Dienstag, 8. Januar 1929 1fr. 6 Erstes Blatt 179. Jahrgang Beschleunigte Koalitionsverhandlungen. Das Zentrum wird im Reichskabinett stärker vertreten sein Die Diktatur, die durch den Staatsstreich des Königs in Südslawien errichtet worden ist, hat einen ganz eigenartigen Charakter. Das wird ich um so deutlicher zeigen, je weiter die Entwicklung der Dinge in Südslawien voranschreitet. Denn bei dem Ablauf ist mutmaßlich mit den charfen diltatorischen Maßnahmen, die man gewöhnlich mit dem Begriff verbindet. Wohl kaum zu rechnen. Der König hat die gel tende Der- assung außer Kraft gesetzt und in seiner Person die gese^aebende und vollziehende hat zunächst die Presse- Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 2011 , mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. nahmen. Das neue Kabinett trägt die Merkmale einer Militärherrschaft. Der Ministerpräsident, der gleichzei'ig Innenminister ist. ist ein Vertrauter des K önigs, der Kommandeur der Gardedivision in Belgrad, Zivkowitsch. Kriegsund Marineminister ist General Hadjitsch, der diesen Posten bisher schon versah und der immer wieder als Anwärter für eine diktatorische Regierung genannt wurde. 3m übrigen sind verschiedene bekannte politisch« Persönlichkeiten in der Regierung vertreten, so der bisherige Außenminister M a r i n k o w i t s ch. d er auf einen Ausgleich mit Italien hinarbeitet, ferner der bisherige Ministerpräsident K o r o s e t s ch, der Führer der slowenischen katholischen Do.kspartei, sowie einige Abgeordnete der Radikalen und der Demokratischen Partei und auch einige Kroaten. Reben der Auflösung des Parlamentes sind die Gemeindevertretungen und auch die Provinzialbehörden aufgelöst worden. Vermutlich will die neue Regierung sich Raum schaffen für eine durchgreifende Verwabtu n g s r e f o r m, die unter dem korrupten parlamentarischen System unmöglich gewesen wäre. Denn in Südslawien gilt allein das Militär als unbestechlich und sauber. Ihm allein traut man es zu, Ordnung in die geradezu unglaublichen Zustände zu bringen, die sich in der Verwaltung durch die Verquickung mit dem Parlamentarismus entwickelt haben. Insofern ist eine der Dringendsten Forderungen der bäuerlich-kroatischen Opposition erfüllt worden, die zunächst die Beseitigung des Parlaments und der korrupten Verwaltung verlangte, denn unter beiden haben die neuen Landesteile sehr zu leiden gehabt. Man hält cs für wahrscheinlich, daß die neue diktatorische Regierung in weitem Umfang die autonomistischen Forderungen der Opposition erfüllen wird. Bekanntlich wehren sich besonders die von Oesterreich an Südslawien gekommenen Landesteile, also Bosnien, Kroatien, Dalmatien und Slo- v e n i e n gegen den Belgrader Zentralismus. Schon zu Stefan Raditschs Zeiten verlangten sie die Umwandlung Südslawiens in einen Bundesstaat, in dem die gemeinsamen Angelegenheiten nur in der Außenpolitik, im Heerwesen und in einem Teil der Finanzen bestehen sollten, ähnlich wie im alten Oesterreich-Ungarn. Diese Forderungen standen schon einmal, 'M Jahre 1924. dicht vor der Erfüllung. Stefan Raditschs nicht immer glückliche Taktik hat damals die Erfolge nicht reifen lassen. Rach feinem Tode haben kühlere Politiker die Führung der kroatischen Bauernpartei, der Kerntruppe der Opposition, an sich genommen. Wahrscheinlich hat dre südslawische Krone die letzte Gelegenheit ergriffen, um mit Hilfe des einwandfreien Militärs eine Staatsumwandlung vorzunehmen, gegen die sich die eigensüchtigen parlamentarischen Cliquen in Belgrad bis zur Verzweiflung gewehrt haben. Der Eindruck dieser Entwicklung tn ganz Europa ist ungeheuer. Die berufsmäßigen Verfechter des parlamentarischen Systems fühlen auch anderswo ihre Dhrönchen wackeln. Richt nur in Südslawien haben sich die parlamentarischen Bureaukratien als unfähig erwiesen, lebenswichtige Aufgaben der Ration zu lösen. Der Parlamentarismus mag gut sein, schlecht und recht sie sich eine sachlich nicht gerechtfertigte Verschleppung lebenswichtiger Entschlüsse, wie sie das parlamentarische System nun einmal mit sich zu bringen pflegt, im Interesse der national- politischen Zukunst gefallen lassen dürfen. Diese Frage hat der König von Südslawien anscheinend unter Zustimmung seines ganzen Volkes soeben gegen das Parlament entschieden. Oer erste Kabinettsrat. Keine Presseinsormationcn. —Zustimmung der Nation. Belgrad. 7. Dan. (WTB.) Gestern mittag hielt der Minister rat seine erste Sitzung ab. Beim Verlassen des Ministerratsgebäudes erklärte Ministerpräsident Ziwkowilsch den Vertretern der Presse, er habe ihnen nichts mitzuteilen, da die Regierung gebildet worden sei, u m z u ar- ein« Verwaktung zu kontrollieren. Daß er auf dem Kontinent staatsschöpferische Fähigkeiten entwickelt hätte, davon sind bisher noch keine Deispie.e bekanntgeworden. Denn man kann aus dem Laufe der Geschichte die Wirksamkeit der großen Persönlichleiten nicht ausradieren. Daß König Alexander von Südslawien ein Regent von Format ist, darüber waren sich schon früher die Kenner der Verhältnisse einig, das beweist er aber auch jetzt dadurch, daß er mutig die Verantwortung für die Reuordnung des Staates g ans allein auf seine Schultern nimmt, obwohl er damit die Zukunft seiner Dynastie aufs Spiel seht. Im parlamentarischen System aber pflegen verantwortungsfreudige Persönlichkeiten nur allzu häufig durch Intrigen und Eifersüchteleien und durch die Parteiwirischast lahmgelegt zu werden. Deshalb tritt bei großen staatspolitischen Entscheidungen an die Rationen immer wieder die Frage heran, ob t u g i e s i s ch e General Gomez de Castro zum Diktator seines Landes. Es gelang ihm, im Juni 1926, nach der zwanzigsten Revolution seit der Absetzung des Königs, eine Militärdiktatur auszurichten. Auch in unmittelbarer Rachbarschaft Deutschlands sind in den letzten Jahren Gewaltherrschaften entstanden. Am 31. Mai 1926 wurde P i l s u d s k i in Warschau von der Rationalversammlung zum Staatspräsidenten gewählt — und lehnte dieses Amt ab. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich Pisuldski wieder besonnen hatte und nun mit Kanonendonner in Warschau einzog. Durch einen Militärputsch kam er an die Macht, die er jedoch — nur ein halber Diktator — auf legalem Weg ausübt. Bald darauf, am 17. Dezember 1926, wurde auch in dem Rachbarstaat Litauen eine Militärdiktatur aufgerichtet. Smetona wurde Staatsoberhaupt. Ein neuer Staatsstreich fand am 29. Mai 1928 in Kowno statt; damals entrechtete Woldemaros. Litauens Diktator, die Volksvertretung und setzte auf dem Verordnungsweg eine neue Derfafsung in Kraft. Gewalt vereinigt. Er hat zunächst die Pre^se- und Versammlungssre hüt aufgehoben und jede Kritik eines neuen Regierungssystems verboten. Das sind selbstverständliche Sicherungsmaß- Erschetnt täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen Die Illustrierte Gießener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle. Bezugspreis für 2 Wochen: 1 Reichsmark und 15 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: $ranlfurt am Main 11686. Oer Staatsstreich König Alexanders. Oer Bankerott des südslawischen Parlamentarismus. — Diktatur und Rationalitätenproblem Oer Etatstorso. Die Deckungsvorschläge des Rerchsfinanz-- ministers. Berlin. 8. Jan. (Priv.-Tel.) Zu der Meldung, daß der Reichshaushaltsplan für 1929 nunmehr fertiggestellt worden sei, ersahren wir, daß das Reichsfinanzministerium den Etat bereits in Druck gegeben hat. Dabei kann natürlich nur in beschränktem Umfange von einer Fertig st ellung die Rede sein, insofern, als wohl die Ausgaben-Seite nach allen Abstrichen jetzt endgültig fertig ist, wohingegen man aber die Einnahme feite noch offen gelassen hat. Das Kabinett wird deshalb in seiner Sitzung am 14. Januar die vorn Reichs- sinanzminister vorgeschlagenen Deckungsmöglichkeiten für das Defizit zu prüfen haben, woraufhin dann unverzüglich die sich daraus ergebenden Zahlen in die Einnahmeseite eingesetzt werden, so daß dem Reichsrat sodann der völlig fertiggestellte, endgültige Haushaltsplan vorgelegt werden kann. Die Deckungsvor- schläge werden im Reichsfinanzministerium geheimgehalten. lieber die bereits veröffentlichten Kombinationen hinaus wird uns von gut unterrichteter Seite jedoch mitgeteilt, daß neben dem Verzicht der Wiedereinführung der Weinsteuer auch auf eine Erhöhungderllmsatz- fteuer, was auf jeden Fall zu begrüßen ift. endgültig verzichtet worden ist. Die übrigen Deckungsvorschläge dürften sich unseres Erachtens auf die bereits bekannten Pläne der Erhöhung der Biersteuer, der Erbschaftssteuer und des Branntweinmonopols erstrecken. Die Frage der Umsatzsteuer wird aber wahrscheinlich bereits in den Kabinettsberatungen und erst recht später in den parlamentarischen Debatten noch eine Rolle spielen. Besonders bei der Deutschen Volkspartei hört man die Auffassung, daß ein« Erhöhung der Umsatzsteuer für die Wirtschaft weniger fühlbar sein werde, als manche andere neue Steuer oder Steuererhöhung, so daß an dieser Stelle mit verhältnismäßig wenig Gefahr ein Teil des Defizits abgedeckt werden könnte. Wenn in diesem Zusammenhänge gesagt wird, daß di« Deckungsvorschläge schon deshalb noch nicht vom Kabinett genehmigt werden könnten, weil die Regierungs- toalition noch nicht endgültig sei, so beruht dies auf völlig falschen Voraussetzungen. Im Gegenteil, die noch nicht endgültige koalitionsmäßige Bindung der einzelnen Regierungsparteien dürfte die Deckung des De'izits nur erleichtern insofern, als die Minister resp. die Parteien- nicht so stark gebunden sind und größere Freiheiten Haven. Berlin, 8. Dan. (13. D. 3) Nachdem die poli- tischen weihnachtsserien nunmehr beendet sind, gewinnt die Frage der Stabilisierung der Reichsregierung auf der Basis der Großen Koalition höchstes Dnteresse. Man rechnet damit, daß die Verhandlungen zwischen den beteiligten Parteien diesmal so rasch gefördert werden, daß bereits am 22. Danuac bei Miederzu- sammentritl des Reichstages die Regierungskoalition gesichert ist. Der Reichskanzler wird in den nächsten Tagen nach Berlin zurückkehren, und dann sofort die Koalitionsverhandlungen führen, zumal der Abschluß auch wegen der Ltatsberatungen drängt. Die Lösung denkt man sich personell so, daß bei sonst unveränderter bisheriger Ressvrtoerteitung lediglich dem Zentrum noch zwei Portefeuilles angeboten werden. Zu diesem Zwecke würde ein V i ; e k a n ; l e r a m t, eventuell für den Abgeordneten Wirth, geschaffen werden. Da? Ministerium für die besetzten Gebiete würde selbständig und politisch bedeutsamer gemacht durch die Umbildung in ein Ministerium für die Grenzgebiete, für das der bisherge Verkehrsminister, Herr v. Gueracd, in Frage käme, während der Abg. Stegerwald das Verkehrsmini ft erium übernehmen könnte. Man meint weiter, daß der sachliche Hauptstreitpunkt in diesem Dahre deshalb keine Rolle spielen werde, weil der Verfassungstag. der 11.August, aus einen Sonntag fallt. Dagegen wurde die Reichsregierimg der Großen Koalition während der ganzen Reichstagsperlode fo reibungslos arbeiten können, daß man glaubt, sich später auch verhältnismäßig mühelos über diese Disferenzpunkte verständigen zu können. Oie Rückzahlung der Aufweriungshypolheken. Berlin, 8. Ian. (Priv.°T«l.) Rach den Bestimmungen des Auswertungsgesetzes sind d i e aufgewerteten Hypotheken den Answer t un g s g l ä u b i g e r n am 1. Januar 1932 zurückzuzahlen. 2n drei Jahren wird dann also eine Kapitalumwälzung vor sich gehen, deren Ausmaß schon jetzt Vorbereitungen notwendig macht. Es haben daher im Reichsjustizministerium Besprechungen stattgefun- den, die sich außer mit Fragen der Grund- buchbereinigung mit den Problemen beschäftigten, die der Rückzahlungstermin der Aufwertungshypotheken anfwirft. Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt. versucht hat. Die Mitglieder der von Primo einberufenen Nationalversammlung waren nicht gewählt, sondern ernannt. Die neue spanische Verfassung steht immer noch nicht endgültig fest; man weiß nur, daß ein Oberhaus und ein Unterhaus geschaffen werden sollen. Schon vor der Errichtung dieser beiden Diktaturen in Spanien und Italien gelang es einem „starken Mann" in einem exotischen Land, die Regierung zu erobern und zu behaupten. Am 21. Februar 1921 marschierten persische Kosaken mit aktiver Unterstützung der Engländer unter ihrem Führer Riza Khan in Teheran ein und stürzten die Regierung. Riza wurde Kriegsminister und Oberkommandierender der persischen Streitkräfte, ntz aber erst im Jahre 1923 die ganze Macht an sich und wurde Ministerpräsident. Am 31. Oktober 1923 setzte er den Schah ab und ließ sich selbst zum Herrscher Persiens ausrufen. Die Engländer, die mit der Unterstützung dieses Diktators den russischen Einfluß ausschalten wollten, sind mcht ganz auf ihre Kosten gekommen, da der neue Schah weder eine russische, noch eine englische, sondern tn der Hauptsache eine persische Politik zu treiben beliebt. Da sich die Diktaturen länger hielten als man es ursprünglich erwartet hatte, bekamen nun auch viele Ehrgeizige in anderen Ländern Lust, Mussolinis Beispiel zu folgen. Im Juni 1925 zwang der General Pangalvs die griechisch« Regierung zum Rücktritt, ernannte sich selbst zum Ministerpräsidenten und erklärte dem Parlament kurz und bündig, daß eine Kommission von dreißig Mitgliedern eine neue Verfassung auszuarbeiten hab«. Aber schon im August 1926 hatte Theo- dorus Pangalos abgewirtschaftet; er wurde gefangen genommen und aus dem Heer ausgestoßen. Bereits einige Monate vor dem griechischen Staatsstreich ritz AchmedZoguindem Rach- barland Albanien die Macht an sich. Mit Unterstützung der Belgrader Regierung eroberte er am 24. Dezember 1924 Tirana;, die albanische Regierung mußte flüchten. Achmed Zogu wurde Ministerpräsident, setzte seinen Willen mit scharfem Terror durch — und schlug sich auf die Seite der Feinde Jugoslawiens. Cs ist noch in aller Erinnerung, daß er sich im August 1923 mit Unterstützung Mussolinis zum König von Albanien Wählen ließ. Ungefähr gleichzeitig mit Achmed Zogu und Pangalos machte sich auch der por- Diktatoren. Von Werner Falcke. Zehn Diktatoren hat das letzte Jahrzehnt der Welt gebracht, vom Kemal Pascha, der im Mai 1919 den nationalen Widerstand gegen die Entente organisierte, über Horty, Riza Khan, Mussolini, Primo de Rivera, Achmed Zogu, Pilsudski, den portugiesischen Diktator General Gomez de Castro und Woldemaras bis zu Alexander, von Jugoslawien, der sich jetzt zum Selbstherrscher ernannt hat und absoluter zu regieren gedenkt, als alle Monarchen, die bis zum Ausbruch der Revolutionen nach dem Krieg über europäische Völker herrschten. Rechnet man den inzwischen gestürzten griechischen General Pangalos mit, so ergibt sich, daß sogar elf Völker im letzten Dezennium eine kürzere oder längere Zeit unter einer Militärdiktatur gelebt haben, und das im Zeitalter des Parlamentarismus, nach großen Revolutionen, die zum Sturz der mächtigsten europäischen Monarchien führten! Am stärksten hat sich der Gedanke der Diktatur in den M i 11 e l m e e r l ä n d e r n durchgeseht, die fast alle das parlamentarische System aufgegeben haben. Spanien, Portugal, Italien, Albanien leben unter unverhüllten Diktaturen, die Türkei hat inzwischen ein Kompromiß zwischen Gewaltherrschaft und Demokratie geschlossen, Aegypten mußte sich unter englischem Druck einer aufgezwungenen Diktatur beugen, und Griechenland, das vorübergehend unter Militärherrschaft stand, ist noch nicht zur Ruhe gekommen. Freilich hat sich in diesen Ländern, soweit sie Monarchien waren _ oder sind, der Diktator nur gegen den König durchsetzen können und der Herrscher hat die Diktatur dann notgedrungen gutgeheißen, um nicht den Thron zu verlieren, während im neuesten antiparlamentarischen Staat der Umsturz von der Krone ausgeht, weil Alexander von Iugoslawien alle Macht in seinen Händen vereinigen und die Regierung ausschließlich von seiner Person abhängig machen will. Als die Geburksstunde der modernen Diktaturbewegung kann man Wohl den 19. Mai 1919 bezeichnen, den Tag, an dem Kemal Pascha in Samsun am Schwarzen Meer landete, um den nationalen Widerstand der Türkei diktatorisch zu organisieren und einen neuen, unabhängigen türkischen Staat aufzubauen. Der Sieg, den Kemal Pascha Ende August 1922 bei Asium-Kara- hissar über die Griechen erfocht, machte fein Regierungsshstem volkstümlich und gab dem Diktator die Autorität, die zur Durchführung seines durchaus revolutionären Programmes notwendig gewesen ist. In Europa entstand die erste Diktatur nach dem Krieg in Ungarn, wo Karolhi die Macht an Bela Kun abgetreten hatte. Als die Rumänen am 3. August 1919 in Budapest einzogen, brach der ungari d>e Sowjetstaat zusammen, und auch das sozialistische Kabinett Peidl konnte sich nicht halten. Inzwischen hatte sich unter denk. Admiral Rikolaus von Horty eine „Rationale Armee" gebildet, die nach dem Abzug der Rumänen am 16. Rovem- ber 1919 in Budapest einrückte. Horty schuf damals die heute noch bestehende Diktatur, die im Laufe der Jahre gesetzgeberisch ausgebaut wurde. Als die Rationalversammlung nicht allen Ansprüchen des neuen Machthabers entgegen- kam, erließ Horty einfach im Verordnungsweg ein neues Wahlgesetz, das im Mai 1922 tn Kraft trat und das allgemeine geheime Wahlrecht außer Kraft setzte. Es wurde ein Steuer- und Dildungszensus eingeführt, die Wahlen auf dem Lande sollten in Zukunft öffentlich stattfin- den. und man weiß, daß der Terror die Wahl regierungstreuer Abgeordneter erzwingen half. Bald nach der Durchführung dieser ungarischen Wahlen, am 27. Oktober 1922, begann der faszistische Marsch auf Rom, durch den Mussolini zum Diktator Italiens geworden ist. 2ln einem „schwarzen Freitag" erhoben sich die Schwarzhemden in Mailand, Florenz, Cremona Piacenza und Pisa, besetzten die öffentlichen Gebäude und marschierten auf die italienische Hauptstadt die sie eroberten. Die Geschichte des Faszismus ist schon zu oft geschrieben worden, um hier wiederholt zu werden Stück für Stück wurde die italienische Verfassung'umgebaut; als die oppositionellen Abgeordneten merkten, daß sie im Parlament doch nichts mehr durchsetzen konnten, verließen sie das Abgeordnetenhaus, und von diesem Zeitpunkt an verwehrten ihnen die Faszisten den Wiedereintritt. Endaültia brach Mussolini mit dem Parlamentarismus im November 1927, als der faszistische Großrat an die Stelle der Volksvertretung den sogenannten „Rat der Vierhundert" setzte, der nur aus Anhängern Mussolinis bestehen darf. Es gibt also in Italien keinen Wahlkampf mehr, da die faszistische Partei eine nationale Einheitsliste festsetzt, deren Wahl von vornherein gesichert ist. Dem Vorbild Mussolinis folgte der spanische General Primo de Rivera, der am 13.September 1923 als Führer der spanischen Offiziersverbände das Parlament in Madrid auflöste und damals versprach, nur neunzig Tage diktatorisch zu regieren, um dann wieder zur Demokratie zuruck- rukehren. Ob sich Primo von vornherein darüber klar gewesen ist, daß in einem Viertestahr ein Staatswesen nicht grundsätzlich zu reformieren ist, ober ob er in dieser Zeit Geschmack an der diktatorischen Führung der Negierungsgeschaste gefunden hatte; jedenfalls herrscht der General noch heute, fünfeinhalb Jahre nach der Ucbernahme der Diktatur, unumschränkt und oft gegen den Willen des Königs über das spanische Volk, das »mmer wieder Aufstande zur Abschüttelung dieses Machthabers GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: ynihl'sche Univerfitäts-Vuch- und Ziemdruckerei R. Lange in Giehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Mayen- «spar, Nwdoyan ThorsE |t>cdcen- La Ccruna- Montag, d.7Jan.1929,7b aDds. beiten, aber nicht, am ErMrungen ab;ugeben. in das von werden können, unter der Voraussetzung, daß französisch-amerikanische Schuldenabkommen Frankreich ratifiziert werden würde. Was sagt 3Rom dazu? Vorläufig größte Zurückhaltung. Rom, 8. Ian. (TU.) So groß das Interesse Wahlvorbereitungen im Elsaß Paris, 7. 3an. ($11.) Einer Kolmarer Meldung des „Temps" zufolge entfalten die Auto- n o m i st e n angesichts der Nachwahl am 13. Januar eine außerordentliche Tätigkeit. 3m Laufe des Sonntags hielten sie mehr als 30 Versammlungen ab. Abbe Haigy begab sich in Begleitung der Deputierten Walter, Bilger und Drogly sowre mehreren Persönlichkeiten, die im Heimat- bund und im letzten Auionomistenprozeß eine Rolle gespielt haaen. wie Heil, Hauß, Schall, Rossö, in einige katholische Orte, wo er zugunsten der Kandidatur des Auto» nomistenHauh sprach. Auch die Kommunisten hielten am Sonntag verschiedene Wahlversammlungen ab, in denen sie heftig die Sozialisten angriffen. Ricklin rlchtete an seine Wähler im Sund^iau einen Ausruf, in d-'m er sie ermahnt, auch weiterhin „auf dem Schiff der elsässischen Bvlkspactei' zu bleiben, oas ge^e-itnäriig uiuer der Flagge blau-weiß-rot segele, dessen Flagge aber in Wirklichkeit rot und weiß sei, d. h. das Italien für die letzten Vorgänge in Jugoslawien zweifelsohne ist, so weiß man doch augenblicklich ni t, wie man sich zu dem Umschwung in Belgrad stellen soll. Bisher sind nur spärlich Kommentare erschienen und auch diese zeichnen sich durch die arößteZurückhaltung aus. Vor allem wird betont, daß Italien mit Ruhe und ohne Parteinahme die Vorgänge in dem jugoslawischen Nachbarstaat beobachten mäste. Das halbamtliche „Gior- nale d'Jtalia" bezeichnet die Verfassungsänderung als eine Politik der Verzweiflung. Die neue Regierung fei vor allem königlich und militärisch. Daran ändere auch nichts, daß mehr Zivilisten als Offiziere an der Regierung beteiligt seien. Die neue Regierung sei eine Diktatur, die letzten Endes auf die Person des Königs zurückgehe. Es bleibe abzuwarten, ob mit diesem extremen Mittel die innere Krise Jugoslawiens überwunden werden könne. Die bisher eingenommene Haltung der kroatischen Opposition gewährleiste den Frieden nicht. Daß die Entwicklung in Jugoslawien den italie- nischen Blättern im allgemeinen einen willkommenen Anlaß zur Kritik des verfaulten Parlamentarismus gibt, ift verständlich. So schreibt „Iribuna" u. a.: Eine Feststellung allein ist von Bedeutung, nämlich jene des Zusammenbruchs des parlamentarischen Re- gimes, das nach französischem Muster und nach fron- zösischen Ratschlägen sich in der Vervielfältigung der Parteien, Wahlexperimenten, Kabinettskrisen und in politischer Korruption auswirkte. Der Staatsstreich in Jugoslawien stelle außerdem eine offenkundige Ver. urteilungderfranzöfifchenPolitik dar, welche von dem Bestreben geleitet gewesen sei, Italien durch die Gründung eines antiitalienischen Staates zu schwächen. Das Italien Mussolinis hat keinen Grund, seine Haltung zu ändern, da diese von zwei grundlegenden Gesichtspunkten beherrscht ist: die ßr'ung der adriatischen Streitfrage und das Angebot friedlicher Beziehungen zwischen Jugoslawien und Italien. Arbeitslosigkeit und Reichsfinanzen. Liste Folgen der weisenden Konjunfiur Berlin, 8. Ian. Die Reichsfinanzen werden durch die scharfe Steigerung der Arbeitslosenzahl eine weitere B e l a st u n g erfahren. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit ist unverhältnismäßig schärfer als in den Vorjahren, ein deutliches Zeichen, oaß — im Widerspruch zu den optim.stischen Auffassungen Parker Gilberts — der A b st i e g der Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt immer deutlicher wird. Die endgültige Zahl der Arbeitslosen am Neujahrstage ist noch nicht bekannt, aber man darf sie auf nicht weniger als 1,6 Millionen schätzen, wozu noch jene kommen, die nur Kurzarbeit leisten oder bereits der Krisenfürsorge anhe.mgefallen sind. Einer so starken Belastung sind die Mittel der jungen Reichsanstalt für Arbeitslosen- Versicherung nicht gewachsen. Das Reich wird daher an die Reichsanstalt einen Vorschuß leisten mässen, den man bis zu Ende des Winters mit 70 Millionen Mark kaum zu hoch veranschlagt. Parker Gilberts Rückzugslinie. Der Im, 8. 3an. (Eigene Meldung.) 3n Washington haben nunmehr die Reparationsbe- sprechungen zwischen C o o l i d g e. dem soeben aus Südamerika zurückgekehrten Hoover, dem Finanzminister Mellon und Parker Gilbert begonnen. Beteiligt ist daran bezeichnenderweise auch der Gesandte Amerika in Mexiko, Morrow, in dem man Hoovers künftigen Außenminister sieht. Parker Gilbert hat zu seinem Bericht die Erklärung aogegeben, daß er niemandem zuleide aufgestellt sei. Wenn man Unterschiede zwischen seinem Bericht und dem des amerikanischen Haicdelscrttaches in Berlin herausgefunden habe, dann liege das einfach daran, daß der Bericht des Reparationsagenten a m 1. September absch ließe, während der Handelsattache die Entwickelung Deutschlands bis zum Ende des 3ahres mit berücksichtigt habe. Stichhaltig ist diese Unterscheidung nicht. Denn von einem Mann, von dessen Gutachten das Schicksal eines 60-Millionenoolkes erheblich mit« beeinflußt wird, müßte man eigentlich auch erwarten dürfen, daß er die Entwicklungstendenzen einer Wirtschaft richtig zu beurteilen weiß. Daran aber hat es offenbar gefehlt, denn sonst hätte Parker Gilbert sehen müssen, daß von den geborgten -12 Milliarden Mark 6 Milliarden für Reparationszahlungen verwendet sind, während die übrigen 6 Milliarden restlos in der deutschen Landwirtschaft, und zwar gegenwärtig ohne Ertrag, verschwunden sind. Amerikas Bedingung. Ratifizierung des französischen Schuldcnabkornmens. Paris, 8. Ian. (WTB. Funkfpruch.) „Reuyork Herold" verzeichnet in einer Meldung aus Washington das Gerücht, die Regierung der Vereinigten Staaten würde geneigt fein, an der finanzielle n Ausgestaltung des Reparations- planes, über den der neue Sachverständigenaus- schuß Beschluß fassen werde, mitzuarbeiten unter der Bedinaung, daß die französische Regierung das s r a n z ö f i s ch - a m e r i k a n i s ch e S ch u l- denabkommen ratifiziere. Diese Ansicht sei in glaubwürdigen Kreisen verbreitet, man verweise dabei auf die Besprechungen, die P a r k e r Gi l b e r t noch mit den offiziellen Persönlichkeiten in Washington haben werde. Das Ergebnis dieser Besprechungen werde, wie man mit Gewißheit annehmen könne, das fein, daß Parker Gilbert, wenn er nach Europa zurückkehre, bereits ein bestimmtes Bild davon haben werde, in welcher Höhe deutsche Obligationen in den Vereinigten Staaten untergebracht Hessens Finanzlage. Die letzte Monatsübersicht für November 1928. Darmstadt, 8. Jan. Im Monat November ge- staltete sich die Lage der hessischen Finanzen wie folgt: Im ordentlichen Haushalt sind an Einnahmen zu verzeichnen: Steuern 7 431000 Mark, Ueberschüsse aus Unternehmungen und Betrieben 593 000 Mark, aus der Justiz 288 000 Mark, der Volksbildung ufro. 20 000 Mark und der übrigen Landesverwaltung 868 000 Mark, zusammen 9 200 000 Mark. An Ausgaben stehen dem gegenüber für die Justiz 1 024 000 Mark, Volksbildung, Wissenschaft, Kunst und Kultus 3115 000 Mark, für Wohnungswesen 750 000 Mark, Schul- dendienst 160 OOO Mark, Ruhegehälter 1 297 000 Mark und sonstige Ausgaben 3 490 00 Mark, zusammen 9 836 000 Mark, so daß im ordentlichen Etat ein Minus von 636 000 Mark zu verzeichnen ist. Im außerordentlichenEtat stehen 15000 Mark Einnahmen, 576 000 Mark Ausgaben (Landeskultur 80 000 Mark für Zuschüße und Neuinoestierungen für Unternehmungen und Betriebe 91 000 Mark und sonstige Ausgaben 405 000 Mark) gegenüber. — In der Gesamt- abrechnung verbleibt im ordentlichen Etat für die acht abgelaufenen Rechnungsmonate des Jahres ein buchmäßiges Defizit -von 11 585 000 Mark, oem im außerordentlichen Etat ein Ueberfchuß von 2 971 000 Mark gegenübersteht. von nun an würden der presse keine mündlichen | Mitteilungen über die Beschlüsse der Regierung ge- | macht werden. Diese würden lediglich im Amtsblatt ' veröffentlicht. Die Sitzung des Minislerratr soll sich 1 mit einer Reihe neu zu erlassender Gesetze — man j spricht von 18 — besaßt haben. — Die Blätter veröffentlichen in Sonderausgaben lediglich die aus dem Amtsblatt übernommenen königlichen Erlasse. enthalten sich jedoch jeglicher Darlegung der Ereignisse und jeglicher Kommentare. Nach einet Meldung der Agentur Avala laufen im königlichen palai» und beim Ministerpräsidenten dauernd Glückwunschtelegramme ein, in denen dem König, der die notwendigen Schritte zu gehen verstanden habe, die Anerkennung und die Freude der Ration zum Ausdruck gebracht werden. Meldungen aus Laibach. Marburg. Serajewo, Spalato, Sebenico und anderen Städten berichten, daß der Regimewechsel von der Bevölkerung m i t ehrlicher Begeisterung aufgenommen wird und daß man in allen Kreisen in der Bildung der neuen Regierung den Beginn eines neuen Zeitalter» erblickt. Verfrühte Hoffnungen. y Tie Kroaten und der Staatsstreich. Agram, 7. 3an. (TU.) Die belgradfreundliche Presse Agrams erklärt, daß der Staatsstreich König Allxanders die Kroaten und die Serbisch- Orthodoxen Kroatiens befriedige und ihnen eine Hoffnung auf Erfüllung ihrer Forderungen gebe. Dr. Matschek habe am 6. d. M. Pressevertretern erklärt, er hoffe, daß nach Beseitigung der zentralistischen Verfassung die 3deale der Kroaten verwirklicht und sie Herren in ihrem eigenen Heim würden. Obwohl dieser Optimismus bereits durch das Dekanntwerden dec Liste des diktatorischen Kabinetts, das durchweg den kroatischen Forderungen ablehnend gegenüber- stehende Personen aufweist, wesentlich beeinträchtigt wird, so ist man sich in den Kreisen der Kroaten jetzt nach Bekanntgabe der Auflösung der Gerncindeautonomie und aller kroatisch-nationaler Parteien. Vereine und Organisationen vollkommen darüber im klaren, daß das absolutistische Regime weit davon entfernt ist, a uch nur einen Teil der kroatischen Forderungen zu erfüllen. öer Eindruck in Paris. Baisse des parlamenrarischen Regimes. Paris. 7. 3an. (£.11.) Die Ereignisse in Jugoslawien werden von der Pariser Presse mit großem 3nteresse verfolgt, was sich insbesondere aus den engen Beziehungen zwischen Frankreich und 3ugoslawien erklärt. Die Rechtspresse, die in den letzten Dezemberwochen starte Kritik am französischen Parlament und am Parlamentarismus überhaupt geübt hatte, begrüßt uneingeschränkt die Maßnahme des jugoslawischen Königs. Der .Tem^s" bestreitet aber besten Absicht, eine absolute Herrschaft Herstellen und mit den Mitteln der Diktatur regieren zu wollen. Man könne versichert sein, daß der neue Ministerpräsident mit eiserner Hand das Innenministerium leiten werde. Wesentlich fei das Verbleiben Marinkowitschs im Auhenamt. Das Blatt ist der Ansicht, daß die neue Lage teilweise den Wünschen der Kroaten entgegenkomme. Der .Aventr" sagt: GS liegt uns fern, die Ereignisse in Südslawien mit unseren eigenen zu vergleichen, aber wir möchten doch darauf Hinweisen, daß in der Lage des Parlamentarismus eine Baisse eingetreten ist. Das französische Parlament kann sich nur durch sich selbst retten. Das Land bleibt ihm verbunden. Unheil aber würde es bedeuten, wenn die gegenwärtigen Mandatare bei der gegen- toäriigen Konjunktur den Fehler begingen, das Land zu enttäuschen, um ihm Ekel einzu- flöhen. — Der „Gaulois" erklärt, eine Regierung ohne Skupschtina ist besser als eine Skup- schtina ohne Regierung. — Die „QSoIontS“ schreibt: Wenn König Alexander entschlossen ist, die Beziehungen, die die Kroaten und die Slowenen unterhalten, geschmeidiger zu gestalten, kann das Land über eine sehr gefährliche Krise Hinwegkommen. Wenn er aber durch eine vorübergehende Diktatur strenge Maßnahmen namentlich in Kroatien ergreifen will, die eine parlamentarische Regierung nicht durchsetzen kann, wird er wahrscheinlich eine blutige Explosion Hervorrufen. die Farbe des Elsaß trage unb dessen Führer Abbe H a r g y fei. Dieser Aufruf ist unterzeichnet mit „Dr. Ricklin, gewählter Deputierter von Altkirch, vorläufig um fein Mandat betrogen". Amanuttahs Reformkarnpf. Konstantinopel, 7.Ian. (TU.) Nach gut unterrichteten Meldungen aus Teheran sollen die aufständischen Truppen bei der Beschießung der Sommerresidenz des Königs Amanullah diese be» chädigt haben. Die politische Lage in Kabul selbst ift unverändert geblieben. Die eingetroffenen neuen Regimenter aus der Provinz, die dem König trcugcblteben sind, haben Kabul verlassen und be- inden sich unterwegs zum Kampf gegen die Aufständischen. Man erwartet, daß diese Woche Kämpfe stattfinden, die entscheiden sollen, ob der Aufstand zusammenbricht, oder ob der König gezwungen wird, neue Kompromisse gegenüber den Aufständischen zu schließen. Die Vertreter des Priestertums in Kabul haben dem König erklärt, daß ein Frieden zwischen chm und den Aufständischen nur dann möglich ist, wenn er v o n d e n europäischen Reformen vollkommen a b s e h e n will. Amanullah lehnte ab, weitere Verhandlungen mit den Vertretern des Priestertums zu führen. Moskau dementiert. Moskau, 7. 3an. (WB.) Die Telegraphenagentur der Sowjetunion erklärt: Die von der ausländischen Presse in den letzten Tagen verbreiteten Meldungen über angebliche Bauernaufstände in der Ukraine und in Weißruß- larcd, sowie über Brotunruhen in Leningrad und Moskau sind böswillige Erfindungen. Ruhestörungen sind nirgends in der Sowjetunion vorgekommen. Die Belieferung Moskaus, Leningrads und anderer Städte mit Lebensmitteln wickelt sich ohne jede Störung ab. Aus aller Welt. Bundestag des Reichsbundes dec höheren Beamten. Aus den in Königsberg stattfindenden Verhandlungen des Bundes ist besonders hervorzuheben. eine Entschließung zur Desoldung, die eine Reihe von Härten aufzählt und begründet. Die höhere Beamtenschaft habe noch nicht 80 Prozent ihrer Friedensbesoldung erreicht. Die einheitliche Defoldungsregelung sei von einem Teil der Länder durchbrochen worden. Die höheren Reichsbeamten hätten gegenüber den Landern eine starke Benachteiligung hinsichtlich ihrer Desörderungsstellen erfahren. Mit besonderem Rachdruck wird auf die Schädigung hrngewiesen, die die höheren Beamten des besetzten Gebiets durch den fast restlosen Abbau der Grundzuschläge erlitten hätten. Weitere Wünsche betreffen die Gleichstellung der Anwärter mit den Festangestellten und Besserungen des Wohnungsgeldes, namentlich der Beamten in Reuwohnungen. Ilm die Führung der Heilsarmee. In Vorbereitung des am kommenden Dienstag zus ammentretenben Obersten Rates der Heilsarmee, der darüber zu entscheiden haben wird, ob General Booth tm Hinblick auf sein hohes Aller und seine lange Krankheit noch weiterhin in der Lage ist, den Oberbefehl über die Heilsarmee zu führen, fanden In London während des Wochenendes zahlreiche Konferenzen statt. Sie galten dem Versuch, für die Dienstag- Tagung möglichst eine einheitliche Stellungnahme der verschiedenen Gruppen zu erreichen. Zurzeit wird die Frage der R a ch s o l g e für General Bo.th von den verschiedenen Gruppen auf drei Wegen zu lösen versucht. Eine Gruppe tritt für die Tochter des Generals, Kommissar Katharina Booth als Rachfolger ein, eine zweite Gruppe sieht in dem Stabschef, Kommissar Higgins den gegebenen Nachfolger von Booth und eine dritte Gruppe schließlich ist für die Wahl der Schwester des Generals. Eva Booth, die die Organisation in Amerika leitet Ein seltsames Begräbnis. Ein eigenartige^ und seltenes Schauspiel spielte sich Im Rorden Berlins und auf dem Friedrichs- felder Zentralfriedhof ab. Die Kameraden und Zunftgesellen des bei der jüngsten Berliner Straßenschlacht ums Leben gekommenen heimatlosen Wanderburschen Rörlitz gaben dem Toten das letzte Geleit nach althergebrachter Konvention und Sitte. Sie bereiteten ihm selbst die letzte Ruhestätte durch eine seltsame und nicht alltägliche Feier. Ein endloser Zug folgte dem Sarge, aber keine Angehörigen, keine Schwester, kein Bruder und kein Vater. Alle augenblicklich in Berlin befindlichen Wanderburschen in ihrer eigenartigen Tracht in weihen Hosen, Sch.'apphüten und Zylindern, in Hemdsärmeln und den sonstigen überlieferten Trachten, mit Beilen. Aexten, seltsamen Fahnen der einzelnen Gegend marschierten sie hinter dem Zuge her, die Abordnungen aus den verschiedensten deutschen Städten München, Wiesbaden, Hamburg usw. Jeder von ihnen trug auf den Werkzeugen aufgespießt eine Zitrone, das Symbol des Wanderburschen, die so sauer wie sein Leben ist. Der Sarg selbst wurde von acht hemdsärmllgen Burschen getragen und später durch drei gewalttge Schläge mit einem riesigen Hammer in die Tiefe versenkt. Ein Berg von Zitronen folgte ihm in die Erde. Später legten dann die einzelnen Zünfte und Gruppen Kränze irieder. die als respektabler Hügel das Grab schmücken. Vulkanausbruch In Chile. Berichte aus Chile besagen, daß infolge eines Ausbruches des Vulkans Calbuco im Grenz- distrilt eine Panik ausgebrochen ist. Zahlreiche Verletzte und Obdachlose sind in Puerto Monte eingetroffen. Sie berichten, daß mehrere Personen umgekommen sind. Der Vulkan bot vom Llanquibuesee aus einen phantastischen Anblick. Die Umgebung war he l l erleuchtet. Ein unterirdisches Getöse erhöhte den Schrecken der Bevölkerung. Aus dem Pes hado-Fluh tr.eb eine Unmenge von Baumstämmen, und es st egen von ihm mächtige Rauchwollen auf, die durch heiße Asche und brennende Bäume verursacht wurden. Die Verbindungen sind unterbrochen. Der Vulkan Puyehu Ist ebenfalls tätig. Brand in einem Lierlager. 3n einem Seitenflügel eines Grundstückes in Reukölln brach Feuer aus. Der Lagerraum des Händlers Emst Steinhoff, in dem 80 Kisten mit zusammen 80 000 Eiern untergebracht waren, ist dem Brande zum Opfer gefallen. Der Besitzer des Eierlagers und der bei ihm ange» S°rtuW sß Hy ^%yrTnitt bo^ i btn »n w s 1Ä habe «V » sy * M ble 2eil- lingstag^'. 5or ft“ ®’ haben? ss°ls > 3uM chnM'le, roch # Doll wir in W * die auf unfern zu nii hi tu de Aich! damit neuen Solen» Tag. unser Wunsch Trauer bei ’ Hut eins Mes andere lassen. Mm Me SN« können uns a mar ein gatt bar dafür sein, Vesundheit um tun.-- Ein Wort a dem Kalend Da hängt der Tag sein €t>rw Sen Dnus, sm der kleine »Te lasche, den jekx bei sich führt u wenn es sich i ML Da ersch, Drmerlung: .2 frei bin!" . ober dem rilche Abrei Ärn, für Mil! Die $ derkalend graphische Haber den 6: kannte, Ludwi, Herdei und dii 3m Büchers- Goethe-, Sieutei 'Flamen, wer zä W Beamte, hat seinen btfoi TGsMchter bahner, Lehr« Kein Buch kein Buch wir wenn der „Hei einen Aolendei aus dem Echra wissen, ob das man es auf! notiert sich dir rosigen kleinen So wird d- freund. Du ^er Kalender c wann Bollmond M fällt, mann '«Kn ist dir ein Und du selbst M von Xante ift doch dir Deshalb niinr tzichonj. mu6t Knn bist du I Ntbuntt emzei daran bei Unserm 5 auch AU UN •“•raumen uni Reichs,, e m I ®womtnros O nrno. O naTO Dwtxl fr -rofwi» fr oeoem »Rearw » Schott atrauprm. ■ «tDcl K Orwitttr (§)wiwiitillt.«O sd» rJn Vaven. waren ^gehörigen begaben sich am Strande die Besatzung deS Mhast, dch cach der hat. >n Ailmunternehmen. ähnlichen Detrugsangv- e angebliche Filmunter, rhaftet worden. Es war trauen eines Do- s zu gewinnen und mit :dens und anderer yer- »olischc Filmstelle rufen. Lis erster sollte it Südtirol, »Verlorene m, für den auch einige iziert wurden. Als diese c sich hinaus, dah nicht iskript für den Film kein Deld zur Ge« ügle, obwohl er bereits wc tatholifchen Filmstelle r deren Verwendung er mg legen tonnte Die ce- ifieure Huben darauf ihre it und 20 000 Schilling, Diener Dank deponiert legen lassen. Da hie , ist Fuchs wieder ms 3t Verlage. utauei«^' Ü» Se fS* ft ew» « S>» »rS- tb*d M n4> tifl&ä Frosts 5?SS^" Ä, «;*• föfl'fheite^' o “’fe 'jss> tfsA W*^*Ä*’ 3-n 7;>fl**’’*- schwinglich. Vier Modelle. Mk.3.50—8.50. Bis zu lUOAufnahm. 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Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Häuser II. Familie Heinrich Menges Familie Karl Becker. Aliendorf a. d. Lahn, den 7. Januar 1929. Die Beerdigung findet Mittwoch, 9. Januar, nachm. 2 Uhr statt 1868 -1918 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskollegen Heinrich Schmidt Eisenbahn-Obersekretär in Kenntnis zu setzen. Beerdigung: Mittwochnachmittag */»4 Uhr auf dem Neuen, Friedhof. MeMe Mittwoch früh und Donnerstag eintreffend. Feinste große Schellfische o. K. das Mund 75 J) im Ausschnitt Pfund 80 <- ff. blütenbeller Kabeljau o. K. das Pfund 40 4 fm Ausschnitt Pfund 45 4 Bratschellfi che u.grüneHeriuge 3 Pfund 1.— -A Seelachs 0. K., tm Ausschnitt Pfund 40 4 Norweger Schellfisch 0. K. 2^/,-4-p,findig, Pfund 35 4 ff. große Bücklinge- Pfund 40 4 die Kiste mit netto 5 Pfund 1.90 Je SeibstetngemachteS Sauerkraut.....Pfund 25 WMMMlt Babubosttr. 27, Sernivr. 1631 ______________ _____________55A Ohrenschützer Kopfschützer Pulswärmer Leibbinden Kniewärmer Gamaschen Handschuhe preiswert und gut J. Schulze Kreuzplatz. Todes-Anzeige. Am Sonntagabend 8 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Heinrich Schmidt Eisenbahnobersekretär im Alter von 60 Jahren. e Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Barbara Schmidt geb. Lauer. rm Buchenscheiter rm Eichenscheiter rm Buchenknüppel rm Eichenknüppel Wellen Buchenreisig Wellen Eichen- und Aspereisig rm Buchenstöcke Vogelsberger Bullen und Eber. Angebote können bis zum Montag, dem 14. d. M., nachmittag» 2 Uhr, eingereicht werden. Bedingungen werden im Termin bekanntdegeben. Hess. Bürgermeisterei Kesselbach: Weber. Mittwoch, 9.Ianuar,nachm. ab 1 Uhr, versteigere ich Deuenweg 28 (tm Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung. 1. Bestimmt: Fortsetzung der Tüchtige Derlreier-Iirma die in der Industrie und bei Behörden bestens etngesührt ist, gesucht zum Vertrieb von SlelMMM-MlllM wie Heizöle, Trciböle, Pech und Straßentcer. Schriftliche Angebote unter 194D an den Gießener Anzeiger erbeten. M SWAIM der an slotieS Arbeiten gewöhnt und in Buch'llhrung bewandert ist, in Dauerstellung gesucht. Schrtttl. Angebote mit Heugmsabschr. u. Gr- haltSanspr. u. 18SD an d. Gteh. Anz. Gozials VMrA der »ufgebtr v. Stillen- angebotrn ist ti, öle tliv gMcngenJSnptrbungf- untertogtn (Zrugnlffe. 3tuflnigl.t schnellsten« lurfiiftuf. Dlt Stellung» suchenden sind dankbar dafür, wenn man Ihre Bemühungen zur Er« longung eln. g«tgnelen NMgkrU aus diese Welse untesttützt und sind auf diele selbstverständliche Pflicht auch angewiesen. Gietzenev Aazetsev Rheipländer. Donnerstag, 10. 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Solange aber diese sich nicht ändert — und es liegt bis heute keine Tatsache vor, die für eine Aenderung spricht — haben wir nicht nur das Recht, sondern auch die vaterländische Pflicht, auf die Heuchelei unserer Feinde und auf die Unterdrückung unserer wichtigsten Belange hinzuweisen und den Schluß zu ziehen, daß man auf Seiten unserer Gegner nicht eine Verständigung mit uns, sondern unsere weitere Unterdrückung will, und wir haben demnach allen Grund, zu sagen, daß Frankreich „Deutschlands Feind ist in jeder Hinsicht und mit allen Mitteln". Wenn es das nicht ist, so kann ja Frankreich den Beweis dafür liefern dadurch, daß es mit seiner Bedrückungspolitik aufhört und die Grundsätze durchführt, unter deren Vorspiegelung man uns seinerzeit den sogenannten Frieden aufgezwungen hat. Sobald dies geschehen ist, mögen Herr Professor Messer und seine Freunde wieder das Wort ergreifen und von der Notwendigkeit der Völker- versöhnung sprechen — früher aber nicht." Dr. rer. pol. h. c. Paul Meesmann, Gießen. Frantrerchs Femd in jeder Mitteln", nicht wahr, dann , , . liche Unwahrheit ausgesprochen? Aber was er sagte, das ist doch wohl, da man unter Frankreich nicht 100 oder 1000 etwaige pazifistische Franzosen, sondern das als weltpolitischen Faktor in Erscheinung tretende Frankreich verstehen muß, eine geschichtliche Wahrheit. Und eine geschichtliche Wahrheit aussprechen kann doch an sich kein tendenziöser Akt sein, wenn nicht die Tendenz aus anderen Umständen hervorgeht. Das ist aber hier m. E. durchaus nicht der Fall, geschweige, daß darin eine Reizung zum Haß läge. Die Tendenz Schians ist doch bei seiner politischen, nicht pädagogischen Betrachtung, ganz aus- gesprochen die, im Verhältnis zu Frankreich unsere Politiker vor dem seit 1918 uns so oft zum furcht- baren Schaden gewordenen grenzenlosen Optimismus zu warnen. Sollen wir die deutschen Zeichen der Bedrückung und Versklavung unseres Volkes — im Zeichen des Selbstbestimmungsrechts der Völker! — als Zeichen der Hiebe und Treue ansehen und ausgeben? Das würde die Feinde nur ermuntern, auf ihrem Wege fortzufahren, uns zu überlisten, denn ihre ganze Politik seit 1919 hat das Ziel, mit List unsere Zustimmung zu unserer Versklavung und Ausbeutung zu gewinnen, damit das Welturteil, das schon in der Kriegsschuldlüge sich zu unseren Gunsten neigte, durch die deutlich in Erscheinung tretende Ausbeutung unseres Volkes sich nicht völlig gegen Sölkerverföhnung. Zu den unter dieser Spitzmarle in Nr. 3 des „O. 21." vom 4. Januar veröffentlichten Ausführungen von Professor Dr. Messer sind uns folgende Zuschriften zugegangen. „Der Aufsatz des Herrn Professor Dr. Messer in Nr. 1 des „Gießener Anzeigers" ist zwar als Entgegnung auf einen früheren Aussatz des Herrn Professor Dr. Schian gekennzeichnet, enthält aber so wichtige allgemeine Ausführungen, daß er über die Bedeutung einer Entgegnung weit hinausaeht und deshalb einer Erwiderung noch der grundsätzlichen Seite hin verdient. Herr Professor Messer stellt dem Satz von Professor Schian: „Frankreich ist Deutschlands Feind in jeder Hinsicht und mit allen Mitteln" die Forderung der christlichen Lehre „liebet eure Feinde" und die sittliche Forderung der Erziehung der Jugend im Geiste der Dölkerversöhnung gegenüber. Nun, was das erstere betrifft, so kann man zunächst an das Wort von Jesus erinnern: „Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert". Außerdem verbietet die christliche Lehre meines Wissens nicht, sich gegen seine Feinde zu wehren und alle erlaubten Mittel zu seiner eigenen Selbstbehauptung anzuwenden. Hat doch die Kirche selbst zahlreiche Kriege zu ihrer Selbstbehauptung geführt, bzw. führen lassen und diejenigen, die sie für ihre Gegner ansah, aufs schärfste bekämpft. Wenn Herr Professor Messer es nun für seine vaterländische Pflicht hält, im Sinne der Völkerversöhnung auf die Jugend zu wirken, so kann ihm doch nicht entgehen, daß eine Versöhnung auf der Grundlage der Gleichberechtigung und geaen-- feitigen Achtung aufgebaut sein muß, daß besonders im politischen Leben, in dem doch die Völkerversöhnung sich abspielcn soll, die Geichhett auf allen Seiten anerkannt werden muß. Daß diese Voraussetzung heute für unser Volk und Vaterland erfüllt sei, wird Herr Professor Messer wohl auch nicht zu behaupten wagen. Er formte nur einwenden, daß wir den Krieg verloren haben und die Foloen tragen müßten. Damit könnte man sich in der Tat auch als Realpolitiker abfinden, wenn uns ein Frieden beschert worden wäre, der einer unserer Leistungsfähigkeit und der Entschädigung unserer Feinde angemessene Geldsumme festsetzte und im übrigen denjenigen Grundsätzen entspräche, die uns seiner Zeit feierlich von den Feinden verkündet wurden. Statt dessen haben sich diese Grundsätze bekanntlich als Lug und Trug erwiesen, es ist uns ein Vertrag aufgezwungen worden, der uns nicht nur um wichtige Teile unseres Volkstums brachte, schwere Einbuße an Land- und Bodenschätzen und den Verlust unserer Kolonien und noch nicht ab- Mtzbare Opfer an Geld aufzwang, sondern der uns auch moralisch in einer Weise belastete, wie dies einem ShUturoolf gegenüber noch niemals geschehen ist. Alle diese Lasten und Bedrückungen, die nun schon zehn Jahre auf ims liegen, sind inzwischen in feiner Weise erleichtert worden, alle Maßnahmen unserer Gegner sind vielmehr bis zum heutigen Tag darauf ausgegangen, uns immer fester an den Versailler Vertrag zu schmieden und uns in alle Zukunft zu einem wehrlosen Volk zu machen, uns also das primitivste Recht jeder Nation, das der Wahrhaftigkeit und Selbstverteidigung, zu nehmen. Auch der Jugend gegenüber ist im feindlichen Ausland, insbesondere in Frankreich, von dem Geist der Versöhnung nichts zu spuren- ich empfehle Herrn Professor Messer nur die Durch- sicht der amtlichen sranzösischen Schul- und Lese- bücher. . Was bedeutet es demgegenüber, wenn m Frankreich hundert Leute, die gar keinen Einfluß auf die Regierung ihres Landes haben, eine Erklärung vom Stapel lassen, die von der Notwendigkeit einer Revision des Versailler Friedensvertrages spricht? Darin besteht ja gerade unsere falsche Einstellung, daß wir trotz aller harten Tatsachen der Geschichte und trotz aller neuen sich in jeder Etappe unserer Entwicklung wiederholenden Enttäuschungen mehr auf die Lockworte einzelner Ideologen geben, als auf die wirkliche Politik der Staatsmänner und sie wende. Ich fürchte, solche Auslastungen von so angesehener Stelle machen den 100 Intellektuellen Frankreichs ihre Arbeit, in ihrem Volke die Erkenntnis des uns angetanen Unrechts zu verbreiten, nur schwer. Ich halte es für eine vaterländische Pflicht, den Fran- zosen zu zeigen — ich will mich einmal auf den pazifistischen Standpunkt stellen —, durch euer Verhalten macht ihr es uns deutschen Pazifisten schwer, in unserem Volke den Glauben an eure friedliche Gesinnung zu wecken und den Tag des allgemeinen Weltfriedens heraufzuführen, ehe ein neuer Weltbrand entsteht, der Europa in Trümmer legt. Das wird die Intellektuellen Frankreichs stärken. Das gegenteilige Verhallen stärkt die Militaristen Frankreichs, denn sie können den Pazifisten sagen: „Seht, die Deutschen sind ja mit unserem Vorgehen ganz zufrieden, und ihre Pazifisten halten es mit uns für notwendig, das deutsche Volk in Ketten und Knechtschaft zu legen." Ich denke, sie würden nicht recht daran reden, aber sie würden so reden. Wenn man in Frankreich oder am Rhein den 6. und 7. Absatz in den Messerschen Ausführungen lieft, dann wird man jubeln: „Ja, ja, wir Franzosen haben nie ein Wässerchen getrübt!" Man sollte den Franzosen sagen, daß feit 1914 in Deutschland kein Haß gegen Frankreich vorhanden war, ja, daß man vielfach ein Bedauern über Frankreich fand, das man wie 1870 in kürzester Zeit besiegt glaubte. Man sollte ihm sagen, daß das deutsche Volk überhaupt nicht zum Haß veranlagt ist, und daß es ein Leichtes ist, mit Deutschland in ein friedliches Verhältnis zu kommen, daß dazu aber andere Mittel gebraucht werden müssen, als Frankreich sie bisher angewendet hat. Frankreich hat in pädagogischer Hinsicht noch viel zu tun, bis es auf den friedlichen Standpunkt Deutschlands kommt, das sogar in seiner Verfassung den Pazifismus „verankert" hat. Schian hat gewiß mit dem Satz von dem „Teil des deutschen Volkes, der grundsätzlich den Fran , sin und Engländern alles Gute zutraut" die Pazifisten schwer gereizt, aber das darf uns nicht veranlassen, in diesen ernsten Fragen so gefährliche Ausführungen zu machen, die die Gegner in ihrem bösen Verhallen gegen uns zu bestärken geeignet sind." Pfarrer Friedrich Schick, Oueckdom. Zweihundert Girls proben. Don pauf 3- Bloch. Wohin soll man treten? Rechts türmen sich Berge von Holzlatten und Leinwandfehen, links erheben sich Hügel aus Teppichen, Gebirge aus Stuhlbeinen. Wohin soll man hören? Süß wimmert oben eine Geige, rücksichtslos quäkt ein Saxophon Da- zwischen, gleichmäßig tönt das Surren von Motoren; von fern durchbricht, mannigfach gedampft und berftärft wie ansteigende und verebbende Woge, Stimmengewirr, in allen Sprachen der Welt fast. Wohin soll man schauen? Grell weißes Licht wirft einen Schlagschein in die Ecken des großen gespenstisch leeren Raumes, zartes Blau und tiefes Rot wechseln sich ab. Man ist geblendet, geblendet auch vom Spiel der Farben, das sich vor und neben einem bietet: in Dadetrikvts aller Größen und Muster, aller Farben und Formen, in bunten Kleidchen, Strickjacken und Mänteln stehen, liegen, f bringen, tanzen zweihundert Girls, schlankbeii ig und hoch gewachsen, Blonde und Schwarze, alle lächelnd, alle vergnügt, fast alle mit glänzenden Augen. Hier wird geprobt. Hier beginnt sich aus einem Wust von Gedanken und Einfällen, einem Gewirr von musikalischen, szenischen und choreographischen Sbcen etwas zu gestalten, die neue Revue wird hier geboren. Die Geburt ist nicht leicht. Es sind zu viele, die mithelfen müffen, es sind zu viele, die Pläne haben. Angespannt sitzt der Autor im Dunkel einer Loge, in den Gängen wird Handstand gemacht, ein Spagat geübt, eine Pirouette zum fünfzehnten Male geprobt. Drüben schmeißen sechzehn Tille r g i r l s die Deine wie e i n Mann, vergeblich versucht der Komiker einem Kollegen den Witz der Situation klarzumachen, das Tänzerpaar kugelt und springt sich von hinten nach vom, das Orchester wiederholt die Takte des Schlagers, der Star tänzelt unb trällert die Melodie des Couplets. Auf der Bühne indessen spielen ein paar den Sketch, sie Proben so sachlich und ruhig, so selbstverständlich und unberührt von allem Lärm im großen Raum, sie bringen die Pointen und geben die Einsätze, es ist. als spielten sie vor großem Publikum. Unb Publikum ist da, dankbares, sachverständiges: die Kollegen und Girls, dr« Statisten und Garderobieren, die Bühnenarbeiter und Näherinnen, am sachverständigsten und kritischsten, Im Mittelpunkt des Ganzen, der Direktor, genannt der Admiral, im Kreise seines Stabes. Heber den ersten Reihen in der Mitte des Zuschauerraumes ist ein Podium errichtet, ein paar Stufen führen hinauf, Lampe, Schreibzeug, ein Glas Wasser auf dem Tisch, ein Mikrophon und eine Pistole. Manchmal kracht plötzlich ein Schreckschuß, dröhnt wider mit furchtbarem Echo aus allen Schluchten der Logen und Ecken der Ränge, die Mädels zucken zusammen, das Kauderwelsch der Unterhaltungen verstummt, es ist wieder Ruhe für ein paar Minuten, die Unterhaltung vom Regietisch zur Bühne, Anordnungen und Vorschläge sehen sich durch, bis von neuem der hundertfache Klang von (Stimmen und Tönen, von Rufen und Geräuschen jedes Wort verschlingt. Dann schaltet der Admiral wohl das Mikrophon ein, er spricht leise in das Gewebe des Apparates, Lautsprecher auf der Bühne geben feine Worte knarrend wider, es bedarf keines Schreiens, es bedarf keiner unnützen Kraftvergeudung, das leiseste Schimpfen des Regisseurs vor dem Mikrophon wird auf der Bühne zum furchtbarsten Donnerwetter. Lind soll es werden. Auf einmal geht der Ruf: „AlleGirls auf die Bühne!" und es beginnt ein Trippeln und Laufen, aus den Ecken der Logen räkeln sich Mädchengestcchten empor, der Hund> getreuer und ausdauernder Begleiter, wird am Stuhlbein feftgcl-unbcn, das Ledertäschchen wird zug kappt, der Roman im spannendsten Augenblick verlasien, die Müdigkeit und der Schlaf verdrängt. Die Reihen im Zuschauerraum leeren sich, einen Augenblick pausieren die Streicher und Bläser, für ein paar Sekunden verdunkelt sich die Bühne, die Scheinwerfer blenden ab, das Surren der Lichtwa chine läßt nach, lang am schiebt sich eine neue Kulisse vor, und plötzlich erhellt wieder e.n Steiler Strahl die Vorhänge und Prospekte, in leih und Glied steht die Schar Girls. Roch sind sie nicht ganz eingewöhnt, noch fühlen sie sich ein wenig fremd, ein wenig unsicher auf der hohen Bühne, vor sich den weiten leeren Raum. Sie blinzeln noch im Licht der Lampen und Scheinwerfer, sie gehen noch langsam und ängstlich und tragen behüt am die neuen Kostüme. geblendet vom Widerglanz der Stein« und Perlen, beglückt über das kostbare Kleid. Sie hängen an diesen Kleidern aus Seiden und Spitzen, aus Samt und Pailletten, sie lieben diese Kostüme, die ihnen eine erwünschte, ersehnte, erträumte Well für Stunden fast zur Wirklichkeit werden lassen, sie fühlen sich stärker, teilhaftig des großen liebens, zug hörig der großen Gesellschaft, da die gsitzernden Kleider ihre schönen Körper bedecken und sie zur Geltung kommen lassen. Sie gehen in kunstvollen Figuren und tanzen in immer neuen Variationen. Sie fügen und lösen die Gruppen und Reihen, sie steigen mit Lichtern und Blumen Treppen hinaus und Treppen herab, es ordnen sich hier die glänzenden Blauen, dort sammeln sich die glitzernden Roten um die eine schöne Weihe mit der langen Schleppe, dem hohen mächtigen Kopfputz. Sie wird beneidet ob dieses Glanzes, sie steht im Mittelpunkt des Bildes, lächelnd, glänzenden Auges, die Arme erhoben, den schweren Ausbau der Seiden und Perlen zu halten. So steht sie Minuten und aber Minuten, schreitet nach rechts, schreitet nach links, so steht sie Stunden und aber Stunden, die Arm ebeginnat au schmerzen, der Kops ist nicht mehr ganz so hoch erhoben, aber immer noch liegt dieses Leuchten in ihren Augen, dieses Lächeln um ihren Mund. And wie diese, j© sind sie alle. Tage und Rächte füllen sie aus mit dem Probieren der Kostüme, dem Warten im Theater, den Minuten des Auf- ttitts, den kurzen beglückenden Minuten, denen wieder das endlose Warten folgt. Hier gilt nicht mehr die Zeit von draußen, hier gibt es nur einen Gedanken: Premiere! Dom Mittag bis zum Abend wird geprobt und gewartet, geschimpft und gesungen, vom Abend vis zur Mitternacht wird weiter getanzt und weiter gewartet. Denn auch' Mitternacht ist kein Ende in diesen letzten Tagen, immer von neuem rollt sich Szene auf Szene ab, Sketch auf Sketch, Bild auf Bild. Es wird wiederholt und umgestellt, Pas gestrichen und Pas wieder erfunden, Abgänge verändert und Auftritte verkürzt. Gießener Konzertverein. Klavierkonzert Wilhelm Backhaus. Einen ganzen Abend mit Deethobenschen Sonaten auszufüllen und dabei die Hörer ständig mit sich fortzureißen. ist nur wenigen Berufenen unter den Klavierspielern Vorbehalten: zu d.e.en muß man ohne Zweifel Wilhelm Backhaus zählen. Beethovens Sonaten sind ein Prüfstein für einen Pianisten, an ihnen kann er musikalische und gestalterische Fähigkeiten beweisen: denn Beethovens Sonatenform bedeutet eine nie wieder erreichte Eigenart. — Bei anderer Gelegenheit konnte schon einmal darauf hingewiesen werden, wie das Klavierfchaffen Beethovens aus der Improvisation erwächst. Improvisation an sich aber bedeutet etwas Schweifendes, das in seinem naturhaften Entstehen sich nicht immer der Regel fügt; ihm muh daher das Formungsprinzip mit seiner strengen Logik entgegentreten unb aud der Verschmelzung des lebensvollen Impusies der Improvisation mit dem Zusammenfasseirden, Bindenden, Kraftvollgespannten des Formwillens ersteht Beethovens Sonate. Es würde zu wmt führen, auf die einzelnen Phasen der Entwicklung des Beethovenschen Sonatensttles und die Wandlungen in seiner Form einzugehen: wie sich z. D. durch die improvisierende Einführung des Hauptthemas die Exposition immer mehr dehnt und der Schwerpuntt des Werkes sich immer mehr zum Finalsatz hin verschiebt. Diese eigenartige Bindung von Willen und Impuls in Beethovens (Sonaten ist es besonders, was den meisten Klavierspielern den Weg zur unteren Geistigkeit dieser Werke verschließt. Durch Wilhelm Backhaus wurden die Sonaten zu einem starken Erlebnis. War man in früheren Jahren immer noch geneigt, in Backhaus mehr den Dirtuosen zu sehen, fp hat die hiesige Veranstaltung seine unermeßliche Gestaltungskraft bewiesen. Gewiß sind die technischen Anforderungen, die Beethoven an den Klavierspieler stellt, sehr hoch, aber mit dem größten virtuosen Können sind die Sonaten nicht zu erschöpfen, wenn die gestattenden musikalischen Kräfte versagen. Bei Backhaus erscheinen alle die technischen Schwierigkeiten so selbstverständ- llch, so organisch-natürlich in den Gesamtrahmen eingefügt, daß man ihrer gar nicht gewahr wird; ja, technische Momente wie d»e Triller in der Waldstein-Sonate erhalten unter seinen Händen bedeutsamen musikalischen Ausdruckswert. Eben, weil Backhaus ein so eminenter technischer Könner ist, ersteht bei ihm alles in schlichter Natürlichkeit, da sich alles seinem starken Gestaltungswillen unterordnet. 3m Lause der Jahre hat er sich zu einer Klarheit der Darstellung durchgerungen, die nur immer wieder bewundert werden kann und muß. Da entwickelte sich jedes Thema organisch, die innersten Gesetze seines Werdens wurden aufgedeckt: gerade diese Hingebung an das Werk ließ dasselbe um so größer erstehen. Da war keine Tempoänderung, die nicht organisch bedingt gewesen wäre, als ein Einhalten, als ein Vorwärtsdrängen: da zeigte sich jeder dynamische Grad als Ausdruck organischer Kräfte, frei von Eigenwilligkeit, frei von unbeherrschtem Impuls des Spielers. Die Kanttlene erschien llanggesättigt, warm: frei von «Sentimentalität, hehr, erhaben dehnte sie sich in weiter Linie, und dennoch wiederum war sie von verllärter Weichheit, Entrücktheit wie in der letzten Sonate. Das war ein Wachsen, ein Vergehen im Klanglichen, das allen unvergeßlich bleiben wird. Unter den Sonaten Beethovens hatte der Kon- zertgeber die markantesten Beispiele ausgewählt. Die Sonate op. 13 (E-Moll) stellt gewissermaßen eine Zusammenfassung der Früywerke des Meisters dar; Beethoven selbst hob ihren besonderen Stilcharakter hervor (Sonate path&ique). Diesem jugendlich dahinstürmenden Werk, das auch in der Hausmusik festen Fuß gefaßt hat, gab Backhaus eine Wendung ins Erhaben-Tragische, mit den Gefühlsballungen des Grave, dem Aufsteigen des ersten Satzes, dessen Tempo er aus dem Werdeprozeß ableitete in allen Episoden und wodurch er sich in einem erfreulichen Gegensatz zu den häufigen Tempoüberfetzungen, denen man oft bei diesem Satze begegnet, stellte; in voller, wuchtiger Breite ließ er das Allegro ausklingen. Weit spannte er den Bogen der Kanttlene im Adagio, und dem Rondo gewann er immer wieder neue Seiten ab. Die beiden folgenden Sonaten op. 53 (C-Dur), op. 57 (si-Moll) gehören, den Skizzen nach zu urteilen, ungefähr der gleichen Schaffensperiode des Meisters an und offenbaren so Atpei verschiedene Seiten seines Wesens. Die Waldstein-Sonate (op 53) kündet tatenfrohes Lebensgefühl, in düsteren Gegensatz dazu stellt sich die Aopassionata (op. 57). Wie Backhaus die so unterschiedttche Weltanschauung beider Werke erschloß, fordert allergrößte Bewunderung ab. Wie einfach, natürlich und selbstverständlich ließ er das Thema des Finalsatzes der C-Dur-Sonate herauswachsen; wie perlten die Trillerketten im thematischen Aufbau; wie wußte er dem adagio molto den Charakter als „Jntroduzione" zum Rondo zu geben! Die f-Moll- Sonate konnten wir in Gießen im vergangenen Herbst schon einmal hören; Backhaus gab diesem Werk vollste Erfüllung, indem er seinen Gefühlsaufschwung in allen seinen Phasen erschloß. Und bann die letzte Sonate Beethovens op. 111 (C-Moll), mit dem starken Kontrast seiner beiden Sätze; im Allegro con brio Kampf, im Adagio lichte Derklärtheit. Besonders der letzte Satz mit seinem Auflösen und Entschwinden des Klanglichen in der Reihe der Variationen, seinem Loslösen von der Substanz, dem Flimmern der Trillerketten, seiner Versunkenheit und Entrückcheit von allem Irdischen; das waren Augenblicke, für die alle Hörer dem Konzertgeber immer dankoar fein werden. Das volle Haus war gebannt von den Eindrücken; immer wieder muhte sich der ffünftler zeigen. Dr. H. Goethe-Bund. Vortragsabend von Carl Zuckmayer. Dies ist etwas Schönes und nimmt sofort für ihn ein: wie der junge Zuckmayer, ein berühmter Mann, soeben frisch von der erfolgreichen Berliner Premiere der „Katharina Knie" zurück, ganz ohne Geste, bescheiden und beinahe befangen vor dem zahlreichen Publikum steht, das den Saal ganz füllt. Nichts von der fatalen Pose des großen Mannes; die fast sprichwörtlich gewordene Derbheit seines bäuerlichen Wesens ist kaum in ein paar schweren, naturnahen Versen und etlichen Dialektworten zu spüren. Aber gesund klingt jedes Wort, das er sagt, kernig, blühend, erlebt — fern von aller Literatur; man hat das Gefühl einer unbedingten Wahrhaftig- kett, eines großen und persönlichen Bekenntnisses. Und dieses Gefühl verstärkt sich noch im Anbören einer sehr jugendlichen, wachen, hellen und kräftigen Stimme, die am herzlichsten klingt, wenn sie ein paar Brocken aus der rheinhessischen Mundart vorbringen kann, mitten im gebändigten Strom der breit hinströmenden hochdeutschen Schriftsprache. Der erste Teil des Abends brachte Prosa. Zuckmayer las die „Geschichte eines Bauern aus dem Taunus", das umfänglichste und zugleich beste Stück in dem vor kurzem erschienenen Noorllenband. Eine ausgezeichnete Arbeit, viel stärker und dichterisch gewichtiger, als was zuvor von Zuckmayer ein wenig geräuschvoll bekannt geworden ist. Hier ist jedes Wort und jeder Satz innerlich erlebt, alles ist ganz klar, natürlich, ohne große Worte und Gebärden, alles sehr schlicht und unkompliziert. Man muß diese Prosaerzählung (die zum Besten gehört, was die moderne deutsche Novellistik her- vorgebracht hat) lehr aufmerksam gehört oder, noch besser, gelesen haben, um zu empfindon, wie ein im Grunde unendlich einfaches Motiv, eine fast alltägliche Handlung mit seelischem Antrieb, mit Herz- pulsen und hämmernoen Blutströmen prall gefüllt ist; die Geschichte eines Taunusbauern, der Weib und Kind verließ, um ein winziges, lebendiges Menschlein aus dem großen Kriege zu retten ins heimatliche Dorf. — Es gibt kaum ein Stück, das besser geeignet gewesen wäre, Zuckmayer auch als Erzähler — wie ihn die wenigsten kennen — einem erwartungsvollen Publikum vorzustellen. Der zweite Teil des Abends war der Vorlesung von Gedichten gewidmet, — aus dem „Baum , einer kleinen lyrischen «Sammlung, die wir vor einiger Zeit hier ausführlich besprochen haben, und aus dem Manuskript. Zuckmayer ist als Lyriker beim großen Publikum fast ebenso unbekannt wie als Erzähler; die Gedichte, die er las, gaben fast alle ein sehr gutes, abrundendes und charaktervolles Bild seines dichterischen Wesens. Merkwürdiges Erlebnis: wie einer zu den ältesten und gebräuchlichsten Gefühlen, Begriffen und Vorstellungen der lyrischen Dichter zurllckkehtt, wie eine): „die Natur besingt" — und dennoch etwas Neues, etwas seit langem nicht mehr Gehörtes vorzubringen hat, nur weil ihm dies mit tiefer Notwendigkeit, mit aller Inbrunst seines Empfindens aus dem Blut kommt, was allzuoielen vorher ab* gegriffene Münze, - blaffes, unechtes Gefühl, literarische Mode war. Das ist es, was Versen wie im „Baum", in den „Pferden", den „Wölfen" und dem Oktober" etnx^ ihr dichterisches Volumen verleiht. In diesen schwingenden und in allen Büchern Zuckmayers roieber- kehrenden Grundakkord mischen sich gut auch die ganz menschlichen Stimmen, innig und lebensfroh wie im „Wiegenlied" und im „Weihnachtslied < schalkhaft und sinnenfreudig wie in der „Wein-, blume" und dem „Essen". — Der Abend wird vielen eine willkommene Vorbereitung zu der Aufführuna gewesen sein, die in Kürze ein neues Schauspiel Zuckmayers auf unser«! Bühne bringen soll. —I— Müde schleicht der Kelln« mit Limonadengläsern und Kaffeetassen durch die Reihen, das Hämmern der Zimmerleute wird schwächer, das Schimpfen des Admirals wird leiser. Und jetzt noch das Finale. Und alle sammeln sich noch einmal auf der Bühne, Müdigkeit und Gliederschmerzen sind vergessen, die Musik seht ein, der Marsch beginnt, um die Bühne herum, das Orchester umschreitend, in den Zuschauerraum hinein, die gespenstische Leere mit Leben erfüllend: Finale, Finale! Dann werden die Kostüme abgetan, die kleinen Kleidchen trüber und unansehnlicher noch im matten Licht des frühen Morgens, mit dem Glanz der Kostüme vertauscht. Abschiedsworte fliegen durch den Raum, hier ein leises Lachen, dort das heisere Dellen eines Hundes. daS Haus leert sich, zweihundert Girls dürfen in Ta is nach Hause fahren. Es ist die siebente Stunde des Morgens, sie haben einen Tag und einen 2lbend und eine Rächt und wieder einen Morgen geprobt. Sie dürsen müde sein. Sie geben den Chauffeuren einen Schein mit dem Fahrpreis und ihrem Ramen, sie steigen draußen in den Quartieren des Rordens und Ostens die Treppen ihrer Wohnungen hinauf, die Haustore sind schon geöffnet, es ist ja schon lange Tag. Unb später fährt Auto um Auto vor dem Tor des Revuetheaters an, zweihundert Chauf'eure geben die kleinen Weißen Zelte! ab, kassieren das Geld, Unb zweihundert müde Girls schlafen. Tumen, Sport und Spiel. Westdeutscher Rudertag. Auf der in Trier am Samstag und Sonntag stattgchabten Bundestagung der westdeutschen Regattaverbände, die unter dem Doritz von A. Sasse (Grevenbroich) tagte, hielt Oberbürgermeister S a l z m a n n (Zelttngen) einen Bortrag über das Wanderrudern und Bonkdircktor Leinen aus Trier über die Krise im deutschen Sport. Als erfolgreich st e Vereine des Jahres wurden mit der Dundesplakette ausgezeichnet: der Kölner Club für Wassersport, der R. C. Mainz-Castel und von der B Klasse der R. D. Gelsenkirchen. Für das Jahr 192Z erhielten Plaketten die Kölner Rudergesellschaft und der Wittener R. C. Die Regattatermine für 1929 wurden wie folgt festgelegt: 2. Juni: Regatta in Mülheim o. d. Ruhr, 9. Juni: Regatta des Mosel- und Saar Regattaverbandes in Trier, 16. Juni: Regatta in Bad Ems und Hengstey bei Dortmund, 23. Juni: Regatta in Koblenz, 30. Juni: Hügelregatta in Essen. 7. Juli: Regatta in Godesberg. 14. Juli: Regatten in Ruhrort. Mittelr^inregatta in Dingen und Regatta in Gießen. 27. Juli: Regatta in Mainz. 28. Juli: Regatta in Limburg a. d. L. Ferner ist für das Jahr 1929 eine gemeinsame Wanderfahrt „Mosel abwärts bis Düsseldorf" vorgesehen, die in Traben an der Saar ihren Anfang nehmen soll. Ter we st deutsche Schüler-Ruder- v - v a n d wurde als Dundesmitglied ausgenommen. Bundesvorsitzender wurd" w:eder A. Sa sie: erster Stellvertreter Dankdire'tor Leinen (Trier!, zweiter Stellvertre.er H. Thurn (Mainz). Als Ort der nächsten Dundestagung wurde Mainz bestimmt. Den toten Kameraden widmete der Bundestag vor Einrritt in die Tagesordnung ein stilles Gedenken. Harrdball im Turnverein 1846 Gießen. Turnges. Offenbach l — TV. 1846 1 3:2 (3:1). Eine reine Freude bereitete den Zuschauern dieses Spiel. 1846 hatte mit der Verpflichtung Offenbachs glücklich gewählt, und zeigte so ein Spiel, das in jeder Beziehung ein rechtes Werbespiel genannt werden kann. Man lernte in Offenbach ein« Mannschaft kennen, die eine gute Ball- bebandlung. verbunden mit Schnelligkeit und exakten! Zuspiel aufwies. 1846 konnte von seinem Gegner viel lernen. Die Gießener ersetzten die fehlende Technik durch lobenswerten Eifer und vermochten ein durchaus ebenbürtiges Spiel zu liefern. Die erste Halbzeit waren die Offenbacher leicht überlegen. Vorbildliches Stürmerspiel brachte den Gästen drei Erfolge, denen Gießen nur ein Tor entgegensetzen konnte. Rach der Pause sah man ein vollkommen ausgeglichenes Spiel. Die Hintermannschaft der 1846er arbeitete vorzüglich und ließ die Offenbacher zu keinem Erfolg mehr kommen. Auch im Sturm klappte es.jetzt besser. Durch schönen Wurf stellte der Halblinke das Resultat auf 3: 2. Dabei blieb es Richt zuletzt ist der gute Verlauf des Spieles dem Schiedsrichter zu verdanken, der einwandfrei und sicher leitete. Handball. To. Großen-Buseck — Io. 1846 Gießen 2:0 (1:0). Mit diesem Spiel am Neujahrstage hatte der Tv. Großen-Buseck sein viertes Spiel gegen den Tv. 1846 Gießen ausgetragen und gewonnen. In Großen- Buseck stellten sich dem Schiedsrichter zwei ersatzgeschwächte Mannschaften, die ein sehr abwechslungsreiches Spiel vorführten, das von der Gießener Hintermannschaft mit unnötiger Härte durchgeführt wurde. Auf sehr schlüpfrigem Boden sah man Gießen in den ersten 20 Minuten stark im Vorteil, ohne daß die sicher arbeitende einheimische Hintermannschaft zu schlagen war. In dieser Zeit kam der Busecker Sturm nur in einzelnen Vorstößen vor das gegnerische Tor, wobei stets äußerst kritische Situationen entstanden. Erst gegen Ende der ersten Halb- zeit hatte Buseck mehr vom Spiel und konnte in der 29. Minute durch einen von 20 Meter aus geschossenen, wunderbar placierten Strafstoß von Schneider in Führung gehen. In der zweiten Halbzeit dominierten die Einheimischen völlig, konnten sich jedoch erst in der 24. Minute durch Rückhandwurf des Halblinken endgültig den Sieg sichern. Tv. Großen-Buseck — Tv. Bad-Rauheim 5:2 (2:0). Ein schnelles, sehr faires Spiel am vorigen Sonntag, das Schiedsrichter Reichert (Wetzlar) jederzeit in der Hand hatte. Die fünf Tore verteilen sich auf vier Stürmer, ein Beweis für die gleichmäßige Durchbildung des Busecker Sturms, der seine Hauptmasse ist. Mit diesem Spiel rückt der Tv. Großen- Buseck auf den dritten Tabellenplatz vor, den seither der Tv. 1846 Gießen inne hatte. Gelingt es Großen- Buseck, am nächsten Sonntag in Marburg zu gewinnen, dann dürfte ihm die Meisterschaft im Gau Heften sicher sein, da dann nur noch die Rückspiele gegen Nauheim und Marburg in Großen-Buseck ausstehen. Handball im Lahn Oünsberg Gau. Garbcnkeich I — Kesselbach I 6:4 (4:4). Am Sonntag trafen sich diese Mannschaften zum Derbandsspiel in Kesselbach. Nach Anwurf von Kesselbach entwickelte sich ein sehr scharfes Spiel, wozu auch der glatte Boden viel beitrug. Die Mannschaften spielten gleichwertig, und abwechselnd fielen auf beiden Seiten bis zur Halbzeit vier Tore. Nach der Halbzeit ließ Kesselbach nach, und Garbenteich konnte noch zweimal einsenden. V. f. B. v. f. V. Liga — Dillenburg Liga 3:1. Die Ligamannschaft setzt« am Sonntag ihren Siegeszug fort und entschied auch das erste Treffen der Aach runde zu ihren Gunsten. Das Resullat erscheint in Anbetracht der ungleichen Spielstärke der beiden Gegner recht knapp, erklärt sich aber einerseits aus der, wenn auch primitiven, so doch erfolgreichen Abwehrmethode der Dillenburger und anderseits aus der mangeln» den Durchschlagskraft des gesamten B. f. D.- Sturms. Immerhin muß zugegeben werden, daß es nicht reicht war, durch die oft acht und mehr Mann zählende Verteidigung 'der Gäste hin« durchzukommen. Auch die Versuche, durch Weitschüsse zum Erfolg zu kommen, mußten fehlschlagen, da der Ball jedesmal vom Körper eines der vielen Verteidiger abprallte. Daß das Schluß- ergebnis dem Spielverlauf nicht im entferntesten entsprach und V. f. B. seinem Gegner während des ganzen Spieles weit überlegen war, beweist das Eckenverhältnis von 16:0. Der Spielverlauf war folgender: Gleich von Anfang an entwickelt sich ein äußerst flottes Spiel. Die Dillen- burger finden sich überraschend schnell mit dem für sie ungewohnt großen Platz ab und zeigen sich der B f. B.-Clf vorerst ebenbürtig. Rach kurzer Zeit jedoch schon wird diese dank ihres weitaus besseren Zuspiels langsam überlegen. Die Gäste versuchen den Mangel an Können durch Eifer zu ersetzen und das Spiel offenzuhalten. vermögen jedoch nicht zu verhindern, daß V. f. D. sich allmählich in ihrer Hälfte festseht und nach etwa 25 Minuten Spieldauer zum Führungstor einLach« Vatarro r Vornan txon J. Schneider-Foer-st!. Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa. 39 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Die Augen dec Kommerzienrätin h ngen mit einem mütterlich zärtlichen Blicke an ihm. Wie schade, daß sie keine Tochter besaß, die ihr diesen Mann als Schwiegersohn ins Haus bringen konnte. Er war der Inbegriff alles dessen, was man unter einem Edelmanne verstand. Sie liebte ihn von der ersten Minute des Sehens an. Lächelnd blieb ihr Auge auf dem Sohne haften, der keinen Blick von ihm wandte. Mit keinem Worte wurde die letzte De gangen- hcit gestreift. Man sprach nur von der Gegenwart und von der Zukunst, sowie von Hettingens Reisen der früheren Jahre und seinen damaligen Zusammentreffen mit Diebow, als er im Sudan sein Lebensretter wurde. »Sie hatten sich für einen völlig Fremden geopfert, wenn das Vieh Sie verschlungen hätte," sagte der Kommerzienrat mit einem ernsten Blick in Hettingens dunkle Augen. ..Wenn jemand sich in Rot befindet, ist er für mich niemals ein Fremder", war die Erwiderung. „Jedes andere Leben ist mir so heilig als das meine selbst." Jankes griff nach feinem Weinglas und hob es Joachim entgegen. „Auf Ihr ganz spezielles Wohl, Baron!" Hettingens Blick wurde groß und abwesend, als er das seine an den Kelch des Chefs klingen ließ. Er würde schaffen wie ein Tier, um die Gastfreundschaft hier wettzumachen, sonst erdrückte sie ihn. Kurt Diebow sah auf der Brüstung der großen Steinterrasse, die nach dem Parke ging, und lieh die Deine, die in einer gelben, -art gestreiften Flanellhose steckten, über dem Kies des Weges baumeln. Der Diener brachte ihm auf einem Tablett eine Schale eisgekühlten Mokkas, den er gierig hinunterstürzte. „Ist Baron Hettingen schon nach Hause gekommen?" „Rein, gnädiger Herr, es ist erst fünf Uhr. Der Herr Baron kommt nie vor halb sieben." „Er arbeitet wie eine Uhr, nicht wahr, Mama?" wandte er sich an die Kommerzienrätin, die hinter ihm in einem Lehnstuhl ruhte. Sie nickte oerfDunen. „Er ist das Gewissen in Person! Ich bebaute nur eines, keine Tochter zu Haben." „Die seine Frau werden fönntcl“ ergänzte er lachend. „Es stimmt doch, Mütterchen?" Er gab seinen Deinen einen Schwung und sprang auf die gemusterte Matte, welche die Terrasse deckte. Sich auf den Schemel zu ihren Füßen niederlassend, sah er zu ihr auf. „Er muß furchtbar viel Leid getragen haben, die letzten Wochen. Selbst wenn er lacht, geht momentan ein Zucken über sein Gesicht, daß man dabei weinen könnte. Aber er spricht nie darüber, und fragen möchte ich ihn nicht." „Rein, mein Junge. Erst muß man ihn vergessen lassen, ehe man an die Wunden rührt, die ihm das Leben geschlagen hat." „Er soll wochenlang als Tagelöhner an der Südbahn gearbeitet haben, hat mir Vaters Bruder erzählt." „Ja! — Uni) sein bester Freund soll ihm in der bittersten Stunde der Rot die Türe gewiesen haben!" „Mutter!" Er hielt jäh inne, denn Hetttngen kam eben raschen Schrittes den Weg heraus nach der Terrasse zu. Als er Diebow gewahrte, der ihm zwei Stufen entgegensprang, sagte er etwas verlegen: „Ich tonnte Ihren Vater im Werke draußen nicht finden und Mächte Sie bitten, mich statt seiner heute eine Stunde früher vom Dienst zu dispensieren. Ich hole die Zeit morgen mittag nach." sendet. Die lleberlegenheit Gießens hält weiterhin an, ergibt jedoch keine wetteren Erfolge, da Dillenburg bereits seine Verteidigung zahlenmäßig verstärkt hat. Verteidigung und Läufer- reihe der Platzmannschaft versuchen durch weites Aufrücken den Sturm zu unterstützen. Der Gegner kann sich nur hin unö wieder aus der Umklammerung sreimachen, um dann aber in schnellen Durchbrüchen das V. f. B.-Tor in Gefahr zu bringen. Auf diese Weise gelingt es ihm auch kurz vor der Pause, sein Gegentor zu erzielen, nicht ohne Schuld der viel zu weit auf gerückten Verteidigung und des fast auf der Mittellinie stehenden Tormannes Gießens. Halbzeitresultat 1:1. Rach dem Wechsel dasselbe Dttd; die Heber- legenheit Gießens wird noch drückender und Dillenburg immer mehr zurückgedrängt. Oft fast mit der ganzen Mannschaft verteidigend, gelingt es den Gästen, dem Ansturm Gießens längere Zeit standzuhalten. Die letzte Hälfte der zwttten Halbzeit ist es nur noch ein Spiel auf ein Tor. Rur zwei Erfolge vermag V. f. B. noch zu erzielen, ein dritter wird von dem Schiedsrichter nicht an» erkannt. Das Schlußresultat von 3:1 entspricht in keiner Weise dem Stärkeverhältnis beider Mannschaften, hätte aber bei etwas klügerer Tattik der Läuferreihe, insbesondere des Mittelläufers, der die zusammengeballte gegnerische Verteidigung auseinanderziehen muhte, und etwas mehr Schußsicherheit und Durchschlagskraft der Angriffsreihe trotz geschickter Abwehr des Gegners, höher gestaltet werden können. Jedenfalls hat die V. s. B.-Els in diesem Spiel bewiesen, daß sie Gegnern von der Spielstärke Dillenburgs technisch wett überlegen ist und ihre führende Stellung in der Lahnkreisliga nicht zu Unrecht einnimmt. Mit 9 Spielen und 18 Punkten steht sie ungeschlagen an der Spitze der Tabelle. Spielvereinigung 1900 Gießen. ö. Wie Eingewttfte nicht anders erwartet hatten, so ist es auch diesmal wieder gekommen: Die 1900er verloren ihr Verbandsspiel in Frohnhausen an der Dill mit 3 :5 Toren. Verdient wohl im Hinblick auf den Leichtsinn der Verteidiger, die sämtliche fünf Tore verschuldeten, unverdient jedoch dem Spielverlauf nach. Die Gießener warteten mit den besseren technischen Leistungen auf und hatten die weitaus jafjl* reicheren sicheren Torchancen. Solange die Blau- weißen nickt komplett auf den Plan treten, muß man es bezweifeln, ob sie im Verlaufe der wetteren Meisterschaftsspiele noch zu Erfolgen kommen werden. Das Ausbleiben von Mitgliedern dieser Mannschaft ergab in erster Linie die Punktverluste. 1900 trat also wieder mit Ersatz an, dazu ein kranker Spieler, der trotz Bettlägerigkeit s.i:e Mannschaft nicht im Sttch ließ und auch ein sehr gutes Spiel lieferte. Heber die Leistung der bereinigten verliert man bald die Meinung. In zahlreichen Gesellschaftsspielen über beste, erstklassige Gegner (Germania Bieber, Hagen 72. Sport Kassel u. a.) Sieger bleibend, verlieren sie nunmehr mit einer Ausnahme alle auswärtigen Verbands spiele, und zwar gegen Mannschaften, die alljährlich das Tabellenende bilden. Es fehlt anscheinend der allerdings sehr jungen Mannschaft die physische Kraft, dem Gauf- und Schlagspiel der körperlich sehr gut entwickelten ländlichen Kampfmannschasten den entsprechenden Widerstand entgegenzusetzen, zumal die Plätze dieser Vereine mit ihren kleinen Ausmaßen und miserabler Dodenbeschaffenheit ein genaues Paßspiel nicht zulassen. So waren die Verhältnisse auch wieder in Frohnhausen. Ein kleiner, unberechenbarer Platz (der Ball war fast mehr aus, als im Spiel), die Platzmannschaft der Qtanier körperlich stärker und vom ungestümen Draufgängertum beseelt. Der Platzverein gewann die Platzwahl und spielte bergab mit Rückenwind drei Torerfolge heraus. Beide Hüter hielten viele Bälle mit großem Geschick. Dem Gastgeber war das Glück sehr hold. Mit 1 :3 für Frohnhausen ging man in die Pause. Zehn Minuten nach Wieder- anstoß hatte 1900 auf 3:3 aufgeholt und hatte große Siegeschancen, da die Frohnhausen stark absielen. Das Pech 19004 scheint aber traditionell zu sein. Bei einer weiten Vorlage auf den linken Flügel Frohnhausens verschuldeten die Gießener leichtsinnig einen Eckball, bei dessen Wiederholung sie ein Eigentor machten. Roch einmal war den Gießenern Hofsirung auf Ausgleich gegeben, als ein Gastgeber im Strafraum mit der Hand abwehrte. Der Schiedsrichter gab aber nur Strafstoß von der Ib-Meter-Linie, der die Mauer des Plahvereins nicht durchdringen konnte. Die 1900er waren etwas resigniert, was schließlich zwei Minuten vor Schluß, bereits in „Aber, lieber Baron," sagte die KommeAien- ratin gütig, „da ist doch wirklich keine Frage nötig. Sie sind doch wohl?" „Gewiß, gnädige Frau." Er hatte sich zu ihrem Lehnstuhl herabgeneigt und feine Lippen auf ihre Finger gedrückt. „Ich erwarte nur Besuch aus Wien und möchte noch gerne zum Schnellzug zurechtkommen." „Dann hat es aber Eile," mahnte sie. „Sie nehmen den Wagen. — — Kurt, du bist so gut und läßt sofort ankurbeln" auf den Knopf, der jn eine der Steinsäulen eingelaffen war, drückend, befahl sie dem erscheinenden Diener: „Sie sind Herrn Baron Hettingen beim Um* kleiden behilflich! Der Schnellzug dürfte in zehn Minuten eintreffen.“ Diebow sprang Joachim in die Halle nach und hing sich an feinen Arm. „Dars man fragen, wen Sie erwarten?" Ein flüchtiges Rot stteg in dessen Wangen. „Die Kammersängerin Isabella Jeskal" „Die Jeska? Herrgott Mensch, kann man die auch zu Gesicht bekommen?" „Wenn Sie wünschen!" Diebow hiell sich vor Lachen am Treppengeländer fest. „Verehrter Darrnr, ich meine, diese verwöhnte Frau wird nichts danach fragen, ob ein gewisser Kurt Diebow sie kennenzulernen wünscht oder nicht! Aber werm möglich, stellen Sie mich vor! Ja?" „Gerne!" „Ich nehm' Sie beim Wort, Davon!" „Das können Sie ruhig, lieber Diebow!" Es hatte nur noch zwei Minuten bis zur Ankunft des Schnellzuges, als das Auto, das Joachim zum Dahn brachte, vor dem Stationsgebäude hielt. Kaum war er herausgesprungm und nach dem Bahnsteig gelaufen, als die Maschine in die Halle lief und die Wagenreihe fttllestand. Ein süßes, zart gerötetes Fvauengesicht beugte sich aus einem Abteil erster Klasse und spähte nach all den hastenden Menschen, die hin und | her rannten. der Verlängerung, zu einer Karambolage am Gießener Strafraum führte. Brambach sieh den Elfmeter passieren, obwohl er gut haltbar gewesen wäre. Mit dem Wiederanstoß war das sportlich sonst anständig ausgetragene Spiel zu Ende. 1900s dritte Mannschaft gewann kampflos, da Ettlingshausens 2. ausblieb. G. D. Heuchelheim I — $. (5 Ettingshausen 10:1. Zum fälligen Verbandsspiel wellte am Sonntag die erste Mannschaft des Sportvereins Heuchelheim in Ettingshausen. Wit 10:1 Toren mußte der Gegner die Uebcrlcgen* heit der Heuchelheimer anerkennen. Das Vorspiel gewannen die Heuchelheimer auf eigenem Platze 5.0. Schiedsrichter Grünewald, V.f.B. Gießen, leitete gut. $♦ Gp. D. Steinbach. Am Sonntag trug die 1. Els des Spielvereinigung Leihgestern das mit großer Spannung erwartete Verbandsrückspiel gegen den Fußballsportverein Steinbach aus. Kam die Gästeelf in der sicheren Hoffnung, Sieg und Punkte mit nach Hause zu nehmen, so mußte sie sich in ihrer Erwartung getäuscht sehen. Steinbach gab dem Gegner einen durchaus gleichwertigen Gegner ab, zeigte sich aber den Gästen im Feldspiel überlegen, was viel zu dem 3:2-Sieg der Steinbacher Elf beitrug. Für den nicht erschienenen Derbandsschiebsric ter einigten sich beide Mannschaften auf oeit Schirianwärter Buß, Steinberg, der versuchte, dem Spiel ein gerechter Leiter zu sein. Amtsgericht Gießen. Im vorigen Jahre stieß in der Marburger Straße zwischen der Friedhofsallee und dem Wiesecker Weg ein Motorradfahrer mit einem Radfahrer zusammen, so daß dieser zu Falle kam und Verletzungen davontrug. , Durch Weiterrutschen des Motorrads wurden auch noch zwei ganz in der Rähe der Unfall« stelle mit Aufbruchsarbeiten beschäftigte Arbeiter, angefahren und mehr oder minder verletzt. Die Schuld an dem Unfall trug, wie ein Augenschein ergab, der Motorradfahrer. Dieser sah während 1 seiner Fahrt von Lollar nach Gießen, wie ein l Radfahrer in einiger Entfernung von ihm auS einem Hause kam und etwa in der Mitte der Straße aufftieg, um in die Stadt zu fahren. Dieser Tatsache legte der Angeklagte nicht die^ jenige Bedeutung bei, die ihr ein vorsichtiger Motorradfahrer hatte beilegen müssen, zumal neben dem Straß mbahngeleise Aufbruchsarbeiten vorgenommen wurden und die Fahrstraße beengt war, so daß die Sicherheit des Fahrens dadurch, sowie auch noch durch andere Umstände — Abschüssigkeit und Rässe der kurz vorher besprengten Straße — beeinträchtigt wurde. Der Angeklagte bemerkte den Radfahrer, der inzwischen die rechte Seite des Fahrdammes erreicht hatte, nur in einer Entfernung von wenigen Metern vor sich; er wollte noch rechts an chm vorüberfahren, streifte aber das Rad, so daß der Fahrer fiel, und der eingangs er» toäbnte Unfall eintrat. Gr konnte diesen nicht mehr verhindern, denn er vermochte infolge seiner unverminderten Geschwindigkeit weder b uts auszuweichen noch langsam zu fahren oder zu halten. Es gehörte aber zu seinen Pflichten, seine Fahrt so einzurichten, daß er gegebenenfalls hierzu imstande war. Der Angeklagte erhielt wegen fahrlässiger Körperverletzung eine nicht unbeträchtliche Geldstrafe. 2n einem anderen Falle sah ein Polizei- Wachtmeister von der Rordanlage aus einen jun- । gen Menschen auf einem Fahrrad aus dem engen Teil der Damm st raße kommen. Das Befahren der letzteren ist aber für Fahrzeuge aller Art verboten. Der Radfahrer erhielt einen ©trafbefeljl, gegen den er Einspruch einlegte, der aber verworfen wurde. Er war offensichtlich der Ansicht, der Polizeibeamte könne wegen der weiten Entfernung seine Anzeige nicht aufrechterhatten; er irrte aber, auch war der Polizei- । Wachtmeister recht Wohl in der Sage, von seinem > Standort aus die einschlägigen Wahrnehmungen ' zu machen. Richtig mag fein, daß der Rad- ( fahrer erst i n dem engen Tell der Dammstraße aufgestiegen ist. Dies kann ihn aber vor Strafe nicht schützen. Ein vorgeschlagener Augenschein wurde nicht für erforderlich gehalten. „Isa!" Hettingen riß die Kupeetüre auf und hob die, schlanke Gestatt der Schwester über das Tritt- । brett. Sie ließ die flefne Ledertasche fallen, schloß die Hände um sein Gesicht und küßte ihn auf Mund und Wangen. „Bub!" Mit einem unendlich warmen Blick senkte er seine Augen in die ihren. „Kleine, süße Frau ^Ba^ne? wahr? Das hab ich jetzt davon!" Sie lachte mit glockenhellem Tone auf. „Wann man verheiratet ist, muß man alle möglichn Lisin aufwendn, daß man allein fortkommt. , Meinst, das ist grab eine Kleinigkeit awesn, bis ' ich mein Christoph dazu gebracht hab, daß er zu seinem Schwager, dem Erzherzog Günther, auf die Jagd nach Karelsyi gfahrn ist? Gäv net hat er anbeißn wolln! Pattou wollt er mit nach Bellinzona kommen! Aber wann ich dich' hab. kann ich doch ihn net auch noch brauchnl" „Ich genieße also einen gewissen Vorrang in deinem Harzen?" neckte er und konnte sich's nicht versagen, sie rasch noch einmal zu küssen. „Alleweil! Das weißt eh, Joachim! Geh. laß doch das Kofferl stehn! Ich habe die Zofe dabei! Die sorgt schon, daß nix liegn bleibt. Wtr zwei haben mit uns selber genug zum tun." Sie winkte einem jungen, zierlichen Ding, das an einer Abteiltüre zweiter Klasse stand und auf eine Weisung zu warten schien. „Hast eine Auto- taxn bsorgt, Sopherl? Ja? Da kannst dann gleich ins Hotel fahm! Der Herr Baron und tch gehn z' Fuß! In einer Stund möcht ich ein Bad nehmen. Das anbere weißt eh alles. Es,'n tun wir auf dem Zimmer. Zwei Gedeck, unb den Wein schön katt stelln lassn." Das Mädchen verneigte sich unb ging, um nach dem großen Gepäck Umschau zu hatten. „Joachim, gib mir deinen Arm! bat Isabella. „„Unb jetzt fuhrst mich an ein Plätzerl, wo- gar keine Menschen gibt, als dich unb mich allein. Ich hab keine Lust, daß ich mich überall angaffn lass', wo ich hinkomm." (Fortsetzung folgt) Schafe Schweine 36-64 41-63 M. 56-76 50-92 Notiz. FranLiUrter Börse 71-80 23-57 55—77 40-60 Der i n Berlin 7. 1. | 8. t I 139 138 134 a.M. Devifenmartt Berlin— Telegraphische Auszahlung. 284 32,9 26,6 12,6 12,5 12,5 143 132 Banknoten. is Frankfurt o-M 64 62,75 23-53 20-63 22-56 16-58 20-57 14-55 15-52 45-62 49-56 64-80 63-79 64 61 1.75 12,5 12,6 12.25 20,9 53,6 15.3 67-78 50-76 68-82 62-78 4H e . B 10 6 10 10 ie u 12 io 10 10 70-80 60-74 60-75 60-77 65-77 62-78 60-78 59-80 55-81 66-80 12,1 11,4 20.7» 53,6 15,325 Rinder 20-63 23-56 13-54 20-54 50-115 50-77 40-80 43-76 54-82 284 206 1'2.75 588 25 173 165,5 '72,5 144 >28 197.2; 172.25 172 144 5 327 Berlin Bremen Breslau Chemnitz Dortmund Dresden Düsseldorf Elberfeld Elfen Frankfurt Hamburg Hannover tzufum Karlsruhe Kaffel Kiel Köln Leipzig Magdeburg Mannheim München Stettin Stuttgart Zwickau 44-55 40-65 44-56 44-46 100 292 67.5 1.5.25 81.5 Kälvei 46-86 48-90 50-75 58-84 55-75 60-80 55-79 50-88 38-50 20-63 47-55 1-4.6 140.25 20-58 20-59 20-56 18-56 20-54 «7.5 53,5 '5.2 .35 75 176 169.7a ...1.7. .41.2 145 46.2a 197.75 :88 - .72 '72 2- ■ 13,5 143 2. 28.f 138.5 137 133,25 >40 28 IO3.7c 210,5 147.5 96.5 33,13 2.35 26,525 23 1,75 Oie geplante 100* Millionen -Preußenanleihe. Hm Preußischen Landtag begannen gestern nachmittag die Ausschuhberatungen über den Staatshaushaltsplan für 1929. 3n den Vormittagsstunden verhandelte der preußische Finanzminister Dr. Höpk«r-Aschofs mit der Preußischen Staatsbank über die eventuelle Ausgabe einer neuen 100-Millionen -Anleihe Preußens. Die Staatsbank, die Anleiheberaterin des preußischen Staates, erachtet unter Hinweis auf den gegenwärtigen billigen Geldmarkt die Zeit für Anlciheauinahmen als günstig. Mit den neuen 100 Millionen würden Anleihevorschüsse abgedeckt. Dadurch würde das Finanzministerium in die Lage versetzt, nun für neue werbende Zwecke abermals Vorschußleistun» gen gewahren zu können. Die heutigen Verhandlungen hatten noch kein positives Ergebnis. Zwar ist man grundsätzlich bereit, im Interesse der Entlastung des Anleiheetats und im Hinblick auf die günstige Lage des Geldmarktes die Anleihe jetzt unterzubringen, auch well dec Minister dann imstande wäre, neue Vorschußzahlungen für Landkultivierungen, Dtraßenbauten usw. zu leisten: doch wünscht man vor einem definitiven Beschluß noch die Ansicht des Reichsbankpräsidenten zu hören. Dr. Schacht kommt aber erst Ende dieser Woche von seiner Weihnachtsreise nach Berlin zurück, so daß erst anfangs nächster Woche das Schicksal der neuen Preußen-Anleihe endgültig entschieden wird. PHUrvv i'oijmann . . fcdoelbt-TQer 6cmeet . gement RatiftaDt . • W-vb 4 Freito« SchuUhetS Patzenhosa Cfttoerfe Bee. «lanjtofl . . Bernd erg • • AeUftofi «albtet . . ffilg veuycvr gt)en*xü)n fcambutfl-ämertlo flattt Bamb -eüDum TomvKch. fcanfo Dampttchtss Äotbbeutfdier Lloyd Ällg $)eutid)f Urebtianfl . Barmer Bankverein Berliner Hanvelsgeiechch. iommete- unb Privar-Banl Dor mit u Nalionaldanl Deutsche Boni DWonio-afi A-U. ■ Dreiene: Bank Rittelbeuildx ftrebttbenl . ■biellkee! ...... Don den SchlochiviehmLrkien. Wenn trotz der nach den Feiertagen nachlassenden Kauflust — das Flris^rzeschäst zum Feiertag kann nicht besonders lebhaft gewesen sein — das Geschäft nicht gerade schleppend war, so ist das aus die verringerte Aeua ilie erung zurück- zusühren. Die Zufuhren deckten den Bedarf völlig. zumal sich das Frostwett:r nur in geringem Umfange auf die Kauftätigkeit auswirlte. Die Austriebszahlen gestatten infolge der Unterbrechung durch die Feiertage nur schwerlich einen Vergleich mit den vorhergehenden Ziffern, doch waren die Zufuhren fast in allen Klassen erheblich niedriger. Die Rindermärkte nahmen einen mäßig regen Verlauf, etwas Interesse bestand vornehmlich für die sogenannten Wursttiere, leichte Kühe und dergleichen. Die Preise konnten in Einzel» ölten gegenüber der Vorwoche um Kleinigkeiten anziehen. Das Kälbergeschäft lag mittelmäßig. Durchweg konnten sich die vorwöchi- gen Preise ungefähr behaupten. Bessere Sachen fanden flotten Absatz. Das Schafgeschäft war nicht bedeutend, die Votierungen wenig verändert. Auch Schweine hatten nur mittleren Handel bei eher leicht nachgebenden Preisen. Fleischige Tiere wurden nach wie vor bevorzugt. Es kosteten je Pfund Lebendgewicht: 134,13 323 281,.' .>30 466 285 206 l»6 228-. 65 15.7o 61 87.3 53,7 15,35 90 81,25 322 280 525.75 465 284 136 227.25 64.5 60,5 '40,; 52,6 100 293,5 Annener Gußstahlwerke, Annen ... Westfalen. Die Dermaltung schlägt eine von 8 auf 10 v. H. erhöhte Dividende vor. Datum: “T7—5 . . . ro .... 6 ... 10 t . . . 15 . . . 12 . . . 18 , ... 14 ... 12 ... 12 er ... 7 . .... 8 . . • • . 0 .....0 .....6 .... 10 . . . . 0 .....6 .....6 .....0 ...... . . . . U . . . . . 0 * . . * 8 , .... 8 . . . . 10 .....8 .....8 • • • . 10 .....8 .....8 135 170 13l,lo 141.1 141 -46.2. 197.. 4S-J 172.6 h.5.. .72 4. '13.75 143 327.75 W Gießen. M In bet OHatbiitfltt Mofaflee unb £ vtorradsahrer mit fe™"’ so bah bleie: «Jungen baDortttiM. Mtorraös tautben 1 b« W bet Unfall, üen beschäftigte Arbeiter bet minder verletzt. Die ^8. die ein Augenschein Dieser sah während - nach Diehen, feie ein ntsernung von ihm aui etwa in der Witte der i die Stadt zu fahren, er Angeklagte nicht die- die ihr ein vorsichtiger beilegen müssen, zumal igeleise Aufbruchsarbeiten unb die Fahrstraße be* Sicherheit des Fahrens noch durch andere Um* unb Äässe der turz vor« ! - beeinträchtigt wurde, cüe den Aadsahrer. der eite bei Fahrdammes ex* irr Sntsernung von wen!« er wollte noch rechts an reifte aber bat Xab, so unb btt eingangs er« Sr konnte diesen nicht i er vermochte infolge eschwindigkeit weder Ei* sam zu fahren ober p >er zu feinen Pflichten m, dah er gegebenenfM Der Angrllagte eM drvrrverletzung eine mch> strase- Falle sah ein Polizei« Korbanlage aus einen jun' inen S^nab aui bem ifha&e kommen. Dai Ae aber für Sah« aller Aadsahrer erhalt emw .. Kinlvruch einlegle. bet mte könne wegen du we Anzeige »is* feSi T Ä St wt et* otgcfdildgenet^^ti rdulich * =■ tutatü“ HM . «A "“’Xforfo* 8 VMS. Aber h t auch bot «Vorrangs tc er una küssen- . »1 »! tun- rff Herrlich & ff - *110;! s piel toeiIu des ^gner die n ?., Ait anerkennen. ^imet Ja8 2°r. «I ^ieikibach. ^nbsruM»,^" Sroher in MA Büchertisch. — 3ad London. Sein Leben und Werk. Geschildert von seiner Frau Channian London. 297 Seiten 8° mit Bildern. Vorwort von Arthur H o l i t s ch e r. Llniversitas Deutsche Verlags- Aktiengesellschaft Berlin. (706) — Höllischer schreibt u. a. über diese Biographie im Vorwort: »Das Leben hat Jack London in alle Tiefen, fchließl^h aber auf die Höhe, den Gipfel menschlicher Schicksalsmöglichkeiten geschleudert und erhoben, ^lnd alles, alles hat sich in ihm in Mitteilung verwandelt. Sein Lebern das auf solche Weise allen gehört, gehört selbstverstä.id- lich auch mit jeder Einzelheit dieser Allgemeinheit, die ein Recht darauf hat: zu wissen, in welcher Distanz das wirklich Erlebte zum Mitgeteilten stebt, wieviel des Dauernden, das heißt: des ins Dichterische Erhobenen im Alltag des Dichters gewesen ist. Wie groß die Schöpferkraft des Dichters war — und wie berauschend darum das Leben, eben dieser Alltag, den Jack London reicher und bewußter gelebt hat als die meisten Menschen." — Pshchoghmnastik, von Dr. med. Ernst Rothe. Gebunkten 8,50 Mk. Max Hesses Verlag, Berlin-Schöneberg I. (797) Pshchoghmnastik ist die Uebung, das Training seelischer Fähigkeiten, das Tahlorsystem der Seele. Der Derfa'ser gibt in feinem Buch eine praktische Anleitung, wie man durch Pshchoghmnastik seine see'i'chen Fähigkeiten steigern kann, wer Pshchoghmnastik treiben soll, welche verschiedenen Methoden bei verschiedener Veranlagung anzuwenden sind. * I. P. Demberg A. -- G., Ba rmen. Zu den Dlättermeldungen über eine Kapitalerhöhung der I. P. Bemberg A-G. mn 14 auf 42 Mill. Mark erfährt WTD.-Handelsdienst von der Gesellschaft, daß wohl eine Kapitalerhvhung zu erwarten fei, über deren Höhe dürste jedoch erst in einer Aufsichtsratssitzung Beschluß gefaßt werkten. m ' Tubize Kun st seid e. Die Tubize Kunstseidengesellschaft reduziert ihre Dividende für 1928 infolge zunehmender Gestehungskosten und abnehmender Preise, auch wird die Leitung reorganisiert und verbreitert. Die Dclgo Canadienne, die mit Loewenstein kooperierte, wendet sich mehr und mehr von der Kunstseide ab und der Chemie und Elektrizität zu. Deshalb soll ste angeblich einen Umtausch ihrer Enka-Akllen gegen Aktien der I.-G.-Farkenindustrie planen. Weitere Einzelheiten der Transakllon sind noch unbekannt. Deslauer (Bas Dai mitt TOd toten . Demag - . ablertnerk Bienet . Luvw. Loewe Rai. automobil CrtnRdn 4 Roobd Leonhard Dietz Bamag-Megut» »Jtanff Maschine» < Warnet . , yevligensiaedr . < gungbani . . < Lechwerte . . < fliafnhahwede . < Miag . . < RelarvUmer . . < $etm Union . , Gebt. Roeder . , Coifli 4 taeffnn . eObb. Zucker . . * Achtprozentige Anleihe von acht Millionen Reichsmark der Stadt Bochum. In den nächsten Tagen kann mit dem Abschluß einer achtprozentigen Jnhaberanleihe der Stadt Bochum im Betrage von acht Millionen Reichsmark gerechnet werden. Der Betrag ist bestimmt für verschiedene außergewöhnliche Ausführungen der Stadt Bochum. Die Anleihe wird von einem Bankenkonsortium aufgelegt, das unter Führung der Preußischen Staatsbank (Scehand- lung) steht. Mit dieser Anleihe wird ein Teil der von den Bochumer städtischen Körperschaften in den letzten Jahren für produktive Zwecke beschlossenen außerordentlichen Ausgaben endgültig gedeckt. WirWast. Erleichterung am Geldmarkt. Der Iahresultimo ist recht leicht verlaufen. In der abgelaufenen Woche ist eine wesentliche Erleichterung am Geldmarkt eingetreten, die nicht nur zu einer Ermäßigung der Sätze für Tagesgeld geführt hat, sondern auch bei Monatsgeld und bei den Privatdiskonten in Erscheinung trat. Schon am 2. Januar konnte eine Herabseßung des Privatd'.skonisa^ für beide Sichten erfolgen, die von abermal.gen Ermäßigungen in der a'bgelaufenen Woche bis auf 6 Prozent für beide Sichten 'abgelöst wurde. Man erkennt hieran, dah die Versorgung überaus reichlich gewesen ist. Es ist anzunehmen, dah die Entspannung am Tagesgeldmarkt sich noch weiter fortsetzen wird. Wesentlich dazu beitragen wird die Abdeckung der hohen Lombardkredite bei der Reichsbank. Die Gründe für diese auffällige, über den erwarteten Rahmen hinausg hingen schritt. Schultheis 4,5 v.H. höher und leb- haft gefragt Frankfurter Pferdemarkt. Frankfurt a. M., 7. 3an. Der Auftrieb des heutigen Pserdemarktes war gering; ei standen nur 500 Pferde zum Verkauf. Gehandelt wurden vorwiegend leichte Laufpferde unb Hunsrücker Pferde. Schwerst« Arbeitspferde belgischer Rasse und Wagenp erde norddeutschen Schlages wurden weniger gefragt. Die Preise waren im allgemeinen normal, trotzdem bot der Markt dem Kenner vielfach Gelegenheit zu günstigem Kauf, da der Handel diesmal nicht als flott zu bezeichnen war. Vom bevorstehenden Pserkte- markt (4. Februar) erwartet man größeren ilm- sah, weil die Landwirtschaft erfahrungsgemäß meist im Februar und März kurz vor der Feldbestellung ihren Pserdebedarf deckt. Schlachtpserde waren, wie immer, von Aufkäufern aus dem Rheinlande gesucht und im Preise anziehend. Frankfurter Getreivebörse. Frankfurt a.M., 8. Jan. Der Frankfurter Produktenmarkt hatte heute eine ausgesprochen freundliche und teilweise sogar etwas festere Tendenz. Weizen konnte im Preise etwas anziehen. Auch bas Mehlgeschäft erfuhr heute eine Belebung, so baß Weizenmehl auch etwas höher notiert war. Es würben notiert: Weizen 22,90 bis 23; Roggen 22,50; Sommergerste für Brauzwecke 23,75 bis 24; Hafer, inlänbijcher 22,75 bis 23; Mais (gelb) für Futterzwecke 22; Weizenmehl, fübb., Spezial 0 32,25 bis 32,50; Roggenmebl 29,25 bis 29,75; Weizenkleie 13,65 bis 13,75; Roggenkleie 14,25 bis 14,50 Mark. Tendenz: befestigt. 114.25 15 82 120 140 26.75 104,75 U» I 210 146,5 Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben bie Höhe bet zuletzt beschloßenen Dividende an. - Reichsbankbiskont 7 Prozent, Lombardzinsfuh 8 Prozent. * Rationalisierung in der Zigareiten i n d u st r i e. Am 25. Januar wird die bekannte Zigarettenfabrik Halpaus aus Er- sparnisgrün^n ihren gesamten Kölner Betrieb schließen und nach der Zentrale in Breslau verlegen. Dadurch werden in Köln etwa 700 Arbeiter und Angestellte arbeitslos. * Rheinisch-westfälische Stahl- und Walzwerke, A. - G., Gelsenkirchen: D.i Aufsichtsrat beschloß, wieder eine Dividende von 8 v.H. in Dorjchlag zu bringen. Datum 5% Dl «ktch«anleche o 1927 Dl. Inl..#a>l6f.-Gdml6 ortl Hx» lol.-Rechien teigl ohne ÄualoMSedjte 7% ßtantl. Hyp -Bl o,7ö 8 >4,5 8.25 »all SicherSlebev .... W 391 291 2 288 2- »an Betteregel» .....10 :9L.o — 292.. 290 2. »aflmetl 6aüDert«t| ... IS 530 528 532 527 A ® ^atbcn-jBWmi ... 12 62, L 63.6 62.13 '62,5 Dvoamit Nobel . . .... 5 • — Lcheiveanttalt ...... 9 186 4.13 103.5 Solvichmtvl .•••••• 1 Äütgertroerte 94 25 103.5 103,75 TOetaaaelenkML.....« — ^ramoniitic 'Jioten..... i 11,43 16,49 poQanbddie Noten...... 168,31 168.99 Italienische Noten ...... 21,955 22,015 Norweatsche Noten. .... Deursch-Oestrrr., i 100 Krona 111,78 59.00 112,22 59.24 Romäntlche Noten ..... 2,525 2,545 Schwedische Noten...... 112,08 112,58 80,80 81,12 68,31 8,59 rschechoilowakische Noten . . 12,39 12,45 Ungarische Noten 73.00 73,30 Schluh- Kur» 1-Uhr. Kur» Sch.uh »In lang Kur» । Kur» 7 1. 8. 1. 7 t. | 8 1. 7. Januar 8 Januar Amtliche Noti.rung Ärmliche Notierung Geld Brie« Geld 1 Brre' ÄmfL-fflott Buen^Atreö 168,68 1.7i>8 169.02 1.772 168,56 1,767 168790 1.771 Bnl-Äunv ,8.36 »8,48 »8.335 58.455 Cbrifti-inta 111,97 112,19 111.91 112,13 Kovendagrv 114,07 112,-9 112.06 112,28' Elockboim 112,34 112.56 112,35 112,57 fcelfrnotorS. 10,554 1U,j74 16.55 10.38 Atalien . . . 21,985 42,025 21/399 22.035 London. . . 20..46 40,412 40. „7 2o.4l Neovork . . 1,199.. 4,2073 4,0000 4,2680 DartS. . . . l .42 16,46 16,405 lu.445 Schweiz . . 10,865 51,025 >0,825 -0.985 ©Danton . o8.54 u8,b8 ■8.50 »8.64 Jovan . . 1,928 1,932 1,927 1.931 Hio de San ).4985 >.5005 3.4985 0.5005 Vien tn Ceft. abatft »-.09 »9.21 »9.12 »9,24 12,443 12,473 12.439 12,459 Vel?rnd 7,380 7,394 7,367 7,390 BudoveK. <3,19 73,33 73,18 73.32 Bul arten ,02- -,1M» -,029 -.035 Lissabon 18.73 18,77 18,6» 18.64 Danzig 81,43 ■1,59 51,46 81.62 Sonst a«tt» 2,058 .,062 4.058 2.162 Arven 5,425 5,435 »,44a 5.436 ianaba 1.187 1,195 1.186 1.194 Uru na» . 1.886 4.291 1,28b 4.296 Un - . - 30,885 20.925 A.887 20.(27 Berlin, 7- Januar Brre, Ämerrkamiche Nore» ..... nn nöi Belgische Noren ....... »8.45 58.49 Dmrriche Norrn ....... 111.83 112.27 Englische ....... 50.382 30.412 Starke1 Jean Weisel, Gießen, Sonnens träne 6, Telephon Nr. 68 brinqr, die Schmerlen lindert, die Entzündunnen beseitigt. Die beiväbrte Humidon-Salbe verbindet alle die Eigenschaften in bervorrnaendeiii Ma ne. Schon nach ganz kurzer Anwendnn., läut das Zucken und Brennen n,ch. Damit in schon viel gewonnen: Gef ihr wctiergelrag ner Jmeklionen. Nun erst wird seit Jahren auch in verzweiielien Fällen Wunderdinge geleistet hat. Aber die umtdonkur ist keine Wunderknr, diensteS sind im Frankfurter Flughafen eingegangen 951,5 Kilogramm Briefe (1927 415,2 Kilogramm), abgegangen sind im gleichen Zeitraum des verflossenen Jahres 524,4 Kilogramm Briefe (1927 337,3 Kilogramm). Die Zunahme des Briefverkehrs in den restlichen Monaten des letzten Jahres verzeichnete gleichfalls eine Zunahme gegen das Jahr 1927 um das Doppelte. Der Paket- und Zeitungsveickehr wird allerdings als etwas geringer angegeben. Oas Selonilheilswaller denn stillt der Juckreiz kort, so verringert sich auch die kann der Heilungsvrozeh beginnen. Die Hunudon-Salbe gebraucht und unzählige Kranke bezeugen, daß sie saft Warschau MWlnisler dtt Lnglo-rln hrview, in hälensrage so Nische Grenze lich und die ab unehr mit dem übri rigkeiteo für einen ® gtr als die Menschen jä! veolfchkand. ik dor sei in elh nisch. Jn frii der Minister. I nen Minderhei Eingesandt. (Für Form und Jn^a.» uikt unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüb^- 'ein-r » Verantwortung.) Nochmals die Mülleimer. Ende September v. I. reichte ich ein Eingesandt in Ihrem geschätzten Blatte betr. „Müllabfuhr" ein, in welchem die städtische Behörde (Tiefbauamt) gebeten wurde, Auskunft darüber zu geben, ob die bisher gebräuchlichen Mülleimer mit Deckel weiter verwendet werden könnten. Da von feiten der Behörde keine Mitteilung erfolgte, war eine große Anzahl von Mitbürgern der Ansicht, daß es bei der Weiteroerwendung der Eimer verbleiben könnte. Da kommt nun, wie der Blitz aus heiterm Himmel, von der letzten Stadtverordnetensitzung der überraschende Beschluß, daß bis zum 1. Februar d. I. die vorschriftsmäßigen Eimer beschafft sein müssen, ohne auch nur im geringsten die bisher gebräuchlichen Eimer zu erwähnen. Die Kosten für die Beschaffung eines vorschriftsmäßigen Eimers treffen eine große Anzahl von Mitbürgern sehr hart. Anerkannt muß allerdings werden, daß für Minderbemittelte die Beschaffung durch das Wohlfahrtsamt erfolgen soll. Das Wort „Minderbemittelte" ist aber weit dehnbar. Gehören doch hierzu außer den Lohnempfängern auch die gering besoldeten Angestellten und Beamten sowie die Pensionäre und deren Witwen. Aber wie viele dieser verschämten Armen werden es unter ihrer Würde halten, wegen der Beschaffung eines : Eimers am Wohlfahrtsamt vorstellig zu werden und dabei ihre intimsten Familienverhältnisse preiszu- geben! Hier würde wohl besser die Stadt eine bestimmte Einkommengrenze, sagen wir bis zu 3300 Mark, festlegen, soweit die Belieferung erfolgen soll Aber diese Unkosten könnten leicht vermieden werden, wenn die bisher gebräuchlichen, noch in gutem Zustande befindlichen Mülleimer weiter verwendet werden könnten. Das Städtische Tiefbauamt, in dessen kämmen flect inet sind. Die Hiunidon-Gesellschatt rolu überrennen und nicht überreden. Ste schickt deshalb jedem umsonst eine ausreichende -Biobe Humtdon nebst inzilicher Ausklä«.unasschrtsr über Hämorrhoiden- Leiden. Diesen ko lenlnsen Versuch ist jeder feine Gesundheit schuldig, und die Hunüdon-Gesellschaft ist überzeugt davon daß jeder Versuch ein voller Erfolg wild. Also schreiben Sie sofort, ehe Sie eS vergessen, nach Vrobe und Broschüre an die Humidoii'Gesellich st m. b. H.. Berlin W 8. Block 331. Versand erfolgt durch die Apotoeke „Zum weihen Kreuz", Berlin. Verkauf durch Artotheken. 176V ........ ,. ... . _____________ sondern das Resultat einer wissenschaftlich wohldurchdachten Arbeit. In dieser Salbe sind alle Stoffe vereinigt, die diese tückische Krankheit erfolgreich zu be* Bereich doch die Müllabfuhr siegt, sollte sich einmal klipp und klar darüber äußern, welche stichhaltigen Gründe die Weiterverwendung der vorgenannten Eimer verbieten. Wo ein Wille, findet sich auch ein Weg. Vielleicht handelt es sich bloß um eine geringe Aenderung des Handbügels, welche mit ganz wenigen Kosten vorgenommen werden könnte. Die vorgeschriebenen Mülleimer sind viel zu schwer.Es erweckt den Anschein, als wenn diese auf Gewicht angefertigt wurden. Für Mädchen, Frauen und ältere Personen ist es unmöglich, solche Eimer in gefülltem Zustande nach dem Aufstellungsplatz zu verbringen, ohne körperlichen Schaden zu leiden, so daß womöglich die Stadtverwaltung noch haftpflichtig in solchen Fällen werden könnte. O. M. Sind OänrovLhKidsn heilbar? Ja und nein! Wenn etn Hämorrhoidenkranker dieses wirklich ernste Leiden vernachlässigt, wird es ihm immer größere Qual bereiten. Die anfangs unbedeutenden Knoten am Darm wachsen sie wandern in den Darm btnem und platzen schließlich auf. Dann besteht die Gefahr, daß Blutgerinnsel tn die Blut- bahnen kommt und dort zu fehl gefährlichen Verstopfungen führt. ES kommt hinzu daß die Schmerzen das Brennen und das Jucken der erkrankten Teile immer unerträglicher werden und den Kranken körperlich und seelisch zugrunderichten. Schließlich bleibt dem verzweifelten Vallenien nur noch übrig, sich auf dem Wege der Operation unsichere Heilung zu verschaffen. Muß das sein? In den meisten Bällen: Nein! Denn Hämorrhoiden, rechtzeitig als solche erkannt und sachgemäß behandelt, können mit großer Aussicht aus Erfolg auch ohne Operation beseitigt werden. Neb -n peinlicher Sauberkeit muß eine geeignete Salbe zur Anwendung kommen, die die Knoten zur Schrumpfung »T®1 ’fle sch° Klrchendiebstahle In der Fuldaer Gegend. WSN. Frankfurt a. M., 7. Jan. Der Schneider Johann Rapp hatte sich heute vor dem Erweiterten Schöffengericht wegen einiger Kirchen- diebstähle in Petersberg und Langenbieber in der Nähe von Fulda zu verantworten. Rapp gab zwar zu, daß er eines Abends mit einigen Komplizen nach Fulda gefahren sei und am andern Tag Kirchengewänder im Besitz gehabt hat, den Diebstahl aber wollte er nicht mit ausgeührt haben. Das Gericht hatte aber nach den Aussagen der Ehefrau keinen Zweifel, daß der Angeklagte an der Tat beteiligt gewesen sein muß. In einem weiteren Falle hatten die Diebe einen wertvollen Teppich und andere wertvolle Gegenstände aus der Kirche in Langenbieber entwendet. Auch in diesem Falle hielt das Gericht den Angeklagten für überführt. Das Gericht verweigerte dem Angeklagten die Zubilligung mildernder Umstände und verurteilte ihn wegen Rückfalldiebstahls in zwei Fällen zu je zwei Jahren Zuchthaus. In Verbindung mit einer fi ">her verhängten Strafe von zwei Jahren und neun Monaten bildete das Gericht eine Gesamtzucht - Haus st rase von 5 Jahren und sprach dem Angeklagten auch die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren ab. A Mee, Ä.I bk'Rheuma,Ischia«,tzrxenschutz, Uli 11 ?crocn‘ u- GrMtungafcfjmetjtn. F* I S 6 I I 1111 1 ftarmclltcrgcifl Amol ist in all«, —wmmi——। QIpo(hcrcn u. Drogerien erhältlich. Verbrennung durch Röntgenstrahlen. Frankfurt a. M., 7. Jan. (WSR.) Die Frau eines hiesigen Beamten bekam vor etwa zwei Jahren ein Leiden, das eine Bestrahlung mit Röntgen st rahlen erforderlich machte. Die Frau ließ sich von einem Arzt in einem nahen Kurort behandeln. Bei der Bestrahlung der Hände und Füße wurden ihr die Glied- maßen derart verbrannt, daß die Knochen hervortraten. Die Patientin war genötigt, sich ein volles Jahr in die Behandlung des Frankfurter Städtischen Krankenhauses zu begeben, doch blieben trotz mehrfacher Operationen die Hände in nicht gebrauchsfähigem Zustand, während die Füße durch Hautübertragung wieder so weit geheilt werden konnten, daß die Frau sich an Stöcken fortbewegen kann. Der Ehemann strengte eine Schadenersatzklage gegen den durch Versicherung gedeckten Arzt an, und es kam in zweiter Instanz zu einem Vergleich, wonach der Verletzten rund 30 000 Mk. und die Kosten des Prozesses bezahlt werden. Frankfurts Lustpostverkehr 1928. Frankfurt a. M., 7. Jan. (WSR.) Infolge feiner günstigen geographischen Lage wird Frankfurt auch im Luftpo st verkehr von den großen zwischenstaatlichen Rordsüd-Linien mit vorzüglichen Anschlüssen nach ausländischen Städten berührt. Während des Sommer- diensteS gingen vom Flughafen Frankfurt am Main täglich neun Luftposten nach großen ausländischen Städten ab und 46 Luftposten nach deutschen Städten ab. Da bei Festsetzung der Flugzeiten auf gute Anschlüsse an die Eisenbahnverbindungen Bedacht genommen ist, so hat der Luftpostverkehr einen ständig stark wachsenden Zuspruch zu verzeichnen. Während des Sommer- lecans gef' deutschen M keine anbe trief Rechte Deutschen, stündig ihre 11 Me, dah die g stände fei, ein möglichen. Zu diesen Ä ständiger Stel! Land wie Dei völlig getrennt einzig doste beispielsweise Schweiz, gibt, gange zun (Brunb von wirtschaftlichen unaebinbei die «ehandliml Deutschland be dos geltende interpretieren, preußische \ zeichnet. Der pol, Macht Wa Berlin. 9 Doche wollen ga.ronen für t delsvertr, 'ressen, um di. $8 wird für 5 fonunen, eine erhalten, die. fetjten Zuson herum gegebe S «Megln Besprechungen dre Polen dan N identisch Äsungen auf, deren % ^ndig sein , N aus bi ,^-Mionsk M Aun d bereit jft ^steHenSen »on.tDirö es ( '!*? sich JJÖ«n können, ^l^tedet, f(h. ■ £2 gut mxb' '™ ■h86 fcgt wird sich JWiJ 9entef9c . u °n solche E ' moef*'eren nT1 wohl °der SS fisäjfc» dik» 7' u in P°len,°^ Utz-S- z«n 6 8euom: ^ndel Ln(e-ber 5Utt ^öertrn ,°n d I-hes "^l'chen »le (k,nxe Au ” ”” n Masken-Modenschau im Modehaus Carl Nowack, Gießen, Seltersweg 85 Donnerstag, 10. Januar 1929 Freitag, den 11. Januar 1929 Samstag, d. 12. Januar 1929 Vorführung neuester Masken- Kostüme,-Kopfbedeckungen usw- des Modehauses Carl Nowack (Frisuren von der Fa. 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