Nr. 212 Erster Blatt 179. Jahrgang Dienstag, 10. September 1929 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. (Er|d)eint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Vezugrpreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfcnnig für Träger- lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unterSammclnuNimer225I. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen, poftschectfonto: Frankfurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 °/n mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Briands wirtschaftliches Paneuropa. Eine Aussprache der Außenminister in Genf. Genf, 9. Sept. (WTB.) Auf Einladung des französischen Ministerpräsidenten Briand sand heute mittag im Hotel des Bergues ein Frühstück statt, an dem die er st en Delegierten der europäischen Staaten teilnahmen. An dieses Frühstück schloß sich eine Erörterung der wirtschaftlichen Vereinigten Staaten von Europa an. Es sprachen zu diesem Thema der französische Ministerpräsident Briand, der deutsche Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der englische Außenminister Henderson, der Schweizer Delegierte Motta, der belgische Außenminister Hymans und der österreichische Bundeskanzler Streeruwih. Das von Briand gestellte Thema wurde sehr ernst und lebhaft diskutiert. Als Ergebnis der Aussprache wurde Briand gebeten, seine Ideen und das Ergebnis dieser Diskussion in einem Memorandum zufammenzufassen und den beteiligten Außenministern zuzustellen. Die Außenminister werden an Hand dieses Memorandums mit ihren Regierungen Fühlung nehmen, und man wird an einem noch zu vereinbarenden Zeitpunkt die Diskussion über dieses Thema f o r t s e h e n. Wie die Pariser Havasagentur ergänzend mitteilt, habe Briand sich formell dahin ausgesprochen, daß eine derartige Gruppierung keinerlei Offensivcharakter gegen die nicht daran beteiligten Staaten oder gegen Staaten anderer Erdteile haben dürfte. Die Aachkriegszeit habe die gegenseitige Abhängigkeit der europäischen Staaten besonders auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet gezeigt. Es erweise sich immer mehr als dringend notwendig, Produktion und Warenaustausch zu rationalisieren, besonders angesichts der stets schärfer werdenden Weltkonturrenz, die unwiderstehlich werden könne, wenn dem Zustand der Anarchie des europäischen Marktes nicht ein Ende bereitet werde. Gegen den Gedanken Bricrnds, so heißt es in der Havas-Auslassung weiter, sei keinerlei grundsätzliche Opposition laut geworden- allerdings habe man Vorbehalte gemacht, wie dies angesichts eines so umfassenden Planes ganz natürlich sei, aber es habe sich weder eine systematische Ablehnung noch eine Kritik a priori ergeben. Stresemann, der als erster seine Ansicht äußerte, habe das unbestreitbare Interesse vom wirtschaftlichen Standpunkt aus anerkannt und sich trotz Hervorhebens der politischen Schwierigkeiten dem Plan entschieden günstig gezeigt. Berliner Echo der Gtresemann-Rede. Kritik der Zcntrnmsprcffe. Berlin, 10. Sept. Das demokratische „Der- linerTageblatt" nenn: die Rede Dr.Strese- manns in der Völkerb'-ndsr e'sr nmlung ein klar es, positives Programm, ein entschlossenes Bekenntnis z.-.m ovr.i^rittsglauben, ohne den kein Fortschritt erzielt werden könne. -Es war eine Rede, die grundsätzlich und sachlich die Völkerbundsarbeit auf den richtigen Weg brachte". — Die „Germania", das Organ des Berliner Zentrums, erklärt: Die Ausführungen Dr. Strescmanns liegen in der Abrüstungsfrage erheblich hinter den viel stärkeren Formulierungen Macdonalds zurück. Wir hätten eine deutlichere deutsche Kritik an den V e r s ch l e i e r u n g s v e r s u ch e n und Sicherheitsphrasen Driands, die bekanntlich den Beifall der französischen Rechten gefunden haben, aufrichtig gewünscht. Auch in der Minderheitenfrage hat der deutsche Außenminister sich offensichtlich durch den Wunsch, keine Störung der Atmosphäre zu verursachen, stark zurückhalten lassen. Zum Schluß begrüßt es das Blatt, daß Dr. Stresemann ausdrücklich betont hat, daß eine Abwehraktion wie ein Zollkordon um ganz Europa, der seine Spitze allzudeutlich gegen Amerika bzw. gegen England richte, nicht geplant werden dürfe. Die der Dolkspartei nahestehende „Deutsche A l l g e m e i n e Ze i t u n g" erblickt in der Rede mehrfach politische Feststellungen, die der allgemeinen Ansicht in Deutschland ohne Llnter- schied der Partei entsprächen. Die Rede sei klug insofern, als sie das Haager Ergebnis mit bedeutend gröberer Reserve würdige. Zunächst erkennt das Blatt an, daß der deutsche Außenminister die Rotwendigkeit der Rückgabe des Saargebiets betont und hinzugefügt hat, daß das der einmütige Wunsch der Bevölkerung sei. Weiterhin verzeichnet die „D. A. Z." die Ausführungen Dr. Stresemanns über dasMin- derheiten pröble in mit Genugtuung, dessen Behandlung Deutschland natürlich nicht im Hinblick auf bestimmte Einzelfragen betreibt. Größere Skepsis lösen hingegen bei dem Blatt Dr. Stresemanns Ausführungen über das wirtschaftliche Pa neuropa aus. Ein europäischer Staatenbund, so betont das Blatt, der seine Signatur durch die Oberherrschaft einer einzelnen Macht erhielte, kann für Deutschland nicht in Frage kommen. Erst muß die Gleichberechtigung zwischen den europäisch en Staaten wiederhergestellt und eine friedliche Revision der einstigen Diktate durchgeführt fein, ehe, eben in voller Gleichberechtigung die Frage eines europäischen Bundes erörtert werden kann. In der agrarischen „Deutschen Tageszeitung" heißt es: Mit vielen Teilen der Ausführungen des deutschen Außenministers, die durch gute Formulierungen, Entschiedenheit und Offenheit nach der angenehmen Seite hin enttäuschten, kann sich auch der Kritiker der Stresemann- schen Gesamtpolitik einverstanden erklären. Auch dieses Blatt drückt seine Freude darüber aus, daß Dr. Stresemann das Ergebnis der Haager Konferenz nüchterner beurteilte, als es in Deutschland in Regierungskreisen Mode geworden sei. Die Entschiedenheit, mit der er auch die Befreiung des Saargebiets von fremder Besatzung forderte, war gerade dem Völkerbund gegenüber, der bekanntlich hier Treuhänder ist, angebracht und nützlich. Bezeichnenderweise aber blieb an dieser Stelle jeder Beifall aus. Es war richtig, daß der deutsche Außenminister keinen Zweifel daran ließ, daß er die von Briand wieder vom Völkerbund verlangte Sanktionspolitik nicht billige, vielmehr im Einverständnis mit den Engländern d i e allgemeine Abrüstung für das wichtig st e Sicher- heitsetement halte. Auch die Ausführung Dr. Stresemanns über den Ausbau des Artikels 19, besonders seine Bemerkung, es gelte die Ursachen des Krieges zu beseitigen,nicht aber den Krieg gegen den Krieg zu organisieren, wird von dem Blatt eine durchaus richtige Erkenntnis genannt, der leider die bisherige Praxis der deutschen Politik i n feiner Weise entsprochen habe. Bezüglich Paneuropas erklärt das Blatt, daß nach seiner Ansicht es unbedingt notwendig gewesen wäre, zunächst einmal das Politische in den Vordergrund zu schieben und völlig klarzustellen, daß jede europäische Zusammenarbeit die unbedingte Gleichberechtigung der europäischen Völker auf allen Gebieten zur Voraussetzung habe. DieWchlenzumVölkerbundsrat. Polen, Liidslawien und Peru. Genf, 9. Sept. (SU.) Die Vollversammlung hat am Montag die Wahlen für die alljährlich ausscheidenden Ratsmitglieder (Polen, Chile und Rumänien) vorgenommen. In der geheimen namentlichen Abstimmung wurden 53 Stimmen abgegeben. • Gewählt wurde Polen mit 50 Stimmen, Südslawien mit 42 Stimmen und Peru mit 36 Stimmen. Ferner erhielten: Rorwegen 22 Stimmen, Uruguay 5 Stimmen, Dänemark, Litauen und Schweden je eine Stimme. Die Wiederwahl Polens, das bereits 1926 in den Rat gewählt worden war, erfolgt auf Grund des Polen erteilten Charakters der Wiederwählbarkeit. Der Rat, der aus 14 Mitgliedern besteht, seht sich jetzt folgendermaßen zusammen: Fünf ständige Ratsmitglieder: Deutschland, England, Frankreich, Italien, Japan. Zwei nichtständige, aber wieder- wählbare Ratsmitglieder: Polen und Spanien. Sieben nichtständige Ratsmitglieder: Persien. Finnland. Kanada, Südslawien und die drei lateinamerikanischen Staaten Peru, Kuba und Venezuela. Sic Tariserböhoss der Reichsbahn abgelehnt. Ein lobenswerter Entschluß, aber eine schlechte Begründung. - Reichsbahn- gericht oder Verkehrssteuerkompromiß. Berlin, 9. Sept. (WB.) Der Reich 5 ver - -fr 1frrTtfrt GtltVäcf'ltw -Dfra'ifdfr.? Reichsbahngesellschaft auf Erhöhung der Eisenbahntarife mit Rücksicht auf die inzwischen ein^.tretene und noch anhaltende günstige Verkehrs- und Einnahmeentwicklung abgelehnt. Mit dieser Ablehnung der Erhöhung der Frachttarife um 2i v. 5). durch die Reichsregierung ist das letzte Wort im Kampf um die Gestaltung der Reichsbahntarife noch nicht gefallen. Zunächst wird sich der Verwaltungsrat der Reichsbahn, der nach den alten Dispositionen in 14 Tagen Zusammentritt, aber auf Grund der veränderten Lage vielleicht schon früher einberufen wird, mit der Entscheidung der Reichsregierung befassen. Von ihm wird es auch abhängen, welche Aktionen unternommen werden. Aus gut unterrichteten, der Reichsbahn nahestehenden Kreisen gewinnt man aber schon jetzt den Eindruck, daß die Begründung der ablehnenden Antwort als ungenügend betrachtet wird. Von feiten der Reichsbahn verweist man darauf, daß die zur Begründung herbeigezogene Tatsache einer günstigeren Verkehrsentwicklung in den letzten Monaten gegenüber dem Voranschlag noch keineswegs erlaubt, hierin die Möglichkeit zu sehen, das durch die Lohnerhöhung entstandene Defizit von annähernd 60 Millionen zu decken. Für die Zeit vom Januar bis Juli hat die letzte Verkehrssteigerung nur z u einem Ausgleich der vorangegangenen schlechten Wintermonate gedient, und es ist heute, so wird erklärt, noch keineswegs möglich, zu übersehen, ob die weiteren fünf Monate wirklich einen Ueberschuß in der notwendigen Höhe bringen. Die Reichsbahn verweist nach wie vor auf ihre alte These, daß das Defizit der Lohnerhöhungen nur durch wirkliche Mehreinnahmen aus neuen Einnahmequellen gedeckt werden dürfte. Dem Verwaltungsrat stehen zwei Wege offen, wenn er sich mit der Regierungsentscheidung nicht zufrieden geben will: Die Reichsbahn kann an das Reichs- b ah nae richt toie, in; vergangenen Jahr arwe- ' • it-refi7efifcia tnr -Ve/siiÄp glmach'tz im Zusammenhang mit dem ^oungplan zu einem Kompromiß über die Verkehrs st euer mit der Reichsregierung zu kommen. Der Reichsverkehrsminister hat g u t daran getan, die Tariferhöhung abzulehnen. Wäre es zu einer Hinaufsehung der Frachtsätze gekommen, dann hätten sich Erschütterungen unseres Wirtschaftslebens nicht vermeiden lassen. Dennoch läßt sich eine scharfe Kritik nicht umgehen, und zwar deswegen, weil der Verkehrsminister in- einem nur drei Zeilen langen Brief an die Reichsbahngesellschaft als Begründung seiner Ableh- nung angibt, daß inzwischen eine günstige Verkehrs- und Einnahmeentwick- lung eingetreten sei, die noch anhalte. Wir wissen nicht, wie weit das richtig ist, weil Herr Stegerwald darauf verzichtet hat, diese Feststellung entsprechend zu belegen. Aber eins steht doch fest: der Eisenbahnverkehr ist ein getreues Spiegelbildunsererwirtschaftlichen Lage. Hebt er sicy und fließen die Reichsbahneinnahmen stärker, dann muß es auch unserer Wirtschaft wieder besser gehen. Das große Heer der Erwerbslosen, das bereits wieder anfängt, sich langsam der Millionengrenze zu nähern, liefert keinerlei Beweise für diese Vermutung. Das Ausland aber, und hier wieder Frankreich in erster Linie, werden den kurzen Brief des Reichsverkehrsministers benutzen, um unter Zuhilfenahme ihres Propagandaapparates jedem, der es hören will, auseinanderzuschen, wie gut es Deutschland geht, und daß eine der Hauptreparationsquellen nach der Feststellung des Verkehrsministers wieder stärker zu fließen beginne. Es liegt auf der Hand, daß die Franzosen bei den bevorstehenden Saarverhandlungen sich auf Stegerwalds Feststellungen stützen und von uns eine recht hohe Bezahlung aller eventuellen Zugeständnisse an der Saar fordern werden. Die Krisis der deutschen Landwirtschaft hat sich verschärft. Oie Spitzenorganisationen fordern vom Reichsernährungsminister sofortige Rotmaßnahmen. Berlin, 10. Sept. (Prio.-Tel.) Die Führer der landwirtschaftlichen Spitzenorganisationen, Hermes, Brandes, Schiele und Fehr, haben sich mit einem Schreiben vom 8. September e r - ncut an den Reichsernährungsminister gewandt und auf die Verschärfung der Krise in der deutschen Landwirtschaft hingewiesen. Sie richten an die Regierung die Forderung, eine Reihe von S o f o r t m a h n a h m e n durchzuführen, die geeignet seien, die dringend- st e n Mißstände auf den landwirtschaftlichen Produttenmärkten zu beheben und die ohne Mitwirkung des Reichstagsplenums durchführbar seien. Ls muß leider festgestellt werden, so heißt es in dem Schreiben weiter, daß eine Einwirkung des Gesetzes über die Vermahlung von 3 n - landwei; en vom 4. 3uli 1929 auf dem Weizen- marki bisher nicht zu verspüren ist. Wir halten es daher für dringend geboten, daß Sie, Herr Minister, von den im Gesetz vom 4. 3uli 1929 festgelegten Ermächtigungen sofort restlos Gebrauch machen. Die Entwicklung der deutschen Weizenpreise und die schwache Nachfrage nach inländischem Weizen im Monat August zwingt in der Tat zu der Annahme, daß die im Gesetz vorgeschriebene Quote von 40 v. h. inländischen Weizens bisher tatsächlich nicht vermahlt ist. Wir halten es ferner für notwendig, daß in Ausführung der Bestimmungen der Paragraphen 1 und 3 des Gesetzes eine Erhöhung der Vermahlungsquote vorgeschrieben wird. Die Anwendung des in Paragraph 2 des Gesetzes zugelassenen B c i - Mischungszwanges von inländischem Weizenmehl zu Mehl aus Auslandweizen halten wir aus dem gleichen Grunde für erforderlich. wir find der Ansicht, daß die dringend notwendige Entlastung des Roggenmarktes nur durch Herausnahme größerer Mengen Roggen aus dem Markt erreicht werden kann, wir schätzen diese Menge auf mindestens 500 000 Tonnen, die im Wege der Magazinierung, des Exportes und der versütterung zu verwenden wären. Aus dem engen betriebswirtschaftlichen Zusam- menhang zwischen Schweinemarkt, Roggen- und Fuitergetreidemärkten ergibt sich die Notwendigkeit, die Einfuhr ausländischen Futtergetreides zu drosseln. Da bei Mais handelsverlrag- liche Bindungen vorliegen, ist die notwendige Hilfe auf dem Gebiete der F u t t e r g e r st e um so dringender. Wir beantragen schnellste Aufhebung des Zwischenzolles für Futtergerste. Die erforderliche Entlastung des Rindviehmarktes ist nur durch Fernhallung der übermäßig großen Vieh- und Fleischeinfuhren zu erreichen. Wir richten an Sie, Herr Minister, im 3nteresse der an der Futtererzeugung besonders interessierten bäuerlichen Landwirtschaft die dringende Bitte, mit allem Nachdruck sich für die Kündigung des deutsch - finnischen Handelsvertrages innerhalb der Reichsregierung einzusehen. Das Ziel muß unter allen Umständen darin bestehen, mindestens noch im Laufe dieses 3ahres die erhöhten Butter - und Rahmzölte in Wirksamkeit zu sehen. Angesichts der äußerst bedrohlichen Verschärfung der Lage der Landwirtschaft halten wir die schleunige Einberufung des handelspolitischen Ausschusses des Reichstages, unabhängig vom Zusammentritt des Plenums, zur sofortigen Durchführung der aus zollpolitischem Gebiet liegenden vorstehend ausgezählten Sofort- mahnahmen für unerläßlich. WK^ 'bitten s d) h el l w i irtl nde Maßnahmen auf ff euer - und kreditpolitischem Gebiet zur. Behebung des Verkaufsdruckes und zur Erleichterung der Lrntefinanzierung in die Wege zu leiten. Endlich muß die Landwirtschaft nunmehr schleunigst von der Last der Tilgung der Rentenmarkscheine befreit werden. Oie Verwaltung der Reichspost. Vom Kreisverein des Deutschen Po st. oerbandes teilt man uns mit: „Die Du r ch - Prüfung der Deutschen Reichspost durch den Reichssparkommissar ist nahezu beendet. Vor kurzem hat der Reichssparkornmissar ein Gutachten über den Postbetriebsdienst vorgelegt, das eine wertvolle Anerkennung der Äerwattungsarbeit der Deutschen Reichspost darstellt. In diesem Gutachten heißt es: ,Die Durchprüfung des Postbetriebsdienstes hat ergeben, daß es sich dabei um einen Dienstzweig handelt, der seinen Aufgaben gerecht wird und den Anforderungen einer wirtschaftlichen Betriebsführung durchaus entspricht.' In dem weiteren Sondergutachten über das Kassen- und Rechnungswesen der Deutschen Reichspost, das einen schwierigen und vielfältigen Dienstzweig darstellt, faßt der Reichssparkornmissar sein Urteil dahin zusammen: ,Jn seiner Gesamtheit bietet das Kassen- und Rechnungswesen der Deutschen Reichspost ein in sich wohlgeordnetes und geschlossenes Bild, das in vieler Hinsicht für die von der Reichsregierung erlassene Reichskassenordnung richtunggebend gewesen ist'." parlamentarisches! aus Hessen. Die Fraktion der Deutschen Volkspartei beantragt, die Regierung zu ersuchen, durch das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft baldmöglichst die Miet- berechtigungskarten einzuführen. — Das bisherige Wohnungszuweisungsoerfahren hat sich als durchaus unzweckmäßig und unwirtschaftlich erwiesen und war kaum in der Lage, den Wohnungsuchenden zu helfen. Eine Reihe von Großstädten hat daher die sog. Miatberechtigungs- karten eingeführt und es dann den Wohnungsuchenden überlassen, ihren Bedarf selbst zu decken. Diese Lösung war nicht nur den Wohnungsuchenden dienlich, sondern hat auch wesentlich zur E n 11 a st u n g der Kommunen beigetragen. Der Bericht der Verwaltung von Köln hebt z. B. ausdrücklich hervor, daß seit der Zeit der Einführung solcher Mietberechtigungskarten alle Verärgerungen der Parteien aufgehört haben. Köln kann berichten, daß es die Räume des Wohnungsamtes für den Verkehr mit Wohnungsuchenden nur an einem Tag in der Woche für einige Stunden zu öffnen braucht. Zufolge dieser Einschränkungen der Tätigkeit des Wohnungsamtes find jährlichallein 15 0000MarkanVcr- roaltungsf offen gespart worden. Reichstagung der deutsch-völkischen Freiheitsbewegung. .. ft ,° • 9. Sept. (WTB.) Hier wurde dis diesjährige Reichstagung der deutschvölkischen Freiheitsbewegung abgehalten. An der Haupttagung, die in Anwesenheit Don etwa 700 Ortsgruppen- und (SanDertrctem unter Vorsitz des Reichskührers Reinhold Wulle stattfand,n ahm auch der Ministerpräsident des Mecklenburg-Schweriner Staatsministeriums Eschenburg teil, der in seiner Begrüßungsansprache erklärte, daß das Staatsminrsterium in den grasten Zielen mit der deutsch-völkischen Freiheitsbewegung übereinstimme. 3m gleichen Sinne sprachen sich die anwesenden Vertreter des Landbundes, Vertreter des Stahlhelms, des National- dcutschen Offiziersbundes, des Deutschen Offiziersbundes, der Reichsleitung des Wehr- Aber das Nashorn ist noch sündhaft einkaufen. — Schlangen handelt man „Löwen angeboten, Giraffen wohlfeiler, Wisente haussierend" — so könnte ein Marktbericht der großen Firmen lauten, die sich mit der Einfuhr exotischer Tierarten befassen. Es gibt nämlich Kaufleute, die mit Tigern, Löwen und Riesenschlangen handeln, als ob diese gefährliä)en Tiere harmlos wie Hauskatzen oder Kanarienvögel wären. Die kühnen Löwenjäger, die wir im Film bewundern, üben ihren romantischen Beruf im 2(uf= trag der großen Tierhandelsfirmen aus, und die Expeditionen, die nach den entlegensten Gegenden der Erde entsandt werden, reisen „mit fester Order". Sie dürfen nicht etwa wahllos Tiere fangen und adliefern, sondern müssen sich an die Aufträge halten, die ihnen mit auf den Weg gegeben werden. Der Besucher des Zoologischen Gartens, der die gefangenen Tiere betrachtet, ahnt gewöhnlich nicht, welche Miche, Sachkenntnis und Geldopfer die Anschaffung all der Raubtiere, Vögel und Schlangen gekostet hat. Er neigt vielleicht zu der Ansicht, daß die größten Tiere auch am meisten kosten, daß also ein Elefant weit wertvoller sei als ein Nashorn. Demnach müßten die Löwen unter den Raubtieren besonders hoch in Kurs stehen. Nun hat gerade in den letzten Tagen der König der Tiere in Fachkreisen einen erheblichen Teil seines Wertes ein- gebußt; aus England berichtet man über einen sensationellen Preis st urz in Löwen. Während vor einem Jahr ein afrikanischer Löwe noch etwa fünftausend Mark kostete, kann man jetzt ein gutes Exemplar schon für tausend Mark kaufen. Aeltere Löwinnen wurden sogar in diesen Tagen schon für 600 Mark angeboten. Auch im Tierhandel richtet sich der Preis nach Angebot und Nachfrage. Nun haben sich die Löwen in Afrika in letzter Zeit nicht überraschend vermehrt; der Preissturz für Löwen ist vielmehr darauf zurllckzuführen, daß man in einigen Zoologischen Gärten — so z. B. im Berliner Zoo — über reichlichen Nachwuchs verfügt. Die jungen Tiere, die in der Gefangenschaft geboren wurden, werden sehr sorgfältig aufgezogen und dann entweder verkauft oder gegen andere Tiere eingetauscht. Zwischen sämtlichen Zoologischen Gärten der Welt bestehen freundschaftliche Beziehungen; durch den Tauschverkehr werden Lücken ausgefüllt und Aufträge erledigt, die sonst am Tiermarkt eine gewisse Nachfrage hervorgerufen hätten. Der Handel mit exotischen Tieren wird in Deutschland nur von wenigen Firmen betrieben. In Hamburg und Alfeld haben die zwei größten deutschen Tierhandelshäuser ihren Sitz. Aus der ganzen Welt strömen diesen Firmen Aufträge zu, die nicht immer schnell erledigt werden können. Am umfangreichsten haben in den letzten Jahren die Zoologischen Gärten der Vereinigten Staaten eingekauft, und auch Rußland ist ein guter Kunde gewesen. Die Blütezeit des Großtierhandels scheint aber endgültig vorüber zu sein. Die Preise für exotische Tiere gehen unaufhaltsam zurück, und es wird nicht mehr lange dauern, bis die Einfuhr bestimmter Tierarten wegen der hohen Beförderungsspesen überhaupt nicht mehr lohnend sein wird. Mit Wehmut denken die Importeure an die Jahre 1919 und 1920 zurück, als sie die Nachfrage nach Löwen, Tigern und Elefanten kaum befriedigen konnten. Der Krieg hatte in den Tierbestand der Zoologischen Gärten empfindliche Lücken gerissen, ohne das zunächst daran gedacht werden konnte, ausreichenden Ersatz zu beschaffen. Erschreckend hohe Preise wurden nach dem Ende des Krieges gefordert und bewilligt. Erst als wieder Wolfes. der Deutschen Adelsgenossenschaft und anderer Verbände aus. Den ersten Vortrag hielt Reinhold Wulle über das Thema „Ser völkische Freiheitskampf als politische Notwendigkeit". Angenommen wurden drei Resolutionen. die sich mit den in den Vortagen zum Ausdruck gebrachten Zielen befaßten und hervor- heben, dast gegen die Annahme des Preußenkonkordats Klage beim Staatsgerichtshof erhoben werden wird. teuer. — Wie die Zoologischen Gärten meterweise. — Preissturz in Giraffen, größere Expeditionen ausgeschickt werden konnten, traten langsam einigermaßen geregelte Verhältnisse ein. Selbst bei den gesunkenen Preisen ist es ein kostspieliges Vergnügen, einen Zoologischen Garten einzurichten. Man muß — wie von der Leitung des Berliner Zoologischen Gartens versichert wird — mindestens eine halbe Million Mark zur Verfügung haben, um einen Tierpark zusammenzustellen, der das Publikum anlockt. Eines der teuersten Tiere ist der Wisent, von dem es nur noch wenige Exemplare gibt. Man muß mindes! L0 000 Mark ausgeben, wenn man dieses seltene -vier besitzen will. Nicht viel billiger sind Giraffen, obwohl sie heute nicht mehr so hoch bezahlt werden wie vor einigen Jahren. Kurz nach Kriegsende kostete ein Giraffenpaar 80 000 Mark; vor Jahresfrist konnte man es schon für 45 000 Mark kaufen, und heute braucht man für die langhalsigen Geschöpfe nur noch 30 000 Mark auszugeben. Ob sich eine solche Ausgabe für den Käufer lohnt, ist eine andere Frage. Zwar liebt das Publikum diese merkwürdigen Tiere; da Giraffen die Gefangenschaft jedoch schlecht vertragen, kann es dem glücklich-unglücklichen Besitzer widerfahren, daß seine teuer erkauften Tiere in kurzer Zeit eingehen. Am tiefsten muß man in die Tasche greifen, um ein Nashorn zu kaufen. Erft vor kurzer Zeit wurde von Amerika der Rekordpreis von 5 2 0 0 0 Mark für ein besonders schönes Exemplar bezahlt. Wenn man sich mit einem kleineren Nashorn begnügen will, muß man immerhin 25 000 bis 30 000 Mark ausgeben. Billiger ist ein afrikanischer Elefant, den man bereits für 15 000 bis 20 000 Mark erhält. Indische Elefanten stehen sogar noch niedriger im Preis. Etwa 10 000 Mark kostet ein schöner sibirischer Tiger, während indische Königstiger weit preiswerter sind; für etwa 4000 Mark gibt es schon prächtig aussehende Exemplare dieser Gattung. Ein gut geleiteter Zoo muß aber auch ein Nilpferd haben, denn das Publikum will dieses Unförmige Tier gebührend bewundern und belachen. V e r l i n, 10. Sept. (Priv.-Tel.) Die Untersuchung der Bombenatteniate und insbesondere die Aufdeckung des Bombenanschlages auf den Reichstag hat nach dem bisherigen Stand nur wenige Fortschritte gemacht. Ein großer Teil der bis heute verfolgten Spuren ist von der politischen ^olizei nunmehr endgültig auf- gegeben worden, da die zahllosen Nachforschungen so gut wie aussichtslos erscheinen. 3n den heutigen Nachmittagsstunden ist zvar eine neue und für die Polizeibehörden wicylige Spur aufgedeckt worden, die sich jedoch ebenfalls bald wieder als illusorisch erwiesen hat. Die Gerüchte von einer groß angelegten Prl ze'.ak.ion im Norden Berlins die tatsächlich im Hinblick auf die lehtgenanri e ©pur vorbereitet war, treffen demnach nicht z i. Vis- her steht nur soviel fest, daß auf Grund ves endgültigen Sachverständigengutachtens der chemisch-technischen Reichsanstalt, das heute der Pol'zri übergeben worden ist, zwischen dem Attentat auf das Reichstagsgebäude und den in Norddeutschland verübten Attentaten ein Zu- Die 10 000 Mark, die für eine solche Anschaffung geopfert werden, bilden gewöhnlich eine gute Kapitalsanlage, da sich das Nilpferd in der Gefangenschaft willig fortpflanzt. Pinguine, die nicht fehlen dürfen, stehen ziemlich hoch im Preis, denn ein Paar kostet immerhin noch etwa 2000 Mark. In Berlin gibt es eine Firma, die zwar weder mit Löwen, oder Tigern noch mit Elefanten handelt, die aber dennoch in den zoologischen Fachkreisen der ganzen Welt bekannt ist. Seit fünfundzwanzig Jahren hat sich der Inhaber dieses Hauses auf den Handel mit Alligatoren, Riesenschlangen und anderen Reptilien spezialisiert. Betritt man die im fünften Stock gelegenen Geschäftsräume, so schlägt dem Besucher sofort ein beklemmender Geruch entgegen. Ein unheimliches Kratzen und Scharren läßt den Gast zusammenschrecken, schließlich entdeckt er, daß das Geräusch von einer Anzahl Schildkröten verursacht wird, die in großen Blechkisten umherkrabbeln. In diesem Geschäft kann man jede gewünschte Schlangenart kaufen. Eine 560 Zentimeter lange Anacondaschlange kostet etwa 800 Mark, 2 Meter Brillenschlange sind schon für 120 Mark zu haben. Ebensoviel muß man für eine 2 Meter lange Kobra ausgeben. Aermere. Bevölkerungsschichten werden sich mit einer Kreuzotter für fünf Mark begnügen, wenn sie Sehnsucht nach einem solchen Hausgefährten haben. Für 74 Mark kann man eine 215 Zentimeter lange Boa constrictor erhalten, während die „reizenden kleinen Jungtiere" dieser Schlange nur 25 Mark kosten. Am teuersten sind Alligatoren. Für ein 250 Zentimeter langes Tier werden 950 Mark aeforbert; Alligatorenbabys, die aus der Hand fressen, erhält man schon für 25 Mark. Alligatoren werden nicht nur von Zoologischen Gärten verlangt. Kleinere Schausteller, die mit ihren Attraktionen durch das Reich ziehen, sind die besten Abnehmer für diese Tiere; sie kaufen gewöhnlich ein großes Exemplar und einige Alligatorenbabys. Es kommt nicht feiten vor, daß sie diese Zusammenstellung ahnungslosen Dorfbewohnern als „ein 2 0 0 0 Jahre altes Krokodil mit feinen Jungen" vorstellen. Die Ausgabe brauchen diese Unternehmer nicht zu scheuen, denn ein Alligator bringt immer Kassenerfolge. Auch unter den Reptilien gibt es „Gelegenheitskäufe"; so kann man Alligatoren mit etwas schiefem Nachen zu herabgesetzten Preisen erstehen. Alle großen Zoologischen Gärten der Welt stehen in der Kundenliste dieses Unternehmens, das bei der Einrichtung des Berliner Aquariums, und des Zoologischen Gartens von Elberfeld hervorragend beteiligt gewesen ist. Wenn ein besonders seltenes Reptil oder eine besondere Schildkrötenart eingeliefert werden, weiß diese Firma stets, welcher Kunde sich für den Neuerwerb interessiert. G bt es doch Leute, die Schildkröten sammeln! Diese Sammler scheuen keinerlei Geldopfer, um in den Besitz seltener Exemplare zu gelangen, und es macht ihnen nicht viel aus, wenn sie für eine 8 Zentimeter lange Schildkröte 150 Mk. bezahlen müssen. sammenhang bestehen muß. wenn auch der Anschlag auf das Reichstagsgebäude mit einem viel schwächeren Sprengstoff ausgeführt worden ist als die Anschläge vorher. Die Haupttätigkeit der Crmittlungsbehörden erstreckt sich im Augenblick auf die Aufdeckung der erheblichen Spreng st offdieb stähle, die seit M"rz in verschiedenen Bergwerken. Steinb.üchen und Fabriken ausgeführt worien sind. Man neigt sehr stark zu der Annahme, daß zwischen diesen Diebstählen und den ©prengstofsatientaten der letzten Monate ein Zusammenhang besteht. Das Gutachten der chemisch- technischen Reichsansialt. Berlin, 9. Sept. (WTD.) Das Gutachten der chemisch-technischen Reichsanstalt über die letzten ©prengstoffanschläge besagt, dast bei dem Anschlag auf das Haus des Regierungsvizepräsidenten in Schleswig die gleichen Materialien verwendet worden sind wie bei dem Löwen werden erschwinglich! Aus der Suche »ach den SprengstoWeniäsern. Serien mit Renate. Von Harry Schreck. Renates Leben hat als Hintergrund die kleine Stadt am Rand der Ostsee, wo die Bewohner ?erne Bauernfeind, Begaffe, Wasserstradt und Fo- uhl heißen. Natürlich ist die kleine Stadt gar keine kleine Stadt. Denn die Begaffe und die Waasserstradts, die Bauemseinds und die Fokuhls würden das nie glauben; und in der Tat, sie haben doch ein Rund- fahrtauto, in dem sechs Fremde durch die alten Straßen fahren können; und dann, im Winter haben sie am Stadttheater schon die Dreigroschenoper aufgeführt. Was kann man mehr von einer Stadt verlangen, zumal Renate selbstverständlich auch in diesen Grohstadtmauem weilt? Renate — fünfzehnjährig, schlank und nervenlos und straff — hat jetzt den ehrenvollen Auftrag, den Herrn, der auf Besuch kam, hübsch zu unterhalten. * Der Herr, der eben ankommt, ist zunächst ver- legem- Er hat Renate sieben Jahre nicht gesehen und merkt verdutzt, daß er wohl anders reden muß, als er vor lieben Jahren mit Renate redete. Er schaltet ungestüm im Hebelwerk des Gehirns und sucht nach einem Ausspruch, der nun angemessen märe. Zu seinem lebhaften Bedauern kommt er bloß darauf, zu sagen: „Ja, wirklich — nein, wie du groß geworden bist! Und wie die Zeit vergeht!" Renate lächelt höflich und mit zarter Nachsicht. Der Herr, der auf Besuch tarn, spürt, daß sein Beginn nicht gerade glücklich war; er stiefelt schweigend mit Renate durch die Stadt und hofft sich daran zu gewöhnen, daß sie heute fünfzehnjährig ist, daß sie ein Baskenmützchen auf dem kurzen Schwarzhaar trägt, daß sie hochbeinig, schlank und nervenlos und straff an seiner Seite geht und überhaupt nicht mehr die frühere Renate ist... Der Herr, der auf Besuch tarn, schaltet immer noch. Renate schwenkt mit ihm vorerst zum Tennisplatz. Der Herr, der auf Besuch tarn, sieht dort Hartwig Drücke wieder. Indes ... dies ist nicht richtig; er sieht ihn gar nicht wieder; denn Hartwig Drücke ist nicht mehr der Hartwig Drücke; der Hartwig Drücke, der dort knapp und hart den hellen Ball ins gegnerische Feld hinüberhaut, ist ein Athlet, ein Heros in dem braunen Glanz von sechzehn Jahren. Er grüßt mit freundlich lärmendem Gebrüll. Renate salutiert mit ihrem Tennisschlägergriff. Aus der Athletenkehle Hartwig Drückes dröhnt es donnernd: „Was meinst du dazu ... sechs zu zwei!" Renate lächelt achtungsvoll zurück und fragt Den Herrn, der auf Besuch kam, harmlos aus, was er von Haldflugbällen halte, und ob er ihrer Ansicht sei, daß Hartwig geradezu fürs Doppelspiel geboren scheine, sofern er nicht so nah ans Netz vorginge und dort nur an den Angriff dächte...? Der Herr, der auf Besuch 'am, spielt nicht Tennis. Man geht zu britt spazieren durch das Städtchen. Ein schlankes Auto, b'au lackiert und nickelglänzend, parkt still ar. einem Straßenrand; der Herr, der auf Besuch kam, wirft nur einen schnellen Blick nach dem Gefährt ... indes, Renate kreist bezaubert und erregt um Nickel, Lack und Glas herum. „Ich möchte wissen," wendet sie sich an den Herrn, der auf Besuch tarn, „ob der hydraulisch doppelseitig bremst und Vier-Zylinder-Viertakt-Motor bat?" Der Herr, der mf Besuch kam, lächelt überrumpelt. Der sechzehnjährige Athlet (de- braune Heros Hartwig) ist rücksichtsvoll genua um keine Pause zuzulassen: „Natürlich, Vierzylinder-Viertakt! Das heißt, hydraulisch bremst er schlecht." Renate lächelt achtungsvoll zurück; sie ist zu höflich, um sich zu verwundern, daß ihr der Herr, der auf Besuch kam, hier keine Antwort geben konnte; und Hartwig Drücke lärmt die dumme Pause ruhig zu. Der Herr, der auf Besuch kam, wird ein wenig rot ... * Der Herr, der auf Besuch kam, ändert das Gespräch. Er fragt mit einem leisen und befangenen Zaudern, ob wohl Renate gerne lese. Renate lächelt knapp und äußerst höflich, daß sie dies gelegentlich schon tue. Erleichtert fährt der Herr, der auf Besuch kam, im Gespräch fort; er fragt mit einem Eifer, der ihm selber nicht geheuer ist, was denn Renate — gelegentlich natürlich — lese. Renate teilt ergeben seufzend mit- „Kriminalromane". Der Herr, der auf Besuch kam, lieft sie nicht. Indes er wunschi in diesem Augenblick, er hätte doch einmal welche gelesen — genau so, wie er wünscht, er kennte sich in Halbflugbällen und einem Automotor aus. Er äußerte aber leider wider seinen bessern Glauben, daß er ganz andere Dinge schätze, denn Menschen von Geschmack ... und überhaupt, nicht wahr, natürlich ... und Menschen von Kultur — (er murmelt eine ganze Zeit so fort). Renate läßt ihn zart, doch melancholisch stehen. * Am nächsten Morgen aber kommt Renate wieder her. Sie lächelt fünfzehnjährig, also höflich ernst, und sieht den Herrn, der auf Besuch kam, liebenswürdig an, um schließlich die Erkundigung an ihn zu richten, ob er denn in der Tat damit den Lebensunterhalt verdiene, indem er schreibe, um gedruckt zu werden. Der Herr, der auf Besuch kam, nickt geschmeichelt und denkt hierbei, daß doch der Augenschein oft trüge. Wie reizend, daß Renate... Renate zückt — ermutigt — schnell ein Heftchen ... „Wir haben nämlich," meint sie plötzlich leicht bekümmert, „wir haben nämlich Ferienaufsatz; und da ... da hab ich gedacht —", „Ach so!" bemerkte der Herr, der auf Besuch kam, „den sollen wir wohl jetzt gemeinsam machen?" Renatens Auge zieht sich überrascht zusammen: „Ich glaube aber, daß er besser wird, wenn einer das allein anfängt. Und dann ... wir haben drüben grab’ das Grammophon." Der Herr, der auf Besuch kam, nimmt die Arbeit an. * Der Herr, der auf Besuch kam, schreibt und brütet. Er kann es manchmal kaum noch verhindern, daß seine Achtsamkeit vom Thema abschweift, das ein Studienrat ersann. Statt geistreich jenem Sprichwort nachzugehen, bas steif darauf beharrt, daß Wohltun Zinsen trägt — statt dessen sieht er gern zum Grammophon hinüber, in dessen Nähe Hartwig und Renate tanzen. „Wie reizend", denkt er, „doch Renate tanzt — schlank, neroenlos und straff ...!" Renate zwitschert etwas Mahnendes zum Tisch hinüber. Der Herr, der auf Besuch kam, schreibt und brütet, warum das Wohltun Zinsen trägt. Er schreibt es nicht ganz ohne leisen Unmut..doch immerhin, er schreibt es in dem philosophisch durchgeformten Stil und mit der Eleganz, auf die er in der Tat «sehr stolz ist. Der Studienrat muß endlich doch einmal erfahren, weshalb, zu welchem ersten Anschlag in Lüneburg. Insbesondere waren die Margarinckisten und die Blechbüchsen in beiden Fällen genau die gleichen. Die Spreng- stoffladung war 3,9 Kilogramm schwer. Der Sprengstoff ist ein Bergwerksspreng- stoss vom Typ des Ammonit II, der aus Trini- trotoluol, Nitronaphtalin, Ammonsalpeter und Holzmehl zusammengesetzt ist. Zur Zündung des Sprengstoffs war eine Sprengkapsel Nummer 8 verwendet worden, für die ein behelfsmäßiger Glühzünder hergerichtet worden war. Der Zündsatz war bei den in Lüneburg aufgefundenen Sprengkörpern Streichhölzern abgenommen. Die Stromquelle bestand wiederum aus drei Taschenlampenbatterien; die zum selbsttätigen Schließen des Stromkreises bestimmte Uhr unterscheidet sich in keiner Weise von der beim Anschlag in Lüneburg vorgefundenen Uhr. Bei dem Sprengstoffanschlag auf das Reichstagsgebäude in Berlin ist offensichtlich ein nicht brisanter schwarzpulverartiger Sprengstoff verwendet worden. Jedoch hat sich auch hier die gleiche Zündvorrichtung mit dem gleichen Uhrwerk wie bei den anderen Anschlägen vorgefunden. Bei dem letzten Attentat auf das Regierungsgebäude in L ü ne- burg ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein brisanter Spreng st off verwendet worden, der durch eine Sprengkapsel zur Explosion gebracht wurde. Auch in diesem Falle wurde zweifellos ein Uhrwerk zur selbsttätigen Auslösung der Explosion verwendet. Die vorgefundenen Rückstände des Sprengstoffes lassen keine näheren Schlußfolgerungen auf die Zusammensetzung des Sprengstoffes zu. „Grober Unfug/' Die Selbstbezichtigung Helts aufgelegter Schwindel. Frankfurt a. M., 9. Sept. (Wolff.) Bei der hiesigen Staatsanwaltschaft erschien Montag früh die Frau des vor einigen Tagen auf Grund einer Selbstbezichtigung festgenommenen Joseph H e t t, der bekanntlich an* * gab, den Bombenanschlag auf das Reichstagsgeb äu d e in Berlin mit ausge- sührt zu haben. Aus den Bekundungen der Frau und anderer Leute hat sich ergeben, daß Hett zur Zeit des Bombenanschlags nicht in Berlin, sondern in Frankfurt gewesen ist, so daß die von der Staatsanwaltschaft von vornherein mit Skepsis aufgenommene Selbstbezichti- gung sich als haltlos herausgestellt hat. Gegen Hett wird laut „Voss. Ztg." die Polizei ein Verfahren wegen grobenUn- f u g s einleiten. Schwere Vrandkatastrophe in einem Rotterdamer Dock. Sieben Todesopfer. — Sieben Bern- le. Rotterdam, 9. Sept. (ID23.) Der in ®li j.ro beheimatete Tankdampser „visneire", dcr bei der Rotlerdamsche Droogdok Rlaatschappy zur Vornahme von Reinigungsarbeiten festgemacht halte, ist heute mittag plötzlich in Brand geraten. Ivährend der Reinigungsarbeiten hatten sich die in der Nähe des Schiffes auf dem wasser treiben' n Cella cfjen aus unaufgeklärten Gründen entzündet, und die Flammen griffen so rafch c f das Schiff selbst über, daß sowohl b i e Tj r - sahung wie das mit der Reinigung bet. e Werftpersonal den Weg zur Flucht vc zt fand und sich durch Schwimmen zu teilen versuchen muhten. Leider ist das nicht allen gelungen. Rach den bisherigen Feflstellur n werden acht bis zehn Personen vermiht. Drei f rt verkohlte Leichen wurden bereits geborgen. S\ n Personen hab n ihr Leben verloren. Fünf Arbc.ier der Rotlerdamsche Droogdok Waatschappy sowie ter Erste Offizier und der Erste Steuermann der „vis- neira" werden noch vermiht. vier Arbeiter der genannten Rotterdamer Werft sind so schwer verletzt worden, dah bei ihnen Lebensgefahr besteht. Auch die Frau des Kapitäns ist bei einem Ende, welchem Zwecke das Wohltun auf der Welt besteht... Renate hofft, daß er das „fast genügend" findet. Der Herr, der auf Besuch kam, sieht sich (alle Hoffnungslosigkeit im Blick) nach Beistand um. Er findet ihn; Renates Mutter nickt ihm freundlich zu. Renates Mutter spielt nicht Tennis; Renates Mutter legt auf Vierzylinder-Viertakt wenig Wert; ' Renate? Mutter liest nicht Kriminalromane; Renates Mutter pflegt auch nicht mit Hartwig Drücke um das Grammophon zu tanzen. Renates Mutter ist gescheit und liebenswürdig, sie plaudert über Bücher, spricht von Reisen um die Welt; sie nimmt sich des Verlassenen an; ja, sie verspricht sogar, den Aufsatz, der vom Wohltun und von Zinsen handelt, gelegentlich zu lesen und zu loben ... „Es ist ein Jammer", denkt der Herr, der zu Besuch kam, „es ist ein Jammer, daß nicht sie Renate ist ... Renate fünfzehnjährig, schlank und straff...!" ___________ Hochschulnackrichten. Der Honorarprofessor an bet Technischen Hochschule inMünchen , Divl.-2ng. Georg Lotte r, ist zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in Breslau ernannt worden; ihm wurde vom 1. Oktober 1929 ab der Lehrstuhl für Maschinenbau, insbesondere Eisenbahnmaschinen* wesen, übertragen. Als Nachfolger des emerit. Professors Dr. Max Hönig auf den Lehrstuhl für organische Chemie an der deutschen Technischen Hochschule in D r ü n n ist der Oberassistent am Chemischen Institut der Universität Marburg, Privatdozent Dr. Ludwig Anschütz berufen worden. — Die Ernennung des Professors Dr. med. Robert Röhle von der Universität Basel zum ordentlichen Professor der Pathologie an der Universität Berlin als Nachfolger von Pros. O. Lubarsch ist erfolgt. Der aus Augsburg gebürtige Pathologe übernimmt das Berliner Lehramt am 1. Oktober d. I. Der Gelehrte wirkte früher in Kiel, München und Jena. — Auf den erledigten Lehrstuhl für deskriptive und topographische Anatomie an der ungarischen Universität inSzenged ist der Privatdozent und Adjunkt am 1. Anatomischen Institut der Universität Budapest Dr. Franz K i ß unter Ernennung zum ori-mtlichen Professor berufen! worden. Sprung von der Kommandobrücke des Schiffes ernstlich verletzt worden. Die Zahl der Leichtverletzten dürfte etwa 25 betragen. wie inzwischen festgestellt werden konnte, scheint der Brand auf eine Explosion in der Funk- station des Schiffes, das erst im Iohre 1927 vom Stapel gelaufen ist. zurückzuführen sein. Die Explosion ereignete sich, während das Schiss von zwei Schleppdampfern zwecks Vornahme von Aus- bcsferungsarbeiten zur werft der Rotterdamsche Droogdock waatschappy geschleppt wurde und etwa 60 Arbeiter der letzteren mit Unterstützung der Bemannung in dem unteren Raum des Schiffes mit der Ausgasung beschäftigt waren. Rach dem Ausbruch des Brandes entstand unter den Arbeitern und der Besatzung eine Panik, und zahlreiche von ihnen sprangen, sobald sie das Deck erreicht hotten, in die Waas. Da sich das aus dem Tank des Dampfers ausgelaufene Del entzündet hatte, glich die Waas einem Flammenmeer. Erst in den späten Rachmittagsstunden konnte der Brand von der Hofenfeuerwehr mit Unterstützung mehrerer Schiffe gelöscht werden. Jn dem Dorfe heyplaat bei Rotterdam, wo die meisten Arbeiter wohnen, herrschen aus Anlatz der Katastrophe der „Visneire" grotze Befürchtun- gen. Bei der Trockendock-Gesellschaft spielen sich hcrzzerreihende Szenen ab. Immer noch treffen Kinder und andere Angehörige ein. um sich nach dem verbleib der Väter, der Wanner oder Söhne zu erkundigen. Aus aller Welt. Erfolglose Luche nach Lchiffbrüchigen des „Dan". P i l l a u, 9. Sept. (WB.) Das zur Hilfeleistung für den am vergangenen Samstag in den ersten T'jrgcnffunöcn untergegangenen dänischen Dampfers „D a n“ ausgefahrene Linienschiff „Hesse n" Ist gestern nachmittag mit dem einzigen Ueberlebenden der „Dan", dem Walrosen wartln welm. nach Pillau zurückgekehrt. Die Suche nach einem zweiten Boot mit mehreren Schiffbrüchigen ist ergebnislos verlaufen. Auch das Torpedoboot „Seeadler" kehrte wenige Stunden nach der „Hessen", ohne eine Spur von den Schiffbrüchigen gefunden zu haben, noch Pillau zurück. Der gerettete watrose ist noch nicht vernehmungsfähig. Lin dänischer Dampfer, dec am Sonntag auf der Fahrt von Danzig nach Riga die vermutliche Unfallstelle passierte, hat gleichfalls keine Spur mehr von der Schisfskataskrophe festslellen können. Gasexplosion. In der Gaszentrale der Sächsischen Gußstahlwerke in Döhlen ereignete sich während der Vornahme von Schweitzarbeiten aus unbekannten Gründen eine Gasexplosion, durch die 18 Arbeiter zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Sechs Arbeiter, die durch Stichflammen gefährliche Brandwunden erlitten hatten, wurden ins Krankenhaus geschafft, wo einer von ihnen gestorben ist. Das Werk war während der Arbeiten außer Betrieb gesetzt. Plombierte Badewannen in Aachen. ' Die Aachener Stadtverwaltung hat, da ihre Mahnungen zu sparsamem Wasserverbrauch nicht in genügendem Matze beachtet wurden, einschneidende Mahnahmen ergriffen, um dssr anhaltenden Wasserknappheit zu begegnen. In allen Häusern werden die Badewannen durch Angestellte des Wasserwerks plombiert, um jede Benutzung auszuschlietzen. ihn den Wasserverbrauch in Garagen unmöglich zu machen, werden die Wasserzuleitungen abgesperrt bzw. die Wasserzapfstellen plombiert werden. Der Preis für das Wasser, das über den unbedingt notwendigen Bedarf hinaus verbraucht wird, erhöht sich mit sofortiger Wirkung von 25 Pf. je Kubikmeter auf 1 Mark je Kubi meter. wellkraftkonferen; Berlin 1930. Die für den 16. Juni 1930 in Aussicht genommene große Weltkraftkonferenz, die von den internationalen Technikerverbänden und -Organisationen veranstaltet wird, wird, wie jetzt endgültig feststeht, die Bertreter von 47 Staaten vereinigt sehen. Es stehen auf dieser Konferenz die großen Probleme der internationalen Energiewirtschaft und der Brenn st offver- s o r g u n g, soweit sie von der Industrie und Technik zu lösen sind, zur Diskussion. Die zahlreichen Veranstaltungen, Borträge und Empfänge aus Anlaß der Weltkraftkonferenz werden zum größten Teil im Reichstagsgebäude veranstaltet werden, das nunmehr endgültig vom Reichstagspräsidenten den Beranstaltern zur Verfügung gestellt worden ist. Eine Brieftaube als Erpresserwerkzeug. Generaldirektor Pattberg von der Zeche Rheinhausen in Homberg erhielt vor einigen Tagen e i n P a k e t. in dem sich eine lebende Taube befand. 3n einem Begleitschreiben wurde der Empfänger aufgefordert. 5000 Mark an der Taube zu befestigen und diese dann aufsteigen zu lassen: andernfalls würde er getötet werden. Die benachrichtigte Polizei setzte sich alsbald mit einem Piloten in Verbindung, der die Taube verfolgte. 3n Homberg- Hochheide lieh sich diese an einem Schlage nieder, der vom Flugzeug aus photographiert wurde. Der Taubenschlagbesiher wurde verhaftet. Er und sein Helfershelfer sind ge- .ständig. den Erpresserbrief geschrieben zu haben. Zwei schweizerische Alpinisten tödlich abgestürzt. Bei einem Ausflug der Sektion Basel des Schweizerischen Alpenklubs in das St. Gotthard-Gebiet sind zwei Mitglieder westlich von Göschenen tödlich verunglückt. Es handelt sich um den Kreistierarzt Dr. Dränger und den Gerichtsschreiber Dr. Fischer. Die beiden stürzten bei einer als leicht angesehenen Partie ab, gerieten aber nach dem Sturz in einen Steinschlag und erlitten hierbei ihre tödlichen Verletzungen. Abermals ein vergessener Sarg. In der Halle eines Berliner Friedhofes wurde in einem Zinksarg die Leiche einer Frau entdeckt, die vor 14 Jahren nach dem Kaukasus übergesührt werden sollte, aber wegen Nichtbezahlung der Transportkosten st e h e n geblieben und jetzt erst wieder gefunden worden ist. Der Fall erregt besonderes Aufsehen, weil schon vor kurzem in gleicher Weise die Leiche eines türkischen Studenten in dem Keller eines Berliner Beerdigungsinstituts gefunden wurde. holelbrand in Belgrad. In dem fünfstöckigen Hotel „P a l a c e", dem größten und modernsten Hotel Belgrads, brach mittags ein Brand aus. Unter den Hotelgästen entstand eine Panik. Biele sprangen aus den Fenstern. Der Feuerwehr gelang es nach schwerer Arbeit, das Feuer zu lokalisieren. Der Dachstuhl wurde aber durch die Flammen vernichtet. Baitanräuber. 3n Ror dgriechenland ist am Sonntag in der Rähe der Stadt Trikkalla eine hundertköpfige Reisegesellschaft in einer Schlucht von fünf Wegelagerern unter Führung des berüchtigten Balkanräubers Tzahas überfallen worden. Die Räuber umstellten die Reisegesellschaft, die in Form einer lang- ausgedehnten Eselkarawane durch die Schlucht zog und behielten nach der Ausplünderung einen Kaufmann sowie einen Abgeordeneten und einen Arzt a l s Geiseln zurück, für die binnen einer Woche vier Millionen Drachmen L ö s e g e l d verlangt werden. Die Tatsache, dah der lieberfall unter Führung des berüchtigten Tzahas, auf dessen Kopf feit langem eine hohe Belohnung ausgesetzt ist, vor sich ging, hat in der ganzen Umgegend große Erregung hervorgerufen. Die Banditen sind auch diesmal wieder unbehindert entkommen. Daten für Mittwoch, 11. Leptember. Sonnenaufgang 5.28 Uhr, Sonnenuntergang 18.25 Uhr. — Mondaufgang 14.54 Uhr, Monduntcrgang 21.53 Uhr. 1914: Besetzung der Marianen-, Marshall- und Karolineninseln. Berliner Börse. Berlin, 10.Sept. (WTB. Funkspruch.) Auch heute ist wieder die gewohnte Geschäftslosigkeit zu beobachten, und eine ausgesprochene Tendenz hat sich noch nicht entwickeln können. Die Gründung des deutsch-amerikanischen Investment-Trustes wurde als günstiges Moment angesehen. Vom dem heute zur Veröffentlichung gelangenden Reichsbankausweis erwartet man eine stärkere Entlastung. Farben taxiert man 220, Siemens 389. Am Devisenmarkt nennt man London gegen Kabel 4,8465 bis 4,8470, London gegen Berlin 20,3575, Kabel gegen Berlin 4,2000 bis 4,2005, London gegen Madrid 32,87. Wettervoraussage. Mit der Abflachung und Verlagerung der nördlichen Störung geht auch die Zufuhr kühler Luft- massen ihrem Ende zu. Während sie im nördlichen Deutschland ganz vereinzelt etwas Niederschlag verursacht, liegt das übrige Deutschland frei. Der erneut hohe Druck über den Britischen Inseln gewann durch die Kaltluft bis nach dem Festland an Ausdehnung. Somit gelangen wir wieder in den Bereich hohen Druckes, und unter dem Einfluß absinkender Luftmassen ist vielfach aufheiterndes Wetter zu erwarten, wenn auch das fpätfommerliche Hoch sich durch stellenweise Frühnebelbildung kennzeichnet. Tagsüber wieder ansteigende Temperaturen gestalten das Wetter noch warm. Wettervoraussage für Mlttwo'chl Morgens stellenweise neblig, tagsüber wolkig mit Aufheiterung, ansteigende Temperatur, trocken. ‘ Wettervoraussage für Donnerstag? Wenig Aenderung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 9. September: mittags 25,9 Grad Celsius, abends 17,2 Grad: am 10. September: morgens 14,5 Grad. Maximum 29 Grad, Minimum 11,2 Grad. — Erdtemperaturn in 10 an Tiefe am 9. September: abends 24,2 Grad: am 10. September morgens 16,6 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 8X- Stunden. Oie Wetterlage. OWotKenios. Onenet. q naib bedecut. 9 wolkig. G orocckl. eHegti^ * Schnee a Graupeln, s Nebel K Gewnter.(§)Win«tilie.-O «icnter Osi P massige- Südsüdwest sturmscnei Nordwest Oie Pfeile fliegen mit dem winde. Die oeiden Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orie mit gleichet^ •mi Meeresniveau umoercxhneten Luftdruck ^Qiutpflegemittet gibt öS gar viete v iZrüar wenige nur führen xum %'elei ^odit^iser-^crcrx extraparßmiert S&/eines der besten.das existiert. Länder-> und Städtewappen aller Erdteile in Gold- und Silberdruck: Die FREUDE des KURMARK-RAUCHERS. CIGARETTEN den, Sieg gleich, der der Cigarette der neuen, epoche! wann, ringsum, überlaut, öieXIlerbetrommeL gerühret wird. || der g ulen. UrbeiL gilt. f Geroisslich, setzet sich. guteTÄrbeit durch. /Lobspruch ihr allzeit! JZ, fitpräsentatio ns packung fir Cache*! und den Bauch» tad Schrdhtisch fordern Hr tKURAlARKef Kl VAI EACKULNG» (phnt gesucht 05857 Lollar, den 10. September 1929 057/ Zolllkon b. Zürich (Dufourstraße 38), Gießen, den 8. September 1929. Die Einäscherung findet in aller Stille in Zürich statt, die Beisetzung der Urne in Konstanz am Donnerstag, dem 12. September. 74Z7D Stellenangebote) 7427b Jahres-Produktion 12 Millionen Stück 49/10 gesucht. 74301) ß Ubr. 7431D Sieinstrake 47a II und Tante 7442 L) Größtes Pelzhaus mit der größten Maßkürschnerei FRAN FU RT A. M. ZE I L 109 7437 V beim Friedhof. 7441D Frankfurter Straße 43 / Telephon 2633. 05775 Gienen. im Ausschnitt Psd. 75 Ps. fs. Mittel Kabeljau o. K. 3—4piündig Psd. 40 Pf. eclachs, seinsie Nordseeware kostenlos zu sprechen. Alle Fuß- Marktplatz 2 742 >A Heute Ziehung der Kriegsblindenlotterie Besichtigen Sie die Gewinnausstellung bei Fr. Bette, Mäusburg 10 74340 Die letzten Lose erhältlich bei: E. Reuter, vorm. Buchecker, Neuen Bäue 11 / Fr. Bette, Mäusburg 10, sowie in allen durch Plakataushang kenntlich gemachten Geschäften Hertha Müller Karl Heuser L G. leidenden wie auch Freunde einer modernen Fußpflege sollten von dieser günstigen Gelegenheit Gebrauch machen Psd. 45 Ps. Psd. 30 Ps. Psd. 40 Pf. DRUCKSACHEN aller Art liefert die BrOhl'sche Druckerei Georg Leib & Lohn Seltersweg 87. un Ausschnitt Bratfiiche..... Goldbarsch ••• barkeit stets gedenken. Gießen, den 9. September 1929. fertig nach '•..Maß..»* Friedrich Heuser und Frau Gegründet 1888 / Bahnstation Abendstern / Telephon Nr. 84 Amt Gießen Gießen-Abendstern Werl. LMM zum Neinigen des GeschafislokalS usw. Doppelfalzziegel Biberschwanzziegel Firstziegel naturrot - altschwarz - altbraun Dieselmotor 7'/, ?S., ab Fabrik- lager besonders preiswerl abzu- geden. Anfragen erbeten u. D. 6193 an d. Ala, Haassn- atein & Vogler, Fr anklart M. 7i?iV Von Mittwoch, den 11. bis Sonntag, den 15. September Praxis geschlossen Durch den großen Andrang in den letzten Tagen sehen wir uns zu dieser Maßnahme genötigt im Interesse einer sorgfältigen, individuellen Bedienung jedes einzelnen Kunden Obstversteigerung Nächsten Mittwoch, den 11. September 1929, von vormittags 10 Uhr ab, soll das der Gemeinde gehörige Obst, bestehend aus Aepfeln, Zwetschen und Birnen öffentlich meistbietend versteigert werden. Anfang Bettenhausen, den 9. September 1929. Hess. Bürgermeisterei Bettenhausen. L e i d n e r. Für die UNS anläßlich unserer Silberhochzeit bzw.Verlobung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst V 74440 mittroofli, 11. teoL abends 8% Uur Hindenburg. Einzige Niederlage in Gießen: Schuhhaus Herbert Donnerstag, 12. Spdl, IN Ubr, auf dem Waldivortvlatze Oaüööall-Irolnlng Erscheinen aller Handballer wird erwartet. 7445D Die Leitung. Wo andere Mittel versagen hilft iehranciiles * billig abzugeben. Desgl. gulerh. Srotf mit Weite für nutieb starke Figur. [05756 Ludwigltr. 5, Dort. Der Ohuu^L-Fußspezialist lüttinge ttödiln übernimmt Aushilfe bei Hochzeiten und Festlichkeiten. 05749 Frau Starke, Wetzlar a. d. L., Rahmengassc 2. Telephon 2861. 1H !!eiL Mädcben sucht Stelle zu einem Kinde mit Uebernabme von etwas Hausarbeit bis 15.9. ob. 1. 10.29. Zu erfr. i. d. Geschst. d. Gien Anr. 0'774 . Bedeutende Mincralölgroßbandlung sucht zum Berkaus von la Maschinenölen sowie Auloölen an Industrie und Auio- bcsitzer möglichst eingesübrten Herrn als Vertreter gegen hohe Provision evtl. Spesenzuschuh. Angebote unter 6782 an Annonccn- Foerstcr. Düsseldorf 9. 17398V Todesanzeige. Unsere Hebe Mutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester Georg Philipp Gail Aktiengesellschaft Rauchtabak-,Kautabak- und Zigarrenfabriken ist am Mittwoch»11- September Donnerstag, 12. September vorm. 10 —1/214, nachm. 15 —19 Uhr zwecks genauer Fußuntersuchung und Beratung Stallbodenplatten der beste und gesündeste Belag für Viehställe Ringofensteine Verkäufe Zwei prima Fahr- u. Milchkühe BogelSb. mit Kalb wegen Aufgabe der Landwirtschaft zu verkaufen. 05761 Großen-Linden Alte Heerstrane 28. Gebrauchtes Herren-FaUrrafl zu verkaufen. Anzu- tressen mittags zw. 1-2 und abends nach Mittwoch, den 11. September 1929, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28 (im „Löwen"), zwangsweise gegen Barzahlung: 7446D 1.5 Aktenmappen, 1 Projektionsapparat mit Linse, 1 ovalen Tisch, 5 Sofas, 1 Dreschwagen it Strohpresse und Spreubläser, 4 Chaiselongues, 2 Linoleumteppiche, 2 Grammophone mit Platten, 2 Ladentheken, 3 Ladenregale, 3 Schreibtische, 1 Schreibtischstuhl, 1 Holzkasten mit 20 Flaschen Sekt, 5 Aus- stellungsgefäße, 4 Trumeauspiegel, 2 Bücherschränke, 3 Pianinos, 114 Paar Damenstrümpfe, 1 Radioapparat, 5 Nähmaschinen, 1 dreitürigen Spiegelschrank, 4 Gasherde, 1 Motorrad, 1 Schreibmaschine, 3 Kleiderschränke, 3 Rübenschneider, 10 Zinkwannen, 2 Vertikos, 1 Feldschmiede, 6 Oefen, 2 Kesselmäntel, 3 Küchenherde, 1 Eisschrank, 1 Waschkommode, 1 Weißzeugschrank, 1 Wäschemangel, 1 Spiegel, 1 Zierschrank, 1 Aktenrollschrank. 2. Voraussichtlich bestimmt. 1 Küchenbüfett, 1 Anrichte, 1 Küchentisch, 2 Küchenstühle, 1 Schrankgrammophon mit 41 Platten. Nostadt stellv. Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383. Suche zum 15. Sevt. ein nichtiges 7428V 9nos- und Sfimenmflödten Restaurant „Sächsischer Hof", Bad Homburg. Tüchtiges Mädchen für 15. 9. oder 1. 10. Brauaassc 6. [Stellengesuche] Fräulein (20 Jahre» sucht Stelle ausBurcau: war 1'/, Jahre auf VerncherungS • Bureau tätig. Gutes Zeugnis. Zu erfrag, in der Geschst. des Gien. Anz. 05764 FilctS und Koteletts Bücklinge, Pfund 50 ps. Neues Sauerkraut Neue Erbsen und Linsen MMuwlti Babnbosftr.27 Fcrnivr. 3631 __7201A Irische Fische Mittwoch früh elntrcffend: Pa. Nordicc-Kabcljau UL IMwoch,° den 11. d. IN. bei Loh. Vertreter: Herr Dr. Hanau. 74360 Am 8. September verschied in Zürich-Zollikon, wo er seinen Lebensabend verbrachte, der Vorsitzende unseres Aufsichtsrates Herr Carl Gail. Ausgezeichnet mit reichem Wissen und großer Erfahrung, war uns der Entschlafene in allen wichtigen Fragen ein vorbildlich treuer Berater. Wir beklagen den Verlust dieses aufrechten, vorzüglichen Mannes aufs tiefste und werden seiner in Dank- LMv warnen eie IhrenÄewerbungen aus Anzeigen ohne Namen Zeugnisse, Urfunben ob. sonst wichtige Papiere beizufügen; Abschriften genügen zur Einleitung v. Ansteliungsverhanb« unaen. Ost ist und ber Auftraggeber unbekannt unb in blefenjällen tön» nen wir nichtd tun für b.lBiebererlangung ber Lewerbungdunterlogen GLeftenev Anreisev Frau Elisabethe Wehrum Wwe geb. Siegfried fit im 79. Lebensjahre von uns geschieden. Die trauernden Hinterbliebenen: Karl und Ludwig Wehrum nebst allen Angehörigen. Alten-Buseck, Gießen, Danzig, den 10. September 1929. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 11. September, nachmittags 2*/i Uhr statt. Hochtragende Vogelsberger 3üöil-o.$aötliiö , u verkaufen. ,UOD Burkhardsfelden Hauptstraße 14. D.K.W.-Motorraö 250 ccm, gut erhalt., mit el. Beleuchtung, versteuert. Umstände halber zu verkaufen. Schriftl. Ang. unter 71401) an d. G. Anz. Wir verlängern unseren Pelz-Propaoanda-Verkauf bis Samstag, den 14. September 1929 Tonwerke Abendstem G.m.b.H. Statt besonderer Anzeige. Am 8. September ist mein teurer Mann, unser innigstgeliebter Vater, Schwiegervater, Großvater und Onkel Carl Gail im 72. Lebensjahre nach längerem „Leiden sanft entschlafen. In tiefer Trauer.- Augusta Gail geb. Doscher Marie Wielandt geb. Gail Elisabeth van Erckelens geb. Gail Hermann Wielandt, Baurat, Bruchsal Eugen van Erckelens, Dr. ing., Hamburg und Enkelkinder. E>peise-und Galatkartoffeln m prima Qualität empfiehlt billig" W. Hankel Ww. Neuen Baue 7, Televb. 2612. 45D Gut möbliertes Zimmer mit elektr. Licht und Dampfheizg. sofort zu vermieten 05760 Seltersweg 81 j. Ein leeres Mansardenzimmer billigst abzugebcn. Zu erfr. in d. Geschst. d. Gien. Anz. 05765 | Mietgesuche | 5—6-Zimmer- Wohnung gesucht. Schr. Angeb. unter 7396V an den Gieß. Anz. erbeten. '-berufstätige junge Dame sucht freundlich möbl. Zimmer für sofort oder spätestens blsl.Oktober. Schriftl. Angeb. unt. 05766 a. d. Gieß. Anz. Birnen laute graue), vorzüglich z. Ginmachca, solange der Borrat reicht, billtgsf abzug. Pfaff 05769 Dammüraße 30 II. | Kaufgesuche | LandMir wöchentlich 60 bis 70 Psd. gesucht. Preisofferte u. F.S.F. 6417. d. Rndoll Bosse, Franklart am Main. 100 3ir. la Opfer forotc ZJaörenöofetfttol) kaust fiinn. Oeumelbeim RodheimerStraße41 Ruf 2182. 105772 [Verschiedenes | Vermietungen | Stete 4 - Simmet- öobnung (Neubau) in bess. Ausführung auch an Auswärtige z.verm. Schriftl. Angeb. unt. 05701 a. d. Gieß. Anz. Schön möbliertes Zimmer mit elektr. Licht zu vermieten 05768 Walltorttr. 32 1- Zwei unmöblierte Zimmer 6.60X4,80 m und 7,10x4,00m,Strahen' front, erster Stock, beste Lage, eötL mit separ. Eingang, zu vermieten. Schriftl. Anfr. unter 7426D an den Gieß. Anz. Salai- undSpeise- karioffeln In Denen Qualitäten empfiehlt 71241) H. Trethsler Steinsfr.73.Tel.3581 Auspuff verloren! Gießen bis Trohe. Wtederbr. Belohn. Schilling, Frankfurt. Gtrahe 23. 7432V Bau- onil Hypohe'iBogelder auch zum 'Jinfauf von Häusern, zu äußerst günstig Bedingungen und nted- rtgcn Stufen. Schr. Ang. unter 05767 an den Gien. Anzeiger. Mk. 5000.- sofort n.Mk. 8000.- am 1.10.29 als Hyro« tbet anszulei ’cu. Vorerst schritU.Ang. unter 1169 au Mittel- deutsche Annoncen Eaped. Gleflen. 1157:0 Herr in sicherer Stellung wünscht dte Bekanntschait eines netten, einfachen Mädeln im Alter von 18 bis 23 Jahren zwecks Heirat. Gell. schr. Angeb. u. 05748 a. d. Gteß.Anz. 1'rjäbriger gesunder & stabe als eigen abrttgeb. Hohe Vergütung k. nicht gewährt werd. Ch". unt. 91r. 1160 an Mitteldeutsche An- nonccn • Expedition Nr. 2\2 Zweites Blatt Zubilaumstagung des Deutschen Vuchdruckerveretns. WSR. Mainz. 9. Sept. Der Deutsche Duchdruckerverein hält in den Tagen vom 7. bis 10. September in der Gutenbergsladt, in der vor sechzig Jahren seine Gründung erfolgte, seine diesjährige Hauptversammlung ab. Qlm Samstagabend wurde die Tagung durch einen Festakt int Akademiesaal des Kurfürstlichen Schlosses feierlich eröffnet. Aamens des Hauptvorslandes des Deutschen Duchdruckerver- eins widmete der Vorsitzende Z i ck f e l d (Oster- Wiek) der stattlichen Versammlung herzliche Ve- grühungsworte. Der Redner gab dann einen kurzen ileberblid über die Tä tigkeit des Vereins in den letzten zehn Jahren. Wie ein roter Faden ziehe sich der Wille zur sozialen Verständigung mit der Gehilfenschaft durch die Geschichte des Vereins. Der Verein, der bei der Gründung 416 Mitglieder zählte, weise nun einen Mitgliederbestand von rund 6300 auf, bei denen etwa 80 Prozent der gesamten Arbeiterschaft des Duchdruckgewerbes beschäftigt seien. Der Kampf gegen das Schleuderunwesen. das das Vuchdruckgewerbe in seinen Grundfesten erschüttere, habe nur dann Erfolg, wenn der Gemeinschaftsgedanke auch auf diesem Gebiet voll zur Geltung komme. Oberbürgermeister Dr. K ü l b (Mainz) überbrachte sodann die Glückwünsche und Grüße der Stadt, die sich mit unbestreitbarem Recht rühmen könne, Wiege der Duchdruckkunst zu sein. Er übermittelte auch als Vorsitzender der Gutenberggesell- schäft dem Verein herzliche Glückwünsche und teilte unter Überreichung eines Exemplars mit, daß die Gesellschaft als Zeichen ihrer Hoch- schähung das diesjährige Gutenberg-Jahrbuch dem Deutschen Vuchdruckerverein zugeeignet habe. Aamens der hessischen Staatsregierung überbrachte hierauf der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft, Korell, Grüße und Glückwünsche. Er beglückwünschte den Verein besonders zu seinem Bestreben, durch Tarifverträge zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern das Gedeihen des Buchdruckgewerbes zu fördern. Er sagte als Wirtschaftsminister dem Verein volle Unterstützung in seinen berechtigten Forderungen auf einen angemessenen Preistarif zu. Er begrüße cs daß der Verein durch entsprechende Selbstbild die Schleuderbetriebe ausschalte. Weitere Grüße überbrachten Ae v e n - Du m o n t (Köln) namens des Vereins Deutscher Zeitungsverleger, Schöler (Wien) im Auftrage des Hauptver- bandcs der Buchdruckereibesiher Oesterreichs und Kommerzienrat Scholz (Mainz) namens der Industrie- und ^Handelskammer sowie der Handwerkskammer. 1 Aach Dankesworten des Vorsitzenden hielt sodann Prof. Kautzsch (Frankfurt a. M.) einen Festvortrag über die ersten Mainzer Drucker. Die Tagungsteilnehmer versammelte.^ sich hierauf zu einem Degrüßungs- abend des Kreises III des Deutschen Buchdrucker- Vereins in der Stadthalle, wobei der Vorsitzende des Kreises, August Philipp O st e r r i e t h (Frankfurt a. M.) die Gäste herzlich willkommen hieß. Der geschäftliche Teil der Tagung begann am Sonntag in der Mainzer Stadthalle mit einem Vortrag von Professor Götz Brieh von der Technischen Hochschule Charlottenburg über das Themas „W i r t s ch a f t s f r a g e n des Buchdruckgewerbes im Rahmen der Gesamtwirtschaf t." Der Redner setzte wichtige Probleme des Vuchdruckgewerbes in Parallele mit ähnlichen Vorgängen in der Gesamtwirtschaft und ging auf die in den ungünstigen Preis- und Wettbewerbsverhältnissen begrün- Dämonen der Zeit. Vornan von Arthur Brausewetter. 26 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Wir Hutten Besuch: Herrn v. Donin auf Klesch- kau, unseren nächsten Aachbar. Fräulein Barbara hatte manchmal von ihm gesprochen, und ich war gespannt, ihn kennenzulernen. Er hat ein fcharsgezeichnetes, ausdrucksvolles Gesicht und eine kühle, vornehm abwägende Art, in der er sich mit Barbara berührt.--- Die Herrschaften sind verreist. Beide. Es heißt, zu ihrer Erholung. Ich glaube nicht daran. Zumindest wird diese recht kurz kommen. Ich bin mit dem gnädigen Fräulein allein. Wir essen zu zweien und sind auch vor und nach den Mahlzeiten zusammen. Obwohl wir uns dann über alles Mögliche unterhalten, bleibt unser Gespräch immer in den herkömmlichen Bahnen. Aäher bin ich ihr jedenfalls nicht gekommen. Sie wahrt nach wie vor ihre „herrschaftliche" Zurückhaltung. und nur dann und wann klingt ein Etwas aus ihren Worten, aus dem ich fast annehmen möchte, daß sie einen anderen Geist empfangen hätte, als ihre Eltern. Gestern nach dem Kaffee fragte sie mich, ob ich Zeit hätte, einmal mit ihr in die Wirtschaft zu fahren, sie hätte die Felder lange nicht gesehen und mochte auch dem Vater aus eigener Anschauung berichten. Aatürlich sagte ich zu und lieh den Selbstfahrer anspannen, weil ich weiß, daß sie stets kutschiert. Es war ein wundervoller Julinachmittag. Die Sonne stand wie eine strahlende Königin am paradiesisch blauen Himmel und hielt segnende Hände über die fruchtstrotzenden Aecker und das 'Goldmeer des Getreides. Die Blätter der den Weg einsäumenden Bäume flimmerten in weicher Helle, und Stare schwebten wie ein dünner Wolkenstreif in der durchsichtig klaren Luft. Ein leichter Wind wiegte die schweren Aehren, und von den Wiesen drang würziger Dust zu uns herüber. Es war ein Tag des Lichtes und des Glanzes. Straff und schweigend sah Fräulein Barbara auf ihrem Kutschersitze, als gehörte ihre Aufmerksamkeit allein den beiden Falben, die seit der Abreise der Herrschaft nichts zu tun hatten und so scharf in den Zügeln gingen, daß ich den Augenblick erwartete, in dem sie mir die Leine geben würde. Aber sie tat es nicht, und wußte mit weicher und zugleich fester Hand dem Ueber- mut der jungen Tiere zu steuern. Aur ab und zu nickte sie kurz zu meinen kurzen Bemerkungen oder Hinweisen auf die Felder mit dem Kopfe, und ich merkte, daß sie ein gutes Auge für alles uip sie her hatte. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 10. September (929 Nansen über die Polarexpediiion des „Graf Zeppeiin". Professor Frithjof Aansen, der sich auf der Durchreise nach Genf zur Dolkerbundsversamm- lung in Berlin befand, hat sich in den wenigen Stunden seines Aufenthaltes sehr eingehend mit den Herren der Aero-Arktik über die Vorbereitungen der Zeppelin-Polarexpedition im nächsten Sommer unterhalten. Frithjof Aansen äußerte sich über die Zeppelin-Polarexpedition, an der er führend mitwirken wird, wie folgt: Der Start des .Graf Zeppelin" erfolgt im nächsten Jahre im April zunächst zu mehreren wissenschaftlichen Beobachtungsfahrten nach der Arktis, die naturgemäß nur als Vorbereitungen gedacht sind zu dem gesamten Arbeits- und Forschungsprogramm der Aero- Arktik, die eine ständige Ueberwachung der Arktis, die Aufstellung und Unterhaltung ortsfester Funkstationen, die in täglicher Verbindung mit dem synoptischen Aeh der Aord- halbkugel stehen, vorsieht. Die Zeppelin-Polarexpedition will bei ihren ersten Fahrten in der Hauptsache ozeanographische, erdmagnetische, ärologische und andere wissenschaftliche Beobachtungen machen, die ja auch von eminent wichtiger praktischer Bedeutung sind. Es ist bekannt, daß die moderne Meteorologie nachgewiesen hat, daß die Witterung der gesamten gemäßigten Zone unserer Halbkugel dauernd von der Lage der sogenannten Polarfront beherrscht wird, und daß es daher erforderlich ist, die Polargegend ständig zu beobachten und diese Beobachtungen an die Wetterzen^ralen unserer Breiten weiterzuaeben. Dann sollen geographische Feststellungen schlecht bekannter und vielleicht völlig neuer Länder und Inseln gemacht und die Grenzlinie zwischen dem unterseeischen Kontinentalrand und der T i e f s e e mittels eines neuartigen Echolotes bestimmt werden. Schließlich soll die Grenzhöhe und die Uebergangsart zwischen Troposphäre und Stratosphäre nach einer neuartigen Methode festgestellt werden. Der Start erfolgt im nördlichsten Aorwegen in Tromsoe , wo ein Ankermast errichtet wird und die Fahrt geht dann entlang der amerikanischen Seite des Polarbeckens nach Fair- banks in Alaska, wo ebenfalls ein Ankermast aufgestellt wird. Dort soll ein Stützpunkt errichtet werden. Aach mehreren Ruhetagen wird dann der Vorstoß in die innere Ark - t i s erfolgen. Aansen hofft, daß an einer günstigen Stelle gelandet werden kann, um Tiefenlotungen usw. vorzunehmen. Später geht es wieder zurück nach Fairbanls und von dort entlang der asiatischen Seite der Arktis wieder nach Tromsoe. Für die gesamte Strecke, die etwa 18 000 Kilometer ausmacht, ist eine Fahrdauer einschließlich der Ruhepausen von 18 bis 25 Tagen veranschlagt. Professor Aansen weist darauf hin, daß selbstverständlich eine vollständige Polarausrüstung wie Schlitten, Kajals, Polarhunde, transportable Radiostationen, Waffen und Lebensrnittel für 90 Tage mitgenommen werden, damit im Falle eines Unglücks der Rückmarsch in größeren oder kleineren Gruppen über das Packeis nach ausgewählten Punkten des Festlandes angetreten werden kann. Da indessen die meteorologischen Bedingungen zur Zeit der Expedition außerordentlich günstig sind, und es in dieser Jahreszeit keinen Sturm und wenig Wind gibt, und zudem die Temperaturen immer gleichbleibend, Tage und Rächte hell sind, gibt Aansen der Hoffnung Ausdruck, daß die ganze Expedition wunschgemäß verläuft. deten geschäftlichen Schwierigkeiten der Buchdruckereibesitzer ein. Generaldirektor Dr. Woelck-Berlin nahm Stellung zu den aktuellen Fragen der Sozialpolitik, insbesondere zur Reform der Arbeitslosenversicherung und den Gesetzentwürfen eines Arbeitsschuhgesetzes und des Bevufsaus» bildungsgesehes. Cs wurde eine Entschließung angenommen, in der ein A b b a u der Steuern, eine maßvollere Sozialpolitik und eine schnelle Reform der Arbeitslosenversicherung, die Rücksicht nimmt auf das Wohl der Gesamtheit, gefordert wurde. Hofrat Weber (Leipzig) sprach über „W irisch a f ts a m t und Normenausschu ß". Direktor Sturm (Leipzig) hielt einen Vortrag über „Die Preisgestaltung im Buchdruck- geroerbe und die bisherigen Erfolge der Kollegialabkomme n". 3m Anschluß daran wurde folgende Entschließung angenommen: „Die Aussprache über die Lage des Buchdruckgewerbes auf der Zubiläumstagung des Deutschen Buchdruckervereins in Mainz hat ergeben, daß die wirtschaftliche Not im Buchdruckgewerbe bedrohlich st e Formen angenommen hat. Zeigen die Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden für die Lebensnotwendigkeiten des Druckgewerbes nicht in letzter Minute das notwendige Verständnis, so ist eine wesentliche Einschränkung in den Betrieben und damit eine noch größere Zahl der Arbeitslosen im Druckgewerbe die unausbleibliche Folge. Don der Reichsregierung, den Länderregierungen und Parlamenten wird gefordert, daß mit der Gründung und Vergrößerung der Regiebetriebe Schluß gemacht wird und daß die bestehenden unwirtschaftlich arbeitenden abgebaut werden. Weiter wird erwartet, daß, wie wiederholt gefordert ist, endlich die letzte Erhöhung des Portos für Drucksachen rückgängig gemacht wird. Diese Portoerhöhung belastet das Druckgewerbe doppelt und schädigt es aufs empfindlichste, weil der Verbrauch von Drucksachen durch diese Portoerhöhung erheblich zurückgegangen ist und außerdem viel Druckaufträge zwecks Portoersparnis an Druckereien im Ausland vergeben werden." Am Sonntagabend vereinten sich die Teilnehmer an der Iubiläumstagung zu einem Festessen im großen Saal der Stadthalle, wobei der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Buchdruckervereins Worte der Begrüßung sprach und zugleich dem Dank an die Stadt Mainz für die gastliche Aufnahme Ausdruck gab. Sein Hoch galt dem deutschen Vaterland und dem Wunsche, daß das Rheinland bald volle Freiheit genießen möge. Oberbürgermeister Dr. Külb begrüßte auch hier die Erschienenen. Er wies darauf hin, daß Mainz und ganz Deutschland mit Recht stolz auf die einzigartige Erfindung Gutenbergs seien. Hätte Welschland diesen Fund gemacht, des Rühmens wär kein Ende. Nun hat ein Deutscher diese Kunst erdacht, drum wird es nicht gegönnet. Die einzige Waffe, die uns geblieben sei, sei die Waffe des Geistes. Sie fei mit Erfolg geführt worden, da in absehbarer Zeit das Rheinland frei werde. Sein Hoch galt dem Buchdruckerverein. Musikalische und künstlerische Darbietungen umrahmten den stimmungsvollen Abend. Dann war es ihr gelungen, die Pferde zu einer ganz ruhigen Gangart zu bekommen. Wir fuhren im Schritt auf einem schmalen Wege dahin, an dem zur Rechten ein Schlag Roggen, der morgen gemäht werden sollte, zur Linken ein Weizenfeld mit dichten Halmen und prall- dicken Aehren bis an den Horizont sich breitete. Mit einemmal hielt sie den Wagen an und sagte: „Gibt es nun wohl auf der ganzen Welt etwas Schöneres und Größeres als dies hier? Unb verstehen Sie, daß über all diesem Wachsen und Leuchten für mich immer eine tiefe Traurigkeit liegt, und daß ich deshalb so fetten in die Felder fahre?" Ob ich es verstehe! Und mir war, als wären sich in dieser Sekunde nicht nur unsere Blicke, sondern unsere Seelen begegnet. „Ja, ich weih es," fuhr sie fort, die Pferde zu einem leichten Trabe antreibend. „Sie fühlen in diesen Dingen wie ich. Sie haben ein Herz für dieses Land, das uns sein Bestes gibt, und dem man mit so wenig Liebe dafür begegnet“ Die Falben gingen, in der Meinung, daß man sie in den ersehnten Stall-zurücklenkte, schärfer in den Zügeln. Sie ließ sie ausgreifen. Aber dicht vor dem Wege, der zum Gutshof abbog, nahm sie die Leine kürzer und sagte: „Haben Sie noch Zeit und Lust? Dann konnten wir ein wenig in den Wald fahren." Es war eine ganze Strecke bis zum Walde, der, in dunstige Schleier gehüllt, wie ein blau- schwarzer Schatten hinter Feldern und Aeckern sich breitete. Aber wir hatten sie bald durchmessen, glitten zwischen silbern leuchtenden Dirken und kupfernen, steilragenden Tannenstämmen dahin und blickten durch ihr labyrinthisches Gewirr in geheimnisvoll dämmernde Kiefern. Eine Stille, wie sie auf der ganzen Welt nicht mehr zu finden ist, umgab uns. Die Pferde, um ihre schöne Stallhoffnung betrogen, für die ihnen die Schönheit des Waldes wenig Entgelt zu bieten schien, stelzten auf den ausgefcchrenen, mit mancher Daumschwelle versehenen Wegen in trägem, mißmutigem Schritt. Aichts horte man als ihr Schnaufen und Pusten, das Knacken eines trockenen Zweiges, den ihr Huf zertrat, oder das Knirschen des Ledergeschirrs. Hier und da sahen wir zwischen dem dunklen Grün ein Reh, das uns, greifbar nahe, anäugte, ohne sich von der Stelle zu rühren. „Früher war es wohl anders," nahm sie das Gespräch auf, als hatte sie die ganze Zeit hin- durch nur diese eine Angelegenheit beschäftigt, „da hatte der Vater nur Sinn und Gedanken für fein Land. Ich erinnere mich noch ganz genau der Zeit, wo er gleich nach dem Frühstück auf feinen Fuchs stieg und erst, wenn der Mittag eingeläutet wurde, mit den Jnstleuten und Gespannen nach Hause kam. Dann fuhr er nach dem Vesper mit der Mutter und manchmal auch mit mir, auf feinem gelblackierten Einspänner wieder in die Wirtschaft und blieb bis zum Sonnenuntergang draußen. Da horten Sie auch bei den Mahlzeiten, an denen der Inspektor teilnahm, von nichts anderem als von Sommerund Wintersaat, von Roggen, Hafer und Rüben, so daß es einem wirklich manchmal über werden konnte. Jetzt ist es der neue Geist, dem er sich verschrieben hat —" „Er ist eben ein kluger und weitschauender Mann, der seine Zeit beim Schopfe zu packen weiß und sie sich untertan macht." „Gewiß. Dafür ist aber auch alle Behaglichkeit aus dem Tannenwalde und unserem Hause geflohen, und Sie ahnen vielleicht nicht, wie oft ich diesen Geist verflucht habe und mich weit weg von hier gewünscht — irgendwohin, wo man auch von etwas anderem spricht als von Kunjunkturen und Devisen und Aktien." „ilnb doch, glaube ich, würden Sie sich in kleine Verhältnisse heute nicht mehr zu schicken wissen... gerade sie nicht." „Warum meinen Sie: gerade ich nicht?" „Run, weil man Ihnen das anmerkt, Ihrer ganzen Art und Ihrem Auftreten." Ich glaubte, sie würde mich zurechtweisen, mir erregt oder wenigstens ablehnend antworten. Sie dachte nicht daran. „Sie haben recht," sagte sie, indem sie die Augen ü^cr die schweißdampfenden Pferde fort in die Tiefe des sich endlos streckenden Waldes schweifen ließ, „das könnte ich nicht.. und wollte ich auch gar nicht mehr." „Doch Sie meinten es eben,“ wandte ich einigermaßen verwundert ein. „Gewiß... daß sind wohl so Träume und dumpfe Sehnsüchte —" „Aber wenn man es nun müßte?“ „Wie Eie gemußt haben?" „Alnö auch heute noch muß." „Das stelle ich mir sehr schwer vor... und sehr traurig. Ich glaube, ich sagte Ihnen etwas Aehnliches schon einmal." Die Sonne sank tiefer, griff mit feurigen Händen durch das immer dichter und geheimnisvoller werdende Dunkel, lieh alles um mich her erglühen und erbeben. Die Pferde gingen noch langsamer. Hier und da fang ein Vogel, rief ein Pirol. „Wir sind uns heute nähergekommen, als Menschen, die tagein, tagaus miteinander zusammen sind, näher vielleicht — als es für uns beide gut ist." Ihre letzten Worte waren nur ein Hauch, ich spürte, wie sie ihre Hand mir zu entziehen suchte. _ Ruhig wie zwei Lämmer schritten die Falben über knackende Zweige und holprige Daumwurzeln. Wir hatten hen Wald verlassen und die Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 10. September 1929. Selbstanschlußbetrieb im Ortsfernsprechnetz Gießen. Vom Gießener Telegraphenamt wird uns geschrieben: Wie beim Selbstanschlußamt täglich festgestellt wird und hauptsächlich aus Klagen der Fernsprechteilnehmer zu erkennen ist, unterlaufen vielen, die den Fernsprecher benutzen, beim Wählen von Anschlußnummern sehr oft Fehler Die gewünschten Sprechverbindungen werden infolgedessen nicht her- gestellt, oder cs entstehen Falschverbindungen, durch die andere Teilnehmer belästigt werden. Die selbstverständliche Folge ist Aerger und Verdruß auf beiden Seiten, besonders beim irrtümlich angeru« fenen Teilnehmer. Leider werden Mängel aller Art immer zuerst beim andern — in diesem Falle beim „Amt" — gesucht, statt bei sich selbst. Deshalb beachte man die nachstehenden Winke und helfe selbst mit in der Belehrung anderer, die am Fernsprechapparat weniger geübt sind. 1. Erst Hörer abnehmen, dann wählen. 2. An der Nummernscheibe Anschlußnummern wählen, wie sie geschrieben stehen, nicht, wie man sie spricht. Am besten ist, wenn man die zu wähl?nde Nummer aufschreibt oder aus dem neuen Fernsprcchbuch abliest oder die Ziffern, wie sie geschrieben stehen, in Gedanken vor sich hersagt 3. Beim Wählen den Finger in die betreffende Oeffnung der Nummernscheibe f e ft einstecken und bis an den Anschlag drehen. 3st der Finger von der Nummernscheibc ab gerutscht, dann Hörer einhängen und von neuem mit Wählen anfangen. 4. Merkt man während des Wählvorganges, daß man falsch gewählt hat, dann Hörer einhängen und von neuem mit Wählen anfangen. 5. Hat man falsch gewählt, und merkt man den Irrtum erst, wenn der fälschlich angerufene Teilnehmer sich meldet, dann hänge man nicht stillschweigend ein, sondern entschuldige sich ob des Versehens, damit der Angerufene weiß, was los ist. 6. Ertönt nach dem Wählen einer Nummer das Freizeichen, dann warte man ruhig, bis der Gewählte sich meldet. A u f keinen Fall nochmaliges Wählen, ohne vorher den Hörer eingehängt zu haben. 7. Ueberhaupt muß vor Beginn des Wählens der Hörer immer auf der Gabel gelegen oder am Haken gehängt haben. 8. Alle alten Teilnehmerverzeichnisse, in denen die Gießener Teilnehmer mit ihren früheren Anschlußnummern aufgeführt sind, beseitigen und Anschlußnummern im neuen amtlichen Fernsprechbuch nachsehen. Anschlußnummern unter 2000 gibt es hier nicht mehr. Naucht jetzt nicht im Walde! Zu dem am Sonntag im Stadtwalde vorgekommenen Waldbrand, der bei nicht rechtzeitigem energischen Eingreifen der städtischen Feuerwehr verhängnisvollen Umfang hätte annehmen können, wird uns von zuständiger Stelle folgendes 'mitgeteilt: Der Drand ist zweifellos dadurch entstanden, daß von Besuchern des Waldes trotz strengem gesetzlichem Verbot in unverantwortlicher, leichtsinniger Weife beim Lagern im Walde ein Feuer ange- zündet und beim Verlassen des Platzes auch noch ganz ungenügend aus- gelöscht worden ist. Es handelt sich dabei Chaussee erreicht. Mit einer schnellen Bewegung nahm sie die Hand aus der meinen, straffte die Leine, hob die Peitsche und lieh sie durch die Luft sausen. In rasender Fahrt zogen die Falben, des winkenden Stalles jetzt gewiß, das leichte Gefährt durch den dämmernden Abend. * Die Herrschaft ist zurückgekehrt. Herr Hollwede hat mir zwar seine Befriedigung über meine Geschäftsführung ausgesprochen und mir zum Zeichen seiner Anerkennung eine kostbare Perle als Schlipsnadel verliehen, aber ich habe den Eindruck, als hätte ich' ihm nicht genug gewagt und gewonnen. Mir liegen derartige Geschäfte nicht, am allerwenigsten mit fremdem Gelde, und ich bin entschlossen, zu handeln, wie ich es muß. Heute hatte ich die entscheidende Unterredung mit Herrn Hollwede. Ich hatte sie lange genug hinausgeschoben. Ich erklärte ihm, daß ich nur in seinem Betriebe sein konnte, wenn er mich von der Führung der Geschäfte und Bücher entbinden und mir die Leitung seiner Landwirtschaft anvertrauen wollte, für die ich eine größere Liebe und wohl auch die notwendige Fähigkeit mitbrächte. Er erwiderte etwas von romantischer Grille, suchte mich durch eine Verdoppelung des Gehaltes zu ködern und sagte, als dies nicht verschlug, daß er sich die Sache überlegen würde. * Herr Hollwede hat sich die Sache überlegt: Ich bin seit sechs Wochen Gutsinspektor in Tannenwalde. Der junge Beamte, der sich als unfähig erwies, ist gegangen, und mit dem Kämmerer komme ich sehr gut aus. Ich habe mein Amt in der schwersten Zeit angetreten: in der Ernte, und habe soviel zu tun, daß ich nur ab und zu zur Weiterführung dieser Blätter gelange. Es geschieht in meinem Tag für Tag in derselben Regelmäßigkeit dahinfließenden Leben auch wenig — nur ein Ereignis gab es: der Kämmerer feierte feinen siebzigsten Geburtstag. Man muh es Herrn Hollwede lassen, daß er für so etwas Sinn und Pietät hat. Das ganze Gut beging den Tag, der mit der Erntefeier zusammengelegt war. Zum Mittagessen hatte mich der Kämmerer in seine Wohnung geladen; ich war außer einigem Verwandten der einzige Gast. Der Alte thronte neben feiner Frau, die ein schwarzseidenes Kleid Don altmodischem Schnitt trug, auf seinem, mit einem Blumenkranz umwundenen Sessel, in der Mitte der einfach gedeckten Tafel, und es war ein ergreifendes Bild, als er aufstand, die braunen, durcharbeiteten Hände faltete und ein länge* reg, freies Tischgebet sprach, in dem er Gott für allen seiner Tätigkeit und seinem Hause erwiesenen Segen dankte und weiter um seinen Beistand bat | (Fortsetzung folgt.) wahrscheinlich auch nicht um Jugendliche, sondern um Erwachsene, da bei dem Lagern größere Speisevorräte verzehrt worden sind, wie aus den umherliegenden Tüten mit Aufschrift »Konsumverein Gießen" hervorgeht. Es sind polizeiliche Nachforschungen nach den Verursachern des Brandes im Gange, die empfindliche Strafe zu gewärtigen haben. Der Vorfall gibt Veranlassung, nochmals eindringlich an die Einsicht der Bevölkerung zu appellieren und dringend zu ersuchen, augenblicklich beim Besuche des Waldes jegliches Anzünden von Streichhölzern, also auch das Rauchen zu unterlassen, da die Waldbrandgefahr bei dem gänzlich ausgedörrten Zustand des umherliegenden Holzes und des Bodens außerordentlich groß ist. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200—210, Matte 30—35, Wirsing 20 bis 25, Weißkraut 15—20, Rotkraut 20-25, Gelbe Rüben 10—15, Rote Rüben 10—15, Spinat 20—30, Römischkohl 10—15, Bohnen, grüne und gelbe, 25—35, Erbsen 30—35, Tomaten 20—25, Zwiebeln 10—20, Kürbis 5—8, Pilze 40^-45, Kartoffeln 51/2—6, Frühäpfel 15—25, Falläpfel 4—5, Birnen 10—30, Preiselbeeren 40—50, Pfirsiche 45—70, Brombeeren 60—65, Zwetschen 15 bis 20, Mirabellen 20—25, Reineclauden 20—25, Zunge Hähne 120—130, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Tauben 70—90, Eier 15 Pf. das Stück: Käse 10 Stück 60—140 Pf.: Blumenkohl 30—80, Salat 15—20, Salatgurken 10—25, Einmachgurken 2—4, Endivien 10—20, Ober-Kohlrabi 10—15, Lauch 10—15, Rettich 10—20, Sellerie 10—15 Pf. das Stück; Radieschen 10—15 Pf. das Bund; Kartoffeln per Zentner 4.50 bis 5 Mark. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „Das große ABC", 20 bis 22.15 Uhr. — Zirkus Kapitän Schneider: Eröffnungsvorstellung, 20 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Was eine schöne Frau begehrt" und „Lockruf des Goldes". — Astoria-Lichtspiele: „Männer ohne Beruf". — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Die heutige Aufführung der Komödie „Das große ABC" von Marcel Pagnol beginnt um 20 Uhr. LU. B 0 n der Landesunioersität. Dr. phil. Wilhelm Rudolph, persönlicher Ordinarius und planmäßiger Extraordinarius an der Universität Tübingen, hat einen Ruf an die frei werdende ordentliche Professur für alttestamentliche Wissenschaft an unserer Universität erhalten. ** Straßensperrungen, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club (A. v. D.) Gießen. 3m Zuge der Straße Dillenburg — Lix - feld — Biedenkopf ist gesperrt: a) Kilometer 21,0 bis 21,5 vom 10. bis 15. September: b) Kilometer 23,8 bis 25,0 vom 16. bis 17. Sept.: c) Kilometer 24,8 bis 25,9 vom 18. bis 21. Sept. Umleitung zu a über Quotshausen — Silberg— Hommertshausen und umgekehrt. Umleitung zu b und c über Quotshausen — Silberg—Deutphe und umgekehrt. — Die Strecke Laute r—L a u - bach im Zuge der Straße Grünberg—Laubach— Schotten ist ab 13. September gesperrt. Umleitung über Wetterfeld. ' ** Reifeprüfung für Externe am Gymnasium. Gestern «and im Gymnasium die Reifeprüfung für Externe statt. Don elf Kandidaten bestanden sechs. " Zirkus Kapitän Schneider. Man schreibt uns: Heute, Dienstag, 20 Uhr, gibt der Zirkus Kapitän Schneider seine Eröffnungsvorstellung in Gießen. Auf dem Oswaldsgarten sind die umfangreichen Zeltanlagen des Zirkus auf- gebaut. Zirkus Schneider kommt über Freiburg im Dreisgau direkt aus der Schweiz. Für Gießen ist nur ein Aufenthalt von drei Tagen vorgesehen, da dringende Verpflichtungen das große Unternehmen nach Norddeutschland rufen. Es können deshalb nur vier Vorstellungen stattfinden. Die Abendvorstesiungen beginnen pünktlich um 8 Uhr. Die einzige Rachmittagsvorstellung ist für Mittwoch, 3 Uhr, angesetzt: sie bringt das volle Abendprogramm. Weitere Einzelheiten sind aus der heutigen Anzeige ersichtlich. ** Von der Barmer Ersahkasse. Vor kurzem fand hier im „Bayerischen Hof" die Hauptversammlung der Verwaltungsstelle Gießen der Barmer Ersahkasse statt. Nachdem Herr Gischler als Äb^ordneter zur Münchener Generalversammlung Bericht erstattet hatte, ging man zur Wahl des neuen Vorstandes über. Einstimmig wurden gewählt als 1. Vorsitzender Hch. Gischler, Schriftführer Zitzer, Beisitzer: Deimborn, Schmitt, Weller. Großfeuer in Röthges. In der letzten Rächt gegen 23.30 Uhr brach in der Scheune des Landwirts Otto M ö l l in Röthges bei Grünberg Feuer aus, das mit rasender Geschwindigkeit auch die Stallungen. den Schuppen und das Wohnhaus ergriff. Dank der außerordentlich tatkräftigen Bemühungen der Ortsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr von Wetterfeld wurde ein weiteres Umsichgreifen der Flammen verhindert. Um 24 Uhr mußte jedoch die Kreismotorspritze in Gießen angefordert werden, die unter der Führung des Kreisbrandmeisters D i ck 0 r e schleunigst ausrückte und um 1 Uhr an der Brandstätte eintraf. Da das Wasser des Hochbehälters der Wasserleitung, sowie einiger Brunnen bereits erschöpft war, mußte die Motorspritze ihre Schlauchleitung an dem im vorigen Jahre neu angelegten Brandweiher anlegen und das Wasser auf einige hundert Meter zur Brandstätte pumpen. Während die Feuerwehren von Wetterfeld und Münster (letztere brauchte nicht in Tätigkeit zu treten) um 2 Uhr entlassen werden konnten, hatte die Kreismotorspritze bis gegen 3.30 Uhr mit der Bekämpfung des Feuers zu tun. Den Flammen sind die Scheuer mit den gesamten Erntevorräten und der Schuppen vollständig zum Opfer gefallen. das Wohnhaus, in dem ein Spezereigeschäft betrieben wurde, ist samt der Geschäftseinrichtung und dem größten Teil des Mobiliars vollständig ausgebrannt: nur die Umfassungsmauern sind stehengeblieben. Die Hühner kamen in den Flammen um, das Großvieh konnte zum Glück gerettet werden. Die Entstehungsurfache des Brandes ist noch unbekannt. Wirtschaft. 1 Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken. Zu den an der Berliner Börse am Freitag und Samstag verbreitet gewesen Gerüchten über Schwierigkeiten und Unregelmäßigkeiten bei der Geschäftsführung der Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypothekenbanken nimmt deren Verwaltung in einer Erklärung Stellung, in der es heißt, daß bei keiner Bank der Gemeinschaftsgruppe der geringste Anlaß zu solchen Gerüchten oder Verdächtigungen besteht. Wenn solche Gerüchte mit Danken der Gemeinschaftsgruppe in Verbindung gebracht werden, so tragen sie den Charakter freier Erfindungen. Gegen die „Letzten Dörseninformationen", die diese Gerüchte verbreitet hatte, sei Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gestellt. * Friedrich Krupp A.-G., Essen. Die seinerzeit von der Friedrich Krupp A.-G. auf dem Gelände des Herzog von Croy vorgenommenen Bohrungen nach Steinkohle sind bei etwa 1000 Meter Tiefe pfündig geworden. Auf Anfrage wird WTD.-Handelsdienst erklärt, daß Krupp zwar die Verleihung der Nutzungsrechte beantragt hat, jedoch die weiteren Bohrungen und die Verwertung der dort gefundenen Steinkohle wegen der mit der Gewinnung zusammenhängenden hohen Unkosten zunächst zurückstellt. Die Hochofenanlage der Friedrich Krupp A.-G. in Essen-Borbeck ist nunmehr ganz in Betrieb genommen worden, nachdem vor wenigen Tagen auch der zweite Hochofen angeblafen wurde. * Der Erzbergbau im August. Bei den Siegerländer Erzgruben haben sich Förderung und Absatz gegenüber dem Vormonat nicht geändert: auch die bisherigen Verkaufspreise sind bestehen geblieben. Im Lahn- Dillgebiet einschließlich Oberhessen hat sich die Erzmarktlage gegenüber dem Vormonat ebenfalls nicht geändert. Auch hier werden alle Bemühungen der Werke, die Selbstkosten mit den Verkaufspreisen in Einklang zu bringen, durch sich ergebende Selbstkostenpreissteigerungen zunichte gemacht Die Staatsbeih fe überbrück zwar zur Zeit diese mißlichen Verhältnisse. * liebergang der Anhaltischen Salz- werke an die Preussag. Der Anhaitische Landtag genehmigte gestern in dritter Lesung und damit endgültig mit 19 gegen 17 Stimmen den Uebergang der Anhaltischen Salzwerke an die Preussag. Die Preussag erhöhte die jährliche Pacht bei den Verhandlungen mit dem anhaltischen Ministerium von 13 auf 15 v. H. * Vereinigte Stahlwerke A.» G., Düsseldorf. Die auf den Zechen „Schwerin", „Minister Stein" und „Nordstern" der Vereinigten Stahlwerke vor zwei Jahren errichteten Kokereieinlagen sollen, dem Vernehmen nach, im Rahmen des seinerzeit bereits vorgesehenen Neubauprogramms demnächst weiter ausgebaut werden. Die derzeitige Lage und die gesteigerte Nachfrage nach Koks haben bereits zur Inbetriebnahme einiger stillgeleqter Kokereien des Konzerns geführt. Wie WTB.-Handeldienst weiter hört, ist der Bau von 143 Koksöfen vorgesehen, die eine durchschnittliche Jahresleistung von insgesamt etwa 930 000 Tonnen erzielen sollen. Die Betriebslage hat auch auf dem Bochumer Verein zur Einlegung von Feierschichten geführt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 10.Sept. Die Notierungen am Frankfurter Produktenmarkt sind mit Wirkung von heute ab bis auf weiteres dahin eingeschränkt worden, daß sie nur noch Montags und Mittwochs jeder Woche vorgenommen werden. Frankfurter Börse. Frankfurt, 10. Sept. (Eig. Drahtbericht des „Gieß. Anz.") Tendenz: uneinheitlich. — Zu Beginn der heutigen Börse war die Unternehmungslust wieder sehr gering, da einige ungünstige Momente nachteilig auf die Tendenz einwirkten. Dies war vor allem die Entlassung von Arbeitern bei der I.-G.-Färben-Industrie. Auch der Preiskampf des Benzoloerbandes mit einigen kleineren Unternehmungen und die unsichere gestrige Neuyorker Börse, sowie die wieder ungünstigeren Geldmarktverhältnisse am dortigen Platze blieben nicht ohne Einfluß auf die Tendenzgestaltung. Das Geschäft bewegte sich in den denkbar engftcn Grenzen, da auch Orders kaum Vorgelegen haben fallen. Nach Festsetzung der ersten Kurse wurde die Stimmung jedoch wieder etwas zuversichtlicher, da angenommen wird, daß der heute erscheinende Reichsbankausweis eine beträchtliche Besserung aus- weisen wird. Gegenüber der gestrigen Abendbörse war die Kursgestaltung nicht einheitlich, einige Werte konnten jedoch sofort von der Besserung der allgemeinen Lage profitieren. Stärker hervor traten Montanwerte unter Führung von Rheinische Braunkohlen, die auf die gute Beschäftigung im Braunkohlenrevier 6,5 v. Sj. höher eröffneten. Etwas gebessert waren noch Zarpener mit plus 3 v. S). Arn Kalimarkt lagen Salzdetfurth mit plus 3,5 d. 5). etwas begehrt, Westeregeln büßten dagegen bis 1 v. ch. ein. Aus dem schon erwähnten Grunde lagen J.-G -Farben vernachlässigt und 1,75 v. ch. schwächer. Von Elektrowerten zogen A.E.G. etwas an, während Gesfürel, Licht und Kraft und Siemens leicht gedrückt lagen. Banken leicht gebessert, nur Reichsbank 3 v. ch. schwächer. Renten still. Im Verlaufe erhielt sich einiges Interesse für Spezial- werte, aber sonst war das Geschäft recht still. Die Kurse blieben durchweg gut gehalten, teilweise traten geringfügige Erholungen ein. Nur Rheinische Braunkohlen lagen auf Realisationen 1 v. ch. schwächer. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 6,5 v. ch. weiter leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2062, gegen Pfund 20,367, London- Kabel 4,8470, gegen Paris 123,89, gegen Mailand 92,79, gegen Madrid 32,88, gegen cholland 12,0960. Berliner Börse. Berlin, 10. Sept. Nach einem stillen Vormittags- und vorbörslichen Verkehr war die Tendenz zu Beginn der heutigen Börse sehr uneinheitlich, und die schon gewohnte Geschäftslosigkeit war auch heute vorherrschend. Die ersten Kurse wiesen im Durchschnitt ein- bis zweiprozentige Veränderungen auf, wobei aber die Abschwächungen in der Mehrzahl waren. Die Mitteilung, daß die deutsch-amerikanische Investmenttrust-Gründung, an der die Deutsche Bank beteiligt ist, jetzt vollzogen ist, konnte sich nicht stärker auswirken, da einige andere, weniger günstige Momente dieser Mitteilung gegenüberstanden. Die bekcrnntgewordene Entlassung von 2500 Arbeitern bei der I.-G.- Farben-Industrie wirkte allgemein verstimmend, Neuyork war unregelmäßig und meist schwächer, bei höherem Tagesgeld: man wollte auch wissen, daß die Auslandsbörsen, besonders London, heute .wieder schwächer eröffnet haben. I.-G.-Farben verloren über 2 Prozent, Reichsbank und Braubank bei kleinsten TImsähen fast 4 Proz., und Glanzstoff, die bereits gestern abend wieder an- geboten waren, 5 Prozent. Dagegen lagen Montanwerke eher freundlicher. Auf den neuen Reparationsauftrag waren Holzmann gefragt und fester. Von anderen Werten gewannen Deutsche Linoleum 1 bis 2,5 Prozent. Deutsche Anleihen waren gehalten. Von Ausländern lagen 5prozentige Mexikaner fester. Pfandbriefe angeboten und eher niedriger. Am Geldmarkt war eine stärkere Erleichterung zu beobachten. Tagesgeld 7 bis 9,5 Prozent, Monatsgeld 9,25 bis 10,25, Warenwechsel zirka 7,60 ProzenL Nach den ersten Kursen wurde es auf das Dekanntwerden des Reichsbankausweifes für die erste Septemberwoche freundlicher und lebhafter. Die Entlastung war im allgemeinen zufriedenstellend. Rheinische Braunkohlen, die schon zu Anfang etwas fester waren, zogen auf die Festigkeit der Kohlenkuxe an den westdeutschen Börsen erneut um 5 Prozent an Im allgemeinen betrugen die Besserungen 1 Prozent. Später wurde es aber wieder ruhiger und etwys schwächer, da der Rückgang von Reichsbank um 1,5 Prozent etwas verstimmte, doch lagen die Kurse noch über Anfang. Zeitschriften. — lieber den Verlauf des Ringens um die Abrüstung und über die Frage, wie lange die opponierende Front dem im Versailler Vertrag fundierten Rechtsanspruch auf Abrüstung standhalten kann, bringt das Augustheft der „Europäischen Gespräche" (Verlag Dr. Walther Rothschild, Berlin-Grunewald) eine Darstellung aus der berufensten Feder des Grafen Johann-Heinrich Bernstorfs. Im gleichen Heft wird der Streit um den Gran Chaco zwischen Bolivien und Paraguay behandelt, der Anfang 1929 fast zum Kriege führte. Dr. "-Christian Grotewold, Buenos Aires, gibt einen klaren lieberblick über Voraussetzungen und Vorgeschichte dieses bis in die Entstehungszeit der südamerikanischen Staaten zurückgehenden Konfliktes. Dokumententeil und Besprechungen, die nebst der ^Zeittafel das Heft abschliehen, gruppieren sich um fernöstliche Probleme. Aus den Dokumenten mag als Kuriosum die Ratifikation des Kelloggpaktes durch den Kaiser von Japan hervorgehoben werden, bei der die mit dem japanischen Staatsrecht unvereinbare Eingangsformel „im Namen ihrer Völker" hinsichtlich Japans als unanwendbar erklärt wurde. Gewinnauszvg 6. Klasse 33. Preußisch-Süddeutsche (259. Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und n 28. Ziehungstag 9. September 1929 In der Vormkttogsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 ©«tolnne >u 10000 M. 48352 180499 10 ©etcinne *u 3000 9K 129899 175851 230238 256141 260374 16 Gewinne zu 2000 M. 104204 129772 161659 196300 202541 230228 234649 373880 32 Gewinne zu 1000 M. 57030 113010 177974 235875 237318 239041 266804 273633 307472 345024 360513 363412 368557 386189 391738 398305 92 Gewinne jn 500 M. 6890 10245 11036 33935 40522 43309 43843 44749 52441 71162 75751 80559 80676 80970 116342 117172 118687 119283 130797 162413 2Q3178 217841 221864 223406 232354 249995 250987 265692 266406 267087 275328 279112 279142 281989 284080 312076 329010 330295 349926 351822 356898 359663 373362 382985 386392 397180 212 Gewinne *u 300 M. 6116 7819 8346 9044 22805 23556 24080 30976 32597 44318 55288 59562 64868 71296 72958 75926 77886 78383 83482 86976 87172 96434 99413 104661 109715 111886 121267 127458 133193 137103 138623 139361 142926 146977 149869 150376 152176 154168 154284 154848 157940 159553 161311 163614 166967 171332 172980 177891 178507 180412 183263 186534 186843 187860 189333 190479 190519 194395 195878 202142 208175 216025 218415 221413 225495 226495 232431 233649 247113 252653 253044 256347 257765 264209 264435 265244 270815 273786 275549 280810 288656 293593 293974 297774 310139 312150 334492 334632 340361 347188 352939 354129 354186 364424 366610 369157 374253 375772 384854 384922 388744 389282 389556 392879 395750 399302 In der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 195006 4 Gewinn» zu 5000 M. 58803 148812 4 Gewinne zu 3000 M. 139254 397764 10 Gewinne zu 2000 M. 47542 106852 284110 311170 354375 36 Gewinne zu 1000 M. 79929 87517 103527 123614 153949 193780 197283 210261 221655 225192 234219 279058 283151 285757 338729 375550 382830 388221 80 Gewinne zu 500 M. 3314 3731 18804 36989 37131 40081 40270 48030 57784 62696 91029 95970 103513 108185 109072 111090 123475 126974 135614 155598 189844 197867 202748 202755 228160 243967 270251 276186 293586 311149 321427 337552 342742 357348 369710 370587 372032 382588 387082 399487 162 Gewinne zu 300 M. 2581 3825 4067 8997 9931 15298 20733 22393 30209 30615 33749 39204 53720 53918 64933 68822 71391 85221 86900 86959 93638 104440 105355 113125 126661 130382 136801 142846 148847 156046 159646 159892 167147 176966 177337 178424 179794 184443 185697 185936 189764 190437 193762 197680 203668 213234 214303 214637 228614 230430 249262 255564 256006 256086 266893 271167 272545 292310 292987 294100 294135 298036 322831 333332 339094 347751 352700 357912 360751 361621 363055 363817 366365 376338 377650 381804 388826 390658 391898 394471 398071 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 6 zu je 10000, 6 zu je 8000, 10 zu e 2000, 86 zu je 1000, 168 zu je 500, 236 zu je 800 M. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. .Iranlsun a Berlin . lanklurt a Berlin cd)lu&.| Kure , i Ubr Kur Schluh-l Ritte | Anfang- Kur Schluß Kure i-Ubt Kur' Schlich- Kur< Anfang. Damm 9.9. | 10-9. 9 9. 10.9. Datum 9.9. 10.9. 9.9. 10. c. 6% Di. iHei 237 — 238 236,5 Berliner Handelsgeiellsch. . . 12 204,75 — 204,5 z03,b Kali Westeregeln......io Kaliweri Salzdetfurth ... 15 243 242 243,75 — vom merz- und Privat-Bank . 11 '77,5 177,75 <77,5 177,25 392 395,5 394,c 395 Darmst. u. Ralionalbant . 12 Deutsche Bank......1° 271 165 _ 2/1,5 165,25 271 165,25 3. ®. ffarben-Industri« ... 12 20,25 218,9 '20,5 218,25 Diskonto-Gesellschast Ant.. . 10 • 51,5 — 151,75 151L 25 Dynamit Nobel..... . 6 — — 104,75 — Dresdner Bank......10 156 156,5 157 156,75 Scheide anstatt........ v Goldschmidt ......5 74,5 153 74,75 74 Reichsbaat .••••••• 12 96 393 296,75 293,25 Rülgerswerke . ....... 6 Melällgesellichaft. ...... S 82,5 125 82,13 83 124,75 82,5 .»lanliurt a Berti» Berlin, 9. September Gelb Brief Schluß Kurs i-Uhr Kur' Schluß- Kurs Anfang. Kur Französische Noten. . . Holländische Noten . . . Italienische Noten . . . Norwegische Noten. . . • • 16,41 167,78 21,97 16,47 168,46 22,05 Datum 9.9. 10 9. 9.9. 10.9. 111,43 111,87 Deutsch Oesterr-, ä 100 Kronen SRiimäniftbe Noten ...... 58.93 2,48 59,17 2,50 Pyuipp ............... 101,5 — 103 104,5 Heidelberger Eement.... 10 Eement Karlstadt ..... 10 130,5 184 — — — Schwedische Noten . . . Schweizer Noten .... • « 12,08 80,64 112,52 80.96 lUJaqö Ä Freitag.......8 — 100 61,68 12,38 61,92 12,44 Schultheis Payenhoser ... 15 — — 293 — Tschechoslowakische Noten Östwerke.........12 — .28,75 229 Ungarische Noten • • 73,00 73,30 Bet. Glanzstofs ...... 18 344 343 348 264,75 343 263 Devisenmarkt Berlin Telegraphische -Frankfurt a. UL Zellstoff Waldhos .... 13% Zellstoff Aschaffenburg ... .z Charlottenburger Master ... 8 — — .38,5 154 105,5 238 Auszahlung. 155 — 193 54,25 43,5 9. September 10. September Dessauer GaS.......0 Daimler Motoren......i Deutsche Maschinen-Fabrst . . .’lbletro rte Kleoer ... 0 o0,5 50,5 iso,za 51,75 54,5 Ärmliche Notierung (Selb I 'Briet Amtliche Notierung (Selb 1 Brie- ,2 — 41 Amtt.-Nott. 168,10 168,44 168,17 168,51 'fit 207 Buen-»AireS 1,760 1,764 1,759 1,763 Luvw. Loewe .....10 Brss.-Antw- 58,31 58,43 58,305 58,425 Rat. Auwmobil . . ..... o Orenstein & Stoppel.....6 18,13 Christtania. 111,72 111,94 111,71 111,93 195 Kopenhagen 111,66 112,37 111,88 111,69 111,91 Leonhard Tietz .....1° Stockholm - 112,59 112,38 112,60 Bamag-Megutn.......0 Franks. Maschinen ...... 4 54 — 53,75 — Helsingfors. Italien. . . London. . . 10,539 21,945 10,559 21,985 10,542 21,935 10,562 21,975 Griyner . . ....... 6 60 20,341 20,381 20,344 20,384 Heqligenstaedt ..... 8,7 Neuvork . . 4,197 4,205 4,197 4,205 Iunghan»..... 6 Lechwerke. ....... v 106 — — — Paris.... Schwei; ». 16,415 80,79 16,455 80,95 16,405 80,86 16,445 81,02 Mainttaftwerle ....... k Miag .........1° 106 124,5 — 1237 124 Spanien. . Japan . . . 'Mio be Jan. 61,84 1,961 61,96 1,965 61,89 1,962 62,09 1,966 Nekarluimer ...... 8 — — 0,4975 0,4995 0,597 0,499 — — Wien in D-- — — — — Oest. abgest. 39,08 59,2b 59,09 59,21 Boigt & Haesfna......9 Südd. Zucker.......10 zzz 158.75 159,5 222 158,5 Prag . . . Belirab . - 12,422 7,373 12,442 7,382 12,423 7,371 12,443 7,385 Budapest. . 73,215 73,355 73,225 73,365 Bulgarien . 3,034 3,040 3,034 3,040 -Danrnoien Lissabon Danzig. . Konst.intin. 18,78 81,30 2,023 18,82 81,46 2,027 18,77 81,32 2,025 18,81 Berlin, 9. September (Selb «rief 2,029 Amerikanische Noten ..... 4,174 4.194 Athen. . 5,425 5,435 5,425 5,435 B.lnikche 'Roten ....... 58,18 111.43 58,42 111,87 20,375 Canaba 4,170 4,096 20,866 4,178 4,104 20,960 4,173 4,076 20,865 4,181 4,084 20.905 Urumat). Cairo . . 20,295 Turnen, Sport und Spiel. ^auwettkamps im Kunstturnen. Nach langen Verhandlungen steht es nunmehr fest, daß der geplante große G e r ä t e w e t t - kämpf im Kunstturnen zwischen den drei Großgauen des Mittelrheinkreises, den Gauen Rhein-Mosel (Koblenz), Frankfurt a. M. und Hessen (Gießen, Marburg, Bad-Nauheim) am 1 3. O k- tober in der Volkshalle zu Gießen zur Durchführung gelangt. Das in jeder Hinsicht als zufriedenstellend zu bezeichnende Kampfgericht setzt sich aus den bewährten Turnern Cratz (Mainz), Hofferberth (Darmstadt) und S ch a l- l e 5 (Wiesbaden) zusammen. Die Neuner-Mannschaft des Gaues Frankfurt wird unter der Führung des bekannten Geräteturners M. Gebhard stehen. Als Führer des Gaues Rhein-Mosel wird W. Schmidt (Koblenz) genannt. Die Hessenmannschaft steht unter der Leitung des Gaumännerturnwartes M. Textor (Marburg). Die Gesamtleitung liegt in Händen des Gautürnausschuffes, dem einige Mitglieder der Gießener Turnerschaft zugeordnet werden sollen. Die Gaumannschaften werden durch sog. Prüfungsturnen vorbereitet, und durch Bewertung wird die Auswahlmannschaft zusammengestellt. Das erste Prüfungsturnen fand am vergangenen Sonntag in Marburg statt. Einem mehrgliedrigen Kampfgericht stellten sich unter Leitung von Gauoberturnwart Will (Gießen) nahezu 20 der besten Geräteturner des Gaues, die sich im Endresultat wie folgt gruppierten: 1. Fink (Marburg), 142J Punkte: 2. Sehrt (Großen-Linden), 124 P.; 3. Eckhardt (Nidda 123* P.; 4. Würtz (Krofdorf) 113* P.; 5. Textor (Marburg) 112 P.: 6. Keller (Burgsolms) 109i P.; 7. Volz (Bad- Nauheim) 107 P.: 8. Arnoth (Gießen) 102 P.; 9. Keßler (Großen-Linden 100 P. In dieser Zusammenstellung fehlen die hinreichend bekannten Turner Reuter (Gießen), Sinn well (Bad- Nauheim) G ö t s ch und Keil (Marburg). Ein zweites Ausscheidungsturnen findet am 28. September in Gießen statt. Bei dieser Gelegenheit wird dann die Gaumannschaft in der Form, wie sie den Gau Hessen vertreten soll, zusammengestellt. Handball beim Werbespieliag des Gaues Hessen (D. T.). Mto. Jugend — Tv. Wetzlar Jugend 7:1. To. 1846 I — To. Bad-Nauheim I 3:3. Mtv. I — Tv. Wetzlar I 6:2 (abgebrochen). Tv. 1846 Jug. — To. Bad-Nauheim Jug. 9:4. Das Spiel 1846 I gegen Nauheim I endete unentschieden. Gleich zu Anfang legten beide Mannschaften ein sehr scharfes Tempo vor. Gießen war in der ersten Hälfte stark im Vorteil. Die Nauheimer Hintermannschaft hatte alle Hände voll zu tun, um die wuchtig vorgetragenen, von der Läuferreihe gut unterstützten Angriffe des Sturmes der 1846er abzuwehren. Leider wurden nur zwei Erfolge erzielt. Sichtliches Schußpech, mehrere Male war die Torlatte der Retter, bewahrte die Gäste in dieser Zeit vor einer höheren Niederlage. Mit 2:0 für Gießen wurden die Seiten gewechselt. Nach der Pause wurde das Spiel verteilter. Die fruchtlosen Angriffe des heimischen Sturmes wirkten etwas zermürbend auf die ganze Mannschaft. Nauheim konnte durch scharfe Schüsse ausgleichen unh sogar in Führung gehen. Doch gelang es den Gießenern bald darauf auszugleichen und den Schlußstand 3:3 herzustellen. — Nauheims Mannschaft ist auch in diesem Jahre nicht zu unterschätzen. Ihr Fangoec- mögen ist glänzend, sie war darin, den 1846ern ziemlich überlegen. Besonders der Sturm war gut in Form, und lediglich ihrer guten Hintermannschaft und dem Tormann, der wie immer auf der Höhe war, haben die Gießener das Unentschieden zu verdanken. 1846 spielte reichlich zerfahren. Manche Leute fielen ganz aus. Sie konnten weder laufen, noch fangen, noch zuspielen. Auch vermißt man einen gesunden Torschuß. Es ist klar, daß bei einer so ungenügenden Sturmarbeit die Hintermannschaft mit der Zeit überlastet wird und trotz großen Könnens nicht alles meistern kann. Anscheinend fehlt dem Sturm das nötige Training, ohne das keine Erfolge kommen. Der Schiedsrichter leitete das Spiel einwandfrei. Das folgende Treffen Mtv. gegen Wetzlar enttäuschte etwas. Die Wetzlarer spielen nicht mehr mit demselben Elan, wie im vorigen Zahre. Der Sturm hat nicht mehr die alte Durchschlagskraft, er versteht nicht mehr zu schießen, dieses blitzschnelle Ämspielen des Gegners, das glänzende Zuspiel, wie wir es in der letzten Runde oft bewundern konnten, fehlte vollkommen. Demgegenüber bot der Mtv. eine ansprechende Leistung. Der Sturm war schußfreudig, und auch die Hintermannschaft zeigte gutes Stellungsspiel. Rach Anpfiff entwickelte sich ein ziemlich gleichwertiges Feldspiel. Durch Deckungsfehler der Wetzlarer Verteidigung und durch das wunderbare Schußvermögen seiner Stürmer konnte der Mtv. bis zur Pause mit 5:2 in Führung gehen. Rach der Pause erhöhte er auf 6:2. Kurz nach dem sechsten Erfolg muhte ein Wetzlarer Spieler auf Geheiß des Schiedsrichters das Feld verlassen. Daraufhin brachen die Gäste das Spiel ab. —\Ser Schiedsrichter hatte einen unglücklichen Tag. Er leitete ganz unparteiisch, war aber in fast allen Entscheidungen von Pech verfolgt. Darunter litt das Spiel sehr. Trotzdem hätte Wetzlar das Spiel nicht abbrechen dürfen. Die Zugendspiele, die vorher und nachher ausgetragen wurden, konnten viel mehr gefallen. V. f. B. Die Ligamannschast schlug ihren Verbandsspielgegner, F.-V. W a l l a u, am Sonntag mit 4:1 und gewann damit die ersten Punkte: Das Spiel enttäuschte insofern etwas, als man von der Platzmannschaft auf Grund ihres Sieges in Alsfeld eine bessere Leistung erwartet hatte. Wohl war sie ihrem Gegner in manchem, besonders in der Ballbehandlung, überlegen: was jedoch stark vermißt wurde, war das genaue Zuspiel, mit dem sie noch vor acht Tagen gut gefallen konnte. Zeitweise war die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen geradezu schlecht zu nennen. Aus der Hintermannschaft stach der nach längerer Pause erstmals wieder spielende rechte Verteidiger hervor. Die Läuferreihe zerstörte recht gut und ließ den gegnerischen Sturm nur selten zur Geltung kämmen : in der Bedienung des Sturmes und üh Aufbau der Angriffsaktionen blieben jedoch viele Wünsche offen. Hierunter litt naturgemäß der gesamte Sturm, der im Rechtsaußen und dem Mittelstürmer seine besten Leute hatte. Zn der Vorschau war die Vermutung ausgedrückt worden, daß die in Gießen noch kaum bekannten Gäste wohl das ihr fehlende technische Können durch Wucht und Schnelligkeit ersehen würden. Sie haben jedoch am Sonntag bewiesen, daß sie beides recht gut vereinigen. Zhr Spiel ist ungekünstelt, dafür aber forsch und sehr schneU. Auf eigenem Platz wird .Wallau,. selbst gegen stärkere Vereine, noch manchen Punkt gewinnen. Wenn einerseits eine gefällige Kombination und gut durchdachtes Spiel vermißt wurde, so entschädigte andererseits doch das bis zum Schluß anhaltende überaus flotte Tempo, sowie die Fairniß, mit der das Treffen von beiden Parteien durchgeführt wurde. Selbstverständlich wurde hart gekämpft, jedoch ohne oaß die Grenzen des Erlaubten überschritten wurden. Schiedsrichter Henkel, Wetzlar, leitete korrekt und sicher. Mit 2:0 für D. s. D. ging es in die Pause. Der 4:1-Sieg und die damit errungenen beiden Punkte des V. f. V. sind ein erfreulicher Erfolg für die D. f. B.-Elf. Spielvereinigung 1900 Gießen. o. Die vierte Senivrenmannschast unterlag am Sonntag auf dem Sportplatz Lie- bigshöhe der zweiten Elf Großen-Busecks 0:1. Die Gäste waren sehr eifrig bei der Sache, während es den Gießenern noch sehr an Zusammenspiel und Wettspielerfahrung mangelte. Eifriges, regelmäßiges Training ist hier am Platze, wenn die Derbandsspiele einigermaßen erfolgreich bestanden werden sollen. Die 2. Z u g e n d gewann ihr erstes Pflichtspiel gegen Grünbergs 1. Zugend mit 2:0. Die 3. Z u g e n d verlor in einem Gesellschaftsspiel in Aßlar gegen die dvrtige sehr gute Zugend, wie nicht anders zu erwarten war, hoch mit 7:0. 19 00Zugend und Schüler kombiniert gegen eine gleiche Elf vom V. f. V. Friedberg sah die Einheimischen nach schönen Leistungen mit 3:0 siegreich, während sich die 2. Schüler- e l f der vorzüglichen 1. Schülermannschaft Garbenteichs mit 3:1 beugen mußte. Arbeiier-Turn- und Sportbund. Preungesheim I — Gießen I 5:1. Zum fälligen Kreisklassenspiel mußte Gießens 1. Mannschaft am Sonntag nach Frankfurt-Preungesheim fahren. Während die Einheimischen in neuer Aufstellung antraten, hatte Gießen es vorgezogen, mit zwei Mann Ersatz die Fahr? anzulrek^ Der Beginn des Spieles brachte einen flotten, offe* nen Kampf, indem beide Gegner gleichwertig waren. Nach 20 Minuten konnte Gießen durch Strafstoß in Führung gehen, und diese bis Halbzeit halten. Nach Seitenwechsel ging Preungesheim stark aus sich heraus und konnte durch Elfmeter den Ausgleich erzielen, dem es nach wenigen Minuten das Führungstor folgen ließ und in ebenso kurzer Zeit das Resultat auf 3:1 stellte .Gießen fiel nun mächtig ab und konnte es trotz reichlicher Abwehr nicht'verhindern, daß die Platzbesitzer aus einem Gedränge zum vierten und kurz darauf zum fünften Tore tarnen und so die Gäste mit einer herben 5:1-Niederlage nach Hause schickten.. In den Waldungen der Gemeinde Beuern sand am Sonntag der Herbstwaldlauf des 3. Bezirks statt. Start und Ziel war bei allen Läufen der von herrlichem Wald umgebene Sportplatz. Nach Beendigung des Waldlaufes fanden am Nachmittag leichtathletische Mannscyaftskämpfe statt, die gute Einzelleistunaen zeigten. Die Ergebnisse des Waldlaufes find: Sportler über 18 Jahre, 5000-Meter* Laus: 1. Otto Balser, Gießen, 18,20; 2. Reinhold Belloff, Beuern, 18,47; 3. Otto Rüspeler, Gießen, 18,54 Min. Turner und F u ßballer über acht« zehn Jahre, 1500-Meter-Lauf: 1. Willi Schardt, Watzenborn, 4,34; 2. Otto Balser, Gießen, 4:34,2; 3. Wilhelm ßeutner, Burkhardsfelden, 4:45,2 Min. Sportler unter 18 Jahre, 1500-Meter- Lauf: 1. Wilhelm Hofmann, Alten-Buseck, 4,54; 2. Reinhold Belloff, Beuern, 4,56; 3. Hermann Leitner, AltenBuseck, 5,02 Min. Sportler von 1 4 b i 5 16 Jahre, 1000- Meter-Lauf: 1. Otto Schneider, Beuern, 3,13; 2. Karl Opper, Daubringen, 3,14; 3. Ludwig Gilbert, Daubringen, 3,48 Min. Sportlerinnen, 4X75 - Meter - Stafette^ 1. Heuchelheim 44,2; 2. Gießen 44,4 Min. Resultate der Mann s cfj'a ftstämpfe, Sport« ler über 18 Jahre (4 Teilnehmer): Schleuderball: 1. Krofdorf 164,16; 2. Heuchelheim 159,14; 3. Staufenberg 154,46; 4. Herborn 137,12; 5. Beuern 135,20 Meter. Kugelstoßen: 1. Heuchelheim 36,01; 2. Krofdorf 35,96; 3. Staufenberg 35,92; 4. Beuern 31,05; 5. Herborn 30,21 Meter. Weitsprung: 1. Staufenberg 22,90 ; 2. Heuchelheim 22,27; 3. Krofdorf 21,95; 4. Herborn 20,56 Meter. Sportler unter 18 Jahre (3 Teilnehmers Kugel st oßen: 1. Beuern 37,35; 2. Alten- Vuseck 34,05; 3. Odenhausen 30,20 Meter. Speerwerfen: 1. Odenhausen 123,39; 2« Beuerir 120,67; 3. Alten-Buseck 93,39 Meter. Sportlerinnen über 18 Jahre: Weit- sprung: Heuchelheim 16,01 Meter; Kugelstoßen: Heuchelheim 23,90 Meter; Schleuderball: Heuchelheim 105,60 Meter. Sportlerinnen unter 18 Jahre: Hoch, fprung: Heuchelheim 4,75 Meter; 50-Meter-Lauf: Heuchelheim 33,2 Sek. TRAGT DIE GUTE SCHMÜCKER-KLEIDUNG 7085A Gauwetisampf Frankfurt-Rhein -Mosel -Hessen im am 13. Oktober, in der Volkshalle zu Gießen. Oer Gauturnausschuß Bahnhofs jjeslauranl Zum Ausschank gelangen das vorzügliche Fürstenberg-Bräu, das beliebte Exportbier des Gießener Brauhauses, das bekannte Münchner Löwenbräu (dunkel) 694ZU Cafe Amend Morgen abend Sonder-Konzert mit verstärkter Hauskapelle Sonderkonzerte finden jeden Mittwoch statt 7443L Bau- und Möbel Schreinerei empfiehlt Schlafzimmer Wohnzimmer Speisezimmer und Kücheneinrichtungen auch Einzelmöbel, Stüble u. Schrcib- tischfcffel. Anfertigung von Ladeneinrichtungen gegen günst. Zahlungsbedingungen ö. 5römiöt in öenffleineimOieBen Babnbofstraße 11, [05762 Ci® s Schiller in Gießen, Oswaldsgarten Täglich 8 Uhr abends das Riesen-Sen- sationsprogramm von unerhörter Mannigfaltigkeit. Tollkühnheit und Farbenpracht. Mittwoch. 11. Sept., auch 3 Uhr nachmitt, mit dem vollständigen Abendprogramm. Nachm. zahlen Kinder unter 12 Jahren nur halbe Preise. Täglich ab 10 Uhr vormitt.: Oeffent- liehe Proben.Tierscbau,Löwenfarm Raubtierfütterung. 7422D Vorverkauf: Zigarrenbaus S. Loeb, Bahnhofstr. 52a, Fernr. 4196, Hapag- Reisebüro, Seltersweg 93, Tel. 4197. Circuskassen tägl.ab 10 Uhr ununterbrochen geöffnet Auto* und Fahrrad-Park am Circus. Saatgetreide wird auf einer modernen „Petkus"-Anlage gründlich gereinigt. Marl Rühl Troher Mühte bei Gießen. Obstversteigerung. Am Donnerstag, dem 12. September b. 3., r- mittags 9/ Uhr, soll nach vorheriger Zusammenkunft am südlichen Orts- ausgang von Langsdorf das gemeindliche Obst öffentlich meistbietend versteigert werden. 7433D Hessische Bürgermeisterei Langsdorf. Kneipp, HÜTER Ä f /\z\ VM ' $6 xpcR sDcr 2. Wetzlarer Kampfspiele. Leichtathletik der Gpielvereinigung 1900. o. Die SpielvereiniHAng 1900 hatte am Sonntag noch einmal alle verfügbaren Kräfte für die Wetzlarer Veranstaltung aufgeboten. Alle Teilnehmer schlugen sich glänzend. Zehn erste, zehn zweite und zehn dritte Plätze beweisen, wie ausgezeichnet die Tradition der 1900er Leichtathletikabteilung gewahrt wurde. Den Löwenanteil an den Erfolgen haben die Aktiven. Mit den gezeigten Leistungen hätten sie sich auch auf jeder anderen Veranstaltung des Bezirks Hessen-Hannover durchgesetzt. Sehr brav hielt sich auch die Jugend, die durch die Anwesenheit der stärksten Vertretung der Frankfurter Eintracht einen äußerst schweren Stand hatte. Die Frauen wiesen noch nicht die notwendige Härte und Wett^mpsev7<^rung auf. Die erzielten Plätze sind icdoch sehr beachtenswert. Rachstehend die für die 1900er erfolgreichen Wettbewerbe: Aktive Kl. I. 100 Meter: 1. Guhot, 1900, 11,6 S., 2. Müller Weilburger F. V., 11,7 ©.; 3. Zerndt, V. f. L. Wetzlar, 11,9 S. Guhot liegt bei 50 Meter mit 1V2 Meter in Führung, dann kommt der schnelle Weilburger bis fast auf Brustbreite heran. 200 Meter: 1. Geist, 1900, 24 2. Zerndt, D. f. L. Wetzlar, 24,6 3. Schmidt, V. f. B. Gießen, 25,2 S. Der 1900er braucht nicht sein Letztes herzugeben, um klar zu gewinnen. 400 Meter: Die Plakette wurde Depperling, 1900, zugesprochen, da die übrigen Gemeldeten nicht am Start erschienen. 3000 Meter: 1. Engelhardt, Sp. D. 98 Darmstadt, 9:13 M.; 2. Kaufmann, Fuhballspv. Frankfurt, 9:48 M.; 3. Paul, 1900, 9:55 M. Der Sieger stand von vornherein in dem wunderbaren laufenden Darmstädter, dem Bruder des Olympiadritten über 800 Meter, fest. Da auch der bekannte Frankfurter Kaufmann weit besser aufgelegt war, als vor einigen Wochen in Fried- Perg, muhte der 1900er mit dem für ihn fast obligatorischen dritten Platz vorlieb nehmen. Hochsprung: 1. Capello, D. f. L. Wetzlar, 1,73 Meter: 2. Hopfenmüller, 1900, 1,68 Meter; 3. Jakob, V. f. B. Gießen, 1,63 Meter. Ausgezeichnete Leistungen! Diejenige des 1900ers ist um so bewundernswerter, als er damit seine eigene Körpergröße wesentlich übersprang. Kugel st oßen: 1. Schäfer, 1900, 12,80 Meter; 2. Mohl, D. f.B. Gießen, 12,38 Meter; 3. Gary, Marburg, 12,15 Meter. Schäfer war infolge mangelnder Trainingsmöglichkeit nicht in bester Form. Trotzdem ist seine Leistung beachtlich. Speerwerfen: 1. Koch, D. f. L. Wetzlar, 47,13 Meter; 2. Klös, 1900, 46,86 Meter; 3. Guhot, 1900, 46 Meter. Alles Würfe, die sich sehen lassen können. Guhot hätte sich, wie das später aufgeführte Ergebnis der Kl. III auch dartut, noch vorgeschoben, wenn er die Konkurrenz nicht unmittelbar an einen 200-Meter- Lauf hätte bestreiten müssen. Stabhochsprung: 1. Reeg, Reu-Isenburg, 3.70 Meter (1); 2.3ung, 1900, 3,10 Meter. Der ehemalige deutsche Meister erntete ob seiner prächtigen Leistungen reichen Beifall. Der eigentlich noch zur Jugendklasse gehörige 1900er fand nicht minder viel Bewunderer, zumal bei einem Versuch bei 3,40 Meter Höhe die Latte nur durch leisestes Berühren fiel. Aktive Kl. II. 200 Meter: 1. Guhot. 1900, 23,4 Sek.; 2. Geist, 1900, 23,5 Sek.; 3. Müller, Weilburger F. V., 23,6 Sek. Einer der schönsten Kämpfe des Tages mit ansprechenden Zeiten. Das größere Stehvermögen Guyots siegte über Geists bessere Anfangsschnelligkeit. 800 Meter: 1. Bepperling, 1900, 2:06 Min.; 2. Worthmann. V. f. L. Wetzlar, 2:09 Min.; 3. Simeth, Eintracht Frankfurt, 2:13 Min. Der Sieg des Bezirksmeisters Bepperling stand nie in Frage, bei etwas stärkerer Konkurrenz hätte er eine noch günstigere Zeit herausholen können. 4x20 0 - M e t e r - S t a f f e l: 1. Sp.-Vg. 1900 Gießen, 1: 37 Min.; 2. V. f. L. Wetzlar, 1: 41 Min. Die Spielvereinigungsleute Geist, Seipp, Guhot und Hopfenmüller liefen ihren Gegnern, V. f. L. Wetzlar und V. f. B. Gießen, auf und davon. Weitsprung: 1. Seipp, 1900, 6,19 Meter; 2. Fischer, W., V. f. B. Gießen, 5,43 Meter. Der 1900er erzielte mit guter Technik eine zufriedenstellende Leistung. Schade, daß ein Sprung von annähernd 6,50 Met. knapp übergetreten war. Aktive, Klasse III. 4xl00-Meter-Staffel : 1. Sp. Vg. 1900 Gießen, 47,6 Sek.; 2. V. f. L. Wetzlar, 47,7 Sek.; 3. V. f. B. Gießen, 47,8 Sekunden. Ein aufregender Kampf, aus dem die Spielvereinigungsleute, die mit viel Elan liefen, und gut wechselten, als knapper Sieger hervorgingen. Mannschaftsaufstellung: Täubert, Birkenstock, Seipp, Wallenfels. Weitsprung: 1. Capeller, V. f. L. Wetzlar, 5,97 Meter; 2. Knigge, 1900, 5,86 Meter; 3. Müller, Weilburg, 5,77 Meter. Speerwerfen: 1. Guhot, 1900, 48,55 Meter; 2. Klös, 1900, 45,05 Meter; 3. Koch, V. f. L. Wetzlar, 44,15 Meter. Guhot ist jetzt der dritte 1900er, der innerhalb weniger Wochen über 48 Meter geworfen hat. Seine Leistung ist neuer Vereinsrekord. Jugend A. Olympische Staffel: 1. V. f. L. Wetzlar 4 Min.; 2. Eintracht Frankfurt 4:05 Min.; 3. Sp. Vg. 1900 4:08 Minuten. Bei stärkerer Besetzung der 800- und 400-Meter-Posten wäre den Gießenern die zweite Stelle sicher gewesen. Speerwerfen: 1. Schick, V. f. L. Wetzlar 49,80 Meter; 2. Müller, 1900, 48,77 Meter; 3. Will, 1900, 47,11 Meter. Die Leistungen lassen auf Werfertalente schließen. D r e i k a m p f : 1. Schick, V. f. L. Wetzlar, 161 Punkte; 2. Hassinger, Eintracht Frankfurt, 126 Punkte; 3. Schlarb, 1900, 112 Punkte. Dem ausgezeichneten Wetzlarer war nicht beizukommen. Jugend B. 100 Meter: 1. Goldschmidt, Eintracht Frankfurt, 12 Sek.; 2. Koch II., 1900, 12,1 Sek.; 3. Dertrand, Eintracht Frankfurt, 12,2 Sekunden. Daß Koch II. mehrere Cintrachter hinter sich ließ, stellt ihm das beste Zeugnis aus. 3 0 0 Meter: 1. Kuhlmann, V. f. L. Wetzlar 40 Sek.; 2. Steuerwald, V. f. D. Gießen, 41,2 Sek.; 3. Bohrbach I., 1900, 42,4 Sekunden.' 4xl00-Meter-Staffel: 1. Eintracht Frankfurt 48 Sek.; 2. Sp. Vg. 1900 49,2 Sek.; 3. V. f. D. Gießen 49,4 Sekunden. In der Besetzung Gräf, Rodriguez, Guthardt, Koch II., liefen die 1900er ein sehr schönes Rennen. Hoch sprung: 1. Kuhlmann, V. f. L. Wetzlar, 1,55 Meter; 2. Körber, V. f. L. Wetzlar, 1,50 Meter; 3. Mootz, 1900, 1,40 Meter. Jugend C. Speerwerfen : 1. Ludwig, D. s. L. Wetzlar, 39,12 Meter; 2. Daum, Eintracht Frankfurt, 36,26 Meter; 3. Herbert, 1900, 25,30 Meter. Frauen. 7 5« M § ter : 1. Schneider, V. f. L. Wetzlar, 10,5 Sek.; 2. Ritter, D. f. L. Wetzlar, 10,8 Sek.; 3. Rickel, 1900, 10,9 Sekunden. Diskuswerfen : 1. Schneider, V. f. L. Wetzlar, 23,45 Meter; 2. Frey, V. f. L. Wetzlar, 22,05 Meter; 3. Langhammer, 1900, 21,80 Meter. 4x75-Meter-Staffel : 1. V. f. L. Wetzlar 42,2 Sek.; 2. Sp. Vg. 1900 42,4 Sek.; 3. Wetzlar zweite Mannschaft 43,1 Sekunden. V. f. B. Leichtathletik. Die Leichtathleten des V. f. B. konnten durch ihre Teilnahme an den zweiten Wetzlarer Kampfspielen wiederum ihre stetig fortschreitende Formverbesserung unter Beweis stellen. D. f. B. nahm mit zirka 30 Aktiven und Jugendlichen an den Wettkämpfen teil und war bei fast allen Konkurrenzen vertreten. In Anbetracht der starken Konkurrenz (Eintracht Frankfurt), V. f. L. Wetzlar und Spielverein. 1900 ist das Gesamtabschneiden als sehr gut zu bezeichnen. 2 Siege, 6 zweite und 9 dritte Plätze sind auf jeden Fall Erfolge, auf die die Teilnehmer sowohl, wie die Leitung stolz sein können. bleiben. Rachstehend die Ergebnisse: Weitsprung Kl. I: 1. M. Fischer, D.f.D. mit 5,49 Meter. Diskus Kl. I: 1. Paulus, Wetzlar, 44,60 Meter; 2. Mohl, V. f. B. Gießen, 37,57 Meter; 3. Gary, Marburg, 36,20. Kugelstoßen I. Kl.: 1. Schäfer, 1900 Gießen, 12,80; 2. Mohl, D. f. D. Gießen, 12,38; 3. Gary, Marburg, 12,15 Meter. Kugelstoßen II. Kl.. 1. Mohl, D. f.D. Gießen, 12,45; 2. Koch, V. f. L. Wetzlar, 11,32; 3. Koch, D. f. B. Gießen, 11,29 Meter. Weitsprung Kl. II: 1. Seipp, 1900 Gießen, 6,20; 2. M. Fischer, D. f. B. Gießen, 5,74 Meter; 3. Linsemann, 1900 Gießen. M. Fischer verbesserte seine vorherige Leistung, konnte jedoch dem 1900er Seipp nicht gefährlich werden. 4xl00-Meter-Staffel Kl. III: 1. 1900 Gießen; 2. V. f. D. Gießen; 3. V. f. L. Wetzlar. V. f. B. lief ein beachtliches Rennen, verdarb sich aber durch schlechtes Wechseln die Chance auf den ersten Platz. 20 0 Meter Kl. I: 3. A. Schmidt, D.f.B. Gießen, mit 25,2 Sek. 40 0 Meter Kl. III: 1. Eintracht Frankfurt a. M., 54,6 Sek.; 2. V. f. L. Wetzlar, 55,6 Sek.; 3. T res er, V.f.B. Gießen, 56 Sek. Treser landete an dritter Stelle. Er hätte jedoch seiner Veranlagung entsprechend mehr herausholen können. 1 0 0 M e t e r Kl. III: 1. Schmidt, V. f. L. Wetzlar, 12,3 Sek.; 2. Best, Wetzlar, 12,3 Sek.; 3. Koch, V.f.B. Gießen, 12,4 Sek. Koch, V. f. B, muhte als erster durchs Ziel gehen. Durch mangelhaften Start vergab sich der talentierte V. f. B.er die Siegeschance. H o ch s p r u n g Kl. I: 1. Capello, V. f. L. Wetzlar, 1,73 Meter; 2. Hopfenmüller, 1900, 1,65 Meter; 3. Jakob, V. f. B. Gießen, 1,60 Meter. Bis 1,60 Meter konnte der technisch rein springende B. f. B.er mit. Er mußte jedoch dem gut disponierten 1900er das Feld räumen. Jakob dürfte infolge seiner Technik im nächsten Jahrs die 1,70-Meter-Grenze erreichen. 10 0 Meter Alte Herren: 1. Reih, Eintracht Frankfurt a. M., 12,3 Sek.; 2. R a g e l, B. f. B. Gießen, 12,8 Sek.: 3. Schindler, Wetzlarer Sportverein, 13,3 Sek. Ragel, V. f. 2.. verlor am Start einige Meter, hätte aber auch ohnehin dem früheren Meistersprinter der Eintracht wohl kaum gefährlich werden können. Immerhin ist die Zeit sehr gut. Jugendklasse A. Weitsprung: 3. Geller, D.f.B. Gießen, 5,52 Meter. Dreikampf: 3. Geller: D.f.B. Gießen. Jugendklasse B. 300 Meter: 1. Cullmann, V.f.L. Wetzlar, 40,2 S.; 2. Steuerwald, B.f.B. Gießen, 40,6 S.; 3. Rohrbach, Gießen 1900, 43,4 Sekunden. — Der talentierte Steuerrvald lief ein taktisch hervorragendes Rennen, der etwas ältere Cullmann roar jedoch nicht zu schlagen. Steuerwalds Zeit ist sehr gut. Steuerwald entwickelt sich zu einem hoffnungsvollen Leichtathleten. Jugendklasse B. 4 X 100 Meter: 1. Eintracht Ffm., 48 S.; 2. Gießen 1900, 49,2 S.; 3. D.f.B. Gießen, 49,4 Sekunden. — Haellmayer. V.f.B., lief sowohl im Vorkauf (der an erster Stelle vor Wetzlar und Gießen 1900 beendet wurde) als auch im Endlauf hervorragend. Leider ging der von ihm herausgeholte Vorsprung auch hier durch schlechten Wechsel verloren. Jugendklasse C. 50-Meter-Lauf: 1. Eintracht, 7,4 S.; 2. V.f.L. Wetzlar, 7,5 S.; 3. Simon, V.f.B. Gießen, 7,5 Se- künden, Brustbreite zurück. — Simon blieb am Start sitzen, verlor einige Meter und vergab so den sicheren Sieg. Tennis. Gießen — Frankfurt 1914 (Palmengarlen) 7:17. Gießen trat die Fahrt nach Frankfurt mit Ersatz für Dr. Kirchner und Dr. Schopper an. Nichtsdestoweniger hielten sich die Vertreter des Gießener Clubs gut. Besonders tapfer schlugen sich diesmal die Damen, die von 6 Einzelspielen 4 gewinnen konnten. Im Herren-Einzel hatte Roll Gelegenheit, sein in Gießen gegen Erwen erzieltes Score zu verbessern, was ihm auch gelang. Er setzte dem Frankfurter härtesten Widerstand entgegen und verlor nur 5/7, 3 6. Ebenso hartnäckig kämpfte Dr. Fischer, Gießen, gegen Halberstadt um jeden Ball; der Frankfurter gewann mit glattem Resultat, aber nach härtestem Kampf. Die übrigen Gießener Herren mußten ebenfalls die Lieberlegenheit der stark aufgestellten Frankfurter Mannschaft anerkennen. Bei den Damen gab es abermals ein Duell Frl. Kempff : Frl. Wenzel, das wiederum Frl. Wenzel, Frankfurt, nach Kampf knapp für sich entscheiden konnte. Frau Dumur zeigte sich Frl. B ü n g e r überlegen und siegte in zwei schweren Sähen. Weitere Pluspunkte brachten Frl. Berg, Frl. S t ü ck r a t h und Frau D ü t t m a n n. Im Herren-Doppel ist erwähnenswert der Sieg von Engisch/K. Fischer, im Mixed die gewonnenen ’ Spiele von Frau D ü t t m an n / Müller und Frau Winkelmann K. Fischer Gesamtergebnis: Frankfurt siegt klar mit 17:7 Punkten, 35:17 Sähen und 278:191 Spielen. Steuerfachmann übernimmt noch einige Beiriede tue Prüfung der Bücher Ausstellung von Stcuerbilanzcn Beratung aller Etcuersragen. Schriftliche Anfragen unter 05763 an den Gießener Anzeiger erbeten. 1 LL Ziehung 18. September 192» Herrenschuhe [wte] 3 2167 Geldgetvinne 1 Prämie Mark \ ll ES für jedermann zur populären Einheits-Preislage 16.50 In Rahmen-Ausführung Neue Modelle in verschiedenen Ausführungen finden Sie im Seltersweg gegründet 1904 Fernsprecher 2435 7330A WHe WllMDlW. 125001 Höchslgewinn Mark ■ 5 g 6000 | Lose zu 1 M. I gi 6.Dinkelmann, WormsB Postscheckkonto Frankfurt a. M. 15194 I = £ S Hier bei: Zigarrenhaus E. Reuter, fr. Buchacker, Ächtung! Die letzte große Sendung Einmach', Salat , Pfeffer-, Senf- und Zuckergurken wird morgen Mittwoch, von 8 Uhr an zu äußerst billigen Preisen an meinem Obststand, Bismarckstraße, neben Herrn Bäckermeister Schilling verkauft,- gleichzeitig frischer Kopfsalat, Endivien, Blumenkohl, Tomaten, Trauben, Pfirsiche ufto. 05773 Ferner teile ich mit, daß ich ab 1. Oft. meinen Obststand in ein Ladengeschäft umstelle im Hause VrsmaEtvatze 10 Das mir seit Jahren geschenkte Vertrauen bitte ich, auch auf mein neues Unternehmen übertragen zu wollen. $t?