Samstag, 9. November 5929 Nr. 26* Erstes Matt 179. Jahrgang leib vnick und Verlag: vrühl'fche UniverfitSts-vuch' und Zleindruckerei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchlllstrahe 7. Siefen. ?n=Su[ed. Beifall in der 2Nille iheo. Ks B ö-StS <--s - i von Deutschland nicht die es nicht selbst 6 e> 4 besitze. Aber man könne eine Handlung fordern, vollziehen könne. Briand findet lebhaften Pi o S 6 § - S § p s rö rnannsche Außenpolitik zuliebe verfolgte innerpolitische Kompromißpolitik, die vom Bürgertum ideell wie materiell gleich schwere Opfer verlangte, sich noch in einer Zeit rechtfertigen läßt, wo das Reparaiions- und Räumungsproblem durch den Boung-Plan zu einem gewissen Abschluß gebracht ist, zumindest aber auf feste Gleise geschoben wurde und nun endlich das Problem der großen inneren Reformen zwingend in den Vordergrund tritt. Sic wird sich die Frage vorzulegen haben, ob diese Reformen in gemeinsamer Arbeit mit der Sozialdemokratie überhaupt möglich sind, oder ob die gegenwärtige Rcgicrungskoalition, mühsam zusammengehalten durch die Furcht vor dein, was nachher kommen soll, nicht lediglich noch zu dem bei uns so beliebt gewordenen Fortwursteln gerade ausreicht. Der Warnruf der beiden katholischen Parteien, durch den Exodus des Zentrums aus dem Rcchts- ausschuß aus Anlaß der Ehescheidungsreform augenfällig demonstriert, sollte auch den Liberalen zu denken geben. Ohne Zweifel fühlt sich keiner der drei Zentrumsminister in seinem Ministersessel besonders wohl. G u e r a r d möchte die Verantwortung für die Chescheidungs- und Strafrechtsreform los sein, und sowohl Wirth wie Stegerwald drängen nach lohnenderen Aufgaben, als sie ihnen die von ihnen verwalteten Ressorts der besetzten Gebiete und des Verkehrs bieten können. Daher das unausgesetzte Drängeln des Zentrums nach einer 11 m b i I - düng des Reichskabinetts, die sich nicht lediglich auf die endgültige Betrauung von Dr. Curtius mit dem durch Stresemanns Tod verwaisten Auswärtigen Amt und seine Ersetzung im Wirtschaftsministerium durch einen anderen Volksparteiler beschränken soll. Für dieDolkspartei würde die ihr vom Zentrum nahegelegte Aufgabe des Wirtschaftsministeriums gleichbedeutend sein mit dem völligen Verzicht auf einen ohnehin schon allzu geringen Einfluß auf die künftigen inneren Reformen. Eine Regierungs„umbildung" in dieser Form ist für die Volkspartei absolut undiskutabel. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8. auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 i’ in Brette 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20“ mehr. Chefredakteur Dr Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Polu k Dr. Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H.THhnot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in Sieben. P v * 9 ZS S s, Men. :r. klärung geben: die Außenpolitik, die er bis jetzt betrieben habe, werde fortgesetzt (stürmischer Beifall links und in der Mitte). Diese Politik sei und bleibe eine Politik der Würde und der Entschlossenheit: sie sei im Grunde genommen gar nicht seine Politik, sie lasse sich auch nicht isolieren, denn es sei die Außenpolitik, die von allen Regierungen betrieben würde, denen er angehört habe, und da sie heute fortgesetzt werden solle, habe er Tardieu, nachdem er über alle wichtigen Fragen sich mit ihm geeinigt habe, seine Unterstützung gegeben. Er habe geglaubt, daß an dem Tage, an dem Deutschland durch einen Palt mit England, Frankreich, Belgien und Italien verbunden sei. der den Krieg unmöglich mache, und auf Clsaß-Lothringen endgültig verzichtet habe, der Vertrag von Versailles gefestigt sei. Gewiß sei er während seiner Karriere auf Widerstand in Deutschland gestoßen, er habe gar deshalb auch drei Auhr- städte besehen lassen, aber die Abkommen, die er abgeschlossen habe, habe er gewollt. Er habe sie geschlossen mit einem Manne, der inzwischen verstorben sei, und dem alle Länder das größte Lob spendeten. Er müsse heule sagen, daß nicht nur Deutschland in Gustav Slresemonn den guten Patrioten verloren habe, daß die gesamte Welt einen guten Bürger, einen großen Europäer habe verschwinden sehen. In diesem Augenblick erhebt sich ein minutenlanger Beifall, an dem sämtliche Abgeordnete, außer einigen Rechtsstehenden, teilnehmen. Briand ist sichtlich bewegt. Viele Abgeordnete sehen sich um und blicken in die Diplomatenloge nach dem deutschen Botschafter.) Briand erinnert an seine Verhandlungen mit Stresemann und betont, daß StresemaNn offensichtlich die Interessen seines Landes verteidigt habe. Aber auch er. Briand, habe die Interessen Frankreichs verteidigt. Er erörterte des längeren die Artikel des Versailler Friedensvertrages über die Rheinlandbesehung. Es handele sich nicht um eine französische oder belgische oder englische, sondern um eine interalliierte Besetzung. Richt ich. so fuhr der Redner fort, habe den Vertrag gemacht, ich muß ihn aber bei den internationalen Besprechungen respektieren. Das schlimmste wäre, wenn man den Anschein erwecken würde, als feilsche man mit seinen eigenen Verpflichtungen. (Lebhafter Beifall auf allen Bänken.) Die Besetzung der Kölner Zone sei drei Iahre länger aufrecht erhalten worden als vogesehen, weil dir Alliierten berechtigt gewesen seien, zu fordern, daß Deutschland seine Verpslichtungen erfüllt habe. Dagegen sehe der Vertrag eine vorzeitige Räumung vor, wenn Deutschland durch Ausführung seiner Verpslichtungen den Beweis für seinen guten Willen erbringe. Wie hätte der Vertreter Frankreichs im Haag sich weigern sollen, über die Räumung als Bedingung einer endgültigen finanziellen Regelung mit Deutschland zu diskutieren? Er, mit allen seinen Ministerkollegen, erklärte Briand, zum Abg. Marin gewandt, sei der Meinung, er wolle nicht ein Werk zerstören lassen, das er für gut halte. (Lebhafter Beifall auf allen Bänken.) Für den Augenblick sei nicht die Rede von der Räumung der dritten Zone, und Frankreich habe immer noch 30 000 Mani> im Rheinland stehen. Briand geht alsdann zur Kommerzialisierung der französischen Forderung über, die er den heikelsten Punkt nennt. Er habe stets gesagt, daß Frankreich berechtigt sei, Im Hinblick auf die Kommerzialisierung von Deutschland zu fordern, daß Deutschland jeden nur erdenklichen guten Willen zeige, damit die Internationale Bank die Möglichkeit der Kommerzialisierung Wahlhandlung findet somit Vertrauensvotum für das Kabinett Tardieu-Briand. Briand verteidigt die Fortführung seiner bisherigen Außenpolitik unter lebhafter Zustimmung der Kammer. — Ministerpräsident Tardieu macht für den 30. Juni 1930 als endgültigen Räumungstermin überraschende Vorbehalte. Aber noch wesentlicher ist die Frage, ob dir Volkspartei glaubt, daß die der Lösung harrenden Reformen mit der gegenwärtigen Regierungskoalition überhaupt vorwärts zu treiben sind oder ob nicht vielmehr die Sozialdemokratie im Grunde ihres Herzens gar nicht gewillt ist, an den Reformen ernsthaft mitzuarbeiten, von denen so manche ihrer fast unumschränkten Herrschaft kaum zuträglich sein dürften. Hilfe r d i n g s schleppende Behandlung der Finanz- und Steuerreform, Severings, jeder frischen Initiative entbehrende Einstellung zur Dcr- sassungs- und Derwaltungsresorm, Wissels unzulängliche Politik in der Reform der Arbeitslosenversicherung sind alles nicht gerade viel- verheihende Auspizien dafür, daß wir unter dem gegenwärtigen Regime innerpolitisch vorankommen. Cs muß jedoch zugegeben werden, daß angesichts der oben skizzierten Intransigenz der „Rationalen Opposition" im Augenblick wenig Hoffnung auf eine Aenderung der innerpolitischen Konstellation besteht im Sinne einer erfolgreichen Vertretung der Interessen des Bürgertums, namentlich von Industrie und Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, die von den Reformen in besonderem Maße Erleichterung erwarten. Diese unglückliche Situation entbindet aber nicht die Parteien der Mitte von der gewiß schweren Verpflichtung. die Augen offen zu halten und sich einer Politik beizeiten zu versagen, die sie zwar bislang unter dem Druck des Primats der Außenpolitik mitmachten, die aber ihren Sinn verloren hat, wenn sie heute und in Zukunft nur dazu dienen soll, einer den ihr gestellten Ausgaben nicht gewachsenen Koalition das Fortwursteln zu erleichtern. Dem vielerlei Erörtern und Plänemachen um Klärung und Umgruppierung innerhalb des bürgerlichen Lagers toirü. man jedoch Geduld und immer wieder Geduld entgegensetzen müssen, sollen nicht zarte Keime einer Besinnung auf der Rechten erstickt und erste Ansätze einer Sammlung der Witte von gutwilligen aber täppischen Händen vorzeitig vernichtet werden. ört-f An, kanten. ^inen Ott5. r . rt5lt°n(en. und auf der Rechten, als er wiederholt, daß sein Expose von seinen Kollegen im Kabinett gebilligt worden sei. Briand gibt unter lebhaftem Beifall auf allen Bänken der Hoffnung Ausdruck, daß die Räumung in vollem vertrauen vollzogen werden könne und daß dadurch fämt- licher Groll beseitigt werde. Die französischen Soldaten hatten sich bei der Rheinlandbevölkerung eine große Wertschätzung zu erringen gewußt. Man dürfe nicht das, was in Deutschland vorgehe, nach einigen Actiie.n chauvinistischer Zeitungen beurteilen, man würde auf diese Weise großes Unheil in den (Scifiem anrichten. (Lebhafter Beifall.) Die Franzosen und die Deutschen, die erbittert miteinander gekämpft hätten, hätten allen Grund, sich zu achten und sich gemeinsam für die Werke des Geistes und des Geschäfts zu interessieren. (Lebhafter Beifall.) Ein Land wie Frankreich könne durch eine derartige großzügige Politik sich nicht herabwürdigen. (Lebhafter Beifall auf allen Bänken.) Die deutsche nationalistische Presse habe das Werk Stresemanns so behandelt, wie gewisse französische Hugenbergs ihn, Briand, behandelt hätten. (Beifall links.) Aber was bedeuteten denn vier Millionen Stimmen, die unter einem gewaltigen Druck zusammengebracht wordcn seien, gegenüber 70 Millionen Deutschen und 42 Millionen Stimmberechtigten? Briand schließt: Wenn das Parlament glaubt, daß Frankreich schlecht beraten ist, möge es Frankreich ei neu anderen Weg führen und anderen Zielen zustreben. Dann möge es die Abkommen vom Haag und den Poung-Plan zerreißen, dann möge es die französischen Truppen im Rheinland behalten und an Stelle von Kommissionen das Kriegsrecht fetzen. Das ist eine klare Politik: ich, der Außenminister, erkläre aber, daß diese Politik nicht die meinige ist. Sie rückt den Frieden in die Ferne, sie wird uns dem Ausland gegenüber in eine deinen Drts.rn . isamles. «»V. wurden als Mit- 1 Ersahmitglieder zum nannt und verpflichtet.5 ‘[4um Mitglied des Viesen- )let worden. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Gberhesfen , 1 ’ r.* -ßlsM -Mk-k Neue Fronten. So war es nun allerdings nicht gemeint, als wir vor acht Tagen hier dem Reichswahlleiter empfahlen, in aller Ruhe das Ergebnis des Hugenbergschen Volksbegehrens zusammenzuzählen. Sein Rechenstift nimmt sich reichlich Zeit, und wenn man sich dann erst, wie cs nach einer mehr wortreichen als überzeugungskräftigen Dar-' legung von amtlicher Stelle den Anschein haben könnte, daran macht, die einzelnen Eintragungen nach formellen Gesichtspunkten auf ihre Gültigkeit hin zu prüfen, so ist solche schleppende Behandlung für den Gang der innerpolitischen Entwicklung einfach unerträglich. Das sagen wir nicht etwa, weil wir unseren ablehnenden Standpunkt gegenüber dem Volksbegehren angesichts der erreichten 10 Prozent revidiert hätten, sondern weil wir dringend wünschen, daß unter dieses trübe Kapitel mit möglichster Beschleunigung ein dicker Abschlußstrich gemacht werden könnte, um endlich wieder rein sachlichen Erwägungen in der Politik den ihnen gebührenden Raum zu geben. Ader da es nun einmal dem Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren geglückt zu sein scheint, die erforderlichen 10 Prozent der Stimmberechtigten zur Eintragung in die Listen zu veranlassen, würden wir es, im Interesse einer gründlichen und endgültigen Bereinigung der innerpolitischen Atmosphäre von den in diesen Sommer- und Herbstmonaten von der Opposition sowohl, wie von der schlecht beratenen Regierung aufgehäuften Giftstoffen, für völlig falsch halten, wollten die Regierungsorgane nun bei der Prüfung der Bolksbegehrlisten in mißverstandener Korrektheit, wie es nach der offiziellen Verlautbarung fast den Anschein haben könnte, formalistische Spitzfindigkeit und Haarspalterei zum Maßstab ihres Urteils machen. Vielleicht wäre cs gar nicht so schwierig, bei Überprüfung der Listen nach streng formalen Gesichtspunkten, namentlich in den Ostprovinzen, die Zahl der Eintragungen unter die ominösen 10 Prozent herabzudrucken, und damit durch Vermeidung des ohnehin aussichtslosen Volksentscheids der Allgemeinheit viel Unruhe und noch mehr Geld zu ersparen, ohne damit rechtlich Anlaß zu einer begründeten Beschwerde über amtliche Verfälschung zu geben. Denn im Osten sind, namentlich auf dem platten Lande, zweifellos zahlreiche und schwerwiegende Unkorrektheiten zugunsten des Volksbegehrens vorgekommen. Aber dem steht nicht minder schwerwiegend gegenüber dec durchaus angreifbare sogenannte „Abwehr, seldzug" der Regierung, der sich mit dem Stahlhelmverbot und der Beamtenprefsion so gründlich in den Mitteln vergriff, daß man die Regierung ernsthaft davor warnen muh, zu alten, kaum wieder gutzumachenden Sünden neue zu häufen, wenn sie nun unter Anwendung der oben gekennzeichneten „torretten" und rechtlich kaum zu bemängelnden Methode von sich aus den Volksentscheid zu vermeiden suchte. Das darf bei diesem Stand des Ergebnisses nur von den Volksbegehrlern selbst ausgehen. Wir hatten schon in unserem ersten Bericht nach der Schlacht den Wunsch angedeutet, der Reickzsausschuß möge angesichts der völligen Aiissichtslosigkeit feiner Bemühungen im Interesse einer beschleunigten Rückkehr zur sachlichen Arbeit von der Fortführung seiner Aktion rechtzeitig Abstand nehmen. Zumal da, wie der als Abgeordnete der Wirtschastspartei auch unseren Lesern durch zahlreiche Arbeiten bekannte Staatsrechtslehrer unserer Rachbaruniversität Marburg Professor D. Dr. Bredt in einem beachtlichen Aufsatz überzeugend nachgewiesen hat, daß selbst im Falle das vom Reichsausschuß vorgelegte Gesetz im Volksentscheide durchginge, der Reichstag wohl in der Lage wäre, cs durch einfaches Reichsgesetz auszuheben, der berüchtigte Zuchthausparagraph also keineswegs ein Hindernis für die weiteren Verhandlungen über den Poungplan sein würde. Aber von diesen verfassungsrechtlichen Gründen, die ein Weitertreiben der mißglückten Aktion zur Sinnlosigkeit machen, freuen wir uns, daß auch in der deutsch- nationalen Presse selber sich zahlreiche und sehr ernst- haft zu wertende Stimmen mit aller wünschenswerten Deutlichkeit für ein Abblasen der Aktion aussprechen. Bei dieser Beurteilung der Lage spricht wesentlich die Erkenntnis mit, daß, wie ja schon die Landlagswahlen in Baden auch den weniger Einsichtigen zur Genüge demonstriert haben dürsten in erster Linie die deutschnationale Partei die Kosten für die Radikalisierung de r „nationalen Opposition" zu tragen hat, da die 'Rationalsozialisten als die robusteren und hemmungsloseren Kampfgenossen fast ausschließlich die Früchte des Volksbegehr-Propagandafeldzugs pflücken konnten. Auch der verhängnisvolle Bruch zwischen Ost und West, den das Ergebnis des Volksbegehrens insofern aufgezeigt hat als der ganze Südwesten, namentlich das besetzte Rheimand, jiber auch Westfalen, beide Hessen und fast ganz <-ud- deutschland an den Eintragungen sich kaum beteiligten, während die agrarischen Ostprovinzen b,e^0C9’ ften Eintragungsziffern aufweisen, auch dieser Bruch stimmt einsichtige deutschnationale Blätter^ nachdenklich. So spricht die „Deutsche Tageszeitung , das Organ des Reichslandbunds, allerdings ein Blatt, das auch im schärfsten politischen Kampf sich stets das Gefühl für einen anständigen Ton und vernünftige Ueberlegungen bewahrt hat, mit Bedauern oon einer „E lblin i o“ und jagt, Art und Anlage der Aktion schufen einen Graben quer durch da s Bürgertum hindurch und brachten die We° fahr, daß lediglich zur Freude des Sozialismus die G.gcnsätzlichkcitcn im bürgerlichen Lager gefteigert wurden. Mit diesem betrüblichen tfacit sieht- bav Blatt die Rechnung der Herren Braun und <-eoe- ring aufgehen, die von ihrer terroristischen Abwehr- pclitik gegen das Volksbegehren eine Radikalisierung le. /.Men. Paris, 8. Rov. (WB.) In der Kammer wurde die Diskuss'.o:i über die allgemeine Politik und die auswärtige Politik der Regierung fortgesetzt. Abg. Taittinger (Fraktion Marin) ührte u. a. aus. die Ausführungen Franklin Bouillons hätten beunruhigende Tatsachen zutage gefördert. Die Kammer erwarte von Briand eine Aufklärung. Was die Rheinlandräumung angehe, sv müße die Kammer über die durch die Erregung der Geister in Deutschland geschaffene Lage nachdenken. Die Räumung dürfe erst erfolgen, wenn die Berteidigungs- organifation d-cr französi.chen G.cnze durch- gcfüprt sei. An die Regierung sei die Frage zu richten, ob die Haager Abkommen Frankreich verpflichten die dritte Rheinlandzone vor dem 30. Iuni zu räumen, was auch eintreten möge. Seiner Ansicht nach sei die französische Regierung berechtigt, zu erklären, daß die Bedingungen für die Räumung der dritten Zone nicht erfüllt seien. Auch eine Aufklärung über das Saargebiet verlangte der Redner unter Hinweis auf Lessen strategischen Wert im Falle der Räumung. Der sozialistische Abgeordnete R i v i e r c bemängelte die Betrauung Maginots mit dem Kriegsmini» st e r i u in und stellte im Zusammenhang hiermit in Frage, ob man für die Räumung des Rheinlandes die Ratifizierung des Boung-Planes oder seine völlige Aus'ührung abzuwarien gedenke. Man könne zu fd er Regierung Vertrauen haben, der drei Männer angeyören. die das Manifest gegen die Laiengesetze unterzeichnet hätten. Er und seine Parteifreunde würden einer Regierung ihr Vertrauen versagen, die Gewalt und Zwang anzuwenden beabsichtige. Kurz vor 6 Uhr stieg Außenminister Briand auf die Rednertribüne. Als die Rechtsparteien ihn ostentativ mit Beifall empfingen. klatschte die ganze Linke, unter- stützt von der Witte. Beifall, und sämtliche Abgeordnete, die heute so zahlreich erschienen sind, wie in den letzten Iahren noch niemals. bereiten Briand, der sichtlich bewegt ist, eine geradezu stürmische Ovation. Briand hatte heute einen guten Tag. Er hat eine der bedeutsamsten Reden seiner politischen Laufbahn gehalten, und es war für den Zuschauer interessant zu beobachten, wie selbst die, die ein gewisses Mißtrauen gegen seine Außenpolitik haben, besonders gegen seine Politik gegenüber Deutschland, ihm fortgesetzt Beifall spendeten. Als Briand jedoch die brennende Frage der Inkraftsetzung des Voung-Pla- n e s und der Rheinlandräumung anschnitt, erkannte man die reinliche Scheidung zwischen Rechts, Links und der Mitte. Briand konnte an dieser Stelle feiner Rede erkennen, daß er von den Sozialisten bis zur Radikalen Linken Unterstützung findet, wenn er seine Verständigungspolitik bis zum guten Ende fortführen will. Briand begann mit der Aeuhe- rung, er wolle heute klarundpräziseAuf- ber Rechten zu erreichen hofften, „ein Abdrängen der Deutschnationalen in der Richtung der Nationalsozialisten, eine Aufspaltung des Bürgertums, die für absehbare Zeit alle Koalitionsgefahren bannt und damit die Sozialdemokratie in ihrer Machtstellung befestigt". So unrecht wird das Landbundorgan mit diesen Befürchtungen keineswegs haben. Daß sie im Lager der Deutfchnationalen nicht vereinzelt sind, dafür sind Beweis die gamicht sehr siegesbewußten Kommentare der allkonseroativen „Kreuzzeitung" und der dem industriellen Flügel der Partei nahe- jtehenden „Berliner Börfenzeitung", die ebenfalls beide die Radikalisierung der Rechten durch die Liierung Hugenbergs mit Hitler in der Dolksbegehrens- aktion mit größtem Mißtrauen sehen und von der Selbstausschaltung der „nationalen Opposition die Verewigung der sozialdemokratischen Parteiherrschaft in Deutschland befürchten. Die Erkenntnis von den schweren und durchaus ernstzunehmenden Gefahren, die die Politik des Reichsausschusses namentlich für die Gestaltung der inneren Politik in Deutschland herauf beschworen hat, ist also in einsichtigen Kreien der Deutfchnationalen Partei wohl vorhanden, zii befürchten ist eben nur, daß sie nicht in die Lage kommen, daraus auch die praktischen Folgerungen zu ziehen, weil der radikale Flügel schon dank der ungleich stärkeren Lungenkraft seiner Presse, die gemäßigten Elemente an die Wand drücken wird, solange Hugenberg und Hitler den Kurs der »stoüo- nalcn Opposition" bestimmen, wird leider, so furchten wir das Signal „Das Ganze halt! — Sammeln!", mit dem die „Deutsche Tageszeitung zur Besinnung ruft, kein genügend starkes Echo finden. Das wäre um so bedauerlicher zu einem Zeitpunkt. wo d i e bürgerlichen Parteien der Regicrungskoalition die Inangriffnahme der großen, mit dem Vorig-Plan fälligen Wirtschafts- und finanzpolitischen Aufgaben zum Anlaß nehmen müssen, die gegenwärtige Situation gründlich nach allen Seiten hin zu überprüfen. Das gilt namentlich für die Deutsche Volkspartei, die nach dem Tode ihres großen Führers sich darüber klar werden muß, ob eine einer sicheren Mehrheit für die Strese- Eriche >n «.glich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monalr-Bezugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger: lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummerrr infolge höherer Gewalt, tjtrnsvrechanschlüsse anter5ammelnummer225L Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Ließen. Postscheckkonto: §ran1surtamMain 11686. "5 2 2 WM«: i p 5.C-9 ? * 0 0 0 -< wenig zweifelhafte Lage bringen. Ich werde diese Politik niemals betreiben. Da die Kammer bereits jetzt entgegengesetzter Ansicht ist, soll sie gar nicht erst die Unterbreitung der Abkommen abwarten, sondern erklären, diese Politik sei schlecht. Sie soll sie ablehnen und mich mit ihr. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten.) Briand wird am Schluß seiner Rede von seinen Ministerkollegen aufs lebhafteste beglückwünscht. Am Schluß der Aussprache erklärte Ministerpräsident Tardieu. Lieber die auswärtige Politik seien sämtliche Regierungsmitglieder vollkommen einig. Er sei aus Pflicht Mitarbeiter Poincares und Briands in den beiden letzten Ministerien gewesen. Wenn man zwei Iahre lang diese Politik voll vertrete, könne man_ sie nicht hinterher „torpedieren". Tardieu erllärte, das Kabinett Briand sei gestürzt worden, weil es Befürchtungen gegeben habe wegen der Truppenbewegungen von der 3. nach der 2. Zone. Die voraufgegangene Regierung habe bereits dementiert, daß diese Truppenbewegungen mit der Räumung zusammeichiingen. Tardieu wiederholte, daß keine Befehle für die Räumung gegeben worden seien. Die Truppenbewegungen hätten Anlaß zu der falschen Auslegung gegeben, als ob die Räumung begonnen hätte. Das Ratifizierungsrecht des Parlaments bleibe nach den Haager Verhandlungen vollkommen unange- t a st e t. Damit die Räumung innerhalb von acht Monaten erfolge, sei die Ratifizierung des Voung-Planes und seine Inkraftsetzung notwendig. Die Inkraftsetzung werde abhängen von den Kommerzialisierungsmöglichkeiten, der Schaffung der Internationalen Dank, der Emission einer ersten Tranche von Bonds usw. Man könne mit der Unterbringung der Wertpapiere allerdings nicht Deutschland belasten. Es könne keine Zweideutigkeit hierüber bestehen, alles sei vollkommen klar. Der radikale Abgeordnete Francois Albert warf ein: „Und der Zeitpunkt vom 3 0. Iuni?" Tardieu erwiderte, der Zeitpunkt vom 30. Juni sei im Haag gestellt worden, weil man damals noch nicht das traurige Ereignis des Todes Ltresemanns, und auch nicht die französische Kabinettskrise voraussah. 2Nan habe geglaubt, daß die Frist bereits im Iahre 1929 laufen würde. Aber es fei vollkommen klar, daß bei der gegenwärtigen Lage, wo noch keine Ratifizierung erfolgt fei, die Frist noch nicht laufen könne und der Zeitpunkt des 30. Juni vorbehalten bleibe. (Lebhafter Beifall, vor allem auf der Rechten und in der Mitte. Rufe links: Briand! Briand!) Tardieu erflärt dann, er, der selbst an den Versailler Bertragsverhandlungen teilgenommen habe, müße heute deren Anwendung verteidigen, nachdem er als Abgeordneter bisweilen die für die Regierung Verantwortlichen kritisiert habe. Er habe erkannt, daß man das Land nicht in Zweifel und Entmutigung tauchen dürfe dadurch, dass) man die für die Regierung Verantwortlichen angreife. Frankreich habe in keinem Augenblick seit dem Kriege etwas von der Bismarckschen Politik von nach 1871 wissen wollen. Frankreich habe nicht versucht, eine Diktatur in Europa zu betreiben. Ganz im Gegenteil, Frankreich habe eine Politik des Aus- 'gleiches und der Zusammenarbeit betrieben. Der Ministerpräsident bestritt, daß er während der Krise seine Stellungnahme geändert habe. Er hoffe, seine Majorität auch auf die Radikalen ausdehnen zu können. Tardieu fragt die Linke, ob sie nunmehr die Verantwortung übernehmen wolle, das Kabinett zu stürzen und die Politik Briands zu Boden zu schlagen. Man müsse Zusammenarbeiten, weil es darauf ankomme, daß Frankreich weiterlebe. Das Vertrauensvotum für Tardieu. Um 4.30 Uhr früh stimmte die Kammer über die von dem Abgeordneten Thomson (Radikale Linke) eingebrachte Tagesordnung ab, die der Regierung unter Ablehnung jedes weiteren Zusatzes dasVertrauen ausspricht. Die Abstimmung ergab 332 für und 253 gegen die Tagesordnung. Die Tagesordnung lautet: Die Kammer nimmt von tert Erklärungen der Regierung Kenntnis. Sie bringt ihr das Vertrauen entgegen, daß sie die Achtung der grundlegenden Gesetze der Republik gewährleisten, den industriellen und landwirtschaftlichen Wohlstand des Landes steigern, und den Frieden im In- lande und die Annäherung der Völker fördern werde, lehnt jeden weiteren Zusatz ab, und geht zur Tagesordnung über. Der sozialistische Abgeordnete Uhry schlägt zu dieser Tagesordnung einen Zusatz vor, der die Laien Politik ausdrücklich sestlegen soll. Ministerpräsident Tardieu lehnt dies ab und stellt gegen den Zusatz die Vertrauensfrage. Die Kammer lehnt den Zusatz mit 327 gegen 256 Stimmen ab. Oie Schweiz Sitz derZnternationalen Bank Belgien erhebt Einspruch. Baden-Baden, 8.Rov. (WB.) Das Organ i s a t ion Sko m i t e e für die Dank für den internationalen Zahlungsausgleich, das seit dem 3. Oktober tagt, hat die Frage des Domizils der Dank wiederholt erörtert. In der heutigen Sitzung wurde einstimmig beschlosssen, die Schweiz als den Sitz der neuen Dank zu bestimmen. Die Wahl der Schweiz erfolgte einstimmig, jedoch in Abwesenheit der belgischen Delegierten Francquis und van Zee- l a n d. Die belgische Delegation teilt hierzu mit, daß sie im Verlauf der wiederholten Despre- chungen über die Frage des Sitzes der D. I. Z. die gegen Brüssel als Danksitz vorgebrachten Argumente als solche politischer Ratur be- zeichnet habe. Sie habe mehrfacy Einspruch dagegen erhoben. Schließlich hat sich die belgische Delegation an ihre Regierung gewandt, die erklärte, daß sie hinter der belgischen Delegation stehe und diese beauftragte, auf ihrem Standpunkt zu verharren und zu fordern, daß die Frage an die Regierungen verwie- s e n werde. Da bis heute abend alle wichtigen Entscheidungen bezüglich der Organisation "der D I. Z. getroffen worden seien, haben die genannten belgischen Delegierten geglaubt, den weiteren Verhandlungen nicht mehr beiwohnen zu brauchen, zumal sie gegen die noch nicht erörterten Fragen keine Einwendungen zu erheben gehabt hätten. Sie seien deshalb heute abend nach Brüssel zurückgekehrt. Belgien wird durch die Delegationsmitglieder Fröre und Marx weiterhin die Verbindung mit dem Organisationsausschuß für dessen abschließende Arbeiten aufrechterhalten. Oie Ehescheidungsreform vertagt. Ter Konfliktssioff für die Regicrungs- koalition aus dem Wege geräumt. Berlin, 7. Nov. (Wolff. Amtlich.) lieber die heutige Besprechung der Reichsregierung mit b e h Parteiführern im Reichstag ist folgender amtlicher Bericht ausgegeden worden: Unter dem Vorsitz des Herrn Reichskanzlers fand heute nachmittag unter Beteiligung der Reichsminister der Justiz und des Innern von Guörard und Seoering eine Besprechung mit den Fraktionsführern der Regienmgs- parte.en und den beiden Vorsitzenden des Rechtsund des Strafrechtsausschusses Abg. 5t' a h l und Landsberg über den weiteren Arbeitsplan dieser beiden Ausschüsse des Reichstags statt. Es herrschte Uebereinftimmung darüber, daß neben der weiterhin mit aller Kraft zu fördernden Strafrechtsreform die Vorlagen über die rechtliche Stellung der unehelichen Kinder und über das Standes herrenge- s e tz vordringlich behandelt werden müssen. Hinzu kommt noch demnächst das Republikschutzgesetz. Dagegen werden die Regierungsparteien sich hinsichtlich der Ehescheidungs- re form dafür einsetzen, daß sie vor der parlamentarischen Erledigung des Poungplanes, der Finanzreform und des Haushaltplanes im Rechtsaus- schuß nicht zur Beratung ge st eilt werden soll. Der Beratung der Ehescheidungsreform in dem kürzlich eingesetzten Unterausschuß, der seinem Charakter nach zu offizieller Beschlußfassung nicht berufen ist, soll dagegen Fortgang gegeben werden können. Bei der allgemein politischen Lage ist, wie das Dureau des V.D.Z. ergänzend mitzuteilen weiß, damit zu rechnen, daß der youngplan sich noch solange verzögert, daß der Etat für 1930 frühestens im April wird beraten werden können. Bis dahin wird man sich wohl mit R o t - etats behelfen müssen. Die außerdem zu erledigenden Gesetzentwürfe dürften die Zeit bis zum A u g u st vollständig ausfüllen. Der Beschluß der Parteiführerkonferenz bedeutet ein Kompromiß: denn auf der einen Seite hatte das Ze n t r u m sich damit einverstanden erklärt, daß die Ehescheidungsreform überhaupt weiterberaten wird, andererseits haben die übrigen Regierungsparteien einer Vertagung auf lange Ze i t zugestimmt. Oiepelze desOirekiorsBrolat Zu den Beschuldigungen gegen den Direktor der Berliner Bcrkehrsgcfellfchaft. Berlin, 8. Rov. (WB.) Die Berliner Kriminalpolizei hat bei Durchsicht der Bücher der Pelzfirma Gohlicke, von denen die Brüder Sklarek Geschenke für ihre Freunde bezogen, fcstgestellt, daß auch der jetzige Direktor der Berliner Verkehrsgesellschaft, Stadtverordneter Drolat, der in bor vorigen Woche von der kommunistischen Presse scharf angegriffen wurde und Klage gegen die ..Rote Fahne" in Aussicht gestellt hat, auf der Liste der Firma Gohlicke erscheint. Drolat erllärte, die Drüder ©klare! hätten seiner F r au um Weihnachten 1928 d i e Pelzfirma Gohlicke empfohlen. Daraufhin hätte Frau Drolat bei der Firma einenPelzim Werte von 2000 Mark bestellt. Als die Firma Herrn Direktor Drolat keine Rechnung sandte, stellte sich heraus, daß einer der Drüder Sklarek den Pelz der Frau Drolat bereits bezahlt batte. Drolat habe, so erklärte er, den Sklareks daraufhin schwere Vorwürfe gemacht und zu wiederholten Malen versucht, den Detrag zurückzuerstatten. Im März 1929 habe er einem der Brüder Sklarek die 20 0 0 Mark in die Tasche gesteckt und erklärt, daß er nun jeden Verkehr mit den Brüdern ©klare' abbreche. Eine Quittung über die 20v0 Mari habe er leider von Oer Schriftsteller Lampel verhaftet. Linier Verdacht der Beteiligung an einem Fememord. Berlin, 8. Rov. (WTD.) Der Schriftsteller und Dramatiker Martin Peter Lampe l, dessen Dramen „Revolte im Erziehungshaus", „Giftgas über Berlin" und „Pennäler" wegen ihrer radikalen Einstellung wiederholt Veranlassung zu Kundgebungen gegeben hatten, wurde heute früh von der Berliner Politischen Polizei wegen Mordverdachtes verhaftet. Lampel, der ursprünglich rechtsradikalen Organisationen angehörte, jetzt aber durch seine linksradikalen Anschauungen huldigenden Werke bekanntgeworden ist, steht im Beröacht, der Beteiligung an einem etwa acht Iahre zurückliegenden Fememord. Es handelt sich dabei um einen Mordfall, der erst kürzlich unter eigenartigen Umständen an das Licht der Oesfentlichkeit gekommen ist. Im Verlauf des Ehescheidungs- Prozesses des Rittergutsbesitzers Freiherr v. Richthofen auf Gut Kohlhöhe bei ©triegau erfolgte eine Anzeige von einer dem Gutsbesitzer bisher nahestehenden Seite, wonach sich im Iahre 1921 a u f dem Besitz Richthofens ein sogenannter Fememord ereignet habe. Auf dem Gut Kohlhöhe war eine Abteilung ehemaliger Daltikumer, die größtenteils dem Freikorps „Oberland" ange» hörten, unter gebracht und zwar unter Führung eines gewissen Müller, der sich „Leutnant Drand^ nannte. Bei dieser Abteilung befand sich ein Daltikumer Fritz Köhler, der unter dem Ramen „von Lancken" auf trat. Köhler geriet eines Tages bei feinen Kameraden in Verdacht, daß er die Anwesenheit der Selbst- schuhformationen verraten habe und nach den bisherigen Feststellungen soll er daraufhin, bei einer unter Führung Müllers mit drei weiteren Daltikumern unternommenen Autofahrt er - schossen und in der Gegend von Reustadt In Schlesien im Walde verscharrt worden sein. Das Geständnis eines der ‘Beteiligten hat bereits zu der Verhaftung des Kommando- sührers Müller geführt und es scheint, als ob dessen Aussagen schwer belastend für Lampel seien, der auch zu dieser Abteilung gehört haben soll. Lampel wird morgen vormittag nach L i e g n i h übergefuhrt und in das dortige Gerichtsgefängnis eingeliefert werden. Durch vorzeitige Pressemeldungen sind zwei weitere Personen, die an dem Fememord beteiligt waren, geto amt worden und halten sich verborgen. Die Verhaftung lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf das wechselvolle politische Sch i df al, das dieser Schriftsteller gehabt hat. Seine Vergangenheit ist ungemein phantastisch. Rachdem er im Rovember 1918 aus dem Felde zurückgekehrt war, hospitierte er zuerst bei den Kommuni st en, schloß sich aber dann zwei Iahre später dem oberschlesischen Freikorps Oberland an. Darauf nahm er Dienst beim Arbeitskommando, um dann 1923 als Zeitfreiwilliger gegen das sozialistisch-kommunistisch regierte Thüringen zu marschieren. Er gehörte eine Zeitlang auch der thüringischen Schutzpolizei als Leutnant an, in der er eine sehr zweifelhafte Rolle im Zusammenhang mit der Affäre des Polizeimajors Müller-Drandenburg gespielt hat. Lampel beschuldigte seinen Poli^eimajor des Betrugs und Landesverrates und des geheimen Einverständnisses mit den Kommunisten. Schließlich wurde dann Lampel als Psychopath erkannt und seine Anwürfe als nicht glaubhaft hingestellt. In der Freikorpsbewegung hat Lampel eine ziemliche Rolle gespielt. Kurz vor dem Kapp-Putsch marschierte er mit einigen hundert Freischärlern nach Berlin, seine Truppen wurden jedoch am Anhalter Bahnhof entwaffnet. Die Folge seines Fiaskos in der Rechtsopposition war sein erneuter Anschluß an ultralinke Kreise. den Sklareks nicht erhalten: diese mühten jedoch den Empfang bestätigen. Rach Verhaftung der Brüder Sklarek habe er, Drolat, der Pelzfirma mitgeteilt, daß die 2000 Mark an die Sllareks abgeführt worden seien. Ein Pelzmantel für seine, Drolats, Tochter sei unglücklicherweise von der Firma Gohlicke gerade einige Tage nach der Verhaftung der Drüder ©klare! geliefert worden, aber diesen Pelz habe ec für eigene Rechnung bestellt. Vorteile seien ihm von den Brüdern ©klare! nicht gewährt worden. Vorläufig kein Rücktriitsentschluß des Oberbürgermeisters. Berlin, 7. Nov. (Wolff.) Zu der Nachricht, daß Oberbürgermeister Böß aus den Vorkommnissen in der gestrigen Stadtverordnetenversammlung d i e Konsequenz ziehen und seinen sofortigen Rücktritt erklären würde, erklärt das „8-Uhr-Abendblatt", dies fei nicht der Fall. Oberbürgermeister Böß habe keine derartige Erklärung abgegeben. Oberbürgermeister Böß wolle seine weiteren Entschlüsse von dem Ausgang des Disziplinarverfahrens abhängig machen. Ob die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag den MißtrauensantragderKommu» n i st e n endgültig verabschieden kann, ist noch ungewiß. Die Mehrheit ist vorhanden, und die Stellungnahme der Fraktionen in einem Punkte völlig klar: Sie verlangen, daß Oberbürgermeister Böß von seinem Posten scheidet. Es besteht aber immer noch die Möglichkeit, daß die Stadtverordnetenversammlung wieder vor der Abstim- mung a u f f l i e g t. Eine weitere Beamtenbank stellt die Zahlungen ein. Don der Leitung der Reichsbundbank A.-G. wird mitgeteilt: Infolge all gerne inet Beunruhigung in der Beamtenschaft wegen der bekannten Ereignisse der letzten Zeit hat ein ftarfer Ansturm auf die Reichsbundbank A.-G. stattgefunden. In wenigen Tagen wurden ebenso hohe Geldbeträge abgehoben wie sonst in einem ganzen Monat. Die Reichsbundbank ist in Schwierigkeiten geraten und wird den Antrag auf Eröffnung des gerichtlichen Vergleichsverfahrens stellen, um eine gleichmäßige Berücksichtigung aller Gläubiger zu erzielen. Cs können daher einstweilen Auszahlungen nicht stattfinden. Die Depots an Wertpapieren sind vollständig vorhanden. — Im Zusammenhang mit der Zahlungseinstellung der Reichsbundbank erflärt derGesamtvorstand des Reichsbundes der höheren Beamten: Zwar ist der Reichsbund der höheren Beamten als Organisation für die eingetretenen Verluste der Dank, die eine selbständige Aktiengesellschaft ist, nicht haftbar, aber er wird, soweit Mitglieder des Reichsbundes der höheren Beamten und deren Angehörigen als Kunden der Reichsbundbank geschädigt sind, versuchen, den Geschädigten nach Möglichkeit zu Helsen. Wie daS „Berliner Tageblatt" mitteilt, wurde bereits in der Generalversammlung der inzwischen liquidierten Kreditbank für Industrie und Landwirtschaft Mitte September festgestellt, daß die „Reichsbundbank" eine hohe Forderung an die Kreditbank für Industrie und La n dwirtschaft hatte. Tatsächlich hat die Reichsbundbank feit längerer Zeit eine Forderung an die Kreditbank für Industrie und Landwirtschaft von nicht weniger als rund 2,5 Millionen Mark gehabt, eine Summe, die inzwischen durch Zinsen sehr erheblich angewachsen ist. Iedenfalls steht fest, daß die Schwierigkeiten ausschließlich auf diese Geschäftsverbindung zurückzu- führen sind, die bereits ungefähr seit der Zeit der Gründung der Kreditbank für Industrie und Landwirtschaft bestand und die man erst im Iahre 1926 zu losen suchte, als dieses Institut in eine sehr kritische Lage geriet. Trotz der Lösung der Beziehungen blieb die außerordentlich hohe Forderung an die Bank bestehen, die allerdings seinerzeit durch Sicherungen gedeckt gewesen sein soll. 3m Zusammenhang mit der allgemeinen kritischen Situation ist nach und nach d i e Deckung auf ein RichtS zusammen- geschmolzen Die Verbindlichkeiten der Reuchsbundbank betragen freute bei einem Aktienkapital von nur 620 000 Mark rund fünf Millionen Mark. Cs stehen allerdings den Passiven auch Sicherheiten gegenüber, die aber sicherlich in gar keinem Verhältnis zu den Schulden stehen. So wird als Aktivposten eine Summe von rund 700 000 bis 800 000 Mark angegeben, die in Darlehen an Beamte besteht Oie Beisetzung des Prinzen Max von Baden. Salem, 8. Rov. (TU.) Eine außerordentlich große Menschenmenge hatte sich am Fre tag in Salem eingefunden, um an den Deisetzungs- feierlichteiten für den verstorbenen Reick^kanz- ler, Prinzen Max von Baden, teilzu- nehmen. Bis 14 Uhr war der Detsaal des Schlosses vom Publikum dicht besetzt, das noch von dem verstorbenen Prinzen Abschied nehmen wollte. Außer den amtlichen Vertretern sah man noch u. a. die Herzogin und die.. Prinzessin Olga von Cumberland und viele ©tandesherren. Die Großherzogin von Luxemburg hatte einen Vertreter entsandt. Kurz nach 14.30 Ahr betrat Prinzessin Mc» von Baden am Arme ihres Sohnes Berthold und in Begleitung ihrer Tocktw und ihres Schwiegersohnes den Detsaal. Prälat D. ©chmitthenner aus Karl: ruhe hielt die Trauerrede und erwähnte u. a. die große Liebe des Verstorbenen zum Voll. Er hob hervor, daß Prinz Max in jenem kritischen Augenblick des Weltkrieges in opfermutiger Dere:twillig- keit das Amt des Reichskanzlers übernommen habe. Es folgte nach einigen Liedern ein kurzes Gebet, worauf der ©arg, der mit der badischen Fahne bedeckt war, auf den mit sechs Pferden bespannten Leichenwagen getragen wurde. Den Zug eröffneten Schüler und Schülerinnen der Schloßschule, die die vielen Kränze trugen. Danach folgte die katholische Geistlichkeit aus der Amgegend sowie Prälat D. ©chmitthenner in Begleitung des gesamten evangelischen Oberkirchenrats. Run kam ter ©arg, hinter diesem Prinzessin Max von Baden mit ihrem Sohne Berthold und den übrigen Verwandten, darunter dem Prinzen Adalbert als Vertreter des ehemaligen Kaisers, schließlich ReichsemährungS- minister Dietrich als Vertreter ter Reichs- regietung, ReichstagspräNtent Löbe, Staatspräsident Dr. Schmitt, Innenminister Dr. R e m m e l e, Kultusminister Dr. Leers sowie Vertreter der Anivcrs'f.ten Heidelberg und Freiburg s owie der Technischen Hochschule Karlsruhe. Auch Oberbürgermeister Dr. Sinter (Karlsruhe) sowie Landtagspräsident Dr. Baumgartner mit einer großen Anzahl von Abgeordneten nahmen am Trauerzuge teil. AuS ter Umgebung waren die Bürgermeister ter einzelnen Gemeinden und eine unübersehbare Srauergemeinte vertreten. Auf dem Friedas wurde der Sarg in das offene Grab gesenkt. Prälat D. ©chmitthenner sprach das Gebet, die Gemeinde sang Trauerlieder und damit war die Trauerfeier beendet. Unter den Kränzen befand sich, an hervorragender Stelle liegend, der Kranz teS Reichspräsidenten von Hindenburg und ter Kranz der Re ichS- regierung. Oie Wetterlage. ADtrdei Pans a Xordna’ Freitaa. 8.MoVemt>. 1929 7" at>ds. IbT-x? ©woixemos. ©neuer. QnaiD oedecn.9 woirng. o oedecxi * Schnee alraopem. n Meöel K Gemütlichkeit": Konzert, 16.30 Uhr, in der Neuen Aula. — Morkusgemeinde: Gemeindefeier und Derkaufstag, Turnhalle am Ds- waldsgarten, Beginn 14 Uhr. — S.P.D.: Filmvorführung „Vorn Willen zur lat", norm. 10 Uhr, Astoria-Lichtspiele. — Bienenzüchterverein: Versammlung, 15 Uhr, bei Kraft (Gießen). — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Eine Nacht in London"; norm. 11.15 Uhr: „Die Wunder des Films". — Astoria-Lichtspiele: „Wolga — Wolga". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die morgige Fremdenvorstellung beginnt um 18 Uhr. Ermäßigte Preise: „Die lustige Witwe", Operette von Franz Löhar. Spielleitung: Direktor Baars, Frankfurter Ope- rtten^Dastspkele. Die allbekannte Operette ist ganz neu inszeniert und durch Jazz und Tanzeinlagen vollkommen modernisiert. — Der erste Klassiker- Qlbend in dieser Spielzeit bringt unt:r der Spielleitung des Intendant:n Dr. P r a s ch Schillers „Demetrius" und Kleists „Guislard" am Dienstag, 12. November. Beginn der Vorstellung 19.30 Ahr. Das Gemeinsame beider Fragmente hat die Regie veranlaßt, die Werke an einem Abend zusammen zu geben. An anderen Theatern wird zum „Guiskard" gewöhnlich „Der zerbrochene Krug" als abendfüllend dazugenommen. Dr. Prasch veranlaßte aber die Idee der metaphysischen Gemeinsamkeit beider Werke zu dieser neuartigen, dramaturg scheu Zu'ammenst:llung zweier verschiedener Klassiker an einem Abend. — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Am 14. November, 20.15 Uhr, veranstaltet die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in der Neuen Aula der Uniberfität einen Lichtbilder-Vortrag von Geh. Rat Professor Dr. QI. Penck über das Koloradoplateau in den Vereinigten Staaten. (Siehe Anzeige.) — »Dom kommenden Christentum". Der erste Vortr^ der angekündigten Vortragsreihe wird von Pfarrer August Pauli (München) gehalten werden über das Thema: »Das Abendmahl in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft". Der Vortrag findet Montag, 20.15 Ähr, in der Universität, Horsaal 41, statt. (Siehe heutige Anzeige.) — Wählerversammlung der Deutschen Dolkspartei. Die Gießener Orts- grnppe der Deutschen Dolkspartei hält am kommenden Dienstagabend im Cafe Leib eine öffentliche Wählerverisammlung ab. Als Redner ist Bürgermeister Dr. N i e p v t h, M. d. L., Schlitz, gewonnen. Zu den GießenerStadtfragen wird der Dorsihende der Fraktion der DDP. im Gießener Stadthaus, Kausmami W. Horn, Stellung nehmen. (GießeJjeutige Anzeige.) ** Auf gehobene Straßensperrun- ge n, mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil- Club (QI. v. D.) Gießen: Die Sperre auf der Pro- vinzialstraßenstrecke Nieder-Wöllstadt — Chausseehaus — Ilbenstadt ist aufgehoben. Auf der Provinzialstraßenstrecke Gonterskirchen-Ruppertsburg wird die Sperre ab 10. November auf gehoben. ”lt btfep 'sehung lltt »ch Ä'M-i an bcrÄ ta3 in dvn t«« ra «. , dicht bekt W des y-n Aschig.noch fr® nn und 3 man md diele atSfefe ■getan ein kurzes der badische MB Ä ffsttagen wurde. Den unb tzWmnnen bet wagen. Da. mitte Geistlich. »Jotoie Prälat D. JX1? gesamten ernrchenrots. Nun j dAm Prinzessin n ihrem Sohne Berthold wandten, darunter dem als Vertreter des ehelich Aeichsernährungs- ' Vertreter der Leichs- aüdent Lobe, Staats- i t t, Innenminister Dr. üster Dr. Leers sotoie ..ten Heidelberg und r Technischen Hochschule Oberbürgermeister Dr. sotoie Lanötagspräsident mit einer großen Annahmen am Trauerzuge ng waren die Bürger- Gemeinden und eine un« inde vertreten. Aus dm arg in das offene Grab chm'.tthmner sprach das ig Trauerlieder und damit endet Unter den KränM nagender Stelle liegend, hspräsidenten von er Kranz der Leichs- »ocauii»^ w W- in den übet* -«.L ' hnh wlcoct. sKiZF nprahi11“ L-S'-s löt» _ •• Anlagenkonzert findet morgen, Sonntag, 11 Uhr durch das Musikkorps des 1. Batll, 15. Änf.-Rgts., sowie dcs Bauerschen Gesangvereins (Chormeister G ö r l a ch), bei günstiger Witterung in der Süd-Anlage statt. Leitung: Obermusikmeister L ö b c r. Die Vortragsfolge ist: 1. Armeemarsch II, Nr. 161, „Alexandermarsch", A. Leonhardt, 2. Ouvertüre zur Oper: „Mignon", A. Thomas; 3. drei Chöre: a) Heimliche Liebe, b) Mädchen mit den blauen Augen, c) Uebermut, G. Wohlgemuih; 4. Große Fantasie aus G. Verdis Oper: „Der Troubadour", beerb. W. Löber; 5. drei Chöre: a) Hab mein Wogen vollgeladen, F. Hannemann: d) Der Jäger aus Kurpfal;, A. v. Othegravcn: c) Schwäbisches Tanzlied, W. Moldcnhaucr; 6. „Deutschlands Ruhm", Marsch, E. Schröder. ♦* Oberhessischcr Kun st verein. Es sei nochmals auf die derzeitige Ausstellung Im Turmhaus am Brandplatz „Düsseldorfer Kunst" hingewiesen, die nur noch bis Sonntag, 17. November, geöffnet ist. •• Die Museen sind am morgigen Sonntag von 11 bds 13 Uhr geöffnet. ** Kein Zeppelin-Vortrag am Montagabend. Die Gesellschaft für Erd- und Völker- künde gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß der Vortrag von Dr. S e i l k o p f am Montagabend wegen Erkrankung des Vortragenden ausfällt. •• Beruf stündliche Dorträge. DaS Arbeitsamt Gießen, Abt. Berufsberatung, ver- anstaltettz am Donnerstag einen sehr gut besuchten Dortragsabend über weibliche Berufe. Die Berufsberaterin D. Kolb sprach einleitende Worte über die Berufswahl der Mädchen. Mit dem Schlagwort, die Frau gehöre ins Haus, lasse sich heute die wirtschaftliche Not des weiblichen Geschlechts nicht mehr abtun. Diele Mädchen kämen überhaupt nicht mehr «ur Gründung einer Familie, und die Existenzunsicherheit der Männer zwinge nicht wenige Frauen, eine Berufstätigkeit auszuüben. So werde für viele Mädchen die Berufsausbildung eine Lebensnotwendigkeit. Für die Söhne sorge man zwar in dieser Beziehung, aber die Töchter müßten meist beruflich sehr schlecht ausgerüstet den Lebenskampf aufnehmen. Der Beruf solle nicht nur Unterhalt gewähren, sondern auch Lebensinhalt geben. Neigung, Eignung und Berufsaussichten müßten deshalb bei der Berufswahl sorgsam geprüft werden. Prüfungsmeisterin M. Schwertel sprach dann über den Beruf der Putzmacherin und hob besonders die Notwendigkeit der Zusammenarbeit mit der Berufsberatung hervor, die auch Eignungsprüfungen vornehme. Hantieren mit Nadel und Schere mache noch keine Putzmacherin, dazu gehöre auch viel Formen- und Farbensinn. Schneidermeisterin M. Wehrum gab ein sehr anschauliches Bild über den Beruf der Schneiderin, wobei die erforderlichen und ausschließenden Eigenschaften, sowie die Berufsaussichten der Schneiderin stark betont wurden. Als letzter Redner führte Obermeister H. G ö h viel Interessantes aus über den Beruf der Friseuse. Wesen des Berufs, körperliche, geistige und sittliche Anforderungen, Ausbildungsgang, Arbeitsmarkt und Arbeitslöhne wurden eingehend besprochen. Dor allem wurde auch auf die UeBerfüllung und die möglichen sittlichen Gefahren in diesem Berufe hingewiesen. Alle diese sehr lehrreichen Dor- träge wurden durch Dorführung berufskundlicher Lichtbilder ergänzt. Die nächsten berufskundlichen Dorträge finden kommende Woche statt; ihr Besuch sei allen vor der Berufswahl stehenden Kindern und deren Eltern empfohlen. Man beachte die heutige Anzeige. Von Privatahzugeben! Herrenzimmer modern, dunkel Eiche, bestehend aus Bücherschrank (2Meter), Schreibtisch, rund.Tisch, Schreibsessel, 2 Lederstühle Wohnzimmer hell Kirschbaum, erstkl. Arbeit, Vitrine, ' runder Tisch, 4 Stühle, 2 Armlehnsessel Schlafzimmer dunkel Eiche, mit groß. Spiegelschrank Willy Huppert, Bad-Nauheim Parkstraße 50, Fernsprecher 2820 rebe fornmen: „Laßt wichs Ich bin nun einmal so!" Beständig an sich arbeiten und auf sich acht geben! Keine Eiche fällt von einem Streiche! Wir sind nicht allein auf der Welt. Wir müssen auf unsere Nächsten Rücksicht nehmen, wir müssen uns einfügen. Um gerecht zu sein, wollen wir auch nicht vergessen, die aus vollem Herzen Gutes tun, überall mit der größten Selbstaufopferung nur an ihre Mitmenschen denken und an sich selbst zuletzt. Wenn sie bann auf unsere Mahnung sagen: „Ich bin nun mal o!“ bann werden wir wohl in diesem Fall ent- chuldigcnd lächeln und ihnen dankbar die Hand »rücken. W. Zur Gießener Gtadtratswahl. Die Stadtverwaltung veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil die WahlvorschlagS- listen zur Gießener Stadtratswahl. Es werden den Wählern insgesamt 8 Listen zur Auswahl vorgelegt. Ferner befindet sich im heutigen Anzeigenteil eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung über die Einteilung der Abstimmungsbezirke und über die Leiter der Abstimmungskommissionen am Wahltage. Untere Leser seien auf die Bekanntmachungen besonders hingewiesen. Taten für Lohntag, 10. November. 1483: Martin Luther in (Eisleben geboren (gestorben 1546); — 1697: der englische Maler William Hogarth in London geboren (gestorben 1764); — 1759: Friedrich von Schiller in Marbach geboren (gestorben 1805); — 1810: der erste Reichsgerichtspräsident Eduard von Simson geboren (gestorben 1899). Daten für Montag, 11. November 1821: der Dichter Fedor Dostojewski in Moskau geboren (gestorben 1881); — 1884: der Naturforscher Alfred Brehm in Renthendorf gestorben (geboren 1829). Gießener Wocherrrnarkthreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 210 bis 220, Matte 30 bis 35, Wirsing 12 bis 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 35, Römischkohl 10 bis 12, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100 bis 120, Tomaten 30 bis 50, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 80, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kürbis 5 bis 8, Pilze 25 bis 30, Kartoffeln 4,5 bis 5, Aepfel 10 bis 15, Dirnen 10 bis 15, Dörrobst 30 bis 35, Nüsse 40 bis 50, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120, Ganse 100 bis 120 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Tauben 70 bis 90, Eier 17 bis 18, Blumenkohl 30 bis 100, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 10 bis 15, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf. das Stück; Radieschen 15 bis 20 Pf. das Bund; Kartoffeln 3,5 bis 4, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 10 bis 12, Aepfel 8 bis 12, Birnen 8 bis 10 Mk. der Ztr. Vornotizen. — Tageskalender für Samstag: Goethe-Bund: 15. Jahresfest (Festabend), 20 Uhr, Neue Aula. — Volkshochschule: Einführungsoorträge zu Heinrich von Kleists „Robert Guiskard" und Fr. von Schillers „Demetrius", 20 bis 21 Uhr, im Sing- faale der Oberrealschule. — Schützengesellschaft 1926: 3. Stiftungsfest mit Fahnenweihe, 20.15 Uhr, auf der Liebigshöhe. — D. H. V.: Monatsversammlung, 20.30 Uhr, Kaufmännisches Vereinshaus. — (Beflügel» und Vogelzuchtoerein (gemeinsam mit dem OHNE MUNDSTÜCK 9 Todes-Anzeige Unsere liebe, gute Mutter, Großmutter und Tante Martha Wagner geb. Steinhäuser im Alter von 29 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Dr. med. Rudolf Wagner Die Einäscherung findet in aller Stille in Gießen statt 07239 Jacob Gerhard Steinbach, den 8 November 1929. 92730 Die Beerdigung Ludet Sonntag, 10. Novbr, nachmittags 3 Uhr, statt. <387 A 07238 tarnen. Meines Gießen, den 9. 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H.V. MouatSvcrsamm- luitfl am Samstag, 9. Nvv., 8Va Ubr, im Kauim.LereinöhauS Bvrtrag: 3!echte u. Pflichten i.Bcrufd- verband u.Berufs- itaud. Erscheinen n't Pflicht.Der Bvrftand Gießener TennisclubilSrr Mienii'is-Mkellg. Beginn der Spielzeit Donnerstag, 14. No- vemb , 16.15 Uhr, im U. (£., Ploctttrahc. Befi-rechuug d. Teilnehmer daselbst. Gäste nach vorheriger Anmeldung willkommen. 9238V Der Borstand. Stadttheater Sonntag, Itz.Nov.. von ll'/4-128/4 Uhr Einiualtge Ausführung. kleine greife. L Tag im Slammer- sviel-Zyklus. EoBilie-Morijeiiieier Milwirkende: Dr. Ürledr. Castelle u. Frieda Hummel, Düsseldorf. Sonntag, Itz.Nov., Au her Abonnement Fremden vor Heilung von 18 bis 207« Uhr U11 neuer Inszenierung: Die luitlße ffiitroe Loeteitc in 3 Alien von Btkior Vt-on unb Veo Stein. Musik von Fr. ^ehär. Dienstag, 12. Rov. 7.5len5tag-9iü.-DorfL von 197, btö 22 Uhr Zum ersten Male Hoben isulstato Dramatisches Fragment von Heinrich v. Kleist. Hierauf zum ersten Male: SeinkMiis Dramatisches Fragment in 2Teilen von Frtedr. v. Schiller. Mittwoch, 13.Nov. 7.mi[irooMö.-BotrL von 20 bis 22*, Uhr dodneitsreife Schivank 111 3 Alten von Adele Mathews und Ann Nichols. Freitag, 15. Nov., 7.3reilllg-Al)ll.-vok'l. von 19'/, bis 22 Uhr Der arme deinrliu Eine deutsche Sage in fünf Alien von Gerh. Hauvimann. Samstag, 1 (>. 7>ov. von 157, btö 18 Uhr Hoben ßuistoto Dramauscheö Fragment von Heinrich von Kleist Hieran,: Demefdus Dramatisches Fragment in 2 Teilen von Friedr. v. Schiller, -schülervoritellring Kleine Preise. Sonntag. 17. Nov. Auher Abonnement Fremdenvoriiellung von 18 bis 20 Uhr Zum letzten Male DieFraa, diejedersuebt Lustspiel in 3 Akten von Ld. Hirschfeld, Nr. 264 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen) Samstag, 9. November 1929 Sie SeiMen als Volk der europäischen Mitte MH miiäen' ....."ehxzSr. 7 , •jTanne» S S Don Or. Edgar 3- Jung. atfi sichtbar. laufen es enteile 07229 38< Die Körner spielt also in diesem so schaffenen Stück — man kann das ja alles jene Politik der kleinen Mentalität der Polen so trennend und die Völker Deutschland und Polen. be- nur Mk. Mittag, 11. gio. g1' tt,lW SV, |1 S tiicb. ii ) mit vni. • Wl Zum Schluß: „W eihnachtseinkäufe" von Schnitzler. Das ist der zweite der sieben Einakter im Zyklus „Qlnotol“ aus den Jahren 1889 und 1890, zu dem Hofmannsthal ein unvergeßliches Vorspiel schrieb. Früher Schnitzler also, aber echter Schnitzler. Wiener Dekadence in Reinkultur. Obwohl sie sich nicht immer so melancholisch, dafür aber oft genug frivoler gebärdet. Immerhin: die typische Mischung aus Melancholie und Frivolität beherrscht auch hier die Szene, die im dramaturgischen Sinne kaum eine „Szene" genannt werden kann. Es ist eine Episode, eine Begegnung, ein Gespräch, ein Spiel mit Worten und Gefühlen, — „die Komödie unsrer Seele", wie Hofmannschal es nannte. Erstaunlich, wie die Körner sich in dieser kurzen Szene verwandelt hat: nicht äußerlich, nicht im Kostüm allein, sondern vor allem im Ton. Wie die Stimme (und mit chr jedes Wort in diesem Spiel der halben Töne) — diese zuvor Nadelstiche, die der sehr entspricht, stehen entfremdend zwischen Es scheint, als ob könne nie des Polen Sie färbt gewissermaßen auf das Ensemble ab: man merkt es an Kleinigkeiten. Das Ensemble wirkt ungleich, im ganzen doch immerhin besser, als man es auf manchen anderen Prominentengastspielen zu sehen bekommt. Allerdings gibt es auch welche, die im Gesamtniveau niedriger stehen, aber im Zusammenspiel einheitlicher ar- unter iing i. Katz, 07212 Mmis-Mellg. Beginn der Spielzeit Donnerriaa, 14. Wo« vemv„ 16.15 llbr, im 11. (**., IModitraitt. Bc'vrechtmii Heil« nehmet imlelbft. (täfle ntidj vor' jerme: änmelbuna willkommen. lMÜ Tcr Wontanb. andeuten — die Herzogin von Marlborough, eine Rolle eben auf der Linie der Elisabeth etwa, oder der Milford — nur in die leichtere, minder gefährliche Atmosphäre des Lustspiels überseht. Man müßte nun, um zu beschreiben, wie sie wirkt, etwa den Eindruck einiger dieser im Theatersinne „großen" Szenen — im zweiten und im vierten Akt zum Beispiel — wiederzugeben versuchen. Wie da das Theaterspielen auf einem gewissen Gipfelpunkt angelangt ist, zunächst äußerlich, in der Airbahnung, Fortführung. Steigerung und raffinierten Zuspitzung eines Dialogs bis zur eleganten Pointe. Wie Sah um Sah, Wort für Wort, einem Räderwerk gleich, ineinandergreifen. Und wenn sie endlich, ganz zuletzt, rauschend im pompösen Staatslleid, schnellen Schrittes und erhobenen Hauptes hinausgeht, und im Verschwinden, aber sehr deutlich hörbar, das letzte Wort behält, ihren Trumpf gewissermaßen noch hinter der Kulisse ausspielt —: dies ist von einer außerordentlichen Wirkung. reichste sind. Wohl nur noch ein geographisch europäisches Volkstum, die im zentralrussischen Reiche zusammengefaß^en, Osteuropa besiedelnden Vötterstäinme, übertreffen die Deutschen an seelischen Urkräften. Dagegen zeichnet die Deutschen, im Vergleich zr den Russen, eine kräftigere Entwicklung des Denkvermögens und des Willens aus. Ihr Streben nach der Ganzheit der Vernunft, ihr geistiger Ordnungssinn, macht das ausgesprochen Abendländische aus, das sie vom Osten unterscheidet. Aus diesem Sachverhalt folgt die Terechtigung, die Deutschen nicht nur geographisch, sondern auch geistig das Volk der Mitte zu nennen. Aus dieser Vielseitigkeit ihres We.cns schöpfen sie die die Außenwelt immer wieder vor Rätsel stellende Fähigkeit, auf verschiedenartigsten Gebieten Höchstleistungen zu vollbringen: anderersei.s umschließt diese umfassende Veranlagung die Gefahr der einseitigen K r ä f t e e n t w i ck - lung nach der einen oder anderen Richtung: bald nur geistig, bald nur militärisch, bald nur wirtschaftlich; selten aber politisch, waS alles zusammen wäre. Dieser Mittelstellung ist das deutsche Volk untreu geworden: es wurde westlich. Unvermittelt stehen sich heute die entfesselten Urkräfte des Ostens und die unlebendige mechanistische Zivilisation des Westens gegenüber. Der Sinn des Abendlandes, das Christentum in seiner ureigenen zeitlosen Reinheit, ist deshalb bedroht. Europa ist ein absteröender Körper geworden, weil fein Herz nur noch schwach und unregelmäßig schlägt. Bleiben die Deutschen westlich, das heißt verstandesbeherrscht, so gibt es keinen abendländischen Geist, kein Europa mehr. Die Rückbesinnung der Deutschen auf ihr eigenstes Wesen entscheidet sonach das Schicksal der „Alten Welt". Heute geht es um die Rückkehr aus der Einseitigkeit in die innere Ausgeglichenheit der deutschen Seele. Rur Zeiten, welche eine solche Harmonie deutschen Wesens kannten, waren Blütezeiten: geistige und politische Entfaltung liefen gleich. So war Europas Höhepunkt das Mittelalter. Europas Rettung wird ein neues Mittelalter sein. Heute treibt die Entwicklung einseitig dahin, weder das politische noch das geistige Leben in höhere Bahnen zu lenken. Sämtliche Spitzenleistungen liegen auf dem Gebiete der Technik und ihrer wirtschaftlichen Ausnützung. Hier tobt sich der irregeleitete Drang ins Grenzenlose aus. Hier erwuchs die furchtbare Täuschung, ein Volk könne sich mangels politischer und geistiger Kräfte mit Mitteln der Wirtschaft behaupten. Dieses Prachtbeispiel eines Trugbildes wird späterhin noch gewürdigt werden. Hier soll nur die Rotwendigkeit neuer Wertmahstäbe und realer Schau der Wirklichkeit gezeigt werden. Wird der Deutsche wieder zum abendländischen Gottsucher, so wird er auch Vorkämpfer des verlautet doch, daß der Verzicht auf das Rück- kaufsrecht auch dann nicht gegeben sei, wenn „schlechte Bewirtschaftung des Bodens" und ähnliche Gründe vorliegen. Daß man auf polnischer Seite solche Fälle mit Vergnügen und Geschick zu k onstruieren wissen wird, ist ohne weiteres jedem klar, der mit der polnischen Mentalität vertraut ist. Eine absolute Sicherheit und restlose Gewähr für die Wahrung deutscher vvltspolitischer Belange ist mithin nicht gegeben. Daß Polen aus die weitere Liquidation des Grundbesitzes deutscher Staatsangehöriger verzichten will, ist erfreulich, aber man darf anderseits nicht vergessen, daß der weitaus größte Teil aller Liquidationen l ä n g st durchgeführt ist. Unter diesem Gesichtspunkte mindert sich das polnische Zugeständnis, in Zukunft auf alle Liquidierungen zu verzichten, erheblich und — schließlich ist es nach den bisherigen Erfahrungen keineswegs sicher, ob Polen sich wirklich an das Abkommen halten wird, vielmehr besteht die Befürchtung, daß Polen auch in Zukunft unter dem Deckmantel der Agrarreform seinen Vernichtungskampf gegen den deutschen Grundbesitz in der abgetretenen Ostmark fortführen wird. Dieser Verzicht auf we'tere Liquidation aber wird erlauft mit der Verpflichtung, daß die zwischen Deutschland und Polen schwebenden Ansprüche und Forderungen als gegeneinander aufgerechnet und abgegolten angesehen werden, Forderungen, die infolge der Ausführung des Versailler Vertrages und der Abtretung deutscher Gebiete an Polen entstanden sind. Während die eigentlichen Gläubigermächte die Liquidationen ohne Entschädigung der be» trosfenen Deutschen vornehmen konnten, hatte Polen nach dem Friedensvertrage zwar auch das Recht, deutschen landwirt chaftlichen und industriellen Besitz zu liquidieren, aber gegen eine Entschädigung, die jedoch in den meisten Fällen lächerlich gering ausfiel. Die aus' dieser unzulänglichen und nicht ausreichenden „Entschädigung" entstandenen privaten deutschen Entschädigungsansprüche sollten nach den bestehenden Verträgen auf schiedsrichterlichem Wege ausgeglichen werden. Die Entscheidungen, die von dem deutsch-polnischen Schiedsgericht zu treffen waren, ließen einen für den deutschen Standpunkt günstigen Aus- gang erwarten, wie durch sie auch die schamlosen Methoden der polnischen Liquidationstätigkeit an den Pranger gestellt worden wären. Runmehr übernimmt das Reich die Entschädigungspflicht hinsichtlich der Ansprüche deutscher Privatpersonen. Damit entsteht entweder eine neue starke Belastung desReichs- haushaltes, für die keine Deckung da ist, oder auch diese Geschädigten müssen ebenso mangelhaft abgefunden werden, wie die Kriegsund Nachkriegsgeschädigten und Verdrängten. Bei den deutschen Entschädigungsforderungen handelt es sich in der Hauptsache um Ansprüche geschädigte Rc-ichsang:h'rig:r, zu Unrecht verdrängter Dcmänenpächter, ent igachr deutscher Grund- und Fabrikbesitzer: auf polnischer Seite um Ansprüche, die zum größten Teil noch aus Kriegszeitcn stammen, deren Berechtigung zum Teil uncrwiesen oder strittig ist. Jedenfalls sind die deutschen Forderungen erheblich höher als die der Polen, so daß Polen bei der gegenseitigen Aufrechnung ein hoher Gewinn zufällt. Daß finanzielle Opfer gebracht werden müssen, wenn es gilt, das betzrohte Deutschtum jenseits der neuen Grenzen zu sichern, steht außer Frage. Wird dieser Zweck aber durch das Abkommen tatsächlich erreicht? Das wird der Reichstag, dem das Liquidationsabkommen vorgelegt werden muß, in erster Linie zu prüfen haben. In jedem Falle aber wird zu fordern sein, daß Polen die weitgehendsten Garantien Ende November erscheint im Verlag der | Deutschen Rundschau, Berlin, Dr. Edgar I. Jungs Werk: „Die Herrschaft der Minderwertigen, ihr Zerfall und ihre Ablösung durch ein neues Deutsches Reich" neubearbeitet und bedeutsam erweitert in zweiter Auflage. Wir sind in der Lage, im folgenden einen Vorabdruck aus dem Teil „Die Wiedergeburt der deutschen Seele" zu bringen. Es ist kein Zufall, daß die Auseinandersetzung zwischen der gesetzesreligiösen und der protestantischen Seite des Christentums auf deutschem Boden stattgefunden hat, daß das deutsche Volk also z im Träger der Ganzheit christ - lichen Lebens geworden ist. Denn vielge- st a l t i g wie die deutsche Landschaft ist auch die deutsche Seele. Die sich verströmende nordische Seele mischt sich in ihr mit der still- ruhenden ostischen. Zahlreiche Hinzumischungen anderen Rassegutes, bedingt durch die europäische Mittellage, vollendeten die Mannigfaltigkeit deutscher Eeelennot. Das Land, das die Deutschen bewohnten, hatte ebenso wenig feste Grenzen wie die deutsche Innenwelt. Grenzenlosigkeit und Neigung zu innerer Verschwendung muhte eine solche Landschaft fördern. Im Herzen des Abendlandes pulsierte das gesamte Leben der Christenheit, jede Regung und jede Störung verstärkt empfindend. Der Ausgleich zwischen seelischen Urkräften und vernunftgemäßem Eestaltungswillen vollzog sich in der deutschen Seele, wurde ausgekämpft auf dem Boden Deutschlands. Es wurde zum geistigen und militärischen Kampfplätze, auf welchem die Kräfte des Abendlandes um höhere Einheit rangen. Deutsche Ritter, deutsche Dauern und Bürger kolonisierten den Osten Europas. Sie türmten den lebendigen Wall gegen Mongolen und Türken. Deutsche Heere zerfleischten sich für die Reinheit der christlichen Lehre, wie sie die Heiligen Stätten mit ihrem Blute getränkt hatten. Auch der blutmäßige Anteil an der Uebersee- kolonisation ist bedeutend. Aber jeder Einsatz geschah vers ch wend er isch: die Blüte der Ritterschaft sank im Morgenlande dahin, die deutschen Städte des Ostens wurden ver- slawt, die kulturformenden Kräfte der Reformation kamen den Angelsachsen zugute, die überseeischen Kolonien erhielten ihre politische Prägung von nichtdeutschen Staaten. Deutschland selbst war das Schlachtfeld Europas, seine blühenden Städte, sein bestes Blut, die Denkmäler seines Geistes wurden durch Krieg vernichtet, die fremde Böller auf deutschem Boden austrugen. Kein Land, kein Volk ist im wahren Sinne des Wortes so europäisch wie das deutsche. Die geistige Mittellage des deutschen Volkes berechtigt zu der Anschauung, daß die Deutschen unter den Völkern des abendländischen Kulturkreises das seelisch umfassend sie und beiten. (Hier spürte man, bei aller Geläufigkeit, ein paar textlich und szenisch lockere Stellen.) Von den Partnern gewinnt der ernsthafteste Gegenspieler im Stück, Heinz Leo Fischer (Bolingbroke), auch künstlerisch den besten Anschluß an die Meisterin: gelassen, gescheit, gefährlich: so ist der Mann, der hier gebraucht wird. Die große Paktszene des zweiten Altes spielt er ausgezeichnet. Bei Anneliese Götz (der Tochter der Körner) spürt man Einfluß und Abhängigkeit am stärksten. Ihre Queen Ann, anfangs etwas flattrig und blaß, wurde zum Schluß immer besser. Eine sehr muntere Naive: Gisela Zidek (Abigail): während Hanns Nagl als Mashamdurchaus im konventionellen Fahrwasser steckenblieb. — gut wie abgeschlossen sind. Völlig abwegig aber ist die hier und da vertretene Auffassung, als ob mit dem Abschluß eines Handelsvertrages wie des Liquidationsabkommens nun auch eine Gesamtbereinigung der zwischen Deutschland und Polen schwebenden Probleme begonnen habe oder gar bereits erfolgt sei. Davon kann solange keine Rede sein, ehe nicht die Korri- Vorfrage und das oberschlesische Problem ihre Lösung zu einem für Deutschland erträglichen Sinne, e.je nicht die brutale Unterdrückung des Deutschtums in Polen ihr Ende gesunden hat. •ta ii mit Stahl- ' em • mn .obuig. IHl-w icüT] iufer en mit . Wob- eziehb. für die Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen gibt und das Höchstmaß an realer Sicherung für den Schuh der Deutschen in Polen erreicht wird. Das ist um so dringender notwendig. als die nationalistischen Kreile in Polen heute schon gegen den Verzicht auf die ßiqui- dationen Sturm laufen, mit ter Begründung, daß die Zahl der in Polen befindlichen deutschen politischen und wirtschaftlichen Niederlassungen noch viel zu groß sei, als daß Polen auf die Waffe der Liquidation verzichten könne. Das Liquidationsabkommen ist nur ein Vorläufer des deutsch-polnischen Handelsvertrages, über den die Verhandlungen so Eine Mischung aus Liebe und Staatsaktion, aus Jntrigue und Verwirrung, mit repräsentativen Gebärden, mit großen Szenen, mit dauernder Spannung, mit Minen und Gegenminen und fabelhaften Trümpfen und ungemein effektvollen Abgängen. Das sitzt, das- knallt, das federt, das macht Spaß, das amüsiert und unterhält diesseits und jenseits der Rampe. Was geschieht? Nichts. Oder so gut wie nichts. Weihnachten in Wien. Auf der Straße. Vor den Schaufenstern. Im Schneefall. Anatol trifft Gabriele. Anatol ist — typisch — der „leichtsinnige Melancholiker", zwischen zwei Frauen. Der Mondänen in der „großen Welt", wo er nur verstanden wird, und dem süßen Mädel in der „kleinen Welt", in der Dorstadt, wo er nur geliebt wird. Er erzählt der mondänen Dame Gabriele feine anspruchslose Liebesgeschichte, sie will ihm helfen, ein Weihnachtsgeschenk für „die Kleine" zu finden ... und gibt ihm zuletzt nur ein paar Dlumen für sie mit und ein paar resignierte Worte: daß die große Dame vielleicht ebenso hätte lieben können, wenn sie den Mut dazu gehabt hätte. gnUemeiuw Die I0W M« Cpeteiie in 3 einen von Aktor Vcon und Veo Stein. Munt von vr üessr. Tiencstag, 42-^. Gießener Etaitttheaier. (Gastspiel Hermine Körner. „Wir spielen immer; wer - weiß, ist klug." Schnitzler. Heinz Leo Fischer bestand auch hier, als Anatol, neben der großen Partnerin in allen Ehren. Er hat da, von Natur aus, den ganz unversälschten Wiener Akzent und er trifft in Haltung und Umriß diesen einst fast berühmt gewordenen „Helden" des Oesterreichertums in der Literatur mit einer feinen und unvordringlichen Einfühlungsgabe. — Uebrigens zeichnete er auch für die Tourneeleitung verantwortlich: wie weit die Regie darin einbegriffen ist, wissen wir nicht. Das Haus war gut besucht, der 'Beifall (für hiesige Verhältnisse) sehr herzlich. Dr. Th. Von Eugene Scribe weih man, daß er. 1791 in Paris geboren, 1861 daselbst gestorben, feit 1834 Akademiemitglied war, daß er etwa vierhundert Bühnenstücke hinterlassen hat und im zweiten Viertel des vorigen Jahrhunderts auf den Pariser Theatern den Ton angab. Von seinen Stücken, die er sozusagen im Fabrikbetrieb r^nd mit einem Stabe von Mitarbeitern verfertigte, ist heute nicht mehr viel übrig. Gerettet und behauptet hat sich außer seinen Opern- texten (vor allem für Meyerbeer) eigentlich nur „Le verre d’eau“ — immerhin feit dem Jahre 1840. Das alles mag ja noch Routine sein. Aber man bemerkt im Laufe des Abends doch manches, was mehr ist. Da ist einmal die Stimme: eine sehr ruhige, dunkle, sympathische Stimme — sympathisch noch in ihrer ganzen Ueberlegenheit, ihrer Kühle und ihrer Schärfe, wenn die Trägerin den Gegner in die Enge treiben, matt setzen, lächerlich machen, erledigen will ... Und dann, wir kennen nur wenige Schauspielerinnen, bei denen man das gleiche Gefühl hat: wie sehr sie jederzeit über der Sache steht, wie sehr sie chre Leute um sich herum beherrscht, nicht aus Technik, sondern in der Reife und der geistigen Führerschaft ihrer Persönlichkeit. Stadttheater Lonning, von U' <-15, Uhr ßnimoliflc 2lufiüü: rung. Steine x ieile. L imi im Sommer« Iviel-MnS. Mrtpw Mwirlenoe: Dr. örirör. Handle u. fritba Nimeb Swlöori iönn/imJO.i'iov., Wer Wonne inent i'rrMiöenuoiuellimg SnlSbte 20’1. UW Ön neuer Hochschulnachrichten. Der ordentliche Professor Dr. Franz 'Bewerte iinGreisswald hat einen Ruf auf den Lehrstuhl des deutschen bürgerlichen Rechts an der Universität Frankfurt a. M. als Nachfolger von Geheimrat K. Durchard erhalten. "Berufungen nach Königsberg, Frankfurt (1920), Bonn und Heidelberg hat der Gelehrte abgeleynt. Dey- erles Arbeiten betreffen besonders Rechtsgeschichte und schweizerisches Zivilrecht. — Professor Dr. Theodor Süß in Göttingen hat einen Ruf als Extraordinarius für bürgerliches Recht an der Universität Dr esl au erhalten. — In der medizinischen Fakultät der Universität Marburg ist der Privatdozent für Hygiene Dr. Hans Schmidt zum nrchtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt worden. Dr. Schmidt ist erst kürzlich beauftragt worden, an der Marburger Universität im Wintersemester 1929 1930 die Hygiene in Vorlesungen und Uebungen zu vertreten. Der aus Düsseldorf gebürtige Hygieniker leitet das Institut für experimentelle Therapie „Emil von Behring" in Marburg. "ää R* 15°to &=hr ! Ausgleich mit polen? Daß die Beziehungen Deutschlands zu Polen schlechter, man könnte sagen gespannter, als zu irgend einem anderen seiner Nachbarländer, Frankreich eingeschlossen, sind, ist eine nicht forkzuleugnende Tatsache. Dom Tage seines Bestehens an, hat sich der junge polnische Staat überall und bei zeder Gelegenheit in einen bewußten und betonten Gegensatz zu Deutschland gestellt, dem er doch in erster Linie feine Befreiung von der russischen Herrschast verdankt. Die großen politischen und territorialen Fragen, wie die Grenzführung im Osten durch Versailles, die Korridor- und die Oberschlesien- frage, die unerhörte Verfolgung und Bedrückung der deutschen Minderheit und letzten Endes auch so flare, kühle, oft schade und sehr beherrschende Stimme ganz weich wird, sich verschleiert, ohne im mindesten an Deutlichkeit zu verlieren, wie sie nicht mehr geistig akzentuiert, sondern gefühlsmäßig gefüllt wird: vollkommener Ausdruck der leisesten Regung im Innern. Und wie sie im Abbrechen, in llebergängen, im Wiederansetzen das Unausgesprochene, das „Zwischen und hinter den Worten" spiegelt, auf das es ja bei Schnitzler und den Dichtern seiner Art so sehr ankommt. Auch diese Leistung ist nicht, wie manche wollen, nur und allein aus der Könnerschast, aus der in allen Sätteln -gerechten Wandelbarkeit und Anpassungsfähigkeit eines kühl-bewußten oder gar berechnenden Schauspielertums zu erzielen. Menschliche Reife und ein ganz echtes Frauen- gefühl haben in dieser vorüberwehenden Gestaltung zum mindesten: „mitgespielt". 1 jablutiö neiutbi. Ange« 7211 on nz. erb. Wenn man dieses „Glas Wasser" heute betrachtet, versteht man sehr wohl seine Un- erschöpslichkeiL Es ist natürlich ein Erzeugnis seiner Zeit, es ist ein Stück mit alten Mitteln, ein Stück mit alten Requisiten, mit Beiseite» sprechen und Kniesall, mit Galanterie und Hutschwenken, mit „Lesen Sie diesen Brief!" und .Ach, da kommt sie ja!" Das schadet aber nichts. Denn es hat im übrigen genau die Mischung, die dem Publikum im Theater gefällt und die der Schauspieler auf der -Bühne immer wieder gerne darstellen wird. -ÄÄ"11' i , 5^_DaiKoaa],aio Hermine Korner: sie ist, unter den prominenten deutschen Schauspielerinnen der Gegenwart, vielleicht die einzige wirkliche Heroine alten Stils uno zugleich großen Formats. Sie ist, vielleicht, d i c Elisabeth: sie ist, ganz sicher, die Milford: und da es, unzweifelhaft, heute niemanden in Deutschland gibt, der ihr die Herzogin von Marlborough (bei Scribe- nachspielt, so war es klug von ihr, sich diese Rolle für die Gastspielreise auszusuchen. Noch klüger aber: der Marlborough die Schnitz- lersche Gabriele gegenüberzustellen — nicht nur des pikanten und interessanten Kontrastes wegen, sondern weil sie im Nebeneinander und Nacheinander dieser beiden Rollen die ganze Spannweite ihres Könnens wundervoll zu zeigen vermag. Hier wird mit zwei polaren Beispielen ein Rollenregister abgesteckt, dessen Umfang wohl mancher zuvor nicht vermutet hätte, und dessen Beherrschung eben doch mehr voraussetzt als nur Routine und die souveräne Geste einer modernen Neuberin. — doch zu einem Hande lsvertrage mit dem östlichen Nachbar zu gelangen. Aber diese Bereitschaft hat auf polnischer Seite nie Widerhall gesunden, sie prallte ab an der polnischen Intransigenz, die sich frei jedweder Gelegenheit geltend machte. Die Haager Verhandlungen über den "Boung- plan und das von Macdonald ausgegebene Stichwort von der „Liquidierung der Der - g a n g e n h e i t" haben auch dem Ausgleich mit Polen neuen Auftrieb gegeben und zu deutsch- polnischen Verhandlungen über eine Reihe von finanziellen und damit zusammenhängenden anderen Fragen geführt. Niederschlag dieser Verhandlungen war das deutsch-polnische Liquidationsabkommen vom 31. Oktober. Die mit ihm getroffenen Abmachungen zerfallen in drei Teile, einmal das polnische Rück- kaussrecht auf deutsche ^Bauerngüter, ferner den polnischen Verzicht auf weitere Liquidierung deutschen Grundbesitzes und schließlich den Verzicht beider Staaten auf ihre gegenseitigen Entschädigungsansprüche. Um was geht es hier im Einzelnen? Bei dem Rückkaufsrecht handelt es sich um eine Bestimmung aus der Zeit vor Gründung des polnischen Staates. Die preußische Ansiedlungskommission hatte sich bei der Ansehung von Siedlern in den östlichen Provinzen das Recht Vorbehalten, im Falle des Verkaufes oder des Crbganges ein Siedlunqs- oder Rentengut wieder zurückkausen zu können. Die polnische Auffassung ging nun dahin, daß mit der Erlangung der Souveränität über die abgetretene deutsche Ostmark die polnische Regierung auch in die Rechte der früheren Ansiedlungskommission ein- getreten sei. Auf dieses Rückkaussrecht — es handelt '*H um ungefähr 12 030 Güter, bzw. Dauernstellen mit ungefähr 50 000 Hektar Doden - ist jetzt in den Erbfällen ersten und dtrei.cn Erades, nid)', aber anderen Grades verzichtet worden. Der polnische Verzicht beseitigt ohne Zweifel ein Moment der Unsicherheit, schwebte doch bisher immer das Damoklesschwert des von Polen angemaßten Rückkauss- richtes im Erbfalle über dem Haupte der deutschen Ansiedler. Aber das polnische Zugeständnis wird entwertet durch die Deschrän- fung des Verzichtes. Und auch weitere Hintertüren scheint sich Polen ofsenlassen zu wollen, das Wort, der Deutsche . Freund sein und umgekehrt, auch heute noch Geltung besitzt. Des Reiches und seiner Regierung 6d)uli> allerdings ist es nicht, daß die Spannung zwischen den beiden Nachbarländern unvermindert scharf anhält. Auf deutscher Seite hat immer der Wille zu gerechtem Ausgleich bestanden — und nicht besser kann diese Aus- gleichsbereitschast dokumentiert werden als durch die sorgesehten deutschen Bemühungen, trotz aller von polnischer Seite gemachten Schwierigkeiten ngebote on den ureigen oudjtc sei- line zu fani. jeiee in läif. des jJ78D steuer A WL l.Dieniiog^W von 197, 616 w Zum erneu Wie lioWrltöDW mcntÄF JWfiUS d°" und •*n . -nov., AL-M * Hieran'. W'-Srag- Dra"'!,'!-relle"2 mein Mi"* v, flok W iüKr von D.H.V. Mouaisvcrianm« uno nm «nuioiag, ^oö..8'/,Ubr, im Maiuniiyereiiitänii» Zorttng: fHcdjte u. Wfltditcn i.VmiiS' verband u.Bkruis- "and. (hietjeuwn üt vmchi.TrriZvrnand Gießener Ienntotlubl922 lenes] Tbedtrl -Wil oifeli ein are-rum Preis M wahren europäischen Geistes. Der heute übliche Kosmopolitismus ist Wurzellosigkeit; er schwebt in der Luft, weil er ja nicht durch daS Deutschtum für den Kosmos wirken will, sondern einem blutleeren, unwirklichen und verstandes- rnähig erdachten Kosmos huldigt, der erst durch Verleugnung des Deutschtums geboren werden soll. Echtes Weltbürgertum dagegen erkennt die kosmische Gebundenheit des Volkes und sucht durch dieses auf das Ganze einzuwirken. Die grcfee Ausgabe für das Menschentum festigt die Grundlage für wahre Siebe zu Land und Volk. Echtes Weltbürgertum verlangt also tatkräftige Politik des eigenen Volkes. Jedes große Volk muh Weltpolitik im letzten Sinne des Wortes treiben, soll es Daseinsberechtigung haben. Gibt es einen stärkeren Antrieb zur Liebe zum eigenen Volke als die Ueberzeugung, dah es berufen sei, eine allgemeine Umkehr zu neuen Werten, eine neue Zeit heraufzusüh- len? 3n diesem höheren Sinne ist kein Volk Selbstzweck. Aber gerade deshalb ijt die Verleugnung des Volkes gleichbedeutend mit Verneinung jedes geschichtlichen Sinnes und jedes höheren Zweckes. Wer sein Volk verrät, geht der Teilhaftigkeit am Sinne der Geschichte und der Welt verlustig. Der neue deutsche Mensch wird deshalb aus der Erkenntnis der geistigen Sendung seines Volkes die unauflösliche Derbun- 2lm 17. November sollen die Kommunal» wählen vorgenommen werden. Neben dem Proll i n z i a l t a g und den K r e i s t a g e n für die vier Jahre 1930/33 sind in den Städten die S t a d t r ä t e und in den Dörfern die Gemeinderäte für die gleiche Zeitdauer zu wählen. Die Stimmberechtigten haben diesmal mit ihrer Stimmabgabe eine besonders schwere Entscheidung zu fällen. Denn überall in Stadt und Land sind die Wirtschaftsbedingungen für den einzelnen sowohl wie auch für die Gesamtheit wesentlich ernster geworden, als man sie bei der vorhergehenden Wahl vorfand. Damit soll nicht gesagt sein, daß die am 31. Dezember 1929 abtretenden Körperschaften schuld an dieser Entwicklung seien, die ja in Wirklichkeit nur durch die gesamte Wirtschaftslage im Rejche bedingt ist. Die voraussichtliche Gestaltung der Dinge und die daraus sich ergebenden Aufgaben erfordern aber, daß nicht nur die am 17. November Erwählten sich nach ihrer Mandats- iibernahme um die möglichst beste Lösung der Fragen sorgen und mühen, auch die Wahlberechtigten selbst müssen sich schon vor der Wahl über die Lage klar werden und sich genau überlegen, in wessen Hand sie mit ihrer Stimmabgabe die Entscheidung über die öffentlichen Angelegenheiten in den nächsten vier Jahren legen. Wie bei allen Wahlen der Nachkriegszeit, so sind auch diesmal wieder die politischen Parteien in Stadt und Land mit ihren Listen aufmarschiert. Zu den alten und großen Parteien sind neue und kleine Gruppierungen teils politischen, teils konfessionellen Gepräges hinzugetreten. Daneben stehen Organisationen, die die wirtschaftlichen Gesichtspunkte bei den Kommunalwahlen ganz besonders in den Vordergrund stellen. Die Wahlberechtigten haben also — leider! — eine sehr reichhaltige Auswahl, und für manchen wird es heißen: „Wer die Wahl hat, hat die Qual." Dadurch sollte sich aber niemand abhalten lassen, von seinem staatsbürgerlichen Mitbestimmungsrecht Gebrauch zu machen. Es hätte gewiß keinen Zweck, wenn ein Wahlberechtigter mit dem bekannten Wort: „Die Politik gehört nicht in das Rathaus" still für sich protestierend beiseite bleiben würde. Auch wenn jemand dieser oder jener Name auf einer ihm sonst zusagenden Liste, ober wenn ihm die Reihenfolge der Kandidaten nicht gefällt, sollte er nicht verstimmt von der Wahlurne wegbleiben. Wenn man auch bei jedem der Kandidaten hohen Persönlichkeitswert und gutes sachliches Können als selbstverständliche Voraussetzung für die Mandatsausübung verlangen muß, so ist doch zu sagen, daß es bei der heutigen listenmäßigen Bindung — die man an sich ja bedauern kann, wenn man sich an die frühere unmittelbare Persönlichkeitswahl erinnert — weniger auf den einzelnen, als auf den Gefamt-Qualitätsgebalt einer liftenmäßigen Gruppie- rung ankommt. Diese Ueberlegungen und die daraus zu ziehenden Folgerungen mögen sich alle unzufriedenen Wähler und Wählerinnen während der kommenden letzten Woche vor der Wahl ernstlich durch den Kopf gehen lassen! * Der verflossene P r o v i n z i a l t a g hat unter der Leitung seines Vorsitzenden, Provinzialdirektor G r a e f, während der letzten Jah-e gute Arbeit geleistet. Im Haushalt wurde nach Möglichkeit gespart, wenn sich schließlich auch nicht alle Hoffnungen und Wünsche unter dem Druck der Verhältnisse erfüllen ließen. Sehr anerkennenswerte Ergebnisse wurden auf dem Gebiete des Straßenbaues erzielt. Wer sich der Verhältnisse auf unseren oberhessischen Landstraßen vor einigen Jahren noch erinnert und damit den heutigen Zustand der b- und der meisten 8-Straßen (O-Straße d. h. Durch- gannsstraße, 8-Straße = Bezirksstraße) in Vergleich stellt, wird zugeben müssen, daß der abgetretene Pro- »inzialtag und die Provinzialverwaltung mit diesem Kapitel der mehrjährigen gemeinsamen Arbeit sich sehr wohl sehen lassen können. Die Betriebe der Provinz — Ueberlandwerk und Provinzial-Wasser- werk — wurden in pfleglicher Weise weiter entwickelt und, abgesehen von einer teilweisen Mißstimmung über die Neuordnung der Tarife des Ueberlandwerkes, zur Zufriedenheit der Bevölkerung geführt. Auf sozialem Gebiete wurde durch eine Erweiterung her Vravinualpflegeanstalt und' durch andere charitatioe Hilfeleistung Erfreuliches ge- |dju|ieru Bedauerlich ijt nur, daß die von dem verewigten Provinzialdirektor Matthias in den In- flationsjahren eingeleitete „G e m e i n w i r t f ch a ft 9berfjejfen" nicht in dem ursprünglich vorgesehenen Plane und Umfang weiter durchgeführt werden konnte, wofür jedoch nur die außerordentlich ungünstigen Zeitverhältnisse entscheidend gewesen sind. DerneueProvinzialtag wird sein vor- nehmlichstes Aufgabengebiet in der von feinem Vorgänger eingeschlagenen Richtung zu suchen haben. Bei der Fortführung desStraßenbaues wird er nach bester Möglichkeit auch für die Bezirks- straßen zu sorgen haben. Für die nächsten Jahre zeichnen sich ferner heute schon am Horizont der Elektrizitätswirtschaft in Oberhessen bedeutsame Umwälzungen ab, die den künftigen Provin. ziallag vor weittragende Beschlußfassungen stellen dürften: man denke nur an das Eindringen der Preußischen Elektrizitäts-A.-G. in das hiesige Gebiet denheit mit ihm herleiten. Nur deutsche Art vermag seine kämpferische Sehnsucht nach Vollendung zu stillen. Das Volk ist der fruchtbare Boc^n für die eigene seelische Vertiefung. Dazu kommt noch eine zweite Bindung, die schon Fichte immer wieder betonte: im Volke allein vermag der einzelne schon auf dieser Welt geistig sortzuleben und so die durch den Tod bedingte Begrenz heit seines Einzeldaseins zu überwinden. Achte begegnet hier — allerdings mit der naturgegebenen engeren Begrenzung auf das Volk — jenem grundlegenden Gedanken Dantes, daß ein einzelner die sämtlichen Möglichkeiten der menschlichen Erkenntnisweise nicht aus- zuschöpsen vermöge. Der Endlichkeit des einzelnen steht die verhältnismäßige Unendlichkeit des Volkes gegenüber. Die beiden Fesseln fetten den neuen deutschen Menschen mit einer Innigkeit an sein Volk, welche das jetzt zu Ende gehende Zeitalter des selbstsüchtigen und Platten Rationalismus weit hinter sich läßt. Die religiöse Bindung und Verwurzelung im Volke ergänzen sich. Mann kann Gott nur erkennen, wie es die Seele des eigenen Volkes befiehlt, wie es der ererbte Geist ermöglicht. Man liebt sein Volk nur mit der richtigen Liebe, wenn man es als Werkzeug zu dem immer wieder begonnenen Versuche betrachtet, einen Schritt näher zum Reiche Gottes zu tun. uni) an deren Abschluß mit Frankfurt. Auch mit der Frage der Gasfernversorgung wird der neue Prooinzialtag sich wohl entscheidend zu befassen haben. Dazu kommen noch die Sorgen um die G e - staltung des Haushalts, ferner die Erfüllung der unabweisbaren Aufgaben der a l l g e m e i » nen Wirtschaftsförderung sowie der sozialen Fürsorge und deren Anpassung an die nicht allzu reichlich fließenden Einnahmequellen. Wie man sieht, eine Fülle großer und ernster Pflichten, zu deren gedeihlicher Erfüllung die fähigsten, weitblickendsten und entschlußkräftigsten Persönlichkeiten erforderlich sind. Daraufhin mögen sich die Wahlberechtigten die Wahlvorschlagslisten zum Provin- zialtag ansehenl * Die Kreistage haben nach dem Uebergang des Landstraßennetzes auf die Provinz einen wesentlich verengerten Aufgabenkreis. Das Schwergewicht ihrer Tätigkeit liegt jetzt in der Förderung der Wirtschaft aller Schattierungen und auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege. Daneben bestehen natürlich noch zahlreiche andere Aufgaben, wie Verkehrsförderung, Feuersicherheitsschutz, die allgemeine Verwaltungsarbeit ufw. Dem abgetretenen Gießener Kreistag kann man ebenfalls das Zeugnis ausstellen, daß er gute Arbeit im Interesse der Kreisaesamtheit gegiftet hat, und auch aus den anderen Kreisen der Provinz hört man im allgemeinen Zufriedenheit mit dem Wirken der bisherigen Kreistage. Im Hinblick auf die wesentlich schärfer gespannten Wirtschaftsverhältnisse der nächsten Jahre wird es auch bei der Stimmabgabe für die Kreistage Die Provinz Ober Hessen nennt ein Landstraßenneh von rund 2300 Kilometer ihr eigen. Davon entfallen rund 475 Kilometer auf O-Skraßen (Durchgangsstrahen) und rund 1825 Kilometer aus 8-Straßen (Bezirksstraßen). Letztere sind in zwei Klassen eingeteilt, wobei die Dezirksstraßen erster Ordnung die Reste der früheren Staatsstraßen, die keine O-Strahen geworden sind, darstellen, während die übrigen als Dezirksstraßen zweiter Ordnung gelten. Dor dem Uebergang der Landstraßen von den Kreisen auf die Provinzen am 1. April 1927 waren auf den Landstraßen in Oberhessen nur rund 40 Kilo meter Kleinpflaster vorhanden: davon waren vor dem Kriege aus- gesührk 15,8 Kilometer, im Jahre 1915 = 5,3 Kilometer, 1925 = 4,9 Kilometer und 1926 — 13,9 Kilometer. Alle übrigen Straßen waren damals gewalzt bzw. ausgebessert. Eln großzügiges Straßenbaupro gramm wurde bei der Uebertragung der Landstraßen an die Provinz am 1. April 1927 aufgestellt und bis jetzt nach den gegebenen Möglichkeiten durchgeführt. Zunächst kam es darauf an, aus wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Erwägungen heraus, im Hinblick auf die immer stärker steigende Automobilisierung des Verkehrs, die D- Strahen auszubauen, damit der Strom der Autoreisenden nicht um unsere Provinz herumgelenkt werde. Hinter dieser dringlichen Aufgabe mußten vorerst die 8-Straßen zurückstehen. 3n Betracht kommen zunächst folgende v-Ltraßen: 1. O-Ekratze Frankfurt—Gießen—Kassel; 2. O-Straße Gießen—Hungen—Ridda—Büdingen—Gelnhausen; 3. O-Stratze (West-Ost-Derbindung von Wetzlar her) Gießen—Grünberg—Ruppertenrod mit Gabelung über Ulrichstein—Rixfeld—Lauterbach —Fulda, bzw. Alsfeld—Hersseld. Diese O-Straßen als Hauptverkchrswege sind von 1927 bis jetzt bis auf kleinere Teilstrecken nahezu ausgebaut; zum Teil sind sie in Klein- Pflaster, Walz-Osphalt oder Beton hergestellt. Der Straßenzug Frankfurt—Gießen ist bis jetzt auf einige wenige Ortsdurchfahrten (z. D. Rieder-Weisel, Pohl-Göns, Kirch-Göns) und die freie Strecke von Lang-Göns bis Großen- Linden fertiggestellt. Die Ortsdurchfahrten in dem' südlichen Teile der Strecke sind meist gepflastert, nördlich von Butzbach sind sie meist noch zu befestigen. Das noch herzustcllende Stra- tzenstück Lang-Göns—Grotzen-Linden ist für 1930 für die Aufbringung von Walz-Asphalk vorgesehen. Rördlich Großen-Linden ist, bis auf die Ortsdurchfahrt Lollar, Kleinpflaster auf dieser Straße. Zwischen Lollar und Sichertshausen ist Oie sog. Tiefenbach zur Verminderung des Gefälles durch hohe Dammbauten umgestaltet wor- erforderlich fein, die bestqualifizierten Mandatsbewerber in diese Gremien zu entsenden. Wenn auch der Aufgabenkreis dieser Körperschaften viel enger geworden ist, so sind hier doch immer noch Entscheidungen von großer Tragweite zu treffen, bei denen das richtige Abmessen der Möglichkeiten und der Leistungsstärken keine leichte, beim Fehlgreifen sogar eine sehr folgenschwere Sache ist. « Der Gießener Stabtrat lenkt begreiflicherweise unsere ganz besondere Aufmerksamkeit auf sich. Eine eingehendere Würdigung der Tätigkeit der mit dem 31. Dezember d.J. scheidenden Körperschaft behalten wir uns noch vor, bis das Stadtparlament feine Arbeiten endgültig abgeschlossen hat. In diesem Zusammenhang feier einige Gedanken schon ausgesprochen. Zunächst möchten wir sagen, daß alle Skadthaussrattionen in Gemeinschaft mit der Verwaltung bestrebt waren, die städtischeWirt- schaft in soliden Dahnen zu halten. Ein erneuter Beweis für dieses anerkennenswerte vorsichtige Demühen ist die Tatsache, daß man angesichts der überaus schwierigen Geldmarktlage jetzt lieber zur Drosselung und teilweisen Stillegung der städtischen Bauten geschritten ist, als ohne die erforderliche Anleiheaufnahme ins Blaue hinein weiterzubauen. Freilich gehen dadurch manchen Unternehmungen Arbeits- und Derdienstmöglichkeiten einstweilen verloren. Das ist bedauerlich und auch über die Einzelfirmen und ihre Angehörigen hinaus verspürbar. Aber unbestreitbar richtig ist doch, daß die Gesunderhaltung der städtischen Wirtschaft in allererster Linie sichergestellt werden muh, nicht zuletzt im Interesse jedes einzelnen Bür- gers. Daß unser Gemeinwesen bei aller vorsichtigen Finanzgebahrung in den letzten Jahren sehr erfreuliche Fortschritte gemacht hat, ist un- Vevkennbar. Aus dem Gebiete des Wohnungsbaues, insbesondere bei der Schaffung von Kleinwohnungen, hat sich die Stadt eifrig betätigt, wobei erfreulicherweise auch nicht versäumt wurde, der privaten Bautätigkeit helfend beizustehen. Für die Verschönerung des Stadtbildes pnd die Verbesserung der Straßenverkehrsverhält- nisse wurde viel getan durch umfangreiche Straßenherstellungen und -Umbauten, zur Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege die neue Müllabfuhr, mit der gleichzeitig ein rationelles Arbeiten möglich ist, eingesührt, und auch der Pflege bzw. teilweisen Erweiterung unserer Anlagen gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Sehr große und unabweisbar notwendige Aufgaben, an die man über zwei Jahrzehnte nicht herangegangen war, wurden mit der Inangriffnahme der Schulhausbauten auf den Weg der Erfüllung gebracht. Menn es auch unter der neuesten Entwicklung auf dem Kapitalmarkt leider wohl noch einige Zeit dauern wird, bis diese Aufgabe endgültig erledigt ist, so wird dadurch das bedeutsame Verdienst des scheidenden Stadtrats um die durch einstimmigen Beschluß veranlaßte Ingangsetzung dieser Bauten nicht geschmälert werden. Für den Ausbau der städtischen Betriebe wurden die erforderlichen Mittel bereitgestellk, der Erschließung neuen Bauland es stimmte man zu. die Verkehrswerbung durch die Verwaltung selbst und durch die gemeinnützige und eifrige Arbeit des Verkehrs- Vereins wurde in ansehnlichem Maße unterstützt und bei der Verbesserung aller den. Wegen der zur Zeit noch im Gange befindlichen Dammsetzung konnte dieses Strahen- stück noch nicht fertiggestellt werden. Eine schmale Kleinpflasterstrecke mit 4 Meter Breite zwischen Rieder-Wöllstadt und Okarben soll jetzt noch auf 6 Meter verbreitert werden. Die Kosten gehen zu Lasten des Haushalts 1930. Dennoch kann man, wie schon oben gesagt, den Strahenzug Frankfurt—Gießen als im großen und ganzen ausgebaut ansehen. Die Landstraße F r a n k f u r t a. M. — Hom - bürg ist bis auf die Ortsdurchfahrt Ober- Eschbach gepflastert. Die O-Straßen Fried- berg—Homburg und Bad-Rauheim — Rieder-Mörlen — .Ufingen sind mit Oberflächenbehandlung (Chaussierung mit Kalt- Asphalt-Ueberzug) befestigt worden, e.enso die Strecke Klein-Linden—Dutenho en. Die O-Straße Gießen — Rodheim a. d. Bieber — Gladenbach wurde bis zur hessischen Landesgrenze mit Kleinpflaster versehen. Die O-Straße Friedberg—Hanau ist von Riederwöllstadt und Chausseehaus Ilbenstadt bis Ilbenstadt mit Walz-Asphalt belegt, ter übrige Teil dieser Straße muß noch ausgebaut werden. O-Straße Gießen—Gelnhausen. Ruf dieser Straße sind mit Kleinpflaster befestigt die Strecke zwischen Gießen und Steinbach, Or^durchfahrt Lich, vor Hungen, zwischen Inheiden und Grund-Schwalheim, zwischen Ridda und Ranstadt, zwischen Esfolderbacher Höhe und Selters und zwischen Büches bis hinter Don- hausen. Die Ortsdurchfahrt Hungen wurde in diesem Jahre mit Walz-Asphalt belegt, zwischen Bad Salzhausen und Ridda wurde die Straße mit Teermaladam versehen. Die übrigen Teile dieser Straße zwischen Steinbach und Inheiten sind mit Oberflächenbehandlung befestigt. Die restlichen Strecken zwischen Grund-Schwalheim und Salzhausen, Selters und Büches, Donhausen bis zur Landesgrenze sollen in den nächsten Jahren befestigt werden, womit dann auch diese Straße endgültig fertigeeftefit wäre. Desl-Osk-Derbindung Gießen—Alsfeld—Hersfeld bzw. Gießen—Ulrich, siein—Lauterbach—Fulda. Der größte Teil dieser Straßen hat Oberflächenüberzug mit Kaltafphalt erhalten. Die am stärksten belastete und meist im Walde gelegene Strecke Gießen-Reiskirchen ist bis zum Bahnübergang bei Kilometer 10 vor Reiskirchen mit Kleinpflaster und von da bis Reiskirchen mit Teermakadam befestigt worden. Hinter dem Romröder Wald bis Alsfeld bzw hinter Alsfeld bis Abzweig nach Eudorf ist Klein- Pflaster vorhanden, ebenso sind die stark befahrenen Ausfallstraßen der Stadt Lauterbach (nach Reu-Maar und nach Blitzenrod) mit Klein- Pflaster versehen. Die Strecken Engelrod—Hörgenau, sowie Lauterbach—Angersbach—Landesgrenze weisen Teertränkdecke (Chaussierung mit Teer-Einguß) auf. Der Herrichtung harren noch Derkehrsmittel bereitwillig geholfen. Daneben suchte man der Forderung nach Sparsamkeit im Haushalt so weit wie möglich zu entsprechen, wobei man natürlich im einzelnen nicht immer einer Meinung war. Das Vermögen der Stadt wurde pfleglich behandelt und bei dem Eingehen neuer Schuldverpflichtungen durch die Hereinnahme von Anleihen Dorsicht und Zurückhaltung beobachtet. Schon aus dieser Uebersicht in ganz großen Zügen — wichtigere Einzelheiten werden wir in unserer späteren Würdigung des gegenwärtigen Stadtparlaments noch näher beleuchten — geht hervor, dah in den letzten Jahren erfreuliche kommunalwirtschaftliche Arbeit geleistet wurde. Die Zustimmung zu dieser oder jener Dorlage mag ja nicht immer so populär gewesen sein, wie hier und da die Ablehnung. Aber die Kritik sollte doch nicht vergessen, daß für dis Jasager bei der Zustimmung zu manchen Dorlagen nicht zuletzt die Erwägung ausschlaggebend war, mit der Durchführung großer Projekte nicht nur sachlichen Rotwendigleiien gerechk zu werden, sondern auch Arbeits- und Verdien st möglichkeiten für Gewerbe und Handwerk, Industrie und Handel, Angestellte und Arbeiter zu schaffen. Im großen und ganzen gesehen kann man also dem jetzigen Stadtrat und der Verwaltung eine gute Rote für ihr Wirken in den letzten Jahren zuerkennen. D.n neuenStadkrat, der ton 1.Januar 1930 bis zum 31. Dezember 1933 amtieren wird, erwarten vier Jahre voll sorgenschwerer Arbeit und ernstester Entscheidungen. Reben dem lausenden kommunalpotitischen Kleinkram harren große Aufgaben der dringlichen Lösung. Zunächst die nächstjährige H a u s h a l t g e st a l - t u n g unter den voraussichtlich noch sehr viel schwierigeren Verhältnissen als heute. Dann die Beendigung der jetzt abgestoppten B a u p r o -- jette. Man wird im Interesse unserer Märkte endlich auch an das Diehhos Projekt Herangehen müssen. Im Jahre 1933 wird bei der Dertragsbcendigung mit der Kraftverkehrsgesellschaft „Hessen" die Straßenbahnfrage Gießen-Wieseck wieder akut werden, in Verbindung damit vielleicht aud) Eingemeindungsfragen. Don weiteren Zukunftsaufgaben unserer Kommunalpolitik erwähnen wir in Stichworten nur folgende: Gaswerkneubau oder Gasfernversorgung, Rathausneubau, Verlegung der vberhessischen Bahnstrecke aus dem Stadtbereich bis etwa auf die Linie von Leihgestern—Großen-Linden. Friedho'serwei- terung, Generalbebauungsplan und Stadterwei- terung, Lahnregulierung, Bahnho'sumbau, Ausgestaltung unserer Straßenbahn zur ileberlanb- oahn. Natürlich werden nicht alle diese Aufgaben in den nächsten vier Jahren zur Entscheidung heranreifen, vielleicht sogar nur die wenigsten. Aber man muß damit rechnen, daß die eine oder die andere Aufgabe doch schneller zur Bearbeitung und Entscheidung kommen wird, als man heute ahnt. Diese Möglichkeit und die ernsten Erfordernisse der Zukunft sollten die Wahlberechtigten bei ihrer Stimmabgabe am 17. November sich vergegenwärtigen, und mit diesem Maßstab sollten sie diejenigen hinsichtlich des Persönlichkeilswertes und der sachlichen Eignung messen, die' sie mit ihrem Vertrauen bei der Wahl der neuen Stadtratsmitglieder auszeichnen. die Strecken zwischen Schellnhausen—Romrod, Alsfeld—Reu-Maar und Hörgenau—Rixfeld. Die Zufahrt zum Voqeksbcra von Frankfurt a. M. her soll über di: vollständig mit Kleinpflaster oder Wcuz-Asphmt ausgebaute O°Straße Rieder-Wöllstadt—Assenheim— Ossenheimer Kreuz—Rieder-Florstadt - Staden- Ranstadt erfolgen. In Ranstadt gabelt sich derVer- kehr einerseits nach der bereits gepflasterten Straßenstrecke Ranstadt—Ridda (jetzt Ende der Pilaste- rung —Schotten — Poppenstruth — Engelrod — Rixfeld — Lauterbach, oder anderseits nach der Strecke Ranstadt — Selters — Orlenberg — Gedern — Hartmannshain — Herbstein — Rixfeld-Lauterbach. Hinter Ridda bis nach Ober- Schmitten ist die Straße mit einem Oberflächenüberzug versehen, Kleinpflaster liegt kurz vor Schotten und in der Ortsdurchfahrt Schotten. Bei Hartmannshain ist die Straße auf etwa 2 Kilometer gewalzt und geteert worden, zwischen Herbstein und Rixfeld liegt Teerüberzug. Die übrigen Teile dieser Vogelsbergstraßen besitzen noch keine moderne Straßenbesestigung, mit deren Herstellung im Laufe der nächsten Jahre wohl zu rechnen sein wird. Die O-Straße Friedberg — Wölfersheim — Berstadt, die über Hungen — Grünberg — Londorf nach Marburg führt, ist im vorigen und in diesem Jahre im Hinblick auf den starken Verkehr nach Wölfersheim zwischen Dorheim und Berstadt te:ls mit Kleinpflaster, teils mit Walz-Asphalt neuzeitlich befestigt worden. Der Ausbau der vom Verkehr weniger belasteten Strecke Hungen— Ronnenroth — Grünberg — Londorf muß noch einige Zeit zurückgestellt werden. Buhbach—Ebcrsladl—Lich—Münster (kreuz). Diese vorn Verkehr stark belastete Bezirlsstraße erster Ordnung hat im vergangenen und in diesem Jahre eine gute Oberflächenteerung erhalten. Die Fortsetzung dieser Straße von Münster (Kreuz) über Laubach nach Schotten und anschließend nach Gedern, die einen beliebten Zufahrtsweg -um Vogelsberg bildet, kann erst in einigen Jahren neuzeitlich hergerichtet werden. Schliher Land. Im Schliher Land ist die Ortsdurchfahrt Schlitz und Anschluß nach Hutzdorf mit Kleinpflaster, die Strecke von Hutzdorf bis Queck mit Ober- slächenteerung befestigt worden. Die Strecke Lauterbach-Schlitz wurden mit Teerflickung ausgebessert. Alsfeld—Kirtorf. Mit dem Ausbau der Straße Alsfeld—Kirtorf-Kirchhain ist im Rechnungsjahr 1927/28 durch Pflasterung der Strecke Alsfeld—Leusel begonnen worden. DasKilometer-ErgebmSunddieKosten Auf die einzelnen Befestigungsarbeiten verteilt smd in der Provinz Oberhessen 6om L April 1927 bis jetzt ausgeführt worden: Bürger und Kommunalwahlen. Ergebnisse und Wünsche in Provinz und Kreisen. — Zwischenbilanz der Gießener Siadiraisarbeii. Der Straßenbau der Provinz Oberhessen. Gute Ergebnisse einer nahezu dreijährigen Bauzeit. - Oie Kapitalnot hemmt den weiteren Fortschritt im Fahre 1930. A schwere Decke«. I. Steinpflaster: Seit lieber gang der Landstraßen auf die Provinzen (1. April 1927): Rechnungsjahr 1927.28 — rd. 28,2 Kilometer = 1,8 Mill. Mk. Rechnungsjahr 1928,29 — rd. 28,7 Kilometer = 1,8 Mill. Mk. Rechnungsjahr 1929 30 — rd. 25,5 Kilometer = 1,3 Mill. Mk. II. DalzAsphalt (lopc(a): Rechnungsjahr 1927, 28 — 8 Kilometer = 535 0C0 Mk. Rechnungsjahr 1923/29 — 5 Kilometer = 224 OOO Mk. Rechnungsjahr 1929 30 — 11 Kilometer = 450 000 Mk. 3m Rechnungsjahre 1928/29 wurde die im Jahre vorher mit nur 5 Meter Breite ausgeführte Topeka-Slrecke Friedberg—Bad-Rauheim mit einem Kostenaufwand von 40 000 Mark auf 6 Meter verbreitert. III. Teermakadam: Rechnungsjahr 1928/29 = 1,8 km = 72 000 Mk. Rechnung jahr 1929/30 = 1.7 km =70 000 Mk. IV. Betonstraße (6 Meier Breite): 3m Rechnungsjahr 1929/30 auf der Strecke Friedberg Ober-Wöllstadt 1,2 km = 80 000 Mk. 152,6 km schwere Strastendecken. Dorn 1. April 1927 bis jetzt hat also die Pro- vinz Überreifen durch ihre Straßenbauverwal- tung 112,6 km schwere Straßendecken neu bauen lassen. Dazu kommen noch die 40 km Klein- Pflaster, die beim Uebergang der Landstraßen auf die Provinzen in Oberhessen schon vorhanden waren. Hiernach besitzt unsere Provinz gegenwärtig rund 152,6 km schwere Straßendecken = etwa ein Drittel des gesamten V-Straßen- netzes. B. Halbfchwere Decken. halblränkdecke: Rechnungsjahr 1928/29 - 8,0 km - 145 000 Mk. Rechnungsjahr 1929/30 - 1,6km - 45 000 Mk. C Leichte Decken. Oberflächenbehandlung: Rechnungsjahr 1927/28 - 63 km = 330 000 Mk. Rechnungsjahr 1928/29 - 52 km - 280 000 Mk. Rechnungsjahr 1929/30 - 10 km - 50 000 Mk. Die halbschweren und leichten Decken erforderten nach der ersten Behandlung im darauffolgenden Jahre eine Nachbehandlung durch Oberflächenteerung mit einem Kostenaufwand von etwa 4000 bis 5000 Mark je Kilometer. D. Walzungen. Rechnungsjahr 1927/28 - 33 km - 220000 Mk. Rechnungsjahr 1928/29 - 36 km - 290000 Mk. Rechnungsjahr 1929/30 - 26km - 216000 Mk. Der größte Teil dieser wassergeschlämmten Walzstrecken ist mit Oberflächenteerung neuzeitlich gegen zu rasche Zerstörung geschützt. Llrasten-Neu- und Umbauten. Strasten-Neubauten sollen nach Möglichkeit eingeschränkt und auf bessere Zeiten zurückacstellt werden, damit die vorhandenen Mittel zunächst dem dring- lichen Ausbau des vorhandenen Straßennetzes zugeführt werden können. Es konnten daher 1927/28 nur folgende Arbeiten ausgeführt werden: Umgehungsstraße bei Gedern mit einem Kostenaufwand von 77 000 Mark, Straßenumbau in derTiefenbach bei Lollar zur Verbesserung der Steigungsoer- hältnisse: Kosten rund 50 000 Mark, Strahenregulierung bei Kloppen- heim: Kosten rund 11 000 Mark. Brückenneubauten in 1928/29 bei Großen- Buseck (Kosten 20 000 Mark), Wetterbrücke bei Ossenheim (36 000 Mark): im Jahre 1929'30 die Brücke über die Horloff in Echzell (16 000 Mark). Tie Finanzierung. Abgesehen von den Walzungen, deren Kosten aus laufenden Mitteln bestritten wurden, sind sämtliche Strastenbauten durch die Erträgnisse der Kraftfahrzeug st euer und durch Anleihen finanziert worden. 3n den vorstehenden Darlegungen tritt eine außerordentlich große Leistung der Provinz Oberhessen, der Provinzialverwaltung und insbesondere des Provinzial-Tiefbauamts als Ausführungsbehörde zutage. Dieses Wirken zum Besten unserer Provinz und ihrer Entwicklung verdient allgemein volle Anerkennung. Trübe Aussichten für den Weiterbau. Wie wir auf Anfrage an zuständiger Stelle der Provinz erfahren, sind die Aussichten für die Fortführung des Straßen- bauprogramms im nächsten 3ahre wenig erfreulich. Bei der außerordentlich schwierigen Lage des Kapitalmarktes ist die Aufnahme weiterer Anleihen bis auf weiteres nicht möglich. Eine Erhöhung der Provinzi al steuern kommt unter keinen älm ständen in Betracht. Bei dieser Sachlage ist für das nächste 3ahr nur mit dem Auskommen aus der Kraftfahrzeug st euer zu rechnen, das für Oberhessen auf etwa 1,2 Mill. Mark geschäht wird. Bon dieser Summe sind die Beträge für die Verzinsung und Tilgung der bisher zu Stratzenbauzwecken angenommenen Anleihen abzusehen. Der Rest ist zur normalen äln te rha l tung der Straßen etwa in der Höhe des 3ahres 1929 vorgesehen. Oberheffen. Konzert der Gängervereinigung Lollar. Q] Lollar. Die S ä n g e r oe re i n i a u n g Lollar veranstaltete am Sonntag einen öffentlichen Konzertabend unter Hinzuziehung des Musikkorps des 1. (Hess.) Batl. Jns.-Rgt. 15 aus Gießen. Die Darbietungen der Militärkapelle standen auch diesmal auf der bisherigen rühmlichst bekannten Höhe. Schon zu Anfang des Konzertes wurden die Zuhörer durch die Exaktheit und forin- vollendete Wiedergabe der beiden Märsche „Die Welt ist so schön" von Jünger und „Heil Europa" von Blon zu stürmischem Beifall hingerissen. Es war, als ob die Zuhörer durch ihre große Aufnahme- freude bekunden wollten, wie sehr sich die Landbevölkerung mit unserem Jnf.-Rgt. 15 verbunden suhlt. Wiederholungen und Einlagen wurden den hierfür dankbaren Zuhörern von der Kapelle bereitwillig geboten. Don den gesanglichen Darbietungen verdienen besonders die Volkslieder bzw. volkstümlichen Lieder — hervorgehoben zu werden. Lieder wie „Abschied", „Glückliche Lieb", „Ich habe den Frühling gesehen" und der heitere Chor „Zum Wanderwr hinaus" stellten sogleich und ungezwungen die angestrebte Verbindung zwischen Sängern und Zuhörern her. Weiter sind besonders zu vermerken die Wiedergabe des l)errlichcn Beetho- venwerkes „Die Ehre Gottes in der Natur" und die Komposition „Liebesklage" von Naumann. Die „Nordische Heerfahrt" von Kern, in der Dolkssage wurzelnd, gelang recht gut, ebenso das lustige, an die Sprechiertigkeit der Sänger hohe Anforderung stellende „Pappelmäulchen" von Wohlgemuth. Als Gesamteindruck ist zu vermerken, daß die Sängervereinigung ihre Aufgabe der Pflege des deulsä>en Liedes ernst nimmt und durch dieses Konzert, nicht zuletzt durch die vorzügliche Mitwirkung der Mili- tärkapelle mit ihnen ausgezeichneten Solisten einen sehr guten Eindruck bei den Besuchern hinterließ. Bei sämtlichen Gesangsvorträgen kamen sowohl die süß einschmeichelnden Laute in Piano, wie auch die mächtigen Forte und Fortissimo-Stellen in formvollendet schöner Weise zu Gehör, wie überhaupt gute Tenöre und Bässe, sowie sichere Mittelstimmen für einen ausgeglichenen Klang sorgen. Die Sänger- Vereinigung verfügt zweifellos über eines der besten Sängermaterials. Der Besuch des Konzertes war äußerst stark, der geräumige Saalbau „Zur Linde" bis auf den letzten Platz besetzt. Landkreis Gicf;en. OO Klein-Linden, 6. Noo. Das Ergebnis einer Haussammlung innerhalb unseres Dorfes zum Besten des Verbandes für deutsche Jugendherbergen betrug 40 Mark, die nach Abzug der Unkosten der Zentralstelle für Volksbildung und Jugendpflege in Darmstadt übersandt wurden. Els Personen bzw. Körperschaften unseres Dorfes sind der Ortsgruppe Gießen bei dem Gau Main-Lahn-Fulda des deutschen Jugendherbergsverbandes angegliedert. n. Ruttershausen, 8. Nov. In unserer kleinen Gemeinde wurden drei Wahl Vorschläge zur Gemeinderatswahl ringe- reicht, und zwar vom Bauernbund, der Sozialdemokratischen Partei, und von überparteiischer Seite, der alle Berufskreise angehören. Letztere beiden Listen sind miteinander verbunden. -f- Grünberg, 8. Rov. Während im allgemeinen bei den Kommunal-, Kreis- und Provinzialtagswahlen in den Dörfern und Landstädtchen meistens keine Wahlversammlungen stattfinden, kann man diesmal hier eine Ausnahme verzeichnen. Am Sonntag veranstaltete die sozialdemokratische Partei im „Rappen" eine Wahlversammlung und hatte sich als Redner den Landtagspräsidenten Bürgermeister Delp (Darmstadt) verschrieben. Am Mittwoch sprach in einer von der Deutschen Volkspartei abgehaltenen Versammlung im „Hirsch" der Landtagsabgeordnete Bürgermeister Dr. Riepoth von Schlitz. Don den fünf eingereichten WahIVorschlägen zur Gemeinderatswahl stehen in Listenverbindung: Beamtenliste mit der sozialdemokratischen Dolksliste, ferner die Liste des Landbundes mit der Aste der Milt.'lstandSver- einigung. Die fünfte Liste mit dem Spitzenkandidaten Fabrikant Karl Repp steht in keiner Listenverbindung. T Aus der nördlichen Wetterau, 8. Rov. Für F e t t s ch w e i n e werden gegenwärtig von Händlern und Metzgern pro Pfund Lebendgewicht 86 bis 89 Pfennig bezahlt. Die hohen Preise find chedingt durch die im letzten Frühjahr außerordentlich hohen Ferkclprcise und nicht zuletzt durch den Umstand, daß infolge dieser hohen Ferkelpreise weniger Ferkel eingelegt wurden und mithin Fcttschweine zur Zeit rar sind. Kreis Büdingen. ch Ortenberg, 8. Nov. Auf einer in der Gemarkung von Ortenberg abgehaltcnen Treibjagd wurden zwei Reh:, 8 Hasen und ein Fasan geschossen. Auf der im Anschluß daran abgchal- tenen Treibjagd in Wippenbach waren neun Hasen und ein Reh das Ergebnis. Der geringe Abschuß an Rehen erklärt sich daraus, daß wertere Stücke nicht erlegt werden sollten. Der Bestand an Hasen ist im Vergleich zu sonstigen Revieren auch in benachbarten Gemarkungen außerordentlich gering. Der Bestand an Fasanen hat sich infolge der ihnen allenthalben gewährten Schonung erfreulicherweise günstig entwickelt. ow. Ober-Widdersheim, 8. Noo. Zur Wahl des G e m e i n d e r a t s ist hier nur e i n Wahlvorschlag eingereicht worden. Da er erst einen Tag nach dem für die Einreichung festgesetzten Termin eingereicht wurde, ist er nach dem Wahlgesetz ungültig. Es verbleiben deshalb die b i o h e r i - gen Gemeinderäte in ihrem Amte, bis das Kreisamt Büdingen anderweitig verfügt. Kreis Schotten. § Stumpertenrod, 7. Nov. Am Neforma- tionssest wurde unser neuer Geistlicher, Pfarrer Geißler, durch Dekan Dr. Unverzagt von Alsfeld in feierlichem Gottesdienst in sein A m t eingeführt. Die ganze Gemeinde nahm hieran lebhaften Anteil, unser schönes, ehrwürdiges Got- tesyaus war bis auf den letzten Platz besetzt. In einer zu Herzen gehenden Ansprack)e wies der Dekan den neuen Geistlichen in fein herrliches, aber auch verantwortungsvolles Amt ein. In packender Weife, die die Herzen bewegte, hielt dieser hieraus seine Antrittspredigt über Römer 3,28. Lieder des Gemischten Chores, unter Leitung von Lehrer C u n z sehr ansprechend vorgctragcn, verschönten die Feier, die bei allen Gottesdienstbesuchern einen ungemein tiefen Eindruck hinterließ. In Köddingen mußte die Feier ohne Teilnahme des Dekans stattfinden. Hoffentlich kann Pfarrer Geißler, ebenso wie seine drei letzten Vorgänger, eine längere Reihe von Jahren in den beiden Gemeinden unseres Kirchspiels tätig sein. (Schluß des redaktionellen Teils.) (Eine Errungenschaft von eminenter Bedeutung bildet das Posterisan, welches sich die neuesten Forschungsergebnisse über die Ursachen der Hämorrhoi- dalerkrankungen zu eigen aemacht hat. Posterisan enthält Schutz- und Heilstoffe gegen die IDarmbatterien, die letzten Endes die Ursache für die äußerst schmerzhaften und quälenden Hämorrhoidalentzün- bungen sind. Wer an Hämorrhoiden leidet, sollte nicht länger zögern und das spezifisch wirkende Posterisan anwenden, das in allen Apotheken erhältlich ist. 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November 1929 Besonders empfehlenswerte Parlophon-Platten: 9281L P. 9416 P. 12085 P. 12101 BERLIN SO 36 CARL LINDSTROM A Buchhandlung Dr. Meyer, Seltersweg 89 Larierhallen / Äulogaragen / Werkslälleo 9233D Sekretär Ritter gegen Ausweis. ter t>eu 2lfnUcn 37. 9245 V 07225 NWK Werkmeister Kraft, Gießen 3. „Der Autoschlosser“ Mittwoch, den 13. November 1929: 1. Herr Carl Röhr jun., Gießen 3. „Die Verkäuferin“ noch bekannt gegeben. Donnerstag, den 14. November 1929: 92i7D IIIIIIIIIIIIII!IIIIII!lIIIIIIII!IIIIII!!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIII!!IIll!IIII!!INIIIIIIIII!IIII!!!IIIIIII!IIIIII!!IIlI 92360 Blockstraße U.C Restaurant Wann« HaltbarKeit w 07246 07236 Fernsprecher 3659. 2303D nn.LIJj.IU Mb Jn allen y Preislagen Else Seipp Peter Dill NWK Woiie Lehrer Arnold und Frau Otty geb. Krebs Die Lindström-Aufnahmetedinik hat die C Obertöne naturgetreu auf der Parlophon- Platte festgehalten. So erklärt sich der klangvolle, bis ins Feinste nuancierte Ton. Musikapparate auch auf Teilzahlung. 2. „Die hauswirtschaftlichen Berufe" E. Weitzel, Rektorin der Mädchenfortbildungsschule, Gießen Hermans Schwarz, Hallenbad Vertr. Karl Peppler, Kleben, Harb. Str. 26, Tel. 2168 Gießen Ludwigstraße 28 Die Kinderpflegerin“ H. Burgheim, Leiterin des Fröbelseminars, Gießen Umberto Urbano La Gioconda — Andria Chcnler Barnabas v. Geczy vom Hotel Esplanade L'heure bleue — Tango della Pampa Mitja Nikisch mit Symphonlc-Jazz-Ordiester Hochzeit der Holzpuppen Anlenlhalls- und Bureaugebäude in zerlegbarer Holz-, Beton-oder Eisen- Belon-Ausliibrung Villmar Weilburger Straße 89 Wissen Sie, warum das Violin-a anders klingt als das Klavier-a ? Mitsdiwingende Oberlöne sind es, die jeder Stimme, jedem Instrument die charakteristische Klangfarbe verleihen. Samstag: Gesellschafts-Tanz (schwarz.Anzug) Sonntag: Nachm. Konzert, abds. Abend-Tanz rheinischer Art Punkt 11.11 Uhr: Der für Montag, den 11. November, angekündigte Vortrag: Seilkopf, „Weltfahrt des Graf Zeppelin“ muß wegen Erkrankung des Redners verlegt werden. Der neue Termin wird Bei Rückgratverkrümmung erziele aliinz. Erfolge olme Bernfsstörung. Höchste Auszeichnungen u. nolb. Medaillen. Schützen Sie sich vor meuerer Schädigung und früher Hnva- ltdiläi. Kostenlose Auskunft: F. Menzel, Frankfurt a. M.-Süd, Un- Feierliche Eröffnung C.-S. 1929/30 Verstärktes Orchester IW Humor 11 Darbietungen durch Mitglieder IW der Gießener Karneval -Gesellschaft! UIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH Das Arbeitsamt Gießen Abteilung Berufsberatung veranstaltet in der Woche vom 11. bis 16. November 1929 nachstehende berufs- kundliche Vortragsabende, wozu alle Schüler, Eltern und Interessenten freundlichst eingeladen sind. Der Eintritt zu allen Vorträgen ist frei! Sämtliche Vorträge finden in Gießen, um 7.30 Uhr, im Goethe- Schulhaus, Wesfanlage 43, statt. 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Horn, Gießen Billiges Obst Gepflücktes, haltbares Tafel- und WirtichastSobst unter Durchschnitisgröge au Mk. 7.50 ver Zentner ab hier ob« zugebcn. Bei grauerem Ankauf Biene nach Uebercinkunit. 9212D Tutenboscncr Qbstkultnrcn A. Pascoe Tutcnbofcn, ftv. Wetzlar. Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde Donnerstag, den 14. Nov. 1929, abends 87* Uhr, in der Neuen Universitäts-Aula Lichtbildervortrag Geh. Rat Prof. Dr. A. Penck-Berlin: „Das Coloradoplateau** Eintritt: Mitglieder frei, Nichtmitglieder Mk. 1.-, Studenten, Schüler und Militär 50 Pf. - Karten-Vorverkauf bei Dr. Töpelmann,Südanl.4p.und Abendkasse Vanille-Creme___________ Abends Schweineiendchen, garniert Heute abend: Stammessen, Mk. 1.— Sauerbraten mit Kartoffelklößen______ Mittagessen für Sonntag Mk. 1.20 Kraltbrühe mit Markklößchen Schweinebraten mit Rosenkohl und Kartoffel- Croquettes Montag, den 11. November, 8 Uhr Großes Schlachtfest Gießener Konzertverein Sonntag, 17. November 1929,17 Uhr, Universitätsgebäude Zweites Konzert Das Rose-Quartett aus Wien Streichquartette von Haydn, Lerchenquartett D-Dur — Mozart F-Dur (Köchel 590) - Beethoven, F-Dur op. 59 N.1 Eintrittskarten: 4, 3 und 2 RM. bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten 1 RM. bei Herrn Sämtliche Lindstrom-Fabrikate in reicher Auswahl bei: Volkshochschule. Dienstag, den 12., 19. und 26. November, 20 Uhr, Hörsaal 44, II. Stock rechts der Universität, findet eine Vortragsreihe über: KSchMeMrms statt. 9256D 1. Körperliche, besonders sportliche Höchstleistungen aus Grund von Untersuchungen bei den letzten olympischen Spielen. (Mit Lichfbidern und Aussprache) Pros. Dr. Huntemüller. 2. Sinn und Unsinn in der berus- lichen Höchstleistung. Fr. Martens, Letter der Äildungsab. teilung des Oeulschnationalen Hand» lungsgehilsenverbands Frankfurt a.M. 3. Höchstleistung des Menschen als Persönlichkeit. Professor Dr. Messer. Gebühr für die 3 Dorträge insgesamt: Mitglieder 1,20 ML, Nichtmitglieder 1,50 MU Vom kommenden Christentum Erster öffentlicher Vortrag von Pfarrer August Pauli-München: Das Abendmahl in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Montag, 11. November, 20.15 Uhr, Universität, Hörsaal 41. Zur Unkosten- deckg.Mk.1.-od.0.50;Studenten Mk.0.40 Bewegung f. relig. Erneuerung __Die Christengemeinschaft eee®®eeo®®®oe®6®®®®oe®e®o Montag, den 11. November 1929 Kaufm. Vereinshaus, abends 8 Uhr Herr Dr. med. Walter Malech, Gießen, spricht über: Die Teilung der Tuberkulose u. die Tuberkulosebehandlung nach Dr. Gerson ^l84 und Professor Gauerbruch. Oer Vortrag ist öffentlich. Nalurheilverein Gießen. — Grau- und K Qllf Weiß-Stück KM ■ von bester Quali- I uiUill* tät und größter ™ M > M Ergiebigkeit zu billigstemPreis C. Rübsamen, Gießen 1. „Der Werkzeugmacher" Betriebsleiter Ingenieur Triller, Heuchelheim 2. „Der Schmied"..... Schmiedemeister H. Haas, Annerod 3. „Der Elektriker“ ....Obermeister K. W. Schmidt, Gießen PARLOPHON hat die natürhdien Obertöne Parlophon-Musikapparate und -Platten werden bereitwilligst ohne Kaufverpflichtung in jedem guten Fachgeschäft vorgeführt. P. 9855/58 Bronislaw Hubermann Konzert für Violine mit Orchester (Tschaikowski, op. 35) P. 9359)60 Prof. Joseph Wolfsthal P. 9457,58 Konzert für Violine mit Orchester A-Dur (Mozart) P. 9456 Prof. Max v. Schillings Egmont-OuvertQre 1-7224 ffrrrrrrrrrrrrfrrn ess Sfernwolle rill' W frei meter man Cchwel Hänger aus. - stand Lpihe arbeit motor ihre E aus ß sindlich Wander eben m die Tat die ihrc neuen ■ bahn l weitere leihen, schissen sträng soll na Dies Lchlvek ders fr lichen ' aut eis« bestehet verbind Dahnsti Strang« Gittern rollen. Schnell man ®4'- Für unanc halb ‘ dem. durch die digleii n derartig« Dettacht- sassen m- von Hunl verlangt Gcschwim bringen. immer kos Interessci müssen & i-'° >Ä einem 0 «en die aus i besondere zielt toui yvtrai die 6 Densck «nzeln teilun Dens« Geschiß viellei. andere: -einen; geb bnTa d°dnrd s na sä S' M ? i 9281L Wittmar Würger Strafe 89 r angekommen! nold Otty geb. Krebs 'be° betannt >P . ne, FröbelstW’ tzs-r- bevftvatzelk Roötmber, abends 8 Llhr: Siadimission agmann, Kassel u. a. Dränier unt> Momationen !5 Mes beitragen, »rvo ilttotmnml GintviW 0it6e,,NN )29 1929: , Ha2$e, Bielen ‘riebsoberinäaphHorn'6in icr,,P,ö5^er^6ie8en flbCr 1929 ueuchelheim WSlB „essend1'' ratterein Uhr, Universitätsgebäude )nzert Qiartett ien LerchenquartettD-Dur- lethovenJ-Dur op.59 NJ - inkarten 1 »•'■ ggyo mt Gießen 6"n«wS"**J •“Sr beschrankte WegOberglng»« gekrOmmlen Zulehrtwege*. Blinksignal der AGA mit Acetylen-Gellempe fDr unbeschrankte WegOberginge (am, Fu6 dea Mastes 2 Gasflaschen). Bild 5. Es ist nicht alles gut, was aus Amerika kommt: Die Zugbrücke mit dem Wig-Wag-Siqnal bei der Besichtigung in Storkow bei Nacht (Bild 4). gebracht, die ungefähr 4400 Liter Gas fassen und für etwa drei Monate ausrelchen. Gesteuert werden die Blinklichter vom Zuge selbst, und zwar befinden sich rechts und links vom Hebergang je eine isolierte Schienenstrecke, indem die Schienen am Hebergang selbst und je nach der Zuggeschwindigkeit in einer Entfernung Blinksignal der VES mit elektrischer Laterne (Or unbeschrenlde WegOberginge. (In Zugleinen 50 weifte Blinke, bei Zvgenn*hervng 80 rote Blinke.) ist, die ja auch ... Balken sperrt, wenn ein Zug aus irgendeinem Grunde zum Halten gebracht werden soll. Die Eisenbahn wendet hierzu bekanntlich Signale an, und das möchte man nun an den Bahnübergängen auch so machen. Nachdem man schon an verschiedenen Privatbahnen Versuchsanlagen errichtet hct, hat man nun auch an der genannten Bahnstrecke Königswusterhausen—Storlow solche Signalanlagen an Bahnübergängen aufgestellt, und zwar in Verbindung mit dem bekannten, wie ein Malzeichen aussehenden Warnkreuz, das ja schon an vielen Bahnübergängen steht. Man hat unter dem Kreuz eine große quadratische schwarze Tafel mit einem selbstleuchtenden Rand ange- Wagen und an der Schranke. Durch den Unfall bleibt der Kraftwagen dann gewöhn.ich auf dem Gleis stehen, zumal er ja wegen der Schranke aus der anderen Seite nicht we terfahren kann, und wird dann vom Zuge ersaht. Die Gelehrten sind sich deshalb darüber einig, daß man in der Sicherung der Bahnübergänge denselben Weg gehen muh, den die Eisenbahn Betrieb schon lange gegangen Blinklicht statt Schranken! Vorschläge zur besseren Sicherung der Eisenbahnübergänge 23an Karl Ammon. Der größte Feind der Schiffahrt ist der Rebel. Sobald er einfällt, lassen die Schiffe ununterbrochen ihre Sirenen heulen. Auch unter dem. Wasser werden Schallsignale abgegeben. Trotzdem ist es nicht immer leicht, Zusammenstöße zu vermeiden. Besonders bei den durch die Luft gegebenen Signalen sind Gehörtäuschungen nicht ausgeschlossen. Ein neues Verfahren macht sie unmöglich und verhütet die durch das ständige Horchen leicht eintretende Ermüdung. Cs beruht darauf, dah die von den fremden Schiffen abgegebenen Schallsignale in Lichtsignale umgewandelt werden. Auf dem Schiff sind Mikrophone Eine Dampfturbine für 200 Atmosphären. Von Franz Neumann. Rachdruck verboten! Das Elektrizitätswerk Langerbrügge in Belgien arbeitet mit einer Hochdruckdampfanlage von 60 Atmosphären Heberdruck. Dies ist schon sehr viel. Das Großkraftwerk Klingenberg in Berlin, das auch schon mit hohem Dampfdruck arbeitet, erzeugt seinen Dampf z. B. mit einem Druck von 35 Atmosphären. Nun hat sich das Elektrizitätswerk Langerbrügge neuerdings entschlossen, mit seinem Dampfdruck noch höher zu gehen, nämlich auf 224,2 Atmosphären. Cs hat dazu bei den Siemens-Schuckert-Werken einen mit Steinkohlenstaub gefeuerten Bensonkessel bestellt, der im nächsten Jahre fertiggestellt wird. Es handelt sich dabei um eine Erfindung des Tschechen Mark B e n s o n, der in einem Dampfkessel Dampf bei der kritischen Temperatur von 374 Grad und dem kritischen Druck von 224,2 Atmosphären erzeugt. Dieses Verfahren hat vor der bisherigen Dampferzeugung bedeutende Vorteile. Wenn man nämlich ein Liter Wasser von 20 Grad Wärme auf 100 Grad erwärmt, so muß man hierzu 80 Kalorien zuführen. Um dieses Wasser dann in Dampf zu verwandeln, muh man weitere 540 Kalorien aufwenden, also sehr viel. Unter Atmosphärendruck siedet nun das Wasser bekanntlich bei 100 Grad Celsius, und hierauf beziehen sich die vorstehenden Zahlen. 3e höher jedoch der Druck ist, bei desto höherer Temperatur siedet das Wasser. Beim Druck von 224,2 Atmosphären geht es erst bei 374 Grad fast unmerklich in Dampf über, der sich im Aussehen von Wasser kaum unterscheidet, und zwar ohne Wärmezufuhr für die Verwandlung in Dampf und ohne die Erscheinungen, die man mit dem Ausdruck Sieden innen vollkommen eben. Die Ausstattung des Innern wird die bei Eisenbahnwagen übliche ein. Erfüllt die neue Strecke die in sie gesetzten Hoffnungen, so erscheint es nicht ausgeschlossen, dah sich zu den auf der Erde gelegten Schienenträngen noch weitere hinzugesellen, die sich in der Luft dahinziehen. Es ist sehr wohl denkbar, dah dann vielleicht der Güterverkehr auf der Erde, der Personenverkehr aber durch die „Suft- chiffbahnen" stattfindet. Amerikanisches Wlg-Wag-Signal mit In War* Stellung pendelnder roter Lampe. Bild 4. Hebergang. so blinkt die Lampe rot, und zwar nun 80mal in der Minute, damit auch ein Farbenblinder die beiden Signale unterscheiden kann. .. .. ,, Wo elektrischer Strom zur Verfügung steht, wie z. B. in der Nähe vo.t Dörfern, wird das Blinllicht von einer elektrischen Glühlampe gegeben (Bild 2), und zwar wendet man in allen solchen Fällen eine Lampe für sehr niedrige Spannung an, da diese Lampen sehr dicke Glühfäden und infolgedessen eine fast unbegrenzte Lebensdauer haben: im vorliegenden Falle beträgt die Spannung nur 12 Do t. Eine Sarnm- lerbattcrie speist das Blinklicht, wenn derStcom im Netz ausbleibt, und reicht ungefähr für drei Tage aus. Steht kein eie irischer Strom zur Verfügung, so wird das Blinklicht durch eine Azetysengaslampe (Bild 3) erzeugt. Am tfuft des Signals sind zwei Azetylengas «laschen unterbezeichnet, also insbesondere ohne Bildung von Dampfblasen im Wasser. Dies hat den grohen Vorteil, dah das Wasser immer in enger Berührung mit den Kesselwänden steht und so die Wärme aus dem Kesselfeuer leichter aufnimmt, als wenn sich zwischen Kesselwand und Wasser Dampfschichten befinden, die ja, wie wir vom Leidenfrostschen Tropfen her wissen, die Wärme sehr schlecht leitet. Der Leidenfrostsche Tropfen ist der Wassertropfen, der, ohne zu verdampfen, über eine glühende Herdplatte rollt, weil die dabei unter dem Tropfen entstehende Dampfschicht durch ihre schlechte Wärmeleitung das weitere Verdampfen des Tropfens verhindert. Bei der Anlage in Langerbrügge wird nun der Dampf bei seinem Austritt aus dem Kessel auf 200 Atmosphären Hebert) rud entspannt und — damit sich hierbei und bei seiner weiteren Entspannung, während er Arbeit leistet, kein Wasser niederschlägt — auf 450 Grad überhitzt. So tritt er dann in eine Höchstdruckdampfturbine ein, in der er unter Arbeitsleistung auf etwa 60 Atmosphären ent'pannt wird. Nunmehr wird er wieder auf etwa 450 Grad überhitzt und so in die jetzt schon vorhandene Hochdruckanlage von 60 Atmosphären geleitet, wo er zum zweitenmal Arbeit leistet. Die Dampfturbine für 200 Atmosphären treibt einen Drehstromerzeuger an, der Strom in das Netz liefert. Außerdem treibt sie die Speisepumpe des Densonkessels an, deren Kraftbedarf natürlich verhältnismäßig hoch ist, da sie gegen einen Heberdruck von 224,2 Atmosphären arbeiten muh. Da dies auch dann der Fall ist, wenn der Kessel bei geringem Strombedarf nur wenig Dampf abgibt, so reicht dann die Kraft der Turbine nicht zum Pumpen aus. In diesem Falle und zur Inbetriebsetzung des Kessels läuft dann der Stromerzeuger als Motor und liefert so den Mehrbedarf der Kraft zum Antrieb der Pumpe, den die Turbine in diesen Fällen nicht leisten kann. Bis vor kurzem glaubte man, es werde nicht möglich sein, mit Dampfturbinen wesentlich über 100 Atmosphären hinauszugehen. In sehr kurzer Zeit hat man es nun aber gelernt, nahezu den vollen von einem Bensonkessel gelieferten Dampfdruck in einer Turbine auszunuhen. Dies ist von sehr großer wirtschaftlicher Bedeutung. Wenn die Anlage in Langerbrügge so arbeitet, wie man erwarten darf, so wird sie zweifellos ein Vorbild für viele ähnliche Anlagen werden. Bezüglich der Energieversorgung stützt sich Diplom-Ingenieur zur Nedden auf einen Vortrag des Generaldirektors der Niederösterreichischen Eiektrizitätswirtschasts-Altiengesellscha t, Ingenieur F. Drock, den dieser beim 80. Jahrestage der Gründung des Oesterreichischen Ingenieur- und Archiiekkenvereins am 16. Dezember 1928 gehalten hat. Brock nimmt an. daß sich m>n öein jetzigen jährlichen Energieverbrauch von 790 Milliarden Kilowattstunden in den 250 Jahren der Verbrauch der jetzt 540 Kilowattstunden betragenden mechanischen Energie auf das Eineinhalb- fache und der jetzt 250 Kilowattstunden betragende Verbrauch elektrischer Energie auf das Dreifache steigern werde. Hieraus schließt er, daß der Weltvorrat an abbaufähiger Kohle nach Ablauf der 250 Jahre erst zu ein Siebentel verbraucht sein wird, und daß bann gleichbleibend 12 600 Milliarden Kilowattstunden jährlich — davon 7000 Milliarden Kilowattstunden Elektrizität- erforderlich sind. Hiervon würden die Wasser- Iräfte etwa 13 v. H. erzeugen können. Zur Deckung des Restes würde der Kohlenvorrat der Erde von dem Zeitpunkt an, wo die Zahl der Menschen gleich bleibt, noch 700 Jahre ^Nach diesen Betrachtungen ist die Ernährungsfrage zunächst wichtiger als die Energieversor- qungsfrage, da eben eine Vermehrung der Men- schen über die Zahl von acht bis neun Milliarden durch die Hnmöglichkeit der Ernährung aus der zur Verfügung stehenden Anbaufläche begrenzt ist. Es ist aber wahrscheinlich, daß die Chemie Mittel und Wege finden wird, die Emahrungs- grenze nach oben zu verschieben, womit sie ja mit der Gewinnung von Stickstoff aus der Luft bereits begonnen hat. Es liegt also so, miß man mit Hilfe der Energieausnuhung die Ernährungsfrage meistem wird. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen daß in der in Frage stehenden Zeit von 2o0 Jahren noch Energiequellen erschlossen werden, an die wir heute noch nicht denken oder die wir wenigstens noch nicht ausnuhen können. Heber eine davon sprach auch Brock, indem er ausführte daß nach der Erschöpfung der Kohle die jährlich erforderlichen 12 600 Milliarden Kilowattstunden aus Sonnenenergie gewonnen teerten könnten, toenn man nur wenig mehr als em Tausendstel der Erdoberfläche zum Emfangen der Sonnenstrahlung einrichtete. Mit den der Technik zur Zeit zur Verfügung stehenten Mitteln ist diese Ausgabe allerdings noch mcht aufgestellt, die den Schall aufnehmen. Er beeinflußt den elektrischen Stromkreis, in den das Mikrophon eingeschaltet ist, derart, daß dadurch Heine Lichtsignale aufflammen, die genau die Richtung erkennen lassen, aus der der Sirenenton kam. Die Lichtsignale befinden sich auf einem Schirm, der vor den Augen des Steuermannes angebracht ist. Wo immer ein Schiss seine Sirene ertönen läßt, da flammt in der genauen Richtung gegen diese Sirene auf dem eigenen Schiff ein Licht auf. Eine Marke läßt die Richtung des Kurses erkennen, den dieses steuert. Der Steuermann muß also so steuern, daß diese Marke nicht in die Nähe eines der auf dem Schirm sich zeigenden Lichter kommt. Die Einrichtung ist so fein, daß sie auch sehr schwache Töne, die der Steuermann vielleicht üxrjören würde, aufnimmt und kenntlich macht. Es läßt sich auch ersehen, wie weit die Schisse entfernt sind, die die Signale aussenden, ob sie sich nähern oder entfernen, welchen Kurs sie fahren und welche Geschwindigkeit sie haben. Bei den bisherigen Erprobungen hat sich dieses Signalsystem vorzüglich bewährt. Grenzen der Menschenvermehrung. Don Max Fischer. Nachdruck verboten! Vom 16. bis 25. Juni 1930 findet in Berlin die Zweite Weltkrasttagung statt, nachdem die erste im Jahre 1924 in London getagt hatte. Seck dieser ersten Tagung haben Leütagungen im Jahre 1926 in Basel, im Jahre 1928 in Lon don und im Jahre 1929 in Barcelona und Tokio stattgefunden, die sich mit Sonderfragen beschäftigten. , , Auf der Weltkraftkvnferenz sprechen die hervorragendsten Fachleute der ganzen Welt über die Energieversorgung durch Erzeugung, Verteilung von Krast und Wärme zum Nutzen der Menschen. Diese Verhandlungen sind für das Geschick der Menschen und ihr Wohlergehen vielleicht wichtiger als die großen politischen Tagungen. Sie unterscheiden sich von diesen vorteilhaft dadurch, dah sie das Wohl der gesamten Menschheit zu fördern streben, nicht nur das einzelner Volker und Gruppen auf Kosten der anderen. Die ungeheure Zahl der Vorträge auf der Tagung selbst macht es unmöglich, dem einzelnen während der Tagung einen Begriff davon Xu geben, welche Fragen dort behandelt und einer Lösung zugesührt oder nahergebr^ht wer- den. Es erscheint daher zweckmäßig schon vor der Tagung Einzelfragen zu behandeln^ so daß dadurch ein Bild von den Zielen und dem Nutzen der Weltkrasttagung entsteht. Eine dieser Fragen schneidet Diplom-Ingenieur zur Nedden m den Vvl-Nachrichten, den Mitteilungen des Vereins Deutscher Ingenieure, an. nämlich die, ob die Grenze der Menschern- Vermehrung durch die Nahrungsmittel- oder durch die Energieversorgung gesteckt wird. Zur Beantwortung der Frage, wie viele Menschen die Anbaufläche der Erde ernähren kann fuhrt er eine Arbeit an. die Professor Albrecht P e n d am 10. Juli 1924 der Preußischen Akademie der Wis senschasten vorgelegt hat. Die Bevölkerung der Erde beträgt heute 1,8 Milliarden ONenschen, ihr jährlicher Zuwachs hat in den letzten fünfzig Jahren etwas über 0,5 v. H. betragen; rn z50 Jahren ist daher mit einer Zahl von acht bis neun Milliarden Menschen zu rechnen, ^as ist aber die Zahl, die nach den Hntersuchungen Pencks gerade eben noch ernährt werden tann. bracht (Bild 2 und Bild 3). Durch die Mitte dieser Tafel leuchtet ein Blinklicht das mit einer Schute nach oben abgeblendet ist, so dah man es wie die Tage.lichtUgnale der Eisenbahn selbst beim hellsten Sonnenschein gut sicht. Dieses Blinllicht blinkt bei Tage und bei Nacht ungefähr 50mal in der Minute weiß, solange Gefahr besteht; nähert sich ein Zug dem lösbar. Die Naturerkenntnis und die Technik haben aber in den letzten hundert Jahren und besonders in den letzten fünfzig Jahren so ungeheure Fortschritte gemacht, daß wir wohl vertrauensvoll in die Zukunft blicken können und erwarten dürfen, es werde auch unseren Hr- enkeln weder an Nahrungsmitteln noch an der erforderlichen Versorgung mit Energie fehlen. Zur Förderung der Losung dieser Aufgaben werden die Weltkrafttagungen wesentlich beitrogen. Der Allgemeine Deutsche Automobil lub hak e dieser Tage Vertreter der Reichs-, St iats- und Gemeindebehörden sowie der Tages- und Fachpresse zu einer Besichtigungsfahrt an die Bahnlinie Königswusterhaufen—Storlow eingeladen, an der ungefähr 200 Gäste teilnahmen. Diese Bahnlinie wird von der besonders im Sommer stark befahrenen Landstraße Berlin—Schar- mühelsee mehrfach überschritten. Heue Verkehrsmöglichkeiieu. Don Or. Franz Kittler. Schnelligkeitsrelorde sind etwas Schönes, aber man muß sich hüten, falsche Schlüsse aus ihnen zu ziehen. Wenn wir lesen, daß dieses oder jenes Flugzeug oder irgendein Auto Hunderte von Kilometer in der Stunde zurückgelegt hat, so müssen wir nicht etwa glauben, dah wir nun bald selbst mit ähnlichen Geschwindigkeiten von einem Ort zum andern kommen werden. Bei diesen Ersolgen handelt es sich um Einzelfälle, die auf Rennbahnen oder durch Anwendung einer besonderen Bauart und besonderer Baustoffe erhielt wurden. Niemals kommen sie auch nur im Entferntesten für den allgemeinen Verkehr in Betracht. Was mit einem einzigen oder zwei Insassen möglich ist, läßt sich bei der Beförderung von Hunderten nicht durchführen. Anderseits aber verlangt auch der Massenverkehr heute größere Geschwindigkeiten. Immer mehr Menschen ver- bringen einen Teil ihres Lebens in der Dahn, immer kostbarer wird die Zeit, immer größer der Interesfcnkreis des Einzelnen. Hinter diesem Bedürsnis nach erhöhter Schnelligkeit sind die Eisenbahnen zurückgeblieben. Auch durch die Elektrisierung läßt sich ihre Geschwindigkeit nicht mehr sehr erheblich steigern. Eine derartige Steigerung erweist sich aber für dieses hauptsächlichste Massenbeförderungsmittel unbedingt als nötig. Ein ganz neuartiger Gedanke erscheint geeignet, sie zu erreichen. Er wird jetzt eben in der Nähe von Glasgow probeweise in die Tat umgeseht. Hier entsteht eine Bahnstrecke die ihresgleichen in der Welt nicht hat. Bei der neuen Anlage handelt es sich darum, der Eisenbahn die Geschwindigkeit und noch eine Reihe weiterer Eigenschaften des Luftschiffes zu verleihen. Die Wagen, die hier fahren, sotten Luftschiffen gleichen und sotten doch an einen Schienenstrang gebunden sein. Auch die Fortbewegung sott nach Art des Luftschiffes erfolgen. Diese Forderungen lassen sich nur durch eine Schwebebahn erfüllen, die aber doch wieder anders durchgcbildet werden muß als die gewöhnlichen Bahnen dieser Art. Die Dahn wird sich au» eisernen Trägern dahinziehen. Diese Träger bestehen aus zwei seitlichen Stützen und dem sie verbindenden Mittelstück. Am Mittelstück ist die Bahnstrecke befestigt, die sich in Form eines Stranges aus Eisengitterwerk dahinzieht. Das Gitterwerk trägt die Schiene, auf der die Räder rollen. Die Räder sitzen auf dem Deck der Wagen. Dis hierher finden wir ziemliche Ueber- einstimmung mit den gebräuchlichen Systemen der Schwebebahnen. Die von den Rädern herab- hängenden Wagen zeigen jedoch eine besondere Form. Der Wagenkörper hak die Gestalt eines Rohrs. Vorn und hinten läuft er in eine Spitze aus. Durch diese Anordnung soll der Luftwiderstand möglichst verringert werden. An jeder Spitze sitzt eine Luftschraube. Beide Luftschrauben arbeiten gleichzeitig und werden von Elektromotoren angetrieben. Es ergibt sich also ein Luftschiff, das an Schienen hängt. Die Geschwindigkeit soll auf ungefähr 200 Kilometer in der Stunde gesteigert werden. Wenn man selbstverständlich die Strecken auch möglichst gerade bauen wird, so würde bei dieser Geschwindigkeit doch ein Schwanken der Wagen eintreten, sobald man sie frei in der Luft hängen liehe. Für die Fahrgäste würde sich die Reise sehr unangenehm gestalten. Deshalb zieht sich unter- halb des eigentlichen Schienenweges und unter dem Boden der Wagen noch eine Führungsschiene dahin, die die Fahrzeuge von unten stützt und das Schwanken verhütet. Die Wagen werden, um ihre Geschwindigkeit möglichst steigern zu können, aus Leichtmetall hergestellt. Die im Innern be- sindlichen Fahrgäste merken nur an den Seiten- wänden die Rundung. Fußboden und Decke sind Bei der Besieh- für ihren eigenen tigung handelte es sich um die Frage, ob die Eisenbahn zur Sicherung der Bahnübergänge bet den Schranken bleiben oder was an ihre Stelle treten sott. Es hat sich nämlich gezeigt, daß die Schranken, die ganz zweckmäßig waren, als die Straßen nur mit Pferdefuhrwerken befahren wurden, für den Krafiteagenverkehr geradezu eine Gefahr bedeuten, und daß fast ein Fünftel aller Hnfälle an Schranken durch Fehler in deren Bedienung eintreten. Eine Schranke ist ja für einen Kraftwagen kein Hindernis, sondern nur ein Signal. Wird sie von einem Kraftwagen überrannt, ehe der Zug kommt, fo_ entsteht ge- I wöhnlich allem dadurch ein Unfall für die Kraft- I toageninfaffen, abgesehen vom Sachschaden am \ „Hände hoch - Kriminalpolizei!" Was ich in IS jährigem Kampf gegen das internationale Verbrechertum erlebte. Von Kriminalkommissar Ernst Engelbrecht. Copyright by Greiner & Co., Berlin NW 6. VII. Oie „Aachtfeuche" und der „Kaiser von Marokko^. Die eleganteren Nachtlokale der Friedrichs- stadt hatten nicht nur unter den polizeilichen Aushebungen zu leiden, sondern waren auch dem verbrecherischen Treiben von Erpressern, die sich die Zwangslage der Wirte zunutze machten, ausgesetzt. Fünf oder sechs gewalttätige Gesellen erzwangen sich im Arbeitsanzag, ohne Kragen, Eingang in den Nachtbetrieb und erschien überraschend in der sonst hocheleganten Gesellschaft. Nach kurzer Musterung der erschrockenen Gäste nahmen sie am nächsten Tische Platz und riefen durch wuchtiges Aufschlagen mitgeführter groher Ziegelsteine die Bedienung heran. Bon den ängstlich herbe'.eilenden Kellnern forderten sie einige Flaschen guten Sekt und stellten auch nach der ihnen auf ausdrückliches Verlangen gereichten Speisekarte ein leckeres Menü zusammen. Dann beäugten sie ungeniert ihre Umgebung, und ihre provozierenden Blicke erregten natürlich heillosen Schrecken. Man denke sich auch, fünf oder sechs Riesen, der kleinste von ihnen 1,80 Meter groß, in wenig einwar''freier Kleidung, unter den eleganten Prassern, schmächtigen Lebemännern und ihren Damen. Die ängstlichsten der Gäste flüchteten schon aus dem Lokal. Bon der Ecke her spannt der Geschäftsführer mißtrauisch zu den Riesen herüber, denn das dies keine zahlenden Gäste sind, sondern Leute, die besondere Absichten im Schilde führen, leuchtet ihm ohne weiteres ein. Kurz entschlossen läßt er durch den Kellner einen von ihnen zu sich bitten und schlägt ihm vor, gegen guten Abstand sein Lokal möglichst schnell wieder zu verlassen. Als dieses „Trinkgeld" aber lächelnd abgewiesen wird, verdoppelt und verdreifacht er schnell sein Angebot und erreicht schließlich auch, daß die Gesellen wieder abziehen. Die wandern weiter in den nächsten Betrieb und treiben es in derselben Weise. Auch hier wird ihnen eine größere Summe Geld in die Hand gedrückt, und dann geht es in ein drittes oder viertes Lokal. Die „Nachtseuche" nennen die Lokalinhaber diese Erpresser, aber niemand wagt es, gegen sie die Hilfe der Polizei in Anspruch zu nehmen, denn jeder der Betriebe ist ja ein unerlaubtes Nachtlokal, auf die schlimmste Nepperei der Gäste zugeschnitten. Die Geschäftsinhaber sind in einer sehr uunangeneh- mcn Lage, auf der einen Seit« die dauernde Ausbeutung durch diese Erpresserbande und auf der andern Seite die Angst vor der Polizei, die durch die Aufhebung des Betriebes ihnen einen weit größeren Schaden zufügen würde. Zufälligerweise bekam die Kriminalpolizei von diesem Treiben aber dennoch Wind, und es gelang ihr bald, die verbrecherischen Gesellen größtenteils als altbekannte und besonders gefürchtete Berliner Gannoven festzustellen und fünf von ihnen in kürzester Zeit zu ermitteln. Nur der sechste fehlte und war auch nirgends aufzufinden. Schließlich erfuhr die Krinnralpolizei mehrere Wochen später, daß in der Edelschen Irrenanstalt in Charlottenburg ein Geisteskranker sitze der dort eines Tages als „Kaiser von Marollo" erschienen sei und Aufnahme gefordert habe. Das Interessanteste an diesem „hohen" Gaste sei gewesen, daß er, um seine kaiserliche Macht zu beweisen, die in der Anstalt üblichen Fenstergitter ohne weitere Anstrengung mit feinen Händen auseinandergebogen habe. Das konnte nur unser Freund sein, den wir suchten. Wir machten uns deshalb auf den Weg zur Edelschen Anstalt, um uns von seiner Identität zu überzeugen. „Kopf ab, ihr Hunde müßt sterben," das war die Begrüßung des „Kaisers von Marokko" gelegentlich der uns durch Bermittlung der Anstaltsleitung „gnädigst gewährten Audienz". Wir erkannten in ihm natürlich sofort unseren Freund und versuchten, ihn zum freiwilligen Mitgehen zu veranlassen. Er schien es einzusehen, daß ein Widerstand doch aussichtslos war, und folgte uns auch gutwillig zum Polizeipräsidium. Erst in der Autodrofchke, in der wir ihn ab» transporfierten, verlor er feine kaiserliche Würde und wollte sich totlachen über seine Streiche und Possen, mit denen er die Anstalt angeführt hatte. (Fortsetzung folgt.) von 250 bis 400 Meter rechts und links vom plebergang durch Holzlaschen vom weiterlaufen- den Gleis isoliert sind, lieber diese Schienrn- stücke fließt dauernd ein elektrischer ©txom aus einer Batterie, wodurch das Weiße Licht erscheint. Fährt nun ein von rechts kommender Zug auf diese Isolierstrecke, so schließen seine Räder und Achsen die beiden Schienen kurz, wodurch eine rote Blende im Innern des Gehäuses vorfällt und das Licht auf schnelleres Blinken umgeschaltet wird. Sobald der letzte Wogen die Isolierstrecke am Wegübergang überfahren hat, erscheint wieder das weiße Licht. Die Isolierstrecken werden also nur dann wirksam, wenn der Zug in der Richtung auf den D^nübergang zu fährt. Versagt dos Licht aus irgendeinem Grunde trotz aller Vorsichtsmaßregeln, so zeigt der selbstleuchtend« Rand der schwarzen Scheibe dem Kraftfahrer an, daß hier eigentlich eine Lampe leuchten müßte, daß er also doppelt vorsichtig sein muh. Im übrigen ist die Einrichtung so getroffen, daß beim Versagen von Einzelteilen, solange das Licht noch brennt, immer das rote Licht erscheint, so z. B., wenn der Gleisstrom etwa durch Beschädigung oder Erschöpfung der Batterie ausbleiben sollte. Wie man sich bei der Besichfigung überzeugen konnte, wirken die Signale sowohl bei Tage wie namentlich auch bei der Nacht ganz vorzüglich, und es wäre dringend zu wünschen, daß man sie allgemein einführen könnte. Freilich stehen dem vorläufig noch die außerordentlich hohen Kosten entgegen. Bei Gelegenheit der Besichtigung wurden noch zwei andere Warnsignale gezeigt, nämlich ein an einem Warnkreuz angebrachtes Warnschild mit der selbstleuchtenden Inschrift „Zug kommt" (Bild 1), das mit der Schranke verbunden ist und selbst tätig aufgezogen wird, wenn die Schranke geschlossen wird. Es soll an „beschrankten" Bahnübergängen aufgestellt werden, auf die die Straße im Bogen zuführt, so daß man die Schranke erst im letzten Augenblick sehen kann, während man das gelbe Schild „Zug kommt" schon von weitem erblickt. Das zweite Signal ist ein aus Amerika bezogenes Wig-Wag- Signal, das an einer Zugbrücke über einen Kanal in Storkow aufgestellt ist (Bild 4). In der Scheibe des Pendels sitzt eine rote Glühlampe. Wenn der Schlagbaum vor der zu öffnenden Zugbrücke geschlossen wird, so leuchtet die Lampe und pendelt hin und her. Das Signal entspricht nicht den deutschen Vorschriften, da es im Ruhezustand kein Licht gibt. Wir sahen es auf der Hinfahrt nach Storkow; als wir dann aber hingingen, um es eingehend zu besichtigen, blieb gerade in Storkow der elektrische Strom aus, und damit versagte auch das Signal in einem Augenblick, wo sein Arbeiten besonders wichtig gewesen wäre (Bild 5), da es keine Sammlerbatterie hat wie die Blinklichtsignale. Die vom Allgemeinen Deutschen Auto- mobilllub an der Bahn aufgestellten Signale hätten in diesem Falle nicht versagt. Es ist eben nicht alles gut, was aus Amerika kommt. Wohl alle Teilnehmer an der Besichtigung hatten den Eindruck, daß mit den Signalen an den Wegübergängen etwas Borbildliches geschaffen worden ist, das geeignet ist, zahlreiche Unfälle zu vermeiden. Wie freilich die Kosten aufgebracht werden sollen, das ist eine andere Frage; aber darüber werde ich mir die Köpf« 1 d«r Leute nicht zerbrechen, die diese Frage beantworten müssen. Ihre Lösung scheint mir unter dem Versailler Friedensvertrag bedeutend schwieriger zu sein, als die technische Lösung der Aufgabe. Preußen. Kreis Marburg. 4 Marburg, 6. Noo. Heut« abend verunglückte bei dem benachbarten Wittelsberg mit einem Motorrad der aus Holzhausen (Kr. Kirchhain) gebürtige Maler Karl Battenfeld. In dem Augenblick, als er den unübersichtlichen Bahnübergang überqueren wollte, fuhr di« Kreisbahn über die Straße. Battenfeld rannte wider die Lokomotive, wurde eine Strecke mitgeschleift und blieb tot auf der Stelle liegen. Das Motorrad ging in Trümmer. Um den Verunglückten trauern seine junge Frau und sein Kind. Kreis Biedenkopf (D Hartenrod, 8. Nov. Auf der hiesigen Schwerspatgrube verunglückte der Arbeiter Albert I n t e r t h a l beim Bedienen der Kreissäge so schwer, daß ihm nach seiner Ueberfüh- rung in die Gießener Klinik zwei Finger der rechten Hand amputiert werden mußten. — Zur Gemeindewahl sind hier elf L i st e n eingegangen, ein bißchen viel im Vergleich zu unserer Nachbargemeinde Schlierbach, die eine Liste aufgebracht hat. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 10. Nov., von 20 bis nach 22.30 llfjr: Maschinist Hopkins. Montag, 11., von 20 bis 22.30: Schwanda der Dudelsackpfeifer. Dienstag, 12., von 20 bis 22.30 Fra Diavolo. Mittwoch, 13., von 19.30 bis 21.30: 2. Opernhaus-Konzert. Donnerstag, 14., von 20 bis nach 22.30: Maschinist Hopkins. Freitag, 15., von 20 bis 22.30. Fra Diavolo. Samstag, Schauspielhaus. Sonntag, 10. Nov., von 15 bis nach 17.15 älhr: Das Gerücht; von 20 bis nach 22.15: Chankali. Montag, 11., von 20 bis gegen 23: Die andere Seite. Dienstag, 12., von 20 bis nach 22: Brülle China. Mittwoch. 13., von 20 bis nach 22: Brülle China. Donnerstag, 14., von 20 bis nach 22.15: Cyankali. Freitag, 15., von 20 bis nach 22: Brülle China. • Nundfunkprogramm. Sonntag, 10. November. 7: Don Hamburg: Hafenkonzert. 8.15 bis 9.15: Morgenfeier, veranstaltet von der Evangelischen Gemeinschaft (Freikirche), Frankfurt a. M. 10.30: Stunde der Iugendbewegung: „Der Iugendtag in Schwalenberg", Dortrag von Rektor K. Wehr- han. 11: Elternstunde: Erziehung und Bildung: „Kind und Arbeit", Dortrag von Mittelfchul- lehrer Lorenz Knierim. 12: Stunde des Chorgesangs: Konzert des Männergesangvereins Gu- stavsburg. 13.10: Don Kassel: Llebertragung aus der Gmäldegaleri«: Rokoko-Maler vor dem Mikrophon. 14: Stunde der Iugend: „Bunter Nachmittag". 15: Stunde des Landes: 1. „Was geht in der Welt vor und was geht es mich an?", eine Betrachtung von Dr. Herbert Kranz, Frankfurt a. M. 2. „Der Hof Zwiefalten im Vogelsberg, einst Iagdschloß, jetzt Mustergut", einleitender Vortrag von Lehrer Sauer in Ober-LaiS. Ein Gang mit dem Mikrophon durch den Hof Zwiefalten und Bericht über di« Hochzüchtung d«S Rindviehs, von Landwirt Fischer auf Zwiefalten. 16.30: Nach Köln: Konzert des Rundfunkorchesters. 18: Stund« des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Szenen aus dem Volks- theater von Karl Malß". 18.45: Sportnachrichten. 19.15: Don Stuttgart: Theodor Däubler liest aus eigenen Werken. 20: Wogelaweia: Kabarett- Abend. 22.30: Tanzmusik. TUonlag, 11. November. 12.15: Schallplattenkonzert: G. Verdi. 15.15 bis 15.45: Stund« der Iugend: „Durchs Lander Amalekiter", Vortrag nach eigenen Erlebnissen von Karl Hilberger. — Für Kinder vom 12. Iahre ab. 16: Hausfrauen-Rachmittag, veranstaltet vom Frankfurter Hausfrauenverein. 17: Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen- Nassau und Waldeck: „Wie schütze ich mein Kind vor den Gefahren des Winters?", Vortrag von Frau Dr. Käthe Neumark. 17.30: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18: „Von deutscher Redekunst (III.)“, Vortrag von Oberstudien- rat Dr. Binder. 18.20: Englische Literaturproben. 18.35: Englischer Sprachunterricht. 19: Gespräch zwischen Walter v. Molo und älniversitätslektor Roedemeyer. 19.30: Konzert von Rex Pose auf Hawai-Gitarre. 20: Aus dem Frankfurter Opcrn- haus: Schwa nda, der Dudelsackpfeifer. Bolksoper in zwei Akten von Minos Kares. 22.30: Bon Kassel: Gesangs-Konzert: In der Musik durch Italien, Ungarn, Rumänien. 23.30: Tanzmusik. 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Die Handwerkskammer-Nebenstelle Sitz Gießen beabsichtigt gegen Ende November 1929 in Gießen einen Buchführungskursus nach dem System des Betriebsförderungsinstituts des Handwerks zu beginnen. Die Beteiligung ist allen Handwerkern und deren Angehörigen im Stadtbezirk Gießen und näherer Umgebung gestattet und beträgt die Gebühr bei mindestens 25 Teilnehmern am Kursus RM. 10. - pro Teilnehmer. Bei geringerer Teilnehmerzahl erhöht sich die Gebühr entsprechend. Der Kursus soll nach Ueber- einkunft mit den Teilnehmern Samstags nachmittags oder Sonntags oder werktags abends stattfinden. Anmeldungen an die Handwerkskammer-Nebenstelle Gießen, Kirchstraße 16 pt. bis spätestens zum 20. November 1929. Handwerkskammer-Nebenstelle Sitz Gießen Becker, Vorsitzender. Röhr, Syndikus. S24ia M.55 Ernst Machnow, 6r08tM Fahrradliatu DenisdUindi! Ueber 1 M 1 I 8 I O H ^undenV Weihnächte- ICC Seiten ccnnAbbildungen Katalog JUJ stark in.UJUU gratis n. trk. derselbe enthält alles was Sie brauchen. Niklausmarkt am 13. Nov. 1929 zu Aliendorf a. d. Lumda Vieh- und Krämermarkt Rindvieh-, Schal- u. Schweinemarkt 1. Es dürfen nur Tiere aufgetrieben werden aus den Beständen der Kreise Gießen, Alsfeld und Marburg. Aus dem Kreise Marburg nur dann, wenn eine Beseh« ini- fung des Landratsamtes Marburg vorliegt, daß die in rage kommenden Orte des Kreises Marburg seuchenlrei sind. Durch Ursprungszeugnis, auf denen die Ortspollzei- behörden ausdrücklich bestätigen, daß die Tiere aus der Zucht desjenigen stammen, der die Tiere zum Markt bringt, ist die Herkunft der Tiere nachzuweisen. uz248 2. Der Auftrieb darf nur von 9 bis 91/, Uhr stattfinden. Veranstaltungen: Gewerbeschau im Gasthaus zum Bahnhof vom 10. bis 17. November. Zum Markttag: Zirkus, Tanzvergnügen und vieles andere. Hessische Bürgermeisterei. Rein. Stück ihr Wert ist bedeutend höher Co-Reuter Seltersweg 73 9265A Zephir-Hemden Popeline-Hemden durch besonders vorteilhafte Preisberechnung erhalten Sie aus nur besten Qualitäten und eigener Anfertigung Beachten Sie bitte meine Schaufenster I Sonder Angebot! 7V79V flUKrampflahmej^ ■LCDl=ÄI Kvocheukaukheiten AliiuLJ verhütet sicher „Cftenfan" • Stark vitaminhaltige Vtrh-Smolsioa au6 geprüftem Lorfchlebertran! • Wirkt verblüffend schnell • Seine Rümmerlinge wehr • Erstaunliche Aredlnft und Schnellwüchsigkeit e Glänzend bewährt bet« Grffügel — viele Winter« eter • Unseren „Ratgeber" mit ocujettlichen ?,öl« terungS.Anwrisongea erhalten Sie gratis in unseren «teberlagen oder direkt von M. 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Lndustriezw Daimler ci 5 Mk. sch Kur-üsturzc- 11 Mk. eir Gewinne i 25 Prozen leum 7 P etwas lebh Lage unv Dagesgelö rung mit 8 bifenmai Der Dollar fom $r Die weiter Mrkten, her lchwankungen machte an i Mit wenig 3utü(f6G| ^sohtätigkc W« Grenz s% i! weu -ib.'öi.’s 7, . witicn . HZ ML r n 1^' Nr. 264 viertes Blatt Samstag, 9. November 1929 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen) Wirtschaft ’fsweg 28 Berlin Saturn 9 9. II. • Devisenmarkt Berlin — Frankfurt 89,75 8 November 9 November 65,75 97,5 105,75 104,5 156,25 i 155,25 100 128,5 16’/, io 106,75 59,5 64,75 74,5 50 104,5 19,9 163 342 46,5 282,5 219 141.5 206,5 200 144 96.5 171,25 42,6 47,75 172 20,25 76 160 341 66.75 75 116,25 89,75 4,164 58,23 111,60 20,34 16,415 168,21 21,84 111,60 58,54 2,455 111,92 80.79 58,61 12,33 72.86 21,65 19,5 21-3 1,95 15 12 16 14 13 y. 85.65 283.5 220 209.5 '201,5 145.5 97,13 171,25 43 255 47.75 65.75 100,25 133 129.25 137 121,5 211,5 59,5 119 100.25 115,75 96 106 254 106,4 1( io 8 tUmeri!anif(fie Noten . . . Belgische Noten ..... Dänische Noien ....... Englische Noien........ Hranzösische Noten....... Hollonvische Noten ...... Italienische Noten Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten....... Schwedische Noten Schwerer Noten........ Spanische Noien T'chechoslo.oakische Noten..... Ungarische Noten chung, »«£"bcabsid* $skursu$ emngsinsM des Hand. 99.6 130 128,5 136,25 121 99 119 99,5 115,75 97,75 105,75 251,25 105.4 und Polyphon verloren bis zu 3 v. Sy Deutsche Anleihen behauptet. Ausländer und Pfandbriefe gc- schäftslos. Liquidationspfandbriefe wieder etwas fester. Der Geldmarkt war unverändert. Tagesgeld wurde mit 6,5 bis 8,5 v. H., Monatsgeld mit 8,5 bis 10 d. Sy und Warenwechsel mit zirka 7,40 v. H. notiert. Nach den ersten Kursen blieb die Stimmung weiter unsicher, und leichte Ansätze zu Erholungen wurden durch die Geschäftslosigkeit immer wieder erstickt. Neubesitzanlcihe hatten vorübergehend etwas mehr Geschäft und konnten bis 9,75 o. Sy anziehen. 7,75 7,8 9,15 14,6 7,3 120,5 222 | 155,51 26 3 2 21,6 19.5 2 /, 75 7,75 7.75 9,1 4,45 7,25 1.9 7.85 344 46,5| 49.5 | 4 . 50 | 105 ! 111 । 121.75 | 104 । 222 । Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • Das Amtsverkündigungsblatt Ar. 82 vom 8. Aovcmber enthält: Bekämpfung der Tuberkulose. — Ausstellung von Wander- gcwcrbescheinen. — Tewerbelegitimationskarten. — Einstellung von Holzhauern. — Das Ergebnis der Hauptlörung. — Die Wahl der Vertreter der Aerzte und Krankenkassen. — Dienstnachrichten. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. 2n der Berichtswoche bot die Börse ein allgemein freundlicheres Bild. Die Dis- tontscnkungen in allen Ländern und die kräftige Erholung der Aeuyorker Börse machten einen guten Eindruck. Bor allem wurden die Diskontsenkungen viel erörtert; denn man erwartet hiervon ausgehend eine allgemeine internationale Geldmarktverflüssigung, und knüpft die Hoffnung daran, daß hierdurch das Börsengeschäft mit der Zeit wieder ein gesundes Aussehen annehmen dürfte. Das Geschäft war aber nicht wesentlich groß, da die katholischen Feiertage, sowie der Ausfall der Aeuyorker Börse für einige Tage als geschäftshindernd empfunden wurde. Der Ordermangel hielt weiter an, so dah die Spekulation auf sich selbst angewiesen war, aber auch nur geringe Unternehmungslust zeigte. Aach Erledigung der wenig vorhandenen Aufträge stagnierte das Geschäft zeitweise fast vollkommen. Sonstige Anregungen waren in der Hauptsache nicht weiter vorhanden, von denen die interessierten Börsenkreise einen Ansporn hätten erhalten können. 3m Gegenteil trat das in Erwartung stehende Endergebnis des Volksbegehrens als älnsicherheitsfaktor im Hintergründe, und die Tendenz der Börse wurde, hcrvorgerufen hierdurch, im Laufe der Woche unsicherer, ohne daß sich jedoch größere Verluste ergeben hätten, da das Angebot nie dringend wurde. Die Stimmung an der Börse hatte hierunter verhältnismäßig wenig zu leiden, da man damit rechnete, daß, wenn die erforderlichen 10 Prozent der wahlberechtigten Stimmen erreicht würden, es doch noch ein sehr weiter Weg bis zum Volksentscheid sei, wodurch erst die Angelegenheit zum Gesetz wird. Die Börse war daraufhin be^zu nehmendem Vertrauen eher fester, unter Bevorzugung von Elektro- akticn, die trotz kleinem Geschäft teilweise, ganz erheblich anziehen konnten. Rur in Kunstseide- werten kam in Aku-Aktien beträchtliches Material heraus, und hier ergab sich im Laufe der Woche ein Verlust von 41 Prozent,' hervor- gerufen durch die schwachen Börsentage in Amsterdam und die größeren Abgaben von dieser Seite. Gegen Ende der Woche war die Stimmung lustlos, da ein neuer Kurseinbruch an der Aeuyorker Börse eine Verschärfung der Lage herbeiführte. Aber erstaunlicherweise wurde der Frankfurter Markt, sowie die übrigen deutschen Börsen hiervor nur ganz wenig berührt. Cs traten vereinzelt sogar noch kleine Besserungen ein. Die zunehmende Arbeitslosigkeit im Reiche machte wenig Eindruck, doch war die Spekulation so reserviert, daß sich das Geschäft in den denkbar engsten Grenzen bewegte, zumal der Auftragsmangel anhielt. Günstig ausgenommen wurde dagegen das große Interesse von amerikanischer Seite für deutsche Motors unter Führung von B. M. W. Autowerte waren daraufhin lebhafter gehandelt und fielen aus den Rahmen der Allgemeinverfassung, da noch hinzukam. daß durch älebernahme des Schapiro- und Castiglioni--Paktes durch deutsche Banken dieser Industriezweig vom äußeren Druck befreit wurde. Daimler gewannen 10 Prozent. Chade lagen 5 Mk. schwächer, Svenska büßten infolge des Kurssturzes der Kreugcr-Aktien in Stockholm 11 Mk. ein. Sonst hielten sich die Verluste und Gewinne die Waage und gingen kaum über 25 Prozent hinaus. Aur noch Deutsche Linoleum 7 Prozent schwächer. Anleihen zeitweise etwas lebhafter, jedoch infolge der schwankenden Lage unverändert. Am Geldmarkt war Tagesgeld nach einer vorübergehenden Erleichterung mit 8 Prozent wieder gesuchter. Am Devisenmarkt war Spanien weiter abgeschwächt. Der Dollar lag leicht gebessert. Wochenbericht vom Frankfurter produktenmarkt. Die weiter unsichere Haltung an den Ausland- märften, hervorgerufen durch die starken Kursschwankungen an der Aeuyorker Effektenbörse, machte an den deutschen Produktenbörsen zunächst wenig Eindruck, doch war eine gewisse Zurückhaltung nicht zu verkennen. Die Umsatztätigkeit hielt sich nach wie vor in sehr engen Grenzen. 48 bis 52; Dullen a) 56 bis 59, b) 50 bis 55; I Kühe a) 47 bis 51, b) 43 bis 46. c) 36 bis 42, d) 28 bis 35; Färsen a) 57 bis 61, b) 53 bis 56, c) 48 bis 52; Kälber b) 81 bis 85, c) 76 bis 80, d) 68 bis 75; Schafe a) 44 bis 47, b) 40 bis 43, c) 30 bis 39; Schweine b) 84 bis 87, c) 85 bis 88, d) 85 bis 83, e) 80 bis 85. 3m Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche konnten Ochsen, Kühe, Färsen und Schweine bis 1 Mark anziehen, während Schafe bis 2 Mark nachgaben. Dullen und Kälber blieben behauptet. Wctemiflte Stahiw . . . Clan Mine» • - 1 fta weile -.’l dirtilpOeti . . . Ra. werke Lene-egeln • • • liauwei e SaUoet.urlh . 3. ® starven-tznomlNe . . . Tnnamlt Nobel Scheideanilast (rtolDirfimiot ...... Slütgerswerke ...... Metailae-eiüchatt ..... PHMpo Hm-,mann . . Leinen weck velvelberg . . . Lemennvcrl starlftao: . . . iBcgp « m Q m ■ Schultheis Payenhofer . . . Lstwerke......... Bei Gianzstost...... Samberg Bellitofi Kalbboi .... 8' Uiloit Aichajj.nburg . . üharioiienburger Waner . . Tenauer Was . . . HD..... Srnlfdic Linoleum . . . . Moichincnbau 31.-(3..... V( rm 1 Mi 0 1 . - tuoio vertu .. . . Na«, öluiomob'i...... Crcnitein 4 Koppel . . . . v onbnrv Tieg ...... Svenska . . ...... stranst. Maichinea Grinner......... Veuligenktaevl ...... Iungbano. Lechwerke. Mainttailwer!. Höchst a. M. Miag. . . ®ebr. Roeber . äoigt 4 £>aeffua..... Sllbv. Lucker....... Kurszettel der Berliner und Franksurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v. Sy, Lombardzinsfuß 8 p .Sy Amil.-Rou Bum. Aires Brn-Antw (£hriftiania Uop:nbnq:n Stockholm Helnngfors Italien . . London. . . Wcunort . . Paris... Schwei; . . Spanien . Japan - . • »io de st'an Wien inD Ceft. abflcit Prag . . . . Belirad - Budapest - Bul arien Lissabon Danna ■ • • Kann ntin. Alben. . . Canada Nrn nah - Cairo .. ■ Schuch । umaiifl. Rur I Rur-' Cer-e 11 5% Niimänikcke oerelnb Ren: von 1903 . . . - W-,u„ -i Ische nercinb Reine von 1913 i% Rumantiche veremh. J-en.e . ern und deren Angehörigen gestattet und 25 •eilnehmem am Kursus gererTeilnehmenahl erhöht r Kursus soll nach Geber- ags nachmittags oder Sonn- Jen. immer-Nebenstelle Gießen, um 20. November 1929. «■Nebenstelle 90 Röhr, Syndikus, g^iö Buveru.' Teutlche Gib 01 . . . Chlencr Steinkohle . . Gelsenkirchener . . . Harpener Loesch Eisen..... Ille Bergbau ... fllodiicriverte Küln-Neuesien 9,'lanneenian -Rühren ii’aiiricioci Bergbau . Cberidi'ci. linen-eoair C'uetidilei. STolzroerte. Phönix Bcrobau. . . iRbcmlidje Braunkohlen Rheinstahi ... giiebeck Moataa. . . Stück |!ab zulrledtct 81 UR Ronden dien «flfiAbbildangen m üJüllgralli o. Irk die» wu Sie bnacben Hb. letrtirtotrüiU i liimüiu ütoBaiuiii 1 13.Nov.1929 , d. Lumda mermarkt idiweinemarkt eben werden ans den Fe- Alsfeld und Harburg, dann, wenn eine Bescheim- -bars vorliegt daß die in ’.pjcpc Marburg seuchenirei 'Ändiortspollz^ igen, daß die Tiere aus de der die Tiere, zum Markt iere nachzuweisen ««« )ls 8'h Uhr stattfinden. Se«« Uche Bflrgermelaterel. Rein. vorteilha«=f,eisbe" „Sie ausnurb0sten eigene-Anlerti«""" • Deutsche Bank und Discontogc- s e l l s ch a f t. Auf Grund eines Prospektes lind 135 Mill. RM. neue, aus den Inhaber lautende Aktien der Deutschen Dank und Disconto- Gesellschaft zum Handel und zur Aotierung an der Berliner Börse zugelassen worden. 3n dem Prospekt wird mitgeteilt, daß die Kosten der Fusion aus dem äleberfchuß gedeckt werden, der sich durch den Niedergang der Vermögen der Rheinischen Creditbank und der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft auf die D. und D.-Bank gegenüber den bisherigen Einstandspreisen der Aktien dieser beiden Gesellschasten und dem Erwcrbspreise der für den Umtausch weiter be° nötigten D. und D.-Bank-Aktien ergibt. Der verbleibende äleberschuß wird als Agio dem Reservekonto der D. und D.-Dank mit mindestens 3,5 Mill. RM. überwiesen, so daß sich die Reserven auf 160 Mill. RM. erhöhen werden. • Rheinische Mctallwarcn- und Maschinenfabrik, Düsseldorf. Der Aufsichtsrat beschloß, der auf den 5. Dezember einzubcrufendcn G.-V. aus dem nach 2 428 851 (2 197 431) Mark Abschreibungen sich ergebenden Reingewinn von 1 808 407 (1 582 932) Mark die Verteilung einer Dividende von 7 Proz. (1927 28 6 Proz. auf 12 Mill. Mark A.-K.) vorzuschlagen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 9. Nov. Tendenz: lustlos und schwächer. — Im Vormittagsoerkehr hörte man noch gut behauptete Sturfe, aber Geschäft kam kaum zustande. Zum offiziellen Beginn der Wochenschlußbörse wirkten sich jedoch die Abschwächungen an der gestrigen Neuyorker Börse stark aus. Bei der herrschenden Lustlosigkeit und Aufnahmeunlust ergaben sich gegen gestern abend Rückgänge von 0,5 bis 3 d. Sy Kaufaufträge von irgendeiner Seite lagen nicht vor. Material kam nur in geringem Umfange an den Markt, doch war die Allgemeinlage ziemlich unsicher, die zu den erwähnten Abschlägen Anlaß bot. Hinsichtlich der Geldmarktlage war man auch heute nicht zufrieden. Man hatte erwartet, daß nach den Diskontsenkungen eine fühlbare Entspannung eintreten würde. Tagesgeld war gegen gestern eher noch gesuchter. Am Elektromarkt war das Geschäft äußerst bescheiden. Siemens verloren 3 v. Sy, AEG. 0,75 v.H., I.-G.-Farbcn eröffneten 2,90 v. Sy schwächer. Am Montanmarkt ergaben sich Abschläge bis zu 1,75 v. H. Banken zumeist knapp behauptet. Am Kunstseidenmarkt lagen Aku 1,5 v. Sy schwächer. Renten still. Ablösung für Neubesitz leicht erhöht. Im Ber- laufe waren die Kurse gegen den Anfang ganz unverändert. Die Tendenz blieb unsicher. ~.ne Belebung wär nicht zu verzeichnen. Das Geschäft schrumpfte immer mehr zusammen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8 v.H. unverändert. Am Devisenmarkt war die Lage nur unwesentlich verändert Man nannte Mark gegen Dollar 4,1797, gegen Pfund 20.3930. London gegen Kabel 4,8790, gegen Pa »ns 123,87, gegen Mailand 93,12, gegen Madrid 34,45, gegen Holland 12,0825. Berliner Börse. Berlin, 9. Nov. Man hatte im heutigen Bor- mittagsvcrkehr trotz des schwachen gestrigen Neuyorker Schlusses mit unveränderten Kursen gerechnet, da in erster Linie die große Rede Briands in der gestrigen Kammersitzung einen guten Eindruck machte. Zu Beginn der Sitzung überwogen dann aber doch die ungünstigen Momente, vor allem drückte die Geschäftslosigkeit. Orders lagen bei den Banken so gut wie gar nicht vor. Das Ausland hatte mit dem Moment nichts zu tun, und die Spekulation schritt zu den üblichen kleinen Wochenendglattstellungen. Etwas verstimmte wohl auch, daß bei der Favag die Entscheidung über das Zahlungsverbot gestern vertagt werden mußte. Auch sind die Schmierigkeiten bei der gestern bereits erwähnten Bankfirma anscheinend größer, als ursprünglich angenommen war. Im allgemeinen waren die Veränderungen gegen gestern minimal. Es überwogen zirka 1-v. H Rück- aänge, und nur einige Spezialmerte, wie Essener Steinkohlen. Rheinisclie Braunkohlen, Konti Gummi, Schuckert, Siemens, Dessauer Gas, Bemberg, Tietz 8. >1. -"TÖT 59.65 202.5 208,5 330 184 8- 11 —TÖT' 202.5 208.5 331 184.9 139 i 66,5 75 i 116 I 89 ! 119.5 86,25 I Weizen war in dieser Woche etwas vermehrt angeboten, und zwar zu höheren Preisen, die nur schlecht erzielbar waren. Cs kamen wieder nur für einige rheinische M lhlcn Umsätze zustande, bei leicht anziehenden Preisen. Das wieder ins Stocken geratene Mehlgeschäft ließ auch kaum Geschäft aufkommen. Das Interesse für Auslandweizen war weiter sehr gering, wozu die unsichere Haltung an den ileberfeemörlten wesentlich beigetragen haben dürfte. 3n Roggen hat sich das Angebot wieder vergrößert, was auf die Beendigung der Feldarbeiten, sowie auf den Geldbedarf der Landwirtschaft zurückzuführen sein dürfte. Auch das neuerdings schlechte Kleiegeschäft übte einen gewissen Einfluß auf die Haltung des Roggenmarktes aus. Das Mehl geschäft ist wieder ruhiger geworden, trotz der entgegenkommenden Haltung der Mühlen, und beschränkte sich nur auf Bedarfskäufe, wobei Weizenmehl mehr gefragt war. G e r st e war in allen Sorten weiter stark angeboten. Zu erheblich niedrigeren Preisen tarnen einige Umsätze zustande. Auch Hafer wurde von der unsicheren Haltung des Brotgetreidemarktes stärker in Mitleidenschaft gezogen, und nur zu ermäßigten Forderungen kamen kleine Bedarfsumfähe zur Ausführung. Mais im Einklang mit der schwachen Veranlagung des Futtermittelmarktes angeboten und niedriger. Weizen- und Roggenkleie war stark vernachlässigt im Zusammenhang mit dem matten Geschäft am Brotgetreidemarkt, wobei Weizenkleie besonders start im Angebot lag. Zum Wochenschluß war die Haltung ausgesprochen schwach. Die weiter flauen Uebersee- Meldungen übten jetzt doch einen größeren Einfluß aus, und die Preise gaben allgemein nach. Besonders gedrückt lagen Weizen, Roggen und Gerste. Die Preiseinbußen betrugen bis zu 0,75 Mart. Das Geschäft war nicht sonderlich groß, aber das Angebot ziemlich drängend. 3m Vergleich mit den Preisen der letzten Woche lagen Weizen, Roggen, Mais und Roggen- rnehl je 0,50 Mk., Hafer, Weizen- und Roggen- Hcie je 0,25 Mk. und Gerste 0,75 Mt. niedriger. Weizenmehl gab gegen den Montagsmarkt 0,25 Mark nach, war aber gegen die Vorwoche behauptet. Die Woche schloß zu folgenden Rotierungen: Weizen 25,10 bis 25,20 Mk., Roggen 18,50 (Brief), Gerste 19,75, Hafer 18,25 bis 18,50, Mais 18,75 bis 19, Weizenmehl (südd.) 37,75 bis 38,25, (niederrh.) 37,75 bis 38,25, Roggenmehl 26,75 bis 27,50, Weizenkleie 9,75, Roggen- tleie 10 Mk. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Die Stimmung am Frankfurter Schlachtvieh- martt tonnte sich in dieser Woche wieder etwas heben, und das Geschäft war wieder etwas lebhafter. Die wieder normale Beschickung des Schweinemarktes, sowie der anderen Märkte verhinderte ein weiteres Abgleiten der Schweine- Preise. Auf dem Rinder markt war der Auftrieb erheblich geringer, als in der Vorwoche. Die Rachfrage tonnte jedoch befriedigt werden. Die Exportbeteiligung war wieder recht start. Das angetriebene Vieh war nur von mittlerer Qualität. Bei mäßig regem Handel wurde nahezu ausvcrtauft. Die Preise tonnten leicht anziehen. Am Kälbermarkt war der Auftrieb gegen die Vorwoche volltommen unverändert. Rach regem Geschäft und unveränderten Preisen wurde der Markt geräumt. 3n Schafen war der Austrieb etwas stärker, verzeichnete jedoch reges Geschäft, bei allerdings etwas nachgebenden Preisen. Es wurde ausverkaust. Am Schweine- markt war die Beschickung, wie schon oben erwähnt, wieder normal, uni) das Gefchäft bewegte sich wieder in etwas lebhafteren Bahnen. Vereinzelte Gewichtsklassen konnten im Preise sogar etwas anziehen. Rach ruhigem Geschäft verblieb geringer Ileberstand. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1608 Rindern, darunter befanden sich 338 Ochsen, 60 Dullen. 625 Kühe und 432 Färsen, ferner aus 1328 Kälbern, 1050 Schafen und 5465 Schweinen. Verglichen mit dem Austrieb der letzten Woche waren 128 Schafe mehr angetrieben, dagegen standen 274 Rinder und 803 Schweine weniger zum Verkauf. Kälber hatten unveränderten Auftrieb. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen al) 57 bis 61, a2) 53 bis 56, dl) Ärief 4,184 58,47 112,04 20,42 16.475 168.89 21.92 112,04 ■58,73 2,475 112,36 81,11 58,88 12.39 73.16 a. m. Kunst und Wiftenschast. Professor Dr. Georg wolsf t- Frankfurt, 8. Rov. (211.) Hier starb im Alter von 85 3ahrcn Professor Dr. Georg Wolff. Wolsf, der früher Lehrer an einem Frankfurter Gymnasium war, widmete sich nach seiner Pensionierung ausschließlich der Archäologie und erwarb sich einen internationalen Ruf durch seine Arbeiten auf römisch-germanischem Gebiet. Seine Tätigkeit galt vor allem der Limesforschung und der Erkundung der früheren Römerstadt Rida bei Frankfurt. Er war Mitglied der römisch-germanischen Kommission dxs deutschen Archäologischen 3nstitutes in Frankfurt. Neues vom Insel-Verlag. „Bruder und Schwester", Leonhard Franks soeben erschienener neuer Roman, in dem das uralte Motiv der Liebe zwischen Bruder und Schwester zu einem kühnen Ende geführt wird, ist schon vor seinem Erscheinen in Deutschland von Amerika, England, Holland und Spanien erworben worden. 129 136.5 ' — 212 ! 99 100 116 Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 10. November. 24. Sonntag nach Trinitatis. Sladtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgcmeinde; Pfarrer Becker; 5: Pfarrer Mahr. — bohannestirche. 9.30: Pfarrer Ausfcld; 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfr. Ausfeld; 5: Pfr. Bechtolsheimer; 8: Bibelbespre- chung im Johannessaal: Pfarrer Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz. — Elisabeih-Kleinkinderschule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas; 6: Pfarrer Lic. Waas. — Konfirmandensaal (Liebig- straße 56). 2: Taubstummengottesdienst; Pfarrer Bechtolsheimer. — Klein-Linden. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kindergottesdienst. — Wieseck. 9: Beichte; 9.30: Predigtgottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls. — Allen-Vuseck. 9.30: Beichte; 10; 11: hl. Abendmahl; 1.30. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Feier des hl. Abendmahls für die Jugend von Lollar. — Hausen-Garbenleich. 10: Hausen; 1: Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 9: Beichte; 9.20: Predigtgottesdienst; im Anschluß Iugendabendmahl; Kollekte; 1.15: Christenlehre (Schlußfeier). — Cid). 10.30: Stiftsdechant Kahn; 12 45: Kindergottesdienst. — Rieder-Bessingen. 10.45: Pfarrer Köhler. katholische Gemeinden. Samstag, den 9. November. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag. 10. November. 25. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 16 30: Versammlung der Iungfrauen-Kongre- gation; 17: Christenlehre und Andacht — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — (jungen. 9.30: Hochamt mit Predigt. — Cid). 7.30: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Collar. 8.45: Messe mit Predigt. €onnt'Amer,la $ate: Hamb. Cüdam. Dampllch Hansa Tam fi-ljiff..... gZor66rundicr UlotjD . - 12111« TeuischeCrediiansb . • . >- IC . t 1' 109,25 3 119,5 108,75 104 109,25 151,5 104.5 119.65 120 108,75 104,75 119,5 120 Barmer Bankverein .... l' 120 BerUilcr Hanvelegcielljch. . - (Sommers- uns Prival-Ban! . 1. 1 166 165,75 187.25 166 185.5 165 Lärmst, u. Nalivnalbonl . J. 246 — 245.5 244 Dcul'kste Bani...... V 157,25 156,75 157 156 Lircanio-Gesellschasl, Anl. . 11 157-25 156.75 157 156 Drcsvner Bank...... 8leid)äban. 1 1 153 273 152,5 153 273,25 152,5 272 A.E.G....... Bergmann . . (Jiclit. LieferungSgelellsliiast "1 172 169 171,5 - 172 208.75 169-5 174 118.75 170,75 169,5 Licht uno Straft stellen & Guilleaume.... I 7 V, 174 118.5 — 118,75 Gei. f. Bleltt. Untern..... 1' 173,5 1 7d Hamb liier; .inerte .... 1 —— — 132,9 150 Sibein. mehr ...... 151 — 150-5 150 Echiei. Eie' ...... 1' — —— 164 162 Schocken & Go...... 11 193 191,25 193,5 191,25 Girmens & Schake..... IG 311,5 308,5 310,5 308 TranöraViv . . ...... . 8 — — Lahmeyer & Go....... 1(> 165 — 165 3ranlfurt a M Berlin ^chiust- min..£bl ili. 16..... '“n Br. VdnDcvVfanDbrtelanftalt, Pfandbriefe Si. 10 98 — 98 — 95 — 95 — 89 — 89 — »■> o'-.fi ^uunc;,i-£bliaQtwii । actabioar 1982 — - — — Amtliche Notietuna Äm.liche Notierung Geld 1 Brief Geld Brief 168.54 168-88 163.55 163,89 1.728 1,732 1,721 1.725 58,41 58 53 58.39 58,51 111,89 112.11 111,87 112.09 111,89 112,11 111,90 112,12 112,15 112-37 112,17 112,39 10.491 10.511 10.491 10,511 21.88 21.92 21,87 21,91 20,366 20,406 20,37 20,41 4,176 4.134 4,175 4.183 16.44 16.48 16.44 16.48 80,92 81.03 80,935 81,095 58,69 53,81 59.12 59.24 2.037 2,041 2,049 2,050 0.486 0,488 0.484 0,486 58,71 58,83 58.70 58,82 12.368 12.388 12,371 12,391 7.389 7,403 7,389 7.403 73.00 73,14 73.00 73,14 3,017 3.023 3,012 1,018 18,32 18.86 18.78 18,82 81.48 81.64 81.45 81.61 1,978 1,982 1.978 1.982 5,425 5,435 5,425 5,435 4.096 4,104 4.101 4,109 4,036 4.044 4,046 4.054 20,885 20,925 20.89 20.93 Total-Ausverkauf zu den staunend billigen Preisen bis 50? A. Holterhoff Söhne, Gießen W Seltersweg 20 9279A 2 Äfli 3. » 4. 5. 6. DerVc ^lbstimmungsbez. 1 im alten Rathaus, Marktpl. 14, Trauungssaal 7. 2 8. 9. JO. 6 11. 7 12. 8 13. 9 14. 15. 16. 17. 14 18. 15 92Ö3D 16 17 18 „3cn< Damen 8 Ta Mäntel 15 M Habe Pelzkragen 22.50, Gebr. Bär GIESSEN MarktstraBe 29 Telephon 4071 M226A io n 12 13 und mehr geht weiter 3 4 ö Englische Stoffarten, in modernen Formen, mit großen Redne Landta Stadtra Am Jeilzal 9. Wißner, Ludwig, Arbeiter 10. Volk, Karl, Arbeiter Wahlvorschlag Nr. 3. Kennwort: trumSPartci" Verwaltungs-Inspektor Karl Reih Stellvertreter: Eiscnb.-Obersekretär Hans Althaus Ockonom Heinrich Gottmann Stellvertreter: Lehrer August Wehrheim Kaufmann Ernst Krause Stellvertreter: Sattlermeister Christian Spies Hausverwalter Joh. Loh Stellvertreter: Verwaltungssekretär Friedrich Feyh Oberkasseninspektor Heinrich Freundlieb Stellvertreter: Architekt August Seuling Geschäftsführer Heinrich Weimer jun. Stellvertreter: Prokurist Friedrich Hirsch Studienrat Professor Otto Weißgerbcr Stellvertreter: Oberingenieur Adolf Kurz Kaufmann Ludwig Lembke Stellvertreter: Kaufmann Heinrich Wagener Stadtbau-Oberinspektor Heinrich Höhn Stellvertreter: Architekt Gustav Hamann Landgerichts-Registrator Ernst Rumpf Stellvertreter: Kaufmann Jakob Heilbronner Lehrer Heinrich Goerz Stellvertreter: Reallehrer Rudolf Paul Sekretär Joseph Maier Stellvertreter: Verw.-Obersekr. Albert Schneidmüller Schornsteinfegermeister Georg Keil Stellvertreter: Schneidermeister Heinrich Wagenbach Verwalter Wilhelm Riebel Stellvertreter: Geschäftsführer Heinrich Rau Wahlvorschlag Nr. 13. Kennwort: „Deut- schc Demokratische Partei und Boltsrccht- Partei" 1. Fischer, Martin, Stadtschulrat 2. Reiber Christian Rentner 3. Dr. Marx, Else geb. Plank, prakt.Aerzt. 4. Mayer, Leopold, Kaufmann 5. Spies, Christian, Sattlermeister 6. Hebermehl, Ludwig, Oberreallehrer 7. Heußcl, Dr. Georg, Studienrat 8. Mittermaier, Dr. Wolfgang, Geh. Ju- stizrat, Univ.-Professor 9. Fix, Berta, Musiklehrerin 10. Bepler, Franz, Bahnschlosser 11. Stieber, Karl, Kaufmann 12. Haubach, Georg, Schreinermeister Wahlvorschlag Nr. 14. Kennwort: „Tcntschc Volkspartei" 1. Horn, Wilhelm, Kaufmann 2. Schudt, Emma geb. Weiffenbach, Hausfrau 3. Appel, Richard, Oberreallehrer 4. Loebec, Wilhelm, Bäckermeister 5. Schneider, Ernst, Rechtsanwalt u. Not. 6. Wenzel, Fritz, Dreher i. R. 7. Schwieder, Theodor, Rentner 8. Hirsch. Friedrich, Prokurist 9. Krailing, Karl, Schlossermeister 10. Rumpf, Ernst, Landgerichtsregistrator 11. Winterhoff, Otto, Kaufmann 12. Hochstätter, Heinrich, Kaufmann 13. Ploch, Dr. Karl, Arzt 14. Gros, Franz, Amtsgerichtsrat 15. Birnbaum, Clara, Lehrerin 16. Pfeiffer, Ernst, Bauunternehmer 17. Lembke, Ludwig, Kaufmann 18. Will, Hermann, Steuersyndikus und beeidigter Bücherrevisor 19. Monnard, Dr. Heinrich Leopold, Ober- vcterinärrat 20. Müller, Dr. Christian, Studienrat 21. Riebel, Elise geb. Spies, Hausfrau V bie ‘Brh v. etnit. betidifl Kern.? orbcml MiiS u. । 2ieönu em. iori dorj, 'i Bekanntmachung die Wahl der Stadiratsmitglieder betreffend. Für die Wahl der Stadtratsmitglieder am 17. November 1929 sind folgende Wahlvorschläge zugelassen: Wahlvorschlag Nr. 1. Kennwort: „Sozialdemokratische Partei" (S.P.D.) 1. Beckmann, Georg, Angestellter 2. Mann, Albin, Gewerkschaftsbeamter 3. Noll, Christine geb. Simon, Hausfrau 4. Christ, Wilhelm, Schlosser 5. Vetters, Friedrich, Redakteur 6. Dieirer, Franz, Geschäftsführer 7. Schmidt, Hermann, Rektor 8. Häuser, Heinrich, Parteisekretär 9. Gumbel, Dr. Konrad, Volkswirt 10. Maier, Josef, Sekretär 11. Hombecger, Paul, Rechtsanwalt 12. Reh, Marie geb. Stieglitz, Hausfrau 13. Weißbeck, Christian, Trichinenschauer 14. Baum, Heinrich, Glasermeister 15. Kröck, Helene geb. Spies, Schneiderin 16. Ottilie, Otto, Gewerkschaftsangestellter 17. Rühl, Theodor, Angestellter 18. Rocker, Fritz, Schneider 19. Moutarde, Jakob, Buchdrucker 20. Götz, Andreas, Dreher 21. Degenhardt, Hermann, Buchdrucker 22. Seckinger, Elisabeth geb.Horst, Hausfrau 23. Schomber, Konrad, AmtsgeHilfe 24. Hillgärtner, Jakob, Lagerist 25. Horst, Johann, Schreiner 26. Weippert, Georg, Chauffeur 27. Hofmann, Heinrich, Schreiner 28. Günther, Heinrich, Verkäufer Wahlvorschlag Nr. 2. Kennwort: „Kom- munistischc Partei Deutschlands" (Sektion der III. Internationale), Ortsgr. Gießen 1. Lepper, Wilhelm, Kraftfahrer 2. Kästner, August, Bäcker 3. Stork, Ludwig, Maurer 4. Gerstenberg, Karl, Händler 5. Balser, Heinrich, Arbeiter 6. Dönges, Georg, Eisenbahnschlosser 7. Kästner, Elijab. geb. Riegler, Hausfrau 8. Rosenbaum, Hans, Dachdecker Vorsitzender der Abstimmungskommifsion ist: 1. Bezirk: Kaufmann Sally Meyerfeld Stellvertreter: Drogist Ernst Noll Ober-Justizinspektor Karl Link Stellvertreter: Sparkassen-Rendant Wilhelm Braun Bekanntmachung die Wahlen der Stadtrats-, Kreis- und Provinzialtagsmitglieder betreffend. Am Sonntag, dem 17. 'November 1929, von 9—18 Uhr, wird die Wahl der Stadtratsmitgliedcr der Stadt Gießen und gleichzeitig damit die Wahl der Kreistags- und der Provinzialtagsmitglieder vorg'enommen. Die Wahl findet statt: 22. Gärtner sen., Robert, Schneidermeister 23. Albrecht, Georg, Obermaschinenmeister i. R. 24. Rust, Konrad, Bauingenieur Wahlvorschlag Nr. 17. Kennwort: „Dcutschnation. BolkSpartci" 1. Lenz, Dr. Otto, Studienrat 2. Becker, Georg, Bauunternehmer 3. Klewitz, Frieda geb. Blindow, Hausfrau 4. Brüning, Dr. August, Universitätsprofessor, Arzt 5. Lucas, Hugo, Postinspektor 6. Gottmann, Heinrich, Landwirt 7. Baehr, Antonie geb. Ritzel, Tierarztwitwe 8. Nachtigall, Fritz, Schlossttmeister 9. Weicker, Friedrich, Obcrregierungsrat a. D. 10. Völker, Karol, geb. Spamer, Hausfrau 11. Weimar, Dr. Otto, Professor, Oberstudienrat a. D. 12. Neuling, Fritz, Weißbindermeister 13. Uhl, Karl, Landwirt 14. Baumert, Fritz, Verwaltungssekr. L R. 15. Engel, Fritz, Schlosser 16. Dingeldein, Emmy, Privatin 17. Kling, Georg, Rektor Wahlvorschlag Nr.18. Kennwort: „Mittel- standsvercinigung" (Wirtschastspartei) 1. Nicolaus, Philipp, Architekt 2. Launspach, Heinrich, Malermeister 3. Ringel, Alexander, Kaufmann 4. Kurz, Adolf, Oberingenieur 5. Rahnefeld, Albert, Gastwirt 6. Balzer, August, Weinhändler 7. Schmidt, Adolf, Handelsvertreter 8. Lenz, Friedrich, Schrcinermeister 9. Dierlamm, Karl, PolizeiverwaltungS- Oberasjistent 10. van Bentheim, Dr. Hans, prakt. Tierarzt 11. Wallenfels, Georg, Kaufmann 12. Rödiger, Rudolf, Jnstallationsmeister 13. Wörner, Friedrich, Dampfwäscherei- besitzer 14. Weimer jun., Heinr., Bauunternehmer 15. Goetz, Hans, Friseurobermeister 16. Ameird jun., Wilh., Konditormeister und Cafetier 17. Pfaff, Rudolf, Baurat 18. Schmidt, Karl, Schlossermeister 19. Reinschmidt, Heinrich, Generalagent u. Landwirt 20. Weißbäcker, Max, Elektrotechniker Für die vorgenannten Wahlvorschläge sind Verbindungserklärungen nicht abgegeben worden. Bei der Wahl dürfen 1. nur die amtlichen, im Wahlraum entgegenzunehmenden Stimmzettel verwendet, 2. nur für einen der zugelassenen Wahlvorschläge Stimmen abgegeben, 3. keinerlei Aenderungen auf den Wahlvorschlägen vorgenommen werden. Gießen, den 9. November 1929. Der Oberbürgermeister (Stadtwahlkomm.) I. B.: Dr. Seid. 9229 c oaesoeeeeeeeeeGGeoeeeeeee Freiwillige Versteigerung. DonncrStaa, den 14. November, nachmittags 5 Uhr, versteigere idj im Natbausiaolc in Gründern mein in der Batzutzofftr. 19 gele eues, massiv erbautes ' Wohnhaus mit Nebengebäude Grab- und GraSgarten, 1000 qm groß. 9154D W. M. Bock. Gründern t. H. I Wahlkartei gefunden ist. Stimmzettel, welche die Wähler nicht in dem amtlich ab- gestempelten oder in einem mit einem Kennzeichen versehenen oder in einem verschlossenen Umschlag abgeben wollen, sind zurückzuweisen, ebenso die Stimmzettel solcher Wähler, die die Einrichtungen für das unbeobachtete Einlegen der Stimmzettel nicht benutzt haben. Wähler, die durch körperliche Gebrechen behindert sind, ihre Stimmzettel eigenhändig auszufüllen oder in den Umschlag zu legen und diesen abzugeben, dürfen sich dabei der Hilfe einer von ihnen selbst bestimmten Vertrauensperson bedienen. Bei der Wahlhandlung selbst hilft der Stimmberechtigte das Wahlgeschäft erleichtern, wenn er beim Aussuchen seines Namens in der Wahl- kartei zuerst Straße und Hausnummer seiner Wohnung und dann Familien- und Vornamen nennt. Es ist untersagt, daß in den Zu- und Eingängen der Wahllokale Plakate irgendwelcher Art (Wahlaufrufe usw.) aufgehängt werden. Gießen, den 9. November 1929. Der Oberbürgermeister (Stadtwahlkommissar) I. B.: Dr. Seid. 9229C VieleTausende von Kunden besuchten uns und verließen zufrieden unser Haus. Der Kaufmann Otto Georg Stellvertreter: Kaufmann Karl Marth Maler- und Weißbindermeister Heinrich Launspach Stellvertreter: Rechtsanwalt Paul Homberger Alle Stimmberechtigten werden eingeladen, zu der angegebe- neu Zeit fick persönlich einzufinden und ihre Stimme abzugeben. Der Wähler nimmt die Stimmzettel und den Umschlag tm Wahlraum entgegen. Er stimmt dadurch ab, daß er unter Be- Nutzung der dafür vorhandenen Einrichtungen auf jedem Stimm- zettel den Wahlvorschlag, für den er stimmen will, durch ein Kreuz oder in sonstiger Weise bezeichnet, die Stimmzettel in den Umschlag legt und dem Voriihenden der Abstimmungskommifsion oder dem von ihm beauftragten Beisitzer den Umschlag mit den darin befindlichen Stimmzetteln überreicht, sobald sein Name in der im Lyzeum und Studienanstalt (Höhere Mädchenschule), Nordanlage 14, Schulsaal Nr. 48 im Gewerbehaus, Kirchstraße 16, Saal la im städt. Tiefbauamt, Asterweg 25, Erdgeschoß in der Pestalozzischule (Stadtknabenschule), Bekanntmachung Betr.: Beisitzer des Schlichlungsausschusses. Die wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer unseres Bezirkes werden aufgefordert, als Grundlage für die Neubestellung von Beisitzern Vorschlagslisten (bei Arbeitnehmern getrennt nach Arbeitern und nach Angestellten) bis spätestens 1. Dezember 1929 bei uns einzureichen (§§ 3 und 4 der Ausf.- BO. vom 29.12.1923 z. Schlicht.-BO. — RGB . 1924 I Nr. 1 S. 9). Gießen (Ostanlage 11II), 8. Nov. 1929. Schlichtungsausschuß für die Vrovin; Oberhessen. Raab. 9272V EleganteblaueMäntel.z.Teil Ä A ganz auf K’Seide gefüttert, UU m.d.mod. Pelzkragen, 26.50, Nordanlage 8, Lehrerzimmer in der Goetheschule (Bezirksschule), Westanlage 43, Turnhalle in der Alten Klinik, Liebigstraße 16, Saal Nr. 20, im I. Obergeschoß in der Alten Klinik, Liebigstraße 16, Eingang Hauptportal, Saal Nr. 10 in der Alten Klinik, Liebigstraße 16, Eingang rechter Flügel, Saal Nr. 5, Erdgeschoß im Realgymnasium, Ludwigstr. 11, Turnhalle im Stadthaus, Bergstraße 20 (früher Steins Garten), Zimmer Nr. 6 im Gymnasium, Südanlage 6, Erdgeschoß in der Oberrealschule, Stephanstr. 12, Schulsaal Nr. 22 im Verwaltungsgebäude der Provinzial- Pflegeanstalt, Licher Straße 74, Erdgeschoß im Justizgebäude, Ostanlage 15, Eingang von der Südseite, Erdgeschoß, Nr. 18 (Strafkammersaal) im Regierungsgebäude, Landgraf-Philipp- Platz 3, Sitzungssaal im Hotel Prinz Carl, Seltersweg 40, Hinteres Sälchen im Stadthaus, Gartenstraße 2 (Altes Bürgermeistereigebäude), Zimmer Nr. 7 1. Goerz, Heinrich, Lehrer 2. Grobe, Peter, Bauoberinspektor 3. Schäfer, Peter, Schriftsetzer 4. Wilhelmi, Kath. geb. Bremm, Hausfrau 5. Schneider, Eduard, Krankenpfleger 6. Sterke!, Susanne, Hausangestellte 7. ©immer, Eduard, Schneidermeister 8. Keller, Jakob, Amtsgerichtsdirektor Wahlvorschlag Nr. 5. Kennwort: „Nativ- nal-Tozialistische Deutsche Arbeiter-Partei" (Hitler-Bewegung) 1. Lotz, Adam, Postbetriebsassistent 2. Eifert, Lorenz, Verwaltungssekretär 3. Münker, Adolf, Bergingenieur 4. Kraft, Heinrich, Former 5. Horn, August, Kraftfahrer 6. Klös, Heinrich, Bauzeichner 7. Wenderoth, Willy, Arbeiter Der Abstimmungsbezirk 1 umfaßt: Auf der Bach, Burggraben, Hundsgasse, Kirchenplatz, Kirchstraße, Lindengasse, Lindenplatz, Marktplatz, Marktstraße, Walltorstraße, Wehsteingasse, Wetzsteinstraße, Zozelsgasse. Der Abstimmungsbezirk 2 umfaßt: Asterweg, Dammstraße, Ederstraße, Im Gartseld, Schillerstraße, Weserstraße. Der Abstimmungsbezirk 3 umfaßt: An der Hardt, Boothausstraße, Gleiberger Weg, Hinter den Schieß- gärten, Krofdorfer Straße, Nordanlage, Rodheimer Straße, Schlachthofstraße, Schottstraße, Schützcnstraße, Zu den Mühlen. Der Abstimmungsbezirk 4 umfaßt: Am Rodtberg, Am Wingert, Bückingstraße, Friedhofsallee, In der Schwarzlach, Marburger Straße, Steinstraße, Wiesecker Weg, Wißmarer Weg. Der Abstimmungsbezirk 5 umfaßt: Am Pfarrgarten, Gabelsbergerstraße, Hammstraße, Kornblumengasse, Lahnstraße, In Löbers Hof, Mühlstraße, Kleine Mühlgasse, Neustadt, Sandgasse, Schanzenstraße, Tiefenweg. Der Abstimmungsbezirk 6 umfaßt: An den Bahnhöfen, An der Kläranlage, An der Margaretenhütte, Bahnhofstraße, Grabenstraße, Westanlage, Hinter der Westanlage. Der Abstimmungsbezirk 7 umfaßt: Buddestraße, Frankfurter Straße, Friedrichstraße, Hollerweg,Rodhohl, Am Zollstock. Der Abstimmungsbezirk 8 umfaßt: Am Steeg, Am Weiher, Arndtstraße, Beethovenstraße, Buchner- straße, Crednerstraße, Fichtestraße, Freiligrathstraße, Gaffkystraße, Glaubrechtstraße, Händelstraße, Haydnstraße, Hillebrandstraße, Hochweg, Hofmannstraße, Klinikstraße, Körnerstraße, Mittelweg, Fritz-Reuter-Straße, Schubertstraße, Thaerstraße, Uhlandstraße, Richard-Wagner-Straße, Wetzlarer Weg. Der Abstimmungsbezirk 9 umfaßt: Auf der Weißerde, Aulweg, Ebelstraße, Erdkauterweg, Jhering- straße, Lcihgesterner Weg mit Bergwerk, Liebigstraße, Welcker- straße, Wilsonstraße, Studentensteg, Sandkanterweg. Der Abstimmungsbezirk 10 umfaßt: Ludwigsplatz, Ludwigstraße, Am Riegelpfad, Wilhelmstraße, Wartweg, Röntgenstraße. Der Abstimmungsbezirk 11 umfaßt: Am Nahrungsberg, Bergstraße, Bruchstraße, Gartenstraße, Georg- Philipp-Gail-Straße, Landmannstraße, Löberstraße, Stephan- straße, Karl-Vogt-Straße, Wolfstraße. Der Abstimmungsbezirk 12 umfaßt: Bleichstraße, Gnauthstraße, Goethestraße, Henselstraße, Lessing- straße, Lonystraße. Der Abstimmungsbezirk 13 umfaßt: Alter Schiffenberger Weg, Bismarckstraße, In den Eichgärten, Eichweg, Olroßer Steinweg, Gutenbergstraße, Hessenstraße, Kep- lerstratze, Roonstraße, Schiffenberger Weg, Gemarkung Schiffenberg mit Herrnwald. Der Abstimmungsbezirk 14 umfaßt: Am Kugelberg, Anneröder Weg, Döringstraße, Friedensstraße, Grünberger Straße, Heyerweg, Licher Straße, Rödgener Straße, mit Flughafen. Der Abstimmungsbezirk 15 umfaßt: Alter Rödger Weg, An der Kaserne, Gutfleischstraße, Kaiserallee, Moltkestraße, Ostanlage, Wiesenstraße, Zeppelinstraße. Der Abstimmungsbezirk 16 umfaßt: Vrandgasse, Brandplatz, Braugasse, Diezstraße, Dreihäusergasse, Erlengasse, Kanzleiberg, Kaplaneigasse, Landgrafenstraße, Land- graf-^^^^^^^'^^^tz, Marktlaubenstraße, Neuen Bäue, Schloßgasse, Schulstraße, Senckenbergstraße, Sonnenstraße, Trillergasse, Wagengasse, Weidengasse. Der Abstimmungsbezirk 17 umfaßt: Kreuzplatz, Löwengasse, Maigasse, Mäusburg, Rittergasse, Sei- tetdroeg, Teufelslustgärtchen, Wettergasse, Wolkengasse. Der Abstimmungsbezirk 18 umfaßt: Alicenstraße, An der Johanneskircbe, Johannesstraße, Kaplans- gasse, Katharinengasfe, Neuenweg, Plockstraße, Südanlage. Ciaterliaitene Mercedes-Benz- Lastwagen und Omnibusse billig und zu günstigen Zahlungsbedingungen offeriert Daimler-Benz A.-6. 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Sie muhte ihm alles beichten. 3a, noch zitterte sie bei diesem Gedanken; aber er war nicht mehr so schrecklich wie vordem, seit sie heute wieder gesehen, gehört und empfunden hatte, wie innig Felix sie liebt.'. Und sie würde zwei Freunde zu ihrem Beistand haben: Boden stein und Berty. Käthe wandte sich entschlossen zu Berndt Klausen: „Ich habe dir die zehntausend Mark mitgebracht. Hier sind sie! Ich bitte, gib mir den Ring zurück!" Sie hatte das Päckchen Geldscheine in der Hand, hielt es ihm aber nicht entgegen; denn als er die rechte Hand hob, um es zu nehmen, sah sie an dem kleinen Finger den Ring funkeln, und jäh erschrak sie bis ins Innerste. „Den Ring!" stieß sie hervor. „Du — hattest ihn am Finger, als du mit ihr zusammentrafst?" Berndt Klausen nickte. „Wie scharfsinnig du an alle Möglichkeiten denkst! Du hast dich sehr verändert, seit ich dich damals in Herzogenhcide kennenlernte. Käthe, du..." Da richtete sie sich hoheitsvoll auf. Isolde von Kletten hatte diesen Ring an seiner Hand gesehen! Was die beiden dann auch noch miteinander geplant haben mochten, es kam überhaupt nicht mehr in Betracht. Jetzt war alles, alles verloren, wenn sie den beiden nicht zuvorkam, wenn sie die Pfeile, die aus dem Hinterhalt nach ihr und Felix abgeschossen werden sollten, unschädlich machen konnte, bevor sie ihr Ziel erreichten. Und so erwiderte sie: „Roch habe ich geglaubt, daß ich mit dir. verhandeln könnte, daß ein letzter Rest von Ehrgefühl in dir lebte, jetzt aber weiß ich, daß ich mich bitter getäuscht habe. Du bist ein elender Schurke, mit dem ich nichts mehr zu schaffen haben will! Behalte den Ring! Ich würde mich schämen müssen, wollte ich ihn zurüükaufen und dann wieder tragen!" Sie stieß den Stuhl zurück, hinter dem sie Deckung gesucht halte, und ohne Furcht schritt sie an dem Manne vorüber, der sie geradezu fassungslos anschaute. Berndt Klausen ahnte ja nicht, was in Käthes Seele vorgegangen war, ahnte ebensowenig, was sie vor hatte. „Du willst den Ring nicht zurückkaufen?" stieß er hervor, ohne Zorn zu zeigen über die Schmähung, die ihre Worte enthalten hatten. Sie antwortet? nicht, höchstens durch den Blick voll tiefster Verachtung, den sie ihm zuwarf. Da erwachte in ihm neben der Wut über diese Zurückweisung das jähe Verlangen, diese schöne Frau in seine Arme zu reihen, ihren hochmütigen Mund mit wilden Küssen zu bedecken. Als sie dicht an ihm vorüberkam, streckte er beide Arme vor, packte sie und riß sie wild an sich. Sin gellender Hilferuf entrang sich den Lippen Käthe Turnaus. Sie schlug dem Angreifer mit der rechten Faust in das Gesicht, sie stemmte die linke gegen ihn, um aus seiner Umarmung freizukommen. Aber sie merkte, daß sie viel schwächer war als er. Sie wußte, daß sie unterliegen und seine Beute werden mußte, wenn sie ihm nicht zu entrinnen vermochte, und noch einmal schrie sie gellend auf. „Hilfe! Felix, hilf mir!" „Schrei' nur! Immer schrei'l Auch wenn er da wäre und dir zu Hilfe eilte, er hä t: kein Recht, dich aus meinen Armen zu reißen. Ich bin dein Gatte! Zu mir gehörst du; mein bist du — und ich wäre ein Rarr, wollte ich dich wieder lassen!" Er stieß diese Worte keuchend hervor; denn Käthe kämpfte mit der Kraft der Verzweiflung gegen ihn. Aber gerade dieser Widerstand reizte ihn. ®t vergaß, daß Käthe Turnau nicht nur für sich selbst kämpfte, sondern auch für ihr Kind — für sein Kind. „Felix!" schrie sie noch einmal, als sie sein Gesicht vor dem ihren sah. als sie merkte, daß sie im nächsten Augenblick erliegen muhte. Ihr Herz drohte seinen Schlag auszusehen; es dunkelte vor ihren Augen. Sie merkte, daß sie im nächsten Augeirblick ohnmächtig werden würde. „Herrgott!" stöhnte sie aus. „Felix!" ächzte sie noch einmal. Berndt Klausen aber lachte gelend auf. „Jetzt!" keuchte er. Da lösten sich seine Arme von der zitternden Gestalt und sanken schlaff herab. Seine Augen weiteten sich in jähem Schreck und sein Gesicht verzerrte sich zu einer Fratze. In der Türöffnung stand, hoch aufgerichtet, Felix Turnau. Turnau und Dodenstein sprachen während der ersten Zeit, als sie im Auto nach Altberg fuhren, nicht miteinander — aus sehr verschiedenen Gründen. In Felix zitterte noch die Erinnerung an das Glück, das er eben erfahren hatte, in Bodenstein aber zitterte die Sorge, daß dieses Glück in Scherben gehen könnte, wenn ... Wenn er nicht gewesen wäre. Er war erschrocken über die Frage, die Käthe wegen ihres Vermögens an ihn gerichtet hatte. Er war erschrocken über die Angst, die ihre Blicke verraten hatten. Und er wußte, wodurch diese Angst hervorgerufen war. Berndt Klausen hatte begonnen, was er plante. „Arme, arme Käthe!" dachte Bodenstein unablässig, entschlossen, das Alleinsein mit dem Freunde unbedingt zu benützen, um den Ahnungslosen in alles einzuweihen, ihm zu erklären, was geschehen war und warum es hatte geschehen müssen. Er war froh, daß Turnau ihn seinen Gedanken überließ; aber er schrak zusammen, als plötzlich aus einem Waldweg eine Reiterin hervor- sprengke. Die beiten Herren erkannten die Gräfin Altberg, und sie begrüßten sie freudig. Berty fragte Felix nach Klausen, dem Schützling ihres Gatten. Dann zeigte sie dem Freunde den Weg, den er fahren mußte, wenn er Altberg, der auf seinen Feldern weilte, treffen wollte. Sie hatte in Bodensteins Augen gelesen, daß er etwas von ihr wollte, und sie war froh, daß Turnau sie bald allein lieh. „Sie haben mir etwas zu sagen. Herr von Do- denstein?" fragte sie, nachdem das Auto davon gefahren war. Er nickte, sprach aber nichts, da er sich noch einmal über sein Vorgehen schlüssig werden wollte. „Run?" fragte Berty. „Sie sprachen soeben von dem Ingenieur, Gräfin," hob er da an. „Was halten Sie von diesem Manne?" Sofort stutzte Berty. „Sind Sie seinetwegen hier?" fragte sie. Wieder nickte er. „Dann hängt das mit Käthe zusammen!" ries Berty entschieden. „Run spannen Sie mich nicht auf die Folter, Herr von Bodenstein! Ich selber habe schon längst gemerkt, daß zwischen Käthe und diesem Klauben irgendein Geheimnis besteht, habe aber bisher nicht erfahren können, um was es sich dabei handelt. Rur so viel ist mir klar, daß meine Freundin diesen Mann fürchtet und ihm auszuweichen sucht. Ist etwas vorgefallen, seit er in Turnau weilt?" „Roch nicht," erwiderte er, „aber es steht unmittelbar bevor." „Was?" forschte Berty, aufs höchste erregt. „Daß er seine vermeintlichen Rechte an Frau Käthe geltend macht, wenn er es nicht schon heimlich getan hat." „Seine vermeintlichen Rechte? Also ist er doch einmal ihr Liebhaber gewesen?" „Mehr als das, Frau Gräfin," erklärte Doden- stein. „Wie soll ich diese Worte verstehen?" rief Berty erschreckend. „Sollen sie sagen, daß Käthe ..." „Rach dem Gesetz die Frau Berndt Klausens geworden ist!" „Herr von Dodenstein!" schrie sie auf. „Das ist ..." „Unbestreitbare Tatsache!" vollendete er. „Mein Gott, das habe ich nicht geahnt — das nicht!" Schweigend stand sie da. Sie konnte das Gehörte nicht fassen. Aber plötzlich kam sie zu sich und packte Bodenstein an beiden Schultern. „Mensch, ich dachte, Sie wären Käthes Freund!" „Ich bin es." „Und dabei vermögen Sie so ruhig zu bleiben?" „Weil wir nur mit Hilfe ruhiger Ueberlegung die Pläne Klausens und Isolde von Klettens durchkreuzen können," erwiderte er und sah sie dabei fest an. „Auch die Kletten ist mit im Spiel?" stieß sie hervor, und als er nickte, ballte sie die Hände. Bodenstein sagte: „Lassen Sie uns weitergehen, Gräfin! Ich werde Ihnen unterwegs alles erklären. Vorläufig will ich nur noch sagen, daß Frau Käthe mich gebeten hat, Sie zu ihr zu schicken." „Und ich will sofort zu ihr!" Berty blieb stehen. Dodenstein bat: „Hören Sie erst weiter! Ihre Hilfe würde nichts nützen, solange Sie nicht wissen, was Sie helfen können." „Sie haben recht. Mein Gott, wer hätte dagedacht! Ich ahnte ja etwas, aber das nicht —. Käthe verheiratet mit diesem Menschen! Und Himmel! Das ist doch dann Bigamie!" Bodenstein erwiderte nichts; doch als sie ihm ins Gesicht schaute und erkannte, daß er vollkommen ruhig war, besann sich auch Berty. „Sie würden nicht so ruhig sein," sagte sie, „wüßten Sie nicht schon, wie wir Käthe helfen können. Eie sind doch ihr Freund. Sie haben ihr schon geholfen. Sie werden es wieder tun .. „Das werde ich!" rersicherte er, und der Klang dieser Worte bewirkte, daß Berty ihm ihre Hand bot und rief: „Herr von Bodenstein, wenn Sie das vermöchten, ich wüßte nicht, was ich Ihnen zuliebe tun sollte!" „Ich danke Ihnen, Gräfin," erwiderte er lächelnd, „und nun hören Sie mich ruhig an!" Während des Weiterschreitens begann er zu berichten. Wenngleich die temperamentvolle Frau neben ihm noch mehrmals durch heftig hervor- gestoßene Ausrufe unterbrach, so wurde sie doch immer ruhiger, je weiter er sprach. Rachdem er zu Ende gekommen war, lachte sie hell auf. „Famos!" rief sie. „Ganz famos! Das wird ein nettes Spektakelstück werden!" „Hoffen wir, daß es nicht erst dazu lommtf „Sie fürchten, daß die beiden .." „Zuzutrauen ist ihnen alles," bestätigte Bodenstein. „Auf alle Fälle werden Sie sofort nach Turnau fahren müssen." „Und Sie?" „Ich werde ebenfalls zur rechten Zeit zur fiteile sein. Jetzt aber bitte ich Sie, sich nicht zu verraten, wenn Turnau wieder zu uns kommt« Er soll vorläufig nichts wissen." „Selbstverständlich! Und Sie haben recht, vielleicht läßt sich sogar das Aeußerste vermeiden...* Dann trennten sich die beiden. Und Bodenstein trat auf die Terrasse vor dem Schloß, um dort die Ankunft der beiden Herren abzuwarten. Roch einmal überlegte er alles, was er tun mußte, aber er fand nichts, was er an feinen Plänen hätte ändern können. Er war froh, daß et in Berty eine so wertvolle Verbündete gefunden hatte. Berty erschien bald wieder; sie hatte sich umgezogen und trat zu Dodenstein. „Roch nicht zurück?" fragte sie erstaunt. „Wo mag denn Altberg wieder herum kriechen!" Auch Dodenstein verspürte eine leichte Unruhe, weil die Herren immer noch nicht auftauchen wollten. Er warf einen Dlick auf seine Uhr und erschrak. „Um acht Uhr wollten wir speisen," sagte er. „Und' jetzt ist's bereits halb acht Uhr!" ergänzte Derty. „Würden Sie bereit sein, mit mir eine schnelle Rundfahrt über das Gut zu machen? Vielleicht finden wir die beiden?" sagte Dodenstein. „Ratürlich! Das ist das Destel Und ich werde dann sagen, ich wollte Käthe überraschen — die Herren sollen mich vorausfahren lassen ..." (Fortsetzung folgt.) ■:*r H Ei ■ 1 '1 Wä jetzt hab’ idVs mit Persil einmal so gemacht, wie du es mir so oft empfohlen hast. Ich bin wirklich stolz auf meinen Erfolg, so hübsch ist mein Wollkleid geworden! Macken Sie es auch so: kalt! r Y < X Stüde in kalter Persillauge leicht stauchen und drücken! Alles harte Reiben vermeiden! Nur kurze Naßbehandlung. Nach dem Spülen u. Ausdrücken Stück durch mehrmaliges Einrollen in Nässe aufsaugendc Tücher von anhaftender Feuchtigkeit befreien! Weiße Frottiertücher eignen sich am besten. Zum Trocknen richtig in Form ziehen und auf tuchbedeckten Tisch legen! Farbige Teile und Ärmel innen mit weißen Tüchern oder Seidenpapier auslegen! Nicht in Ofennähe oder in der Sonne trocknen! Nicht aufhängen! In kaltem Wasser kurz spülen! Dem letzten Spülwasser zum Auffrischen der Farben etwas Essig beigeben! Waschbarkeit prüfen! Tauche Zipfel in klares Wasser und presse ihn über weißem Tuch festaus! Ablaufendes Wasser muß klar und die Unterlage unverfärbt bleiben. Niemals lose - nur in Originalpackung. 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