ch 29R mnh)e$ w ■ ä’äS !» >n 3 werden. %?" mit ,.Obiger, u * Klause luhrten auf hPn 1 i>ie >'»■ 30,Riih,t6k >Mb lot ,e6*e »♦ „tt)Uenm . Tage-. S?w 4.19nmnoar,tnQnntc ■3'8^, Lvnd^n Pfund lland 92 81 !? Segen fia, 12,10. ' ■ S^rn Madrid 'er Börse. ^kvochnnq^ jm chte 3eruh nn' *«n nsicht ÄL’L* M«im unb\’t"te? **n fd)4 ft? «.* <4rut Ä t m 8ant Mn Eng, M n Momente kaum vor. in yrrr^1 weitere ’M- bti ^Ulörung der tun9 w btn Surstütfoan. ü3rUL1)ie*5 'ud9an9e von 1 bis 4 v.j , -G -Farben, in denen 1 Dorla9- 9mgen um 4,5 v.h I« nannte nwn mit 3,80 v j) Daren Klöckner,Mans, 'erger Zink bis 5 v.h. tte erschienen mit Minus- MaNertafel. Nur gl le >as fester. Bon Elektro- -ekttifche Licht und n, Fel ten bis 6 v. $)., schwächer. Sonst lagen noch chc Linoleum, Berger, st sehr schwach. Svenfka London 7,50 Mark anziehen, ehrsmittel gewannen 3 nleihen waren behauptet, »ächer. Ter Geldmarkt mar ;eld 7 bis 9,5 v.h.; Monats- Warenwechsel zirka 7,75 n Kursen wurde es auf die Neichsbankausweises Loche etwas beruhigter. Wech ds und Effekten haben um 1 uni) Wenlaibantldjeinc um onimen. Die Dedung Mene >.h. Später wurde es bann weitere Verlaus blieb bann ar den, einzeln« Banken Notoren-Werle lagen >n Werte eher schwächer. t tzetreivebörsc. rt 9 Ott. Der Produkten- 'im Einllang mit den festeren » etwas freundlicherer Ha ' t Mizen bestand von Muh- rM Auch für Wer-enmchl h mstäMs Interesse durch' teMg 3; w M ev ^scrdemarkt. ?ÄKS- •55»35 )Q5 gesucht-____ »riet men E. 168.72 1.761 58. 3 112- 112,» 112- 21- ; 20,41’ 4-19 16,485 81.69 62.8' ,006 0,4995 59,035 12,42 7,461 73,25 18,86 81,59 2,02} 40 4,10 4.1g 20,90 <38 1..57 58,41 111. 111,9 117,37 10.532 21,9 20,373 16,"5 80.93 62.19 2,002 0,4975 58,9'5 irL 7,38' Ä ftS 002 445 4.15° 4,096 jber____ KW. -—<6? 1.762 58.0 "2.67 112- >2Z I 10.556 21.975 20,413 ' 4,10 16,48 81. 62, »3 ,002 1,4995 ' 59-»! 12,424 hl ! !!, 1 i? 4,159. 168,71 L 58,9 2,495 112-62 81,0 62,27 12-425 73,23 Prozent- ■— ff Ms 168,03 21,95 111.70 58,73 2,475 .12,18 80.74 62,0? «U. Nr. 238 Erstes Blatt 179. Jahrgang Donnerstag, 10. Oktober 1929 (Er|d)e tnt löglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüfle vnterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Vrvck und Verlag: vrühl'fche UnwerfftStr-Vuch' und 5teindruckerel 8. Lange in Gietzen. 8chnftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme bon Anzeigen für die Tagcsnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mrn Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klameanzeigen von 70mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 2OU , mehr. Chefredakteur: Dr. Fricdr Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton l)r H.THyriot; für den übrigen leit Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter» sämtlich in Gießen. Sie chemisch-westfälischen Stahlhelmverbände aufgelöst. Der preußische Innenminister hat mit Zu- stinnnrrng der Rcichsregierung den Stahlhelm, den Llungstahlyelm und den Bund Scharnhorst im Bereich der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen aufgelöst. Angeblich hätten die Gruppen eine Hebung veranstaltet, die mit den gesetzlichen Bestimmungen in Widerspruch ständen. Rach unseren Informationen hat es sich hierbei um ein Geländespiel in der Gegend von Kupferdreh gehandelt, und zwar um ein Spiel, wie es sehr häufig von anderen Verbänden, auch vom Reichsbanner, ohne amtliche Behinderung, durch- gesührt wird. Der Stahlhelm bestreitet, dah ein Verstoß gegen die bestehenden Gesetze vorliege. Man mag darüber geteilter Meinung sein. Es scheint sich jedoch bä diesem Verbot um einen Ausschnitt aus einer groß angelegten Mtion gegen das Volksbegehren zu handeln. Trotz aller Reserve, die wir dieser Bewegung gegenüber eingenommen haben, erscheint es uns doch notwendig, dagegen Front zu machen, daß von amtswegen unter allen möglichen Vorwänden versucht wird, einer politischen Aktion das Wasser abzuzraben, obwohl die Reichsverfassung jedem Staatsbürger das Recht zugesteht, ein Volksbegehren bzw. einen Volksentscheid zur Aende- rung von Gesehen einzuleiten oder sich an den entsprechenden Maßnahmen zu beteiligen. Der preußische Innenminister G r z e s i n s k i hat auf einer Konferenz der Ober- und Regierungspräsidenten das Volksbegehren als eine innerpolitische Gefahr hingestellt, weil dadurch alle staatsfeindlichen Kräfte in bedrohlicher Weise gesammelt würden, deren letztes Fiel sei, an den politischen Fundamenten des heutigen Staates zu rütteln. Es muh in der Tat schlecht um die sozialistische Herrschaft in Preußen bestellt sein, wenn man sich genötigt sieht, mit Maßnahmen der Gewalt gegen das Volksbegehren vorzugehen und dessen wichtigste Träger lahmzulegen. Der Auslösungserlaß Grzesinskls. Wegen des mililärifchen Charakters einer Geländeübung. Berlin, 9.0kl. (WB.) Der Amtliche Preußische Pressedienst meldet: Der preußische Minister des Innern, Grzesinski, hat unter dem 8.Oktober folgenden Erlaß an die zuständigen Polizeipräsidenten gerichtet: „Auf Grund des 8 1 des Gesetzes vom 22. März 1921 in Verbindung mit der Verordnung zur Ausführung dieses Gesetzes vom 12. Februar 1926 wird mit Zustimmung der Reichsregierung der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten e. v. mit allen seinen Einrichtungen und einschliehllch seiner sämtlichen Unter- und Hilfs- organisationen namentlich des Zung-Stahlhelms und des Bundes Scharnhorst für den Bereich der Rhelnprovinz und der Provinz West - falen aufgelöst. Form, Anlage und Durchsüh- rung der am 21. und 22. September 1929 im Raume von Werden — Supferdreh — Langenberg und Kettwig—Velbert Rewiges von den Landesverbänden „Rheinland" und „Industriegebiet" in Gegenwart des 1. Bundesführers Seldle veranstalteten U e b u n g bestätigen den nach Organisation und Betätigung des Stahlhelms bestehenden verdacht, daß jedenfalls in den genannten beiden Provinzen der Stahlhelm eine Vereinigung darstellt, deren Zweck im Widerspruch zu den eingangs genannten gesetzlichen Bestimmungen steht. Die Beobachtungen lassen keinen Zweifel, daß die Mitglieder dazu ausgebildet werden, eine Truppe zu schaffen, die in der Lage sein soll, als solche nach militärischen Gesichtspunkten kämpfend aufzutreten. Die Einbeziehung der anderen Organisationen rechtfertigt sich durch ihre engen Beziehungen zum Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten e. v. Gemäß § 3a a. O. werden alle Gegenstände der Bereinigung, welche den verbotenen Zwecken unmittelbar gedient haben, zugunsten des Reiches beschlagnahmt und eingezogen. Die Durchführung der Beschlagnahme und Einziehung obliegt den örtlichen Polizeiverwaltungen." 3n Ausführung obenstehenden Erlasses haben die Polizeipräsidenten in Köln, Düsseldorf, Essen, Elberfeld, Bielefeld, Dortmund, Bochum und Recklinghausen am 9. Oktober d. 3. die Auflösung der betresfenden Organisationen durchgeführt. Das Bundesamt des Stahlhelms zum Auslösungsdekret. Gegen die Beschlagnahme vonBolksbegehr- material. Berlin, 9. Oft. (DU.) Runmehr nimmt auch das Bundesamt des Stahlhelms zu der Auflösung des Stahlhelms im Rheinland und Westfalen in einer Erklärung Stellung, in der es darauf hinweist, daß die Auflösung auf Grund des § 1 des Gesetzes vom 22. März 1921 zur Durchführung der Artikel 177 und 178 des Versailler Fricdensvertrages erfolgt sei. Das Bundesamt erklärt weiter, die Mitteilung, daß die Hebung in Gegenwart des Dundes- führers Seldte stattgefunden habe, sei un- wahr. Daß es sich bÄ dem Vorgehen des Ministers Grzesinski um nichts anderes als einen brutalen Gewaltakt handele, werde dadurch bewiesen, daß auch das Dortmunder Bureau des Landesausschusses für das deutsche Volksbegehren von der Polizei heimgesucht und seines Inhaltes beraubt worden sei, einschließlich der versandfertigen Flugblätter. Der Minister habe sich für seinen Gewaltakt jenes Gesetz ausgesucht, gegen dessen mißbräuchliche Anwendung e i n Vorgehen auf dem Rechtswege aus - aeschlossen sei. Die Bundesführung des Stahlhelms werde sich selbstverständlich mit diesem Rechtsbruch nicht abfinden. Sie werde durch die Kameraden, die dem Reichstag angehören, sofort die Forderung erheben, daß die ungeheuerliche Bestimmung, die den Rechtsweg gegen die mißbräuchliche Anwendung des Gesetzes vom 22. März 1921 ausschließe, aufgehoben werde. Eine Erklämng des Stahlhelms. Das verbotene Geländespiel. Hagen, 9. Oft. (LU.) Die Landesverbandsleitung Rheinland-Industriegebiet des Stahlhelm gibt zu der Auflösung des Stahlhelms im Bereich Westsalen-Rheinland eine Erklärung heraus, wonach den Betroffenen gegenüber eine Begründung dieser Maßnahme ausdrücklich abgelehnt worden sei. Die Be- Berlin, 9.Okt. (TU.) Während auf amtliche Veranlassung am Mittwochabend sämtliche deutschen Sender für eine Rede des Reichsinnenministers S e v e r i n g über das Volksbegehren zur Verfügung stehen, hat am Dienstag, nach dem Amt- lichen Preußischen Pressedienst, im preußischen Innenministerium eine Konferenz der Ober- und Regierungspräsidenten begonnen, in der sich der preußische Innenminister Grzesinski auch über das Volksbegehren äußerte. Die politische Lage, so führte der Minister aus, sei zwar ernst, aber durchaus nicht bedrohlich. Die extremen politischen Parteien machten demagogisch den heutigen Staat verantwortlich für die Notlage weiter Volksschichten, die lediglich der ungeheuren Belastung der Allgemeinheit infolge des verlorenen Krieges zuzuschreiben seien. In dieser Situation bedeutet das Volksbegehren gegen den Voung-Plan weniger eine außenpolitische Gefahr, als eine innerpoltische Belastung, den es ist das Mittel, um alles, was dem heutigen Staat ablehnend oder feindlich gegenübersteht, zu sammeln, um so in der Zusammenfassung die staatsfeindlichen Kräfte bedrohlicher zu gestalten. Es ist deshalb Pflicht sowohl der Reichs- wie auch der Staatsregierung, gegen dieses Beginnen Stellung zu nehinen, da die Kreise, die sich zu dem Volksbegehren zusammengefunden haben, im letzten Ziel an den politischen Fundamenten des heutigenStaates zu rütteln beabsichtigen. Reichs- und Staatsregierung dürfen sich daher nicht nur mit der Abwehr begnügen, sondern müssen aktiv alles tun, um Aufklärung über d i e Ziele des Volksbegehrens zu verbreiten. Zu diesem Zweck müssen alle Landesbehörden, auch die preußischen Behörden, sich in den Dien st der Aufklärung stellen. Der demokratisch-republikanische Staat gewährleiste die vollste Dersammlungs-, Rede- und politische Detätigungsfreiheit seiner Staatsbürger. Aber das dürfe nicht zur Selbstverleugnung führen. Es sei eine Frage der Selbstachtung des Staates, daß er sich nicht wehrlos in seinen Institutionen und seinen leitenden Männern beschimpfen und verleumden lasse. Was heute an Beschimpfungen und Frechheiten gegenüber dem Staat und den verantwortlichen politischen Staatsmännern geleistet werde, habe mit politischer Meinungsfreiheit nicht das Geringste mehr zu tun. Zu den maßlosen Beschimpfungen komme hinzu ein von radikalen uniformierten Verbänden und den extremen politischen Parteien ausgeübter Versammlungsterror. Dieser Zustand sei auf die Dauer nicht zu ertragen. Der friedliche Staatsbürger müsse unter allen Umständen die Gewißheit haben, daß der republikanische Staat ihn in seinen Rechten unbedingt schützt und dafür auch die ganze Macht des Staates einsetzt. Die Reichsregierung werde in absehbarer Zeit ein neues Repu blikschuhgeseh einbringen. Bis zu dem Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Gesetzes müsse die Polizei mit verstärkter Aufmerksamkeit darüber wachen, daß beim Volksbegehren wie bei den bevorstehenden Kommunal- wchlen die Versammlungsfreiheit zu schützen und jedem Terror — gleich 'nach welcher Seite hin — wirksam entgegenzutreten sei. Oer Rundfunk im Kampf der Regierung gegen das Volksbegehren. Berlin, 10.Okt. (WTB. Kunffprud).) Auf der KonferenzderJnnenministerderLan- der wurde, laut „Vorwärts", einstimmig die Auffassung vertreten, daß es nicht nur das Recht, sondern die dringende Pflicht der Regierung sei, sich gegen das Volksbegehren mit edlen zur Verfügung stehenden Mitteln zur grünbung werde in einigen Tagen erfolgen. Man müsse daraus schließen, daß der Innenminister das Material zur Begründung erst durch die Beschlagnahmungen besorgen zu können hofse, wie dies in Parallelfällen, vor allem bei dem bekannten Vorgehen gegen die Ruh rindu striellen, versucht worden sei. Es scheine so, als ob ein Geländespiel, das die Landesverbände Rheinland und Industriegebiet am 22. September d. 3. in der Gegend von Langenberg im Rheinland abgehalten hätten, sowie die damit zusammenhängende wehrsportliche Betätigung die Begründung des Verbotes ergeben sollten. Der Stahlhelm seinerseits weise daraus hin, dah z. D. das Reichsbanner denselben Wehrsport ungehindert aus - ü b e und daß z. B. der Zungdeutsche Orden genau an der gleichen Stelle bei Langenberg vor kurzem ein Eeländefpiel ohne jegliches Eingreifen habe durch führen dürfen. Der Stahlhelm erklärt, daß er s-osort sämtliche Rechtsmittel gegen diese Maßnahme des preußischen Innenministers ergriffen habe, die nach seiner Auffassung in jeder Weise, sowohl sachlich wie juristisch, unhaltbar sei. 3n diesem Zusammenhang müsse z. D. daraus hingewiesen werden, daß das getarnte Material des Wahlkveisausschusses Westfaien-Süd für das Volksbegehren in Dortmund gleichfalls beschlagnahmt worden sei, daß also in dieser Hinsicht parteipolitische Motive erkennbar seien. Wehr zu setzen. Die Reichsregierung wird in Zukunft täglich, je nach Bedarf, auf die Meldungen der Volksbegehrenpresse durch sämtliche deutschen Rundfunksender erwidern lassen. Berliner Pressestimmen. Scharfe Stritt! der Rechtspresse. Berlin, 10. Okt. (Funkspruch) Zur Rundfunkrede Severings gegen das Volksbegehren und zur Auflösung des westfälischen Stahlhelms durch den preußischen Innenminister schreibt die volksparteiliche „D. A.Z.": Da das Volksbegehren so formuliert worden ist, daß in der Tat gegen Mitglieder des Reichskabinetts der Vorwurf des Landesverrats erhoben wird, ist der Reichsregierung das Recht zur Verteidigung wohl nicht zu bestreiten. Das außerordentlich starke Aufgebot aber, das Severing und Grzesinski für notwendig halten, scheint uns doch eine Rervosität zu verraten, die mit den starken Worten der beiden Herren nicht in Einklang steht und sachlich kaum begründet ist. — Die „Dörsen- Leitung" schließt ihre Stellungnahme zum Verbot des westfälischen Stahlhelms mit folgender Anfrage: »Wir fragen den einzigen (nach Stresemanns Tode) Vertreter der Deutschen Dolkspartei im Kabinett, den Reichsminister Dr. C u r t i u s, wir fragen die Führer der Deutschen Dolkspartei, ob sie damit einverstanden sind, daß Stahlhelm und Reichsbanner Schwarzrotgold in so unerhörter CEkife mit zweierlei Maß gemessen werden. Wir bitten um Antwort, denn wir wissen, daß die Wähler der Deutschen Volkspartei mit uns die Antwort ertoarten." Der dcutschnationale „L o k a l an z e i g e r" schreibt: „Hm nicht den Schein der Ungerechtigkeit auf sich zu laden, hätte Herr Grzesinski das Verbot bis hinter die Durchführung des Volksbegehrens zurück stellen müssen. Das hätte getan, wer sich stark fühle und dessen Grund wirklich eine gesetzwidrige ^Betätigung des Stahlhelms gewesen wäre. Das Gegenteil ist geschehen. Damit wird ohne weiteres klar, daß man in den rhei- nisch-west ä ichen Organisationen des Stahlhelms die Organisation des Volksbegehrens treffen wollte und wird weiter klar, was zu diesem Schritt geraten hat: Die Angst, die stets eine schlechte Ratgeberin gewesen ist." — Die „Deutsche Zeitung" schreibt, das Vorgehen stehe im Zeichen der Angst vor dem Verhängnis, das allerorten über die Regierung hereinzubrechen drohe. Die übrigen Blätter nehmen vorläufig noch nicht Stellung. Oer Oeuische Brauerbund zur Biersteuerfrage. Berlin, 9. Okt. (WB.) Der Große Ausschuß des Deutschen Drauerbundes nahm einstimmig eine Entschließung an, in der es heißt: Die deutsche Drauindustrie widerspricht in ihrer Gesamtheit einer Erhöhung der Biersteuer, wie sie in der Oesfentlichkeit verschiedentlich propagiert wird, mit aller Entschiedenheit. Eine Diersteuererhöhung wirkt in hohem Maße unsozial. Vor allem aber würde die Steuer die erhofften Mehrein- gänge nicht bringen, da die Steuererhöhung sich in einem empfindlichen Konsumrückgang auswirlen wird. Gänzlich undiskutabel ist bet Vorschlag eines Dierhandelsmonopols, das zu einer Verteuerung des Pooduktions- und Derteilun^prozesses führen, den Dienst am Kunden beeinträchtigen und daher mit dem Absatz auch den für das Reich erzielbaren Ertrag schmälern müfte. Sie amtliche Bekämpfung des Volksbegehrens. Grzesinski an die preußischen Verwaltungsbehörden. Eckener beim Reichspräsidenten. Die Polarfaßrt des „Graf Zeppelin". Künftige Pläne. Berlin, 9. Oft. (WTB.) Reichspräsident von Hindenburg empfing heute den zur Zeit in Berlin weilenden Dr. Eckener und nahm von ihm einen persönlichen Berich d über den Verlauf der Weltfahrt des »Graf Zeppelin" entgegen. Am Schluß der Unterhaltung sprach der Herr Reichspräsident Dr. Eckener namens des Deiches Dank und Anerkennung für die hervorragende Leistung aus, die Erbauer, Führer und Mannschaft des Luftschiffes durch diesen Weltrundslug vollbracht haben. Dr Eckener äußerte sich gegenüber einem Mit- arbeitet des „B. T." über die Polarsahrt, die selbstverständlich unternommen werde. Besprechungen mit Professor Nansen und anderen Mitgliedern der Gesellschaft über technische Voraussetzungen auf der Fahrt hätten stattgefunden. In einiger Zeit werde man mit verschiedenen Umbauten und (Einbauten von Apparaten in das Luftschiff beginnen. Die Kosten wurden ziemlich erheblich sein. Er habe bisher alle Versicherungen mit den Versicherern persönlich und unter der Voraussetzung abgeschlossen, daß er selber das Luftschiff führe. Die Polarfahrt werde er jedoch nicht führen, sondern Kapitän Lehmann, der den Versicherern als zuverlässiger Führer bekannt sei. Niemand von der Besatzung könne zur Ausführung der Polarfahrt gezwungen werden. Man brauche also freiwillige Meldungen, und man sei dabei, diese Liste zusammenzustellen. Ob die Aero-Arktik in der Lage sein werde, alle voraussichtlich insgesamt sehr s ch w e - ren Verpflichtungen zu erfüllen, wisse er nicht. Ihm sei bekannt, daß die Aero-Arktik reichliche Zuwendungen erhalten und ihre Presse- und Publikationsrechte gut untergebracht habe. Sobald die neue Halle beendet sei, werde eine weitere Luftschiffhalle auf dem Flugplatz Löwenthal errichtet werden. Diese Halle werde voraussichtlich dieselben Ausmessungen haben wie die jetzige neue Halle. Sie solle dazu dienen, die neue Werfthalle für Neubauten zu entlasten und leichtere Ausstiege und Landungen für den „Graf Zeppelin" zu ermöglichen. Oie österreichische Krisis. Die Sozialdemokraten fordern „innere Abrüstung". Wien, 9. Okt. (WB.) Auf dem sozialdemokratischen Parteitag erklärte Otto Bauer, die Sozialdemokratie müsse sich mit den Derfassungsvorlagcn der Regierung beschäftigen, und der Parteitag, der ja nicht einer Demonstration nach außen diene, müsse versuchen, zu einer inneren Klärung der Standpunkte zu gelangen. Heute genüge es nicht mehr, die Bereitwilligkeit zur inneren Abrüstung zu erklären, heute müsse man sie als Kampfmittel auffteUen. Man müsse mit der Auflösung aller Wehrforma- t i o n e n und dem Verbot ihrer Neugründung anfangen. Die Sozialdemokraten könnten natürlich die Auflösung der faschistischen Wehrformationen nicht durchsetzen, ohne daß gleichzeitig der Republikanische Schutzbund aufgelöst würde. Trotz aller Kenntnis der Gefahren, die der Arbeiterschaft aus dem Verlust des Republikanischen Schutzbundes erwachsen würden, sei er überzeugt, daß man dem Bürgerkrieg, dem wirtschaftlichen Zusammenbruch und vielleicht einer gefährlichen Intervention des Auslandes nur durch d i e innere Abrüstung entgehen könne. Alle Schwierigkeiten konnten durch eine Volksabstimmung beseitigt werden, die eine erdrückende Majorität für die innere Abrüstung ergeben würde. Der Redner schloß: Wir Sozialdemokraten werden auch weiterhin die Arbeiterschaft zur Besonnenheit mahnen. Wo es sich aber um Die Verteidigung der Demokratie handelt, werden wir auch einem Kampf nidjt ausweichen. — In der Debatte erklärte Abgeordneter Dr. Renner, die Sozialdemokraten wollten getreu dem Linzer Programm den demokratischen Weg beschreiten. Von Diktatur könne keine Rede sein. Das Bürgertum müsse sich von der Legendenbildung über die Gestaltung in der Sozialdemokratie, über eine besondere bolschewistische Form, den Austro-Marxismus, befreien und ein» sehen, daß der einzige Ausweg die innere Abrüstung sei. OerOppelner Theater-Prszrß. Senfationclle Aussagen. — Beeinflußte Zeugen. Oppeln, 9. Oft. (WB.) 3m Theaterpvozeh wurden heute die pvlni^chen Zeugeir weiter vernommen. Eine Balettänzerin hat nach ihrer Aussage bei den Zwischenfällen eine Verletzung der Lippe davongetragen, eine andere Zeugin will einen Rervenzusammenbruch erlitten haben, worauf ein deutscher Zeuge erwiderte, sie habe selbst erklärt, das Rervenleiden schon vor ihrer Fahrt nach Oppeln gehabt zu haben. Sensationell gestaltete sich die Vernehmung des Musikers Wende. Der Zeuge erklärte unter seinem in deutscher Sprache angegebenen Eid, dah er sein Waldhorn erst in Kattowih aus Anordnung des Orchesterinspektors Kwiatkowski zerschlagen habe, da er nach dessen Aussage bereits auf der Liste notiert sei. Wie er das Instrument hätte zerschlagen müssen, so hätte er auch zum Arzt gehen müssen, um diesem zu sagen, dah er in Oppeln Verletzungen davongetragen habe. Der Zeuge erklärte weiter, auch andere Zeugen seien o wie er beeinflußt worden. Gr habe ein ärztliches Attest gehabt, wonach er 14 Sage nicht habe arbeiten können. Er habe für diese Zeit Krankengeld bezogen, aber dennoch Dien st getan. Die Aeußerungen des Zeugen riesen große Bewegung im Derhandlungssaal hervor. Der Musiker G u t t l e r erklärt, einen Fuh- tritt erhalten zu haben und angrspuckt worden zu sein. Der Musiker Miller will im Tunnel einen Schlag in den Rücken erhalten haben. Den Täter erkennt er unter den Angeklagten nicht. Der Zeuge Wende wird nochmals vorgerufen und sagt aus, daß der Zeuge Miller zehn Tage krank gemeldet gewesen sei, aber bereits wieder am fünften Tage Dien st getan habe. Musiker Langer bekundet, nicht verletzt worden zu sein. Auf Borhaltung, daß diese Aussage im Widerspruch zu seiner ersten protokollierten Aussage stehe, erllärt der Zeuge, daß er ebenfalls von Orchesterinspektor Kwiatkowski zu seiner ersten Aussage veranlaßt worden sei, das Instrument sei zerschlagen und er selbst verletzt worden. Auf Befragen der Verteidigung sagt er weiter aus, daß er ein Krankenattest erhalten, Krankengeld bezogen und trotzdem gearbeitet habe. Rechtsanwalt Simon erklärte hierauf, dies sei der von ihm angekündigte zweite beeinflußte Zeuge. Auf die Vorhaltung. daß dem Zeugen durch seine Dekunduirg keine Vorteile, sondern nur Schwierigkeiten in Polnisch-Oberschlesien entstehen würden, erklärte Dr. Simon, er nehme an, daß die Zeugen nach diesem Vorfall nicht wieder nach Kattowih zurückkehren könnten. Nie Viehzölle. Aus dem Handelspolitischen Ausschutz des Reichstags. Berlin. 9. Oft. (DDZ.) Im handelspolitischen Ausschuß wurde von kommunistischen und sozialdemokratischen Ausschußmitgliedern Pro- t e st dagegen erhoben, daß der Ausschuß gestern verhandelt habe, trotzdem D e m o t r a t en, Sozialdemokraten und Kommuni st en nicht anwesend gewesen seien. Der Vorsitzende Abg. Lejeune-Iung (Dn.) erklärte hierzu, die Vertreter von drei Regierungsparteien (Zentrum. Bayerische und Deutsche Volkspartei) hätten ihm erklärt, daß sie an der Einberufung des Ausschusses f e st h a l t e n. An der Beschlußfähigkeit des Ausschusses könne mithin kein Zweifel bestehen, da die Mehrheit des Ausschusses anwesend war. Hierauf geb Aeichsernährungsmini- ste r Dietrich folgende Erklärung ab: Die Zoll- tarifnovclle von 1925 und die in ihrer Anlage ousgeführten Zollsätze treten mit dem 31. Dezbr. d. I. außer Kraft, wenn nicht bis dahin eine anderweitige Regelung erfolgt. Die Reichsregierung hat die Vorarbeiten für die Reuregelung in Angriff genommen und wird den gesetzgebenden Körperschaften alsbald eine entsprechende Vorlage unterbreiten. Die Reichsregierung hält es daher nicht für zweckmäßig, im jetzigen Augenblick zu einzelnen in der Gesamtvorlage zu regelnden Materien Stellung zu nehmen. Sie bittet deshalb den handelspolitischen Ausschuß, von einer Behandlung der Positionen, die in der Zolltarifnovelle von 1925 geregelt sind, insbesondere des Zolles für Futtergerste, A b st a n d zu nehmen. Deutsche Volkspartei, Zentrum und Deutscher Bauernbund vertraten die Auffassung, daß die Lage der Landwirtschaft keine Verzögerung bei derDerabschiedung höherer Zölle vertrage. Dagegen machten die Demokraten geltend, man müsse die angekündigte Regierungsvorlage abwarten. Der Ausschuß stimmte jedoch über einen Zollerhöhungsantrag der Scu.^nationalen und des Zentrums ab, der auch mit den Stimmen der Rechtsparteien Annahme fand. Daiurch tritt bei Rindvieh zu Schlachtzwecken eine Erhöhung des Zolles von mindestens 13 auf mindestens 24,50 Mk. pro Doppelzentner Lebendgewicht ein, bei Schafen zu Schlachtzwecken eine solche von mindestens 13 auf 22.50 Mk.. während bei Rindfleisch und S ch a f f l e i s ch. frisch oder gefroren, der Zollsatz mindestens 45 Mk. pro Doppelzentner betragen soll. Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, hat sich der Rcichsernährungsminister mit diesen „Kanzler D10 schlägt Marschall K 4." Inwendige Schachresormen. Von Jose R. Capabkanca. Ein Meister des Schachspiels äußert sich hier über eines der aktuellsten Probleme seiner Kunst. Schon unmittelbar nach meinem Turnier mit Dr. Lasker in Havanna, sprach ich meine Vorschläge für eine Aenderung der Regeln des Schachspiels zum erstenmal aus. Die Gründe für eine Revision liegen auf der Hand. Seit langem schon empfindet man mehr und mehr, daß das heutige Schachspiel eigentlich etwas eintönig ist, daß cs der Vorstellungskraft, der schöpferischen Phantasie des einzelnen Spielers zu wenig Raum läßt. Die „Fußtruppe" des Schachspiels, die große Menge aller Schachliebhaber ist zu solchen Vorwürfen kaum berechtigt und geneigt, wohl aber die Schachmeister, die cigentlid^cn Beherrscher des königlichen Spiels. Die Mentalität der großen Schachspieler kann und soll hier nicht erörtert werden; da die Schachmeister allen möglichen Berufen angehören — Philosophen, Mathematiker, Rechtsanwälte finden sich hauptsächlich darunter —, würde zu einer solchen Erörterung ein gut Teil wissenschaftlicher Forschungsarbeit gehören. Ein tadelloses Gedächtnis und die Fähigkeit, unendliche Mengen von Spielen und Variationen im Kops zu behalten, sind stets äußerst wertvolle Eigenschaften für den ehrgeizigen Schachspieler gewesen. Beherrscht er aber bann das Spiel, so hat es für ihn viel von seiner Farbigkeit verloren. Beim Simultanspiel merke ich immer wieder, wie mir auf zahlreichen Brettern dieselbe Situation entgegentritt. Die von mir vorgeschlagenen Aenderungen sollen dem Spiel des Schachmeisters durch die Einführung neuer Kräfte die matbematische Sicherheit nehmen und gleichzeitig meyr Opserkornbina- tionen ermöglichen. Im allgemeinen stehen die führenden Schachspieler jedem Wechsel nicht sehr wohlwollend gegenüber, denn eine Aenderung des Schachspiels bedroht ihre unter den alten Verhältnissen errungene Stellung. Zollsätzen einverstanden erklärt. Ein ausdrücklicher Beschluß über die Erhöhung der Zölle für Schweine und Schweinefleisch wurde nicht gefaßt, dagegen ein Antrag angenommen, der die Reichsregierung ersucht, in schwebenden Handelsvertragsverhandlungen ohne vorherige Zustimmung des Ausschusses keine Bindung der Zölle für lebende Schweine und Schweinefleisch zu vereinbaren. Darauf fand ein sozialdemokratischer Antrag Annahme, nunmehr die weiteren Verhandlungen zu vertagen, bis der Reichstag zusammentritt bzw. dem Ausschuß eine Regierungsvorlage zu- gegangen ist. Em moderner In der Affäre des „Goldmachers" Franz Tausend, der im .Frühjahr unter d e m V e r° dacht schwerer Betrügereien au; seinem Schloß Eppau in Tirol verhaftet worden ist, ist jetzt eine sensationelle Wendung eingetreten. Der Münchener Untersuchungsrichter hat Tausend, der während seiner Hast dabei beharrte, seine Goldmacheinunst beruhe a u f wissenschaftlich einwandfreien Methoden, jetzt Gelegenheit gegeben, die praktische Durchführbarkeit seiner Golderzcugungstheorie unter amtlicher und sachverständiger Kontrolle zu beweisen. Der Verteidiger Tausends. der Münchener Rechtsanwalt Dr. Graf v. Pestalozza, teilt dazu u. a. mit: „Am 3. Oktober 1929 hat Franz Tausend im Haupt- münzamt in München unter Kontrolle des Münzdirektors, eines zweiten Münzbeamten, zweier besonders ausgebildeter und erfahrener Polizeibeamten und in Anwesenheit des Untersuchungsrichters und des Staatsanwalts nach vorheriger eingehender körperlicher Untersuchung und genauer Durchsuchung seiner Kleidungsstücke sein Verfahren zur Herstellung von Gold vorgeführt. Es gelang ihm, echtes und reines Gold in einer Menge herzustellen, die nach dem eidlich abgegebenen Gutachten des Münzdirektors in dem als Ausgangsmaterial verwendeten Blei und den sonstigen Zutaten unmöglich schon vorher enthalten sein konnte. Tausend hat den Beweis erbracht, daß er tats ächlich in der Lage ist, Gold her- Goldmacher. zustellen. Gegen die Aufrechterhaltung des Haftbefehls ist jetzt von der Verteidigung Beschwerde beim obersten Landesgericht,tn München eingelegt worden." Von zuständiger Stelle wird hierzu mitgeteilt: Die Anklage gegen Tausend umfaßt mehrere Fälle des Betrugs. Bei einigen schweren Fällen ist die Frage, ob Tausend wirklich entdeckt hat, Gold auf synthetischem Wege herzu stellen, ohne besondere Bedeutung. Bei den übrigen Fällen aber stützt sich die Anklage darauf, daß er den Geldgebern über diese Entdeckung unrichtige Ana ab en gemalt hat. Im Laufe der Voruntersuchung wurde ihm Gelegenheit gegeben, die Richtigkeit seiner Entdeckungen zu erproben. Die Versuche fanden im hiesigen Hauptmünzamt unter schärfster Aufsicht und Kontrolle statt. Am Schluß der Versuche übergab Tausend einen Edelmetallkern im Gewicht von nicht ganz ein Zehntel Gramm, der zweifellos aus reinem Gold besteht. Der Kem ist aus einer Dleiprobe im Gewicht von 1,67 Gramm ausgeschmolzen. Die Sachverständigen bezeichnen das Ergebnis als überraschend günstig und den bisherigen Erfahrungen der Wissenschaft widersprechend. Der Direktor des Hauptmünzamtes konnte allerdings seine Bedenken nicht unterdrücken, ob nicht trotz schärfster Aufsicht Gold in die Probe eingeschmuggelt wurde. Zur Entscheidung über die Haftsortdauer liegen die Akten zur ZÄt dem Obersten Landesgericht vor. Der SklareWndal auf dem Höhepunkt. Richt, als ob es früher keine Skandale gegeben hätte. Vielleicht ein bißchen mehr vertuscht worden, vielleicht hat die Autorität einer monarchischen Regierung die Erledigung peinlicher Affären ein bißchen mehr nach ihrem Willen, nach der „Staatsraison", gestalten können, als heute unter den Argusaugen übelwollender politischer Gegner, aber Skandale hat es immer gegeben. Man entsinnt sich an den Tippels- kirch-Skanda^ in bezug auf Koloniallieferungen und an manchen anderen, in dem große 71 amen kompromittiert waren. Deshalb ist es notwendig, bei der Beurteilung der jüngsten Affären, des noch nicht in feinem ganzen Umfang zu übersehenden Falles Sklarek, und bei all den häßlichen finanziellen Krachs im Versicherungswesen und in der Finanz in« und außerhalb der deutschen LandeSgrenzen einen vernünftigen Maßstab zu finden, bevor man derartige Vorgänge als Zeiterscheinungen brandmarkt. Sie sind außerordentlich unerfreulich. Und es ist sicher ein Skandal, wenn Monopole zum Rachteil ganzer Bevöllerungsllas'sen vergeben, wenn mit raffinierten Mitteln die Persönlichkeiten, die eine Aussicht auszuüben hätten, irgendwie direkt oder indirekt von den Monopol- inhabem begünstigt oder interessiert werden; es ist weiterhin ein Skandal, wenn die Gelder vertrauensseliger Genossenschaften und Genossenschaftsmitglieder in leichtfertiger und töridyter Weife vergeudet und in allerhand Geschäfte politischen Charakters gesteckt werden, oder wenn bei Kreditvergebungen persönliche und gesellschaftliche Rücksichten entscheidend sind. Es ist weiter ein Skandal, wenn altangesehene Versicherungsgesellschaften, die eine volkswirtschaftliche Aufgabe zu erfüllen haben, die ihnen anvertrauten Celder durch jugendliche Direktoren, gelb» und geschäftslüsterne Günstlinge verschleudern lassen. Das alles sind Siandale; sie sind Auswüchse einer Geistesverfa'sung, in der das Verantwor- tungsbewutztie.n hinter dem Streben nach Erfolg zurückgetreten ist. Es sind die Folgen einer Um» wälzungsveriode. in der alte bewährte Kräfte z. T. fehlen, im Kriege gefallen, vom Kriege er- Das halte ich aber gerade für notwendig — es sollen ja neue unberechenbare oder jedenfalls noch un- berechnete Kräfte auftreten und größere Ansprüche an die Vorstellungstraft und die geistige Beweglichkeit der Schachmeister stellen, mehr selbständiges Handeln und weniger Gedächtnis erfordern, kurz, dem Schach einen lebhafteren Anstrich geben und mehr Kombinationen, schnellere Ergebnisse ermöglichen. Alle etwaigen Aenderungen müssen nach zwei Gesichtspunkten geprüft werden: erstens dürfen sie die Grundregeln des Spieles nicht antasten und zweitens müssen sie einen gewissen Ewigkeits - w e rt besitzen. Die bereits vorliegenden Äenderun- gcn lassen zum größten Teil das jetzige Feld un- verührt, während sie die Spielregeln ändern oder erweitern wollen. Die meisten Schachverbesserer erstreben eine Aenderung der Rochade- Regeln, den Austausch der Stellungen von Läufer und Springer, eine Abschaffung der Rochade wie tn den früheren Spielregeln; König und Dame sollen gestärkt werden, indem der Gangbereich des Königs auf zwei Felder statt des bisherigen einen Feldes erweitert wird, während die Dame noch die Gangfähigkeit des Springers erhält. Wir wollen diese Vorschläge einmal einzeln prüfen. Eine Aenderung der Rochade würde wahrscheinlich Weiß durch Tempogewinn einen entscheidenden Vorsprung geben. Die in Arabien übliche Rochade z. B. gestattet es, den König in die Ecke zu stellen und mit dem Turm auf der Mittellinie sofort einen Zug auszuführen. Wenn die Dame noch die Gangart des Springers neben der des Läufers und des Turms in sich vereinigt, so vergrößert das nach meiner Meinung die Remis-Möglichkeiten ganz bedeutend. Ich l)abe vielfach Partien mit dieser Regel gespielt; die meisten wurden remis. Das aus der Schachgeschichte bekannte Verbot der Rochade wird das Spiel fraglos interessant, aber auch recht langsam gestalten, da der Turm erst sehr spät verwendet werden kann; die Abschaffung der Rochade mag für kurze Zeit einige Vorteile haben, auf die Dauer wird sie sich aber nicht als Verbesserung, sondern als Verschlechterung des Schachs erweisen. Die einzig diskutable Aenderung ohne Vergrößerung des Feldes oder Wertverschiebunb der Figuren scheint mir gegenwärtig die vorgeschlagene neue Gangart des Königs zu fein: der König soll schöpft, oder dar neuen Zeit nicht gewachsen, in der Persönlichkeiten, deren Schule der Wirrwarr und die Gesetzlosigkeit der Inflattonsperiode gewesen ist, an verantwortliche Stellen gelangen, deren Machtvollkommenheiten über ihre charakterliche und bildungsmäßige Vorkenntnis und Eignung hinausgehen. Aber es ist vielleicht nicht ganz richtig, nur Profitgier und mangelnde Moral für diese Vorgänge verantwortlich zu machen. Die fehlende Sicherheit, das fehlende Kapital, die fehlende stetig' Gewinnchance, die unter anderen Verhältnissen, bei niedrigeren Zinsfüßen, bei leichteren Konkurrenzbedingungen, fast jedem wirtschaftlichen Unternehmen in der Vergangenheit geboten war, treibt vielfach die spekulativen Unternehmungen. Und von einem spekulativen Engagement mit fremden, anvertrauten Geldern, bis zu zweifelhaften Geschäften, um daraus entstandene Verluste wieder zu decken, ist oft nur ein Schritt. Daß dieser Schritt in den letzten Iah- ren häufiger getan worden ist als etwa in früheren, konsolidierten Zeiten, ist eine Folge des Fehlens jener alten Schule deutscher Kaufleute, die in Zucht und Ordnung und nach ehrbaren Grundsätzen sich minbeften£ so stark als Hüter einer wertvollen Tradition wie als Rivalen im Kampf ums Dasein gefühlt haben. Hnb wo sie noch vorhanden sind, haben ihnen die unverschuldeten Verluste des Krieges und der In- flatton vielfach das Steuer entrissen, die Selbstsicherheit geraubt, von der aus ihr Einfluß auf die Schüler und Rachfolger wirksam wurde, die früher die Meister ablösten. Es soll hier nicht versucht werden, verwerflichen und verbrecherischen Einzelmaßnahmen einen beschönigenden Mantel umzuhängen. Im Gegenteil: nur wenn die ganze Schärfe des Gesetzes jeden Schuldigen trifft, kann eine Ausmerzung dieser Art von Geschäftemachern erzwungen werden. Aber wir dürfen es auch nicht verabsäumen, das Matz der Mitschuld zu erkennen. das Zeitumstände, fehlende Aussicht und äutzerste Einschränkung der reellen Geschäfts- Möglichkeiten tragen. danach nach allen Seiten zwei , Schritte gehen und schlagen können. Obgleich einer dauernden Einführung dieser Regel keine theoretischen Schwierigkeiten entgegenstehen, würde sich doch bald derselbe Mangel wie bei allen anderen Vorschlägen Herausstellen — die Zahl der möglichen Opferkombinattonen wird dadurch verringert. Eine Auslosung der zu wählenden Eröffnung wie im Damenspiel würde für kurze Zeit große Reize bieten, sie hätte aber den Nachteil, dem Gedächtniskünstler noch größeren Vorschub zu leisten, da mir ein tadellos funktionierendes Gedächtnis die Unzahl von möglichen Spielen und Variationen behalten kann; ferner wären wir in ein paar Jahren noch schlimmer daran als jetzt, weil dann von den Schachmeistern die letzten Geheimnisse des Schachspiels entschleiett sein werden. Nach sorgfältiger Erwägung aller Gründe wage ich es, mit folgendem Vorschlag einer Vergrößerung des Schachfeldes an die Öffentlichkeit zu treten; nur auf ähnliche Weife kann meiner Meinung nach das Schach wieder eine gewisse Unberechenbarkeit gewinnen, den Spieler zur intensiven Geistestätigkeit anspornen und der schöpferischen Vorstellungskraft des einzelnen einen größeren Spielraum lassen. Meine Anregungen sehen die Einführungen einiger neuer Figuren vor: den Kanzler mit der kombinierten Gangart des Läufers und des Springers, sowie den Marschall mit der kombinierten Gangart des Turms und des Springers; der Kanzler kann also beliebig als Läufer oder als Springer, der Marschall als Turm oder als Springer verwendet werden. Der Marschall wird sich wahrscheinlich im Endspiel als stärkere Figur erweisen. Natürlich würde die Einführung der neuen Offiziere ein 100-Felder-Brett und zwei neue Bauern auf jeder Seite bedingen, aber sie könnte sich ohne jede Aenderung der Spielregeln vollziehen. Diese Anregung ist den anderen Vorschlägen insbesondere insoweii überlegen, als sie mehr Opfer zuläßt und so neue Variationen mit unermeßlichen Möglichkeiten in das Schach bringt Schließlich wird das Spiel für die Schachmeister durch diese Reform wieder mit dem Reiz des Unbekannten ausgestattet, und damit wird das Schach auch für die besten Spieler wieder zu dem, was es für Schachliebhaber immer gewesen ist: ein geistvoller Zeitvertreib, bei Auch Boß wird beschuldigt. Kehrt der Oberbürgermeister aus Amerika zurück? Berlin, 9. Oft. (WTD.) Auf Grund der Erklärungen des verhafteten Buchhalters Lehmann wird jetzt auch der Rame der Frau Oberbürgermeister Bötz als Kundin der Sklareks genannt. Don unterrichteter Seite erfahren wir, daß Bürgermeister Scholz beabsichtigt, über diese in einem Berliner Mittagsblatt erhobenen Beschuldigungen den zur Zeit in San Franzisko weilenden Oberbürgermeister sofort telegraphisch zu unterrichten und ihn um eine Rückäutzerung zu bitten. Gleichzeitig wird Bürgermeister Scholz den Oberbürgermeister wegen der Unterredung mit der United Preß, in der der Oberbürgermeister behauptet haben soll, es handele sich beim Fall Sklarek nur um einen Erpressungsversuch zur Diskreditierung der Stadtregierung, befragen. Rach Erkundigungen der „B. Z. a. M." beim Magistrat sind an Oberbürgermeister Dr. Bötz in Amerika im ganzen drei Kabel telegramme gesandt worden. Das erste war eine kurze Meldung über den Fall Sklarek, das zweite betraf die ungünstige K a s s e n l a g e , die zu den bekannten Einschränkungsbeschlüssen geführt hat. Schließlich ist gestern abend ein drittes Telegramm abgegangen, das ganz ausführlich die neueste Entwicklung im Falle Sklarek darlegt. Eine Mitteilung darüber, ob diese Depesche dem Oberbürgermeister nahelegt, seine Amerikareise adzubrechen und nach Berlin zurückzukehren, hat das Blatt nicht erhalten können, glaubt aber vermuten zu dürfen, daß dies der Fall ist. Der Vorsitzende der Berliner Organisation der Sozialdemokratischen Partei, der Reichstaasabgeord- nete Franz Künstler, erklärte dem Blatt, daß der Berliner Bezirksvorstand gegen sämtliche Mitglieder der SPD., die als belastet hinge- stellt werden, eine strenge Untersuchung e i n (e 11 e n und rücksichtslos alle diejenigen aus der Partei entfernen wird, die sich auch nur das Geringste haben zuschulden kommen lassen. Die kommunistische Stadtverordnetenfraktion hat einen Dringlichkeitsantrag eingebracht, durch den der Magistrat ersucht wird, den Oberbürgermeister Böß und die mit ihm reisenden Stadträte sofort telegraphisch zurückzu- rufen, damit er zur Verantwortung gezogen wer- den könne für die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen. Ein neuer Mttionenstandal. Das „Tempo" enthüllt. Berlin, 10. Oft. (Dolfs.) Das „I e m p o“ (UU- ftein-Bedag) berichtet von einem eigenartigen Geschäft, das die Berliner Verkehrs-A. G. mit einer Firma betreibt, und das in feinen finanziellen Umfängen „vielleicht nicht weit hinter der Sflaref-Uffäre zurückbleibt". Die bevorzugte Jirma heißt nach dem „Tempo" J. Butt & Co. und hat ihre Bureaus in Lichtenberg, Rittergutftraße. Sie hat das Monopol für die Lieferung von Material für Straßenbahnbauten, Kies. Schotter afro.; aber auch für b 1 e Durchführung der Bauten. Tatsache ist, daß alle anderen Firmen bei Lieferangeboten an die verkehrs- A.-G. immer dieselbe Antwort bekommen: „TB i r arbeiten nur mit Butt&Co.“ Dav „Tempo' schreibt weiter: Was den Skandal in feiner vollen Große beleuchtet, ist die Tatsache, daß die Firma nicht nur das Ausschließlichkeitsrecht hatte, sondern das direkt ihr zuliebe und um ihr Millionenverdienste zuzuschanzen, ü b e r s l ü s - s i g c Straßenbahnarbeiten, Umbauten und Gleisanlagen vorgenommen wurden. So hat die Firma dieses Jahr die Verlegung der nach Steg- lifj führenden Straßenbahnlinie von Bahnhof Hauptstraße bis Schloß Steglitz in die Mitte der Straße durchgeführt. Run weiß man aber, daß unter dieser Linie die Untergcundbahnstrecke Spittelmarkt—Kleistpark—Steglitz führen soll. Es wird sich nun der Fall ereignen — und es ist nur einer von den vielen —, daß man nach einiger Zeit die Straßenbahnlinie wieder aufreißt, um die Untergrundbahnlinie bauen zu können. Die dem man stets etwas lernen kann und bei dem nicht nur das Gedächtnis, sondern vor allem Umsicht, Vorstellungskraft und geistige Behendigkeit ent» scheiden. Die falsche Mark. Von Hans Riebau. „Zwanzig Zigaretten ä 5", schnarrte ein junger Mann und warf eine Mark auf den Tisch. „Ditte sehr", sagte Dogusch, Packte die Zigaretten ein. Der junge Mann ging. Bogusch nahm das Markstück, warf es in die Kasse. „Klirr!" machte es. Bogusch zog die Augenbrauen hoch, nahm das Markstück wieder heraus, drehte es um, schlug mit der Faust auf den Tisch: die Mark war falsch. • „Zehn leichte Zigarren!" forderte ein besserer Herr und legte zwei Mark auf den Tisch. Bo- gu'ch musterte den besseren Herrn. Er war weder ein Stammkunde, noch hatte er einen geizigen Zug um den Mund. „Ich habe hier," fing Bogusch an zu reden, „noch eine Prima, Prima Sandblatt, Sonderangebot ..." Und nach zwei Minuten hatte er eine Kiste Prima, Prima Sandblatt verkauft. Der bessere Herr nahm das Zweimarkstück, legte einen Fünfzigmarkschein auf den Tisch. Der bessere Herr ging. „Gottseidank," dachte Bogusch, „die falsche Mark bin ich los." „Grund- und Gebäudesteuer," sagte der Kassen- bote, „macht zusammen fünfzig Mark." „In Ordnung," nickt Bogusch, nahm die Quittung und zahlte 50 Mark auf den Tisch. Der Kassierer nahm den Schein, hielt ihn gegen das Licht. „Richt ganz in Ordnung," sagte er, „der Schein ist falsch!'^ Hochschulnacknchien. Der Ministerialrat im Bundeskanzleramt in Wien, Dr. Friedrich Hertz, hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Soziologie an der Universität Halle angenommen. M %'$On unterril?^ se in ^Serntejff^^tet D^wev, q^.f« bchol» MK- vä^'se K?L« M tz-S LZM «’Ä 6 n IQ g «fr® betraf die ÄffÄ’KJ ^i£% L-FM WZ SD wirb hi, fix0 v'9en aus »Z . >'ch auch nur dar 66tnSmen '*• Die ötabtnerorbneten. r\?nn(?l'd)lcÜ5antTQ9 einge° °Uwud,L biemü Ihm reifende» ^graphisch zurückzu. Verantwortung gezogen wer- gen ihn erhobenen Veschulbi- KillionenskanSal. mpo" enthüllt. PW) Tas „lempo“ (11(1- von einem eigenartigen (Berliner Terkehrs-ri.-G. reibt, unb bas in (einen finan- vielleicht nicht weit hinkr der bleibt“. Tie bevorzugte Jlrma npo“ J. Buff & Co. unb hol chtenberg, Bittergntstrahe. Sie |ür ble Lieferung von 7 [e^rtänTunb^ jj» rahendahnbaulen, Kies, auch für ble Turchsüh- n. lalsache ist, bah alle ante- ferangebofen an bie Terteljrs- e Antwort bekommen.- „Ölt \'ßuü&6o.‘Da»nItw“ ben StmM in feiner vollen bi? Is/sache, daß bie Aimo llsichllehlichteilrrechl reff ihr zuliebe unb um e znzufchanzen, überflüf- rhnarbeifen, llmbaulen genommen würben. So Hal bie die Beilegung bei nach Sleg- ahenbahnlinie oon MM M riegl'hJl< m'2.c hgeführt. Bun weih man aber, inie bie rlnfergiundbahnslttcke .ork-Sleglih führe" soll, v ereignen - unb es ist °u bah man nach einiger Ze>> ' wieder aufreibj, Inie bauen Z° b—j! Me M w‘ . «* r’l«** rX»** fiÄ'sS elf«” eint„ g«W" t ZK-L'S en, -7^ u aific Ms« aui öen . s.M Äart „ÄS”6110"8, nicktA heu hielt »Ij rat *” S°> Sm* fdät «’* Slraßenbahnschlenen werden prooifotif oer- (egt, um bann nach Vollendung des U-Bahnbaue» wieder — natürlich von der Firma Butt & Co. — in die Mitte der Straße gefegt zu werden. Die Strecke, um die es sich handelt, ist etwa 3 Kilometer lang, da» bedeutet für die Firma Butt & (So. einen Auftrag in der höhe von li Millionen. Die ist nun die Firma Butt & Co. zu ihrer bevorzugten Stellung gekommen? Bei der Verkehrs- A - ®- slht ein Herr Direktor L ü d i ck e, Geschäftsführer von Butt & Co. ist auch ein Herr £ü- dicke.derSohndesvcrkehrsdirektors. Die Firma Butt war bis vor zehn Jahren ein ganz unbedeutendes Haus, dem man kaum 10 000 Mark kreditierte. Sie ist seif der llebernahme der Straßen- bahn durch die Stadt groß geworden, heute gehört sie zu den reich st en Firmen der Branche, vor kurzem hat die Stadt Butt & Co. noch einen besonderen Liebesdienst durch die llebernahme eines größeren Aktienpakets erwiesen. Aus aller Well. Schnee im Schwarzwald. Im Laufe des Mittwoch nachmittags sind die Temperaturen im Schwarzwald erheblich zurückgegangen. Gegen 6 Uhr erreichte das Quecksilber auf dem Feldbcrg (1495 Meter) Null Grad. Es sank in der Nacht bis auf m i - nus 2,3 Grad. In den Abendstunden trat Schneefall ein. Donnerstag morgen bedeckte eine Schneedecke von zwei Zentimeter die Kuppe des Feldberges bereits bis etwa 1000 Meter herunter. Auch in der Rheinebene gingen die Temperaturen in der Nacht bis fast an den Nullpunkt zurück. Line neue gewerkschaftliche Grohorganisalion. Der Deutsche Verkehrsbund mit 400 000 Mitgliedern, der Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter mit 275000 Mitgliedern und der Verband der Gärtner und Gärtnereiarbeiter mit 11 000 Mitgliedern haben heute auf einer gemeinsamen Tagung die Zusammenlegung der Verbände zum „Ge- samtverband der Arbeitnehmer öffentlicher Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs" beschlossen. Die neue Organisation tritt neben ihren gewerkschaftlichen Aufgaben besonders für die Forderung und den Aufbau der öffentlichen Wirtschaft und der Gemeinwirtschaft ein. Der Juwelendieb in der französischen Botschaft entlarvt. Als Urheber des großen Iuwelendiebstahls in der französischen Botschaft ist der Pförtner der Botschaft, der frühere Ober st im russischen General st ab, Michailoff, festgestellt und vorläufig in Polizeigewahrsam genommen worden. Der 59jährige Mann hat die Juwelen, die ja, wie bereits gemeldet, inzwischen wieder vollzählig aus- getaucht sind, nicht geraubt, um sich zu bereichern, andern um sich an dem B o t s ch a f t s ch a u f • cur z u rächen, mit dem er nach anfänglicher Freundschaft sich verfeindet hatte. Er hatte den Diebstahl so inszeniert, daß der Chauffeur unbedingt in Verdacht geraten mußte. Auch der Chauffeur ist Russe und war früher Rittmeister in der Zarenarmee. Die todbringende Wespe im IHoff. Em Qo nb toirt in Mainbernheim trank auS einem Steinkrug Most, ohne zu bemerken, daß- eine Wespe in den Krug gefallen war. Die Wesve geriet ihm in den Hals und stach, was sogleich eine starke Geschwulst zur Folge hatte. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe starb der Landwirt den Erstickungstod. Schweres Eisenbahnunglück in Polen. Bei der polnischen Stadt Sobolew fuhr ein Güterzug auf einen Personenzug, in dem sich auch zahlreiche Soldaten befanden. Bei dem Zusammenstoß wurden fünf Personen getötet, 18 schwer und mehrere leicht verletzt. Die Lokomotive des Güterzuges und mehrere Wagen wurden völlig zerstört. Die älrsache des Unglücks ist auf Anachtsamkeit des Lokomotivführers des Güterzuges zurückzuführen, der sofort verhaftet wurde. Invasion der Stinktiere. 3n Andover (Aeuhersey) ist der gesamte Geschäftsverkehr der Stadt dadurch eine Zeitlang lahmgelegt worden, daß eine Armee von mehreren hundert Stinktieren die Hauptstraße des Ortes als Tummelplatz aufsuchte. Den Bewohnern blieb nichts anderes übrig, als sich in die Häuser zu flüchten und Fenster und Türen fest zu schließen. Empfindliche Gefängnisstrafe für Autoraser. Das Schöffengericht Berlin-Mitte verurteilte den 19jährigen Voll wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis und den Chauffeur Aatuschka wegen der gleichen Vergehen zu vier Monaten Gefängnis. Die beiden Angeklagten waren im 3uni an einer Straßenkreuzung in Steglitz mit ihren Autos zusammengestoßen. Infolge des Zusammenstoßes waren die Autos auf den D u r g e r- steig geraten und hatten eine Dank umgerissen, wobei eine Frau getötet und mehrere Personen verletzt wurden. Der Tachometer des Angeklagten Voll zeigte an, daß er mit einer Stundengeschwindigkeit von 75 Kilometer gefahren war. Zwei Tote bei einem Dacheinstur;. In einem Dorf bei Messina (Calabrien) stürzte heute nacht das Dach eines Arbeiterhauses ein. Zwei Kinder wurden getötet, die anderen Kinder und die beiden Eheleute wurden verletzt. Stiftung für einen deutschen Lehrstuhl in Amerika. Wie die Havard Universität in Cambridge bekanntgab, haben zehn Persönlichkeiten den Betrag von 150 000 Dollar für den Cuno- Francke-Lehrstuhl für deutsche Kunst und Kultur gestiftet. Die wichtigsten Spender find Julius Rosenwald (Chikago), Henry Goldman und Felix Warburg (Reuyork). Berliner Börse. Berlin. 10. Okt. (WTD. Funkspruch.) Die im Verlaufe der gestrigen Börse eingetretene Beruhigung, die an der Frankfurter Abendbörse weitere Fortschritte machte, scheint sich auch heute vormittag fortzu'ehen. Der feste Schluß der Reu- Yorker Börse regt etwas an, auch der gestern veröffentlichte Reichsbantausweis wirkt nach. Kurse sind nicht zu Horen. Aus der Provinzialhaupifiadi. Gießen, den 10. Oktober 1929. Von der Seife. Von Dr. A. Hirsch-Mahdorff. Schon sehr früh lernt das kleine Kind — und zwar mit recht gemischten Gefühlen — die Seife kennen. Cs freut sich über den schönen Schaum, mit dem es sich herrlich spielen läßt, es ist böse, wenn die Seife es zwickt. Daraus lernen wir zweierlei: eine gute Seife soll reichlichen, milden Schaum spenden: zweitens darf sie nicht zu scharf ein. Das gilt vornehmlich für die Seife, die wir für Bahys und kleine Kinder verwenden, ganz gleich, ob sie im Bade oder zum „Abeifen" benutzt wird. Zum Waschen des Gesichtchens nimmt man am besten beim Baby überhaupt keine Seife, nur zum Waschen des Haares. Was für die überaus zarte Kinderhaut geeignet ist, kann auch für die besonders empfindliche Haut der Erwachsenen angewandt werden. Ramentlich Damen mit hellblonden oder rötlichen Haaren haben oft eine sehr empfindliche Haut. Man muh nun unterscheiden, ob es sich um eine fettarme und spröde Haut handelt. Hier ist dann die Benutzung einer überfetteten Seife geraten. Oft wird aber auch diese nicht vertragen, weil jede, auch die fettreichste Seife, der Haut immer noch Fett entzieht. Dann muß auf die Seife überhaupt verzichtet werden. Sie kann in diesem Falle durch Mandelkleie erseht werden, oder es wird nur lauwarmes abgekochtes Wasser gebraucht. Wo auch dieses nicht vertragen wird, reinigt man das Gesicht mit Watte und Olivenöl. Rach einiger Zeit versucht man dann, die Haut wieder an lauwarme Waschungen zu gewöhnen. 3m Gegensatz zur fettarmen, spröden Haut teht die fettreiche, glänzende Haut. Hier sind ettarme Seifen und kaltes Wasser zu benutzen: diesem kann man noch etwas Alkohol in Form einiger Tropfen Sau de Cologne zusetzen. Das Schäumen der Seife hängt auch von der Beschaffenheit des Wassers ab. 3n sogenanntem harten Wasser schäumt jede Seife schlecht: hartes Wasser ist durch den Gehalt an Salzen hart. Wan kann ihm die Härte durch Abkochen, wobei sich die Salze niederschlagen, nehmen, oder es durch Zusätze, wie Borax, Glycerin usw., weicher machen. Salzarm und deshalb weich ist z. B. Regenwasser: l^es Leiluagswasser ist dagegen — allerdings nach den Orten wechselnd — meist sehr hart. Dadeseifen sollen auch nicht scharf sein. Sie haben gegenüber anderen Seifen meist nur die Eigenschaft, besonders fest zu sein, damit sie nicht so rasch schwinden. Aus demselben Grunde und auch, um sie handlicher zu gestalten, macht man die Stücke meist besonders groß, gibt ihnen Wohl auch gern Kugelform. Was die Seife zum Waschen der Haare anbelangt, so ist auch darüber noch ein Wort zu sagen. Seife in fester Form ist hier nicht geeignet; sie haftet meist zu fest und läßt sich oft nur schwer herausspülen. Hier müssen wir Seifen in flüssiger oder Pulverform den Vorzug geben. Teerseifen, ganz gleich ob flüssig ober fest, sind entschieden angenehm, aber nur für dunkles Haar zu empfehlen. Für blonde Haare dagegen sollen Teerpräparate nicht genommen werden, da sie das Rachdunkeln begünstigen. Hier ist der Gebrauch von Kamille anzuraten. Ratürlich gibt es auch noch andere Zusätze, gegen die nichts einzuwenden ist. Auch hier heißt es „probieren". Iede Seife muh gut herausgespült werden, wenn das Haar danach nicht kleben soll. Man wird sich nach der Beschaffenheit des Haares richten müssen, ob es fett oder trocken ist, bei trockenem Haar keine fettentziehenden Seifen nehmen, da das Haar sonst zu spröde wird, und umgekehrt. Es ist keineswegs gleichgültig, was für eine Seife zum Händewaschen gebraucht wird. Man sollte nicht sagen: „Ach. es ist ja nur zum Händewaschen!" Auch hier muß jede Schärfe gemieden werden. Die Haut der Hände kann auch sehr empfindlich sei, sei es von Ratur aus. sei es durch den Beruf, sei es durch ständige Berührung mit dem Wasser, besonders mit heißem Waller. Gern werden hier sogenannte Kern- oder Schmierseifen benutzt. Eie haben zwar eine ziemlich hohe Reinigungskraft, aber durch den Gehalt an Soda wirken sie au^trodnenb und fettentziehend auf die Haut. Diese wird dadurch spröde, rissig und schmerzhaft. Die Gefahr für Infektionen ist erhöht. Man kann das Fett der Haut wieder in Form von Fettsalben zuführen, doch,ist es ratsam, es erst gar nicht dahin kommen zu lassen und von vornherein fettreiche Seifen, etwa Glycerinseifen, zu benutzen. 3m Sommer ist der Unterschied meist nicht so groß, aber im Winter, wo die Hände an sich leicht aufgesprungen unb rauh sink), — natürlich trägt, abgesehen von allem anberen, hier bas rasche, mangelhafte Abtrocknen meist die Hauptschuld — bedarf auch die Wahl der Händewaschseife besonderer Sorgfalt. ÄrW-Mnnelungen in Lad Salzhausen. Rachdem im vorigen 3ahre in Bad Salzhausen eine Bronzetafel zur Erinnerung an 3ustus von Liebigs Analysen der Bad Salzhausener Solquelle an geeigneter Stelle angebracht worden ist, wurde die Herrichtung des Liebig-Zimmers als Arbeitsstätte in dem sog. Laboratorium in Aussicht genommen. Am 25 September b. 3. fanb in Bad Salzhausen eine Versammlung statt, an der Vertreter des hessischen Finanzministeriums, der Kurdirektion und der Gesellschaft Liebig-Museum in Gießen teilnahmen. Das Zimmer soll baulich hergestellt unb von der Gesellschaft Liebig-Mu- seum in Gießen, die mit dem Kur- und Verkehrsverein Ridda-Sslzhausen die Tafel hat anbringen lassen, eingerichtet werden. Dabei werben die einzelnen Stadien der Quellenanalyse 3ustus von Liebigs in praktischer Form nach- gebilbet. (Es sei hierbei auf den Vortrag von Prof. Brand über bie guellenanalytischen Untersuchungen 3ustus von Liebigs — gedruckt im Verlag der Gesellschaft Liebig-Museum in Gießen — hingewiesen.) Die Erhaltung der ßiebig-Srmne- rung in Bad Salzhausen soll gleichzeitig der wissenschaftlichen Erschließung der verschiedenartigen Heilquellen von Bad Salzhausen dienen. Gießener Wochenmarktprerse. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt bas Pfund: Butter 210 bis 220; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 15 bis 20; Weißkraut 10 bis 12; Rotkraut 10 bis 15; gelbe Rüben 10 bis 12: rote Rüben 10 bis 12; Spinat 20 bis 30; Römischkohl 10 bis 12; Unter-Kohlrabi 8 bis 10: Felbsalat 100 bis 120; Tomaten 20 rtor>i. Prantt ttittv/och, = 9XMoD. 1929 7"2v65.H Sufi wwi '(WtT Hohenlohe Grü'nkemmehl •7r». \->re.e Sufi wwi '(WtT Hohenlohe Grü'nkemmehl starben. Bornotizen. — Tageskalenber für Donnerstag. Gießener Ferienkurse: Leseabend Lieselotte Fuhrmann „Meister deutscher Prosa", 20.15 Uhr, Großer Hörsaal. — Evangelisationsvortrag: „Die kommende bis 25; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 50 bis 100; Schwarzwurzeln 60 bis 70; Kürbis 5 bis 8; Pilze 40 bis 45; Kartoffeln 4> ? bis 5; Aepfel 10 bis 15; Dirnen 10 bis 15; Preiselbeeren 40 bis 45; Pfirsiche 40 bis 60; Zwelschen 10 bis 12; Honig 40 bis 50; Junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Rüsse 50 bis 70; bas Stück: Tauben 70 bis 90; Eier 16; Blumenkohl 30 bis 80; Salat 10 bis 15; Salatgurken 10 bis 25; Einmachgurken 3 bis 5; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 30 Pfennig; ber Zentner: Kartoffeln 3,50 bis 4; Wirsing 12 bis 15; Weißkraut 8 bis 10; Rotkraut 10 bis 12; Aepfel 8 bis 12; Dirnen 8 bis 10 Mark. Taten für Freitag, 11. Oktober. Sonnenaufgang 6.16 Uhr, Sonnenuntergang 17.17 Uhr. — Mondaufgang 15.11 Uhr, Monduntergang 22.32 Uhr. 1531: der schweizerische Reformator Ulrich Zwingli fällt bei Kappel; — 1616: der Dichter Andreas Gryphius in Glogau geboren; — 1825: der Dichter Konrad Ferdinand Meyer in Zürich geboren; — 1896: der Komponist Anton Bruckner in Wien geböte sich auf bem Hoherodskopf für einige Stunden eine etwa drei Finger starke Schneedecke heraus, die aber heute früh ebenfalls wieder verschwunden war. Ein seltenes Jubiläum feiert heute, 10. Oktober, Frl. Auguste Dörr aus Rixfeld bei Lauterbach. Sie ist heute 30 Jahre im Hause Sr. | Exzellenz bes Generalleutnants a. D. Klingel- I Höffer tätig; sie war lange Jahre als Stütze beschäftigt, seit dem Tode der Hausfrau ist sie Haushälterin. Zunächst stand sie in Mörchingen (Lothringen) der Familie treu zur Seite, dann in Saarbrücken und hierauf wieder an der Westgrenze unter den dortigen schwierigen Verhältnissen in Saarburg (Lothringen). Seit einer Reihe von Jahren weilt | sie mit dem Hause Klingelhöffer in Gießen. Uebcrall hat sie sich voll bewährt und vorbildlich zu ihrer sie hochschätzenden Herrschaft gestanden. ** Dienstjubiläen b e i der Reichsbahn. Der Oberlokomotivheizer Joh. Heuser, Frankfurter Straße 148, und der Lokomotivführer Konrad Metz, Klinikstraße 22, können heute auf eine 25jährige Diensttatigkeit bei der Reichsbahn zurückblicken. Ferner kann der Lokomotivführer Fritz Bachmann, Wilsonstraße 4, am 14. Oktober ebenfalls sein 25. Dienstjubiläum bei der Reichsbahn begehen. ** Roch gut abgelaufen. Gestern ereignete sich in ber Marburger Straße ein Verkehrsunfall. ber zum Glück für bie beteiligten Personen nach gut verlaufet ist. Dort kam ein- Auto aus Frankreich die Marburger Straße herunter in ber Richtung nach der Stadt zu, währerrd ein Weißbinderlehrling ber Firma Zutt in der Marburger Straße unmittelbar vor bem Auto auf bem Rabe fuhr. Als der Lehrling, am Ziele seiner Fahrt angelangt, nach links in bie Einfahrt abbiegen wollte, würbe er von bem Kraftwagen, ber trotz starken Dremsens nicht schnell genug zum Stehen gebracht werden konnte, angefahren unb umgetoorfen. Zum Glück blieb der junge Mann unverletzt, ebenso kamen bie (Insassen des Autos unb ber Kraftwagen unversehrt davon. Dagegen wurde das Fahrrad ziemlich beschädigt. Rachdem bie Automobilisten bem Lehrling für bas beschädigte Fahrrad eine angemessene üumme als Schadenersatz ausgehandigt hatten, setzten sie ihre Fahrt fort. ** Gießener Ferienkurse. Heute abend (20.15 Uhr) wird Frl- Lieselotte Fuhrmann den bereits angekündigten Leseabend veranstalten („Meister deutscher Prosa"). Auf dem Programm stehen u.-a. Proben von Lessing, Kleist, G. Keller, Mörike, Liliencron, Hesse. **DerAlicefrauenoereinvomRot.en Kreuz teilt uns mit, daß am 12.Oktober, 20 Uhr, im Großen Hörsaal der Universität ein Vortrag ftatt- sindet, der durch seinen Inhalt eine große An. ziehungskraft auf die Hörer ausüben werde. Frau von Glan aus Pinneberg (Schleswig-Holstein), 2.Verbandsvorsitzende des Nordverbands des Deutsch- Evangelischen Frauenbundes, wird über das Thema „Erziehung in der Familie als Schutz gegen Immoralität" sprechen. Frau von Glan stellt die Frau und Mutter in den Mittelpunkt ihrer Rede als Hüterin von Sitte und Sittlichkeit, sie behandelt Bcvölke- rungdfragen, Ehefragen unb Jugendbewegung. Man bea^'w bie moratge Anzeige. ** Zur Bekämpfung der Obstbaum- schädlinge wird in einer Bekanntmachung ber Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil aufge- fordert. ** Auch ber Käufer soll beim „Hin- tenherurnkauf" mit bestraft Werdern Aus dem Landtag wird berichtet: Die gesetzlich verbotene unb baher strafbare ileberfcfjrci- tung ber Verkaufszeiten in Ladengeschäften wird — namentlich auf dem Lande — sehr häufig dadurch verursacht, daß der Käufer droht, in Zukunft anderswo zu kaufen^ wenn ihm ^hinten herum" nichts verabfolgt werbe. 3m Schankgewerbe werden im Falle ber ckleberschreitung ber Polizeistunde bekanntlich beide Teile straffällig. Um den in eine Zwangslage geratenen Ladeninhabern zu Helsen, gleichzeitig aber_ auch „eine dringend notwendige Besserung der Käufersitten" zu erreichen, beantragt der Abg. Donat (Dem.) bei der Regierung, bei äleberschreitung der festgesetzten Verkaufszeiten auch die Straffälligkeit des Käufers sestzulegen unb sich entsprechend bei ber Reichsregierung zu verwenden. Gchöffengerlcht Gießen. • Gießen, 9. Okt. Das Finanzamt Gießen hatte gegen einen hiesigen Kaufmann einen Strafbescheid über insgesamt 10 030 Mark erlassen, weil er in den 3ahren 1925 unb 1926 fahrlässigerweise Umsatz-, Einkommen- unb Gewerbesteuer hinterzogen habe. Hiergegen halte der Kaufmann gerichtliche Entscheidung beantragt. Die umfassende Beweisaufnahme ergab, daß bie Geschäftsbücher nicht so geführt waren. C woiKemos. o neu«. Q naib oeoecr.i. ff woiRig. e oedeext • Kegen, ♦ Sehnee & Graupeln. - neoei K Gev/iUer.^umdsülie-O-. sehr eentp 0$i •nissig« Süasuowesi o slurmtscnet «ordnest Oie »feite fliegen mit gern winde. Die seiden Stationen stellenden Zahlen geoen die Temperatur an. Die Linien veromdcfl Orte mit fllekhen> m 1 nurtsniveau umaertzbneien Luftdruck. Wettervoraussage. Der Rückseiteneinfluß der nordischen Störung mit dem Massenzustrom maritimer Kaltluft hat sich über Deutschland ausgewirkt. Besonders im deutschen Küstengebiet gingen dabei während der verflossenen Nacht Niederschläge bis zu 40 mm nieder (Hamburg 32 mm, Warnemünde 40 mm). Der Einfluß schwindet mit der Abflachung und Verlagerung des Tiefs mehr und mehr. Durch die neugeschaffene Druckverteilung — hoher Druck im Westen und ein Druckfallgebist im Raume von Island — fließen ozeanische Luftmassen nach dem Kontinent. Wenn auch der hohe Druck auf dem Festlande weiter oorgreift, so tritt trotzdem noch Bewölkung auf, und vereinzelte Niederschläge sind nicht ausgeschlossen. Stärkere Erwärmung über den Britischen Inseln und fallende Tendenz des Barometers beuten jetzt schon auf die Beeinflussung der nordwestlichen Störung hin, die sich später wahrscheinlich erneut auf unser Gebiet auswirken wird. Wettervoraussage für Freitag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, Temperaturen im allgemeinen wenig verändert, jedoch etwas milder, ganH vereinzelt noch Rieberfchläge. Denin x>Jy ?at6ematttn.beauf* sichtigt öte Schul- aufaaben zu mähig. Preisen. Schr. Sinn. u. 06476 a. d. GH. Anz. nach Kneipp, Felke Künzle, Dinand u. a. Kräuterhaus H. Jung, Schulstr. E11X.8' . Uhr: Unterh.-Abend, les Br. T. über V. d. F. Turnstunden fallen diese Woche aus. Das Abtnrnen am 13. d. M. beginnt 8* . Uhr u. ulchi wie befannt» oeaeb. utn9Ubr.Ra^D /M. »a tröstete Hühner ZUM Schlachten ver | Mietgesuche | Junges Ehepaar sucht 1—2 3imliier mit Küche. Abstand kann bezahlt werden. Schr. Angeb. u. 06481 an den Gieh. Auz. IeiiWer BaukSDiönnö Ortsgruppe Giehen Monats- Versammlung Freitag, 11. Oktober, 8.15 Uhr, im Hotel Köhler, Wesianlage. o64»> Der Vorstand. io muß $ 'lltrfoW! I» u. Oe. A. V. Sektion Gießen. Sonntag, 18.Okiober 10. 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Oktober 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. 258 Zweites Blatt Freiheit für Indien? Von unserem k-Derichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! London, Anfang Oktober. Die Nachricht, daß die Labour-Regierung die Absicht habe, eine A c n d c r u n g der bisherigen Stellung Indiens im britischen Weltreich ein» treten zu lassen, kommt nicht überraschend. Wenn man auch nicht damit rechnet, daß Indien schon in diesem Jahr d i c Rechte eines Daminiums bekommt, so glaubt man doch an einige wichtige Neuerungen noch in diesem Jahre, so daß die Gewährung eines Dominienstatus in absehbarer Zeit die logische Folge des neuen Kurses im Foveign Office ist, der bekannllich nur darauf ausgeht, d i c Aufrechterhaltung der alten bewährten englischen Weltpolitik mit neuen Methoden zu sichern. Dazu gehört, daß das Mutterland den Völkern des Weltreiches das Gefühl gibt, daß sie nunmehr gleichberechtigte Teile innerhalb des Empire sind, die das Veranügen haben, Vertreter in den Genfer Bund zu schicken, akkreditierte Diplomaten London? in ihren Haupt» städten zu sehen und auch sonst eben jene Vorzüge scheinbar autonomer Staatswesen zu genießen. Geht man den Ursachen nach, die diesen methodischen Wechsel in der englischen Politik bedingen, so muß die Tatsache des englisch-russischen Verhältnisses berücksichtigt werden. Die in diesen Tagen einigermaßen erfolgreich abgeschlossenen Vor» besprechungen zwischen dem Außenminister Hen- d e r f o n und dem Spezialgesandten Moskaus, dem russischen Botschafter Dowgalewski in Paris, müssen ebenfalls mit angezogen werden. Handelt es sich doch darum, daß in dem latenten Waffengange zwischen London und Moskau'um die Macht in Asien beiden Seiten anscheinend ein Waffen- stillstand nicht unerwünscht ist, da beide Teile noch keinesfalls zu einer großen Entscheidung militärisch wie wirtschaftlich gerüstet sind. Eins steht fest: wenn heute irgendwo in der östlichen Welt Flammen aufschlagen und wie in China anderthalb Jahrzehnte dahinschwelen, so sind das eben Vorpostengefechte der um Macht und Einfluß ringenden Hauptgegner England und Rußland. Nach wie vor setzt Moskau in diesem Kampf große Hoffnungen auf die indische Freiheitsbewegung. Unterstützt wird seine Politik durch den Beschluß des letzten N a t i o n a l k o n g re s se s , auf dem die indischen Parteien mit großer Mehrheit den Vorschlag Gandhis gebilligt haben, der von England die Rechte und die Verfassung eines Do- miniums verlangt. Wird dieser Forderung bis Ende 1929 nicht nachgekommen, so droht der Nationalkongreß mit dem Unabhängigkeitskampf ganz Indiens. Obstruktion gegen die englischen Perwaltungs- behörden und die Verweigerung der Steuerzahlung sind als Kampfmittel vorgesehen. Wechselreich ist die Geschichte dieser indischen Freiheitsbewegung. Sie entstand nach dem blutigen Aufstand von 1857, nahm 1884 konstitutionelle Gestalt an, und es erwuchs auf dieser Basis mit dem Zweck eines ernstgemeinten Ausgleichs der englisch-indischen Interessen der indische Nationalkongreß. Das Jahr 1914 brachte auch für die indische Freiheitsbewegung den Wendepunkt: Gandhi kehrte aus Afrika in feine Heimat zurück, versuchte sechs Jahre lang mit den bisherigen Methoden zu arbeiten, doch seine Bemühungen waren vergeblich, so daß er 1920 die Noncooperationsbewegung ins Leben rief. Diese Tat brachte ihn für einige Zeit ins Gefängnis. Neue Parteien mit neuen Führern und abgeänderten Parolen entstanden. Es würde zu weit führen, sie alle zu nennen. Besondere Bedeutung haben der inzwischen verstorbene Das, Mo- tilal Nehm, der auf dem letzten Kongreß als Präsident fungierte und Dr. Ansaris gewonnen. Unter der Jugend sind Kräfte wirksam, die das von der älteren Generation gebilligte Kompromiß, die Do- minialverfassung zu fördern, ablehnen. Der Sohn Motilal Nehms, Jawahar Lai Nehru, hat eine U n - abhängigkeitsliga ins Leben gerufen, deren Ziel d i e Loslösung Indiens von dem englischen Weltreiche ist. Zweifellos sind in allen Lagern der englischen Partei sehr beachtliche Kräfte am Werk, die ernsthaft einen Ausgleich mit Indien suchen, so weit das im Rahmen der von London aus bestimmten Politik möglich ist. Doch die Vertreter dieser Richtung stehen einer Aufgabe gegenüber, die bedeutend schwieriger ist als die, die man sich in den 80er Jahren stellte. Dazwischen liegt einmal der Weltkrieg, an dem indische Soldaten teilgenommen haben, dazwischen liegt weiter die Zeit des Erwachens des jungen Nationalismus überall in der Welt, und England muß es erleben, daß die Methoden, mit denen die Mittelmächte 1918 niedergezwungen wurden, die Parolen der Demokratie und der Selbstverwaltung, sich nun überall gegen das Mutterland auswirken. Weiter hat sich die Taktik der indischen Führer geändert. Der Beschluß des letzten Nationalkongresses beweist, daß die Führer gewillt sind, alle bisherigen Gegensätze politischer und religiöser Art auszugleichen und man bemüht sich energisch, das Volk vor unbesonnenen Taten zurückzuhalten. Ein Hilfsmittel in dem Kampfe ist die Offensive in der Wirtschaftspolitik. Die Parole, alle englischen Einfuhrwaren abzulehnen, hat bereits Erfolge gezeitigt. Das Ziel ist die Schaffung einer eigenen indischen Industrie. In diese Linie gehört auch die Bildung von eigenem Kapital. Die Parsen, die Exponenten des Großhandels, der Börse und der Presse, die in Indien schon seit Jahrzehnten großen Einfluß ausüben, neigen heute mehr denn je dazu, die indische Nationalbewegung zu unterstützen, ganz im Gegensatz zur Vergangenheit, wo allenthalben die Meinung verbreitet war, daß die Querverbindung mit Moskau lediglich den Zweck habe, den wirtschaftspolitischen, den sozialen Umsturz zu erzielen. So steht die indische Freiheitsbewegung diszipliniert, zielbewußt und mit den besten Chancen in der Hand, Gewehr bei Fuß und wartet ab. Die Vertreter des offiziellen Englands, die Beamten, die Armee und nicht zu vergessen die indischen Fürsten, die von London mit Privilegien und Subventionen bei der Stange gehalten werden, lehnen selbstverständlich die Freiheitsbewegung ab. Die besonnene Taktik der Volksführer gibt keine Gelegenheit, die Mittel des staatlichen Machtapparates einzusetzen. Es bleibt den Vertretern des Staates tatsächlich nichts weiter übrig, als ebenfalls abzürn a r t e n und als stolze und stumme Zuschauer ein Spiel mitanzusehen, das die Grundlagen der britischen Position systematisch untergräbt. Als im vorigen Jahre d i e Simons-Kommission aus London eintraf, mit der Aufgabe, die notwendigen Unterlagen für eine Verfassungsreoision im englischen Sinne zu schaffen, da wurde der unbändige Freiheitswille des indischen Volkes sichtbar. Haß und Leidenschaft waren die Ausdrucksformen dieses Wll- lens. Jetzt hat auch England begriffen, daß die politischen Ideen und Methoden, mit denen das Weltreich zusammengehalten wurde, bedenklich an Kraft verloren. Aber selbst für den Fall, daß das Dominienstatut für Indien in kurzen Etappen Tatsache wird, erscheint es als Rätsel, wie England die neuen Probleme meistern will. Indien wird das erste, für dieses Jahr angekündigte Nachgeben Eng- lands als Schwäche auslegen und es wird damit der Erfüllung der eigenen Wünsche neue Schwierigkeiten bereiten. Aber schließlich hat die englische Politik noch stets die besseren Nerven bewiesen. Der Lnlwms des neuen Hess. Hebanmengesetzes. Von ORofa Kern, 1. Vorsitzende des hessischen Hebammen-Verbandes. Unter obiger Überschrift hat Herr 'Bürger- meister Dr. Dölsing im „(Siebener Anzeiger" Ar. 208 vom 5. September Ausführungen gemacht, die wohl darauf abgestellt waren, die Oesfentlich- keit gegen t>en Gesetzentwurf zu gewinnen. Leider habe ich erst jetzt von diesen Ausführungen Kenntnis erhalten. Es sei mir deshalb gestattet, dazu Stellung zu nehmen. Zunächst läßt die Ueberschrist vermuten, es bestehe bereits in Hessen ein Hebammengesetz, da Dr. Dölsing vom „Entwurf des neuen" spricht, dem ist nicht so; in Hessen wird das Hebammenwesen auf Grund einer Medizinal-Ordnuna vom Jahre 1861 durchgeführt, die nach oberster Recht- sprechung durch das in den 70er Jahren den hessischen Gemeinden verliehene Selbstverwaltungsrecht überholt sei. Wohl wird diese Medi- zinal-Ordnung angewandt soweit es sich um die Pflichten der Hebammen handelt, während die dort nur äußerst gering und dehnbar zuerkannten Rechte praktisch wertlos sind. Die Entscheidungen vor den Kreis- und Provinzial-Ausfchüssen, ja selbst dem Verwaltungsgerichtshof sprechen hier eine deutliche Sprache. Außer dem § 30 Abs. 3 der RGO., der bestimmt, daß Hebammen zur Au- übung ihres Berufes ein von der Landesbehörde auszustellendes Prüfungszeugnis bedürfen, besteht luxb die Äenstanweisung für Hebammen, die aber nur als eine hessische Derwaltungsan- ordnung zu betrachten ist, dagegen besteht kein hessisches Lehrbuch, die hessischen Hebammen werden auf das preußische Lehrbuch eidlich verpflichtet. Bürgermeister Dr. V ö l s i n g stellt an die Spitze seiner Ausführungen die Behauptung, daß durch die vorgesehene Regelung des Hebammenwesens den Gemeinden neue finanzielle Verpflichtungen auserlegt werden sollen, deren Tragweite und Auswirkung zunächst noch nicht abzusehen sind. Dr. Völsing steht mir zu hoch, aber gerade deshalb kann ich mir nicht denken, daß diese Bedenken ernstlich gemeint sein sollen. Bürgermeister Dr. Dölsing beschäftigt sich mit der bureaukratischen Gliederung: „freie“ und „Gemeinde-Hebammen", die nach seiner Meinung „nicht in genügend scharf abgegrenzter Form" unterschieden sind. Wir im hessischen Hebarnmen- Derband und Sachverständigenkreisen stehen auf dem Standpunkt und stützen uns auf die Dienstanweisung: eS gibt begrifflich nur Hebammen. Denn alle Hebammen, gleich welcher Art, haben, ohne Unterschied des Standes und Berufes, ungesäumt jedem Rufe ohne Aufschub Folg- zu leisten, ob Tag oder Rächt und wann eS auch immer sei. Richtbefolgung zieht Strafe nach sich. Die Dienstanweisung führt an verschiedenen Stellen entsprechende Paragraphen des StGB, auf, nach denen die strafrechtliche Verfolgung einsetzen kann. Hierzu gesellt sich, daß der jeweilige Kreisarzt Vorgesetzter ist, dem die Hebamme „Gehorsam und Achtung schuldig" ist, weiter unterstehen sie der Disziplinargewalt eventuell sogar der Regierung, haben an vorgeschriebenen Fortbildungskursen teilzunehmen, dürfen nur beschränkt ihren Wirkungskreis verlassen und vieles andere mehr. Ein so eingeengter Beruf kann wirklich nicht Wie entsteht ein Roman? Von Hermann Ungar. Es ist eine Frage, die jeder Schriftsteller immer wieder hört: Haben Sie das, was Sie in diesem Roman, in jener Rovelle erzählt haben, wirllich erlebt? Und es sind nicht immer die naivsten Menschen, die diese Frage an den Autor eines Buches richten und bisweilen hinzufügen: das kann nicht erfunden fein, das müssen Sie erlebt haben! Niemand von uns Schriftstellern ist über diese Frage überrascht und jeder hat gewiß eine geistvolle Antwort vorbereitet, eine Antwort, die die Frage „gesellschaftlich" erledigt. Der eine wird scherzhaft ausweichen, der andere ernsthaft eine sachliche, aber allgemeine Antwort geben, doch nur selten wird ein Schriftsteller so antworten, wie er eigentlich antworten sollte: ja, ich habe es erlebt — denn er wird fürchten, daß man diese Antwort falsch verstehen, daß man ihn mit dieser oder jener Person seiner Werke identifizieren, ihm diese oder jene Leidenschaften, Steigungen oder Abneigungen zu- schreiben könnte, von denen er sich frei fühlt. Er könnte diese Antwort nur gben, wenn er Erklärungen hinzufügt, zu denen im allgemeinen keine Gelegenheit ist. Cs ist wirklich so, daß ein gutes Buch niemals das Kind einer völlig freischweifenden Phantasie fein kann, daß ein gutes Buch immer aus einem Erlebnis gewachsen fein muß, aus einem „wirklichen" Erlebnis oder aus einem Erlebnis im Geiste, das nicht minder stark zu sein braucht als ein Erlebnis in der Welt der realen Dinge. Es ist schwer, im Werk des Dichters von außen her das für das einzelne Buch grundlegende Erlebnis, das wir das Keimerlebnis nennen könnten, zu erkennen. Im Laufe deS Schöpfungsaktes hat sich dieses Ertebnis umgewandelt und umgestaltet, und oft steht es vielleicht, obwohl es der Angelpunkt des Werkes ist, unerkannt an einer verborgenen Stelle. Rur der Autor selbst könnte, und vielleicht auch er nicht ohne weiteres, sondern erst nach Prüfung, Schritt für Schritt zurückgehend bis zu dem Punkt, an dem das Werk zum erstenmal noch ungeformt in ihm war, Auskunft geben und uns diesen Punkt zeigen, den wir suchen. Immerhin ist es möglich, gewisse allgemeine Grund- crlebnisse eines Autors nachzuweisen, die hinter seinem Werk stehen. Ich möchte zum Beispiel glauben, daß das Grunderlebnis, die Keimzelle seines Schaffens, bei Henri 03 et) le, der sich nach dem kleinen Städtchen Stendal bei Magdeburg Stendhal nannte, daß das Grunderlebnis dieses großen Sängers der Liebe, von dem einet der schönsten Liebesromane der Weltliteratur stammt, „Le Rouge et le Noir“, seine eigene Häßlichkeit aewesen ist. Es ist bekannt von Stendhal, daß er kein Glück bei Frauen hatte, in den Salons lächerlich wirkte, und daß diese Mißerfolge den großen Dichter fast mehr schmerzten, als die Erfolge seiner Bücher ihm Freude bereiteten. Doch aus diesem Gefühl ist kein menschenfeindliches Werk entstanden, sondern es war der Boden, aus dem der große Roman der ersehnten Liebe wuchs. Dostojewski, das dämonische russische Genie, der Dichter der unsterblichen Romane „Raskolnikow", „Dämonen", „Die Brüder Karamasow", wiederholte in immer neuen Variationen die Frage nach Schuld, Sühne und Erlösung. Und wenn auch die Witwe deS Dichters in ihren Erinnerungen, bestrebt, dieses unbändige Genie eines biederen Hausvaters und kleinbürgerlichen Gatten darzustellen, es kategorisch ableugnet, in irgendeiner Form mag doch wahr sein, was berichtet wird, daß ein schreckliches eigenes Erlebnis, vielleicht sogar ein in Wahnsinn oder Verzweiflung verübtes Delikt, den Dichter bis an sein Ende verfolgte und in seinen Werken um Sühne und Erlösung ringen lieh. Gewiß, daß das Erlebnis des Dichters kein Zufall ist! Es hat große Dichter gegeben, die häßlicher waren als Stendhal und denen ihre Häßlichkeit nicht zum dichter scheu Erlebnis wur.e. Rur das, worauf er innerlich vorbereitet, ab- gestimmt ist, erlebt der Dichter wirklich, das andere bringt nicht in sein Innerstes, indes gerade dieses andere dem nächsten zu entscheidendem Erlebnis werden kann. Ich habe gesagt, daß es unmöglich ist, von außen her zu dem im Einzelfall zugrunde liegenden Erlebnis vorzudringen, das für ein Werk entscheidend war. Rur der Autor selbst kann da Führer sein. Ich will nun versuchen, mit der ganzen Aufrichtigkeit, die mir zur Verfügung steht, an einem eigenen Werk den Faden zu verfolgen und das Erlebnis bloßzulegen. Ich muß beginnen, von mir selbst zu reden, wenn ich an einem Beispiel den Weg vom ursprünglichen Erlebnis bis zum Inhalt, der Handlung des fertigen Werkes, klarmachen teilt? Ich nehme als Beispiel mein letztes Buch, den Roman „Die Klasse". Die Hauptperson des Buches ist ein Lehrer. Ich bin nie Lehrer gewesen und kann doch sagen, daß ich das Schicksal dieses Lehrers erlebt habe, und wenn mich jemand fragt: Woher wissen Sie das alles von diesem Ihren Lehrer?, so kann ich ruhig sagen, daß ich es im Grunde nicht erdacht habe, daß das Erdachte daran nur äußerlich ist und den Kerir des Werkes nicht trifft. Obwohl ich ein Mensch unserer Zeit bin, erzogen, alles durch die Drille der Dernunft zu sehen und nur das zu glauben, was einleuchtet oder durch Erfahrung bewiesen ist, bin ich nicht frei von Resten eines alten besonders im Landvolk noch wachen „Aberglaubens" — ich komme vom Lande — eines Aberglaubens, der sich nur in kleinen Dingen des Lebens, in kleinen Ange- j wohnheiten äußert und mir selbst kaum je bc- I wußt wurde. Ich erwähne das, weil jemand, in dem nicht ein Rest des Glaubens an mythische und mystische Zusammenhänge im Leben trotz Bildung und Erziehung als Erbteil aus der Dergangenheit lebendig geblieben ist, in den Erlebnissen, die auf mich so tief gewirkt haben, nichts gesehen hätte als Realitäten, Zufälle, mit denen man sich abfinden muh und die zu „erleben“ müßig ist. Ich möchte sagen, daß mein Roman «Die Klasse“ bei der Geburt meines Sohnes beginnt. Dor vier Jahren lag eines Tages ein kleines, runzeliges, neues Geschöpf vor mir, ich sah es an und meine Datersreude wandelte sich in jähes Erschrecken, denn plötzlich toar mir, als sähe ich ein ganz altes ©reifen- gesicht, das mich ernsthaft anblickte. Schon auch wandelte sich das Gesicht und schon war das schreckliche Bild geschwunden. Es hatte nur einen Augenblick gedauert. Aber ich trug es in mir und vergaß es nicht und mir war, als ha.be dieses Gesicht mir gesagt: ich bin dein Sohn und damit der Sohn deines Daters, Großvaters, Urgroßvaters in unendlicher Reihe. Sie alle hast du in mich vererbt. Weiht du, was du mir damit aus den Weg gegeben hast, Datei? Ich hatte den Tag der Geburt meines Sohnes nicht vergessen, vielleicht war die Erinnerung daran blasser geworden, zurückgetreten, als ein neues Erlebnis den Anstoß gab, das alte wieder aufzuwecken, und, zusammen mit diesem, mich zu brennen begann, sich mit dem alten Erlebnis verband, selbständig wurde, lebte und ein Roman wurde. Das zweite Erlebnis: ich sollte um 10 Uhr abends am Bahnhof sein, um jemanden abzuholen. Ich hatte die Absicht, um halb zehn ein Auto zu nehmen und zum Anhalter Bahnhof zu fahren, bei langsamer Fahrt von meiner Wohnung eine Strecke von zwanzig Minuten. Um halb neun kam ein Besucher. Ich sprach mit ihm; als ich das erstemal auf die Uhr sah, war es neun ein viertel Uhr, wir sprachen weiter, als ich wieder auf die Uhr blickte, zeigte sie neun ein halb. Ich eilte auf die Straße und nahm ein Auto. Es war drei 2Hinuten später, als ich mir vorgesetzt hatte, aber immerhin Zeit genug, rechtzeitig am Bahnhof zu fein. Als toir_ am Kurfürst endamm ein teer fahrendes Auto überholten, sprang ein Mann, der unvorsichtigerweise vor dem überholten Auto die Straße rasch überschreiten wollte, gegen den Wagen, in dem ich saß. Der Mann stürzte aufschreiend zu Boden. Wir luden ihn — er war blutüberströmt — ins Auto und brachten den Bewußtlosen zur Rettungsstelle. Die Derwundungen erwiesen sich später als harmlos. Im ersten Augenblick erschienen sie auch dem Heilgehilken der Rettungsstelle schwer. Rach einstimmiger Aussage aller Zeugen war der Mann an dem Unfall selbst schuld. Allein mir schien, daß ich nicht frei von einer gewissen „mystischen" Derantwortung sei, wenn auch ich als ein „freier“ bezeichnet werden; hinzu tritt daß dieser „freie Berus" nicht einmal seine Ware — hier in Gestalt seiner Arbeitskraft und Intelligenz - nach „freiem“ Ermessen in Rechnung stellen kann. Die Hebamme ist an vorgeschriebene Gebührensätze — bei deren Festsetzung sie nur beratend mitwirken kann — gebunden. Der bisherige gesetzlose Zustand zeitigte Fälle, wo für geleistete Geburtshilfe, selbst über den Klage weg. die gering bemessene Gebühr nicht zu erlangen war. Es sind nicht Einzelfälle, wenn gleich durch die Wochenhilfegesetzgebung seit 1. Oktober 1926 eine Aenderung eingetreten ist. Aber diese Regelung der Auszahlung der Geburtshilfe über die Krankenkassen bedeutet ebenfalls noch kein All- mittel, da die versicherungsrechtlichen Bestimmungen hier sehr beachtlich in die Wagschale fallen. Aber ungeachtet altes dessen muß die Hebamme, ob sie bezahlt wird oder nicht, ob die Bezahlung früher oder später erfolgt, dem an die ergangenen Rufe Folge leisten. Daß ein solcher Zustand im zwanzigsten Jahrhundert nach gesetzlicher Regelung drängt, wird auch Bürgermeister Dr. Dölsing anerkennen müssen, und zwar auf dem Boden der Gleichberechtigung. Die Hebammen spielen hier die Rolle der Minderheiten. Die Regelung ist auch um deswillen notwendig, als in Art. 119 Abs. 3 der Reichsverfassung ausdrücklich bestimmt wird: „Die Mutterschaft bat Anspruch auf den Schuh und die Fürsorge des Staats." Wie denkt sich aber Bürgermeister Dr. Dölsing diesen Schutz durch „freie“ Hebammen in einer Gemeinde? Eine „freie“ Hebamme kann zu jeder Zeit überall der Geburtshilfe nachgehen, auch über den Riederlassungsort hinaus; könnte sie das nicht, so wäre sie ja begrifflich nicht „freie“ Hebamme. In einer solchen Gemeinde mit „freien" Hebammen ist also der verfassungsrechtliche Mutterschutz nicht gewährleistet. Weiter wendet sich Dr. Dölsing gegen den „sogenannten Hebammenzwang" und lobt das System früherer Jahre, indem er von „Der- tra u^nssache" spricht. Ja Herr Dr. Völsing, wenn Sie schon nicht Anhänger eines Zwanges sind, dann bitte treten Sie auch dafür ein, daß diese Regelung nicht einseitig durchgeführt wird. Die heutige Hebammenschaft vertritt die Rechtsauf- faffung: Gleiche Pflichten, gleiche Rechte. Rach bis jetzt herrschendem Recht hat die Hebamme fein Recht, sich ihre Kundschaft auszuwählen, während anderseits ihre Aus- und Fortbildung derart scharf überwacht und durchgeführt wird, daß die „Vertrauensfache" völlig gesichert ist. Es ist deshalb auch nicht richtig, einen Vergleich zu ziehen, „wie es jedem Kranken in der freien Wahl seines Arztes gewährleistet ist". Diese freie Arztwahl besteht heute bekanntlich auch nur noch bescknmnkt, und andernteils ist die Geburtshilfe keine Krankheitserscheinung. Bürgermeister Dr. Dölsing hat weiter Wünsche zu der Riederlassungsgene^nigung, die darauf hinauslaufen, daß jede Gemeinde das System wählen kann, das ihr beliebt. Zu diesem Zweck bedürfen wir nich4 des Gesetzes. Der bisher bestandene unhaltbare Zustand war gerade die Veranlassung, einer Aenderung das Wort zu reden, und jedem Rechtsempfinden zuwidergehandelt wird, wenn weiter der verfassungsrechtliche Mutterschutz auf dem Rücken einer armen Hebamme durchgeführt werden soll. Die Abg. Maurer und Reuter haben schon im Jahre 1928 eine diesbezügliche Anfrage an die Regierung gerichtet, und stützten sich Kerbei auf „die schlechte wirtschaftliche Lage der Hebammen, die sich in erster Linie bei den Müttern aus den großen Volksschichten der Arbeiter, Kleinbauern und Kleinhandwerker unangenehm bemerkbar machen; dadurch können für die Volksgesundheit unange» „unschuldig" war, zumal ich ja nur als unbeteiligter Passagier im Innern des Autos gesessen hatte. Wenn ich so gehandelt hätte, wie ich es mir vorgenommen hatte, das heißt, wenn ich drei Minuten früher mein Haus verlassen hätte, dann hätte doch dieser Mann nicht auch drei Minuten früher die Straße überqueren wollen? Ich konnte doch annehmen, daß dann dieser Mann nicht nur nicht von mir, sondern überhaupt nicht überfahren worden wäre. Weil mein Freund mich besuchte, hatte ich das Haus nicht rechtzeitig verlafsen. Hinzu kam, daß der, den ich erwarten sollte, an diesem Tag nicht eintraf. Ein Telegrannn, das er mir gesandt hatte, fand ich erst bei meiner Rückkehr nach Hause vor. Wenn ich das Telegramm rechtzeitig erhalten hätte, wäre ich nicht an die Bahn gefahren, und dem Verletzten, der jetzt schon gestorben sein konnte, wäre nichts zugestoßen. Also hing auch das Telegramm, der .Frcund, der ankommen sollte, also hingen wir alle mit dem Schicksal des Un- glücklichen zusammen, eine Kette, ein Glied griff ins andere, wenn der Freund nicht gekommen wäre, mich zu besuchen, wenn ich rechtzeitig weg- gefahren wäre, wie ich mir vorgesetzt hatte, wenn der andere Freund, der ankommen sollte, fein Telegramm eine Stunde früher aufgegeben hätte, der unvorsichtige Passant, den ich für sterbend halten mußte, läge nicht im Krankenhaus. Man findet mein zweites Erlebnis überhaupt nicht in meinem Roman, das erste erkennt man vielleicht in einer Passage, die dem Leser, der die Entstehungsgeschichte nicht vom Autor kennt, nicht unbedingt wesentlich erscheinen muß. Und doch sind diese Erlebnisse der Ursprung des Romans. Ich begriff, daß ich die Frage nach der menschlichen Verantwortung zu stellen hatte, daß meine Erlebnisse ihre Gestaltung verlangten. Ich habe einen Lehrer zum Helden des Romans gemacht, denn ich fühlte instinktiv, daß der Held des Tuches ein Mensch fein mußte, dessen Beruf an sich Verantwortung auf den Träger bürdet, Verantwortung, wie sie neben dem Lehrer vielleicht bloß Feldherren, Staatenlenker, Richter tragen. Der Lehrer verantwortet vor einet höheren Instanz, die die Gläubigen Gott, die Ungläubigen das Gewissen nennen, seinen Einfluß auf seine Schüler, in meinem speziellen Fall verantwortet er daneben das Schicksal von Frau und Kind. Wenn ich dichterische Phantasie habe, so begann sie erst hier lebendig zu werden, als ich aus den ungeformten Vorstellungen von den Zusammenhängen der menschlichen Schicksale, von der Derantwortung für das, was man tut oder unterläßt vor einem höheren Forum, Gestalten erfand, Gestalten von tragischer Art und luftige Personen, Männer. Frauen und Knaben, und als diese ein eigenes Leben zu führen begannen und meinen Roman „dichteten" auf dem Hintergrund meiner Erlebnisse, von denen ich hier zwei in ihrer „wirklichen" Form mitgeteilt habe. nehme Folgen entstehen". Die Anfrage endete mit dem Rufe nach einer geeigneten Vorlage. Die Begründung der hessischen Regierung zum Gesetzentwurf sagt hierzu, daß in „einschneidender Weise die Verantwortlichkeit der Hebammen in Ausübung ihres Berufes umgestaltet ist." Wenn alfo die Verantwortlichkeit umgestaltet worden ist, darf da nicht auch in wirtschaftlicher Beziehung „umgestaltet" werden? Eine völlige Verkennung der Rechtslage bedeutet es, wenn Bürgermeister Dr. Völsing „hinsichtlich der sozialen Verhältnisse der Gemeindehebammen" erwähnt, daß diese „erheblich verbessert" werden sollen. Ich begnüge mich hier mit der kurzen Feststellung, die die hessische Regierung zum Gesetzentwurf gibt: „Leider hat die soziale Gesetzgebung des Reiches die Hebammen unberücksichtigt gelassen." Wenn aber trotzdem einzelne Gemeinden in Hessen bisher ihrer Hebamme den Eintritt in die hessische Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte möglich machten, so erkennen wir diese weitausschauende sozialpolitische Tat dieser Gemeinden an dieser Stelle gerne an, wie festgestellt zu werden verdient, daß diese Gemeinden unter diesen „finanziellen Verpflichtungen" bisher nicht zu leiden hatten, trägt doch die betr. Hebamme auch ihrerseits anteilig zu den Kosten bei. Was um so höher veranschlagt werden must, ist, dast die Mehrzahl dieser Gemeinden besonders starke Steuerzahler nicht aufzuweisen haben, wobei erwähnt werden muh, daß die hessischen Städte, gleich welcher Art, ihren Hebammen diese Möglichkeit bisher noch nicht gegeben haben. Für Bürgermeister Dr. Völsing bedeutet die Forderung der Hebammen nach „Gewährung eines jährlichen Mindesteinkommens" ein besonderes „Bestreben". Ja, darf denn die Hebamme für ihre Vorschriften: „all die Arbeiten zu unterlassen, die Mutter und Kind schädigen", nicht einen entsprechenden Ausgleich fordern? Das im Entwurf oorgeschlagene Mindesteinkommen ist so gering bemessen, daß wir uns wundern, wie diese Beträge überhaupt Anstoß erregen konnten. Bringt doch die Wochenhilfegesetz, gebung und die Fürsorgepflichtverordnung in den meisten Fällen schon das vorgesehene Mindesteinkommen auf: vielleicht nur in ganz vereinzelten Fällen dürften hiernach Zuschüsse der Gemeinden zu leisten sein. Kein Steuerzahler, ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, wird behaupten wollen, daß ein garantiertes Einkommen von monatlich 50 bis 100 RM. für eine Gemeinde „finanzielle Belastungen" darstellt, von welchen nicht einmas feststeht, ob hier überhaupt Zuschläge zu leisten sind. Zur Erreichung des Mindesteinkommens genügen in Ortsklasse Ä 32 Geburten, Ortsklasse B 26 Geburten, Ortsklasse C 21 Geburten und Ortsklasse D 16 Geburten. Eine Nachfrage bei der ortsansässigen Hebamme wird die Befürchtungen über diese „Tragweite und Auswirkung" hinfällig machen. Wen wir uns wundern, so darüber, daß im sozialen Zeitalter und bei einem so schlechten Währungsverhältnis ein Gesetzentwurf Zustandekommen konnte, der für die hessischen Hebammen die Summe von 50 bis 100 Mark für ausreichend hält, dies um so mehr, als die Begründung der hessischen Negierung selbst zugibt, daß als hauptsächlichste Schäden „die zu geringen Einnahmen aus dem Beruf, die im Mißverhältnis zu seiner Verantwortlichkeit stehen" sind. Berufsfreudigkeit wird weder durch den Entwurf, noch durch die Kritik Dr. Völsings gefordert. Die Bedeutung des verantwortungsvollen Be- rufs der Hebamme erkennen Mütter und Ehemann erst dann, wenn die Stunde der Gefahr an ihre Tür klopft. Die hessische Hebammenschaft hat zu der Volksvertretung des Landtags das Vertrauen, daß ihre berechtigten Forderungen, unterstützt von Regierung und Sachverständigen, im Interesse von Mutter und Kind, der Gesundung unseres Volkes anerkannt und zum Gesetz erhoben werden: ein verständnisvoller Steuerzahler wird hierfür die an sich ganz unbedeutende Belastung als durchaus berechtigt hinnehmen, denn es ist gewiß kein allzu schöner Strauß, den die hessische Negierung präsentiert, wenn sie in der Begründung zum Gesetzentwurf sagt: „Die Gemeinden weigern sich fast ausnahmslos, den alten, invaliden Hebammen eine ausreichende Versorgung zu gewähren." Die Reichsverfassung stellt an die Spitze, daß das Reich „Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen" bestrebt sei. Eine bittere Enttäuschung, nicht nur für die Hebammen, wäre es, wenn den Hebammen diese Gerechtigkeit vorenthalten würde. Zungßauernlehrgang in der HeimvoWochschule Hohensolms Wieder ruft die Volkshochschule Hohensolms auf zum Besuch eines Lehrganges für junge Männer vom Lande im Alter von 18 bis 25 Jahren für die Zeit vom 18. November 1929 bis 28. Januar 1930. Wer im Vorjahre an olchem Lehrgang teilnehmen konnte, denkt heute gern und dankbar an die Zeit gemeinsamen Schaf- ftns und gemeinschaftlichen Lebens zurück. Damals bedauerte jeder, daß die Zeit von einem Monat zu kurz war. Darum ist die Dauer des diesjährigen Lehrganges auf reichlich zwei Monate festgesetzt worden, um so auch ein eingehenderes Arbeiten zu ermöglichen. Es sollen die vielen Fragen, die jeden jungen Menschen in unserer Zeit bewegen, nicht nur angeschnitten, sondern gemeinsam durchdacht und im Kreise von Lehrern und Schülern offen und aründ- lidi durchgesprochen werden. Es soll möglichst viel gelernt werden für die unmittelbaren Forderungen des landwirtschaftlichen Berufslebens. Es soll aber auch gute Gelegenheit gegeben sein zur Klärung und Förderung des persönlichen Lebens. Dementsprechend umfaßt auch der Arbeitsplan sowohl den berufskundlichen Unterricht, als auch die Besä)äfti- gung mit weltanschaulichen und lebenskundlichen Fragen. In Kürze sei hier einiges aus dem Arbeitsplan angedeutet. Die landwirtschaftliche Berufskunde unterrichtet über die gegenwärtige Lage der Landwirtschaft lind geht insbesondere der Frage nach, wie der bäuerliche Betrieb in der Gegenwart so rentabel wie möglich eingerichtet werden kann. Es ist klar, daß von dieser Hauptfrage ausgeljend alle wichtigen Fragen der Landwirtschaft erörtert werden müssen. In die Wirtschaftsgeschichte des Bauernstandes, in die Entstehung und Entwicklung der Volkswirtschaft und in das Verständnis wirtsajafts- politischer Gegenwartsfragen führt die Volkswirtschaftslehre ein. Bis zu ganz praktischen Dingen hin, wie „Buchführung im landrvirtschaft- lichen Betrieb", soll hier alles Wesentliche Erwähnung finden. Mit der Volkswirtschaftslehre nahe verwandt ist die Staatsbürgerkunde, die dazu helfen will, für die politischen Fragen unserer Zeit einen Blick und ein rechtes Urteil zu bekommen. Gerade für den Jungbauern unserer Tage tut aber auch ein anderes Wissen noch not. Er muß mit dem Werden und Wesen seines eigenen Volkstums vertraut fein. Darum stehen in der Volkskunde deutsche Geschichte, deutsche Sprache, Dichtung und Kunst im Mittelpunkt der Arbeit. Insbesondere auch Sitten und Sagen des Dorf- und Heimatlebens, Volkslied und Mundartdichtung können uns vom Wesen deutschen Volkstums einen lebendigen Eindruck vermitteln. Zur ganz persönlichen Besinnung und zur Vertiefung des eigenen inneren Lebens sucht endlich der leben stündliche Unterricht zu führen. Die religiös-sittlichen Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach dem Verhältnis von Schicksal und Schuld, nach unserer Stellung zu Bibel und Kirche, zu Per- sönlichkeits- und Gemeinschaftsleben, zu Ehe und Familie sollen do zu einer verantwortungsbewußten Besprechung kommen. Daß es kein wirkliches Fertigwerden mit dem Leben, auch mit dem bäuerlichen Leben, gibt ohne Klarheit und Tiefe in diesen entscheidenden Lebensfragen, wird heute mehr und mehr erkannt. So sucht der Lehrgang an der Heimvolkshochschule kurz gesagt in jeder Weise tüchtiger zu machen für das Leben, das in der Gegenwart mehr denn je alle Kräfte beansprucht. Wenige Worte seien auch noch über das Zusammenleben im V o l k s h o ch s ch u l h e i m gefagt. Es ist selbstverständlich, daß viel frohe Geselligkeit da weiten Raum findet. Gesang und Geselligkeitsspiele, sowie Lese- und Lichtbildabende sorgen für gute Unterhaltung. Die Teilnehmer am Lehrgang leben mit den Lehrern und mit der übrigen Hausgemeinde wie eine große Familie im Heim. Einige Wanderungen werden in die Umgegend führen und mit lehrreichen und interessanten Besichtigungen verbunden sein. Leiter der Schule ist Pfarrer F. W. Petri, Hohensolms. Als Lehrer arbeiten an diesem Lehrgang mit Seminaroberlehrer i. R. Schreiner, Dr. Paul Kammer und Hermann Graefe, außerdem einige Gastlehrer. Anmeldungen und Anfragen richte man baldmöglichst an die Heimvolkshochschule Hohensolms (Kr. Wetzlar). Im übrigen beachte man die heutige Anzeige. H. G. Oberhessen. Zur Linderung der landwirtschaftlichen Notlage. WHP. D a r m st a d t, 9. Okt. Vor einigen Tagen fand bekanntlich eine Unterredung von Führern oes Hessischen Landbundes mit der Negierung statt, um Maßnahmen zur Linderung der Not der hessischen Landwirtschaft zu suchen. Der Landbund hat jetzt beim Landtag zwei Anträge mit längerer Begründung eingereicht, in denen von der Regierung verlangt wird: Die Einziehung der Landes st euern bei landwirtschaftlichen Steuerpflichtigen bis zum Eintritt besserer Preis- und Absatzverhältnisse im Wege der Stundung von Amts wegen einzustellen und die Grund- steuer niederzuschlagen. Vieh- und Krämermarki in Lauterbach. Bullen-Auktion. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". & Lauterbach, 10. Okt. Der gestern hier ab» gehaltene Vieh- und Krämermarkt, ver- Kunden mit einer vom Landwirtschaftskammerausschuß für Oberhefsen veranstalteten Bullenauk - Hon, hatte — was den Krämermarkt anbetrifft — sehr unter der schlechten Witterung zu leiden. So konnten die auf dem Marktplatz eingetroffenen Händler ihre Verkaufsbuden infolge des herrschenden Sturmes nur mit Mühe und Not aufbauen. Der sehr bald einsetzende Regen machte dann jedes Geschäft zunichte, und die meisten Händler dürften kaum auf ihre Unkosten gekommen fein. Auf dem Schweinemarkt war der Handel nur schleppend. Von den etwa 65 aufgetriebenen Ferkeln blieb geringer Ueberstand. Die Preise bewegten sich, je nach Qualität, zwischen 32 und 42 Mark je Stück. Dagegen heriichte auf dem Viehmarktplatz schon in den frühen Morgenstunden lebhafter Verkehr. Von etwa 60 vom Lanowirtfchaftskammerausschuß zur Versteigerung gemeldeten Bullen waren 42 nufgetrieben worden. Sämtliche Bullen waren von hervorragender Qualität, die erzielten Preise waren dieser hervorragenden Qualität angepaßt. Den größten Erfolg hat der Angersbacher Züchter Niko- laus Keller mit 1310 Mark erreicht. Den zweithöchsten Verkaufspreis für einen Bullen (1210 Mk.) erzielte der bereits aus früheren Auktionen bekannte Züchter Otto Völsing aus Billertshausen bei Alsfeld. Ein Dulle der Gutsoerwaltung Sickendorf wurde mit 1190 Mark, einer von Konrad Schäfer aus Bermutshain mit 1060 Mk. bezahlt. Der Züchter Georg Schäfer aus Angersbach erhielte für einen Leistungsbullen 1000 Mark. Die übrigen Preise schwankten zwischen 540 und 950 Mark. Von den aufgetriebenen 42 Bullen wurden 30 xu Zuchtzwecken verkauft. Die Mehrzahl der oefr kauften Tiere stellte die Gemeinde Angersbach, die durch ihre hervorragenden züchterischen Leistungen für hessisches Fleckvieh bekannt ist. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 9. Okt. Der (Sem einberat befaßte sich in feiner gestrigen Sitzung wiederholt mit der Errichtung eines Reihen Wohnhauses für 12 Wohnungen. Ilm für diese Wohnungen den verbilligten Bauzuschuh zu erhalten, hatte sich der Bürgermeister mit den amtlichen Stellen in Darmstadt in Verbindung gesetzt, von wo aus aber der Bescheid erging, daß für 1929 keine Möglichkeit zur Beschaffung von BauHuschüssen mehr bestehe, und für 1930 cene feste Zusage noch nicht gemacht werden könne. Da inzwischen die Zeit zu weit vorgeschritten ist und die Erstellung des Rohbaues, der mit 38 000 Mark veranschlagt wurde, nicht mehr möglich ist, soll teese Angelegenheit bis zum nächsten Frühjahr zurückgestellt werden. Der Gemeinderat hofft, brs dahin Bescheid über die Zuteilung von Dau- zuschuß für 1930 zu haben. — Eine längere Aussprache erforderte die Frage der Behebung der Wasser not. Hm diesem Hebel abzuhelfen, beschloß der Gemeinderat, den Hochbehälter zu vergrößern, und zugleich die Anschaffung von Wassermessern. Hier liegen bereits von verschiedenen Firmen Angebote vor, die sich auf gleicher Preislage bewegen. Das Stuck soll sich einschließlich Montagekosten auf 42 Mk. stellen, bei einem Bezug von etwa 750 Stück. Bürgermeister Schomber. der mit Gemeinderat Denner die Luxsche Fabrik in Ludwigshafen besichtigt hatte und denen dort die Wassermesserherstellung vorgeführt wurde, empfahl die Anschaffung der Luxschen Wasfermesser. Gemeinderat Schmitt will aber auch Erkundigungen über andere Fabrikate eingezogen haben, und so wurde beschlossen, eine Kommission einzusetzen, die sich mit der Angelegenheit befaßt. 3n diese Kommission wurden die Gemeinderäte Scherer und Schmitt gewählt. — Die Kanalisation der M ö s e r st r a h e und der Gießener Straße soll nun endlich durchgeführt werden. Hierbei wurde gleichzeitig angeregt, mit der GaS- gefeilsch as t zu verhandeln, damit die Haus- anschlüsse in diesen Straßen fertiggestellt werden, auch sollen die galvanisierten Rohre der Wasserleitung in der Gießener Straße durch Gußrohre erseht werden. Angeregt wurde, zur Instandsetzung der Möserstrahe die Provinzialbehörde mit heranzuziehen, da diese Straße durch die Umleitung des Verkehrs ganz besonders gelitten hat. Die Instandsetzung des Eichen- röder Wegs mit Anschluß Graben- und Ludwigstrahe, wurde grundsätzlich beschlossen, auch soll hier ein erhöhter Bürgersteig angebracht werden. Voranschläge zur Kanalisierungi und Straßeninstandsetzung sollen baldigst dem Gemeinderat vorgelegt werden, damit durch diese Arbeiten die Erwerbslosen Beschäftigung finden. Bürgermeister S ch o m b e r bemängelte ganz besonders die Wiederinstandsetzung der Straßen nach Reparaturen. — Die Erbauung ter Was - f er lei tun g zum Anwesen Abel wurde beschlossen. DaS Kulturbauamt schläft zugleich vor, die Kanalisation in der neuen Straße durchzu- führen: es sollen Voranschläge vorgelegt werden. — Dem Gesuch des Paul Drescher um Kon- zefsionserteilung wurde entsprochen. Ferner lagen Gesuche vor vom Obst- und Gartenbauverein für einen Zuschuß zur Lokal- schau, sowie deS GeflügelzuchtvereinS zu feiner Ausstellung. Zedern Verein tourten 30 Mark bewilligt. — Ein weniger erfreulicher Punkt war die Zuteilung von zwei freiwertenden Gemeindewohnungen, auch wurde die Beschlagnahme einer weiteren Wohnung nicht als glückliche Lösung bezeichnet und ter Bürgermeister ersucht, mit dem Eigentümer zu verhandeln. Eine Anfrage über die Straßenbeleuchtung wurde dahin beantwortet, daß Liebe in Ketten. Vornan von Hans Mitteweider. Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale). 8 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Sie fühlte sich nicht mehr wohl, und alle Tage, wenn sie ihren Dienst antrat, war ihr recht bange zumute, als sollte sie noch etwas Schlimmes erleben. Als sie am neunten Tage hinunterkam, sah sie in dem Lokal einen fremden Herrn sitzen und eilte zu ihm, um ihn nach seinen Wünschen zu fragen. Aber er hielt ihr nur in der hohlen Hand etwas entgegen, was wie ein Geldstück aussah, merkwürdigerweise jedoch an einer Kette hing, und sagte bann: „Kriminalpolizei! Ich möchte Fräulein Fernau sprechen." Käthe hatte noch nie mit ter Polizei zu tun gehabt, außer damals in London, aber sie hatte sogleich ein unbehagliches Gefühl, und kaum konnte sie erwidern, daß sie die Gesuchte sei. „2ch komme wegen des Koffers, ter Ihnen gestohlen worden ist, Fräulein Fernau", sagte darauf der Beamte. „Sie müssen sich heute um eins auf ter Wache etnfinten.“ Er nannte noch die Straße, dieselbe, in ter Käthe wohnte, grüßte und ging. Mit tiefgeröteten QBangen stand Käthe da. Sie zitterte leicht. Sie hatte zwar gehört, daß es wegen des Koffers war, aber unwillkürlich muhte sie an das andere denken, was so schwer auf ihr lastete und was sie nie vergessen konnte, an ihren Mann, an ihre Ehe! -Denn Berndt Klausen doch noch lebte und nach ihr forschen ließ? Sie wandte sich um und sah in die schadenfrohen Gesichter ihrer Kolleginnen, die mittlerweile eingetreten waren. „Sie haben ja recht angenehme Bekanntschaften, '(■jräulein!“ sagte eine höhnisch, und die andern kicherten. „Stille Wasser sind immer tief!" bemerkte noch eine. Da fuhr Derth dazwischen. „Gänse seid ihr!" rief sie wütend. „Käthe hat ter Polizei gemeldet, daß ihr der Koffer gestohlen worden ist. Da ist es doch Har, daß die Polizei zu ihr kommen muß! Kehrt vor eurer Tür, anstatt euch um sie zu kümmern!" Sie selber streichelte Käthes brennende Wangen und fragte, waS ter Kriminelle gewollt habe und dann redete sie ihr gut zu, aber Käthe konnte eine geheime Furcht nicht loswerden, ähr war, als sei noch lange nicht das Schlimmste vorüber, sondern stände ihr noch bevor. Gegen zwölf Hhr — es waren nur zwei Gäste da, die in anderen Revieren sahen — wurde die Drehtür wieder in Bewegung gesetzt. Eine junge Dame trat ein, eine wirkliche Dame, und hinter ipr ein Herr. Käthe sah ihn und taumelte. Mit beiden Händen tastete sie hinter sich, um an einer ter Säulen Halt zu finden. Mit toeitgeöffneten Augen, mit leichenblassem Gesicht und vollkommen verstört stand sie da. Er war es — ter Herr, ter ihr so freundlich geholfen, der sie bis zum Zuge gebracht und dessen leuchtende Augen sie nie vergessen hatte! Hub er war nicht minder bestürzt als sie. Auch er hatte sie auf den ersten Blick erkannt. Sie sah es, sah, wie die Dame sich verwundert nach ihm umschaute, dann auf sie sah. Es war ein Blick voll tiefster Verachtung. Da aber zischte auch schon hinter ihr eine Stimme, die der Madame: „Run, worauf warten Sie? Vorwärts! Bedienen!" „Ich — kann nicht!" stöhnte Käthe flüsternd. „Sie können nicht? Mir soll's recht sein! Dann scheren Sie sich aber gefälligst sofort hinaus und lassen sich nicht wieder hier sehen! Dalli!" Käthe sah in die wutsprühenden Augen der Frau. Roch einen letzten Blick warf sie auf den Herrn, ter mittlerweile mit ter Dame an einem Tische Platz genommen hatte, noch immer sichtlich verwirrt, und auf den seine Begleiterin eifrig einsprach. Dann wandte sie sich um und wankte aus dem Lokal. Drauhen holte Derth sie ein. „Mädel, was war denn nur?" fragte sie. „Kanntest du den Herrn?" Sie umschlang die Zitternde und schaute ihr prüfend in die Augen. Käthe aber nickte nur. Reden konnte sie nicht, sie hätte laut aufheulen müssen. Kopfschüttelnd lieh Berty sie gehen, nachdem sie ihr noch zu- gerufen hatte: „3 komme heute zu dir! Sorg' dich nicht! Ich verschaffe dir einen anderen Platz!" Da gewann Käthe ihre Kraft zurück. Hnb wie gejagt lief sie die vielen Treppen hinauf in ihr Stübchen, riß sich dort die Schürze und das Häubchen ab, streifte die Weiße Bluse von dem Leibe und zog das einzige Kleid an, das sie besah. Dann schaute sie sich um, nahm ihr Handtäschchen und stürmte hinaus. Die Bluse mochte Berty behalten und ebenso das andere. Rie wieder Kellnerin! Rie wieder! schwor sich Käche. Aber als sie auf der Straße stand, kam ihr die Erkenntnis, daß sie nun wieder ohne Arbeit und Verdienst war, daß sie wieder würde her- umlaufen müssen und wieder abgewiesen werden würde. Tränen standen in ihren Augen. Sie sah nicht, wie die Menschen sie neugierig ansahen, öfter auch mitleidig. Sie ließ sich von ihnen treiben, und erst als sie auf einen freien Platz an eine Säulenuhr kam und erkannte, daß es nahe an 1 Hhr war, erwachte sie. Zur Polizei! Sie sollte ja um 1 Hhr dort sein! Rasch bestieg sie eine Elektrische und kam gerade noch an, als es eben j Hhr schlug. Die sand den Mut, die Wachtstube zu betreten. Hnb da der Beamte von damals wieder anwesend war und sie freundlich grüßte, fürchtete sie sich nicht mehr, sondern trat zu ihm und sagte, bah sie hierher bestellt sei. „Jawohl, Fräulein, jawohl," erwiderte er freundlich. „Wir haben Sie bestellt, denn — nun erschrecken Sie mal nicht! — wir haben die Frau!" Käthe hörte die Worte, aber sie kamen ihr nicht zu Bewußtsein. Sie schaute den Beamten an, als hätte sie ihn noch nie gesehen. „3a, da gucken Sie!" sagte er trotzdem gemütlich- „Es heißt immer, wir könnten nichts! Prost Mahlzeit! Hnd Glück haben Sie auch gehabt, denn das ganze Geld ist noch da. — Ra, was sagen Sie nun?" Käthe sagte nichts. Sie sank auf einen Stuhl, bet neben ihr stand und faltete die Hände. Das Geld war wieder da! „Gott sei Dank!" murmelte sie. „Richt wahr?" fragte der Wachtmeister ..Es gefällt mir ganz gut, daß Sie das gesagt haben. Wenn die Leute es doch öfter täten! Aber nun wollen wir mal die Frau kommen lassen. Auch den Koffer! Den hat sie ja ausgeschnitten, aber das ist vielleicht nicht so schlimm. Sie haben doch den Schlüssel noch und ihn wohl bei sich?" Käthe nickte und suchte in ihrer Tassche, während der Beamte einem Kollegen einen Befehl gab. Aach kurzer Zeit kam er wieder und führte eine Frau mit sich. Gr selbst trug einen Koffer, ter mit Bindfaden umschnürt war. Käthe schrie auf, als sie die Diebin sah. Ja, das war sie! Rur war bas faltige Gesicht jetzt nicht mehr so scheinheilig bietet. Angst, aber auch heimliche Wut prägten sich darauf aus. „Sie erkennen also die Frau wieder, Fräulein!" sagte ter Wachtmeister. „Hnb bas ist Ihr Koffer? Können Sie uns sagen, was drin gewesen ist?" Käthe zählte einiges auf. Hnb da der Polizist inzwischen den Bindfaden gelost hatte, so konnte ohne weiteres festgestellt werden, daß die Angaben stimmten. „Hnb das Geld, Fräulein?" „ES waren lauter Hundertmarkscheine und vier zu zwanzig Mark, weil ich einen hatte wechseln lallen. Sie lagen in einem Hmschlag, auf dem vier große Siegel waren." sagte Käthe. „Stimmt!" bestätigte ter Wachtmeister. „Hnb was stand auf den Siegeln?" Käthe wußte es zwar nicht, aber sie nahm an, daß es das Siegel des Bürgermeisters gewesen sein müßte: und auch das traf au. „Ra also!" meinte nunmehr ter Wachtmeister. „Das Gelb ist noch alles da. Die Müllern hat sich offenbar gefürchtet, etwas wechseln zu taffen, weil das verdächtig gewesen wäre, und was die Sachen angeht, da müssen Sie eben sehen, was fehlt - - Ach, war Käthe froh, ails sie ihr Eigentum wieder hatte! Mit zitternden Händen packte sie in den Koffer, was herausgenommen Worten war: und freundlich schmunzelnd sahen die Beamten ihr zu. Auch das Geld zählte sie, imb plötzlich dachte sie daran, dah sie sich doch erkenntlich zeigen muhte. Sie zögerte, dann legte sie einen Zwanzigmarkschein auf das Pult. Der Wachtmeister sah sie groß an. „Was soll denn das?" fragte er. „Für Ihre Mühe!" stammelte Käthe verwirrt. „Ree, Fräulein, Sie meinen es gut, und Dankbarkeit ist eine Tugend, aber wir Polizisten werden vorn Staat bezahlt. Wir nehmen keine Geschenke. Stecken Sie den Schein nur zu den übrigen, und künftig lassen Sie sich nicht wieder durch solches Gesindel täuschen, nicht wahr?" Käthe versprach es. Sie mußte bann ein Protokoll unterschreiben und eine Quittung über den Empfang ihres Eigentums, bedankte sich nochmals imb ging. Aber als sie auf die Straße kam, merkte sie sofort, daß die Leute auf den umschnürten Koffer und auf sie blickten. Da sie wußte, dah ein Warenhaus in ter Rähe war, ging sie hin und erstand einen neuen Koffer, und außerdem noch ein Kostüm und Schuhe. Froh fuhr sie nach Hause, von Frau Krause empfangen, die, als sie den Koffer sah, in die Hände llatschte und rief: „Sie haben ihn wieder. Fräulein? Ra, das nenne ich aber Glück! Hnb das Geld?" „Es war noch drin!" antwortete Käthe, und mußte alles erzählen. Frau Krause wollte zur Feier dieses Festes gleich einen Kaffee kochen. Käthe gab ihr ein Dreimarkstück, bah auch Kuchen besorgt wurde. Bald sah sie mit ihrer Wirtin in der Küche und trank und ah, und erzählte und lieh sich erzählen. Sie mußte die neuen Schuhe und das Kostüm anziehen, und Frau Krause bewunderte sie nach Gebühr. „Jetzt sehen Sie aus wie eine Dame!" sagt« sie immer wieder. „Was wollen Sie nun anfangen? Ich würde mir ein Schokoladengeschäft laufen. Da wird viel Geld verdient .. Käthe versprach, darüber nachzudenken. Erst wollte sie mal an die frische Luft, die sie solange entbehrt hatte. In ihrer Freude nahm sie ein Auto und lieh sich von dem Chauffeur nach einem Gartenrestaurant vor der Stadt fahren. (Fortsetzung folgt.) r nicht, abu sie * an. i MgermeifterS gewesen 2n$r £ DochtMist«. les ha- Die Müllem hat Mas weMa -u Wen, W wäre- -sm Sie eben seh«, was b 1930 KÄS ^hbanes ist "chm^MLSiw LZch .i-.-Sas M dir QhÄIJjWlht «ass L?W MD ourde, emd2'?^er. PM?Z Eft mit d-r ®S! En.^t die Haus. ■*■** Lvhre bet ner Skche durch yt SlMCKflt wurde, zur Mj4e,«e W* S J® diese Straße durch W3 ganz besonders ge. T»», m «ich„, Anschluß Graben« und grundsätzlich beschlossen, chter Bürgersteig ange« Htäge zur Kanalisierung ang sollen baldigst dem werden, damit durch diese vsen BeschäftiMg finden, der bemängelte ganz be« standsehung der Straßen Die Erbauung der D a s « Mesen Abel wurde be« mamt schlägt zugleich vor, :r neuen Straße duvchzu« nschläge torgelegt werden, aul Drescher um Kon« r entsprochen. Ferner Io# Obft- unb Garten« ’n 3ufan|a Dampfschiff..... Norddeutscher Lloyd . - ■ • Ällg. Deutsche Creditanst- . • Barmer Bankverein - - - Berliner Handclsgeselljch. - - Commerz- und Privat-Bant. Darmst. u. Nationalbant . - * Betriebseinschränkungen bei der Rheinisch-Westfälischen Sprengstoff A.-G. Die anhaltend schlechte Wirtschaftslage in der Kraftwagen- und Fahrradiiidustrie und der als Folge davon eingetretenc Auftragsmangel haben die Rheinisch-Westfälische Sprengstoff A.- G. zu Detriebseinschränkungen veranlaßt. Die Abteilungen Metallwarenfabrik und Röhrenwalzwerk, die zusammen eine Belegschaft von 400 Mann beschäftigen, haben bereits etwa 120 Leute entlassen müssen. Da die Bestellungen weiter aus bleiben, hat das Werk bei der' Regierung die Stillegung beider Abteilungen zum 27. Oktober beantragt. Die Regierung hat den Antrag genehmigt. Die Stillegung soll nicht verwirklicht werden, wenn bis zum 27. Oktober wieder größere Aufträge eingehen. Die Aussichten hierfür sind jedoch sehr gering. * Stillegung im Konzern Wolf- Retter & Iacobi. Wie WTD.-Handels- dienst erfährt, ist das Walzwerk Abtl. Maumke zwischen Finrentrop und Grevenbrück stillgelegt worden, und zwar wegen anhaltenden Auftragsmangels. Die Belegschaft beträgt etwa 250 Mann. Ob die Arbeit in nächster Zeit wieder ausgenommen wird, ist zum mindesten sehr zweifelhaft. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. Oft. Tendenz: erholt. — Die bereits gestern abend in Erscheinung getretene Besserung derBörsenstimmung machte zu Beginn des heutigen Verkehrs allgemein weitere Fortschritte. Es trat eine weitgehende Beruhigung ein, und den vorliegenden günstigen Momenten wandte sich große Aufmerksamkeit zu. Vor allem wirkte der feste Schluß der gestrigen Reuyorker Börse anregend. Ferner machte sich die Erklärung Mitchells von der Rational-City-Dank über die Wirtschaftslage Deutschlands und die Beziehungen seines In- I stituts zu den deutschen Danken anregend geltend. Weiter verwies man auf die fortschreitende Erleichterung des Tagesgeldmarktes und den gestrigen Reichsbankausweis. Das Geschäft war im I allgemeinen ziemlich still und beschränkte sich in der Hauptsache auf Deckungskäufe der Baissespekulation, die in den letzten Tagen beträchtliche Leerverkäufe vorgenommen hat. Ebenfalls haben die großen Verkäufe aus dem Auslande und aus Publikumskreisen stark nachgelassen, und die Tätigkeit des Interventionskonsorllums konnte eingeschränkt werden. Etwas lebhafter waren die Rückkäufe in Kunstseideaktien, auf bisher unbestätigte Gerüchte von einer Reubildung der Konvention. Glanzstoff und D e m b e r g konnten gegen die bereits erhöhten Abendkurse erneut je 4,5 Prozent anziehen. I.-G.-Farben eröffneten 1,13 Prozent, Schiffahrtswerte 2 Prozent höher. Am Elektromarkt betrugen die Kursrückgänge durchschnitt- ! lich 1 bis 2 Prozent. Elektrische Lieferungen mit plus 4,5 Prozent stärker hervortretend, aber Chade-Aktien nur gut behauptet. Fester eröffneten noch Deutsche Linoleum plus 2 Prozent, Westeregeln plus 3,60 Prozent, Mchaffenburger Zellstoff plus 3 Prozent. Aber Waldhof 0,5 Prozent gedrückt. Montanwerte gewannen bis 1,5 Prozent. Banken gut behauptet. Autoaktien lagen uneinheitlich. Kleher 1,5 Prozent schwächer. Daimler gut behauptet. Deutsche Anleihen zogen etwas an. Von Auslandrenten Türten gut behauptet. Im Verlaufe wurde das Geschäft allgemein sehr still, und die Kurse bröckelten auf Realisationen verschiedentlich leicht ab. Farben gaben etwa I Prozent nach. Am Devisenmarkt zog der Dollar Nach seiner gestrigen Abschwächung wieder an. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6,5 Prozent weiter angeboten. Man nannte am Devisenmarkt Mark gegen Dollar 4.1934, gegen Pfund 20.403, ßonöon gegen Kabel 4.8620, gegen Paris 123 88, gegen Mailand 92.79, gegen Madrid 32.76, gegen Holland 12.1013. Berliner Börse. Berlin, 10. Oft. Nach einer weiter befestigten und freundlicheren Frankfurter Abendbörse blieb die Stimmung auch heute vormittag beruhigt, und man nannte meist festere Kurse. Der offizielle Börsenbeginn zeigte dann ebenfalls eine freundliche Haltung. Anregende Momente lagen nicht vor; eine gewisse Aüregung brachten der feste Schluß Datum 5% Dt. ReichS-mleihe v. IS27 . DI. Anl.-Ablös.-Schuld mit «uS los.-Rechieii. . - - TeSal. ohne LIuSlof.-Rechte . . ?% Franlf. Hyp -Bt- Goldps. un landbar bü 1932. . . - . ■ % Ungarische Kroaenrle.. - ■ i% Türl. Zolicmlethe v. 1911 - i% Türtiiche Bagdadbahn Dnl. Serie .......... 1% desgl. Serie 11...... >% Rumänen convert. Rie. . - - iy,°/0 RumänenGoldanl. von 1913 zranliurt a M. Berlin Schtub- Kure l-Udr Kur: Schluß- Kurs Anfang- Kurs Datum 9.10. 10.10. 9.10. 10.10. Bhtlipv Holzmann......< Heidelberger Zement .... io Gement Karlstadt.....1" Wayh & Freitag ... 8 Echulthet» Patzenhoser . . . lö Ostwerke.........1$ Bet. Glanzstost......38 Bemberg......... " tzellstofi Waldhos .... 13% Zeltstosi Aschassenbura ... .2 Charlottenburger Wasser ... 8 Dessauer (Hai........9 Daimler Motoren......1 Deutsche Malchtnen-Fabril . • ' '.'ldlerwerle «lebet......0 90 122,5 172 0,75 278.5 218 216,5 140 39 89,5 123,5 90,25 283 222,5 216 143 37,25 88,5 90 279 218,5 271 212,5 216 139,5 94,5 172,5 37 46,5 38 89,5 281 219,5 281 220,5 217 142 96 173.75 37,5 47,5 38 ,iranlfuri a M, Berlin Schlu b- Kurs i-Uhr Kur- Schluß Kur« 1 Anfang- Rute 9.1 - 10 10. 9.h. 10.10. 87,5 — 8 ,5 — _ 53,2 53 2 53,2 — 9,4 9,2 9,3 85,5 — r - 76,15 — 88,5 — - - zrankfurt a M. | Berlin Schlub- Kurö l-Uhr 1 K»r? | Schlub'l Anfang- Kurs | Kur« Datum 910. 10.10. 9.10. 10-10. .................s> Bergmann.......... (Sieht. Lieferungen..... Licht und Kraft......1® tollen 4 Guilleaume.... «y, Ges. s. Elektr. Untern..... 1° Hamb. Elellr. iLerte .... 1' 8>hein. Elektr.........9 Schief. Elektr........ ..................i* Siemen« L HalLke . - - LalMener 4<5o.......10 180,5 207,5 179,4 122 175 I42J5 199 246 170,5 ---- I | uie Illi cn — Z en cn 179,5 205,5 159,5 179,75 120,5 175,5 129,75 142 170,5 197 243,5 132,5 168,5 181,5 206,5 162,5 181 122,25 177,5 142 171,75 200 347 134,75 169,5 9. Oktober 10. Oktober Amtliche Notierung Geld I Briei Amtliche Notierung Geld 1 Brief — _ BuoeruS ...•••• . . y 66 — — 22,5 22,4 Deutsche Erdöl..... . . 6 105,25 — — 19,9 — Estener Steinkohle .... — — — (ttelsenlirchener..... . . 8 134,5 134,25 2,05 2,00 — Zarpener........ . . 0 137,5 — 7,3 7,4 7,4 Hoesch Eisen. ...... . 6'/t — Ilse Bergbau...... . 10 212 — — 7,4 7,35 7,3 .rilöcknermerke...... • . 109 — — 7,3 Sidin-gicueilen...... . . 7 —- — — 7,3 — Mannedmann...... . . 7 103,65 105,5 — 14,5 — ManSfelder ...... 129,5 — Lberschles. Eilend. Bedarf . 72 — Lberschles. UolSwerle. — — — __ Phönix Bergbau..... 102 102,75 117 i 1 115 Rheinische Braunkohlen. . • Wj 256 — gthetnstabl • • « , . 6 109 109,25 — 153,75 154 Riebeck Montan..... . 7/- — — 110 108,5 109 vereinigte Stahl» . . . Olavi Minen...... '16'/. H.',25 110 124,25 124 — — 122,5 122,75 122,5 Kall Aschersleben .... . l 218 218 197,2 198,5 197,75 Hali Westeregeln..... . K 222 225,6 173,25 172,76 173,25 Nalltverl Salzdetfurth . - » 15 363 — "61,5 162 261 162,25 n. ®. Farden-Industrte . . Dynamit Nobel..... . li . . 6 195,9 197 156?5 55,5 162,25 156,5 Scheideanstalt...... Goldschmidt ...... . . 0 . . b 144,5 66,75 _ 283,25 283,25 284,75 RütgerSwerle...... Melallgeielllchast..... . . 6 . 8 73 121,5 — 168,38 168,72 168,43 168,77 1,. 57 1,761 1,753 1,762 58,41 58,53 58,43 58,55 111,90 112,12 111,87 112,09 111,91 112,13 111,91 112,13 117,37 112,59 112,33 112,55 10,532 10,552 10,527 10,547 21,935 20,375 21,9/5 21,929 21,965 20,415 20,376 20,416 4,1905 4,1985 4,1885 4,1965 16,445 16,485 16,43 16,47 80,93 62,19 81,09 80,935 81,095 62,31 62,19 62,31 2,002 2,006 2,002 2,006 ',4975 0,4995 0,498 0,500 -3,91 - 59,035 58,88 59,00 12,40 12,42 12,395 12,415 7,387 7,401 7,387 7,401 73,11 73,25 73,08 73,22 3,038 3,035 3,045 3,032 18,82 18,86 18,82 18,86 81,43 81,59 81,41 81,57 2,002 2,024 2,010 2,014 5,445 5,455 5,435 5,445 4,150 4,158 4,148 4,156 4,096 4,104 4,096 4,104 20,895 20,935 20,89 20,91 Berlin, 9- Oktober Geld Brief Amerikaiuichc Noten..... 4.175 4,195 iHptgifrf).’ 'Unten . ...... 58,23 58,47 111,68 112,12 Englische Noten ....... 20,35 20,43 andarbeitsAusstellung im Saale des Hotels Prinz Carl, Gießen, Seltersweg 40 Veranstalter: Haus der Handarbeit (Salomon) 831XJA Eintritt frei Kein Verkauf Große sehenswerte am Freitag, 11. Oktober Samstag, 12. Oktober jeweils Ausgestellt sind: Leinen- und Wollarbeiten Häkeleien / Klöppeleien / Kreuzstich-, Kelim-, Irak- und Grobfilet- Arbeiten / Lochstich-und Wickel- ä-jour-Decken Erklärung aller neuen Handarbeits-Techniken I vormittags 11-1 Uhr , Sonntag, 13. Oktober nachmittags 3-7 Uhr Besichtigung zwanglos Seltersweg 46, Tel. 2627 2290V Pflsseebrennerel Lederfärberei , Beachten Sie dicke meine Spezialausstellung in soliden, formschönen öi38d Weckern Ludwigstrafoe Nr. 36. Verkauf gegenüber Ludwigstrabe Nr. 27. Karl Beck, Uhrmachermeister vormals Gg. Spies. Uhren / Sdunudiwaren / Trauringe in Sroher Auswahl. Großer Total-Ausverkauf Wegen Aufgabe meines Geschäftes Beginn: 10. Oktober Schuhhaus Herbert Gießen, Marktplatz 2, neben der Engeiapotheke 838 ZA unterstelle ich mein gesamtes reich sortiertes Lager in Qualitäts-Schuhwaren seti iR 11 i v üiMii einem großen Ausverkauf Bedeutend herabgesetzte Preisei Günstige Gelegenheit zum Einkauf von Weihnachtsgeschenken Bekanntmachung. In unser Handelsregister, Abteilung A, wurde eingetragen: 83660 Am 17. September 1929: a) bei der Firma Haus der Handarbeit und Ausstattung Arthur Dreyfuß in Gießen: Kaufmann Ludwig Dreyfuß in Gießen ist mit Wirkung vom 1. Januar 1929 als weiterer persönlich haftender Gesellschafter eingetreten. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. Januar 1929 begonnen, bi Bei der Firma Earl Jloroacf in Gießen: Kaufmann Ludwig Dreyfuß zu Gießen ist mit Wirkung vom 1. Januar 1929 als weiterer persönlich haftender Gesellschafter eingetreten. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. Januar 1929 begonnen. Am 21. September 1929 bei der Firma Berlin & Co., Grohen-Buseck: Die Firma jft erloschen. Am 20. September 1929 bei der Firma Wilhelm IDeber in Großen-Linden: Die Firma ist erloschen. Am 27. September 1929 bei der Firma paul Bouchholh in Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 30. September 1929 bei der Firma Weiß & Co. in Großen-Linden: Die Firma ist erloschen. Arn 7. Oktober 1929: a) bei der Firma Fran; p. Sack in Gießen: Die Firma ist erloschen, b) Bei der Firma 3. Schmücker Nacyf. in ießen: Die Prokura der Anna Krauskopf in Gießen ist erloschen. Gießen, den 8. Oktober 1929. ___________Hessisches Amtsgericht.___________ Vergebung von Sauarbeiten. Auf Grund der Reichsverdingungsordnung sollen nachstehende Arbeiten für den Neubau eines Jsolierhauses für die Medizinische Klinik zu Gießen im öffentlichen Wettbewerb ve-geben werden. 8373V Terrazzoarbeilen: Los 1. Zirka 516 qm Terrazzofußböden, „ 470 lfd. m Terrazzo ockel. Los 2. Zirka 341 qm Terrazzofußböden, „ 361 lfd. m Terrazzo ockel. Die Verdingungsunterlagen^ sowie Be- dingungen liegen auf unserem Zweigbureau in der Hautklinik, Sockelgeschoß, Zimmer 36, in der Zeit von 4 bis 6 Uhr nachmittags, zur Einsicht offen. Angebotsvordrucke werden, solange der Vorrat reicht, i .t abgegeben. Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postfrei bis zum Eröffnungstermin Freitag, 18. Oktober 1929, vormittags 11 Uhr, bei vorbeschriebener Zweigstelle einzureichen. Zu- schlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 10. Oktober 1929. Hessisches Hochbauamt Gießen. ______I. V.: Kuhlmann._______ Bekanntmachung. Oie Besitzer von Obstbäumen in der Gemarkung Gießen werden hiermit aufgefordert, zur Bekämpfung der Obstbaumschädlinge sämtliche Obstbäume bis Mitte November d. I. gehörig abkratzen und mit Kalkmilch (gelöschtem Kalk, der mit viel Wasser verrührt ist) bestreichen zu lassen. Giek-en, den 9. Oktober 1929. (8386C Der Oberbürgermeister. I. 93.: Dr. Hamm. O022A Besonders preiswert kaufen Sie SchBupler Mako. . . RM.0.95 mit Futter RM. 1.50 bei M. G. Gröde Frankfurter Straße 19 8368a la Portland Zement bester Qualität, unter Syndikatspreis 0. »amen, dienen 978d Fernsprecher 3659. Damenhüte in flotten, modernen Formen und allen Größen zu vorteilhaften Preisen, weil kein Laden E3> ■ ■ m Seltersweg 501 O IC& U 81 (Eingang Wolkengasse) Die Wirkung von -vvy. , /7ez- ObermeyersMedizinal* tflßTD Q worauf meine Haut sehr wohltuend sie J hat mir die lästigen beseitigt. Ebenso schreibt Freu Bleicher. Burglengenfeld: Ich litt «eit ‘HF einem Jahr an Pickeln und Mit- esiem. Alle Mittel waren erfolg- 'Ml l'T-.ti los. Da machte ich Schaumaufachlige mit Obermeyer** Medizinal H e r b a - S ei f e. In Kürze waren dieselben verschwunden. St. RM —.65. 30% verstärkt. Prlp. RM 1.—. Zur Nachbehandlung Ist Herba-Creme besonders zu empfehlen. Zu haben in allen Apotheken. Drogerien und Parfümerien.________________________ Bekanntmachung. Betrifft: Personenstands- und Betriebs- aufnahme am 10. Oktober 1929. Durch Beamte des Polizeiamts Gießen werden an alle Wohnungs- und Betriebsinhaber Listen ausgegeben, die von jedem Inhaber einer selbständigen Wohnung oder eines Betriebes nach dem Stande vom 10. Oktober 1929 auszufüllen und alsbald an den Hausbesitzer oder dessen Vertreter zu übergeben sind. Die Nichterfüllung dieser Verpflichtung kann mit Geldstrafe belegt werden. Die näheren Bestimmungen bezüglich der Eintragungen sind aus den Vordrucken ersichtlich. Es wird ferner noch darauf hingewiesen, daß die Personenstandsaufnahme u. a. die Unterlage für die Steuerkartenausstellung bildet. Auf genaue Bezeichnung des Berufs, des Familien- standes und ob berufstätig oder nicht, kommt es deshalb besonders an. Gießen, den 8. Oktober 1929. 8305C Der Oberbürgermeister. 1.93.: Dr. Hamm. Oüngemittellieferung. Die Lieferung des zum Düngen der städtischen Wiesen benötigten künstlichen Düngers, und zwar: 8386C 600 Zentner 16proz. Thomasmehl 200 Zentner 40proz. Kali 200 Zentner Aetzkalk 50 Zentner Kalkstickstoff ist zu vergeben. Die Lieferung hat bis zum 15. November 1929 zu erfolgen. Mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum 20. Oktober 1929 einzusenden. Es wird noch darauf hingewiesen, daß sämtliche Angebote in kg/°/0 einzureichen sind. Gießen, den 9. Oktober 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. Bekanntmachung. Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat August 1929 können noch bis zum 18. d. 2H‘ ohne Kosten bezahlt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Stromabnehmers. 8391D Eine schriftliche Mahnung ergeht nicht mehr. Gießen, den 10. Oktober 1929. Direktion der Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage und Straßenbahn irr Stadt Gießen. J.V.: Kuntz emüller.