weise bar» geboten wird. Doch das wird der Besucher selbst sehen, und braucht hier nicht näher erörtert zu werden. Es ist nur zu wünschen, daß möglichst jeder sich diese Ausstellung „Der Mensch in gesunden und kranken Tagen" ansieht. Man beachte die heutige Anzeige. Daten für Donnerstag, 13. Juni. Sonnenaufgang 3.43 Uhr, Sonnenuntergang 20.16 Uhr. — Mondaufgang 10.36 Uhr, Monduntergang 0.26 Uhr. 1810: der Dichter Johann Gottfried Seume in Teplitz gestorben; — 1831: der Physiker James Giere Maxwell in Edinburg geboren; — 1878: Berliner Kongreß. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Anschluß um Mitternacht" und „Seine Heimat". — lieber die Sturmfahrt mit dem „Graf Zeppelin" spricht am kommenden Freitagabend auf Einladung des Goethe-Bundes der Redakteur Max Geifenheyner aus Frank- ■MFTWIMIUiaBXK". ■■■TOirWBOTIW III HIHI ■BMBMnn—M furt a. M. hier In der Neuen Aula der Universität. Man beachte die heutige Anzeige. — Wieder ein Ja n n i n g s - F i l m in Gießen. Das Lichtspielhaus Bahnhofstraße bringt von morgen ab den Film „Der Weg allen Fleisches" mit EmilIannings in der Hauptrolle zur Vorführung. Dieser Film hat bisher durch die große künstlerische Kraft Iannings' in allen Städten einen außerordentlich starken Erfolg gehabt. Man wird der hiesigen Vorführung mit Interesse entgegensetzen dürfen. •* Die Umgestaltung der Westan- l a g e wird in der nächsten Zeit zur Durchführung kommen. Die Arbeiten sind dieser Tage zur Vergebung ausgeschrieben worden. Es ist vorgesehen, den jetzigen Bürgersteig erheblich zu verbreitern, daran anschließend eine Fahrbahn von 9 Meter Breite zu schaffen und den übrigen Teil der Straße, der heute als Fahrbahn dient, entlang dem Bahnkörper anlagenrnäßig herzu- richten. In Verbindung mit dieser Neugestaltung der Westanlage sind Kabelverlegungsarbeiten notwendig, weiter ist die Herrichtung einer ordnungsgemäßen und neuzeitlichen Straßenbeleuchtung erforderlich. Die gesamten Umgestaltungsarbeiten werden voraussichtlich die ganzen Sommermonate über andauern. * Strahenherstellungsarbeiten. Mit Beginn der günstigen Witterung ist eine Reihe von Strahenherstellungsarbeiten in Gang gekommen. Zunächst wurde in der L ö b e r st r a ß e die Fahrbahn durch Einwalzen und durch Cin- auh von Kaltasphalt in ordnungsgemäßen Zustand gebracht. Diese Arbeiten sind jetzt im großen und ganzen beendet. Gegenwärtig wird an der dringend notwendigen Neugestaltung der Wage n g a s s e gearbeitet, wo an Stelle des bisherigen überaus schlechten Pflasters jetzt Guh- asphalt treten wird. Diese Arbeiten dürften in Kürze ebenfalls beendet sein. Weiter ist man zur Zeit mit der Instandsetzung der Stephan- it r a 6 e beschäftigt, die in gleicher Weise wie die Löberstrahe erfolgt. Der Stephanstraße sollen in der gleichen Erneuerungsart die Garten- st r a ß e zwischen Ludwigstraße und Straße am Nahrungsberg, sodann die Friedrich st raße zwischen Frankfurter Straße und Röntgenstraße, weiter die Rodheirner Straße (soweit diese noch ungepflastert ist) folgen. Durch diese Arbeiten dürfte den häufigen Klagen der Anwohnerschaft über den jetzigen Zustand der Straßen Rechnung getragen werden. Es ist begrüßenswert, daß die Stadtverwaltung trotz der angespannten Finanzlage in dieser einsichttgen Weise bemüht ist, den Erfordernissen der Verhältnisse und den Wünschen der Bürgerschaft Rechnung zu tragen. ** Gießener Porzellan. Wie man uns berichtet, wurde am vorigen Donnerstag in der Keramischen Dersuchswerkstätte der Gewerbeschule in Gießen zum ersten Male werkmäßig Porzellan gebrannt. Dieses Porzellan ist zum Teil aus Gießener Ton und Quarz und einem kaolin- arhgen Ton von Lang-Gon- zusammengesetzt. Da in Oberhessen kein Feldspat und Kaolin vorkommt, mußten diese beiden Materiallen anderweitig ersetzt werden. Den Ton von Lang-GönS stellte Herr Dern von Leihgestern, der früher im hiesigen Dergwerksbetriebe tätig war und für das Bergwerk in der ganzen Gegend zahlreiche Bohrungen ausführte, bereitwilligst zur Verfügung. Die aus diesem Porzellanbrand hervorgegangenen Stücke können, wie man betont, als gelungen bezeichnet werden. Die Stücke, gezeichnet vom 6.6.1929, dürften für unsere Stadt historische Bedeutung gewinnen. ** Heimatvereinigung „Schiffender g". Am 17. Juni 1129, also vor nunmehr 800 Jahren, wurde dem Erzbischof von Trier eine Urkunde überreicht, kraft deren Gräfin Giern entia von Gleiberg der Bruderschaft von der Regel des hl. Augustinus ein Stück Rod land auf der Skephenburc mit Wiesen-, Wasser- und Weidegerechtigkeit schenkte, damit sie sich ein Haus bauten und Gott und der heiligen Jungfrau dienten. Die Stunde, in der dieses Schriftstück übergeben wurde, ist die Geburtsstunde des Klosters Schiffenberg, „unseres Schiffenberg", wie ihn längst die Bevölkerung unserer Gegend nennt; eine Stunde, die wichtig genug ist, daß man ihrer in weitesten Kreisen gedenkt, wenn man in Betracht zieht, welche Bedeutung der Schiffenberg von jeher für die Stadt Gießen und ihre Umgebung gehabt hat. Aus diesem Anlaß veranstaltet die Heimatvereinigung „Schiffenberg" am nächsten Montag eine Gedenkfeier, zu der alle Freundinnen und Freunde des Schisfenbergs eingeladen sind. Eine große, der Wichtigkeit des Tages entsprechende Feier mußte mit Rücksicht auf die vielen diesjährigen Festlichkeiten in Gießen und Umgegend für nächstes Jahr verschoben toerben; doch ist zu hoffen, daß auch diese kleinere Veranstaltung eine recht erkleckliche Zahl von Freundinnen und Freunden des Schiffenberys dort oben zusammenführen wird. Jedermann ist herzlich willkommen. (Siehe heutige Anzeige.) ** Heugrasver st eigerungen der Stadt finden am Dienstag und Mittwoch nächster Woche statt. Interessenten seien auf die heu- ttge Bekanntmachung aufmerksam gemacht. Mache Dein Kind zu einem gesunden, kräftigen Menschen! Gib ihm MrrkeVe -d fnsch° Mjlchr Unserständig steigender Millionen-Umsafz sowie das 100jährigtf Bestehen unserer Firma beweisen am besten, daf; unser Original Builrich=Salz Verdauungsstörungen u. Sodbrennen ist. Versäumen Sie nicht# sich heute noch ein Paket für 60 Pfg. zu kaufen oder unseres Tabletten zu 0.25 und 1.50 RM zu versuchen. Auch Sie werden von der prompten Wirkung überrascht sein. Nur echt In blauer Packung mit dem Bilds des Erfinders. Bullrlch, Berlin W 57. Lichtspielhaus ihheb Der Weg allen Fleisches Niemand versäume diesen FilmI 5179C Helfender oöet Semem Ä von Mainzer Wetn - Großhandlung gegen hohe Provision u. evll. Taaes- ßögar Norrmann, Gießen. Ce0e 1L5?t* itaJ" 21 nSd0Fe unter 51821) an den Gieß. Anzeiger. 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Juni, nachmittags 4% Ubr, auf dem Schiffcuberg: Feier zur Erinnerung an die Gründung des Klosters: 1. V o r t r a g des Herrn Universitäts- Bibliothekars Dr. Walbrach. 2. Geselliges Beisammensein. Alle Mitglieder der Bereinigung, Freundinnen und Freunde des Schtffenbergs sind herzlichst eingeladen. [51G9D Eintritt frei! Ter Vorstand. Waschtische einzeln und doppelt in allen Ausführungen stets am Lager Rudolf Rüdiger, Gießen Walltorstraße 35 4925A LIEFERWAGEN Bei sibirischer kälte nie versagend, da nicht Wasser- sondern Pressluftkühlung Verlangen Sie unverbindliche Probefahrt! General-Vertretung: Donnerstag, den 13. Juni 1929, nachm. 2 Uhr, versteigere ich im ,^öwen", Neuenweg dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: zwei Klaviere, 6 Schreibtische, einen Teppich, drei Kassenschränke, zwei Eisschränke, eine Eismaschine, zwei Kredenzen, drei Reau» laioren, eine Ladentheke, zwei Ladenkassen, drei Vertikos, eine Flurgarderobe, 1 Chaiselongue, zwei Kleiberschränke, eine Kommode, ein Sofa, zwei Bücherschränke, eine Schreib- maschine, einen Aktenrollenschrank, drei Büfetts, zwei Diwane, einen Lastkraftwagen, zwei Spiegel, zwei Nähmaschinen, ein Schlafzimmerbild, einen Diwan mit zwei Sesseln, einen Tisch mit 9 Stühlen, einen Küchenschrank, drei Warenschränke, vier Photoapparate, ein Damen-Fahrrad, zwei Korbmöbelgarnifuren, drei Spiegel, 11,4 Meter Anzugstoff, 5% Meter Mantel- ffoff, 51,5 Meter Wattierleinen, 12 Meter Futterstoff, 4 Meter Litewkastoff. sibsd Bestimmt: 5 wollene Oamenkleider. MtSeditilsuoOiieöetln @iehen Eieinstraße 13 Sernruf 4101. la Portland Zement bester Qualität, unter Syndikatspreis 0. 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Nur noch wenige Tagei Ausstellung, .OsrlHensch“ Sondergruppe „Der durchsichtige Mensch“ Gießen, Volkshalle Täglich 6 Uhr: Aerztliche Führung. 4ssio Heute Vorträge: 4-7,6 Uhr: Stadtschulrat Dr. Stephan, Mannheim, über „Das schwer erziehbare Kind". - 7,6 bis 7 Uhr: Stadt-Med.-Rat Dr. Stephani, Mannheim, über „Die Bedeutung der Sinnesorgane für den Schulunterricht“. Karten zu den Vorträgen an der Ausstellungskasse. SeugrasverfieMnmg der Stadl Gießen. Dienstag, den 18. Juni 1929, und Mittwoch, den 19. Juni 1929, soll das Heugras von den städtischen Wiesen öffentlich meistbietend versteigert werden, und zwar: Dienstag, den 18. Juni 1929: vormittags 8% Uhr (Zusammenkunft am Schlachthof) von den Wiesen im Neustädter Feld, bei dem Schlachthof, Hohleiche und auf der Insel; vormittags IV^llhr (Zusammenkunft in der Restauration von Georg Schrimpf, Kaiserallee 4) die Wiesen an der Throm- schen Fabrik, eine Wiese hinter der Kläranlage, von den Wiesen „Am Weiher", am Ohleberg, im Heegstrauch, am Alten Steinbacher Weg (Rußland) und vom Obstbaumstück an der Sicher Straße in acht Abteilungen; nachmittags 2 Uhr (Zusammenkunft in der Restauration Philosophenwald) von den Wiesen im Wiesecktal, am Fürftenbnin- nen, an der Eselswiese und in der Schwarzlach, in neun Abteilungen. Mittwoch, den 19. Juni 1929: vormittags 9 Uhr (Zusammenkunft an Ort und Stelle) an der Anneröder Straße von den Wiesen am Allentisch und Utersbrunnen, anschließend an der Röd- ger Straße von den Ochsenwiesen und den Wiesen im Stolzen Morgen nachmittags 1 Uhr (Zusammenkunft an Ort und Stelle) von den Wiesen in den Gemarkungen Großen-Buseck und Rödgen. Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen wünschen, wollen sich an den städtischen Wiesenmeister Klos, Am Rodt- f Vermietungen | Schön möbliertes Wohn- und Schlafzimmer an älteren, besseren HerrniDauermteier» zu vermieten 5181D Babubositr. 87 L SellersiW 73 große Werkstatt, a. als Lager mit Bureau für soiort zu vermieten. 4257D NähereS: A. lecker, Keplerstrane Nr. 9, Telephon Nr. 1043. Frische Fische n Fiscblilels in bester Qualität 03737 Fisch-Spezialhaus Cuxhaven Marktstr. 14 Gießen Tel. 2417. Herren- und andere Wäsche wtrdgcwajchenund gebügelt b.schonend. Behandlung «Rasen- bleiche«. Auf Wunsch ausbessern.Annahm. von Bügel-Wäsche aller Art. Mlciber, BlusenGardtnen etc. in und außer dem Hause. Lndwißstr.SH.p. | Vereine | Gesangverein Heiterkeit Donnerstag! Juni, Singstunde b. Mttgl. Faulstich. Vollzähl. Erscheine« dringend erb. 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M., vormittags 9 Uhr, wird das Heugras von den fiskalischen Wiesen in den Gemarkungen Garbenteich, Leihgestern, Schiffenberg und Watzenborn, das Gras von Schneisen, Mähplatten, den Eisteichen, dem Peters- weiher und der Klosterwiese in der Wirtschaft des Georg Sommer VI. zu Watzenborn versteigert. Da teilweise Neueinteilung stattgesunden hat, wird empfohlen, die Lose vorher einzusehen. 5171D Gießen, den 11. Juni 1929. Hessisches Forstamt Schiffenberg. Nicolaus. Handwerker-Versammlung am Sonntag, dem 16. Juni 1929, nachmittags 3 Uhr, im Saale der Restauration Wagner in Großen-Buseck. Wir laden hierzu alle Handwerker des Busecker Tales ein. Tagesordnung: 1. Altersfürsorge für das hessische Handwerk Referat des Herrn Syndikus Röhr von der Handwerkskammer- Nebenstelle Sitz Gießen 2. Gründung eines Ortsgewerbevereins „Busecker Tal“ 3. Verschiedenes Todes-Anzeige Heute morgen um 37. Uhr entschlief sanft unser einziger Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Karl Appel im Alter von 15 Jahren. In tiefer Trauer: Familie Jacob Appel nebst allen Angehörigen. Krofdorf, den 11. Juni 1929. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 13. Juni, nachmittags 3 Uhr, in Krofdorf statt 3168 V Suche zum baldigen Eintritt einen jung. Mann als 5162D Molkerei- Lehrling. Gute Ausbildung u. gute Behandlung zu- gesichert. Werte Angebote an Molkereiverwalter Robs, Ulfa b.Nidda,Oberh. Mtapädcta zu Kindern und zur Hilfe im Hanse für vor- ob. nachmittags sofort gesuchl. Wo? sagt die GeschästSst. b. Gieß, Anz. 03742 awralrifeot I. Kraft verf.inKurz-u.Lang- haar, auch Wasser- wellen, und ein SmWse« st. Kraft für einen Badeort foloTt gesuchl. Schriftl. Angebote unter 03727 an den Gießener Anzeiger. Tllchllges Geboten: 6 • Zimmer * Wohnung mttBad,Balkon und allem Zubehör in schöner Lage. Geeucht in Tausch 5-Zimmer-Wohnung pari, oder I. Stock, >n zentraler Lage. Genaue schrifll. Angeb. umg.u.5166Da.d.G.A. Ollllllllllllllllllllllllllllllllü Achtung! 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Juni 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Für den Büchertisch Lyrik und Epos müssen Neue Kriegsbücher Tier- und Menschenseele aufblitzt, oder in »Baracke 26“ ein Capriccio von Scherz, Ironie und tieferer Bedeutung auf uns losläht — immer ist man gefesselt und angeregt. Und wenn man das ganze Buch in sich ausgenommen hat, legt man es nachdenklich und betroffen von seiner menschlichen Gesinnung aus der Hand. logisch höchst reizvolle Geschichte von den »Erweckten in Königsberg“, jener pietistischen Sekte aus der Zeit Kants, erzählt, ob er uns im „Bedenklichen Kauf“ einen geschriebenen Alfred Kudin von grausigem Humor schenkt, ob er uns in der „Hunderache“ ein Rachtstück aus der „Rätezeit“ malt, in dem das Geheimnis von nicht erreicht. Wir nennen „Der Irre“, „Verwandlung“, „Die kleine Mutter“. Die auffallendste Erscheinung in diesem Buche ist Erich Kästner. Ein entschiedenes 5ormtalent. Er hat einen ganz unsentimentalcn, aggressiven, oft satirischen und nicht selten verletzenden Ton, der allervi;ig3, historisch gesehen, über Wedekind zu Heine zurückführt ; seine Art ist am besten mit dem Berliner Ausdruck „keß" bezeichnet. Seine Verse haften lange im Ohr, haben aber mit reiner Lyrik eigentlich nichts mehr gemein. Eines der besten Gedichte im ganzen Bande stammt von einem bisher unbekannten Dichter, Karl Ludwig Skutsch: es heißt „Jede Rächt". Von Adolf Georg Bar- t e l nennen wir „Pan hebt den Fuß", von D a r t u s ch e k den „Choral des Einsamen“. Sehr wirr und oft unverständlich die Proben von Be° Haim-Schwarzbach und expressionistische Gebilde von D o b 6. Von den beiden Frauen — Gerhart Hauptmann: Die Blaue Blume. Mit einem Essay „Hauptmann als Versdichter" von Hans von Hülsen. Reclams Llniversal-Dibliothek Rr. 6970. Geheftet 40 Pf., gebunden 80 Pf., in Ganzleder 5 Mk. (158.) — Dieses schon vor einigen Jahren entstandene Versepos Gerhart Hauptmanns war bisher so gut wie unbekannt (es ist lediglich früher in einer Auflage von 140 Exemplaren als Luxusdruck hergestellt worden). Hans von Hülsen, dem wir schon verschiedene Studien über Hauptmanns Dichtkunst verdanken, und der auch seinen äußeren Lebensweg in einer kürzlich in der Llniversal» Bibliothek erschienenen Biographie dargestellt hat, gibt im Anhang einen Heberblid und eine Analyse aller Versdichtungen Hauptmanns. Heber die Entstehungsgeschichte aeä vorliegenden Werkes sagt er; „In dem schönen, in Bozen verlebten Frühling des Jahres 1923 ist Gerhart Hauptmann die kleine Dichtung „Die Blaue Blume“ erwachsen, die nun als eine Probe seiner Verskunst — eine Probe, nicht mehr — dem „Bahnwärter Thiel“, jener frühen erzählerischen Probe folgend, in die Universalbibliothek eingeht. Unschwer erkennt man hinter dem durchsichtigen Schleier in dem Felseneiland Leute, das der Dichter-Demiurg mit seinem kleinen, „gedankenschnell dienenden“ Führer durchwandert, um die Schatten geliebter Frühvollendeter zu treffen — den Bruder, die erste Gattin, einen Freund —, unschwer erkennt man das paradiesische Capri, auf dem der Jüngling einst, vor (Sonnenaufgang, den Traum seines Prome- thiden im Geiste Lord Byrons geträumt hat. Mit dem frühesten Werk des jungen Hauptmann teilt dies Werk des Alters die Form, die acht- zeilige Stanze, in der Tasso die „Gerusalemme liberta“ besang. — Anthologie jung ft er Lyrik. Herausgegeben von Willi Fehse und Klaus Mann. Geleitwort von Rudolf G. Binding. 166 Seiten 8°. Reue Folge. Gebrüder Enoch Verlag, Hamburg. — (143) — Dies ist die zweite Auflage der seinerzeit ausführlich bei uns besprochenen Sammlung, die von Stefan Zweig eingeleitet wurde: diesmal schrieb Dinding das Vorwort: gut und nachdenklich, aber nicht so leidenschaftlich an die Sache hingegeben und nicht von so programmatischer Haltung wie jene Einführung von Stefan Zweig. Bei Binding macht am tiefsten Eindruck eine kleine Bemerkung, welche besagt, daß die hundert Gedichte dieses Bandes aus siebentausend eingegangenen Gedichten aus- gewählt wurden. Siebentausend! Richts kann die gegenwärtige lyrische Situation besser kennzeichnen als öiefe Zahl. — Die jungen Dichter dieses Bandes sind namentlich großenteils schon bekannt, Richt aus der ersten Auflage, aber aus anderen neuerdings erschienenen Anthologien. Der begabteste auch in dieser Sammlung ist für unser Gefühl wiederum Manfred Hausmann, obwohl er die besten Stücke in der von Reel am herausgegebenen Sammlung künstlerisch hier dieses' Bandes scheint Martha S a a l f e l d das stärkste Talent zu sein. Von Ossip Valenter die „Herbstlichen Stanzen" und „Die. Erlebnis von allgemeiner Gültigkeit steht. Mit Entschiedenheit abzulehnen sind aber Romane, wie der vorliegende, in denen das große Thema zum Vorwand genommen wird, um politische oder volkswirtschaftliche Privatmeinungen daran zu demonstrieren. Dies eben gab ja den Büchern von Renn und Remarque ihre Größe und Gültigkeit, daß sie sich von jeglicher Politik und aller Tendenz fernhielten, und daß ihre Einzelaussage gewissermaßen eine Stimme im großen Chor der Namenlosen blieb und im Schicksal einer überwältigenden Allgemeinheit legitimiert wurde. Der vorliegende Roman wird in maßloser Ueberschätzung vom Verlage als Gegenstück zu „3m Westen nichts Neues angekündigt. Davon kann in feiner Weise die Rede sein. Chemnitz will, wie er im Vorwort sagt, das Kriegsgeschehen in seiner Totalität darstellen. Das gelang ihm so wenig, wie es Remarque oder sonst jemandem vor ihm gelungen wäre. Der Verfasser ist einfach dem Riesenvorwurf nicht gewachsen. Er scheitert daran — wenn man einige halbwegs gelungene Szenen der großen Augustschlacht 1918 ausnehmen will — vollkommen; vor allem schon sprachlich. Das Buch ist in einem unmöglichen Deutsch geschrieben, das von Entgleisungen und Stilblüten strotzt. Nur eine ganz klare, schlichte, sachliche Diktion konnte dem übermenschlichen Erlebnis gerecht werden. Hier aber versagt fast auf jeder Seite ein hilfloser Wortschwall vor der Aufgabe einer großen Gestaltung. — <5i e g e r t, Ger h ar d, Kriegstagebuch eines Richtkanoniers. Leipzig. K. F. Koehler. Steif kartoniert 3.85 Mk. Ganzleinenband 5.50 Mk. (147) — Der aktive Soldat ging als Glied des großen Heeres ins Feld, mit der Selbstverständlichkeit, wie es 1914 die Dolks- stiinrnung forderte. So rollt der Gefreite Siegert mit feinem Geschütz in Feindesland, lernt die Verwüstungen des Krieges kennen, fühlt das Herannahen des entscheidenden Tages, an dem er zum erstenmal beweisen soll, daß er auch im feindlichen Feuer seinen Marrn stehen kann. Die Aufregungen der Kämpfe, das Stilkhalten im feindlichen Feuer, die übermenschlichen Anforderungen des Dor- uni) Rückmarsches stellen immer neue Ansprüche an Herz und Gemüt des deutschen Soldaten, der, friedlich von Ratur, bewußt seiner Pflicht gegen das Vaterland, erträgt, was ertragen werden muh. Die Vernichtung einer französischen Batterie innerhalb weniger Minuten, der rasende Galopp durch ein brennendes Dorf, die Schilderung eines Schlachtfeldes, schließlich die Abwehr eines Alpenjägerangriffes auf die Geschütze aus nächster Entfernung sind in dem Buch spannend geschildert. — Wilhelm Michael: InfantristPer- h o b ft I e r. Mit bayerischen Divisionen im Weltkrieg. 360 Seiten 8°. Kart. 4, Leinen 6 Mark. Rembrandt-Verlag, Berlin. — 230. — Dieses Werk ist innerhalb der immer zahlreicher auftretenden Kriegsbücher am zweckmäßigsten etwa auf einer mittleren Linie zwischen Renn und Remarque einzuordnen. Es ist nicht so trocken, so nüchtern, so erschreckend sachlich und temperamentlos wie die Schilderung von Renn; aber es erreicht auch weder die grandiose Geschlossenheit des menschlichen Erlebnisses noch die künstlerische Reife des Buches von Remarque. Michael verfolgt vor allem eine ausgesprochene und sehr energisch geäußerte Tendenz mit seinen Erinnerungen: er wendet sich gegen ein falsches Heldenideal und eine unwahre Glorifizierung des Frontsoldaten ..., „aber wir wollen auch nicht, daß man uns mit vollen Hosen durch die Geschichte zerren darf, gar wie ein Trottel gleich dem Soldaten Schwejk." Dies erklärt sich wiederum aus der Gesamteinstellung des Verfassers; er empfindet den Frontsoldaten als einen gleichsam in ein versunkenes Jahrhundert verwandelten Menschen, als Landsknecht gewissermaßen, und er findet sich mit dem Kriege ab, ohne so .furchtbar darunter zu leiden, wie etwa Remarque und andere. Denn er ist ein guter, tüchtiger, schneidiger Soldat, Infantrist mit Leib und Seele, als Vize und Offizier noch immer dem gemeinen Muskoten innerlich mehr verbunden und zugetan, als der neuen Würde, deren Verantwortlichkeit er gleichwohl begreift und in bewußtes Handeln umsetzt. 3m Ganzen ist die Darstellung zersplittert und episodisch, künstlerisch und menschlich ungleich, kein großes, innerlich geschlossenes Werk; dazu enchält es zuviel Unwichtiges, nur Persönliches (ohne Gemeinschaftsgeltung), sicherlich auch manche Uebertreibungen und Kraßheiten ... Dennoch steigert auch dieses Buch sich in einigen Kapiteln zum Range eines wichtigen und durchaus des Lesens werten Dokumentes aus dem großen Kriege. — Walter Chemnitz: Das schwarze Schicksal. Roman. 254 Seiten 8°. Brosch. 3,50 Mark, Seinen 5 Mark. Verlag Deutscher Wille, Berlin-Birkenwerder. — 207. — Die gegenwärtig bestehende Hochkonjunktur für Kriegsbücher führt nachgerade zu sehr bedenklichen Erscheinungen. Daß das große Thema spezialisiert wird, daß nach dem Frontsoldaten im ureigentlichen Sinne, nach dem Infanteristen im ersten Graben auch die Artilleristen, die „Pflasterkästen", die Schipper mit ihren Erlebnissen und Eindrücken sich zum Wort melden, mag noch hingehen, solange hinter dem Buch ein starkes, eigenes und übers Privat« hinausreichendes Reiseliieraiur. — Kasimir Edschmid, Das große R e i s e b u ch. Von Stockholm bis Korsika. — Don Monte Carlo bis Assisi. Deutsche Buch- gemeinschaft Berlin SW 68 (146). — Der Leser sieht, wie in Monte Carlo gespielt wird, er erfährt über den ungeheueren Luxus in Rizza eine Menge, er lernt St. Moritz während der Saison kennen. Er wohnt einem italienischen Pserderennen bei, das der umbrische Adel veranstaltet, und lernt Stockholm kennen. Die deutsche Landschaft bei Wetzlar mit Goethes Erinnerungen ist nie so romantisch, der Bamberger Dom nie so wuchtig, Bayreuth nie so graziös, die bayrischen Seen sind nie so schön geschildert worden. Der Schwarzwald, Rothenburg, Würzburg, die Lahnstädte und die Dogesen sind mit ergreifendem Cinsühlen hingemalt. Am Schluß des Buches, das ganz Europa durchwandert, steht ein großes Bekennen zu Deutschland. Dieser Gedanke geht durch alle Kapitel des Bandes: ob Edschmid das Schicksal der Goten in Ravenna oder eine Kirche in Arles betrachtet, überall verfolgt er die deutsche Geschichte mit Liebe und Wehmut. . , _ — Fritz Löwe, Fahrten durch Ror- wegens Märchenwelt. Berlin, Pontos. Der lag G. m. b. H., 94 Abb. und eine Karte. Ganzleinen 7 Mk. (235) — Fritz Löwe genießt als Reiseschriftsteller in der deutschen und ausländischen Lesewelt Ruf. Rachdem er viele Jahre Rorwegen durchstreift hat, berichtet er in diesem Buche von seinen Eindrücken im Land der Mitternachtssonne. Das fesselnde Buch kann als Musterbeispiel lebendiger, anschauungsvoller Schilderung gelten. Es bedeutet ein warmherziges Bekenntnis zur Schönheit der norwegischen Ratur und der wohltuenden Gastfreundschaft der Bevölkerung. Den Unzähligen, die alljährlich eine Rordlandreise machen, wird es ein vortrefflicher Begleiter, denen, die die Raturschön- heiten Rorwegens kennen, eine liebe Erinnerung — Thüringer Wald. Rördliches und südliches Borland, Oberes Saaletal, Thüringisches Vogtland. Mit 23 Karten, 24 Plänen und zwei Rundsichten. Bearbeitet unter Mitwirkung des Thüringerwald-Dereins und des Rennsteigvereins. 26. Auflage. 1929. In Leinen 4,50 Mk. („Meyers Reisebücher“). Bibliographisches Institut AG. in Leipzig. — (273) - Dieser Band weist außer einer gründlichen Durcharbeitung des alten Stoffes eine Erweiterung des behandelten Gebietes auf, und zwar durch Einfügung neuer Zugangswege von Süden und Rordwesten her, mit den dazugehörigen Stadtbeschreibungen wichtiger Plätze. Den Bedürfnissen der mit eigenem Auto reisenden Besucher des Thüringer Waldes wurde durch Angabe der Autowege sowie der Parkplätze und Reparaturwerkstätten aller größeren Orte entsprochen. Dem Wintersport ist ein besonderer, ausführlicher Abschnitt der Einleitung gewidmet. Der Wanderer findet eine ausgiebigere Berücksichtigung der Wandettvege des Thüringerwald-Vereins, die den touristtschen Wert des Bandes erhöht. — Meyers Reisebücher: Allgäu, Bodensee, Bregenzer Wald und Schwäbische Alb. 3. Auflage. 1929. Mit 15 Karten, 11 Plänen, 7 Grundrissen und 3 Rundsichten. In Leinen 5 Mk. Verlag Bibliographisches Institut A-G., Leipzig, CI (275). Die neue Auslage dieses Führers zeigt eine bedeutende textliche Erweiterung. Zu den als Eingangspforten beschriebenen Städten München, Augsburg und Ulm gesellt sich Stuttgart, die modernste Stadt Süddeutschlands. Außerdem wurde auch eine touristisch brauchbare Führung durch die in dem Dreieck Stuttgart—Lllm—Bodensee sich ausbreitende Schwäbische Alb, eins der reizvollsten Wandergebiete unserer Mittelgebirge, neu eingefügt. Auch die ursprünglichen Reisegebiete des Bandes weisen eine gründliche Reubearbeitung auf. Das gute Kartenmaterial wurde zweckmäßig erweitert. Die Benutzung der Pläne aller größeren Städte ist durch die Beigabe von Stratzenverzeichnissen erleichtert. Die neue Gebietserweiterung des in Text und Karte auf den neuesten Stand gebrachten Führers wird vielen Erholungsreisenden erwünscht sein. Romane. — Klaus Gustav Hollaender, Martin KressandersParadies. Ein Roman. In Leinen gebunden 7 Mk. Verlag von Albert Langen in München (137). — Der junge Martin Kressander, Weltwanderer aus innerstem Beruf, trifft tief im ilrtoalö Brasiliens, am Vcchura, einen todkranken Amerikaner neben einem fast Wahnsinnigen. Selbstverständliche Hilfeleistung bringt ihn in die äußerste Gefahr. Seine inbta- nischen Ruderer verlassen ihn aus Furcht vor dem „bösen Geist“, dem Irren. Dieser stiehlt das einzige Kanu und verschwindet. Unsäglicher Kampf mit den giftigen Gefahren des Urwaldes und des steigenden Flusses hebt nun an. Martin Kressander und sein Gefährte werden endlich, schon halb verttert, von einer Expedition unter Leitung eines prachtvollen Mädchens, der Tochter des Amerikaners, aufgefunden. Leben und Freude winken noch einmal. Aber nicht zu ihnen führt Martin Kressanders Weg. Eine geheimnisvolle Verbindung von Seele zu Seele mit einem kranken jungen Iudenmädchen klingt wie eine Stimme aus einer anderen Welt an fein Ohr und führt ihn in die europäische Heimat zurück. Aber dort muß Martin Kressandev erleben, daß auch dieses Wunder nur einen Ruß in seine eigne Einsamkeit bedeute. Freilich geht es dann bem_ in das Schweigen des lockenden Urwaldes Zurückgekehrten erst am Todestor auf, daß sich Paradiese nicht erwandern lassen. — Otto Stoessl: M e n sch e n d ä m m e- r u n g. Novellen. 306 Seiten 8°. Umschlag- und Einbandzeichnung von Robert Haas. Geh. 6. Leinen 8,50 Mk. Verlag Albert Langen, München 1929. (136.) — Die im vorliegenden Bande vereinigten zehn Erzählungen des vor allem als Erzähler bekannt gewordenen Wiener Hofrats Dr. jur. Otto Stoessl zeichnen sich vor allem durch die Besonderheit der literarischen Erfindung, die Eigenart und die pshchologisierende Haltung der Fabel aus. Ob er uns, mit dem langen Atem des geborenen Epikers, die PsychoFischer von Peschiera" eine lobende Erwähnung finden. — Im übrigen macht auch diese Anthologie — Gott sei dank — noch nicht den Eindruck, als ob das „Geständnis einiger Dichter" (von Kästner) Gemeingut der jungen lyrischen Generation werden wollte; das fängt so an: „Wir sollten lieber mit Effekten handeln! Das Dichten ist, weiß Gott, nicht mehr modern. Ach, auf fünf Füßen durch die Reuzeit wandeln, ist kein Beruf für Herrn ...“ — Bänkelbuch. Neue deutsche Chansons. Her- ausgeaeben von Erich Singer. 212 Seiten kl. 8°. E. P. Tal & Co., Verlag, Wien, Leipzig, 1929. — 231 — Das hübsch ausgestattete Bändchen erweist ich als eine zeitgenössische Fortsetzung der „Deut- chen Chansons", jener verbreiteten Anthologie, in >er sich Bierbaum, Dehmel, ßiliencron, Wedekind, Arno Holz und andere Brettlsänger der älteren Generation ein Stelldichein gaben. Die 3dee ist die gleiche geblieben; die Namen haben sich gewandelt: hier finden sich Hans Adler, Csokor, Hermann Hesse, Franz Hessel, Erich Kästner, Kerr, Kiabund, Lichtenstein, Walter Mehring, Erich Mühsam, Schickele, Erich Singer, Theobald Tiger, Betthold Viertel und Konrad Weichberger zusammen; von der alten Garde nur Wedekind. Der Herausgeber bedauert, daß es feinen Verführungskünsten nicht gelungen sei, den prinzipiellen Widerstand der Herren Joachim Ringel- natz und Bert Brecht zu beseitigen. Die fehlen also. Aber der Band ist auch so noch abwechslungsreich genug. Der Ton ist, im Vergleich zu den „Deutschen Chansons", minder literarisch, dafür aber schärfer und sachlicher geworden. Es weht ein kräftiger Wind in diesem Büchelchen, und die Bänkellieder, Chansons, Couplets und Gassenhauer sind fast alle ungeheuer angriffsluftig, frech, witzig, schonungslos und oft von einer schon unlyrischen Deutlichkeit. 3n seiner Gesamthaltung ist das Bändchen übrigens ein nicht uninteressanter Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Lyrik und des lyrischen Dichters im 20. Jahrhundert. Aus fremden Literaturen. — Knut Hamsun, Das letzte Kapitel. Autorisierte ilebe.tr agur.g aus dem Ror- wegischen von Erwin Magnus. (Dolksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G.m.b.H.» -Berlin-Charlottenburg 2.) — 184 — Sanatorium und Sennhütte sind die gegenständlichen Symbole der großen Kontraste, aus deren Empfindung heraus Knut Hamsun in diesem Werk Haß und Liebe, Unfälle und Verbrechen, unüberbrückbare Gegensätze und unauflösliche seelische Verbundenheit zu einem Epos der Menschheit gestaltet hat. (Halbleder gebunden, 3,70 Mk.) — Barbra Ring: Anne Karine Corvin. Erzählung. Einzige berechtigte ilebersehung aus dem Rorwegischen von Cläre Greverus M j ö c n. 161 Seiten 8°. Umschlag- und Einbandzeichnung von Olaf Gulbransson. Geh. 3, Leinen 5 Mk. Verlag von Albert Langen in München. (201) — Anne Karine Corvin, auf einem einsamen Gut ausgewachsen und von Mannsleuten, Vater und Onkel, mehr zum Jungen als zum Mädel erzogen, soll sich doch endlich etwas Schliff in der „Welt" holen und beträgt sich in der kleinstädtischen Gesellschaft ebenso wie daheim in Feldern und Ställen. Die Geschichte dieses jungen Mädchens — das sich bald als ein vollendetes enfant terrible mit zweifelhaften Manieren entpuppt — erweist sich als eine harmlose ilnterhaltungsware von recht gezwungenem und altbackenem Humor. Es ist ernstlich zu erwägen, ob ein Verlag wie Langen nicht besser daran getan hätte, statt eines neuen Liebersetzungswerkes, woran ja nachgerade kein Mangel herrscht, einen tüchtigen jungen einheimischen Autor an die Oeffentlichkeit zu bringen. Es gibt ihrer genug, die darauf warten und die Wichtigeres vorzubringen haben als Dcrbra Ring. — Ra dcliffe Hall: Quell der Einsamkeit. Deutsch von Eva Schumann. Gebunden 10 Mk. 476 Seiten, 8°. Paul List, Verlag, Leipzig. — 212. — Dieses in England beschlagnahmte und öffentlich verbrannte Buch behandelt eins der heikelsten Probleme des Eros in der Form des Romans. Ob eine Uebertragung ins Deutsche als unabweisbare Notwendigkeit zu betrachten ist, muß zweifelhaft bleiben, obwohl das Thema ein großes und verzweigtes Gebiet berühtt, das gerade bei uns heute mehr denn je im Brennpunkt des Interesses der gebildeten Welt steht und noch immer, teils leidenschaftlich, teils sachlich diskutiert wird. Der bekannte englische Sexualpsychologe H. Havelock Ellis hat dem Roman ein empfehlendes Vorwort geschrieben, in dem auf die psychologische und soziologische Bedeutung des Wertes hingewie- fen wird. Verschiedenes. — Prof. D r. Rudolf Reinhard: Weltwirtschaftliche und politische Erdkunde. 6. Auflage. Mit 212 Kartenskizzen und graphischen Darstellungen. In Ganzleinen geb. 7,80 Mark. Verlag Ferdinand Hirt, Breslau. — 228. — Die 6. Auflage des vorliegenden Buches, das seit mehr als einem Jahr auf dem Büchermärkte fehlte, ist in stark erweiterter und umgearbeiteter Form erschienen. Die Darstellung ist auf den neuesten Stand gebracht und durch zwei neue Abschnitte ergänzt worden, durch ein kurzes einleitendes Kapitel über die Grundlagen der Wirtschaft und eine Darstellung der Fruchthaine und Rebengelände der Erde. — Die Textskizzen — Karten, Lagepläne, Diagramme — sind in modernen Darstellungsformen gegeben. Ihre Zahl wurde erbeblich vermehrt. Aus engsten Zusammenhang zwischen Text und Skizze wurde Wert gelegt. Die Darstellung ist bei aller Knappheit flüssig und lesbar. — Häuptling Büffelkind Langspeer. Eine Selbstdarstellung des letzten Indianers. 268 Seiten 8° mit acht Bildtafeln. Deutsch von Dr. Hans Rudolf K i.e d e r. Gebunden 10 Mark. Paul List Verlag, Leipzig CI. — 209. — Mit diesem Buche tritt ein wirklicher Indianer vor uns. Es ist fein Roman und keine romantische Erfindung, sondern eine lebendige Darstellung des vielfarbigen Jn- dianerlebens von der Geburt im Tipi bis zum Singen des Sterbeliedes, und von den Tagen des freien Umherstreifens auf der endlosen Prärie bis zum letzten hoffnungslosen Kampf gegen den weißen Eindringling. Wir erleben das Heranwachsen eines Knaben im Zeltdorf, die Spiele, Jagden, Kämpfe, die geheimnisvollen religiösen Feiern, — dann die Verwirrung und Zersetzung, die der Weiße in dieses Dasein bringt, bis schließlich der Knabe, der zum Krieger erzogen wurde, in der Missionsschule schreiben und graben lernt. — Riekammers Landwirtschaftliche Güteradreßbücher, Band VI 2. Regierungsbezirk Kassel mit Waldeck (Provinz Hessen-Rassau, 2. Teil) herausgegeben im Auftrage der Landwirtschaftskammer Kassel nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben der Landwirtschaft. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe des Reg.-Bezirkes bis zur Größe von etwa 15 Hektar herab. Mit einer mehrfarbigen Karte. Geheftet 12 Mk., gebunden 15 Mk. Leipzig C 1, 1929. Verlag von Riekammers Adreßbüchern G. m. b. H. — (762) Das hiermit erstmalig erscheinende, auf Grund amtlicher Unterlagen und direkter Angaben der zuständigen Behörden sowie der einzelnen Landwirte aufs sorgfältigste bearbeitete Adreßbuch gibt genaue Auskunft über den gesamten landwirtschaftlichen Grundbesitz, unter besonderer Berücksichtigung auch des mittleren und kleinen Besitzes, die Gesamtfläche und den Flächeninhalt der einzelnen Kulturen, den Diehstand, alle industriellen Anlagen und Fernsprechanschlüsse, Besitzer, Pächter und Verwalter, Post-, Telegraphen- und Eisenbahnstationen, Amtsgerichte usw. Das ganze umfangreiche Matettal ist in der äußerst prakttschen Form von Tabellen so übersichtlich ungeordnet, daß jeder Interessent ohne weiteres genaueste und unbedingt zuverlässige Angaben findet. Riekammers Güteradrehbücher sind wichtige und unentbehrliche Handbücher und Rachschlagewerke für die gesamte Landwirtschaft und die mit dieser in Verbindung stehende Handels- und Industriewelt. Interessenten für das in diesen Güteradrehbüchern enthaltene, ausführliche und zuverlässige Adressen-Matettal sind außer den Landwirten selbst: landwirtschaftliche Maschinenfabttken und -Handlungen, Gütermakler, Futtermittel- und Viehhändler, Hotels und jeder Geschäftsmann. Sinne des § 10 Absatz 1 Ziffer 3 deS ZwangS- versteigernngsgcsetzeö. Aach dieser Bestimmung und nach 8 155 Absatz 2 Ziffer 1 der Dienstvorschriften für das Verfahren der Zwangsvollstreckung im Verwaltungsweg vom 10. April 1894 ist im Falle der Zwangsversteigerung eines Grundstücks die auf ihm ruhende kommunale SonderLebäudesteuer mit den laufenden und den ovt den letzten zwei Jahren rückständigen De'-äge vorzugsweise aus dem Grundstück zu befriedigen und gemäß § 49 ZVG. von dem Ersteher im Verteilungstermin bar zu berichtigen. Ach. da kennt ihr den Krummholz schlecht! - » orflt tote im Trabe. Aber dann wacht er Am nächsten Tage erst. Angst und Derzweif- ch" tote einen abgemagerten Sigerl Er stoßt er schiebt und stößt und wühlt. Ist nicht»! Srauß«n, der flan- 011^8 Himmel, wie ein Magnet, der über und ihn aus Moder und Sand zieht. Als er das erste Krümchen Licht auf sei- nen erdigen Händen merkt, verläßt ihn die Kraft Stumm, wie ein Stein liegt er da. Aur die Augen leben noch. Furchen und Striche im Gesicht. Wie gepeitscht. Sogar das Schweigen ritzt sich in das Soldatengeiicht. Gießener Stadttheater. Walter Hackctt: „Die Frau des Andern". Edgar Wallace mit seinem „Hexer" liegt zwar wenn wir uns recht erinnern, schon eiyige 3ähr> chen zurück, doch Kriminalstücke scheinen immer noch in Mode. Für den Kritiker zweifellos nicht unsympathisch, denn hier ist seine wesentliche Aufgabe schweigen! schweigen in allen Tonarten. Aur ein Wort zuviel, und das geehrte Publikum schmunzelt verständnisinnig, der Herr Intendant ringt die Hände: „3a. wie konnte er nur!" Also wir verraten nichts! Es fällt auch, offen gestanden, schwer, aus diesem Kriminalragout von blitzschnell wechselnden Situationen, sich überstürzenden Ereignissen, urplötzlich vertauschten Vollen alle Fäden zu rekonstruieren, die Herr Hackett hier mit anerkennenswertem Geschick für dunkle Verwicklungen und überraschende Entwirrungen fleißig gesponnen hat. Ein jeder protzt ja gelegentlich gern einmal mit seinem kriminalistischen Instinkt, glaubt, an chm sei eine Welt, ein Sherlok Holmes, oder Aick Carter verlorengegangen, aber in dem Hackettschen Labyrinth zurechtzukommen, der Ge- danke schon wäre vermessen. Also kommt und seht selber, wie ihrs entwirrt. Es wäre fade. Herrn Hackett mit literarischen Aspirationen kommen zu wollen, ihm zu bewei« sen, daß sein opus Kitsch ist. Unter dem Re- gime des Sommerfahrplans verlangt man Unterhaltung. Spannung, Witz, Laune. Nichts weniger wurde geboten. Intendant Dr. P rasch brachte ein flottes, atemraubendes Spiel, nicht einen Augenblick durfte der Blick von der Bühne schweifen, auf der Ilse Jahn, geschmeidig, raf- finiert, jeder Situation gewachsen, vom simplen Kammerzöfchen bis zur großen Verbrecherin in allen Farben schillernd, mit ihren Verführung-^ künsten alle in die Tasche steckt und zu guter Letzt auch ihren großen Antipoden, den von Hans Hais sehr elegant, sehr schlau, sehr überlegen, sehr ironisch gespielten Detektiv hineinlegt. Kein Wunder, daß chr ein so harmloser Junge wie Antony Peel (Eduard Wesen er) blind ins Garn läuft und Angela Worthing (Trude H e ß) in der etwas unglücklichen Rolle der Zofe wider Willen Gift und Galle gegen die überlegene Konkurrentin ist. Don den übrigen: Franz Arz- d o r f, ein sympathischer Schurke, wie er leider nur in Kriminalstücken zu Hause ist. — Wir Oer vergessene Soldat. Von Max Zungnickel. „Zurück!" Dieses Wort schließt langsam die Schleusen des Blutes. Der Krieg ist wohl aus. 1918.. Und der flandrische Regenwind weht. — Das Regiment wankt müde und nah. vor Hunger und Elend wie betrunken, dem Rheine zu. Dem großen Strome zu. der einmal blitzend durch Soldatenlieder rauschte. — Aber das viele Blut, das da tropfte und der unaufhörliche Regen haben die Lieder fortgeschwemmt, ganz nah an die fahle Insel Vergessen. — Der Krieg ist wohl aus? Wie der Punkt hinter einer apokalyptischen Ballade haut eine Granate in den deutschen Frontabschnitt. Krummholz, ein Thüringer, kriecht im Unter- stand auf allen vieren, sucht sein Soldbuch, tastet hierhin und dorthin. Ein Lichtstumpi fun- seit. — Da hat er das verschweißte, verdreckte Buch. Will hoch, ans Licht, ist schon auf der glitschigen Treppe. Da stößt die französische Granate wie ein stählerner Geier auf den Unterstand. Der haut zusammen wie eine Streichholz- schachtel. — Krummholz sieht das Licht nicht mehr. Er weih nichts mehr. Krummholz ist verschüttet. Und das Regiment wankt weiter. — An flan- huschen Mühlen vorbei. Dirkenblätter fegen in Soldatengesichter, spitz und welk. Einmal, für eine halbe Stunde, kommt die Sonne. Wie eine ■öcile, die De Coster mit Gelbstift an eine graue Scheunentüre schrieb. — Aber Dann ist wieder Jöino und Regen und treibt die Soldaten aus Flandern hinaus. Oie rechtliche Aatur der gemeindlichen Sondergebäudesteuer. Zu dieser Frage hat der hessische Minister des Innern in einer allgemeinen Verfügung Stellung genommen. Der Minister geht davon aus, daß die Sondergebäudesteuer der Gemeinden und Gemeindeverbände einen Teil der gesamten Sondergebäudesteuer bildet und somit denselben rechtlichen Charakter hat, wie die staatliche Sondergebäude st euer. Sie ist daher wie die staatliche Sondergebäudesteuer ihrem ganzen Aufbau nach als eine Grundsteuer (O b j e k t st e u e r) anzusehen und gehört zu den „öffentlichen Lasten des Grundstücks" im Kann er dein Heimweh nicht mehr finden, der vergessene Soldat? Vielleicht sitzt er hier solange mit seinem Gewehr. seinem Soldbuch und seiner Mundharmonika. solange, bis er ein leiblicher Bruder Der alten Pappel geworDen ist. Die zerschunden am Grabenausgang steht. Die Vögel schießen manchmal herab und ruhen auf feinen Schultern tote auf einem Zweig. Das Korn greift nach ihm und Der Mohn. Ein Zweig granatroter Hagebutten langt nach seiner Brust. Aber Der große Mäher liegt In einem ver- wucherten Loch, schläft neben seiner Sichel. Der kalte, unerbittliche Würfel ist ihm aus Der Tasche gefallen und verrollt, neben Ameisen und Rittersporn. Und Der große Mäher lächelt ta seinem Traum. Tagung der Hessischen Handwerkskammer WSN. DarmftaDt, 10.Juni. Im Stadtverordnetensaale zu Darmstadt fand dieser Tage die 3 6. Vollversammlung Der Hessischen Handwerkskammer statt, die der Dorsihende, A o h l - Darmstadt, mit Worten der Begrüßung eröffnete. Erschienen waren für das Ministerium Ministerialrat Hechler und Ministerialrat Wagner. Der Vorsitzende wies in seiner Erösf- nungsansprnch Darauf hin, daß durch das Inkrafttreten Der HanDwerksnovelle Die Satzung Der HanDwerlskammer verschiedene Aenderungen erfahren werde. Die Wahl zur Handwerkskammer fei für Die Folge auf einer ganz anDeren Grundlage aufgebaut, außerdem falle Die Bestellung eines Staatskommissars in Zukunft weg. Die Vollversammlung tage in Der gegenwärtigen Zusammensetzung zum letzten Male, Da voraussichtlich noch im Laufe Dieses Jahres Aeu- Wahlen stattfinden müßten. Der Vorsitzende nahm Veranlassung, Den Kammermitgliedern für ihre bisher geleistete Mitarbeit zu Danken, sprach aber auch Die Hoffnung aus, daß sie weiterhin für Die Interessen Des Handwerks tatkräftig Mitarbeiten möchten. Besonderer Dank wurde Dem scheidenden Staatskommissar, Ministerialrat Hechler, gesagt, Der sich stets für Das Handwerk und Die Erreichung feiner Ziele eingesetzt habe. Zu Punkt 2 bis 4 der Tagesordnung standen Die Jahresberichte Der Kammer, Der sieben Nebenstellen, Der Gewerbeförderungs- und Betriebsberatungsstelle und des Revisionsbeam- ten zur Erörterung. Der umfangreiche Bericht der Hauptverwaltung befaßte sich zunächst mit Der wirtschaftlichen Lage Des HanDwerks im abgelaufenen Geschäftsjahr, Den einzelnen Arbeitsgebieten Der Kammer, wie Kreditwirtschaft, Abhaltung von Weiterbildungskursen. Fragen des Vergebungs-. Steuer-, Lehrlings-, Prüfungs- Wesens usw. Auch Die Berichte Der Aebenstellen ergaben, Daß im abgelaufenen Geschäftsjahre Ersprießliches für das HanDwerk geleistet worden ist. Der Bericht der Gewerbeforderungs- und Betriebsberatungsstelle verriet eine umfangreiche Tätigkeit. Detriebsorganisation, Reklame, Berufsausbildung, Dortragswesen, kaufmännische Betriebsführung und Musterschutz und Patentwesen sind ihre Hauptarbeit. Es war interessant zu erfahren, daß zahlreiche Erfindungen von allgemeiner Bedeutung verwertet werden konnten. An Die Berichte schloß sich eine rege Aussprache, in der zahlreiche Anregungen gegeben wurden. Dabei wurden namentlich Bedenken gegen Die gewerblichen Fortbildungsschulen erhoben, weil diese wenig Rücksicht auf Die Gewerbe nahmen. Wegen Der rückständigen Beiträge der Gemeinden sollten die Aufsichtsstellen in Bewegung gesetzt werden. Ministerialrat Hechler erklärte, es sei nicht ganz einfach, diese rückständigen Gemeinde- beiträge hereinzubekommen, Da die Gemeinden diese Beträge einfach mit ihnen vorn Staat zu- stehenden Geldern kompensieren wollten. Die Regierung werde aber nachdrücklich sorgen, daß Die Der Kammer zustehenDen Beträge dieser zugeführt würden. In der neuen Handwerkernovelle sei ja eine Neuregelung Durch Direktes Umlagerecht Der Kammern vorgesehen. Landtagsabgeordneter D o n a t (Dem.) will Diese Angelegenheit noch einmal im Landtag zur Sprache bringen. Direktor Schüttler gab eine Liebersicht Der Einnahmen und Ausgaben im letzten Jahre. Weiterhin berichtete KammermitglieD G ö r i ch über Das Ergebnis der Rechnungsprüfung, worauf Dem Rechner Entlastung erteilt wurde. Lieber die Altersfürsorge berichtete Direktor S chü t Her. Vorgesehen ist, alten HanD- werkern über 65 Jahre, Die bestimmt vorgeschriebene Voraussetzungen (Würdigkeit, Bedürftigkeit uftoj erfüllen und eine anderweitige Unter- ftützung nicht beziehen, eine periodenweise Zuwendung zu gewähren, deren Höhe noch nicht festliegt, sich vielmehr nach der Zahl Der ein« laufenden Anträge und Der Höhe Der zur Verfügung stehenden Mittel bemessen muh. Ein Rechtsanspruch auf Gewährung dieser Zuwendung besteht nicht. Die erforderlich werdenden Gelder sollen Dem laufenden Etat entnommen werden, so daß eine Lirnlageerhöhung vermieden werden kann. Die Vollversammlung stimmte den Richtlinien zu. Der Voranschlag für 1 929, in Dem die Umlage gegenüber dem Vorjahre nicht geändert wurde, fand glatte Zustimmung. Da ein geringerer Betrag als im Vorjahre zur Deckung Der Verwaltungskosten erforderlich ist, soll der über- schiehende Betrag zur Stärkung des Fonds Der Altersfürsorge benutzt werden. Ueber die Durchführung der Handwerksnovelle erstattete Direktor Schüttler Bericht. Gr hob besonders Die Anlegung Der Hand« toerksrolle, die Aenderung des Wahlsystems, Die Anstellung von beeidigten Sachverständigen und die Zusammenarbeit mit Den InDustrie- und Handelskammern hervor, die hoffentlich nach den zwischen den Spihenverbänden getroffenen Vereinbarungen sich reibungslos gestalten werde. Syndikus Dr. Lindemann legte Richtlinien für die Wirksamkeit von Sachverständigen Dar, äu deren öffentlichen Anstellung und Vereidigung die Handwerkskammer durch Die Aovelle ermächtigt wird. Die vorgelegte Satzung wurde genehmigt. Direktor P aech berichtete noch über die Tätigkeit und Lage der Hessischen Handwerker-Zentral-Genossenschaft, die am 1. Juni ds. 3s. das Jubiläum Des 25jährigen Bestehens feiern konnte. Landtagsabgeordneter Lautenbacher (Ztr.) banfte dem Vorstand für Die mühevolle Arbeit im Ql amen der Kammermitglieder, worauf die Verhandlung geschlossen wurde. bedauern aufrichtig Die lelDer allzu Vielen. Die — verlockt Durch linde Eommerlüfte — sich Den amüsanten AbenD im StaDttheater entgehen ließen. —e Am Dienstag hielt zunächst Prof. Haupt, SU rektor Des Gewerbemuseums in Darmstadt, einen bedeutsamen Vortrag über „Qleue kirchliche Ku »i st". Der Redner beschäftigte sich in Der Hauptsache mit dem Problem des KirchenbcmS, das man nur dann befriedigend lösen könne, wenn man Dem Kirchenbau aus Dem Wesen des Gottesdienstes heraus bestimmte Ausgaben stelle. Dasselbe gelte auch von der Paramentik: auch hier müsse Die kirchliche Kunst aufgehen in deO Aufgaben des Gottesdienstes. Universitätspre- diger Dr. Ritter (Marburg), Schriftleiter der Derneuchener Konferenz, ergänzte die wertvollen Ausführungen des Hauptredners als Korreferent. Auch er hob Die Bedeutung des Gotteshauses als Kultraum der Anbetung besonders hervor. Am Aachmittag sprach Pfarrer Lic. Dr. S t u m p f (Merlau) auf Grund eingehender wissenschaftlicher Arbeiten über „Dibelworte als Spruch und Gebet". Für Die Gemeinde fand am Abend ein auch von Kurgästen sehr gut besuchter Abendgottesdienst in der Dankeskirche statt in dem Prof. Dr. Frick (Marburg) über die Ziele der liturgischen Bewegung predigte. Der Mittwoch brachüe noch einen sehr tiefgründigen Vortrag von Pfarrer Gründler (Sinn) über das Thema „Welche neueren liturgischen Vorschläge sind für die .Dorf kirche< verwendbar?" Der Redner gab aus reicher Erfahrung Anregungen für die zweckmäßige Gestaltung der Gottesdienste auf Dem Land und zeigte, tote man dem im Getriebe des Alltags abgehetzten Menschen durch Feierstunden in Der abendlichen Kirche Sammlung und inneren Frieden geben könne. Die Aussprache zu dem Thema eröffnete Bibliothekar Prof. Dr. Georg Koch (Gießen), Dozent für christliche Volkskunde an Der Landesuniversität, der besonders auf die enge Verbindung hinwieS, Die Der Gottesdienst auf dem Lande mit Qlatur und Heimat finden müsse. Während Der Tagung bot sich wiederholt Gelegenheit zur Besichtigung der in der Dankeskirche untergebrachten Qlusstellung neuerer kirchlicher Kunst. Reben kirchlichen Gebrauchsgegenständen, die in Der Werkstatt von Prof. Rudolf Koch (Offenbach a. M.) herge- stellt sind, sind Paramente von Elisabeth Köster (Eisenach) zu sehen. Die Ausstellung gibt einen sehr interessanten Lieberblick über den heutigen Stand Der kirchlichen Kunst und fand, seit Sonntag auch von Einheimischen und Kurgästen, größte Beachtung. Die sehr anregend verlaufene Tagung wurde heute mittag von Prof. Dr. Frick mit Dankes- toorfen an alle, die durch Referate und in der Aussprache die Bestrebungen der liturgischen De- toegung fordern halfen, geschlossen. Lind er hat wohl geantwortet: „Ich warte so lange, bis ihr zu Korn geworden seid und zu Feldblumen." Da haben die toten Soldaten wohl unten im Grabe gekichert. Manchmal steckt er die Finger in die Ohren. Will er die Stille nicht hören? Oder hört er das Toben Der Schlacht? Lebt er Immer noch al- kleines, winziges Rädchen in Der Teufelsuhr des Krieges? 3a, so vergeht Die Zeit. Eis und Sonne klirren auf ihn. Vögel besuchen ihn. Mond schwimmt in seinen Augen. Immer weiter lebt er im Krieg. Vergessener Soldat Krummholz. Aber an einem Mittag sieht er Den Mohn im Niemandsland blühen. Sieht Kornähren und Disteln auf Soldatengräbern und durch Drahtverhaue wachsen. — Lind als er Das sieht, Da lacht er, lacht laut auf wie übet etwas Kunz Lustiges. An einem Sommermorgen geht er wieder auf Patrouille, weiter als sonst. Eine mähende Bäuerin auf Der Wiese. Er schleicht im GraS, finDet ein KinD, In ein wollenes Brusttuch gewickelt, am Raine liegen. Wie vor einem Wun- Der lauert er. Starrt. In feine Augen kommt ein Helles Licht, Das bis in seinen Bart sickert. Gr legt sein verwüstetes Gesicht auf Die Brust Des Wickelkindes. Gr wagt nicht, Das Kinderangesicht zu berühren. Es ist ihm zu rein und zu fein. Aber seit Dem Tage spielt er oft auf Der Mundharmonika. Wie eine irre Flamme flackern Die Töne auS Dem Grdloch, in D en Himmel. Tagung der liturgischen Arbeitsgemeinschaft für Hessen. 4- Bad-Nauheim, 10. Juni. Die liturgische Bewegung, Die den Ausbau der Gottesdienste im evangelischen Sinne, ihre Vielfältigkeit und Belebung anstrebt, Die deshalb auch wertvolle Gottesöienstordnungen sammelt und der Allgemeinheit zugänglich machen will, hat auch in Hessen schon weitere Kreise gezogen. Diese haben sich zur Liturgischen Arbeitsgemeinschaft für Hessen zusammengeschlossen, die hier ihre 4. liturgische Tagung abhielt. Die von Prof. D. Dr- Frick (Marburg, früher Gießen), geleitete Tagung war sehr gut besucht; u. a. nahmen auch daran teil: Oberkirchenrat Wagner (Gießen), der hessische Denkmalpfleger Geh. Rat Prof. QBalbe (Darmstadt), Bad- und Kurdirektor v. B o e h m e r, Studierende der theologischen Fakultät (Gießen), Qkr- treter Der Liturgischen Vereinigungen Frankfurt a. M., Baden, Niedersachsen, sowie Qkrtreter Der hessischen „Dorskirche" und der Paramentenanstalt in Kloster Marienberg bei Helmstedt. Nach Der Eröffnung am Montagnachmittag im evangelischen Gemeindehaus (alte Wilhelms- kirche) erstattete Universitätsprofessor D. Dr- Cordier (Gießen) das erste Referat über „D i e Verwendung des Psalters im Gotte s D i e n st". Der Redner, durch die Wieder- entdeckung des hugenottischen Psalters bekannt, behandelte eingehend Die geschichtliche und die kultische Seite des Psalters. Luther hat Den Psalter als Gebetbuch für die Zwecke des Gottesdienstes überseht und ihn durch Den kultischen Gebrauch auf die christliche Hohe emporgehoben. Eine sehr rege Aussprache folgte den inhaltreichen Ausführungen. Die Abendandacht, die abends Pfarrer Knodt (Dad-Nauheim) in der Dankeskirche hielt, trug Den von Prof. CorDi er entwickelten Gedankengängen praktisch Rechnung. Aber weshalb läuft er nicht nach Haufe? — Fragt sich nicht durch bis an Den Rhein? Der Krieg ist doch aus! Er steht immer noch im Graben, läuft hierhin und dorthin. Putzt sein Gewehr. Steht immer noch unter einem Befehl. Merkt er Denn nicht, tote sein armseliger Soldatenrock immer Dünner und fahler wird? Hastig, würgend ißt er Die -Rüben, die er aus einem verwüsteten ©arten Lieht. Hält Wache. Fühlt nach, ob er Patronen in Der Tasche hat. UnD wenn oben, im Himmel, toie ein kleiner Raubvogel ein Flieger schwebt, bann Duckt er sich und springt in ein Granatloch. Manchmal sitzt er stundenlang, hat einen zerknitterten Zehnmarkschein in Der HanD unD beschaut ihn etDtg: Den Kopf Der Germania und Die Kornähren Darauf. Verzieht den Mund zu einem kleinen, verkniffenen Lächeln, holt Die Pfeife aus Dem Stiefelschaft, klemmt sie zwischen Die Zähne unD raucht kalt. Ja, so vergeht Die Zeit. So vergeht ein Jahr. Verlumpt und verwildert. Rur sein Gewehr ist blank und das Soldbuch hat er fest in Der Brusttasche und fühlt ab und zu nach, ob er 's auch nicht verloren hat. Manchmal schlüpft eine Maus zu ihm. O, eine Maus kann lustig sein! Wie in einen Königssaal kommt sie in sein Grdloch gehuscht. Lind dann hat er noch feine Mundharmonika! Er streichelt wie über etwas ganz Edles über sie hin, reibt sie blank, harft vier, fünf Tone und horcht, als ob er Die Töne wiederhaben möchte, auf ihre Heimkehr lauert. — UnD Dann saust er in Den Graben unD hält toieDer Wache. Wenn Die Gewitter toben mit Donner unD Blitz, Dann zittert er und wird plotz- lich wie zu Stein, greift das Gewehr, die Gasmaske und steht schußbereit an Der ©rabcntoanD. Manchmal schleicht er auf Patrouille, ins Nie-- manDsland. Wie eine graue Katze schleicht er. — Bleibt auf einem Hügel liegen, wo Drei Kreuze stehen. SolDatenkreuze. Es ist, als ob er hinunterhorcht, als ob Da unten Drei zu ihm sprechen. Er lauscht so anDächtig und bewegt Die Lippen. Gr antwortet wohl? Lind jeDesmal lacht er, wenn er zurückkriecht. Ein irrsinniges Lachen. Dei Drei haben wohl aus Der Erde gerufen: „Krummholz, toaS machst Du noch hier?" Oie Selbsthilfe der Landwirtschaft. Die Münchener Wanderausstellung DerDeutfchenLanDwirtschaftsgesell- schäft geht zu Ende. Sie ist Der Fläche nach bisher die größte Ausstellung gewesen. Hat auch Das besonders ungünstige Wetter Die Besucherzahl verringert, so ist das doch nur Damit zu erklären, daß Die städtische Besucherschaft zum größten Teil a u s g e b l i e be n ist. Für den Städter ist eine Derartige landwirtschaftliche Ausstellung eben im wesentlichen eine Qkrgnügung, von Der man beim Regen nichts hat. Das ist zweifellos zu beDauem, weil sonst Die stäDtischen Besucher einen lebenDigen EinDruck von Der Vielfältigkeit der landwirtschaftlichen Arbeit und von den vielseitigen Anforderungen bekommen hätten, die auch in jedem Bauernhof an den Betriebsleiter, Der vorankommen will, herantreten. Gerade in diesem Sinne hat bisher die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft mit ihren jährlich von Gau zu Gau durch die deutschen Lande wechselnden Ausstellungen viel zur Forderung des Verständnisses zwischen Stadt und Land beigetragen. Mer das Wesentliche bei den DLG.-Ausstelll'"- gen ist doch die Förderung der Landwirtschaft selbst, das Heranbringen der Fortschritte moderner Detriebsführung an die Masse der Bauernschaft, besonders des Ausstellungsgaues, und Der Austausch der Erfahrungen zwischen Wissenschaft, Technik und land- wlirtschaftlicher Praxis an Hand des Ausstellungsmaterials. Die DLG. ist als Organ der landwirtschaftlichen Selbsthilfe in dem halben Jahrhundert ihres Bestehens zugleich die Plattform der organisierten Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land geworden. Dieser Hauptzweck der Ausstellung ist voll erfüllt. Der landwirtschaftliche Besuch war trotz des tagelang strömenden Regens genau so stark wie sonst. Man spricht so oft von der Rückständigkeit und Schwerfälligkeit Der Deutschen Bauern unD stellt sich vor allem unter dem bayerischen Bauern einen jedem Fortschitt abgeneigten Querkops vor. Run, wer nicht nur die fortschrittlichen Landwirte aus dem ganzen Reich, sondern auch die Scharen der bayrischen Bauern auf der Ausstellung gesehen hat, wird wissen, daß dieser Vorwurf unberechtigt ist. Es ist nun einmal so, daß derartige Dinge in der Landwirtschaft ganz anders in die Erscheinung treten, als etwa bei Industrie und Handel. Eine große landwirtschaftliche Ausstellung muß naturnotwendig ein wesentlich anderes Gesicht zeigen als etwa die Mustermesse in Leipzig. Cs handelt sich hier ja auch nicht nur um die Ver- kaufstätigkeit, die bei den Messen stark von der Aellametüchtigkeit abhängt; Die Ausstellungen Der DLG. zeichnen sich Dadurch aus, daß alle wesentlichen Ausstellungsgegenstände geprüft sind und jeder Besucher sofort an Ort und Stelle ein objektives Sachverständigenurteil erhalten kann. Das ist darum von Wichtigkeit, weil die Verhältnisse hier in jedem einzelnen Betrieb ganz verschieden liegen, so daß ein Mustergerät für den einen Betrieb im anderen Betrieb nichts wert ist. Es wäre nur zu wünschen, daß dieser gewaltige Eindruck des Selbsthilfewillens der Landwirtschaft nicht ohne Folgen bleibt. Wer die Ausführungen des Viermännerprogramms der deutschen Bauernschaft recht versteht, weih, daß wir vor der Möglichkeit der Beendigung der Agrar k r i s e durch eine Agrar katastrophe stehen. ----------------- I Strafkammer Gießen. • Gießen, 11. Juni. Der Kellner Georg QL von Gießen war im Sommer 1927 mit zwei Genossen nach Amsterdam geflüchtet, weil sie hier wegen Betrugs verfolgt wurden. 3n Amsterdam wohnten sie in der Pension eines gewissen Wessels. Ms N. und dem noch flüchtigen Walter Julius St. von Wieseck (der dritte hatte in* zwischen Amsterdam verlassen) das Geld ausging, faßten N., St. und ein Viktor Habermann von Wien, der Hausdiener in Der Pension war, Den Entschluß, Wessels zu berauben. Am 3. August 1927 warf ihm Habermann unverfehens eine Decke über Den Kopf, und QL und St. fesselten ihn unter Gewaltanwendung, dann erbrachen sie einen Schrank, entwendeten auS einer darin befindlichen Kassette etwa 150 fl. und gingen flüchtig- Wegen dieses Raubs hatte das hiesige Schöffengericht Ql. zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafkammer betätigte dieses Urteil. Habermann ist ebenfalls inzwischen abgeurteUt worden; das Schwurgericht Wien erkannte gegen ihn auf 18 Monate verschärften schweren Kerker. Unter Ausschluß Der Öffentlichkeit wurde gegen ein Ehepaar aus Friedberg wegen Ab- treibung verhandelt. Ihre Berufung, die an Stelle Der von Dem Schöffengericht erkannten Gefängnisstrafen von sieben und zwei Monaten eine Geldstrafe bezweckte, war ohne Erfolg. 9. Gau- und Hess. AngefMentag des GDA. WSR. Darmstadt, 9. 3unl Der Gau Hessen des Gewerkschaftsbundes der Angestellten, in dem der Dolksstaat Hessen und die Provinz Hessen-Aassau zusammengefastt sind, hielt am Samstag und Sonntag in Darmstadt seinen diesjährigen 9. Gau - und hessischen Angestellten tag ab. Der eigentliche Gautag begann Samstagnachmittag und war mit internen Angelegenheiten ausgefüllt. 11. a. wurde der bisherige Dorstand wiedergewählt. Am Abend fand eine große Angestelltenkund- gebung im Festsaal des Städtischen Saalbaues statt. Aach Musikvorträgen begrüßte der Gau- Vorsteher Aeubert (Frankfurt) die Festversammlung und die Ehrengäste, unter diesen Minister für Arbeit und Wirtschaft K o r e l l, Oberbürgermeister Mueller, Direktor 3 ö ck e l vom Ar^itSamt, die Vertreter des Arbeitsgerichts Darmstadt, der Derufsberatungsstellen, der politischen Parteien und besonders der Aachbargaue deS GDA. Max Rössiger (Berlin), Mitglied des Aeichswirtschaftsrates und des Bundesvorstandes des GDA., hielt darauf einen Vortrag über das Thema „Sozialpolitik— Wirtschaftsantrieb oder Wirtschaftshem- muna?" Der Redner wies in seinem Vortrag darauf hin, daß die moderne Sozialpolitik nichts weiter sei als pflegliche Behandlung des wertvollsten Volksgutes, nämlich der Arbeitskraft. Er kam aus dem Gesichtswinkel des Gewerkschaftlers heraus zu der Schlußfolgerung, daß die Sozialpolitik nicht Wirtschaftshemmung, sondern Wirtschaftsantrieb sei. Minister K o - teil als Vertreter der hessischen Staatsregierung und Oberbürgermeister Mueller (Darmstadt) hielten darauf kurze Begrüßungsansprachen. Die geschäftlichen Verhandlungen des Gautagcs gingen am Sonntagvormittag weiter. Am Rachmittag fand eine Frauentagung statt, auf der Maria Riegel (Berlin) über „die Stellung der Frau in der berufsmäßigen Organisation" sprach. Außerdem hatten die Reisenden und Vertreter eine Sondertagung, in der Derufsfragen behandelt wurden. Der Aach- mittag und 2lbend war mit geselligen Veranstaltungen ausgefüllt. Aus der provinzialhauptstadt, Gießen, den 12. 3uni 1929. Morgen. Ein eigenartig geheimnisvolles Wort, dieses .Morgen". Verheißungen, Hoffnungen, Befürchtungen liegen darin. Die unlösbare Frage stellt es: Was gibt es mir? Vortastend greift der Gedanke nach ihm hin, malt sich willkürlich aus, was den Wünschen des Augenblicks entspricht, und dann steht oft die zur Gegenwart gewordene Zukunft genau so grau und nichtssagend vor einem, wie eS das Gestern getan. Es ist, wie wenn wir stets mit einem Fuße schon im Morgen stünden, aber nur Täuschung ist es. 3*mmec hat uns nur die Gegenwart völlig, und was das Morgen verspricht und was wir uns von ihm versprechen, wird tausendmal durchkreuzt und berichtigt. Genaue Berechnungen stellen wir an, regen die Hände, daß das Morgen genau das sck^nke, daS wir von ihm begehren, und dann steht es hohnlachend vor unS und bietet etwas ganz anderes, statt der Märchenschähe Richtigkeiten, statt der blinkenden 3uwelen glückgesättigter Stunden graue Steine des Alltags an. Es kann natürlich auch anders sein. Aus dem Blauen fällt uns ein Unerwartetes zu, das tW um Wuor. Roman von Senia Reckel. Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6. (Schluß.) Und der kleine 3immh, dem eben 100 000 Dollar in den Schoß gefallen waren, wurde ganz traurig. Kaffeeduft durchzog den Warteraum. Iirnrny schnubberte in die Luft. Er war schließlich erst achtzehn 3ahre alt und hatte immer Hunger. Auf einmal wußte er, daß man mit 100 000 Dollar sich immer sattessen kann und daß man sich sogar ein Abonnement im Theater kaufen konnte und nicht nur einen eirrzelnen Platz. Als jetzt die Straßenbahn das Signal zur Abfahrt gab, da startete 3immh zum Endspurt im Wettlauf um Ellinor. Würde er noch rechtzeitig ans Ziel kommen? XVII. Rur langsam fand sich Ellinor zum Leben zurück. Sie hatte noch immer das Gefühl, als tappe sie durch einen rauchgeschwärzten Schacht und könnte kein Ende finden. Aber langsam kam das Bewußtsein zurück. Sie lag auf einem breiten Divan und ihre Hgnde griffen in eine weiche seidene Daunendecke. Ein wenig müde war sie noch, als sie jetzt langsam den Kopf hob und sich umschaute. Sie war allein in einem großen Zimmer mit kostbaren schweren Möbeln. Ellinor kannte das Zimmer nicht, sie wußte nicht, wie sie hierher gekommen war, sie wußte nicht, wo sie sich befand. Langsam setzte sie sich auf. Ihr Kopf schwankte noch unsicher hin und her, sie hatte das Gefühl, als ob er mit einem dünnen Faden an den Körper gebunden sei, und sie hatte noch gar keine Gewalt über ihn. Rach und nach wurde dieses Gefühl besser. Ellinor setzte sich langsam auf und sah sich um. Das Zimmer hatte ein weites großes Fenster, das auf einen Park hinausging, kein Auto tutete, keine Hochbahn ratterte. Die Tür zum Rebenzimmer war nur angelehnt. Ellinor wollte sich erheben, aber es ging noch nicht recht. Eine ungeschickte Bewegung warf ein Zigarettenetui, das auf einem Stuhl gelegen hatte, zu Boden. Die Tür zum Aebenzimmer öffnete sich. War das Wirklichkeit oder war es vielleicht doch ein Fiebertraum: Ellinor lag ganz still, um den Traum nicht zu verscheuchen. 3n der Tür stand George Wellton. Aber es war nicht der George, den sie zuerst kennengelernt hatte, -dieser unbeschwerte, ein wenig leichtsinnige George, der die Welt im Sturm eroberte, so wie sie ihn zuerst gesehen hatte im Expreß Philadelphia—Reuhork. Der Mann, der sich in unendlicher Zärtlichkeit über sie beugte, war in diesen wenigen ^Stunden älter und reifer geworden. viel mehr gibt, al« alle« war, was wir erwarten zu dürfen glaubten. Mit Befürchtungen können wir dem Morgen entgegengegangen sein, und unerwartete Blüten sind auf dem Wege uns erwachsen. Mit Gleichgültigkeit können wir an das Morgen gedacht haben, und dann kam etwas auf uns zu, das wie ein flinker Sonnenstrahl ist, der zwischen dunklen Wolkenbänken hindurcheilt. Wir sagen, das sei selten. Vielleicht merken wir uns solche Wandlungen nur deshalb nicht, weil die lichte Stunde rasch verfliegt, während die lichtarme weglos suchend dahinkriecht. Es kann aber auch sein, daß unfern Erwartungen vom Morgen Erfüllung zuteil wird. Auch das vergessen wir dann leicht. Rur das haftet, was uns das Morgen schuldig geblieben ist. Man sollte jedoch in jedem Falle gegen sich und gegen die Erwartung und Erfüllung, wie gegen die Befürchtung und Enttäuschung gerecht sein. Sollte es sein. Wenn man es eben auch könnte! 8. Kamilientag der Matihäusgemeinde. Am Sonntag fand der alljährliche Fami- l i e n t a g der Matthäusgemeinde auf der Liebigshohe statt. Ein langer Zug von Kindern bewegte sich durch die Wiesen beim Philosophenwald, dem Trieb zu: und welch fröhliches Treiben der Kinder herrschte dann aus dem Trieb! Die Helle Sonne, das frische Grün, die Freude der Kinder stimmte auch den Großen, die zusahen, das Herz höher. Die Kleinen lagerten in Gruppen und spielten in Gruppen, sich um ihre „Kinderkirchenfräulein" sammelnd, Rätsel ratend, Haschhasch spielend und was der Kin- derfreuden mehr ist. 3ndessen hatte sich die Gemeinde im Saale versammelt. Man hatte die Liebigshöhe gewählt, um einen ausreichenden Saal zu haben für die Menge der Kommenden. Aber selbst der Saal der Liebigshöhe erwies sich für den Andrang der Gemeinde zu klein, ein erfreuliches Zeichen, wie die 3dee der Gemeindetage immer fester wurzelt in unseren Gemeinden. Die Kapelle Hik- gardt eröffnete den Familientag: unermüdlich spielte sie und erwarb sich die dankbare Anerkennung der Gemeinde. Der Vorsitzende der Matthäus-Vereinigung, Berufsschullehrer Wehrheim, wies in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, daß in unserer Zeit, wo die materiellen Werte nur allein noch gelten, der Familientag die Aufgabe habe, letzte und tiefsve Werte hineinzutragen in unser Gemeindeleben, eben In der neuen Form des ®e- meindetags außerhalb des gottesdienstlichen Rahmens. llniversitätsgarteninspektor Rehnelt führte den Gedanken weiter, indem er über „Du und die Gemeinde" sprach. Er rief auf zu lebendigem und innerem Glauben als letzten Halt in den Röten der Zeit: er mahnte zu einem neuen Zusammenschluß mit der Kirche und der Kirchen- gemeinde. Pfarrer Mahr als Gemeinbepfarrer sprach von der neuen Zeit, die eine neue Verantwortung der Gemeinde und deren einzelnem Gemeindeglied gebracht hat. Er wies hin auf die Trennung von Staat und Kirche, auf die gewaltig widerstrebenden Zeitströmungen, die evangelisch- kirchliches und frommes Leben hemmen und zersetzen: den praktischen Materialismus, sich äußernd in einet rein wirtschaftlichen Einstellung zum Leben, vor allem auch in der Massenhaftigkeit des Vergnügens von heute: den Atheismus, die Freidenkerbewegung, die Sekten. Er wies hin auf die ungeheure Macht Roms, das zur Zeit ein Konkordat mit dem preußischen Staat abschließt. Er illustrierte diese Hemmungen an einzelnen Erfahrungen aus dem Gemeindrieben und zeigte, wie die Widerstände gegen kirchliches und religiöses Leben in unserer Gemeinde deutlich zu „Wie gcht es, Licbes, hast du noch Schmerzen?" Ellinor lächelte: „Es ist so schön, George, bin ich sehr krank, habe ich hohes Fieber oder ist alles Wirklichkeit, was ich sehe?" George streichelte leise Ellinors Hände. „Du mußt ganz ruhig sein, es ist alles gut, du mußt dich nicht fürchten, ich bleibe jetzt bei dir!" Ellinor legte sich wie ein artiges, müdes Kind in die Kissen zurück. Es war so unendlich schön, ganz still zu liegen und zu wissen, daß der liebste Mensch bei ihr war. Georg barg die linke Hand auf dem Rücken. Ellinor hatte es gesehen. „Was ist. bist du verwundet?" „Eine kleine Schramme, nicht der Rede wert, irgendein dummer Glassplitter. der da in dem Schacht herumlag, bei dem Rauch konnte man ja nicht sehen, wohin man faßte!" Erschrocken hielt er inne, denn Ellinor hatte sich steil aufgerichtet. „So ist es doch wahr gewesen, daß du mich herausgeholt hast, aus dem schrecklichen Qualm, ich dachte, ich hätte geträumt!" Aber George strich beruhigend über ihre Hände: Run wollen wir nicht mehr an all das Schreckliche denken, es ist ja alles noch gut gegangen, keinem ist etwas passiert, du muht nicht zurückdenken, nur vorwärts, was vor uns liegt, ist unendlich schön." Ellinor nickte. Sie war am Ziel, sie wußte nicht mehr, was sie noch erreichen wollte. Sie besinnt sich langsam auf sich. Run ist aus allem doch noch ein happy end geworden. Aber gibt es eigentlich ein happy end? Lebt man eigentlich nicht immer in einem Meer von Gefühlen, geht es nicht immer wie auf Wellen hinauf und hinunter? Eben, trägt einen noch ein Wellenkamm afif den höchsten Gipfel des Glücks und schon neigt man sich wieder dem Wellental zu. „George, ich habe meine Aufgabe noch nicht erfüllt!" sagte Ellinor, aber ihre Stimme klang etwas müde. Es graute ihr davor, wieder hinaus zu müssen in das hastende und brodelnde Reuyork, in das Getriebe mit den vielen Menschen, den tutenden Autos und den donnernden Hochbahnen. Sie hatte Angst vor den Menschen bekommen, sie dachte noch immer an die keuchenden Gestalten im verqualmten Tunnel der Untergrundbahn, wie einer den anderen beiseite stieß und jeder nur an sich dachte. So war es immer im Leben, so waren alle Menschen, es gab keine Ausnahmen. Aber hier im Zimmer war es so schön still, hier konnte man ausruhen und an nichts denken, aber es durfte nicht sein. Wenn man eine Aufgabe übernimmt, so muh man sie ganz tun, halbe Sachen hatten gar keinen Zweck. „George, ich muß noch einmal unter die Menschen, es hilft nichts, man muh seinen Weg bis zu Ende gehen! Heute ist der letzte Tag, heute verschenke ich die 100 000 Dollar!" spüren sind. ES braucht Verantwortung, es braucht Kämpferwillen, es braucht sittliche Widerstandskraft gegen alle Hemmungen. Es braucht Sammlung unserer Kräfte, Besinnung auf Letztes. Es braucht treues Bekenntnis zur Kirche und Gemeinde, ein letztes, aufrechtes Stehen und fich Bekennen zum Evangelium, zum Glauben unserer Väter. Dazu soll auch der Familientag helfen, indem er die Möglichkeit schafft, daS Zusammengehörigkeitsgefühl der Gemeinde als solcher zu stärken. Als Mitwirkende nannte das Programm Frau Flimm und Frl. Reuling (Gesang). Frau Dr. Fischer (Klavier). Frau Flimm sang von Johann Sebastian Dach „Mit Gott vergnügt", Frl. Reuling von Händel „Er weidet meine Herde". Weltliche Lieder folgten: von Schumann und Schubert, von Koh und Richard Decker. Reicher Beifall lohnte die Sängerinnen. Chopins Polonaise A-5)ur, eine Mazurka in B-Sur spielte Frau Fischer: das Prickelnde von Chopin, das 3mpressionistische wurde mit feiner Einfühlung und starkem Temperament her- ausgebracht. Auch hier dankte reicher Beifall der Künstlerin. Mit allgemeiner Spannung wurde dem SpielderIugendvereinigung entgegengesehen. Die Buben spielten ein Scherz - spiel: „Der Bauer und sein Knecht", nach einem alten Tiroler Scherzspiel, bearbeitet von Fritz Weege. Die Mädchen brachten „Ein Sommer- märchenspiel, das den Kampf der Elfen mit der Büchergelehrfamkeit, die Verdrängung alles Geheimnisses durch die Macht der Aufklärung schildert. Beide Darbietungen fanden verdientermaßen mit lebhaftem Beifall herzliche Anerkennung. Zwei Volksreigen beschlossen den Ge- meindetag. -y- * " Schließfach-Einrichtung beim Stadtpostamt? Vom Postamt wird uns geschrieben: Eine Reihe von Geschäften hat die Abholung ihrer Briefpost beim Stadtpostamt durch Schließfach beantragt. Die angemeldete Zahl der Schließfächer reicht indessen nicht aus, um die Aufstellung eines zweiten Schliehfachschrankes zu rechtfertigen. Cs bedarf daher weiterer Anmeldungen, die sich für diejenigen Behörden, 3n» Mute, Geschäfte und Privatpersonen empfehlen, denen die Zustellverhältnisse nicht genügen. Die Abholung kann werktags in der Zeit von 7 bis 20 Uhr, Sonn- und Feiertags 7 bis 13 Uhr erfolgen. Um 7 Uhr sind die Briefschaften bereitgestellt, die der Zusteller von 7.30 bis 10 Uhr anbringt, während gegen 9 Uhr die mit den 8-Uhr-Zügen eingehenden Sendungen in Empfang genommen werden können, die von 11 bis 13 Uhr zugestellt werden. Auch nachmittags werden durch die Abholung wesentliche Beschleunigungen in der Uebermrttelung von Sendungen erzielt, da die Zustellung nur einmal nach 16 Uhr stattfindet. Für die im Stadtinnern befindlicher Geschäfte usw., die Schließfachabholer beim Hauptpostamt sind, ist Gelegenheit zur Umstellung der Abholung ihrer Driefpost beim Stadtdostamt geboten, das für sie bequemer liegt uno die Sendungen ebenso schnell wie das Hauptpostamt verfügbar hält. ** „Elektrische Gebote" für Kinder. lieber die Gefahren bei der Berührung von elektrischen Leitungen müssen die Kinder schon in der Schule aufgeklärt werden. Zu diesem Zweck sollten den Kindern die sog. „elektrischen Gebote" zur Beachtung gegeben werden. Diese lauten: 1. Du sollst nicht an den Leitungsmasten hinaufklettern! 2. Du sollst nicht auf Bäume, Gerüste usw. Heitern, an denen Freileitungen vorbeiführen! 3. Du sollst in der Rähe von Freileitungen niemals Drachen steigen lassen. 4. Du sollst an den zur Versteifung „3ch verstehe dich, du bist kein Mensch, der auf halbem Wege stehen bleibt, du mußt tun, was du für richtig hältst!" 3n diesem Augenblick wurde leise an die Tür geklopft. Georges alter Diener steckte den Kopf durch die Spalte. „Ein Herr möchte Sie sprechen!" George brauste auf: „Haben Sie nicht gesagt, daß ich nicht gestört werden will!" Der Diener schüttelte den Kopf: „Er sagt, es handelt sich um Miß Betty Glynn, man hätte ihm gesagt, die Dame sei hier!" Der Diener sah mit fragendem Blick auf Ellinor. „Wie sieht denn der Herr aus?" fragte Ellinor gespannt. „Ach Gott, 's ist eigentlich noch gar kein Herr, und sehr fein sieht er eigentlich auch nicht aus, eher so ein bißchen abgerissen!" „Ra, lassen Sie das Individuum mal reinkommen!" Ellinor lehnte sich fest in Georges Arm: „Du mußt hierbleiben!" Leise öffnete sich eine Tür. Eine Gestalt schob sich ins Zimmer. „3immy," rief Ellinor erfreut. 3immy ging mit seltsam steifen Schritten auf Ellinor zu, es war ihm, als schritte er zur Filmaufnahme, Ellinor kam ihm so fremd vor und dann irritierte ihn der fremde Mann, der sich so vertraut an Ellinor lehnte, als ob er zu ihr gehörte. Er blieb stehen, die rechte Hand hielt er eisern auf dem Rücken. Mit einem Ruck warf er den Kopf zurück. Er war sich vollkommen bewußt, daß sich in den nächsten Sekunden der größte Moment seines bisherigen Lebens abspielen sollte, und er wollte keine Phrase sagen: „Da bin ich, Miß Betty, und ich freue mich, daß es Ihnen anscheinend so gut geht!" „Iimmhchen, wie kommst du denn auf einmal hierher, hast du keine Filmaufnahme, ich verstehe das alles nicht, aber ich bin froh, daß du oa bist!" Jimmy trat noch einen Schritt näher, jetzt kam der große Moment: „Es hat sich ausgefilmt, Miß Betty, man hat mich rausgeschmissen, richtig rausgeschmissen, ohne einen Cent auszubezahlen." Jimmy stockte einen Moment, um die Wirkung seiner Worte zu beobachten. Ellinor sah den Jungen ernst an: „Armer kleiner Jimmy, das finde ich wirklich gemein, aber wir werden schon einen Ausweg finden!" Jimmy hob den Kopf: „Ja, es war eine Schuftigkeit, aber ich hatte einen famosen Abgang, es war eine ganz große Szene, man hätte sie vom Fleck weg drehen können. Ich ging ganz allein über den großen Platz und der Regisseur und der Aufnahmeleiter schimpften hinter mir her!" Jimmy lachte in der Erinnerung. von Leitungsmasten dienenden Verankerungen nicht rütteln ober schaukeln! 5. Du sollst nicht mit Steinen oder anderen Gegenständen nach Porzellan-Isolatoren oder nach Leitungen Wersen! 6. Du sollst Transformatorenhäuser und Schalträume nicht betreten, wenn sie offenstehen oder unbewacht sind! 7. Du sollst einen an elektrischen Leitungen Verunglückten nicht anfassen, aber du sollst lofort Erwachsene zu Hilfe holen! •• D. H.V. - 3 ugend a u s W a nd e r f ahr t. Die Iungkaufleute des Deutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Derbandes treffen sich im 3uni au« allen Orten von Hessen, Hessen-Rassau und dem Rahegebiet zu Wanderfahrten. Sie werden die engere deutsche Heimat durchstreifen, ihre historischen und romantischen Stätten berühren und die Liebe zu ihr und dem Volkstum vertiefen. Die Wanderungen werden unterbrochen durch Geländeläufe, Turnspiele, Bodenturnen, Steinstoßen und Baumstammwerfen. Am Sonntagmorgen werden die Gottesdienste beider Konfessionen besucht. Die 3ungfaufleute aus Gießen, Lich, Butzbach, Dad-Rauheim, Friedberg, Wetzlar, Herborn, Dillenburg, Haiger, Biedenkopf und Marburg treffen sich am Samstag in Gießen. Oberhessen. posaunenchorfest in Klein-Linden. ♦ Klein-Linden, 10. Juni. Wohl selten hat ein kirchliches Fest in unserem Dorfe so viele Besucher zusammengeführt, wie das am gestrigen Sonntag gefeierte 7 5. Subelfeft de s P o - saunenchors (des ältesten in Hessen) Klein-Linden, mit dem der Verband der Oberhessischen Posaunenchöre sein 2 4. Verbandssest verknüpfte. Schon am Samstagabend waren viele auswärtige Vereine gekommen, deren Mitglieder gastfreundliche Aufnahme in Klein- Lindener Familien fanden. Am frühen Sonntagmorgen ertönten auf freien Plätzen und Straßen Chöre der zu einigen Gruppen vereinigten Posaunenchöre, gleichsam als Weck- ruf und Festgrub der vielen Festgäste. Da unsere kleine Kirche die vielen Gäste nicht alle hätte fassen können, war der Hochwald hinter dem Friedhof als Festplatz ausgestaltet worden. Pünktlich wurde der trotz der anfänglich kalten Witterung st a r k b e - suchte Gottesdien st mit dem Massenchor von rund 150 Posaunenbläsern eröffnet. Der Ortsgeist- llche, Pfarrer Bremmer, versah die Liturgie, wahrend die Festpredigt über Psalm 92, Vers 1 bis 3 „Das ist ein köstlich Ding ..von Pfarrer V ö m e l (Rodheim a. d. Bieber) übernommen worden war. Er pries die Segnungen, die von dem Klein-Lindener Chor nach vielen Teilen Hessens hinausgegangen sind, eingedenk des festen Programms, das sich der Chor bei der Gründung ausgestellt hatte. Eine zweite Predigt, mehr als Missionspredigt gedacht, hielt Missionar Langhols (Hermannsburg) über das Bibelwort Jesaja 51, Vers 16. Seit Gründung schon steht der hiesige Chor als „Missionsverein" in enger Verbindung mit der Heidenmission. Sämtliche während des Gottesdienstes gesungenen Gemeindelieder wurden von dem Posaunenmassenchor unter der Leitung von Weißbindermeister B o Ile r, dem Dirigenten des Posaunenchores von Lang-Göns, geleitet. Am Nachmittag stellte sich im nördlichen Dorfteil ein Festzug auf, der sich durch die Hauptstraßen des Dorfes nach dem Festplatz bewegte. Der Orts- geistliche, Pfarrer Bremmer, begrüßte alle Festteilnehmer und schilderte die hohen Ziele des Chores, die darin bestehen, Gott zu dienen und zu zeugen von Gottes Ehre. Er übermittelte die Grüße des früheren Ortsgeistlichen, Pfarrer Göbel, jetzt in Engelstadt, und des Bruderchores in Strheilgen, des zweitältesten in Hessen. Oberkirchenrat Wagner, der Superintendent für Sberhessen, beglückwünschte den Chor im Auftrag der Hessischen Landeskirche, Dann zog er das Gesicht wieder in ernste Falten: „Was den Ausweg betrifft, so habe ich den gefunden: Ich gehe nach Hollywood!" Jimmys Stimme barst vor Triumph. Ehe Ellinor etwas sagen konnte, fuhr er fort: „Sie müffen wissen, Miß Betty, es gibt Leute, die laufen stundenlang neben ihrem Glück her. ohne es zu merken, aber auf einmal knackt es bei denen im Gehirn, und dann packen sie das Glück beim Kragen und lassen es nicht mehr los. Bei mir hat es vor einer Stunde geknackt und jetzt ..er trat ganz dicht an Ellinor heran, „jetzt pack ich Sie zwar nicht beim Kragen, aber einen kleinen Gefallen müssen Sie mir jetzt tun, lassen Sie sich doch bitte von dem Herrn einmal einen Füllfederhalter und ein Stück Papier geben ..." Ellinor schüttelte lachend den Kopf: „Gib her, Georgie!" Jimmy verzog keine Miene. „So, nun schreiben Sie bitte folgendes: Ich bestätige hierdurch, das Jimmy Herv, bitte Herv mit einem v hinten ... als einziger berechtigt ist, die für mich ausgesetzte Belohnung in Hohe von 100 000 Dollar — die Summe bitte in Buchstaben — in Empfang zu nehmen, da es ihm in Anwesenheit von Mr.....“ er sah George fragend an. „George Wellton!" Jimmy stieß einen kleinen Pfiff durch die Zähne. „Also weiter: in Anwesenheit von Mr. George Wellton gelungen ist, meine wahre Persönlichkeit vor Ablauf des gesetzten Termines zu entdecken. Als Unterschrift: Ellinor Stanley!^' Jimmy schnaufte ein wenig. Das war ein schwerer Sah gewesen. Ellinor flog mit einem Iubelschrei auf: . „Iimmhchen, Herzensjunge, ich bin ja-so glücklich, das hast du ja fabelhaft gemacht! Aber wie bist du denn auf die Idee gekommen?" „Es hat eben geknackt!" sagte Jimmy schlicht. Ellinor wollte Jimmy freudestrahlend an sich ziehen, aber Jimmy trat einen Schritt zurück: „Pardon, Miß Stanley, ich muh noch etwas sagen ..." er hielt Ellinor ein kleines Veilchen- sträuhchen hin, das er bis dahin auf den Rücken gehalten hatte ..., „erlauben Sie mir, das ich Betty Glynn dieses Heine Veilchensträußchen zum Abschied schenke, Miß Ellinor Stanley erhält von mir einen ganzen Waggon Teerosen, sobald sich meine finanziellen Angelegenheiten geregelt haben ..." „Sag mal, Jimmy," fragte Ellinor nach einer Weile, als sich die erste Freude gelegt hatte, „warum haben dich die Filmleute eigentlich rausgeschmissen?" Jimmy sah einen Moment lang von der großen Schüssel wundervoll belegter Brote, die man ihm vorgesetzt hatte, auf. Mit verklärtem Blick schaute er Ellinor an: „Warum? Damit ich die Weltmeisterschaft Im Wettlauf um Ellinor gewinnen konnte!" insbesondere von dem Führer derselben, Prälat D. Dr. Diehl, der leider am Erscheinen verhindert war. Die Glückwünsche der Hermannsburger Missions-Posaunenchöre und des Vorsitzenden der Wal- decker Posaunenchöre überbrachte Missionar L a n g - h o l f (Hermannsburg). Er erzählte von seinen Eindrücken während seiner achtjährigen Tätigkeit als Missionar in Indien. Pfarrer Lenz (Gießen), der Vorsitzende des Verbands der Oberhessischen Posaunenchöre und ihr geistiger Führer, als Sohn unseres Dorfes ein besonderer Kenner des hiesigen Posaunenchors, wandte sich an die Jugend und ermahnte sie, treu zu Gottes Wort zu stehen und lebendige Glieder der Kette zu werden, deren Anker in die Ewigkeit ragt. Erwähnt sei noch die Mitwirkung des hiesigen Kirchengesangvereins, der, wie der Posaunenchor, unter der jahrzehntelangen Leitung von Johannes Germer, zur Verschönerung der Feier beitrug. Mit dem Posaunennachspiel „Nun ruhen alle Wälder" von I. S. Bach fand die Feier ihr Ende. Aus der Geschichte des hiesigen Posaunenchors sei noch einiges berichtet: Als im Jahre 1848 das Verbot der Privaterbauungsversammlungen aufgehoben wurde, wirkte in unserem Dorfe (von Großen- Linden aus) der Vikar Henrici. Von ihm ging die Erweckung in Klein-Linden aus. Die ersten Anhänger hatten viel zu leiden und bildeten für viele andere ein Aergernis. Aber aus vielen ehemaligen Feinden wurden später treue Anhänger der Sache. Zweier der treuesten Führer sei besonders gedacht: Anton Weigel und Johann Philipp Jung, gestorben 1887. Letzterer ist der Gründer des Posaunenchores, der im Juli des Jahres 1854 entstand, lieber den Zweck des Vereins ist folgende Aufzeichnung des Gründers noch erhalten: „Das Vornehmen des Vereins ist, zu blasen bei Missionsfesten, Erntedankfesten, oder bei sonst evangelisch-kirchlichen Feierlichkeiten, bei christlichen Haus- festen, als bei Hochzeiten usw. ... Wir werden uns bestreben, ganz auf Grund und Boden des Wortes Gottes zu stehen, sollte aber jemand etwas Unchristliches an uns wahrnehmen, so bitten wir denselben, es uns zu sagen." Das erste Auftreten konnte an Weihnachten 1854 im benachbarten Kinzenbach gewagt werden. Von Klein-Linden aus konnten auch die ersten Anregungen zu Gründungen von Posaunenchören in anderen Orten gegeben werden, so halfen die Klein-Lindener mit bei der Gründung der Posaunenchöre in .Arheilgen, in Ebsdorf, Ehringshausen (Kreis Wetzlar), Holzheim, Groß- Rechtenbach, Lang-Göns, Schönborn, Oppenrod und Beuern. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 12. Juni. Wegen der Sperrung der Straße Gießen —Wieseck (Wiesecker Weg) wird der gesamte Autoverkehr zur Zeit über die Marburger Straße — Lichten- auer Weg umgeleitet. Daß am Eingang Mar- burger-Straße-Lichtenauer Weg bis jetzt noch wenige Autounglücke vorgekommen sind, ist geradezu als ein Wunder zu bezeichnen. Es fehlen hier die W a r - nungs- und Wegekreuztafeln, zumal doch die Marburger Straße einen Autoverkehr auf- weist, wie fast keine zweite Straße um Gießen. Auch ist zu berücksichtigen, daß alle Wagen und Motorräder gerade an dieser Stelle die Höchstgeschwindigkeiten fahren. Abhilfe ist unbe- b i n a t notwendig im Interesse der Sicherheit der Bevölkerung. Als weiterer großer Mangel wird von den Anwohnern des oberen Lichtenauer Weges empfunden, daß bei der Trockenheit dieses Weges die Gemeinde Wieseck den Lichtenauer Weg nur bis zur Straße „Am Eichelbaum" besprengen läßt und nicht bis zur Marburger Straße. Hoffentlich genügen diese Zeilen, um beiden Uebelständen abzuhelfen. : Reiskirchen, 11. Juni. Im Nachsommer vorigen Jahres wurde die Land st raße Grün- berg — Reiskirchen mit einem Teerbelag ver- sehen, der aber durch die starke Inanspruchnahme der Straße an vielen Stellen wieder schadhaft wurde. Erneuerungsarbeiten an der Teerdecke auf dieser Straße wurden nun in den letzten Tagen beendet und damit die viel befahrene Straße wieder in einen einwandfreien Zustand versetzt. ! Aus dem südlichen Kreise Gießen, 11. Juni. Durch die letzten Regenfälle ist es möglich geworden, daß die Dickwurz - und Gemüsepflanzen gesetzt werden können. Kohlpflanzen sind stark gesucht, da die Erdflöhe massenhaft auftreten und auf manchen Saatbeeten kaum etwas aufkommen ließen. Vielerorts ist das Aussetzen der Dickwurzpflanzen schon beendet, da man fast durchweg Körner gesteckt hatte. Bei großer Trockenheit gedeihen diese Pflänzchen viel besser als umgesetzte. Auch ist in diesem Jahre die Unkrautbekämpfung lange nicht so schwierig wie bei feuchten Sommermonaten. Die Futter not ist immer noch nicht ganz behoben. Die starke Wärme hat ja den Klee gut vorangebracht, dann aber setzte die Trockenheit ein, und der Nachwuchs kommt nur langsam. Der Stand der Sommer - und Winterfrucht dagegen ist allgemein ausgezeichnet. Auch die Ob st bäume haben — der reichen Blüte entsprechend — gut angesetzt. Kreis Schotten. □ Laubach, 11. Juni. Die zwei ersten Tage des Laubacher Nationalfestes, des sog. Ausschusses, das alljährlich drei Tage lang, vom zweiten Sonntag vor Johanni an, seit nachweislich vier Jahrhunderten gefeiert wird, sind unter der Gunst herrlichen Wetters und der Teilnahme von über 2500 Festbesuchern geradezu glänzend verlaufen. Am Sonntagnachmittag nach dem Gottesdienst wurde das Fest mit allgemeiner Dolksbe- l u st i g u n g auf dem alten Marktplatz, der „Hülle", eröffnet, mit Karussel, Schießbuden, Konzert, Tanz unter den Linden usw. Die Musik wurde von der trefflichen Oberhessischen Orchestervereinigung (Dirigent Horst, Stangenrod) geboten. Am Montag, dem Hauptfesttag, trat um 9 Llhr morgens der F e st z u g in 13 Sektionen von insgesamt gegen 400 Mann mit Musik und Trommelschlag auf dem „Lindeplatz" an. Die Spitze bildeten die Kinder, denen die Festjungfrauen folgten. 3n der Mitte des Zuges fuhr ein Wagen mit den A l t - Veteranen von 1 8 70/ 71, noch vier Mann an der Zahl. Der „Ausschuß" zog zum Schlosse. Hier begrüßte der diesjährige Ausschußhaupt- mann, Bäckermeister Pitz, den Grafen und die gräfliche Familie, die zum Feste eingeladen wurden. Der Graf dankte in längerer Rede, worin er die Bedeutung des Festes ausführte und den „Ausschuß" als „den kraftvollen Ausdruck treuer Heimatliebe" bezeichnete. Sodann wurde nach alter Sitte der Hammel als erster Preis des Grafen und ein Kleid als zweiter Preis der Gräfin übergeben, worauf sich der Zug durch die Hauptstraßen nach der „Hälle" bewegte. Hier entwickelte sich ein sehr munteres Treiben. Das Preisschieben nach einzelnen Sektionen begann sofort. Die anderen Festgenossen vergnügten sich sodann vornehmlich in den Hallen des „Schühenhofes" und in der Festhütte. -Um 7 Uhr abends wurde das Ergebnis des Preisschießens verkündet. Den Hammel hatte Malermeister Karl Göbel errungen. Darauf zog seine Sektion mit Musik vor das Haus und brachte ihm den Hammel. Darauf zog die siegreiche Sektion zum Schlosse, wo der Graf dem „Hammelschühen" die von ihm im Jahre 1920 gestiftete Denkmünze übergab. Dis zu später Stunde erstreckte sich sodann die allgemeine Festfreude. Oie Historische Kommission Hessens. WSR. Groß-Gerau, 11. Juni. Am Samstag hielt die Historische Kommission Hessens in unserem historischen Rathaus ihre Tagung ab. Rach der Begrüßung durch Bürgermeister Dr. L ü d e ck e eröffnete Ministerialdirektor 11 r st a d t die Tagung. In zweieinhalbstündiger Beratung wurde Rück- und Ausblick gehalten. Nachdem sich die Gäste in das Goldene Buch der Kreisstadt eingetragen hatten, fand in der durch Matthias Claudius berühmt gewordenen „Krone" ein Essen statt. Hier ergriff Kreisdirektor Dr. Merck das Wort und sprach von dem stark ausgeprägten Heimatsinn der Bevölkerung des Gerauer Landes. Später ging's nach dem Forsthaus Mönchbruch und von da nach Rüsselsheim, wo unter Führung von Leh. rer S t u r m f e l s die Festung besichtigt tourte. Lehrer Sturmfels trug den Wunsch ter Heimatfreunde, die Festung, die jetzt im Staatsbesitz ist, ter Gemeinte zu weiterem Wiederaufbau zu überlassen, vor. S!n Todesurieilvom Reichsgericht bestätigt Leipzig, 11. Iuni. (WB.) Das Reichsgericht hat heute durch Verwerfung der Revision das gegen den Kaufmann IakobScharth gefällte Todesurteil des Schwurgerichtes Limburg vom 29-. Ianuar 1929 bestätigt, ter im März 1928 eine Frau Ortmann in Offdilln (Dillk.eis) vergiftet h t e. Der terhci aiete Angeklagte, ter wegen Vertriebs von Falschgeld eine vierjährige Gefängnisstrafe teilweise verbüßt hat, ist durch eine erdrückende Betoeislast überführt, Frau Ortmann vorsätzlich getötet zu haben, intern er diese zwang, einen Likör zu trinken, dem große Mengen Zyankali beigemischt waren. Die Tat geschah offenbar in der Absicht, die Behältnisse der Getöteten nach Wertgegen- ständen zu durchsuchen. Dies wurde jedoch durch das Hinzukommen des Bruders der Frau Ortmann vereitelt. Aus dem Amisverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 40 vom 11. Iuni enthält: Die Festsetzung der Polizeistunde. — Reichsjugendwettkämpfe 1929. — Versailler Vertrag in der Schule. — Dienst- nachrichten. Turnen, Sport und Spiel. Oer zweite Frankfurter Zunirenntag. Der Donnerstag bringt wieder ein gemischtes Programm. (Siehe heutige Anzeige.) Die Jagdrennen sind Herrenreiten, deren gesamte Elite sich hier vorstellen dürfte. Der Preis von Grafenbruch sieht ein starkes Feld am Ablauf. Hier sind Original, Dalibor und Miles die aussichtsreichsten. Den Ganelonpreis sollten Delifee, Krönung, Mydear und Tarzan unter sich ausmachen. Im Königsteiner- Jagdrennen steigen erstmals die Herrenreiter in den Sattel. Hier dürften Stattliche Euphrat, Allah und Johannisfeuer, die am Sonntag leicht gewann, sich scharfe Kämpfe liefern. Ein schönes Fliegerrennen ist ter Preis von Falken st ein, für den 10 Pferde als Starter gelten. Hier sind Heruler, ter Sonntagssieger, Grimm, Lakai, Brombeere zu beachten. Das Hauptrennen des Tages ist ter Preis von Westerberg. Hier sollte Sergius, selbst ein Westerberger, über Heilige Johanna und Redopp triumphieren. Das zweite Herrenreiten ist das Buchenrode-Jagd- rennen. Ein großes Feld guter Pferde kommt hier an den Ablauf. Bandola, Fateider, Dada II, Sans pareil, Montagne russe, Allah und Credu- lite haben alle eine Gewinnchance. Mit dieser Besetzung dürfte hier dem Auge eine besondere Delikatesse geboten werten. Wie immer weist der abschließende Preis von Frauenhof ein großes Feld auf. Unter ten 12 Startern sollten Canio, Südwind, Pan Robert, Dämon und Le Parodien das Rennen unter sich ausmachen. Wirtschaft. Rin&ermarff in Gießen. Der Auftrieb zum gestrigen Gießener Rindermarkt belief sich auf 929 Stück Groß- und Jungvieh und 171 Kälber. Der Handel war flott, die Nachfrage nach Schlachtkühen groß. Es wurden bezahlt für Kühe 1. Qualität 600 bis 700 Mk., 2. Qualität 400 bis 500 Mk., 3. Qualität 200 bis 300 Mk.; Schlachtkühe 200 bis 400 Mk.; Rinder, ein- bis zweijährig, 150 bis 250 Mk.; Kälber je Pfund Lebendgewicht 0,60 bis 0,65 Mk. Bessere Tiere erbrachten Preise über Notiz. * * Fürstliche Wildunger Mineralquellen A.-G., Bad Wildungen. Wie WTB.-Handelsdienst erfährt, sollen von den neuen 500 000 Mk. Aktien der Fürstlichen Wil- dunger Mineralquellen A.-G., Bad Wildungen, 250 000 Mk. ten alten Aktionären im Verhältnis von 4:1 zum kostenlosen Bezüge angeboten werten. * Verein für chemische Industrie A.-G., Frankfurt a. M. Die G.-V. genehmigte ohne Erörterung den Abschluß mit wieder 7 Prozent Dividente auf 6,5 Mill. Mk. Stammaktien. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 12. Juni. Tendenz: freundlich. — Die Befestigung an der gestrigen Abendbörse konnte im heutigen Frühverkehr weitere Fortschritte machen, und es ergaben sich überwiegend für die bevorzugten Werte erneute Besserungen. Anregend wirkte vor allem die wieder stärkere Beteiligung des Auslandes; auch die Zunahme der Spareinlagen im Reiche fand gebührende Beachtung. Auf der anderen Seite mahnte jedoch der flaue Verlauf der gestrigen Reuyorker Börse zur Zurückhaltung. Die vorliegenden Aufträge waren jedoch bald erledigt, und zu Beginn des offiziellen Marktes machte sich daber bei der Spekulation wieder eine größere Zu- rückhaltung bemerkbar. Das Geschäft schrumpfte daraufhin wieder zusammen. Nur für vereinzelte Spezialwerte zeigten sich noch einige Interessenten. Die Kursgestaltung wurde uneinheitlich. Die Verhandlungen von Siemens mit der englischen Siemens-Gesellschaft boten eine stärkere Anregung für dieses Papier, aber auch nur anfangs, später kam hier Material heraus und es ergab sich für dieses Papier ein Rückgang bis zu 2 Proz. Etwas höher eröffneten dagegen A.C.G. und Chade-Aktien. Sonst waren hier die Umsätze nicht von Bedeutung. Farben lagen 1,5 Prozent gedrückt. Nachfrage bestand noch am Kalimarkt für Westeregeln mit plus 2,5 Prozent. Am Montanmarkt lagen Mannesmann, Farben, Harpen er bis etwa 1 Prozent hoher. Karstadt verloren 1,5 Prozent. Dau- Unternehmungen leicht gedrückt. Daimler, in Nachwirkung der gesteigerten Umsatztäligkeit, waren weiter etwas bevorzugt und 1 Prozent höher. Am Dankenmarkt wiesen Deutsche Bank mit plus 3 Prozent eine Sonterbewegung auf. 2llich Drau- bank und Disconto-Gesellschaft, die 1 Prozent gewinnen konnten, standen im Vordergründe. Da- natbcmk und Commerzbank büßten dagegen bis zu 2,5 Prozent ein. Am Rentenmarkt bestand für Ausländer einiges Interesse. Deutsche Anleihen dagegen still und leicht gedrückt. Rach den ersten Kursen kamen wieder einige Orders an den Markt, und es trat daraufhin etwas vermehrtes Interesse für A.E.G. mit plus 1 Prozent, für Farben mit plus etwa 0,75 Prozent, und für Siemens mit etwa 0,5 Prozent zutage. Ruch Reichsbankanteile waren etwas lebhafter gefragt. Die übrigen Dankwerte traten in den Hintergrund, blieben aber gut gehalten. Die Stimmung war freundlich. Am Geldmarkt war ter Sah für Tagesgeld mit 6 Prozent unverändert leicht. Arn Devisenmarkt lag die M a r k a b g e s ch w ä ch t. Man nannte Mark gegen Dollar 4.1975, gegen Pfund 20 317, London—Katel 4 8480 g g n Paris 124 05, gegen Mailand 92 68, gegen Madrid 33.90, gegen Holland 12.0725. Berliner Börse. Berlin, 12. Juni. Nach einem freundlichen Vormittags- und vorbörslichen Verkehr, der besonders durch die feste Haltung von AEG. und Siemens angeregt wurde, eröffnete die Börse selbst nicht mehr au den höheren vorbörslichen Kursen. Das G e - schäft war wieder außerordentlich gering, und nur in einigen Spezialwerten war eine 2Ius- landbeteiligung festzustellen, doch nahm sie keinen größeren Umfang an. Die ersten Kurse zeig- ten gegen gestern mittag Schluß eine ganz uneinheitliche Haltung bei 1- bis 2-o. H.-Schwankungen nach beiden Seiten, wobei aber die Besserungen doch in der Mehrzahl blieben. Anregend wirkte die weitere Besserung der Arbeitsmarktlage im Reiche, Versionen, daß in Kurze ein Aus- landkredit ausgenommen würde, die eher festere Reuyorker Börse und die Steigerung der Roheisenerzeugung. Der Geldmarkt zeigte wieder eine leichte Verfassung. Tagesgeld war mit 6 bis 8,5 v. H. erhältlich, Monatsgeld stellte sich auf 9,5 bis 10,5 v. H. Am Elektromarkt wirkten die Transaktionen von Siemens mit der englischen Siemens-Gesellschaft anregend. In AEG. konnte man, wie bereits gestern abend, Auslandkäufe beobachten; der Kurs zog um 3 v.H. an. Harpener waren trotz der zuversichtlichen Mitteilung in der gestrigen General-Versammlung doch schwächer. Deutsche Linoleum, Tietz, Spritaktien, Telephon Berliner und Reichsbank lagen dagegen fester. Stöhr, Hugo Schneider, Deutsche Telephon und vor allem BMW. schwächer. Bei letzteren verstimmte die bevorstehende Entlassung von 40 v. H. der Belegschaft. In Daimler entwickelte sich lebhaftes Geschäft, der Kurs zog um etwa 1,5 v. H. an. Deutsche Anleihen waren knapp gehalten. Ausländer überwiegend schwächer, besonders Türken und Bosnier. Der Pfandbriefmarkt war ruhig und nicht einheitlich. Nach den ersten Kursen wurde es allgemein etwas schwächer, dann entwickelte sich aber in Banken außerordentlich lebhaftes Geschäft. Man wollte Käufe amerikanischer Invest- menttrufts beobachten, und die Kurse zogen um 1 bis 3 v. H. an. Danatbank sogar 4,5 o. H. höher. Die übrigen Märkte waren vernachlässigt und uneinheitlich; Tietz, Salzdetfurth zogen 2 bis 3 v. H. an, Po- lyphon und BMW. schwächer. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 12. Juni. (Drahtbericht tes „Gieß. Anz.") Der Produktenmarkt verkehrte auf die wieder ermäßigten Auslandmeldungen in äußerst ruhiger und fast geschäftsloser Haltung. Die Tendenz neigte im allgemeinen eher zur Schwäche, was sich aber bei ter herrschenden Geschäftslosigkeit zur offiziellen Preisnotierung nicht auswirken konnte. Nur Futtermittel, die eine Kleinigkeit lebhafter gehantelt wurden, verloren bis 0,25 Mark. Tendenz: ruhiger. — Es wurden notiert: Weizen 23,50; Doggen 21,75; Sommergerste 23; Hafer (InL) 22; Mais 20; Weizenmehl (südd. Spezial 0) 32 bis 32,50; Roggenmehl 28—28,50; Weizenkleie 10,75; Roggenkleie 11,50. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Stammtisch Seibel. Die richtige Schreibweise ist nach Duden: assoziiert. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Ahr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. irranffurt a M. Berlin Frankfurt a. ffli. Berlin Schlug. Kurs l-Uhr- Kurs Schluß. Kurs Anfang- Kurs Schluß- Kur« 1 Uhr- Kurs Schluß. Kurs Anfang- Kurs Datum 11.6. 12-6. 11 6. 12 6. Datum 11.6. 12.6. 11.6. 12.6. 6% Dt. ReichSanleihe v. 1927 . Dl. 8Inl^8lblöi^Sd)Ulb mit AuL los.-Rechlen..... . - Des gl. ohne AuSlos.-Rechte . . . 1% Front«. Hyp.-Bk. Soldps. un> kündbar bis 1932....... on 1918 üllg. Deutsche Eisenbahn . . 4K Hamburg-Amerika Paket ... 8 Hamb-Südam. Dampfsch. . . 8 Hansa Dampfschiff.....10 Norddeutscher Lloyd.....8 Llllg. Deutsche Creditanst. . . 10 Barmer Bankverein .... 10 Berliner Handelsgesellsch. . . 12 Commerz- und Privat-Bank. 11 Darmst. u. Nationalbcmk . . 12 Deutsche Bank......10 DlSkonto-Gesellschaft Ant.. . 10 Dresdner Bank......10 Mitteldeutsche Ereditbant ... 8 Metallbau! . ...»••••* Neichsbank..... U 87,3 51,2 11,2 86,5 79 87 28,75 2,55 1,9 23,3 22 2 8,7 q 122 11375 128,75 134 227,5 190,25 281 171,75 158 165 186 384 1 12 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Illi ISSI 1 1 1 1 |g 87,5 51,13 11,2 29,1 20,65 22,13 2 8,75 8,6 8,65 17,13 121,75 153,25 113,25 129,25 134 227 190,25 279,75 172 158 165 333 11 i 122,25 153,25 113,25 129,5 133,5 227 190 279,5 173,25 157,75 165 335 Ül.E.G............8 Elektr. Lieferungen . . . . 10 Licht und Kraft ...... 10 Ges. f. Elektr. Untern.. ... 10 Hamb. Elektr. Werke .... 10 Rheln. Elektr.........9 Schlei. Elektr........10 Echuckert...... 8 Siemens & HalSk» . • • • . 12 TranSradio . ........ 8 Lahmeyer 4 (So...... . 10 Buderu»..... .... 6 Deutsche Erd bl.......6 Gelsenkirchener ... s. Z4 I. 4 Harpener..... 6 Voesch Eisen. ........ 8 Ilse Bergbau ...... .8 Köln-Neuessen. .......9 ManneSmann..... 8 ManSselber.........7 Obcrschles. Eisenb. Bedarf. . . 6 Lberschlej. KokSwerke.....6 Vhöntr Bembau......6% Rheinische Braunkohlen... 10 Nh^nstahl . . . |. % ga6t 4V, Riebeck Montan......7,2 Bereinigte Stahl.......6 Otavi Minen.......9 $h Kali Aschersleben ..... 10 Kaki Westeregeln......io Kaliwerk Salzdetfurth ... n> I. ®- Farben-Industri» ... 12 Dynamit Nobel ....... b Scheideanstalt..... 9 Goldschmidt ........ 6 RütgerSwerke . ....... 6 Metollgelellschast......11 194 228 162 224 137 230,5 248,25 406 171 75 136,5 222 107,5 120 132 95 294,5 129 100,25 246 253,5 417 260 80,5 94,9 130,5 Ä 1 1 | | | 1 1 1 | * | | 1 1 1 I 1 1 I 1 1 “l I 1 1 Ä I S 1 I | I £ | "11 1 MS » 3 S « »' « s? a> xt- r— a> cm u-> c*4 192,4 228 161,25 224 137,5 230,75 143,5 163,5 196 245,25 401,25 145 171 74,25 114,13 137,25 143,5 127,25 217 107 125,25 118,25 131,5 86,5 111 93,75 293 129,5 148 100 70,13 246 254,75 415 259,5 120,25 80,75 94 129,5 195,5 228,5 163 223,5 231 164 201 247,5 405,25 114 137,25 143,5 128,25 107,25 127,5 120 133 112,75 95,4 294,5 129,25 149,75 100,9 70 246,5 255 418,5 258,5 120,5 80,6 95,25 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- Kurs l-Uhr- Kurs Schluß. Kurs Anfang Kurs Datum 11.6. 12.6. 11-6- 12 6. Philipp Hotzmann......1 Heidelberger Cement .... 10 Gement Karlstadt ...... 8 Wayß 4 Freitag......10 Schultheis Patzenhofer ... 15 Qslmerke.........12 Bei. Glanzstosf......18 Beuiberg.........14 Mellftoff Waldhof.....12 Zellstoss Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser ... 7 Dessauer Gas........8 Daimler Motoren......O Deutsche Maschinen-Fabril ; . o Adlerwerke Kleoer......5 Ludw. Loewe.......10 Nat. Automobil.......0 Lrenstein 4 Koppel ..... 5 Leonhard Tietz.......c Bamag-Meguin ....... 0 Franks. Maschinen......6 Gritzner..... 11 Mainkrastwerke ....... 8 Miag....... io Peters Union ........ 8 Gebr. Roeder.......10 Doigt 4 Haeffn«......8 Südd. Zucker........8 113,5 138,5 178 108 256 62 53 52 73 107,75 106,25 124 128,5 116 222 138,5 107,5 63 75 114 107,5 316 255 461,5 362 256,5 195,5 115 215,25 62,13 52 52 208,5 28,5 94,13 285 52 72,5 73?5 123,5 128,65 223 149 113,75 319,25 257,25 464 362 256,5 195,5 116 216,13 63,5 52,25 213 94,5 289 124 Banknoten. Berlin, 11. Juni Geld Brief Amerikanische Notes ..... 4,171 Belgische Noten........ 58,09 58',33 Dänische Noten ........ 111,33 111,77 Englische Noten........ 20,283 20,363 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Berlin, 11. Juni Geld Brief französische 'Noten..... 16,34 05 Holländische Noten...... 167,93 168,61 (italienische Noten...... 21,94 22,02 Norwegische Noten...... 111,33 111,77 Deutsch Oesterr-, 5100 Kronen 58,77 59,01 Numänische Noten...... 2,525 2,545 Schwedische Noten...... 111,78 112,22 Schweizer Noten...... 80,51 Spanische Noten....... 59,71 59^95 Tschechoslowakische Noten .. 12,385 12,445 Ungarische Noten....... 72,85 73,15 11. Juni 12. Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld tönet Geld Bries AMU-- NoN- 168,23 168,57 168,41 168,>5 Buen. AireS 1,754 1,758 1,756 1,760 Brff.-Antw- 58,17 58,29 58,215 58,335 Christiania • 111,61 111,83 111,71 111,93 Kopenhagen 111,60 111,82 111,72 111,94 Stockholm - 112,05 112,27 112,16 112,38 Helnngfors. 10,525 10,545 10,523 10,543 Italien. . . 21,925 21,965 21,935 21,975 London. . . 20,316 20,356 20,33 20,37 Neuvork . . 4,1900 4,1980 4,1935 4,2015 Paris.... Schwei; . . 16,375 16,415 16.39 16,43 80,605 80,765 80,66 80,82 Spanien. 59,88 60,00 59,16 60,02 Japan - . . 'Hio de Ian Dien in D-' 1,841 1,845 0,498 1,840 1,844 \496 0,437 0,499 Lest- abgcst 58,855 58,975 58,90 59,02 Prag . . . . 12,40 12,42 12,41 12,43 Belgrad . . 7,361 7,375 7,365 7,379 Budapest. . 73,00 73,14 73,07 73,21 Bulgarien 3,029 3,033 3,032 3,038 Lissabon . 18,73 18,77 18,73 18,77 Danzig. . . Konstantin. 81,19 81,35 81,25 81,41 2,008 2,012 2,023 2,027 Athen. . . 5,435 5,445 5.44 5,45 Ecmada 4,157 4,046 4,165 4,159 4,167 Uru nah. . 4,054 4,086 4,044 Cairo . . - 20,835 20,875 70,85 70,89