Mittwoch, 8. Mai 1929 179. Jahrgang Nr. 107 Erstes Blatt s fist, jede Einmischung in ll- ein großes Mundgroße Macht ver- ^toMtcv dir Tendenz nungstafel an die, die über werk, aber nicht über eine fügen. Abg. Dr. Külz (Dem.) Vorgänge, insbesondere die sprach seine Sympathie und w 43157, bei 4,8525. ■■61, gegen imrang zu ncht groß, eigunfl Mittler zwischen Rom und Paris, aber ob es der englischen Staatskunst gelingt, die Gegensätze zwischen den beiden lateinischen Schwestern zu überbrücken, mag vorerst mehr als fraglich erscheinen. Solange insbesondereSüdslawien nach dem Zusammenbruch der Donau-Monarchie Italiens Gegner an der Adria und aus dem Balkan die französische Trumpfkarte bleibt, erscheint die französisch-italienische Verständigung wenig aussichtsvoll. Beide Mächte, Italien sowohl wie Frankreich, suchen diplomatisch für die Zukunft sich rüstend ihre Position auf dem Balkan und im Osten Europas durch ein Reh von Bündnissen zu verstärken. Frankreich hat seine Qfi[iaryen mit Südslawien, der Tschechoslowakei und Rumänien. Zum italienischen Kreise zählen Albanien, Ungarn und mehr und mehr auch Bulgarien. Zur Angora- Türkei steht Italien in besten Beziehungen, ebenso zu Griechenland. mit dem rsse de- der Sture- ibcn. Ter« H zu et« Hubert & coyml Die nb (Berger JI*Qn0 ein. d traten ■ ein. @C; r 23er: lauteten, UM. Am lvos lejch- °rf eine n im all. mit 34,3ii r. Veld toai eld 8,5 bis runter. Die uch im Ser« lehr geteilt, ozenl unter t aber eine ühumg bei eine allge- ntrat. Luch ihres QIn< mberg pluS zent, Schult' Spezialwerlc ür Londoner weil er ein solches Verbot schon früher an- gestrebt habe. Ich gewann draußen den Eindruck, als ob die Anregung Keudells an die Regierungen der Länder mehr aus parteipolitischen Gründen diktiert worden sei. Heute liegt aber viel Material gegen den Rotfrontkämpferbund vor (Zurufe), das in der Verbotsbegründung folgen wird. Können Sie leugnen, daß von den Rotfrontkämpfern Leute erstochen worden sind? Wenn eine Organisation uns mit dem Revolver und mit dem Bau von Barrikaden entgegentritt, dann wäre es falsch, diesen Widerstand nicht zu brechen. Der Abgeordnete Berndt regt an, die ganze K o m m u n i st i s ch e Partei auf- z u l ö s e n. Wenn die Kommunistische Partei nur eine äußere Vereinigung wäre, wäre es leicht, sie aufzulösen. Aber nach den gesetzlichen Bestimmungen blieben auch nach einer Auslösung die Kommunisten doch noch da und sie würden draußen auch in öffentlichen Versammlungen sprechen dürfen, und ferner würden wir die kommunistische Presse nicht treffen. Der Autorität des Staates aber leisten wir einen sehr schlechten Dienst, wenn man Verbote erläßt, die man nicht ausführen kann. Die Maßnahmen in Preußen sind im engsten Einvernehmen mit dem Reichsministerium des Innern getroffen. Deshalb habe ich bei den anderen Ländern angeregt, ob nicht auch für sie ein verbot angezeigt wäre. Wenn die Kommunisten mit ihrer Organisation, die in Preußen verboten ist, von Altona nach Hamburg oder von Frankfurt a. 2H. nach Offenbach wandern könnten, dann wäre das verbot nur eine halbe Maßregel. Bebel und Liebknecht haben es stets abgelehnt, mit Terroristen in einem Atemzuge genannt zu werden. Mit der Sozialdemokratie von 1878 bis 1890 hat der Terror des Rotfrontkämpferbundes nichts zu tun. Einstweilen hat noch der Polizeipräsident von Berlin und nicht Sie (zu den Kommunisten) in Berlin über die Ruhe auf den Straßen zu wachen. Die Herren sagen zur Beschönigung der Barrikaden und ihrer Bewasf- nung: „Das ist nur in der Abwehr gegen den Polizeiterror geschehen". Auf der andere'^ Seite brüsten sie sich mit dem Bau der Barrikaden. Der Minister verliest mehrere Telegramme, in denen man die Vorgänge als Auftakt zu Kämpfen bezeichnet und zugleich die Kampfentschlossenheit der Berliner Arbeiter rühmt. Die Machtmittel des Staates sind vorhanden, bei Ihnen nur eine verhängnisvolle Selbsttäuschung, aber nicht die Machtmittel. Die Maidemonstrationen waren eine Demonstration der Schwäche der Kommunistischen Partei. (Abg. Torgler, Komm.: „Verbote find kein besonderer Ausdruck von Kraft!") Rein^ das sind sie nicht. (Abg. Torgler: Damit kann jeder Esel regieren!) Das kann auch jeder Esel sagen. (Große Heiterkeit.) Ein Verbot der besprochenen Art ift in der Regel nur eine Warbeklagte die Maiarmen Opfer. Er seine Anerkennung 22,21 1I2.S 59.^ 2,53 113.« $i;49 18/5* 73.50 /.'N/ 7& ,29 ,01 !,i> ,585 ’S 111 9,69 ,50? 1,1g 1,107 Ul >0" n.H I ,66 >° 155 Ll« t.K 3 J.m noerrety Imolieain: le-Mo: der indischen Grenze, in China überall kreuzten sich die englisch-russischen Interessen. Soweit es sich übersehen läßt, wird das englisch-französische Lager, bei Frankreich schon bedingt durch das französisch-p o l n i s ch e Bündnis, stets im Gegensatz zu Rußland bleiben, während Amerika trotz der vorläufigen Richtanerkennung Rußland verhältnismäßig freundlich gegenübersteht. Mit der Washingtoner Konferenz hat das englisch-japanischeBündnis sein Ende gefunden, aber auf beiden Seiten zeigt sich das Bestreben, die einstigen engen Beziehungen wieder zu vertiefen: das Mikadoreich, zur Zeit politisch isoliert, braucht Rückendeckung. In der Mandschurei kreuzen sich die japanischen und die russischen Interessen, und in China wird Japan immer der Gegenpart Washingtons bleiben. Italiens Politik wird beherrscht durch den Gegensatz zu Frankreich, der sich in gleicher Weise im Mittelmeer wie auf dem Balkan auswirkt, England ist der toat jcM unverändert etwas Mr Tiger notiert eck' DeiM 23.75-2100. io, Mizen- 0, AM"- 5. Aoggm- T» 58,5? iir.i' 10,65 10-$ 22,105 20, 4.219 18.« oi .27, 9-8' 0,50» 7,$ ii,35 3-050 18-$ 81-82 .061 ,4k 4,1 4,01; 20, # lu tttoas «u den im schweren Kampfe gewesenen Beamten aus und erwartet von: Reichsminister des Innern, daß er auch bei künftigen ähnlichen Ereignissen sich mit derselben Energie für staatliche Ordnung und Autorität einsehen möge. Gegenwärtig sei die Betreuung des Auslanddeutschtums und des Grenzlanddeutschtums an das Auswärtige Amt und an das Reichsministerium des Innern verteilt. Vielleicht sei es richtiger, wenn nur eine Stelle diese Aufgaben in der Hand hätte. Die Oppelner Vorgänge, wo törichte Chauvinisten polnische Künstler beleidigten, hätten den Rationalsozialisten jenseits der Grenze billige und fadenscheinige Dorwände gegeben, ihre häßlichen Gefühle an den Deutschen in Polen auszulassen. Die Tumuttschäden. Nachspiel der Maiunruhen. Berlin, 7. Mai. (Priv.-Tel.) Die Berliner Maiunruhen werden aller Voraussicht nach in der nächsten Zeit nicht nur durch die ongekün- digten Untersuchungen des Polizeipräsidenten über die Art und Weise der Durchführung der 5 Mi. niu6 .Wet= m VoUiach*"' Ein natürliches nn dieses Fc! d so idjrumpli j briidjifl- Am Wolle in emcr eschen, w>e ,c ■w entfern' \ Weichheit zu Severingö Abrechnung mit den Kommunisten. Der Reichsinnenminister fordert die Länder zum Verbot des Roten Jrontkämpferbundes auf polizeilichen Maßnahmen ein Rachspiel haben, sondern sie werden auch eine Reihe von Cnt- s ch ä d i g u n g s l l a g en zur Folge haben, da durch den ungerichteten Schaden, der einerseits durch die Schießereien entstanden ist, zum anderen in dem Geschäftsausfall in den obgesperrten Gebieten besteht, eine große Anzahl von Personen den Klagcweg beschreiten wird. In erster Linie wird sich der zuständige Entschädigungsausschuß des Polizeipräsidiums mit diesen Ansprüchen zu beschäftigen haben und, soweit ein unverschuldeter Schaden vorliegt, den Ansprüchen auch nach einem bestimmt festgelegten Schlüssel entsprochen werden. Erst dann werden sich auch die ordentlichen Gerichte mit den Vorfällen zu beschäftigen haben. Soweit ein wirtschaftlicher Schaden vorliegt, wird das Reichswirtschaftsgericht, soweit ein persönlicher Schaden nachzuweisen ist, das Reichsversorgungsgericht in Funktion treten. Kommunisten unter sich. Verlin, 8. Mai. (Priv.-Tel.) Rachdem die Politik der Kommunisten zum l.Mai zum Verbot ihres Parteiblattes, der Roten Fahne, geführt hat und der Rotfront- tämpferbund aufgelöst wurde, ist es innerhalb der kommunistischen Führung und vor allem der kommunistischen Presse zu recht lebhaften und bitteren Auseinandersetzungen gekommen. So wird bekannt, daß in dem kommunistischen Salonblatt, der Welt am Abend, schon vor dem 1. Mai einige Redakteure die Parole einer skrupellosen Hehpolitik nicht mehr mitmachen wollten. Rach den Zusammenstößen und dem Verbot der Roten Fahne haben sich diese Differenzen verschärft, da die Funktionäre der kommunistischen Partei an Stelle der Roten Fahne nunmehr auf die Welt am Abend Einfluß zu nehmen versuchten. Die üblichen Hehmethoden sollten auch auf dieses Blatt übertragen werden, was zur Amtsniederlegung zweier Redakteure dieses Blattes führte. Interessant ist, daß dazu auch der Redakteur R a b o l d gehört, der an der alten „Freiheit" beschäftigt war und die Kommunisten auch im preußischen Landtag einmal vertreten hat. Daraus ergibt sich, daß augenscheinlich auch gewichtigere Persönlichkeiten nicht mit der wilden Hetze der offiziellen Parteiführung einverstanden sind. Auch in der Roten Fahne ist es zu einem Zwischenfall gekommen, denn der bisherige erste Lokalredakteur Fritz Köhler hat der Partei seine Austritts- erklärung mitgeteilt und diese mit der Taktik begründet, die unverantwortlicherweise Leben und Existenz der Arbeiter leichtsinnig aufs Spiel gesetzt habe. Auch Hamburg und Sachsen erlassen ein Verbot. Hamburg, 7. Mai. (WB.) In Durchführung des Verbotes des Roten Frontkämpferbundes, der Roten Iungfront und der Roten Marine durch den Hamburger Senat begannen heute früh die polizeilichen Haussuchungen in der gemeinschaftlichen Geschäftsstelle der drei Organisationen und in den Wohnungen der leitenden Persönlichkeiten. Die Polizeiaktion erstreckt sich auch auf die Orte Bergedorf, Geesthacht und Cuxhaven. — Wie von zuverlässiger Stelle verlautet, hat der sächsische Innenminister den Rotfrontkämpferbund mit seinen 'Jkbcnorganifationen für das Gebiet des Freistaates Sachsen verboten. Damit ist natürlich auch das Rotfront-Reichstreffen, das für die Pfingsttage in Leipzig vorgesehen war, hinfällig geworden. — Im anhaltischen Landtag machte auf eine kommunistische Anfrage Staatsminister Dr. Weber Mitteilung von der Aufforderung des Reichsinnenministers, den Roten Frontkämpferbund auch in Anhalt aufzulösen. Das Staatsministerium werde diesem Ersuchen nicht entsprechen, weil in Anhalt alles ruhig verlaufen fei. Der Staatsgerichtshof habe entschieden, daß besondere Gründe für die Auflösung in den betreffenden Ländern selbst vorliegen müßten. Das aber sei in Anhalt nicht der Fall. Die Regierung werde aber mit Aufmerksamkeit die Entwicklung der Dinge verfolgen. zurückzuweisen. Mag auch für absehbare Zeit die kriegerische Auseinandersetzung zwischen den beiden großen Rivalen zur See als unwahrscheinlich gelten die Spannung zwischen Enalandundden Vereinigten Staaten hat in den letzten Monaten und Jahren nicht nachgelassen. Beide Mächte rüsten sich, vorerst diplomatisch. Ist auch dos in erster Linie gegen Amerika gerichtete englisch-französische Flottenabkommen aufgegeben, die englisch-sranzösische Entente ist heute fester denn je; ihre Wiederbelebung bedeutet engste Zusammenarbeit mit Frankreich und seinen Verbündeten, in Europa nicht nur, nem, auch in den großen Fragen der Weltpounk. Dieses Zusammengehen seht gemeinsame Gegner voraus: Deutschland, das durch Versailles als aktiver Faktor der Weltpolitik ausgeschicden ist und vor allem darauf zu achten hat, daß die Gegensätze der anderen nicht auf seinem Rücken ausgetragen werden, die Vereinigten Staaten, Rußland Gegen Deutschland wirkt sich die englisch-französische Einheitsfront aus, in der Reparations- und in der ! Sicherheitsfrage, in Fragen der Rheinlandrau- mung, in der England ebenso den Rückzug vor Frankreich angetreten wie in der Frage der Ab- irtüftunq namentlich bei der Anrechnung der französischen Reserven. In Genf sieht sich Deutschland der englisch-französischen Einheitsfront gegenüber. Und in diese Einheitsfront, verstärkt durch die östlichen Vasallen Frankreichs, soll — ob es gc- Die Dominions sind selbständiger geworden, sie wollen nicht mehr blindlings der von London inaugurierten Politik folgen, wollen Mitbestim- mungs- und Entscheidungsrecht, und man hat c8 ihnen auf der letzten Reichstonferenz nicht mehr zu weigern vermocht. Die britische Dor- niachtstellung zur See, die vor 1914 England durch Deutschland bedroht sah, ist seit der Washingtoner Konferenz, auf der man Amerika die Gleichberechtigung zur See zugcstehen muhte, endgültig dahin. QEbcr die englisch-amerikanische Flottenrivalität, die nichts anderes ist als ein Kampf um die Freiheit des Meeres, sie besteht bxitcr fort. Borah, der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses des amerikanischen Senats kennzeichnet ihren Sinn treffend, wenn er sagt: oenn wir mit England zu keiner Einigung über die Rechte der Reutralen im Seekrieg gelangen, hxnn wir also zum Schuh unseres Handels allein auf hie Stärke der Flotte angewiesen sind, dann werden wir unbedingt eine Flotte bauen, die der englischen überlegen und dadurch in der Lage ist, jede Einmischung in unfern Handelsverkehr Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle. Sezugrpretr für 2 Wochen. 1 Reichsmark und 15 Reichspsennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummcrn infolge höherer Gewalt. Fernsprech anschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Berlin, 7. Mai. (VDZ.) Der Haushaltsaus- schuß des Reichstages begann heute mit der Etatsberatung des Reichsministeriums des Innern. Als Berichterstatter führte Abg. D. Dr. Schreiber (Zentr.) aus: Der Haushalt weift gegenüber dem Vorjahre eine Gesamtersparnis von 2,4 Millionen auf. Dazu tritt durch die letzte Streichungsaktion eine weitere Ersparnis von 4 369 OOO Reichsmark, so daß insgesamt beim Reichsministerium des Innern 6 769 000 Reichsmark eingespart sind. Infolge der Drosselung der deutschen Einwanderung in den Vereinigten Staaten müßte die deutsche Einwanderung nach europäischen Ländern und nach Ueberfee endlich einmal planmäßig und zweckdienlich im Sinne einer kulturellen Erhaltung des Volkstums angehalten werden. Was den l.Mai betrifft, so rücken wir ab von allem Scharf- machertum, wir bedauern auch, daß eine Reihe Volksgenossen, darunter auch Frauen, erschossen sind. Andererseits treten wir nachdrücklich für die Aufrechterhaltung der Staat sautorität und der Ordnung ein. Abg. Berndt (Dntl.) betont, daß der kommunistische Aufstand von der Polizei in altbewährter preußischer Pflichttreue niedergeschlagen wurde. Er fragt aber, ob die Opfer durch Vorsichtsmaßregeln sicht nicht hätten vermeiden lassen. Das Verbot der Notfrontkämpfer komme zu spät. Eine rücksichtslose Bestrafung ohne Rücksicht auf Abgeord- nefenimmunität müsse die Verbrecher treffen. Abg. Maslowski (Komm.) folgert aus dem „hirnverbrannten Verbot" der Umzüge den Klassencharakter der sozialdemokratischen Maßnahmen gegen die Proletarier. Die Barrikaden seien nur errichtet worden, um die Panzerautos nicht in die Arbeiterviertel zu lassen. Die Kommunisten hätten am 1. Mai nur friedlich und unbewaffnet demonstrieren wollen. Die Mordkugeln stammten nur aus dem Arsenal der Polizei. Sie hätten wie Dum-Dum- Geschosse gewirkt. Die Blutschuld würden die Sozialdemokraten und der Innenminister nicht von sich abwaschen können. (Zurufe.) Reichsinnenminister Severing: In Flugblättern ift dazu aufgefordert, auf dem Aleranderplah und dem Potsdamer Platz für ein „Rotes" Deutschland und die Weltdiktatur des Proletariats zu demonstrieren. Ich bin erfreut darüber, daß die Waffen der preußischen Polizei so geschärft sind, daß sie sich auch als eine wirksame Waffe gegen den Bürgerkrieg erwiesen haben. (Anruhe und Zurufe bei den Kommunisten.) Wenn dann von dem „Arbeitermord der Trabanten Zörgiebels" gesprochen worden ist, so stehe ich nicht an, zu erklären, daß wir die Tätigkeit der Berliner Polizei hoch anerkennen. Darin ist natürlich nicht eine blinde Entschuldigung für etwaige Mißgriffe eingeschlossen. Aber ich gebe zu bedenken, die Kommunistische Partei hat schon lange vor dem 1. M a i Exerzitien der jüngeren Kommunisten angeordnet, schon acht Tage vorher mußten sic sich gegen die Polizei einsehen, und fast an jedem Abend haben verwundete Polizisten ihren Bericht einsenden müssen. And wenn der eine oder andere Beamte durch die ständige Alarmbereitschaft nervös geworden ist, so läßt sich das nicht ganz vermeiden. Die Schuld für etwaige Entgleisungen trifft die intellektuellen Arheber der Vorgänge, trifft die Kommunistische Partei. Es ist Aufgabe des Staates, die Kommunisten zu isolieren, und das wäre nicht gelungen, wenn man nicht in der bekannten Weise vor- gegangen wäre. Die Bevölkerung soll erkennen, daß die Polizei und die Staatsorgane zunächst jedes friedliche Mittel erschöpfen wollen, daß der Staat kein Blutbad anrichten will und daß, wenn es trotzdem geschieht, die Schuld auf das Konto des kommunistischen Vorgehens zu schreiben ist. Es ist von meiner Methode gesprochen worden. Meine Methode war es, den Anfug der Wehr- verbände zu verhindern. Ich habe meine Tätigkeit mit der Auflösung von sogenannten Arbeiterschuhwehren begonnen, und dann die Escherich- Organisationen aufgelöst. Ich gehe von der Aeber- zeugung aus, daß nur diejenigen Waffen tragen dürsten, die dazu von Amts wegen berufen seien, und daß jede Art Selbstschutz nur die Ansicherheit in Deutschland vermehre. Nun wurde gesagt, daß Minister von Keudell durch das Rotfrontverbot glänzend gerechtfertigt sei. lingt oder nicht, ist eine andere Frage — Italien eingespannt werden. Auf der anderen Seite die augenfällige Annäherung der Vereinigten Staaten an Rußland und umgekehrt, der Versuch Amerikas, sich maßgebenden Einfluß auf dem russischen Markt zu sichern, trotz der Richtanerkennung der Sowjetunion. And diese Annäherung der Vereinigten Staaten an Rußland ist um so bedeutungsvoller, als die Spannung zwischen Großbritannien und Rußland anhält und bei dem zwangsläufigen Antagonismus zwischen den beiden Mächten auch sortbestehen muß. Englands und Rußlands Interessen sind und bleiben widerstreitend; die Gegensätze zwischen ihnen waren nur zeitweilig überbrückt durch den gemeinsamen Haß gegen Deutschland; sie sind nach dem Weltkriege wieder verstärkt in Erscheinung getreten. Der russische Bolschewismus ist ebenso imperialistisch wie einst der Zarismus. In Persien, in Afghanistan, an Weltpolitische Spannungen. Die durch den Weltkrieg bedingte Amgestal- fung der Weltlage hat ebensowenig zu einer Ausgleichung der Gegensätze zwischen den großen Mächten geführt, wie die Pariser Friedens- dittate Europa und der Welt den ersehnten Frieden und eine ruhige Entwicklung gebracht haben. Im Gegenteil zu den alten Reivungsslächen, wie sie vor dem Kriege bestanden haben, sind neue getreten. Die Gegensätze an allen Ecken und Enden der Welt haben sich verstärkt und ver- schärst. Die Figuren aus dem weltpolitischen Schachbrett haben vielsach gewechselt; aber die neuen Konstellationen, die sich ergeben haben, I weisen ebenso wie einst gefahrdrohende Span- iiungsmomente aus. Das Wort vom „Weltfrieden" hat einen schönen Klang, aber kaum ist die Welt weiter von diesem Zustande entfernt ge- ; wesen als heute zehn Jahre nach dem großen Völkermorden, trotz Völkerbund und Kelloggpakt. Durch den Weltkrieg hat Europa seine bisherige Vormachtstellung verloren. Das Zentrum der Weltsinanz ist heule nicht mehr die Londoner City, sondern die CReul) örter Wallstreet; dos Washingtoner Kapitol hat die Downing Street verdrängt; die Vereinigten Staaten spie- t len auf dem Weltmarkt die ausschlaggebende Rolle. Die Völker Asiens und Afrikas । sind erwacht, sind selbst Faktoren im weltpoliti- Ichen Spiel geworden, mit denen die europäischen Mächte zu rechnen haben, sind jedenfalls nicht j mehr lediglich Objekt europäischer Herrschgewalt. Die gelbe und die schwarze Rasse erkennen heute ; die Aeberlegenheit der weihen Rasse nicht mehr an, nachdem sie ihre Selbstzerfleischung erlebt und zum Teil an ihr tätigen Anteil genommen . haben. Das von Wilson geprägte Wort vom Selbstbestimmungsrecht der Völker ist nicht beschränkt geblieben auf die Rationen Europas, sondern griff über auf die Völker Asiens und Asrikas, fand seinen Widerhall nicht nur an den Ufern der Donau und der Save, nein auch an den ; Gestaden des Riis und des Rigers, des Ganges und des Iangsekiang. Das Echo vom Selbst- ; bestimmungsrecht der Völker klingt zurück aus China und aus Indien, aus Aegypten und Arabien. Englands Saldo ans dem Weltkriege ist im wesentlichen passiv geblieben; wohl hat es Me wertvollsten deutschen Kolonien eingestrichen unb Mesopotamien gewonnen, aber die Aeber- macht der Vereinigten Staaten, die amerikanische Wirtschaftsüberlegenheit und die Flottenrivali- l»t lasten schwer auf dem englischen Prestige, und das Gefüge des britischen Empire hat sich bedenklich gelockert; die Stellung der Dominions «*1' Die Wetterlage. Ino»- Jen Mayen-- '-=*>50 * 5*5 rnorsr jtraeu ML LäTäuna Ä lunben. KURMARK-RAUCHERS. KURMARKER HE RR AUS! SPEZIAL- MAZE DON EN-MISCHUNG 4_U.R6(pa4eawth>n.t<$t&eii8 /»' Gf»e5taH» and Feile» den Reue», eed SehreifrtUcft fordere Sie .KU8M ARK «FBIVATFAGKUNGf Cohn« Freitaof ich leg). (9 Darum mit vr-.THomxsons Seifenpulver einwerchen und mit Ozonil kochen Länder, und w///wr/z< bienstaa d.7.F\ai 1929, ^_aM5._ Aus dem Amtsverkündigungsblatt. a DaS Amtsverkündigungsblatt 2(1.31 vom 7. Mai enthält: Die Hegezeit für Reh- rtlb. — Straßensperre. — Der Feuervisitator irt 4. Bezirk. — Die Einsendung von Unfall- »mzeigen. — Schweinezwischenzählung. — Das Einhalten der Tauben. ^H^5-orsea-*^- W O Kommerzienrat Gustav A. Mueller t- Bach längerer Krankheit ist am Montag der Inhaber der Zigarrenfabriken Arnold Mueller G.m.b.H. in Gießen, Kommerzienrat G u st a v QI. Mueller, verstorben. Der Verewigte erblickte am 24. Mai 1859 als Sohn des Zigarrenfabrikanten QIrnold Mueller das Licht der Welt, er ist also nahezu 70 Jahre alt geworden. Bach dem Besuche des hiesigen Gymnasiums studierte er einige Semester 3ura an der Gießener Universität. um sich auch dergestalt für seinen späteren kaufmännischen Beruf vorzubereiten. Im Alter von 27 Jahren trat er an die Spitze der väterlichen Fabrik, der er bis zu seinem Tode als Seniorchef und umsichtiger Kaufmann Vorstand. Als Leiter eines bedeutenden Unternehmens der oberhessischen Tabakindustrie war er an der Gründung des Vereins der Tabakindustriellen von Gießen und Umgegend mit beteiligt. Seit 1907 gehörte er ohne Unterbrechung dieser wirtschaftlichen Bereinigung an, in der er zwei Jahre die Geschäft des 1. Vorsitzenden versah und späterhin in Kommissionen und als Schatzmeister im Vorstande des Reichsverbandes Deutscher Zigarrenhersteller, Bezirksgruppe Gießen, rege mitarbeitete. Im Jahre 1892 wurde er zum Handelsrichter ernannt, und er versah dieses Amt 32 Jahre lang bis zu seinem 65. Lebensjahre. In Anerkennung seiner Tätigkeit für die Hebung der heimischen Wirtschaft wurde ihm im Jahre 1905 der Titel Kommerzienrat verliehen. Der Entschlafene, der in der breiten Oeffentlichkeit sonst nicht weiter hcrvortrat, war lange Jahre auch Vorstandsmitglied des Gesellschaftsvereins, der ihn erst kürzlich zum Ehrenmitglied ernannte. Ferner wurde ihm in dankbarer Würdigung seiner Verdienste um den Turnverein von 1846, dem er ebenfalls viele Jahre lang angehörte, die Ehrenmitgliedschaft dieses Vereins übertragen. Die Fünfziger-Vereinigung 1859—1909 besah in ihm ihren ersten Vorsitzenden. Gustav Mueller, dessen ragende Gestalt und feiner Kopf das Bild eines deutschen Mannes zeigten, war eine Persönlichkeit von vornehmer Lebensauffassung. Biemals hat er vergessen, daß er, der in Köln zur Welt kam, ein Sohn des Rheinlandes war, aus dem er auch seine treue Lebensgefährtin nach der zweiten Heimat Gießen heimholte. Erfüllt von einer tiefen Auffassung des Lebens, leuchtete doch allezeit aus ihm die Sonne goldenen rheinischen Humors und rheinischer Gemütsart, köstliche Gaben, die ihm die Harzen aller erschlossen, die mit ihm in Berührung kamen. Er war nicht nur ein guterKaufmann und Industrieller, sondern auchein weidgerechter Jäger und Freund der Gottesnatur, ein guter, edler Mensch, und vielen war er mehr, ein allzeit verläßlicher Freund. Wer ihn kannte, wird ihn schmerzlich vermissen und um seinen Heimgang trauern. In hohen Ehren wird sein Gedächtnis fortleben. R. i. p. Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Geliebte Sr. Hoheit". — Astoria-Lichtspiele: „Mit Pferd und Lasso". — Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Zarewitsch". — Astoria-Lichtspiele: „Auf der Reeperbahn nachts um y2r. - - Stadttheater Gießen. Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die bekannten Haaß-Berkow-Spiele gastieren am Freitag, 10 Mai, im Stadttheater. Am Qlbend wird das „Paradies-Spiel" und der „Totentanz" gegeben. Am Bachmittag wird in einer Schüler- aufführung „Die zertanzten Schuhe" (nach dem Grimmschen Märchen) aufgeführt. Zu beiden Vorstellungen ist freier Verkauf. Die Haaß-Berkow- Spiele dürften von ihrem früheren Gastspiel her noch in guter Erinnerung stehen. — Akademische Ortsgruppe des Vereins für das Deutschtum im Ausland e (D. D. QI.). Einen Lichtbildervortrag über die geschichtliche Entwicklung des Banats und seiner deutschen Bewohner hält ein Banater, cand. med. vet. Buding, am Freitag in der Aula des Gymnasiums. Der Vortrag wird veranstaltet von der Qlkademischen Ortsgruppe des V.D.A. gemeinsam mit der Vereinigung auslanddeutscher Studierender. (Siehe heutige Anzeige.) — D ie Ortsgruppe Gießen des Bundes Deutsche Frauenkultur veranstaltet nm kommenden Samstagnachmittag im Cafs Leib Gymnastik-Borführungen. Näheres wird am Freitag im Anzeigenteil bekanntgegeben. — Ein Wohltätigkeitskonzert zu - g u n ft e n u n s e r er Schwesternhäuser veranstaltet Wilhelm Schüttlers «chule für höheres Violinspiel am kommenden Montagabend 7.30 Uhr im Singsaal des Realgymnasiums. Das Programm sieht eine ganze Reihe von Darbietungen verschiedenster Komponisten vor, ferner wirken Viktor Heermann und andere Künstler aus der Heermannschen Gesangschule mit. Die Veranstaltung sei der Aufmerksamkeit unserer Mitbürger empfohlen. Näheres in der heutigen Nummer.* ♦* Evangelisch-kirchliche P e r s o n a l i e. Die evangelische Kirchenregierung entsprach dem GeStädtewappen aller Erdteile in Gold- und SilberdrucKi Die FREUDE des Scholls ’Zmo'Pads atzen und brennen nicht Sie sind dünn und tragen nicht aut. Schon das erste Pflaster befreit Sie von den brennenden Schmerzen. Zu haßen >n allen Apotheken u Drogerien. Drogerien: Kreuzplatz 9/10. Drogerie Winterhoff Lindenplatz 5, Ernst Noll Seltersweg 68a, H. Elges 3505V Bahnhofstraße. Kreuz-Drogerie Schulstraße, Central-Drog. E. Karn Koonstraße, Drogerie H. Noll Frankfurter Str., Drogerie C. 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Aus den einzelnen Derussgruppen ist folgendes zu verzeichnen: 15000 145ÖO 14000 13500 13000- 12500‘ 12000 1,1500 1100Ö 10500 1COOO- 9500 9000 8500 8000 7500 7000 6500 6000 5500 5000. 4500. 4000. 3500 3000 2500 2000 500 minnl. weibl 12426 1032 13 III. 29 weibl. männl. 7051 924 3. IV '29 10 IV. 29 minnl. 11249 weibl. mennl. 1029 9947 7 09 weibl. männl. weibl. männl 976 8974 963 7810 männl. weib 5662 795 24 IV. 29 Die Abnahme der Arbeitslosigkeit im Bezirk des Arbeitsamts Giessen 3n der Landwirtschaft ist infolge des eingetretenen Witterungsumschlages eine vermehrte Rachfrage nach Arbeitskräften und ein Steigen der Dermittlungstätigkeit zu verzeichnen. Ledige Knechte und Mägde sind gesucht. 3m Bergbau hält der günstige Beschäftigungsstand weiter an. Die Einstellung von Arbeitskräften in der 3ndustrie der Steine und Erden hat weiter zugenommen. Die Lage der Metallwirtschaft ist in den einzelnen 3n- dustriezweigen sehr verschieden. Die Zugänge an Arbeitsuchende in einzelnen 3ndustriezweigen wurden durch Abgänge an Arbeitsuchende in anderen 3ndustriezweigen ausgeglichen. Die Besserung des Arbeitsmarktes setzte sich .sowohl im Spinn st offgewerbe, als auch in der Papierherstellung weiter fort. 3m Holz- und Schnitz st offgewerbe ist eine Belebung des Arbeitsmarktes unverkennbar, jedoch schreitet sie nur sehr langsam vorwärts. Die Arbeitsmarktlage im Rahrungs- und Genuhmittelgewerbe ist im allgemeinen noch sehr gedrückt. Hauptsächlich in der Saba f- industrie besteht die ungünstige Lage weiter fort. Die Geschäftigungslage im Bekleidungsgewerbe ist als gut zu bezeichnen. Es ruf von Arbeitskräften durch die Reichsbahn bedingt. 3n der Lohnarbeit wechselnder Arr haben sich die Beschäftigungsverhältnisse weiterhin gebessert. Die Rachfrage nach ungelernten Arbeitskräften für Außenarbeiten hält an. Unser Schaubild zeigt die starke Entlastung des Arbeitsmarktes vom Höhepunkt der Arbeitslosigkeit bis zur vergangenen Woche. Es besteht die berechtigte Hoffnung, daß sich die saisonmäßige Aufwärtsbewegung in den nächsten Wochen in unvermindertem Tempo fortsetzt. Im Berichtsmonat sind im Bezirk des Arbeitsamts Gießen 924 männliche und 399 weibliche, insgesamt 1323 Personen vermittelt. Die Abteilung Berufsberatung hat im Monat April 221 Beratungen und 35 Lehrstellenvermittlungen zu verzeichnen. 18 Schüler und 3 Schülerinnen kamen aus höheren Lehranstalten, die übrigen aus der Volksschule. Neue offene Lehrstellen wurden für Knaben 50, für Mädchen neun angemeldet. Knaben konnten 26, Mädchen 9 in Lehrstellen vermittelt werden. Es gibt immer noch ziemlich viel Schulentlassene ohne Lehrstellen. Häufig wollen die Eltern wegen landwirtschaftlicher Arbeiten ihre Jungen erst im Herbst in die Lehre geben. Wolke so vieler Verliebtheiten, kehrst du schließlich am Abend zur Stadt zurück. Paar an Paar wandert mit dir oder schreitet an dir vorbei ins Dunkel. 3hre Träume und Seligkeiten streifen dich wie der Flug eines kaum atmenden Windes. Roch braust nicht der Lärm aus den Schenken, aber der Glanz der Freude in allen Gesichtern verheißt die Fortdauer des Festes auch für die Rächt. All das verliebte Zirpen wird nicht schweigen in den Käsigen der Häuser, nur als ein verwandeltes Lied sich ins lauschende Dunkel schmiegen. Lind das Summen der Grillen, die Liebesgeigen des Sommers werden darin tönen, emporsteigen wird der zärtliche Gesang bis zur Kuppel des Domes, die, von unsichtbaren Licht- quellen erhellt, über der Stadt steht, einer eben sich erschließenden Riesenknospe mit schon aufgerecktem Stempel gleich: so öffnet sich, einmal in vielen 3ahren. die „Königin der Rächt" zum Wunder ihrer Blüte. Oie englischen Luftriesen. Rach vielen Kombinationen werden jetzt endlich genaue und zuverlässige Zahlen über die Ausmaße der im Bau befindlichen und kurz vor der Vollendung stehenden beiden englischen Groß- l u f t s ch i f f e R 100 und R 101 bekannt, die einen Vergleich mit dem „Graf Zeppelin" ermöglichen. 3n den äußeren Ausmaßen unterscheiden sie sich nicht so sehr vom „Graf Zeppelin" in der Länge sind sie sogar eher etwas kürzer, während sie durch eine größere Breite statt 105 000 Kubikmeter wie der Zeppelin 141 500 Kubikmeter Gasinhalt fassen können. Der wesentlichste Llnterschied beruht zunächst auf der großen Differenz in der Stärke der Motoren. „Graf Zeppelin" verfügt nur über 2650 P. S., die R 100 aber mit 4200 P. S. beinahe über das Doppelte. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Ozeanflug ist aber die Einsicht, daß die Motoren- stärke des „Graf Zeppelin" für einen regelmäßigen Ferndienst des Schiffes ungenügend ist. 3n diesem Falle dürften uns die Engländer leider voraus sein. Der Llnterschied in dem Fassungsvermögen der Ruhlast zwischen dem deutschen Schiss und den beiden Engländern ist nicht sehr wesentlich und wird trotz des größeren Gasvolumens der R 100 und R 101 durch deren stärkere Belastung mit schwereren Motoren wieder etwas ausgeglichen. Entsprechend den stärkeren Motoren vermögen die englischen Schisse gegenüber der Rormalgeschwindigkeit des Zeppelin von 120 Kilometer auch eine etwas größere G e- schwindigkeit zu erzielen, wobei allerdings bei den Engländern die Berechnungsbasis nicht ganz ersichtlich ist. Für die R 100 rechnet man mit 139 Kilometer Dauergeschwindigkeit, während die R 101 es nur auf 129,6 Kilometer bringt. Der Fahrbereich dürfte bei den Engländern eher unter dem Aktionsradius des „Graf Zeppelin" als darüber liegen. Auch äußerlich weisen die englischen Luftschiffe gegenüber dem Zeppelin einige wesentliche Verschiedenheiten auf. Vor allem ist bei beiden Schiffen übereinstimmend eine ganz andere Unterbringung der Passagierkabinen und der Diensträume vorgesehen. Diese Anlagen werden volllommen in den Schiffsrumpf hineingenommen, so daß nur die Kommandokabine außerhalb der Umhüllung liegt. Die Räume für 100 Fahrgäste und 50 Mann Besatzung liegen- auf zwei festen Decks im 3nnem des Rumpfes. Das untere Deck mit einer Fläche von 160,7 Quadratmeter umfaßt die Kapitänsräume, die Küche, die Be- sahungsräume usw., während auf dem oberen Deck mit 515,6 Quadratmeter Größe der Speisesaal. die zweibettigen Schlafkammern und eine große Halle mit Wandelgängen auf beiden Seiten untergebracht sind. Die Wohnräume werden mit Dampf geheizt. 3m übrigen dient als Brennstoff für die Motoren ein nicht feuergefährliches und relativ sehr billiges Heizöl, dessen Zusammensetzung aber nicht bekannt ist. Hochschulnachrichien. Professor Lic. Dr. 3oachim 3 c r e m i a s . Leiter des Seminars für nachbiblisches 3udentum (Institutum Judaicum) an der Universität Berlin, hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der neutestamentlichen Theologie an der Universität Greifswald als Rachfolger von Prok. 3ulius Schniewind angenommen und seine Ernennung zum ordentlichen Professor in Greifswald erhalten. — Prof. Dr. Sergius Bub« noff in Breslau hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Geologie und Paläontologie an der Universität Greifswald als Rachfolger von Prof. 3oh. Weigelt angenommen. — Professor Dr. Willy Andreas in Heidelberg hat den Ruf auf den Lehrstuhl der neueren Geschichte an der Universität Göttingen als Rachfolger von Prof. A. O. Meyer ab- gelehnt. Aus -er Provinzialbauptsta-t. Gießen, den 8. Mai 1929. Das (Sleiberg-Zest 1929. Die Vorbereitungen zu der am 29. und 30. Juni d.I. stattfindenden Halbjahrhunde rt-Feier aus Anlaß der Besitzübertragung der Burg Gleiberg an den G l e i b e r g v e r e i n Gießen sind rege im Gange. Anläßlich dieser Jubiläumsfeier wird ein von Direktor Schmch- ling verfaßtes Festspiel am Vorabend der Veranstaltung, und zwar am 28. Juni, im Gießener Stadttheater zur Aufführung kommen. Das Festspiel, das von dem Schauspieler Paul Gehre in Gießen inszeniert wird, behandelt in bilderreichen Abschnitten die Geschichte der Büro ©teiberg. Den Freunden heimatgeschichtlichen Geschehens wird bei dieser Aufführung ein weitreichender interessanter Einblick in ein bedeutsames Kapitel der Geschichte unserer engeren Heimat gegeben werden. Am Samstag, dem 29. Juni und am Sonntag, dem 30. Juni, werden dann auf der Burg Gleiberg selbst mancherlei Darbietungen mit volkstümlichem Charakter die Besucher erfreuen. Hierbei wird u. a. der Jugendtanzkreis der Gießener Jugendbünde mitwirken, außerdem sind Auszüge in historischen K o st ü m e n geplant, deren einzelne Bilder sich gleichfalls an die Geschichte der Burg Gleiberg anlehnen werden. Die Bearbeitung dieser Aufzüge wird in den Händen des Dramaturgen des Gießener Stadttheaters, Dr. Ritter, liegen. Ferner denkt die Festleitung noch daran, an beiden Festtagen eine k ü n st l e r i s ch c Burgbeleuchtung ins Werk zu sehen, die das wunderbare Landschaftsbild der Burg Gleiberg in den dunklen Abendstunden in besonders reizvollem Lichte erscheinen lassen wird. Man kann heute schon sagen, daß die Besucher der Jubiläumsveranstaltung des Gleibergvereins besondere Sehenswürdigkeiten in reichem Maße zu erwarten haben. Gießener Wochenmarktpreise. ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt dos Pfund: Butter 180 bis 190; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 30; Weißkraut 20 bis 30; Rotkraut 20 bis 30; gelbe Rüben 20 bis 25; rote Rüben 20 bis 25; Spinat 30 bis 40; Spargel 80 bis 140; Unter-Kohlrabi 10 bis 12; grüne Erbsen 80; Feldsalat 150 bis 200; Tomaten 80 bis 120; Zwiebeln 20 bis 25; Meerrettich 50 bis 120; Schwarzwurzeln 40 bis 80; Rhabarber 30 bis 40; Kartoffeln 6; ausl. Repfel 40 bis 80; inl. Aepfcl 30 bis 40; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hahne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Rüsse 70 bis 80; das Stück: Tauben 80 bis 90; Eier 11 bis 12; Blumenkohl 70 bis 150; Salat 20 bis 40; Salatgurken 70 bis 100; Ober-Kohlrabi 50; Lauch 10 bis 20; Rettich 40 bis 60; Sellerie 20 bis 100; das Bund: Radieschen 20 bis 25 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 5,50 Mark. * ** Straßensperrungen. Vom Oberhessischen Automobilklub E. V. (21. v. D.), Gießen, werden uns folgende Straßensperrungen mitgeteilt: Friedberg— Oberwöllstadt im Zuge der Straße Friedberg—Frankfurt für alle Fahrzeuge ab 13. Mai bis auf weiteres, Umleitung über Fauerbach—Bruchenbrücken, Niederwöllstadt; — Berstadt — GrundSch walheim ab Abzweig nach Echzell im Zuge der Straße Friedberg—Nidda für alle Fahrzeuge ab 13. Mai bis auf weiteres, Umleitung über Echzell, Bisses resp. Trais-Horloff, Steinheim, Unter-Widdersheim und umgekehrt. ** 40jähriges Dienstjubiläum b e i der P o st. Gestern konnte Oberpostinspektor Schön, Diezstraße 10 wohnhaft, in voller Frische sein 40jähriges Dienstjubiläum feiern. Die dem Zubilar aus diesem Anlaß zuteil gewordenen vielseitigen Ehrungen beweisen die Wertschätzung, der er sich bei seinen Mitarbeitern und Bekannten erfreut. Vornan einer Nacht Von Paul Nosenhayn. 23 Fortfetzung. Nachdruck verboten. Marcelle streifte sein Gesicht mit einem kurzen Blick. Sie sah an ihm vorüber, durch die beschlagenen Fenster; der Wagen hatte sich zur Linken gewendet; er fuhr über den breiten Boulevard. Dort wuchtete aus dem Dunkel die Bethlehemskirche. „Rvrdfeldgasse 41!“ sagte sie. ..Was willst du dort?" fragte er kopfschüttelnd. „Richts. Ich habe mich nur erboten, dafür zu sorgen, daß du endlich deine Pflicht erfüllst. Seit Stunden wartet man auf dich; alles ist verloren, wenn du nicht kommst, Fcdor! Du mutzt eine Entscheidung treffen? Jetzt, da Marfa verloren ist, muht du dich aufraffen! Meinetwegen kannst Du dann zu deiner Linda zurückkehren." Sie wandte verstohlen den Kopf und blickte durch das Rückfenster in das Dunkel zurück; eben bog das andere Auto um die Ecke des Griff enfeldts-Gade. „Wird dein Mann dich nicht vermissen?" fragte er, vielleicht in aufsteigendem Mißtrauen. „Ich werde zurückfahren, sobald ich dich in der Versammlung weih." „Und was soll nachher werden?" fragte er, immer noch im Banne jener Unruhe. Sie hörte sie aus seiner Stimme heraus. Der Wagen fuhr am Friedhof entlang, die Rorrebrogade hinaus; jetzt bog er zur Rechten ein. Die Häuserreihen verloren sich, vereinzelte Baracken tauchten auf, niedrige Kleineleute- wvhnungen, schweigend, im Schlaf der späten Rächt. Dort vorn blinkte mattes Licht, zwischen Schuttplähen, Brachland, Bauzäunen tat sich von neuem spärlich bebautes Gelände auf. unbehagliche und kalte Bvrstadthäuser, dazwischen die Laterne einer Kleinbürgerkneipe. Der Wagen hielt. Marcelle stieg zuerst aus. Sokoloff lüftete schweigend den Hut und ging an ihr vorüber in den fahlen Lichtkreis des Backsteinhauses. Wie in dieser Beleuchtung alle Dinge fahl und übernächtig aussahen! Er blickte nicht zurück; den Hut ins Gesicht gedrückt ging er ins Haus. Augenscheinlich rih Marcelle Krentz den Schlag des Autos auf. „Fahren Sie einen anderen Weg!" sagte sie mit einem spähenden Blick in die lichtlose Guld- bergsgade. „Fahren Sie geradeaus weiter — zur Rechten um diese Häuser herum, bis Sie an jene Laternenreihe kommen!" „ES ist Die Rorre-Allee," erklärte der Chauffeur. •* Arbeitsjubiläum. Am nächsten Freitag, 10. Mai, kann Herr Adam Koch auf eine 40jährnge Tätigkeit bei der Firma 3. Happel dahier zurückblicken. Der Zubilar ist eine besonders bei den Schreinermeistern von Gießen und ilmgegenb bekannte und beliebte Persönlichkeit. •• Volkstümliche Sonderfahrten an di e Rordsee. Wie das Hapag-Reife- bureau Gießen im gestrigen Anzeigenteil ankündigte, veranstaltet es am 21. Zuni und 9. August zwei volkstümliche Sonderfahrten an die Rord- see mit je 4tägiger Dauer ab Gießen und äu- rück. Eingeschlossen in diese Reise sind der Besuch von Hamburg und Helgoland, Rundfahrt mit Gesellschaftsautomobilen durch Hamburg, Besichtigung des Elbturmes. Rundfahrt durch fast sämtliche Häfen Hamburgs, anschließend Besichtigung eines großen Lleberseedampfers der Hamburg-Amerika-Linie. Der Gesamtpreis ab Gießen beträgt 62,50 Mark einschl. Bahn- und Dampferfahrt. Unterkunft in gut bürgerlichen Hotels. Verpflegung. Ferner finden wieder die beliebten Hapag-Rordsee-Jnsel-Fahrten statt nach Helgoland. Westerland und Sylt. Gesamtpreis 148,80 Mard Räheres über diese Reisen ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. Oberhsfsen. Landkreis Gießen. K l c i n - L i n d c n, 7. Mai. Bei dem am Sonntag in Lollar abgehaltenen Liedertag des Lahngaues, Bezirk!, des Hessischen Sängerbundes wurde Herrn 'Heinrich Wahl, Ehrenvorsitzenden des Gesangvereins „Harmonie" (Klein-Linden), anläßlich seines 40jäh- rigen aktiven Sängerjubiläums vom Gauvorsitzenden, Efuil Koch (Gießen), im Auftrage des Hessischen Sängerbundes die silberne Sänger» nudel mit Urkunde verliehen. Herr Koch feierte den Jubilar als Sängerveteran und sprach in besonders herzlichen Worten zu ihm, da Herrn Wahl als erstem Sänger des Bezirks I. des Lahngaues diese Ehrung zu teil wurde. Heinrich Wahl ist 66 Jahre alt und fehlte bis heute noch in keiner Gesangstunde. Er war lange Jahre Vorsitzender des Vereins und ist in Klein-Lindens Gesangvereinen der älteste aktive Sänger. Sichtlich bewegt dankte Herr Wahl für die Ehrung. CO Klein-Linden, 7. Mai. Unter starker Beteiligung der Kirchengemeinde feierten am Sonntag die beiden hiesigen evangelischen Jugend- vereinigungen ihr zweites Stiftungsfest, das in früher Sonntagsstunde mit Kurrendesingen der Jugendvereinsmitglieder und mit Choralblasen des hiesigen Posaunenchors eröffnet wurde. Der Festgottesdienst war überaus stark besucht und wurde durch Musikvorträge des Posaunenchors unter Leitung von Kreisbaumwart Germer und Chöre des Mädchenchores unter Leitung von Lehrer Rau verschönert. Die Festpredigt hatte Pfarrer Jürgens (Arheilgen), der Leiter des Hessenbundes der evangelischen männlichen Jugend, übernommen. Arn Nachmittag wurden am „Jugendbörnchen" die neu eingetretenen Mädchen durch den Ortsgeistlichen, Pfarrer Bremmer, und die Jungburschen durch Pfarrer I ü r g e n s in den Hauptverband aufgenommen. Zum Waldfest im Bergwerkswald hatten sich viele (yemeinbemitglteber eingefunden, um sich an dem fröhlichen Spiel, den Reigen und den frisch- frohen Liedern der Jugend zu erfreuen. Nach einer Andacht, von slud. theol. Knierriem (Worms bzw. Klein-Linden) gehalten, fand die Waldfeier ihr Ende. 21m Abend versammelten sich noch einmal alle Jugendvereinsmitglieder und einige Freunde im Saale der Kleinkinderschule zu einem geselligen Beisammensein. Musikvorträge der Kapelle der Vereinigungen und gemeinsam gesungene Lieder wechselten mit dreistimmigen Chören der Mädchen. Kaffee und Kuchen sorgten für das leibliche Wohl. Der Jahresbericht, von der Schriftführerin Math. Klapper erstattet, zeigt eine überaus günstige Entwicklung des Vereins. Die beiden Vereinigungen zählen heute rd. „Meinetwegen. Die Rvrre-Allee. Fahren Sie also die Rorre-Allee herunter zur Stadt zurück!" „Soll ich heimfahren, gnädige Frau?" fragte Der Chauffeur. Marcelle blickte zurück nach dem fahlen Licht. Dort in jenes dunkle Haus war Fedor Sokoloff gegangen. Sie wandte den Kopf zur Linken; dort funkelten, zitternd im rasenden Takt Der Maschine, zwei Scheinwerfer auf. „Rein," sagte sie, „fahren Die zur Pvlizei- präfektur." Linda Andersens Wagen hielt. Beklommenen Herzens öffnete sie die Tür; zögernd stieg sie aus. Die Luft, kühl und hart, war erfüllt von fremdartigen und bedrohlichen Dingen. Sie kannte diese Atmosphäre. Ein Besuch in einem Gefängnis kam ihr irgendwie in Erinnerung: der Gedanke an Lknsauberkett, an Armut, an ungelüftete Räume drängte sich auf. Dort, das armselige Licht, bezeichnete den Eingang. Sie blickte im Kreise, sah unschlüssig auf den Chauffeur, der sie neugierig, vielleicht ein wenig argwöhnisch betrachtete. Hier hatte das Auto gehalten. Dies war das letzte Haus. Dort tat sich Bauland auf, jenseits dunkler und schweigender Felder flimmerten die Lichter der Landstraßen, die hier auf der Peripherie der Stadt mündeten. Was mußte eine Frau ihm fein, um betet- willen er jene strahlenden Räume, um deretwillen er sie, Linda, wie eine Selbstverständlichkeit verlassen hatte! Sie fühlte selbst das ungeheure Wagnis dieser Fahrt; aber sie war schon so herausgerissen aus den Gleisen bürgerlichen Lebens. so sehr im Banne seiner lächelnden Vorurteilslosigkeit, daß ihr diese Bedenken nur wie eine blasse Erinnerung an Dinge schienen, mit denen sie keine Gemeinschaft mehr hatte. Ich bin wie verzaubert, dachte sic, schwer atmend, mit sich selbst uneins, ringend mit irren und unbegreiflichen Gedanken. Die Tür war verschlossen; der Drücker gab gar nicht nach. Sie pochte leise gegen das dunkle Holz; sie hörte das Hallen, das irgendwo im Innern des Hauses widerklang. Riemand kam. Wieder klopfte sie, stärker, lauter, schneller. Wieder hörte sie das Echo durch das Dunkel des Hauses hallen; wieder blieb ihr Mühen erfolglos. Sie schüttelte den Kopf und blickte beklommen zur Rechten, zur Linken. Die Fenster waren verhängt; es schien, als ob leise Stimmen durch die Rächt kämen; aber cs konnte das Flüstern des Windes fein, vielleicht das Rauschen ihres eigenen Blutes. Sie ging die wenigen Stufen hinunter, um das Vorgärtchen herum, vielleicht hatte das Haus einen zweiten Eingang. Sic warf einen scheuen Blick auf den Chauffeur, der, wohlerzogen, geradeaus blickte. Aus der dunklen Seitenstraße kam feuchter Wind; in der endlosen Straße flackerte eine Laterne; sie sah das Wogen der Aeste, zitternd spiette das Licht durch die schwankenden Zweige und Blätter. Rötlicher Schein stand am Himmel: der Lichtreflex der Stadt, lieber dem tiefen Dunkel ringsum, das noch schwärzer erschien durch die Lichterreihen, die die Ausläufer der Stadt umkränzten, lag ein dumpfes, rhythmisches Geräusch, wie das Atmen eines schlafenden Tieres. Dort drüben lag, fußhoch über Dem Boden, grauer Rebel: Sumpfland. Während sie alles dies in sich aufnahm, vielleicht ohne es recht zu begreifen, mehr mit den Rerven als mit dem Verstand, glaubte sie plötzlich einen Laut zu hören: so als ob in einem Türschloß der Schlüssel herumgedreht werde. Richts hatte sich geändert; das Haus lag schweigend, dunkel, die Mauern standen im Schlagschatten des jenseitigen Lichts; eben schichteten sich die Regenwolken, die den ganzen Horizont bedeckten, unter dem feuchten Rachtwind zusammen; plötzlich trat die volle Scheibe des Mondes aus dem Wolkenwall, ein Stückchen klaren Himmels wurde frei; das zarte Land schien übergossen von silbrigem und zärtlichem Licht. Mit einem Schlage hatte sich alles geändert: Das Bild dieser drohenden und feindseligen Landschaft war friedlich, fast lockend geworden; sie fühlte, daß diese freundliche Veränderung Symbol war, Aufforderung, ein Appell an ihren Instinkt: daß manches sich geändert habe. Aus dem Unterbewuhtsein begriff sie, daß der Weg frei war. Wieder ging sie um das Haus herum; schweigend lag Die Tür, wie vorhin, überzittert von der fahlen und flackernden Flamme. Sie ging hastig auf die kleine Treppe zu, die paar Stufen hinaus und legte die Hand auf den Drücker. Er gab nach. Die Tür war offen. Sie begriff es nicht. Und begriff cs doch. Richts war mehr überraschend, alles fügte sich in den Laus der Dinge, den sie mit einem sechsten Sinn ertastete. Das Haus war dunkel; aber die Tür hinter ihr stand halb offen, der Reflex des Lichtes kam spärlich, dennoch tröstend herein. Seltsam: hier war keine Tür. Eine Holztreppe führte nach unten; dort schien ein Eingang zu sein. Sie ging die Stufen hinunter; dort war die Klinke. Sie drückte sie nieder und öffnete die Tür. Heller Lichtschein überflutete sie; der Raum war taghell erleuchtet. Betroffene, erstaunte, arg- 90 Mitglieder und haben ein stattliches Vermögen angesammelt, so daß der Bau eines eigenen Heimes in Erwägung gezogen wird. Die in allen Teilen wohlgelungene Feier wurde mit einer Andacht von Pfarrer Bremmer über das Bibelwort: „Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt" beendet. CO Klein-Linden, 7. Mai. Aus Anlaß ihres 50jährigen Bestehens unternahm am Sonntag die hiesige Burschengesellschaft „Bur- gundia", die älteste Vereinigung dieser Art in der näheren und weiteren Umgegend, eine Fahrt an den Rhein. Allen Teilnehmern wird die Fahrt durch den Blütenflor, der am Rhein früher als bei uns zur vollen Entfaltung gekommen ist, unvergeßlich fein. — Der hiesige Turnverein unternahm am Sonntag unter guter Beteiligung seinen diesjährigen Frühjahrsturngang nach dem Jagdschlößchen bei Dutenhofen. z Rödgen, 7. Mai. Dieses Jahr wird wieder ein Teil unseres Dorfes kanalisiert, und zwar die Lange Ortsstraße vom Hause des Schmieds Becker bis an die Gastwirtschaft Balser. Die Arbeiten sind van dem Gemeinderat dein Maurermeister Wächter von hier übertragen worden. Die Zementrohre liefern Gießener Firmen. Mit den Aufbrucharbeiten wurde gestern begonnen. — In den letzten vierzehn Tagen sind dieWiesen, auf denen der blaue Enzian wächst, ganz besonders die „E n z i a n w i e s e", öfters besucht worden, um das seltene Blümchen blühen zu sehen. Leider p 1 ü ck e n unverständige Besucher oft größere Mengen. Ohne Frage wird der Gesamtbestand dadurch geschädigt. Man glaubt hier sicher behaupten zu können, daß vor Jahren die Menge der vorhandenen Pflanzen viel größer gewesen sei, daß in der Blütezeit einzelne Wiesenstückchen geradezu in einem blauen Schimmer gestanden hatten. Ob die Anwendung künstlicher Düngemittel auf die Pflanze nachteilig einwirkt, entzieht sich der Kenntnis des Beobachters. k. Watzenborn-Steinberg, 7. Mai. Ein Unfall, der leicht schlimme Folaen haben konnte, ereignete sich auf der Straße nach Gießen. Ein R a d- fafjrer, der seine hier wohnenden Ellern besuchen wollte, fuhr in der Nacht ohne Licht in rasendem Tempo durch den Wald, und zwar vorschriftswidrig auf der linken Seite. Er rannte dabei einen Fußgänger an, der nicht rechtzeitig ausweichen konnte und in den Straßengraben flog, zum Glück aber nur verhältnismäßig leicht verletzt wurde. Der Radfahrer stürzte in weitem Bogen vom Rad und zog sich nicht unerhebliche Verletzungen zu. s. Hungen, 7. Mai. Am Samstag fanD eine gemeinschaftliche Tagung Des B e zi rks - Ichrcrvcreins Hungen und Der Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Lich- Hungen im „Solmser Hof" Dahier statt. Der Vorsitzende, Lehrer Roth, begrüßte besonders den anwesenden neuen Kreisschulrat Kinkel, und gedachte in anerkennenden Worten Der Tä- ttgkeit des seitherigen Kreisschulrats Fischer. Lehrer Schiefer st ein, Bettenhausen, hielt einen Dorttag über den von ihm seit zwei Jahren betriebenen „Klassenbriefwechsel". Zn diesem Zeittaum hat seine Klasse mit einer anderen an der Rordseeküste. später mit einer solchen in Süd- und Mitteldeutschland in regem Briefwechsel gestanden. An Hand von zahlreichem Material schilderte Der Vortragende die reichen Erfahrungen in dieser Hinsicht, wie besonders die erd- und volkskundlichen Kenntnisse vertieft und das Aufsatzschreiben befruchtet wurden. Der Obmann des Bezirksvereins. Lehrer Schmidt. Hungen, begrüßte alsdann die neuen Mitglieder Lehrer Bötticher, Utphe, und Schulverwalter Rück, Hungen, und erstattete eingehend Bericht über Die Vertreterversammlung des Landeslehrerver- eins in Gießen. Bezüglich Der Kreislehrerbücherei wurden Vorschläge gemacht, um ihr vielfach veraltetes Material unter Mitwirkung der Lehrerschaft zu erneuern. Die nächste Tagung sott in Arnsburg stattfinden. Mreitz Büdingen. !! Büdingen. 7. Mai. Der Gemeinde« rat beriet in seiner jüngsten Sitzung zunächst über Die Bauabrechnungen der 3abre 1925 bis 1928. Der Bürgermeister berichtete. Daß von den Baukosten dieser Jahre noch etwa 40 000 Mark ungedeckt seien. Der GemeinDerat beschloß eine außerordentliche Holzfällung, aus deren Erlös die Abdeckung der re- stierenden Schuld getätigt werden soll. — Der überaus harte Winter hat in der Badeanstalt starke Frostschäden verursacht. Der Gemeinderat genehmigte, entsprechend dem Anträge Des Dadevereins, einen einmaligen außerordentlichen Zuschuß von 100 Mk. für das Rechnungsjahr 1929. Außerdem wurde ein fortlaufender Jahresbeitrag von 200 Mk. bewilligt, welcher für das Baden der Schulkinder bestimmt ist. — Durch den Umzug des Obermedizinalrates Wagner nach Mainz und die Reubesetzung der Stelle sind Ausbesserungsa-rbeiten im Kreisgesundheitsamt entstanden. Das Gebäude gehört der Stadt. Der vom Hessischen Hochbauamt Büdingen aufgestellte Voranschlag über die Herstellungsarbeiten schließt mit rund 1100 Mk. ab. Der Gemeinderat konnte jedoch diesen hohen Betrag nicht bewilligen und genehmigte eine Summe von 408 Mk. für die Dringendsten Herstellungen. Kreis Schotten. □ Laubach. 7. Mai. Mit dem diesjährigen Ausschuß-Fest, dem Laubacher Rattonalsest. das vom 9. bis 11. Juni stattfindet, soll wieder ein großer Prämienmarkt verbunden werden. Dieses ist der dritte ber artige Markt. Unter Mitwirkung des Landwirtschaftskammer > Ausschusses für Oberhessen wird eine Prämiierung von Vogelsberger und Simmentaler Zuchtbullen. Kühen, Rindern und Ziegen und ein freihändiger Bullenverkauf stattfinden. Außerdem wird ein Krämermarkt und eine große Verlosung von Vieh, land- und hauswirtschaftlichen Gegenständen vorgenommen: den ersten Preis bildet ein Rind; 1000 Mark und wertvolle gestiftete Ehrenpreise stehen als Prämiierungs- mittel zur Verfügung. — Am Sonntag fand auf den neuen Schießständen am „Ringelsberg" das Eröfsnungsschiehen des hiesigen Schützenvereins unter Leitung von Schützen meist er Kreicker statt. Den 1. Pr. errang Bäckermeister Pitz, den 2. Bürgermeister H ö g h. den 3. Fabrikant Schlörb (Walkmühle bei Lauter!, den 4. Obersekretär Elbe, den 5. Uhrmacher Enders. Den „ Frühjahrs-Wanderbecher" gewann Fabrikant Schlörb. Preußen. Wieder zwei Todesopfer eines Motorradunglücks. WSN. Frankfurt a.M., 7. Mai. Ein Kaufmann aus Oberursel stieß in der Nacht zum Montag mit feinem Motorrad mit einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Radfahrer, ebenfalls einem Oberurseler, zwischen Oberursel und Niederursel zusammen. Der Radfahrer war sofort tot, während der Motorradfahrer einen Sckädelbruch erlitt, an dessen Folgen er gestern abend gestorben ist, ohne das Bewußtsein wiedererlongt zu haben. Maingau. WSN. Frankfurt o. M., 7. Mai. Die F r a n r furter Gewerkschaften hatten vor einiger Zeit beschlossen, ein neues Gewerkschafts- Haus zu errichten und die Kosten hierfür durch Sonderbeiträge aufzubringen. Nunmehr Hot der Ortsausschuß des 2lllgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ein 8500 Quadratmeter großes Grund st ück am Untermainkai zum Preise von etwa 1 Million Mark erworben, auf dem das neue Gewerkschaftshaus errichtet werden soll. wöhnische Gesichter blickten ihr entgegen: fünf, sechs Männer und eine Frau. Dort drüben, ihr gegenüber, saß Der, um dessentwillen sie diese Fahrt unternommen hatte ... Der Raum war primitiv, säst armselig aus- gestattet: rohe Holztische, rohe hölzerne Stühle. Die Männer rings um den Tisch hatten Durchgeistigte Gesichter; allen gemeinsam schien ein gewisser fanatischer Zug; alle hatten jenen harten und starren Ausdruck der Augen, den wohl jemand haben mag, der ein fernes und gefährliches Zier verfolgt. Zwei der Männer schienen in hohem Alter zu stehen; die übrigen mochten um die Vierzig herum sein. Die Frau war jung und hübsch. (5te trug einen großen bunten sibirischen Schal. Alle Anwesenden waren aufgesprungen; Worte schwirrten durcheinander, die sie nicht verstand; offenbar Russisch. Jemand kam auf sic zu, vielleicht um sie zur Rede zu stellen; deutlich las sie haßerfüllten Argwohn in seinem Blick; sie wandte sich fragend, hilfesuchend nach drüben, jenem Manne zu, um dessentwillen sie hier war ... Sie sah sein erregtes Gesicht, das nervöse Flimmern in seinen Augen, man sprach von allen Seiten auf ihn ein, immer in jener Sprache, die sie nicht verstand. Er zuckte die Achseln, gab eine gereizte Antwort, ein anderer lächelte und zog ein Blatt Papier. Run schrieb er ein paar Sätze in russischen Schriftzügen und schob ihr Blatt und Füllfederhalter hinüber. Vermutlich eine Schweigeverpflichtung, dachte sie; sie sah hinüber; er machte ihr besorgten Blickes ein Zeichen, sie solle unterschreiben. Sie sah zögernd rechts und links; alle standen in drohender Haltung um sie herum, einer wies gebieterisch auf den Halter, der vor ihr lag; sie griff zögernd &a> nach. Plötzlich schreckte sie zusammen; von außen kam ein Geräusch, es klang wie das Knirschen eines stoppenden Autos. Sie setzte die Feder an, zum Ramenszuge--- In diesem Augenblick geschah es. Lautes Pochen hämmerte gegen die Tür; krachend flog sie zurück; Uniformierte drangen ein, der Anführer sagte laut und befehlend, indem er die Versammlung mit einem schnellen Blick umfaßte: „Endlich haben wir sie beieinander!" Erregte Ausrufe antworteten, Gemurmel; jemand rief etwas in den Raum hinein; der Beamte herrschte ihn an; „Ich verstehe Russisch!" Plötzlich legte sich beklommenes Schweigen über den Raum; die Beamten gingen von einem zum andern, visitierten die Taschen; einer, der dort drüben an der Schmalsette des Tisches stand, brachte ttiumphierenb ein Protokoll zum Vorschein. (Fortsetzung folgt.) Feinde. e. M S 400)0 Mrat b», M..T b ft Der iftn An. M quc,. KL Kr entstandriv ÄM ■fe^otan. flieht mit A lonnk äfe und ™ für die Nötigen M toiebtr Wn wer- Hartt Unter mmcr.Qiug. Prämiierung Zuchtbullen, freihändiger m wird ein >e Derlv. irtschoftlichen 'rsten Preis ■crMe gx. ämiierungg- 19 fand auf sberg" dos M Schü. ^chühenmei- mg Wärter. S)i>at),ben ■ bei Lautert, >• Uhrmacher erbecher" gc- >es Molor- li. Ein Kauf- cht zum Mannern aus ent- tabfahrei, Oberursel und Wahrer war Radfahrer ssen Folgen er ' bas Bewußt- , Pietfrauf' 1 vor einiger hieMr durch Nunmehr hat Deutschen @e- atmcter großes zum Preise erworben, aus errichte/ wer- itgegen: fünf, •t drüben. ¥ Nen sie W ideki SeMÄ'Je' von elE u , L' ^, V 2 ** 41 • tit; Irfl‘ :le flbem61 armselig ilzerne Stuhle. hallen durch« am schm em m jenen horten den wohs je 'nb gefährliche? er Mnen m -eigen mochten Frau war MS ? bunten sibM' 'S“?: ier war.»- snerKK ^/öprache- Achseln. N-'*8 "5 .--'M» fEEJvlTSMA f Diese Packung bletetden vollkommen sten Schutz für hoch wertige Orienttabake Aroma im Tresor! Nach genauem Abwiegen und Zusammenstellen der verschiedenen Tabakballen werden die einzelnen Tabakblättergelöst und den Mischtrommeln zur Entwicklung ihres vollen Aromas zugeführt. I s MWM MM k-, v ß ■i □iMl IOK Cr^pe de Chine u. 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Sonderkonzert mit verstärkter Hauskapelle Sonderkonzerte mit verstärkter Hauskapelle finden wieder jeden Mittwoch statt. 41270 Verlobte Wieseck U28L0 um in der Volkshalle 8 Uhr abends ein Zhre Vermählung zeigen an MWiener Konzert Gießen (Neustadt 19), den s. Mai 1929. zu geben. 381 ID 02775 Li Weite, BiHoisIr Morgen Die grobe Premiere Morgen zur Teilnahme am Festzug und an der Nachfeier. 4155D Der (§vang. Kirchengesangv. Gießen Der Gvang. Kirchengesangv. f. Hessen Professor vr. Weimar Pfarrer Marx links. 41460 4161C Alwine Fischer Heinrich Lang I. Ä. Vömel, Pfarrer Ludwig Körner Anna Körner verw. Frosch geb. Ferber Christliches Waldfest an der Dicken Eiche bei Bubenrod. Beginn nachm. 3 Uhr. Ansprachen, Gesang u. Posaunenchöre. Hauptansprache: Prof. Schlarb Gießen, über „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat." Jedermann ist freundlichst eingeladen O des Filmes, der unwiderstehlich gefangennimmt, dessen zauberhafte Bilder begeistern und dessen ausgezeichnete Handlung Melodien und Vorstellungen erweckt, die das Menschenherz frei und glücklich machen — Älofeld (Wetterau) 9. Mai 1929 ZimlsloileX Hygienische Artikel^ sämliicheGüinniiwareD lOrofierie Winterholf J \ Kreuzplatz 10 J Hygiene Kirchengesangfest in Gießen Sonntag, den 12. Mai, feiert der Svang Kirchengesangverein Gießen sein sojähriges Bestehen und der (Lvang. Kirchengesangverein für Hessen sein 45. ZahreSfest. sestgottesdienste in der Stadtkirche: Vormitt, .^s 9V2 Uhr, bei dem der Kirchengesangverein Gießen eine Vachfche Kantate zum Vortrag bringt. Nachmittags 1V2 Uhr, bei dem die Kirchengesangvereine des Dekanats Gießen und ein Hornquartett mitwirken. Festprediger sind: Dorm. Herr pfr. Lenz, nachm. Herr Oberkirchenrat Wagner, pünktlich 3 Uhr Festzug von Oswaldsgarten nach der Volkshalle, dort Nachfeier mit Gesangvorträgen,Ansprachen u. Darbietungen von Posaunenchören. Alle Evangelischen in Stadt und Land sind herzlich eingeladen, besonders auch (lllllllllllllllllllllllllllllllllll NMM sämtliche Sorten Kunstdünger stets auf Lager. Anlieferung zur Verwendungsstelle. B. Trechsler Stein st raße 73 Tel. 1581 2094D niiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiii) iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Volkshochschule. Freitag Einsührungöabende lProbebesuch) 1. Neuzeitliche Ernährung (Malech) 20 IlUr, Universität, Hörsaal 53, II. Stock Der Film der Liebe, der Sehnsucht und des Glücks Das filmische Juwel des Jahres — die Krone aller Operettenfilme Nach der erfolgreichen gleichnamigen Operette von Franz Lehär. Regie: J. und L. Fleck. — In den Hauptrollen: IVAN PETROVICH das männliche Ideal im Film seit Valentine — als Zarewitsch Marietta Millner / Paul Heidemann / Paul Otto / Albert Stein- rück / John Hamilton / Ly Christi / Senia Kulatschkoff Offiziere,Hotbeamtc,Bauern u. Bäuerinnen/Ort: EincResidenzimfernenOsten Perlende Melodien aus dem überströmenden musikalischen Reichtum Meister Lehärs . . Geigenjubel und Balalaikaklänge . . schönste Frauen . . romantische, verträumte Abenteuer . . . verschneite Pfade zum Glück . . Schicksalsstürmc und Liebeskämpfe — das alles gibt diesem köstlichen, bezaubernden Film werk sein besonderes Gepräge! Opernsänger HANS WINTER singt vor dem jeweiligen Beginn des Filmes: „Es steht ein Soldat am Wolgastrand . . .“ aus „Der Zarewitsch" von Franz Lehär. Also gibt sich Gießen heute u. folgendeTage einRendezvous im Lichtspielhaus. Alle Vergünstigungen sind aufgehoben. Freikarten haben keine Gültigkeit. Samstag, den 11. Mai, nach fliehen Auto-Need Tel. 1790. m17D Bedeutende Süddeutsche Dachpappen-Fabrik vergibt f.d. Platz Gießen u. Umgebg. ihre VERTRETUNG In Frage kommen Herren, welche bei der Dachdecker-Kundschaft, sowie bei Baugeschäften und Behörden gut eingefühd sind.Schriftl. Ang. U.4167D a.d. Gieß. Anz. Johann Slranss der mit seinem Wiener Orchester z. Z. in Holland Triumphe feiert, kommt von dort ASTORIA-LICHTSPIELE Ab morgen, Donnerstag, bis einschl. Sonntag: EDDIE POLO in Auf der Reeperbahn nachts um halb eins Ein sensationelles, lustiges Abenteuer in 7 Akten. — Ferner: Der Expressreiter von Texas Wildwestfilm in 7 Akten sowie Räuberromantik Sensationsfilm in 2 Akten. In beiden Theatern sind diese Programme eine Sonderlcistung, und werden auch die allervcrwöhntesten Besucher zufriedengestellt. Wegen des zu erwartenden großen Andrangs zu den Abendvorstellungen bitten wir höflichst, nach Möglichkeit die Nachmittagsvorstellungen besuchen zu wollen. Wilh. Schüttlers Schule für höheres Violinspiel Montag, den 13. Mai, abends 7'/? L’hr im Singsaal des Realgymnasiums, Ludwigstr. 1118 Wohltätigkeits-Konzert zu Gunsten der beiden hiesigen Schwesternhäuser Mitwirkung: Senta Würzburger (Sopran) 1 aus der Heermannschon Herbert Krüger (Tenor) ' Gesangschule vfc-tor Hekehrmi‘„„ 1 Begleitungen am Flügel. 02879 Zum Vortrage kommen: Streichquartett in B von Mozart. Violinstücke, Sonaten und Konzerte von- Sitt, Bohm, Wil- helmy. Dvorak, Corelli, Beethoven, Händel, Hubay. Mozart, Mendelssohn-Bartholdy, de neriot. Lieder von Rob. Schumann und L. v. Beethoven. — Karten im Vorverkauf zu 1 Mark bei Ernst Challier und an der Abendkasse. Himmelfahrt Stung! 02886 Stungl TANZ am Himmelfahrttage im Saalbau Engelhardt ANNEROD Es ladet ein die Burschenschaft Burg Gleiberg Am Himmelsabrftag Konzert ab vormittags 8 Ubr. 102897 Ausgcsübrf von der ttavellc Weller. Bad-Nauheim Hotelrestaurant Gaudes Neuer Besitzer Kurt Klenn Gut bürgerliches Haus Gartenwirtschaft 4165D Touristen bestens empfohlen 2. Zeichnen Iuries) 20 Ubr, Oberrealschule (Eingang Bismarcksfrahe). Mozart beginnt 8 Tage später, am 17. Mai Auskunst vor den Kursen. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim n n i Akademische Ortsgruppe und uz8ä2 i. u. B. Vereinigung ausianddeulscher Studierender Oeffentlicher Lichtbildervortrag des Herrn eand. med. vet. Unding über Das Banal und seine Schwaben Freitag, den 10. Mai 1929, 20'/- Uhr, in der Aula des Gymnasiums, Südaulage Eintritt (als Unkostenbeitrag): 20 Pf. MmWtt, Z W lMwiilW WIWes Mim an lterMmWe bei Mel Wen Nr. M Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Mittwoch, 8. Mai 1929 Aus der Welt des Films. Der Film als Vorbild. Von Julian Stein. Der Mensch liebt sein Spiegelbild. Betrachtet er cs bedächtig eine Weile, empfindet er eine merkwürdige Beflügelung des Selbstgefühls. Das Bild löst sich los, macht sich frei, beginnt gewissermaßen eine Eigenexistenz. Der Mensch wird empfangender Zuschauer, erlebt sich selber als Erscheinung und wird für diesen Moment von ihr beherrscht, mag er sich dazu bekennen oder nicht. Die Potenzierung dieses Spiegclbilderlebnisses bietet der Film. Er ist ein idealisiertes Spiegelbild. Mil allen Künsten und Effekten stattet er die Erscheinung seiner Helden aus, — er umschmeichelt sie. Der Zuschauer kann nicht objektiv bleiben; er erlebt in jenen Filmerscheinungen die Berührung mit dem eigenen Spiegelbild. Wenn er sich mit dem Filmhelden identifiziert, bewirkt es nicht die Handlung, der Inhalt, der ideale Unterton der Rolle, sondern das Bild, das bewegte Bild allein, sozusagen: die Magie der 'Erscheinung. In diesem Zauberspicl liegt gerade die noch nie festgehaltene, bisher noch nicht ausgesprochene eigentliche Anziehungskraft des Films. Darin liegt fein gewaltiges Einwirkungsvermögen auf die Menschen. Die Filmstars, deren ganze Existenz auf das Spiegelbild eingestellt ist, auf das Erscheinen (und zwar in einem heute noch sehr beschränkten Sinne) — die Filmstars, deren Dasein zwischen Spiegel und der Kamera verlaust, sind narzistisch in ihr Spiegelbild verliebt. Ihr Kontakt mit dem Publikum, vom Film her, beruht auf einer intimen Begegnung der Eitelkeiten. Die zarten Dcrbindungs- täden sind überaus empfindsam und rege. Diese seltsamen Begegnungen, die lautlos, phantomhast verlaufen, versetzen den Zuschauer bewußt oder unbewußt in eigenartige Erregung. Das ist der Weg, auf welchem das Filmbild zum Borbild wird, eine Filmerscheinung zu einem privaten (Sätzen. Der Zuschauer merkt kaum, wie die vertraute Erschei- nung von ihm Besitz ergreift, er fühlt sich erobert, ist ihr gerne untertan und stürzt mit ihr in alle Abenteuer der Filmillusion. Wie oft beobachteten mir unter den, das Filmspiel verlassenden Damen: den Gang, die Haltung, die Bewegungen der soeben gesehenen Filmdiva. Wir begegnen ihnen doch täglich, den Murray-, Putti-, Menjou-Typen. Das Bild besitzt eine derart starke hypnotische Kraft, daß Menschen nicht nur unter dem unmittelbaren Eindruck jenem gleich sich geben, sondern dem Bann ihres „göttlichen" Vorbildes verfallen, ins tägliche Leben als Trabanten ihrer Sterne treten. Ein tolles Gaukelspiel, darin sich die Selbstbespie- aelungskunst der Menschen und die Suggestion des Filmbildes auswirken. Der Film, der ja heute noch fo sehr wahrheitsfern und wirklichkeitsfremd ist, wird also zum Vorbild für die Wirklichkeit. Ein Phantom tritt aus dem JUusionskreis eines. Filmspiels — und wird Fleisch und Blut. Jene Menjou- Iünger oder Garba-Schwestern sind bis in die Fingerspitzen Fanatiker ihrer Vorbilder, mag sie der rauhe Alltag ob ihrer Don-Quixoterien verhöhnen. Welch intensiver Auswirkungen der Film fähig und wie empfänglich der Mensch für Dinge, die sein Aeußeres betreffen, geht aus der Nachahmung jener unzähligen Requisiten, deren sich die Filmhelden bedienen, hervor. Wenn dereinst der Filmdetektiv, immer die Pfeife im Munde, auf der Leinwand erschien, hatte dies zur Folge, daß der Zuschauer am Pfeifenrauchen Geschmack fand, und es wäre sicher statistisch festzustellen, wie stark sich die Zahl der Pfeifenraucher dank jener Detektivpfeife vermehrte. Denken wir doch etwa an Harold Lloyds Hornbrille, die bahnbrechend für die neue Brilleneinfassung wurde. Meine Herren: und der Menjou- Schnurrbart? Wir leben angeblich in einer Zeit der Sachlichkeit, der Oekonomie, der Dynamik, des Sports, der Technik. Das Vorbild des Sportmanns war seit den Gladiatoren: das glattrasierte Gesicht. Wie unsachlich, unökonomisch, ontydynamisch ist doch ein Schnurrbart; welch rückständige Technik der Männlichkeitsbetonung. Adolphe Menjou hot sich aber eine markante Nuance zurechtgelegt — und die „elegante Herrenwelt" läßt sich den Menjouschnurr- bart stehen ... Diese Zauberkraft des Films verstand bisher eigentlich nur der amerikanische businessman sich witzig zunutze zu machen. Er überfällt das Publikum, wenn cs am wehrlosesten ist — im Kino, und macht es zu seinen Kunden. „Im Anfang war der Film..." Dieses Wort mag bezeichnend für unsere Zeitläufte sein. Welch unheimliche Wirkung aber, an Folgen unübersehbar: wenn die realste Wirklichkeit, bar jeder Schminke, ohne jegliche starhafte Verschönerung, in ihrer ganzen Kraßheit als Filmerscheinung uns entgegenträte...! Wie bleiben wir schön? Kleine Rezepte aus den Boudoirs von Hollywood. Von Aorma Talmadge. Frauen können Filmerfolge nur mit Hilfe eines anmutigen Gesichts und einer graziösen Figur erreichen; der Filmstar muh deshalb ständig darauf achten, seiner natürlichen Vorzüge nicht verlustig zu gehen. Für die Oper beispielsweise ist stattliche Figur kein Hinderungsgrund, auf der Leinwand hingegen ist ein „gewichtiger" weiblicher Star heutzutage einfach eine Hnmöglich- keit. Alle in Hollywood abgeschlossenen Filmverträge enthalten eine Gewichtsklausel: überschreitet die Filmschauspielerin eine bestimmte Gewichtsgrenze, so ist die Gesellschaft berechtigt, vom Vertrage zurückzutreten. Allerdings pflegt man den wirklichen Stars noch einige Monate Galgenfrist zwecks „Rehabilitierung" zu gewähren. Meine private Methode zur Erhaltung der „schlanken Linie" besteht vor allem darin, dah ich es ängstlich vermeide, hungrig zu werden. Gewöhnlich nehme ich nur zwei gute Mahlzeiten am Tag — eine Tasse Tee ohne Zucker, aber mit Zitronensaft, und eine geröstete Brotschnitte dazu, kann ja wohl kaum als Frühstück bezeichnet werden. Zu Mittag ist frisches Gemüse zu empfehlen, harte Eier mit Salat oder Tomaten und Spargel, ja kein Butterbrot und ja keine Süßspeise! Das Abendbrot läßt sich ebenso einfach zusammen stellen: Gemüse, gedämpfte Früchte ohne Zucker, schwarzer Kaffee genügen. Davon kann man dann essen, soviel man will. Wenn man nicht hungrig von den Mahlzeiten aufsteht, hat man auch kein Verlangen nach Süßigkeiten. So kleine Leckereien, die zwischen den Mahlzeiten genascht werden, sind zwar rasch vergessen, bewirken aber unheimlich die schnell gefürchtete Gewichtszunahme. Der Speisezettel läßt sich natürlich durch verschiedene Früchte, Gemüse, etwas Fleisch und ein wenig Fisch bereichern. 2ch vermeide aber auf jeden Fall Kartoffeln und andere stärkehaltige Speisen, ebenso den verhängnisvollen Kuchen — den schlimmsten Feind einer hoffnungsvollen Filmkarriere. Solange wir einen Film in Arbeit haben, lebe ich nach sehr strengen Regeln. Am sieben stehe ich auf, nehme eine kalte Dusche, frühstücke laut obigem Rezept und mache dann gymnastische Heiningen. Die Hebungen beginnen mit langsamem Heben und Senken der Hacken; dann verlege ich das Körpergewicht von einem Fuß auf den anderen, indem ich mich langsam auf die Zehenspitzen des einen Fußes stelle und gleichzeitig den anderen Fuß wieder senke. Eine etwas primitiv anmutende Hebung, die sich aber nach meinen Erfahrungen sehr lohnt, ist folgende: man gehe mit einem ziemlich dicken Buch auf dem Kops im Zimmer umher und versuche, irgendwelche Gegenstände vom Boden aufzuheben, ohne das Buch aus dem Gleichgewicht kommen zu lassen — allerdings ein etwas zeitraubendes Vergnügen. Zur Bewahrung einer schlanken Taille habe ich nachstehende Hebung erprobt und als nicht zu schwer erfunden: man legt sich in losen, leichten Kleidern ganz ausgestreckt auf den Boden und hebt langsam beide Deine, ohne die Kniee zu beugen, bis sie senkrecht stehen. Dabei müssen die Arme über dem Kopf am Boden liegen. Zuerst ist es etwas schwierig, die Füße vom Boden zu heben, aber mit der Zeit lernt man es, diese Hebung bequem zehnmal hintereinander auszuführen. Für Kraftnaturen empfiehlt es sich, fleißig Kopfstehen zu üben. Schließlich versuche man, die Deine ganz ausgestreckt und geschlossen über den Kopf zu heben, so daß die Fußspitzen den Boden berühren. Cs dauert etwas länger, bis man es richtig kann, aber alle Muskeln werden dabei gut durchgearbeitet und der Blutkreis- lauf belebt sich. Korrekte Hebungen mit den bekannten hölzernen Ghmnastikkeulen haben gute Erfolge: alle Bewegungen werden leichter und anmutiger, man lernt seinen Körper richtig, mit einem gewissen rhythmischen Schwung zu gebrauchen, Muskel- verkrampfungen lösen sich. Beim Keulenschwingen ist Musikbegleitung — etwa ein preußischer Armeemarsch — sehr wertvoll, weil man dann schon von selbst taktmätzig und ohne übermäßige Anstrengung die Keulen schwingt und der jedem Menschen innewohnende Körperrhythmus am besten herausgeholt wird. Hat man die gefürchtete Gewichtsgrenze überschritten und sehnt sich in das Paradies der schlanken Linie zurück, so gibt es nichts Wirksameres als Laufen; am besten so hoch wie möglich auf den Zehenspitzen. Zuerst ist das schwer, allmählich aber lernt man es ebenso gut wie das Gehen, das übrigens durch derartige Lausübungen auch viel anmutiger und graziöser wird. Wer zu starke Hüsten hat, der steige Treppen, oder, wenn dies nicht möglich ist, zehnmal mit dem rechten, zehnmal mit dem linken Bein auf einen Stuhl. Das genügt für die ersten Tage; nach einiger Hebung muß man aber imstande fein, zweimal am Tage je neunzig Stufen zu steigen. Run noch einige Ratschläge für die Haarpflege. Die Sommersonne und die Jupiterlampen im Atelier sind die größten Feinde des Haares — sie verbrennen es und nehmen ihm seinen schonen I natürlichen Glanz. Ich schütze mich dagegen durch vierzehntägiges Shampoonieren mit warmem Oel. Das Oe^ wird mit einem Daumwolltuch fest eingerieben, bis die ganze Kopfhaut mit Oel durchtränkt ist. Dann wickele ich die Haare in ein Tuch und lasse das Oel zwei Stunden lang einziehen, wasche den Kops noch einmal mit flüssiger Seife und trockne das Haar an der Lust. Um sich einen guten Haarwuchs zu sichern, muh man regelmäßig die Kopfhaut lockern und massieren, z. B. durch Kämmen in verschiedene Richtungen. Abends vor dem Schlafengehen empfiehlt sich das bekannte Verfahren der Lorelei — diese junge Dame trug allerdings ihr Haar nach damaliger Sitte lang —, das Haar wird in langen Strichen gekämmt und gebürstet. Dann wird die Kopfhaut, vom Racken angefangen, mit den Finger- fpihen massiert. Sind die Rerven überanstrengt, so wird man das zuerst an einer eigentümlichen Straffheit der Kopfhaut bemerken. Bei der Massage mit den Fingerspitzen spürt man, wie die Spannung nachläht, was nicht nur den Haaren, sondern dem ganzen Rervensystem zugute kommt. Ein sehr gutes Mittel, um ständig „in Form" zu bleiben und Hebergewicht zu verineiden, scheinen mir lange Spaziergänge zu sein. Für Städter empfiehlt sich dabei eine Durch- schnittsgeschwindigkeit von 4 bis 5 Kilometer in der Stunde; schnell genug, um tief und gesund Atem holen zu müssen, langsam genug für den Stadtverkehr und für einen schnellen Blick ins Schaufenster! Auf dem Lande ist im allgemeinen ein 6° bis 7-Kilometertempo nicht zu viel. Für Ausdauernde ist Bergsteigen ein großartiges Mittel, um das Gespenst des überflüssigen Kilogramms zu bannen. Zweifellos verbinden sich aber Gymnastik und Sport am besten im Schwimmen. Zeder einigermaßen gesunde Mensch kann schwimmen lernen und wird dabei merken, wie die Muskeln sich stärken und sich aus der Verkrampfung lösen. Zum Schluß noch eins: jeden Tag ein paar Schluck frisches Wasser! Reue Mächte im Filmreich. Mit dem Auskommen des Tonfilms bringen neue Mächte in die Filmindustrie ein: die elektrotechnischen Konzerne. Sie begnügen sich keineswegs mit bloßer Herstellung von Tonfilmapparaten, mit eventueller Verbesserung und Verfeinerung des Aufnahmeverfahrens, mit der Vervollkommnung und Verbilligung der tonbildlichen Wiedergabeeinrichtungen. Die amerikanische „Western Electric", die im Laufe dieses Jahres in 4000 amerikanischen und in 500 ausländischen Theatern ihre Tonfilmeinrichtungen aufstellen wird und bereite über 100 Ateliers mit ihren Ausnahmeapparaten versehen hat, will sich mit der Rolle des Konstrukteurs und Lieferanten nicht begnügen, sie will aktiv in die Filmindustrie eingreifen. Die Clektro-Konzerne wollen entscheidenden Einfluß auf die Filmindustrie gewinnen. Sie sind im Besitze der wichtigsten Tonfilm-Patente, sie sind die einzigen Produzenten der Tonfilmapparate. — sollte man diese Trümpfe nicht aus- spielen? Hnd da nun der Tonfilm das große Ereignis der kommenden Saison ist, will man doch selbstredend an den Gewinnen, die dieses große Ereignis" abwerfen wird, sich weitgehend beteiligt wissen. Durch den Erwerb von Lichtspielhäusern und die Kontrolle ansehnlicher Kinoparks wäre man ja in der Lage, die Filmindustrie doppelt, von oben und von unten, beeinflussen zu können und dabei die Einnahmen ganz erheblich zu vergrößern. Die Elektrokonzerne kaufen in Amerika Lichtspielhäuser auf. Die riesige Tonfilmpropaganda in den Staaten ist mit dem Eindringen der Elektrokonzerne in die Löwen werden gefilmt... Englische Filmexpedition am TanganjiLa Von seinen Erlebnissen mit wilden Löwen, unter die er und seine Begleiter gerieten, ohne einen Schuß abzuseuern, erzählt Martin John- s o n in seinem soeben in London erscheinenden Buch „Safari, eine Sage aus Afrika''. Johnson befand sich auf einer Film-Expedition im Tanganjika-Gebiet und fein- sehnlichster Wunsch war es, Löwen in ihrem alltäglichen Leben zu beobachten, wenn sie durch nichts gestört und beunruhigt sind. „Ganz plötzlich wurde mir dieser Wunsch erfüllt“, schreibt er. „Hnertoartet, ohne jede Warnung stießen wir auf elf voll ausgewachsene Löwen. Ich hielt den Atem an; wir standen alle sofort mucksmäuschenstill. Wir hatten niemals? uns träumen lassen, daß wir einen solchen Anblick haben könnten. Einige der Löwen hockten auf ihren Hinterfüßen, andere krochen langsam umher, noch andere lagen auf dem Rücken oder auf der Seite. Einer gähnte träge unter einem großen Mimosenbaum. Alle schauten nach der Richtung, aus der wir kamen. Wir hielten immer an, wenn wir ein paar Fuß vorwärts geschlichen waren, und machten Aufnahmen, berm wir konnten ja nicht ahnen, wie lange bie Destien unsere Anwesenheit so geduldig ertragen wurden. Doch sie ließen sich nicht stören. Zunächst hatten wir nur im Flüsterton gesprochen. Aber in meiner Aufregung vergaß ich das und sprach laut. Sofort blickten bie Löwen scharf nach uns; einige erhoben sich, mit ihren Schweifen den Boden peitschend. QTber nach einigem Brüllen, das ihr Mißfallen anzeigen sollte, beruhigten sie sich wieder und blickten gleichmütig von uns fort. Dann begannen sie, sich zum Schlafen einzu- richten. Die vier direkt vor uns lagen auf der Seite. Der, der uns am nächsten lag, schnarchte in dunklen rhythmischen Tönen. Ich fragte mich immer wieder, ob diese Tiere denn zu derselben Art gehörten, die ich bisher nur im wütenden Angriff und in gefährlicher Wildheit gesehen hatte. Schließlich schliefen sie alle, elf mächtige schöne Tiere. Da erschien ein anderer Löwe auf dem Plan; zunächst sah er sich langsam unter seinen schlafenden Freunden um, dann ging er zu einem großen männlichen Löwen heran und schnappte spielend nach einer seiner Tatzen, die in die Luft stand. Mit einem jähen Gebrüll der Heberraschung und der 2put sprang der in seiner Ruhe Gestörte auf, bereit zum Angriff. Aber als er sah, daß ein Kamerad sich einen Spaß mit ihm erlaubt hatte, gähnte er mächtig und ließ sich wieder gemächlich nieder, um sich seinen Träumen hinzugeben. Der vierfüßige „Spaßvogel" machte sich mit den andern zehn Löwen denselben Scherz, indem er einen nach dem andern aufweckte." Am nächsten Morgen kehrte die Gesellschaft zu der Stelle im Hrwald, die sie das „Löwental" getauft hatte, mit frischen Filmen zurück, aber diesmal waren die Bestien ruheloser. Als sie näher herankamen, war die ganze Gesellschaft recht lebhaft; einige von ihnen stellten sich auf die Hinterbeine und schienen zum Angriff bereit. Ein anderer spielte mit einem Stein wie ein Kätzchen mit einem Ball; ein dritter schien sich einen Dorn in den Fuß getreten zu haben und brachte eine halbe Stunde damit zu, ihn herauszuziehen. „Ich dachte an die Geschichte von Androklus, der ja bie Liebe und Anhänglichkeit eines Löwen erworben haben soll, weil er ihm einen Dorn auS der Tatze zog, aber ich hatte nicht den Mut, das gleiche zu versuchen. Rachdem wir sie etwa eine Stunde beobachtet hatten, bemerkte ich, daß drei Löwen hinter uns waren und uns den Rückzug abge- schnitten hatten. Sie lagen wenige Fuß von uns entfernt, und uns wurde recht unheimlich zumute. In drei Minuten waren wir von den Bestien vollständig umgeben. Aber sie unternahmen nicht das Geringste gegen uns. Gegen 11 Hhr erhob sich einer nach dem andern, und langsam schritten sie fort nach einem Gebüsch, um hier ihre Mittagsruhe zu halten." Am Abend waren die Reisenden wieder nach der Löwenstelle gekommen, als ihnen eine große Löwin entgegen» schritt. „Sie zeigte bald ganz deutlich, dah sie in keiner sehr freundlichen Stimmung war," schreibt Johnson. „Sie bemerkte uns auf eine Entfernung von etwa 100 Meter und kam mit mächtigen Sätzen auf uns zu. Wir zogen uns eilig zurück, um ihr zu zeigen, daß wir nichts mit ihr zu tun haben wollten. Als wir flohen, blieb fie stehen und peitschte wütend mit ihrem Schwanz den Boden. Dann kam sie uns nach; wir zogen uns weiter zurück. Schließlich schien sie einzu- sehen, daß wir aus dem Wege gehen wollten, und tat uns den Gefallen, uns durch Verachtung zu strafen; bie Expebition machte ihre Filmaufnahmen, ohne auch nur einen Schuß abzugeben. Die Gewehre wurden nur für den höchsten Rotfall mitgeführt." Aufregende Abenteuer hatten sie auch beim Filmen von Rhinozerossen. Einmal nahm eines von Johnson und seiner Frau Osa plötzlich Rotiz: „Es war nur ein kleiner Baum in der Rähe der Kamera; plötzlich bekam es unsere Witterung und stapfte mit kurzen Schritten auf uns zu. Dann blieb es stehen, ftambfte auf den Boden, wie wenn es sagen wollte: „Kommt heran, ich will es mit euch aufnehmen." Aber wir hatten dazu nicht die geringste Lust, sondern retteten uns alle auf den Baum, und es war ein komischer Anblick, meine Frau und mich und unsere neun Boys an den schwankenden Zweigen hängen zu sehen, die uns kaum noch trugen. Glücklicherweise begnügte sich das Rhino mit dieser Lektion, wackelte um den Baum herum und zog dann ab.“ Vielseitige Filmstars. Wie man in den Staaten Geld macht. Wenn man von den riesigen Summen hört, die berühmte Filmstars in den Vereinigten Staaten verdienen, dann glaubt man, fie müßten eigentlich mit solchen wahrhaft fürstlichen Einkommen zufrieden sein. Aber das ist keineswegs der Fall. Das Leben eines Filmstars kostet noch mehr als das des gewöhnlichen Sterblichen, und wenn man sein Geld nicht richtig anlegt und weiter arbeiten läßt, dann ist es bald verschwunden. Gerade die großen Verdienste haben also die großen Künstler und Künstlerinnen des amerikanischen Films dazu veranlaß^ sich nicht nur künstlerisch, sondern auch geschäftlich zu betätigen, und viele von ihnen erbringen den Beweis, daß der Künstler nicht nur seinen Träumen lebt, sondern sehr fest auf dem Boden stehen kann, besonders, wenn er ein amerikanischer Filmkünstler ist. Man bewundert daher manche Persönlichkeiten, wie z. B. Mary P i ck f o r d oder John Gilbert, nicht nur wegen ihrer darstellerischen Leistungen, sondern auch wegen ihrer hohen Vollendung in der Kunst, die dem Vankee als die höchste gilt: Geld zu machen. Die meisten erfolgreichen Filmschauspieler und Schauspielerinnen, die es zu Riesenvermögen brachten, haben die Summen, die sie mit dem Film verdienten, in Grundstücken angelegt, und bei dem großen Aufschwung der ganzen Hmgcgenb von Hollywood, der die Dodenpreise in die Höhe schnellen ließ, haben sie damit sehr gut verdient. In Kalifornien und in Florida haben sie hauptsächlich Grundstücke erworben. So besitzt z. B. Antonio Moreno ein riesiges Gebiet, das das „Moreno-Hochland" genannt wird. Ramon Ro - varro, der zwar ein amerikanischer Schauspieler aber ein mexikanischer Patriot ist, hat große Grundstücke in Mexiko erworben und unterhält außerdem noch ein Bankgeschäft in Mexiko- City, bei dem er durch die Hmwechslung des amerikanischen Gold-Dollars gute Gewinne erzielt. Mary Pickford hat einen Teil ihres Vermögens bei einer großen kalifornischen Dankfirma angelegt, zu deren Direktoren fie gehört, und man behauptet, dah sie in den Dilanzen nicht minder zu Hause sei als auf der flimmernden Leinwand. Lon C h a n e h, der „Mann mit den tausend Masken“, hat zusammen mit seinem Sohn eine große Röhrenfabrik begründet, und die Geschäfte von „Chaney & Chaney" interessieren ihn nicht weniger als seine Künste der Verkleidung. Unter den Filmdiven haben sich verschiedene dem naheliegenden Reich der Schönheitsindustrie zugewendet. Constanze T a l m a d g e verdient fast eben- viel wie beim Film durch den Verkauf einer Schönheitscreme, die sie selbst benutzt und für die sie die beste Reklame ist. Eine andere Filmdiva, Viola Dana, betreibt zusammen mit ihrer Schwester einen sehr gut besuchten Schönheitssalon. Cs gibt auch Filmstars, die sich nicht mit einem Rebenberuf begnügen, sondern noch vielseitiger sind. So ist Lew Cody bei mehreren Automobilfirmen beteiligt, deren Wagen er in seiner Bekanntschaft verkauft; er ist auch Mitinhaber eines Friseurladens und einer Wurst- fabrif, die die „Fliegenden Händler" mit ihren Waren versorgt. Karl Dane betreibt eine Hühnerfarm im Tal von San Fernando und, da er selbst ein leidenschaftlicher Flieger ist, so beschäftigt er sich auch mit dem Dau von Flugzeugen. Das erfolgreiche Flugzeug „Der Geist von St. Louis" ist sein Eigentum. Chester C o n f l i n, der Bursche mit dem lustigen Schnurrbart, züchtet Truthähne im großen und versorgt über ganz Amerika viele Familien mit diesem Festbraten, der besonders zu Weihnachten üblich ist. Mehrere Filmschauspielerinnen von Hollywood besitzen Blumengeschäfte, die sie persönlich leiten. Renee Adoree hat ein französisches Restaurant gegründet, in dem fie selbst als entzückende Wirtin die Gäste empfängt und daher großen Zuspruch hat. Adolphe Menjou legt einen Teil des Geldes, das er als „männlicher Vampyr" im Film verdient, in Briefmarken an; er hat eine der größten und kostbarsten Briefmarkensammlungen in den Vereinigten Staaten, deren Wert auf mehrere hunderttausend Dollar geschätzt wird, und er ist im Einkauf wie im Verkauf und Um« tausch gleich geschickt. Die urkomische Bebe Daniels beschäftigt sich in ihren Mußestunden mit dem Ankauf und dem Bau von Häusern; sie läßt jetzt einen großen Baublock in Hollywood errichten, der alle Reuheiten und Extravaganzen des Komforts enthält, so u. a. ein Schwimmbassin und einen besonderen Sportplatz für die Bewohner. Der Schwede Riis A st h c r hat sich ein sehr erträgliches Rebengeschäft dadurch gesichert, daß er verschiedene Fabriken für schwedisches Brot in Amerika eingerichtet hat. fb. Filmindustrie eng verknüpft. Sie stoßen nach allen Dichtungen vor, das eine Ziel im Qluge: ihre neue Macht zu konstituieren. Sie sind vor allem an den Erfolgen des Tonfilms und an der Verdrängung des stummen Films lebhaft interessiert. Sie wollen gleich beim ersten Ansturm dem Tonfilm die Basis für immer breitere Expansion sichern. Diese Tatsachen gewähren einen Einblick hinter die Kulissen der großen Tonfilmsensation und werfen ein Licht auf die im Hintergrund versteckten eigentlichen Motoren des Kampfes zwischen Tonfilm und dem stummen Film. Eegen diese Offensive haben sich nun die Filmproduzenten Amcrikas, die ihre glänzendenExisten- zen bedroht sehen, zusammengeschlossen. Der Filmkrieg entbrennt. Wer da Sieger bleiben wird - das wäre nicht die richtige Fragestellung, denn solche Kämpfe zweier wirtschaftlich starker Gegner enden gewöhnlich mit einem Kompromiß. Wenn es auch den Elektrokonzernen nicht gelingen sollte, die heutigen Filmkönige zu entthronen, zielen sie darauf ob, zumindest mit ihnen die Herrschaft zu teilen. So sicht das amerikanische Problem: stummer Filin oder Tonfilm, von der Rähe aus. Dor diesem finanziell-industriellen Kampf sind alle ästhetischen Einwendungen und Postulate ohnmächtig. Jene Faktoren werden auch allein über die Zukunft, jedenfalls über die nächste Zukunft, des stummen Films und des Tonfilms, entscheiden. Ihre Sprache ist mächtiger als die noch so eindringlichen und bedeutungsvollen 'künstlerisch-kritischen Ermahnungen. 3. St. Tumen, Sport und Spiel. V. f. B. Ani Himmelfahrttag empfängt die Liga- m an n sch ast die Liga des D. f. L. Frankfurt a. M. - S ü d (Sachsenhausen) xum Gesellschaftsspiel. Die Gäste gehören zur süddeutschen Kreisliga und haben in der verflossenen Der- bandsspiclserie recht gute Ergebnisse erzielt. So konnten sie u. a. dem jetzigen Kreismeister, D.f.B. ^Friedberg, durch ein Pinentschieden und einen Sieg drei Punkte abnehmcn. Die bekannten jFranksurter „Germanen" mußten ebenfalls eine Niederlage von ihnen hinnehmen. Auch sonst geht den Gästen ein guter Ruf voraus. Dor allem sollen sie einen guten Kombinationsfußball spielen und auch technisch auf der Höhe sein. D.f.B. hat auch diesmal wieder die dienstlich verhinderten Böttiger und Henrichs zu ersehen, steht aber im übrigen in stärkstmög- lichster Aufstellung. Die Mannschaft muß schon in sehr guter Form sein, wenn sie gewinnen will. Tie Leistung, die sie am vorletzten Sonntag gegen „Germania" Fulda aufbrachte, wird kaum hinreichen, den spielstarken Frankfurtern auch nur ein Unentschieden obzuringen. In erster Linie müssen die Einheimischere bedeutend mehr Energie rrnd Begeisterung ausbringen, wenn sie ihr auf beachtenswerter Stufe stehendes spielerisches Können entsprechend in zählbare Erfolge um- schen wollen. Der Ausgang des Treffens ist offen. Die spieleifrige A. - H. - M a n n s ch a f t hat siü) den Alten Herren des Braunfelser Sportvereins zu einem Gesellschaftsspiel verpflichtet, und sollte aller Doraussicht nach -einen klaren Sieg mit nach Hause bringen, vorausgesetzt, daß ihr die Gastgeber tatsächlich auch nur „Alte Herren" entgegenstellen. Don der 2 u g e n d a b t e i lu n g ist am Donnerstag nur die zweite Mannschaft auf dem Plan. Sie hat im Pflichtspiel auf eigenem Platz Heuchelheims erste Jugend zum Gegner. D.f.B. wird im besten Fall nur knapp gewinnen können. Daten für Donnerstag, 9. Mai. 1525: der italienische Kirchenkomponist Giovanni Picrluigi da Palestrina geboren (gestorben 1594); — 1760: Graf Nicolaus Ludwig von Zinzendorf, Stifter der Brüdergemeinde in Herrnhut, gestorben (geboren 1700); — 1796: Joseph Meyer, der Gründer des Bibliographischen Instituts, in Gotha geboren (gestorben 1856); — 1805: Friedrich von Schiller in Weimar gestorben (geboren 1759). Daten für Freitag, 10. Mai. 1885: der Dramatiker Fritz von Unruh in Koblenz geboren; — 1904: der Afrikareisende Henry Morton Stanley (James Rowland) in London gestorben (geboren 1841). Sprechstunden der Redaktion 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Wirtschaft. Oie Lage der Kunstseideindustrie. In der gestrigen Generalversammlung der Der- einigte Glanzstoff-Fabriken A.-G. in Elberfeld machte der Vorsitzende einige allgemeine Ausführungen über die Lage der Kunstseide- i n d u st r i c. Es unterliege wohl keinem Zweifel, so führte er u. a. aus, daß sich die Kunst- fcideindustrie gegenwärtig in einer Krise befinde. Der große Aufschwung im Iahre 1927 fjabc in allen Ländern zu einem wahren Gründungsfieber neuer Kunstseidefabriken und zu gewaltigen Produktionserweiterungen geführt, die sich allmählich im Iahre 1928 auswirkten. Es sei eine Ileberpro- d u k t i o n in den normalen und Durchschnittsqualitäten entstanden. Der plmstand, daß etwa die Hälfte des deutschen Bedarfs an Kunstseide auch im Iahre 1928 von ausländischen Produzenten befriedigt wurde, zeige, daß die deutsche Industrie an sich in der Lage wäre, ihre ganze Produktion auf dem deutschen Markt unterzubringen. Trotz der Störung auf dem Kunstseidemarkt im allgemeinen habe die Gesellschaft ihre führende Rolle auf dem Gebiete der Qualitätsseiden in verstärktem Matze fortgesetzt. Was den Gesamtmarkt und die Gesamtindustrie anlange, so werde es im Augenblick nicht möglich sein, die Krisenerscheinungen durch eine angemessene Erhöhung der reduzierten Preise zu überwinden. Erfreulicherweise hätten sich in den letzten Wochen bereits Anzeichen einer Besserung bemerkbar gemacht. Die Absatzzifsern seien erheblich gestiegen. Trotz dieser Anzeichen einer Besserung feien für die deutsche Kunstseideindustrie noch Probleme zu lösen, vor allem die Frage des Z o l l s ch u h e s und weiter die Frage einer Intercssenverständigung der Produzenten sowohl auf den deutschen, toie auf den internationalen Märkten. Es dürfe von den deutschen Produzenten erwartet werden, daß die eingeleiteten Derhandlungen über eine wirksame Derständigung zu einem gedeihlichen Abschluß führten. Was die internationale Derständigung betreffe, so sei dieses Problem bereits nach verschiedenen Richtungen bearbeitet worden. Die Frage sei für Glanzstoff von um so gröberer Bedeutung, als die Gesellschaft 1928 ihre ausländischen Interessen wieder ganz erheblich erweitert habe. In dieser Richtung der internationalen Regelung liege auch die Gründung der amerikanischen Finanzgesellschaft, der Associated Rayon Corporation, ein Geschäft, das der Glanzstoffgesellschaft finanziell erheblichen Ruhen gebracht habe. Die G.-D. genehmigte den vorgelegten Abschluß gegen 2 Stimmen und bei Stimmenthaltung eines Aktionärs. * * Bon der Frankfurter Börse. Zn den Monaten Juli und August fällt die Wertpapierbörse an Samstagen aus. * Der Saaten ft and im Deutschen Reich Anfang Mai. Durch das vorherrschend kalte und rauhe Aprilwetter ist das Pflanzenwachstum allgemein stark gehemmt worden. Die Entwicklung der Wintersaaten bleibt daher gegen normale Iahre erheblich zurück; doch lauten die 'Beurteilungen über den Stand der Saaten, von einigen Gebietsteilen in Westdeutschland abgesehen, nicht ungünstig. Weniger günstig wird zur Zeit über den Stand der Futterpflanzen und Wiesen berichtet, die bis jetzt nur ein sehr mäßiges Wachstum aufweisen. Die Aussaat des Sommergetreides hat sich bei den ungünstigen Witterungsverhältnissen stark verzögert. Sie konnte bis jetzt nur in Süddeutschland und in den niederen Lagen Mitteldeutschlands beendet werden. Die Bestellung von Kartoffeln ist nunmehr fast überall im Gange. Unter Zugrundelegung der Zahlennoten 2 == gut, 3 — mittel, 4 — gering ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung: Winterroggen 2,9 (Dormonat 2,8), Winterweizkn 3,0 (2,9), Winterspelz 2,6 (2,6), Wintergerste 3,5 (3,3), Klee 3.2, Luzerne 3,0, Bewässerungswicsen 3,2, andere Wiesen 3 4. Die Auswinterungsschäden sind, soweit eine Beurteilung bereits möglich war, bei Winterweizen ziemlich umfangreich, bei Wintergerste sehr erheblich, bei den übrigen Fruchtarten halten sie sich in mäßigen Grenzen. * R.A.G. 5,41 Mill. M k. Derlust. Der Iahresabschluß der Rationalen Automobil-Gesellschaft A.-G., Berlin-Oberschöneweide, weist nach Derrechnung des Gewinnvortrages von 451 957 Mk. und des ordentlichen Reservefonds von 1 855 286 Mk., sowie nach Abschreibungen von 20 Prozent auf Halb- und Fertigfabrikatc in Höhe von 2 525 845 Mk., die mit Rücksicht auf die ungeklärte Lage geboten erschienen, einen Verlust von 5 408 479 Mk. aus, der auf neue Rechnung vorgetragen werden soll. Als Ursache der ungünstigen Lage der deutschen Automobilindustrie wird die durch eine verfehlte Zollpolitik besonders begünstigte Auslandinvasion bezeichnet. Die technische Leistungsfähigkeit der R. A. G. beweise die Steigerung des plmsahes auf 50 Mill. Mark, aber teilweise zu unauskömmlichen Preisen. * Emag Elektrizitäts A.-G., Frankfurt a. M. Der Aufsichtsrat schlägt der auf den 29. Mai einzuberufenden G.-D. eine erhöhte Dividende von 8 (i. D. 7) Prozent vor. Die Gesellschaft war im abgelaufenen Geschäftsjahr gleichmäßig gut beschäftigt, und es konnte eine erhebliche plmsahsteigerung erzielt werden. Im neuen Iahre sei der Auftragseingang größer als im Dorjahrc. * Lederwerke Martin Zimmer, A.-G., Offenbach a. M. In einer Gläubigeroersammlung der Gesellschaft, über deren Vermögen das gerichtliche Bergleichsoerfahren eröffnet wurde, kamen die Gründe, die zu den Schwierigkeiten geführt haben, nochmals ausführlich zur Erörterung. Die oorgelegte Bilanz sei unhaltbar, und der Status müsse revidiert werden. Nach Befriedigung der gesicherten Gläubiger verbleibe für die ungesicherten voraussichtlich nur eine geringe Abfindung. * Faber 8- Schleicher, A.-G., Offenbach a. M. Nach dem Bericht stieg der Absatz der Gesellschaft im Jahre 1928 im In- und Auslande. Aus dem nach 127 000 (68 000) Mark Abschreibungen verbleibenden Reingewinn von 190 000 (160 000) Mark werden bekanntlich 10 (8) o. H. Dividende auf 1,40 Millionen Mark Aktienkapital verteilt und 66 000 (63 000) Mark vorgetragen. Auftragsbestand und -Eingang im neuen Jahre seien bis jetzt zufriedenstellend. Die Generalversammlung genehmigte den Abschluß. Frankfurter Börse. F rankfurt a. M., 8. Mai. Tendenz freundlich. — Gleich zu Beginn der heutigen Börse machte sich, nachdem schon zum Schlüsse der gestrigen Abendbörse Jnteressenkäufe vorlagen, eine freundlichere Stimmung bemerkbar. Man war hinsichtlich der Pariser Konferenz — obwohl hauptsächlich von französischer Seite die Taktik angewandt wird, die Verhandlungen immer noch hinauszuschieben, da eine Uneinigkeit hinsichtlich der Verteilung der Annuitäten besteht — weiter opti- m i st i s ch gestimmt, da man in Börsenkreisen der Ansicht ist, daß ein günstiges Endergebnis nicht mehr in Frage gestellt werden kann. Kurz vor Beginn des offiziellen Marktes setzte eine starkeAufwärts- beroegung ein, doch gaben die Kurse zur ersten Notierung wieder leicht nach, da eine Bestätigung von verschiedenen kursierenden Gerüchten ausblieb. Das Geschäft nahm aber wieder recht lebhafte F o r m e n an. Spezialwerte waren führend, besonders für Salzdetfurth bestand mit plus 4,75 v. H. Interesse. Auch Elektrowerte waren lebhafter gefragt, da hier das Ausland mit Kalifaufträgen an den Markt kam. Schlickert gewannen 4,5, Siemens 3,5, Licht & Kraft 3 und AEG. 2 v. H. Interesse bestand noch für J.-G.-Farben, die 3,75 v. H. höher lagen. Auch Zellstoffwerte gewannen bis zu 3,5 v. H. Am Montanmarkt waren die Umsätze sehr bescheiden, doch gingen die Besserungen bis zu 1,5 v. H. Am Bankenmarkt war das Geschäft ebenfalls klein. Deutsche Linoleum plus 1,5 v. H., aber ohne nennenswerten Umsatz. Gleich nach Festsetzung der ersten Kurse schritt die Spekulation zu I n t e r e s s e k ä u f e n , und die Kurse konnten sich durchschnittlich um weitere 2 v. H. erholen. Glanzstoff plus 3,5 v. H., Renten still. Deutsche Anleihen behauptet. Am Auslandsrentenmarkt bestand für Anatolier bei anziehendem Kurse lebhafteres Interesse. Im Verlaufe unterlag die Börse mehrfachen Schwankungen. Zeitweise lagen die Kurse weiter höher, doch gingen die Gewinne in gewissem Maße wieder verloren, aber die anfänglichen Besserungen blieben erhalten. Teilweise lagen die Kurse sogar noch bis 2 v. H. über Anfang. Die Stimmung blieb freundlich, eine gewisse Nervosität war jedoch nicht zu verkennen. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 8 v. H. unverändert. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,2162, gegen Pfund 20,464, London gegen Kabel 4,8522, gegen Paris 125,20, gegen Mailand 92,61, gegen Madrid 33,75, gegen Holland 12,07. Berliner Börse. Berlin, 8. Mai. Die heutige Börse eröffnete in fester Haltung. Die Kurse waren zwar nicht ganz so fest, wie man vorbörslich erwartete, die Gewinne gegen gestern mittag gingen aber immer noch bis zu 3 v. H., vereinzelt darüber hinaus. Auch heute lagen Aus landorders vor, aber nicht mehr so viel wie gestern und nur für wenige Papiere. Die Börse bekundete eher Abgabeneigung, doch wurde immer noch vorsichtig operiert. Im übrigen dürste immer noch ein bei einigen Papieren ziemlich erhebliches Decouvert bestehen, so daß es keine Schwierigkeiten macht, die Kurse mit geringen Anforderungen nach oben zu manipulieren. Wenn auch nichts besonderes aus Paris vorlag, so hielt doch die günstige Beurteilung der Lage an. Zu beachten bleibt u. E. immer noch der Geldmarkt, an dem auch heute noch keine Erleichterung cingetreten ist. Tagesgeld nannte man mit 8,5 bis 10,5 v. H. und nur vereinzelt darunter mit 8 v. H. Monatsgeld war sogar eher noch steifer mit 9 bis 10 v. H. Deutsche Anleihen freundlich. Ausländer geschäftslos. Anatolier etwas fester. Pfandbriefmarkt gehalten. Nach den ersten.Kursen wurde die Tendenz unsicher, und die Notierungen gaben meist leicht nach. Gerüchte, daß die Verhandlungen in Paris zu einem Abschluß gekommen seien, fanden bisher keine Bestätigung. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 8. Mai. Der Produktenmarkt verkehrte heute auf die wiederum flauen Auslandmeldungen, namentlich auf den starken Preisrückgang in Winnipeg, in stärkster Zurückhaltung und wieder ausgesprochen flauer Haltung. Die Preise sind im allgemeinen, außer für Brotgetreide, bei dem ziemlich knappen Inland- angebot und sehr beschränkter Rachfrage wieder 0,25 Mark weiter rückgängig. Es wurden notiert: Weizen 24; Roggen 22,75; Sommergerste für Drauzwecke 23,75 bis 24; inl. Hafer 23,75; Mais (gelb) für Futterzwecke 21,50 bis 21,75; Weizen- mehl, süddeutsches Spezial 0, 31,75 bis 32,25; Roggenmehl 30 bis 31; Weizenkleie 12,75; Dog- genkleie 13,25 Mk. Tendenz: flau. Frankfurter Schlachtviehmarkt. F r a n k f u r t a. M., 8. Mai. Auftrieb: 55 Rinder, 1148 Kälber, 120 Schafe, 540 Schweine Cs kosteten: Kälber: beste Mast- und Saug- kälber 78 bis 82, mittlere Mast- und Saugkälber 73 bis 77, geringe Kälber 65 bis 72; Schweine: vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 72 bis 76, von etwa 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 73 bis 76, von etwa 160 bis 200 Pfd. Lebendgewicht 74 bis 77, fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfd. Lebendge- wicht 70 bis 75. Marktverlauf: Bei allen Dieh- gattungen anfangs rege, später abflauend, aus- verkauft. Beste Mastkälber über Rotiz. Letzte Nachrichten. Oie Folgen des Attentats von Kowno. Der Reffe des Ministerpräsidenten gestorben. Memel, 8. Mai. (MTB. Funkspruch.) 3m Laufe der Rocht ;um Dienstag und des gestrige« Tages wurden 58 Personen verhaftet und weitere Haussuchungen vorgenommen. Gestern nachmittag sand auf dem Platze der Unabhängigkeit an der Garnisonkirche eine Protestkundgebung statt, der einige tausend Personen beiwohnten, wie gestern in den Abendstunden zu hören war, ist d e r kleine Reffe von woldemaras feinen Verletzungen erlegen. Auch der Gesundheitszustand des Hauptmanns Virbickas ist besorgniserregend. Sämtliche Vertreter des diplomatischen Korps haben woldemaras ihr Beileid und gleichzeitig ihre Genugtuung über seine Rettung zum Ausdruck gebracht. 3n der Stadt und im ganzen Lande herrscht Ruhe. Professor Einstein Ehrendoktor von Paris. Paris, 8. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Universität Paris hat Professor Einstein die würde eines Dr. h. c. verliehen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Donnerstag, den 9. Mai. Christi Himmelfahrt. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Becker. — 3o- hanneskirche. 9.30: Pfarrer Ausfeld; 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde, Pfarrer Ausseid.— Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz. — Elifabeth-Kleinkinderschule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas. — Klein-Linden. 9; Hauptgottesdienst. — wieseck. 9.30. — Alten-Buseck. 10. — Kirchberg. 10: Kirchberg. — Hausen-Garbenteich. 10: Hausen; 1: Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 10: Hauptgottesdienst. — Lich. 9.30: Missionar Kaufmann; 10.45: Kindergottesdienst; 3: Missionsfest in der Weilbach; Missionar Kaufmann. — Kloster Arnsburg. 10: Stiftsdechant Kahn. katholische Gemeinden. Mittwoch, den 8. Mai. Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte. Donnerstag, den 9. Mai. Christi Himmelfahrt. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 2: Vesper mit Segen. — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. SountagflötruftM. 'llcr.ite u. Uvotbeken am 9.5.29 S.-R.l)r.Schlievhake. vr. Steinreich. Hirschapokheke. Zahnarzt: Dr. Schöttler. 13D Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. Berlin 7- Mai Geld Brief französische Noten. . . e . 16.48 16.54 Holländische Italienische Norwegische Noten . . . Noten . . . • • . 169,12 22,12 169,80 22,20 Noten...... 112,03 112,47 Deutsch-Oesterr-, ä 100 Kronen 59.06 59.30 Rumänische Noten . . . 2,515 2,535 schwedische 9/otcn . . . 112,25 81.14 112.69 81,46 Schweizer Noten .... Svanische Noten .... 60,03 60.27 Tschechoslowakische Noten . . 12,48 12,54 ungarische Noten ... • • 73,20 73,50 Devisenmarkt Berlin -Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 7. Mai 8- Mai Amtliche Notierun Amtliche Notierung Geld Bne Geld Brief Ämit.-Ron- 169,26 169.60 169,34 169,68 Buen.-Aires 1,772 1,776 1.771 1.775 Brss.-Antw- 58,46 58,58 58,47 58.59 Chriitiania. 112,29 112,51 112,33 112,53 flopznbaocn 112,01 112,45 112,29 112,51 Stockholm - 112,51 112,73 112,55 112.77 Helsingsors- 10,585 10,604 10,588 10,608 Italien. . . London. . . .2,065 22,105 22,07 22,11 20,432 20,472 20,441 20,481 Ncunork . . 4,2105 4,2185 4,2125 4,2205 Paris.... Schwei; . . 16,455 16,495 16,455 16,495 81,115 81,275 61,16 81,32 Spanien . 59,69 59,81 60,06 60,18 Japan . .. 1,885 1,389 1,884 1,888 Rio de Jmr. 0,502 0,504 0,500 0,502 Die» in D-- £cft. abgcit 59,135 59,255 59,195 59,315 Prag . . . . 12,461 12,481 12,466 12,486 Belirad . . 7,407 7,421 7.407 7,421 Budapest. - 73.41 73,35 73,40 73,54 Bul'aricn 3.044 3,050 3,047 3.053 Lissabon - 13,38 18,92 18,90 18,94 Danz'g. - . 81,66 81,82 81,69 81,85 Konsl ntm. 2,060 2,064 2,056 2,060 Athen. . . 5,455 5,465 5,455 5,465 Cauada 4,183 4,191 4,182 4,190 Uru uan . 4,076 4,084 4.076 4,084 Cairo • ■ - 20,955 20,995 20.966 21,006 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angesührien Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent ntanffurt a M. Benin Schluss, ftitte l-Uhr. Kure Schluss-fAnsang Muts Kurs Datum 7.5. 85. 7 5. 8 5- 6% Di. Neichsanleihe o. 192/ . Dl. Ant.-Ablos.-Schulb mit Aus 87,25 — 87,5 — los.-Rechlen 51,8 51,8 52 51,9 10,9 Tesgl. ohne AuSlos.-Rechte . . . 7% Franks. Hl,V -Bk. lSoldps. un 10,7 10,7 10,25 kündbar bis 1932 . <7i% Rheinische Hssp.-Bank Liou 88 — - - (Soldps. . . Ll.E.G. abg. BorkriegS-Obligatton. 75,3 — — — rückzahlbar 1932 87,75 _ — — 4% Schweiz. Bundesb.-Ani.. 101,5 4% Lesterretchische Goldrte.. . 30,25 _ 30 4,üu% Celten. Silberne..... 2.6 _ 2.75 4% Oesterreich, einheitl. Nie 1,9 _ 4% Ungarische Golbrie. 23,5 _ 23,5 4% Ungarische Staatsr. v. 1910 20,4 — 20,65 4Yi% be#gl. Don 1913 4% Ungarische Kronenrte.. . — ___ 22 1,9 - 4% Türk. Zvllanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl.. 9 — 9,2 — Serie 1 — — 8,75 4% besgl. Serie II...... - 8,5 4% Rumänen convert. Rte. . - - 7,8 _ 47i% Rumänen (BolbanL von 1913 16,5 — 16,65 — 0110. Deutsche Eisenbahn . . 4>/2 — _ _ Hamburg-Amerika Paket ... 8 — 122,5 121,65 122 Hanib.-Südam. Damvssch. . . 8 Hansa Dampfschiff io — — 151,5 152,75 Norddeutscher Lloyd . . .8 113,25 — 113,4 113,6 vlllg. Deutsche Creditanll. . . 10 125,25 126,5 125,75 125,75 Barmer Bankverein io 127,25 Berliner HandelSgesellsch, . . 12 — _ 215,5 216,75 Commerz- und PNvat-Bank 11 188 188,5 189,75 188,5 Darmst. u. Nationalbant 12 Deutsche Bank io 263,5 162,5 263,25 162.5 263 162,75 DiSkonto-Kesellschall Anl.. . io 154 | 154 154,25 Dresdner Bank . . io Mitteldeutsche Crebühatd ... 9 159,25 159,25 159,25 159,25 Metallbanf.........8 ReichLbaick ....... 12 309 — 311 314,25 Frankfurt a. M. Berlin Schluss- Kurs l-Uhr. Kurs Schluss- Kurs Anfang Kurs Datum 7-5- 85- 7-5- 85- A.E.E. ...... Bergmann...... . Eleltr. Lieferungen..... Licht und fiiafl ..... ,"Zelten 4 Guilleaume.... Ges. f. Elektr. Untern.. ... Hamb. Elektr. Werke .... Rhein. Elektr....... Schlei. Elektr. ...... Schlicken ...... . Siemens 4 Halske ..... TranSradio . . ...... Lahmever 4 Co....... Buderus . . ...... Deutsche Erdöl...... Essener Steinkohle..... Gelsenkirchener ... L 7i Harpener......... Hoesch Eisen........ ."Wie Bergbau....... Kläcknenverke ...... Köln-Neuesten....... Mannesmann....... Mansselder........ Lberschles. Eisenb. Bedarf. . Sberschles. Kvkswerke . Phönix Bergbau..... Rheinische Braunkohlen . . . Rheinstahl . f. V* Jahr Riebeck Montan...... Bereinigte Stahlw..... Ctatil Minen . ..... Kali Aschersleben..... Kaki Westeregeln...... Kaliwerk Salzdetfurth . . . I- ®. Farben-Jndusme . . . Dunamit Nobel...... Scheideanstalt..... . Goldschmidt . ...... RütgerSwerke . ...... Metallgelelllchakt...... . 9 ir 10 . C 10 10 10 . b 12 10 . 5 . 6 . k 3.4 . 6 . 8 . 8 . 7 . v . 8 . 6 . 6 b7i 10 47: 2 Sh 1< 10 Id 12 *. 9 . 6 . 6 11 171 212 143 226 244,5 382 165 130,5 133 214 103 116,75 90 286 117,25 92,5 246 383,5 250,75 84 91,25 130 172,5 217 215 249 385,5 73 116,75 133 134,25 118 119,5 240 246 387 254 = 91,25 131,5 172 217,75 158,5 214,5 143,5 227 142,5 166 192,5 247 383,65 147,75 165 72 115,75 118,5 131,5 134 120 213,25 103,5 119 118 129 84 106 90,13 288,5 118,25 93 66.9 238,65 246 385 251,5 117,65 84 91 130,9 172,9 217 159,6 215 143,5 228 143,75 167 191 248,4 385,75 149,75 167,25 117 119 131,5 135,5 121,13 103 116,25 117,4 130 83,79 106,75 90,25 289,5 119,75 92-5 66,75 240,5 247,5 388,9 355 84,5 92 Frankfurt a M. Berlin Schluss- Kurs 1 Uhr- Kurs Schluss- Kurs Anfang- Kurs Datum 7.5. 8-5- 7-5. 85- Phütvv Hoizmann......< 115,75 — 115,5 116 Heidelberger Cement .... 10 — 147,75 — Gement Karlstadt . . .... 8 177 — — Watch 4 Freitag......10 127,75 126,75 — Schultheis Patzenhoser ... 15 — — 302 305 Cfliverlc.........1'2 — 244 246 Ber. Glanzstosf......18 446 449,5 448 450 B.-mberg.........14 — — 347 350 Zellstoff Waldhos.....12 255,5 258,75 257 258 Zellstoff Aschaffenburg ... 12 — — 188 Eharlotlenburger Wasser .... —— — 112,75 113,75 Dessauer Kas........8 — — 211 210 Daimler Motoren......O 55,5 55,5 55,5 55,5 Deutsche Maschinen-Fabrik . . O 52 52,25 Adlerwerke ftteoer......5 — 50 49 Ludw. Loewe.......10 — — 213,75 212 Nat. Auwmobil ...... O - _ 27,65 29 Srenstein 4 Koppel.....5 — — 93 93,5 Leonhard Tiey ....... 6 — — 290 290 Bamag-Meguin ....... O — Franks. Maschinen ...... C 54 _ 53 _ Grihner ........11 86,4 — 86,5 _ Henligenstaedt ....... 0 — _ Junghans........ . 4 64,5 — 66,5 _ Lechwerke....... 8 114.5 _ Mainkrastwerke........ 108 _ _ _ Miag..... 10 Nekarsulmer ........ 8 122,65 15 124,75 Beters Union ........ 8 123 _ 123,5 _ Gebt. Roeder.......10 111,5 _ Boigt 4 Hacfsner ...... 8 205 _ 205 Südd. Zucker ......8 152 153 150,75 — Banknoten Berlin. 7- Mai Geld Brief vinnTitaiintDe Noten..... 4.208 4,228 Belgische Noten ....... RR RR Dänische Noten ....... 11L95 112,39 Englische Noten........ 20,405 20,485 markt. 6Qua. ■ Y.^toeine: 6,w» 1 200 bis 240 ettoa 160 bis JM ’!&■ Lebendge- -'allen Dich- hauend, aus- totij. Im* * ü r-Pn5 UN- n SS1, "ach. "Paris /u ""-her feine 'Ne. llouer §al, J au&er für fe Mnb. rlst tolet)ei Jhn nohert- ÄUüt 3 bis 32 2b 12,75; 4 n. )N Rownv. ' g^otbrn. 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I. A. des Amtsgerichts Gießen ______Leo, Ortsgerichtsvorsteher.______ Arbeitövergebung. Für die Herstellung einer neuen fUofett- anlage im Schulhaus der Gemeinde Röthges sollen die erforderlichen Arbeiten auf Grund der Rcichsverdingungsordnung auf dem Submijfionswege vergeben werden. Der Voranschlaa hierüber liegt zur Ein- sicht der Interessenten bei der unterzeichneten Stelle offen. Schriftliche Angebote sind bis spätestens 15. t>. 21L, nachmittags 3 Uhr, verschlösse-' und mit der Aufschrift „Schulhaus Röthges" bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist acht Tage. 4166D Röthges, den 7. Mai 1929. Bürgermeisterei. Metzger. Kostenloser Unterricht FÜftAL'E Den Himmelfahrt- Ausflug ohne Kamera? 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