Mittwoch. 10. April 1929 179. Jahrgang vriiü und Verlag: vrlihl'Iche Umversitätr-Vuch- und Steindruckerei H. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schuistrgtze '■ Bemühungen um die Große Koalition erneut gescheitert •_____ ifi ~e,L Sa» hi Tas GIPKEN5 Mi- Annahme von Anjetae« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mni Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. ich! ilerei id Lasur- i perfekte n schnll- nommen Georg rsweg 36 3l3iO Nie Reichsmiiiel für den Zeppelinbau. letzte Wort noch nicht gesprochen — sagt Dr. Eckener. Die preußische Staatsverwaltung steht unter einem S t a a t s in i n i st e r i u in, das sich folgendermaßen zusammensetzt: 1. Reichs- kanzler, zugleich preußischer Ministerpräsident (mit einem besonderen preußischen ntaatssekretanat), 2. preußischer Finanzminister (mit weitgehendem Vetorecht), 3. preußischer Kultusminister, 4. preußischer Minister des Innern (zugleich Relchs- minister des Innern), 5. preußischer Justiz- Minister (zugleich Reichsjustizminister), 6. Reichsarbeitsminister (zugleich preußischer Arbeitsminister), 7. Reichslandwirlschaftsminister (zugleich preußischer Landwirtschaftsminister). Es gibt in Berlin im ganzen nur 11 Minister (gegenüber 20 heute). Inwieweit das Rcichsftnanz- ministerium seinen eigenen Unterbau (Reichs- sinanzverwaltung) behalten muh, kann erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Ein gesunder Finanzausgleich muß den Ländern die Möglichkeit zur Erfüllung ihrer Aufgaben und die erforderliche Selbständigteil und Selbstverantwortlichkeit geben. Grundlage der Ueber- weisungen muß neben dem Steueraufkommen der Länder ihr Umfang und ihre Schulkinderzahl sein. Reue Aufgaben dürfen den Ländern und Selbstverwaltungskörpern vom Reiche nicht auf» erlegt werden, ohne daß gleichzeitig für Deckung der entstehenden Llnkosten gesorgt wird. Dem Reichs- und preußischen Staatspräsidenten muh ein Einspruchsrecht gegen neue Ausgaben beigelegt werden. Artikel 18 der Reichsverfassung muh in dem Sinne geändert werden, daß den Ländern der notwendige Schutz für ihr Dasein und ihren Bestand zurückgcaeben wird. Eine über das jetzige Mah hinausgehende Verzerrung Preußischer Zeichsratsstimmrn auf Pie l e r wird zugleich preußischer Provinzen ist mit den Lebensinteressen de« preußischen Staates nicht vereinbar. Dieses Programm ist lediglich em R o t * Programm zur äleberwindung der schlimmsten Röte des Augenblicks. Die Partei wird sich in ihrer politischen Arbeit an keine Einzelheit dieses Rotprogramms, sondern nur an seine Gesarnt- durchführung gebunden halten. In der von dem Parteivorstand gleichfalls gebilligten Kritik des Parteivorsihenden an den Vorschlägen des Bundes zur Erneuerung des Reiches wird anerkannt, daß die Begründung der Vorschläge viele gute Gedanken enthalte, dah dagegen bei den Vorschlägen s elbst anscheinend eiskalte Theorie und von jedem Heimatduft freie Konstruktionen aufgestellt worben seien. Der Plan des Bundes gefährde die Einheit des Reiches, weil er praktisch einer neuen Main-Linie und dem zersetzenden Gedanken der sog. Abendlandbewegung Vorschub leiste. Er tue dies insbesondere dadurch, dah er die hier entgegenstehenden historischen Staatsbegriffe und Staats- gebundcnheiten zerstöre oder unterhohle. Er weise keinen Weg für die Möglichkeit der Angliederung Oesterreichs, sondern verbaue sie. M Nr. 83 Erstes vlatt filmen. »Erscheint täglich,außer Ya't 6cU » Sonntags und Feiertags. Feuer Veilagen . Die Illustrierte Gießener Familienblätter 1 nisterpräfident. Durch Aenderung der Artikel 8 bis 15 der Verfassung werden die gesamten Kultusangelegen- heitcn, die gesamte innere Verwaltung und die darauf bezügliche Gesetzgebung und die gesamte Iustizverwaltung der Zuständigkeit des Reichs entzogen und ausschließlich den Ländernvorbehalten. Der preußische Minister des Innern und der preußische Iustizminister sind als Reichsminister des Innern und Reichsjustizminister Mitglieder des Reichskabinetts. Dagegen wird der Schwerpunkt der wirtschaftlich e n Ministerien in das Reich gelegt. In Voraussicht dieser Entwicklung werden zunächst Reichswirtschaftsministerium, Reichsarbeitsministerium und Reichsverkehrsministerium zu einem Reichsarbeitsministerium, das preußische Ministerium für Handel und Gewerbe mit dem preußischen Wohlfahrtsministe- rium zum preußischen Arbertsminist erium verschmvlzen. Ferner verwaltet der „Reichsarbeitsminister" zugleich das preußische Arbeitsministerium sowie u. a. der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft das „preußische Ministerium für Landwirtschaft". ilerlui” Ui wm" toi* o.Mono rttil-w« folgende Forderungen auf: Aufhebung des Artikels 54 der Verfassung und der entsprechenden Bestimmungen der preußischen Verfassung und der übrigen Lan- derversassungen. , . , Der Reichspräsident wird zugleich preußischer Staatspräsident. Er ernennt als solcher auch die preußischen Staatsminister aus seinem Vertrauen unabhängig vom Preußischen Landtage. Der Reich skanz- Friedrichshafen, 9. April. (WB.) Die Tatsache der Streichung des im Reichshaushaltsplan 1929 bisher vorgesehenen Reichszu- schussesfürdenLuftschiffbauZeppe- lin in Höhe von vier Millionen Mark, mit dessen Hilfe der Ban einer neuen Werfthalle ermöglicht werden sollte, veranlaßte unseren Friedrichshafener Vertreter, Dr. Eckener über die Auswirkungen der Sparmaßnahmen auf die Pläne der Friedrichshafener Werft zu befragen. Dr. Eckener erklärte: „Die weitere Entwicklung des Luftschiffes ist damit in der Tat sehr ernstlich gefährdet, und ich befürchte, dah wir Zeppelinleute Hoffnungen zu Grabe tragen müssen, die zugleich solche weitester Kreise des deutschen Volkes sind. Denn es ist der Zeppelingesellschaft, nachdem sie unter dem Druck der Friedensbedingungen fast verblutet war, ganz unmöglich, aus eigenen Mitteln neben einem neuen Luftschiff auch noch eine neue Werfthalle zu erbauen. Diese Werfthalle aber ist die Vorbedingung für den Bau der verbesserten Schiffstype, die wir in Angriff genommen haben. Ich sehe vorerst keinen Ausweg aus dieser Situation. Ich verstehe lehr gut die Rotwendigkeit, angesichts der schlecht len Finanzlage sparsam zu wirtschaften, und iich kann auch verstehen, dah wir gerade angesichts der Pariser Verhandlungen uns doppelt bemühen müssen, nicht als reiche Verschwender zu erschei- neu, aber es will mir nicht einleuchten, dah man nach den voraenommenen Streichungen noch 3 5 M i l l i o n e n^M a r k f Ü r s o n st i g e L u s 1- sahrtzwecke und keinen Pfennig sur das Zeppelin schiff zur Verfügung haben soll. Ich möchte deshalb annehmen, daß das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht litischen Arbeit übernehmen. Ob das Zentrum unter solchen Voraussetzungen in die Regierung eintreten könne, hinge davon ab, ob es nach der sachlichen Seite gelinge, die Bindungen zu erzielen, ohne die ein Zusammer^ arbeiten der Regierungsparteien als unmöglich erscheine. Solche Bindungen müssen zunächst die Fragen des Etats betreffen und agitatorische Anträge, die über das Programm der Sachverständigen hinausgingen, unmöglich machen. Ferner müsse jedoch eine Bindung auch für sonstige politisch bedeutsame Anträge derart geschaffen werden, dgh sie nur mi Einvernehmen mit allen Regierungsparteien eingebracht werden könnten. Für die Zentrumspartei komme es auch heute nicht daraus an, etwa in die Regierung einzutreten. Der ganze Kampf, den sie seit dem Sommer vorigen Iahres führe und der zum Rücktritt des Ministers v. GuL- rard geführt habe, gehe um die Gesundung unserer parlamentarischen Methoden und um die Sicherung einer sachlichen und erfolgreichen Regierungsarbeit. Oie Aussichten für den Etat. Weitere Zusammenarbeit ohne koalitionsmätzige Bindung. Berlin, 9.April. 3n der Parteiführerbespre- chung beim Reichskanzler soll eine Formel gefunden worden sein, die am Mittwoch Gegenstand einer kabinettssihimg sein wird, und die es der Regierung ermöglichen soll, den Etat auf der Grundlage der bekannlen Vereinbarungen der Finanzsachverständigen der fünf Parteien mit Unterstützung dieser Parteien — wenn auch zunächst ohne koatiti- onsmäßige Bindung — zur Verabschiedung zu bringen. en unb io gesprochen ist." Oer gefährdete Luftverkehr. Berlin, 10. April. Der Arbeitsausschuß der Deutschen Lusthansa A.°G. hat sich gestern in mehrstündiger Sitzung Über die Sachlage beraten, die durch die beabsichtigten Streichungen im Lust- vcrkehrsetat geschaffen wurde. Der Ausschuß war der Ansicht, daß die geplanten Abstriche eine Vernichtung der langjährigen, mit großen Mitteln geleisteten Pionierarbeit bedeuten und eine katastrophale Auswirkung für das im Luftverkehr tätige, wertvolle Personal nach sich ziehen würden. Sie würden nicht nur den deutschen Flugverkehr irn In lande fast gänzlich lahm legen, sondern auch der Deutschen Lufthansa unmöglich machen, ihre Flugverbindungen nach dem Auslande fortzusehen. Es wurde daher ein Unterausschuß beauftragt, mit den zuständigen Instanzen alsbald Verhandlungen wegen Aufrechterhaltung des deutschen Luftverkehrs aufzu- nehmen. Oie Lohnbewegung bei der Reichsbahn. Die Lpitzengewcrkschaften bieten ihre Bcrmitttung an. Berlin, 9. April. (Priv.-Tel.) Die Spihen- organisationen der Deutschen Gewerkschaften — Allgemeiner Deutscher Gewerkschastsbund, Deutscher Gewerkschastsbund und Deutscher Gewerkschaftsring — haben zum Reichsbahnlohnkonflikt am 9. April je ein Schreiben an die Reichsregierung und die Rcichsbahnhauptverwaltung gerichtet. In dem Schreiben heißt es nach dem „Deutschen": Es sei der Wille der Spihenorga- nisalionen, den Arbeitsfrieden in dem für die Gesamtwirtschaft so bedeutsamen Eisenbahnbetrieb nicht ohne zwingende Rot gefährden zu lassen. Deshalb sollten Reichsregierung und Reichsbahnhauptverwaltung I den Weg der Verständigung beschreiten DeMnationale Vorschläge zur AeWresom Parlament und Negierung. - Personalunion zwischen Preußen und Reich. Das Problem der Länder. - Gegen die Vorschläge des Lutherbundes. Äling Nmen 2 le Kerne, die 1460V Berlin, 9. April. (D.D.Z.) Am Dienstagvormittag trat der Parteivorstand der Deutschnationalen Dolkspartei fast vollzählig zu einer Sitzung im Reichstag zusammen. In einer fast zweistündigen Rede behandelte der Parteivorsihende Dr. Hugen- b er g die Frage der Reichsreform und machte hierfür eingehende Vorschläge, die sich der Parteivorsihende zu eigen machte. Die Vorschläge des Parteivorsitzenden zur Frage der Reichsreform gehen dahin: Llnbeschadet der großen grundsätzlichen Forderungen der Partei, insbesondere ihrer monarchischen Grundlage, ist der Ausgangs- und Mittelpunkt ihrer Kritik an dem heutigen Verfaf- sungswesen die Entwicklung der deutschen Parlaments - und Parteiwirtschaft. Diese Entwicklung ist eine Folge der marxistischen Erkrankung des Volksgeistes. Dies wird gefördert durch den Artikel 54 der Reichs- Verfassung, der die Regierungsgewalt von dem Vertrauens-undMißtrauensvotum wechselnder Parteikoalitonen abhängig macht. Die Beseitigung des Artikels 54 ist eine Grundvoraussetzung deutscher Gesundung. Der zweite Grundfehler der heutigen Ver- fafsungszustände liegt in dem falschen Auf- baudesVerhältnisfeszwischenReich und Ländern, insbesondere zwischen Reich und Preußen. Die Ueberwindung dieses Fehlers ist unter der herrschenden Parlamentswirtschaft nicht zu erhoffen, sondern nur im Zusammenhang mit ihrem Abbau. Sie kann nicht in der Richtung eines nivellierenden und revolutionären Llnitarismus liegen, sondern sie kann sich nur aus einer Politik ergeben, die mit den vorhandenen Bausteinen im Geiste einer großen ilcberliefe- rung neue, der Eigenart und den Bedürfnissen des deutschen Volkes angepaßte Formen schasst. Die Deutschnationale Volkspartei lehnt bei aller Würdigung des politischen Inhalts der Denkschrift des „Bundes zur Erneuerung des Reiches" die darin enthaltenen Abänderungsvorschläge ab, soweit sie über die Forderungen der deutschnationalen Parteivertretung vom 9. Dezember 1927 hmausgehen. Sie findet in demjenigen, was bisher über die sogenannten Länderkonferenzen bekanntgeworden ist, keinen Ansatzpunkt zu einer gesunden und aussichtsvollen Entwicklung unserer Verfassungsverhältnisse. Sie stellt ihrerseits ent« fej Äin« jnoben. 3n ” "ur acht Eichener Anzeiger General-Anzeiger für OderWen ' 02)78 SS» SB ke | 'Kte durch I jgynarrt. I Es wird in parlamentorifd)€n Kreisen angenommen, daß ein Ausschuß gebildet wird, der, ohne direkt ein interfraktioneller Ausschuß zu sein, der Verständigung zwischen den fünf Fraktionen dienen soll. Die Fraktionen nahmen nach der Besprechung beim Reichskanzler die Berichte ihrer Anterhändler entgegen; dabei wurde festgeftellt, daß das Ersuchen an die Sozialdemokraten, nicht gegen den Panzerkreuzer z u stimmen, nicht als Ultimatum aufzu- fassen sei. Das bisherige Regierungsverhältnis würde also nach Ansicht parlamentarischer Kreise nicht geändert werden, auch wenn die Sozialdemokraten gegen den Panzerkreuzer stimmen und das Zentrum vorläufig nicht im Kabinett vertreten ist. Die Bemühungen um die Schaffung der Großen Koalition können damit einstweilen als gescheitert angesehen werden. Für Mittwoch sind neue Fraktionssihungen in Aussicht genommen. 3m Laufe des Mittwochnach- mittags wird auch eine neue Parteiführerbesprechung beim Reichskanzler stattfinden. Die für Mittwoch angesehte Sitzung des Haushaltsausschusses, in der mit der Ltatsbcratung begonnen werden sollte, ist vorläufig verschoben worden; desgleichen soll der Aeltestenrat sich morgen darüber schlüssig wer- den, ob auch die für den 16. April angesehte Sitzung des Plenums einige Tage später ffattfinoen soll. Entgegen den in den Spätabend-Ausgaben einzelner Berliner Blätter aufgestellten Vermutungen kann von einem Rü rf tri 11 der Reichsregierung schon mit Rücksicht aus die Verhandlungen der Reparationssachverständigen in Paris trotz der Meinungsverschiedenheiten, die sich aus innerpolitischem Gebiet ergeben haben, keineswegs die Rede sein. Oie Sozialdemokratie lehnt die neue Panzerkreuzerrate ab. Berlin, 9. April. (VDZ.) Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion trat am Dienstagnachmittag zusammen. Den Bericht über die Verhandtun- gcnderFinanzsachoer ständigen und der Parteiführer erstatteten die Abg. Hertz und Breitscheid. Rach eingehender Diskussion, in der vor allem dasultimativeverlangenderbürger- tichen Parteien nach Ausgabe der bisherigen Stellungnahme der sozialdemokratischen Fraktion zum Panzerkreuzer erörtert wurde, beschloß die Fraktion bei Anwesenheit von 124 Mitgliedern mit 93 gegen 29 Stimmen und zwei Stirnmenthal- hingen, beiderblsherigenhaltunginder Panzerkreuzerfrage zu bleiben. Der sozialdemokratische Fraktionsbeschluß hat weitere Koalitionsverhandlungen so gut wleunmöglich gemacht. Die Lage ist auch insofern erschwert, als sich der Beschluß der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion indirekt auch gegen die sozialdemokratischen Kabl- nettsmitglieder richtet, die die Rate für den Panzerkreuzer als einen von den Sachverständigen der Fraktionen eingesetzten Haushaltsposten gutgeh e i ß e n hatten. Man hofft nun, wenigstens den h a u s h a l t auf der Grundlage der bisherigen Ver- einbarungen zwischen den Parteien unter Dach bringen zu können. Allerdings häst sich em Teil öec Parteien, vor allem das Zentrum, nach einem Scheitern der Koalitionsverhandlungen auch an die Finanzvereinbarungen nicht mehr gebunden, vielmehr haben die Parteien jetzt wieder freie Hand. Keine Kabinettskrisis. Befürchtungen der Berliner Presse. Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach- 'richten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: zrankfurtam Main 11686. Berlin, 9. April. (Priv.-Tel.) Heber bie Lage, die durch den Beschluß der lWaldemokra- tischen Reichstagsfraktion herbeigefuhrt wurde chrmbt die Sabmett OTun«- Franken ist stark gefährde t wird sich vielleicht in den nächsten Stunden schon zur Ge amtdernifsion gezwungen sehen. Aus diesen schlimmen Ablauf der^Koaliftonsveihand- r,tTirton innr die öffentliche Vleinung nicht vor bereitet In keinem Stadium der Verhandlungen ÄÄ 'M Erreicht- hinMig werden wurde. UM zwei willen, die in dem Etat jur veil Panzerkreuzer „A“ angefordert wird, konnte man I Jz'wLdf"k°in'Einw°nd^gege7^h°^u. d°h JRf^ta^rathon übte. I rechnete damit. daß die »7- ÄolitiL sMe sondern M auch LL ÄÄÄ« Äau direkt nLi.t-.gdi- Stimmung Mitgliedern mid den Führernoer ö stattge unden hat, und die fparer in u Lagern fortgesetzt wurde, eine gewisse ruhigung bemerkbar gemacht Das ^luiia. dieser Beratungen charakterisiertdieVost Ztg. dahin, daß die Austastung b-g ->°ß "Lrung-n^zwiL"^''^/''^ o”toä?t P'. Z-SGWMGL einen Veschluß gefaßt hat, wie chn nicmarto anders von ihr erwarten konnte. — Die „S. stellt fest, daß die Bildung einer festen xe qierungsbafts nach zehnmonatigen .vergeblichen Versuchen wieder an der Sozialdemokratie gescheitert sei, an der gleichen © zialdemokratie, die durch das Wahlergebnis vom 20. Mai die Verantwortung für die inner politische Führung übernommen habe. Die „Ge^ mania" schreibt, das Kabinett werde vermutlich zur Lösung der Krise die Vorschläge der Finanzsachverständigen als Grundlage seiner Po- \ und damit Arbeitsniederlegungen, die in die ernsteste Rähe geruckt sind, vermeiden. Durch neue Verhandlungen, bei denen Vertreter der Spitzenorganisationen mitzuwirken eveck* tuell bereit wären, sei die Möglichkeit einer Verständigung zu geben. Bislang hätten sich die Spitzengeweüschasten mit Erfolg für die Unterlassung jeder gewerkschaftlichen Kampfhandlung bei den Eisenbahnerverbänden bis zum Abschluß der gewünschten neuen Verhandlungen eingesetzt. Zum Schluß erklären die Spihenver- bände, daß sie au einer Aussprache über eventuell zu beschreitende Wege, die zu aussichtsreichen Verhandlungen führen können, jederzeit bereit sind. Oie Reichsrichttinien für -en Wohnungsbau. Berlin, 9. April. (V. D. Z.) 3m Reichstags- ausschuß für das Wohnungswesen wurde die Beratung des Entwurfs vonAeichsricht linien für das Wohnungswesen fortgesetzt. Es handelt sich um den Abschnitt B, der für den Wohnungsbedarf nach Zahl uni) Art der erforderlichen Wohnungen Richtlinien festsetzt. Ausnahmefälle von der Beschränkung auf höchstens vier Wohngeschosse sollen auch für einzelne Großstädte nicht mehr getroffen werden. Bei der Planung des Wohnungsbaues sind neben Kleinsied- lungsbauten und Eigenheimen in er st er Linie Zwei- und Dreizimmerwohnungen mit Küche und Bad vorzusehen. Gegen K l e i n st - Wohnungen bestehen die schwersten wohnungspolitischen Bedenken. Sie sind nur zulässig zur Unterbringung von Einzelpersonen oder alter kinderloser Ehepaare, deren größere Wohnungen hierdurch freigemacht werden können. Bei der Planung ist die Möglichkeit einer späteren Zusammenlegung mehrerer Kleinstwohnun- gen vorzusehen. Kleinstwohnungen sind nur zuzulassen für vorübergehende Benutzung (Unterbringung von Exmittierten), wenn Spielplatz und TageSunterkunft für die Kinder gesichert sind: für Alters- und Ledigenheime, für Familien mit Kindern usw. muh die Wohnfläche mindestens 48 Quadratmeter betragen, für kinderreiche Familien muß die Wohnfläche größer fein. Weiter wird bestimmt: «Für kinderreiche Familien und für Familien, in denen tuberkulosekranke Mitglieder vorhanden sind, sind Wohnungen in ausreichender Größe und in genügender Zahl bereitzustellen. Ledigenheime sind vorzusehen insbesondere, um Familienfremde aus überfüllten Wohnungen, namentlich Kleinwohnungen, herauszunehmen. Hierzu wird noch ein Antrag angenommen, wonach der Dau von Ledigenheimen insbesondere auch seitens der Länder aus Mitteln der Ausgleichsfonds zu unterstützen sei. Das Gnadengesuch des Oberleutnants Schulz. Beratung im RechtSausschutz des Preußischen Landtags. Berlin. 9. April. (V.D.Z.) Der Rechtsaus- fchuh des Preußischen Landtags begann am Dienstagvormittag die Beratung der Eingabe des Rechtsanwalts Professor D r. Grimm, Essen, auf Begnadigung undStrafurlaub des Oberleutnants a. D. Paul Schulz. 3n dem Gutachten von Professor Dr. Grimm wird gesagt, daß nach der ganzen Persönlichkeit und dem hohen Verdienst des Schulz für das allgemeine Wohl nicht das geringste Bedenken bestehe, sämtliche Dvraus- setzungen des Schuld-Ausschließungsgrundes für den Eventual-Fall zu bejahen, daß entgegen der Ueberzeugung des Gutachters kein Beweis für die Anstiftung vorhanden sein könnte. 3m Gutachten von Professor Dr. Krückmann, Münster, heißt es u. a., daß es gegenüber dem gemeinen Denunziantentum in Deutschland wohl kein selbstverständlicheres Mittel gegeben habe, als die Verbände es gegen Verräter anwandten. Höchstens könnte man wegen unnötiger Grausamkeit vvrgehen und allenfalls fahrlässige Tötung, nie- tnaß aber Mord annehmen. Als Berichterstatter erörterte Abgeordneter Dr. Kriege (DBP.) zunächst eingehend die drei ergangenen Urteile, nämlich bas des Berliner Schwurgerichts, der Revisionsentscheidung des Reichsgerichts und das ablehnende Urteil über die Wiederaufnahme des Berfahrens. Im zweiten Fall erörterte er die Frage, ob die Persönlichkeit des Schulz, selbst wenn er schuld wäre, Anlaß zu besonderer Begnadigungsaktion biete. Diese Frage bejahte der Berichterstatter, in dem er sich auf die Urteile bezog, die die früheren militärischen Vorgesetzten über den Oberleutnant Schulz abgegeben haben. Im übrigen behielt er sich seinen endgültigen Antrag als Berichterstatter vor. Der Vertreter des Justizministeriums, Ministerialrat Herrmann, teilte mit, die neuen Verteidiger des Schulz hatten vor der Eingabe an den Landtag und vor Beantragung des Wiederaufnahmeverfahrens die umfangreichen Gerichtsakten gar nicht eingesehen und seien so zu einer ganzen Reihe irriger Schlußfolgerungen gelangt. Zur Zeit schwebten übrigens noch zwei andere Fememordsachen; auch sei heute der Haupttäter Büsching in Amerika verhaftet worden und auf dem Wege nach Deutschland. Weiter sei die Beschwerde im Wiederaufnaymeverfahren für Schulz noch nicht rechtskräftig erledigt. Niemand im Ausschuß könne sagen, daß an Schulz keine Schuld sei. Die Regierung bitte den Ausschuß, die Gnadeneingabe zurückzuwei - fen. — Weiterberatung Mittwoch. Der Könia von Bulgarien beim Reichspräsidenten. Berlin, 9. April. (WB.) König Boris von B u l g a r i e n , der sich zur Zeit inkognito in Berlin aufhält, stattete heute dem Reichspräsidenten von Hindenburg einen Besuch ab. Der König, der von seinem Adjutanten, Oberst Draganow, und dem bulgarischen Gesandten in Berlin, Dr. P o - poff, begleitet um 12 Uhr im Hause des Reichspräsidenten eintraf und von einem zahlreichen Publikum freundlich begrüßt wurde, verweilte in einer etwa dreioiertelstündigen Unterhaltung beim Reichspräsidenten. Der Reickspräfi dent wird den Besuch des Königs nicht erwidern können, da er immer noch Rekonvaleszent i ft Der Reichspräsident wirb jedoch durch Staatssekretär Meißner seine Karte abgeben lassen. Oer Bombenanschlag in Delhi. Was sagt England? Die Bomben, die im Hause der gesetzgebenden Bersammlung in Delhi vom Rang herunter geworfen wurden, haben in London sehr starke Erschütterungen hervorgerufen. Begreiflich genug. Der Engländer hat sich daran gewöhnt, an Schwierigkeiten, die in Indien entstehen können und die auch oft genug bereits greifbar waren, oorbeiAubenten. Die Sache ist ihm sehrunbeha glich. Also schaltet er sie, wenigstens soweit er nicht in der Regierung sitzt, aus seinen Kalkulationen aus. Seit Jahrhunderten ist es schließlich alles gut gegangen, warum soll das nicht weiter so laufen? Tatsächlich haben die Engländer als Kolonialvolk es ja auch glänzend verstanden, des indischen Problems Herr zu werden, wenn man von den wenigen Aufständen absieht, ist diese Bevölkerung von dreihundert Millionen mit einem verhältnismäßig kleinen Heer in Schach gehalten worden. Voraussetzung dafür war freilich, daß das Prinzip des Teilens und Herrschens bis in die letzten Feinheiten durchgeführt wurde, und auf diesem Klavier haben die Engländer spielen gelernt. Gäbe es in Indien wirklich so etwas wie ein einheitliches Volk, dann wäre die ganze englische Herrschaft längst weggeblasen. Aber das Glück für England war, daß auf diesem uralten Kulturboden sich Völker, Rassen und Religionen in einer Gemengelage befanden, die ein unentwirrbares Chaos brachte, jedenfalls dazu führte, daß bei den scharfen inneren Gegensätzen stets der eine Teil gegen den andern ausgefpielt werden konnte. 3n den letzten 3ahren aber hat sich darin mancherlei geändert. Es ist offenbar so etwas wie ein indisches Rationalgefühl entstanden, das die Gegensätze zwar noch nicht überbrückt. aber doch gemindert hat. Immer noch ist es so, daß dem Hindu seine Kuh heiliger und wichtiger ist als alles andere, daß er in leidenschaftlichem Haß sich gegen die Mohammedaner wendet, sobald er irgendwo einen Angriff auf seine Religion auch nur vermutet. Dennoch aber ist die Wirkung G h a n d i s nicht spurlos an der Bevölkerung vorbeigegangen, und vor allen Dingen die Russen haben es ausgezeichnet verstanden, den verschiedenen Rassen und Religionen begreiflich zu machen, daß sie doch einen gemeinsamen Feind in England haben. Die verschiedenen Strömungen beginnen also, in ein Bett zu laufen, hat sich diese Entwicklung vollzogen, dann muh der Wassersturz über England hinweggehen. Deshalb die verzwei- felten Versuche der englischen Regierung, zu retten, was noch zu retten ist. Sie toben sich jetzt in einem vergeblichen Kampf gegen die Kommunisten aus. Sie treffen damit nur die Symptome, aber nicht die Krankheit selbst. Der Fehler, daß auch die indischen Regimenter in Europa fochten, macht sich bitter bemerkbar, Indien ist das Gespenst im englischen Hause geworden. Die Regierungskrisis in Oesterreich. Berlin, 9. April. (Eig. Meldung.) Bekannllich wird jetzt in Oesterreich der Versuch unternommen, mit den Sozialdemokraten zu einem Ausgleich und zu einem gemeinsamen Arbeitsprogramm zu gelangen. Die Hauptstreitpunkte, die bisher die Arbeit des Parlaments lahmgelegt haben, sind bekanntlich das Mie- tengefetz, das Wohnbaugefetz, und die Neuregelung der Zuständigkeit zwischen dem Bund und den Ländern, also die Verfafsungsreform. Man rechnet in Oesterreich noch mit einer längeren Dauer der Krisis, wobei gegenwärtig die Aussichten einer gewissen Einigung mit den Sozialdemokraten nicht ungünstig erscheinen. Der Führer der Heimwehren, Dr. S t e i d l e, hat auf der Tagung der Reichsparteileitung der Christlich-sozialen Partei den Standpunkt seiner Organisationen ausführlich dargelegt und der Auffassung Ausdruck gegeben, daß im Falle einer Nichteinigung mit der Opposition ein Kampfkabinett gebildet werden müsse, um den Widerstand der Opposition mit parlamentarischen Mitteln zu bezwingen. Dabei soll sich eine einheitliche Auffassung innerhalb des Reichs- parteivorstandes der Christlich-sozialen Partei ergeben haben, insbesondere auch eine völlige lieber- einftimmung mit den politischen Auffassungen des zurückgetretenen Bundeskanzlers Dr. Seipel, Oesterreich und Italien. Politische Folgen eines Wiener Fußballspiels. R o m, 9. April. (Privatmeldung.) „Giornale d'3talia" veröffentlicht einen aus Wien datierten und mit S. T. gezeichneten Artikel über einen Fußballkampf Italien — Oesterreich, der am vergangenen Sonntag in Wien ftattfanb, und bei dem es nach der Behauptung des Verfassers infolge der feindseligen Haltung des österreichischen Publikums zu ZwischenfäUen kam, denen das Blatt offenbar eine symptomatische Bedeutung beilegt. Der Verfasser des Artikels führt darüber Beschwerde, daß die italienischen Fußballspieler von der Wiener Polizei nach Hause geleitet werden muhten. Der Artikel polemisiert ferner gegen die Berichte der Wiener Blätter über das Match und deutet an, daß der italienische Gesandte wegen der Zwischenfälle einen Schritt bei der österreichischen Regierung unternommen habe, „©iornale d'3talia" nimmt zu den Ausführungen seines Wiener Berichterstatters noch in einem besonderen Artikel Stellung, in dem erklärt wird, daß derHatz Oesterreichs gegen Italien die Zwischenfälle verschuldet habe. Auch einige italienische Blätter beschweren sich über den Mangel an Gastfreundschaft, den die Wiener bei dem Fuhballkampf an den Tag gelegt hätten. Dagegen erkennen die Berichte der »Stampa" und der ..Regime Fascista" an, daß die österreichische Mannschaft ihren Sieg wohl verdient habe. Polen. Ein neues Kabinett in derBildung begriffen Warschau, 9. April. (WB.) Der von wüsten Beschimpfungen und Anklagen strotzende Artikel Marschall Pilsudskis hat die innerpolitische Lage Polens bedeutend verschärft. Viel beachtet wurde der Umstand, daß gestern amtlicherseits die Absicht einer Konferenz mit Marschall Pilsudski, dem Staatspräsidenten und Dr. Bartel energisch bestritten wurde. Das regierungsfreundliche Blatt „Kurjer Poranny" macht Stimmung für ein Kabinett Switalski. Dr. Kasimir Switalski gilt als Exponent der parlamentsfeindlichen und halb- faschistischen sogenannten „Obersten Gruppe'. In den Wandelgängen des Sejms verbreitete Gerüchte wollten sogar wissen, daß sich der Staatspräsident gegen eine Regierung Switalski ausgesprochen habe. Als Handelsminister empfiehlt das gleiche Blatt General Gorecki, als Innenminister General Skladkowski und als Minister für soziale Fürsorge Oberst Kolloncay bzw. den Chef des Kabinetts des Marschalls Pilsudski, Oberst Prygor. Marschall Pil- sudski würde als Kriegsminister, Zaleski und Car als Außen- bzw. Justizminister in einem solchen Kabinett verbleiben. „Kurjer Porannn" behauptet sogar, daß Switalski bereits die Mission erhalten habe, eine Regierung zu bilden. Oie Niederwerfung des Aufstandes in Mexiko. N e u y o r k, 8. April. (WB.) An der mexikanischen Grenze hat seit Samstag kein Kampf statt- gesunden. Nach einer amtlichen Meldung ist General Calles in Guadalajara eingetroffen. Er begibt sich von dort nach Mazatlan, wo er fein Hauptquartier aufschlagen wird. An der Westküste bringt die Bundesarmee des Generals Cardenas gegen die Rebellen weiter vor. Auch der Vormarsch der Bundestruppen gegen die Stadt Chihuahua dauert an, ohne daß es zu Kämpfen gekommen märe. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 9. April. Gemäß Artikel 15 Abs. 1 und 2 des Sondergebäudesteuergesetzes vom 11. Dezember 1928 für das Rechnungsjahr > 1929 unterbreitete heute der Minister für Arbeit und Wirtschaft dem Finanzausschuß die von ihm geplanten Ausführungsbestimmungen über Mietunter st Ätzungen und Sondervergütungen. die im Gesetz vorgesehen sind. Die Ausführungsbestirnrnungen sollten eine einheitliche Regelung durch alle Kreisfürsorgeverbände sicherstellen. Der Ausschuß beschäftigte sich eingehend mit den Absichten des Ministers und regte zu einzelnen Punkten Verbesserungen an. Der Minister wird, ehe die Bestimmungen an die Kreisämter und Kreisfürsorgeverbände hinausgehen, die Bestimmungen dem Ausschuß nochmals unterbreiten. — Da im übrigen die Arbeit des Finanzausschusses erledigt ist, wurde eine neue Sitzung noch nicht anberaumt. Aus aller Welt. Line wiener Jubiläumsfeier für Theodor Billroth. Die von der Akademie der Wissenschaften, der medizinischen Fakultät der Universität, der Gesellschaft der Musikfreunde und der Gesellschaft der Aerzte aus Anlaß der hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages des Chirurgen und Organisators der Krankenpflege, Theodor Billroth im Zeremoniensaal der Hofburg veranstaltete Festversammlung gestaltete sich zu einer einmütigen Huldi- gung für den großen Gelebrten. Mit dem B u n - despräsidentenMiklas, den Vertretern der Regierung, dem deutschen Gesandten Grafen Lerchenfeld und den Mitgliedern des Diplomatischen Korps war alles erschienen, was einen Rang und einen Namen auf dem Gebiete der Wissenschaft hat. Auch zahlreiche ausländische Gelehrte fanden sich ein, besonders aus Deutschland. Professor E i s e l s b e r g hielt die Festrede, in der er eine Schilderung des Werdeganges und der Persönlichkeit Billroths gab, die unvergeßlich fortleben werde, solange es eine geistige Geschichte der Menschheit gebe. Eifelsberg erinnerte an die Liebe und die Verehrung der Nachwelt für den großen Meister, die heute hier so hervorragende Persönlichkeiten vereinige, und die zeige, daß Billroth auch weiterhin im Andenken der medizinischen Welt fortlebt. Sodann schilderte er die Bedeutung Billroths als Forscher, Gelehrter, Lehrer und Arzt und schloß: Worte vermögen Billroths Werk und feinem Wesen nicht gerecht zu werden. Er war unter Millionen von Menschen einer, der unwiderbringlich ist. Sein Werk gewann ihm die Unsterblichkeit. Wir beugen uns dankbar vor feiner Größe. Der Lokaltermin auf Schloß Jannowih. 3 annowih, 9. April. (WB.) Bei dem Lokaltermin. der heute auf Schloß 3annowih ftattgefun» den hat, hat Gras Christian Friedrich versucht, vor der Äntersuchungskornrnission die S i t u a t i o n z u rekonstruieren, wie sie war. als Graf Eberhard von dem tödlichen Schuß getroffen wurde. Er demonstrierte auch dabei seine Bewegungen mit dem Gewehr, das er, wie aus seinen früheren Aussagen bekannt ist, in der fraglichen Rächt auf glattes Funktionieren der Ladeeinrichtung untersuchen wollte. Bei dem Versuch wurden heute Exerzierpatronen gebraucht. Die Sachverständigen stellten fast, daß tatsächlich Ladehemmungen leicht möglich sind. Bei dem Versuch. die Kammer des Gewehres zu offnen, soll diese hochgeschlagen sein, wobei die Möglichkeit bestand, daß sich ein Schuß löste. Der von der Verteidigung herangezogene Schießsachverständige P r e u h hat heute wiederholt erklärt, es bestehe große Möglichkeit dafür, daß die Vorgänge sich so abgespielt haben, wie der Verhaftete sie schildert. Weitere Versuche erstreckten sich auf die Rachprüfung der Schußrichtung. Graf Christian Friedrich erllärt, daß er das Gewehr nicht an die Schulter gesetzt habe, sondern daß sich der Kolben in der Gegend der Brust befand. Die Sachverständigen sollen die Angaben des Grafen Christian Friedrich als durchaus glaubhaft und zumindest nicht widerlegbar bezeichnet haben. Cs ist demnach nicht unwahrscheinlich, daß die Anklage nur wegen fahrlässiger Tötung erhoben werden wird. Der Verteidiger des Grafen Christian Friedrich beabsichtigt, die Haftentlassung seines Mandanten zu beantragen. Der Kapitän der ,,3'm alone“ freigesprochen. In Neu-Orleans wurden die Gerichtsvorverhandlungen gegen Kapitän Randall vom kanadischen Schoner „J'm alone" und die sieben Mann starke Besatzung dieses Schiffes wieder ausgenommen, die angeklagl waren, eine Verschwörung gegen dasBrohibitionsgesetz angezettelt zu haben. Kapitän Randall und feine sieben Mitangeklagten wurden auf Antrag des Staatsanwaltes freige- sprachen. Bei feiner Beantragung der Freisprechung betonte der Staatsanwalt, es fei selbstverständlich, daß die Zurückziehung der Anklage das Recht des Küftenschiffes, auf das Schmugglerschiff zu schießen und es in Grund zu bohren, keineswegs in Frage stelle. Es wird vermutet, daß das Justizministerium in Washington den Bundesbehörden empfohlen hatte, die Anklage zurückzuziehen. Räuberischer Aeberfall auf eine Chicagoer Synagoge. Fünf maskierte und mit Revolvern und Schrot-, flinken bewaffnete Banditen drangen in die erstes rumänische Synagoge ein und beraubten die dort, anwesenden etwa 80 Männer und Frauen um ' Geld und Juwelen. Cs ist dies der erste Raub- Überfall, der in Chicago jemals auf ein Gotteshaus ausgeführt worden ist. Zur Zeit des Heber- falles sand im Ernpfangsraurn der Synagoge, in dem seinerzeit auch die Königinmutter Marie von Rumänien bei ihrem Besuch in Chicago empfangen wurde, eine festliche Veranstaltung statt. Ein Vertreter der rumänischen Regierung, Victor Philipps, hielt gerade einen Vortrag über die Zehnjahrfeier des vereinigten Rumäniens, als die Banditen hereinstürmten und alle Anwesenden zwangen, sich an der Wand aufzustellen. Die Banditen rissen den Frauen die Armbänder und Ringe von den Armen und Händen und nahmen dem Rabbi Goldstein seine Geldbörse ab. Als sie jedoch bemerkten, daß diese den Ramenszug des Besitzers trug, gaben sie die Börse dem Rabbi zurück. Dem rumänischen Ehrengast Philipps nahmen sie 60 Dollars ab, übersahen jedoch 500, die er in einer Geheim- lasche bei sich trug. Bei der Durchsuchung, die etwa eine halbe Stunde dauerte, wurden einige der Anwesenden von den Banditen versehentlich übergangen. Unter diesen befand sich auch der rumänische Vizekonsul von Chicago. Rachdem die Banditen mit ihrem Raub geflüchtet waren, verrichtete der Rabbi ein Dankgebet dafür, daß niemand verletzt oder getötet worden war. Erdrutsch am Corner See. Der Hafen von A r g c g n o am Corner See wurde von einem Erdrutsch in der Länge von etwa hundert Meter z e r ft ö r t. Man nimmt an, daß der Bergrutsch durch den tiefen Wasser st and verursacht wurde, welcher einen Erdrutsch unter der Wasserlinie zur Folge hatte, sowie durch den starken Wind. Zuerst verschwand der Leuchtturm und sodann der Hafendamm in einer Breite von 25 Meter. Menschenleben wurden nicht gefährdet. Die Katastrophe, durch die zwei Drittel des Hafens vernichtet wurden, hat einen Schaden von 300 000 Lire verursacht. 250 Morgen Waldschonung niedergebrannt. 3n den jungen Kulturen der staatlichen Waldungen bei Siegburg brach am Dienstag ein großer Waldbrand aus, dem etwa 250 Morgen junger Tannen- und Fichtenkulturen zum Opfer fielen. Erft den fieberhaften Bemühungen der Feuerwehren von Lohmar und Siegburg sowie der Forstbeamten und einem ArbeitsLom- mando des Gefängnisses zu Siegburg gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und ein ilcbergrcifen des Brandes auf den Hochwald zu verhindern. Der Schaden ist beträchtlich. Heber die Entstehungsursache ist bisher nichts bekannt geworden. Eigenartigerweise befand sich der Brand an derselben Stelle, wo vor etlichen Jahren sich der Herd zu einem gewaltigen Hoch- waldbrand entwickelte. Oie Wetterlage. La 42 ,-fU Tbcrsh" 3 -iwsH fiapi C bienstaa. d.9.flpril1929, 7*aMS. jo I9 C2. jflf .....-Jan ftayen; 'M.----- rSeydlsf. -Aber/een—f — -tSS O wolkenlos 0 neuer. ® naib bedecit:. » woikic, e Gedeckt e Regen, * Schnee ^Graupeln e Nebel TS GevJit'er.(^)Windstliic. •O' sehr leichter osi d massiger sodsodwesi stormischei Nordwest Oie Piene fliegen mit dem Winde. Oie beiden Stationen stenenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte m-t gle.chen^ auf Meeresniveau umgefechneten Luftdruck Wettervoraussage. Das skandinavische Tiefdruckgebiet hat sich südwärts entwickelt und lag mit seinem Kern heute morgen über Rord- und Mitteldeutschland. Die gestern an feiner Südseite eingeströmten Warmluftmassen hatten starke Erwärmung gebracht, und gestern abend setzten Regenfälle ein. Durch die Südwärtsverlagerung des Tiefs haben bei uns die Winde nach Westen umgedreht. .Unter dem Zustrom maritimer Luftmassen an der Rückseite des Tiefs nimmt unser Wetter weiterhin einen unfreundlichen Charakter an. Die Temperaturen gehen noch etwas zurück und Regenschauer treten auf. Wettervoraussage für Donnerstag: Unfreundliches, wechselnd wolkiges Wetter, kühl und Regenschauer, westliche bis nordwestliche Winde. Wettervoraussage für Freitag: Noch unbeständiges Wetter. Lufttemperaturen am 9. April: mittags 12,2 Grad Celsius, abends 7 Grad; am 10. April: morgens 4,7 Grad. Maximum 12,4 Grad, Minimum — 3 Grad. — Erdtemperaturen am 9. April: abends 10,3 Grad; am 10. April: morgens 5,4 Grad Celsius. — Niederschlag 3,5 mm. — Sonnenscheindauer b3A Stunden. ß tgebtannf. atlichen M« am Sietilag oa 250 Mvr- kulturen zum Drmühungen Liegburg sv- Arberistom« irg gelang es, cänlen und em \ Hochwald zu Mich. lieber nichts bekannt anö sich öer etli&n W iftigcn hoch- ietctt murto on etwa Hunan. ich der assersland itjch unter der urd) den [tar «udjtturm unb t Äreite van W gejährdet. del des Hafens n von 300 000 C 3*6? fälle c>n, pci liess ft*' ngei>f<,tn bet ^ic 2^' ^egen* Steil”’ ,,»0ra» zt'ifa > 10;W* Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 10. April 1929. Oer Lehrling. □tun sind sie wieder eingezogen, die Lehrlinge, in die Werkstätten, in die Schreibstuben, in die Arbeitssäle. Die Konfirmation war ein Festtag für sie, und zugleich ein Abschiednehmen von der Kinderzeit, dre kaum viel von Pflichten unb Aufgaben wußte. Jetzt auf einmal aber stehen Pflichten und Aufgaben vor ihnen, ja, die jungen Leute stehen schon mitten darin. Zunächst sind sie noch gering, nur weniges legt man ihnen auf, erst richtig hineinwachsen sollen sie und vertraut werden mit ihrem neuen Lebenskreise. Aber fast jeder Tag bringt mehr davon, gibt ein wenig an Lasten zu, nimmt aber weniger weg, als er gibt. Und nicht lange, so werden sie genau soviel Bürden auf sich haben, wie wir sie tragen. Es wäre verfehlt, diese Ueberlegungen zu weichlicher Rücksichtnahme zu benutzen, wie man das in früherer Zeit dem Kinde gegenüber oft getan hat, ohne damit dem Kinde zu nützen, und wie es wohl auch heute noch da und dort geschieht. Es gwt Lehrherren, die mit eiserner Zucht die jungen Leute festhalten und sie zu tüchtigen Arbeitern und ordentlichen Menschen heranbilden. Und es gibt andere, die weicher anfassen, gütig und vornehm auch den Lernenden gegenübertreten und gleiche Erfolge haben. Beide Lehrherren können jedoch ebensogut auch herbe Mißerfolge haben. Niemand kann dafür bürgen, daß die eine oder die andere Methode die richtige ist, und selbst wenn man sein Verhalten von Fall zu Fall einstellte, wenn man trachtete, den Lernenden in feiner Seelenverfassung $u erkennen und den Derben derb, den Zarten welch anfahte, auch hier kann noch der Irrtum die Hand im Spiel haben. In dem jungen Manne, der eine rauhe Außenseite zeigt, kann eine fein empfindende Seele sein, und in dem anderen sich ein brutaler Mensch verbergen, der nur auf die geeignete Gelegenheit wartet, hervorzubrechen. Wir wissen so wenig von den Anlagen und der Seelenverfassung des Nächsten, daß man nicht bescheiden genug sein kann, wenn man nicht Fehler begehen und Unrecht tun will. Wie also? Nicht einmal allgemeine Worte lassen sich darüber sagen. Da ist einer, der im weiten Rund als brutal verrufen ist. Sein eigener Sohn war Lehrling bei ihm, und es ging sehr ost heiß her. Man hätte annehmen können, ja annehmen müssen, daß der Junge in die Fuh- tapfen des Vaters gerät. Nach der Lehrzeit verlieh er das väterliche Geschäft nach einem fürchterlichen Auftritt, suchte sich in der Fremde das Brot und hat sich dort zur Freude aller, die chn kennen, entwickelt und bewährt, ist ein tüchtiger, ruhiger, vornehmer Mensch geworden. Man könnte aber auch für das Gegenteil genau so gut Beispiele anführen und wird aus eigenem Menschen verwandte Entwicklungen finden. Das wenig gute Beispiel kann abschreckend wirken, es kann aber auch zur Gewohnheit werden. Und allzuleichte Zügel lassen leicht über die Stränge schlagen und den richtigen Weg verlieren. Es ist wie überall: Der goldene Mittelweg wird am ehesten vorzuziehen fein. Auf ihm kann man wohl am besten zu der Gewißheit kommen, seine Pflicht erfüllt zu haben. Wenn trotzdem noch manches am Erfolg zu wünschen übrig bleibt — das ist dann Sache dessen selbst, der sich heranbilden will: in seine Hand ist es gegeben, zu einem tüchtigen Menschen zu werden oder ein Stümper zu bleiben. $. Zum Schuhe der elektrischen Starkstromanlagen. Das Kreisamt Gießen bringt im neuesten Amtsverkündigungsblatt die Bestimmungen der Polizeiverordnung zum Schutze der elektrischen Stark st romanlagen in Erinnerung. Danach ist hinsichtlich sämtlicher elektrischer Starkstromleitungen (Hochspannungs- und Niederspannungsleitungen) und Einrichtungen für Unbefugte verboten: a) die auf öffentlichen Wegen, dem Dahn- und Strahengebiet, sowie auf Privateigentum angebrachten Leitungsdrähie unmittelbar oder mit Gegenständen irgendwelcher Art zu berühren: b) Handlungen vorzunehmen, die eine Zerstörung oder Beschädigung der Leitungsmaste, Drähte. Isolatoren oder von sonstigem Zubehör der Leitungsanlagen, insbesondere der Schutz-, Stütz- oder Verankerungseinrichtungen, zur Folge haben können: c) die zur Verhütung von Unfällen angebrachten Hr Gatte und beider Seimwett von Alfons Meier-Äraun, Basel In der Schule, als Bub, war er ein Tunichtgut, der Willibald. War irgend etwas Verzwicktes los, so war es sicher der Willibald. Und dennoch, jeder hatte ihn gern, mußte ihn gern haben. Selbst jene, die ihn fürchteten, bte Angsthasen. Las ich einen Räuber-Schmock: in irgend etwas glich der Held immer unserm Willibald. Mir schien es wenigstens so. Oder hatte Willibald von jedem Helden etwas? — Rach unseren Flegeljahren, da kam eme ernstere Zeit, für uns und für Willibald. Erne Zell der Arbeit. Er ochste von uns allen am mersten. Etwa mit Mühe, Fleiß, Geduld? Rern, Gottbewahre! Fleiß, den kannte er fern Leben nicht, den brauchte er gar nicht. Er war mehr Hrrn als Mensch. Die Probleme hingen ihm an wie Kletten und er klebte sich an sre. Sem Hrrn quetschte und knetete nur so den Stoff bis auf den Kern, bis er bemeistert ward. Dann sprudelte sein Geist schon neue eigene Ideen. Und je mehr der sprudelte, um so nachlässiger wurde unser Freund in seinem Aeuhern. Erst sahen wir dem zu und sonnten uns bloß an feinem Können, Lachen. Er lachte immer, wenn er dachte. Und weil er immer dachte, lachte er auch immer. Sein ganzes Schaffen war nur ein Lachen. Doch später, fern von Muttern, nein, das wurde doch zu stark. Wie sah der Bursche aus? Essen, Schlafen, Kleiden, alles Nebensache. „Hdr, Willibald ..meinte dieser und jener feiner Freunde. Doch sie kamen alle schief an. Willi- bald läßt sich nicht stören mit solchen Kleinigkeiten. Da wurde er grob. Und er kann's sein, wenn man sein Sinnen stört mit rein äußerlichem Kram. Ich hab's erfahren, als er den letzten Knopf verlor an seiner Weste. — ^<9 meinte es doch gut mit ihm. — Und wie sah die aus? Sechs Semester hat sie ihm treu gedient als einzige, ohne mütterliche Sorge von 10,0 IC da. 'S* J, s-s Sil 'Sichel, Öih 9t, ,Ä>I. I I I AL ,Cunfl- Victor «g über bir N°?die ’ Lesenden "ufzustelkn d>e Arni- srnien und 'Idstein seine ! dah diese 1- Soden sie Ä Teheim- Buchung, die 11 würben einige 11 ^versehentlich Nch auch der !?■ Nachdem "chlet waren, 1 dafür, dah n war. 0 1 w.- » eß 9 h WarnungSzeichen zu zerstören oder zu beschädigen oder sonstwie für ihren Zweck ungeeignet zu machen: d) im Bereiche der Leitungsanlage Drachen aufsteigen zu lassen, Leitungsmaste zu erklettern, Transformatorenstationen zu beschädigen oder zu betreten oder Handlungen zu unternehmen, durch die Menschen und Tiere mit den Leitungen unmittelbar oder mittelbar in Verbindung gebracht werden können: e) Kurzschließungen der in den Hausinstallationsanlagen zum Schuhe gegen Brandgefahr angebrachten Sicherungen oder andere Handlungen vorzunehmen, durch die der Zweck dieser Sicherungseinrichtungen unwirksam gemacht wird, oder die Benutzung derartiger un- vorschriftsmäßiger Sicherungseinrichtungen-, f) an den Hausanschluhleitungen, insbesondere an den Hausanschlußsicherungen (Panzersicherungen) und Zählern außer der Auswechslung von Glühlampen und durchgebrannten Installationssicherungen Handlungen irgendwelcher Art vorzunehmen oder die an den Zählern und Hausanschluhsicherungen angebrachten Plomben zu entfernen. Das Verbot der Berührung der Leitungsanlagen erstreckt sich auch auf umgestürzte, herabgefallene oder herabhängende Teile der Leitungen. Die Haus-und Grundstücksbesitzer, Unternehmer und Handwerker sind verpflichtet, von allen Handlungen und Arbeiten, durch die Menschen oder Gegenstände mit den Leitungen in mittel- oder unmittelbare Berührung kommen oder die Leitungen beschädigt werden können, z. B. Dach- und Verputzarbeiten, Aufstellen von Leitern und Gerüsten an Häusern, Graben von Löchern in unmittelbarer Nähe von Leitungsmasten, Fällen von Bäumen in der Nähe von Leitungen oder dgl. dem Elektrizitätswerk (der elektrischen Heber- landanlage) unmittelbar oder durch dessen in Frage kommenden Bau- und Detriebsbureaus vor Ausführung der Arbeiten so rechtzeitig schrist- liche Anzeige zu erstatten, daß die zur Verhütung von Betriebsstörungen oder Unfällen erforderlichen Vorkehrungen und Anordnungen des Elektrizitätswerkes noch getroffen und die notwendigen Anweisungen erteilt werden können. Nur die ausdrücklich von den zuständigen Elektrizitätsverteilungsunternehmungen ermächtigten Personen dürfen im Anschluß an die Leitungsnetze der betreffenden Unternehmungen elektrische Licht- und Kraftanlagen ausführen, verändern oder ausbessern. Soweit die Leitungen in Kabeln unterirdisch geführt werden, sind Arbeiten am Straßenkörper, die eine größere Tiese als 60 Zentimeter erreichen, gleichfalls nur nach vorhergehender rechtzeitiger Benachrichtigung des Elektrizitätswerkes zulässig. Zuwiderhandlungen werden, soweit nicht auf Grund anderer Strafbestimmungen eine härtere Strafe verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark, im Unvermögensfalle mit Haft bestraft. Oie Gießener Oberrealschule im Schuljahr 1928/29. Im Anschluß an unseren gestrigen Artikel über Gießener Schulberichte tragen wir heute aus dem gestern nachmittag bei uns eingelaufenen Bericht der Gießener Oberrealschule noch folgendes nach: Das Schuljahr 1928/29 brachte der Oberrealschule in 26 Klassen 743 Schüler. Von diesen Schülern waren nach den Feststellungen vom 15. Mai v. I. 348 von Gießen, 202 aus dem übrigen Hessen, 102 aus iy™t übrigen Deutschland und einer aus dem Auslande. Je Reifeprüfung bestanden im Berichtsjahre insgesamt 66 Schüler, wovon 7 auf die außerordentliche Reifeprüfung im Herbst 1928, die übrigen auf die ordentliche Reifeprüfung im Februar 1929 entfallen. Der ungeteilte Unterricht hat sich auch in diesem Schuljahre bewährt und wird beibehalten. Um den auswärtigen Schülern das rechtzeitige Eintreffen im Unterricht zu ermöglichen, werden sie morgens durch die Post in mehreren Omnibuskraftwagen vorn Bahnhof zur Schule gefahren. Das Milchfrühstück wurde stark in Anspruch genommen und wird für die Schüler wärmstens empfohlen. Die sportliche Betätigung der Schule war unter Leitung einiger Lehrer sehr rege; häufig fanden — zum größten Teil erfolgreich — Wettkämpfe mit anderen Schulen, sowie Sportvereinen statt. Die Spartätigkeit einer großen Anzahl von Schülern wurde durch Vermittlung der Schule weiter ausgeübt. Als Austauschschüler verbrachte der Unterprimaner Mohr vier Wochen in Frankreich. Andere standen im Briefwechsel mit französischen Schülern. Die Einrichtung wird von Studienrot Schoen verwaltet. An der Pfingstfahrt des Vereins für das Deutschtum im Auslands beteiligten sich drei Lehrer und 22 Schüler. Der Jahresbericht kann erfreulicherweise eine Anzahl von Stiftungen für die chemische Sammlung und für die Bibliothek der Schule mit herzlichen Dankes- roorten verzeichnen. Neuerdings gibt die Direktion der Schule ein Schulblatt heraus, das die Aufgabe hat, ein innigeres Verhältnis zwischen der Schule und den Ellern der Schüler zu schaffen und nach außen hin die Zusammengehörigkeit beider zum Ausdruck zu bringen, außerdem ober auch Mittel zu gegenseitiger Anregung und zur Aussprache in allgemeinen Fragen zu sein. Osteriermin und Siellenmarkt für Kaufleute. Der Ostertermin hat den Stellenmarkt durch die auf einige Zehntausende zu schätzende Zahl auslernender Kaufmannslehrlinge stark beeinflußt. Viele dieser Auslernenden versuchen ihren Arbeitgeber zu wechseln, um andere Betriebe kennen zu lernen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten veranlaßten außerdem eine ganze Reihe von Betrieben, den Auslernenden eine Weiterbeschäftigung aufzukündigen. Aber auch sonst ist die Zahl der Kündigungen und Entlassungen von jüngeren und älteren kaufmännischen Angestellten, aus verschiedenen Gründen, größer gewesen, als in früheren Monaten, besonders in der Textil-, Rahrungs- und Genuhmittel-Jndustrie und im Großhandel, also in den Geschäftszweigen, die durch die große allgemeine Arbeitslosigkeit im vergangenen strengen Winter am ehesten einen Rückgang im Absatz zu verzeichnen hatten. Gebietlich gesehen war die Entwicklung der Stellen- marltslage für Kaufmannsgehilfen, wie auch für fast alle anderen Berufe nach den Beobachtungen der kaufmännischen Stellenvermittlung des Deutschnationalen Handlungsgehilfen - Verbandes am ungünstigsten in Schlesien, Freistaat Sachsen, Provinz Brandenburg und Provinz Sachsen. Das Stellenangebot ist von der Gestaltung der Verhältnisse nicht unbeeinflußt geblieben, obgleich der Rückgang in der Zahl der angebotenen offenen Posten nicht bedeutend ist. Auch hier sind es wieder Textil-, Nahrungsund Genußmittel-Industrie, die die schlechtesten Unterkommensaussichten boten. Auch der Einzelhandel zeigte, trotz der Osterzeit, im März nur einen geringen Bedarf an Verkaufskräften. Gut waren die Aussichten im Versicherungsgewerbe. Dos Baugewerbe hatte, trotz Aenderung der Witterungsverhältnisse, keinen größeren Bedarf. Verlangt wurden im März ganz überwiegend junge Kräfte. Für ältere Stellensuchende boten sich, außer einigen qualifizierten Posten, im allgemeinen nur Deschäftigungsmöglichkeiten in Aus- hilfsstellungen. Die weitere Entwicklung des kaufmännischen Stellenmarktes dürfte sich voraussichtlich durch die Wiederaufnahme der Arbeiten in den Saisonberufen in der nächsten Zeit wieder etwäs hoffnungsvoller gestalten. Recht günstig ist der Stellenmarkt nach wie vor für junge tüchtige Stenotypisten, ferner für Buchhalter in den neuzeitlichen Buchhaltungssystemen, und in einzelnen Branchen auch für Verkäufer. Am Lehrstellenmarkt blieben nach den Schulentlassungen zahlreiche Lehrstellen unbesetzt. Wenn auch vereinzelt Vermittlungsmöglichkeiten durch Schüler, die in den gewünschten Berufen nicht unterkommen konnten und nunmehr Kaufmannslehrling werden wollen, noch gegeben sind, so ist trotzdem damit zu rechnen, daß die bisher nicht gedeckte Nachfrage zum größten Teil unbefriedigt bleiben wird. In Anbetracht der noch immer zahlreichen stellenlosen kaufmännischen Angestellten liegt hierin indessen keine Gefahr. Äon der Kriegsgräberfürsorge. Der überaus strenge Winter dieses Jahres ist auch auf die Bauarbeiten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf den deutschen Kriegerfriedhöfen im Ausland nicht ohne Einfluß geblieben. Größere Instandsetzungsarbeiten konnten nicht vorgenommen werden. Nunmehr setzen sie mit voller Kraft wieder ein. Soweit es aber irgend möglich war, haben die Vertrauensleute des Volksbundes den Wunsch der Angehörigen, gerade am Volkstrauertag das Grab Sines teuren Toten in fremder Erde mit einem Kranz oder Blumenstrauß zu schmücken, erfüllt. Zahlreiche Angehörige haben die Möglichkeit, am Volks- trauertag an den fernen Gräbern durch Vermittlung des Dolksbundes einen Kranz niederlegen zu lassen, dankbar ergriffen. Auch die gewaltigen Sammelgräber, in denen Tausende und Abertausende deutsche Soldaten als unbekannte Tote ruhen, entbehrten nicht eines Grußes aus der Heimat Der Aufruf des Volksbundes, zur Schmückung der Sammelgräber am Volkstrauertag beizukragen, ist nicht ungehört verhallt. 9n großer Zahl gingen die Spenden ein, so dah außer den vom Dolksmund selbst auf den Sammelgräbern niedergelegten Kränzen mit Widmungsschleifen weitere in großer Zahl niedergelegt werden konnten. „ So zeugten denn viels Gräber in fremden Ländern von der treuen Liebe der Heimat zu unseren unvergessenen Toten. Talen für Donnerstag, 11. April. Sonnenaufgang 5.15 Uhr, Sonnenuntergang 18.49 Uhr. — Mondaufgang 6.04 Uhr, Monduntergang 21.11 Uhr. 1806: der Dichter Anastasius Grün (Anton Alexander Graf von Auersperg) in Laibach geboren; — 1825: der Sozialist Ferdinand Lassalle in Breslau geboren. Vorrwtizerr. — Tageskalender für Mittwo HM iL-*,.'S'< 'M; eines Landes sind aufs engste mit einander verknüpft. Die deutsche Wirtschaft braucht Autos! Leistungfähige, sparsame, preiswerte Autos! In Rüsselsheim ist eine Armee deutscher Arbeiter am Werk, solche Autos zu bauen. Menschen, Maschinen, Methoden, alle dienen sie dem einen Ziel! Fortschritt als System Fabrikation und Forschung arbeiten HandinHand.Planmäßig schreitetdieAr- beit fort, planmäßig steigert sich die Lei- stungsfähigkeitderFabrik,zwangsläufig hebt sich der Standard der Produktion. Führend in der Qualität Die Opelwerke sind heute die bedeutendste und besteingerichtete Automobilfabrik des Kontinents. Maschinen und Methoden bürgen für höchste Qualität. Sinnreicheinstrumentegarantieren eine geradezu unvorstellbare Maß Genauigkeit biszueinem zehntausend stel Millimeter. Die jüngsten Errungenschaften der Wissenschaft stehen im Dienste der Material-Forschung und Material-Prüfung. Maßgebend im Preis Die Opelwerke haben niemals die Fühlung mit den Bedürfnissen des Marktes verloren. 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Oie entsetzlichen Folgen einerAufhebung des Trans- ferschutzes für die deutsche Währung. 02lü8 Hierüber spricht der als glänzender Redner u. weitschauender Wirtfchastspolitiker bekannte ehemalige Reichstagsahg. u. Stabtv. in Äerlln zNchavv grunze am Freitag, 12. April, abends 8 Uhr, im Sas6 Leib, Gießen. Wer sich vor neuen Verlusten schützen will, höre diesen hochinteresianten Dortrag, der bereits in vielen Städten vor überfüllten Sälen stürm. Beifall fand und versch. wiederholt werd, mußte. Unkostenbeitrag 50 Pf. Sie Höleiinüo IrtMerM des Arbeitsamts Gießen hält regelmäßig Sprechstunden ab in Gieße«, Babnbokttraße 92 I jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 1 und 3 btö 7 Uhr in Friedbery, im „Mainzer Nad" gegenüber dem Bahnhof jeden Freitag von 1/a3 biö V*7 Uhr. 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Liebe Frau, ich fürchte, —daß wir dieses Jahr unsere Sommerreise erheblich abkürzen oder ganz unterlassen müssen. Ich benötige unbedingt einen neuen Anzug, eigentlich zwei Anzüge, und du mußt dir doch immerhin drei neue Kleider anfertigen lassen; macht zusammen ca. 600 M. Wo soll da das Geld für die Reise herkommen ? Das Engadin Das schönste Hochtal Europas Piz-Bernina Piz-Palü Piz-Rosegg la Portland Zement bester Qualität, unter Syndikatspreis 0. Rübsamen. Gießen 897 d Fernsprecher 1659. Irische See- und Flußfische ff. Fisch-Filet von Schellfisch' Kabeljau, Goldbarsch. Lebende Schleien Fisch-Spezialhaus Cuxhaven Harkistrnfle 14 Gießen Telephon 2417. Aul der Bühne: Tanz- und Gesangseiulageii des weltberühmten Schuhplattler- und Gesangstrio Familie Schneider: D’ Königssee’r Deen Gerichtsvollzieher in Gießen Steinstraße 13 Fernruf 4101 neu, ev. kann vom dem Besitzer der Laden gemietet werden. 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Verkehrs-Bureau. 26290 JO SC HAU FE HST E RJ Nr. 83 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)Mittwoch. 10. April (929 Aus der Wett des Ulms. HoHwood und Moskau. Von Sultan Stein, i. SS vollzieht sich ein Umbau in Hollywood. Ein namhafter amerikanischer Filmmann, der kürzlich in Berlin weilte, sagte mir: „Es ist nun einmal so:... der Film ist ein Gericht, das sehr viel Würze verbraucht: man mutz immer neue hineintun, damit der Dissen nicht fad wird.. Ms der Film aus dem Dorstadtkinv ins Zentrum der Grotzstädte drang und immer luxuriösere Spielpaläste für sich in Anspruch nahm, muhte mit dem bisherigen Produktionsprogramm aufgeräumt werden. Die Erzeugung der Prärie- und Kriminalfilme wurde auf ein Minimum eingeschränkt. Man griff zu bekannten historischen Stoffen. Die Riesenmahe waren das Äeue. Dem Draufgängertum des Emporkömmlings, der doch der Film damals war, erschienen die Pyramiden nicht pyramidal genug. Das Publikum sollte geblendet werden, was war geeigneter dafür als Monumentalsilme. Das schaulustige Publikum verschlang aber schnell diese Riesendimensionen und wurde ihrer schliehlich müde, und aus dem Zaubertopf kamen neue, appetitanregende Spezialitäten hervor. 3m Gegensatz zum Historisch-Monumentalen stellte man sich auf Modernes um, — allerlei Geheimnisse, 'Abgründe und Höhen des modernen Grotz- stadllebens, atemraubende Karrieren schöner, armer Mädchen: vom Dallettgirl zur Revuediva, vom Mannequin zum Filmstar, wurden zum Thema. Dazwischen warf man ein paar herbe Kräuter in den Hexenkessel und brachte das Donnergetöse des Krieges auf die Leinwand. Es war die Zeit, als Europa im Vankeeland grohe Mode wurde, und man mischte die amerikanischen Cocktails „Europe-likc“. Hollywood engagierte europäische, namentlich deutsche Regisseure und Stars. Der Amerika-Film europäisiere sich, hieh es. Von den europäischen Stars und Re- gisseuren wurden die einen bald, die anderen etwas später in die Heimat Hurückexpebiert, nachdem ihnen die ,kmrope-liIce"-Essenzcn ein wenig abgezapft worden, um dem amerikanischen Film neue Geschmacknuancen zu verleihen. Aus Rußland drang immer erregendere Kunde von den ganz ungewöhnlichen Filmschöpfungen der Moskauer, die sich auch bald den Weg in die Lichtspielhäuser Europas bahnen sollten. Ihnen hieh es mit den so interessanten russischen Stoffen zuvorzukommen. Man baute alfo Mütterchen Rußland in Hollywood auf, ließ die endlose Atelier-Steppe mit Schnee bestreuen, so daß die galoppierende Trojka ausgleiten muhte und der schönen Insassin nichts übrig blieb, als den Wölfen in den Rachen oder einem bezaubernden Gardeoffizier in die Arme zu fallen. Die Amerikaner blieben sich auch in den Russenfilmen treu. Da muhte der melancholisch-blasse, junge Revolutionär, der bereits an die Wand und vor zwölf Gewehrläufe gestellt war, in letzter Sekunde von einer gnädigen Vorsehung gerettet werden, weil — sein Herz heiß für die schöne Fürstin schlug... And siehe da: in den Armen liegen sich beide... ?um Zaren bringt man die Wundermär und elbst er fühlt ein menschliches Rühren... Happy end! — Das glückliche Ende... Lieber all die Hm» Peilungen im amerckanischen Film hinweg erhielt sich das happy end allein als sein Grundprinzip. Es entspricht ganz der sentimental-optimistischen Geistesversassung des Amerikaners. Der amerikanische Film sollte nie etwas anderes sein als ein leichtes Amüsement mit ein wenig Gruseln, Rer- venkihel und Spannung. Die Handlung muhte also auf ein glückliches Ende hinauslaufen. Llm so mehr mutet das, was sich heute in Hollh- wood vollzieht, als eine Revolution an. Hollywood scheint sich vom bisher heiligsten Grundprinzip abzuwenden und sich auf ein unhappy end umzustellen. Das happy-end-Rezept hatte eine Schablone erzeugt, die mit der Zeit die Spannung lockern muhte. Der Zuschauer konnte sich schon im zweiten Akt vorstellen, was bestimmt im achten eintraf. Dem muhte abgeholfen werden. Es muhte ein Wechsel der Grundstimmung erfolgen, wie wir ihn schon in den neuesten Filmen bemerken können. Sturmwolken über Hollywood! Der azurne Horizont dieser Märchenstadt verdüstert sich — zumindest im Atelier... II. Was war entscheidend für die Abkehr vom bisherigen Optimismus im amerikanischen Film? Zweifellos der starke Eindruck, den die Russenfilme, die letzthin am Reuyorker Broadway erschienen sind, hinterließen. Das amerikanische Publikum lieh sich von dem strengen Ernst, dem Realismus, der ergreifenden Stimmung dieser Filme hinreihen. Die amerikanischen Filmproduzenten versuchen nun natürlich etliche von den dramatischen Effekten der Russen sich zu eigen zu machen. Die Russenfilme sind auf eine bestimmte Wirkung bedacht. Die oft ganz grohe künstlerische Leistung ist keinesfalls Selbstzweck. Sie ist ein Mittel, den Zuschauer zu fesseln, ihn in Atem zu halten. Der Ausklang ist meist tragisch — um so nachhaltiger die Wirkung. Diese Beobachtung, aber zunächst die Erfolge der Russenfilme bewirkten die Umstellung der Film-Weltanschauung der Amerikaner und ihren Liebergang zum unhappy end — zum Tragischen. Das Allermerkwüroigste ist nun, dah eben die Russen, die mit ihrem Ernst und ihrer Strenge die Amerikaner „infizierten", und denStimmungs- umschwung der Amerikaner inspirierten, — selber sich heute vom Tragischen abwenden und dem happy end in ihren Ulmen zuneigen. Die Amerikaner werden ernst, die Russen werden heiter! Ein psychologisch beachtenswerter Wendepunkt dieser zwei so verschiedenen Filmarten. 3n Moskau hatte man dem Film zunächst eine Propagandamission auferlegt. Dann erfolgte eine Zweiteilung der Produktion: für das Inland und für das Ausland. Llnd heute erfahren wir, dah von den für das kommende Jahr zur Verfilmung gelangenden Manuskripten die Propagandaszenarien ausgeschaltet sind. Zudem noch die Wendung zum happy end. Also auch im Russenfilm eine Wandlung? Die Amerikaner gehen zur Moll-Tonart, die Russen zur Dur-Tonart über. Das Filmantlih Amerikas verzieht sich düster. Das Filmantlitz Ruhlands wird hell und heiter. Llnd das Filmantlih Deutschlands? Es wird lang — und länger. Oer Film, der alle Sprachen spricht. Eine neue amerikanische Erfindung. Von Michael Geyer. Nun haben wir es, Gott sei Dank, wieder einmal glücklich geschafft. Die Filmgewaltigen der ganzen Erde können endlich ruhig schlafen, der Sorgen, wie man sprechende Filme auch in- Ländern anderer Zunge unterbringen könne, sind sie enthoben. Natürlich ist es ein Amerikaner, der dieses Problem gelöst hat. Und die Lösung ist so kindlich einfach, —- man muß sich eigentlich wundern, daß in unserem alten Europa noch niemand darauf gekommen ist. So kindlich einfach — ich weiß nur nicht, ob man mehr Betonung auf „einfach" oder auf „kindlich" legen soll. Seit der Erfindung des Tonfilms beschäftigt dieses Problem die Filmindustrie. Wie kann man einen sprechenden Film, der, sagen wir, in Amerika aufgenommen wurde, auch in Ländern ab- seßen, in denen nicht Englisch gesprochen wird? Die Lösung, das gesprochene Wort einfach fortfallen zu lassen und in diesen Ländern den Film stumm, wie bisher, vorzuführen, stößt auf erhebliche Schwierigkeiten. Es liegt natürlich im Wesen des Sprechfilms, gewisse Vorgänge, die im stummen Film bildlich angedeutet 'werden, hier unmittelbar durch das Wort verständlich zu machen. Läßt man nun die Sprache fort, so wird das Verstehen der Vorgänge, wenn nicht ganz unmöglich gemacht, so doch zweifellos sehr erschwert. Stellen wir uns vor, daß wir in einem schalldicht abgeschlossenen Kasten säßen und von dort aus eine Theatervorstellung mitansehen sollten — ich glaube kaum, daß wir an diesen stummen Vorgängen allzuviel Genuß haben würden. Mit Zwischentiteln, die das gesprochene Wort ersetzen sollen, ist erst recht nichts anzufangen. Das führt zu den Uranfängen des Kinos zurück: kein Mensch würde sich heute noch jenen derartigen „Lesefilm" ansehen. »«««« fU ■! MIIMI UMUMI .......... Trotzdem hat sich die amerikanische Filmindustrie zu mehr als siebzig Prozent auf den Tonfilm umgestellt. Das englische Sprachgebiet ist immerhin groß genug, um eine derartige Produktion zu recht- fertigen, wenn auch das „große Geschäft" wie bis» her nicht ganz dabei herauskommen dürfte. Was sollen aber Länder wie Deutschland, Schweden, Rußland beginnen, deren hochentwickelte Filmindustrie natürlich auf den Export angewiesen ist? Seit Jahr und Tag wird in aller Welt krampfhaft daran gearbeitet, dieses Dilemma zu überwinden. Man verfiel auf den Ausweg, „Geräusch- filme" zu drehen, in denen das Wort nur eine Nebenrolle spielt, das Schwergewicht auf der Wiedergabe von Musik und Geräuschen liegt. Das ist jedoch nichts als ein Surrogat, bestenfalls ein Ersatz der alten Kinobegleitmusik. Vielleicht wäre nichts mehr anderes übriggeblie- ben, als die Erlernung des Esperanto von allen Kinobesuchern der Welt zu verlangen. Dem sind wir noch gerade so entgangen — dank jener Erfindung eines amerikanischen Ingenieurs, die es ermöglicht, Sprechfilme in jeder Sprache der Welt herzustellen, ohne daß es nötig märe, die Bild- ausnahmen zu wiederholen. Wie das Verfahren technisch im einzelnen aussieht, weiß man noch genau. Im Prinzip beruht es darauf, daß nicht die Worte des Schauspielers, den man im Bilde sprechen sieht, aufgenommen werden. Vielmehr sind es besondere sprachlich geschulte Kräfte, die von einer anderen Stelle aus den Text zu den Mundbewegungen des Gefilmten auf den Tonbildstreifen sprechen. Durch ein besonderes Verfahren wird dabei ein absoluter Synchronismus erzielt, d. h. eine völlige Uebereinstimmung Bärenjagd. Ein Film-Erlebniö. Von Karl Sander. Der Verfasser, der als Aufnahmeleiter an mehr als 180 Filmen mitgearbeitet hat, erzählt hier aus seinen reichen ©rmnerun* gen diese kleine unterhaltende Geschichte. Es sind nun ungefähr zehn Jahre her, da drehten wir einen Film, in dem ein Bär eine Rolle spielte, schliehlich sollte das Tier durch die Kugel eines Hauptdarstellers in einem Walde getötet werden. Ich war damals noch ein ganz junger Hilfsregisseur und bekam von dem Re- giffeur eines Tages kurzerhand den Auftrag, zum nächsten Tage einen Bären zu besorgen, er dürfe aber nicht mehr als 400 Mk. kosten und dafür muffe man noch die Erlaubnis haben, ihn zu erschießen. Da war nun guter Rat teuer. Der Zoologische Garten, wo ich zuerst anfragte, wollte keinen Bären verkaufen, am allerwenigsten für den genannten Preis. Schließlich gelang es mir, auf einem Vorstadtrummel einen dressierten Bären aufzutreiben und da es schon ein recht altes Tier war, erklärte sich fern Besitzer auch mit dem Preis von 400 Mk. einverstanden. Das Schwierigste kam aber nun erst nach. Auf Grund einer Polizeiverordnung, die wohl noch aus der Zeit des Alten Fritz stammte. Durfte eine Erschießung nur durch eme Amtsperson vorgenommen werden. Ich suchte also den zuständigen Revierförster, der ja eine Amtsperson war, auf und fragte ihn, ob er bereit fei, gegen ein Honorar von 50 Mk. einen Bären zu erschießen. 3n diesem Falle hatte der Hauptdarsteller den Schuß eben nur zu markieren und alles ging somit in Ordnung. Der Förster horte mich erst ruhig an und dann sagte er ganz trocken. Ach so ich soll wohl den Daren erschießen, den Sie' mir da aufbinben wollen." Es war nichts zu machen, der gute Mann wollte nicht begreifen, dah es mir bitter ernft war mit meinem Angebot, kein Wunder übrigens denn damals wurde ja noch nicht annähernd so piel gefilmt, wie heute. Er ließ mich ^eden und nickte nur immer mit geheuchelter Ernsthaftigkeit, wie man es wohl mit einem armen Irren macht, dem man nicht zu widersprechen wagt; er schien mich tatsächlich für einen solchen zu halten. Schließlich wußte ich mir nicht anders zu helfen, als dadurch, daß ich ihm eine beliebig hohe Wette anbot. Er wettete dann auch lachend nut nur um die 50 Mk., die er für das Erschießen bekommen sollte, im übrigen behandelte er mich aber immer noch wie einen Dlödsirpiigen. Arn nächsten Tag war er dann auch, spaßeshalber, wie er meinte, zur festgesetzten Zeit an der verabredeten Stelle. Ich war bereits dort, um mit dem Regisseur die Einzelheiten der Aufnahme durchzusprechen, aber das Lastauto mit dem Bären hatte sich etwas verspätet: das bestärke den guten Forster natürlich in seinem Glauben, daß das alles Humbug sei. Als Dann aber Das Lastauto tatsächlich anfam unD die große Kiste, in Der Der Bär transportiert wurDe, vor ihm stanD, machte er Augen, Die ich mein Lebtag nicht vergessen werbe. Jetzt schien er hn ersten Augenblick allen Ernstes zu benfen, baß er selbst nicht mehr ganz richtig im Kopf sei. Die Filmaufnahme wurde bann programmgemäß gebreht unb ber Bär erschossen. Schimpfend zahlte der Förster von feinem Honorar die verlorene Wette: nochmal Dürfen ihm aber Filmleute nicht kommen. Oer rasende Filmdichier. Aus dem Papierkorb eines Dramaturgen. Das Drängen zum Film zeigt sich nicht nur in Der Llnzahl von jungen Menschen, Die als Darsteller ihr Glück versuchen wollen, sondern noch stärker in Den Manuskriptenhaufen, Die Die großen Filmfirmen erhalten. Der Dramaturg Der „Ufa", Martin V r o s k a u e r, Der im neuesten Heft von „Scherls Magazin" allerlei Ergötzliches aus seinem Papierkorb mitteilt, erzählt, Daß Das Dramaturgische Bureau der Ufa 1927 etwa 5000 Handschriften erhielt, die alle unbrauchbar waren: „Da kamen Frachtbriefe und Speisekarten mit vollgekritzelter Rückseite, Da kamen Tagebücher und in Wachstuch gebundene Schulhefte, hundertseitige Abhandlungen, mit blaßem Kopierstift geschrieben, und Pakete bis zu 20 Pfund (10 Akte je zwei Pfund)." Der Inhalt entsprach dem wunderlichen Aussehen. Aus ber erstaunlichen Dlütenlese des Mitgeteilten seien hier einige Proben angegeben. Schon Die Titel lassen auf Furchtbares schließen, wenn z. B. ein Film in einem Vorspiel und sechs großen Akten heißt: „Ihr Wille reitet das Glück zum Tot." Beliebt sind Titel wie „Das süße Gift der Liebe" oder „Zweimal vom Tode errettet“. Einer weiblichen Feder entstammt Der packende Titel: „Mein Mann (soziale Fäulnis) aus meinem eigenen Leben". Vielversprechend ist auch „Vom Hungertuch ein Freudenkleid gewebt" oder der Film eines Schuhmachers aus Rordhausen, der „Oh, wär' ich nie geboren" heißt unb bei dem es sich nach der Angabe des Verfassers „um ein sehr ergreifendes Stück handelt und wechseln die Szenen zu immer mitleidender werdender Schicksalsschläge eines jungen Menschen". Eine Filmidee, die ein Herr Fritz Meyer aus Karlsruhe anbietet, lautet also: „Robert lernt bei Familienfeste ein Mädchen namens Ernestine kennen. Dieselbe war ein lustiges, aber unerfahrenes Ding, das noch Die Unschuld hatte. Ernestine wollte im nächsten Jahr den Freund ihres Vaters heiraten. Rur um den Luxus wegen. Ernestine wurde von Marga (Roberts Geliebte) aufgeklärt, unb sie sprachen über das Thema, mit Dem sich junge Mädchen gern befassen. Eine dunkle Wolke der Eifersucht schob sich langsam zwischen Marga und Ernestine hindurch." Sehr ergreifend ist auch Der Inhalt eines Filmtextes mit dem schönen Titel: „Wenn Mütterlein im Grabe ruht, oder Die vom Vater Verstoßenen",, dessen Eingang lautet: „@in reicher Fabrikbefitzerssohn heiratet nach Einwilligung Der Eltern ein armes Blumenmädchen. Rach langer glücklicher Che schenkte er seiner Frau ein Zwillingspaar, Junge unb Mäbchen, bei ber Geburt starb bie werdende Mutter unb die Kinder wurde dem Tode entrissen. Die Jahre vergingen, die Kinder waren fünf Jahre alt, da lernte der Vater eine Tänzerin kennen. Ihm wurde Der Boden unter den Füßen locker und Sie rüsteten zur Amerikareise." Die Kinder werden dann in ganz verschiedenen Kreisen aufgezogen, das Mädel von einer reichen Same, ber Junge von einer armen Händlerin: sie fernen sich als Erwachsene kennen, verloben sich heimlich, „unter großem Prunk naht Der Hochzeitstag", da wird im letzten Mome.it ihre Verwandtschaft aufge» klärt: „Um ihr Leben ein Ende zu machen, begingen sie Selbstmord, so endete das tragische Schicksal eines vom Vater verstoßenen Zwillingspaares." In einem „furbelrei'cn Drehbuch" „Haß und Liebe" findet sich die folgende Spielanweisung: „Sie eilt zum Fenster, um bie Gedanken auf eine andere Bahn zu bringen. Geht wieder fort von diesem, schreitet einige Male durchs Zimmer, nimmt bald dies, bald das in die Hand, wobei sie mit dem Unterleib lässig steht und mit den Gedanken nicht bei der Sache ist." Ratürlich wollen alle Filmdichter Geld. Aber glücklicherweise ist selten einer so anspruchsvoll wie der Verfasser eines Prachttextes, den er vorsichtshalber erst nach Vertragsabschluß vorlegen will. Er fordert ganz einfach: „Bedingung: Die interessierte Firma stellt mir in ber Stabt ihres Sitzes eine standesgemäße Wohnung für acht Personen mit einem Verkehrswagen und dessen Bedienung zur Benutzung — (für die Dauer ber Arbeiten). Als Gehalt wird mir bie Summe von 10 000 Reichsmark pro Monat ausgezahlt. Für bas Werk selbst erhalte ich bie Summe von fünf Millionen Reichsmark, welche zu a/& nach Her- I stellung des Films, Der Rest nach Ablauf eines zwischen Wort unb Bild. Damit wäre auch ba« Problem gelöst, wie in Zukunft beliebte Filmstars, die aber nur Schauspieler unb keine Sprecher sind, verwandt werden können. Soweit wäre alles ganz gut unb schön. Nun kommt aber bas Phantastische: der Erfinder behauptet nämlich, baß man bie gleichen Mundbewegungen, bie man im Bilbe sieht, mit verschiedenartigen Texten versehen kann. Wenn also der Schauspieler auf der Leinewanb die Mundbewegunaen von „Iloveyou" macht, ertönt als Text dazu: „Ich liebe dich" ober „Je vous aime". Es sei nebensächlich und überhaupt kaum zu bemerken, — sagt der Erfinder — daß die verschiedenen opradjen auch verschiedene Bewegungen der Sprechorgane voraus- setzen. Es ist also wohl auch irrelevant, daß der Engländer einen anderen Kieferbau, Der Franzose eine andere Gaumenbilbung hat als z. B. der Deutsche. Dann dürfte es wohl auch keine Rollo spielen, daß das Satzgefüge in jeder Sprache ein anderes ist, das z. B. im Deutschen sich viele Dingo nur mit Hilfe von Nebensätzen ausdrücken lassen, bie im Französischen mit einem einzigen Wort bezeichnet werden, daß also die Länge ber Sätze von gleicher Bedeutung nicht in allen Sprachen die gleicye ist. Natürlich ist es wohl auch nebensächlich, daß der Deutsck)e im allgemeinen langsamer zu sprechen pflegt, als der Franzose. Ehrlich gestanden, dann lerne ich schon lieber! Esperanto. Es ist eben eine echt amerikanische Erfindung, aber so kindlich einfach liegen die Dingo wohl doch nicht. Ich fürchte sehr, der sprechende Film wird auch auf diesem Wege nicht recht weiterkommen. Stimmung! Stimmung! Wie der Filmregisseur arbeitet. Der neue große Filmerfolg, Den Iannings gemeinsam mit seinem Regisseur Lubitsch errungen hat, ist ber „Patrio t" nach Dem bekannten Stück von Alfred Reumann, ber Den Tod Des Zaren Paul l. behandelt. Der Zar wird von Iannings bargeftellt. In diesem Meisterwerk historischer Filmkunst hat Lubitsch Großartiges geleistet, unb es ist interessant, aus seinen Aufzeichnungen, Die in der „Comocd;a“ mitgeteilt werden, einiges Darüber zu erfahren, wie ihm bie Gestaltung ber wirksamsten Szenen gelungen ist. Lieber die Art. wie bie Ermorbungs- szene vorbereitet und gebreht würbe, erzählt er: „Ich werbe zum Mörder. Ich werde den Zar toten. Der Gedanke flattert in meinem Kopf wie eine böse Fliege. Ich muh dazu dieselben Menschen und denselben Mann wiederfinden, diese kalte Winternacht. eine graue und unheimliche Rächt. Ich habe auf meinem Schreibtisch 100 dicke Dokumente, die die Einzelheiten des geschichtlichen Vorganges enthalten. Alles ist für die Ausstattung festgelegt, aber ich finde nicht die „Stimmung" des Dramas. Ich habe Iannings gebeten, die Zarenunisorm anzulegen und zu mir zu kommen. In dem Bureau, in dem ich bin, habe ich eine ungewisse Beleuchtung ber» gestellt. Ich will ihn nicht im vollen Licht feben, ich würde ihn wiedererkennen. In dem Halbschatten hoffe ich, „den andern" zu finden, den, den ich suche. Iannings tritt ein. „Du errätst, warum ich dich hergebeten habe?" sage ich zu ihm. „Ja," erwiderter mir. ..um von ihm zu sprechen.* „Rein, damit du mir von dir selbst sprichst, von Paul I.“ Ich sehe an dem Aufleuchten seiner Augen, daß er mich verstanden hat. Er spricht langsam, und mit schwerer Stimme erzählt er mir seinen Tod. Ost unterbreche ich ihn wegen einer Einzelheit: ich will alles ganz genau wißen. Jahres zu bezahlen ist." Dafür vc> sprechen aber auch manche dieser Filmgenies das Blaue vom Himmel herunter. So z. B: „Rachdem die Ufa diesen außergewöhnlichen Sensazionellen Film der Menschheit übergeben haben wird, da muß so-- fort das Rheinland geräumt werden und zwar unter dem Druck der öffentlichen Meinung, tpelcho entstanden ist, durch die wahrme Sonnenstrahlen dieses Werkes, welches alle Menschenherzen erwärmen tut, von Rordpvhl b. z. Südpohl." fb. Tanz im Film. Von Lya Mara. Warum wird im Film so gern und ost getanzt? Tanz ist Die reine Kunst Der Bewegung — und Film die Kunst der reinen Sichtbarkeit. Und sichtbar ist vor allem — das Bewegte. Dabei ist das Problem, den Tanz im Film mög* lichft vollkommen darzustellen, noch lange nicht restlos gelost. Aber wir sind nahe daran. Manchmal gelingt cs schon ganz so, wie wir es wollen. Jeder einzelne Tanz im Film ist für mich eine Aufgabe, die unendliche Mühe und Arbeit bedeutet. Ich "bin von der Tanzbühne her unter die Jupiterlampen gekommen, — man wird also dieses mein besonderes Interesse verstehen. Bei Tanzaufnahmen kommt es vor allem auf die richtige Geschwindigkeit bei der Aufnahme und bet der Projektion an, — mehr noch, als bei jedem anderen Filmbild. Bei normaler Aufnahmegeschwindigkeit muß der Tanz etwa auf die Hälfte feines Tempos reduziert werden. Und dazu gehört eine enorme Sicherheit und Beherrschung der Technik. Man muß sozusagen „in Wirklichkeit Zeitlupe spielen". Mit der Zeitlupe lägt sich nämlich nicht immer etwas anfangen, vor allem, weil der Schwung tänzerischer Bewegungen in Widerspruch zu der künstlichen Verlangsamung steht. Es kommt dann zu den ungewollt komischen Wirkungen, die alle Kinobesucher kennen. Zn meinen beiden Desu-Filmen „Das tanzende Wien" unb „Die Kaiserin" habe ich große Tanz- und Ballettszenen zu spielen. Welche Schwierigkeiten dabei zu überwinden sind, mag man daraus entnehmen, daß für die Aufnahmen einer solchen einzigen BaUettszene bis zu dreißig volle Arbeitstage in Anspruch genommen werden müssen. Nichts ist unbarmherziger als die Linse. Sie verrät alles, jede kleinste Bewegung, jedes Zucken wird registriert. Deshalb mich alles bis zum letzten i-Tüpfelchen klappen, muß viel genauer kjappen, als im trügerischen Schein der Bühne. Wieder einmal ein Beweis gegen die vielverbreitete grundfalsche Ansicht, im Film sei alles mir Täuschung, leicht unb mühelos heroorgerufene Illusion. Da- Licht geniert mich. 5ht völliger Dunkelheit höre ich ihm zu. Niemals würde ich geglaubt haben, daß man so vieles in der Nacht sehen kann. Och höre, und meine Phantasie tut das Uebrige. Dann bleiben wir schweigend fitzen. Lange, sehr lange." „ , . Die Dekoration ist aufgebaut: lange Galerien münden in andere Galerien. „Ich werde sie mir heut abend ansehen, ganz allein," fährt Lubitsch fort. „Seit mehr als einer Woche habe ich meinen Künstlern alle Einzelheiten vom Tode des Zaren erzählt. Heute, zum zehnten Male vielleicht, fange ich von vorn an und bemerke, daß meine Ausführungen von einem Male zum andern Male einge^ndcr sind. Langsam gehen wir jetzt in die große Galerie, die zu dem Thronsaal führt. Lannings ist an der Spitze, in Kostüm und Maske ebenso wie die andern. Ihm allein habe ich aufgetragen, ganz plötzlich mit der Szene der Mucht zu beginnen, um die Wirkung auf die andern zu sehen, die von meinem Plan noch nichts wissen. Lannings beschleunigt seinen Schritt: die andern folgen ihm automatisch. Der Marsch wird immer schneller. Was wird geschehen? Plötzlich reißt Lannings aus. Die andern zögern und sehen mich an. „Feiglinge!" schreit Lannings. „Feiglinge! Niemals werde ich ab- danken." Alle sind wie elektrisiert. Sie verstehen plötzlich, warum ich sie hierhergebracht habe. Ln dem ungewissen Licht ist das Atelier verschwunden. Alle glauben, daß sie in einem Palast sind, in dem wirklichen Palast Pauls I. Alle erinnern sich an die Einzelheiten: sie sturmen vorwärts, wenn „der andere" vorwärts stürmt: sie suchen ihn zu packen. Umzingelt flüchtet er sich auf seinen Thron: der Kreis der Männer drängt sich um ihn zusammen. Ln meiner Phantasie steigt durch eine geheimnisvolle Pforte, die sich plötzlich öffnet, die Vergangenheit in mir empor. Lch fühle sie besser: ich leite die andern besser. Die Seelen der Schatten erwachen jetzt in ihnen, und mein Ziel ist erreicht. w. Wirtschaft. Geringe Entlastung der Reichsbank. Starker Gold- und Tcvisenverlust. Man konnte nach der Entwicklung der Devisenkurse während der ersten Aprilwoche annehmen. daß die Reichs bank zu neuen stärkeren Gold- und Devisenabga- den gezwungen war. Der Ausweis der Reichs- bank für die erste Aprilwoche weist 103 Mill. Mark Goldv erluste und dazu noch 2 2 Mill. Mark Deviseneinbuhen aus. Die Höhe dieses Verlustes mit insgesamt 125 Mill. Mark muß überraschen: er ist der größte Verlust, den die Reichsbank bisher seit der Sta- bilisierung in einer Woche an Gold erlitten hat. Der gesamte Devisenbestand der Deichsbank durfte sich gegenwärtig auf nur noch 130 bis 150 Mill. Mark belaufen, gegenüber einem Bestand in Höhe von 527 Mill. Mk. zu Beginn des lau- senden Lahres. Für die Anforderungen an den Valutenbestand der Reichsbank sind nicht nur die Käufe des Reparativnsagenten für seine Transferdisvositionen und die Zinsfällig- keiten für die Auslandanleihen sowie Bedürfnisse der Wirtschaft, die sich übrigens augenblicklich in ziemlich engem Rahmen halten, maßgebend, sondern vor allen Dingen macht sich jetzt verstärkt dos Zinsgefälle bzw. der ungewöhnlich hohe Geldsatz in Amerika geltend. Wenn dieses Zinsgefalle und demzu- solge die starken Abflüsse anhalten, so ergibt sich folgerichtig die Frage, ob die Reichsbank, selbst wenn sie dazu in der Lage ist. weiterhin in so starkem Umfange Gold und Devisen abgeben soll, oder aber ob cs nicht besser ist, das bei der herrschenden Valutensituation der Reichsbank gegebene Mittel einer Heraufsetzung des Diskontsatzes in Anwendung zu bringen. Gewiß hat die Reichsbank durch ihre starken Goldabgaben eine beträchtliche Entspannung des deutschen Devisenmarktes herbeiführen können, ob aber mit dem starken Goldverlust der ersten Aprilwoche, der sich als eine notwendige Folge der Verteuerung in den Zinssätzen des Weltgeldmarktes darstellt, nunmehr der Kampf um die Beibehaltung des gegenwärtigen deutschen Zinsniveaus von der Reichsbank gewonnen wird, ist sehr zweifelhaft. Wenn in Reuyork selbst keine Entlastung am Geldmärkte von innen heraus eintreteü sollte, wofür seitens des Federal Reserve Board die größten Anstrengungen gemacht werden, so muß angesichts der finanziellen Verhältnisse Deutschlands gesagt werden, daß eine Diskonterhöhung letzten Endes weiteren starken Goldverlusten der Reichsbank vorzuziehen ist, so unangenehm auch ihre Auswirkungen für die Konjunktur sein mögen. Die Entlastung der Reichsbank ist im übrigen verhältnismäßig gering, allerdings hat sich der Zahlungsmittelumlauf erheblich vermindert. Diese Verminderung ist jedoch im wesentlichen auf die Zunahme der Giroguthaben um 190 Millionen Mark auf der Passivseite zurückzuführen, die zum Teil Gelder des Generalagenten, zum andern Teil Gelder des Reiches aus dem Kontokorrentkredit der Großbanken sein dürften. Dieser Posten wird sich also sehr schnell wieder vermindern, schon deswegen, weil der Reparationsagent von neuem Geld zu Devisenanschaffungen braucht. Man kann also sagen, daß die Gelddispositionen der Wirtschaft in dem Reichsbankausweis für die erste Aprilwoche nur sehr wenig zum Ausdruck kommen, daß dagegen die Geldbewegung der öffentlichen Hand (starke Zunahme des Bestandes an Reichs» schatzwechseln. nur geringer Rückgang der Lombardkredite) und des Reparationsagenten sich stark ausprägen. Oanaibank. Die gestrige Generalversammlung der Darmstädter- und Nationalbank K.-G. a.A., Berlin, beschloß die Verteilung einer Dividende von 12. v.H. In der fast zweistündigen Debatte ergriff zunächst ein Angestelltenoertreter das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er besonders die sozialpolitischen Bemerkungen des Geschäftsberichtes einer Kritik unterzog. Er unterstrich, daß die Bank bei gleichgebliebener Ängestelltenzahl in den letzten beiden Jahren fast eine Verdoppelung des Umsatzes erzielt habe. Die Dotierung zum Beamtenpensions- ionds mit einer Million Reichsmark sei bei der starken Schaffung offener und stiller Reserven nicht ausreichend. Der Aktionär stellte schließlich den Antrag, den Vortrag auf neue Rechnung um eine Million Reichsmark zu vermindern und diesen Betrag für Extra-Gratifikationen zu verwenden. Dieser Antrag wurde mt 5605 Stimmen abgelehnt. Jakob Goldschmidt widerlegte in einer längeren Rede die Argumente des Vorredners, dem er jedoch in verschiedenen Punkten beistimmte, so vor allem in der Ansicht, daß der innere Konsum zu gering sei, wenn auch die Wege, eine Steigerung herbeizuführen, verschieden seien. Unsere Wirtschaft brauche dringend eine gewisse Beharrungsperiode, in der alle Kräfte zusammengesaßt werden müßten, um die sicheren Grundlagen für eine dauernde Rentabilität zu schassen. Zum Schluß betonte Jakob Goldschmidt, daß erst die Zukunst zeigen würde, ob die von der Bank verfolgte Reservepolitik richtig sei. Aus dem A u f s i ch t s r a t scheiden aus Carl Jllies (Hamburg), Anton Günther Rieniets (Bremen) und Johann Ludwig Schrage (Bremen). Neu gewählt wurden der bisherige Geschäftsinhaber Georg v. Simson, ferner Justizrat Meyer (Jlseder Hütte), Dr. Fritz Opel, Hermann Ritter (Martin Brinkmann), Bremen, und Dipl.-Jng. Paul Werners (Büssing), Braunschweig. Fusionsverhandlungen Deutsche Effektenbank - Deutsche Vereinsbank. Laut „Franks. Ztg." schweben zwischen der Deutschen Effekten- und Wechselbank in Frankfurt a. M. und der Deutschen Vereinsbank K. G. auf Aktien. Frankfurt a. M., Verhandlungen, die eine Fusion beider Institute bezwecken. Die Verhandlungen seien jedoch noch nicht so weit gediehen, daß in den bevorstehenden Dilanzsihungen bereits konkrete Vorschläge vorgelegt werden könnten. Von den Verwaltungen beider Institute wird dem WTB.-Handelsdienst die Richtigkeit dieser Nachricht bestätigt. Nähere Angaben könnten aber gegenwärtig unter Hinweis darauf, daß die Verhandlungen in der Schwebe seien, noch nicht gemacht werden. Kommt die Fusion zustande, woran wohl kaum gezweifelt werden kann, fo bedeutet dies eine merkliche Vergrößerung der Aktionsmöglichkeiten der beiden Mittelbanken. Die Effekten- und Wechselbank hat im Lahre 1927 ihr Aktienkapital um 2,5 auf 10 Mill. Mark erhöht: die offenen Reserven betragen 2 Mill. Mk. Ln der Bilanz per 31. Dezember 1928 betrugen die Kreditoren rund 37 Mill. Mk., die Debitoren 26,5 Mill, und Nostroguthaben bei Banken 7.5 Millionen Mark. Das Institut besitzt eine Niederlassung in Berlin und schüttete für das Lahr 1927 eine Dividende von 8 Proz. aus. Bei der Deutschen Dereinsbank war die Rentabilität merklich geringer. Auf das Aktienkapital von 9 Mill. Mk. (im Lahre 1926 um 3 Mill. Mk. auf 9 Mitt, erhöht) wurde im vergangenen Lahre eine Dividende von 5 Proz. verteilt. Die offenen Reserven sind mit 500 000 Mk. ausgewiefen. Die Verbindlichkeiten betrugen etwa 22,5 Mill., die Debitoren 19 Mill. Mark. Schweinemarli in Gießen. Der heutige Schweinemarkt in Gießen war sowohl von Händlern, als auch von Landwirten gut beschickt, so daß man von einem Wiederaufleben der Gießener Schweinemärkte reden könnte. Auch hatten sich viele Kauflustige aus der näheren und weiteren Umgegend eingefunden. Der Handel kann als flott bezeichnet werden. Es wurden bezahlt für 6—8 Wochen alte Ferkel 40—48 Ml., 8—13 Wochen alte bis zu 60 Mk. das Stück. Einleger kosteten 100—110 Mk. je Stück. * Uebernahme von Fuchs Waggon durch eine westdeutsche Waggonfabrik? Aus Heidelberg wird berichtet: Nachdem andere Sanierungsversuche bisher noch nicht gelungen find, führt die H. Fuchs Waggonfabrik. A.-G., Heidelberg, angeblich aussichtsreiche Verhandlungen mit einem großen rheinischen Werk der Waggonbauindustrie wegen Uebernahme der Heidelberger Fabrik. * Frankfurter Pfandbriefbank A. - G„ Frankfurt a. M. Die G.-D. genehmigte einstimmig den Abschluß mit 10 (i. V. 9) Prozent Dividende. *DeutscheTelephonwerkeundKabel- i n d u st r i e A.-G. Der Aufsisichtsrat schlägt vor, den Reingewinn von 87 308 Mt. auf neue Rechnung vorzutragen (im Vorjahre 7 v. H. Dividende). * Berlin-Karlsruher Industrie- werke A.-G. Der Absatz der von der Berlin-Karlsruher Jndustriewerke A.-G. hergestellten Gabler- schon schützenlosen Webmaschine hat, wie WTB.- Handelsdienst erfährt, in der letzten Zeit einen erfreulichen Aufschwung genommen. Einige Typen dieser Maschine setzen sich in "r Textilindustrie in- K ihrer großen Vorteile immer mehr durch. Der ragseingang für diese Typen ist im letzten Vierteljahr erheblich gestiegen. * Italienisches Kunstseide-Abkommen. Zwischen den italienischen Kunstseidefabriken Snia Viscosa, Turin, Chatillon in Turin, Varedo in Turin und Societa Generale Italiana della Viscosa in Rom ist zur Regelung und Förderung der italienischen Viscose-Kunstseide-Er- zeugung ein Standardisierungs- und Kontingentierungs-Abkommen abgeschlossen und unterzeichnet worden. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 10. April. Tendenz: unsicher. — Die Panzertreuzerangelegen- h e i t, in deren Zusammenhang die Große Koalition in Frage gestellt ist, so daß mit einer evtl, innenpolitischen Schwierigkeit zu rechnen ist, hatte zu Beginn der heutigen Börse eine allgemeine Unsicherheit zur Folge. Auch der schwache Schluß der gestrigen Neuyorker Börse verstimmte und mahnte zur Zurückhaltung. Das Geschäft war daher anfänglich sehr klein, und es traten überwiegend kleinere Rückgänge ein. Die -Spekulation hielt sich im Hintergründe und schritt eher zu G l a t t st e l l u n g e n. Gleich nach Festsetzung der ersten Kurse machte sich jedoch eine gewisse Beruhigung und Geschäftsbelebung, hervorgerufen durch eintreffende Auslandorders, bemerkbar. Besonders für Elektrowerte und auch für Kaliaktien bestand von dieser Seite Interesse. Die Börse zeigte, heroorgerufen durch diese Tatsache, eine merkliche Wider st andsfähigkeit, die Stimmung war sogar eher etwas freundlicher, was sich aber in der Kursgeftaltung noch nicht auswirken konnte. Gegenüber der gestrigen Abendbörse waren verschiedentlich Rückgänge, auf der anderen Seite aber auch Gewinne zu verzeichnen. Stärker angeboten waren am Elektromarkt Chahe-Aktien mit minus 3 Mk., Siemens und AEG. waren gut behauptet, während Licht & Kraft etwas höher eröffneten. Chemiewerte bis 1,5 v.H. schwächer. Gefragt waren von Zellstoffwerten Waldhof mit plus 1,5 v.H. Auch heute waren Kaliwerte wieder besonders gefragt. Bei lebhafter Geschäftstätigkeit konnten Salzdetfurth 5 v.H., Westeregeln 2 v. H. anziehen. Aschersleben nur gut behauptet. Montanwerte hatten kein nennenswertes Geschäft. Gelsenkirchen und Mannesmann etwas fester Mansfelder dagegen infolge der außerordentlichen Kupferpreissenkung erneut weiter nachgebend und bis 1,5 v. H. niedriger. Rheinstahl minus 1 v. H. Am Bankenmarkt waren Deutsche und Dresdner Bank gut behauptet. Danat- banE und Barmer Bank eröffneten bis 1,25 v. H. niedriger. Schiffahrtsaktien vernachlässigt. Renten still. Von deutschen Anleihen 'Ablösung ohne Option leicht gedrückt. Schutzgebiete gefragter und höher. Im Verlause blieb die Stimmung freundlich. Auch der Geschäftsumfang war in den bevorzugten Werten recht groß. Schuckert plus 2 v. H., Kaliaktien standen weiter im Vordergründe. Letztere konnten erneut bis 3 v. H. anziehen, waren aber später auf Realisationen etwas gedrückt. Auch Zellstoff Waldhof aus besseren Dividendeaussichten gefragt, und abermals 1,5 v. H. höher. Dem Farben-Markte wandte sich stärkeres Interesse mit 2,25 v. H. zu. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 v.H. wieder angespannter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2171, gegen Pfund 20,464, gegen Paris 124,19, London gegen Kabel 4,8530, gegen Mailand 92,80, gegen Madrid 32,50, gegen Holland 12,0925. Berliner Börse. Berlin, 10. April. An der heutigen Börse stützten Spezialbewegungen die Sttm- mung, fo daß die ersten offiziellen Notierungen bei weitem nicht fo schwach waren, wie man vormittags befürchtet hatte. Stärker rückgängig und bis zu zwei Prozent 'schwächer waren nur A.-G. für Verkehrswesen, Schubert & Salzer, Deutsche Telephon und Kabel, Stöhr, Stolberger Zink, Svenska, Maximilianshütle, Siemens und Chade-Aktien. Dagegen bewirkten vorliegende Au s l a n d o r d e r s für S p e z i a l w e r t e, wie Schultheis und Ostwerke, Polyphon und Kaliaktien unter Bevorzugung von Salzdetfurth, schon zu Beginn meh.prozentige Ste'girungrn. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer wenig verändert. Ungarische Goldrente etwas fester. Pfandbriefmarkt still und noch uneinheitlich. Der Geldmarkt war unverändert. Tagesgeld 6 bis 8 Proz.. Monatsgeld 7,5 bis 8,5 Proz., Warenwechsel über 6,5 Proz. Daß heute keine weitere Erleichterung eingctreten ist, dürste wohl mit dem Steuertermin zufammenhängen. Nach den ersten Kursen zunächst schwankend, wurde bald die Stimmung zusehends freundlicher, wobei ein guter Arbeitsmarkt anregend wirkte. In Kaliwerken fetzten sich die Auslandkäufe fort, und Salzdetfurth erzielten einen neuen Gewinn von etwa 6 Proz. Ferner konnten Polyphon 5 Proz. gewinnen. Siemens etwa 2 Proz. hoher. Wald- Hos auf die Dividendehoffnungen von 14 Proz. um 1,5 Proz., Feldmühle um 1,75 Proz. und Daiinlor um 2,75 Proz. erhöht. Auch die Montanwerte hatten heute ziemlich großes Geschäft unu mjloficn sich der Tendenz der offiziellen Märkte an. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 10. April. Am heutigen Produktenmarkt waren ilmfätje kaum zu verzeichnen. Trotzdem Kaufangebot von Inlandware vorhanden war, blieb auch der Markt hiervon vollständig unbeeinflußt. Die Preise blieben unverändert. Cs wurden notiert: Weizen 23,75 bis 24: Roggen 23; Sommergerste für Brauzwecke 24: inl. Hafer 24,25; Mais (gelb) für Futtcrzwecke 23; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0, 33 bis 33,50; Roggenmehl 30 bis 31; Weizenkleie 13,70 bis 13,80; Roggenkleie 14,75 Mk. Tendenz: ruhig. Süddeutsche Kinosorgen. WSN. Frankfurt a. M., 9. April. In einet von mehr als 150 Lichtspieltheaterbesihern der engeren und weiteren Umgebung Frankfurts besuchten Versammlung machte Direktor Berger von der Hessischen Lichtspielgesellschaft in Darmstadt interessante und beachtliche Ausführungen über das Lichtspielgewerbe in Gegenwart und Zukunft. Die Wintersaison 1928/29 war für das Kinogewerbe geradezu katastrophal. Die Ursachen lägen in der furchtbaren Kälte und in der Grippeepidemie, a?:r der schlechte Geschäftsgang beginne überhaupt c'.n chronisches Uebel zu werden. Die Frequenz in den Theatern habe eine Einbuße bis zu 40 Prozent erlitten, und es müsse die Frage nach den Ursachen aufgeworfen und beantwortet werden. Es müsse damit gerechnet werden, daß ein großer Teil der Lichtspieltheater während der Sommermonate seine Pforten schließe. In Darmstadt fei beispielsweise bereits vorgesehen, daß die zwei dort bestehenden Großtheater wechselweise auf je sechs Wochen geschlossen werden. F e r n k i n o und Tonfilm seien zwei Dinge, an denen der Theaterbesiher nicht mit geschlossenen Augen vorübergehen dürfe. Vor allem handle es sich bei dem Tonfilm um keine vorübergehende Spielerei, sondern um eine Neuerung, der die Zukunft gehöre, die allerdings im Augenblick noch ein recht g. ährliches Experiment bedeute, da die deutschen Systeme vorerst noch recht unvollkommen seien. Aber der Tonfilm marschiere auch in Deutschland, und wenn er auch durch Neuanschaffung von (Apparaten eine recht fühlbare Belastung bedeute, fo mache er den Lichtspieltheaterbefitzer nicht nur unabhängig von seinen Musikern, sondern ermögliche am kleinsten, wie am größten Orte die gleiche ausgezeichnete musikalische Begleitung. — Die Versammlung beschäftigte sich dann ausführlich mit einer Reihe interner Fach- fragen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchlosienen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6,5 Prozent, Lombardzinssuh 7,5 Prozent. Frankfurt a.M. Berlin Schluß- l-Ut)» Schluß- Anfang Kurs Kurs Kurs Kurs Datum 9-14. | 10.4. 9.4. 1 10 4. 6% Dt. Reichsanleihe u. 1927 . Dt. Anl.-DblLj^Schuld mit Aus- 87,25 — 87,5 । — los^Rechten 53,8 53,75 53,9 53,9 Dekgl. ohne AuSlos.-Rechte . 1% Franks. Hhp.-Bk. Goldps. rnv 12,65 — 12,65 12,6 kündbar bis 1932 *yt% Rheinische Hyp^Bank 2iqu,- Goldps. . ... 89 —— — 80,6 — - — A.E.G. abg. BorkriegS-Obltgatton., rückzahlbar 1932 89 —— — — *% Schweiz. Bundesb^Anl.. 100,25 — — 4% Oesterreichische Goldrte.. . - 31,75 —— 31,65 —— 4,20% Oesterr. Silberrte. . . 3 — 3 _ <,% Oesterreich, einheitl. Rle. 1,95 — — 4% Ungarische Goldrte..... 4% Ungarische Staatsr. V. 1910 24,9 21,15 25 24,9 21,2 25 41/% desgl. von 1913 . 22,25 — 22,2 —— 4% Ungarische Kronenrte.. . 1,95 — 2 — 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . 4% Türkyche Bagdadbahn-Anl., 10,65 — 10,6 — Serie 1 ... 10,25 — 10,25 10,3 10 4% Rumänen amtiert. Rte. . - . _ _ 4%% Rumänen Goldanl. von 1913 17,65 — 17,9 — Mg. Deutsche Eisenbahn *y2 — — — _ Hamburg-Amerika Paket ... 8 123,5 122,4 123,25 122,5 Hamb.-Süüam. Tampssch. . . 8 — — 197,25 197 Hansa Dampsscknts ... 10 —— — —- Norddeutscher Lloyd .... 8 117,5 117 117,75 117,25 Mg. Deutsche Ereditanst. . . 10 133,25 — 133,25 ।33,25 Warmer Bankverein . . 10 145,5 144,25 145,65 145,6 Berliner HandelSgesellsch. . 12 229 229,5 228,75 Eommerz- und Privat-Bank 11 203,75 203 203,75 203 Darmst. u. Rotionalbank 12 291,25 290 291,25 290,5 Deutsche Bank - - 1° 171 171 171,13 170.5 Diskonto-Gesellschast Ank.. iu 161,5 161,65 161,25 Dresdner Bank - ■ 10 174,75 174,75 175 175,4 Mitteldeutsche Ereditbank ... 9 — Metallbank.........8 136.75 | 136,5 137.5 136,5 ..................12 321,5 322,65 321/5 1 Frankfurt a M. Berlin Schluß-, Kurs । l Uhr Kurs Schlub > Kurs Anfang Kurs Datum | 9.4. 10-4. 9-4. ' 10-4. A.E.G. . ...... e| 181,5 180,75 181,9 180,5 Bergmann ...•••• . 9 231 — 231,75 231 Elektr. Lieferungen..... 10 — 174 174,5 173 Licht und Kraft ..... 10 221 221,5 222,5 221 Felten & Guilleaume.... . 6 143,5 — 144 143,25 Gef. f. Elektr. Untern..... 10 238 — 237,5 236 Hamb. Elektr. Merke .... 10 — — 149.5 148,5 Rhein. Elektr. ....... . 9| — —— 173 173 Schief. Elektr........ 10 — — 215,5 215,75 Schuckert..... • • • . 8 251 250,75 251 251 Siemens & Halske ..... 12 401,5 401,5 402,75 400 . 8l —- — 159,5 158,6 Lahmeyer & Co....... 10 180 — 180 — Buderus......... . 5 79,5 — 79,5 —— Deutsche Erdöl ...... . 6 — 128,25 128,75 128,5 Essener Steinkohle..... . 8 —— — 135,5 134,75 Gelsenkirchener ... f. ¥z 3- 4 135,5 135,5 135,5 136 Harpener ...... . 6 138,5 — 139 Hoesch Eifen. ....... . 8 — —— 129 — Ilse Bergbau ....... . 8 217 —— 217 216 Klocknerwerke ....... . 7 110,5 — 110,5 110 Köln-Neuessen. ...... . 9 — — 127,25 128 Mannesmann....... . 8 120 120,25 120,13 121,5 Mansfelder...... . . 7 136,5 135 136,5 135 Oberfchlef. Eifenb. Bedarf. . • o — — 90,65 90,4 Lberschles. Kotswerke ... . 6 — — 108,65 108,13 Phönix Bergbau ...... 6% 96,5 — 96 96,5 Rheinische Braunkohlen. . . Rhcinstobl s. % Jahr 10 296,5 —- 296,25 296 4'/, 128,75 127,75 128,25 127,75 Riebeck Montan...... 7,2 — — — Vereinigte Stal,Iw. .... . 6 — — 93,5 93,5 Otavi Minen . . • • . 2 Sh 68,25 — 68,9 68,13 Kali Aschersleben . . . . . 10 251 251,5 250,5 251,5 Kali Westeregeln...... IC 257 257 257 257 Kaliwerk Salzdetfurth . . . 15 383 388 383,5 ,385,75 I. G- Farbe n-Industrie . . . Dynamit Rodel . . . . . . 1 2 . 5 255,25 253,75 255 253,75 120 Scheideanstalt. ...... . 9 —- 169 — Goldschmidt ...... . 5 31,75 91,75 91,9 Rütgerswerke ....... . 6 96,5 69,25 96.5 96 Metallgeiellfchast. . . . » . 11 Datum Bhütpp Hvtjmaim......< Heidelberger Eement .... U> Gement Karlstadt ...... 8 Wayß & Freitag ...... 10 Schultheis Patzenhofer ... 15 Ostwerle....... • 12 Ver. Glanzstoss ...... 18 Beutberg..... 14 Zellstoss Waldhos.....12 Zellstoss Aschaffenburg ... 12 Charlottenburger Wasser . . Tessauer Ga-r..... 8 Daimler Motoren ...... O Demag ..........0 Adlerwerte ............5 Ludtv. Loewe ....... 10 Rat. Automobil ....... 0 Orenstcin & Koppel • .... 5 Leonhard Tietz . ...... 6 Bamag'Mcgnin ....... 0 Franlf. Maschinen ...... 6 Griyner....... • • 1) HenUgenliacdt ..••••• O ZunghanS. . ........4 Lechwerke. . ..••••••k Mainkrastwerke ....... 8 Mag.........1" Nelarsulmer ....... .8 •Beters Union . ...... 8 Gebr. Rocver . ...... 10 Voigt L Laesfncr ...... 8 Südd. Zucker........8 Frankfurt a M. Berlin Cchlub-s 1 Ubr- Schluß-lAnsang Kurs 1 Kurs Kurs Kurs 9.4. | 10.4. 9-4. | 10 4. 129,5 — 128,75 — 149 149,5 — — — 136,75 135,5 135,25 — — — 313,75 317,75 —— — 260 262 469 466 467 466 — — 359 257,5 274,25 276,5 275 275,5 196 — 196,5 192,25 — — 118,5 118,5 —— — 218,25 217,75 60,25 60,5 59,9 61,13 — — 57,75 57,75 — — 91,13 52,5 — 225 - •— — 33 — —— — 98 97,5 — — 300 300 — — — — —- 66.75 — 85 — 85,5 — ■■■ - - - - 71,25 — 72,25 — 117 —— - ■ — 119,13 — — — 131 — 131 131,5 17 — 18 118,5 — 117 — 114 — — 213 _ 213 —— 156 — 155 — Banknoten. Berlin, 9. April Geld Brief .lutcrirQiindjc Roten..... 4,214 4,234 Belgische Noten ....... 58,28 58,52 Dänische Noten........ 112,03 112,47 Englische Noten ....... 20,431 20,511 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M.- Telegraphifche Auszahlung. Berlin 9. April Geld Brief Französische Noten..... 16,455 16.515 Holländische Noten...... 168,71 169,39 Italienische Noten...... 22,05 22,13 Norwegische Noten...... 112,03 112,47 Deutsch-Lefterr-, ä 100 Kronen 59,04 59,28 Rumänische Noten...... 2,495 2,515 112,18 112,62 Schweizer Noten....... 81,12 81,44 Spanische Noten....... 63,11 63,39 Tschechoslowakische Noten . • 12,42 12,48 Ungarische Noten . .... 73,25 73,55 9. > prrt 10. April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Bne' Geld Brte' AMN.°Rolt. 169,05 169,39 169,08 169.42 Bucn.-Slires 1,771 1,775 1,773 1,777 58,615 Brsi.-Antw. 58,50 58,62 58,495 Lhristiania. 112,29 112,51 112,32 112,54 Kopenhagen 112,32 112,54 112,31 112,53 Stockholm . 112,46 112,68 112,45 112,67 HelsingforS. 10,591 10,611 10,594 10,614 Italien. . . London. . . Ncuyork .. 2-2.04 22,08 22,045 22.085 20,449 20,489 20,447 20.487 4,2125 4,2205 4,2130 4,2210 Paris.... 16.46 16,50 16,455 16.495 Schwei; .. 81,095 81,255 81,10 81,26 Spa nett . 62,54 62,66 62,76 62.88 Japan .. . Rio de Jan 1.883 1,887 1,880 1.884 0,492 0.494 0,497 0,499 Wien in D-° Dest. abgcst 59,16 59,28 59,19 59,31 Prag . . . . 12.468 12,488 12,467 12,487 Beltrad - . 7.393 7.407 7,402 7.416 Budapest. . 73.375 73,515 73,39 73.53 Bul arten 3.047 3,053 3,042 3,048 Lissabon . 18,85 18.89 18,35 18,89 Danzig. . . 81.73 81,89 81.71 81,87 Konst ntüt. 2.072 2.076 2,073 2,077 Athen- . 5,46 5.47 5,455 5,465 (Sanaba 4.186 4.191 4.183 4,191 Uru uat) 4.136 4,194 4.198 4,206 Cairo . . 20,97 21,01 20,975 21,015 bad«» «inzurichten. von einem der Schläfe so ung M | Hilst b.Rheuma, HSchiaS,Hexenschuß, ÄWtAl Nerven« und ErkältungSschmerzen.— ^^11 Ivl Karmelitergeist Amol ist in all«» Die FNlal- und Warenhaussteuer Eine für die Gemeinden beachtenswerte Aende- rung der seitherigen Bestimmungen des G e-- meindeumlagengesehes über die ®on« dergewerbesteuern von Warenhäusern und von Filialgeschästen hat das Gesetz, die Abänderung des Gemeindeumlaaen- gesetzes betr. vom 22. März 1929 (Veg.-Dl. Är. T vom 30. März 1929) gebracht. Der seitherige Artikel 23 des Gemeindeumlagenaesehes hat darnach eine Erweiterung erfahren. Aach der alten ' Bestimmung konnte die Filialsteuer nur erhoben werden von solchen Gewerbetreibenden die Im Gemeindebezirk, ohne in ihm ihren Wohnsitz oder Hauptbetriebssih zu haben, Verkaufsstellen oder Lager unterhielten. Aach der neuen Bestimmung des Art. 23 können von der. Gemeinde im Wege der Ortssatzung Dersiche-- rungs-, Bank-, Kredit- und Warenhandelsunter. ' nehmungen, die im Gemeindebezirk, ohne in ihm ihren Auptbetriebssih zu haben, Betriebs-. patten unterhalten, zur Zahlung der Filial-; steuer herangezogen werden. Die Steuer- sätze können auf die verschiedenen Arten der Betriebe verschieden bemessen werden. Die Steuer darf, gleichviel in welcher Form sie erhoben wird, den Betrog von einhundert vom Hundert der Gewerbesteuer nicht übersteigen. Ausgeschlossen ist die Erhe- bung der Filialsteuer nach Besteuerungsmerk- molen, die auf die Berücksichtigung des Umsatzes oder der persönlichen Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen abzielen, eine Bestimmung die seither schon galt. Die Bestimmung des Art. 21 Abs.2 des Gemeindeumlagengesehes über die zulässigen Sähe für die Warenhaussteuer ist dahin abgeändert, daß die Warenhaussteuer, gleichviel» in welcher Form sie erhoben wird, einhundert vom Hundert der Gewerbesteuer nicht übersteigen darf. Die vorstehenden Aenderungen treten zum ersten Male für das Rechnungsjahr 1929 in Kraft. Hessen und die Gasversorgung. WSN. Mainz, 9. April. Am Sonntaa hielt hier der kommunalpolitische Ausschuß der Deutschen Demokratischen Partei in Hessen eine Sitzung ab, in der in der Hauptsache die Frage der Gasfernversorgung besprochen wurde. Es gelangte folgende Entschließung einstimmig zur Annahme: „Die in Mainz versam- mellen Städte« und Gemeindevertreter der Deutschen Demokratischen Partei Hessens haben nach emgehen- vollen Bilde zusammenfaßt. Dan» foTgt M<6p(rav ftube ein Bild heiterer yuaendfreude, dessen Wir« kung durch den Dortrag echter Volkslieder, mund- artlicher Vorträge und Erzählungen noch gest«« gert wird. Den Höhepunkt und Schluß der Aufführung bildet der Hochzeitszug in feiner malerischen Pracht, bei dem etwa achtzig Personen in echten oberhessischen Trachten auftreten. Hochzeitsgebrauche und oberhessische Originaltänze vollenden das wechselvoll« Bild. , ... Am zweiten Tage findet von nachmittags 3 Uhr ab die eigentliche Jubelfeier im „Karpfen statt. Aus dem reichhaltigen Programm seien besonders hervorgehoben ein Dorspruch, verfaßt von Oberreallehrer Alpert Faulstroh und vorgetra« aen von Fräulein Erni A m e n d, die Beorußungs« ansprache durch den Vorsitzenden des festgebenden Vereins und des D.H.C., Lehrer W. Donalt, die Festrede, gehalten von Pfarrer Bernd eck, Mitglied der beiden Vereine, die Ehrung der Fubi- lare, Gesangvorträge des Nibelungen-Quartetts Worms unter der Leitung des Chormeisters Wilh. Gropp, Hebungen einer Damenriege der Turn- gemeinde Worms 1846 und eine Revue. Oberhessische Tänze bilden den Abschluß der Feier, an die sich ent allgemenes Tanzvergnügen anschlieht. WSA Wetzlar, 9. April. Der in ben S0er Jahren stehende Steinbrucharbeiter Johan» Ufer aus Garbenheim bei Wetzlar wurde von seinen Arbeitskollegen am Freitag in dem B u- derusschen Kalksteinbruch besinnungslos aufgefunden. Die Untersuchung ergab, daß User - -----herabstürzenden Stein an ver tyuttuf e so unglücklich g e t r o f f e n worden war, daß ihm das rechte Schläfenbein zertrümmert wurde. Drei Tage rang der Bedauernswerte mit dem Tode; am Montagvormittag ist er gestorben. Er hinterlaßt drei unmündige Kinder. Eine Welnfälscheraffäre in Alzey. WSA Alzey, 9. April. In Alzey scheint man einer großen Weinfälschungs- a f f ä r e auf die Spur gekommen zu sein. Durch die Staatsanwaltschaft wurden bei einem Weinhändler 1 20 Stück Weinbeschlagnahmt, von dem vermutet wird, daß er auf künstlichem Wege hergestellt worden ist. Die bisherigen Untersuchungen geben zu der Vermutung Anlaß, daß man in Alzey eine groß angelegte _W einfabrtk" aufgedeckt hat, die das un- lautere Weingeschäft schon seit längerer Zeit in großem Umfange betrieben hat. Um den Gang der Untersuchung nicht zu stören, sieht die Polizei- behörde davon ab, weitere Mitteilungen als diesen Tatbestand zu geben. Autobus'Schnellverkehr Frankfurt- Wiesbaden. WSN. F r a n k f u r t a. M., 9. April. Die K r oft- Verkehrsgesellschaft „Hessen- beabsichtigt, zur Durchführung eines großzügigen DerkehrsprogrammsihrGesellschasts« kapital von 1,2 auf 3 Millionen Mark zu er« höhen. In erster Linie ist geplant, einen Auto« Berliner Börse. Berlin, 10. April. (WTD. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr ist positives noch nicht zu hören. Die Spekulation ist unsicher und bleibt zurückhaltend, da überwiegend ungünstige Aach- richten für heute vorliegen. Besonders die Un- nachgiebigkeit der Sozialdemokratie m derPanzer- kreuzersrage hat die Große Koalition wieder in Frage gestellt, so daß mit innerpolitischen Schwierigkeiten zu rechnen sei. Am Devisenmarkt nannte man: London gegen Paris 124,23, London gegen Mailand 92,80, London gegen Spanien London-Kabel 4,8535, London gegen Berlin 20,4690, Kabel-Berlin 4,2170.___ Starkenburg. WSN. Darmstadt, 9.April. In einem Seitenbau der Erziehungsan st alt Aumühle bei Wixhausen entstand gestern nachmittag auf dem Speicher, vermutlich durch Brandstiftung, Feuer. Der D a ch st u h l des Gebäudes in etwa 25 Meter Länge brannte aus. Es verbrannten alte Möbel und Matratzen. Die Feuerwehr von Wixha-fen konnte den Brand in zweistündiger Arbeit loschen. Preußen. Kreis Wetzlar. der Aussprache zn der Frage der Gasfernver« sorgung in Hessen Stellung genommen und dabei einmütig der Auffassung Ausdruck gegeben, daß der Gedanke der Gründung der Hekogoi tm Interesse einer einheitlichen und wirksamen Vertretung aller hessischen Städte und Gemeinden durchaus richtig war, aber die von dem Hekoga» o o r st a n d bisher beliebte langsa m e und zögernde Behandlung der ganzen Gassern- Versorgungsfrage Hessens in weiten Kreisen der hessischen Gemeinden in keiner Weise ge- billigt wird. Die Versammlung hat deshalb einhellig der Auffassung Raum gegeben kiß der Hekogavorstand im Interesse einer möglichst baldi- flen Versorgung weiterer Bevölkerungskreife mit Gas endlich aus dem Stadium der Erwägungen heraustreten und zu praktischen Vorschlägen kommen sollte.- Worms im Zeichen oberhessischer Heimattiebe und Heimattreue. Man schreibt uns aus Worms: Es ist für den treuen Freund wahren echten Volkstums eine er« treuliche Erscheinung, wenn er sieht, wie die Oberhessen und der V. H. C. in W o r ms , erfüllt von tiefer, inniger Heimatliebe, trotz oller Verschiedenheit der gesellschaftlichen Stellung und der Parteizugehörigkeit an ihrer erfrischenden echten Heimatart festhalten. Der Verein der Ober. Hessen in Worms begeht am,20.und21.April sein 25jähriges Stiftungsfest in große- rem Rahmen, verbunden mit einer Trachten- l ch a u. Das Fest wird ein Bekenntnis zur Heimat darstellen. Eingeleitet wird die Feier durch die Aufführung: „Heitere Dorfbilder aus dem oberhessischen Volks- leben- von Lehrer Wilhelm Donalt. Die Auf- führung findet am 20. April im Theatersaal des Städt. Spiel-und Festhauses statt und nimmt abends 8 Uhr ihren Anfang. Heimatsinn, Heimatliebe und Heimattreue haben dem Verfasser die Feder geführt. Die Aufführung bildet Bilder voll köstlicher Natur- frische. Gleich das erste Bild versetzt uns mitten in die Naturschönheiten Oberhessens. Auf einer Ober- waldwiese treffen Wormser Wanderer auf zwei Heumacherinnen, würdige Vertreterinnen des mit : echtem Mutterwitz begabten oberhessischen Menschenschlages. Im zwetten Bild wird ein Suhnverfuch zwischen zwei hartköpfigen Bauern beim Bürgermeister vorgeführt. Daran schließt sich die Gemeinderatssitzung, die in humorvoller Weise die person- ; lichen Reibungen unter den Bauern und die ver- schiedenen Gedankenrichtungen in einem wirkungs- I MlWWM! übernimmt dieBertreta.eines JMpr leiimngsf. 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(auf del Namen der ehemaligen „Nationalbank für Deutschland^ lautend) sow, derienisen zu RM 100.—, die auf den Namen der ehemaligen „bank für Handel und EtrTe“ und der ehemaligen „Nationalbank für Deutschland“ lauten können auch jetzt noch bis auf weiteres gemäß unserer Bekanntmachung vom November 1928 ?hre Stocke in Aktien mit der neuen Firma „Darmstädter und Nationalbank Kom- manditeesellschaft auf Aktien“ umtauschen und alsdann die Dividende für das Geschäftsjahr 1928 auf Grund der den Aktien mit der neuen Firma anhaftenden Gewinnanteilscheine Nr. 1 erheben. Berlin, den 10. April 1929. Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien WlMW für den Laden ges. Carl Schwan. OTU3 MäuSburg 16. Mädchen zum Putzen f. halbe Tage gesuchr. 02115 Gebr. Bär Marklttrasse 29. Tüchtiges Mädchen für Küche und Haus zumlö.Avril gesucht. 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