Nr. 256 Erstes Blatt 179. Jahrgang Dienstag. 8. Moder 1929 Erschelnr lüg lich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. monat$:Be$ugsprel$: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Zernfprrchanschlüsse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GieMer Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Vrvä und Verlag: vrühl'sche UniverfitStr-vuch- und Ztetndruckerei B. Lange in Glehen. Schrlftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Das Provisorium. Don unserer Berliner Redaktion. Berlin, 8.Dtt. (Prio.-Tel.) Wenn auch die Betrauung von Dr. (Turtius mit der vorläufigen Wahrung der Geschäfte des Reichsaußenministers nur als ein Provisorium gedacht ist, so ist doch damit ein sehr wichtiger und notwendiger Schritt zur Wahrung der Kontinuität geschehen. Das zeigen bereits die aus diesem Anlaß vorliegenden Auslandstimmen — das hat auch, rein negativ, die zunächst vorsichtige Kritik gezeigt, die an dieser Betrauung im Lager anderer politischer Parteien geübt wurde. Denn ohne die Entschlußkraft des Reichskanzlers zur Wahrnehmung seiner verfassungsmäßigen Rechte in dieser Form würde vermutlich schon in diesen Tagen ein Kampf um dieses Portefeuille entstanden sein, bei dem sich der Ehrgeiz einzelner mit dem politischen Machtstreben der Parteien vielleicht zu einem wenig erfreulichen Schauspiel über dem kaum geschlossenen Grabe Stresemanns entwickelt hätte. Besser als alles andere wird solchen Bestrebungen die Tatsache den Faden abschneiden, daß der oer- st o r b e n e Reichsaußenmini st er selbst nicht nur diese Lösung zweifellos gewünscht haben würde, sondern daß er bereits zu Lebzeiten sie vorbereitet und f e st gelegt hatte. Er war sich ja über die Wahrscheinlichkeit seines baldigen Todes ober mindestens seiner Arbeitsunfähigkeit durchaus im klaren und hat ihr heldenmütig ins Auge geblickt. Deshalb hat er den ihm menschlich und politisch am nächsten Stehenden, seinen Freund und Parteifreund (Turtius, vor, in und seit dem Haag in immer steigendem Maße zu den außenpolitischen Fragen herangezogen und ihm die Delegationsführung für die zweite, abschließende Haager Konferenz in Aussicht aestellt, falls seine eiaene Gesundheit einer solchen Aufgabe nicht gewachsen sein sollte. Dabei kommen neben den persönlichen auch noch sehr starke parteipolitische Elemente in Betracht. Denn gleichviel, ob an einem zukünftigen Zeitpunkt einmal eine umfassende Umgruppierung innerhalb des Kabinetts oder irgendeine andere Regierungs- konftellation in Frage kommt; jedenfalls ist für den gegenwärtigen Zeitpunkt, mitten zwischen dem vorläufigen Abschluß des neuen Reparationsabkommens und seiner endgültigen Kodifizierung ein derartiger Wandel im höchsten Grade unerwünscht, schon weil er natürlich die Einigkeit innerhalb der Koalition durch die Ansprüche auf bestimmte Portefeuilles beeinträchtigen würde. Dazu kommt weiter, daß gerade die jetzt schwebenden außenpolitischen Fragen in besonders hohem Maße wirtschaftliche Bedeutung haben, so daß die Homogenität der Führung bei der auswärtigen und der wirtschaftlichen Politik, wie sie bisher durch die gemeinsame Parteizugehörigkeit und die intime persönliche Vertrautheit der beiden volrsparteilichen Minister gewahrt war, durch ein Derbleiben beider Ministerien in einer Hand am sichersten gewährleistet ist, jedenfalls sicherer als durch irgendeine andere mögliche Kombination. Man darf also damit rechnen, daß die Erkenntnis dieser Tatsachen zu einer Aufrechterhaltung des jetzt getroffenen Provisoriums jedenfalls bis nach der zweiten Haager Konferenz führen wird, d. h. also, soweit man bisher übersehen kann, bis in den Monat Dezember hinein. Diese Tatsache sichert zugleich die nötige Zeit für eine Behandlung des Definitivums in aller Ruhe. Die Sozialdemokraten gegen eine Regierungsumbildung. Gegen einen Berufsdiplomaten als Außen- Minister. Berlin, 8. OH. (Priv.-Tel.) Der Sozialdemokratische Pressedienst geht auf die Presseerörterungen über die Rachfolge Stresemanns ein und wendet sich scharf gegen eine Um* bildung des gesamten Kabinetts: Es wird gut sein, von vornherein klarzustellen, daß die Sozialdemokratie solchen Bestrebungen durchaus' abgeneigt ist. Sie denkt nicht daran, irgendwelchem Drängen nachzugeben und einen ihrer Dertreter im Kabinett zu opfern, selbst wenn man ihr dasür ein anderes Ressort zur Der- fügung stellen wollte. Ganz abgesehen davon, daß nach ihrer Ansicht jeder,ihrer vier Minister den Ansprüchen genügt, die sie zu stellen hat, würde sie es für verhängnisvoll halten, wenn in diesem Augenblick eine Regierungskrise — und auf eine solche würde jeder Dersuch einer Umgruppierung hinauslaufen — ohne Rot heraufbeschworen würde. Ueber die Person des zukünftigen Außenministers wird man sich noch zu unterhalten haben. Es ist richtig, daß gerade dieser Posten nicht nach den Grundsätzen der Fr a k t i on s a r i t h - metit besetzt werden sollte, und nur au eine Gefahr sei schon jetzt aufmerksam gemacht, auf die nämlich, die in der Ernennung eines Berufsdiplomaten liegt. Das Zentrum und die Nachfolge Stresemanns. Prälat Kaas verzichtet, aber das Zentrum will gehört werden. Köln, 7. OEL (WTB.) 3n der Herbsttagung des Provinzialausschusses der rheinischen Zentrumspartei widmeten Justizrat M ö n n i g und Prälat Kaas dem Andenken Dr. Stresemanns tief empfundene Worte. Das Referat von Reichsminister Dr. Wirth über TZoungplan Die britisch-amerikanischen Abrüstungsbesprechungen. Die Wochenendaussprache. Die Flottenpolitik und Fragen des Fernen Ostens. Washington, 7. OH. (WTB.) Der Präident der Vereinigten Staaten Hoover und der englische Ministerpräsident Macdonald kehrten heute mit dem Staatssekretär Stimson und dem Unterstaatssekretär Cotton vom Staatsdepartement nach dem Wochenende in den Dirginia-Bergen hierher zurück und gaben bald darauf ein gemeinsames Communique aus, in dem sie sagen, sie hätten in freier Aussprache alle Fragen erörtert, die zu Reibungen zwi- chen beiden Ländern Anlaß geben könnten, hätten hierbei einen erfreulichen Fortschritt erzielt und setzten ihre Besprechungen fort. Mittags waren Macdonald und Tochter Hoovers Gäste, am Abend gibt Präsident Hoover ein S t a a t s b a n k e t t für 90 Personen. Die Mitglieder des diplomatischen Korps sind für morgen abend zum Empfang in die britische Botschaft geladen. 2m Staatsdepartement wurde in Bestätigung der am Freitag im Weißen Hause abgegebenen Erklärung betont, daß der Zolltarif und die britischen Kriegsschulden nicht auf dem Diskussionsprogramm stehen. Die Blätter nehmen daher an, daß did Flottenpolitik, die Freiheit der Meere und das Verhältnis zu China und Rußland die Hauptthemata seien. Macdonald im amerikanischen Kongreß. Ter britische Premier ehrt Stresemann. Washington, 7. OH. (WB.) Der englische Ministerpräsident Macdonald stattete heute dem Kongreß seinen Besuch ab. Zunächst begab er sich ins Repräsentantenhaus. Von dort wurde er von vier Senatoren in den vollbesetzten Senat geleitet, nachdem die Sitzung vertagt war. Die Tribünen waren dicht gefüllt, der französische Botschafter saß in der Diplomatenloge. Als Macdonald eintrat, wurde er durch langanhaltendes Händeklatschen gefeiert. Vizepräsident Curtis begrüßte Macdonald durch eine Ansprache, in der er u. a. sagte, er erhoffe die Lösung der Flottenfrage von diesem Besuche. Macdonald, der hierauf das Wort erhielt, dankte für das Willkommen und erklärte, er finde viele gemeinsame Züge in den Parlamenten der Vereinigten Staaten und Englands, und er wundere sich darüber, daß die Verständigung zwischen den beiden Ländern so lange verzögert wurde. Er fei hier, um Mißverständnisse auszurotten. Weder Großbritannien noch die Vereinigten Staaten würden ein Bündnis abschließen, das sich gegen ein anderes Volk oder gegen eine Gruppe von Rationen richte. Man müsse jetzt an die Friedensarbeit gehen, nachdem Kellogg und D r i a n d den historischen Friedenspakt geschaffen hätten. Einen Ramen, den er in diesem Zusammenhang noch nennen wolle, sei der Gustav Stresemanns, ein stiller, heldenhafter Kämpfer für die Friedenssache, der im Ausland und in der Heimat von Feinden umgeben für Deutschland und die Weltbefriedung und Westprogramm wurde infolge des unerwarteten Ablebens des Reichsaußenministers nicht gehalten. Der Parteivorsihende, Prälat Kaas, streifte in einem Schlußwort die Frage der Rachfolgeschaft Stresemanns nach der grundsätzlichen Seite hin. Er erklärte mit Rücksicht darauf, daß in der Öffentlichkeit auch sein Rame genannt worden sei, für ihn als Parteiführer komme die Uebernahme eines Ministeriums nicht in Frage. Trotzdem könne es aber dem Zentrum nach der fachlichen Seite hin nicht gleichgültig sein, wie dieses Ministerium besetzt werde. Die Lücke, die Stresemanns Tod geschaffen habe, sei groß, und vielleicht innenpolitisch größer als außenpolitisch. Deshalb müsse das Zentrum bei der endgültigen Besetzung des Außenministeriums — in welcher Person lasse er ebenso dahingestellt wie die Frage, ob Parlamentarier oder Beamter — verlangen, daß alle Mitglieder des Kabinetts die Gewähr für die innere Konsistenz des Kabinetts in seinen innen- und außenpolitischen Aufgaben böten. Diese rein sachlichen Fragen seien für das Zentrum allein maßgebend. Rur von diesem Gesichtspunkt aus würde das Zentrum an die Prüfung der Vorschläge des Kanzlers herantreten, müsse aber deshalb auch den Anspruch anmelden, bei der endgültigen Besetzung sachlich gehört zu werden. „Sie andere Seite." Berlin, 8. Dtt. (Prio.-Tel.) Die gestrige Berliner Vorstellung von Sheriffs Schauspiel „D i e anbere Seit e", die zugunsten der Kriegsblindenfürsorge öeranftaltet war, wurde eingeleitet durch einen Vorspruch, den der Schauspieler Paul Otto auf den verstorbenen Außenminister Dr. Gustav Stresemann hielt, der das Protektorat über die Vorstellung übernommen hatte. Die tief empfundenen Worte wurden von dem Hause stehend angehört. Anwesend waren die anderen Protektoren, die Botschafter der Vereinigten Staa- fair gekämpft habe. Er wolle durch die Erwähnung der großen Verdienste Stresemanns an dieser Stelle gleichsam einen Kranz auf sein Grab legen. Die Rede, der minutenlanges Klatschen folgte, hinterließ einen tiefen Eindruck. Das Programm der Seeabrüstungskonferenz. Die Parität in allen Schiffsklassen. Abschaffung der U-Bootwaffe. London, 8. Dtt. (WTB. Funkspruch.) Hebet die an die vereinigten Staaten Frankreich, Italien und Japan ergangenen Einladungen z u einer Seeabrüstungskonserenz meldet „Times": Das Dokument enthält ungefähr tausend Worte: Zu Beginn werden die punkte aufgezählt, in denen die Regierungen Großbritanniens und der vereinigten Staaten im Laufe der Besprechungen zwischen Macdonald und dem amerikanischen Botschafter, General Dawes, zu einer vorläufigen Verständigung gelangt sind. Danach besteht Einigkeit darüber, erstens, daß die gegenwärtigen Verhandlungen das Ergebnis und die direkte Fortsetzung des fiel- loggpaktes sind. Zweitens, daß der Grundsatz der Parität der Flotten st ärken für alle kriegsschisfarten akzeptiert wird, die nicht durch den Washingtoner vertrag erfaßt werden, und daß diese Parität am ZI. Dezember 19 3 6 erreicht sein soll. Die britische Regierung hat über diese Punkte mit den Regierungen bet Dominions beraten und es verlautet, über die Definition der Parität, daß sämtliche 2U a r Ineft r e i t ( r ä f t e des britischen Reiches in Rechnung gestellt werden sollen. Drittens daß es wünschenswert ist, auch die Frage einer Revision der Dlenst;eit von Schlachtschis- f e n auszuwersen, um die Durchführung des Ton- nenersahprogramms zu vermeiden, das im Washingtoner vertrag von 1922 vorgesehen ist. viertens, daß beide Regierungen der Ansicht sind, daß U-Boote völlig abgeschafst werden sollten, daß aber diese Maßnahmen nicht ohne die Zu- stimmung aller beteiligten Mächte durchgeführt werden kann. Im allgemeinen wird anerkannt, daß eine endgültige Vereinbarung nur durch eine Konferenz mit den anderen Seemächten erreicht werden kann. Infolgedessen lädt die britische Regierung die vier anderen Regierungen zu einer Konferenz ein. Man hofft, daß die eingeladenen Regierungen sofort zu einem Meinungsaustausch über die aufgeworfenen Fragen schreiten werden. In der Rote wird ausdrücklich erklärt, es fei nicht geplant, einen neuen Mechanismus zur Behandlung der Seeabrüstung zu schaffen, im Gegenteil hoffe man, die Arbeit der Konferenz derart zu gestalten, daß dadurch die Ausgabe des Völkerbundes, der das gesamte Ab- rüstungsproblem zu behandeln hat, erleichtert wird. tinletgang eines norwegischen Mendainpsers. Auf ein Riff aufgelaufen. — Vermutlich 35 Todesopfer. Bergen, 7. Oft (WB.) Der norwegische Kii- ftenbampfer „Haakon VII." geriet in der Rähe von Florö auf Grund und sank innerhalb drei Minuten. Das Schisf fuhr, als es auf- stieh, mit 12 Seemeilen Geschwindigkeit. Der über- lebnbe Teil der Passagiere und Besatzung rettete sich auf ein kleines in der Rähe der Unglücksstelle gelegenes Eiland, von wo sie später durch ein Schiss abgeholt und nach Florö gebracht wurden. Da die Liste der Passagiere, die sich zur Zeit des Unglücks an Bord des „Haakon VII." befanden, bei der Katastrophe verloren ging, liegt noch keine genaue Aufstellung über die Zahl der 21m- gekornmenen vor. Man muß jedoch jetzt mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß 35 Menschen i h r Leben verloren haben, darunter neun Mitglieder der Besatzung. Die Katastrophe ereignete sich dadurch, daß das Schiff bei einer Geschwindigkeit von zwölf Seemeilen auf ein Riff auffuhr. Der Anprall war so heftig, daß der Kapitän, der sich auf der Kommandobrücke befand, ins Meer geschleudert wurde. Er wurde später sehr ermattet gerettet und hat noch kein Erklärung über den Hergang des Unglücks abgeben können, verschiedene Passagiere hatten sich bereits zur Ruhe begeben, als die Katastrophe eintraf. Das elektrische Licht erlosch sofort. Die Passagiere stürzten, teilweise in Rachtgewändern, an Bord. Einer der überlebenden Passagiere äußerte, daß von einer eigentlichen Panik nicht die Rede sein könne. Denn der ganze Vorfall hätte sich so schnell abgespielt, daß, ehe man richtig zur Besinnung kam, der Dampfer mit Ausnahme des Vorschiffes bereits gekentert war. Mannschaft und Passagiere sprangen in die See oder krochen nach vorn. Es glückte schließlich dem Bootsmann, eine Leine vom Schisf nach einem Felsenriff zu spannen. Rach und nach sammelten sich dann etwa 50 Menschen auf dem Riff an, wo sie etwa vier Stunden in ftren- g e r Kälte zubringen mußten, bis sie von dem Dampfer „St. Lukas" gerettet werden konnten. Eine Reihe von Personen hielt sich, wie oben geschildert, auf dem Vorschiff auf. In einer Kabine dritter Klasse des Vorschiffes waren mehrere Passagiere eingesperrt. Glücklicherweise blieb die Kabine über Wasser, so daß auch diese Lingesperrten später noch gerettet werden konnten. Linern bekannten Geschäftsmann aus Bergen, Konsul Dan hunn, der selbst verletzt wurde, gelang es, eine Tür zu einem der Salons aufzureihen, als das Schiff Schlagseite bekommen hatte, und durch diese Tür dann sieben Menschen herauszuholen. ten und Englands, sowie der preußische Kultusminister Dr. B e ck e r, Generaloberst v. S e e ck t, Professor E i n st e i n und Thomas Mann. Staatsoberhäupter bei der Trauerfeier für Stresemann. Berlin, 7. Dtt. (Privatmeldung.) Von unterrichteter Seite wird darauf hingewiesen, daß die Botschafter von Großbritannien und Spanien an der gestrigen Trauenrseier für Dr. Stresemann nicht nur als Vertreter ihrer Regierungen, sondern auch als persönliche Vertreter der Monarchen ihrer Länder teilgenommen haben. Weiter haben, wie ergänzend berichtet wird, an der Trauerfeier teilgenommen der Präsident des Senats der Freien Stadt Danzig, Dr. S a h m , das deutsche Mitglied der Saarkommission, Dr. E o ß m a n n , und der Präsident des Landesrats des Saargebiets, Scheuer. Das Volksbegehren. Eine amtliche Erklärung über das Eintragungsverfahren. Berlin, 7. Oft. (TU.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, veröffentlicht der preußische Minister des Innern soeben einen Runderlaß, in dem er das Eintragungsverfahren für das unter dem Stichwort „Freiheitsgeetz" eingebrachte Volksbegehren gegen den Houngplan im einzelnen regelt. Eine förmliche ^leberwachung des Eintragungsverfahrens durch Beauftragte der Antragsteller wäre mit den Bestimmungen der Reichsstimmordnung nicht vereinbar, auch mit der hoheitlichen Stellung der Gemeindebehörden bei dem Eintragungsverfahren nicht verträglich. Eine dauernde Besetzung der Eintragungsräume mit Obleuten von Parteien kommt hiernach nicht in Frage. Es bestehen । aber keine Bedenken, wenn Beauftragten I der Parteien auf Wunsch allgemeine Auskünfte über den Fortgang der Eintragungen gegeben werden. Die Ausrüstung der Gemeinden mit den für die Eintragung nötigen Eintragungslisten ist Sache der Antragsteller. Die Gemeindebehörden dürfen die Annahme der Eintragungslisten nicht verweigern, sie sind verpflichtet, die Listen in der Zeit vom 16. Oktober bis 29. Oktober 1929 zur Einzeichnung aufzule - gen. Die Gemeindebehörden haben unverzüglich nach Eingang der Vordrucke in ortsüblicher Weise bekanntzugeben, wo, an welchen Tagen und zu welchen Tagesstunden die Unter* ichriften in die Liste eingetragen werden können. Reichs- und Staatsregierung legen großes Gewicht auf äußerlich glatten und reibungs* losenVerlauf des Volksbegehrens. Niemand darf Anlaß zu berechtigter Klage haben, daß ihm die Ausübung des versaisungsmäßigen Eintragungsrechts durch mangelhafte Maßnahmen unmöglich gemacht oder erschwert worden sei, andernfalls muß aber jeder mittelbare oder unmittelbare Zwang, sich am Eintragungsverfahren zu beteiligen, unterbleiben. Die neue Form der Arbeitslosenversicherung. Berlin, 7. Ott. (WTB.) Reichsarbeitsminister Wissell veranstaltete im Rahmen einer Besprechung über Form und Inhalt der Arbeitslosenversicherung einen Presse-Tee, auf dem Ministerialrat Dr. Leh- f e l d t zunächst in kurzen Worten auf die Vorgeschichte der Gesetzesresorm einging, um dann das Reformwerk nach dem Stande des vom Reichstag beschlossenen Gesetzes noch einmal im einzelnen darzulegen. Hierbei führte er vor allem die verschiedenen Maßnahmen auf, die getroffen wurden, um Mißstände und Mißbräuche der Der« s i ch e r u n g zu beseitigen. In diesem Zusammenhang verweilte er besonders eingehend bei der neu- gefundenen Festlegung des Begriffes der Arbeitslosigkeit. Er betonte sodann, daß fünf« ti g auch die höheren und leitenden Angestellten bis zur Gehaltsgrenze von 8400 Ma r k in die Versicherung einbezogen werden. Als wichtigste Teilbeschlüsse für die finanzielle Seite der Reform bezeichnete er die Festsetzung der Anwartschaftszeit auf 5 2 Wochen beim erstmaligen Bezüge der Unterstützung, was eine jährliche Ersparnis von 16 Millionen bedeute. Ferner werden eingespart durch die neuen Bestimmungen über die Wartezeit zwei Millionen Mark, durch Begrenzung der Unterstützungssätze bei berufsüblicher Arbeitslosigkeit auf die Sätze der Krifen- fürsorge 21 Millionen Mark, durch die Anrechnung von Renten, Gehältern und Wartegeldern 8 Millionen Mark, durch die Herabsetzung der Beiträge zur Krankenversicherung 30 Millionen Mark. Aus der Verlängerung der Beitragspflicht bei Lehrverhältnissen ergebe sich eine Mehreinnahme von einer Million Mark und durch B e - seitigung der Mißstände würden schließlich Einsparungen von 20 Millionen Mark erzielt werden. Die Summe der Einsparungen belaufe sich also auf 90 bis 100 Millionen Mark. Der jährliche Fehlbetrag beziffere sich demnach i m m er noch auf 180 Millionen Mark. Eine Klärung dieser Frage sei schon im Interesse der Reichsfinanzen dringlich. $ür Rückgabe Kameruns und Togos. Ein Vorschlag Lord Rothermeres. London, 7. Oft. (WB.) Der englische Zeitungskönig Lord Rothermere schreibt in einem in der „Daily Mail" erscheinenden Artikel über seine Eindrücke auf einer Reise durch Deutschland unter der Aeberschrift „Wird die Republik Bestand haben?": „Ich bin überzeugt, daß die Hohenzollem den Thron Deutschlands endgültig verloren haben. Die deutsche Republik hat seit ihrem Bestehen ihre Autorität aufrecht erhalten und in zäher Beharrlichkeit viele Zugeständnisse von den vormaligen Feinden Deutschlands erzielt." Rothermere tritt dafür ein, daß andere Rationen der deutschen republikanischen Regierung helfen, ihre Autorität weiter zu stärken, denn sie habe greifbare Pfänder ihrer guten Absichten gegeben. Er rät der britischen Regierung, als praktischen und sofortigen Schritt zu diesem Zweck die Rückerstattung des vormaligen Deutsch-Kamerun und des bri- tischen Anteils an Togo, die beide eine Belastung des britischen Schatzamts darstellen, an Deutschland „als Akt internationalen guten Willens" ernstlich zu erwägen. Wir haben es jetzt, sagt Rothermere weiter, mit einem neuen Deutschland zu tun. Jede Maßnahme, die zu einem besseren Verhältnis zwischen unseren beiden Rationen beiträgt, hat wirklichen Wert. Die deutsche Flagge wieder über zwei der vormaligen afrikanischen Besitzungen Deutschlands wehen zu lassen, deren europäische Bevölkerung nur 300 Köpfe zählt, einschließlich der 180 Deutschen, die dort verblieben sind, würde für uns nur ein kleines Opfer bedeuten, würde jedoch das Prestige der republikanischen Regie- rung in Deutschland sehr vermehren. Rot^rmere empfiehlt daher der britischen Arbeiterregierung, dem Völkerbund den Wunsch mitzuteilen, den britischen Anteil an Togo und das vormalige Deutsch-Kamerun Deutschland zurückzuerstatten. Kommunistenkrawall im Lübecker Parlament. Lübeck, 8. Oft. (Priv.-Tel.) In der gestrigen Abendsihung der Lübecker Bürgerschaft kam es zwischen den kommunistischen Abgeordneten und dem Präsidenten zu schweren Zusammenstößen. Als der Präsident eine Eingabe der Kommunisten zwecks Aufhebung des Verbots des Rotfrontkämpferbundes der Bürgerschaft zur Kenntnis gab, verlangten die Kommunisten die Abgabe einer Erklärung. Das wurde ihnen verweigert. Darauf machten sie Goethe-Bund. Vortragsabend Arnold Zweig. Der erste Abend im neuen Programm des Gießener Goeche-Dundes führte den Dichter Arnold Zweig an den Vortragstisch in der stark besetzten Reuen Aula. Zweig las zuerst zwei Kapitel aus dem nächst den „Rovellen um Claudia''' bekanntesten seiner Bücher, dem „Streit um den Sergeanten Grischa". Dieser Roman hat in Deutschland die noch immer nicht ganz abgeflaute Welle von Kriegsbüchern eingeleitet, obwohl er insofern eine gewisse Sonderstellung in dieser neuen Gattung einnimmt, als er nicht den Krieg als Totalität oder als Kolleftivereignis aufsaßt, sondern als Rahmen und Hintergrund für ein menschliches Einzelschicksal. Rach einer kurzen Einleitung, die die thematischen Zusammenhänge und Voraussetzungen des Buches andeutete, vernahm man zunächst das Kapitel. „Dabka rüstet" — zur Befreiung nämlich eben des zum Tode verurteilten russischen Kriegs- gefangenen Grischa, um dessen Schicksal zwei widerstrebende Dienststellen sich streiten: ein Kapitel, in fliehendem Romanstil geschrieben, spannend durch die Zuspitzung der äußeren Ereignisse auf eine gewaltsame Entscheidung hin, psychologisch fesselnd durch die Schilderung der Traumvision eines dem Abschied von der Welt entgegenschlummernden, die letzten Lebensstunden verschlafenden Soldaten. Die gleiche Spannung, obwohl mehr nach innen und ins Menschlich sich lösend und nachlassend zugleich mit dem immer unvermeidlicher sich nähernden Ende, beherrscht das andere Kapitel, „Ein letzter Wille", worin beschrieben wird, wie der Verurteilte seine geringe Habe, das dürftige kleine Gepäck eines Soldaten im Kriege, an die Zurückbleibenden verteilt, die ihm nahestehen oder auf irgendeine Art im Leben verbunden waren. Rach der Pause las Arnold Zweig einige Abschnitte aus der Rovelle „Pont und Anna": er erläuterte zunächst die Entstehungsgeschichte und die inneren Beziehungen dieser Erzählung zum „Sergeanten Grischa", der später geschrieben wurde. Cs handelt sich hier um die Geschichte eines Rachkriegsmenschen, die, wie der Autor betonte, in gewissem Sinne als typisch w werten ist, die Geschichte eines Menschen, dessen Wirklichkeitssinn und Erinnerungsvermögen gestört sind. Der Baumeister Laurenz Pont liebt die Tänzerin Anna Mar6chal: während er, fern von ihr, irgendwo unten an einem der südlichen großen Lärm. Ein Kommunist wurde dreimal zur Ordnung gerufen und schließlich hob der Wortführer die Sitzung auf. Die Kommunisten ließen sich aber dadurch nicht stören und verlasen die Erklärung. Darauf wurde das Licht im Sitzungssaal ausgedreht. Die Kommunisten brannten nun ein Streichholz nach dem andern ab und setzten bei dieser Beleuchtung die Verlesung fort. Schließlich stimmten die kommunistischen Abgeordneten in völlig dunklem Saal die Internationale an: auf der Tribüne wurde Beifall geklatscht. Rach Wiedereröff. ung der Sitzung lieh der Präsident die Tribünen räumen und verwies einen kommunistischen Abgeordneten aus dem Saal. Dieser leistete jedoch der Ausforderung des Präsidenten keine Folge, woraus diePolizei herbeigerufen wurde. Der Aufforderung der Beamten, den Saal zu verlassen, leistete der Ausgewiesene keinen Widerstand. Die Koblenzer Tagung des Evangelischen Bundes. Koblenz, 7. Oft. (LU.) Rach dem feierlichen Festgottesdienst aus Anlaß der Tagung des Evangelischen Bundes am Sonntagvormittag sand nachmittags in der Rheinhalle und der Stadthalle die große öffentliche Festversammlung statt. Außer dieser Veranstaltung wurde infolge des ftarfcn Andranges in der Christus- Kirche gleichzeitig noch eine weitere Versammlung abgehalten. Die große Rheinhalle war zu Beginn der Veranstaltung bis auf den letzten Platz gefüllt, zumal noch viele Tausende von evangelischen Glaubensgenossen aus der Umgebung herbeigeströmt waren. Rach den Begrüßungsworten des Dundesdirektors Dr. Fahrenhorst (Berlin) sprach zunächst Oberkonsisto- rialrat Dick (Berlin) über „Die Bedeutung des Protestantismus im Rheinland". Er führte u. a. aus, daß man den Protestantismus im Rheinland unter eine falsche Blickrichtung nehme, wenn man ihn ansähe als ein fremdes Gewächs, mühsam nur eingewurzelt auf dem andersartigen rheinischen Boden. Das evangelische Wesen im Rheinland sei in bereitetet Boden frei emporgewachsen aus Samenkörnern, die damals hinstäubten über das ganze deutsche Volk. In seinen weiteren Ausführungen gab der Redner ein eindrucksvolles Bild der Ausbreitung des Protestantismus im Rheinland. Es sei ein Ruhmestitel und Lebensrecht des rheinischen Protestantismus, daß er den hohen Gedanken der Toleranz, der christlichen Duldsamkeit und Wertschätzung früh, ersaht habe. Zuerst in den eigenen Reihen, als Reformierte und Lutheraner sich vertragen lernten, und dann auch gegenüber den katholischen Brüdern. Das Beste, was der Protestantismus der rheinischen Heimat gebracht habe, fei die Vertiefung des Glaubenslebens. Der Protestantismus sei dazu berufen gewesen, und jetzt erst recht dazu bestimmt, einzutreten für die ihm geschenkte Wahrheit, aber auch das zu pflegen, was man „die Ethik der konfessionellen Auseinandersetzungen" genannt habe. Sodann hielt der schlesissche Generalsuperintendent Professor D. M. S ch i a n (Breslau) einen Vortrag über „Die bleibende Bedeutung des Protestantismus". Der Redner ging aus von den Wünschen nach einer Einigung möglichst der gesamten Christenheit und führte im Zusammenhang damit aus, daß — trotzdem Rom deutlich seine Absage an diesen Einigungsbestrebungen gegeben habe — manche Wortführer auf evangelischer Seite dennoch die Hoffnung aufrechterhalten und sich bemühen, gerade auch in Rücksicht auf den Katholizismus viel mehr das Gemeinsam-Christliche herauszustellen als das Deutlich-Evangelische zur Geltung zu bringen. Der Redner stellte sodann die Gegensätze des Protestantismus und Katholizismus näher heraus, wobei er besonders das Wirken Martin Luthers hervorhob. Zum Schluß seiner Ausführungen sagte der Redner, daß der Protestantismus in Deutschland geboren sei, das das Mutterland des Protestantismus sei. Deshalb habe das deutsche Volk die erste Verpflichtung, der Welt den Protestantismus zu erhalt e n, zumal in der deutschen Reformation der Protestantismus klar und rein zum Ausdruck gekommen sei. Deutschland ohne Protestantismus wäre nicht das geschichtliche Deutschland mehr. Die öffentliche Festversammlung war von musikalischen Vorträgen umrahmt. Eine große Kundgebung am Deutschen Eck beendete die Tagung des Evangelischen Bundes. Regentschastskrifis in Rumänien. Bukarest, 7. Oft. (Priv.-Tel.) Ein Mitglied des rumänischen Regentschaftsrates, der Präsident des Kassationshofes Buzdugan, ist soeben im Alter von 62 Jahren gestorben. Mit seinem Ableben wurde schon seit Tagen gerechnet, seit ebenso langer Zeit beschäftigt man sich in Rumänien auch mit der Frage des Ersatzes. Der Regentschaftsrat ist feinerjeit nach dem Thronverzicht des Kronprinzen Carol zugunsten seines Söhnchens, des jetzigen Königs Michael, gebildet worden, bis zu dessen Mündigkeit drei angesehene Persönlichkeiten Rumäniens die Rechte der Krone vertreten und wahrnehmen sollen. Man hatte sich damals auf den Patriarchen Miron Christea, den Prinzen Rikolaus und den Verstorbenen geeinigt. Es hätte nicht viel gefehlt und die Königin-Witwe Maria, die Großmutter des unmündigen Königs, wäre in den Regentschaftsrat eingetreten. Sie mußte ihre Kandidatur wieder zurückziehen, weil sie keine Aussicht hatte, von der Rational- versammlung gewählt zu werden, die auch jetzt wieder einen Rachfolger für Buzdugan zu bestimmen hat. Die Hauptursache für den Verzicht Marias dürfte die Haltung Dratianus gewesen fein, der am liebsten selbst die Vormundschaft übernommen und damit die Herrschaft der Liberalen für alle Zeiten befestigt hätte. Königin Maria, die von jeher in der rumänischen Politik eine hervorragende Rolle gespielt hat, hat den Liberalen diese Haltung niemals vergessen. Sie wußte später den Regentschaftsrat über den Prinzen Rikolaus zu bestimmen, auf die weiteren Dienste Dratianus zu verzichten. Er mußte zurücktreten, ihm folgte der jetzige Ministerpräsident M a n i u , der Reuwahlen aus- schrieb, die einen völligen Zusammenbruch der Liberalen brachten. Man spricht bereits davon, daß die Königin-Witwe Maria voraussichtlich in den Regentschaftsrat eintreten wird. Die Frage der Rachfolge muß verfassungs- gemätz binnen ach t Tagen geregelt fein. In politischen Kreisen besteht noch keine einhellige Meinung darüber, ob durch den Tod eines Mitglieds des Regentschaftsrats auch das Mandat der beidenüörigenMit- glieder erloschen ist oder ob nur Ersatzwahl erforderlich ist. Die zuerst genannte Auffassung scheint die Oberhand zu behalten. Heute vormittag fand ein Kabinettsrat statt, in dem gemäß den Bestimmungen der Verfassung für den Fall, daß der Regentschaftsrat nicht mehr vollzählig sei, festgestellt wurde, daß die Vorrechte des Regentschaftsrates auf den M i n i ft e r r a t übergehen. Daraufhin wurden Kammer und Senat als Rativnalver- f a mm tun g für Mittwochvormittag zusammenberufen, um die Wahl und die Eidesleistung des neuen Regentschaf tsratsinilgl.edes vo: zuneh- m e n. „Dimineatza" meldet, daß der Rachfolger Buz^ugans der gegenwärtige Minister des Aeu- ßern, Mironescu, sein werde. Könlglnwitwe Maria ist heute früh in Bukarest eingetroffen und hat Ministerpräsident Maniu in einer Audienz empfangen. Sin deutsches Angebot an polen. Die deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen. Berlin, 8. Oft. (Priv.-Tel.) Trotz der Geheimhaltung seitens der zuständigen deutschen Stellen weiß die polnische Presse entgegen der Verabredung zu berichten, daß deutscherseits der polnischen Regierung ein Vorschlag überreicht worden sei, nach dem Deutschland anregt, d i e deutsch - polnischen Handelsvertragsverhandlungen auf der Grundlage der Meist-Begünstigung fort- zuführen. Wie wir erfahren, ist dieser Vorschlag bereits vor einiger Zeit feitens des deutschen Gesandten Alrich Rauscher in Warschau überreicht worden mit der Maßgabe, daß ihn die polnische Regierung inzwischen überprüfen solle, während Rauscher in dieser Zeit nach Berlin reiste, um hier die weiteren deutschen Schritte vorzubereiten Der deutsche Vorschlag sieht im einzelnen den Abbau der beiderseitigen Kampfzölle vor, was auf der anderen Seite die Aufhebung der Einfuhrverbote zur Folge haben müßte, ferner schlägt er die gegenseitige Zuerkennung der Meist- begünstigungsklausel vor und räumt den Polen ein Einfuhrkontingent für Kohle ein, für das bestimmte Ziffern noch nicht genannt sind. Die Polen lassen allerdings bereits erkennen, daß sie mit diesem Vorschläge nicht zufrieden wären, da er die Frage der polnischen Schweine nicht berühren würde. Denn trotz der Meistbegünstigungsklausel wäre die polnische Viehausfuhr in Anbetracht der veterinär-polizeilichen Bestimmungen Deutschlands immer noch behindert. Wie sich die polnische Regierung zu diesem Vorschläge, der. an Großzügigkeit nichts zu wünschen übrig läßt, verhält, ist noch nicht bekannt. Da aber der deutsche Vorschlag nur bezweckt, zunächst ein Provisorium herbeizuführen, um dem Zollkriege ein Ende zu bereiten, darf man anneH- men, daß auf dieser Basis doch eine Einigung herbeizuführen ist. Der Oppelner Theaterzwischensall vor Gericht. Oppeln, 7. Oft. (WTD.) Der Prozeß gegen die 20 Personen, denen die Zwischenfälle gelegentlich der polnischenTheaterauffüh- rung in Oppeln zur Last gelegt werden, hat im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Oppeln unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Christian begonnen. Der Verhandlung wohnen auch ein Vertreter der Oppelner Regierung sowie der Pressechef des polnischen Generalkonsulats in Bcuthen bei. Die Vernehmung der Angeklagten ergab, daß die meisten von ihnen nur Mitläufer gewesen sein wollen. Der Angeklagte K a d e k gibt zu, einem polnischen Schauspieler eine Ohrfeige gegeben zu haben, als dieser ihm gegenüber eine drohende Haltung eingenommen hatte. Die Angeklagten Fu n k e und P o t s a d a bestritten entgegen ihren früheren Aussagen, die Polen beschimpft und sich Tätlichkeiten ihnen gegenüber erlaubt zu haben. Der Angeklagte Zentner ist auf Antrag seines Verteidigers aus der Haft entlassen worden, da keine ausreichenden Gründe für eine Aufrechterhaltung der Haft mehr vorliegen. Im ganzen war das Ergebnis der Vernehmung sehr dürftig. Die Vernehmung der Zeugen ergab auch nur wenig Reues. Der Vahnschutzbeamte L a b i s ch bekundete u. a., daß bei den Vorgängen am Bahnhof sich auch ältere Personen und nicht nur Jugendliche beteiligten. Polizeihauptmann Breuer ließ sich über die Funktionen der Polizei bei den Vorfällen cu3. Auf die Mitteilung eines polnischen Schauspielers, daß er geschlagen worden sei, beauftragte er einen Beamten, einen Arzt herbeizuholen. Der Eisenbahnbedienstete K a n c y sagt aus, daß er gesehen habe, wie ein Mann eine Seen, in einem Wach- und Wunschtraum sie sich herzaubert und vor sich hinstellt, trifft ihn die Rachricht, Anna sei ermordet worden. Bemerkenswert war auch hier die epische Haltung, der lange Atem der großen Erzählung (spürbarer fast als im Roman), obwohl die aus der Rovelle gelesenen Abschnitte fragmentarischer blieben und uneinheitlicher wirkten als dort, wo sie mit innerer Intensität aus dem Zentrum der Fabel auf den Hörer eindrangen und sich ihm mit» teilten. — Die Vorlesung sand lebhaften Beifall, -y- Das Gespenst. Von Liesbei Dill. Ich habe mir schon als Kind gewünscht, einmal irgendwo einem Gespenst zu begegnen. Aber selbst in den ältesten Schlössern, in denen ich übernachtete, ist es mir nicht erschienen, ich hatte diesen Wunsch bereits zu den anderen gelegt, die auch nicht in Erfüllung gingen, aber es geschehen die wunderlichsten Dinge gerade bann, wenn man sie nicht erwartet. Und so hat diese Begegnung stattgefunden in einem Hotel in Stockholm, das so viele Räume hat, daß man nie weiß, wer neben einem wohnt, geschweige, daß man seinen Rachbar jemals sieht. ... Ich war am Abend in einem Freilufttheater gewesen, um ein Schauspiel unterm Sternenhimmel von Selma ßagerlof zu sehen. Trotz der grauen Wolldecken, in welche die Zuschauer alle eingewickelt sahen wie graue Motten, war ich so erfroren heimgekommen, wie ein Eskimo von der Robbenjagd, hatte mich zu Bett gelegt und war bald eingeschlafen. Ich bildete mir ein, meine Türe abgeschlossen zu haben, aber mitten in der Pacht höre ich die Klinke gehen, ein kühler Wind weht ins Zimmer, in dem dunklen Türrahmen steht eine hohe dunkle Gestalt, lang und hager, in der Haltung Gustavs III. von Schweden. 3d) fahre auf. Was wollen Sie? stammle ich. Das Gespenst antwortet schwedisch. Wie sind Sie denn hereingekommen? Ich hatte doch abgeschlossen. Sie haben sich wohl in der Tür geirrt? Hier ist Rr. 50. Das Gespenst antwortet schwedisch. Ich verstehe kein Wort. ... Ich kann sein Gesicht nicht sehen. Ich sehe nur die Llmrisse einer langen Gestalt. Ich weiß nicht, wie man ein Gespenst anredet und nicht, wie man es verscheucht. Mein Lexikon? Wo ist es? Aber dazu müßte ich erst Licht machen, und dazu hab ich keinen Mut. Ich suche alle Reste dieser Sprache zusammen. Wie können Sie mich so vorträcke? Hier ist not Ihr rum, hier ist number fünfzig. ... Sie haben sich in der Dör geirrt. ... Farstähen Sie? ... Sprecken Sie tüsk? Räh, antwortet das Gespenst. ... English ... italiano ... fran^ais? ... Räh, sagt das Gespenst. ... Dann gehen Sie fort ... was wollen Sie denn nur? Das Gespenst rührt sich nicht von der Stelle. Es erklärt etwas auf schwedisch. Ich verstehe, „es hat geringart“ ... oder „geringert“ ... Wie? Es hat in meinem Zimmer? ... Aber nein,. ich ringre niemals in der night ... das war jemand anderes. ... Ich taste nach meiner Klingel. Aber sie ist verschwunden, sie ist unters Bett gefallen. Ich ziehe daran, aber vergebens. Etwas hält sie dort fest. Sie ist verhext. ... Shut. Stäng die Dör, rufe ich. Vorsvina straks. Dieses Zauberwort wirkt endlich. Das Gespenst zieht sich in gekränkter Haltung lautlos zurück. Was ist dagegen ein Schauspiel von Selma ßagerlof? Die ganze Rächt hab ich nicht mehr einschlafen können. ... Als ich am anderen Morgen die Schelle suchte, fand ich unter meinem Bett eine dicke Angorakatze, die mit der Klingel spielte. Ich scheuchte sie zur Daikontüre hinaus, auf demselben Weg, auf dem sie wahrscheinlich hereingekommen war... Und das Gespenst? Ich hätte es gern gewußt, aber das Fräulein, das „tüsk" spricht, hatte gerade Ausgang, und eine so komplizierte Angelegenheit auf schwedisch zu erklären, schien mir sehr anstrengend. So bin ich denn abgereift, ohne zu erfahren, was das Gespenst zu mir geführt hat und wem ich seine Bekanntschaft verdanke. ... Vielleicht war es die Katze, die „geringart" hat? Katzen bringen alles fertig... Es hat mir nur nachträglich leid getan, daß das Gespenst für seine Ritterlichkeit so wenig Dank geerntet hat. ... Das Ohr der Oirrerirr. Aus einem der Standflügel des viel umstrittenen Augustiner-Altars in Nürnberg, der früher Mäßigem ut zu geschrieben wurde, sind im Hintergründe zwei jugendliche Köpfe zu sehen, von denen man den einen für ein Bildnis des jungen Dürer erklärt hat. Den anderen Kopf hielt man ebenfalls für den eines männlichen Wesens, aber eine gute Beobachtung, die Carl W i i l n a u in „Reclams Universum" mitteilt, macht jetzt sehr wahrscheinlich, daß die zweite dargestellte Person Agnes Frey, die spätere Gattin Dürers, ist. Auf einer stark vergrößerten Photographie des Kopfes zeigt sich nämlich, daß die dargestellte Person ein merkwürdig geformtes Ohr und eine eigenartige Augenpartie hat, und ganz dieselben Merkmale lassen sich auf den Porträtzeichnungen feststellen, die Dürer von seiner Frau geschaffen hat. Auf den Zeichnungen wie an dem Kopf des Augustiner-Altars findet man eine charakteristische Ecke des Ohres und außerdem die hervortre- tende Umrandung am oberen äußeren Augenwinkel. Dazu kommt noch die allgemeine Aehnlichkeit, insbesondere im Haaransatz und in der Stirn- und Schläfenbildung. Wenn aber auf dem Altarflügel wirklich, wie damit bewiesen zu sein scheint, Agnes Frey dargestellt ist, dann würden sich daraus mancherlei wichtige Folgerungen ergeben. Daß der liebevoll zu dem Frauenkopf Hinblickende der junge Dürer fein muß, ist selbstverständlich. Man würde aber auch dann wohl annehmen müssen, daß der Altar, an dessen zahlreichen Tafeln mehrere Künstler gearbeitet habeit, in Wohlgemuts Werkstatt entstanden ist, während die neueste Kunstforschung dies ablehnte. Schließlich hätten wir in diesem Doppelporträt, das Dürer, der ja Lehrling bei Wohlgemut war, vielleicht nachträglich in das Bild hineingemalt hat, einen Beweis für Dürers Jugendliebe und Bräutigamszeit. Man hat ja angenommen, daß Dürers Ehe als rein geschäftliche Angelegenheit ohne Rei- flung zustande gekommen sei, wobei man sich auf seinen Bericht bezieht: „Und als ich wieder heimgekommen war, handelte Hans Frey mit meinem Vater und gab mir feine Tochter mit Namen Jungfrau Agnes und gab mir zu ihr 200 fl. und hielt die Hochzeit, die war am Montag vor Margarethen im 1494. Jahr." Aus diesem Grunde will man auch nicht zugeben, daß das Selbstbildnis von 1493, auf dem sich der junge Meister mit der blaublühenden Blume Eryngium, auf Deutsch „Mannestreu" dar- gestellt hat, die Rolle des Brautbildes gespielt habe. Wenn aber nun durch dieses Doppelporträt von Dürer und seiner Agnes auf dem Altarflügel eine viel frühere Bekanntschaft der beiden nachgewiesen wird, dann müßte man doch an eine viel längere und innigere Beziehung glauben, die der Heirat vorangegangen ist, und dann ließe sich das Selbstbildnis sehr wohl so erklären, daß der junge Maler, der über zwei Jahre fern war, der (Beliebten durch die Blume in seiner Hand ankünden wollte: „Ich bin Dir treu, und in einem Jahr wird die Hoch- zeit fein." in toetbc 6. •*s6St 'N ^oS^N bei "Inhren, jst «.A f °tt- «Ä& SÄ Mit kit^n solle, Mieten beyit*?^ Merlin "tsche 3Q.n .Dritte b" beider W im ■»»'S Ättt*™ »4 ‘äfÄhS JS berühren würde Hh»lauW W ?5 Anbetracht der de. t mmunM Deutschlands J®lc W die hol. u^-^^ge, der an u wünschen übrig läßt . «a afc |E U2*dt’ ^!!^st ein e^trchren, um dem Zoll« 8®\M man anne^ 3m doch eine 6'migung Weiner AI nur SW. ^•) Der Prozeß gegen m die Zwischenfälle ge« henTheateraufsüh- 11 2aft gelegt werden, hat des Landgerichts Oppeln dgerichtsdirettvrs Christian indlung wohnen auch ein ier Äegierung sowie der schen Generalkonsulats in mehmna der Angeklagten n von ihnen nut Mit« . wollen. 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Wilde V'N 1493( auf Maubiy^ Reif^.S MnnesA 'Idildes?S^ rs^'SKS .n bad) a?V bie der jn0 Jlaler, ii601111 ff der i* &ut{ .klaren. d°ö AeE Ich «tf.S# *" polnische Schauspielerin verfolgte, aber von ihr ablieh, als er, Kanch, dazwischentrat. Als den Verfolger der Dame bezeichnete er den Angeklagten Ralwaja. Ernstliche Verletzungen hat er bei dem polnischen Schauspielpersonal nicht festgestellt. Der Assistent Lissy belundet, daß er vor dem „Deutschen Hause" in der Krakauer Straße eine Gruppe, die gegen die Polen eine drohende Haltung einnahm, beschwichtigen und zum Auseinandergehen bewegen konnte. Geschlagen worden seien die polnischen Schauspieler nicht. Oberstudiendirektor G r o n d sagt über die geistige Reife des angeklagten Untertertianers Funke aus, daß dieser das Gefühl der Strafbarkeit nicht haben könne. Der Zeuge M i ch a l c z y k belundet, daß er einen polnischen Theaterbesucher habe sagen hören, man sollte hier mit dem Knüppel dreinschlagen. Weitere Beratung Diens- tagvormittag. Aus aller Welt. Ein brennender Berg. Seit einigen Tagen wütet an den Südabhängen des Kleinen Stolsteins in Rordtirol und der Hohen Warte in der Höhenregion von 1200 bis 1900 Metern ein gewaltiger Brand. Das Feuer wurde durch ungewöhnliche Trocken- h e i t gefördert und vom Sturme bergauf und nach Rordosten weitergetragen. Alle Anstrengungen der Forstbeamten, unterstützt von Arbeitern und der Gendarmerie, dem Feuer Grenzen zu ziehen, blieben bisher erfolglos, aber auch der Einsatz von Militär, der bevorsteht, wird in dem leblosen, felsigen, fast undurchdringlichen Gelände nutzlos sein. Rur ein lang andauernder Regen wird den gewaltigen Brand löschen können, der bereits einen zweiten Felszug am Abhang überschritten hat. Die Vorbereitungen zu den Oberammergauer Passionsspielen. Im Passionsdorf Oberammergau fanden die mit Spannung erwarteten Wahlen zu den nächstjährigen «pieken statt. Dem Wahlakt voraus ging ein feierliches Hochamt in der Pfarrkirche, an dem sämtliche Mitglieder des Gemeinderates und des Wahlkomitees teilnahmen. Als Christus wurde der Bildhauer Aloys Lang, als Sprecher des Prologs der bisherige Christusdarsteller A n t o n Lang, als Pilatus der Bildhauer Peter Rendl, als Judas der letzte Darsteller Guigo Mayr, als Johannes der Sohn des Sanitätsrates Lang gewählt. Für die Rolle Marias wurde Anni Ruk gewählt, während Hansi P r e i s i n g e r Maria Magdalena verkörpern wird. Die größten Kirchen der Well. Die größte Kirche der Welt ist dem Fassungsvermögen nach die Peterskirche inRom. Sie bietet nicht weniger als 54 000 Menschen Platz. Sie ist wohl überhaupt einer der größten Räume der Welt mit geschlossenem Dach, was ihr Fassungsvermögen angeht. Die Mailänder Kathedrale vermag 37 000 Menschen aufzunehmen und die Paulskirche in Rom 36 000. Was die Höhe der Kirchtürme angeht, so sind die Kirchen Deutschlands führend. Der Turm des Ulmer Münsters mißt 161 Meter, die Türme des Kölner Doms 156 Meter, und die Hamburger Michaelskirche erreicht die Höhe von 150 Metern. An vierter Stelle steht dann das Münster von Straßburg mit 142 Metern. Alle 20 Sekunden ein Amerikaner. Die im nächsten Jahr stattfinoenoe allgemeine Volkszählung der Vereinigten Staaten wird nach Ansicht des Leiters des Statistischen Amtes eine Devölkerungsziffervon über 12 0 Millionen ergeben. Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten w ä ch st jetzt um rund 1,6 Millionen Köpfe jährlich, d. h. ungefähr um eine Person in 20 Sekunden. 3m Jahre 1930 wird die Einwohnerzahl mehr als das Dreißig- fache von 1790 und beinahe das Doppelte von 1890 betragen. 2Hit einer Bierflasche erschlagen. .Beerensammler haben im Waldgebiet von Dohrenbach im Distrikt Furtwangen (Schwarzwald) den 42 3ahre alten Landwirt Dorer, der sie vermutlich aus feinem Walde verweisen wollte und dabei mit den Beeren- sammlern, vier Männern und einer Frau, in Streit geraten war, mit einer Bierflasche erschlagen, ehe ihm ein Angehöriger zu Hilfe eilen konnte. Die Deeren- sammler sind unerkannt entkommc,n. Ein sterbender Wald. . Durch Kiesernspannersraß ist ein riesiges Mecklenburger Kiefernwaldgebiet von insgesamt 19 200 Hektar Ausdehnung dem Untergang verfallen. Cs handelt sich um die zusammenhängenden Waldungen der Karower Forst der Ros- sentiner Heide, der Klosterforst Malchow und der umfangreichen Privatforsten der angrenzenden großen Rittergüter. 3n diesem heimgesuchten Gebiet, das zwischen den Städten Malchow, Krakow und Karow gelegen ist, sind sieben Sägewerke mitten im Walde errichtet, um das Holz der abgestorbenen Kiefern zu verwerten. 3n dem gesamten Waldkomplex müssen schätzungsweise für 3,25 bis 4 Millionen Mark kranke und abgestorbene Bäume heruntergenommen werden. Der von den Spannern angerichtete Schaden läßt sich ziffernmäßig noch nicht berechnen, da die meisten der vernichteten Bäume erst in eltoa 50 Jahren schlagreif gewesen toären. Abgeschaffte Weihnachtszensuren. Das Berliner Provinzialschulkollegium will den Versuch machen, die Weihnachtszensuren überhaupt einzustellen, so daß künftig Zeugnisse nur noch zu Ostern und zum Herbst verteilt werden. Anlaß dazu bilden die zahlreichen Schüler selb st- morde, die regelmäßig zu Weihnachten nach der Verteilung der Zeugnisse erfolgt sind. Das preußische Kultusministerium hat dem abhelfen wollen, indem es anordnete, daß die Zeugnisse schon am 1. Dezember verteilt werden. Das hat aber feinen rechten Sinn, weil dann die Zeit nach den Michaelisferien zu kurz ist. Vielleicht ist es so der beste Ausweg, überhaupt auf die Weihnachtszeugnisse zu verzichten, obwohl damit doch nur an Symptomen herumgedoktert wird. Schülerselbstmorde sind Folgen falscher Erziehung und falscher Einstellung zum Leben. Da gilt es «inzusetzen für die Lehrer und das Elternhaus. Und je enger sich hier die Wechselbeziehungen gestalten, je größer das Vertrauen des Schülers wird zu der Hilfe, die ihm von beiden Seiten kommen muh, desto rascher werden auch diese trostlosen Dekadenzerscheinungen verschwinden. Aus der provmzialhauptstadt. Gießen, den 8. Oktober 1929. Herbstfreuden auf dem Dorfe. Wenn man jetzt zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto durch unsere Dörfer kommt, merkt man wenig von der vielgerühmten ländlichen Stille. Sei es nun am frühen Morgen, in der Mittagsstunde, oder am Abend. Es herrscht immer ein Leben, wie in einem Bienenstock. Wenn noch schwere Nebel auf Dorf und Feld lasten, hier und da in den Häusern sogar Lichter brennen, werden schon die Tiere vor den Wagen gespannt, Säcke, Körbe, Leitern aufgeladen. Stimmen hört man überall. Die Mutter packt noch schnell das Frühstück zusammen; dann wird das Haus zu- geschlossen, und der Tag gehört nun ganz der Feldarbeit. Höchstens daß ein Mitglied der Familie um die Mittagszeit heimgeht und frischen Kaffee holt. Alle andern bleiben draußen; denn die Tage sind kurz, und gegen sechs Uhr ist die Sonne verschwunden. Auf dem Felde aber sieht man Land- Icute, Knechte und Mägde, und nicht zuletzt auch die Kinder sich regen in fleißiger Arbeit. Kartoffeln, Rüben, Gemüse wollen geerntet sein. Das letzte Obst wird abgebrochen. Hier und da flackern Kartof- felfeuerchen auf. Kinderstimmen erschallen fast von jedem Acker. Fröhliche Zurufe begrüßen uns, wenn wir die Felder durchwandern. Wir begegnen schon manchmal einem Bauer, der auf dem kaum abgeernteten Acker das Wintergetreide sät. Ernte und Saat in beständigem Wechsel, nirgends Stillstand, überall Sorge für neues Wachstum, für das tägliche Brot. Jetzt möchte ich Landmann sein! Wohl wurde die Frucht schon im August eingefahren, aber in diesen Tagen erst kommt die Dreschmaschine in den Hof und brummt vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein. Freunde, Bekannte und Nachbarn sind Helfer. Es ist wohl eine sauere, sehr staubige Arbeit, aber bei gutem Trunk und noch besserem Essen werden solche Stunden leicht überstanden. Es muß doch ein ganz eigenartiges Gefühl sein, wenn man als Herr und Besitzer neben dem Dreschwagen steht und sieht, wie die goldnen Körner langsam Sack für Sack füllen! Wie oft wird man dabei an die stürmischen Tage denken, an denen man einst die Körner der Erde übergab. Wie hat man gebangt und gehofft! Und nun fließen alle Mühe und Arbeit mit den winzigen Körnern. Die Fruchthaufen auf dem Speicher mehren sich von Stunde zu Stunde. Wie aber sieht das herbstliche Dorf erst zur Abendzeit aus! Welch' geschäftiges Leben herrscht da auf den Straßen! Die Autofahrer wissen, was es heißt, jetzt durch abendliche Dörfer zu fahren. Kaum, daß man sich durchwinden kann. Lleberall kommen sie nun zurück, die fleißigen Landwirte, Magen, hoch beladen mit gefüllten Kartoffelsäcken, andere mit Rüben, wieder andere mit Obst... Lange Leitern starren uns entgegen und bringen oft als Hindernis an Wegkreuzungen alles zum Stillstand. Kühe und Ochsen brüllen, sie haben Hunger. Auch die Tiere, die zu Hause geblieben waren, schreien nach Futter. Der Schäfer treibt feine Herde ein. Aus dem Rachbarhaus brummt die Dreschmaschine. Das ist keine ländliche Ruhe mehr, das ist das Bild allerstärkster Arbeit, das wir in diesen Tagen auf den Dörfern in uns aufnehmen können. Aber sobald Frost und Sturm einsehen, atmet der Bauer erleichtert auf; bann ist das meiste getan. Dann kann er Lieberschau halten, was ihm das 3ahr brachte für Keller, Speicher und Scheune. Aber er wird auch die Feder zur Hand nehmen müssen und einmal ausrechnen, was noch zu bezahlen ist. Bald ist auch der Martinstag da, der Tag. an dem so vieles fällig ist. Gar oft müssen dann noch die gemästeten Gänse, statt in den eigenen Topf, zum Handelsmann wandern. Aber ungetrübt und dankbar empfinden die Landleute die schönen Tage des Herbstes, die Tage der Ernte. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 210 bis 220; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 15 bis 20; Weißkraut 10 bis 12; Rotkraut 10 bis 15; gelbe Rüben 10 bis 12; rote Rüben 10 bis 12; Spinat 20 bis 30; Römischkohl 10 bis 12; Llnter-Kohlrabi 8 bis 10; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 20 bis 25; Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 50 bis 100; Schwarzwurzeln 60 bis 70; Kürbis 5 bis 8; Pilze 40 bis 45; Kartoffeln 4Vs bis 5; Aepfel 10 bis 15; Dirnen 10 bis 15; Preiselbeeren 40 bis 45; Pfirsiche 40 bis 60; Zwetschen 10 bis 12; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Rüsse 50 bis 70; das Stück: Tauben 70 bis 90; Eier 16; Blumenkohl 30 bis 80; Salat 10 bis 15; Salatgurken 10 bis 25; Einmachgurken 3 bis 5; Endivien 10 bis 15; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 30 Pfennig; Wenn Ihre Empfehlungsanzeige in der Freitags- oder in der Samstagsnummer des Gießener Anzeigers durch sorgfältige, wirksame Satzausstattung werben soll dann geben Sie sie bitte spätestens im Laufe des Mittwochs beziehungsweise Donnerstags in der Geschäftsstelle auf ** Eine Personenstands- und Betriebsaufnahme findet am 10. Oktober statt. Die Vorschriften hierüber sind aus der heutigen Bekanntmachung der Stadtverwaltung zu ersehen. ** Dienstjubiläum bei der Reichsbahn. Der Zugführer Heinrich Hederich, Bruchstraße 10, konnte am vorigen Samstag auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Reichsbahn zurückblicken. ** Spielplanänderung im Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird mitgeteilt: Infolge Erkrankung muß eine Umstellung im Spielplan stattfinden. Die Vorstellung im Mittwoch- Abonnement (Mittwoch, 9. Oktober) „Vasantasena" ist auf Mittwoch, 16. Oktober, verlegt worden. Am Mittwoch, 9. Oktober (morgen) wird „Grand Hotel", Lustspiel von Paul Frank, gegeben. Wintersportzüge nach dem Westerwald. Der Verlehrsbund Oberhessen, Sitz Gießen, teilt mit: Rach einer Mitteilung der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. an den Der- kehrsbund Oberhessen wird der bisher nur während der Sommermonate an Sonn- und Feiertagen zwischen Gießen und Dillenburg gefahrene Personenzug 1611, Gießen ab 5.19 Uhr, Wetzlar ab 5.39 Llhr, zur Ausübung des Wintersports im Westerwald versuchsweise an Sonn- und Feiertagen auch im Winter beibehalten. Der Zug hat Anschlüsse in Herborn nach Westerburg und Montabaur, und in Dillenburg nach Siegen. 3n Herborn nimmt er den Anschluß von der Zentner: Kartoffeln 3,50 bis 4; Wirsing 12 bis 15; Weißkraut 8 bis 10; Rotkraut 10 bis 12; Aepfel 8 bis 12; Dirnen 8 bis 10 Mark. Bornotizen. — TageskalenderfürDienstag. Stadttheater Gießen: „Grand Hotel", 20 bis 22.15 Uhr.— Gießener Ferienkurse: Rezitation Professor Freytag: Faust, 2. Teil, 20.15 Uhr, Großer Hörsaal. — Evan- gelisationsoortrag: „Das Gewissen und wie es zur Ruhe kommt", 20.15 Uhr, Löberstr. 14. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Drei Zirkuskönige" und „Graf Zeppelins Reise um die Well in 20 Tagen." — Astoria-Lichtspiele: „Der falsche Sheriff" und „Brandstifter Europas". — Aus dem Stadttheater wird uns geschrieben: Ludwig Hirschfeld errang bei seiner Uraufführung in München, und einige Tage darauf bei der ersten Ausführung in Köln einen durchschlagenden Erfolg mit seinem Lustspiel „Die Frau, die jeder sucht". Die Intendanz des Gießener Theaters hat sich entschlossen, dieses Stück auch in Gießen herauszubringen. Die neue jugendliche Salondame, Marianne Mewes, wird Gelegenheit haben, sich dem Gießener Publikum in der Rolle der Hello vorzustellen. Die Spielleitung hat Peter F a s s o 11, der selbst die Rolle des 'Aters übernommen hat, und sich dem Gießener Publikum zum erstenmal als Regisseur vor- stellt. Personenzug 3370 von Gladenbach auf, der auch im Winter seine Sommerlage beibchält, Gladenbach ab 5 LIhr, Herborn an 6.21 Uhr. *♦ Zahlungen bei überfül ltem Zahlungsschalter an unzuständigeFinanz- beamte. In den von Bücherrevisor Hermann Will (Gießen) herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" lesen wir folgende Mitteilung aus der neuesten Rechtsprechung des Reichsfinanzhofes: Der Steuerpflichtige hatte Lohnsteuergelder zum Finanz- amt bringen lassen. Der Bote lieferte die Gelder, da die Schalter überfüllt waren, an einen unzuständigen Beamten ab, der sie unterschlug. Der Steuerpflichtige erhielt darüber eine Quittung mit gefälschter Unterschrift. Er wurde erneut auf Zahlung der Steuern in Anspruch genommen. Der Reichsfinanzhof hat dazu folgendes ausgeführt (19. 6. 1929 — VIA 638/29): Es könne zwar nicht allgemein der Satz aufgestellt werden, daß eine Zahlung in den Räumen der Finanzkasse an einen dort amtlich tätigen Beamten den Steuerpflichtigen befreie. Sind in dem Kassenraum Einrichtungen getroffen, wonach nur ein bestimmter Schalter als Zahlstelle gilt, so kann von dem Steuerpflichtigen auch ver- langt werden, daß er sich an die Weisung hält, und es würde zu weit gehen, anzuerkennen, daß die Zahlung an irgendeinem anderen Schalter an einen mit anderen Dingen befaßten Beamten stets als Zahlung an die Kasse zu gelten habe. — Im Er- gebnis aber gibt der Reichsfinanzhof dem Steuer- iflichtigen Recht, da der ungetreue Beamte schon rllher öfter bei starkem Verkehr die Gelder in Meer Weise in Empfang genommen und auch richtig abgeführt hat und sich dadurch eine gewisse Hebung herausgebildet hatte. Die Behörde hatte damit selbst ihre Einschränkung der Zulassung der Einzahlung lediglich am Kassenschalter durchbrochen. Oie Wetierlaae. ■JnaOi 15t' Idlsf. 6 10 । Stock h. •Aberdeen. 11 @10 Bertn @ w @16r Montaa, d.7.0Ktob.19297h abds. G wolkenlos. O neuer. Q naib bedeckt. © wolkig. © bedeckt, e reget| * Schnee o Graupeln. eNebel KGewitter.©Windstille.O-'Sehf leichter Osi massiger Südsüdwest \ stürmische» Nordwesl fcle Pfene fliegen mit dem winde Ole beiden Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Die Urnen verbinden Orte mH-gleiche«© tot nzeresniveau umoerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Ein neues Tiefdruckgebiet liegt heute morgen über England und hat dort bereits Regen gebracht. Fallendes Barometer heutet darauf hin, daß auch unseren Bezirk seine Warmluftwelle überqueren wird. Dabei kommt es zu stärkerer Wolkenbildung, und die Temperaturen werden — besonders nachts — etwas höhere Werte erhalten. Auch sind bei dem Aufgleiten der Warmluft vereinzelte Niederschläge nicht ausgeschlossen. Wettervoraussage für Mittwoch: Meist wolkiges Wetter, Temperaturen zwischen Tag und Nacht sich wieder mehr ausgleichend, vereinzelte Niederschläge. Wetterooraussag - für Donnerstag: Wieder etwas kühleres Wetter, wechselnd wolkig mit Aufheiterung, Neigung zu vereinzelten Schauern. Scrliner Börse. Berlin, 8. Okt. (WTB. Funkspruch.) Auch der heutige Frühverkehr lag wieder sehr ruhig und fast geschäftslos. Nachdem es gestern nachmittag gegen die schwächeren Nachbörsenkurse wieder etwas fester geworden war, ist heute eine Tendenz bisher nicht zu erkennen, da Kurse noch nicht genannt werden. Man soll des Guten nicht zu viel tun, darum fei wieder daraus hingewiesen, daß Maggi's Würze gerade bei sparsamer Verwendung ihre vorzügliche Wirkung entfaltet. Wenige Tropfen genügen, um schwache Suppen und Soßen überraschend zu verbessern und den Geschmack von Gemüsen und Salaten zu verfeinern. 246D d OSRAM w wnd, sehr bWiq Gießen und Dresden, den 8. Oktober 1929. D6454 Großes Lager In Junker & Ruh- und Esch-Oefen. im 20. Lebensjahr. 833 IA Flockköper Die Beerdigung findet Mittwoch, den 9. Oktober, nachm. 2 Uhr statt 83291 und Flockköper Wäsche in schöner Auswahl 8323A C. Röhr L Co (Sicken. [06427 ü kauft 06428 Oberlandesgerichtsrat Dr. Wetzel Lilly Volk geb. Wetzel Stephanie Wetzel geb. Heyne Landgerichtsrat Volk und vier Enkel Emil Pistor Nachf. Marktstr. Fernspr. 61 Die Beerdigung findet auf dem Alten Friedhof In Darmstadt statt. Von Beileidsbesuchen bittet man Abstand zu nehmen. Zu verm. geraum.' gut möbt. Zimmer m. el.U. für fof. t. der Nabe d. Universitär. Zu er fr. in d.Geschst. d. Gieß. Anz. 06449 Mittwoch, den 9. Oktober 1929, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Neuenweg 28 (im Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 3 Trumeauspiegel, 4 Schreibtische, 3 Sofas, 1 Grammophon, 4 Vianinos, 2 Kommoden, 1 antik. Kleider- schrank, 2 Waschmaschin. m. 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Haas, Steinbach Philipp Balser und Familie, Steinbach Karl Balser IX. und Familie, Steinbach Heinrich Balser und Frau, Gießen Georg Zimmermann und Familie, Friedberg. Darmstadt, Steinbach, Gießen, Friedberg, 8.0kt. 1929. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 9. Okt., nachmittags 3' « Uhr, in Steinbach (Kreis Gießen) statt. B334I Heute nachmittag verschied nach kurzem Krankenlager unser lieber, unvergeßlicher Sohn, Bruder, Enkel, Schwager, Onkel und Neffe Heinrich I Bei Onkel fäolli 8306D Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme anläßlich des Hinscheidens unseres heben, unvergeßlichen Vaters Herrn Levi Stern sagen wir hiermit herzlichen Dank. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Gießen (Ludwigstrafie 29), Neuyork, Luxemburg, Köln, Buffalo, Marburg, den 8. Oktober 1929. ’W LTudrneUn'e. mehr die ‘ rra"k und frei Und so dnzu ^d In nder sind - bei ihn Onkel Molli» lnen gebrauchen «h-Oefen, toff/v E0 83» I 3 bis 4 Zentner MW unb einige Zeniner NttsAsW »u verlausen. 83350 Bäckerei Jorbach Kailerallee 11 Güie " IWliwi obuigeben. 06151 Renen Wne 27, Verschiedenes pWW zu rermieieti 81950 'JlabolDb, Selieröweg M leievlwi E Ler beteiligt iitbmit junger Dame an MNM i.b.engl.eötl.fl.frui. oder Ital.Sprich? Lchrisil-Angeboien. 3 Äkir" ?KS" , ii»e MWoch Send. Oktober mitE Um vünk'A sibelnen IuML Wclcke edle Persönlichkeit leih! Liubenien MM? Rüikzablbari.vünkh tichen Äionatsraien i»9lt KchM Angebote untOw» an dcnÄietzInM- 83>»D •ws- abe^Lnkurfl . ier ?nS «kN^_ rge 06135 cJPi ls gt LamSiag abend gesunden? Weg.Abn hos-Hauvlpoil. Ab« nYaeb aeg. belohn. AnstlÄngabm't. M5La>Un^i «er 9*34 der,;r .genilb- in. en Siel' ,b über e ötrL iningen Kami' u. bob. Zchr. 40 a.b. zeigen ichej : alter iet ?• nnb t billig en. unter igernd JU6427 5*1 Rr. 256 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Dienstag, 8. Oktober 1929 Das deutsch-österreichische Bündnis von 1879. 3ur 50.Wiederkehr des H^geel des Vertragsschlusses. Von L. Raschdau, Gesandten a. D. Der Verfasser dieses Aufsatzes ist der letzte lebende Mitarbeiter B i s- marcks; er hat u. a. handelnd einge- grisfen, als die Frage der Erneuerung oder Vichterneuerung des Rückversiche- rungsvertrages mit Ruhland akut war. 2lm 7. Oktober jährte sich zum fünfzigstenmal der Tag, an dem jener wichtige Vertrag zwischrn dem Deutschen Reich und Oesterreich-Ungarn abgeschlossen wurde, mit dem die deutsche Politik eine bedeutsame Wendung erfuhr. Vergegenwärtigen wir uns, welche Vorgänge dieses damals in der ganzen Welt aufsehenerregende Ereignis herbeigesührt haben. Die inneren Zustände Ruhlands hatten sich mit dem russisch-türkischen Kriege bedenklich verschlimmert. Der nicht immer günstige Verlauf des Krieges gegen ein so viel schwächeres Volk wie die Türken hatte die Gebrechlichkeit des Zarenreiches aufgedeckt. Der Berliner Kongreß schränkte dann die im Frieden von San Stefano erreichten Erfolge beträchtlich ein. Die Unzufriedenheit des Volkes entlud sich in gewaltsamen Attentaten. Statt die Schuld an dem politischen Mißerfolge der ungenügenden Vertretung Ruhlands im Kongresse beizumessen, beschuldigte die russische öffentliche Meinung Deutschland, und insbesondere den Fürsten Bismarck persönlich, das Zarenreich bei den Verhandlungen im Stich gelassen zu haben, obwohl der Kanzler nachweisen konnte, daß er in allen russischen Intereßenfragen die Sache des Zarenreiches unterstützt habe. 3n Rußland sprachen die Blätter geradezu von einem Verrat des deutschen Kanzlers. Der Panslawismus erging sich, ohne von der Regierung eine Hemmung zu erfahren, in den schlimmsten Hetzereien gegen Deutschland, und man scheute sich nicht, den Rachbar mit Krieg zu bedrohen. Dieser Zustand fand nach längerer Duldung schließlich in der deutschen Presse einen Widerhall, unter dem das bis dahin erträgliche Verhältnis der beiden Rachbarvölker völlig gestört wurde. Schon vorher muhte Fürst Bismarck aus amtlichen Aeußerungen der russischen Regierung entnehmen, daß selbst in der bis dahin deutschfreundlichen Spitze des Reichs, in dem Zaren, sich eine Wandlung vorbereite. Kaiser Alexa n- der hatte in einem eigenhändigen Briefe an Kaiser Wilhelm Drohungen gebraucht, die er später zwar selbst als eine „Eselei" bezeichnete, die aber in dem Verhalten der öffentlichen Meinung eine bedenkliche Bestätigung fanden. Trotzdem suchte der deutsche Kaiser das früher vertraute Verhältnis mit dem Zaren wiederherzustellen. Er entsandte nicht nur den Feldmarschall von Manteuffel nach Warschau zur Begrüßung des Zaren, sondern traf ihn bald darauf selbst auf russischem Boden. Gegen beide Veranstaltungen erhob Fürst Bismarck ernsten Einwand, lind nun geschah es, dah Fürst Gortschakow sich gegenüber einer französischen Zeitung zu Aeußerungen verleiten lieh, die allgemein als eine plötzliche Annäherung an Frankreich gedeutet wurden. Das früher so enge Verhältnis zwischen Bismarck und Gortschakow, von dem uns die amtlichen Berichte des einstigen preußischen Gesandten aus Petersburg Kunde geben, hatte bereits seit 1875, als der russische Staatsmann als Beschützer Frankreichs auftrat, eine unerfreuliche Störung erfahren. Jetzt veranlaßte dessen Verhalten und die Sprache der russischen Presse den deutschen Kanzler zu einer Umstellung seiner Politik. Der sich vorbereitenden Verbindung Rußlands mit der französischen Revanchepolitik suchte er mit der Verstärkung der deutschen Macht durch den B u nd mitOester- reich-Ungarn entgegenzuwirken. Er begegnete sich mit dem Leiter der österreichischen Außenpolitik, dem Graben Andrassy, in Gastein und Wien, und hier wurde jener Vertrag abgeschlossen, den man gewöhnlich, wenn auch Drei Märchen für Frauen. Von Polly Tieck. Drei Märchen sind es vor allem, die zu vergessen ich nicht imstande bin, aber nicht nur mir geht es mit diesen Märchen so. Es scheint vielmehr, daß es sich um drei Märchen handelt, die ganz besonders für Frauen gemacht wurden. Sicher läßt sich diese Zahl erweitern, denn da Märchen für das kindliche Herz erdacht sind, und da jede Frau etwas davon behält, werden Frauen stets an Märchen hängen wie an Schmuck, Pelzen, Blumen. Ueber die drei Themen jedoch, die mit solcher Hartnäckigkeit wiederkehren, habe ich mit Elli, Charlotte und Evelyn gesprochen, und sie bestätigten mir, was ich schon wußte. Elli liebt am meisten das Märchen von der Gänsemagd. Sicher werden Sie sich an diese tiefe und süße Geschichte erinnern, wenn ich Ihnen r.u: andcutc, dah die Königstochter mit der Magd zusammen* ins ferne Land geschickt wird, um den Königssohn zu besuchen, der sie heiraten soll. Unterwegs jedoch überwältigt die Kammerfrau die Prinzessin, nimmt ihr die schönen Kleider und das herrliche Pserd, Fallada genannt, fort und läßt die Prinzessin in den Kleidern der Magd und aus dem alten Klepper in den Hof cs fremden Königs einziehcn. Man erinnert ich ■ u.x. wie die Prinzessin als Magd behandelt wird, wie die M.igd beim Königssohne sitzt und c Königsto .er Gänse hüten muß. Warum die K nigstochler den Schwindel nicht u deckt? Run, sehr einfach! Ein heiliger Eid .neet ihre Zunge. Warum niemand ihre Schönest als die wahrhaft prinzliche, die Kammerfrau .3 die wahrhaft Gemeine erkennt? Warum? — Die Königstochter fragt es sich unausgesetzt und mit ihr sracit es Elli. Elli fährt in Untergrund- oahncn statt i-i Autos, ihr Körper sitzt zwischen 2ärm, Zigarren, Adsch u chleiten. Tausend Ellis ätzen an Schreibmaschinen, an Telephonen, vor Büchern, tru'end Ellis zittern in den Zimmern der Chefs. In allen Ellis ist der Gedanke an die Gäuse- magd. Der Cid, der sie hindert, au,zusprechen, daß sie Prinzessinnen sind, ist die Angst, sich Oer Sternhimmel im Oktober. Sonnenaufgang von 6 bis 6,55 Uhr. Sonnenuntergang von 17,35 bis 16,30 llfjr. Lichtgestalten des Mondes: 1. Viertel am 10. um 19 Uhr, Vollmond am 18. um 13 Ahr, 3. Viertel am 25. um 9 Uhr. mfk. Arn Sternhimmel wird es nun allmählich winterlich. Der Hauptsommerstern Arctur ist nur noch in den frühen Abendstunden tief im Westen bemerkbar; besser steht es mit der Wega, die vorläufig noch ziemlich hoch am Himmel steht. 18 Uhr sichtbar. Er steht, und Atoar während des ganzen Monats, wenig verändert, etwa in der Mitte der Verbindungslinie, die man sich vom Aldebaran nach dem sogenannten oberen Horn des Stiers gezogen denken kann. Ihm gegenüber treten alle anderen Wandelsterne bedeutend zurücke so vor allem der nur kurze Zeit im Westen sichtbare Saturn, der noch immer in der Rähe der tiefsten Stelle des Tierkreises steht. Recht dankbar hingegen ist ein Blick auf d J. Vierte/ STEfWB/LDER: GROSZE BUCH-/\ STABEN X/ S/trn e: Meine ßuc/i- \ jfaben ySj Merkur Q Venus ^Mars (^Jupiter ^Saturn K I > , *2) Der die 24 Stundenzahlen von Mitter- nacht hi» "Mitternacht eine» Tage» ent- haltende Kreit und di» dich punltiert» Linie, der »»genannte Horizont, rind feit-' stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht lieh samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — m 23 Stunden und 56 Minuten im Sinn» des gebogenen Pfeill einmal um »einen Mittel funkt. Der erngeztiehntte Horizont umrahmt di» zu der Stunde, auf di» der gerade Pfeil zeigt, um di» Monatsmitt» sichtbar en Stern». Unsere Kart» zeigt also den Zustand um Mitternacht der Monatsmitte Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denk» man sich den Sternhimmel samt dem geraden Pfeil io gedreht, daß dieser auf di» Beobachtung! stund» zeigt; dadurch werden die zu 'dieser Zeit sichtbaren Stern» in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht. Für je 5 Tag» vor der Monatsmitte ist der gerade Pfeil */3 Stunde früher, für je 5 Tagt nach der Monatsmitte t/3 Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er di» angedeutete Licht - gestalt zeigt Prächtig sicht auch das große Himmelsquadrat auS, das teils der Andromeda, teils dem Pegasus angehört und dessen rechte Seite, nach Süden verlängert, auf den Fomalhaut führt, den südlichsten der bei uns sichtbaren helleren Sterne. Links von ihm erblicken wir den Deneb Kaitos, den Schwanz des Walfischs. Der Rame Deneb, das heißt Schwanz, kommt bei mehreren Sternen vor, vor allem beim Deneb im Schwan und dem zur Zeit nicht sichtbaren Denebola im Löwen. Das Auftauchen des Orion, der gegen Schluß des Monats etwa um VzlO Ähr voll sichtbar ist, wird jeder Sternfreund mit Freude begrüßen. Don den Wandelsternen wird nun der Jupiter immer wichtiger. Zu Beginn des Monats wird er bald nach 20 Ähr, gegen Ende bald nach den Morgenhimmel, der ja im Oktober bereits ohne gar zu grausame Opfer möglich geworden ist. Wir erblicken dort die Venus als strahlenden Morgenstern mit allerdings abnehmender Sichtbarkeit. Sie bewegt sich vom Löwen zur Jungfrau. Auch der Merkur ist am Morgenhimmel zu erblicken, am günstigsten etwa am 23., wo er seinen größten Abstand von der Sonne hat; da er außerdem noch in günstigeren Gegenden des Tierkreises und auch etwas oberhalb der Tierkreislinie steht, so hat er selber alles, was in seinen Kräften steht, getan, um sich uns sichtbar zu machen. Ob die Beobachtung gelingt, wird nicht von ihm, sondern von den Witterungsund Horizontderhältnissen abhängen. Küstermann. nicht ganz zutreffend, als einen Bündnisvertrag der beiden Mächte bezeichnet hat. Fürst Bismarck such te damals sogar eine verfassungsmäßige Bindung des Vertrages zu erreichen, fand aber darin nicht die Zustimmung seines österreichischungarischen Kollegen. Dieser Abmachung stimmte Kaiser Franz Joseph sofort zu, nicht aber Kaiser Wilhelm, der lebhafte Einwendungen gegen diese, nach seiner Auffassung feindlichen Frontstellung zu Rußland erhob. Wenn dabei auch die persönlichen Beziehungen der Höfe von Petersburg und Berlin eine wesentliche Rolle spielten, so bezeugen doch die nunmehr veröffentlichten Akten des deutschen Auswärtigen Amts, daß der Kaiser sich der Bedeutung des Schritts in vollem Maße bewußt war. Cs bedurfte der diesmal sehr ernsten Drohung des Kanzlers mit seinem Abschied, um ihn zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Rach langwierigen Verhandlungen zwischen Kaiser und Kanzler kam es zu dem Abschluß des Vertrages, der erst durch den Weltkrieg seine Lösung erfahren hat. Bei einer rückschauenden Betrachtung, auf dem Boden der durch die neueren Vorgänge geschaffenen Lage, findet jener Akt unseres großen Staatsmannes natürlich nicht mehr dieselbe einmütige Beurteilung wie zur Zeit seines Abschlusses. Kaum je in seiner diplomatischen Tätigkeit hat Fürst Bismarck so ungemessenen Beifall bei seinem Volke gefunden, wie in jenen Tagen und nicht bloß in Deutschland. Von' den Deutschen Oesterreichs wurde er nicht minder begrüßt. In dem damals uns befreundeten England konnte Lord Salisbury unter dem lauten Zuruf des Parlaments die biblischen Worte sprechen: große Freude ist widerfahren! Man hielt in England nunmehr den Schutz gegen ein feindliches Rußland von dem deutschen Volke gewährleistet. Aber man hat sich damals und auch später nicht volle Rechenschaft darüber gegeben, daß Oester- reich-Ängarn doch ein Staat war, dessen Bevölkerung zum größeren Teil dem Slawentum angehörte und dem Deutschtum im Grunde feindlich gesinnt war. Ja, gerade damals war der Widerstand der Tschechen gegen die Wiener Politik besonders heftig. Änd die Taaffe- sche Dermittlungspolitik wurde auch von den Deutschen scharf bekämpft. Die große innere Schwäche der Donaumonarchie war dem aufmerksamen Beobachter schon damals nicht unbekannt. Aber in der Hauptsache wurde in dem Wiener Kabinett die auswärtige Politik von Madjaren geleitet und beeinflußt, die einem Bündnis mit Deutschland, schon aus Haß gegen Rußland, durchaus geneigt waren. Änd so hat in der Tat, trotz mannigfacher Gegenbestrebungen, die österreichisch-ungarische Politik sich lange in den Bahnen bewegt, die sich der Begründer des Bündnisses vorgestellt hatte. In der auswärtigen Politik ist cs nicht immer die Wirklichkeit, die den entscheidenden Einfluß übt, der Schein, bet das Donaureich immerhin noch als einen mächtigen Faktor im Dölkcrleben zeigte, tat die erwartete Wirkung. So ist es in der Tat zutreffend, daß dieser Bund durch sein bloßes Dasein lange Jahre eine Bürgschaft für einen erträglichen Frieden gewesen ist. Dazu kam noch, daß das schwer bedrohte Deutschtum Oesterreichs in dem engen Anschluß des Landes an den Stam- mesgenossen eine Hoffnung erblicken durfte, die ihm in seinem Kampf gegen die andringenden Rachbarn die erforderliche Kraft verlieh. provinzialverband Oberhessen der Deutschen Volkspartei. Der ProvinzialverbandOberhcsscn der Deutschen Volkspartei tagte am Sonntag im Hotel „Hindenburg" zu Gießen, um zu den im Herbst stattfindenden Kommunalwahlen Stellung zu nehmen. Der sehr gute Besuch der Tagung aus allen Teilen der Provinz war ein deutlicher Beweis für die Bedeutung, die man in allen Kreisen der Bevölkerung diesen Wahlen beimißt. Der zweite Vorsitzende deS Provinzialverbandes, Landtagsabgeordneter Dr. Riepoth, Schlitz, gedachte eingangs der Tagung in zu Herzen gehenden Worten des schweren Verlustes, den nicht allein die Deutsche Volkspartei, sondern vielmehr daS ganze deutsche Volk durch den Tod des Parteiführers S t r e s e- m a n n erlitten hat. Er gedachte auch in tiefer Dankbarkeit deS verstorbenen ersten Vorsitzenden deS ProvinzialverbandeS, Prof. Dr. Kraus- müller. Die Gedenkworte wurden von der Versammlung stehend angehört. Bei der anschließenden Vorstandswahl wurde Bürgermeister Dr. Riepoth, M. d. L., Schlitz, zum ersten und Kaufmann A. Stein, Hirzenhain, zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Äebergehend zum Tagungsthema gab Dr. R i e p o t h, M. d. L., einen kurzen Äeberblick über die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Kreis- und Pro- vinzialtagSwahl. Rach einer sehr interessanten und ergiebigen Aussprache wurde der Beschluß gefaßt, bei der Wahl zum Provinzialtag mit selbständigen Listen vor^ugehen. Bei der Aufstellung der Listen sei es möglich gewesen, allen Ständen und Berufen eine ausreichende Vertretung zu sichern. Mit besonderer Freude konnte festgestellt werden, dah Handel, Handwerk und Gewerbe sich rege an der Listenaufstellung beteiligten und dah ihren berechtigten Wünschen vollauf Rechnung getragen werden konnte. Gerade auS diesen Kreisen wurde auch der Erwartung Ausdruck gegeben, dah die Aufstellung eigener Listen für Handwerk, Handel und Gewerbe sich erübrige und eine Zersplitterung des Bürgertums vermieden werde. Oberheffen. Landkreis Giessen. 00 Klein-Linden, 7. Okt. In dem von den Konfirmanden mit Feldfrüchten aller Art reich geschmückten Gotteshause feierte gestern die evangelische Kirchengemeinde ihr diesjähriges Erntedankfest. Der Ortsgeistliche legte seiner Festpre- digt den Text aus Psalm 34: „Ich will den Herrn loben allezeit..." zu Grunde. Der Posaunenchor eröffnete die Feier mit dem Vortrag des 147. Psal- mes und begleitete die Gemeindegesänge. — Am Sonntagnachmittag begingen die Kinder des Kindergottesdienstes unter Beteiligung der Gemeinde ihr Jahresfest. Unter Voranmarsch des Posaunenchores bewegte sich ein langer Zug von Kindern, geleitet von ihren Führerinnen, zu den Wiesen gegenüber dem Lindener Eck. Nach dem Gottesdienst erfreute sich die Jugend bei Spiel und Gesang. Gegen abend zog der Zug unter den Klängen des Posaunenchores zurück zum Dorf. * Lang-Göns, 8. Okt. Der Bahnwärter i. R. Wilhelm Merz in Lang-Göns wurde heute 80 Jahre alt. Der Vorstand des Betriebsamts Gießen I hat ihm an feinem Geburtstag die Glückwünsche des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahngesellschaft überbracht und ihm im Auftrage des lächerlich zu machen. Sie wissen, dah feit je die die Welt erobern, die stark genug sind, die Kleider und die Pferde zu vertauschen, und die denken, wenn sie die blanken Kabrioletts mit den verkleideten Kammerfreum vorbeirasen sehen, das Wort der Gänsemagd: „O Fallada, der du hangest! O Jungfer Königin, die du gangeft! Wenn daS deine Mutter wüßte, das Herz im Leibe tat ihr zerspringen!" Die Gänsemagd im Märchen findet einen Ausweg, um zu sprechen, ohne den Eid zu verletzen: Sie kriecht in öaS Ofenrohr und klagt dem ihr Leid. So erfährt der alte König, mit wem er es zu tun hat. Die Kammerfrau wird schmählich zu Tode gemartert, während die Prinzessin in die Arme deS Prinzen sinkt. — DaS alles kann Elli wenig nützen. Denn waS tut sie mit einem Prinzen, dem man es erst sagen mußte und an dem vorbei sie manchen Morgen unbeachtet hinausschlich, die Gänse zu hüten. Charlotte hat eS mit dem Märchen vom König Drosselbart. Charlotte ist eine vielbeneidete Frau. Sie hat einen Hutsalon in einer großen Stadt, glauben wir ihr immerhin, daß es Paris ist. Charlotte lebt das Leben einer ju.igcn, unabhängigen Frau, die ein gutes Einkommen hat, über baS sie niemandem Rechenschaft schuldig ist. Charlotte hat sogar einen Wagen, Charlotte ist keine Gänsemagd. Trotzdem sehe ich sie ost müde und am Rande einer nicht eben alltäglichen Erschöpfung auf einem Sessel sitzen und vor sich hin sagen: „Oh, ich arme Jungfer zart! Hütt' ich genommen den König Drosselbart!" So bringt sie mir das Märchen von der stolzen Prinzessin recht in Erinnerung, die alle Freier abwieS, einen aber besonders verhöhnte, weil er ein Kinn hatte wie der Schnabel einer Drossel. Der Vater gibt sie dem ersten besten Bettler auf der Straße, und der zieht mit ihr durchs Land. Wohin sie auch kommt, — diese Schlösser, dieses Land, diese Wälder, diese Seen, alles gehört dem König Dro selbart. Im Märchen natürlich gibt's happy end. Der Bettler selbst ist zum Schluß König Drosselbart und nimmt die Zerknirschte und Gedemütigte gütig in feine begüterten Arme. Charlotte, so glaubt sie sicher, und ich glaube es mit ihr, wird solch ein Jiappy end nicht beschieden sein. Sie braucht Kredite, sie braucht Empfehlungen, sie hat Sorgen, Schulden, Verpflichtungen — alle Möglichkeiten, ihr zu helfen, liegen in den Händen vom König Drosselbart. Vielleicht ist er Bankier, vielleicht Industrieller, vielleicht Geheimrat, — alles mögliche kann er fein. Immer aber ist er der König Drosselbart, der, den Charlotte einstmals verschmähte und vor dessen kühlem und unbestechlich neutral gewordenem Blick sie jetzt als Bittende zu sitzen hat. Was Wunder, daß Charlotte, mit einem neuen, schwer erkauften Erfolg aus dem Zimmer des Gewaltigen tretend, aufseufzt: „Hält' ich genommen den König Drosselbart!" Was Evelyn angeht, so ist sie die mutigste von den dreien. Ihr Lieblingsmärchen ist: Der Froschkönig. Es ist daS Märchen von der Prinzessin, die im Garten mit einer goldenen Kugel spielt und sie in den Brunnen fallen läßt. Eine häßliche Kröte schlägt vor, ihr die Kugel wieder zu beschaffen, wenn sie sie auf ihrem Stühlchen sitzen, von ihrem Tellerchen essen, in ihrem Dettchen schlafen läßt. Die Prinzessin verspricht und erfüllt, so gut sie kann. Plötzlich jedoch übermannt sie der Zorn, sie wirft die abscheuliche Kröte gegen die Wand, und ein wundervoller Prinz fällt ihr statt dessen in die Arme. Evelyn, energisch und besessen von sich selber, zieht aus diesem Märchen die Konsequenzen. Keine bekommt die Königssöhne fertig präsentiert, so meint sie, man muß sie sich selber schassen. Cs kann am Anfang eine unscheinbare Kröte sein, — wer es aber versteht, zu zerstören, um aufzubauen, zu vernichten, um zu besitzen, bekommt den Prinzen an Stelle der Kröte. Wenn man Evelyn entgcgenfjalt, daß ihre Kur nicht gerade eine sanfte sei, meint sie, daß sich der Verwandlungspr^ch von der Kröte zum Prinzen sanfter eben nicht vollziehen lasse. Rur wer bereit sei, zu sterben und zu toten, sei fähig, aufzubauen und zu lieben — sagt Evelyn —, und es ist schwer, ihr zu widersprechen. Jedenfalls meint sie, daß man es feiner Kröte ansehen könne, ob sie nicht am Ende ein verwunschener Prinz sei, und daß man nur den Mut haben müsse, es zu wagen, — und ein wenig Glück, meint Evelyn, — natürlich, das gehöre dazu. Die Gänsemagd, die eigentlich eine Prinzessin ist, die Prinzessin, die sich vor dem einstmals Verschmähten demütigen muh, die Königstochter, die den verwunschenen Prinzen durch eigene Kraft erlöst, — drei ewige Situationen für Elli. Charlotte, Evelyn — — und die übrigen. Ein sonderbarer Detektiv. Der Richter von Shaw in Rordostburmah ist Detektiv geworden. Rur mit einem Apparat bewaffnet, wie ihn die Aerzte zur Untersuchung der Herztöne verwenden, gelang es ihm, die Banditen zu überführen, die einen Seidentransport aufgehalten und geplündert hatten. Als der Richter die Nachricht von dem Ueberfall erhielt, ließ er alle schlecht beleumdete Elemente der Gegend antreten und untersuchte sie mit dem Hörapparat. Diejenigen, deren Herzen lauter schlugen, als dies bei Leuten mit gutem Gewissen der Fall ist, ließ er festnehmen. Unter ihnen befanden sich tatsächlich die Verbrecher, die ihre Schuld eingestanden. Seide und Geld wurden in ihren Schlupfwinkeln wiedergefunden. Hochschulnachrichten. Am Institut für Grenz- und AuSlandsdeutsch- tum an der Äniversität Marburg ist mit der Vertretung des planmäßigen Assistenten int Wintersemester 1929/30 ter Pfarrer, Privatdozent für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Jassy (Rumänien), Dr. Karl Kurt Klein beauftragt worden. Dr. Klein wird zugleich im Rahmen einer Sammelvorstellung über daS Deutschtum im Ausland eine Vorlesung über „Äniversität und Auslanddeutsch tum" halten, ferner einen rumänischen Elementar- und Oberkurs veranstalten. — Amtlich wird die Ernennung des o. Professors Dr .Werner Gerlach von der Universität Halle zum ordentlichen Professor der allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie an der Universität Basel als Rachfolger von R. Rößle bestätigt. Der in der medizinischen Fakultät der Uni* versität Berlin neuerrichtete Lehrstuhl, für Geschichte der Medizin ist dem Professor Dr. med. et schil. Paul Diepgen in Freiburg L B. angeboten worden. Präsidenten der Reich^bahndirektion Frankfurt a. M. ein namhaftes Geldgeschenk ausgehändigt. cs) Grüningen, i. Ott. Pfarrer ‘2x> e b e t, der 16 Iahre in unserer Gemeinde wirkte, schied heute von hier, um nach seinem neuen Wirkungsort Berg- und Stratzebersbach überzusiedeln. Während der langen Zeit seiner hiesigen Tätigkeit hat er zum Segen der Gemeinde gewirkt und sich die Liebe und Wertschätzung der Einwohner erworben. Die besten Wünsche der Gemeinde begleiten ihn nach seinem neuen Wirkungsort. Wie verlautet, soll die hiesige Pfarrstelle vorläufig unbesetzt bleiben und durch den Pfarrer der Nachbargemeinde Holzheim mitversehen werden. ][ Garbenteich. 7. Ott. Am Samstagabend versammelten sich hier im Gasthaus „Zum weihen Roh" die diesjährigen F ü n f z i g e r. Eine besondere Note erhält eine solche Zusammenkunft auf dem Dorfe dadurch, daß sich alle, mit Ausnahme einiger Zugezogenen, schon als Schulkameraden kennen. Postagent Schock begrüßte die Erschienenen, gedachte der bereits Verstorbenen und würdigte die Bedeutung der Feier. Bei. Musik und froher Unterhaltung verbrachten die Jubilars einen sehr genußreichen Abend. )( L i ch, 1. Okt. Am Freitagabend hatte die Darmstädter Musikantengilde unsere Gemeinde in die St. Marienstiftskirche zu einer sehr stimmungsvollen Abendfeier eingeladen. Die Gemeindeglieder waren mit froher Erwartung dieser Einladung sehr zahlreich gefolgt und lauschten voller Andacht den wundervollen Darbietungen. Der unter der Leitung von Dipl.-Ing. Günther Simonh (Darmstadt) stehende Chor fang mit ganzer Hingebung, klangschönen Stimmen und eindrucksvoller Beseelung geistliche Lieder. Kanons, Motetten und Choräle aus dem 16. und 11. Jahrhundert. Besonders lehrreich waren die verschiedenen Weisen und musikalischen Auffassungen des Reformationsliedes „Ein feste Burg". Meisterhaft vorgetragene Vorspiele und Zwischenspiele auf der Orgel von stud. math. Dorngässer (Darmstadt) bereicherten das mit großem Sachverständnis zusammengestellte Programm. Ein inniges und sinniges Abendlied „Hinunter ist der Sonnenschein" von Melchior Vulpius gab der schönen Abendfeier einen wundervollen Ausklang. -o- Röthges, 7. Okt. Heut« feierte unser ä l t e- ster Dorfbewohner, der Landwirt und Aus» zügler Georg Meckel IV., seinen 8 6. Geburts- t a g. Zu ganz besonderer Freude gereichte es ihm, daß ein Schreiben des Reichspräsidenten v. Hindenburg eintraf, der ihn als Kameraden und Altveteranen von 1866, sowie 1870/71 in herzlicher Weise beglückwünschte. Meckel ist noch ziemlich rüstig und von geistiger Frische und Lebhaftigkeit. Während seines langen Lebens bekleidete er die verschiedensten Gemeindeämter, als Gemeinderat, Ortsgerichtsmann, Feldgeschworener, Kirchenvorstand, sowie Präsident des Kriegervereins, dem er noch heute angehört. Kreis Friedberg. $ Friedberg, 7.Okt. Der diesjährige Friedberger Ob st markt wurde gestern von dem Beig. Dr. L e u ch t g e n s im Schützenhaus eröffnet. Der Markt war sehr gut beschickt, und die vorzügliche Ware fand bei guten Preisen recht guten Absatz. Die Stadt hatte eine Prämiierung des bestverpackten Obstes veranlaßt. Die ersten Preise erhielten Hofgut Beinhardts und die gräfliche Gärtnerei A s s e n h e i m. Allseits Beachtung fand auch die mit dem Markte verbundene Ausstellung des Wetterauer Bienenzüchteroereins. Kreis Büdingen. -/• Ortenberg. 7.Okt. Die Obsternte ist hier sowohl nach Menge, als auch nach Güte so gut ausgefallen, wie noch nie in den letzten Icch- ren. Zur Zeit ist ein Großhändler aus Breslau, der die ganze Ernte der staatlichen Domäne auf „Breitenheide", der Gemeinde Ortenberg und einen großen Teil der Obsternte der fürstlichen Obstanlagen mit zu'ammen 3000 Zentner angekauft hat. daran, mit etwa 40 bis 50 Leuten die Ernte zu bergen. Das Obst wird auf den „Pflanzenländern" in großen Massen gelagert, sortiert und in Kisten verpackt, zum Versand gebracht. Das geringere Obst wird als Kelterobst zum Preise von 2 Mk. an Ort und Stelle abgegeben. Infolge der allenthalben gut ausgefallenen Obsternte ist die Rachsrage bis jetzt noch sehr gering und der Preis selbst für Tafelobst sehr niedrig. Es ist jedoch nach den Erfahrungen der letzten Jahre damit zu rechnen, daß die Preise für au es Obst bald anziehen und fest werden, weil das vorzügliche Obst unserer Gegend immer sehr gesucht wird. Kreis Schotten. b. Schotten, 7. Okt. Aus dem Gemeinderat: Die Mietpreise für das neue Deamtenhaus wurden auf 750, 700 bzw. 530 Mk. Friedensmiete festgesetzt, dazu treten die jeweiligen Mietzuichläge. Die Verteilung der Gärten für das neue Finanzbeamtenhaus wurde vorgenom- men. — FÄr das Gießener Studenten- haus wurden 50 Mk. bewilligt. — Die Freistellen an der Realschule wurden dem Vorschlag des Lehrerrats entsprechend genehmigt. — Für das Rathaus wurde die Beschaffung eines neuen Ofens und neuer Stühle bewilligt. — Die Märkte der Stadt für das Iahr 1931 wurden festgelegt. — Die neue Wäscherei- einrichtung des neuen Krankenhauses wurde besprochen, auch die Anschaffung einer elektrisch betriebenen Mangel genehmigt. Eine Reihe von Punkten wurde in nichtöffentlicher Sitzung erledigt. Kreis Alsfeld. •1* Ruppertenrod, 7. Okt. Dieser Tage wurde die Fischerei unserer Gemeinde auf zwölf Iahre verpachtet. Der bisherige Pachtpreis betrug etwa 110 Mk., der heutige ist 240 Mk. Trotz dieser Erhöhung des Preises darf nicht unerwähnt bleiben, daß die unsere Gemarkung durchfließende Ohm als Fischwasser nicht mehr die einstige Bedeutung hat. Der Hauptgrund hierfür ist die Fassung zahlreicher Quellen zu Wasserleitungszwecken, wodurch im Sommer der Wasferstand außerordentlich zurückgeht. Wirischast. Wiener Bankenfusionierung. Wie die amtliche Wiener Rachrichtenstelle erfährt, haben die auf die Initiative der österreichischen Regierung eingeleiteten Verhandlungen wegen der Fusionierung der Boden- Kreditanstalt zu Wien und der Oester- reichischen Kreditanstalt einen solchen Verlauf genommen, daß ein positives Ergebnis erwartet werden kann. Der endgültige Abschluß hängt von einigen Voraussetzungen ab, über welche in wenigen Tagen eine Entscheidung zu gewärtigen ist. Diese Transaktion wird bei ihrem. Abschluß den Aktionären der Boden-Kreditanstalt bedeutende Opfer auferlegen, aber anderseits den Einlegern und sonstigen Gläubigern volle Sicherheit und den Konzernindustrien der Boden-Kreditanstalt die Fortsetzung ihrer Arbeiten ermöglichen. Bei Durchführung der Fusion ist mit Rücksicht auf die Umstände der Transaktion eine Kapitalerhöhung der Kreditanstalt in Aussicht genommen, deren Begebung durch ein internationales Konsortium unter Führung des Bankhauses Rothschild in Aussicht steht. Die Montagblätter melden zur Uebernahme der Boden-Kreditanstalt durch die Kreditanstalt, daß für vier Doden-Kreditaktien eine Kreditaktie gegeben werden soll. Der Nominalwert der Boden-Kreditaktie beträgt 50 Schilling, der der Kreditaktie 40 Schilling. Die Bodenkredit- attionäre würden also nur ein Fünftel des Nennwertes ihrer Aktien erhalten. Mit Nachdruck wird festgestellt, daß jeder Besitzer eines Einlagebuches oder von Kassenscheinen der Boden- Kreditanstalt sein Geld auf Verlangen zurückbekommt und daß selbstverständlich die Effektendepots auf Verlangen ansgefolgt werden. Nach einem gestern abgeschlossenen Vorvertrag finden die Auszahlungen, wie der „Montag" meldet, bereits unter der Leitung der Kreditanstalt statt. Wie das christlichscziale „Montags-Blatt" meldet, steht fest, daß die Doden-Kredit- an st alt,nach einem Gutachten der Oesterreichi- schen Nationalbank insolvent ist. An der Börse soll der Handel in Doden-Kreditaktien heute amtlich suspendiert werden, da das Unternehmen ganz in der Kreditanstalt au, gehen wird. Allgemein wird das energische Eingreifen des Bundeskanzlers Schober anerkannt. Wie der „Montag" von informierter Seite erfährt, vertrat Schober bei den Verhandlungen und insbesondere gestern auf das energischste den Standpunkt, daß die Liquidierung nicht auf Kosten des Staates erfolgen dürfe. ♦ * Entlassung von 400 Arbeitern bei den Mannesmann-Röhrenwerken? Wie WTD.-Handelsdienst hört, brachten die Mannesmann-Röhrenwerke bei dem Demobil- machungstommissar einen Antrag auf Genehmigung zur Entlassung von 400 Arbeitern in der Abteilung Rath ein. Ob es tatsächlich zur Entlassung kommt, läßt sich natürlich nicht voraus- sehen, da bis zur Genehmigung eines solchen Antrages längere Zeit verstreicht, in der sich die Beschäftigungsmöglichkeit wieder so weit gebessert haben kann, daß von der Entlassungsgenehmigung kein Gebrauch gemacht werden muh. * Keine Jnteressennahme der National City Dank an der Danatbank. Die Darmstädter und Nationalbank erklärt, daß die von einem gestrigen Berliner Morgenblatt gebrachte Nachricht über eine Interessennahme der National City Dank, Neuyork, an der Darmstädter und Nationalbank und die Berufung einzelner Aufsichtsratsmitglieder zu einer Sitzung nach Berlin auf freier Erfindung beruhe. Auch alle Gerüchte über sonstige Kombinationen bei dem Institut entsprächen nicht den Tatsachen. Frankfurter Börfe. Frankfurt a. TO., 8. Okt. Tendenz: Schwach. — Die heutige Börse sah sich bereits vor Beginn des offiziellen Verkehrs auf fast allen Märkten wieder verstärktem Angebot gegenüber. Die Hoffnungen, die sich an die Verflüssigung des Neuhorker Geldmarktes und an die Festigkeit der dortigen Börse knüpften, wurden stark enttäuscht. Man brachte die namentlich am Elektromarkt hervor tretenden Abgaben in Zusammenhang mit den Vorgängen bei der Oester- reichischen Bodenkreditanstalt. Hier verstimmte auch, daß die Fusionsverhandlungen noch nicht zu einem endgültigen Ergebnis geführt haben, wenn auch an einem Zustandekommen nicht gezweifelt werden kann. Einen recht ungünstigen Einfluß, namentlich für den I.-G.-Farben-Markt, hatten ferner die Nachrichten von einer Ueber- füllung der Lagerbestände an den Oppauer Werken der I.-G.-Farben. Außerdem verstärkten andere umlaufende, vollkommen unkontrollierbare Gerüchte die herrschende Unsicherheit. Die Aufnahmefähigkeit des Marktes war gering, da von Bankseite kein Material auf genommen wurde. Einen außerordentlichen Kursrück- gang erlitten Deutsche Linoleum, die trotz der in einigen Blättern gebrachten Mitteilung über den guten Geschäftsgang und mindestens vorjähriger Dividende 15 Prozent ei n- büßten. Große Abgaben wurden ferner in I. -G. -Farben vorgenommen, die 5,2 5 Pro- d en t verloren. Am Kunstseidenmarkt lagen Glanz st off 5 Prozent niedriger. Dem- berg, die zum ersten Male in Frankfurt a. M. amtlich notiert wurden, gaben gegen den letzten Berliner Kurs nach. Starke Kursrückgänge verzeichneten noch Elektrowerte, von denen Schuckert 5,5 Prozent, Siemens 6,5 Prozent, AEG. 2,5 Prozent und Licht & Kraft 3,40 Prozent nachgaben. Chade-Aktien konnten sich behaupten. Von lokalen Werten verloren Metallgesellschaft 1 Prozent und Scheideanstalt 3 Prozent. Schiffahrtswerte 2 Prozent niedriger. Bankaktien waren bis 1 Prozent gedrückt. Am Markte der Autoaktien gaben Daimler auf die Meldung von einer angeblichen Stillegung des Mannheimer Werkes weiter leicht nach, Kleyer dagegen gut behauptet. Entgegen der Allgemeintendenz konnten Svenska 5 Mark höher eröffnen, Deutsche Anleihen waren behauptet. Am Auslandrentenmarkt gaben Anatolier etwas nach. Nach den ersten Notierungen traten meist weitere Abschwächungen ein. I.-G.- Farben waren weiter angeboten und 1,75 Prozent schwächer. Auch Elektrowerte blieben angeboten. Im weiteren Verlaufe konnten sich geringfügige Erholungen durchsetzen. Am Geldmarkt war Tagesgeld unverändert 7 Prozent. Am Devisenmarkt zog der Pfundkurs weiter an. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1966, gegen Pfund 20,40, London gegen Kabel 4,8616, gegen Paris 123,8750, gegen Mailand 92.805, gegen Madrid 32,77, gegen Holland 12,10. Berliner Börfe. Berlin, 8. Oft. Nach einem geschäftslosen, aber im Grund ton nicht unfreundlichen Vor- rnittagsverkchr eröffnete die heutige Börse in schwacher Haltung. Die Zunahme der Spareinlagen um eine Milliarde in sieben Monaten bei allen deutschen Sparkassen zusammen und die bei leichten Tagesgeldsätzen unter kleinen Schwankungen st'sie Neuyorker Börse von gestern machten keinen Eindruck. Meldungen von bevorstehenden Lohnverhandlungen bei der Mansseld- 2l.-G. und vor allem ungünstige Nachrichten in der Morgenpresse über Arbeiterentlassungen bei der I.-G.-Farbenindustrie verstimmten, und drückten auch an den übrigen Märkten, für bie anderseits absolut keine Anregungen Vorlagen, auf die Kurse. Ohne daß das herauskommende Material besonders groß war, gingen ine meisten Werte bei äußerst ruhigem Geschäft um 1 bis 3 Proz. zurück. Darüber hinaus verloren Schubert & Salzer, Löwe, Demberg, Karstadt, Farben, Sarotti, Deutsche Linoleum, Clek- trlsche Lieferungen, Siemens usw. 4 bis 6 Proz. Durch Festigkeit fielen Svenska (plus 6 Mark) auf, man verwies auf die feste Haltung deck Kreuger- und Zollaktien in London. Deutsch« Anleihen behauptet, Ausländer überwiegend etwas nachgebend. Auch Pfandbriefe still und eher schwächer. Der Geldmarkt war weiter erleichtert. Tagesgeld 7,75 bis 10 Proz., Monatsgeld 9,25 bis 10,5 Proz., Warenwechsel ca. 7,75 Prozent. Nach den ersten Kursen neigte die Tendenz weiter zurs^chwäche, obwohl man wissen wollte, daß seitens- $>r Verwaltung der I.-G.- Farbenindustrie eine beruhigende Erklärung zu den bereits erwähnten Pressemeldungen zu erwarten fei. Svenska konnten um eine weitere Mark anz'.ehen. Sonst besserte die Mehrzahl der Kurse sich um 1 bis 2 Proz., Polyphon 5,75 Prozent. Die gestern abend schon schwach veranlagten Reichsbankanteile verloren im Verlaufe weitere 2,5 Proz. und gingen damit auf 277 Prozent zurück. Für Farbenbezüge nannte man einen Kurs von 4 Proz. Trotz Jnterventionstätigkeit de» Banken blieb die Stimmung auch später schwächer. Amtsgericht Gießen. Gießen, 4. Oft. Die Markts au den st raße ist z. Z. in ihrer Längsseite infolge von Neubauarbeiten durch eine Bretterwand derart abgesverrt, daß der Fahrweg nur noch eine Breite Son etwa 2,50 Meter aufweist. An einem Sonntag vormittag durch fuhr diesen von dem Lindenplah aus ein auswärtiger Motorradfahrer, um dann nach einigen Minuten vom Brandplatz auch den nämlichen Rückweg zu nehmen. Zu dieser Zeit spielten kleine Kinder auf der Fahrstraße unmittelbar an der Bretterwand. Der Fahrer muh diese auf Hin- und Rückfahrt bemerkt haben. Auf dem Rückweg lief ein dreijähriges Kind direkt in sein Rad. Es war dies das Werk von 1 bis 2 Sekunden. Rad, Radfahrer und Kind kamen zu Fall: letzteres trug Verletzungen davon. Der heute wegen fahrlässiger Körperverletzung zur Verantwortung gezogene Motorradfahrer beteuerte seine Schuldlosigkeit. Das Gericht war dagegen der Ansicht, daß der Fahrer bei der Enge der Fahrstraße unbedingt mit der Möglichkeit rechnen mußte, daß das Motorrad beim Voruberfahren irgendeine Wirkung auf die Kinder ausüben werde, diese namentlich infolge des Geräuschs auseinanderstieben und weglaufen könnten, und zwar gerade in seiner Fahrtrichtung hinein, da die andere Seite der Straße durch die Bretterwand versperrt war. Rechnete er aber mit dieser Möglichkeit, so hätte er seine Geschwindigkeit ganz erheblich mehr einschränken müssen, als er dies angeblich getan hat. Er mußte Schritt-Tempo nehmen, und dies war ihm auch technisch möglich. Er hätte dann fraglos augenblicklich halten können, und der Unfall wäre vermieden worden. Mindestens hätte sich der Zusammenstoß nicht so, wie geschehen, auswirken können. Ein Kraftfahrer muß, wie dies der Fragefall lehrt, unbedingt mit derartigen Unbesonnenheiten von Kindern auf der Straße bis zu einem gewissen Grade rechnen. Die Tatsache, daß die Eltern der Kinder diese auf der Fahrstraße spielen ließen, als ob die Straße für den Fahrzeugverkehr gesperrt wäre, vermochte an der Strafbarkeit des Fahrers nichts zu ändern. Immerhin lagen für ihn derartige Milderungsgründe vor, daß nur die Verurteilung zu einer mäßigen Geldstrafe geboten schien. Der Gewerbetreibende, der sich im letzten Termin wegen Vergehens gegen das Arbeitszeit- geseh zu verantworten hatte, wurde heute morgen mangelnden Beweises auf Grund § 1 Ps 8 des einschlägigen für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrages freigesprochen. Seine Dchutzbehauptung, daß es sich um Arbeiten gehandelt habe, die bis zu einem gewissen Grade Überstunden gestatteten, konnte nicht widerlegt werden. Daten für Mittwoch, 9. Oktober. Sonnenaufgang 6.12 Uhr, Sonnenuntergang 17.22 Uhr. — Mondaufgang 13.43 Uhr, Monduntergang 20.31 Uhr (in Südwende). 1477: Gründung der Universität Tübingen: — 1813: der Komponist Giuseppe Verdi in Roncoke geboren: — 1841: der Architekt Friedrich Schinkel in Berlin gestorben: — 1874: Gründung des Weltpostvereins; — 1906: Zeppelins Luftschiff steigt" zu seiner ersten größeren Fahrt auf; — 1925: der Schöpfer der Weimarer Verfassung, Hugo Preuß, in Berlin gestorben. Sprechstunden der Redaktion. 1130 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuh 8,5 Prozent. Berlin. 7. Oktober - ranlfurt o Berlin Darum Datum 92 92 122,5 94 266 13% 38 0 38,5 1( c 50 105 li 125,5 125,25 125,25 Danknoten ®tc hinter den Papieren angeführien Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschloßenen Dividende an. 16'/, b 6 . . 8 . 9 9 10 108 222 54,75 6 10 0 123,5 177 50 106 47 52 47,5 52,5 75,5 186 12 1fr 261 211 222 154,5 10 io 8 A.E.G . ... Bergmann . . . . . lileltt. Lielerungen. Licht und Krall . . , fallen 4 Guilleaume. Gei. f. Elettr. Untern., t'nnib. (Siehr. Werte 8, Hein Elettr. . . Schiel. (Siehr. . . schlickert..... clrmcn? 4 Halske . ZrnnoraDto .... Valjmeuer 4 (So. . . 78 186,65 282 220,75 262,5 218 218 142,75 95 173 38 47,25 39,75 180 95 284,25 222 263 217 220,5 142 96,9 176,5 38.75 48,25 39 185 . 7 6Vi 10 . 6 Devi.enmartt Berlin - Frankf urt *a TO. Telegraphische Auszahlung. euow. Voero? Rat -Automobil . . Crenftem 4 Koppel Vconharo Tietz Baniag-Meauin . . faontj. Maschinen . Griyner . . . < Heyiigenstaedt . < ffunghan«. . . . Lechwerte. . . . Mainlrailwerke . < Miag...... -Jielartulmet . . . 'Meters Union . . . (5ebr. Roeder . . . Boigt 4 Haeliner . Südo Zucker . . Buoeruo . Deutsche Erdöl . Wiener Steinkohle Geilenkirchener . Harpener.... Hoejch Eilen. . . Ille Bergbau . . UlödnetiDcrfe . . Köln-Ncuelien. . Mannesmann . . ManSlelder ...... Obersch'.ei. Silenb. Bedarf Cberfdjlel. KokSwerke. Phönix Bergbau.... Rheinische Braunkohlen. Rhelnslah- . . . Rlebeck Montan .... iBereintqie Stahl» . . Olavi Minen...... Kali Aichersleben . . . Kali Welleregeln.... ttailwerr Lattdenurth . 3 ® fanben.gnouftrte . Dynamit Nobel .... Scheidean statt..... Goldschmidt ..... Rittgerswerte..... MelaUgeselllchaft. . . . Pympp Hoizmann Heidelberger Eement. (Sctneni Karlstadt . . Wavß 4 faeltag Lchuuheis Patzenyoser Ostwerke ..... Per. Glanzstoff . . . Bem berg...... Hellftofi Waldhol . . Zeilston Aschaffenburg Charlottenburger Wasse Desiauer Gas . Daimler Motoren Deutsche Maichinen-Fabrik (Dkrro-rie ttleuer . Französische Holen Holländische Noten .... italienische '.Toten...... Norwegische Noten..... Deutsch Oesterr,äi00 Kronen Rumänische Noten..... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten ..... Spanische Noten ...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten Schluß i 'Anfang. Kur: s Kur 7.10. | 810. Geld 16,415 168,03 21,95 111,70 58,78 2,477 12,18 80,71 62,03 12,377 72,92 Bries 16,4 5 168,71 22,03 112,14 59,02 2,497 112,62 81,03 62,32 12,437 73,22 innliui i a oe. in Schluß i-Uh- Schluss! Anfang- ff u re Kur ft n re 1 ftnr Datum 7. . 8 10. 7.1 . 8.10. 6% D>. Reichsantelhe 1927 . Dl. Am.-Ablöl -Schuld mit flufl 87.5 - 87,5 — los-Rechten. j3, 13 53,2 ,3,1 ■>3,2 DeSgl. ohne Auslos Rechte . . 7% faants Hgp -Bk Goldps. un 9,4 9,4 9,6 9,4 kündbar bis 1932..... 5,5 — - 76,1 — A.E G abg. Borkriego-Obllgation rückzahlbar 1932 88,5 — — 4% Schweiz Bunvesb.-Anl.. _ _ 4% Leslerreichiiche Goidrte.. 28 — — 4,20% Leslerr. Silberne . .,75 * 2,75 _ 4% Oesterreich, einheill Nie — _ 4% Ungariiche Goldrte . . . 22,5 _ 22,5 4% Ungarische ClaatSr. o. 1910 — 20,9 4 Yt % vesgs von 1913 . —- _ 4% Ungarische Kronenrle.. . 2 2 2 4% Türt. Zobanleihe v. 1911 . 1,3 1,3 4% Türluche Bagvadbahn-Anl. Serie 1..... 1,2 _ , .35 4% desgl. Serie II...... 7,2 _ 7,3 4% Rumänen ronveN. Rle. . . 7,4 _ 7,3 14,2 W*% Rumänen Goldanl. von 1913 14,25 — — ,3ranlrurt a . Berlin edjlufe. ff n re i-Uhi ffur Schlich- ffur. Anfang- ffur 7.10. 8.10. 7.10- 8. 10. 181,75 179,25 182,13 180,5 — — 212,5 210 — — 164 159,5 88,4 135 187 185 125 — 125 122,25 184 — ■ 33,5 132,6 - — 138,5 d — 142,75 142 — — 175 172,25 .05,5 350,5 200 204 200,5 344 >50,5 345,75 — — 134 173 — 172 171 t7,5 — 66 _ — 106 107,75 105,6 — — 133,5 — 135 — i34,65 132,6 39 — 138,5 137,5 — — 120,25 119,25 213 — 212,5 212 1.9,25 — Iu9,5 108 — — 118,5 116 -5,5 103,75 >66,4 104,75 129 128,5 31,75 128,75 — — 75 73,25 — — 99 98,25 02 100,25 102,25 100,75 260 - 260,u 260 — 111,5 113,5 110,75 — —- 118 — 11 — 111,25 110 —— — 67,65 67,5 219 — 218 224 — 222 365,25 — >66 — 362 02 196,75 02,13 197 — 94 46,5 143,5 _ 69,5 69,75 69 69,5 73,5 124 73 74 72,5 123 124 - Schluß- Kurs I-UIK ffiir 7.10. 8.10. r o ... 10 ... 10 . . . IV, ... 10 ... 10 • u ... 10 ... 11 ... 16 .... 8 ... 10 .... 6 . . . . 6 .... fr .... 8 ... 0 . . . 6V, ... 10 7TT". 7 .... 7 1. Oktober 8. Oktober Amtliche Notierung Geld 1 Brie Amtliche Notierung (Held ! Brief Amn.-Nolt. •168,38 167,79 168.33 168,67 Buen. Aireö Brff- Antw 1,75/ 1,761 1,758 1,762 >3.40j 58,52j 58,42 58,54 Christrania - 111,90 112,12 111,85 112,07 Kopenhagen 111,94 112,16 111,92 112,14 Stockholm . 112,41 H2,6.> 112,40 112,62 Helsingsors. 10,54 10,56 21,98 10,536 10,556 Italien - - 21,94 21,935 21,975 London. • . Nemwrl . • 20,38 20,42 20,373 20,413 4,191 4,199 4,1915 4,1995 Varis. . .. 16,43 16,47 16,445 16,485 Schwei» . . 30,91 81,0, 80,92 81,08 Spanien • . 62,19 62,31 62.21 62,33 Japan - . . 1,993 2,002 ' 1,998 2,002 Rio de Jan- Wien in D-- ,4975 0,4995 0,4975 0,4995 C eft- abfleft 58,93 59,0v 58,92 59,04 Prag . ■ . 12,405 12,425 12,404 12,424 Bel irad . . 7,387 7,401 7,384 7,398 Budapest. . 73,12 73,26 73,11 73,25 Bul arien >,035 3,045 3,035 3,041 Lissabon Danzig i8,7l 18,8z 18,78 18,82 81,44 81,60 81,43 81,59 -Konst nttn. 2,023 2,027 2,025 2,029 Athen. 5,425 5,435 5,435 5,445 Canada 4,150 4,158 4,151 4,159 Ura uat) . 4,096 4,104 4,069 4,104 Tatro - - . 20,90 20,94 20,895 20,935 flllfl Deutsche Eilenbahn . . «y, — Hamburg-Amerika Paket . . . 7 116,75 114,75 17,5 115,5 Hamb. Südam. Tampfsch . 8 —— Hansa Dampfschiff..... 10 — - 153,75 152,3 Norddeutscher liioyd .... . 8 Ib8,65 — 108,65 107,25 Alig DeutscheEreditanlt. . 10 123,75 — 124,25 124,25 Barmer Bonlverein .... 10 124 124,j 124,5 Berliner HandelsgeseUsch. . 12 — 202,75 201 i 5 Evmmer.;- und Prioal-Bank 11 1.4,75 174,25 -'4,63 174 Tarmsi. u Nakionalbanl . 12 263.5 264 263 Deuliche Bant .... 10 162 161,5 6275 162 Diskonw-GeseUschaft Ant.. - 10 162,5 162,5 162 Dresdner Bank...... Metallbau l........ 10 . 8 157,5 156,5 157,5 .56,25 Reich«»»! . . ...... 12 279 — 283 279,5 Berlin, 7- Oktob r Geld «rief Amerikanische Noten..... 4,176 4,196 Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... 58,26 111,70 58,50 112,14 ttmalllche Noten........ 20,35 20,43 W Sufceii ;*« 9e von D-usin., r. ln 1 derart abm>'^^^ -m- rAV>» 'ÄLs 3 « ™5" «',™«6 S'J ynctlt haben. Aus C sw Mtdth d»s ®id 10B fjS L««"»Ki-d Lm Verletzungen davon. Der Körperve?. a^gene Mtor« w\^lg[eil Das EM' w w Üchltrahe unbedingt nut 1 muhte, dah das Motor« ren irgendeine Wirkung n werde, diese namentlich auseinanderstieben und > Mr gerade in seiner >a die andere Seite der tterwand versperrt war. e'er Möglichkeit, so hätte it ganz erheblich mehr i^er dies angMch getan Tempo nehmen, und dies > möglich. Er hätte dam halten können, und der worden. Mindestens hätte j nicht so, wie geschehen, i Kraftfahrer muh, wie chrt, unbedingt mit der« ten von Kindern auf der gewissen Grade rechnen. : Eltern der Kinder diese pielen liehen, als ob die Zugverkehr ge'vrrrt wäre, farfeit des Fahrers nichts lagen für ihn derartige t, dah nur die 2terac* higen ßetöfirafe gr« WO 2CS"te iirtltte •äffsÄ e, Ser sich im letzten Ter« gegen das Arbeitszeit« hatte, wurde heute nrr« rs ans Grund § 1 U 8 lgemeinverbindlich erklär« -eigesvrochen. Seme es s-uh um Arbeiten ce- zu einem gewi'sen Erode ct, konnte nicht widerlegt AM S.rktober. Ihr Sonnenuntergang 17.22 13,43 Uhr, Monduntergang Universität Tübingen; - ,Lppe Derdi in Ronc Architekt Friednch SchM SArill l. Lliober 111,70 58,78 2,477 12,18 80,71 62-03 12,377 72,92 - 1,762 58,54 112.0 "7. 112. 10,556 21375 90,413 4,1995 16-48 81,08 62-5 2,002 0,4995 59,04 i2,424 398 73,2 S ä Ä 7,40' -> tt LOS t,!Z 4,1J4 iicruno i!Z 112,15 I12.6J 10,5» 21,9« 20,42 1,194 16,47 81,0- 62.31 2,002 j>5 ‘fij & 111, 112:" 10,538 21,93) 20,37 4,1 16,445 80,92 62.2 1,998 0,4975 58.9? 12,404 1. 384 73-11 3,035 18,7 «1,43 ,025 5,435 4,ß 4'fi 20,895 8ritl ImT 168.71 22,03 112,14 59,02 2,497 112,82 81,03 62,32 12.437 73.22 — 168,03 21,95 (Ä Turnen, Sport und Spiel. Vom neuen Turnjahr im Gau Hessen L). T. —t>— Als erste und grundlegende Arbeit im neuen Turnjahr 1929/30 hat Gauoberturnwart Wilh Will (Gießen) seinen Tlebungsplan herausgebracht, der die weitere turnerische Durchbildung der Gauturnerschaft bis in den kleinsten Landverein hinein stofflich und zeitlich regelt. Er wendet sich an die Mitglieder des Gau» und Turnausschusses, die Bezirks» und Dereinsturn» warte, sowie an die Borstände aller Gauvereine und ruft sie unter Hinweis auf den reichhaltigen Tlebungsstofs zu fleißiger Nutzung der Ausbildungszeit, besonders auch im Winter, auf. Schon Mitte Oktober tritt der Gauturnausfchuß einschließlich der zweiten Dezirksturnwarte zusammen, um den vorgelegten Tlebungsplan auf breiter Grundlage sachlich und methodisch zu überprüfen, durch teilweises Durchturnen zu erläutern und in anschließenden Besprechungen zu klären. 2n den sechs Gaubezirken sehen nun die Dezirksvorturnerstunden ein, in denen die Bezirksturnwarte «hre Bereinsturnwarte in die neue Arbeit einführen. Stufenweise ist diese Unterweisung auf drei Bezirksvorturnerstunden, anfangs November. Dezember und Februar verteilt, so daß etwa Mitte April eine zweite Gauvor- turnerstunde Gelegenheit geben wird, auch die verantwortlichen ersten Bereinsturnwarte bei ihrer Mitarbeit zu sehen und sie in die Gauwettkampsübungen einzuführen. Anfang Juni etwa wird dann die vierte Dezirksvorturner- stunde der turnerischen Vorbereitung des Gauturnfestes gewidmet sein, das diesmal in Kirchhain stattfinden wird und, mit Fechten und Spielen verbunden, für den 6. und 7. Juli vorgesehen ist. Dort werden dann die Kampfrichter, auf deren Ausbildung imb Auswahl von feiten des Gaues der größte Wert gelegt wird, das letzte Wort haben über die Ergebnisse einer nahezu dreivierteljährigen Ausbildungsarbeit, die der einzelne Turner an sich selbst und unter Leitung seines Dereinsturnwartes geleistet hat. Neben dem Männerturnen werden die verschiedenen Fachworte ihre besonderen Gauvvrturner- stunden eingliedern. Schon im November beginnen der Eauwart für das Frauenturnen, der Gauschwimmwart, der Gauwart für das Dolks- turnen, und eine Gauvorturnerstunde für Kinderturnwarte wird zeigen, wie Schülerabteilungen geleitet werden und welche Hebungen sich für Schüler eignen. Spiel- und Fechtstunden werden nach Bedarf von den zuständigen Fachwarten bekanntgegeben. Außer diesen planmäßigen Hebungsstunden sind erfreulicherweise auch wieder besondere Lehrgänge für Männer, Frauen, Volksturner und Fechter in Aussicht gestellt. Den Abschluß für das Frauenturnen wird der Gauwettlampf am 25. August bringen, die Schwimmer und Schwimmerinnen werden zusammen mit den Volksturnern am 20. Juli sich ihren Kampfgerichten stellen. In den fechs Bezirken müssen die Winter-Gerätewettkämpfe bis zum 6. April erledigt sein, und die volkstümlichen Dezirksturnfeste, bei denen insbesondere auch das Schülerturnen einen breiten Raum einnimmt, bekommen ihren letzten Zeitpunkt auf den 15. Juni angesetzt. Den Abschluß des Turnjahres soll dann eine Gau-Turnfahrt bilden, die möglichst auf einen Berg für den ersten oder zweiten Sonntag im September vorgesehen ist. Handball-Lokaltreffen in Gießen. Tv. 1846 I — Mio. I 2:3 (1:2). Es war ein Spiel, das technisch und taktisch auf guter Höhe stand. Beide Mannschaften mußten Ersatz einstellen; 1846 für Mittelstürmer und rechten Verteidiger, Mtv. für Linksaußen und Halbrechts. In den ersten 15 Minuten kam Mtv. kaum aus seiner Hälfte heraus. Diese Schwäche wurde von der Platzmannschaft nicht genügend ausgenützt, lediglich ein Strafwurf konnte vom Halblinken zum Tor verwandelt werden. Mtv. kam langsam auf, und das Spiel wurde etwas ausgeglichener. Es gelang den Männerturnern, durch einen Strafwurf auszugleichen und wieder durch einen Strafwurf mit 2:1 in Führung zu gehen. Nach der Pause verteiltes Spiel. Der Mio.-Sturm kam aber niemals zum freien Schuß. Jeden Angriff unterband die Hintermannschaft von 1846. Do entschied der Schiri Strafwurf, und der Werfer erzielte für seinen Verein das dritte Tor. 3:1 für Mtv. stand nun die Partie. Der Halbrechte von 1846 stellte dann durch unhaltbaren Schrägwurs das Resultat auf 3:2. Beim Schlußpfiff war Mtv. glücklicher Sieger. Die Ersatzleute fügten sich beiderseits gut ein. Lediglich bei 1846 machte sich das Fehlen von Krämer im Jnnensturm unangenehm bemerkbar; es fehlte die Ballverteilung. Im übrigen arbeitete der Sturm gut, wenn er auch sichtlich von Pech verfolgt war. Die Hintermannschaft war außer dem rechten Läufer, der etwas langsam zu sein schien, aus der Höhe. Die drei Strafwürfe, die der Mtv. verwandelte, hätte der Tormann mit etwas mehr Glück halten können; er meisterte verschiedene andere Bälle, die weitaus gefährlicher waren. Der Mtv. stellte eine gute Hintermannschaft, doch war sie nicht in der Lage, den Sturm genügend zu unterstützen, da sie sich fast immer auf die Abwehr beschränken mußte. Der Sturm kam dadurch zu keiner einheitlichen Aktion und wurde nur durch einzelne Durchbrüche gefähr- lich. Im Iugendspiel enttäuschte die Mannschaft von 1846 nach der angenehmen Seite. Das Resultat 5:3 ür Mtv. hätte leicht umgekehrt lauten können. Her- oorzuheben ist die glänzende Arbeit, die Lehr- mund im 1846er Tor leistete. Handball her Sp.-Dg. 1900. 1900 I — 2. Komp. 3.-R. 15 I 6:3 (4:0). ö. Auf dem 1900er-Sportplatz kam am Sonntag zwischen der Militärmannschaft und der ersten Elf der Spielvereiniaung ein interessantes, schnelles und fair durchgeführtes Treffen zum Austrag. Die Plahbesiher bewiesen ihre aufsteigende Form und kamen zu einem unerwarteten, jedoch in jeder Hinsicht verdienten Sieg. Das gegenseitige Verständnis und Zuspiel war diesmal bei den Spielvereinigungsleuten recht gut; der Sturm trug die Angriffe sehr geschickt und schnell vor und vermochte sie auch erfolgreich abzuschließen. Sämtliche Erfolge, elf an der Zahl (fünf Tore wurden vom Schiedsrichter als „Abseits" annulliert), wurden vom Jnnentrio erzielt. Aber auch die übrigen Leute waren gut auf dem Posten. Die Gäste hatten nicht ihre stärkste Mannschaft zur Stelle, hielten das Spiel jedoch jederzeit offen. Nachdem sie beim Wechsel mit 4:0 Toren im Hintertreffen lagen, suchten sie in der zweiten Halbzeit, mit dem Wind spielend, aufzuholen. Es gelang ihnen denn auch, den 1900er Hüter dreimal zu schlagen, allerdings wartete die schuhfreudige Fünferreihe der Spielvereinigungsleute noch mit zwei Gegentoren auf. Handball im T. V. Großen-Buseck. Die Erste verlor in Wetzlar knapp mit 3:2 (2:2). Wetzlar kam in letzter Minute durch einen Strafstoß in Führung. Das Spiel war hart unldi wurde von Wetzlar, besonders in der zweiten Halbzeit, mit allen Mitteln durchgeführt. Die Zweite verlor stark geschwächt gegen Gr.- Lindens Erste mit 12:2. Das hohe Ergebnis liegt daran, dah Grohen-Buseck neben anderen Spielern auch seinen Torhüter ersetzen muhte. Handball im Lahn-Oünsberg-Gau. Tv. wieseck I — Tv. Beuern I 14:0 (3:0). Unter der Leitung des Gauspielwarts D r o l s - bad) (Garbenteich) entwickelte sich vom Anstoß ab ein flottes Spiel, bei dem bereits in den ersten Minuten eine Ueberlegenheit Wiesecks zutage tritt. Den drei Erfolgen in der ersten Halbzeit konnten die Wiesecker in der zweiten Halbzeit, da Beuern infolge Verletzung seinen guten Tormann verloren hatte, weitere 11 hinzufügen, so das Resultat auf 14:0 stellend. Tv. Garbenleich I — To. Kinzenbach I 6:2 (2:0). Kinzenbach mußte am Sonntag in seinem ersten Verbandsspiel eine dem Spielverlauf nach zu hoch ausgefallene Niederlage einftecken. Vas Spiel war durchweg verteilt, den Ausschlag zu dem hohen Sieg ergab schließlich der schußkräftige Sturm Garbenteichs. Während in der ersten Hälfte, abgesehen von den ersten zehn Minuten, in denen Garbenteich leicht überlegen spielte, Kinzenbach im Feldspiel leicht im Vorteil war, aber nichts Zählbares erzielen konnte, war Garbenteich bereits in den ersten 10 Minuten zweimal erfolgreich. Kurz nach der Pause konnte Kinzenbach ein Tor aufholen, dem Garbenteich in kurzer Zeit 2 weitere Tore entgegensetzte. Bei dem fünften Tor des Platzoereins wurde der rechte Verteidiger Kinzenbachs des Feldes verwiesen; Kinzenbach war hierdurch sichtlich deprimiert und ließ stark nach. Mit je einem weiteren Tor auf beiden Seiten schloß das Spiel. Tv. Dorlar I — To. Londorf I 1:7 (0:4). In diesem Spiel hielt sich Dorlar in den ersten zehn Minuten ganz gut, mußte sich dann aber durch das bessere Zusammenspiel der Londorfer vor der Pause noch 4 Tore gefallen lassen. Nach der Pause kam Dorlar zum verdienten Ehrentor, dem Londorf noch weitere drei Erfolge entgegenstellte. v. f. D. Das Verbandsspiel der 2. Mannschaft gegen die gleiche des Wetzlarer Sportvereins kam nicht zum Austrag, da der Gegner unerwarteterweise nicht antrat. V. f. B. erhielt somit die Punkte kampflos zugesprochen. Die 1. Jugendmannschaft mußte mit Ersatz nach Nieder-Girmes fahren und verlor gegen die 1. Jugend des Platzvereins mit 0:3. Sie hat von ihrer früheren Spielstärke viel verloren, und muß sich sehr zusammennehmen, wenn sie in den weiteren Pflichtspielen besser äbschneiden will. Steinbergs 1. Jugend trat ohne vorherige Benachrichtigung zum angesetzten Pflichtspiel nicht an, so daß die 2. V. f. B. - I u g e n d ohne Gegner blieb. Die 3. I u g e n d m a n n s ch a f t hatte auf eigenem Platze die 1. Jugendelf von B üblingshau- s e n zum Gegner. V. f. B. spielte viel zu lahm und mußte sich von dem eifrigeren Gegner eine 2:3- Niederlage gefallen lassen. Die 1. Schülermannschaft war ebenfalls in Nieder-Girmes und konnte gegen die dortigen Schüler nur ein 1:1 erzwingen. Spielvereinigung 1900 Gießen. o. Die 1900er erlitten am Sonntag auf eigenem Platze eine Niederlage, die erste in dieser Saison. Sie war verdient in Anbetracht der schlechten Leistungen, die die Mannschaft besonders in der zweiten Spielhälfte zeigte. Das Treffen stand auf einem sehr niedrigen Niveau, da auch der Sieger, der Fußballverein 1 9 2 0 Marburg-Ockershausen, mit seinem Laus- und Schlagspiel nicht erwärmen konnte, insbesondere da er nach der Pause allzusehr auf Halten des bereits bei dem Wechsel feststehenden Schluß- resultats bedacht war. Für die Dlauweißen sanken die Chancen ganz beträchtlich, als schon gleich zu Beginn der Gegner zu einem Treffer kam. Der Ausgleich des Platzvereins folgte zwar auf dem Fuße, aber nicht lange dauerte die Freude, und Ockershausen hatte, nicht ohne Schuld des Gießener Hüters, einen Vorsprung von 3:1 erreicht. Nach dem Seitenwechsel fiel die einheimische Elf immer mehr ab und ließ selbst die aussichtsreichsten Torgelegenheiten aus. Drei Spieler aus dem Treffen vom Vorsonütag konnten jetzt gegen Ockershausen nicht mit von der Partie fein, und davon machte sich besonders das Fehlen des eifrigen Mittelläufers sehr bemerkbar; trotzdem hätte mit der nötigen Energie der Spielausgang für den Platzverein günstiger gestaltet werden können. Das dem Ligaspiel vorausgehende Treffen 1900 III — V. f. D. III endete überraschend 0:0. 1900's erste Jugend fertigte die erste Jügend Heuchelheims mit 2:0 Toren ab. Sportverein 1920 Heuchelheim. 5.B. 1920 — V.f.R. Butzbach 1:3. Die Heuchelheimer lieferten am Sonntag in Butzbach eine schlechte Partie, da sie gezwungen waren, mit vier Mann Ersatz anzutreten. Butzbach zeigte auch nicht viel, konnte aber durch besseres Spiel in der Läuferreihe das Treffen für sich entscheiden. Gleich in der ersten Minute konnte Heuchelheim Überraschend in Führung gehen, Butzbach brauchte dann lange Zeit bis jum Ausgleich. Kurz vor der Pause fiel das zweite Tor für Butzbach. Nach der Pause spielte Butzbach überlegen, konnte aber die aufopfernd spielende Verteidigung der Gäste nur noch einmal schlagen. Fußballklub 1926 Großen-Buseck. Großen-Buseck I — Grünberg I 2:1. Grohen-Buseck Jugend — 1900 Gießen Jugend 2:1. Am Sonntag konnte die 1. Mannschaft wieder zwei Punkte erringen, indem sie in Grünberg gegen die 1. Mannschaft des F. C. 1926 Grünberg ein 2:1 herausholte. Grünberg, zuerst stark bedrängt, konnte dann bei einem Gedränge vor dem Dusecker Tor in Führung gehen. Großen- Buseck konnte dann den Ausgleich erzwingen, mit dem es in die Pause ging. Gleich nach Wiederbeginn sah man Duseck wieder vor dem gegnerischen Tor. Ein hierbei gegebener Elfmeter wurde vom Halblinken gut verwandelt. Alle gegnerischen Angriffe scheiterten dann an der guten Hintermannschaft der Großen-Dusecker. Die Jugend holte gegen eine sehr verstärkte 3. Jugend der Sp. Vgg. 1900 Gießen ein 2:1- Sieg heraus. Mit nur 9 Mann spielend, war sie dem Gegner jederzeit gewachsen. Das Spiel wurde flott und fair ausgetragen. $. C Teutonia Steinberg. Steinberg I — Steinbach I 4:1 (3:1). Am Sonntag weilte die erste Mannschaft des Sportvereins Steinbach in Steinberg zum fälligen Vcrbandslpiel. Es entwickelte sich zunächst ein hartes Spiel, bei dem Steinbach zum Führungstor kam. Kurz danach glich Steinberg aus und konnte dann in Führung gehen (2:1 für Steinberg). Sodann mutzte Steinbachs Mittelläufer das Spiel von außen betrachten. Steinberg war meist überlegen und konnte noch zu einem dritten Tor kommen (Halbzeit). Nach dem Wechsel wurde Steinberg noch besser, konnte aber bei dem starken Wind das Resultat nur noch auf 4:1 stellen. D. f. Lich. Die beiden Spiele am Sonntag endeten mit einem Torverhältnis von 11:0 für Lich. Die 1. Mannschaft schlug Garbenteichs Erste 6:0 (3:0). Während das Spiel in der ersten Halbzeit noch ziemlich offen war, klappten die Gäste nach der Pause zusammen. Dah in dieser Zeit nicht mehr Tore für Lich fielen, haben die Garbenteicher in erster Linie ihrer umsichtigen Verteidigung und dann Lichs Halblinkem, der mit noch nicht geheilter Deinverletzung spielte, zu verdanken. Die 1. Jugend war wieder in guter Form und schlug die 1. Jugend von Garbenteich mit 5:0 (2:0). Die Gäste stellten eine körperlich bedeutend stärkere Mannschaft, konnten aber nie den Nasenspielern gefährlich werden, die fast das ganze Spiel in des Gegners Hälfte verlegten. Sportverein 1929 Bieber. Dieber 1. — Daubringen 2. 2:2. Am Sonntag trafen sich die Mannschaften zum fälligen Derbandsspiel. In der Mitte der ersten Halbzeit erzielte Bieber durch feinen Halblinken das erste Tor. Kurz darauf glich Daubringen durch Elfmeter aus und erhöhte wiederum durch Elfmeter auf 2:1. In der zweiten Halbzeit gelang Bieber, abermals durch den Halblinken, der Ausgleich. So blieb es bis zum Schluß. Arbeiter-Turn- und Sportbunh. westend I — Gießen I 8:1. Gießen war zu seinem vorletzten Spiel der Vorrunde der Kreisklasse am Sonntag in Frankfurt- Westend. Gießen alles aus sich heraus, konnte jedoch die weit bessere technische Leistung der Westend- ler nicht durch seinen großen Eifer ausgleichen. Schon vom Anstoß ab sah man die Einheimischen in Front und bereits in der ersten Minute in Führung. Wenige Minuten danach stand das Spiel schon 2:0 für Westend. Dann konnte Gießen durch Handelfmeter sein einziges Tor erzielen. Westend konnte aber noch sechsmal erfolgreich sein und so die Gäste mit einer 8:1-Niederlage nach Hause schicken. Grohen-Linden I — Naunheim I 0:1. Großen-Linden, das bereits am Dorsonntag eine beachtliche Stärke im Spiele gegen Lollar zeigte, bewies auch am Sonntag wieder, daß es viel an Spielstärke gewonnen hat. Naunheim mußte alle Register seines Könnens entfalten, um die mit überaus großem Eifer spielenden Einheimischen in Schach zu halten. Bei Halbzeit lautete das Resultat noch 0:0. Erst in der zweiten Halbzeit gelang es den Gästen, durch einen Schnitzer der Verteidigung der Einheimischen zum einzigen Tor zu kommen. wieseck I — Lollar I 1:1. Auf dem Wiesecker Sportplatz standen sich beide gegenüber. Lollar in kompletter Aufstellung, Wieseck mit Ersatz. Lollar ging bald in Führung, doch nach wenigen Minuten hatte Wieseck den Ausgleich hergestellt. Nun wurde Wieseck merklich besser. Halbzeit 1:1. Nach Seitenwechsel lag Wieseck weiter in Front. Außer einigen Durchbrüchen mußten sich die Gäste nur noch auf die Verteidigung legen, was auch mit allen zur Verfügung stehenden Kräften geschah. So können die Einheimischen trotz ihrer weit überlegenen Spieler zu keinem Erfolge kommen. wieseck II — Kinzenbach I 2:4. Vorher spielten diese Mannschaften. Auch hier waren die Gäste komplett, während die Einheimi- fdjen für ihre beiden besten Spieler Ersatz einstellen mußten. So konnte Kinzenbach durch seinen großen Eifer die bis jetzt ungeschlagenen Wiesecker mit obiger Niederlage abfertigen. Odenhcusen — Staufenberg 5: 4 (4:1). Beide Mannschaften trafen sich in Odenhausen zum Verbandsspiel. Die Einheimischen hatten eine gute erste Halbzeit, denn bald waren sie mit vier Toren den Gästen voraus, während diese einen Elfmeter verwandeln konnten. In der zweiten Halbzeit ließ Odenhausen sichtlich nach. Die Gäste konnten dann ausgleichen. Jedoch in der letzten Minute wurde ein Strafstoß durch den Verteidiger ins Netz geköpft, und so gelang es Odenhausen, Sieg und Punkte zu erringen. Jugendspiele. Die 2. Jugend Wiesecks lieferten der 1. Jugend Rodheims ein gleichwertiges Spiel, das 0:0 endete. Auch Gießens Jugend und die Jugend Großen-Lindens lieferten sich ein 0:0. Watzenborns Jugend mußte der 1. Jugend Wiesecks, die nur mit 9 Mann antrat, nach schönem Spiele, das 2:1 für Wieseck endete, die Punkte überlassen. du cs dchon bedacht? „Schönheit idt eine Xfacht/-” ntä&hdt du dich. Jo greife Xach ^ftaiJor-^oraX'Selfe! 'J’ieischbrühsuppen.. Sie sparen dadurch das teure Suppenfleisch ■ Unsere Allein-Vertretung für die Kreise Gießen u. Wetzlar ist neu au oerneben. Angenehme Tätigkeit,große Verdienstmöglichkeit. &J2/D Deutsche Ban- n. Wirtschaftsgemeinschaft PranUlurt a. M„ flutleutelrafle 87 Irische stemmt teöecöe Samen redende 5 (Wien Siu&neüiie SOlin 81230 empfiehl! A. find) Ms. HäusbnrglS, Tel.3812 Der Voranschlag der Gemeinde Annerod für das Rechnungsjahr 1929 liegt vom Mittwoch, dem 9. Oktober, bis Dienstag, den 15. Oktober 1929, auf hiesiger Bürgermeisterei zu jedermanns Einsicht offen. Es wird eine Umlage erhoben, zu der auch die Ausmärker beizutragen haben. Annerod, am 7. Oktober 1929. 8316D Hessische Bürgermeisterei Annerod. ___________Horn.___________ Drucksachen allerArt liefert In jeder gewünschten Ausstattung stilrein und ar eiswert die BrUhl'ache Univ.-Druckerei, R. Ling* HOtWWHH Die Beleidigung gegen Fräulein Gmmi) Frey, Gießen, Gabelsbergerstr. 1, nehme ich mit Bedauern zurück. Mihlas Bulomar, Oe«! Gießen, FriedenSstrahe 3L HWHHHH Eihnsporle mit 2-bSchnell-Lait- wagen, Umzüge von und nach außerhalb, auch Klavier- und sonstige TranSoone jed. Art übernimmt bei billigster Berechnung 06437 Fr. Knbl, Gießen, Bahnhosürahe 48 Tel. 2280. | Kaufgesuche | llllllllllllllllllllllllllllllllllll Kleine 03100 ausgewachsene Hunde zu kaufen gesucht. Medizinische Universitäts-Klinik fliiiiiiiuiiiiiiiiiniiiiiuiiiiiu Damenhüte in flotten, modernen Formen und allen 6rößen zu vorteilhaften Preisen, weil kein Laden IO ■ ■ m Seltersweg 501 DrdUll (EingangWolkengasie) Liebe in Ketten. Vornan von Hans Mitieweider. Copyright by Martin F.uchtwanger, Halle (Saale). 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Hinnerk Hinrichfen fuhr sie. Sie kam in den Badeort, hielt es aber auch dort nicht aus, und ehe sie noch recht wußte, was sie tat, hatte sie eine Fahrkarte nach jener Stadt gelöst, in der der Unbekannte sich ihrer angenommen und sie bis zum Zuge gebracht hatte. Die ganze Zeit über hatte sie seine leuchtenden Augen nicht vergessen können. Aber sie gestand sich selbst nicht ein, daß sie innig darauf hoffte, den Fremden wiederzufinden, daß sie nur seinetwegen nach dieser Stadt kam. Sie wußte gar nicht, ob er ständig dort lebte. Vielleicht war er längst weitergefahren, irgendwohin, und sie würde ihm nie wieder im Leben begegnen. Ein heimlicher Schmerz krampfte bei diesem Gedanken Käthes Herz zusammen: aber sie verbannte ihn bald wieder und hoffte weiter. Sie kam an ihr Ziel und fühlte sich verlassen unter den vielen, vielen fremden Menschen, die alle ein Heim hatten, alle ein Ziel, alle eine Beschäftigung. Sie wußte nicht, wohin sie gehen sollte. Sie fürchtete sich, jemand zu fragen, und sie war herzlich froh, als eine Frau neben sie trat und sie ansprach. „Sie sind fremd hier?" fragte sie. „Wenn ich Ihnen helfen kann?" „Ach ja, ich möchte mir ein Zimmer suchen," stammelte Käthe, und schaute auf die Unbekannte, die ganz ehrlich und anständig aussah, etwa wie die Frau eines kleinen Handwerkers. „Wenn's weiter nichts ist!" sagte sie jetzt. „Ich kenne die Stadt genau und will Ihnen schnell eine Unterkunft besorgen. Kommen Sie nur mit! Oder ja! Den Koffer schleppen wir natürlich jetzt nicht mit. Den lassen Sie einstweilen hier in der Gepäckaufbewahrungsstelle. Sie wissen nicht Bescheid? Dann will ich es besorgen." Eie gingen beide an den Schalter, und die Frau gab den Koffer «dort auf: sie behielt auch den Schein, nach dem Käthe gar nicht fragte, und dann stiegen sie auf eine Elektrische und fuhren in die Stadt und fast wieder hinaus. In einer Vorstadtstraße wies die Frau auf mehrere Pappschilder an den Türen. „Schlafstelle frei!" stand darauf, und auf einem: „Rur für Mädchen!" Da gingen sie hinein, stiegen vier Treppen hoch und wurden von einer Frau in einen Baum geführt, der nichts enthielt als ein schmales Bett, einen aus einer Kiste gezimmerten Waschtisch und einen Stuhl. An der einen Wand war noch ein Brett angebracht mit einer Zuggaröine davor. Vier Mark mit Kaffee sollte es kosten, und die Begleiterin Käthes redete dieses zu, einstweilen hierzubleiben. Wenn es ihr nicht gefiele, könnte sie sich ja immer noch etwas anderes suchen, wenn sie erst Arbeit gefunden hätte. Käthe bezahlte die vier Mark von dem Geld, das sie beim Kauf der Fahrkarte zurückerhalten hatte. Dann sagte ihre Führerin: „Run will ich schnell den Koffer hierher besorgen, daß Sie alles beisammen haben, Fräulein. Sie finden sich doch nicht zurecht, und es gibt ja auch zu viel schlechte Menschen in einer solchen großen Stadt. Schließlich würde man Ihnen den Koffer stehlen." Sie war hinaus, ehe Käthe etwas sagen konnte. Diese trat an das eine Fenster des Raumes und schaute hinaus. Sie fühlte sich ganz enttäuscht, als sie nichts gewahrte wie Dächer, Dächer und wieder Dächer, ilnb tief unten war ein winziger Hof, in dem es wie in einen Schacht hinabging. „Rein, hier kann ich nicht bleiben!" stöhnte das arme Mädchen auf. „Hier sterbe ich — hier fürchte ich mich!" Sic nahm sich vor, die unbekannte Helferin sogleich nach ihrer Rückkehr zu bitten, sie lieber anderswohin zu bringen. Einstweilen setzte sie sich auf den wackligen Stuhl und starrte vor sich hin. Sie fürchtete sich vor dem Leben, in das sie sich hinausgesehnt hatte. Sie wartete und wartete. Immer sehnsüchtiger lauschte sie auf die Treppe hinaus, ob nicht bald die Schritte der Frau hörbar würden. Riemand kam — niemand. Es wurde dunkel. Die Frau war nicht gekommen, und Käthe wußte sich in ihrer Angst keinen anderen Rat, als daß sie an die Küchentür drüben klopfte und die Wirtin fragte. Die Frau schlug die Hände über dem Kopfe zusammen. „So dumm sind Sie gewesen, Fräulein? rief sie außer sich. „Ja, wie konnten Sie denn der Frau den Schein lassen! Denken Sie denn, die kommt wieder? Wer weiß, wo die jetzt ist und sich freut, daß sie so einen Koffer erlangen konnte. Was hatten Sie denn in dem Koffer?" „Alles! Auch mein Geld!" stöhnte Käthe auf. „Viel?" „Fast zweitausend Mark." „Ach, du liebe Güte! Das ist natürlich futsch! Ree aber, Fräulein! Wenn Sie mir bloß ein Wörtchen gesagt hätten. Aber freilich, wie konnten Sie sich das denken. Kommen Sie nur schnell! Wir müssen gleich auf die Polizeiwache. Vielleicht erwischt man das Frauenzimmer noch." And ehe Käthe zur Besinnung kam, zog ihre Wirtin, die hastig die Wohnung abschloh, sie schon die vielen Stufen hinunter und lief unten mit ihr durch die Gasse bis zu einem Haufe, über dessen Eingang eine rote Laterne brannte. „Polizeiwache" stand auf der mittelsten der Scheiben. Die Beamten hörten an, was die Frau vorbrachte. Sie schauten auf Käthe und fragten sie aus. Sie schüttelten den Kopf und telephonierten nach der Hauptwache. „Leider besteht wenig Aussicht, daß Sie wieder zu Ihrem Eigentum kommen, Fräulein." sagte endlich der Wachtmeister. „Es tut mir ja leid. Aber warum haben Sie sich nicht an die Bahnhofsmission gewandt? Run, weinen Sie nur nicht! Wir werden uns selbstverständlich alle Mühe geben." Todmüde und ganz niedergeschlagen kam Käthe wieder heim und sank auf das harte Bett. Sie hörte die Wirtin draußen mit einem Manne reden, der dann hereinkam, und dem sie alles noch einmal erzählen mußte. Doch auch er konnte ihr nicht helfen. Er sagte sogar, daß sie überhaupt nicht erst auf die Polizei hätten zu gehen brauchen. „Die wissen einen Dreck!" sagte er verächtlich. Das war eine furchtbare Rächt für Käthe Fer- nau. Sie machte kein Auge zu, bis gegen Morgen, wo die Erschöpfung ihr endlich die Lider zudrückte: aber als sie erwachte, war sie wie zerschlagen, und pergebens suchte die Wirtin ihr Trost zuzusprechen. Gegen Mittag kam ein Polizist und bestätigte, daß der Koffer von der Frau abgeholt worden war. „Wir werden sie schon erwischen!" sagte er, und ging. Aber man „erwischte" sie nicht. Käthe war froh, daß sie wenigstens noch ein paar Mark hatte, und daß ihre Wirtin Erbarmen mit ihr fühlte. Die Frau zeigte ihr die öffentliche Lesehalle, wo sie in den Zeitungen nach einer Stelle suchen konnte: aber Käthe wußte doch nicht, was für eine, und so verstrich ein Tag nach dem anderen, ohne daß sie Arbeit fand. Sie lief und lief und bat, man sollte sie annehmen: aber wenn sie gefragt wurde, was sie bisher gemacht hätte, und sie die Wahrheit bekennen mußte, dann wies man sie überall ab. Verzweifelt saß sie endlich auf einer Bank am Flusse und starrte in das schnell vorbeifliehende Wasser. Was sollte sie nun beginnen? Hier war es ja tausendmal schlimmer noch als in London, wo sie wenigstens einen Menschen gehabt hatte, und bann, als er nicht wiederkam, Geld... Doch jetzt... Sie griff in die Tasche und holte die paar Münzen heraus, die noch darin waren. Achtundvierzig Pfennige besah sie noch. And wieder trat eine Frau zu ihr — nein, das war Wohl noch ein Mädchen, modisch gekleidet, mit einem koketten Hute auf dem rotei^ üppigen Haar. Aber Käthe sah doch, daß die Augen einen guten Ausdruck hatten, und die Stimme klang weich, als die Anbekannte nun sagte: „Schatz, mach' Kasse! Viel ist es nicht, wie ich sehe. Haben Sie keine Arbeit, armes Hascherl? Sie sehen so aus, als hätten die Hühner Ihnen nicht bloß die Butter vom Brot gefressen, sondern gleich das noch mit. Wo drückt ttenn der Schuh?" Käthe konnte nicht antworten. Sie wollte auch nicht weinen, trotzdem es ihr siedend-heih in die Augen stieg: aber sie konnte schließlich nicht hindern, daß dle Tranen ihr nur so über die blassen Wangen liefen, und es tat ihr unbeschreiblich wohl, als die Fremde sich neben sie setzte, einen Arm um sie schlang und sie an sich zog. „Weine dich nur aus, Kindchen!" sagte sie dabei ganz zärtlich. „Immer weine! Wer das kann, ist noch nicht ganz elend. Ich wollte, ich.." Sie sprach nicht weiter: aber sie streichelte die Hände Käthes, und schließlich wischte sie ihr die Tränen ab, und das tat der Verlassenen so wohl, daß sie endlich alles erzählte — alles. Still hörte die andere zu. „Das ist freilich schlimm." sagte sie. „Man hätte Sie nicht allein hierherfahren lassen sollen. Aber wenn Sie niemanden haben, wie Sie sagen... Ra, schließlich geht die Welt wegen den paar Kröten noch lange nicht zugrunde. Munter, mein Häschen! Sie suchen Arbeit und finden keine, und ich sage Ihnen: da können Sie rroch froh sein: denn was Sie in einer Fabrik verdienen, das reicht weder hin noch her, und ich denke, es ist dort schlimmer, wenn man die ganze Woche schuftet und nachher doch nichts hat, als wenn man gleich von vornherein nichts macht. Aber natürlich, Geld verdienen müssen Sie, und da kann ich Ihnen vielleicht helfen, wenn Sie wollen." „Ach, Fräulein!" Käthe packte beide Hände der Anbekannten fö fest, als wollte sie sie nie wieder loslassen. Da lachte diese. „Sie werden in Ihrem Leben nicht gescheit werden!" sagte sie. „Fürchten Sie denn nicht, dah ich Sie auch wieder bemogeln könnte?" „Sie? Rein, nein, Sie sind gut und meinen es gut mit mir! Das merke ich," versicherte Käthe, und dann setzte sie flehend hinzu: „Ach, bitte, bitte, helfen Sie mir! Ich will ja alles tun, was man von mir verlangt..." „Ra, da, versprechen Eie man nicht zuviel! Alles tun darf der Mensch auch nicht. Aber helfen kann ich Ihnen. Sagen Sie mal, haben Sie noch etwas anderes anzuziehen als das hier? Ach so, das hat man Ihnen ja gestohlen! Ra, da mutz eben Rat geschaffen werden. Wollen Sie mit mir gehen?' (Fortsetzung folgt.) Betten von besonderer Preiswürdigkeit 8244A zu mäßigen Preisen! Zahlungs-Erleichterung! 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