Nr. 265 Erstes Blatt 179. Jahrgang Montag, H. November 1929 Erscheint täglich,sicher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle monah=Be$ng$preis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Träger, lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse unter5amme[nummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Elehen. Postscheckkonto: jtran!fitrt am Main 11686. GichenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnlck und Verlag: vrühl'sche llniverfitätr Buch- und rieindruckerel B. Lange in Gietzen. Schriftlettung und Geschästrstelle: Zchlllsttahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzcigen von 70 mm Breite 35 Neichepsennig, Platzvorschrift 20"mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Der Kampf um den Räumungsiermin. Tardieus falscher Zungenschlag. Der französische Ministerpräsident hat durch seine Aeußerung über den Beginn der Räumungsfristen für die dritte Zone zum mindesten. eine Verschärfung der internationalen Aussprache erreicht. Da Tardieu schon in der Regierungserklärung auf blendende Redensarten, die dem gallischen Sprachgeist so liegen, verzichtet hat, um dafür messerscharf die Auffassung seiner Regierung zu den Haager Abmachungen und zum Voungplan zum Ausdruck zu bringen, so ist es auch sicher, das; die scheinbar beiläufige Bemerkung über die Räumung in allen Einzelheiten vorher überlegt war. Die Begründung, die Tardieu für seine Auffassung vorgebracht hat, ist sachlich und formell wenig glücklich. 2m Haag ist ganz zweifellos fest vereinbart worden, daß spätestens bis zum 3 0. Juni 1930 der letzte fran- zösische Soldat das deutsche Gebiet verlassen haben muh. Daß inzwischen der Voungplan vollzogen wird, ist von beiden Seiten als Tatsache unterstellt worden. Aber dieser Vollzug des Voungplans war keine Voraussetzung für die Räu- mung, weshalb es auch keine Voraussetzung für die Räumung sein kann, dah die Kommerzialisierung der Tribute in die Wege geleitet sein müsse. Das ist ein banktechnischer Dor- gang von internationalem Ausmah, der weder vom guten Willen Deutschlands noch Frankreichs abhängt, sondern einzig und allein be- stimmt wird durch die banktechnische und wahrungspolitisch« Lieberlegung der Leitung der Internationalen Dank. Wenn Tardieu behauptet, feit dem Haag hätten sich Geschehnisse abge- wickelt, die zu einer Versteifung der Verständigungspolitik geführt hätten, so trifft das in keiner Weise zu. Gewiß, der deutsche Außenminister Dr. Stresemann ist gestorben, aber seine Politik ist und bleibt die Plattform der Regierung Müller-Curtius. Dah cs in Frankreich inzwischen eine Regierungskrise gegeben hat, kann die Haager Abmachungen schon deshalb nicht beeinslufsen, weil diese nicht allein von F,rankreich und Deutschland getroffen worden sind. Völlig unverständlich ist es, dah Tardieu das Volksbegehren gegen den Voung-Plan im Sinne seiner Ziele zu verwerten sucht. Der fran- zösische Ministerpräsident ist viel zu klug, um nicht zu wissen, dah dieses Volksbegehren zu neunundneunzig vom Hundert eine innerpolitische Angelegenheit ist. Es trifft auch nicht zu, dah die durch das Volksbegehren ausgelöste Bewegung im August im Haag unbekannt war. 3m Gegenteil, diese Bewegung, deren Ausmah und Tiefenwirkung gerade iw August noch nicht zu übersehen war, hat nach dem zuverlässigen Urteil kundiger Beobachter gerade den hartnäckigsten Gläubigern gezeigt, dah das deutsche Volk sich n i ch t u n b e d i n g t eincnn neuen Diktat beugen werde. Cs läge vielmehr im Interesse eines wirklichen Friedens, dem auch Tardieu zu dienen vorgibt, wenn Frankreich offen zugäbe, dah es den Voung-Plan und die deutschen Tribute unbedingt gebrauche. Wiki aber Frankreich irgendwelche Schwierigkeiten machen, so hemmt es absichtlich oder unabsichtlich die Ingangsetzung des 'ZZoung-Plans. der gerade für die Kommerzialisierung das internationale Vertrauen notwendig hat. Insofern ist Tardieus Aeußerung noch mehr als ein falscher Zungenschlag, ist ein politischer Fehler ersten Ranges. Richt nur Deutschland allein erwartet die fristgemäh festgesetzte Räumung, sondern alle Völker, denen an einem wahrhaften Frieden gelegen ist. 06 Tardieu den französischen Rechtsparteien eine Verbeugung machen wollte, um sie bei der Stange zu halten, ist gleichgültig. Der französische Ministerpräsident darf in einer Kundgebung von internationaler Bedeutung nicht nur an die Sicherheit seines Kabinetts denken. Bei der Wandelbarkeit der französischen Kammermehrheit kann eine Regierung schon morgen über ganz andere Dinge stiirzen als über die Auslegungsformel für die Räumungsfristen. In welche Lage würäe sich Frankreich begeben, toerm es nach dem Vollzug des Voung-Plmrs durch den Deutschen Reichstag Klauseln in den Haager Abmachungen entdeckte, die niemand vorher darin gesucht und gefunden hat, deren Anwendung aber das ganze Haager Friedenswerk gefährden könnte. Im übrigen hat Tardieu sich selbst widerlegt: Wenn er in der Regierungserklärung feierlich Steuersenkungen und andere schöne Dinge in Aussicht stellte, dann kann er diese Ankündigung nur aussühren, wenn Frankreich zunächst auf die regel- mäßigen Zuflüsse aus dem Houng-Tribut rechnen kann. Ohne diese Zuflüsse bricht der französische Haushalt zusammen, muß insbesondere für die Schul- dcntilaung an England und an die Union eine völlig neue Regelung gefunden werden, die eine gewaltige Steigerung der französischen Steuerlast ooraussetzt. Da Tardieu das ebensowenig wollen kann und will wie irgendein anderer Ministerpräsident, so muß er sich ftijon zu den zweifelsfreien Bedingungen bekennen, die Stresemann im Haag mit Driand über die Räumungsfristen getroffen hat. Sie sind nicht nur ein Zeichen guten Willens, sie sind vielmehr das Wesen der Politik, die das erträgliche Nebeneinander der Völker in Europa möglich machen soll. Die Räumung des Rheinlandes ist keine deutschfranzösisch.' Angelegenheit, ist vor allem nicht dem selbstherrlichen Willen Frankreichs anheimgestellt. Sie ist vielmehr eine Pflicht Frankreichs, die zum Ausdruck bringen soll, daß die Völker entschlossen sind, mit der brutalen Politik der Gewalt und der Sanktionen ein Ende zu machen. Verdächtige Bundesgenossen. Franklin-Bouillon und Louis Marin mit den Regierungserklärungen zufrieden. Paris, 9. Rov. (WTB.) Aus der Racht- sihung der Pariser Kammer, die dem Vertrauensvotum für das Kabinett Tardieu verherging, sind noch zwei Redner nachzutragen, deren Aeuherun- gen die für Deutschland bedenkliche Situation am wirkungsvollsten unterstreichen. Franklin-Bouillon sagte, Driand habe wunderbar auf alles das geantwortet, was er gar nicht gefragt habe; Driand habe aber nicht auf das geantwortet, was er, Franklin- Bouillon, gefragt habe. Immerhin habe man hinsichtlich zweier Punkte Genugtuung erhalten: Die Saarfrage sei mit dem Doung-Plan nicht verbunden und der Räumungstermin des 30. Juni sei nichtaufrecht erhalten worden. Was die von ihm in seiner Rede gemachten Behauptungen anbetreffe, so handele es sich um Dinge, die in den Senats- Berlin, 9. Rov. (Privat.) 3n Berliner amtlichen Kreisen sieht man auf dem Standpunkt, daß die Rede Briands in der französischen Kammer von uns mit Befriedigung begrüßt werden kann. Brlanb habe sich entschieden für die $ ort- fehuug seiner Verständigungspolitik eingesetzt. Bei Beurteilung der Ausführungen des Ministerpräsidenten Tardieu über den 2)oung- plcm muß, wie uns von unterrichteter Seite mik- geteilt wird, streng unterschieden werden zwischen der Kommerzialisierung und der Modi- l i s 1 e r u n g der beutjd)en Zahlungen. Die Kommer- zialisierung bedeutet lediglich die Auslieferung der deutschen Schuldtitel an die Internationale Zahiungsbank, während die Mobilisierung die Flüssigmachung dieser Schuldtilel darstellt. Für diese letztere kann, wie Tardieu sehr richtig ausgeführt hat, Deutschland nicht verantwortlich gemacht werden. Zu den Ausführungen Tardieus über d i e Fristen der Räumung wird in amtlichen Kreisen auf die Dokumente der Haager Konferenz Hingewiefeu. In der Rote der Besatzungsmächte Ist erklärt worden, daß die Räumung unmittelbar nach der Ratifizierung desZoungplanes und der Jnkraftfehung der dazu gehörigen Gesetze beginnen solle und a u f jeden Fall binnen acht Monaten bis zum 30. Juni nach st en Iahres beendet werden muß. Auch das Antwortschreiben des verstorbenen Reichsministers des Aeußeren Dr. Stresemann unterstreiche diese Vereinbarungen, wonach die Räumung ohne Unterbrechung so schnell erfolgen muß, wie die natürlichen Bedingungen der Dinge es erlauben, spätestens in acht Monaten und nicht über den 3 0. 3 u ni tjinausgefjenb. Man sieht in politischen Kreisen in den Ausführungen Tardieus über die Räumungsfristen keinen birektenGegen- f a h zu diesen Dokumenten. Tardieu habe nur insofern Vorbehalte gemacht, als er die Frist für die Räumung als noch nicht laufend bezeichnet habe, ehe nicht die in den Dokumenten genannten Voraussetzungen, Ratifizierung und 3nkraftfehung des Poungplones, erfüllt feien. Berliner Bläiterstimmen. Berlin, 9. Nov. (TU. Funkspruch.) Bei der Beurteilung der großen Kommerdcbatte beschäftigen sich die Berliner Blätter vor allem mit den Ausführungen Briands und Tardieus. Die konservative „Kreuzzeitung" erblickt in der Erklärung Tardieus über die Räumung der dritten Zone eine neue Versteifung der französischen Rhein- landpolitik, durch die die Reichsregierung sich vor neue, unerfreuliche Tatsachen gestellt sehe. Auch Briand habe geschickter Weise vermieden, von einem Endtermin der Räumung zu sprechen. Die agrarische „Deutsche Tageszeitung" nimmt unter der Ueber» schrift „Vorhalte und Drohungen" gegen die Erklärung Tardieus über die Räumung Stellung. Das Blatt ist der Ansicht, daß die Ausführungen des Ministerpräsidenten in Deutschland geradezu erschütternd wirken müßten und ver- langt, daß die Reichsregierung auf der Innehaltung der geschlossenen Verträge bis zum Letzten besteht. Der deutschnationale „Lokal-Anzeiger" sieht als Ergebnis der Kammerdebatte die Entwicklung eines neuen Kurses der französischen Außenpolitik. Gegenüber der allzu vagen Erklärung Briands müsse das Schwergewicht auf die Ausführungen Tardieus gelegt werden. Es habe sich gezeigt, daß die Führung der Außenpolitik an Tor- ansschüsscn bereits ausführlich zur Diskussion gestanden hätten. Wenn man nicht die Zerst ö r u n g der Sammelbahnhöfe Trier und Kaiserslautern durchsetze, würde man nichts erreicht haben. Er habe seinerzeit für die Locarno-Verträge gestimmt, nicht weil er diese für einen Selbstzweck ansche, sondern weil er glaubte, dadurch den Versailler Vertrag aufrecht zu erhalten. Unter den Erklärungen, die die Abgeordneten vor der Abstimmung aogaben, ist besonders auffallend die von Louis Marin, er werde f ü r d i e Regierung stimmen. Am 22. Oktober habe er gegen die Regierung gestimmt, weil sie sich geweigert habe, auf die von ihm gestellten präzisen Fragen Antwort zu geben. Die erste Frage habe gelautet: Hat man nut der Räumung der dritten Zone bereits begonnen? Die Antwort hieraus habe die Regierung heute in negativem Sinne gegeben. Die zweite Frage, die er an Briand gestellt habe, Ijabe gelautet: Ist die Regierung frei, wenn die Diskussion über den Poung- plan und die damit verbundenen Fragen vor das Parlament kommt? Diese Frage habe Briand im Namen der Regierung heute mit Ja beantwortet. Infolgedessen spreche er der Regierung das Vertrauen aus, behalte sich im übrigen aber vor, Briand nach seinen Handlungen zu beurteilen. dieu abgegeben ist. Für die ebenfalls deutsch- nationale „Berliner Börsenzeitung" gipfelt die Kammerdebatte in der von Tardieu herbeigezogenen Rheinlandräumungsverzögerung, die sich ganz und gar in der Politik der französischen Treulosigkeit bewege. Die „Germania" (Ztr.) stellt fest, daß das Hauptverdienst an dem Sie« der neuen Regierung Briand zufalle, der sich ganz für die von ihm eingeschfageNe Politik der Verständigung eingesetzt habe. Hinsichtlich der Ausführungen Tardieus über die Räumung erinnert das Blatt an die Haager Zusicherung Briands und an die deutsche Note vom 30. August. Der demokratische „Börsen-Kourier" ist der Ansicht, daß Tardieu den Grundsatz, vor der Räumung der dritten Zone müsse „Inkraftsetzung" des Poungplanes erfolgt fein, bis zur Anfecht - barfeit roeit ausgelegt habe. Demgegenüber müsse die Reichsregierung von dem französischen Ministerpräsidenten eine Auskunft verlangen. Das demokratische „Berliner Tageblatt" steht auf dem Standpunkt, daß im Hinblick auf die Kammersitzung aus dem Ministerium Tardieu-Briand eine Ministerium Briand-Tardieu geworden ist, und daß die Außenpolitik im Sinne des Friedens und der Versöhnung den Vorrang behalten habe. Der 30. Funi. Ter Kommentar des „Tcmps". Paris, 10. Rov. (Funkspruch. TLl.) Der „Temps" schreibt zu den Kommentaren deutscher Blätter zur Rede Tardieus. wonach sich der Ministerpräsident in direktem Widerspruch mit den Haager Abmachungen befindet, daß der Brief, den die Vertreter Frankreichs, Englands und Belgiens am 29. August Dr. Stresemann übergeben Ratten und der das eigentliche grundsätzliche 2lbcommen über das Rheinland darstelle, ausdrücklich betone, daß die Räumung der dritten Zone er ft nach der Ratifizierung des Poungplanes durch Frankreich und Deutschland und nach der Ingangsetzung dieses Planes beginne. Der Zeitraum, der für die Räumung vorgesehen sei, rechne selbstverständlich er st von dem Tage ab, wo diese Vorbedingungen erfüllt feien und das Datum des 30. Juni gelte natürlich nur dann, wenn die normale Zeit vorhanden sei, die zur Zurückziehung der Truppen aus den, besetzten Gebiet notwendig fei. Jede andere Auslegung des Haager Abkommens sei falsch. Briands Echo. „Ein wahres Friedenslicd" sagt die Pariser Presse. Paris, 9. Rov. (WB.) Die Morgenpresse stimmt ein Loblied auf die Driand-Rede an, die als ein „wahres F r i e de n s l i e d" bezeichnet wird. So schreibt das „Petit Journal": Briand hat mit solchem Rach druck, mit solcher Bestimmtheit und in einem so hohen Gedankenflug auf die Rede Franklin-Bouillons, geantwortet, dah die Rede zu den schönsten seiner Karriere gehört und vielleicht die mutigste Rode ist. d e er jemals gehalten hat. — Tie „Republique" sagt: Die Rechtsparteien unterstützen die Politik Briands, der die Politik der Linksparteien betreibt. — Selbst das Gott)* Blatt „L'Ami du Peuple" muß zugeben daß die gestrige Rede Briands eine künstlerische Leistung gewesen sei. Was den Politiker und den Diplomaten anbetresse, so hätte man vielleicht Vorbehalte zu machen Aber jetzt sei der Augenblick dazu nicht da. Die Schlußfolgerung, die Driand aus seinen Ausführungen gezogen habe, sei: Wenn wir gegenüber Deutschland eine Gewaltpolitik gegen den Willen unserer Alliierten hätten betreiben wollen. dann hätten wir mit ihnen zu gleicher Zeit wie mit Deutschland brechen müssen. — „Figaro" schreibt: Die Kammer wird, wenn sie sich von dem oratorischen Zauber, den Briands Ausführungen an sich hatten, befreit haben wird, bemerken, daß Driand ein allgemeines, übrigens sehr vorsichtiges Expose gegeben hat> das zur Beruhigung bestimmt war. Aber nach seiner gestrigen Rede sind wir doch nicht viel klüger, als wir vorher gewesen sind. Oie deutsch-französische Annäherung. Geheimrat Tuisberg über LtrcscmannS Außenpolitik. Paris, 11.Roo. (WTB. Funkspruch.) Geheimrat Dr. Karl Dulsberg von 3. G. Farben, der Vorsitzende des Reichsverbandes der Deutschen 3n- buffrie, hat einem Mitarbeiter des „Excelsior" eine Unterredung gewährt, in der et sich über b i e beutsch-französische Annäherung aussprach. Geheimrat Dulsberg hob dabei besonder» bie Berbienfte Stresemanns hervor und erklärte, die Politik Stresemanns habe enbgültig bet Aera bet Abenteuer ein (Enbe bereitet und dank ihrer fei Deutschland heute auf gutem Wege. Die Auswirkung dieses Erfolges habe sich seit einem 3ahre dermaßen gesteigert, daß man blind sein müsse, um die Wohltaten nicht zu sehen. „3ch erkläre", sagte Dulsberg, „baß bie große Mehrheit Deutschlands niemals friedliebender gewesen ist a l s h e u t e. denn sie begreift bereits alle Vorteile, die sich für unser Land aus der Politik Stresemanns ergeben. Sie will also um keinen Preis eine andere Formel. Frankreich und Deutschland müssen zuerst daran arbeiten, eine wirtschaftliche Verständigung zu erzielen. Wenn erst eine Möglichkeit gefunden ist, um die wirtschaftlichen Beziehungen beider Teile zu sichern, bann liehe sich die Zusammenarbeit auch auf andere Gebiete ausdehnen. 3m übrigen", so schloß Dulsberg, „können wir denn anders handeln, selbst wenn wir wollten? Wir haben hierzu nicht die Mittel." Bafel Sih der Internationalen ZahtnngSbant. Baden-Baden, 9. Rov. (WTD.) Die heutige Rachmittagssihung des Organisationsausschusses hat zum Sitz der Dank für internationalen Zahlungsausgleich die Stadt Basel beftrmmt. In engerer Wahl stand auch Zürich, doch hat man sich für Dasel entschieden, weil dieses nicht nur in eisenbahntechnischer Hinsicht als günstiger gelegener Knotenpunkt anzusehen ist, sondern auch in telegraphentechnischer Dezie- hung hinsichtlich der guten Kabelverbin- düngen, beides Vorbedingungen, die nach Ansicht der Konferenzteilnehmer für den künftigen Sih der Weltbank von ausschlaggebender Bedeutung sein werden. Die beiden belgischen Delegierten, die nach der Abreise der Hauptdelegierten hier als Beobachter zurückgeblieben sind, haben an der Abstimmung nicht teilgenommen. Oer polnische Handelsvertrag und die Landwirtschaft. EincNcdedesRcichslandbundführcrsHcpp Schwerin a. d. Warthe. 9. Rov. (T.-Ll.) Auf einer großen Baucmversainmlung sprach der Präsident des Reichs-Landbundes, Reichstagsabgeordneter Hepp. Der deutsch-polnische Vertrag über die Frage der Liquidation des deutschen Privateigentums in Polen und des Wiederkaufsrechtes, das Polen hinsichtlich der von den früheren preußischen Ansiedlungsbehörden gegründeten Bauemstellen für sich in Anspruch nimmt, komme in seiner Auswirkung einem Ostlocarno gleich, das nicht einmal das eine Gute für sich habe, daß es die Deutschen in Polen in ausreichendem Maße vor polnischer Willkür schütze, ganz abgesehen davon, daß es dem Deutschen Reiche neue Milliardenopserohne auch nut annähernd ausreichende Gegenleistung polnischerseits auserlege. Die Wirkung der deutschen Ostpolitik aber steigere sich geradezu zur Katastrophe durch die zwangsläufigen Auswirkungen, die der geplante Handelsvertrag mi* Polen auf die Lage der gesamten Landwirtschaft haben müsse. Die Gewährung des Meistbegünstigungsrechtes komme fast einer Riederlegung des deutschen Zollschuhes gegen Polen gleich. Die Einräumung des Schweinekontingents an Polen bedeute Vernichtung der Rentabilität des einzigen landwirtschaftlichen Betriebszweiges, der zur Zeit noch einigermaßen günstige Preise zu verzeichnen habe. Der Handelsvertrag mit Polen vernichte die wirtschaftliche Grundlage des ostdeutschen Bauerntums und einer erfolgreichen Ostsiedlung und zerstöre dadurch den besten Schuh der bedrohten Der übliche Optimismus derWilhelmstraße Wie das Auswärtige Amt Tardieus Kammerrede auslegt. Noimgplan, Zinanzresorm und KommunalpoM. Eine Programmrede des preußischen KmanzministerS. Hamm. 10. Nov. T.-Ll. (Funkspruch.) Hier sprach der Preußische Finanzminister Dr. Höp- ker - Aschoff über wichtige Fragen der deutschen Politik. Er forderte eine starke bürgerliche Mitte. Die aus dem Voungplan gesparten Millionen gingen für die Fehlbeträge aus dem Jahre 1923/29 drauf. Später bringe der Voungplan 700 Millionen Minderlasten. Es sei unmöglich, schematische Abstriche an den Haushalten in Höhe von 3 bis 5 v. H. vorzunehmen, um so die genannten 700 Millionen für Steuersenkungen zu verwenden. Ein Beamtenabbau bei Lehrern, Schupobeamten und der Justiz sei unmöglich bzw. nicht von heute aus morgen durchzusühren. Auch in der Landeskulturverwaltung könnten keine Ersparnisse gemacht werden, weil die Bodenver- besserungsarbeiten im Jntere'se der deutschen Volkswirtschaft notwendig seien. Die Wirtschaft müsse durch Kapttalviidung entlastet werden, die nicht nur im Interesse der Arbeitgeber liege. Wege hierzu feien Abbau öer Industrie- und der Rentenbank- l a st e n , Erleichterungen bei der Einkommensteuer und eine starke Senkung der Realsteuer. Zu der Kommunalpolitik übergehend verwarf der Minister die Verstärkung der Staatsaufsicht über die Selbstverwaltung, da eine Gesundung nur durch die Selbstverwal- t u n g selbst kommen könne, indem sich Stadtverwaltung und Stadtverordnete äußerster Sparsamkeit befleißigten. Wie Preußen von der Inangriffnahme von neuen Bauten für das Jahr 1930 vollständig abgesehen habe, so müsse das auch in den Gemeinden möglich sein. SMpartei und innere Reform. Eine Entschließung des Landesverbandes Hessen. Darmstadt, 9.Nov. (Wolff.) Der geschäftsführende Ausschuß des hessischen Landesverbands der Deutschen Bolkspartei hat eine Entschließung gefaßt in der es u. a. heißt: Die deutsche Wirtschaft in allen ihren Zweigen ist durch die Tributlasten, durck den öffentlichen Aufwand in Neich, Ländern und Gemeinden, durch die Belastungen und erdrückenden Steuern vor die unmittelbare Ge-fahr des Zusammen- bruchs oder des Ausverkaufs an das Ausland gestellt. Die deutsche Landwirtschaft ist infolge ihrer Ueberschuldung in weiten Teilen bereits der Kaufkraft beraubt. Kapitalschwund und unerschwinglicher Zinssatz, Börsenpanik und Konkurse sind die Anzeichen lebensgefährlicker Krank- hcit. Mit Rücksicht auf die deutsche Außenpolitik mußte, um das Ziel der Befreiung der Rheinlande nicht zu gefährden, derKampfumdieinnere Reform im Reiche zurückgestellt werden. Mit dem vertraglichen Abschluß der Verhandlungen über die Tributlasten und die Räumung ist s p ä t e st e n s der Zeitpunkt gekommen, wo die lange aufgeschobenen Reformen auf dem Gebiete der Verfassung, des öffentlichen Aufwandes und der Steuern mitrückfichtsloserEntschiedenheitan- gefaßt werden müssen. — Die Deutschnationale Volkspartei ist durch die Führung Hugenbergs zu völliger Einflußlosigkeit auf den Gang der Entscheidungen verurteilt. Gegenüber der starken Sozialdemokratie besteht deshalb um so dringender und unaufschiebbarer die Notwendigkeit, daß die auf dem Boden des gegenwärtigen Staates zur inneren Gesundung des Reiches und aur Sanierung feiner Wirtschaft entschlossenen Kräfte und Parteien aus allen Ständen und insbesondere aus der jüngeren Generation zu einer großzügigen Zusammenarbeit zusammen- gefaßt werden. Die Parteileitung wird aufgefor- dert, die kommenden politischen Entscheidungen, insbesondere in der Führerfrage ausschließlich unter diese großen Gesichtspunkte zu stellen und baldigst herbeizuführen. Oie Dürgerschastswahlen in Lübeck. starke Zunahme der Nationalsozialisten und Kommunisten. Lübeck, 10. Nov. (WTB.) Der heutige Wahltag in Lübeck ist bemerkenswert ruhig verlaufen. Bei den diesjährigen Dürgerschastswahlen wurden zum erstenmal die Driefwahlen durchgeführt, die Kranken und von Lübeck abwesenden Personen die Möglichkeit gaben, ihre Stimme bereits vor dem Wahltag brieflich zu übersenden. Das amtliche endgültige Ergebnis der Dürgerschastswahlen stellt sich wie folgt: (Mandate der vorigen Dürgerfchaftswahlen in Klammern.) Hanseatischer Volksbund 27 863 Stimmen, Sitze 29 (36), Sozialdemokraten 33 256, Sitze 34 (35), Kommunisten 6714, Sitze 7 (5), Demokraten 2612, Sitze 2 (2), Zentrum 636, Sitzi 1 (1), Hausbesitzer 781, Sitze 1 (0), Nationalsozialisten 6338, Sitze 6 (0). Macdona!- Ober Räumung, Abrüstung, Frieden. Oer Arbeiterpremier auf dem Londoner Guil-hall-Bankett. London, 9. Nov. (WD.) In dir Guildhall in der Londoner City wurde hru.e abend mit allem herkömmlichen Gepränge das Dankett abgehalten, das der neue Lordmayor von London am 9. November, dem Tage seiner Vereidigung, den Mitgliedern der Negierung, dem / Diplomatischen Korps, den Richtern und anderen hervorragenden Gästen gibt. Der neue Lordmayor, Sir William Waterlow, brachte den Trinkspruch auf die M i n i st e r feiner Majestät aus. Er verwies darauf, daß zum erstenmal in der Geschichte Englands Mitglieder eines Arbeiterkabinetts an dem Dankett teilnehmen. Er gedachte des Vorhabens, Macdonald und Snowden zu Ehrenbürgern der Londoner City zu ernennen und sagte, diese Ehrung werde dem Schahkanzler zuboll wegen der Zähigkeit, des Mutes und der Geschicklichkeit, mit der er im H a a g die britischen Interessen verteidigt habe, während der Premierminister durch seinen Desuch in A me r i k a eine Atmospäre guten Einvernehmens, gemeinsamen Strebens und erneuter Freundschaft hervorgerusen habe, deren guter Einfluß auf die künftigen Beziehungen beider Länder und auf den Weltfrieden gar nicht abzu- schähen sei. Dann hielt Macdonald der mit lautem Beifall begrüßt wurde, eine Rede, in der er u. a. ausführte: älnsere Nation hat während des Krieges und seit dem Kriege reichliche Deweise für ihren selbstlosen Wunsch erbracht, Europa wieder auf die Beine zu helfen und mit beinahe grenzenloser Großmut und Doll- auf jede Verpflichtung eines Alliierten erfüllt. Im gegenwärtigen Augenblick ziehen unsere Truppen heim. Zwei Drittel sind bereits zurückgekehrt, und der Rest wird am 15. Dezember zu Hause sein. Der Tlmfang der französischen Streitkräfte hat es nicht möglich gemacht, ihre Bewegung mit der gleichen Beschleunigung durchzuführen, aber wenn wir unseren 25bzug beendet haben, werden auch unsere französischen Freunde die zweite Zone völlig geräumt haben, und d i e dritte Zone wird endlich, wenn alles gut geht, Mitte nächsten Jahres frei sein. Niemand, der an den Haag denkt und die Zukunft ins Auge faßt, kann dies tun, ohne gewahr zu werden, daß ein Schatten über dem Abschluß dieser Konferenz liegt. Denn am Ende seines Werkes im Haag ist Dr. Stresemanns Leben zu Ende gegangen. Während einiger Zeit hatte er mutig gekämpft: denn sein Körper war durch Krankheit geschwächt, aber fein Geist war durch Hingabe an seine öffentlichen Pflichten gestärkt. Er dachte an sein Land und gab sich selbst dafür hin. Er hat es nicht nur finanziell und nicht nur politisch wieder her gestellt, sondern er hat auch die Achtung der anderen Nationen vor Deutschland wiederhergestellt. Er hat sich zuerst und vor allen Dingen seinem Lande geweiht. Trotzdem aber war er auch ein großer Diener der Sache der europäischen Befriedung, und durch sein Leben wird wieder die Wahrheit bezeugt, die besonders den jungen Leuten, welche sich der Politik widmen wollen, gar nicht genug ans Herz gelegt werden kann, daß der beste Dienst, der den eigenen nationalen Interessen geleistet werden kann, tatsächlich der Dienst ist, der dem Interesse der ganzen Gemeinschaft der zivilisierten Nationen zugute kommt (Beifall.) Der Premierminister stellte dann u. a. fest, daß die Fakultatioklausel nur nach von 13 Mitgliedstaaten des Völkerbundes noch nicht unterzeichnet sei. Wenn ihre Unterschrift vorliegen werde, werde eine neue Epoche in der Geschichte der Zivilisation beginnen. Im übrigen sei es bemerkenswert, welche Furcht d'.e Allgemeinheit vor dem Frieden statt vor dem Kriege zu empfinden scheine. Fragen, wie die der Freiheit der Meere, riefen sofort alle Empfindungen und Besorgnisse der Vergangenheit in alter Stärke auf den Plan. Es werde das Bestreben seiner Regierung fein, den Völkern diese Dinge in ihrem wahren Lichte zu zeigen. Wenn man daran denke, daß das Problem der Freiheit der Meere nur akut werden könne, wenn die Kriegstrompeten geblasen werden, dann werde jeder Verständige begreifen, daß es das sicherste Mittel zur Lösung des Problems fei, wenn die Kriegstrompeten niemals wieder geblasen würden. Der Lordpräs.dent des Geheimen Rats, Lord Parmoor, feierte in seinem Trinkspruch die auswärtigen Botschafter und Gesandten als Förderer des Geistes kooperativen Friedens. Er begrüßte besonders die neuen Botschafter Amerikas und Japans und gab der Hoffnung Ausdruck, daß im nächsten Jahre auch ein Botschafter Sowjetruhlands als Gast an dem Bankett teilnehmen werde. — Der spanische Botschafter, Marquis Merry del Val, antwortete als Doyen des Diplomatischen Korps. — Der erste Lord der Admiralität, Alexander, der den Trinkspruch auf die Streitkräfte der Krone beantwortete, führte aus, der größte Teil der nationalen A sgabe diene der Bezahlung früherer Kriege und der Vorbereitung der Abwehr etwaiger künftiger Kriege. England werde keine Bemühung unterlassen, um durch Besserung der internationalen Beziehungen eine Vereinbarung über die Abrüstung zu sichern. Ostgrenze, eine lebenskräftige Landwirtschaft. Widerstand gegen ihn bis zum Aeußersten sei daher nicht nur wirtschaftliches Gebot, sondern auch nationale Pflicht. Die Grüne Front sei eine Lebensnotwendigkeit der um ihre Existenz kämpfenden deutschen Landwirtschaft. Als oberstes Ziel ble.be bestehen eine durchgrei- fendeStaatsform, die allein die Grundlage für eine durchgreifende Finanzrefvrrn geben könne. Eine neue Verhaftung im Kall Lampel. L i e g n i tz , 11. Nov. Im Zusammenhang mit der Verhaftung des Schriftstellers Lampel, der bekanntlich unter dem Verdacht, den Oberland-Angehörigen Fritz Köhler ermordet zu haben, festgenommen wurde, wurde nunmehr eine neue Verhaftung vorgenommen. Es handelt sich um einen Mann namens v o n B o l l w i tz, der in das Untersuchungsgefängnis in Liegnitz eingeliefert wurde. Der ermordete Köhler ist, wie Zeugen bekundet haben, von den jetzt der Tat verdächtigten Personen als unliebsamer Kamerad und als des Landesverrats verdächtig bezeichnet wor- den. Die Leiche Köhlers ist bisher not - nicht gefunden worden. Die Tat selbst dürfte nicht, wie ursprünglich behauptet worden ist, bei Kohlhöhe im Kreise Striegau, sondern in N e u st a d t in Oberschlesien verübt worden sein. Oie Bombenattentate. Berlin. 9.Nov. (WTB.) Lieber den Stand der Ermittlungen in der Angelegenheit der Bombenanschläge wird mitgeteiit: Gegen Weschke ist die Voruntersuchung entsprechend dem Anträge der Staatsanwaltschaft auf Meineid ausgedehnt worden. Weschke ist jetzt geständig, an dem Bombenattentat in Heiden fleth teil genommen zu haben. Er hatte inr Vorverfahren, als Zeuge zur Erreichung einer wahrheitsgetreuen Aussage unter Eid vernommen, bekundet, daß er zu den Bombenattentaten in keinerlei Beziehungen stehe. Der Maler Werner Brandt, der am 2. November unter dem Verdacht der Begünstigung wegen Verdunkelungsgefahr verhaftet worden war, ist heute aus der Haft entlassen worden, weil Verdunkelungsgefahr nicht mehr ausreichend begründet erscheint. Die Strafkammer hat die Haftbeschwerde des Freiherrn von Oncken-Otto zurückgewiesen. Gemeinderaiswahl in Niederöfterreich. Keine Änderung im Kräfteverhältnis zu erwarten. Wien, 10. Nov. (WTB.) Die mit Rücksicht auf die gespannten politischen Verhältnisse in Oesterreich mit besonderem Interesse erwarteten Gemeinderatswahlen in Niederösterreich sind ohne nennenswerte Zwischenfälle verlaufen. Die Wahlbeteiligung war außerordentlich groß. Sowohl die bürgerlichen Parteien als auch die Sozialdemokraten haben entsprechend ihren bisherigen Verhältnissen- Mandate gewonnen. Auch die neu dazugekommenen Wählerstimmen hielten sich.ungefähr im Rahmen der bisherigen parteipolitischen Kräfteverhältnisse. Die bürgerlichen Parteien, vor allem die Christlich - Sozialen und die Groß- deutschen, sprechen von einem Erfolg, den sie hauptsächlich mit der Vermehrung der von ihren Kandidaten bereits gewonnenen Mandate begründen. Don sozialdemokratischer Seite wird dagegen behauptet, daß die Heimwehrbewegung den bürgerlichen Parteien keinen ihren Erwartungen entsprechenden Gewinn gebracht habe. Die Zahl der von der Sozialdemokratie eroberten Stimmen sei größer, als Man hätte erwarten dürfen. Dis 23 30 Llhr lagen von den niederöfterreich .schen Gemeindewahlen die Ergebnisfe aus 1646 Gemeinden vor. Die nichtsozialistischen Parteien erlangten bisher 17 647 Mandate, die Sozialisten 4040 Mandate. Dei der früheren Wahl erhielten die nichtsozialistischen Parteien 16 396, die Sozialdemokraten 3564 Mandate. Die Ergebnisse aus 65 Landgemeinden stehen noch aus. Der Mandatszuwachs für die nichtsozialistischen Parteien beträgt also bisher 1251, für die Sozm.i- stische Partei 476. Aus aller Welt. Ein neuer Mord in Düsseldorf. Düsseldorf, 9. Nov. (WD.) Die feit Donnerstag vermißte fünfjährige Gertrud A l b c r m a n n ist in der Lehnau-Straße m i l durchfchni ttener Kehle tot aufgefunden worden. Dem Kinde waren mehrere Messerstiche beigebracht worden, die unmittelbar den Tod herbeigeführt haben dürften. Leider hat sich herausgestellt, daß die bei dem zuständigen Polizeirevier erstattete Vermißten- Meldung von dem betreffenden Deamten n icht sofort wei tergegeben wurde. Gegen diesen Beamten ist sofort das Weitere veranlaßt worden. Der preußische Innenminister hat eine Del ohnung für die Ergreifung des Täters in den anderen Mordfällen um weitere 5000 Mark erhöht, so daß sie jetzt auf insgesamt 15 000 Mark festgesetzt ist. Der-Täter richtete am Freitagabend einen anonymen CD rief an die Redaktion der hiesigen kommunistischen Zeitung, in dem er auf einem Lageplan genau die Stelle bezeichnete, wo die Leiche des ermorde.en Mädchens gefunden werden könne. Der Dries wurde von der betrefsenden Redaktion sofort der Krimi- nalpolizll zur Verfügung gestellt, woraus diese die Leiche suchte und fand. Der neue Mordsall toeift bis in die letzten Einzelheiten eine überraschende Aehnlichkeit mit der Ermor- düng der achtjährigen Luise O h l i g e r im Februar d. I. auf, die die amtlichen Stellen im Degematz zu weiten Kreisen der Devöllerung dem Geisteskranken Stausberg zur Last legt. Immer mehr gewinnt die Auffassung an Wahrscheinlichkeit, daß alle Morde einem und demselben Täter zuzuschreiben sind. Die Erregung der Devöllerung über diese endlose Serie ungehärtet Morde ist ungewöhnlich groß. Kriminalkommissar D u s d o r f ist vom Berliner Landeskriminalpolizeiamt zur Verstärkung der Düsseldorfer Mordkommission entsandt worden. Er ist hier eingetroffen tn Begleitung des Krimi- nalrats Gennat. Der Reichspräsident laust feinen Urenkel. Der Reichspräsident hat sich bereit erklärt das Ehrenprotektorat über die im nächsten Sommer in Berlin stattfindende zweite Weltkraftkonferenz zu übernehmen. — Reichspräsident v. Hindenburg hat sich Samstag- oormittag nach Groß-Justin (Bezirk Stettin) begeben, um dort an der Taufe seines Llrenkels von Drockhusen teilzunehmen. Der Reichspräsident wird in den ersten Tagen dieser Woche wieder nach Berlin zurückkehren. Einstein Ehrendoktor der Pariser Sorbonne. Die Sorbonne hat in einer feierlichen Sitzung die Eröffnung der Vorlesungen vollzogen. Aus diesem Anlaß ist folgenden ausländischen Gelehrten der Titel eines Ehrendoktors verliehen worden: Professor Einstein von der Llniversi- tät Berlin, Professor Eduard JenkS von der Rechtsfakultät tn London, Dr. Boux von der Medizinischen Fakultät Lausanne, Kunsthistoriker Franz C u m o n t vom Cinquantenaire-Museum Brüssel, sowie dem Präsidenten der polnischen Republik Moscicki. Der Feier wohnte der deutsche Botschafter v. H ö s ch bei, dessen Gast Professor Einstein während seiner Anwesenheit in Paris ist. Schreckenstat eines betrunkenen Chauffeurs. Der 23 Jahre alte Chauffeur Pohl fuhr in Berlin die Straße am Treptower Park in großer Geschwindigkeit entlang. Er überfuhr mit seinem Kraft- tragen den Kaufmann Habermann der so schwer verletzt wurde, daß er auf dem Transport nach dem Bethanien-Krankenhaus verstarb. Als Pohl merkte, was er angerichtet hatte, schaltete er das Licht an seinem Auto aus und raste in größter Geschwindigkeit davon. Etwa 100 Meter non der Unglücksstelle entfernt fuhr er einen Radfahrer an. der vorn Rade stürzte und Quetschungen erlitt. Während man das zweite Opfer des rasenden Chauffeurs nach der nächsten Rettungswache brachte, jagte Pohl tn unverminderter Schnelligkeit weiter. Zwei Polizei- beamte stellten sich mit erhobenen Armen dem Auto entgegen, wobei einer der Beamten beinahe über- fahren worden wäre, und erzwangen das Anhalten des Kraftwagens. Es stellte sich heraus, daß Pohl völlig betrunken war. Schweres Eisenbahnunglück bei Teffau. Der Perfonenzug 402 Magdeburg—Leipzig ist Sonntag früh um 7.56 Uhr in der Nähe des Bahnhofes Dessau mit der Lokomotive und den vorderen neun Wagen e n t g ( e i ft. Drei Personen wurden getötet. Fünf Personen wurden schwer und drei leicht verletzt. Sämtliche Verunglückte stammen aus Magdeburg, Zerbst, Bitterfeld und der Umgebung dieser Städte. Die elektrische Lokomotive sowie die entgleisten Wagen wurden teilweise zertrümmert. Der L o k o m o t i o - führer Siegmann aus Magdeburg wurde eine Stunde nach dem Unfall im Bremshäuschen eines Leerzuges erhängt aufgefundxn. Der Zug sollte wegen Umbauarbeiten in dem betreffenden Streckenabschnitt über ein Ueberholungsgleis auf das falsche Gleis abgelenkt werden. Nach amtlicher Darstellung find die Weichen richtig gelegt. Der Zug istinnerhalbdesUeberholungsgleises entgleist. Von den Schwerverletzten ist die Frau Hantrich aus Ragösen gestorben, so daß sich die Zahl der Todesopfer einschließlich des Lokomotivführers, der Selbstmord begangen hat, auf fünf erhöht, lieber die Schuldfrage verlautet: Der Lokomotivführer fei bereits in Magdeburg instruiert worden, daß er bei der Einfahrt in den Dessauer Bahnhof auf ein Nebengleis fahren und deshalb die nötige Vorsicht gebrauchen müßte. Er hat angeblich in ziemlicher Schnelligkeit zwei Weichen passiert und auch die dritte Weiche überfahren, als ihm seine Maschine mit den nachfolgenden Wagen aus dem Gleise sprang. Man nimmt an, daß dies infolge der plötzlichen scharfen Bremswirkung geschehen ist. vier Streckenarbeiter am Hauptbahnhof Altona getötet. In der Nähe der Cisenbahnüberführung am Kreuzweg ist Sonntag früh gegen 3 ilfjr eine Lokomotive in eine Gruppe von Streckenarbeitern hi n e i n ge f a hre n. Zwei Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, zwei so schwer verletzt, daß sie kur; nach der Einlieferung ins Krankenhaus starben: außerdem sind noch drei Schwer- und drei Leichtverletzte geborgen worden. Die Arbeiter warm mit dem Beladen eines auf dem Stadtbahnglci stehenden Bauzuges beschäftigt. Dabei mu'ten sie das da-- nebenliegende Ferngleis Hamburg-Altona betreten. Die von Hamburg auf dem Ferngleis kommende Lokomotive ist von dem ausgestellten Warnposten nicht rechtzeitig bemerkt worden. Starke Zunahme der Deutsch lernenden Schüler in Amerika. Joseph Beha, Direktor im städtischen Schulamt von Neuyork, teilte mit, daß die Zahl der Deutsch lernenden Schüler an den höheren Schulen 10 649 betrage, d. h. 22,7 Prozent mehr al? im Vorjahre. An den Mittelschulen nahmen 1857 Schüler am deutschen Sprachunterricht teil, was eine Zunahme von 36 Prozent bedeutet. Oie Wetterlage. M Sonntaa, 1O.MoVemt). 1929,8 ” mas; —8^ 6 fr*LOi wie Tours” -7 vW W o fö 6®) o f Germont (jenf—: -10 (ä,q ©woitemos. o neu«, o naiD oeoecLL 9 woinig • oedeciii • negen * Schnee a graupeln. g MeDei R6ewitter.@windstiiie.O~ sehr «irnte- Ost massige» Südsüdwest q stürmische» nordwesfc sie »tene fliegen mit dem wmde Die sei den Stationen stellenden Zahlen geben die Temperatur an Die Linien veromden Orte mit gleichen} •ei Meeresniveau umae-rcnneien Luftdruck rk-cttcrvocausfagc. Der hohe Druck im Südwesten von Spanien her dehnt sein Bereich ^'s über Süd- und Mittel- deutschland aus und bil et ein.' Drücke mit dzm über Polen lagernden yohen Druck. Gleichzeitig verursacht enges Darometergesälle der nordwestlichen Störung besonders über den britischen Inseln ungünstiges Wetter. Eine abermalige Warmluftwelle führt dort zu Temperaturanstieg und erneuten Niederschlägen. Der unsere Wetterlage zur Zeit beherrschende hohe Druck hält zunächst stand, so daß in der kommenden Nacht durch das Aufklaren Temperaturrückgang bis zum Gefrierpunkt und auch etwas darunter zu erwarten ist. Jedoch wird im Laufe des morgigen Tages unter Südwestluftzufuhr der nördlichen Störung Temperaturanstieg eintreten, sowie De- wölbungsauszug einsetzen, dem später auch Niederschläge folgen werden. Wettervoraussage für Dienstag. Nach vielfach klarer Nacht mit leichtem Nachtfrost milder aufkommende Bewölkung, später älebergang zu Niederschlägen. Lufttemperaturen am 10. November: mittags 6 Grad Celsius, abends 6,2 Grad: am 11. November: morgens 1,9 Grad. Maximum 6,4 Grad, Minimum 1,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. November: abends 5,2 Grad: am 11. November: morgens 4,8 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Dreh en, den 11. November 1929. Ein Wort an die DersammlungS- und Festbesucher. Mit dem Einzug des Winters kommt die Zeit der Dereinsfestlichkeiten und »Versammlungen. Vorstände und Ausschüsse arbeiten Tage und Wochen vorher eifrig an der Ausarbeitung der Tagesordnungen und Vortragsfolgen, „um die Veranstaltungen so angenehm wie möglich zu gestalten". Die Mitwirkenden droben an ihren Rollen und Vorträgen, die ihnen die Lhormeister und Spielleiter im Schweiße ihres Angesichts einzutrichtern versuchen, damit ja alles klappt. 3n Anzeigen und Programmen ist zu lesen: „Anfang .Punkt' so und so viel Uhr." Der Abend naht und der Saal erglänzt im hellsten Kerzenstrahle. Am Vorstands- und Chrentische sitzen einige Herren: (etwa für den „reservierten" Tisch vorgesehene Damen sollen noch kommen), schauen nach dem Saaleingang und mustern die in großen oder kleinen Abständen eintretenden besonders Pünktlichen, die das erste akademische Viertel einzuhalten sich bemüht haben. Etwa nach Schluß des zweiten akademischen Viertels oder günstigenfalls in dessen M.tte, verkünden Geigen, Trompeten und Flöten, daß es „losgehen" konnte, wenn die Zahl der gekippten und leeren Stühle kleiner wäre. Dieser Wunsch erfüllt sich aber oft erst im dritten akademischen Viertel, im Verlauf dessen noch einmal geblasen und gegeigt wird. 3n der Erwartung, daß vielleicht die Herren Hinz und Kunz mit ihren Gattinnen, Töchtern und Schwiegersöhnen noch erscheinen könnten, kann endlich nach der in das vierte akademische Viertel hineinreichenden Pause mit dem „Programm begonnen werden". — 3a: Das Programm! Rach verschiedenen Sitzungen des Festkomitees wächst es sich zur Länge eines ostfriesischen Kuhschwanzes aus, denn „Er" will mit komischen Vorträgen druff und „Sie" durchaus die beste Rolle in dem neuesten Theaterstück „Der zerplatzte Worschtkessel" mimen. Wenn nicht, dann Austritt aus dem Verein und der Kladderadatsch ist fertig. Also: Vor der Kuhschwanzquaste rasch noch ein Glied eingefügt, und für Unterhaltung der Gäste ist bestens gesorgt — auf dem Papier. 3n der Praxis äft es meist anders, denn man hat gewöhnlich nicht mit der verlängerten Sooße, die in Form von Ansprachen serviert wird, gerechnet: Die Entfernung der Quaste von der Schwanzwurzel wird größer, je nach der Zahl der „Geladenen": der Zeiger an der Uhr rutscht weiter und die 3ünglinge und 3ungfrauen rutschen ebenfalls auf ihren Stühlen, denn jedes bor- uni) nicht vorbereitete „Gebabbel" geht auf Kosten der Tanzbeinbesiher und -besiherinnen. Wenn nun außerdem der Gesangverein „Schönste Stimmen" so schön gesungen hat, daß „heraus- gebeifallt" wird, dann ist es um die Vortrags- und Redekunst der auf dem Programm „Hinten- stehenden" geschehen, das „Leben in der Vude" seht die Gehörgänge der „sehr geehrten Anwesenden" außer Tätigkeit. Mit acht akademischen Vierteln Verspätung kann schließlich der Tanz beginnen, die Florstrümpfe und Lackstiefel in die ihren gebührende Erscheinung treten. Die schon lange bedenklich gähnenden Alten aber können „Die Platt" putzen. Den Vesuchern ernsteren Zwecken dienenden Versammlungen kann ebenfalls nicht dringend genug pünktliches Erscheinen empfohlen werden. Man bekrittelt nur zu gern das Wirken der Vorstände, läßt sie aber gewöhnlich recht lange vor leeren Stühlen fitzen, bis die vielen Hinzes und Kunzes in der Saalpforte sich endlich zeigen. Die Leidtragenden für das Zuspätkommen der anderen sind die Pünktlichen: sie werden wegen ihres pünktlichen Erscheinens, durch das sie doch ihr 3nteresse an der Sache bekunden, geradezu bestraft. Es sei allen Versammlungsleitern deshalb angeraten, ohne Rücksicht auf die „später noch anwesend Gewordenen", pünktlich in die Tagesordnung einzutreten, das wirkt erzieherisch. Denn Pünktlichkeit ist eine Tugend Don dem Alter und der 3ugend. E. Gemeinsames Verwaltungsgebäude der Ortskrankenkassen. Die Vorstände der Gießener Ortskrankenkassen hielten gestern vormittag im Staffenlofal der Allgemeinen Ortskrankenkasse Gießen (Stadt) eine gemeinsame Sitzung zwecks Besprechung der Frage der Errichtung eines gemeinsamen Verwaltungsgebäudes ab. In den Verhandlungen kam zum Ausdruck, daß die räumlichen Verhältnisse bei beiden Kassen unhaltbar seien und daß diese Mißstände sowohl den Versicherten, wie auch den Angestellten gegenüber nicht länger verantwortet werden könnten. Anderseits wurde auch anerkannt, daß die derzeitige wirtschaftliche Notlage zur größten Sparsamkeit zwinge. Aus diesen Erwägungen heraus sei der Gedanke aufgetaucht, durch die Errichtung eines gemeinsamen Verwaltungsgebäudes die Baukosten für die einzelne Kaffe auf ein Mindestmaß zu beschränken, ohne dabei die Selbständigkeit der beiden Kassen in irgendeiner Weise anzutasten. In dem o^meinsamen Verwaltungsgebäude, bei dessen Bau größte Sparsamkeit obwalten solle, will man zunächst nur die für die beiden Kassen erforderlichen Verwaltungsräume schaffen. Nach sehr einhender Aussvrache, an der sich zahlreiche Vertreter beider Kassen beteiligten, wurde von beiden Vorständen einstimmig (vorbehaltlich her Genehmigung durch die zuständigen Organe) der Errichtung eines nemeinschiftlichen Verwaltungsgebäudes zuqcstimmt. Zur Erledigung der erforderlichen Vorarbeiten wurde eine aus Vertretern beider Kassen bestehende Kommission gewählt. ^oritofhctt. — Tageskalender für Montag. Bewegung für religiöse Erneuerung: „Das Abendmahl in Vergangenheit und Zukunft", 20.15 Uhr, Univer- sitätshörsaal 41. — Naturheilverein Gießen: Vortrag „Die Heilung der Tuberkulose und die Tuber» kulosebehandlunq nach Dr. Gerson und Professor Sauerbruch", 20 Uhr, Kaufm Vereinshaus. — Arbeitsamt: Vorträge betr. Berufsberatung, 19.30 Uhr, im Goethe-Schulhaus (Westanlage). — F. G. F.: Monatsversammlung. 20 30 Uhr, im Schipkapaß. — Lichtspielhaus, Bahnhofftr.: „Narkose". — Astoria- Lichtspiele: „Der Rächer der Grenze" und „Das Findelkind von Singapore". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: 3n der morgigen Ausführung ..Robert Guis^ard" und ..Demetrius" ist bas ganze Schauspielpersonal beschäftigt. Die Spielleitung hat 3nte.ibant Sr. Prasch. Die Bühnenbilder sind von Karl Löffler entworfen und in den Werkstätten des Theaters her- gestellt. 3n Kleists Werk spielt Peter Fassot die Titelrol.e es wirken ferner mit die Herren Arzdorf, Dommisch, Haefer, Heitzig, Hais. Hub, Linkmann, Tannert, CDold, Zingel, die Damen Fuhrmann Jüngling. Die Dollsszenen werden von der Gießener Studentenschaft dargestellt, unterstützt von Solisten les Schauspiel-Ensembles. Den Demetrius spielt Ed. W e s e n e r , Maina: Trude Heß, Marsa: Liselotte Fuhrmann, Sa- pieha: Franz Arzdorf, Erzbischof von Gnesen: Hais, Ooowalsky: Tannert. und das übrige Solo- personal. Die Vorstellung beginnt um 19.30 llfjr. Beleuchtung: Keim, Kostüme: Huber. — »H ö ch st l e i st u n g.“ lieber dieses Thema finden in der Volkshochschule am Dienstag, 12., 19. und 26. Rovember. drei Vorträge statt. Prof. Dr. HuntemüUer wird den ersten Vortrag halten über „Körperliche, besonders sportliche Höchstleistungen auf Grund von Unter» suchungen bei den letzten olympischen Spielen". Den zweiten Vortrag über „Sinn und Unsinn in der beruflichen Höchstleistung" hat Herr Martens, Leiter der Dildunasabteilung des Deutschnationalen Handlungsgeyilien-Verbandes, übernommen. Der dritte Vortrag von Prof. Dr. Messer behandelt „Höchstleistung des Menschen als Persönlichkeit". Die Vorträge finden in der Universität statt. (Siehe Anzeige vom Samstag.) — Eine öfsentliche Wählerversammlung des Mietervereins findet am morgigen Dienstagabend im Katholischen Vereinshaus statt. (Sie^e Anzeige vom Samstag.) Eine demokratische Wählerversammlung wird im heutigen Anzeigenteil auf Mittwochabend einberufen. (Näheres in der Anzeige.) Frühlingsboten im Herb st Wald. Wer gestern den herbstlichen Dergwerkswald aufsuchte, konnte sich an Veilchen erfreuen, die jetzt erblüht sind. Auch Himbeeren, an diesjährigen Trieben schön ausgereift und voll köstlichen Aromas, konnten jetzt noch geer. t.t werden. ** Evang.-kirchliche Personalie. Dem Pfarrer Ludwig Q( a u m a n n zu Pohl-Göns wurde die evangelische Pfarrstelle zu Ilbeshausen, Dekanat Lauterbach, übertragen. ** Schulpersonalien. Ernannt wurden der Lehrer Otto Rötter zu Bobenbausen II, Kreis Schotten, zum Lehrer an der Volksschule zu Watzenborn-Steinberg, Kreis Gießen, der Lehrer Eugen Zimmer zu Watzenborn-Steinberg, Kreis Gießen, zum Lehrer an der Volkshochschule zu Babenhausen II, Kreis Schotten, beide vom Tage des Dienstantritts ab. •* Tödlicher Verkehrsunfall. Am Samstag zwischen 16 und 17 Uhr ereignete sich in der Frankfurter Straße zwischen Gießen und Klein-Linden in der Nähe der Gastwirtschaft „Zur Linde" ein Derkehrsunfall, dem leider ein Menschenleben zum Opfer fiel. An jener Stvaßenstelle wollte der 40 Jahre alte verheiratete E'.senbahnarbeiter Eduard Moebus aus Griedel bei Duhbach die Frankfurter Straße überqueren. 3m gleichen Augenblick kam ein Automobil herangefahren, dessen Lenker Signal gab, worauf Moebus zunächst stehenbl'.eb, dann aber plötzlich weiterging und dabei gegen Me rechte Seite des Kraftwagens stieß. Hierdurch wurde er zur Seite geschleudert und erlitt einen schweren Schädelbruch. Der bedauernswerte Mann wurde sofort der Chirurgischen Klinik zugeführt, wo er kurz nach seiner Einlieferung verstarb. ** Etaatsehrung für Gesangvereine. Dei 50-, 75- und 100jährigem Verein-» bestehen kann den Gesangvereinen eine Ehrengabe seitens des Hessischen Staates zuerkannt werden. Der Verein hat beim Hessischen Ministerium für Kultus und Vildungswesen die Ehrung selbst zu beantragen. Der Antrag muß unbedingt 6 Wochen vor dem 3ubiläum gestellt fein. Der Hessische Sängerbund wird vor Vergebung der Staatsehrung gehört. ** R i ch t i g st e l l u n g. In unserer Notiz „Dom kommenden Christentum" in Nr. 263 vom 8. November hat sich ein bedauerlicher, sinnentstellender Druckfehler eingeschlichcn. Es muß dort auf der zweiten Seite des zweiten Blattes in Spalte 2 in der 16. Zeile von oben anstatt „abhängig von Staat" usw. richtig hießen „u n abhängig von Staat" usw. Rundfunkprogramm. Dienstag, 12. November. 13.30 bis 14.30: Schallplatten-Konzert: Kammer-Musik. 15.15 bis 15.45: Stunde der 3ugenb: Der Mikrobenjäger: „Pasteur und der tolle Hund", Vortrag von Dr. Höfer. Für Kinder vom 12. 3ahre ab. 16 bis 17.45: Konzert des Rundfunkorchesters. 18: Von Kassel: „Westfälische Wasserburgen und Kirchen", Vortrag von Dr. Heinrich Lern ery, Köln. 18.20: Von Kassel: Zehn Minuten D.alog aus i em Alltagsleben: „Wie mache ich mein Testament?" 18.30: Funkhochschule. Abt. Gesundhe.tswissenschast. Vortrag. 18.50: Französische Literaturproben. 19.05: Französischer Sprachunterricht. 19.30: Don Stuttgart: 3m Wiener Wurste.'prater. Eine heitere Hör- b'ilberreif e von Erich Fortner. 20.30: Von Stuttgart: Zeitgenössische Musik. 22 bis 22.30: Von Stuttgart: „Bei uns zu Lande", Martini. 23.15: Tanzmusik. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschloffen. Die altbewährt Sunlidrt Safe gibt Vollkommen reine> wache und frisdidufiende Vfäsdie. Länder• und Städtewappen aller Erdteile in Cold- und Silberdrucki Die FREUDE des KURMARK-RAUCHERSt CIGARETTEN '■^-AZEDONEN-^5 vorn, positiven. Im modernen Kampf ums Leben ist mir das Rauchen von Cigaretten ausgeglichener Cj es chmacks- wirkung der beste Helfer. Ich bin um soviel selbstsicherer und zielbewusster, wenn ich eine Cigarette rauche, sodass diese zu meinem freuen Begleiter geworden ist. So schafft den, posttwen, Qenuss epoebe I iniiiuu(nniuiilimcu«iMi.iluui •Hl k V pfi-K 9. ‘ •, • f* ffii-i i Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Hafenstraüe 52. 8522V Gießen (Steinstr. 33), den 10. November 1929. nachmittags 2l/2 Uhr statt 07273 Barzahlung: 9292V 07283 Schäler Frau Die trauernden Hinterbliebenen: Die Beerdigung findet Dienstag, den 12. November, nachm. 2l/} Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 07272 Sofas, Chaiselongues SWU) Klubsessel 9160D 07240 mieten Frankfurt. Str.57. Familie Schneider. 07269 0726H gießen, ZPlocfiJtvaße 7 &emfpvetßer 3323 freundlichst ein. 92960 2513D Handarbeits-Wollen zu neuen ermäßigten Preisen! 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Lustspiel — Die neueste Wochenschau Heinrich Stühler Hinz Georg Stühler Schmitt. In mehr als 250Farbenfinden Sie bei uns alle ist am 9. November nach längerem Leiden im Alter von 87 Jahren sanft entschlafen. DüsMcldorf-Hafen. Verkaufs-Büro für Süddeutschland: Robert Klelnbeni, Lodwig «baten a. Eh. Mbl. VW- 0. WWllMl ui flutem Hause »um 1. Dezember zu ver« Ab heute: Der Rächer der Grenze mit Big Boy William Spannender Wildwest-Film in 5 Akten Qualität und Qualitäts-cffräeii' ift das Zßefte, & le gantefte und billigfte im Alter von 82 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Theodor Seipp W. Launspach Familie August Rinker. Hattenrod, Ober-Bessingen, den 10. November 1929. Die Beerdigung findet Dienstag, den 12. November 1929, erstklassig in jed. Beziehung. Zahlbar monatl nur Rm. 10.— trotz bill. Preise. Lieferung erfolgt franko Haus. Langjähr. Garantie. Fragen Sie d. Postk. an Rich. Lanfienbacb. Bürbach (Er. Siegen) Stadttheater Dienstag, 12. Nov. l.MllSllw AV.-Vorsl. von IS'/, bis 22 Uhr Zum ersten Male Boüert Gulstm Dramatisches Fragment von Heinrich v. Kleist. Hierauf zum ersten Male: Bemetdus DramausdieS tzrag» ment in LTeilen von iVrteör. o. Schiller. Todes-Anzeige. Unsere liebe Matter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester und Tante EliWNWS Slidviert^ 4X4 Zim., Küche, Badezimmer, Garten bill. z. verk. J. Baer, Ostanlage 29. Ein Film, der - wie kein zweiter - die Frauenseele und die Innigkeit des Empfindens widerspiegelt IDer Film im Urteil der deutschen Presse: Neue Berliner Ztg.: Ein ■ Manuskript, das sich auf menschlich starke Konflikte stützt Die Regie ■ Alfred Abels geht eigene individuelle Wege, unbeschwert von Konzes- ■ sionen und Rücksichtnahmen. Wie Abel den Stoff durchkomponiert hat, ■ ist wundervoll. Mit der Begeisterung eines schaffenden Künstlers findet ■ er szenische Nuancen von Wirkungstiefe und stärkster Eindringlichkeit D ßKeinricß ZKrevert 3-eine cHerren- u. 3)amen-t3laß/cßneiderei Hildebrandt & Cie. Maschinenstrickerei, Weiß- und Wollwaren Kreuzplatz 1 und Lieber Straße 19 9303D drei Schreibtische, einen Ausziehtisch, vier Diwane, zwei Bücherschränke, einen Küchenschrank, drei Sofas, einen Photographenapparat, zwei Sprechapparate, 14 Platten, eine Flurgarderobe, drei Vertikos, zwei Klaviere, vier Büfetts, drei Kredenzen, zwei Chaiselongues, eine Waschkommode, einen Abfalleimer, einen Tisch, einen Schrank, ein kom> plettes Speisezimmer, eine Bohr- maschine, einen Schweißapparat, eine Registrierkasse, ein Motorrad (Marke Stock), zwei Ladentheken, einen Laden- schrank, eine Schreibladenkasse, ein Wa> renreyal, einen Kleiderschrank, eine Schreibmaschine, einen Glasaufsatz, zwei Standuhren, eine Friseur-Ladeneinrich. hing, vier Schweine, einen Eber. Hebbel Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstraße 24 I — Telephon 4039. Frau Anna Born Wwe. Seh. Hubeier im Alter von 70 fahren. 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L 3 h ['s* ’Q 3 ** 2. 2 .3 .3. 4 '5 ■o th M kJ Mj» M "W Ur. 265 Zweiter Blatt Siebener Anzeiger u den Ausschüssen, die fld) mit dem Schicksal Elsaß Lothringen» und des Saargebiet» besdiäsligten, er präsidierte dem Komitee für die Ausführung des Friedensoertrage» und war Vorflßender der Fünferkommlssion. die hie alliierte Antwort auf deutsche Borschläge füt bestimmte Ab änderungen des Friedensvartragev z>> entwerfen hatte. Zusarnmenfassend kann man sagen, haß Tardieu bei heu Verhandlungen tn Versailles in her Hauntsache dl.- Vorschläge für die politischen und territorialen Bestimmungen de» Friedensvertrages entworfen '">i Rachhem her Vertrag von Versailles unterzeichnet war, fehle sich Tardieu die Ausgabe, gemeinsam mit Q-IÄntcnecrtU dieses Dokument überall zu verteidigen und zu Verbindern, daß c« auch mir In der geringsten Weise abgeändert iverde. Von 1919 bl» 1924 verweigerte Tardieu dreimal den (Slntrllt In die Regierung, um sich die Freiheit zu bewahren, ohne je>' Konzession auf bei rigorosen Durchführung d.-s .v\vb<\\t- vcitrages zu bestehen. Wenn Tardieu In seinen Büchern, a. V. In dem Werk „Die VVibrbett über den Frieden" oder In ..Amerika und wir", Mn Llönienceau spricht, so wird der küble, vorsichtige und nüchterne Politiker sogar senti- nunttn, denn der „Tiger" bini'i inr ibn ha« Muster eine# patriotischen französischen ölaat«- manne», der von dem Ausland ließ !>utlch- iand nicht einen Schritt zurückweicht Um diese Politik zu unterstüden, gründete er zusammen mit Eiemeneeau das T ekämvfte. weil er zu lasch, zu nachgiebig gegen die deutschen seil Dennoch ist Tardieu in einem Kabinett Poineare einmal Minister der „befreiten Gebiete" gewesen. - Wenn Tardieu auch beim besten Willen nicht als Freund LXutfchlands l^-zeichnet werden kann, fo wüst man ihn bod) als aufrichtigen Menschen achten, der stets ehrlich seine Uederzeugung geäußert hat sobald bei stattliche Mann, ein breiter, entschlossener, ursrairzdfsicher Typ. die Redner- kanzel der Kammer betrat, folgten die -ll>ge- orbnelen stets aufmerksam Nn klaren .'huMüb* mngen nicht nur, weil der Redner repräsentativ wie ein rKeneraidirektor wirkte und durch die Runzeln über dem linken Auge einen nachdenklichen Oliihrud hervorries. sondern Uxil Tardieu dem Hau» stets wirklich etwas mitzuteilen butte. „Gras Zeppelin" in Frankfurt. 3w für die riesigen Vkenschemnasien nennen, die sich am Sonnlaginoraen zu Fuß, mit der Slra- ßenbabn. den Omnibussen und in nnzähiigen Autos aufmachten, um bei der Landung des Luftfchifles mit babel zu sein. 3e näher der Zeil Punkt der beabsichllg'eu Ankunft heranrÜckte, desto mehr verstopften |lch die Zugangsstraßen au dem Fiuaplaß, desto beängflitiender Ivar der Sturm auf die 'ÄerkehrSmittel, die alles verfügbare Material aufgeboten ballen, um nur einigermaßen den 'Andrang beinülHuen au können. r a s Zeppelin mar um 7.50 Ubr in Friedrichshafen mit 35 Passagieren an vord unter Führung von Kapiän Fi em ml ng gestartet. Dr G-dcntr konnte leider an der Fahrt nicht Mlnebmen, Ni er zur Zeit in 'Ikrlln weilt. Das Lisitschsis passierte In schneller Fahrt um 9 Ubr Stuttgart und um 10 Uhr D a v in - stabt. 'MS hierher mußte das Lustschifs. wie Kapitän Flemming cillürle, über Ist*m llcbelniecr sahven, und erst bei Darmstadt erwsichie es ein Loch, huixb das es Hindu,chaesübrt werden konnte und man nun wieder 'Bodenslcht bekam. Bereits um 10.25 Uhr erschien das Lisitschsis über Frankfurt, ohne le doch In der dunstigen Lust sichtbar zu sein. Rachfem es sich etwas von her Stahl entfernt halte, hellte es den Flughasensender an. um die Vichtung nach kstin Flughafen sestzustellen. Um 10.32 Uhr erfdilen re wieher über brr Stuhl, zog ciuc Schleife und erschien 11.15 Nhr über hem Flugplah. mit Hur arufsn unb lüdwr- schivenkeu her begeisterten Massen begrüßt. Etwa eine Dlerlelflunhf kreuzte ha» Luftschiff über hem Ftngplaß, bann stoppten hie Motoren, hie Haltetane fielen, unb, von einem Schnh- imiiiii-nommonhü zur Erde gelogen, ble Landung ivar glatt vollzogen. Fejzt ließen fld) hie Menschenmassen iildjt mehr halten, sie vurchbiachen die posizeisiihe Absperrung und drängten bl» dicht an das Lnslfd)iff heran Wh erste entfliegen Kapitän Flemming und Dr. Dürr her Gondel, begrüßt von Bürgermeister Gräf. Die Mannschajt begab fld) sofort In Automobilen nach hem Rebsiäckei Wäldchen, um an der 0 n I h ü l. I u ii g e Ine» G e h e n f |l e 1 n » z u r 0 r I u n e • r u n g a n hl e e r ft e Land u n g ei n e o Z e p p e- 11 ii I u f 11 d) l f | e » v a r 2 0 F a I) r e ii aus Anlaß der Fnterntionalen Luftfahrtausftellung teilzunehmen. Hier halte fld) eine Reihe von O'hrengäften einaefunden, an Ihrer Splße der Boiflßende he» Luftschiffbaues Zeppelin, Walter vom Rath. Die- fer begrüßte ble Zoppelinmannfchaft namens he» Komitees unb erinnerte an bie Fahrt he« „Z 11’ vor '20 Fahien, die zum erstenmal mit einem be- stimmten Ziel unb mit bei* bestimmten Absicht zu tauben ausgesilhrt wurde. Zur «rlniieruiiQ an blei» benkwiliblge Landung fei her Gedenkste in, helfen 011iditung private, Fnitiative entsprungen fei, an her damaligen Landungsstelle auf gestellt worden. Bürgermeister Gräs nahm mit hem Auodiuck iihinnflen Dankes bei, Gedenkstein mimen» he» Magistrat» unb he» durch Krankheit verhinderten Dberbüiaermeister» in die Obhut bei Stabt. Oni 2inschluß an die iSntdisilungsjeier i^'galvn sich die Tesiiwhmer In die Flughasenkantlne zur Einnahme eines von der Stadt gegel>eiieu F r ü b- sl ü ck s Hier linkte Bürgeiinetster D v ä | der Lufsichisileltnna nochmals für dle der Stadt Frankfurt erwiefene O'bre des Besuchs des Vuft- fchisies und wünfchle diesem eine alückllüx* Hüd- fahrt nach dem Heimathafen ^Ieich.witig ülwv- ivichte er einer Reihe von K^*> fonen, die mit der Fahrt des Zepvelinlisitschlsfe« vor SO Zahlen In Beziehung stunden, eine von der Blicken entschwunden. Gewaltig wie der"Aiimnrs^ war auch ^r Abmarsch der Massen 0's dauerte Stundeu. ble sich die Menschensiiil etwas verebbt hatte und wieder einigermaßen normaler Der- kehr rlnlivtvn konnte. Wieder daheim. Wie au» 'Filedrichshafen gemeldet wird, ist da» Lust schiss ..0>raf Zeppelin" von seiner Franksurl-Fahil um 5.0« Ubr in F e« e d- i l ch s h a s e n glatt gelandet. 'M a r b nbeg>nii brachte einen gvschäsl. lo|eo ;Srül>- iH-rrebv LAi Kurse noch nicht zu b'ien find, muß hie Tendenz nie abwartend bezeichnet weiden. Anregungen irgendwelcher Aki liegen nicht vor. Am Dr-vifenmarkt nannte man London gegen Paris 123.8750. London g g- n 'Mailand 03,1150, London gegen Spanien 31,45 zu 34.50. London gegen Kabel 4,6790, London gegen ß-rlln 20,30 zu 20,3025, Kabel gegen Berlin 4.1H zirka. Gießener Gtavttheater. Franz Löhar: „Die Uistigc Witwe". Ai, das Genie dcS Schöpfers der klasftschen Wiener Operette reichten feine VLibetocrber um die Siegespalme, Franz v. Suppe. Karl Zeller und Karl Blillöcker, zwar nicht heran, wenn auch ihre Werke weit über dem stehen, waS heute auf dem Gebiet der Operette Im allgemefnen geboten wird. Seit Strauß, dessen Blusik im Wiener Walzer gipselte, geriet die Operette immer mehr unter den Einfluß der jeweiligen Modetänze und fonk einerseits zur Posse mit Gelang (Berliner Operette) herab, teils näherte sie sich aber auch der Oper, ohne jedoch ihren Grundcharakter zu verlieren. Diesem lebten Zweig gehören die Werke von Leo Fall und Franz L ö h a r an, der als erster daS Gesangsstück mit Tanzevolutionen verband und so die Form her Tanzoperette schus. Seine Blelodik ist ost slawisch gefärbt, aber seine Rhythmik pslegt noch den schwungvollen Walzer. Der Dialog ist kurz, die Musik tritt stark In den Vordergrund und Die ganze Struktur weist aus da» Singspiel bin. LöharS populärste Operette Ist die „Lustige Witwe" (Libretto von Viktor (ibn und Leo 6 t ein), ein Werk von übersvrühender Lustigkeit und bunter Ausgelassenheit. Dazu blut- volle und feurige Musik. Die gestrige Ausführung, al» „modernffierte" Veuinsz.'nierung ongcfüitDlgt, war ein großer Erfolg. Die Regie von Han» V a a r« lieferte Tempo, Spannung und Schmiß. Die ^^llenbefet-' Aimg erwies sich allgemein als sehr glücklich. Meta Liebermann spielte Mc fymna 01a- wari mit ebensoviel Wärme al- Elan, stimmlich sehr gut. Ihr Gegenspieler, HanS Schneider (Gras Danilo), stand ihr in seinem vornehmen posensreien Spiel und der gesanglidzon Leistung keineSivegS nach. Fra z M e n a r(ponle- vedrlnifdxr Gesandter) war eine ebenso aut geraten, Figur wie der Kromow (Hans Löwenstein) unb der RjeguS (Walter Schramm). Die abwechslungsreichen Balletteinlagcni waren von Trude Strauß mit viel Geschick und gutem Geschmack ctnftuMcrt. Mit der „Modernisierung des ordyeftralen Teils der Operette könnM wir uns nicht einverstanden erklären. Zur Wiener Operette gehört der Walzer, der in ihr seine höchste Vlüte erreldite und mit dem sie von allem Ansang an fest verwurz-Zt war. 'Der ihr wesenSsremde Jazz gehört nicht hierher. Mit viel Umsicht und (Kesd)lck leitete Kapellmeister Rias svilci vom Flügel aus ben musikalischen Teil. Menu ans Mnbcn der llel>cr- flchtllchkelt da» Orchester so hoch sihen muß, wie eS gestern der Fall war, so müßte bei bero VeglcHungen der Gesänge etwa» mclyr dynamische Zurückhaltung geübt werden. DaS ersreulicheiweise anSverkaisite Haus spendete berhleiitcrniaben lebhasten Beifall unb erzwang einige Wiederholungen. ». Goethe-Bund. 15 Fahrcvscst. Die von der Leitung des Gießener Goethe- DundeS zur Feier des 15jährigen Dc-slehens vorgeses>eiien Veranstaltungen touren am Samstag mit einem Festabend In der dicht besetzten Reuen Aula der Universität eingele t I Die Gi- össnungsmisprache hielt der Ehrenvorsibende be ■ Goelbe-'DuudeS, Walter von VI o I o, Der lebt wiedergewählle PräsiDent Der Dichtei-AkuDemie. über Das Thema „Der Dichter und feine Zeit". Der Bund begehe, fo führte er aus, fein ZahreSfest In einer schweren Zeit. I" einer Epoche deS Riederganges und der Umfchichlung aller seelischen Werte; Die Leitung bekunde damit einen begrüßenswerten Glauben an die Zukunft; wie der Bund lebt fünf ehn 3cihre lang einen tapfren Kampf gekämpft habe um daS Recht der feelifchen Kräfte des deutschen Rlenschen. In sei auch diese Feier nicht nur eine lokale Angelegenheit, sondern zugleich auch eine Dache deS ganzen deutschen Volkes und daintt der Vieiifdj- hett Wenn jede deulsd)« St.idl einen solchen Goelhe-Vund belässt*, stünde es besser um die geistige Lage In Deutschland; nur von Der Dünnen geistigen Fühierfchichi könne neu« Kraft kom- men; Diese sührenden Kräste zu sammeln, sei die Ausgabe de« Go-.-the-VundeS. Gerade die Dichtkunst, die er. Molo, al« Dienerin am deutschen Menschentum betrachte, fei eine Versöb'iersii. sie habe die verbindende Krost, die heute Im Volke klafsenden Gkgeiifäbe zu überbrücken; zu Ihrer Pflege und Sammlung möge der Owetlst*- Biind ferner wirken für die vßikiusit nuferer Klndc*r unb Enkel. Fm Anfdstuß an hlf mit ftarkm Belfast begrüßten Auoführunsten Mala» hielt bei bekannte stölner Ib»oü*rii)lHeu|d)iiIIIer Di Nies) e n Den Feftvor- trag (mit CldjtollDei i ) über da» Im Fulilläumojahr her elften Failflauffühning 19. Fnnnar 1H2I) befonbero aktuelle Thema „0 I n F a I) r I) Hubert B n I) n e n | .!> i d* | ii I he » i( n n |l" .'n nm |lil)i lichsn, non gediegenster 6lol|bel)err|d)imfl getragenen, Intcrcffmiten unb iilelfallln am egenden VIii»- Ilihrnnaen, hie durch eine Reihe sehr Instruktiver 'Bilder belebt und ueidentlicht murkst'n. fd)llooite Dr. Rieften die Bühneiigeftaltung der Dlchtnug auf dem beuifdien Theater von den ersten tastenden Vterfu- d)(n bll zur jüngsten Gegenluart Vlnogebeiid von Den mannigfachen inneren unb äußeren Schusterfg- felicii einer Blihnengestciltuna he» „Faust" wie» bei Vortragende darauf bin, wie ble bl Iben he Kunst und telliuelfe und) ble Musik hier iDegberellenD und anregend auf» Theater geiulrkt Ihibcii, |d)llberle die Fisizenieriingsgc'ßlstäste von der Biaiiiifd)me>gei Ur- aufsührung de» eisten Teile» unter Ksingemann, die ein 'llhigulo und eine Tat war, dann die Fnfze- iilenniflvn non Hannover, Dresden (7 ieckfche Bear- b.cltung), Weimar und Berlin (IH.'IH; Seybelmann) Auch auf die Wandlungen der |d)mi|plekrl|d)rii und der fzensid)in Vlnffaffnngen wurde hfngewlefen, be» ferneren die merriuürblne 3eii|urae|d)ld)l« her „Faust"-Aisiführnngen gestreift. Auch her zweite Ueli fstit lange auf eine fSÜHnengestaltimg nxirlen müssen (ble 1854; Hamburg) Die Vh-rMenfk Dito Deurient», beo Herzog» Georg von Meiningen und de» Tlh'iitcrblreflor» Vlloijo Prafd) In 'Berlin um die „Faust".Fii|zenierniig mürben geivllrbigt. MU einem Ueberbsick über bk wldstfasten modernen ,.Faust"-AussühkUNgen unb einem Vhioblld In bk Zukunft schloß der Vortragenkst' feine fehr beifällig aiifflenoinmeneii Darlegungen. • Qhn Sonntagvorinltlag versammelle sich bk stattliche Gemeinde he« Goetbe-'Bunhe« im Stadt- tbcoler zu einer Goethe-Morgenfeier 3m Mittelpunkt stand ein Festvortrag des hier In Gießen bereit- bekannten Rezilalor« Dr. Frie- brld) (Ja ft «He, Dlsiselhors. über ..Goethe und bl« Staue n". 3n freiem Vortrag fchil- beite t er Redner, hi einer Folge klicipver Ollm- miinnflbllhvv. ble vornehmsten Fiaueiigestallsn um Goethe, von fenen her Dichter einmal gesagt Hal: nicht Ich habe sie, sie haben mich gedichtet, I e mö- rten sich cnl|d)iilbcn ober leiben. Do Pasiieilen ole Frauen um Goelbe Revue Frau 'Aja, hie miutkr, als Ikule teiin und Erlöserin; Ooriw'.ici, ble fchüchler» e itlagenbe S.hwestei; Kälchen In Leipzig, Friberike In Seelen bei in. Volle In Weblar. das Urbild Mim ..Weicher", ftraii von Slein, bla in Vichsi । ä। in luiig i'' bi Hi-1 Edrisiian...... Ihn In eine Wirrnis feine« Lebens stürzt; 'Marianne von Will em er. bas Ui’bllh bei* Snlelka, unb endlich leflgnlerenber AuSllang in KarlS- bnb Ulrike von Levebow. Eine Ergänzung zum Feflvorlrage blldeie ftelle» klangvoüe Rezttallon von Oy»eche-Dlch- iuugen von den entzückenden aiiakreontifchen 'Berten a» ..Annette" über Die Lieder für Volle. Vllb und Frau von Stein und Die Tolenklage nm LVrlstlane bis zur Karlsbader Elegie Eine Ergänzung bebeutele auch her szensiche 'Ibfchlnß her Feier ..Halern imh Sulelka". Zwlegelpräch unb Wcchfeirezitasion aus Dem „Divan", von Den Vortragsmeiftern Dr II n fl e I l e unb Frida H U ni in e l au« Düsieldorl mit befeeUer Heiterkeit und zärllichein Gefühl gesvrachen. Die Vor- lrä-g<* würben von miisikalifcheii Vurbleliingn! be« Orchester-'BereinS Gießen umrahmt, her sich für ble Feier zur Verfügung gestellt hatte und unter her Vel hing bes Dirigenten H 'stiel l«r bsi- ..Egmont"- und ..'Mignon"-Ouvertüre, sowie Hymne und Driumphmarsch - Aiba" mit anervennenswertem 'Bemühen zu Gehör brachte und ebenfo wie die 'stortrageuben reichen Beifall sank». Ein Gesellschaft« abenb b*rfhilql« zum Abschluß be« ZahreSfesles am Sonntag ble Mitglieder hi heu 'jtäumen be« Gvfellfcha1lsi»ei'eliis; Der erste 'Vorslhcnbe, Dr Henning, hieß bk Auwefenfen willkommen unh gab einen Rückblick über bie Tätigkeit he« Bundes In btn lebten süisizehii 'Fahren. 'Der Sänger unb TU* zsialor Robert Koppel unferbkU bk Iwl- fallssreudige unb animierte Gesellsd^aft mit einer Reih« vorliesillcher, hellerer '»orträge aul« bell*. Aus der Provinzialhauptstadt Gießen, den 11. November 1929. Mannebesuch in Gießen. Am heutigen Montag kommt mit dem Eilzuge aus Richtung Kassel um 20.21 Uhr eine Abordnung von Offizieren und Mannschaften des Linienschiffes „Hessen" in Gießen an. Die Abordnung steht unter Führung des Kapitän- leutnants Müller, ferner gehören ihr noch Unteroffiziere und Mannschaften an. Der Besuch soll dazu dienen, die Verbindung zwischen dem Hessenlande und seinem Paten, dem L i n i e n s ch i f f „H e s s e n", immer enger zu gestalten. Die Marinegäste werden am Gießener Bahnhof von Vertretern des Garnisonkommandos und von den Mitgliedern des Gießener Marineoereins empfangen und in die Stadt geleitet werden. Die Gäste werden durch unser Bataillon untergebracht und bewirtet. Am morgigen Dienstag werden sie von Mitgliedern des Warineoereins durch die Stadt geführt, wo ihnen die Sekenswürdigkeiten gezeigt werden sollen. Morgen abend wird sich dann ein geselliges Beisammensein mit Vertretern unseres Bataillons, der hiesigen Behörden und dem Marineverein in dessen Bootshaus an der Wißmarer Straße, in der Nähe der Militär-Schwimmanstalt, anschließen. Am Mittwochmorgen verlassen die Gäste mit dem Zuge 9.57 Uhr unsere Stadt, um zunäcyst nach Frankfurt a. M. weiterzufahren. Der Besuch der Seeleute von der „Hessen" wird in unserer Stadt herzlich willkommen sein. Neubestellung von Beisitzern der Schlichtungsausschüsse. Dom Staatlichen Schlichtungsausschuß für die Provinz Oberhessen wirb uns mitgeteilt: Die dreijährige Amtszeit der D e i s i h e r läuft in einigen Wochen >ab. Wiederbestellung ist zulässig. Die Beisitzer werden durch den Minister für Arbeit und Wirtschaft bestellt. Die Grundlage für die Bestellung bilden Dorschlags- l i st e n. die von den Berufsoereinigungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer einzureichen sind, und zwar beim Schlichtungsausschuß. (Siehe Bekanntmachung im „Gießener Anzeiger" vom Samstag.) Für den Begriff der „wirtschaftlichen Vereinigung" sind die Grundsätze des Arbeitsrechts maßgebend. Die Schlichtungsbehörden haben zum Abschluß von Gesamtvereinbarungen (Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen) Hilfe zu leisten. Beisitzer können nur deutsche Reichsangehörige sein, die das 24. Lebensjahr vollendet haben, und im Bezirk des Schlichtungsausschusses ihren Betriebssitz, oder mangels eines solchen, ihren Wohnsitz haben, oder beschäftigt sind. Arbeitgeberbeisitzer dürfen nur Arbeitgeber sein. Den Arbeitgebern stehen gleich Dorstandsmilglieder und gesetzliche Vertreter von juristischen Personen und von Personengesamtheiten des öffentlichen und des privaten Rechtes, Aufsichtsratsmitg'icder mit Au nähme der vom Betriebsrat entsandten, öffentliche Beamte nach näherer Anordnung der zuständigen obersten Reichs- oder Landesbehörde. Geschäftsführer und Betriebsleiter, soweit sie selbständig zur Einstellung von Arbeitnehmern in den Betrieb, oder die Betriebsabteilung berechtigt sind, oder soweit ihnen Prokura, Handlungsvollmacht oder Generalvollmacht erteilt ist, und satzungsmäßige Vertreter oder bevollmächtigte Angestellte wirtschaftlicher Vereinigungen von Arbeitgebern. ■ Arbeitnehmerbeisitzer dür en nur Arbeitnehmer sein. Den Arbeitnehmern stehen fatzungsmäßige Vertreter oder bevollmächtigte Angestellte wirtschaftlicher Vereinigungen von Arbeitnehmern gleich. 35 Fortsetzung. Nachdruck verboten Liebe in Ketten. Vornan von Hans Mitteweider. Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale). Beide eilten zu dem Wagen, und Berty selbst nahm das Steuer. Sie hoffte, daß sie ihren Gatten auf der Baustelle finden würde, und lenkte das Gefährt dorthin. Aber sie erschrak, als sie den Platz fast erreicht hatte und schon von weitem ihren Gatten allein dort stehen sah. „Altberg! — 11 nö Turnau ist nicht bei ihm!" stieß sie betroffen hervor. Altberg icim ihnen entgegen. Als der Wagen hielt tief er: „Sucht ihr Felix?" Berty nickte, sie brachte keine Antwort hervor. Sfcr 22"am lachte. „Sa, ja, so geht es bei jungen Eheleuten! Felix war hier, er hatte ganz vergessen, daß er Sie zu mir hatte bringen wollen, Bodenstein. Er sagte mir, daß Sie meine Frau getroffen hüllen unv mit ihr gegangen wären, lind dann — ha» haha —, ich sehe noch, w e beglückt er aussah, dann rief er: .Desto besser. Altberg! Dodenstein wird dich daheim erwarten, ich aber kann in- zwischen wie e.r umkehren. Sch möchte nicht lange fortbleiben. Schicke mir deine Frau und Boden- stern — und du selbst sollst auch mittommen/ — er fdrt und ward nicht mehr gesehen! r lachte behaglich, verstummte aber, als £.ln.e cPrau- ohne ihm ein Wort zu erwidern, den Anlasser m Tätigkeit setzte, als sie den Wagen wendet« und in voller Fahrt davonjagte. »2lanu! murmelte Altbecg, aufs höchste über- rascht. „Wo brennt's denn?" Ehe er je loch eine Antwort auf diese Frage sac E-Dageu schon seinen Blicken ent» schwanden. Berty und Dodenstein hatten nur einen Blick miteinander getauscht, als sie hörten, daß Felix Turnau schon heimgesahien war. Sie allein wuß- ten doch — oder ahnten wenigstens —, was auf tan Spie.« stand. Sie wußten, daß sie alles auf- bleten muß en um nicht zu spät zu kommen. Wortlos saßen sie da, und Berty bemühte sich, das Aeußerste aus der Maschine herauszuholem Dabei rang sich aus ihrer Seele immer wieder nur bie eine Bitte: „Herrgott laß uns nicht zu spät kommen!" Aber sie kamen doch zu spät! Felix Turncm hatte wirklich ganz vergessen g«. habt, daß er Dodenstein zu Altberg hatte bringen und ihm den Stand der Arbeiten auf dessen Gute zeigen wollen. Er wollte nur heim, heim zu feiner Käthe, und die Zeit des Alleinseins mit ihr, bis die Altbergs kamen, auszunützen, um ihr seine Beichte abzulegen, ihr zu sagen, was Ssolde von Klet- ten von ihm verlangt hatte. Für Arbeiter und für Angestellte sind getrennte Vorschlagslisten au.zuslellen. Bei der Berufung sollen die verschiedenen Teile und die hauptsäch.i^en Gewerbezweige. Berufsarten und Betriebsarten des Bezirks berücksichtigt werden. Die Vorschlagslisten der wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sollen diesem Erfordernis Rechnung tragen. Die Uebernahme des Beisitzeramtes kann ab- lehnen: 1. wer das 65. Lebensjahr vollendet hat: 2. wer bui'a) Krankheit oder Gebrechen verhindert ist. das Amt ordnungsmäßig zu führen,- 3. wer durch andere ehrenamtllche Tätigkeit für die Allgemeinheit so in Anspruch genommen ist. daß ihm die Uebernahme Ides Amtes nicht zugemutet werden kann; 4. wer in den letzten drei Sahren vor der Berufung als Beisitzer eines Schlichtungsausschusses tätig gewesen ist; 5. öffentliche Beamte aus Verlangen ihrer vorgesetzten Dienstbehörde. * •• Geographisch-heimatkundlicher Einführungsturius. Das he,sisck)e Kultusministerium veranstaltet in den Tagen vom 2. bis 15. Dezember für die Mitglieder amtlicher heimatkundlicher Arbeitsgemeinschaften einen Einführungskursus in die Beschäftigung mit der geographischen Heimatsorschung. Der Lehrgang wird von Studienrat Dr. Knieriem geleitet und findet für Lehrer aller Schulgattungen in Bad-Rauheim statt. Ministerialrat Dr. Müller vom hes,ischen Landesvermessungsamt wird über „Die amtlichen Plan- und Kartenwerke und ihre Bedeutung für den heimatkundlichen Unterricht" sprechen und die Füyrung durch die mit dem Lehrgang verbundene Ausstellung des hessischen Lanoesvermessungsamtes übernehmen. Sn Theorie und Praxis ves geographisch- heimatkundlichen Lehrausflugs wird Dr. Michel (Frankfurt a. M.) einfuyren, während Dr. Kniertem (Dad-Rauheim) Probleme der Stadtgeograpyle erörtern uno an Beispielen Bad-Rauheims erläutern wird. **DieSchützengesellfchaftl926 feierte am Samstagabend im Saale der Liebigshöhe ihr 3. Stiftungsfest, verbunden mit Fahnenweihe. Der Verein wurde am 27. Oktober 1926 mit einer Mit- gliederzahl von 12 gegründet, mit der Absicht, dem Zimmerstutzenschießlport zu huldigen. Eist später wurde der Wunsch laut, einen größeren Schießstand Zu besitzen, um auch auf größere Entfernungen und mit scharfer Munition schießen zu können. Dieser Wunsch ist inzwischen durch das Entgegenkommen der Stadt, die das erforderliche Gelände pachtweise zur Verfügung stellte, in Erfüllung gegangen. Die Schützengesellschaft verfügt über einen 8770 qm großen Schießstand, der, mitten im Wald liegend, drei Stände je 300 Meter, fünf Stände, je 175 Meter und fünf Stände je 100 Meter hat. Im nächsten Jahre sollen noch ein Pistolenstand (35 Meter), zwei Kleinkaliberstände je 50 Meter und ein laufender Wildstand (80 Meter) gebaut werden. Im vorigen Monat hielt die Gesellschaft unter starker Beteiligung hiesiger und auswärtiger Schützen ihr Eröffnungsschießen auf dem neuerbauten Schießstand ab, wobei sehr schöne Resultate erzielt wurden. Auch in bezug auf die Mitgliederzahl hat sich der Verein günstig entwickelt; sie beträgt heute mehr als 100. Das Verhältnis zu dem hiesigen Schützenverein und zu den benachbarten Schießsportvereinen ist in jeder Hinsicht harmonisch. Dies zeigt sich auch bei der am Samstagabend auf der Liebigshöhe abgehaltenen Veranstaltung. In der Begrüßungsansprache gab der Vor- sitzende der Gesellschaft, Ed. G o n d n e r, einen Rückblick über das abgelaufene Vereinsjahr, das außerordentlich arbeitsreich aber auch erfolgreich gewesen sei. Er wies auf die Bestrebungen der Gesellschaft hin, die sich auch die Ausgabe gestellt habe, die Ju- i^miig um ■ » ii'jy-ym—tmimi „Sch muß es ihr sagen, gleich!" dachte er. „Sie liebt mich so innig, daß ich kein Geheimnis vor ihr haben darf. Sch muß es ihr sagen, und sie wird mir-verzeihen..." Ein heißer Zorn gegen Ssolde von Kletten brannte in ihm. Aber er war auch zornig über sich selbst, weil er die Versucherin nicht von sich gewiesen, weil er ihr seine Verachtung nicht ins Gesicht geschleudert, weil er an Küthe gezweifelt Halle. Tald hatte er den Schloßhof erreicht, stoppt« und sprang heraus, um dann durch die Halle zu eilen, die Treppe empor. Er konnte nicht sch ell genug u Käthe komn en. Ohn a zuklopfcn toie er es sonst stets tat, riß er die Tür ihres Zimmers auf. . Betroffen schaute er in den Raum. Es war eine bittere Enttäuschung für ihn, daß er Käthe nicht darin vorfand, wie er als sicher angenommen hatte. Vielleicht war sie in einem der Rebenrüume? Er durchschritt diese Räume, fand aber Käthe nichll Ratlos kehrte er in das erste Zimmer zurück. Er wußte nicht mehr, wo er Käthe suchen sollt«. Schon wollte er klinge.n, um die Zofe herbeizurufen und nach ihrer Herrin zu fragen, da kam ifrm ein anderer Gedanke, den er sogleich in die Tat umsetzen wollte. „Sch müßte heute abend auch Klausen zum Essen bitten, da er nun doch einmal da ist," dachte er. „Aber ich möchte ihn nicht am Tische haben. Bur wir Freund« wollen beisammensihen. Der Fremde würde stören — und Käthe mag ihn mcht recht. Sch werde ihm sagen, daß Altberg ihn erwartet ..." Und schon lief er durch den Gang hinüber nach dem Seitenflügel, wo Klausens Zimmer lag. Sns- geheim hoffte er, daß er bei seiner Rückkehr Küthe in ihrem Zimmer finden würde; er dacht« nur an sie. Da hörte er einen Schrei, der seine Füße an den Boden bannte. Cs war der Hilferuf eines Weibes! Aber er lüchelte über sich selbst, weil er einen Moment geglaubt Halle, die Stimme Käthes zu erkennen. „So verliebt bin ich, daß ich überall ihre Stimme zu hören meine!" dacht« er noch. Da erscholl der Ruf zum zweiten Male. Dies- mal war jeder Srrtum ausgeschlossen. Das war Käthes Stimme gewesen! Und sie befand sich in höchster Rot! Seli? Turnau schüttelte den Schrecken, der ihn lahmen wollte, von sich ab und hastete weiter. Da erklang der dritte Hilferuf! Er kam aus dem Zimmer dort, dessen Tür weit offenstand, aus dem Zimmer des Sngenieurs. „Mein Gott!" murmelte Felix Turnau. ®^nJ!«nrVr in Oeffnung und sah alleS. „Schuft! schrie er. Klausen hatte ihn gesehen, da er der Tür zugekehrt stand. Er hatte die Arme sinken lassen und war einen Schritt zurückgewichen. Er war gend für den Schießsport zu interessieren. Die Kapelle Topp erfreute durch zahlreiche musikalische Darbietungen, wobei das Flötensolo von Herrn Kehrmann besonders heroorgehoben zu werden verdient. Sehr eindrucksvoll gestaltete sich die Weihe der neuen Fahne der Gesellschaft durch den Bezirks- Vorsitzenden für Hessen und Nassau (3a. Kramer (Biedenkopf). Dieser übermittelte zunächst die Glückwünsche des Bezirksoerbandes Hessen und Nassau, sowie des Deutschen Sckützenbundes, um dann in seiner Weiherede darauf hinzuweisen, daß die Fahne das Symbol der Ehre und Treue sei, die verbunden sein müßten mit der Liebe zum Verein und seinen Idealen. Sein Hoch galt der Schützengesellschaft, dem Schützenwesen und unserem deutschen Vaterland. Recht stimmungsvoll wirkte das Weihelied: „Heilig ist der Herr" von Schubert, vorgetragen vom Quar= tettoerein (Leitung Musiklehrer Leib), der auch durch andere im Laufe des Abends gesungene Chöre angenehm auffiel. Nach Dankesworten des Vorsitzenden an die Stifterinnen und Stifter der neuen Fahne übermittelten Glückwünsche unter Ueberrci» chung von Fahnennägeln bzw. Geschenken, Stein- bruchbesitzer Nickel (Ober-Widdersheim) für die Schützengesellschaft Nidda, Kaufmann W e y e l für den Schützenoerein Gießen, Gustav Rühl für den Kellneroerein und den Verein Uferkritik. Außerdem wurde vom Gaubezirk ein Fahnennagel gestiftet. Im Lauf« des Abends warteten Tanzlehrer B ä u l k e und seine Partnerin Frl. Spieß mit reizenden Tanz Vorführungen auf. Mit einem schön verlaufenen Ball fand die Veranstaltung ihren Abschluß. ** Der Kavallerieverein e. D. Gießen hielt im Kath. Vereinshaus sein diesjähriges Winterfest, verbunden mit 23. Stiftungsfest, ab. Eingeleitet wurde das Fest — so berichtet man uns — durch einen von der Kapelle Weller sehr gut zu Gehör gebrachten flotten Husarenmarsch. Ein Prolog „Mein Vaterland", von Fräulein Wlordareck sehr gut gesprochen, fand großen Beifall. Hierauf folgte bi« Ai sprach« des ersten Dorfitzenven, Hugo Hartmann. Mit warmen kameradschaftlichen Worten begrüßte er die Kameraden und die zahlreich erschienenen Gäste. Sein besonderer Gruß galt den erschienenen beiden Ehrenmitgliedern, Leutnant a. D. Knobel und Herrn K u t s ch r a t. Ersterer hatte es sich nicht nehmen lassen, trotz seines hohen Alters von 85 Jahren dem Feste beizuwohnen. Anschließend an die Ansprache wurde mit Begeisterung das Deutschlandlied gelungen. „Der Traum des Malers", welcher durch den Reigen mit farbenwechselndem Licht vorgeführt wurde, brachte für die Theatervorsührung die schönste Einleitung. „Die Reitschule", eine humoristische Sz'ne, erntete wegen des flotten Pferdematerials mit den schmucken Reiterinnen großen Beifall. Hierauf folgte die Darbietung „Leutnants Geburtstag", die von den Herren des Bundes der Kolonialfreunde ausgezeichnet vorgetragen wurde. Bei dem folgenden Lustspiel „Landsturm zweites Aufgebot" lagen sämtliche Rollen in sehr guten Händen, alle Mitwirkende brachten ihr Können mit bestem Schneid und Talent dar. Sämtliche Darbietungen fanden reichen Beifall. Zum Schluß des Programms spielte die Kapelle ein Liederpotpourri und den Marsch „Alte Kameraden". Rach eine kleinen Pause folgte der Tanz als Abschluß des schönen Festes. Oberhessen. Kreis Büdingen. Nidda. 8. Nov. In aller Kürze wird Iu- stizinspektor I. Dapper unser« Stadt verlassen um nach Gießen überzusiedeln, wo er bereits seit längerer Zeit dienstlich beschäftigt ist. Mit seinem Weggang erleidet das musikalische Le- b en unseres Ortes einen fühlbaren Verlust. Fast sehr blaß, aber seine Augen funkelten noch in höchster Erregung. Käthe wankte. Sie verstand nicht, daß et sie freigab. Da sah sie feine Blicke nach der Tür gerichtet. Sie erblickte ihren Gallen, sah fein entstelltes Ceiicht und wollte zu ihm eilen. »Cott sei Dank — Felix!" rang es sich über ihre Lippen. Liber ehe sie noch einen Schritt tun konnte, wankten ihre Kn.e. Und sie wäre zusammengebrochen, wäre Fe.ix nicht hinzugesprungen und hätte sie mit beiden Armen umschlungen. Schluchzend barg Käthe das Gesicht an seiner heftig wogenden Brust. „Felix," hauchte sie. „Sie verlas en dieses Haus auf der Stelle!" sagte Turnau, sich mühsam zur Ruhe zwingend. „Das Weitere wird sich finden." Da kam Berndt Klausen zu sich. Er erkannte, daß er sich durch feine Leidenschaft zu einer Torheit hatte verleiten lassen, di« nicht wieder gutzumachen war. Aber was hakte er denn verloren? Er reckte sich trotzig auf und kreuzte di« Arme übet di« Brust. Befehl, das Haus zu verlassen, muß ich mich fügen,“ sagte er, sich mit allen Kräften jur Ruhe zwingend. „Sie werden mir jedoch wohl gestatten, daß ich bad, was mein eigen ist, mit mir nehme ..." »3ch werd« so lange warten!" erwiderte Felix Turnau kühl. Da lächelte Berndt Klausen. „Darf_ ich Sie bitten, es mir zu geben!“ Verständnislos schaute Turnau ihn an. ..Die umschlingen das, was mein eigen ist, als wollten Sie es mir verweigern," fuhr Klausen höhnisch fort. Dann aber schrie er plötzlich auf: -Sie sind herbeigeeilt wie «in Wahnsinniger, als die Frau dort, die sie umschlungen halten, um Hilfe schrie — Sie weifen mir ihretwegen die Tür — aber nicht eher werd« ich gehen, als bis sie mit mir geht ...“ „Sie sind wahnsinnig geworden!" „Sch denke nicht daran. Mein 'Geist ist jedenfalls klarer als der Shre. Sch weiß, was mein ist. Sie aber wissen es nicht ...“ Felix Turnau wußte nicht, was er denken sollte. Gr fürchtete wirklich, daß der Mann vor ihm geisteskrank war. Da schrie dieser ihm hohnlachend ins Gesicht: „Die Frau, die Sie da liebevoll an sich pressen ist meine grau, Herr von Turnau!" Einen Moment starrte Felix Turnau ihn vollkommen fassungslos an. Dann aber lächelte er. Er hatte sich also nicht geirrt, als er diesen Mann für wahnsinnig hielt. Gr umschlang Käthe sorgsam, beugte sich zu ihr nietet und fragte: -Kannst du mit mir gehen, Liebste?“ Er wollt« sie hinausführen, doch schon stand Berndt Klausen dicht vor ihm und rief: -3ch ersuche Sie, sofort meine Frau aus Shren Armen zu lassen, Herr von Turnau!“ Zwei Jahrzehnte betätigte er sich mit Eifer und ge. oiegenem Können sowohl auf dem Gebiete der tonalen, wie der instrumentalen Musik. Als langjäh. riger Chorleiter des Männergesangver- eins „Sängerkranz" brachte er verschiedent- lich größere Singspiele zur Aufführung und ent. wickelte den Chor zu einem geschmeidigen Klang- körper. Erfolgreich leitete er auch mehrere Jahre die Gesangvereine von Unter-Schmitten und Eichelsdorf. Dem Niddatalsünger- bund, in dessen Vorstand er als zweiter Bundesdirigent wirkte, war er während langer Jahre eine wertvolle Stütze. Die katholische Kirchen- gemeinde verliert in dem Scheidenden ihren Organisten und dem Chorleiter des Kir- ch e n ch o r s. Als Dirigent der Feuerwehrkapelle, an deren musikalischem Ausstieg er be- sonderen Anteil hatte, stellte er sich öfters in den Dienst der Wohltätigkeit und trug zur Ausgestaltung festlicher Veranstaltungen bei. In kleineren Snftrumentaltörpern wirkte er gleichfalls mit. Mit Bedauern sieht man allgemein in ihm einen Mann scheiden, der mit dem gesellschaftlichen, gesanglichen und musikalischen Gemeindeleben so stärk oerwur- zelt war. Kreis Friedberg. WSR. Friedberg, 9. Rov. Der Arbeiter Qinfmann, der vor einigen Tagen in der Transformatorenstation des äleberland- Werks an der Gießener Straße verunglückt war, ist seinen schweren Verletzungen und Brandwunden im Bürgerhospital erlegen. Wirtschaft. Geldmarkterleichterung. Di« Entwickelung des Geldmarktes in der vorigen Woche hat die Erwartungen, die man an die Ermäßigung des Diskontsatzes der Deutschen Reichsbank knüpfen konnte, nicht in vollem Umfange erfüllt. Sowohl am kurzfristigen, als auch am Termingeldmarkt war eine leichte Versteifung festzustellen, obwohl der letzte Reichsbankausweis .eine geringe Belastung des Lombardkontos aufzuweisen hatte. Demnach hat sich dis nach der Discontermüßigung zu erwartende Verflüssigung am Geldmarkt nicht in dem Maße durchgeseht, daß von einer dauernden Geld- verflüssigung gesprochen werden kann. Diese Entwicklung hängt anscheinend damit zusammen, daß sich am Geldmarkt doch eine Zuspitzung des Bedarfs gezeigt hat, die bisher die erwartete schnelle Erleichterung am Geldmarkt nach dem Ultimo verhindert hat. Dies ist um so auffälliger, als der Bedarf der Wirtschaft nach wie vor gering geblieben ist, und auch der Bedarf der Börse infolge der Entwicklung der Börsenkurse sich verringert hat. Rach alledem ist damit zu rechnen, daß sich in den folgenden Wochen die Verflüssigung des Geldmarltes doch durchsetzen wird. Denn die Verflüssigung auf den ausländischen Geldmärkten und der Kurssturz auf dem deutschen Effektenmarkt haben in Verbindung mit dem Konjunkturrückgang in Deutschland wesentliche Voraussetzungen für eine Entspannung der deutschen Geldmarktlage geschaffen, und der Druck, der in der Berichtswoche sich auf dem deutschen Geldmarkt geltend gemacht hat, ist nur rein zufälliger Ratur, so daß sich die internationale Entwicklung doch schließlich auch auf dem deutschen Geldmarkt geltend machen muß. Man muh auch berücksichtigen, daß die Sähe am Geldmarkt auf die Dauer kaum der Bewegung auf dem Wechselmarkte widerstehen können, zumal sich auf dem Wechsel- Markt die tatsächliche Lage des Geldmarktes zeigt, die auf die Dauer auf den Tagesgeld- und Termingeldmarkt nicht ohne Einfluß bleiben kann. Da schaute sich dieser um. Er mußte Käthe einstweilen zu einem Stuhle geleiten, damit er die Arme frei bekam, um den Srrfinnigen dort unschädlich zu machen. Doch Berndt Klausen hatte aus einer Tasche ein Papier gerissen und hielt es ihm entfaltet vor die Augen. „Sie halten mich immer noch für wahnsinnig, Herr von Turnau, weil ich diese da mein« Frau nenne. Dille, lesen Sie, was hier steht — es ist der Trauschein, durch den bestätigt wird, daß Käthe Fernau in London meine Frau wurde!“ Felix Turnau stand regungslos da. Er hörte, wie Käthe verzweifelt weinte, er wußte nicht mehr, was er überhaupt denken sollt«. Tlnwill- kürlich blickte er auf das Dokument, das Berndt Klausen ihm entgegenhielt. Aber er tonnte kein Wort lesen, sah nur, daß es wirklich ein Trauschein war; er kannte diese Dokumente. Berndt Klausen aber sagte höhnisch: »Sch werde Shnen vorlesen, was hier steht!" Er wandte das Blatt um. Er wollt« seinen Triumph auskosten. Da aber richtete sich Käthe mit verzweifelter Anstrengung auf. »Komm mit fort von hier, Felix!" bat sie mit verfugender Stimme. „Richt aus seinem Munde sollst du es hören. Sch selber will dir alles sagen ..." Sie schaute ihn an, angstvoll flehend und doch voll unbefchreiblicher Liebe. Felix Turnau aber las in ihren Augen nur Die Angst. Er griff sich mit beiden Händen an die Stirn und stöhnte: «Himmel, was be< eatet das alles?" „Äichts anieres, als ich sagte!" erwiderte Klausen. „Sehen Sie sie doch an! Sieht sie nicht aus wie das verkörperte böse Gewissen? — Unb toenn Sie noch einen Beweis wollen, sehen Sie her! Kennen Sie diesen Ring!" Er hob die rechte Hand, an deren kleinen Finger der Terlobungsring Käthes funkelte. „Felix!" schrie Käthe auf. Sie wankte zu ihm und sank vor ihm zu Boden. Flehend umllammerte s e ihn. «Felix — oh, mein Felix!" stöhnte sie auf. Roch immer faßte er das alles nicht. „Er — spricht die Wahrheit?" murmelte er. „Du warst seine Frau?" . »War? — Sie ist es noch! Sie ist Shre Gattin geworden ..." „Weil ich ihn für tot hielt! Felix, ich ..." Weiter kam sie nicht. Die Sinne drohten ihr zu schwinden. Und als Felix Turnau merkte, wie sich ihre Arme um ihn krampften, bückte er sich und hob sie empor. „Käthe!" kam es fast schluchzend über seine Lippen. Unö als Berndt Klausen höhnisch auflachte, übermannte Turnau der Zorn. Mit wenigen Schritten erreichte er di« Ottomane an der einen Wand, lieh die Bewußtlos« auf sie niedergleiten und wandte sich dem Sngenieur zu. (Schluß folgt) “nb gt. ZsK eni> •anqet L?Un&5. 01 w «ih*n ™ Ä.Vtd>«n. ;;Ä"fcn d|em NftiM,6,,a' >en bei -r 9leiti! dberg, >WI«I* 'ast. Gerung. *®M in btt SjMk man an ULL ^mfrgtn, als auch ÄÄ Derstei- « lebte Arichsbank, ^"9 bes Lombard« Demnach hat sich bie 8 zu enoaitende Qkt- W in dem Maße er dauernden Geld« wen kann. anscheinend damit zu« 'markt doch eine Zu« !t bat. die bisher die rung am Geldmarkt hat. Dies ist um Io der Wirtschaft noch und auch der 2e« er Entwicklung brr hat. Wach allebrm ich in den lvlgenben M3 Gelbmarltrs doch ä Derslüssigung auf rtten und der Kurs- ssekteMarlt haben in ionsunlturrückgang in rau^setzungen für eine n Geldmarltlage ge« der in der Berichts« en Geldmarkt geltend zufälliger Llotur, so Ic Srtmidlung doch deutschen Geldmarkt mch auch berMch« bmarit auf die Dauer dem Drchfelmarlte sich aus dem Wechsel« des Geldmarktes zeigt, Tagesgeid« und Der« Sinsluh bleiben kann. um. Er Mhte Käthe hie geleiten, damit et den Irrsinnigen dort alle aus einer Tasche hielt es ihm entfaltet noch für lvahnsimig, diese da meine IM s hier steht - es rst bestätigt wird, dav meine Frau wurde igslos da- Er horte, nie et wußte nicht enlen otument, das W oiber er lonntz tem / wirNich ein Trau« Sotumente. *■ 7'§r wWlffi S A*» * rr, o^- Munde K di- » e- Qiugen nur Has°?^5serte5lau- •X'E’i*ee wen t»i* i «* *' ältst- ÜSrt** »•»»* «'S?;*« »y»-” schlick^ *** * 8# Die kuxzfristige Finanzierung hat zu einer Gindeckung des Geldbedarfs nur mit TageSgeld geführt, und erst nach und nach wird hier eine Entspannung eintret.'n, die natürlich auch zu einem Rückgang der Geldsätze führen muh. Die Aufnahme von Auslondgeldorn ist durch die Herabsetzung des deutschen Diskontsatzes erleichtert worden, da trotz der Ermäßigung die Spanne zwischen den dcutichen Zinssätzen und den ans» ländischen zum Teil noch gewachsen ist, weil man in Deutschland den Diskontsatz nur uip '/, Proz. herabgesetzt hat. Infolgedessen ist für die Dauer mit einer Entspannung am deutschen Geldmarkt zu rechnen, die sich besonders nach der Abwicklung des Jahresultimo einstellen wird. Es bleibt natürlich abzuwarten. wie weit sich die Entwicklung am Geldmarkt auch auf den Kapitalmarkt übertragen wird. Sicherlich haben sich die Aussichten für einen Abschluß langfristiger Auslandkredite für Deutschland durch die Entwicklung an den internationalen Geldmärkten gebessert. Man muh auch berücksichtigen, daß bei den deutschen Esfektenpapieren die Rendite wesentlich höher ist, als die der meisten ausländischen Esfekten, wodurch natürlich für ausländische Effektenkäufer ein Anreiz zum Erwerb deutscher Papiere geschaffen ist. Die Entwickelung des deutschen KursniveauS hat eben die in Reuyork erstrebte Stabilisierung des Kursniveaus auf der Grundlage der tatsächlichen Rendite vorweggenommen: infolgedessen werden dem Kapitalmarkt größere Beträge des Auslandes zufließen, die nicht nur die Lage auf dem deutschen Kapitalmarkt, sondern auch auf dem deutschen Geldmarkt eine gewisse Entspannung bringen können. Weitere Entlastung der ReichSbanl. Nach dem Ausweis der Reichsbank vom 7. N o v e m b e r hat sich die gesamte Kapitalanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten in der ersten Novemberwoche um 247,0 Millionen auf 2494,4 Millionen Reichsmark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Wechseln und Schecks um 130,5 Millionen auf 2319,5 Millionen Reichsmark, die Lombardbe- ftänbe um 56,0 Millionen auf 50,7 Millionen Reichsmark und die Bestände an Reichsschatzwechseln um 60,5 Millionen auf 31,7 Millionen Reichsmark abgenommen. An Reichsbanknoten und Rentenbank« scheinen zusammen sind 312,3 Millionen Reichsmark in die Kaffen der Bank zurückgeflossen. Der Umlauf an Reichsbanknoten hat sich um 282,6 Millionen auf 4550,4 Millionen Reichsmark, derjenige an Rentenbankscheinen um 29,7 auf 377,3 Millionen Reichsmark verringert. Dementsprechend haben sich die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen auf 43,9 Millionen Reichsmark erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 497,4 Millionen Reichsmark eine Zunahme um 43,4 Millionen Reichsmark. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich um 7,6 Millionen auf 2595,7 Millionen Reichsmark erhöht. 3m einzelnen haben die Goldbestände um 113 000 Reichsmark auf 2229,0 Millionen Reichsmark abgenommen, während die Bestände an deckungsfähigen Devisen um 7,7 Millionen auf 366,7 Millionen Reichsmark angcwachfen sind. Die Deckung der Noten durch Gold allein besserte sich von 46,1 v. H. in der Vorwoche auf 49,0 v. $)., diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 53,6 auf 57,0 v. H. • • Bor übergehende Schließung der Opel werke. Zu Gerüchten über eine Schließung der Fabrik teilt die Adam Opel A.-G. mit, daß die Rüsselsheimer Werke vom 21. Dezember bis 2. Januar zwecks Jnventurauf nähme geschlossen sein werden und daß die Belegschaft in den vorhergehenden Wochen wie seither arbeiten wird. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., ll.Rov. Tendenz: geschäftslos. — Zum Wochenbeginn fehlte der Börse wieder jegliche Anregung, so daß bei weiter anhaltender Geschäftslosigkeit von einem Geschäft fast nicht die Rede sein konnte. Reuyork hatte am Samstag die Börse geschlossen. Die Spekulation war wieder auf sich selbst angewiesen und zeigte sich sehr zurückhaltend. Material kam wieder kaum heraus, doch genügte ein Minimum hiervor, um das Kursniveau gegenüber dem Samstagschluh allgemein etwas zu senken. Der Grundton der Börse zeichnete sich aber trotzdem durch eine gewisse Wider- standsfahigkeit aus. Die nicht gerade ungültigen Ausführungen in einigen Wir'schafts- berichtcn wurden wohl mit Zuversicht ausgenommen, konnten aber nicht zu einer Belebung des Neue Bücher. — Graf Ernst Reventlow: Kriegö- chuldlüge und Kriegsschuldlügner. Geheftet 4,50 Mk. Derlag 3. F. Lehmann in München (484). — Der bekannte alldeutsche Politiker gibt eine zusammenhängende Darstellung von der Entstehung der Kriegsschuldlüge und ihrer Benutzung durch die Ententemächte, ferner eine scharfe Kritik der Behandlung der Kriegsschuldfrage durch die deutschen Regierungen. — Ludwig Lewisohn: Das Erbe im Blut. Roman. 311 Seiten 8°. Geb. 8,50 Mk. Paul List Verlag, Leipzig. (458). — Lewisohn gehört schon seit Jahren zu jener kleinen Schar von Schriftstellern, die wie Sinclair Lewis. Upton Sinclair und einige andere in Amerika verfehlt, t und in Europa gelesen werden. Alle seine Bücher sind Bruchstücke einer großen Konfession. Der neue Roman — zum guten Teil autobiographischen Charakters — gibt in schlichter und doch lebendiger Schilderung die Geschichte einer Judenfamilie durch vier Generationen. — „S i e Lüneburger Heid e." 64 Bilder, eingeleitet von Emil Schaeffer. Schaubücher, Herausgeber Dr. Emil Schaeffer. Bd. 12. Preis geb. 2.40 Mk. Orell Fühli-Berlag, Zürich. — 433. — Dr. Emil Schaeffer begleitet das vom Derlag mit ausgezeichnet reproduzierten Tafeln ausgestattete Bändchen mit einem die Heidestimmung einprägsam einfangenden Text, der Anhang mit knappen, sachlichen Annierkun- gen ist willkommener Führer und interessanter, kulturkundlicher Aufklärer zugleich. Wer in die Heide geht, wer überhaupt wandert, wird das schmucke Büchlein in die Tasche stecken. — Max Weyergang, Oberst a.D., Wie lerne ich spielend Bridge? Eine Bridge- Fibel zum Selbstunterricht. Derlag Ad. Sponholh, Hannover. Kart. 3,50 Mk. (402.) — Der Derfasser, Leiter der Bridge-Stube eines weltbekannten Bades, hat seine Lehrmethode an vielen Anfängern mit Erfolg erprobt. Er bietet in feinem Buch keine trockene, schwer verständliche Theorie, langwellt den Leser nicht mit Regeln usw., sondern arbeitet mit ihm an Hand von zwanzig einfachen und klaren Uebungsspielen — Stich für Stich — alle Phasen des Bridgespiels durch. — Zwangswirtschaft und Wohnungswesen. Don Professor Dr. Max I. Wolff. Berlin. Widder-Derlag, Berlin SW 48. Preis 80 Pf. (404.) — Die vorliegende Schrift gibt eine objektive und unvoreingenommene Darstellung des heutigen Standes der Wohnungsfrage, die ja noch immer ihrer Lösung harrt und gerade jetzt mehr als je im Brennpunkt des Interesses aller Bevölkerungskreise steht. Den Hauptabschnitt des Werkes bildet „Der Kampf gegen die Wohnungsnot". Der Derfasser behandelt hier in kritischer Weise die verschiedenen staatlichen Maßnahmen, die in der Rachkriegszeit zur Behebung der Wohnungsnot getroffen worden sind und kommt zu dem Ergebnis, daß die bisherige Wohnungspolitik nicht geeignet fei, eine befriedigende Lösung der Wohnungsfragen herbeizu führen. _______ — Emil Schlegel: Die Krebskrankheit. Ihre Ratur und ihre Heilmittel. Reue Ausgabe. Broschiert 9 Mark. Hypotrates-Derlag, Stuttgart, Holzgartenstraße 7 (459). — Anleitung für den Gymnastikunterricht in den Schulen. Don L u c i e Sckerl, staatlich geprüften Turnlehrerin und Dipl.-Lehrerin für rhythmische Gymnastik. 3. erweiterte Auflage. Mit 200 Hebungen, 80 Zeichnungen und 23 ganzseitigen Bildern. 40 S. kl. 8°. Kart. 3 Mk. Derlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin. (406.) — 3m Rovember-Heft der „Zeitwende" (C. H. Becksche Derlagsbuchhandlung. München) sagt Tim Klein: „Die Bühne der Zeit ist ein Tribunal geworden und nichts ist gefährlicher als den Tendenzen der Zeit den Mund zu verhalten", in seiner „Randbemerkung" über die „Dreigroschenoper". „Wir sollen wissen, daß wir buchstäblich auf den Höhlen wohnen, wo die unterirdischen Gewalten hausen. Wir sollen wissen, daß das Theater ihr Sprachrohr geworden ist. Wir sollen jedem Pharisäismus entgegen- arbeiten, der sich in Kultur, Komfort, Genuß und Spiel sonnt. Dor allem aber sollen wir die Zeichen der Zeit erkennen." 3m gleichen Heft spricht ein theoretisch und praktisch mit Fürsorgearbeit Vertrauter, Friedrich Bachmann, über P. M. Lampels Aufsehen erregendes Tendenzstück „Revolte im Erziehungshaus". Bachmann begnügt sich nicht mit der vielfach üblichen moralischen Entrüstung, er stellt vielmehr mit kühler Sachlichkeit die Frage, ob an Lampels Vorwürfen gegen die Fürsorgeerziehung nicht doch etwas Wahres sei, kommt dann aber freilich zu dem Ergebnis, daß Lampel die Wirklichkeit verzerrt wiedergibt und daß auch seine agitatorischen Reformvorschläge dürftig und für die Praxis unbrauchbar sind, weil sie einseitig den Blick ausschließlich auf die sexuelle Frage richten und damit an der Fülle und Tiefe der Probleme völlig vorbeisehen. — Die Europäischen Gespräche. Derlag Dr. Walther Rothschild, Derlin- ' Grünewald) eröffnen ihr Oktober-Heft nicht mit einem Nekrolog auf ©trefemann,_ der doch nur Bekanntes wiederholen könnte, sondern bringen den Außenminister noch einmal selbst zu Gehör: durch Zusammenstellung von Leitgedanken zur deutschen Außenpolitik aus seinen wichtigsten Reden in entscheidenden Stunden wird hier aufs Eindrucksvollste öargetan, wie er die Grundsteine für eine neue deutsche Zukunft gelegt sehen wollte. — In einem lebhaft geschriebenen Aufsatz „Italien und Jugoslawien in der Adria" weist Harald E. Roos, Belgrad, nach, daß die italienische Idee deS,,Mare nostro“ in den geopolitischen Tatsachen keine Rechtfertigung findet. — Der Dokumententeil belegt den Beitritt der Dereinigten Staaten zum Welt- gerichtshof sowie u. a. die Verhandlungen über die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen England und Rußland. Geschäfts führen, da auch von einer Beteiligung des Auslandes am Börsengeschäft nicht das geringste zu bemerken war. Rur dem Automarkt wandte sich etwas mehr Interesse zu. Daimler konnten 0,75 Prozent gewinnen. Am Elektro- markt lagen Siemens 1 Prozent und Schuckert L75 Prozent schwächer. AEG. minus 1 Prozent. Gesfürel eröffneten knapp behauptet. Don den Chemiewerten waren zur ersten amtlichen Rotiz nur Farben mit minus 2 Prozent amtlich notiert. Don Kunstseidenaktien büßten Aku 2 Prozent ein. Montanwerte ebenfalls fast ohne Geschäft. Die Derluste gingen bis zu 0,75 Prozent. Danken waren gehalten. Am Rentenmarkt war die Ilm- sahtätigkeit etwas reger, unter Bevorzugung von Bagdad und Zolltürken, die von 0,35 bis 0,65 Prozent gewannen. Auch im Verlaufe blieb die große Lustlosigkeit bestehen. Die Kurse neigten um Bruchteile eines Prozentes nach unten. Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld mit 7,5 Prozent weiter etwas leichter. Am Devisenmarkt war die Mark international etwas abgeschwächt. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1805, gegen Pfund 20.399, London gegen Kabel 4,8785, gegen Paris 123,87, gegen Mailand 93,15, gegen Madrid 34,45, gegen Holland 12,0840. Berliner Börse. Berlin, 11. Nov. Es wird von Tag zu Tag schwerer, für die an der Börse herrschende G e - schäftslosigkeit die richtigen Worte zu finden. Die Umsätze schrumpfen immer mehr zusammen, und heute konnte man direkt von einer D r • derarmut bei de n Banken sprechen. Man muß sich wundern, daß überhaupt noch erste Kurse zustande kommen können, denn für manche Papiere waren nicht einmal Minusorders vorhanden. Allerdings mußten 15 Terminpapiere und 70 variable Kurse infolge des stagnierenden Geschäfts auch heute ausfallen. Anregungen von außen fehlten ebenfalls wieder, zumal die Samstagsbörse in Neuyork geschlossen war. Erstaunlich war es daher, daß bei der Kursfestsetzung zwar keine Einheitlichkeit, aber eine verhältnismäßig große Widerstandsfähigkeit vorherrschte. Die Bewegungen gegenüber den Samstagschlußkursen gingen eher nach unten, aber selten über 1 v. H. hinaus. Salzdetfurth und Westeregeln verloren je 2,5 v. H., Schuckert 2,40 d. S)., Siemens 2,13 v. H., Deutsche Linoleum 3 v. H. und Svenska 7 Mk. Aku-Aktien, deren Bezugsrecht heute erstmalig amtlich notiert werden soll (die Taxen bewegen sich zwischen 0,5 bis 1 v. H.), unverändert. Am Anleihemarkt verstimmte eine Pressenotiz über Neubesitzanleihe, nach der eine andere Behandlung, als bisher erwartet, nicht geplant fei. Der Kurs der Anleihen ohne Option ging darauf- hin von 9,60 auf 9 v. H. zurück. Ausländer lagen geschäftslos. Türkische Werte auf die bereits am Samstag gemeldete Auslosung der Kupons befestigt. Pfandbriefe ruhig. Liquidation-Pfandbriefe und Anteile weiter gefragt. Am Geldmark machte die Erleichterung Fortschritte. Tagesgeld 6 bis 8 v. ?)., Monatsgeld 8,5 bis 10 v.H., Warenwechsel zirka 7,40 o. ch. Vielleicht wird die bereits schon am Samstag erwartete Ermäßigung des Privatdiskonts Dorgenommen. Auch nach den ersten Kursen war es auf fast allci^Marktgebicten sehr still. Frankfurter Lchlachtvießmarkt. Frankfurt a. M., 11. Rov. Auftrieb: 1772 Rinder, darunter 412 Ochsen, 86 Dullen, 754 Kühe, 473 Färsen: 439 Kälber, 168 Schafe 4860 Schweine. Es notierten: Rinder. Ochsen: vollfleischige. ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: jüngere 55 bis 59 Mk., ältere 50 bis 54; sonstige vollst.: jüngere 46 bis 49. Dullen: jüng., vollll., höchsten Schlachtwerts 54 bis 57, sonstige vollst, oder auSgemästete 50 bis 53; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 46 bis 48, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 40 bis 45, fleischige 34 bis 39, gering genährte 23 bis 33; Fä'-sen (Kalbinnen, Jungrinder): vollsleischige, auSgemäUete, höchsten Schlachtwcrts 55 bis 59, vollfleischige 50 bis 54, fleischige 46 bis 49. Kälber, beste Mast- und Saugkälber 80 bis 83, mittlere Mast- und Sauglälber 75 bis 79, geringe Kälber 66 bis 74. Schweine: Fettschweine über 3C0 Pfd. Lebendgewicht 83 bis 86 vollfleischige von etwa 240 b s 300 Psd. Lebendgewicht 83 bis 86, von etwa 220 bis 210 Pfund 83 bis 86, von etwa 163 bis 200 Pfd. 83 bis 86, fleischige von etwa 120 bis 160 Psd. 82 bis 84 Mark. Marktverlauf: Rinder ruhig, Ueberstand. Schweine schleppend, Ueberstand. Kälber und Schafe rege, geräumt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. Rov. Der hiesige Produktenmarkt eröffnet: die neue Woche in allgemein stark abgefchwöchter Haltung. Das Angebot in Auslandgetreide ist etwas großer geworden, anderseits hat dagegen die Aufnahmelust sehr stark nachgelassen. Es kamen Llmsähe nur vereinzelt und zu reduzierten Preisen zustande. So gab Weizen 0,20 und Roggen 0,50 Mk. nach. Auch Futtermittel lag.n allgemein abge- schwächl und bis 0.75 Mk. niedriger. Außerdem hatte der Mehlmarlt schwache Haltung. Weizenmehl gab 0,25 Mk. nach, Roggen mußte sich sogar eine Preisabschwächung um 0,75 Mk. gefallen taffem Cs wurden notiert: Weizen 25, Roggen 18 bis 18,25, Sommergerste für Drau- zwecke 19,50, Hafer, inländ. 18,25 bis 18,50, Mais (gelb) für Futterzwecke 13,50, Weizenmehl, südd. Spezial 0 37,50 bis 38, Roggenmeht 26 bis 27. Weizenkleie 19,75, Roggenkleie 9,50 bis 10, Erbsen, je nach Qualität für Spcise- zwecke 31 bis 44, Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 55 bis 100, Heu, südd., gut, g.sund, trocken 11 bis 11,25, Weizen- und Roggenst.oh, drahtgepreßt 6, do. gebündelt 5,75 bis 6, Treber, getrocknet, 16,25 bis 17,25. Tendenz matt. Frankfurter Eiermarkt. Marktlage: Geschäft weiter ruhig, nur Kühlhausware verzeichnete lebhafteres Geschäft. Preise gut behauptet, teilweise ojar etwas hoher. Preise in Pfennig per Stück: bulgarische 12,25 bis 12,5, holländische 15 bis 81,5 jugoslawische 12,5 bis 13,25, polnische 115 bis 11,75, russische 12,5 bis 13,5, chinesische 11.5 bis 12, dänische 16 bis 18,5, belgisch-flandrische 17 bis 17,25. rumänische 11,75 bis 12, norddeutsche 15 bis 17. Letzte Nachrichten. L)r. Moldenhauer Reichswirtschastsminister. Berlin , 11. Roo. (IDIB.) Der Reichspräsident hat auf Borschlag des Reichskanzlers Dr. L u r t i u s unter Entbindung von dem Amte als Reichswirlschaftsminisler zum Reichsmini st er des Auswärtigen und den Unioersilätspro- fesjor Dr. TNoldenhauer (TH. d. R.) zum Reichvwirtschaftsminister ernannt. • Der neue Reichswirtschaftsminister, unseren Lesern durch eine Reihe von Zeitungsaufsätzen im „G 21." kein Unbekannter mehr, ist 1876 in Köln geboren, wo er seit 1901 erst an der Handelshochschule, bann an der Universität Versicherungswissenschaft lehrt. Studienreisen führten ihn nach England, Holland, Schweden, an das Mittelmeer, nach dem Orient, nach Ostafrika und in die Vereinigten Staaten. Den Krieg machte er als Landwehroffizier mit. Molden- hauer ist seit 1920 als Angehöriger der Deutschen Volkspartei Mitglied des Reichstags. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v. H., Lombardzinsfuß 8 v. H. "rankfuri o M Berlin rrankfurt a Berlin eCl)iufc.i ffure 1 Üb' »nr Schlug iZlnliinfl' Kur ; di ufki Sure | Ul' Rur cdjiuü j etniang. stur | Kur Darum 9. 11. 11. 11. 9. 11. 11. 11 Taum 9. 1 । 11 >1. 9. 11- 11. 11- 6 eu Icke djMii.c on ........ 7% Deutsche üelcfilflnlcUie von 1929 . ........ £i. tin . tiblöl.-SdlulD mit Sm io> -tHeditcn..... - rbn- Sh'-'c*. rRrtfifr 6% Helt. BolttNoat von 1929 (rückzahlb. 102%) • Oberhcifcn Provinz -Anleihe am Bueloi.-Rcchten . - • $eut|dic Komm. Eammelabl. Anleihe Serie 1 - - 8% Franks. Hyp.-Vank Golvpfe XlII unkündbar bi« 193« . 7% Rtanlf. Hnp-Bank Soldpfe unkündbar ui« 1932 ..... . auy. «uiineQ»»Dbltgation rückzahlbar 1982 ... <% LeNerreiüMchr »oitttte.. 4,20% CrOm Silberr'- <% Oesicrrclckllche Sin he Mich« diente.......... 4% Ungariiche Soldrre.. . . 4% Ungarifche Staat«!, o. 1610 4K% Cesol, von ISIS .... 4% UngarW Sronenrte.. . . 4% Süd. Zollanleihe v. 1911 . 4% Türkische öagdabbahn-Bnl Serie I...... 4% PMfll. Serie II 6% Siumünilch« vereinh Rente von 1908 • . . . . 4ft% « .müniiche vereinh. Rente von 1913 ....... 4% Rumänisch« vereinh. Rente 87,3 99 50 9,55 89,25 47,5 47,5 94,25 85 80,7 98 95 89 25 3 19,5 1,9 8 7,95 7,95 9,1 14,9 7,3 i~. । । I । । । । I i i ii । । । i i k ii ii CO 87,5 99 50,1 9,6 89,75 47,5 97,5 95 89 25,2 3 1,9 21,65 19,5 1,95 8 7,9 8 9,2 14,7 7,35 ii i 11§11 ii । i i i i i i i i i «£ i i Harnburg-Ameriia Patei Hamb..Lübom. Tamplich. Honia Domr fichils.....1 Norvdeuticher Lloyd.....f «Illg Deutsche Creditansk. . U «armer Baniverein .... i( Berliner Handelsgejeillch. 1 Commerz- und Prioat-Bani . i Tarmfi. u. Nationalbani . . 1 Tentiche Boni......11 Tlicento.(»eIeUIchast,Lnl. . 1' Treovner Bant......11 RetchLbanl.......1 S.E.S......... Bergmann . . Eleltt. LielernngSgelelllchafi > Licht und ÄToft > kielten ch Guilleaume. ... 7^ (Bei. t. (klein. Untern..... 1" Hamb, iklekir -Werke .... 1 8>bein. Elektr.........'■ Schlei. (Heft- ......1< Scharten ch do. ..... 11 Siemens & Hauke.....16 TranSradio...... ... fr Lahmeyer ch do...... . 10 Buvenu..........5 Teuriche Erd81.......6 Giiener Steinkohle......fr Geilenkirchener ....... 8 Harpener..........0 Hoesch Eilen........6H Hile Bergbau.......10 ftludnctrocde ...... . ftöln-Scucllen .....’ Mannesmann.9?8hrea .... 7 Mansfelder Bergbau.....7 Oberichiel. Chienueoarf .... Lbenchlei. fiollreede..... Phünir Bergbau...... Sibe nlsche Braunkohle» . . . V Viheinslahi......... Riebeck Montan......7,fr 108,75 104 119,5 120 185 165,25 244 156 156 152.5 271 171,75 207,5 167 173,25 118,25 173,75 150 191,25 308,5 164 64,5 100 128,5 136,5 209 97,5 115 69 105,5 253 105,5 104 165 152,5 170,75 173,5 — 189,5 307,5 99 105 1 104,6 104,5 109,25 151 104,25 119,5 120 185,5 165 243.5 156 156 152,5 271 171,13 207,25 168,25 173,5 118,5 174 132 150 162 191,5 309,25 163,5 65,25 99,9 130 128,5 135,75 120,75 98,25 119,75 99,5 114.75 98,9 105,75 251,25 105,75 108,6 104 119 119,5 185,5 165 242,75 156 156 152,5 271,5 170,5 206.5 167,5 174,75 132 150 189,13 307,13 65 99 128,25 136,25 119,9 96,75 117 99,75 111,25 71 98,75 105,13 105,25 104,6 Frankfurt o M Berlir a-irs U Hu Lchluh l Rurs | ilinjang- Itur Datum 9 11. 11 .1- 9. 11. | 11. 11. ycreintflre S'.ahlw 16'/, 106,75 — 11J 6,7 5 106,5 Otav Minen — — 59,5 59,25 ßa: werke Sidterilcben X 201 — — — Ko werke Wefteregela . IC 206 — 208 205,5 Raiiiu.-i e SaUvenurlb 16 326 —— 325,75 323,25 3. ® Harben-Industrie . . 1? 182,5 s 180,6 182] 181,13 Dynamit Nobel .... . . 6 — — — SchetveanktaU..... 138 — 71 — Goldichmidt..... . . b 66 — 67 67,4 Rüigerswerk;..... . . 6 75,4 74 75 74,13 MetailgeieUichast . . . . . 8 116.5 116 116 Philipp Hofmann - . . 71 89 88,75 89,25 — iemen werk Hewekberg . e 10 120 tiementrocrl t . . 10 — — Wahl, « .r> Q afl . . 8 85,25 86 — Schultbeis Patzeniutfee . LKwerke....... Ber. Glan;ikosf .... Bemberg....... yeliftob Woidhof . . . - . 15 . 12 . 16 14 18 y, 204 200 140 — 282,5 218,5 141 207,25 201 281,5 217,5 141 207.5 201,5 Zetlsioii Slichaii?nburg . .2 143 — Charlottenburger Saiiei Deiiauer Waö ... • . . 8 . . 9 I 96,75 169 95,75 167,75 Daimler Motoren . . . . . c 42.5 43 44 43,5 Deutlche Linoleum . . e ■ 253 — 253,5 250,5 . . 0 — — 48 47,25 ’2l rro r;- Ul Q t . » . . u — vuoro. xoero . . . . ii — — 172 — Rat. SIutomoDii . . . . ■ e e 0 — — 22,5 21,9 Crenftem & Kopixi . . • . . 6 — — 75,75 76,5 V-onhn9 Lies . . » . ■ . 10 — 161 160 SvenSko ...»•• • • • • 341 — 341 334 Frankl. Mmchinen . . . . . 4 46.65 — 46,25 — Griyner....... . . 49,5 50,5 — Heyliaenltaevt . . . . ■tunonaru. . . . • • . . 0 . . 4 50 49 — Lechwerle. . 8 104,5 — — — Mainkraitwrri. LSchst a. M. fr — — — —- Miag. 10 121.5 — 120 120 Sebr. Roeder .... . 10 104 —— — Loigt ch Haeiln« . . . » . . 222 —— 222 — Süds. Zucker . . . . . . IC 156 1 — 155,25 Banfnofen. Berlin, 9. November Geld Brief Slmerikaniiche Noten Belgische Noten ..... Tänijckie Noten ....... Englische Noten ...... iiranzoiiiche Noten....... Holländische Noten....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutfch-Lesterretch, ä 100 Schilling Numanllche Noten....... Schwedische Noten....... Schwei-,er Noten........ 4,164 58,25 11,63 20.34 16,42 68,23 21,82 11,60 58,54 2,455 11,92 80,84 4,184 58,49 112,07 20,42 16.48 168.91 21.90 112.04 58,78 2,475 112.36 31,16 Spanische Noten . . . Tschechoslowakische Noten Ungariiche Noten • • • 58,93 12,33 72,85 59,17 12.39 73.15 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. 9 November 11 November Amtliche Notierung Geld | Briei Amtliche Notierung (Mo I Brie, -tmit.-Nott 168.55 168,89 168,62 168.96 «neti.-Atres 1,721 1.725 1.729 1.733 Bri7.1 81,47 81.63 1.978 1,982 1,973 1,977 Aiyen. . 5,425 5,435 5,425 5,435 danaba 4.101 4.109 5.096 4,104 lltit nay 4,046 4,054 4.056 4,064 Latro . . 20,89 20,93 20,895 1 20,935 Das Gefallenendenkmal m L,eu/ge-lern. •w Leihgestern, b. vtoo. Weben unserer Kirche be|muet |id) aus ihrer r^ieii i'ang^ette eine aa der ureiit|itk ouue eiwa 1z mietet mtntnue Grünanlage mit |ü)unen, uiten ioaumen und Buichwerl. Durt, gegtiiuoer Dein auehrwuroigen Turm, der im oahie 19Uö bei der chweren o>cu)itier)iurm als einziger Bauteil unoerieyrt blieb — das Dach des chauptichisfes wurde damals vom W.no abgehoben und fiel teils in das schiss, teils aus Bachoar- gebaude — soll nun dasLentmalsurdteim !ä5 e 111 r i e g gefallenen Sohne der G e - meinde Leihgestern errichtet werden. Der Zugang zu dem zurückuegenven Denkmalsplatz erfolgt durch einen breiten uverwolbten Mauerbogen in oer matziven üunfrieuigung des Kirchen Platzes von der Strage aus. Der ki>eg fteigt Ziemlich start an und führt zur Zeit nach dem hinter den Anlagen bzw. hinter der Kirche gelegenen Friedhof. Zur Ueberwindung der Steigung werden zum Teil vorhandene Stufen dicht hinter dem (iuigangstor bienen, zum Teil werden neu anzulegende Treppen den Zugang zum hoherliegenden ^rieohof einesteils, zum Denkmal andererseits gestatten. Das Denkmal steht ai|o erhöht zur Straße, etwas zurück, ist von der Straße aus fichtbar und bildet eine in sich geschlossene Anlage vor dem Friedhof. Diese Anlage wird einen Ehrenfriedhof bilden, in dessen Mitte auf einem Stustnsvckel sich ein schlichter Obelisk erheben wird, ähnlich wie bei bem vor einigen Wochen in Rodheim a. d. Horloff eingeweihten Gefallenendenkmal. Die fast quadra- tische Hofanlage ist auf der halben, bem Friebhof zugekehrten Seite mit Mauerwerk abgeschlossen, bas in der Richtung des Zugangs zum Denkmal von der Straße aus, hinter dem Obelisk, einen breiten Durchblick nach dem Friedhöfe zu offen läßt. So werden zwei Mauerwinkel gebildet, die die Schrift- tafeln für die 4 2 Gefallenen aufzunehmen haben. In rückwärtiger Verlängerung der Umfassungsmauern, sowie nach dem Eingang zu gerichtet bilden quadratische Pfeiler größere Maueröffnungen. Pfeiler und Mauern, mit Hölzern überdeckt, sind zu einer Pergola zusammengezogen, über die sich später wilder Wein oder sonst ein Rankengewächs hinziehen soll. Die vordere Hälfte des De n k m a l h o f e s zeigt niedere Ummauerung und wiederum in Achsenmitte vor dem Obelisk, also gegenüber dem Durchblick nach dem Friedhof, die Freitreppe zum Denkmalsplatz. Der Obelisk ruht, wie schon gesagt, auf breit- gelagertem Treppensockel, dessen oberste Stufe als breite Platte evtl, zur Aufstellung von Rednern, Fahnenabordnungen oder dergleichen ausgebildet ist. Die Innenwände des Ehrenhofes, die eigentlichen Denkmalskörper hufeisenförmig umfassen, sind im Zusammenhang auf den genannten Pfeilern durch Wandlisenen gegliedert, die einen gewissen Rahmen für die Schrifttafeln bilden. Als Material für die künstlerischen Bauteile wurde dichte, Helle Basaltlava, wie sie in den Londorfer Brüchen vorkommt, gewählt. Der Denkmalsunterbau trägt die Widmung der Gemeinde an ihre gefallenen Söhne, und auf einem besonderen Schriftenquader, der zum Schaft des Obelisken überleitet und auf vier Kugeln über quadratischem Sockelkörper ruht, die Worte: „Vergeßt die Toten nicht, sie taten ihre Pflicht, gaben Leben und Blut mit tapferem Mut." Die Vorderseite des Obelisk wird ein Eisernes Kreuz im Eichelzweig mit den Jahreszahlen 1914/1918 in Bronze schmücken. Den weiteren künst-. lerischem Schmuck bilden die mit deutscher B e - s ch r i f t u n g versehenen Ehrentafeln, die von dem ortsansässigen Steinmetzmeister Schrader ausgeführt werden. Sämtliche Steinlieferungen und die Anfertigung des Obelisken wurde dem Steinbruchbesitzer M. Sch m i e d e k n e ch t (Londorf) übertragen. Die Treppenstufen zum Denkmal sowie zum Friedhof werden ebenfalls von Schrader angefertigt. Die Erd- und Maurerarbeiten führt Maurermeister Faber (Leihgestern) aus, die übrigen Arbeiten sind noch nicht vergeben. Das gilt im besonderen von den Zimmer- und Gärtnerarbeiten. Auf den gärtnerischen Schmuck der gesamten Anlage wird besonderer Wert gelegt; er ist mit ein Bestandteil des Denkmals. Lieber die Finanzierung des etwa 10000 Mark kostenden Denkmals sei mitgeteilt, daß aus Gemeinderücklagen seit drei Jahren und durch die dankeswerte Opserbereitschaft fast aller Leihgesterner Bürger bei einer kürzlich veranstalteten Bürgerspende ein Denkmalsfonds zwischen 4000 bis 5000 Mk. bereits vorhanden ist und die Gemeinde als solche mit ihren rund 1800 Einwohnern nur noch den Kostenrest decken müßte. Die große Mehrheit der Gemeinde steht hinter dem Mehrheitsbeschluß des Gemeinderats auf Erbauung des hier beschriebenen Ehrenmals. Unter der bewährten Leitung des Regierungs- Daurats Kuhlmann vom Staat!. Hochbauamt wird das bereits im Grundbau begonnene Denkmal seiner Vollendung entgegengehen. Für uns in der Gegenwart möge dieses Ehrenmal ein schlichtes, äußeres Zeichen des ® an- k c s darstellen, den die Gemeinde Leihgestern ihren gefallenen Söhnen schuldig ist, und späteren Generationen möge es einesteils ein Vorbild für gewissenhafte Pflichterfüllung, andererseits ein Symbol des Friedens sein. Tumen, Sport und Spiel. Herbstwaldlaus des Turngaues Hessen. —o— Gestern vormittag gaben sich die Lang- streckenläuser des Gaues Hessen ein Stelldichein in Gießen, um, den Herbstwald- lauf zum Austrag zu bringen. Die Veranstaltung, der auch der Oberturnwart des Gaues, Wilh. Will (Gießen), beiwohnte, wurde von dem Gauwart für das Volksturnen, flimmer (Kloster Haina), geleitet. Der Lauf ging von dem llnioersttätsfportvlatz aus und erstreckte sich in abgestuften Längen durch anschließende Teile des Schiffenberger Waldes. Der Streckendienst wurde von dem Männerturnverein Gießen durchgeführt, insbesondere von den Turnern Mohr und Loh. Als Sieger ging durchs Ziel in der Turner st ufe (1911 und früher geboren) über 5000 Meter: Karl Schaaf, Tv. Bernsfeld, mit 16 Min. 42 Sek.; es folgten in kurzen Abständen Willi Koch, To. Grünberg, Hans Koch, Mio-. Gießen, Ernst Otto, Tv. Rieder-Ohmen und Rudolf V o 11 m ü 11 e r, Tv. Schlitz. In der Jugendoberstufe (1912 und 1013 geboren) siegte über 2500 Meter: Werner Langemohl, Tv. Heuchelheim, mit 10 Min. 54 Sek. kurz vor Wilhelm Hanke, Tv. 1846 Gießdn. Die Strecke von 1500 Meter der Jugendunterstufe (1900 und 1915 geboren) gewann Waldemar Köhler, Tv. Hungen, in 6 Min. 13 Sek. Fußball in Hessen-Hannover. Die gestrigen Fußballspiele in Hessen-Hannover hatten folgendes Ergebnis: SC. 03 Kassel gegen Kurhessen Kassel 5:2. Kurhessen Marburg — Hermannia Kassel 2:2. Süddeutsche Fußballmeisterschaft. Wiederum gab es gestern mehrfach in Süddeutschland, namentlich aber in den Gruppen Eüdbayern und Rhein, recht unerwartete Resultate. Der Bezirk Main-Hessen hatte in der Gruppe Main das wichtigste Treffen in der Begegnung F. Sp. V. gegen Eintracht Frankfurt. Eintracht gewann mit 1:0, aber nicht als bessere, sondern nur als glücklichere Mannschaft. Rotwcih Frankfurt erfocht gegen Germania Bieber ein 1:0, das Rotweib wieder auf den 2. Ta- bellArplah brachte. Dagegen holte sich Union Riederrad in Hanau eine unerwartete 1:2-Riederlage beim 1. F. C. 1893. Kickers Offenbach verbesserten ihre Lage durch ein 5:1, das sie in Griesheim gegen die Sp. Vgg. 02 erzielten. — Auch die Gruppe Hessen hatte ihre <5en* fation. Wormatia Worms erlitt ihre erste Riederlage, denn sie kehrte aus Mainz vom F. Sp. D. 05 mit 0:1 geschlagen zurück. Quemannia Worms dagegen erfocht mit 4:0 einen sehr glatten Sieg über den 1. H. C. 03 Langen. Dem S. V. Wiesbaden hätte man etwas mehr als ein 3:1 über den S. D. 98 Darmstadt zugetraut. Hassia Dingen und V. f. L. Reu-Isenburg trennten sich mit einem torlosen 0:0. Dom BezirkDahern meldete die G r u p p e Rordbahern klare Siege der Spitzenmannschaften. 1. F. C. Nürnberg gegen Sp. Vgg. Hof 6:1, F. V. 04 Würzburg gegen Sp. Vgg. Fürth 0:4. V. f. R. Fürth wurde vom 1. F. C. Bayreuth mit 0:2 geschlagen, und Bayern Hof teilte mit dem A. S. R. Nürnberg 3:3 die Punkte. — Die Gruppe Südbahern warf alle Vorausberechnungen über den Haufen, denn Teutonia München erzwang auf eigenem Platz ein 2:2 gegen Bayern München und Jahn Regensburg erzielte das gleiche Ergebnis gegen S. V. 60 München. Wacker München machte sich durch ein 2:1 gegen den D. S. V. München mit diesem punktgleich. Städtekampf im Kunstturnen. Der Städtekampf im Kunstturnen zwischen Essen und München, der gestern in München ausgetragen wurde, endete mit einer Niederlage von Essen. München brachte es auf 952 Punkte gegen 897 Punkte der Essener. Mit diesem zweiten Sieg hat nun München endgültig den vom Essener Oberbürgermeister gestifteten Silberschild gewonnen. Deutscher Schwimm-Derband. Der Gesamtvorstand des Deutschen Schwimm- Verbandes hielt am Samstag und Sonntag in Leipzig eine Sitzung ab, die verschiedene wichtig« Beschlüsse faßte. So erklärte sich der DSD. bereit, auf Grund der Entschließung des Deutschen Turntages mit der Deutschen Turner- schäft in Verhandlungen über die Gründung eines gemeinsamen Ausschus- s e s dieser beiden Verbände zu treten. Von Wichtigkeit sind auch verschiedene Neuerungen auf dem Gebiete der Wasserball - und der Amateurbestimmungen. Die deutschen Meisterschaften 1 930 sollen in laufender Reihenfolge in Süddeutschland zum Austrag fommen. und dies wahrscheinlich in München. Der Verbandstag 1930 findet in Braunschweig statt. Oie deutschen Leichtathleten aus Japan zurück. B e r (i n, 9. Nov. (WB.) Die d e u t s ch e L e i ch t- athletikinannschaft, die im Länderkampf gegen Japan große Erfolge errungen hat, ist heute früh von ihrer Japanreife wieder in Berlin eingetroffen. Exzellenz Dr. Lewald begrüßte die Ja- panfahrer im Namen des Deutschen Reichsaus- fchufses, Dr. Diem stattete den Dank der Länder- mannschast für den herzlichen Empfang ab. Zum Schluß ergriff Botschaftsrat Sakura von der japanischen Botschaft das Wort zu einer Ansprache, die in einem Hoch auf die deutsch-japanischen Sportbeziehungen ausklang. ITO Einbrüche nachgewiesen! WSN. Frankfurt a. M., 9. Nov. Die Kriminalpolizei hat nach langen Vernehmungen die Geständnisse der vor einigen Wochen verhafteten beiden Villeneinbrecher derart erweitern können, daß bisher 170 Einbrüche geklärt und eingestanden wurden. Von dem beschlagnahmten Diebesgut, das auf dem Polizeipräsidium ausgestellt war, ist der größte Teil von den rechtmäßigen Besitzern reklamiert und abgeholt worden. Was zurückgeblieben ist und noch auf dem Polizeipräsidium lagert, sind Dinge, die keinen allzu großen Wert haben und wohl auch kaum von den Besitzern reftamiert werden dürften. (Schluß des daklionellen Teils.) Gesundes vlul im Körper bringt Wohlbefinden. Sind die roten Blutkörperchen in der Minderheit, so stellen sich allerlei Beschwerden ein. L e c i f e r r i n ist ein sehr angenehm schmeckendes Präparat und besitzt die Fähigkeit, in hohem Maße blutbildend zu wirken. 9271V ^•■£xbei Rheuma, M tJÄ I I181II Ischia«, Hexen- gvg ßg schuß, Nerven, und Erkal. 7ME...»Mo«.-,' N«».-,«8>trtungsschmerzen. In Apo. - thek.-m u. Drogerien erhält!. ZTdlw 2 Tefler Minuten Kochzeit Minuten Kochzeit Minuten Hochzeit JäÄ $0 verschieden ist die JCochzeit Gei MAfitsP^uppen-Würfefri beachten Jie deshalb genau die Jfochanweisung, k die übrigens ganz einfach ist. y "EZSSyXj w: „Höchstleistung" (Professor Huntemüller, Fr. Martens, Leiter Der Lildunqsabteilung des O. H. D. Frankfurt, Pros. Mester). 9293D 1. Körperliche, besonders sportliche Höch-Ostungen auf Grund von Untersuchungen bei den letzten olympischen Spielen. (Mit Lichtbll- dem). Vortragender: Prof. Huntemüller. Dienstag, 12. November, 20 Uhr, Universität II. Stock rechts, Hörsaal 44. Oauerka^en f. Mitglieder des Vereins Volks- Hochschule ^/roMk., f. Nichtmitglieder 1^0 Mk. Dienstag, den 12. November WkWk Karl Nösinger Hessischer Hof Diese Woche! 8 L I 1 Müttern Seid-Lotterie. Ziehung garantiert ^h6Jj 12500 6000 5000 io» t. m Porto a. Lütt 304 L. F. Ohnacker Dar .<8tadt, Schulstr. 15 u. alle durch ‘Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. öffentliche Mittwoch, den 13. November, abends 87< Uhr, im Cafö Leib Redner: Rentner Christian Reiber Frau Dr. med. Marx Stadtschulrat Fischer Deutsche Demokratische Partei und Volksrecht-Partei Heilwirkend Heilkräuter Naturheilmittel Krlluter-JnnK Kcmni - Asthma- Pulver, gtitsret.zum Etnnehmen, bewahrt sich bet 9289V Asthma u. allen Erkältungskrankheiten, macht rubtne, hnstenireie Nächte. 8u haben PcUkan-Apotbckc. SieuAvl-iU zu staunend billigen Preisen Beachten Sie bitte unsere Fenster! Sdimudcer 929JA Wir bringen ab heute einen Posten Damenkleider Dipl.-Kfm. H.W. 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