Samstag. 8 Juni 1929 179. Jahrgang Nr. 152 Erstes Blatt Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer Di» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mra Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/„ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Lang«. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für2wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitä1§-Vuch- und Sleindruckerei R. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Das Ergebnis. Wir Deutschen neigen offenbar wohl in besonderem Mähe dazu, in kritischen außenpolitischen Situationen nervös zu werden und dann in dieser unerfreulich gespannten Stimmung — himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt — erst einmal innerpolitisch einen erbitterten, gehässigen. von Vorurteilen und kleinlichen Böswilligkeiten geleiteten Kampf zu inszenieren mit dem einzigen unzweifelhaften Ergebnis, daß dem außenpolitischen Gegner schlagend bewiesen wird, mit so etwas wie einer einheitlichen Stimmung, von Einheitsfront schon gar nicht zu reden, einem entschlossen und geschlossen nach außen gerichteten 2lbwehrwillen des deutschen Volkes brauche er auch diesmal nicht zu rechnen. Den unglückseligen Wirkungen dieser Äervosität verdanken wir nicht zuletzt das Versailler Diktat und die Reihe der Mißerfolge, die seitdem unsere Außenpolitik in stattlicher Zahl zu verzeichnen hatte. Gewiß, wir dürfen niemals vergessen, daß wir es waren, die den Krieg verloren haben, wir dürfen den Leitern unserer Außenpolitik nicht zur Last legen, woran unsere effektive Machtlosigkeit Schuld trägt. Aber der Vorwurf kann ihnen nicht erspart werden, daß sie kaum jemals verstanden haben, in den großen Schicksalsstunden der letzten Jahrzehnte über alles Trennende der Parteien und Stände hinweg, weit jenseits der Riederungen alltäglichen Zanks und Streits einen deutschen Volkswillen zu schaffen, und in den wenigen Fällen, wo dies gelungen war, wie in den Augusttagen des Kriegsjahres 1914 oder in der Zeit des passiven Widerstandes gegen den Ruhreinvruch Poincares, ihn zu erhalten und auszumünzen, solange es Zeit war. Unsere offizielle Politik neigt dazu, in Optimismus zu machen. Ausgerechnet an diese Tradition der wilhelminischen Aera anzuknüpsen, war zweifellos verfehlt. Man glaubt — oder glaubt man's vielleicht im tiefsten Herzen selbst doch nicht einmal? —, es werde schon nicht gar so schlimm kommen, wie es sich im Anfang zwar anlasse, und dann wird gegen die Schwarzseher vom Leder gezogen, die ihre Bedenken gegen den rosenroten Optimismus der amtlichen Opportunitätspolitiker nicht unterdrücken mögen. Wir wissen wohl, wir sind vorwärts gekommen in den letzten zehn Jahren, sehr langsam zwar, kaum merklich für den, der mitschaffend alle Phasen dieses furchtbaren Jahrzehnts mit durchlaufen hat, aber erste mühsame und doch kaum spürbare Schritte find getan. Freilich viele und schwere Rückschläge zeichnen den Weg, und manche hätten sich vermeiden lassen, manche kleinen Erfolge sich ausweiten lassen, wenn man es verstanden hätte, aus dem zwar schwierigen, aber wirkungsvollen Instrument der öffentlichen Meinung zu spielen. Die Pariser Konferenz der Sachverständigen bietet zu dem eben Gesagten die neueste, darum aber leider nicht weniger unerfreuliche Illustration. Richt allein, daß man es in Berlin geradezu ängstlich vermied, für die Unterstützung der deutschen Sachverständigenarbeit irgendwelche Direktiven auszugeben, und sich ideenlos darauf beschränkte, der deutschen Delegation immer wieder ihre Unabhängigkeit zu bescheinigen, ließen die verantwortlichen Stellen es zu, daß die französische Presse aus einer ihr unbegreiflicherweise fast widerspruchslos eingeräumten Monopolstellung heraus auch in Deutschland die Stimmung erzeugen konnte, die sie brauchte. Die Pariser Korrespondenten der deutschen Zeitungen dagegen hatten die größten Schwierigkeiten zu überwinden, um sich über den Gang der Konferenzarbeiten zutreffend zu informieren. Mit dem oft unzulänglichen, notgedrungen aus französischen, englischen und amerikanischen Quellen ergänzten Rachrichtenmaterial, das ohnedies häufig hinter den Presseäußerun- gen des Auslandes beträchtlich einherhinkte, war natürlich nur schwer eine öffentliche Meinung zu machen. Es ist anzunehmen, daß diese un- möglichen Verhältnisse, die übrigens schon von früheren Konferenzen — erinnert ser nur an Genua — eine Reihe von wenig rühmlichen Vorläufern hatten, in ihrer Gesamtheit nach dem Abschluß der Pariser Konferenz von den berufenen Organisationen zum Gegenstand eingehender Besprechungen mit den verantwortlichen Stellen der Reichsregierung gemacht werden. Weit schlimmer als diese mehr technischen Versager bei der Bildung der öffentlichen Meinung in Deutschland waren die psychologischen, die sich in erster Linie um das Ausscheiden Voglers gruppieren. Wir erinnern uns, daß Dr. Dögler. Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke, einer der klarsten, vorurteilsfreiesten und unbefangensten Köpfe der westdeutschen Schwerindustrie und gerade deshalb zweiter Delegierter Deutschlands auf der Sachverständigenkonferenz, es mit seinem Gewissen als Wirtschaftler nicht glaubte vereinbaren §u können, dem Kompromihvorschlag Voungs zuzustimmen, der die deuffche Leistungsfähigkeit unberücksichtigt ließ und politische Momente in den Vordergrund schob. Wir erinnern uns weiter, daß Dr. Vög- ler schließlich doch unter gewissen Vorbehalten zustimmte, sein Mandat jedoch niederlegte, als auch über diese von ihm als conditio sine qua non angesehenen Vorbehalte das bekannte Feilschen einsetzte. Statt nun aus diesem aufsehenerregenden Schritt des in der ganzen Welt als eines der hervorragenden Führers der deutschen Wirtschaft geachteten und als Sachkenner anerkannten deutschen Delegierten Kapital zu schlagen als eine letzte Warnung an die Verhandlungsgegner, den Dogen nicht zu überspannen, suchte die Berliner Regierung den Rücktritt ihres Beauftragten ganz Der Bericht der Sachverständigen. Oie Llnterzeichnung in Paris. - Oer Verlauf der Konferenz. - Oer neue Zahlungsplan. Oie internationale Reparationsbank. —Oer neue Transferschutz. Oie Schlußsitzung. Unterzeichnung des Berichts. — Eine Ansprache Owen Youngs. P a r i s , 7. Juni. (IDB.) Die Reparalionskonferenz ist um fünf Uhr nachmittags zu ihrer letzten Sitzung zufammengetrelen. Es waren sämtliche Delegierte anwesend mit Ausnahme von Pierponl Morgan, Sir Josiah Stamp, der bereits gestern nach England gereift ist, und dem Brüsseler Francqui. Die Delegierten hatten ihre Plätze in der Reihen- olge wie bei der Lrössnungssihung um den grünen Tisch erhalten, in alphabetischer Anordnung der Länder nach dem französischen Alphabet. Zuerst kamen also die deutschen Delegierten, Dr. Schacht und ftaff (, dann folgten die Belgier, hierauf die L n g l ä n de r. Am Kopfende der Tafel sah Owen J o u n g, der den Vorsitz hatte. An seiner Seite die amerikanischen Delegierten Lamont und Per- k l n s. Owen Poung erklärte, daß der Zeichnungsakt beginne. Es wurden zwei Texte des Berichtes, in englischer und sranzösischerSprache, unterzeichnet. Die Unterzeichnung des Berichtes in deutscher und italienischer Sprache wird nachgeholt, da die Uebersehungen noch nicht fertig- gestellt waren. Owen Poung forderte die deutschen Delegierten auf, zuerst den französischen Text zu unterzeichnen, und die belgischen Delegierten, zunächst den englischen Text zu unterzeichnen. Der Unter- zeichnungsakf war um 6,10 Uhr beendet, hierauf hielt Owen D. Poung folgende Schlußrede: „Meine Herren vom Sachverständigenausschuhf Nachdem die Unterzeichnung vollzogen ist, möchte ich Ihnen zu der erfolgreichen Vollendung unserer Arbeiten meinen Glückwunsch aussprechen. Ihre Ausgabe ist in der Tat eine schwere gewesen. Der Plan ist nicht ein im Geheimen von rein techni- chen Sachverständigen verfertigter, sondern er hat all die allgemeinen Faktoren berücksichtigt, die eine Lndregelung berühren. Auf diese Art funktionieren klug geleitete Gefchäftsunternehmen. und als Geschäftsleute haben wir hier diese Methode eingeschlagen. Wir dürfen wohl mit Recht für den Plan in Anspruch nehmen, daß er unsere be ft erwogenen Urteile über das erkennen läßt, was eine Regelung darftellen sollte, die nicht durch Beratung der Regierungen, sondern der Völker zu- standegekommen ist. Dieses Urteil ist unter Mitwirkung einer Presse entstanden, die durch moderne Verbindungsmittel in jedem beteiligten Lande der Welt zur sofortigen Wirksamkeit gebracht werden konnte.- » Die Unterzeichungsformalitäten wurden durch zahlreiche Kinooperateure aufgenommen. Bei der Aufstellung eines Kinoapparates entstand, kurz bevor das Publikum zum Sitzungssaal zugelassen wurde, ein Brand durch Kurzschluß in diesem Apparat. Die seidenen Borhänge einer Eingangstür fingen Feuer und brannten schließlich lichterloh. Das Hotelpersonal löschte mit zwei Feuerlöschern den Brand in wenigen Minuten. Der ganze Sitzungssaal war mit Rauch gefüllt. Man mußte Türen und Fenster nach dem Lichthof öffnen. Die Delegierten waren inzwischen sehr kaltblütig geblieben und hatten nicht einmal ihre Sitze verlassen. Oer Bericht. Berlin, 7. Juni. (WTB.) Der heute in Paris unterzeichnete Bericht des Sachverständigenausschusses über die Reparationsfrage zerfällt in zwölf Abschnitte: Der Bericht macht zunächst einleitende Ausführungen über die Ernennung der Sachverständigen. Rach kurzer Beschreibung der Verhandlungen beschäftigt sich der Bericht eingehender mit der Einstellung des Ausschusses zu seiner Aufgabe. Es wird ausgeführt, daß die Sachverständigen in gleicher Weise wie die Mitglieder des Dawes-Komitees als Geschäftsleute an ihre Aufgabe herangegangen und das unvollständige Werk der früheren Konferenzen durch eine Umtoanölung der Reparationsschuld aus einer politischen in eine kommerzielle Verpflichtung zu fördern versucht hätten. Dabei fei man zu dem Ergebnis gekommen, daß es nicht möglich fei, eine Lösung auf rein wirtschaftlicher Grundlage zu finden, da sich die Sachverständigen gewissen finanziellen und politischen Rotwendigkeiten gegenüber gesehen hätten, deren Berücksichtigung nicht vermieden werden konnte. Die Entscheidung hätte daher nicht nur auf wirtschaftlichen Erwägungen aufgebaut werden können, man habe vielmehr bis zu einem gewissen Grade auch politische Zweckmäßigkeitsgründe berücksichtigen müssen. Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit der gegenwärtigen Wirtschaftslage und den Zukunftshoffnungen Deutschlands. Die deutschen Sachverständigen haben dem Ausschuß erschöpfende Auskunft über den Bedarf der deutschen Wirtschaft an ausländischem Kapital in den letzten Jahren, sowie über die Umstände gegeben, die nach ihrer Meinung der Deckung des Bedarfs entgegengewirkt haben; sie haben sich insbesondere über die deutschen Vermögenswerte im Ausland und die Wiederherstellung der Lager und des Produktionsapparates des Landes geäußert. Der Ausschuß stellte Erörterungen über die Produktivität des angelegten Kapitals sowie Vergleiche zwischen der Steuerlast und der öffentlichen Schuldenlast in Deutschland und in den anderen Ländern an. Die deutschen Sachverständigen machten ferner vor dem Ausschuß Ausführungen über die gegenwärtige Lage der deutschen Industrie und der deutschen Landwirtschaft, die allgemeine Lohn- höhe, den Haushalt, die Zahlungsbilanz, die finanzielle Auswirkung der Entschädigungen an deutsche Staatsangehörige, den Einfluß der ausländischen Zollmauern auf den deutschen Handel und die besondere Lage eines Industrielandes wie Deutschland, das fein Betriebskapital zu ersehen hatte und zu gleiche« Zeit die Last schwerer internationaler Verbinde lichkeiten übernehmen mußte. Die deutschen Sachverständigen legten besonderen Nachdruck auf die Frage der Deutschland , innerhalb und außerhalb seiner Grenzen zur | Verfügung stehenden natürlichen hilss- ; quellen und deren Bedeutung für Deutschlands Zahlungsfähigkeit. Unter den Entwicklungsmerkmalen, die sich bei einem Ueberblick auf die letzten fünf Jahre ant stärksten abzeichneten, sei auf die Steuerkraft, die Transfermöglichkeit, den Einfluß ausländischer Anleihen und die Wiederherstellung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands hinzuweisen. Während in dieser Hinsicht die nichtdeutschen Sachverständigen zu der Ansicht gekommen seien, daß die Fähigkeit Deutschlands, jährlich Beträge in der Höhe des Dawesplanes im Wege innere« Besteuerung oder Anleiheaufnahmen auszubrin-, gen, nicht ernstlich in Zweifel gezogen werden könne, hätten die deutschen Sachverständigen die Auffassung vertreten, daß das ausländische Kapital, das in den letzten fünf Jahren nach Deutschland geströmt fei, diesteuerlicheLei- stungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft nur vorübergehend gesteigert habe, und daß die tatsächlich während dieses Zeitraums erhobenen Steuern zu einem beträchtlichen Teil aus der Substanz bezahlt worden seien, so daß es sehr zweifelhaft erscheine, daß Deutschland überhauvt aus Ueberschüssen seiner Wirtschaft zahlen könne. Demgegenüber kam der Ausschuß in seiner Gesamtheit zu dem Ergebnis, daß, ..wieweit auch immer die Unsicherheit über die Steuerfähigkeit als in der Zwischenzeit beseitigt angesehen werden mag, jedenfalls hervorgehoben werden müsse, daß er nicht in der Lage sei, aus der tatsächlichen Entwicklung der letzten vier oder fünf Jahre einen endgültigen Schluß auf die wirkliche Transfer- fähigkeit Deutschlands zu ziehen". Ueber den Abschluß der Konferenz wird gesagt, daß man sich schließlich vorbehaltlich gewisser Einzelheiten, zu denen auch die belgische Markfrage gehöre, auf eine Durchschnilts- annuität von 2050,6 MillionenGold- m a r f geeinigt habe, die die Basis für die ausgearbeiteten Vorschläge des Ausschusses bilde. Alsdann wird näher auf die neu 3U grünbenbe Internationale Bant eingegangen, die angesichts des finanziellen Charakters des Reparationsproblems für die Durchführung der zahlreichen mit ihm verbundenen bankmäßigen Aufgaben erforderlich sei. Der mit dem Dawes-Plan begonnene Prozeß der Ueber- leitung des Reparationsproblems von dem politischen auf das finanzielle Gebiet wird so einen Schritt weitergebracht. Die Bank wird die ganze Arbeit der äußeren Verwaltung leisten, wie denn Empfang und die Verteilung der Zahlungen und die Kommerzialisierung derjenigen zu vertuschen, und als dies nicht ging, wenigstens in seiner Bedeutung für den Verlauf der Konferenz nach Möglichkeit zu verkleinern. _ Und die deutsche Linkspresse ergriff in oft bewährter Instinktlosigkeit mit Begierde die Gelegenheit, eine von langer Hand vorbereitete Verschwörung der deutschen Schwerindustrie gegen die Pariser Konferenz zu konstruieren, als deren Exponent Dögler angeblich sein Mandat niedergelegt haben sollte, um damit vor dem Zustandekommen einer Vereinbarung die Konferenz zu sprengen. An der Phantasie der Ullsteinleute und Genossen lag es gewiß nicht, wenn der Schrift Dr. Dög- lers trotz des merkwürdigen "Echos in Deutschland doch nicht ohne Einfluß auf die Arbeit seiner Pariser Kollegen blieb. Die Amerikaner setzten mit verstärktem Druck ein, und nun gelang es wider Erwarten doch noch nach einer an kritischen Phasen reichen Derhandlungszeit von drei Monaten zu einer Vereinbarung zu kommen. Devor der Schlußbericht, den die Sachverständigen den Regierungen erstatten, in seinem authentischen Wortlaut der Oeffent- lichkeit vorliegt, hält es schwer, zu dem materiellen Inhalt der Vereinbarungen Stellung zu nehmen. Die Annahme des von den Gläubigem noch modifizierten Voung-Planes bedeutet eine durch und durch politische Lösung. Mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands haben die Poungschen Zahlen nichts mehr gemein. Aber auch der Voung°Plan ist wie sein Vorgänger, das Dawes - Gutachten, eine Zwischenlösung, ein P r o v i s o r i u m, dessen Abänderung Deutschland beantragen kann, wenn seine Durchführung die deutsche Währung zu erschüttern droht. Zahlenmäßig bringt der neue Plan gegenüber dem Dawes-Gutachten eine jährliche Ermäßigung um rund eine halbe Milliarde Mark für die nächsten 37 Jahre, eine Gesamtsumme von 36 Milliarden Mark gegenüber dem deutschen Angebot von 26 und der Gläubigerforderung von 39 Milliarden Mark. Da der im Dawes-Plan vorgesehene Wohlstandsindex, dessen bei seiner merkwürdigen Konstruktion zweifellos baldige Anwendung eine nicht unbeträchtliche Steigerung der Dawes-Annuitäten über 2,5 Milliarden hinaus bedeutet hätte, künftig in Fortfall kommen soll, ist rein finanziell eine gewisse Erleichterung der Tributlast durch den Voung-Plan nicht zu leugnen. Auch daß der Reparationsagent verschwinden soll und mit ihm die Finanzkontrolle, die Verpfändung der Zölle und Verbrauchsabgaben, die Jndustrie- und Cisenbahnobligationen, bedeutet ein Plus für Deutschland. Schwer und nicht ungefährlich sind hingegen die Zugeständnisse, mit denen Deutschland diese Erleichterungen erkaufen muß. Von den Jahreszahlungen des Voung-Plans bleiben 660 Millionen Mark^ transferungeschützt. Deutschland muh sie ohne Rücksicht auf die Stabilität feiner Währung zahlen und an die Gläubiger übertragen. Der Transferschutz für den Rest der Annuitäten liegt in den Händen der unter Beteiligung Deutschlands neu zu gründenden internationalen Reparationsbank. Bei einer Gefährdung der deutschen Reichsmark ?ann die Dank die Ueberlragung von Mark in Devisen und ihre Ueberweisung ins Ausland aussehen und Deuffchland kann fordern, daß die Hälfte der geschützten Annuitäten überhaupt nicht aufgebracht wird. Der nächste Schritt zum Schutz der deutschen Währung wäre dann ein Zahlungsmoratorium. Also auch der Voungplan sieht eine Reihe von Sicherungen vor. Wieweit sie geeignet sind, das Transfershstem des Dawes- planes vollauf zu ersehen, wird sich erst nach Bekanntgabe des authentischen Berichts ganz übersehen lassen. Durchaus unzureichend ist vorläufig auch noch das Bild, das man sich über die 21 nach den 37 Voungannuitäten von je 2050 Mark folgenden Jahreszahlungen machen kann. Ihre Gestaltung wird von den Gewinnmöglichkeiten der Reparationsbank wesentlich abhängen, über deren Einrichtung und Funktionen noch zu wenig bekannt ist. Sie sollen ferner vermindert werden um zwei Drittel des Betrages, den Amerika unter Umständen an seinen Schuldforderungen nachläßt. Auch dieS ist also ein Faktor, der heute auch nicht einmal andeutungsweise in Rechnung gestellt werden kann. Der Voungplan scheint für die nächsten Jahre jedenfalls eine gewisse Entlastung zu bedeuten, wenn auch seine Durchführung zunächst ohne Auslandkredite ebenfalls kaum denkbar ist. Die weitere Entwicklung wird wesentlich davon abhängen, ob es der deutschen Wirtschaft in dieser Atempause — man wagt es kaum so zu neuner! — gelingen wird, genügend Sparkapital zu bilden. Aus dieser Rotwendigkeit geht schon hervor, daß die Erleichterungen aus dem Voungplan ausschließlich der Wirtschaft zugute kommen müssen. Traurige Erfahrungen zwingen, heute schon dagegen zu protestierc.i, die Ersparnisse aus den verminderten Reparations- leistungen in das Danaidenfaß der Staats, inan- zen zu schütten. Dem Vampyr der Bureaukratie, die glaubt, nun wieder einmal ein paar Monats lang aus dem Vollen wirtschaften zu können, muß von vornherein ein dicker Strich durch dis Rechnung gemacht werden. Wenn die Wirtschaft die neuen Tributlasten aufbringen soll, dann muß ihr auch von Staats wegen die Möglichkeit dazu gegeben werden. Für eine Verzögerung der Verfassungs- und Verwaltungsreform an Haupt und Gliedern, für eine weitere Verschleppung des Finanzausgleichs und des SteuerumbauS entfällt jetzt mit dem Voungplan auch der letzte von den Verteidigern des gegentoärtigen Schlendrians in der öffentlichen Finanzwirtschaft gern und oft zitierte Grund, daß eine Ordnung deL Finanzwesens erst nach Festsetzung der endgültigen Reparationsleistungen möglich sei. Eine sofortige und nachhaltige Entlastung der Wirtschaft, als der Trägerin der Tributleistunger^ muß die nächste Folge des Voungplans feilt wenn dieser den Sinn bekommen soll, Deutschland einmal endgültig aus den ihm auf gezwungenen Fesseln zu befreien. Teile der Annuität, welche kommerzialisiert werden können. Die Tätigkeit der Bank wird der gewöhnlichen geschäftlichen und finanziellen Praxis angepaßt werden. Ihre Organisation wird außerhalb des Gebietes politischer Einflüsse liegen, und ihre Befugnisse und ihr Wirkungskreis werden weit genug sein, um sie zu Sen', die mit der Regelung der deutschen chtungen verbundenen Probleme mit der nötigen Freiheit und Schnelligkeit zu behandeln. Die Gläubiger werden eine weitere Sicherheit haben, daß die Auswirkungen wirtschaftlicher Veränderungen auf den Fluß der Zahlungen soweit als möglich beschränkt werden, und Deutschland andererseits wird in Zeiten vorübergehend ungünstiger Verhältnisse die Möglichkeit einer Llnterstützung haben. Die Kontrolle über die Geschäftsführung der Bank soll in den Händen der Zentralbanken der beteiligten Länder liegen, deren Präsidenten von Amts wegen Mitglieder des Verwaltungsrats der Bank werden sollten. Durch die Ernennung je eines weiteren Mitgliedes von feiten jedes Landes und die Entsendung je eines besonderen dritten Vertreters von Frankreich und Deutschland werde die Zahl der Mitglieder des Derwaltungsrats zunächst bis zu 16 betragen. Diese hätten ihrerseits das Recht, sich durch Zuwa'hl weiterer neun Mitglieder zu ergänzen. Das Stimmrecht soll von dem Besitz der Anteile losgelöst sein und in verhältnismäßigem Umfange den Zentralbanken der Länder zustehen, in denen die Emissionen der Anteile durchgeführt worden sind. „Sur die Bemessung der Höhe der Annuität ist nicht maßgebend gewesen, daß in Deutschland wie in jedem anderen Lande zeitweilige Schwierigkeiten entstehen können, sondern die Beurteilung geht von normalen Zeiten aus. Andernfalls wären die Vorschläge für die Gläubiger nicht annehmbar gewesen. Der Ansicht der deutschen Sachverständigen, die eine Haftung dafür, daß die Gesamlver- pflichtung innerhalb der deutschen Leistungsfähigkeit läge, nicht über- nehmen wollten, ist dadurch Rechnung getragen worden, daß für schwierige Zeilen die Möglichkeit eines T r a n s f e r a u f s ch u b e s gegeben ist. Die Sachverständigen der haupt- gläubigermachle halten die Annuitäten in voller höhe für aufbringbar und übertragbar, aber nur durch die Einlegung eines aufschiebbaren Teils ist es den deutschen Sachverständigen möglich geworden, die Gesamtlösung anzunehmen. Das System der S a ch l i e f e r u n g e n ist für eine bestimmte Uebergangszeit von zehn Jahren beibehalten worden, um wirtschaftliche Erschütterungen Deutschlands zu vermeiden. Der Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Planes und des Außerkrafttretens des Dawesplanes soll durch die Regierungen festgesetzt werden. Die Sachverständigen gehen davon aus, daß der Dawesplan am 31. August 1929 außer Kraft treten und der neue Plan am 1.September 1929 in Kraft treten soll. Die Annuitäten sind so aufgestellt, daß das An- üuitatsjahr vom 1. April 1930 ab mit dem deutschen Haushaltsjahr zusammenfällt. Der Annuitätsplan sieht vor: Mill. RM. 1. September 1929 bis 31. Marz 1930 742,8 1. April 1930 bis 31. März 1931 1707,9 1. April 1931 bis 31. März 1932 1685,0 1. April 1932 bis 31. März 1933 1738,2 1. April 1933 bis 31. März 1934 1804,3 Die Zahlungen steigen bann weiter laufend von Jahr zu Jahr bis auf 2427,5 Millionen im Aahre 1965/66 und senken sich dann allmählich Die in fremder Währung zahlbare Annuität zerfallt tn zwei Teile: einem in halbmonatlichen Raten zahlbaren unauffchiebbaren Teil von 660 Millionen Mark jährlich (einfchließend den Anleihedienst aus der Dawes-Anleihe von 1924} und den restlichen in monatlichen Raten zahlbaren Tell, für den ein Uebertragungs- aus sch ub und teilweise auch ein Aufbringungsaufschub zugelassen ist. Richt mehr enthalten find in den Annuitäten die Kosten I? fremden Kommissionen und Dre D e s a h u n g s k o st e n , da diese nur bis zu einem von den Regierungen gleichzeitig mit den Abmachungen über die Annahme des Plans zu vereinbarenden Zeitpunkt zu zahlen seien. Für die Reparationsleistungen wird die haupt- stcherheit nunmehr in der feierlichen Ueber- "ahme der Verpflichtung durch die Regierung gesehen, die durch keine andere Garantie verstärkbar ist. Demzufolge empfiehlt der Ausschuß den Gläubigerregierungen, das Erforderliche zu veran- lassen, um alle noch bestehenden Kontrollen, besonderen Sicherheiten, Pfänder oder Belastungen freizugeben und anzuerkennen, daß durch die Annahme der von der deutschen Regierung feierlich übernommenen Verpflichtung sämtliche zur Zeit vorhandenen Sicherheiten, Pfänder, Belastungen oder Kontrollen erseht werden. Die Reichsbahnobligationen fallen und ebenso die bestehende Mitwirkung von Ausländern in der Verwaltung. Die Reichsbahn soll lediglich für die Dauer von 37 Jahren eine direkte Steuer von 660 Millionenjährlich zahlen und entsprechende Zertifikate der Bank für internationale Zahlungen übergeben. Die Steuer wird von den Bruttoerträgen der Bahn erhoben und hat den Rang hinter den Personalausgaben, steht im gleichen Rang mit den Ausgaben für Material und laufende Erneuerung und im Vorrang vor etwaigen anderen Steuern, sowie vor Hypotheken und sonstigen Reichsbahnverbindlichkeiten. Der private und unabhängige Charakter, die autonome Verwaltung nach wirtschaftlicher, finanzieller und personeller Seite soll gewahrt bleiben. Die bisher erhobene Beförderungssteuer unterliegt der Treten Verfügung des Deutschen Reiches. Die Industriebelaftung fällt als internationale Belastung fort. Deutschland ist aus eigener freier Entschließung berechtigt, bis zur höhe des aufschiebbaren Teils der Annuität einen Transferaus- fdjub zu verlangen. Wenn während eines Zeitraums von drei auf- einanöcrfolgenben Jahren von dem Transfer- aufschub für Krs erste Zahr Gebrauch gemacht wird, können die Liebertragungen, die im zweiten Jahr gemacht werden, für höchstens ein Jahr "ach chrer Fälligkeit aufgehoben werden, es fei denn, daß die während des ersten Jahres fällig geworöenenn Liebertragungen inzwischen voll Dorgenommenn worden find. Ist das der Fall, so tonnnen während des zweiten Jahres fällig werdende Liebertragungen für zwei Jahre, vom Fälligkeitstage an gerechnet, aufgefchoben werden. Während des dritten Jahres fällig werdende ^Übertragungen können nicht aufgefchoben werden, bis die im ersten Jahre fälligen Lieber- tragungen voll vorgenommen worden sind. Ein Jahr nach Inkrafttreten eines Transfer- auffchubs kann Deutschland für die Hälfte des Betrages, dessen Liebertragung aufgeschoben ist, die Zahlung selbst aufschieben. Deutschland ist nach freiem Ermessen berechtigt zu erklären, daß seine Währung und Wirtschaft durch teilweise oder vollständige Zahlung des aufschiebbaren Teils ernsthaft gefährdet werden könnte. (Revi- sionsklausel.) Sowohl im Falle des Aufschubs wie bei Inkrafttreten der Revisionsklausel tritt ein Sonderausschuß bei der Internationalen Dank zusammen, der den Gläubigerregierungen und der Dank zur Erwägung gibt, welche Maßnahmen ergriffen werden sollten. Seine Verpflichtungen aus dem neuen Plan hat Deutschland erst erfüllt, wenn alle aufgeschobenen Liebertragungen nachgeholt oder durch Sachlieferungen a b g e d e ck t sind. Um bas für bas erfolgreiche Arbeiten bleses Planes unerläßliche allgemeine Vertrauen zu gewährleisten, empfiehlt ber Ausschuß ben Regierungen, von ihrem Rechte, Rechte u n b Interessen ber brutschen Reichsan - gehörigen ober ber von ihnen abhängigen Gesellschaften zu beschlagnahmen, zurückzubehalten unb zu liquidieren, soweit sie nicht bereits liquide ober liquidiert sind ober soweit barüber nicht endgültig verfügt worden ist, nicht mehr Gebrauch zu machen. Auf Verlangen der internationalen Dank hat Deutschland Donds auf den Ramen des Reiches unter Garantie des Reiches und seiner Länder über ein Kapital auszustellen, durch das ein Teil der Annuitäten kapitalisiert wird. Linter bestimmten Voraussetzungen hat die Dank dieses Verlangen an Deutschland zu stellen, wenn ein Gläubigerstaat eigene Anleihen auf diese Weise zu konvertieren wünscht. Zusammenfassend wird ausgeführt, daß die Reparationsschuld nunmehr nichts anderes sei als eine sonstige durch internationale Abkommen geregelte Schuld, daß damit der Umfang der Verpflichtungen genau festgesetzt sei und jede Unsicherheit ausgeschaltet werde. Der Ausschuß spricht unter besonderer Hervorhebung der Verantwortlichkeit für diese Erklärung aus, daß die finanziellen Verpflichtungen innerhalb der Zahlungsfähigkeit Deutschlands liegen, aber er macht einen Vorbehalt. Alles hängt von der künftigen Haltung der beteiligten Völker ab. Die Lösung des Problems ist nicht nur eine Aufgabe Deutschlands, sondern eine gemeinsame Aufgabe von Gläubigern und Schuldner. Der Erfolg ist durch gegenseitiges Vertrauen bedingt. Schließlich wird unter Zitierung der betreffenden Stelle des Dawesplanes betont, daß auch der neue Plan ein unteilbares Ganzes sei. Erstes Echo -er Presse. Derlin, 8. Juni. (Priv.-Tel.) Bisher nimmt nur ein Teil der Berliner Blätter zu dem Schluh- bericht der Reparationssachverftändigen Stellung. Der „Dormärts" schreibt: Das Ergebnis von Paris gibt keinen Anlaß zu Iubelge- sängen, aber es bedeutet einen Schritt vorwärts. Politisch gesehen zeigt es, daß gegen Deutschland in der Welt kein Demichtungswille mehr besteht, und daß man bereit ist, die Vernunft zu Wort kommen zu lassen. Die internationale Schulden- und Reparationsfrage ist endgültig aus dem akuten Stadium des Kampfes in das Stadium der Verständigung hinüberge- treten. — Im „D. T." wird ausgeführt: Trotz aller anzuerkennenden Endgültigkeit der neuen Reparationsregelung darf man wohl die Hoffnung hegen, daß Deutschland nicht erst nach 58 Jahren und nach Abtragung der vollen Kapitalsumme von 35 Milliarden von feiner Re- parationsschuld befreit werden wird. Der Streit um die Reparationen ist nun zu Ende. Damit beginnt eine neue Periode der deutschen Wirt- schaftsentwicklung. Die ökonomische Selbständigkeit ist Deutschland wiedergegeben, und was jetzt geschieht, geschieht auf Grund uneingeschränkter eigener Verantwortung. — In der „V o f f. Z t g." heißt es: Die Vorstellung ist absurd, daß ein Volk zwei Generationen lang den anderen Völkern Kriegsentschädigungen zahlen soll. Auch im Lager der alliierten Mächte und vor allem in den Vereinigten Staaten wird eines Tages .die wirtschaftliche Vernunft liegen, und wenn nicht zu einer völligen Annullierung, so doch zu einer vernünftigen Herabsetzung ber internationalen Kriegsver- schuldung führen müssen. Bis dahin gilt es, Vertrauen in die Zukunft zu haben und mit ungebrochener Kraft an dem Wiederaufhau der deutschen Wirtschaft zu arbeiten. — Der „Börse n k u r i e r" sagt: Die Last muß getragen werden. Obwohl nicht wirtschaftliche Erkenntnis, nicht der Wille, die Welt an einem Reparationsplan genesen zu lassen, sie gemessen hat. Die Grenze, bei der sich Forderung und Angebot, schließlich zusammenfanden, wurde von der Macht der Sieger bestimm t. Lind das Sachverständnis der Sachverständigen kam den wirtschaftlichen Gesichtspunkten nur insofern zugute, als es gewisse Vorsichtsmaßregeln einfügte oder zugestand. — Der „Lok.-Anz." schreibt: Woodrow Wilson versprach einst dem deutschen Volke einen ehrenhaften Frieden, keine Kriegsentschädigung als Strafe, sondern nur die Kosten ber Wiederherstellung des durch Kriegshandlungen zerstörten Eigentums sollte Deutschland leisten. Dann kam Versailles. 30 Jahre sollte Deutschland Tribute zahlen. Der Dawes- Plan: Wiederum 30 Jahre lang soll es zahlen. Der neue Pariser Tributplan: Von neuem 37 und dann noch 21 Jahre soll Deutschland zahlen. Das ist gar nicht so schlimm — sagt man wieder — denn der neue Plan sieht die Möglichkeit eines Zahlungsaufschubs und einer Revision vor. Wenn Amerika seinen Schuldnern Rachlah gewährt, soll ein Teil dieses Rachlasses Deutschland zugutekommen. Wenn und abermals wenn! Versprechungen ohne Hintergrund, zu nichts wirklich verpflichtend. Die letzten Rechte, die Deutschland aus 11 Jahren internationaler Konferenzen noch bewahrt hat, werden eingetauscht gegen Phantome. Die „Deutsche Zeitung" schleudert diesem „Machtwerk" ein rundes Rein entgegen und sagt: Und wir wissen, daß auch diejenigen eines Tages bekehrt sein werden, die heute abermals alles Heil darin sehen, den unersättlichen Rachen des auf Vernichtung bedachten Feindbundes zu stopfen. Glückwunschschreiben der Reichsregierung Berlin, 7. Juni. (WBI Ramens der Reichsregierung richtete der Reichskanzler nachstehendes Schreiben an Reichsbankpräsident Dr. Sch acht: „Sehr verehrter Herr Reichs- bankpräfident! Es ist mir ein aufrichtiges Bedürfnis, Ihnen, sehr verehrter Herr Reichsbankpräsident, Herrn Kastl und Herrn Melchior namens der Reichsregierung für. Ihre aufopfernde Arbeit im Interesse der endgültigen Liquidierung des Krieges und seiner Folgen unseren besten Dank auszusprechen. Ihre vom höchsten Verantwortungsgefühl gegenüber dem deutschen Volk getragenen Bemühungen mögen uns helfen, d i e politischen Ziele zu erreichen, die neben der Verwirklichung der in Paris gefundenen Lösung erst eine wahre und dauernde Befriedung Europas gewährleisten. Mit dem Ausdruck meiner besonderen Wertschätzung Ihr sehr ergebener (gez.) Mülle r." Reichskanzler Müller hat auch an den Präsidenten ber Sachverständigenkonferenz in Paris Otoen QJoung nachstehendes Telegramm gerichtet: „Anläßlich des Abschlusses ber Pariser Re- parationsverhanblungen beehre ich mich, Ihnen, hochverehrter Herr Präsident, ben wärmsten Dant ber beutschen Reichsregierung für Ihre unermüdliche unb aufopfernde Arbeit sowie ber ganzen amerikanischen Gruppe für ihre tatkräftige Mitarbeit auszusprechen. (gez.): Reichskanzler Müller." Oie Minderheitenfrage in Madrid. ten aber der Ausgestaltung. Die Ausschließung der Minderheiten von der Vorprüfung müsse beseitigt werden. Der vorliegende Bericht böte keine geeignete Grundlage zu einer Diskussion, und das Ratskomitee müßte einen neuen Bericht vorlegen. B r i a n d sprach sich für die Fortsetzung der allgemeinen Aussprache auf ber (Grundlage des vorliegenden Berichts des Dreier-Komitees aus. Die Vertagung stehe juristisch nur dem R a t du und könne nicht vom Ratskomitee beschlossen werden. Als letzter Redner der heutigen Sitzung schloß sich der finnische Außenminister Prokope den Ausführungen Dandurands an. Die Debatte drehte sich schließlich darum, ob der Bericht des Dreier-Komitees als Verhandlung sgrundlage dienen soll. Auf eine diesbezügliche Frage des Präsidenten Scialoja an jedes einzelne Ratsmitglied, erklärten die e mit ge- Vcwbehalten ihre Zustimmung hierzu. Auf Wunsch von verschiedenen Ratsmitgliedern wurde beschlossen, daß A d a t s ch i als Berichterstat- ter für die Minderheitenfrage die einzelnen in dem Bericht des Dreier-Komitees enthaltenen Vorschläge in konkreter Form zusammenfassen soll. Diese Zusammenstellung wird also die eigentliche Grundlage ber Aussprache bilben, währenb ber Bericht selbst den Charakter eines Kommentars zu dieser Zusam- menfteUuna hätte. Dieser Beschluß bebeutet in keiner Weise bie Annahme bes Berichtes bes Dreier-Komitees. Staatssekretär v. Schubert verlieh noch- mals seinen starken Sebent en Ausbruck. Brianb wies auf bie Gefahr ber Schaffung eines neuen Völkerbunbsorganes in Form eines Minder- heitenausschusses hin. Der englische Ratsbelegierte Sir George Graham gab schließlich eine Erklärung ab, daß er von feiner Regierung bie Weisung erhalten habe, im allgemeinen auf ber Grundlage bes Berichtes des Dreier-Komttees zu verhandeln. Staatssekretär v. Schubert legte die grundsätzliche Stellungnahme Deutschlands zu dem vorgelegten Bericht dar. Wie wir hören, dürfe kein Zweifel darüber gelassen werden, daß der Bericht der Dreier-Kommission tiefgehende Enttäuschung auf deutscher Seite ausgelöst hat, weil er von einer negativen Einstellung ö" dem Minderheitenproblem erfüllt ist. In dem Bericht werde ber Schutz ber Minderheiten nicht als eine der großen Aufgaben des Völkerbundes Yingestellt, sondern als eirte Nebensache. Die Ga- rantlepflicht solle sich nach dem Bericht darauf be= Wranten, daß der Völkerbund nur bann in Aktion tritt wenn ein Ratsmitglied eine Beschwerde Dorbnngt. Diese Auffassung müsse mit Nachts» 3" ruckgewiesen werden. Deutschland halte an der von Dr. Stresemann im März gegebenen Erklärung fest, daß der Völkerbund «»fILL1.? aUS -prulen müsse, ob die einschlägigen Bestimmungen eingehakten morden find. Die allgemeine Garantiepflicht müsse zur Einrichtung einer fta nbigen M in d e rh e i te n . K o m m i s s i o n futiren. Einige Ansätze zur wirksameren Gestaltung dec Garantie feien .in dem Bericht enthalten, bedürf. ©er Bericht des Dreierkomitees als Verhandlungsgrundlage Madrid, 7. Juni. (WB.) Die allgemeine Aussprache über den Bericht des Dreier- Komitees zur Minderheitenfrage ist vom Rats- komitee begonnen morden. Als erster Redner er- klarte der kanadische Delegierte Sandurand, b€r bekanntlich im Dezember bereits vor dem Zwi- fchenfall in Lugano die Verbesserung des Minder- heitenverfahrens verlangt hatte, daß er mit dem Bericht des Dreier-Komitees nicht e in Der- st anden sei. Er beantragte die Vertagung ber tfrage auf die Herbsttagung des Völkerbunds- rates und betonte, baß nach seiner Auffassung auf leben Fall in der jetzigen Tagung keine entscheidenden Beschlüsse gefaßt werden durften. Der deutsche Vertreter Oie Rheinlandräumung. Noch keine Verhandlung. — „Verfrüht und irreführend." ßonbon, 7. Juni. (WB.) Reuter meldet aus Paris: Die in London veröffentlichten Berichte, wonach bereits Vorbereitungen für die Räumung des Rheinlandes im Oktober eingeleitet worden seien, sind verfrüht und irreführend. Selbstverständlich liegt die Räumung in der Luft und die alliierten Regierungen denken an sie, aber es ist bisher nicht nur keine Entscheidung darüber getroffen worden, daß zu einem bestimmten Termin geräumt werden wird, sondern es sind auch zwischen der britischen und der französischen Regierung t e*i n e Verhandlungen hierüber eingeleitet worden. Anderseits würde die Räumung, wenn sie ausgeführt würde, eine Operation fein, die sorgfältiger Vorbereitung bedürfte. Es liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit, daß die alliierten Armeestäbe bereits damit beschäftigt sind, die eventuellen Mittel und Wege für eine Räumung zu prüfen: indessen ist die Räumung für den Augenblick lediglich ein Projekt für die Regierungen und ein Erörterungsgegenstand für die Presse. GchwereGtudenientumuttein Lemberg. Warschau, 7. Juni. (WTD.) Seit Sonntag währen in Lemberg von nationalistischen Studenten veranstaltete judenfeindliche Demonstrationen. Demonstrierende Studentengruppen haben in jüdischen Geschäften, auf dem Markt und in der Ruthcnischen Straße die Schaufenster einge- schlagen und versucht, das große Kaffeehaus „Zum Frieden" zu zerstören. Der Dor- lesungs streik dauert noch immer an. Eine Aufforderung der Rektoren der Lemberger Hochschulen, zur Arbeit zurückzukehren, blieb unbeachtet, ja, man versucht von Lemberg aus einen Generalstreik sämtlicher polnischer Hochschüler heröeizuführen. Tatsächlich hat das rein nationaldemokratisch orientierte Warschauer Oberste Studienkomitee für morgen eine große Studentenversammlung zur Erörterung der Lage einberufen. Die Regierung scheint jedoch nicht gesonnen, dem Druck der Studentenschaft nachzugeben. Jedenfalls sind die 28 Studenten, die wegen der schweren Ausschreitungen am Sonntag verhaftet wurden und deren Freilassung durch den Streik erzwungen werden sollte, bislang noch immer im Gefängnis. Die politischen Leidenschaften beginnen sich an den Lemberger Vorfällen zu erhitzen: während die Warschauer nationaldemokratische Presse sich vollkommen mit der Haltung der nationalistischen Studenten solidarisiert, führen die Regierungszeitungen einen überaus heftigen Feldzug gegen die Ratio- nalbemokraten, denen sie allein die Schuld an den Lemberger Unruhen beimessen. Die nationalistische Presse verbreitet einen von den Lemberger Bischöfen an den Woiwoden gerichteten Offenen Brief, worin die Verfasser sich die von den Studenten erhobene Beschuldigung zu eigen machen, baß die Fronleichnamsprozession von jüdischer Seite gestört worden sei, und erklären, es bandele sich um den ersten in Polen festgestellten Fall kirchenschänberischer Unbill, unb biefe sei einer Prozession zugesügt worben, welche dem heiligsten Geheimnis bes katholischen Lebens hulbigte. Die Bischöfe bedauern, baß bie an dieser mit aller Schärfe zu verurteilenden religiösen Störung Schul- bigen nicht sofort zur Verantwortung gezogen Oie Wetterlage. '0. rr uo*- ^7 vd ^>3 f-----------8-tnfl ■Röst-Orr-*' ^3 WJ* ©wolkenlos. <3 neuer. Qnalb oedecn® wolkig, • oedecki • Regers * Schnee a Graupeln. e Meoel K Gewitter.(g)windstille.«O> sehr «eicnter o$i massiger SOdsoowest. q stürmisch« nordwesS Oie Pfeue fliegen mit dem winde. Pie oeioen Stationen stehenden Zahlen geoen die Temperatur an. Pie Linien veromdeo Orte mit gleichen^ •ul Meeresniveau umoeriehneten Luftdruck Wettervoraussage. Der gestern über Dänemark gelegene Wirbel zieht unter Abflachung nordostwärts ab, und ein Einfluß auf unsere Wetterlage geht dem Ende zu. Hoher Druck von Süden her führt auch bei uns zu Barometeranstieg, so daß unter seinem Einfluß die Bewölkung etwas zurückgehen wird und leichte Aufheiterung eintritt. Ein neues Druckfallgebiet gewinnt jedoch im Rordosten von Island an Ausdehnung, so daß für später wieder eine Wetterverschlechterung zu erwarten ist. Voraussage für Sonntag: Wolkiges Wetter, stellenweise auch aufheiternd, leichter Barometeranstieg, strichweise leichte Riederschläge. Voraussage für Montag: Zeitweise stärker bewölkt, feuchtwarm, vielfach Regen wahrscheinlich. Lufttemperaturen am 7.Juni: mittag- 19,1 Grad Celsius, abends 14,7 Grad: am 8. Juni: morgens 13.0 Grad. Maximum 19,4 Grad. Minimum 12,1 Grad. Sonnenscheindauer 10Vi ©tun*, den. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 7.3uni: abends 19,2 Grad: flu 8. Lun; prorgeuL 15,2 Grad. , < - r r" Probedose und BroechOre „Ratschläge eines Arztes“ durch: DEUTSCHE A..G. FÜR NESTLE-ERZEUGNISSE, BERLIN W 57 Die Regierung der Arbeiterpartei findet in der Presse eine günstige Aufnahme. Zwei London, 7.3uni. (1BIB.) wie amtlich gemel- bet wird, ist die neue Regierung folgendermahen zusammengesetzt: Premierminister: Macdonald; Schahkonzler: Snowden: Auswärtige Angelegenheiten: Arthur Henderson: Dominions: Sydney Webb; Indien: Wedgwood Venn; Lordgeheimfiegelbewahrer: 3. h. Thomas; 3nneres: 3. R. Lly- nee; Luftfahrwefen: Thomson; Kriegswesen: Tom Shaw; Gesundheitswesen: Greenwood; Arbeit: Witz Bonds leid; Ackerbau: Roel Bux- Ion; Unterrlchlswesen: SirL.Trevelyan; handel: William Graham; Erster Lord der Admiralität: A. V. A l e x a n d e r; Justiz: Sankey; Sekretär für Schottland: Adamson; Erster Kommissar für Arbeit: Lansbury; Kanzler des Herzogtums Lancaster: Sir 0. wosley; Attorney General: IowitI; Solicitor General: welvllle; Minister für Pensionen: Roberts; winifter für das Transportwesen: worrison; Generalpostmeister: Lee Smith; Generalzahlmelster: Arnold. Das Kabinett Macdonald Henderson wird Staatssekretär des Auswärtigen. worden feien, wodurch die darauf folgenden, bedauerlichen Vorfälle hätten vermieden werden können. Dieser Brief ist u. a. auch von dem armenisch-katholischen Erzbischof Teodororoicz, einem bekannten nationalistischen Politiker, unterzeichnet. Der Minister des Innern Skladkowski hat sich im Flugzeug nach Lemberg begeben, um sich persönlich über die dort vorgekommenen Zwischenfälle zu informieren. Er stellte fest, daß bereits 42 Teilnehmer an der Fronleichnamsprozession, deren Störung die Ursache zu den Tumulten gewesen sein soll, als Zeugen vernommen worden sind. Als Ergebnis dieser Befragung ist man zu der Ueber- zeugung gelangt, daß von einer bewußten Absicht der Störung der Fronleichnamsfeierlichkeiten durch Elemente der jüdischen Bevölkerung nicht d i e Rede sein kann. Der Minister konnte feststellen, daß die angeblich durch diese sog. Provokation ausgelöste Gegenbewegung erst am Abend des darauf folgenden Tages in Erscheinung getreten ist. Amtliche polonisierung deutscher Familiennamen. Königshütte, 7. Juni. (WTB.) Wie der „Oberfchlesische Kurier" meldet, haben einige alteingesessene Bürger der Stadt Lubliniz, polnische Staatsbürger deutscher Rationalität, durch das Bürgermeisteramt ein Schreiben erhalten, wonach sie zur Kenntnis nehmen sollen, daß sie fortan einen anderen Ramen erhalten. Auch die Anschrift des Briefes lautete bereits auf den neuen Ramen, der eine Polonisicrung des bisherigen Ramcns darstellt. Eine Mehrheit für das Preußenkonkordat gesichert? Ministerpräsident Braun unterrichtet die Fraktionen. Berlin, 7. Ium. (WTB.) Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun empfing die Fraktionsvorstände der Parteien der preußischen Re- gierungskoalition zu einer informatorischen Aussprache über den materiellen Inhalt des mit der römischen Kurie geplanten S t a a ts v e r t r a- ged. Ministerpräsident Dr. Braun gab eine Darstellung der politischen Motive, aus denen Heraus die Staatsregierung den vorliegenden Vertrag als Erneuerung der durch die früheren päpstlichen Dullen bereits gegebenen Rechtsverhältnisse vorlege. Lieber den materiellen Inhalt des Vertrags gab sodann der Kultusminister ausführliche Erklärungen ab, die nunmehr von den anwesenden Parlamentariern zur Grundlage der Anterrich- tung ihrer Fraktionen gemacht werden sollen. An die Sitzung schloß sich ein Empfang der Fraktionsführer der in der ersten Sitzung nicht vertretenen Fraktionen des Landtages an, die in der gleichen Weise unterrichtet wurden. Aach der Stellungnahme der beteiligten Parteiführer dürfte eine Mehrheit für den Entwurf g esichert fein. Reben den Führern der Regierungsparteien, die ihre Zustimmung erklärten, haben auch die W i r t s ch af t s p a r t e i le r den Inhalt des Vertrages für so unbedenklich erklärt, daß sie glaubten, ihrer Fraktion die Zustimmung empfehlen zu können. Regierungs- Parteien und Wirtschaftspartei haben im Landtag eine sichere Mehrheit, so daß öle •• Beseitigung eine« verkehrSsi d- renden Baues. Die anfangs dieses Jahrhunderts für Zwecke des früheren Pferde-Omni- busses errichtete Wogenstelle an der Ecke Wie- secker Weg und Marburger Straße, die spater landwirtschaftlichen Zwecken diente, wird nunmehr abgebrochen. Die Halle befand sich in fast baufälligem Zustand und bildete ein großes Hemmnis für den Verkehr an dieser Straßenecke, der in letzter Zeit durch die Wiesecker Autobusse und den regen Kraftfahrverkehr noch erheblich zugenommen hat; außerdem war dieser Holzbau auch ein übler Anblick In 'der Marburger Straße. Besonders zu begrüßen ist diese Verbesserung jetzt um deswillen, weil in den nächsten Tagen die obere Marburger Straße wegen Pflasterarbeiten gesperrt und der gesamte Verkehr durch den Wiesecker Weg umgeleitet werden muß. Weiterhin wäre zu begrüßen, wenn alsbald auch eine Verbreiterung deS Wiesecker Wegs, der einen gesteigerten Auto-, Rad- und Fuhrwerksverkehr aufweist, eintreten würde. D ie Mus een sind am Sonntag zwischen 11 und 1 Ahr geöffnet. ** Diehmärkte in Gießen. Am Dienstag nächster Woche findet hier Rindvieh-(Ruh- vieh-) Markt statt, dem sich am Mittwoch Schweinemarkt anschließt. ** Eine Siebzigjährige. Ihren 70. Ge- burtstag begeht am morgigen Sonntag, 9. Juni, in voller Frische Frau Emma Gerb ig Wwe., Aster- weg 59 wohnhaft. ** D.D. A.-Werbewoche. Dom 8. bis 16. Juni veranstaltet die Ortsgruppe Gießen de« D. D. A. ihre Werbewoche. Heute vormittag hielt Frl. Sesemann, eine Deutschbaltin, in der Oleuen Aula der Universität Vorträge von den Schulen von Gießen über das Auslanddeutschtum. Heute abend um 8.30 Ahr veranstalten die Schulgruppen des D. D. A. einen Fackelzug, über den wir gestern schon nähere Mitteilungen brachten. Morgen (Sonntag) findet eine Strahensammlung und Verkauf von Werbegegenständen durch Mitglieder der Schulgruppen statt. Am Montag beginnen die üblichen Haussammlungen, und am Sonntag, 16. Juni, veranstaltet die akademische Ortsgruppe des D. D. A. im Verein mit den auslanddeutschen Studierenden einen Bunten Abend im Caf6 Leib. (Siehe heutige Anzeige.) •• Sie Alice-Schule veranstaltet ab 12. August wieder einen vierteljährigen Kochkursus, zu dem im heutigen Anzeigenteil eingeladen wird. ” Die Ausstellung »Der Me nsch . die gegenwärtig in der Dolkshalle gezeigt wird, lädt im heutigen Anzeigenteil erneut zum Besuche ein. Täglich um 18 Ahr sinken ärztliche Führungen durch die sehenswerte Ausstellung statt. Der öffentliche Vortrag am Donnerstagabend hatte einen außerordentlich starken Besuch zu verzeichnen. Dir Zuhörer waren von den Aufklärungen aus sachverständigem Munde in hohem Maße befriedigt. Die nächsten öffentlichen Vorträge finden am kommenden Mittwoch statt, und auch ihnen dürste sicherlich das lebhafte Interesse der Bevölkerung von Stadt und Land zuteil werden. Man beachte die heutige Anzeige. Familientag der Matthäusge- meinde. Morgen, Sonntagnachmittag, findet auf der Liebigshöhe der Familientag der Mat- thäusgemeinde statt. Eine reichhaltige, intcr- essante Dortragsfolge ist — wie man uns mit- teilt — vorgesehen. Ansprachen wechseln mit musikalischen Darbietungen, Gesängen und Aufführungen. Mitwirkende sind: Frau Flimm und Frl. M. Reuling (Gesang), Frau Dr. Fischer (Klavier), die I.-M.-G. (Buben und Mädchen), die Kapelle Hilgardt. Man beachte die heutige Anzeige. ** Frankfurter Pferdemarkt. Der nächste Pferdemarkt in Frankfurt findet Montag, 10. Juni, statt. Dieser Sommermarkt bietet erfahrungsgemäß besonders günstige Gelegenheit, ältere Pferde gegen Fohlen zu tauschen, oder volljährige Ackerpferde preiswert zu kaufen. Interessenten seien auf die heutige Anzeige hingewiesen. (Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt) Tatsachen werden in den Blättern der Opposition übereinstimmend hervorgehoben : Der g e - mäßigte Charakter, der sich in der Zusammensetzung des neuen Kabinetts ausprägt und die Ausscheidung des linken Flügels der Arbeiterpartei' bei der Zusammensetzung des Ministeriums. Die Wahl Hendersons zum Staatssekretär des Aeußeren begegnet einiger Kritik, wobei jedoch gleichzeitig betont wird, sie sei wohl zum Teil durch den Wunsch Macdonalds zu erklären, selbst die Außenpolitik des Landes maßgebend zu beeinflussen. Im Organ der Arbeiterpartei selbst, im „Daily Sjeralö“, wird das Programm der neuen Regierung durch ihre Benennung „Kabinett des nationalen Aufbaues" gekennzeichnet. Im konservativen „Daily Tele graph wird ausgeführt: Wir können uns keine sozialistische Regierung denken, die Vertrauen ein« flößen kann, aber die eben gebildete gibt wenigstens keinen Anlaß z u b e s o n d e r e n De- fürchtungen. Die Ernennung Hendersons zum Staatssekretär des Aeuhern kann nicht gerade begrüßt werden, aber niemand zweifelt daran, daß Macdonald beabsichtigt, das entscheidende Wort über den Kurs der britischen Außenpolitik selbst zu sprechen. Aus der Provinzialhauptstadt. G ie ßen, den 8. Juni 1929. Vom Fragen und Antworten. Von Reinhold Braun. Wie wenige Menschen kommen so weit, daß sie zu fragen anfangen. Wilhelm Stählin. Auf meinem Schreibtisch, an den Fuß der Lampe gelehnt, steht eine schlichte Postkarte mit der edlen Wiedergabe von Sallwürcks „Jesus und Nikodemus". Im weiß verschäumenden Lichte des orientali- schon Mondes sitzen die beiden Männer auf der Zinne des Hauses. Um sie die totenstille, mondflut- oersunkcne Stadt. Ewigkeitsfragen rätseln, und der große Nazarner gibt aus seiner Seele göttlicher Tiefe heilige Antwort. Das kleine Bild wachst mir zum Symbol aller wahrhaften und tiefen Gespräche auf: heiliges Fragen, heiliges Antworten. Nur wer noch zu fragen weiß, ist wie ein wachsender Baum in gesegneter Erde. Das rechte Fragen ist das Zeichen unserer Sehnsucht und schöpferischen Demut und unseres Mutes. Der Mensch ist so lange Mensch, das heißt nach der Sprachwurzel des Volkes der Beseelte, der Lebendige, so lange er zu fragen weiß. Heiliges Fragen bedeutet Leben; heiliges Antworten aber bedeutet es auch. Jugend ist nur Jugend, wenn sie in der rechten Frageinbrunst daberkommt. Aber von Lebensreife und Alter gilt dasselbe. Ist nicht das edle Wechselspiel von Frage und Antwort der lebensweckende Grund aller Lehre und pädagogischen Kunst! Waren das nicht unsere liebsten Lehrer, die uns auf unsere vielleicht manchmal recht einfältigen Fragen liebevoll antworteten? Litten wir nicht unter den Lehrern, die uns auf unsere Fragen ein Armutszeugnis auszustellen suchten, uns jede Frage glatt abschnitten, oder uns gar lächerlich machten? Bei wem lag dann wohl die größere Armut? Der Stelzenstandpunkt des Wissers kann zum Verhängnis für den Fragenden und Antwortenden werden! Wer recht zu antworten weiß, stellt sich zunächst liebevoll auf die Ebene des Fragenden, und er ver- gibt sich dabei keineswegs an Würde, sondern offenbart nur die Größe seiner Liebe und die Tiefe seiner Weisheit. Es gilt immer im Leben Ehrfurcht vor den Wurzeln zu haben und sie zu beweisen. Ja, wer auf den Wegen, da das Kind schreitet, mit Stelzen stolziert, in dem verschmelzen sich Komik und Tragik in einer Person. Lernten wir doch mehr vor der Mutter, rote man antworten soll! Kennt Ihr das feine Bild von Fidus: „Mutter und Kind?" Aber wir alle kennen die Geschichte von dem großen Nazarener und den Kindlein! Heiliges Fragen, heiliges Antworten ... Wonach ein Mensch fragt, das ist er! Wonach eine Zeit fragt, das ist sic! Der Bau der Zukunft gründet sich nicht zuletzt auf die Fragen der Zeit, die voranging. Die Zu- funft ist zu einem, und nicht geringen, Teil die Antwort auf sie. Eine Zeit, die nicht mehr nach ewigen und großmenschlichen Dingen fragt, verliert ihren Sinn als Zeit! Sie verkennt ihre Aufgabe, und ihre Unwefentlichkeit vergrößert um ein Beträchtliches den „Dünenschutt" der Zeiten. Wir können es nicht ernst genug mit unseren Fragen nehmen, aber auch mit unseren Antworten! Das sei der Jugend und dem Alter gesagt! Keiner schäme sich, zu fragen, so sehr auch äußere Würde ihn ziere! Mehr Nikodemusart! Keiner schäme sich, in einer noch so geistvollen Gesellschaft zu sagen: „Das verstehe ich nicht!" Wir müssen darin mutiger werden, aber anderseits auch einem also offenen Menschen volles Verständnis entgegenbringen! Herunter mit der Blasiertheit von ihrem trügerischen Throne! Nimmer sich entmutigen lassen, auch mit dem Herzen zu fragen und also zu antworten! Die Welt schwirrt von Verstandesfragen und -antworten! Der Herzensfragen find wenige! Das ist die große Armut der Zeit! Es gibt Fragen, die wortlos geschehen und geschehen müssen! Ach, lernt das rechte Antworten auf fiel Und geht nicht vorbei an den stummen Fra- gen der andern Kreatur! Dein Adel, Mensch, liegt in deiner Antwort! Selig sind die, die recht zu fragen wissen; denn sie sind die armütig Lebendigen und werden das Leben haben. Gesegnet werden die recht und zur rechten Zeit Antwortenden sein; Liebe hat in sich ihren Lohn. Auf alles Fragen in der Zeit wird einmal Ewigkeit antworten. Bornotizen. — Tageskalender für Samstag. Verein Rudersport Gießen: Monatsversammlung, 21 Ahr. — D. H.B.: Monatsversammlung, 20l/2 Ahr, im Hotel Köhler. — Kavallerie-Verein: Monatsversammlung, 20,30 Ahr, im Hessischen Hof. — Geflügel- und Vogelzucht-Verein: Monatsversammlung, 20,30 Ahr, im „Pfälzer Hof". — Reichsbund der Zivildienstberechtigten: Monatsversammlung, 20,30 Ahr, in der „Stadt Lich". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Diane" und „Seine Hoheit der Dienstmann". _________ — Tageskalender für Sonntag. Musikalischer 2lbend, Realgymnasium, 20 Ahr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Diane" und „Seine Hoheit der Dienstmann". Annahme des Konkordats schon dadurch wahrscheinlich würde. Im übrigen haben sich die Vertreter der Oppositionsparteien ihre Stellungnahme Vorbehalten, doch rechnet man in unterrichteten Kreisen auch weiterhin mit Stimmenthal- tungderVvlkspartei.diedas Mehrheitsverhältnis gleichfalls günstig beeinflussen würde. Ministerpräsident Draun hat an die Fraktionen die Ditte gerichtet, bis zum 13. Juni ihre Stellung zum Konkordat mitzuteilen. Erst dann sollen die Abmachungen unterschrieben werden. Verhandlungen mit der evangelischen Kirche könnten nach dem Konkordat folgen. Es wird sich fragen, ob das Konkordat nicht Schwierigkeiten rein politischer Art begegnet, d.h. ob Wirtschafts- und Volkspartei nicht Entgegenkommen auf anderen Gebieten verlangen. Di« Deutschnationalen dürften gleichzeitige Erfüllung der evangelischen Wünsche fordern. Aeber die Streitpunkte im Konkordat erfährt man an unterrichteter Stelle: Die einzige finanzielle Reuerung im Konkordat ergebe sich aus der vorgesehenen Reueinrichtung von zwei Bistümern in Aachen und Berlin und von zwei Erzbistümern in Paderborn und Breslau. Auch hierbei kämen nicht etwa neue Aufwendungen für die Pfarrerbesoldung in Frage, sondern lediglich neue Dotationen für Domkapitel, deren Betrag von bisher 1,4 auf nunmehr 2,8 Millionen sich erhöhe. Die Pfarrerbefoldung selbst komme im Konkordat gar nicht vor. Immerhin bedeute die geplante Reuschaffung von Bistümern und Erzbistümern einen der Streitpunkte. Das gleiche treffe zu für die vorgesehene Erhöhung der inSchneide- mühl bestehenden Administratur für die Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen in eine päpstliche Delegatur. Ein weiterer wesentlicher Streitpunkt liege darin, daß bei der Wahl der Bischöfe es in Zukunft so sein solle, daß die Vorschlagsliste erst dann zur preußischen Staatsregierung kommt, wenn sie vom Papst genehmigt ist. Darin liege allerdings für die Entscheidung der Staatsregierung eine gewisse Präjudizierung. Schließlich gilt als Streitpunkt u. a. die offizielle Anerkennung des collegium germanicum in Rom als gleichberechtigte Ausbildungsan st altfürdeutschekatholischePrie- st « r; da die Zahl der Anwärter nicht kontingentiert ist, wäre es theoretisch möglich, daß nach Abschluß des Konkordats alle in Deutschland wirkenden katholischen Priester das römische In- stitut absolvieren. Ausdrücklich sei jedoch er- wähnt, daß offiziell keinerlei Zwang vorgesehen ist und daß nach wie vor auch die deutschen katholischen Fakultäten und Seminare ihre Befugnisse ausüben werden. Berliner Börse. Berlin, 8. Juni. (WTB. Funkspruch.) Rach der Anterzeichnung in Paris scheint die Stimmung im heutigen Dormittagsverkehr etwas freundlicher zu sein. Das Geschäft ist noch sehr ruhig, doch sollen einige Auslandorders für die Dörse vorliegen. Man sprach etwa 1 Pro^nt höhere Kurse als gestern mittag Schluß. AEG. 193 bis 194, Schlickert 247 bis 248, Siemens 403,5 bis 404 Geld, Farben 258,5, Glanzstoff 466 Am Devisenmarkt hört man: London-Kabel 4,8490, London gegen "Berlin 20,3340, London gegen Madrid 34,25, Kabel-Derlin 4,1935. KURMARK-R AUCHERS. erhobene hcurd alleiwegen. aller Erdteile In Gold- und SiTb er druck: Die FREUDE des und wa^re Kenner edlen. Tabaks. AUjene wissen. wo^L, wo m3. Fleiss und Kunst sorgsam bereäel Alle, so Sieh begegnen rrat dem. TÄGLICHEN KURMARK-GRUSS. KUBWffiK SPEZIAL-MAZE D O N E M-AMSCHD NG Zander- undStädtevffpprn 'UNIUng. Dh&hr »ie 6 t u^ilet legt di. ' alliiert JM’1' i ift bishe^ geleitet^' fArieä sur den Projekt für ^"gSgegenst-md nluniuliein 5 Sonntag Malistischen 6tu- Denwnstra- (cn9Wn hohen ” « unö in Menßer ei/ige- 'M Kaffeehaus Der Dor« immer an. Eine Lemberger hoch- E)ten, blieb un- Lemberg aus .dänischer hoch- Vtd) hat das rein üe Warschauer lorgen eine große g zur Erörterung gierung scheint je- i(f der Studenten- sind die 28 Sturn Ausschreitungen niröen und deren erzwungen werden 1 Gefängnis. beginnen sich an Hitzen; während die e Presse sich voll- itionalistischen Stu- Regierungszeitungen ; gegen die Nativ« die Schuld an den Die nationalistische Lemberger Bifchv« kn Offenen Brief, >on den Eiubenlcn n machen, daß die o n von jüdischer erllären, es fan- feftatftellten ssu5 diese sei einer ,che dem heiligsten ms huldigte. 2:e i dieser mit aller itzsenAbrung Schul' ntroortung gezogen ■ «il n rmitbel :l Äb 5 dostw° e geht dB SSM «ni «G k»1 „ »'S! 11111 , «M' Ms * ««!«' DaureeEem Wieseck, den 8. 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Zulauf erfahren durften, für die Blumen, die sie so liebte, für den Trost an Krankenbett und Grab durch Herrn Pfarrer Sattler, für die ärztliche Hilfe durch Herrn Dr. Schmidt und die Pflege durch die Schwester, Frau Kalt, sagen wir unseren aufrichtigen und bleibenden Dank. Für die trauernden Hinterbliebenen: Lehrer i. R. Friedrich Müller. 03683 Lager. 6785D CarlSchunck Gießen, den 8. Juni 1929. 4979 D N-K Gießen Herborn Ste'lenangebote| sttin & Vogler, Breslau I. [5106V gesucht 5074D mit el. L. in Mücke d. Gteh. Anz. 03660 mieten 03667 Dobermann 51100 Ä. Zimmer 3«1 Bäckerei Konditorei und Cafe auf gutes Geschäftshaus als Hypothek in Wetzlar gesucht. Schrift!. Angeb. unt. Familien Klose und Pfaff Dr. phil. Oskar Klose Verein Rudersport Gießen 1913 Suche 5—6 Zim mer-Wobng., parterre oder 1. Ginge. Biete: 4-Zimmer- Wobnurrg tm ©el- lersweg. Schr. Angeb. unter 03649 a. d. Gien. An-. 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Ohne Zweifel gibt dieser Wahlausgang der Abrüstungspolitik Hoovers einen neuen Stoß. 3n der nächsten Zeit trifft sein neuer Botschafter in London ein, der bekannte General Dawes, nach dem der Plan heißt. Er wird Vorschläge für Abrüstungsverhandlungen mitbringen und er wlrd, wie eben vor einer großen Berliner Zuhörerschaft Lord Robert Cecil feststellte, im neu- gewählten Parlament von Westminster „eine überwältigende Mehrheit für die Abrüstung" d. h. zunächst für ein Rüstungsabkommen zwischen England und den Bereinigten Staaten vorfinden! Teilung zwischen Miteigentümern. Zwangsversteigerung und Abtretung der Rechte aus dem Meistgebot. Der §30 geht so weit, der Veräußerung eines Gewerbebetriebs als ganzen oder eines Teils des Gewerbebetriebs (z. B. einer Zweigniederlassung) die Aufgabe eines Gewerbebetriebs gleichzustellen. Zur Ermittelung des Gewinns ist hierbei von den Deräußerungspreisen der einzelnen, dem Betrieb gewidmeten Gegenständen auszugehen, und für Gegenstände, die nicht veräußert werden, an Stelle des Veräußerungspreises der gemeine Wert im Zeitpunkt der Aufgabe zu sehen. Unter die Ausgabe eines Gewerbebetriebs fällt nur die Ausführung des Entschlusses (freiwillig oder unfreiwillig) des seitherigen Inhabers. Es kommt hier z. V. die völlige Stillegung oder die Verpachtung in Frage. Der Tod des Unternehmers ist jedoch keine Geschäftsaufgabe. Führen die Erben den Betrieb fort, geben ihn aber nach einiger Zeit auf, so fliehen ihnen die sich ergebenden Gewinne als Einkommen zu. Erfolgt in derartigen Fällen die Veräußerung innerhalb drei Jahren, so wird auf Antrag der Teil der Erbschaftssteuer auf die Einkommensteuer angerechnet, der auf den Unterschied zwischen dem der Veranlagung zur Erbschaftssteuer zugrunde gelegten und dem bei der Veranlagung des Rechtsvorgängers zur Einkommensteuer zuletzt angesehten Werte des Betriebsvermögens entfällt. Der Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse folgend hat auch der Gesetzgeber der Veräußerung eines Gewerbebetriebs als ganzen, oder eines Teils des Gewerbebetriebs die Veräußerung von Anteilen an einer Erwerbsgesellschaft (G. m. b. H.-Anteilen, nicht spricht. Und doch bin ich überzeugt, daß ich nicht der einzige bin, der die verworfene. herUose Phantasie hat, die für diese Wünsche wohl notwendig ist. Zum Beispiel: wenn Sie an einem Wasser stehen und den weißen Rettungsring betrachten, unter dem das vergilbte, merkwürdig starre Bild eines aus dem Wasser Gezogenen hängt, der von einem tüchtigen Vollbart mit sachkundigen Griffen ins Leben zurückgerufen wird, — haben Sie da noch nie den Wunsch gespürt, daß endlich jemand vor Ihren Augen ins Wasser falle, dem Sie den Rettungsring zuwerfen könnten? Ich kannte, einen älteren Herrn, der jeden Tag vor einem solchen weißen Rettungsring voller Erwartung auf einer Bank saß. Als endlich eine junge Dame vor seinen Augen über das Geländer sprang, und ec mit fiebernder Erregung nach dem Ring griff. — wurde ihm kaltherzig bedeutet, es handle sich nur um eine Filmaufnahme. Tief enttäuscht kehrte er auf seine Bank zurück. Aber der Wunsch, der mich am meisten quält, ist der Griff nach der Rotbremse. Ich setze mich schon immer dorthin, wo der versiegelte Griff von der Decke hängt. Aber noch nie, noch nie habe ich danach greifen dürfen. Rur einmal 'wäre mein Wunsch beinahe in Erfüllung gegangen. Cs war im alten Rußland, nahe bei Dünaburg. Damals gab es noch keine Rotbremsen, nur Rotleinen, braune Stricke, die außerhalb oben an den Wagen entlang bis zur Lokomotive liefen. Man mußte sich also zum Fenster hinausbeugen, um an der Rotleine zu ziehen. Irn Abteil mir gegenüber sah nur ein stummer Herr, der in einen Roman vertieft war. Plötzlich begann der Wagen zu schleudern, auf den Schienen zu springen. Ich stürzte zur Rotleine. Aber der stumme Herr war mir zuvorgekommen: er streckte den Arm schon zum Fenster hinaus, und, während er am Strick zog. keuchte er mit bebenden Lippen, mit einem von tiefster innerster Befriedigung strahlenden Blick: „Lassen Sie mich: dies ist der größte Wunsch meines Lebens!" Der Zug hielt. Ein paar Räder waren aus den Schienen gesprungen. Es war eine meiner bittersten Enttäuschungen: daß ich nicht selbst die Rotleine gezogen hatte. Aber vielleicht habe ich noch einmal Glück. Bet unerfüllten Wünschen darf man nie die Hoffnung aufgeben. Und gerade deshalb sind sie so schön. Mit jeder Erfüllung werden wir um eine Hoffnung ärmer. Und wer nichts mehr zu wünschen hat, ist dec ärmste Mensch. Selbst wenn ec im Rolls Royce durch die Welt rast. Unerfüllte Wünsche. Von Siegfried von Vegesack. Ich meine nicht die banalen Alltagswünsche, die heute jedermann hat, wenn sie noch nicht erfüllt sind: Auto, Villa, Radio, oder, bei bescheideneren Ansprüchen, — Motorrad und Weekend-Häuschen. Rein, diese Wünsche interessieren mich nicht. Sie sind Massenartikel im großen Schaufenster des Warenhauses unserer Träume, wie Kinderspielzeug verlockend ausgestellt. Man drückt sich die Rase platt, alles ist greifbar, alles ist nah, und nur die kalte Glasscheibe trennt uns vom Gegenstand unserer Sehnsucht. Auch vom „großen Los" will ich nicht sprechen. Das ist ein käuflicher Wunsch. Für ein paar Mark kann sich jeder diesen billigen Glückstraum verschaffen. Ich habe es ein paarmal getan. Aber ich tue es nicht mehr. Wünsche, die nichts kosten, sind nämlich noch billiger. Run denken Sie natürlich, ich meine eine Erbschaft. Rein, Sie irren sich. Erstens habe ich keine zu erwarten. Und zweitens, — darüber würde ich nicht schreiben. Iedenfalls nicht so schreiben, wie ich über Erbonkel, Erbtanten und dergleichen denke. Uebrigens gibt es diese lieben Menschen nur in Romanen. Dort sind sie abschreckend geizig, unwahrscheinlich reich und von unheimlich zäher Lebenskraft. In Wirklichkeit sind sie von rührender Hilfsbereitschaft, auch wenn sie nichts haben, unb ft erben viel zu schnell. (Liebe Erbtante, ich hoffe, daß Du noch recht lange lebst. Bevor Du aber ein Testament machst, lies bitte, wie nett ich über Dich geschrieben habe!) Auch von den kleinen unerfüllten Wünschen des Alltags will ich nicht sprechen: daß man auf den Postämtern anständige Federn auslegt, statt der verbogenen Besenstiele, oder verrosteten Rüget, mit denen man nichts anfangen kann, besonders, wenn auch das Tintenfaß bis auf den Grund eingetrocknet ist. Daß man in den Hotels Decken und Laken bekommt, die man richtig am Fußende einstopfen kann, und die trotzdem über die Schulter reichen. Daß die Eier zum Frühstück abgeschreckt werden, so daß man nicht eine halbe Stunde an der Schale zu fnibbern braucht. Das alles sind kleine bescheidene Wünsche, die so leicht zu erfüllen wären, daß niemand sich ernstlich um ihre Erfüllung bemüht. Und so teilt auch ich nicht weiter auf diese traurigen Dinge eingehen. Rein, ich meine ganz andere unerfüllte Wünsche. Heimliche, verborgene Wünsche, von denen man Gießener Gtadttheater. Thcrcmin-Trio: „Aetherwettcn-Musik". Professor Therernins „Aetherwelleninstru- ment", das vor zwei Iahren auf der Ausstellung „Musik im Leben der Völker" in Frankfurt a. M. voraeführt und dessen Wirkung seinerzeit mit großem, man kann sagen überschwenglichem Enthusiasmus aufgcnommen wurde, wurde am Donnerstag einem nicht sehr großen Kreis von Hörem im Stadttheater bekanntgemacht. Auf den Ankündigungen stand ..Aetherwellenmusik" und „Musik aus der Luft": beides recht problematische Begrifse. Im großen und ganzen ist die an sich geniale Apparatur im Zeitalter des Radio einigermaßen verständlich. Eine heute jedem bekannte Radioröhre ist der Schwingungserzeuger, der seine elektrischen Wellen durch eine Antenne (in diesem Fall ein Metallstab) ausstrahlt. Verändert man nun die Kapazität der Antenne durch Bewegung eines Gegenstandes (z. D. einer Hand) in ihrer Rahe, so wird dadurch seine Schwingungsänderung der Röhre hervorgerufen, und dadurch eine Veränderung der Tonhöhe erzeugt. Durch entsprechendes Hin- und Herbewsgen der Hand lassen sich auf diese Weise beliebige Tonfolgen Herstellen. Durch geeignete Koppelung mehrerer Schwingungskreise läßt sich die Erzeugung einwandfreier Töne und Obertöne erreichen. Die Verstärkung geschieht durch Lautsprecher. Ein mit dem Fuß bedienter Widerstand regelt die Tonstärke von starkem Forte bis zum leisesten Piano, und ein Schallknopf gestattet die Mnter- brechung der Stromgefahr und ermöglicht so em Staccato-Spiel und das Meberfpringen größerer Intervallen, ohne die Zwischentöne hören zu lassen. Das Spielen selbst besteht in der Bewegung einer Hand auf die Antenne zu oder von ihr ab. je nachdem ein hoher oder tiefer Ton erzeugt werden soll. Wird die Hand ruhig gehalten, dann ist der Ton trocken und ausdruckslos, aber durch Vibrieren, ähnlich dem Vibrieren beim Streichinstrument, bekommt der Ton Schmelz und Fülle, so daß man zuweilen den Eindruck hat, eine Singstimme oder eine Geige zu hören. . Durch besondere Apparate, die jedoch hier nicht zur.Verfügung standen, lassen sich auch andere Instrumenten ähnliche Klangfarben erzielen. Eine gewisse Gestaltung erlaubt ferner eine Echowirkung, die allerdings besonders überraschend ist. Man glaubt den Ton vom anderen (Snöe_ des Saales kommen zu hören und hat unwillkürlich das Bestreben, sich durch Mmdrchen davon zu überzeugen, daß dort hinten fein Lautsprecher aufgebaut ist. Bund Deutscher Zivilsupernumerarc, der Bund Deutscher technischer Zollbeamten und der Bund Deutscher Reichssteuerbeamten veranstalteten eine öffentliche Kundgebung der oberen Beamten. Wirkt. Admiralitätsrat Dr. jur. E. Apc l sprach über das Thema „Verwaltungsreform und Beamtennachwuchs". Die Verwaltungsreform, so betonte er, werde auch zu prüfen haben, welches die zweckmäßigste Art der Verteilung der Arbeit auf die Kategorien der Beamten ist, und welche Arbeit an Angestellte und Arbeiter abzugeben wäre. Bei dieser Prüfung müsse davon ausgegangen werden, daß den höheren Beamten nur diejenige Arbeit belassen werden dürfe, für die akademische Bildung erforderlich sei. Alle anderen Arbeiten, die akademische Bildung nicht notwendig machten, müßten auf die den höheren Beamten zunächst stehenden oberen Beamten übergehen. Mm diese Arbeiten sachgemäß erledigen driV.TaulM Padnboiilraiit MM MIM* Moakag. 10. Zunl, abenöö 8 uot Verwaltungsreform und Beamtennachwuchs. TM. Der Reichsbund der Amtmänner, I. Dem Grundgedanken des Einkommensteuergesetzes folgend, Konjunkturgewinne erst bei der Realisierung der Besteuerung zu unterwerfen, bestimmt § 30 des Einkommensteuergesetzes, daß als Einkünfte aus Gewerbebetrieben auch Gewinne gelten, die bei gänzlicher oder teilweiser Veräußerung eines Gewerbebetriebs erzielt werden. Hierdurch werden die ©etoinne. versteuert, die bis zur Veräußerung als nicht realisierte Konjunkturgewinne nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes bisher nicht versteuert wurden. In Wirklichkeit handelt es sich in den meisten derartigen Fällen wohl nicht um „Konjunktur-Gewinne, sondern diese Gewinne stellen die Vergütungen für jahrelange Rührigkeit und Tüchtigkeit dar. Denn besonders hierdurch gewinnt ein Unternehmen an Wert. Die Zurechnung zum gewerblichen Einkommen findet ihre Stühe sowohl im Schrifttum und in der Rechtsprechung zum Handelsrecht, als auch in der Rechtsprechung des Reichsfinanzhofs. Die Veräußerung eines Gewerbebetriebs stellt den letzten gewerblichen Akt dar. Auch die Veräußerung von Beteiligungen eines persönlich hastenden Gesellschafters einer Kommanditgesellschaft auf Aktien, von Anteilen eines Gesellschafters, der als Mnternehmer (Mitunternehmer) des Betriebs anzusehen ist (Offene Handelsgesellschaft, Kommanditgesellschaft), fällt unter die Desteuerungsvorschrift des § 30 des Einkommensteuergesetzes. Der Begriff „Veräußerung" ist nicht gleichzustellen mit dem Begriff „Verkauf". Er ist weiter- gehend. Es fällt hierunter auch z. D. der Tausch, ■äÄ 8ollr. Gtid).exior- SliWpÄ WM AusamMnkunil bet Dame« AS? Verein Rudersport Gießen »ME abteiluig 9 Ubr . T°geS°rdnu^ 1. Eingänge. mAhmen < 'ni.-t*itbi Die Einkommensteuer bei der Veräußerung eines Gewerbebetriebs Von Steuerinspektor Frees, Gießen. xu können, bedürfe es einer vollwertigen Vorbildung für den Rachwuchs der oberen Beamten. Als vollwertig sei aber nur diejenige Schulbildung anzusehen, die mit der Reife einer neun* stufigen höheren Lehranstalt, also mit dem Qlbi- turium abschließe. Eine so gehobene Vorbildung sei ferner auch deshalb nötig, weil die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse, die Kompliziertheit und das Anwachsen der Gesetzgebung die Aufgaben des Beamten ganz außerordentlich erschwerten und gerade von den oberen Beamten eine sehr erhebliche geistige Mehrleistung forderten. Eine Derwaltungsreform, die diesen psychischen Faktoren nicht Rechnung trage, sei zum Mißerfolg verurteilt. Die Versammlung stimmte sodann noch einer Entschließung zu, die u. a. auch an den Reichsinnenminister übermittelt wurde und in der die Versammlung ihrer Ansicht dahin Ausdruck gab, daß die Vorbildung für die oberen Beamten des Reiches, der Länder und der Selbstverwaltungen mit Rücksicht auf die tatsächlich vorhandenen erhöhten Dienstaufgaben auf die in Gang befindliche Verwaltungsreform und auf die damit in Verbindung stehenden Leistungsanforderungen im Interesse einer gut und sicher arbeitenden Verwaltung, einer billigen und rationellen Geschäftsführung und im rationellen Interesse der Wirtschaft nur das Abiturium sein könne. Die Versammlung ist sich bewußt, daß die enge Verbundenheit zwischen Richtbeamten und Beamten im dringendsten Staatsinteresse liegt und daß somit die Forderung des Abituriums nicht llassenaufrichtend wirken oder etwa grundsätzlich dem Mebertritt von Beamten niedrigerer Laufbahnen in die obere Laufbahn unterbinden soll. Zum ersten Punkt zunächst: Die Wahlre - form ist eine Forderung der englischen Liberalen, sie war eine für die Labourpartei. Seitdem diese aber zur heutigen Größe aufgestiegen ist, ist sie in der Wahlreformfrage lau und ablehnend. D. h., daß Konservative und Labourpartei sich einig sind, nach äußerster Möglichkeit zwischen sich die Liberalen zu zermahlen und so zum alten Zweiparteiensystem zurückzukehren. Darum hat auch zunächst Macdonald die Fühlungnahme zu den Liberalen, die nach unserem Begriff das berühmte Zünglein an der Waage sind, abgelehnt. Das Kabinett Baldwin ist zurückgetreten. England erhält ein Cabourfabinett, das zweite in seiner Geschichte, aber mit gleich unsicherer Stellung wie das von 1924. Es kann jederzeit gestürzt werden. Es kann aber auch eine Weile am Ruder geduldet werden, was natürlich bedingen würde, daß es spezifisch sozialistische Experimente zurückstellt. Die Vorstellung einer Koalitionsregierung nach unserem Begriff, geht den Engländern so gegen den Strich, daß sie es lieber auf diese Weise versuchen. Man muß zugeben, daß man sich drüben auf die Weise recht viele unerfreuliche Mnklarheiten, Kompliziertheiten und dgl. erspart, die auf dem Fest- lande das politisch-parlamentarische Leben gerade nicht leichter machen. Die Lage ist nun so, daß die Wahlen eine antisozialistische Mehrheit ergeben haben: Konservative und Liberale sind bei aller Feindschaft gegeneinander darin sich einig und bilden sozusagen eine antisozialistische Front. Mm- gekehrt ist eine unbedingte Mehrheit (Liberale und Labour) vorhanden für eine mindestens in der Methode andere Außenpolitik, für eine aktivere Friedenspolitik, zu der die Betrachtung der Lage Englands ja geradezu zwingt (Genf, Rußland, China, vor allem das Verhältnis zu Amerika). So ist eine reichlich schwierige Lage entstanden, von der wir noch nicht sehen, wie Macdonald sie auf längere Zeit meistern soll und ob es möglich fein wird, dem Land baldige Reuwahlen zu ersparen. Darum wäre es verfrüht, schon über die außenpolitischen Folgen des Wahlergebnisses Betrachtungen anzustellen. Das ist jedoch sicher, daß mit einem Kabinett Macdonald eine neue Phase der französisch-englischen Beziehungen beginnt und daß Macdonald selbst für die englische Außenpolitik im Sinne des Friedens das Leitwort aufgestellt hat. in deutlichem Gegensatz zu Chamberlain: „Wir müssen führen, nicht folgen!“ So richten sich also die Augen nicht nur Englands. sondern eines großen Teiles der Welt auf Ramsey Macdonald. 1866 geboren, ein Schotte, aus kleinsten Verhältnissen. Kind eines armen kleinen Bauern, ist er zum Premierminister Englands aufgestiegen. Welch ein Mn- terschied gegen einen anderen, gerade in diesen Tagen verstorbenen früheren Premierminister Englands, den Lord Rosebery! Durch eigene Kraft ist der Mann aufgestiegen, wobei er viel seiner Frau verdankt, einer Verwandten eines anderen großen Premierministers, G l a d st o n e. Man kennt die schöne Biographie, die Macdonald dieser seiner ihm durch den Tod entrissenen Lebensgefährtin gewidmet hat und die auch in das Innere deS Mannes selbst einen Blick tun läßt. Er ist der Führer der Labourpartei, die ihm viel für ihren Aufstieg verdankt. Aber er ist das nicht unbestritten, und es ist auch zweifelhaft. ob seine Konstitution und seine Rerven den Riesenaufgaben, zu denen er jetzt berufen wird, gewachsen sind. Die Aufgaben sind groß für England, noch mehr aber für.Europa! Mnter denen, die ihren Blick auf diesen Mann nun lenken, ist vor allem der Präsident der Vereinigten Staaten. Richt ohne Absicht hat er hart vor der Wahl beim Gedenktag der Kriegstoten eine neue Abrüstungsrede gehalten. VÄ ^”00 Rm feJOOOO "O„ 50000 K*<0000 »i« 100« 20000 n n 1 RM . 3 Wito lort, r o SÄi® ~IOWKOwrt1fiR PoM«kkooto 15191, ftinldurta,^ tiehiroeaiil »W/oliiir. bei: Ult. Unnehmer Flimm. H ^ein bd=Zlf HauiEReuivJrBnd.. ^JoselCh.mbri.L -'i«t.Konr. Emmerich, "tötruKuhl.Sloeb.Prt- tÄvUlLSen,mkr 'Ui. Webe. <96217 Welche praktische Verwendungsmöglichkeit besteht für dieses neue Instrument? Als Solo- instrumcnt ist es, und das bewies auch die Vor- tragsfolge, die sich, vom künstlerischen Standpunkt aus gesehen, auf nicht sehr großer Höhe bewegte, nur an langsame und getragene, mit geringen Verzierungen versehene Stücke angewiesen. Da das Ohr die einzige Kontrolle für reine Intonation ist, so ist für den Spieler ein gutes Gehör erste Vorbedingung, um so mehr, als nur kleine Entfernungsänderungen der Hand schon erhebliche Tonschwankungen erzeugen. Als Orchesterinstrument ist es ebenfalls, und vielleicht mehr noch, auf eine langsame Bewegung angewiesen. In einem amerikanischen Orchester sollen sich zwei solche Instrumente zur Verstärkung der Bässe finden, aber diese Tatsache genügt nicht, um die sichere Verwendungsmöglichkeit als neues brauchbares Musikinstrument zu beweisen. Gewiß ist der elektrische Tonerzeugungsapparat allein geeignet, durch entsprechende Schaltungen kleine und kleinste Intervalle sicher zu intonieren und damit das Problem der Viertel- und Drittelton- Musik seiner Lösung näherzubringen, aber gerade der Thereminsche Apparat begibt sich dieses Vorteils, da er die Tonhöhe von der frei vor die Antenne gehaltenen Hand abhängig macht. Etwas zu wenig oder zuviel hat Mnreinheit zur Folge. Auch dies ließ sich bei der Ausführung des Programms ab und zu feststellen. Die Erfindung eines elektrischen Apparates zur Erzeugung von Tönen und bestimmten Klangfarben des jetzt als Professor am staatlichen physikalisch-technischen Institut in Leningrad tätigen Leo Theremin ist zweifellos von weit- tragender Bedeutung, aber solange sein Instrument nicht mit einer Vorrichtung (Tastatur, Grifs- skala oder Schalttafel) versehen ist, die neben dem Gehör auch den Gefühls- und Gesichtssinn zur Kontrolle der erzeugten Tonhöhe heranzieht, ist seiner praktischen Verwendungsmöglichkeit als Musikinstrument eine enge Grenze gezogen. Daran ändern auch alle günstigen Mrteile nichts, denn diese beziehen sich auf die Klangfarbe, und die ist sehr schön. Somit kann man ruhig sagen, daß dem Instrument die Bedeutung, die ihm vielfach in der Oeffentlichkeit und nicht zuletzt in Fachkreisen zugesprochen wird, nicht zukommt, und daß die Behauptung seiner Verfechter, „für eine künftige Entwicklung der Musik etwas zu gelten" ziemlich kühn erscheint. Die drei Ausführenden W. K a 1 e i k y , A. Lubin und Prof. Lewin (Flügel) wurden ihrer Aufgabe recht gut gerecht. Das Publikum durfte am Schlüsse selbst seine Kunst erproben. Der Beifall war sehr herzlich. B. »fit die fl» * y«D w an die Ede m ÄS Oer Sieg Macdonalds. Außenpolitische Umschau. Don Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Pros, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. D. Die diesmaligen englischen Wahlen sind ohne Zweifel innen- und außenpolitisch von einer Bedeutung. wie englische Wahlen seit langem nicht. Aber es ist nicht ganz leicht, ihrem Ausfall gerecht zu werden und ihre Folgen mit einiger Sicherheit zu beurteilen. Bekanntlich haben die -Konservativen 8.6. die Labourpartei 8,3, die Liberalen 5,3 Millionen Stimmen erhalten. 6 Millionen Wahlberechtigte haben sich nicht an der Wahl beteiligt. Fast 14 Millionen haben sich also gegen die bisherige Regierung ausgesprochen, nur 8 dafür. Insofern ist das Ergebnis unstreitig eine glatte Riederlage des Kabinetts Baldwin. Warum waren fast zwei Drittel der Wahlberechtigten gegen das bisherige Regime? Wegen des Mangels an innen- und außenpolitischen Erfolgen, der nicht zuletzt verschuldet war durch die mehr als gemäßigte und zurückhaltende Politik Baldwins und durch die Verschiedenartigkeit der Strömungen in der konservativen Partei, sowie vor allem durch eine in den letzten Iahren immer erfolglosere Außenpolitik Chamberlains. Das steht auch fest: die konservative Partei Englands hat eine unvergleichliche Gelegenheit, mit einer absoluten Mehrheit, so groß wie unseres Wissens niemals ein konservatives Kabinett sie gehabt hat, versäumt. Sie hätte eine neue konservativ-positive Politik drinnen und draußen treiben können. Sie hat es nicht sertiggebracht. Sie hat weder gegen die Arbeitslosigkeit erfolgreich gekämpft noch die Krise des Kohlenbergbaues in Wales behoben, obwohl im einzelnen eine ganze Reihe guter Maßnahmen zustande kam. Sie hat sich in der Außenpolitik gänzlich ins Schlepptau Frankreichs nehmen lassen und damit, wie oft hervorgehoben, die Stagnation der großen Politik Europas verschuldet, unter der dieses heute leidet. Sie hat auch die eigentliche britische Reichspolitik keinen Schritt weitergebracht. Meberhaupt hatte das ganze Kabinett etwas Mnjugendliches, Mnpositives, Starres. Daher hat zwär die Partei die alten Wähler im großen und ganzen festhalten können, aber sie hat di e Iugend nicht oder nur teilweise gewonnen. Wer hat gewonnen? Das Weitere, das sest- steht, ist, daß der große „liberale Aufschwung", von dem Lord George soviel sprach, trotz zweifellos vorhandener positiver Gedanken des Führers auSgeblieben ist. Den Hauptgewinn hat die Labourpartei davongetragen. Mnd soweit sich das überhaupt bisher übersehen läßt, haben die jungen Wähler, ganz besonders die diesmal zum ersten Male mit dem Wahlrecht ausgestatteten weiblichen Wühler zwischen 21 und 30 Iahren für die Labourpartei gestimmt. Man will sogar beobachten, daß in den konservativen Familien Vater, Mutter und Sohn gemäß der Meberlieferung konservativ gestimmt, die jetzt wahlberechtigten Töchter aber sich davon sreigemacht haben. Der Wahlausgang bietet also sowohl für die Probleme einer wirllich positiven Politik wie für das Gencra- tionsproblem recht interessante Beobachtungen. Das Weitere aber ist sehr kompliziert. Rach dem englischen Wahlsystem, das nicht die Verteilung der Mandate proportional kennt, war eine Mandatsverteilung nur möglich wie diese: Labourpartei 288, Konservative 255, Liberale, die ja zweifellos im Verhältnis zu ihrer Stim- inenzahl lächerlich oder ungerecht wenige Mandate haben, 58. Das alte Zweiparteiensystem ist dahin, aber eine absolute Mehrheit hat keine der drei Parteien erreicht. lallen. 1,2,3.4 und ' mm wieder am Lager. 6785D CarlSchunck WH auch geteilt, gut gereinigt unb gekühlt, adzugeben. Schritt!. Angcb. unter 03661 a. b. Wieg. Anzeiger, Mk. 1175 — Unerreicht I Hassia 4236D 4924A billig 4998A [timisl ■lEW B' aSi =■ sSg ITWW M M M Mm R ——i i j 700,— 1050,— Aus dem Amtsverkündigungsblaii. * Das Amtsverkündigungsblatt Ar. 39 vom 7.3unl enthält: Der Ausschlag der vorläufigen Umlagen der Provinz Oberhessen. — Die Umwandlung der vorläufigen Gewerbesteuer. - Straßensperre. — Schlachthausanlage des Metzgers Johannes Höchst in Kesselbach. — Verordnung über die Anlegung von Dampfkesseln. — Feldbereinigung Rabertshausen. — Dienstnachrichten. der Not aufzusuchen. — Zur Müllabfuhr und Strahenreinigung übergehend bemerkte der Redner, daß die Müllabfuhr keine allzugrohe Belastung bedeute: sie betrage bei einer Miete von 1000 Mark pro Jahr etwa 6 Mark. Dagegen sei die Abwälzung der Kosten für die Strahenreinigung auf die Miete ungerecht. Diese Last müsse die Stadt tragen und sie auf dem Steuer-eitel ausdrücken. Das Vorhandensein großer Gärten erhöhe die Berechnung, ohne daß dem Mieter eine Mitbenutzung des Gartens zustehe: die Gärten mühten für die Mieter aus der Berechnung herausgenommen werden. Der Vorsitzende ersuchte bann die Mitglieder, sich bei Unzuträglichkeiten zu melden, damit der Verein auf deren Abstellung hinwirken könne. Er habe sich immer bemüht, ein gutes Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter zu erreichen. Die organisierte Mieterschaft habe ihre Belange immer verteidigt und erreicht, daß der Mieterschutz nicht vorzeitig aufgehoben werde. Stadtratsmitgl. Mann bemerkte, daß der Antrag auf Uebernahme der Kosten auf die Stadt abgelehnt worden sei. Der Vorsitzende forderte ebenfalls zur Erwerbung der Mitgliedschaft im Mieterverein auf. Rach der öffentlichen Versammlung fand eine Mitgliederversammlung statt, in der der Vorsitzende über den Mietertag in Mainz berichtete, der ein Wohnungswirtschaftsgesetz, Kontrolle über die Miethöhe von Reichs wegen, ein Wohnheimstättengeseh und eine Steuervereinheitlichung verlangte. Der Kassenbericht, der mit einer Einnahme von 2883 Mk. und einer Ausgabe von 2587 abschließt, wurde genehmigt. Der aus 18 Mitgliedern bestehende Vorstand wurde wiedergewählt. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfund 2,00; Matte 30 bis 35: Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Wirsing (neuer) 40 bis 50; gelbe Rüben (neue) Bund 20 bis 25; Spinat 15 bis 25; Römischkohl 15 bis 20; Dohnen 60 bis 70; Spargel 40 bis 1,20; Erbsen (grüne) 40 bis 50; Mischgemüse 15 bis 20; Tomaten 80 bis 1,20; Zwiebeln 15 bis 20; Schwarzwurzeln 40 bis 80; Rhabarber 15 bis 20; Kartoffeln, alte 6, neue 20 bis 25; Aepfel (ausländ.) 45 bis 70; Dörrobst 35 bis 40; Kirschen 60 bis 80; Stachelbeeren 40 bis 50; Erdbeeren 1,50 bis 2,00; Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,20 bis 1,30; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Rüsse 70 bis 80; Tauben Stück 70 bis 90; Eier 12 bis 13; Blumenkohl 70 bis 1,20; Salat 10 bis 15; Salatgurken 50 bis 90; Ober-Kohlrabi 20 bis 25; Lauch 10 bis 15; Rettich (neue) 10 bis 30; Sellerie 20 bis 1,00; Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zentner 5 Mk. Darmstadt baut Wohnungen. WSN. Darmftabt, 7. Juni. Der Darm- st ä d.t e r Stadtrat genehmigte in seiner gestrigen Sitzung für die Errichtung von 404 ..r elzlmmerwohnungen einen Betrag von fünf Millionen Mark. Die Summe soll im Wege einer Anleihe beschafft werden. 9/40 Vier-Zylinder- OwWieiiie Sie darf höchstens betragen 15 Prozent, also: = Sie «Offen euOdieöen Waler werden daber nehmen Sie morgens, mittags und abends 2 Toluba-Kerne, die fettzehrende, den Ansatz verhindernde, dabet für» Herz unschädliche Stoffe enthalten. Sie erhalten Toluba-Kerne in Auotheken Himbeersaft Weinessig Salatöl nur in bekannter bester Qualität empfiehlt Drillmaschinen Hackmaschinen Schrotmühlen Rübenschneider Düngerstreuer ferner alle Maschinen f. d. Landwirtschaft Mähmaschinen Ulmer Pflüge Häckselmaschin. Pumpen usw. sowie alle Ersatzteile AJ.Tröster,Butzbach läge iWEHiEUR-SCHULE JUff MaschineHDaiPltttro- bä.A^iecnniUlocihtLTiefDtD. \ ^wSiToninffasrrit. Drogerie Winterhofi < Kreuzplatz 10 Löwen-Drogerie Kilbinger Nacfaf.y Seltersweg 79 a jr Ferner tragen 1. und 2. Jugendmannschaft Ge- sellschaftsspiele gegen die 1. und 2. Jugendelf des Fußball-Clubs 1 926 Grünberg aus. Wer hier als Sieger bleiben wird, fei dahingestellt. Boilioierlerliilo-Ietiler der beste Erfolge nachweifen kann, für guten oberhessischen Bezirk so. fort gesucht. Schriitliche Angeb. mit Zeugnissen. Nachweis über Ar- beitSerfolg und GehaltS- bzw. Pro- vtnonSansprüche unter 5109V an den Gießener Anzeiger erbeten. ** Deutscher Beamtenbund, Ortskartell Gießen. Der Hauptausfchuh wählte in seiner Sitzung vom Donnerstag, wie man uns mitteilt, folgende 15 Herren in die Kartelleitung: Althaus (Reichsbahn) 1. Vorsitzender; Mohr (Reichspost) 2. Vorsitzender; Seibel (Uebrige Reichsbeamte) 3. Vorsitzender; Reumann (Gemeindebeamte) 1. Schriftführer; Weigel (Ge- meinöebeamte) 2. Schriftführer; Wallbott (Polizei) 3. Schriftführer; Weith (Uebrige Landesbeamte) 1. Schatzmeister; Lang (Uebrige Reichsbeamte) 2. Schatzmeister; als Vertreter: Wagener (Reichsbahn), Münich (Reichs- Post), Diesel (Polizei^, Reitz (Gemeindebeamte), Adam und Simon (Lehrer), Ror th (Wartegeld- und Ruhestandsbeamte). ** Gegen die Auflösung des Hessischen Gewerbemuseums richtet sich eine Eingabe von Freunden dieses Instituts an den Hessischen Landtag. In dieser Eingabe wird gesagt: Die Nachricht, daß das Hessische Gewerbemuseum aufgelöst werden soll, erweckt in weiten Kreisen ernste Bedenken und lebhaften Widerspruch. Als vor mehreren Jahrzehnten allerorts die Gewerbemuseen gegründet wurden, geschah es, um dem durch die heraufkommende Industrie in Gefahr gekommenen Handwerk zu Hilfe zu eilen, eine Rotwendigkeit, die heute mehr denn je besteht. Alle deutschen Bundesstaaten und preuhi- sche Provinzen haben solche Museen eingerichtet Aus -erprovinzialhauptsta-i. Gie 6en, den 8. Juni 1929. Mieterversammlung. Am Donnerstagabend fand im Gewerkschaftshause eine vom Mieterverein Gießen einberufene öffentliche Mieterversammlung statt, die sich mit der Wohnungsnot in Gießen, der Straßenreinigung und Müllabfuhr und den neuen Bestimmungen über Lockerung des Mieterschutzes befaßte. Der Vorsitzende des Mietervereins, Reallehrer Hebermehl, betonte in seiner Eröffnungsansprache, daß die Versammlung notwendig geworden sei im Hinblick auf den vom Vorsitzenden des Hausbefitzervereins veröffentlichten, jede Wohnungsnot verneinenden und auf unbrauchbaren Unterlagen beruhenden Berichte. Die Stadtverwaltung selbst habe bestätigt, daß tatsächlich 780 Wohnungen fehlten und nicht nur 49, wie Herr Launspach behauptet habe. (Die letztere Angabe wird von Rechtsanwalt Hornberger in seinem Referat allerdings dahin berichtigt, daß es sich um 49 verfügbar werdende Wohnungen handelt.- Stadtratsmitgl. Mann sprach hierauf über die Wohnungsnot. Die Zahl der neuerstellten Wohnungen der Rachkriegszeit betrage 884, wogegen — an der Vorkriegszeit mit einem Durchschnitt von 200 Wohnungen gemessen — jetzt 2800 Wohnungen erstellt sein müßten. Die Folge der Wohnungsnot sei, daß viele Leute keinen Familienstand gründen könnten. Auch die Angabe, daß in Gießen 7181 Haushaltungen vorhanden, fei unrichtig, es seien deren vielmehr 8111, aber über 9000 seien erforderlich, wenn man den Abgang von baufällig gewordenen, ungesunden und sonst ungenügenden Wohnungen in Betracht ziehe. Rach statistischen Feststellungen stehe Gießen in Hessen an letzter Stelle. der Städte, die für die -Unterkunft kinderreicher Familien sorgen, denn diese kämen nicht in die Neubauten. Bei der Erstellung großer Wohnungen seien Daudarlehen an Leute mit höchstem Einkommen gegeben worden. Die Lockerung des Mieterschutzes bedeute eine Gefahr, sie würde, einmal eingeführt, auch über die bisher gesteckten Grenzen gehen. Am meisten begehrt seien 2- bis 3-Zimmerwohnungen. Jede achte Familie sei ohne eigene Wohnung. Redner wies schließlich hin auf die Gefährdung des Friedens, der Sicherheit und der Gesundheit infolge dieser Zustände, kritisierte auch die Maßnahmen des Wohnungsamts und konstatierte, daß noch eine Reihe von Jahren vergehen werde, bevor die Wohnungsnot beseitigt sei. Rechtsanwalt Homberger schilderte auf Grund seiner Erfahrungen als Mitberater beim Wohnungsamt die Gefahren und Mißstände, die sich aus der Wohnungsnot ergeben. Wohnungen, die niemand bezahlen könne, dem Wohnungsamt entzogene Wohnungen (Deamten- wöhnungen), baufällige Wohnungen usw. erschwerten die Beschaffung von Wohnungen. In vielen Wohnungen drückten sich mehrere Familien, die, die Erfolglosigkeit ihres Bemühens einsehend, keine Wohnung suchen. Redner bemerkte weiter, daß oft unberechtigte Forderungen der Mieter ein befriedigendes Einvernehmen mit den Vermietern erschwerten; hier müsse auf beiden Seiten etwas Kordel nachgelassen werden. Aus den Kosten, die die Mietstreitigkeiten jährlich verursachten, könnten zwanzig Wohnungen erstellt werden. Wenn in der Folge die Lockerung des Mieterschutzes zum Wuchern benutzt werde, trete der Mieterschutz wieder in Kraft, deshalb müßten die gesetzgebenden Körperschaften ein wachsames Auge haben. Nach eingehender Behandlung der Bestimmungen über die Untervermietung, die vielen Familien die Zahlung der Miete überhaupt ermögliche, richtete der Redner an die Mieter die Aufforderung, sich zu organi- sieren und den Mieterverein nicht erst im Falle und zum Teil mit recht erhebllchen MittekiL versehen. Eines der kleinsten besitzt Hessen, daS aber nach vieler Hinsicht eine höchst segensreiche Wirkung ausübt, seitdem der derzeitige Leiter. Professor Georg Haupt, auf eine vorbildliche Weise die Sammlungen den lebendigen Forderungen der Zeit nutzbar zu machen versteht. Neben oft wechselnden lehrreichen Sonderaus- stellungen moderner Gebrauchskunst geben die alten Bestände dem Kunsthandwerker wertvolle Anregungen, die Bibliothek ergänzt diese nach allen Seiten aufs beste, und es ist außerdem dem hessischen Kunstgewerbe Gelegenheit gegeben, seine eigenen Erzeugnisse öffentlich zu zeigen. Der Name Hessens ist durch solche Ausstellungen mehr als einmal weit über die Grenzen des Reiches hinaus bekannt geworden. Wenn das Gewerbemuseum aufgelöst werden sollte, wäre in Hessen feine Möglichkeit mehr, solche für das einheimische Gewerbe unentbehrlichen Anregungen zu empfangen, das weithin berühmte hessische Kunsthandwerk wäre ohne öffentliche Pflegestätte und auf auherhessische Institute angewiesen, die naturgemäß in erster Linie den Interessen ihres eigenen Landes dienen wollen. Die Unterzeichneten sind der Ueberzeugung, daß die unwesentlichen Ersparnisse, die dadurch gemacht würden, einen solchen Schritt vor der Oeffentlichkeit nicht rechtfertigen könnten, daß man auch bei allen Würdigung der finanziellen Notlage diesen einzig dastehenden Schritt Hessens in weitesten Kreisen als einen bedenklichen Niedergang kultureller Verantwortlichkeit auffassen müßte. ** Hütet die Sensen! Die Zeit der ersten Grasschnitte rückt immer näher. Alljährlich fordert in dieser Zeit die Unvorsichtigkeit ihre Opfer. Es ist daher wohl angebracht, an die alte Vorschrift zu erinnern, daß die Sensen nur verdeckt durch die Ortschaften getragen werden dürfen, und daß man auch während der Arbeitspause auf den Wiesen mit den offenen Sensen ganz besonders vorsichtig umgehen muß, damit niemand in die Schneiden tritt und sich vielleicht Zeit seines Lebens Schaden zufügen könnte. „Hütet die Sensen!" ist dahxr ein Mahnwort, das sich zu Beginn dieser Zeit jeder zu Herzen nehmen möchte. Turnen, Sport und Spiel. Sportverein 1928 Garbenteich. Für kommenden Sonntag hat der Sportverein 1928 Garbenteich vier Mannschaften nach Garbenteich verpflichtet. Erste und zweite Mannschaft tragen ein Gesellschaftsspiel gegen die gleichen des B a l lsp i e l- Clubs 19 21 Nauborn aus. Die Einheimischen müssen alle Kräfte einsetzen, wenn sie dem sehr spielstarken Gegner nicht unterliegen wollen. ^Titten, Kuxen usw.) gleichgestellt, wenn der Veräußerer am Kapital der Gesellschaft wesentlich, d. h. wenn er oder seine Angehörigen (Ehegatte, Kinder, Enkel, Eltern, Großeltern, Schwiegerkinder und deren Abkömmlinge, Stiefkinder und deren Abkömmlinge, Geschwister, Neffen, Nichten, Onkel und Tante, Schwäger und Schwägerinnen) unmittelbar oder durch Vermittlung eines Treuhänders, oder einer Erwerbsgesellschaft zu mehr als einem Viertel beteiligt sind, oder innerhalb der letzten zehn Jahre beteiligt waren. Als Gewinn ist hier der Unterschied zwischen Deräuhe- rungspreis und Anschaffungspreis zuzüglich der bei der Veräußerung entstandenen Werbungskosten anzusehen. II. Der Gewinn wird bei der gänzlichen oder teilweisen Veräußerung eines Gewerbebetriebs durch Vergleich des Veräußerungspreises mit dem Wert des Betriebsvermögens am Schluß des vorangegangenen Steuerabschnitts ermittelt; hierbei ist zu berücksichtigen, daß bei solchen Steuerpflichtigen, die zur Führung von Handelsbüchern nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs verpflichtet sind, oder solchen Steuerpflichtigen, die, ohne dazu verpflichtet zu fein, Handelsbücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs tatsächlich führen, beim Vergleich auch der Wert des Grund und Bodens zu berücksichtigen ist. Bei den übrigen Steuerpflichtigen (insbesondere Handwerkern) bleibt bei der Gegenüberstellung der Wert des Grund und Bodens außer Ansatz. Zur Berechnung der Steuer sind die allgemeinen Tarifvorschriften nicht anwendbar. Derartige Gewinne unterliegen nur einer Versteuerung, insoweit sie bei Veräußerungen eines Gewerbebetriebs als ganzen den Betrag von 10 000 Mark und bei Veräußerung eines Teils des Gewerbebetriebs, von Beteiligungen oder Anteilen den dem Anteil entsprechenden Teil von 10 000 Mk. übersteigen. Hierbei ist der vom Schluß des letzten Steuerabschnitts bis zur Veräußerung entstandene Gewinn nicht als Veräußerungsgewinn zu betrachten. Auf Antrag wird von derartigen außerordentlichen, nicht regelmäßig wiederkehrenden Einkünften eine Einkommensteuer erhoben, die 10 bis 15 Prozent beträgt, wenn das Einkommen 30 000 Mk. nicht Übersteigt, und 15 bis 20 Prozent ausmacht, wenn das Einkommen 30 000 Mk. übersteigt. Innerhalb dieser Grenzen ist die Entscheidung über die Höhe dem Finanzamt überlassen. Der Steuerpflichtige hat jedoch einen gesetzlichen Anspruch darauf, daß ihm beim Vorliegen der Voraussetzungen die Steuer im angemessenen Umfang ermäßigt wird. Tüchtige Verkäuferin au» der LebeuSmittelbrauche für Juli ober später gesucht. Schriftliche Angebote unter 5050D an den Gießener Anzeiger erbeten. in Konstruktion, Material und Leistung. J JteSüäSgg Geringster Ersatzteilebedarf Wenig Reparaturen daher die enorme Nachfrage und Produktionssteigerung 1929 um 120°/ i Vogtländische Maschinenfabrik A.-G., Plauen i.Vogtland. Ye-rtretun9: Georg Karl Reit, GIESSEN, Marburger Straße 34, Fernsprecher 298. 2282V mitheizijng tWLF NETTER 6 JACOBIwtane BERLIN WJ5 «FINNENTROP kWESTF Vertr.: E. Becher, Gießen, Dammstr.43, Tel. 1190 Folgendes Beispiel gibt eine zahlenmäßige Erläuterung der Bestimmungen: Der Gewerbebetrieb eines ledigen Steuerpflichtigen wies am 31. Dezember 1927 ein Kapitalkonto von 75 000 Mk. auf. Am 31. Dezember 1928 betrug das Kapitalkonto 78 000 Mk. Im Kalenderjahr 1928 erreichten die Privatentnahmen 8000 Mk. Der Gewinn 1928 war somit 11 000 Mk. Nun veräußert er am 31. Dezember 1928 den Betrieb im ganzen und erzielt einen Erlös von 95 000 Mk., also 17 000 Mk. mehr als den in der Bilanz vom 31. Dezember 1928 ausgewiesenen Wert. Die Steuer berechnet sich wie folgt: Steuer von dem für das Kalenderjahr 1928 ausgewiesenen Gewinn von 11000 Mark nach dem allgemeinen Tarif — Für die außerordentliche Einnahme von 17 000 Mk. abzüglich 10 000 Mk. kann die Steuer ermäßigt werden auf 10 Prozent von 7000 Mk. --- r„INSUROL« Verblüffende Erfolge ohne streng« Diät. Tägl. neue Anerkennungen* Verlangen Sie sofort Auskunft Deutsche Vltal-Oesellseh. Berlin 35, Rathenower Str. 73. 268V ————————— fabrikneu, umständehalber unter Listenpreis zu verkaufen. Anzusehen Sprudel-Garage Konrad Meier jr. _______Bad-Wanheim.____[5109V Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samskag nachmittag geschloffen. Bei Erkältungskrankheiten, Rheuma, Gicht* Ischias, Nerven- und Kopfschmerzen, haben sich Togal-Tabletten hervorragend bewährt. 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Ring 9.-, 3. Ring 7.-, Loge Vorder- platz 9.—. Loge Hinterplatz 7.— Mk. Einzelkartenverkauf ab Donnerstagvormittag. 5078D Zum deutschen Rhein! Bel deutschem Wein! Sonntag, den 16. Juni 1929 Erste volkstümliche Rheiniahrt Gießen—Mainz—Rüdesheim (Nationaldenkmal) Aßmannshausen—Koblenz— Gießen. Sonderzug und Sonderdampfer. Musik und Tanz an Bord. Preis RM. 12.50, Anzahlung RM. 6.—. Anmeldung umgehend durch: Hapag Reisebüro Gießen, Telephon 4197, Seltersweg 93., Für die uns anläßlich unserer Vermählung in so reichem Maße erwiesene Aufmerksamkeit sagen wir auf diesem Wege herzlichen Dank Oiio Weller und Frau Anna geb. Benner Wiesech Iuni 1929 Abendessen zu Mk. 3.50 Kraftbrühe Solferino Schwedenplatte Deutsche Poularde mit verschiedenen Gemüsen Tapioka-Pudding Sage auch Deinen Bekannten, was Dir gut getan hat. Man soll nicht selbstsüchtig seineErsahrungen für sich behalten. 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August beginnt wieder ein vierteljähriger .-Koch-Kursus Anmeldung im Bnreau Steinstraste 10, täglich von 12-1 und 14—15 Uhr, (inner Samstag. 5080D 03673 Weltlaus um Minor L)er< Nachdruck verboten. 17. Fortsetzung. sportgeübter oben Wache um den Ruf. auch als niemand Im Filmatelier erste fortgestürzt, ohne sich um aussagen, was ist 8 billiger und nung Ihrer Wäsche Nur in Originalpackung — niemals lose! Hersteller auch von Henko — Henkels Wasch- und Bleichsoda. daß du mich finden würdest, sie, dann trugen starke Arme und daß Lind weiter Tunnel. Diele nahm ihnen mal hatte sie Hinsehen und trieb sie der Deine gingen das Gefühl, sie müsse sich einfach abwarten, was käme, aber dann Rauch wieder vorwärts und die ganz mechanisch ihren Weg. Rauch kroch langsam vorwärts, taumelten die Menschen durch den mußten zurückbleiben. Der Rauch die Desinnung. Die Panik war um so größer. zwischen den Allmählich geschehen war. Sie hatten eben nichts weiter gemerkt, als das Verlöschen des Lichtes, und dann hatte die Flucht vor dem Qualm begonnen. kümmern. Aber sie konnten auch nichts Die Frau mit dem Kind hatte sich noch immer an Cllinor geklammert und ließ sich mitziehen. Aber das Dorwärtskommen wurde immer mühsamer. Ellinor biß die Zähne zusammen. Sie wollte nicht feige werden, sie hatte schon manche an* strengend Tour in ihrem Leben gemacht, sie erinnerte sich an einen Schneesturm, der sie einmal in den Dergen überfallen hatte, als sie eine Tour machte, auch damals hatte sie nur ihre unbeugsame Energie gerettet. Aber jetzt fühlte sie langsam, wie sie ermattete. Plötzlich hörte sie irgendwo ein Glockensignal und zwei große gelbe Lichter schoben sich aus! dem Aebelmeer. Ein Rettungszug. Ellinor taumelte. Plötzlich standen die Lichten ganz schief und drehten sich wie irrsinnig gewordene Räder. Aber dann war George auf einmal da, nur toat er seltsam groß und unwirklich, aber sie fühlte doch, daß er da war und fie wunderte sich kein bißchen darüber: „Ich wußte ja, Georgie," flüsterte sie fort. Mit einem Schwung setzte sein Körper über die Barriere. „Halt," schrie der Polizist, der hielt, „Halt, halt!" Aber George kümmerte sich nicht XVf. der Llnited Film Compagnie wußte, was eigentlich geschehen war. Ellinor keuchte vorwärts. „Ich muß durchholtcn", dachte sie immer wieder. aber sie glaubte nicht so recht daran, denn der Atem ging immer mühsamer. Der Rauch trieb die Menschen vorwärts. blockiert, wir müssen die Wagen erst nach nach h JiMnöUN! Dohnun Leitung von 642000 im Jahre für das ne Erbaui vorigen 3 400000 nicht euch' seht noch i den konnte Stüde der prograr diesmal, n etwas übe l scheinung t hing erläu in 1927 bi Mark sind 471439 Ml brauchte 2 nach dem insgesamt bleiben au' 528651 M sehen." F lation i sind im i 200 000 2 merkt die 1927 und 137 SCO M Jahren bü ttorben; d 1929 übcrti gramm im sind, bleibe Don 278 71! zusehen." ' Sdjulra weitere 5( die Stabil merk Hinz ersten Te als nicht i tragen. 3 237 000 M u’bttMfynw Teilbetrag ■Sei der allem di Wohin Mark im Wirlschaf leihemitte der Dem sunehnr , auf 29201 1324082,1 nähme1 Mark) zu $ei bei rechnung ^cbertrac Zähren n ^rscheinur die Mte liehen lb beiten au weit bor, beefügbar ■aeftbeträe Kruch gcl A dah < uche Kür mäßig be 'Klass, Mnebige flen Derk p ganj < '°nbem a fit, ™ >» Sie te PK Besah. Raiter Üiufjen > s, •e s,s «Ä Mehr „ m. Kleger ^Mtier »»’n "6 BJt9 «“ verbürgt die alleinige Persil Verwendung absolute Scho Burschen, denen die Strapaze des langen Weges nicht so viel ausgemacht hatte, sie waren als erste fortgestürzt, ohne sich um die anderen zu -5 7 ■/ standen die Lichte, > wie irrsinnig ge« : ciMal da, nur war 'lich, ober sie fühlt« e wunderte sich fein nid) finden würdest, trugen starke Arme vor utw ««W» V. ■ ** Üft n geduht L"b tsv* ein ^d in. $ ohnmächtig J Arisch dorwärtj SB ^nd um k 'hr langsam die ' gingst. 6i« toQT nur immer. * um °nst. Manch. ?.u'k sich einfach aber dann vorwärts und die h ihren De. immet ÄH mit-iehen. ^urde immer müh. amnen. Sie wollte schon manche m. J" gemacht, sie er« surm. Ser sie em. hatte, als sie eine e sie nur ihre m. , wie sie ermattete, ein Tivdensignal t schoben sich M •6 Film Comdagni« rcheinwerser schnurr« m ihr grelles Licht charsen, die immer egisseurs horten und ie eine Herde Schafe n bringen liefe. Hier Mars den ganzen \b, dafe einem die i Augenblick konnte IflD Samstag, 8. Zuni 1929 Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. 132 Drittes Blatt Orr Wiesecker Voranschlag für 1929. £ Wieseck, 8. 3uni. Wie wir in unserem Bericht vom Donnerstag schon bemerkten, weist der Voranschlag der Gemeinde Wie- seck für 1929 in einzelnen Rubriken wesentliche Aenderungen gegen 1928 auf. So finden wir in Rubrik „G e b ä u d e" für 1929 eine Einnahme von 8676 Mk. (1928 nur 7188 Mk.) und Ausgabe 1929 3100 Mk. (1928 dagegen 5983 Mk.). Rubrik „Grundstück e“ eine Einnahme von 15 363 Mk. (1928 9652 Mk.), Rubrik „W aldungen" nur eine Einnahme von 30 445 Mk. gegenüber 1928 60 285 Mk. Der Mehrerlös in 1928 ist auf starke Windbrüche zurückzuführen. Die Ausgaben sind etwa 2000 Mk. niedriger als 1928. Die Ausgaben für Schäfereien und Weiden betragen 1929 2836 Mk. gegenüber 2070 Mark von 1928. Reu erscheint die Rubrik „Verkehrswesen" mit einer Einnahme von 6225 Mk. und Ausgabe von 11 475 Mk., sowie Rubrik „Gasversorgung" mit einer Ein- nähme von 4400 Mk. und einer Ausgabe von 5980 Mk. 3n der Rubrik „A llgemeine Verwaltung" sind die Einnahmen von 1928 und 1929 fast gleich, die Ausgaben dagegen betragen in 1929 28 159 Mk. gegen nur 21351 Mk. im Jahre 1928. Auch die Rubrik „Oeffentliche Sicherheit" zeigt in 1929 eine Mehrausgabe von 2066 Mk. Die Mehrausgaben in diesen beiden Rubriken sind auf die beantragte Reuregelung der Gehälter der Hessischen Gemeindebeam- ten zurückzuführen. Rubrik „Oeffentliche Gesundheitspflege" weist eine Mehrausgabe von 1132 Mk. auf. 3n Rubrik „Feuerlöschwesen" sollen die Ausgaben 1929 1108 Mark betragen gegenüber 808 Mk. 1928. Hier wäre vielleicht die Anschaffung einer mechanischen Leiter zu empfehlen. Bei Rubrik „Schulen" betrugen 1928 die Ausgaben 13 215 Mk., 1929 dagegen sollen nur 8374 Mk. verausgabt werden, weil für die Legung der Zentralheizung in der Schule an der Gießener Straße 1928 = 4000 Mk. in Ausgabe erschienen waren. Die Rubrik „evangelische Kirche" erfordert eine Ausgabe von 4081 Mk., gegenüber 3538 Mk. in 1928. Die Rubrik „Gemeindefriedhöfe" einschl. Bestattungskosten erforderten 1928 eine Mehrausgabe von 1056 Mk. Rubrik „Kanäle" weist für 1929 eine Ausgabe von 5125 Mk. auf, gegenüber 3900 Mk. in 1928. Für „L an dw i r t sch a f t s zwe cke" sind in Ausgabe für 1929 nur 5508 Mk. vorgesehen, gegenüber 8282 Mk. 1928. Die „Grenzverhältnisse" weisen eine Einnahme von 3304 Mk. auf, gegenüber 2850 Mk. 1928. Die Ausgaben sollen 1929 nur 5783 Mk. betragen, statt 11 055 Mk. 1928. Für „Oeffentliche Anlagen, Denkmäler" sind 1929 — 2020Mk. vorgesehen, gegen 1020 Mk. 1928. „Flüsse und Bäche" sollen die Einnahme von 3300 Mk. ergeben (1928 2420 Mk.), die Ausgaben dagegen nur 9980 Mk. betragen, gegenüber 14 000 Mk. 1928. Für „W ohnungsfürsorge" sind vorgesehen: Einnahmen 1929 = 7578 Mk. (1928 = 7365 Mk.) Ausgabe 1929 = 15 300 Mk. (1928 — 6169 Mk.) An „Steuern" hat die Gemeinde zu zahlen 9280 Mk. (1928 = 10 200 Mk.): die Son- öerfteuern sollen 3100Mc. be r gm (1923 2820211!.); die Anteile an Reichssteuern sollen 27 645 2KF. einbringen, gegenüber 22 580 Mk. in 1928. Rubrik „Kapitalzinsen" erbrachte 1928 6-100 Mk., 1929 werden es nur 541 Mk. sein, da die Zinsen aus dem Autobetrieb (1923 5200 Mk.) in Rubrik 18 mit 6225 Mk. bereits erschnnen; die Ausgaben betrugen 1928 19 735 Mk., 1929 sollen es nur 3300 Mk. werden. Rubrnt „Schuldentil- gun g" betrug 1928 5790 Mk. und 1929 sind 3121 Mk. vorgesehen. Durch Gemeindesteuern müssen nach dem Entwurf des Voranschlags 60 895 Mk. noch gedeckt werden. Vorschläge für die Steuersätze sind im Doranschlagsentwurf nicht gemacht. Taten für Sonntag, 9. Juni. Sonnenaufgang: 3.45 Llhr, Sonnenuntergang: 20.14 Llhr; Mondaufgang: 5.02 Llhr, Monduntergang: 22.56 Llhr. 1672: Zar Peter der Große in Moskau geb. (gest. 1725). — 1870: Der englische Dichter Charles Dickens (Doz) auf Galshill Place bei Rochester gest. (geb. 1812). Daten für Montag, 10. Juni. Sonnenaufgang 3.44 Llhr, Sonnenuntergang: 20.14 Llhr; Mondaufgang: 6.20 Llhr, Monduntergang: 23.37 Llhr. 1819: Der französische Maler G. Courbet in Ornans geb. — 1836: Der Physiker Andre Marie Ampere in Marseille gest. — 1914: Gründung der Universität Frankfurt a.W. Oer Gießener Voranschlag für 1929. V.') Die Vermögensrechnung des Haushaltsvoranschlags für 1929 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 3 020 567,19 Mark, gegen 2034 758,68 Mk. im Vorjahre ab. Diese Erhöhung um fast eine Million Mark ist darauf zurückzu- slihren, daß der neue Voranschlag nach der vorjährigen Unterbrechung jetzt eine weitere Rate □on 500 000 Mark für die Beschaffung von S ch u l r a u m vorsieht, die Kosten für die Errichtung einer Rinderkuttelei im städtischen Schlachthof in Höhe von 130 000 Mk. angefordert werden, für die Erbauung von Straßen, Wegen und Anlagen ein Betrag von 256 069 Mk. eingesetzt ist und schließlich das Kapitel „Finanzverwaltung" infolge gesteigerter Aufwendungen für die Finanzierung des Wohnungsbauprogrammes und zur Bestreitung des Kapitalzinsendien st es von 647 000 Mk. im Vorjahre auf 1 027 951 Mk. im Jahre 1929 sich erweitert hat. Dagegen ist für das neue Wirtschaftsjahr eine weitere Rate zur Erbauung des V i e h h o f e s. für den im vorigen Jahre die erste Rate in Höhe von 400 000 Mk. bereitgestellt wurde, im Voranschlag nicht enthalten, weil dieses Projekt leider bis jetzt noch immer nicht in Angriff genommen werden konnte. Bedauerlicherweise muhte unter dem Drucke der Finanznot auch das Straßenbau- Programm erheblich gekürzt werden, so daß diesmal nur der oben erwähnte Betrag von etwas über eine Diertelmillion Mark in Erscheinung tritt. Hierzu wird von der Verwaltung erläuternd folgendes bemerkt: „Von den In 1927 bereitgestellten Mitteln von 1000 000 Mark sind in 1927 und 1928 bis jetzt insgesamt 471 439 Mk. verbraucht worden; der nicht verbrauchte Teil wird auf 1929 übertragen. Da nach dem vorliegenden Strahenbauprogramm insgesamt noch 784 630 Mk. erforderlich sind, bleiben außer dem zu übertragenden Betrag von 528 651 Mk. noch 256 069 Mk. neu hier vorzusehen." Für die Ausführung der Kanalisation in zum Ausbau vorgesehenen Straßen sind im neuen Voranschlag 124 687 Mk. gegen 200 000 Mk. im Vorjahre eingestellt. Hierzu bemerkt die Verwaltung erläuternd: „Von den in 1927 und 1928 bereitgestellten Mitteln von 137 500 Mk. plus 200 000 Mk. sind in den beiden Jahren bis jetzt insgesamt 58 787 Mk. verbraucht worden; der nicht verbrauchte Teil wird nach 1929 übertragen. Da nach dem vorliegenden Programm insgesamt noch 403 400 Mk. erforderlich sind, bleiben außer dem zu übertragenden Betrag von 278 713 Mk. noch 124 687 Mk. neu hier vorzusehen." Bei dem Titel „Beschaffung vo n Schulraum", für den — wie oben erwähnt — weitere 500 000 Mk. angefordert werden, fügt die Stadtverwaltung folgenden Erläuterungsver- mcrk hinzu: „Bon dem in 1927 bereitgestellten eisten Teilbetrag von 1COO 000 Mark wurden als nicht verbraucht 994 500 Mk. nach 1928 übertragen. Dis jetzt sind von diesem Betrag rund 237 COO Mk. verbraucht. Außer dem nach 1929 zu übernehmenden Restbetrag werden als zweiter Teilbetrag weitere 500 000 Mk. hier vorgesehen." Bei der „Finanzverwaltung" ist vor allem die Steigerung der Ausgaben für das Wohnungsbauprogramm von 392 062,84 Mark im Dorjahre auf 634 700 Mk. im neuen Wirtschaftsjahre bemerkenswert, die aus An- llcihemitteln zu decken sind. Die Gesamtausgaben der Dermögensrechnung in der Rubrik „Auf- zunehmende Kapitalien" belaufen sich auf 2 920 567,19 Mk., die Gesamteinnahmen auf 1324082,19 M?., so daß durch Kapitalaufnahme 1 596 485 Mk. (im Dorjahre 1 011116,62 Mark) zu decken sind. Bei der kritischen Betrachtung der Dermögensrechnung fallen vor allem die obenerwähnten Aebertragungen großer Summen aus früheren Jahren nach dem neuen Doranschlag auf. Diese Erscheinung ist damit zu erklären, daß seinerzeit die Mittel für die Bauvorhaben in dem erforderlichen Umfange bereitgestellt waren, die Arbeiten aus technischen Gründen aber nicht so Veit vorangcbracht werden konnten, daß die verfügbaren Mittel erschöpft worden wären. Die Restbeträge werden nun im neuen Jahre in Anspruch genommen. Außerordentlich schmerzlich ist rs, daß auch in diesem Jahre wieder bei dem Strahenbauprogramm eine f h empfindliche Kürzung stattgefunden hat. Die verhältnis- mäßig bescheidenen Beträge, die man hier Vorsicht, lassen kaum auf eine auch nur einigermaßen befriedigende Durchführung der allernotwendig- slen "Verbesserungen hoffen, von Reuschaffun- $en ganz abgesehen. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern auch gefahrdrohend für die Zukunft; denn wenn unsere Straßen infolge des auher- vrdentlich starken Fahrzeugverkehrs erft einmal so stark strapaziert worden sind, daß der Schaden bis in die Packlage hineinreicht, dann werden Dir in späteren Jahren die heutige außerordentlich engbegrenzte Strahenunterhaltung sehr teuer zu bezahlen haben. Hoffentlich bleibt die starke Beschneidung des Straßenbauprogramms nur auf das Jahr 1929 beschränkt und macht dann wieder einer Erweiterung Platz, damit die vorerwähnten Gefahren einer späteren Zeit rechtzeitig hmt- angehalten werden. Mit Genugtuung ist zu begrüßen, daß für den Wohnungsbau im -neuen Wirtschaftsjahre wieder mehr getan werden soll. Die Betätigung der Stadt auf diesem Gebiete ist in der Tat außerordentlich notwendig. Begrüßenswert ist auch der Ausbau, des 6 ch l a ch t h o f e s. Sehr zu bedauern ist jedoch, daß die Verwirklichung des Viehhofprv" jektes bis heute immer noch nicht zur -L,at geworden ist. Lieber die Dringlichkeit dieser Einrichtung besteht schon seit langem kein Zweifel mehr, und daher sollte doch nun mit allem Rachdruck darauf hingewirkt werden, daß diese Angelegenheit endlich aus dem Stadium des Projektierens in die Durchführung gelangt. 3n der Gesamtheit betrachtet, weist auch die Dermögensrechnung, wie die Detriebsrechnung, eine außerordentlich scharfe Anspannung auf, die mit aller Deutlichkeit erkennen läßt, wie eng begrenzt die gegenwärtigen Schaffensmöglichkeiten der Verwaltung unter dem starken Drucke der allgemeinen deutschen Finanznot sind. *) Teil I in Rr. 109 vom 11. Mai, Teil II in Rr. 115 vom 18. Mai, Teil III in Rr. 120 vom 25. Mai, Teil IV in Rr. 126 vom 1. 3unL Oie Wohnungsnot unter besonderer BerücksichtigungderGießenerVerhältniffe Von Beigeordnetem Or. Ernst Hamm, Gießen.*) Bei der Wohnungsnot ist zu unterscheiden zwischen dem Wohnungs mangel und dem Wohnungs elend. Der Wohnungsmangel ist, bezüglich der Kleinwohnungen, schon vor dem Kriege vorhanden gewesen, ist aber im allgemeinen eine Kriegs» und Rachkriegserscheinung; während der vier Kriegsjahre ist nicht gebaut worden, eine Anzahl Wohnungen sind baufällig geworden. Die Rachkriegszeit hat eine rasche Vermehrung der Haushalte gebracht, ohne daß die Bevölkerung besonders gewachsen ist. Die Zahl der H a u S h a l t u n g e n ist aber ausschlaggebend. Die Reichswohnungszählung vom 16. Mai 1927 hat 70 Prozent der Bevölkerung erfaßt. Sie hat ergeben, daß 902 536 Familien und Haushaltungen ohne selbständige Wohnungen in Deutschland vorhanden sind. Der Wohnungsmangel wird bestritten, und es wird behauptet, es käme nur auf eine richtige Verteilung der Bevölkerung an, dann sei der Wohnungsmangel behoben. Demgegenüber ist zu sagen, daß es nicht nur auf die Einwohnerzahl, sondern auf die innere Struktur der Einwohnerschaft ankommt. Man darf auch nicht vergessen, daß Deutschland vor dem Krieg etwa 600 000 unverheiratete Soldaten gehabt hat, die erst nach Ableistung ihrer Dienstzeit geheiratet haben, die aber heute den Wohnungsmarkt beeinflussen. Das Wohnungselend ist schon lange vor dem Kriege vorhanden gewesen, es hängt zusammen mit der Zusammenballung der Bevölkerung in den Städten durch die Industrialisierung. Die Städte sind weder technisch, noch organisatorisch darauf vorbereitet gewesen. Verfehlter Städtebau, ungeeignete Bauordnungen, Bodenspekulation, Mängel des Hypotheken- rechts, die über eine außerordentliche Boden- Preissteigerung zu den Mietskasernen führten, haben in Deutschland eine Wohnungsdichte hervorgerufen, die kein anderes Land kennt. Als Folgen der Wohnungsnot entstanden Familienzerwürfnisse, Rervenleiden, Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten und Tuberkulose, Rückgang von Geburten und der Fruchtbarkeitsziffer. Lieber unsere Gießener Verhältnisse ist festzustellen, daß die Zahl der Wohnungen in Gießen im Dezember 1928 8311 betrug. Haushaltungen bestanden zu dieser Zeit 9062, so daß 751 Haushaltungen ohne eigene Wohnung vorhanden sind. Die Zahl der Haushaltungen ist einwandfrei durch die Reichswohnungszählung vom 16. Mai 1927 festgestellt. Die Zahl der Haushaltungen ist in Hessen im Durchschnitt gegenüber der Vorkriegszeit um 14,5 Prozent gewachsen (während die Bevölkerung nur um 5,1 Prozent zugenommen hat), in Gießen aber um 27,2 Prozent. Die Zahl der Haushaltungen hat also in einem ganz anderen Maße zugenommen als die Bevölkerung. Zu beachten ist auch, daß die Kopfzahl der einzelnen Haushaltung im Durchschnitt geringer geworden ist als vor dem Kriege. Gießen hat aber auch einen Bevölkerungszuwachs in den letzten Jahren erhalten. Rach der genauen Statistik des städtischen Steuerbureaus, welche sich nach der Volkszählung vom 16.3uni 1925 aufbaut, sind in Gießen am 16.3uni 1925 33 525, aber am 1. Januar 1929 35 727 Einwohner (ohne Militär) vorhanden gewesen. Abgesehen von einem Geburtenüberschuß muß in Gießen auch mit einem sog. Wanderungsgewinn gerechnet werden (Lleberschuh des Zuzugs gegenüber dem Wegzug). Seit dem Kriegsende sind in Gießen 1230 neue •) Rach einem Vortrag, den Herr Dr. Hamm, der Dezernent für die städtische Bauverwaltung und das Wohnungswesen, in der Mai-Versammlung der Ortsgruppe Gießen des Allgemeinen Deutschen Frauenvercins gehalten hat. — D. Red. Wohnungen gebaut, aber 3095 Ehen geschlossen worden. Wenn auch nach der Statistik des Standesamts anzunehmen ist, daß etwa ein Viertel der Reuvermählten ihren Wohnsitz auswärts aufschlägt, so ist damit zu rechnen, daß ebensoviele Reuvermählte, die ihre Ehen auswärts geschlossen haben, nach Gießen ziehen werden. Man kann ohne zu übertreiben sagen, daß durchschnittlich in den letzten zehn Jahren doppelt bis dreimal soviel Ehen geschlossen, als Wohnungen geschaffen worden sind. Rach einer genau geführten Statistik des Wohnungsamts haben 307 Haushaltungen auf eigene Wohnungen verzichtet. Die Zahl der dann noch verbleibenden Wohnungfuchenden ohne eigene Wohnung beträgt nach dem Stand vom Dezember 1928 584. Dazu kommen rund 50 baufällige Wohnungen und 150 unhygienische Wohnungen, so daß die Summe dieser Wohnungen mit 7 8 4 als die Zahl der mangelndenWohnungen anzusprechen ist. Die Behauptung, daß viele Wohnungen von einzelnen Damen bewohnt würden, ist dahin richtig zu stellen, daß 43 alleinstehende Damen in Gießen Wohnungen innehaben. 38 davon haben untervermietet; ein Beweis, daß es ihnen wirtschaftlich nicht zum besten geht. Wollte man diese Damen aus ihren Wohnungen (23 haben Dierzimmerwohnungen, 16 haben Fünfzimmerwohnungen und 5 haben Sechszimmerwohnungen) ausweifen und ihnen Kleinwohnungen geben, wo sie nicht vermieten können, so werden sie dem Wohlfahrtsamt zur Last fallen und müssen zudem noch einen Teil von ihrer Einrichtung verschleudern. Kleinwohnungen sind aber nicht vorhanden, dort ist der allergrößte Mangel. Also würde durch eine derartige Llmsiedlung wenig gewonnen werden. 3n der oben angegebenen Zahl von 8311 Wohnungen sind enthalten: 50 baufällige, 154 vollkommen unhygienische und 50 an sich brauchbare Wohnungen, in denen aber die Menschen in einer furchtbaren Enge zum Teil noch bei ansteckenden Krankheiten zusammengesteckt sind. Die Zahl dieser 254 Wohnungen sind in dem obengenannten dringendsten Wohnungsbedarf enthalten. Dabei sind aber die 115 Rotwohnungen in der Kaiser- allee und bei der Margaretenhütte nicht mitgerechnet. Dieses Wohnungselend wird noch gesteigert durch die Exmission. Zur Zeit sind acht Familien gegen Stellung einer Ersahwohnung und 43 Familien ohne Stellung einer Ersatz- Wohnung zur Räumung berurteilt. 72 Familien mit Personen, die mit ansteckenden Krankheiten behaftet sind, sind in vollständig unzureichenden Wohnungen untergebracht. Schwer Lungenkranke müssen mit anderen das Bett teilen. Zum Beweis dafür, daß dieses furchtbare Wohnungs- elend in Gießen nicht etwa in den Köpfen der städtischen Beamten besteht, sondern tatsächlich vorhanden ist, sei gesagt, daß eine Liste über diese 254 furchtbaren Fälle mit ausführlichen Einzelheiten im Stadthaus vorhanden ist. Die Behebung der Wohnungsnot ist nur durch Bauen von Wohnungen zu erhoffen. Diese Lösung ist aber durchaus nicht einfach, weil es zur Zeit sehr schwer ist, die Mittel zu beschaffen. Von 3ahre 1933 ab kann mit einem Rückgang der Eheschließungen infolge der Kriegsausfälle gerechnet werden. Man befürchtet nun, daß von da ab sogar Wohnungen leerstehen werden. 3ch teile diese Befürchtung nicht, denn dann kann man endlich einmal an die Sanierung der Altstadt in hygienischer, aber auch in verkehrstechnischer Beziehung Herangehen. Eine ganze Anzahl von Derkehrsverbesserungen scheitern heute daran, daß man die im Wege stehenden Häuser nicht abreihen kann, weil die darin wohnenden Familien anderweitig nicht unterzubringen sind. Oberheffen. Landkreis Gießen. )( Grohen-Linden, 7. 3uni. Der älteste Einwohner Großen-Lindens, Schuhmacher 3oh. Luh VIl. wurde heute 8 6 Jahre alt Da er Altveteran von 1866 ist, ließ ihm der Reichspräsident v. Hindenburg die besten Glückwünsche zu seinem Geburtstage aussprechen und chm seine Photographie mit eigenhändiger Llnterschrift überreichen. * Wieseck, 7. 3uni. Das Männer q uar- tett „Harmonie", Mitglied des Deutschen. Hessischen und Lahntal-Sängerbundes, feiert am Samstag, 8. 3uni„ und Sonntag, 9. 3uni, sein 10. Stiftungsfest. Am Samstagabend findet ein Festkommers statt, verbunden mit Banner- Weihe, während der Sonntag der Jubiläumsfeier gilt. Siehe Anzeige in der Freitag-Ausgabe des Gießener Anzeigers. M Wie seck, 7. Juni. Die Wirtschaft und Metzgerei G. Göbel, als frühere Bierausche Apfel- weinwirtschaft bekannt, ging mit Inventar durch Kauf in den Besitz des Metzgermeisters Paul Drescher in Lollar über. + Staufenberg, 7. Juni. Am kommenden Sonntag begeht der hiesige Gesangverein die Fe ie r seines 5 0jährigen Be st e h e n s. Aus diesem Anlaß hat der Lumdatalsängerbund sein dies- jähriges Wertungsfingen dem festgebenden Verein zugeteilt. Sämtliche Vereine des Sängerbundes werden an dem Singen teilnehmen. 5 Harbach, 7. Juni. Am nächsten Sonntag feiert der Gesangverein „Germania" hier sein 35jähriges Stiftungsfest. Am Vormittag findet am Gefallenendenkmal em Ge- chächtnisgottesdienst statt, wobei neben dem Gesangverein noch eine Musikkapelle mitwirken wird. Zu dem Fest haben mehr als zwanzig Vereine Der Llmgegend chr Erscheinen zugesagt. tz Saasen, 7. Juni. Am vorigen Sonntag machte der evangel. kirchliche Frauenverein hier feinen -diesjährigen Ausflug. Lln- gefähr 50 Mitglieder besuchten unter Führung k>cs Leiters, Lehrer Herber, Eisenach und die Wartburg. Begünstigt vom Wetter verlief der Ausflug so, daß er bei allen Beteiligten in bester Erinnerung steht. + Grünberg, 7. 3uni. 3n einer außerordentlichen Gemeinderatssitzung am heutigen Freitagabend unter dem Vorsitz des Beigeordneten Keller und in Anwesenheit von neun Gemeinderäten wurde die Gemeinderechnung für 1927/2 8 durch den Rechner R. Gehringer verlesen. Sie schließt in der 'Detriebsrechnung mit 246 649,55 Mk. Einnahme 'and 198 683,23 Mk. Ausgabe ab, in der Ver- inögensrechnung mit 97 081,87 Mk. Einnahme und 97 050,54 Mk. Ausgabe. Gleichzeitig wurde der Dom Rechner aufgestellte Voranschlag für 119 2 9/3 0 beraten und nach kurzer Besprechung ohne Aenderung einstimmig gutgeheiben. Dieser schließt in Einnahme und Ausgabe mit je 219 010 Mark ab. Der Llmlagebedarf beläuft sich auf 63 200 Mk. Eine Erhöhung der Gemeindesteuer» sähe ist nach Mitteilung des Beigeordneten nicht notig. Lieber Einzelheiten werden wir noch berichten. Kreis Friedberg. 2$. Dad-Rauheim, 6. 3uni. Als dritte und letzte Veranstaltung der diesjährigen Rke i st e r s e st s p ie le wurde heute abend im gt ohen Konzerthause Beethoven „Fidelio" gegeben. Die Hauptpartien (Leonore und Flore- stttn) sangen Henny Trundt und G. Pi stör, zvxi gefeierte Bayreuther Sänger, während Ernst O st e r t a m p von der Leipziger Oper die Partie dd-s Kerkermeisters übernommen hatte und der Kölner T r e s k o w für die Partie des Pizarro verpflichtet war. Zu der vorzüglichen Rollen- besehung kam eine ausgezeichnete musikalische Ausdeutung durch das Orchester des Genexal- iwasikdirektors Heinz Dongarh. So war die Aufführung von einem sehr starken Erfolg begleitet. Die diesjährigen Meisterfestspiele bedeuten eine k ü n st l e r i s ch e Tat, die den Ruf unseres Bades als Musikstadt weit hinaus tragen wird in alle Welt. Kreis Büdingen. # Echzell, 7. 3. ni. Der Schweinemarkt ho tte nur einen Auftrieb von 161 Stück Ferkel zu. verzeichnen. Zahlreiche Kaufliebhaber hatten such eingefunden, so daß der Markt bei sehr hohen Preisen bald geräumt war. 6 Wochen alte 5er* fei kosteten 38 bis 42 Mk., 7 Wochen alte 40 bis 45 Mk., 7—8 Wochen alte 45 bis 50 Mk., ältere Tiere kamen bis 62 Mk. das Stück. Kreis Schotten. rI Laubach, 7. 3unt 3n der jüngsten S itzung des Gemeinderats wurde der endgültige Ausschlag der Gemein de um la - gen für das Rechnungsj ahr 1 928 erledigt. Rach eingehender Erörterung wurde der vorgesehene steuerliche Sah genehmigt. Weiter wurden Anschaffungen für die Straßenbeleuchtung beschlossen. — Der Kirchengemeinde Laubach wurde zur Deckung ihrer Bedürfnisse der Betrag von 800 Mark über» wiesen. — Sodann wurden noch verschiedene Verbesserungen von Straßen be- sch lassen. An der sog. „Hohlen Gasse", von der Hciinstraße bis zur Bahnhofstraße, soll (vom Kemsumhause Mönnig an, eine Stützmauer errietet werden, wozu die Anlieger einen gewissen Be itrag leisten sollen. Der freie Platz zwischen dem Schloßgarten und dem Spritzenhaus soll gärtnerisch angelegt und eingefriedigt werden. Der Kirchplah soll einen Fußsteig und Pflasterung erhalten. Vor den neuen Häufernauf der Westseite des Ramsbergs, an der unteren Kurve bar Andre-Allee, foll ein chauffierter Weg angelegt werden. Architekt Silß wurde mit der Aufstellung eines Kostcnvoranschlags beauftragt, nach dem die Arbeit öffentlich vergeben werden sollt. — Die Vorbereitungen für den sog. „Aus- s ch u h", das Laubacher Rationalfest, das, vom 9. bis 11. 3uni nach alter Sitte gefeiert wird, sind lebhaft im Gang. Am Dienstag findet ein großer Prämiierungsmarkt für Rindvieh (Fleckvieh und Vogelsberger) und für Ziegen statt. Preußen. Kreis Biedenkopf. cs> Riederweidbach, 8. 3unt Heute nacht wurde bei dem Kaufmann Becker einge- brochen. Den Dieben sind die Ladenkasse, Kurzwaren, Zigaretten usw. in die Hände gefallen. Es fehlt noch jede Spur von den Einbrechern. Verdächtig find vier junge Durchreisende. EM anmutig gelegen aut einem südlichen Ausläufer (les Rothaar- cebirges. Prächtiger Schloß-und Stadtpark. Hldchwaldreiche herrliche Umgebung. 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Als Wahrzeichen der Stadt ragt in stolzer Höhe die gewaltige Baugruppe des Domes und zweier gotischer Schlösser empor. Meisterwerke der Baukunst aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die noch heute größte Bewunderung für den Baumeister Arnold von Westfalen erregen. Hier, auf dem Burgberge, errichtete der deutsche König Heinrich I., der Finkler, 929 eine Burg und versah sie mit Besatzung und Befestigung, worin der Ausgangspunkt für die meißnische Geschichte zu erblicken ist. Schon 965 wurden das Markgrafentum und 968 das Bistum begründet, zum Schutze des Landes wurden auch die umliegenden Hügel mit Burgen beseht, die sich zum Teil bis in die Gegenwart hinübergerettet und zur Entfaltung eines reichen ritterlichen Lebens beigetragen haben, mit dem die Errichtung von Augustiner-, Benediktiner-, Zisterzienserklöstern Hand in Hand ging. Der Berg- folgte die Talsiedlung, immerhin zählte die Stadt bis zum Ende des 15. Jahrhunderts erst etwa 2000 Einwohner, nachdem um 1250 eine vollständige Stadtummauerung mit Türmen und fünf befestigten Toren geschaffen worden war. Pietätvoll hat die Stadtverwaltung anläßlich der Jahrtausendfeier manche äleberreste aus der mittelalterlichen, hochentwickelten Dauperiode von wissenschaftlich-fachkundigen Händen restaurieren lassen. Zur Höhezeit des Mittelalters war Meißen als Bischofssitz jedenfalls ein Mittelpunkt des geistigen Lebens: im Markgrafenschloh auf dem Burgberg pflegte man den Minnesang. Beim Markgrafen Dietrich, dem Bedrängten, weilte Walter von der Vogelweide, und der Markgraf Heinrich ist unter dem Aamen Frauenlob bekannt geworden. Dem 1205 gegründeten Augustiner-Chorherrn-Kloster St. Afra gliederte sich eine Pfarrschule an, die späterhin in eine Domschule und nach Einführung der Reformation in Sachsen 1539 in die bekannte Fürstenschule St. Afra umgewandelt worden ist. Im allgemeinen hat sich aber die Reformation an der Entwicklung Meißens ungünstig ausgewirkt, indem es als kirchlicher Mittelpunkt zerstört und das Bistum auf gehoben wurLe. Schwer heimgesucht wurde die Bevölkerung Meißens 1576 durch eine Pest, noch mehr 1632 während des dreißigjährigen Krieges durch den Einfall der Wallensteiner und 1637 durch die Schweden, die eine verheerende Feuersbrunst anlegten. Auch im zweiten schlesischen und siebenjährigen Kriege hatte Meißen als Drückenstadt an der Elbe schwere Drangsale zu bestehen, indem auch das kleinste Haus 100 oder 150 Mann Einquartierung aufnehmen und verpflegen mußfle. Das Hauptquartier Friedrichs des Großen befand sich wochenlang am Domplah. Aach diesen Schicksalsschlägen begann für Meißen erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts eine Epoche des Wiederaufbaues. Handel und Ge- ' werbe wurden durch die günstige geographische Lage an der Hauptverkehrsstraße zwischen Lei-- | zig und Dresden gefördert: nicht zuletzt auch durch das landwirtschaftlich genutzte Hinterland, in älteren Chroniken „des Landes Myfsen große Korntenne" genannt, in dem die „Sammetbauern" wohnen. In industrieller Hinsicht zu einer Berühmtheit gelangt, ist Meißen schon durch die 1710 errichtete Porzellanmanufaktur, die erste auf dem europäischen Kontinent. Als Erfinder des Porzellans wird der Alchimist Johann Friedrich Böttger angesehen, den der Kurfürst August der Starke mit der Einrichtung und Leitung der Meißner Manufaktur betraute. Daß Meißen einen in aller Welt angesehenen Aamen erlangt hat, verdankt es hauptsächlich der glänzenden Entwicklung, den die Feinkeramik gerade von dieser Stelle aus genommen hat. Wenn es auch Böttger nicht gelungen ist, seine Erfindung lange geheim zu halten, vielmehr bald auch andere Länder, wie Oesterreich, Preußen, Bayern usw., Porzellanmanufakturen errichteten, so blieb Meißen doch lange Zeit tonangebend — dank der schöpferischen Kraft hervorragender Meister auf dem Gebiete der Dildformerei und Malerei. Eine Fülle von bewunderten porzellanenen Kunstwerken ist von Meißen in die Welt hinausgegangen. Was die Manufaktur zu leisten vermag, hat sie auch letzthin bewiesen mit der Schaffung von zwei Monumentalwerken, die anläßlich der Tausendjahrfeier gezeigt wurden: des Kriegergedächtnismalers in der uralten Aikolei- kirche und des Glockenspiels in dem Frauenkirchturm. Man bewundert den LInternehmungsgeist und die Genialität des Künstlers Paul Dörner, der den für kleinere Bildwerke und Tafelgeschirr bestimmten Werkstoff in den Dienst der Herstellung von Wandtafeln in Mannshöhe und von zahlreichen trauernden Frauengestalten in Lebensgröße stellt und der zwecks Herstellung eines Glockenspiels in einem Kirchturm das harte Metall durch zerbrechliches Porzellan ersetzt hat. Allgemein bekannt ist der Meißner Kachelofen, den Töpfermeister Karl Teichert um die Mitte des vorigen Jahrhunderts mit großem Erfolg eingeführt hat. Aach ihm firmiert jetzt das größte industrielle Unternehmen, die Meißner Ofen- und Porzellanfabrik, die zur Zeit etwa 3000 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Außer in Kachelöfen und Wandplatten hat dies Unternehmen in der Herstellung von Gebrauchs- und Kunstporzellan Leistungen aufzuweisen und versendet seine Erzeugnisse in fast alle Länder der Erde. Zahlreiche andere Firmen verwandter Branchen schließen sich an, aber trotz dieser regsamen Industrie ist Meißen mit seinem Gibst rom und den bewaldeten Seitentälern eine Stadt von eigenartiger Schönheit und Altertümlichkeit geblieben, in der sich der Fremdenverkehr von Jahr zu Jahr steigert. 3m Kanulager am Edersee. Von Or. Wodaege, Gießen. Der Deutsche Kanuverband (D. K. V.), seine Kreise und Vereine kämpfen um Plätze an Flüssen und Seen. Heberall im deutschen Vaterland werden Zeltlagerplätze geschaffen. Dort schlagen die Verbandsmitglieder ihre Zelte auf eigenem Grund und Boden auf und brauchen nicht ben Zorn erboster Hferanlieger zu fürchten, die mit mehr oder weniger BeiMchtigung auf ihre zerknickten Grashalme Hinweisen. Rügen kennt bereits seit längerer Zeit ein solches Lager, das sich der D. K. V. dort geschaffen hat. Ein weiteres Lager ist seit zwei Jahren am Edersee erschlossen worden. In diesem Jahr wird es durch ein Blockhaus ausgebaut werden, damit die Besucher bei schlechtem Wetter nicht nur auf ihre Zelte angewiesen sind. Das Wasserbauamt Kassel und die Talsperrenverwaltung haben das Werk unterstützt. Der Platz liegt etwa in der Mitte zwischen Herzhausen und der Sperrmauer im „ Fürstental". Von einem großen, von Buchenwald umsäumten Wiesengelände sind anderthalb Morgen für den Lagerplatz abgetrennt. Die Flagge des D. K. D. weht dort vom hohen Mast. Westfalen und Rheinländer, Kurhessen, Aas- sauer und Hessen-Darmstädter geben sich dort ein Stelldichein. Für Fußgänger ist der Platz verhältnismäßig schwer erreichbar. Die Kanu- fahrcr haben von Herzhausen aus 13 Kilometer, von der Sperrmauer aus 10 Kilometer zurückzulegen. Mitten in einem der schönsten Flecken deutscher Erde liegt unser Platz. Aaturidhlle, wohin man fchaut, so recht geeignet, den Menschen restlos auszuspannen vom Alltag. Manche Zelte stehen wochenlang dort als Ferienheim ihrer Bewohner. Dem Flußwandern mit Faltboot und Zelt sollen gewiß nicht seine Reize abgesprochen werden. Geruhsamer und ausspannender sind jedoch solche Tage im Kanulager, im eigenen Wochenendhaus, dem Zelt. Einen besonderen Reiz bot vergangene Pfingsten das noch Helle Grün der endlosen Buchenwälder, die das Lager und den See allenthalben umrahmen und sich meilenweit über die Berge dahinziehen. Aber auch im Hochsommer und Herbst ist es schön hier. Lassen wir einige Tage solchen Lagerlebens an uns vorüberziehen. In Herzhaufen (drei Eisenbahnstunden von Gießen entfernt) schlagen wir an einem regnerischen Pfingstsamstag unsere Boote auf. Dort nehmen die meisten Paddler ihren Ausgangspunkt, weil dort der See der Bahnstation am nächsten liegt. Die Fahrt beginnt. Cs regnet zeitweise in Strömen. Aber es gibt kein schlechtes Wetter, wie jener Engländer sagt, sondern nur eine schlechte Ausrüstung. Wir lassen also alles Wasser von oben beharrlich an Südwester, Kajakjacke und Spritzdecke ablaufen. Im Lager stehen bereits einige Zelte. Wir landen, werfen sofort eine große Zeltbahn über unsere Boote, schlagen im wasserdichten Kostüm, wenig bekümmert um den Regen, unser Hauszelt auf und bringen unter dem Schuh des auch hierzu brauchbaren Segelschirms Wild- seiden- und Daunenschlafsäcke, Gummimatratzen und Wollsachen trocken ins wasserdichte Haus. Dort richten wir uns ein. Bald waltet die Kajakfrau ihres Amtes und bereitet das leckere Mahl. Die Boote liegen bereits kieloben neben den anderen am Strande. Aachts regnets und stürmts. Aber nirgends schlafh's sich so gut wie im Zelt unter dem Takt der aufschlagenden Regentropfen. Andern Morgens leuchtet die Sonne herein. Eine richtige Seebrise treibt die Wellen hoch. Auf das kurze Bad in dem noch kühlen Wasser folgt ein wärmendes Frühstück. Dann geht's in die Boote zur Fahrt an die Sperrmauer, vorüber an dem Scheidt , einer Marinekolonie, auf weit vorgeschobener Landzunge liegend. Der Scheidt trennt das Bringhausener Decken von dem Teil des Sees, der in die Aieöer- Werbener Bucht ausläuft. In klarer Luft blaut der Himmel. Mit gekreuzten Paddeln fahren wir gegen den Wind an. In der Aähe der Sperrmauer wird im Windschatten ab gekocht, gegenüber der stolzen Feste Waldeck. Man weiß nicht, was das Auge mehr entzückt: der blaue See. die wärmende Sonne, das wolkenlose Firmament, die weiten Wasserflächen, die stillen Duchten, die saftigen Wiesenflächen, die grünenden Wälder, die steilen Berghänge mit ihrem Buchen- grün, die sauberen Dörfer oder die ragende Festem Bald weitet sich der See deckenartia, bald ist er wie ein Strom zwischen waldigen Brrghängen eingeengt. Auf unserer Heimfahrt, die wir zum Teil segelnd zurücklegen, statten wir unseren Freunden auf der Marinekolonie einen Besuch ab, und unser Boot wird mit neuem Proviant gefüllt. Dann geht es wieder zurück zum eigenen Heim. Abends wird's kühl. Bald zieht sich alles ins Zelt zurück. Die Stille der einsamen Aatur umfängt uns beim Einschlafen. Rur hier und da quakt ein Frosch oder schreckt Rehwild im Wald. In der Rächt nähert sich das Thermometer bedenklich dem Aullpunkt. Wir aber ziehen uns den wärmenden Schlafsack über die Ohren und lassen uns erst durch den Ruf des Kuckucks in der Frühe wecken. Am anderen Morgen ringt die Sonne mit dem Aebel. Wie wenn der Schönheit auf einmal zu viel wäre, enthüllt sie nur stückweise die Berge und Felshänge und den Blick nach beiden Seiten des Sees. Dann liegt wieder alles in klarer PrcuHt vor uns. Ein Tag köstlichen Lagerlebens beginnt. Man badet, liegt in der Sonne, fährt auf dem See zur nahen Banfe-Bucht, die in ihrer Eigenart beinah etwas an einen nordischen Fjord erinnert. Treibersegel und Segelschirm, windgefüllt, ziehen die Boote ohne Paddelschlag über das Wasser. Ganz geruhsam kann man sich dem Genuß der Aatur hingeben. Aber auch die Wanderlust regt sich. Herrlich leicht marschiert es sich in der reinen Waldlust. Hinauf gehts zu den Dergkämmen. Wohin auch die Schritte sich lenken, überall ists einzig schön. Auf den Höhen schweift der Blick weit ins Land und über den schimmernden See, der sich in zahlreichen Biegungen um grünendes Land windet. Die einen wandern über den Berg hinauf nach Basdorf, die anderen hinüber zum Scheidt auf einem Weg, hoch oben über einer fast senkrecht zum See abfallenden Bergwand. Wieder andere paddeln zum jenseitigen Llfer und lassen dort ihr Boot sorglos im Dusch liegen, um auf Entdeckungen auszugehei^ Heberall stößt Man auf neue eigenartige Äatur- schönheiten. Da gibt es plötzlich heideartige Stellen mit hohen Wacholdersträuchen und sandigem Doden, dann wieder schroffe Felsen, ein* fame Waldwiesen und rauschende Bäche, die über graues Gestein zum See hinabeilen. Die Zahl der Zelte hat sich inzwischen her* mehrt. Am Abend lodert ein Lagerfeuer auf. Wohltuend ist seine Wärme in der kühlen Abendluft. Im Kreise kauern alle um die lodernde Flamme. Eine Harmonika stimmt leise ein Lied an. Leise summen die andern den Text. Der Mond wirft sein Licht über den See. Man erzählt sich dies und jenes, bis das Feuer erlischt.» Langsam entstehen auch freundnachbarliche T?*-' ziehungen zwischen den einzelnen Lagerbewoh-^ nern. Es ist diesmal nicht etwa in erster Linie krasse Jugend, die solche Dinge unternimmt. Fast» durchgängig sind es Menschen gesetzteren Alters, die hier ihre Zelte aufschlagen, meist Ehepaare, zum Teil mit Kindern. Die Jugend tummelt sich tagsüber beim Ballspiel. Trotz der Verschiedenartigkeit der Menschen, die sich dort einnisten, ruht über dem Ganzen doch eine gewisse Har- Der Den ' WM n • >'■ veiM • r> denen st prägen jtomcrH1 Msbild- ras Zel! «Mngslo 114 Abel • nur, was ■km ni»l und Seele. H Ttr oon , fldnqene M Ißtgtnb ist dl I We s Wllio zu • tan roten I zis zum M i risin schöne itn bis zu' tir am M „ch Fellii! Tt nach de im?m iuffl 6iG(am um: ffWunge' ticlet eine u flieg Wen uns in das kinlebr) oi( : uw direkt n Ihr Wander stunden. Wchsl Wir sah Mucke, bem Schneller Fi Hochgelegen! Reigen wir 'die herrliche Etzend, Dü Auch Burg' sind zu seh Kreuzen, zu schreitend, t zgeben. Jlac »alleinstehend Darüber, de ■ gegeben hat $kde gerne 'lotentirdje, 'sich viele E -rlnhohe, bi seines alten fcufyft Mge Mal gesamt Heins. Weill tief in das in nördlich - Vogelsberg 'Wild, an l Ifler Wände 'slriereichen, 'M» Oti unb Htnx 5000 Äutg 'M schon 'ausländisch IMfräftge gesucht, um I I F'rnruf; Kui strafie 8, Souimerfr JJ'Wrtenrodi y-nebme äss ait Bad lu än?mlichke Rjj Ve™ rw£°n 4.5 a’Wnend iSnrpeld. u. jfehrsb/ X ,,u* ®eioen Seiten .nem Weg, hoch obei ihr Doot sorglos im stauchen unb sandi- jReifetvinfe >mn See abfallenden Paddeln zum jensei- Eenlvfe anfe-2uchf, öle fn , an einen nordischen 1 und Eegelschirm, ohne PaddeWaa niam kann man sich eben. Wer auch die b leicht marschiert eJ .hinaus gehts zu den ie Schritte sich knh, us.den Höhen schlotist > über den schimmern' eichen Biegungen ue e einen wandern übet > Will \'/w ’ ** *■ / firnes alten Friedhofs, der mit mächtigen Hain- Ldyn umgeben ist. Interessant ist der wie ein Po- bl geformte Taufstein vor dem Eingang des Kirch- Min s. Weithin schweift der Blick nach der Rhön und Mf in das Thüringer Land hinein. Wir gehen nun ii nördlicher Richtung durch Meiches, einem echten Lgelsbergdorf und kommen durch ziemlich viel Halb, an Almenrod vorüber, nach etwa vierstündi- pr Wanderung narb unserem Endziel, dem indu- ftisreichen, freundlicyen «Städtchen Lauterbach. rorie. Denn im Grunde wollen hier alle bad* HP Hl M. Wen das Doot hier ans Ufer trägt, der "<▼11» bt wahrhafte Ferien vom Ich. 1 Ausfallend ist die durchgängig gute Ausru- , n rine Kleidung, die zweckentsprechend und zu* «äf> wohlgefällig ist. Das gilt vor allem, für V>tr von Dünsbergbesteigern am häufigsten beim qene Anmarsch zur höchsten Kuppe unserer Um- iqcnb ist der folgende: Wir gehen auf der Land- Po V nach Krofdorf, wenn wir nicht oorziehen, das Isos lauto zu benutzen, durchschreiten den Ort und filg tn roten Strichen, die uns die Straße aufwärts Vlt h jum Walde bringen. An dieser Stelle haben wir ck nach beiden Sriln schönen Rückblick nach den Burgen, über Gie- •b?r „ 11 [Bin bis zum Vogelsberg und Taunus. Run gehen östlichen Laäerl^-ü! t:r am Waldrand nach links weiter und gelangen ’n ä- ----- -- Fellingshausen. Das Zeichen führt durch den pt nach den Hängen des Dünsbergs und in langhin tm Aufstieg zur Höhe, wobei wir die Ringwälle pafam umgehen. Aul bem Berg find Sonntags bsmschungen zu haben. Die Plattform des Turmes Ltd eine ungemein reizvolle Fernsicht. Zum Ab> ( q wählen wir entweder den roten Strich, der iis in das Biebertal durch die Reehmühle (gute xnftsbild. , Aas Zeltlagerleben hat seine Zukunft. Sie Aus- vfHungskosten sind freilich nicht ganz unerheb* ch- Aber sie amortisieren sich, unb zwar nicht IJC was bas angelegte Gelbkapital betrifft son- hn nicht zuletzt auch zum Desten von Leib nÖ Seele. Wanderfahrten. Sürßen — Krofdorf — Fellingshausen — Düns- berg — Bieber. c weiblichen Wesen. Die Zeiten sinb vorüber, Denen für berartige Unternehmungen nur bas > getragenste Zeug eben gerade gut genug war. mb das ist erfreulich. Schließlich verschönert em «nerhaft aussehenber Mensch nicht bas Land- sdorf, dir andern Mr fahren mit dem Frühzug nach Station ' icke, benutzen hier das Personenauto, das uns in Klier Fahrt zu unserem Ausgangspunkte, dem ^gelegenen Städtchen Ulrichstein bringt. Hier beigen wir zunächst den Schloßberg, um noji oben «düngen ausjuaehen l.e herrliche, umfassende Fernsicht bis in unsere ic eigenartige Statur* liegend, Dünsberg und Stoppelberg zu bewundern, zlich heideartige 6te[- Luch Burg Münzenberg, der Taunus und die Rhon -b zu sehen. Von Ulrichstein folgen wir gelben schroffe Felsen, ein« reifen, zunächst abwärts, die Staatsstraße über- irnde Bäche, die übn hreitend, um einen Feldweg aufwärts weiter zu hinabeilen. fihen. Rach einiger Zeit kommen wir an einer ich inzwischen bet* «stinstehenden Höhe, dem Dogelsbera (599 Meter) ein Lagerfeuer auf. Drüber, der dem ganzen Gebirge seinen Namen in der kahlen Wend- figeben hat. Durch Wald und Feld, immer hübsche ifle um die lvdernst »icke genießend, gelangen wir bann zur Meicheser fiirnrnt leilc ein Lied kcisnkirche, einem alten Bauernheiligtum, an das im dm Tert. Ser fr) viele Sagen knüpfen. Die Kirche steht auf einer . Mn er* tchöhe, dem Totenkippel (537 Meter) inmitten __ ic-, - — CH».; Sa«- m r * flrtitl» i das Feuer crltldM mnbnachbarlichr Mrn W-to-* ctaa in * Lire: nge unternimmt, öc'i1 )cn gesetzteren Wert, agen, «ri» c Jugend himmelt'.3 xrvh brr ie sich dort eimnften, ■eöitturen auf SfntraJ Bad Oeynhausen. Äad Oeynhausen, bas große Rheuma*, Herz- mV Rervenbad, ist in diesem Jahre bereits von 5XW) Kurgästen ausgesucht worden. 55 000 Däder fmö schon verabfolgt worden. Auch eine Reih« cuSländtscher und überseeischer Gäste haben die ^Kräftigen Quellen des Da des Oeynhausen auf* gesicht, um durch sie Gesundung zu finden. Oie Wahlordnung für die Wahlen der Handwerkskammern. Rachdem die sog. Handwerksnovelle, b. h. das Gesetz zur Aenderung der Gewerbeordnung vom 11. Februar 1929, auch das Wahlrecht für die Handwerkskammern zeitgemäß umgestaltet unb bic Wahl burch Listen in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer unb geheimer Wahl eingeführt hat, ist nunmehr auch vom Reichswirtschaftsminister . bie Wahlorbnung für bie Wahlen bet Mitglieber ber Hanbwerkskammern erschienen. Darnach bestimmt ber Vorstand ber Hanbwerkskammer ben Wahltag, ber ein Sonntag ober öffentlicher Ruhetag sein muh. Entsprechenb ben anberen öffentlichen Wahlen wirb auch ein Wahlausschuh gebilbet, bestehenb aus bem Dor- sitzenben, seinem Stellvertreter und vier Dei- sihern nebst Stellvertretern. Der Wahlleiter unb sein Stellvertreter werben vom Dorstanb ber Handwerkskammer bestellt. Der Handwerks* kannnerbezirk bildet einen Wahlbezirk. Für jeden Stimmbezirk wirb ein Abstimmungsvorstanb ge* bilbet. 3n ben Abstimmungsräumen müssen bie erforderlichen Einrichtungen vorhanben sein, bie bas Wahlgeheimnis sichern. Gewählt wirb nach Wahlvorschlägen, bie spätestens am 35. Tag vor ber Wahl bei bem Wahlleiter eingereicht sein müssen. Als Grunblage für bie Wahl bient ein vom Dorstanb ber Handwerkskammer herzustel- lenber unb zu beglaubigender Auszug aus der Handwerksnovelle, der alle am Wahltag Wahlberechtigten des betreffenden Stimmbezirks enthält (Wählerliste, Wahlkartei). Wählen kann nur, wer in diese eingetragen ist. Die Wählerlisten sind öffentlich auszulegen, zwecks etwaiger Erhebung von Einsprüchen. Bei ber Wahl sind nur solche Stimmen gültig, bie unoeränbert auf einen ber vom Wahlausschuß zugelassenen unb vom Wahlleiter veröffentlichten Wahlvorschläge lauten. Die Stimmzettel sind in Umschlägen abzugeben. Aus bie Wahlhanblung selbst finden eine Anzahl von Bestimmungen ber Reichs* stimmorbnung entsprechende Anwendung. A l s gewählt gelten die Bewerber desjenigen Wahlvorschlags, ber mehr a l s die Hälfte aller abgegebenen Stimmen erhalten hat. Hat kein Wahl- Vorschlag mehr als bie Hälfte aller abgegebenen Stimmen erhalten, so finbet eine engere Wahl zwischen ben Bewerbern berjenigen bei» ben Wahlvorschläge 1tatt, auf welche bie meisten Stimmen entfallen sind. Als gewählt gelten die Bewerber desjenigen Wahlvorschlags, auf welchen bie meisten Stimmen entfallen sinb. Bei Stimmengleichheit entscheibet bas Los, bas vom Wahl* leiter in einer Sitzung bes Wahlausschusses zu ziehen ist. Die engere Wahl hat innerhalb eines Monats nach ber Bekanntmachung des Ergebnisses der Hauptwahl stattzufinben. Rundfunkprogramm. Sonntag, 9.3uni: 8 bis 9 Uhr: Katholische Morgenfeier. Anschließend: Uebertragung des Glockengeläutes von ber St. Peterskirche. 11,30 bis 12: Elternstunde. 12 bis 13: Promenadenkonzert. 14 bis 15: Stunde der Jugend. 15 bis 16: Stunde des Landes. 16 bis 16,30: Don der Rennbahn in Riederrad: Mikrophon-Reportage: Juni-Pferderennen des Frankfurter Rennklubs. 16,30 bis 18: Konzert. 18 bis 18,30: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung. 19 bis 19,30: Sportnachrichten. 19,30: Vom Frankfurter Opernhaus: „5>a8 Mädchen aus dem goldenen Westen", Oper in drei Auszügen von G. Civinini und C. Zan- garini, Musik von Giacomo Puccini. Anschließend: Don Berlin: Tanzmusik. Montag. 10. Juni: 6.30 Uhr: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert: Unterhaltungsmusik. 15.05 bis 15,35: Stunde ber Jugend. 16.35 bis 18.05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.40 bis 19: „Oeff entlieh« Meinung und Beamtenschaft", Vortrag von Bürgermeister a. D. Paul Hehlein, Berlin-Lichterfelde. 19 bis 19,20: „Max Scheier, seine Persönlichkeit, Entwicklung und sein letztes Weltbild". Vortrag von Dr. Rudolf Sande, Aachen. 19,20 bis 19,40: „Rheinschiffahrts-Polizeiordnung, Berufs-Schiffahrt und Wassersport". Vortrag von Fritz Saurmann, Leiter der Gruppe Mainz der Wassersportverbände Westdeutschlands. 19,40 bis 19,50: Englische Literaturproben. 19,50 bis 20,15: Englischer Sprachunterricht. 20,15 bis 21,15: Gesangskonzert Herbert Heyner. 20,15: Von Kassel: Rordische Musik. Anschließend: Schallplattenkonzert: Märsche und Walzer. Dienstag, 11. 5uni: 6,30 Uhr: Morgengymnastik. 13.30: Schallplattenkonzert: Buntes Programm. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. 16,35 bis 17,45: Don Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 17,45 bis 18,30: Rach Köln: Zum 65. Geburtstag von Richard Strauß. 18,30 bis 18,55: „Die Meeresnachtfeier des zweiten Aktes und die erste Helena-Szene des 3. Aktes in Goethes .Faust II'". Dortrag von Pfarrer Clemens Taesler. 18.55 bis 19,35: Von Kassel: Fritz Michel. Dorlesung aus eigenen Werken: „Der Trinker", kleine Tragödie. 19,35 bis 19,55: Funkhochschule. 19,55 bis 20,15: Vortragszyklus des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes: „Des Kaufmanns Dienst am Kunden", Vortrag von Gaubildungs- obmann Friedrich Martens. 20,15: Sinfonie- Konzert. 22: Rach Stuttgart: Literarische Veranstaltung: „Gespräche mit Beethoven". Mittwoch. 12. Juni: 6,30: Morgengymnastik. 10.40 bis 11.10: Schulfunk: Musik, vorgetragen von akad. Musiklehrer Ferdinand Hofmann: „Die Suite". 13.15: Schallplattenkonzert englischer und französischer Militärmusiken. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. 16,35 bis 18.05: Rach Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Dücher» stunde. 18.30 bis 18.45: Von Kassel: Fünfzehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund, Vortrag von Garteningenieur Karl Hintze. 18.45 bis 19.15: Vortragszyklus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau: „Aktuelle Steuerfragen", Vortrag von Dr. Köbner. 19.05 bis 19.25: Schachstunde. 19.25 bis 19,35: Fran- zösissche Literaturproben. 19.35 bis 20: Französischer Sprachunterricht. 20 bis 20.15: Senckenberg-Viertelstunde: „Pflanzengallen und ihre Erreger", Vortrag von Priv.-Doz. Dr. G. Wülker. 20.15: Eleonora Düse, drei Akte von Alfons Paquet. Donnerstag, 13.3uni: 6.30: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert : Aus Werken von Mozart. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. 16.35 bis 18.05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.50 bis 19.10: Funkhochschule: „Roman, Rovelle, Erzählung als dichterische Gattungen", Vortrag von Prof. Dr. F. Schultz. 19.10 bis 19.30: „Provencalischer Frühling" von 3. D. llngerer, vprgetragen von der Verfasserin. 20 bis 21: Von Kassel: Konzert des Zulaufschen Madrilalchors. 21 bis 22: Klavier-Konzert, Transkriptionen. 22 bis 22.45: Schwäbische Schnurren, vorgetragen von Alfred Auerbach. Freitag, 14. Juni: 6.30: Morgengymnastik. 12.15: Schallplattenkonzert: Buntes Programm. 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend. 16.35 bis 17.15: Haus- frauen-Rachmittag. 17.15 bis 17.45: Vortragszyklus des Frauenverbandes Hessen-Rassau und Waldeck. 17.45 bis 18: Don Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.50: „Heber den Ernst des Lebens", ein Essay von B. v. Brentano. 18.50 bis 19.10: Stunde des Südwestdeutschen Radioklubs. 19.10 bis 19.30: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 60 Silben aufwärts). 19.30 bis 19.50: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19.50 bis 20: Film-Wochenschau. 20.15: Opernübertragung: Lakme. 21 bis 22: Don Stuttgart: Der Liebestrank, Schwank in drei Auszügen von Frank Wedekind. 22: Don Stuttgart: Unterhaltungskonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. Samstag, 15. Juni: 6.30: Morgengymnastik. 10.40 bis 11.30: Schulfunk. 13.15: Schallplattenkonzert: Das deutsche Lied. 16.35 bis 18.05: Konzert des Rundfunkorchesters: 1. Opern, 2. Operetten. 18.10 biS 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.45: Briefkasten. 18.45 bis 19.05: FunHochschule: -Mitteleuropa, eine geschichtliche Entwicklung des Begriffs, Dor- trag von Professor Dr. Georg Künhel. 19.05 bis 19.25: „Reisen in Südwestfrankreich", Dortrag von Dr. E. Stern-Rubarth. 19.25 bis 19.45: Esperanto-Unterricht. 19.45 bis 20.15: Stund« des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Die werdende Weltstadt Berlin", Vortrag von Dr. Alfons Paquet. 20.15: Die Riesenwelle (Rundfunk-Kabarett). 22.30: Von Stuttgart: 5un!5rcttL 24 bis 0.30: Tanzmusik. ZOHll ^/uüudfi, ae* Wenn Sie mit Dr. Thornxsons Seifenpulver einweichen und mit Gzonil kochen Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 9.3uni, 2. nach Trinitatis. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfarrer Decker. Zugleich Christenlehre für die Reukonfirmierten der Mar- lusgemeinde. 9.30: Pfarrer Mahr. 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. — ZohanneSkirche. 8:Psarrer Ausfeld. Zugleich Christenlehre für die Reukonfirmierten der Johann esgemeinde. 9.30: Pfarrer Bechtolsheimer. 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. 8: Bibelbesprechung im Iohan- nessaal. Pfarrer Liz. Waas. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9:Christenl«hr« für die Reukon- firmierten der Luthergemeinde. 10.45: Kinderkirche. — Etisabeth-Kleinkinderschule: 8.15: Christenlehre für die Reukonfirmierten der Petrus» gemeinde. 9.45: Pfarrer Liz. Waas. — Äonfit* mandensaal (Liebigstraße 56). 2: Taubstummengottesdienst. Pfarrer Bechtolsheimer. — Klein* Linden: 10.30: Festgottesdienst. 230: Waldgottesdienst. — Wieseck. 9.30. 10.45: Christenlehre. — Alten-Duseck. 10: Missionar Walther, Beuern. 1. — Hausen-Garbenteich. 10: Garbenteich, Christenlehre. 1: Hausen. — Watzenborn-Steinberg. 9: Christenlehre. 10: Hauptgottesdienst. — Kirch* berg. 10: Kirchberg. 11: Christenlehre für die konfirmierte männliche Fugend. 1.30: Lollar. Lich: 9.30: Pfarrer Dr. Heymann. 12.45: Kindergottesdienst. 2: Stiftsdechant Kahn. 9.45: Gottesdienst in Rieder-Bessingen. Katholische Gemeinden. In Gießen: Samstag, 8. Juni, 4.30 und 7 Uhr: Deichte. Sonntag, 9.3uni: 3. Sonntag nach Pfingsten. 6.30: Deichte. 7: Messe. Kommunion der 3ung- frauen, Hausangestellten und laufm. Gehilfinnen und 'Beamtinnen. 8: Kommunion. 9: Hochamt mit Predigt. 11: Messe mit Predigt. 2: Christenlehre und Andacht. In Grünberg: 9.30: Messe mit Predigt. In Hungen: 9.30: Hochamt mit Predigt. In Lich: 7.30: Hochamt mit Predigt. In Ridba: 8.30: Hochamt mit Predigt._______ ConntaaSdiensl d.Acrzt- u.Apotheken nm 9 6.29 Dr. W. Klein. Dr. Wolf. Virschapotheke. rZabnarzt: Dr. Buchinger. nD XXX.SerbandsschießenMittelrhem,Baden,pfalz 6. bis 14. Lust 1929 in Gießen SP*1 , in/Oberhussen ge Preise le/m J" AuchwocheD- srx* BAD OEYNHAUSEN DIE STADT OZ4KE STUFEN — DAS GANZE JAM GEÖFFNET HERZ-MEBVEM-tiKD GELENKLEID&N.lKHnUN&Blt. RHEUMA. , ISCHIAS. F8AUEMLE1DEN. D-ZUGSSTATION:BEPLIN-KOLN/DQESD£N-AM5TERCAM - AUSKUNFT DUQCH DIE BADEX^PWALTUNG. nördl-Schwarzwalds Kurhaus Luginsland 4245D % liegt bei Schotten I nVogelsberg a. der Kreisstraße Schotten—Gedern mitten in Wald u. Wiesen Kurhaus Amöneburg Hervorrag. Ausflugsort Terrassen mit Fernsicht Konzertsaal Eigene Konditorei Fernruf 72 *^D ßleßen-Amöneburg 32 km empfiehlt sich: als Ferienaufenthalt, zum Wochenende, f. Auto-Ausflüge, als Touristenstation Pensionspreis 5 RM. Gutbürgerliche Küche, gepflegte Weine u. 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Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen 23,25 bis 23,50, Roggen 21,50 bis 21,75, Sommergerste 23, Hafer (inl.) 22,25, Mais für Futterzwecke 20 bis 20,25, Weizenmehl 32,25 bis 32,75. niederrh. 32 bis 32,25, Roggenmehl 27,50 bis 28,50, Weizenkleie 11,25, Roggenkleie 12. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmarkt. Der Frankfurter Schlachtviehmarkt verzeichnete in dieser Woche etwas regeres Geschäft. In allen Viehgatiungen war der Handel lebhafter, bei meist etwas höheren Preisen. Nur am Schweine markt herrscht eine gewisse Lustlosigkeit, da es verstimmend wirkt, daß schwere und Fettschweine schlecht verkäuflich sind. Auf dem Rindermarkt war der Auftrieb etwas geringer als in der Vorwoche. Bei regem Handel und anziehenden Preisen wurde der Markt geräumt Der Export beteiligte sich wieder etwas stärker am Geschäft. Der Kälbermarkt hatte wenig veränderten Auftrieb. Aach regem Geschäft und gut behaupteten Preisen wurde ausverkauft. Schafe waren in dieser Woche stärker am Markt, j edoch wurden wieder keine Votierungen festgesetzt. Vach lebhaftem Geschäft wurde der Markt geräumt. Auf dem Schweine- markt war der Auftrieb erheblich geringer als in der letzten Woche. Trotzdem war das Geschäft am Anfang der Woche eher flau, konnte sich jedoch zum Schluß der Woche wieder etwas beleben. Vach etwas weniger regem Handel und anziehenden Preisen wurde ausverkauft. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1338 Vindern, darunter 240 Ochsen, 70 Bullen, 546 Kühe und 319 Färsen, ferner aus 1804 Kälbern, 161 Schafen und 5273 Schweinen. 3m Vergleich zu dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 36 Kälber und 100 Schafe mehr, dagegen 125 Rinder und 1074 Schweine weniger angstrieben. Ml ner Brauart mung jedoch wieder lustlos. Rückläufige I verändert. Adle^werke leicht gedrückt. Zellstoffwerte Auslandnotierungen verstimmten. Das Geschäft dagegen 2 v. H. höher. Renten still. Im Verlaufe war die Stimmung weiter freundlich. Vereinzelt schritt die Spekulation zu Deckungen, und es ergaben ich gegen Anfang weiter kleine Gewinne. Beruhigend wirkte vor allem das Aufhören jeglicher Realisationen, doch fehlten auch nennenswerte Kaufaufträge, so daß keine Geschäftsbelebung sich durchsetzen konnte. Rur Reichsbank standen weiter im Vordergründe und konnten erneut 3 o. $). gewinnen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 v. H. unverändert. Arn Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4.1930, gegen London 20,334, London gegen Kabel 4,848750, gegen Paris 124,04, gegen Mailand 92,68, gegen Madrid 34,25, weiter leichter, Holland 12,0790. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Klasse A I 61 bis 63. AH 56 bis 60. BI 48 bis 55. Bullen: A 54 bis 58. B 49 bis 53; Kühe: A 45 bis 50. b 40 bis 44. C 35 bis 39. D 28 bis 34; Färsen: A 60 bis 63. b 55 bis 59. C 49 bis 54. Kälber: b 78 bis 83. C 72 bis 77. D 64 bis 71. Schafe nicht notiert. Schweine: B 71 bis 73, C 72 bis 75. D 72 bis 75. E 70 bis 72. Verglichen mit den Votierungen der vergangenen Woche konnten Dullen. Färsen und Schweine je 2 Mk., Ochsen und Kühe je 1 Mk. anziehen, während Kälber gut behauptet blieben. in er re aus der leim Seit 1895 . »iS# leim s-ütiit fifet ;rfd Biau: /ersuch, der 'u habeubei: MB Ä :Uf ufo). Tn* SS * Hessische Cis enbahn A.-G. Darmstadt. 3n der gestrigen o. G.-V. wurden die Regularien einstimmig genehmigt. Aus einem Reingewinn von 468 647 Mk. werden 10 Prozent Dividende verteilt. Auf neue Rechnung werden 53 637 Mk. vorgetragen. Zum Schluß wurde mitgeteilt, daß die im letzten Jahre für Veubauten aufgenommenen Bankkredite durch eine langfristige 5 Millionen Schweizer Frankenanleihe abgedeckt worden sind. * 3 n a g , 3ndustrie-Llnternehmun- g c n A.-G. Berlin. Die Gesellschaft schließt nach der Bilanz per 31. Dezember 1928 unter Berücksichtigung von Rückstellungen und Abschreibungen mit einem Reingewinn von rund 296 000 (i. V. 135 832) Mk. ab. Es werden 4 Pro- zent Dividende in Vorschlag gebracht (gegen 0 Prozent i. V.). Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 8. Juni. Tendenz freundlich. Zum Wochenschluß zeigte die Börse wieder freundlicheres Aussehen, hauptsächlich die Unterzeichnung des Pariser Abkommens regte an. Das Geschäft nahm jedoch kein besonders großes Ausmaß an, nur für Spezialwerte bestand lebhaftere Nachfrage, da vereinzelte Auslandorders, vor allen Dingen für Spezialwerte, anregten. Das Hauptinteresse konzentrierte sich auf Reichsbank, die für Aus- landrechnung gesucht waren und 8,5 v. H. höher eröffneten. Die übrigen Werte lagen hier um 1 bis 3 v. H. höher. Montan- und Elektroaktien waren vernachlässigt, doch durchschnittlich etwas gebessert. AEG. und Bergmann wurden zeitweise lebhafter gehandelt und bis 2v. H. fester, Farben aber un- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Berliner Börse. Berlin, 8.Juni. Nach einem wesentlich beru- higteren Vormittagsoerkehr herrschte auch zu Beginn der Börse eine freundliche Sti mm u n g. Die endgültige Unterzeichnung des Sachverständigenberichtes in Paris hatte natürlich gut gewirkt, da man jetzt hofft, daß die Räumungsfrage bald erledigt sein wird. Das Geschäft war heute verhält- nismäßig ruhig, doch haben die Realisationen auf- gehört und die Spekulation schritt zu Deckungen, vereinzelt auch zu kleinen Meinungskäufen, da man wieder an einigen Märkten Auslandinteresfe beobachtete. Die ersten Kurse zeigten kein ganz ein- hcitliches Bild, meist ergaben sich aber 1= bis 2-v. H.-Besserungen gegen gestern mittag Schluß. Bankaktien waren, vornehmlich aus dem Auslande, wieder gefragt. Danatbank und Reichsbank konnten 3 bis 4v. H. anziehen. Polyphon eröffneten 7 v. H. schwächer, da bei den Verhandlungen in London noch kein Ergebnis erzielt sein soll. Elektrowerte waren überwiegend fester, besonders AEG., und Schuckert-Aktien. Auch Kaliwerte waren etwas fester und lebhafter. Ebenfalls konnten Deutsche Linoleum, Rheinische Braunkohlen, Berger und Bergmann bis 5 v. H. anziehen. Sehr fest lagen Glanzstoff mit einem Gewinn von 11 v. H. Deutsche Anleihen waren kaum behauptet. Von Ausländern waren Admini- strations- und 1924er Ungarn fester. Am Geldmarkt hielt die Erleichterung weiter an. Tagesgeld lag unverändert mit 6,5 bis 9 v. H. Monatsgeld 9,5 bis 11 v. H. Pfandbriefe hatten etwas lebhafteres Geschäft bei kaum veränderten Kursen. Nach den ersten Kursen wurde es auf die feste Haltung von Reichsbank, die erneut 6 v. H. gewannen, und auf Bergmann, die 4 v. H. anzogen, allgemein fester, doch konnten sich später die erhöhten Kurse nicht überall behaupten. Polyphon verloren 4 v. H. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Aachdem die letzte Berichtswoche sehr fest und haussierend schloß, blieb zu Beginn der neuen Woche eine Reaktion selbstverständlich nicht aus, und die Kulisse schritt zu Gewinnmttnahmen. Doch blieb die Stimmung freundlich, da dies als ganz natürliche Erscheinung betrachtet wurde. Das Material das an den Markt kam, sand glatte Unterkunft, so daß sich nur ganz geringe Verluste cinstellten. Doch konnte bald wieder eine gewisse Festigkeit an Boden gewinnen. Einen starken Anreiz boten die Vachrichten, wonach eine Einigung in Paris erzielt wurde. Auch konnte ein Sinverständnis hinsichtlich der Markforderungen von feiten Belgiens herbeigeführt werden. Die Beseitigung dieser Schwierigkeit löste eine enorme Kauflust aus, die noch von einer st ä r k e r e n 'Beteiligung des Auslandes unter- liützt wurde. Das Geschäft nahm sehr lebhafte Formen an, und der Kreis der Spezialitäten vergrößerte sich ganz erheblich. Auch konzentrierte sich das Ausland jetzt mit vermehrtem 3nteresse «ms den M o n t a n m a r ft. Vereinzelte Elektro- toertc traten dagegen zeitweise etwas in den Hintergrund. Verschiedentlich wurden in diesen Papieren Tauschoperationen vorgenommen. Doch war die Verfassung der Börse so günstig, daß auch alle übrigen Märkte von der allgemeinen Aufwärtsbewegung profitieren konnten. 3n dieser Woche waren wohl keine sprunghaften Steigerungen zu verzeichnen, was aber um so mehr begrüßt werden muß. Die Kurssteigerungen setzten langsam, aber sicher ein, dies ist vor allem die Vorbedingung für eine gesunde und vernünftige Geschäftsgebarung. Die Aufträge nahmen großen Umfang an. Auch beteiligte sich seit langer Zeit wieder einmal die Bankkundschaft, denn man scheint auch hier zu bemerken, daß einer besseren Zukunft nichts mehr im Wege stehen dürfte. Die Beteiligung der privaten Kreise war jedoch noch nicht sehr erheblich, doch ist auch damit zu rechnen, daß auf dieser Seite das Vertrauen weiter zunehmen wird. Anzeichen einer besseren Börsenverfassung sind zur Genüge vorhanden, zumal sich auch jetzt schon eine beträchtliche Erleichterung am Geldmarkt bemerkbar macht. Tagesgeld war bedeutend billiger angeboten. Dies war in erster idinie auf Kapitalangebot von Auslandseite zurückzuführen. Auch wurde schon oft betont, daß, wenn die Pariser Verhandlungen einen günstigen Abschluß gefunden hätten, mit einem Zufließen auswärtigen Geldes zu rechnen sei, was sich auch begrühenswerterweise schon bewahrheitet hat. Ferner machte der Sieg der Labourpartei einen sehr guten Eindruck, und man hofft, daß die englische Friedens- und Verständigungsarbeit unter Führung von Maedonald weitere Fortschritte machen werde. Zwischendurch traten jedoch wieder kleinere Rückschläge ein, da sich die Speku- Tation verschiedentlich über ihre Kräfte engagiert hatte, so daß sie wieder zu Positionslösungen schreiten mußte. Selbstverständlich versuchte die Kulisse auch, Gewinne zu erheischen. Die kleineren Verluste wurden aber immer wieder aufgeholt, und die Besserungen waren doch überwiegend. Der ziemlich angespannte llltimoausweis des Veichsbankinstituts machte wenig Sorgen, da dieser als normal angesehen wurde. Es lagen überhaupt in der ganzen Woche nur günstige Momente vor; wenn einmal eine ungünstige Vach- richt eintraf, so wurde diese kaum beachtet, da man in Börsenkreisen jetzt viel zu optimistisch denkt Auch die wirtschaftliche Entwicklung, das weitere Vachlasfen der Arbeitslosigkeit, der stark gesteigerte Kaliabsah, die zunehmende Ausfuhr, die wieder bessere Beschäftigung in der Industrie, die Abnahme der Konkurse im Monat Mai und das lebhaftere 3ntereffe des Auslandes, all das sind Anzeichen für' eine bessere Zukunft. Vor cllem wurde eine Meldung der „FinancialVews" lebhaft erörtert und machte einen sehr günstigen Eindruck; auch hier wurde daraus hingewiesen, wie schon verschiedentlich in unseren früheren ^richten erwähnt, daß nach der endgültigen Reparationsregelung der deutschen 3n- dustrie reichlich Auslandgeld zuströ- men und für die deutschen Wertpapiere großes Interessse bestehen dürste. Selbstverständlich verfehlte eine solche Vachricht ihre Wirkung nicht imb gab der Börse einen neuen kräftigen Anstoß, ©egen Ende der Woche waren die Kurse jedoch wieder leicht gedrückt, aber an der Tendenz war nichts zu ändern; die Zuversicht blieb bestehen. 3nfolge verschiedener telephonischer Leitungsstörungen wurde das Geschäft jedoch etwas gehemmt. Auch zeigte die Spekulation infolge üeberenga- gements Realisationsneigung und die Kurse gaben etwas nach. Lebhafte ämfätze hatten die Montanwerte bei Besserungen von 5 bis 15 Prozent zu verzeichnen. Von Elektrowerten konnten bei zunehmender Geschäftstätigkeit Felten 9 Proz., Schuckert 7 Prozent, Siemens 13 Prozent und Lahmeyer 7 Prozent gewinnen. Am Bankenmarkt konnten Danatbank, Reichsbank und Barmer Dank regeres 3ntereffe auf sich lenken. Auch für Schifffahrtswerte bestand lebhaftere Vachfrage. Besonders zu erwähnen sind noch Svenska mit plus 17 Mark, Dt. Linoleum mit plus 15 Prozent, 3.-G.-Farben, die von Auslandfeite oft stark gesucht waren, konnten 10 Prozent gewinnen. Zellstoffwerte bis 12 Prozent fester. Am Montanmarkt waren Rheinische Braunkohlen und 3lfc Bergbau führend und bis 15 Prozent höher. Renten ebenfalls lebhafterund stärker gesteigert. Zum Wochenschluh bestand jedoch wieder stärkere Realisationsneigung. Da auch die Auslandaufträge zum Teil ausblieben, ergaben sich Verluste bis zu 3 Prozent. Die weitere Erleichterung am Geldmarkt wurde dagegen gebührend beachtet. Aber das Geschäft konnte nicht recht in Fluß kommen, und die Tendenz neigte etwas zur Schwäche. Die Grundstimmung zeigte jedoch eine nicht zu verkennende Widerstandsfähigkeit, die vor allem ausschlaggebend für die zukünftige Börsengestaltung sein dürfte. Vur Glanzstoff und Rheinische Braunkohlen lagen etwas stärker gedrückt. Für einzelne Werte erhielt sich dagegen das 3ntereffc. So vor allem für AEG. und füt Daimler-Aktien; letztere waren auf den gesteigerten ilmfatj und die besseren Geschäftsaussichten für das kommende 3ahr erheblich gebessert. Am Devisenmarkt war die Mark weiter fest. Tagesgeld war mit 7 Prozeent reichlich angeboten. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Der Beginn der neuen Woche war unter dem Druck der weiter schwachen Auslandnotierungen lustlos. Die schlechte Lage der internationalen Märkte verstimmte stark. Das überaus reichliche Angebot von Polen verursachte große Sorgen. Die inländischen Märkte waren nicht mehr konkurrenzfähig, und es ergaben sich noch teilweise beträchtliche Verluste. Die Provinz gab jedoch kaum Ware an den Markt, da sie zu diesen Tiefstandspreisen nicht gewillt war, Abgaben vorzunehmen. Die überall günstigen Ernteaussichten verschlechterten die Verfassung des Marktes noch um ein beträchtliches. Aber auch hier trat eine Aenderung ein. Die sorgenvollen Zeiten nahmen ein Ende. Die sich erhaltenden Gerüchte einer demnächst erfolgenden Zollerhöhung ließen wieder einen Hoffnungsschimmer aufkommen, und die Stimmung wurde freundlich und zuversichtlich. Auch zeigten die Händler wieder etwas mehr 3nterefje am Geschäft. Die Llmsahtätigkeit blieb jedoch immer noch ziemlich klein, man war noch zu deprimiert und konnte sich so schnell nicht erholen. Als aber das Ausland weitere höhere Dotierungen meldete, die sogar ein erhebliches Ausmaß annahmen, war man freudig gestimmt und ging wieder mit Eifer an das Geschäft. Doch konnte sich hier die gegen Ende der Woche eingetretene Besserung noch nicht besonders auswirken, aber immerhin ließ sich eine allgemeine Aufwärtsbewegung fsststellen. Die Haussebewegung an den überseeischen Märkten hielt an. Das Geschäft konnte aber den früher gewohnten Umfang noch nicht annehmen. Man steht dem plötzlichen Umschwung etwas skeptisch gegenüber. Aber auch das dürfte überwunden werden, denn es machte sich lebhafteres 3n- tere'fe seitens der Mühlen und der Exporteure bemerkbar. Vereinzelte Getreidearten hatten schon erheblicheres Geschäft und auch größere Gewinne aufzuweisen. Besonders am M e h l m a r k t war die Umsahtätigkeit größer, und hier traten Gewinne bis zu drei viertel Mark ein. 3m Zusammenhang hiermit bestand auch regeres Interesse für Brotgetreide. Vur Roggen war immer noch etwas vernachlässigt und leicht gedrückt. Etwas lebhafter gefragt waren noch am Futtermittelmarkt Mais für Futterzwecke von feiten der Landwirtschaft. Weizenkleie leicht nachgebend. Die übrigen Getreidearten lagen still. Zum Wochenschluh war die Stim- Französtscde Woten..... »oUanbildje Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Lefterr-.LilX) Kronen Numäniiche Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... Vermischtes. Besuch deutscher Torpedoboote in Rotterdam. 3n Rotterdam traf die dritte Torpedobootshalbflottille, bestehend aus den deutschen Torpedobooten „Seeadler", „Iltis" und „W o l f“, zu einem viertägigen inoffiziellen Besuch ein. Die deutschen Schiffe kamen aus Wilhelmshaven und befinden sich auf einerUe- bungsfahrt, die von Rotterdam nach der Ostküste Englands führen wird. Der Garnisonskommandant von Rotterdam und der Hafendirektor waren zur Begrüßung der deutschen Flottille erschienen. Eine Abordnung der deutschen Schiffe wird auf dem Rathause empfangen werden. Auch die Rotterdamer deutsche Kolonie wird einen De- grühungsabend veranstalten. Drei Opfer eines Vrandunglückes. 3n Wanne-Eickel brach im Hause des Drogisten Gneist Feuer auS, das sich rasch ausbreitete und durch außerordentlich starke Rauchentwicklung sämtliche Zugänge zu den Wohnungen unpassierbar machte. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich sehr schwierig, und das Vordringen zum Brandherd war erst nach mehreren Stunden möglich. Als sich die Wehr dann über das Dach Eingang verschaffen konnte, fand man in der Wohnung des Drogisten Gneist diesen selbst und seine beiden Kinder im Alter von 13 und 15 3ahren a l s Leichen vor. Es wird angenommen, daß die Verunglückten durch den Rauch betäubt wurden und dann den Flammen zum Opfer fielen. Der Vesuv immer noch in Tätigkeit. Vach einem Bericht des Vesuv-Observatoriums hat die Eruptionstätigkeit des Vesuvs unter Schlackenauswürfen und unterirdischen Explosionen den ganzen Tag über angehalten. 3n den späten Abendstunden steigerte sich die Tätigkeit und man bemerkte wieder neben heftigen Explosionen kleine Fontänen flüssiger Lava, die nach einigen Minuten wieder verschwanden. HZ •""Ä (Häufige I Geschäft war daher wieder sehr minimal, und die Hoff- | nungen wurden wieder zunichte gemacht. Die Preise wurden jedoch hiervon nicht berührt. 3m Berlin, 7. ftinit___________ Geld Frankfurt o 9JI. Berlin Schlutz. ftut« i-Ubt. Kurs Schlub- Kurs Anfang. Kurs Tatum 7.6. 86. 7.6. 8 6. PHUlvo voizmann..... . < 113,5 — 112,75 111,75 Heidelberger Eement . . . . 10 138 —— — — (Semem ftarlftaDt..... . 8 — — — — Wayß 4 Freitag...... 10 116,75 — 115,75 —— Schultheis Patzenhoser . . . Cflivertc......... 15 12 — - 320,5 257,75 322 257,75 Ber. @lanjfioff...... 18 465,5 — 464 475 n — 36/ Hellstojs Waldhos..... 12 — 256 254 256,5 Zellstosj Slichassenburg . . . 12 196 — 196 — (Sbatloilcnburget Wasser . . • l — — 116,25 116,6 Dessauer Gas....... . 8 — — 214 215 Daimler Motoren..... . 0 58 58,5 58,25 Deutsche Maschinen-Fabrik . . C — — 51,5 52,25 Adlerwecke Klever..... . 6 53,5 53,25 54 —— Franlsur1a.M. Berlin Frankfurt a M. Berlin Schluß Kurs l-Uvr. Kurs Schluß Kurs Anfang Kurs Schluß- 1 Uhr- Schluß- Kurs Anfang- Kurs Kur« Kur; Datum 7.6. 8.6. 7 6. 8 6. Datum 7.6. | 8-6. 7.6. 8. 6. 8% Dt. Reichtanleihe o. 192/ 5L Anl.-Ablös.-Schuld mit ilu» 87,3 — 87,5 — -A.E.G.......... . . t* 192 194 192,25 194,5 51,13 Bergmann....... . . 9 218 220,5 218,65 218 los.-Rechten......... 51,25 —— 51,13 Eleltr. Lieserungen.... . io 163,5 — 162 162 DeSgl. ohne Aurlos.-Rechte - - 11,15 — 11,3 11,2 Lickt und Kraft ..... . 10 — — 222,25 222 1% Franks. Hvp.-Bl. Soldps. um Felten 4 Guilleaume. . . 137 — 139,25 139 kündbar bis 1932....... 87 — — Ges. s. Elektr. Untern.. . . . 10 226 — 226,13 228,13 4/1% Rheinische Hyp.-Bank Liga.- 79,25 _ _ Hamb. Elektr. Werke ... Rhein. Elektr....... . 10 , . 9 _ — 143.5 165,25 142,5 S.E.G. abg. BorkriegL-Obligation., Schles. dein....... . 10 — — 196,75 — rückzahlbar 1932 ....... 87 - — — Schlicken........ . . 8 2.45,5 —- 246,75 246,75 Siemens 4 Halske .... . 12 404 405 404,5 406 4% Schweiz. BundeSb^Anl.. . . — 28,9 TranSradio....... . . 8 — — —— 143,25 4% Oeslerreichische Goldrte.. . . 28,5 — 28,8 Lahmeyer 4 Go..... . . 10 172 — 170 — <20% Oesterr. Silberne..... 2,6 — 2,6 4% Oesterreich, einheitl. Rte . . 2 — —— — Buderur........ 74 — 74 74 <% Ungarische Goldrte...... 22,95 — 23 — Deutsche Erdöl..... — 114,5 115 114,75 4% Ungarische Staatsr. v. 1910 . 20,25 — Essener Steinkohle .... . . 8 — — 129 — I. 23.: Dr. Ham m. V • Gebührenordnung betreffend die Erhebung von Gebühren für die Reinigung der Straßen und Plätze in der Stadt Gießen. Mit Genehmigung des Herrn Ministers des Innern vom 25. Mai 1929 zu Nr. M. d. I. 23 411 und mit Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung vom 14. Dezember 1928 und 22. März 1929 wird für die Benutzung der städtischen Straßenreinigung folgendes bestimmt: 8 1. Als Bemessungsgrundlage für die auf jedes Grundstück entfallende Gebühr dienen die den einzelnen Grundstücksfronten vorgelagerten Reinigungsflächen, die berechnet werden: In zweiseitig bebaubaren Straßen bis zur Mitte, jedoch nicht über 7,5 Meter Breite. In einseitig bebaubaren Straßen und an Plätzen bis zu acht Meter Breite. Eckgrundstücke werden mit j der eigentlichen Quadratmeterzahl belastet. Die Flächenmaße werden auf volle Quadratmeter nach unten abgerundet. Der Oberbürgermeister ist ermächtigt, bei der Festsetzung der Gebühren offenbar heroortretende Härten zu beseitigen. 8 2. Die Benachrichtigung des Grundstückseigentümers oder dessen Vertreters erfolgt durch den Anforderungszettel. Die Straßenreinigungsgebühr ist in vier Teilbeträgen an die Stadtkasse zu entrichten; diese sind für jedes Kalendervierteljahr nachträglich in den ersten fünfzehn Tagen der Monate April, Juli, Oktober und Januar jeden Jahres zu entrichten. Die Jahresgebühr wird derart nach oben abgerundet, daß sie durch 4 teilbar ist. 8 3. Die nach § 3 der vorstehenden Orts- satzung zu erhebende Straßenreinigungsgebühr wird auf 32 Rpf. für das Jahr für je einen Quadratmeter Reinigungsfläche festgesetzt. Gießen, den 1. Juni 1929. Der Oberbürgermeister. 1.23.: Dr. Ham m. Orlssatzung belresfend die Erhebung von Gebühren für die Müllabfuhr in der Stadt Gießen. Auf Grund der Artikel 15 und 193 der Städteordnuna vom 8. Juli 1911 wird zufolge Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom 14. Dezember 1928 und 22. März 1929 nach Anhörung des Kreisausschusses und mit Genehmigung des Herrn Ministers des Innern vom 25. Mai 1929 zu Nr. M. d. I. 23 412 für den gesamten Stadtbezirk nachstehende Ortssatzung erlassen: 8 1. Innerhalb des Stadtgebietes sind sowohl die Hauseigentümer oder deren Vertreter, wie auch die Mieter, die Pachter und sonstige Benutzer zur Wegschaffung des anfallenden Mülls verpflichtet. Die Stadt Gießen (Tiefbauamt) übernimmt auf Grund der folgenden Bestimmungen die regelmäßige Abfuhr des anfallenden Mülls von bebauten Grundstücken innerhalb des Stadtgebiets. Die Benutzung der städtischen Einrichtung ist Pflicht. Im übrigen wird auf die Bestimmungen der Polizeioerordnung betreffend die Reinigung der Straßen und das Wegschaffen des Mülls in der Stadt Gießen vom 15. April 1929 verwiesen. 8 2. Die Hauseigentümer oder deren Stellvertreter, wie auch die Mieter, die Pächter und sonstige Benutzer sind verpflichtet, den Müll zu sammeln und der städtischen Abfuhr zu übergeben. Die Abfuhr erfolgt an bestimmten Tagen und zu festgesetzten Zeiten. Die Abfuhrtage und die Aofuhr- zeiten werden ortsüblich bekanntgegeben. Das Aufspeichern des Mülls in Gruben innerhalb der Hofreiten ist nur in Ausnahmefällen und nur mit besonderer Genehmigung der Stadtverwaltung zulässig. In diesen Fällen übernimmt die Stadt nur das Ausladen und die Abfuhr des Mülls, nicht aber dessen Herausschaffen aus den Gruben und etwaiges Fördern bis zur Aufladestelle. Die außerhalb der geschlossenen Ortslage oder an noch nicht hergestellten Straßen gelegenen, oder schwer zugänglichen Grundstücke können von der allgemeinen Abfuhr ausgeschlossen werden. 8 3. Zur Deckung der der Stadt Gießen durch die Abfuhr des Mülls erwachsenden Kosten wird von bebauten Grundstücken eine Gebühr nach Maßgabe einer besonderen Gebührenordnung erhoben. Die Kosten der Müllabfuhr einschließlich derjenigen der 23erzinsung und Tilgung des Anlagekapitals, der Erneuerung der Betriebsmittel, sowie einschließlich des auf die Müllabfuhranstalt entfallenden Anteiles an den allgemeinen Verwaltungskosten, werden in voller Höhe umgelegt. 8 4. Zahlungspflichtig find die Inhaber von Räumen des Hausgrundstücks, insbesondere. Mieter, Pächter, Grundstückseigentümer und sonstige Benutzer. Der für das Hausgrundstück berechnete Gebührenbetrag wird dem Eigentümer ober seinem Vertreter angefordert und von diesem im Derhättnis der Grundmiete (RMG. §2 Abs. 1) auf sämtliche Benutzer des Hausgrundstücks ausgeschlagen und in den Zahlungsterminen an die Stadtkasse abgeliefert. Weigert sich ein Zahlungspflichtiger, seinen Gebührenanteil an den Hauseigentümer ober besten Stellvertreter zu be- zahlen, so hat biefer die Stabtkasse unver- züglich davon zu benachrichtigen. Die Stadtkaste treibt alsdann diesen Betrag von dem Zahlungspflichtigen unmittelbar ein. . § 5. Die Pflicht zur Zahlung der Gebühr beginnt mit dem Anfang des Monats, in dem die Benutzung der Räumlichkeiten (Neubau) begonnen hat, und erlischt mit dem Ende des Monats, in dem die Benutzung aufgehört hat (Abbruch). Bei vorübergehender Nichtbenutzung einer Wohnung auf die Dauer eines Ka- lendervserteljahres wird eine erhobene Gebühr auf Antrag erstattet, und zwar vom Ende des Monats an, in dem die Benutzung aufgehört hat, bis zum Beginn des Monats, in dem die Benutzung wieder beginnt. Eine Herabsetzung ober Erhöhung der Grundmiete im Laufe des Rechnungsjahres wirkt sich vom Beginn des nächsten Kalenderoierteljahres ab auf die Höhe der Gebühr aus. Bei Veranlagung im Laufe des Jahres sind die auf die bereits verstrichenen Gebührentermine entfallenden Gebühren im nächsten Termin mit zu entrichten. 8 6. Den Pflichtigen steht gegen die Heranziehung zur Müllabfuhrgebühr die Klage beim Provinzialausschuß binnen einer Frist von zwei Monaten nach Zustellung der Anforderungszettel zu. Durch die Einlegung des Rechtsmittels wird die Verpflichtung zur Zahlung nicht aufgehalten. Die Gebühren sind öffentliche Abgaben und unterliegen der Beitreibung im Verwaltungszwangsoerfahren. 8 7. _____ Für die Gebühr wird nur der Müll abgefahren. Unter Müll werden gemäß § 16 der Polizeiverordnung vom 15. April 1929 die in den vorgeschriebenen Gefäßen bereitgestellten, nicht flüssigen Haushaltungs- abfülle, Asche, Glas, Porzellan, Tapetenreste, Schornsteinruß u. dgl., verstanden. Nicht hierunter fallen Steine, Bauschutt, Stalldung, Kadaver, sowie gewerbliche und Betriebsabfälle aller Art aus Fabriken, Verbandsstoffe und Abgänge aus Krankenanstalten. Die Stadt kann jedoch auch die Wegschaffung dieser von der allgemeinen Abfuhr ausgeschlossenen Stoffe gegen besonders zu vereinbarende Vergütung übernehmen. Mit dem Verladen geht der Müll in das Eigentum der Stadt über. Von der Pflicht zur Benutzung der öffentlichen Müllabfuhr können nach Lage des Falles durch besondere Gestattung die Inhaber solcher gewerblicher Betriebe frei- gestellt werden, bei denen nach Art und Beschaffenheit die Trennung des Mülls von gewerblichen Abfällen besonders erschwert und die einwandfreie Beseitigung des Mülls auf privatem Wege gesichert ist. 8 8. Der von der Stadtverwaltung abzufahrende Müll (§7) ist von den Haushaltungsvorständen und Inhabern von Geschäfts- u. dgl. Räumen an den Abfuhrtagen in den vorgeschriebenen Müllgefäßen bereitzustellen. Die Haushaltungsvorstande und Inhaber von Geschäfts- u. dgl. Räumen haben die erforderlichen Gefäße, die nach §18 der Polizeiverordnung vom 15. April 1929 vorgeschrieben sind, auf ihre Kosten in den einschlägigen Geschäften zu beschaffen. Diesen Geschäften werden die Müllgefäße seitens dssr Stadtverwaltung geliefert und der Verkaufspreis vorgeschrieben. Die Benutzung der Gefäße zu anderen Zwecken, als zur Müllaufnahme, ist verboten, ebenso dürfen andere als die vorgeschriebenen Gefäße nach dem 1. Mai 1929 nicht mehr benutzt werden. 8 9. An den Abfuhrtagen müssen die Müllgefäße kurz vor der zur Abholung festgesetzten Zeit mit geschlossenem Deckel entweder auf dem Bürgersteig nahe der Hauswand, ober, wo Vorgärten oder Hofeingänge vorhanden sind, dicht hinter der Eingangstür aufgestellt werden. Hierbei ist darauf zu achten, daß der Tragbügcl des Mülleimers nach vorne gelegt wird, da nur in dieser Bügelstellung das Gefäß völlig geschlossen gehalten wird. Die Gefäße sind so aufzustellen, daß der Verkehr nicht behindert wird. Die Grundstückseigentümer sind zur Anweisung geeigneter Abstellplätze verpflichtet. Aus Straßen und Gängen, die der Abfuhrwagen nicht befahren kann, müssen die Gefäße vor der öffentlich bekanntgegebenen Abfuhrzeit an der nächstgelegenen Straße ausgestellt werden, die der Abfuhrwagen befährt. Das Hinausstellen unsauberer und beschädigter Gefäße ist verboten. 8 10. Diese Ortssatzung tritt mit dem 1. April 1928 in Kraft. Gleichzeitig wird die Gebührenordnung- über die Benutzung der städtischen Müllabfuhr vom 30. Juli 1923 aufgehoben. Gießen, den 1. Juni 1929. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Ham m. Gebührenordnung betreffend die Erhebung von Gebühren für die Müllabfuhr in der Stadt Gießen. Mit Genehmigung des Herrn Ministers des Innern vom 25. Mai 1929 zu Nr. M. d. I. 23412 und mit Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung vom ^.Dezember 1928 und 22. März 1929 wird für die Benutzung der städtischen Müllabfuhr folgendes bestimmt: 8 1. Die Gebühr für die Benutzung der städtischen Müllabsuhr wird auf der Basis der Grundmiete in der Weise erhoben, daß die Gesamtkosten auf die beteiligten Grundstücke nach dem Verhältnis ihrer Grundmiete in voller Höhe ausgeschlagen werden. Der Oberbürgermeister ist ermächtigt, offenbare Härten, die bei der Gebühren- erhebung hervortreten, zu beseitigen. § 2. Die Benachrichtigung des Hauseigentümers oder dessen Vertreters erfolgt durch Anforderungszettel. Die Müllabfuhrgebühr ist in vier Teilbeträgen an die Stadtkasse zu entrichten; diese sind für jedes Kalendervierteljahr nachttäglich in den ersten fünfzehn Tagen der Monate April, Juli, Oktober und Januar jeden Jahres zu enttichten. Die Jahresgebühr wird derart nach oben abgerundet, daß sie durch 4 teilbar ist. § 3. Die nach § 3 der vorstehenden Ortssatzung zu erhebende Müllabfuhrgebühr wird auf 0,92 Rpf. für je 100 Rpf. Grundmiete (RMG. § 2 Abs. 1) für das Jahr festgesetzt. Gießen, den 1. Juni 1929. Der Oberbürgermeister I. V.: Dr. Hamm. Aadelnuhholzversteigerung der Stadt Gießen. Die Nadel-Nutzholzversteigerung vom 23. Mai 1929 (Nr. 25) wurde genehmigt. Die Abfuhrscheine sind bis spätestens 20. Juni 1929 in Empfang zu nehmen. Auf die am 17. Juni 1929, vormittags 10y2 Uhr, in der Gastwirtschaft „Zur Liebigshöhe" stattfindende Laub- und Na- delnutzholzvcrsteigerung wird hingewiesen. Eine weitere Nutzholzversteigerung findet in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr statt. 5120C Gießen, den 7. Juni 1929. Der Oberbürgermeister: I. V.: Dr. Rosenberg. Bekanntmachung. Die diesjährige öffentliche Impfung in der Stadt Gießen findet wie folgt statt: 1. Impftermin: Mittwoch, 5. Juni, von 14 bis 15 Uhr, Nachschautermin Mittwoch, 12. Juni, von 15 bis 151 Uhr; 2. Impftermin: Mittwoch, 12. Juni, von 14 bis 15 Uhr, Nachschautermin Mittwoch, 19. Juni, von 15 bis 15t Uhr; 3. Impftermin: Mittwoch, 19. Juni, von 14 bis 15 Uhr, Nachschautermin Mittwoch, 26. Juni, von 15 bis 15t Uhr. Jmpflokal ist die Turnhalle der Goethe- schule, Westanlage. 4926C Zu diesen Terminen können alle in 1928 oder früher geborenen Kinder, bei welchen der Nachweis der erfolgreichen Impfung bisher noch nicht erbracht wurde, vorgestellt werden. In 1929 geborene Kinder können in diesen Terminen nicht geimpft werden. Die Kinder müssen mit rein gewaschenem Körper und reinen Kleidern zur Impfung gebracht werden. Kinder aus Häusern, in denen übertragbare Krankheiten herrschen, sind nicht zugelassen. Gießen, den 31. Mai 1929. Der Oberbürgermeister. I. V. K l i n g s p o r. Bekanntmachung. Der nächste Viehmarkt in Gießen findet statt: 5076C Dienstag, den 11. Juni 1929, Rindvieh- (Nutzvieh-)Markt; Mittwoch, den 12. Juni 1929, Lchweine- markt. Auftriebszeit an beiden Markttagen von 7 bis t9 Uhr vormittags. Auf dem Rindviehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Gießen, den 8. Juni 1929. Der Oberbürgermeister: ___________I. V.: Klingspor.___________ Arbeitsvergebrirrg. Unter Zugrundelegung der Reichsver- dingungsordnung sollen die Schreiner- arbeiken für den Um- und Erweiterungsbau der Schillerschule in fünf Losen vergeben werden, darunter 1900 qm Parkettfußböden. 5100C Zeichnungen und Bedingungen liegen bei dem städt. Hochbauamt zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, verschlossen, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, find bis zum Verdingungstermin Mittwoch, den 19. d. 2n„ vormittags 10 Uhr, bei dem städt. Hochbauamt einzureichen. Zuschlags- und Bindefrist vier Wochen. Gießen, den 7. Juni 1929. Städtisches Hochbauamt: Graoert. Bekanntmachung. Das im hiesigen Stadtwalde noch lagernde Holz muß im Interesse notwendiger Wegherstellungsarbeiten dis zum 1. Juli d. j. abgefahren sein. Es wird auf die Versteigerungs- bzw. Verkaufsbedingungen, wie auch auf die Strafbarkeit einer weiteren Verzögerung der Abfuhr hingewiesen. 50820 Lich, den 5. Juni 1929. Hessische Bürgermeisterei Lich: __Geil.______________ Bekanntmachung. Der vom Gemeinderat durchberatene Voranschlag der Gemeinde villingen liegt vom 8. bis einschl. 14. Juni zu jedermanns Einsicht auf dem Rathaus offen. Es wird eine Umlage erhoben, wozu auch die Ausmärker beizutragen haben. 50900 Villingen, den 7. Juni 1929. __Bürgermeisterei Villingen: Pauli. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Werner & Marquardt in Gießen wird nach Beendigung des Schlußtermins aufgehoben. 51020 Gießen, den 31. Mai 1929. ___________Hejsisches Amtsgericht.__________ g Frankfurt a.M. PlerMärWe | 10. Juni, 8. Juli, 19. Autf., 7. Okt, 2. Dez. £51 SS Durchschnittlicher Auftrieb 700 Pferde DW aller Rassen, auch Schiachtpferdei gröktc H HB Auswahl u. beste Gelegenheit f. Kauf od. I Tausch. Ein Besuch dieser Märkte ist zu empfehlen. [llbV I Der Handel Sonntags verboten. Drucksachen allerArt liefert In jeder gewünschten Ausstattung stilrein und preiswert die Brühl'scbe Unlv.-Druckerel, R. 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