Nr. 255 Erstes Blatt 179. Zahrgang Montag, 7. ©Höbet 1929 Eriche in» täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener £a mitten blätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Ve;ugspreir: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschliifse anterSammeInummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GichenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerel R. Lange in Gietzen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Stresemanns letzte Fahrt. Lleberführung und Aufbahrung im Reichstag. Berlin, 5. Oft. (WTB.) Obgleich die Stunde der Lieberführung der irdischen Hülle des da- hingeschiedenen Reichsauhenministers Dr. Strese- mann geheimgehalten worden war, hatten sich schon lange vor der angesehten Zeit viele Tausende von Menschen in der Friedrich-Ebert-Straße auf dem Platz vor dem Brandenburger Tor sowie am Reichstag angesammelt. Die engere .Umgebung des Reichstages war durch starke Seile, die man von Baum zu Daum gespannt hatte, abgesperrt. Bor dem Gebäude des Ministeriums des Auswärtigen sind vier riesige schwarzberandete und mit Palmengrün überdeckte Pylonen errichtet worden. Unter den Linden wird das Blumenhaus von Herrmann Rothe von dichten Menschenmassen umlagert. Hier sind in den drei großen Schau- senstern ein großer Teil der Kränze und Schleifen ausgestellt, die Dr. Stresemanns Grab schmücken sollen. Der riesige Kranz des diplomatischen Korps füllt fast die ganze Breite eines Schaufensters. 3n den anderen Auslagen sieht man in bunter Reihenfolge die Kränze der rumänischen Regierung, der AEG., des Präsidenten des Reichsgerichts, der dankbaren Saarbevölkerung, deren Kranz die Inschrift trägt: „Dem mutigen Kämpfer für die Saar", der Vereinigung Deutscher Filmfabrikanten, der preußischen Regierung und der Automobilindustrie, deren Schleifen in goldenen Lettern die Widmung tragen: „Dem großen Staatsmann und Führer der Wirtschaft". Bor der Ueberführung fand in der im Park des Außenministeriums gelegenen Villa, der langjährigen Amtswohnung Stresemanns, eine Trauerfeier im engsten Familienkreise statt. Gegen 20.15 Uhr setzte sich dann der Trauerzug in Bewegung. Voran ritt eine Abteilung Schutzpolizei; dann folgte der Leichenwagen mit der irdischen Hülle Dr. Stresemanns, und hinter dem Sarg schritten dix beiden Söhne des Verstorbenen, die Staatssekretäre von Schubert und Dr. W e i s m a n n , der Privatsekretär des Ministers, Konsul Bernhard, die beiden Schwäger Major Sorge und von Winterfeld, Dr. Pfeifer, der Bruder des früheren deutschen Gesandten in Wien, und Reichskunstwart R e d s l o b. Ferner begleiteten den Zug mehrere Attaches und Beamte des Auswärtigen Amtes, die die Ehrenwache am Sarge ihres Chefs halten werden. — Im Plenarsaal des Reichstages wurde der Sarg vor dem Präsidentenstuhl und dem in einen Katafalk umgewandelten Rednerpult aufgestellt. Der Sarg ist nur mit der Dienstflagge des Ministers bedeckt. Zu Füßen hat man Kränze der Familie niedergelegt. Zwei große Kerzen, die neben dem Sarg ausgestellt sind, werfen ihr düsteres Licht über den dunkeldrapierten Saal. Vor dsr Trauerfeier. Die Reichshauptstadt trauert. Berlin, 6. DEL (TU.) Graues, etwas frostiges Herbstwetter liegt über der Reichshauptstadt. Schon seit den frühen Morgenstunden hat es den Anschein, als ob ganz Berlin sich in der Innenstadt versammele, um Ze*uge der letzten Fahrt des verstorbenen Reichsaußenministers zu sein. Aus allen Teilen der Riesenstadt strömen die Menschenmengen herbei. Bereits um neun Uhr bildete sich an der Strecke, die der Trauerzug passieren wird, das Spalier. Die Schutzpolizei hat eifrig zu tun, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Die ganze Wegstrecke werden Seile gespannt in Erwartung des riesigen Andrangs. Besonders der Weg vom Wilhelmsplatz bis zum Reichstag bietet ein feierliches Bild. Reben den amtlichen Gebäuden haben zahlreiche Prioachäuser, Geschäftshäuser, Banken und Hotels geflaggt. Born Hause der englischen Botschaft in der Wilhelmstraße weht der Union-Jack; von der französischen Botschaft am Pariser Platz die Trikolore. Zwischen den Säulenreihen des Brandenburger Tors hängen schwarze Standarten. Das Auswärtige Amt ist mit Trauergirlanden aus Alpenveilchen und Tannen- grün behangen. Zu beiden Seiten des Haupteinganges stehen schwarz verhängte Pylonen, ebenso sind die historischen Laternen schwarz verhängt. Die Fenster des Amtes sind mit schwarzem Flor drapiert. Bereits mehrere Stunden vor Bildung des Trauerzuges ist sowohl vor dem Gebäude des Auswärtigen Amtes, als dem des Reichspräsidenten fein Durchkommen mehr. Zahlreiche Photographen haben Aufstellung genommen. Berittene Polizei und die Dienstautos der Behörden beleben die sonst so feierliche Stille. Immer noch treffen neue Kraftwagen mit Kränzen vor dem Gebäude des Reichstages ein. Sie find kaum mehr unterzubringen. 3m plenarsihungssaale des Reichstags. DieFülle der Kranzspenden aller Nationen. Der Plenarsaal des Reichstages hat ein düster feierliches Gepräge. Auf den Plätzen des Präsidiums ist ein Katafalk errichtet, auf dem der Sarg bedeckt mit der Dien st flagge des Reichs- außenministers ruht. Zu beiden Seiten des Sarges sind zwei große Kandelaber mit brennenden Riesenkerzen ausgestellt. Hinter dem Katafalk ist die Stirnseite des Saales mit einem großen schwarzen Baldachin bekleidet, der die ganze Höhe des Saales einnimmt und in der Mitte einen mit Trauerflor verhüllten schwarzen Reichsadler auf goldenem Grunde zeigt. Die Brüstungen des Saales find mit Trauerflor bekleidet, auf dem sich in dunklem Grün Girlanden von Eichenlaub abheben. Um den Katafalk herum ist eine fast unübersehbare Menge von Kranzspenden niedergelegt worden, unter denen besonders die Kränze der Familie, des Reichspräsidenten, des Diplomatischen Korps, der Reichsregierung, der Preußischen Regierung sowie der anderen Länderregierungen und der Freien Städte auffallen. Weiter bemerkt man kostbare Kranzspenden des Dölkerbundsrats und des Sekretariats des Völkerbundes, den der Generalsekretär Sir Eric Drum- mond persönlich überbracht hat. Der französische Ministerpräsident Briand hat einen Kranz übermittelt, der auf der Schleife die Worte „Seinem lieben Freunde" aufweist. Auch die Regierungen zahlreicher anderer Länder haben Kränze niederlegen lassen. Die leuchtenden Farben der Rosen, Chrysanthemen und Orchideen, die unzähligen bunten Schleifen in den Farben der Nationen der Welt schaffen einen seltsamen Kontrast zu dem Trauerflor, der die eichene Täfelung der Emporen verkleidet und das Licht der Lampen abdämpft. Dazwischen das dunkle Grün des Lorbeers, das das trauernde Schwarz der Dekorationen noch zu vertiefen scheint. Oie Trauerversammlung. Die Trauerfeier der Reichsregierung war für 11 Uhr angesetzt, aber wie sich draußen in der Umgebung des Gebäudes ungezählte Menschenmassen schon in der Frühe angesammelt hatten, um von dem großen Toten Abschied zu nehmen, so ist auch der Saal bereits lange vorher von den geladenen Trauergästen der Reichsregierung gefüllt. Auf der Regierungsestrade hatte das Reichs- ka binett Platz genommen; ferner die Staatssekretäre. Der trauergeschmückte Stuhl Dr. Stresemanns blieb leer. Dahinter saß zwischen den Reichs- Ministern G r o e n e r und C u r t i u s der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Dr. v. S ch u b e r t. Auch die Chefs der Heeres- und der Marineleitung, General Heye und Admiral Raeder waren anwesend. Die linke Seite der Estrade war mit den Vertretern der Länder des Reiches besetzt, darunter Ministerpräsident Dr. Braun mit dem preußischen Kabinett, der bayrische Ministerpräsident Held, der sächsische Ministerpräsident Dr. Bänger und der württembergische Staatspräsident Dr. Bolz; ferner nahmen die augenblicklich in Berlin weilenden Botschafter des Reiches an der Feier teil, und zwar sah man Dr. von Hoesch, Paris; Dr. von D i r ck s e n, Moskau, und Dr. von Prittwitz, Washington. Das Parkett des Saales war dicht gefüllt. Der Reichstag und der Preußische Landtag waren durch zahlreiche Abgeordnete vertreten. Der Reichs- t a g auch durch die Führer der Fraktionen von Breitscheid bis Graf Westarp. In der Diplomatenloge war das Diplomatische Korps an seiner Spitze der französische Botschafter de Margerie zum Teil in großer Uniform, zum Teil im Frack vollzählig erschienen. Wenige Minuten vor 11 Uhr betrat Reichspräsident von Hindenburg mit Frau D r. Stresemann, ihren beiden Söhnen, Reichsinnenminister Severing, den Vizepräsidenten des Reichstages Dr. von Kardorff und Graef, Staatssekretär Meißner, Oberstleutnant von Hindenburg und Oberhofprediger Keßler (Dresden) seine Loge, während die Trauergäste sich von ihren Plätzen erhoben. Gleich darauf nahm die Feier ihren Anfang mit den Klängen der Ouvertüre zu Beethovens „Coriokan", die, den Anwesenden unsichtbar, das Berliner Philharmonische Orchester unter Leitung von Franz Veit zum Vortrag brachte. Oie Trauerrede des Reichskanzlers. Reichskanzler Hermann Müller nahm bann vvm Rednerpult aus das Wort zu feiner Trauerrede: An der Bahre des deutschen Außenministers stehen nicht nur trauernd seine Gattin und feine Söhne, denen sich unsere innige Teilnahme zuwendet, steht nicht nur die deutsche Reichsregierung, die ihren Außenminister, nicht nur der Deutsche Reichstag, der eines seiner hervorragendsten Mitglieder, nicht nur die Deutsche Vollspartei, die ihren Führer verloren hat, sondern im Geiste nimmt an dieser Abschiedsfeier das deutsche Volk teil, das einen seiner besten Söhne verloren hat, und die Welt d r a u ße n, die in ihm den großen Staatsmann verehrte, und den Menschen guten Willens. Wenige Stunden vor seinem Hinscheiden war er im Reichstag und dann noch im Hause vom Krankenbett aus bestrebt, ernste parlamentarische Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Er kannte keine Schonung; so sehr er seit langem der Schonung bedurfte. Vor allem hat er in nie rastender Pflichterfüllung und in Sorge um das große Werk seiner Außenpolitik seit Zähren alle gesundheitlichen Bedenken beiseite geschoben und den Mahnungen seiner Aerzte zum Trotz sich nicht abhalten lassen, das letzte Aufgebot seiner Kräfte einzusetzen. Unter allen Kundgebungen des Beileids ist daher keine fo treffende wie die unseres verehrten Reichspräsidenten, in der es heißt, daß der verstorbene bis zum letzten Augenblick treu für sein Vaterland gearbeitet hat. Seinem Lande und Volke galt sein Wirken. Für Deutschland und das deutsche Volk glühte sein Herz mit der ganzen Inbrunst, deren er fähig war. Als er mit seinem flaren politischen Sinn erkannt hatte, daß nach der Staatsumwälzung nur auf der Grundlage der Weimarer Verfassung praktische Arbeit für unser Volk geleistet werden konnte, hat er es als seine neue Lebensaufgabe betrachtet, entschlossen im neuen Staate positiv mitzuarbei- t e n. Das war für ihn ein Gebot bester Vaterlandsliebe. Von dem gleich ihm viel zu früh verstorbenen Reichspräsidenten Ebert zur Führung berufen, hat Gustav Stresemann seit über sechs Jahren die Außenpolitik des Deutschen Reiches geleitet. Cs scheint uns heute wie ferne Vergangenheit, wenn wir an die Zeit zurückdenken, in der Dr. Stresemann entscheidend in die Geschicke unseres Landes eingriff. Es war die Zeit des Höhepunktes des Ruhrkampses mit seiner furchtbaren politischen Erschütterung Deutschlands, mit seiner schweren seelischen Belastung des deutschen Volkes, die Zeit der schwersten Leiden des besetzten Gebietes und der völligen Ohnmacht des unbesetzten Deutschlands, die Zeit der wirtschaftlichen Röte. Das Auseinanderfallen des Reiches schien möglich. Lind heut e, sechs Jahre nach diesen Ereignissen, ein Reich, angesehen im Rate der Völker, als Großmacht anerkannt, trotzdem ihm nicht die gleiche bewaffnete Macht wie anderen Völkern zu Gebote steht. Das deutsche Volk, das am Ende des Weltkrieges von einer Mauer des Hasses eingeschlossen war und von der Gemeinschaft der übrigen Kulturvölker ausgeschlossen werden sollte, ist heute gleichberechtigt im Kreise der Rationen. Niemand von uns leugnet die großen Nöle unseres Volkes, niemand bestreitet, daß wir durch den verlorenen Krieg schwere Wunden davongetragen haben, die heute noch tief schmerzen. Aber nur ein Narr oder ein Böswilliger kann leugnen, daß Deutschland in diesen sechs Jahren ein gutes Stück vor w ä r tsgekom- men ist. An diesem Ausstieg hat Gustav Stresemann einen entscheidenden Anteil. Es ist die tiefe Tragik seines ßcbenS, daß er d ie endgültige Stunde der deutschen Frei heit a m R h e i n nicht mehr erleben konnte. Wenn aber wie einst bei der Räumung der Kölner Zone die Glocken der Kirchen ihre eherne Stimme erschallen lassen dann wird ihr Geläute auch seinem Gedächtnis gelten. Zu der ungeheuerlichen Arleitslast, die er als Reichsaußenminister auf sich genommen hatte, und die für ihn als Vertreter eines besiegten Landes so viele Widrigkeiten mit sich brachte, trat noch die Arbeit hinzu, die auf innerpolitischem Gebiet ihm als Führer seiner Partei auf den Schultern lastete. Er trat ein für das Heranziehen aller wertvollen Kräfte zum neueiz Staat. Getreu seinem Grundsatz, „das Alte ehren, für die Gegenwart arbeiten, an die Zukunft glauben", ist es ihm so gelungen, viele, die zunächst grollend abseits standen, mit dem neuen Staat zu versöhnen und als Mitarbeiter in der Republik zu gewinnen. Wenn heute eine Welle tiefer Trauer durch unser Volk geht, wenn selbst die Gegner ehrend die Degen an seiner Bahre senken, so gilt diese Trauer nicht allein dem großen Staatsmann und Führer, sie gilt auch dem Menschen Stresemann, den wir alle liebten. Aus engen Verhältnissen stammend, hat er sich aus eigener Kraft emporgearbeitet; was er wurde, verdankt er seinen Fähigkeiten und seiner unermüdlichen Arbeit. In den Ehrungen, die ihm zuteil wurden, der Verleihung des "Nobelpreises und des Ehrendoktors der altehrwürdigen Heidelberger Uni- versität, ist man der Bedeutung seiner Persönlichkeit gerecht geworden. Mit Recht heißt es in der Derleihungsurkunde, mit der die Heidelberger Ehrung ausgesprochen wurde, daß er hochverdient um die Festigung von Staat und Wirtschaft, durchdrungen von Deutschlands Recht auf Leben und Freiheit mutig und trotz aller Widerstände und Rückschläge als Bahnbrecher einer Politik der geistigen Annäherung und friedlichen Verständigung der Völker sich eingesetzt und weit über die Grenze:: des Vaterlandes hinaus Achtung und Ansehen errungen hat. So steht die Persönlichkeit Gustav Stresemanns vor uns. Wir nehmen Abschied von ihm in der Gewißheit, daß fein Gedächtnis in aller Zukunft fortleben wird. Er wird als einer der Baumeister an dem Wiederaufbau Deutschlands der Geschichte angehören. Sein Werk steht fest gegründet, und uns allen bleibt in Zukunft die Aufgabe, es in seinem Geiste fortzusehen. Don ihm nehmen wir Abschied in dem Bewußtsein, daß wir in ihm einen großen Staatsmann, einen Führer und einen trefflichen Menschen verloren haben." Leise klang dann Beethovens Trauermarsch aus der „Eroica", wiederum vom Philharmonischen Orchester borgetragen, durch den Saal. Vor dem Reichstage. Die Abschiedswortc Dr. von Kardorffs. Die Feier hatte damit ihr Ende gesunden. Frau Dr. Stresemann verließ mit - ihren Söhnen als erste die Ehrenloge, nach ihr der Reichspräsident und die Minister, während sich die Versammlung von den Plätzen erhebt. Langsam wurde die Fülle der Kränze auf die bereitstehenden Wagen geschafft. Dann wurde der Sarg von Beamten der Schutzpolizei aufgehoben und durch das Hauptportal des Reichstags zur großen Freitreppe gebracht. Der Weg vom großen Sitzungssaal bis zur Frei» treppe am Platz der Republik war mit schwarzen Teppichen belegt. Zu beiden Seiten waren die schönsten aus der großen Fülle der Blumenspenden nebeneinandergereiht. Kurz nach 12 Uhr erschien der Trauerzug in der Wandelhalle. Der schöne Vergißmeinnicht-Kranz der Gattin des Verstorbenen und der letzte Gruß des Reichspräsidenten wurden voraufgetragen. Unmittelbar hinter dem Sarge schritt Oberhofprediger Keßler. Ihm folgte d i e Gattin des Dahingeschiedenen, geführt von D r. von Kardorff , und die nächsten Verwandten. Dann schloß sich das offizielle Trauergefolge an, an der Spitze Reichspräsident von Hindenburg, ihm zur Seite Reichskanzler Mül- I e r und Reichsinnenminister Severing. Als der Zug die Freitreppe erreichte, durchbrach gerade die Sonne das Gewölk. Ein Geschwader von Flugzeugen mit Trauerwimpel an den Flügeln umkreiste das Reichstagsgebäude und den Platz der Republik, der mit zehn Pylonen geschmückt und von einer gewaltigen Menschenmenge gefüllt war, die den Toten in ergriffenem Schweigen grüßte. Dor dem Gebäude wehten die Fahnen des Reiches auf Halbstock. Vor der großen Freitreppe wurde der Sarg auf den mit sechs schwarzverhüllten Pferden bespannten Wagen gehoben. Zu beiden Seiten hatten die Delegationen des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes aus Berlin und aus dem Reich Aufstellung genommen. Vizepräsident Or. von Kardorff führte bann u. a. aus: 2mRamen besDeu t- schen Reichstags und im Ramen meiner Parteifreunbe rufe ich dem Manne, der dort so früh vollendet in diesem Sarge liegt, auf feiner letzten Fahrt einenlehtenherzlichenAb- schiedsgruß zu. Was dieser Mann, der aus kleinen Verhältnissen stammte, erreicht hat, verdankt er nur sich selbst. An seiner Wiege ist ihm nicht gesungen worden, daß er dermaleinst ein Führer seines Volkes sein würde. Als Stresemann sein Amt antrat, war die Einheit des Reiches gefährdet. Als bas Amt seinen toten Händen entglitt, hinterließ er ein Deutschlanb, Hessen Ansehen in der Welt heute niemand mehr bestreiten kann. Das ist und bleibt sein Verdienst. Lind wenn am 30. 3uni nächsten Jahres die Freiheitsglocken lauten werden, wenn der Tag der Freiheit der Rheinlande gekommen sein wird, bann wirb ein bankbares Volk seiner gebenden. Das Ziel seiner Arbeit war bie Freiheit des Reiches. Kurz vor Erreichung bieses heiß ersehnten Zieles hat bas Schicksal ihn aus unserer Mitte abberufen. Der Verstorbene ist geliebt und vergöttert worden von feinen Anhängern, wie selten ein Mann zuvor und er ist gehaßt und befehdet worden von seinen Gegnern, wie in einem ähnlichen Ausmaß selten ein Politiker und ein Staatsmann befehdet worden ist. Wir werden die Gegnerschaft, die er gefunden hat, begreifen müssen. Sie liegt begründet in der Lage Deutschlands, sie liegt begründet darin, daß die Spanne zwischen dem Wünschenswerten und dem Erreichten und dem Erreichbaren eben immer ungeheuer groß ist. Aber unbegreif- l i ch will mir der Haß erscheinen, mit dem dieser Mann verfolgt worden ist. Unbegreiflich will es mir erscheinen, daß man es gewagt hat, diesem treuesten Patrioten die politische, die nationale und die persönliche Ehre abzusprechen. Das hat diesem lebens- frohen und empfindlichen Menschen in tiefster Seele aufs schwer sie gekränkt. Es wird viele geben, die ihm Abbitte leisten müssen. Er war ein leidenschaftlicher Patriot, er liebte sein Volk und sein Vaterland über alles. In der Arbeit für sein Volk und sein Vaterland hat er sich verzehrt. Die Nachwelt wird ihm gerecht'werden. „Dein Volk, mein treuer Freund, wird dich nicht vergessen, es wird dir danken, daß du ihm in schweren Tagen ein Helfer und Führer zugleich gewesen bist!" Oie letzte Fahrt. Der Reichspräsident im Trauerzug. Unmittelbar nach "der Rebe Kardorffs, die von ber ergriffenen Menge schweigenb angehört würbe, bildete sich der Trauerzug. Die Spitze bes Zuges stellte eine Hundertschaft der Schutzpolizei zu Pferde, auf die zwei Kapellen der Schutzpolizei zu Fuß folgten. Rach den sich hieran anschließenden Chargierten von drei studentischen Korporationen kam der Wagen mit dem Sarge des Reichsauhenministers. Reben dem Wagen schritten sechs Attaches, sowie bie Ministerialdirektoren bes Auswärtigen Amtes. Unmittelbar hinter dem Sarge schritt der Pfarrer mit den beiden Söhnen des Ministers, hinter ihnen der Reichspräsident von Hindenburg, zu feiner Linken Reichskanzler Müller und zu seiner Rechten Vizepräsident v. Kardorff. 3m Anschluß daran gingen im Trauerzuge die Mi- nister der Reichs-- und Staatsregierung und das Diplomatische Korps. Die Witwe und die nächsten weiblichen Angehörigen des verstorbenen Reichsaühenministers folgten im geschlossenen Kraftwagen. Es kamen dann die Vertreter des Reichsrats, die Chefs der Heeresleitung und der Marine unp weitere Abordnungen studentischer Korporationen. Hierauf folgte eine große Anzahl Reichstags- und Landtags- abgeordneter, denen sich zwölf Wagen über und über mit Kränzen bedeckt anschlossen. Die Parteifreunde des Reichsaühenministers beschlossen das überaus eindrucksvolle Trauergefolge. Langsam fetzte sich der Zug unter den Trauerklängen der Kapelle in Bewegung. Vom Reichstag bis zum Brandenburger Tor bildeten Gruppen der Deutschen Volkspartei, teilweise mit schwarz-weih-roten Fahnen Spalier. Vom Brandenburger Tor bis zum Auswärtigen Amt in der Wilhelmstrahe hatte das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold rechts und links der Straße Aufstellung genommen. Die angrenzenden Straßen waren von Menschen dicht umsäumt. Das Publikum harrte geduldig und verhielt sich mustergültig. Lediglich in einer Ecke des Brandenburger Tors am Pariser Platz kam es zu einem jedoch kaum bemerkten Störungsversuch. Dor dem Auswärtigen Amt. Etwas nach 12 Uhr bog der Trauerzug von der Straße Unter den Linden in die Wilhelm- straße ein. Girlanden und Fahnen überall. Auf dem Palais des Reichspräsidenten grüßte die Präsidentenstandarte auf halbmast. Die Reichswehrposten präsentierten. Am Wil- Helmsplatz hielt die berittene Abteilung der Schutzpolizei. Der Reichspräsident verabschiedete sich mit warmen Worten des Dankes an die Botschafter und deren Staatsoberhäupter vom Diplomatischen Korps. Der Sarg hielt zehn Minuten vor 1 Uhr vor dem Fen st er des Arbeitszimmers im Reichsaußenministerium, in dem Stresemann sechs Jahre lang gewirkt hatte. Das Fenster stand weit auf. Schwarzer Flor umgab es, in der Mitte ein Blumenstrauß. Beamte des Auswärtigen Amtes, u. a. Staatssekretär von Schubert, Ministerialdirektor Koeppke und Ministerialdirektor Zechlin, umstanden den Sarg in einer stillen Gedenkpause, während derer die Glocken der umliegenden Kirchen läuteten. Wieder wirbelten dann dumpf die Trommeln. Die Musik setzte ein und der Zug setzt« sich weiter in Richtung Belle-Alliance-Platz in Bewegung, auf dem sich eine besonders zahlreiche Menschenmenge angesamtnelt hatte. Auf dem Friedhöfe. Gegen 1.15 Uhr trafen vor dem Louisen- städtischen Friedhof die ersten Kranzwagen ein. Eine Fülle von Blumen wurde in die Kapelle getragen. Gegen 1.45 Uhr kündeten Trauermusik und Trommelwirbel das Rahen des Zuges an. Gleichzeitig setzte Glockengeläut der Kaiser-Friedrich-Kirche ein. Als der Wagen mit dem Sarg vor dem Tore des Friedhofes hielt, spielte die Kapelle: „Was Gott tut, das ist wohl getan." Unter dumpsem Trommelwirbel wurde der Sarg in die Friedhofskapelle getragen. Rur die Angehörigen des Verstorbenen, seine engeren Mitarbeiter und ein kleiner Kreis von persönlichen Freunden waren zugelassen. Sn dec Kapelle, wo der Sarg zwischen weihen Lilien und grünem Schmuck aufgebahrt stand, hielt Oberhofprediger Dr. Kehler aus Dresden, der dem Verstorbenen lange Jahre nahegestanden hatte, eine warm empfundene Rede. Dann bewegte sich der Trauerzug zu der Grabstätte. Ein breiter Weg führt vom Eingang des Friedhofs leicht bergan zu einem alten Glockenturm, in dessen Rähe die letzte Ruhe- ft ä t t e des verstorbenen Außenministers liegt. Der Friedhof wird von schönen alten Bäumen beschattet. Rur wenige Meter von dem Grabe der Eltern Stresemanns, das von einem schlichten Gedenkstein geschmückt ist, hat man die Gruft gegraben, die nun die sterblichen Ueberreste des Reichsaühenministers aufnimmt. Unter den Klängen von „Deutschland, Deutschland über alles", wie das Dr. Stresemann verfügt hatte, wird der Sarg in das Grab gesenkt. Der Prediger spricht ein kurzes Gebet. Ein Vertreter der Burschenschaft Reogermania, der Dr. Stresemann angehört, ruft ihm Gedenkworte nach, die Fahnen senken sich, der Vorsitzende Meister der Loge Friedrich der Gröhe grüßt den Toten zum letzten Abschied. Minister Scholz operiert. Aussicht auf baldige Genesung. Berlin, 5. Oft. (WTB.) Der Pressedienst der Deutschen Volkspartei teilt mit: Ein überaus schmerzliches und tragisches Geschick hat es gefügt, daß in diesen Tagen, wo der große Führer der Partei auf der Bahre liegt, sein enger politischer Mitarbeiter und Freund, Reichsminister a. D. Dr. Scholz, der erste Vorsitzende der v o l ks p a r t e i l i ch e n R e i ch s t a g s f r a k- tion, operiert werden muß. Um so begreiflicher und verständlicher ist es, daß die heiße Hoffnung der Partei die baldige und völlige Genesung des Erkrankten ist. Diese Hoffnung wird erfreulicherweise durch das (Kommunique der operierenden Aerzte in stärkstem Maße unterstützt. Das ärztliche (Kommunique lautet: Samstag vormittag ist an Reichsminister a. D. Dr. Scholz eine Darmoperation ausgeführt worden, die gut gelungen ist. Bei der kräftigen Konstitution des Patienten ist mit einer vollen und baldigen Wiederherstellung zu rechnen, (gez.) Reuperth, v. d. V e l d e n. Ein Reichsdankhaus in Schneidemühl. Schneidemühl, 6. Olt. (WB.) Heute nachmittag fand im vollbesetzten großen Festsaal des vom Reich erbauten und der Grenz- provinz gewidmeten Reichsdankhauses ein Festakt statt, in dem das Haus in feierlicher Weise seiner Bestimmung übergeben wurde. Oberpräsident v. Bülow erinnerte an die Zeit vor zehn Jahren, als die deutsche Bevölkerung der Ostmark den polnischen Aufstau d hier zum Stehen gebracht hat und durch ihr zähes Festhalten an Deutschland die Gebiete der heutigen Provinz Grenzmark Posen-West- preuhen dem Deutschen Reich erhalten hat. In dem stolz ragenden Gebäude des Reichs- Benesch gegen den Anschluß. Der tschechische Außenminister antwortet auf Fragen deutscher Journalisten. Prag, 5. Okt. (Privatmeldung.) Minister des Aeußeren Bene sch empfing die in der Tschechoslowakei als Gäste der Reichsgewerkschaft der sudetendeutschen Presse weilenden Vertreter des Reichsverbandes der Deutschen Presse. In einer Ansprache an die Journalisten gedachte er ehrend des verstorbenen Reichsaußenministers Dr. Stresemann. Sodann antwortete Dr. Benesch auf verschiedene an ihn gestellte Fragen, lieber seine Stellung zur Minderheitenfrage erklärte Benesch, diese Frage sei mehr delikat als kompliziert. Er sei für eine gerechte Behandlung der Minder- heiten, wie er es schon vor dem Kriege gewesen sei. Er persönlich sei beispielsweise in der Minderheitenfrage in einer sehr angenehmen Situation, wenn er in Genf neben dem Grafen Apponyi stehe. Die Frage der Minderheiten werde zu sehr gene- ralisiert und zu wenig spezialisiert. Er selbst würde ohne weiteres für die Einrichtung einer Ständigen Kommission sein, wenn diese ihre Aufsicht über die Minderheiten auf alle Staaten ausdehnen würde. Minderheiten aber enthielten heute sämtliche europäische Staaten. Den Minderheiten könne international nur ein Minimum, niemals ein Maximum an Rechten garantiert werden. Das Plus müssen die Minderheiten selbst durch aktive Mitarbeit im Staate erzielen. Er sei der Ansicht, daß die Minderheitenfrage überhaupt überschätzt werde. Mit der wachsenden Konsolidierung der Staaten werde sie ihre Schärfe verlieren. Zur Anschlußfrage erklärte Benesch, er sei immer gegen den Anschluß Oesterreichs an Deutschland gewesen und werde es immer sein, und zwar nicht aus Sentimentalität, sondern aus Gründen der praktischen Rotwendigkeit vom tschechoslowakischen Standpunkt aus. Benesch sagte wörtlich: Ich spreche nicht gern vom Anschluß, weil man in meinen Aeußerungen etwas sehen könnte, was gegen Deutschland oder gegen Oesterreich gerichtet ist. Dies ist aber keineswegs der Fall; die Frage ist nicht aktuell. Ilm nur ein Beispiel zu erwähnen: Die tschechoslowakische Ein- und Ausfuhr bewegt sich heute zu etwa 20 Prozent über, nach und von Oesterreich und zu etwa 40 Prozent durch, nach und von Deutschland. Bei einem Konflikt mit einem der beiden Staaten haben wir den Ausweg über den anderen, nach vollzogenem Anschluß aber wäre die Lage für die Tschechoslowakei, die so zu 60 Prozent ihres Wirtschaftslebens von einem Rachbarstaat abhängig wäre, katastrophal. Ich verstehe, daß man in Deutschland die Frage des Anschlusses vom Gefühlsstandpunkt beurteilt, aber als tschechoslowakischer Außenminister kann ich nicht anders als gegen den Anschluß fein. Urteil im Prager Tuka-Prozeß. Fünfzehn Jahre schweren Kerkers für den slowakischen Autonornistenführer. Das Urteil im Tuka-Prozeß liegt jetzt vor: Der Abgeordnete der Slowakischen Volkspartei, Dr. Tuka ist zu 15 Jahren schweren Kerker verurteilt worden. Vorgeworfen wurde ihm, daß er die Absicht gehabt habe, die Slowakei aus dem tschechischen Staatsverband l o s z u l ö s e n. Er hätte zu diesemZweck eine slowakische cheimwehr gegründet, Spionage getrieben und mit den Ungarn zusammen- gearbeitet. Der Prozeß hat die völlige chalt-- l o s i g k e i t dieser Vorwürfe erbracht. Weder hatte Tuka die Absicht, chochverrat zu begehen, noch hat er zuungunsten des tschechoslowakischen Staates Spionage getrieben. Seine Verurteilung ist aber in der Hauptsache a u f Grund militärischer Geheimgutachten erfolgt. Die Bedeutung die- fes Prozesses liegt darin, daß auch die Tschechen von einer Autonomie der im tschechoslowakischen Staat zusammengefaßten Völker nichts wissen wollen, obwohl den Slowaken nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie weitgehende Selbstverwaltung z u g e s i ch e r t worden war. Tuka wollte lediglich mit legalen Mitteln die slowakische Autonomie erkämpfen. Aus diesem Grunde zog er sich den Haß der Tsche- chen zu, die jetzt dafür gesorgt haben, daß einer der mutigsten Führer des slowakischen Volksteiles für 15 Jahre von der Bildfläche verschwindet. Dankhauses verkörpere sich der Dank des Deutschen Reiches. Das Reichsdankhaus sei fortan der kulturelle Mittelpunkt für die Provinz Grenzmark Posen-West- p re uh en. Die Grenzmark danke dem Reich für das Geschenk und verbinde damit die Ditte, es nicht dabei bewenden zu lassen, sondern der Grenzmark auch weiterhin seine Hilfe angedeihen zu lassen. Während sich die Festversammlung von den Plätzen erhob, widmete der Oberpräsident sodann dem verstorbenen Reichsauhenminister Dr. Stresemann einen warm empfundenen Rachruf. Eine Wiener Kundgebung gegen das Friedensdikiai. Wien, 6. Okt. (WB.) Zum 10. Male veranstalteten heute vormittag unter Teilnahme von etwa 20 000 Personen hie völkischen Vereine Wiens auf dem Heldenplatz eine Kundgebung gegen den Gewaltfrieden von Saint Germain und für den Anschluß Oesterreichs an Deutschland. Eine im Sinne der Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge und für das Selbstbestimmungsrecht gehaltene Entschließung wurde einstimmig angenommen. Sie soll allen in Wien akkreditierten Gesandtschaften übermittelt werden. Als Hauptredner gedachte Dr. Riehl zunächst der im Weltkriege Gefallenen und dann des Heimgangs Dr. Stresemann, wobei er die bis zur letzten Stunde aufopferungsvolle Pflichterfüllung des Reichsaußenministers würdigte. Dr. Riehl erhob hierauf flammenden Protest gegen den Gewaltfrieden von Saint Germain und richtete bann scharfe Angriffe gegen den tschechoslowakischen Minister des Aeußeren, Benesch, wegen der Rolle, die dieser auf der Friedenskonferenz gespielt habe. Neue Sttarek-Enihüllungen. Das Anfchaffungsamt. — Die Spittelkolonnaden. Berlin, 7. Oft. (Wolff.) Im Zusammenhang mit dem Sklarek-Skandal werden jetzt in der Oesfentlichkeit Behauptungen aufgestellt, die sich im wesentlichen gegen den jetzigen Prokuristen des Anschaffungsamtes Jakob L i e - ber t richten. Diese Beschuldigungen sind außerordentlich schwerer Art und sind bereits vor einem Jahr zur Kenntnis der Staatsanwaltschaft gelangt, die damals das Verfahren einstellte. Der Prokurist habe im Laufe der Jahre von den Brüdern Sklarek insgesamt 1 6 6 000 Mark, die er zu hohen Zinsen verlieh, erhalten. Angeblich habe auch Direktor Kieburg Zuwendungen erhalten. Kieburg will dagegen unter Eid erklären, daß er niemals irgendwelche Zuwendungen von den Brüdern Sklarek erhalten habe. Weiter wird Kieburg beschuldigt, Bestände des Anschaffungsamtes den Sklareks zu geschickt zu haben. Die Bestände seien von den Sklareks m i t neuen Etiketten versehen, dem Anschaffungsamt zurückgeschickt worden, das die Lieferung auf das Konto der Brüder Sklarek schrieb. Dieser Vorgang Hube sich wiederholt. Weiter wird bekannt, daß die Brüder Sklarek im Begriff waren, einen Vertrag mit der Stadt abzuschliehen, der ihnen Ankauf oder Pachtung der Spittel- kolvnnaden gestatten sollte, wo sie ihre neuen Geschäftshäuser errichten wollten, jene Geschäftshäuser, auf die ihnen der Magistrat einen neuen günstigen Vertrag gewährte. Man erinnert sich, daß alle Proteste gegen den Abbruch der Spittelkolonnaden ungehört verhallten. Jetzt weih man, daß die Spittelkolonnaden fallen sollten, weil der Magistrat den Brüdern Sklarek das Grundstück sichern wollte. Oer Handel zum Sklarek-Skandal. Berlin, 7. Okt. (TU.) Der Reichsverband des Deutschen Groß, und Uebersee- Handels hat zum Fall Sklarek folgende Entschließung gefaßt: „Vorgänge, wie sie jetzt bei der Stadtverwaltung von Groß-Berlin in dem Fall Sklarek bekannt geworden sind, müssen in einer Bevölkerung, die unter unerhört schweren Bedingungen mit großer Mühe Betriebe aufrecht erhält oder den Lebensunterhalt im schweren Kampf sich 3u verschaffen sucht, Entrüstung und Entsetzen auslösen. Wenn dieselbe Stadt Mono- polverträge abschließt, die der Monopolfirma im normalen Ablauf des Vertrages — ganz abgesehen von der Betrugsfrage — Jahresge- winne im Ausmaße von vielen Millionen ermöglichen, so ist dies völlig unvereinbar damit, daß ohne Unterlaß jede Senkung der Gewerbesteuer zugunsten der nicht mit einem Monopol begnadeten Firmen als unmöglich bezeichnet wird. Solche Monopoloerträge find grundsätzlich unzulässig und aufs schärfste zu bekämpfen, weil darin e i n schweres Unrecht gegen d i e st euer- zahlenden Bürger des Gemeinwesens liegt." Tagung des Evangelischen Bundes. Koblenz, 5. Okt. (WTB.) Der Evangelische Bund, der in diesen Tagen in Koblenz seine 33. Generalversammlung abhält, hat folgende Entschließung angenommen: Nachdem gegen den wohlbegründeten Willen des Evangelischen Bundes bei der Ordnung der Rechtsverhältnisse zwischen der preußischen Staatsregierung und der römischen Kurie eine konkordatsmäßige Form gewählt worden ist, stellt der Evangelische Bund fest, daß hierbei der Evangelischen Kirche das ihr gebührende Recht nicht zuteil gewordenist. Er gibt der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß die Verhandlungen zwischen der preußischen Staatsregierung und Der Evangelischen Kirche möglichst bald und unter Wahrung der völligen Parität und Beachtung der W e s e n s v e r s ch i e d e n- heit der beiden Kirchen ihren Abschluß finden, und fordert das evangelische Volk auf, dieser wichtigsten Phase seine schärfste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Der Evangelische Bund tritt nach wir'vor mit allem Rachdruck dafür ein, daß die Evangelische Kirche eine lebendige Kraftim deutschen Volksleben wird. Er lehnt die Bildung einer evangelisch-konfessionellen Partei ab, erstrebt aber Die politische Mobilisierung des evangelischen Volksteiles zur Bildung eines protestantischen Oeffent- lichkeitswillens. Aus aller Well. Der Räuber von Charlottenburg verhaftet. Der Täter, der am Freitagabend Den Dreisten Raubüberfall a u f einen Schlächter l a D e n Charlottenburgs ausführte unD bei seiner Flucht in einem gestohlenen Kraftwagen zwei Frauen überfuhr, ist in der vergangenen Rächt in dem 16jährigen Walter Schall, der vor kurzem aus einer Fü r - sorgean st altentwichen war, ermittelt und fest genommen worden. Schall ist geständig, behauptet, aber, von einem gewissen Maxe an« gestiftet worden zu sein, Den er auf einem Arbeitsnachweis kennengelernt habe. Dieser Maxe habe Den Lieberfall schon vorher ausgearbeitet. Zusammen hätten sie in der Schillerstrahe ein Auto gestohlen. Unterwegs habe ihn Maxe instruiert. Er selbst wollte draußen mit dem Wagen warten. Schall führte dann den Lleber- fall aus. Rach der Flucht, so erzählt der Verhaftete, habe er sich im Hof eines Hauses verkrochen nuD das erbeutete Geld gezählt. Es waren 120 Mk. Wenn mehr fehlen sollte, müsse er es auf Der Flucht verloren haben. Am nächsten Lage traf er sich mit Maxe in einem vorher verabredeten Lokal und übergab ihm das Geld. Tatsächlich scheint Schall von Dem ganzen Raub nicht einen Pfennig erhalten zu haben. Rach Dem angeblichen Maxe wirb noch gesucht. Schwerer Sturm an der irischen und englischen Küste. Die Küsten von Irland und England wurden während des Wochenendes von einem schweren Sturm heimgesucht. In der nordirischen Grafschaft Throne wurden drei wichtige Drücken von den reißenden Fluten zum Ein-l stürz gebracht. Der Rorddamm der irischen Eisenbahn stand unter Wasser: der Verkehr dürft« unmöglich fein. In Doumemouth an der englischen Südküste wurden 60 Dadehütten zerstört. Lebenslängliches Zuchthaus für eine Giftmischerin. Die 64jährige Wahrsagerin Verena Lehner aus Suhr (Kanton Aargau) wurde wegen Ermordung zweier Pensionäre mit Gift und Unterschlagung der Hinterlassenschaft eines der beiden Pensionäre zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Die Angeklagte beteuerte,.sie sei unschuldig. Einbruch in die französische Botschaft. Samstag abend wurde in der französischen Botschaft am Pariser Platz ein schwerer Einbruch entdeckt, bei dem Den Tätern für über 80 000 Mark Schmucksachen in die Hände gefallen sind. Das Botschaftsgebäude wird zur Zeit renoviert und der Botschafter hat mit einem Teil des Personals das Haus verladen. Im Schlafzimmer des Botschafters ist ein Schreibtisch von Den Verbrechern geöffnet worden. Es wurden gestohlen: eine aus 60 Perlen bestehende Kette mit weißem Drillantschloh im Werte von 40 000 Mark. Weiter fehlen ein großer^ weißer Diamant, Der in einem Ringe gefaßt ist, drei weitere Ringe und mehrere K r a t> a 11 e n* naDeln. In Dem unter Dem Schlafzimmer liegenden Raume im Erdgeschoß ist der Dieb ebenfalls gewesen. Dort hat er eine Kiste mit Gold fachen von Altertumswert geöffnet, aber von Den Sachen nichts mitgenommen. Wie sich Der Dieb in das Gebäude eingeschlichen hat, weih man noch nicht. Auch Der Tag und die Zeit des Diebstahls stehen noch nicht einwandfrei fest. Der Tod des falschen Marquis. „Paris Midi" sprach Die Vermutung aus, Daß Die Affäre des Pseudomarquis De Champaubert von diesem selbst mit Hilfe einiger Komplizen — Den „Rittern Der Themis" — inszeniert worden ist, um den Memoiren, die er schreiben wollte, mehr Publizität zu ver- fchaffen. Infolge mangelnder Kenntnis Der chemisch-physikalischen Vorgänge habe man nur e i n Luftzufuhrrohr in den Sarg eingeführt, so daß der Tod durch Ersticken eintreten muhte. Das Ergebnis Der polizeilichen Rachforschungen hat zur Verhaftung einer vorbestraften Persönlichkeit namens Doul o bn e geführt, Der Der Hauptbeteiligte Bei Der DeerDi- gung gewesen sein soll. Doulobne hat bei seiner Vernehmung g e ft a n D e n. Den Pseudo- marquis De Champaubert mit Dessen Einwillig ung lebenDig begraben zu haben. Die ganze Angelegenheit hat sich Damit als ein großangeleg ter Reklame- schwinDel mit tragischem Ausgang herausgestellt. Vrandkakastrophe in einer ungarischen Gemeinde. In Der Gemeinde Szentpeterfa im Ko- mitat Cisenburg (dicht an Der burgenlänDischen Grenze) geriet eine Scheune in Brand. Bei Dem herrschenden Winde griff das Feuer sehr rasch um sich. Bis Mitternacht wurden 8 0 Wohnhäuser und Rebengebäude eingeäschert. Zwei Kinder und eine ältere Frau fanden in den Flammen Den Tod. Zur Bekämpfung Des BranDes ist aus öteinamanger eine Kompagnie Militär und Die Feuerwehr Der StaDt ausgerückt. An Den Löscharbeiten, Die Durch Den Wassermangel sehr erschwert toerDen, nehmen auch Die Feuerwehren aus zwanzig ©emeinDen teil, ilm Mitternacht war es noch« nicht gelungen, Des Feuers Herr zu werden. Die Wetterlage. 3Ä 7«f 'ETTörüna Sonntaa, 6?Oklob. 1929,8n*mas. Kordon =5: 1<5 n/P? Va i L? f( Gwolkenlos onetter. Onarn Bedeckt, owolkio. O Bedeckt. »Reger^ * Schnee graupeln. t-NeBel K Gewitter,(g) Windstille.O-«sehe leichte« Osi ^5 massige« Südsüdwest q stürmische« «ordwesl Ole Bleue fliegen mit dem winde Die Beiden Stationen stenenoen Zahlen gehen die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mH gleichet^ eu» Meeresniveau umoerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Der Südseiteneinfluß der gestern über den Britischen Inseln gelegenen Störung nimmt durch die mehr nordöstliche Verlagerung ab. Mit dem ansteigenden Luftdruck hat bereits eine Durchbrechung der Wolkendecke eingesetzt und vielfach aufheiterndes Wetter zur Folge gehabt. Wenn auch durch di« maritime Luftzufuhr noch Bewölkung auftritt, so ist zunächst mit Niederschlägen kaum zu rechnen. Die Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht werden sich zunächst verschärfen, da vielfach nächtliches Aufklaren eintritt. Wettervoraussage für Dienstag: Zeitweise etwas bewölkt, sonst vielfach aufheiternd, zwischen Tag und Nacht stärkere Temperaturgegensätze, vorwiegend trocken. Wettervoraussage für Mittwoch: Wenig Aenderung der Wetterlage. Lufttemperaturen am 6. Oktober: mittags 17,4 Grad Celsius, abends 13,2 Grad: am 7. Oktober: morgens 10 Grad. Maximum 17,6 Grad, Minimum 0,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. Oktober: abends 14,4 Grad: am 7. Oktober: morgens 11,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer % Stunde. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 7. Oktober 1929. Intermezzo in der Mittagsstunde. Trotz der knapp bemessenen Mittagspause gibt es an der Ecke einer viel begangenen Straße Zeithabende, Neugierige. Eine laute, heiser gewordene Männerstimme höre ich rufen: „Meine Herrschaften^-die Vorzüge dieses Kragenknopfes, spottbillig, geschenkt." Ich wäre vorbeigegangen, wenn mich nicht folgendes gefesselt hätte: Ein scheinbar eiliges junges Dinglein, mit blonden Locken unter schiefem, schwarzen Mützchen zögert, bleibt stehen. Lächelt über sich selbst und sein berechtigtes Interesse an Kragenknöpfen und geht doch nicht weiter. Der junge Mann, elegant, eilig, gedankenvertieft — ich glaube, auch er hatte kein Interesse für 5-Pfennigware und heiseres Rufen — aber auch er bleibt stehen, lächelt, geht weiter, kehrt zurück, tut interessiert und steht nun neben dev blonden Kleinen. Die sich ihrer Unnotigkeit bei dieser männlichen Interessenfrage scheinbar bewußt wird und weiter will. Aber von Neuangekommenen fest umgeben ist. Bei einer Wendung sieht sie „Ihn". Er lächelt, sie auch. Ist es über den Kragcnknopf, oder nur, weil man jung ist, ein wenig Zeit hat und die Sonne scheint. Sie stehen noch fünf Minuten, ich höre ihn „Verzeihung" sagen, weil andere drängen. Dies Wort ist der Anfang eines nicht endenwollenden Gespräches. Dann sehe ich sie zusammen zutraulich weitergehen, lächelnd, erzählend. Ich denke ihnen nach. Vielleicht gehen sie noch viele Stunden in diesen Herbsttagen, Und lernen sich näher kennen. Sind ernüchtert oder.... ilnt> alles nur, weil ein kleines, blondes Dinglein zufällig an einer Ecke einer heiseren Stimme lauschte: „Kragenknöpfe, enorm billig!" S. v. M. Oie Berufsbildung des Kaufmanns. Von Friedrich Martens, Leiter der Bildungs- abteilung des O. H. D., Frankfurt a. M. Die heutige Zeit verlangt vom Kaufmannsgehilfen gegenüber der Vorkriegszeit eine intensivere Berufsarbeit. Im Zeitalter der Spezialisierung und Rationalisierung ist es aber dem Kaufmannsgehilfen nicht immer möglich, sich in der Praxis alle die Kenntnisse aiuueignen, die für diesen Beruf erforderlich sind. Er muß deshalb theoretische Kenntnisse in ausreichendem Maße erwerben. Gelegenheiten dazu bieten ihm die Schulen und die Berufsbildungs-Einrichtungen der Verbände. Für den Kaufmannsgehilfen ist aber nicht nur die Arbeit in den Schulen maßgebend, sondern einsehen muß seine eigene Tätigkeit; er muß seine Freizeit auch einmal dafür verwenden, ein Buch oder eine Fachzeitschrift durchzuarbeiten. Lehrgänge, Vorträge, Vorlesungen und Arbeitsgemeinschaften sollen ihm erleichternd den Weg weisen, der zum höchsten Können im Berufe führt. Auf seinen tatkräftigen Eigenwillen kommt es an, wie seine Zukunft beschaffen sein wird. Wenn das jeder kaufmännische Angestellte beachtet, ist schon viel gewonnen, dann ist auch die Beratung viel leichter. Der junge Kaufmann befasse sich vor allem erst einmal mit elementaren Fächern. Er muß weiter eine gute Allgemeinbildung haben, mit der auch fein Berufswissen und -können harmoniert, d. h. die gute Allgemeinbildung nutzt ihm nichts, wenn ihm Handelsbriefwechsel, kaufmännisches Rechnen, Buchhaltung, vor allem Stenographie und Maschinenschreiben nur sehr oberflächlich bekannt find. Der junge Kaufmann muh nach seiner Lehrzeit ein tüchtiger Stenograph und Mafchinen- fchreiber sein, auch, wenn er es nicht gebraucht (wie die Ausrede so schön lautet). Würden alle Kausmannsgehilfen, die ein Alter bis zu 26 Jahren haben, tüchtige Maschinenschreiber und Stenographen sein, ginge es in den meisten Fällen vielen Stellenlosen in diesem Alter besser. Kann der junge Kaufmann sagen, daß er die,e Grundkenntnisse besitzt, und er hat Lust und Liebe zum Sprachenstudium, erst dann sollte er sich mit fremden Sprachen befassen, aber nicht auf einmal alle 32 Sprachen der Welt! Zeit muß man sich lassen! Das große Wollen ist gut, es gibt aber noch ein anderes Wollen, das noch viel größer ist und bedeutend mehr erfordert: Stetigkeit und richtige Stoffwahl. Wenn ein junger Kaufmann z. D. Englisch (hauptsächlich sind zu empfehlen Englisch, Französisch und Spanisch) und Französisch erlernen will, sollte er sich 2 Jahre lang nachdrücklich mit Englisch oder Französisch befassen, und dann erst mit dem Erlernen der anderen Sprache beginnen, wenn eine Sprache bereits einigermaßen sitzt. Daneben kann er selbstverständlich das eine oder andere Gebiet, etwa Buchhaltung und Bilanz- Wesen, genauer studieren, wenn er die Zeit dafür hat. Für den älter werdenden Kaufmannsgehilfen ist das betriebswirtschaftliche Studium von größter Wichtigkeit. 2n jungen Jahren legt er sich tu cf) gute Elementarkenntnisse einen Grundstein für sein späteres Fortkommen. Befindet er sich in reiferen Jahren, dann muß er wissen, welches Fachgebiet des kaufmännischen Lebens ihm besonders zusagt. In diesem muß er sich gründliche Kenntnisse aneignen. Ist er z. D. Buchhalter und will es auch bleiben, weil ihm dieses Gebiet kau'männischer Tätigkeit zusagt, dann genügt es nicht, lediglich einen Lieberblick über die wichtigsten Duchungsformen zu besitzen. Er darf nicht ruhen, weil in seinem Geschäft immer die gleichen Buchungen vorkommen. Seine Aufgabe muh vielmehr darin bestehen, alles zu wissen und zu können, was mit dem Arbeitsgebiet des Buchhalters zusammenhängt und ... das ist sehr, sehr viel! Ein tüchtiger bilanzsicherer Buchhalter muß z. B. über folgende Gebiete genau unterrichtet sein: Bilanzwesen, Grundzüge des Buchführungsund Bilanzrechtes, Technik des Zahlungsverkehrs, Technik des Kvntokorrentverkehrs, die Buchführung der verschiedensten kaufmännischen Betriebsarten. St u:r°Technik, Bureau-Organisation, betriebswirtschaftliche Statistik, Selbstkostenberechnung, und Grundzüge der Duchführungs- und Dilanzrevision. Daneben muß er selbstverständlich das übrige kau'männische Wissen einigermaßen kennen. Beim Korrespondenten, Verkäufer, Einkäufer usw. ist es ähnlich. Das seht voraus, daß sich der Kaufmannsgehilfe rechtzeitig mit diesen Dingen seines Berufes befassen muß. Die Orisg uppe Gießen des D. H. V. bringt deshalb euch Lehrgänge und Vorlesungsreihen aus diesem Gebiete des Kaufmanns, die im Anzeigenteil des „Gieß. Anz." vom vorigen Samstag anMantelstoffe Neuartige in mehr als 25 der neuesten Muster! Wir bieten an owack CarlN 4% Barrabatt Gießen ■ Seltersweg 85 82O3A 4 Ullstein-Schnittmuster für viele moderne Mäntel am Lager SP* Tu.aaJ des Mode-Gewebe, 140 cm Mantel-iWeeO breit, reine Wolle.......... ELuaaI« für Kinder-Mäntel, 140 cm Mantel-Nausen breit, reine Wolle ....... Al I sportlicher Art, 140 cm breit, Mantel-btOtt reine Wolle.................. 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Wenn jeder das erkannt hat und danach handelt, braucht er weniger Sorge um seine Zukunft zu haben: Dann schafft er aber auch Werte und Aufstiegsmöglichkeiten im Interesse seiner selbst und unserer deutschen Wirtschaft, zum Segen unseres ganzen Volkes. Bornotizen. — Tageskalender f ü r Montag. Evangelisations-Vortrag: „Was ist von der Bibel zu halten? 20.15 !lhr, Löberstr. 14. — Goethe-Bund: 1. Dichterabend (Arnold Zweig liest aus eigenen Werken), 20 Ähr, Reue Aula. — Gießener Ferienkurse: Rezitation Professor Freytag: Faust, 1. Teil, 20,15 Uhr, Großer Hörsaal. — Wohlniuth-Institut: Vortrag über das Wohlmuth-Heilverfahren, 20 Uhr, im Eafö Leib. — Gießener freiw. Feuerwehr: Monatsversammlung. 20 Uhr. bei Duchberger (Riegelpfad). — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Drei Zirkuskönigc" und „Die Reise des „Graf Zeppelin" in 20 Tagen um die Welt". — Astoria- Lichtspiele: „Der falsche Sheriff" und „Brandstifter Europas". • ** Organistenjubiläum. In diesen Tagen sind es 25 Jahre, seit Musiklehrer Albert Kasten als Organist in der Synagoge der Israelitischen Rcligionsgemeinde (Südanlage) tätig ist. ** Schulpersonalien. Ernannt wurden: der Schulamtsanwärter Ludwig Haas aus Annerod zum Lehrer an der Volksschule zu Kirch-Brombach (Kreis Erbach); die Schulamtsanwärterin Auguste Schüttler aus Rüddingshausen zur Lehrerin an der Volksschule zu Erbach i. O.; der Lehrer Georg Treu sch zu Nieder-Erlenbach, Kreis Friedberg, zum Lehrer an der Volksschule zu Bad-Nauheim. ** Gießener Ferienkurse. Heute, Montag, und morgen, Dienstag, 7. und 8. Oktober, wird Gustav Frehtag Goethes „Faust" l. und II. Teil vortragen. Die glänzende Sprachkunst des Künstlers ist den Gießenern bereits von einem früheren Besuche Freytags in Erinnerung. Beide Rezitationen finden im Großen Hörsaal der Universität statt. ** Evangelisationsvorträge finden, wie im Anzeigenteil unserer Samstagsausgabe bekanntgegeben wurde, bis zum Mittwoch nächster Woche einschließlich im Saale der Stadtmission in der Löberstraße statt. Bei freiem Eintritt ist jedermann willkommen. ** Lehrlingseinstellung i m Buchdruckgewerbe. Im Anzeigenteil der heutigen Nummer fordert der Bezirk Gießen des Deutschen Buchdruckeroereins zur Lehrlingsanmeldung für Ostern 1930 auf. Eltern begabter Jungen seien auf diese Gelegenheit zur Lösung der Berufsfrage hiermit besonders hingewiesen. ** Das Sporthaus Carl Schwan in der Mäusburg hat in den beiden letzten Monaten einen Umbau seines Geschäftslokals vorgenommen, bei dem durch Hinzunahme des benachbarten Ladens ein Verkaufsraum geschaffen wurde, der sowohl im Ausmaß, wie auch in der Ausgestaltung den Anforderungen der Neuzeit entspricht. An Stelle des früheren beengten Ladenraumes betritt man jetzt einen weiten und hohen Laden, dessen besondere Merkmale eine übersichtliche Sacharuppierung und eine geschmackvolle, farbenfrohe Innengestaltung sind. Beim Betreten des LadensMindet man auf der rechten Seite in fesselnder Aufmachung die Abteilung Geschenkartikel, während man auf der linken Seite die Sportabteilung bemerkt, mit der die Firma jetzt auch einen Anprobierraum verbunden hat, so daß der kaufende Sportler an Ort und Stelle die Möglichkeit des sofortigen Anprobierens der ausgewählten Sportbekleidung vorfindet. In der gleichen Anordnung wie der Laden sind auch die interessant hergerichteten Schaufenster gestaltet, die übrigens nicht nur von außen her, sondern auch vom Ladeninnern aus die Möglichkeit des Beschauens bieten. Das von Architekt Schwan, einem Sohne des Senior- Inhabers, nach eigenen Plänen neugestaltete Ladenlokal muß man als wohlgelungen und als eine weitere Verschönerung im Zuge der Ladengeschäfte in der Mäusburg bezeichnen. ** Der Iungdeutsche Orden, Dallei Oberhessen, bittet uns um die Aufnahme folgender Zeilen: „Am 28. September fand ein Meisterkapitcl der Dallei Oberhessen des Jung- deutschen Ordens statt. Bei Besprechung der politischen Lage faßte das Kapitel folgende Entschließung: Deutschnationale Dolkspartei, Stahlhelm und andere Rechtskreise bekämpfen und beschimpfen seit langer Zeit den Iungdeutschen Orden wegen seiner sogenannten „Franzosenpolitik". Dis heute ächten sie den Orden als national unzuverlässig und haben sogar seinen Hochmeister, Artur Mahraun, wegen seiner Bemühungen um den nationalen Frieden am Rhein des Landesverrates geziehen. Heute ist erwiesen, daß Deutschnationale Volkspartei und Stahlhelm in der gleichen außenpolitischen Richtung wie vorher der Orden Schritte unternommen haben. Verantwortliche Führer und Beauftragte der D. R. D. P. und des Stahlhelms haben in Paris und Berlin mit verantwortlichen französischen Politikern über ein deutsch-französisches Bündnis verhandelt. Die D. R. V. P. schweigt zu den Enthüllungen ihrer Geheimverhandlungen, der Stahlhelm leugnet ab. Wo bleibt der gerade Frontsoldatengeist des Stahlhelm? Der Iungdeutsche Orden hält die außenpolitischen Schritte der D. Ä. D. P. und des Stahlhelms um der Zukunft unseres Volkes willen an sich für richtig. Er bedauert aber, daß nun diese Verbände nicht zu ihrem Vorgehen stehen, und erblickt darin eine schwere außenpolitische Schädigung des Deutschen Reiches. Wir fordern von nationalen Männern und besonders von Frontsoldaten Ehrlichkeit und Reinlichkeit im politischen Kampfe. Deshalb erwarten wir, daß die schweren Angriffe und Verdächtigungen gegen den Iungdeutschen Orden wegen seiner sogenannten „Franzosenpolitik" nunmehr endgültig eingestellt und zurückgenommen werden." Aus dem Amisverkündigungsblati. *DasAmtsverkündigungsblatt Nr.72 vom 4. Oktober enthält: Straßensperre-Aufhebungen. — Beschädigte Banknoten. — Erste Anlegung der Handwerksrolle. — Das Vertilgen der Blutlaus. Winterkur für Nervenkranke u.Nervös-Erschöpfte. Spezlalknranstalt Hofhelm im Taunus bei Frankf.a.M. — Prospekte durch MD San-Rat Df. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt ßMj GeiessnhettskSufer 10/30 PS. Benz, offen, 6-sitzig, sehr gut erhalten. 10 40 PS. Ovel-Limusine, überholt, neu lackiert. 9 24 PS. Adler, offen, 6-sitzig, gut erhalten. 8269V Daimler-Benz A.-(S. Verkaufsstelle Gießen, Telephon 4121 Kartoffellieferung. Die Lieferung von etwa 1000 — eintausend — Zentner Speisekartoffeln „Industrie" soll im Wege des unbeschränkten Wettbewerbs vergeben werden. Die Anlieferung muß im Oktober 1929 erfolgen. Die Bedingungen liegen während der Dienststunden auf der Kanzlei zur Einsicht offen, sie können auch abschriftlich zum Preise von 60 Rpf. bezogen werden. Für das Angebot ist die Benutzung eines besonderen Formulars vorgeschrieben, das zum Stückpreis von 10 Pf. auf der Kanzlei erhältlich ist. 8028D Angebote mit der Aufschrift „Kartoffellieferung" sind verschlossen bis spätestens bis zum Eröffnungstermin am 11. Oktober 1929, vormittags 11 Uhr hier einzureichen. Aus den Angeboten muß ersichtlich sein, ob es sich um Kartoffeln hiesiger Gegend oder um solche anderer, evtl, welcher Gebiete handelt. Es können auch Teillieferungen, jedoch nicht unter 50 Zent- ner erfolgen. — Zuschlagsfrist eine Woche. Marienschloß, den 20. September 1929. Die Direktion des Hess. Landeszuchthauses Marienschloß. Dienstag, den 8.Oktoberl929 nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise geg. Barzahlung: gWZv !.1 Oamenfahrrad, 6 Schreibtische, 1 Aktenrollschrank, 2 Schreibmasch., 5 Nähmaschinen, 2 Bohrmaschinen, 1 Heurechen, 2 Klaviere, 9 Meter Kammgarnstoff, 5 Büfetts, 2 Kredenzen, 1 Diwan, 2 Chaiselongues, 1 Sistransformator, zwei Teppiche, 1 Bücherschrank, 1 Schreibladenkasse 2 Sofas, 1 Waschtisch mit Spiegelaufsatz, 1 Schrank, 1 Regulator, 1 Standuhr, 1 Registrierkasse, ein Aktenregal, 2 Sprechapparate, eine Schärfmaschine, 1 Küchenschrank, 15 Wintermäntel, 1 kompl. Schlafzimmer, 3 Schweine,3 Pferde,! Kuh. 2. Bestimmt: 1 Kassenschrank,!Klubsessel aus Leder, 2 Tische, 1 Schreib- Maschinentischchen, 1 Korbgarnitur besteh, aus: 1 Tischchen, 1 Bank u. 2 Sesseln. 2 Hängelampen,! Stehl. ÄöÜIidl Gerichtsvollzieher in Gießen VkvVki Oannnstr. 241., Telephon 4039. MADEL/CLOWNS Astoria-Lichtspiele Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Bib Boy Williams m: Der falsche Sheriff Wildwest-Sensationsfilm in 7 spannenden Akten. Ferner: Brandstifter Europas Abenteurerfilm in 8 Akten. 8286C Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Drei Zirkuskönige Ein Film aus dem Zirkusleben voll unerhörter Spannung und Sensation in 8 Akten. In der Hauptrolle: Evelyn Holt und Warwick Ward. Fenier: Graf Zeppelins Reise um die Welt in 20Tagen auf allgemeinen Wunsch verlängert. Sowie: Das reichhaltige Beiprogramm Wuiere i SlIMNllM werd, sachgemäß u. preiswert gestimmt u. revar. Oöerte Gießen. VioMTl Telephon 2403. Verkant v. neuen u. gebt. Klav. Gulerhaltene Mercedes-Benz- Lastwagen und Omnibusse billig und zu günstigen Zahlungsbedingungen offeriert Daimler-Benz A.-G. Abteilung Lastwagen 8290V Frankfurt-Mm Sanaaer lanflitr. IN 108 s. I, ' o. BEDEUTENDSTE CHE/A.REINIGUNGSWERKE IN SUDDEUTSCHLAND eine ihre N gende ßeiftui lande hatte len suchte! Deutschland I von den bc Mit zu mae nehmer engl mentlich üb rend des Kr wickelt. 3tdt p a r a t i o n früher, wod rückying. 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In den Friedensoerträgen wälzte man die ganze Last auf Deutschland ab, das mit Reparationskohlen nicht nur den Förderausfall Frankreichs, Belgiens, sondern auch den Kohlenbedarf der anderen Siegerstaaten decken, und bis 1935 die Saargruben Frankreich überlassen mußte und dem man dreiviertel der oberschlesischen Steinkohlengruben raubte. Der Ruhreinbruch von 1923 tat noch das übrige, ihm die Erfüllung dieser Auflagen zu unterbinden. Um neben den aufgezwungenen Lieferungen auch den Eigenbedarf zu decken, mußte es nicht nur seine Braunkohlenwerke auf die doppelte Leistungsfähigkeit, sondern auch die für Steinkohle stark erweitern. Die fortgesetzt steigenden Löhne zwangen dann zur Stillegung aller weniger vorteilhaft arbeitenden Gruben und zur Konzentration des Abbaues auf die besten und zur Arbeitskräfte sparenden Rationalisierung. Die Förderkapazität der weiter betriebenen wird heute kaum zu 70 o. H. ausgenutzt. Den Vorteil von den hohen Kohlenpreisen in den ersten Jahren nach dem Kriege hatte Großbritannien, das namentlich im Jahr des Ruhreinbruchs 1923, wo Deutschlands 1913 noch 190 Mill, t Steinkohle betragende Förderung auf weniger als ein Drittel zurückging, die seine auf über 280 Mill, t, d. h. nur 17$ Mill, t weniger als feine höchste Vorkriegsproduktion — erhalten konnte. Aber dann kam der Rückschlag. Die technischen Fortschritte in der Ausnutzung der in der Kohle steckenden Wärmeeinheiten, die wachsende Konkurrenz des Mineralöls und der weißen Kohle (der elektrisch übertragenen Wasserkräfte) schränkte den Kohlenbedarf erheblich ein. Dazu kam, daß d i e französischen und belgischen Gruben eine ihre Vorkriegsfärderung beträchtlich übersteigende Leistungsfähigkeit erreichten. Die Niederlande hatten die ihrer Gruben verzehnfacht. P o - l e n suchte Ostoberschlesiens verlorenen Absatz nach Deutschland durch Verdrängung der englischen Kohle von den baltischen und skandinavischen Märkten wett zu machen. Rußland hatte aufgehört, Abnehmer englischer Kohle zu sein. Andere — namentlich überseeische Staaten hatten während des Krieges einen eigenen Kohlenbergbau entwickelt. Italien und Frankreich bezogen auf Reparationskonto mehr deutsche Kohle als früher, wodurch der Absatz der englischen Kohle zurückging. Anfangs versuchte England durch Zuschüsse au den Arbeiterlöhnen die englischen Kohlenausfuhrpreise niedrig zu halten. Als diese sistiert wurden, mußten die Löhne herabgesetzt werden. Es kam zum 7monatigem Streik, der mit der Niederlage der Bergarbeiter endete. Aber obgleich deren Reallöhne heut nur dreivierlel der Vorkriegslöhne betragen, hat 1928 der englische Steinkohlenbergbau noch mit einem Verlust von über eine viertel Milliarde Mark gearbeitet. Trotz der niedrigen Ausfuhrpreise erreicht die britische Kohlenausfuhr nur Zweidrittel der Vorkriegsausfuhr, war die Arbeitslosigkeit enorm. Gegenwärtig müssen die Verbraucher der Kohlen- ausfuhrländer hohe .Kohlenpreise zahlen, damit die Kohleneinfuhrländer billig beliefert werden. Dieser Kohlenkrieg spielt sich großenteils auch auf dem Gebiet der ersteren ab. Mit den billigen See- und Flußfrachten kommt die englisch« Kohle nicht nur an die deutsche Küste, sondern dringt tief ins Land hinein: die holländische Kohle unterbietet die deutsche am Nieder- und Oberrhein. Um den Wettbewerb mit der fremden Kohle im „bestrittenen" Gebiet aufrechtzuerhalten, setzen in ihm die deutschen Syndikate die Preise weit niedriger als im „unbestrittenen". Zur Deckung der Verlustpreise erhebt das Ruhrkohlensyndikat vom gesamten Absatz eine „Umlage" von 2,10 Mark je Tonne: sie hat sogar schon 2,50 Mark betragen. Entsprechend verfahren die englischen Distriktskartelle. Trotz der hohen Umlage war im ersten Halbjahr d. I. die deutsche Einfuhr von Steinkohlen um 447 000 t, von Koks um 100 000 t größer als in der gleichen Zeit des Vorjahres, allerdings auch die Ausfuhr um 266 000 bzw. 514 000 t höher. Die eine wie andere stellte für die Produzenten einen Verlust dar. Hunderte von Millionen könnten bei einer Verständigung gespart werden. Für uns Deutsche kommt noch der Nachteil hinzu, daß uns für die Reparationskohlen nur die niedrigen englischen Ausfuhrpreise verrechnet werden. England, dessen Kohlenausfuhr doppelt so groß ist wie die unsere, würde natürlich noch mehr davon profitieren; Polen ebenfalls. Jede Verständigung darüber ist bislang daran gescheitert, daß der oritische Steinkohlenbergbau nicht wie der deutsche und der polnische fest in Syndikaten zusammengefaßt ist, also ein Dertragskontrahent fehlt. Unter dem Druck der Not wie der Arbeiterregierung vollzieht sich jetzt auch dort der Zusammenschluß. Bis zum 15. Oktober sollen sich die Gruben der einzelnen Kohlenreviere zu Distriktskartellen vereinigen, die wieder in einem Nationalkartell zusammengefaßt werden, daß die Quoten der einzelnen Distrikte festsetzt, die diese wieder an die Gruben ihres Bezirks unteroerteilen. Streitigkeiten sollen durch Schiedsgerichte geschlichtet, Quotenüberschreitungen Strafabgaben unterworfen werden. Auch Mindestpreise sind für die einzelnen Kohlensorten vorgesehen. Die ganz Konstruktion ist weit loser gedacht als die unserer Syndikate. Man wird wohl allmählich zu strafferen Formen übergehen müssen. Da damit aber noch keineswegs die Verständigung mit den anderen Kohlenproduktionsländern gesichert ist, hat der englische Handelsminister Graham in Genf eine internationale Fördereinschränkung vorgeschlagen. Das ist nicht ohne Bedenken, da die Konjunkturen in den einzelnen Ländern nicht einheitlich sind und ihr Kohlenbedarf in den verschiedenen Jahren stark wechseln kann. Nach dem harten letzten Winter und bei besserer Weltkonjunktur ist die Nachfrage nach allen Kohlen allgemein g e st i e g e n. Aber in England weit mehr als auf dem Kontinent. In den letzten Wochen konnte es bereits zweimal die Hausbrandpreise um je 1,80 Mark per Tonne heraufsetzen. Im ersten Halbjahr d. I. war seine Förderung um 61 Mill, t größer als in der gleichen Zeit des Vorjahres, in Deutschland jedoch nur um 2,5 Mill, t, in Polen um 2,46 Mill, t., in Frankreich um 780 000 t, in der Tschechoslowakei um 436 000 t, in Belgien dagegen um 475 000 t niedriger. Wie Frankreich leidet es an A r b eite r mangel und kann demzufolge seine Förderung nicht steigern, während in Deutschland und Polen große Arbeitslosigkeit herrscht und bereits wieder Feierschichten verfahren werden. Mit einer bloßen Kontingentierung der Förderung wird sich das erstrebte Ziel nicht erreichen lassen. Das hat sich beim Stahlpakt gezeigt; sie mußte sich daher auch auf die Ausfuhr nach den einzelnen Ländern erstrecken. Immerhin wäre auch die erstere besser als nichts. Die englische Regierung will bei der Produktionskontingentierung nicht stehen bleiben. Sie erstrebt bei sich die Zusammenfassung aller Kohlengruben zu einer Public Utility Service — einer gemeinnützigen Gesellschaft nach 2(rt der Eisenbahnen, der Elektrizitäts- und Gasgesellschaften, denen ein Monopol gewährt, andererseits ihr Gewinn begrenzt und sie staatlicher Beaufsichtigung unterliegen würde. Dann würde nach den Erklärungen des Ministers Lansbury die englische Regierung auch bereit sein, Staatshilfen zu gewähren, wie sie das schon unter der vorigen Regierung den Eisenbahnen gegenüber zur Herabsetzung gewisser Gütertarife getan hat. Gegenüber solcher Zwangs» und Subventionspolitik muß man — namentlich vom Standpunkt der internationalen Verständigung — schwere Bedenken haben, aber es scheint nicht ausgeschlossen, daß im englischen Parlament sich eine Mehrheit dafür findet. Trotz der schweren Derlustjahre ist freilich der englische Kohlenbergbau nicht geneigt, auf solche Zwangsmaßnahmen einzugehen. Man will den freiwilligen privaten Zusammenschluß, der durch diese Ankündigung jedenfalls beschleunigt wird. Auch für die A b s cha ff fung des 8-Stun- dentages im Bergbau ist im englischen Parlament Stimmung, zumal wenn er durch eine internationale Regelung zustande kommt. Ob Polen, die Tschechoslowakei, Belgien dazu bereit fein würden ist freilich recht zweifelhaft. Die englische Regierung muß ihren Parteifreunden und den Gewerkschaften zeigen, daß sie von den gemachten Wahlversprechungen auch etwas durchsetzt. Da sie aber eine Minderheitregierung ist, wird sie mit deren Verwirklichung sehr vorsichtig sein. Und die Trade unions sind einsichtiger als unsere Gewerkschaften! sie haben sich auf ihrem soeben in Belfast abgehal- lenen Kongreß offen zu der Interessen foli« Parität von Industrie und Arbeiter« schäft bekannt. Die brennende europäische Kohlenfrage ist jedenfalls ins Rollen gebracht und da alle großen Kohlen- prodlsttionsstaaten Europas an ihrer Lösung aufs stärkste interessiert sind, so ist zu hoffen, daß etwas Brauchbares dabei herauskommt. Für Deutschland ist eine vernünftige Regelung der europäischen Koh- lenversorgung um so wichtiger, als der Abbau der Reparationssachlieferungen seinen Bergbau wie seine gesamte Wirtschaft vor sehr schwierige Ausgaben stellt. Geschichten aus aller Well. Ein beneidenswerter Bolenjunge. (f) London. Die Dotenjungen von London beneiden jetzt, und zwar mit vollem Recht, ihren kaum siebzehnjährigen Kollegen Daniel Rudge, der dank des Vertrauens seiner Firma einen bisher ganz gewiß nicht dagewesenen Rekord aufstellte. Während nämlich di-e jugendlichen Boys sonst normalerweise nur von einem Bureau ins andere geschickt werden, wurde der glückliche Daniel mit einer besonders wertvollen Sendung von Grammophonplatten (es handelt sich um einige Beethoven-Aufnahmen) nach Reuyork eingeschifft. Er ging in London in der bekannten Uniform der dortigen Messenger-Doy-Gesellschaft an Bord: als ob man ihn um die Ecke geschickt hätte, um ein Glas Bier oder eine Zeitung zu holen. Die amerikanischen Kollegen ließen es sich nicht nehmen, den stolzen Ozeanfahrer mit einem Festbankett zu empfangen und überreichten ihm zur Erinnerung an den bisher längsten „Botengang" der Welt ein silbernes Modell der Freiheitsstatue. Rach dem für Daniel so denkwürdigen Ausflug kehrte der Jüngling nach London heim und versieht jetzt genau wie zuvor seinen Dienst. Er befördert Päckchen, Liebesbriefe, Zahlungsaufforderungen und dergleichen mehr, je nach Bedarf... Ein Kamin ist kein Kamin! (z) Innsbruck. Hochgebirgstouristen, die von der Wildspihe in den Oehtäler Alpen zu Tal stiegen, bemerkten auf halbem Wege aus der Ferne in einem Gletscherkamin eine menschliche Gestalt, die sie mit verzweiflungsvollen Gebärden zu sich hinwinkte, und deutlich konnte man über die glitzernde Schneefläche hinweg auch Hilferufe vernehmen. Die Bergsteiger eilten, so schnell es ging, der betreffenden Stelle zu und entdeckten dort zu ihrem höchsten Erstaunen in den Kamin so eingeklemmt, daß er nicht mehr vor- noch rückwärts konnte, in voller Ausrüstung und schwarz wie der leibhaftige Satanas einen Schornsteinfeger. Man half ihm aus der Klemme und erfuhr nun, daß er der Schornsteinfeger des nächsten Dorfes war, der die Schornsteine der „Braunschweiger Hütte" nachgesehen hatte. Seinen Rückveg ins Tal gedachte er im Vertrauen auf seine berufliche Klettergewandtheit in Kaminen dadurch abzukürzen, daß er diesen natürlichen Gebirgskamin benutzte. Aber er war elend darin stecken geblieben. Zwischen Kamin und Kamin ist eben ein kleiner Unterschied. Ein Opfer des Bubikopfes. (B) Sofia. Auch in Bulgarien ist der „Bubikopf" Uniform, geworden und selbst bis in die tiefste Provinz ist der kurze Haarschnitt vorgedrungen. Dort hat er allerdings noch mit .Schwierigkeiten zu kämpfen, denn der patriarchalische bulgarische Bauer erlaubt seinen Töchtern diesen modernen Luxus nicht. Da aber alljährlich Tausende junger Bauernmädchen zum Dienen in die Stadt kommen, so haben sie dabei Gelegenheit, neben anderen gefährlicheren Dingen auch die modische Haartracht anzunehmen. So ging es auch_ der jungen Wassilka, die aus einem der Dalkandörfer mit 19 Jahren nach Sofia kam, um sich ein wenig Geld zu verdienen, obschon der strenge Vater sehr gegen diesen Aufenthalt in Sofia war. Wassilka befolgte auch redlich die strengen Ermahnungen des Vaters: nur in einem Punkte wurde sie schwach, sie ließ sich, wie die meisten anderen Dienstmädchen vom Lande, die Haare schneiden. Gewissenhaft wie sie war, zeigte sie diese einschneidende Aenderung ihren Eltern an, von denen sie als Antwort einen Brief mit heftigen Vorwürfen bekam. Der Vater versprach ihr für den Fall der Rückkehr ins Dorf mit kurzen Haaren eine gewaltige Tracht Prügel. Das nahm sich Wassilka so zu Herzen, daß sie in die nächste Apotheke ging, eine Lysollösung kaufte und sie im Dorispark austrank. Vorübergehende fanden das Mädchen besinnungslos am Boden liegend. Im Krankenhaus konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden. Raiten vernichten eine Stadt. (v) Budapest. Reupest bildet den Bestandteil von Groß- Dudapest, wie etwa Reukölln zu Berlin oder Kleefeld zu Hannover gehört. Allerdings weist Reupest eine selbständige Gerneindeverwaltung auf. Diese hielt vor einiger Zeit die übliche Quartalsversammlung ab, und bei dieser Gelegenheit stellte ein Stadtverordneter zum Entsetzen und gleichzeitigen Ergötzen der Anwesenden fest, daß Reupest gar nicht existiere, sondern von den Ratten vernichtet worden fei. Zumindest bildlich: die ekelhaften Ragetiere waren nämlich respektlos genug, die Gründungsurkunde der sonst blühenden Gemeinde aufzufressen. Lind so wußte man im Augenblick nicht genau, wann die Hundertjahrfeier begangen werden soll. Die Interpellation erregte begreiflicherweise größtes Aufsehen, zum Glück meldete sich aber der Gemeinde- älteste und teilte mit, daß er im Besitze von alten Aufzeichnungen fei, wonach Reupest von dem deutschen Bürger Martin Miltenberger gegründet worden ist. Er war der erste Ansiedler und erste Hausbesitzer von Reupest, und zwar vermutlich im Jahre 1831. Sollten sich die alten Schriftstücke des Gemeindeältesten als authentisch erweisen, kann das Zentennarium trotz der Rattenplage im Stadthaus getrost gefeiert werden. Schreibmafchinen-Haufse in der Türkei. (p) Konstantinopel. Seitdem in der Türkei die lateinische Schrift zwangsläufig eingeführt wurde und damit die alten Schreibmaschinen unbrauchbar geworden sind, machen die amerikanischen und europäischen Fabriken Bombengeschäfte mit dem modernisierten Lande Kemals. Allein im vergangenen Oie predigt in Lichtenhain. Von Max Sidow. Ein Kandidat der Theologie, dem zu seinem künftigen Berufe nichts als ein wenig Beredsamkeit fehlte, war im Frühling des Jahres 1818 nach Jena gekommen, um hier feine Studien fortzusetzen und zu beenden. Bei seiner Ankunft hatten die Vorlesungen noch nicht begonnen. Er besaß daher Muße genug, sich in der fremden Stadt umzutun und sich so gut wie möglich einzurichten. Ueberdies aber blieb ihm noch reichlich Zeit, gewisse Uebungen aufzunehmen, mit denen er die natürlichen Fehler einer schweren Zunge und einer kaum zu hemmenden Furcht vor dem öffentlichen Auftreten zu überwinden gedachte. Und so begann er damit, zunächst vor den leeren Stühlen seiner Studentenbude, dann in der Einsamkeit der Saalehöhen die erbaulichsten Reden zu halten, und schließlich verfiel er darauf, an einer nahe gelegenen Wassermühle das Rauschen und Klappern des Mühlrades mit seiner Stimme zu übertönen. Diese Uebungen stärkten sein Selbstgefühl so, daß er sich bald imstande glaubte, vor eine gläubige Gemeinde zu treten und auch von der Kanzel herab das Wort Gottes auszulegen. Er wünschte darum nichts lebhafter als die Bekanntschaft eines amtierenden Pfarrers, der ihm Gelegenheit zu einer Gastpredigt geben sollte. Inzwischen hatte er sich mit einigen Studienkameraden befreundet und von ihnen erfahren, daß sein Wunsch unschwer erfüllt werden könnte. Es lebte nämlich damals in Jena ein Professor Käthe, der neben seiner akademischen Tätigkeit noch das Amt eine Diakonen im benachbarten Lichtenhain versah. Von ihm wußte man, daß er — sei es aus Güte oder Arbeitsüberlastung — den jungen Kandidaten gern gestattete, an seiner Stelle die Kanzel zu besteigen. , v _ Diese Nachricht war unferm angehenden Demosthenes willkommen. Er beschloß sofort, dem freundlichen Professor seine Aufwartung zu machen und ihm seine Bitte vorzutragen. Schon am nächsten Tage zog er seinen besten Anzug an und begab sich zu schicklicher Stunde über die Camsdorser Brücke in das dicht an der Saale gelegene Gasthaus „Zur Tanne", denn dort sollte Köche wohnen. Dabei war ihm freilich ein kleines Mißgeschick begegnet, das sich in der Folge jedoch als ein seltenes Glück erweisen sollte. Wie man weiß, wurde in jener Zeit, wie auch heutigestags noch, im schönen Jena ein zwar leicht thüringisch gefärbtes, immerhin aber unbezweifelbares Sächsisch gesprochen. Verständlich also, daß bei der Auskunft, die sich der junge Theologe von einem Handwerksmeister auf der Gasse erbat, dieser biedere Jenenser an den gerade im Städtchen weilenden hochberühmten Herrn Staatsminister dachte und den Fragenden zu — Goethe wies. In nicht geringer Aufregung betrat der Kandidat die „Tanne", ließ sich melden und wartete einige bange Augenblicke, bis der Diener mit günstigem Bescheid wiederkam. Goethe, gut gelaunt, vielleicht weil seine Arbeiten einen befriedigenden Fortgang nahmen, vieUeicht auch nur, weil er im heiteren Jena die geheim- rätliche Steifheit abgelegt hatte, war bereit, den Besucher anzunehmen. Der Kandidat wurde in ein geräumiges, schlicht ausgestattetes Erkerzimmer geführt, von dessen Fenstern aus eine herrliche Aussicht, der Anblick „eines rauschenden Flusses, einer rauschenden Stadt und eines anmutigen Tales" den Beschauer erfreute, und hier nun sah er sich plötzlich einem gütigen, aber imponierenden Greise gegenüber. Rach den Schilderungen seiner Kameraden sollte Professor Köthe ein Mann in den Vierzigern sein, der auch keineswegs die Titel Exzellenz und Geheimrat führte, die der Diener eben seinem Herrn beigelegt hatte. Gleichwohl merkte der junge Theologe nichts von seinem Irrtum, doch stieg natürlicherweise bei so unerwarteten Llmständen seine Verlegenheit ins Maßlose, so daß er die Fragen nach seinen persönlichen Verhältnissen kaum beantworten konnte. Der Olympier mochte dieses seltsame Betragen für Bescheidenheit und Demut halten, jedenfalls nahm er die Schüchternheit des jungen Mannes nicht übel auf, ließ sich von dessen Studiengang ein wenig erzählen und kam dann ganz von selbst dazu, einen langen Monolog über die verschiedensten Gegenstände zu halten; denn der Theologe figurierte nur als stummer Zuhörer. Lind so dozierte Goethe an Hand von einigen Gesteinsproben, die auf dem Tische lagen, ein kleines Kapitel Mineralogie, schwenkte ab zur Botanik, wies sodann auf die prächtigen Wolkenbildungen hin, die gerade über dem Saaletal standen und ihm zu einem meteorologischen Privatissimum Gelegenheit gaben, machte danach einen Seitensprung zur Physik und Chemie, verweilte schließlich dabei und verbreitete sich an* geregt über die Probleme der entoptischen Farben. Dem armen Theologen, der von allen diesen Dingen nichts oder jedenfaUs nicht viel wußte. blieb kaum etwas anderes übrig, als zu soviel Weisheit und Belehrung immer nur Ja und Amen zu sagen, was ihm indessen von Berufs wegen auch durchaus zukam. Endlich, nach einem halbstündigen Selbstgespräch, beschloß Goethe sein Kolleg, schwieg und sah freundlich und wohlwollend den Kandidaten an, der ganz zusammengesunken, mit hängenden Armen und gesenkten Lidern, auf seinem Stuhle hockte. Dann, sich erhebend, um den Besucher zu entlassen, spürte der titanische Greis aus dem betretenen Zögern des Theologen, daß dieser noch etwas auf dem Herzen haben müsse, und ermunterte ihn, sein Anliegen freimütig zu entdecken. „Verzeihen, Herr Geheimrat ... wenn ich es wagen darf ... ich habe allerdings noch eine Bitte ... eine sehr große Bitte .. „Welche denn?" „Wollen Herr Geheimrat mir nicht erlauben, daß ich ... daß ich nächsten Sonntag in Lichtenhain für Sie predige?" Mit einem hörbaren Stöhnen der Erleichterung blickte der Kandidat zu dem Gewaltigen auf. Einen Augenblick lang war Goethe verwundert, ja, befremdet. Dann, blitzhaft die Verwechselung durchschauend, lachte er, wie er nur als Student in Leipzig gelacht hatte. „Dazu freilich, mein junger Freund, werde ich Ihnen nicht Helsen können." Lind, das Eigentümliche, mehr noch das seltsam Komische seines Dozierens vor dem ängstlich-ehrfürchtig Schweigenden erkennend, fügte er lächelnd hinzu: „Aber ich zweifle nicht, daß unser Diakon in Lichtenhain Ihnen die Erlaubnis zum Predigen erteilen wird, zumal da er in dieser halben Stunde nicht der Zeuge Ihrer erstaunlichen Beredsamkeit gewesen ist." Eine Balzac-Anekdote. In einer Pariser literarischen Zeitschrift erzählt F. M. eine ziemlich unbekannte Anekdote aus der Frühzeit des Schöpfers der „Menschlichen Komödie". Der damals weithin bekannte Mediziner Es* quirol wurde eines Tages von einem Schüler gefragt, an welchen äußerlichen Kennzeichen sich eigentlich die Grenze zwischen Vernunft und Rarrheit bestimmen lassen könne. „Als Antwort auf diese Frage, eine der schwierigsten unserer ganzen Wissenschaft", erwiderte Csquirol, „labe ich Sie zum Sonntag bei mir zum Essen ein. Sie werden noch zwei Gäste antreffen, die Sie, bitte, genau, aber unauffällig, beobachten wollen!" Am Sonntag wurde der wißbegierige Student im Speisezimmer Esguirols einem sehr reputier- lichen älteren Herrn von ernstem, gesetztem Wesen und einem jungen Mann vorgestellt, der sehr vorlaut war, sich in jedes Gespräch eir* mischte und anscheinend alles besser wußte als jeder andere. Beide gingen sogleich nach dem Diner wieder fort. „Run", wandte sich Esquirol an seinen Schüler, „Sie waren soeben mit einem sehr vernünftigen Menschen und einem unheilbaren Rarren zusammen. Welcher von ihnen war der eine und der andere?" „Der alte Herr, der solch foignierten, vorteilhaften Eindruck macht, ist zweifellos der Vernünftige, aber dieser geschwätzige, aufdringliche jungt Mann gehört bestimmt in die Behandlung einer Heilanstalt!" „Cerade umgekehrt ist's richtig!" erwiderte lächelnd Esquirol. „Der alte Herr ist ein langjähriger, unheilbarer Insasse von Charenton, der nur deshalb solch ein gesetztes Wesen zur Schau trägt, weil er die fixe Idee hat. der liebe Gott zu fein; der Jüngere ist der glänzend begabte Schriftsteller Balzac!" Hochschulnachnchten. Der durch die Emeritierung des Geh. Regierungsrats K. Hensel an der Universität Marburg erledigte Lehrstuhl der Mathematik ist dem Professor Dr. Helmut Hasse in Halle angeboten worden. Hasses Arbeiten betreffen besonders Algebra und Zahlentheorie. Der aus Kassel gebürtige Mathemati- ter studierte Mathematik bei den Professoren Toep- Utz (Kiel), Hecke und Courant in Göttingen und besonders bei Geheimrat Hensel in Marburg. Seine akademische Laufbahn begann Dr. Hasse im Jahre 1922 als Privatdozent in Marburg, habilitierte sich später nach Kiel um, erhielt dort einen Lehrauftrag für Geometrie und folgte 1925 einem Rufe als Ordinarius nach Halle. — Der Privatdozent in der medizinischen Fakultät der Universität Marburg Dr. med. Hans Schmidt ist beauftragt worden, an der dortigen Universität im Wintersemester 1929/30 die Hygiene in Vorlesungen und Uebungen au vertreten. — Zum Nachfolger des Geh. Geh. Kon- fiftorialrats Prof. Gerhard Ficker auf den Lehrstuhl der Kirchengeschichte an der Universität Kiel ist Lic. theoL Kurt-Dietrich Schmidt, Privatdozent in Göttingen, in Aussicht genommen« Monat hat der Staat selbst rund sechstausend neue Schreibmaschinen im Werte von nicht weniger als 400 000 türkischen Pfunden bestellt. Die Bestellungen von privaten Firmen belaufen sich auf etwa die Hälfte dieses ansehnlichen Betrages, was deutlich für das Aufblühen der Wirtschaft und des Handels in der Türkei spricht. Oberheffen. Landkreis Gießen. n. Grohen-Linden, 7. Olt. Der in Leihgestern geborene, hierher verheiratete Georg Müller feiert am 8. d. M. seinen 80. Geburtstag. Sn der 5. Kompagnie des Gic- f-ener Snsanteric-Acgiments macht er den Feldzug 1870/71 mit. Müller war jahrzehntelang Holzseher für den hiesigen Gemeindewald und für den fiskalischen sog. Franzenwald. xp Leihgestern, 6. DEL Die vor einigen Jahren angelegte Kanalisation im östlichen Teile der "Bahnhofstraße wird zur Zeit bis an das westliche Ende an der Station Großen- Linden durchgeführt. Die Ausführung erfolgt nach den vom Hessischen Kulturbauamt Gießen ausgestellten Plänen und unter dessen Bauleitung. Die Arbeiten werden von dem Unternehmer Ludwig Sommer von hier ausgeführt. Diese Anlage wird besonders von den Hauseigentümern in der noch nicht allgemein bebauten "Bahnhofstraße begrüßt werden, die zum Teil im letzten Frühjahr unter Benutzung der Feuerspritze ihre Keller vom Wasser befreien mußten. Die Tiefelage des Kanals ist unterhalb des Bahnkörpers so angeordnet, daß bei einer eventuell später zu errichtenden Personenunterführung an der Dahn das Grundwasser in den Kanal ausgenommen werden kann. Da die Dahn- hvfstraße durch die schlechte Wasserabführung immer in sehr schlechtem Zustande war, wäre zu wünschen, daß nun auch die Provinz, die- noch Eigentümerin der Straße ist, für eine Befestigung der Straßendecke sorgte, wie sie den Ansprüchen des dortigen starken Verkehrs entspricht. t Treis a. d. L d a., 6. Ott. Die neue Hebamme, Frau Martha Bergen, hat nach neunmonatlicher Ausbildung in der Gießener Klinik ihren Dienst dahier angetreten.Möge sie der Gemeinde ebenso lange dienen können, wie ihre Vorgängerin Frau Becker, die es auf eine 40jährige Amtszeit gebracht hat. — Die H e r b st- bestellung der Acker flur geht jetzt, nachdem der Boden durch die seitherigen Regen weich geworden ist, flott vonstatten. Die O b st e r n t e, die hier ziemlich reichlich ausgefallen ist, nur Zwetschen gab es sehr wenig, geht nach und nach zu Ende. Man sieht nur noch in einigen Gärten das Winterobst hängen. + Grünberg, 5. Oft. Die jüngste Gemeinderatssitzung, zu der 10 Gemeinderäte erschienen waren, fand unter dem Vorsitz des ältesten Gemeinderatsmitgliedes, Schlosser- meister Heinrich Schmidt II. statt, der während der Beurlaubung des Beigeordneten Keller die Dürgcrmeistereigeschäfte versieht. Als wichtigster Punkt der Tagesordnung stand die Vergebung der Arbeiten zur Snstandsetzung der Theo-Koch-Strahe ;uc Beratung. Die Arbeiten sind vom Kreisbauamt nach fünf Losen getrennt ?uc öffentlichen Vergebung ausgeschrieben worden. Die Baubehörde schlug bei jedem Los einen Unternehmer für die Lieber- tragung der Arbeit vor. Los I (Chaussierung) hat 14 Angebote, das billigste 408 Mk., das höchste 977 Mk., nach Vorschlag des Dauamts örhält O. Kühn, Grünberg, die Arbeit zu seinem Angebot von 496 Mk. Los II (Lieferung von Bordsteinen einschließlich Versehen derselben) hat neun Angebote, zum Teil auf drei Arten von Steinen: 1. Lungsteine mit Preisen zwischen 3800 und 4800 Mk., 2. Kunst-Granitsteine mit Preisen zwischen 2640 und 3800 Mk., 3. Steine, Liebe in Ketten. : Vornan von Hans Mitteweider. Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale). 5 Fortsetzung. Nachdruck verboten Doch die Tür ging nicht auf; die Frau erschien nicht. Da wagte sich Käthe weiter. Lind plötzlich lächelte sie; denn sie besann sich darauf, daß sie ja den Schlüssel zu dieser Tür in der Tasche hatte. Die Tante hätte gar nicht herauskommen können. Unö sie war ja tot Doch das Grauen wollte nicht von Käthe Weichen; denn sie wollte ja nicht, wie sie gesagt hatte, hinauf in ihr Dachstübchen, sie mußte vielmehr in die Stube, wo die Tote noch lag, mußte dort nach dem Briefe suchen, den sie aus London geschrieben hatte. Sie mußte wissen, was für einen Namen sie daruntergeschrieben hatte. Auf einmal, als der Förster zu ihr gesprochen hatte, war sie sich klar darüber, daß niemand hier erfahren durfte, was drüben in England geschehen war. Sie wußte keinen Grund dafür. Sie gehorchte nur einem Drange, der in ihr war; und so fand sie den Mut, die Tür aufzuschliehen und in die Stube zu treten. Es war fast dunkel darin; denn alle Vorhänge an den Fenstern waren dicht zugezogen. Einen scheuen Blick warf Käthe hinüber nach der Toten. Doch sie sah nur undeutlich die Um- risse der starren Gestalt. Das Gesicht war mit einem Tuche verdeckt. Käthe atmete etwas auf. Sie wäre geflohen, hätte sie sich vvrstellen müssen, die grauen Augen der Tante könnten sie bei ihrem Tun beobachten. Aber wo sollte sie suchen? Sie besann sich, daß Tante stets alle Papiere in den Tischkasten dort geschoben hatte, und so lief sie hin und zog ihn auf. Fast hatte sie aufgeschrien vor Freude. Gleich obenauf lag der Brief mit der englischen Marke und dem roten Zettel darauf, der ihn als Eilbrief kennzeichnete. Schon hielt sie ihn in der Hand, hatte den Bogen aus dem Umschlag herausgezvgen und sah nach der Unterschrift. „Deine Nichte Käthe." Lind dann als Nachschrift: „Meine Adresse ist: Käthe Fernau, zur Weiter las sie gar nichts. Sie schob den Dogen wieder in den Umschlag, legte den Dries in den Tischkasten zurück und lief aus der Stube hinaus. Eine große Freude war in ihr; aber wieder wußte sie nicht, warum eigentlich. Wäre es denn so schrecklich gewesen, wenn die Leute hier ersahren hätten, daß sie verheiratet 75 Jahre Stadt Bad-Nauheim. 4 Dad-Aauheim, 5. Oft. Sm Gegensatz zu den anderen oberhessischen Städten und Städtchen, die infolge günstiger Verkehrslage oder als Sitz einstiger Herrscherhäuser schon in früheren Sahr- hunderten zu wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkten geworden waren und bereits im Mittelatter Stadtrecht erhielten, ist unsere hessische Dadestadt noch eine ganz jugendliche Stadtgründung. Das Salinendorf wurde erst mit dem l.Suti 1835 Bad, und mit diesem Tage beginnt die neuere Geschichte Nauheims, das am 5. Oktober 1854 von der kurhessischen Negierung zur Stadt erhoben wurde. Die amtliche Bezeichnung „Bad-Nauheim" erhielt es erst 1869 durch die hessen-darmstädtische Negierung. Bad-Nauheim ist also heute 7 5 S a h r e Stadt. Das Dekret sei als ein interessantes Zeitdolument nachstehend im Wortlaut wiedergegeben: „Von Gottes Gnaden WSN Friedrich Wilhelm I., Kurfürst und souveräner Landgraf von Hessen, Gcoßherzog von Fulda, Fürst zu Hersfeld, Hanau, Fritzlar und Ssenburg, Graf zu Katzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain, Nidda und Schaumburg haben Lins allcrgnädigst bewogen gcsu iden, die Gemeinde Nauheim in der Provinz Hanau zur Stadt zu erheben und derselben die Gerechtsame einer solchen huldreichst zu erteilen. Wir behalten Lins attergnädigst vor, wegen der Teilnahme Llnserer Stadt Nauheim an den Landtags- und Dezirksratswahlen demnächst weitere Anordnungen zu treffen. Linser Ministerium des Snnern hat hiernach das Erforderliche zu verfügen. Urkundlich Llnserer Allerhöchsteigenhändigen und des beigedrückten Staatssiegels gegeben zu Kassel am 5. Oktober 1854. Friedrich Wilhelm." Mit der Erhebung zur Stadt wurde Nauheim auch der Vorort des hanauischen Amtes Dorheim, und gleichzeitig erfolgte die Verlegung des Amtsgerichts von Dorheim nach Nauheim. Eine ungeahnte Entwicklung hat die junge Stadt in den 75 Sahren genommen, besonders unter hessen-darmstädtischer Verwaltung, die sich des Bades mit besonderer Fürsorge annahm, nachdem es durch den Bruderkrieg 1866 von Kurhessen an Preußen und von diesem durch Gebietsaustausch an das Grvßherzogtum Hessen übergegangen war. Der Aufstteg zum Wcltbade vollzog sich in wenigen Sahrzehnten, und damit hielt Schritt die räumliche und bevölkerungspolitische Entwicklung der Stadt. Die Einwohnerzahl hat sich in den 75 Sahren etwa vervierfacht, die Zahl der Kurgäste ist von 2500 im Sahre 1854 auf 40 000 in diesem Sahre gestiegen, beträgt also das Sechzehnfache. Mit der Stadt ist das Hessenland stolz aus die Entwicklung des in der ganzen Welt bekannten und geschätzten großen Herzheilbades. Daß dieses ncch einer weiteren glücklichen Zukunft entgegengehe, ist der Wunsch aller am heutigen Ctadtjubiläumstage. Die große Millionenstiftung der amerikanischen Philantropin Frau K e r ck h o f f, wodurch vor einigen Lagen der Name Bad-Nauheims von neuem in der ganzen Welt genannt wurde, ist ein neuer Markstein in der Geschichte des hessischen Staatsbades, von dessen weiterer EntwicÜung noch viel für die leidende Menschheit erwartet werden darf. cu> Dasalsplitt hergestellt, mit Preisen zwischen 2040 und 2720 Mk. Das Dauamt macht einen doppelten Vorschlag: 1. bei Verwendung von Lungsteinen die Lieferung K. Phil. Lind, Lauter, zu seinem Angebot von 3300 Mk. zu übertragen, 2. bei Verwendung von Kunst-Granitsteinen die Lieferung Kilian Schmidt, Oppershofen, zu seinem Angebote von 2640 Mk. zu übertragen. Nach längerer Aussprache entschied sich der Gemeinderat für die Verwendung von Kunst-Granitsteinen und Kilian Schmidt, Oppershofen, erhielt die Lieferung. Los III (Pflasterarbeiten einschließlich Liefern der Steine) hat 15 Angebote; die Preise schwanken von 1756 bis 2402 Mk. Den Zuschlag erhielt nach Vorschlag des Dauamts dec Wenigstnehmende Konrad H i l b e r g, Geilshcu'en, zu seinem Angebot von 1756,80 Mk. Los IV (Kanalarbeiten) hat sechs Angebote, das niedrigste mit 644 Mk., das höchste mit 724 Mk. Den Zuschlag erhielt nach Vorschlag des Dauamts Georg Säger, Queckborn, zu seinem Angebot von 657 Mk. Los V (Materiallieferung) hat 14 Angebote mit Preisen, die zwischen 1464 und 2119 Mk. schwanken. Hier erhielt ebenfalls nach Vorschlag des Dauamts Gg. Säger, Ou.ckborn. die Lieferung zu seinem Angebot von 1464 50 Mk. Der Gesamtbetrag der Arbeitsver- gelung für die Snstandsetzung der Theo-Koch- Straße ergibt demnach die Summe von 7014,30 Mk. Kreis Alsfeld. y. Nieder-Ofleiöen, 5. Oft. Sn unserem Nachbarstädtchen Schwe ins berg wurden in den letzten Tagen mehrere Waggon Z w e t s ch e n durch die Händler M e n g e l (Erfurtshausen) und Pfeil (Haarhausen) der Zentner frei Station zu 6 Mk., verladen. Es wurden viele Wagen mit Zwetschen von Erfurtshausen, Mardorf und Dannenrod gebracht, wo die Ernte sehr gut ausgefallen ist. Dei uns ist diese so gering, daß die Leute für ihren Dedarf noch kaufen müssen. X Erbenhausen, 5. Oft. Die Kartoffelernte ist nun hier restlos beendet. Die rot- schaligen Kartoffeln: Vater Nhein und Weltwunder waren infolge der starken Trockenheit schlecht, während die gelbschaligen wke Pamassia und gelbe Sndustrie wie die Frühkartoffeln, Blaue Odenwälder, gute Erträge ergaben. — Der Hauptausdrusch des Getreides hat dieser Tage begonnen. Der Körnerertrag des Getreides ist recht gut; besonders fällt in diesem Sahre das außergewöhnliche Gewicht des Weizens auf. Mit dem Verkauf der Frucht ist bereits angefangen worden. Es werden gegenwärtig für Noggen 8,50 Mk., Weizen 11 Mk., Gerste 9,10 Mk. und Hafer 9,50 Mk. pro Zentner frei Verladestation bezahlt. Die Aussaat des Winterroggens ist durch die letzten Regenfälle nun ermöglicht worden. Die Dickwurz sind bei der Trockenheit meist gut ausgefallen, doch sind die auf den Kern gesetzten Nüben klein geblieben. An Sorten zieht man die gelben und roten Eckendorfer Riesenwalzen den anderen vor. Mit dem Abernten der Rüben wurde bereits begonnen, doch bedarf das Kraut, das durch die Trockenheit und den Befall der Erdflöhe sehr gelitten hat, noch einiger Zeit des Wachstums. Die meisten unserer Landwirte sind genötigt, durch Zukauf von Weiß- und Rotkraut ihren Bedarf zu decken. I Kirtorf, 6. Oft. Nach der Einrichtung unserer Schwesternstation im alten Schulgebäude hofft man, daß in demselben Gebäude auch die beabsichtigte Kleinkinderschule untergebracht werden fann. Die Ausführung des schon lange erörterten Planes, eine Kinderschule für unsere ausgedehnte Gemeinde ins Leben zu rufen, scheiterte bis jetzt immer noch an der Unmöglichkeit, die geeigneten Räume dafür zu erhalten. Kreis Lauterbach. 5 Schlitz, 5. Oft. Sn unserem Städtchen wird im nächsten Sahr ein größeres Trach teufest veranstaltet. Der Verkehrsverein beschäftigte sich in einer Sitzung bereits mit den ersten Vorwar? Es war doch nichts, worüber sie sich zu schämen gehabt hätte. Nein, das nicht; aber Käthe empfand alles, was sie erlebt hatte, als etwas, was sie aus ihrer Erinnerung tilgen mußte. Sie lief nun noch die Treppe hinauf, raffte in ihrem Stübchen allerlei zusammen, ohne groß nachzusehen, was es war. Sie muhte ja etwas mitbringen. Der Förster kam zurück und erzählte Küche: „Der Pfarrer weih nichts von Shnen. Shre Tante ist, wie Sie ja wissen, nie in die Kirche gegangen, hat auch sonst den Pfarrer nicht aufgesucht, und beim Vorstand habe ich nur feft- ste'llen können, dah Sie mit Shrer Tante vor nunmehr zwö'lf Sahren hierhergekommen sind. Ob diese damals Papiere vorgelegt hat, war nicht zu ermitteln. Keinesfells hat man eine falsche Beurkundung angenommen. Sie wird demnach wirklich Shre Tante und Wohl in ihrer Sterbestunde nur etwas irre gewesen sein. Sm übrigen freut es mich, Shnen mitteilen zu können, daß man mir die Würde Shres Vormundes übertragen hat. Sch hätte Shnen ja auch ohnedies gern und nach besten Kräften geholfen, so aber habe ich ein Recht dazu und will gleich nachher veranlassen, daß die Tote nach dem Leichenhause gebracht wird. Dann werde ich nachforschen, ob sich in ihrem Nachlaß Papiere finden, werde auch seststellen, ob Geld da ist. Lind ja, Fräulein Käthe, noch eins! Der Vorstand wies mir nach, dah das Häuschen Shrer Tante gehört. Wollen Sie es behalten oder mich mit dem Verkauf betrauen? Sch denke, Sie werden Geld gebrauchen können." „Sa. ja, verkaufen Sie das Haus, Herr Förster!" erwiderte Käthe ohne jedes Zögern. Sie konnte sich nicht denken, dah sie etwa dort drüben leben sollte. Nicht eine ruhige Minute hätte sie dort gefunden, am wenigsten nachts. Edelmann nickte ihr zu und ging dann mit dem Wirt, den er als Zeugen mitnehmen wollte, nach Lcm Häuschen unter den alten Kastanien. Käthe aber saß regungslos auf der Küchenbank. Was sollte sie nun anfangen? Wohin sollte sie gehen? Sie fand auf beide Fragen keine Antwort, so sehr sie auch darüber nachgrübelte, und sie war froh, als sie der jungen Frau beim Kochen helfen konnte. Sie warteten, bis der Förster zurückkam, der sehr ernst aussah; aber er sprach nichts, und erst nach Tisch bat er Käthe; mit ihm in den Garten zu kommen. „Sie wird dir nachher alles erzählen, Liebste," sagte er zu seiner Frau, ehe er hinausging, und diese nickte ihm freundlich zu. Dann sahen die beiden unter einem Nuhbaum auf einer Dank, und der Förster hob an: ..Meine Annahme, dah Shre Tante in der Todesstunde irre gewesen sein könnte, scheint doch nicht zuzutreffen, Fräulein Käthe; denn ich habe nirgends irgendwelche Ausweispapiere gefunden. Das einzige Schriftliche war der Drief, den Sie aus London geschrieben haben, und den ich Shnen mitgebracht habe. Sch habe ihn selbstverständlich nicht gelesen, auch damals nicht, als er ankam. Shre Tante hatte mir Shre Adresse aufgeschrieben, als sie mich bitten lieh, an Sie zu telegraphieren. Sa, also sonst fand ich nichts; aber ich fte'ttte mit dem Wirt fest, dah vor kurzem in den Ofen der Stube viel Papier verbrannt worden sein muh. Er war ganz voll schwarzer Asche, und ich suchte vergebens nach einem Stückchen Papier, das noch nicht ganz verbrannt war. Alles zerfiel; doch, wie gesagt, das war mir ein Beweis, dah Shre Tante, so lange sie noch dazu imstande gewesen ist, alles verbrannt hat, was etwas über ihre Person und über Sie, Käthe, hätte verraten können. <5ie muh 'also doch etwas auf dem Gewissen gehabt haben, und diesen Eindruck hatte ich ja auch, als sie mich rufen lieh unö mich bat, an Sie zu depeschieren. Mir kam die Frau damals fast unheimlich vor." „Nichts!" murmelte Käthe, die den Brief in der einen Hand hielt. „Wie soll ich nun etwas erfahren?" Der Förster sah ihr blasses Gesicht, ihre verstörten Augen. Er fühlte ttefes Mitleid mit ihr, und leise sagte er: „Wenn Sie auch anscheinend feine Verwandten mehr haben, Käthe, so haben Sie doch treue Freunde — uns! Wir werden Shnen von Herzen gern helfen, und wenn Sie hierbleiben wollen, so finden Sie bei uns eine neue Heimat." „Nein, nein!“ stieß Käthe hervor. „Sch kann nicht hierbleiben — ich will fort!" „Das verstehe ich ganz gut; denn Sie haben hier gewiß nicht viele frohe Tage verlebt, und außerdem ist doch auch hier keine Gelegenheit für Sie, sich einen Berus zu suchen. Sie müssen in eine Stadt — vielleicht nach Hamburg ober nach Lübeck —, wo Sie sich leicht eine Existenz gründen können, wenn Sie etwas Geld haben. Sch werde natürlich das Häuschen so gut wie möglich verkaufen." Käthe Femau erwiderte nichts, empfand nicht einmal, daß sie dem freundlichen Manne hätte danken müssen; aber der nahm es ihr nicht übel. Er sah ja, wie verstört sie war, und um sie ab- zulenken, fragte er: „Sie waren in England, Käthe. Haben Sie sich vielleicht dort um eine Stellung bemüht?" Da zuckte sie zusammen und schaute ihn mit einem Blick an, den er jetzt nicht verstand, an den er aber später erinnert werden sollte. Was war denn nur in seiner Frage gewesen, dah sie ihn so anschaute? „Nein — ich — ich war eingeladen worden", stammelte Käthe. Sie fürchtete, daß er nun weiterfragen würde; bereitungen und legte als Festtag den 22. Sunt 1930 fest. Preußen. Kreis Wetzlar. O Domholzhau fen, 5. Oft. Dieser Tage wurde durch die Kreisstraßenbauverwaltung das Obst auf dec Provinzialstraße Wetzlar- Butzbach öffentlich meistbietend versteigert. Trotzdem der Verkauf nur gegen Barzahlung erfolgte, hatte sich eine große Anzahl von Käufern, besonders auch aus der Stadt Wetzlar, eingefunden. Sn der Hauptsache kamen Aepfel zur Versteigerung. Dirnen wurden nur in geringem •Umfange verkauft. Cs wurden durchschnittlich erlöst für 1 Zentner: Goldparmänen am Baum 3 bis 4 Mark, Schöner von Dosloop 6 bis 7 Mk., Rheinischer Dohnapfel 4 bis 5 Mk., Schafsnase 3 bis 4 Mk., Kelteräpfel 1 bis 2 B7r. Dec Durchschnittspreis für Dirnen betrug 2 bis 3 Mk. je Zentner am Daum. <> Oberkleen, 5. DEL Der Bezirkskriegerverband Hüttenberg hielt dieser Tage in der Gastwirtschaft Reuter seine diesjährige He r b st o e r sa in m l u n g ab, die von. den Ver- bandsmitgliedern zahlreich besucht war. Die Versammlung fand unter Leitung des Vorsitzenden, Förster Große (Oberkleen) statt. Zunächst wurde über den Verlauf des in diesem Jahre in Dornholzhausen stattgehabten Verbandsfestes berichtet, wobei die Frage der künftigen Gestaltung des Verbands- festes eingehend erörtert wurde. Als Tagungsort für das nächstjährige Verbandsfest wurde Oberkleen bestimmt. Die angeregte Erhöhung des Verbandsbeitrages wurde abgelehnt. Raubüberfail auf einen Kaffenboten. Der Täter schießt auf seine Verfolger. (WSN.) Frankfurt a. M., 5. OIL Der Kassenbvte einer hiesigen Firma ist allwöchentlich mit einer größeren Summe Lohngelder nach Aschaffenburg unterwegs. Einem Verwandten von ihm war dies bekannt. Er stellte sich gestern am Ostbahnhof auf und wartete auf den Kassenboten. Durch Anlegen eines Verbandes über die untere Gesichtshälfte und durch Anbringen eines falschen Bartes hatte er sich unkenntlich gemacht. Als der Kassenbote der Straßenbahn entstiegen war und nach dem Bahnhof zu ging, überfiel er ihn von hinten, schlug ihn zu Boden, entriß ihm die Aktentasche und suchte mit seiner Deute auf dem schnellsten Wege zu entkommen. Auf die Hilferufe des Lieberfallenen nahmen Passanten die Verfolgung des Täters auf. Dieser gab auf seine Verfolger aus einer Pistole zwei Schüsse ab, zum Glück ohne zu treffen. Er wurde eingeholt, f e st genommen und von seinen Verfolgern gehörig verprügelt. Dank der Llmsichtigkeit des Publikums konnte der Täter der Polizei übergeben und die Deute in Höhe von 3000 Mark dem LI e b e r f a Ue ne n zurückgegeben werden. Während der Festgenommene noch am Doden lag, wurde ihm von einem jungen Mann die Pistole abgenommen, der unerkannt mit der Pistole verschwand. Dieser junge Mann ist zirka 22 Sahre alt, 1,60 Meter groß, ohne Dart, und trug eine dunkle Mütze. Dec Festgenommene erklärte, dah die Pistole nur eine Schreckpistole gewesen sei. Der unbekannte junge Mann wird aufgefordert, sich zu mcl . ? i und die Pistole bei der Polizei abzuliefern, i a sie im Snteresse des Festgenommenen bei der Untersuchung von Dedeutung ist. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. aber da er sah, wie unangenehm sie berührt worden war, so lenkte er ab. „Haben Sie sonst schon Pläne für Shre Zukunft? Können Sie etwas, womit Sie sich Shv Drot verdienen würden?" „Sch? Ach, wo soll ich denn etwas gelernt haben?" stieß sie hervor, und nun stürzten Tränen aus ihren Augen. Die quälende Spannung in ihr verschaffte sich Luft, und sie weinte so bitterlich, daß Edelmann nicht anders konnte: er muhte ihr über das blonde Haar streichen und über ihre zitternden Hände, und dabei sprach er ihr Trost zu, wie sein gutes Herz ihn fand. Doch Käthe konnte sich nicht beruhigen, und so muhte er sich endlich entschließen, sie allein zu lassen. Leise stand er auf und ging zu seiner Frau, um ihr alles zu erzählen, und sie sagte ihm, daß er recht gehandelt hätte. „Sie muh allein mit sich fertig werden!"- meinte sie. „Mit der Zeit wird sie vergessen, was hinter ihr liegt, und schließlich wird sich doch ein Mann finden, der sie an sein Hernimmt. Dann wird alles gut werden." So kam der Tag, an dem Frau Wohllebe begraben wurde. Der Pfarrer sprach am offenen Grabe davon, daß die Verstorbene zwar eine menschenscheue, harte Frau gewesen sei, daß sie aber doch nicht ganz ohne Liebe gewesen sein konnte, da sie sich eines verwaisten Kindes angenommen und es grohgezogen habe. Er rühmte das und ahnte nicht, wie weh er damit Käthe tat. Endlich war alles vorüber. Käthe hatte zwar weinen müssen; aber nicht aus Trauer um die Tote, sondern über sich selbst, über ihr junges Leben, das ohne Glück gewesen war, seit sie denken konnte, und wohl ohne Glück bleiben würde. ' Sie dachte an Derndt Klausen. Wäre er jetzt gekommen und Hütte sie an sein Herz gezogen, sie wäre froh gewesen; war er doch der einzige, zu dem sie nun flüchten konnte. Aber auch Demdt Klausen war tot. Die Millionenstadt an .der Themse hatte ihn verschlungen, und Käthe hatte keine Ahnung, wo sie nach ihm forschen sollte. Die Forstersleute ließen sie wieder allein; aber am zweiten Tage nach dem Degräbnis tarn Edelmann zu ihr und brachte ihr den Erlös aus dem Häuschen: zweitausend Mark. „Damit können Sie schon etwas anfangen", sagte er herzlich. „Und wenn Sie je in Not kommen sollten, so wissen Sie ja hoffentlich nun, wo Sie Hilfe finden können, Fräulein Käthe. Sie werden uns jederzeit herzlich willkommen sein." Käthe nahm das Geld und bedankte sich Sie weinte bitterlich als sie von den guten Leuten schied, und war doch froh, daß sie fort konnte. (Fortsetzung folgt.) kn. ** etzlar. SDK ;■ Mietend i S>3Cn ^Qr?S?teW ^Anzahl i)o?I“n9 et. ®tebi 'in../1 Rufern. £2l»'SsTla,t ktn,ü 2 5 bttf^n !8et. ■eituiig Aren) statt läuten, ^sem Jahres ®Ur^ onbs effes b2r?A?!tnH’ wurde. 2[[a b°nd-f-st »urb »Ott unangenehm sie berührt jon^läne fÄ, H« > V2s, MMt Hle sich 2hs ^ch dem etwas gelernt >r und nun stächen Atä/ Die quälende Spannung ^Äg #1I, Bk fein ff» s™ ?ÄrXS* bersatl nstenbaten. 4f seine Verfolger. ! t 2l, 5. Olt. Der Üirma ist allivöchent. en Summe Lohn. Einem Jar dies bekannt. Vstbahnhas 7u Kassenbvten. Durch An- über die untere Gesicht«. Mn mes falschen Dar. milch gemacht. Als der bahn entstiegen war und 1 9ln9- überfiel er >U9 chn zu Joden, ent- >lasche und suchte mit chnellsten Wege zu ent- erufe des Aebersallenen oie Verfolgung des aus seine Dersolger aus chüsse ab, zum Glück urde etngehvlt, sestge. inen Dersvlgern gehörig der Umsichtigkeit des Täter der Polizei über- ! in Höhe von 3000 sallenen zurückge- während der Feftgenom- ag, wurde ihm von einem vle abgenommen, der un< verschwand. Dieser junge )re alt, 1,60 Dieter groh, eine bunfie Mühe. Der baß bie tyftole nur eine en sei. Der unbekaunle esordert, sich zu mcVxn Polizei adzMern, ’ca zestgenomrnenen bei der utung ist. der Redaktion. 16 bis 17 Uhr. Samstag & 9“1 *ÄJ D°M Pfarrer spE v eine j'srftwto.Ä fi« SÄ*** vorüber. aber iw* tÄ'*8’* 3STi*ÄSß tfe’ Sijn T" Sk?*".' ste. -«* herzig, bedallk^ ^tert S?AS sÄ. 606 f" tpflt Turnen, Sport und Spiel. LänderkampsDeutschland-Japan. Teutschland siegt mit 79,5:71,5 Punkten. Es ist der erste Leichtathletik-Länder» kämpf, den Deutschland gegen Japan austrägt, eine Begegnung, der man allseitig außerordent- lich großes Interesse entgegenbringt. War man auch in Deutschland nur sehr wenig über die sportliche Leistungsfähigkeit der Japaner orientiert, so glaubte man trotz der Neisestrapazen und trotz des ungewohnten Klimas an einen glatten Sieg der deutschen Leichtathleten gegen die Söhne des fernen Ostens. Doch bereits der erste Tag dieses Länderkampfes zeigte, daß die Japaner im eigenen Lande überaus gefährliche Gegner find. Der knappe Sieg der Deutichen mit 36:34 Punkten am ersten Tag spricht eine deutliche Sprache. Die Kämpfe gingen in dem festlich geschmückten Meidji-Shrine-Stadion in Tokio vor 20OOO begeisterten Zuschauern vor sich. Zahlreiche Diplomaten, die deutsche Kolonie, eine Reihe von Prinzen des kaiserlichen Hauses hatten sich ebenfalls eingefunden. Rach herzlicher Begrüßung der deutschen Expedition, die mit stürmischem Jubel der Zuschauer empfangen wurde, durch den Prinzen Kaya, den Protektor der Bcranstaltung, begannen die Kampfe. Dabei zeigte sich, daß die deutschen Leichtathleten doch noch erheblich von ihrer gewohnten Form entfernt waren und noch immer unter den Einwirkungen des ungewohnten Klimas standen. Die Ergebnisse des ersten Tages. Das 110- Meter - Hürdenlaufen sah sofort die Japaner in Front, wobei der Japaner M i k i mit 15,1 Sek. einen neuen Landesrekord aufstellte. Ihm folgte sein Landsmann S h i m a , während Weiß und Troßbach, der völlig erschöpft zurückgefallen war, den 3. und 4. Platz belegten. Die weiteren Kämpfe nahmen folgenden Ausgang: Kugelstoßen: 1. Hirschfeld 15,51 Meter; 2. Weiß 13,79 Meter; 3. Takata 13,51 Meter; 4. Saito 12,86 Meter. — 200-Meter-Lauf: 1. Eldracher - Frankfurt a. M. (früher Sv. Bgg. 1900 Gießen), 21,8 Sek. ; 2. Y o s h i o k a; 3. N i s h i; 4. Dr. Wichmann. Dr. Wichmann war stark indisponiert und wurde von N i s h i noch im Zielband abgefangen. — 800-Meter-Lauf: 1. Dr. Peltzer 1:58,4 Min.; 2. E n a e lhardt; 3. Okada; 4. Hamad a. — 5000-Meter-Lauf: 1. Kitamotos 15:30,8 (neuer japanischer Rekord); 2. Tsuda; 3. Diekmann; 4. Boltz e. — Schweden st affe l: 1. Deutschland (Dr. Wichmann, Eldracher, Stortz, Dr. Peltzer) 1:57,4 Min; 2. Japan, 20 Meter zurück. — Stabhochsprung: 1. Rishida 3,90 Meter; 2. Wegner 3,85 Meter; 3. Oda 3,80 Meter; 4. Köchermann 3,40 Meter. Damit lag Deutschland am ersten Tage mit 36:34 Punkten knapp in Führung. Der zweite Tag. Deutschland hat seinen ersten leichtathletischen Länderkampf gegen Japan mit 79,5:71,5 Punkten erfolgreich beendet, ein Erfolg, der um fo bedeutender ist, da er unter erschwerenden Umständen erfochten wurde. Denn unsere Vertreter hatten, es ze-igte sich dies deutlich bei den einzelnen Wettbewerben, trotz mehrtägigen Aufenthalts die Reisestrapazen noch nicht überwunden und sich in das ungewohnte feuchtwarme Klima eingefunden. Die Zuschauerzahl hatte sich am zweiten Tag auf 45 000 Menschen gesteigert, die voll Spannung und Interesse den Kämpfen folgten. Es war ein farbenfrohes . Bild, das das Meidji- Shrine-Stadion, in dem die Kämpfe ausgetragen wurden, bot. Den Auftakt des zweiten Tages bildete der 100-m-Lauf, den sich Eldracher in einem bestechenden Endspurt vor N a m b u , Dr. Wichmann und Anno in 10,6 Sekunden holte. Im Hochsprung belegten die beiden Japaner Kimura und Ono mit 1,90 m die beiden ersten Plätze. Es folgten dann Ladewig mit 1,88 m und Wegner mit 1,70 m. Auch im Diskuswerfen gab es eine Enttäuschung. Das Ergebnis ist: 1. Saito 42,05 m, 2. Hirsch* f eld 41,14 m, Itabaschi 40,07 m, 4. Weih 39,62 m. Dagegen lagen im 400-rn-Lauf Stortz mit 48,8 Sek. und Engelhardt mit kurzem Abstand an der Spitze, während die Japaner V a k a f i m a und K i u t s ch i weit zurück folgten. Doch holten sich dafür die Japaner den Weitsprung: 1. Nambu 7,31 m, 2. Koch e rm a nn 7,18 m, 3. und 4t Ladewig und Ota mit je 6,87 m. Einen Doppelsieg gab es im 1500-m-Lauf. Hier benötigte Dr. Peltzer 4:04.8 und belegte zusammen mit Doch e r die beiden ersten Plätze. Ihre Gegner waren Kitamoto und F u s j i k a. Recht gut hielt sich auch Molles, de>r im Speerwerfen mit 62,88 m erster wurde, 2. Sujanuma 57,85, 3. Sumiyoshi 57,47, 4. Wegner 48,71 m. Die 4X200-m-Stafsel gewann Deutschland mit der Mannschaft Stortz, Weih, Dr. Wichmann, Eldracher in 1:27.2 Minuten mit 6 m Vorsprung vor den Japanern. Damit siegte Deutschland im Gesamtklassement mit 79.5:71.5 Punkten. Deutsche Meisterschaft im Mannschastsfechten. Die Mannschaftsmeisterschaften im Fechten fanden am Freitag und Samstag in Berlin statt. 2m Florett verteidigte der Fechtklub „Hermanni a" Frankfurt mit Erfolg seinen Titel und legte auch auf die Meisterschaft im Degen Beschlag. Die Frankfurter zeigten sich auch hier wieder überlegen und liehen den Lehrgang für Leibesübungen des Gruppenkommandos Wünsdorf hinter sich. In der Endrunde schlugen die Hermannen den „Lehrgang für Leibesübungen des Gruppenkommandos i und 11 Wünsdorf" mit 9:6 Einzelsiegen und einem Doppeltreffer, und den Dresdner Fecht-Club mit 12:4 Einzelsiegen. Auf den zweiten Platz kam die Mannschaft des Lehrganges Wünsdorf, während an dritter Stelle der Dresdener Fecht-Club mit dem gleichen Ergebnis als der F. C. Offenbach endete, da die Dresdner gegen Offenbach erfolgreich waren. Das Ergebnis: 1. F. C. Hermannia Frankfurt 3 Mannschaftssiege, 21 Einzelsiege. 2. Gruppenkommando Wünsdorf 1 Mannschaftssieg 30 Einzelsiege. 3. Dresdner F. C. 1 Mannschaftssieg 16 Ein* zelsiege. 4. F. C. Offenbach 1 Mannschaftssieg 16 Cin- zelsiege. Dresden und Offenbach hatten noch je einen Doppeltreffer zu verzeichnen. Kußball in Güddeuischlaud. Im gesamten Gebiete des süddeutschen Fußball- Verbandes wurden nach der vorsonntäglichen Pause die Verbandsspiele wieder fortgesetzt. In Bezirk 2Nain-hefscn hatte die Gruppe Main insofern eine interessante Paarung, als die vier Vereine der Tabellenspitze gegen die vier Vereine der unteren Tabcllenhälste anzutreten hatten. Die Favoriten gewannen hierbei ausnahmslos. 'Allerdings siegte der F. Sp. L. Frankfurt, meistens mit 10 Mann spielend, gegen Sp. Vgg. 02 Griesheim, den Liganeuling, mit 1:0 nur sehr knapp. Mit dem gleichen 1:0 behielt der S. C. Rotweiß Frankfurt die Oberhand gegen Kickers Offenbach. Union Niederrad sicherte sich dagegen ein 4:1 gegen Germania Bieber. Noch deutlicher gewann, obendrein als einziger Gewinner auf fremdem Platze, die Frankfurter Eintracht gegen den 1. F. C. 93 Hanau. Die Frankfurter brachten einen in vorzüglichem Spiel errungenen , 6:1-Sieg nach Haufe. In der Gruppe Hessen siegten die Platzbesitzer ohne Ausnahme. S. D. ÜLiesbaden konnte den! F. C. 03 Langen 6:2 abfertigen, Alemannia Worms errang gegen den S. V. 98 Darmstadt ebenfalls ein glattes 3:0. Dagegen hatte Wormatia Worms mit Hafsia Bingen große Mühe. Der Sieg der Wormser fiel mit 2:1 knapp aus. Bezirk Bayern In der Gruppe Nordbayern gab es das große Treffen der Saison: l.F. C. Nürnberg gegen Sp. Vgg. Fürth. Mit seinem Stande 1:1 brachte es dem „Club" seinen vierten, der Sp. Vgg. den ersten Punktverlust der Saison. Der internationale Verteidiger Hagen aus Fürth wurde anscheinend ernster verletzt. Es war also kein zarter Kampf, den sich beide Parteien lieferten. Sp. Vgg. Hof verlor auf eigenem Platze 1:3 gegen den F. V. 04 Würzburg. Ebenso erging es dem 1 F. C. Bayreuth, der gegen Bayern Hof 0:3 spielte. Auch in der Gruppe Südbayern erbrachte das wichtigste Spiel, Bayern München gegen S. V. 60 München, mit 2:2 Punktteilung. D. S. V. München verlor gegen Wacker München trotz Platzvorteil mit 0:1 Toren. Schwaben Augsburg gegen Jahn Regensburg beweist mit seinem 1:1 die ansteigende Form der Regensburger, die einen schönen Erfolg errangen. rch Zuruf an dessen Stellvertreter Steding (Bremen). Für seine langjährigen Derdienste wurde Professor Dr. Berger zum Ehrenmitglied des Hauptausschusses der D. T. ernannt, der damit weiter als stimmberechtigtes Vorstandsmitglied Gelegenheit zur aktiven Betätigung in der D. T. hat. Bei der Neuwahl des Frauenturnwarts stand auf der Kandidatenliste zum ersten Male eine Frau, die denn auch mit 188 gegen 148 für Paul Schröter (Zittau) gewält wurde. Die neue Frauenturnwar t i n der D. T., Elfe Schröder (Kaiserslautern), zieht somit als erste Frau in den Haupt- ausschuß der D. T. Die Sitzung am Samstag brachte als Auftakt einen Vortrag des 2. Vorsitzenden Dr. Neuen- d o r f f über das Thema „Die Frau und die Leibesübungen". Der Redner gab einen geschichtlichen lleberblick über die Entwicklung des Frauenturnens, ging in feinsinnigen Ausführungen aus die Eigenart gerade der weiblichen Leibesübungen ein und forderte, daß Leitung und Gestaltung Aufgabe der Frau selbst sein müsse. In nichtöffentlicher Sitzung erfolgte dann die Beratung des Haushaltsplanes der D. T. für 1930 und 1931, Fußbatt-Bundestag. Der nach Breslau einberufene Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes war von allen sieben Verbänden mit 94 Stimmen gut besucht, die sich auf die einzelnen Landesverbände wie folgt verteilen: Süddeutschland 32, Westdeutschland 21, Mitteldeutschland 13, Norddeutsch- land 9, Berlin 8, Südostdeutschland 6 und Balten 5. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende Linnemann des verstorbenen Bundes-Geschäftsführers Georg P. D l a s ch k e. Sodann begrüßte für den Südosten De inlich und für die DSD. Hellwig den Dundestag. Zum Punkt 1 der Tagesordnung, Besprechung des gedruckten Jahresberichtes, wehrte sich der Dundesvorsitzende gegen Presseartikel, wonach der Fußballsport in Gefahr sei. Linnemann führte aus, es läge keine Veranlassung vor, die Entwicklung des Sportes in Deutschland schwarz zu sehen. Dr. K l e i n (Tierdingen) sprach sodann zum Thema Jugendpflege. Als Leitsatz seiner Ausführungen stellte er heraus, daß die Zeit gekommen feL wo der Fuß- ballsport keine Männer und. Mittel mehr frei habe, um die Leibesübungen der Jugend in der wirksamsten Form fortzuführen. Er verlange, daß der Bund dies den zuständigen 'Behördenstellen klar zum Ausdruck bringe. Es sei Sache des Staates, Leibesübungen in der Schule zu treiben, die Verbände hätten erst nach der Schulzeit die Pflicht, die Jugend in ihre Obhut zu nehmen. Weitere Fragen wurden nur kurz gestreift, u. a. Dezuschussung der Vereine durch Behörden, Rundfunkübertragung usw. Äe Beiächte der Ausschüsse wurden debattelos angenommen. Beim Bericht der Kassenprüfer stellte Becker (Gelsenkirchen) fest, daß Belege und Bücher in bester Ordnung befunden seien. Gr wünsche aber für die Zukunft eine Detaillierung der Länderspielausgaben. Die Entlastung und Wiederwahl des alten Vorstandes erfolgte einstimmig, so daß die Zusammensetzung wie im Vorjahre lautet: 1. Vorsitzender F. Linnemann, Berlin, 2. Vorsitzender Ä. W. Schmidt, Hannover, 3. Vorsitzender Dr. I. Schricker, Karlsruhe; Beisitzer Prof. Dr. Wagner, Danzig, Prof. Dr. Glaser, Freiburg, L. Fuhrmann, Leipz'g. Der neu geschaffene Posten eines Bundes-Lchahmeisters wurde mit A. Stenzel, Berlin, besetzt. Auch die Dun- desausschülle wurden ohne Ausnahme in der alten Besetzung belassen. Vor dem Eintritt in die Beratungen wurde der nächste Bundestag für 1930 nach Dresden festgesetzt. Heber das sportliche Programm wurde bekanntgegeben, daß als Austragungsort des Länderkampfes gegen Italien am 2. März Leipzig ausersehen wurde. Der geplante Länderkampf gegen England wird nach dem Stand der bisherigen Verhandlungen vorerst kaum zum Abschluß kommen. Für 1931 hat der DFB. beschlossen, den Länderkampf gegen Norwegen in Breslau stattfinden zu lassen. Auf dem Programm des zweiten Tages stand vor allem die Reform der Meisterschaftsspiele. Die Tagung beschloß, die Spielzeit für sämtliche Spiele auf 120 Minuten zu beschränken, während eine Reformierung der Spiele von allen Verbänden abgelehnt wurde. Dafür setzte man aber fest, daß von der dritten Runde ab sämtliche Spiele an neutralen Plätzen durchgeführt werden sollen. Im weiteren Verlauf kam auch die Aufhebung des Amateurschutzparagraphen zur Sprache, ohne daß man zu einer endgültigen Entschließung kam. Eine weitere Dis- hiffion entspann sich über die beantragte Schaffung eines Bundesparlaments. Heber eine eventuelle Bereinigung de. Deutschen Außballbundes und der Deutschen Sportbehörde soll erst auf einer späteren Tagung entschieden werden. Ein Antrag auf Schaffung einer Bun* des-Jugendzeitung wurde dem Vorstand zur weiteren Erledigung übertragen. Bei der Diskussion über die Meisterschaftsspiele kam auch der Strafantrag von Hertha-BSC. gegen die beiden Fürther Spieler in die Debatte. Der Antrag der Berliner wurde jedoch zurückgestellt und dem Vorstand zur weiteren Bearbeitung überwiesen. 20. Deutscher Turntag. Der 2 0. Deutsche Turntag wurde am Freitagvormittag im Plenarsaal des Deutschen Reichstags in Berlin in Anwesenheit von annähernd 400 Abgeordneten aus allen Teilen des Reiches feier- lich eröffnet. Nach Begrüßungsworten des 1. Vorsitzenden, Prof. Dr. Berger, der besonders des verstorbenen Reichsaußenminifters Dr. ©trete» mann gedachte, zu dessen Andenken sich die Versammlung von den Plätzen erhob, sprachen Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, der Stadt Berlin und für den Reichsausschuß Exzellenz Dr. L e w a l d. Dann ergriff Reichskanzler a. D. Dr. Luther das Wort zu einem Vortrag über „Deutschtum und Deutsche Turnerschaft", der sehr beifällig aufgenommen wurde. Der Redner sagte u. a.: Turnergeist ist ein Mittel, um ein Volk gesund und wach zu halten. Turnergeist ist ein Bekenntnis zum Volkstum auch über die Staatsgrenzen hinweg. Turnergeist vermag mitzuhelfen, um die Gegenkräfte aufzubauen, damit nicht politische, wirtschaftliche oder gar regionale Gegensätze die Nation in Völker spalten. Ohne den entschlossenen Willen zum Volkstum kann weder aus dem befruchtenden Meinungsstreit innerhalb des Volkes, noch aus der Zusammenarbeit der politischen Kräfte ein Führer- tum erwachsen. Steht nicht der Wille zum Volkssein an der Spitze jeglichen politischen Wollens, so muß dieses Wollen in Planlosigkeit versanden. Die deutsche Turnerei ist ein deutsches Volkstum, Volkstum aller Schichten und Gruppen fast jeder Altersstufe. Die Deutsche Turnerschaft ist in' (ehr bedeutendem Maße mitberufen, das deutsche Gesicht in der Welt zu verkörpern. Die deutsche Turnerfahne wird immer dort wehen, wo das „Deutschland über alles" zur echten Herzensgesinnung geworden ist. Nack Beendigung der Begrüßungsfeierlichkeiten und Ansprachen gab der Vorsitzende Dr. Berger ein Begrüßungstelegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg bekannt, daß folgenden Wortlaut hat: „Den versammelten Abgeordneten der Deutschen Turnerschaft aus Anlaß des 20. Deutschen Turntages danke ich herzlich für das freundliche Gedenken und sende meine beste Wünsche für einen erfolgreichen Verlauf dieser Tagung." Weitere Glückwünsche sandten: Ministerialdirektor Pellengahr vom Reichsinnenministerium, Reichskanzler Müller, Generaldirektor der Reichsbahn, Dorpmüller, Reichstagspräsident Löbe, Ministerialdirektor Schneider, die Regierungen der Freistaaten Württemberg und Thüringen, der Vorsitzende des Deutschen Fußballbundes, Linnemann, Dr. Freifrau v. Matter, Bund der Deutschen in Limburg, Oberschlesische Turnerschaft. Aus den einstimmig angenommenen Berichten des Vorstandes geht hervor, daß die augenblickliche Mitgliederzahl rund 1 670 000 beträgt, also um etwa 60 000 geringer ist, als die letzte Statistik des Jahres 1927 nachweist. Danach berichtete Dr. Berger kurz aus der Tagung des Vorstandes des Hauptausschusses. Hieraus ist besonders zu erwähnen, daß das D e u t s ch e T u r n s e st 1933 nach Stuttgart vergeben wurde, lieber das Berhältnis der Deutschen Turnerschaft zu den anderen Berbänden faßte der Deutsche Turntag folgenden Beschluß: In dem Gedanken der deutschen Volksgemeinschaft ist engste Zusammenarbeit der Turn- und Sportoerbände zu erstreben. Das Endziel der Verhandlungen zwischen der Deutschen Turnerschaft und den anderen Verbänden, insbesondere der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik, muß daher der Z u - sammenschluß dieser Verbände sein. Bis zur Verwirklichung dieses Zieles ist anzu- bahnen: Die Regelung des Wettkampfoer k e h r s von Verband zu Verband, die Veranstaltung gemeinschaftlicher Meister- schaften in den volkstümlichen Hebungen (Leichtathletik) und in einzelnen Spielarten, die gerne infame Vertretung Deutschlands bei internationalen Sportveranstaltungen. Die Deutsche Turnerschaft ist zu einer Regelung auf dieser Grundlage bereit." Nach einer kurzen Mittagspause folgte einer der wichtigsten Punkte der Tagung: Die Dahl des neuen Hauptvorstandes. An Stelle des nach zehnjähriger Tätigkeit als Vorsitzender zurückgetretenen Professors Dr. Berger wurde Staatsminister a. D. Domini- cus (Berlin) mit 251 Stimmen zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft gewählt. Der Kreisvertreter von Sachsen, Dr. Thiemer (Dresden) erhielt 118 Stimmen. Im ganzen wurden die Vorstandsämter wie folgt besetzt: 1. Vorsitzender Staatsminister a. D. 2) o m i n i c u s (Berlin), 2. Vorsitzender Direktor Dr. Neuendorsf (Berlin), 3.Vorsitzender Studienrat Dr. Thiemer (Dresden), Kassenwart Kommerzienrat Schill (Osthofen), Volksturnwart Schmied (Stuttgart), Fechtwart Stassen (Hanau), Männerturnwart Schneider (Leipzig), Schwimmwart Bitsch (Frankfurt). Der durch den Tod von Paul Schwarze freigewordenen Posten des O b er tur n roa r 15 fiel der in Einnahmen und Ausgaben mit 1 185 000 Mark ab schließt und der, da die D- T. alle lln* kosten durch Beiträge ihrer Mitglieder deckt, eine Kopfsteuer von 85 Pf- voraussetzt. Aus dem Haushaltsplan ist erwähnenswert, daß er mit ganz geringen Einnahmen durch Zufluß öffentlicher Mittel rechnet. Wenn man noch dagegen hält, daß der S t a a t selbst die Unfall- Llnterstühungskasse der D- T. für schwere Unfälle, also ein Wohlfahrtsunternehmen, mit 7600 Mark besteuert, also aus der volkserzieherisch nicht hoch genug einzu- schähenden Arbeit steuerliche Borteile zieht, so kann man sich einer ernsthaften Ueberlegung, wie das möglich ist, nicht erwehren. Die Stellungnahme des Turntages kam in nachfolgender einmütiger Entschließung zum Ausdruck: „Die Leitung der D. T. wird beauftragt, die Wirtschaftspolitik so einzurichten, daß die für eine zeitgemäße, vertiefte und verstärkte Arbeit erforderlichen Mittel nicht mehr durch Steuererhebung, sondern vor ckllem durch vermehrten Anteil an den öffentlichen Mitteln (Reich, Länder, Provinzen usw.) aufgebracht werden." Der Haushaltsplan wurde gemäß dem Voranschlag mit geringen Aenderungen angenommen Ferner wurde beschlossen, in Leipzig einen Platz in Erbpacht zu nehmen, auf dem im Laufe der Jahre eine zweite Turnschule der D. T. erstehen soll, die vornehmlich die Ausbildung von Führern des Spieles und des Volks turnens übernehmen soll, so daß die Berliner Turnschule entlastet wird. @aut>:r.t% Dt. Reichsanleihe v. 1927 . . Dl. Anl.-Ablös.-Schuld mit Mui- los.-Rechken........ Desal. ohne AuSlos.-Rechte . . . 7% Franks Hyp-Bk. Goldpf. int kündbar bis 1932....... 87,5 53,5 9,25 85,5 76,2 88 22,25 1,95 7,3 7,2 7,2 7,25 14,25 114,5 106 124 124,5 203 175 265 161 161 156,5 280,5 iiiiiaaiiiii i i i iiii iTiiiiiii i i i i i 87,5 53,3 9,25 27,9 2,35 22,5 1,95 7,35 7,35 7,25 7.3 14,4 113^9 152,25 106 124,25 124,5 202,5 175 264 161,5 161,5 157 285 53,2 9,5 115,6 153 107,75 124,25 124,75 204 175,25 266 162.9 162,9 157,5 284 A.E.G............k> Bergmann.........0 Elektr. Lieferungen.....10 Licht und Kraft..... 10 Felten L Guilleaume. . . . 7Vt Gej. f. Elektr. Untern.....10 Hamb. Elektr. Werke .... 10 Rhein. Elektr.........9 Schlei. Elektr........10 Schultert....... . 11 Siemen« & Halske.....16 TranSradio..... 8 LahMeyer 4 Co. ..... . 10 Buderus . . ....... 6 Deutsche ErdSI.......6 Essener Steinkohle ...... 8 Gelsenkirchener ....... 8 Harpen«..........O Hoesch Eisen. ....... 6% Ilse Bergbau.......10 Klöcknerwerke ..... Küln-Neuessen........7 Mannesmann........7 Mansselder.........7 Oberschles. Eisenb. Bedarf. . . f. Lberschles. KokSwerke.....7 Phönix Bergbau......6% Rheinische Braunkohlen... 10 Rhetnstahl.........6 Rlebeck Montan......7,fr Bereinigte Stahlw...... Otavi Minen......16'/, Kalt Aschersleben.....1 Kalt Westeregeln......1( Kaliwerk Salzdetfurth ... 16 I ®- Farben-Jndustri« ... 19 Dynamit Nobel.......6 Scheideanstall........ ü Goldschmidt ........ b Rütgerswerke ........ 6 vretaUgesellschaft........ 180,5 208,5 161 183,5 123,25 181 141 .02,5 351 172 65,5 106,4 132,5 137 212 107 101 255 111,25 110 .15,5 219 363 201 70,5 73,25 124 182,5 213,75 187,5 126 205,75 354,5 66 139 106 102,5 113 202,75 73,5 124 181,75 209,5 163,25 183 125 180 132 140,5 173,5 202 351,5 171,5 66,5 105,5 132 134 137,75 119 212 108 117 106,5 131 74,25 97,13 101,5 256,5 110,5 110,75 66,25 215 220,5 364,5 202 71,4 73,25 124 183,75 213,25 163,5 197,5 126,25 185 142,75 175,5 206 354 171,25 108 135 135,5 139,25 121 212 110 119 105,9 131,5 74,5 98,25 102,6 261 113,5 111,25 67,5 219,25 224,4 369 203 70,5 74 124,25 *V*% Rheinische Hyp.-Bank ßlqu.- Goldpf............ A.E.G. aba. Lorkriegs-Obligation, rückzahlbar 1932 ...... 4% Schwei,;. BundeSb.-Anl.. . . 4% Oestcrreichiiche Goldrte.. . . 4,20% Oesterr. Eilberrte..... 4% Oesterreich, einheill. Rte . . 4% Ungartithe Goldrte...... 4% Ungarische GtaatSt. v. 1910 . 4y,% deSgl. von 1913..... 4% Ungarische Kronenrte..... 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Anl.. Serie 1........... 4% dcsgl. Serie II....... 4% Rumänen amtiert. Rte. . . . 12.1? Dämsche Noten . . . . . A - e 1 11.6» Gnalütbc Noten. 20,352 20,432 5. Oktober 7. Oktober Amtliche Notierung Amtliche Notierung O9C ID Bncl (Seid Brief Amfi.. Rott. 168,33 168,67 168,38 167,79 Buen.-Aires 1,758 1,762 1,757 1,761 Brff.-Antw- 58,40 58,52 58,405 58,525 Cnriittania. 111,85 112,07 111,90 112,12 Kopenhagen 111,92 112,14 111,94 112,16 Stockholm . 112,41 112,63 112,41 112,63 Helnngfors. 10,536 10,556 10,54 10,56 Italien . . . 21,94 21,98 21,94 21,98 London. . . 20,377 20,417 20,38 20.42 Ncuhork . . 4,192 4,200 4,191 4,199 Paris.... Schweiz .. 16,435 16,475 16,43 16,47 30,93 81,09 80,91 81,07 Spanien . . 62,19 62,3, 62,19 62.31 Japan . . . 1,998 2,002 1,998 2,002 Rio de Jan. Wien in D-- ',498 0,500 0,4975 0,4995 Ceft. abgest. 58,92 59,04 58,93 59,05 Prag .... 12,41 12,43 12,405 12,425 Belgrad . . 7.384 7,398 7,387 7,401 Budapest. . Bulgarien. 73,11 73,25 73,12 73.26 3,035 3,041 3,035 3,045 Lissabon 18,78 18,82 18,78 18,82 Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Kanada . . Uruguay. . Cairo . . - 31,42 2,025 5,43 4,153 4,096 20,895 81,58 2,029 5,44 4,161 4,104 20,935 81,44 2,023 5,425 4,150 4,096 20,90 81,60 2,027 5,435 4,158 4,104 20,94