Nr. 210 Erstes Blatt 179. Zahrgang Samstag, 7. September 1929 (Er|d)e tm läglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monat,-Bezugspreis: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspsennig sür Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüfse unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnjeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläts-Vuch- und Skeindruckerel R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummcr bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20 uln mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen. Aach dem Rheinland der deutsche Osten. Das Getränk, das im Haag gebraut worden ist, bekommt den Polen nicht; anstatt sie als gute Europäer zu beruhigen, regt es sie auf. Don Warschau kommen verärgerte Stimmen und steigen 2lhnungen auf, die man näher analysieren muh. Die Stellung des polnischen Auhen- ministers Zaleski scheint erschüttert zu sein. Eine eigenartige Fernwirkung. Weil im Haag die Liquidation des Krieges Fortschritte gemacht hat, weil demnächst französische Truppen das Rheinland verlassen, weil summa summarum der europäische Frieden gefördert worden ist, wird in Polen ein wichtiger Pfeiler des außenpolitischen Systems wacklig. Dies System scheint dem- nach sehr wenig mit der Befriedung Europas zu tun zu haben. So ist es in der Tat. Der zynische Satz: Der Ausbau des europäischen Friedens ist für Polen die Gefahr — stammt aus einer polnischen Feder. Sie hat treffend die Karikatur der polnischen Haltung in einem Fug gezeichnet, einer Außenpolitik, die bei einem ständigen Gegensatz zu dem benachbarten Deutschland und zu der Rekonvaleszenz des wundgeschlagenen Europas zu gedeihen glaubt. Schon die Abfuhr, die Zaleski seinerzeit in der Minderheitsfrage in Genf erfuhr, warf ein Schlaglicht auf die beginnende Isolierung dieser politischen Haltung. Im Haag wurde dem Vertreter Polens der Einblick in die vertraulichen Dokumente verweigert. Es gelang den Polen nicht, sich einzuschalten, viel weniger auf die Verhandlungen Einfluß zu nehmen. Das Haager Ergebnis wird in Warschau sehr peinlich empfunden. Herr -Zaleski wahrt das Gesicht und erkennt an, was Tatsache geworden ist. Die Rheinlandräumung ändere, so sagt er, nichts an der polnischen Sicherheit. Im gleichen Atemzuge verlangt er aber, reichlich unlogisch, die Rückkehr zum Genfer Protokoll, damit diese Sicherheit gewährleistet sei. Run. dies Protokoll wird er mit der heutigen englischen Regierung nie bekommen. Za- lcski will ferner das polnische Bündnissystem ausbauen, diese alte Methode im Dienste der jungen Kriegsgewinnlerstaaten, die sich unter der Gunst der Sieger übernommen haben und sich in ihrem Bestand unsicher fühlen. Für einen solchen Ausbau liegen aber keine weiteren Möglichkeiten vor. Man wird nach unseren Informationen damit rechnen können, daß Zaleski nicht mehr lange bleibt. Sein Gegner ist der Fürst Janus Aadziwill, der bei einem Besuch französischer Parlamentarier Ausführungen machte, durch deren geschraubten aristokratischen Stil doch die in polnischen maßgebenden Kreisen herrschende Auffassung deutlich durchbricht. Zwei Sähe sind besonders bemerkenswert: Einmal das Bekenntnis, daß für Polen ein Verhältnis zu Deutschland undenkbar sei, das dem Geist des polnisch-französischen Bündnisses widerstrebe. Bekanntlich ist der Geist dieses Bündnisses der der Zange, während die Gesinnung, die für Polen notwendig und für beide Teile, Deutschland und Polen, gedeihlich wäre, die der befriedeten Rachbarschaft ist, die ihre Konfliktstoffe ausgeräumt hat. Der zweite wichtige Sah bringt zum Ausdruck, daß Polen sich nicht einem europäischen Schiedsgericht unterwerfen würde, wenn es einmal zur Bereinigung der deutsch-polnischen Frage — Zerschlagung der polnischen LInabhängigkeit nennt das der Fürst — kommen würde. Diese Manifestation ist als diejenige der Erregung, als der cauchemar einer Politik zu bewerten, die fühlt, daß sich allmählich die europäische Entwicklung kritisch ihren haltlosen Grundlagen zuwendet. Die Polen wittern richtig, wenn sie ahnen, daß nach der Räumung des Rheinlandes, nach der Lösung des deutschen Westgrenzenproblems in zwei Etappen — Erledigung des Separatismus und Abzug der Besatzung — d i e Frage der deutschen O st g r e n z e in den Vordergrund der deutschen Außenpolitik treten wird. In der Tat ist das die Logik der Entwicklung. Alle deutschen Kräfte, die bisher auf das Rheinland gerichtet waren, werden jetzt umschwenken und sich mit der gleichen, ja mit der verdoppelten Intensität an die Revision der deutschen Ostgrenze, an das abgeschnürte und geliebte O st preußen klammern. Wille und Sehnsucht des deutschen Volkes werden es keinem deutschen Staatsmann erlauben, das Ostproblem nicht auf sein Aktionsprogramm zu setzen. Die vorzeitige Nheinlandräumung ist eine ehrenwerte Leistung; immerhin ist sie nicht Meisterstück außenpolitischer Kunst, sondern ein tüchtiges Gesellenstück, denn die Räumung hätte doch wohl spätestens 1935 erfolgen müssen, weniger oder jedenfalls nicht allein aus juristischen Gründen, als weil sie im Zuge der gesamten europäischen und weltpolitischen und -wirtschaftlichen Entwicklung lag. Das Meisterstück der deutschen Befreiungs- und Grenzenpolitik wird die Lösung der Frage des Korridors, überhaupt Oie Kontrollfrage in den Haager Vereinbarungen. Reichsminister Or. Wirth antwortet auf die Kritik des Grafen Westarp. Berlin, 6. Sept. (WB.) Reichsminister Dr. Wirth übermittelt uns Ausführungen zu der Kritik, die Graf Westarp in der „Kreuzzeitung" Dom 6. September 1929 an einigen Teilergebnissen der Haager Konferenz geübt hat. In diesen Ausführungen Dr. Wirths heißt es u. a.: Was Frankreich im Haag wollte, war eine Kontrollkommission für die entmilitarisierte Zone. Sein gefährlicher Plan i st im Haag von den deutschen Unterhändlern abgewehrt worden. Was im Haag unterzeichnet wurde, war materiell nicht mehr als eine Bestätigung des geltenden Vertragsrechtes. Aber gerade in der Auffassung des geltenden Vertragsrechtes von Locarno distanziert sich Graf Westarp von der deutschen Reichsregierung, deren Rechtsstandpunkt auch ich im Haag vertreten habe. Graf Westarp, der sich dabei auf meinen Parteifreund Prälat Dr. K a a s berufen kann, geht davon aus, dah EntUiilitarisierungsfragen nicht unter Artikel 3 des Locarnopaktes fallen und für die E n t - militari i e r u n g s f r a g e n u u r d e r V ö l- kerbundsrat gemäß Artikel 4 des Locarnopaktes zuständig sei. Mir ist nicht bekannt, daß bei den Beratungen des Reichstags über den Locarnopakt irgend jemand die Auslegung des Artikels 3 und 4 des Locarnopaktes vertreten hätte, was mir jetzt entgegengehalten wird. Es steht vielmehr fest, daß die Verfasser des Vertragstextes von Locarno, zu denen auch Ministerialdirektor Gauß gehört, bei der Beratung des Textes die Einbeziehung von Entmilitarisierungsfragen unter Artikel 3 als zutreffend ansahen und zur Beseitigung jeden Zweifels dem Schiedsabkommen den bekannten Artikel 20 einfügten, wonach die Schiedsabkommen von Locarno mit Frankreich und Belgien auch dann zur Anwendung gelangen, wenn dritte Mächte an dem Streitfall beteiligtsind. Run zu b«r Ralle. der V^leich-fkyrv^sisio'.'r^ 'bei fu n 11 i g'e n En kfümtär. llerusi'gsskrciVjkeilen. Zunächst ist darauf hinzuweisen, daß die Tätigkeit der Vergleichskommissionen in solchen Fällen nur bedingt möglich ist, wenn keine der fünf Locarnomächte den Völkerbundsrat gemäß Artikel 4 des Locarnopaktes anruft. Auch Deutschland, dem der Wortlaut des Art. 4 Absatz 1 nicht völlig günstig war, erhielt einwandsfrei das Recht, jederzeit und in jedem Stande des Verfahrens die Vergleichskommission durch die Anrufung des Völkerbundsrates auszuscheiden. Ich habe mich übrigens im Haag zur Sicherstellung des Rechtes Deutschlands, den Völkerbundsrat jederzeit anzurufen, nicht mit dem Texte des Abkommens begnügt, sondern auch eine jenes Recht unterstreichende Erklärung zu Protokoll der Politischen Kommission gegeben, der die Außenminister der Besatzungsmächte, sowie die übrigen Mitglieder der Kommission zugestimmt haben. In einem stimme ich ganz mit Graf Westarp überein, daß nämlich das Investigationsrecht des Art.213 des Versailler Vertrages nur die Abrü- stung, nid) t aber v i e Entmilitarisierung erfaßt. Wenn Graf Westarp aber eine Preisgabe dieses Grundsatzes aus der Haager Vereinbarung ableiten will, so kann ihm dies nicht gelingen. Er verwendet einen überholten Text, der indes auch seine Behauptung nicht .beweisen würde. Der unterzeichnete Text sagt an der in Betracht kommenden Stelle: Besonders sind Vorbehalten die allgemeinen Befugnisse des Rates und der Versammlung des Völkerbundes und die etwaige Anwendung des Art. 213 des Versailler Vertrages über die Investigationen. Die etwaige Anwendung besagt eben die Anwendung, wenn die Voraussetzungen der Anwendung gegeben sind. Graf Westarp wird nicht bestreiten wollen, daß der endgültige Text niemals die Behauptung stützen könnte, daß die Investigation auch die Entmilitarisierung erfaßt. Die deutsche Delegation im Haag hatte es in der Tat mit Projekten fremder Kontrolle zu tun, sie hat aber diese Projekte zu Fall gebracht, indem sie unerschütterlich auf dem Boden des Rechtes verharrte. Zwei Dinge aber mußte die Delegation als gegeben berücksichtigen: die einseitige Entmilitarisierung, die uns im Versailler Vertrag 1919 aufgezwungen wurde, und die Einzelheiten des Locarnowerkes, Genf, 6. Sept. (WTB.) Das deutsche Ratsmitglied Dr. Stresemann gab in der heutigen Rachmittagssitzung des Völkerbundsrates bei Behandlung des Tätigkeitsberichtes des q pH,*' ’ 1 u - i c » . ht* dem ■. "5; die Meinungsverschiedenheiten über den Hilton- Poung-De richt erwähnt sind, über die administrative Vereinigung des Ostafrika - Kolonialbesitzes Englands mit dem englischen Mandatsgebiet Tanganyika eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Ich glaube, daß die Mandatskommission berechtigt war, den besonderen Befürchtungen Ausdruck zu verleihen, die sich der Mehrheit ihrer Mitglieder bei dem Studium des Berichtes aufgedrängt haben. Es ist in der Tat die Grundlage des ganzen Mandatssystems, daß die Mandatsgebiete selbst- ständige internationale Einheiten sind, hinsichtlich deren die Mandatsmächte dem Völkerbünde als dem Mandanten Rechenschaft schuldig sind. Unter diesem leitenden Grundsatz, der in der Dölkerbundssahung selbst verankert ist, stehen alle Stipulationen der Mandatsurkunden, und keine dieser Bestimmungen kann so ausgelegt werden, daß dieser oberste Grundsatz verletzt würde. Wenn daher auch nach der Tanganyika-Mandatsurkunde in verwaltungstechnischer Hinsicht eine gewisse Zusammenfassung mit benachbarten Gebieten möglich ist, so das bereits im Jahre 1925 Gesetzeskraft erlangte. Aufgabe der deutschen Delegation konnte es nur sein, auf dem Boden des bestehenden Rechtes für Deutschland ein Höchstmaß von Bewegungsfreiheit zu erwirken. Entgegen den drei zusammenfassenden Behauptungen des Grafen Westarp am Schluß seines Artikels stelle ich auf Grund meiner Darlegungen nochmals fest: Das Haager Abkommen vom 30. August 1929 enthält a) keine Anerkenntnis, daß das Investigationsrecht des Völkerbundes sich auf die Kontrolle der Entmilitarisierung beziehe; b) keine Ausdehnung der Zuständigkeit der Locarno-Vergleichs- k o m m i s s i o n e n aus alle Streitigkeiten der Entmilitarisierung, da diese mit Artikel 4 des Paktes konkurrierende Zuständigkeit bereits besteht; c) kein Recht und selbstverständlich keine Verpflichtungen der Vergleichs- kommissionen. auf einseitigen Antrag Frankreichs oder Belgiens zur Klärung der vor- gebrachten Anstände jede Untersuchung auf deutschem Boden vorzunehmen. Ueber die Beweisanträge Frankreichs oder Belgiens darf doch keine Verschmelzung in der Art stattfinden, daß das Weiterbe stehen des Mandatsgebietes als selbständige politische Einheit, und. damsi hie I ? f h stcindlge V . dc r.v ach u ng der Aus-' führung des Mandats durch den Völkerbund in Frage gestellt wäre. Ich hoffe sehr, daß es der Zusammenarbeit zwischen der Mandatskommission und der Mandatsmacht gelingen wird, die Frage im Sinne der Völkerbundssahungen und des Mandatsgedankens zu bereinigen. Das italienische Ratsmitglied Scialoja brachte verschiedene Bedenken auch gegenüber einer rein verwaltungstechnischenVereinigung der englischen Kolonien Kenia und Uganda mit dem britischen Mandatsgebiet Tan- ganyaka vor. Das Mandatsgebiet sei viel größer als beide Kolonien zusammen, so daß also die Verwaltung des sehr großen Gebiets an die des kleinen Kenia angeschlossen würde. Es sei sehr fraglich, daß eine solche Maßnahme in den Rahmen des Mandats hineinpasse, auch wenn im Mandatsgebiet der Zusammenschluß benachbarter Zollverwaltungen zugelassen würde. Die englische Regierung sollte daher den Mandatsausschuß als einziges Spezialorgan für alle Mandatsfragen über die Ausführbarkeit des Hilton- Poung-Planes befragen. Ostastikas Schicksal unter britischer Manbaisherrschast. Siresemann und Scialoja kritisieren den Hilton-^oung-Bericht das deutsch-polnische Problem, sein. Aus dem Bekenntnis zur innigen Verbundenheit vom deutschen Schicksal in West und Ost heraus, werden wir stets dieser großen politischen Aufgabe, die uns für den nächsten Zeitabschnitt gestellt ist, besonders annehmen und alle ihre Phasen aufmerksam verfolgen. Reue Schulbeschwerden aus Ost-Oberschlesien. Tic Polen sabotieren die deutsche Minderhcitenschule. kakiowih, 6. Sept. (WB.) 3m Namen der deutschen Abgeordneten Polens hat Senator Dr. Pont (Königshütte) im Zusammenhang mit den Beschwerden über die Nichtberücksichtigung der Anmeldungen zu den Minderheitenfchulen in Ostoberschlesien an das Völkerbundssekretariat in Genf eine Beschwerde gerichtet, in der u. a. festgestellt wird: Von 75 deutschen Minderheikenschulen in Polnisch- Oberschlesien liegen bis heute aus 15 Schulen die Ergebnisse der Zulassung der Kinder zur Schule bei Schulanfang vor. Für diese 15 Schulen waren 618 Kinder neu angemeldel. Nicht jugelaffen ro u c b e n 2 4 2, an manchen Orlen b i s ; u 9 0 o. h. der angemeldeten Kinder. Als Hauptgrund der Nichtzulassung wird von den Behörden angegeben, daß die Eltern nicht die Erklärung über die Minderheits- und Sprachenzugehörigkeit abgegeben hatten. Nach der Angabe der Eltern ist dies unzutreffend, wir erheben eindringlich Beschwerde wegen der offenbar schweren Mißbräuche, welche bei der Beurkundung der von den Erziehungsberechtigten abgegebenen Erklärungen vorgekommen sind. * Aus allen Teilen der Wojwodschaft Schlesien werden zahlreiche Nichtaufnahmen von deutschen Kindern in die deutschen Minderheitenschulen gemeldet. In der Gemeinde R a d z i o n k a u im Kreise Tar- nowitz sind von 72 deutschen zur Minderheitenschule angemeldeten Kindern nur 15 tatsächlich in die Minderheitenschule ausgenommen. Weitere Klagen über die Nichtaufnahme von Kindern in deutsche Schulen kommen aus Königshütte, Bismarckhütte, Schwientochlomitz, Hohenlinde, Friedenshütte, Morgenrot, Schlesiengrube, Godullahütte und Orzegow. In vielen Fällen handelt es sich bei den Zurückgewiesenen um solche, die seinerzeit die sogenannten Sprachprüfungen des Schweizer Schulfach- mannes Meurer nicht bestanden haben. Nach einer Entscheidung des Präsidenten der gemischten Kommission Ealonder vom Februar d.I. haben jedoch die Eltern dieser Kinder das Recht, für das neue Schuljahr ihre Kinder von den polnischen nach den deutschen Schulen umzumel- d c n. Alle derartigen Anträge sind entgegen der klaren Entscheidung Ealonders von den polnischen Schulbehörden für ungültig erklärt worden. Weiter werden zahlreiche Einzelheiten über die U n- regelmäßigkeit bei den Anmeldeaus- schüssen bekannt, von denen teilweise schwere Verstöße gegen die geltenden Rechtsvorschriften vorgenommen wurden. Sehr groß war aber auch, wie weiter bekannt wird, die Beeinflussung der deutschenErziehungsberechtigten durch Drohungen usw. In vielen Fällen ist man vor bewußten Fälschungen nicht zurückgeschreckt. Die Sorge der deutschen Eltern um das Schicksal ihrer Kinder, die gegen ihren Willen in die polnischen Schulen geschickt werden, ist außerordentlich groß und auch durchaus berechtigt. Rach einem Bericht des „Oberschlesischen Kurier" mußten die Kinder in der polnischen Klasse in Lipine einen Aufsatz über das Thema schreiben: „Was für Rachbarn sind die Deutschen?" Hierbei wurden die Kinder, auch die deutschen, gezwungen, niederzuschreiben, daß die Deutschen die Feinde Polens sind, und immer ihre große, räuberische Pfote nach Polen ausgcstreckt haben. Die Deutschen, so wurde weiter für die Rieder- I schrift skizziert, seien Diebe, Lumpen, Hunde, Geschwüre und Schlangen. Dieser Bericht zeigt 1 am besten, was die deutschen Kinder, die zwangsweise in die polnische Schule geschickt werden, dort lernen. Es kann daher gegen die neue Ver- gewaltigungd eutscher Kinder entgegen dem klaren Willen der Erziehungsberechtigten nicht stark genug Verwahrung eingelegt werden. polnische Anschluß-Phantasien. Warschau verlangt Lstpreutzcn und Pommern als Lohn. Berlin, 7. Sept. (Priv.-Tel.) Der Führer der polnischen Rationaldemokraten, die bei den letzten polnischen Kommunalwahlen ihren alten Besitzstand als größte polnische Partei zurückgewannen, Roman Dmowski, behandelt in einer kürzlich erschienenen Broschüre unter dem Titel „Die polnische Politik und der Aufbau des polnischen Staates" auf eine sehr bezeichnende Weise auch die deutsch-österreichische Anschluhfrage. In dieser Broschüre, die von der Presse der verschiedensten Richtungen in Polen sehr wohlwollend besprochen wurde, seht sich Dmowski für den Anschluß Oesterreichs an Deutschland ein. Aber das geschieht keineswegs aus dem Gedanken der Gerechtigkeit und des Selbstbestimmungsrechts der Völler, sondern Dmowski verbindet mit dieser These sehr eigenartige Vorschläge. Als Lohn für die Billigung des Anschlusses verlangt Dmowski nicht nur die Abgabe Ostpreußens an Polen, sondern er will gleichzeitig auch Pommern schlucken. An Phantasie fehlt es dem Verfasser nicht, denn er kalkuliert, daß mit der Abgabe Ostpreußens und Pommerns! und mit dem Anschluß Oesterreichs Berlin sich Deichshauptstadt halten könnte, so daß die ganze nicht länger mehr in der Rolle der deutschen: Ostpolitik eine Wandlung und der deutsche Widerstand im Rorden an der polnischen Grenze seine Kraft verlieren würde. Der Anschluß wird kommen, aber sicherlich nicht um den Preis, den Roman Dmowski fordert, und den jeder Oesterreicher und Reichsdeutscher mit aller Klarheit ablehnt. entscheidet vielmehr die überwiegend aus Neutralen bestehende Kommission mit absoluter Mehrheit und nach freiem Ermessen im Nahmen der der Kommission gestellten Aufgabe, einen gütlichen Vergleich herbeizuführen. Das Abkommen vom 30. August 1929 begründet daher in keiner Hinsicht eine Dauerkontrolle der entmilitarisierten Zone. Es hat vielmehr diese von Frankreich begehrte Kontrolle für immer zu Fall gebracht. Oie Nheinlandkommission verläßt Koblenz. Uebersiedlung nach Wiesbaden? London, 7. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der Sonderkorrespondent des „Daily Telegraph" in Koblenz schreibt: Die Vorbereitungen für die A b - reise der Rheinlandkommission sind bereits kn Gange. Obschon die zweite Zone rechtlich bis Mitte Dezember als besetzt angesehen wird, rechnen die Franzosen damit, daß sie die Räumung bereits Mitte November durchgeführt haben werden. Die Rheinlandkommission wird wahrscheinlich späte st en^ am 1.November abreisen und zwar wird jast sicher ihr Bestimmungsort Wiesbaden sein. Die Zahl der Mitglieder wird sehr herabgesetzt werden, bevor die Verlegung beginnt, und zwar werden die französischen Stäbe um 60 Prozent, die britischen und die belgischen Stäbe um etwa 95 Prozent vermindert. Der britische und der belgische Oberkommissar verbleiben allerdings so gut wie allein in der Kommission, solange sie fortbesteht. Das stellt einen Akt der Höflichkeit gegenüber Frankreich dar. Der britische Oberkommissar bleibt vollkommen ohne Ratgeber zurück. Reichsbahn und Reichsbank unter dem Wung-plan. Berlin,?. Sept. (.Priv.-Tel.) Was die Frage der neuen Gesetzesbestimmungen für die Reichsbahn und die Reichsbank betrifft, die sich aus den neuen Reparationsregelungen des Boung-Pians ergeben, und nach denen beide Institute wieder unter die uneingeschränkte deutsche Souveränität sollen, so muß selbstverständlich, wie man uns rnit- teilt, abgewartet werden, welche Bestimmungen im einzelnen über die Wiederherstellung der deutschen Souveränität von seilen der Organisationskomitees, die jetzt im Haag tagen, und in denen ja auch Deutschland mitwirkt, getroffen werden. Erst dann werden die diesbezüglichen Gesetzesverordnungen in den zuständigen Reichsministerien ausgearbeilet werden. Es ist anzunehmen, daß auch diese Verordnungen rechtzeitig ferliggestellt werden können, so daß sie zu gleicher Zeit mit dem V o u n g - P l a n im Reichstag behandelt und verabschiedet werden dürften. Im Zusammenhang mit diesen neuen Gesetzesverordnungen wird dann auch die Frage der Tariferhöhung der Reichsbahn, die bis dahin zu- rückgestellt worden ist, erledigt werden können, da dann endgültig über das Schicksal der De- förderungssteuer entschieden worden ist. Die Reform der Arbeitslosenversicherung. Die Warnung der Neichsanstalt vor weiterer Verschleppung. Berlin, 7. Sept. (Priv.-Tel.) Die Erklärung des Präsidenten Syrup der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung, mit der der Versuch gemacht wird, die Reform der Versicherung zu beschleunigen, hat in den politischen Kreisen allgemein großes Aufsehen erregt. Es wird jetzt sogar von der Möglichkeit einer früheren Einberufung des Reichstages, der nach den ursprünglichen Dispositionen etwa Mitte Oktober zusammentreten soll, gesprochen. Man nennt Ende September, aber nach Lage der Dinge erscheint es sehr zweifelhaft, daß dieser Plan irgendwelche Aussicht auf Erfolg haben sollte. Dagegen dürfte seststehen, daß die Regierung nach dem Mißerfolg der Donnerstagsitzung des Sozialpolitischen Ausschusses zunächst einmal nicht, wie von verschiedener Seite gewünscht wird, ihrerseits die Initiative ergreift, sondern das Ergebnis der Reichsratsoerhandlungen am kommenden Dienstag abwartet. Die ganze Situation erfährt noch eine Erschwerung durch den Ablauf der Sonderregelung für Saisonarbeiter am 30. September. In politischen Kreisen nahm man allgemein an, daß eine provisorische Verlängerung über diesen Termin hinaus ohne Zustimmung Der Volksvertretung für einen kurzen Zeitraum möglich fein wird. Die zuständigen beteiligten Stellen sind aber der Ansicht, daß eine solche Verlängerung nur mit der Zustimmung des Reichstags- Plenums möglich ist. Wenn also bis zu diesem Termin die Reform nicht angenommen ist, so müßte sich die Neichsanstalt nach dem 30. September auf den alten Zustand umstellen, um dann, hoffentlich nach kurzer Zeit, die reformierten Sätze einzuführen. Was das für eine derartig umfassende Organisation bedeutet, kann man sich gut vorstellen. Die augenblickliche Situation ist wahrlich verwirrt genug. Aus aller Welt. Raubüberfall im V-Zug. Der Reisende Hermann Könitzer, der Generalvertreter einer Leipziger Firma, wurde im V-Zug Köln — Aachen zwischen Buir und Düren überfallen. Ein junger Mann bedrohte ihn kurz vor der Station Buir im Abteil zweiter Klasse mit dem Revolver und suchte von ihm Geld zu erhalten. Da der Reisende heftigen Widerstand leistete, wurde die Absicht des Verbrechers vereitelt. Er sprang aus dem frnhrenden Zuge und entwich in den nahen Wald. Die Verfolgung des Täters wurde vom Reichsbahnüberwachungsdienst mit fünf Polizeihunden sofort ausgenommen, und von der Gendarmerie und Ortspolizei unterstützt. Die ganze Rächt hindurch wurde der angrenzende Wald durchsucht, bisher aber ohne Ergebnis. Derhaftung des Mörders des Berliner Rechnungsrats Vendl. Der Mörder des am 11. August bei einer Bergpartie im Arlberggebiet ermordeten Berliner Rechnungsrats Karl Vendt hatte am Tatort einen Stock zurückgelassen mit einem Grisf von einem Damenschirm. Einige Zeitungen brachten ein Bild dieses Stockes. Bald meldeten sich bei der Polizei mehrere Leute, die Angaben, diesen Stock im Besitze eines gewissen Alfred Proeller gesehen zu haben. Die weiteren Nachforschungen ergaben, daß Proeller am 24. Juni von dem bayerischen Amtsgericht in Traunstein wegen Paßvergehens und Bettelei zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. Bei dieser Gelegenheit waren ihm Fingerabdrücke abgenommen worden. Diese wurden an alle Polizeistationen weitergegeben. Run tras bei der Landespolizeistelle in Innsbruck die Rachricht ein, daß ein Mann namens Proeller, dessen Fingerabdrücke mit den in Traunstein abgenommenen übereinstimmen, i n Laibach angehalten wurde. Er ist ein 20jähriger Schneidergehilfe und Deserteur aus Saaz (Tschechoslowakei). Seit einigen Monaten trieb er sich in Deutschland und Oesterreich stellenlos umher und war nach der Mordtat nach Iugoslawien geflüchtet. In Laibach verlangte er von dem tschechoslowakischen Konsul die Ausstellung eines Auslandspasses. Er erschien dem Konsul verdächtig, so daß dieser seine Festnahme veranlaßte. Dabei stellte sich heraus, daß Proeller der steckbrieflich verfolgte Mörder ist. Er stellt die Tat Wohl in Abrede, doch gilt er als überführt. Seine Auslieferung wird beantragt. Eine Lokomobile in die Luft geflogen. Beim Dreschen mit einer Dampflokomobile ereignete sich aus dem Gut Tiefensee (Kreis Oberbarnim) ein schweres Explosionsunglück. Da die Maschine unter zu hohem Druck stand, goß der Maschinist in seiner Angst Wasser in die Feuerbuchse, woraus eine gewaltige Explosion erfolgte, die die ganze Dorder- und Hinterwand der Lokomobile herausritz und die Maschine etwa 20 Meter weit gegen einen Baum schleuderte. Don den umstehenden Personen wurden drei äußer st schwer und drei leichter verletzt. und dem Sachverständigen der Chemotechnischen Reichsanstalt stattfand, wurden zusammenfassenü die Beschaffenheit der verschiedenen Bomben und ihre Herstellung besprochen. Während es zweifelsfrei feststeht, daß alle bisher bei den Attentaten verwandten Bomben aus genau den gleichen Materialen bestehen, hat die genaue Prüfung ergeben, datz mit der Zusammensetzung der einzelnen Teile offenbar zwei Werkstätten beschäftigt sind. In der einen wurden die Bomben von Oldenburg und dem Berliner Reichstagsatten- t a t zusammengestellt, in der anderen die Sprengkörper, die bei den früheren Attentaten in Lüneburg, in Schleswig und inHol- st e i n verwandt worden sind. Die Bombe, die in der letzten Rächt in Lüneburg xur Explosion gebracht worden ist, gleicht, wie Die erste Ain* tersuchung ergeben hat, vollständig der in Berlin verwandten. Alm den Fabri kanten der Die Verhaftung der litauischen Emigranten Jas neue Vombeuaitentat in Lüneburg rung Wie rung von scheu über nach Litauen nach Verbüßung der Strafe, wo er wahrscheinlich die schwerste Bestrafung zu erwarten hätte, nicht in Frage. Immerhin bedeutet die Verhaftung von Pletfchkaitis-für Woldemaras in seinen I Genfer Verhandlungen eine ganz besondere Stär- | kung seiner Position. pletfchkaitis als Erzieher. Eigentlich eine merkwürdige Geschichte: da haben deutsche Landjäger an der litauisch-deutschen Grenze den früheren litauischen Abgeordneten P l e t s ch k a i t i s mit fünf Gesinnungsgenossen aufgegrissen und bei ihm neben starker Bewaffnung Bomben und Handgrana- t e n gefunden. Ganz zweifellos, daß diese Gruppe entweder nach Litauen selbst vorstohen oder auf deutschem Gebiet ein Attentat gegen Woldemaras auf dessen Reise nach Genf vorbereiten wollte. Wie es zu der Verhaftung gekommen ist, was die Gefangenen selbst aussagen, weiß man noch nicht. Die Alnter- suchung wird offenbar streng geheim geführt. Immerhin, cs ist gut, datz der Fang geglückt ist. Wir brauchen uns ja nur vorzustellen, was geschehen wäre, wenn das Attentat zur Ausführung kam, die ganze Wut der Litauer hätte sich gegen uns gerichtet. Wir wären wieder einmal die Prügelknaben für andere gewesen. Pletfchkaitis, der schon vor zwei Jahren in Tauroggen einen Handstreich gegen die Diktatur Woldemaras versuchte, lebt seitdem in Polen, er hat in Wilna eine Sammelstelle der unzufriedenen Litauer eingerichtet und ist, unterstützt von polnischem Gelds, der Führer der unzufriedenen Litauer. Die Polen haben aber verhindert, datz er die naheliegende polnisch-litauische Grenze überschritt, um ihr Alibi nachweisen zu können. Sie haben ihn lieber den Almweg über Deutschland wählen lassen, damit nachher der Skandal gegen uns losging. Dabei haben selbstverständlich die Polen ganz genau gewuht, was gespielt wurde. Derartige Alnternehmungen kosten immerhin einiges Geld, und es wäre auch nicht uninteressant zu erfahren, wo die Waffen her- stammen, was sich zum mindesten doch bei den Bomben mühte nachweisen lassen. Herr Woldemaras aber hat wieder einmal erkannt, daß er auf einem Pulver- f a tz sitzt. Er hat wohl kaum die Rerven seines Kollegen Mussolini, der Attentate für unvermeidliche Betriebsunfälle hält. Aber gerade deshalb ist er vielleicht klug genug, die Lehre daraus zu ziehen, daß er mit seinem System auf die Lauer sich selbst in die Luft sprengt. Pletsch- kaitis ist von Hause aus Scz'aldemokrat, und es gehört schon viel dazu, bis man aus dieser Einstellung heraus zum Dombenschmeitzer wird. Seine Partei hat ihn natürlich schleunigst ab- gehalftert, z:mal als er durch das polnische Geld etwas anrüchig wurde. Aber er ist und bleibt doch der gefährlichste Gegner von Deutschland verlangen, obgleich zwi- Litauen und Deutschland eine Konvention ____ die Auslieferung politischer Verbrecher nicht besteht. Hier wird jedoch daraus hingewiesen, daß es sich bei Pletfchkaitis um einen kriminellen, aber nicht um einen politischen Verbrecher handelt. Nach Erkundigungen an Berliner zuständiger Stelle ist jedoch mit einem litauischen Auslieferungsantrag nicht zu rechnen. Pletschkaitis würde nach Verbüßung seiner Strafe, die er wegen verbotenen Waffenbesitzes, unzulässiger Grenzüberschreitung und vielleicht auch wegen Vorbereitungen zu einem (Sprengftoffattentat zu gewärtigen bat, über eine Grenze abgeschoben werden, die sich ihm öffnet, und man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß Polen in dieser Richtung besonders großzügig sein wird. Da er Emigrant ist, kommt eine Abschiebung Woldemaras, gerade weil er ein Fanatiker ist. Er wird, was ihm diesmal mißglückt ist, sicher wiederholen, dann möglicherweise mit besserem Erfolg, wenn nicht vorher Woldemaras seinen Kurs ändert, der ja auch durch die Brutalisierung der deutschen Minderheiten klippenreich genug ist. VerlangtLitauen Auslieferung der Emigranten? Memel, 6. Sept. (WB.) Die Meldung über die Verhaftung Pletschkaitis und seiner 5 Komplicen in Eydtkuhnen hat in Kowno großes Aufsehen erregt. Die Nachricht kam so unerwartet, daß man selbst im Außenministerium sehr überrascht war. Der Verhaftung wird insofern große Bedeutung beigemessen, als man bei den 6 Personen zahlreiche Gewehre und Sprengstoffe gefunden hat. Auch in hiesigen maßgebenden politischen Kreisen wird die Ansicht vertreten, daß Pletschkaitis gegen Woldemaras bei seiner Rückkehr aus Genf ein Attentat ausführen wollte, lieber die Derhaftung Pletfchkaitis wurde Woldemaras in Genf von Kowno aus informiert. Im Außenministerium werden über diese Angelegenheit Anweisungen von Woldemaras erwartet. Welche Schritte die litauische Regierung in dieser Angelegenheit bei der deutschen Regieunternehmen wird, ist noch nicht bekannt, aber verlautet, wird die litauische Regie- die Auslieferung Pletschkaitis Lüneburg, 6. Sept. (WB.) Der Bombenanschlag auf das hiesige Regierungsgebäude ist i n g e - n a u der gleichen Weise inszeniert worden wie seinerzeit der Anschlag auf das Haus des Rechtsanwalts Strauß. Durch die Explosion sind, wie jetzt festgeskellt wurde, zahlreiche Wasser- l e i t u n g s r o h r e im Regierungsgebäude beschädigt worden, so daß mehrere Räume überschwemmt wurden. Auch der Regierungspräsident und der Polizeidezernent von Lüneburg hatten sich bald nach dem Anschlag am Tatort eingefunden. Bis zur Stunde haben sich Anhaltspunkte, die zur Ermittlung der Täter sühren könnten, nicht ergeben. Die Erregung über den Sprengstofsanschlag ist hier besonders groß, da man kaum vermuten durste, daß ein neuer Anschlag gerade in Lüneburg ausgesührt werden würde. An der Explosionsstelle wurden unter zahlreichen Trümmern und Gesteinsbrocken einige Rädchen gefunden, die zweifellos aus der zur Tat benutzen Höllenmaschine stammen. Es muß als ein Glück bezeichnet werden, daß der Keller, in dem die Bombe explodierte, m i t Koks an gefüllt war, der als Luftfilter wirkte und einen großen Teil der Sprengwirkung aufnahm. Die Vorderwand des Rcgierungsgebändes ist stark beschädigt. Das ganze Mauerwerk weist Risse und Sprünge auf. Die pfeilerartige Seilenwand zum Torweg hat ebenfalls von unken bis oben einen durchgehenden feinen Riß. Das Kellergewölbe ist vollkommen zerstört. Der Schaden war erst ] im einzelnen zu übersehen, nachdem der Akten- , Haufen sorlgeräumt war. Ein großer Teil dieser , Akten ist vollkommen zerrissen und so durcheinander geworfen, daß mehrere Beamte viele Monate zu tun haben werden, um auch nur einiger- , maßen wieder Ordnung zu schassen. Es handelt sich in der Hauptsache um Eintragungen in das ■ Wasserbuch und um teilweise sehr wertvolle alle Akten und Zeichnungen, die über die wasser- rechtlichen Verhältnisse des Bezirks urkundliche Bedeutung haben. Regierungspräsident Dr. Herbst erklärte in einer Unlerebung mit Vertretern der Presse, daß der Anschlag nur in einer Reihe mit den übrigen beurteilt werden könne. Die Explosion sei so heftig gewesen, daß man den Stoß durch das ganze Haus verspürte. Es scheint nicht ausgeschlossen, daß der Anschlag diesmal gegen den der S. P. D. angehörendenRegierungs- prasidenten selbst gerichtet war. Die Täter haben offenbar gewußt, daß Dr. Herbst gewöhnlich sich lange in feinem Arbeitszimmer aufzuhalten pflegt. Er hatte sich am Donnerstag ausnahmsweise um 23 Uhr zur Ruhe begeben und wurde dann durch den scharfen Knall, dem ein durchdringender gasähnlicher Geruch folgte, aufgeschreckt, ihn 8 Uhr abends soll der Hund an den am meisten von der Explosion beschädigten Fenstern angeschlagen haben. Rach den Angaben des Lüneburger Polizeidirektors Richter hat, obwohl die Polizeidirektton dem Tatort gegenüberliegt, keine der Polizeistreifen etwas Auffälliges bemerkt. Das Regierungsgebäude fei durch die Straßenbeleuchtung felbst hell beleuchtet gewesen. Um Mittemacht will man einen verdächtigen beobachtet haben. Auch von einem Auto, das mit abgeblenbefen Lichtern gefahren fei, ist die Rede. Feste Anhaltspunkte hak man indessen noch nicht gefunden. Die in Lüneburg verwendete Höllenmaschine scheint aus der gleichen Werkstatt wie die bisher aufgefundenen zu flammen, fo daß die Vermutung geäußert wird, es müsse ein einheitlicher Fabrikation sbe trieb für Bomben bestehen. GinveMssi erMiorradfahm Berlin, 6. Sept. (WB.) Der Anschlag auf das Regierungsgebäude in Lüneburg ist allem Anschein nach von den gleichen Personen begangen worden, denen die früheren Atlmtate zur , Last zu legen sind. Die bisherigen Feststellungen i lenkten den verdacht auf einen Motorrad- ! fahrer, der sich in der Atlentalsnacht (vom 5. zum 6. September) um clroa 3.15 Uhr bei Artlenburg hat über die Elbe setzen lassen, um nach feinen Angaben die Fahrt nach Soltau und Berlin forl- zufehen. Der Fahrer benutzte ein Motorrad mit Soziussitz, Marke Zündapp, mit dem Erkennungszeichen IS. Von der fünfstelligen Zahl feiner Hummer sollen die ersten Ziffern 1 7 fein. Die Wahrnehmungen find deshalb beachtenswert, weil auch bei dem ersten Lüneburger Sprengaltentat am 1. August 1929 ein Motorradfahrer in verdacht geraten war. Mitteilungen nehmen die Kriminalkommi'sare Dr. Braschwitz und Mühlfriedel, Polizeipräsidium Berlin, Zimmer 293, entgegen. Zwei Bombenwerkstätten. Verwendung des genau gleichen Materials. Berlin, 6. Sept. (Priv.-Tel.) In einer Konferenz, die am Donnerstagnuchmittaa zwischen den Kommissaren der Berliner Politischen Polizei Al h r zu ermitteln, die in der Bombe eingebaut ist, wird das Fachorgan des Alhrmacherverban- des einen Ausruf erlassen. Wie das ^Acht-Alhr- Abendblatt" meldet, hat bereits ein Berliner Alhrmacher die Mitteilung gemacht, daß zu ihm vor einigen Wochen zwei gut gekleidete, jüngere Männer kamen und mehrere Weckeruhren kaufen wollten, die jedoch ganz genau gleich und aufeinander abgestimmt sein sollten. DerFranksirrterSeMezichtiger geisteskrank? Berlin, 7. Sept. (Priv.-Tel.) Nach dem „Derl. Tageblatt" machen sich gegen den Kaufmann Josef H e 11, dek sich der Frankfurter Staatsanwaltschaft gestellt und angegeben hatte, das Bombenattentat auf das Reichstagsgebäude ausgeführt zu haben, im Verlaufe der Vernehmung wie ja schon von vornherein anzunehmen war, i mmer stärkere Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit und an seinem Geisteszustand bemerkbar. Hett war bereits einmal in einer Irrenan st a l t. Das preußische Ministerium des Innern hat das Frankfurter Gericht telegraphisch ersucht, Hett sofort na ch Berlin zu verbringen. Hett behauptete bei feiner Vernehmung, daß er sich zu dem Attentat verleiten ließ, weil ihm eine große Summe von mehreren hunderttausend Mark versprochen worden sei. Mit den Attentaten in Norddeutschland habe er nichts zu tun. Berliner Börse. Berlin, 7. Sept. (WTB. Funkspruch.) Rach- dem die Tendenz an der gestrigen Frankfurter Abendbörse gut behauptet war, blieb auch im heutigen Vormittagsverkehr das Kursniveau ziemlich unverändert. An der lustlosen Stimmung der letzten Tage änderte sich vorläufig nichts, doch rechnet man mit etwas Teckungsbedürsnis der Spekulation zum Wochenschlutz, zumal auch in Reuhork geftern bei leichteren Geldsähen die Kurse Erholungen erfahren konnten. Am Devisenmarkt nannte man London gegen Paris 123,87, London gegen Mailand 92,71, London gegen Spanien 32,9075, London gegen Amsterdam 12,0975 London gegen Schweiz 25,1750, London gegen Kabel 4,8474, London gegen Berlin 20,3640, Kabel gegen Berlin 4,2010, Tokio gegen Kabel 46,90 und 47,00. Kurse: Vereinigte Stahl 118 (Geld), Siemens 388,5 bis 389, Farben 121,5 bis 122, Vereinigte Glanzstoff 338. Oie Wetterlage. ROSt- fdtet ortoyan UM 15 o La tcruna »ans O Freitag d. 6. Sept. 19297" at>ds. ^txrdeen- 32= 1 OWoiKtmos. oneuer QnalD DedetM. ® woitig. 0 oedem •Kegen * Schnee a Oraupem s MtDei K tewitter ©Windstille -O» sehf eiente' Os» bissige» Südsüdwest C) stürmischer lordwest Oie pfene fliegen mit dem winde Pie oei den Stationen stenenden Zähen geven die Temperatur an Oie Linien «rpinden Orjr mit gleichem »kl «reresnivrau umgerrcnnelen Luftdruck ...,'agc. Der Kaltlufteinbruch an der Rückseite der Baltikumstörung verursachte in ganz Deutschland einen Tempcraturrückgang. In unserem Bezirk lagen die Temperaturen heute morgen ,3 bis 5 Grad tiefer als vor 24 Stunden. Auch verursachte er verbreitete Niederschläge, die jedoch in M ttel- und Süddeutfchland bedeutungslos waren. Der hohe Druck über den britischen Inseln hat sich bereits nach dem Festlande ausgebreitet. Unter seinen Einfluß setzt wieder aufheiterndes Wetter ein und die Neigung zu Niederschlägen geht dem Ende zu. Die Temperaturen ändern ihre Werte zunächst wenig, zeigen aber alsbald wieder steigende Tendenz. Wettervoraussage f ü r (5 o n n t a g: Wol- kig mit Aufheiterung, Temperaturen wenig verändert, jedoch tagsüber wieder etwas wärmer, trocken. Witterungsaussichten für Montag: Fortdauer des trockenen und aufheiternden Wetters. Lufttemperaturen am 6. September: mittags 24,6 Grad Celsius, abends 17,2 Grad: am 7. September: morgens 11,8 Grad. Maximum 26,9 Grad, Minimum 9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. September: abends 21,6 Grad: am 7. September: morgens 16,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 2% Stunden. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 7. September 1929. Oer Neubau Handels- und (Sewerbebank. Mit den AuLfchachtungsarbeiten für den Neubau der Handels - und Gewerbebank auf dem früheren Zurbuchschen Anwesen in der Goethestrahe 7 soll am kommenden Montag begonnen werden. Nachdem die jetzigen Räume der Bank in der Ostanlage schon lange nicht mehr dem stark vergrößerten Betrieb genügten, wurde im vorigen Zahr das obengenannte Grundstück zwecks Errichtung eines Neubaues erworben. Das geplante Bauwerk hat eine Straßenfront von etwa 28 Meter, im Erdgeschoß eine Tiefe von 15 Meter, während die oberen Stockwerke an der Hofseite noch 3 Meter einrücken, so daß eine Liefe von 12 Meter bleibt. Auf beiden Seiten des Baues ist je eine Einfahrt vorgesehen, so daß das Gebäude vollständig frei steht. Der Eingang zur Bank befindet sich auf der nach der Südanlage zu gerichteten Ecke. Hier ist eine offene Vorhalle geplant, von der man durch einen Windfang in den zentral gelegenen Bank- raum eintritt, der die Mitte des Hauses von der Straße bis zur Hoffront einnimmt. Der Naum für das Publikum mit den Schaltertischen liegt an der Straßenseite, hinter diesem die Bankräume, die durch ein Oberlicht und Fenster ihr Licht von der Hofseite erhalten. Anschließend an den Naum für das Publikum ist ein Sprechzimmer, das in direkter Verbindung mit dem Direktorzimmer steht, ferner eine Telephonzelle und ein Loiletteraum mit Wasckrnelegen- heit angeordnet. Der Naum für Bureaumaschinen ist getrennt vom Bankraum gelegen, um die Geräusche von den Arbeitsräumen fernzuhalten. Zwei Treppenhäuser liegen je in der Mitte der Seitenfronten. Das rechtsseitige vermittelt den Verkehr zu den im er st en Obergeschoß untergebrachten Näumen des Gewerbevereins und der Geschäftsstelle der Handwerkskammer, sowie zu der darüber liegenden Direktorwohnung und den zu dieser gehörigen Näumen im dritten Obergeschoß. Auf der linken Seite befindet sich die Treppe für eine imzwei - ten Obergeschoß liegende Vierzimmerwohnung, sowie für die im dritten Obergeschoß untergebrachte Hausmeisterwohnung, Trockenboden usw. Die Räume im ersten Obergeschoß bestehen aus Versammlungssaal, Sitzungszimmer, Dorstandszimmer, Bureau und Aktenzimmer für den Gewerbeverein, sowie Warteraum, Bureau und Arbeitszimmer für den Syndikus der Geschäftsstelle der Handwerkskammer. Das Kellergeschoß enthält die Tresorräume, die durch eine Treppe direkt vom Bankraum aus zugänglich sind, mit Archiv, ilm- kleideräume der Beamten, Keller und Waschküche für die Wohnungen, sowie Heiz- uni) Kvksraum. Im äußeren erscheint das Gebäude als ein rechteckiger, geschlossener Baublock mit ruhigen wirkungsvollen Umrißlinien, der durch das Zurücksetzen des dritten Obergeschosses hinter die Mauerfluchten der unteren Geschossen und durch die flach geneigte Abdeckung des Rücksprunges sowohl wie des Daches interessant gestaltet wird und hierbei in glücklicher Weise einen modernen Baugedanken mit praktischer Auswirkung der Raumbedürfnisse verbindet. Sämtliche Decken, Stützen und Träger werden in Eisenbeton, die Wände aus Ringofensteinen hergestellt, die Dächer mit Kupferblech abgcdeckt. Die Erdgeschoßwände erhalten eine Verkleidung aus Muschelkalk, die darin liegenden Fenster geschmiedete Ziergitter. Die oberen Geschosse werden verputzt, und es wird besondere Sorgfalt bei Ausbildung des kräftigen Hauptgesimses verwendet. Für das Straßenbild verschwindet durch diesen Neubau ein seither wenig erfreulicher Zustand. Der Neubau wird sich dem Bau der Commerz- und Privatbank würdig zur Seite stellen und die jetzt bestehende Lücke in der verkehrsreichen Goethestraße in wirkungsvoller Weise schließen. Man hofft, bei günstiger Witterung, den Rohbau noch in diesem Jahre hoch und unter Dach bringen zu können. Die Pläne stammen von dem Architekten, Ernst Schmidt in Gießen, dessen Entwürfe bei dem seinerzeit unter Gießenern Architekten stattgefundenen Wettbewerb an erster Stelle bewertet wurden und dem auch die Bauleitung übertragen worden ist. Gießener Wocheumarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 63 bis 1,40; Butter Pfund 2.00 bis 2.10; Matte 33 bis 35; Wirsing 20 bis 25; Weißkraut 15 bis 20; Notkraut 23 bis 25; c<5e Rüben 10 bis 15; rote Rüben 10 bis 15; Ss inal 20 bis 30; Nömischkohl 10 bis 15; Dohnen grüne und gelbe 25 bis 35; Erbsen 30 bis 35; Tomaten 20 bis 25; Zwiebeln 10 bis 20; Kürbis 5 bis 8; Pilze 40 bis 45; Kartoffeln 5*/2 bis 6, Frühäpfel 15 bis 25; Falläpfel 4 bis 5; Dirnen 10 bis 33; Preiselbeeren 45 bis 55; Pfirsiche 45 bis 55; Brombeeren 65 bis 70; Zwetschen 15 bis 25; Mirabellen 20 bis 25; Reineclauden 20 bis 25; junge Hähne 1,20 bis 1,30; Suppenhühner 1,00 bis 1,20; Tauben Stück 70 bis 90; Eier 15; Blumenkohl 30 bis 80; Salat 15 bis 20; Salatgurken 10 bis 25; Einmachgurken 2 bis 4; Endivien 10 bis 20; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 10 bis 15; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 15; Radieschen Bund 10 bis 15; Kartoffeln Zentner 4,50 bis 5,00. Bornotizen. — Tageskalender f ü r Samstag. Bunter Abend lveranstaltet von der Firma Hausrat) im Caf6 Leib. — Erste Reichskurz- schrift-Gesellschaft „Gabelsberger" und Damen- abteilung e. D.: Dereinsabend, 20.30 Uhr, in der „Stadt Lich". — G. D. A.: Monatsversammlung und Lichtbildervortrag, 20.30 Ähr, auf der „Dergschenke". — Gesangverein „Heiterkeit": Kommers zur Feier des 51. Stiftungsfestes, „Schipkapah", 20.30 Ähr. — Gießener Rudergesellschaft „Hassia": Mitgliederversammlung im Bootshaus, 20.30 Ähr. — Marineverein Gießen e. 03.: Monatsversammlung, 20.30 Ähr, im Ver- einSlokal. — Artilleristen-Derein: Monatsversammlung im Dereinslokal. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Der rote Kreis". — Astoria- Lichtspiele: „Männer ohne Beruf". — Tageskalender für Sonntag. Lukasgemeinde: Familientag im Saale der „Lie- bigshöhe", 15 Ähr. — Israelitische Religionsgemeinschaft: Gedenkfeier anläßlich des 200. Geburtstages Moses Mendelssohns, 10.30 Ähr in der Synagoge. — Flugtag, Schau- und Rundflüge, nachmittags. — Gießener Redergesellschaft „Hassia": Abrudern, 16 Ähr. — Lichtspielhäuser: Programm wie Samstag. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Im vorigen Herbst war die Uraufführung von Marcel Pagnols Komödie „Das große ABC" in München ein großer Theatererfolg mit Max Pallenberg in der Hauptrolle. Auch in Berlin im Renaissance-Theater bei Hartung wurde die Aufführung ein großer Publikumserfolg. Ebenso positiv spricht sich die Presse über die Aufführungen in Ham- bürg, Frankfurt a. M., Leipzig, Breslau, Düsseldorf, Hannover, Stuttgart, Wiesbaden, Mannheim u. a. aus. — Der Volkstanzkreis Gießener Ilugendbünde weist im heutigen Anzeigenteil aus den Plan seiner Wintertätigkeit hin. Nach bereits vier mit gutem Erfolg durchgeführten Lehrgängen von alten und neuen Volkstänzen ist für kommenden Winter, unabhängig von den Tanzabenden, die 'Durchführung von überbündischen, im Sinne der neueren Singbewegung (Musikantengilde Prof. 3 ö b e und Finkensteiner Bund Walter Hensel, aufgebauten Singabenden vorgesehen. — Der Gewerkschaftsbund der Angestellten (G D A.) veranstaltet am Donnerstag, 12. September, im Caf6 Leib eine öffentliche Kundgebung. Stadtverordneter G e ß n e r (Fsm.), seit Jahren führender Vertrauensmann der Angestelltenoersicherung, spricht aus seinen reichen Erfahrungen heraus über die Leistungen, die neuen Denkschriften und den Ausbau der Angestelltenversicherung. Man beachte die heutige Anzeige. ** Hessischer Glückwunsch f ü r Ver- lagsbuchhändlerRoth. Das hessische Kultusministerium hat an den Derlagsbuchhändler Otto Roth, hier, folgendes Schreiben gesandt: „Zu Ihrem 80. Geburtstag sendet 3hnen das Ministerium für Kultus- und Bildungswesen, insbesondere auch der Herr Staatspräsident Adelung, feine herzlichsten Glückwünsche. 3hr OZerlag, dem Sie viele, Dezennien Vorständen, ist mit dem hessischen Schulwesen eng verknüpft. Sie haben der Schule wertvolle Dienste geleistet, und ich weiß, daß Sie sich auch der neuen Schule des Dolksstaates nicht versagen. 3ch wünsche Ihnen noch ein langes Wirken und Ihrem OZerlag dauernde Blüte. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ä r st a d t, Ministerialdirektor." * • Schulpersonalien. Ernannt wurden: Lehrer Hermann Roth zu Wettsaasen, Kreis Alsfeld, zum Lehrer an der Volksschule zu Offenbach; die Lehrer 3ohannes 3mmel zu Homberg, Kreis Alsfeld, Ernst P l o ch zu Lollar, und Richard Schönheit zu Älfa, Kreis Schotten, zu Lehrern an der Volksschule zu Gießen, sämtlich mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an. * * Der Schreiner st reit, der zehn Wochen lang im hiesigen Schreinergewerbe im Gange war, ist jetzt beendet worden. Bei dem Streik handelte es sich zunächst um die Entlohnung der Gesellen, wobei schließlich zwischen den beiden Parteien ein Ucbereinkommen dahin getroffen wurde, daß die Gesellen aus der vierten Lohnklasse in die dritte versetzt werden und die endgültige Einstufung am 1. Juni nächsten Jahres erfolgt. Hinsichtlich des weiteren Streitpunktes, der die tarifliche Entlohnung der Lehrlinge betraf, wurde vom Schlichtungsausschuß Gießen ein Schiedsspruch gefällt, der von dem Schlichter für Hessen als verbindlich erklärt wurde; danach werden die Lehrlinge in den Reichsmantel- tarifvertrag eingegliedert. Von den Streikenden ist bisher ein Teil wieder in Arbeit eingestellt worden. • • Die Haussammlung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfür- sorge, Ortsgruppe Gießen, zur Erlangung von Geldmitteln für die Schmückung unserer Kriegergräber im Auslande an Allerseelen, Totensonntag und Weihnachten sei heute erneut der regen Änterstühung durch unsere Mitbürger empfohlen. Jeder Beitrag zu diesem Liebeswerk für unsere gefallenen Brüder ist willkommen! " Ein öffentlicher Impftermin findet am Mittwoch, 11. September, in der Turnhalle der Goctheschule in der Westanlage statt. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung der Stadtverwaltung ersichtlich. * * Die Museen sind am morgigen Sonntag von 11 bis 13 Uhr geöffnet. * * Schau- und Rundflüge finden morgen vom hiesigen Flughafen aus statt. Näheres in der heutigen Anzeige. '* Freie Lehrer stelle imKreife Gießen. Erledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in E t - tingshausen, Kreis Gießen. Dienstwohnung wird demnächst frei. • * Streichkonzert unserer Militärkapelle. Das Musikkorps unseres 03a- taillons veranstaltete unter der Leitung des Obermusikmeisters Löber am Donnerstagabend auf der Liebigshöhe wieder einen Konzertabend, bei dem diesmal die Streichmusik das besondere Merkmal der Darbietungen war. Mit der angenehmen Wiedergabe von Kompositionen von Mozart, C. M. von Weber, P. Dierig, R. Clärens, E. Bach, W. Löber, A. Schreiner, K. Köhler und P. Möller bereitete die Kapelle den zahlreichen Besuchern recht genußreiche Stunden. Der starke Beifall, den die musizierfreudige Musikerschar unter der schneidigen Stabführung ihres Obermusikmeisters erntete, gab ihr Anlaß, die Zuhörer noch mit zahlreichen Einlagen zu erfreuen. • • Handgewebe-Ausstellung. Die Handweberei der Werkgemeinschaft des Bundes Deutscher 3ugendvereine, die auf Schloß Westerburg im Westerwald ihren Sih hat, zeigt bis einschließlich kommenden Dienstag im oberen Saale der Herberge, Hinter der Westanlage 11, eine Ausstellung handgewebter Erzeugnisse für Kleidung und Raumschmuck. 3n übersichtlicher Gruppierung sieht man in dem Saale eine stattliche Fülle von Arbeitsprodukten aus der Weberwerkstatt dieses Unternehmend, das bei seinen Arbeiten gute Handwerkskunst mit den Bestrebungen neuzeitlichen Kunstgewerblertums zu vereinigen bemüht ist. Änsere Frauenwelt wird einen Besuch dieser interessanten Schau nicht zu bereuen haben, denn die Vielseitigkeit der dort gezeigten Erzeugnisse und die Art der Verarbeitung macht einen Rundgang durch die Ausstellung lohnend. • • Tagung der hessischen Turnlehrer. Der Hessische Lehrerturnverein hält seine diesjährige Hauptversammlung am 21. September in Nidda ab. Bei dieser Gelegenheit wird neuzeitliches Schulturnen mit Klassen der Volks- und höheren Schulen von Nidda und Umgebung gezeigt. Auch für Nichtmitglieder sind die Vorführungen zugänglich. Preußen. Kreis.Wetzlar. c»Launsbach,5. Sept. Die bisherige Krankenpflegerin unserer Gemeinde, Frau Pfeiffer, hat ihren Dien st niedergelegt. Die Gemeinde wird in der Person der in der Krankenpflege anderorts bisher tätig gewesenen Schwester M a - rianne Rupp eine neue traft einstellen. Kreis Biedenkopf. y Hartenrod, 4. Sept. Am vergangenen Sonntagnachmittag fanden aus dem Günteroder Sportplatz die diesjährigen Reichsschülerwettkämpfe der Schulkinder des Lehrervereins „Obergericht" statt. Es beteiligten sich daran folgende Schulen: Hartenrod, Schlierbach, Dernbach, Wommelshausen, Endbach, Günterod, Ober- und Niederweidbach, Bischoffen, Roßbach und Wilsbach mit annähernd 330 Kindern vom 5. bis 8. Schuljahr. Eltern, Angehörige und Freunde der Schüler ließen sich durch die fast tropische Hitze nicht abhalten, dem sportlichen Leben und Treiben der Jugend beizuwohnen. Der schön am Waldrand gelegene Sportplatz war angefüllt von Buben und Mädchen, die zunächst ihre Leistungen in den Einzelwettkämpfen zeigten. Ollochte die große Hitze vielleicht hier und da die sonstigen Höchstleistungen etwas drücken, so wurden doch recht schöne Resultate erzielt; konnten doch von 281 Wettkämpfern 220 mit Preisen bedacht werden. Nach einem eigens für die Schüler des Kreises Biedenkopf von Hauptlehrer Zitzer, Dattenberg, komponierten Massenchor „Mein Hinterland", der unter der bewährten Leitung des Hauptlehrers K l a g e s. Endbach, recht gut von den Kindern zu Gehör gebracht wurde, hielt Lehrer Schulte, Wommelshausen, eine der Bedeutung des Tages angepaßte Rede an jung und alt, indem er, vom Derfafsungstage ausgehend, seinen OBorten das Grundmotiv gab: Nur ein Mensch mit gesundem Körper und gesundem Geist kann die Pflichten eines rechten Staatsbürgers erfüllen. Darauf folgten Massenfreiübungen, die durch ihre Exaktheit Zeugnis von viel Mühe und Fleiß ablegten. Zum Schlüsse wurden noch vier Stafetten gelaufen, welche, wie stets, das lebhafteste Interesse hervorriefen. Die vier Wanderpreise fielen an folgende Schulen: Knaben, 7. und 8. Schuljahr: Schule Schlierbach. 5. und 6. Schuljahr: Schule Günterod. Mädchen, 7. und 8. Schuljahr: Schule Günterod; 5. und 6. Schuljahr: Schule Endbach. Die Siegerverkündigung am Schlüsse der gut verlaufenen Wettkämpfe brachte folgende drei ersten Resultate: Knaben, 7. und 8.Schuljahr. Dierkampf: 100- Meter-Lauf, Dreisprung, Hochsprung, Kugelstoßen (53 Teilnehmer, 28 Sieger): 1. Robert Debus, Hartenrod, 92 P.; 2. Ewald Rink, Günterod, 88 P.; 3. Ernst Müller, Hartenrod, 74 P. Knaben, 5. und 6. Schuljcchr. Dreikampf: 75-Meter- Lauf, Weitsprung, Ballweitwurf (81 Teilnehmer, 78 Sieger). 1. Walter Rink, Hartenrod, 88 P.; 2. Otto Bamberger, Hartenrod, 87 P.; 3. Walter Schreiner, Hartenrod, 77 P. Mädchen, 7. und 8. Schuljahr. Dreikampf: wie oben (71 Teilnehmerinnen, 55 Siegerinnen). 1. Erna Diebel, Günterod, 73 P.; 2. Johanna Premer, Günterod, 70 P.; 3. Hermine Pfeifer, Hartenrod, 69 P. Mädchen, 5. und 6. Schuljahr. Dreikampf, wie oben (76 Teilnehmerinnen, 59 Siegerinnen). 1. Elli Müller, Wommelshausen, 72 P.; 2. Martha Seitz, Hartenrod, 70 P.; 3. Lina Plaum, Hartenrod, 67 P. Strafkammer Gießen. * Gießen, 3. Sept. Im Herbst 1927 wollte ein Elektromonteur aus dem Vogelsberg bei einer Frankfurter Firma einen Lastkraftwagen kaufen. Da er die Anzahlungssumme von 8000 Mk. nicht besaß, führte der als Vermittler bei dem Kauf tätige Autoschlosser für ihre Verhandlungen mit einer Finanzierungs- gesellschaft, die dann auch zur leihweisen lieber- lassung der genannten Summe gegen entsprechende Sicherstellung bereit war. Die Gesellschaft schickte nach kurzer Zeit dem Autoschlosser einen Scheck über diesen Betrag, der vereinbarungsgemäß nur als Anzahlung für das Auto verwandt werden sollte. Der Autoschlosser gab den Scheck an seine Bank weiter und ließ den Betrag seinem Konto gut- schreiben. In den nächsten zwei Wochen hob er das Geld ab, ohne damit die Anzahlung auf den Kraftwagen zu leisten. Das Schöffengericht hatte bett Autoschlosser wegen Unterschlagung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Nach umfangreicher Beweisaufnahme kam die Strafkammer heute zu einer Aussetzung des Verfahrens; es sollen noch weitere Ermittlungen, insbesondere über die damalige finanzielle Lage des Autoschlossers, angestellt werden. Ein Buchhalter war von dem Schöffengericht wegen Unterschlagung von Geschästsgeldern unb Fälschung der Geschäftsbücher zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er nahm seine Berufung vor Eintritt in die Verhandlung zurück. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) S. h. Sie können Ihre Blumen auf dem Balkon zu jeder Zeit begießen. Irgendwelche polizeiliche Zeitbestimmung besteht hierfür nicht. Sie müssen aber darauf achten, daß bei dem Begießen der Blumen die Straßenpassanten nicht belästigt werden, da Sie sonst auf Anzeige hin eine polizeiliche Strafverfügung zu gewärtigen haben. 6. ID. in ft. Die Gießener Bücherhalle ist wie folgt geöffnet: Mittwochs von 7 dis 9 Uhr nachmittags; Samstags von 6 bis 9 Uhr nachmittags. Bücher kann dort jedermann erhalten, lieber die Leihgebühr erfahren Sie Näheres an Ort und Stelle. LUX SEIFEN FIOCKEN Reiniaunq ferner Wische u.Kleiduriq-yo sagt- 2UNLICHT GESELLSCHAFT A.G. MANNHEIM J ö empfehlen LUX Seifenflocken, zur schonenden • prangturl ' _ ; KrlanderJ LY327-I® 8CM 5/3-# Gestern abend ist nach kurzer Krankheit unsere liebe Käthe im 18. Lebensjahr sanft entschlafen. In tiefer Trauer: Familie Gg Müller und Angehörige. Gießen (Scbützenstraße 5), den 7. September 1929. Die Beerdigung findet Montag, den 9. September, nachmittags 2 Uhr, aut dem Neuen Friedhot statt Gießen, den 7. September 1929. i5/O7 Heinrich Reining, Postassistenti. B. Danksagung. Für die überaus herzliche Teilnahme, die zahlreichen Blumenspenden sowie die trostreichen Worte des Herrn Plärrers bei dem Heimgang unserer lieben Mutter sagen wir innigsten Dank. Im Namen aller Hinterbliebenen: Apselwein- säffer in allen Größen empfiehlt 7rtoD WerelSomlverkorn Süßer ipielmosl bei 7369 D Lnawig hölilerMo Bleichstraße 12. Auch kann dortselbst gekeltert werden. OOOOOGGGOOOO Herrschaftliche H-M-M mit Garten oer 1. Oktober gesucht. Hohe miete und Abstand wird befahlt. Schristl. Angebote u.7378Da.b. Gießener Anzeiger, p-rs-ttes Mädchen welches langjährige Zeugnisse auf* weisen kann, und auf Dauerstellung restekiiert für Arzthaushalt auf 1. Oft gesucht. Hilfe vorhanden. 7236D Dr. Gentzsch, Mörfelden bei Frankfurt a. M. [Vermietungen I Arie 4-ZjnrlM- Votrnung (Neubau) m bess. Ausiührung auch an AuSwürn e A.verm. ©djriftl. Anaeb. unt. 05701 n. d. Gieß. Anz. Neubau Schöne 4-3tmmcr: iltiobiiunn nut v ab und allein Zubehör iDampfheizg^Warnn Wasser, a. o. Vonbe in ö. Nähe Gießens bidin zu uermi len. IhioUiin. hem 4 sJ)hn. vom Bahnhof. Auto kann unterflebrncbt werden. Schr. Ang. U,7;l8SPtl. d. Schölle 2-3im.-®ohn. 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Die Kinder müssen mit rein gewaschenem Körper und reinen Kleidern zur Impfung gebracht werden. Kinder aus Häusern, in denen übertragbare Krankheiten herrschen, sind nicht zum öffentlichen Impftermin zu bringen. Gießen, den 6. September 1929. Der Oberbürgermeister. 3. V.: Dr. Hamm Vergebung von Wasserleiiungsarbeiien. Für die Gemeinde Ettingshausen, Kreis Gießen, sollen unter Zugrundelegung der Reichsoerdingungsordnung nachfolgende Arbeiten und Lieferungen vergeben werden: 7384V Erweiterung der Wasserleitung um 70 lfd. Meter und Herstellung der Bahn- Unterführung. Pläne und Bedingungen liegen bei uns offen, Angebotsvordrucke können von uns bezogen werden. Eröffnung der Angebote: Samstag, den 14. September 1929, 10 Uhr, auf unserem Amt, Frankfurter Straße 29. Zuschlagsrist 14 läge, freie Auswahl unter den Bietern bleibt Vorbehalten. Gießen, den 3. September 1929. Hessischer Kulturbauamt. H. Steinbach, Regierungsbaurat. 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Septbr^ v. 10-13 Uhr, DtenS- tag, d. lO.Septv von 10-13 n. 16-17 Uhr. Nr. 2$ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Samstag, 7. September (929 Afrika. vjn X X Graf Coudenhove-Kalergi, Präsidenten der paneuropa-Union. Während die Sowjetunion Europa von Asien, ter Atlantische Ozean von Amerika trennt — verbindet das Mittelmeer Europa und Afrika mehr, als es sie trennt. So ist Afrika unser nach st er Nachbar geworden und sein Schicksal ein Teil unseres eigenen Schicksals. Die Zukunft Afrikas hängt davon ab, was Europa daraus zu machen weih. Afrika könnte Europa R o h st o f f e für seine Industrie, Nahrungsmittel für seine Bevölkerung, Siedlungsraum für feine Llebcrvölkerung, Arbeitsmöglichkeit für seine Arbeitslosigkeit, Märkte für feinen Absatz bieten. Europa aber könnte Afrikas älrwälder roden, seine Steppen bewässern, seine Bo.enschähe heben, seine Seuchen ausrotten. seine Bevölkerung erziehen, seine Wa , erkürte ausbauen, sein Gebiet dem We t- verlehr erschließen. So bildet Afrika in vieler Hinsicht die natürliche und ideale Ergänzung Eurovas. Ie mehr Europa politisch und wirtschaftlich aus Asien und Amerika Derbe ängt wird, desto mehr ist es auf Afrika angewiesen. Durch die Emanzipation Amerikas und Asiens ver.iert Europa seine latein- amerikanischen Märile an die Bereinigten Staaten — seine ostajiatischen an Iapan. Der Vorsprung Iapans liegt in den niedrigeren Löhnen einer bedürfnislosen Arbeiterschaft — der Vorsprung Amerikas in der überlegeneren Organisation eines reicheren Kapitals. Europa wird gezwungen sein, als Ersah für den drohenden Der.ust jener überseeischen Mär. e seinen inneren, europäischen Markt durch Beseitigung der Dinnenzö.le auszubauen und durch die Erschließung 'vlfrilag zu erweitern. Darum ist Afrika die künftige Produktions basis und der künftige Markt Europas: und darum ruht ein großer Teil der wirtschaftlichen Zukunft Europas auf Afrika. Europas afrikanische Mission ist: Licht in diesen dunkelsten Erdteil zu tragen. Solange die schwarze Nasse nicht in der Lage ist, ihren Erdteil zu erschließen und zu zivilisieren, muh dies die Weiße Nasse tun. Aber Europa soll in Afrika der Befreier der schwarzen Rasse werden — nicht ihr Unterdrücker. Cs soll die Afrikaner befreien von ihrem Elend, ihrer Barbarei, ihrer Schlafkrankheit, ihren anderen Seuchen, ihrem Hunger, ihrer Anarchie. Es soll die Afrikanerin, die heute Last- und Arbeitstier ist, von dieser härteslen Silaverei befreien: durch Rind und Dampfpf.ug, durch Christentum und Bildung. Die St a° Derei ist in Afrika von den Europäern weder ein- geführt noch abgeschafft worden: sie herrschte in unbarmherziger Form vor den Europäern: sie herrscht noch heute in milderen Formen. Denn Euro za hat seine afrikanische Mission oft mißbraucht. Der Europäer kam nicht als älterer Bruder, nicht als Vormund, nicht als Lehrer und Führer nach Afrika — sondern meist als Despot und Unterdrücker. Statt gegen das ko- lo.iale Prinzip an sich sollte die öffentliche Meinung der zivilisierten Welt gegen viele seiner Formen Slellung nehmen. Sie sollte mitarbei.en an i.ec Heilung, Erziehung und Hebung der schwarzen Rasse. Sie sollte die Bedeutung der Kulturtat Albert Schweitzers erkennen und för ern, der wie ein Weiher Heiland unter den Schwarzen wirkt, um sie von ihren Krancheiten zu heilen. Hier liegt die Kehrseite der politischen Eroberung, die sie eines Tages moralisch recht- fertigen könnte: hier liegt die Gegengabe, mit der Europa alles, was Afrika ihm gibt, bezahlen kann. Um Afrika zu erschließen, muß es Europa nicht nur beherrschen, sondern auch besiedeln. Das größte Hindernis dieser Besiedelung ist das Klima. Die gemäßigten Zonen Südafrikas Mörike. 3u seinem 125. Geburtstage. Von Werner Deubel. Unter den neuen Weltblicken, welche die Romantik uns gab, ist der wichtigste die Sicht in die mehr als menschliche Wirklichkeit und das glühende Geheimnis elementa.e: Lebensströme und damit zugleich ein erneutes Wissen vom nicht mehr ästhetisch-literarischen, sondern religiös-magischen Charakter echten Dichtertums. Mörike, im Dunstkreis schwäbischer Kon- sistorialratspoesie erwachsen, hat das Schicksal gehabt, vorwiegend als anmutiger Raturschilderer und träumerischer oder humoristischer Idylliker zu gelten; so als wäre er, ein wenig inniger zwar, ein wenig „tiefer", aber im Grunde doch eines Ranges mit Schreibern wie Uhland, Schwab, Heyse, Freiligrath. Geibel, Strauß, Cha- misso, Kerner u. ä. Um zu verstehen, wie Publikum und Wissenschaft zu solchem Fehlurteil gelangen konnte, und zu begründen, weshalb wir ihn gleichwohl für einen Dichter ersten Ranges im oben angedeu- teten Sinne halten, empfiehlt sich eine kurze vergleichende Rückbesinnung auf — Goethe. Mörike. von Iugend auf kränckich und mimosenhaft sensibel, menschenscheu bis zur Hypochondrie, dem Kerker des Tübinger Stifts entronnen, acht Iahre als Vikar verschlendernd, als Pfarrer dann betreut von Mutter und Schwester, aber vo.l Widerwillen gegen sein Amt und von über- w lügendem Mangel jeglicher Pflichtgefühle, pen- fioniert, mit der Schwester und der Geliebten jahrelang in bescheidener Gemächlichkeit dahinlebend. bis er sich siebenundvierzigjährig noch zur Heirat und älebernahme eines kleinen Lehrberufs entschließt, als menschenscheuer Sonderling in die hoffnungslo e äleberarbeitung seines Iugend- romans verbissen bis zu seinem Tode im 71. Lebensjahr — dieser zarte, stille, behagliche, grillige Mann scheint in Charakter und Schicksal bis zur älnvergleichlichkeit von Goethe verschieden. Lind doch ist beider Entscheidung vor der dichterischen Verlockung, in die Feuerzone des Elementaren einzutreten, die gleiche: beide, im Instinkt des ihnen Gemäßen, entschieden sich für das Menschliche, ob sie gleich dessen gebrechliche Beschränktheit tief wie je nur Tragiker erkannten, wichen der bedingungslosen Preisgabe aus und verzichteten auf dionysische Bedrohung xind — Götternähe: der eine im deutlichen Gefühl erzieherischer Sendung und vor- geprügten Wachstumszwanges, der andere mehr sind in britischen Händen. Europa beherrscht außer Rordafrika nur dessen tropische Zone. Dennoch gibt es hier Raum für Millionen Europäer. Die Erschließung des Sudans durch England: Algiers durch Frankreich; Tripolitaniens durch Italien, beweist, wie viel fruchtbaren Boden europäische Kühnheit, Organisation, Phantasie und Fleiß der Wüste abgewinnen kann. In diesem dünn besiedelten Gebiet ist noch viel Raum für alte und neue Völker. Ebenso bieten die Hochflächen Angolas große Siedlungsmöglichkeiten für Europäer. Zwischen diesen beiden Polen aber gilt das tropische Afrika als unbesiedelbar für die weiße Rasse; unbesiedelbar durch sein Klima und seine Seuchen, ilnö doch liegt gerade hier eine unerschöpfliche Quelle europäischen Reichtums — wenn es gelingt, sie zu fassen. Darum muß die europäische Technik und Medizin diesen Kampf gegen Hitze und Seuchen führen. Gegen Schlafkrankheit und Malaria, gegen Schlangen und Sümpfe. Wenn erst die hygienischen Voraussetzungen für europäisches Leben in Zentralafrika geschaffen find, wird Europa auch den Kampf gegen die Hitze aufnehmen. Dieser Kamps gegen die tropische Hitze wird nicht schwieriger sein als der mehrtausendjährige Kampf des Europäers gegen die nordische Kälte. Die Völker Südosteuropas, die in den letzten Iahr- hunderten Südamerika bevölkert und kolonisiert haben, sind in erster Linie berufen, in der Zukunft Afrika zu besiedeln. Von diesen Völkern aber in erster Linie die Italiener, deren Bevölkerungsüberschuß ihnen diese große europäische Mission zuweist. Diese Besiedelung der menschenleeren Gebiete Afrikas aber liegt im Interesse ganz Europas und der ganzen weißen Rasse. Denn die Erschließung und Besiedelung Llfrikas bedeutet die Erweiterung, Vergrößerung und Sicherung Europas. Da die Kolonialmächte aus guten Gründen an eine Räumung ihrer Kolonien nicht denken — müssen sie die Frage einer gemeinsamen Erschließung derselben mit den anderen Völkern Europas erwägen. Diese Zusanimenarbeit bedeutet für die Kolonialmächte keinen Verlust, sondern nur Gewinn: jeder Europäer, der nach Afrika auswand-ert. bringt der Kolonialmacht, deren Gebiet er erschließt, ein lebendiges Kapital zum Geschenk. Dieser wirtschaftliche Vorteil der kolonialen Arbeitsgemeinschaft Europas kann sich aber nur dann gegen alle politischen Bedenken durchsetzen, wenn in Europa selbst die Kriegsgefahr und Rivalität einem föderalistischen System der Solidarität weicht; wenn ein Krieg zwischen curopäiP'en Cf1 'zen außerhalb der politischen Kombination fällt. Die Erschließung und Eroberung Afrikas ist nur möglich unter der Mitwirkung der Deutschen und Italiener. Denn nur übervölkerte Gebiete toer'ci eine größere Zahl von Pinnieren nach t?lfri£a entsenden. Wer ebensogut in seiner Heimat leben kann, wird sich schwer entschließen, in ein tropishes, fremdes und fernes Land ciuszuwandcr.i. Die af i'a ischen Kolonialmächte sind außer Belgien, nicht übervölkert. Darum müssen sie das Menschenmaterial zur Erschließung Afrikas aus anderenLän- dern beziehen: aus den großen üebcwölfe- run--,g:ebieten Europas: Italien und Deutschland. Für I t a lien ist die afrikanische Frage vor allem eine Siedlungsfrage. Der Bevol- kerun-sriick wird immer stärker; die italienischen Kolonien sind nicht geeignet, ihn aufzunehmen. Anders liegt das afrikanische Problem für Deutschland: hier ist der Devölkerungs- druck geringer — aber der toir tschaftliche Dr uck größer. Anderseits sind nur beschränkte Seile Afrikas für größere Gruppen Deutscher AuSwanberer besiedelbar. Darum kommt für Deutschland Afrika weniger als Siedlungsgebiet in Frage wie als Rohstoffbasis. Das Bedürfnis Deutschlands und Italiens nach kolonialer Betätigung ist klar. Hier liegen so starke, gemeinsame Zukunftsinteressen, daß in der Jchbewahrung ängstlich gesparter Kräfte und gehüteten Gleichgewichts, bestärkt durch die protestantischen Ideale seiner Llmwelt, die mit seinem dionysischen Wesensteil zeitlebens in unterirdischer Sebbe lagen — ein metaphysischer Cto'e- spalt, der fein Leben zu einer mühsam ver' eckten Tragödie machte und Körper und Seele mit immer neuen Krisen bedrohte. Geradezu das Schlüsselereignis für die Tragödie des Dichters in Mörike ist daS Percgrina- Erlebnis. Dies abenteuernde Mädchen, vermutlich eine verstoßene Adlige, tritt in Mörikes Leben wie ein dämonischer Liebesiendling der elementaren Mächte, in ähnlicher Funktion also, in der Diotima einem Hölderlin begegnet, nut nicht aus so ätherhellen Bezirken, eher eine schweifende Botin abgrundtiefer, aber ftern- strömender Finsternisse, ilnterm Kusse der mä- na mischen Fremden wird Mörike zum Dichter. In der gewaltigen Erschütterung der übermenschlichen Berührung ahnt der Erwachte Sturm und Flackerschein eines Schicksals, das Verhängnis und wilde Seligkeit bedeuten kann und die Preisgabe gewohnter Sicherheiten mit dem Glück fee- lischen Getriebenseins und trunkener Siebe r- schwänge vergilt. Aber Mörike wich dem dämonischen Rufe, dem „verkommenen" Mädchen aus. Wer will entscheiden, ob ihm nur unselbständige Befangenheit in sittlichen Wertungen das Herz lähmte, oder ob verhehltes Schwächegefühl mit der moralischen Ablehnung der Abenteurerin sich selbst zu schützen trachtete? Man möchte das erstere annehmen. Ob er sich auch bewußt nie aus der Lehre der Kirche löste, so schwingt doch aus einem mehr als bürgerlichen, nämlich metaphysischen Zwiespalt ein abgründiger Derzweislungston in den Worten des Jünglings, der nach Erledigung der theologischen Examina ein Vikariat antreten soll: „Alles, nur kein Geistlicher! ... Ich sage Dir, der allein begeht die Sünde wider den Heiligen Geist, der mit einem Herzen wie ich der Kirche dient." Nachdem wir so die Schranken von Mörikes Genius abgesteckt, geben wir einige Hinweise auf die seltenem dann aber echten dichterischen Züge seines Werkes. Wir können hier nicht ins Einzelne gehen, sondern möchten nur kenntlich machen, welche Seite des Elements es ist, die Mörikes Inneres magnetisch anzieht. Es ist dies — im Gegensätze etwa zu der lichten Aetherhöhe, die Hölderlin zu immer leidenschaftlicheren Flügen lockt — die Nacht — in dem gewaltigen kosmischen Wirklichkeitszusammenhang mit Mutterschoh, Natur, Erde, Vergangenheit, Volk, wie et als religiöse- Erlebnis aus Tiefen der Deutschland und Italien auf diesem Gebiet, statt zu rivalisieren und übet künftige Mandate zu streiten, Zusammenarbeiten sollten an einem gemeinsamen Programm. Aber diese beiden Mächte dürfen nie vergessen, daß in Afrika nichts geschehen kann, ohne den Willen und das Einverständnis der Kolonialmächte selbst. Alles Recht in Zentralafrika liegt in den Händen Frankreichs, Belgiens, Portugals: diese Mächte werden keinem Programm zustimmen, das nicht ihren eigenen Interessen entspricht. Es muß also ein Programm ausgearbeitet werden, das jede Gefahr für die Kolonialmächte aus- schlleht. Dann wird sich bei ihnen das wirtschaftliche Argument durchsetzen, daß eine erschlossene Kolonie mit einer weißen Oberschicht, mit Eisenbahnen, Straßen, Fabriken, Plantagen und Häfen für das Mutterland wertvoller und einträglicher ist, als der Besitz unbewohnter Steppen, Sümpfe und SIrtoälber. Es sind verschiedene Projekte aufgetaucht zur Heranziehung Deutschland und Italiens an der Crschließu.ig Zentralafrikas. Am häufigsten wird ein e Neuverteilung der Kolonial» Mandate erörtert. Dieses Programm muß dahin eingeschränkt werden, daß ein Verzicht Südafrikas auf das ehemalige Deutsch-Südwestafrika ausgeschlossen ist; ebensowenig ist eine Rückgabe Deullch-Ostafrikas zu erwarten, das bestimmt ist, ein Hauptstück deS künftigen ostasrilanischen Dominions zu werden. Die einzigen Mandate die in Frage kommen, wären daher Kamerun und Togo. Bei einer Neuverteilung der Mandate könnten möglicherweise diese beiden Kolonien unter Zustimmung Frankreichs und Englands zwischen Deutsch'aid und Italien geteilt werden. Ein anderes Projekt. für das vor a.lem der Präsident dec deutschen Reichsback. Dr. Hjalmar S ch a ch t, eintritt, ist d i e Gründung großer Handelsgesellschaften (Chari.red Companies), die mit weitgehenden Vollmachten ausgedehnte Länderstrecken zur Des e .lung und Erschließung pachten sollen. Dieses Projekt gibt Deutschland und Italien die Möglichkeit zur Koloni a.ion ohne Aenderung der territorialen Verhältnisse. Die dritte Möglichkeit einer paneuropäischen Erschließung Afrikas wäre die persönliche und wirtschaftliche Gleichberechtigung aller europäischen Kolonisten und Pioniere auf afrikanischem Boden, ohne Rücksicht auf Muttersprache und Staatsbürgerschaft. Diese Lösung liegt im Sinne der Kongoakte und unter allen Vorschlägen am meisten im Sinne Pcm- europas. Für welche dieser drei Lösungen die afrikanischen Kolonialmächte sich entscheiden, hängt von der künftigen Gestaltung der europäischen Politik ab. Cs wäre auch möglich, daß diese verschiedenen Projekte kombiniert werden. Es wäre die Aufgabe einer besonderen Konferenz der interessierten Regierungen Frankreichs, Deutschlands. Italiens. Belgiens und Portugals, unverbindlich und freimütig alle Möglichkeiten eines gemein amen Kolonisaiionsprograinms für Afrika zu erörtern. Den Vorsitz einer solchen Konferenz könnte England übernehmen, das an einer friedlichen Lösung der afrikanischen Frage sehr stark interessiert ist. Dieses große Werk würde auch der europäischen R ü st u n g s i n d u st r i e gestatten, sich ohne Krise für Arbeiter und Unternehmer vöm Krieg auf den Frieden uinzu- st eilen und stalt Kanonen, Gewehre und Gra- i a.:n, für Afrika Lokomotiven, Schienen. Schiffe, Turbinen und andere Maschinen herzustellen. Die Wandlung Afrikas in die Plantage Europas würde die gesamte Wirtschaftslage unseres Erdteiles heben: den Wohlstand acker seiner Völker und aller seiner Individuen. Afrika aber wird von der Schlafkrankheit. an der es in mehr als einem Sinne leidet, geheilt werden. Es wird zu einem großen, unbekannten Schicksal erwachen. Die europäische Sonne, die Amerika und Asien erweckt hak. wird durch ihren Geist und ihre Kraft auch diesen dunkelsten Erdteil erleuchten und der Weltgemeinschaft zuführen. Lasidumffchastliche Bilanz. Technische Fortschritte, finanzielle Hemmnisse. Von Dr. Arlhur Dix. So mancher Städter, der in der letzten Reisezeit den üppigen Saatenstand und d,e von hrrr- lichstein Wetter begünstigte Einbringung der Ernte beim Durchfahren ländlicher Gebiete beobachten fonnte, wird wohl die feste Ueberzeugung m.tge- bracht haben, daß in. diesem Jahr die Landwirte keinen ernstlichen Grund zum Klagen haben könnten. Wer aber Gelegenheit hatte, etwas tieferen Einblick in die landwirtschaftlichen Bilanzen zu nehmen, kann sich nicht dem Urteil verschließen, daß selbst gute Ernten, günstige mckchwirtfchaftliche Ergebnisse und sonstige Nebenerträge nur in den seltensten Fällen die Rechnung des ländlichen Grundbesitzers anders als mit einem neuen 5)1 i» n u s aufgehen lassen. Gewiß, in der unerhörten Härte dieses Winters hat die Natur dem Ackerbauer auf einem Gebiet einen Ausgleich für die Frostschäden geboten, nämlich durch die Vertilgung vieler Schädlinge der Saaten. Und weiter hat sie auf ihn einen volkswirtschaftlich auf lange Sicht vorteilhaften Zwang zum technischen Fortschritt ausgeübt. Aber diese technischen Fortschritte haben wieder schwere finanzielle Opfer bedingt, von denen noch nicht abzusehen ist, wann und wie sie eingebracht werden sollen. Die Bestellung der Felder für die Frühjahrssaaten ist durch den harten und langen Winter, die gewaltigen Schneemengen und den tief in die Erde eingedrungenen Frost ganz außerordentlich verzögert worden. Wenn der Landwirt überhaupt noch mit der Keimfreudigkeit des Saatgutes und dem Ausreisen der Ernte rechnen sollte, dann mußte die Aussaat in dem Augenblick, in dem der Boden endlich bestellbar geworden war, auf das äußerste beschleunigt und zeitlich zusammengedrängt werden. Dieser Schwierigkeit ist man vielfach Herr geworden durch die Anschaffung neuartiger Ackergeräte, die es ermöglichten, die altgewohnte Arbeitsfolge des Pflügens und Eggens zu ersetzen durch einen einzigen Arbeitsgang unter weitgehender Zuhilfenahme mit starken Scheinwerfern ausgerüsteter Traktoren. Wie bekannt, wurde in diesem Frühjahr erstmals in der deutschen Landwirtschaft mit Tag - und Nachtschicht an der Felderbestellung gearbeitet. Soweit sich Gelegenheit zu persönlicher Beobachtung ergab, wie beispielsweise auf den schweren Böden des ostpreußischen Samlandes, war der Erfolg ausgezeichnet. Die Ernte stand auf großen Schlägen, deren Bearbeitung zeitlich so sehr zusammengedrängt werden konnte wie nie zuvor, ausgezeichnet und besonders durchaus gleichmäßig, so daß bei dem inzwischen eingetretenen günstigen Erntewetter eine absolut gleichmäßige, hochwertige und gut marktgängige Qualität gewährleistet erschien. Dadurch sind manche Zukunftsorgen relativ verringert, aber durchaus nicht etwa absolut behoben. Wie alle anderen gewerblichen Zweige, so stöhnt heute der Landwirt mit nur zu triftigen Gründen über das „Leben von der Substanz". Die Vorzeit herausgehoben wurde von der Romantik der Eichendorsf, Görres, Iakob Grimm, E. M. Arndt, Dachofen. Diese Beziehung Mörikes — ergänzt durch eine tief innere Abwehr gegen das Symbol des wachen Geistes. — den Tag — kündet aufs deutlichste von jenem „gewissen Heidentum", von dem Arndt äußerte, „es hätte nie gestört werden dürfen, und jeder gutmeinende Mensch sollte dahin arbeiten, es wieder lebendig zu machen." Schon Les spielenden Knaben geheimnisvolle Wollust war es. bei verhängtem Fenster und schwach leuchtender Kerze den Schauer der Nacht herbeizube chwören. während draußen Heller Tag war. In zahllosen späteren Gedichten klingt dieser tiefste Gegensatz an: immer ist es der „freche", der „gemeine" Tag, der die Seele verwirrt, ja ihre heiligste Liebe, ihre innersten Wünsche vergessen läßt. („An Hermann".) „Lisch aus o Tag! laß mich in Nacht, genesen." In der Nacht ist es ihm „wie dem Wilde traut in Finsternis geborgen", da vernimmt er „der Erdenkräfte flüsterndes Gedränge", sieht er in der Tiefe der Welt die Schick alsnormen an silberner Spindel sitzen. („Gesang zu zweien in der Nacht"), schaut er das mütterliche Geheimnis der Nacht: wie eine Gebärende, in der alle Fruchtbarkeit des Lebens kreist und „wühlt", liegt sie auf „der Erde feuchtem Grund" und „arbeitet schwer der Dämmerung entgegen“ („Nachts"). Lind keine bünnblütige Reflexion erdenkt poetische „Vergleiche", sondern echte Inbrunst hört den sphärischen Klang und der schlafenden Wasser „uralt altes Schlummerlied", erschaut das mystische Bild -der Nacht, wie sie „gelassen ans Land steigt", wie „ihr Auge die goldene Waage nun in gleichen Schalen stille ruhen" sieht oder wie „die heilige Nacht, gebückt auf ihre Harfe", träumend mit dem Finger an die Saiten stößt—: „ba gab es diesen Ton." („Lim Mitternacht", „Der letzte König von Orplid"). — Erst nach Begründung einer Lebenswissenschaft durch Ludwig Klages ist es möglich geworden, einen wichtigsten Wesenszug echten Dichtertums, den dionysischen in seinem vollen metaphysischen Geholt zu erfassen: das Erlebnis der Mächte, das selige Versinken des Ichs in die wahre Wirklichkeit weltenschöpferischer Dilderströme. Da ist's, „wo Natur den Schleier reißt, sie bricht einmal ihr übermenschlich Schweigen" („Besuch im Lirach"). Der Dichter „glüht in sanfter Wollust", fühlt sich „wie trunken, irrgeführt" („Auf einer Wanderung"). „Der Genius jauchzt" in ihm („An einem Wintermorgen") und immer weiter entrückt, immer magischer begnadet, stürzt sein Sinn „von Stufe zu Stufe", hört er „aus der Gottheit nächt'ger Ferne die Quellen des Geschicks melodisch rauschen". Das sind wahrlich nicht mehr Prägungen einer bürgerlich oder ästhetisch faßbaren „Poesie", einer anmutigen oder sein- sinnigen Begabung, sondern dunkelschwere Runen und Kündungen übermenschlicher Bilder und Schauer. Abgründige Erinnerungen tauchen der Seele herauf an „alte, unnennbare Tage"; das echt religiöse Gefühl: geführt, getrieben zu werden und also wie träumend zu müssen (im äußersten Gegensatz zu dem anders gearteten re.igiösen Willensaufruf, wachend zu sollen.) — und endlich das tragische Wissen um das ewige Abschiednehmen des Lebens, die rergängliche Flüchtigkeit der göttlichen Augenblicke: die genügelose Ohnmacht, die Fülle des Alls je im gebrechlichen Gefäß der Menschenexistenz auszu- schöpfen. Der erste Zug gemeinsam der antiken Tragödie wie der ge amten Märchenliteratur der früheren Völker gibt Kunde vom Versiegen einer heute längst zerstörten träumenden Lebenshaltung. Er eignet aufs neue nahezu der ganzen Romantik um) befähigte zumal Mörike zu zwei seiner besten Schöpfungen: der Novelle „Der Schatz" und dem Märchen vom „Stuttgarter Hutzemrännlein", dichterischen Gaben ersten Ranges. Beide atmen die tiefe Schicksalsgewißheit, mit der weckoffene Seelen wie auf magischer Spur gebannt durchs Leben wandern, dem gläubig geahnten Ziele zu, mit traumwandlerischer Sicherheit und kaum von störenden Zweifeln und Berechnungen des Bewußtseins angefochten. Den besonderen Ton erhalten diese Erzählungen durch Mörikes wirkliche Erdverbundenheit. Der Dichter hört auf, Schriftsteller, Literat, Künstler zu sein; er ist ein Stück Volk, das durch seinen Mund sich äußert. Darum gelingen ihm auch wie nut wenigen wirkliche Lieder im Volkston. Dergäng- lichkeitsschauer endlich klingen in Mörikes lyrischem Werk immer wieder schwermütig auf (am mächtigsten in „Erinna an Sappho"). Aber auch seine innige, farbenfröhliche Novelle, „Mozart auf der Reise nach Prag" wird gerade darum eine der kostbarsten Dichtungen des romantischen Schrifttums, weil der Leser, erst benommen, dann bis zur strömenden Trauer mitzuerleben gezwungen wird, wie in die heitersten Geschehnisse das ferne Wetterleuchten tödlicher Blitze hereindroht, wie das Schicksal gerade der ahnungslos kindlichen Schönheit, der quellen!) ft en Fülle den unerbittlichen Nornenspruch bereit* hält, der in die Novelle mit der dämonischen Geisterstimme aus dem Don Juan herübertönt: „Skin Lachen endet vor der Morgenröte." 51 e u e r I a ft und die Zinslast, das sind die beiden großen Steine des Anstoßes, an denen auch der Landwirt nicht vorbei kommt.Und wenn er auch für die Erfordernisse sozialer Lasten ein noch so weitgehendes Verständinis aufbringt, so bedeutet es gerade für das landwirtschaftliche Gewerbe doch eine ungeheuer empfindliche Erschwernis, daß selbst in den Zeiten drängendster Arbeitserfordernis das starre System der vorgeschrie- beneu Arbeitszeit in größeren Betrieben nicht durchbrochen werden kann. Wenn der nur auf die Arbeitskraft der Familienmitglieder eingestellte kleinbäuerliche Betrieb eher durchzuhalten vermag, so ist das doch lediglich möglich durch eine mit allen sozialer^ Grundsätzen unserer Tage unvereinbaren ganz außerordentlichen Vermehrung der Arbeitszeit bei einer Beschränkung auf persönliche Einkünfte der bäuerlichen Familienmitglieder, die tief unter dem normalen Lohnniveau steht. In früheren Zeiten neidete der Besitzer leichter Böden dem Berufsgenossen auf schwerem Boden wohl den Reichtum seines Ackers. Heute ist es beinahe umgekehrt. Schwerer Boden erfordert ein höheres Anlagekapital, also eine viel stärkere Zinsenlast. Er erfordert auch schwere und entsprechend, teuere Ackergeräte, starke Traktoren und eine größere Zahl von Arbeitskräften. Löhne und Zinsen aber sind heute entscl-eidend. Der leichtere und auch entsprechend leichter bestellbare Boden kann durch künstliche Dünger zu höheren Erträgen gebracht werden oder aber der Besitzer kann zur Vermeidung der Unkosten dem durch die wirtschaftlichen Verhältnisse gegebenen Anreiz zu extensiver Wirtschaft zwecks Ersparnis an Betriebskosten folgen. Schwerer Boden aber kann nicht leichter bestellbar gemacht werden und an eine Verzinsung des in ihn hineingesteckten Anlagekapitals ist nur zu denken bei intensivster Wirtschaft, die auch das letzte mögliche Korn, den letzten möglichen Liter Milch herauszieht. Auf diesem Boden zieht man also die vollständigste Nutzung landwirtschaftlich technischer Fortschritte und eine Steigerung der Hektarerträge, die bei allgemeiner Durchführung wohl versprechen könnte, Deutschland in Bezug auf die Versorgung mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen vom ausländischen Markt weitgehend unabhängig zu machen. Aber trotz dieser Anwendung äußerster Kraft und Mittel erscheint die Rentabilität immer wiede»r in Frage gestellt und so lange überhaupt nicht erreichbar, wie die heute geltenden Zinssätze namentlich für die kurzfristigen Kredite, aufgebracht werden müssen. Auch die vorgenommenen Zollerhöhungen vermögen für diese Belastung keinen vollen Ausgleich zu bringen. Selbstverständlich ist es angesichts der schweren finanziellen Hemmnisse um die Weiterdurchführung technischer Fortschritte sehr bedenklich bestellt. Der höchste Qualitäten produzierende Landwirt, der für die große Mühseligkeit und die jahrelangen Opfer der Erzeugung hochwertigen Saatguts entsprechende Absatzpreise erwarten muß, sieht infolge der Geldnot seiner De- rufsgenossen seine Einnahmequelle versickern. Wir haben Fälle beobachten können, in denen die alten Abnehmer hochwertigen Saatguts in Deutschland ihren alten Lieferanten untreu werden mußten, um sich mit billigen, geringwertigen Qualitäten zu begnügen, während der Produzent für sein hochwertiges Produkt schließlich nur noch in den östlichen Randstaaten zu ganz wesentlich verringerten Preisen Absatz fand, was in seiner Rechnung einen • Ausfall von Zehntausenden zur Folge Halle. Damit aber steht die Qualität der landwirtschafllichen Erzeugnisse Deutschlands allgemein wieder vor der Gefahr der Verringeruna, wodurch ein noch stärkeres Sinken der Quantität unserer Ernte bedingt ist. Damit aber steigt wieder der Bedarf an fremder Einfuhr, verschlechtert sich also unsere allgemeine Handels- und Zahlungsbilanz. Zu diesem Nachteile für die gesamte Volkswirtschaft gesellen sich die besonderen Nachteile für die landwirtschaftliche Maschinenindustrie und verwandte Gewerbe, der ein aufnahmefähiger Bm- . nenmarft fehlt. ’ Betrachtet man die Hauptfaktoren auf der landwirtschaftlichen Unkostenseite — Arbeitslöhne und soziale Lasten, Steuern, Saatgut, Ackergeräte und dergleichen — so ist hinsichtlich der Arbeitslöhne • und sozialen Lasten zu berücksichtigen, daß der Landwirt schwer um die Arbeitskräfte ringen muß, also auch ganz von selbst darauf bedacht sein muß, sie nach Möglichkeit günstig zu stellen. Eine Verringerung dcik Aufwendungen für landwirtschaftliche Maschinen und künstlichen Dünger bedeutet eine Schädigung der Industrie durch Verengung ihres Arbeitsmarktes und im Verein mit der Minderung der Saatgutsqualität ein Herabaehen der Erträge, also eine Verstärkung unserer Abhängigkeit vom Auslande und eine Schädigung der gesamten Volkswirtschaft. Bleiben also die beiden Hauptfaktoren, bei denen die Entlastung des landwirtschaftlichen Unkoftenkontos einsetzen muß, die Herabsetzung der Steuern und eine wesentliche Verringerung der Zinsenlast, d. h. also eine Erleichterung der Kreditgewährung. Wenn auf diesen beiden Gebieten keine namhaften Fortschritte erzielt werden, dann ist anstelle der technischen Fortschritte in der Landwirtschaft mir mit technischem Rückschritt, anstelle der Ertragsfähigkeit mit Ertragsminderung zu rechnen. Industrie und Handel find zweifellos an dem technischen Fortschritt der Landwirtschaft und der Steigerung ihrer Kaufkraft wesentlich interessiert. Auch dem Staat als Fiskus ist nicht mit einer Landwirtschaft gedient, die zwar zu I trotz der diesjährigen guten Getreideernte d e land- hohen Steuern veranlagt ist, bei der abef der wirtschaftliche Bilanz nicht aufgehen will, so kann Gerichtsvollzieher vergeblich anklopst, sondern mit die Lage auch im Interesse aller übrigen -teile der einer Landwirtschaft, die geringere Steuern tat- Volkswirtschaft nur gebessert werden durch ein sächlich und pünktlich aufzubringen vermag. Wenn 1 Herabdrücken der Zinssätze und der Steuersätze. Wie man heutzutage Landkarten macht. Geländeaufnahmen vom Flugzeug aus. Von Professor Dr. Paul Kirchberger. Nachdruck verboten! Dutzende von Verkehrsflugzeugen fliegen täglich über Deutschland, viele Tausende unserer Mitbürger haben schon den eigenartigen Reiz einer Luftreise genossen, und der Zeitpunkt laßt sich absehen, wo die Anzahl der fliegenden Menschen nicht mehr eine kleine Minderheit der Zeitgenossen ausmacht. Aber vorläufig ist die Zahl derer, die den Boden der wohlgegründe- ten Erde noch nicht verlassen haben, doch noch bei B/7• Geflügelhäuser mit allen Schikanen liefern als Spezialität preisw. Holzindustrie NiederOhmen Martin Oppenheim 3rene Oppenheim geb. Stiefel Vermählte Äebra Tich 8. September 1929 '35iD Ihre Vermählung beehren sich anzuzeigen Wilhelm Schneider Betty Schneider geb. Rau Äürstadt (Kr. Äenöheim) Gießen Wingerlsfeldstraße 5 Walltorftraße 67 z. September 1929 >568’ Für die uns anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Ernst Marx und Frau Gertrud geb. Oatz Gießen (Bahnhofstraße 24II), September 1929 05729 Auf zur Kirmes nach Annerod am 8. und 9. September 1929 Es laden ein: Gastwirt Engelhardt Burschenschaft Edelweiß Obstkelter« ein« u. zwetsplndlig liefert sehr günstig a. eign. Fabrikation Ernst Pfaff Kinzenbach. Ätierel AlMNillM werd, sachgemäb u. preiswert gestimmt u. revar. G.Evett^ ©leBeu.DloimrJl Telephon 2403. 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Vach ruhigem Handel und gut behaupteten Preisen wurde nahezu geräumt. Allerbeste Ware erzielte Preise über Votiz. Kälber hatten bei etwas größerem Austrieb ruhiges Geschäft, jedoch konnte der Markt ausverkauft werden. In Schafen war das Geschäft ziemlich schlecht, trotz des geringeren Austriebs. Es verblieb Lieberstand. Der Gesamtauftrieb bestand aus 1617 Rindern, darunter 330 Ochsen, 98 Dullen, 616 Kühe und 468 Färsen, ferner aus 1673 Kälbern, 278 Schafen und 5135 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 170 Rinder und 133 Schafe weniger angetrieben, während 103 Kälber und 318 Schweine mehr 5um Verkauf standen. Bezahlt wurde pro Zentner Lebendgewicht in Lim den Wünschen der Verkäufer auf dem Gießener Wochenmarkt nach besseren Aufenthaltsverhältnissen (Schuh vor Regen und sonstigen Linbilden der Witterung), sowie nach besseren sanitären Bedingungen in den Marktständen Rechnung zu tragen, hat die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung vom 13. Juni v. Is. die Errichtung eines Marktlaubengebäudes in der Marktlaubenstraße genehmigt und dafür einen Kredit von rund 344 000 Mk. zur Verfügung gestellt. In Verbindung mit diesem Gebäude sollten auch eine Anzahl Wohnungen geschaffen werden. Mit den Arbeiten für diesen Veubau wurde In den letzten Tagen wurden die an der Autolinie F e l l i n g s h a u se n — C r u m- bach —Frankenbach interessierten Gemeinden durch die Vachricht überrascht, daß durch die in Aussicht stehenden Arbeiterentlassungen auf dem Gießener Bergwerk und den dadurch bedingten geringeren Verkehr auf der vorerwähnten Autolinie die Gefahr der Einstellung dieses Autoverkehrs besteht. Zur Abwendung dieser Gefahr fanden sich nun gestern abend auf Einladung von Bürgermeister Hermann. Crumbach, die Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder der Gemeinden Fellingshausen, Crumbach und Franken- b a ch in Crumbach zusammen. Als Vertreter der Stadt Gießen, sowie des Gießener Der- kehrsvereins war DerwaltungssekretLr Maus (Gießen) erschienen, außerdem nahmen Pfarrer Schulz, Crumbach, sowie der Lehrer dieses Ortes an den Verhandlungen teil. Erfreulich war die Feststellung, daß bei den Verhandlungen von fast allen Rednern die HotroenbigfeH bet Erhaltung dieser Autolinie betont wurde, und zar nicht nur int Interesse der beteiligten Landgemeinden und ihrer Einwohner, sondern auch im Interesse der Stadt Gießen, welche diese Verbindung mit dem Hinterland seither besonders angenehm empfunden hat. Auch darüber, daß zur Vermeidung der Einstellung des Autobetriebs von den interessierten Gemeinden unter Llmständen noch weitere Opfer gebracht werden müssen, bestanden kaum Zweifel. Vur über die Art der Regelung b,w. die anteilmäßige Beteiligung der einzelnen Gemeinden gingen die Auffassungen auseinander. Bürgermeister Hermann (Crumbach) gab in seiner Einleitung Kenntnis von einem Schreiben des Autounternehmers Ernst Walldorf, in dem dieser mitteilt, daß er durch die beabsichtig« len Arbeiterentlassungen des Gießener Bergwerks und die dadurch bedingte geringere Benutzung seines Autos gezwungen sei, den Autobetrieb auf dieser Linie mit dem 18. I. M. einzuskellen, wenn nicht Mittel und Wege gefunden würden, die Exi« ftcnzjähigkeit zu erhalten. Unternehmer E. Walldorf (Gießen) erläuterte bann zunächst die Voraussetzungen, unter denen die Autolinie seinerzeit eingerichtet wurde, zeigte die Auswirkungen der vom Bergwerk beabsichtigten Maßnahmen und wies weiter darauf hin, daß auch die Betriebseinjchränkungen auf Abendstem sich auf den Autoverkehr ungünstig auswirken. Er erklärte, den Autoverkehr über den 18. I. M. hinaus nur bann aufrecht erhalten zu können, wenn ihm seitens der interessierten Gemeinden eine Tlinbeft« einnahme von 340 Mark pro Woche (bas entspricht einem. Preis von 80 Pf. pro km) garantiert werde. Pfarrer Schulz (Crumbach) hofft, daß im Hinblick auf die üu Winter zu erwartende stärkere Inanspruchnahme bes Autos die Krisis noch h'.n- ausgeschoben werden könne. Herr Walldorf (Gießen) hält es für unbedingt notwendig, daß die interessierten Gemeinden bat etwaige Defizit tragen, er wies auf andere Gemeinde hin, welche für Beförderungsmöglichkecken wesentlich höhere Aufwendungen machen. Verwaltungssekretär Maus (Gießen) unterstützte die Ausführungen bes Vorrebners. Namentlich bie Gemeinden, welche Bürgschaft geleistet (Frankenbach unb Crumbach), hätten besonderes Interesse an der Weiterführung bes Autobetriebs. Die Stadt Gießen und auch der verkehrsoerein halten seither die Bestrebungen nach einer Der- bindung mit dem Hinterland weitestgehend unterstüht. Ein Gerne'nderatsmitglied von Crumbach verlangt Garantien, daß auch nach Erledigung der Bürgschaft der Gemeinden Crumbach und Frankenbach die Autolinie erhalten bleibt Pfarrer Schulz wies darauf hm, daß heute wohl kaum jemand die Autolinie verlieren wolle. Wenn die Gemeinden seststellen würden, was sie beim Wegfall der Autolinie einbußen, so würden sie auch bereit sein, weitere Opfer zu bringen. Der Bürgermeister von Fellingshausen wünschte, daß der Autoverkehr erhalten bleibt. Inwieweit seine Gemeinde Opfer bringen könne, müsse erst festgestellt werden. Auch er wünschte Garantien für die Weiterführung des Betriebs nach Erlöschen der Bürgschaft der Gemeinden. Herr M aus (Gießen) betonte, daß die durch Bürgschaft gebundenen Gemeinden im Falle der Einstellung des Autoverkehrs viel größere Opfer bringen müssen, als bei der Weiterführung der Autolinie. Der Bürgermeister von Frankenbach wies aus Grund der seitherigen Einnahmen und der Bem-tzungszifsern den durch die veränderte Lage vermutlich eintretcnden Ausfall nach. Ein Mitglied des Gemeinderats von Crumbach vertrat ‘bie Auffassung, daß auch die am Autoverkehr Interessierten industriellen Llnternehmun- gen finanziell herangezogen werden müßten. Pfarrer Schulz befischtet, daß nach Einstellung der Autolinie in absehbarer Zeit kein regelmäßiger Autoverkehr zu erwarten sei. Im übrigen bedauerte er, wie eine Reihe anderer Redner, daß das Landraisaml bezüglich der finanziellen Anterstühung dieser Verkehrsmöglichkeit sich seither so zurückhaltend benommen habe. Auch darüber, daß kein Vertreter des Landratsamts und kein Mitglied des Kreistags den Verhandlungen beiwohnte, wurde von verschiedenen Rednern mit dem Hinweis Klage geführt, daß auch das Landratsamt viedenkopf großes Interesse an dem - eiterbeftehen der hier in Frage kommenden Autolinie haben müsse. Cs wurde daher aus der Versammlung der Vorschlag gemacht, in Gemeinschaft mit dem Landrat unb bin Kreistagsvertretern erneut zu verhandeln. Demgegenüber vertrat der Bürgermeister von Fellingshausen die Auffassung, daß sich zunächst einmal die durch Bürgschaft gebundenen Gemeinden Crumbach und Frankenbach überlegen müßten, was geschehen solle. Fellingshausen werbe dann auch mit sich reden teiligten Gemeinden eingerichteten Auto» linien von hier nach verschiedenen Orten der näheren Umgebung haben in der letzten Zeit wiederholt Verhandlungen stattgefunden, in denen von dem Autoverkehr die Llebemahme deS Omnibusbetriebes in die Selbstvcrwal- tung der Gemeinden beantragt wurde. In der letzten, hier stattgehabten Sitzung wurde von der Mehrzahl der beteiligten Gemeinden dieser Antrag a b g e I c f) n t. Auch der weitere Antrag, die von der Stadt Butzbach bzw. den befahrenen Gemeinden beschlossenen Garantiesummen zu erhöhen, fand keine Annahme. Llm den Betrieb wirtschaftlicher zu gestalten, hat nun das Unternehmen den Verkehr auf unrentablen Teilstrecken eingestellt; hierunter fällt auch die Teilstrecke Dornholzhausen—Kleeberg. Weiter hat der Autoverkehr die eingeführten Zeitkarten mit verbilligtem Fahrpreise aufgehoben. Das Gießener Marktlanbengsbäude Spareinlagen im Reiche, sowie die hoffnungsvolle Beurteilung der deutschen Wirtschafts- unb Börsenlage burch bie Dresbner Bank konnten an bie- ser Tatsache nur wenig änbern, beim bie Beteiligung des Auslandes am Börsengeschäft fehlte immer fast noch vollkommen. Auch tauchten wieder erneute Befürchtungen einer evtl. Diskonterhöhung der Bank von England infolge der wieder zunehmenden Golbabslüsse der englischen Bank auf. Doch wurde gegen Ende der Woche die Stimmung etwas zuversichtlicher, -so daß die Kurse meist gehalten werden konnten, es traten verschiedentlich noch kleinere Besserungen ein. Von besonderer Bedeutung waren diesmal Vermutungen einer nicht von der Hand zu weisenden Diskontsenkung bei der Reichsbank. Diese Schlüsse wurden durch die immer günstiger werdenden Geldmarktverhältnisse gezogen. Auch traten die Mutmaßungen einer Erhöhung der Diskontrate von England etwas mehr in den Hintergrund. Aber trotzdem war die Unternehmungslust sehr gering; denn immer wieder traten neue Momente in den Vordergrund, die einen nachteiligen Eindruck hinterließen. Zum Wochenschluß war man wieder beruhigter, als in Neichsbankanteilen Deckungen vorgenomen wurden. Es traten zumeist kleinere Besserungen ein. Die Tendenz war, vom Elektromarkt ausgehend, etwas freundlicher. Aber sofort trat in Gestalt unliebsamer Vorgänge bei der Vaterländischen unb der Rhenania-Versicherung- 21.-G. ein neuer Unsicherheitsfaktor auf, ber alle guten Hoffnungen zunichte machte. Das Angebot nahm aber nirgends dringende Formen an, so daß die Rückschläge nie über 2 v. H. hinausgingen. 2lud) am Glanzstoffmarkt war eine sichtliche Beruhigung festzustellen. Bei einem Vergleich ber Kurse gegenüber der vergangenen Woche waren doch noch überwiegend kleine Ueber- s ch ü s s e zu verzeichnen. Stärker hervorzuheben verdienen besonders Otavi Minen, die auf höhere Kupferpreise bis 5 Mark gewannen. Zider auch Chade-Aktien traten mit plus 16 Mark in den Vordergrund. Beachtenswert fest lagen Siemens, bei einem Gewinn von 6 v.H. Die Neben- märkte lagen vernachlässigt, auch überwiegend etwas schwächer. Bon A.E.G., 3.« G.-Farben, Westeregeln, Harpener und Buderus kann dasselbe gesagt werden. Reichsbank verlieren 11 0. H., konnten sich aber zum Wochenschluß wieder um 3 0. H. erholen, Salzbetfurth minus 8 v. H. 1 v. H. zur Folge hatte. Aber auch hier ließ bie Nachfrage nach, ba die Verstimmung weiter sich griff. Die Spekulation schritt zu Abgaben. Die vorteilhaften Geldoerhältnisse, die Zunahme, der Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. In der neuen Berichtswoche unterlag der Markt wieder den Schwankungen der überseeischen Börsen. Die Händler beobachteten große Zurückhaltung, da einmal niedrige Quotierungen und das andere Mal höhere Votierungen aus Amerika eintrafen. Die Stimmung war in der ganzen Woche l u st l o s, doch konnten gegenüber der vergangenen Woche einige Gewinne erzielt werden. Das Geschäft war äußerst gering, da Ware genügend vorhanden war. QIber auch die Provinz wurde später mit ihrem Angebot etwas zurückhaltend, so daß, hiervon angeregt, in einzelnen Getreidesorten Deckungen vorgenommen wurden: dies war aber auch nur von ganz kurzer Dauer. Auch das Mehl- geschäft erfuhr vorübergehend eine kleine Belebung, da der Abruf bei den Mühlen etwas flotter wurde, und selbstverständlich schritten auch die Mühlen zu Reueinkäufen. Gegen Ende der Woche stagnierte das Geschäft wieder fast vollkommen, doch war allgemein eine gewisse Zuversicht, wenigstens auf spätere Zeiten, nicht zu verkennen. Weizen und Roggen traten etwas hervor, bei bescheidenen Gewinnen, die aber doch zum Wochcnschluß wieder etwas vermindert wurden. Angeboten und schwach lagen Hafer beide Sorten, Mehle waren etwas bevorzugt, aber auch hier gingen die Gewinne ganz verloren. Am Futtermittelmarkt war die llmsatztä^igkcit klein. Rur Weizen- und Roggenkleie traten etwas hervor. Im Vergleich mit den Votierungen der vergangenen Woche lagen Weizen 0.40, Roggen 0,10, Roggenmehl 0,75, Weizenkleie 0,50 und Roggenkleie 0,10 Mark hoher. Sommergerste und Hafer büßten bis zu einer Mark ein. Vur Roggenmehl konnte den anfänglichen Gewinn halten. * • Commerz- und Privatbank A.-G. In der gestrigen Auffichtsratsfihung berichtete der Vorstand über eine befriedigende Entwicklung des Geschäftes im ersten Halbjahr 1929. • Die Lage der Vaterländischen Kredit-Versicherungs -A. -G. In der gestrigen Aufsichtsratssitzung der Vaterländischen Kredit-Dersicherungs°A.-G. in Berlin wurde, wie WTD.-Handelsdienst berichtet, die Lage der Gesellschaft eingehend erörtert und dabei festgestellt, daß zu Desorgnifsen im Interesse der Versicherungsnehmer keinerlei Anlaß vorliegt. Die entstandenen Verluste sind aus laufenden Mitteln voll gedeckt. Die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft wird durch diese Verluste in keiner Weise berührt. Obwohl die Liquidität bis jetzt durchaus ausreichend war, hat der Aufsichtsrat vorsorglich beschlossen, den Vorstand zu ermächtigen, im Bedarfsfälle bis zu 10 Proz. des nicht eingezahlten Aktienkapitals einzufordern. • Fusion Allianz und Stuttgarter Leben — Frankfurter Leben. Die Allianz und Stuttgarter Lebensversicherungs- Bank A.-G. wird die Frankfurter Lebensver- sicherungs A.-G., deren gesamtes Aktienkapital von 1'80 Mill. Mk. sie vor kurzem erworben hat, in nächster Zeit im Wege der Vollfusion in sich aufnehmen. Dabei werden die Verluste, die bei der Frankfurter Leben infolge chres engen Zu- sammenhL;»gs mit der Frankfrvster Allgemeinen eingetreten sind und die sich übrigens nicht auf die Prämienreserve und den Aufwertungsstock der Altversicherten erstreckt haben, ihre volle Deckung- finden. Für die Gesamtheit der Versicherten der Frankfurter Leben, einschließlich der Versicherten der Zweigniederlassungen dieser Gesellschaft, nämlich der Deutschen Lebensversicherungs-Dank, Berlin, der Rentenanstalt und Lebensversicherungsbank, Darmstadt, der Sächsischen Lebensversicherungs-Anstalt, Dresden, und der Frankfurter Lebensversicherungs A.-G., Potsdam (Dorrn. Intag-Phobus), bleiben die bisherigen Gewinnverbände auch nach Durchführung der Fusion in getrennter Verwaltung erhalten. Die inzwischen erfolgte eingehende Durchprüfung des Betriebes der Frankfurter Leben hat ergeben, daß durch die bereits eingeleiteten Rationalisierungsmaßnahmen wesentliche Ersparnisse erzielt und dadurch aus diesen Gewinnverbänden für die Versicherten auch in Zukunft ähnlich günstige Gewinne wie seither ausgeschüttet werden könnten. • Adam Opel, A. - G., Rüsselsheim. Zu einer Meldung der „Vew Vork Times" teilt die Direktion der Opelwerke offiziell mit: Es besteht nicht die Absicht, außer den 4--P8- und 8-P8- Wagen einen neuen Kleinwagen für die kommende Fhühjahrssaison auf den Markt zu bringen, ebenso sind auch alle Mitteilungen über Preissenkungen aus der Luft gegriffen. Die gesamten Automobilpreise neigen, tote Beispiele zeigen, im Gegenteil eher zu einer Erhöhung, als zu einer Ermäßigung. Insbesondere liegt in der Klasse der Kleinwagen für Opel kein Anlaß zu Preisreduzierungen vor. Von einer Stilllegung des Werkes ist in Rüsselsheim nichts bekannt. Das Werk arbeitet nach wie vor, um den lausenden Bedarf zu decken, hat aber die Belegschaft saisonmäßig reduziert, um die Bestände bei den Händlern auf normaler Höhe zu halten. 'Der Zusarnrnenschlußin der Offenbacher Lederindustrie. Die Generalversammlung der Mühlheimer Lederindustrie A.-G., Offenbach a. M., beschloß die vorgeschlagene Fusion mit der Firma I. Mayer & Sohn, Lederfabrik in Offenbach a. M. mit Rückwirkung ab 1. Juli 1929, Firmenänderung in I. Mayer & Sohn Lederfabrik A.-G. und Erhöhung des Aktienkapitals um 9,5 auf 10 Millionen Mark. In einer anschließenden Auffichtsratsfihung wurde der Zusammenschluß mit der Firma I. Feistmann und Söhne, Offenbach a. W., genehmigt. — In einer Bilanz der I. Mayer & Sohn A.-G. per l.Iuli 1929, in der der Zusammenschluß mit Feistmann noch nicht berücksichtigt ist, stehen 10 Millionen Mark Aktienkapital und 7,41 Kreditoren. 5,51 Debitoren, 8,55 Waren und 0,93 Millionen Mark flüssige Mittel gegenüber. Anlagen sind mit 2,42 Millionen Mark bewertet. * Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei, Bremen. Auf eine Anfrage aus Aktionärskreisen, ob die in letzter Zeit sich häufenden Zahlungseinstellungen die Gesellschaft betroffen haben, teilt die Verwaltung mit, daß sie in diesem Zusammenhänge keine Verluste erlitten habe. Das Unternehmen habe eine gute, in Jahrzehnten bewährte Verteilung d?s Risikos in den Außenständen durch die sehr große Zahl ihrer Kunden. Die Gesellschaft habe Kundschaft in sämtlichen Ländern, in denen wollene Erzeugnisse verbraucht werden, mit Ausnahme der Staaten, die sich durch allzu hohe Schutzzölle gegen deutsche Erzeugnisse abgesperrt haben. Bisher hätten sich in diesem Jahre die Verluste in Außenständen durchaus innerhalb des sehr geringen Prozentsatzes bewegt, der dafür auf Grund der Erfahrung ver- anschlagt ist. Im übrigen beginne sich aller Voraussicht nach das bevorstehende lebhaftere Geschäft in wollenen Erzeugnissen im kommenden Winter bereits in stärkerem Eingang von Aufträgen anzukündigen. Die Beschäftigung der Werke sei im Durchschnitt bis zum Ende d. I. gesichert. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 7. Sept. Tendenz geschäftslos. Die erste Samstagbörse nach der Unterbrechung durch die Sommermonate eröffnete in lustloser Haltung. Die Grundstimmung war jedoch etwas zuversichtlicher, da die gestern umlaufenden Jnsolvenzgerüchte nicht den Tatsachen entsprechen. Aber auch die gestrige Neuyorker Börse, sowie die besseren Geldmarktverhältnisse am dortigen Platz machten einen guten Eindruck. Das Geschäft blieb aber äußerst minimal, da Orders kaum Vorgelegen haben dürsten. Es kamen verschiedentlich Verkaufsorders in Nachwirkung der gestern umlaufenden Gerüchte zur Ausführung, wodurch in erster Linie wieder das Publikum eingeschüchtert wurde. Zur ersten Notiz kamen nur sehr wenig Kurse zur amtlichen Festsetzung. Stärker gedrückt eröffneten wieder Glanzstoff mit minus 4 o. H. Far- ben lagen kaum verändert. Etwas Interesse bestand für Buderus mit plus 1 o. H. und für Gelsenkirchen mit plus 0,75 o. H. Am Elektromarkt kamen Umsätze nur in AEG. mit minus 0,5 und in Siemens mit minus 1 v. H. zustande. Sonst waren nennenswerte Umsätze nicht zu verzeichnen, lieber» Haupt konnte man die Tendenz bei diesem troft» losen Geschäft nur schwer erkennen. Renten geschäftslos. Im Verlaufe war die Umsatztätigkeit weiter klein, die Tendenz neigte zur Schwäche, da die Kulisse verschiedentlich zu Abgaben schritt. Es ergaben sich Kursrückgänge bis zu 1 v. H. Glanzstoff gaben erneut 3 o. H. nach. Am Geldmarkt nannte man Tagesgeld mit 7,5 v. S). Am Devisenmarkt nannte man Mark gegen Pfund 20,362, London gegen Kabel 4,8470, gegen Paris 123,90, gegen Mailand 92,71, gegen Madrid 32,90, gegen Holland 12,0878. Berliner Börse. Berlin, 7.Sept. Nachdem man noch im heutigen Vormittagsoerkehr und vorbörslich auf Grund der erleichterten Tagesgeldsätze und der festen gestrigen Neuyorker Börse mit einem beruhigten Börsenoerlauf auch für die Börse gerechnet hatte, konnte sich zu Beginn des offiziellen Verkehrs die etwas freundlichere Stimmung doch nicht allgemein in den Kursen auswirken. Es fehlten Orders, die Um- satztätigkeit war minimal, und man hatte den Eindruck, als wenn noch nicht allgemein be« kamst ist, daß am heutigen Samstag wieder Bör- senverkehr ftattfinbet. Wie schon gesagt, lagen die ersten offiziellen Notierungen ganz uneinheitlich. Stärkere Abweichungen gegen gestern hatten nach oben Polyphon, angeregt durch den guten Kolumbus-Abschluß, Ehade-Aktien, Svenska, Schlesische B.-Gas und Kaliwerte, für die die feste Haltung der Kalikuxe an den westdeutschen Börsen als Grund angegeben wird. Telephon Berliner erschienen heute, nachdem sie tagelang ruhige Tendenz gezeigt hatten, wieder mit Plus-Plus-Zeichen. Schwächer eröffneten dagegen Schubert & Salzer, Reichsbank und besonders Bemberg. Deutsche An- leihen wenig verändert. Ausländer geschäftslos. Pfandbriefmarkt undurchsichtig. Der Geldmarkt war nicht leichter, die Sätze blieben unverändert. Auch im Verlaufe blieb die Stimmung sehr unsicher, und die Kurse gaben weiter nach. Polyphon und Bemberg verloren bis zu 6 v. H. gegen Anfang, Schlesische B.-Gas, Siemens und Karstadt 2 bis 3 v. H. Neben der Geschäftslosigkeit beunruhigten die teilweise bereits bekannten Gerüchte die Börse, daß auch bei den Hypothekenbanken nicht alles in Ordnung sei. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 8. Sept., 20 bis 22.30 Ahr: Schwanda, der Dudelsackpfeifer. Montag, 9., 19.30 bis 22.30 Llhr: Der Zigeunerbaron. Dienstag, 10., 20 bis nach 22.30 Uhr: Der Troubadour. Mittwoch, 11., 20 bis 22.30 Uhr: Schwanda, der Dudelsackpfeifer. Donnerstag, 12., 19.30 bis gegen 22.30 IHjr: Der Wildschütz. Freitag. 13., 20 bis nach 22 Uhr: Orpheus und Eurydike. Samstag, 14., 20 bis nach 22 Uhr: Orpheus unk» Eurydike. Samstag, 15., 20 bis nach 22.30 Ahr: Madame Butterfly. Montag, 16., 19.30 bis 22.15 Llhr: Fidelio. Schauspielhaus. Donnerstag, 12. Sept., 20 Uhr: Werbeabend der Volksbühne. Sonntag. 15., 20 bis 22.15 Uhr: Pariser Leben. Montag, 16., 20 bis 22.15 Uhr: Das Gerücht. Letzte Nachrichten. Eine Auslobung Hitlers. München, 6. Sept. (Funkspruch.) Im „Dölw scheu Beobachter" veröffentlicht Adolf Hitler einen längeren Artikel zu den Bombenanschlägen, worin er u. a. mitteilt, daß d i e Leitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei eine Prämie in Höhe von 10 000 Mark für denjenigen aussetzt, „der Beweise und Unterlagen dafür liefert, daß diese Anschläge von neupreußischen Behörden selbst inszeniert werden". Außerdem setzt die Parteileitung eine Prämie von 2000 Mark aus zur Belohnung für denjenigen Parteigenossen, der irgendwelche Mitteilungen zu machen in der Lage ist, die zur Ergreifung der Bombenleger geeignet sind. Gew'»nnauszug 5. Klasse 33. Preußisch-Süddeutsche (259. Preuß.) Klaffen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 25. Ziehungstag 5. September 1929 3n der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 (toDinne zu 6000 W. 9858 1 74640 8 Gewinnezu 3000 M. 62568 61361 241613 369112 24 Gewinne »a 2000 M. 2216 16120 80682 108712 116394 132932 140670 208954 238150 286899 303641 321603 40 Gewinn- au 1000 M. 16356 22462 36744 45849 71707 89681 94846 96125 111709 121648 138741 174973 211753 226357 258010 267738 357540 379621 386498 395588 92 Gewinne «u 600 W. 4816 6886 40449 40927 42855 49065 63849 79467 80052 82024 84068 84707 91734 94872 100907 101919 116300 121239 122331 128660 137710 162294 193214 202243 204417 217063 226996 242268 258930 261793 270004 275115 283904 285445 294758 302944 310870 330168 341398 346209 351634 360039 371987 878066 387695 393711 214 Gewinne zu 300 M. 1166 12050 19346 20503 23862 26027 26230 27268 30679 33667 33721 34832 38335 40271 46938 49930 53175 68199 68198 71614 78593 79028 83167 90477 92476 97769 100098 110136 114916 118625 119622 126798 127612 133414 134287 135819 136310 136369 140982 143480 145212 145324 146653 147094 147626 152348 158341 159257 163042 163278 167748 169352 176667 183557 190929 193393 195489 197020 198755 199490 205008 209663 210717 216651 222283 223129 227056 234295 239143 246055 246280 246605 248561 249567 253842 255881 263307 277937 283995 296682 300280 300684 302229 304087 305494 307497 308092 329692 331564 335044 335057 335305 344962 347592 348308 350687 351886 361294 371468 373338 382192 386945 393242 394028 396556 398817 399503 Ön der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinn« ,u 10000 M. 197701 338058 2 Gewinne zv 5000 M. 223658 10 Gewinne zu 2000 M. 18824 159910 216418 229679 313126 22 Gewinne zu 1000 M. 10095 28864 70889 140688 176265 219710 293677 308106 340998 344448 356489 110 Gewinn, in 600 M. 26358 35306 35422 37114 45674 61691 70905 80483 80936 81594 97206 104636 107462 123640 124093 124830 137392 138944 160964 165068 160510 172216 197070 202246 207200 207510 212262 221347 235998 239964 241750 242270 249662 250959 258284 269169 284248 292423 300356 311863 324416 327532 328382 348977 351418 355398 360825 361860 366781 369563 378460 385310 389508 393510 397709 194 Gewinne zu 300 M. 2267 6079 6628 10235 11268 17967 18114 21880 24757 44286 60931 64449 57405 59275 60288 60956 68534 82002 83040 91004 95663 99167 99410 101262 111675 117077 141866 143193 143960 145237 145670 146576 146741 148706 167438 169828 168620 171189 180190 201469 201476 201668 203266 207613 208042 208378 210814 218726 224671 227483 228391 240162 244159 248542 248677 250401 251104 255264 263883 266317 269871 270103 270461 270608 276591 280820 281639 283202 295486 297704 303202 306827 310316 312558 317689 322001 322341 329396 332283 336746 336824 340715 341244 343343 346698 349856 356939 356826 358429 362686 366112 373762 380600 389895 390946 396230 399277 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 zu je 75000, 12 zu je 10000, 12 zu e 5000, 48 zu |e 3000, 70 zu je 2000, 260 zu je 1000, 684 zu je 600, 1402 zu je 300 M. Gewinnauszug 5. Klasse 33. Preußisch-Süddeutsche (259. Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 26. Ziehungstag 6. September 1929 Ön der Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 s«vlnne in 76000 M. 276416 2 D«wiune zu 6000 M. 36733 4 Gewinne in 3000 M. 6882 295593 6 Gewinn« zu 2000 M. 226904 244812 359914 48 Gewinn« zu 1000 M. 29320 41697 56815 84580 86407 91533 99334 137502 155988 183928 185541 199086 199134 223523 225820 227437 257040 260484 299770 302852 306886 336385 349991 397801 98 Gewinne zu 500 M. 609 6176 11992 14757 28753 46747 66692 88340 90408 107271 119051 120586 136291 161293 163832 165965 156268 163269 163978 171429 176592 189649 203616 220171 229170 229351 245360 255529 256029 268312 280609 285336 296985 313116 319605 326859 331211 331337 338388 342261 347045 350637 354504 356896 361038 363402 377935 387744 399444 276 Gewinn, zu 300 M. 3031 7383 7524 8249 11084 12919 16617 17108 22858 26314 27779 33005 33329 34207 34545 38858 39422 44315 46147 46753 47265 47345 48235 49281 53271 60861 61630 65417 70490 75573 79000 85587 89593 90575 110307 116109 115566 123182 126213 126637 128781 129571 130525 137978 143641 146146 147088 147680 153759 154257 164757 155330 167638 161154 162954 165179 169209 169263 180147 180349 186110 191244 191703 194932 195475 197950 201309 201818 202620 205937 206845 209058 213701 215418 219684 221923 226769 231863 232169 232190 233212 235449 240166 240447 240739 245681 250099 253167 264234 271505 273415 276388 276634 278989 286350 289115 305350 307342 311855 313779 319063 320610 325851 326505 328548 328799 330941 336663 337419 339117 340021 341082 347675 348173 349345 350333 351694 361024 361766 362665 363268 364279 366758 367626 368152 369461 373053 373823 375680 380852 381284 389475 390990 392050 393747 396726 397407 399518 Ön der Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinne zu 6000 M. 205078 279908 6 Gewinne zu 3000 M. 95781 173855 319940 4 Gewinn« zu 2000 M. 212053 300591 36 Gewinn- zu 1000 M. 21403 40756 66224 79526 83212 105177 121334 138519 145393 184786 206745 221088 250122 253319 298194 316303 342048 389633 72 Gewinn« zu 500 W. 7429 15290 35207 37352 52637 79646 86887 93833 95053 133211 136731 166568 168926 171264 174811 189775 210422 213059 226235 270166 291266 297796 302093 306506 306725 313748 318977 319874 335101 335127 347130 369332 384151 384309 386609 388275 184 Gewinne zu 300 M. 106 14119 18107 19936 33664 45005 57551 69921 61449 61899 63008 67220 71166 72868 79130 86902 88098 88805 93164 96285 98892 100672 103176 106062 117499 117652 123247 124010 125761 134530 148923 161019 163425 164184 162253 163291 164186 173722 176167 188280 192548 193578 194439 207084 209000 212230 212803 223065 224792 229402 246287 249579 252430 253500 258144 263879 268795 273332 277201 281163 281789 283419 286202 293191 294239 296749 303678 305048 305414 311239 313598 318960 323769 332256 333104 337581 337627 337704 345252 350858 353649 354503 355291 360706 377651 378219 386040 386261 387380 388929 392654 394984 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 12 zu je 10000, 6 zu je 5000, 88 zu je 8000, 60 zu je 2000, 176 zu je 1000, 614 zu je 500, 942 zu je 800 M. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 7,5 Prozent, Lombardzinsfuß 8,5 Prozent. iirantsun a M. Berlin Schluß» Kurs l-UDT Kurs Schlub-1 Kurs | Anfang. Kurs Datum 6.9. 7.9. 6 9. 7.9. 6% $t. tJteld)flanh?ü)e o. - - Dl. Anl.-Ablös.-Schuld mit AuS- 87,4 53,5 87,5 53,6 53,4 534*5 10,15 $e8flL ohne AuSlos.-Rechte , . . 1% Franls. Hyp.-Bk. Goldps. un- 10,7 10,5 kündbar bis 1932....... *7,% Rheinische Hyp.-Bank Liqu- 85,5 — — Goldps............ S.E.G. aba. Borkriegr-Obligation., rückzahlbar 1032 ...... 78,25 — — — 88 — — — 4% Schweiz. BundeSb.-Ani.. . . 99 — — — 4% Lesterrelchifche Goldrte.. . . 29 — 29 —— 2,35 ■■e 4% Oesterreich, einheill. Rte. . . — — — 22,75 — 22,8 4% Üngarijche EtaatSr. v. 1910 . — 20 — — ■ । - 22 4% Ungarische Kronenrte..... 1,7 7,5 — 1,7 — 4% Türk. Zollanleihe v. 1911 . . 4% Türkische Bagdadbahn-Ani., — 7,45 Serie 1........... — — 7,5 —- 4% deSgl. Serie 11....... — — 7,5 — 4% Rumänen converi. Rte. . . . 7,35 — —— —— 4'/2% Rumänen OoIbanL von 1913 — 15 — dlg. Deutsche Eisenbahn . . 4% — — — — Hamburg-Amerila Paket ... 8 Hamb.-Südam. Dampfsch. . . 8 — — 117,25 117,25 — — 184 181 Hansa Dampfschiff.....10 —— — 158 158,5 Norddeutscher Lloyd.....k 110.75 110,75 111 110,25 Allg. Deutsche Eredilanst. . . 10 125,5 — 125,25 125,5 Barmer BauU-erein .... 10 Berliner Handeirgesellfch. . . 12 — — 127 127 206 — 206 205,5 Commerz, und Privai-Bank. 11 177 5 177 177,5 177 Darmst. u. Nationalbank . . 12 271 —— 270 270 165,5 151,5 166 152 166 152 Di-konto-Gesellschaft Ant.. . 10 — Dresdner Bank ..»••• 1° 167 — 158,5 157 Metallbau!.#•••••• • ® — — — — Relchöbank ..•••••• 12 299 — 297 298 ftranttun a M. Berlin Schluß» Kurö l-Uhc Kurs Schlup- Kurs Anfang» Kurs Datum | 6.9. 7.9. 6.9. 7-9. A.E.G............8| 193,9 193,5 194 193,25 Bergmann.........9 —— — 225,75 170,5 227,6 Elektr. Lieferungen. .... 10] — — 169,5 Licht und Kvstt ...... 101 211 — 210 — Fellen & Guilleaume. .... 6 Ges. s. Elektr. Unlern.....10j 138,5 — 138,75 — 213,5 —— 215,5 — Hamb. Elektr. Werke .... 101 — — 145,75 — Rhein. Elektr.........9| — — 149 150 Schles. Elektr........10 — — 187,25 189,5 Schu^-l..........8 228 —— 228,25 229 Siemens 4 Halske.....12 388 389 388 389,25 — — — 171,5 171 145,25 BuderuS...... 5 75,25 74,25 Deutsche Erdöl.......6 —— — 114 114,25 Essener Steinkohle ...... 5 — — 141 — Gelsenkirchener ... f. % 3 4 143,5 144 143,5 144,25 Harpener.......... 6 147,5 — 147,75 166,5 Harsch Eisen. ...... ..8 — — 133,25 134,5 Ilse Bergbau ........ 8 Klücknerwerke ........ 7 214 116,25 214 117 116,5 Köln-Neuesten. ....... 9 — — 129,5 130,5 Mannesmann........8 117 — 116,65 117,25 ManSselder.........7 Obersch'-es. Eisenb. Bedarf. . . b 138,5 — 137,5 137,75 — —— 86,5 — Oberschlcj. Kokswerke.....6 — —- 105,4 104,5 Phönix Bergbau......6% Rheinische Braunkohlen. . . 10 Rheinstahl . - - s.'/. Jährst 109 — 109,25 109,6 266 — 266,5 26/ — — 127 126 Riebeck Montan......7,2 — — — — Bereinigte Stahllo......i 117,75 — 117,75 117,6 — 71,25 71,6 Kalt Aschersleben.....10 228,5 — 229,5 — Kali Westeregeln......10 233,5 — 235 237 Kaliwerk Salzbetsurth ... 16 383 — 385,75 386,5 I. ®. Farben-Industria ... 12 221,25 221 221,65 221,4 Dynamit Nobel ....... 6 105 —— Scheldeanstall........9 152,75 — Goldschmidt ........5 75 — 76,25 74 Ruigcrswerke ........ 6 81,75 81,75 82,25 82,5 Metallgesellschast. . . • . . U 124 124,75 — Banknoten. Franlsun a M. Berlin Schlub» i-Uhr Schlub's Anfang. Kurs Kurs. Kurs | Kurs Datum 6.9. 7-9. 6.9. 7-9. Philipp Holzmann . . . Heidelberger Eement . . . . 10 103 — 103 Cement Karlstadt . . . . . . 8 — — — — Waytz 4 Freitag.... . . 10 — 101 103,5 — Schultheis Patzenhofer . • . 15 — -- 293 292,5 Ostwerke....... . . 12 — — 230 228,5 Der. Glanzstoss .... . . 18 336 332 335 332 . . 14 — — 265,5 257 Zellstoss Waldhos . . . . . 12 — 237,25 237,5 238 Zellstoff Aschaffenburg . . . 12 157 —— 155 — Charlottenburger Wasser ... 7 — — 106,5 105,5 Dessauer Gas..... ... 8 — — 195,25 193,6 Daimler Motoren . . . . . . 0 51 50 50,5 — Deutsche Maschincn-Fabrik . . 0 — 4,75 54,75 Adlerwerle Klever . . . ... 5 41,5 — 41,13 41 Ludw. Loewe..... . . 10 — — 206 — Nat. Automobil .... . . . o — Orenstein 4 Koppel . . . . . 6 — — 87,65 Leonhard Tietz . . . . ... 6 — 193,5 193,25 Bamag-Meguin . . . . Franks. Maschinen . . . . . . 0 ... 6 541 — 54 — Gritzner....... . . 11 60,5 —— 59,25 Heyltaenstaedt . . . • . . . 0 8,7 — — Iunghan»....... ... 4 63,25 — — — Lechwerke..... • ... 8 106 — — — Mainkrajtwerke . • • • ... 8 105,25 — — — . . 10 124,5 — 125,5 124,5 Nekarsulmer..... ... 8 —— — — —— Peter» Union..... ... 8 — — — — Gebr. Roeder..... . . 10 110 — — —■ Coigt 4 Haeffner . . • ... 8 222 — 222 —— Südd. Zucker..... ... 8 158,75 158,5 158,75 — Berlin, 6. September Geld «rief Amerikanische Noten..... 4,176 4,196 Belgische Noten ....... 58,18 58,42 Dänische Noten........ 111,48 111,92 Euulische Roten........ 20,307 20,387 Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Berlin, 6. September Geld Brief Französische 'Noten..... 16,407 16,467 Holländische Noten...... 167,82 168,50 (italienische Noten...... 21,98 22,06 Norwegische Noten...... 111,45 111,89 Deutsch Ocsterr, ä 100 Kronen 58.90 59,14 Rumänische Noten...... 2,48 2,50 Schwedische Noten...... 112,13 112,57 80,65 80,97 61,70 61/94 Tschechoslowakische Noten .. 12'38 12^44 Ungarische Noten . . • 73,00 73,30 6. September 7. September Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld 1 Brie! Geld Brief Amst-. Rott. 168,16 168,50 168,07 168,41 Buen. AireS 1,760 1,764 1,759 1,763 Brfl.-Antw- 58,31 58,43 58,29 58,41 Christiania. 111,72 111,94 111,91 111,68 111,90 Kopenhagen 111,69 111,64 111,86 Stockholm . 112,39 112,61 112,32 112,54 Helsingfors. 10,546 10,566 10,538 10,554 Italien. . . 21,95 21,99 21,935 20,335 21,975 London. . . 20,341 20,381 20,375 Neuyork . . 4,197 4,205 4,1955 4,2035 Paris.... 16,42 16,46 16,405 16,445 Schwerz .. 80,78 80,94 80,77 80,93 Spanien. . 61,79 61,91 61,77 61,89 Japan . . . Rio de Jan. 1,958 1,962 1,962 1,966 0,4975 0,4995 0,497 0,499 Wien in D-- Oest. abgest. 59,08 59,20 59,07 59,18 Prag . . . . Bclzrad . . 12,421 12,441 12,418 12,438 7,373 7,387 7,371 7,385 Budapest. . 73,215 73,355 73,20 73,34 Bulgarien . 3,034 3,040 3,034 3,040 Lissabon 18,77 18,81 18,77 18,81 Danzig. . . 81,32 81,48 81,32 81,48 Konstantin. 2,023 2,027 2,028 2,032 Athen. . 5,425 5,435 5,425 5,435 Canada . . 4,171 4,179 4,169 4,177 Uruguay. . 4,096 4,104 4,089 4,094 Cairo . . 0,866 20,906 20,86 20,90 Ohne. Oöhlacfo, ökne Grus. 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Dann sprachen wir über landwirtschaftliche Angelegenheiten. ilngesucht und ungezwungen war unsere Unterhaltung ... So ganz anders als vorhin auf dem Schlosse. Hier war. wonach ich mich gesehnt hotte, und was ich do drüben nie finden würde: die Natur und Urwüchsigkeit des Landes. Nach mir und meinen Angelegenheiten fragte keiner mit einem Worte. Nur, als ich mich endlich erhob und der Alte mich mit einer Kerze die steile Treppe hinauf auf mein Zimmer geleitete, meinte er. sich mit einer gewissen Verlegenheit in den borstigen Haaren kraulend: „Die sind gelernter Kaufmann, nich?" Und als ich bejahte: „Und haben schon 3fjt eijnes Geschäft jehabt. un 'n jroßes sojar? Hm . .. deshalb hat er auch Sie jewähll. Er hatte so viel Bewerbungen, 's waren auch manche hier ... tücht'je Leut' — das muß man sagen. Aber er wollt' jrad Sie un keinen andren nich." ..Aber ich bin doch nicht als Kaufmann hier sondern als Landwirt." „Als Landwirt ... hm ... na ... wir werden ja sehn." Er stellte das Licht auf den Tisch und wünschte mir gute Nacht. Ich hatte die flackernde Kerze gelöscht und mich an das offene Fenster gesetzt. Lau und weich war die Nacht. Himmel und Erde schliefen, wie ein graues Gespenst lag der Nebel auf den unmittelbar an dos Gehöft sich anschließenden Aeckern und Feldern. Leichte Wolkenfehen glitten am Himmel dahin, bedeckten die abnehmend« Mondsichel, liehen sic wieder frei, drüben vom herrschaftlichen Parke her llang der melancholische Nuf eines Käuzchens. Allerlei Gedanken geisterten mir durch den Kopf. Das Gespräch lebte auf, das ich da drüben im '"stilvoll eingerichteten Etzsaal mit der jungen Dame des Hauses gehabt. Dann wieder fragte ich mich, was wohl der alte Kämmerer mit seinen wunderlichen Andeutungen gemeint haben mochte. Schließlich fühlte ich, daß ich am Fenster ein- geschlasen war, kleidete mich schnell aus und versank in einen Berg von Betten. 3m Kämmererhause kennt man den Luxus gründunkelnder Laden nicht, auch nicht den dichter Vorhänge. Mit prallen Händen griff in aller Herrgottsfrühe die Morgensonne durch die Fen- sterschsiben über mein Bett dahin und weckte mich. Unten vom Hose her vernahm ich die dröhnende. aber ruhige Stimme des Kämmerers, der in unverfälschtem Osivreußisch den Leuten seine Anweisungen gab. Bold darauf hörte ich das Gepolter eines Wogens, der. mit vier kräftigen Pferden bespannt, über das holperige Pflaster der Dorfstroße dohinratterte. Nun pochte auch bereits das dralle Mädchen von Kämmerers an die Tür und brachte mir dos prachtvoll ländliche Frühstück, eine kräftige Nog- genmehlsuvpe, Brot. Butter und Wurst. Ich beeilte mich und traf den Kämmerer gerade noch, als er im Begriff war, den Hof . zu verlassen. Er führte mich zuerst in die Stäille und Scheunen, zeigte mir die Nemisen und Maschinen, dann begleitete ich ihn auf den Acker, mit dessen Bestellung er heute fertig zu werden hofft. ilcberail hatte ich Gelegenheit, die Sicherheit, mit der er seine Anordnungen trifft, und das Geschick zugleich zu bewundern, mit denen er den Leuten begegnet. Er scheint eine Selbständigkeit zu besitzen, wie ich sie sonst bei einem Hofkam- mercr nicht gefunden habe. Dabei ist ein Inspektor in Tannenwalde. Aber der Kämmerer ist ihm überlegen und tut ihn mit höflicher Nebensächlichkeit ab. Schon auf diesem ersten Gange muhte ich mich unwillkürlich fragen, wozu. ich wohl hierhergerufen wäre und welch «ine Stellung ich neben diesem, die ganze Lage meisternden Manne ein* nehmen würde. linö dann war es noch etwas anderes, was mir zu denken gab: ich hatte mir Tannenwald« als ein auf höchster Kulturstufe stehendes Gut vorgestellt und fand mich schon bei dieser ersten Besichtigung enttäuscht. Wohl herrschte auf dem Hofe und in den Ställen eine gute Ordnung, aber die Pferde im Kutschstall waren überfüttert und dadurch aus der ursprünglichen Form und Nasse geraten, die Ackerpferde waren, im Gegensatz dazu, abgetrieben und mit Ausnahme von einem Gesvonn durchweg schlecht gehalten. 3m Kuhsta.'l fehlte es an der nötigen Bewegungsfreiheit für dos Vieh: unübersichtlich und jenes Behagens bar, das für einen guten Kuh- sto l die Hauptsache ist, standen die Tiere eins neben das andere gepfercht, rieben sich aneinander und hatten, wenn sie sich niederlegten, auf der mäßigen Spreu nicht die für ihr Gedeihen notwendige Gelegenheit zum Ausruhen. Geradeso verhält es sich mit der Außenwirtschaft.^ Wohl wurde auf den Feldern mit Fleiß und Eifer gearbeitet, wohl waren alle neuzeitlichen landwirtschaftlichen Maschinen vorhanden, aber der ganz« Betrieb hatte etwas Schablonenhaftes, Handwerksmäßiges und bewegte sich lediglich in den hergebrachten Bahnen, die mit ängstlicher Sorgsamkeit eingehalten wurden. Der schöpferische Geist, der Blick ins Groß« und Weite, wie man ihn auf Oertzens kleinern Gute auf jedem Acker, jeder Scholle spürte, fehlte hier. Wir halten einen großen Teil des Gutes durchschritten und waren hart an die Grenze gelangt, an der Tannenwälder Gespanne mit Eggen beschäftigt waren, als ich auf der hart an den Feldern vorbeiführenden Landstraße einen Selbstfahrer in scharfem Trab daherkommen sah. „Der Herr," sagte der Kämmerer und blieb stehen, indes der Wagen dicht an uns heranfuhr. „Guten Morgen, Kämmerer." ..Guten Morgen. Herr Hauptmann." gab der Kämmerer zurück, indem er die Müye lüftete. „Ah ... das ist unser neue Herr Direktor." begrüßte mich der Besitzer von Tannenwalde und reichte mir die in einem stark ausgebleichten Lederhandschuh steckende Hand vorn Wagen herab. „Nun, hat der Kämmerer Sie schon «in wenig eingeführt und sind Sie zufrieden . .. wie?" Er wartete keine Antwort von mir ab. sondern wandte sich wieder zu dem Alten, mit dem er allerlei wirtschaftliche Angelegenheiten besprach. Ich stand, da man mich nicht weiter in die Unterredung zog und das unruhige Pferd den Wagen bereits mehrere Schritte vorwärtsgezogen hatte, ein wenig abseits, konnte die einzelnen Worte der ziemlich leis« geführten Unterhaltung also nicht vernehmen. Wohl aber fiel mir die schnelle, karge Axt auf. mit der Herr Hollwede feine Anweisungen gab und sie mehrere Male mit einer energischen Handbewegung unterstrich. Nach einer Weile grüßte er flüchtig, zog die Leine an und.hob die Peitsche. Aber bevor sich der Wagen in'Tewegung setzte, wandte er sich noch einmal zu mir hinüber: „Ich möchte Sie bitten, heute mittag um elf Uhr in mein Arbeitszimmer zu kommen. Da können wir alles Nähere besprechen. Guten Morgen." —r-- Punkt elf Uhr ließ ich mich bei Herrn Hollwede melden. An einem Schreibtische, der dem weitgeöffneten hohen Bogenfenster gegenüberftanb und einen ungehinderten Blick auf den im ersten Frühlingsgrün knospenden Garten freigab, saß Herr Hollwede, einem jungen Mädchen ein Stenogramm diktierend und inzwischen einem älteren starkbeleibten Herrn, anscheinend seinem Sekretär. Weisungen gebend. „Einen Augenblick noch bitte ich, sich zu gedulden." rief er zu mir hinüber. ..Unter den vorgeschlagenen Bedingungen," diktierte er fast gleichzeitig weiter, „wäre ich bereit, die zwölf Waggons Mais abzunehmen. Wir könnten die Hälfte bar bezahlen, nicht wahr, Nellstab? Die andere Hälfte würden wir auf Kredit nehmen." Der Sekretär verneigt« sich unterwürfig. „Gewiß, Herr Hauptmann." „Die eine Hälfte gegen bar, die andere auf Kredit," diktierte Herr Hollwede. „WaS läge sonst noch vor?" „Herr Hauptmann wollten noch Ihre Bestimmungen wegen des Kunstdüngers und Kalis treffen.“ „Wie steht es mit unserem Bedarf?" „Er ist gedeckt." „Das sagen Sie immer. Aber Die vergessen, daß es heute die Hcucptsache ist, Vorräte hinzulegen, soviel als man irgend bekommen kann." Wieder neigte sich der blinkende Schädel. Der Fernrufer läutete. „Den Herrn Hauptmann selber? Ich weih nicht „Wer ist denn daran?" „Die Ostdeutsche Dank für Handel und Gewerbe." „Geben Sie!" Mit gespannter Aufmerksamkeit hörte Herr Hollwede, jede Muskel seines Gesichtes straffte sich. Dann gab er seine Aufträge, schnell, kurz I und bestimmt. I Das jungS Mädchen hatte inzwischen den efccÄ diktierten Brief auf der Maschine geschrieben und brachte ihn zur Unterschrift. Er winkte ab. „Der Dollar wird immer fester.'* wandte er sich an den Sekretär, indem er den Hörer fortlegte. „Die Geldentwertung schreitet rapide vor. Wir dürfen nur die notwendigsten Barbestände für Auszahlung der Löhne und den Tagesbedarf behalten. Alles andere muß um- gesetzt werden, und zwar sofort. Ich habe der Bank die nötigen Anweisungen gegeben. Sie werden sich nachher Notizen machen, und Sie, Fräulein Tie ander, werden alles schriftlich bestätigen.'* „Diktat, Fräulein Neander. An Solmsen & Co.: Sie sollen außer Kunstdünger und Kali Phos- phorsäuve und Stickstoff übersenden und sofort drahten, wieviel sie abgeben können. Wir nehmen jedes Quantum — haben Sie?" „Jawohl, Herr Hauptmann." „Nun an Kveissig und Söhn«: f5ic möchten Kohlen senden und ebenfalls drahten, wieviel Waggons sie liefern können.“ Der Sekretär hüstelte und führte die mageren Finger an die Lippen. Sine wachsende Derlegen- heit lag auf seinem zerknitterten Gesicht. „Es ist unmöglich, Herr Hauptmann, allen diesen Aufträgen auch nur annähernd gerecht zu werden," brachte er nach langem inneren Kampfe hervor, „wir müssen unfern Noggen verkaufen. Vielleicht auch den Weizen." „Alle Getreidedorräte bleiben unberührt. Wir verkaufen auch nicht einen Zentner. Es wäre noch schöner, wo wir die günstigste Konjunktur mit aller Nuhe abwarten können." „Ja. aber wovon —?" „Auf Kredit, mein Lieber —" „Solmsen & Co. machten bereits das letztemal Schwierigkeiten". „Nun, dann tut «s Delzig oder ein anderer. Ich meine, mein Gut und meine Wälder bieten Hintergrund genug. Auf die kann ich jederzeit soviel Kredit aufnehmen, wie ich will. Können Sie denn immer noch nicht begreifen, was ich Ihnen so oft klarzumachen versucht: daß Schuldenmachen heute das Billigste ist? Hnb nun machen Sie Schluß! Ich habe mit dem Herrn dort noch allein zu verhandeln. Hebtigend. ich vergaß vorzustellen: Herr Körber — Fräulein Neander, meine bewährte Stenotypistin. Herr Nellstab, mein persönlicher Sekretär, ein ängstlicher und vorsorglicher, wie Sie wohl gemerkt haben, aber um so gewissenhafterer und zuverlässigerer Herr. Sie werden nod> viel miteinander zu tun haben, denn Herr Körber erhält Vollmacht und vertritt mich in allen einschlägigen Fällen." Der Sekretär machte mir eine tiefe Verbeugung, das kleine Fräulein, das ein wenig schief gewachsen war, aber ein verständiges Gesicht und kluge, mißtrauisch« Augen hatte, grüßte mit einer leichten, ein wenig schnippischen Kopfbe- weguny. Dann packten sie ihre Sachen zusammen und empfahlen sich. Herr Hollwede erhob sich von seinem Schreibsessel. Jetzt erst sah ich, von wie auffallender Gröhe seine sehnige, leicht bornübergeneigte Erscheinung war, welch ein Wille und Intelligenz in dem scharf gemeißelten Gesicht sich ausprägten. (Fortsetzung folgt.) ’ - ' 1 MME ,z’’*r4 ■ . A -KP ■ ■ \ - • . . <<<