Nr. 287 Erstes Blatt 179. Jahrgang Samstag, 7. Dezember 1929 Erich«in» täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanschlüsse anterSammelnummer225I. Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger riehen. Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrrck und Verlag: vrühl'sche Univerfitütz-Vllch- und Zteindruckerel R. Lange in Glehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe r. Annahme van Anzeig« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/ , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyrlvt; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen. Dürfen wir hoffen? Als vor mehr als einem Jahre der Geheime Finanzrat Dr. Alfred Hugenberg — Eingeweihten als Jndustriegewaltiger, glänzender Organisator und Beherrscher eines der größten deutschen Pressekonzerne seit langem bekannt — in das grelle Rom penlicht der hohen Politik trat, geschah es im Kampf nm die Führung der Deutschnationalen Volkspartci. „Block oder Brei?" so lautete damals feine Frage an die stärkste bürgerliche Partei und fein Programm lief daraus hinaus, lieber einen kleinen, ober in feiner politischen Ueberzeugung homogenen, fest geschlossenen und disziplinierten Block mit starker Stoßkraft, als einen großen Brei verschiedenster, nebeneinander herlaufender politischer Richtungen und Meinungen, die nur unter großer Schwierigkeit und steter Gefahr für den Bestand der Partei in entscheidenden Fragen unter einen Hut zu bringen waren. Die Stellungnahme der Deutschnationalen Partei zur Frage der Staatsform, zur Uebernahme der Regicrungsoerantwortung, zur Taktik als nationale Opposition, zu den großen außenpolitischen Problemen zeigte, welch schwierige Aufgabe dem Parteiführer und dem Fraktionsvorsitzenden gestellt »i'ar. Hugevberg traute sich die Aufgabe zu, aus dem großen Brei den wenn nötig nur kleinen, aber starken Block zu formen. Heute, nach mehr als einjähriger Tätigkeit als Parteiführer, wird man anerkennen müssen, daß er mit größter Rücksichtslosigkeit, unter Einsetzung des gewaltigen, von ihm bis ins kleinste beherrschten Propagandaapparats, mit einem an Starrsinn grenzenden eisernen Willen dem sich gesetzten Ziel zugestrebt hat, vorläufig allerdings nur mit dem Erfolg, daß der Brei zwar kleiner geworden ist, aber von dem geschlossenen Block, der Herrn Hugenberg als Ideal vorschwebt, noch weit entfernt ist. Kampf war die Losung, als Hugenberg gegen eine starke Gegnerschaft in der Reichstagsfraktion den Parteivorsitz für sich eroberte und im Zeichen des Kampfes, im Zeichen steter Bewegung flanb auch das erste Jahr feiner Führerschaft in der Deutschnationalen Partei. Der „Fall Lambach" stand am Anfang. Damals erhielt der Führer des Deutschnationalen Handlunasgehilfenverbandes einen Rüffel, als er die Frage Älonarchie oder Republik Für sich mit einem klaren Bekenntnis zum neuen Staat beantwortete und von seiner Partei die Mitarbeit an diesem und in diesem Staate forderte. Heute haben er und elf Fraktionskollegen Herrn hugenberg den Rücken gekehrt, andere sind bereit, bas gleiche zu tun, sobald sie mit ihren Wahlkreisen Fühlung genommen haben. Damals, im Oktober 1928, war Hugenbergs Sieg nicht vollständig, zwar bic Wahl zum Parteivorsitzenden konnte er auf der Vertreterversammlung der Wahlkreisverbände erzwingen, aber der Vorsitz in der Reichstagsfraktion blieb »hm versagt. Heute hat auch Graf W e ft a r p, brr bewährte Führer der Konservativen, des aussichtslosen Kampfes offenbar müde, den Vorsitz in Der Fraktion niedergelegt, und es steht Herrn Hugen- berg frei, sich selbst oder einen seiner Getreuen zum Fraktionsvorsitzenden wählen zu lassen. Fragt man nach den Gründen für diese Wandlung, so ist vor allem auffällig, daß die Abgeordneten, die aus der Fraktion ober gar aus der Partei ausgetreten sind, den verschiedenen Ge- sinnungs- oder Berufskreisen angehören, aus denen die Deutschnationale Volkspartei sich zusammensetzte, wenn sie auch das eine gemeinsam haben, daß sie nämlich alle — wie die Hugenbergpresse mit Genugtuung feststellt — zu den unter dem Hugenberg- furs als national minderzuoerläsfig verfehmten „Jasagern" gehörten, also zu denen, die im Sommer 1924 dem Dawesabkommen zugestimmt haben. Aber im übrigen sind die Sezessionisten ein getreues Spiegelbild ihrer alten Partei, deren Vielgestaltigkeit cs io gerade war, die ihr in besonders hohem Maße den Charakter einer „Vollspartei" verlieh. Reben den christl. nationalen Gewerkschaftsführern Hartwig, H ü I f e r, Lambach, 'Dl e i) e r stehen die Industriellen F.rowc i n, Klon ne und L ejeu ne- 3u n g , die ostelbischen Grundbesitzer Schlange- Schöningen und Keudell, die christlich sozialen Pfarrer M u m m und K 1 i e s ch, der jung- ionservative Amtsrichter Lindeiner-Wildau, ber ehemalige Marineoffizier Treviranus, die Univerfi^itsprofesforen Hoetzsch, Triepel, S m e n d , Meyer und Holstein. Auch die Mo- tioe, die zum Exodus aus der alten Partei getrieben hoben, variieren im einzelne»», wie aus den 21b» schiedsbriefen an Westarp hervorgeht. Für die Christlich-sozialen und die Gewerkschaftsführer ist es die sozialpolitische Auffassung des Parteivorsitzenden und die „kultur- und filtenzersetzende Wirksamkeit von Boulevardblättern und lüsternen Filmen" des Hugcn- l'krgkonzerns. Für den Katholiken Lejeune-Jung, die auf Druck des Parteivorsitzcnden erfolgte Ablehnung b,e auf dem Sofa seines Arbeitszimmers mit einem Schuß im Hinterkopf tot aufgefunden. Graf Christian Friedrich hatte damals zunächst den Anschein erwecken wollen, als hanvele es sich um einen Mord durch zwei Einbrecher. Se weiter die Untersuchung fortschritt, desto unglaubwürdiger erschienen die Behauptungen des Grafen. Die langwierigen Verhöre überzeugten ihn schließlich von der Unhaltbarkeit seiner Angaben, und er legte dann das Geständnis ab, seinen Vater aus Fahrlässigkeit getötet zu haben. Beim Reinigen des Sagdgewehres, das er ungeladen glaubte, habe sich ein Schuh gelöst, der seinem Vater in den Hinterkopf gedrungen sei. Die Staatsanwaltschaft kam nach anfänglichem Zweifeln zu der Ueberzeugung, daß Mord nicht vor- tiegen könne, z imal sich das Verhältnis zwischen Vater und Sohn als durchaus ungetrübt herausstellte. Ein völlig klares Bild über die Vorgänge jener Nacht hat sich b i s h e u t e noch nicht ergeben. Die Verteidigung des Angeklagten haben die Rechtsanwälte Luetge- b r u n e. Göttingen, und Dr. Rusche, Hirschberg, übernommen. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Engel. Zu der Verhandlung sind annähernd 30 Zeugen geladen. Auch Sachverständige sollen gehört werden. Es wurden zunächst die Gutsangestellten gehört, die Bekundungen über die Vorgänge unmittelbar nach der Lat machten. Die Gärtnerswitwe Stief hörte gegen 11 Uhr abends von ihrer Wohnung aus die Hilferufe des Grafen, der über den Hof gelaufen kam und ganz bleich, verstört und wie betäubt aussah. Er sprach von Einbrechern und behauptete, gewürgt worden zu sein. Mit aller Bestimmtheit bekundete diese Zeugin, sie habe von irgendwelchen auffälligen Beziehungen zwi.chen der Mutter des Grafen und dem Grafen Karl, dem Bruder des Getöteten, nicht das geringste bemerkt. — Die Tochter dieser Zeugin bezeichnet das Verhältnis zwischen Vater und Sohn als gut. Beide hätten aneinander gehangen. Sie traut dem jungen Grafen nicht zu, daß er den Vater absichtlich erschossen haben könnte. — Schmiedemeister Scholz hatte nach der Tat als einer der ersten das Zimmer des Grafen Eberhard betreten. Er fand den Grafen mit entsetzlich verstümmeltem Kopf auf. Beleuchtet waren nur Zimmer und Flur. Die Tür zum Park war nach Anficht des Zeugen eingeklinkt. Der Vorsitzende stellt zu dieser letzten Angabe des Zeugen, die im Widerspruch mit dessen früheren Bekundungen steht, fest, daß sie sich mit der Aussage des Angeklagten decken würde, wonach er unmittelbar nach der Tat die Tür zum Park nicht wieder geöffnet haben will. Der Gutsverwaltungsdirektor Gombert hat sofort die Anweisung gegeben, nichts anzurühren und die Polizei zu rufen. Der Angeklagte hat den Zeugen sofort mit ein er Fülle von Aeußerun- gen überschüttet: Ich bin besoffen! Man hat mich besoffen gemacht! Ich habe irgendetwas ange- stellt, ich weiß nicht, was! Was ist denn losgewesen? Sollen wir denn alle mit Gewalt zugrunde gehen oder zugrunde gerichtet werden? Ich fragte ihn: Wissen Sie denn, daß der Graf tot ist? Darauf rief er: Das ist nicht möglich, Herr Direktor, Sie lügen! Antonie, sag' du doch, daß er lügt! Ich sagte ihm sofort, er müsse der Täter sein. Der Zeuge schildert, wie er den jungen Grafen, der früher ein freies Leben gewöhnt war, allmählich an die Bureauluft gewöhnt habe. Er habe gute Fortschritte gemacht. Der Angeklagte wußte ganz gpnau, daß noch Jahre dazu gehörten, die Verhältnisse zu sanieren. Die Auflösung des Fideikommisses, die einen großen wirtschaftlichen Nachteil für ihn bedeuten würde, steht bevor. — Vorsitzender: Also für einen Mord finden Sie absolut kein Motiv? — Zeuge: Das einzige könnte die Rücksicht auf die Steuer sein, aber wenn solche Motive bestanden hätten, hätte man den Mord nach dem Unfall im Jahre 1928 ausführen können. Der alte Graf hatte eine schwere Gehirnerschütterung. Es genügte, ihm ein Kissen unter dem Kopf sortzuziehen. Auch bei der Jagd hätte man ihn leichter beseitigen können. Die Prozeßbeteiligten begaben sich, dem Beschluß des Gerichts entsprechend, am späten Abend zum Ortstermin nach Jannowitz. In dem größten Raume des Rentmeisterhauses, dem damaligen Arbeitsraum des Grafen Eberhard, wurde die ganze Unglücksszene noch einmal rekonstruiert. Dabei kamen die Sachverständigen zu br Ergebnis, daß die Darstellung des Angeklagten doch richtig sein könnte, daß also tatsächlich beim Repetieren mit einer klemmenden Patrone der Unglücksschuß aus Versehen losgegan- gen sein könnte. * die Zeiten des schlimmsten Riederganges Polens. Außenminister Zaleski crw.derte, daß der Vertrag noch nicht veröffentlicht sei und daher auch keiner Kritik unterliegen könne. Er werde sich mit der deutschen Reichsregierung in Verbindung sehen und ho,fe, den Wortlaut des Abkommens in den nächsten Tagen veröffentlichen zu können. Der Mißirauensantrag des Zentrolow gegen das Kabln.tt Sw tUfti wurde mit 246 gegen 120 Stimmen angenommen, Derfassung5gemaß ist das Keb n tt Sw tal,ki verpflichtet. zurückzutreten. Tie Entscheidung über die weitere Entwicklung der Dinge liegt beim Staatspräsidenten bzw. beim Marschall Pilsudski. Rach der Abstimmung entfalt?tcn die Kommunisten eine rote Fahne. Der Regierungsblock verhinderte den Sejmmarschall am We tersprcchen, worauf Das^yn ki d e Sitzung schloß. Das Regierung.lager stimmte im schon halb verdunkelten Saal die Legionärshymne an und brachte ein dreimaliges Hoch auf Marschall Pilsudski aus. Die nächste Sitzung muß schriftlich angekündigt werden. Oer Friede in derMandschurei London, 6. Dez. „Times" meldet nus Muk- den: Rach einer Rachtsihung faßte der politische Rat einen Beschluß, der den Konflikt mit der Sowjetregierung in der Frage der Chinesischen Ostbahn beendigen dürfte. Litwinows Telegramm an Tschanghsüliang wird eine Antwort erhalten, die die Ergebnisse der Besprechungen von Rikolsk gutheiht. Ferner wird darin &et Sowjetregicrung die Ernennung Tsaiyunschens zum chinesischen Delegierten bei den Verhandlungen mitgeteilt, bei denen die Einzelheiten der Wiederherstellung des Status quo und der Freilassung der Gefangenen berührt werden sollen. Die Wiederverwendung des vormaligen Leiters und des vormaligen stellvertretenden Leiters der Ostbahn in anderen Stellen war ursprünglich als unannehmbar betrachtet worden, aber nach reiflicher Erwägung beschloß der politische Rat, im Sntcreffe des Friedens nadj- zugeben. Der chinesische Vorsitzende des Ostbahndirektoriums ist z ’.LÜagetreten, was die Lage vereinfacht, da sein Rücktritt eine der vereinbarten Bedingungen war. Die Zentralregierung in R a n k i n g soll das Protokoll über die Vereinbarung gebilligt haben. Aus aller Wett. Mackensens 80. Geburtstag. Rachdem die Stettiner Garnison dem Genera.feldmarfchall von Mackensen am Donnerstagabend aus Anlaß seines 80. Geburtstages in Faickenwalde, dem Wohnsitz von Mackensen, einen großen Zapfenstreich dargebracht hatte, dem ein Fackelzug des Stahlhelms folgte, fand am Freitag die eigentliche Feier statt. Der Wehrkrei i kommandeur Generalleutnant Schnie- w i n d t brachte in Begleitung seines Stabschefs. Oberst Kaupisch, die G.ückw.insche des Wehrkreises sowie des Chefs der Heeresleitung dar. Die Lehrerschaft und die Schüler des Torgauer Gymnasiums sandten ihrem einstigen Schüler und Mitschüier eine Gluckwun'chadresse. Eine Abordnung des früheren Oberkommandos Mackensens überreichte eine kostbare Reiterstatue, die später am Tannenbergdenkmal Aufstellung finden soll. Die Glückwünsche des Stahlhelms überbrachten die beiden Bundesführer Seldte und Düsterberg. Sie überreichten eine Stahlhelmstatue. General von Dommes überbrachte ein Handschreiben des früheren Kaisers mit einem Geschenk. Auch die Offiziersverbände. die durch General v. Cramon vertreten waren, ehrten den früheren Heerführer durch Glückwünsche und Geschenke. Groß war auch die Zahl der privaten Gratulanten; daneben sind ungemein zahlreiche briefliche Glückwünsche eingegangen, darunter ein in herzlichster Form gehaltenes Schreiben des Reichspräsidenten von Hindenburg. Sein Opfer bei lebenbigem Leibe verbrannt. Der Abteilungsleiter im Leipziger Kriminalamt, Regierungsrat v. Kriegern, der in Straßburg das erste Verhör mit dem dort verhafteten Dersicherur.gtschwind.er und Mörder Tetzner durchgefü^rt hat, ist nach ßeip i1 ?u- rü. geehrt und ha. über das Ergebnis Berich er» (tatet. Sanaa) ist der Beweggrund zu der ~at Tetzners in großer Ro11age seiner Familie zu suchen. — lieber die Ausführung der Tat sag e Tetzner, er fei am Abend des 27. Ro- vember auf der Chaussee Regensburg—München von einem Wanderer angesprochen worden, der ihn gebeten ha.e, ihn nach München mitfahren zu lassen. Tetzner habe ihm die Erlaubnis gegeben, zunächst ohne an d e Tat zu denken. Er sei dann aber zu der Cr enn.- n: geio*" nun der t i •*> t i ~ ' nd > icht wieder ehrendeAugenblick ge- formen u..^ yajc uen _- a g e .. . m Stehen gebracht und vorgege.en, es sei ein Schaden am Motor eingetreten. Er habe den Wanderburschen veranlaßt, ruhig im Wagen sitzen zu bleiben. Dann habe er aus einer Reserve-Benzinkanne Benzin in und auf den Wagen, insbesondere auf die Trittbretter geschüttet, um dem Snsas e i nach ersolg'er Inbrandsetzung jede Möglich leit zur Flucht zu nehmen. Er habe dann das Benzin in Brand gesteckt. Eine Explosion sei erfolgt, und er habe gesehen, wie die Flammen von der Kleidung seines Begleiters Besitz ergriffen hätten. Dann sei er davon- gerannt. Darauf habe er sich nach Frankreich bcgeben, wohin ihm seine Frau nach Erhalt der Versicherungsprämie von 150 000 Mark habe folgen sollen. teii 3t! Ks- SÄ brannten ar»' «flen S««* SÄÄSi ji der Marc »jn|c vom MM M Si-3'g löten in den ö Atwcmdtschast i iut Wollust d- ilefretlcgung b" taufe wesentlich prrden bei Tege ftdt. Oder Die ■ ächt recht auf. 2 itM Sa stehe' mgenber Marker vrrdcn probiert, mb schnalzt nut mb bald folger Dillen, die im ! [Barteten. €o_ \ ini arme Man Mmand ist I hiusiger gerne meinbeit als d Rauchenden, dc wenn dabei b nicht gleich mit tleibt ja das 2 Worin besteht Immer ein biße grn, an die sie darum, aus ang bigotte, einem ch"! 'U st®««”1 D ( 6 € _________1X352 puppe Oie Wetterlage. lir O -( Wien I MF Freitäa, 6. Dezemtx 1929 7n at>ds. jLZwerd e: ©woixemos ©neuer (jnaift DtdecM. ® woixig. U ordf mädchenball anziehen und mit einigen einge> brannten Löchern auf der Schulter — vom Ziga> brannten voqietn aus oer regulier — vorn 019a- rettenrauchen beim Tanzen — „leschär" in den Schrank zurückhängen. Auf den köstlichen Photo- er sich seit einem Jahre Sie reinigen gründlicher und hygienischer. jufl«.» SUNLICHT GESELLSCHAFT A.G. MANNHEIM UX 352-IP Kinder-Nähmaschinen NähLchter für jedes Stromnetz berg 8 3. frisch n. zu hirinb.'er un- Möröer lat, iS nach Leip i' ’u» :as Crjtfati Terich er- kiDtgirunb zu btt ~at iflagc seiner Fa» Zer -ie AuZsührung der am Wend bti 21. Ho« r Wett. Deburlslag. RegcnLburg-MrLM rct angesprvchen ha.e, ihn nach Mün< Lssen. Tetzner habe ihn zunächst ohne an de nn aber zu ter ßr.en.t.' i ter ri'chk'" 11 ni :teÄugenbliä ge- Es gibt auch noch Männer! Etwas von Weihnachtsgeschenken. Don Maxing. Griegern, der in Strafi« )ör mü 6cm hort m- s Immer ein bißchen wegzukommen von den Dingen. an die sie gefesselt sind. Cie begnügen sich darum, aus angeborener Bescheidenheit, mit einer Zigarre, einem Hausrock und einem guten Buch. Puppenwagen Kinder-Fahrzeuge NIEMALS LOSE V NUR ECHT IN DEM 0 BLAUEN LUXPAKET Normalpackung 50 Pfg. Doppelgrosse Packung 90 Pfg. "Stadtratssitzung. Eine öffentliche Sitzung des Stadtrates, die letzte des gegenwärtig amtierenden Stadtparlaments, wird am Dienstag, 17. Dezember, ftattfinden. •• E l n falsches Gerücht. Seit einigen Tagen wird hier die Behauptung verbreitet, der Düsseldorfer Mörder habe einen Brief an die Gießener Polizei geschrieben. Wie wir dazu durchaus zuverlässig erfahren, ist an dieser Behauptung kein wahres Wort. Man lasse sich also durch ein unverantwortliches Geschwätz nicht beunruhigen. *♦ Die Museen sind am Sonntag von 11 bis 13 Uhr geöffnet. ** Oberhessischer Kun st verein. Wie im Anzeigenteil bereits bekanntgegeben, findet die am Schlüsse jedes Jahres erfolgende Verlosung von Anrechtscheinen und Kunst gegenständen an die Dereinsmitglieder am Diensiag, 10. Dezember, vormittags 11.30 Uhr im Turm- Hirsch-Apotheke Gießen Frankfurter Straße 4. Erfinder — \ 01 w..rtNstreLeiide 5000 Mk. Belohnung Näheres kostenlos durch 9474V F. Erdmann dfc Co., B< rlin SW 11 Pfarrer Meumann's Heilmittel bewahrt bei zahlreichen Krankheiten. I 180000 Dankschreiben. Das Pfarrer Heumann-Buch erhalt jeder. wünscht, lauert schon die ganze Familie. Am ersten Feiertag wird ihn sicherlich der Jüngste mit auf die Straße nehmen, um den Hund deS Nachbars durchs Gitter zu photographieren, wobei der Apparat dann stecken bleiben und die i Linse vom Hund zu weit herausgezogen werden wird. Die Zigarren, ja, mein Gott, die ge- || hören in den Feiertagen der ganzen besuchenden H Verwandtschaft und Freundschaft. Sie stürzen sich ■ mit Wollust darauf, aus der ganz einfachen || Ueberlegung heraus, daß dadurch die eigenen zu |i Hause wesentlich geschont werden. Diese eigenen || werden bei Gegenbesuchen nach Möglichkeit versteckt. Oder die Kiste ist „zugenagelt" und geht Sie haben im Nu eine prächtig schäumende Lauge. Die führenden Textil-Fabrikanten empfehlen das lauwarme Waschen mit Lux Seifenflocken. Diese andauernde Rücksichtnahme und angeborene Robilität der männlichen Ratur! Ommer nur erst die andern, und dann eine ganze Weile gar nichts: dann noch einmal die andern wieder eine ganze Weile gar nichts und dann erst der Ernährer, der Erhalter, der Bedrängte, das tägliche Gib-Geld°Männchen. Welche Kurz- • " - ' w:-£-r---was tßitb K, mÜ? “li Aus der provinzialhaupistadi ?Un9 W I dekdev * LL Ä L"" I Haus am Drandplah statt. Es werden verkost: neun Anrechtscheine im Gesamtbetrag von 500 Mk. und 17 im Lause des Jahres in den Ausstellungen des Vereins, insbesondere auch in der zur Zeit statttindenden Weihnachts-Ausstellung „K ü n st l e r h i l f e" angekaufte Kunst- gegenstände, alle Bilder gerahmt, insgesamt 2 6 Gewinne im Gesamtwert von etwa 1200 Mark. Die zur Verlosung kommenden Kunst- gegenstände sind von morgen Sonntag, den 8. Dezember an im Turmhause ausgestellt. Die Weihnachtsausstellung selbst erfreut sich regen Interesses seitens des Publikums. Ankäufe sind bereits erfolgt. Besuch und Förderung der Veranstaltung wenigstens durch Erwerb von L o s e n zu 50 Pfennig für die am 19. Dezember stattfindcnde Ausspielung werden Im Interesse der Künstler nochmals warm enpfohlen. Die Ausstellung bleibt bis Montag, 23. Dezember, einschließlich geöffnet und ist Sonntags, Montags, Mittwochs, Freitags von 11 bis 1 älhr. Soirntags auch von 3 bis 6 ilfir und Mittwoch- von 3 dis 7 älhr bei freiem Eintritt zugänglich. "Bekanntgabe von Zugverfpätun- gen bei der Reichsbahn. Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. hat angeordnet, daß mit Wirkung vom 1. Dezember ab in den Warteräumen und an sonst geeigneten Stellen des Bahnhofsgebäudes größerer Bahnhöfe deS Direkttonsbezirks, darunter in Gießen, Frankfurt a. M. (Hptbhf.). Wetzlar, Alsfeld, Bad- Rauheim, Friedberg, Dillenburg, Weilburg, Gelnhausen und Fulda folgende Aushänge angebracht werden sollen: „Zum Einsteigen wird im allgemeinen nicht abgerufen. Dagegen werden Zug- verspätungen von mehr als 15 Minuten und wesentliche Aenderungen der bekannt gegebenen Verspätungen in den Warteräumen und auf den Bahnsteigen ausgerufcn. Ferner wird ausgerufen zu den Zügen, deren Verspätung durch Ausruf bekannt gegeben war." Die größeren Zugverspä- tungen werden, wie bisher, auf den in der Bahnhofshalle und an den Bahnsteigen angebrachten Verspätungstafeln bekannt gegeben. weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt & Co., Nürn- Die Pfarrer Heumann-Hcilmittel sind stets Originalpreisen erhältlich in der Niederlage! Bücher find in erster Linie für Männer? In ihnen reisen sie weit weg für wenige Mark. Wenn sie des Sonntagsnachmittags abgefahren sind, sind sie zum Abendbrot schon wieder da. Der Haushalt erleidet keine Unterbrechung. Ich wünsche indes dem Mann — außer den bereits gedruckten — Bücher, die noch nicht geschrieben sind. Bücher, die ihn nicht mit der Welt entzweien, sondern ihn lehren, sie zu lieben und zu verstehen. Bücher, die sich mit ihm selbst beschäftigen, deren Autoren wissen, daß sie gleichen Probleme mit einigen Abstufungen das Gemüt des intelligenten Arbeiters ebenso beschäftigen wie das des Beamten und Kaufmannes. Ich wünsche dem Manne zu Weihnachten solche Autoren und bete mit ihm zum Christkind, damit es uns einige beschere. Nach diesem frommen Wunsch wolle man sich wieder den Realitäten zuwenden. Die reine idealistische Veranlagung des Mannes hindert es nämlich durchaus nicht, daß er, sagen wir zum Beispiel an schönen Schuhen, halben und ganzen, gelben und schwarzen, an kunstvollen Krawatten und edlen Hemden seine Freude hat. Warum soll er nicht wenigstens ungefähr wie ein Mann von Welt aussehen, selbst wenn er keine Gelegenheit hat, die Welt zu besichtigen? Es ist dies auch gar nicht so sehr erforderlich, denn es gibt gute Atlanten, alte und neue Reiseschwarten, Bäder-Blätter, interessante Reiseauskünfte und schöne Annoncen. Man betrachtet das alles mit einem heiteren, genießerischen Ange, das weinende hält man stark zugeklemmt und hebt sich im Geiste all diese guten Dinge für später auf. Es darf eben auf dem Gabentisch, der hier im Ge.ste gedeckt sei, zwischen Geschenken, Backwerken, Nüssen, Weinen, Marzipanherzen, Apfelsinen und Aepseln. nicht jenes kleine Beutelchen fehlen, das um den Hals unter der Weste zu tragen ist und ein Stückchen Optimismus enthält! Es kann zusammengesetzt sein aus Wille zu guter Laune, Dergnügtsein darüber, daß man überhaupt vorhanden und einigermaßen gesund ist, und der-Erkenntnis, daß es nicht wichtig ist, sich von anderen ärgern zu lassen! Dieses Beutelchen ist bei der eigenen Erkenntnis zu kaufen und kostet eigentlich nur die Erkenntnis selbst. Am besten ist es, man kauft es gleich heute ein. Denn es ist ganz unglaublich, was der Besitz dieses Beutels für eine unermeßliche sonstige Kauflust verursacht. Geht man in diesen tagen durch die hellen, blinkenden Straßen, in denen die Schaufenster gleich guten Feen in den Nischen der Häuser stehen, gleißen und locken, so wird einem das Herz voller werden, als es die Brieftasche je sein kann. Aber das macht nichts. Erft muß einmal e i n Portefeuille leer werden, und sei es auch noch so klein. Wer etwas schenkt, schenkt es ja in dem Augenblick, da er es kauft, zunächst sich selbst. Er hat die erste, unmittelbare Freude daran. Er sucht aus, er bestimmt, verwirft, er trägt das Paket unterm Arm, er hat gezahlt, sein verdientes Geld hingegeben, um zu erfreuen, um Wünsche zu erfüllen. Darum ist das Was und das Wie des Schenkens auch nicht einmal so ausschlaggebend. Die Hauptsache ist, daß überhaupt geschenkt wird, daß jedem ein paar Taler in der Tasche brennen, di« hinausrollen wollen, auf irgendeinen Ladentisch, um sich in Gaben zu verwandeln. Ob es nun tausend Taler sind für ein Auto oder einer für eine Kleinigkeit, das ist im Grunde genommen kein Unterschied: 3m Himmel der Vergeltung wird das nach gleichem Maß gemessen werden. Aber wehe dem, der tausend Taler ausgeben könnte und nur drei Mark ausgibt. Er wird einst in der Hölle schmoren, in der Weihnachten mit Rauchen von schlechten Zigarren, Trinken von Bitterwassern, in kalten Pantoffeln, bei zugigen Türen, rauchenden Oefen, verstärkten Radiogeräuschen, falschen Telephonverbindungen, ewig klingelnden Entreetüren, kleinen Flöhen, Gardinenpredigten sowie dem Vorlesen von politischen Artikeln gefeiert wird. Zu enge Geiz-Kragen werden verteilt werden und ohne Unterlaß müssen die Sünder aus den eigenen, in hundert mühsamen Höllenjahren ersparten Geldsäcken Taler um Taler zum Fenster hinauswerfen, während unten auf der Erde die Konkurrenz steht und sie hohnlachend auffängt. Wer wollte das riskieren? Neuer Gießener Ehrendoktor. L. 11. Die medizinische Fakultät unserer Lud- wigsuniversität hat heute den Ministerialrat i. R. Adam Paul in Darmstadt „den langjährigen Leiter der Bauabteilung beim Ministerium für Kultus und Bildungswesen, dem Erbauer zahlreicher medizinischer Institute, den Förderer baulicher Modernisierung und technischen Fortschrittes in den Einrichtungen der medizinischen Institute, in dankbarer Anerkennung seines verständnisvollen Entgegenkommens, seiner nachhaltigen Unterstützung bei der Lleberwindung entgegenstehender finanzieller und anderer Schwierigkeiten, seiner BereitwiUigkeit den persönlichen und sachlichen Wünschen der medizinischen Fakultät mit feinem Verständnis entgegenzukommen", ehrenhalber zum Doktor der Medizin ernannt. N Dichtigkeit! Zu drei Vierteln gehört ja alles Hl CT sich wünscht, der Familie. Seine Taschen iLcher, seine Schlipse, sein Haarwasser, seine Zi- । aacctten, seine Zigarettenetuis, seine Bücher verbrauchen Frau. Kinder und Kindeskinder mit. Wäre der Smoking nicht zu weit, würde ihn seine Aelteste bestimmt zum kommenden Privatjung- uen -uge.. . m ■ । voigege.e^, a fei cm ■ qetrefai. Er h°.r ten | 5t, ruhig 'm Wagen | Sam habe er au- einer | euzin in ob au|| ntire auf dternlt.» um dem Insa, e' M » Hebe Möglich' L eit Er habe bann M | gesteckt. Eine I /habe M die | ridung seines 1 Sann fei er öavon beerf--SI »ranne von ASCHEN SIE FEINE SACHEN IMME/} ../ARM / _ _ _ __ Drei wichtige Gründe: I Ä I J_M/> I | I Sie waschen leichter, rascher und schonender. z... / \ * Mpi, * S 81 ®ebnl?on”'i. var^eoracht bat» 1 ivwluih (jumuyuiiycu. „Mhelinz's.?? graphenapparat, den nlhd)e Seiet ftnH wünscht. lauert schor «leutnautSch^ i Ag feines ! husche des 4eete°leitung ba? £ i Ä Schüler uni ; fresse. Eine Word- f ^mmanboä Maclen'enj I Ae terstatue, bie W« I Se?Un9 lsil I ^blhrlms überbrachlm I JfMmÄÄ6”9; I steckt. Over Oie Äi|te i|t „zugenagen unu geyr tinSS 5 nicht recht auf. Mit den Weinen ist es nicht viel m I anders. Da stehen so ein halbes Dutzend hervor- n-fc I ragender Marken auf dem Weihnachtstische. Sie y rsmeral v. Cramoi, I werden probiert. Man lobt sie, man schmunzelt und schnalzt mit der Zunge. Die Korken fliegen toat i und bald folgen den sechs Leergetrunkenen die ?a* vollen, die im Keller auf stille, einsame Abende )Mche dneslichr Glück- 3 Warteten. So sehen die Geschenke aus, die für tu herzlichster I Un8 arme Männer bestimmt sind. Aber laßt nur! m ics AeiHsprSli, I Qtiemanö ist weniger egoistisch, niemand gibt 'bürg. I häufiger gerne ab, spendet freund.icher der Allge- h e-ibe Dcr&rml I meinbeit als der Mann. Er freut sich mit den 90™nnt J ^^chenden, den Trinkenden und ist schon froh, im Leidiger Knimnal» g trenn dabei die ihm geschenkten Oberhemden nicht gleich mit Rotwein begossen werden. 2hm bleibt ja das Reich der Phantasie! Worin besteht denn die Sehnsucht der Männer? Fr. 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Dezember ist diezweiteZone frei geworden; fast elf Jahre hat Koblenz die Last der Besatzung ertragen. Und mit tiefem Dank empfinden wir bei diesem Rückblick vor allem die unwandelbare Treue, die die Bevölkerung des Rheinlandes dem Reich und Deutscktond gewahrt hat, in einer Lage, unter einem seelischen Druck, von der sich die dahinter und fern davon Sitzenden wohl kaum eine zureichende Vorstellung gemacht haben. Selbst in der französischen Kammer hat doch schließlich der Verstand gesiegt. Der bekannte Abgeordnete Franklin Bouillon hatte wieder in angeblichen strategischen Rüstungen Deutschlands herumzustochern sich bemüht und dazu einen parlamentari- schen Unterausschuß zur Prüfung in der Kammer durchgesetzt. Er sollte wahrhaft.g auch an Ort und Stelle, im besetzten Gebiet, Erhebungen anstellen! Da hat nun doch der Ausschuß selber beschlossen, von derartigen Erhebungen an Ort und Stelle ab- zuschen. Aber ein Wunder ist es nicht, wenn durch dergleichen immer wieder Beunruhigung entsteht, I Mißtrauen und Zweifel, ob Frankreich wirklich den | klaren Standpunkt aufrecht erhält, zu dem sich ja, wie bekannt, wenigstens Briand und Tardieu in Sachen der Räumung und allem damit Zusammenhängenden bekannt haben. In Bezug auf die Haager Schlußkonfe - r e.n z steht das Datum immer noch nicht fest. Jedenfalls wird sie vor Januar nicht zusammentreten. Innenpolitische Rücksichten Frankreichs sind an dieser Verschiebung schuld und außerdem die ungelösten Schwierigkeiten in den Unterausschüssen, die noch da sind. Die Pariser Sachverständigen haben doch recht viel in ihrem Plan unerledigt gelassen und geglaubt, sich mit „Empfehlungen" bereits ihrer Aufgabe entledigt zu haben. Weder die Ostreparationen noch die für Deutschland so wichtigen Saarverhandlungen sind zu irgendeinem Abschluß gediehen.. Die sogenannte I u r i st e n k o n f e r e n z , die nunmehr, auch später als beabsichtigt, nämlich am 10. Dezem- der, zusammentreten soll, findet durchaus nicht in jeder Beziehuny ein abgeschlossenes Material vor, aus dem sie einen Vertrag schaffen könnte. Ihre Aufgabe ist nicht gering. 1924 war bekanntlich der Vertrag aus dem Dawesplan schon vollständig fertig. Jetzt liegt nur ein Plan, eine Denkschrift mit einer Reihe von Anhängen und einem Haufen Material dazu vor, aus dem nun im ganzen ein Vertrag herausgearbeitet werden soll. Das ist freilich mehr eine technische Aufgabe. Mit einer Ausnahme, die Deutschland und den dafür verantwortlichen Beauftragten außerordentlich angeht. Unter allen Umständen muß durchgesetzt werden, daß der Polenvertrag getrennt von dem Aoungplan-Vertrag dem Reichstag zur Entscheidung vorgelegt wird. Er hat den Auswärtigen Ausschuß zwei Tage beschäftigt. Es ist belannt, daß sowohl die Deutsche Dolkspartei wie das Zentrum die starken Bedenken von deutschnationaler Seite gegen diesen Vertrag teilen. Also muß dafür gesorgt fein, daß die Entscheidung darüber ohne Zusammenhang mit dem Doungplan und deshalb auch ohne Beeinflussung von dieser Seite her herbeigeführt werden kann. In dem weiteren Rahmen der Weltpolitik ist dos wichtigste die — man kann es nicht anders nennen — Kapitulation Chinas, genauer gesagt der Regierung der Mandschurei (Mukden) vor Rußland. Es hat dazu eines militärischen Vorstoßes der Russen in die Mandschurei bedurft, unter dessen Druck die Mukdenregierung sich entschloß, mit Rußland in Verhandlungen einzutreten. Sie konnte daher auch nicht anders, als die bekannten russischen Bedingungen annehmen. Die Verhandlungen darüber haben begonnen. Rußland hat damit unzweifelhaft einen Erfolg erzielt und richtig berechnet, daß die Schwäche Gchulaufsah. Von Adolf Georg Bartels. Ich sitze, die Shagpfeife im Mundwinkel, an meinem Schreibtisch und lese. Cs ist Rachmittag. dämmerig. Dom Schnee, der draußen auf der Straße liegt, gefroren und zusammengeschrumpft und sehnsüchtig nach neuen Wolken von oben herab, kommt ein bläulicher Schimmer, der sich in das sinkende Tageslicht mischt und mit ihm zusammen und mit der Dampfschicht im Zimmer die Atmosphäre bildet, die den Zauber meiner winterlichen Dachmittage ausmacht. Es klopft. Mein Jüngster kommt zu mir herein. Ein Dübchen von zwölf Jahren, blaß, lebhaft, mit goldblondem Schopf, nicht ohne einen mühsam und hartnäckig erarbeiteten Scheitel, der ewig verrutscht. Du, Papa, wir haben zu morgen einen Aufsatz zu machen, fühlt er vor. Ja, dann mach' du nur den Aufsatz, sage ich und lese weiter. „®in Schiff legt an“ oder „Ein v-Zug läuft ein". Wir können uns aussuchen. Ich sage gar nichts. Rauche. Lese. Scheußlich schwere Themas, meint der Kleine. Er steht neben mir und schielt auf den Stuhl, auf ben er sich sehen möchte, um was diktiert zu kriegen vom O-Zug, der einläuft, oder vom Dampfer, der anlegt. Scheußlich schwer, wiederholt er. Was? Schwer? Herrlich finde ich das Thema, alle beide! Ich finde das aber gar nicht, Papa. Und nach einem Ruck kommt endlich: Was könnte man denn da mal schreiben? Sollst du den Aufsatz machen oder ich, was? Man kann nicht eine Minute lang ruhig arbeiten, es ist nicht zum Aushalten... Du liest ja, Papa, du arbeitest ja gar nicht! Aha, jetzt wird er frech, denke ich. So ists recht. Gut, mein Sohn, so gefällst du mir. Ra, seh dich mal hin. Hast du das Heft da? Den Dleistift auch? Schön, aber noch nicht schreiben! Wir wollen erst mal so versuchen; und außerdem sollst du den Aufsatz allein machen. Er lächelt. Er kennt das. Soll ich denn den O-Zug nehmen? Gaiiz egal. Aber nehmen wir ihn. Wie sieht so ein Ding aus? Chinas schließlich dieses Nachgcben erzwingen würde, freilich ist es nun mit dem Erfolg so eine Sache. Zunächst: Rußland eilt, mit Mulden abzuschliehen in direkten Verhandlungen der beiden Teile. Aber Mukden ist nur ein Teil. Die Zentralregierung in Nanking ist von der Kapitulation Mukdens überrascht worden und strebt selbstverständlich danach, daß eine solche Verhandlung zwischen den beiderseitigen Zentralstellen, also zwischen Moskau und Nanking stattfindet und abgeschlossen werde Es dreht sich ja dabei nicht nur um die nächste Beilegung des Konflikts, sondern um die sehr verwickelte Ordnung der Streitigkeiten über die ostchinesische Bahn selbst und die Rechte an ihr. In diese Komplikationen stieß am 2. Dezember unerwartet d.e amerikanische Intervention herein. Die Vereinigten Staaten haben an Rußland (mit dem sie keine diplomatischen Beziehungen unterhalten!) und China eine Note gerichtet, die sehr bestimmt an den Kelloggpakt erinnert und die Verpflichtung, alle Stre.fragen nur friedlich bei« zulegen. England und Frankreich haben sich diesem Schritt schon angeschlossen. Japan hält sich fern. Deutschland betont seine besondere Stellung als Schutzmacht der beiden Staaten und behält sich die Entschließung über die weiteren Schritte vor. Dieser amerikanische Schritt ist zunächst nur eine Erinnerung an den Kelloggpakt und die Pflich- ten gegen ihn. Aber bet der großen Macht der Vereinigten Staaten ist xs zugleich der Beginn einer wirklichen Intervention. Daß Amerika diesen Schritt tat, war seine Pflicht. Aber er hätte l ä n g ft ge- scl-ehrn müssen! Im August wurde von Slimson ein ähnlicher Vorstoß gemacht, der dann unerwartet schnell versackte. Dann sind fünf Monate verstrichen, in denen Amerika rein nichts getan hat. Nun kommt es mit dieser Anregung genau am gleichen Tage und im gleichen Augenblick, in dem die direkten Verhandlungen der beiden Strei- tenden an der russisch-chinesischen Grenze begannen. Das klappt nicht zueinander, und so ist der amerikanische Schritt in diesem Augenblick nicht sehr zweckmäßig, vielleicht ein Fehler. Man weiß nicht recht, ob darin Absicht lag ober eine gewisse Unsicherheit der amerikanischen Diplomatie, die überhaupt auf diesem Gebiet bemerkt worden ist. Jedenfalls hat Rußland die amerikanische Note gleich schroff ju« rückgewiesen. Die direkten russisch-chinesischen Verhandlungen werden dadurch nun eher erleichtert. Die Chinesen versuchen, was den Konflikt ja so verschärft und kompliziert hat, die Erledigung immer undurchsiä)- tigt und zwiespältig zu halten. Die Russen haben einen klaren Standpunkt eingenommen, von dem sie auch nicht abgehen. Beide Staaten aber haben gemeinsam das Interesse daran, daß eine Intervention der anderen nicht dazu führt, die ostchine« Mademoiselle Docteur, die größte Spionin Devlschlands. Annemarie. — Zn der Höhle des Löwen. i. । 2lus dem neuen Buche: „Spionage!" von H. R. B e r n b o r f f. Verlag Dieck & Co., Stuttgart. Das sind die Schicksale der größten deutschen Spionin, die Deutschland im Weltkriege und davor gedient hat. Ihr wirklicher Name, ja ihre Existenz war lange verborgen, nur wenige wußten von ihrem Dasein, und erst nach dem Kriege hat der Oberst Nikolai sie in seinem Buch „Geheime Mächte" einmal flüchtig erwähnt. Er sagt von ihr, daß es neben einem ganz bestimmten Offizier hauptsächlich eine auffallend kluge und schöne Frau war, die am besten mit den Spionageagenten umgehen konnte. Die Schicksale dieser Frau sind phantastisch, ihr Ende ist erschütternd. Den Namen ..Mademoiselle docteur" haben ihr die feindlichen Agenten und Spione gegeben, in Wirklichkeit hieß sie Annemarie Lesser, und ihr väterliches Haus stand in der Tiergartenstraße in Berlin. Mit 16 Jahren lernte sie einen Rittmeister bei den Gardehusaren, Carl von Wynanky, kennen und lieben. Ihr Vater warf sie aus dem Elternhaus, als dieses Verhältnis nicht ohne Folgen blieb. Der Rittmeister von Wynanky aber quittierte seinen Dienst bei den Gardehusaren, wurde später wieder reaktiviert und trat als Hauptmann in ein Eisen- bahnerdataillon ein. Hier arbeitete er ehrgeizig und mit der Absicht, in den Generalstab versetzt zu werden. Seine Freundin, Annemarie Lesser, saß in dieser Zeit in Berlin, wußte nicht, was sie beginnen feilte und lebte von dem Gelde, das ihr der Hauptmann schickte. Da brach über Carl von Wynanky das Verhängnis herein. Das väterliche Gut, von den Brüdern verwaltet, ist verschuldet, feine monatliche Apanage wird auf ein Geringes reduziert und zudem noch von den Gläubigern des Hauptmanns, die er aus feiner Zeit bei den Husaren noch hat, gepfändet. Der Hauptmann ist verzweifelt. Da stellt ihm sein Kommandeur die Alternative, entweder seine Schulden zu bezahlen oder den schlichten Abschied zu erhalten, und in dieser Not fährt der Hauptmann nach Berlin zu einem befreundeten Kameraden, der als Oberstleutnant im Großen Generalstab dient. Der Oberstleutnant bringt ihn mit einem sehr hohen Offizier, der den Titel Exzellenz trägt und den der Hauptmann kennt, zusammen, und dieser Offizier verweist ihn an einen Herrn I. Matthesius, der in der Bükowstraße ein Bureau innehat. Dieses Bureau, das nach außen hin Automobile und deren Zubehörteile vertreibt, ist ein deutsches Spionagebureau, dem Herr I. Matthesius vorsteht. Der Hauptmann ist bereit, um aus seinen Schulden herauszukommen und für Annemarie Lesser weiter sorgen zu können, die Spionage für fein Vaterland zu treiben, und so trifft er, nachdem seine Schulden bezahlt worden sind und er den Abschied genommen hat, eines Tages mit Herrn I. Matthesius in Berlin in dem Restaurant des Hotel Adlon zusammen. Herr Matthesius ist klein und hager, Koteletts fallen dicht an den hervorstechenden Backenknochen vorbei, unter der hervor- tretenöen Stirn sitzen zwei unruhige Augen, alles ist knochig unö eckig an diesem Mann, der in einem unendlich gut gemachten blauen Sakloanzug steckt. „Es ist folgendes," beginnt Matthesius brutal und ohne Uebergang, „heute ist Mittwoch, Sie fahren nod) heute abend mit dem O-Zug nach Paris. Sie werden sich in Paris an die Firma Meunier & Co. wenden, deren Adresse hier auf diesem Zettel steht. Diese Adresse lernen Sie bitte auswendig, den Zettel vernichten Sie. Meunier & Co. ist noch eine junge Firma, sie muß Ausgaben sparen, der Chef hat keine Angestellten. Sie macht Versuche mit Kugellagern für Automobile, für Pneus und dergleichen und steht mit meiner Firma in Geschäftsverbindung. Da ist zu diesen Leuten nun ein Mann gekommen, der Pläne anbietet zur Konstruktion eines automatischen Geschützes, eines Feldgeschützes, das mit der ähnlichen Konstruktion wie etwa ein Trommelreoolver in der Lage ist, unendlich schnell hintereinander zu schießen. Sie sind ja Soldat. Sie können sich also darunter etwas vorstellen. Diese Pläne kosten 5000 Mark. Diese Summe werden Sie in bar mitnehmen, und Sie werden die Pläne kaufen, wenn Sie sich von ihrer Brauchbarkeit überzeugt haben. Sie werden sie aber zweitens nur dann erwerben, wenn Sie persönlich festgestellt haben, daß man in der französischen Armee diese Pläne bereits als verwendungsmöglich befunden hat, und wenn man damit umgeht, derartige Geschütze zu bauen. Sie telegraphieren bitte nicht, Sie schreiben nicht, sondern wenn Sie Ihren Auftrag im negativen oder im positiven Sinne erfüllt haben, dann fahren Sie wieder nach Berlin, und dann rufen Sie mich an. Wir werden uns dann irgendwo treffen. Hals- und Beinbruch, Herr Hauptmann, und wenn es Ihnen nichts ausmacht, dann habe ich Sie jetzt das letztemal mit diesem Titel angeredet. Hier ist ein Scheck für Ihre Auslagen. Auf Wiedersehen!" In Paris kletterte von Wynanky über steile Treppen zu dem Inhaber von „Meunier & Co.", der außerordentlich einsilbig war, kaum ein Wort redete und ihn schon am Abend in einem kleinen Cafö mit einem Manne zusammenbrachte, der etwas struppig aussah und der erklärte, er habe nun mit dem Herrn von „Meunieur & Co." lange genug verhandelt, er gedulde sich noch 24 Stunden, und dann bekäme jemand anderes die Zeichnung. Der Hauptmann riß sich zusammen. Er übernahm die Führung bei der Verhandlung, verabschiedete sich kurz von Herrn Pissard, dem Inhaber von „Meunier & Co.", und brachte den struppigen Mann in sein Hotelzimmer. Hier sah er sich die Pläne an und prüfte sie vielleicht zwei Stunden. Zigaretten rauchend und spuckend saß der Franzose dabei und bequemte sich Dorn die Lokomotive, dann die Wagen, dazwischen die Ziehharmonikas und in der Mitte der Speisewagen. So'n O.Zug fährt kolossal rasch, und es gibt oft Unglücke. Er stockt. Ja, ganz richtig, und du stehst auf dem Bahnsteig und willst wen abholen, Tante Marie zum Beispiel. Rein, die nicht, fährt er dazwischen. Er kann die Tante nicht leiden. Gut, also Onkel Wilhelm. Und da laufen die Leute mit Koffern auf dem Bahnsteig herum, aber das kannst du auch weglasscn. Also der Zug, der kommt dahinten her, braust und kracht in die Halle, bremst und pustet den Dampf auf die Schienen, und die Türen gehen auf (Mann, du sollst doch nicht schreiben!), und die Gepäckträger nehmen das Gepäck durch das Fenster den Reisenden ab, und... Manche steigen auch aus und trinken rasch was. Dann müssen sie sich ihren Wagen merken, sonst finden sie nicht wieher hin. So? Aber ein O-Zug hat doch Gänge, und du kannst durchgehen von einem Ende bis zum andern. — Aber den Onkel hast du wohl ganz vergessen? Das kommt doch noch nicht 1 Wir sollen drei Seiten schreiben, mindestens, hat Herr Doktor gesagt. Erst muß die Post eingeladen werden, und der Mann mit der roten Mütze geht auf und ab, und die Leute fragen den Auskunfts- mann, wann sie ankommen und ob sie den Anschluß wohl noch kriegen. Dann bezahlen sie das Brötchen oder den Likör, und der Schaffner ruft: „Bitte Platz nehmen, bitte Platz nehmen." Und der Onkel? Der rennt dich ja um, du Held! Wir schweigen beide. Pause. Zufrieden? Oder fehlt noch was? Rein? Ra, dann also. Geh jetzt ins Wohnzimmer und schreib das so ähnlich auf, wie wirs besprochen haben; konnst auch noch was Rcues dazwischenbringen, wenn dir etwa was einfällt von Wiedersehensfreude oder so. Raus! — Er sieht mich an und lacht, sagt „danke!" und stürzt zur Tür hinaus, Heft und Bleistist schwingend. Ich seukze aus, lächle ein bißchen vor mich hin und lese weiter. Die Pfeife ist natürlich ausgegangen, das hat man davon... Am Abend kommen dann die Grammatikfehler und die Kommata — o, es ist nicht leicht, einen Sohn zu haben, der in Quinta geht! Oer kleine Heilige. Von Dorothea Hollah. Daß sie eigentlich Mistkäfer heißen, weiß jeder Mensch, aber Drombeerkäier klingt schöner. Es entspricht mehr unserem ästhetischen Gefühl. Und ebenso, wie man Käfer nach der Oertlichkeit benennt, da sie sich mit Vorliebe aushalten, kann man sie auch nach dem nennen, dem sie gleichen — in diesem Falle den Brombeeren. Ihnen selbst ist es gleichgültig. Ihre Vorliebe für Mist ist übrigens lückenhaft, denn im herbstlichen Buchenwald — fern von allem Mist und dergleichen — sah ich jünast hundert und aber hundert zwischen den welken Blättern nachdenklich und langsam eiu- herkrabbeln. Der Fäulnisdust sterb nder Blatter und verwelkender Gräser mochte sie aus dem Waldboden gelockt haben, — jener hetbe kühle Herbstduft, der auch uns Menschen ernst und besinnlich stimmt. Cs ist etwas Tragisches um das Schicksal der Drombcerkä er. Erstens tce den sie v n Die e über die Achsel angesehen, obwohl ihr runder fester Schild von einem wundervoll schillernden Blau- schwarz ist, und zweitens — und das ist das größere Hebel — vermögen sie sich nicht selbständig umzudrehen, wenn sie durch Ungeschick oder Zufall auf den Rücken gefallen sind. Wie auf einer Halbkugel schaukeln sie hilflos hin und her, ohne den Schwung auf- bringen zu können, sich zur Erde zurückzudrehen, flehend zappeln die zierlichen Beinchen an dem leuchtend stahlblauen Bauch. Sie ft erben den grausamen Tod des Verhungerns, wenn nicht vorher ein Vogel sich ihrer erbarmt. Roch nie babc ich gesehen, daß einer dem andern geholfen hätte. Und es wäre doch so leicht... Auch darin gleichen sie uns Menschen. Weit vor mir gingen zwei Frauen, und zu diesen Frauen mochte das Büblein gehören, das ich beobachtete. Es trippelte auf feinen dünnen Deinen zwischen den welken Blättern einher und bückte sich mit unermüdlichem Eifer, als sammle es Bucheckern oder Herbstblätter von besonderer Buntheit. Ohne daß es mich bemerkte, näherte ich mich ihm, um mir Klarheit über seine Tätigkeit zu holen, die es mit bewundernswerter Konsequenz nicht unterbrach, obwohl die beiden Frauen es in milden, dann in ungeduldigen und zuletzt in zornigen Worten her- bemefen. Da erlebte ich etwas Wunderbares: Es war schließlich, morgen abend um dieselbe Zeit noch einmal wiederzutornmen. Noch in der. Nacht holte Wynanky Monsieur Pissard aus dem Bett, nod) in der Nacht verlangte er von ihm eine Bescheinigung mit Photographie, daß er bei den Herren Meunier & Co. als Konstrukteur angestellt sei und für den morgigen Tag verlangte er einen Schweizer Paß auf irgendeinen Namen mit seiner genauen Personalbezeichnung, „Paßphotographien sind hier, ich habe mir so etwas Aehnliches schon in Berlin gedacht." Monsieur Pissard war erstaunt. Monsieur Pissard versichert, so schnell ginge Derartiges nicht, dazu brauche man eine Woche. Der Hauptmann saß auf dem Bettrand des Herrn Pissard. Er überlegte sich, was er nun machen solle, und da tarn ihm eine Erleuchtung. „So," sagte er, „man hat mir gesagt, Sie mären ein erfahrener Mann, man hat mir gesagt, Sie verstünden unser Metier, was meinen Sie, Monsieur, wie erstaunt diese Leute in Berlin sein werden, wenn sie erfahren, daß hier ein ausgemachter Trottel und ein ganz verfluchter Idiot sitzt. Wofür bezahlen wir Sie eigentlich? Vielleicht dafür, daß Sie noch nicht einmal in der Lage sind, in ein paar Stunden einen falschen Paß zu besorgen?" Monsieur Pissard warf sich schnell im Bett auf die andere Seite und verbarg sein Gesicht in den Kissen. Der Hauptmann nahm an, daß Pissard wegen dieser Donnerrebe, die er ihm gehalten hatte, nun sehr betrübt sei. Er wäre außerordentlich erstaunt gewesen, wenn er gewußt hätte, daß der Mann in dem Bett Mühe gehabt hatte, ein vergnügtes Lachen zu unterdrücken. Hauptmann von Wynanky erhielt seinen Paß. Dieses Dokument war vorzüglich, und er ersah daraus, daß er jetzt George Nieweg hieß, und er freute sich über die tadellosen Stempel, die dies Papier aufwies. Und dann tat er etwas, was in der Welt der internationalen Agenten viel später, als es bekannt geworden war, sehr belacht wurde, er ging vergnügt und munter und ohne Hemmungen in die Höhle des Löwen, zu dem französischen Generalstab, und unterbreitete die Pläne über das Mehrladegeschütz dem zuständigen Geniekapitän. Sein tadelloses Gedächtnis hatte ihm geholfen. Aus dem Kopf hatte er noch in der Nacht den Entwurf des ftruppeligen Herrn kopiert. Der Geniekapitän schob nach den ersten Blicken die Papiere zurück. „Sie sind Techniker, so sagten Sie, und Sie beschäftigten sich in den Mußestunden mit solchen Dingen. Hören Sie, Monsieur, gehen Sie lieber angeln ober spielen Sie Fußball, aber fertigen Sie nicht derartige unsinnige Pläne an. Das Ding fliegt Ihnen ja beim zweiten Schuß um die Ohren." „Na, also", sagte sich im stillen der Hauptmann. Er machte ein betrübtes Gesicht, als er sich von dem Geniekapitän verabschiedete. (Fortsetzung folgt.) ein kleiner Heiliger, der durch den Wald schritt. Beim Anblick eines jeden Brombeerkäfers, der hilflos auf dem Rücken zappelte, bückte er sich und drehte mit seinen zierlichen Fingern das Käferlein auf die richtige Seit: und seufzte befriedigt. Das tat er hundert und aber hundertmal mit einem unerschütterlichen Ernst, mit innerer Selbstverständlich!:it, aus einer zwingenden Rotwendigkeit heraus. Ich lächelte über das rührende Bild, — aber ich hätte mich schämen sollen. Beim Weitergehen sah ich mich oft nach ihm um, und immer sah ich ihn dauernd am Waldboden. Cs war ein Büblein, das den Mistkäfern half, — weiter nichts — und doch war es etwas Erschütterndes. Ob es ein Mensch werden wird, der willig und fähig sein wird, später auch Menschen zu retten, wenn sie sich dem Schicksal geliefert glauben, wenn sie keine Rettung mehr wissen, und nur schweigend flehen, daß einer kommen möge und sie auf den ,rechten Weg zurückführe? Er wäre einer von Zehntausenden. Hochschulnachnchien. Der Lehrstuhl für Altes Testament an der Universität Marburg (an Stelle von Prof. G. Hölscher) ist dem ordentlichen Prof. Dr. Emil Balla in Leipzig angeboten. Pros. Bal.a, dessen Schriften Altes Testament und altoricn- talische Religionsgeschichte betreffen, widmete sich in Berlin. Marburg und Gießen dem Studium der Theologie, besonders bei Gunkel und Budde, und erwarb 1912 in der Gießener Theologischen Fakultät den Lizentiatengrad. Im gleichen Jahre habilitierte sich Balta in Kiel, kam später nach Marburg und erhielt dort einen Lehrauftrag. 1915 wurde Balla Extraordinarius zu Münster, wo er später zum Ordinarius befördert wurde und 1924 nach Leipzig übersiedelte. — Der durch die Emeritierung des Prof. R. Lorenz an der Frankfurter Universität erledigte Lehrstuhl der physikalischen Chemie ist dem ordentlichen Pro, es or Dr. Arnold E u ck e n an der Technischen Hochschule in Breslau angeboten worden. — Der durch die Emeritierung des Prof. F. Oppenheimer an der Universität Frankfurt erledigte Lehrstuhl der Soziologie ist dem Privatdozenten Dr. Karl Mannheim in Heidelberg angeboten worden. — Der Göttinger Botaniker Prof. Dr. Fritz von Wett st ein hat einen Ruf an die Universität Freiburg i. D. abgelehnt. fische Dahn sowohl Rußland wie China aus der Hand zu winden. Und unter dem Druck dieser Furcht können allerdings die Verhandlungen schneller gehen, als bei der ganzen Art der beiden Teile von vornherein wahrscheinlich lst. Deutschland wiederum hat ein Interesse daran, daß die direkten Verhandlungen möglich st schnell zu einem Ergebnis führen, damit Deutschland aus der allmählich recht unbequem gewordenen doppelten Rolle als Schutzmacht heraus kommt. Und im übrigen kann es nur wünschen, daß, da es mit beiden Mächten gute Beziehungen unterhält und pflegt, dies« sich schnell und dauerhaft verständigen. In diese ganz« Situation kommt die erste Botschaft Hoovers an den Kongreß, der wie üblich Anfang Dezember zusammengetreten ist. Wieder spricht er vom Kelloggpakt und unterstreicht er den Beitritt Amerikas zum Haager Schiedsgerichtshof dem der Senat jetzt zustimmen muß. Er weist auf Fortschritte der amerikanischen Politik in Mittel- und Südamerika hin. Er fordert auf, an der Einschränkung der Rüstungsausgaben mitzuarbeiten, und hofft auf einen Erfolg der Londoner Konferenz. Für Deutschland ist der Teil wichtig, in dem er vom deutschen Eigentum spricht: der Entschluß, es zurückzugeben, würde durchgeführt, von einer Gesamtsumme von 625 Millionen Dollar sind noch nicht 1116 Millionen zurückgegeben, die im nächsten Jahre erstattet werden. Und über die amerikanischen Ansprüche an Deutschland sagt Hoover, daß Amerika die gleichen Abstriche annähme, die der Pariser Plan für alle Regierungen vorschlug, und daß darüber der Entwurf zu einem Vertrage mit Deutschland dem Kon- greß vorgelegt werde. Die Wirtschaftskrise erklärt er als überwunden; er betont, daß das Kreditsystem ohne Schwächung des Kapitals die Krise Überstanden habe. Nur sehr allgemein klingen da- bei seine Ideen über Eingriff« in solche Krisen an. Ebenso deutete er nur leise an, daß er in der Frage des Zolltarifs und der Einwanderungsbeschränkung gegen das in Kraft befindliche System sei. Er erinnert an die Notwendigkeit des Handelsverkehrs mit anderen Ländern und hofft, daß in der Einwanderungsregel die Bevorzugung von Menschen möglich sei, die für Amerika erwünscht seien. Im ganzen sind die Anregungen des Präsidenten in dieser Botschaft sehr vorsichtig formuliert. Aber sie halten sich genau in der Richtung des ganzen Systems, das dem Präsidenten vorschwebt und das er durchführen wM. Gleichzeitig wurde dem Kongreß der Haushaltsvoranschlag für das neue Etatjahr über- sendet, das drüben am l.Juli beginnt. Davon interessieren die Welt zwei Punkte: die Gesamtausgaben für Armee und Marine mit 719 Millionen Dollar und ein Ueberschuß (?) des diesjährigen Budgets mit 225 Millionen Dollar. Der Bericht kann also vor- schlagen, daß die am 15. März 1930 fälligen Einkommensteuern um 160 Millionen Dollar ermäßigt werden sollen! Glückliches Amerika! Man begreift, daß dann ein Kongreß es nicht übermäßig eilig has. Anregungen zu folgen, daß sich Amerika mehr um Europa kümmern möge, als es bisher • getan hat! Wo wirklich Politik gemacht wird. Oie klassischen Stätten des politischen Frühstücks. Nachdruck verboten. Politik wird nicht nur in großen Ausschüssen und öffentlichen Versammlungen gemacht. Jede Entscheidung verlangt zuerst interne Dor - b e r e i t u n g. der Politiker braucht und brauchte immer zunächst Diskussion und Widerhall im kleinen, privaten Kreis. Dem Bedürfnis, intime und doch unpersönliche Treffpunkte zu schaffen, genügten vor dem Krieg der politische Salon und das politische Frühstück. Der Salon, Kind einer reichen Hofgesellschaft, war den Stürmen schwerer Jahre nicht gewachsen. Aber auch über das politische Frühstück dringt heute kein Laut mehr zu der aufhorchenden Oeffent- lichkeit. Hat es sich, wie sein kultureller Rivale, nach dem Krieg völlig verändert, ist es von den deutschen Tischen, die die Politik bedeuten, verschwmrden? Es besteht kein Grund dafür. Roch ist das Bedürfnis nach interner Aussprache auf halboffiziellem Boden wach wie früher. Roch existieren auch die Stätten der privat-politischen Zusammenkünfte, die alten Prominenten-Restau- rants. Sehen wir, was sich heute in ihnen ab- spielt! Aus zum politischen Frühstück! * Wo gehen Reichstagsabgeordnete hin, wenn sie für halbe Stunden den Couloirs und öffentlichen Debatten entfliehen wollen? Ganz in der Rachbarschaft des Reichstags fällt dem Borüöer- gehenden ein ausgehängtes Schild in Gestalt eines schwarzen Bierbeiners auf. Das ist das Wahrzeichen des „Schwarzen Ferkels", einer Berliner Weinstube mit großer Vergangenheit. Sie hat einmal ein vergnügtes Publikum gesehen: Strindberg, Munch, Dehmel, Max Halbe, Schleich, Hartleben, Dusoni, Trübner und Leisti- kow waren hier Stammgäste. Heute sehen die Vormittags- und Mittagsstunden hier ein gehetztes Publikum. Mit müdem, abgespanntem Ausdruck sitzen die Volksvertreter in den gemütlichen, kleinen Räumen, in der „Strindberg- Ecke", von deren einstigem Gast als einziges Zeugnis sein Bild „Die Woge" auf gefurchte Stirnen heruntersieht. Cs braucht keinen geübten Blick, um dem Kellner anzusehen, daß er mit den Gästen nicht zufrieden ist, sie seinem Essen nicht mehr Ehre antun. Denn zum Genuß des Essens ist keine Zeit, das Frühstück ist nur eine kurze Atempause in der Arbeit und Besprechung mit den Freunden. Am Tisch der Volkspartei wie der Sozialdemokratie wird eifrig beraten, denn merkwürdiger- und traurigerweise: selbst wenn alle Parteien zum Frühstück vereinigt sind, sitzen sie, mit seltenen Ausnahmen, immer hübsch nach Fraktionen getrennt, an den Tischen. Freilich werden die „Honneurs" durchaus gewahrt, Verbeugungen gehen von Tisch zu Tisch, aber die Kluft bleibt bestehen. Die Gegensätze, die innerhalb des Reichstagsgeb äudes auseinanderprallen, bringt das politische Frühstück nicht fort. ♦ Ein einladender Eingang, eine Samtportiere zeigen dem Gast den Weg in Hillers altberühmte Gaststätte. Der Gang über den Hof ist weniger einladend, aber über der Hoftüre zum Restaurant steht in unsichtbaren Buchstaben „Eingang nur für Herrschaften", denn sie benutzen fast alle prominenten, politischen Gäste. Vorn im Restaurant sitzen die gewöhnlichen Sterblichen friedlich beim Mittagessen und ahnen nicht, daß ein paar Meter von ihnen entfernt wichtige politische Unterhaltungen gepflogen werden. Denn natürlich sind ernsthafte Debatten coram publico unmöglich, sie verlangen die Stille und Einsamkeit des Einzelzimmers. Das Chambre s e p a r 6, früher eirimal der Traum anderer Zusammenkünfte, hat seine Bedeutung in den Dienst der politischen Sache gestellt. In den kleinen, vornehmen Räumen, zwischen diesen seidenbezogenen Wanden haben sie schon alle gespeist: die auswärtigen Botschafter, die deutsche Industrie, Hugenberg. von Kardorff, Frau von Oheimb ebenso wie Stresemann, Curtius, Hilferding, Crzberger und Rathenau. Hier ist der Boden, auf dem sie sich treffen konnten. Aber sie treffen sich glücklicherweise nie. Ein einziges Mal hat der teuflische Zufall eine solche BeDas Erbe des Herrn von Anstetten. Vornan von 3- Gchneider-Foerstl. | Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 20. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Ich habe von Geld reden hören, Papa," ein abbittendes Flimmern stand in den Knaben- auaen. Anstetten war dankbar für dieses Geständnis. Es war das Harmloseste, wie sich die Eheszene erklären ließ. „Die Mama machte mir den Vorwurf, ich wäre ein Verschwender, vergeude dein Erbe und bringe Anstetten in Ruin," sagte er und fühlte es wie eine Erleichterung, als er Bernds Lächeln gewahrte. Die junge Brust atmete auf. „Wie unvernünftig von Mama, derartiges zu behaupten. Ich werde also wieder zu Bett gehen, Vater!" „Ja, mein Junge! Habe gute Traume, Kind!" Als Anstetten am anderen Morgen nach dem Speisezimmer kam, meldete Friedrich, die Frau Baronin hatte bereits gefrühstückt und sei im Begriffe, wegzufahren. Ohne Wort, ohne Gruß, dachte Anstetten erbittert und wandte den Kopf, als hinter seinem Rücken eine Türe ging. Cs war Bernd, der kam, dem Vater „Lebewohl" zu sagen. „Ich wäre so gern geblieben," sagte er deprimiert und legte dabei das Gesicht gegen An- stettens Wangen. „Du weiht, daß ich dich gebeten habe, mit» zusähren, mein Junge. Sei der Mama ein guter Gesellschafter und laß mich ab und zu wissen, wie es euch geht." „Und du schreibst auch. Papa?" „Gewiß, mein Bub!" Von der Auffahrt kam ein kurzer, befehlender Hupenton. Füße knirschten auf dem Kies. Vater und Sohn traten aus den Korridor und sahen Zofe und Chauffeur Koffer und Hutschachteln nach unten schleppen. Bernd hatte seinen Arm in den des Barons geschoben und zog ihn mit wortloser Ditte zu dem doppelflügeligen Ausgang. Drunhilde saß schon im Fond und blickte ungeduldig nach dem Sohne. Als sie den Gatten in dessen Begleitung sah, flammte ihr Gesicht für Sekunden auf. Gr hatte kein Taktgefühl und keine Scham, sonst würde er es nicht wagen, noch jetzt knapp vor der Wegfahrt und in Gegenwart der Domestiken eine Abschiedsszene ins Werk zu setzen. Rur um den Dienstboten kein Schauspiel zu geben, legte sie flüchtig ihre Hand in die seine, die sich über den Schlag streckte. „Aus Wiedersehen, Papa!" Bernd küßte den Vater auf Mund und Wangen. „Vielleicht holst du mich zum Schulbeginn?" Ein abwesendes Lächeln. „Kaum, mein Junge! — Die Reise wäre zu kostfpielig für mich." Drunhildes Gesicht zeigte beißende Ironie. „Der Papa benötigt das Geld für andere Dinge." Anstetten atmete auf, als der Motor ratterte und die Räder sich in Bewegung setzten. Rur Bernd sah noch einmal zurück, als der Wagen in das Tor bog. Don Drunhilde war nichts zu sehen als der blaue flatternde Schleier, den sie über die Autohaube gebunden hatte. Der Freiherr warf den Kopf zurück. Jetzt also war der Weg frei Endlich! Er hatte die letzten Tage, zumal die verflossene Rächt, wie ein Riefe mit sich selbst gekämpft, um bis zur letzten Minute die Selbstbeherrschung zu bewahren. — Run konnte die Maske fallen. Morgen abend würde alles entschieden fein! Frühmorgen im August! Von den Hochwaldtannen herab rann das erwachende Licht des Tages. Der Teufelsklee am bemoosten Stein hielt die zitternden Tautropfen fest, welche in seinen Blättern schimmerten. Von unten herauf kam ein fester Schritt! Ein Stein kollerte. Anstetten ging, das Gesicht nach den Wipfeln gehoben, den schmalen Weg entlang, der Lichtung entgegen, die seitwärts wie eine Oase eingebettet lag. Ein Dock setzte erschrocken dre Ziehbahn hinunter. Zwei Gemsen hinterdrein. Anstetten zog die Uhr: „Roch sieben Minuten!" Er war lächerlich früh gekommen. Sein Gesicht war grau, er hatte keine Stunde Schlaf gefunden und fühlte sich müde und abgespannt. Ob Hans Peter, wenn er das alles voraus- gesehen hätte, ihn gebeten haben würde, die Mission auf sich zu nehmen? Kaum. Und zudem — er war ja nicht schudlos. Ihm brannte das Dlut. wenn er an die Frau dachte, derentwegen das heute sein mußte. Ein Krachen im Geäst ließ ihn nach rückwärts blicken. Oerhen tarn aus einem Seitenwege und zog den Hut. Sein „Guten Morgen!" kam gepreßt und die Hand, welche er gehoben hatte, sank von selbst wieder herab. „Ich bin bereit Daron, Ihnen Genugtuung zu geben — Pistolen? — Wie Sie gewünfcht haben. Und ohne jeden Zeugen!" Anstetten neigte den Kops, und holte fein Zigarettenetui heraus. „Vielleicht haben Sie die Güte, Gras, die Schritte abzuzählen." Es klang kalt und der Dlick, mit welchem er den anderen dabei ansah, war lähmend. gegnung herbeigeführt. Scheldemann war am Morgen im Reichstag heftig gegen Ludendorff auf getreten, am Abend stand er plötzlich im Vestibül — seinem Gegner gegenüber. Tableau! Aach einer peinlichen Sekunde gingen die beiden Herren wortlos aneinander vorbei. ♦ Was sich an den Besprechungen hinter den seidenen Türen der Separss geändert hat, wissen nur die schweren Portieren und die bedienenden Kellner und die sagen nichts. Aber daß sich hier etwas geändert hat, daß das politische Frühstück ernster, sachlicher geworden ist, zeigen schon die ernsten, müden Gesichter der prominenten Ankömmlinge und ihre Zusammenstellung des Menus. „3a früher," sagt der bewahrte Kellner des ehrwürdigen Weinrestaurants Borchardt, „das waren Menus! Unter sechs Gängen ist es da natürlich nicht gegangen. Ja, damals als Bismarck und die Prinzen, der Kronprinz mit Herrn von Stülpnagel und von Finkenstein, Bechmann-Hollweg und Generalstabschef Graf Schliesfen hier soupierten, als Graf Waldersce seine Rückkehr vom Doxeraufstand und der russische Minister Witte mit Mendelssohn- Bartholdy die zu Ende geführten Finanzverhandlungen mit Sekt feierten, war das politische Frühstück noch ein lukullischer Genuß. Heute hat es sich der veränderten Lage an« gepaßt. Drei Gänge höchstens und ein leichter Wein, höchstens Mosel, dazu — das ist heute der politische Lunch. Sehen Sie: dies hier ist das Kronprinzenzimmer, schlicht in der braunen Täfelung und der dunkelgrünen Wandbespannung. Er kommt heute noch öfters, mit ein paar Freunden und der Kronprinzessin, die sich äußerlich kaum verändert hat. In dem kleinen roten Einzelzimmer, der Straße zu, hat S t r e s e- mann immer gesessen, wenn er hier war. Als er das letztemal mit Herrn Litwin da war, hätte ich auch nicht gedacht, daß er so schnell — — —. Auch die anderen prominenten Gäste: Herr von Seeckt, Hilferding, Cuno u. a. bevorzugten gerade dieses Einzelzimmer zu Besprechungen." * Bei Ewest, dem alten Treffpunkt der Hof- und Offiziersgesellschaft zeigt sich der Uebergang vom alten zum neuen Regime am schroffsten. Die lebensgroßen Hohenzollernbilder sehen auf ein völlig verändertes Publikum herab. Unter den alten Lithographien von Krieg und Soldaten diniert die heutige Finanz- und Jurisprudenz. Don den alten Gästen läßt sich kaum einer noch sehen. „Das war früher eine vergnügte Sache, das politische Frühstück, als Krafft-Hohenlohe, Fürst von Putbus, General von Doyen, Prinz Handjeri hier noch Stammgäste waren," erzählt der vornehme „Ober" des vornehmen Restaurants. „Wie man auch heute über Politik denken mag, das muß man sagen: das politische Frühstück ist demokratisiert. Die politischen Gäste, die heute fommen, z. D. Herr Staatssekretär Meißner, Herr Wirth, essen ganz still mit einem oder zwei Herren, sitzen meistens nicht separiert, sondern unter den anderen Gästen und sprechen unauffällig wie sie. Und was den früher wichtigsten Punkt auf der Tagesordnung des politischen Frühstücks, das Trinken anbelangt.... Ueppigkeit? Keine Spur! Manchmal deckt eine Flasche Raisdorfer den Dedarf." Daten für Sonntag, 8. Dezember. 65 v. Chr.: der römische Dichter Quintus Hora- tius Flaccus in Venusia geboren; — 1815: der Maler Adolf v. Menzel in Breslau geboren; — 1832: der norwegische Dichter Björnstjeme Björn- fon in Oesterdal geboren; — 1903: der englische Philosoph Herbert Spencer in Brighton gestorben. Daten für Montag. 9. Dezember. 1717: der Altertumssorscher Johann Winckel- maim in Stendal geboren. Knapp vor den Brombeersträuchern blieb Oertzen stehen. „Soll die Distanz weiter fein, Baron?" „Cs genügt.“ Anstetten warf die halbgerauchte Zigarette ins Gras und setzte den Fuß darauf. Langsam griffen seine Hände in die Taschen. Oerhen hatte es gesehen und nickte zustimmend. „Sie haben den ersten Schuß, Baron!" Anstetten sah die flatternden Bänder der kleinen Dirke und etwas seitwärts davon Oertzens vornehme Reitergestalt. Sein Dlut jagte. Dann ein Erstarren. An dessen rechter Seite tauchte jetzt Akabs schlanker Körper aus dem Rebel. Er ließ die Pistole langsam sinken und schöpfte Atem. Ueberlegender als das erstemal, hob er die Rechte — zielte — und sah, als die Kugel aus dem Laus war, den Grafen unversehrt auf der anderen Seite stehen. Er verspürte, wie seine Hand nachzitterte und wandte keinen Dlick von den Fingern, die sich jetzt aufwärts schoben und die Waffe nach seinem Herzen richteten. Den Oberkörper etwas schief nach der rechten Seite gebogen, wartete er. Ein Knall! Versprühen von Feuer und Dampf! Lautlos fiel Anstetten hintenüber in das tauige Gras, das den Waldrand säumte. Oerhen ließ den Revolver aus den Fingern gleiten. Sein Körper befand sich in vollkommener Erstarrung. Erst nach Minuten setzte er mit ein paar Sprüngen zu Anstetten hinüber. „Daran!" Die Arme ausgestreckt, lag dieser auf die feuchte Wiese gebettet. Ein Dlutstrom quoll durch die zerschossene Hemdbrust. Heber das wachsbleiche Gesicht glitten die Schatten des Tades. Oerhen wurde von Entsetzen geschüttelt. Hier gab es nichts mehr zu helfen. Er drückte ihm die Pistole in die Rechte, um einen Selbstmord vorzutäuschen, wie sie es vereinbart hatten. Dann hetzte er zwischen den Stämmen talab. Der Hall aufschlagender Steine klang durch den erwachenden Tann. Ein Hahn balzte in Liebes- tollheit und lieh sich durch den flüchtenden Menschen nicht im geringsten stören. Reugierig lugte ein Reh über die Lichtung hin, sicherte und verschwand zwischen dem Strauch- werk. Wo Menschen waren, drahte Unheil. Minuten später war wieder tiefstes Schweigen allüberall. Rur der Wind koste hauchzart um das Gesicht des Mannes, der mit stummem Munde in der lautlosen Einsamkeit des Hochwaldes lag. Drunhilde von Anstetten besah das weiße Spitzenkleid mit den eingewebten Silberblumen, bas ihr die Zofe für den Abend zurechtgelegt Aus -er pwvmzialhauptstavt. Gießen, den 7. Dezember 1929. Gießener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: 'Butter 210 bis 220; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 15 bis 20; Weißkraut 10 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 25 bis 35; Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 40 bis 45; Feldsalat 100 bis 120; Tomaten 50 bis 80: Zwiebeln 10 bis 15; Meerrettich 50 bis 80; Schwarzwurzeln 40 bis 60; Kartoffeln 41 /. >«s 5; Aepsel 10 bis 15; Dirnen 10 bis 15; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppenhühner 100 bis 120; Gänse 110 bis 130; Rüsse 50 bis 80; das Stück: Kisteneier 17 bis 18; frische Land ei er 19 bis 20; Tauben 70 bis 90; Blumenkohl 50 bis 100; Endivien 10 bis 40; Ober- Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 40 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 3,80 bis 4; Wirsing 10 bis 12; Weißkraut 5 bis 6; Rotkraut 10 bis 12; Aepfel 10 bis 12; Birnen 8 bis 10 Mark. Bornotizen. — Lageskalender für Samstag. G. D. A.: Weihnachtsfeier, 21 Uhr, im Cas6 Leib. Reichsverband der Zivildienstberechtigten: Weihnachtsfeier, 20 Uhr, im Kathol. VereinshauS. — Erste Reichskurzschriftgesellschaft „Gabelsberger" und Damenabteilung e. V.: Vereinsabend, 20.30 Uhr, „Stadt Lich". — Gießener Ruder- Klub Hassia 1908: Mi tgl.-Der s ammlung im Bootshaus. — Artillerie-Verein: Monatsversammlung 20.30 Uhr. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die fidele Herrenpartie"; auf der Bühne: Geschwister Lupescu (Equilibristik). — Astoria-Lichtspiele: „König Cowboy" und „Der Straßensänger von Venedig". — — Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: (2. Tag im Kammerspielzyklus): „Ein Spiel vom Schmetterlingstraum", 11,30 bis 13 Uhr; 18 bis 21 Uhr: „Schwarzwaldmädel". — Gießener Konzertverein: Arien- und Liederabend (Anny von Kruhswijk), 17 Uhr, in der Universitätsaula. — Markusgemeinde: Kirchen- musikalische Adventfeier, 20 Uhr, in der Etadt- kirche. — Oberh. Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde: Filmvorführung „Ein deutsches Eisenerzrevier", 11,15 Uhr, im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. — V. f. D.: Wettspiel gegen „Kurhessen“ Kassel, 14,30 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die fidele Herrenpartie"; auf der Bühner Geschwister Lupescu (Equilibristik). — Astoria- Lichtspiele: „König Cowboy" und „Der Straßensänger von Venedig". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Morgen Sonntag, 8. Dezember, 2. Kammerspieltag: „Ein Spiel vom Schmetterlingstraum" nach dem Chinesischen von Richard Wilhelm. Spielleitung: Dr. Karl Ritter. Einfüh- render Vortrag: Wen 2)üan Ting, chinesischer Lektor am China-Institut zu Frankfurt ». M. — Mittwoch, 11. Dezember, 15.30 Uhr, Kindermärchen: „Das tapfere Schneiderlein", von Alois P r a s ch. Dienstag, 10. Dezember: „Hochzeitsreise", amerikanischer Schwank, von Adele Mathews und Ann Nichols. Mittwoch, 11. Dezember: ,/Die Troerin- nen". Beginn 20 Uhr. — DereinfürchristlicheMufik. Nächsten Freitag abend im Konfirmandensaale der Luka:gemeinde musikalische Abendfeier. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. — Oeffentliche Vorträge des Evangelisten Paul Schwefel, der schon im porigen Jahre hier in stark besuchten Versammlungen sprach, finden vom Montag nächster Woche ab bis einschließlich Sonntag, 15. Dezember, hn Saale des früheren Hotels „Einhorn" statt. Im heutigen Anzeigenteil wird zu diesen Vorträgen eingeladen. hatte. Es war großer Reunionball mit abschließender Krönung der diesjährigen Schönheitskönigin. Dieses Ostende bot soviel an Unterhaltung und Zerstreuung, daß das häßliche Intermezzo des letzten Abends auf Anstetten allmählich in ihrer Erinnerung zu verblassen begann. Jedenfalls war es besser, sich hier zu amüsieren, als mit todernstem Gesicht sich zu Hause gegenüber zu sitzen und böse Worte aneinander zu verschwenden. Sie horchte auf die Stimme der Zofe, die mit einer Same sprach, die sich anscheinend nicht abweisen lassen wollte. Aber sie hatte wahrhaftig jetzt keine Zeit, irgendeine Fremde zu empfangen. Im Begriffe den Schlüssel zu drehen, legte das Mädchen die Hand auf die Klinke und öffnete. Die Zofe trug unverkennbaren Qlerger, aber auch einen Anflug von Verlegenheit im Gesichte, als fie nun das Wort an die Herrin richtete: „Wenn Frau Baronin die Güte haben wollten, die Dame selbst zu informieren, daß Sie für den Moment nicht gestört zu sein wünschen. Sie läßt sich absolut nicht abweisen. Cs ist das viertemal seit gestern, daß sie hier ist.“ ..Um wen handelt es sich eigentlich?“ Drunhilde schloß die feinziselierte Schnalle ihres weißen Tenniskleides, das sie oblegen wollte, wieder übereinander. Die Zofe ging nach dem Mitteltisch und holt« aus dem Stapel von Visitenkarten die in Betracht kommende heraus. Gertraud Holmfeld. Drunhilde schüttelte ärgerlich den Kops. „Der Rome ist mir gänzlich unbekannt. Ist sie sympathisch?" „Doch, Frau ‘Baronin!“ „Wie alt?“ „So zwischen dreißig und fünfunddreihig.“ „Also in meinem Alter!" Die Zofe nickte, setzte aber rasch hinzu: „ Frau Daronin wirken entschieden jünger!“ „Es ist gut! Sagen Sie ihr in Gottes Ramen, daß ich zu sprechen bin, damit wir sie einmal losbringen. Lassen Sie dieselbe aber nicht im Unklaren, daß ich nur zehn Minuten übrig habe." „Gewiß, Frau Daronin!“ Drunhilde war angenehm überrascht, als sie in den kleinen Salon trat und ihr eine schöne, stattliche Dame aus der Mitte her entgegenkam. „Womit kann ich Ihnen dienen," sagte sie nrU einem raschen Blick auf den Trauring, welcher an der rechten Hand der Fremden flimmerte. „Ich habe doch die Ehre, Baronin Anstetten zu sprechen?“ (Fortsetzung folgt.) Spezialgeschäft Neuenweg 9 Ernst VÖLKERBUND 2 Schuhhaus IÜÜ65A Wolff, kieken, Seltersweg 4 Sehr schöne Damen- und Herren- Nachthemden Kolter,Steppdecken Bettwäsche C. 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Wie wir noch erfahren, ist die Aussicht dafür jo vorhanden, do seine Mutter erst vor einigen Jahren nicht weit von ihrem 100. Ge- burtstag gestorben ist. Ihren 8 8. Geburtstag kann am morgigen Sonntag Frau Witwe Felsing. Am Rahrungsberg 45 wohnhaft, bei bestem geistigen und körperlichen Definden begehen. ** Hausfrauenberatungsstelle. Der Gießener Frauenverein hat, wie wir vor einigen Tagen schon berichteten, neuerdings eine Haus- frauenbcratungsstelle geschaffen. 3m heutigen Anzeigenteil lädt diese Beratungsstelle die Hausfrauen zu einer Besprechung auf Montagabend in dos Hotel »Prinz Carl" ein. Weiter werden in der Anzeige die Sprechstunden der Beratungsstelle bekanntgegeben. " Hausange st ellten-Ehrung. Am Dienstagnachmittag fand, wie man uns berichtet, die vom Alice-Frauenverein vorn Roten Kreuz auch in diesem Jahre wieder veranstaltete Ehrung von Hausangestellten statt. Auf der Liebigshöhe fanden sich vierzig in langjähriger Tätigkeit bewährte Hausangestellte mit ihren Dienstherrschaften in den festlich geschmückten Räumen ein, wo die Feier in der schönsten und würdigsten Weise verlief. Man konnte dort Angestellte mit 30, 40 bis 44 Dienstjahren begrüßen und durch Ehrengeschenke auszeichnen. Musikalische Vorträge des Will scheu Frauenchors und frische Lieder von Fcl. v. d. Heydt erhöhten die Feststimmung. 3n Dankbarkeit sei eines Stifters gedacht, durch dessen Hochherzigkeit der Treue der Hausangestellten die verdiente Belohnung zuteil werden konnte. ** D i e Hegemao- Kleinwohnungsausstellung im House Am Kugelberg 4 findet, wie man uns schreibt, fortgesetzt starkes Interesse. Am vorigen Sonntag waren in der Ausstellung schätzungsweise etwa 2000 Besucher anwesend, die sich überzeugten, dah die moderne Kleinwohnung in jeder Weise den heutigen Zeitverhältnissen Rechnung trägt. Die Aussteller zweier Wohnungen: Möbelfabrik Karl Hahn (Möbel), Pol- sterwerkstätte A. Wehrheim (Polstermöbel und Matratzen). Haus der Handarbeit (Dekorationen), Teppichhaus O. Täubert (Teppiche). Inge- nieurbureau Brinkmann (Beleuchtungslör- per), Kunsthandlung H o ch st e t t e r (Bilder), Hedi Dietz (Tischdecken), LöwerL Dechstein . 11 ühr, in der sgemeinde: Airchm- Uhr, in der etabt. ür Latur- und Heil, i deutsches Eisenerz- spielhaus, Bahnhvs- l gegen „KuMen" spielhms, Nfflhof« auf ter Me: ibrifiif). - >tiai und.Ser Straßen- Der hochselektive Lorenz 4-RöhrenMehefiipfänger mit der Leistung eines 6-Röhrengeräies Einknopfbedienung - geeichte Skala. Seifert, Walter Hällmaher, Heinrich Volk. Wik- helm Honig. Otto Erb: 3. Preise: Robert Rieh. Emmi Größer. b) Verkehr,schrift, 1. u. E. Kurt Leipold; 1. Preise: Hans Rüblamcn, Emil 3ofL Friedrich Gorges. Heinrich Volk. Richard Strauch. Fritz Reh, Martha Seifcrth: 2. Preis: Wilhelm Honig: 3. Preise: Ludwig Herbert, Ludwig Schön, Anni Schwengbcr. Robert Rieh. — veffentliche Dfammlung. Man schreibt uns: Es sei nochmals darauf hingewiesen. dah die öffentliche Versammlung des Ausschusses für den Volksentscheid am Montagabend in der Turnhalle pünktlich um 8.30 2hr beginnt. (Siehe gestrige Anzeige!) — Deutsche Demokratische Partei. Am Montagabend im Hotel Schütz Vortrag über „Rathenau und seine Zeit". Man beachte die heutige Anzeige. •• Hundesteuer. Die Stadtverwaltung gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, dah diejenigen Einwohner, die einen Hund im Laus dieses Jahres abgeschafft, aber noch nicht abgemeldet haben, diese Abmeldung spätestens bis zum 31. Dezember vornehmen müssen, wenn sie sich vor der Weiterzahlung der Hundesteuer für das ganze nächste Jahr bewahren wollen. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. ** Christ bäume des Verk-rhrsver- " i n s zur weihnachtlichen Ausschmückung unserer Stadt sind seit einigen Tagen an folgenden Plätzen aufgestellt: in den Anlagen zwischen dem Bahnhof und der Post vor dem Hotel Kühne, am Selterstor, Ecke Westanlage und Bahnhof- strahe, Ecke Reustadt und Bahnhofstraße. Plock- strahe (Ecke Iohannesstraße) und Lindenplatz. Die Bäume sind mit elektrischen Glühbirnen versehen und werden dem abendlichen Straßenbild wieder, wie im vorigen Jahre, ein schönes, weihnachtliches Gepräge geben. 3m Einvernehmen mit dem Derkehrsverein wird ferner an den drei Adventssonntagen öffentliche Konzertmusik in den Straßen unserer Stadt veranstaltet. ** Adoentskonzert a u f der Straße. Am morgigen Sonntag um 15 Uhr findet ein Konzert, ausgeführt vom Christlichen Musikoerein Gießen, Ecke Plock- und Johannesstraße mit nachstehendem Programm statt: 1. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit", Mel. bei Freylinghauscn 1704; 2. „Gottoertrauen", von S. Müller; 3. „Anrufung Gottes", von E. Ruh: 4. „Abendämmerung" (Idylle), von E. Ruh; 5. „Ich bete an die Macht der Liebe", von Bortnionsky. ** Gin Siebzigjähriger. Am morgigen Sonntag begeht der in weiten Kreisen unserer Stabt wohlbekannte frühere Postbeamte Will). D a p p e r in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Ge- burtstag. Wie er jahrzehntelang in seinem Berufe ein pflichttreuer Beamter war, so hat er auch der deut schen Turnsache die Treue bewahrt. Heute ist er noch einer der eifrigsten Besucher der Altersturnstunden des Turnvereins von 1846, und seine Hebungen zeugen von einer Fertigkeit, wie man es nur von wenigen in diesem Alter zu sehen bekommt. In seinen flf“ itj, dö Wß lhrr> Handball im Gau Hessen (O.T.) In dem gestrigen Bericht über den Tabellen^ stand in der Gaumeistcrklasse wird behauptet, daß gegen den Tabellenführer Männer-Turnverein Gießen ein Verfahren schwebe. Wie uns der Vorstand des Männer-Turnvereins hierzu mitteilt, ist ihm von einem „Verfahren" gegen den M.T. V. nichts bekannt und ist diese Mitteilung des Berichterstatters durchaus unzutreffend. Briefkasten der Redaktion. 6.2TL, Reuenböue. Im Weltkriege wurden insgesamt 7425 deutsche Luftsiege errungen, von denen 358 auf die Kampffront ini Osten entfallen. Trotz eingehender Nachforschungen konnten wir leider nicht ermitteln, welche Flieger im Osten abgestürzt sind. Auch in dem Werke, dem die vorstehenden Ziffern entnommen sind, ist kein namentliches Verzeichnis der gefallenen Flieger enthalten. ** Die Freiw. Sanliäkskolonne vom Roten Kreuz Gießen hielt am Donnerstag die Schluhprüfung für die Teilnehmer des Betriebshelferkursus ab, der unter der Leitung des Kolonnenarztes Dr. med. Gros stattfand. Der Prüfung wohnten bei der Kreisarzt, Ober- Wedizinalrat Dr. med. Zinher, als Vertreter der Stadt Beigeordneter Dr. Hamm, vom Gewerbeamt Dr. Meier, sowie der Vorsitzende der Kolonne. Ober-Regierungsrat Dr. Heß. Bei der Prüfung zeigte sich, daß die Teilnehmer in allen Fragen der ..Ersten Hilse bei Llnglücksfällen" recht gut Bescheid wußten. Ober-Medizinalrat Dr. Zinßer machte in seinem Schlußworte auf die Bedeutung der ersten Hilfe aufmerksam und hofft, daß die Prüflinge von dem. was sie gelernt haben, im Ernstfälle Gebrauch machen, zum Segen ihrer Mitarbeiter. Preisgekrönte Stenographen. Das am Sonntag von dem Kurzschriftverein von 1861 und dem Damenverein „Gabelsberger" abgehaltene Vereinswettschreiben wies, die stattliche Zahl von 90 Teilnehmern auf, und zwar 63 beim Wettschreiben nach Silben und 27 beim Preis-, Schön- und Richtigschreiben. 82 Arbeiten lonntm mit Preisen ausgezeichnet werden, davon 58 beim Wettschreiben und 24 beim Schön- und Richtigschreiben. Die Preisträger sind: 1. Wett- schreiben. 220 Silben: Lina Wahl 1. und Ehrenpreis; 180 Silben: Wilhelm Hieß und Kurt Leipold 1 und Ehrenpreise: 160 Silben: Elisabeth Gladigow l.u. E.: 140 Silben: Olga Pfeiffer l.u. E.: 120 Silben: Heinrich Mosbach. Luise Schade, Elly Rieh. August Becker l.u. E., weitere 1. Preise: Elfriede Dikomeit. Lilli Pleh. Anni Sanio, Lina Kiefer, Kurt Horeyseck: 100 Silben: August Schwalb l.u. G., 1. Preise: Friedrich Gorges, Fritz Reh, Erwin Sack, Artur Michel, 2. Preise: Minna Zimmermann, Ilse Schwall, Elly Herbst, 3. Preis: Hanni Jaeobsohn: 80 Silben. l.u,®.: Gertrud Müller, Martha Seiferth. Ludwig Häuser, Richard Strauch, Heinrich Volk, Otto Erb. Luise Viel, Emmi Größer, Ludwig Herbert. Robert Rieß, Wilhelm Honig, Helmut Zfchunke: 1. Preise: Heinrich Stein, Karl Schäfer, Anni Schwengber, Willi Bender, Ludwig Schön, Helmut Eckhardt, Hans Westrupp: 2. Preise: Heinrich Winther, Erna Kehl, Helene Hofmeister. 60 Silben, l.u. E.: Irma Levi, Irmgard Sonne» born, Walter Hällmaher, Emil 3oft; 1. Preise: Margot Bauer, Marie Gebauer, Anneliese Fuh- rigg. Otto Wack, Wilhelm Paulus: 2. Preise: Marie Wagner, Karl Dorsche!: 3. Preise: Hans Werner, Willi Klös. — 2. Preis-, Schön- und Richtigschreiben, a) Redeschrift, l.u. E.: Kurt Leipold, Hans Dübsamen: 1. Preise: Friedrich Gorges. Fritz Reh: 2. Preise: Martha ,e Musik. Nächsten entarte der ßutacy- . Meres ist aus ber 1OD72* Drucksachen aller Art stattung Itilrein nnö pretrveri lie vrühl'fche UniversttStr-Vnlckerei, B. Canae, Sieben, rchulftr. 1 ReuniDiM mitah' hingen Schonet an Unterhalts häßliche Sntcrm^o iW »>|e MCT“b', aneinander bu ß I ße hatte * "w $«™6t *'■ „r zu drehen, lr^ üh’aSi «etrin » 6i« II» • SSV# jsitenkartcn ,-->!« S.e"Ä F CHALL1ER =.= :h MUSIIIK * » o> 07453 KAUFT VALVO-rohren Lollar, 7. Dezember 1929 0784H Aliceslauen-Derem 986 SD Oer Vorstand. 07795 Anzeige aufmerksam. 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Das Geschäft war jedoch nicht so lebhaft als sonst, da zu den erhöhten Preisen das Angebot von Brotgetreide relativ groh war. Weizen hatte vor allem auf die bevorstehend,: Verlängerung des verschärften Dermahlungs Atoangcü weiter gute Nachfrage von feiten der Mühlen zu verzeichnen, und bei steigenden Preisen wurde ziemlich viel Material aus dem Markte genommen. Derminweizen in späteren Sichten eher etwas schwächer. In Roggen war das Geschäft infolge der Llnsicherheit über das Agrar- programm nur klein, doch konnte auch hier die Aufwärtslewegung der Preise Fortschritte machen. Derminroggen in späteren Sichten 2 bis 3 Mark höher als prompte Ware. Mehle verzeichneten nur kleines Geschäft bei vorsichtiger Eindeckung des Konsums für die allernächste Zeit. Lediglich feinste Weizen-Auszugsmehle im Hinblick auf die bevorstehenden Weihnachtsseiertagc noch gut ge° fragt und über Notiz bezahlt. Hafer und G e r st e sehr ruhig, wobei Hafer stark angeboten und im Preise rückläufig war. Nur gute Draugerstcqualitäten fanden etwas Beachtung. Futtermittel waren eher angeboten und hatten nur schleppenden Absatz. Für spätere Monate liegen die Forderungen erheblich über der Promptnotiz. Zum Wochenschluh war das Geschäft trotz fester Tieberseemeldungen nur sehr ruhig, bei teilweise etwas nachgebenden Preisen. Nur Hafer in feinsten Qualitäten war etwas gesucht und höher, ebenso Weizenmehle. Sonst blieb das Preisniveau gut behauptet. Verglichen mit den Notierungen der vergangenen Woche lagen Weizenmehle 1 Mark, Noggen und Roggcnmehl je 0,50 Mark. Weizen 0,30 und Hafer 0,25 Mark höher, während Mais und Futtermittel nur knapp gehalten blieben. Gerste unverändert. Die Woche schloß zu folgenden Notierungen: Weizen 26,75 bis 26,90; Roggen 19.75 bis 20; Gerste 19,25 bis 19,75; Hafer 18 bis 18,25; Mais 18,75; Weizenmehl, süddeutsches, 39,25 bis 40; Weizenmehl, niederrheinisches, 39,25 bis 40; Roggcnmehl 28.50 bis 30; Weizenkleie 10,50 bis 10,60; Roggenkleie 10,75 Mark. Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt. Schon zu Beginn der neuen Berichtswoche konnte man eine ruhigere Beurteilung der allgemeinen Börscnlage beobachten. Das Geschäft war jedoch sehr klein; es mangelte an Anregungen und Kaufaufträgen. Die Insolvenzen haben an Umfang abge- noinmen. Die Wirtschaftsberichte lauten über auch in dieser Beziehung jetzt günstiger. Es wird besonders betont, daß die Lage viel zu schwarz angesehen wurde, und cs bestände keine Befürchtung, daß sich die Situation noch mehr verschlechtern werde. Die Lage wird eher als gesund bezeichnet; die Insolvenzen bedeuten in gewisser Beziehung eine Bereinigung der Verhältnisse. Zum Zahltag kam jedoch etwas Material heraus, und es traten verschiedentlich kleinere Abschläge ein. Nach der Ueberwindung schlug die Tendenz jedoch um und besserte sich.. In erster Linie ging die Besserung von Neichsbankanteilen aus, die von amerikanischer Seite lebhaft gesucht wurden und sprunghaft in die Höhe gingen. Hiervon ausgehend war die Allgemeintendenz freundlicher, und bas Geschäft wurde nach und nach in Spezial werten lebhafter. Später kamen noch Aufträge hinzu, zumeist von Auslandseite, und die Börse bot feit langer Zeit wieder einmal ein erfreuliches Bild. Nur Kunstseidcnwerte machten eine Ausnahme. Hier unternahm die Baissepartei einen kräftigen Vorstoß, und es traten in Aku- und Bemberg-Aklien ganz erhebliche Abschläge ein. Zeitweise wurde die Tendenz hiervon berührt, aber im großen und ganzen ging man seinen eignen Weg, zumal die Auf- sassung vorherrscht, daß eine Besserung der Börsen- fituation nicht mehr in Frage steht. Die zumeist festere Ncuyorker Börse machte einen günstigen Eindruck, ebenso die verhältnismäßig besseren internationalen Geldmärkte. Das Geschäft wurde recht lebhaft; die Spekulation schritt zu Meinungskäufen. Aku verloren insgesamt 30 v.H. Verstimmend war hier der wahrscheinlich völlige Ausfall der Dividende. Aber auch in Bemberg (minus 46 v. H.) kam Material in großem Umfange heraus; hier wurde bekannt, daß eine Dividendenreduzierung geplant fei. Vorübergehend konnten sich diese Werte doch etwas erholen, mußten aber zum Wochenschluß weiter nachgeben, obwohl von Verwaltungsseite eine Erklärung herausgegeben wurde. Die Mitteilung der Verwaltung der Aku-Gesellschaft, daß der Geschäftsgang befriedigend sei und von einem völligen Ausfall der Dividende nicht die Rede fein könne, änderte nichts an dem schlechten Stand dieses Papieres; denn die Tatsache genügte vollkommen, daß, wie die Verwalung weiter mitteilt, die Dividende bedeutend reduziert werden müsse. Auch Bemberg waren im Einklang hiermit weiter schwach. Aber sonst war die Tendenz im allgemeinen sehr fest. Beachtung sanden noch die Zunahme der Spareinlagen im Reiche und die Absatzsteigerung am Kohlen- und Kalimarkte. Reichsbankanteile waren die ganze Woche hindurch lebhaft gefragt und gewannen insgesamt 26 v. X). Interesse bestand noch besonders für Ehadeaktien und Svenska, die sich 25 bzw. 15 Mark erholen konnten. Kaliwerte gewannen von 8 bis zu 20 v. H. Auch J.-G.-Farben waren lebhafter gehandelt und zogen 16 v. H. an. Das Zusammenarbeiten der Standard Oil Eo. mit der I.-G.-Far- benindustrie machte einen günstigen Eindruck. Siemens lagen 15 v. H. fester. Gegen Wochenschluh war das Geschäft jedoch wieder kleiner, da die erwartete Diskontsenkung der Bank von England unterblieb. Die Stimmung war aber weiter freundlich, und es traten erst, als die Zahlungseinstellung des Frankfurter Bankhauses Hch. Emden & Co. bekannt wurde, vereinzelt kleine Abschläge ein. Börsenengagements bestehen bei dieser Firma nicht, so daß kein Grund zur Beunruhigung vorhanden ist. Die Spezialaktien traten etwas zurück, dafür aber machte sich mehr Interesse für Nebenwerte geltend. Der Ordereingang war wieder geringer. In Fällen, wo Abgaben vorgcnommen wurden, handelt es sich in der Hauptsache um Gewinnmitnahmen. Die Börsenstimmung ist zuversichtlich. Anleihen waren ebenfalls lebhafter und höher. Geld war trotz des Ultimos angeboten. Wochenbericht vom Frankfurter Gchtachtviehmarkt. Am Frankfurter Schlachtviehmarkt ist in dieser Woche eine wesentliche Beruhigung eingetreten. Nur am Rindermarkt war trotz des geringeren Auftriebs ein weiterer Preis» Verlust festzustellen. Nach ruhigem Handel verblieb äleberstand. Am Schweine markt war das Geschäft zu Beginn der Woche weiter recht schleppend, doch gaben die Preise nur geringfügig nach. Am Nebenmarkt war der Auftrieb so gering, daß die Notierungen ausgesetzt werden mußten. Der Austrieb war insgesamt doch noch erheblich größer, als in der Vorwoche. Kälber hatten infolge des schwachen Auftriebes reges Geschäft bei Preisbesserungen bis zu 3 Mark. Der Markt wurde ausverkauft. Schafe waren nur geringfügig schwächer angetrieben. Nach lebhaftem Handel wurde geräumt. Weidemastschafe konnten nur minimal im Preise anziehen, während geringe Qualitäten bis zu 6 Mark gewinnen konnten. Ter Gesamtauftrieb bestand aus 1646 Rindern, darunter befanden sich 398 Ochsen, 70 Bullen, 593 Kühe und 443 Färsen, ferner aus 1189 Kälbern, 697 Schafen und 5829 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vorigen Woche, waren 126 Rinder, 562 Kälber und 5 Schafe weniger angetrieben, während 407 Schweine mehr zum Verkauf standen. Bezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen Al 55 bis 58, A 2 51 bis 54, B 1 46 bis 50; Bullen A 53 bis 56, B 48 bis 52; Kühe A 45 bis 48. B 41 bis 44, C 34 bis 40. D 26 bis 33; Färsen A 55 bis 58. B 51 bis 54, C 46 bis 50. Kälber B 77 bis 81. C 73 bis 76. D 68 bis 72. Schafe A 1 Weidemast 43 bis 46. B mittlere Mastlämmer 38 bis 42. C fleischiges Schafvieh 30 bis 37. Schweine (Notierungen vom Hauptmarkt- A 72 bis 74, B 72 bis 74, C 73 bis 75, D 72 bis 74, E 70 bis 72. Im Vergleich mit den Preisen der vergangenen Woche verloren Ochsen 2, Kühe und Schweine je 1 und Färsen 2 Mark, während Dullen ihren Preisstand behaupten konnten. Kälber zogen um 3 Mark, Schafe von 1 bis zu 6 Mark an. * Neue deutsche Goldkäuse in 2( r g c n • t i n i e n. Wie die „Franks. Ztg." hört, hat die Commerz- und Privatbank aus Argentinien neuerdings für 5 Millionen Reichsmark Gold zur Verfchiffung nach Deutschland gebracht. Frühere Goldimporte wurden bekanntlich verschiedentlich schon von der Deutsch-Ueberseeischen Bank durchgeführt. Gleichzeitig verschifft Argentinien fortgesetzt Gold nach Amerika und England. ' Konkurs der Mehlgrohhandlung Jakob Dreyfuh in Frankfurt a. M. In der gestrigen dritten Gläubigervcrsammlung der Mehlgrohhandlung Jakob Dreysuß in Frankfurt am Main teilte der Vorsitzende des Gläubiger- ausschusscs mit, daß alle Versuche, zu einem außergerichtlichen Arrangement zu kommen, erfolglos geblieben seien, da zwischen den Mühlen- und Bankengläubigern eine Einigung nicht zustande kam. In der Versammlung wurde von verschiedenen Seiten angeregt, die Bemühungen um einen Vergleich noch nicht endgültig aufyu- geben. Da aber vom Gläubigerausschuh erklärt wurde, daß alle Möglichkeiten erschöpft seien, wird unverzüglich Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens gestellt werden. Der Gläubigerausschuh ist zurückgetreten. * Mainzer A c t i e n - 03 i c r 6 r a u c r e i, Mainz. Diese Brauerei erzielte 1928 29 an Erträgnissen aus Bier, Brauabfällen usw. 9,41 (8,73) Mill. Mk. Demgegenüber erforderten Rohmaterialien 2,33 (2,30), Steuern, Unkosten und Löhne 5,89 (5,22) Mill. Mk. Nach 70 000 (70 000) Mark Üeberweisung auf Delkrederekonto und 374 000 (347 000) Mk. Abschreibungen ergibt sich ein Reingewinn von 870 000 (869 000) Mk., woraus eine erhöhte Dividende^von 13 (12) D. Sy vorgeschlagen wird. 200 000 Mk. werden zur Bildung einer Neubaureserve verwandt, da ein neues Sudhaus errichtet werden müsse. Zum Vortrag verbleiben 78 000 (65 000) Mk. — Nach dem Bericht konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr der Umsatz weiter gesteigert werden. " Zuckerfabrik Rheingau 21.»®., Worm. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, der G.-V. (6. Januar 1930) für das am 31. August beendete Geschäftsjahr eine Dividende von wieder 9 Proz. vorzuschlagen. • Süddeutsche Zucker A.G., Mannheim. Der Aufsichtsrat hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, der G.-V. (17. Ian. 1930) für das am 31. August d. I. abgelaufene Geschäftsjahr vorzuschlagen. aus dem Reingewinn von 4 739 773 Mark eine Dividende von 12 (i. V. 10) Proz. auf die Stammaktien und 7 Proz. auf die Vorzugsaktien zu verteilen und 1 159 773 Mark auf neue Rechnung vorzutragen. * Preuß. Boden-Credit-Actien- Bank in Berlin. Im heutigen Anzeigenteil lädt die Preußische Boden-Credit-Actien-Bank zur Zeichnung auf 2 Millionen Goldmark ihrer 8prozentigen Gold-Pfandbriefe Emission XXI ein. Der Zeichnungskurs von 96 Proz. vermindert sich um 8 Proz. Zinsen ohne Abzug von Kapitalertragssteuer bis zum 31. März 1930, so daß bei einer Zeichnung z. B. am 15. Dezember 1929 der Nettopreis für 100 Goldmark Pfandbriefe 93,67 Mk. beträgt. Die Pfandbriefe werden nur im Wege der Auslosung zu 100 Proz. zurückgezahlt. Die Tilgung beginnt 1936 mit mindestens 1 Proz. jährlich und ist 1959 beendet. Der Pfandbrieferlös dient in erster Linie der Versorgung des Wohnungsbaues mit erststelligen Hypotheken. Frankfurter Börse. Frankfurt, 7. Dez. Tendenz: freundlich. — Die heutige Wochenfchlußbörse eröffnete in freund- licher Haltung. Das Geschäft bewegte sich jedoch in den engsten Grenzen, da Orders kaum vorgelegen haben dürften. Die Spekulation bekundete sogar, infolge der etwas gespannten politischen Lage, die durch das Memorandum Dr. Schachts beroorgerufen wurde, stärkere .Zurückhaltung. Im Grundton der Börse konnte man jedoch eine gewisse Widerstandsfähigkeit beobachten, zumal auch die gestrige Neuyorker Börse sehr fest geschlossen hatte, und auch die Geldmarktverhältnisse eher etwas günstiger lagen. Die an der gestrigen Abendbörse aufgetretene Kunstseidehausse konnte sich heute nicht fortfetzen, doch konnten diese Papiere ihre Gewinne von gestern behaupten. Gegenüber der gestrigen Abendbörfe waren überwiegend Kurs- besserungen zu verzeichnen, die jedoch nur selten über 1 v. H. hinausgingen. Am Elektromarkt eröffneten Schuckert 1,5 v H., Bergmann 1,25 v. H. und Siemens 1 v. H. höher. Auch Licht und Kraft konnten sich um 1,5 v. H. bessern, doch muß hier der Dioidendeabzug berücksichtigt werden. Etwas niedriger lagen dagegen Felten. Am Chemiemarkt waren I.-G.-Farben behauptet, während Rütgerswerke bis zu 1 v. H. gewinnen konnten. Von Kunstseidewerten lagen Aku nach der starken Steigerung von gestern abend eher etwas fchwäcl)er, was jedoch auf Realisationen zurückzuführen sein dürfte. Am Montanmarkt war die Umsatztätigkeit sehr klein. Hier kamen nur Mannesmann und Westeregeln, bei Besserungen bis zu 1,5 v. H., zur Erstnotiz. Banken zumeist etwas niedriger. Am Bauunternehmungsmarkt bestand noch für Wayh & Freitag mit plus 1 n. H. kleines Inter esse. Renten still. Neubesitzanleihen fester. Wad) den ersten Kursen blieb die Stimmung freundlich, ohne daß jedoch das Geschäft lebhafter geworden märe. Einiges Interesse bestand später in Kunstseidewerten, das durch Deckungen der Kulisse hervorgerufen wurde, und gab der Gesamttendenz eine Anregung, so daß es allgemein etwas fester wurde. Aku gewannen 2 v. H. und Bemberg zirka 4 v. H., die übrigen Werte lagen allgemein bis zu 1 v. H. gebessert. Am Geldmarkt war Tagesgeld mit 7 v. H. etwas leichter. Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Dollar 4,1750, gegen Pfund 20,886, London gegen Kabel 4,8825, gegen Paris 123,98, gegen Mailand 93,2450, gegen Madrid 35, gegen Holland 12,0975. Berliner Börse Berlin, 7. Dez. Natürlid) stand auch heute nod) das Memorandum Dr. Schachts und die dadurd) veranlaßte Erklärung der Reichsregierung im Mittelpunkt der Diskussionen. Man glaubt aus der bevorstehenden Veröffentlichung der Finanzreform, obwohl diese noch größere politische Debatten zur Folge haben dürfte, eine Anregung erwarten zu dürfen. Vor allem beruhigte aber, daß die Auslandpressestimmen betreffs des Vorgehens Schachts ziemlich gemäßigt klingen, und die meisten Blätter diese ganze Frage als eine interne Angelegenheit Deutschlands hinstellen. Hinzu kam die große Hausse der Kun st seidewerte gestern abend in Frankfurt. Die dort erzielten Gewinne konnten sich heute voll behaupten. Anregend wirkte auch der sehr feste Verlauf her gestrigen Neuyorker Börse. In erster Linie handelt es fid) heute wohl um Deckungen der Spekulation, die sah, daß die Kundschaft trotz der gestrigen Schwäche nicht mit Ware herauskam. Anderseits war aber felbst unter Berücksichtigung des gewohnten kleinen Samstags- gcschäftes auf der Sauffeite eine beutln e Zurückhaltung des Publikums sichtb.'.r. Gegenüber gestern mittag setzen sich ziemlich einheitlick) ein- bis zweiprozentige Befestigungen durch. Die bereits erwähnten Kunstseidewcrte gewannen 12,75 bzw. 11,5 v. H. Bemerkenswert schwach lagen Sa- rotti mit minus 3 v. H. Bon Nebenwerten erfd)icnen Vereinigte Schuhfabrik Berneis Wessel mit Plus- Plus-Zeichen. Elektrische Licht und Kraft notierten heute exklusive Dividende. Deutsche Anleihen ruhig. Ausländer behauptet. Der Pfandbriefmarkt war geschäftslos. Der Geldmarkt war unverändert. Tagesgeld 7,75 bis 10 v. H., Monatsgeld 8,75 v. H. bis 10 o. H. Nach den ersten Kursen geschäftslos und eher abbröckelnd. Bei fehlenden Anregungen zeigte die Spekulation eher Abgabeneigung, der aber die Jnterventionsbereitschaft der Banken gegenüberftanb. Kunst und Wissenschaft. Auszeichnung Daniel Greiners in Paris. Der 2. Preis der Gesellschaft zur Förderung der Buchillustration in Frankreich, Stiftung Antoine Claraz (Association pour favoriser l’illustratiou des livree en France, Fondation Antoine Claraz, Paris) in Paris wurde, wie uns mitgeteilt wird, soeben dem deutschen Maler, Bildhauer und Graphiker Dr. Daniel Greiner, Jugenheim an der Bergstraße, für feine ausgezeichneten Holzschnitte zur Genesis (1. Buch Moses) zugesprochen. (Internationaler Wettbewerb 1929.) Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr Samstag nachmittag gefchlossen. Anzeigenaufträge find lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7 v.H., Lombardzinsfuß 8 v.H. Frankfurt a M Berlin Frankfurt a M Berlin Frankfurt a M Berlin Bantnoten. cdjlufr Kure | i-Uhr Kure Schluß- Kure An,ang. Kur- ed)IUB* Kur» uUhi Schlug Kur- Anfang- Kur -öchiutz» Kure । Uh- Qut' Schluß- Kure 'Antang. Kur Berlin, 6. Dezember Geld AIR Datum 6.12. 7- 12 6. 12 7- 12 Datum 6. 12- 7. 12- 6. 12- 7. 12- Datum 6. 12 7. 12 6 12. 7- 12- Belgische Noten . . Dänische Noten . . . 53,22 11,60 20,328 16,39 167.96 21,71 111,53 58,50 2,465 112,13 80,94 58,38 12,33 72.80 frankfur 58,46 112,04 20.408 16.45 168.64 21,79 12,02 58,74 2.485 112,62 81.26 58.62 12.39 "3.10 1.2U. 6 „ .' cu |d)e üt. miMiui . ort ...... . . 7% Deutsche RelchSanIeihe von 1929 ......... .'in... Abiös.»Schuld mü Aus i" Rechten........ 11 rfin ■ l'hi 'o>. Necht» 8% Hell. Bo!Maat von 1929 (rüdjntjlb. 102%) Oberhellen Provinz - Anleihe mit Auclol.-Nechten . . . . Deutsche Slonim. Sammelabl. Anleihe Serie i 6% r,ranff. Hnp.-Bank Goldvle 87,3 99 50 89,5 46 46,05 1 1 1 £l 1 1 87,5 99 50,1 8,05 89,25 46,3 50,1 Hamburg-Amerila Patel . Hamb.-Südam. Dampssch. . Hansa Damlfschisj..... Norddeutscher Lloyd .... Allg. Deutsche Eredilairst. . - Barmer Bankverein .... Berliner Handelegc,ell|ch. . - Commerz- und Prival-Äank . Dariull. u. Natronalbank . Deutsche Bank...... Tit^nlo.Gesellschasl. Ank. . Dresdner Bank..... Sieichsban' . h 1( . t li li li 11 I 1‘ 1< I l 99,25 97 117 116,5 173 153 233 148.5 147.5 275 152,75 148 147,5 99 162 143 97.25 118 116 173,5 152.5 232.5 148 147,5 274.5 99.6 US 98 117.75 116 174,5 152.75 234 148 147,5 275 Bereinigte Slahlw Olam Minen . Kal werke Aschersleben . Ka. werke Westeregeln . ßohro. r e Laltbeiiurrh . I. ® sZarben.Industrte . Thnamll Nobel .... Ccheideanllalt..... Goldschmidt..... Stülgerswertr..... Meraiigeiellichaft . . . Philipp Hofmann Lewen werk veit-lbetg . Semem werk Karlstadt . titaDB & ok U “1 - 16'/. M . . LS . . 12 . . . 6 . . . y . . . 5 . . . 6 .8 ... 7 102,5 184,5 190,-5 315 177 139 61,5 69 113 82,5 117,5 164 191,4 177 69.75 - 102.5 । 103 54.75 55 183.5 , 186 189, 192 314,75 ! 316,25 175,5 176.75 82,65 83,75 63,25 - 70 70,5 113,5 — 89 1 Zranzosische Noten ....... Holländische Noten....... Italienische Noten........ Norwegische Noten....... Deutsch-Oesterreich, S 100 Schilling Rumänilckie Noten....... Schwedische ............. Schweizer Noten ....... Spanische Noten........ Tschechoslowakische Noten..... Ungarische Noten ...... Devisenmarkt Berlin XIII unkündbar bis 1931. 1% itranff. Hnp.-Bank ÖOlDpfe. unkündbar bis 1932 . . . >'/,% Rbeinilche Hnp.-Bank L'iqu. Goldpse........ Pr. Landeepsandbrlekanslall, Pfandbriefe R. 17..... 8% Pr Landeepsandbrlesanllall Stomm.-Cbl R U>..... 7% Pr. Lande-vsandbriesansloll, Pfandbriefe R. 10..... v..u ia uua. L-orrrrego-Lbligarion ruckrablbar 1932 4% Lelterrrichilche «oiörte.. 4.20% Ceftcrr Silbern- 4% Ocsterreichilche Einheitliche 8ieiue....... . . . 4% Ungarische Goldrte..... 4% Ungarische SlaatSr. o. 1910 4Y,% dergl. von 1913 .... 4% Ungarilche Kronenrie.. . 4% Türi. Zollanleihe v. 1911 . 4% Türkische Bagdadbabn-Anl. Serie I.......... 4% beSgl. Serie II . 5% Rumänische oeretnv. Rente von 1903 . . . . 4)4% «» manische oereinh. Rente ton 1913 ....... 4% Rumansch» vereint,. >Kente . 96,5 — — — A.E.S . Bergmann (Seht. LtcserungSgeiellichasi Licht und Kraft 157,5 158,25 203 155,5 158 201,75 163.5 159 . . 10 10 - - — 6 Dezember 7 Tczembci 85 80 98 95 89 24 2,85 2 21,3 19,25 2 7,25 1,2 7,2 8,8 13,95 7.1 — — — 163,25 — 156,5 . 8 83 83 — amtlich. Noiterung Geld Brie, Amtliche Not en Geld ü>i e 1 1 1 1 1 II 1 1 1 1 1 1 II 1 II 98 95 88,5 24,5 2 21,3 19,5 2 7,5 7,5 7,3 8.8 14,1 7,1 1 1 1 1 1 II 1 1 1 1 1 <”> 1 1 II Felten 4 Guilleaume . . Gei. s Elektr. Untern.. . . Hamb. Elehr »Werte .... Rhein. (Hehr....... Schlei. 6lefr ...... Schuckert 4 Go. ...... Siemen, 4 Halske..... Transradio........ Lahmeycr 4 So. ..... Buderus . . ..... Deutsche Grb8l...... Essener Steinkohle..... Gelsenkirchener . ..... Harvener. . ..... Hoesch Eilen........ Ilse Bergbau....... Klockuerwerke ..... Köln-Rcuelien . . . Mannesman» -RShrea . . . Manssclbct Bergbau .... Lberich'es. Euen.eoars . . . Lberichlej. Kokswerke.... Phönix Bergbau...... Rbe-nisch? Braunkohl». . . Siheinstahl........ Riebeck Montan...... 7 V, i 1 1- 11 IC . b 10 . 5 . <• .' 8 . 0 6V, 10 * 7 n . 6 7,2 115 156,5 177,5 284 160 62 124 215 90,5 11,5 101 245 104,5 1 1 1 1 1 1 1 1 1 I 1 1 1 1 1 1 1 1 ”<2> 1 1 1 Ln 114,5 156 126.75 ' 141 148,5 176,75 282,5 123,5 160.5 62.13 92.5 129.75 124 133.5 107,75 215 91 105,5 90,65 111 69 93,5 101.13 245 103,25 115,5 153 151,5 179 286.25 122 62,5 93,5 131,5 124,4 134.5 108,25 215,25 91 106.25 92.25 ,”2 94.9 102 104,75 i-chulibe!» Payeuhoser ... 15 Ostwcrke........ 12 Ber. 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Dezember, 13.30 Uhr, werden aus dem Freih. von Rabenau'schen Forst- ort Kohlstrauch (Straße Reiskirchen- Bersrod) versteigert: 100400 rm: Scheiter: Buche 7, Fichte 8; Knüppel: Buche 70, Eiche 10. Fichte 6; Reisig: Buche 78, Fichte 10; Stöcke: Fichte 5. Außerdem stehen daselbst zum Verkauf: 51 Im Fichtenstämme, Kl. la—3b. Schriftliche Angebote bis zum 16. Dezember, vormittags 10 Uhr, an das Forstamt. Näheres mündlich nach obiger Versteigerung. Londorf, den 4. Dezember 1929. ______Hessisches Forstamt Rabenau.______ Eber- und Ziegenbockverkaus Die Gemeinde Göbelnrod verkauft Dienstag, den 10. Dezember, nachmittags 1% Uhr, einen abgängigen Eber und Ziegenbock meistbietend gegen Barzahlung Hessische Bürgermeisterei. ____________Weber.______100560 Versteigerung. 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