Nr. 10 Erstes Blatt 179. Jahrgang Samstag, 12. Januar 1929 Er Ich ernt täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspsennig für Träger» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsp, echanichlüf je: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Lietzen. Postscheckkonto: Zranlfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vrttck vnd verloa: vrühl'sche Unlverfitülr-Vuch- und Steinörutfcrei R. Lanze tn Sletzen. Zchriftleiwng und GeschäftZftelle: 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Rachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 ii.m Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20v mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THgr.ot; für den übrigen leit Ernst Dlumfchein; für den Anzeigenteil Aurt Hillmann, sämtlich in ®ie'-,en Die Sachverständigen. Deutschland steht vor einem neuen, vielleicht dem entscheidenden Abschnitt in der Geschichte der Liquidation des verlorenen Kriegen. Die Reparations- volitik hat im Sommer des vergangenen Jahres tn Genf einen neuen Impuls erhalten durch den Beschluß der an der Bezahlung der deutschen Kriegsschulden interessierten Mächte, nach dem Vorgang dcsDawesiomitees, eine neueKomission von unabhängigen Sachverständigen zu berufen zur Ueberprüfung des Darvesplans und Ausarbeitung neuer Vorschläge für die Gesamtsumme und den Zahlungs- Modus der deutschen Reparationszahlungen. Es hat seitdem sehr eingehender und im einzelnen schwieriger Verhandlungen, sowohl der alliierten Gläubiger unter sich, wie mit dem deutschen Schuldner, bedurft, ehe über den, diesen Sachverständigen zu erteilenden Auftrag, wie über die Art ihrer Berufung. volle Klarheit bestand. Es spricht zweifellos für die starke Persönlichkeit Poincaräs, wie auch für die Bedeutung Frankreichs als Hauptgläubiger Deutschlands, daß sich diese Verhandlungen sehr bald fast ausschließlich in Paris konzentrierten, ja daß der französische Ministerpräsident in der Reparationsfrage auf alliierter Seite sozusagen federführend wurde. Und es gibt kaum eine Tatsache, die wie diese markanter und eindeutiger die äußerst schwierige Situation Deutschlands erhellen könnte. Wir stehen der Front der alliierten Gläubiger wieder einmal gänzlich isoliert gegenüber, und es bleibt uns lediglich die vage Hoffnung, daß die amerikanischen Mitglieder des Expertenkomitees unseren eigenen Delegierten in der Verteidigung bei wirtschaftlichen Vernunft und finanzpolitischen Einsicht kräftig assistieren werden. An sich sollte man allerdings diesen Leitgedanken für die Arbeit des neuen Daweskornitees bei allen seinen Mitgliedern voraussetzen dürfen, denn es war in Genf in Aussicht genommen und in den späteren Verhandlungen immer wieder besonders betont worden, daß unabhängige, also von der Politik und ihren Regierungen unbeeinflußte Männer zur Prüfung der wirtschaftlichen und finanztechnischen Grundlagen des Reparations» Problems berufen werden sollten. Ganz so unabhängig, wie man sich dies vor allem wohl bei uns in Deutschland gedacht hat, werden nun diese Experten kaum sein. Sie sind ja in den letzten Tagen nach vielem Rätselraten bis auf die amerikanischen Delegierten offiziell ernannt worden, die deutschen von der Reichsregierung, die alliierten von der Reparationskommission Zweifel« (ns sind von beiden Seiten Leute von hervorragender Sachkenntnis und großer finanzpolitischer Erfahrung ausgewählt worden; Leute, die zum Teil schon, wie z. B. der Engländer Sir Josiah Stamp, der Franzose Parmentier, der Italiener Pirelli und der Belgier F r a n c q u t, Mitglieder des Daweskomitees waren, also mit der vermittelten Materie des Reparationsproblems durchaus vertraut sind. Aber nur schwer läßt sich der Gedanke unterbrücfen, daß diese Männer, wenn auch nicht alle, von ihren Regierungen nicht ohne weitgehende Instruktionen gelassen und in Wirklichkeit von ihnen fest an der Strippe gehalten werden. Das braucht nicht unbedingt von Nachteil fein, denn wenn sie ohne jede Fühlungnahme mit ihren Auftraggebern und ohne Kenntnis ihrer CBebantengänge Vorschläge ausarbeiten, bie sich in Ganz anderer Richtung bewegen und später von den Negierungen in Bausch und Bogen verworfen werden, so ist viel mühselige Arbeit unnütz vertan, »hne bie so bringend wünschenswerte Klärung her- Leigeführt zu haben. Andererseits darf man sich natürlich nicht die große G e f a h r einer über» mäßigen Abhängigkeit der Sachverständigen von ähren Regierungen für die kommenden Verhandlungen verhehlen. Jede an sich sehr naheliegende Lerquickung der von den Sachverständigen allein zu beobachtenden wirtschaftlichen Gesichtspunkte mit -ihnen aus der Heimat ins niicrten politischen Momenten könnte unmöglich den Fortgang ihrer Arbeiten günstig beeinflußen, müßte vielmehr das 'Heparationsproblem unfehlbar wieder auf das als oerhängnisvoll falsch erkannte Gleis ^urückschieben, bas man sich in London 1924 endgültig zu verlassen angeschickt hatte. Die den Sachverständigen gestellte Aufgabe ist denkbar schwierig und namentlich die Stellung der deutschen Delegierten ist keine beneidenswerte. Wepn sich auch die allgemeine Situation seit den Repa- lationskonferenzen von Spaa, London, Cannes, Genua, um nur einige zu nennen, wo Deutschlands Vertreter von der Bevölkerung noch wie interessante aber gefährliche wilde Tiere betrachtet wurden und aon ihren Verhandlungspartnern — wenn man dabei von Verhandlungen überhaupt sprechen konnte — nicht viel besser behandelt wurden, wenn sich also auch diese gefühlsmäßige Einstellung der Gegenseite ieitbem wesentlich geändert hat und nun einer sachlichen Derhandlungsmethode Raum läßt, so darf doch nicht außer acht gelassen werden, daß die öffentliche Meinung sich, nicht zuletzt unter dem Ein- iluß des Reparationsberichtes des Generalagenten, Tiber die Zahlungsfähigkeit Deutschlands uijb seinen aairtschastlichcn Aufstieg unter dem „segensreichen" Regime des Daroesplanes einer höchst gefährlichen Täuschung hingibt. So wird auch im Hinblick auf Liese Stimmung in den Ländern der Alliierten von ien Sachverständigen ein besonders hohes Maß von Unabhängigkeit und Mut zur Unpopularität verlangt, wenn sie bei der Abgabe ihres Urteils nach bestem Gewissen zu Entschlüssen kommen müssen, lie die in der öffentl chen Meinung vorzeitia geweckten hochgespannten Hoffnungen nicht erfüllen können. Den besten Leitfaden für ihre Arbeit finden die neuen Sachverständigen.zweifellos im Daroes» cu t a d) t e n selber. Dort he ßt es: „Um die Währung eines Landes dauernd stabil zu erhalten. Ein neues Vertrauensvotum für poincare. Oer Ministerpräsident verteidigt seine Politik gegen die Radikalen. — Eine Mehrheit von 14 Stimmen für poincare. Paris, 11. 3an. (WB.) Die Kammer setzte heute die Diskussion über die 3nterhellattonen zur allgemeinen Politik der 2tegkrung fort. 2lls erster Redner spricht der radikale Qlbgeorfmete Bertod von dem Undank, den die Radikalen für ihre loyale Haltung in den letzten beiden Jahren geerntet hätteir Trotzdem sei die Partei bereit, die Regierung bei den kommenden internationalen Verhandlungen zu unterstützen. 3n der Frage der Missionen wolle man nicht unerbittlich bleiben, aber man wolle nicht, daß die Laiengesetze in Frage gestellt würden. Ein weiteres Problem sei die Liquidation des Krieges. Seine politischen Freunde seien der Ansicht, daß die ernst« Frage der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland g e l ö st werden könnte. 3n Deutschland ist man geneigt, anzunehmen, daß die Verzögerung, dir sich in den letzten beiden Jahren in der auswärttgen Politik zeigte, zurückzuführen ist aus die Einführung neuer Elemente in die R.e gie - rungsmehrheit. Dertod führt fort: Die Radikalen wollten wissen, ob die parlamentarische Mehrheit einig gehe mit der Mehrheit des Landes, die links gerichtet sei, oder ob die parlamentarische Mehrheit sich beherrschen lassen wolle von einer linksfeinblichen Gruppe. Die Radikalen wollen nicht die geduldigen Mitarbeiter der Regierung sein, aber wenn sie Mitarbeiten sollten, müsse etn Programm vorhanden sein. Poincare sei es gewesen, der die Radikalen in die Opposition gedrängt habe; sie würden jetzt ihr Programm verteidigen und hofften, daß der Tag nahe sei, an dem in der jetzigen Kammer dieses republikanische Programm eine Mehrheit finden werde. Ministerpräsident poincare. ergreift nach Bertod sofort das Wort: Ein großer Teil seiner Rede wird damit ausgefüllt, daß er in allen Einzelheiten die Geschichte feiner parlamentarischen Tätigkeit vorn Juli 1926 barfteUt Er erinnert vor allem daran, welchen gefährlichen Zustand er vorgefunden habe, als er die Regierung der Einigkeit bildete. Die Verzögerung, die Deutschland dadurch herbeigeführt habe, daß es mit den R e - parationszahlungenimRückstand blieb, hätte eine Serie von Anleihen nötig gemacht, so daß der Frank entwertet wurde. Durch den beschleunigten Sturz des Franken sei er ans Ruder gekommen. Das notwendige spätere Werk der Konsolidierung der Lage habe das Ministerium der nationalen Einigkeit nicht fortfetzen können wegen des Verhaltens der Radikalen auf ihrem Kongreß in Angers. Die Gesetze über die Missionen habe er a u f besonderen Wunsch Briands eingebracht. Der sozialistische Abgeordnete Grumbach will zu einer Aeußerung Poincarös über die Elsaß- Fr a g e antworten, poincare verweigert dies. Ls entsteht ein ungeheurer Lärm, aber Poincare bleibt fest und sagt, er weigere sich/ die elsässische Frage mit der Frage der allgemeinen Politik vermengen zu lasten. Würde er anders handeln, so würde er eine ungeschickte, eine unglückliche Politik betreiben, die klägliche Resultate ergeben müsse. Poincarö fahrt dann fort: Er habe sich in Verhandlungen befunden sowohl mit dem deutschen, als auch mit dem englischen Botschafter und Parker Gilbert, nachdem er vorher bereits mit Winston Churchill und den belgischen Ministern verhandelt habe. Man habe ihm gesagt, diese Verhandlungen dürfe er nichtunterbrechen. Daher habe er rasch eine Regierung gebildet, deren Zusammensetzung nicht so gewesen sei, wie er sie gewünscht hätte, deren Programm aber das Programm des letzten Kabinetts geblieben sei. Die Tatsache, daß die internationalen Cachvcrstandigenbevatungen beginnen, sei von Wichtigkeit. Der Generalagent für die Reparationszahlungen habe den Sachverständigen eingehende Details über die Lage Deutschlands gegeben. Eine sofortige Krise werde einer neuen Regierung gestatten. diese Angelegenheit in die Hände zu nehmen, aber später würde eine Llnterbrechung der Verhandlungen verhängnisvoll sein. Heute noch müsse.die Kammer sagen, ob sie der jetzigen Regierung zu folgen gedenke. Rachdem Poincare im weiteren Verlauf seiner mehr als dreistündigen Darlegungen ein Programm sozialer und wirtschaftliHer Reformen entwickelt hatte, kam er aus die auswärtige Politik zu sprechen. Bei Erörterung des Vriand- Kellogg-Paktes werde die auswärtige Politik im allgemeinen zur Sprache kommen und sich noch immer mehr dabei zeigen, daß Frankreich der Friedensfache unverbrüchlich verbunden sei. Die gleiche Einstellung werde Frankreich für die Lösung der Reparationsfrage beweisen. Wenn Frankreich, so fuhr Poincarö ort, besonders egoisttsch gewesen wäre, würde es einen Schuldnern geantwortet haben, daß es ich mit der Respektierung der Verträge begnüge, da diese ja und gestatten, bedeutende Summen zu erhalten, die für Bezahlung unserer eigenen Schulden und selbst für unser Budget ausreichen würden. Cs ist schwierig, ja sogar unmöglich, eine Mobilisierung der deutschen Reparationsschuld zu versuchen, die ebenso vorteilhaft für die Schuldnernationen wie für die Gläubigernationen wäre. Die Schuld mobilisieren, kommerzialisieren heißt: die Aussichten für eine regelmäßige Zahlung erhöhen. Die Sachverständigen werden ihre Arbeit in ooller Unabhängigkeit leisten, aber es ist ausgemacht, daß ihr Gutachten nicht bie Regierungen binden dars. Die Mindest- bedingungen sind von allen Seiten sestgeseht worden. Unterhalb dieser Bedingungen rann das Sad)oerffoubigenvutad)ten feine Gültigkeit haben. Wir haben uns genau für die gleiche Zeit, wie wir an Amerika und England Zahlungen zu leisten haben, Summen vorbehalten, die hoch genug find, um unsere Ausgaben zu decken, mit einem für unsere Die- beraufbauarbeiten bockenden lleberschuß. (Beifall auf allen Seiten.) poincare gab der Hoffnung Ausdruck, daß bie Mäßigung unb Gerechtigkeit ber französischen Abschätzung anerkannt werden würde. Sollten aber bie Sachverständigen sie nicht anerkennen, dann würbe Frankreich bas absolute Recht haben, zum Daroesplan zurückzukehren. Denn unsere Vorschläge, so fuhr poincare fort, angenommen werben, wirb unsere Situation gegenüber unseren Gläubigern bedeutend gebessert sein. Die Frage der Reparationen und die ber interalliierten Schulden darf aber nicht vermengt werden. Ich habe den Wunsch, diese Verhandlungen zum guten Ende zu führen, unb oas allein ist der Grund gewesen, weshalb ich der Aufforderung, die Regierung zu verlassen, nicht nachgegeben habe. Wir befinden uns inmitten einer Furt. Es wäre schwierig, die Richtung in dem Augenblick des Uebergangs zu ändern. (Beifall.) Der Ministerpräsident erklärte alsdann kategorisch, daß Briand und er in sämtlichen Fragen in vollem Einvernehmen vorgegangen seien. Die erstrebte Regelung werde die schmerzstcben Folgen des Krieges für die Völker, die so sehr darunter gelitten hätten, mildern. Sie werde diejenigen, die noch durch den Imperialismus verlockt fein könnten, daran verhindern, diesen verhängnisvollen Neigungen nachzugeben. Eine Rachtsitznng. Der Vorsitzende der Radikalen Partei, Abgeordneter D a l a d i e r, billigt das von Poin- carö entwickelte sozialpolitische und wirtschaftliche Programm und wendet sich dann' scharf gegen die Angriffe, die gegen den Parlamentarismus und das republi a:ische Regime gerichtet werden. Zum Schluß greift Daladier die Republikanische Vereinigung (Fraktion Wa- r i n) an, die besonders in ihrem Parteiorgan den von der Linken verteidigten Stieben und Briands auswärtige Politik stets befehde. Deshalb könnten die Radikalen nicht mit den Männern zusammenarbeiten. Heute, so ruft der Redner der Rechten zu, muß eins sehr klare Entscheidung fallen zwischen den Vertretern der Reaktion und denen des Fortschritts. Die wahren Republikaner müssen heute ein Bekenntnis ablegen. Als dann dec elsässische Abgeordnete Michel Walter aus- ernandersetzte, warum er keiner Regierung das Vertrauen schenken könne die den Colmarer Prozeß provoziert und b.e öffentliche Meinu: g vernichtet habe, protestierte Poincare empört dagegen und erklärte: „3f>rc Presse hat die öffentliche Meinung vergiftet. Ich werde die Infamie Ihrer Presfe nachweisen/' Als der Sozialist Vincent A u r i o l die sozialistische Tagesordnung, die der Regierung das Vertrauen abspricht, begründen wollte, beanspruchte der der Fraktion Maginot angehörende Abgeordnete Reynaud für sich das Wort. Der Streit zwischen beiden ging schließlich in einem allgemeinen Lärm und dem Gesang der Internationale und der Marseillaise unter, so daß der Kammerpräsident die Sitzung zu unterbrechen gezwungen war. Rach Wiederaufnahme der Sitzung wurde die vom radikalen Abgeordneten Daladier im Ramen der Radikalen Fraktion eingebrachte Tagesordnung, die folgenden Wortlaut hat: .Die Kammer ist entschlossen, nur eine Regierung zu unterstützen, die auf Grund ihrer Zusammensetzung und ihres Programms in dec Lage ist, die Einheit der Republikaner zu verwirklichen, lehnt jeden Zusatz ab und geht zur Tagesordnung über", mit 317 gegen 253 Stimmen abgelehnt und mit 325 gegen 251 Stimmen der Regierung durch die Annahme der Tagesordnung Sibille (Linrsrepublikaner), die lautet: „Die Kammer billigt die Erklärung der Regierung, spricht ihr das Vertrauen aus, lehnt jeden Zusatz ab und geht zur Tagesordnung über", dem Kabinett das Vertrauen ausgesprochen. Pergarbeiferfireit in Frankreich. Paris, 11.3an. (WTB.) Aus den Kohlengebieten werden eine Reihe von Teilst reiks gemeldet. So berichtet Havas aus Rodez, daß dort die kommunistisch organisierten Gewerkschaften den Streikbefehl erlassen haben, dem heute etwa 20 Belegschaften gefolgt sind. Rach einer Meldung des „Temps" aus Rimes ist in allen Bergwerkszentren der Streik so gut wie allgemein. Für Montag ist eine Sitzung des Zentvalausschusses der Bergarbeiter aller Richtungen einberufen worden. 70 Bergarbeiter der Zeche haben in dem Bergwerk Pontil Sabotageakte verübt. Sie haben die Türen erbrochen, die Telephondrähte durchschnitten und die Heizkessel gelöscht, sind aber durch republikanische Garde zurückgetrieben worden. Im ganzen Bezirk wird die Arbeitsfreiheit in immer stärkerem Maße unterbunden. Die zum Schutz dec Arbeitswilligen entsandten Truppen sind abgelöst! worden. Die Streikenden verfolgen in ©rupfen Arbeitswillige unter Pfuirufen in ihre Wohnungen. Man hat den Eindruck, daß der Streik kein gewerkschaftlicher mehr ist, sondern revolutionäre Tendenz zeigt. — Rach einer Meldung der kommunistischen „Humanitö" aus Alais soll die Ablösung der Truppen durch andere Abteilungen und Kolonialtruppen erfolgt sein, weil die Soldaten sich geweigert hätten, Dienst zum Schutze der Arbeitswilligen zu leisten. In der Kammer behauptete ein kommunistischer Abgeordneter sogar, sie hätten fralemifiert, was von seiten der Regierung für unrichtig erklärt wurde. muß sich nicht nur sein Haushalt im Gleichgewicht befinden, sondern es müssen auch seine Einkünfte aus dem Auslande ebenso groß sein, wie seine Zahlungen an bas Ausland, wobei diese nicht nur die Bezahlung der Wareneinfuhr, sondern auch die Reparationszahlungen einschließen müssen. Auch das Gleichgew.cht des Staatshaushalts kann nur unter denselben Bedingungen dauernd erhalten bleiben. Anleiheoperationen können bie Sachlage zwar verschleiern ober ihre praktischen Auswirkungen zeitlich hinaussch.eben, vermögen sie aber nicht zu änbern. Unb wenn Reparationszahlungen burch die Einstellung eines Postens in ben Haushalt aufgebracht werben können und müssen — b. h durch Steuer- erhebung über bie inneren Ausgaben hinaus — so können sie ans Ausland nur aus einem wirtschaft» : liehen Ueberschuß ber Arbeitsleistung des Landes, bezahlt werden." — Wir haben diese Stelle des ; Dawesgutachtens so ausführlich in Erinnerung gebracht, weil sie uns geradezu das Vademekum einer vernünftigen Reparationspolitik zu fein dünkt, und weil die verflossenen Jahre deutscher Reparations- leiftungen nach dem Daroesplan uns ihre unbedingte wirtschaftliche Richt gkeit bewiesen zu haben scheinen. Der Reparationsagent wäre in feinem letzten Jahresbericht kaum zu feinen optimstifchen und irreführenden Schlußfolgerungen über die Leistungsfähigkeit Deutschlands und das reibungslose Funk- tiomeren des Daroesplanes gekommen, hätte er diese Sätze ber Väter bes Planes, bie in kurzem Extrakt seine Quintessenz enthalten, bei der Abfassung seines Berichts stets vor Augen gehabt. Und wenn Parker Gilbert aus ehrlichem ober gut gespieltem Schreck über den Eindruck, den seine optim.ftifdje Darstellung in ber Welt bei Gläubigern unb Schuldner gemacht haben, von Washington aus abzubämpfen und zu erklären versucht, so ist der einmal angerichtete Schade kaum so schnell wieder gutzumachen. Die deutschen Sachverständigen, an ihrer Spitze der mutige, kenntmsre che und in ber internationalen Finanzwelt hochgeachtete Reichsbankpräsident Schacht, sehen eine harte Arbeit vor sich, wenn sie nun, entgegen der Darstellung bes Reparationsagenten werden beweisen müssen, daß die deutsche Wirtschaft, den märchenhaften Konjunkturaufstieg, von dem die alliierten Völker dank Parker Gilberts träumen, mit völlig unzulänglicher finanzieller Ausrüstung unternommen hat, daß die Voraussetzung bes Daroesplanes, ein wirtschaftlicher Ueberschuß ber Arbeitsleistung, keineswegs vorhanden finb, unb daß der Daroesplan nur deshalb so glänzend funktioniert hat, weil Deutschland riesige Auslandanleihen hereingenommen hat. Voll unb ganz trifft für unsere Situation bas Wort bes Daroesguiadjtens zu, daß Anleiheoperationen 3roar die Sachlage verschleiern ober ihre praktischen Auswirkungen zeitlich hinausschieben förinen, sie aber nicht zu änbern vermögen. Hinter ber glänzen- ben Fassade, wie sie Parker Gilbert gemalt hat, stehen Konjunkturabstieg unb Arbeitslosigkeit, ernste Schwierigkeiten, ben Reichshaushalt zu balancieren, passive Handelsbilanz unb zunehmende Sorge um die überspannte Verzinsung ber gigantisch angewach- fenen Auslandschulben. Wie man bei dieser wahren Sachlage von einer gesunden deutschen Wirtschaft mit auch in Zukunft ausreichender Leistungsfähigkeit zur Bereitstellung ber Reparationszahlungen sprechen kann, wie man unter bem Eindruck dieses Bildes ein Funktionieren des Dawesplanes fest- ftellen kann, das bleibt bas Gehe mnis des Reparationsagenten. Aufgabe ber nun zusammentreten- den Sachverständigen wird es fein, dies Geheimnis zu entschleiern und mit ihrer ganzen Energie und Autorität, der sie ihre Berufung verdanken, der Erkenntnis von den w a h r e n wirtschaftlichen Mög- lichkeiten Deutschlands Bahn zu brechen. Jer Megsächwngspakt für Osteuropa. Polens Absage. Die polnische Regierung Hot sich bei der Stilisierung der Antwort, die sie nach Moskau wegen des Vorschlages eines besonderen osteuropäischen Kellogg-Paktes ergehen lief), sehr viel Mühe gegeben. Aber es ist ihr trotzdem nicht gelungen, das Eingeständnis peinlicher Verlegenheit herauszukorrigierrn, in die sie durch Litwinows Diplomatie gebracht worden ist. Sie hat sogar ihren Vertreter in Moskau zitiert, um seine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Indessen ist es ein alter Erfahrungssah, daß viele Köche den Vrei verderben, und so ist denn das E.aborat. das aus tagelangen Beratung en schließlich herausgekommen ist, ein Schulue.fprel jener unglücklichen Halbheit, die nicht Weitz, was sie will, die nicht nein zu sagen wagt, die aber auch nicht ja sagen kann, wenn sie sich nicht selbst desavouieren will. Glatt ablehnen konnte Polen das russische Angebot nicht, schon weil Polen ja selbst zu den Unterzeichnern des Kellogg-Paktes gehört. Deshalb mußte es schon seine „g r u n d s ä h l i ch e" Z u st i m m u n g aus- spcechen, die denn aber mit soviel Einschränkungen und Einschachtelungen behaftet ist, daß sie politisch nur als ein nein ausgelegt und empfunden werden kann. Denn die Entschuldigungsgründe Polens sind zu fadenscheinig, als daß sie ernsthafte Beachtung verdientem Wenn Polen wirklich Bedenken gehabt haben sollte, vor der allgemeinen Ratifizierung des Kellogg-Paktes ein entsprechendes Sonder- a b k o m m e n mit seinen Rachbarn zu treffen, dann genügte ja eine kurze telegraphische Anfrage etwa in Washington, und Herr Kellogg selbst wäre sicherlich begeistert gewesen, wenn er gesehen hätte, wie rasch feine Ideen sich durchsetzen. Statt dessen will Polen absichtlich den umständlichen Weg diplomatischer Sondierungen einschlagen, um auf diese Weise den russischen Vorstoß versacken zu lassen, im schlimmsten Falle aber ihn mit soviel Bedingungen zu belasten. daß er für Rußland jeden Wert verliert. Litwinow hat schon gewußt was er tat. Er wollte die Polen in Verlegenheit bringen, er wollte sie vor die Wahl stellen, ihre unfreundliche Gesinnung gegen Rußland vor oller Welt ei:'.zugeftehen oder ihre westlichen Bundesgenossen in Paris und London vor den Kopf zu stoßen. Es hätte Möglichkeiten genug gegeben, diesen Hieb zu parieren, aber dazu ist Maleski nicht geschickt genug gewesen und Litwinow darf schmunzelnd feststellen, daß ihm sein Trick geglückt ist. Die polnische Antwort ist der beste Beweis dafür, daß die Polen weder mit Rußland noch mit Litauen in freundlichem Einvernehmen leben wollen, was wir freilich ja ohnehin alle schon vorher gewußt haben. Aber ein derartiger aktenmähiger Rachweis ist doch nützlich, wenn auch für Polen peinlich. Moskaus Replik. Litwinows Antwortnote an Polen. K o w n o, 12. Ian. (Sil.) Wie aus Moskau gemeldet wird, ist dem polnischen Geschäftsträger am Freitag die Antwort der Sowjetregierung auf die letzte Rote Polens in der Frage des Litwinow-Vorschlages überreicht worden. In der Rote wird darauf hingewies.n, daß die Regierung der Sowjetunion die Erklärung der polnischen Regierung über ihre grundsätzliche Annahme der sowjetrussischen Vorschläge mit Befriedigung zur Kenntnis genommen habe. Weiter wird das Bedauern ausgesprochen, daß in der polnischen Rote eine Zusage zur sofortigen Verwirklichung der Vorschläge der Sowjetunion fehle. Indem die polnische Regierung eine Reihe Bedingungen stell«, weise sie faktisch den Antrag der Sowjetregierung aus einen unbedingten beiderseitigen Angrifssverz.cht zurück. Die von Polen gestellte Bedingung sei um so unverständlicher, als der Vertrag im Falle seiner Ratifizierung durch 15 Signale staaten automatisch zwischen Polen und der Sowjetunion in Kraft tritt, unabhängig vom Beitritt aller baltischer Staaten. Die Sowjetregierung habe jedoch in der Rote vollkommen eindeutig erklärt, daß jeder Staat dem Protokoll beitreten kann, und dem Wunsche nach Beitritt der Rach- barstaaten der Sowjetunion zu dem Protokoll Ausdruck verliehen. Die Sowjetregierung habe den gleichen Vorschlag nur an Litauen lediglich deshalb gerichtet, weil die übrigen baltischen Staaten ihren Beitritt zu dem Pariser Vertrag noch nrcht vollzogen haben. Roch vor verhältnismäßig kurger Zeit erregten die polnisch-litauischen Beziehungen ernste Besorgnis um das Schicksal des europäischen Friedens und Polen selbst hat im Völkerbund auf die Aufhebung des Kriegszustandes zwischen Polen und Litauen gedrängt. Daher glaubte die Sowjetregierung, daß Polen die an die litauische Regierung gerichtete Aufforderung zur Teilnahme an der Unterzeichnung des Protokolls nur begrüßen werde. Die Rote erklärt bann weiter, wenn sich Rumänien, mit dem die Sowjetregierung keine diplomatischen Beziehungen unterhält, ebenfalls unter denjenigen Staaten befindet, welche ihren Beitritt zum Pariser Vertrag vollzogen haben, so sei die Sowjetregierung bereit, auch Rumänien den Beitritt zum Protokoll vorzuschlagen. Die Sowjetregierung wird der polnischen Regierung dafür dankbar fein, wenn diese ihr baldigst mitteilt, ob der formale Beitritt Rumäniens zu dem Pariser Vertrage erfolgt ist und ob Rumänien bereit ist, dem von der Sowjetregierung vorgeschlagenen Protokoll beiMreten. Tie Rote bemerkt dann, die Sowjetregierung finde in dem Pariser Vertrag keinen Hinweis auf eine Verpflichtung der ursprünglichen Signatarmächte zu einem solidarischen Rat.fi a'eion iv r ähren. Die Unterzeichnung des vorgeschlagenen Protokolls werde auch dann eine große moralische Beedeutung für die sowjetrussi ch-polnischen Beziehungen behalten, wenn das Inkrafttreten des Pariser Vertrages zwischen sämtlichen Teilnehmern demnächst das Protokoll decken werde. Um so größere Bedeutung für den Frieden werde die Unterzeichnung haben, falls die Ratifizierung des Pariser Vertrages durch alle 15 Signatarstaaten sich für längere Zeit verzögern sollte. Ser Kamps um die Mandschurei. General Aangyuling tzingerichtct. Sieg der Nationalisten. Schanghai, 11. Ian. (Reuter.) Nachrichten aus japanischer Quelle besagen, daß der Sohn Tschang- tfolins, T s ch a n g h s ü l i a n g, fid; des 2Tlut- I dener Zeughauses bemächtigt und den ehemaligen Generalslabsdies seines Vaters, gongyuting, sowie zwei andere mandschurische Führer g e - fangengeseht habe, da diese sich gegen d I e Anerkennung der Nanking - Regie - r u a g in der Mandschurei aufgelehnt hätten. Oer japanische Generalstabschef hat einen offiziellen Bericht erhallen, wonach Vangyuting, der ehemalige Generalstabschcf Tschonglsolins, heute früh d u r dz einen Schuh getötet worden ist. General Tschanghsüliang habe sich gestern abend in das Hauptquartier Jangyutings begeben und seine Truppen angewiesen, den Raum, in dem Zang- yullng und Tschangyinhuai konferierten, ju um- ff eilen. Alsdann fei er in den Raum eingedrungen, habe beiden Generälen ihre Umtriebe vorgehalten und sie einem strengen Verhör unterzogen und ihre sofortige Hinrichtung besohlen. Tschanghsüliang hat die Erschießung Zangyutings folgendermaßen begründet: Davgyuting habe ihn bei den Verhandlungen über die Eisenbahn mit 3a- pan in eine unangenehme Lage gebracht. Er habe 20 Millionen Dollar Arsenalgelder unterschlagen, Hangyuting und seine Anhänger Hlten ein Komplott geschmiedet, das seinen (Tschanghsüliangs) Stur; bezweckte. Die Rationalisten hätten Kenntnis von diesem Komplott erhalten und ihn (Tschanghsüliang) um sein Einschreiten ersucht. Zangyntinq habe sid) der hissung der nationalistischen Flagge in der Man- dschurei widersetzt. Tschanghsüliang erklärte dem japanischen Konsul und den japanischen Militärbehörden, Dangyuting sei auf Grund unwiderlegbaren veweismaterials hin- gerichtet worden. Sein Staatsstreich werde die ve- ziehungen zu Iapan in keiner De.se gefährden. Vie Lage in Mukden ist ernst. Die junge Ranking- partei hat geegenwärtig in Mukden die Oberhand. Hangyutings Partei ist jedoch sehr mächtig und ver- geltun-zsmaßregeln sind möglich. Der in Schanghai aus Ranking eingetroffene Außenminister der national.si scheu Regierung, Dang, erklärte die h.n- richluni Pangyutinqs sei der Höhepunkt in dem Kampfe um die Macht in der Mandschurei. wenn das Ereignis irgendeine Rückwirkung in nationalistischen Kreisen haben werde, so werde es nur zum Vorteil der nationalistischen Regierung sein, die Tschanghsüliang als treuen Anhänger ansieht. Amanuttah gibt nach. Das ganze Rcsormprogramm wird zurückrevidiert. Delhi, 11. Ian. (WTD.) Die afghanische Zeitung „Qlmani Afghan" veröffentlicht eine vom 7. Januar datierte Proklamation des Königs Amanullah, worin dieser fast sein ganzes Reformprogramm zurück- zieht. In seiner Proklamation erklärt Amanullah. daß die nach der Türkei zur Ausblldung geschickten Mädchen zurückgerufen werden sollen, daß das Pirdah-System wiederher- gestellt und die Aushebung zum Heeresdienst ab geschafft wird. Die Frauen-Vereinigun- gen werden a u f g e l ö st, die europäische Kleidung wieder durch die einheimische Tracht erseht. Die Soldaten können wieder Anhänger der Heiligen Männer werden. Außerdem wird ein Rat von 50 Rotabeln, darunter Mitglieder des Adels, der Geistlichkeit und des Deamtentumes gebildet, der die Verfassung und die Beschlüsse des neugebildeten Parlamentes revidieren soll. Die Pro-la- mation trägt auch die Unterschrift der Stammesführer. Glückliches Schweden. Stockholm. 11. Ian. (TU.) Die Thronrede des Königs erweckt allgemeine Zufriedenheit. Sie kündigt eine Herabsetzung der Einkommen- und Vermögenssteuer um 10 v. H. an, ferner die Abschaffung der Zucker ft euer. Dagegen wird der Zuckerzoll erhöht. Der Drotzoll wird in den ersten sieben Monaten des Jahres fortfallen. Diese Maßnahme ist für die deutsche Ausfuhr vorteilhaft. „Dagligt Allebanda" sagt, der Staatshaushalt gebe ein Bild des allgemeinen Wohlstandes und der günstigen Lage der schwedischen Staatsfinanzen. „Aftonbladet" meint, der Kriegsminister sei in seinen Forderungen bezüglich der notwendigen Verbesserungen der Landesverteidigung zu bescheiden Präsident Coolidge Über die Aufgabe der Experten. Die Feststellung der deutschen Gesamtschuld und derZahl der Annuitäten. Berlin, 12. Jan. (TU.) Wie das „D. T." aus Washington berichtet, lieh Präsident Coolidge in einer Erklärung des Weihen Hauses bekannt* geben, datz nach seiner Information die einzige Aufgabe des Reparationsausschusses in der I e st- sehung der deutschen Gesamtschuld bestehe. Die Höhe der Annuitäten, so fügte der offizielle Sprecher hinzu, stehe ja bereits mit 2,5 Milliarden Mark fest. Es bleibe nur noch übrig, über d i« Zahl der Annuitäten eine Einigung herbeizuführen. Weiter wurde erklärt, datz die amerikanischen Sachver- ständigen zunächst nicht Vertreter der Regierung im Ausschuß seien. Erst später, wenn ein neuer Verteilungsschlüssel für die zu er- wartende Reparationsüberetnkunft verabredet werden müsse, würden offizielle diplomatische Vertreter der Vereinigten Staaten an solchen Beratungen teilnehmen. Amerika habe das »eutsche Eigentum freigegeben, habe aber noch immer Interesse an,einer Sicherung seiner Ansprüche gegen die deutschen Staatsangehörigen sowie an den Soften derRheinlandbesetzung. M^n dürfe auf ein befriedigendes Ergebnis hoffen denn auch der Dawes-Plan habe sich als Erfolg erwiesen Kein Prozeß, sondern ein Geschäft Eine französische Stimme für Mäßigung. Paris, 11. Ian. (WTD.) Wladimir d ' O r m e f s o n fordert im „Pellt Journal" hinsichtlich der Reparationsfrage eine realistische Politik. Er schreibt: Anstatt daß Schuldner und Gläubiger sich mit Bitterkeit streiten, müßte sich doch jedermann über die vorhandenen Beruhigungsaussichten freuen. Gewisse Franzosen, die Blitze schleudernd den „Skandal" des deutschen Wohlstandes aufzeichnen, irren sich, wenn sie glauben, datz sie deshalb einen Centime mehr erhalten. Das Problem der f'nanz el'en Liquidierung des Krieges ist nicht ein Schwurgerichtsprozeß, in dem Rechtsanwälte plädieren, sondern eine geschäftliche Angelegenheit, und zwar eine besonders schwierige, deren Regelung den angesehenen Fachleuten zusteht, die von den verantwortl.chen Regierungen damit beauftragt sind. Oie Bedingtheit des Gilbert-Berichts. London, 11. Januar. (WTD.) „Manchester Guardian" veröffentlicht ein Interview seines Pariser Korrespondenten mit einem h)hen Beamten der Reparationskommission, der erklärt habe, daß die von der französischen Presse an den Derichtdes Reparationsagenten geknüpften Schlußfolgerungen nicht berechtigt seien. Ob Deutschland leisten könne, werde die Zukunft lehren. Daher sei auch ein Urteil über den Weg,all der Transfer Klausel verfrüht. Zwecks Plazierung der Bonds, von denen die Vereinigten Staaten höchstens 40 Proz. übernehmen würden, sei aber eine Modifikation der Transfer-Klausel erlorder- lich, da schon der Zusammentrllt des Transfer- Ausschusses Panik Hervorrufen und die Zurückziehung fremder Gelder aus Deutschland veranlassen würde. Aus alter Welt. 70 heiratslustige treffen sich in der Philharmonie. In Berlin hatte sich irgendeine Unbekannte den Schem erlaubt, 60 oder 70 Herren, deren Adressen sie auf Grund einer von ihr aufgegebenen Heiratsannonce erfahren hatte, gleich- zeitig In das Konzert der Wiener Dirigentin Lisa Mayer zu b e ft e 11 e n. Schon zu Beginn des Konzertes fiel es auf, daß sich f a st nur Herren im Saale befanden. Es herrschte besonders in den vorderen Reihen, in den sich die teuren Plätze befinden, von vornherein eine gewisse Unruhe, weil viele Herren die Briefschreiberin überall vergeblich suchten. Alle hatten sich auf dl? Heiratsannonce beworben, nach der, wie es hieß, „eine 21jährige Waise die Bekanntschaft eines besseren Herrn zwecks späterer Heirat" suchte. Die „21jährige Waise" hatte auf zierlichen rosa und grünen Briefbog-n an alle Bewerber die gleiche Antwort ergehen lassen: „Ihre Zuschrift gefällt, und ich wäre nicht abgeneigt, Ihre Be annt- lchast zu machen. Ich bin Freitagabend, den 11. d. M., in der Philharmonie und sitze in den vordersten Reihen und wäre in den Pausen Vorstellungsmöglichkeit gegeben. Bin groß und trage einen Strauß weißer Rosen". Auch nach ' em 1. Teil des Konzerts war die Dame mit den Rosen noch nicht da. Schließlich bildete sich in einer Saalecke eine Gruppe von Leidensgenossen, denen sich immer mehr Entrüstete zugesellten. Die Erregung wurde immer lauter, drohend schwang man die roten und grünen Brieschen. Schließlich, als zum Schluß die „Euryanthe-Ouvertüre" von Weber gespielt wurde, entfesselte ein lauter Zuruf nach dem Dirigentenpult einen allgemeinen Skan - dal. Die Dirigentin versuchte zunächst weiterzuspielen, verfiel aber, als der Lärm immer größer wurde, in eine Ohnmacht, und mußte hinausgetragen werden. Nach einer längeren Pause konnte sie dann das Konzert zu Ende führen. Domela der kleine. Eine reiche Phantasie hat ein 34jähriger Erich Reustadt bewiesen, der sich in allen möglichen Berufen versucht hat und jetzt dem Berliner Schöffengericht wegen zahlreicher Schwindeleien vorgcführt wurde. Der Angeklagte hatte studiert und vordem gute Stellungen innegehabt. Im Kriege war er mehrfach verletzt worden und später in eine üble Spionageaffäre verwickelt gewesen. Seitdem konnte er nirgends mehr festen Fuß fassen und kam ohne Geld nach "Berlin Inzwischen war er auch fast erblindet. In Berlin richtete er ein großes Bureau ein, das er Presse-Lloyd nannte. Angeblich sollte dasselbe aus amtlichen Geldern unterstützt werden. Ein großes Bureaupersonal stellte er unter Abnahme von beträchtlichen Kautionen ein, die er für sich verbrauchte. Daneben veranstaltete er auch Kurse für Journalisten und Filmoperateure, und erzählte dabei die abenteuerlichsten Geschichten. So wollte er aus dem Hause Habsburg stammen, aber verstoßen worden sein, well er sich mit einer Unebenburtigen verheiratet hatte. Zum Beweis für seine Abstammung verwies er auf seine Unterlippe, die berühmte Habsburger Hängelippe. Bei anderer Gelegenheit erzählte er wieder, datz er aus belgischem Urade 1 stamme, Doktor aller Fakultäten und Professor sei. Er wollte auch zwei Filme drehen, einen am Rordpol und einen am Aequator. Eine ganze Menge Leute sind von ihm um erhebliche Summen geschädigt worden. Mit 7 Monaten Gefängnis wurden die Straftaten des Angeklagten gesühnt, der allerdings nunmehr nach Frankfurt übergeführt werden soll, wo er ähnliche Schwindeleien verübt hat. Scharfe Kälte in Oesterreich. Die starke Kälte in Oesterrllch dauert an. Wien hatte gegen Mittag eine Temperatur von minus 14 Grad. In der Oberfteiermarf ist die Tempera.ur sogar unter minus 30 Grad gefallen, in Oberwoelz zeigte das Thermometer minus 33 Grad und in Tamsweg minus 32 Grad. Auf den Bergen ist es verhältnismäßig wärmer: so meldete die Raxbahnstation um 9 Uhr früh null Grad. Großseuer. In Mirow (Mecklenburg) brach in den Grum. bachschen Sägewerken Feuer aus, dem das Maschinenhaus und die elektrische Anlage zum Opfer fielen. Der Techniker Paul Grumbach, der früher Mitinhaber des Oampfsägewerkes war und seit einiger Zeit ausgeschieden ist, wurde unter dem dringenden Verdacht der Brandstiftung verhaftet. Er soll das Feuer aus Rache angelegt haben. Vier kohlengasoergiftuugen. In Prestcwih (Sachsen) wurde die Famllie eines Rentenempfängers durch Kohlen- oxhdgase vergiftet aufgcsunden. Die ganze Familie war am Donnerstag abend in einem wegen der großen Kälte gründlich geheizten Raum schlafen gegangen. In der Rächt müssen Kohlenoxydgase aus dem Ofen gedrungen fein, denen vier Mitglieder der Familie zum Opfer fielen. Der über 70 Jahre alte Rentenempfänger, die 20 Jahre alte Enkeltochter, deren zweijähriges Kind, sowie ihr Verlobter waren bereits tot, während die etwa 70 Jahre alte Frau in bewußtlosem Zustande darnieder- üegt; es besteht wenig Hoffnung, sie zu retten. Lin Antrag auf Freilassung des Oberleutnants Schulz. In Sachen des Oberleutnants Schulz hat nunmehr Rechtsanwalt Professor Grimm (Essen), nachdem das Gericht den Wiederaufnahme» antrag aus formal-juristischen Gründen ab* gelehnt hat, beim Justizminister den Antrag gestellt, die Freilassung des Oberleutnants Schulz im administrativen Wege (Gnadenwege) auszusprechen. Dieses Gesuch stützt sich auf Gründe, die im gerichtlichen Wied raufnahme- verfahren nicht berücksichtigt werden könn.n, nämlich darauf, datz das angefochten« Urteil von anfang an rechtsirrig war. Der Wiederauf- nahrneanirag kann dagegen nur darauf gestützt werden, daß neue Tatsachen vorgeöracht werden. Das Urteil im kadolzburger Bilderdiebstahlprozeh. Rach viertägiger Verhandlung hat bas Erweiterte Schöf, enger ich t Fürth im Prozeß gegen die Cado.zburger Bilde.dieöe folgend.s Urteil gefällt: Lipp mann zehn Monate, Mayer ein Jahr vier Monate, Schmidt ein 2ahr zwei Monate Cesängn'.s, Graste drei Oahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust, Zahn zehn Monate, B r e i t f e l d sieben Monate ©cfängi is, die Angeklagte Schwarz wurde unter Auf* büröung der Kosten auf d.e Staatskasse frei- gesprochen. Die Berurtlllung erfolgte gejen die ersten fünf Angeklagten wegen gemeinschaftlicher Verübung eines Verbrechens des schwe :n Diebstahles. Bei ©raffe handelt es sich um einen Rückfall. ■JifiMayerr -tnörsht -ADtrdeen- Oie Wetterlage. freitag. d.11 .Jan.1929. 7B aDds. »V 1 ©wentenio» ennter 3 nam oedecKt ® wolkig, e oedecut ««ege^ * Sthntt a Graupeln e NeDtl K 0twn'tr.(g)Wind$tH!t O-> ItKhtt» oti oassigei •»üösuoweji Murmiscnei wowesl 0it Ptenr »hegen mit gern wmot Oie oeiaen Stationen jtentndcn Za* kn geoen die Temperatur an. Oie unien veromden Orte aU gleiche^ . «u< neeresnitrear* umoereehneten Luftdruck Wettervoraussage Die Temperaturgegensätze haben sich seit gestern wesentlich verschärft. Während in Mittel- und Süddeutschland die Temperaturen heute noch bis unter minus 10 Grad, ja sogar bis unter minus 15 Grad lagen, zeigt das Küstengebiet, das Luftzufuhr aus dem nordwesllichen Tief erhält, kräftigen Temperaturanstieg, der bis über Null Grad geht. Königsberg gestern morgen minus 12 Grad Celsius, heute morgen plus 3 Grad Celsius. Durch die Lruckftörung wird die kontinentale Kaltluft mehr und mehr ab« geschwächt, so daß die aus nordwestlicher Richtung kommende Lust zur Abschwächung des Frostes, sowie zu Nebel- und Wolkenbildung führen wird. Wettervorhersage für Sonntag: Abschwächung des Frostes, teils nebelig-wolliges, teils auch aufheiterndes Wetter, meist trocken. Witterungsaussichten für Montag: Weiter Frostrückgang und meist wolkiges Wetter wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 11. Januar: mittags 7,4 Grad Celsius, abenL. —10 Grad Celsius: am 12. Januar: morgens —12,8 Grad Celsius. Maximum — 6,6 Grad Celsius, Minimum —13 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 11. Januar: abends —2,9 Grad Celsius; am 12 Januar: morgens —3,2 Grad Celsius. Vinlersporlnadirichlen der Hess, Wetterdienststelle. Vogelsberg, Hoherodslopf: Heiter, — 5 Grad Celsius, 27 Zentimeter Schnee im Wald, etwas verharscht. Sportmöglichk it für Eli gut. Sauerland, Winterl eg: Heiter, — 2 Grad Celsius. 32 Zentimeter Schnee, stark verharscht, Ski und Rodel gut. Taunus. Kleiner Feldberg: Heiter, — 3 Grad Celsius, 15 Zenti neter Schnee, etwas bet* haricht, Sti möglich, Rodel gut. Schwarzwald (Hernisgründe): Heiter, — 4 Grad Celsius. 68 Zentim.ter Schnee, etwas verharscht, Ski und Rodel gut. — (Ruhestein): Heiter. — 4 ©-ab Celsius. 4o Zentimeter Schner, etwas verharscht, Sll und Rodel gut. Alpen >Garmisch -Partenlir^-en): Heiter, — 11 G ad Celsius, 32 Zentimeter Pulverschnee, Ski unü Rodel sehr gut. — (Berchtesgaden): Hei* ter, — 12 Grad Celsius, 20 Zentimeter Schnee. 1 Ski und Rodel sehr gut. !?SS,?a U9 XlO* ?utö« die r durch 1 soinili» *?a abcnö t ?9ai1i« üblich ? ,in eintm A’t'to liebet der ln fle* »bet 70 T sowie L» 'S *a?& r.»’ :r,<Ä !rK-LL Änät *i Z-- ®X5 15Ä.S ÄäfSt BlKffl n Monate. Mayer "P.1 JnÄ jtoei ^rei Sa;re Zucht« «lO. Zahn -eH n Monate Grfangi b; tourte unter « Ötaatötalic frei, üunj erfolgte ge;m J toezen geneinschaft' orechens fej schtve en handelt eS sich um erläge. fi J6*m * M fff w» * TX> am - • ■sss«-* irfur«'1 =35^ fejt A tn-----— ■ — tztAx raussagc ’-S*Uta« ßutouW ouf oiet, bJJ_ ~ ’J jempttt- thält, trafl g *§gy US 12 JA ®iU5rfl} US. yni) lNt-l ü6‘ wfi LL «q« IS rfÄft*»11 ha)ä4!jnfl,-Lren wird. W*eon«t«l! - letier. irf chl«n sur g Welitt b meld öW t u ,10 ®"Vw. * ®ra» ®'tl3 h§-" <®X***s ”ä**84 HSLF 1J. 2° 0 Aus ver Pwvinzialhaupisiadt Gießen, den 12. Januar 1929. Am warmen Ofen. Manche Leute behaupten, daß die Winter in früheren Jahrzehnten strenger gewesen wären. Wenn ich an meine K.ndheit zurückdenke. will es mir auch so scheinen. Wir konnten uns doch immer wochenlang mit den Schlittschuhen auf dem Eise tummeln, und in den lebten Jahren kam es vor, daß es kaum an einigen Tagen gefroren hatte. Jedenfalls ist uns ein strammer Winter immer willkommen. Es freuen sich nicht nur unsere Wintersportler, sondern vor allem auch unsere Kinder. Gerade im Wechsel dec Jahreszeiten liegt der Hauptreiz. Wie einförmig mag es in den Ländern des Südens sein, mit dem ewig blauen Himmel und dem Sonnenschein Tag für Tag! Wie muß da die Hitze schlaff machen. Da lobe ich mir unfern kernigen deutschen Winter und spreche mit Claudius: „Der Winter ist ein rechter Mann, kern- lest und aus die Dauer." Wann wird am meisten geistig gearbeitet? Wann lesen wir am liebsten in den Büchern? 2m Winter. Die Südländer kennen ihn nicht, wissen nichts von der Schönheit einer Schneelandschast, ahnen auch nicht, wie wohlig uns das geheizte Zimmer umfängt, wenn wir aus der frischen Dinterlust heimk.chren. wie gern wir uns dann an den warmen Ofen se en! Es hat lange gedauert, bis wir so weit waren, daß wir unsere Zimmer, ja un'ere Hauser, mit Wärme erfüllen konnten. Wie mögen unsere Vorjahren in ihren Hütten gefroren haben, wenn auch in der Mitte des Raumes ein starker Holzknorren brannte! Kein Schornstein im Haus: schwer legte sich der Rauch aus Äuge und Lunge. 2ln welche idyllischen Bilder denken wir beim Anblick der hochragenden Burgen. Und wie ungemütlich ist es da oft int Winter gewesen. Die kleinen Räume wurden von einem offenen Kamine erwärmt, die Fenster und Türen mit Teppichen Verhängt, und doch pfiff der kalte Rordost durch das kleinste Löchlein. Der Rittersaal wurde wohl nie geheizt, kalt und verlassen lag er da. Dann kamen die gemauerten Oefen, d e Kachelöfen, wie wir sie noch heute in alten Häusern finden. Aber auch sie wurden abgelöst von einem Stoff, der unser Zeitalter beherrscht: vom Eisen. Zn allen möglichen Formen und Abarten tauchten die eisernen Oefen auf, vom kleinsten Ka» noncnofen bis zum vollende'en Dauerbrenner. Ihnen schlossen sich für große Häuser Dampf- und Warmwasserheizungen an. und heutzutage sind auch Gasöfen und c'ektrifche Heizungen nichts Reues mehr. Wir können uns wirklich nicht über Mangel an Heizunginöglichkeiten beklagen. Wenn ich zu wählen hätte, nähme ich mir einen großen Kachelofen, wie sie früher Mode waren. Aber er dürfte nicht so verlassen irg?ndwo im Zimmer stehen, sondern er müßte in die Wand eingebaut, mit ihr und der Täfelung dahinter verwachsen sein. Raiürlich müßte er Tag und Rächt brennen. Bei seiner milden Wärme konnten ihn auch die Kinder ansassen und brauchten nicht immer — wie bei den eisernen — in e n'ger Entfernung stehen zu bleiben und zu rufen: Heiß! Heiß! Auch die offenen Kamine werden wieder beliebt, wenn auch die Flamme nur zum Schein darin brennt. Es ist ja ganz poetisch, wenn wir die Flamme, das Sinnbild des Lebens, so züngeln sehen. Aber ein Freund sagte mir, daß diese rriobernen Kamine kaum genug Kraft hätten, das Zimmer zu heizen. „Borne schwitzt man und hinten klappert man mit den Zähnen," so etwa drückte er sich aus. — Als ich noch ein Kind war. stand in unserer Stube ein alter eiserner Ofen. Er hatte vier Beine und vier Türchen und war nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Kochen eingerichtet. Wir brannten damals nur Holz, und am schönsten war cs, wenn die Abenddämmerung hereinbrach. e-8 im Zimmer ganz dunkel wurde und nur die hellen Flammen die Umgebung des Ofens von Zeit zu Zeit mit ihrem goldenen Schein beleuchteten. 2n dem Ofen selbst brotzelte es immer, ein* mal kochte die Mutter da ihre Kartoffeln und Hüben fürs Dich, dann wieder etwas Rahrhaftes stür die Menschen. Zwischen den Töpfen aber lagen stets einige Aepfel von der alten bekannten Sorte, von den Maatäpseln. Sie waren ganz dunkelbraun, fast schwarz, und hatten sehr hartes Fleisch. Deshalb brieten wir sie. Das gab dann ütmer einen Duft in dem engen Zimmer, der mir noch heute verführerisch in der Rase liegt. Wenn wir so durchfroren von dem Eise heimkamen und konnten unS über unsere warmen Aepfel hermachen I An den Türchen war auf der einen Seite ein Baum, darunter stand eine Frau, auf dem andern war ein Zäger. Wir hielten diese beiden Men- sitzen immer für Adam und Eva, war doch ein Apfelbaum dabei! Aus den oberen Türchen waren ADci Schalen mit Früchten und Blumen. Ganz unten an den Füßen stand: DuderuS Soehne. So—chne las ich als Abcschütz und wußte mir darunter nichts vorzustellen. Am Abend wurde es aber am allerschönsten. Dann stellten wir den Tisch vor den Ofen, wir Kinder kamen auf die Holzbank. Die Rachbarn fanden sich ein, und unser Großvater, dec in seinem bequemen Korbstuhl hinter dem Ofen saß. erzäylte. Märchen hat er uns nie erzählt, aber von seinen Wanderungen, er war als Hand- werksgesell weit in der Welt herumgekommen. von alten Zeiten. Es waren ost starke Schnurren darunter. So weiß ich noch eine, die mir schwer zu schaffen machte. Es war dir Geschichte der zwei Wölfe, die sich gegenseitig aufgefressen hatten, daß nur noch die zwei Schwänze auf dem Boden lagen! * Wenn dann der kalte Rordwind ums Haus fang, rückten wir eng zusammen, und die Alten kramten ihre Erinnerungen aus von früheren kalten Wintern, von 1879, als die Kulte im März noch einmal wiedergekehrt war und der Saft schon in den Bäumen stand. Wie da in den sternklaren bitterkalten Räch'.en die Bäume vom Frost getütet wurden, wie es knallte, wenn die Rinde sprang, gerade als ob mit Kanonen geschossen würde. Wir Kinder sahen und lauschten, aßen unsere Aepfel oder knackten Rüsse. Es waren schöne Abende, und gern hatten wir unfern alten Ofen, wenn er auch Risse und Sprünge aufwies. Äber sie wurden immer wieder mit dickem Zwetschen- mus verschmiert, dann ließ das Rauchen schon nach. Im Rätsel heißt es: „3m Winter schauen sie mich alle an!" Co war es auch bei unserm Ofen. Aber im Sommer schauten wir ihn auch an; denn in dem kühlen zugigen Raum hob unsere Mutter die „dicken" Würste auf, und gar manches Stück wurde von uns abgesäbelt. Za. wir hatten ihn sehr gern, unfern alten Ofen, fast so gern wie den K.r,chbaum hinter den Scheunen, wenn die roten Früchte daran hingen und der Rachbar gerade ins Feld gefahren war! P. Oer Wiesecker Autoverkaus. In unserer Nummer 4 vom 5. Januar berichteten wir eine Wiesecker Mitteilung, nach welcher der Verkauf der Kraftomnibusse des Gemeindeverbandes Wieseck - Alten -B u - f e cf an die Kraftverkehrsgesellschaft „Hessen" durch Rücktritt der letzteren von dem geplanten Kaufe gescheitert sein sollte. Hierzu teilt uns der Vorsteher des Gemeindeoerbandes Wieseck-Alten-Buseck jetzt mit, daß dieser Bericht nicht zutreffe. Wie wir von der Leitung des Gemeindeverbandes weiter erfahren, wird der Autobetrieb, wie von uns gemeldet, zur Zeit noch von dem Gemeinde- verband geführt, da die Uebertragung der Betriebskonzefsion von dem Gemeindeverband auf die Kraftverkehrs-Gesellschaft „Hessen" von der Regierung noch nicht genehmigt ist. Dies habe seinen Grund darin, daß die Regierung beabsichtige, eine Vermittlungs- akti 0 n zwischen Gießen und Wieseck vorzunehmen, wozu sie sich durch das Konzessionsgesuch der Stadt Gießen zum Dau der elektrischen Stro- ßenbahn bis dicht vor Wieseck veranlaßt sehe. Daten für Sonntag, 13. Januar. 1749: der Dichter Friedrich Müller (Maler Müller) in Kreuznach geboren; — 1859: der Schriftsteller Karl Bleibtreu in Berlin geboren. Daten für Montag, 14. Januar. 1742: der Astronom Edmund Kalley in Greenwich gestorben; — 1850: der Schriftsteller Pierre Loti in Rochefort für Mer geboren; — 1874: Philipp Reis, der Erfinder des Telephons, in Friedrichsdorf bei Homburg gestorben; — 1905: der Physiker Ernst Abbe in Jena gestorben. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Krie- geroerein Gießen: 55. Stiftungsfest, 8 Uhr, im Caf6 Leib. — Turnverein von 1846: Monatsversammlung, 9 Uhr, „Zum Andres". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Scheidungsanwalt". — Astoria Licht- fpiele: „Das Geheimnis des Vulkans". — TageskalenderfürSonntag: Stadttheater: „Und das Licht scheinet in der Finsternis", 18 bis gegen 21 Uhr. — Vortrags-Vereinigung: Lichtbildervortrag „Der Bodensee", 8 Uhr, Neue Aula der Universität. — Pilgermissiongemeinschaft: Bibelkurs, 2.30 Uhr, Löberstraße 14. — Volkshochschule: Musikabend im Singsaal des Realgymnasiums, 8 Uhr. — Obst- und Gartenbauverein Gießen: Vortrag von Palmengarten', rektor Krauß (Frankfurt am Main), 3.30 Uhr, im Saale des Casö Leib. — Gießener Karneval-Gesellschaft: Karnevalistisches Konzert, 4 Uhr nachmittags, auf der „Liebigshöhe". — Lichtspielhaus, B"'nhofstraße: „Der Scheidungsanwalt". — Astoria-Lichtspiele: „Das Geheimnis des Vulkans". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Morgen Sonntag, 13. Januar, wird zu ermäßigten Preisen als Fremdenvorftellung „Und das Licht scheinet in der Finsternis* von Leo R. Tolstoi gegeben. Spielleitung: Oberfpielleiter Hans Tannert. Diese Auf.ührung ist die letzte dieses Werks. — Für die nächste Woche ist wiederum ein Operetten-Gastspiel deS Frankfurter Reuen Operettentheaters festgesetzt. Am Dienstag, 15. Zanuar, gelangt das Alt-Wiener Singspiel „Das Schwalbennest" zur Ausiührung. — Zn der Zubi- läumsaufjührung zu Lesiings 2.0. Geburtstag am Mittwoch, 16. Januar, spielt Dr. Ludwig W ü l l- ne r einmalig als Gast den Rathan. Spielleitung hat Karl D 0 l ck, die Bühnenbilder sind von Karl Löffler hergestellt. — Ein Ereignis in der nächsten Woche wird ferner die Uraufführung von Leonhard Franks Schauspiel „Karl und Anna" sein. Die Uraufführung, die gleichzeitig in Paris in Szene geht, wird sicher im Reich großes Aufsehen erregen. Regie führt Intendant Dr. P r a s ch. — Stadt Mission Löberstraße. Morgen, Sonntag, mittag 1.30 Uhr, Sonntagsschule, nachmittags 2.30 und abends 8.15 Uhr Bibelkurs von Pfarrer C h r i st l i e b (Heidelberg). Von Montag bis Mittwoch, vormittags 10 Uhr, nachmittags 2.30 und abends 8 Uhr, ebenfalls Bibelkurs, gehalten durch Pfarrer C h r i ft l i e b (Heidelberg. Man beachte die gestrige Anzeige. — Vortrags. Vereinigung. In der Dor- trags-Dercinigung spricht am kommenden Montag die durch ihre früheren Vorträge hier bestens bekannte Rednerin Emma K 0 t t m a n n. Der Vortrag wird sicherlich bei jedem Dortragsdesucher wieder großen Anklang finden. (Siehe heutige Anzeige.) — Obst-undGartenbauoerein. Morgen, Sonntag, nachmittag spricht im Saale des Cafe Leib der Palmengartendirektor Krauß (Frankfurt a. M.) über „Dahlien, Gladiolen, Knollenbegonien und Nelken". Zu dem Vortrag haben auch Gäste Zutritt. — Kriegerverein Gießen. Die Feier des 55. Stiftungsfestes findet heute abend im Saale des Caf6 Leid statt. Mit der Feier werden Ehrungen von Mitgliedern für 25- und 40jährige Zugehörigkeit zum Verein verbunden fein. — Die Große Gießener Karneval- Gesellschaft eröffnet ihre diesjährigen karnevalistischen Darbietungen morgen nachmittag mit einem karnevalistischen Konzert auf der „Liebigshöhe". Interessenten seien auf diese Veranstaltung noch einmal besonders hingctoiefcn. — Freie Schneiderin nun g Gießen. Am Dienstag, 15. Januar, findet abends in Hotel Hindenburg ein LiHtbi'drrvorträg über das Thema: ..U. S. A. 9 Zabre im Strudel des amerikanischen Lebens" statt. Man beachte die heutige Anzeige. Wocherrmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 140 bis 170; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 15 bis 20; Weißkraut 10 bis 15; Rotkraut 20 bis 25; gelbe Rüben 15 bis 20; rote Rüben 15 bis 20; Spinat 35 bis 40: Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 25, bis 30; Rosenkohl 40 bis 60; Feldsalat 120 bis 150; Tomaten 80 bis 90; Zwiebeln 15 bis 20; Meerrettich 50 bis 150; Schwarzwurzeln 50 bis 70; Kartoffeln 5; Aepfel 20 bis 40; Dirnen 10 bis 30; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 100 bis 110; Suppenhühner 100 bis 120: Rüsse 60 bis 80; das Stück: Eier 18 bis 20; Blumenkohl 60 bis 120; Endivien 25 bis 35; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 50 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3,80 bis 4,50 Mark. e * * Die Museen sind am Sonntag zwischen 11 und 1 Uhr bei kleinen Eintrittspreisen geöffnet. • * D ie Gießener Frühjahrsmesse findet vom 7. bl3 14. April statt. Zm heutigen Anzeigenteil werden bi? Schausteller aufgefor- dert, ihre Gesuche um Platze auf der Messe bis zum 15. Februar bei der Stadtverwaltung einzureichen. Die Znteressenten f.t n auf diese Bekanntmachung besonders hin^ewiesen. * * Städtische Brennholzversteige- rung. Bei d?r gestrigen Drennholzverstcigerung im Stadtwald (Bezirk des Försters Geisel) wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Kie- sernrundfcheiter 13.20, Kie ernknüppel 10.—, Kie- sernsiöcke 7.— Mk. je Raummeter; Kielernreiscr 15 Mark je 100 Wellen. ** Kochvorträge des Elektrizitätswerks. Don der Direktion des städtischen Elektrizitätswerks wird uirs geschrieben: Gegenüber den bisherigen Kochmethoden bietet das elektrische Kochen wesentliche Vorzüge. Cs gestattet sparsame Kochweise und genaue Temperaturregelung. Um das elektrische Kochen mehr und mehr bekannt zu machen, beabsichttgt das Elektrizitätswerk, in seinem Derforgungsgebiet, d. h. in der Stadt Gießen sowohl, wie in den an sein Ueberlandnetz angeschlossenen Gemeinden, in der Zeit vom 21. Januar bis 20. Februar Vortrage mit Kochvor- führungen zu veranstalten. Ort und Zeit dieser Veranstaltungen wird durch Anzeige noch bekanntgegeben. * * Volkshochschule. Wir machen an dieser Stelle nochmals darauf aufmerksam, daß die Hörer des Wintersemester» forofe Me neueintretenben Hörer au dem am Sonntagabend stuck findenden Musilabend freien Eintritt haben. (Nähere» siehe heutige An- zeige.) " Schulpersonalien. Ernannt wurden: der Lehrer Adolf M e r g 0 11 an der Volksschule zu Rioda zum Rektor an dieser Schule; der Lehrer Alfred Jung zu Betzenrod, Kreis Schotten, zum Lehrer an der Volksschule zu Biebelnheim, Kreis Oppenheim, beide mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts; die Studienassessoren Dr. Karl F l ö r i n g auS Friedberg und Dr. Fr. Kömmerer aus Büdingen zu überplanmäßigen Etudienräten mit Wirkung vom 1. Zanuar 1929 ab. ee OrtSgewerbeverein. Der Gewerbe- Verein hielt am Donnerstagabend eine Mitgliederversammlung ab, die sich in der Hauptsache mit zwei Fragen, der des neuen Gewerbr- Hauses und der der Altersversicherung im Handwerk, beschäftigte. Der Vorsitzende konnte bei der ersten Frage einleitend darauf Hinweisen, daß der Gewerbeverein das Recht habe, noch bis Aum Anfang August 1931 die seitherigen Räume im Gewerbehaus für seine Zwecke zu benutzen, daß er also ohne Ueberstürzung die Beschaffung eines neuen Heims in die Wege leiten könne. Hierfür bestehen drei Möglichkeiten: der Hausbau, der Hauskauf und das Mieten entsprechender Räume. Zn der Aussprache wurden die einzelnen Möglichkeiten mit den bereits vorliegenden Angeboten besprochen und der Vorstand beauftragt, vorerst einmal die Möglichkeit der Raummietung zu prüfen. Die Frage der Altersversicherung im Handwerk beschäftigt augenblicklich alle Handwerkskammern im Reich. Für Hessen wurde sie im Rovember eingehend auf einer Handwerkerversammlung in Offenbach erörtert, für den Kreis Gießen im Dezember auf einer Dezirksversammlung in Gießen. Die Vorschläge zu ihrer Lösung sollen aus den einzelnen Bezirken bis Ende Zanuar bei der Handwerkskammer eingereicht werden, damit sie von dieser endgültig beraten werden können. Zn der Aussprache wurde namentlich die Lage der über 65 Oahre alten, erwerbsunfähigen Handwerker eingehend be-andelt und die Ansicht vertreten, daß man für ihre Unterstützung einen besonderen Fonds an sammeln sollte. •• „Das glaubt keinHutmache r.“ Auch in Oberhessen ist der Sah „Das glaubt kein Hutmacher" eine gebräuchliche, wenn auch unverstandene Redensart; man wendet sie an, wenn jemand etwas Unglaubliches erzählt. Llllem Anschein nach hat diese Redewendung mit der Zunft der Hutmacher als solche nichts zu tun. Ein Artikel in der neuesten Rümmer des „Pfälzischen Museums" weist darauf hin, daß in den Rhcin- landen das Hutmachergewerbe in früheren Zahr- hunderten von Kalvinisten ausgeübt wurde, die aus Frankreich ausgewandert waren und zu der ernheiinischen katholischen Bevölkerung in einem konfesji mellen Gegensätze standen. So ist es wahrscheinlich, daß das Wort „Das glaubt kein Hutmacher" ursprünglich in dem Sinne verstanden wurde: „Das glaubt kein Kalvinist". Oie Wahlen zum Landeskircheniag. Das Ergebnis der im Dezember 1928 ftattgefun- denen Wahlen zum Landeskirchentag liegt jetzt vor. Darnach erhalten von den 54 durch Wahl zu bestimmenden Sitzen (die 6 Berufungen sind noch nicht trfolgt und bleiben unberücksichtigt; die Zahlen in Klammern nennen das Wahlergebnis von 1922) die Kirchlich-Positive Vereinigung 19 (22) Sitze, die Hessische Evangelische Vereinigung 20 (19) Sitze, die Freie Volkskirchliche Vereinigung 14 (13) Sitze und der Bund für lebendige Kirche 1 (0) Sitze. Die Hessische Evangelische Bereinigung ist somit die stärkste Gruppe im neuen Landeskirchentag geworben. Aus Oberhessen gehören der Kirchlich-Positiven Bereinigung 12 Abgeordnete an, aus Starkenburg und Rheinhessen 7. Die Hessische Evangelische Bereinigung ist aus Oberhessen mit 11, aus Starkenburg und Rheinhessen mit 9 Abgeordneten vertreten. Die Freie Volkskirchliche Bereinigung hat ihre 14 Mandate nur in Starkenburg und Rheinhessen, ebenso entfällt der eine Sitz des Bundes für lebendige Kirche nach dort. Berliner Börse. Berlin, 12. 3an. (WTB.-Funkspruch.) Geschäfte sind im heutigen Dormiltagsverkehr noch nicht zustande gekominem Die Tendenz ist etwas unsicher und, soweit bis jetzt au erkennen ist, eher etwas schwächer. Die Zahl der Arbeitslosen, die zwei Millionen erreicht hat, verstimmt sehr stark. Man hört A. S. G. 184.60, Siemens 416 bis 417, Z.-G.-Farben 262.50 bis 263. Am Devisenmarkt hört man: Londrn-Paris 124.11, London-Kabel 485.03, Mailand 92.70, Brüssel 34.9013, Spanien 29.70, Dollar 4.2070. HÖR1 MARK CIOABITT1N 1 mck als rouWtiien. Kenner, ife rruIA cLaraldiervolU Mischung suc^ack mit &er vor* nehm einfachen Packung $u schaden oerslehL. Vermietungen Moderne Villa neu beraertcktet, 12 Mtn. «abnfnbrt von ©iehen, 9 Zimmer. ÄUche u. reicht. Zubeb. elefir. VirtJl, hoffet riofctt Par- fett. tclcDbon, Lad, fiTobet Warten, ist mit od. ohne 'Dibbel sofort vreiSweri au vermieten. SLristl. Angeb. unter 09319 an den Wien. Ana. MW von 3 Simmern ober mehr in guem H^iuse xu vermieten. Schrifti. Angebote unter 413D an den Wien. Anz. erbeten. »ml Zimmer zu vermieten 092’28 <^r. Sleinwcg IttV. Eck laden in guter Gefchäfts- laflf, mit fL 8-Ztm- Wohng. f. bald ober spater mi vermieten. Schr. Ansr. u. 09257 an den Giest. Anz. Laden oder Aevenraum, jentr. Vane. ohne Schaufenn, f. Büroawecke usw. zu vertu. Zu crfr. t. d. Gesch't. d. Giest. 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Dotiion eer weile Dramaufched Ge- dichl in 5 Auszügen «zwölf Bildern» von Gotih. tl phr. Lessing. Freitag, 18, Janik. Zreilug-Mli.-Vlst. von 20 bis 22* 4 Uhr Uraufführung find tno Unna Schaiisvtelin4Akien von Leonh. Frank. Sonntag, SO.Jan., «auuer; bonncmenO Fremden vorstei »ng von 18 bt» 207« Uhr Znm 5. Male: üerProzeßKarylJugaa (The Trial ol Ma.y Dogan) Ein Siück m 3 Alien von Bapard Beiller, für d. deaischeBühne bearbeitet von?Hub. Lothar. I.157D Giehei Cito Ernst: W haben wahren schon es KÄ2-* kinei 6Wtnen t»ot uni ‘“fldebm tzotl trotzdem ift ^erfonet s,h? geben wurde. '’V-etlüljne "yllerttgen. Schu Sm* X** jjÄiÄ* s scheu mil ®Iüd nur a(;nöL etL « MM täte ^^niieitel. n "Sn ttir die 8*? J Uil ?,n »ay “ ‘ Kni fiöhe des unged -uMuschrauben Lebliche W nähme der M Beteiligung d" sungrsteuerr Beziehung das U wird |pöter 3U P mit der Frage , lingt, die im W ober nur zuin g tungen der sicherzustellen: de gejetzlicheni Weg müßte die Folg! t)cn Ländern $ SnflW der Mtn Steuern a tbnfaüt erst fldP feit über dos Ma Länder an den lle Einerlei, noch weis schlag des Aeichsla ausgesprochen wer! keine neue S nicht die berrchlipsi werken Mühle. Äi noch die ßinbt; sichen Untern Nchen chand unb Rörpcr|d m ungesunder ; durch nichts beg Stutsdurger bei Hand mit ' gegenüber denser mischi-wirtschaslii Die Besteuerung gemäh von den zugestonden wer steuerpsticht ber kann man sich der eigenen Ä widersetzen. Daneben wir Höhung be mästig tragbar cher Schritt bei sonders stark t in manchen Er staubigen Exis aber nicht zu Linken auf e steuern hing Höhung und T, die Ükeuerhebun bie Erhöhung i ben ÜSorbergrun das Bebenfen e Aninogenszusan °Wstchts ber , atin ardine Urante amt itseide okat a. m. 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Das Kabinett wird sich mit dieser Sachlage abfinden muffen und dürste sich der Tatsache voll bewußt sein, daß es einer großen Elastizität bedarf, um die schwierige Aufgabe der Herstellung des finanziellen Gleichgewichts befriedigend zu lösen. Ohne Zweifel ist es eine anerkennenswerte Leistung des Reichsfinanzministers, daß es ihm gelungen ist, durch rigorose Sparmaßnahmen die Höhe des ungedeckten Defizits auf 350 Millionen zurückzuschrauben, wobei ohne Zweifel auch bereits erhebliche Beträge durch eine stärkere Inanspruchnahme der Posterträgnisse und eine stärkere Beteiligung des Reichs an den Uebermei» fungs steuern eingestellt sind. Ob in letzterer Beziehung dos Maß des Möglichen ausaeschöpst ist, wird später zu prüfen fein; es hängt ohne Zweifel mit der Frage zusammen, ob und inwieweit es gelingt, die im Jahre 1927 den Ländern auferlegtcn, aber nur zum geringsten Teil ausgeführten Senkungen der Real steuern für die Zukunft sicherzustellen: denn wenn diese Sicherstellung auf gesetzlichem Wege jetzt nicht zustande kommt, so mußte die Folge eine entsprechende Kürzung der den Landern zu fließenden Ueberweisungsfteuern fein. Hinsichtlich der zur Deckung des Defizits benötigten Steuern kann das letzte Wort naturgemäß ebenfalls erst gesprochen werden, wenn volle Klarheit über da» Maß der künftigen Beteiligung der Länder an den Ueberweisungssteuern geschaffen ist. Einerlei, nach welcher Seite hin der endgültige Vorschlag des Reichsknbinctts sich entscheidet, darf ruhig ausgesprochen werden, daß es heute überhaupt keine neue Steuer gibt, deren Festlegung nicht die bcrechtigsten und schwersten Bedenken erwecken müßte. Am erträglichsten erscheint immer noch die Einbeziehung der wirtschaftlichen Unternehmungen der öffent- lieben Hand unter d i e Einkommen- und Körperfchoftssteuer, weil hierdurch ein ungesunder Zustand beseitigt wird, der eine durch nichts begründete Bevorzugung derjenigen Staatsbürger bedeutet, die aus der öffentlichen Hand z. B. mit Elektrizität ujw. versorgt werden, gegenüber denjenigen, die aus privaten oder gemischt-wirtschaftlichen Betrieben versorgt werden. Die Besteuerung der öffentlichen Hand wird naturgemäß oon den Gemeinden und Ländern ungern ?ugestanden werden; da man jedoch dort die Real- teuer pflicht der Rejchsbetriebe in Anspruch nimmt, kann man sich logischerweife der Reichssteuerpslicht der eigenen Betriebe nicht mit guten Gründen widersetzen. Daneoen wird von manchen Seiten eine E r - Höhung her Umsatzsteuer als Verhältnis- mäßig tragbar angesehen. Die Gefahr, daß ein solcher Schritt den Konsum und den Einzelhandel be- sond?rs stark treffen und den Konzentrationsprozeß in manchen Erwcrbszweigen zum Schaden der selbständigen Existenzen erneut ankurbeln würde, lst aber nicht zu übersehen. Wenn aus Kreisen der Linken auf eine Erhöhung der Besitz- steuern hingewiesen wird, wobei teils eine Erhöhung und Erweiterung der Erbschaftssteuer, teils die Reuerhebung der Vermögenszuwachesteuer, teils die Erhöhung der bestehenden Vermögenssteuer in den Vordergrund gestellt wird, so tritt hier überall das Bedenken entgegen, daß nach dem gewaltigen Dermöaenszufammenbruch der Inflationszeit und angesichts der außerordentlichen Anspannung der Einkommensteuer alle Steuern, die aus der Substanz genommen werden müssen, als eine verhängn'svolle Beeinträchtigung des Spartriebs und der Ansätze zu der so notwendigen neuen Ka- pitalbildung angefprochen werden müssen. Auf der andern Seite faßt man die neuerliche Erhöhung der Steuern auf Bier und Branntwein und die Wiedereinführung der Weinst e u e r ins Auge. Es kann auch hier kein Zweifel darüber fein, daß diele Steuern auf den Konsum abgewälzt werden müßen, wenn die beteiligten Produktionszweige nicht in eine unmögliche Lage geraten sollen. Können diese Steuern nicht abge- I wälzt werden, so werden die schwächeren Betriebe ! der Produktion zusammenbrcchen, die stärkeren mindestens erschüttert werden, so daß der volkswirtschaftliche Schoden weit größer ist als der möa- liche finanzielle Nutzen. Erfolgt die Abwälzung, so wird bei so wichtigen Geuußmitteln eine Steigerung der Lebenshaltungskosten und ein entsprechender Druck auf das Lohnniveau unvermeidlich sein, etwas, was die deutsche Wirtschaft in ihrer problematischen Lage heute weniger denn j« vertragen kann. Der Weg der Anleihe zur Deckung des Defizits ist uns ebenfalls verschlossen: im Gegenteil besteht die Tatsache, daß aus früheren Bewilligungen des Außerordentlichen Haushalts, für welchen die geplante Anleihe nicht zustande kam, eine Verschuldung des Außerordentlichen Haushalts gegenüber dem Ordentlichen Haus- halt oon mehr als 600 Millionen besteht, so daß auch flüssige Mittel nur in ungenügendem Umfange vorhanden sind. Es müssen also schnell Entscheidungen getroffen werden, die das Verantwortlichkeitsgefühl aller Beteiligten bis zum äußersten in Anspruch nehmen; dabei ist die jetzige Opposition nicht ausgenommen, da sie die Verantwortung für die gegenwärtige Lage der Reichefinanzen, die nicht oon gestern auf heute entstanden ist, in vollem Umfange mitträgt. Bereits vor Jahresfrist ist von uns mit größtem Ernst auf die Lage hinge- I wiesen worden, welche sich für den gegenwärtigen | Zeitpunkt ergeben würde. Trotzdem ist unter dem damaligen Firanzminister der vorjährige Etat lediglich durch die Heranziehung oon etlichen Hundert Millionen einmaliger Einnahmen für die Deckung der laufenden Ausgaben balanciert worden, und der Ruf zur Sparsamkeit und Ausgabensenkung fand keinen genügenden Widerhall. Die Bewilligung von ungedeckten Ausgaben aber schließt die Verpflichtung in sich, für die Deckung zu sorgen, und diese Verpflichtung wird nicht beseitigt dadurch, daß eine Partei sich aus der Regierung zurückzieht, um in die Opposition zu gehen oder die Rolle eines unbeteiligten Beobachters zu spielen. Feinde von gestern - Freunde von heute. ,,Seeteufel" wieder in Amerika. Don Felix Grafen von Luckner. Nachdruck verboten. z. Z. Rocky Mountains, Januar 1929. Als die Weihnachts- und Siloesterglocken alte, liebe Festtage in der deutschen Heimat einläuteten, da werden nur die wenigsten meiner zahlreichen deutschen Freunde gewußt haben, daß der „Seeteufel" auch diesmal wieder fern dem teuren Vaterlands weilen würde, getrennt von ihm durch den weiten Ozean, in einem Lande, in dem jetzt schönste und herrlichste Blumen- und Blütenpracht die festlich gestimmten Mei schenherzen erfreut. Aber noch höher, als die Bergriefen hier um mich herum, und noch' tiefer als der Ozean, dessen Majestät mich immer wieder ergreift, ist die Liebe zu meinen deutschen Volksgenossen, für deren Ansehen in der Welk ich mich hier einzusetzen versuche, — und die Aufrichtigkeit meiner Wünsche für ein gesegnetes 1929. Nanu, werden Sie vielleicht fragen, was macht denn der Luckner wieder in Amerika? Das ist schnell erklärt. Als ich im vorigen Jahre mit meinem prächtigen Schipp „Vaterland" heimkehrte, nach langer Vortragsreise durch den ganzen nord- amerikanischen Kontinent, da war ich mir sofort im klaren, daß es galt, das Erreichte fortzusühren und zu vertiefen. Mein Schipp mußte Ich zwar leider verkaufen, um den finanziellen Mißerfolg der Reise aus der Welt zu schaffen. Aber Sie wißen ja, den Kopp hängen laßen, ist nicht meine Sache: Kik in de Sünn, und nicht In das olle Musloch, wo bat so düster ist! Der moralische Erfolg meiner ersten Reise, für den mir das Deutsche Auswärtige Amt Dank werden lieh, ermutigte mich au dieser zweiten. Denn bald schon nach meiner Heimkehr erreichten mich eine Anzahl Einladungen amerikanischer Universitäten, die Vorlesungen und Vorträge von mir zu hören wünschten. „Der Iu - g e nd gehört d i e Zukunft" dachte ich mir, und es ist gewiß von großer Wichtigkeit, wenn gerade die amerikanische Jugend für die Zukunft in deutschem Sinne beeinflußt wird, zumal sie es selbst verlangt. Andere Einladungen folgten, und so bedurfte es keinen schwerwiegenden Entschlusses, den Sprung „über den großen Teich" noch einmal zu wagen, besonders, wenn es auf einem so schmucken Lloyddampfer geschieht. Daß mich mein treuster Kamerad, Inaeborg, meine Frau, begleitete und nun all die Anstrengungen eines steten Wander- lebens mit auf sich nahm, war bei ihrer prächtigen Einstell ng zu meiner Arbeit von vornherein selbstverständlich. Nicht nur als ehemaliger Kaperfchiffskommandeur oder als Missionar eines guten Willens kam ich diesmal herüber, wie bei der letzten Reife, sondern auch als „honoured Citizen", als Ehrenbürger einer der größten amerikanischen Stätte, als Ehrenmitglied der ..ameri'an Legion", des einzigen großen amerikanischen Frontkriegerverbandes. Ich kann heute mit gutem Gewißen sagen, daß diese zweite Vortragsreife nun feit drei Monaten bie glückllchsten Erfolge gezeitigt hat, und hoffe in meinem unverbrüchlichen Optimismus, daß mir Fortuna auch für die noch zu haltenden 186 Vorträge, die mich bis Mitte Mai von der Heimat fernhalten werden, treu bleiben wird. Denn es ist ja ein guter Zweck mit all meinem Sehnen und Handeln verbunden. Glauben Sie mir, für mich brachte ich als alter Seemann kein Wort über bie Lippen, — schämen würde ich mich solchen Tuns —, es ist für das Ansehen unseres Vaterlandes, das zu fördern gerade hier in Nordamerika von größter Wichtigkeit ist. Immer mehr wächst der Kreis rein amerikanischer Freunde, und viele offizielle Vertreter der einzelnen Staaten machen sich geradezu eine Freude daraus, mich dem Publikum perfönlich oorzustellen. Nicht auf mich fallen diese Ehren zurück, sondern auf mein deutsches Vaterland. Ein ehrenvoller Brief des bekannten Gouverneurs Fuller vorn Staate Massachusetts gibt ein Beispiel von vielen dafür. Nun aber zu den Vorträgen selbst. Es genügte mir natürlich nicht, nur vor den Deutsch-Amerikanern zu sprechen, — oon ihrer Liebe zur alten Heimat habe ich mich oft genug überzeugen tonnen —. nein, den Vollblutamerikaner galt es zu gewinnen und zu interessieren. Es ist natürlich ungemein schwer, sich als Deutscher in bie Sehens- und Denkungsart dieses an und für sich schwierigen Menschenschlages hineinzusinden, sich einen Weg von Herzen zu Herzen bahnen. Sein Gemüt muß auf besondere Art bewegt, fein Sensa- tionshunger auf eigene Weise befriedigt werden. Daß diese Arbeit mir gelang, geht aus meiner ganzen Entwicklung hervor. Schon als kleiner Junge sehnte ich mich nach dem großen amerifa- ■ewir,TOTilTT*we:iir-’.ii|JieeriuvieTiriBewBBiHeeeeeÄneÄHnH™iÄ Gießener Giadttheater. Otto Ernst: „Flachtzmann als Erzieher". TBtr haben dieses Stück vor nicht ganz drei Jahren schon einmal hier zu sehen befommen; wir haben es seinerzeit abzllrhnt. wie es seit seinem Erscheinen vor saft drei Jahrzehnten von jeder ernsthaften und ehrlichen Kritik immer wieder abgelehnl worden ist. Trotzdem ist das Derk, welches von feinem Verfasser sehr selbstbewußt als Komödie aus gegeben wurde, von Anfang an ein großer und siche.er Dühnenerfolg gcw'en.Das kamt allerdings unserer Auffassung nach eine Ausgrabung nicht rechtfertigen. Dieses Schulstück ist vollkommen veraltet und verstaubt. Seine Moral rennt offene Türen ein, und eS ist eine Unmöglichkeit, die „Gegenwart von der Jahrhundertwende auf unsere eigene Zett übertragen zu wollen. Das Tanze ist durchaus ehrenwerten Gesinnung hitaus gefä>rie- ben und sehr gut gemeint. Aber es geht uns heute nichts mehr an. Vicht, als ob die moderne Pädagogik und die neuzeitliche Schule nicht auch ihre Sorgen hätten, sie beißen sich am Ende mit schw.n:e^en und schlimmeren Problemen herum, als man cs zu Otto Ernst (Schmidts) Zeiten getan hat. Eben M- wegen: in ten Stücken, die h ute aus dem gleichen Milieu und dem selben Problem kr.-iS hervor- brechen, herrscht ein ganz anderer Ton. Da ist es mit verständnisvoller Heiterkeit im Zuschauer- raum nicht getan. Zudem ist das Grundmotiv, auf dem der .Flachsmann" auf gebaut ist, ein gottseidank vereinzelter und eigentlich auh nthalb der Hauptmotivreihe liegender Sond rfall. dessen Wiederholung heute kaum denkbar wäre. Und schließlich ist die vorliegende Gestaltung der Zabel künstlerisch von einer rühr.mden Unzulänglichkeit. Das Personal besteht hüben au« Schuften und Brunnenvergiftern, drüben aus Biedermännern mit wahren Engelsgemüt nn. Dazwischen ein paar Karikaturen, die man heute zum Glück nur noch in schlecht geleiteten Witzblatt nm findet, und etliche norma r Menschm. die leider nur als blasse Schatten durch die drei Akte geistern und nichts zu sagen haben. Natürlich erhalten nach bewährtem Muster ältester Schule die Biederleute ihren verdienten Lohn, und die schwarzen Schufte werden nach ausführlicher Zerschmetterung in den OrkuS versenkt. Die dramaturgische Behandlung zeigt im Einzelnen und in Qlcbcitmoti.e i di. gleicle.i Mängel jener heute un.rrräglichenSchwcr.-z weiß maniereine Ironie, die faustdick aufgetragen wird; eine Satire, die mit dem Zaunvfahl winkt; daneben bewährte Schulwitze und Pvsseneff.ckte, die nie ihre Publikumswirkung verfehlen. — Die Aufführung wurde von B a st e inszeniert: sehr au.führlich und behaglich, sehr m.t Einzelheiten, heftigen Betonungen und herausacstrichenen Pointen, der stellenweise stürmische Erfolg mag seiner Auffassung recht geben. D.e Mängel des Stückes wurden dadurch nicht verdeckt, sondern hervorge- kehrt. Wenn man den „Flachsmann" schon spielt, sollte man ihn so zurückhaltend, maßvoll und geräuschlos spielen, wie es irgend möglich ist Die Hauptrolle des entgleisten Iugenderziehers gab Gareis als einen trockenen Schleicher, Betrüger und Tartüff, ein ausgekochtes Subjekt von verkniffener und auftrumpfender Bösartigkeit, der Charakterspieler-Typus der Rolle wurde aber von Anfang an durch einen in Sprache, Haltung und Geste fvftgclegten Thcaterintrigantenstil aufgelöst , die Regie hätte hier und auch in anderen Besetzungen mildernd und glättend eingreifen müßen Auf der Gegenseite hatte vo> allem lannert mit der zärtlich in Helles Licht gerückten Idealfigur des Musterlehrers Ian Flemming eine dankbare Aufgabe; so ein frisches, oft freches, immer selbstbewußtes und sicgessicheres Drauflosspielen mit dem Munde vorneweg und gut sitzenden Antworten liegt ihm sehr. Bolck in der Rolle des Schulrats, der mit einem sympathischen Temperament und einem gesunden Sinn für Orbnurg, Anstand und Sauberkeit „die muffige Bude" auskehrt, wiederholt hier eine schon in der früheren Aufführung bewährte, tüchtige Leistung. Aus dem Wachsfigurenkabinett des Lehrerkollegiums: Arzdorf, der verschlagene und brutale Spießgeselle des edlen Flachsmann: behutsam und mit angenehmer Zurückhaltung. (Je weniger die Rolle „gespielt" wird, desto erträglicher wirkt sie ) — D a st e (Weidenbaum), Gehre (Brösecke) und Linkmann (Riemann) trieben ihre Chargen vollends in die Karikatur, wie sie in einer Komödie unm gl ch ist, die aber unbestrittene Heiterke tserfolge hervorrief. — Ingeborg Seher er, an sich frisch und natürlich, wirkte als die Elementarlehrerm G:sa Holm doch etwas zu jugendlich und stellenweise zu backfischhaft. Drei gute Chargen: Trude f) e ß (nur leider ver- schminkt), d e C a st r o und Ritter. Der Erfolg beim Publikum war so stark und ein- hell g, daß man ihn gern einem künstlerisch wertvolleren Schauspiel gewünscht hätte. Dr. Th. Oer römische Spielzeug-Karneval. Gas Epiphaniasfest i.'t tn Rom stets mit besonderem Glanze begangen w:rd n denn es lebt noch eine Gri inerung daran fort, baj ja li brr ältesten Christenheit W i-nachten auf diesen Tag siel. Auch Nachklänge aus der alten Römerz.it spielm noch mit. Das Hauptoergnügen sr teile sich in den l.chten 100 Jahren immer auf der Diaz'a Ramona o5. dem schönen langgestreckten Platz mit feinen Palästen und Brunnen, der auf der Ö'ctle des Stadio S des D-wi tan ftefji Während im alten Ron an diesem Platz Glatistvren- Kämpfe und Tierhetzen statt anden und in der Re aissance Turniere und Wa'serfeste veranstaltet wurden, findet jetzt hier in Januar der .Spielzeuzkar: eval" statt. Klei re Kaufleute und flieg-E Hä rdler lassen hier it kürzester Zeit hölzerne Buden und malerische Derkaufsstände erstehen. Bunte Lampen werfen ihr lustiges Licht auf eine unendliche Auswahl von Spielzeug aller Art; Zuckerzeug wird angepriesen, und in diesem bunten Rahmen drängt sich eine schreiende und lachende Menge, unter der nicht nur die Kinder vor all dem Tand in Entzücken auSbrechen. Der mächtige Triton deS Den i rischen Brunnens, den das Bolk den »Fmtänon- Mohren" nennt, blickt gravitätisch auf diese heiteren Szenen hernieder, und feine phantastische Silhouette vereint sich mit den andern Brunnenfiguren und den wundervollen Fassaden der Paläste zu einer eirzigartigen Umrahmung dieses Karnevals. In federn Jahr entbrennt ein heftiger Strei: it den Zeitungen, ob selche Bvlks- brärtche aus dem alten Rom noch in dem »dritten Rom" Mussoli-.iZ angebracht ind. Aber der Gouverneur von Rom, Fürst Buoncampagni 2 u - dov'isi. der 'it guter Römer ist. hat diesmal allen Einw.mdungen sofort die S itze abgebrochen, intern er allen Antragstellern die Auf ichtunz der Buten gestattete und einen sehr geringm Mietpreis festsetzte. So i t denn der Spielzeug-Karne- val in diesem Jahre mit besolde rem Glanze be- ganoen worden, aber trotzdem dürften feine Tage gezahlt fein. nischen Lande, von dessen Geheimnissen ich au- vielen Büchern mehr oder minder Wahres gelesen hatte. Mein Forschungsdrang und noch einiges andere ..., ließen mich schon als Junge mein Elternhaus verlaßen. Ich segelte dann als Schiffsjunge auf einem deutschen Kauffahrteischiff nach Australien, im Glauben, Amerika läge auf dem Weye nach Australien. Enttäuscht verlieh ich das Schift in Melbourne und fristete mein Leben eine Zeitlang als Gast der Heilsarmee, als Leuchtturmwächter, als Mitglied einer Fakirtruppe, als Meisterboxer ufro., wie es ja viele von Ihnen gewiß in meinem „Seeteufel" gelcfen haben. Als gewöhnlicher Seemann, — die Liebe zum Meere hatte mir das Landleben versalzen — gelangte ich nach San Franzisko. Hier suchte ich „mein Idol, meinen Helden, die Personifizierung des Traumes meiner schlaflosen Nächte", — Buffalo Bill, den großen Trapper und Zirkuste ter. Hier erfuhr ich, daß er in Denver lebte. Also los! Da ich nicht Geld genug hatte, lief ich am Bahndamm entlang und gelangte endlich zum Ziel meiner Sehnsucht, nur, um dort zu hören, daß Buffalo Dill — in Deutschland weilte und, wie ich später erfuhr, aus» gerechnet Gast im Hause meines Vaters — war! Als mich mein Weg jetzt im November wieder westlich führte, da statteten wir Denver unfern Besuch ab, und unser erstes Ziel dort war die ©rabftätte Buffalo Bills, die hocherhoben auf dem Berge „Lookout" liegt. Ein wundervoller A s- blick bot sich uns von da aus über die weite, weite Ebene um Denver. Man konnte ungefähr siebzig Meilen weit ins Land fd)auen. Eine besondere Feier bildete das Zusammentreffen mit dem Adoptivsohn Buffalo Bills — Johnny Baker —, der meinetwegen hier hinaufaekommen war. Ich berichtete ihm meine obige Erzählung, die auf Johnny Baker einen tiefen Eindruck machte. Gerührt nahm ich von ihm ein gezeichnetes Bild Buffalo Bills entgegen, und ergriffen entblößten mir die Häupter zu Ehren eines Weltgeistes, der für das Leben so vieler von besonderer Bedeutung war. Mit der obigen Erzählung von meinem Jugend- Mißgeschick in Denver wie mit dem Bericht meiner sonstigen Jugenderlebniße und nicht zuletzt mit dem meiner abenteuerlichen Kaperfahrt im Kriege gewann ich langsam, aber sicher den Sieg über das Herz des Stockimerikaners. Es ist mir immer wieder eine innere Genugtuung und Freude, zu sehen, wie die jungen Menschen an den amerikanischen Universitäten während meiner Vorträge, die ich in englischer Sprache halten muß, an meinen Lippen hängen, mit welch großer Aufmerksamkeit sie meinen Ausführungen lauschen. Bewegt war ich oon dem Empfang an der Universität Ann A r - bor, wo ich vor einer Zuhörerschaft von 4500 Studenten sprach und die innigsten Sympathiekundgebungen für Deutschland erntete. In Sait Cafe, Utah (Hauptsitz der Mormonen), waren laut Zeitungsbericht 8000 Menschen beim Vorträge anwesend; Exgouverneur Magby, der vor dem Kriege als Missionar der Mormonen in Deutschland tätig gewesen, führte mich offiziell ein. Die Bevölkerung steht meiner Arbeit nicht minder sympathisch gegenüber. Täglich gehen Maßen oon Briefen ein, aus denen man ersehen kann, wie sehr sich das Blättchen gewendet hat, wie sehr man geneigt ist, mit uns Deutschen wieder freundschaftliche Beziehungen aufzunehmen. Manch nettes und vielsagendes Erlebnis hoffe ich Ihnen später mal erzählen zu können. Von Boston ging's nach Ehikago, oon dort ins Chio-Gebiet, bann nach Kalifornien und endlich in die Rocky Mountains. Zwischendurch natürlich immer Abstecher, oft nach Neuyork ober in andere Städte. Meine Vorträge müssen natürlich, wie ich schon oben bemerkte, auf den amerikanischen Geschmack etwas zugeschnitten werden, vnb da will ich Ihnen ein kleines Geschichtchen nicht vorenthalten, an das mich eine Begegnung hier erinnerte und das ich den Amerikanern immer wieder erzählen muß — nämlich: meine Erfahrungen mit — Frauen, wie ich ihre Macht und Einfluß zum Schaden des Gegners kennenlernte. Die besagte 100 Millionen aus dem Meere gerettet. Dem englischen Kapitän Samant ist eine Schatzhebung vom Meeresgrund gelungen, die einzigartig dasteht. Er hat cs fertiggebracht, Goldbarren im Werte von 100 Millionen Mark zu retten, die mit der „Caurcntk“ untergegangen waren. Im Frühjahr 1917 war der White Star- Dampfer „Laurentic" von Liverpool abgefa./.en mit einer Ladung von 45 Tonnen Goldbarren, die in einer Stahlkammer untergebracht waren. Das Schiff geriet in der Rähe der irischen Küste auf eine Mine und sank auf den Grund bis in eine Tiefe von 130 Fuß. Da der Schiffskörper schwer beschädigt war, so kam eine Hebung nicht in Frage. Schwere Seen rasten über das Wrack und zerstörten es immer mehr, so daß es schließlich nur noch ein wüster Haufen war. Die Goldschätze lagen ganz unzugänglich tief verborgen unter einer Masse von verborgenen und ineinandergedrückten Stahlplatten. Cs erschien ganz unmöglich, daß es den Tauchern gelingen könnte, diese Schätze emporzubringen. Da wurde Kapitän Samant mit dieser Aufgabe betraut, der schon lange vor dem Kriege den Fragen der Meeres- taucherei besondere Aufmerksamkeit zugewandt hatte und als Inspektor der Taucher der englischen Admiralität über eine reiche Erfahrung verfügte. Er war selbst als Taucher ausgebildet und war bis zu einer Tiefe von 216 Fuß auf den Meeresgrund hinabgestiegen. Samant setzte sieben Jahre an diese Arbeit und hatte außerordentliche Schwierigkeiten zu überwinden. Als er zuerst von Portsmouth mit sechs erfahrenen Männern ausfuhr und, an Ort und Stelle an* gelangt, die Sachlage untersuchte, schien ihm selbst Oie Rettung des Goldes fast unmöglich. Rach langen Arbeiten wurde ein Weg durch das Trümmergewirr des Wracks gebahnt, und man drang bis zu der Stahlkammer vor. in der sich das Gold befand. Als man soweit war, brach das Wrack vollständig auseinander und häufte neue Hindernisse über dem Schatz auf. so daß man ganz von vorn beginnen muhte. Ein neuer Plan wurde ausgearbeitct, und nach aufregenden Abenteuern, in denen oft das Leben der Arbeiter an einem Haar hing, legte man die verbogene und zerdrückte Stahlkammer wieder frei, verschaffte sich Zugang zu dem Gold und brachte nach und nach die ganze Menge empor, so daß die 100 Millionen Mark geborgen werden konnten. Damit war eine der größten und glücklichsten Bergungsarbeiten auf dem Meeresgründe durchgeführt. Dams, welche Ich hn Äuge, bester gesagt, tm Ge- dächtnis habe, ist Mrs. Eva M. Kohler aus Lünen- bürg, 'jIodq Scotia, und die Gattin eines kanadischen Handelsschiffskapitäns, besten Dreimastschoner ich wahrend des Krieges versenkte. Daran war nun eben die edle Miß schuld, und wäre ich selbst nicht so unendlich glücklich verheiratet, dann würde ich mit elnftimmcn in den Ruf unserer verknöchertsten Junggesellen: Das kommt davon, wenn man auf Frauen hört! Also, die drei Segel des Schoners waren von meinem „Seeadler"' aus gesichtet worden, nur wußten wir nicht, halten wir einen Gegner oder Neutralen vor uns. Wir dippten unsere „ehrliche" norwegische Flagge vorsichtshalber zum Gruße. Ohne Erfolg. Der Kerl grüßte nicht wieder. 3d) wußte, was der Skipper drüben dachte: Mensch, du wirst doch nicht )o ne olle chinesisch- norwegische Dschunke wiedergrüßen. Der Uebcrmut des Burschen war um so größer, do er sich auf seiner Hochzeitsreise befand, zusammen mit seiner Gattin natürlich! Mit der aber hatte er nicht gerechnet. Sic schlich heran und sagt«: Männe, du mußt doch wiedergrüßen! Och, den ollen Kasten? Aber du mußt!, ließ sich wieder die Schöne Der» nehmen, das erfordert doch deine Galanterie und deine Etikette! — Der schwache Gatte gab endlich brummend nach, dippte seine kanadische Flagge und hatte dos zweifelhafte, nein, das unzweifelhafte Vergnügen, nach einigen Böllerschüsten aus unserer „dicken Bertha" ä la Gulaschkanone erschreckt mit den Seinen auf unser gastlid)es Schiff überzusie» Mn, um dort seinen Honigmond auszukosten. Aber nun erst der weibliche Einfluß an Bord des „Seeadlers"! Sie hätten meine Jungs sehen sollen! Jeder Mann an Bord war plötzlich ein Scheik. Ja- woll! Jeden Tag hätten Sie hören können: Wo liegt denn zum Deubel mein Rasierpinsel, — bei Gott, ich kann dock) nid)t unrasiert an Deck gehen! Man schrie förmlich nach Haarschneidern, Kleiderbürsten wurden zum erstenmal verlangt. Es war zum Davonlaufen! Die ganze Mannschaft rauft sich vor Verlangen nach ästhetischem Aussehen die Haare —, blos weil eine Frau an Bord war, die noch dazu einem andern gehörte! Blos, um Effekt zu machen, wenn sie riefen, .Halloh! Hau du ju du? (how do you do) it will be good weather tomorrow." Das war eine Erfahrung, eine sehr gute! Id) nahm ein anderes Schiff, die gefangene Mannschaft kam an Bord, mit ihr der Kapitän und eine Dame. Ah, rief ich, „der Käpten und sein reizendes Frauchen, die müssen ne Extra» kabine kriegen!" Bald darauf sichtete ich einen neuen Fang. Da kam der eben versorgte Käpten zu mir und sagte weinend: „Um Gottes Willen, ha sitzt mein Schwager als Kapitän drauf „Na, das Macht doch nichts, freu'n Sie sich doch!" „Ach nein, ich bin zwar verheiratet, aber die Dame ist nicht meine Frau, sondern meine Freun- bin." Nur so viel verrate ich, die Sache lief schief aus für dcn getreuen Gatten. Schlußfolgerung: 1. Der Mann ist Wachs in den Händen seiner Gattin, diese versteht es aber auch, Eindruck zu machen (siehe ,,Seeadler"-Besatzung); 2. es gibt kaum etwas, was den Frauen nicht über ihre Eheleute hinterbrocht würde (siehe Käpten Nr. zwo)... Diese Erzählung sei aber nur ein kleiner, gutgemeinter Scherz, die Moral trifft nicht immer zu, glaube ich. Nun Hobe ich Ihnen aber genug erzählt über meine zweite Fahrt ins „ßanb her unbegrenzten Möglichkeiten": wenn meine Fahrt auch fürderhin erfolgreich verläuft, sollen Sie es erfahren. Bis dahin rufe ich ollen meinen deutschen Freunden und Landsleuten im Geiste und im treuen Gedenken ein aufrichtiges „Op Wedderfehn", zumindest aber „Op Wedderlesen"! zu, der bütsche Eikboom stecht noch! Dölkerversöhnung. M':t den folgenden Antworten deS Herrn Professor Dr. Messer auf die in Nr.6 des „©. X“ vom 8. Januar und Nr. 8 des „G. QI." vom 10. Januar veröffentlichten Ausführungen der Herren Dr. Mees- mann und Pro essor Dreher schließen wir die Diskus ion über dieses Thema. Lieder Herr Dr. Mcesmann! Zunächst ein theologisches Privatissimum! Es gibt zwei Schwerter! Don der « i n e n Art waren die Seitengewehre, die wir als „Einjährige" im Jnf.-Degt. Nr. 118 vor fast 43 Jahren in der „Putzstunde" blcrnk rieben, dabei eifrig mitemander philosophierend. WaS JefuS von dieser Art Schwerter hielt, hat er gesagt, a.s Petrus dem Knechte Malchus das Ohr cttchieb: „Stecke dein Schwert in die Scheide!" — Schon dir alten Christen haben das ausgefaßt als „Aechtung des Krieges". Was inzwischen Kirchen an kriegerischen Taten vollbracht oder verschuldet haben, daS mögen sie selber verantworten. „Kirche" und — „Jesus" ist doch nicht ganz dasselbe! Was aber den Geist 3cfu und den Geist echten Christentums angeht, so halte ich eS dock lieber mit dem evangelischen Landesbischof Tolkien („Pazifismus und Christentum gehören zusammen") und mit dem Münchener Kardinal Faulhaber, der in seiner Suvesterpredigt aussprach: „Nur der Friede, nicht der Krieg ist vom Geiste Christi".. 2lber das Wort 2esu. das Sie anführen, daß er „das Schwert bringe"?! Nun, damit meinte er daS Schwert der zweiten Art. das geistig« Schwert, so wie Sie es jetzt gegen mich geschwungen haben. Mit vollem Necht, wenn Ihr Gewissen es Ihnen gebot! And dieses Schwert wollen wir auch weiter führen. Das wäre ein „fauler Friede", der uns hinderte, in sachlichem Kampf«, selbst Freunden gegenüber, unsere Heb«Zeugung zu vertreten! And solcher Kampf braucht auch Freundschaft gar nicht zu stören. Also über die „zwei Schwerter" sind wir nun wohl einig. — Aber einig sind wir auch — und das wird Sie vielleicht überraschen — in der Beurteilung französischer Politik. Das wird Sie überraschen, sage ich: denn in Gießen wie in Queckborn und anderswo wird eS recht v.e.« geben, die von den „Pazifisten" die naive Dorstellung haben: „sie halten es für notwendig, das deutsche Dolk in Ketten und Knechtschaft zu legen" (um Herrn Pfarrer Schick. Queckborn, zu zitieren). Dielleicht kann man sogar aus der sehr umfangreichen pazifistisd)en Literatur Aeußerungen zur Stützung dieser Dorstellung aufspüren. Warum soll es nicht auch unter „Pa ifisten" — „Langgeohrte und Kurzcp-üugte" geben ? l Older aus der 2 d e e des Pazifismus folgt das mit nichten? Nein, gerade wer der Idee des Friedens aufrichtig dient in Politik und Erziehung — und beide sollten eines Geistes sein! Herr Pfarrer! der kann mit aller Entschiedenheit den politischen Führern Frankreichs sagen: „Euer Wort ist — „Friede", aber euer Tun ist — „Krieg"! Habt doch keine Angst vor uns — euer kriegerisches Gebaren stammt ja doch nur aus der Olngst! — wir planen keinen Llebersall auf euch, wir rüsten auch nicht heimlich und wir werden dafür sorgen, daß die nicht mehr vor Gericht gestellt werden, die heimliche Kriegsvorbereitungen, di« das deutsche Gesetz verbietet, an's Licht ziehen!" Daß es aber auch in Frankreich Menschen gibt, die ehrlich für den Frieden eintreten, bleibt eben doch Tatsache. Sie, verehrter Herr Doktor, vorsichern zwar, vom Geiste der Der- söhnung sei dort „nicht s" zu spüren. Olber die Erklärung der hundert und mehr „intellektuellen" können Sie nicht auS der Welt schaffen. Hnb wenn Sie mir „die Durchsicht der amtlichen französischen Schul- und sLesebücher empfehlen", so bitte ich Sie. in der «Frankfurter Zeitung" Nr. 637 vom 15. Dezember 1928 (2. Morgenblatt) die Mitteilung darüber nach^ulesen, wie kräftige und erfolgreiche Bemühungen gerade von französischen Lehrern gemacht werden, die französischen Schulbücher von allem, was Dölkerhah schürt, zu reinigen. Auch darf ich Sie verweisen auf einen Artikel, den ein vortrefflicher Kenner französischer Verhältnisse. Prof. Dr. Hermann Platz, Bonn, in meiner Monatsschrift „Philosophie und Leben" (im Novemberheft 1928) veröffentlichte über „Auseinandersetzungen zwischen französischer und deutscher Jugend". Olber das alles sehen die Vertreter der Politik von gestern und vorgestern nicht. Sie sehen auch nicht, daß diese Politik, deren Weisheit darin gipfelt: „Willst du Frieden, so rüste zum Krieg!", die Dölker zu der ungeheurlichen Katastrophe deS Weltkriegs geführt hat. Sie sehen endlich nicht, daß das starre Festhalten an dem alten Geist in Politik und Erziehung zu einer neuen Katastrophe führen muß, die ge.ab«,u Döllervernichtung bedeutet. Die am 4. und 5. Januar in Frankfurt tagend« Dersammlung der internationalen Konferenz über den „Giftgaskrieg" hat ja darüber ein erschütterndes Material zusammengebracht, M8 auch denen ernst zu denken geben sollte, die aJ „'Realpolitiker" den Dienst an der Friedensidee (als an einer in sich wertvollen und sittlich gebotenen Ausgabe) wie eine leere „Ideologie" verspotten zu können meinen. Nun, ich weiß mich mit vielgepriesenen Der- tretern deutschen und christlichen Geistes einig in bet Schätzung solcher „Ideologie". Ich bin auch der UcberjMgung, wenn wir Deutsche der unae- heuven „S'nn.o.igleit" des W:lttriegcs nachträglich „Sinn geben" wollen, so kann daS nur dadurch geschehen, daß wir aL DoÜ di« Führung übernehmen in der Fortentwick.ung per Menschheit aus der Periode der Politik der Angst. deS Argwohns und des Kr.egsgeist.es in die Periode deS DertrauenS, der Aufrichtigkeit und der 'Verständigungsbereitschaft. Sie,er zugleich „nationale" wie „intemationa.e" Pazifismus entspricht durchaus edelstem „deutschen Wesen"; denn ec gibt dem Dolle, was des Dolles, und der Menschheit, was der Menschheit ist. An solchem „deutschen Wesen" kann wirklich auch die „Welt genesen". Sie verehrter Herr Doktor, wollen freilich auch den Okrtre^rn des Pa'ifismus meiner Art, also eines „nationalen" Pa.isiSmus im Sinne z. D. Stresemanns, das Wort verbieten, bis — die französichen Politiker sich gebessert haben. verleihen Sie. da glaube ich mich doch auf Pädagogik etwas besser zu verstehen. Es gibt nämllch auch eine Pädagogik von Doll zu Doll. Für diese gilt aber derselbe Grundsatz tote für die Pädagogik von Mensch zu Mensch: man darf nicht abwarten bis der ander« sich bessert, man muß mit der Besserung selber anfangen. — A.S Pädagoge muß man auch etwas von P s y ch o l o g t c verstehen. Unö „Tiefenpsychologie" ist gegenwärtig Trumpf. Nicht mit Anrecht! Aber was da von Queckborn aus an tiefenpsychologischer Deutung der Folgen meines Der- haltens geboten wird, das geyt ja noch well über Freud und Adler hinaus! 3 d) soll es sein, der „die Gegner in ih.em bösen Derhalten gegen uns zu bestärken gre:gnet ist", der wahre Diener an bet 5rieben8ue’ fei Herr Schian! Können Sie das g.auben? Ober verstehe ich den Herrn Pfarrer falsch? Mit freundlichem Gruß Ihr August Messer. SehrgcehrterHerrProfessorDreher! Zu Ihren geschichtlichen Betrachtungen möchte ich nur g r u n ü f ä tz l i ch bemerken, daß auch für den Vertreter der Dotteroersohnung hinsichttich alles Vorangegangenen lediglich leitend sein kann die Idee der ge s ch i ch t l i ch c n Wahrheit. Enticheidend für den ® e i ft der Politik und der Erziehung, also für unsere Stellung zurZukunft, können ober historische Tatsachen alssolchenicht fein, vielmehr ist maßgebend, wie wir sie aus innersten weltanschaulichen Ueberzeugungen, Wertschätzungen und Zielsetzungen heraus Deuten und bewerten. Ihre Weltanschauung nun erweist sich als eine naturalistische durch den Satz, daß „nach uneinigem Gesetz jedes kraftvolle Volt sich ausdehnt in der Richtung des geringsten Widerstände»". Wenig, stens ist da» „naturalisttzch" gedacht, wenn Sie Damit fagen wollen, daß auch das Menschen, und Völker- leben lediglich durch Naturgesetze beherrscht werde und so alles Geschehen, auch die politischen Hand- iungen der Staatsmänner und Völker, noturnot- wendig sich vollziehen. Wenn das aber wirklich Ihre Uederzeugung ist, bann hat es doch eigentlich keinen Sinn mehr, politisches, ja überhaupt menschliches Handeln m o r a • lisch zu bewerten, da alle sittliche Beurteilung die Möglichkeit anderer Entscheidung, also menschliche Freiheit vorausfetzt. Dann hat es auch keinen Sinn, daß wir, wie Sie verlangen, „für Wahrheit und unser gutes Recht" eintreten, denn das wäre ja nur leere .Ideologie"; nie und nirgends gilt dann „R echt" in der Welt, sondern nur Mach t. Mit dieser naturalistischen Grundeinstellung würde in Ucbereinftimmung stehen die grundsätzliche Forde- rung an unsere Politik und Erziehung: Hauptziel beider muß (ein, daß rotr möglichst bald wieder zur Macht gelangen, und dazu ist jedes taugliche Mittel recht. Moralische Bedenken sind dabei völlig auszu- schalten. Ich bin mir wohl bewußt, sehr geehrter Herr Profesior, daß bei der Entscheidung für eine naturalistische oder idealistische Weltanschauung außer« theoretische Faktoren, vor allem Wert schäl- ' z u n g und Glaube, eine Rolle spielen und daß darum logische Beweisführung nicht Ent- scheidendes zu leisten vermag. Beiläufig bemerkt: ob Sic selbst die hier skizzierte naturalistische Weltanschauung voll bewußt vertreten und in allen Punkten als Die Ihre anerkennen, ist für meine Darlegungen nicht von wesent- licher Bedeutung. Nicht fetten trifft man bei Men. schen weltanschauliche Ueberzeugungen, die — genau besehen — nicht miteinander harmonieren. Jeden« falls aber habe ich häufig bei den ausgeprägten Gegnern einer Friedens, und Versöhnungspolitik auch deutlich jene naturalistische Grundeinstellung beobachtet. Damit verbindet sich denn auch in der Regel ein tiefer Unglaube gegenüber „dem Guten" im Menschen und gegenüber der Zukunft. Egoistisches Mad)tstreben beherrscht die einzelnen wie die Völker, und das wird immer so bleiben —• diese Grundauf- fassung dürfte doch auch aus Ihrer Bemerkung sprechen, daß an dem Ringen der Staaten um Macht „fein Kriegsächtungsakt etwas ändern -könne". Auch hier möchte ich freilich wieder fragen, was es für einen Sinn hätte, in einer so ^anz „moralinfreien" Welt „jenseits von gut und bos“ für Wahrheit und Recht" einzutreten?! Ich meinerseits bekenne mich zu einer idealistischen Weltanschauung im Sinn eines Kant und Fichte. Dos schließt nicht aus däs ehrliche Bestreben, den relativen Wahrheitsgehalt Naturwissenschaft, licher Betrachtunqsweise (auch der Menschen und Völker) anzuerkennen. Das schließt aber ein: die Wert, sckätzung von Ideen, auch der Rechts- und Friedensidee und den Glauben, daß in steigendem Maße sich Menschen in allen Völkern vermöge ihrer Freiheit in den Dienst solcher Wertideen stellen werden, um diese Ideen in der Welt immer mehr auch zur Macht zu verhelfen. Dieses Bekenntnis zum Idealismus, zur Freiheit und zur Friedensidee laßt es zugleich als Pflicht erscheinen, bei der sittlichen Bewertung geschichtlicher Vorgänge zu zeigen, wie leider bis jetzt vielfach die moralischen Werte und Normen in der Politik nur als Aushängesch'ld und Maste gedient haben, wie es aber unsere und unserer Nachkommen Aufgabe fei, mit der Anerken- nung des Moralischen auch in der Polttik e r n st zu machen. Dazu werden wir srellich nie kommen, wenn wir nicht auch ernstmachenmltFriedens-und Versöhnungsgei st inderErziehung. Zu diesem aber steht es freilich Im schneidenden Gegensatz, wenn ein Erzieher die Vergangenheit lediglich nach Tatsachen durchsucht, die geeignet sind, unsere sittliche Entrüstung gegen andere Völker xu erregen; wenn er erklärt: „Wir haben nichts zu sühnen, wir haben nichts gutzumachen", wenn er Sätze ausspncht wie den: „Das deutsche Volk wird vor aller Welt wie ein räudiger Hund behandelt, weil es sich feige treten, anspeien und beschuldigen läfct* . Das Bekenntnis zum Idealismus und zur Frie« densidee läßt endlich nicht nur zu, sondern fordert als sittliche Pflicht dasselbe, was Sie, sehr geegter Herr Professor, verlangen: „ein mannhaftes Eintreten für Wahrheit und unser gutes Recht". Die ganz entscheidende Frage — um die sich im Grunde die gesamte Aussorache gedreht hat — V bt nur: w i e und mitwelchenMitteln dieses Eintreten erfolgen soll. Es gibt nur zwei Wege: eine Politik und eine Erziehung, die darauf letzten Endes hinausgebt, durch neuen firieg die alte Machtstellung Deutschlands wieder zu erringen — und die olles Morollscke und alle Friedensversicherungen nur benutzt, diese innere Einstellung aus Macht und Krieg zu verhüllen, solange es nötig scheint. Ober eine Politik und eine Erziehung in ehrlicher Friedensgesinnung, getragen von dem Glauben an eine Bersittlichung auch der Völkerbeüehungen. Ich habe mich für den z w e i t e n Weg entfdyeben, nicht nur, weil er der Weg des deutschen Idealism"s ist, sondern auch, weil ich überzeugt bin. daß der erste zum „Untergang des Abendlandes" führen werde. Mit vorzüglicher Hochachtung August Messe». AuS dem Amisverkündigrrnqsblaii. *DasAmtsverkündigunasblatt Nr.2 vom 11. Januar enthält: Gebühren für die Prüfung von Mineralwasserapparaten. — Allgemeine Stra- ßenverkehrsordnung. — Buchmachergehilfe Sally Loeb. Die gefilmte Krebszelle. Don Dr. Hugo Berliher. Der bekannte dänische Forscher Dr. F i s ch e r hat soeben In der Berliner Universität einen aussehenerregenden Dortrag über die neuesten Ergebnisse der Krebsforschung gehalten. Unser Mitarbeiter, derben Gelehrten auch in seinem Berliner Laboratorium besucht hat, schildert hier die von Fischer beobachteten merkwürdigen Söorgänge im Zellgewebe. Nur ungern übergab der amerikanische Forscher Karret ein Päckchen der Post, das einen Teil seiner Lebensarbeit nach Europa tragen sollte. Das kleine Paket enthielt ein winziges Stück vom Bindegewebe eines Hühnerherzens, einen Haufen Zellen, die Earrel in den fünfzehn Jahren, die er sie gehegt und gepflegt hatte, ähnlich lieb geworden waren, wie einem Gärtner eine besonders gut gelungene Topfpflanze. Das Paket mit dem eigenartigen Inhalt landete in einem kleinen Häuschen, das in Dahlem neben dem Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für Biologie steht, und in dem Dr. Albert Fischer aus Kopenhagen seit drei Jahren die Krebszelle und ihre Lebensbedingungen als Gast der Kaijer- Wilhclm Gesellschaft erforscht. Die zwischen zwei Glasplättchen eingeschlofsene Hühnerzelle fanb dort ein freundliches Heim. Sie wurde immer wieder von einem Nährboden zum anderen verpflanzt, und heute ift sie ungefähr 17 Jahre alt. Das Huhn, dem sie einst angel)orte, zierte wohl längst die Mittagstafel eines amerikanischen Bürgers, aber die Zelle aus dem Herzen lebt noch immer weiter, und anläßlich ihrer 2629. Ueberpflcmzung wurde ihr sogar die Ehre einer kinematographischen Aufnahme zuteil. In dem Laboratorium des stillen Gelehrten, der den Besucher mit weltmännischer Freundlichkeit empfängt und ihm bereitwillig alles zeigt, werden die Lebensäußerungen gesunder und erkrankter Zellen verfolgt, um auf diese Weise der Ursache und dem Wesen der Krebskrankheit auf die Spur zu kommen. Es ist ganz eigenartig, daß sich die Kulturen von Körperzellen ebenso wie die von Bakterien auf geeigneten Nährböden züchten lassen und dort dauernd weiter wachsen. Die Zellen werden entweder in einem Hohlraum zwischen dünnen Glasplättchen eingeschlosien, die man rasch unter das Mikroskop bringen kann, oder man zieht sie in kleinen Kulturgläschen von länglich gebogener Form. Bei gewöhnlicher Temperatur kann man sie einen Monat ruhig ihrem Wachstum überlassen, bei höherer müssen sie jedoch nach zwei bis drei Tagen geteilt und neue Stücke der Zellenkultur auf einen neuen Nährboden überpflanzt werden. Aehn- lich wie nach der Zinseszinsrechnung ein bei Christi Geburt angelegter Pfennig sich inzwischen zu ungeheuren Weltkörpern aus Gold verzinst hätte, so wurde eine Zellenkultur, wenn man sie sich ungestört entwickeln ließe, in wenigen Jahren die Gröhe eines gewaltigen Körpers erteilen. Die Krebsforschung mar in den letzten dreißig Jahren namentlich von der Bakteriologie beeinflußt-, man glaubte, daß ein Erreger die Ursache der Krankheit sei, doch scheint nunmehr bewiesen zu sein, daß dies nicht der Fall ist. Die Behandlung der Krebskrankheit ist bei der Unsicherheit unserer Kenntnifse natürlich noch ganz empirisch. Man kann ihrer Entstehung nicht vorbeugen, weil man nicht weiß, wodurch sie heroorgerufen wird. Es ist nur bekannt, daß die Krebszelle durch chemische, physikalische ober parasitäre Reize entartet ift. Die beschriebene Technik, tierische Gewebezellen außerhalb des lebenden Tieres zu zückten, und der durch Warburg erfolgte Nachweis, oaß — wie bei der Gärung — die Krebszelle ohne Sauerstoff leben könne, Hal der Forschung jedoch eine große Förderung gebracht. Man untersucht im Laboratorium bösartige Zellen aller Art, Hühnersarkom, Ratten- und Mäusecarcinom. Das erste dauernd verpflanzbare Hühnersarkom konnte vor etwa sechs Jahren In Kulturen gezüchtet werden. Preßt man diese Zellen aus, und filtriert bann den Preßsaft, so erhalt man eine Flüssigkeit, die bei Hühnern tödliche Geschwülste erzeugt. Bei dieser Geschwulst sehen wir unter dem Mikroskop zwei verschiedene Zellarten wachsen: einerseits B'.ndegewebszellen, andererseits Wanderzellen, die sich wie Amöben bewegen. Diese Wanderzellen sind die Tröger der bösartigen Eigenschaften, die sie durch Jahre hindurch nicht verlieren. Auch die Zellen der bösartigen Säugetiergeschwülste behalten dauernd ihr« krankmachenden Eigenschaften: feit zwei Jahren ist man in der Lage, diese Zellgruppe ebenfalls unbegrenzt weiter zu züchten. Man konnte an einem solchen „Stamm" von Zellen genau die Wachstumsgeschwindigkeit messen, die mit Schwankungen von nur fünf Prozent dauernd gleich bleibt. Der Nährboden für die Zellen des Mäusekrebses ist ein Gemisch von Ratten- und Hühnerplasma mit Hühnerembryonalextrakt. Es ist nur besonders merkwürdig, daß die Zellen in einem Medium weiter wachsen, das ganz anderen Tieren entnommen ist — von den Mäusen konnte man wegen ihrer Kleinheit nicht genug davon bekommen. Auch der von Mäusen gewonnene „Stamm" ruft bei der Einimpfung in gesunde Tiere stets tödliche Erkrankungen hervor. Alle Beobachtungen sprechen nun dafür, daß diele Todesfälle nicht auf Bakterien au- rückzuführen sind. Wenn die wirkliche Ursache Der Entstehung der ersten Krebszelle in einem Organismus vorläufig nicht bekannt ift, so ist es von betonterer Wichtigkeit zu erfahren, wie sich der Krebs Im Körper ausdehnt. Ist die Krebszelle einmal gebildet worden, so kann der Krankheitsprozetz nicht mehr zum Sttllstand gebracht werden. Das Wachsen der normalen, gefunden Zelle hängt sehr von den sie umspülenden Körperflüssigkeiten oder, im Laboratorium, vom Nährboden und seiner Zusammensetzung ab. Die normale Zelle kann von Plasma und Serum allein nicht leben; sie gedeiht nur dann im Körper, wenn außerdem genügend Nährstoffe vorhanden sind. Die Krebszelle dagegen ist bei der Nahrungssuche anspruchloser und kann ihre Zellensubstanz notfalls allein aus dem Blutserum aufbauen. Gesundes Gewebe gibt an Krebszellen, mit denen es in Berührung kommt, Stoffe ab, die die Wachstumsgeschwindigkeit der Krebszellen beschleunigen. Diese überwuchern alle normalen Gewebe, sind aber andererseits gegen Schädigungen wenig widerstandsfähig und sterben bald ab, nachdem sie ringsum zur Bildung unzähliaer anderer Krebszellen Anlaß gegeben haben. Die kranken Zellen haben auch die Eigenschaft, Eiweiß In seine Bestandteile zu spalten und dadurch in sogenannten proteolytischen Erscheinungen den Nähr- baden zu verflüssigen. Sie wachsen viel rascher als die normalen Zellen im Organismus — nur bei der Wundheilung hat das gesunde Gewebe eine größere Wachstumsgeschwindigkeit. Mit diesen Tatsacken machte Dr. Fischer so- eben in einem großen Vortrag in der Berliner Universität bekannt. Am Schluß seiner Rede hatte er noch eine besondere Ueberraschung vorbereitet: die kinematographische Vorführung des Wachstums gesunder und kranker Z e l le n. Die Aufnahmen waren umgekehrt wie bei der Zeitlupe, durch eine starke Beschleunigung der Geschwindigkett zustande gekommen, also durch eine Art „Zeitraffer . Im Aufnahmeapparat waren durch ein Mikroskop in 60 OOOfad/er Der- tzrößerung — die Zellkulturen vom Filmstreifen in Abständen von 5 bis 120 Sekunden ausgenommen worden, oft in mehrtägiger Arbeit und nun rollte der Film mit einer Geschwindigkeit von 16 Bildern in der Sekunde ab. In der linken unteren Ecke hatte man einen weißen Sekundenzeiaer mit- vhotographiert, der sich mit rasender Geschwindigkeit drehte und so einen Maßstab für die urirkUcye Aufnahme geschwindigkeit gab. Es war ein aufregendes Schauspiel, als man zuerst Stückchen eines Huhnerherzens sah, das, langst vom Tier getrennt, auch noch unter dem Mikroskop rhythmisch zuckte und pulperte. Man sah Zellen verschiedener Tiere, Zellen, die aus der Iris, dem Epithel, der Milz, den Milchdrüsen heraucgeschnitten waren. Sie waren dauernd in starker Bewegung, wuchsen an allen Rändern weiter. An einzelnen Stellen schnürte sich eine große Zelle In der Mitte nb, und plötzlich waren es zwei geworden. Ein ewiger Kampf, ein Schieben, Drängen, Stoßen, Zerren der einzelnen Bestandteile herrschte tri den Kulturen. Manche Zellen dehnten sich plötzlich aus, wurden lange, spindelförmige Gebilde und zerrisien dann In der Mitte. Nur das Auge des Forschers kann das Bild der gesunden von dem der kranken Zelle mtt Mühe unterscheiden. Das lleat daran, daß unsere optischen Hilfsmittel noch nicht scharf genug sind, um die feinen Unterschiede zwischen beiden Arien bemerken zu können. HochschrUnachrichten. Der ordentliche Professor für indogermanische Sprachw.ssenfchaft an der Universität Königsberg Dr. Ernst S i t t i g ist auf seinen Antrag zum 1. April 1929 aus dem preußischen Staatsdienst entlassen worden. Professor Sittig übernimmt den Lehrstuhl für vergleichende Sprachwissenschaft und Sia- w.stik in Tübingen und hat bereits seine Ernennung zum Ordinarius in der Tübinger Philosoph" schen Fakuttät erhalten. Die HO- Mi Lull Ich- bn°s A, Zwecke, der q erft nnt der " Sfej n??.; 2)1 anioato J" (Schuldnern Sie M-lt»-"? Akzepts durch .de sMt dies n'chl strafbar. Aber a laus des Wechsel' ei-er Zuwcderhar des Dechfelsteutt ynperft:ucrte W feite unterzeichnt vornehmen, die anspruch zu verv ebenso feie Schecks - bas ihnen angegebene den ge-ieben wer. Die Wcchselstcuc 0,10 Mk. für je oi Ist in einem unoi lenDe Geldsumme r nach einer Summe Sri Wechseln, die i tag gestellt sind, ei gällig'eit des We und fünf Tage nac auf 0.20 Mark für teil später als ein ein, so erhöht sich 100 Mark. W je zeit der Wechsels, ine-, erhöht sich di 100 Mark der Wo Hamburg.; a I?ür (jjc SS A°i24.Dej bliebe 0 " Allgem. 'i Man berichtet uns Mgmeine Deutsc abhielt, sprach Ct tzugendhnbergen zendwanherungei dahllneingeMih Umfang der Zug 1927 haben 2,5 oendhrrbergen st wgung noch n; ’uerft die Wand hat sich der $t freien vnausha Anregung zum ging aus van \ uerdandrs für Wahrend Im Ä bestanden, n?ui kur-cr Zeit an lmtechcht dem Haut geglieder puppen sind. Itandhaltung dj aus freiwillige Skat, die beitrügt und E, ^gestchts der fr cflörke z wm die verschie Burgen, d * und sich * kleinere f« ma|l einen 1,n- Auch b|t 5 b'ei GriPPe n> tL, «rtziq s“i"A 2$,r|ö5nPra9le'>£. ' ‘äb*3 6,r Zukuch im ,lben - diel» m $01kr, »ss ^LL ä!I "°°°' für Wghr. «TtatftwS -pL- |In litigenbnn |i(j. n vermög ihrer Ei?u ft'W aud) .ut m* 2 * * * * * 8 * 10Sni5Atum w . »ur tmebensibee (öfef«, 2e r Vorgänge zu zeig.», .; worolilchkn Mll! "" 0/5 Mängeln ®« es aber uniert uni ci, mit der fintrfrt. 1 ,n der Politikers 1) nie kommen, wm e'.t mityriedens-llod °derErzjthung.Zu m schneidenden Tegensatz, rrzanyecheit lediglich noch gttiznei hnd, unine siti. mdere M« m erregen; oben nichts zu sühnen, mir 1*, wenn er Lätze auslprti Tolk wird vor aller Welt "handelt, veil es sich feige huldigen läßt'. Idealismus und zur Frie-' fjt nur zu, sondern forieri >be, was Sie, sehr gedrtK en: „ein mannhaftes Giiu unser gute, Acht". 1 Frage - um die sich im soroche gedreht Hal-h' dl chen Mitteln dieser Ml •ge: tint PoE izrtb tire lebten Gnbes hlnausM, Ite Mochtstellunn - und die olles Mvr^' runaen nut benutz, iw Nacht und scheint. Ober eine M chr^chn Friedensgesiml«. üben an eine versittliäM Zweiten Mg rntsch^-ik leo der deutschen fMisnrs h überzeugt bin. daß der erstt beMandes' Men «erb«. sicher -ochochtung Vugust Messer. *» ®rSn* MS ’n »fÄ £ jfeü Slu^n^ Wtz > Forjch"S^"mil fWH ung dH Qr1 säeSsf rÄ‘f«*jS' s,f>* verkündigmsbloii. A*hlQunflfblotl^i‘ Gebühren für bie W ,..lpn L AllgeMine ^DuchMchergehille Aus der pwvinziashauptstadt. Gießen, den 12, Januar 1929. Oie Wechselsteuer. Es besteht Veranlassung. die Aussteller von Wechseln, sowie alle übrigen an dem Umlauf von Wechseln Beteiligten auf die Bestimmungen deS Wechselsteuergesetzes vom 10. August 1923. daS wiederholt — ztckeht durch das Gesetz vom IO. August 1925 geändert ist, hinzuweisen. Aach § 5 Abs 1 diese- Gesetzes entsteht die Steuerschuld in dem Zeitpunkt, in dem ein inländischer Wechsel von dem Aussteller, ein Blankoakzept von dem Akzeptanten, ein ausländischer Wechsel von dem ersten inländischen Inhaber aus den Händen gegeben wird. Grundsätzlich ist hiernach ein inländischer Wechsel von dem Aussteller zu versteuern, ehe er ihn in Verkehr bringt. Rur bei der Ucbcrfenbung zum Zwecke der Annahme entsteht die Steuerschuld erst mit der "Rückgabe der anderweiten Aushändigung des Wechsels durch den Akzeptanten, sofern nicht der Wechsel bereits mit einem inländischen Indossement versehen ist. Bei Blankoakzepten, die häufig von den Kunden (Schuldnern) den Lieferanten (Gläubigern) zum Zahlungsausgleich übersandt werden, hat die Versteuerung bei der Inverkehrsehung des Akzepts durch den Akzeptanten zu erfolgen. Geschieht dies nicht, so macht sich der Akzeptant strafbar. Aber auch die übrigen, an dem Umlauf des Wechselakzeptes Beteiligten machen sich einer Zuwiderhandlung grgen die Bestimmungen des Mechsttsteuergesetzes schuldig, wenn sie das unversteuerte Akzept auf der Vorder- oder Rückseite unterzeichnen, oder sonstige Handlungen vornehmen, die geeignet sind, den Wechselanspruch zu verwirklichen. Ebenso wie Wechsel sind die vordatierten Schecks — bas sind Schecks, die vor dem auf ihnen angegebenen Ausstellungstag aus den Händen geneben werden — zu versteuern. Die Wechselsteuer beträgt nach §8 des Gesetzes 0,10 Mk. für je volle oder angefangene 100 Mark. Hst in einem unvollständigen Wechsel die zu zahlende Geldsumme nicht angegeben, so ist die Steuer nach einer Summe von 10 000 Mk. zu berechnen. Bei Wechseln, die auf einen bestimmten Zahlungs« tag gestellt find, erhöht sich die Steuer, wenn die Fälligkeit des Wechsels später als drei Monate und fünf Tage nach dem Ausstellungstage eintritt, auf 0,20 Mark für je 100 Mark. Tritt die Fälligkeit später als ein Jahr nach dem Ausstellungstag ein, so erhöht sich die Steuer auf 0,30 Mk. für je 100 Mark. Für je weitere sechs Monate der Laufzeit des Wechsels oder einen Teil dieses Zeitraumes, erhöht sich die Steuer um je 0,10 Mk. für je 100 Mark der Wechselsumme. •* Allgem. Deutscher Frauenverein. Man berichtet uns: In der ersten Sitzung, die der Allgemeine Deutsche Frauenverein im neuen Jahre «bhielt, sprach Studienrat Dr. Flörke über „Die Jugendherbergen und ihre Bedeutung für die Ju- jlendwanderungen". Der Vortragende führte aus, laß Uneingeweihte sich kaum einen Begriff von dem Umfang der Jugendwanderungen machen; im Jahre 1927 haben 2,5 Millionen Uebernachtungen in Ju- «endhrrbergen stattgefunden. Und doch ist diese Bergung noch nicht alt. Seitdem vor dem Kriege ,'uerst die Wanderoöögcl in die Tlatur hinauezogen, lat sich der Drang nach gesunder Bewegung im treten unaufhaltsam weiter entwickelt. Die erste Anregung 3um Bau von geeigneten Jugendheimen qina aus von dem jetzigen Vorsitzenden des Reichsverbandes für Jugendherbergen, Schirrmann. Während Im Jahre 1913 nur 83 solcher Unterkünste bestanden, wuchs ihre Zahl nach dem Kriege in [ur*er Zeit auf mehr als 2000 an. Ihre Leitung mtcrstcht dem Reichsoerband; er ist in einzelne Saue gegliedert, deren Unterabteilungen die Ortsgruppen 'sind. Die Mittel zum Bau und zur In- ilandhaltung dieser Herbergen stammten anfänglich aus freiwilligen Beiträgen. Heute gibt sie der Ztaat, die Provinz und die Gemeinde; Mitgliedsbeiträge und Stiftungen spielen keine große Rolle angesichts der zu bewältigenden Aufgaben. — Dr. Flörke zeigte alsdann in schönen Lichtbil- bern die verschiedenen Arten von Jugendherbergen, alte Burgen, die mit großen Kosten ausgebaut vurden und sich deshalb als wenig zweckmäßig en Diesen, kleinere und größere Neu- oder Umbauten, bic meist einen sehr anheimelnden Eindruck mach- ien. Auch die Inneneinrichtungen wurden imLicht- bild gezeigt: Schlaf- und Tagesräume, die verschiedenen Arten der Waschgelegenheiten, sowie die Küchen, in denen saft immer Gelegenheit zu eigener Essenszubereitung geboten ist. Auch die Gießener Jugendherberge wurde gezeigt. So gewannen die Zuhörerinnen ein anschauliches Bild dieser Bewegung, die nicht nur die Körper der Heranwachsenden kräftigt, sondern auch den Gemeinschaftssinn stärkt, und die jungen Menschen lehrt, Rücksicht auf andere zu nehmen durch das Jnstandsetzen der benutzten Räume. Man erhielt einen anregenden Einblick in die große und dankenswerte Arbeit, die auf diesem Gebiet in der Zeit von Deutschlands schwerster Rot geleistet worden ist. Die Vorsitzende erfordert des Vereins, Frau Minna Naumann, sprach Dr. Flörke im Namen der Zuhörerinnen herzlichen Dank aus. N. M. •• 'S) i c erste Ruberfahrt 1 929 der G. R. G. 1877. Man berichtet uns: Das prachtvoll klare und sonnige Winterwet.^r am Reu- jahrstage veranlaßte eine Anzahl sportbegeisterter junger Ruderer der Gießener Rudrr-Gesrll- schast 1877, die im Winterschlaf ruhenden Boote hervorzuholen, um eine Rruja^rS ahrt nach der Badenburg zu unternehmen. Die von den letzten Regenfällen noch hochgehende Lahn machte die Arbeit nicht leicht; man mußte sich kräftig in die Ruder legen, um ' gegen bic- starke Strömung anzukommen. Die kahlen User boten dem an das sommerliche Grün gewöhnten Auge einen sonderbaren Anblick. Aber immer gleich schön und erhaben war der jederzeit fesselnde Anblick unseres alten Wahr eichens, bet Burg Gleiberg, deren Bergfried trotzig in die klare Winterluft hineinragte. Vorbei ging es an manch vertrautem Plätzchen, unter der Wißma.er Drücke hindurch, dem Ziele, der Badenburg. zu. Bald war man nach der erfrischenden Fahrt am Fuße der Ruine angelangt, ein geeigneter Landeplah war bald gefunden und hinauf ging es in die gastliche Burg. In dem kleinen Gastzimmer erholte man sich bald von den Anstrengungen, ein Grammophon bemühte sich redlich mit einigen Märschen und Sch.agern um den musikalischen Teil. Aber selbst der sonnigste und klarste Wintertag neigte sich bald seinem Ende zu, man mußte allmählich wieder zuv Heimfahrt rüsten. Von der Burgruine genoß man noch einen letzten Blick auf das rauschende Wehr zu Füßen, die Silhouette des Gleibergs grüßte uns aus der Ferne. Bezaubernd schön wat das Lahntal in der untergebenden Wintersonne. Schne.l wurden noch zur Erinnerung an diese schone Fahrt einige Aufnahmen gemacht, der Steuermann stärkte sich noch einmal zur Erwärmung, und hinunter ging es wieder zum Boot. Bald war alles zur Abfahrt klar. In flotter Fahrt schoß das Boot dahin, durch die Sttomschn^len hindurch dem heimatlichen Hafen zu. Run ruht es ttüeber aus von dieser ersten Fahrt 1929 und wartet darauf, bis die Zrühlingssonne es wieder zu neuen Fahrten er» weckt. Hoffentlich wird eS bald sein. Das Ruder- jahr 1929 ist mit dieser ReujahrSfahrt eröffnet, möge es viele diesem edlen, gefunden Sport zuführen zum Besten unseres lieben deutschen Vaterlandes. W. M. Zeitungsverleger Ferdinand Koch t- WSN. Kassel, 11.Januar. Die „Kasseler Neue st en Nachrichten" haben einen schweren Verlust erlitten. Zeitungsverleger Ferdinand Koch ist heute vormittag gegen 10.45 Uhr plötzlich im Verlagsgebäude einem Gehirnschlag erlegen. Verleger Koch, der im Oktober seinen 60. Geburtstag begehen konnte, war heute morgen gegen 10.30 Uhr in sein Bureau gekommen, um seine täglichen geschäftlichen Obliegenheiten zu erfüllen. Als seine Privatsekretärin mit der Post das Zimmer betrat, fand sie Herrn Stod) am Schreibtisch im Mantel in sich zusammengesunken sitzen. Er war von einem Gehirnschlag überraschend betroffen worden. Rundfunkprogramm. Sonntag, 13. Januar. 8.30 bis 9,30: Katholische Morgenfeier. 10,30 bis 11,30: Rundfunk- . e, or. age: „Mit dem Mikrophon im Launus-Observatottum'. 11,30 bis 12: Cltcmstunde. 12: Bruckner-Zyklus IV: Vierte Sinfonie in Es^ur (Romantische). 13,10 bis 13,40; Von Kassel: Stunde der Jugendbewrgung: „Tie geistige Rotlage der Iug.nd', Vortrag von Lic. Erich S.ange. 15,15 bis 16,15: Stunde der Iugend. 16,15 bis 17: Stunde des Landes. 17 bis 18: Konzert drs Rundfuntorchesters. 18 bis 18,30: Von Königswusterhaufen: Vortragszyklus „Gedanken zur Zeit": „Rotwendigleit und Geist der neuen Strafrechtsreform", Vortrag von Geh. Rat Prof. D. Dr. Kahl, 18,30 bis 19.15: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung. 19,15 bis 19,30: Spottnachrichten. 19,30 bis 20,30: Preisvcrteilung im stenographischen Wettbewerb. 20,30: Ko:rzett des Rundfunkorchesters. Anschließend bis 0,30: Tanzmusik. Montag, 14. Januar. 6,30: Morgengymnastik. 12,30 bis 13,30: Schall- platten-Konzert. Buntes Programm. 15,05 bis 1535: Stunde der Iugend. 15.55 bis 16,05: Haus- frauenbienft. 16,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 13,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 19: Probleme der Iugend- fürsorge: „Jugendfürsorge auf dem Lande", Vortrag von August Dettsche, bisher Direktor des Kreiswohlfahttsamtes in Montabaur. 19 bis 19,30: Schachstunde. 19,30 bis 19,45: Englische Litcrctturprobcn. 19,45 bis 20,15: Englischer Sprachunterricht. 20,15 bis 21,45: Von Stuttgart: Märsche einst und jetzt. Dienstag. 15. Januar. 6,30: Morgengymnastik. 13,30 bis 14,30: Schall- Platten-Konzert: „Ungarische Musik". 15,05 bis 15,35: Stunde der Iugend. 15.55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 17: Lesestunde. 17 bis 18,30: Rach Köln: Konzert des Rundfunkorchesters: Französissche Opernmusik. 18,45 bis 19: Von Kassel: Fünfzehn Minuten Ratschläge für Mutter und Kind. 19 bis 19.30; Funkhochschule: „Ueber Hypnotismus", Vottrag von Sanitätsrat Dr. Fulda. 19,30: Vom Frankfurter Opernhaus: „Othello", Oper von Verdi. Anschließend: Don Kassel: Orchestertonz:tt. Mittwoch. 16. Januar. 6,30: Morgengymnastik. 12,45 bis 13,15: Schulfunk: Englisch. 13,15 bis 14,15: Schallplatten- Konzert: Orchesterlonzett. 15,05 bis 15,35: Stunde der Iugend. 15,55 vis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 18,05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Opercttenmusik. 18,10 bis 18,30: Bücherstunde. 18,30 bis 19: Don Kassel: Vortrag. 19 bis 19,15: Senckenburg-Viettelstunde. Meeressäugetier? III“, Vorttaz von Dr. R. Mertens. 19,15 bis 19,30: Französische Literatur- Proben. 19,30 bis 20: Französischer Sprachunterricht. 20 bis 21,15: »Demetrius", von Schiller. 21,15: Tüttischer Abend: 1. Rach Stuttgart: Musikalischer Teil, 2. Don Stuttgart: Literattscher Teil. Donnerstag, 17. Januar. 6.30: Morgengymnastik. 12.30 bis 13,30: Schall- Platten-Konzett: Volkstümliches Programm. 15,05 bis 15,33: Stunde der Iugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 19: Stunde des Süd- westdeutschen Radio-Elubs. 19 bis 19.30: Stenographischer Fortbildungskursus. für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 60 Silben aufwärts). 20 bis 21: Von Stuttgart: „Versiegelt", komische Oper in einem Akt nach Rauppach, von R. Datka und PordeS Milo, Musik von Leo Blech. 21: Reue Rundsunk-Musik. 21 bis 21,10: Aus alle Stationen, ausgenommen München: „Komwnisten- Aufträge des Rundfunks', Vo.traz von Dr. Hans Flesch, Frankfurt. 21,10: Von Breslau: Uraufführung: Kleine Suite für Kammerorchester (dem Breslauer Sender gewidmet) von Franz Schrecker. Freitag, 18. Januar. 6.30: Morgengymnastik. 12 bis 13: Schall- Platten-Konzett: „Iohann. Iosef, Richard Strauß". 15,05 bis 15,33: Stunde der Iugeno. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 17,35: Hausfrauen-Rachmittag, veranstaltet vom Frankfutter HauSsrauenverein. 17,35 bis 18,05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 19: Vom Mannheimer Besprechungsraum: „Grvhgemeinde oder Zweckverband — eine kommunal-politische Studie", Vottrag von Dr. Cahn-Garnier, Beigeordnetem der Stadt Mannheim. 19 bis 19,20. Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19,20 bis 19,30: Film-Wochenschau. 19,30: Dom großen Saal des Saalbaue- (Rach Stuttgart): Konzert der Museumsgesellschaft. Anschließend: Von Kassel: „Sermon der alten Weiber. Hörspiel von Waldfried Burggraf. Samstag, 19. Januar. 6,30; Morgengymnastik 12,45 bis 13,15: Schulfunk: Französisch. 13,15 bis 14,15; Mittugs- konzett des Rundfunkorchesters 15: Beria;. 1. die Schneeverhältnisse. 15.05 bis 15.35: Stunde der Iugend. 15,55 bis 16,05: Hausfrauendienst. 16,35 bis 18,05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters: Reue Tanzmusik. 13,10 bis 18,30: Leseslunde. 18,45 bis 19,15: Esperanto- Unterricht. 19,15 bis 19,45: Stunde des Kultur- kattells der modernen Arbeiterbewegung: „Frei- geistige Weltanschauung", Vottrag von Sekretär Riegel. 19,45 bis 20,15: Sttnrde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Bourneville in England, die Fabttk im Gatten", Vottrag von Karl Otto Windecker. 20,15: Bunter Abend. Gewionauszug 4. Klaffe 32. Preußisch-Süddeutsche (258. Preuß.) Klasjen-Lollene Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich Hobe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 1. Ziehungstag 11. Januar 1929 In der Vormittagsziebung wurden Gewinne übet 15U M. gezogen 2 Gewinn« IU 5000 W. 369276 2 Gewinne >u 3000 M. 50209 2 Gewinne tu 2000 W. 325917 2 Gewinne ju 1000 M. 17047 8 Gewinne au 800 M 909 87819 208025 237555 20 Gewinne ,u 500 -N. 6921 45019 64737 95102 251519 293951 312220 343026 348518 363750 78 Gewinne,n 400 Vl. 6509 18791 18861 19265 29001 31320 33841 69249 69732 85159 93970 115062 127934 150792 163832 173032 181230 183305 184977 187627 198525 208420 211639 252300 265701 266320 277006 2803)6 281549 309188 312429 319708 328212 346806 352705 353127 366814 369943 399812 278 Gewinn. ,» 300 M 799 7000 13979 15954 18466 19591 19813 20785 28121 32415 40348 41961 43159 43697 44716 60349 50817 62891 54078 66168 65430 65803 56984 69717 73322 74551 76596 76171 77337 77626 82714 83688 84443 86913 93668 95079 95837 064.33 99421 109105 113481 114377 116479 117210 117457 118074 120613 121298 124886 133208 133287 138921 140208 142206 144236 150511 1672'8 157385 158431 160038 160472 163967 165459 166262 166568 168666 172307 173025 175M3 178378 178464 181142 186424 187037 188846 189986 1 S.3246 195776 197064 199113 209939 211116 211768 213738 214765 215052 216489 216281 223704 223972 229425 229960 231280 241526 244792 249924 250568 251989 260:u8 261617 267856 269293 271304 272800 27424g 276843 28.9585 291979 297368 298'81 299'79 301063 302912 305282 319906 322159 324.639 326044 326647 333897 341779 347664 349631 351746 357257 365127 366658 366747 371711 373190 374943 376064 378962 379670 384797 39OH32 392583 397154 398809 In der Nachmittagsziebung wurden Gewinn« über ISO M. gezogen 2 Gewinne »o 60000 M. 374596 2 Gewinne ,u 3000 M. 24979 4 Gewinne au 2000 M. 204185 329793 4 Gewinne >u 1000 M. 8153 229132 10 Gewinne ,u 800 M. 48080 237497 271183 299521 355708 28 Gewinne ,u 800 M. 6646 43548 94219 134y36 147092 206461 206571 2I5870 223165 232738 266693 287961 307192 382974 120 Gewinne 400 M 63:44 23057 25734 26874 36274 47091 48891 60143 66680 68768 63410 68410 68864 69273 71974 76001 76146 80766 82091 88513 90802 91630 91698 I03964 118502 128701 135169 138814 146513 149473 15(1895 158829 177724 180279 181368 187546 19'138 191912 192616 19284 9 I94MH4 20.3082 212694 235610 238728 267761 278970 285510 297629 30'840 301968 311441 324269 329086 333973 348911 369788 371849 479141 389274 208 Gewinne *u 300 M. 7501 20639 27698 30861 3761I 48692 40563 41217 44991 45073 50599 53709 65426 75533 76718 77620 81873 86061 87730 88693 «9963 98268 99656 100.125 100837 103599 104293 104588 I18795 119'85 119954 120218 13000? 131390 132371 142408 142611 145688 147060 149196 149876 152093 152'28 152999 157267 157613 174733 I75360 178826 183629 184986 185367 187402 190094 192392 196608 202977 204495 205606 1I5659 2'9278 235463 240637 244653 24496t) 248428 249 <30 280126 262311 266495 269899 275'295 276442 293973 304181 309993 310784 914090 320374 322226 325318 329454 330307 33'233 331417 331553 33266' 333492 34681? 346976 359440 359828 361154 368636 36682? 37639? 383161 384468 386572 387621 396574 397184 397705 398973 Auch in Ihren Apparat gehören J0137V HUF die bekannten VALVO -Röhren! 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Auto- und Fahrradindustrie Otto Göbel, Gießen berger Weg 24 Lichtbilder Vortrag Oie Freie Schneiberinnung Gießen Deren« stattet am 15. Januar d. I., abends 8 Uhr, im Saale des Hotels Hindenburg einen interessanten und lehrreichen Dortrag, wozu alle Kollegen und Kolleginnen nebst Angehörigen sowie Interessenten freundlichst eingeladen werden. Thema: £L S. A. 9 Jahre im Strudel des amerikanischen Lebens usw. Eintritt frei 3770 Eintritt frei Cafe Astoria Heule Tanz-Abend Vortrags-Vereinigung (Goethe-Bund, Kaufmännisch. Verein, Ortsgewerbeverein) Montag, den 14. Januar 1929, abends 8 Uhr Neue Aula der Universität: Lichtbilder-Vortrag Der Bodensee Rednerin: Frau Emma Kottmann-Stuttgart «Die ülltg'leder der drei anresehlossenen Vereine hiben ois zu zwei Platzen Ire.en Eintritt liegen Vorzeigen der gelben Kint rittNkarte. 2izu Die Ausgabe dieser gel "en und allein fülligen Eintritts kart, n erfolgt unent- e’.tlich gegen Bftekgabe des Kontroll- abschnitls Nr. 6 In der Mnslkallentiand.nnD Ckallier. NicaimtlHlieder• Karlen an der Abendkasse zu Mk. 2.- Hotel Schütz Morgen Sonntag, den 13. Januar von 4% Uhr bis 7 Uhr: Kreppei- _____ 4UUD Fünf-Uhr-Tee Der erste Me Transport! Ermeländar il oslpreablsche Pferde stehen ab Mittwodi, den 16. lannar einzeln und paarwrse zum kommissionsweisen Verkauf und Tausch In unseren Stallungen ^en- Ober dem Blebertalbahnhol 09341 Dehr.Isenher6.TeleDhon862 Gießener Konzertverein Donnerstag, den 17. Januar 1929, abends 77, Uhr, im Staditneater Sechstes Konzert Symphonie-Konzert des Frankfurter Symphonie-Orchesters Leitung: Dr. St Temesvary / Solls : Martna Linz (Violine) Mendelsohn Ouvertüre „Die Hebriden", Goldmark Violin konzeft Branms zwe.le Symphonie D-Dur Eintrittskarten: Mk. 5.-, 4.- und 2.50 bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten: Mk. 1.50 Erstaunliche Svetzlust beste Futterausnutzung Sch« nur ml» daher Ichnelle Mast bewirkt nur eine phystolo. glich vollkommene, jod» baluge ALHrfalz- Mischung wie »Zwerg Martes Lorstcht beim Einkauf! V.Vl0lllllliM°LL°.M Gebrauchter, feuersicherer, größerer Kaffen- jVüch er) Schrank zu kaufen gesucht. Schriftliche Angebote unter 381D aa den Gießener Anzeiger erdete«. Gesangverein Harmonie - Gemütlichkeit gegründet 1846 Samstag, 19. Januar 1929, abends 8 Uhr 11 Minuten Grosser Maskenball in sämtlichen Räumen der liebigsböhe Prämiierung der schönsten Masken Ueberraschungen aller Art Eintrittspreise: Herrenkarte Mk. 2. — ; Damenkarte Mk. 1.50 Vorverkauf: Herrenkarten bei Friseur Da n y. Bahnhoistr.64 und i.d.ZigarrengeschättenSon n tag.Schulstr u. Seltersweg; Damenkarten im Modehaus SaI omon. Schulstr.. Modehaus Carl Nowack, Seltersweg, im Kaufhaus Eisofter, Markts«, und an der Abendkasse. ................. Dir dank 5» mir Antworten ein M Lebens u «na näheren verfemen. D werden, nicht, e ausgezricknel ms im Sinne auf Mer uni lich, lesenLwe gröberen Ätci Das ö-e ist das starte wohl bei mäi besonders den allerdings seh ausgegangen Das t Mas wollt ihr 8tua man uns sJa. |Q, 2u lieb jedoch bevor! Sollst Lu auc Doch nett war «B Du mal ?ls wie dieses Doch nun Mi - • Me Kindei co daß ich gen Ke plaudern 1 glicht ihr P ft damit nur i« ins gri L '"t man 5>e man hütet “"“isWrne S" Spiel.«8, Sie ffloW führt Rimmer ßobe ich i), 2mQ5''ld,0n 0 SHWtae id ä5.Mrev L"!tz>mil AW. ® K will sie |;t, iS« Z^b'irverde Unb' Ait 5- ?.an >k N »fiter W di Eleiik'.g UP; Mer U; Kiligund^ Ä treulichere »ablenmayiö' Tsuch sehr nen sind. Dei einem 1 Mellen: die schon angedeu zulveisen. & etwas mW M klemm - beantoortd, wenige' Aus als Heirats einer wohl sSi s» ü ’ < ^’Ntii rt. ist 8 robe frei 09300 iMeitii yrohen $örjaal den Abend frei! rr Verlobung in Aufmeiksamkeiien ichsten Dank aus MP stiel F 1929 »TD W. n idlWW lönsten Masken en aller Art k x-; D«n>enk«ieMk-ia n.nv Bahnhoistf^ Nr 10 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Samstag, 12. Zamiar (929 Was wollt Ihr werden ? Die Ergebnisse unserer Weihnachts-Preisaufgobe 1928. 2hm ist die Schlacht geschlagen, der große Drie,stapel von A bu 3 durchgelesen. die Pr-eis- verteilu-g unter gewissenhafter Verücklichtigang von Alter und G schlecht jedes Einsenders geregelt. Wir sind mit dem Ergebnis unseres jüngsten Preisausschreibens, das diesmal ganz von den althergebrachten PreisrLtsel-Weihr.achts- bräuchen abwich, recht zuft jeden; zwar hätte die Beteiligung noch stärier sein rönnen, zumal unter den Lasern und Leserinnen in dec Stadt, und besonders auch in den Lebeirsaltern, die sich der festgesetzten oberen Grenze von 18 Jahren irahern —. ater alles in allem ist die Beteiligung er- freulicherweise so ausgefallen, daß sowohl rein zahlenmäßig, wie auch sachlich für einen ersten Versuch sehr hübsche Resultate zu verzeichnen sind. Bei einem Ueberblick ist zunächst folgendes festzustellen: die stärkste Beteiligung haben, wie schon angedeutet, die ländlichen Leserbezirke auf- zuweisen. Dabei sind die Knaben im ganzen etwas in der lieberzahl, doch liegt auch eine stattliche Anzahl bemerkenswerte Einsendungen von kleinen Mädchen und jungen Damen vor. Fast alle haben unsere Frage so verstanden und beantwortet, wie wir es erwartet haben: ganz wenige Ausnahmen, wobei die Beantwortung als Heiratswunsch oder politischer Stoßseufzer einer wohl nicht mehr ganz teilncchmeberech- tigten höheren Instanz frisiert wurde, schufen Wwechslung und Erheiterung. Was die eigentliche Berufswahl angeht, so ist das starke Heberwieqen des Lehrberufes sowohl bei männlichen wie weiblichen Einsendern besonders bemerkenswert. Die Begründung ist allerdings sehr unterschiedlich, oft recht lustig und gottlob fast immer ganz kindlich. Im übrigen ist jedoch bei aller Jugendlichkeit in den meisten Antworten ein ausgeprägter Sinn für den Ernst des Lebens und die sehr realen Forderungen einer näheren oder ferneren Zukunft nicht zu verkennen. Wir glauben, daß die im Folgenden abgedruckten Antworten auch davon ein Bild geben werden. Leider gestattet der verfügbare Raum nicht, eine noch größere Anzahl v. n Einsendung zu veröffentlichen: die unten folgenden Cinseirdungen sind sämtlich mit einem Preise ausgezeichnet worden. Jede von ihnen erschien uns im Sinne der Ausschreibung und im Hinblick auf Alter und Geschlecht des Einsenders beachtlich, lesenswert und anregend auch für einen größeren Kreis, als ihn das Pxeisrichterkollegium darstellte. Wir danken zum Schluß allen Teilnehmern herzlich für die rege Beteiligung am Preisausschreiben und vertrösten alle, die diesmal leer ausgegangen sind, auf das nächstem«!. Das wollen wir werden: „Was wollt ihr werden?", Frug man uns jugendliche Zeitungserben. Ja, ja, Du liebe Redaktion, Mit sechzehn Jahren weih man das schon. Jedoch bevor ich Dir's werd' sagen, Sollst Du auch einmal ein bißchen raten. Hast's uns ja auch nicht so leicht gemacht: denn es heißt, tüchtig nachgedacht. Doch nett war's von Dir und originell, Daß Du mal was anderes brachtest zur Stell' Als wie dieses ewige Rätselraten. Doch nun will von mir ich Dir schnell was verraten — ... Alle Kinderlein hab' ich so lieb. So daß ich gern immer bei solchen blieb. Wie plaudern und lachen sie so viel, Nie steht ihr Plappermäulchen still. Und damit nun mein größter Wunsch wird wahr, Geh ich ins Fröbel-Seminar. Da lernt man alles so gründlich und fein. Wie man hütet und pflegt die Kinderlein. Und des Morgens kommt ins Seminar Zum Spielen eine große Kmderschar. Wie wohl fühlt man sich unter den Kleinen, die sich immer freuen, ober auch mal meinen. — Und habe ich dereinst mein Examen gemacht, Ich hab' schon gar viel drüber nachgedacht. Dann widme ich mich ganz den Kleinen, Sei es in Freud', sei es in Peinen, Sei's in Familie oder Kindergarten, Ganz gleich, wo ich die Kleinen kann warten. Ich will sie hegen und will sie pflegen, Abends ins reine Bettchen sie legen. Koch ihnen die Süppchen, Kleid' sie wie die Püppchen, Und lehr' sie ganz fein, Wie artig ein jedes Kind muß fein. Doch, ich glaube, die Praxis ist gar nicht so leicht, Wie's in der Theorie erscheint. Doch fest glaub' ich, wer tapfer geht voran. Der wohl fein Ziel nicht versäumen kann. Ein gar schöner Lohn dünkt's mir zu fein, Etwas zu werden den Kinderlein--- Sagt, ob Euch mein Beruf gefällt, Und wie man ihn mit Namen nennt, Mit „K" fänyt's an, mit „n" hört's auf, Das Ganze etn Fünfsilbenlauf. Doch weiter will ich gar nichts sagen: Das soll die Redaktion erraten*. Gertrud Mertgen, Gießen, 16 Jahre. • Indem ich das Preisausschreiben der Redaktion des „Gießener Anzeigers" gelesen, teile ich mit, daß ich mich entschlossen habe, eine Schneiderin zu werden. Diesen Beruf habe ich mir selbst gewählt. Es würde mir späterhin große Freude bereiten, schöne Kleider anzufertigen. Ich habe schon etlichemal in Frankfurt, auch in Gießen die modernen Damen- Keiber ausgestellt gesehen, wodurch ich großes Wohlgefallen an diesem Beruf bekam. Auch lese ich alle Abend den „Gießener Anzeiger", ob nicht eine passende Stellung auf Ostern ausgeschrieben ist. An Ostern 1929 werde ich mit dem 14. Lebensjahr aus der hiesigen Volksschule entlassen, wo ich dann gern bereit bin, in Gießen eine solche Stelle anzutreten und dann was Ordentliches lernen will, um späterhin ein selbständiges Geschäft zu führen. Marie Haas, Steinbach bei Gießen, 13 Jahre. * Die Redaktion hat's geraten: Kindergärtnerin! Lieber Zeitungsonkel! Ich habe Dein Wcihnachtchsrätfel in der Zeitung gelesen. Du möchtest gern wissen, was ich werden will, wenn ich aus der Schule komme. Ich gebe ein Bauernmädchen, dann kann ich, roerr ich groß bin, meiner lieben Mutter in Haus und H. j und im Galten und Feld helfen. Wenn ich Ferien bekomme, kann ich jetzt schon helfen. Ich gehe das erste Jahr in die Schule und werde im April 7 Jahre alt. Viele, viele Grüße schickt Dir die kleine Lilli Keßler aus Lang-Göns. * Lieber Zeitungsmann! Ich will erst Lehrerin und dann Mama werden. Vater sagt zwar, man müßte erst viel lernen, dis man Lehrerin wird, der ist nämlich auch ein Lehrer, aber lernen tu ich gern, und da kann ich als später Schule halten und den frechen Kindern Ohrfeigen geben. Arrest gebe ich nicht, sonst muß ich ja selber auch in der Schule bleiben. Aber an den Ohren ziehen und auch Ohrfeigen geben, das tu ich, und die dürfen sich auch nicht wehren, ich bin doch die Lehrerin, das darf ich, u d die waren ja auch erst frech. Den Braven bin ich gut, wenn die Geburtstag haben, schenke ich ihnen was. Mein Lehrer hat mir mal ein Röschen angesteckt, das mach ich auch. Und aanz später werde ich mal eine Mama und krieg Kinder, richtige Kinder wie ich, wie ich noch klein war, nicht bloß immer so Puppenkinder, und einen Papa krieg ich auch was für einen, das weiß ich noch nicht, aber ein Auto muß er haben. Elfe Michel, Wiefeck, 7 Jahre. * Zu Eurer Weihnattespreisaufgabe 1928 möchte auch ich mich beteiligen. Da ich die Tochter eines Bauunternehmers bin, habe ich den Wunsch, meinem Vater im Geschäft so weit als möglich zu helfen. Zu diesem Zweck möchte ich Bureaufräulein und Innenarchitektin werden. Als solche kann ich die Lohnrechnungen, Buchhaltung und den Briefwechsel erledigen, ohne daß ein Fremder dabei Ein- sicht hat. Als Innenarchitektin will ich den Bau- lustigen moderne Zimmereinrichtungen zeichnen, da die Männer im allnemeinen die Zimmer nicht so schön einridjten können als die Frauen. Die Zeichnung für das artfjere Gebäude kann mein Bruder als Bautechniker, und die Ausführungen mein Vater als Bauunternehmer besorgen. Wenn mein Großvater Polier wird, so können wir mit der ganzen Familie ein Baugeschäft betreiben. Emmi Menz, Dillenburg, 11 Jahre. * Um die Preisangabe vom 24. Dezember zu beantworten, brauche ich mich nicht zu besinnen. Am liebsten möchte ich Hausfrau und Mutter werden. Hausfrau möchte ich werden, weil ich an meiner Mutter sehe, daß man es dann sehr gut hat. Ich kann dann alles tun, was mir gerade gefällt. Ich kann auch immer das kochen, wonach ich Luft habe. Mutter fein, denke ich mir noch viel schöner. Ich kann dann mit den kleinen Kindern noch viel schöner spielen als bisher mit meinen Puppen. Das denke ich mir sehr schön. Das ist ja noch sehr lange, und bis dahin muß ich noch sehr viel lernen und sehr fleißig sein. Das will ich denn auch tun. Rosemarie Eisbein, Fellingshausen, 11 Jahre. * Ich möchte gern Bäcker werden. Ein tüchtiger Bäcker hat immer Arbeit, denn gegessen muß werden. Der Bäcker, welcher unser Brot bringt, hat immer viel Geld. Ich knete auch gern Teig. Und dann esse ich gern Zuckerwecke, Mürbes und Torten. Mit vielen Grüßen Walter Braun, Effolderbach, 8 Jahre. * Ich bin 13 Jahre alt und habe den Wunsch, L a n d w i r t zu werden. Mein Vater war Landwirt und wurde 1918 vermißt. Da ich nur noch eine Schwester habe, so will ich unsere Landwirtschaft weiterführen. Ich habe schon einige Jahre in der Landwirtschaft mitgeholfen und immer Freude und Spaß daran gehabt, besonders wenn ich vor der Ernte in das Feld gehe und sehe das Hin- und Herwogen des Getreides. Beim Fruchtabmachen habe ich schon viel mit dem Reff geholfen, wenn es dabei auch manchmal in die Erde ging. Eine besondere Freude macht es mir, wenn ich mitfahren darf, wenn wir mit Heu und Stroh nadi Gießen fahren. Da sitze ich dann gemütlich auf dem Wagen und betrachte mir, wie die Sonne allmählich im Osten höher und höher steigt. Es freut mich sehr, wenn ich mit den Pferden im Galopp ins Feld fahren darf und mit der Peitsche knallen kann. Oder wenn im Sommer unsere Pferde zur Tränke geritten werden, und ich auch ein Pferd ausreiten kann. Ich habe den Landwirt als meinen künftigen Beruf gewählt, weil ich ihn für den gesündesten halte. Im Sommer, wenn mir im Felde arbeiten, bringt uns meine Mutter das Essen hinaus. Da schmeckt es mir viel besser als daheim in der Stube. Hoffentlich bringen die nächsten Jahre für den Landwirt bessere Zeiten. Bald werden die schweren Arbeiten der Landwirtschaft meiner Mutter abgenommen werden. Wilhelm Schmidt, Oueckbom. » Lieber Gießener Anzeiger! „Den Wald und Forst zu hegen, Das Wildbret zu erlegen, Das ist, was mir gefällt!" Ich werde O b e r f ö r ft e r. Die Aussichten scheinen für diesen Beruf eben vielleicht schlecht zu fein. Aber ich habe die beste Hoffnung, daß — bis ich mein Studium beendet habe — Deutschland seine Kolonien wieder hat. Dann braucht das Vaterland junge Kräfte, die wirken können, ihm das alte Ansehen in der Welt zurückzuerobern. Als Dbcrfärftcr bin ich in steter Verbindung mit der Natur, die ich über alles liebe. Ich habe Gelegenheit, sie ständig zu beobachten und auch regulierend mit der Axt, Säge und Büchse eknzugreifen. Außerdem werde ich — falls sich meine Hoffnungen erfüllen — die Welt nicht nur aus Büchern, sondern aus der Anschauung kennenlernen. Karl-Heinz Jäkel, Rodheim a. d. B., 14 Jahre. * Lieber Rätselonkel! Infolge meiner Krankheit konnte ich nicht früher schreiben Meinen Beruf habe ich mir erwählt. Ich rotU Schriftsetzer werden. Dieser Beruf gefällt mir. Zu Weihnachten bekam ich einen Drucklasten, damit ich mich schon damit übe. Ich gedenke, beim „Gießener Anzeiger" in die Lehre zu gehen. Da dort jeden Tag viel gedruckt wird, hoffe ich, meinen Beruf tüchtig zu erlernen. Hoffe auch, daß ich nach meiner Lehrzeit weiter bei dem „Gießener Anzeiger" mein Geld verdienen kann. Heinrich W a 11 b o 11 III., Garbenteich, 13 Jahre. * Lieber Rätselonkel, ich hätte nicht gedacht, daß Du auf Weihnachten es uns so leid'1 gemacht, denn schreiben, was er werden will, kann jeder, wer sich etwas fest fetzt auf das Leder. Ein Flieger möchf ich werden, denn es gibt nichts Schöneres auf Erden, als hoch in den Lüften zu treiben und dem Rätselonkel zu bringen die Preisausschreiben, denn die Flugpost ist heut modern bei uns kleinen, wie bei den großen Herrn. Bin zwar erst 12 Jahre und auch noch unerfahren, muß warten denn bis spater, da geht es besser mit der Feder. Das Zeichnen geht noch nicht so recht, und habe in der Note schlecht. Wenn bas nun besser geht, dann geh ich auf die Universität. Ist das Schriftliche abgetan, so fang ich bann mit Praktisch an. Ich hörte nämlich von den Kriegen, daher hab' ich die Lust zum Fliegen. Lieber Onkel, ich mach' jetzt Schlutz und sende dir einen Weihnachtchsgruß. Und fange das Neujahr gut an und sorge, daß ich einen Preis bekommen kann. Helmut Bauer, Leihgestern. Mein Wunsch ist, später als Baufachmann in eine Beamtenstellung eintreten zu können. Meine Gründe hierfür sind folgende: da ich als Sohn eines Bauunternehmers ausgewachsen bin, wurde durch die praktische Mithilfe und die Mitarbeit in den Bureauarbeiten mein Interesse hierfür geweckt. Ich denke, daß das Bauhanbwerk in nächster Zeit noch zur Blüte kommt, da infolge des Krieges sehr wenig gebaut wurde, und fetzt doch eine allgemein große Wohnungsnot herrscht. Ich glaube, daß der in allen Teilen des Baufad)es durchgebildete Fach- mann sich später einmal zu jeder Art dieses Berufes (wie Architekt, Techniker, Bauunternehmer und Baustoffhändler usw.) entschließen kann. Darum ich gerade in die Deamtenlaufbahn möchte, glaube ich. daß bei der jetzt allgemein kritischen Wirtschaftslage das Leben eines Beamten In finanzieller Hinsicht sicherer gestellt ist als das eines Privatmanns. Ich hoffe, daß ich meinen Bedingungen entsprochen habe, wenn ich auch die Höchstzahl von 400 Silben nicht erreicht habe. Ader: „In der Kürze liegt die Würze!" Ernst Men-z, Dillenburg, 17 Jahre. ♦ Ich will später Lehrer oder Schreiber werden. Ich habe als kleiner Bube von drei Jahren einen Fuß verloren, deshalb kann ich keine Landwirtschaft betreiben. Auch habe ich keinen Spaß daran. Ich gehe nicht gerne in den Kuhstall, denn dann sieht man den ganzen Tag schmutzig aus. Wenn man aber Lehrer ober Schreiber ist, dann kann man sich jeden Tag anständig anziehen. Ich tue sehr gerne: lesen, schreiben und malen. Heinrich Müller, Nonnenroth, 8 Jahre. * Was ich werden will? Ei A u t o m a n n und Jäger. Da fahre ich mit dem Auto bis an den Wald, aber em großes Auto muß es fein, fo wie das Wiesecker, daß die andern Kinder auch mitfcchren können, die frechen müssen Geld bezahlen, und welche mir gut sind, die dürfen umsonst fahren. Ich weiß fchon, wie's gemacht wird, beim Doktor Schmidt hab' ich's gesehen, der nimmt mich manchmal mit in feinem Auto bis ins Unterdorf, die andern Kinder auch, welche brav sind. Ja, uno wenn ich da am Wald bin, nehme ich mein Gewehr, nicht das, welches mir das Christkindchen gebracht hat, bas knallt ja bloß, aber schießt nicht richtig, nein, dem Opa fein Gewehr, der kommt doch zu uns aus dem Dbenroalb und wohnt bei uns, weil er alt ist, der hat ein richtiges Gewehr, bas knallt und schießt auch, id) erschrecke nicht, ich hab fchon babeigeftanben, wie er einen Bogel, so einen großen, im Wald geschossen hat. Und bem Dpa fein Hunb, der heißt Senta, den krieg ich auch, der holt den Has, wenn ich ihn tob geschossen hab. Dann trag ich ihn ins Auto und fahr wieder heim. Ich heiße Ernst M i ck e I aus Wiefeck, Alicestr. 46, bin 6 Jahre alt und gey zur Fraulein Leyerzapf in die Schule, die hat die Kleinen und ist recht gut. * Ick will später Friseur werden, weil heute der Bubikopf sehr viel Geld einbringt. Mit 18 Jahren lasse ich mich bei der Reichswehr anwerben, wenn die zwölf Jahre herum sind, bekomme ich Geld ausbezahlt, damit fange ich später ein eigenes Geschäft an, daß ich selbständig bin und nicht arbeitslos werde. Heinrich Schwarz, Gießen, 13 Jahre. • Lieber Gießener Anzeiger! Auf Deine Preisfrage „Was wollt Ihr werden?", antworte ich, daß ich gern Bäcker und Konditor werden möchte. Warum?, so fragst Du weiter. Bäcker und Konditor ist ein Geschäft, an dem ich Spaß habe, weil ich gern im leig knete. Aber das Geschäft geht mich immer, in schlechten und guten Zeiten, denn aegeffen muß immer werden. Und genascht wird heute viel mehr als früher, denn so sagt meine Großmutter. Ich weiß das noch nicht, da id) er ft elf Jahre alt bin; freilich esse ich auch gerne Süßigkeiten. Später will ich mir die Welt ansehen. Zu diesem Zweck werde ich Schifss- konditor, um so ins Ausland zu kommen. Damit ich mein Ziel erreiche, muß ich auch Englisch und Französisch lernen. Wenn ich genug gesehen habe, werde ich in eine Bäckerei einzuheiraten oer- i suchen, um mich selbständig zu machen. Willi T h i e r f e l b t, Gießen, 11 Jahre. Die Preisträger. 1. Rosemarie Eisbein, Fellingshausen; „Das Findelkind". 2. Marie Haas, Steinbach bei Gießen, Hauptstraße 90; „Töchter-Album". 3. Lilli Keßler, Lang-Göns, Breitgasse 9; „Sa| perle ist wieder da". 4. Emmi M e n z, Dillenburg, Hindenburgstraße 5; Originalölgemälde (Landschaft). 5. Gertrud M e r t g e n , Gießen, Bleichstraße 40; Originalölgemälde (Landschaft). 6. Else Michel, Wieseck, Alicestraße 46; „Herzblättchens Zeitvertreib". 7. Helmut Bauer, Leihgestern bei Gießen, Wil- helmstraße 20; „Wir von der „Bremen". 8. Walter Braun, Effolderbach (Post Stockheim, Oberhessen); „Großmutter Elisabeths Enkelkinder". 9. Karl-Heinz Jäkel, Rodheim a. d. Bieber; „Mit 20 Dollar in den wilden Westen". 10. Ernst Menz, Dillenburg, Hindenburgstraße 5; „Welt, Erde und Menschheit". 11. Ernst Michel, Wieseck, Alicestraße 46; „Auerbachs deutscher Kinderkalender". 12. Heinrich Müller, Nonnenroth (Post Villingen, Kr. Gießen); „Ludwig Richter-Abreißkalender". 13. Wilhelm Schmidt, Quedborn bei Grünberg, Untergasse 6; Originalaquarell (Tierstück). 14. Heinrich Schwarz, Gießen, Frankfurter Str. 125 III, „Die Amerikafahrt des „Graf ZeppeUn". 15. Willi Thierfeldt, Gießen, Bruchstraße 4 p; „Martin Steffens wilde Seefahrt". 16. Heinrich Wa 11bo11 III., Garbenteich, Ledergasse 8; „Das Neue Universum". * Für die Gießener Gewinner liegen die Preise ab Montag, 14. Januar, in der Rsbaktionssprechstunde nachmittags zwischen 5 und 7 Uhr, zur Abholung bereit; auswärtigen Gewinnern werden die Preise zugsstellt. Buntes Allerlei. Wohnungsbrand durch flüssige Kunstseide. In Barmen brach auf eine nicht alltägliche Weise Feuer aus. Ein Bandwirker wollte seinen Ofen in Brand setzen und hals dem Feuer mit flüf- flgerSunftfelbe n a ch. In dem Augenblick, als er Dem Ofen mit der außerordentlich feuergefährlichen Flüssigkeit zu nahe kam, schlug eine große Stichflamme hervor, die den Raum in Brand setzte. Das Feuer wurde gelöscht, ohne daß größerer Schaden entstand. Auch der unvorsichtige Bandwirker kam ohne erhebliche Verletzungen davon. Die Ursache der Gaskatastrophe in Duisburg. Als Ursache der Gaskatastrophe, bei der fünf Mitglieder der Familie Weinand den Tod fanden, hat (•d) ergeben, daß vor der Schweißung des Gasrohrs teilweise das Einlegen der Packung vergessen worden ist. Die Schweißung selbst konnte das Rohr nicht vollständig abdichten. Der Grund für das Nichteinlegen der Packung dürfte darin liegen, daß die Schweißer in dem engen hohen Graben nicht genügend Platz zum Arbeiten hatten. Neuartige Kraftwagen-Garage. In Ehikago wird in einem 75 Stockwerke hohen Turm am Wacker Drive eine fünfundzwanzigstöckige Kraftwagen-Gavage eingebaut, die nach Plänen des Erfinders B. B. Bolhema, Detroit, Die Form von Paterno st erwerken erhalten soll. Diese Bauart ist insbesondere für das Abstellen von Kraftwagen in den engen Großstadtgebieten bestimmt, in denen keine Parkplätze geschaffen werden können, und sie ist so eigenartig, daß man auf das Ergebnis dieses ersten Versuches mit einer solchen Anlage gespannt sein darf. Die Anlage soll 20 Schächte von 25 Stockwerken Höhe erhalten. Diese Schächte werden durch Betonwände getrennt und mit stählernen Kästen gefüllt, die einfach übereinander geschichtet werden, zwischen Füyrungs- schienen laufen und so groß sind, daß sie den größten normalen Kraftwagen aufnehmen können. Je zwei Schächte nebeneinander sollen wie die beiden Stränge eines Paternosterwerks Zusammenarbeiten. Der Antrieb erfolgt hydraulisch. Der oben ober unten ankommende Kasten wird selbsttätig wage- recht nach dem benachbarten Schacht verschoben und läuft dann in der entgegengesetzten Richtung weiter. In der Ruhestellung gleichen sich die Ge- roidjte der beiden Stränge selbsttätig aus. Um den Auszug in Betrieb zu setzen, führt der Besitzer einer Garage einen Schlüssel in die dafür bestimmte Schaltvorrichtung ein. Der Aufzug setzt sich dann in Bewegung und bleibt erst stehen, wenn der zu dem Schlüssel gehörige Kasten unten angelangt ist. Darauf öffnet sich das Tor selbsttätig und der Wagen kann aus- oder einfahren. In der ganzen Anlage sollen 1080 Kraftwagen untergebracht werden. Da man für jeden Auszug eine besondere Zufahrt anbringt, so kann man so viele Kraftwagen gleichzeitig entnehmen ober verwahren, wie Aufzüge vvrhanben sinb. Der ganze, sonst notroenbige Platz für Auffahrtrampen, Zwischendecken ufio. wird gespart. Die Maschinenanlage wirb so bemessen, daß das Herausbringen eines Wagens aus dem obersten Stockwerckwerk 216 Sekunden dauert« Auflösung des Vereins „Immer treu“. Der Polizeipräsident von Berlin hat heute den „Lotterie- und Vergnutungs verein Nordm? unb den Sport- und Geselligkeitsverein „Immer treu“ auf Grund des ß 2 des Reichsvereii'.s«' gesetzes aufgelöst, weil dte Zwecke dieser Vereine den Strafgesetzen zuwtderlaufen. Die neue Straßenbahnfrage. Es ist bedauerlich, daß sich die Bürgerschaft unserer Stadt nach dem wiederholten Scheitern der Straßenbahnverhandlungen mit Wieseck wiederum mit einer unerfreulichen Straßenbahn- srage beschäftigen muhu Diesmal handelt es sich um die vom Polizeiamt bei der Stadtverwaltung vorgeschlagene Stillegung eine r S t r a - ßenbahn st recke zwischen dem Marktplatz und dem Bahnhof. Die Fragestellung in dieser Angelegenheit ist in dem Schreiben des Polizeiamtes an die Stadt auf die Stilllegung der Straßenbahnlinie rm Seltersweg zugespiht: allerdings steht für den Eventualfall auch die Stillegung der Bahnhofstraßen-Linie zur Erwägung. Der Ver- kehrs-Derein und die Bereinigung der Selters- wegbewvhner haben sich, wie gestern berichtet, am Donnerstagabend in einer Versammlung im Hotel ..Prinz Carl" auf Ersuchen der Stadtverwaltung mit di.ser Angelegenheit beschäftigt. Beide Vereine sind dabei in völliger äleberem- stimmung zu dem Ergebnis gekommen, daß . mit größtem Nachdruck nicht nur gegendie Stilllegung der Straßenbahn durch den Seltersweg, sondern auch gegen die Einstellung des Straßenbahnverkehrs durch die Bahnhofstraße Stellung zu nehmen ist. Eine einstimmig angenommene Entschließung in diesem Sinne soll der Stadtverwal.ung a s Willensäußerung der Vereine zur Kenntnis gebracht werden. Es unterliegt keinem Zwtt el, daß diese Stellungnahme der beiden Vereine ganz in Sinne der Bürgerschaft liegt. Man muß es als ein Ding der ^Unmöglichkeit bezeichnen, der Bevölkerung unserer Stadt und den Besuchern von auswärts das Verkehrsmittel der Straßenbahn zwischen dem Stadtzentrum und dem Bahnhof auch nur auf einer Teilstrecke nehmen zu wollen. Menn in dem Schreiben des Polizeiamtes an die Stadt d:r Gedanke zum Ausdruck gebracht wird, daß bei einer Stillegung der Straßenbahn durch den Scltersweg dessen Bestimmung als Einbahnstraße aufgehoben werden könnte, sv werden dabei doch gewichtige Tatsachen übersehen. Zunächst ist daraus hinzuwcifen, daß die Frage der Straßenbahn im Seltersweg nicht nur die Anwohner des Sellerswegs allein an geht. Hierbei kommen auch dir Anwohner der Mäusburg, des Kreuzvlatzrs. drs Neuen Wegs, der Gollhe- straße, der unteren Frankfurter Strafe, der Aliie-SLraße und dir Interessenten am Fährverkehr nach dem Klinikviertel in Betracht, deren Interesse an der Aufrechterhaltung des Stra- ßenbahnverkrhrs durch den Sel.erswe^ cb nfalls sorgsam zu beachten ist. Weiter darf richt vergessen werden, daß die Straßenbahn das Verkehrsmittel der breitesten De - volkerungsschichten darste lt. während das Personenauto, dem durch den Fortfall der Ein- bahnstraße-Regelung der Weg durch den Sel- tersweg nach beiden Richtungen freigemacht werden soll, nur dem Fährverkehr eines verhältnismäßig kleinen Personen reifes dient. Wollte man dos Vol.s-Verkehrsmittel ausschließen zugunsten der Fahrzeuge eines wesentlich Heitreren Personenkreises, so bedeutete das, den Geschäften im Seltersweg und den Anwohnern der benachbarten Straßen empfindlichen Schaden zufügen; denn es ist doch Har, daß die Fahrgäste der Straßenbahn möglichst nahe an den Platz ihrer Besorgungen heranzufahren wünschen, im Dehinde- rungssalle aber sich von der erzwungenen vorzeitigen Aussteigestelle aus auf die anderen Straßen verteilen Ebenso unbestre t'ar steht die Tatsache fest, daß die Bewohner der Se'tenstraßen des Seltersweges, der Frankfurter Straße usw. begründeten Anspruch daraus erheben können, mit Hilfe der Straßenbahn möglichst nahe an ihre Wohnungen befördert zu werden. Wenn man schließlich noch einen Vergleich zwischen den Gefahrenmomenten beim Straß e.iba nve kehr und bei dem ungehinderten Autofahren im Seltersweg zieht, so wird man ohne weiteres zugeben müssen, daß von der Elektrischen eine viel geringere Gefährdung der Fußgänger im Seltersweg zu erwarten ist, als von einem möglicherweise in beiden Richtungen freigegebenen Autoverkehr. In dem Schreiben des Polizeiamtes an die Stadt wird ferner zum Ausdruck gebracht, durch die Stillegung einer Straßenbahnlinie zwischen Marktplatz und Bahnhofstraße würden „für den Betrieb der elektrischen Straßenbahn keinerlei R a ch t e i l e" eintreten. Die Richtigkeit dieser Behauptung möchten wir ebenfalls anzweifeln. Jetzt ist es schon so, daß die Straßenbahn, wenn einem der Wagen vor der Rase fortfähri, in den meisten Fällen den Fahrgast verliert, weil man in der etwaigen Wartezeit bis zur Ankunft des nächsten Wagens — sofern man nicht eine lange Strecke zu fahren beabsichtigt — seinen Weg bis zum Ziel schneller zu Fuß zurücklegen und das Fahrgeld sparen kann. Wurden durch eine Stillegung weite Devölkerungslreise gezwungen werden, zum An- bzw. Abmarsch von der Straßenbahn erst noch große Wegstrecken zurückzulegen, so hätte dies mit Sicherheit einen erheblichen Rückgang der Frequenz zur Folge. Der Einnahmeausfall für den Etat der Straßenbahn würde dann im Verlaufe eines Jahres einen Umfang annehmen, der sicherlich recht einschneidend zu spüren wäre. Wenn wir auch den Betriebszuschuß der Stadt für die Straßenbahn mit rund 25 000 Mk. für 1928 nicht so tragisch nehmen — weil es sich hierbei infolge einer tocit über dem Selbstkostenpreis liegenden Strompreisberechnung für die Elektrische mehr um einen rein buchmäßigen, als um einen wi.ilichen Zuschuß handelt —, so werden wir doch sehr bedenklich, wenn wir uns Plänen gegenübersehen, die mit Sicherheit einen recht ansehnlichen Cinnahmeausfall infolge stark verringerter Frequenz erwarten lassen. Bei diesen Ueberlegungen können wir nicht mit Stillschweigen an dem in der Donnerstagverfammlung von Privatier W o h l rn u t h und Friseurmeister Koch behaupteten Stratzcnbahnftillcgungsvor- schlag des Oberbürgermeisters Dr. Keller und des Beigeordneten Dr. Hamm vorübergehen. Wir können uns nicht gut denken, daß die beiden Herren der Stadtverwaltung wirllich in vollem Ernst einen derartigen Vorschlag, der zum Rach- tell eines großen Teiles der Gesamtbevölkerung und zum Schaden eines städtischen Betriebs- Unternehmens sich auswirken würde, gemacht haben können. Anderseits läßt aber die Bestimmtheit, mit der diese Behauptung von den beiden genannten Versammlungsrednern aufgestellt wurde, nur schwer auf ein Mißverständnis schließen. Mit uns wird es deshalb wohl die gesamte Bürgerschaft begrüßen, wenn die Stadtverwaltung baldmöglichst erklären würde, ob jene Vorschläge wirklich so ernst gemeint, waren, tote sie von den Herren des Siebener-Ausschusses des Selterstoegvereins aufgefatzt wurden, bzw. welche Stellungnahme die Stadtverwaltung zu dieser außerordenl'ich wichtigenAngeleg nheit überhaupt einnimmt. Wenn man fich vor Augen hält, daß der kommende Haush l sscrsch ag ein: we en llch stärkere Belastung der Bürgerschaft als bisher bringen wird, so muß man doch sagen, daß mit allen Kräften alles vermieden werden muh. was geeignet wäre, bei städtischen Unternehmungen Einnahmeausfälle aus kommen zu lassen bzw. diese zu vergrößern und damit eine Steigerung der steuerlichen Inanspruchnahme der Bürgerschaft herbeizuführen. . Schließlich darf man bei dieser Angelegenheit auch nicht unberücksichtigt lassen, daß hier für die Frage des Ausbaues der Straßenbahn sehr viel auf dem Spiele steht. Grundlegende Entscheidungen in der Kommunalpolitik erfolgen ja bekanntlich nicht nur für wenige Monate oder für einige Jahre, sondern in der Regel für mehrere Jahrzehnte. Innerhalb eines solchen Zeitraumes — vielleicht schon im ersten Jahrzehnt — werden wir aber doch mit Sicherheit zu erwarten haben, daß die oberhessische Bahn aus dem Weichbild der Stadt hinausverlcgt und damit der Weg für die direkte Straßenbak.nver- bindung zwischen dem Stadtzentrum und K ein- Linden, vielleicht sogar noch nach weiteren Orten in südlicher Rechtung frei wird. Wer möchte die Verantwortung dafür übernehmen, daß durch die Beseit gung d:r Straßenbahn im SelterSweg einer starken Zukun'tsmiiglichleit jetzt schon — unnötigerweise! — Schwiertgiei en bereitet würden? Die hoffentlich schon in Kürze kommende städtische Autoomnibusverbindt'ng ist doch nur der Vorläu'er der elektrischen Straßenbahn nach unserem südlichen Vorort! Wie man diese Frage also auch betrachten mag, immer wieder wird man zu dem Ergebnis kommen, daß einerseits De Argumente für die Stillegung des Straßenbahnbetr eös im Seltersweg — und das gilt auch für die Dahnhofstraße- Linie! — nur schwach fundiert sind, daß anderseits aber die Beweisführung für die Notwendigkeit der ungeminderten Beibehaltung des Stratzenbahnver- kehrs auf beiden Linien in allen wirt- scha'tlichen und verkehröpoliti chen Tat'achen. wie auch vom Standpunkt des städtischen Haushalts aus die stärkste Stütze findet. Das Polizeiamt wird gut tun, wenn es diesen Vorschlag an die Stadtverwaltung angesichts der Sachlage kurzerhand zurückzieht und die AngelLgen^eit für immer zu den Akten legt. Sollte das nicht der Fall sein, so erhofft die Bürgerschaft von der E adtverwa t ng und der Stadt erorinll n- Versammlung, daß beide einmütig gegen diesen Plan sich ausfprechcn. Tagung des Hessischen Landbundes WSN. Darmstadt, 11. Ian. Heute nachmittag fand unter großem Andrang des Publikums die Landesversammlung des Hessischen Landbundes statt. Die Führer der Landbundbewegung in Hessen waren vollzählig erschienen, ebenso sämtliche Abgeordneten des Landbundes im Landtag, sowie die Reichstagäabgeordneten Hepp und Dorsch. Rach dem Einmarsch der Iunglandbundbanner, die sich um die Bühne gruppierten, eröffnete der Vorsitzende der hei schen Landbundfrak ion Dr. p. Helmolt (Niederwöllstadt) die Versammlung und begrüßte namentlich den Präsidenten des Reichslandbundes Hepp, den Reichstags» abgeordncten Dorsch, die Vertreter dec Land- wirtschastskammern, der Hess scheu Raifse.scn- Genossenschaften, der Rheinischen Bauern chaft usw. In seinen Dcgrützungswor.en erinnerte er daran, daß durch die Gründung der Christlich- naticnalen Bauernpartei die Bezi Hungen zu der rheinhefsischen Bauernschaft eine große Vertiefung erfahren Hütten. Nachdem dem Vorstand des Landbundes Entlastung über den Rechnungs- und Geschäftsbericht erteilt worden war, ergriff LandtagsabgMdMer Slaser-Aordhetm das Wort zu seinem Referat: „Die hessische Politik". Er gab einen Uebcrblicf über die parlamentarische Tat gkeit des Landbundes bei den ver- absch edeten Steuergesetzen, wo leider die meisten Anträge aus der Bauernschaft der Ablehnung verfallen seien. Er gab dann die Gründe des Land- bundes für die Ablehnung der Besoldungsvorlage, des Stellenplanes, des Kirchensteuergcsetzes und einiger anderer Vorlagen der Versammlung bekannt. Der Entwurf des neuen Gemeindebeamtengesetzes werde wahrscheinlich eine Verminderung des gemeindlichen Selbstverwallungsrechts mit sich bringen. Der Generalkulturplan für den Vogelsberg werde auch finanzielle Lasten in sich schließen. Der Redner erklärte über das Spar- gutachten des Reichssparkommisfars, daß dieses für den Landbund keine Bedeutung haben würde, wenn es nicht im Original vorgelegt werde. Eine bestellte Sache fei bedeutungslos. Er wandte sich vor allem gegen die hohe Realbe - lastung der Landwirtschaft in Hessen. Die landw.rßchaftsfeindliche Wirtschaftspolitik bei Reich und Ländern sei ein Verbrechen an der deutschen Bevölkerung. Der Redner griff dann den hessischen Arbeits- und Wirtschaftsminister Korell heftig an wegen einer Veröffentlichung in der Zeitung der Freien Rheinhessischen Bauernschaft. Der Minister habe, als Abg. Glaser mit einer Kommission um eine Unterredung nachgesucht habe, von ihm verlangt, daß er feine Acußerungen zurücknehme oder berichtige. Der Redner erklärte, er habe seine Behauptung, daß bei der Verteilung von Geldspenden für die Hagelgeschädigten die Angehörigen der Freien Bauernschaft benachteiligt worden seien, im Landtag beweisen können. Der Minister habe aber verlangt, daß er sich in dieser Richtung nicht groß äußern solle. Der Minister habe bie Unterredung verweigert, bis der Abg. Glaser seinem Verlangen nachgekommen sei. Der Landtagsabgeordnete Gußmann, den der Minister am kommenden Tage mit der Kommission empfangen wollte, habe sich mit feinen (Glasers) Ausführungen identisch erklärt. Der Redner erklärte, er müße schärfste Verwahrung dagegen einlegen, daß der Min.ster glaube, daß er den Abgeordneten im Beisein von Berufskollegen demutiaen könnte, oder wenn er glaube, daß er einen Abgeordneten der Landwirtschaft gegen den andern ausspielen könne. Der Minister könne bei seiner Kampsesweise und feiner Stellung zu den landwirtschaftlichen Forderungen kein Vertrauen des Landbundes verlangen. Allgemein gab der Redner der Auffassung Ausdruck, daß die Landbevölkerung von der derzeitigen Reichsund Landesregierung nicht viel zu erwarten habe. Wenn der gegenwärtige Zustand anhalte, treibe man sicher auf eine zweite Revolution hin, die namentlich der Bauernstand, der sonst immer der ruhigste Stand der Bevölkerung gewesen sei, nicht roün|d)e. Schließlich verlangte der Abgeordnete, daß man zu einem Käuferstreik übetgehen müsse, wobei ihm die Versammlung spontan Beifall spen- bete, um die übrigen Wirtschastsverbände zu ver- anlassen, auf die Notlage der Landwirtschaft Rücksicht zu nehmen. Der Redner forderte, Neubauten und Reparaturen an den Gebäuden nur im alleräußersten Notfall vorzunehmen, künstliche Dünge- und Futtermittel sollten nur im äußersten Falle beschafft werden. Man solle den Verbrauch möglichst auf ein Drittel des seitherigen einschränken. Alle übrigen Einkäufe sollten nur im äußersten Notfall erfolgen. Außerdem verlangte er, daß die übrigen landwirtschaftlichen Organisationen zur Unter- stützung aufgerufen werden sollten. Auf die Aufforderung des Redners versprach die Versammlung mit erhobener Rechten, wenn es so weit komme, diese gewerkschaftlichen Kampfmittel anzuwenden, wie sie auch von der Sozialdemokratie angewandt würden. Hierauf sprach in einer großangelegten dreistündigen Rede der Präsident des Reichslandbundes Reichstagsabgeordneter Hepp über das Thema „Des Bauern Kampf um sein Rech t". Nachdem er die gesamte wirtschaftliche Lage Deutschlands umrissen und auf die bevorstehenden Reparationsauseinandersetzungen hingewiesen hatte, verlangte er, dc.ß die deutsche Regierung nur eine Reparationslösung annehmen dürfe, die der d e u t- schenWirtschaftslagebiszumletzten Rechnung trage. Wenn die deutsche Reichsregierung wieder rmfalle, dann mäs.'e aus dem Volk spontan der Widerstand aufgenommcn werden. Der Redner ging dann auf die Krise der Parlamente, der deutschen Parteien und des ganzen wirtschaftlichen Ausbaues in seinen Übersteigerungen und Üeberhitzi ngen ein. Er erklärte, die Gründung der Chriftlichnatio- nalen Bauern- und Landvolkpartei sei ein letzter Versuch der Bauernschaft und enthalte die Ablehnung des heutigen Staats und seiner traurigen Erscheinungen. Sie erstrebe für Deutschland eine berufsständische Vertretung des Volkes. Der Redner ging dann auf die Maßnahmen der Preuhenkasse und die nach seiner Ansicht dahinterstehende Politik ein. Er erklärte,, daß neben der Selbsthilfe der Landwirt- schäft durch genossenschaftliche Maßnahmen die S t a a t s h i l f e kommen müsse. Man verlange aber keine staatliche Fürsorge, sondern Maßnahmen, die der Staat allein vornehmen könne, nämlich eine Aenderung unserer Zoll- und Handelsvertragspolitik. Ter Zcll- schuh würde nur insoweit gefordert, daß die deutsche Erzeugung gegen die ausländische Schleuderkonkurrenz geschützt werde und ihr eine angemessene Rente sichergestellt sei. Der Redner ging dann auf den Handelsvertrag mit Polen, das Zusatzabkommen mit Jugoslawien usw. näher ein. Er erhob die bekannten Steuersordcrungen auf dem Gebiete der Realsteuern und wandte sich gegen einige der neuen Steuerforderungen des Reichsfinanzministers H i l f e r d i n g. Er forderte, daß das Reich die Rentenbank-Grund- schuldzinsen übernehmen solle und erklärte, der von dem Vorredner angeregte Käuferstreik brauche gar nicht organisiert zu werden, da dieser leider zwangsläufig kommen müsse und zum Teil notgedrungen schon eingesetzt habe. An der Gegenseite liege es jetzt, zu bestimmen, ob es dadurch zum wirtschastlichen Chaos kommen solle. Der Rede folgte lebhafter Beifall. In der anschließenden Aussprache, an der sich Tlt- bürgermeister M ö r l e r (Ockstadt, O.-H.), Reichstagsabgeordneter Dorsch. Oekonomierat M o s - fei (Marienborn), der Vorsitzende der Steten Rheinhessischen Bauernvereine, Landtagsabgeord- neter Dr. Müller, Muhl (Dudenhosen), Schmidt (Steinheim, O.-H.» und Fenchel jr. (Ober-Hörgern, O.°H.) beteiligten, wurde von allen Rednern Einmütigkeit in dem schweren Wirtschaftskampf der Landwirtschaft gefordert. Einstimmige Annahme fand folgende Entschließung: Die zur Landesversammlung des Hessischen Landbundes in Darmstadt erschienenen hessichen Bauern stellen fest, daß sich die Lage der hessischen Landwirtschaft weiter verschlechtert hat. Die Ursache des fortdauernden Niedergangs liegt außer in der üleberspannung der Steuern und sozialen Lasten in der vollkommen unzulänglichen Preisentwicklung aller landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Alle Titten, Vorstelluirgen, Mahnungen und Forderungen sind bei der Verblendung der Parla- Lach« Vaiarr»! Roman von 3- Schnewer-Foerstl. Urbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 3. Fortsetzung Nachdruck verboten. Er will mich forthaben, durchfuhr es Diebow. Aber mein Lieber, da wird nichts daraus. Erst will ich Gewißheit haben, ob meine Vermutung richtig ist. Laut sagte er vollkommen gleichgültig: „Ich habe keine Lust jetzt! Lind außerdem wird auch nicht sonderlich viel zu sehen sein, in dem Dunkel. Morgen früh kann ich ja dann mit dir hinaufgehen. Hast du soviel Platz, daß du mich über Nacht behalten kannst? Bett brauche ich keines. Nur ein bißchen von deinem Stroh und deiner Decke, wenn du mir abläht. Ich lege mich einfach neben dich. Eine Nacht wird es schon zu machen sein: du und ich auf einer Klappe." Hettingens Herzschlag vertagte volllommen. Ein Gefühl, als würge ihn jemand, ließ ihm das Blut bis zum Halse steigen. Es gab keinen Ausweg mehr! lieber der Dank lag das Fenster und neben diesem die Türe, vor der sie sahen, Maria konnte die Hütte nicht verlassen, ohne gesehen zu werden. Er mußte die Hand heben, um die feuchtkalten Tropfen, die auf seiner Stirne perlten, wegzu- wifchen. Was er auch Diebow sagen würde, er würde ihm doch nie und nimmer glauben, sondern nur das andere annehmen, das Marias Weibesehre mit einem Schlage vernichtete. „Willst du schlafen gehen?" frug Kurt, und Hettingen glaubte, einen leisen Argwohn aus dessen Stimme zu hören. „Weshalb?" «Weil du so schweigsam bist und —" er unterbrach sich plötzlich. „Du blutest ja! Warum sagst du nichts davon. Du mußt dich irgendwo verletzt haben." Hettingens Augen glichen starren Punkten, die völlig unbeweglich standen. Er sah nach den weißen Ausschlägen seines Hemdes, an dem große I dunkle Flecken sichtbar waren. Unwillkürlich legte | er die Hand über das Gesicht, fühlte, wie die Schramme brannte, und begann wieder ruhiger zu werden. „Ich bin vorher beim Abstieg gegen einen Steinblock getorkelt. Aber es hat schon aus- geblutet" Diebow neigte sich dicht gegen seine Wange. Das stimmte! Da hatte er nicht gelogen! Wie die Worte sich weiter schlappten! Wie Wasser, die man zwang, ihren Weg bergauf zu nehmen. Mir zersprengt es das Gehirn, dachte Hettingen. Und dann kam es! Diebow erhob sich unvermittett und streckte in herzhaftem Gähnen die Arme in das Dunkel. „Ich glaube, es ist Zeit, mein Lieber! Du kannst ja noch ein bißchen sitzenbleiben, wenn du willst! Ich werd es schon nicht machen wie der Igel, daß ich dir allen Platz wegnehme. Ich lege mich ganz dicht gegen die Verschalung. Morgen bist du doch der erste, der herausschlüpft. Kann man sich ruhig bei dir örinnen ausziehen? Gibt es keinerlei Ungeziefer?“ „Nein! — Gedulde dich noch einen Augenblick, Kurt, ich will nur erst das Stroh noch etwas aufrütteln." „Gar nicht nötig, mein Lieber!" Diebow hatte bereits die Türe geöffnet und trat über die Schwelle. Gelbweiß leuchtete die primitive Lagerstelle in dem matten Dämmerlichte, das von draußen her« einkam. Kiste auf Kiste türmte sich hoch. Es gab nicht eine einzige Ecke, die frei gewesen wäre. „Ich habe ihm unrecht getan," war das erste, das Diebow abbittend dachte. Der schmale Dier- ecksraum war vollkommen leer. Keine Menschenseele war darin zu entdecken. Und ein Verbergen gab es nicht. Hettingens Gesicht leuchtete wie das Dttoh. das ohne irgendwelchen Eindruck zu zeigen, auf den harten Brettern tag. Sein Kopf hämmerte, „Kannst du nicht ein wenig Licht machen?" frug Diebow ärgerlich. Er war gegen eine der Kisten gerannt und hatte sich das Schienbein blau gestoßen. „Wenn dir eine Taschenlampe genügt, Kurt! — Streichholz möchte ich keines anzünd«r. Es ist lauter Pulver in den Kosten." „Donnerwetter noch einmal, das ist aber ungemütlich!" entfuhr es Dieaow. „Und da traust du dir zu schlafen? So mitten drinnen? — Mensch, wenn das nun plötzlich einmal losgeht!“ „Dann fliege auch nur ich allein in die Luft," kam es getanen, obwohl Hettingens Gedanken sich im Kreise drehten. Wo war Maria? Ein Entrinnen war unmöglich gewesen! Ein Verbergen ebensowenig. Die Kisten waren alle voll. Keine einzige teere darunter, in die ein Mensch sich hätte hineinv.rkriechen können. Wie fein Blut fjämmene! Wissen, wo sie war! Er sah nach dem Dache, aber da hinaus konnte sie ihren Weg unnröglich genommen haben. Es zeigte nicht die geringste Lücke, und die Sparren waren alle fest mit Latten übernagelt. Diebow hatte sich mittlerweile seiner Kleider entledigt und schlüpfte mit einem zufriedenen Lachen unter die Decke. „Kommst du, Joachim?" „3m Augenblick, mein Lieberi" Hetlingen nahm nur die Joppe ab, kroch zu dem jungen Manne unter das Stroh und horchte auf das hastende Klopfen seines Herzens. Wissen, wo sie war! Diebows Stimme Liang neben ihm auf: „Weißt du, Achim, daß ich noch eben vorher einen ganz abscheulichen Verdacht gegen dich g .tragen habe?" „Verdacht?" Hettingen ließ den Kopf hilflos zurücksinken und schloß schwindelbesallen die Augen. „Wessen hast du mich verdächtigt?" „Ich habe gemeint — du hättest eine Frau bet dir!" „Kurt!" Die Bretter unter Hettingen ächzten, so jäh hatte er sich herumgeworfen. „Ditte, trag mir's nicht nach Achim —" bettelte der junge Mann. „Ich hab d gleich. Diebow hob sich aus dem Sttoh, neigte sich über sein Gesicht und legte die öttme eng an Sy«.«. MZ *QnWirtlA ®ff‘ sj«ÄjX >en nur ?nul‘n >>n oufierHlW ?te «, bT ?nNal ‘•fallen ?'e "bngen , l°nten. Ip'°ch die $Lb,e H nn es » ’friung "Pfmittd wi20T11nic- 05 Whmb. ** N> RSfiS r-rKtz nn Vl!iUn,I^tcn "IlSÄ1 w Lnj?lW »W aus dem ?b oufgenommcn toct< öm auf die Arif, d°r Öfchen Parteien bastlrchen Aufbaues in un? S^I^imflen ein. Bk* .^.'^chnativ. volharter s« ein lehtei r und enthalte die Ab« als unL seiner traurigen be für Deutschland eine S des Dolkes. Der Red- d>e Maßnahmen btt d>e noch seiner 2W em. 6t ettiötle, Saß e der Landdiri, iiirröe Maßnahmen dir müsse. Man versangr ürsorge, sondern Maß« allein vornehmen tonne, ung unserer Zoll. agSvoliti!.Ter 'O,$)3 und Fenchels । beteiligten, vurde k«. itiafeil in dem MJJ» Landwirtschast gefotbert sand folgende Mung: rfammluntz des ä* ^Ä'sneuglKe- 2J östlichen Erzeug Mahnungen un° gurMenMfl M wenn man S^,, *Jß “”5 ** J •TÄ**’* bitten, 6aß - • r schrvH^, das alles bk* bis an dre «w* n WÄ ' £r. . hen Lau'^ ir . tiWÄ >■ "* 1 1^ i ,ft in die E^pot 5 rÄrtfr s»*r zu veranstalten, zu vem die MitgNeder mit QIn» chenknüppel kam auf 8 bis 11 Mark, Hainbuchen« knüppel durchschnilthch 7 tiS 10 Mark, Eichenknüppel 7 bis 9 Marl, Kirfernknüppel 6 bis 7 Mark. Vor Obstholz kam nur 1 Raummeter Kirschdaumtnüppel zum Verkauf. Eiche.rknüppcl- reijig 1. Klasse kamen 8 Raummeter auf 20 ti3 28 Mark, Buchenstammreisig (Reisig 2. Klasse) kosteten je nach Qualität und Aufforstungsplah 2 bis 4 Mark, und Astreisig sReiserhvlz 3. Kl.) kamen 24 Raummeter auf 28 bis 33 Mark. Die Rach rage nach Stvckholz erbrachte Durchschnittspreise von 7 bis 10 Marl je Raummeter. Solche 2. Klasse wurden um 2 Mark billiger bezahlt, Eichenstöcke kosteten 6 bis 7 Mark und Kiesern- stöcke 4 bis 6 Mark. Während die erste Rutzholzversteigerang im Forstamt Eichelsdvrf, zu der die hiesige Försterei zahlt, einen Preissturz von dur^chniltlich 25 bis 30 Prozent erbrachte, sind die Vrennholzprcise um den gleichen und noch größeren Hundrrtsah gestiegen. # Aus der Wetterau, 11. Ian. Die Ferkelpreise sind in letzter Zeit weiter gestiegen, so daß 7 Wochen alte Jungtiere gegenwärtig je Stück 20 bis 22 Mark kosten. Die starke Preiserhöhung war vorauszusehen, da bei den Schleuderpreisen im Frühjahr des Vorjahres viele Zuchtsauen abgeschla.hte: wurden. Die dauernd ho'er Schlachtschweinpreise von 70 bis 73 Pf., sowie die niedrigen Kartojfelpreise reifen die Landwirte auch zum Mästen. — Infolge der vorjährigen knappen Futtermittelernte herrscht große Rachfrage nach Heu und Kleeheu. Die Händler bieten für gut auf bereitetes Dürr, utter 5,50 bis 6 Mark. Auch die Dickwurz sind seit dem Herbst von 1.20 Marr auf 1,50 Mk. gestiegen. Der Zentner Stroh (Maschinendrusch) zu Streuzwecken kostet 1,80 Mark. Kreis Friedberg. ^Dad-Rauheim. 11. Jan. Wie mir schon kurz mittcilen konnten, ist der Jahresabschluß unseres hessischen Staatsbades für 1 9 28 äußerst günstig. Mit 41 112 Kurgästen wurde die höchste Frequenz seit Bestehen des Bades erreicht. Erfreulich gestiegen ist die Zahl der Ausländer, die 6531 beträgt. Alle Kontinente der Welt und alle Staaten Europas waren vertreten. An erster Stelle steht Rord- amerika mit 1506 Besuchern, es folgen dann Holland (694 Kurgäste), England (497), Polen (465), Schweiz (390), Schweden (334) usw. Die geringste Zahl von Kurgästen (7) entsandte die Türöei. Bäder wurden insgesamt 441 744 abgegeben, und zwar wurden gefertigt 423 195 in den staatlichen Dadehäusern. 1041 im städtischen Konihkystift, 14 508 im Clisabelhhaus. Rach Däderformen verteilt sich die Summe folgendermaßen 59 280 Kur- brunnenbäder, 25 309 Solbäder, 103 562 Thermalbäder, 121 837 Thermal, orudelbader, 126 773 Sprudelbäder, 326 Sprudelstrombäder, 3316 Süß- wasjerbäder, 1041 Moorbäder. Die höchste TagoS- bäder'.ahl wurde am 11. Ium mit 3023 erreicht. Die höchste Zahl der gleichzeitig anw:senden Kurgäste betrug am 20. Juni 5 9 17 Personen. Kreis Bübingen. △ Nidda, 11.San. Der große städtische Eiste ich auf der Gänsweide, nahe der Stadt, mente und der Verständnislosigkeit der Regierungen gegenüber den Lebensnotwendigteiten des deutschen Bauerntums ungehört verhallt. Wir erheben nochmals unsere Stimme und fordern unverzüglich eine Aenderung unserer Handels- und Zollpolitik, insbesondere Maßnahmen zur Einfuhrsperre gegen die Schleuder lonkurrenz des Auslandes. Stärkung des V^.inenrnarktes und Wiederherstellung der Rentabili- i ä t der Landwirtschaft als das dringendste Gebot zur Rettung von Volk und Staat. Der Bauer wird nicht kampflos von seiner Scholle weichen. Sollten bis zur neuen Ernte Regierung und Parlament nicht Maßnahmen treffen, die der Rot des deutschen Landvolkes abhelfen, so erwarten wir, daß alle Landwirte und landwirtschaftlichen Organisationen zu gemeinsamem Kampf um das Lebensrecht des deutschen Bauerntums zufammenlreten." Tiefe Erklärung soll den Regierungen über- iT.ittelt werden. Rach etnem Schlußwort des Vorsitzenden Dr. v. Helmolt, in dem ef> darauf hinwies, daß trotz allem die deutsche Bauernschaft an ihrer Scholle und ihrem Vaterland sesthalte, auch wenn sie von den Re- ei rungen und den Regierungsparteien außerordentlich vcrnachlässtgt lverde, fang die Versammlung nach einem Hoch auf das Vaterland die Rationalhymne. Oberheffen. Landkreis Gicszen. X Klein-Linden, 11.Jan. Am Samstag, 19. Januar, wird dec hiesige Kriegerverein ein Wohltätigkeitskonzert zum Besten der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen veranstalten. Die Kapelle des I n f. °R g t s. 15 in Gießen unter persönlicher Leitung des Obermusikmeisters 206er wird mit einem auserlesenen Programm für die gute Sache wirken. Rach dem Konzert wird eine Verlosung und anschließend geselliges Beisammensein statt- finden. . § Dau bringen. 11. Jan. Der hiesige Kriegerverein H elt dieser Tage seine diesjährige Generalversammlung, die gut bef ucht war, in der Gastwirtschaft von Ludwig Weimer ab. Der Vorst: ende Wilhelm Walther erstattete den Jahresbericht. Die Mitgliedrrzahl hat sich im verflossenen Jahre erhöht, an zwei Krie- ger'esten nahm der Verein teil, im Herbste wurde bas übliche Preisschiehen, das immer mehr Anziehungskraft ausübt, auf dem neuerbauten Schießftaade in der alten Sandgrube der Gemeinde vorgenommen. Der Rechner W. Dort legte die Jahresrechnung vor, die zum ersten Male keinen Ueberfchuh zu verzeichnen hat. Ter Grund liegt darin, daß der Neuzeit ich errichtete Schießstand nur aus dm geringen Einkünften der Vereins!aste bestritten wurde. Außerdem konnte den Ver.'insmitgstrdern, die auswärtige geriefte besuchten, ein kleiner Zuschuß gewahrt werden. Der seitherige Vorstand wurde e nstimmig wiedergewählt. Im Laufe des Winters beabsichtigt der Verein, einen Unterhaltungsabend gehörigen, sowie Freunde und Gönner Zutritt haben sollen. 4- M a i n a I a r , 10. Jan. Vorgestern verließ unser langjähriger Lehrer Kurz unser Dorf, um nach Gießen überzusiedeln. Seit Oktober vergangenen Jahres ist er bereits beurlaubt, und wird er mit dem 1. April d. I. in den wohlverdienten Ruhe- st a n d treten. Erst im 60. Lebensjahre stehend, mußte er leider vorzeitig, b. h. vor seiner gesetzlichen Pensionierung, die ihm ans Herz gewachsene Schulstube verlassen: durch ein körperliches Leisen wurde er dazu gezwungen. In den Jahren 1917 18 konnte er infolge Arbeitsüberhäufung, durch Versetzung der beiden hiesigen Schulklassen und der ungezählten Kriegsarbeiten in der Gemeinde, einer schweren Grippe keine Zeit zur Ausheilung lassen, deren Folgen eine langjährige und langwierige Hals- und Gehörkrankheit war. Diese steigerte sich in den letzten Monaten bis zur völligen Taubheit des einen, und nur noch wenige Gehör-Empfindlichkeit des anderen Ohres. Nahezu 21 Jahre hat Lehrer Kurz zum Wohle und Besten unserer Jugend und der ganzen Gemeinde amtiert. Unparteiisch gegen jedermann, Bescheidenheit und Besonnenheit, das waren die Kernzüge seines Wesens, die ihn auszeichneten, weshalb er auch in aller Stille, ohne jegliche Ab- schiedsfeter, wie sie sonst üblich sind, von hier schied. Unsere Gemeinde, die Lehrer Kurz für seine überaus segensreiche Tätigkeit zu großem Danke ver- pflichtet ist, sah den verdienten Lehrer nur ungern scheiden. Sie wünscht ihm einen frohen und gesegneten Lebensabend. : —: Beuern. 11. Jan. Dieser Tage hielt der Volksbildungsverein im Saale »<-ur Germania" einen Vortragsabend, bei dem Ingenieur Ertel von Gießen über das Thema „Auf Zickzackwegen quer durch Rußland" sprach. Der Redner, der 13Vz Oahre, zum Teil vor dem Kriege als Ingenieur und während und nach dem Kriege als Gefangener, in Rußland seinen Aufentha.t hatte, führte den zahlreich erschienenen Zuhörern an Hand von an Ort und Stelle selbst • aufgenommenen Lichtbildern ein Land und Volk von unenneßlichen Ausmaßen vor Augen. Besonders interesant waren die Bilder und Ausführungen über Sibirien, wo der Redner jahrelang gefangen gehalten wurde. Der lehrreiche und interelsante Vortrag fand verdientermaßen reichen Bei fa st. # Langd, 11. Jan. Gestern sand hier im Gasthaus Ronthaler die erste diesjährige Holzversteigerung der staatlicheii Försterei Langd slalt, zu der sich eine sehr große Zahl von Kauflieb Habern aus den umliegenden Ortschaften und bis weit in die Wetterau hinein eingesunden hatte. Die Preise waren, obwohl grosse H lzmengen ausgeboten wurden, um 30 bis 50 Prozent höher als int Vorjahre. Es kamen 947 Raummeter Hartholz und 880 Raummeter Reisigholz zur Versteigerung. Es wurden bezahlt für den Doppelraummeter Duchenscheit- holz 1. Klasse 29.20 bis 35 Mark, 2. Klasse 2 bis 3 Mark billiger, Hainbuchenscheithvlz (rund) hatte nahezu denselben Preis, Cichrnscheit- holz kam je Raummeter auf 10 bis 12 Mark, Kiefernschrilholz 9 Mark, Fihtenscheitholz war um ein geringes billiger. 1 Raummeter Du- bietet zur Zeit eine vorzklgkiche Schlittschuhbahn. Eifrig wird darauf von Kindern und Erwachsenen, auch aus der Umgegend, der Eissport betrieben. — Eine Frau von hier wollte ihrem Söhnchen beim Erlernen des Schlittschuhlaufens behilflich fein, fiel dabei auf der glatten Fläche und brach den rechten Arm. — Die hiesigen Bierniederlagen, Metzger und Gastwirte lassen seit zwei Tagen auf einem Teil des Teiches das Eis brechen und in ihre Eiskeller fahren. Da die kristaUbellen, großen Schollen 10 bis 14 Zentimeter dick find, wird die Arbeit sehr gefördert. ):| Gelnhaar, 11. Jan. Nachdem das Forste amt Büdingen unserer Gemeinde die außerordentliche Holzfällung von 1400 Festmeter genehmigt hat, ist die Gemeinde jetzt imstande, ihre Wasserleitung fertig zu bauen. Außerdem können ungefähr 15 Arbeitslose verwandt werden. j_ Glashütten, 11. Jan. Hier ftarb die älteste Frau — zugleich das älteste Gemeindeglied unseres Kirchspiels — Karoline 1111- rich Witwe im neunzigsten Lebensjahr. Sie hatte das seltene Glück, daß von ihren vier Kindern noch drei am Leben sind, daß sie goldene Hochzeit feiern und bis in ihr hohes Alter sich einer guten Gesundheit erfreuen konnte. KreiS Schotten. wg. Gedern, 11. Januar. Die hiesige Ortsgruppe des Bundes ehemaliger Hessischer Leibgardisten hatte sich bei Kamerad Braun (Gambrinus) zu ihrer ersten diesjährigen Versammlung zusammengefunden. Rach den Begrühungsworten des Vorsitzenden, Kam. Widmann, erfolgte zunächst die Aufnahme eines neuen Mitglieds. Der Vorsitzende erstattete sodann einen eingehenden Bericht über die Denkmalsweihe am 19. August 1928 in Darmstadt. Rach Erledigung rechnerischer Angelegenheiten und längerer Aussprache über den Bezug der Dundeszeitschrift „Der Leibgardist" wurde beschlossen, von letzt ab allmonatlich zusammen- zukommen, um echte Kameradschaft zu pflegen und die Erinnerung an die Dienstzeit im Leib- garde-Jnfanterie-Regiment 115 wachzuerhalten. Weiter soll die Fühlung mit den benachbarten, dem Bezirksverein Gedern angeschlossenen Ortsgruppen neu aufgenommen werden, um die Zusammengehörigkeit zu stärken. Außerdem wurde für den Sommer ein Familienausflug in Aussicht genommen. Dankbar wurde die Bereitwilligkeit des Kameraden Haubner zur Veranstaltung eines Lichtbildervortrags begrüßt. z—Was ist Togal?—> Togal-Tabletten sind ein hervorragendes Mittel bei Rheuma, Gicht, Ischias, Grippe, Nerven- u. Kopfschmerz, Erkältungskrankheiten! Schädigen Sie sich nicht durch minderwertige Mittel. Laut notarieller Bestätigung anerkennen über 5000 Lrzle, darunter viele bedeutende Pro» fefforen, die gute Wirkung des Togal. Fragen Sie Ihren Arzt In allen Apotheken Mark 1.40 0,46 Chiii., 12.6 Uth . 74.3 Add acet, aal ad 100 AmyL Betmlntniachnnlp Der Arühjahrsmarkt in Gießen (Schaumefse) 1929 findet vom 7. bis 14. April 1929 statt. Die Plätze für erftilaffige Fahr- und Schau- oeschäfte, Schieß» und Ver^ufsbudcn (leb» tere in beschränktem Umfange), sind un Wege schriftlichen Angebots zu vergeben. Bedingungen und Angedotjcheine sind bei der Stabtoerroaltung (Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 12) erhältlich: dort sind auch die Angebote unter Verwendung des vorgeschriebenen Angebotscheins bis spätestens 15. Februar 1929 (einschließlich) einzureichen. Der Frübjahrsmarkt ist trt der Zulassung von Geschäften kein offener, sondern ein befdjräntler Markt. Grundsätzlich werden nur solche Geschäfte (auch Spezialisten) zugelassen, die sich rechtzeitig um Plätze beworben haben und denen die Zu lasiungsgenebmigung vor Beginn des Marktes schr^lllch zugegangen ist. Die Vergebung der Plätze geschieht nur durch die Stadtverwaltung. Glückspielunternehmen jeglicher Art sind verboten. Eine Verlängerung des Marktes aus irgendwelchen Gründen findet auf keinen Fall statt. Gießen, den 12. Januar 1929. 378C Der Oberbürgermeister. I. V.: Klingspor. Absalllhozversteitzerung. Montag, den 14. J inuar 1929, 14 Uhr beginnend, läßt die Stadt Gießen etwa 66 Haufen Abfallhol; (Knüppel und Reisig) öffentlich meistbietend versteigern, und zwar: 378C 24 Haufen auf dem Oswaldsgarten 20 Haufen in der Marburger Straße 13 Haufen in der Wiefenftraße und 9 Haufen in den E'-chgärten — Ecke Wolfftraße. Die Zusammenkunft findet um 14 Uhr auf dem Oswaldsgarten und um 15 Uhr in der Marburger Straße — Ecke Bücking- straße — statt. Gießen, den 7. Januar 1929. Der Oberbürgermeister. 3.58.: Dr. Rosenberg. Vtttz- M BtetmlioMeioniing. Jreitag, den 18. Januar 1929, kommt aus den Waldungen der Gemeinde £au- bach, Distrikt Höll 8b, 9a und Buchwald 6a, folgendes Holz zur Versteigerung: 375D Ruhhol;: Derbftangen: Fichte 1. Klaffe 12, 2. Klaste 9, 3. Klaffe 4 Stück. Nutzscheit: Eiche 1,4, Buche 1 rm. Brennholz: Scheiter: Buche 325, Eiche 8, Fichte rund 16 rm. Knüppel: Buche 206, Eiche 55, Birke 6, Erle 2, Kiefer 2, Fichte 10 rm. Stöcke: Buche 146, Eiche 17 rm. Reiser: Buche 3. Klasse 608 rm. Reiserknüppel: Eiche 18 rm. Zusammenkunft vormittags 10% Uhr an der neuen Schützenhalle. Laubach, den 10. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei Laubach. H ö g Y. >'W dWM Ä WM Sil .-.WW.:?? --MMN a. - - HM -W-i MM WWW „Die feinsten wollenen Gewebe können ohne Schaden gewaschen werden “ Sie schreiben uns wie folgt: »Die feinsten Wo]Isachen selbst in den zartesten Farben können mit Lux Seifenflocken ohne Schaden gereinigt werden. Wir haben mit Lux Seifenflok- ken nur gute Erfahrungen gemacht/ Kluge Frauen befolgen den Rat dieser berühmten Fabrikanten, sie finden, daß ihre wollenen Sachen schön bleiben und länger halten, wenn sie mit Lux Seifenflocken gewaschen werden. Die meisten Hausfrauen kaufen die vorteilhafte doppelgrosse Packung! Die Hersteller der Esslinger Wolle Merkel & Kienlin empfehlen hierzu Lux Seifenflocken Umsn LUX SEIFENFLOCKEN SUNLICHT GESELLSCHAFT A.G. MANNHEIM Zwangsversteigerung 58/28 Am Donnerstag, dem 7. Ifiän 1929, vor- mittag» 8 Uhr, wird durch das Amtsgericht Gießen im Amtsgerichtsgcbäude, Zimmer 112, das dem Peter Sommer in Gießen zugeschricbene Anwesen Steinstraße 23: Flur II, Nr. 13'/»» = 495 qm Hofreite, geschätzt auf 29 560 Reichsmark, versteigert. 347D Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 10. Januar 1929. I. A. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsoorsteher._______ Nonlursversahren. Die Konkursverfahren über das Vermögen 1. der Gewerbebank Lollar, eingetragene Genossenschaft mtt unbeschränkter Haftpflicht in Lollar, 2. des Kaufmanns Hermann Nies in Lollar 3950 weden mangels Maste eingestellt. Gießen, den 4. Januar 1929. __________Hessisches Amtsgericht.__________ Brennyolzversteigerung Im Licher Stadtwalde. Im Distrikt Großhäuferberg werden nach vorheriger Zusammenkunft am Waldein« gang der Provinzialstraße Nieder-Bessin- gen—Langsdorf am Donnerstag, dem 17. Januar b. 3„ vormittags 10 Uhr, versteigert: 379V Scheiter rm: Buche 216, Hainbuche 68, Eiche 5, Linde 7. Knüppel rm: Buche 77, Hainbuche 40, Eiche 3, Fichte 2. Stöcke rm: Buche 173, Eiche 4, Linde 2. Neisig-wellen: Buche 5725, Linde 125. Lich, den 9. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei Lich. I. V.: I h r i n g, Beigeordneter. Süllen-Versteigerung. Dienstag, den 15. Januar 1929, wird am Faselstall dahier, vormittags 11 Uhr, ein Bulle öffentlich meistbietend versteigert. Bedingungen werden vor der Versteigerung bekanntgegeben. 375D Laubach, den 10. Januar 1929. Hessische Bürgermeisterei. ___________Högy.___________ Holzverfietgerung. Kirchenwal- Crumbach. Mittwoch, den 16. Januar, vormittags 11 Uhr Im Saale Geller, Crumbach 1. ra. 400 Zichtenstämme = 202 Zestmeter (Klaffe la-3b) Länge bi- zu 26 Meter. (Lever 100 Festmeter besonders schnittiges Lauholz im Distrikt Pfaffenstrauch). 2. ra. 115 Fichten-Stangen 1.-2. Klaffe. 3. ra 40 Stchen-vtLmme -14,10 Kestmete». 4 8 Raummeter Eichen-Ruhscheit. Gute Abfahrt. Günstige Zahlungsbedin». Evangettsch'luth. Pfarramt. Schul). 2240 Mercedes-Benz ai Achtzylinder Typ „Nürburg Mit einem Wort: Ein fabelhaftes Fahrzeug von internationaler Klasse! DAIMLER-BENZ AKTIENGESELLSCHAFT Verkaufstelle Gießen: Bahnhofstraße 90/92 308V trotzdem erstaunlich niedrige J reise Art 11: 28 Pf. p. 8t. <2 Pf. p. Mt Art 12: u Pf. „ Zum Reichs-Patent angemeldet. 09315 Art. 13: 61 Pf. Art. 23: 16 Pf. $3 Pf. Art. 14: Art. 24: 48 Pf. p. Mtr. Art. 15: <5 Pf. p. 8L 42 Pf. „ Art. 25: Art 16: 85 PL „ 48 Pf. 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Der König hat die Militärdiktatur ausgerichtet. weil der 6:aat mit dem Parlament schlechterdings nicht weiter zu regieren und in einer längst schon schleichenden und immer gefährlicher werdenden Krise war. Die Wirtschaft der Parteien, die mit ihren Gedanken völlig zu Ende waren, war trostlos. Schon als der alte Palchitsch noch lebte, war nach Erfüllung der großserbischen Hoffnungen, die der Weltkrieg ja gebracht hat. nichts von Einsicht und Gedanken in den serbischen Parteien zu spüren, die das Parlament bestimmten und sich in ihm zankten. So griff der König zur Selbsthilfe und beseitigte die Verfassung des S. VeitsLages (Didov- dan). (Und so herrscht heute in Jugoslawien eine königliche Militärdiktatur. Irgendwelchen Widerstand hat ihre Errichtung nicht gefunden. Daß das Land und die Wirtschaft diesen unfruchtbaren Parlamentarismus satt hotten, ist lein Wunder. Nun ober erhebt sich die eigentlich schwierige Frage, die auch in die Außenpolitik hinaus- sührl. wenigstens hinausführen kann: woran ist denn dieser Parlamentarismus Jugoslawiens so vollständig gescheitert, daß kein anderes Mittel möglich war? Reis für derartige Versüssungen finb auch die anderen Balkanstaaten nicht gewesen. Aber hier kam mit dem Parlament die Staatsmaschine ins 6:öden, weil die Parteien Serbiens sich als unfähig erwiesen, das Haupt- prob'em des neuen Staates zu lösen, ob er nämlich von Belgrad aus zentralisiert oder in der Form eines Bundesstaates und mit freier Bewegung der nichtserbifchen Bestandteile regiert werden sollte. Jene Verfassung vom 23. Juni 1921. die die Kroaten so sehr gehaßt haben, war serbisch-zentralistisch bi5 zum äußersten und die Verwaltung, auch die Armee waren und sind es noch mehr. Der Kamps der anderen nichtserbischen Bestandteile, besonders der Kroaten dagegen hat den neuen Staat von Ansang an gelähmt. Er stieg zur Siedehitze, als der Führer der Kroaten. Raditsch, im Parlament erschossen wurde und die Kroaten seitdem unbedingt sich weigerten, jemals wieder einen Schritt in die Slupschtina zu sehen. Darüber, daß die Verfassung nun durch den König beseitigt ist. jubeln angeblich die Kroaten. Aber damit ist noch keine Lösung für dos große eigentliche Staatsproblem gefunden. Die Lösung lag hier eigentlich von vornherein, bei dem ganzen Verhältnis der einzelnen Stammes- und Landesteile zueinander, aus denen das heutige Jugoslawien gebildet wurde, nahe, und trug in sich zweifellos keine Gefahr für die südslawische Einheit im Ganzen. Im Gegenteil würde ein jugoslawischer Bundesstaat unzweifelhaft nur den südslawischen Gesamtstaat und die südslawisch« Einheit gestärkt, zu gemeinsamer wirtschaftlicher Arbeit befähigt und außenpolitisch wirklich zu einem Faktor gemacht haben, der er infolge der inneren Kämpfe nicht recht geworden ist. Statt helfen hat man sich in Kämpfen verzehrt zwischen kroatischen Selb- ständigkeitssorderungen, die zu weit gingen, und einem serbischen Zentralismus, der n och viel weiter ging und der alles andere in unbedingter Abhängigkeit halten und regieren wollte. Dieser Zentralismus hatte und Hot seinen Haupt- sih in der alten serbischen radikalen Partei (aber auch die anderen serbischen Parteigruppen denken nicht viel anders) und daneben vor allem im Offizierskorps und namentlich in der Generalität, die jetzt aus der Hand des Königs das Heft in die Hand bekommen hat. In den bisherigen Kundgebungen ist an keiner Stelle der Wille zu erkennen, das kranke Staatswesen von diesem Punkte aus zu heilen. Die Vermutung liegt vielmehr nahe, daß die zentralistischen Elemente jetzt den Staat erst recht und gegen alle Minderheiten regieren wollen. Was nötig wäre, wäre eine konstruktive Tätigkeit der Staatsreform, die die Idee der Föderation durchführte und dann auch weiterführte in die mazedonische Frage hinein und in das Verhältnis zu Bulgarien. Alles das liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit. Führt der Staatsstreich aber weiter von der Militärherrschaft zur Gewalt, die den Zentralismus unbedingt. aufrechterhalten will. dann setzt der König feine Person und seine Dynastie auf das Spiel. Nicht nur das, bann riskiert er, daß die bisherige fchleichende Krise den Staat selbst gefährdet und auseinandertreibt. Das meinen wir mit dem Hinweis, daß die Frage in die große Politik hinein- führen kann. Man denke sich durch, was etn in solchem innerem Kampf sich Zerfleischendes und immer mehr geschwächtes Jugoslawien außenpolitisch für eine Gefahr würde, für den Sueben auf dem Balkan, für den Frieden m Eu- ropa! Wir hoffen sehr, daß der König, der in vielen Fällen schon staatsmännische Klugheit und Mut, Einsicht und Entschlossenheit zugleich gezeigt hat. mit diesen Eigenschaften auch Herr der Lage bleibe und den Staat in eine Neuordnung hinüberführe. Die Fähigkeit und innere Möglichkeit, als Staatswesen zu existieren, hat Jugoslawien an sich doch ohne jeden Zweifel! Die Intervention Litwinows in seiner Note vom 31. Dezember hat in Warschau Überraschung und Verlegenheit ausgelöst. Sie ist auch In Litauen übermittelt, für daS die Annahme selbstverständlich ist. dagegen nicht an Rumänien, das mit Polen im Meinungsaustausch darüber steht. Man sieht wirklich nicht, rein sachlich betrachtet, warum der Marschall Pilsudski zögert, auf die russische Anregung einzugehen. Aber die polnische Außenpolitik hat überhaupt kaum jemals irgendwie fruchtbare und positive Gedanken vertreten. Sie erschöpft sich in der Betonung des Bündnisses mit Frankreich und Rumänien • und glaubt sie zu verstärken durch Angriffe auf Deutschland im Stil des Außenministers Zaleski. wie er sie eben jetzt wieder in einer amerikanischen Zeitung und in der halbamtlichen ^Epoka" ausgesprochen hat. Man fragt sich vergeblich. wie Polen mit derartigen Aeußerungen gegen Deutschland sich außenpolitisch nützen zu Samstag, (2. llamiar 1929 in der schwierigen Lage des Kapitalmarktes eine Aenderung herbcilü.hren, oder gar stimulierend auf dielen wirken wird, kann nicht erwartet werden. Es würde e'me DD.Ifommcne Verkennung der ürerauS ce>pa:inten Berhä.tnis.e ti:|eÄ Marktes. der nach wie vor der größten Schonung bc- tacf, bedeuten, wenn angenommen werden sollte, daß mit einer Senkung des Neichsl-ankdiskontes nun der Weg für eine erneute starke Jnan'pruch- nahrne des Kapitalmarktes geöffnet würde. Tiskontjcnkung der Bayerischen Notenbank Die Baicrifchr Notenbank hat von ge'tern ab den Disica.,az für Wech e.ankauf aai 6V2, den Zinslah für Lombarddarlehen auf Z‘/2 Proz. festgesetzt. von rund 1 300 000 auf empfanget stieg 1 7 02 000 , b. i. um 402 000. Don dem Zuwachs Unveränderter DiskonNah der Golddiskonlbank. Der Tiskorll atz der D.utschen Goldd.skonlban! beträgt auch weiterhin 6 Prozent. Wertere Zunahme der Arbeitslosigkeit. Sie Zunahme der unterstützten Arbeitslosen hat sich auch in der zweiten Hälfte des Monats Dezember fortgesetzt: die weitere Steigerung ist zu einem großen Teil auf die kalte Witterung, im übrigen auf konjunkturelle Einflüsse zurückzuführen. Zn der Arbeitslosenversicherung betrug die Zunahme der Hauptunter- stützungsempsänger in der Berichtszeit 31 v. H., gegenüber 26 2 o. H. in der Zeit vom 1. bis 15. Dezember und 27,9 o. H. in der Zeit vom 16. bis 30. November. Die Zahl der Hauptuntcrstützungs- entfallen auf die männlichen Hauptunterstützungsempfänger 356 000 (Zunahme 34,5 v. H.), auf die Frauen 46 000 (Zunahme 17,4 v. H.). Am 31. Dezember 1927 wurden in der Arbeitslosenversicherung rund 1 188000 Hauptunterstützungsempfänger gezählt. Die diesjährige Zahl übersteigt somit die des Borjahres um 514 000 oder um 43 o.H. Die Zahl der Hauptunler- stützungsempfänger in der Krisenunterstützung stieg in der Berichtszeit von rund 116 800 auf 127 400, d. i. um 10 600 ober um 9 v. H. Bon dem Zuwachs entfallen auf die Männer 8600, auf die Frauen 1900. Verhältnismäßig ist die Zunahme bei den männlichen und weiblichen Hauptunterstützungsempfängern saft gleich. Umgestaltung der G.oßschiffe der „Hapag". Die Hamburg-Amerika-Linie teilt mit: Die technische Entwicklung im Turbine.-.antrieb ermöglicht es nunmehr. Schiffen vom Typ der „B a l l i n“» Klasse eine höhere Geschwindigkeit zu geben, ohne daß deren ruhige Fahrt, ihre hervorragenden See-Eigenschaften oder ihre Dr- triebsokonomie irgendwie beeinträchtigt werden. Die Hamburg - Amerika - Linie hat daher beschlossen, ihre Schiffe „Albert Balten". „Deutschland". „Hamburg" und „Neuhork" durch Einbau neuer Antriebsmaschinen (Turbinen. Kestel, Wellen. Schrauben) auf eine Ozeangeschwindigkeit zu bringen, die sicherstellt, daß dre Seereise auf diesen Schiffen von den Kanalhäfen nach Neuhork und zurück in je sieben Tagen zurückgelegt werden kann. Die Aenderung wirb bis zum Beginn der Frühjahrssaison 1 9 30 durchgeführt sein. Zugleich werden bi« Schiffe „Albert Dallin". „Der tchlanb" und,Hamburg" auf den modernen Typ der „Neuhork" gebracht, so daß vom Frühjahr 1930 an in wöchentlichen Abfahrten für die Passagiere über Hamburg eine Reisegelegenheit geboten werden wird, dir bei allem Komfort und bri dem bo- kannten erstklassigen Dienst eine schnellere älebersahrt gewährleistet. Die aus den „Dal- lln"-Schiffen heraus unehmenden acht Maschinen sollen nach entsprechenden Aenderungen für die gleiche Zahl von Passagier - und Fracht- Dampfern des bewährten 10 000-Tonnen-Th s mit 15 Seemeilen Otzeangeschwindigkeit Verwendung ftnben. Diese Dampfer find für die Fahrt in anderen Diensten bestimmt. Zwei Schiffe find gleichzeitig mit dem Umbau der „Ballen"-Schiffe bei Blohm & Voß in Auftrag gegeben. Die Kosten dieses Dauprogramms werden bereit» stehenden Mitteln und den zur Verfügung ge- ftellden Krediten entnommen werden, bis die Klärung der Eigentumssrage Gelegenheit zur endgültigen Gestaltung des Schiffsprogramms gibt. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Die am Ende der vergangenen Woche eingetretene Abschwächung setzte sich in drr Berichtswoche stärker fort. Die älmsatztangkeit blieb gering, da Publikum und Ausland dem Börsengeschäft treuer fernblieb.n. und der Orbermangel drückte wieder erheblich auf dm. Markt, so daß schon kleine Abgaben der Baissespekulation genügten, um merkliche Kursrückgänge herbei; u- führen. Die Stimmung war unsicher und lustlos: die Verstimmung über den Ne.rarationsb.wicht Parker Gilberts hielt an. Dazu kamen einige andere ungünstige Momente, wie der Bericht btt preußischen Handelskammern über einen weiteren Konjunkturrückgang und die erneut starke Zunahme der Arbeitslosigkeit. Eine groß: Enttäuschung war für die Börse die Nachricht, daß bei der A. E. G. nicht wie beim Siemenskonznm mit einer Erhöhung der Dividende zu rechnen sei. In QL E. G. und den anderen Slektrowertm setzten daraufhin Verkäufe ein, die teilte 4 te größere Kurseinbutzen verursachten. Weiterhin wurde die Stimmung durch die meist schwache Haltung m Neuhork ungünstig beeinflußt. Die Beunruhigung der gesamten Börse ging jedoch in bet Hauptsache von den sehr unerfreulich m Ereignissen am Markte der Autoaktien aus. Hier traten plötzlich im Zusammenhang mit einer Aufsichtsratssitzung der Adlerwerke Gerüchte über eine bevorstehende Sanierung dieses ünterneb» mens auf. und die Kleheraktie wurde in fo großen Beträgen angeÖDten, daß an einem Tage ein Kursrückgang um 13 Pro-ent eintrat. Der Kursabstieg setzte sich sodann bis auf rund 62 Prozent fort, da dem dringenden Angebot saft keine Ausnahmelust gegenüberstand. Die schwache Haltung der Kleyeraktien übertrug sich auf Daimler, die ebenfalls stark angeboten und mehrere PrvzeM abgeschwächt waren DaS bann von der Klcyeroerwaltung herausg'gebene Kommunique sprach zwar nicht klar aus, dah eine Sanierung vor genommen werden soll, doch zweifelte die Börse nicht mehr an dm NolWendigkeit, und man sprach bereits von einem Zusammen- Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) können glaubt. So ist die Erörterung um bas russische Angebot wieder in das anmutige Spiel der Noten und Gegennoten eingemünbet. bas man schon seit langem in der Frage des Nichtangriffspakts (im Grunde ist es ja genau dasselbe) erlebt hat Aber Schuld der russischen Politik ist eS nicht, wenn Osteuropa in feiner Frledens- ordnung nicht vorwärts kommt. Gedenket der hungernden Vögel! Dom Lande wird uns geschrieben: Der Hinweis in allen Zeitungen „Füttert die hungrigen Bogel!" genügt nicht. Man wird staunen bei einer Umfrage unter den Landbewohnern, wie viele den Aufruf lesen, wie wenige diese Bitte auf sich selbst beziehen! Und doch bist gerade Du, Leser, gemeint, an Deine Hilfe wird appelliert! Verlasse Dich nicht darauf, daß „andere" es machen gerade auf Dich kommt es an, und Du haft auch Zeit, sei Deine Arbeit noch so oiel, der hungernden, frierenden Kreatur zu helfen, an geschützter Stelle einige Hanfsamen- förner oder Speck ober geknackte Nüsse, wo es angebt auch Drotkrümchen usw. zu legen. Gibt ihnen doch das Futter etwas Wärme von Innen heraus, wappnet sie vor d^m Tod des Erfrieren». Siehst Du nicht, wie sie Nahrung suchend Deinen Hof, in die Nähe des Hauses kommen? Hörft Du nicht ihr fläg- ljches Zirpen? Versteht Du, warum sie so reglos, dick aufgcbluftert sitzen? Lehre doch das Füttern Deine fiinber, sie tun es so gern! „Komm zum Fenster, Hebe Kleine, bringe Krümchen mit und Brot. Schau — im Hof — dort auf dem Steine, liegt ein Vöglein — es ist tot. Eingefroren jedes Körnchen, jeder Jutterplatz verschneit — „Nur ein Krümchen, nur ein Körnchen", flehn die Sänger weit und breit. Gib ein Körnchen, gib ein Krümchen, Streu's vor unseres Hauses Tür, Und der Frühling schenkt ein Blümchen unb ein Dogellied dafür!" Klara Balser. Wirtschaft. Diskontherabsetzung der Reichsbank. Die R e i ch s b a n k hat, wie in einem Teile unserer gestrigen Ausgabe bereits gemeldet würbe, mit Wirkung vom 12. Januar ben Wechselbiskontsah Den 7 auf 61/, Proz. unb ben LombarbzinSsutz von 8 auf 71/, Prozent herabgesetzt. In der Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank begründete der Vorsitzende diese DiS- kontherabsetzung mit nachstehenden Auslührungen: Nach der Mskonterhöhung vom 4. Oktober 1927 von 6 auf 7 Prozent ha^en sich vom 7. Oktober 1927 bis zum 7. Januar 1919 bi: Hauptpositionen wie folgt verändert (in Millionen Mark): Gold unb deckungsfähige Devisen Zunahme 879, gesamte Kapitalanlage Abnahme 512, Reichsbarck» notenum.auf Zunahme 433, gesamter Zahlungsmittelumlauf Zunahme 235. Es zeigt sich, baß die Entwicklung der wirtschaftlichen Konjunktur inzwischen zu einem nicht unerheblichen Nückgang der gesamten Kapitalanlage der Reichsbank geführt hat. Die trotzdem zu beobachtende Zunahme des Notenumlaufs ist im wesentlichen eine Folge der beträchtlichen Vermehrung beS Gold- unb Devisenbestandes, die wiederum auf die weiter erhöhte kurz - unb langfristige Auslandverschuldung zurüchzuführen ist. G eichwohl sieht das Reichs- oankdirektorium in dec Entwick.ung ber Anlagekonten die Voraussetzungen für eine Senkung des Diskontsatzes von 7 auf 6.5 Prozent unb des Lombardsatzes von 8 auf 7.5 Prozent als gegeben an. Dabei wird angenommen, daß von einer solchen Ermäßigung ein ungünstiger Einfluß auf daS allgemeine Preisniveau nicht ausgeübt wird, da weniger mit einer Vermehrung des Notenum.aufes als mit einer ziffernmäßigen Verschiebung der Notendeckungsbestände zu rechnen sein bürste. Welches Ausmaß biete Verschiebungen annehmen werden, bleibt abzuwarten. Jedenfalls erschien bei dieser Ungewißheit unb ber Gegensätzlichkeit der sonstigen Entwicklungsfaktoren eine Ermäßigung in größerem Umfange als 0,5 Prozent nicht a n gezeigt Daß die Ermäßigung der Diskontrate Die Machivechäliniffe in China. Seit dem 1. Januar tagt in Nanking, ber neuen Hauptstadt ber chinesischen Republik eine Ab- rüstungslonferenz ber chinesischen Heerführer. Ihre Zusammenberufung wirft ein grelles Licht auf bte tatsächlichen Machtoerhältnisse in dem angeblich geeinigten chinesischen Reich. Das Land zerfällt nach wie vor in eine stanze Anzahl von Herrschaftsbereichen ber verschtebenen Generäle, bte über ihre Gebiete, in administrativer, militärischer, wie firan« zieller Hinsicht vollständig unabhängig von der nur formell bestehenden Zentralregierung verfügen. der oben angeführten vier Gruppen entscheidend geschlagen wurden. Er trat kürzlich der Nationalregierung formell bei und ließ erst am 1. Januar 1929 die Kuomingtang-Flagge in seinem Gebiet hissen. In der Mandschurei ist die angeblich regle- renbe Kuoiningtang-Partei noch bis zum heutigen Tage verboten, ein schlagendes Beweisstück dafür, daß dis Einheit Chinas nur auf dem Papier besieht. Außer diesen fünf Gruppierungen, deren äußerst loses Bündnis, das vereinheitlichte China darstellen Die militärischen Gruppierungen, in deren Machtgebiete das heutige China auf geteilt ist, sind fol- gende: 1. Die eigentliche Nationalregierung ber Kuomingtang'Partel unter Vorsitz des Generals T s ch i a n g k a l s ch e k mit ber Hauptstadt Nan- fing. Das Gebiet, über welches die Regierung unmittelbar verfügt, umfaßt nur die Provinzen Klangst, Tfcheklang, Anhwei, Stiangfu und einen Teil von Schantung. 2. Die sogenannte Kwongsl-Gruppe, die ein Bündnis von drei Generälen barfteUt. Diese sind: Litschaisum, der Herrscher über Kwangtung unb Kwangsi (Hauptstadt Kanton), Litsundschen, dessen Armeen Hunan und Hupeh besetzt halten (Hauptstadt Hankou) und Baitsuntschi, der Kommandeur ber Pekinger Garnison. 3. Fengjuhsiang, ber bekannte „christliche General", der über die Provinzen Kansu, Schensi- Hor.an unb einen Teil von Schantung verfügt. 4. I e n s i s ch a n , ber „Muster-Gouverneur" von Schansi. dessen Truppen im Jahre 1928 auch die Provinz Tschili, und die innermongolischen Gebiete Dschehol, Tschachar unb Suijüan eroberten. 5. Tschanghsueliang, ber Sohn Tschang- tsolins, der Herrscher der Mandschurei, dessen Armeen im vergangenen Jahre von der Koalition soll, gibt es aber noch große Provinzen, die nicht einmal formell sich ber Nankinger Regierung an- geschlossen haben. Diese sind: F u k i e n , das von Seeräubern terrorisiert wird: Kweit schon, be» berrscht von mehreren unabhängigen Generälen (Tutschünen): Szetschhuan, dessen größter Teil vom ebenfalls unabhängigen General Jangsen beherrscht wird: I ü n n a n , das Herrschaftsgebiet des Generals Lungjün. Endlich ist noch zu erwähnen, dah Im Westen der Provinz Kansu vom mohammedanischen General Matingsiang, ber in einem furchtbaren Blutbad hn Herbst 1928 Hunderttausende ber bärtigen chinesischen Bevölkerung ausrottete, sich feit mehreren Monaten erfolgreich gegen bie Truppen von Fengjuhsiang behauptet. Dank dieser Zerrissenheit des eigentlichen China erfreuen sich die Nebenländer Tibet und Ost-Turkestan einer unbeschränkten Unabhängigkeit. Unter diesen Verhältnissen wird von eingeweihten Kreisen fein Ergebnis der Nankinger Abrüstungskonferenz erwartet, außer der Entstehung von neuen Gruppierungen. Schon jetzt zeichnen sich die Konturen eines Bündnisses zwischen ber Mandschurei, der Kwangsi- Gruppe unb eventuell von Iensischan gegen die vereinigten Armeen von Tschiangkaischek unb Fengjuhsiang ab. | DIE MACMT--] VERHÄLTNISSE | IN CHINA» | s r WsÄunt.Nanking afTschang-kai-Schek der t&^hwann-si-- gruppe. ’h VttUnt. Feng• -Hsiang. Bunter Jen• Si -Sch an. Sch uh Än.ang 11. I. IW. 5 F. anksun a. M Schiuh-I l-Uhr- 6 >r» , k"r» werte. Salzdetfurth minus 5 v. ester- :get-e Rachsia'e. Hier nahm bi? 3ntere-ffeniäufe unb grösser« Landwirtschaft C 42 bis 48; Kälber B 71 bis 76. C 65 bis D 59 bis 64: Schafe A J 53 btd 54. B 45 bis Deckungen vor. Das Material war verhältnismäßig knapp, bei b?m geringen Angebot konnte bis zum Schluß der Woche ein Gewinn bis zu 1 Mark erzielt werben. Auch Sohafchrot 3n vor- vite- Ein- 70. 49: Verstärkte Rach^age bestand vor allem Vrotgetreibe auf Deckungen brr Wühlen. Loggen war Angebot so gut wie kaum Händen, unb im fr:im Handel wurden des ermäßigt werden. Rur nach Mais für Futtev zwecke be'tanb re. unb Rapskuchen waren lebhafter gefragt unb hatten größere Llmsähe zu verzeichnen. Auch zum Wochenschluß blieb dir Tendenz fest. Tie tLhikagoer festen Äotirrungen regten an. DaZ Geschäft hat e gegenüber der vergangenem Woche einen größeren Umfang zu verzeichnen. Das Angebot ist srhr klrin. Interesse besteht w itrr für die schon gmannten Getreidrarten, unb konnte sich sogar noch etwaj verstärken. Auch für Terminware machte sich in größerem Umfange Interesse bemerkbar. Im Vergleich zu den Dotierungen brr ver» gangenen Woche konnte Weizen 0.35. Roggen. Hafer, inländischrr, Roggenmehl je 0.25 Mark anKiehen, während W:izenkl:ie 0.10 Mark nach- gauen unb Roggenkleie unb Sommergerste nur gut behauptet blieben. Mais für Fntterzwecke lag bis zu 1 Mark. Weizenmehl bis zu 0.50 Mk. und niebrrrheinifche Qualitäten ebenfalls bis zu 0.50 Mark teurer. Die Woche schloß zu folgenden Rotierungen. Weizen 23.25, Roggen 22.75. Sommergerste 24.—, Hafer 23.23V4, Mais für Futtcrzwecke 22.75 bis 23.—. Weizenmehl 33.—, dito r.iedn?rh:i.sich 32.— bis 32.50, Roggenmehl 29.50 bis 30.25, Wcizenkleie 13.65 bis 13.75. Rvggenkloie 14.25 bis 14.50. Wochenbericht vom Frankfurter Schtachtviehmarkt. In der neuen Woche war das Geschäft am Frankfurter Sch.'achtviehmarkt im allgemeinen ruhig. Rur nach vereinzelten Diehgattungen bestand regere Rachfrage. Der Auftrieb hat sein früheres Ausmaß wieder erreicht, sogar noch etwas überschritten. Am Hauptmarkt waren Rinder etwas reger gehandelt, doch in Ochsen war das Geschäft sch.eppend, unb es verblieb Ueberstand. Kälber und Schafe waren anfangs ruhig, am Rebenmarkt erfuhr der Handel eine Belebung. Hier wurde an beiden Markttagen ousverlauft. 2n Schweinen war das Geschäft im allgemeinen schleppend. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1558 Rindern, darunter befanden sich 308 Ochsen, 54 Bullen, 512 Kühe und 380 Färsen, ferner auS 1595 Kälbern. 522 Schafen und 4820 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 10 Rinder. 150 Kälber, 200 Schafe und 100 Schweine mehr an getrieben. Befahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht: Ochsen AI 54 bis 57 Ml.. II 50 bis 53, B 45 bis 49; Dullen A 50 bis 54. B 46 bis 49; Kühe A 43 bis 47, B 33 bis 42, C 30 bis 35. D 25 bis 29; Färsen A 54 bis 58, B 49 bis 53. große Zurückhaltung und schritt in verstärkte» Maste zu Abgaben, so daß bei der Ausnahmeunfähig, feit des Marktes gegenüber der gestrigen Abendbörse Kursrückgänge bis zu 4,5 o. H. eintraten. Umsätze waren nur in geringem Ausmaße feftzu- ftellen. Die Abwärtsbewegung wurde noch durch einen größeren VorstoßderBaissespekulo- tion unterstützt, so daß die Tendenz ausgesprochen schwache Haltung zeigte. Stark angeboten waren vor allem Elektrowerte. Siemens mit minus 5 o. H.. Schuckert gaben 3,5 v. H., Gesfürel 3 v. 5). nach, Bergmann ebenfalls 3 o. H. und AEG. 2,25 d. Sj. schwächer. Am Chemiemarkt blieben J.-G.-F arben weiter stark vernachlässigt und 3,5 o. H. niedriger. Scheideanstalt knapp behauptet. Die weitere Verschlechterung am Eisen. undStahlwarenmarkt hatte ebenfalls einen nachteiligen Eindruck zur Folge, und Montan, werte waren daraufhin stärker angeboten. Ilse Bergbau minus 4 v. H, Gelsenkirchen minus 2,75 d. $)., Rheinische Braunkohlen minus 2,5 v. H. Stark im Angebot lagen noch K a l i. re.i Preise über Ro iz erzielt. Richt ohne fluh blieb bst hö)er gefo^dorte Mehlpreis von Angeboten an den Markt kam, in brr Hoffnung, weiters Preisst:izerungen günstig auszunützcn. ~ nach legungSverhAtniS von 2:1. Stärker abgeschwächt waren noch die K a l i a k t i e n auf die Bestrebungen, eine Ermäßigung der Kalipr.ise herbeizuführen. Die sehr befri.digende Geld- marktsituativn vermochte der Tendenz feinen Auftrieb zu geben. Wider Ertvartrn schnell vollzog sich nach dem Iahresultimv die Entspannung des Geldmarktes. Die Beanspruchung dor Reichsbaick war nach dem älltimoausweis nicht übermäßig groß gewesen, DaS Bestreben der Danken, ihre Jahresbilanzen liquid zu gestalten, hatte zu einer Aufnahme von kurzfristigen Auslandgeldern in großem Umfange geführt; bei der nunmehr einsehenden G ldmarkterleichterung dürften die schon in dem Bericht der Vorwoche er» wähnten Rückzahlungen dieser AuSlandgelder ihren Fortgang genommen haben; jed nfalls lag der Dollar weiterhin recht fest. Arn Tagesgeldmarkt war das Angebot außerordentlich groß, und zum Satze von 4,5 Prozent konnten namhafte Beträge nicht untergebvacht werden. Auch am Termingeldmarkt machte die Erleichterung Fortschritte. Der Privatdiskont konnte erneut um Vs auf 6 Prozent ermäßigt werden unb erreichte damit den niedrigsten Stand des Jahres. Sie Hoffnungen auf eine baldige S.nkung des Reichsbanldiskontes erhielten daraus n.ue Rührung. Wahrscheinlich wird dir Reichsbank aber Die Gestaltung des Medio abwarten, ch; sie sich zu einem solchen Schritt entschließt. D.friedigt war man darüber, daß dir geplante 100-M il- ltonen-Preußenanleihe, die nach Ansicht der Börse die Flüssigkeit des Inlandgeld- marktes gefährdet hätte, voraussichtlich nicht zustande kommt. Rach den teilweise umfangreichen Abgaben der Spekulation machte sich in der zweiten Wochen Hälfte stärkeres D:ckungsbedürfnis be- merkbar, das zu einer gewissen Erholung führte. Ramentlich am Montanmarkt wurden Käufe vor- genommen, da verlautete, bah bei den Stahl- Vereins werten die Dividenden unverändert bleiben werdew Aber auch I.-G.-Farben. Zrllftoff- unb Kupferwerte waren mehrere Prozent gebessert. Elektrowerte bli'ben dagegen auf die unxfricb geniten Siem ntb Ian,ei e)er angebvt n. Zum WoQ)enschluh würbe die Haltung, von den im Zusammenhang mit den geplanten Kunstseiba- preiscrmäßigun. en sehr schwachen Kunstseide- werten ausgehend, wieder allgemein unsicher unb schwächer. Für festverzinsliche Werte erhielt sich weiterhin einige Rachfva^e. ÄZochendericht vom Frankfurter produktenmarkt. In der neuen Derichtswoche erfahr dir Tenb'nz eine allgemeine Befestigung. Sie Händler waren zuversicht.icher gestimmt, da die Haus,e- bewegung an den Auslandsgetreidebörsen eine starke Anregung boten. Auch das wieder sehr knapp gewordene Angebot von Inlandsware, infolge der bestehenden Frost geahr wird Ware kaum verschickt, blieb nicht opne Einfluß auf die S.i.nmung. Die Forderungen von feiten der Provinz wurden ohne Schwie.igk:iten bewilligt, und es traten durchweg Preissteigerungen in erheblicherem Ausmaße ein. Auch schritten die Mühlen und die Exporteure in etwas vermehrtem Um ange zu Deckungen, so daß der Rach,rage in ve.schiedenen Fällen nicht genügt werden konnte, da die Landwirtschaft nur ml. ganz minimalen Schweine B 74 bis 78. C 76 bis 79, D 76 bis 79, E 70 bis 75 Mk. 2m Vergleich zu den Rotierun- gen der vorigen Wochen zogen Rinder bis 2 Mk. (Dullen sogar bis zu 4 Mk.). Schafe bis zu 4 Mk.. Schweine unb Kälber je bis zu 2 Mk. im Preise an. • Verständigung zwischen der Preu- ßenkasse und den Ralffeisenorga- n i f a t i o n en. Seitens der Preußischen Zenlral- genossenschaftskasse und der Raisseisenorganisa- tionen wird folgendes mitgeteilt: Die zwischen der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse unb den Derwaltungsoraar.isalionen der Raisfeisen- organisationen seit längerer Zeit geführten Verhandlungen haben zu einer Gesamtverständigung geführt. Es ist damit die finanzielle Voraussetzung für die von beiden Seilen erstrebte Vereinheitlichung und Rationalisierung des gesamten ländlichen Genossenschaftswesens geschaffen unb die ruhige Abwicklung der Geschäfte der Deutschen Aaisfcisenbank QI.-®, gewährleistet. Die Vereinbarungen werden von der Preußischen Zentralgenossenschaftslasse ihrer Aufsichtsbehörde und seitens der Deutschen Raisseisenbank ihrer Generalversammlung unverzüglich unterbreitet. * Reparationsaufträge für d i e Frankfurter Wirtschaft. 3m Anschluß an die verschiedenen Besichtigungen der neuen Frankfurter Siedlungen durch französische Kommissionen beabsichtigt das französische Arbeitsministerium. Typen- und Rormerbauteile, wie sie vom Franlfurter Handwerk schon seit einigen Jahren hergestellt werden, auf Reparationskonto zu bestellen. Eine Kommission französischer Architekten und Techniker ist in Frankfurt a. M. eingetroffen, um sich von den Frankfurter Firmen Angebote machen zu lassen. * Z i n se r m ä ß i g u n g der Berliner Stempelvereinigung. Die Vereinigung von Berliner Banken und Bankiers hat in ihrer gestrigen Sitzung aus Anlaß der Diskontermäßigung der Reichsbank beschlossen, die Zinssätze für täglich fällige Guthaben in gebührenfreier Rechnung von 4 auf 3,5 v. S). und für täglich fällige Guthaben in gebührenpflichtiger Rechnung von 4,5 auf 4 v. H. mit Wirkung vorn 12. Januar ab zu ermäßigen. Die Sollzinsen ermäßigen sich automatisch gleichfalls um 0,5 o.H. *DereinigteStahlwerke A.-G. Der Auf- sichtsrat der Bereinigten Stahlwerke A.-G. beschloß gestern aus dem . eingewinn von 52,5 Millionen Mark (im Vorjahre 52,94 Millionen Mark) die Verteilung einer Dividende von wieder 6 v. 5). vorzu- schlagen. ’ Beabsichtigte Stillegung etnes 3. - G. - W e r k e s. AuS ketriebstechnischen Gründen hat es sich als notwendig und zweckmäßig erwiesen, das Gip5werk Reckarzimmern der I.-G.-Farbenindustr e stillzulegrn. Mit Rücksicht auf die Belegschaft (193 Arbeiter unb 32 Angestellte) wird der Betrieb noch di: Wintermonate hindurch im bisherigen Umfange auf- rechterhasie.i. Es ist beabsichtigt, einen Teil der Belegschaft im Rahmen des Möglichen bei anderen Werken der Gesellschaft unterzubringen. * Ostwerke A.-G. Die Generalversammlung der Ostwerke A.-G. fetzte die Dividende wiederum auf 12 v. S). fest. Im neuen Jahre sei mit einer weiteren Verringerung der Kosten zu rechnen, da die Umstellung der Gesellschaft auf ein Holdingunternehmen durchgeführt worden sei. Im neuen Jahr sei auch wieder mit einem befriedigenden Ergebnis zu rechnen. * Schneider & Hanau A.-G., Frankfurt a m M a i n. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 1927/28 konnte zwar der Umsatz erhol t werden, doch war die Gesamtgeschäftslage ungünstig, und die Preise waren sehr gedrückt. Eine Dioidendenverteilung könne deshalb wieder nicht vorgenommen werden. Die Bilanzarbeiten sind noch nicht beendet. • Schultheiß-Patzenhofer r euere i •> QI. - Die G.-B. der Schultheitz-Pahen- hofer Brauerei-A.-G. setzte die Dividende auf 15 Prozent fest. Der Absatz im laufenden 3ahre hat eine erfreuliche Steigerung erfahren. Der Gesundungsprozeß im Braugewerbe dürfte weiten anhalten, wenn die Biersteuer nicht erhöht werde. Die gesamte Biersteuerlast mache heute schon mehr als ein Drittel des Dierverkaufs- preises aus. Hinzu komme, daß dem Gastwirts- aetoerbe durch den Entwurf eines neuen Schank- stättengesetzes schwere Gefahr drohten. Die Verwaltung gab der Hoffnung Ausdruck, daß die verantwortlichen Stellen, besonders die gesetzgebenden Körperschaften, den Gesundungsprozeß des Braugewerbes nicht durch Experimente unter- grab"n. * I. P. Bemberg, A.-G., Barmen. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung der I. P. Bemberg • A.-G. Barmen beschloß die Verwaltung, der für den 11. Februar einzuberufenben ordentlichen Hauptversammlung die Verteilung einer Dividende in Vorjahrshöhe von 14 v. H. vorzuschlagen. Der Hauptversammlung soll ferner für den weiteren Ausbau der Unternehmungen im In- unb Auslände zur Verstärkung der Betriebsmittel die Erhöhung des Aktienkapitals von 28 Millionen um 12 Millionen auf 40 Millionen Mark vorgeschlagen werben. Die neuen, mit halber Gewinnanteilsberechtigung für 1928'29 ausgestatteten Aktien [ollen an ein Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank gegeben werden mit der Verpflichtung, sie den Besitzern der alten Aktien derart zum Bezüge anzubieten, daß auf sieben alle Aktien drei neue Aktien zu 160 v. H. bezogen werden können. • Deutsche Edelstahlwerke, A. - G., Bochum. Die Gesellschaft weist einen Verlust von 728 411 Mark auf (im Vorjahr 56180 Mark Reingewinn). Die rege Nachfrage des Vorjahres wurde durch eine rückläufige, heute noch anhaltende Entwicklung abgelöst: da den Mehraufwendungen von 1,6 Millionen Mark gleich 5,3 v. H. des Aktienkapitals keine Verbesserung der Verkaufspreise gegenüberftanb, ließen sich trotz der fortschreitenden Rationalisierung Gewinne nicht erzielen. • Wanderer-Werke-Dresden. D^r Abschluß der Wanderer-Werke vorm. Winkl- hoser & Jänicke A.-G. in Dresden ergibt nach Abschreibungen von 933 900 (775 234) Mark einen Lleberschuh einschließlich des Vortrages aus dem Vorjahre von 1295 559 (1,8) MiU. Mark, woraus eine Dividende von 6 Proz. vorgeschlagen wird. Zu berücksichtigen ist, daß ein um 2 0.0 000 Mk. höheres Kapital an der Dividende feilnimmt. frankfurter Börse. Frankfurt a.M, 12.Jan. Tendenz: schwach. An der heutigen Wochenfchlußbörse machte sich Infolge ungünstiger Momente eine größere Unsicher- heit bemerkbar. Das Ansteigen der Arbeitslosigkeit im Reiche auf insgesamt zwei Mil- lionen unb eine Erklärung des amerikanischen Präsidenten über die Reparationszahlungen, wonach die Unterbringung der deutschen Obligationen in Amerika Schwierigkeiten bereiten würde, verstimmte stark. Der feste Schluß der gestrigen Neu- gorfer Börse konnte keinen Einfluß auf die Börsen- gcftaltung ausüben. Die Spekulation bekundete eine , IZ 6*2(62« MÄ di- °° L-h« S«* 'S §L°h« (ten Irrtümer! - Friede' ihre SchvU Marburg <2°- vuLhanVlung, Mlhelm zu v brrg-Dern'gtt $5 e>neL bidk voraus, bis 1806 fleW (Hanfe Tolum M !ie eint e vor un8 erst unb Seeienre totrben offen' entrollt ll4 tl tiefe Fromm ist eine Ausstich ■ 5neöe schrieb. bacf Menschen # -cnS ist ste koch verliert S-- Deltge! mte Zeitg feiten b?r Mühlen. Am Mehlmarkt war im Ei.Ulang hiermit srlbsiverständlich eine Belebung sestzu stellen. die sich jedoch zumci't nur auf Weizenmehl beschränkte. Be.o.rdrrs nied rrhei- nische Ouali.äten waren gesucht und konnten nach einer vorübergehenden Abschwächung an einem Tage bis eine halbe Mark anzirhem 3n Roggenmehl war zeitw.ise genügend Ware am Markt, da von ostpreußisch:r unb pommepcher Seite grobe Angebete Vorlagen unb somi. anfangs eher preisdrückend wirrten. Doch im Verlaufe trat auch hier eine allgemeine Verknappung ein. und b i lebhafteren älmsätzen konnten Preisgewinne lis zu einer halben Mark erzielt werden. Am Futtermittelmarkt war Weizen- und Rog^enkleie (tarier vernachlässigt, da Ware in größeren Posten vorhanden war. 3n Weizenklcis mußten die Dotierungen segar etwas e g e I n minus 3,5 v.H. und Aschersleben minus 4 v. H. Schwächer waren noch Reichsbank minus 2 o. H., Commerzbank minus 1,75 v.H. Schis fahrtswertc bis 1,5 unb Daimler 1,75 v.H. niedriger. Adlerwerke knapp gehalten. Etwas Interesse bestand für M e t a 11 b a n f und für Montecatini, doch verkehrten diese Märkte auch fa'c ohne Umsätze unb etwas schwächer. Rach den ersten Kursen stagnierte das Geschäft vollkommen. Es waren weitere Kursrückgänge bis zu 2 v. H. fest- zustellen. Licht & Kraft 242, Farben 258 (Geld), Schuckert 247 bis 247,25 o. H., Siemens 409,25, AEG. 180,50. Am Geldmarkt war Tagesgeld zu 5,5 v. H. unverändert. Am D e - vifen markt nannte man: Mark gegen Dollar 4,205250, gegen Pfund 20,4113, gegen Paris 124,10, London gegen Kabel 485,05, Madrid 29,71, gegen Mailand 92,70, Holland 12,0990, weiter fester. Berliner Börse. Berlin, 12. Jan Die Börse eröffnete im An- schluß an den unsicheren Dormittagsverkehr in schwacher unb sehr lustloser Haltung. Eine angebliche Erklärung (Soolibgcs, bie in einem heutigen Morgenblatt veröffentlicht wurde, rief eine außerordentlich starke Verstimmung hervor, da der Präsi- bent erklärt haben soll, baß die Höhe der jährlichen Zahlungen Deutschlands mit 2,5 Milliarden seststehen unb nur noch über die Zahl der Annuitäten eine Einigung erzielt werben müsse. Man nahm diese Erklärung gerade jetzt vor den Verhandlungen als sehr befremdend und sehr beunruhigend auf. Auch sonst waren eher ungünstige Momente zu hören. SodieErhöhungderAr- beitslofenzisser auf fast zwei Millionen, eine Zahl, die auch trotz der bedingten Saisonoerschlechte- rung als erheblich anzusehen ist; hemmend wirkte ferner der bevorstehende Reichstagsbeginn, die geplante Steuererhöhung, die Dcrschlech- terung der Eisen- und Stahlfertigindustrie im Dezember. Auch bie bereits gestern erwähnte Begrün- düng der Herabsetzung des Reichsbank- diskonts verstimmte noch. Etwas günstiger auf- gefaßt wurde die Tatsache, daß am Montag die Verhandlungen über eine Anleihe Preußens wahrschsin- lich zum Abschluß kommen warben unb mit einer 8,5=o. H.-Derzinsung, einer Laufzeit von vier Jahren zur Ausaabe kommen werde. Die ersten Kurse waren bei kleinsten Umsätzen durchschnittlich 1 bis 3 v. H. schwächer. Kunstseidenwerte waren auf den Beschluß der Diskosekonvention, die Preisliste außer Kurs zu setzen, etwa 5 o. H. schwächer. Die Kav.tal- erhöhung und das Bezugsrecht von 7:3 zu 165 bei Bemberg befriedigte kaum, da man mit einer Dividendenerhöhung gerechnet hatte. Elektrowerte waren besonders schwach, so verloren Siemens und RWE. je 7,5 v. Sn. Berger lagen auf hie Mitteilung, daß mit dem Abschluß über b:* Dioi- benbe noch keine ErNäruna abgegeben werden könne, 7 v. H. schwächer. Deutsche Anleihen Ioa-»n schwach Ausländer uneinheitl-ch Türken st'll, MexikanerBewässerung fest. Der B f a n d- hriefmarft war geschäftslos und eher schwächer. Der Oefhmarft waT vielleicht eine K^inigfeit roenioer flüssia. Tagegeld 4 bis 6 5 v. SS.. Manats- oeld 7.25 bis 8,5 v.H.' Warenwechsel 6 25 v.H. Versaut" ginnen b:e Slirte meist um 0 5 bis 1 v. H. zurück. W a l d b o f und n l n p h o n 2 v. H., B e m- berg weitere 4 v. H. schwacher. Sprechstunden der Nedaktwn 12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle \u richten Für unverlangt eingefanbte Manuskripte ohne beigefügtes“ Ruckporto wird keine Gewähr übernommen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angelübrren Zistern geben bie Höhe bet zuletzt beschlossenen Dividende an. — ReichSbankbiskont 7 Prozent, LombardzinSfuß 8 Prozent. Berlin H. ftcinnnr Berlin 12. 1 Dstmn: 136.75 133,5 134,33 a zn._ Devisenmarkt Berlin—Frank' rt Telegraphische Auszahlung. 64,5 12,75 62.25 82,25 150,5 26,5 Vanknoten. G5,5 116 65.5 115,5 151 26,75 105.o 212,5 149,-5 63,5 240,5 120,25 | 150 26 5 104 125 | 212.5 140.25 | 10 . 8 10 15 12 IS 14 824 279 505,25 445 187 lsranzoiiicve Jiote» 8‘ ollöndiilbl' Koten ...» talitniftbe Vtoten ...... Norwraischr Noten . . . . Drmich-Leslerr, 4 ioo Ärtmea Rumöntlcde Noten ..... SLwevische ‘Jlotrn ...... etbroriw ')< ottn ...... Svanische Noten....... TlcLechoilowaMche Roten . . Unaariftbr Roreo 134.13 .26,5 281.75 511 450 190 210,5 134.75 231,5 65,5 44 63,4 243 51 IOO 290 133,75 228,75 04,25 jiUiitpu vu‘Unann . . peidelberfl, s CemetU . . gement ftarlftaM . . • ©airt 4 Rrettoa . . . edraltbete Pavenhofa . Cftroerte ... « •Bet. . . . Bemberg . . . . « rtellfiofl Dfllddos - - . SeUfloff Airbflfsenburg . (Ibatiottenbutget ©ailet Teijouer ©o» . . . Daimler Tloiorett . • . Demag . . • « Hblerroette Äletxt . • , r'uvw. Voeroe . . . • < Nat. Automobil . . . « Crenftchi 4 ftoDtid . < Leonbard Dietz . . < Bamflg-Meguiu . . . , ^ranff. Mai Lia« . . , Griynet . • • < yenllgenfiaebt . • • < Aungbanl . . • e < Leib werte . • • • ■ MaintraUwerti . . . iliog . . • e . Nelarlulmer ... ■Betete Untat, ... Gebt, fioeort . . • Soigi 4 Haessner . • . Südd Sud« . . . Hei "CT 159.04 21.995 112,22 59.22 2.537 H2.52 81, iS 8.69 12,46 I -CT 168.36 -1.915 111,78 58.98 2,517 112,08 80,8:1 68,41 12,40 73.12 $Tmthfurt a. TI | Veriin J:ai:hfurto. Tl Berlin Sd)lub-| ftur» i 1-Uhr- Sur» Sch.uh । tuniang Schiutz-, Rur» l’Uijr« R'trs Sd) u[j ., An,ana Sur» ftur» k"r» Hüt* Datum 11.1. | 14. 1. 11- 1. 12. 1. Tahm: | 11.1. | 12. I. tl. 1. 12.1. 8% Dt «eiche-ntethe o 1827 87.3 — 87,5 — L.U.®eu «unoteb.-iani.. 4% LekrerreichOche »oldttk.. - 4,20% Orten 5Ubemt. • - 96,75 33 2,75 2,75 3= —■ 416,5 181 111,5 417 161 181,5 411 160,25 4% Crteaetcti ein beul Ste. l ,8<5 - • *• täutterui ....... 6 — —» 84.65 84 4% Unparifthe SoldNe 26,6 23.15 * 26,6 26,6 teurid» Stbll . ......8 — — 139,5 138 4% Ungarildte Stflfltft e. i»10 * — — Süener ©teinlotfie..... 8 — — 126.25 — 4H% t*»fll von 1813 — — (Mellen Hr ebener ... 129,5 126,75 129 127,5 4% Ungariichr ftTonenrtt. ** — • 2,1 Haroenei ....... 6 — — v7.5 — 4% lurt ßollanleibe v 1811 12,13 12,5 11,8 Hoeltb Eilen. ...... .8 * -* 126 123 4% lürfndj» öaebobbobn.ebti., Serie 1 4% Be»gl Serie II _ _ 12,3 3l|e ÖeiQban........8 230 236 230 105,75 125 105,5 121.5 12,1 — 12.25 — fföln^eueütB.......» — - <% Rumänen conveel Rle. . - 11 25 —— 20,75 •w Mannesmann ....... 8 -*• 130.5 1.9.5 8himänen (BnfbenL mre 1818 20,3 — Manrfelver .......1 CberidUel Eilend Bedarf... 6 115,5 115.5 115,5 115.75 • 114 lll,7o CDg Drund» 4t)en’xil)n 4% Hamdurg ÄmerUa Safet ... 8 Hamb.eüDam Damoiigl. - • t banifl tampHditfl > - 1® RorbOrutidtet tlloat ... 6 ülllg DeuiicdeiLrebittmÜ. - - K 6atmet Banlvereto K Beriinet vanbelsgeleligd. 12 tommer»- und Lrioat-Banl 1> Larmit u jlanonolbotd 139 133.5 245 5 188,75 9u 137,5 132,13 187 139,13 172,25 33,5 141,9 145 245.25 «8.75 .90,5 — 137 170.5 1j2.5 142 144,9 445 197, ö 281 Cberid)lel Rofiroedr ... 6 Bdönir Beravan «betntiebf Braunlohle, 10 iRbetnftflbt f. % 3* Äiebed Montan ... 12 bereinigte Statt!®. .... 8 Ctarrt Minen . • . • tsh ffflli flicbereleben .... 10 ftan äBrteteaeln .... 10 Sallweri 6ol*»ethrttl ... 15 93,5 287,5 1.4 36.25 70 290 29. 529 285 53,75 -86 -87.Ö -24 114,4 93,65 288.25 138.0 96,1:. 70 .-83 .'91,5 o27 113,6 91,75 -84 136 95 69.5 488.75 >23.75 Le.'tltde «ant »° 173.5 •• 73.5 167,75 l72,o a « ,furd, n-andutm» ... lü 162,75 259.5 263 260 Li«lonlv ttzi-lelltchcili '2al. - 10 167,25 165.75 65.75 Dynamit Nobel . ..... 6 - 124 — Lreednet Bant . . 1° 172,75 - >72,75 .72 Sdieibeanftalt . ...... S 187 186 Mttteldeuttche (itetrtibanl . . • 2.1 213 ÄolvILmidt ....... 5 96 ■ — 95,75 95,5 (RetaODanf ..... 6 136.5 1-6,75 137,5 —- ifiütGmroerte 8 104.5 104,25 lo3,35 «***ttxa* ...... 12 47 325 327,5 324^ «etdUaeWJltbaft......tl — •— 11. Januar 12. Januar amtliche "Jiott turtd Amtliche 97onerunfl weid j)ner »Seift tör.er flmfi.» ‘Jfott IÜ8.V7 169.01 168.60 lob,94 Bn'n.-Aire' 1.7'9 l.«<5 1,770 1,774 Bril -Ännv i 58,41 58.53 •>0.42 ob, 54 (ibrifttanto 112,04 112.26 112.04 112.26 »ODcnbaacn (14.10 112.58 112,14 112.36 etotlbolm 112.37 114.59 113,39 il-.61 feelfinarort 10,569 10,589 10,565 ,0.585 ^ttiltrn ■ . 41,99 42.0.1 -2 00 i2.b4 London. . . 40,-88 40.4:8 Zd. 88 20,428 ‘Uetroort . . (.2040 4.2120 4,204> «,2t Paris... t-.K l(,.47 81,04 16 425 lo 4 Go Ötbroeij . . Sva ’ten . 80,88 80.86 1,03 8.63 35.77 1-8,64 ■8.76 gavan 1.910 1.914 •. 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Wenn Eroce Ausdruck und Kunst gleichseht, so stellt Federn fest, das sich der künstlerische Ausdruck von jedem anderen dadurch unterscheidet, dah er um seiner Form willen geschaffen ist. Der Wille zur Form ist ihm wesentlich. Kunst ist keine Nachahmung, sondern eine Bearbeitung der Natur. Das, Wesen der künstlerischen Form beruht aus bestimmten Matzverhältnissen, die zwar erfühlt, aber nicht arithmetisch fcstgestellt werden können. Federn entwirft die Grundlinien einer neuen Aesthelik und vor allem einer neuen Poetik, da er der Ansicht ist, dah gerade über dos Wesen der Dichtkunst die meisten und verbreitetsten Irrtümer herrschen. — Friederike, Gräfin zu Stolberg- Wernigerode. in ihren Iugendbriesen an ihre Schwester Anna, Freifrau von W y l i ch. Marburg (Lahn), N. G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung. T.50 Mk. (813). — Marie, Gräfin Wilhelm zu Solms-Laubach, Prinzessin zu Stolberg-Wernigerode, hat diese Briefe herausgegeben und schickt ihnen in vortrefflicher Exposition eine Lebensbeschreibung der Gräfin Frie- derlle voraus. Die Briefe, in den Jahren 1797 bis 1806 geschrieben, sind kulturhistorisch interessante Dokumente, aber bedeutsamer scheint mir, batz sie ein£ Gestalt von seltener Wesensprägung vor uns erstehen lassen. Die zarten Gemüts- und Seelenregungen der jugendlichen Friederike werden offenbar, in wundersamen Spiegelungen entrollt sich ihr Dasein, das reinste Harmonie und tiefe Frömmigkeit krönt. Jeder dieser Briese ist eine Ausströmung schwesterlicher Liebe. Wenngleich Friederike keine Novellen und Romane schrieb, darf man sie doch zu den schöpferischen Menschen zählen. Mit allen Fasern ihres Her- tend ist sie ihrer nächsten Umgebung zugewandt, doch verliert sie nie den freien Blick für das arotze Weltgeschehen. Kluge Reflexionen über berühmte Zeitgenossen, die in ihren Kreis treten. sind in Friederikens Briefe verflochten. Immer wieder zeigt sich, wie sie von Gottvertrauen er- hoben, von goldner Ruh« des Gemüts durchdrungen, zu hoher Kultur gelangt. So erklärt sich, dah später die Greisin schwere Schicksalsschläge in gesunder Stimmung überwand. Von den zahlreichen Bildern, die das geschmackvoll ausgcstattete Buch schmücken, tritt uns das Porträt Friederikens als das ansprechendste entgegen: eine höchst anmutige, frische Erscheinung. Gräfin Wilhelm zu Solms-Laubach hat sich mit der Herausgabe dieser Briefe ein unleugbares Verdienst erworben. A. B. — De utsch er Reichspo st- Kalender 19 2 9. Herausgegeben mit Unterstützung des Reichspostmi i tcriumfe. Konkordia-V« lag, Leipzig, Goethestr. 6. Preis 4 Mark. (817) — Der Kalender, in Form eines Abreißkalenders, soll besonders die enge Verbundenheit der Rcichs- post mit Wirtschaft und Verkehr zum Ausdruck bringen. Er will durch die dargestellten Vorgänge aus Post- und Telegraphenbetrieben der Oesfentlichkeit einen Einblick in das Wesen dieses großen DerkehrSgebiets gewähren, über Gebühren- und Dersendungsbedingungen aufllä- ren und dm Postkundrn zweckmäßigste, bequemste und wohl'eilste Ausnutzung der Verkehrsmittel vor Augen führen. Aus gute Bildaufnahmen und kurzen, bündigen Text ist besonderer Wert gelegt worden. Kunst und Wissenschaft. Alfred-Brchm-Siiftung. Zur Feier des 100. Geburtstages von Alfred Brehm, des großen deutschen Tierlebenforschers, am 2. Februar 1929, wurde zur Sicherung dec Lebensverhältnisse der hochbetagten Töchter Brehms eine Alfred-Dreh M- Stiftung ins Leben gerufen unter dem Ehrenprotektorat von Kultusminister Becker, Bengt Berg. Wll- helm Dölsche, Waldemar Dönsels, Oberbürgermeister D ö h, Bruno H. Bürgel, R. H. Francs, Wilhelm Filchner, Heinrich Hagen deck, Prof. Dr. Heck, Fritjof Na ms en, Lord Rothschild, Wilhelm Schmidtbonn u. a. — Alfred Brehm hat dos unsterbliche, kulturgeschichtliche Verdienst, die weitesten Kreise, das ganze Voll erst für die Tierwelt gewonnen zu haben, als der „geniale Tiermaler mit Worten". Diesen Cbventitel hat als erster Geheimrat Heck für Brehm geprägt und damit den Kern seines Wesens und desien wirksamste Ausstrahlung treffend bezeichnet. Weltwirksam darf man dies« Ausstrahlung nennen, denn kein anderes Volk hat aus Eigenem etwas „DrehmS Tierleben" auch nur annähernd Ebenbürtiges an die Seite zu sehen. — Bei der vollstümlichen Bedeutung Brehms, der ungezählten Tausenden erst die Augen geöffnet hat um zu sehen, zu beobachten und sich reinster Naturfreude hinzugeben, ist zu hoffen, daß sich ebensovie>le Tausende finden, um als Dankesschuld diese Ehrengabe an die Töchter Brehms zu ermöglichen und der Stiftung die Mittel zuzuführen, um im Geist ihres Namensgebers fördernd zu wirken. Spiclplarr der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 13. Januar, von 15 bis 17,30 Uhr: Trilltrall und seine Bruder; von 19 bis nach 22,30 LIHr: Aida. Montag. 14., von 18,30 bis gegen 23 älhr. Tristan und Isolde. Dienstag. 15.. von 19,33 bis 22,30 älhr: Othello. Mittwoch, 16., von 20 bis gegen 22 lllhr: Die toten Augen. Donnerstag, 17., von 19,30 bis gegen 23 älhr: Die Fledermaus. Fr.itag. 18., von 20 bis gegen 22 älhr: Tanzabend Thery Schultheis, Meisterschülerin der Schule Feretth. SamStag. 19., von 15 bis 17,30 älhr: Trilltrall und seine Brüder; von 19,30 bis 22,30 älhr: Don Juan. Sonntag, 20.. von 15 bis 17,30 ilhr: Trilltrall und seine Bruder; von 19 bis 22,30 Ufjr: Die Fledermaus. Montag, 21.: von 19,30 bis bis 22.15 älhr: Der fliegende Holländer. — Schauspielhaus. Sonntag. 13. Sanuar. von 15,30 bis gegen 17,30 älhr: Gastspiel Blauer Bogel; von 19 bis nach 21 41hr: Schwengel; von 22 bis gegen 24 älhr: Gastspiel Blauer Vogel. Montag, 14.. von 20 bis nach 22,30 älhr: Me Petrolcum-Znseln. Dienstag, 15., von 20 bis 22 Ufjr: Jugend. Mittwoch. 16., von 20 bis nach 22 älhr: Karl und Anna. Donnerstag, 17., von 20 bis gegen 22.30 älhr: Der brave Soldat Schwejk. Freitag. 18., von 20 bis nach 22 Iller: Dantons Tod. Samstag, 19., von 20 bis nach 22 älhr: Karl und Anna. Sonntag, 20.. von 15,30 bis gegen 17,45 älhr: Schwengel: von 20 bis gegen 22.30 Ähr: Der brave Soldat Schwejk. Montag, 21., von 20 bte gegen 2230 Nhc Der brave Soldat Schwejk. Kirchliche Tlachn'chten Evangelische Gemeinden. Sonntag, 13. Januar. 1. Sonntag nach Epiphanias. Stadtcirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Mahr; 11: Kinder- kirchc für die Matthäusgemeinde; Pfarrer Mahr; 5. Pfarrer Becker. — Iohanneskirche. 9.30: Pfarrer Bechtolsheimcr; 11: Kinderkirche für die Lukas- femeinde: Pfarrer Bechtolsheimcr; 5: Pfarrer Aus- eld; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Jo- hanncsgemeinde; 8: Bibelbefprccbung im Johannes- faal; Pfarrer Ausfeld. — Kapelle des Alken Fried- Hofs. 9.30: Pfarrer Lenz, 11: Kinderkirche; Pfarrer Lenz. — Elifabelh-üleinkinderschule. 9.45: Pfarrer Becker. — Neue Aula der Landesuniverfikäk. 11.15. Universitäts-Gottesdienst; Predigt: Professor Lic Bornkamm. — Klein-Linden. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — Mieseck. 10; 5.30 und 7.30: Lichtbild-Missionsstunde, Opfer für die Ostasienmis- sion. — Alken-Lufeck. 10; 1. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 1.30: Lollar. — Hausen-Garbcnkeich. 10: Garbenteich; 1: Hausen. — Mahenborn-Sleinberg. 1. Hauptgottcsdienst, 2: Kinderkirche. — Llch. 10: Stiftsdechant Kahn; 12.45: Kindergottesdienst. 2: Stiftspforrer Lic. Schorlemmer. Katholische Gemeinden. Samstag, den 12. Januar. Gietzen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, 13. Januar. 1. Sonntag nach Epiphanie. Gietzen. 6.30: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jünglinge; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 5: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. ‘lerne tt. 'Jlvotheren nm13.1.29 S.-R. l)r. Dchlievhnke. vr.Meyerhofs. Pelikanavoib. .^abnarzt: l>r. Metz. "*D // Das unerreichte, Wissenschaft), begründete Mittel für den Haarwuchs. Ärztlich empfohlen gegen Haarausfall und Kopfschuppen. Zugleich das erfrischende und Ideale Pflegemittel für die Frisur, von höchster Eigenart der Duftkomposition. Bis zum 25. Januar 1929 müssen wir geräumt haben. Wir verkaufen daher ohne Rücksicht auf den bisherigen Preis unsere sämtlichen Bestände in Anzug- und Futterstoffen Lo denmäntel, Sportartikel Versäumen Sie nicht, diesen Vorteil wahrzunehmen A.Schuster&Co. Ecke Neuen Baue — Sonnenstrafce 303V J. ß. HÄUSER, GIESSEN AM 0$ WAL DSCARTEN______ Hel, Ist das ein Vergnügen. Onkel Frierig hat den Buben und Mädels feste Rodelschi.tten und Schlittschuhe von Häuser geschenkt trnd nun geht* heidi über die Schneeberge und den zugefrorenen See. 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Oie Ä Der Autono Ltich» Paris. 13.3|m Lisch die Somit hm Zlufonomiflen Kammer im ^ovei bitte. Nachfolger ju de Mufonotniflcn ii fm aus, die sogeno Pfarrer Hauser, tteiffet-ilbjuntten Nverschel. wat emt eigene kandid fird), dem MH Lulonornisi 5 für water Prozeß frei frühere Abgeordnel fcr von den Rechts Am 22. Mpril vc Stimmen wie folg Nlürfchel 3900. Aus fielen 3716 und a Stimmen. 3m )w mit 11 268 gegenüb und 2909 Sfimmeti llllkirch erzielte i 5100 Stimmen, rot Silbermann 3949 5 btt bemokralischen 2 s»Msten 1113 und Men 514 Stimmen IvahiWg Mg H' llbg. SiidemMn, b »eteinigen tonnte. Das ttgebnl wahlbezikt Kolm ßolgendermchen: hauh erhiell 874 matianal-fakholifcher Stimmen, der Ka 3592 und fommun Stimmen. Hs ist a Die Tchchwche führten jur Bal Kandidaten f erhielt gegen den Een und früheren nur 3650 Stimme All ä0Bn »öS lohn, fierShim infolge Enfchlil $(,n'pI^unb H2. **N*teii Der) Nimmt Deut Berlin, 14. 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