Mr: =|§'• Z-^ZS -i 0) V äaf,s 5='®s Samstag, \\. Ma! 1929 179. Jahrgang Nr. 109 Erstes Blatt (Er|d)eint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen : 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer ois zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. • Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach« richten. Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: ffrankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitütr-Vuch- und Zteindruckerei K. Lange in Stehen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Die Besprechung der deutschen Vorbehalte beginnt. Paris. 10. Mai. (WTV.) havas berichtet: Die Sachverständigen der Gläubigermächte sind heule nachmittag 3 Uhr unter dem Vorsitz von Owen D. Young zusammengetreten, der seine Kollegen über den Verlauf der Verhandlungen, die er seit Samstag mit der deutschen Delegation führt, unterrichtete. Owen D. Young hat besonders darauf hingewiesen, datz er sich mit dem Führer der deutschen Delegation über ein Verfahren geeinigt habe, das geeignet sei, es sämtlichen interessierten Delegationen zu gestatten, ohne gröheren Zeitverlust die Vorbehalte und Bedingungen, die die deutschen Sachverständigen an die Annahme der letzten von ihm vorgeschlagenen Zahlen knüpften, in ihren Einzelheiten kennenzulernen. Zu diesem Zweck wird Dr. Schacht dem Vorsitzenden des Redaktionsausschusses, Sir Josiah Stamp, die Vorbehalte angeben, die er im Ramen der deutschen Delegation in dem allgemeinen Bericht über die Arbeiten der Konferenz ausgenommen zu wissen wünscht. Der Führer der deutschen Delegation wird andererseits dem Komitee bekanntgeben, datz er auf der Grundlage des in dieser Weise abgeänber- t e n allgemeinen Berichts bereit sei, die Za tz- len Owen Youngs anzunehmen. Unter diesen Umständen wird du Sachverständigenausschutz, sobald er einmal im Besitz dieser Dokumente ist, sich in erster Linie über die deutschen Vorbehalte auszusprechen haben. Wan nimmt an, datz er in der Lage sein wird, mit deren Prüfung am kommenden Dienstag oder Mittwoch zu beginnen. Wie aus englischer Quelle verlautet, kommt entgegen den Erwartungen, die die franz- zösische Presse geäuhert hat, kein Sonder- memorandum Dr. Schachts in Frage. Sir Josiah Stamp habe vielmehr den allgemeinen Bericht über die Konsercnzarbeiten zusammen mit Dr. Schacht neu bearbeitet und die Gedankengänge Dr. Schachts über die Sicherheiten, die Deutschland im Falle der Annahme der Youngschen Ziffer haben müsse, mit hineingenommen. Dieser Bericht werde voraussichtlich am kommenden Sonntag fer- tiggestellt sein und dann Dr. Schacht unterbreitet werden. McDonald zur brittschen Reparation^ und Schuldenpoliitt. Gegen die „lässige Politik übertriebener Großzügigkeit". London, 10. Mai. (WB.) Der Führer der Arbeiterpartei, M a c d o n a l d, erwähnte in einer Bede in Doncaster auch die letzten Dorfälle bei den Sachverständigenberatungen in Paris und erklärte u. a.: W i r werden uns keine weiteren La st en mehr aufbürden lassen, cs sei denn, wir erhalten entsprechende Garantien dafür, datz diejenigen Nationen, die behauptet haben, sie könnten sich mit geringeren Reparationsbeiträgen von den früheren Feinden nicht einverstanden erklären, den Beweis für ihre Armut liefern, indem sie weniger für Rüstungen b e z a hlen und aus- geben. Das englische Volk gedenkt nicht, d i e lässige Politik übertriebener Groß- z ü g i g k e i t fortzusehen, die bis jetzt seine Handlungsweise charakterisiert Hot. Auch ich wäre bereit, in Verhandlungen über eine vollständige und endgültige Bereinigung der Kriegsschulden« frage für sämtliche Beteiligten einzutreten, ober die Arbeiterpartei wird niemals weiteren Schuldenregelungen zu stimmen, die darauf hinausloufen, datz den Schultern der arbeitenden Klassen geradezu unerträgliche La st en aufgcbürdet werden, während andere unbehelligt bleiben. Oer „Temps" empfiehlt Einheitsfront der Alliierten. Die Deutschen sotten unter Truck genommen werden. Paris, 10. Mai. (WTD.) Zu den Verhandlungen innerhalb der Reparationskonferenz schreibt der „Temps": Owen "Young befindet sich in der Lage, die härtesten Opfer von den übrigen fordern zu müssen, ohne irgendeine Konzession seines eigenen Landes ins Auge fassen zu können. Das sind, wie man begreift, schwere Bedingungen, um zu einer für sämtliche Parteien in Frage kommenden, annehmbaren Lösung zu gelangen. Die Aufgabe der Rcparationskonferenz wird dadurch nicht erleichtert, und man muh noch mit mehr als einer Krise rechnen, bevor die Rcparationsregelung endgültig erzielt sein wird. Beim gegenwärtigen Stand der Dinge steht eine Frage im Vordergrund, nämlich die Aufrechterhaltung der Einheitsfront der Alliierten. Die Rede, die Dr. Stresemann am Mittwoch in Berlin gehalten Hot, beweist, datz Deutschland eine Regelung wünscht, und datz es sie notwendig für die Entwicklung seiner Wirtschaftspolitik braucht. Die Alliierten müssen also in geschlossener Einheit auf ihrer Stellungnahme beharren. Dann wird sich Deutschland entschließ tzen, die notwendigen Opfer zu bringen. Deutschland würde diese Partie und sämtliche fol- genden schwerwiegenden politischen Partien nur gewinnen können, wenn die Alliierten das jämmerliche Schauspiel einer tiefgreifenden U n - e i n i g k e i t zeigen würden, die Dr. Schacht nicht verfehlen würde, zugunsten der deutschen Interessen auszubeuten. Oie Reichsanleihe. Berlin, 11. Mai. (Priv.-Tel.) Die Reichsregierung hat sich erneut mit der 500-Millionen- Anleihe beschäftigt, die gestern im R e i ch s r a t mit einigen Aenderungen angenommen worden ist. Der Reichsrat hat den ersten Paragraphen der Vorlage mit einem Zus a h angenommen. Danach kann der Reichsfinaizzminister mit Zustimmung des Reichsrats in der gleichen Weise die Schuldverschreibungen und S ch a h a n w c i s u n g e n, die die Länder in den Rechnungsjahren 1929 und 1930 ausgeben, bis zum Gesamtbetrag von 40 Prozent der für das Reich gezeichneten Anleihe von den Steuern befreien, und zwar bis zur Höhe des Betrages, der auf ein Land noch Maßgabe seiner Bevölkerungszahl entfallen würde. Die Reichsregierung ist im Gegensatz zum Reichsrat der Auffassung, datz durch diese Kann-Vorschrift der Charakter der Einmaligkeit der Anleihe beeinträchtigt wird. Demzufolge wird das Kabinett dem Reichstag eine Doppelvorlage zuleiten, und man nimmt an, datz der Reichstag die Bedenken gegen den vom Reichsrat beschlossenen Zusatz teilen wird. Norwegischer Mandalshunger. Ein merkwürdiger Anspruch auf Oeuisch-Osiafrika. Oslo, 10.Mai. (TU.) Das Hauptorgan der norwegischen Bauernpartei „Rationen" veröffentlicht an hervorragender Stelle einen Artikel, in dem die Forderung nach Uebernahrne eines Mandats über die frühere deutsche Kolonie nach Ostafrika durch Rorwc - g c n erhoben wird. Ausgehend von den wirlschaft- tichen Forderungen im ersten pariser Vorschlag Dr. Schachts wird in dem Artikel darauf hingewiesen, datz Norwegen 1919 in Versailles unter der Hand das Protektorat über diese Kolonie angeboten worden sei, was jedoch abgelehnt wurde. Rorwegen habe als völkerbundsmitglied nur Pflichten zu erfüllen, während die Vorteile von den mächtigeren Staaten ausgenuht werden. Darin müsse nunmehr eine Aenderung eintreten. Es müsse der Versuch gemacht werden, auch Rorwegen einen Vorteil aus der Mitgliedschaft im Völkerbund zu gewähren. Der Zeitpunkt sei recht günstig, da die Frage nach einem neuen Mandatar auf der Tagesordnung stehe. Deutschland komme aus politischen Gründen nicht in Betracht. Jetzt sei die Zeit gekommen, datz Rorwegen das Protektorat über bas Tanganjika-Gebiet zu beanspruchen habe. Daß eine Verschlechterung in ben Beziehungen zu Deutschland daburch eintreten würbe, sei ganz unwahrscheinlich. Deutschlanb würde bas Mandat eines kleinen Staates mit Wohlwollen begrützen (?), da die Rohstoffe des in Frage kommenden Gebiets, dadurch dem offenen Markt zugänglich würden. Sie Auslösung des Men FwMmpserbundes. Gründe Preußens für das Verbot der kommunistischen Kampforganisaüon. Berlin, 10. Mai. (WB.) Der preutzische Minister des Innern hat soeben der Bundesführung des Roten Frontkämpferbundes die Tatsache der Auflösung des Bundes sowie deren Begründung mitgeteilt. In der Begründung wird u. a. ausgeführt: Der Bund habe, um führend, nach autzen jedoch möglichst unmerklich, in den Verlauf der Ereignisse eingreifend und diese Vorwärtstreiben zu können, bereits vor dem 1. Mai 1929 an seine Mitglieder den Befehl ausgegeben, sich bei den trotz des bcstehendenVer- botes abzuhaltenden Amzügen ohne Bundeskleidung zu beteiligen. Dieser Befehl ist befolgt worden. Die Begründung sieht darin den Beweis dafür, datz es zu den Beschäftigungen des Bundes gehört, Maßregeln der Verwaltung durch ungesetzliche Mittel zu verhindern oder zu entkräften (8 129 StGB.). Seit Jahren werde der Rote Frontkämpferbund von kommunistischen Abgeordneten und Bundesführern als Elitetruppe für die kommende Revolution angesehen und bezeichnet. Hierfür werden Literaturproben aus kommunistischen Broschüren angeführt, und es wird die Schlußfolgerung gezogen, daß der Bund instrafferDisziplinfür denbewaff- neten Kampf zum Sturz der Regierung und die Aufrichtung der Diktatur des Proletariats geschult worden ist. Danach sei der Rotfrontbund eine staatsfeindliche Verbindung, die bestrebt sei, die verfassungsmäßig festgestellte Staatsform mit Gewalt zu stürzen. Wie sich bei den Berliner Maiunruhen weiterhin ergeben hätte, haben sich die an den Ereignissen beteiligten Rotfrontkämpfer auch in unbefugtemBesih vonWaf- fen befunden. Besonderen Rachdruck legt die Begründung darauf, daß der Rote Frontkämpferbund nach militärischem Mu st er theoretisch und praktisch ausgebildet worden sei. Rach Auffassung der Führung des Bundes sei der Llmsturz der Verfassung und die Aufrichtung der proletarischen Diktatur nur von einer militärisch ausgebildeten und disziplinierten Kampftruppe zu erreichen. Deshalb habe jede Abteilung des Bundes neben dem politischen Führer einen sogenannten technischen Führer, dessen Aufgabe es sei, die Mitglieder des Bundes nach dem von der Bundesführung herausgegebenen Kommandoreglement auszubilden. Demnach sei festzustellen, daß der Bund sich mit militärischen Dingen befaßte, daß also sein Verhalten dem § 1 des Gesetzes zur Durchführung der Artikel 177 und 178 des Friedensvertrages entgegenstehe. Schließlich wird noch festgestellt, datz durch die Häufigkeit und Planmäßigkeit von Lieberfällen auf politisch anders Gesinnte und Polizeibeamte die Annahme gerechtfertigt werde, daß cs sich hierbei um ein gewolltes, von der Bundesführung zum mindesten gebilligtes Verhalten handele. Es sei daher festzustellen, daß der Bund den Zweck verfolge, Körperverletzungen, Londfriedens- bruch und ähnliche Straftaten zu verüben, womit die Voraussetzungen des § 2, Abs. 1 des Reichsvereinsgesehes gegeben seien- Oie Länder zum Verbot von Rot-Front. Ein besonderesErsuchen dcrReichsregierung Berlin, 11. Mai. (VDZ.) 3m Reichsministerium des Innern fand am Freitag eine Konferenz bet Vertreter bet beutschen £ ä n b e r , namentlich ber Innenministerien, mit Vertretern bet Reichsregierung statt. Dabei gaben bie Vertreter ber Reichsregierung unb ber preußischen Regierung eine ausführliche Begründung zu bem verbot bes Rotfronlkämpferbunbes. Die Vertreter ber Cänber schilberten bas Auftreten bes Bunbes in ihrem Bezirk. Dabei betonten bie Rebnet bet Cänber, in benen bet Rolfrontkämpfcr- bunb noch nicht verboten ist, bah bieset Schritt wegen ber bei ihnen anbers liegenben Verhältnisse unterlassen worben sei. Sie hätten keinen jroingenben Aulah unb nicht bie not- roenbigen Rechtsgrundlagen für ein verbot erkennen können. Die Vertreter der Reichstegietung unb ber größeren Cänber waren jeboch ber Meinung, er hanble f i ch nicht batnrn, ro ie bie Verhältnisse in ben einzelnen ©cmeinben lägen, sonbetn hier stehe eine allgemeine beutsche Frage zur Erörterung. Wie von unterrichteter Seile verlautet, rechnet man bähet bamit, baß sich auch bie übrigen Cänber bem verbot bes Roten Frontkämpfer- bunbes anschließen werben. Lin formeller Beschluß würbe von ber Cänbetkonfeten; allerbings nicht gefaßt. Die Reichsregierung bürste an bie Cänber, bie bisher noch fein Verbot ausgesprochen haben, ein befonberes Ersuchen richten. Es ist ganz selbstverständlich, daß die Verbote in Preußen, Hamburg und Bayern sich nicht aus- wirken können, wenn Anhall, Baben oder Hessen beiseite stehen unb wenn von hier aus für einen illegalen Fortbestand des Rotfrontbundes in Preußen gesorgt wird. Inzwischen hat das preußische Staatsministerium die Gründe für die Auflösung dieses kommunistischen Bundes bekanntgegeben. Sie gipfeln im wesentlichen darin, daß Rotfront für den Kampf zum Sturz der Regierung und die Aufrichtung der Diktatur des Proletariats geschult war, daß seine Mitglieder sich im unbefugten Besitz von Waffen befunden haben und bah infolgebeffen ber Bund als ftaatsfeinb- lirfjc Verbindung anzusehen ist, dessen Verhalten übrigens auch im Widerspruch zum Versailler Frie'bensoertrag steht. Diese Feststellungen treffen natürlich auch für bie übrigen ßän» der zu, so daß man wohl nicht fehlgeht in der Annahme, baß nun auch die noch abseits stehenden Landesregierungen sich dem Vorgehen Preußens a n s ch 1 i e ß e n werden. Von einerSackgasse in die andere. Seitdem wir uns an dieser Stelle das letzte Mal mit der Pariser Konferenz der Repara« tionssachverständigen beschäftigt haben, hat fast jeder Tag eine neue kritische Phase gebracht. Erinnern wir uns, daß nach ber Bekanntgabe des alliierten Memorandums auch die deutsche Delegation sich bereitfinben ließ, Zahlen zu nennen. Die Kluft zwischen den alliierten Forderungen unb bem deutschen Angebot schien so groß, daß man an eine Ucberbrücfung nicht mehr glaubte. Rach dem ergebnislosen Auseinandergehen des Revelstoke- Ausschusses schien die Stonferen,} lediglich noch zu- ammcnjubleiben, um den Schlußbericht für ihre Auftraggeber, die Regierungen ber Alliierten unb Deutschlanbs fertigzustellen. Um Paris würbe es till, auf ben Schlußbericht brauchte man nicht fon« »erlich gespannt zu sein, er konnte ja kaum etwas anberes als den eklatanten Mißerfolg der Konfe« renz bestätigen. Aber es kam noch einmal eine Ueberraschung. Der Führer ber amerikanischen Delegation unb Vorsitzende der Konferenz, Owen D. Hou ng, rückte noch gerade vor Toresschluß mit einem eigenen Zahlungsplan heraus. Er konnte gleichzeitig mitteilen, daß fein Plan, der ein Kompromiß zwischen dem alliierten Memorandum unb »em deutschen Angebot barstellte, bereits b i e Zu « ftimmung ber beutschen Delegation gefunden habe, allerdings unter gewissen Bedingungen. Das war eine neue Ueberraschung, denn man hatte annehmen müssen, daß das deutsche Angebot einer Jahreszahlung von 1650 Millionen über 37 Jahre hinaus Dr. Schachts letztes Wort gewesen sei. Wie sehr in Deutschland der Eindruck vorherrschte, daß die deutsche Delegation mit diesen Zahlen die Grenze der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands vielleicht schon überschritten hätte, erhellte am besten aus der großen Landtags- rede des preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun, der seine sozialdemokratischen Parteifreunde und die ihm nahestehende Presse energisch mahnte, die Nerven zu behalten und nicht auf die Pariser Ermattungsstrategie hereinzufallen, zu der auch der Anschlag Frankreichs auf die deutsche Währung zu rechnen war. Otto Brauns staatsmännische Einsicht und entschlossene Haltung scheint jedoch nicht von allen Regierungsstellen im Reich geteilt worden zu sein. Wie sehr auch in Berlin immer wieder betont wurde, daß die deutschen Sachverständigen völlig unbeeinflußt unb ohne jeden Druck von feiten der Regierung handeln, so können wir uns doch kaum denken, daß Dr. Schacht und feine Kollegen ganz aus sich heraus ihre taktische Linie, die Reparationsfrage ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu behandeln, verlassen haben zugunsten des politischen Moments, den Verhandlungspartnern die Möglichkeit zu nehmen, Deutschland die Schuld für ben ergebnislosen Verlauf ber Konferenz zuzuschieben. Gewiß erscheint Deutschlands Situation durch bie Zustimmung zu bem Kompromißvorschlag Owen Pörings gegenüber der verfahrenen Lage nach dem Auseinandergehen des Revelstoke-Ausschuffes auf den ersten Blick wesentlich verbessert. Man sieht eine starke Mehrheitsfront gegen Frankreich, da neben Amerika unb Deutschlanb auch Englanb, Italien unb Japan, bas ja nur ehrenhalber am Pariser Konferenztisch Platz genommen hat, für den Zahlungsplan Owen Youngs stimmten, wohlverstanden nur für ben Zahlungsplan, nicht aber für ben Verteilungsschlüssel, über den später noch zu sprechen fein wirb. Aber diese günstige taktische Situation verfliegt im Winde, sobald nicht auch über letzteren eine Einigung zustande kommt. Dann besteht die Gefahr, daß die Alliierten sich gemeinsam über öie deutschen Vorbehalte hermachen und erklären, an ihnen sei die Konferenz gescheitert, zumal sie mit dieser Schwenkung hoffen dürfen, von der deutschen Delegation weitere Zugeständnisse erzwingeir zu können, sei es den Verzicht auf diese Vorbehalte, sei es die Zustimmung zu einer neuen Erhöhung der Annuitätenzahlen. Wo Deutschland nun einmal den Boden wirtschaftlicher Vernunft auch seinerseits verlassen hat, um politischer Rücksichten willen, ist bie Gefahr riesengroß, baß es auf dieser schlüpfrigen Bahn wirtschaftlich unmöglicher Zugeständnisse reißend bergab geht. Daß die Zustimmung zu dem Poungschen Kom- promihvorschlag, der nicht nur während 37 Jahren eine Durchschnittsannuität von 2050 Millionen von Deutschland fordert, sondern darüber hinaus auch noch bis zum 58. Jahre bie Deckung der interalliierten Kriegsschulden verlangt, mit wirtschaftlichen Erwägungen nicht mehr in Einklang zu bringen ist, ist natürlich auch der deutschen Delegation klar gewesen, denn in diesen Tagen seit dem deutschen Angebot von 1650 Millionen Jahreszahlungen während 37 Jahren, kann man über bie deutsche Leistungsfähigkeit kaum zu einem günstigeren Urteil kommen, und bas uiA so weniger, als bie unerfreulichen Begleiterscheinungen der Diskonterhöhung doch wohl jedem, der sehen will, gezeigt haben müßten, wohin die Reise gehen kann, menn~ auf Deutschlands Wirtschaft auch in Zukunft keine" Rücksicht genommen werden soll. Die deutsche Delegation hat deshalb auch — und gewiß mit vollem Recht — geglaubt, sich durch eine Reihe von Vorbehalten sichern zu müssen. Soweit uns hierüber etwas bekannt geworden ist, erstrecken sich diese Vorbehalte zunächst auf die Abschaffung der Sonderpfandrechte, also der als Sicherheit an die alliierten Gläubiger verpfändeten deutschen Steuern (Alkohol, Tabak usw.) und ber Kontrollausschüsse, bie nicht nur für bas Gesamtfunktionieren des Dawesplans in Gestalt bes Reparationsagenten unb bes Transferkomitees, fonbern als befonbere Kör. perfdjaften auch für bie Eisenbahn- unb 3m buftrieobligationen unb bie oerpfänbeten Steuer« abgaben bestehen. Ein weiterer Vorbehalt ist bie Abschaffung des Rep^atioDfRecqve^Act, fc# 26prozentigen Einfuhrabgabe, die für Gutschrift auf die deutschen Jahresleistungen von England und Frankreich vorweg erhoben wird. Wesentlicher sind die drei restlichen Vorbehalte, die sich auf das Funktionieren des neuen, an die Stelle des Dawcs- abkommens tretenden Young-Plans selber be» ziehen. So soll dieser Zahlungsplan im Falle einer Verschlechterung der deutschen Wirtschaftslage auf Antrag Deutschlands abgeändert werden können. Er erhält also damit auch wieder einen nur provisorischen Charakter. Das Ziel der Reparationskon- . ferenz, die Schaffung eines Definitivums, wird mit ' der Annahme dieses deutschen Vorbehalts hinfällig. Selbstverständlich bei der nun doch eingetretenen Verbindung von Reparationen und Kriegsschulden ist Deutschlands Forderung, den gleichen Schulden- nachlaß zu erhalten, den Amerika später etwa seinen Schuldnern, Deutschlands Gläubigern, einräumt. Vielleicht der wichtigste Vorbehalt betrifft den Transferschutz für den größeren Teil der deutschen Jahresleistungen. Auf Antrag Deutschlands soll der Aufsichtsrat der Reparationsbank, der hier an Stelle des Transferkomitees treten würde, nicht nur für die Uebertragung der deutschen Zahlungen, sondern auch für ihre Aufbringung ein mehrjähriges Moratorium gewähren können, wenn sich aus dem Transfer oder der inneren Aufbrin- B der Zahlungen Gefahren für die deutsche rung ergeben sollten. Ob die ganz außerordentlich weitgehenden Zugeständnisse, die die deutsche Delegation durch ihre Zustimmung zu dem Vorschlag Owen Youngs gemacht hat, durch diese Vorbehalte, bei deren Wiedergabe wir vorläufig noch auf französische Quellen angewiesen sind, gerechtfertigt werden, ist eine Frage, die erst die Zukunft beantworten kann. Die Gläubiger scheinen jedenfalls von der deutschen Zustimmung nicht minder überrascht worden zu sein, als die öffentliche Meinung Deutschlands. Die deutschen Vorbehalte sind kaum besprochen worden, der Zahlungsplan als solcher ist sogar ganz zurückgetreten gegenüber dem Verteilungsschlüssel, dem sich das ganze Interesse der Gläubigernationen zuwendet. Und das ist begreiflich, denn die Frage, wer nun die Kosten aus der Reduktion der Gläubigerforderungen auf die Ziffern des Young-Planes tragen soll, ist nicht so einfach zu beantworten. Deutschland hat sein ursprüngliches Angebot durch die Annahme des Young-Planes um rund zehn Milliarden erhöht, bleiben noch rund 3,5 Milliarden, die die Alliierten unter sich zu teilen hätten. Eine Einigung war nicht zu erzielen, so daß auch hier der Amerikaner Vorschläge machen mußte. Auf Grund des Abkommens von Spa beträgt der Anteil Frankreichs an den deutschen Reparationsleistungen 52, Großbritanniens 22, Italiens 10, Belgiens 8, Südslawiens 5, Rumäniens 1, Japans 0,75, Portugals 0,75 und Griechenlands 0,50 v. H. Rach dem von Owen Young ausgearbeiteten Verteilungsschlüssel würde nun England neben Belgien die Hauptkosten der Reduktion zu tragen haben, Englands Anteil soll von bisher 22 d. Sy auf 19 o. Sy herabgesetzt werden, von bisher drei Milliarden, das es über die Schuldenzahlungen an Amerika hinaus von den deutschen Reparationen für sich und die Dominien verlangte, soll es nur 650 Millionen erhalten, während die 50 Milliarden Francs, die Poin- carö über die amerikanische Schuld hinaus für den Wiederaufbau Frankreichs gefordert hatte, um nur etwa 6,5 Milliarden Francs gekürzt würden. Die Engländer, deren Anteil auf weniger als ein Viertel ihrer ursprünglichen Forderungen zusammengeschrumpft ist, sind also verhältnismäßig weit stärker belastet worden als die Franzosen, die nicht viel mehr als ein Achtel einbüßen sollen. Wenn Owen Young damit gerechnet hatte, daß England diese Reduzierung seiner Ansprüche ruhig einstecken würde, vielleicht, weil die Regierung in London der Wahlen wegen eine baldige Beendigung der Sachoerständigenkonferenz wünsche, so sah er sich auf das schmerzlichste enttäuscht. Ein Sturm der Entrüstung über diese Zumutung des Amerikaners tobt in der britischen Presse, und Politiker aller Parteien sind sich darüber einig, daß England diesem Verteilungsschlüssel nie und nimmer zustimmen dürfe. Sogar die Regierung ist aus der bisher geübten Reserve herausgetreten und hat auf die Anfrage eines Labonr-Abgeordneten im Unterhaus durch den Mund des Schatzkanzlers Churchill erklären lassen, daß sie sich' die Youngschen Vorschläge in dieser Form niemals zu eigen machen werde. Si« hat auf diese klare Stellungnahme um so größeren Wert legen müssen, als erst vor wenigen Tagen Philipp Snowden, der Schatzkanzler einer nach den Wahlen etwa kommenden Arbeiterregierung, die sog. Balfour-Rote, die Grundlage der englischen Schuldenpolitik, als nicht für alle Zeiten unabänderlich bezeichnet hatte und mit einem deutlichen Hinweis auf Frankreich eine Belastung der britischen Steuerzahler zugunsten des französischen Alliierten entschieden abgelehnt hatte. Der Youngsche Verteilungsschlüssel, der nackt und dürr einen Ver- zicht Englands zugunsten Frankreichs vorschlägt, wäre also Wasser auf den Mühlen der Opposition, hätte Churchill, der noch dazu den Ueberschuß seines schönen Wahlbudgets davonschwimmen sieht, durch seine Erklärung nicht den zu erwartenden Angriffen der Labourmänner die Spitze abgebrochen. Dabei richtet sich die Erbitterung der öffentlichen Meinung in England begreiflicherweise auch in hohem Maße gegen Amerika, dem man vor- wirst, daß es in Paris wohl als Schiedsrichter die Verteilung der deutschen Reparationen diktiert, selbst aber sich nicht bereitfinden läßt, auch nur einen Cent von seinen eigenen Kriegsschuldforderungen zu streichen. Die Sache ist also wieder einmal recht verfahren, wesentlich wohl deshalb, weil Owen Young es nicht für nötig gehalten hat, seine britischen Sachverständigenkollegen Sir Josiah Stomp und Sir Charles Addis über seine Pläne vorher zu unterrichten, bevor er mit der großen Ueberraschung des Verteilungsschlüssels coram puplico herausrückte, und da- mit den britischen Delegierten die Möglichkeit nahm, noch hinter den Kulissen auf die Unmöglichkeit seines Vorschlags aufmerksam zu machen. Wir Deutsche könnten diesem Streit um die Verteilung unserer Zahlungen in Ruhe zusehen, wenn nicht die Gefahr bestände, daß die Alliierten, wenn ihr gegenseitiger Zorn einmal verraucht ist, sich nach bewährtem Rezept wieder auf unserem Rücken einigten, dergestalt, daß wir zu den zehn Milliarden, um die wir unser, auf dem Grundsatz der Leistungsfähigkeit gemachtes Angebot überschritten haben, noch d e n R e st aufgebrummt bekommen, um den die Gläubiger sich nicht zu einigen vermögen. Der Streit kann auch um deswillen für die Konferenz bedrohlich werden, als die Franzosen die entstandenen Schwierigkeiten benutzen könnten, um im Falle man den Versuch machen wollte, auf Kosten Frankreichs die britischen Ansprüche zu befriedigen, die an sich schon abgeschlossene Erörterung über die Höh« der deut- schen Zahlungen aufs neue zur Sprache zu bringen oder gar an den deutschen Vorbehalten die Konferenz ganz scheitern zu lassen. Es wird großer Ge- Kommunistische Verschwörung in Peking zur Ermordung London, 11. Mai. (2DI23. Funkspruch.) „Daily Telegraph" berichtet aus Peking über eine angebliche Verschwörung zur Ermordung der dortigen auswärtigen Diplomaten. 3n dem von Freitag abend datierten Telegramm des Korrespondenten des vlaltes heißt es: Beunruhigung wurde heule früh in Peking hervorgerufen, als der vormalige chinesische Premierminister Tschiang Tschau T s ch u n g Vertreter zum diplomatischen Korps sandte, um sie vor einer kommuni st ischen Verschwörung zur Ermordung der Ausländer zu warnen. Er ließ mitteilen, cs sei die Absicht der Kommunisten, die Dienst- boten der Ausländer zur Teilnahme an der Ermordung der Fremden zu bewegen. Auf furchtsame Angestellte sei ein Druck ausgeübt worden, Häuser innerhalb und außerhalb des Gesandtschaftsviertels unbewacht zu lassen, um den Mördern den Eintritt in die Häuser zu ermöglichen. Der Zweck der Verschwörung sei die Vernichtung der Autorität der Nankinger Regierung. Die Tat sollte während der am 1.3uni slattfindenden Feierlichkeiten zu Ehren Sunyatsens ausgeführk werden. Nankings Kampf gegen -en Bürgerkrieg. Ernste Lage vor Kanton. Peking, 10. Mai. (Telun.) Sn einem Bericht Tschicmgkaischecks über die politische Lage der Ausländer? in Kanton heißt es, die Truppen der Provinz K w a n g s i befanden sich in einem regelrechten Krieg gegen die Nankinger Regierung. Sie habe daher beschlossen, sämtliche Truppen mobil zu machen, um den Kampf gegen die Truppen der Provinz Kwangsi, deren Ziel der Sturz der gegenwärtigen Nankinger Regierung ist, erfolgreich zu beenden. Die chinesische Zentralregierung werd« es nicht dulden, daß einzelne Generale immer wieder den Versuch unternehmen, den Bürgerkrieg in China aufs neue zu entfesseln. Mit sämtlichen ihm zu Gebote stehenden Machtmitteln werde er gegen die aufrührerischen Truppen in Kwangsi vorgehen sowie auch gegen den linken Flügel der Kuomintang-Partei. Am vergangenen Freitag ist ein chinesisches Geschwader nach Kanton afcgegangm, um die dort befindlichen Kwar.gsi- Truppen zu bombardieren. Die Streitkräfte Kantons eröffneten jedoch gestern morgen plötzlich in der Nähe des Forts von Macao das Feuer aus Maschinengewehren auf die chinesische Flotte, die im Verdacht stand, die Truppen von Kwangsi zu unterstützen. Die Schiffe wurden auch ausder Luftbeschos- s e n. Der Kampf dauerte eine halbe Stunde. Zahlreiche Mannschaften wurden getötet. Die chinesische Flotte ging in See und ankerte dann auf der Höhe von Schamien in der Nähe der ausländischen Kanonenboote, wo sie von den Kantonesen entwaffnet wurde. Lieber Kanton ist das Kriegsrecht verhängt worden. Tausende von Personen fliehen nach Hongkong. Sieben ausländische Kriegsschiffe liegen gegenwärtig vor Kanton. schicklichkeit und noch viel mehr guten Willens der Sachverständigen bedürfen, die Reparationskonferenz aus dieser neuen Sackgasse wieder hinauszumano- orieren. Unverminderte Besatzungsnot in Hessen. Tie katastrophale Wohnungsnot in Mainz hält an. Mainz, 10. Mai. Der „Mainzer Anzeiger" stellt eine Betrachtung der Besahungslasten nach dem Stande vom 15. März 1929 an. aus der hervorgeht, daß die Stadt Mainz allein Besatzungslasten in einer Hohr trägt, wie sie die gesamte zweite Zone und die Pfalz zu tragen haben. Sn der Truppenzahl ist zwar gegenüber dem Vorjahr eine geringe Erleichterung erfolgt, doch ist der hessische Anteil an der Truppenzahl noch immer außerordentlich hoch. Fast 27 Proz. der gesamten fremden Truppenmacht befinden sich noch im besetzten hessischen Gebiet, d'essen Bevölkerung nur 13,1 Proz. der Gesamtbevölkerung der besetzten Gebiete ausmacht. Für Preußen sind die entsprechenden Zahlen: 59,7 Proz. Bevölkerungsanteil. 46,6 Proz. Besahungsanteil: in der Pfalz: 24,9 Proz. Bevölkerungsanteil, 22,6 Prvz. Anteil an der Besatzung. Noch immer kommen im besetzten Hessen 35.3 Besahungsangehorige, im besetzten Preußen deren 13,5 und in der Pfalz 15,6 auf 1000 Einwohner. Die Tatsache, daß für Hessen noch immer keine Erleichterung eingetreten ist, hat für die Stadt Mainz eine besonders schmerzliche Bedeutung. Sn der Stadt Mainz allein sind noch immer erheblich mehr Bürger- wohnungen beschlagnahmt als in der ganzen zweiten Zone. Rechnet man die Mainzer Vororte Gonsenheim und Weisenau hinzu, deren Wohnungsverhältnisse sich auf dem Mainzer Wohnungsmarkt auswirken müssen, so ergibt sich sogar, daß Mainz mit diesen Vororten nicht viel geringere Besatzungslasten zu tragen hat, als die zweite Zone und die Pfalz zusammen. Etwa in jedem siebenten Bürgerhaus in der Stadt Mainz ist eine Wohnung für die fremden Truppen beschlagnahmt, die Einzelzimmer nicht eingerechnet. polnische Truppenschau gegen Eintrittsgeld. Das Publikum kommt nicht auf seine Kosten. Warschau, 10. Mai. (WB.) Auf dem bei der Warschauer Zitadelle gelegenen M ilitärübungs- p l a tz fand ein von Infanterie und Pilsudskischützen veranstaltetes militärisches Schauspiel statt, das Einblick in eine moderne Feldschlacht liefern sollte. Es war die Mitwirkung von Panzerwagen, Artillerie, Maschinengewehren, Giftgasen mit Gasmasken und Einrichtungen zur Erzeugung künstlichen Nebels angekündigt. Zuschauer waren gegen die Bezahlung eines Eintrittsgeldes zugelassen. Wie die national- demokratische „Gazeta Warszawski" mitteilt, ging es bei diesem Schauspiel völlig ungeordnet zu. Die Kämpfenden und das Publikum mischten sich durcheinander, so daß von einer geordneten Vorführung überhaupt keine Rede fein konnte. Die an* gekündigten Tanks waren überhaupt nicht erschienen. Ueberdies wurde noch ein Knabe von einem blinden Geschoß schwer verletzt, so daß das Publikum, empört über den Leichtsinn der Veranstalter, dieses mißglückte Schauspiel vorzeitig verließ. Das Attentat aus WoldemaraS. Ein litauischer Student unter dem Verdacht der Mittäterschaft verhaftet. Königsberg, 10. Mai. (TU.) Wie der Vertreter der Telegraphen-Union von der Pressestelle deS litauischen Außenministeriums erfährt, rechnet man bestimmt damit, unter den bisher Festgenommenen eine der an dem Anschlag beteiligten Personen zu haben. Um welche es sich babei handelt, wird zunächst noch nicht angegeben. Sn Frage kommt aber ein Student namens Vo - s i l i u s , den die litauische Polizei in der Rähe von Uthena festnehmen konnte. Vosilius versuchte zunächst zu fliehen und warf eine Handgranate auf die ihn verfolgenden Beamten, die aber z u früh exvlodierte und den Studenten selbst schwer verletzte. Man sand bei Vosilius Patronen vor, die mit den Patronenhülsen, die man am Tatort gefunden hat, übereinstimmten. Vosilius gehört einer studentischen Verbindung namens Auschrininkai an. die politisch links steht, aber mehr volkssozialistisch als sozialdemokratisch sein dürste. Auch die anderen Studenten, die man festgenommen hat, gehören verschiedenen Verbindungen, die zum Teil radikal rechtsgerichtet sind, an. Bis zur Stunde hat Vosilius noch kein Geständnis abgelegt. Sollte sich aber der gegen ihn gehegte Verdacht bestätigen, so würde gleichzeitig damit feststehen, daß der Anschlag aus dem eigenen Lande kommt und nicht, wie man zunächst annahm, aus Wilna. Sm übrigen ist der Student Vosilius seit einiger Zeit aus Kowno verbannt, wo er in der technischen Abteilung der Universität Chemie studierte. Die Verbannung ist aus politischen Gründen ausgesprochen worden. Vosilius muhte sich, wie viele andere Studenten, in der Provnz aufhalten, und es ist durchaus möglich, daß es sich hier, falls sich der Verdacht gegen Vosilius bestätigt, um den Racheakt verbannter Studenten handelt, denen das Leben durch die Verbannung verpfuscht ist. Oie Lohnbewegung bei der Reichsbahn. Berlin, 11. Mai. (Priv.-Tel.) Die Eisenbahnerorganisationen haben am Freitag nach Fühlungnahme mit den Organisationen der Arbeiter der Post sowie der Reichs- und preußischen Staatsbetriebe von neuem zur Lohnfrage Stellung genommen. Die Entscheidung über die Frage: Streik oder Schlichtungsverfahren konnte am Freitag noch nicht fallen, da die Beratungen erst am Samstag zu Ende gehen. Wie der „Vorwärts" meldet, werden währscheinlich die Eisenbahner zunächst noch den Weg zum Schlichter einschlagen, bevor sie zum letzten Mittel, zum Streik, greifen. Kleine politische Nachrichten. Sm Reichsministerium des Snnern wird eine Reuordnung des Pahwesens vorbereitet, die voraussichtlich am 1. Sartuar 1930 in Kruft gesetzt werden kann. Die Reuordnung bringt eine Anzahl wesentlicher Erleichterungen auf dem Gebiete des Paßwesens. Der Präsident des Deutschen Handwerkerbundes, Schneidermeister Voigt, Mitglied des Preußischen Landtags, hat dem Präsidenten des Landtags mit* geteilt, daß er aus der Fraktion der Deutschnationalen Dolkspartei ausgeschieden sei. Der Austritt erfolgte wegen der Haltung der Fraktion bei der Abstimmung über die G e werbesteuer. Landtagsabgeordneter Voigt hat sich der Wirtschaftspartei angeschlossen. Der Ehrenausschuß für die 9. Tagung des Bundes der Saarvereine erläßt einen Aufruf zu einer Kundgebung für das abgetrennte Saar- und Pfalzgebiet und gegen die Saar-Lüge unter dem Protektorat des früheren Reichskanzlers Dr. Marx vom 8. bis 10. Juni d. I. in Münster i. W. In dem Aufruf wird dargelegt, daß das Saarvolk fein Recht auf Selbstbestimmung sowie seine baldige Rückkehr zu seinem angestammten Mutterlande Deutschland fordert. Nach einer Entscheidung des Präsidenten des Danziger Hafenausschusses soll in Zukunft die Finanzverwaltung des Hafenausschusies, die bisher unmittelbar der Delegation des Hafenausschusses unterstand, dem kommerziellen Direktor des Hafenausschusses untergeordnet werden. Die Regierung der Freien Stadt Danzig hat gegen diese Entscheidung mit der Begründung, daß sie eine E r- Weiterung des polnischen Einflusses bedeute und mit den geltenden Vereinbarungen für den Hafenausschuß nicht übereinstimme, B c * rufung b e i m V ö l k e r b u n d s k o m m i s s a r eingelegt. Der stellvertretend« russische Außenkommissar Litwinow, der sich auf der Rückreise nach Moskau befindet, hatte auf der Durchreise in Berlin eine Unterredung mit Dr. Strese - mann. ♦ Zum erstenmal seit dem 4. Dezember 1928 führte König Georg von England, dem es außergewöhnlich gut zu gehen schien, den Vorsitz bei dem in Bognor abgehaltenen geheimen Rat. Der König unterzeichnete die Verfügung über die Auflösung des Parlaments. Die im Zusammenhang mit der Ermordung des mexikanischen Generals Obregon au zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt« Nonne ist zusammen mit einer Gruppe von 65 anderen Gefangenen, bar* unter 39 Frauen, nach der Strafkolonie Las Tres Marias gebracht worden. Di« Mehrzahl der Frauen war wegen religiöser Propa- ganda und Verbreitung aufwieglerischer Schriften verurteilt worden. Aus aller Welt. Reichs-Frauenlag der Deutschen Doltsparld. Sn Bremen wurde die Reichsfrauentagung der Deutschen Volkspartei durch die Reichstagsabgeordnete Frau Dr. C. M a h eröffnet. Anwesend waren 900 Delegierte aus dem ganzen Deich. Syndikus Ulrich, Mitglied der Bremer Bürgerschaft, nahm in einem Vortrag über das Thema „Deutschland in der Weltwirtschaft und im Weltverkehr" gegen d i e Entwicklung Deutschlands zum Wohlfahrtsstaat Stellung und erklärte, die Fortsetzung einer derartigen Politik müsse eines Tages zur Kata- Itrophe führen. Sodann sprachen Oberstudiendirektorin M a h , M. d. R.. über „Probleme deutscher Auswanderung", Dr. Elisabeth Lürs- s e n, Mitglied der Bremer Bürgerschaft, über „Grundsätzliches zur Kulturpolitik" und A. v. K u l e s z a, Mitglied des Landtags, über „Volksparteiliche Kulturpolitik". Schwere Explosionen in U. S. A. Sn Hanover (Massachusetts) erfolgte in der Fabrik der amerikanischen Feuerwerksgesellschaft West-Hanover eine vierfache Explosion, bei der drei Personen getötet und mehrere verletzt wurden. Die Explosion erschütterte die ganze Stadt und wurde meilenweit gehört. — Sn Sy- racufe (Reuhork) explodierte in den chemischen Farbwerken der Solvay Proceß Company ein Riesenbehälter, der 9 0 0 0 Gallonen Chlorgas enthielt. Das Holzgebäude, in dem sich der Behälter befand, wurde durch die Explosion völlig zerstört. Das Gas verbreitete sich in der weiteren Umgebung und rief bei 30 Personen Gasvergiftungen hervor. Zwei der Vergifteten dürften kaum mit dem Leben davonkommen. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine Panik, die noch durch den Umstand erhöht wurde, daß das Luftschiff „Los Angeles" zur Zeit der Explosion gerade über der Stadt kreuzte und viele Leute glaubten, es erfolge ein Luftangriff. Anderseits wurden viele Menschenleben dadurch gerettet, daß die Arbeiter, die sich in dem zerstörten Gebäude der Fabrik befanden, vor der Explosion ins Freie geeilt waren, um das Luftschiff zu beobachten. — Sn Clizabethton (Tennessee) wurde das Wohnhaus eines früheren Arbeiters der Bemberg Rayon-Fabrik durch eine Explosion zerstört. Die Behörden sind der Ansicht, daß die Explosion aus Ritroglyzerin zurückzuführen ist, das von unbekannten Tätern vermutlich unter den Fußboden des Wohn- zimmers gelegt worden war. Der Arbeiter wohnte zur Zeit der Explosion einer Gewerk- fchaftsversammlung bei und entrann so dem Tode. Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen. Professor D. Spiecker ist aus Gesundheitsrücksichten von seinem Amt als Vorsitzender der Deutschen Vereinigung des Weltbundes für internationale Freundschastsarbeit der Kirchen zurück g e t r e t e n. An seiner Stelle wurde von dem Arbeitsausschuß der Vereinigung des Weltbundes D. Burghardt, Vizepräsident des Evangelischen Oberlirchenrates der Evangelischen Kirchen der Altpreuhischen Union, vorbehaltlich der Bestätigung durch die Mitgliederversammlung, zum neuen Vorsitzenden gewählt. Oie Wetterlage. -----Mren-fi ■Seydisf 16 Genf rreitad, d.lO.fAai 1929. 7" aMs. oedeei Gros;en-Buseck. ( Vereine | M.T.V. Montag, 13. Mai. unt 20 Uhr bei Faulstich, Bahnhofstraße Spieler- Versammlung Erscheinen aller akuven und vasstven Spieler dringend erforderlich. 4266 D Der SpielauschnB. Kücheneinricbturg Büfett, Anrichte. Tisch, 2 Stühle, vitsch- vine, neu, iür250Mk. öcitäufl. Schr. Ansr. u. 02992 a. d. G. Anz. Garten in der Ederstraße, 1409qm, L 3 ML viel Obstb. u. Beerenstr^ bei 2000 Mk. 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Welches Ausmaß Fanatismus und Haß zu erreichen vermögen, hat die deutsche Armee während des Krieges in Belgien wohl zur Genüge erfahren. Aber nicht allein im offenen Widerstand der Bevölkerung kam jene grenzenlose Leidenschaft zum Ausdruck. Weit verhängnisvoller und gefährlicher für unsere Truppen war sie bei der bis ins kleinste organisierten Spionage. Was die Belgier hier geleistet hoben, grenzt an das Unglaubliche. Die Tatsachen sind jetzt nach Aufzeichnungen von Geheimagenten, die während des Krieges an der Westfront arbeiteten, von Heinrich Binder in seinem soeben bei der Hanseatischen Verlags- Anstalt, Hamburg 36, erschienenen Buche „Spionage-Zentrale Brüssel" (3,60 RM.) zusammengestellt worden. Mit Genehmigung des Verlages brir en wir nachstehend einen kurzen Abschnitt über die Meisterspionin Gabriele Petit, die schließlich von den Deutschen ergriffen und standrechtlich erschossen wurde. „Gabriele Petit war ein Mädchen von außerordentlicher Schönheit. Als der Krieg ausbrach, war sie 21 Jahre alt und verlobt. Sie trat dem „Fämiliengrus" (belgische Spionage- organisotion) bei. Fand Anleitung durch Edith Ca- vcll. Als diese dann mit 35 Mitgliedern der Organisation verraten und gerichtet wurde, ging Gabriele Petit zur Nachrichtenspionage über. Weil sie ost in Männerkleidung reifte, trug sie ihr Haar ganz kurz geschnitten. Da die Spionin später bei ihrer Vernehmung kurz vor dem Erschießen jede Auskunft verweigerte, ist bis heute noch nicht festgestellt, ob sie auch identisch ist mit dem anderen geheimnisvollen Leutnant, der auch an der Aisne und bei Arras gesichtet und signalisiert worden ist. Alle Anzeichen ober sprechen dafür, daß Gabriele es war, die so weit an der Front herumkam und nicht, wie man auch annimmt, Alice Dubois, die Meisterspionin, mit der sie Hand in Hand Frontspionage trieb. Ein Heer von Detektiven hatte man auf ihre Spur gesetzt. Endlich gelang es, sie zu fangen. Wie ein wilder Roman verlief ihr Leben. Es wird in den kühnsten Schilderungen phantasie- reicher Autoren keine solchen ateinberaubenden Szenen geben, wie sie Gabriele Petit oft erlebt hat. In Lille übernachtete sie stets in einem großen Hotel in der Nähe des Bahnhofs, in dem nur Offiziere wohnen durften. Nachts wurde das Hotel einmal von zwei Geheimpolizisten, denen ein Offizier beigegeben war, kontrolliert. Das Zimmer, in dem sie sich befand, wurde wie durch ein Wunder übergangen. Und das kam so: Die Kontrolle war schon im Nebenzimmer. Sie hörte, wie der dort schlafende Offizier nach seinem Ausweis gefragt wurde. Sie sprang aus dem Bett und warf den grauen Militärmantel über. Denn im Nachtanzug hätte man sie erkannt. Die Sekunden wurden zur Ewigkeit. Fußtritte kamen. Kamen und gingen an ihrer Tür vorüber ... Vorsichtig öffnete sie nach einer Weile die Zimmer- tür. Ein Zufall hatte gewaltet. Hatte der Spionin für dieses Mal das Leben gerettet. Der Hausdiener hotte ihre Schuhe zum Putzen geholt, während die andere Reihe von Stiefeln und Schuhen noch vor den Türen stand ... Wenn sie ,non England zurückkam, wohin sie mehrere mal fuhr, ruhte sie sich immer ein paar Wochen aus und verkaufte in den Lokalen in Brüssel Zeitungen. Sie suchte nur solche Lokale auf, in denen deutsche Offiziere verkehrten. Sie verfolgte damit den Zweck, sich in der Sprache zu vervollkommnen und sich die Manieren der Offiziere anzueignen. Hunderte von deutschen Offizieren werden sich er- innern an die hübsche Verkäuferin, die so gut deutsch Gießener Giadttheaier. Haatz-Bcrkow-Gastspiel. Dor drei Jahren haben wir Haah-Ber- k o w hier in Gießen mit seiner Truppe zuletzt gesehen. Jetzt sieht man ihn wieder mit den gleichen Spielen wie damals, und wieder steht man zuletzt unter dem gleichen und eigentlich unvergleichlichen Eindruck wie damals bei der ersten Begegnung. Das liegt zunächst daran, daß hier eine zwar ganz primitive Schauspielerei am Werke ist, die gemeinhin mit den einfachsten und sparsamsten Mitteln sich kundgibt, ohne Damen, ohne Eitelkeit, ohne ein anderes Ziel als dies, ihrer Sache zu dienen,' in der Truppe ist aber irgendwie noch ein Stück der jahrhundertalten Erbschaft und Lieberlieferung jener ersten wandernden Komödianten in Deutschland erhalten und lebendig geblieben, mit denen recht eigentlich das moderne Schauspielerwesen sich begründete. Das Eigentümliche und Besondere an diesen Spielen ist nun nicht, daß sie auf sehr alte Dorlagen zurückgehen, daß sie Szene, Bild und Dorstellungen des Mittelalters wieder vor uns und für uns lebendig machen.... sondern daß diese mittelalterlichen Dinge eben nicht nur dein Mittel- alter, sondern allen Zeiten, frühen und späten und gegenwärtigen, gleichmäßig angehören. Daß sie, mit anderen Worten, zeitlos und von allgemeiner menschlicher Gültigkeit sind. Mag uns das Märchen nur ein Märchen sein, mögen die Worte Weltschöpfung, Paradies und Sündenfall nur noch blasse Worte sein: der Tod ,ouch uns und unfetnt nüchtern aufgeklärten 3ahrhunbctt noch immer mehr als ein Begriff, nod) immer eine große, geheimnisvolle und unbesiegbare Dotwendigkeit. Dies geht uns nicht literarisch, sondern sehr menschlich an, einen jeden unter unä, of>nc Ausnahme und Unterschied. Es gibt Wohl fein gewaltigeres und gegenwärtigeres Thema für das zeitlose Spiel auf der Bühne als die ewig gleiche und ewig wandelbare, ganz schlichte imd menschlich ganz vertraute Fabel vom Tode. ' Der .Totentanz" ist die große und sehr originale Leistung der Truppe. Er ist geschaffen nach Bilöerszenen und Drucken des 15. Jahrhunderts (in Basel und Lübeck) von Haaß- sprach, und die zuletzt immer lustig behauptete, sie sei Berlinerin ... Als ein Jahr um war und die deutschen Behörden ihren Namen bei den Spionageberichten öfter wiederkehrend fanden, legte sie diesen Namen ab und besorgte sich Ausweispapiere auf den Namen Helene Legrand. Ihr deutscher Militärpaß lautete auf den Namen eines Leutnants d. R. Walter Henning. Bei ihrer späteren Verhaftung verweigerte sie die Auskunft darüber, wie sie zu diesem Paß gekommen war. In Brüssel, in der Schouwburgstraat 68 (Rue du th^atre) hatte der Leutnant Henning zwei Zimmer. Eins für den Leutnant, das andere für feine Geliebte. Diese war sie selber ... Das Leutnantszimmer trug militärischen Charakter. Auf dem Tisch lagen Karten, auf dem Schreibtisch standen die Photographien der deutschen Heerführer und das Bild der hübschen Geliebten — der Gabriele Petit. Sie hatte sich auf einem Divan photographieren lassen, über den ein echtes Tigerfell gebreitet lag. Neben diesem Bild stand die Photographie des Leutnants Henning. Daß beide Bilder denselben Körper in anderer Hülle bargen, wurde erst später bei der Haussuchung und Verhandlung offenbar ... In der ersten Zeit, als sie die Rolle eines Leutnants vor dem großen Spiegel in ihrem Zimmer ein- ftubiertc, den Gang kopierte und vor allem den Gruß übte, der ihr große Schwierigkeiten bereitete, hatte sie es mit zäher Energie so weit gebracht, daß sie sich zum erstenmal hinauswagte. Sie fuhr über Gent nach Lille und wieher zurück. Auf der Rückfahrt saß ein Hauptmann mit ihr im Abteil. Sie hatte den Kopf mit einem kunstgerechten Verband verbunden, und der ältere Kamerad wollte ihr in Brüssel behilflich sein. Sie lehnte es ab. Der Hauptmann wich indessen nicht von ihrer Seite, so daß sie sich schon entdeckt wähnte. Im Hotel Anspach, wohin der Hauptmann sie begleitete, gelang es ihr, allerdings unter Zurücklassung ihres Militärmantels, durch eine Seitentür zu fliehen und ihrer Wohnung zuzueilen. Sie kam erregt zu Hause an. Ihre Vertraute, bei der sie wohnte, eilte herbei, um ihr beim Umkleiden behilflich zu sein. Sie erzählte ihr ihr aufregendes Erlebnis, und währenddessen wurde die Uniform und die mit W. H. gezeichnete Wäsche abgelegt. Unbekleidet huschte sie ins Nebenzimmer, und, sich auf der Schwelle noch einmal umsehend, gab sie der Wirtin Anweisung, die Uniform in dem großen Kleiderschrank zu verbergen und beide Türen zu verschließen. Das Verbandszeug mußte verbrannt werden. Gabriele machte schnell Toilette. Zuerst griff sie nach der Perücke, denn bei einer Ueberrumpeiung wäre ihr der Haarschnitt mit dem vorschriftsmäßigen linken Scheitel zum Verräter geworden. Jetzt kam die Vertraute, deren Küche nach der Straße lag, wieder herein: totenblaß. „Auf der Straße gehen zwei Zivilisten auf und ab und betrachten andauernd unseren Hauseingang. Sie mußte fort. Nicht in Uniform. Denn wahrscheinlich waren die beiden da unten Beauftragte, die der Hauptmann von vorhin gesä)ickt hatte! Zehn Minuten später verließ ein Brüsseler elegantes Modepüppchen das Haus. Gabriele Petit ging mit leichten Schritten an den beiden Zivilisten vorüber und prägte sich ihre Gesichter scharf ein. Dann ging sie auf Umwegen zu ihrer anderen Wohnung, zu ihrer Tante in die Chaussee d'Anvers Nr. 61, wo sie unter dem Namen Helene Legrand bekannt ist. Frau Segar kannte das Geheimnis ihrer Nichte nicht, obwohl sie es so recht nicht begreifen konnte, daß Gabriele zum Verkauf von Zeitungen ein mit Flicken besetztes altes Mousselinkleidchen anlegte ... Gegen sechs Uhr abends betrat das deutsch- sprechende Zeitungsmädchen das Hotel Anspach. Einen grünlich schimmernden Schal hatte es um die Derkow und wird mit Musik nach italienischen und deutschen Meistern instrumentiert. Wort und Weise, Gebärde und Tanz fügen sich in diesem Zeigen zu einer oft hinreißenden Einheit des Stils und zu einer erschütternden Sinnbildlichkeit des Geschehens zusammen. Ureinfoche Dramatik aus Rede und Gegenrede, Melodie und Tanzschritt erzwingt eine grandiose Wirkung: hier wird wirklich minutenlang Zeit und Gegenwart vergessen, wird ein Stück Mittelalter über Jahrhunderte hinweg vor uns lebendig: Figuren, Gesten, Gesichter oft wie aus einem gotischen Wandfries, einem Holz- schnitt, einem Bilde von. Holbein oder Dürer herausgehoben. Dach dem Prolog der drei Engel vom fünferlei Tode zieht der Totentanzreigen herein, in Gestalt der mittelalterlichen Revue, angeführt vom Tode als Dortänzer und Flötenbläser: König und Edelfrau, Arzt und Wucherin, Dauer und Landsknecht, schöne Maid und kranke Maid, Klosterbruder und Mutter mit dem Kinde, alle miteinander im Gleichmaß einer ganz einfachen und ganz eindringlich-ernsten Schrittweise. Dann hebt der Einzelreigen und Abtanz an, überwältigend in seiner Eintönigkeit zugleich und doch immer wechselnden Szenerie und Tanzform. Dielstimmig klingt die Weise des Todes: als eine prachtvoll taktfeste, reisige Marschmelodie für den Landsknecht, als ein breitspurig-einfältigerDörPer- tanz für den Bauern, als ein zartes höfisches Menuett für die Edelfrau, als ein leises, inniges Wiegenlied für Mutter und Kind. Lind alles zu Anfang und zu Ende mächtig zusammengefaßt in den gnadenlosen Refrain, in dem alle Melodie chorisch einmündet und zusammenklingt. Als Chorführer steht groß, beherrschend und vergeistigt die Gestalt des Todes über dem Reigen: Seelengeleitor und Dor-Richter des jüngsten Gerichtes, Wegbereiter und Tröster, Kavalier und Kamerad, Würger und Freund... Dor dem Totentanz verblaßt alles übrige, was Haaß-Beikow mit seinen Spielen bringt. Als einen märchenhaft-heiteren Auftakt sah man am Dachmittag „Die zertanzten Schuhe": „ein Spiel schlicht und getreu nach dem Märchen der Gebrüder Grimm in Handlung und Reim gebracht von Max Gümbel-Seiling unter Benutzung eines alten Johannisreigens vom Rhein." Hier blieb doch vielfach die Primitivität von Spiel und Gebärde in der Llnwirklichkeit der Fabel schmalen Schultern gelegt. In der Linken hielt sie einige Exemplare des „Belgischen Kurier" sowie einige illustrierte Zeitungen. Gabriele ging von Tisch zu Tisch, um ihre Zeitungen anzubieten. Sie ging durch die Tür des Hoteleingangs hinaus und streifte dabei ihren vor zwei Stunden zurückgelaffenen Mantel, der an einem mittleren Pfeiler noch an der gleichen Stelle hing. Im Hoteleingang, an der Treppe, standen zwei Männer, die das Restaurant beobachteten. Es waren, man sieht es meistens, Geheimpolizisten. Gabriele begab sich nun in andere, von deutschen Offizieren gern besuchte Lokale. Eine Stunde später besuchte sie mit dem Rest ihrer Zeitungen wieder das Hotel Anspach. Der Mantel hing nicht mehr dort. Sie ging hinaus. In diesem Augenblick traten der Hauptmann und die beiden Geheimpolizisten, von denen einer den Mantel über dem 2(rm trug, in das Hotel und fragten den Portier, ob kein Offizier nach seinem vergessenen Mantel gefragt habe. Für die Spionin war das ein untrügliches Zeichen, daß sie in der Leut- nantsuniform verfolgt wurde, und daß sie die Verkleidung als deutscher Offizier vorerst vermeiden mußte." Von Borodin bis Bauer. Oie großen Abenteurer des Fernen Ostens. Don Dr. Franz Herbach. In den Seuchenbaracken des Hospitals von Schanghai hat jetzt das Leben eines Mannes ein Ende gefunden, der mehr als einmal in die Geschicke Deutschlands eingegriffen hat. O b e r st Bauer, der Freund Ludendorffs und Kampfgenosse Kapps, war plötzlich aus Deutschland verschwunden, hat im Südosten Europas gearbeitet und ist schließlich in China aufgetaucht: über die letzte Tätigkeit des deutschen Generalstabsoffiziers, die er als Berater Tschiangkaischeks ausgeübt hat, ist freilich in Europa wenig bekannt geworden, und die Oeffentlichkeit war sehr überrascht, als man vor einigen Wochen erfuhr, daß Oberst Bauer an Typhus erkrankt und in das Krankenhaus von Schanghai eingeliefert worden fei. Dort hat er sich die Pocken geholt, die fein Leben in ganz kurzer Zeit zerstörten. Damit hat eine der abenteuerlichsten Laufbahnen ihr dramatisches Ende gefunden. Der deutsche Offizier, der nicht nur als militärischer, sondern hauptsächlich — als wirtschaftlicher Berater der chinesischen Regierung tätig war, stand noch im besten Mannesalter. Schon verhältnismäßig früh, im Jahre 1905, wurde der junge Offizier in den Großen Generalstab berufen. Schon vor dem Krieg — von 1908 bis 1912 — arbeitete er mit Ludendorff zusammen, und bei Ausbruch des Krieges kam Bauer in die Oberste Heeresleitung, in der er bis zu Ludendorffs Rücktritt blieb. Sein Fehler war es, daß er sich nicht auf militärische Arbeiten beschränkte, sondern danach strebte, in die Weltpolitik einzugreifen und in einem Maße für die weltpolitischen Dinge bestimmend zu werden, das seine Kräfte weit überstieg. Oberst Bauer hat feinen Vorgesetzten, den General Ludendorff, rückhaltlos bewundert und es sich stets versagt, in irgendeiner Beziehung an diesem Mann Kritik zu üben. Ob der Oberst die führende Rolle, die er im März 1920 unter der Herrschaft Kapps spielte, aus eigenem Antrieb übernommen hat, oder ob er dazu von anderer Seite inspiriert wurde, wird wohl niemals festzustellen sein. So falsch diese Politik gewesen ist, so sicher ist es aber auch, daß Oberst Bauer zu seinem verhängnisvollen Eingreifen in die inneren Verhältnisse Deutschlands damals aus ehrlichem Patriotismus getrieben wurde, der leider durch ganz falsche Vorstellungen über die Wünsche und die Zusammensetzung des deutschen Volkes merkwürdige Irrwege einschlug. Als der Kapp-Putsch fehlschlug, ging Bauer nach Oe st erreich, wo er gemeinsam mit dem in letzter Zeit häufig genannten Hauptmann Pabst Verbindung mit rechtsradikalen Kreisen fand. Verschiedene politische Anschläge, die er von dort aus durchzuführen versuchte, mißglückten. Immer mehr trat der politische Dilettantismus des Obersten zutage, immer stärker entwickelte er sich aus einem fähigen Soldaten zu einem phantasie- vollen Abenteurer, dessen ehrliche Gesinnung aber niemals in Frage gestellt werden darf. Bald entwarf Oberst Bauer Pläne zur Zertrümmerung der Tschechoslowakei, bald spielte er mit dem Gedanken, ein autonomes Süddeutschland zu schaffen. Als er von dem chinesischen Marschall Tschiangkai- stecken, und das Ensemble verschmolz nicht allenthalben zu der großen und straffen Einheit, zu der es der „Totentanz" innerlich verbindet. * Am Abend sah man dann zuvörderst das von Schröer mitgeteilte Preßburger „Para deis- spiel" (Spiel vom Sündenfall, aus Oberufer bei Prehburg in Ungarn, vom 14. Jahrhundert). Hier erscheinen und sprechen nach gemeinsamen Einzug und Umzug auf der Szene mit Gesang: der Herre Gott, der Teufel, der Erzengel Gabriel, Adam und Eva, Engel und Kumpaney, welche singt „dich loben wir schon im höchsten Thron". Es begibt sich, in sließendem Wechsel zwischen Erzählung, Chorgesang und Pantomime die biblische Legende von der Erschaffung der ersten Menschen, vom Sündensall und der Austreibung aus dem Paradiese. Doch wird das Hohngelächter der Hölle zuletzt versöhnlich und tröstlich übertönt von der christlichen Stimme des Glaubens an Auferstehung und himmlische Gnade. .. Stark bleibt und nachhallend der Eindruck der Spiele: am tiefsten bewahrt man sich die mächtige Melodie des Tatentanzes. Ihr kann sich niemand entziehen, und jedermann wird die leidenschaftliche Hiugegebenheit und den großen Gegenstand im Spiel dieser wandernden Komödianten empfunden haben. Der Leitung des Theaters und des Goethe-Bundes ist dafür zu danken, daß sie auch für dieses Jahr wieder em Gastspiel der Haaß- Berkow-Truppe in Gießen zustandegebracht haben. Dr. Th. Momentaufnahmen. Don peng. Im Gewühl der Hauptstraße, gerade in der belebtesten Stunde, plötzlich eine Begegnung: im raschen Aneinandervorbeigehen treffen sich die Blicke eines Herrn und einer Dame — noch keine Sekunde, und schon erstarren die Gesichter, wenden sich jäh ab, und hastiger werden die Schritte: eine Begegnung von zwei Menschen, die sich nie mehr begegnen wollten — eine Begegnung, bei der es jeden wieder durchzuckt, was einmal gewesen und bann zu Ende war und unwiederbringlich — eine Begegnung, bei der jeder denkt: Weg, nur weg! — und schon sind sie auch aneinander vorüber. Aber der Herr hat einen Hund bei sich, einen schönen Airedale, das Fell hellbraun und liebens- würdig struppig, und auch der Hund hat die Dame s ch e k aufgefordert wurde, n a d/ China zu kommen, folgte er diesem Rus gern, weil er hoffte, nun endlich feine großen Kenntnisse verwerten und in China ein weites Arbeitsgebiet finden zu können. Er nahm wohl auch an, daß es ihm gelingen würde, Einfluß auf die chinesische Außenpolitik zu gewinnen. Der Tod hat ihm wohl eine neue schwere Enttäuschung erspart, denn die Entwicklung hat bewiesen, daß fid) China politisch nicht mehr von Europäern bevormunden lassen will. Wäre Oberst Bauer ein Jahr früher nach China gegangen, hätte er dort vielleicht einen alten Bekannten gesunden, mit dem er früher schon einmal zusammen gearbeitet hat. Ob ihm diese Begegnung angenehm gewesen wäre, ist freilich sehr fraglich. denn Trebitsch-Lin- c o l n, der noch vor einigen Jahren der Berater des Generals Wupeifu gewesen ist, erfreut sich in der ganzen Welt eines sehr zweifelhaften Rufes. Beiden Männern, Bauer und Trebitsch, ist eigentlich nur die Freude am Abenteuer gemeinsam, während zwischen der Charakterstärke des deutschen Offiziers und dein Geschäftssinn des Weltenwanderers Trebitsch eine unüberbrückbare Kluft besteht. In einem ungarischen Dorf geboren, verließ Trebitsch bald seine Heimat, ließ sich in Budapest nieder, bis ihm dort der Boden wegen merkwürdiger Geschäfte zu heiß wurde, arbeitete in Amerika als Schuhputzer und Kellner. bis er den Posten eines anglikanischen Priesters für einträglicher hielt, begnügte sich aber nicht mit dem einmaligen Kirchenübertritt, sondern wechselte die Religion nach Bedarf. Schließlich ließ er sich in England nieder, wo er 1912 sogar ins Unterhaus gewählt wurde. Seltsame Wechselgeschäfte machten seiner parlamentarischen Laufbahn ein rasches Ende. Bald tauchte Tre- bitsch-Lincoln wieder in Amerika auf, wurde aber an England ausgeliefert, dort ins Gefängnis gesteckt und bei Ausbruch des Krieges als Spion verwendet, dann aber ausgewiesen, weil man glaubte, er lasse sich auch von der deutschen Ge- genspionage bezahlen. Dach Kriegsende kam Trebitsch nach Deutschland, wo er in rechtsradikalen Kreisen Oberst Bauer kennenlernte, mit dem er gemeinsam den Kapp-Putsch vorbereitete. Als der Staatsstreich mißlungen war, floh er nach Bayern, dann nach Ungarn und tauchte einige Zeit später in China auf, wo er sich überraschend schnell zum Ratgeber Wupeifus aufschwang. Reue Betrügereien brachten ihn um diesen Posten, er zog sich in ein Buddhistenkloster zurück und ist allmählich den europäischen Beobachtern aus dem Gesichtskreis entschwunden. Man munkelt, er arbeite schon wieder mit einem anderen chinesischen General zusammen. Das unruhige, von Wirren zerrissene China wirkt auf die Abenteurer aller Länder eine ungeheure Anziehungskraft aus. Der englische Offizier Frank Sutton kam nach dem Fernen Osten, um an der Mündung des Amur nach Gold zu suchen, wurde durch die Bolschewisten vertrieben, die in ihm einen englischen Spion sahen, »■■■■■■UnaBnuiins. .. IUI «ifna—rm— wiedererkannt, als sie an ihm vorüberstreifte. Mit einem Freudenlaut fährt er auf — und als der Herr rasch ausschreitet, so rasch wie es das Gewühl zu- läßt, da reißt der Hund sich los, rennt der früheren I Herrin nach und springt in grenzenloser Freude an ihr hoch. Denn das Tier in seinem zeitlosen Dasein weiß ja nichts von vorzeitigem Ende, weiß nicht, daß Freude nicht Freude bleibt und daß Glück oft nur ein Augenblick ist. „Geh, Prinz, geh doch —" sagt die Dame gepreßt lind streichelt ihn noch — aber mit seltsam unge schickten Bewegungen. „Geh, Prinz, geh —" und da pfeift auch schon sein Herr. Hoch oben im vierten Stock werden Fensterge- p u tz t. Das junge Dienstmädchen steht auf dem schmalen Fensterblech, hält fid) mit einer Hand fest und schwebt so gut zwanzig Meter über dem Stra- ßenpflaster. Sie reibt und putzt mit Leidenschaft, und sie hat es nicht leicht mit der Arbeit, denn die Fenster sind nicht eine große Glasfläche, sondern durch weiße Holzrahmen in lauter kleine Vierecke zerlegt. So putzt sie denn die kleinen Vierecke. Den Zuschauer schwindelt — ein Mensch ist in Gefahr! Sie aber putzt die kleinen Vierecke ganz unbekümmert, und jedesmal, ehe sie mit einem neuen be- flinnt, spiegelt sie erst ihr Köpfchen ein ganz klein bißchen in der blinden Scheibe, spiegelt sie ihr junges Köpfchen — gut zwanzig Meter über dem Straßen - Pflaster, in der einen Hand das Putztuch lind mit der anderen so gerade noch am Fensterkreuz. Eine Parterrewohnung. Die Fenster stehen auf, ich kann hineinsehen. Da sitzen drei Leute — ein Mann mit Frau und Schwiegermutter. Die beiden Frauen haben die Radio Hörer am Kopf, der Mann hat bloß eine Zigarre im Munde. Die beiden Frauen haben jenen dummfeierlichen Gesichtsaiis- druck, den man durch langes, angestrengtes Hören bekommt, und sind unbeweglid). Auch der Mann rührt sich kaum. „So ist es nun", denke ich. „Der Brotverdiener hat auch noch das Radio anschaffen müssen — nun darf er noch nicht einmal mithören!" Aber mit einem Male sehe ich: er sieht ja ganz glück- lid) aus! Und nun begreife ich die Situation: Er genießt die Ruhe — endlich sind die beiden Frauen einmal zum Schweigen gebracht. Er genießt die Ruhe auch als Bild — wie die beiden Frauen nun schon eine Stunde lautlos dasitzen, nur um von dem Radio- vortrag nichts zu verlieren. Sie sind glücklich, weil sie hören Dürfen; er ist glücklich, weil er nichts zu hören braucht. und fam als Bettler nach China, er besah nichts als einen guten Konstruktionsentwurf für neue Mörsergefchütze. Cs gelang ihm, zu Tschangtfolin vorzudringen, der sofort die Bedeutung der Konstruktion erkannte, den Offizier in seine Armee einreihte und ihn zum Vizefeldherrn ernannte, als Peking eingenommen wurde. Gleichzeitig erhielt er ein Geldgeschenk von 20 000 Pfund, und als er weitere 25 000 Pfund in der Lotterie gewann, zog er sich im Jahre 1927 nach England zurück. Einen europäischen Bizefeldherrn beschäftigte auch Tschiangkaischek in dem bolschewistischen General Galen, der behauptete, ein Rachkornrne des Fürsten Blücher zu sein. Galen muhte seinen Posten gleichzeitig mit Michael Borodin aufgeben, einem Diplomaten von großen Fähigkeiten, der im Auftrag der Sowjetunion den Kanton-Aufstand leitete, und sich dadurch bei den Vertretern der europäischen Mächte sehr verhaßt machte. Wie ein Abenteurerfilm mutet das Leben des russischen Generals Baron von Ungern» Sternberg an, der die russischen Weihen Truppen in der Mongolei befehligte. Vielleicht schwebte das Bild dieses Mannes dem russischen Regisseur vor, der den Film „Sturm über Asien" drehte, denn auch dieser nannte seinen Helden „Generalissimus des Lebenden Bud- d h a", verlieh ihm also einen Titel, den von Ungern-Sternberg führte. Der baltische Baron erliefe ein Manifest an alle asiatischen Völker, in dem er sie im Rainen Buddhas zum Kampf gegen die Bolschewisten aufrief. Aach einigen Anfangserfolgen wurde Ungern-Sternberg von seinen eigenen Offizieren verraten und an die Sowjetregierung ausgeliefert. Glücklicher war dagegen jener schwedische Bauernjunge, -der im Jahre 1880 nach China auswanderte und sich an der Grenze der Mongolei niederlieh. Zusammen mit 21 Europäern wurde er während des Doxeraufstandes gefangen genommen, konnte jedoch nach Urda entfliehen, der heiligen Stadt der Mongolei, in der er später großen politischen Einfluß gewann. Als es ihm gelang, das Oberhaupt der mongolischen Truppen für einen Friedensschluß geneigt zu machen, wurde ihm der Titel eines Herzogs der Mongolei verliehen. L a r s s o n war der bürgerliche Aame dieses asiatischen Herzogs, der einige Zeit darauf nach seiner schwedischen Heimat zurückkehrte, und dort vor wenigen Tagen im schwedischen Rundfunk einen Bortrag über seine abenteuerliche Laufbahn gehalten hat. Aber weder Larsson noch Ungern- Sternberg noch Trebitsch-Linevln noch Oberst Bauer haben für China so gewaltige Bedeutung gehabt wie Michael Borodin, der fließend chinesisch sprach, und dem es die augenblicklichen Machthaber Chinas vielleicht in erster Linie zu danken haben, daß sich die füdchinesische Bewegung, wenn auch in gemäßigter Form, das ganze Reich der Mitte erobert hat. Oberheffen. Sitzung -es Knedberger Kreistages. WSA. Friedberg, 10. Mai. In der letzten Sitzung des Kreistages stand u. a. der Voranschlag der K r e i s v e r w a l t u n g z'ur Beratung. KreisdirektorR e ch t h i e n, welcher in feiner Eröffnungsansprache besonders darauf hinwies, daß es fein Bestreben sei, in strengster Reutralität sein Amt zu führen, widmete feinem Amtsvorgeher, dem jetzigen Provinzialdirektor von Starkenburg. Gebhardt, warme Worte ehrenden Gedenkens. Die Beratungen ergaben die Annahme des Voranschlages mit allen gegen eine Stimme. Der Voranschlag für 1929 ist in Einnahmen und Ausgaben mit 11019187 Mark festgesetzt. Eine Erhöhung der Kreisumlagen erfolgt nicht. Voranschlagsberatung in Butzbach. pb. Butzbach, 8. Mai. In der gestrigen Sitzung des S t a d t r a t s wurden, wie schon kurz gemeldet, die Voranschläge derStadt für das Rechnungsjahr 1929 beraten. Bürgermeister D r. Jansen gab vorher einen kurzen Derwaltungsbericht, worauf zunächst der Voranschlag des Elektrizitätswerks, der in Einnahmen und Ausgaben mit 270 400 Mk. abschließt, ohne weitere Debatte angenommen wurde. Gleichzeitig wurden hierbei folgende S t r o m t a r i f e beschlossen: 1. Großabnehmer (Originattarife des Ueberland- werks): Vamag-Meguin Sondertarif Grundgebühr 5.20 Mk. je Kilowatt Höchstlast, Arbeitspreis 5,5 Pf. je abgenommene Kilowattstunde, garantierte Abnahme von über 200 ODO Kilowattstunden Grundgebühr 5,50 Mk., Arbeitspreis 6 Pf., garantierte Abnahme über 50 000 Kilowattstunden Grundgebühr 6,70 Mk., Arbeitspreis 6 Pf., garantierte Abnahme über 20 000 Kilowattstunden Grundgebühr 10 Mk., Arbeitspreis 6 Pf.. 2. Kleinabnehmer: monatlicher Grundpreis für Kraftbetriebe mit einer gesamten Motorenleistung: Gruppe 1 bis 0,75 Kilowatt 0.50 Mk.: Gruppe 2 über 0,75 bis 3 Kilowatt 1,50 Mk.: Gruppe 3 über 3 bis 4 Kilowatt 2.50 Mk.: Gruppe 4 über 4 bis 5 Kilowatt 3,50 Mk. ufto. Der Arbeitspreis für die Kilowattstunde für Kleinmotorenbetrieb beträgt 15 Pf. Zählermiete wird nicht erhoben. Rächt-Tarif: Der zur Zeit bestehende Tarif mit 12 Pf. bleibt unter Beibehaltung der monatlichen Zählergebühr von 2 Mk. bestehen. L i ch 11 a r i f : der seitherige Satz von 45 Pf. für den Rormal- verbrauch bleibt bestehen. Der Sah für den Haushaltstarif wird auf 18 Pf. je Kilowattstunde ermäßigt. Sodann wurde der Voranschlag des Wasserwerks in Einnahme und Ausgabe mit 48 000 Mk. genehmigt. Der Preis für 1 Kubikmeter Wasser muß von 40 auf 45 Pf. erhöht werden, mit Rücksicht darauf, daß eine neue Pumpe nebst Ueberbau für die abgängige Pumpe > beschafft werden muß, und weiterhin, daß über 100 Wassermesser infolge des starken Frostes aufgefroren und unbrauchbar geworden sind, ebenfalls neu beschafft werden müssen. Der Voranschlag des A r m e n f o n d s , der in Einnahme und Ausgabe mit 13 500 Mk. abschließt, wurde ohne Debatte genehmigt. Ueber den Voranschlag der Stadtverwal- t u n g der in Einnahme und Ausgabe mit 538 250 Mk. abschliefet, entspann sich eine längere Debatte. Der Gesamtumlagebedarf beträgt 171 000 Mark. Dieser Betrag soll wie folgt aufgebracht und als Gemeindesteuer ausgeschlagen werden: 1. von Gebäuden Erhöhung von 12 auf 17 Pf. Ausschlag von 100 Mk. Wert: 2. von Grundstücken Erhöhung von 24 auf 34 Pf. von 100 Mk. Wert: 3. Sonder- aebäudesteuer Erhöhung von 36,7 Prozent des staatl. Solls auf 37,43 Prozent: 4- vom Gewerbe, Oer Kein- -es Krie-ens. Don unserem Warschauer Mitarbeiter. Warschau, Mai 1929. Ganz Polen steht im Zeichen eines erneuten Ausbruchs handgreiflicher Deutschfeindlichkeit. Am 28. April fand in Thorn eine Tagung des polnischen Westmarkenvereins statt, die als Protestkundgebung gegen die angeblichen Forderungen Schachts auf der Pariser Konferenz gedacht war. Dabei hielt der Wojewode von Pomereilen eine jener politischen Reden, wie sie nur ein polnischer Beamter zu riskieren pflegt. Es ist nicht ganz leicht, die Merkmale der politischen Beredsamkeit derjenigen, die sich hier als Herren im Haufe fühlen, zu schildern. Wenn man sagt, es würde frischweg darauflos gelogen, bann ist das ebenso unrichtig, als wenn man sagt, hier würde die Wahrheit gesprochen. Beide Behauptungen sind, so seltsam das auch Hingen mag, eine Beleidigung Dieser stolzen Beamten. Man muß einen neuen Ausdruck erfinden, um das zu kennzeichnen, wovon hier die Rede ist. Wenn man einen berufsmäßigen Phantasten auf Irrwegen ertappt, so wird man in der Regel.finden, daß alle Märchen, die er erzählt, von ihm als subjektive Wahrheiten empfunden werden. Fehler, Irrtümer, Unrichtigkeiten wird er nur zugeben, wenn er sich zufällig im Einklang mit der Wirklichkeit und der Wahrheit befinden sollte. Hierzu ein Beispiel, nämlich den ersten Sah der- Wojewodenrede, wobei wir die Empfehlung anbringen wollen, dies Gemisch aus undefinierbaren politischen Substanzen, diese Traumgespräche, die nicht Wahrheit und nicht Lüge sind, mit „Wojewodenreden" zu bezeichnen. Also dieser Wojewode sagte: „Das Versailler Traktat hat bedeutende ethnographisch-polnische Landgebiete, die eine um das Zehnfache stärkere Zahl von Polen aufweisen, als es die deutsche Minderheit in Polen dar» stellt, unter der Herrschaft des Deutschen Reiches belassen. In der Erkenntnis, daß kein Werk der menschlichen Hände und Gedanken vollkommen sein kann und daß die nicht gelösten Grenzkonflikte durch den guten Willen und auf neuen Grundlagen der zusammenarbeitenden Völker gelöst werden können und müssen, haben sich das polnische Volk und die jedesmaligen polnischen Regierungen auf den Boden der loyalen Ausführung der Traktate als einer unerschütterlichen Grundlage des Zusammenlebens der Völker gestellt, den nationalen Minderheiten aber hat man in diesem Staate im Sinne der stets toleranten Tradition der polnischen Politik den Genuß aller Wohltaten der polnischen Gesetzgebung. einer der liberalsten der ganzen Welt, zugesichert." Wer im übrigen Sinn für Tragik, ein Gefühl der Dinge hat, die das Thema von Geschichten bilden, wie sie E. T. A. Hoffmann erzählte, dem ser berichtet, daß in dem gleichen Augenblick, als der Wojewode den Schlußsatz seiner Ansprache hielt, der als höchster Kreisbeamter anwesende Landesstarost Dr. Whbicki tot zu - s a m m e n st ü r z t e. Er hatte einen Schlaganfall erlitten. Dazu ein zweites seltsames Bild: Als man den verstorbenen Starosten beerdigte, hatte die Stadt Thorn — schwarzweißrot — geflaggt, und das war so gekommen: die Farben Polens lind weißrot. An den Fahnen hatte man indessen schwarzen Trauerflor angebracht, so entstand die Wirkung, die man sicherlich nicht bedacht hatte. Inzwischen ist mit dem Beginn der warmen Jahreszeit dis Drachensaat des Deutschenhasses in voller Pracht auf gegangen. Von größter Bedeutung ist dabei der Vorstoß in der Liquida- t i o n ö f r a g e. Einige dreißig deutsche Guter, deren Liquidation vorläufig eingestellt war, sollen nunmehr, widerrechtlich, enteignet werden. Liquidation in Polen ist bekanntlich gleichbedeutend mit Enteignung. Der Besitzer erhält 'pur einen Bruchteil des Gegenwertes seiner Habe ausgezahlt, wenn er überhaupt etwas erhält. Sonst wäre die Liquidation viel zu kostspielig. Diese Aktion ist selbstverständlich als Druckmittel auf die deutsche Regierung gedacht. Man will damit nicht nur die Handelsvertrags- Verhandlungen wieder in Gang bringen, sondern auch gleichzeitig ein gutes Geschäft machen. Bedauerlich bleibt, daß immer nur diese größeren Raubzüge gegen deutschen Besitz, gegen deutsche Kulturwerte in Deutschland, öffentlich zur Erörterung gelangen. Der eigentliche Kampf gegen das deutsche Volkstum wird seit zehn Jahren ohne Unterbrechung und ohne Ermüdung geführt. Der ritterliche Pole kämpft dabei vornehmlich gegen die Aerm sten und Schwächsten. Man entläßt Chausseearbeiter, weil der Gendarm das Kind mit einer deutschen Fibel beobachtet hat. Man verlangt von deutschen Ansiedlern, daß ihre Töchter Polen heiraten, wenn das Gut im Besitze der Familie bleiben soll. Man kündigt Angestellten, weil ihre Verwandten die Minderheitenschule besuchen, man seht Prämien aus, um die Postbeamten zu genauester Kontrolle der Briefschaften zu veranlassen, man tut, was man kann, um die Existenz des einzelnen oder der Familie zu untergraben oder unhaltbar zu machen. Von diesen Dingen erfährt die Welt nichts. Sie sind zu geringfügig, sie sind vor allen Dingen meist nicht einmal aktenmäßig nachweisbar. Recht und Gesetz kennt man nicht. Es wird von oben her mißachtet. Ein Dispositionsfonds für den Kriegsminister, den der Sejm abgelehnt hat, wird im Wege einer Umlage beim Militär und der Beamtenschaft von oben herab geschaffen. An die Stelle der Steuern tritt der dekretierte ober erzwungene GehaltSabz u g. Das sind Rechtsbegriffe, mit denen ein Deutscher eben auf die Dauer nicht fertig zu werden vermag. Prüfen wir nun die Massenliquidation, die heute über das Deutschtum hineingebrochen ist, dann bleibt nur eine Bestätigung unserer Behauptung. Hier ein paar Stichproben der letzten Enteignungen: Im Kreise W oll st ein Liquidation Liebig, 6,6840 Hektar Größe. Entschädigungsbetrag 5346 Zloty abzüglich 361 Zloty zur Deckung der Hypotheken und Liquidierungskosten. Geschwister Schiemann, Größe 0,1170 Hektar, Entschädigung 95 Zloty, Abzug 23 Zloty. So geht es weiter. Fall nach Fall. Die Entschädigungen werden endgültig erst vom Liquidationskomitee in Posen festgestellt werden. Ratürlich sind auch größere Objekte darunter. So werden die Güter des Herrn von Hardt zum Liquidationsverkauf ausgeboten. Preis 4 300 000 Zloty. Größe 5912 Hektar oder rund 24 000 Morgen. Der Wert eines Zloty beträgt rund 47 Pfennig. Also noch nicht einmal eine halbe Mark. Daraus ergibt sich die Höhe der Entschädigungszahlung. Hier mag darauf hingewiesen werden, daß der Preußische Staat bei den vier von ihm enteigneten Gütern einen Entschädigungspreis von über 2000 Mark für den Hektar erlegte. Das sind über 4000 Zloty pro Hektar. Dahingegen erhält zum Beispiel Herr Paul Robke im Kreise Adelnau für einen Besitz in Größe von 5,2 Hektar 4190 Zloty, wovon noch 1542 Zloty als Liquidation und sonstige Unkosten in Abzug gebracht werden. Würde er nach preußischer Methode enteignet worden fein, dann hätte er etwa 20 000 Zloty erhalten. In dieses ganze Bild gehören die deutschfeindlichen Demonstrationen, die allenthalben in Polen ftattgefunden haben. Sie sind aber nur der Rauch, der von dem E>rennenden Feuer aufsteigt. Der eigentliche Kampf, die wirklich wesentlichen Vorgänge werden dadurch nicht berührt. Die Polizei hat in Warschau durch energisches Eingreifen ernsthafte Ausschreitungen verhindert. Gewiß, das soll anerkannt werden. Aber die Liquidationsliste, der oben geschilderte Kampf gegen das Deutschtum, sind weit wichtigere Dinge als der randalierende politische Pöbel. a) vom Anlage- und Betriebskapital Ausschlag Ermäßigung von 1.20 auf 1,10 Mk., b) vom Ertrag Erhöhung des Ausschlags von 1.20 auf 2 Mk. von 100 Marl. Die Erhöhungen sind erforderlich, weil aus vorliegenden Rechnungsjahren an verschiedene Großfirmen Steuererlasse zurückgczahlt werden müssen und eine weitere Ersparnis in der Betriebsrechnung, bei welcher schon rund 16 000 Mk. abgestrichen wurden, nicht zu verantworten ist. Aus dem Voranschlag seien noch folgende Angaben gemacht: das Vermögen der Stadt beträgt 2 143 226,13 Mk. des Elektrizitätswerks 284 482,30 Mk., des Wasserwerks 148 012,65 Mk.. des Armenfonds 254,622,84 Mk., sonach insgesamt 2 830 343,92 Mk. Diesem stehen an Schulden gegenüber a) Stadt 1 075 622,37 Mk.. b) Elektrizitätswerk 59 471,06 Mk. und c) Wasserwerk 91 392,50 Mk.. insgesamt 1 226 485.93 Mark. Für öffentliche Wohlfahrtspflege sind 70 000 Mk.. für die Stadtschule 21 000 Mk.. für die Fortbildungsschule 4000 und die Weidig- Oberrealschule 33 000 Mk. vorgesehen. Der Bund ehern. Hess. Leib-Dragoner will hier einen Gedenkstein sehen zur Erinnerung an die gefallenen Dragoner und die ehemalige Garnisonstadt der Leibdragoner. Rach Verhandlungen mit dem Denkmalpfleger ist für die Aufstellung des Denkmals die Anlage in der Ludwigstraße zwischen Guldengasse und Roß- brunnengasse geeignet. Der Stadtrat stellte den Platz kostenlos zur Verfügung und genehmigte die Aufstellung des Denkmals nach dem vorhandenen Modell. Ferner beschloß der Stadtrat dem Turn- und Sportverein Butzbach zur Deckung der Kosten für den Plattenbelag oes Fußsteigs ein Darlehen in Höhe von 1500 Mk. zu gewähren. Das Darlehen soll mit jährlich 4 Prozent verzinst und mit mindestens 6 Prozent getilgt werden. Landkreis Gießen. * Klein-Linden. 10. Mai. Als am Mittwochvormittag der Landwirt Karl Glaum mit feinem Kuhsuhrwerk die Frankfurter Straße entlang fuhr, wurde er von einem von hinten I kommenden Auto, das das Fuhrwerk überholen wollte, derart stark angerannt, daß er vom ;~B-a££,n heruntergeschleudert und ein ©tud Wegs weit geschleift wurde. Der Autofahrer wollte noch vor einem entgegenkommenden Motorradfahrer das Fuhrwerk in größerer Geschwindigkeit überholen, wodurch das Unglück her- beigesuhrt wurde. DaS Auto wurde leicht beschädigt, konnte aber seine Fahrt fortsetzen. Die Rümmer des Autos und die Personalien des 1 Autoführers gönnten inzwischen festgestellt werden. Glücklicherweise sind die Verletzungen des verunglückten Mannes nicht schlimm. Außer einigen Prellungen und Hautabschürfungen kam er mit dem Schrecken davon. CO Klein-Linden, 10. Mai. In der Zeit vom 6. bis 8. Mai würbe vom Verband der weiblichen evangelischen Jugenb in Hessen unter Beteiligung von Jugenboereinlem aus Gießen und Allendorf (Lahn) in unserem Dorfe eine Freizeit abgehalten. Die Leiterin war die Sekretärin des Verbandes der evangelischen weiblichen Jugend in Hessen, Fräulein Ecker (Orbis- höhe) bei Zwingenberg. In der Schlußversammlung am Mittwochabend in unserer Kirche, zu der unsere Kirchengemeinde eingeladen ivar, sprach Fräulein Ecker über Zweck und Ziele des Verbandes, die in der Hauptsache darin bestehen, die evangelische lveib- liche Jugend zu echtem Frauentum zu erziehen. Eine große Anzahl Lichtbilder aus dem Leben und Treiben der dem Verband angeschlossenen Vereine ergänzten die Ausführungen der Rednerin. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Bremmer, sprach der Rednerin den Dank für ihre segensreiche Arbeit aus und gab der Hoffnung Ausdruck, das der zu Ende gehenden Freizeit ein dauernder Erfolg befchieden fei. £ Wieseck, 10. Mai. Wenn sich auch der Wettergott am Himmelfahrtstag nicht von seiner besten Seite zeigte, so ließ es sich der Mangel- ff einer Höhenklub doch nicht nehmen, sein diesjähriges Waldfest am Fuße des Hangelsteins im Walde abzuhalten. Sehr viele Einwohner und Freunde des Waldes hatten sich dazu eingefunden, um einige Stunden im Kreise Gleichgesinnter zu verleben. Die Kapelle M a n t hatte den musikalischen Teil übernommen, während die Mitglieder des Vereins die Anwesenden durch einige Volkslieder unterhielten. Mit Recht konnte der Ehrenvorsitzende des Han« gelsteiner Höhenklubs, Adam Kümmel, darauf Hinweisen, daß gerade durch solche Veranstaltungen und durch die Förderung des Zieles des Vereins (Pflege der Wanderungen durch Fluren und Wald) echte Kameradschaft und Freundschaft erreicht werde. Er überreichte zugleich verschiedenen Mitgliedern die Radeln für die Teilnahme an Wanderungen, wobei besonders hervorzuheben ist, daß Ludwig D a u p e r t, Wilhelm Körber und Wilhelm Schäfer die silberne Rabel erhielten.^ Ludwig D a u p e r t als ältestes Mitglied überreichte hierauf dem Ehrenvorsitzenden Adam Kümmel die Medaille für hervorragende Dienste für den Verein. Die Dretzelverteilung an die Kinder war eine sehr schöne Ueberraschung. Rach einigen Konzertstücken trennte gmn sich vom Zvalö? unb plieb noch mehrere Stunden kn Gemütlichkeit km Der» einslokal Wellersburg beifammen. 0 Grüningen, 10. Mai. Gestern feierte Altbürgermeister Gilbert im Kreise seiner Angehörigen bei körperlicher und geistiger Frische seinen 8 5. Geburtstag. In seiner 27jährigen Tätigkeit als Bürgermeister hat er in hohem Maße zum Segen unserer Gemeinde gewirkt und sich allgemeine Beliebtheit und Anhänglichkeit erworben. )( Lieh, 10. Mai. StiftSpfarrer Lic. Schorle mm er wurde durch bas Ministerium mit ber Versetzung einer Religionslehrer stelle an dem Gymnasium in Mainz beauftragt unb wirb sein neues Amt bereits am nächsten Montag antreten. Damit bürste bas enbgültige Scheiden des allseits beliebten Geistlichen, ber 10 Jahre hier und in Rieder »Bessingen wirkte, von seinen beiden Gemeinden noch in diesem Jahvx erfolgen. Man sieht den beliebten Prediger und Seelsorger nur mit größtem Bedauern aus feinen beiden Gemeinden scheiden. * Lich . 11. Mai. Am 3. Pfingstfeiertag findet in Lich ber sogenannte Psing st markt (Ziegen-, Lämmer- unb Schweinernartt) verbunden mit einer Ziegenschau und Prämiierung statt. Da die hiesigen Märkte in den letzten Jahren sich eines zunehmenden Besuchs erfreuten, ist auch jetzt wieder mit einem starken Arrftrieb zu rechnen. Auf die Bekanntmachung der Bürgermeisterei Lich im heutigen Anzeigenteil sei 'besonders hingewiesen. * Lang-Göns, 10. Mai. Linser Turnverein begeht vom 13. bis- 15. Juli sein 3 0- jähriges Jubiläum. Er verbindet damit ein Schau- unb Musterriegenturnen für die Vereine ber näheren Umgebung, das als Hauptprobe für bas am bar auf folgenden Sonntag in Alsfeld ftattfinbende große Gau- turnfeft des Gaues Hessen gelten soll. Lang-GönS wirb seinen guten Ruf als Festort auch biesmal in turnerischer wie in gastlicher Beziehung zu rechtfertigen wissen. Als Festmusik ist die Kapelle ber Freiwilligen Feuerwehr Butzbach gewonnen worden. Kreis Friedberg. WSR. Friedberg, 10. Mai. In der vorgestrigen Sitzung der Stadtverwaltung wurde der städtische Voranschlag durch den Stadtrat beraten und mit allen gegen eine Stimme angenommen. Durch Eryöhung der Gewerbesteuer soll das verbleibende Defizit von 28 000 Mark hereingebracht werden. Die Beratungen nahmen teilweise erregte Formen an, da von demokratischer Seite auf die Unmöglichkeit hingewiesen wurde, von Handel unb Wirtschaft erhöhte Steuern einzuzietzen. Der Voranschlag für 1929 schließt in Einnahmen unb Ausgaben mit einem Betrage von 2 263 180 Mk. ab. Der vorjährige Haushalt beanspruchte 1568 650 Mk. • Butzbach, 10. Mai. Dieser Tage veranstaltete'die hiesige Ortsgruppe der Deutsch- nationalen Volkspartei einen Vortragsabend, auf bem ber Provinz-Vorsitzende Dr. ^Lenz, Gießen, in längerer, mit Beifall aufgenommener Rede über die wichtigsten aufeen» und innenpolitischen Fragen sprach. Dabei beschäftigte er sich eingehend mit den Verhandlungen in Paris und Genf und begründete die ablehnende Stellung der Partei gegenüber den vernichtenden Forderungen ber Gegenseite unb bes viel zu hohen Angebots von Dr. Schacht. Die Verhandlungen in Genf zeigen aufs deutlichste, daß Frankreich und feine Bundesgenossen an eine Abrüstung überhaupt nicht dächten. Sowohl in Paris, als auch in Genf trete immer wieder der unveränderte Wille der Gegenseite hervor, Deutschland auf ewig niederzuhalten. Die Verständigungspolitik mit Frankreich habe bankerott gemacht. Also müßten wir uns anders orientieren. Wer uns zur Freiheit verhelfe, fei uns willkommen. In der Innenpolitik spitze sich der Kampf immer mehr auf die Frage: Rechts- oder Lintsregierung? zu. Kleine Parteigruppen im bürgerlichen Lager hätten angesichts des Ansturms von links keine Existenzberechtigung. In der Frage der Reichsreform habe uns Bismarck, der Baumeister des Kaiserreiches, noch viel zu sagen. Wie er Preußen und das Reich zusammcngeführt habe, so müsse auch heute der Gegensatz zwischen dem größten Bundesstaat und dem Gesamtstaat beseitigt werden. In der folgenden Ansprache wurde noch manche wichtige Frage klärend besprochen. Kreis Büdingen. * Nidda, 10. Mai. Die hiesige gewerbliche F o r t b i l d u n g s s ch n 1 e hat in dem neuen Schuljahr einen beträchtlichen Zuwachs an Schülern aus den benachbarten Orten erhalten. Es besuchen über 130 Lehrlinge in jeder Woche einen vollen Tag den Unterricht, so daß nun sechs Klassen von einem Berufsschullehrer und zwei Gewerbelehrern unterrichtet werden. An einem jetzt beendeten Kursus für Kandidaten der Meisterprüfung haben zehn junge Handwerker von hier und den Nachbarorten teilgenommen. Die Unterweisungen erfolgten durch den Leiter der Gewerbeschule, Rektor Vitt/ unb Gewerbelehrer Wilhelm Geiger. A Ridda, 10. Mai. Dieser Tage fand hier im Gasthaus „Zur Traube" die diesjährige Mitgliederversammlung der Be- zirkssparkassc Rid da statt, zu de? sich sämtliche Vertreter ber Bezirksgemeinden und die Mitglieder des Aufsichtsrats und Vorstandes eingebunden hatten. Don der Verwaltungsbehörde nahm Kreisbirektor Dr. Gaßner von Bübingen, vom Sparkasscgiroverbanb Dr. Reh und von der Girozentrale Direktor Henkel von Darmstadt an den Verhandlungen teil. Der Direktor der Sparkasse, Rektor i. R. Gatzert, begrüßte in herzlichen Worten die Erschienenen, besonders die Vertreter der Verwaltungsbehörde und des Verbandes, und erstattete 'hierauf den Jahresbericht für 1 928, der eine sehr gute Weiterentwicklung ber Kassengeschäfte auf- wies. Der Jahresumsatz betrug über 18 Millionen, je 9 200 000 Mk. in Einnahme unb Ausgabe. Der Reingewi n n beläuft sich auf 12161 Mk. 11 Pf., bie Bilanzsumme ist auf 1 926 703 Mark gestiegen. Die Zahl der Sparbücher nahm in 1928 um 378 Stück zu, die Spareinlagen stiegen auf 1 357293 Mk. Durchschnittlich kommen 636 Mark auf einen Sparer. Die Rechnung für 1928 war von Aufsichtsrat unb Vorstanb geprüft unb nicht bean» ft anbet worben. Sie würbe von ber Versammlung genehmigt unb bem Rechner unb Vorstand — vorbehaltlich ber Revision durch bie Oberrech- nungskammer — Entlastung erteilt. Vor kurzem hat eine eingehende Revision der Kasse durch den Revisor des hessischen Sparkassen- unb Giro- verbanbes Kochendörfer aus Darmstadt ftattgefunben und einen musterhaften Geschäftsbetrieb sestgestellt, so baß baS Resultat dec Revision tn jeder Hinsicht sehr gtznstig war, Reingewinn wurde in seinem vollen Betrag der Rücklage überwiesen und eine kleine Satzungsänderung einstimmig beschlossen. Der seitherige stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats, Beigeordneter Heinrich R u l l m a n n von hier, ist freiwillig von diesem Posten zuruckgetreten. Für ihn wurde Oberamtsrichter K r u g von hier einstimmig in den Aufsichtsrat gewählt. Zum Schlüsse genehmigte die Mitgliederversammlung noch den geplanten Hm* und Anbau des Kassegebäudes und bewilligte dre erfor* derlichen Mittel. Mit den baulichen Veränderungen soll sofort begonnen werden. Dre Arbeiten werden in Kürze vergeben. Ein gemeinsames Essen im Versammlungslokal bildete den Abschluß der harmonisch verlaufenen Tagung. Gchzell, 8. Mai. Der gestrige Schweine- markt wies eine starke Zufuhr an Jungtieren auf. Dem starken Angebot stand eine große Zahl Kaufliebhaber gegenüber, so daß die Preise sich aus der Höhe der letzten Wochen hielten. Es kosteten 6 bis 7 Wochen alte Jungtiere 38 bis 44 7 bis 8 Wochen alte 44 bis 50 Mk., 9 bis 10 Wochen alte 50 bis 65 Mk. Sehr begehrt waren ältere Springer, für die je nach Alter und Qualität bis zu 75 Mk. geboten wurden. Kreis Schotten. V Gedern, 10. Mai. Am kommenden Montag, 13. Mai, findet hier ein Pferdemarkt statt, mit dem ein Krämermarkt verbunden ist. 3m vorigen Jahre war eine recht stattliche Anzahl von Pferden und Fohlen aufgetrieben und der Hmsatz groß. Man kann mit aller Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dah es in diesem 3ahre ebenso wird. Der. Pferdemarkt, der 1927 zum erstenmal abgchalten wurde, erfreut _ sich großer Beliebtheit und hat sich glänzend bewährt. Das Hauptereignis wird jedoch der Dienstag bringen. Hier ist mit dem Rindvieh-, Schweine-, Ziegen- und Krämermarkt eine Prämiierung von Simmentaler- und Vogelsberger Rindvieh und Ziegen verbunden. Die Prämiierung erfolgt unter Mitwirkung des Landwirtschaftskammerausschusses Gießen. Anschließend findet ein freihändiger Bullenverkauf statt. An Prämiierungsmitteln stehen größere Geldbeträge zur Verfügung. Wie im vorigen 3ahre, so ist auch diesmal mit dem Markte eine große Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte verbunden. Von nachmittags 3 Hhr ab ist die Verlosung der sehr zahlreichen Gewinn- gegenstände. Der erste Preis besteht auch diesmal wieder in einem auf dem Markte selbst angekauften Fohlen, ferner kommen land- und haus* wirtfchafllicheGcbrauchsgegenstände verschiedenster Art zur Verlosung. — Unter starker Beteiligung hielt am Sonntag der Zuchtviehverein Gedern seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Richard Birx erstattete zunächst einen ausführlichen Jahresbericht, aus dem eine merkliche Aufwärtsentwicklung des Vereins zu entnehmen war. Danach wurden die neuausgearbeiteten Satzungen besprochen und genehmigt. Cs wurde be- schlossen, darauf hinzuwirken, daß die einzelnen Gemeinden als solche dem Verein beitreten, um auf diese Weise dessen Ziele zu unterstützen. Von der Versammlung wurde einstimmig der Wunsch geäußert, daß im nächsten Fahre bei dem Prä- miicrungvmarkt wieder eine Dullenauktion seitens des Landwirtschaftskammerausschusses hier abgchalten wird, da sich diese seither sehr gut bewährt hat. Für den diesjährigen Prämiierungsmarkt wurde eine Unterstützung gewährt. Ebenso will der Verein in Zukunft bei Beschickung von Ausstellungen finanzielle Unter- ftützung gewähren. Aus der Mitte der Versammlung wurde der Antrag gestellt, dem Gedanken einer Ruhvieh-Vermittlungsstelle näherzutreten. Kreis Alsfeld. —er. Homberg a. d. Ohm, 8. Mai. Dem hiesigen Verschöne rungs- und Ver- lehrsverein war es gelungen, den regel» . mäßigen Verkehr eines Postautos versuchsweise zwischen Rieder-Gemünden und Homberg in die Wege zu leiten. Das Post» outo verkehrte in der Zeit zwischen 19 und 20 Hhr. Leider mußte diese Einrichtung auf» gehoben werden, denn sie erwies sich als gänzlich unrentabel. — Dem V. H. C. Lich galt der Ausflug des Verschönerungs- und Verkehrsvereins am verflossenen Sonntag. Die Mitglieder gelangten durch eine Frühwandcrun.g bis Rieder-Gemünden, fuhren mit der Bahn bis Lich. um dann unter der Führung der Licher Wanderfreunde K l o st e r Arnsburg zu besichtigen. Rach Lich zurück- gekehrt, wanderte man durch den Schloßgarten, besichtigte die Brauerei 3hri ng-M eich i o r und dann die Stadt. Mit den dortigen Wanderfreunden und deren Familien verlebte man einen recht gemütlichen Rachmittag. Durch die mitgebrachte Kapelle kam bald eine recht fidele Stimmung auf. Hm 19.10 Hhr brachte das Dampfroß die Wanderschar wieder in die Heimat zurück. Ton dieser Maitour waren alle Teilnehmer, 52 an der Zahl, höchst befriedigt. Die Licher V. H. C.er stellten für den 16. Juni Buntes Allerlei. Die Diamanlengrube im früheren Deutsch- Südwestafrika. Die riesigen Diamantenfunde, die in Ramaquo- land, dem Südteil des früheren Deutsch-Süd- westafrika gemacht wurden und von der südafrikanischen Regierung ausgebeutet werden, haben jetzt zu ernsten Ha ruhen geführt, die die um ihre Deute betrogenen Farmer und Diamant- gräber verursacht haben. Sie fordern, daß das durch einen hohen Stacheldraht und strengste Bewachung abgeschlossene Feld, auf dem die Regierung bereits für etwa 120 Millionen Mark Diamant«, gewonnen hat, geöffnet und chnen das Graben unter Staatsaufsicht gestattet werde. Diamanten sind hier bereits im Jahre 1908 von Deutschen entdeckt worden, aber die riesigen Funde wurden erst in letzter Zeit gemacht. Wie es um diese „Diamantgrube" aussteht, schildert die englische Reisende Diana Hvughton- Rogers, die eben von einer Durchquerung des Landes zurückgekehrt ist. „Sünde, Sand und Sorgen — das sind die drei S, die diesem wüsten und unwirtlichem Land den Stempel aufprägen," schreibt sie. „3n runden, mit Fellen bedeckten Hütten Hausen hier kinderoeiche, halb verhungerte Familien von Durcn, die sich merkwürdigerweise „Farmer" nennen. Auf dem steinigen, wasserlosen und unbebauten Boden lungern unzufrieden ein paar magere Ziegen herum, deren angebliche Fähigkeit, Wochen ohne Wasser zu existieren, sich hier bewähren muß. Ein einsamer Vogel schwebt durch die Luft, eine dünne Schlange ringelt sich zwischen Steinen hervor, und ein paar stumpfe kleine Mädchen in schwarzen Kleidern kommen aus ihren Hütten, um mir verwundert nachzusehen. Das sind die einzigen Zeichen von Leben, die ich meilenweit entdecke. Gerade vor einem 3ahr ereignete sich hier der aufsehenerregende Diamantcnfund auf der Farm Kleinzee, und einen Monat später erregte nicht minder großes und erbitterndes Aufsehen die Schließung der Diamantengrube durch die Regierung. Das kleine Loch im Doden, aus dem di^e Schätze stammen, liegt nahe an der Küste, und ein dicker, bitter kalter Seenebel umhüllte uns, als ich schaudernd davorstand und die Arbeiter mit ihren von Sand entzündeten Augen beobachtete, die hier graben. 3n einer kleinen Hvlzhütte in der Rähe der Grube sah ich den winzigen Safe, in dem die gefundenen Mamanten verwahrt werden, bis sie nach Kimberley gebracht werden. Der größte Fund war damals noch nicht gemacht, er kam einige Tage später, als man Steine i Werte von 5 Millionen aus einer kleinen schwarzen Grube hervorzog. Die enttäuschten Diamantjäger, die durch die Abschließung der Mine arbeitslos wurden, haben fast ein Jahr lang gewartet, gehungert und gefroren. um wieder in dieses traurige Märchenland hineingelassen zu werden. Hnterdessen herrschte Schmuggel und Verbrechen, und wenn man sie weiter fernhält, dann dürfte diese sündige Sandwüste bald noch mehr Tragödien erleben." (Ein moderner Chirurg auf den Fidschi-Inseln. Eine seltsame Geschichte wird aus Suva, der Hauptstadt des Archipels der Fidschi-Inseln gemeldet: Die vom Völkerbund in diese entfernte Ozeangegend geschickte medizinische Kommission, die Hntersuchungen über die Gesundheitsverhältnisse auf den im Ozean verlorenen Inseln anstellen sollte, machte die Entdeckung, daß die Rachkommen der Kannibalen, die früher die einzige Bevölkerung darstellten, ausgezeichnete Chirurgen sind. Einer von ihnen, der Enkel eines berühmten Häuptlings, hat sich einen solchen Ruf erworben, daß mehrere Europäer nicht gezögert haben, sich von ihm operieren zu lassen. In diesem Falle scheint man also wirklich von Eigenschaften sprechen zu können, die von den Vorfahren vererbt sind. Bevor sie ihre Opfer verschlangen, mußten die Hreltern dieses bemerkenswerten Chirurgen die Körper mit Sorgfalt zerlegen. Hm die Tischgäste nicht warten zu lassen, mußte bei großen Festen der geschickteste Häuptling in Aktion treten und in kürzester Zeit die menschlichen Rippen voneinander trennen. Den gegenwärtigen und kommenden Patienten des freundlichen Chirurgen von den Fidschi- Inseln dürfte allerdings empfohlen sein, sich vorder Operation ein Inhaltsverzeichnis ihres Körpers anzulegen, damit der hervorragende Enkel des großen Kannibalenhäuptlings nicht in die Versuchung gerät, sich einen Leckerbissen für den Rachtisch zurückzubehalten. Der dankbare Offizier. Während des Weltkrieges hatte der junge Engländer Wilde vom Bataillon der Stadt Cardiff auf einem französischen Schlachtfelde den schwer verwundeten Leutnant Griffith, dessen Ordonnanz er war, aufgehoben und im größten Kugelregen zum Verbandsplatz geschleppt. Dort angekommen, sagte der britische Offizier: „Das werde ich dir niemals vergessen." Hnd dann sahen sich beide niemals wieder. Jetzt hat Wilde erfahren, daß sein ehemaliger Leutnant ihm einen Betrag von mehr als 160 000 Mark als Eigentum vermacht hat. ihren Gegenbesuch in Aussicht, welcher Entschluß mit großer Freude aufgenommen wurde. (-) Groß- Feld'a, 10. Mai. Der hiesige Zweigverein des V.H. C. hielt dieser Tage unter der Leitung des ersten Vorsitzenden Dr. K ö m p f seine diesjährige Generalversammlung ab. Als Delegierte für die Hauptversammlung in Gelnhausen wurden Lehrer Kirchner und Lehrer Roth bestimmt. Bei der Aufstellung des Wanderplanes wurden sieben Wanderungen festgesetzt. Der derzeitige Vorstand des Zweigvereins seht sich wie folgt zusammen: Dr. Köm Pf 1. Vorsitzender. Dr. Rern 2. Vorsitzender, Lehrer Roth Schriftführer und Wanderwart, Lehrer P e p p l e r, Zeilbach, Markierungswart. Preußen. Das Flugzeugunglück bei Kassel. WER. Kassel. 10. Mai. Die von dem Oberstaatsanwalt Wellmann aus Kassel alsbald nach dem Hnglück des Großflugzeuges bei Eiterhagen getroffenen Feststellungen haben folgendes ergeben: Die Reste des vollkommen zertrümmerten Flugzeuges lagen auf einem bewaldeten Hügel. Starke Bäume waren mitten durchgebrochen, ein Beweis dafür, mit welch furchtbarer Gewalt das Flugzeug auf- geschlagen war. Die drei Insassen müssen sofort tot gewesen sein. Anscheinend war der Führer des Flugzeuges in eine Wolke geraten und bei dem Versuch, die Wolkenwand zu durchstoßen, dem bewaldeten Berge zu nahe gekommen. Die Leichen wurden von der Staatsanwaltschaft zur Beerdigung freigegeben. Kreis Wetzlar. i Groß-Rechtenbach, 9.Mai. Dieser Tage fand auf Dem Bürgermeisteramt eine Amtsversa m m I u n g statt, an der sämtliche Amtsverord- neten teilnahmen. Es handelte sich um die erste Amtsversammlung, die unter dem Vorsitz des kommissarischen Bürgermeisters Dr. Reumann abgehalten wurde. Zunächst gab der Vorsitzende davon Kenntnis, daß der Kreisausschuß die von der Amtsverfammlung beschlossene Amtssatzung, nach welcher bei der Aufstellung der Haushaltpläne und der Jahres rech- nungen, sowie bei der Verwaltung und Beaufsichtigung des Rechnungs- und Kassenwesens der zu dem Amte Rechtenbach gehörigen Gemeinden der B ü r g e r m ei ster mitwirken soll, auf ein weiteres Jahr genehmigt habe. Der Beitritt des Amtes zum Kassenprüfungsverband des Bezirkstages Koblenz des Preußischen Landgemeindetages West wurde abgelehnt; Die Beisitzer zum Mieteinigungsamt aus den Kreisen der Vermieter und der Mieter wurden auf ein weiteres Jahr gewählt. Ferner wurde beschlossen, eine Kommission einzusetzen, die die Anrech- nungswertc für die Dienstwohnungen der Beamten einer Rachprüfung unterziehen soll. Der Haushaltsplan des Amtes Rechtenbach für das Rechnungsjahr 1929 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 68150 Mk. fest- gestellt. Schließlich wurde noch über verschiedene Personal- und Desoldungsfragen verhandelt. Opelbahnrennen am 12. Mai. Das große Opelbahnrennen steht vor der Türe. Die Bestrebungen der Veranstalter, nicht so oft, dafür aber intensiveren Sport zu treiben, dürften sich am Sonntag, 12. Mai, auf der Opelbahn in Rüsselsheim a. M. verwirklichen. Die bekanntesten Fahrer werden am Start sein und einen scharfen Kampf bieten. Meisterschaftsfahrer von Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien und Holland werden sich auf der Kampfbahn treffen. Wir erwähnen den Revanche-Kampf Vertua — Soenius, ferner Z ü n d o r f (Köln), den Sieger vieler bedeutender Rennen, Elsner (Charlottenburg), häufiger Sieger der Fichtenhain-Rennbahn und bei vielen anderen bedeutenden Rennen, Pätzold (Köln), noch von den letzten Opelbahnrennen jedem bekannt, Weidemann (Hannover), ebenfalls Sieger der letzten Opelbahnrennen, und viele andere mehr.— Das Rennen findet bei jeder Witterung statt und beginnt pünktlich nachmittags 2 Hhr. Eine Radrennbahn im Odenwald. WER. Michelstadt, 10. Mai. Im hiesigen Stadion wird gegenwärtig an der Schaffung einer Radrennbahn gearbeitet. Die Laufbahnen erhalten eine entsprechende Verbreite- I rung und Heberhöhung in den Kurven. Pfingsten • bereits sollen die ersten Rennen vor sich gehen. Waldkauf durch den hessischen Siaai. WSR. Darmstadt. 10. Mai. Der hessische Staat hat den W a l d b e s i h des Fürsten von Vlenburg-Birstein mit den beiden Forstrevieren Göhenhain und Offenthal käuflich erworben. Das Revier Göhenhain wurde als Försterei Götzenhain dem bclsischen Forstamt Psenburg und das Revier Offenthal als Försterei Offenthal dem Forstamt Langen zugeteilt. Damit ist der letzte Teil des Fürstlich Vsenburgschen Waldbesihes in Staatsbesitz übergegangen. Tagung der Imker Oberheffenö. WER. Friedberg, 10. Mai. Am Himmel- fahrttag fand in Holzhausen eine große Imkerversammlung statt, die von Bienenzüchtern aus Bad Homburg, Frankfurt a. W, Vilbel, Wetzlar, Gießen, Offenbach, Ridda und Friedberg sehr stark besucht war. Die Versammlung wurde von dem Präsidenten des Ober- hessischen Dienenzuchtvereins, Buh, Leihgestern, geleitet. Hensel, Hirzenhain, schöpfte in einem Vortrage aus bem reichen Schah seiner Erfahrungen über die Bienenzucht. Besonderes Interesse nahm der Stand des Bienenzüchters Braun in Anspruch, der einen Musterbienenstand vorführte und einen Heberblick über seine Betriebsweise und seine Erfolge gab. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 12. Mai, von 11 bis gegen 13 Hhr: Konzert Der amerifan. Sängervereinigung des Dayton-Westminster-Chores; 18 bis gegen 22,30 Hhr: Die Walküre. Montag, 13., von 19,30 bis nach 22,30 Hhr: Die Jüdin. Dienstag, 14., von 19,30 bis gegen 22,30 Hhr: Der Wildschütz. Mittwoch, 15., von 19,30 bis gegen 23 Hhr: Carmen. Donnerstag, 16., von 19,30 bis nach 22,30 Hhr: Die Macht des Schicksals. Freitag, 17., von 19,30 bis gegen 22,30 Hhr: Der Wildschütz. Samstag, 18., von 19,30 bis nach 22,30 Hhr: Pulcinella: hierauf: Der Jahrmarkt von Sorotschinhi. Sonntag, 19., von 19,30 bis . gegen 23 Hhr: Aida. Montag, 20., von 19,30 bis nach 22,30 Hhr: Das Mädchen aus dem' goldenen Westen. Schauspielhaus. Sonntag, 12. Mai, von 20 bis 22,15 Hhr: Katharina Knie. Montag, 13., von 20 bis gegen 22,45 Hhr: Was Ihr wollt. Dienstag, 14., von 20 bis 22,15 Hhr: Helden. Mittwoch, 15., von 20 bis gegen 22,30 Hhr: Kater Lampe. Donnerstag, 16., von 20 bis gegen 22,30 Hhr: Der Patriot. Freitag, 17., von 20 bis gegen 22,45 Hhr: Was Ihr wollt. Samstag, 18., von 20 bis gegen 22,30 Hhr: Kater Lampe. Sonntag, 19., von 20 bis gegen 22,45 Uhr: Was Ihr wollt. Montag, 20., von 20 bis 22,15 Hhr: Katharina Knie. Daten für Sonntag, 12. Mai. Sonnenaufgang 4.14 Uhr, Sonnenuntergang 19.40 Uhr. — Mondaufgang 6.17 Uhr, Monduntergang 0 Uhr. 1828: der englische Maler und Dichter Dante Gabriel Rossetti in London geboren (gestorben 1882); — 1845: der Sprachforscher und Dichter A. W. von Schlegel in Bonn gestorben (geboren 1767); — 1884: der Komponist Friedrich Smetana in Prag gestorben (geboren 1824); — 1925: Amtsantritt des Reichs- Präsidenten von Hindenburg. Daten für Montag, 13. Mai. Sonnenaufgang 4.13 Uhr, Sonnenuntergang 19.4t Uhr. — Mondaufgang 7.22 Uhr, Monduntergang 0.15 Uhr. 1840: der französische Schriftsteller Alphonse Daudet in Rimes geboren (gestorben 1897); — 1842: der Komponist Sir Arthur Sullivan in London geboren (gestorben 1900); — 1862: der Parapsychologe Albert Freiherr von Schrenk-Notzing in Oldenburg geboren; — 1871: der französische Komponist Daniel Francois Esprit Auber in Paris gestorben (geboren 1782). _______________________________________ Entfettungs-Kuren im Frühling sind besonders Erfolg um sprechend. Nehmen Sie bei Korpulenz oder Veranlagung zum Starkwerdeir morgens und abends 2 bis 3 Toluba-Kerne, die Sie in Apotheken erhalten. 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Dameniriseur- u. Periickenmaßher- tollen-ton 1928 Gießen Mitgl.d. groß. Ringes sOdd. D.P.6.V.S. Friihlingsfest am Sonntag, dem 12. Mal 1929, 19 Uhr, Im Katholischen Vereinshaus In der LleblgstraBe. Unter freundlicher Mitwirkung von: Frau Lucie Dunkel Herrn Kurt Richter vom Stadttheater Bonn Herrn Franz Bandls Herrn Fritz Dunkel Herrn Christ. Lersch, u. a. Konzert Theater Tanz Eintritt für Damen 1. — , für Herren 1.50, einschließlich Tanz und Steuer / Saalöffnung 18.30 Uhr / Bühnenausstattung von Möbelhaus Rau.VLSI4 420S0 SpeziaLWollgeschäft ElseDittmar Gießen, Löwengasse 20 Eine Irühlingskur sollte jeder, der auf seine Gesundheit bedacht ist, machen. Das Blut muh erneuert, der Organismus gestärkt werden. Das vollwürzige, blutbildende Köstritzer Gchwarz- dier Hilst in hervorragender Weise hierzu. Berlretung: Emil Schmall. Strick Kleider Pullover Jumper Jacken Westen usw. stets das Neueste zu vorteilhaften Preisen finden Sie Im 326V Samstag, U. Mai 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Ur. 109 Drittes Blatt Wandern und weisen • Bäder und Sommerfrischen. Heinrich Seidel. Nun, ein herrliches, Kröhne surren. Trotz der eintretenden Nacht wird noch gearbeitet. den Pächter JOSEF REITH in Bad-Selters. 368UD 4245D ^aro-Qk (jcs nördl-Schwarzwalds 02778 Großen-Buseck. Badet Euch geiund in Bad-Selters (Oberheiien) I 0 eoeenal ror Besucht deutsche Bäder und Sommeririschen! Empfehlen Sie ihre Gaststätte in unserer Bäderbeilage! Pensionspreis 5 RM. Gutbürgerliche Küche. gepflegte Weine u. Biere, eigene Konditorei 3dfiiessch.au w» Ausstellung Staatliches Kurhaus, Otto Baumgarten. Telephon Nidda 99 | Kurpension Hous Hunold, Telephon Nidda 90 sMW । NichtWattendunst Nicht Küstenluft Alpen . . Rieichrl I. Pro5 p. d urchVerkefrir?ve rei^1 lei s e bü ro s Erfolgreichster Herz u. Nervenkurort. Bevorzugte Sommerfrische. Meilenweite Tannenwälder. Alle modernen Einrichtungen. Preiswerte Unterkunft. 12000 Kurfremde. 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Bunte Ninge sind den schwarzen Schornsteinen aufgemalt. Der Stichkanal teilt sich in zwei Arme, die sich kurz vor Karlsruhe wieder vereinigen. — Der Dampfer fährt etwas über die Kanalmündung hinaus — dann stockt er. Halbnackte, kupferbraune Körper kommen an Deck der Frachtkähne. Einige Nufe werden weitergegeben. Der Schlepper kuppelt los und langsam steuern die toten Schiffe — von der Strömung getrieben — in den Kanal ein. Ich lasse sie an mir vorüberziehen. Die Ladelast sitzt ihnen tief im Gedärm und drückt ihre schwimmenden Bäuche ins Wasser. Die Kajüten des ersten Kahns sind eisengrau gestrichen. Die vielen Leiterchen, Kisten und Kasten schauen aus wie die verjüngten Festungen und Barrikaden einer Filmstadt. Das zweite Wasser-Lasttier ist grasgrün. Es scheint mit Basalt geladen zu sein, ist kahl, wie cs einem Steinschiff zukommt. Der letzte Schleppkahn gleicht einem schwimmenden Gebirge. Er ist mit Kohlen gefüllt. In großen, gehäuften Hügeln türmen sie sich sinster über Deck. So tief sinken die Planken ins Wasser, dah das Nah über Bord gespült wird. Alle drei Schiffe steuern nun ohne Dampf selbständig durch die Hafenanlagen, wo die elektrischen Krähne ihre Nasen wie Riesenflugzeuge vorstrecken: zum Start der Arbeit. Es geht vorbei an Kohlcnanlagen. Holzstapeln, geteerten Schuppen, riesigen Kieshausen; Trans- Drausten am Rhein hat der Schleppdampfer kehrt gemacht und nimmt nun die Bergfahrt auf. Nur die Form des grohen Rumpfes bleibt übrig. Oberhalb des Decks ist im Abenddunkel nichts mehr zu sehen. Ohne Schornsteine und Takelwerk sieht das Schiff aus wie eine Galosche des Glücks, die langsam dahintreibt. . . leihen dieser Stadt überdies ein Gepräge, doS man nie mehr vergißt. Beginnen wir nun einmal von hier aus einen kleinen Streifzug quer durch den schönen Oben* Wald! Steigen wir hinauf zum Bergschloh Mu- tenburg, werfen wir noch einen letzten Blick auf die zu Fühen liegende reizende Stadt. Dann aber hinein in den wunderbaren Wald! In vollen Zügen atmen wir die würzige Luft. Ein dreistündiger Marsch sührt uns in ein üppige« Wiesental, in dem das hübsche Städtchen Amorbach liegt. Es könnte manches erzählen vom Ritter Götz von Berlichingen. von wilden Söldnerscharen und frommen Mönchen, aber heute haben es der landschaftliche Reiz, das milde, durd) die bewaldeten Höhen ringsum sehr geschützte Klima, seine jodhaltige Stahlquelle, die reichen Ausflugsmöglichkeiten zu einem friedlichen, bayerischen Höhenluftkurort gemacht. Unter den Sehenswürdigkeiten fei besonders die berühmte Orgel in der Abteikirche mit ihren 3000 Pfeifen und 30 Glocken erwähnt. Wir wenden uns nach einer ausgiebigen Rast dem anmutigen Ottcrbachtol zu, besuchen im Borübergchen die seltsame alte Kapelle St Amorsbronn, unter deren Steinfliehen die wundertätige Quelle gluckst, die eine „heilkräftige Wirkung auf den Ehesegen" verspricht, und stürzen uns dann wieder in das Dunkel der Wälder, in das die Sonne Helle, zitternde Kringel wirst. Stundenlang wandern wir Über Tal und Höhen, in tiefer, meist nur von Bogelstimmen unterbrochener Einsamkeit. Bereinzelt steckt ab und zu ein nettes Dorf im Grün. Endlich taucht Bk i ch e l st a d t, das altertümliche Hessen- städtchen, auf. Es liegt in einem freundlichen Talkessel und bildet seiner grohen Borzüge wegen einen beliebten Sommerfrischenaufenthalt. Als eine der ältesten Niederlassungen im Odenwald ist es geschichtlich äußerst interessant. So wohnte z. B. im Einhardshos der Ratsschreiber und Biograph Kaiser Karls deS Grohen. Daher in der Nähe, zu Steinbach, die Einhardsbasilika. Auf dem Marktplatz steht — als seltenes Kuriosum — das eigenartige Holzbauwerk des Rathauses, mit Spihdach und Glöckchen, ein Ueber- bleibsel aus dem 15. Iahrhundert. — Sehenswert ist ferner die ebenfalls aus dem 15. Iahrhundert stammende Kirche, das dortige Odenwaldmuseum, die alte Burg, das nahe Schloß I Fürstenau. Bon Michelstadt aus machen wir uns anmutig gelegen aut einem südlichen Ausläufer des Rothaar- gebirges. Prächtiger Schloß- und Stadtpark. Hochwaldreiche herrliche Umgebung. Sitz des Fürsten zu Sayn-Wittgenstein- Berleburg. Mächtiges sehenswertes Schloß. Beste Unterkunft und Verpflegung in guten Hotels, Gasthäusern und Privat. Mäßige Preise. Nähete Auskunft durch den Verkehrs verein, Telephon 51. Prospekt auf Wunsch gratis. . singt Heinrich Seidel. Nun, cm herrliches, überaus lohnendes Wandergebiet ist der schöne Odenwald, einer der reizvollsten Punkte der deutschen Landschaft und voll von Erinnerungen an Sage und Geschichte. Prächtige Laub- und Nadelwälder schmücken seine Höhen, entzückende Städte und Dörfer, alljährlich das Ziel von tausend und aber tausend Ausflüglern und Kurgästen. liegen in diesem Berglande verstreut, altersgraue Ruinen gemahnen an eine reichbewegte Vergangenheit. Einst bildete nämlich dieses Gebiet einen Bestandteil des großen römischen Reiches, wie die vielen aufgefundencn Hünen- und Hügelgräber beweisen. Bielen wird es ja bekannt sein, daß auch die Nibelungensage zum Teil im Odenwald spielt; ein Gedenkstein bei Grasellcnbach bezeichnet noch heute die Quelle, an der Siegfried Hagens tödlichen Speer empfangen haben soll. Im Mittelalter war der Odenwald der Schauplatz allerlei kriegerischer Ereignisse. Zahlreiche Fehden, wie der Bauernkrieg, der 30jährige Krieg, die Franzosenkriege, reichten auch bis in seine stillen Täler, und viele Schlösser, Burgen, Wälle und Türme sind noch stumme Zeugen davon. Am lebendigsten wird diese Erinnerung in dem malerisch am Main gelegenen bayerischen Städtchen Miltenberg, das von der Miltenburg und dem Engelsberg überragt wird. Ueberall finden wir hier Spuren des Rittertums, insbesondere der weltberühmte Marktplatz mit dem „Schnatterloch" ist ein altdeutsches Juwel, dem sich wohl nur Rothenburg ob der Tauber würdig an die Seite stellen kann. Die roten Sandsteinbrüchc in Miltenberg und das glitzernde Band des gewundenen Mains vcr- die Perle des Dilltales UllLß-ENE&UfCv 6500 Einwohner, beliebter Luftkurort u. Sommerfrische, Wochenendaufcnthatt u. Ausflugsort, im waldreichen Bcrgtand zwisdi. Westerwald u. Sauer, land. Sehenswürdigkeiten > Ruine und Gewölbe der Stammburg Wilhelms von Uranien. Wlfhelmsturmm.praniscn. u. Altertumsmuseum. Neueingerichtctc Jugendherberge. Gutgeleit, mod. Hotels. Romani. Um- gebungschöne Aussichtspunkte auf Westerwald und Rothaargcbirce, gute Auto- u. Bahnvcrbind. Au«- kunlt durch die Stadl. Vcrkehrskommis«ion. *0od StMausen-^Xs» ■ ■ 1 Bahnatuoden von Frankfurt am Main ” WWW t Stunde Bahnfahrt von Oieheu Kohlensäurehaltige Solquellen. Lithium-, Stahl-, Schwefelquellen: Inhalatorium. 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Im milchigen Dunst schwimmen bic Büsche davon und die Poppelstämme enden schon kurz vor dem Boden und sind im Rebel wie abgeschnitten. Rasch kommt die Gruppe aus dem Rhein draußen näher. Es sind Schiffe, die den Talweg (flußab) fahren . . . Rotterdam, Köln, Koblenz, Mannheim. Wie starre Gerüstbauten ragen sie jetzt aus dem Wasser. Ich stehe an der Ostseite des Flusses, da wo der Karlsruher Stichkanal in ihn einmündet. In der Ferne ist die Maxauer Drücke wie ein Gürtel über das Wasser gelegt. Die Sonne wird von den Wellen gierig zerrissen. Der letzte Streifen Mattgold wankt über bic Fläche. Der Rhein zieht, wäscht, schluckt Onbaucrnb . . . und bas Gras an ben Ufern steht wilb und zersaust. Es leben in ihm tausend Dlumenköpfe, Stauben und Rohrpfeifen: wilber Rampfer, Spitzwegerich, Nachtschattengewächse, Schafgarben, Primeln. Saure unb süße Gräser ragen durcheinander, unb bet Winb hat sie oft am Schopf. Im Weichbilb (meint man) kommen vier Schiffe nebeneinanber aus der Rheinlandschaft dem Beschauer entgegen. Bald aber erkennt man einen Dampfer, ber die Schlepplast von brei FrachtBAD-SELTERS (Oberhessen) heilt Leber- und Gallenleiden, Magen-. Darm- u. Frauenleiden sowie Rheumatismus, Gicht und Ischias Pauschalkuren im modern und mit allen Bequemlichkeiten ausgestatteten Kurhause mit Pension (einschließl. Nachmittagskaffee), Bädern,Trinkkur usw. 3 Wochen .... RM. 145- 2 Wochen.... RM. 100.- 1 Woche.....RM. 55- Die bereits zahlreich vorliegenden Bestellungen machen eine frühzeitige Anmeldung, selbst auch für den Spätsommer erforderlich. Prospekte durch Gegen Gi-hh, (Stein- u. (Stoffwechselleiden! - Gemäßigte pauschal!.: Die ersten 3 Wochen (Mmdesid.: pauschalste. Ml. 189.- / 4. Woche Ml. 61.25. Äewilligung st. Kred.tkuren aus Antrag 3m Kurhaus: Wochcnpauscha,preis Ml. 80.50; im Badehos: Wochenpauschalc Ml. 105.-. Auslunst auch über Sausluren durch die Sadeverwaltung. Portgesellschaften haben ihre Schilber an geteerten Lattenzäunen angebracht, die bic Lagerplätze umgeben. Schienengleise, Eisenbahnwagen, Signalzeichen aller Art. In ber Reihe ber Kähne, die schon längs des'Hafen-Kais vor Anker lie- I gen, schieben sich bie neuen Schiffe ein. Ganz in der Ferne ber Stabt sieht man bie Glasbächer der Fabriken, auf denen Leuchtflecks liegen. Die Kurhaus Luginsland liegt bei Schotten E empfiehlt sich: imVogelsberg a. der Kreis- R als Ferienaufenthalt, zum straße Schotten —Gedern R Wochenende, f.Auto-Ausmitten in Wald u. Wiesen ■’Sr flüge, als Touristenstation schiffen hinter fich herzieht. Das Wasser schnellt, gurgelt in Strubeln, runzelt sich unb schichtet voreilig Wellen über ben regelmäßigen Stromlauf. An glatten Stellen entstehen unb verschwinden banbförmige Kreisfigurcn, die wie Jahresringe | g« uralter Bäume aussehen. Dort mischt sich bas bi wiederum auf die Wanderschaft, und zwar noch der „Perle des Odenwalds", im Herzen dieses schönen Gebirges. Es ist Lindenfels, das vielgepriesene, vielgerühmte. Auf der Bergcshöhe hingelehnt, am Fuße einer Burg, liegt es umgeben von hübschen und gepflegten Anlagen, als ein geschätzter Kurort. Aber damit haben wir die Schönheit dieses mitteldeutschen Berglandes, das so reich an idyllischen Plätzen ist, keineswegs erschöpft. Manch kleines, schmuckes Rest am Wege begeistert den Touristen und lädt ihn zum Derweilen ein, manch interessante Ruine mit ihren Mären fesselt ihn. Aach dreistündigem Spaziergang von Lindenfels grüßt hoch herab die Starkenburg: wir sind im freundlichen Städtchen Heppenheim, und damit am Ende unserer Querwanderung. Die prächtige Bergstraße — die Westhänge des Odenwaldes — tut sich auf, mit ihren malerischen Orten Densheim, Auerbach, Zwingenberg, Seeheim, Jugenheim. Dazu aber müssen wir eine neue Wanderung beginnen, denn die Bergstraße mit ihrem südlichen Charakter, ihrer ebenso reizvollen wie gesegneten Landschaft ist eine Sehenswürdigkeit und ein Genuß für sich. Reiseliteratur. Der Sommerfahrplan 1929. Beginn am 15. Mai. Wären die amtlichen Fahrplanentwürfe der großen Allgemeinheit und allen Laien überhaupt verständlich, würden viele ihr neues Kursbuch mit nachdenklicheren Blicken betrachten und beifällig eine Leistung anerkennen, deren Ergebnis sie pünktlich bei jedem Fahrplanwechsel vorzufinden gewohnt sind. Wie entsteht ein Fahrplan? Es liegt in der Natur der Sache, daß sein -Zustandekommen nicht das Ergebnis monatc» langer Vorarbeiten sein kann, sondern daß er das Produkt einer Arbeitsanspannung ist, die die Rächt zur Hilfe herannehmen muh, um die sehr kurzfristigen Termine einhalten zu können. Bei der Zusammenstellung der Kursbücher bzw. zunächst der einzelnen Fahrplanseiten aus dem vielfältigen Material der nach Hunderten zählenden Entwürfe handelt es sich nicht um ein rein mechanisches Hebertragen von Zahlen, sondern um eine sinngemäße Kombination der einzelnen Verbindungen mit ihrem Ablauf und den dazugehörigen Anschlüssen im Rahmen eines größeren Fahrplanbildes. Rach diesen Grundsätzen werden die bekanntesten und verbreitetsten deutschen Kursbücher, die Storm-Hendschel-Llohd-Ausga- ben, zusammengestellt. Zweckmäßigkeit in der Fahrplanfolge, einfachste Benutzung, schnellste Orientierung über alle Zusammenhänge und absolute Zuverlässigkeit sind die Hauptgrundsähe, nach denen gearbeitet wird. „Storni" mit seinen Teilausgaben (für uns kommen die Ausgaben für Süd- und Westdeutschland zu je 2 Mark in Betracht) genießt deshalb auch den Ruf, das fortschrittliche, stets zuerst mit allen Reuerungen vers hene deutsche Kursbuch z >. 'ein. D e So.nmer- ausgabe — gültig vom 15. Mai bis Anfang Oktober — enthält wieder bei allen sieben Ausgaben die bewährten Sondereinrichtungen, wie „Fernverbindungen", ..Täderverkehr", und als Beilage die große zweifarbige Eisenbahn-Ueber- sichtskarte und ein Verzeichnis der durchlaufenden Wagen, Speise- und Schlafwagen. Die Fernverbindungen von Storm Kursbuch fürs Reich (Preis 5 Mk.), werden durch zahlreiche ganzseitige Hebersichtskarten mit tabellarischen Angaben über Fahr- und Dettkartenpreise und Schlafwagen ergänzt. Diese praktische Reuerung gibt dem Benutzer die Möglichkeit, die gewünschte Fernverbindung neben den reinen Zahlenangaben auch in der übersichtlichen, rascher orientierenden graphischen Darstellung zu sehen. Von „Hendschel", dem ältesten internationalen Kursbuch, erscheinen zum Sommerfahrplan ebenfalls wieder zwei Ausgaben, und zwar „Hendschels Telegraph" und „Hend- schel International". Hendschels Telegraph enthält sämtliche Fahrplane wie Storm Kursbuch Ausgabe fürs Reich, außerdem noch den wichtigen Verkehr von 32 autzerdeutschen Staaten und etwa 53 Fahrplanseiten „ Hebersee- Verbindungen". Wer viel und weit reist, wird deshalb am vorteilhaftesten „Hendschels Telegraph" benutzen, dessen Preis 6 Mk. beträgt. Hendschel International bringt sämtliche Fernverbindungen der großen deutschen Derkehrs- zentren untereinander bzw. mit den Hauptplätzen des europäischen Auslandes. Jedoch enthält er die Fahrpläne der europäischen Staaten in gleicher Reichhal ig eit und Aus üh ich eit wie Hendschels Telegraph, sein Preis beträgt 4 Mk. Das „Lloyd Kursbuch" erscheint von der Sommerausgabe an in einem kleineren Format, jedoch mit vermehrtem Inhalt. Das Besondere dieses Kursbuches liegt in dem System der kurzen und übersichtlichen Routenfahrpläne, das dem Benutzer ermöglicht, 'jede Verbindung, auch wenn sie über Hunderte von Kilometer läuft, mit einem Blick zu erfassen. Lloyd Kursbuch kostet 4 Mk. — „Der Rhein". Kleiner Führer durch das Rheintal. Ausgabe 1929. Herausgeber: Rheinischer Derkehrsverband e. V., Bad Godesberg. Der angenehm illustrierte Führer bespricht die wichtigsten Städte und Stationen des für den Rheinreisenden und Touristen in Betracht kommenden Gebietes von Karlsruhe bis Cleve, gibt außer einer allgemeinen Einführung willkommene Rachweise über die rheinischen Gasthöfe und bringt die in der neuen Saison geltenden Fahrpläne der Rheindampfer. — In der Reihe der vom Rheinischen Verkehrsverband c. V., Bad Godesberg, herausgegebenen Rheinischen Verkehrsbücher ist ein neues Heft „D i e Mosel" erschienen, worin das als Reise- und Ausflugsgebiet in Betracht kommende Moselland von Trier bis Koblenz in seinen wichtigsten Stationen kurz und aufschlußreich besprochen wird. Die Angaben über Verbindungen, Sehenswürdigkeiten, Hnterkünfte, Ausflüge usw. dürften dem Reisepublikum willkommen sein. Der Preis des hübsch illustrierten Heftes beträgt 20 Pfennige. — E i n neuer Inselführer. Am Aus- gang der Lübecker Bucht, noch wenig bekannt oder wieder vergessen, liegt die holsteinische Insel Fehmarn, deren Hauptort, das kleine Kurstädtchen Burg, mit Erfolg seit vorigen Sommer eine rege Dadewerbung entwickelt. Ein neuer Inselführer mit einem buntfarbigen Titelbild, in den schleswig-holsteinischen Farben gehalten, ist vor kurzem erschienen. Aus hier veröffentlichten Pressestimmen ist zu entnehmen, daß ein Besuch dieser „Insel der falten Felder", wie sie von einem berufenen Journalisten genannt wird, außerordentlich lohnend ist. Wanderfahrten. Zwei Tage an Rhein und Mosel zu Pfingsten. Für die beiden Pfingsttage sei diese Wanderfahrt bestens empfohlen. 1. Tag: Mit dem D-Zug 7.02 Uhr fahren wir über Frankfurt (umsteigen, fünf Minuten Aufenthalt) nach Rüdesheim, benutzen mit Rückfahrkarte die Zahnradbahn zum Niederwalddenkmal, das stets einen überwältigenden Eindruck macht. Von der Terrasse genießen wir einen prächtigen Blick auf die Rheinlandschaft mit Bingen und Bingerbrück, sowie in das Nahetal: hierauf Rückfahrt nach Rüdesheim. Nach genügender Stärkung besteigen wir den nächsten Rheindampfer, der uns in dreistündiger Fahrt, vorbei an zahlreichen Burgen, Städten und Dörfern, nach Koblenz bringt. Hier besichtigen wir das „Deutsche Eck" und die schönen Rheinanlagen, um am Spätnachmittag noch mit der Bahn moselaufwärts nach Cochem zu fahren. Auch das Moseltal bietet reiche landschaftliche Schönheiten, doch ist der Fluß im Gegensatz zum Rhein von Schiffen und Booten fast unbelebt. Auffallend ist der Unterschied zwischen dem frischen, fröhlichen Leben am Rhein und dem stillen, ernsten des Moseltals. Es mag dies wohl zum größten Teil mit dem mühseligen Erwerb der dortigen Winzer zusammenhängen, deren Weinberge'zumeist auf steilen, schwer zugänglichen Felswänden angelegt sind. In Cochem, das mit seiner hochragenden Burg einen reizvollen Anblick gewährt, nehmen wir in einem der guten Gasthäuser Quartier. 2. Tag: Der andere Morgen gilt zunächst der Besteigung der, das Städtchen und das Tal beherrschenden Burg Cochem. Für den etwas steilen Aufstieg entschädigt reichlich eine prächtige Aussicht auf das Moseltal und die benachbarten Berge. Auch dem Inneren der Burg mit einer Waffensammlung, vielen altertümlichen Geräten und wertvollen Gemälden statten wir einen Besuch ab. Zur Rückfahrt von Cochem benutzen wir den Zug kurz nach zehn Uhr, mit dem wir bis Corden fahren. Don hier führen uns rote Dreiecke durch lauter Weinberge auf die Höhe, wo wir einen entzückenden Blick auf die Mosellandschaft genießen. An der hochgelegenen Gastwirtschaft Windhäuser Hof vorüber aehen wir zuerst auf breiter Straße, später durch Wald nach der herrlichen Burg Eltz, die wir unterwegs schon einige Male gesichtet Haven und die wir nach knapp zwei Stunden erreichen. Auf bewaldetem Bergkegel, von hohen Waldbergen und der Ruine Trutz-Eltz überragt, ist die Lage der Burg von unvergleichlicher Schönheit. Auch hier lohnt sich eine Besichtigung des Burginnem, das zahlreiche Waffen, viele Gemälde. darunter einige echte Dürer, und kostbare Möbel aufweist. Dem lieblichen Eltztale entlang wandern wir nun in eineinhalb Stunden nach Moselkern, von wo wir die Heimfahrt über Koblenz antreten. Reisewinke. Neues Naturschutzgebiet in Pommern. Das naturwissenschaftlich wertvolle Gebiet des großen und kleinen Zietensees im Kreise Bütow in Pommern ist in einer Größe von 32 Hektar durch eine Ministerialverordnung zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Erweitertes Vezirks-Schöffengericht Gießen. Nanb in Amsterdam. * Gießen, 8. Mai. Hm sich ihrer Verhaftung wegen Betrugs zu entziehen, waren G. R. von Gießen und W. S. von Wieseck aus Deutschland nach Holland geflohen und hatten in Amsterdam unter falschen Ramen in einer Pension Wohnung genommen. Als ihnen das Geld ausging, verabredeten sie mit einem in der Pension angestellten Kellner, den Pensionsinhaber, einen alten Mann, zu berauben. Durch den Kellner wußten sie, daß dieser in einem Wandschrank seines Zimmers in einem eisernen Kasten stets einen Geldbetrag aufbewahrte. Unter dem Vorwand, nähere Weisungen über die angeblich notwendige Reinigung einer Decke zu erbitten, machte sich der Kellner an den Pensionsinhaber heran und warf dem Ahnungslosen die Decke über den Kopf: die beiden andern, die unmittelbar vorher dazugekommen waren, hielten ihn fest, stopften ihm den Mund zu und banden ihn mit Stricken. Dann brachen sie den Schrank und den Kasten auf, stahlen 160 Gulden und flohen. Bis es dem Heber- fallenen gelang, sich zu befreien und bis Hilfe erschien, hatten sie den Bahnhof erreicht und waren nach der deutschen Grenze zu abgefahren, die sie bei Rächt auf Schleichwegen überschritten. Der Kellner wurde in Wien gefaßt und vom österreichischen Geschworenengericht zu einer Kerkerstrafe verurteilt. Inzwischen war es den deutschen Behörden gelungen, auch R. zu fassen. Er erhielt zunächst wegen des Betrugs, der ihn zur Auch! nach Holland veranlaßt hatte, acht Monate Gefängnis. Weiter wurde das Strafverfahren wegen Raubes gegen ihn eingeleitet. Bei diesem Verbrechen, das den deutschen Ramen im Ausland geschädigt hatte, wich die Staatsanwaltschaft von der Regel, im Auslande begangene Verbrechen nicht zu verfolgen, ab und erhob Anklage. Der Angeklagte suchte sich als unschuldig hinzustellen. Allerdings habe er den Pensionsinhaber festgehalten, aber nicht um ihn zu berauben; sie hätten ihn wohl bestehlen wollen, aber nicht mit Gewalt. Die klare Darstellung des Beraubten, die sich in allen wesentlichen Punkten mit der des Kellners deckte, liehen in Verbindung mit den eigenen Angaben des Angeklagten keinen Zweifel an dessen Schuld. Das Urteil lautete auf eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren. Ein wegen Wechselfälschung vorbestrafter Einwohner von Grohen-Linden erhielt wegen Betrugs und Urkundenfälschung acht Monate Gefängnis, ein Schlosser, der als angeblicher Medizinstudent Geschäftsleute g e- prellt hatte, unter Berücksichtigung seiner gerichtsärztlich festgestellten Minderwertigkeit sechs Monate Gefängnis. Rundfunkprogramm. Sonntag. 12. Mai. 8 bis 9: Morgenfeier, veranstaltet vorn Wartburgverein Frankfurt a. M. 10,30 bis 11: Eltern- stunde: „Die Ausbauschule, eine Kurzform der Höheren Schule", Vortrag von Studienrat Dr. Eckert, Usingen. 11 bis 12: Von Wiesbaden: Funk-Reportage vom Auto-Turnier. 12 bis 13: Von der Insel Siebenbergen bei Kassel: Rundfunk-Reportage: „Gärten im Frühling". 15 bis 16: Stunde der Jugend: Aus dem deutschen Märchenborn, vorgetragen von Hanna Längen: Wunschstunde. 16 bis 17: Stunde des Landes: Zum Muttertag: „Meine Mutter", Vortrag von Pfarrer Ludwig Rüdling von Kleinsassen. 17 bis 18: Konzert des Rundfunkorchesters. 18 bis 18,20: Hans Grimm: Vortrag aus eigenen Dichtungen. 18,20 bis 18,50: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Technik und Kultur", eine Betrachtung von Studienrat Dr. Meißinger, Frankfurt a.M. 18,50 bis 19,10: Hans Philipp Weih: Vortrag aus eigenen Dichtungen. 19,10 bis 19,30: „Die Ausstellung der Frankfurter Kunstschule", Vortrag von Professor Dr. Fritz Wichert. 19,30: Von Baden-Baden: „Requiem" von Verdi. Anschließend: Zum Muttertag: Literarische Veranstaltung. Darauf: Tanzmusik. Montag, 13. Mai. 6,30: Morgengymnastik. 12,30: Schallplattenkonzert: Unterhaltungsmusik. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend: Aus Sport und Spiel, vorgetragen von Redakteur Emst Rebhut: „Große Fußballspieler und ihr Werdegang", für Kinder vom 10. Jahre ab. 17' bis 18,30: Rach Köln: Konzert des Rundfunkorchesters: Operetten. 18,30 bis 18,45: Viertelstunde der Deutschen Reichspost: „Das Reichskursbuch", Vortrag von Postinspektor Zoll. 18,45 bis 19: „Die Rundfunksender t» Frankreich". Vortrag von Dipl.-Ing.KarlSchmoll. 19 bis 19,25: „Erziehung und Fürsorgeerziehung III., Dreigespräch zwischen Prof. Dr. Raecke, Dr. Heinrich Meng und Dr. Paul Laven. 19,25 bis 19,45: „Redende Kunst und Raumakustik und die Bedeutung für die Rundfunkkunst", Vortrag von Universitätslektor Roedemeher. 19,45 bis 19,55: Englische Literaturproben. 19,55 bis 20,15: Englischer Sprachunterricht. 20,15: Von Stuttgart: „Regina", Oper von Lortzing. Anschließend! Von Kassel: Orchesterkonzert. Dienstag, 14. Mai. 6,30: Morgengymnastik. 13,30: Schallplattenkonzert: Buntes Programm. 15,05 bis 15,35: Stunde der Jugend: Die schöne Umgebung von Frankfurt a. M. bzw. Kassel: Wanderungen und Ausflüge in Ratur, Kunst, Geschichte und Sage. Für Kinder vom 10. Jahre ab. 16,35. bis 18,05: Von (Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,10 bis 18,30: Lesestunde. 18,30 bis 18,40: Don Kassel: Zehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund. 18,40 bis 19: Don Kassel: Vortrag. 19 bis 19,20: Funkhochschule: „Aerztliche Untersuchungen und Betrachtungen über die Schulturnstunde", Vortrag von Prof. Dr. Schlesinger. 19,20 bis 19,40: Französischer Unterricht. 19,40 bis 20: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 60 Silben aufwärts). 20: Dom großen Saal des Saalbnues: Liederabend Giovanni Manuritta, Tennor der Mailänder Scala. Anschließend: Reue Cello- Sonaten, Werke von Mario Castelnuovo-Tedesco. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 12. Mai. Exaudi. Sladlkirche. 8 Uhr: Pfarrer Mahr; zugleich Chri, stenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde; 9.30: Pfarrer Lenz; 11: Pfarrer Beckerx Kindergottesdienst der Markusgemeinde; 1.30: Ober- kirchenrat Wagner. — Iohanneskirche. 8: Pfarrer Bechtolsheimer, zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde; 9.30: Pfarrer Lic. Waas. — Kapelle des Allen Friedhofs. Siehe Stadtkirche. — Elisabclhkleinkinderschule. 8.15; für die Neukonfirmierten der Petrusaemeinde; Pfar- rer Lic. Waas; 9.45: Magister tneol. Falk. — Wieseck. 9.30. — Allen-Vusecs. 10. — Kirchberg. 10; Kirchberg; 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Ruttershausen. — Hausen-Garbenleich. 8.30: Hausen; 9.30: Garbenteich. — Wahenborn-Sleinberg. 9.30: Hauptgottesdienst; cand. theol. Müller. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Christenlehre für die männliche Jugend; 2: Stiftspfarrer Lic. Schorlemmer. katholische Gemeinden. Samstag, den 11. Mai. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Sonntag, den 12. Mai. 6. Sonntag nach Ostern. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 2: Andacht. — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schollen. 10.30: Hochamt mit Predigt. Sonntagsdienst &.2lerne u. Uvotdcken am 12.5.29 Dr. W. Klein. Dr. Meyerhofs. Engelapolheke. Zahnarzt: Dr. Kockerbeck. ”D Mvr ! Trinken Sie einen Monat lang Kaffee Hag. Versuchen Sie dann wieder gewöjinl ichen Bohnenkaffee und beobachten Sie Ihr Befinden. Sie haben dann die Erklärung für die Beliebtheit des coffeinfreien Kaffee Hag. Aroma und Geschmack sind unübertroffen. Über 7000 deutsche Ärzte haben allein im Jahre 1928 lobend üböT Hag geurteilt. Das große Paket kostet HM 1.90, das kleine 95 Pfg. XXX. Verbandsschießen Mittelrhem,Baden,pfalz 6. bis 14. Juli 1929 in Gießen s gibt so Schlag worte BU LG ARIA ■ KRONE EU5CHEP die im täglichen Leben benutzt werden. So behaupten Raucher zuweilen, sie könnten nicht immer dieselbe Marke rauchen. Dies trifft nur dann zu, wenn man unter den vielen Zigaretten die richtige nicht herausfindet. Wer aber das Glück gehabt hat, eine Zigarette ausfindig zu machen, die wirklich Qualität ist, wird ihr auch treu bleiben. Es muß natürlich eine Zigarette sein, die die wertvollsten Tabake enthält. Es muß eben BULGARIA-KRONE sein, das Meisterstück der 5 - Pfennig • Zigaretten. =» 15,Bi Ä JottTQg. 19 ',fnierfu. vchulturn. 19.20 ,40 bis 20: Ansän. W Sitten poalboueg; W der do-TedcScv. Jji 2O,15j LL IL gleich Thrt, ' MoUhäuz, rrer Serferj 1-30: Ober« 3: Pfarrer r bio 'Heu« ): Pfarrer )ofe. Siehe lult 8.15: tobt; Mar. L W - kchbnz. 10; Äugend von 1.30: Hausen; Inberg. 9.30: -cich.9.30: lie männliche ner. ch Ostern. Kommunion Hochamt mit Andacht. - jungen. 9,30: Hochamt mit Prcdiat. - - Schollen. Monat m nm 12.5.29 gclanoibcfe. wie- inen- Sv ie ärung , des e Hag. ick 10 io \W lostet 5ttg. I • EULITZ CORDS • MICHELS GERSON Gasherde Tp O) 4) V O GUTSCHEIN 08027 Name. Wohnort. Lm SEIFENFLOCKEN SUNLICHT GESELLSCHAFT A.6. MANNHEIM LX 320 0 7 Sil Gartenkies Blumenkasten |/*||^ Weiß-Stück Flora 2303 D C’R,Ä.6I,“S «.Wfamen,W659 besser u. billiger als Holz-, 03961 Lieferung mit und ohne Bepflanzung von bester Qualität und größter Ergiebigkeit zu billigstemPrels kV /, Pfd. flF. Weinbrand-Bohnen, nur 75 A> */, Pfd. Pfeffermünz-Bruch ... nur 28 A, Schokoladen Vollmilch.Schokolade, 8Tai. ä 100 g, zns.nnr 85 a> Vollmilch-Schokolade,2Tai. ä 100 g, zus. nur 65 4 Mocoa-Sahne-Schokolade, 1 Tal. 100 g, nur 50 <•) Bonbon > /, Pfd. Honlgwtirfel...........nur 31 A> '/, Pfd. Saure Himbeeren.....nur 24 A '/, Pfd. Seidenmelange........nur 32 A> * /, Pfd. Nougat-Kissen........nur 48 ä Auch an den Muttertag haben wir gedacht und bringen in wundervoller Aufmachung 1 Karton Deka-Pralinen 1 Tafel ff. Vollmilch-Schokolade mit Seidenband u. Blumenkärtchen dekoriert für nur 1 Mark zum Verkauf. Beachten Sie unsere Schaufenster u. merken Sie sich bitte genau unsere Adresse: „Sähe Quelle“ W. Künkler '» Held \eidienen. Verlangen Nie I'rachlkalalog null Vertret crllito II grafl«. Fahauid"„RUnd UM BCrSlfi Wenm^islerslr.t Ludwigsplatz Im Ausschank: Heddesheimer Glas Edenkobener Stössen „ Alsterweilerer Vogelsang Mettenheimer Dienheimer Geierscheid Nitteler Büdesheimer, rot Vfenn Sie wüßten, we ehe enormen Vorteile Jhnen die Miele wSdimascMne Bei Dutzend M2.8O; Golf ; Hintere Hohe ca.25mm ,ttrhfereMdhefaj5Qmni Einige beliebte Formen | Fabrikanten M.y&Edllch, Leipzig-Plagwitz Rudolf Richter Marktstraße 24-26 3075V Sie sehen gut aus haben keinen Ärger mit der Plattwäsche mehr und tragen immer einen neuen eleganten Kragen von tadellosem Sitz, wenn Sie den idealen ME Y-KRAGEN MIT FEINEM WÄSCHESTOFF benutzen. 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Dor einigen Tagen hat die Stadtverwaltung den Mitgliedern des Stadtrates den Haushaltsvoranschlag für dasRechn ung 3- fahr 1 929 mit einer erläuternden Denkschrift zugehen lassen. Diese Denkschrift, tn der die Stapt- Verwaltung auf einige besonders wichtige Gesichtspunkte für die Beurteilung des neuen Voranschlags näher eingeht, haben wir rn unserer Vr 104 vom vorigen Samstag im Wortlaut ad- neörudt. Der Voranschlag ist — um zunächst einmal eine bemerkenswerte Neuerung hervor- zuheben — in anderer Gruppierung als bisher erschienen. Während die Voranschläge bis einschließlich 1928 in den beiden Abteilungen „Be- triebsrechnung" und „Vermögensrechnung" je eine Aeihe von Titeln in althergebrachter Reihenfolge ohne engere Sachgruppierung aufzählten, sind in dem neuen Voranschlag die sachlich zusammengehörenden Verwaltungsgebiete auch etatmäßig in sich gegliedert aufgeführt. Durch diese Neugruppierung nach dem Gesichtspunkt der sachlichen Zusammengehörigkeit ist die liebersicht über den Haushaltsplan gegenüber dem früheren Zustand wesentlich verbessert worden. Der Stadtverwaltung und der Dienststelle, die diese vorteilhafte Neuerung in dem Haushaltsplan durch- geführt haben, gebührt die Anerkennung aller, die sich mit dem umfangreichen Buche befassen müsseii. 3n der Betriebsrechnung schließt der neue Voranschlag mit 5 647 444,38 Mk., gegen 5 103260,45 Mk. im Vorjahre, in der Vermögensrechnung mit 3 020 567,19 Mk„ gegen 2 034 758,68 Mk. im Jahre 1928, ab. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahre beziffert sich demnach ‘ in der Betriebsrechnung auf 544 183,93 Mk., in der Vermögensrechnung auf 985 808,51 Mk. Es ist erfreulich, daß trotz dieser Steigerungen der Voranschlag diesmal ausgeglichen wurde, im Gegensatz zum Vorjahre, wo ein Fehlbetrag verblieb. Naturgemäß richten sich bei der Betrachtung des Voranschlages die Blicke zunächst nicht nur auf die Haupt-Zuschußbetriebe, sondern auch auf das wichtigste Einnahmekapitel, die Steuer- Veranschlagung. Hier finden wir in dem Kapitel „Finanzverwaltung" verzeichnet: die Biersteuer mit 55 000 (im Vorjahre 50 000) Mk., den Anteil an der Neichs-Einkommen- und Körperschaftssteuer mit 597 035 (515 035) Mk., den Anteil an der Reichs-Hrnsahsteucr mit 134 160 (101 685) Mk., die Grunderwerbsteuer mit 50000 (50 000) Mt., die Vergnügungssteuer mit 60 000 (50 000) Mk., die WertMiwachssteuer mit 30 000 (30 000) Mt., die Hundesteuer mit 25000 (26500) Mark, die Filialsteuer mit 8500 (7000) Mk., die Grund-, Gewerbe- und städtische Sondersleuer vorn bebauten Grundbesitz mit 1 530 000 (1 297 000) Marki von diesen letztgenannten Steuern entfallen voranschlagsgemäß im einzelnen: auf die Grundsteuer von bebauten Grundstücken und Cßon» Plätzen 329 000 (325 000) Mk.. auf die Grund- steuer von land- und forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Grundstücken 73 030 (73 000) Mk., auf die Gewerbesteuer vom Anlage- uni) Betriebskapital 183 000 (125 000) Mk.. auf die Gewerbesteuer vom Ertrag 215 000 (146 000) Mk., auf die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz 730 000 (730 000) Mk. Während die beiden Grundsteuerarten in ihrer Gesamtsumme nur um 4000 Mk. von 398 000 Mk. im Jahre 1928 auf 402 000 Mk. im neuen Jahre gesteigert wurden, macht die Erhöhung bei den beiden Gewerbesteuerarten gegenüber dem Vorjahre 127 000 Mk. aus (1928 Gesamtsumme beider Steuerarten 271 000 Mk.. 1923 dagegen 398 000 Mk.). Die Stadtverwaltung weist in ihrer Denkschrift zum Voranschlag 1929, die wir am vorigen Samstag veröffentlichten, zur Erklärung dieser großen Spanne nachdrücklich darauf hin, daß die Stadt- verordneten-Versammlung bei der vorjährigen Beschlußfassung über den Voranschlag für 1928 die auf Erzielung größerer Einnahmen gerichteten Anträge der Stadtverwaltung abgelehnt und einen wesentlich niedrigeren Betrag festgesetzt hat, wodurch sowohl bei der Grundsteuer (Einnahmeausfall von rund 100 000 Mk.), wie auch bei der Gewerbesteuer (Minderertrag von rund 68 000 Mk.) erhebliche Ausfälle an Einnahmen entstanden sind. Die jetzt von der Verwaltung vorgeschlagenen Ausschlagssätze für die Gewerbesteuer entsprächen denjenigen des hessischen Staates. Die Steuerausschlagssähe für die Gewerbesteuer seien in den letzten Jahren in Gießen wesentlich niedriger gewesen, als in den übrigen größeren Städten des Landes. Bleibe die Stadt Gießen in ihren Steuersätzen auch künftig hinter den anderen Städten wesentlich zurück, so würden ihr zur Erfüllung ihrer Ausgaben weniger Mittel zur Verfügung stehen wie den übrigen Städten. Die notwendige Folge davon werde fein, daß Gießen auch in der Entwicklung hinter den übrigen hessischen Städten zurückbleiben werde. Dem Stadtrat liege ob. soweit nicht gesetzliche Verpflichtungen vorliegen, den Voranschlag in Einnahme und Ausgabe nach freiem Ermessen festzustellen. Er müsse dieser Aufgabe gerecht werden mit dem festen Willen völliger Ausgleichung des Voranschlages und Bereitstellung derjenigen Mittel, die zur gesunden Weiterentwicklung der Stadt Gießen erforderlich seien. Das sind sehr ernste Worte die die Stadtverwaltung an den Stadtrat richtet. Wir sind überzeugt, daß sie von den Stadtratsmitgliedern in ihrem ganzen Ernst und in ihrer starken Bedeutung erkannt und gewürdigt werden. Trotz alledem werden aber die Stadtratsfrak- tionen — was übrigens natürlich auch die Stadtverwaltung schon getan haben wird — noch andere Gesichtspunkte beachten müssen: nämlich die Wirtschaftskraft der Steuerzahler und die Auswirkung einer weiteren Steuerbelastung unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Darüber darf selbstverständlich nicht übersehen werden, daß die gesunde Weiterentwicklung unseres Gemeinwesens Opfer erforderlich macht, die sicherlich auch von allen Bürgern im Interesse des gemeinsamen Ganzen gern gebracht werden. Diese Faktoren miteinander in Einklang zu bringen dergestalt, daß ein nach allen Richtungen hin vertretbares Ergebnis herauskommt, ist eine außerordentlich schwierige Aufgabe, die an die Stadtratsfrak- lionen, aber auch an jedes einzelne Stadtratsmitglied ernsteste Anforderungen stellt. An kann sich hierbei nicht darum handeln, von vornherein den Anträgen der Stadtverwaltung ein glattes Rein entgegenzustellen, man wird auch zu überlegen haben, ob nach der anderen Seite hin eine uneingeschränkte Zustimmung am Platze ist, es wird ferner zu erwägen fein, ob nicht durch irgendeinen Mittelweg an dieser oder jener Stelle des Voranschlags das für beide Teile annehmbare Resultat erzielt wird. Jedoch muß immer als oberster Gesichtspunkt maßgebend bleiben, daß ein Fehlbetrag im Haushalt unter allen Umständen vermieden wird. Möchten die Beratungen im Finanzausschuß und in den Fraktionen über das Steuerbukett der Verwaltung, so schwierig sie auch sein mögen, ein gutes Ergebnis für I die Verwaltung wie auch für die Steuerzahler | zeitigen! _________________________ Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts setzte auf dem Gebiet des Kirchen- gesangs in Hessen eine Bewegung ein, die ihre Wurzel in dem Predigerseminar in Friedberg hatte. Dort begeisterte der musikalisch hochgebil- bete Direktor Schwabe die Kandidaten für die liturgische und musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes, und neben ihm führte sie der tüchtige Seminarmusiklehrer T h u r n in das Verständnis für die alte Kirchenmusik und die Schönheit des rhythmischen Chorals ein. Von diesem Teil der praktisch-theologischen Ausbildung wurden zwei Kandidaten, Karl Sell, später Professor der Kirchengeschichte in Bonn und Georg Schlosser, der nachmalige Pfarrer und Geh. Kirchenrat in Gießen, derart erfaßt, daß in ihnen der Gedanke reifte, auch im Hessenland Kirch e n g e s a n g v e r e i n e zu gründen. Als beide ins Amt getreten waren, kam dazu eine starke Anregung aus Schwaben, wo man bereits begonnen hatte, Kirchengesangvereine zu gründen. Hier war es der feinsinnige Pfarrer Heinrich Adolf K ö st l i n in Friedrichshafen am Bodensee, der die Führung in dieser neuen Bewegung übernommen hatte. In unserem Land waren da und dort schon Kirchengesangvereine entstanden: sie schlossen sich zu Weihnachten 1878 zu einem Landeskirchengesangverein zusammen. Ilm diese Zeit begann auch die Gründung des Gießener Vereins, die von dem jungen Pfarrer Schlosser, seit 1873 Pfarrvikar und seit 1877 zweiter Pfarrer in Gießen, zwar schon längst in Aussicht genommen, aber noch nicht zur Ausführung gekommen war, weil es — an einem Dirigenten fehlte! Es war selbstverständlich, daß Schlosser, voll Begeisterung für die heilige Tonkunst, alles daran setzte, die in Friedberg und von Schwaben empfangenen Anregungen auch hier in Gießen in die Tat umzusehen. Da fügte es sich, daß er in dem nach hier übergesiedelten Pfarrer i. R. Dr. Haupt einen gleichgesinnten, warmherzigen Freund der Kirchengesangvereinssache fand, der sich bereit erklärte, die musikalische Leitung zu übernehmen. Damit war der Gießener Kirchengesangverein eigentlich gegründet; die formelle Konstituierung erfolgte aber erst am 1. Mai 1879. In der kleinen Schar, die sich im Anfang des Jahres 1879 in der Wohnung des Herrn Dr. Haupt zu den Hebungen einfanb, lebte viel Begeisterung für die allerdings noch recht bescheidene Tätigkeit: die musikalische Ausgestaltung der von Pfarrer Schlosser in der kleinen Hospital- kirche am Seltersweg eingeführten Passions - gottesdienste. Pfarrer Dr. Haupt hatte hierfür besondere liturgische Formen geschaffen. Der Raum in der Kirche, der die Sänger aufnahm, die Emporbühne, war trotz der kleinen Schar völlig unzureichend, die Beleuchtung mehr wie mangelhaft. Kleine Küchenlämpchen, die an der Wand aufgehängt waren, spendeten dürftig Licht. Da es an Einnahmen fehlte, um Roten zu kaufen, muhte man sich mit geschriebenen Blättchen behelfen. Aber so klein der Verein noch war und so bescheiden seine Mittel waren, um so größer war der Eifer und die Begeisterung von Sänger und Dirigent. Der Verein gedieh und nahm an Mi gliedern zu, der (Raum,bei Pfarrer Dr. Haupt genügte nicht mehr für die Hebungen, da stellte die 'Stadtverwaltung ein Schulzimmer in der alten Realschule (jetzige alte Bürgermeisterei) entgegenkommenderweise zur Verfügung. Spätere Probelokale waren die kleine Aula der Hniversität am Brand, ein Lehrsaal im Gymnasium, dann der Gesangsaal des Realgymnasiums, bis der Verein endlich (seit 1907) eine gesicherte Heimat im Iohannessaal fand. Im Frühjahr 1880 legte Dr. Haupt fein Amt als Dirigent nieder. Der Verein bezeigte ihm feine Dankbarkeit durch Ernennung zum Ehrenmitglied. Am 6. Januar 1890 ging der 85jährige Greis zur ewigen Ruhe heim. In der Geschichte des Vereins wird er fortleben als der Mann, der dem Verein die feste Richtung, die Gemeinde durch die heilige Tonkunst zu erbauen, gegeben und unverlierbar eingeprägt hat. Während einer kurzen Zwischenzeit übernahm das sehr musikalische Vorstandsmitglied Bezirksstrafrichter K u 11 m a n n die Einübung der Gesänge für das Landeskirchengesangsfest in Friedberg. Dann wurde Kantor Steiner für die Leitung des Vereins gewonnen. Als tüchtiger Musiker mit seinem Gehör führte er den Verein mit großem Eifer zu höheren Leistungen. Ein schweres 50 3aW Gießener Krchengesangverem Don Professor Or. Weimar. Leiden nötigte Herrn Steiner, 1887 von seinem Pc Bergmann...... 9 Sleftr. Lieferungen..... in Licht und fit oft ...... in gelten 6 Guilleaume..... 6 Ges. f. Elektr. 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Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Familie Sally Wetzstein Am 10. Mai d.J. entschlief sanft nach schwerer Krankheit mein innigstgeliebter Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager Sommerjoppen 0299J Nciuraisigcr Deutscher Schäferhund autzerordenll. wach- sain, giinslig abzugeb. H. Hermann, Bauunternehmer, StelnöfldMtoiL Billig! Mk. 3.50 au Mk. 2.50 an haben Personenwagen offen und geschlossen ADLER OPEL CHRYSLER STEYR die weit stärksten steuer und führerschein- freien der Welt 8.4 P. S. geprüfte, be° gloubtflte Leistung 8.4 P. 8. D- R. B. Beste Qualität / Modernste Ausführung! stücke ettoa 100 000 Safjrc alt sind. Bernstein, der bekanntlich in ganz Norddeutschland und vor allem in Pommern gefunden wird, von dem ein umfangreiches Lager erst kürzlich wieder in der Gegend vbn Anklam entdeckt worden ist. wird dort systematisch abgebaut; man trägt sich in der Hoffnung auf weitere Funde mit dem Gedanken, nun auch in Berlin mit einer systematischen Ausbeute der entdeckten Dcrnsteinlagcr beginnen zu können, über deren Gröhe man allerdings im Augenblick noch im unklaren ist. Marktstr. 22 Gießen Marktstr. 22 Eigene Schneiderei von 4 Meter. Die Geologen erklären sich die seltsamen Funde damit, dah sie in der Eiszeit durch Schmelzflüsse hierher yerschlemmt worden sind. Cs kann als erwiesen gelten, dah cs sich nach der Beschaffenheit der Stücke um Bern st ein von der S a m l a n d k ü ft c handelt. Bekanntlich floh in grauer Borzcit ein gewaltiger Strom über das Gebiet des heutigen Groh-Berlin. Dieser ilrftrom hat aller Wahrscheinlichkeit nach aus den grohcn Wäldern Ostdeutschlands Harzstückc mitgebracht und sie angcschwcmmt. Man rechnet, dah die Bernstein- Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Fran Heinrich Mehl geb. Weinandt werben anaesertigt und aufgearbeitet in Wolle und Daunen. Satin in allen Farben und Preislagen Fertige Decken besonders preiswert Anfertigung in eigener Wcrkstätte! WMentos,®flMr.24 Vermischtes. Bcrnfteinfunbc in Berlin. Bau- und Ausschachtungsarbeiten Sic braueben webet RM. 790 n. •!).'. 850 ob. gar RM910 auf- zürnenden, kauf. Sie von d. gröstt. Fabrik der Well, welche tut- stände ist. Fhnen für NM. 038 Bollwert. au dielen: ein DKW 200 ccm del Schilling oder Nachruf. Nadi längerem Kranksein verstarb gestern unser dieser Tage an verschiedenen Stellen Groh-Berlins Bernsteinstückc von respektabler Gröhe gefunden worden Die Bernsteinstückc lagen in Weihern Fluhsand und sind bis zu 125 Gramm schwer. Die Bernsteinnester lagen in einer Tiefe Herr Heinrich Mehl aus Großen-Linden. Sein Hinscheiden bedauern wir um so mehr, als mit ihm einer unserer besten Mitarbeiter, ausgestattet mit großen Fähigkeiten und Kenntnissen, von uns geht. Der Entschlafene war uns ein lieber Freund von seltener Gewissenhaftigkeit und Selbstlosigkeit. Er hat sich bei uns ein ewiges Andenken gesichert. Lang-Göns, den 11 Mai 1929. Fa. Wilhelm Frey, off. Hand.-Ges. B B gr. Auswahl aus Lager. Fuhren HB tret Hof und Waggon - Labungen liefern prompt und preiswert Gebr. Kahl, Telephon 87 Schuhe werden zu jedem 1_____ „ gefärbt in eigener Werkstatt. Nachruf! Am 10. Mai verstarb nach längerem Kranksein Herr Heinridi Mehl, Weltmeister Wir bedauern aufrichtig, in dem Entschlaferien einen guten Freund und Mitarbeiter verloren zu haben, der sich allgemeiner Beliebtheit und größter Wertschätzung erfreute. In selbstloser Hingabe, unterstützt durch seine reichen Erfahrungen. die er sich während seiner langjährigen Tätigkeit sammelte, hat er stets nur das Beste für uns alle gewollt und sich somit ein bleibendes dankbares Gedenken in unser aller Herzen gesichert. — Ruhe in Frieden! Die Angestellten und Arbeiter der Firma Wilhelm Frey, Zigarrenfabriken, Lang-Göns. Lang-Göns, den 11. Mai 1929. Heinrich Mehl, Werkmeister in fast vollendetem 53. Lebensjahre. BRENNABOR sowie eine Anzahl anderer Fahrzeuge zu den günst. Preisen und Bedingungen sof abzugeben. Gute Hypotheken werden ebenf. in Zahl, genom Vorführungen auf Wunsch. DUPONT A.G.,FranMiirta.M. Taunusstrabe 52 Telephon Hansa 6836. a —„IXAq. hellfarbige Cheviot- n. 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Mai 1929. n.«’ Motorräder u Statt besonderer Anzeige Am 10. Mai d. J. verschied nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein herzensguter Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Karl Blick Eisenbahnobersekretär i. R. Die trauernden Hinterbliebenen: Philippine Blick geb. Geier Familie Fritz Linker Familie Karl Blick. Gießen, Darmstadt, den 11. Mai 1929. Die Beisetzung findet am Montag, den 13. Mai, nachmittag 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Wir bitten herzlich, von Beileidsbesuchen abzusehen. Anzüge/Mäntel 10“ Gröber als Sie ahnen, ist die Auswahl Eigene Herstellung nur guter Qualitäten Auf telephonischen Anruf 101 sehen Auswah'- Sendungen sofort zur Verfügung. 4X)6a Gelegeiilieitoiil! Achtung! Herrcu-Lobleu .. . von Damcu'Todlcu .. . von lltletieauetlflllle! Todesnrs achcini ach dem 40. Lebensjahre ist die Adernverkal' knng. — Wie man dieser gefährlich. Krankheit vorbeugen und weiteres Fortschreuen «Schlaganfall! verhindern kann, sagt eine soeben erschien. Broschüre v. Geh.Med.-Rai Dr.uied. H.Sehröder, die jcd. auf Verlangen lostcnlos und portofrei durch R. H. Krihn, Eerlln-Eanlsdor! 210zuaesandt wird. 4-J33V Berliner Börse. Berlin, 11. Mai. (WTB. Funkspruch.) Nachdem schon gestern abend in Frankfurt im Verlaufe der Börse eine Befestiaung eingetreten rypr, nannte man' heute vormittag feste nab 3 bis 4 v. 5). höhere crurse. Das Geschäft war heMc morgen nod) klein, später konnten sich die ersten Kurse nicht ganz behaupten, die Stimmung blieb aber freundlich. AEG. 170 bis 170,5, Schlickert 248 bis 249, Siemens 380, F.°G.,Farben 251 bis 251 Geld. Am Devisenmarkt nannte man: London gegen Paris 124,22, London gegen Mailand 92,65, London gegen Spanien 34 piiSperrhoiz h'sS'S ln Eiche, Gaboon u. Stiefer 3-25mm “ A Bi B Bretter und Dielen aller Stärken, = " o e schwedische und bayerische Hobel- »L --> bieucr. Spalierlatten, Eichen- u. 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Roman einer Nacht Von Paul Nosenhayn. 25 Fortsetzung. Nachdruck verboten Sie drückte auf den Ball: „Jach, fahre heim!" Sokoloff schüttelte leise den Kopf und sah ihr ins Gesicht. Es war bleich: auf der Schläfe zeichneten sich feine Fältchen ab. Wieder nahm er ihre Hand: sie war eiskalt. Wieder riß sie sich erschreckt los. Erstaunt fragte er, indem er.ihr ins Gesicht sah: „Haben Sic Furcht vor mir, Linda?" Sie nickte schweigend. Er zuckte die Achseln. „Können diese zehn Minuten im Ernst den Traum einer ganzen Rächt mit einem Schlage zerstört haben?" Sie fuhr herum und sah ihn von oben bis unten an. „Wollen Sie mich verhöhnen?" „Ich will Sie nicht verhöhnen, Linda." „Muß ich Ihnen wirklich sagen, warum ich mich vor Ihnen sürchte? Ilebrigen8: ich fürchte mich nicht vor Ihnen: das Wort ist sinnlos. Ich... ich... ich weih, dah Sie Fedor Sokoloff sind!" Er nickte. „Run ja .. „Run ja ... nun ja ... Fedor Sokoloff... das ist der Rarne eines Verbrechers!" „Linda!" „Rennen Sie mich nicht Linda! Wir waren ein paar Sekunden zusammen — nun, da ich sehe, dah ich das Opfer eines raffinierten Verbrechers geworden bin: nun gibt cs nur eins: diese Rachit wird ausgelöscht feiij in meinem Gedächtnis!" „So viel kann von einem Rainen abhängen?" Sie sah ihn mit bitterem Lächeln an. „Ach nein... das ist wieder eine Unmöglichkeit. Ich kann ja von Ihnen nicht los: das Schwerste steht mir noch bebor: mein Mann... mein Mann... ich werde meinem Manne alles sagen. Alles gestehen: dah ich im Kontinentalzuge die Dekannt- schaft eines Mannes gemacht habe, der mich mit glatten Worten eingefangcn hat, der cs verstanden hat, meine Seele gefügig zu machen, meine Gedanken einzuwiegen in gefährliche und verbrecherische Träume — der mich in seine Arme genommen hat — dem ich gefolgt wäre bis ans Ende der Welt. Wenn nicht in dieser letzten einzigen entscheidenden Minute das Wort gefallen wäre: dieser Mann ist in Wahrheit Fedor Sokoloff, jener Verbrecher, den ganz Dänemark sucht. Der sich in mein Vertrauen geschlichen hat, weil er wußte, wer ich war: der nicht meine Liebe wollte, der seinen Vorteil im Auge hatte — der mit der Frau des Polizeipräfekten Feste feierte, weil er wußte, dah er an ihrer Seite vor ihrem Manne, dem Polizeipräfekten, sicher war. Das werde ich ihm sagen — ja, das werde ich ihm sagen." Sokolofs warf einen Blick in das Grau hinter den Fenstern, das langsam licht wurde. Die feuchte Kühle des Sortedars Sees schlug gegen die Fensterscheiben, die sich mit einer feinen perlenden Schicht bedeckten: das Auto fuhr über die Dronning Louises Drücke. „Ich kann Sie nicht hindern — und ich will Sie nicht Hindern, Frau Linda, Ihrem Manne alles das zu sagen, was Ihr Gewissen Ihnen gebietet. Aber glauben Sie im Ernst, dah die Dinge so sind, wie Sie sie in dieser Stunde sehen?" „Ich weiß, dah Sie Fedor Sokoloff sind!" beharrte sie zornerfüllt. „Ja, Sie wissen, dah ich Fedor Sokoloff bin. Was wissen Sie mehr?" Sie schüttelte den Kopf. „Ich verstehe Sie nicht." „Ich meine: sind Sie sich klar darüber, was der Rarne Fedor Sokoloff bedeutet?" „Ja." „Vein, Linda. Mein Rarne ist ein Schlagwort — bei dem Sie sich in Wahrheit nichts denken können." „Ich weiß, dah man Sie sucht. Daß man Sie augenblicklich festnehmen wird, wenn man Sie findet." „Sind Sie wirklich so sehr von der Gottähnlichkeit der Machthaber überzeugt? Obwohl Sie mit einem dieser Machthaber verheiratet sind?" „Soll das Spott sein?" „Gewiß nicht." „Mein Mann ist klug und gütig." „Ich sehe, Ihr Abscheu ist tiefer, als ich geglaubt habe. Was nun, wenn ich Ihnen beweisen würde, daß Sie sich irren?“ „Daß ich mich irre? Ich weih, dah man Eie sucht, ich sage es Ihnen zum zehnten Male." „Wenn ich Ihnen nun beweisen würde, dah alle sich irren? Dah man mich auf der Stelle freilassen würde?" Sie wandte sich erstaunt zu ihm herum. „Ist das nun ein Trick von Ihnen? Mit dem Sie sich einen guten Abgang verschaffen wollen?" Ein trauriges Lächeln stieg in fein Gesicht. „Glauben Sie, dah mir an einem guten Abgang gelegen wäre? Ich habe doch nur einen Wunsch: Ihnen zu beweisen, dah alle Kombinationen sinnlos sind, die sich an meinen tarnen knüpfen: dah niemand es wagen wird, Fedor Sokoloff ein Wort des Vorwurfes ins Gesicht zu sagen." „Wenn die Dinge so liegen — wenn Sie unschuldig sind — warum haben Sie sich nicht längst zu erkennen gegeben?" x „Gibt es dafür nur eine Erklärung: die kri- 'minelle? Besteht die Menschheit nur aus Ehrenmännern auf der einen und aus Verbrechern auf der anderen Seite? Sind nicht die tiefsten und letzten Dinge jenseits von Gut und Döse?" Sie machte eine ungeduldige Handbewegung. „Was wollen ©i# also tun?“ „Ihnen beweisen, dah es kein ilntoürbiger ist, den Sie lieben." „Beweisen ... beweisen ... wie wollen Sie das beweisen?" „Ich glaube, cs gibt nur einen einzigen Weg, cs zu beweisen. Sic selbst werden ihn bestimmen, Linda." Sie sah zu Boden, hilflos, unschlüssig. Er drückte auf den Ball des Sprechschlauches. „Vein," sagte sie in wicdererwachendem Argwohn. „Das alles kann mich nicht täuschen. Wer sind jene Leute in der Rordfeldgasse? Warum wurden sie festgenommen? Welche Rolle spielten Sie in diesem Kreis? Warum sind Sie in Kopenhagen?" Das Auto stoppte: der Chauffeur beugte sich lauschend zum Hörrohr. „Die Frau Präfekt wünscht zum Schwurgericht zu fahren!" Bruno Riebinger. Aage Lund ging, die Hände auf dem Rücken, mit kurzen Schritten vor der Geschworenenbank auf und ab: die Augen des Vorsitzenden folgten ihm. „Es ist, als ob sich in diesem Prozeß alles gegen die Angeklagte verschworen hätte," sagte Aage Lund kopfschüttelnd. „Ein Entlastungszeuge meldet sich: jener Bruno Riedinger. Wir warten auf ihn, alles wartet auf ihn: mit seinem Eintritt wird das ganze Gebäude der Anklage zusammenbrechen. Statt seiner trifft die furchtbare Rachricht ein: Das Schiff, mit dem er kommen soll, der Dampfer „Eva Sullivan", ist mit Mann und ..." Der Vorsitzende unterbrach ihn. „Ob der Kronzeuge Riedinger die Angeklagte entlastet hätte, wissen wir vorläufig nicht, Herr Rechtsanwalt. Vielleicht hätte er, im Gegensatz zu Ihrer Vermutung, durch eine Aussage die letzten Zweifel an Marfa Ermolieffs Schuld beseitigt?*' „Mitten in der Verhandlung passiert dies seltsame Malheur: die Beleuchtung versagt — man erwischt in der Eile eine andere, die Schwester der Angeklagten. In der allgemeinen Panik gerät Fräulein Ermolieff in einen Teil des Gerichtsgebäudes, aus dem sie vergeblich herauszukommen sucht ..." „Run, nun, Herr Verteidiger:" der Vorsitzende schüttelt entschieden den Kopf. „Ich glaube, Sie werden vergeblich versuchen, dem Gericht klarzumachen, daß hier ein Zufall vorgelegen hat. Das wäre ein Zufall, dem die Angeklagte eine so große Reihe von Vorteilen verdankt hätte, daß ich skeptisch bin. Ich glaube an einen regelrechten Fluchtversuch." „ilnö drittens," fuhr Aage Lund unerschütterlich fort, „diese nervenzermürbende Taktik meiner Mandantin, kein Wort zu sagen, was zur Aufklärung des Falles dienen kann." Der Staatsanwalt erhob sich. „Herr Rechtsanwalt Lund hat sein Resümee gezogen, das in mancher Hinsicht auch meiner Auffassung entspricht. Ich glaube, daß die Verteidigung nach Lage der Dinge am klügsten handelt, wenn sie sich der Wucht der Tatsachen fügt; wenn sie weder von dem Zeugnis des vermutlich ertrunkenen Riedinger spricht — das sehr wohl die Vernichtung aller Hoffnungen der Verteidigung bedeuten könnte —, noch das hartnäckige Schweigen der Angeklagten ins Treffen führt, das für mich nichts anderes ist als das wortlose Bekenntnis, schuldig zu sein. Wir wollen, ich nehme das Einverständnis des Herrn Vorsitzenden, die Billigung der Herren Geschworenen als gegeben an, kurz den Fall rekapitulieren: An jenem Llbend im Grand-Hotel, in jener tiefen, durch kein Licht erhellten Rächt, hat sich ..." Die Tür wurde aufgerissen; der Gerichtsdiener sprang hinzu, stellte eine leise Frage, wandte sich dann mit erstauntem Gesicht der Richterbank zu und meldete: „Der Zeuge Bruno Riedinger." Ein Flüstern, das mehr und mehr anschwoll, stieg zur Decke des Saales, schien ihn völlig zu erfüllen: wie das Brausen einer fernen Brandung steigerte sich das Gewirr der Stimmen. Alles blickte nach der Tür. Der Eintretende war von dunklem Typ: obwohl der Ausdruck seines Gesichts gleichmütig war, flackerten die Augen In einem seltsamen inneren Feuer: man mochte wohl bei seinem Anblick an das Gesicht eines Fanatikers denken. Vielleicht an die Züge eines Revolutionärs. „Sie sind Bruno Riedinger?" fragte der Vorsitzende mit tiefer, betroffener Stimme; er sah dem Ankömmling mit sichtlicher Bestürzung entgegen. „Ja, Herr Präsident." „Können Sie sich legitimieren?“ „Hier sind meine Papiere." Der Vorsitzende blätterte in dem Patz des Fremden und sagte dann, fassungslos mit der Hand auf den Tisch schlagend: „Wir haben die funkentelegraphische Rachricht bekommen, daß der Dampfer „Eva Sullivan" auf der Höhe von Kullen untergegangen ist." , „So ist es, Herr Präsident. Ich gtaube, bah die meisten Passagiere ums Leben gekommen sind. Ich hatte das Glück, mit einer jungen Dame zusammen gerettet zu werden: ein Motorschoner brachte uns nach Helsingör. Aber ich wußte, daß das Leben eines Menschen auf dem Spiele stand: man stellte mir in Helsingör ein Flugzeug zur Verfügung." Der Richter neigte anerkennend den Kops; dann blickte er im Saal umher. „Ist jemand hier, der diesen Herrn kennt?" Riemand antwortete. „Fräulein Ermolieff, kennen Sie Herrn Riedinger?" Die Angeklagte schüttelte den Kopf. Riedinger blickte zu ihr hinüber; alles sah auf Marfa Ermolieff, deren Gesichtsausdruck sich seltsam veränderte. „Will Fräulein Ermolieff im Ernst bei der Behauptung bleiben, daß sie mich nicht kenne?" fragte Riedinger langsam, mit einer Stimme, die fast traurig klang. Fühlbares Schweigen legte sich über den Raum. Aller Augen ruhten aus der Angeklagten. Sie stand plötzlich auf und sagte mit leiser Stimme: „Ich habe die Unwahrheit gesagt. Ich kenne diesen Herrn. Es ist Bruno Riedinger." Das Gesicht des Vorsitzenden erhellte sich. „Herr Riedinger — Sie haben gehandelt wie ein Mann. Wenige würden die Rervenkraft aufgebracht haben, mitten in einer so furchtbaren Katastrophe an Ihre Pflicht gegen einen Mitmenschen zu denken. Es gereicht Ihnen zur Ehre, daß Sie nach alledem, was Sie in diesen letzten Stunden erlitten haben, vor uns stehen. Fühlen Sie sich kräftig genug, auf die Fragen zu antworten, die Ihnen das Gericht stellen wird?" „Ich hätte eine Ditte, Herr Präsident." Der Vorsitzende sah ihm ins Gesicht, er überflog die Gestalt des vor ihm Stehenden mit einem prüfenden Dlick; er sah in sein bleiches Gesicht, in seine Augen, in denen noch der Schrecken der Unglücksnacht lag. „Dringen Sie Herrn Riedinger einen Sessel." „Dcvor ich auf den eigentlichen Fall eingehe, muß ich Sie etwas Wichtiges fragen. Sie heißen Druno Riediüger — wenigstens lautet Ihr Paß auf diesen Ramen. Auch der Ermordete hieß Druno Riedinger. Wie hängt das zusammen? Ist das eine zufällige Ramensgleichheit? Das wäre, wie ich bemerken machte, einigermaßen unwahrscheinlich." (Fortsetzung folgt.) schön rfW’fr daß es eine Lust ist, damit den Tisch zu decken! In jedem fortschrittlichen Haushalt finden Sie das aus- - Henkels Putz-und Scheuerpulver putzt und scheuert alles. Nur in Originalpackung — niemals lose!