Nr. 20 Erster Blatt 179. Jahrgang Montag, 9. September 1929 (Erjdjeint liiglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Ve;ugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelncrNummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüsse unterSammelnummer225I. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drtid und Verlag: Vrühl'sche Univerfiläts-Vuch- und Ztelndruckerel R. Lange in Gießen. Zchristleltung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Giresemanns große 3Rci)e vor dem Völkerbund. Gin dringliches Plädoyer für die Befriedung der Welt. — Deutschland will mithelfen an den Vereinigten Staaten von Guropa. Genf, 9. Sept. (WTD. Funkspruch.) Reichs- auhenminister Dr. Stresemann hielt heute vormittag vor der Dölkerbundsver- lammlung die angckündigte große Rehe. Zu Beginn seiner Ausführungen sagte der Minister, es sei nur natürlich, daß der Vertreter Deutschlands heute in besonders hohem Maße unter dem Eindruck der Haager Verhandlungen stehe, denn was dort beraten und entschieden worden sei, seien für das deutsche Voll Fragen, die sowohl die Grundlagen seiner materiellen Existenz, als auch die Grundlagen seines Rechtsdaseins als eines souveränen und unabhängigen Staates aufs stärkste berührten. 3n Deut, jfanb sei sich jeder in jedem Augenblick darüber klar gewesen, daß im Haag höchste deutsche Lebensinteressen auf dem Spiele standen. Ein Kardinalpunkt der Ergebnisse der Haager Konferenz berühre sich mit der Grundlage der Institution des Völkerbundes, der Freiheit und Unabhängigkeit seiner Mitglieder aufs engste. „Das ist," so fuhr Dr. Stresemann fort, „die im Haag nun endlich beschlossene Erfüllung des deutschen Verlangens, das deutsche Staatsgebiet von. militärischer Besetzung befreit zu sehen. Cs ist Ihnen bekannt, daß in Deutschland vor seinem Eintritt in den Völkerbund vielfach verlangt worden ist, diesen Eintritt erst zu vollziehen, nachdem die großen offenen politischen Probleme, die aus dem Weltkrieg noch in die Friedenszeit hineinragten, ihre Lösung gefunden hätten. Die deutsche Regierung hat in jener Epoche diese Frage mit voller Uebcrzeugung verneint. Sie hat sich, sobald die Entwicklung der internationalen Beziehungen es nur gestattete, zur aktiven Mitarbeit an den Ausgaben des Völkerbundes entschlossen. Sie hat diesen Entschluß nicht bereut. Dabei haben wir die Fortdauer dcrBesetzung deutschen Landes in jedem Augenblick, vor allem bei unserer Tätigkeit in Genf, auf das schmerzlichste empfunden. Kein Volk, das sich selbst achtet, hätte anders empfinden können. Ich kann, wenn ich hiervon spreche, heute auch nicht stillschweigend daran vorübergehen, daß ein anderer Teil deutschen Landes noch unter nicht deutscher Verwaltung steht, ein Gebiet, dessen Wiedervereinigung mit dem S) ei- matlande der einmütige Wunsch seiner Bevölkerung ist. Auch zur Beseitigung dieses Zustands sind jetzt die ersten Schritte getan, um so wirklich den Gedanken der Liquidation des Krieges durchzuführen. Ich sollte denken, daß auch der Völkerbund alles Interesse an der Verwirklichung dieses Gedankens hat, und daß er, wenn er schon eine Initiative in dieser Beziehung nicht ergriffen hat, die Verhandlungen 'bet unmittelbar beteiligten Staaten darüber mit seiner Sympathie begleitet. Wenn wir in den vergangenen Jahren darauf verzichtet haben, unseren Empfindungen über diese Frage hier vor der Bundesversammlung Ausdruck zu geben, und wenn wir uns bemüht haben, unbeirrt an den Aufgaben des Völkerbundes mitzuarbeiten, so kann man hierin einen Beweis unseres Glaubens an die hohen Ziele sehen, die wir hier in Genf zu verfolgen haben. Heute glaube ich feststellen zu können, daß nicht nur Deutschland, nicht nur die Besatzungsmächte, sondern auch der Völkerbund sich dazu beglückwünschen kann, wenn seit der vorigen Woche die Zurückziehung der fremdenTruppen aus Deutschland in bestimmter naher Frist eine beschlossene Sache ist. Auch hierfür gilt das schöne Wort, das der britische Herr Premierminister neulich von dieser Tribüntz aus gesprochen hat: „Eine politische Abmachung bietet ebenso große Sicherheit, wie Regimenter Soldaten." Jällt jene Barriere, die seit dem Ende des Krieges noch trennend zwischen Deutschland und seinem westlichen Nachbarn bestand, so wird der Weg frei, um die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Ländern, die ihm einst als Kriegsgegner gegenüberstanden, so fruchtbar zu gestatten, wie das gemeinsame Interesse aller Völker und mithin das ureigenste Interesse des Völkerbundes es erfordert. Dr Stresemann wandte sich dann den eigentlichen Völkerbundsfragen zu, indem er auf das lebhafteste die Mitteilungen begrüßte, daß England und Frankreich demnächst die Fakultativklausel unterzeichnen werden. Dr. S t r e s e ° mann sieht in diesem Entschluß der beiden Regierungen ein erfreuliches Zeichen für den siegreichen Fortschritt der Schiedsgerichts- i d e e, die der Eckpfeiler der internationalen Friedensordnung sei und bleibe. Die im Gange befindlichen Beratungen über eine teilweise Reform des Haager Ge- r i ch t s h o f e s würden hoffentlich öazu^ beitragen, die nun schon längst bewährte Tätigkeit dieser Institution zu erleichtern. Dr. Stresemann würdigte dann „die hochbedeutsamen Vorschläge". die die britische Delegation in Liebereinstimmung mit anderen Delegationen zur Klärung des Verhältnisses des Kellogg-Paktes zu den Bestimmungen der Völkerbundssahung gemacht hat. Es sei in der Lat notwendig, in diesen Dingen, die für die Auffassung über Recht und Unrecht in den Völkerbeziehungen entscheidend sind, jede Unklarheit und Ungewißheit zu beseitigen. 'Die eingegangenen vielen Verpflichtungen verlangten einen Ausbau, der jedem und nicht nur den Experten des Völkerrechts verständlich sei. „Wenn man dazu schreiten will", fuhr Dr. Stresemann fort, „das gegenwärtige System der Bestimmungen der Völkerbundssahung mit dem Grundgedanken des Keilogg-Paktes in eine vollkommene innere Harmonie zu bringen, so wird es meiner Meinung nach kaum möglich sein, bei der Prüfung der in dem Vorschläge der britischen Delegation ausdrücklich angeführten einzelnen Artikel stehen zu bleiben. Vielmehr wird es sich dann als notwendig erweisen, auch andere Bestimmungen der Satzung mit in Betracht zu ziehen, die sachlich mit den Bestimmungen des Kellogg-Paktes in untrennbarem Zusammenhang stehen. Auch Herr Ministerpräsident Briand, mit dem ich mich zu meiner großen Genugtuung in so vielen Fragen der internationalen Politik einig weiß, hat in seiner Rede, von der ich wünschte, daß sie in ihrem Appell an die Jugend Bestandteil der Erziehungsbücher der Jugend bilden möchte, in diesem Zusammenhang von einer Lücke gesprochen. lieber die Methode, wie diese Lücke am besten auszufüllen wäre, unterscheiden wir uns allerdings vielleicht in gewissem Sinne. Die deu'sche Regierung hat stets den Stand- punkt vertreten, daß der Ausgangspunkt aller Bemühungen um die Friedenssicherungen der Ausbau der Methode für die friedliche Bereinigung jeder Art von Staalskonflikten fein muh. Je mehr es uns gelingt, für den Ausgleich bestehender und künftiger Gegensätze zwischen den Staaten einen praktischen Weg za finden, je mehr wir ferner die Gedanken verwirklichen, die dem Die Rheinlandräumung. Koblenz, 9. Sept. (TU.) Zu den in letzter Zeit wiederholt verbreiteten Nachrichten über die Rheinlandräumung und die Verlegung der Interalliierten Rheinlandkom- m i f f i o n von Koblenz nach Wiesbaden hat die Telegraphen-Union an amtlicher Stelle Ermittelungen angestellt und erfahren, daß alle Nachrichten sich in der Hauptsache auf Mutmaßungen und Gerüchte stützen. Die Dinge liegen im Augenblick so, daß nur der Beschluß im Haag, die zweite 5 o h e b i s f p ä t c ft e ri 5 T 5.'De jemberlSZb und die dritte Jone bis spätestens 3 0. Juni 1 930 zu räumen, als feststehende Tatsache anzunehmen ist. Alle anderen Nachrichten, insbesondere, daß dieses oder jenes französisches Regiment an bestimmten Tagen aus dem Rheinland abrücke und in schon näher bezeichnete französische Garnisonen abziehe, sind unzutreffend. Diese Meldungen dürsten nach amtlicher Auffassung aus der Tatsache kombiniert sein, daß die Besahungstruppen bis zu dem im Haag feflgeleglen Tagen zurückgezogen sein müssen. Es wird behauptet, daß die Rheintandkommission nunmehr endgültig beschlossen habe, bei der Räumung der zweiten Zone ihre» Sih nach Wiesbaden zu verlegen. Wie der Telegraphen-Union von zuständiger Seite versichert wird, ist diese Frage noch vollkommen in der Schwebe und ein endgültiger B e - schluß noch nicht gefaßt. Allerdings ist eine Verlegung der Interalliierten Rheinlandkommission nach Wiesbaden höchstwahrscheinlich, wobei jedoch immer noch die Möglichkeit einer endgültigen anderen Entscheidung besteht. Die Rheinlandkommission, die in Koblenz noch 200 Personen, sowohl von fran- zösischer Seite, wie auch von belgischer und englischer Seite aus, zählt, wird nur noch mit 50 Köpfen in ihren neuen Sih übersiedeln. Das Reichskommissariat als deutsche Interessenvertretung gegenüber der Rheinlandkommission nimmt künftig auch dort seinen Sih, wo die Rheinlandkommission sich niederlassen wird. Zu der Frage der Räumung kann als sicher gelten, daß die Franzosen ihre Truppen bereits bis zum November aus der zweiten Zone zurückgezogen haben werden und daß zur Aufrechterhaltung der Gesetzeskraft in den hauptplähen der zweiten Zone nur Flaggen und Wachkommandos verbleiben, die unmittelbar vor dem letzten Räumungstermin lautlos verschwinden und ihren Truppteilen in Frankreich wiedereinverleibt werden. Der Abschluß der Besahungs- zeit für die einzelnen Gebiete dürfte sich also an den terminmäßigen Schlußtagen nur in einer formellen Erklärung widerspiegeln, daß das bisherige Be- sahungsgebiet der deutsche» Oberhoheit zurückge- geben wird. Das gleiche Verfahren dürfte auch bei der Räumung der dritten Zone im Juni 1930 angewandt werden. Paris, 9. Sept (WTB. Funkspruch.) Die der „Mat in" meldet, bestätigt es sich, daß die in Koblenz stehenden französischen Truppen am 18. September mit der Räumung beginnen werden. Die englischen Truppen, die im Saargebiet an dem Bahnschuh teilnehmen, werden Saarbrücken am 3 0. September verlassen. Die Ewiggestrigen in Frankreich. Paris. 9. Sept. (WTD. Funkspruch.) In Reusmoutiers hielt bei der Gedenkfeier für die Marneschlacht der der Marin-Gruppe an» gehörende Abgeordnete Taittinger eine Ansprache, in der er auf die Verhandlungen im Haag und in Genf zu sprechen kam. Er führte aus: 2m Haag, in Genf und anderswo spricht man viel von den moralischen Schranken, die den Frieden schützen. Wir erklären rund heraus: Es ist ein Wahnsinn, die Sicherheit des Landes lediglich aus Pakte, Verpflichtungen und Verträge ayfzubauen. Diejenigen, die die Verantwortung für derartige Vc.^iüsi-e übernehmen,- solsiv-? bern' denken, daß im Haag bereits vor 1914 Schranken dieser Art errichtet wurden. Haben Sie aber Belgien und Frankreich vor dem Einfall geschützt und uns vor einem schrecklichen Kriege bewahrt? Die Staatsmänner, die sich diesen Träumereien Hingaben, stellen sich und uns vor ein schreckliches Erwachen. Es scheint, daß man, um für den Frieden zu arbeiten, als guter Europäer handeln muß. Aber warum sind die Franzosen vor allen anderen gute Europäer? Im Haag und in Genf sind die Engländer und die Deutschen zunächst Engländer und Deutsche und verteidigen energisch die Interessen Englands und Deutschlands. Unsere Staatsmänner sollten, bevor sie ihren Ruhm darin suchen, gute Europäer zu fein, zunächst an die Interessen Frankreichs denken. Das höchste Interesse, für das sie die Verantwortung tragen, ist die Sicherheit des Landes. Diese Sicherheit war bis zum heutigen Tage durch die Besetzung des Rheinlandes garantiert. Wir dürfen das Rheinland erst dann verlassen, wenn unsere Grenzen genügend stark und genügend ausgerüstet sind, um uns eine Sicherheit zu geben, die der gleichkommt, wie die Besetzung von Mainz. Die französischen Radikalen wollen ratifizieren. Paris, 8. Sept. (WB.) Der Vorsitzende der Radikalen Partei, Abgeordneter D a l a d i e r, hat heute in Digne (Dep. Basses-Alpes) eine Rede gehalten, in der er aussührte: Wir werden nicht zögern, die Haager Abkommen zu ratifizieren, wenn die Regierung entschlossen ist, alle Folgerungen, die sich daraus ergeben, zu ziehen. Sie sind für uns eine Etappe aus dem Wege zum Frieden, ein notwendiger Fortschritt zur deutschfranzösischen Verständigung und ein sicheres Mittel zur Aufrechterhaltung des englisch-französischen Einvernehmens, die beide zur Schaffung eines dauernden, fruchtbaren Friedens unentbehr.ich sind. Wir beglückwünschen Briand, daß er daraus verzichtet hat, die Räumung des Rheinlandes von der Kommerzialisierung der deutschen Schuld, der Schaffung einer besonderen lleber- wachungskommission und der Anlage einer Betonmauer an unserer Grenze, wie dies die Nationalisten so nachdrücklich gefordert haben und wie einige Mitglieder der Regierung es angeregt hallen, abhängig zu machen. Aber das genügt nicht. Die Herabsetzung der Rüstungen darf künftig in unserem Lande nicht mehr die Hindernisse finden. auf die sie bisher gestoßen ist. Da lädier kam dann auf die von verschiedenen Gruppen geforderte große Koalition zu sprechen, die von den Radikalen bis zur Gruppe Marin gehen soll. Er lehnte den Gedanken in dieser Form ab. Rach der Haager Konferenz, auf der die rasche Räumung des Rheinlandes beschlossen worden sei, wäre es unsinnig, an ein Zusammengehen der Radikalen mit den Rationalisten zu denken. auf deutsche Anregung geschaffenen, von einigen Vorrednern bereits erwähnten Modellvertrag über die Kriegsverhütung zugrunde liegen, desto geringer wird das Bedürfnis nach Maßnahmen, die im Falle eines vollzogenen Friedensbruches zu ergreifen wären. Im Zusammenhang mit diesem Problem kam Dr. Stresemann auf die Abrüstungsfrage zu sprechen, indem er betonte, daß Deutschland mit größtem Interesse und warmer Sympathie dem Gang der zwischen den großen Seemächten schwebenden Verhandlungen folge. Es müsse fordern, daß mit dem gleichen tatkräftigen willen nun auch die Arbeiten an der Abrüstung zu Lande gefördert werden. Der Minister erinnert daran, daß im Frühjahr der deutsche Vertreter gezwungen war, von den Beschlüssen der vorbereitenden Abrüstungskommission ausdrücklich abzurücken, um Deutschland nicht mitverantwortlich zu machen an einem Verfahren, das mit dem Sinn der Dölkerbunds- sahungen nicht in Einklang zu bringen sei. Er hosfe wirklich, daß wir über diesen Zustand der Genfer Abrüstungskommission jetzt durch den Impuls, den die Verhandlungen der Seemächte geben, schnell hinausgeführt werden. Nachdem nun die Liquidation der aus dem Weltkrieg herrührenden Fragen in greifbare Nähe gerückt sei, wird dies seine Rückwirkung aus die Behandlung derjenigen Aufgabe» haben, die dem Völkerbund direkt obliegen. Sonst mühte 1 bei de» Völker» der Eindruck entstehen, als ob der große Gedanke solidarischer Zusammenarbeit im Völkerbund zur Unfruchtbarkeit verurteilt wäre, von der Energie, mit der der Völker- [ bund diese Ausgaben behandelt, werde fein Ansehen in der Weltössentlichkeit abhängen. Cs handle sich um ein Problem, das durch den Dreiklang bezeichnet werde: Verhinderung jeder Kriegsn'.öglichkeit, die allgemeine Abrüstung als Konsequenz dieser Verhütung, die Verhinderung der Erstarrung aller Zustände durch eine fortschreitende Entwicklung auf friedlichem Wege. Dr. Stresemann gab dann einen Heber» blick über die Entwicklung, die die Frage des Minderheitenschutzes seit fc'cr Initiative des kanadischen und des deutschen Vertreters im Rat genommen hat. Er stellte mit Genugtuung fest, daß aus dem Gebiete des Verfahrens bei der Behandlung von Beschwerden der Minderheiten Beschlüsse gefaßt worden sind, die zweifellos eine Verbesserung des bisherigen Zustandes darstellen. Sie rechtfertigen die Hoffnung, daß ihre Durchführung die Garantie des Völkerbundes wirksamer ausgestalten und dadurch in den Kreisen der Minderheiten selbst neues Vertrauen erwecken wird. „Allerdings sind durch die Beschlüsse des Rates", führte Dr. Stresemann weiter aus, „nicht alle Anregungen erfüllt worden, denen die deutsche Regierung in ihrer Denkschrift und den Erklärungen ihrer Vertreter Ausdruck gegeben - hatte. Unsere Wünsche gingen vor allem dahin, eine Klärung der grundsätzlichen Frage herbeizusühren: wie Sinn und Tragweite der Garantiepslicht des Völkerbundes zu verstehen und in welcher Weise die berufenen Instanzen des Völkerbundes dieser Garantiepslicht auch außerhalb des Gebietes des Definitivums der Minderheiten genügt haben. In der Tat bin ich der lleberzeugung, daß der Völkerbund sich in der Ausübung seiner Garantiepslicht nicht aus die Erledigung einzelner an ihn herantretender Beschwerden beschränken darf, sondern daß er nach dem gelten Minderheitenrecht darauf Bedacht zu nehmen hat, sich fortlaufend und allgemein Gewißheit darüber zu verschaffen, wie sich das Schicksal der Minderheiten unter den in Kraft befindlichen Verträgen gestaltet. Wir sind uns, glaube ich, alle klar darüber, daß auch eine Dersahrensregelung, die technisch jede denkbare Vollkommenheit besitzt, nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen kann, wenn nicht innerhalb des Völkerbundes völlige Klarheit und Einigkeit über das zu verfolgende Ziel besteht. Ob das schon jetzt der Fall ist, wage ich nach dem Verlauf der Verhandlungen im Rate nicht mit Bestimmtheit zu behaupten. Ich kann deshalb auch die Entwicklung in diesen Dingen heute noch nicht als abgeschlossen ansehen. Die Zukunst wird uns bald darüber belehren, ob die stattgehabten Verhandlungen und die gefaßten Beschlüsse ausreichen, um denjenigen Zustand herzustellen, der nach meiner Ansicht das Ziel der Garantie des Völkerbundes sein muß. Ich zweifle nicht, daß der Völkerbund nicht zögern wird, die jetzt geschaffene Regelung durch weitere Verbesserungen zu ergänzen, wenn die künftige Praxis etwa die gehegten Erwartungen nicht erfüllen sollte. Dr. Stresemann erklärte hierzu, er vermöge in der Stellungnahme zu dem Minderheitenproblem keinen Unterschied zwischen interessierten und nicht interessierten Staaten anzuerkennen. Es handele sich um ein Problem, das auf Grund des nach dem Kriege neugeschafsenen Regimes den Völkerbund in seiner Gesamtheit angehe. Der Friede unter den Völkern werde umso besser gesichert sein, je mehr das unverzichtbare Men- schenrecht auf Muttersprache, Kultur und Religion unbeschadet der staatlichen Grenzen geachtet und geschuht wird. Die Zeit werde hoffentlich nicht mehr fern sein, in der der Völkerbund sich für die Behandlung der Minoritätenfragen ein besonderes Organ schaffen wird, wie es für die Wirtschaftsund Mandatsfrage geschehen ist. Sn diesem Sinne habe auf der letzten Bundesversammlung der Vertreter der Niederlande den Gedanken einer besonderen Minderheitskommission angeregt, und der Vertreter der Schweiz habe diese Anregung mit Sympathie begrüßt. Der Völkerbund müsse sich dauernd mit der Frage befassen, wie seine Aufgabe, über den Schuh der Minderheiten zu wachen, gelöst wird. Deshalb sei es auch selbstverständlich, daß alljährlich die 6. Kommission die Fortschritte auf diesem Gebiete verfolge. Der Minister wolle davon absehen, in diesem Jahre die Behandlung der Frage in der 6. Kommission vorzunehmen, um. sich das Problem für die späteren Sahre vorzubehalten. Denn die Frage der Behandlung des Minderheitsproblems hänge nicht von dem Tempo der Verhandlungen ab, sondern von der Dauer und Intensität, mit der das Problem verfolgt wird. Lin Staat, der den versuch mache, mit seinen Machtmitteln die Kultur der Minderheiten zu unterdrücken, würde sich dem verdacht aussehen, daß er sich zu schwach fühlt, die ihm angehörenden Völker zu regieren. Dr. Stresemann sprach dann über die Frage der Neugestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa. Er teile nicht, sagte er, die grundsätzliche Skepsis der „Pränumerandopessimisten". Warum solle der Gedanke das zusammenfassen, was die europäischen Staaten einigen kann, von vornherein unmöglich fein? Freilich lehnte der Reichsaußenminister jede politische Tendenz gegen einen anderen Erdteil aufs entschiedenste ab. Dr. Stresemann schilderte dann die Grenz- verhältnisse Europas mit allen ihren Schwierigkeiten auf wirtschaftlichem und verkehrstechnischem Gebiet, die in wenigen Jahrzehnten, so hoffe er, als ein mittelalterlicher Zustand angesehen würden. Er fragte: IDo bleibl die europäische Münze? Wo die europäische Briefmarke? Unb wenn es möglich ist, jetzt mit einer Ersparnis von zwanzig Lagen von Deutschland nach dem Fernen Osten zu gelangen, so mutet es doch merkwürdig an, daß es nicht möglich zu sein scheint, auch die wirtschaftlichen Grenzverhältnisse zu erleichtern, wie es einem modernen Europa entspricht. Ich möchte an dieser Stelle nicht über den politischen Inhalt des Versailler Vertrages sprechen, schloß Dr. Stresemann, und ich glaube auch, daß meine Stellungnahme dazu bekannt ist. Aber durch den Versailler Vertrag sind eine ganze Anzahl neuer Staaten geschaffen worden: man hat jedoch nicht daran gedacht, diese Staaten den modernen Verhältnissen entsprechend in das wirtschaftliche System Europas einzufügen. Ein großer deutscher Dichter hat einmal gesagt, daß jede große Idee zuerst wie eine Tollheit anmute. Ich lehne es ab. die wirtschaftliche Vereinigung und Vereinfachung der europäischen Staaken als eine Utopie anzusehen, ich halte es vielmehr für eine unbedingte Pflicht, in diese r Richtung zu arbeiten. Freilich wird sich diese Arbeit nicht mit Elan und Hurra lösen lassen, sie gehört vielmehr zu jener Tätigkeit, von der der Dichter sagt, daß sie „zum Bau der Ewigkeiten zwar Sandkorn nur an Sandkorn reiht, doch von der großen Schuld der Zeiten Minuten, Tage, Jahre streicht." Starker Eindruck der Rede. Genf, 9. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die heutige Vollversammlung zeigte von vornherein das Bild eines großen Tages. Die Tribünen waren bis auf den letzten Platz beseht. Ebenso waren alle Delegationen vollzählig erschienen. Bevor Dr. Stresemann anfing zu sprechen, wurde er von vielen Delegationsführern auf das herzlichste begrüßt. Seine Rede wurde häufig durch lebhaften und anhaltenden Beifall unterbrochen, der sich besonders in dem Teil, in dem Dr. Stresemann über die wirtschaftlichen Vereinigten Staaten von Europa sprach, verstärkte. Die Rede Dr. Strese- manns wurde durch Lautsprecher vor dem Reformationssaal auf die Straße übertragen, wo sich eine große Menschenmenge angesammelt hatte. Die Menge brach besonders während der französischen Llebersehung der Rede häufig in starken und herzlichen Beifall aus. Die Rede Dr. Stresemanns wurde von den Delegierten mit größter Sympathie ausgenommen. Von allen Seiten wurde der Außenminister aufs herzlichste beglückwünscht. Personalveränderungen in der Reichswehr. Berlin, 7. Sept. (WTB.) Das Reichswehrministerium gibt die folgenden Personalveränderungen in den höheren Kommandostellen bekannt: Mit dem 1. Oktober dieses Jahres werden ernannt: Generalleutnant Freiherr Seutter von Löhen, Stab des Gruppenkommandos I, bisher beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Kommandeurs der 5. Division und Befehlshabers im Wehrkreis 5, zum Kommandeur der 5. Divis i on und Befehlshaber im Wehrkreis 5 (zu dem auch Gießen gehört. — D. Red.): Generalleutnant Schniewindt, Kommandeur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 3. zum Kommandeur der 2. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 2: Generalmajor v. Stülpnagel, Chef des Heeres-Personal- amts, zum Kommandeur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 3: Generalmajor von Blomberg, Chef des Truppenamts, zum Kommandeur der 1. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 1; Generalmajor Frhr. v. Hammer- stein-Equord. Stab des Gruppenkommandos 1, zum Chef des Truppenamts Mit dem 30. September d. 2. sch ei den aus: Generalleutnant Frhr. v. Esebeck, Komman- Zwei schwere Schiffskaiasirophen. Ein finnischer und ein dänischer Dampfer gesunken.—150 Tote. Helfingfors, 7. Sepl. (WB.) Ueber eine furchtbare Schiffskataftrophe wird aus dem Seengebief von Tamm rsfors berichtet: Der finnische Dampfer „Ku r u“ mit nahezu 20C Passagieren an Bord, darunter viele Jrauen und Kinder, ist während eines Sturmes gekentert und innerhalb einer Minute untergegangen. Es ist damit zu rechnen, daß etwa 13 0 Menschen den Tod in den Wellen gefunden haben. Weitere Einzelheiten Berlin, 8. Sept. (TU. Funkspruch.) Nach einer Meldung Berliner Blätter aus Tammerfors zu dem großen Schiffsunglück waren bis Sonntagnachmittag etwa lOOTodesopfer geborgen. Noch immer werden Leichen an Land getrieben, zum großen Teil aus den Dörfern, deren Schulkinder in Tammersfors zur Schule gingen und den Sonntag zu Hause bei ihren Angehörigen verbringen wollten. Da fid)* viele Passagiere, besonders Frauen und Kinder, in den Kajüten befanden und nicht mehr rechtzeitig auf Deck kommen konnten, ist die Gesamtzahl der Opfer noch immer nicht mit Bestimmtheit festzustellen. Auf jeden Fall befanden sich über 150 Passagiere an Bord, 2 3 Personen sind gerettet worden, so daß man mit etwa 130 Toten rechnen muß. Der Kapitän des verunglückten Dampfers, der sich unter den Geretteten befindet, berichtete über den Hergang des Unglücks unter anderem, kurz nach 3.30 Uhr nachmittags feien mehrere bis zu zehn Meter hohe Wellen über das Schiff hinweggeschlagen. Die Passagiere seien ängstlich geworden und ein Teil von ihnen legte Rettungegürtel und Schwimmwesten an. Plötzlich habe der Dampfer eine Schlagseite erhalten, die vielleicht dadurch verstärkt worden sei, daß fast alle Passagiere nach der Leeseite (der dem Winde abgekehrten Seite) des Schiffes gelaufen waren. Der Dampfer legte sich ganz auf die Seite und auf Deck und in den Kajüten fei eine wilde Panik entstanden. Auf den schmalen Treppenaufgängen spielten sich, wie die Ueberlebenden berichten, herzzerreißende Szenen ab. Im Verlaufe von wenigen Sekunden sank das Schiff. Ehe der Dampfer „Tarjanne", der sich in der Nähe befand, am Unglücksplatz eintraf, waren die meisten bereits ertrunken. In den finnischen Kirchen wurden am Sonntag Trauergottesdienste abgehalten. Die Leitungen erschienen mit breitem Trauerrand. In Tammersfors läuteten die ganze Nacht hindurch die —TW tUTJ. UTJ. J? 1VT » ZM V1 IHI .lan.’Ua m BK rHB Kirchenglocken. Alle Theater und Restaurants find geschlossen. Ganz Finnland .steht im Zeichen der Trauer. Oer Untergang des dänischen Dampfers „Dan". Königsberg, 8. Sept. (TU. Funkspruch.) Der 3500 Tonnen große dänische Dampfer „D a n“, der mit einer Kohlenladung am Freitagabend Dänemark verließ und nach helfingfors unterwegs war, ist am Samstag bei schwerem Sturm in der Danziger Bucht in Seenot geraten. Die SOS-Rufe des Dampfers enthielten keine Standorl- angabe und verstummten sehr bald vollständig. Eines der zur Zeit in Pillau liegenden Torpedoboote begab sich sofort auf die Suche. Auch ein in Travemünde angefordertes Wasserflugzeug suchte trotz des andauernden Sturmes die ganze Danziger Bucht ab, konnte aber bis Samstagabend keine Spur von dem Schiff finden. Schließlich gelang es dem Linienschiff „Hessen" in der Nacht zum Sonntag, ein Boot des dänischen Schiffes mit einem Mann der Besatzung zu bergen. Der gerettete Matrose war aber bis Sonntagmittag noch nicht vernehmungsfähig, so daß man auch jetzt noch keine Einzelheiten über die Katastrophe und über die Unsallslelle hat. Der Dampfer muß als verloren gellen. Die Besatzung betrug 21 Mann. Das Linienschiff „Hessen" und das Torpedoboot „Seeadler" setzten auch am Sonntag die Suche nach dem Schiff fort. Nach Aussage ^es Geretteten ist der Dampfer mit der übrigen Besatzung gesunken. Das Schiff soll am 7. September kurz nach Mitternacht etwa 40 Seemeilen nordwestlich von Drüsterort untergegangen fein. Der Aeberlebende hat den Untergang beobachtet. In dem gefundenen Doot hatten sich zunächst fünf Mann befunden, von denen vier Mann heraus- gespült worden sind. Der Uebcrlebenöe will ein zweites Doot mit zwei oder drei Mann, darunter der Steuermann, in Lee unter Segel beobachtet haben. Die Besatzung des „Dan" bestand aus 21 Mann und der Frau des Steuermanns. Der Name des geretteten Matrosen ist Martin M e l m aus Dragör. Es wird auch die Vermutung ausgesprochen, daß der Dampfer bei Gostland auf eine Mi ne aufgelaufen ist. Dr. Eckener über seine plane. Einrichtung eines Zeppelin-Verkehrsdienstes zw schen Europa und Amerika. Neuyork, 7. Sept. (WB.) Dr. Eckener, der im Lause des Nachmittags mit dem Hapag- dampfer „Neuyork" die Heimreise antritt, empfing im Hotel die Vertreter der Presse, denen er auf ihre Fragen nach feinen künftigen Plänen eingehend Auskunft gab. Dr. Eckener betonte, er habe in Amerika nur allgemeine Besprechungen mit Vertretern aller großen Bankgruppcn gehabt. Da das Luftschiff ein internationales Verkehrsmittel fei, müsse die Entwicklung aus internationaler Basis erfolgen. Endgültige Verhandlungen seien erst möglich nach weiteren Besprechungen mit der deutschen Interessentengruppe, der die Hapag und Großbanken, wie die Darmstädter und National-Bank und die Discontogesellschast angehörten. Diese Besprechungen, an denen auch Vertreter amerikanischer Interessenten teilnehmen, würden sofort nach der Ankunft in Hamburg beginnen. Er habe bei den amerikonifchen Bantgruppen zum ersten Male ein wirkliches und ernsthaftes Interesse gesunden. Ein greifbares Ergebnis der Besprechungen in Amerika sei die völlige Verständigung mit dem Leiter der Goodyear Zeppelin Company, Litchfield, über eine enge Zusammenarbeit der amerikanischen Gesellschaft mit der Zeppelin - Luftschiffbau - Gesellschaft für die Einrichtung eines Zeppelindienstes Europa—Amerika und Europa—Südamerika. Zunächst sei nur eine Linie Europa—Amerika geplant. Der amerikanische Endpunkt werde wahrscheinlich irgendwo südlich der Linie Baltimore — Washington liegen, da dort die meteorologischen Verhältnisse für Abslug und Landung am günstigsten seien. Der europäische Endpunkt werde sich gleichfalls aus Rücksicht aus die Wetterverhältnisse etwa in der Mitte Frankreichs mit guten Verbindungen nach Deutschland befinden. Bei Frankreich sei in dieser Angelegenheit nur leicht vorgefühlt worden. Die Sache fei zuerst nach der Notlandung in Cuers-Pierreseu besprochen worden. Dies sei ein gutes Resultat der damaligen Notlandung gewesen. Dr. Eckener betonte, er habe sämtliche Verhandlungen bis nach dem Weltfluge verschoben, um die letzten Zweifler von der Durchführbarkeit feiner Projekte zu überzeugen. Weiter erHärtc Dr. Eckener lächelnd, ehe die Transatlantik-Luftschifsdienst- Gefellschaft gegründet werde, fei natürlich noch umfangreiche Detailarbeit zu leisten, besonders wenn die Anwälte eingriffen. Die Flotte für den Amerika-Europadienst mühte mindestens vier Schiffe umfassen. Die Einrichtung eines solchen Dienstes einschließlich einer Doppelhalle an beiden Endpunkten erfordere ein Kapital von etwa 15 Millionen Dollar. Alle vier bis fünf Tage müsse sowohl von Europa wie von Amerika aus die Abfahrt eines Schiffes erfolgen. Natürlich werde man bemüht fein, für die Luft- fchifflinien Verträge mit der Postbeförderung zu erhalten. Beim Bau neuer Luftschiffe würden die bisherigen Erfahrungen ausgewertet werden. Der Schiffskörper würhe ärodynarnisch verbessert werden und kürzer und dicker fein. Die Paffagierkabinen werde man zur Erhöhung der Bequemlichkeit innen einbauen. Die Schiffe, die mit acht Motoren versehen würden, müßten eine Geschwindigkeit von etwa 110 Kilometer erreichen, so daß der Flug von Osten nach Westen etwa 45, der von Westen nach Osten etwa 65 bis 70 Stunden in Anspruch nehme. Die Tragfähigkeit werde man so bemessen, daß außer 24 Passagieren im Winter noch etwa 15 Tonnen Fracht mit Einschluß der Post, im Sommer 10 bis 12 Tonnen mitgeführt werden könne. Der Fahrpreis pro Passagier sei etwa mit 1000 Dollar anzufetzen. Die Aufnahme des Betriebes werde kaum vor dem Jahre 1933/34 möglich fein, da das erste deutsche Luftschiff erst Ende 1931 vollendet werden könne. 1932 könne ein weiteres deutsches Luftschiff fertiggestellt fein. Da die Good Year Zeppelin Company zur Zeit zwei Luftschiffe für die amerikanische Marine im Auftrag habe, könne in Akron vor 1931 wohl kaum ein Luftschiff für den Transatlantikslug gebaut werden. Die Luftschiffe, deren Gasfasfungsvermögen 145 000 Kubikmeter betragen werde, würden in Zukunft mit Helium gefüllt, so daß sie ein völlig sicheres Verkehrsmittel darstellten. Der Südamerika- dienst werde über Pernambuco gehen. Für diese Linie stehe in Sevilla ein Flughafen zur Verfügung. Gegenüber dem „Graf Zeppelin", dessen Dimensionen durch die Verhältnisse der kleinen Friedrichshafener Halle bedingt gewesen feien, werde der neue Zeppelintyp eine größere Steuerfähigkeit aufweifen, die ein ruhigeres Fahren auch bei böigem Wetter ermöglichen werde. Angesichts dieser Derbesferungsmöglichkeiten könne man den „Graf Zeppelin" nicht als Ideal- luftfchiff bezeichnen. Günstige Lage des Lufthafens und Mechanisierung des Landungspro- zesses vorausgesetzt, werde man in Zukunft eine Bodenmannfchast von nur 60 bis 80 Personen benötigen. Es sei unwahrscheinlich, daß der „Graf Zeppelin" je wieder nach Lakehur st fliege. Der „Graf Zeppelin" tabe seine Schuldigkeit getan. Er werde nicht in den Transatlanlikdienst gestellt, sondern ünftig nur der Ausbildung neuer Mannschaften und ähnlichen Zwecken dienen. Schließlich stellte Dr. Eckener noch fest, daß der Good Year Zeppelin Company ausgezeichnetes deutsches und amerikanisches Personal zur Verfügung stehe. deur der 1. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 1; Generalleutnant v. Arnsberg, Kommandeur der 2. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 2; Generalleutnant Rei nicke. Kommandeur der 5. Division und Befehlshaber im Wehrkreis 5; Generalleutnant v. Greisf, Inspekteur der Waffenschulen; Generalleutnant H e ß, Kommandeur der Artillerieschule: Generalmajor G ö l d n e r, Artillerieführer I; Generalmajor Ritter von Pflüget, Infanterieführer II: Generalmajor Krantz, Infanterieführer IV: Generalmajor ©rinne, Artillerieführer VI; Generalmajor v. Wenz zu Niederlahn st ein: Generalmajor v. München, Generalmajor v.P laten, Kommandeur des Infanterieregiments 16. Oie Untersuchung der Sprengstoff-Attentate. Berlin, 9.Sept. (Priv.-Tel.) Wie berichtet wurde, hatte sich der 20 Jahre alte Arbeitslose Werner Müller in der Nacht 5um Samstag bei der Polizei gemeldet und sich selbst der Teilnahme an dem Spreng st offattentat am Reichstag bezichtigt, später aber fein Geständnis wieder zurückgenommen. Der „Montag" meldet nunmehr, daß Werner Müller am Sonntagmorgen vom Polizeipräsidium wieder entlassen worden sei, da sich herausgestellt habe, daß seine ersten Angaben unwahr waren und er als Täter überhaupt nicht in Frage kommt. Das genannte Blatt berichtet weiter, die Polizei sei der Ansicht, daß die Attentäter ihren Wohnsitz überhaupt nicht in Berlin haben. Man nehme an, daß es sich um höchstens zwei b i s drei Personen handele, die die Terrorakte auf eigene Faust durchführen. Das Hauptaugenmerk der Polizei fei augenblicklich darauf gerichtet, die Herkunft der großen Sprengstoff- m eng en festzustellen, die den Attentätern zur Verfügung standen. Die Polizei glaube, daß die Sprengstoffe aus Diebstählen und Einbrüchen herrührten. Die die Ermittelungen leitenden Kriminalkommissare hätten sich daher eine Liste der in letzter Zeit in Deutschland verübten Sprengstoffdiebstähle zusammenstellen lassen und versuchten jetzt festzustellen, in wessen Hände das Material gelangt ist. Diese Liste, die die Zeit vom 31. März bis 29. Juli umfaßt, wird vom „Montag" veröffentlicht. Die Polizei erwartet für Montagfrüh das endgültige Gutachten der Sachverständigen der Physikalisch- chemischen Reichsanstalt, das auch die Dermu- tungen über die bei den einzelnen Attentaten zur Verwendung gelangten Sprengmittel enthalten soll. Aus aller Wett. Lchwere Gewitter im Wilnaer Gebiet. Aus Wilna wird gemeldet, daß im Wilna- Trockaer Kreise während eines Unwetters drei Personen durch den Blitz getötet wurden, während sechs schwere Verletzungen davontrugen. Acht Häuser wurden durch Blitzschlag e i n g e ä s ch e r t. — An der polnischlitauischen Grenze ist während eines Gewitters ein litauisches Flugzeug abge stürzt: es wurde vollständig zertrümmert. Einer der Piloten wurde schwerverletzt. An einer anderen Stelle der polnisch-litauischen Grenze ist ein Flugzeug durch den Blitz stark beschädigt: worden. In der Nähe von Radom wurden zwei Großmühlen durch Blitzschlag eingeäschert. Der Schaden beträgt nahezu eine Million Zloty. Verheerendes Großfeuer In Unferfranfen. Stockheim, (N h ö n), 9. September. (WTB. Funkspruch.) Am Samstagabend gegen 10 Uhr wurde die Gemeinde Stockheim von einer gewaltigen Feuersbrunst heimgesucht, der 22 Scheunen und 10 Wohnhäuser mit den dazugehörigen Nebengebäuden zum Opfer sielen. Das Vieh konnte größtenteils gerettet werden. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Notlandung des kleinluftschisses „R. k. 27“. Leipzig, 7. Sept. (WB.) Das K le in- luftschifs „R. K. 27“, das heute früh zu einem Probeflug nach Magdeburg gestartet war, mußte infolge des Ausfallens eines der beiden Motoren in Leipzig notlanöen. Da nicht genügend Hackemannschaften am Platze waren, zog der Führer Raab die Reißleine. Das Luftschiff hat außer einem Provellerbruch feine Beschädigung erlitten. 146 Todesopfer des Taifuns auf den Philippinen. Neuyork, 7. Sept. (WB.) Nach einer Meldung der „Associated Preß" aus Manila wird die Zahl der Todesopfer des Taifuns auf den Philippinen jehl auf 14 6 geschäht. 3n der Niederlassung in 3nfar.la an der Westküste der Provinz Tayabas auf der Insel Luzon wurden allein 50 Personen gelötet, und hier sind nur acht Häuser unversehrt geblieben. Die Bevölkerung leidet an Nahrungs- und Wassermangel. Drei Flugzeuge mit Aerzten, Krankenschwestern und Lebensmitteln sind zur Hilfeleistung abgeflogen. Oie Wetterlage. O woixenios. O neuer. <> naib Bedecxt.® woixig. q oedeext eReget * Schnee & graupeln, s MeDel K Cewiiter.(§)uineMille.'O sehr «icnter Osi massiger Südsüdwest % stürmischer «ordnest Oie Pfeile (liegen mit dem wmde. Die oeiden Stationen dienenden Zahlen geoen die Temperatur an. Die Linien verDinden Orte mit gleichem •m Meeresniveau umgertchneten Luftdruck Wettervoraussage. Die in den letzten Tagen die Temperaturen stark beeinflussenden Kaltluftmasfen werden immer weiter südlich verdrängt und dort erwärmt. Dom Ozean her folgen wieder wärmere Luftmassen nach, die bereits unter Temperaturanstieg allgemein Barometerfall veranlaßten. Da sie nur langsam vordrängen und sich allmählich mit der jetzt in S-.ddeutschland lagernden Kaltluft vermischen, so wird außer zeitweiser Wolkenbildung das Wetter vielfach heiter bleiben, zumal von Westen her wieder Luftdruckanstieg cinfeht. Nachts erfolgt jedoch infolge der Ausstrahlung starke Abkühlung und Nebelbildung, während tagsüber Erwärmung eintritt. Wettervoraussage für Dienstag: Morgens stellenweise neblig und kalt, tagsüber teils heiter, teils wollig mit Erwärmung, trocken. Wettervoraussage für Mittwoch: Noch keine wesentliche Aenderung der Wetterlage. An« Nrr Prvvinzialbaupistadt Gießen, den 9. September 1929. 4)er Mann im Abendrot. £inc Frage bringt uns armen Frauen wohl die allergrößte Erdenpein: Welchem Manne soll man sich vertrauen? Welcher Mann wird wohl der Rechte sein? Frage nicht nach Tugend oder Sünden, jeder handelt ja nach höh'rem Zwang. Willst du eines Mannes Kern ergründen, zeig ihm einen Sonnenuntergang. Einer, der das Leben niemals meistert, zeigt sich von der Sonne goldnem Licht viel zu stark erhoben und begeistert, und er macht womöglich ein Gedicht! Und ein zweiter spricht von Grundstückskäufen, weil ihm, wenn am hohen Himmelszelt sich die Gluten und die Farben Hausen, diese Gegend ausnahmslos gefällt. Und der dritte, den ich dir empfehle, zeigt sich nicht ergriffen, wenn es loht. Es erinnert einzig seine Seele dieses Abendrot ans Abendbrot. Diesen nimm, und sei er noch so schüchtern, für des Lebens lange Wanderschaft. Er ist sachlich, häuslich, ehrlich, nüchtern, und vor allem ist er dauerhaft! Puck. Nachprüfung der Renten der Kriegsbeschädigten. Die Kriegerkameradschaft „Hassia in ^Darmstadt teilt mit: Nach einem Runderlaß des Reichsarbeitsministeriums sollen in Kürze die seit längerer Zeit ausgesetzten NachuntersucstungenderKriegs- beschädigten wieder vorgenommen werden. Zweck der Nachuntersuchungen ist, wie dem Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyfthäuser" aus dem Reichsarbeitsministerium mitgeteilt wird, objektiv festzustellen, ob ein naturgemäß dem Wandel noch unterworfenes 9 entenleiden in der Zwischenzeit eine wesentliche Veränderung erfahren hat, worin diese sich ausdrückt und wie sie für die Neufestsetzung der Rente zu bewerten ist. Der Erfolg soll sein, daß dem Beschädigten di e Rente zuerkannt wird, die sein Zustand rechtfertigt. Frühere Erfahrung hat gezeigt, daß aus Anlaß der Nachuntersuchung angeordnete Minderungen der Renten im großen Umfang Veranlassung gaben, die Entscheidungen der Versorgungsämter im Rcchtszug zu bekämpfen. Um eine solche Wirkung einzuschränken, sind die Dersorgungsämtcr mit Weisung versehen, in den den Kriegsbeschädigten zu erteilenden Rentenherabsetzungsbcscheiden in allgemein verständlicher Form und erschöpfend die Gründe anzuführen, die für die Neubcmessung der Rente maßgebend waren. Das Reichsarbeitsministerium erhofft von dieser Art der Bescheidertestung eine Einschränkung der Zahl der Berufungen, und es hat die Organisa tionen der Kriegsbeschädigten gebeten, in diesem Sinne innerhalb ihrer Verbände zu wirken. Oie Meudelsfoknseier der israelitischen Religionsgememde. Qhn Sonntagvormittag beging die israelitische Religionsgemeinde mit einer Gedenkfeier den 200. Geburtstag (6. September 1729) des großen Philosophen Moses Mendelssohn in der festlich mit Blumen geschmückten Synagoge (Südanlage). Den Auftakt zur Feier, deren musikalische Darbietungen sich alle aus künstlerischer Höhe bewegten, bildete der wuchtige Chorgesang »Die Ehre (Kottes aus der Statur“ von Beethoven. Herr Albert K a st e n (Orgel) und Herr Bruno Hermann (Cello) spielten Stücke von Pergo- lese und Mozart. Frau Lore Michaelis- Sander sang zwei Arien aus Mendelssohns „Elias" und Kantor Josef Marx Richard Wagners „Gebet des Rienzi". Rabbiner Dr. Sander begann seine Festrede mit dem Bibelvers (Daniel 12, Vers 3): „Aber die Verständigen werden glänzen wie der Glanz des Himmels, und die, welche viele der Gerechtigkeit führten, wie die Sterne, immer und ewig." Dr. Sander schilderte kurz den Lebenslauf Mendelssohns und dessen geistige Entwicklung. Er wies darauf hin, daß Mcndclsfohn sowohl für das Judentum als auch für das Deutschtum eine geschichtliche Persönlichkeit sei. Sein großes Wissen in jungen Jahren, wie überhaupt seine harmonische Persönlichkeit, die wie ein Genie mit unmittelbarer Kraft die schöpferischen Gedanken schuf, fand, fo fuhr der Rabbiner fort, bei Königen des Geistes und der Geburt die gleiche Achtung. Mit Lessing schloß er Freundschaft, und sogar Friedrich der Große, der Menschenverächter, hielt ihn bei sich in Berlin unter seinem Schutze. In einer Zeit, wo ausländische Kultur und Zivilisation Deutschland zu überschwemmen drohten, kämpfte er mit Lessing dagegen an. Er, der erst mit fünfzehn Jahren die deutsche Sprache erlernt hatte, wurde einer der besten deutschen Schriftsteller. Er ging über das rein Jüdische hinaus und nahm deutsche Kultur auf. Mendelssohn wurde der erste Jude im 18. Jahrhundert, der im Geiste der Aufklärung die Synthese zwischen Deutschtum und Judentum zu finden wußte. Als Philosoph erkannte er die jüdische Religion vom Standpunkt der Erkenntnislehre aus. Kein Konflikt, kein Zureden konnte ihn bewegen, vom Judentum abzufallen. Mendelssohn — der „Weise" steht kurz auf feinem Grabstein — starb als ein religiöser, selbstbewußter Jude und Deutscher. Nach der eindrucksvollen Rede Dr. Sanders, von der wir leider hier nur einen wesentlichen Teil wiedergeben können, wurde die würdige Feier mit zwei weiteren musikalischen Darbietungen beschlos. sen. Die öffentliche Gedenkfeier, deren Gesamtein- druck bei jedem das Bild einer wohlvorbereiteten und in Stil und Ton gut gelungener Veranstaltung abgab, war von allen Teilen der Bevölkerung stark besucht. Gm. £ieÖen und Arien-Abend von Msabeih Weeg. Am letzten Donnerstag veranstaltete Elisabeth Weeg, eine geborene Gießenerin, in der Neuen Aula einen Lieder- und Arien-Abend. Wie lange sich die Konzertgeberin dem Gesangsstudium gewidmet und bei wem sie ihre Ausbildung erfahren hat, entzieht sich der Kenntnis des Referenten. Im Hinblick auf die vorhandenen Mittel kann die Frage nach einer stimmlichen Befähigung von Fräulein Weeg durchaus bejaht werden. Aber der Grad der Ausbildung, den sie bis jetzt erreicht hat, vermag noch nicht alle unbedingt zu stellenden Anforderungen zu erfüllen. Daß die Fähigkeiten der Konzert- geberin sie bei gründlicher Weiterarbeit ihrem erhofften Ziele zuzuführen vermögen, dafür spricht ihre durchaus sympathische Art, sich auf dem Podium zu geben. Wenn auch ihr Vortrag den Ansprüchen noch nicht vollauf zu genügen vermochte, so ließen sich doch erfreuliche Ansätze dafür fest- stcllen, die einer umfassenden Forderung durchaus wert sind. Die Vortragsfolge war angesichts der Veranlagung der Sängerin für das lyrische Fach geschickt zusammengestellt worden. Der Nachhall im Publikum fand in sehr starkem Beifall und zahl- reichen Blumenspenden beredten Ausdruck. Am Flügel begleitete Dr. Julius Dorfeiber von der Münchener Staatsoper in wohldurchdachter und routinierter Art. Talen für Dienstag, 10. September. 1918: der Afrikareisende und Kolonialpolitiker Karl Peters in Woltorf gestorben (geboren 1856). Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Schützenverein Gießen: Monatsversammlung, 20.15 Ahr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstrahe:,, „Was eine schöne Frau begehrt" und „Lockruf des Goldes". — Astoria-Lichtspiele: „SRärmer ohne Beruf". — Stadttheater Gießen. Man schreibt uns: Am morgigen Dienstag, 10. September wird als letzte Aufführung dieser Sommerspielzeit „Das große ABC" von Marcel Pagnol gegeben. Die Hauptrolle (Herr Topaze) spielt Walter Ebert-Grassow. Gr verabschiedet sich zugleich in dieser Rolle vom Gießener Publikum und wird in der nächsten Spielzeit sein Engagement als erster schwerer Held und Spielleiter am Reuen Schauspielhaus in Wien antreten. Die Spielleitung hat Intendant Dr. Rolf Prasch selbst. Beschäftigt sind ferner die Damen: Doering, Fuhrmann, Zahn, Jüngling, Scherer, und die Herren: Arzdorf, Dommisch, Hais, Hub, Linkmann. Volk und Ritter. Inspektion: Anton Wahlen. ** Borboten des Winters. Gestern, Conntagvormittag gegen fünf Ahr, wurden in unserer Gegend die ersten Schneegänse beobachtet. Es handelte sich um einen Schwarm von ungefähr fünfzehn Vögeln, die in einer Höhe von nur etwa dreißig bis vierzig Meter unweit der Heil- und Pflegeanstalt gesichtet wurden und in südlicher Richtung verschwanden. ** Der Obst- und Gartenbauverein Gießen sieht sich durch die seit Wochen andauernde Trockenheit, veranlaßt, die für den 14. und 15. d. M. geplante Gartenbau-Ausstellung um eine Woche zu verschieben. Sollte auch bis dahin die Hoffnung auf einen ergiebigen Regen täuschen, der den verschmachtenden Gartengewächsen wieder Frische verleiht, so kann die Ausstellung in diesem Jahre leider nicht mehr stattfinden. ** Eine Wohltäterin der leidenden Menschheit. Zu der im Gedenkaufsatz „Friedrich August Kekule" von Dr. Hildebrand, Gießen, erwähnten Ermordung der Gräfin Görlitz (Dgl. das Feuilleton in Rr. 209 vom 6. September) werden uns aus dem Leserkreise noch folgende Einzelheiten mitgeteilt, die allgemein interessieren dürften. Rach dem »Reuen Pitaval", der die Ermordung der Gräfin Görlitz behandelt, fand der Mord am 13. Juli 1847 statt, die Schwurgeri.'. tsverhandlunz vom 11. R ä z bis 11. April 1850. In einem Testament, datiert vom 1. Juni 1846, hatte die kinderlose, hochgebildete und hochherzige Frau den größten Teil ihres bedeutenden Vermögens zur Gründung einer gemeinnützigen Anstalt bestimmt: cs ist die heute noch bestehende Dalsersche Klinik in der Wilhelmstraße zu Gießen. ** Notlandung eines Sportflugzeu- g e s. Am Samstagabend gegen 6! Uhr zeigte ein SportfNeger, der auf dem hiesigen Flugplatz auf- gestiegen war, über der Stadl mehrere Kunstflüge. Plötzlich ging der Flieger sehr rasch und ziemlich steil nieder, wobei er jedoch nicht die Richtung Äum Flughafen nahm. Er landete, nachdem er knapp über die Häuser und Bäume hinweggekom- men war, auf der Wiese in der Schwarzlach am Fuße des Rodberges. Wie sich herausstellte, hatten Störungen im Motor den Flieger zur Notlandung außerhalb des Flugplatzes, den er nicht mehr er- reichen konnte, gezwungen. Zum Glück gelang es dem Piloten, seine Maschine so auf die mit Drainagegräben durchzogene Wiese aufzusetzen, daß er und das Flugzeug unversehrt davonkamen. Es handelte sich um das Sportflugzeug D 551, das in der Nacht zum Sonntag auf dem Notlandeplatz verblieb und am Sonntag früh gegen j7 Uhr zur Rückkehr nach dem Flugplatz wieder aufstieg. Gestern nachmittag konnte man die Maschine wieder bei Rund- flügen über unserer Stadt beobachten. " Ein Waldbrand tarn gestern, Sonntag nachmittag gegen 5l/s ühr. in der vierten Schneise des Stadtwaldes in der Rähe der Bahnstrecke Gießen—Fulda zum Ausbruch. Dort hatten Waldbesucher abgekocht und die FeuersteUe nicht mit der notwendigen Sorgfalt gelöscht, so daß das Feuer sich alsbald im Anterholz und auf naheliegenden Grasslächen, zum Glück nur in geringem Umfange, ausbreiten konnte. Spaziergänger, die dort des Weges kamen, benachrichtigten sofort den in der Rahe stationierten Bahnwärter, der telephonisch die städtische Feuerwache in Gießen alarmierte. Die Wache war rasch zur Stelle und beseitigte die Gefahr. Die Löscharbeiten wurden in Gegenwart des städtischen Feuerwehrdezernenten Dr. Hamm unter Leitung des Stadtbranddirektors Braubach erfolgreich durchgeführt. " Verkehrsunfall. Am Freitagabend ereignete sich in Klein-Linden ein schwerer Verkehrsunfall. Der Schriftsetzer K i r s ch b a u m aus Gießen, der sich mit seinem Fahrrad auf dem Heimweg befand, wurde von einem Motorradfahrer angefahren und so unglücklich vom Rad geschleudert, daß er mit erheblichen Kopftrer- letjungen besinnungslos liegen blieb. Von einem vorüberkommenden Auto wurde der Verunglückte nach Anlegung eines Rotverbandes durch Dr. Boßler ins Evangelische Schwesternhaus nach Gießen gebracht. Der Motorradfahrer hatte sich auf seiner Maschine eiligst entfernt, ohne sich um den Verunglückten zu kümmern. Das Befinden des Verunglückten ist, wie wir hören, heute erfreulicherweise durchaus zufriedenstellend. •• Ein Anglücksfall ereignete sich gestern, Sonntagnachmittag, in Grüningen. Dort fanden mehrere Schuljungen beim Spielen einen Sprengkörper, mit dem sie sich zu schaffen machten. Der Sprengkörper explodierte, wobei der 11jährige Wilhelm Großhaus von Grüningen erhebliche Verletzungen am Dein und beiden Händen davontrug. Ein rasch herbeigeeilter Arzt leistete die erste Hilfe und ordnete die Aeber- fütjrung des Jungen in die Chirurgische Klinik in Gießen an. Vermutlich handelt es sich um einen Sprengkörper, der bei den Felddienftübun- gen des Infanterie-Regiments Rr. 15 verloren wurde. , ■■ iimmiihmi MIIMI im i, '■ i nuMimu»a«Bi« imum ■■nrrr/ > JEDER ZOLL EIN ADLER Äarmelllergelft RMOl 1 Mcltsi... 3 Mo«.-. 1 'nen-, e Zltr.-. 5 Slmt- und mo5matln-C2755 gesucht. 74090 gesucht 05857 Gebrüder Bär, Marktstraße 29. Dr. Werner Zacobi und Frau Zrmhild geb. Lange Spezial-Wollgeschäft ElseDittmar Gießen, Löwengasse 20 Ihre Vermählung zeigen an Dr. phil. Karl Henkel Betriebsleiter Elisabeth Henkel geb. Domend Tüdftincd Mädchen für 15. 9. oder 1. 10. 10 ionOe Damen als Statistinnen für Tänze gesucht. 7395D Circus Kapitän Sclioeider Meldung auf dera Oswald s Garten am Dienst aff- nachm. 3 Unr bei Ballettmsir. Pütz. Strick- Kleider Pullover Jumper Jacken Westen usw. Stets das Neueste zu vorteilhaften Preisen finden Sie im Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 Ab heute biseinschl.Mittwoch das große Doppelprogramm: 1. Schlager: Was eine schöne Frau begehrt Ein reizendes Liebesspiel in 6 Akten, von schönen Frauen, eleganten Kleidern und verliebten Männern. In der Hauptrolle: Billie Dove. 2. Schlager: LockrufdesGoldes Nach dem berühmten Abenteurerroman Jack Londons in 6 Akten. In der Hauptrolle: Milton Sills. Ein Film mit spannender, abenteuerlicher Handlung, die in wirklichem Geschehen fest verankert ist. /«bi Sowie: Die neuesten Tagesberichte aus aller Welt ^Asioria-Lichtspielew [Stellenangebote| bür uns. Werkstatt 2$olfteret l 1 meldet in Männerohne Beruf d$s großen Erfolges wegen bis einschl. Dienstag, 10. Sept., verlängert Brauaasse 6. [Stellengesuche! Ehrlicher, älterer (Dattenoieiiler z. Zt. hier, wünscht Arbeit zur Instand' setznng von Garten- wegen n. dercst. Schristl. Angebote unter 7417D an den (ÄieK. Anz. erbeten. iüüiiige fiödila übernimmt Aushilfe bet Hochzeiten und Festlichkeiten. 05749 Frau Starke. Wetzlar a. b. Rahmengasse L Telephon 2861. Verreist vom 11. September Prof. Brüning 74O7L Dienstag, den 10. (September 1929, nachm. 2 Uhr, versteig, ich im Löwen, Reuen- weg 28 dah.,zwangvw geg. sof. Barzahlung: 2 Küchenschränke, 2 Sofas, 5 Büfetts, 3 Bücherschränke, zwei Standuhren, zwei Ausziehtische, 2 Chaiselongues, 5 Schreibtische, drei Sprechapparate, i Nähmaschinen, eine Oberlockmotor« maschine, 1 Cismaschine, 1 Garnitur Wasche fUeberzug und 2 Kissenbezüge), 15 Wintermäntel, 1 Lederwalze, zwei Bohrmaschinen, 2 Schreibmaschinen, 4 Kredenz., 1 Aktenregal, 1 Regulator, 1 Schreibladenkasse, 1 Waschtisch mit Spiegelaufs., 1 Schrank, 1 Fahrrad, ein Vertiko, 2 Diwane, 4 Klaviere, 1 Cnt- bindungöbett, 1 Inssrumentenschr., drei Teppiche, 1 Glasschr., 1 Registrierkasse, 9 m Kammgarnst., 2 Photogr.-Appar., 1 Heurech., 4 Pferde, 1 Kuh,2Schweine. 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Kinder aus Häusern, in denen übertragbare Krankheiten herrschen, sind nicht zum öffentlichen Impftermin zu bringen. Gießen, den 6. September 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Hamm. Bahnhofs-Restaurant Der bekannt gute Mittagstisch zu kleinen Preisen im Abonnement B942U Haben Sie offene Eüßet Schmerzen IJuekon? Stechen? Brennen? Dann gebrauchen Lte die tausendfach bewährte üniversalhellsaibo, Genterin“ Wirkung überraschend. Vr. 1,50 u.2,75^* Depot in Gießen' in allen Apotheken. Hauptnlederlaie: Engelapotheke Gießen. ta ’S Schiller Prunkvolle Eröffnung Dienstag, 10. Seolemher. abds. 8 Dbr In Gießen, Oswaldegarten Der schönste europäische Circus auf sein. Triumpbzuge Schweiz Norddeutschland. Der wahre zeitgemäße Circus mit sein. 58 Weltsensationen in einer Vorstellung. Der interessanteste Circus mit seinem Riesen-Programm von buntester Abwechslung. Der sensationellste Olrens mit dem nur einmal existierenden Weltwunder: 100 Quo vadis-Löwen. 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Ltt. 2U Zweites Blatt Das Hausgehilfengesetz. Der Gesetzentwurf. Die Reusassung des Entwurfs eines Gesetzes über die Beschäftigung in der Hauswirtschaft lHausgehilsengefetz) liegt zur Zeit dem Reichsrat vor. Es handelt sich dabei um die Regelung einer Materie, an we.chrr die Öffentlichkeit stack interessiert ist. Seit der Aushebung der Gesinde- Ordnungen durch die Verfügung des Rates der Volksbeauftragten, vom 12. Rovember 1918, fehlt es an einer Regelung der besonderen Verhältnisse der häuslichen Arbeitnehmer. Die Vor- schristen des Bürgerlichen Gesetzbuches tragen ihnen nicht hinreichend Rechnung und bedürfen der Ergänzung. Es erschien notwendig, das Recht der im Haushalte tätigen Arbeitnehmer reichs- gesehlich zu regeln, um einerseits das Bedürfnis nach einer solchen Regelung überhaupt zu befriedigen, und andrerseits eine unerfreuliche Rechtsungleichheit zu vermeiden. Bereits im 3ahre 1921 war ein Gesetzentwurf fertiggestellt worden. Zu einer Beratung desselben im Reichsrate ist es infolge der damals bereits eingehenden schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht gekommen. Alsbald nach Lieberwindung der Inflation setzten die Bestrebungen der organisierten Hausge'jilsen für eine gesetzliche Regelung wie er ein die durch mehrere Entschließungen des Reich«.ages unterstützt wurden, der die Vor age eines ent- sprechenden Gesetzes veriangie. Cs wurde demgemäß vom Reichsarbeitsministsrium ein neuer Entwurf nach ausführlichen Besprechungen mit den beteiligten Organisationen ausgestellt. Der neue Entwurf enthält sowohl privates Vertragsrecht, wie öfsentliches Schuhrecht. (2t geht von der Grün a .fchauung aus, daß auch dus Haus', ienstverhältnis ein freies Arbeitsvcrhält» nis i arstellt, in welchem sich Dienstberechtigte und Dienstverpflichligte gleichberechtigt gegenüberstehen. Die Reste ies alten Herrschastsverhältnisses, wie sie die früheren Ce.indeord- nungen enthielten, sind fallen gelassen worden. Auf der anderen Seite muh aber die Regelung im Auge behalten, daß das Hausdienstverhältnis in besonders hohem Mähe ein Vertrauensverhältnis ist, das zu engen Beziehungen führt. 3m Gegensatz namentlich zum Arbeitsverhältnis des Fabrikarbeiters kann es nicht in starren Rechtsformen gebracht werden, es ist äuherst mannigfach gestaltet und widerstrebt einer schablonenmäßigen Behandlung. Es ist daher für das Hausgehilfengeseh ein freierer Spielraum und eine größere Anpafsungsmöglichkeit an örtliche und individuellere Schwierigkeiten geboten als im übrigen Arbeitsrecht. Die Bezeichnung „Hausgehilfen" anstatt des früheren, im neuen Arbeitsrecht nicht mehr gebräu"ichen Begriffs des „Gesindes" oder der „Dienstboten" ist nach dem Vorgänge des neuen bayrischen und öfter- reichischen Rechtes gewählt. 3m Gegensatz zu ten früheren Entwürfen beschränken sich die im neuen Ge.etzentwurf vorkommenden Begriffe „Haus- gehilsen" und „Hausangestellte" nicht auf solche Arbeitnehmer, die in die häusliche Gemeinschaft des Arbeitgebers aufgenommen worden sind, sondern umfaßen, grundsätzlich auch solche, die nur zur Arbeit in den Haushalt eintreten. Bezüglich der Geltung der Vorschriften wird dabei der Llnterschied gemacht, ob die Besc'ö'tigung dauernd für den gleichen Arbeitgeber erfolgt und die Arbeitskraft überwiegend in Anspruch nimmt (Lagesmädchen), oder ob das nicht der Fall ist (Stundenfrau). Der Entwurf zerfällt in vier Abschnitte, von denen der erste die allgemeinen Vorschriften über Geltungsbereich, Häushaltsleiter und Personalausweis. der zweite das Dertragsrecht, der dritte das Schutzrecht enthält, und der vierte das 3nkrasttreten des Gesetzes regelt. Der-neue Gesetzentwurf bezeichnet a.s Hausgehil'en und Hausangestellte Arbeitnehmer, die im Haushalte mit hauswirtschaftlichen Arbeiten oder persönlichen Diensten gegen Entgelt oder zur AuS- Landschastü'ches. Don Hermann Hesse. 3n unserer gebildeten Zeit haben Künstler, noch mehr aber Kunstliteraten, einen erstaunlichen Einfluß aus die Stadtbewohner bekommen. Es ist z. B. zur Mooe und Pilicht geworden, Landschasten „malerisch" zu betrachten. Der Sommerfrischler oder Tourist freut sich, im Far- ben'piel der Wolken ein Lila oder ©rau zu entdecken, das hat ihn an bestimmte Bilder oder Stickereien erinnert, und er findet daS Graugrün des Kiefernwaldes wundervoll auf den zartblauen. Himmel „abgestimmt". 3st er noch raffinierter, so streitet er sogar über „Tonwerte" in der Statur und sucht zu ergründen, ob der Himmel oder ein beleuchteter Felsen „heller im Ton" stehe. Er glaubt in die en Gedanken- und Wortübungen die Statur recht innig zu erfassen und zu genießen. Er lacht über den Dauern, der sich nur um Rah und Trocken, Warm oder Kalt bekümmert, er lacht über den Botaniker, der Pflanzen, und über den Genühling, der Schwammerln sucht. Lind doch tut er nichts andere-, als eine an sich ziemlich wertlose Spezialkunst ausüben. Er sieht die Statur an entweder, als sei sie sein gemaltes Bild, oder als müßte er sie abmalen und als wäre sie eigens dazu da. Er glaubt fein und überlegen zu fein. Der Dauer be chrünkt sich auf praktische Witterungskunde und sieht dabei sehr vieles, was der Städter nie sieht, und der Städter treibt angewandte Aesthetik, und fleht dabei allerdings wieder vieles, wofür der Dauer keinen Sinn hat. STber beide sind darin gleich naiv, daß |ie eine unendlich vielseitige Sache einseitig betrachten und auf einen. beschränkten Leisten zu passen versuchen Gewiß kann man von den Malern im Sehen vieles lernen, und die Maler haben das gute Recht, nach ihrer Art und für ihre Zwecke zu schauen Aber die landschaftliche Statur lediglich als ein Objekt für die Malerei oder gar wie ein Gemälde anzusehen, dazu liegt für Richtmaler kein Grund vor. Das ,,maleri!che" Betrachten, von Richtmalern ausgeübt, ist eine Spielerei und steht an sich nicht höher, als die Betrachtung vom Standpunkt des Bauern 35» gers, Manöverosfiziers oder Geologen. Liebrigens soll das Landschaftsehen des Dichters, soweit es nur im Sehen und Wählen des dichterisch Darstellbaren besteht, natürlich auch um nichts höher eingeschätzt werden Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 9. September 1929 bildung beschäftigt werden Lehrer und Erzieher sind keine Hausangestellten HauShaltsleiter ist, wer einen Haushalt als Ehefrau oder im Auftrage deS Arbeitgebers leitet. Dem Arbeitnehmer gegenüber gilt der Haushaltsleiter als Skr- tretet des Arbeitgebers. Der Arbeitsvertrag selbst ist ein Dienstvertrag im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs und untersteht allgemeinen Siegeln über gegenseitige Schuld Verträge. Der Entwurf will nicht alle Einzelheiten des Hausarbeitsverhältnisses regeln, sondern beschränkt sich auf wichtige oder strittige Fragen und überläßt das andere dem künftigen allgemeinen Ar- beitSvertragSgesetze. Gr bezweckt in erster Linie den Schuh der Hausgehilfen und Hausangestellten gegen unan- gemessene Arbeitsbedingungen Der- § 4 de- Entwurfs sieht die Unabdingbar- feit der gesetzlichen Vorschriften vor, indem er bestimmt, daß die Arbeitsverträge den 3nhalt haben, den die Paragraphen 5—19 des Haus- gehilfengescheS vorschreiben. Abweichende Skrein- barungen sind nur insoweit gültig, als sie im Gesetze ausdrücklich zugelassen sind, ober als sie eine Aenderung zugunsten des Arbeitnehmers enthalten Der Arbeitnehmer kann also auf die Ansprüche, die ihm nach dem Gesetze zustehen, nicht im Voraus verzichten Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, die vereinbarte Arbeit nach e er Stellung entsprechende Arbeit zu leiste die nicht zu seinen vertragsmäßigen Oblieg- en gehört. Zu vorübergehender Pflege trän.er Personen, sowie zur Säuberung der von ihnen benutzten Kleider, Wä'che und Geräte ist er verpflichtet, wenn damit nicht eine erhebliche (le fährdung seiner Gesundheit verbunden ist. Zu dauernder Pflege kranker Pcr'oncn ist er nur verpflichtet, wenn es ausdrücklich vereinbart ist. Don den sonstigen Bestimmungen des Entwurfs ist die Vorschrift über Ruhezeit und Freizeit von allgemeinem 3ntereffc. Der Arbeitnehmer hat Anspruch auf Rachtruhe, Ruhepausen und Freizeit. Die Rachtruhe beträgt mindestens neun, für Arbeitnehmer unter 18 3ahren mindestens zehn Slunden ohne Llnterbrechung. Sie darf nur in Ausnahmefällen gekürzt oder unterbrochen werden. Am Rachmittage eines Werktages jeder Woche ist Freiheit von mindestens vier Stunden, und an jedem zweiten Sonntage von 3 Llhr nachmittags ab zu gewähren. Der Arbeitnehmer, der in die häusliche Gemeinschaft ausgenommen ist, hat Anspruch aus einen jährlichen il r I a u b , wenn das Arbeitsverhältnis ununterbrochen neun Monate gedauert hat. Die Höchstdauer des Urlaube beträgt zwei Wochen. Weibliche Arbeitnehmer sind bete ätigt, die ihnen aus dem Arbeitsvertrage obliegende Arbeit zu verweigern, wenn sie durch ärztliches Zeugnis nachweisen, daß sie voraussichtlich binnen vier Wochen niederkommen. Das Arbeitsverhältnis kann von jedem Teile ohne Frist gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Die fristlose Kündigung ist nicht mehr zulässig, wenn die ihr zugrunde liegenden Tatsachen dem Kündigenden länger als eine Woche bekannt sind. Zur Durchführung der im Haus- aehilfengesehe vorg Ve en Schuhvorschriflen (3ugendlichenschuh, K.nderschutz, a.Igcmeinc Schutzvorschriften) kann der Arbeitnehmer das zuständige Arbeitsschu-amt anrufen. Cs dürften sich um den vorliegenden Entwurf bei seiner Vorlage an den Reichstag noch starke parlamentarische Kämpfe entwickeln, da er eine die Allgemeinheit stark interessierende, bis in das Fami ienlcben hineingreifende Materie behandelt, die an und für sich schon gerade durch die Entwickelung der Rachkcieg6 it stark umstritten ist. Ettenmoi. neuen Schulgelderhöhung in den hessischen Höheren Schulen. Don Or. O. Keller, Dberftubienbireffor, M. b. L 3m März 1925 erlaubte ich mir, im „Gießener Anzeiger" auf die merttoürbiae Art aufmerksam zu machen, in der die hessische Regierung den DildungSwi.len unserer S.ternschaft den Staatsfinanzen bienftbar zu machen weiß. Damals hatte innerhalb von sechs Monaten zweimal eine Schulgeldsteiaerung stattgefunden, die Hessens Sätze zu den höchsten in Deutschland machte. Eine parlamentarische Kritik, die ich mir zur selben Zeit erlaubte, wurde mit der Antwort abgefertigt, daß Preußens Sätze für Hessen nicht maßgebend zu fein brauchten. Als dann aber dasselbe Preußen seinerseits 1927 die hessische Dildung-steuer übertrumpfte, erfolgte ohne Säumen eine neue Hinaufschraubung bei uns unter ausdrücklicher Berufung auf den großen Rachbar, der Dorangegangen sei. Woraus der Betroffene entnehmen kann, daß wir uns zwar nicht nach Preußen richten wenn eS soziale Anwandlungen hat, wohl aber im gegenteiligen Falle. Lind nun. vor Beginn, vermutlich eines der schwersten Winterhalbjahre, die unserem Volke noch auferlegt worden sind, beschert das hessische Kultusministerium nach allerdings zweieinhalbjähriger Pause wieder einer geduldigen Elternschaft eine Erhöhung, dafür aber eine gepfefferte und gesalzene! Die Zeitungsnotiz, die man als schmerzstillende 3njektion vocauSzuschicken für nützlich hielt, ließ die beabsichtigte Maßregel gläubigen Gemütern noch erträglich erscheinen. ES hieß da, das Schulgeld würde „den jetzigen Verhältnissen etwas mehr angepaß t“, und weiter, „die Erhöhung dürfte jedoch nur mäßig fein.“ Run kann man natürlich darüber streiten, was eine mäßige Erhöhung ist, und ob sie 50 und mehr Prozent betragen darf, aber verschwindend wenig Beifall wird die geradezu groteske Behauptung finden, daß diese Erhöhung zu „den jetzigen Skrhältnissen" Passe, von denen man doch wahrhaftig ohne Llebertreihung sagen darf, daß sie fast im gesamten Erwerbsleben in Stadt und Land beängstigend schlecht, daß sie aber auch im Deamtenstand alles andere als rosig sind. Rur bei einer Auslegung besteht die Bemerkung zu Recht: wenn sie nämlich auf die (ebenfalls beängstigend schlechten) Verhältnisse im Staatssäckel und deren notwendige Besserung anspielt: soll denn aber wirklich die erste Sanierungssteuer denen aufgebürbet werden, die sowieso am meisten tragen, den Ernährern und Erziehern deS kommenden Geschlechts, des fünf» tigen Deutschlands?! Cs dürfte nicht überflüssig sein, daran zu erinnern, daß im „unsozialen hessischen Obrigkeitsstaate" folgende Schulgeldsähe bestanden: für Mittel- und Llnterklassen jährlich 130 Mark, für Oberklassen 150 Mark. Das zweite Kind zahlte nur zwei Drittel, jedes folgende nur die Hälfte des Betrags: Richthessen mußten sich einen Zuschlag von 20 Mark gefallen lassen. Höchster Sah überhaupt war also der für Richthessen in Prima oder Obersekunda mit 170 Mark, während ein LandeSkind nicht über 150 Mark kommen konnte. Der „soziale Dolksstaat" hatte schon bisher die genannten Beträge wesentlich überschritten. Zwar war der Zuschlag für Richthessen seit 3uli 1925 auf Grund einer Abmachung mit den Rachbar- ländern gefallen; aber in Unter» wie Oberklassen bezahlte das Einzelkind in Schulausbildung bereits 210 Mark, verglichen also mit den alten Ziffern für hessische Kinder mehr 80, bzw. 60 Mk. SDer nämlich auf solche Weise schaut, kritisiert stets die Statur und sucht sie irgendwelchen Zwecken dienstbar zu machen Und das ist, von einem höheren Standpunkt auS, fal'ch und kleinlich. Wir sollen die Statur nicht nur fruchtbar und nützlich, sondern auch schön finden, aber wieder nicht nur schön, sondern auch über Schön und Häßlich erhaben. Wir Wien nicht suchen, son- fcern finden, nicht urteilen, sondern schauen und begreifen, einatmen und das Ausgenommen« verarbeiten. Es oll vom Wald und von der Herbstweide, vom Gletscher und vom gelben Aehren- felb her durch alle Sinne Geben in uns ftro- men. Das Wandern in einer Landschaft soll das Höchste in uns fördern, die Harmonie mit dem Weliganzen, und es oll weder ein Sport, noch ein Kitzel sein Wir sollen uns nicht mit irgendwelchen 3nteressen den Berg und den Dre beschauen und begutachten, sondern uns zwischen ihnen mit klaren Sinnen bewegen und heimisch fühlen, jeder mit den ihm eigenen Fähigkeiten und mit den seiner Bildung zugehörigen Mitteln — der eine al- Künstler, der andere als Raturforscher, der dritte als Dichter oder Philosoph. Wir sollen unser eigenes Wesen dem Ganzen verwandt und eingeordnet fühlen. Erst dann haben wir wirkliche Beziehungen zur Statur. Es ist zum Beispiel das „malerische" Raturgenießen schon darum einseitig, weil es nur auf den einzigen Gesichtssinn gestellt ist. Gar oft ist aber der stärkste und eigenartigste Eindruck eines Ganges im Freien kein Gesichiseindruck. Es gibt Stunden und Orte, wo alles Sichtbare nichts ist im Vergleich mit dem, was das Ohr berührt, mit dem Grillenzirpen, dem Dogel- gesang, dem Meeresbrausen, dem Tönen der Winde. Ein andermal hat der Geruchsinn die stärksten Eindrücke: Lindenblütenduft, Heugeruch, Duft von Salzwasser und Seetang. Und schließlich sind vielleicht die stärksten Ratureindrücke, die des Gefühls: Schwüle. Elektrizität der Luft, Feuchtigkeit und SDärme, Rebel usw. Diese Sier» veneindrücke. denen übrigens oft sehr robuste Menschen stark unterliegen, spielen eine große, vielleicht dominierende, Rolle in der Dichtung, schon weil sie so stark und direkt auf die Gemütsstimmung wirken (Mörike, Stifter, Storm). Qlber weder Dichtung noch Malerei kann das Vielerlei und Zusammenwirken dieser Eindrücke darstellen. SKan hört manchmal Leute sagen, die „Statur" gebe ihnen nichts, sie hätten kein Verhältnis zu ihr. Dieselben Leute werden bei der Früh- lahrSsonne fröhlich, bei der Sommersonne träge, bei Schwüle schlaff und bei Schneewind frisch. Das ist doch schon ein Verhältnis, und man braucht dessen nur bewußt zu werden, so ist man schon reif zum Raturgenuß. Dann sieht man auch, daß die Statur überall schön ist oder nirgends. STber dann brauchte man eigentlich nicht zu reisen und zu wandern? Allerdings nicht, wenn wir ideal ge'unde und ausgebildete Menschen wären. So aber hat das Reisen uns viel zu bieten: körperlich den hygienischen, die Sinne anregenden Wert der Orts- und Lu tveränf erung, geistig den Reiz des Vergleichens und den Triumph des erobernden Sichanpassens. Wie arm ist ein Mensch, dem jedes neue Stück Erde fremd und unverdaulich auf die Seele drückt! 3hr fehlt nicht nur das äußerliche, meinetwegen a' enartige Anpa sungs.ermögen d:s Reisenden, sondern vor allem der höhere Standpunkt. Einer, der keine fremde Landschaft sich zu eigen machen, in keinem fremden Lande warm werden kann, dem fehlt es im 3nnerften, und er steht nicht höher als der, der über die Kinderstube und Sktternschaft hinaus keine Menschen begreifen, behandeln und lieben kann. Der wertvolle Men'ch fühlt sich nicht nur seiner Familie und Umgebung, andern jeglichem Menschen- und Slaturleben verwandt. Run ist jedes Spezialistentum eine Verarmung, ein Verzicht, und es ist traurig genug, daß im tätigen, beruflichen Leben das Dielseitigsein im. mer schwerer und seltener wird. Mancher ganz gute Maler ist so sehr nur Maler, daß er sich ohne Skrupel ein unschönes Haus bauen läßt, und mancher gute Architekt wieder so sehr Spezialist, daß er um sein schönes Haus herum geschmacklose Gärten duldet usw. 3st es nicht schade, wenn wir nun auch in den seltenen, schönen, freien Zeiten des Draußenseins und Wanderns kleine 3ntererfen pflegen? Der Wald gehört so wenig dem Maler wie dem Förster, die Wolke so wenig dem Wetterpropheten wie dem Luftschiffer, der Statur gegenüber hat jeder so viel Recht, als er sich zu nehmen getraut, und für den Umgang mit ihr braucht sich niemand einen Lehrmeister zu suchen. Man kann vom Maler und Dichter lernen, aber eben'o vom Bauern und Förster. Und in jedem Menschen, er sei noch so einseitig gebildet, schlummert eine »ergebene Brüderschaft, mit Sonne und Erde. Sie braucht nur einmal zu erwachen, so lacht er über Dichter, Maler und Förster, öffnet, seine Sinne und Seele weit und läßt den Atem der Schöpfung herein. (Don den Ermäßigungen für Geschwister wird weiter unten die Rede sein.) Daß derartige Sähe den verarmten Mittelständlern und Angehörigen der unteren Stände, die fast allein mit ihren Kindern die höheren Schulen bevölkern, leicht gefallen wären, wird niemand behaupten wollen. Welche Störung im Haushaltsplan und wieviel schlaflose Stunden wird jedoch nun die neue Schulgeldordnung bei Tausenden von Familien Hervorrufen, wenn die folgenden Sätze allgemein bekannt werden! Es wird zahlen der Unterklässer als Einzelkind künftig 2 5 2 RM.. der Oberklässer 288 RM., aber wohlgemerkt nur dann, wenn jeder von beiden Hesse ist, andernfalls t reten Zuschläge von 24 RM. ein, die Gesamtbeträge von 2 7 6, bzw. 312 R M. zur Folge ßaben. Bei zwei Kindern in Schulausbil- dung sind zu zahlen für Hessen je Kopf 204 bzw. 240, für Richthessen 228, bzw. 264 RM.: bei dreien sind es „nur“ noch 156 und 192, bzw. 168 und 204 RM.: bei vieren endlich lauten die Zahlen 120, 144, 132 und 156 RM. Das Kultusministerium sieht allerdings auch noch Ansätze für fünf und sechs Schulkinder vor, hält diese in der Tat niedrig und tut sich wohl auf dieses „soziale Verständnis" etwas zugute: es ist deshalb notwendig, festzustellen, daß die hier vorgesehenen Fälle praktisch ohne jede De- d e u t u n g sind, weil s ie so gut wie nie Vorkommen: ja, daß auch die dritte und vierte» Staffel schon nur noch etwa 18, bzw. 4 Prozent aller Kinder umfaßt, während die beiden teuersten Sähe für annähernd 80 Prozent in Frage kommen. Zu beachten ist auch die Rückkehr zum Zuschlag für Richthessen: wir hielten ihn am Vorabend des Einheitsstaates für begraben, und jetzt erneuert ihn gerade das Land, dessen Vertreter den Unitarigmu8 am lautesten herbei- wunscht haben. Folge wird natürlich eine preu- ' ;u)0 ©cncnmaßrcgel sein, die wieder hessische Kinder an der Landesgrenze trifft. Run ist die Registrierung von Zahlen an sich im allgemeinen wenig eindrucksvoll. Man muß die Frage prüfen, wie diese Zahlen sich bei den Betroffenen auswirken, in unserem Falle also einerseits bei den zahlenden Eltern, anderseits bei den entlasteten Trägem der Schulen: dem Staat und den Städten. Man beachte, daß nunmehr mehr bezahlen soll: der Vater eines nichthessischen Obersckundaners 102 Mk., der eines hessischen 78 Mk., daß zwei Söhne in Ober- klassen (2. Staffel) an Mehr kosten verursachen beim Richthessen 180 Mk., beim Hessen 132 Mk., oder drei Kinder (3. Staffel), von denen zwei Oberklässer sind, 162, bzw. 126 Mk., usw. Man berücksichtige ferner, daß die erwähnten Fälle, die der Praxis entnommen sind, betreffen: Landpfarrer, Lehrer, Gendarmeriewachtmeister, Dahn- unterbeamte, kleine Handwerker u. dgl., die in vielen Fällen auch noch Wegkosten auf Eisende n, Auto oder Fahrrad zu tragen haben. Schlimmer noch sind eine Anzahl Witwen getroffen, denen eine Maßregel wie die geschilderte die Erfüllung schwerer Mutterpflichten zur Qual macht. Mühsam genug war Ausgabe und Einnahme ins Gleichgewicht gebracht, nun wirft eine Schulgeldsteigerung, die für Hessen bis zu 39,1 Prozent, für Nichthessen sogar bis zu 51,7 Prozent beträgt, alles über den Haufen. Freilich höre ich schon wieder, wie die Behörde ihr soziales Herz gezeigt hat: sie erhöht ja die Zahl der Freistellen von 12 auf 20 Prozent! Man glaube mir ruhig, daß diese „Verbesserung" ganz bedeutungslos bleiben wird: denn die „Bedingungen für Verleihung der Freistellen bleiben unverändert", und diese Bedingungen sind seit letztem Jahre so verschärft, daß sie nur von einem ziemlich geringen Bruchteil der Schüler erfüllt werden können. Voraussetzung sind: Bedürftigkeit, gutes Betragen und mindestens gute Leistungen. Heber den Begriff der „Bedürftigkeit" entstehen oft Meinungsverschiedenheiten: jedenfalls wird die entscheidende Stelle durchschnittlich höchstens einem Drittel der Schüler jene zuerkennen. Und so müßten, um 20 Prozent Freistellen vergeben zu können, die Zeugniskonferenzen 60 Prozent dieses Drittels mit der Gesamtnote „gut" oder „sehr gut" Ein Dorf der Blinden. Die Schweizer Reisende Roelle Roger, die in den letzten Monaten die Türkei und Syrien bereist hat, hat auch einen Marktflecken mit kaum 4 DOS Einwohnern, Adi-Paman, besucht, in dem das Trachom, eine furchtbare Augenkrankheit, wütet. 3n der „Revue des Deux-Mondes" gibt sie eine ergreifende Schilderung dieser Stätte, die von so vielen ganz oder fast Erblindeten bewohnt wird: „Kaum färben sich die vier Minarets im Licht der ausgehenden Sonne, so ist Adi-SZaman von Licht und Wärme erfüllt. Aber ein großer Teil der Bewohner spürt nichts von dieser strahlenden Helligkeit: sie sind blind. Reunzig Prozent der Bevölkerung dieser Gegend leidet an kranken Augen, die langsam durch das Trachom zerstört werden. Seit dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, da der Arzt Dioskorides, der nicht weit davon geboren wurde, dieser furchtbaren Bindehautentzündung den Sternen Trachom gab, wütet die Krankheit in Anatolien, Syrien und Rordafrika fast noch ebenso heftig wie damals, als zuerst über sie berichtet wurde. Man versucht, sie zu bekämpfen, sie zu heilen. Die Türkei hat 1925 zu Malaiin ein besonderes Krankenhaus errichtet, eine Poliklinik, schickt Aerzte aus, die die Gegenden besuchen, in denen die Krankheit wütet. Auch Adi°SZaman hat eine solche Anstalt. Aber wie kann man die Ansteckung verhindern, immer neue Opfer zu erfassen? Wie kann man die kranken Kinder von den gesunden, von den schon erblindeten trennen? Man stelle sich das einzige Zimmer vor, in dem die Familie unter derselben Decke schläft, von Fliegen umschwirrt. Man kann keinen Schritt in den Straßen Adi- SZomans tun, ohne auf Gestalten zu flößen, die mit unsicheren Schritten, an den Mauern sich hintastend, daherschwanken. 3hre Augen sind tot, verborgen unter den verklebten Lidern: man sieht kleine Blinde daherkommen, von einer älteren Schwester geführt, die auch krank ist und nur mühsam den Weg findet; Mütter tragen ihre Reugeborenen, auf deren entzündeten Augen Fliegen sitzen. Straßenjungen umstehen uns. mit geröteten Augen blinzelnd, die bald erlöschen werden, mit freudlosen, stumpfen Gesichtem und zögernden Sktoegungen. Die Kinder heben ihre Gesichter empor, um einen Strahl des Lichtes zu erhaschen, das ihnen schon entschwindet. Viele haben die Augenlider mit einer roten Salbe beschmiert, mit dem Heilmittel, das vielleicht noch manche'retten wird'. Abtzr bei wie vielen ist eS schon zu spätl“ ausgezeichnet haben, was vor ollem in den Mittel- ktasjen ganz unmöglich ist, weil dort Pubertätserscheinungen auch recht wertvollen Kindern vielfach die Arbeit erschweren, wobei noch ganz außer Betracht bleiben soll, daß derjenige, der aus bedrückten Verhältnissen stammt, überhaupt mühsamer arbeitet, als der mehr vom Schicksal begünstigte. So bleibt als Ergebnis dieser Seite der Betrachtung eine geradezu empörende Vergewaltigung bildungswilliger Familien durch die öffentlichen Instanzen, gegen die dem einzelnen keine Abwehrwafse gegeben ist, er müßte denn die Schulausbildung seiner Söhne und Töchter jählings obbrechen. Wie aber fahren nun diese öffentlichen Instanzen bei der Schulgelderhöhung? An der mir zur Leitung anvertrauten Schule habe ich errechnet, daß die Neuregelung einen Mehr eingang an Schulgeld von 25,5 Prozent ergeben wird. Eine genaue Übertragung auf die Gesamtheit der höheren Schulen ist nicht ohne weiteres möglich. Wo mehr Nichthessen sind (so _ in der Oberrealschule Gießen), muß eine noch höhere Prozentzahl herauskommen, wo fast keine sind, eine geringere. Bei Nichtvollanstalten liegt sie vermutlich unter 20 Prozent, doch beträgt deren Gesamtschülerzahl höchstens ein Achtel der Schüler in höheren Schulen Hessens überhaupt. Selbst wenn hie und da noch eine Freistelle vergeben werden sollte, wird der Finanzminister im nächsten Staatsooranschlag ein „Mehr" an Schulgeld «insetzen können, das näher an 25 als an 20 Prozent liegt, es sei denn, daß eine Verzweiflungsflucht aus einem Teil der Anstalten eintritt. Der letzte Staatsvoranschlag hatte eingesetzt: bei Kapitel 61 (Gymnasien, Nealaym- nahen, Oberrealschulen und Realschulen) 2 009 234 Mark, bei Kapitel 61a (Aufbauschulen) 34 000 Mark (sehr viele Freistellen!), bei Kapitel 62 (Höhere Bürger und Mädchenschulen) 816 025 Mark, zusammen rund 2 860 000 Mark. 25 Prozent davon wären 715 000 Mark, 20 Prozent wenigstens 572 000, zwischen beiden Zahlen, sagen wir bei ungefähr 650 000 Mark, muß der Ertrag der Erhöhung für das kommende Rechnungsjahr liegen. Um ihn erhöhen sich die Einnahmen der Schulkassen, um ihn sinken demnach die Zuschüsse des Staates und der Städte. Der Zweck der Maßregel wird hiermit ersichtlich: sie soll das Millionenleck stovfen helfen, das den Kurs unseres Staatsschiffes gefährdet. (Andere Verwaltungsmaß- nahmen dienen gleichem Zweck, so z. B. eine Erhöhung der Vermessungsgebühren.) Auf diese Weise erzielt man ohne Befragung der Volksvertretung Einnahmen, wie sie sonst nur eine beträchtliche Steuererhöhung liefern könnte, die der Landtag bewilligen müßte Der Weg ist, wie jeder zugeben muß, bequemer; die Frage ist lediglich, ob er auch gerechter und demokratischer (beides sollte dasselbe sein!) ist. Jedenfalls bürdet er wenigen und wenig kräftigen Schultern Lasten auf, die weit über das hinausgehen, was Leute mit höherem Einkommen als gesamte Steuerleistung aufbringen. Man tut immer noch, als ob man die höhere Schule für die „Reicheleutsschul" hielte, die sie nie war und heute weniger als je ift. Man macht seelenruhig den Artikel 146 der jungst so begeistert gefeierten R-ichsverfassung zu schänden; man geht mit stillem Lächeln über die Tatsache hinweg, daß Dienst an des Volkes Zukunft leistet, wer Kinder erzieht und sie s o erzieht, bc.*'} sie möglichst viel später leisten können. Man wird ältester und bester hessischer Ueberlieferung untreu, obgleich man bei jeder Gelegenheit betont, daß man ein A"tasten unserer kulturell-'N Belange unter keinen Umständen dulden werde Man tut in praxi, was man theoretisch verabscheut. Das war kein Heldenstück, Octavio? Auf diese Weise also faniert man Hessens Staatsfinanzen! Der schlichte Staa/sbürger hat sich eigentlich den Weg anders gedacht; er hoffte, daß ein Anbau von Staatsaufgaben und eine Vereinfachung der Staats- verwa^una im weitsten Sinne für den Staatshaushalt Gesundung, für jeden einzelnen aber die lebensnotwendige Entlastung bringen werde. Am grünen Tisch denkt man anders und fängt die Kur Dämonen der Zeit. Vornan von Arthur Brauservetter. 25 Fortsetzung. Nachdruck verboten „Ich habe Sie mit Absicht dieser geschäftlichen Auseinandersetzung beiwohnen lassen," sagte er, indem er neben mir Platz nahm, „Sie haben dadurch einen Einblick in meine Tätigkeit erhalten, wie sie sich Tag für Tag abspielt. Der Morgen gehört der Landwirtschaft. Der Kämmerer ist ein tüchtiger Mann. Aber er vermag nur nach meinen Anordnungen zu handeln, was ich als einen Vorzug betrachtet habe, dann bearbeite ich bis zum Mittagessen hier mit meinen Beamten die geschäftlichen Eingänge. Des Aachmiitags reite ich noch einmal in die Wirtschaft oder in meine Forsten und erledige dann wieder hier die notwendigsten Dinge, bei denen Sie stets zugegen zu sein hätten. Sehr oft aber bin ich auf Reisen und brauche daher einen zuverlässigen Vertreter, zu dem ich Sie erwählt hab:." Er sprach ohne jede Pause. Rasch, als müßte er auch für seine Worte die Sekunden zählen, zugleich aber in kühler Ruhe, als gäbe es nichts, das ihn in Erregung zu bringen vermöchte. Och erwiderte, daß ich mich auf eine ganz andere Tätigkeit bei ihm eingestellt hätte und hauptsächlich deshalb zu ihm gekommen wäre, weil ich den früher betriebenen und mir lieb- gewordenen Beruf als Landwirt wieder, auf - nehmen woNte. „Dem steht nicht das geringste entgegen," meinte er, brach einen Augenblick ab, nahm einen kleinen Papierblock aus der Westentasche und schrieb sich einiges auf, das ihm wohl gerade eingefallen war. Sein Kops schien immer mit mehreren Dingen zugleich beschäftigt zu fein. „Sie haben die frühen Morgenstunden und einen großen Teil des Rachmittags für Ohre landwirtschaftliche Betätigung zur Verfügung. Kämmerer wird Ohre Begleitung und Hilfe willkommen sein. Och werde ihn demgemäß bescheiden." „Och habe aber wenig Reigung, der Begleiter und Helfer Ohres Kämmerers zu sein. Och glaubte, eine selbständige Tätigkeit hier zu finden." Der entschiedene Ton. mit dem ich ihm entgegnete, schien ihm nicht zu gefallen. Widerspruch schien er ebensowenig gewohnt zu sein, denn er sah mich mit seinen Karen, nüchternen Augen fast verdutzt an. „ilnb auch dazu wird sich Rat finden. Aber Sie vergessen, daß sich, wie alle andere Arbeit, auch die landwirtschaftliche flarl verschoben hat, daß es heutzutage so sehr viel wichtiger ist. ein am entgegengesetzten Ende an. Man weiß, daß der Patient geduldig ist und ein zähes Leben hat. Aber — man verzeihe mir den harten Ausdruck! — eine Schinderei bleibt's doch! Oberheffen. Landkreis Gießen. gck. Großen-Duseck. 6.Sept. Gestern fanden auf dem hiesigen Sportplatz die Reichsjugendwettkämpfe der Volksschulen von Alten-Buseck, Burkhardsfelden, Großen-Buseck und Trohe statt. Die Oberstufe maß sich in 100» Meter-Lauf, Schlagballweitwurf, Weitsprung, deutschem Dreisprung und Kugelstoßen. Die Vorstufe hatte nur drei Hebungen, Weitsprung, Schlagballweitwurf und 75-Meter-Lauf zu bestehen. Für die Mädchen waren die Liebungen der Vorstufe mit milderen Bedingungen vorgeschrieben. Die Anforderungen waren gegenüber denen des Vorjahres teils heruntergedrückt, sodaß man eine freudigere Teilnahme der Kinder beobachten konnte. On der Oberstufe wurden folgende Preise erzielt: 1. E. Drück (Trohe), 124 Punkte; 2. E. Volk (Großen-Duseck), 120; 3. Hch. Oung (Trohe), 94; 4. Wilh. Rohrbach (Großen-Duseck), 92; 5. W. Schmidt (Burkhardsfelden) und Karl Einhäuser (Alten-Buseck), 86; 6. K. Reinschmidt (Großen-Duseck), 81; 7. Hch. Siegfried (Großen-Duseck), 79; 8. K. Hofmann (Burkhardsfelden) und Gustav Erb (Großen- Duseck), 77; 9. Rob. Henkel (Burkhardsfelden), 68 Punkte. Unter den Mädchen erzielten Marg. Pfeiffer (Großen-Buseck) mit 67 Punkten den ersten, und Frieda Kinzenbach (Großen-Duseck), mit 65 Punkten den zweiten Preis. On der V o r - stufe (Jahrgänge 1917/18) erhielt den ersten Preis K. Donarius (Großen-Buseck) mit 64 P.; 2. Hch. Döll (Trohe), K. Rebeling (Burkhardsfelden) und W. Rahn (Trohe), 57; 3. W. Menz (Burkhardsfelden), 56; 4. F. MüUer (Großen- Duseck), 55; 5. L. Vogel (Alten-Duseck), 54; 6. K. Schepp (Durkhardsfelden), 53; 7. Hch. Rein- schmidt (Großen-Duseck), 52; 8. W. Dambmann (Großen-Duseck) und E. Däusing (Durkhardsfelden), 51; 9. L. Licher (Trohe) und Fr. Döring (Durkhardsfelden), 50; 10. O. Dort (Großen- Duseck), 49; 11. W. Harbach (Großen-Duseck), 47; 12. Emil Vogel (Trohe) und Karl Volk (Großen-Duseck), 45 Punkte. On der 4 mal 100 - Meter - Stafette erhielt Trohe mit 64 Sekunden den ersten Platz. Es folgten Alten- Buseck mit 64,6, Großen-Buseck mit 65 und Durkhardsfelden mit 65,4 Sekunden. Die Leitung der Wettkämpfe lag in den Händen des Rektors O n d e r t h a l (Großen-Duseck). * Grünberg, 9. Sept. Am Samstag erfolgte der Abtrieb des Oungviehes auf der nahegelegenen Oun gweide Warthof. Onsgesamt wurden 125 Rinder der Vogelsberger und Simmentaler Rasse, sowie 25 Fohlen wieder ihren Desihern übergeben. Die Tiere zeigten trotz des geringeren Futterwachstums infolge der Trockenheit ein gutes Aussehen und recht beachtliche Zunahmen; so wurden solche bei Sim- mentalern bis zu 140 Kilogramm festgestellt. Es dürfte nach nunmehr dreijährigem Weidebetrieb der Beweis erbracht sein, daß sich das Warthofgelände vorzüglich als Weide eignet unb bie Landwirtfchaftskammer mit ber Anlage einen recht guten Griff getan hat. ][" Garbenteich, 7. Sept. Unsere Gemeinbe zählt zu ben wenigen Orten des Kreises, bie noch ohne Wasserleitung sind. Dieser Mißstand wurde in diesem trockenen Sommer besonders hart empfunden, da einige Brunnen versagten. Rach dem Kriege hat sich Garbenteich an den Dorfenden erheblich vergrößert. Die Bewohner dieser Reubauten haben das Wasser besonders weit zu holen. Es wird deshalb allgemein begrüßt, daß der Gemeinderat nun endgültig beschlossen hat, den Dau einer Wasserleitung unverzüglich in die Wege zu leiten. Da ber Brunnen auf dem Dorfvlatz sehr gutes und auch weitaus genügend Wasser für die Leitung liefern würde, was von maßgebender ©teile geprüft worden ist, so wäre die Frage der Wasserbefchassung gelöst. Man hofft, die Anlage in zwei bis drei Oahren in Betrieb zu nehmen. • Hungen, 6. Sept. Vorigen Sonntag besuchten der Kirchengesangverein und ber Pos aunenchor aus Ober-Mockstadt ihren früheren Pfarrer und Leiter, Pfarrer Dock, dahier. Unter Leitung von Lehrer F i ch wirkten sie vormittags im Gottesdienst mit, während am Rachmittag beim Tempelchen im Rod noch ein Konzert im Freien veranstaltet wurde, bei dem ebenfalls bie gute Schulung der Chöre beobachtet werden konnte. Ein malerisches Dild war es, wie die zahlreichen Zuhörer sich ringsum gelagert hatten, jedes schattige Plätzchen unter Baum und Strauch ausnützend. Den Gästen scheint es sehr gut in unserem Städtchen gefallen zu haben, wo ihnen auch von feiten Der -Einwohner freundliche Bewirtung zuteil wurde. A Hungen, 7. Sept. Rachdem durch Beschluß des Stadtvorftandes gegenwärtig die Gießener Straße und Kaiser st ratze in einen tadellosen Zustand gebracht werden, hat er in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, auch noch die Bahnhofstraße in gleicher Weise herstellen zu lassen. Dieser Beschluß ist mit Freude zu begrüßen und zeugt von einem fortschrittlichen Geiste. Rach Beendigung der Arbeit dürften die Straßen eine Zierde der Stadt und die schreckliche Staubplage beseitigt sein. s. Aus dem Horlofftal, 8. Sept. On unseren Ortschaften hat allgemein bie Ernte des Frühobstes begonnen. Die Früchte finb durch die anhaltende Trockenheit durchweg klein geblieben, dagegen in der Qualität gut Besonders versprechen die Z w e t s ch e n sehr süß zu werden. Wer sie selbst pflückt und liefert, erhält 6 Mark für den Zentner. Wo frühe Sorten gepflanzt werden, sind die Dörfer bereits vom Dust ber ersten Zwetschenkuchen erfüllt. Auch frühe Aepsel finden Käufer, dagegen ist es um den Absatz der Birnen, soweit es fich nicht um große Tafelsorten handelt, schlecht bestellt. Bei Versteigerungen kommt es vor, daß man für eine Mark mehrere Bäume haben kann, auf manche Sorten wird überhaupt nicht geboten. Obstzüchtern, wie Gemeinden wird mit der Zeit nichts anderes übrig bleiben, als Birnbäume durch anderes Obst zu ersehen, so bedauerlich auch das Verschwinden gerade mancher Birnbäume aus dem Landschaftsbild wäre. Ganz auffallend ist die Häufigkeit wurmstichi- gerFrüchte, bie infolge Rotreife vorzeitig abfallen. Da auch infolge der Trockenheit viel Obst unreif abfällt, dürften sich die anfänglich guten Aussichten der Spätobsternte wesentlich verschlechtern. Die Weintrauben an den Hausspalieren weisen, soweit sie ber Winter nicht vernichtet hat, starken Behang auf. Die „Frühe Burgunder" ist an Südwänden bereits reif unb sehr süß geworben. Einen außergewöhnlich guten Ertrag versprechen in diesem Oahre die Rußbäume. Ohre Zahl ist jedoch durch den Krieg stark gelichtet worden. Kreis Schotten. I Ober-Lais, 7. Sept. Die Folgen ber außerordentlich lange anhaltenden Dürre machen sich täglich mehr bemerkbar. Auf ben Ranbhöhen unseres Talkessels beginnen bie Buchen sich herbstlich zu färben. Einzelne infolge ber Feldbereinigungsarbeiten in diesen Tagen gefällte Buchen erwiesen sich als völlig saftlos wie im strengsten Winter. Ob st bäume auf steinigem Boden sind fast völlig verdorrt. Den ganzen Umfang' ber Dürreschäben am Baumbestände in Wald und Feld wird man erst im nächsten Frühjahre übersehen können. Das Obst, insbesondere bie Dirnen, finb ohne jeden Saft. Die nun beendete Grummeternte war im Ertrag sehr gering. Ein großer Teil der Wiesen ist völlig Braun gebrannt Die Futterknappheit wird von Tag zu Tag größer, zumal auch die ziemlich reichlich ausgestellte Stoppelsaat infolge der Dürre die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt hat. Der Ausdrusch des Getreides ergibt hier im allgemeinen befriedigende Erträge; nur beim Hafer macht sich bie Einwirkung ber Dürre in einer Ertragsminderung bemerkbar. Kreis Büdingen. I Fauerbach bei Ridda, 7. Sept. On- solge der anhaltenden Dürre leidet auch unser Dors gegenwärtig unter Wassermangel. Zu gewissen Tagesstunden wird das Wasser abgestellt. Die Quellen unserer Wasserleitung liegen in ber Gemarkung Ober-Lais unb speisen auch bie bortige Leitung. Auf bem Wege zum hiesigen Hochbehälter hat bie Leitung eine Anhöhe zu übertoinben, woburch bei nieberem Wasserst anbe unb geringer Schüttung ber Quellen bie Füllung unseres Hochbehälters sehr erschwert wirb. Starkenburg. WSN. D a r m st a d t, 7. Sept. Infolge der außerordentlichen Trockenheit und der Knappheit an Grünfutter haben die Milchlieferoereinigungen der Provinz Starkenburg und die Milchhändler beschlossen, um der Gefahr einer weiteren Milchknappheit vorzubeugen, den Verbraucherpreis der Milch u m 2 Pfennig pro Liter zu erhöhen. Preußen. Kreis Wetzlar. # Atzbach, 6. Sept. Aus der jünasten Sitzung der Gemeindevertretung ist folgendes zu berichten: Zu dem Bau einer Landjäger- Dienstwohnung in der Nachbargemeinde D u • tenhofen bewilligt die Gemeinde einen einmaligen Zuschuß. Für die hier bestehende Kleinkinderschule die nur .notdürftig untergebracht ist, plant man den Bau eines neuen Heims. Die Gemeindevertretung bringt diesem Plane volles Interesse entgegen, kann jedoch an den Bau nur denken, wenn die Gemeinde hinreichend unterstützt wird. Don Staat und Kreis sind denn auch Beihilfen in Aussicht gestellt, und deshalb hat die Vertretung zunächst der Anfertigung eines Projekts über den geplanten Neubau zugestimmt. Amtsgericht Gießen. • Gießen, 3. Sept. Ein Vergehen, bad schon eine Reihe von Oahren zurückliegt, fanb erst heute seine Sühne. Cs handelte sich um Krebit- betrügereien, wie sie bamals in Menge vorkamen. Die Opfer waren — unb finb es auch jetzt wieder — vertrauensselige auswärtige Firmeninhaber, bie sich burch Desteller von Waren, angeblich Kaufleute, bie aber diesen Rainen nicht verbienten unb kaum eine Labeneinrichtung ihr eigen nennen konnten, in gröbster Weise täuschen ließen. Diese gaben sich in ihrer Korrespondenz burch Vordrucke auf Briefbogen, Umschlägen u. dgl. als Großkaufleute mit Bankkonten unb einem umfangreichen Geschäftsbetrieb aus unb verfügten auch über eine getoanbte kaufmännische Ausbrucksweise. Falsche Referenzen von Gesinnungsgenossen über die Besteller vollendeten dann die Täuschungen. All dies gilt auch von dem heutigen Angeklagten, der sich offenbar auf schiefer Ebene befand, die er aber jetzt verlassen zu haben scheint. Mit Rücksicht auf sein offenes Geständnis und die Verführung, der er erlag, erhielt er eine Gefängnisstrafe von drei Wochen, bie als durch bie Untersuchungshaft verbüßt erklärt wurden. Die Verhandlung über einen ausgangs des Winters auf bem Seltersberg vorgekommenen Zusammenstoß zwischen einem Auto unb einem P f e r be s uhr w e rk vom Lande muhte guter Geschäftsmann, als ein tüchtiger Landwirt zu sein." Och bemerkte, bah ich beibes gewesen wäre. Er lächelte, ein halb gleichgültiges, halb geringschätziges Lächeln. „Sie sinb auch manches anbere gewesen —" Unb als ich mein Erstaunen nicht zu verbergen vermochte, denn ich hatte in meinem kurzen Bericht an ihn nur bieser beiben Berufe Erwähnung getan: „Sie waren Solbat. Dann Land- toirt. Sie übernahmen bas große Geschäft Ohres Vaters. Mit wenig Glück. Sie traten in eine Holzfirma in Danzig ein. Sie führten bann ein Dohömeleben, waren Geiger in Lokalen unb Theatern, legten sich aufs Spekulieren unb zogen sich schließlich, bes stäbtischen Lebens müde, auf das Besitztum eines Freundes auf ber Danziger Höhe zurück, wo Sie sich aufs neue in Ohre frühere landwirtschaftliche Tätigkeit einzuarbeiten suchten " Er machte sich wiederum einige Rotizen unb überließ mich mir selber. „Sie tounbem sich," fuhr er bann fort, „daß ich gerabe Sie unter einer großen Zahl sehr beachtenswerter Bewerber ausgewählt habe. Och will Ohnen bie Erklärung geben: Och habe ber Beamten mit ber knöchernen Seele genug. Sie sinb bie Werke meines Willens unb müssen es fein. Aber ich brauche eilten Menschen, ber bas Leben kennt, ber einen weiten Blick, unb, was mir abgeht, eine künstlerische Phantasie hat, brauche ihn sowohl für meinen ländlichen wie für meinen geschäftlichen Betrieb. Sie werden hier genug Gelegenheit haben, Ohre Kräfte zu üben. Och lasse meinen Beamten, so wie ich es irgend kann, freie Hand. Geschäfte von Bedeutung erledige ich natürlich allein... doch es ist Zeit, sich zum Mittagessen fertig zu machen. Auf Wiedersehen!" Wir aßen zu vieren in bem vom Mittagsonnenschein burdjfluteten Eßzimmer. Och bin ber einzige von ben Beamten, ber zur Tafel zugezogen wird. Herr Hollwede zeigte bas sichtbare Bestreben, alles, was nur irgenbtoie an Geschäft ober Wirtschaft anflingen könnte, von ber Unterhaltung auszuschließen. Er erzählte von feinen Reisen, verbreitete sich über Danzig unb über sein Schicksal als Freistaat, das er nicht rosig ansieht. Man hatte aber immer das Gefühl, als wäre sein Kopf auch hierbei mit anderen Dingen beschäftigt. Seine Gattin ist eine noch gut aussehende Frau, vielleicht Anfang der Vierziger, die sich jugendlich lleidet, wenig ißt, viel spricht und noch mehr lacht. Rur bie junge Dame bes Hauses ist still unb in sich gekehrt, unb wenn sie einmal etwas sagt ober zu einem Scherze bes Vaters lächelt, so merkt man beibem das Erzwungene an. Lautlos reicht bet Diener die ländlich einfachen, aber vorzüglich zubereiteten Gerichte, schenkt den Mosel in die dunkelgrünen Gläser. „Es ist ein herrlicher Frühlingstag," meinte Herr Hollwede, als seine Gattin die Tafel aufhob, „ich mutz zu einer Aufsichtsratssihung nach Königsberg und habe das Auto zu drei Uhr bestellt. Du hast wohl in Rauschen zu tun unb nimmst ben Oagbwagen mit den Falben. Und da für heute nachmittag hier nichts vorliegt unb Herr Körber sich erst allmählich einarbeiten soll, so bietest du ihm gewiß gern einen Platz im Wagen an. Vielleicht begleitet dich auch Barbara." Zvppot bleibt für mich das schönste aller Ostseebäder. Auch Rauschen, einen so großen Eindruck es auf mich machte, hat bie erste Liebe nicht verdrängt. Zwei volle Monate bin ich hier. Die Felder stehen im Schmuck ihrer reichen Schätze, bie Wiesen in üppiger Reife, bet Roggen harrt golbschwer ber Sense, die bereits für ihn geschärft wird. Es ist ein guter Sommer geworben. Dlahblau unb fast wolkenlos ist ber Himmel Tag für Tag über ber sruchtstrotzenben Erde gespannt, eine gesunbe sommerliche Hitze sengt herab, flirrt um die vollen Aehren und webt dampfende Dunste über die Unendlichkeit des wogenden Getreides, das prall und schwer in ber bewegungslosen Luft steht. Wie ein König geht der Kämmerer durch seine Reihen, und wenn er so, bie Mühe meist in der Hand, in seiner straffen Haltung bahinschreitet, wenn sein gewaltiger braunroter Schädel wie Kupfer in ber Sonne glänzt unb ein frohstolzes Schmunzeln über die aufgeworfenen Lippen, das ganze, kaum gefurchte Antlitz gleitet, dann ist auch an ihm, wie an seinen Feldern alles prall und stark unb schwer. Unb ich mag ihn gern in seiner knorrigen, bem Boden entwachsenen Männlichkeit, ber, was er mit Fleiß gesät, jetzt mit Fleiß wieder erntet, der feinen anderen Gedanken, kein anderes Onteresse mehr kennt, als was hier draußen ber Hanb des Schnitters entgegenharrt, zur rechten Zeit in seine Scheunen zu führen, unb ich begleite ihn auf seinen Gängen unb bin ihm helfenb zur Seite, wo ich es irgend kann, und freue mich, bah er es gern sieht unb auf meinen Rat unb Deistanb Wert legt. Freilich soviel Zeit,als ich wohl möchte, habe ich für ihn nicht. Deitn da drinnen in dem ernsten Geschäftszimmer hinter ben hohen Bogenfenstern unb ben dichtstäbigen Rolläden, bie ben aufdringlichen Sonnenstrahlen wehren sollen, wirb nicht weniger eifrig gearbeitet als brauhen. Herr Hollwebe bespricht mit mir bie Eingänge, gibt dem Sekretär seine Aufträge, bUtiert dem Schreibfräulein, nutzt die Konjunktur. Er hat mit außerordentlichem Geschick kalkuliert: bie zwölf Waggons Mais, bie er bamals, halb gegen bar, halb auf Krebit kaufte, sind um einen so hohen Preis abgegeben, bah mich fast ein Schwinbel ankommt, wenn ich bie langreihi- gen Zahlen in meine Bücher schreibe. Ein Besitzer in ber Rähe, der es ihm nachmachen wollte, aber zu einer Zeit kaufte, als ein starkes Sinken ein- setzte, ist heute ein bankrotter Mann, ben Herr Hollwede, weil er ihn braucht, noch über Wasser hält. Auch mit seinem künstlichen Dünger, seinem Kali, Phosphorsäure und Stickstoff, ben er, wie er gern hervorhebt, nicht zum Debarf, sonbern auf Spekulation beschafft hat, könnte er heute bereits einen Hausen Gelb verbient haben. Aber er gibt es ebensowenig ab wie feine Getreibe- Dorräte, weil er der Meinung ist, bah ber Höhepunkt ber Konjunktur noch nicht erreicht ist. Für seine Maiserträge hat er ein Dutzenb ausgesuchter zweijähriger Fohlen unb ein neues Auw gekauft, obwohl er seiner nicht bebarf. Och muh oft an seinen Ausspruch denken, daß es heutzutage wichtiger ist, ein guter Kaufmann zu sein, als ein tüchtiger Landwirt. Oedenfalls könnte ein Kaufmann niemals eine bessere Schule als bei diesem Grohgrundbesiher durchmachen. Och aber will Landmann sein unb nicht Kaufmann. Fast jeden Morgen wache ich mit dem Entschlüsse auf, ihm zu kündigen. Dann wieder vermag ich mich bem Einbruck nicht zu entziehen, ber von seiner Person ausgeht. Seine weltmännisch verbinbliche Art, bie sonnige Fröhlichkeit. die sein ganzes Wesen durchstrahlt' unb die vielleicht mehr ein Erzeugnis seines Willens, als etwas ihm Ratürliches ist, die Sicherheit seines Wortes und Urteils, mit bem er stets unb welcher Gelegenheit es sei, .ben Ragel auf ben Kopf trifft, alles das gibt ihm etwas Siegendes und Starkes, wie ich es am Manne immer gern gehabt habe. Es arbeitet und verkehrt sich mit ihm ausgezeichnet, weil sein Sinn, von jeder Kleinigkeit entfernt, immer auf das Ganze und Grohe gerichtet ist. Aber das ist das mir Unbegreifliche: auch dieser Mann, in dem soviel Kernhaftes und Deutsches wohnt, ist besessen vom Dämon ber Zeit. All sein Denken unb Trachten: Gelb. Der einzige Mahstab, den er an alles legt: Geld. Die letzte Frage, nach der er alles entscheidet, wiederum: Geld! Och habe ben Dämon in anberer Gestalt bereits fennengelcmt: bamals in Danzig bei meinem alten Obersten. Aber so verheerend er dort auftrat, heute erscheint er mir klein gegen ben niebri* geren unb stärkeren zugleich, ber Gelb heißt Schließlich sinb wir alle wohl mehr ober minbet von ben Dämonen bieser Zeit besessen. Aber bet Beelzebub unter ihnen ist ber Mammon. (Fortsetzung folgt.) ,<• W vgke'i fahr > 'N ls dieser 8 -trahenst'^ -- 'ntcrung v Ange! 'Haltender und gab-! sbrrackige - imD ! 'Sieb ! Merci an d •ratet eme; \ Saufe r ber SM' -daselbst 5inil verbr- ■ynommenei Herlehunge •iuf diesem Aörperveri id)t W Ein Arb iim eingezi -n.cn der 13 -etwas tot wendet, ’ Hierauf macht, du «yranffurte Lairn mit I Vahnhos k ftigung toi Strafe veri schweren 1 "ternterllr : von eine bpw. D Eammersp Jjat fich in Sie Spiele in den Bi r in, äw«, greinen tz eung Qn. Ä fMa(gef) Haufen-, * T9* »um Le'ni W&e darin ,<6t aichweit eßen. Nten Sifeung ’U folgenbes zu Landjäger. Illrgemeinbe Du. : einen einmaligen ^’eintinber. gebracht ist, plant ’• 2ie Oemeinbe« ^es Interesse ent« >ur denken, wenn stützt wird. Son Leihilsen in Aus- ertrelung zunächst 'er den geplanten .-erlagt werden, da zwecks Beantwortung einiger Dichtiger Fragen die Zuziehung von Sachver- i Zn di gen, namentlich eines solchen, der im Fuhr- Derksbctrieb bewandert ist, notwendig erschien, lach der Anklage soll der mit großer Geschwin- *) gkeit fahrende Autoführer den Fuhrmann von , rten in schuldhafter Weise angefahren haben, ils dieser gerade im Begriff stand, von der einen ,'tratzenseite auf die andere zu fahren. Der Fuhr- ncnn will durch Halten der Peitsche links über «!)as Fuhrwerk hinaus die 2ll>sicht der lieber- ]jcrung der Straße kundgetan haben, während >:r Angeklagte behauptet, aus einem solchen Helten der Peitsche, das bei den Fuhrleuten gang Knd gäbe sei, könne nicht ohne weiteres auf eine -cartige Absicht geschlossen werden. Erweitertes Schöffengericht Gießen. » Gießen. 4. Sept. 3m Verlauf einer Schlä- ! gerei an der Margarethenhütte wollte der Stief» roter eines der Beteiligten seinen Stiefsohn nach H.ause holen. Kaum hatte er den Schauplatz der Schlägerei erreicht, da wurde ihm von einem daselbst wohnenden Händler mit einer Latte, pn der sich nach Zeugenaussagen Aägel befanden, : derart heftig gegen die linke Schläfenseite geschlagen, und dabei daß linke Auge so schwer ver- letzt, daß er noch in der Rächt in die Augen» fliiiit verbracht werden muhte. Trotz sofort vor- zenommener Operation erwiesen sich aber die Verletzungen so schwer, daß er das Augenlicht dlaus diesem Auge eingebüßt hat. Wegen schwerer Körperverletzung wurde der Händler heute zu »acht Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Arbeiter war eines Rachts in einen rings- » um eingezäunten Garten durch gewaltsames Oeff- ■nen der Gartentüre eingebrochen und hatte dort etwas weniger wie 300 Stück Kopfsalat ent* wendet, die er in Frankfurt absehen wollte, hierauf hatte ihn ein Händler aufmerksam gemacht, durch den er auch den Qtamen eines frankfurter Fuhrunternehmers erfuhr, den er dann mit der Abholung des Salats am dortigen Dohnhof beauftragte. Wegen einfacher Begünstigung wurde der Händler zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt, während der Arbeiter wegen schweren Rückfalldiebstahls unter Zubilligung mildernder Umstände zu der gesetzlichen Mindeststrafe pc»n einem 3 ahr Gefängnis verurteilt wurde. Eine verheiratete Frau, die der vorher zugesagten Begünstigung beschuldigt war, wurde trotz erheblicher Verdachtsmomente mangels ausreichenden Beweises freigesprochen. Wegen Eisenbahntransportgefährdung stand ein Arbeiter aus Lollar unter Anklage. Er hatte auf dem Lollarer Bahnhof mehrere Weichen dadurch betriebsunfähig gemacht, daß er eine Anzahl Schottersteine auf die eisernen Gleitstühle in den Zwischenraum zwischen der abliegenden Weichenzunge und Dackenschiene aufleate. Hierdurch hätte leicht ein Unfall herbeigeführt werden können, der aber durch die Aufmerksamkeit des Stellwerkswärters rechtzeitig verhindert wurde. Rach dem Gutachten des ärztlichen Sachverständigen ist der Angeklagte ein geistig minderwertiger Mensch, der bei seinem Tun nicht das Bewußtsein der Transportgefährdung gehabt habe: im übrigen aber strafrechtlich verantwortlich sei. Der Angeklagte wurde daher lediglich wegen Hebertretung der Eisenbahn-Dau- und Betriebsordnung zu einer Geldstrafe von 150 Mark, evtl, sechs Wochen Haft verurteilt. Rundfunkprogramm. Dienstag, 10. September. 8 bis 9: Don Dad Hornburg: Frühkonzert des Kurorchesters. 13.15 bis 13.30: Werpekonzert. 13.30 bis 14.30: Schallplattenkonzert: Duntes Programm. 15.15 bis 15.45: Stunde der 3ugend: Die schöne Umgebung von Frankfurt a. M. bzw. Kassel. 16.15 bis 18: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10: Lesestunde. 18.40: Stunde der Landwirtschaftskammer Kassel: „Arbeitsparende Verfahren in der Landwirtschaft", Vortrag von Landwirtschaftslehrer Kummrow. 19: Funkhochschule, Abteilung Gesundheitswissenschaft: „lieber Hupenlärm und Gesundheitsschädigung". Vortrag von Stadtarzt Kemkes. 19.20: Schachstunde. 19.40: Vortrag. 20: Sinfoniekonzert, „Der Orient“. 21: Don Stuttgart: 3udiths Ehe, Schauspiel in einem Prolog und fünf Akten von Peter Ran« sen. 22.15 bis 23.15: Essener Kammertrio. Mittwoch, 11. September. 8 bis 9: Von Dad Homburg: Frühkonzert des Kurorchesters. 10.40 bis 11.10: Schulfunk: Musik, vorgetragen von Studienrätin Cilla Geis: Das deutsche Volkslied. 13.15: Werbekonzert. 13.30 bis 14.30: Schallplattenkonzert: Französische Musik. 15.10 bis 15.20: Briefkasten der Stunde der Jugend: Bekanntgabe der Preise für die Beteiligung am Preisausschreiben über das Briefmarkensammeln. 15.20 bis 15.45: Aus dem Buche der Sage und Geschichte. 16.15 bis 18: Konzert des Rundsunkorchesters. 18.10: Dücherstunde. 18.30: Don Kassel: Fünfzehn Minuten Dialog: „Aus dem Alltagsleben". 18.45: Volkskundliche Streiferei durch Elsaß, Vortrag von Karl Walter, Stuttgart. 19.05: Französische Literaturproben. 19.20: Französischer Sprachunterricht. 10.45: Senckenberg-Viertelstunde. „Gottesanbeterinnen", Vortrag von Dr. Mertens. 20: Rach Stuttgart: Die „Milde-Welle". 21 bis 22: Von Stuttgart: Heitere Senss-Georgi-Stunde. 22.15: Funkstille. Linser Verhältnis zn den Tieren. Worte dreier großer Männer. Den Charakter eines Menschen kann man nach der Behandlung beurteilen, die er den Tieren angebeihen läßt. Friedrich der Große. Mitleid mit den Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, daß man zuversichtlich behaupten darf: wer gegen Tiere grausam ist, kann kein guter Mensch fein. Schopenhauer. Grausamkeit gegen die Tiere ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes. Wo man ihrer gewahr wirb, ist es ein sicheres Zeichen der Unwissenheit und Roheit, welche selbst durch alle Zeichen des Reichtums, der Pracht und des Abels nicht übertrumpft werben kann. Grausamkeit gegen Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Alexander von Humboldt. Berliner Börse. Berlin, 9. Sept. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr zum Wochenbeginn ist noch nicht viel zu sehen. Die Tendenz bleibt abwartend, doch rechnet man für die Börse eher mit einer Beruhigung, da die Gerüchte, die gegen Ende der vorigen Woche die starke Verkaufsneigung heroorgerufen hatten, bisher keine Betätigung fanden. Besondere Anregungen liegen aber nicht vor. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,90, London gegen Mailand 92,71, London gegen Spanien 32,90, London gegen Kabel 4,8470, London gegen Berlin 20,36, Kabel gegen Berlin 4,1995. Turnen, Sport und Spiel commerfpiele vom Frühjahr in den Nachsommer Turnerschaft tadellosen Platzverhältnisse sicherten den gern. oerl. gern. verl. gegenüber: 3 2 1 0 3 2 1 0 0 1 2 3 0 1 2 3 0 1 2 3 3 2 1 0 To. Haina Tv. Lützellinden Tv. Holzheim II To. Biedenkopf Iw. Halgehaufen Id. Wetzlar I. u. Spo. Marburg I. u. Spo. Butzbach 3n der ^-Klasse Spiele 3 3 3 3 Tv. die und To. Frankenau Mtv. Gießen T. u. Spo. Butzbach T. u. Spo. Marburg lehen, das schon , sand erst beute um Kredit« M in Menge mb sind es auch auswärtige Fii« :11er von Daren, esen (Kamen nicht Einrichtung ihr :r Weise täuschen er Korrespondenz Punkte 6 4 2 0 Punkte 6 4 2 0 d: gern. verl. Tabellen st an Spiele 3 i 3 3 3 keinen guten Tag. Die Faustballfünf des -. -. Spo. Butzbach ging zwar punktloz aus dem treffen hervor, verdient aber Anerkennung, weil sie Kunst und Wissenschaft. Mendelssohn-Gedenkfeier in Berlin. Zur Erinnerung an den 20 0. Geburtstag des Philosophen Moses Mendelssohn veranstalteten am Sonntag der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin, die Akademie für die Wissenschaft des Judentums und die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Juden- tums in der Singakademie eine stimmungsvolle Gedenkfeier, an der Vertreter der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, der verschiedenen politischen Parteien des Reichstages und des Landtages, der Wissenschaft, der Universität, der Kant-Gesellschaft, führende Märmer des Judentums usw. teilnahmen. Das Philharmonische Orchester unter Leitung von Dr. Heinz Unger eröffnete die Feier mit der Ouvertüre zu „Athalia" von Felix Mendels- jvhn-Dartholdy. Sodann hieß Direktor Ka- Kaustball im Turngau Hessen (O. T.) Die Gauspiele in Gießen. bpro. Die Verlegung des Austragstermins der Punkte 6 4 2 0 Schwäche: es verlor fein Spiel verhältnismäßig hoch. Die Spielergebnisse: Tv. Lützellinden gegen Tv. Holzheim II 41:40, Tv. Holzheim ll gegen Tv. Biedenkopf 44:34, Tv. Haina gegen Tv. Lützellinden 60:51, Tv. Haina gegen Tv. Biedenkopf 42:19, Tb. Haina gegen Tv. Holzheim 31:28, Tv. Lützellinden gegen Tv. Biedenkopf 46: 33. Die Sommerspiele haben damit für dieses Jahr ihren amtlichen Abschluß gefunden, mit dem die Gauleitung zufrieden sein darf. Run kommt der Handball, das Winterspiel der Turner, zu seinem Recht. Daß der Gauspielausschuh dem letzten Sommerspiel auf dem gleichen Platz und auf den gleichen Tag die ersten Handballspiele der neuen „Saison" folgen lieh und damit den Gauspieltag zu einem vielseitigen, eindrucksvollen Werbetag für das Turnspiel gestaltete, war ein glücklicher Gedanke. Kußball in Hessen-Hannover. Kurhessen Kassel — Göttingen 05 2:1. Kurhessen Marburg — Hessen 09 Kassel 5:3. Borussia Fulda — Sp. D. Kassel 7:2. Kußball in Süddeutschland. Don den am vergangenen Sonntag im süddeutschen Derbandsgebiet ausgetragenen 29 Kämpfen endeten 21 zugunsten der Platzbesitzer, 4 verliefen unentschieden und nur in den restlichen 4 Treffen nahmen die besuchenden Mannschaften die Punkte mit. Ein Deweis, wie wertvoll immer noch der Vorteil des eigenen Platzes ist. Der Dezirk Main-Hessen hatte knappe Ergebnisse. 3n der Gruppe Main siegten die Groß-Frankfurter Vereine Eintracht gegen Union Riederrad nur 1:0, Rotweiß gegen die Sp.-Dgg. Griesheim 2:0. F. Sp. D. Frankfurt holte sich beim 1. F. C. 93 Hanau mit 3:2 die Punkte. Ueberraschend, wenn auch nicht ganz unerwartet endete der Rivalenkampf unter den Spiele in der Jugend-Klasse, in der sich die Mannschaften vom Tv. Frankenau, M t v. Gießen, T. u. Sp.Vg. Marburg und T. u. Sp.Vg. Duhbach den Schiedsrichtern stellten. Die Mannschaft des Tv. Frankenau, des bewährten Faustballvorkämpfers im Frankenberger Dezirk, überragte mit ihrem Können und scheint sich zu bemühen, den guten „Faustballruf" des kleinen Landvereins in den ©herbergen (die 1. Mannschaft gehört der Gausonderklasse an) in Zukunft zu bewahren. Gut und schön geschlagen hat sich auch die Jugend-Fünf des Mtv. Gießen. T. u. Spv. Marburg war nicht rechtzeitig angetreten und verlor sein erstes Spiel kampflos, ließ sich aber auch in den beiden anderen Treffen hoch schlagen. Die Jugend vom T. u. Spv. Duhbach zeigte bei der Begegnung mit T. u. Spv. Marburg, daß sie spielen kann. Wünschenswert wäre es jedoch gewesen, daß die Butzbacher Fünf ihr Spiel gegen Mtv. Gießen etwas ernster genommen hätte. Die Ergebnisse: Tv. Frankenau—T. u. Spv. Duhbach 40:28, Mtv. Gießen— T. u. Spv. Marburg (kampflos für Mtv. Gießen), T. u. Spv. Duhbach—T. u. Spv. Marburg 64:28, Tv. Frankenau—Mtv. Gießen 43:27, Mtv. Gießen—T. u. Spv. Duhbach 40:31, Tv. Frankenau— T. u. Spv. Marburg 52:14. Tabellen st and: Spiele < 3 3 3 3 standen sich Daß in den Reihen der jüngeren . , . ein guter Faustball-Rachwuchs herangebildet werden kann, das zeigen die durchweg frischen Dünger, seine« stoss, den er, m konnte er 'diwt seine "teÄ. ht erreicht ^ mt>e™ - gi) mu6 ÄS Ä aU "■Am*”6"1' 'A »leW.E vorwiegend aus älteren Turnern bestand, die ihre Regner in einer Altersklasse hätten suchen müssen. - Gleicht regt ihr tapferes Aushalten auch in anderen . enty$B’ Vereinen die alten Faustballer wieder zur Betäti- iW ojLyg well' biing an. zehn fröhlich' Nachstehend die Spielergebniffe der Mei- und Kt tert (affe: Tv. Wetzlar — T. u. Sp. Butzbach 45:31; : I». Halgehausen — T. u.Spv. Marburg 36:34; Tv. Holgehausen — T. u. Spv. Butzbach 50:33; Tv. Ächlar — T. u. Spv. Marburg 51:44; Tv. Halge- hmfen — Tv. Wetzlar 34:30; T. u. Spv. Marburg — I. u.Spv.Butzbach 53:39. Daraus ergibt sich folgender Tabellen st and: beiden hessischen Vereinen der Gruppe. Germania Dieber schlug die Offenbacher Kickers 3:1. In der Gruppe Hessen entschied sich das Treffen Wormatia Worms gegen F.Sp. 05 Mainz mit 2:1 zugunsten der Wormser V.f.L. Reu-Isenburg fertigte Hassia Dingen mit 5:0 ab, 1. F.C. Langen und Alemannia Worms teilten sich mit 2:2 die Ausbeute. Der Rewling, S.V. 98 Darmstadt, mußte dem S.V. Wiesbaden mit 1:3 den Sieg überlassen. Im Bezirk Bayern hatte die Gruppe Nordbayern die Genugtuung, ihre beiden Meistermannschaften siegreich zu sehen, allerdings beide gegen recht schwache Gegner. Der 1. F.C. Nürnberg fertigte den 1. F.C. Bayreuch mit 6:1 ab, die Sp.Vg. Fürth gewann sogar 8:1 gegen den Neuling, die Sp.Vg. Hof. Bayern, Hof und V.f.R. Fürth trennten sich mit 2:2. Das bemerkenswerteste Ergebnis der Gruppe zeitigte der F.D. 04 Würzburg, indem er den A.S.V. Nürnberg 2:1 schlug. Die Gruppe Südbayern ließ die in der Schweiz weilenden „Bayern" und Wacker München pausieren. S.D. 1860 München gewann gegen Jahn Regensburg mit 4:2, während Teutonia München gegen F.V. 94 Ulm mit 2:2 einen Punkt einbüßte. Schwaben Augsburg bewies wieder feine vom Vorjahre noch bekannte Form und behielt gegen den D.S.V. München mit glattem 3:0 die Oberhand. Im Dezirk Württemberg-Daden zeitigte die Gruppe Württemberg auf der ganzen Linie unerwartete Ergebnisse. Das Stuttgarter Ortstreffen zwischen den Sportfreunden und den Kickers endete 3:2 für die plahbesihenden Sportfreunde, wodurch Kickers ihre dritte Rieder- lage in vier Spielen erlitten. Sie bleiben vorläufig am Ende der Tabelle. V. f. R. Heilbronn nahm dem l.F. C. Pforzheim mit 1:1 einen Punkt ab, und der F. C. Dirkenseld bereitete Union Böckingen mit 3: 0 eine bedenkliche Riederlage. D. f. D. Stuttgart und Germania Drötzingen waren spielfrei. In der Gruppe Daden trat der K. F. D. Karlsruhe durch einen hohen Sieg von 5:1 Toren über den F.D. Rastatt hervor. Phönix Karlsruhe brachte sich durch sein 2: 0 gegen die Sp. Dgg. Freiburg, die weiterhin punktlos bleibt, an die Spitze der Tabelle. Der S. C. Freiburg verlor auf eigenem Platze 2:3 gegen seinen Ortsrivalen, den F. C. Freiburg. Auch der S. C. Freiburg ist bis jetzt noch ohne Punktbesih. pierre Charles bleibt Europameister. Der erste Europameisterschaftskampf im Schwergewicht in Berlin hatte am Samstag eine riesige Menschenmenge angelockt, wenn auch das Poststadion nicht ganz ausverkauft war. Der Belgier Pierre Charles konnte seinen Titel gegen den deutschen Herausforderer Franz D i e ne r , erfolgreich verteidigen und schlug Diener in der elften Runde k. o., nachdem der Deutsche bereits in der zehnten Runde zweimal zu Boden mußte, und das drittemal nur durch den Gong gerettet wurde. S)eina, Tv. Lützellinden, Tv. Holzheim II, Biedenkopf. Recht gut gefallen konnten ia’t gleichwertigen Mannschaften von Haina Lützellinden; die letztere verdient als Heuling besonderes Lob. Holzheim, ein alter saustball- treibenber Verein, zeigte sich den genannten degnern fast ebenbürtig. Es wurde von Lützellinden nur mit einem Punkt Vorsprung geschlagen und unterlag auch nur knapp dem Tv. ßoina, nachdem es in der ersten Spielhälfte mit 6 Punkten Vorsprung geführt hatte. Biedenkopf, ein Anfänger im Gau, besitzt noch manche uMrah Knolls Sics^' Hbmcjto, intaic: S-Z & «ffil SÖ.I? §aM ? bott j, nn^Seld A wirklichen Können der einzelnen Mannschaften. Am bellen waren Tv. Halgehausen und To. Wetzlar, die oiti Grund ihrer Leistungen aufsteigen und im snidjften Jahre in der Gausonderklasse gemeinsam mit Tgmde. Friedberg, Tv 1846 Sie« Sen, Tv. Frankenau und Akad. To. „Kurhessen" Marburg um den Titel eines Gaumeisters kämpfen werden. Das technische Können der beiden in die öonderklasse ausgenommenen Neulinge ist zunächst nodj nicht in allem einwandfrei, aber bei dem Eifer, mit dem sich beide Mannschaften dem Spiel hingegen, darf man erwarten, daß Halgehausen und l^.tzlar in der Klasse der Gaubesten in Ehren bestehen werden. Die Mannschaft des T. u. Spv. Marburg, die wir in kompletter Aufstellung schon bedeutend besser spielen sahen (so letzthin bei der Fauftballrunde des Id. 1846 Gießen), war mit Ersatz angetreten und batte keinen t. u. Spo. Br »gen, Umschlägen ........ ... .... Vl_ Aanllonten und ^i sich im Gau Hessen in jeder Hinsicht bewährt. 'betrieb aus und jie Spiele, nunmehr wirklich Sommerspiele, fanden ibte kaufmännische in den Bezirken eine stärkere Beachtung, und die rnzen von Selin« «ix den letzten Sonntagen abgehaltenen Bezirksspiele : vollendeten dann cif reuten sich durchweg stärkerer Beteiligung als in t auch von dein fopp Vorjahren. Insgesamt haben, einschließlich der ß offenbar auf (Baufonbertiaffe, etwa 50 Mannschaften des Gaues er jetzt verlassen |fccn Faustballsport gepflegt und damit einem schönen, auf sein vsstnÄ Mosten Turnspiele wieder mehr Geltung verschafft. ,g, brr er erlag. Das ist erfreulich. rase von drei $on den sechs Bezirken des Gaues hatten die Untersuchungöhast Bezirke 1, 2, 5 und 6 ihre bei den Bezirksspielen rmitteUen Besten zu den Gauspielen entsandt, die m ausgangs dck ain Sonntagvormittag auf dem Unioersitätssport- , vorgekommenen plotz in Gießen auf vier Spielfeldern ausgetra- emem Auto und aen wurden. Die ruhige, sachkundige Leitung durch )vm Lande mahle (Baufpielroart Seibert (Wetzlar) und dem Gau- ^^*i*^* ob mann für die Sommerspiele, Willi Loh (Gießen), •m k rt bonu& douspielen einen glatten, harmonischen Verlauf. «tu (inb am Besonderem Interesse begegneten naturgemäß die 11 sLlmitb faft rxiele der Meisterklasse, in der T. u. Spv. y rjnXibi« Lutzbach, T. u. Spo. Marburg, Tv. Wetzlar und •JffinDrsihrr ?-D. Halgehausen zum Wettkampf angetreten waren, wollte ater dessen Ergebnisse entsprechen im^wesentlichen dem $ Sinken ein« Mnn, den He rr iwd) über Dassn resti, der Vorsitzende des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, die Gäste herzlich willkommen. Minister S e v e r i n g überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Rcrchsregierung und der preußischen Staatsregierung. Obgleich er weder Jude, noch Berliner, noch Philosoph sei, möchte er doch als Mensch, so führte der Minister aus, der Lichtgestalt Mendelssohns herzliche Worte der Erinnerung widmen. Leider lebten wir in einer Zeit, in welcher die Taten der Geistesheroen durch Doxkämpfer, Schnelläufer, Rennpferde usw. in den Hintergrund gedrängt werden. Er hoffe jedoch daß diese Unkultur verschwinden und in absehbarer Zeit Forschung, Kunst und kulturelle Fortschritte wieder an erster Stelle stehen würden. Darm werde auch der (Harne Moses Mendelssohns nicht an letzter Stelle stehen, des Mannes, dem Lessing in seinem „Rathan" ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat.' Oberbürgermeister Böß betonte, es sei das Verdienst Mendelssohns, den Kampf ausgenommen zu haben für die Freiheit geistiger Entwicklung und Hebung des Judentums. Dr. Baumgardt sprach für die größte philosophische Organisation der Welt, die Kant- Gesellschaft, und schilderte Mendelssohn als leuchtenden Vorkämpser des Toleranzgedankens. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Daeck, der von dem Menschen Mendelssohn und seiner Epoche, dem Jahrhundert der Aufllärungsrevo- lution, sprach. Wäre Mendelssohn, so führte der Redner aus, nur ein Philosoph gewesen, so hätte er mit seiner Zeit auch sein Ende gefunden. Er war aber auch ein Vertreter und Führer des Judentums. Er hat das starre, geschlossene System des Mittelalters im 18. Jahrhundert gesprengt und das Judentum aus seiner Unfreiheit herausgeführt. Mit unserem Dank an Mendelssohn verbinden wir die Mahnung, die am Schluß seines Werkes „Jerusalem" steht: „Liebt die Wahrheit und liebt den Frieden!" Zum Abschluß der Feier spielte das Philharmonische Orchester das große Tongemälde „Tod und Verklärung" von Richard Strauß. In Dessau fand am Sonntag aus Anlaß des 200. Geburtstages des Philosophen Moses Mendelssohn eine Feier im Friedrichs-Theater statt. Bürgermeister Hesse hielt die Festrede und machte dabei Mitteilung von einer Moses- Mendelssohn-Stiftung der deutschen Geisteswissenschaft, zu der die Firma Mendelssohn & Co. in Berlin und Amsterdam durch eine Spende von 250 000 Mark den Grundstock gelegt hat. Aus den Erträgnissen dieser Stiftung sollen Vertretern des deutschen Geisteslebens die Mittel zur Durchführung von Forschungsarbeiten und Forschungsreisen zur Verfügung gestellt werden. Weiter sollen unbemittelten deutschen Studierenden Beihilfen zum Studium an einer Hochschule gewährt werden. In das Kuratorium der Stiftung sind zahlreiche hervorragende Vertreter von Kunst und Wissenschaft berufen worden. Weiterhin feierten Staatsminister Dr. Müller, Dessau, und Professor Dr. ® I b o g en, Berlin, die Bedeutung des Philosophen Moses Mendelssohn. Wirtschaft. Entspannung am Geldmarkt. — Oie Oiskontsrage. Entgegen den allgemeinen Erwartungen ist die Inanspruchnahme der Reichsbank zum Ultimo August recht erheblich gewesen. Die Reichsbank war aber genügend gerüstet, um diesen Ansprüchen restlos nachzukommen. Jnsolgedessen ist die zum Ultimo eingetretene Verteuerung arm Geldmarkt nur als eine vorübergehende Erscheinung anzusprechen gewesen, und die Sätze für Tagesgeld haben sich inzwischen wieder auf 8 bis 10>/2 Proz. ermäßigt. Sie wären sicherlich noch weiter heruntergegangen, wenn nicht eine starke Rachfrage infolge der Rotwendigkeit der Rückzahlungen bei der Reichsbank bestände. Denn man muh berücksichtigen, daß der Lombardkredit der Reichsbank in hohem Maße zur Finanzierung des Ultimo in Anspruch genommen worden ist, was letzten Endes mit den Hoffnungen auf eine Diskontermäßigung, die zu kurzfristigen Dispositionen Veranlassung gibt, zusammenhängt. Es ist daher mit einer starken Entlastung der Reichs bank für die erste Septemberwoche zu rechnen. Anderseits werden sich aber voraussichtlich im laufenden Monat die Zinssätze auf einem verhältnismäßig hohen Riveau halten, vor allem der Satz für Monatsgeld, da die Herbstansprüche der Wirtschaft jetzt erst stärker in Erscheinung treten. Diese Entwicklung beeinflußt sehr die Lage des Daumarktes. Die Bausaison hat zu einem erheblichen Telle durch die teuren Finanzierungsmöglichkeiten starke Anzeichen einer sehr frühen Beendigung aufzuweisen. Was die Diskontfrage anbelangt, so ist bereits ausgeführt worden, daß Gerüchte über eine baldige Diskontsenkung zum mindesten verfrüht sind; wenigstens bis zur Rückkehr des Reichsbankpräsidenten dürsten offizielle Besprechungen innerhalb des Reichsbankdirektoriums überhaupt nicht stattfinden. Die Entwicklung des Reichsbankstatus steht im Zeichen einer beträchtlichen Zunahme des Deckungsbestandes und berechtigt an sich, an die Möglichkeit einer Diskontsenkung zu denken, zumal der Wirtschaft für die Finanzierung ihres Herbstgeschäftes eine Verbilligung des Geldes durchaus wünschenswert wäre. Im übrigen hat die Reichsbank als Zentralnoteninstitut ja auch die Pflicht, der Wirtschaft zu Hilfe zu kommen, wenn es ihr durch eine Verbilligung des Geldsatzes möglich ist, eine abgleitende Konjunktur aufzuhalten, bzw. aus ihrem Depressionszustand wieder zu befreien. Es kommt hinzu, daß die Entwicklung in der De- richtswoche am Markte für bankgirierte Warenwechsel und am Privatdiskontmarkt,an dem die Rotierung wieder um i/g Proz. herabgesetzt werden konnte, die gesunde innere Verfassung des deutschen Geldmarktes erneut betätigt hat. Geht man also von dem Standpunkte aus, daß die Reichsbank entscheidende konjunkturpolitische Aufgaben zu erfüllen hat, daß ihr diese Erfüllung angesichts eines infolge des verbesserten Deckungs- bestandes in ausreichendem Umfange zur Verfügung stehenden Kreditspielraums um so mehr ermöglicht wird, so muh die Frage einer Dis- kontermähigung positiv beantwortet werden, selbst; wenn durch die Herbstbeanspruchung des zentralen Kreditinstituts sich gewisse, als rein markttechnisch anzusprechende Komplikationen ergeben. Es bleibt also nur die ungeklärte Geldmarktlage als Argument gegen eine Diskontermäßigung übrig. Leider lastet auf der internationalen Geldmarktlage die in der labilen Verfassung der Dank von England liegende äLngewihheit, aber anscheinend ist die Leitung der Bant von England gewillt, an ihrem Diskontsatz trotz aller Gvldverkäuse im Herbst festzuhalten, um die Schwierigkeiten der englischen Wirtschaft nicht durch eine Verteuerung des Geldes noch zu vergrößern. Auslandgelder werden Deutschland zur Zeit in genügendem Maße zur Verfügung gestellt, es ist sogar gelungen, Prolongationen zu etwas geringeren Zinssätzen durchzudrücken. Südwestdeutsche Bank und ÄZestbank. Laut „ Franks. Ztg." hat die Westbank A.-G. in Frankfurt a. M., die von der Südwestdeutschen Dank A.-G. unter Garantie der Frankfurter Allgemeinen 400 000 Mark zu fordern hat, der derzeitigen Verwaltung der S ü d - westdeutschen Dank mitgeteilt, daß sie gegen das Institut Antrag auf Konkurseröffnung stellen werde. Die Weltbank habe eine Art Ultimatum für Dienstag nächster Woche gestellt. Don der Direktion der Westbank erfahren wir zu dieser Meldung, daß es sich nur um ein Eventual- Tlltirnaturn handelt. Die West- baick hat von den Derwaltungsbanken die Einräumung des Mitwirkungsrechts bei der Prüfung und Abwicklung der Geschäfte der Südwestdeutschen Bank gefordert. Wenn sie bis zum nächsten Dienstag keinen befriedigenden Bescheid erhalte, behalte sie sich vor, Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens zu stellen. Die Derwal- tungsbankcn scheinen jedoch, wie uns die Westbank weiter erklärt, wenig geneigt zu sein, die Forderungen des Instituts zu erfüllen. Oie Kugellagerfusion. Nachdem am Freitag die außerordentliche Generalversammlung der Fries & Höpflinger AG. den Fusionsvertrag mit der S. K. F. Norma A.G. genehmigt hat, hat am Sonntag die Generalversammlung der S. K. F. Norma A.G. ebenfalls den Vorstand ermächtigt, den Fusionsvertrag abzuschließen. 3m Zusammenhang mit dieser Transaktion ist in der Generalversammlung beschlossen worden, daß die S. K. F. Norma ihren Namen in „Vereinigte Kugellagerfabriken A. G." ändert. Danach wurde der Einbringungsvertrag für die Walzlagerabteilung der Fichtel & Sachs A. G. genehmigt, so daß die neue Firma die drei größten Kugellagerwerke in sich vereinigt. Das Kapital der Vereinigten Kugellagerfabriken ist auf 40 Millionen Reichsmark erhöht worden. Die ebenfalls dem Konzern angegliederten Firmen, Maschinenfabrik Rheinland A.G. und Reibewerke A.G. sind als Beteiligungen ausgenommen. Sih und Hauptverwaltung des neuen Konzerns werden in Berlin bleiben. Es besteht die Absicht, die Fabrikation allmählich nach Schweinfurt und Cannstatt zu konzentrieren. 3nfolge der dort beabsichtigten Rationalisierung und Typenverminderung wird mit Bestimmtheit mit einer weiteren Steigerung des Absatzes gerechnet. Man beabsichtigt nicht, wenigstens in der nächsten Zukunft, die Aktien der neuen Gesellschaft an der Börse zur Einführung zu bringen. • • Die amtliche Großhandelsindex- z i f f e r. Die auf den Stichtag des 4. September berechnete Großhandelsindexzifser des Statistischen Reichsamts ist mit 137,9 gegenüber der Vorwoche unverändert. Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer für Agrarstoffe um 0,2 Prozent auf 131,7 (132,0) nachgegcben. Die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und Halbwaren ist um 0,3 Prozent auf 131,8 (131,4) gestiegen, während diejenige für industrielle Fertigwaren leicht auf 157,4 (157,5) nachgegeben hat. Im Monatsdurchschnitt August ist die Gesamtindexziffer um 0,2 Prozent auf 138,1 (137,8) gestiegen. Die Indexziffern für die Hauptgruppen stellten sich für Agrarstoffe auf 132,6 (132,4), für Kolonialwaren auf 129,5 (128,2), für industrielle Rohstoffe und Halbwaren auf 131,5 (131,3), und für industrielle Fertigwaren auf 157,5 (157,3). * Saaten- und Ernte st and i m Deutschen Reich Anfang September. Die im August vorherrschende trockene und warme Witterung hat die Erntearbeiten für Getreide allgemein sehr gefördert, dagegen das Wachstum der Hackfrüchte, Futterpflanzen und Wiesen in vielen Gebieten des Reichs ungünstig beeinflußt. Die Ernte der Halmfrüchte war Ende August in Süd- und Mitteldeutschland fast ganz, in den übrigen Reichsteilen bis auf Teilbestände von Hafer und Weizen beendet. Die bisher vorliegenden Druschergebnisse werden fast durchweg als „mittel" bezeichnet. Im Stand der Hackfrüchte ist seit dem Vormonat fast durchweg eine Verschlechterung eingetreten. Kartoffeln wie Rüben haben allenthalben unter der Trockenheit gelitten und sind daher in der Entwicklung zurückgeblieben. Eine Ausnahme machen jedoch Schlesien und einige Gebiete im Süden des Reichs und in der Rheinprooinz, wo ergiebigere Regenfälle eine Besserung des Standes bewirkten. Auf leichteren Böden kommen die Kartoffeln bereits häufiger zur Reife. Der zweite Klee- und Wiesenschnitt hat begonnen, liefert aber größtenteils nur einen geringen Ertrag. Wo nicht genügende Bodenfeuchtigkeit vorhanden ist, sind die Kleefelder und Wiesen teilweise ausgebrannt. Unter Zugrundelegung der Zahlennoten 2 = gut, 3 = mittel, 4 = gering, ergibt sich im Reichsdurch- schnitt folgende Begutachtung: Hafer 2,6 (im Vormonat 2,6), Spätkartoffeln 2,9 (2,8), Zuckerrüben 3,1 (2,9), Runkelrüben 2,9 (2,8), Klee 3,3 (3,3), Luzerne 3,3 (3,1), Bewässerungswiesen 2,8 (2,8), andere Wiesen 3,3 (3,2). ' Mitteldeutsche Härtst ein-Indu- strie A.-G., Frankfurt a. M. Die Gesellschaft hatte im Geschäftsjahr gleich der gesamten deutschen Dasaltindustrie mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Durch die Zurückhaltung der Hauptabnehmer, der Eisenbahn- wie der Provinzial- und Kommunal-Verwaltungen, waren Aufträge nur schwer und mit weiter zurückgehenden Preisen hereinzubringen. Wenn trotzdem der Rohgewinn des Vorjahres erzielt wurde, so sei dies den durchgeführten baulichen und technischen Rakionalisierungs- und Modernisierungsarbeiten zuzuschreiben, die größere Mittel erfordert hätten. Der Rohgewinn beträgt 1,58 (1,50) Millionen Mark. Aus dem nach erhöhten Abschreibungen von 440 024 (310 000) Mark verbleibenden Reingewinn von 22 631 (290 000) Mark werden 20 000 Mark der Reserve berwiesen und die restlichen 2631 (3696) Mark vorgetragen. Die 3 Millionen Mark Aktien bleiben also diesmal dividendelos (im Vorjahre 6 Prozent Dividende). Die ersten Monate des neuen Jahres wurden durch den strengen Winter ungünstig beeinflußt. Die inzwischen eingegangenen größeren Aufträge bieten für die nächsten Monate volle Beschäftigung. Eine Voraussage über das Ergebnis des laufenden Jahres lasse sich noch nicht machen. Die Generalversammlung genehmigte den dividendelosen Abschluß ohne Erörterung. Von einer Gewinnausschüttung habe man im Hinblick auf die notwendigen Rationali- sierungs- und Modernisierungsmaßnahmen Abstand genommen. • Der italienische Autoexport. Die Zahl der während der ersten sechs Monate dieses Jahres ausgeführten Automobile beträgt 14 030, was einen Gesamtwert von 201,15 Mill. Lire darstellt. In derselben Zeit des Jahres 1928 betrug die Ausfuhr 13 066 Wagen mit einem Wert von 181,51 Mill. Lire. Eingeführt wurden 3829 Wagen im Werte von 53,17 Mill. Lire gegen 2486 bzw. 40,71 Mill. Lire. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 9. Sept. Tendenz lustlos. Zu Beginn der neuen Woche war die Tendenz im heutigen Vormittagsverkehr etwas freundlicher. Angeblich sollen einige Orders Vorgelegen haben. Die bessere Dörsenverfassung in Neuyork machte einen guten Eindruck, doch besteht hinsichtlich der Londoner Diskontfrage immer noch eine gewisse Tlnsicherheit, so daß zu Beginn des offiziellen Marktes die Stimmung recht lustlos war, zumal von einem Eingang von Aufträgen kaum etwas zu bemerken war. Das Geschäft war sehr klein. Die Spekulation bekundete große Zurückhaltung. da Anregungen irgendwelcher Art nicht Vorlagen. Gegenüber den Schlußkursen vom Samstag war die Kursgestaltung nicht einheitlich, aber im Grundlon der Börse war eine gewisse Widerstandsfähigkeit nicht zu verkennen. Aus dem Rahmen der Gesamttcndenz fielen Kaliwerte, denn hier traten nach den ersten Kursen ganz beträchtliche Steigerungen ein. Als Käufer foll die Kulisse aufgetreten sein. Hier dürste die bevorstehende Saisonbelebung in diesem Industriezweig eine Anregung geboten haben. Westeregeln lagen 8 Proz. fester und Aschersleben 7,5. Am Eleltromarkt eröffneten AEG. gut behauptet. Licht und Kraft büßten 3 Proz. ein, Siemens waren leicht gebessert, aber die Tlmsähe waren sehr klein. Zu erwähnen sind noch anv Montanmarkt Stahlverein mit plus 1,5 Proz. und von Autowerten Adlerwerke, mit ebenfalls plus 1,5. Banken leicht gedrückt. Deutsche Linoleum minus 2 Proz. Renten still. Im Verlaufe war die Unter» nehmungslust immer noch fehr klein. Die Kurse lagen gut behauptet, zumeist um Bruchteile eines Prozentes gebessert. Verschiedene Werte lagen später auf Gewinnmitnahmen etwas abgeschwächt, und Kaliwerte mußten von ihrem Gewinn wieder 2 Proz. hergeben. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 Proz. wieder etwas leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2008, gegen Pfund 20,362, London gegen Kabel 4,8472, gegen Paris 123,89, gegen Mailand 92,70, gegen Madrid 32,00, gegen Holland 12,0960. Berliner Börse. Berlin, 9. Sept. (Eig, Drahtbericht des „Gieß. Anz.") Nach einem ruhigen, doch eher etwas freundlicheren Vormittagsverlehr und einer ebensolchen Vorbörse war der Beginn der heutigen offiziellen Börse enttäuschend. Wider Erwarten tarn an verschiedenen Märkten Ware heraus, und die Börse nahm bei der herrschenden Lustlosigkeit die heraus- koinmende Ware meist zu niedrigen Kursen auf Die ersten Notierungen zeigten kein einheitliches Bild, überwiegend konnte man ein- bis zwcipro- zentige Verluste feststellen, doch waren auch geringe Besserungen zu beobachten. Anregende Momente lagen heute so gut wie nicht vor. Neuyork schloß am Samstag nach festem Beginn wieder schwacher, die Förderung im Ruhrgebiet ist leicht rückgängig, in Mitteldeutschland ist die Arbeitslosigkeit im Ansteigen begriffen, es ist mit einer weiteren Ermäßigung des Benzinpreises in Deutschland zu rechnen, die Entwicklung der Angelegenheit der Frankfurter Allgemeinen Versicherung ist wenig befriedigend, zumal, nach Mitteilungen, die Reichsbank an der Stützungsaktion nicht beteiligt ist, und die Londoner Börse soll heute ebenfalls schwächer begonnen haben. Auf die'Erklärung, daß die Beschäftigung bei Glanzstoff zufriedenstellend sei, konnte sich der Kurs dieses Papiers um 6 v. H. erholen, doch war der Umsatz außerordentlich gering und die Orders waren vermutlich nur Deckungen. Kaliwerte lagen ebenfalls fester. Man wollte Auslandkäufe, namentlich aus Frankreich, beobachten, und verwies auch auf die Festigkeit der Kalikuxe. Auffallend schwach lagen am Elektromarkt Licht & Kraft mit einem Verlust von 4,5 v. H. Schubert & Salzer, Ehade, Feldmühle, Löwe und Berlin-Karlsruher Industrie waren über den Rahmen von 2 v. Sy hinaus abgeschwächt. Deutsche Anleihen lagen nicht einheitlich. Ausländer ruhig, doch eher leicht befestigt. Der Pfandbriefmarkt war nicht einheitlich, doch nicht unfreundlich. Am Geldmarkt war die Situation unverändert. Tagesgeld stellte sich auf 8 bis 10, Monatsgeld auf 9 bis 10,5 v. Sy, Warenwechsel auf 7,60. Nach den ersten Kursen wurde es am Kalimarkt lebhafter, und die Börse schritt hier zu Deckungen, so daß sich 1- bis 4prozentige Gewinne ergaben. Hiervon wurden auch die übrigen Märkte beeinflußt. Siemens und Montanwerte waren etwas gefragter. Später ließ das Geschäft aber wieder nach, doch zeigte das Kurs- nioeau meist noch %- bis Iprozentige Besserungen gegen Anfang. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. QU., 9. Sept. Der Produktenmarkt verkehrte zum Wochenbeginn in ruhiger Haltung. Die Händler übten große Zurückhaltung, so daß Umsätze nur in geringem Umfange zustande kamen. Leicht gedrückt lagen Brotgetreide. Auch Futtermittel waren etwas schwächer. Nur Roggen- und Weizenkleie waren etwas gesuchter und leicht gebessert. Mehle lagen gut behauptet. Es wurden notiert: Weizen 25,15 bis 25,25 Mk., Roggen 20,10 bis 20,15, Sommergerste (für Drauzwecke) 21,50, Hafer (inländischer, neu) 18,75 bis 19, Mais (gelb) 20,75 bis 20,90, Weizenmehl (süddeutsches, Spezial 0) 38,25 bis 39, Roggenmehl 29 bis 30,50, Weizenkleie 11,25, Roggenkleie 11,80, Erbsen (je nach Qualität, für Speisezwecke) 35 bis 48, Linsen (je nach Qualität, für Speisezwecke) 45 bis 85, Heu (süddeutsches, gut, gesund, trocken) 10,75 bis 11, Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt) 5,25 bis 5,50, Weizen- und Roggenstroh (gebündelt) 4,50 bis 5, Treber (getrocknet) 17,25 bis 18,25 Mk. — Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 9. Sept. Auftrieb: Rinder 1693 Stück; darunter 324 Ochsen, 112 Dullen, 727 Kühe, 498 Färsen; Kälber 623, Schafe 74; Schweine 4129. Rinder. Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts: jüngere 58 bis 62, ältere 54 bis 57, sonstige vollfleischige 48 bis 53; Dullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 53 bis 56, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 48 bis 52; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 46 bis 49, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 41 bis 45, fleischige 35 bis 40, gering genährte 30 bis 34; Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 58 bis 61, vollfleischige 54 bis 57, fleischige 48 bis 53. Kälber. Deste Mast- und Saugkälber 76 bis 79, mittlere Mast- und Saugkälber 72 bis 75, geringe Kälber 65 bis 71. Schweine. Doll- fleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 88 bis 90, von etwa 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 88 bis 90, von etwa 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 88 bis 90, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebend- gewicht 84 bis 87. Marktverkauf: Rinder ruhig, Tieberstand. Schweine anfangs rege, zum Schluß abflauend, ausverkauft; ausgesuchte Ware über Notiz. Kälber und Schafe mäßig-rege, geräumt. Frankfurter Eicrmarkt. Das Geschäft am Frankfurter Eiermarkt war auch in der vorigen Woche sehr ruhig und die i Preise unverändert. Es notterten in Pfennigen per Stück (Auslandeier unverzollt ab Grenz- | station, Inlandeier ab Station): Italiener 11 bis IV/2, bulgarische 93 */4 bis 10, holländische 11 bis 123/<. südslawische 29l/s bis 93/4, polnische 81/« bis S3/«. russische 10 bis 11, dänische 10V, bis 13, belgisch-flandrische IIV4 bis ll1/,. rumänische 9'/, bis 93/4, schlesische 11V4 bis ll1/,, bayerische ll1/* bis IP/2. norddeutsche 11 bis 12. Zeitschriften. — „Pantheon", Monatsschrift für Freunde und Sammler der Kunst (Verlag F. Bruckmann, A.-G., München) bringt in seinem Septemberhest von Ludwig Baldaß Studien zur Augsburger Por- trätmalerei des 16. Jahrhunderts. Gerade die Augsburger Kunst in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts ist besonders reich an tüchtigen Porträtmalern. Sie zeigen alle untereinander starke Schulzusammengehörigkeit, doch hat jeder seine eigene und eigentlich unschwer erkennbare Physiognomie. Der erste,Teil dieser Studienreihe behandelt Bildnisse aus' der Künstlerfamilie Apt. Gewinnauszug 5. Maste 33. Preußisch.Süddeutsche (259. Preutz.) Kiasten-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten 2 Cfctotiint in 5000 M. 357771 6 »etoinnt 6u 3000 M. 194106 363608 392057 16 »ttotnne ,a 2000 M. 31836 64380 77028 154904 276632 294070 302325 312919 40 ©etoxnne m 1000 9IL 45175 50634 74067 8FO76 36315 117864 156471 166082 172940 174ti61 175116 253076 254573 287820 314722 322439 1 323313 332982 384308 393927 82 Peto-nne «u 600 Dl 6763 47352 54639 64971 72043 88296 103797 104195 116231 125253 128037 133698 139795 140099 145521 180661 186513 196343 206326 218667 224151 243392 268616 \ 274481 282367 282937 290902 303296 312856 325433 332876 338739 357274 358071 367144 368123 380203 389447 393053 395950 397707 170 Cetrnrne »u 300 OIL 3004 20192 22208 32666 35236 39822 61059 61173 65446 68717 62017 66788 71748 75950 78255 80877 86570 90920 91271 92359 95176 100427 100597 102985 111420 116067 115407 120782 126816 129761 137966 142042 143706 150076 158608 159711 161194 164449 168533 172575 175408 176178 180644 188687 189244 192122 203711 211668 212609 224625 229987 256916 261055 269858 269947 273792 276034 277639 278144 230307 288633 294161 296406 297270 298156 300866 303801 311466 316550 321963 328659 333729 338860 1 357155 357844 358360 358854 363185 371036 ’i 375188 378955 383318 387155 391018 392034 Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich Hobe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 37. Ziehungstag 7. September 1929 ön der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 15U M. gezogen Sn der Nachmittagsziedung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 12 »ttoinne m 3000 92L 75149 213030 243512 291600 295834 301663 8 ©etotnne 8u 2000 OT. 18875 82281 228719 285316 32 C'etninnc ,u 1000 M. 33618 34702 60176 65355 85780 90903 137614 190980 216046 281838 296625 337117 339980 378584 392326 398859 92 ®«tninne «u 600 91L 8019 11815 12358 26130 i 33092 60369 69587 75031 81815 84201 84327 95407 119923 142186 157629 162369 169190 170450 177029 178438 178889 189576 2076H) 229932 231237 235745 238164 253527 259796 274398 276400 293735 294117 303834 306652 316308 318611 334846 341893 342941 361074 367470 383867 386758 386953 398114 162 Trwmue.u 300 Al 108> 16373 23841 26831 32718 34492 34871 38469 42347 43774 46540 61612 66485 68525 68817 71838 72330 73951 84941 102424 103667 105286 114674 120831 121798 124392 125701 131016 133189 147799 147977 148473 152826 159846 170966 171714 171841 191338 191588 192283 193621 209306 210516 210747 217068 221659 222201 222228 235460 239061 259279 267096 273197 296631 297484 300959 305682 308981 310784 311206 313586 319687 323204 323748 325149 333861 333966 338211 340865 348208 351762 354750 359237 361781 364899 366546 371711 374606 i 376097 380856 381466 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu ft 500(XA 12 zu je 10000, 4 zu je 5000. 20 zu ie 3000, 36 zu je 2000. 104 zu je 1000, 340 zi je 500, 610 zu je 800 M. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlostenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Frankfurt a W. Berlin Atanlfutt a M. Berlin ^chlust- Sturü t-Uljr Shus Schiust- fturt Anfang» Kur Schiust. 8" 'S i-Utn Kur» Schlub- Kurc Anfang. Kur- Damm 7-9. 9.9. 7 9. 9.9. Datum 7.9. 9.9. 7.9. 9.9. 6% Di. WeitManletite o. 1927 . Di. «IM.-Ablös.-Schuld mit 9Iu& los.-Rechten........ DeSgl. ohne 8lu3Io|.Hütflei»roerfe........e Metal tgeielllchaft. ..... .8 71,9 124,5 82,5 ä 124,75 83 124,25 .Mantrun a .. Benin Berlin, 7- Sevtember (Selo Brief 47 39 06 87 14 | 50 52 98 ’ 87 44 30 - Schlust» Kurl i-Uht Kur.. Schlust Kur« Ansang. Kur .^rattzomeye 'Jtoten . r Hollandtiche Noten .... (italienische Noten...... Norwegische Noten..... Deutsch Qesterr , ä 100 Kronen Rumänische Noten..... Schwedische Noten ..... Schwerter Noten . . ... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Sloten . , Ungarische Noten ... Devisenmarkt Berlin Telegraphische 167,71 21,98 111,43 58,90 2,48 112,08 80,66 61,63 12,33 73,00 -Frankfur Auszahl 168, 22, .11, 59, .12^ 80, - 61, 12, 73, t a M sing. Datum 7.9. 9.9. 7.9. 9 9. PHUIPP Hmzmann ...... Heidelberger Eement .... IC dement Karlstadt ..... io Wagst & Freitag.......8 Schultheis Patzenhoser ... 15 Cftroerte.........12 Bet- (Slanzstoss......18 Bemberg.........n Bcllftofj Waldhof .... 13'/, Zellstoff Aschass.-nburg ... ,z Charlottenburger Wasser ... 8 Destauer Deutsche Maschinen-Fabrik . . lldlerwerte ftieoet.....0 Ludw. Loew-.......1< Rar Automobil.......r Crenftcm & Koppel . .... 6 Leonhard Tietz ...... 10 Bamag-Meguin.......0 Franks. Maschinen......* tbritzner...... 6 Hechigenstaedt .......• FunghanS....... 6 Lechwerte.........8 Mainkrastwerte.......t Miag......... . 10 Nekarsulmer......... Peter» Union..... 8 Gebe. Boeder.......lf Boigt 4 Haessner......9 Südb Lucker.......10 Dank 102 130 185 ;32 236,5 155,25 50 0,13 54 60 8,7 63,25 106 106 124,5 222 158,75 tioten 1 1 1 1 । 1 1 1 4 S 1 । 1 1 . 1 i । l 1 1 1 | 1 S 1 1 । 1 1 1 2 100 293,2 228 332 256,75 237,75 155,5 106,25 192,65 50,5 54,25 40,25 205 24,5 193,25 3,75 61 63 123,5 222 158,75 295 226,5 338 257 238,5 106,6 191,6 50,9 42,5 202 17,5 194 124 7 September 9. September Amtliche Notierung iHeld «J Briet Amtliche Notierung (Äeld i Briet, A mit.» Rott. Buen.-Aites Brss.-Antw- Christiania. Kopenhagen Stockholm . Selsingfors. Italien. . . London. . . Neuyork .. Poris. . . . Schwei; . . Spanien. . Japan .. . Rio de Jan- Wien in D-- Ceft. abgesl Prag . . . . Belirad . . DudaptE. . Bull arien 'J^faboii Dan;ig. - - .Qonftjntln. Athen. . Canada llru uao - Tatro - - - 168,07 " 1,759 58,29 111,68 111,64 112,32 10,538 21,935 20,335 4,1955 16,405 80,77 61,77 1,962 0,497 59,0? 12,418 7,371 73,20 „034 18,77 31,32 2,028 5,425 4,169 4,089 20,85 168,41 1,763 58,41 111,90 111,86 112,54 10,554 21,975 20,375 4,2035 16,445 80,93 61,89 1,966 0,499 59,18 12,438 7,385 73,34 3,040 18,81 81,48 2,032 ,435 4,177 4,094 20,90 168,10 1,760 58,31 111,72 111,66 . 112,37 10,539 21,945 20,341 4,197 16,415 80,79 61,84 1,961 0,4975 59,08 12,422 7,373 73,215 3,034 18,78 81,30 2,023 5,425 4,170 4,096 20,866 168,4t 1,764 58,43 ' 111,94 111.88 112,59 10,559 21,985 20,381 4,205 16,455 80,95 61,96 1,965 0,4995 59,20 12,442 7,382 73,355 3,040 18,82 81,46 2,027 5,435 4,178 4,104 20,906 Berlin, 7. Septemb r Selb nrief Amerikanische Noten..... Belgische Noten . ....... Dänttche Noten ....... tmahiebe Noten........ 4,176 58,23 11,43 20,31 4,196 58,47 111,87 20,39