Donnerstag. V. April 1929 Nr. 84 Erstes Blatt 179. Jahrgang Oie rote Welle Auch dieOeutscheVolkspartei stimmt;». Berlin. 10.April. (TU.) Die Reichstagsfrak- tion der Deutschen Dolkspartei nahm in ihrer Sitzung am Mittwochabend in Anwesenheit der bet- Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u/n mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Dietzen. Eine Denkschrift der Spihengewerkschasten der Eisenbahner. Berlin. 10. April. (WTB.) Die Deutsche Reichsbahngesellschaft ist heute in den Besitz der Denkschrift gelangt, die der Allgemeine Deutsche Gewerkschastsbund in Zusammenarbeit mit den Eisenbahnergewerkschasten versaht hat und in der die Lohnforderungen der Eisenbahner nochmal- begründet malige Feldwebel am schwersten durch seinen früheren Kameraden Klapproth belastet. Oer Fall Schulz. Der Rechtsausschuft vertagt die Beratung des Gnadengesuchs. Die Ermittlung des Feldwebels Zahlbusch Wiederaufrollung von Femeprozeffen. Oie Notlösung. I I Entschließungen des Reichstabinetts. Berlin. 10.April. (TU.) Amllich wird milgefeilt: Die Reichsregierung trat am 2Hift- wochoorrnillag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers zu einer eingehenden Aussprache über die gegenwärtige politische Lage zusammen. Sie kam einstimmig zu folgenden (E n t - schliehungen: Angesichts der auheu- und innenpolitischen Lage und insbesondere im Hinblick aus die augenblick- lidj in Paris tagende Reparationskonferenz ist eine aktionsfähige Regierung in Deutschland da» unabweisbare Erfordernis. Die Reichsregierung wird dafür ihre ganze Kraft daran- fetzen, daft die Grundlagen der deutschen Staatswirtschaft nicht erschüttert werden und deshalb Insbesondere der Reichshaushattsplan 19 2 9 alsbald im Reichstage zur Verabschiedung gelangt. Zn diesem Zweck bekräftigt die Reichsregierung ihren bereits am vergangenen Sonntag nach eingehender Prüfung im Hinblick auf die gefamtpoli- tlfchen Rotwendigkeiten gefotzten Vefchlutz. unter Rückstellung ihrer Bedenken auf den Boden der Vorfchläge zu treten, welche von den Sachverständigen der Sozialdemokratie, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokratischen Partei und der Bayerischen Volkspartei zusammen vereinbart worden sind. Für die Durchsetzung der so zustande gekommenen Vorschläge, einschlietzlich derjenigen für den haushalt des Reichswehrministeriums, wird die Reichsregierung sich geschlossen einsehen. Die Reichsregierung erwartet, dotz die oorgenann- ten Fraktionen des Reichstages sie in dieser Arbeit unterstützen und etwaigen Anträgen aus weitere Streichungen über die genannten Vorschläge hinaus oder auf höhere Ausgaben- bcroilligungen den erforderlichen widerstand ^entgegensetzen werden. Sie erwartet weiter, datz zur Gewährleistung eines reibungslosen Gan- ge» der Relchsgeschäste Anträge von grundlegender Bedeutung überhaupt nur im gegenseitigen Benehmen gestellt oder weiter verfolgt werden. Aus dieser Grundlage wird die Reichsregierung mit den obengenannten Fraktionen des Reichstages in Verbindung treten, um durch fortgesetzte engste Fühlungnahme die Erreichung dieser politischen Ziele zu gewährleisten. Sie wird gleichzeitig die von ihr angestrebte Erweiterung de» Reichskabinetts ohne weiteren Verzug in die Wege leiten. Die vorstehenden Entschließungen der Reichsregierung wurden vom Reichskanzler den Partei- und Fraktionsführern der Sozialdemokratie, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokratischen Partei und der Bayerischen Volkspartei übermittelt und von ihnen den betreffenden Reichslagsfraktionen unterbreitet. Sämtliche beteiligte Reichstagsfraktionen billigten die Entschlietzungen der Reichsregierung und er- klärten sich bereit, auf dieser Grundlage die Regierung zu unter ff ü^en. Der Reichskanzler wird über das (Ergebnis dieser Beratungen dem Herrn Reichspräsidenten Vortrag halten und hierbei zugleich Vorschläge für die Erweiterung der Reichsregierung machen. Das Zentrum zum Wiedereintritt in das Kabinett bereit. DieAbgeordneten von Gusrard,Stegerwald nnd Wirth werden als Minister benannt. Berlin. 10. April. (TU.) Die Zentrums- s r a k t i o n des Reichstages nahm am Mttttvoch- nachmittag den Bericht ihres Vorslhenden, des Abgeordneten Stegerwald, über die Besprechung der Parteiführer mit dem Reichskanzler entgegen. Gr gab den Wortlaut der von der Regierung beschlossenen Erklärung bekannt. Die Zentrumsfraktion beschloss nach kurzer Aussprache, sich auf den Boden der 2teg ic* rungserklärung zu stellen. Danach ut Damit zu rechnen, datz voraussichtlich bereits im Laufe des Donnerstag drei M i t gl r e der der Zentrumsfraktion in dr e R e r ch s- regierung ein treten werden. ®te Zentrumsfraktion beschloß einstimmig, dem Recchs- kanzler als Mitglieder der Reichsregierung vorzuschlagen: den Abgeordneten von Guerard für das Reichsjustizministerium, den Abgeordneten Stegerwald für das Berkehrsmim- sterium und den Abgeordneten Dr. Wirth für das Ministerium für die besetzten Gebiete. Berlin, 10. April. (TU.) Rach den amtlichen Mitteilungen des Ministerialrates Hermann vom preutzischen Justizministerium befindet sich der ehemalige Feldwebel Fahlbusch aus dem Wege nach Deutschland, nachdem die Bereinigten Staaten seinerAuslieferung wegen siebensacher Mordbeteiligung stattgegeben haben. Wie eine Berliner Korrespondenz erfahrt, rechnet man damit, datz Fahlbusch Ende deS Monats oder Anfang nächsten Monats trt Deutschland eintreffen wird, und datz er bereits in der am 8. Mai in Berlin stattfindenden Revisionsverhandlung gegen Nicolaus Reim als Zeuge zum ersten Male wird gehört werden können. Die Festnahme Fahlbuschs in Amerika und seine Auslieferung bedeutet für alle Fem^alle. die bisher abgeurteilt, worden sind, eine s en - sationelle Wendung, denn von alten Seiten wird jetzt die Wiederaufnahme der Verfahren betrieben. Auch Oberleutnant a. D. Schulz hat die Absicht, erneut den Antrag auf Wiederaufnahme seines Verfahrens einzureichen, da durch die Verhaftung des Fahlbusch nach Ansicht der in Betracht kommenden Kreise me öcmc- verfahren in einem anderen Lichte erscheinen sollen. Fahlbusch wird vorgeworfen datz er in Öen Femefällen Sand, Wilms, Gädicke, Groschke, Brauer und Rcimdie entscheidende Rotte gespielt hat. Fahlbusch ist sogar wahrend der Landsberger Prozesse von Klapproth und einigen Zeugen auf das schwerste belastet worden und Klapproth hat behauptet, datz der „Sport- lehrer" Fahlbusch "°ch w-it°r- Mord, t a t e n auf dem Gewissen habe, die er selbst ohne Wissen anderer Stellen durchgeführt habe. Weiter wird Fahlbusch beschuldigt, seinen Mithelfer, den ehemaligen Mdwebel Du sch in g ermordet zu haben. Fahlbusch ist, wie fest steht, mit Büsching zusammen von einem ltalieEen Hafen aus zunächst nach Südamerika gefluchtet. Unterwegs ist Büsching eines Tages auf dem Schiff verschwunden, ohne daß sich damals feststellen ließ, ob der Vermißte einem Unglücksfall oder einem Gewaltakt zum Opfer gefallen ist. Die Ermittlungen der putschen Behörden werden sich auch auf diese rätselhafte Tat ausdehnen, und man wird durch Heranziehung des Logbuches des Dampfers und bet vta leni- schen Besatzung versuchen, hier Klarheit zu schaffen. Durch die Festnahme des Fahlbusch wird mog. licherweise auch gegen einzelne in den Feme »erfahren bisher abgeurteilte Perfonen von feiten der Staatsanwaltschaft die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt W^den. da Fahlbusch ohne jeden Zweifel, um sich zu retten, seine früheren Vorgesetzten und Kamera das schwerste belasten durfte. Mindestens in den Landsberger Femeprozessen wird die Wiederaufnahme erfolgen aussen, da I alle D°,-iIig'-n dEl« erklär, haben d sehr (eichte, Osi massiger SOdsudWest q stürmische« Kordwcst Ole Pfeile fliegen mit dem Winde. Pie oeiden Stationen stehenden Zahlen gehen die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichem, euf Meeresniveao omgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Unsere Wetterlage steht immer noch unter dem Einfluß des nach Süden abziehenden Tiefs. Das nordwestliche Hoch hat sich ostwärts ausgebreitet und liegt mit seinem Kern, der Barometerftände von über 775 Millimeter aufweist, über dem Nordmeer. In Norddeutschland hat an seiner Südseite schon eine Ostwindsträmung eingesetzt, die sich auch in unserem Gebiet bald bemerkbar machen wird. Infolgedessen ist mit einem Nachlassen der Niederschläge zu rechnen. Die Reste der Störung lassen zunächst noch Bewölkung vorherrschen, die jedoch durch die ausschließenden kühleren Luftmassen des Hochs alsbald mehr zur Auflösung kommt. Voraussage für Freitag: Zunächst noch wolkiges Wetter mit Neigung zu Niederschlagen, später mehr aufheiternd, kühl. Voraussage für Samstag: Teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, meist trocken. Lufttemperaturen am 10. April: mittags 10,6 Grad Celsius, abends 5,2 Grad; am 11. April: morgens 4,3 Grad. Max.rnum 9,7 Grad, Minimum 3,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. April: abends 8,9 Grad; am 11. April: morgens 4,9 Grad Celsius. — Niederschlag 1,2 mm. — Sonnenfchsm» tau« 2% Stunden. :,e ankommt, und TEUSCHEß BU LG ARIA XI mb gelölef. n bei Solo» uer aus, dar Abwesenheit Irand griff indem n u r anderen m \i verfvhUe n. ** Die Gasproduktion des städtischen Gaswerks betrug im abgelaufenen Verwaltungsjahr 3 445 740 Kubikmeter (gegen 3 328 750 Kubikmeter in 1927/28). Es wurden demnach im letzten Jahre 115 990 Kubikmeter oder 3,51 v.H. mehr Gas hergestellt und verbraucht, als im Jahre zuvor. Auf den Kopf der Bevölkerung berechnet entfallen rund 100 Kubikmeter Gas, ein Verbrauch, der recht beochllich und zufriedenstellend ist. An Gasmessern waren am 31. März d. I. aufgestellt 7093 Stück mit einer Leistung von 31 800 Flammen, zu denen noch 1053 Gasautomaten oder MünzgasDer neue Roman ist spannend von der ersten bis zur letzten -Zeile, er hat eine buntbewegte, mit Ueberraschungen und dramatischen Steigerungen gespickte Handlung, die im allerletzten Kapitel zu einem befriedigenden Ende geführt wird. Unb da es sich nicht nur um einen Kriminalroman, sondern zugleich auch um eine Liebesgeschichte handelt, hoffen wir, mit der Erwerbung dieses Werkes einen glücklichen Griff getan $u haben und mit seiner Veröffentlichung unserem Leserkreise eine willkommene Lektüre zu bieten. Daten für Freitag, 12. April. Sonnenaufgang 5.12 Uhr, Sonnenuntergang 18.50 llhr. — Mondoufgang 6.25 Uhr, Monduntergana 22.40 Uhr (Mond in Erdnähe). 1831: der Bildhauer und Maler Constantin Meu- nier in Brüssel geboren (gestorben 1905); — 1888: der Chemiker und Industrielle Ludwig Nobel in Cannes gestorben (geboren 1831); — 1899: der Augenarzt Karl Alfred Gräfe in Weimar gestorben (geboren 1836). Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Butter Pfund 1.80 bis 1,90; Matte 30 bis 35; Wirsing 20 bis 50; Weißkraut 20 bis 30; Rotkraut 20 bis 35; gelbe Rüben 25 bis 30; rote Rüben 25 bis 30; Spinat 30 bis 60; Unter-Kohlrabi 10 bis 15; Feldsalat 2,50 bis 3,00; Tomaten 80 bis 1,00; Zwiebeln 25 bis 30; Meerrettich 50 bis 1,50; Schwarzwurzeln 60 bis 90; Kartoffeln 6; Aepfel (ausländische) 50 bis 80; Aepfel (inländische) 30 bis 40; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,20 bis 1,30; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Tauben 90 bis 1,00; Rüsse 70 bis 80; Eier Stück 11 bis 12; Blumenkohl 70 bis 1,60; Salat 30 bis 50; Salatgurken 1,30 bis 1,40; Endivien 1,50 bis 3,00; Lauch 15 bis 30; Rettich 20 bis 30; Sellerie e in einem Taste. 5ladj Mahnungen als sehr be- vcrsche dem ieser fiel um Hache dürste alvergis- rn sein. Der igen Kindern elrunlen. ung. 2eleuchfun" Hilden.' am Nischen 3«i‘ nlählich der mixreine in ud)tung an Juli und am Rosenhahns eigentliches Feld ist der Kriminalroman. Er weiß, worauf es dabei «ui, er versteht es, feine Sache geschickt ans Publikum zu bringen; er verbindet Scharfsinn und Phantasie zu der gerade hier unerläßlichen und entscheidenden Mischung. [4tcll M waren MäuTt ? Jaücn ms t Mahnung bic Bränix •oröen seien, wd) nun= ,n eines miltelt, der worben war. 1 seiner m hemm- inbe die er- sind in der ganzen Welt und auch bereits in weiten Teilen Deutschlands beliebt. Es hat sich erwiesen, daß das eigenartige, herbsüße, starkeAroma deraus bulgarischen Edeltabaken hergestellten Zigaretten die Geschmacksrichtung desdeutschen Rauchers trifft. VERSUCHEN SIE BULGARIA KRONE 54k ist dar ^Lvnilie kUtbtn IM > üb. * und Morden hchädigi. ^aden et. 11 geschäht fit. ft»erben .beschließen, ^schafttichen 'Sraiien messer mit 3159 Flammen, also zusammen 8146 Gasmesser mit 34 959 Flammenstärke (8054 Stück Gasmesser mit 34 683 Flammen) kommen. Es stellt sich sonach der Gasmesserzugana im letzten Jahr auf 92 Stück bei 276 Flammenverstärkung. ** Das städtische Bolksbad hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr 147 832 Besucher zu verzeichnen, gegen 100132 Badegäste im Jahre huvor. Die anhaltende Kälte im letzten Biertel- lahr hat einen sehr nachteiligen Einfluß auf die Frequenz des Bades ausgeübt. " Eine wohlverdiente Ehrung in Gestalt eines Ständchens wurde gestern abend überraschend dem im Forsthaus Hochwart wohnenden Stadtförster Peter Arft anläßlich seines 65. Geburtstages von dem 12 Mann starken Bläserchor des Evang. Arbeitervereins unter Führung des Herrn Bartholomäus dargebracht. Stadtv. S ch w i e d e r als Mitglied der städtischen Forstdeputation und Leiter der städtischen Holzversteigerungen sprach dem ihm durch die gemeinsame Forsttätigkeit engverbun- denen Manne herzliche Glückwünsche aus. Der Geehrte dankte dem Bläserchor und dem Stadtverordneten Schwieder für diese unvermutete Ehrung mit warmen, gerührten Worten. Förster Arft, der seit 40 Jlahren einen großen Teil unseres Stadtwaldes, sowie den Forst der Gemeinde Annerod in ausgezeichneter Weise betreut, hat sich in dieser langen Dienstzeit sowohl durch sein freundliches, gerechtes und alle-P zeit entgegenkommendes Verhalten, wie auch durch seine vorbildliche Liebe zu den Tieren des Waldes die hohe Wertschätzung weiter Bürgerkreise erworben. Der verdiente und noch außerordentlich rüstige Forstmann muß leider im Laufe dieses Sommers infolge Erreichens der Altersgrenze in den Ruhestand treten, wodurch ein Mann aus dem Amte scheidet, der mit ganz besonderer Liebe an seinem Walde hängt, dem er aber durch die Wahl seines künftigen Wohnsitzes auch fernerhin naheblei- ben wird. ** Desihwechsel. Der frühere Kalkbrennerei* bescher C a r l H a a s verkaufte fein 2000 Quadratmeter großes Baugelände, zwischen Gasfky-, Schu* bertstraße und Aulweg gelegen, an den Hessischen Staat bzw. den Heilstättenverein, der das Gelände zur Arrondierung feines Besitzes (Lupusheilstätte) erwarb, womit die Möglichkeit für weitere Heil- stättenbauten gegeben ist. — Frau Witwe Atz- bach verkaufte an Fabrikant Rinn ihr etwa 600 Quadratmeter großes Grundstück am Fried- hossweg, gegenüber dem Rodtberg-Friedhof gelegen. ** Auftrieb zum heutigen Frankfur. terSchlachtviehmarkt:2 Kühe, 1096 Kälber. 93 Schafe, 805 Schweine. 20 bis 1,00; Radieschen Bund 30 bis 35; Kartoffeln Zentner 5,50 Mk. Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Barmer Ersatzkafseff: Mitgliederversammlung, 8.30 Uhr, im „Hessischen Hof". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Alpen". — Astoria-Lichtspiele: „Ist Eddy Polo schuldig'?". — Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die letzte Aufführung von „Der Mikado" beginnt morgen, Freitag um 19« 2 Uhr. Dieser „Tag in Titipu", mit der fast klassisch gewordenen Operet- tenmusik von Gilbert, hat in seiner eigenartigen Reuinszenierung einen großen Erfolg in Gießen gehabt. — Für Sonntag, 14. April, ist zum letztenmal der „Mustergatte" von Averh Hop- wood angeseht. Fremdenvorstellung: Ermäßigte Preise. — Als nächste Premiere steht: „Thomas Paine" von Hanns Iohst auf dem Spielplan. Spielleitung: Intendant Dr. P r a s ch. Hanns Iohst wird das erstemal in Gießen aufgeführt. — Hallo Theater! Aus dem Stadttheaterbureau schreibt man uns: Am 20. April, 21 Uhr, wird ein bunter Festabend zugunsten der Mitglieder des Stadttheaters unter der Devise „Hallo Theater! Ein Mimennachtspuk' veranstaltet. — Der Verein ehem. Leibgardisten begeht am Samstag, 13. April, fein 9. Stiftungsfest im Kath. Dereinshaus. Ein gut gewähltes Programm, so schreibt man uns, verbürgt den Besuchern einige schöne Stunden der Unterhaltung. Siehe heutige Anzeige. So und nicht anders sollten wir den Männern begegnen, die Zigarrenasche als Mottenpulver und Nachlässigkeit als Liebe ausgeben. M.A. Unfer neuer Roman. Rachdem wir in letzter Zeit den Gefellfchafts- roman bevorzugt und in der gestrigen Ausgabe unseres Blattes die mit allgemeiner Anteilnahme in unserem Leserkreise aufgenommene Erzählung „Die Liebe der Brigitta Hollermann" zum Abschluß gebracht haben, beginnen wir in der heutigen Rümmer mit der Veröffentlichung eines neuen Werkes, das wieder einmal ein echter und rechter Kriminalroman ist. Er heißt: „Roman einer Nacht" Von Paul Rofenhayn. Rosenhahn ist kein Reuling mehr auf literarischem Gebiet. Er hat sich einen geachteten Ramen geschaffen, und alles, was er bisher veröffentlichte, wurde gern gelesen, sogar verfilmt, und hatte durchschlagenden Erfolg. d) uiit« U -H *<■»£ V** m L@rol) Ipru Kröv- Aus oer Provinzialhauptstadt. Gießen, den 11. April 1929. Wie erziehe ich meinen Mann? Eine Frau an die Frauen. Wenn dein Mann Zigarrenasche auf den Teppich fallen läßt, wird er dir erklären, daß es kein besseres Mittel gegen Motten gibt. Auf den Blumentöpfen wird die gleiche Asche alle Schmarotzer töten, und — wenn du Zeit hast — wirst du erfahren, daß Zigarrenasche infolge des hohen Kaligehaltes als Dlumendünger derart wirkt, daß deine Zimmerlinde voraussichtlich bald durch die Decke wachsen wird. Wenn du deinem Manne von der Last deiner Hausarbeit erzählst, wenn du ihm mitteilst, daß du treppauf treppab laufen mutzt, daß du vom vielen Bücken, Abstauben, von all der tausenderlei Kleinarbeit müde bist, erfährst du, datz all diese Bewegungen deinen Körper schlank, deine Muskeln geschmeidig erhalten. Unö vor allem wird der lästige Fettansatz verhütet! Außerdem spart man durch solche Bewegungen die Kosten für 2lrzt und Apotheke. Rach feiner Auffassung muß die Betätigung im Hause eine vollendete VenuS aus dir machen. Wenn du deinem Manne liebenStDürbige Vorhaltungen machst, datz er dir keine Blumen, keine kleinen Aufmerksamkeiten mehr mitbringt, erfährst du plötzlich, datz er es beabsichtigt hatte. In letzter Minute allerdings wurde er durch den wichtigen Besuch eines Geschäftsfreundes davon abgehalten. Du erfährst ferner, datz er es nur deshalb unterließ, um ja nicht zu spät zu Tisch zu kommen, fo daß dir erneuter Qlerger erspart blieb. Auf diese Weise erfährst du die zarte Rücksichtnahme deines Mannes. Vergelten wir doch Gleiches mit Gleichem! Suchen auch wir nach Gründen. Erziehen wir ihn zur Logik! Wir bringen ihm bei, daß ein 50-Mar k- Schein, auf unsere rechte Handinnenfläche gelegt, ein gutes Mittel gegen Kopfschmerzen ist; daß ein Pelzmantel uns dauernd gegen Lungenentzündung schützt; daß ein kleiner Bril- lantring jegliche Melancholie fernhält; daß em neuer Hut unsere Haare nicht grau werden läßt; daß ein Strauß Rosen im Zimmer als Luftreinigungsmittel Wunder wirkt; daß gemeinsamer Theaterbesuch Gelegercheit gibt, wichtige Geschäftsfreunde zu treffen, und daß diese Gelegenheit durch ein anschließendes Abendessen in einem erstklassigen Gasthaus ungemein gesteigert werden kann; datz er früher nach Hause kommen soll, damit wir die Kosten für die Wach- und Schlietzgefellfchast sparen können, und den Lichtverbrauch beim Wachen und Warten einschränken; daß durch ein Paar neue Schuhe dein sicheres gesellschaftliches Auftreten wohltuend gesteigert wird; datz ein Paar neueSeiden st rümpfe, unvermutet als Geschenk überreicht, deinen Farbensinn energisch an- regen, und daß eine neue Kücheneinrich- tung, oder gar ein neues Herrenzimmer deine Anhänglichkeit an Mann und Heim derart steigern, daß man tatsächlich von ewiger Liebe sprechen kann. uigurische Edeltabake ANZEI8EN für die Tagesnummer des Gießener Anzeigers werden zweckmäßig am Nachmittag vorher aufgegeben. Nach 9 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahmefällen nicht gewährleistet werden! VERLAG DES GIESSENER ANZEIGERS Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 6. Sch. Pulverisiertes Alaun eignet sich n i ch t zur Zahnreinigung und Zahnpflege. Lindernd und erfrischend^ fchleimlösenö wirken $ay’s Sodener Mineral-Pastillen mit Menthol. Leichter Pfefferminzgeschmack! 0 J u»»-. 1 2' T vom Lindener Waschsamten, echtfarbig, Reinwollenen karierten Kleiderstoffen, Bedruckter Wollmuseellne, 80 cm breit, Bedruckter Waschseide, 80 em breit. Einfarbigen Kleiderstoffen (Popeline, EplnglÄ), 100 cm br., In allen Farben, Jumperstoffen, 70 cm breit, Belderwand-Stoffen, 90 cm breit, Indanthrenfarbigen Bordüren, doppeltbreit Schwarzem Cheviot, ISO cm breit, usw. (eigentlicher Wert bis RM. 6,60 p. Meter), zum Durchschnittspreis p. Meter Im Rest Verschiedenes] Udo - 2985D 3277V Simons 02133 32561' 02123 Die trauernden Hinterbliebenen Weitersh&in, den 10. April 1929. Die Beerdigung findet Freitag, den 12. April, nachmittags 3 Uhr statt. 02136 Junger Kaufmann lDauermieieri sucht freundlich mödl. Zimmer Schrift!. Angeb. mit Preisangabe unter 2143 n. d. Gtesi. Anz. Beriretung m. Auslieferung. Ohne Kam lian! Nur Damen. Sächsischer Strumvfvcrtricb. BerlinTempelhosl. 5 o , WZ 3*2637.777^ othft tut ! /m ges grsch filmen. 1 Zoäaitn/^oütJai iL&tgtnfn. tcsTünnrfinder Gießen (Schillerstr. 19 II), Hausen, Schwandorf (Oberpfalz), den 11. April 1929. Die Beerdigung findet Freitag, den 12. April, nachmittag 21/, Uhr statt. einen raschen Erfolg erzielt Da»»cib«»«ai auch Freu B.Heckmenn.Wieebaden, indem sie »chreibt: 28 Jahre litt ich en einem bleichenertißen Ceaichtiaus- •cbleß. Ich wandte die verschiedensten Mittel vergeblich en. Dorch Spheumeullage mit Obermeyer'e Medi- linei-H erbe-Seife erzielte ich rasche Heilung. 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Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Henrich. Gießen (Liebigstraße 101), den 10, April 1929. Trauerfeier auf dem Neuen Friedhof am Samstag, dem 13. April, vormittags 11 Uhr. Möbliert. Zimmer für berufstätiges Fräulein gesucht. Nähe Kugelberg bevorzugt. Schriftliche Angeb. uni.32701^ an den Gien. Anzeiger. Gestern nachnt 5.30 Uhr starb nach kurzem Leiden unsere Hebe Mutter, Grobmutter und Urgroßmutter Elisabeth Hollridier geb. Bingel im Alter von 79 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Hollridier, Eisenbahnschaffner. Gießen, Wiesbaden, Bierstadt, den 10. April 1929. Die Beerdigung findet Freitag, den 12. April, nachm. 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Anteilnahme bei unserem schweren Verluste, für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Bönning am Grabo sagen wir auf diesem Wege aufrichtigen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Philipp Beeter n. Fran Katharine geh. Sdiwalh. Rödgen, den 11. April 1929. Gesunden Schlaf kräftige Nerven । vmc/>r/7> Trngr/rrKw' Danksagung. Für die überaus große, warme Teilnahme beim Tode ihres innigstgeliebten Bübchens und Brüderchens Stadttheater Freitag. 12. Avril, 27.3reltag-7^ ich habe mit Obermeyers Medizinal* MK’ cfCerba^feife JW bei meinem Friseurlehrling gesucht. Offerten an Fr. Büttner, Land- gras-Phil.-Pl. 1O.nMy, Jüngere Berlinlerhi der Haus- u. Küchengeräte-Branche für 1. Juli gesucht. Schriiti. Angebote mit Gehalisanspr. unter 02046 an den Giesi. Anz. erbeten. Ich suche zu meiner persönlichen Reiseunterstützung eine Dame s. gemeinsame Reisetätigkeit. Schriftliche Angcb. mit Lichtbild und Täligkeitsnack' wetS unter 3258D an den Giesi. Anz. Tüchtige landw. SmMltl alsbald gesucht. MTlD P. K. Becker, Ober - Ofleiden. Post Homberg n, d.O. Tüchtiges, in Küche und HauS erf. SISaD Mädchen zum 1. Mat gesucht. Wilbelmstr. 22. 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Von Herbert 3Ru(oni>. Wer eine elektrische Leitung legen oder reparieren läßt, wer Glühbirnen, Steckdosen, Lei- tungsdrähte, Radioapparate oder andere cleklrv- technische Gegenstände kaufen will, wird bald eine ebenso unangenehme Lleberraschung erleben wie Die Bauunternehmer; denn alle Gegenstände, in Denen Kupfer oder Messing enthalten ist, wer- Den jetzt beträchtlich im Preis steigen. Wenn Die erhöhten Rechnungen vorgelegt werden, wird sich auch Der Privatmann, „Den Die Börsennachrichten nichts angehen", der Tatsache bewußt werden. Daß in Den letzten Wochen der Kupferpreis stark erhöht worden ist. Richt nur von Den Messingfabrikanten oder Den Kabelwerken, von allen Rationen und auch vom ganzen Deutschen Volk fordert das große internationale Küpferlartell einen Tribut. Die Kupfer- iönige Der Welt sind nicht stolz, sie verachten auch Den Pfennig des Aermften nicht, Denn aus Den vielen kleinen Beträgen seht sich der gewaltige Goldstrom zusammen, Der seit Monaten in ihre Kassen strömt. 1200 Mark kostete die Tonne Kupfer zu Beginn Des vorigen Jahres — 1800 Mark muß man heute für dieselbe Menge zahlen. Der Kupferpreis ist also in etwas mehr als einem Iahr um 50 Prozent gediegen. Da Deutschland sehr viel Kupfer verbraucht, Die Deutsche Kupfererzeugung aber nur geringfügig ist, wirD sich Die Herrschaft des Kupferkartells bald sehr unangenehm bemerkbar machen. Lieber 100 000 Tonnen Kupfer hat Deutschland im Jahre 1927 eingeführt. noch höher wird Wohl die Einfuhrziffer von 1928 sein. Die Preiserhöhung zwingt also Deutschland, das auf Den wichtigen Rohstoff nicht verzichten kann, jährlich für feinen Kupferimport jetzt 180 Millionen Mark mehr zu bezahlen. Bei Der wichtigen Rolle, Die Das Kupfer im deutschen Wirtschaftsleben spielt, fit^D Die Folgen noch nicht abzusehen. Die Industrie, Die große Lieferverträge für Maschinen ktnD elektrotechnische Artikel zu festen Preisen abgeschlossen hat, muh durch Die Steigerung des Kupferpreises große Verluste erleiDen. Die Drahtzieher Dieser Bewegung, Die großen Kupferproduzenten, haben ganze Arbeit geleistet. Drer Männern ist es gelungen, Der ganzen Welt ihren Willen aufzuzwingen. Zielbewußte, kühl rechnende Amerikaner sind Die Kupferkönige, Die Brüder Simon und Daniel Guggenheim sowie W. A. Harriman. Ihnen gehören die größten Kupfergruben Der Welt. Schon einmal, im Iahre 1923, schlossen sich Die Kupferkönige zusammen, um Den Preis rücksichtslos heraufzusehen. Damals scheiterte Dieser Versuch an dem Starrsinn einer belgischen Gesellschaft, die Union Miniöre Du Haut Katanga. Dieses Unternehmen, dessen Kupfergruben in Afrika liegen, wollte seine Produktion nicht nach den Vorschriften Der Amerikaner einschränken. Die belgische Gesellschaft trat aus Dem Kartell aus und sprengte es damit. Grst im Iahre 1926, als Der Kupferbedarf Der Welt größer geworden war, und auch eine erhöhte Produktion aufgenommen werden konnte, wurde ein neues Kartell gegründet, das sämtliche maßgebenden Kupferproduzenten der Welt unter amerikanischer Führung zuscunmenschloh. W. A. Harriman, der rührigste der amerikanischen Kupferdiktatoren ist in Deutschland kein Allbekannter. 3m August vorigen Jahres gelang es ihm, maßgebenden Einfluß auf die ober- schlesische Industrie zu gewinnen, nachdem er bereits vorher in Den oberschlesischen Gische-Kon- zern eingedrungen war. Harrimans erstes deut- sches Geschäft war Die Gewährung eines Darlehens an die Hapag. Der Harrimansche Reichtum stammt von Dem Vater des Kupfertönigs, Dem kaufmännisch nicht ganz einwandfreien Eisenbahnkönig, der es sich seinerzeit gefallen lassen mußte, daß Roosevelt ihn „einen unerwünschten Bürger und verbrecherischen Reichen" nannte. Der alle Harriman hatte sich mit Dem Amerikaner Clark verbunden, der als armseliger Goldsucher nach Montana gegangen war und Dort die größten Kupferminen Der Welt entdeckte. Mit dem Geld des Eisenbahnkönigs wurden die Gruben ausgebaut, es entstand nach und nach einer Der größten amerikanischen Kupferkonzerne, Die Anaconda-Gruppe, Die heute noch ihre Gruben in Montana ausbeutet. Außerdem wurden große Kupferlager in Chile erworben, und die Chile- Copper ist jetzt das größte Kupferbergwerk der Well. Die ausgedehnten Kupferbergwerke in Peru gehören ebenfalls zur Anaconda, von der man vermutet, daß sie jetzt auch unter dem Einfluß Rockefellers steht. Kennecott Copper Corporation nennt sich der Konzern der Brüder Guggenheim, Dem große Kupfergruben in 11.0.21. und in Südamerika gehören. Daneben besitzen sie riesige Verhüttungsanlagen, Die vielleicht die größten der Welt sind, fast ein Viertel der gesamten Kupferproduktion der Welt wird dort gewonnen. Auch der Guggenheimsche Reichtum ist nicht sehr alt; um Die Mitte des vorigen Iahrhunderts wanderte Meyer Guggenheim mit seiner Frau aus Süddeutschland aus, um in Amerika sein Glück zu versuchen. Ein großes Vermögen verschaffte ihm fein kleiner Altmetall- Handel nicht. Erst feine Söhne brachten das Geschäft in die Höhe, erwarben später Verhüttungsanlagen für Kupfer und kauften schließlich selbst umfangreiche Kupfergruben. Reben den Guggenheims und Harriman nimmt sich Die Dritte amerikanische Gruppe, der Dodge- Konzern, bescheiden aus. Auch Dodge ist ein Selfmademan. Er begann als Laufbursche, gründete 1825 eine eigene Firma, fand einen Geldgeber und macht mit diesem 1833 eine neue Firma auf, die er Phelpe Dodge nannte. Vor einiger Zeit hat dieser Konzern große Hüttenanlagen in Den Südstaaten von Rordamerika gebaut. Er beschäftigt sich im Gegensatz zu Den beiden schon genannten Gruppen überwiegend mit Der Verhüttung von Kupfer. Wenn auch dem Kupferkartell noch einige andere bedeutende Unternehmen wie die belgische Katanga-Gesell- fchaft und Die unter englischem Einfluß stehende Dio Tinto-Gesellschaft angehören, geben doch Die Harriman und Guggenheims den Ton an. Diesen Kupferkönigen müssen sich Die kleineren Fürsten fügen; auf ihren Wink verschwindet Die Ware vom Markt und schnellen Die Preise empor. Drei Männer bestimmen, wieviel Kupfer in Der Welt gewonnen wird, und wenn sie es wünschen, geht Die Weltproduktion, Die augenblich ungefähr 1,9 Millionen Tonnen jährlich beträgt, sofort beträchtlich zurück. Dann stockt die Arbeit im „reichsten Hügel der Welt", wie man noch heute jenen Bergabhang in Montana nennt, den der Goldsucher Clark damals entdeckte. Roch müheloser wird das Kupfer an einer anderen Stelle Der Vereinigten Staaten gewonnen, in Den Bergen von Utah, wo sich ein gewaltiger Hügel erhebt, der ganz aus Kupfererzen besteht. Dort brauchen keine unterirdischen Stollen gegraben zu werden; riesige mechanische Schaufeln kratzen das Erz aus den Abhängen heraus. 2Tber nicht nur in Roman einer Aachi Von Paul Rosenhayn. Rachdruck verboten! „Totentanz Der Liebe." Der Herr und Die Dame, Die an Dem kleinen Tischchen des Speisewagens saßen, blickten sich lächelnd in Die Augen. Die Dame war sehr schön. Sie mochte im Anfang Der Zwanzig stehen; man stellte sich ihre Erscheinung unwillkürlich in einem Salon Der großen Gesellschaft vor, vielleicht in Den Appartements eines Ministers. Sie war blond. Das typische Blond der Dänin: mit jenem leisen weißlichen Hauch, den Die herbe Seeluft des Rordens gibt. Ihre Qtugen, dunkelblau, groß, mit Dem Ausdruck einer tiefen und gütigen Klugheit, wanderten Durch Den Raum. Der Wagen glitt federnd Durch die Landschaft, über der schon das Gold des scheidenden Tages lag. Ein paar Gäste, Die beim Mokka saßen, blickten interessiert hinüber, aber schon wandten sich ihre Augen von neuem Dem 6ernt zu, Der ihr gegenüber saß. I Er war, schon auf Den ersten Blick, in fast Illen Dingen Das Gegenteil seiner (Begleiterin: haar und Augen von dunllem TYP, im Blick fnes lächelnde Glimmen, Das Den Frauen gellst — und das aus Dem Hinterhalt Der Geankert zu kommen scheint. sMan konnte bei seinem Anblick an einen Mann fnken. Der eben aus Monte Carlo kam unD t vielleicht mit klugen und kühlen Berechnungen t neues System erprobt hatte. Mit Erfolg. Das Lächeln in feinen Augen war \ Siegerlächeln. sIn einer Stunde", sagte er mit einer Stimme, ^gleichfalls seltsam Dunkelgetönt war, „in einer mde sind wir in Kopenhagen." lie Dame nickte, und fast schien es, als ob sie werden Sie am Bahnhof erwartet?" fragte sie. I schüttelte Den Kopf. Jr Kellner ging vorbei; er nahm Die Sekt- i*le aus Dem Kübel und füllte Die beiden Glä- ■Spn neuem. Die Tür öffnete sich; Der Zug- ging mit bedächtigen Schritten durch Den ~Vn. Er blickte, saft ohne den Kovf zu wen- dem Paar hinüber; Der junge Herr, Der AJugcn des Beobachtenden auf sich ruhen lUYt sah auf; schon ging der Zugführer wei- ^'Vieder blieb er stehen, jenseits Der kleinen 5?-S? wieder wandte er den Kopf zurück. Die nr nl.t>rt d^be" flüsterten miteinander; ihre Aug^^tten sich zärtlich ineinander versenkt. -st fcinc Rechte einen Moment lang cu' 1 ianD Der Dame; sie wandte unruhig Den Kopf, aber alle ihre Bewegungen schienen von einer seltsam verhaltenen Zärtlichkeit. Der Telegraphist rollte die Tür des Marconi- raumes zurück und lief über Den Teppich Des KorriDors. Die Wagen schaukelten in Den Kurven; er tastete sich haltsuchend vorwärts, in Der Linken Das kleine Telegrammcouvert. In Der Tür zum Speisewagen prallte er mit Dem jungen Paar zusammen; mit einer flüchtigen Entschuldigung stürmte er weiter. „Wo ist Der Zugführer?" Der Kellner Deutete mit Dem Daumen nach vorn. Der Telegraphist riß Die Gangtür auf; es war Der direkte Wagen Paris—Oslo. „Ein Telegramm, Herr Zugführer!" „Für wen?" „Für Sie." Der zuckte Die Achseln und riß Den Umschlag auf. Der Telegraphist sah Dem Beamten verstohlen ins Gesicht, wie um den Eindruck zu erspähen, den Die Depesche auf ihn machte. Aber Der GesichtsausDruck Des Beamten veränderte sich nicht; Der Marconimann wandte sich enttäuscht um und ging schlenkernd Den Weg zurück, Den er gekommen war. Der Zugführer hielt Das Telegramm nachdenklich in Der Hand; er wandte Den Kopf in Der Richtung nach Dem Speisewagen. Eben ging grüßend ein Schaffner vorüber. Der Zugführer winkte ihn mit Den Augen heran. „Ist Das nun ein schlechter Scherz?" fragte er. Der Schaffner nahm Die Depesche in Die Hand und las: „Zug soll bei Dlockstation Dreiundvierzig halten." Die beiden, Der Herr und Die Same, saßen sich von neuem gegenüber: in einem Coupe erster Klasse des Kontinentwagens. Die Dame hatte ein kleines, elfenbeinernes Etui gezogen; russische Zigaretten. „Wollen Sie nicht rauchen?" fragte sie. In ihrer Stimme klang heimliches Lachen. „Danke. Gern." „Sie Dürfen mich nicht falsch beurteilen," sagte sie leise. „Es ist das erstemal in meinem Leben. Roch nie habe ich mich auf Der Reise in eine Unterhaltung mit einem fremden Herrn eingelassen." Er antwortete nicht; er machte lediglich ein Gesicht, so, als ob das, was Die Dame sage, eine gewichtige SelbstverstänDlichkeit sei. „Sie müssen es mir glauben.“ fuhr die Dame fort. „Rur Der Zufall bat es gefügt . . „Ich bin sehr glücklich," antwortete Der Herr. „Dieser Zufall hat sich sehr sreunDschastlich gegen mich benommen.“ Sie schüttelte Den Kops. „In einer halben Stunde ist es zu Ende." Den Bergen ruht Das wertvolle Kupfererz: an den Ufern des riesigen Michigansees findet man es sogar in reiner metallischer Form. Dieser ungeheure See ist Der einzige Ort Der Welt, an Dem Kupfer in großen Mengen als reines Metall gefunden toirD. Riesige Kupferblöcke, die manchmal bis zu 500 Tonnen wiegen, würben dort schon ausgegraben. In Den letzten Iahren ist die Kupfererzeugung dauernd gestiegen, aber noch immer ist Der Kupferhunger der Welt nicht gestillt. Mit Der zunehmenden Elektrifizierung ist Der Kupferbedars in fast allen Ländern Der Welt gestiegen. Man braucht das Metall auch bei Der Herstellung mancher Automobilteile, und tausend andere Gegenstände des täglichen Bedarfs werden ebenfalls aus Kupfer oder Kupferlegierungen her- gestellt. In den letzten Iahren hat man in Deutschland versucht, Obstbäume und wertvolle Wälder dadurch zu schützen, daß man aus Flugzeugen Pulver und Säuren über Die von schädlichen Insekten beDrohten Bäume schüttete. Der größte Teil dieser Insektenschuhmittel enthält ebenfalls Kupferprodukte. Als einer Der größten Kupferverbraucher der Welt muh Deutschland Die sprunghafte Preissteigerung mit größter Besorgnis betrachten. Daher befaßt man sich jetzt mit Der Frage, wie weit andere Metalle als Ersah für das kostbare Kupfer zu verwenden sind. Besonders geeignet für diesen Zweck ist das Aluminium, das heute schon billiger als Kupfer ist. Schon versucht man, Aluminium im Haushalt, im Verkehrswesen und in der Maschinenindustrie an die Stelle des Kupfers zu setzen, und zahlreiche Hausgegenstände, wie Staubsauger und Lautsprecher, hat man bereits aus diesem Leichtmetall angefertigt. Wenn der Kupferpreis durch rücksichtslose Maßnahmen des Kartells noch weiter steigen sollte, kann man Dem Aluminium einen ungeahnten Siegeszug prophezeien. Das Deutschtum im Ausland. Trotz der Beschränkungen, Denen das Deutschtum im Auslande auf Grund der Friedensver- träge noch immer unterworfen ist, zeigt dieses in Den vergangenen Iahren eine erfreuliche und stetige Aufwärtsentwicklung. In allen Ländern und Erdteilen, in denen es vor Dem Kriege eine Rolle gespielt hat, hat es sich auch nach Dem Kriege wieder Durchzusetzen vermocht, wenn auch seine BeDeutung an Die Der Vorkriegszeit bei weitem nicht heranreicht. Die deutschen Vereine, Verbände und Organisationen, die sich allenthalben auf der Welt wieder gebildet haben, und in denen sich das Deutschtum verkörpert, haben bereits wieder nach.den vorsichtigen Schätzungen der deutschen Zentralstellen die Zahl von 150 erreicht. Dabei sind noch nicht einmal alle die deutschen Organisationen mit einbezogen worden, die bei den Zentralstellen nicht offiziell eingetragen sind. Die Mehrzahl Der deutschen Vereine befinden sich in Südamerika. Dort werden gegenwärtig schon wieder etwa 50 deutsche Clubs gezählt. 2lllein in Argentinien und Brasilien werben 25 deutsche Vereine, Clubs und Hilss- vereine für das Deutschtum. Rund 20 deutsche Clubs haben ihren Sih in Chile und auch alle anderen südamerikanischen Staaten weisen Verbände, in denen das Deutschtum gepflegt wird, auf. Ecuador, Columbien, Uruguay und Paraguay, Peru und Venezuela find bereits heute wieder in hohem Maße dem Deutschtum zugänglich, das sich dort in deutschen Verbänden zusammengeschlossen hat. Ebenso haben die deutschen Vereine in Asien an Zahl in Den letzten Iahren nicht unbeträchtlich zuge- nommen. Allein in China werden heute be- „Wenn ich doch nur wüßte, wann Der Zeitungsverkäufer auf dem Bahnhof von Gjedser Geburtstag hat," sagte Der Herr. „Mein Gott, wie interessant!" „Ich würde ihm ein herrliches Geschenk machen." „Das ist reizend von Ihnen," sagte Die Dame. „Sind Sie mit ihm verwandt?" Er lachte. „Er hat mich für Ihren Mann gehalten. Das war die größte Schmeichelei, die man mir in meinem Leben erwiesen hat." „Sie müssen mir erlauben, Ihnen Die zwei Kronen wiederzugeben." . Er nickte düster. „Vorher mühten Sie mich töten." „Ich kann unmöglich annehmen, daß Sie für mich. . .“ „Sie scheinen es Darauf abgesehen zu haben, gnädige Frau, alle meine Träume zu zerstören. Er hat Ihnen ein Magazin verkauft — er hat mir ein Magazin verkauft. Er hat uns für Mann und Frau gehalten. . ." „ . . . und hat die zwei Kronen, die mein Magazin kostet, von dem Zehnkronenschein abgezogen, Den Sie ihm gegeben haben." „War das nicht Die herrlichste Idee, Die ein Zeitungshändler haben konnte? Er hat unsere Gedanken eine Stunde lang um Die gleichen Dinge kreisen lassen." „Woher wissen Sie Das?" Der Herr wart einen Blick auf das bunte Heft, das aufgeschlagen, Titelblatt und Schlußblatt nach oben, neben der Dame lag — und er zeigte mit per Hand auf ein zweites Heft, das genau wie jenes, Titelblatt und Schlußblatt nach oben, neben ihm lag. „Bitte: wie heißt die Rovelle, die Sie lesen?" Sie griff nach dem Buch und wandte es herum: „Totentanz Der Liebe" stand über der Rovelle. Der Herr nahm stumm fein Magazin, drehte es herum und hielt es der Dame unter die Augen. „Totentanz der Liebe" las sie — und wieder, wohl gegen ihren eigenen Willen, errötete sie: so wie jemand errötet. Der sich, in einer kleinen zärtlichen Intimität, plötzlich im Spiegel erblickt. „Wir beide haben eine Stunde lang die gleichen Dinge gedacht." fuhr Der junge Herr fort. „Können Sie begreifen, welch ein glückliches Bewußtsein das für mich ist?" „Sie meinen: weil Die Situation Der Rovelle . . .?" Er nickte. „Haben Sie nicht dasselbe gedacht, als Sie anfingen, diese Rovelle zu lesen? Ist es nicht, als ob Der Autor von uns beiden spräche?" Die Dame nahm das Heft und überflog schweigend Die ersten Zeilen. - v > < * reits wieder 10 deutsche Clubs gezählt, in 3 a- p a n 2 und auf Den Niederländischen Inseln 8. Die Mehrzahl dieser deutschen Verbände in Asien enthält außerdem noch eine Reihe von Unterorganisationen, Die in den Hauptstädten ihren Sih haben. Rur in Afrika hat das Deutschtum nach Dem Kriege nicht wieder den gleichen Eingang wie in den anderen Erdteilen gefunden, Denn Dort werden augenblicklich nur 7 deutsche Vereine gezählt. Ebenso verhält es sich mit Austra 1 ien. das gar nur 3 deutsche Vereine besitzt. Sehr stark ist Dafür das Deutschtum natürlich in Rord- ametifa vertreten, wo sich die Zahl der einzelnen deutschen Vereine und Verbände kaum feststellen läßt. Dort verfügt fast jede größere Stadt über deutsche Vereine und Organisationen, deren Mitgliedszahl vielfach recht respektabel ist. Reben den lleberfeeorgamfationen, Deren Mitgliederzahl von Iahr zu Iahr im Anwachsen begriffen ist, ist das Deutschtum aber auch in Den europäischen Staaten selbst in Gestalt von Vereinen und Verbänden recht zahlreich vertreten. So findet man eingetragene deutsche Kolonien in Bulgarien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland. Großbritannien, Italien, Spanien, Portugal, Lettland, Litauen, ßuxemburg, Holland, Norwegen, Schweden, in der Schweiz, in Sndslawien, in Kroatien, Der Tschechoslowakei und in Ungarn. Italien allein zählt 8 deutsche Vereinigungen in Den verschiedenen Großstädten. Die Zahl der Mitglieder läßt sich naturgemäß nur schwer feststellen und authentisches Zahlenmaterial Darüber liegt nicht vor. Immerhin zeigt das Anwachsen und die Zunahme der deutschen Vereine, welche steigende Bedeutung dem deutschen Vereinswesen im Aus- land wieder zukommt. Vor -er Entscheidung in -er hessischen Gasfernversorgung. WSR. Darmstadt. 10. April. Wie wir von unterrichteter Seite hören, steht in Der Frage Der hessischen Gasfernversorgung in Kürze eine Entscheidung bevor. Bereits Ende Februar ist von dem Aufsichtsrat der H e k o g a (Hessische Kommunal-Gas-A.-G.) eingehend Bericht über die Ergebnisse der Verhandlungen erstattet worden, die vom Vorstand in Sachen Der Errichtung einer eigenen Gaserzeugungsstätte bzw. des Femgasbezuges mit Der Südwestdeutschen Gas-A.-G., Der Ruhrgas-A.-G. und Der Saar- gas-A.-G. gepflogen und Die gleich nach Der GrünDung Der Hekoga im vorigen Sommer zur erneuten Klärung der für Die hessischen Kommunen und Grohbezieher vorteilhaftesten Regelung eingeleitet worden sind. In einem einstimmig gefaßten Beschluß sprach der Aufsichtsrat Dem Vorstand neben Dem Dank für feine bisherige vorbilDliche Geschäftsführung vorbehaltlos das Vertrauen aus. Ieht sind Die Verhandlungen in Das Endstadium getreten, so daß mit Sicherheit in den nächsten Wochen endgültige Beschlüsse zu erwarten sind. Kassel kaust ein Autoomnibusunternehmen. WSR. K a s s e l, 10. April. Die Firma Auto- Peter, die seit etwa anderthalb Iahren eine Stadt-Omnibuslinie eingerichtet und um Die Genehmigung weiterer Linien nachgesucht hat. Die aber bisher nicht erteilt worben ist, hat nunmehr Der Stadt Kassel über Den Verkauf ihres gesamten Omnibusunternehmens ein bindendes Angebot gemacht, Das die Stadtverwaltung vorbehaltlich Der Zustimmung Der stäDtischen Körperschaften angenommen Die Rypelle begann mit folgenden Worten: „Totentanz Der Liebe. In einem Abteil des Luxuszuges. Der Den Kontinent mit dem Norden verbindet, saßen ein junger Herr und eine junge Dame. Der Herr richtete zärtliche Blicke auf feine schone Reisegefährtin, Die seine stumme Bewunderung nicht zu bemerken schien. Plötzlich stand Der junge Herr auf . . • Der dunkle Herr betrachtete lächelnd die blonde Frau, Die vielleicht erst jetzt den seltsamen Zusammenhang begriff. Ein Abteil. . . des Luxus- zuges, Der Den Kontinent mit Dem Norden verband ... ein junger Herr . . . eine junge Dame . . . Der junge Herr zärtliche Blicke auf seine schone Reisegefährtin richtend . . . Sie hob Den Blick; Der Herr. Der sie unverwandt angesehen hatte, ließ sch '.(Dbetoufjt seine Augen zur Seite gleiten; sie senkte den Blick wieder; schon fühlte sie von neuem seine stumme Bewunderung. Rein: mit Dem Instinkt Der Frau fühlte sie: Das war mehr als Bewunderung: das war Verliebtheit, vielleicht sogar eine gewisse begehrliche Verliebtheit. Ein Schatten fiel plötzlich über Das Buch. Sie hob Den Kopf; Der Herr war aufgeftanben. Erstaunt folgte sie ihm mit Den Augen. Er ging zur Tür und zog Die Vorhänge vor. Während er zurückkehrte, sah sie ihn fragend, wie mit einem leichten Kopfschütteln, entgegen. „Warum tun Sie das?" Der Herr stand einen Augenblick stumm vor ihr, so, als ob er auf diese Frage keine Antwort wisse. Der kleine Raum zitterte im leisen Takt der Räder, wie in einer sanften und streichelnden Melodie. Ienseits Der Fenster lagen schon die Schatten des jungen Abends; Die grünen und roten Lichter der Semaphore glitten vorüber; in rhythmischem 2Iilf und Ab rasten Telegraphendrähte vorbei. Alles klang zusammen wie zu einer weichen und lockenden Melodie: die bläuliche Dämmerung — die Lichter der Stadt, Die zusehends wuchsen; und dieser klingende, flirrende Zug. der ihn und sie in eine Nacht hineintrug, erfüllt von erregenden Geheimnissen. Ein glückliches Lächeln trat in sein Gesicht. Sie sah ihm forschend in Die Augen; aber wie unter der suggestiven Gewalt feiner Gegenwart begann auch sie zu lächeln. Er beugte sich zu ihr nieder; sie ließ es geschehen, indem sie, vielleicht um ihm den Ausdruck ihres Gesichts nicht zu zeigen, den Kopf ein wenig senkte. Er schob Das Magazin zur Seite und setzte sich neben sie. In stummer Zärtlichkeit, nahm er ihre Hand und legte sie an seine Wange; Das Magarin glitt auf Den Fußboden. Er küßte ihre Hand mit einer scheuen, fast kindlichen Gebärde; langsam wandte er sich.zu ihr herum, ihren Blick JudjenD. . (Fortsetzung folgt.) Yak. Hebet bte näheren Bedingungen tmb 6le weiter beabsichtigte Entwicklung des Unternehmens können erst nach Beendigung der Verhandlungen Mitteilungen gemacht werden. Wie wir zuverlässig erfahren, beträgt die Abfindung für den gesamten Omnibusbetrieb einschließlich des Wagenparks usw. rund 750 000 Mk. Oberheffen. Voranschlagsberatung in Alsfeld. fe* AlSfeld. 10. April. Sn der gestrigen Stadtvorstandssitzung befaßte man sich ausschließlich mit der Voranschlagsberatung. Zunächst gelangte der Voranschlag des städtischen Schlachthofes für das Rechnungsjahr 1929 zur Vorlage. Dieser schließt im Betrieb in Einnahme und Ausgabe mit 23 308,73 Mk. ab und weist in seinen einzelnen Ansätzen gegen das Vorjahr keine wesentlichen Aenderungen auf. Wie der Vorsitzende mitteilte, ist der Betrieb des Schlachthofes in den letzten Sahren hinsichtlich der Zahl der Schlachtungen nicht unwesentlich gestiegen. Die Gebührensätze bleiben unverändert. Sn der Dermögensrechnung sind für den Erneuerungsfonds nur 1400 Mk. vorgesehen, während nach einer regelrechten Abschreibung hier 5860 Mk. in Ansatz gebracht werden müßten, wodurch sich aber für die Betriebsrechnung eine nicht gedeckte Mehrausgabe von 4460 Mk. gegenüber der Einnahme ergeben würde. Da das Ministerium im vorigen Sahre eine Gebührenerhöhung nicht genehmigt hat, muhte der Grneuerungsfonds dementsprechend gekürzt werden. Der Voranschlag wurde in der vorgelegten Fassung entsprechend dem Vorschläge der Finanzkommission ohne Aussprache genehmigt. Dann folgte die Beratung des Voranschlags der Stadt-, Hospital- und Armenkasse für das Rechnungsjahr 1 92 9. Dieser schließt für den Betrieb in Einnahme und Ausgabe mit 558140 Mk., gegenüber 530 121 Mk. int Vorjahre ab. Die Vermögensabteilung für den Voranschlag des Rj. 1929 schließt mit 79 430 Mk. gegenüber 135 226 Mark im Vorjahre. Wie der Vorsitzende in seinen allgemeinen Ausführungen zu dem Voranschlag bemerkte, ist dieser ohne daß eine Erhöhung der Umlagen notwendig wird, aufgestellt. Obwohl die laufenden Ausgaben allein bei den Hauptrubriken 22 (Allgemeine Verwaltung), 27 (Armenpflege (Straßen), 35 (Kanäle) zusammen um rund 28 000 Mk. gestiegen sind, konnte diese Erhöhung doch wieder im wesentlichen ausgeglichen werden Lurch erhöhte Einnahmen bei verschiedenen Rubriken: so erhöhte sich die Einnahmeseite bei Rubrik 1 (Rechnungsrest) um 7348 Mk. gegenüber dem vorjährigen Voranschlag infolge des günstigen Rechnungsabschlusses vom Sahre 1927; bei Rubrik 4 (Waldungen) erhöhte sich die Einnahme um 5289 Mk.; bei Rubrik 49 (Anteile aus Reichssteuern) konnten 7185 Mk. mehr in Ansatz gebracht werden; bei Rubrik 61 (Gemeindeumlagen) konnte nach den Erfahrungen der letzten Sahre die Ausgabe für Steuererlässe um 5000 Mark herabgesetzt werden. An Kanalbenutzungsgebühren ist infolge der erweiterten Kanalisation eine Mehreinnahme von 3000 Mk. vorgesehen; insgesamt sind für Kanalbenuhungsgebühren 10 000 Mk. eingestellt. Beachtenswert ist die Summe im städtischen Voranschlag, welche die Stadt für Schulzwecke insgesamt aufwendet; sie beträgt 71 640 Mk. (im Vorjahr 71 689 Mk.). Für die Vermögensabteilung ist im Rechnungsjahr 1929 für Bauten nichts vorgesehen, da die Stadt in der nächsten Zeit ihr Hauptaugenmerk darauf richten muh, die begonnene, bereits teilweise durchgeführte allgemeine Kanalisation zu Ende zu führen, wofür noch erhebliche Mittel aufzuwenden sind. Für die im Rechnungsjahr 1929 auszuführenden Kanalbauarbeiten ist ein Betrag von 30 000 Mk. vorgesehen; für Herstellung und Reupflasterung von Straßen infolge Kanalisierung 37 590 Mk., für Herstellung eines erhöhten Bürgersteigs in der Alicenstraße vom Lieden- bis zum Zellerweg 4350 Mk. Bei der Einzelberatung wurde ein von sozialdemokratischer Seite gestellter Antrag bei der Rubrik Licht- und Kraftversorgung auf Herabsetzung des Lichtstrompreises von 50 auf 45 Pf. für die Kilowattstunde abgelehnt, ebenso ein weiterer sozialdemokratischer Antrag auf Aufhebung der Bestimmung über Zahlung einer Mindestgebühr für den Verbrauch von 30 Kilowattstunden pro Sahr für die Kleinkraftzähler. Die Beratung des Voranschlags ergab, daß an den einzelnen Rubriken keine Aenderung vorgenommen wurde. Bei der Schlußabstimmung wurde der Voranschlag der Stadt-, Hospital- und Armenkasse für das Rj. 1929 gegen fünf sozialdemokratische Stimmen angenommen. Ohne Aussprache wurde alsdann noch der Voranschlag des Hospital- und Armenfonds für das Rj. 1929 genehmigt. Die Festsetzung der Steuerausschlagsähe erfolgt in einer späteren Sitzung, sobald die Gemeindesteuerkapitalien vom Finanzamt festgestellt sind. Der Hmlagenbedarf wurde in derselben Höhe wie im vorjährigen Voranschlag auf 123 000 Mark festgesetzt. Landkreis Gießen. L Heuchelheim, 10. April. Am Sonntag nachmittag sand hier in Gegenwart vieler Einwohner die Frühjahrsbezirksübung des Arbeiter-Samariter-Dundes statt. Es traten an die Kolonnen Gießen, Wieseck, Krofdorf, Lollar, Watzenborn-Steinberg, Garbenteich, Gro- hen-Linden und Heuchelheim mit 80 Samaritern und 20 Samariterinnen. Unter der Leitung des Dezirkstechnikers W i l l i W e l l e r (Wieseck) fanden die Hebungen statt, denen folgende Aufgaben zugrunde lagen: Sn einem Wohnhausneubau er- 100 Jahre Archäologisches Institut Deutsche Forscher leiten Ausgrabungen in Kleinasirn und auf g iechischen Inseln. Don Dr. Hugo Berliher. Betritt man in Berlin das Gebiet der Museen in der Rähe des Doms und sieht auf der sog. Museumsinsel stets Baugerüste, dann glaubt man, daß immerwährende neue Funde die Zahl der Museen ins Unbegrenzte wachsen lassen. Tatsächlich besteht aber — leider — in dieser Beziehung keine Gefahr. Die Schätze, die die deutschen Museen in Zukunft beherbergen werden, kommen nicht mehr aus der ganzen Welt, sondern müssen auf deutschem Boden gefunden werden. Alle Staaten, selbst asiatische Länder wie China und Afghanistan haben durch Gesetz festgelegt, daß in Zukunft die in ihrem Gebiet ausgegrabenen Altertümer nicht mehr das Land verlassen dürfen. So kann also Deutschland ausländische Altertümer nur ausnahmsweise — auf Grund besonderer Vereinbarungen und Bewilligungen — für seine Museen gewinnen. Auch die Grabungen selbst können nur erfolgen, nachdem die Forscher mit der Regierung des betreffenden Landes umständliche Verträge abgeschlossen haben. Auf diesem Gebiet hat deutsche Organisationsgabe freilich schon vor hundert Sahren einen Triumph gefeiert, als im April 1829 ein Manifest an Kunstfreunde und Gelehrte der ganzen Welt versandt wurde, das die Gründung eines „Isti- tuto di Corrispondenza Archeologica“ ankün- digte. Die Unterzeichner waren in Rom ansässige Gelehrte, der Gesandte v. B u n s e n, der Bildhauer T h o r w a l d s e n, der Kunstgelehrte Winckelmann. Das Snstitut begann seine Tätigkeit unter der Mitwirkung der Brüder v.Humboldt sowie der Bildhauer Rauch und Schinckel. Der erste Präsident des Snsti- tuts war zwar ein Franzose; aber die Anregung war von Deutschen auägcqangen, das Protektorat übernahm der damalige .6D Der Berkaus findet partienweise, auch bei Nachfrage insgesamt statt. Versteigerung bestimmt und pünktlich! £. Alihoff, Konkursverwalter. Konkurs- Sersieigerung Freitag, den 12. Avril, nachm. 3'’oltbr werden im Reitr. Löwen. Neuenweg 28, die Neiibeitände einer Samenhandlung öffentlich meistb.versteigert, u. zwar Lnmen in trockener, ketmiähiger Ware: Märchenhaft billige Preise während meiner Kleider- u. Seidenstoff-Woche die am Samstag, dem 13. April beginnt. Mit einer Auswahl ohnegleichen, mit Preisen die Sie so schnell nicht wieder vergessen, soll diese Extraveranstaltung in Ihrer Erinnerung bleiben. Da ich die Preise so niedrig wie möglich gestellt habe, wird nur gegen bar verkauft werden. Mengenabgabe behalte ich mir vor. Die Macht des Einkaufs-Konzerns tritt auch diesmal wieder deutlich zutage Fortsetzung der Aachsaßversteigerung in Jacketts, K.nderk'cidem, Vorhemden, Kragen, Krawatten,Blusen, .Handschuhe, Gamaschen, Wickel' schnüren u. v. a. Kemer: 1 elektr. Lüster (Zflamm.), 1 Dezimalwaage (6 Ltr. wiegend) Freitag, d. 12. April d.Z. nachmittags 2 Uhr, im Restaurant „Löwen", Neuenweg 28. Versteigerung bestimmt u. pünktlich L. »HM Gerichtstaxator und Auktionator. __ Meh- und Krämermarkt Zu Allendorf a. d. Lda. Auf dem am 17. April 1929 stattfindenden Biehmarkt dürfen nur Tiere mifge- tricbcn werden, welche aus der eigenen Zucht desjenigen stammen, welcher die Tiere zu Markte bringt, welches auf den Ursprungszeugnissen der betr. Ortspolizeibehörde ausdrücklich zu vermerken ist. Der Auftrieb darf nur von 9 bis 9>? Uhr erfolgen. 3274V Allendorf a. d. Lda., den 10. April 1929. Hess. Bürgermeisterei Allendorf a. d. Lda. Rein. Woll-Mousseline, neue und geschmackvolle Muster Meter 4.25, 3.75 Woll-Mousseline, uni, zirka 80 cm breit, in vielen Farben Meter WWl! Sägewerk empfiehlt sich für Lohn- schnitt lbis zu 70 cm Durchmesser) unter billigster Berechnung. so richtige und gute Waschstoffe Wasch-Moussellne, große Muster-Auswahl Meter.... 1.45, 1.10 Indanthren-Trachtenstofffe, moderne Muster, Angebote sind nach Losen pro Festmeter resp. Stück verschlossen, mit Aufschrift versehen, bis zum 22. d. 2N., nachmittags 3 Uhr, bei uns einzureichen, wo alsdann die Oeffnung der Angebote erfolgt. Das Holz ist mit Rinde gemessen. Auskunft erteilt Förster Heß, dahier. Mit Abgabe des Angebots unterwirft sichrer Käufer den Derkaufsbedingungen. Leihgestern, nm 6. April 1929. Bürgermeisterei. »k» Freitag früh eintreffcud: Prima Schellfische, Cabliau und Seelachs im Ausschnitt Fisch-Filctö und Koteletts Arische cnal.Bücklinge Pfd.v.vv ff. GaueskLvaui das Pfund 0.25 Svttthe Land-Msv 10 Stück 1.35 ;!U1,A Frische Zitronen, Apfelsinen, Bananen und Aepfel Abteilung Sägewerk 328-d 9m Wege des schriftlichen Angebots werden aus der Waldung der Gemeinde Leihgestern verkauft: 31840 Los 1. Kiefer N, la-Kl. 1 St. = 0,19 fm 14,13 „ K> Sotn Ärbeits len Sc uw» Ö arbeiti Gießer lilome einer dene" uer|ia) Der toirfur Kälte Wintei wie je Äad-N unsere« iilsbelc die Ml Schnitz newerl ?en. . Frost« frühe, als S den. < bcilfln hoben Aufnc rigfeif men g Soppei rufe di barer! Monat Steine und u auherc die M gibt d Bezirk Dil Dem lahres Person denis in der stützui flemiel uerfre; quemh gaben der Bl beitsai 9m ül Sie Izenis wird, In rr obrvo etwa« Da tiker, schwe und i ben; oerfin [entlic Es Hands unerfrf $08 SS 8t: e» kam was d s bem G Traue, Donnerstag, N- April 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Nr. 84 Dritter Blatt Wechilanz 1928/29 des Arbeilsmiies Gießen <1 Dom 1. Oktober 1928 an umfaßt der Bezirk des f brauchen in der Arbeitslosenversicherung auf Grund mit ewv heitlicher entwickelt. Von K n u r, der den Leguerche zu spielen Was wir gegen — Man befindet sich hier hat mit dem Fach Die Rolle des (Softe iir ren 'na- der em- Theater- Lie- und hctt, Lei- Dies kann bloß nebenbei bemerkt werden: daß wir zur Zeit keinen Dramatiker haben, der das leistet, was Kaiser in seinen besten Dramen gestaltet. Und der „Oktobertag" ist eines der besten, ine er je geschaffen hat: glänzendes Zeugnis für die Kunst des Denkspielers: aber auch ein Bekenntnis für seine dichterischen Kräfte: ein Gipfel der modernen Dramaturgie. (Man muß wohl bis zu Hebbel zurückgehen, um Aehnliches zu finden.) Die Aufführung war die erste Arbeit des wiederhergestellten Intendanten Dr. Prasch: eine ausgezeichnete Arbeit-, wir freuen uns, dies — gerade nach dem gestern gesehenen Gastspiel der Wiener — seststellen zu können, und wir gratulieren. Dies war die Aufgabe der Inszenierung: die Realität der Vorgänge verständlich werden zu lassen und sie zugleich dem grellen Tageslicht ordinärer Wirklichkeit zu entrücken ins Traumhafte, ins Einmalige, ins Mystische. Das große Geheimnis muß spürbar werden und die Atmosphäre beherrschen. Man muß fühlen: etwas Außerordentliches begibt sich hier, das nicht mit einer Zeitungsnotiz oder einer Gerichtsverhandlung aus der Welt zu schaffen ist. Transparenz der Vorgänge: das ist der Darztel- lungsstil, den das Schauspiel fordert, und der in dieser sehenswerten Aufführung verwirklicht wurde. Die Rolle ist im Stil der Scanne d'Arc zu spielen (nicht von Schiller, sondern von Shaw). Was von der Regie gesagt wurde, trifft im Schauspielerischen in allererster Linie auf sie: die Transparenz der Erscheinungen muß in ihren Worten und Gebärden zu empfinden sein. Sie ist eine visionäre Gestalt, eine demütige Besessene, eine Amokläuferin der Liebe, die niemandem etwas zuleide tut. Ein ganz zartes und sanftes Geschöpf, das gleichsam geschlossenen Augen durch die Szenen ging. Wer etwa eine chronique scandaleuse im „Oktobertag" findet, versteht ihn nicht. Wer über die Möglichkeit der Vertauschung nachgrübelt, dringt nicht zum Herzpunkt der Fabel vor. Wer nach dem „Ausgang" des „Falles" fragt und ein Dutzend unbeantworteter Fragen auf der Zunge hat, wenn der dritte Vorhang fiel, kann den untergründigen Sinn des Schauspiels, sein menschliches Gleichnis, nicht begriffen haben, Wer tzs mit dem modischen zu einer schlichten ernüchternde Kälte Für die Catherine ist in unserem Ensemble wohl nur eine Besetzung möglich: Trude Heß; und sie gibt hier, was man von ihr verlangt, __ - das Stück zu sagen haben, ist so man es kaum vorzubringen unbegreifliche Lachlust besten herauszufordern, in einem ernsten Stück. sah man seit der „Treibjagd" keine so fertige stung wie diese. Er stellt den Burschen hin, wie er ist: primitiv, brutal, gefährlich. Anfänglich noch ein skrupelloser Händler und Unterhändler: zuletzt ein enttäuschtes und entfesseltes Tier, gegen das ein Scheck keine Waffe mehr ist, und gegen das nur noch entschlossenste Notwehr Der Eindruck im Hause schien — von einiger Unruhe und unangebrachter Heiterkeit abgesehen — stark und überzeugend. Herzlicher Beifall rief zuletzt den Intendanten mit den Darstellern wiederholt an die Rampe. Dr.Thi , pörten, tobenden, strafgerichlverhängenden oäter nichts zu schaffen. Sie wurde von Ebert- G r as s o w sehr fein gegeben, obwohl man äußerlich in ihn, nicht den französischen Typus findet, den man enoa nach dem Lesen erwartet. Er trifft den Charakterumriß eines vornehmen unbedeutend, daß .... . - . braucht: gelegentlich eine Wendung, die wie aus dem Französischen übersetzt klingt. Und vielleicht ist die Dialektik des Leguerche nicht überall so geformt, daß dessen gesellschaftliche Stellung schon in der Ausdrucksweise hinlänglich von der seiner Gegenspieler distanziert würde. Das ist alles. (Sie darf nicht überraschend kommen, wenn das Ganze nicht an Niveau verlieren soll.) Diese Rolle ist die schwerste: alle andern sind einfacher und Hier ist nicht die bequeme Szenenfolge und Bilderbogenmanier der Expressionisten und ihrer Nachkommen. Hier sind drei Akte alten Stils nach den harten Gesetzen einer großen Dramenarchitektur liik- kenlos und mit innerer Folgerichtigkeit meisterhaft zum Ganzen gefügt. Uebrigens in einer viel reifer, klarer und einfacher gewordenen Sprache, die die Härten und Schlacken des Expressionismus abschliff, ..... Sachlichkeit gedieh und doch die der jüngsten Richtung vermied. noch vorhanden. Als besonders bemerkenswert darf hervorgehoben werden, daß aus höheren Lehranstalten 54 Schüler und Schülerinnen die Berufsberatung in Anspruch nahmen, davon 24 Schüler und 12 Schülerinnen mit und mehr als Obersekundareife: 5 Ratsuchende waren Abiturienten. Die Berufsberatungsabteilung hat ein berufskundliches Archiv auch für alle akademischen Berufe eingerichtet. Berufskundliche Nachrichten, von einer Zentralstelle herausgegeben, unterrichten schnellstens über alle Veränderungen im Berufs- und Wirtschaftsleben. Der Aufbau des Berwattuugsapparats Die für die Verwaltung des Arbeitsamtes gefundene gesetzliche Form ist neuartig. Für die Arbeitsvermittlung und Berufsberatung stellt sie neben den Vorsitzenden einen Verwaltungskörper aus Vertretern der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der öffentlichen Körperschaften, während bei der Entscheidung über Arbeitslosenversicherung die Vertreter der öffentlichen Körperschaften nicht mitroir- ken. Der wirtschaftlichen Selbstverwaltung des Ar- beitsamtes ist dadurch weitgehend Rechnung getragen. In dem ersten Halbjahr des Bestehens des Arbeitsamts Gießen als VmtsfteUe der Reichsanstalt Oie Arbeitsvermittlung. Im Winterhalbjahr konnte das Arbeitsamt 2842 männliche und 956 weibliche, zusammen 3798 Per- sonen in Arbeit vermitteln. Dieses Vermittlungsergebnis ist noch keineswegs befriedigend. Würde die Arbeitgeberschaft des Bezirks von unserer Ver- mittlungseinrichtung in vollem Umfang Gebrauch machen, so würden zweifellos wesentliche Ersparnisse in der Arbeitslosenversicherung gemacht werden können. Das Arbeitsamt ist infolge der großen । Zahl der Arbeitssuchenden qualitativ und quonti- I tativ in der Lage, fast alle Wünsche auf Zuweisung ritterlichen Herrn aus altem Hause von gepflegter Tradition, eines Menschen mit empfindlichen Begriffen, ruhigem Denken, klarer und fultitnener Wortwahl, mit feinstem Ehrgefühl und unbedingtem Willen zu Anstand, Sauberkeit und geordneten Verhältnissen: eine taktvoll abgemessene Leistung. — helfen kann. — Doch sollte sich der Darsteller hüten, die ohnehin mancher Zuhörer im min- versicherung angehören. Oie große Arbeitslosigkeit. Der allgemeine Konjunkturrückgang und die Auswirkungen des langen Winters und der strengen Kälte haben auch in unserem Bezirk während des Winterhalbjahres eine Arbeitslosigkeit herbeigeführt, wie sie den früheren Arbeitsnachweisämtern Gießen, Bad-Nauheim und Friedberg unbekannt war. In unserem Bezirk wurden von der Arbeitslosigkeit insbesondere die Industrie der Steine und Erden, die Metall- und Maschinenindustrie, das Holz- und Schnitzstoffgewerbe, das Bekleidungsgewerbe, Baugewerbe und die Lohnarbeit wechselnder Art betroffen. Im Baugewerbe kamen infolge des harten Arbeitsamtes Gießen mit Ausnahme des sogenannten Schützer Landes und einigen Gemeinden des südlichen Teiles des Kreises Friedberg die bisherigen Bezirke der Arbeitsnachweisämter Gießen, Bad- Nauheim und Friedberg. Im Gebiet des Landes- arbeitsamtes Hessen ist der Bezirk des Arbeitsamtes Gießen mit einer Gebietsgröße von 3057 Quadratkilometer räumlich der größte Arbeitsamtsbezirk, mit einer Bevölkerungszahl von 304 749 Personen, von- denen 47 094 dem Personenkreis der Arbeitslosen- heiten: Im ganzen fanden 7 16 Beratungen (472 für Knaben, 244 für Mädchen) statt. Auf Grund der Beratung haben 74 (49 Knaben, 25 Mädchen) ihr Berufswunsch geändert. In 25 Fällen (bei 18 mi ben, 7 Mädchen) war besonderes ärztliches Gut- achten erforderlich. 9 2 (75 Knaben, 17 Mädchen) konnten in Lehrstellen vermittelt werden. 158 offene Lehrstellen (110 für Knaben, 48 für Mädchen) sind der gesetzlichen Bestimmungen entgegenzuwirken. So hat es im Laufe des Winterhalbjahres in 2095 Fällen auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen Unterstützungsgesuche abgelehnt, Unterstützungen ge- sperrt oder abgesetzt. Aus diesen Ablehnungen und Sperrungen haben sich bisher 639 Einsprüche beim Spruchausschuh ergeben, denen in 84 Fällen teilweise oder ganz ftattgegeben wurde. Der Spruch- ausschuß hat in seiner Tätigkeit zweimal je einen Tag Haft wegen grober Ungebühr im Verhand- lungsraum und vier weitere Ordnungsstrafen ver- hängen müssen. Frostes selbst Personen zur Entlassung, die in früheren Wintern von den einzelnen Firmen noch als Stammpersonal in Beschäftigung gehalten wurden. Erst Mitte März setzte die Entlastung des Arbeitsmarktes nur schwach und zögernd ein. Der Erdboden war immer noch hart gefroren, so daß die Aufnahme der Außenarbeiten mit großen Schwie- rigteiten zu kämpfen hatte. Die Vermittlungen nahmen gegenüber dem Monat Februar zwar um das Doppelte zu, doch blieben die erhofften Massenab- rufe von Arbeitskräften leider noch aus. Ein merkbarer Rückgang der Arbeitslosigkeit gegen Ende des Monats März war lediglich in der Industrie der Steine und Erden, im Holz- und Schnitzstoffgewerbe und im Baugewerbe zu verzeichnen, lieber die außerordentliche Belastung des Arbeitsamtes und die Mitte März einsetzende rückläufige Bewegung qibt dte obige Kurve über die Arbeitslosigkeit im Bezirk des Arbeitsamtes Gießen Aufsschluß. Das Vorgehen gegen Mißbräuche. Dem Arbeitsamt wurde während des Winterhalbjahres öfter zum Vorwurf gemacht, daß es an Personen Unterstützung zahle, die für den Unterstützungsbezug nicht berechtigt seien. Die sofortige Nachprüfung solcher Fälle ergab, daß die betreffenden Personen sich unter Vorlage falscher Dokumente in den widerrechtlichen Bezug der Arbeitslosenunter- stützuna ge etzt hatten. Es muß deshalb darauf hin- gewiesen werden, daß Arbeitgeber oder deren Stell- Vertreter, die etwa aus Gefälligkeit ober um Unbe- auemlichkeiten zu vermeiden wahrheitswidrige Am gaben in den Arbeitsbescheinigungen machen, sich der Beihilfe zum Betrug schuldig machen. Das Arbeitsamt erstattet in solchen Fallen Strafanzeige. Im übrigen ist das Arbeitsamt bemüht, den Miß- Gießener Gtadttheater. Georg Kaiser: „vktobertag". „Er ist die Sphinx unter den modernen Dramatikern." Diebold über Kaiser. Dies ist kein Kriminalstück, sondern, wie in einer szenischen Vorbemerkung von Kaiser selbst betont Ätrb, ein Liebesstück. Etwas ganz Altertümliches. In manchem Sinne fast: ein mittelalterliches Stuck, obwohl in modernen Kostümen dargestellt. So etwas gibt es also noch? Das gibt es: und der begabteste unserer Dramatiker der im Handwerk virtuoseste, der dichterisch schweifendste, der seine Phantasie durch alle Zelten und Schauplätze der Welt beflügelt, hat es geschrieben: so zwar, daß der reale „Fall" ins Unwirkliche verf’inft, daß der kriminelle Unterton ganz unwe- ^’es^bleibt nur die Idee der Fabel, die Magie der Handluna, die Begebenheit aus der großen und unerschöpflichen Geschichte des menschlichen Herzens. Das Schauspiel hat allenthalben einen starken Erfolg gehabt. Die Kritik hat einhellig die außerordentliche Leistung anerkannt. Wem das nicht ge- 72 etoa über den Stoff stolpert, den man Heckel nannte - „heikel" ist eigentlich ,eter Stoff: es kommt darauf an, in meßen Hande er flerat, und msTraus gemacht wird -, ter fei Karan er- innert, daß das Thema nicht heikler ist als m ter Kleistschen Novelle von ter „Marquise von O. Und daß eins der wichtigsten Motive, das der Vertauschung, schon im nochshakespeareschen Drama, bei dem Engländer Thomas Otway sich findet in dem Trauerspiel „Die Waise".* An einem vierzehnten Oktober ist das Fräulein Catherine Coste, bester französischer ^ani.l'e entstammend, dreimal hintereinander m der kleinen ©tobt dem Leutnant Marrien begegnet: vor emem Juwelierladen, in der Kirche und abends in ter Oper. Sie kennt ihn nicht, wie er sie nicht kennt, ja nicht einmal bemerkt hat. Durch einen jungen Zufall erfährt sie seinen Namen, erblickt in der drei maligen Wiederholung der Begegnung 'M Tagesablauf - die sie als Verlobung, Trauung und Hochzeitsfest deutet — mehr als den Zufall, das Schicksal ihres Lebens. Sie liebt ihn und glaubt an eine vierte Begegnung mit ihm in der Nacyt. Catherine bekommt ein Kind. Der Leutnant, vom Oheim des Fräuleins gestellt, leugnet die Vaterschaft und bietet Beweise an, ein Alibi, nachdem schon seine Angaben sich erschütterten. Da meldet sich, allen unerwartet, Leguerche, ein Metzgergeselle: der schlich in jener Oktobernacht ins Haus der Coste von Arbeitskräften befriedigen zu können. Nach unseren Berechnungen würbe bie Arbeckslosenversiche- rung in unserem Bezirk in einem einzigen Jahre rund 340 000 Mark sparen können, wenn alle Betriebe ihren Bedarf an Arbeitskräften restlos durch unsere Vermittlungseinrichtung decken würden. Oie Ausgaben. Die Ausgaben haben in unserem Bezirk gegenüber der gleichen Zeitspanne des Vorjahres sich nahezu verdoppelt. Im einzelnen betragen die Kosten des Arbeitsamtes: A. Verwaltungskosten: a) persönliche Kosten 100 763,81 Mk. = rund 3,6 o.H.; b) sächliche Kosten 37 263,79 Mk. -- rund 1,3 v.H. B. Besondere Maßnahmen in der Arbeitslosenversicherung und Berufsberatung 3890,20 Mk. - rund 0,1 v.H. C. Arbeitslosenversicherung: a) Unterstützungen 1929884,72 Mk. - rund 68,9 v.H.: b) Krankenkassenbeiträge 200 037,05 Mk. = rund 7,1 v. H.; c) Versicherungsbeiträge 222 Mk.: d) Kurzarbeiterunterstützungen 6979,80 Mk. = rund 0,2 v. H.: e) Kosten des Spruchverfahrens 412,80 Mk.; f) Sonstige Aufwendungen 274,69 Mk. D. Maßnahmen zur Verhütung und Beendigung der Arbeitslosigkeit 3089,67 Mk. = rund 0,1 v.H. E. Sonberfürsorge: a) Unterstützungen 445 695,13 Mark = rund 15.9 v.H.: b) Krankenkassenbeiträge 21 978,65 Mk. - rund 0,8 o. H. F. Krisenunterstützungen: a) Unterstützungen 39 494,10 Mk. = rund 1,4 v. H.; b) Krankenkassenbeiträge 3865,60 Mk. = rund 0,1 v. H.; c) Versicherungsbeiträge 286,60 Mk.; d) Reisekosten 459,10 Mk. G. Einmalige Ausgaben 5397,42 Mk. = rund 0,2 v. H. (Erstmalige Anschaffung von Geräten.) Der Höhepunkt ihrer Leistung ist die große besszene mit Marrien; den spielt Arzdorf, auch er gibt in dieser Szene fein Bestes her. Er war überhaupt gut im äußern Bild, in Tonfall und Haltung, und — was entscheidend ist für seine Bewertung — er begreift und gestaltet die einschneidende Wendung und Wandlung im zweiten Akt. I Kriminaldrama verwechselt, tut es auf eigene Gefahr. Wer sich nur am Theaterstück freut, vergißt das Beste. zum Stelldichein mit einer Zofe. Catherine, die unerschütterlich ist im Glauben an ihr geheimnisvolles Schicksal und an ihren Geliebten, nahm | Leguerche unerkannt für Marrien. Der Metzger, von seiner Braut, der eifersüchtigen Zofe, aufgehetzt, kommt als Erpresser. Coste, der Oheim, bewilligt, um den Skandal zu vermeßen, die Forderung. Da zerreißt Marrien, wie aus einem Traum erwachend, den Scheck: die Magie des visionären Gefühls der Catherine ist auf ihn über- gesprungen, entzündet auch ihn. Der Schicksalsring schließt sich um sie beide, er liebt Catherine und er will, daß ihr Kind auch sein Kind sei. Er verläßt in einem Augenblick, der alles in ihm über ben Haufen wirst, fein ganzes bisheriges Leben, das Regiment, die Stellung, bie Familie, den Ruhm, um mit Catherine zu fliehen... ms Ungefähr, auf eine Insel der Verheißung, ins Gluck, irt ben Traum. Den mit zwiefach gesteigerten For- berungen wieberkehrenben Leguerche ersticht der Leutnant Marrien, in äußerster Bebrängnis, um sich und dem Mädchen ben Weg frei zu machen. • Dies ist das Wunderbare: daß die forensische Bedeutung der Fabel ins Nebensächliche versinkt. Nach dem Totschlag wird nicht mehr gefragt. Der Ring ist geschloßen. Die „mystische Union" — Coste wah t einmal mit Bedacht diesen mittelalterlichen Begriff zur Kennzeichnung der Gefühlslage im Drama — ist vollendet. Das Unzeitgemäß-Außerordentliche ist hier: die Absage an die nüchterne Aufgeklärtheit der Gegen- wart; der geistigste Dramatiker, der uns beschieben ist, erweist sich hier, wie schon oft zuvor, etwa mit dem „Brand im Opernhaus", als der geheimnisvollste, als Magier und Herzspieler. Das Denkspielerische, das Technische, das geniale Handwerk versteht sich bei ihm von selbst. Die Kon- struktion der Akte, mathematisch genau, von gläserner Durchsichtigkeit, ist umkleidet von Romantik, ist erfüllt vom Wunderbaren; denn diese Idee entrückt das Schauspiel der nüchternen Stofflichkeit an der man sich nicht verfangen darf: wie der dichter hinter dem Alltag ter Dinge das Einmalige und Besondere, hinter dem tausendfältig platten Zufall das unentrinnbare Schicksal aufspürt. für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung tagte der geschäftssührende Ausschuß zwölfmal. Der geschäftsführende Ausschuß, der aus je einem Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Behördenvertreter mit dem jeweiligen Stellvertreter besteht, beschäftigtc sich in seiner ersten Sitzung mit ben Vorschlägen des Vorsitzenden über ben bezirklichen Aufbau des Arbeitsamts. Der Schwerpunkt des 'Arbeitsamts liegt nid)t etwa in der Stadt Gießen, sondern er liegt, da Gießen einen ausgesprochen ländlichen Bezirk barstellt, auf bem Lande, in der Provinz. Um nun neben anderen wichtigen Aufgaben, bie das Arbeitsamt zu erfüllen hat, feine Hauptaufgabe, nämlich eine richtige Arbeitsvermittlung, durchführen zu können, wurde einstimmig beschlossen, Nebenstellen zu errichten. Im Laufe des Winterhalbjahres konnten Nebenstellen eröffnet werden, und zwar am 5. Februar 1929 in Salz, am 12. Februar in Eulersdorf, am 25. Februar in Gießen für die Landgemeinden, am 5. März in Bad-Nauheim, am 18. März in Friedberg, am 21. März in Heldenbergen und am 25. März in Rodheim v. d. H. Die Eröffnung der anderen 15 'Nebenstellen soll in rascher Reihenfolge vorgenommen werten, so daß innerhalb der nächsten Wochen sämtliche Nebenstellen errichtet sind. Durch ihre Eröffnung werden 396 Gemeinden abgelost und bie Kosten für diese Nebenstellen sind geringer, als die bisherigen Kosten, die mit dem Verkehr mit ben Bürgermeistereien entstanden sind. Durch die De- fetjung der Nebenstellen wird auch keine Vermehrung der Veamtenzahl eintreten. Am 12. November 1928 tagte der große Ver- waltungsausfchuß des Arbeitsamtes. Er beschäftigte sich vor allem mit ter Genehmigung der vom Geschäftsführenden Ausschuß schon durchberatenen Haushaltspläne für 1928 und 1929. Oie Sondersürsorge. Das Gesetz über eine Sonderfürsorge bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit vom 2. Dezember 1928, die Verordnung hierzu vom 18. Dezember 1928 und die Anordnung vom gleichen Tage brachten dem Arbeitsamt eine außerordentücheMehrarbeit. die nur unter Hinzunahme von Aeberarbeit bewältigt werden konnte. Die Zeit der berufsüblichen Arbeitslosigkeit wurde vom Derwaltungs- ausschuh des Landesarbeitsamtes Hessen mit Wirkung vom 16. Dezember 1928 bis 30. März 1929 festgesetzt. Alle diejenigen Arbeitnehmer, die am 16. Dezember 1928 bereits arbeitslos ober an diesem Tage arbeitslos geworden waren, hatten nach den neuen gesetzlichen Bestimmungen, soweit sie ter Gruppe der Saisonarbeiter angehörten, einen Anspruch auf versicherungsmäßige Arbeitslosenunterstützung von nur 6 Wochen. Sie schieden somit am 26. Januar 1929 aus der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung ans und nur, wenn bei ihnen Bedürftigkeit anerkannt wurde, konnten sie eine Sonderunterstützung beziehen bis zur Dauer der festgesetzten berufsüblichen Arbeitslosigkeit, selbstverständüch nur unter ter Voraussetzung, daß sie bis zu diesem Zeitpunkt noch arbeitslos waren. Die Kosten für die Sonberfürsorge trägt zu vier Fünfteln das Reich und zu ein Fünftel die Reichs- anstatt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver- cherung. Diese Regelung war eine Notwendigkeit, weil sonst die Reichsanstalt finanziell noch viel schwerer, wie es bisher der Fall ist, belastet worden wäre. Oie landwirtschaftlichen Kleinbesitzer. Große Schwierigkeiten hatte das Arbeitsamt and) mit den landwirtschaftlichen Kleinbesitzern, die in regelmäßiger Wiederkehr im Sommer als Saisonarbeiter eine unselbständige Tätigkeit übernehmen und bann, wenn sie aus saisonmäßigen Gründen ihre unselbständige Beschäftigung verlieren, in ihren landwirtschaftlichen Betrieb zurückkehren. Diesen landwirtschaftlichen Kleinbesitzern mußte das Arbeitsamt auf Grund einer ergangenen Scnatsent- scheidung die Arbeitslosenunterstützung versagen. Das Arbeitsamt Gießen ist deshalb von vielen Seiten Gesamtausgaben im Winterhalbjahr 1928/29 2799 995,13 Mark. Oie Berufsberatung. Die Abteilung Berufsberatung besteht nun vier Monate. Manches ist noch zu organisieren, und es darf gesagt werden, vieles ist schon geschehen. Besonders hat sich die Zusammenarbeit mit den Volksschulen sehr erfreulich entwickelt. Das ist in erster Linie den Herren Kreisschulräten und den Herren Leitern der Gießener Schulen zu danken, die sich sofort mit regstem Interesse für die öffentliche Berufsberatung eingesetzt haben. Auch die Herren Entlaßklassenlehrer unseres ganzen Arbeitsamtsbezirks (Oberhessen), deren Mitarbeit vor allem durch Ausfüllung der Schüler-Personalbogen zugleich eine verantwortungsvolle Mehrarbeit bedeutet, bringen in überwiegender Mehrheit der Berufsberatung größtes Interesse entgegen. Die notwendige Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsvertretern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, kann ebenfalls als sehr erfreulich bezeichnet werden. Die Anmeldung von bisher 254 offenen Lehrstellen bei der Berufsberatungsabteilung find ein beachtenswerter Anfang für das Ziel, möglichst alle offenen Lehrplätze bei einer Zentralstelle zu sammeln, um im Interesse der Berufssucher, der einzelnen Arbeitgeber und der ganzen Volkswirtschaft den nötigen Ueberblid über den Lehrstellenmarlt zu erhalten. Handwerksmeister und Industrielle haben wiederholt die Vornahme von Eignungsprüfungen ge- wünscht. Doch fehlte noch die nötige Apparatur und der Prüfraum, um diesen Wünschen Rechnung tragen zu können. Da nunmehr das Landesarbeitsamt die erforderlichen Mittel bereitgestellt hat, wer- den alsbald die Eignungsprüfungen vorgenommen werden. Die Jugendämter, die viele Fürforgezöglinge und Waisenkinder zu betreuen haben, nehmen nicht selten die Berufsberatung in Anspruch. Es ist zu roün- schen, daß sie allmählich alle unter ihrer Obhut und vor der Berufswahl stehenden Knaben und Mädchen unserer Abteilung zur Beratung und Bermitt- lung zuführen. Dies wird erleichtert werden nach Einrichtung regelmäßiger Sprechstunden in sämtlichen Kreisstädten des Arbeitsamtsbezirkes. Aus der bisherigen Berufsberatungs- und Bermittlungs- tätigfeit ergeben sich zusammen folgende Einzel» M* •«nm Ott Artel tsfosWU hi Bezirk des Arbeitsamt», Slessea Winterhalbjahr. 1929/2» stark angegriffen morden, aber es konnte nicht umhin, seinen für richtig erkannten Weg — do- allem auch im Interesse der Arbeitnehmerschaft selbst — weiterzugehen, selbstverständlich ohne irgendwie bei den einzelnen Fällen zu schematisieren. Diese Angelegen, heit war auch Verhandlungsgegenstand einer bcson. deren geschäftsführenden Ausschußsitzung. Inzwischen kann festgestellt werden, daß auch die Spruchkammern in den Berufsunfällen dem eingenommenen Standpunkt des Arbeitsamts in dieser überaus wichtigen Frage grundsätzlich zugestimmt haben. Das Schlußwort. Die Arbeit im geschäftsführenden Ausschuß mit der Leitung des Arbeitsamts Gießen war eine überaus harmonische. Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Be- härdenoertrctcr haben ihr Bestes hergegeben, um jeweils immer nur der Sache zu dienen; alle Beschlüsse von maßgeblicher Bedeutung wurden einstimmig gefaßt. Auch an dieser Stelle sei daher noch einmal ganz besonders den Herren vom geschäftsführenden Ausschuß der Dank ausgesprochen für ihre Mitarbeit. Mit diese- Bericht schließt das Arbeitsamt Gießen die Tätigkeit während des ersten Halbjahres feines Bestehens ab. Es ist sich wohl bewußt, daß im Bezirk noch manches zu bereinigen und zu verbessern ist. Diese Aufgabe kann ihm nur gelingen, wenn alle beteiligten Kreise unter Hintansetzung persönlicher Interessen in dem Bestreben Mitarbeiten, dem Ge- samtwohl zu dienen. Hierzu rufen wir alle, die guten Willens find, aus. Wirtschaft. Dresdner Bank A. Brie' ÄIMl.-Nott. Bum-AireS Brff-.Antlv. Christiania. Kopenhagrn Stockholm - HelsingforS. Italien. . . Loudon. . . WenUort . . Paris.... Schweiz .. Spanien. Japan . . . 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Englische Roten........ 4,214 58,28 112,03 20,431 4,234 58,52 112,47 20,511 ;V V*A S FTrtTtl.H. JU.'.TI.lW»lll.l'WTTWTyff7Wn?WWTTWT¥iWWiTyiTTTWffWHWJWIUIIl!4«'T4. ■ ■ ■ ■ jr.Tnr.i'7..^ 3260A 8 J247U Ruhe! Abteilung nach » Mäuekbnrg 17 02126 210 12 Verlangen Sic gratis das Buch .Die Pflege dcrFüfcc w. X X '"4 I Ullstein-Alben,Ullstein-Schnitte AL [02132 hat abzugeben SS Dir nicht <*Dein Obst f1 Klauen f ME MAKGAD.INE Hih AVE Gießen Mäusburg Tcleph GEG 1 SCHUHPUTZ l Ein unentfr Nahrungsmittel aus edelsten Erzeugnissen der Natur, das den verwöhntesten Ansprüchen gerecht wird, ist die neue Mark« ,,Alma, die Margarine f6r AUe*. Sie wird grundsätzlich ohne Zugaben verkauft. Dafür erhSU die Hausfrau den vollen Wert des gezahlten Preises in der Qualität der Ware. Das Hund kostet nur 85 Hennig. 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